Ar- 330. 34. Jahrg. Bezugspreis: Vierteljabrl. 4,502111, monaö. 1,50 Mk. frei WS Haus. vorauszablbarMnzelne dummem 10-Cfa. Postbezug: Mannte Uch ILO Mü'Unter Kreuzband für T eutlchland und Oosterrelch. Ungarn S,— Ml„ für daS übrige Ausland 4,50 MI. monatlich, B erfand ins Feld bei direkter Befiellung monatl, 1,50 iKI. Poftbeiiellungen nehmen an Däne» mart. Holland, Luxemburg, Schweden und dte Schweiz, Eingetragen in die Poft-ZeiUtngs-Preislifie. Erscheint täglich. Telegramm- Adresse: »Tozialdemokrat Berlin". Vevliuev VolkcsblAkk. � 10 pfsnnig) Der AuzeigenpreiS keträgi f, die stebengeibalteneKolonol- -eile 50 Pfg,„itlcine Anzeigen", das fettgedruckte Wort 20 Pfg. fzu- läffig 2 fettgedruckte Worte), jenes weitere Wort 10 Pig, Stellmgezuche imi Schlafftellenanzeigen dos erlic Wort 10 Pfg., jede? weitere WbriöPig, Worte über 15 Buchjiaben zäblen für zwei Worte. Teuerungszufchiag 20°/„, Familie»- Zlnzeigeu fit» Pig., politische u, gewer'ichaftliche Berein?> blnzeigen 40 Pfg die Zeile, Anzeigen für die nächste Stummer muffen bis Fi Uhr tiachmöt ün Hauptgeschäft, Berlin SW.'Zlli Lindeniiraste 3, abgegeben werden, Geöffnet von 5 Uhr früh bis 7 Uhr abend», Zentralorgan der roziatdemokratifcberi Partei Deiitfcblands. Neöaktiou: EW. SS» Linüenstraße 2. Sernivrecher- Amt Morttzplat,. Str. lSI SO— ISI 97. Sonntag» den A. Dezember INI?. expeüttion: EW. S8» LinSenstraße 2. Fernsprecher:«mc Mortöpla«, Nr. IS! SO— IS! S7. Rußland zum Sonderfrieden bereit. Wiederum heftige Schlacht bei Cambrai — Die Engländer in Gegenangriffen zurückgeworfen— Beiderseits Banteux die ersten feindlichen Linien durchstoßen, Dorf Gonnelieu genommen und gehalten — 4000 Gefangene— Italienische Angriffe gegen Monte Pertica. Ämtlich. Große- Hauptquarticr, I.Dezember 1S17. fW. T. SS.) Westlichoe Kriegsschauplatz. , Heeresgruppe Kronprinz Rupprecht. In Flandern blieb die Artillcrieiätigteit in mäßigen Grenzen. Südöstlich von A r r a s hielt daS verstärkte Feuer an. Die Schlacht bei Cambrai ist gestern erneut mit großer Heftigkeit entbrannt! Eigene Gegenangriffe zur Verbesserung unjercr Stellungen hatte» vollen Erfolg. Stärkste Feuerwirkung von Artillerie und Minenwcrscrn bahnte unserer Infanterie den Weg in die feindlichen Linien. Zwischen M o e u v r e s und B o u r l o u und von Fontaine und La Folie heraus warfen wir den Feind auf die Dörfer Graincourt» A u» e u x und C a» t a i u g zurück. Beiderseits vo» Banteux erstürmten unsere Truppen von der Schclde herauf die Höhen auf dem Wcstuser des Flusses, durchfließen die ersten feindlichen Linien und»ahmen die Dörfer Gonnelieu und Villers Guislain, Der zähe sich «ehrende Feind erlitt schwere Bcrlusie. 4000 Engländer wurden gefangen, mehrere Batterie» wurden erbeutet. Gcgenangriffe, die der Feind am Abend gegen Gönne- li e u auch unter Einsät» von Panzerwagen und Kavallerie führte, brachen verlustreich zusammen. scharfer Feuerkamps hielt auf dem Schlachtselde die Nacht hindurch an. Heeresgruppe Deutscher Kronprinz. Auf dem östlichen MaaSnfer war die Kampftätigkcit der Artillerien zeitweilig stark. Rittmeister Freiherr v. Richthoftn errang seinen KZ., Lrat- nant Klein seine» 22. Luftfirg. Oestlicher Kriegsschauplatz und Mazedonische Front keine größeren Kamvfhandfmigcn, Italienische Front. Angriffe der Italiener gegen den Monte Pertica scheiterte». Der Erste Generalquartiermeistrr. Ludcndorff. Abendbericht. Berlin, 1. Dezember 1917, abends. Amtlich. Zluf dem Schlachtfelde bei Cambrai sind starke englische Gegenangriffe gegen die von nns gestern genommenen Stellungenge- scheitert. Bon den anderen Fronten nichts Neues. Der österreichische Bericht» Wien, 1. Dezember 1V17.(W. T. B.) Amtlich wird verlautbart: Italienischer Kriegsschauplatz. Auf dem Monte Pertica wurden italienische Borstöße abgeschlagen. Oestlicher Kriegsschauplatz Unverändert. Albanien. Westlich von Korea vereitelten albanische Freischaren durch ungesäumt einsetzende Gegenstöße einen französischen Angriff. Der Chef des GeneralstabeS. vervollstä'nSigter Text öes russtsihen Aufrufs. Friedensverhandlungen am 1. Dezember— Sonderfrieden mit Deutschland. Ter Text des russischen Friedensvorschlages, den die österreichische Regierung veröffentlicht hat, ist nicht voll- stand i g. Es fehlt eine Reihe wichtiger Sätze, die wir nach einem TÜegramm der Petersburger Telegraplienagentur vom 29. Novenfber. wiedergegeben im Äopenhogencr„Socialdemo- kraten", nachtragen: An die kriegführenden Völker! Als Antwort aus unseren Borschlag, augenblicklich an allen Fronten Waffenstillstand zu schließen mit dem Ziel des s o f o r t i- gen Friedens ohne Annexionen nnd ohne Kriegscntschädi- gungen mit dem Recht für alle Nationen, frei über ihre Schicksale zu verfügen, schlägt der Sberstkmmnandierende Serondeleutnant Krylenko vor, den Beginn der Verhandlungen zu versckneven aus den IS. November(alten Stils, 1. Dezember»euer Zeitrechnung», damit man aufs neue den Regierungen der Alliierten ijor- schlagen kann, ihre Stellung zu den Friedensverhandlungen fest- zulegen. Die militärischen Operationen sind durch gegenseitige Vereinbarung eingestellt und es haben kei n er lei T r u p Pen ver schic b n n ge n in den letzten fünf Tagen stattfinden dürfen. Wir er- streben eine augenblickliche Antwort von den Arbeiterklassen in den alliierten Ländern: Wünschen Sie, daß am 1. Dezember Friedeiis- Verhandlungen eingeleitet werden sollen? Die Frage ist klar und deutlich gestellt. Soldaten, Proletarier, Arbeiter und Bauern! Wollt Ihr zu- sammen mit uns entscheidende Schritte zum Völketsricden tun? Wir. der Rat der Volkskonimissärc, wenden uns an die Arbeiter- Massen in Deutschland, Oc st erreich, Türkei und B u l- garicn. Der Friede, den wir vorschlagen, muh aus loyalem Verständnis beruhen, der jedem Volk freie Entwicklung seines öko- nomischen und kulturellen Lebens sichert. Ein solcher Friede kann nur geschlossen werden mit Hilfe eines direkten und inutigcn Kampfes der revolutionären Massen gegen die imperialistischen Pläne und Erobernngsbestrebungen. Die siegreiche Revolutionsregierung legt kein Gewicht darauf, von den professionellen Ausübern der kapitalistischen Diplomatie anerkannt zu werden, Die Antwort auf diese Frage(ob die Diplomatie Ausdruck der Bölkerwünsche ist Red. b.„Vorwärts") muh gegeben werden, aber keine Antwort in Worten, sondern eine Aniworl, die ihren Ausschlag durch Taten gibt. Das russische Heer und daS russische Volk will und kann nicht länger warten. Am 1. Dezember beginnen wir Friedcnsverhand- lungen, Wenn die Alliierten keine Bevollmächtigten senden, werden wir unS in Verhandlungen mit den Deutscheu allein einlassen. Wir erstreben den allgemeinen Frieden; aber wenn die Bonr- goisicu in den alliierten Ländern nns zwingen, einen Separat- frieden zu schlichen, so wird die Verantwortung dafür auf sie fallen. Soldaten, Arbeiter, Bauern in Frankreich. Italien, den Ver- einigten Staaten, Belgien und Serbien! Am 1. Dezember findet die Eröffming der Friedensverhandlungen statt. Wir erwarten Eure Bevollmächtigten, Handelt! Verliert nicht eine Stunde! Nieder mit dem Wiutcrfeldzug! Nieder mit dem Krieg! Es lebe der Frieden und die Mündigkeit der Volker! Mittlerweile lwt. wie bekannt, die gegenwärtige deutsche Regierung ihre Bereitwilligkeit erklärt, auf das russische Friedensangebot einzugehen und die deutsche Volks- Vertretung hat zu dieser Haltung der Regierung ihre Zustim- muug ausgesprochen. Es besteht daher für die deutschen Ar- beiter in diesem Augenblick kein Grund, auf den Sturz der Regierung hinzuarbeiten. Desto mehr besteht aber für sie und ihre Vertreter die Pflicht, in wachsamer Bereitschaft da- für zu sorgen, daß die Verhandlungen in wahrhaft de- m o k r a t i s ch e m G e i st e geführt werden» damit das er» strebte iZel auch wirklich erreicht wird. Vertagung öes Reichstags. Ter Reichstag hat sich gestern gegen den entschiedenen Widerspruch der sozialdemokratischen Fraktion und der Nnab- hüngigen vertagt. Tic Gründe dieses Widerspruchs sind aus denn Bericht er» kenntlich und überdies ausserordentlich einleuchtend. Wäh° rend über den Frieden im Osten entschieden wird, muss der Reichstag beisammen bleiben! Erreicht wurde aber nur, daß der Präsident erklärte, eine lange Vertagung sei nicht beabsichtigt und die Einladung zur nächsten Sitzung werde epentnell telegraphisch erfolgen. Verschärft wurde der Widerstand der Sozialdemokraten durch gewisse Vorgänge in der Haushaltskommission, die Litauen betreffen, und einstweilen vertraulich behandelt werden. Es handelte sich um einen Tatbestand, der von Cohn (Unabh. Soz.) vorgetragen, von Erzberger bestätigt wurde, und der Scheide mann zu der Bemerkung veran- laßte, die Politik müsse in der Wilhelmstrasse und nickst im Hauvtouartier gemächt werden. Inzwischen werden ja bofsent- lich die Friedensunterhaltungen mit Russland beginnen, und da wird sich bald herausstellen, daß man mit der bolschewisti» schen Regierung nicht nach Methoden der Geheim» diplomatie verhandeln kann. Krbeitskammern. Von Robert Schmidt. Zu den sozialpolitischen Aufgaben, die gegenwärtig ist den Vordergrund des Interesses gerückt sind, gehört u. a. die Errichtung von Arbeitskammern. Es handelt sich dabei um eine alte Forderung der Arbeiter. Sie ist von den Vertretern der sozialdemokratischen Fraktion wiederholt im Reichstag? erhoben worden und erhielt ihre erste Formulierung in dein Arbeiterschutzgesetz-Entivurf der sozialdemokratischen Partei vom Jahre 1885. Tie Regierung hat ihre anfänglich ableh- ncnde Haltung in der Frage ausgegeben; sie bat auch zweimal einen Gejetzentwurf auf Schaffung einer gesetzlich anerkmin- ten Arbeitervertretung dein Reichstag vorgelegt. Ter letzte Entwurf scheiterte an dem Widerstände der Rcgrerung�er die Beschlüsse des Reichstags zu weit gingen. Im wesentlichen handelte es sich um die liöchst kleinlichen Streitfragen, ob Arbeitersekretäre in die Arbeitskammer gewählt werden dürften und ob die Arbeitskammcr sich auch auf die Angestellten in staatlichen Betrieben erstrecken sollte. Da nunmehr die Frage der Schaffung einer Interessen- Vertretung der Arbeiter wieder aktuell geworden ist und die Regierung ihren Widerspruch in den oben erwähnten Fragen aufgegeben hat, erschien es angebracht, daß die interessierten Kreise ihre Wünsche in präziser Farm zum Ausdruck bringen. T a s i st i u z w i s ch c n g e s ch e h c u. Es si nd die sämtlichen Gewerkschaftsgruppen und Angestelltenverbände zusammen- getreten, um— unter Anlehnung an den ehemaligen Regie- rungseiitwurf— eine Neuformulierimg des Gesetzes durchzst- arbeiten. Tiefe Neugestaltung des Gesetzentwurfs soll dem Reichstag unterbreitet werden und bei der Einstimmigkeit, mit der in dieser Frage die Wünsche in Arbeiter- und Ange- sielltenkreisen erhaben werden, ist anzünehmen, daß diesen Wünschen nunmehr Rechnung getragen werden wird. Aus dem Inhalt des alisgearbeiteten Entwurfs mögen folgende, von dem alten Arboitskammer-Gesetzentwurf gmnd- sätzlich abweichende Forderungen hier hervorgehoben werden: Ter neue Entwurf hebt die Bildung der Arbeitskammern nach Berufen ans und fordert die Bildung nach Bezirken. Dabei soll der Berufseigentümlichkeit dadurch Rechnung getragen werden, daß die Kammern für die einzelnen Gewerbezweige, für Ämid- und Forstwirtschaft, für technische nnd kaufmännische Angestellte, besondere Abteilungen bilden. Ter Organisation ist durch diese Acnderimg eine breitere Grundlage gegeben und ein umfassendes Gebiet zu praktischer Wirksamkeit eröffnet. Natürlich sollen auch die in Gemeinde- und Staats- betrieben beschäftigten Arbeiter und Angestellten den Arbeits- kammern angeschlossen Vierden. Es bleibt also keine Berufs- griippe ausserhalb des Tätigkeitsgebietes der Arbeitskammern. lieber die Aufgaben der Arbeitskammern sagt der ij 2 des Gesetzentwurfs folgendes; Insonderheit gehört zu ven Ausgasten der Arbeitskammern und der Abteilungen(K 16): 1. ein gedeihliches BerhÄtnis zwischen Arbeitgebern und Arbeitnehmern zu fordern; 2. die Staats- und Gemeiudestehorden in der Förderung der im§ 1 bezeichneten Interessen durch tatsächliche Mitteilungen und Erstattung von Gutachten zu unterstützen. Auf Ansuchen der Staats- und Gemcindcvrhörden haben sie bei Erhebungen über die gewerblichen und wirtschaftlichen Verhältnisse in ibrem Be- zirke mitzuwirken sowie Gutachten zu erstatten insbesondere über a) den Erlast von Vorschriften nns Grund von Ktz lüöb Abs. 2 und S, 105d, 105e Abs. 1. gsi 120, 12Üe, 128, 138», l»9c bis m, 154 Abs. 4 der Gewerbeordnung; tz 62 des Handels- gesetzbuches und von Bergpolizeivorschriften, die den Schutz des Lebens oder der Gesundheit der Arbeiter und die Auf- rechterhaltnng der guten Sitten und des Anstandes durch die Einrichtung des Betriebes bezivecken, sowie von«nt- sprechenden Polizei- und anderen Porschrifien ans Gruna der Reichs- nnd LrrOdebgeseygebung; h) die in ihrem Bezirke für die Auslegung von Verträgen und für die Erfüllung von Verbindlichkeiten zwischen Ar- deitgebern und Arbeitnehmern bestehende Verkehrssitte; 3. Wünsche und Anträge, die ihre Angelegenheiten(K 1) he« rühren, zu beraten; 4. Veranstaltungen und Mastnahmen, welche die Hebung der wirtschaftlichen Lage und der allgemeinen Wohlfahrt der Ar- beitnchmer zum Zwecke haben, anzuregen und auf Antrag der Vertreter der hierfür getrosfeiirn Einrichtungen an deren Ver- waltung mitzuwirken; 5. Mitwirkung bei der Regehmg des gewerblichen und kauftnännischcn Lehrlings- und Schulwesens, sowie Anteilnahme an der Schulverwoltung; 6. Förderung der Bestrebungen zum Abschluß von Tarif- Verträgen, insbesondere durch Sammlung von Material, sowie auf Anrufen der Beteiligten beim Abschluß von Tarifverträgen mitzuwirken; 7. die Errichtung von Fachausschüssen für die Hausindustrie und deren Tätigkeit, insbesondere durch Vereinbarung und Rege- lirag der Lohn- und Arbeftsbedingungen zu fördern; f-'i«? inS>tgew�rbHmähiig«n NrbeitSrKlchweiZ- >-tSTm*.; n.'jTitfmirfitng bei-ber Arbeitsvermittlung für die Krieg?. kefchgö igten? '''lH. E�ne.nntmg ovn'»milder stand igitl auf Ansuchen der Bc> Nj.'0!eit->!aminern'türmen selbständig Umfragen über die gemerfr'tfcj en und wrrtsch«ißtl«ikrn VcrhäUnifse in ihrem Bezirke vcrannÄtQ.� I'1-; Ar ix" l Ä«Mme rn! innen durch Be'chluß den von den Fach. oulfchüfstH sst die.ftflu-v tTb'istric als anzcm essen festgestellten Lchufätzen>>nast>ingliä>e K ras:-geben. Bekmimlich ist in ilrbmter- und Aiigestclltcnkreiseu die Meinuug febi- f�rk vertrvteu. daß eigentlich die Zusammen-- seyung. wie ftc fi'it i-ic Ar irirskammeru in Aussicht genommen üt' J-' sie in gleicher; �rhl Arbeiter resp. Angestellte und Unternestiner versieht— recht wenig begründet erscheint. �'fan verlaugte die Erl ichtung vou Arbeiterkammern, in der Arbeiter unst AngmstrWe ihre sozialpolitischen und wirtschaftspoliti'cheu Int-rechen feNsttandig erörtern und behanScln. Ter Entumri diesem Verlatigeu zu einem guten Teile entMxen. iuÄeur cr die Einrichtung treffen null, das die ArbeitSIammern nur aus den Arbeit nebirem bestetzeude desondere Abteilungen bilden, die— unabhängig vou dein CHnslnst der Unternehmer—, gewisse Anforderungen. Anträge ,uud Wünsche der Arbeiter und Angestellten allein beraten-»iid beschließen sollen. Die Aufgaben dieser Avteilungen lassen' sich kurz dahin zusammenfassen: Es sollen Wünsche und Ant»2>w der Arbeitnehmer für die Be- ratuug tu den Äestrmt Ard sttdkammern vorbereitet werden; es sollen«venttrell Erhelmwv» über Höhe der Löhne, die Auf- wendung für die Lebens haktun>»' sowie über dieDauer derArbeits- wit veranstaltet werden; es soll Ausgabe der Abteilungen sein seitens der Staats- und Genwuidebehörden gewünschte gutachtliche Aeuff.erungeri ab;ug.ebcil und schließlich sollen die Äbicilungeu die Setugmsie habet!. Anträge, die die Interessen der Arbeiter und Augestellten beesthreu. au die Staats- und sstemeindebehördeu oder rhre Organe zu richten. Danüt will der Entwurf bezwecken, daß enr gewisser AufgabcnkrciS. der zunächst nur die Arbeiter und Anchestelweu angcl?t. von diesen nnbecinilußt beraten wird und allem ihrer Beschlußfassung unterliegt... E,» sehr wichtiges ncneS Zkapitel n: dem Entminst bilden die Arbeiter u u d A n g e ft c l l t e n a u s s ch ü s s e, die Schlicht u n g S st e I f e Ii und die E: n i g u n g sn m t e r, Es sind das die Eil»? ichtun gen, die a.rs dem Hilfsdienstgesetz ,u veränderter Form und angepaßr den Verhältnissen zur Friedenszeit übernommen sind. Die Arbeiterausschüffe sollen in allen Betrieben mit 20 oder mehr Arbeit«,: obligatorisch errichtet werden. Des- gleichen soll für die Angestellten, falls mindestens zwanzig nach dem V. K. s. A. versicherrmgspflichrige Angestellte im Be triebe beschäftigt sind, ein besonderer Ausschuß gebildet werden. Diese Ausschüsse haben Anträge, Wünsche und Beschwerden der Arbeiter reist. Angestellten, die sich m-s Betricdseinrichtungen. Lohn- und ÄrbeitsverhAtnifje des Betriebes und seine Wohl- fahrt s-mrichiuilge« beziehen, zur Kenittniö de8 Unternehmers zu bringen, sich darüber zu'äußern und eine Vermittlung h eg ftfi Jufü�v Tie Schlichinngsstelle soll für einen kleineren Bezirk errictstet werde»:>hrc Wirksamkeit ist so gedacht, daß sie örtliche Differenzen ausgleichen soll. Entstehen in einem Betriebe Streitigkeiten icher Lohn- oder sonstige Arbeitsbedingungen und kommt eine Einigung durch den Ausschuß nicht Kuslandc. so kann, wenn ,ii chc beide Teile eine andere geeignete Stelle anrufen, von jedem die Schlichtungsstelle angerufen werden. Für kleinere Betriebe, für die ein Angestellten- oder ArbeiterauSschuß nicht st: Frage kommt, kann bei Differenzen die Schlichlungsstelle unmittelbar angerufen werden. Für die Zusammensetzung der SchlichtnugSslelle ist vorgesehen, daß vom Borsitzenden der Ar- beilskaiumer der Vorsitzende der Schlichtungsstelle berufen wird. Er darf weder Arbeitgeber noch Arbeirnehmer sein. Ihm werde» zwei ständige und mindestens ein unständiger Beisitzer beigegeben. Für die Kahl der Beisitzer kommt eine Pro- portionaiwabl in Anwendung. Das E i n i g« n g s a in t umfaßt den Bezirk einer Arbeits- kammer. Es soll befugt sein, bei wirtschaftlichen Streitig- keilen über die Bedingungen der Fortsetzung oder Wiederausnahme des Arbeitsverhältnisses Verhandlungen einzuleiten und eine» Schiedsspruch zu fällen. Das EittigungSamr dient auch in einzelnen StreUsällen. die bereits die»chlichtungS- stellen beschäftigt haben, als Berufungsinstanz. Die Parteien haben das Recht, bei den Verhandlungen vor den Schlichtungs- stellen und Einigungsämtern sich durch einen Beistand vertreten zu lassen. Damit ist die Möglichkeit geschaffen, daß Gemertschajtsai'.-zesteUte die Interessen der Mitglieder in fach- gemäßer Weise vertreten können. Im übrigen sieht der Entwurf die paritätische Zusammen- setzung der Slrbeitskammern vor. er will die zkosien der Einrichtung den: Reich auferlegen und fordert für die Verhand- lungen der Arbritskammern und ihrer Ableitungen die Oefientlichkelt, abgesehen davon, wenn es in besonderen Fällen geboten erscheint, die Oeffentlichkeit auszuschließen. Das wäre im wesentlichen der Inhalt des Gesetzentwurfs. Reichstag und Regierung werden nunmehr Gelegenheit haben, gerade an der Hand dieses Entwurfs eine wichtige Forderung der Arbeiter und Angestellten, deren Erfüllung schon zn lange dmausgeschoben worden ist. endlich zu erfüllen. Hoffen :mr. daß e-Z den vereinten Ärästcn der großen BerufSvereinc der Arbeiter und Angestellten gelingt, den Reichstag vou der Wichtigkeit dieser GesetzcSmateric zn überzeugen, damit end- lich der Schritt von den VersprechistigCli zur Tat getan wird. Vor deutsche Hegenstoß bei Cambrai. Brrliu. l. Dezember. Räch dem blutigen und völligen Scheitern der 10 grvhen englischen Flvndcrnschlachten»in die deuttchc U Bvot- bnii? und nnch der gemaltigrn Rirderlage dcr Ente-iteeinlieitvfront in Italien stellten dir vritischrn Vcrichie seit dem 20. Avvember Tag für Tag ihre» ÄnfangScrsvlg dei(kambrai als«röhten Sieg dce> Krieges an der Wrftfrrnt dar. Ihre Auntsprüche wiederholten täglich die Bedcntiing des gewonnenen HLhengrländrs bei Bourlon und Zentaiue, das unter Einsah stärtfter Infanterie- und Tantmassen lowic zahlreicher Kavallerie in ihre Hand kam. Tie hierbei erlit, tenen Bcrlvsie übertrafen dir der blutigsten Flandcrnfchlachte». Nack- dem bcreitsam 24. November der TurchbruchSvrrsuch rt(« gescheitert angesehen werden konnte, haben nnnmrhr am litz. November»rutsche Gegen st»tze den Engländern den größten Teil de» teuer erkanftrn Höhe»-- g c l ä n d c» wirdrr entrissen. Ter ffih zähe verteidigende Feind vermochte der deutschen In- santerie, die viit unverglcichliäiem Schwung die vom Feinde be-- sevten Höhen hinonstürmte, nicht standzuhalten. Kräftig vnterftüht durch die Artillerie, gelang es in erbitterten Kämpfen, südlich? MoeuvreS, die alte frühere Stellung wieder zu er- reichen und unsere Linie über die Khanssee A r r a s— l? a m- b r a i vorzuschieben. Unter schweren blutigen Serlnsten für die Engländer wurden sie aus Grainrvurt, Anneuz und Eantaing zurückgeworfen. Ter Gegenstoß, der von Süden her gegen die feindliche Einbrvchsstellc erfolgte, durchstieß die feindlichen Linien und führte zur Besehung der außerhalb unserer früheren Stellung liegenden Orte G o n n e l i e u und B illi e r s— G u i s k a i». Z?on dort aus wurde bei Vendhuillc unsere frühere Linie wie- dcr erreicht. Unter den viertausend Gefangenen befinden sich 140 Offiziere. Unsere Flieger griffen während der heißen Schlacht wirderhelt aus niedriger Höhe in de« Erdlamvs ein. Vlegea Abend versuchte der englische Führer mit starkem Angriff unter Einsah von Tank« und Kavallerie gegen Gonnelicn Gelände zu gewinnei!. In die dicht geballten scindlichrn Sturmkolonnc» schlug unser vcr- beerendes Abwehrfeuer und ließ den feindlichen Angriff restlos scheitern. Nach den schweren Kämpfen blieb während der Nacht an den Kompsabschnitten das Artilleciefeucr lebhaft. Ter?0. November ist ein neiirr Ehrentag für unsere Westkämpfer. die jahrelang un- erschüttrrlich und erfolgreich dcr vielfachen Uebcrlcgenhrit englischer und französischer Heere trohtcn und seht auf» neue bewiese«, daß sie nach wie vor vo» frischem unwiderstehlichem Angriffsgeist beseelt sind. * Englischer Heeresbericht vom 30. November abends. Gegen 8 Uhr heute früh griff der Feind nach einer heftigen Beschießung mit starken Kräften in breiter Front südlich von Eambrai zwischen Vendhuillc und Eredecocur an. Kurz nachher rnt- wickelten sich ferner Angriffe gegen unsere Siellungen westlich Eambrai in dcr Nachharschaff des Waldes von Bo urlon und von Moeuvrcs. Alle feindlichen Angriffe wurden in Masnieres bei Moeuvres nach mehrstündigem scharfen Kampfe, in dem der angrei- -senden deutschen Infanterie durch unser Artillerie», Gewehr- und Maschinengcwchrseucr schwere Verluste zugefügt wurden, abge- schlagen. Südlich von dem Dorfe Masniörcs von der Ilmgegcnd von Bonavis bis nach Villers— Guislain glückte c s dem Feinde, in unsere Stellungen an verschiedenen Punkten einzudringen, und cr kam bis La Vacqucrie und G o u z e a u c o u r t. Unsere Gegenangriffe haben bereits La Bacqueric wiedergewonnen und den Feind von Gonzeaueourt und dem Bergrücken östlich dieses Dorfes zurückgetrieben. An den anderen Punkten ist der feindliche Angriff gescheitert. Dcr K a m p f d a u c r t a n. Kriegstreiber gegen Jrieöens- mahner. Bonar Law gegen Lansdowne. London, l. Dezember.(Reuter.) 1500 Vertreter konser- vativer und unionistischer Vereinigungen aus allen Landesteilen versammelten sich, mißbilligten den Brief LanSdowneS über die Friedcnsaussichien und erklärten ihr Festhalten an den Kriegszielen der Alliierten, wie sie durch den Premier- minister. Bonar Law und Asquith festgelegt worden seien. In: Laufe seiner Rede sagte Bonar Law: Nicki, daß wir den Frieden nicht wünichteu. ES ist furcht- bar, die Fori setzung des Kriege« vorauszusehen, darin sind»vir olle einig. Aber warum traten wir in den Krieg ein? Wir begannen ihn nicht nur, um jetzt Frieden zu erhallen, sondern um Sichorheil für den Frieden in der Zukunft zu erlangen. Wie können wir jetzt da» durch einen Frieden erreichen I Der Brief Lansdownes gründet sich aus cme Annahme und zwar auf die selt« snme Annahme, daß. iveil die Deut schen sagen, sie seien bereit, einen Bund dcr Nationen zu schließen und von LH- rüslung zu sjnechen. daß deshalb der Friede möglich sei. Wenn wir jetzt Fricdc» schlössen, was würde das heißen? Es lvürde bedeuten, daß gerade die Männer, die nach meinem Urteil das größte jemals in dcr Geschichte begangene Verbrechen begangen hätten, daß gerade die Männer, die die Welt in all diese Dual und dies Elend gestürzt haben, weiter in der Möglichkeit gelassen würden, mit demselben Werkzeug dasselbe von neuem zu tun. wann immer sich in Zukunft die Gelegenheit dazu ergäbe. Wie werden sie durch einen Vertrag unter den Völkern gebunden sein? Niemand wird behaupten, daß sie dadurch, daß sie einen Bertrag unterzeichnet haben, ge- blinden sein werden, lind welche Macht gibt«s, die sie binden könnte? Heute ist die ganze Welt gegen sie bewaffnet und zusammcilgeordnet derart, wie es schwerlich wieder der Fall sein wird, und wenn wir jetzt unsere Rechte nicht durchsetzen können, wie »vollen»vir später unter neuen Bedingungen gegen sie kämpfen 2 Nein, ineine Herren I ES ist schrecklich, daran zu denken. Aber meiner Meinung nach ist es wahr, daß wir dahin gelangt sind, dem deutschen Volke auf die einzige Art. wie eS zu dieser Einsicht gebracht»verden kann, zu zeigen, daß der Krieg sich nicht bezahlt macht und daß ihre Kriegsmaschine die Erfolge nicht erreichen kann, die sie wünschen, und die nur durch einen Sieg errungen»Verden können. Auch durch enl- schiede ne Erfolge aus de in Schlachtfeld alloin kann der Krieg»licht beendet werden. Lasten Sie die Deutschen nur erst einsehen, daß wir länger aushalten könncii, als sie, und die Aenderuug der Ansichic»», von der»vir io viel hören, wird jeden Tag stärker»verden und vielleicht von selbst die Ergeb- nisse zeitigen, die zu erleben wir uns alle sehnen. Ein auf der Lensdowneschrn Grundlage geschlossener Friede würde tatsächllch eine Niederlage skr die Entente bedeuten. Im Lause seiner Rede sagte Bonar Laiv noch: Ich sehe vielleicht Gefahren, die uns nicht be- drohen werden, aber»venn diese friedensfreundliche Be- tvegung durch Lord Lansdownes Brief angestachelt werden und eine Wendung nehmen sollte, die es der Regierung un- möglich machen würde, sich auf die Genehmigung notwendiger KnegSmaßnahinen durch das Unterhaus zu verlassen, so würde der Regierung nur noch ein Weg offen stehen. U u: diesen Krieg ,�u gewinnen, muß die R e> gierung die Sicherheit haben, daß sie das Volk hinter sich hat. Wenn lrnr die nicht haben, können wir keinen Erfolg haben. Bonar Law schloß mit de»» Ausdruck des Vertrauens, daß die Regierung die volle Unterstützung des Volkes haben würde bei ihrem Eni- jchlusse, den Krieg zu einem siegreichen Ende fiu führen. Nichts kann die große Bedeutung des Lansdowneschcn Friedensbriescs bejser bezeichnen als diese Rede Bonar Laws, die entsprungen ist aus der Angst des britischen Imperialismus un: die bedrohte Weiterfuhrnng dos Krieges. Bonar Lalv muß zugeben, daß die Friedenübelvegung in England jetzt sich der Stunde nähert, die ihr die entscheidende Macht zuwenden kann. Die drakonischen Maßregeln, die Lloyd George vor Wochenfrist gegen die Pazifisten forderte, haben ihr Echo in dem Vorstoß LanSdowneS gesunden. Nun wagt Bonar Law das letzte: cr ruft Volk gegen Volk in die Arena. England wird sich auf Stürme gefaßt machen müssen. » Natürlich kommen auch in England die Kriegstreiber mit dem bekannten albernen Einwand, Acutzerungen wie die Lansdownes würden als„Zeichen von Schwäche" gedeutet werden und kriegsverlängernd wirken Der größte Teil der Presse ist auf diesen Ton gestimmt. Nur ltnksliberale Blätter. wie„Daily News" und„Manchester Guardian" zeigen sich vernünftig. Reuter betont dagegen hockofftziös den fortdauernden KriegSwillcn der Regierung. Er bringt am 1. Dezember folgende Erklärung: Dem Reuteischen Bureau ist authentisch Mitteilung gemacht worden, daß das Folgende die Ansicht der britischen Regierung über den Brief LanSdowneS ist. Lord LanZ- downe hat in seinem Brief nur für sich selbst gesprochen. Bevor er ihn schrieb, hat er sich weder mit irgendeinem Mitglied der Regierung darüber beraten noch in Verbindung gesetzt. Tie Minister haben den Brief mit ebensolcher lleberraschung gelesen wie jedernmnn sonst. Die in dem Briese zum Ausdruck ge- brachten Anschauungen stellen in keiner Weise die Auffassungen der englischen Regierung dar, noch zeigen sre im geringsten Grade an, daß irgend ein Wechseck oder eine Aenderung in der KriegSpolitnk Englands eingetreten ist. Diese ist auch sehr noch die gleiche, welche sie immer gewesen ist, und wie sie durch den Premier- minister, durch ASquith, Bonar Lalv und Balfour umschrieben Ivorden ist. Diese KriegSpolink ist in mannigfalligen Reden zum Ausdruck gebracht worden, aber vielleicht ist sie am besten in der unlängst erfolgten Aeußerung Clemenceaus zusammengefaßt worden, welche lautet: die KriegSziele, für welche wir kämpeu, das ist der Sieg. LailSdoivne selbst erklärte einen: Interviewer, daß er nur für sich allein gesprochen habe. Bemerkenswert ist. daß der frühere Arbeiter-minister Henderson in einer Unter redung seine Zustimmung zu Lansdownes Ausführungen aussprach.__ Die Versammlung im rWsthsn Hauptquartier. Bolschewitische Haftbefehle. Stockholm, 1. Dezember.(Eigener Drahtbericht des „Vorwärts".)„Nowaja Schisn" teilt mit, daß ein Haftbefehl gegen Werchowsk»), Avksentjew und T s ch e r n o w an alle Armec-Organisationeu des revolutionären Komitees und dcr Frontsoldaten erging. Er wird damit begründet, daß sich gcuanntc Personen im H a n p t q n a r t i e r v e r s a m m c l- ten, nm eine nene Regierung zu bilden und Entfernung verweigern. Das Sendschreiben bezeichnet genannte Personen als Handlanger der Bonrgeoifie. Ä>n L3. November kainen i» Moskau Miljnkow, Wioawer und die Generale Wcrchowsky und Iwanow an. Unter den ucucstenS verbotcueu vier Petrograder Blättern befindet sich PlechanowS„Jedinstwo". Stockholm, I. Dezember.(Eigener Drahtbericht des „Borwärt»".) Wege» Teilnahme au der Organisation der Militäraktiou gegen die Bolschewiks erteilt« dieLeninregicrnng Haftbefehle gegen Zeretelli, Dan und L i b"c r. « Berchowskh war der letzte Kriegsminister der ge- stürzten Provisorischen Regierung, der der Partei der Sozialisten-Revolutionäre nahesteht. T s ch e r n o w»nd A w- k s e n t j e w gehören dem linken und dem rechten Flügel der-,. selben Partei an. Zerentelli und Dan sind Führer der Menschewiki, die an dcr Spitze des Zentralsowjets standen. bis der von den Bolschewiki einberufene und am 7. November eröffnete zweite Kongreß der Arbeiter» und Soldatenräte die Aktion der Bol- schewiki segnete und mithin die alte Exekutive der Sowjets stürzte. Zusammen mit Liber, dem bekanntesten Vertreter deS jüdisch-sozialdemokratischen„Bundes".- waren Zeretelli und Dan die energischsten Verfechter der Not» wcndigkeit der Landesverteidigung. Sie waren das Rückgrat der Regierung KerenskiS. Das Zusammentreffen dcr ge- nannten Sozialistensührcr im Haiiptguartier ist auf das Be- streben zurückzuführen, den Bolschewik: die Bildung einer sozialistischen und demokratischen Koalitionsregierung aufzudrängen. Die Bolschewik: halten nunmehr mit der Vor- Haftung dcr alten Kainpsgenossen, die sie Vertreter der Bour- gcoisie schiinpfen, nicht zurück. » Im Stockholmer.Socialdemokraten" vom 28. November vcr- öffemlich: Genosse Axelrod einen Protest gegen die Behandlung, die nach dem Bericht verschiedener russischer Bläuer(.Nowaja Schisn", .Jedinstwo" u.a.) dem Genossen Plechanow von feiten der Bolschewik» zuteil geworden ist. Nach der.Jedinstwo' wurden bei ihm drei Hausdurchsuchungen gehalten, wobei man nach Waffen forschte, und Plechanow wurde— wohl infolge der Aus- regung— von einem schweren Blursmrz befallen, so daß der Zu- stand deS alten Revolutionärs jetzt zu ernste» Sorgen Anlaß gibt. Es wird natürlich niemand in der ganzen Internationale geben,. der Meckloie Gewaltiäligkeiten überhaupt billigt— und zumal solche gegen den allen»vissenschaftlichcn und propagandistischen Vorkämpfer der Sozialdemokratie in Rußland. Das Urleil über Brutaliläten kann von der Talsache nicht beeinflußt werden, daß Plechanoio während deS Krieges eine Haltung eingenommen hat, die mit der HervöS in Franlreich verwandt ist und daß er sich selbst dazu hergegeben hat, gegen die FciedenSbestrebunge» deS Sowjet— des früheren, nicht des jetzigen bolschewistischen— bei den für den .Krieg bis zlrm Ende" eintretenden Sozialisten Frankreichs öffentlich zu protestieren. Auch»venn wir die Erbitterung der den Bolsche- ivikern anhängenden Massen gegen die poliiilchen Freunde PlechanowS begreifen, die noch zuletzt im Vorparlament»nir den Bürgerlichen zusammen für rücksichlslose IlmerdrückungSmaßregeln gegen die BolicheivikS gestimmt haben, können wir Schikanen und moralische Mißhandlungen,»vie sie nach den zitierten Blättern gegen den alten Mann verübt worden sind, nicht entschuldigen. « Oberbefehlshaber Duchimin geflohen. W i c n, 1. Dezember. W.T.B. Bon einem besonderen Korrespondenten wird uns gemeldet: General Duchonin und die militärischen Vertreter der Entente sind aus dc,n ruffischen Großen Hauptguarticr geflohen. Tic Radiostation des ruffischcn Großen Hauptquartiers ist i n Händen dcrMaximalistcn. Die„Times" meldet aus Petersburg, daß den Moskauer Ze!» tungen zufolge General Duchonin einen Tagesbefehl an alle Truppen richtete, in dem er den Grund darlegt«, warum«r sich weigere, die Verhandlungen mit dem Feinde anzuknüpfen. Er forderte die Truppen auf, zu erklären, ob sie mir seinem Verhalten einverstanden seien oder nicht. Falls sie es nicht wären, würde er freiwillig das Kommando Krylcnko übergeben. Haag, 1. Dezember.„Dativ Chronrcle" berichtet aus Peters- bürg: Duchonin ersuchte den Oberbefehlshaber an der rumänischen Front, Tscheriaffchvw, den Oberbefehl über die ruffischen Heere zu übernehmen. Nr. 330 ❖ 34. Jahrgang 2. Heilage des vorwärts Sonntag, 2. Dezember 1917 Handarbeitsabteilung Leipziger Strasse: Neue Arbeiten{"�h«;ar2-H,.ciß: („Biedermeier" Damenkleidung .0.,(!0i.s 69°° 79°° 89°° 98°° Winter-Mantel Kleid er m einfacher und eleganter Ausfühning. Astrachan- und Plüfchmantel in bester Verarbeitung. Zackenkleider für Herbst und Winter. jugendliche Macharten. Frauen« Zackenkleider auch in ganz großen Weiten vorrätig. Straßen-Nachmittagskleider in Sdbe und Wolle. .......!.......»................. 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Dszencker, nochmittsgs i'A Uhr. Am Bundesratstisch: Graf Rosdern. t>. Krause, Schiffer. Vor Eintritt in die Tagesordnung ergreift das Wort Abg. Prinz zu Schönaich-Carolath(nach: Als Berichterstatter über den Etat des Auswärtigen?lmts habe ich vom Hauptau-schutz den Auftrag erhalten, folgende Erklärung abzugeben:* In den Verhandlungen dc-Z HauptauSsckmsseS hat der Staatssekretär des Auswärtigen Amts weitere Mitteilungen über das russische Friedensangebot gemacht. Der Hauvtausschuss hat sich einmütig zu den Erklärungen des Reichskanzlers vom 29. No- vember über seine Bereitwilligkeit zu Verhandlungen über den russischen Fricdensvorschlag bekannt. Auf der Tagesordnung steht die dritte Lesung der Kricgskreditvorlage, die 12 Milliarden fordert. Staatssekretär des Reichsschatzamts Graf von Roedcrn: Die K riegssteuec, die in erster Linie zur Heranziehung der Kriegsgewinne bestimmt ist. wird rund 5 Milliarden bringen. Der Wehrdeitrag. die jetzt veranlagte Besitzsteucr und die Kriegs- steuern mit ziisaiiimen über 6 Milliarden und den Erhöhungen der direkten Steuern in den Bundesstaaten und Kommunen, täe auch etwa 2 Milliarden betragen, stellen die während des Krieges von uns erhobenen direkten Kriegssteurn dar, die zur Deckung des steigenden Zinsen solls dienen sollen, wozu sie auch voll- kommen ausgereicht haben. _ Der große Erfolg unserer Anleihen beweist, daß unsere Art der Kriegsfinanzierung im Einvernehmen mit dem deutschen Volke erfolgt. Freilich stehen uns auf finanziellem Ge- biet die größten Llusgaben noch bevor. Wir werden aber während des Krieges den durch drei Jahre verfolgten Weg weitergehen, d. h. nach Möglichkeit Konsolidieren der Kricgskosten durch langfristige regelmäßig wiederkehrende Anleihen, Aufbringung des Zinsen- dienftes durch Steuern. Die Durchführung eines großen Steuerprogramms aber erst a m S ch l u ß des Krieges, wenn wir in der Lage sind. alle wirtschaftlichen und politischen Folgen zu übersehen. Füh- reird soll bei der Durchführung dieses Programms nicht der Gedanke an die Steuer sein, sondern der volkswirtschaftliche Ge- sichtspunkt. Wenn wir schon im Frühjabr an das gesamte Steuer- Programm herantreten können, dann um so besser.(Lcbhaftcc Beifall.) Abg. Ebcrt(.Soz.): Vor der Abstimmung über die erneut geforderten Kriegskredite habe ich nauiens meiner Fraktion noch einige kurze Ausführungen zu inacheu. Das Friedensangebot der russischen Rc- gierung ist von der friedcnssehnsüchtigen Welt freudig be- grüßt worden. Wir erblicken in ihm daS wichtigste politische Ereignis des Krieges, den ersten ernstlichen Schritt zum Weltfrieden. Ebenso freudig werden die schwer blutenden Völker die klare Antwort des Herrn Reichskanzlers und der Regierungen von Oesterreich und Ungarn ans dieses Angebot aufgeuommen haben. Der Herr Reichskanzler bat dem angebotenen Waffenstillstand zu- gestimmt und hat erklärt, er erblicke in den russischen Friedens- vorschlagen eine diskutable Grundlage für die Aufnahme von Friedensverhandlungen. Die Vorschläge her russischen Regie- rung'brruhen äufieilrcin-------- Frieden obne Annexionen und Kontributionen, Frieden ohne gewaltsame Gebietserweiterung, einen Frieden ahm politische, wirtschaftliche oder finanzielle Vergewaltigungen eines Volkes. Auf der gleichen Linie bewegt sich die A n t w o r t a u f di e P a p st no t e, zu der die neue ReichÄeiiung sich bekannt hat. Mit besonderer Betonung hat der Herr Reichskanzler in feiner Erklä- ruvg vom Mittwoch hervorgehoben, die Zukunft von Polen, Kurland und Litanc» müsse dem Seldstbestimnlnngsrrlht ihrer Völker über- lassen werden. Diese Erklärung haben wir besonders begrüßt. In demselben Sinne bat sich gestern der Staatssekretär von Kit hl mann im Haushaltsausschuß ausgesprochen. Er bat gesagt, für eine Neugestaltung der Dinge im Osten müsse dem Sclbstbcstiiu- mungörccht der Völker volle Rechnung getragen iverdon. Diese Er- klärungen der RcichSleitung begrüßen wir mit Genugtuung. Bon der verantwortlichen politischen ReichSlcitnng erwarten wir deshalb auf das Bestimmteste, daß sie die in Aussicht stehenden Friedensverhandlungen streng im Sinn und Geist dieser Erklärungen führt. Wir erblicken in diesen Erklärungen eine Garantie, an der unseres Erachtens nicht gerüttelt werden darf.(Sehr wahrl bei den Sozialdemokraten.) Die von Rußland ehrlich ge- botene Friedenshand muß bei den Mittelmächten ebenso ehrliches Entgegenkommen finden.(Sehr richtig! bei den Sozial- demokraten.) Di« Rcichsleitung darf und wird sich iiach ihren Er- klärungen nur von dem aufrichtigen Bestreben leiten lassen, zu einer Verständigung zu gelangen, die ein d a u c r n d e s f r e u n d- nachbarliches Verhältnis zwischen Rußland und Dcursch- land verbürgt.(Bravo!) Die russische Regierung will mit ihrem Friedensangebot den allgemeinen Frieden herbeiführen. Vom gleichen Willen ist das deutsche Volk beseelt. Wäre die Möglichkeit gegeben, dem wahnsinnigen Völkcrm ord en völlig Einhalt z u. g.cb i c t e n, das deutsche Volk wurde das aufrichtig begrüßen und dafür sein Bestes einsetzen.(Sehr wahr! bei den Sozialdemokraten.) Zum Unglück der Völker ist jedoch nach der Erklärungen der Staatsmänner in England und Frankreich mit dieser Möglichkeit leider noch nicht zu rechnen. Lloyd George und Elrmci'.rrau»vollen keine Verständigung, sie wollen den Krieg bis zum Ende. Sie haben das ernste Fricdensbcstreben des PapsteS unbeachtet gelassen und � das Friedensangebot der russischen Demokratie b« i s ei t e g e s ch o b c n, sie haben erneut zur Fortsetzung de: Metzelei aufgerufen. lieber ihre Kriegsziele lassen die Gehcimoerträge der En lenke keinen Zweifel mehr. Hat Lloyd Gorgc doch erst kürzlich noch zynisch mit der Vernichtung dcS deutschen Handels, der Lebensader unserer Volkswirtschaft, gedroht. Dies Verhalten der Regierungen Englands und Frankreichs zwingt uns nach wie vor, zu unserer Selbstbehauptung unsere Verteidigung stark zu halten. Deshalb stimmen wir den geforderten Kriegs- kreditcn zu.(Bravo!— Zuruf bei den Unabh. Soz.: Mit Westarp! — Gelächter bei den Sozialdemokraten.! Wir müssen aber auckp bei dieser Gelegenheit von der Reichs- lciiung nachdrücklichst verlangen, daß sie den dringendsten wirtschaftlichen und sozialen Aufgaben im Innern schnellstens gerecht wird.(Sehr wahr! bei den Sozial- demokraten.) Unter allen Umständen muß dafür Sorge getragen werden, daß die vorhandenen Lcbensmitielbestände rationell be- wirtschaftet und in erster Linie der menschlichen Ernährung ge- sichert werden. Die wucherische �Preispolitik muß endlich unter- Kunden und der gemeinschädliche Schleichhandel rücksichtslos unter- druckt werden wenn nicht die ganze Organisation der Volkser- nährung über den Hausen geworfen werinin soll.(Sehr richtig! bei den Sozialdemokraten.) Das verwerfliche System des Preisonreizes scheint allerdings unter dem System Waldow ferne neue Auf- xrftehung zu feiern. Dafür spricht die jetzige ska ndalöje Erhöhung des Haferprciscs, gegen die loir auch von dieser Stelle schärfsten Protest erheben müssen.(Bravo! links.) Die Ernährungspolstik de.S Herrn v. Waldow wandelt Bahnen, die uns zwingen, ihr mit dem a l le r s ch ä r f st e n Miß» trauen zu begegnen.— Schwere Sorge bereitet uns auch die Koylcnfrage. Hier müssen alle Anstrengungen einsetzen, um- der Bevölkerung die für den Hausbrand noitvendtge Kohle zu liefern. Zn den Schwierigkerten der Ernährung darf imser Volk nicht noch den Unbilden der Kälte ausgesetzt sein. Das wäve eine zu schwere Belastungsprobe.(Sehr wahr! bei den Sozial- demokraten.) Erfreulicherweise hat die Rcichsleitung aus ein- mutiges Verlangen des Reichstags sich gestern bereit erllärt, die Löhttmig unserer Soldaten zu erhöhen. Die Löhnung der Manw- J schasten soll um ein Drittel, die der Unteroffiziere um ein Fünftel erhöht werden. Ich muß namens meiner Freund«, und wie ich glaube, mit Zustimmung des ganzen Reichstags, auss dringendste ersuchen, diese Erhöhung nicht erst im Lause des nächsten Monats, sondern rückwirkend ab 1. November im Kraft treten zu lassen. (Lebhafte Zustimmung.) Ebenso dringend müssen wir verlangen, daß dem einstimmigen Beschluß des Reichstages aus Erhöhung der Bezüge der verlebten Soldaten und der Hinterbliebenen der Gefallenen baldigst Rechnung getragen wird.(Bravo!) Die grundsätzliche Zustimmung der Reichsrcgierung dazu liegt vor. Die Durchfühyiiig kann aber bei der langen Tauer des Krieges nicht mehr länger hinausgeschoben werden. Namenilich verlangt die Notlage der Witwen und Waisen gebieterisch smnelle Abhilfe. In diesem Zusammenhang muß ich auch auf die Not- läge der Arbeiterinvalidcn hinweisen. Die Reichs- leitung hat auch hier gestern grundsätzlich eine Erhöhung der Be- züge und rasche Durchführung zugesagt. Ich darf wohl die Er- Wartung aussprechen, daß die armen Invaliden der Arbeit noch im Laufe dieses Jahres diese dringliche Hilfe erhalten.(Bravo!) Einen großen Teil der zu diesen Maßnahmen erforderlichen Mittel kann die Reichsleitung leicht aufbringen, wenn sorgfäl- iiger bei Beschaffung des Kriegsmaterials ge- wiüschaftet wird. Hier wird nicht nur aus dem Vollen geschöpft. hier wird geradezu Verschwendung getrieben.(Sehr wahr! bei den Sozialdemokraten.) Die Abschlüsse der Handelsgesellschaften der Kriegsindustrie liefcru die himmelschreienden Belege für diese Wirtschaft. Auf Kosten des Volkes werden hier märchenhafte Reich- tümer aufgetürmt. Vom Kriegsminrsterium mutz entschieden ge- wissenhaftcre Verioendung der ReichsmÜtel gefordert werden. Das Kriegsministerium soll sich weniger um Zensur- und Vcrsamm- lungsrecht kümmern und dafür mehr den Kriegsgewinnlern und ihren Schiebern auf die Finger schauen.(Sehr wahr! bei den Sozialdemokvaien.) Dem Herrn Reichsschatzsekreiär müssen wir sagen: Seine nächste Sieuer muß unseres Erachiens eine schärfere, möglichst restlose Erfassung der Kriegsgewinne sein. Vor allem aber hoffen wir, daß Selbstbesinnung und Ver- nunft den Krieg mit seinen grauenhaften Opfern, seinen sinn- losen Zerstörungen und abscheulicheil Auswüchsen bald überwindet und allen Völkern den Frieden gibt.(Lcbhaficr Beifall.) Abg. Ledebour(Unobh. Soz.): Meine Fraktion. Hai Anträge eingebracht, die eine Erhöhung der Löhnung der Mannschaften Md. Unteroffiziere verlangen, sowie Vorläge eines Gesetzentwurfes beim Wicderzu- ünnmentriit des Reichstages, der die Renten der Kriegs- beschädigten sowie der Hinterbliebenen der. Kriegs- teilnehmet. Ich hoffe, daß der Herr Reichsschatzsekreiär dieser Ausgabe sich ganz, besonders widmen wird. Damit wird er sich den Dank der 5kriegSieilnehmer mehr erwerben als durch die Art, wie. für die Zeichnung von Kriegsanleihe im Felde Propa- ganda gemacht wird. Es wird die N r l a n b s g e w ä.h r u n g in vielen Fällen abhängig gemaohi von der Zeichnung von Kriegsanleihe.(Hört! bört! bei den Unabh. Soz.) Ferner muß schleunigst Arbeitslosenunterstützung aus Mitteln des Reicks gewährt werden; die Arbei te r sch utz- bcsti mmungen für Frauen und Kinder müssen wieder berge- stellt werden. Für Urlauber und Arbeiter, die für das Heer arbei- ten, müssen die Eisenbahnpreise sofort herabgesetzt werden. Unserer f r e u d: g e n I u st i ni m u n g zu den endlich angebahnten ..—-''- ist gestalten, daß die Kriegsbeschädigten und Kriegs- Hinterbliebenen sagen können: Unser Vaterland, für das wir geblutet, für das wir unser Liebstes hingegeben haben, sorgt für noß.(Lebhafter Beifall.) Abg. Srvda(Pole): die Erklärung de? Reichskanzlers, daß des Sclbstbestimmungsrechi der Völler, die bisher der russischen Krone unterworfen, geackiet werden soll, begrüßen wir als eine bedent- same Tatsache. Dieser Grundsatz muß aber für alle Mcn- scheu und alle Völker Gellung baben, wenn er zu einem enden Frieden für die Menschheit fuhren soll.(Beifall bei den dauernden Polen.) der sind Abg. Dr. David(Soz.): die Anschauung vertreten wie wir in Deutschland. Von der ÄuS kunft der Regierung über die Art, wie die Friodcnsvcrhandlnngcu eingeleitet Uwrden sollen, sind wir nicht restlos befriedigt. Graf HaUing hat gesagt, daß die Mittcilmig über die bekannte Kronratssitzung betreffend Polen, Kurlanld und Litauen den Tat- fachen weit vorauseile. Darin liegt nicht eine ausgesprochene Ab- leugnung dieser Bestrebungen. Der Wortlaut läßt sogar durchaus die Möglichkeit zu, daß Kurland und Litauen zu Nc-bcnstaaten der preußischen Krone gemacht werden sollen. Das muß v ö l l i g a u s- geschlossen sein, daß so etwas über den Kopf der Kurländer und Litauer hinwog geschieht.. , Europa geht schweren Zeiten nach dem Kriege entgegen und wird die Konkurrenz der Vereinigten Staaten von Amerika nicht aushalten können, wenn es sich nicht zu einer wirischaftlicheii Einheit in den Vereinigten Staaten von Europa oder einem europäischen Staatenbund zusammenschließt. Auch die e u- ropäikchen W e st m ä ch t e dürfen davon nicht ausgenommen werden. Kriegerische Aeußerungen der Staatsmänner Englands, Frankreichs und Italiens können daran nichts ändern, sie sprechen nicht die Meinung der Völker aus. Herrn Ebcrt freilich und seinen Freunden scheinen diese Acußerungen sehr willkommen gewesen zu sein, den-, sonst hätten sie ihre erneute Zustimmniig zn den KriegS- krediten kaum begründen können. Die russische Regierung hat sich auch nickt an die Diplomaten, sondern an die Völker gewendet. Und wir Sozialdcmissraten haben dafür zu sorgen, daß die Völker zu der Ueberzevguiig kommen, daß sie zu dem Frieden der Verständigung kommen leimen, der eS möglich macht, däß die europäischen Völker sich zu gemeinsamer Kulturarbeit zusammenschließen. (Lebhafter Beifall bei den Unabh. Soz.) Abg. Graf Westarp(k.): Mine Freunde beurteilen die Täfig- keit des Herrn v. Waldow anders, als Herr Ebert und seine Freunde. Auch in Bezug auf die Friedensverhandlungen muß ich der Auffassung des Abg. Ebert die unsrige entgegenstellen: nicht i n t e r n a i i o n a le Grundsätze und n o ch sog n t g e- rn c i u te Theorie», sondern allein die Sicherheit und Zu- t u ii ft des Deutschen Reiches müssen der Leitstern für den Reichskanzler un-d aller an den Friedensverhandlungen Bdeiligten sein.(Lebhafter Beifall rechts.) General v. Langermann: Dem Abg. Ebert bemerke ich, daß die Novelle zu dem Versorgungsgesetz im Einvernehmen mit dem Reichsmarineamt. dem Kolonialamt und den verschiedenen Kriegsministerien f e r t i g g e st e lk t ist. augenblicklich schweben noch Verhandlungen mit den zuständigen Zivilressorts. Bis zur Elesetzgebung selbst werden wir wie bisher alles tun, was m unseren Kräften steht, um Härten auszugleichen, insbcsonder« wollen wir das Los der Kriegswitwen mildern und verhindern, daß sie schlechter gestellt werden als sie vorher als Kriegerftauen standen. " ffe, daß es uns gelingen wird, die Vsrsorgungsgssetze so zn die Zukunft und Sicherheit des Reichs aufs schwerste gefährde». (Sehr richtig! bei den Sozialdemokraten.) Wir sehen in dem Ziel der Herbeiführung eines frenndiiachbarlichen Verhältnisses mit Rup- land ein Ziel von ungeheurer politischer Bedeutung, dessen Erreichung für uns auch die denkbar größte militärische Sicherung bedeuten wurde.(Sehr wahr! bei den Sozialdemokraien.l Ter: Abg. Ledebour meinte, uns sei die Zustimmung zu den Kriegs krediien diesmal schwer gefallen und nur erleichtert worden durch einige friedcnsfcindliche Aeutzerungen von Poll- iikern der Entente. Aber auf diese könne man nichts gpben, denn sie seien kein Beweis dafür, daß die Westmächie den Frieden nicht. wollten. Aber an der Tatsache wird auch Kollege Ledebour nicht vorübergehen können, daß nämlich die Machthaber der Euteirte das russische Friedensangebot abgelehnt haben und die Fortscyung des Krieges als ihr Programm der Welt verkünden. In dicicr Tatsache liegt di« sachliche Begründung unserer Haltung. � lLebhaftc Zustimmung bei den Sozialdemokraten.) Wenn Herr. Ledebour meinte, es sei gewissermaßen das Verdienst]«Niep Freunde/ daß die Verirewr der äußersten Linken jetzt das Heft in Rußland in der Sand haben, und daraus folgerte, die Politik seiner Freunde bei Ablchung der Kricgskredit« sei die richtige g<- Wesen, so will ich ihm darauf erwidern: Daß die Bolschewikr heute in Rußland das Heft in der Hand haben, daß dort eine demokraiische Regierung heute besteht, die ernstlich zum Frieden bereit ist, verdanken wir am allerwenigsten der Politik der Unabhängigen.(Sehr lvahr! bei den Sozialdemokraten.) Hatten wir deren Politik am 4. August befolgt, hätten wir damit Zlme- iracht in unser Volk getragen und den Widerstand unseres Volke.' gegen eine Welt von Feinden auf diese Weise vernichtet, dann wären jetzt nicht in Petersburg die Bolschewiki am Regiment, sondern der siegreiche Zar.(Lebhafte Zustimmung.) Und tne Bol- schewiki wären in Sibirien und in Gefängnissen. Die Rechtrcrti- gnng unserer Politik liegt einmal darin, daß auch heute»och nicht die Machthaber im Westen bereit sind, uns den Frieden zu abhängigen geführt hat.(Lebhaftes Bravd! bei den Sozialdemo- traten— Widerspruch bei. den Unabh. Soz.).... Abg. Zimmermann(nertt.): Wir bringen� der russischen Volks- secle unsere i n n i g stu-S.Ym p.« Üue entgegen und hafren. dag bald wieder das alte freundschasiliche Verhältnis zwischen �ruß- land und uns hergestellt wird. Wenn auch Rußland durch das Versagen seiner militärischen und finanziellen Kraft gewisser- maßen gezwungen ist, Frieden zu schließen, so ist es doch eine Großtat, wenn endlich Männer sich dazu ermannen, dies orten au scz u s p,r c ch e n. Wir hoffen, daß die russischen Unterhändler auch einsehe» werden, daß wir das, was lvir an Rußland ver- leren haben, wieder ersetzt bekommen müssen, daß vor allen, die Taufende von Z i v i l a e fa n ge n e n, die m Nutzlaiid Hunger und Not erleide», i» die' Freiheit zurückgelassen werden. ' Abg. Graf Westarp(k.): Das Vorgehen gegen Herrn v. Waldow scheint zn beweisen, daß die Sozialdemokraten bereits wieder eine Machtprobe beabsichiigc».(Lachen bei den Sozialdemokraten.) Man bebaupiet. seine Politik Taufe daraus hinaus, die Lebens- mittel noch mebr zu verteuern.(Sehe wahr! bei den sozial- demokraten.) Dabei geht man von den H a fe r pr ä m i c n aus. Bisher ist der Hascr noch kein menschliches Nahrungsmittel. (Heiterkeit.! � ' Wg. Ledebour(Unabh. Soz.): Der Abg. David bat sich auf Trotzki berufen. Trotzki aber hat in einer Broschüre sich aurZ schärfste gegen die Politik der Freunde des Abg. Turnd ausge- Tprocfoi]. �Redner verliest einige# aus der Broschüre.) Abg. David(Soz.!: Die Schrift Trotzkis stammt aus dem Jahre IN 4, also aus einer Zeit, wo.auch d e r iv e i t a u s g r o ß e Teil der jetzige» Unabhängigen für die Kredite ae stimmt hat'. lSehr �ut!' l>ei den Sö�ialdemokvaten.) Trohn ver- tritt darin den Standpunkt, der Krieq müsse beendigt werden durch eine internationale proletarische Revolution. Ich bin nberzenqt, daß Trotzki und seine Freunde durch den Gang der Ereigmpe sich "t. r. Yl � T �„«« ei r»t 1111.11 a war, I'CIWT (Sehr wahr! bei den Sozialdemokraten.).. �, Abg. Hanse(Unabh. Soz.!: Die Trotzki und Lcnm. haben»och bis zuletzt die Politik Davids und seiner Freunde bekämpft Und uns srcimdlichc Aufmunterung zuteil werden lassen. Damit schließt die Dcüafte. Die Kredite werden gegen die Stimmen der Unabh. Sozialdcmo- kratcn bewilligt. ES folgt die crste� Beratung eines.von allen Parteien cmgc- brachten Antrages, den Reichskanzler zu ersuchen, den Gemein- den während des Krieges und des dem Friedensschluß folgenden Jahres, jährlich 30 Millionen Mark zur Unicrstützlmg der minder- bemittelten Bevölkerung zwecks Beschaffung von Hansbrandkohlcn zur Verfügung zu stellen. Abg. Liesching(Vp.) weist auf die Noiwendigkeii hin. den Gemeinden in der durch den Antrag geforderten Weise zu helfen. Graf R oedern stellt die Zustimmung der Verbündeten Regie- rnngen in Aussicht. Der Antrag wird angenommen. Präsident Dr. KaeMpf schlägt vor. sich zn vertagen und ihn zu ermächtigen. T-rmi» und Tagesordnung der nächsten Sitzung zu be- stimmen; eine lange Vertagung sei nicht beabsichtigt. Abg. Schcibemann(Soz.) schlägt vor. die nächste Sitzung Dienstag abzuhalten. In der bedeutsamen Situation, in der wir uns angesichts der bevorstehenden Wafsenstillstandsverhandlungen befinden, müsse der Reichstag jederzeit in der Lage sein, mitzn- wirken. Abg. Ledebour(Unabb. Soz.! schließt sich diesem Antrage an. Die Abgg. Stresemanii.(nai!.). Fischbeck(Vp.), Fehrenbach(Z.). Graf Westarp(k.) biiien, es bei dem Vorschlage des Präsidenten zu belassen. Der Vorschlag des Präsidenten wird angenommen. Schluß: m Uhr, GroßGerlln Bücher für unsere Kinder. vi«« u»st e I l u n g empfehlenswerter Jugend- schreften, die auch in diesem Jahre wieder iui Gewerl- 'ch.a fr Ahaus veranstalret werden ist, hat sich bisher eines guten BeiucheS zu erfreuen gehabt. Sie verdient in der Tat die aufmerk- samsie Beachtung aller Eltern und aller, denen dod Wohl unseres Nachwuchses am Herzen liegt. Spielzeug und Lesebuch beeinflussen die�GeisreSentwicklung eines Kindes so stark, daß bei der Auswahl dieser ErzichungS- und Bildungsmittel nicht vorsichtig genug ver- fahren werden kann. Die Bemühungen, den Händen der Binder den Leseschund ,u entwinden, sind van der deutschen Leserschaft ausgegangen. Den für Berlin alljährlich im GewertschaftShaus»er- ernstalte ten Jugenbschriften-Ausstcllungen ist es zu danken, daß auch in der Arbeiterdcvölkerung das Verständnis für gute Jugendschriftcn zugenominan ha!. Die Auswahl eines Lesebuches für den Weihnachtstisch den Eltern zu erleichtern, ist der Zweck dieser nun seit anderthalb Jahr zehnten sich Jahr für Jahr wiederholenden Veranstaltung. Schern seit einer Reibe von Jahren wird dabei das dorn Bild min sauSseynß aufgestellte Bücherverzeichnis zugrunde gelegt. Die Ausstellung bietet die Möglichkeit, die einzelnen Jugeiidsthriften nicht etwa nur van außen zu besehon, son.dcru nach ihrem Inhalt sorgfältig und gewissen ha st z u prüfe n. Die Juaendschristen siir Knaben und Mädeiicrcs Quantum von 2ö Proz. freigegeben.— Born 1. Januar 1018 treten neue Richtlinien für die Zuteilung von Kohlen in Kraft.- Bekannt ist bereits, daß im Januar anstatt mit 5, in Zutunft mit 10 Zentnern beliefert loerden soll.— Um Unzuträgltchkeiren zwischen Mietern und ihren Untermieter» zu vermeiden, ist die Ausgabe einer Unter micter- Kohlenkarte beschlossen, ans die b Zeninsr Kohle entfallen. Diese Karte wird dem Hanptmieter der Räume ausgehändigt und bleibt in dessen Besitz. Zur Anschaffung von Kohlen hat der Haoptmieler dem Untermieter diese Karte ouszu- händigen.— Ferner sollen diejenigen Wohnungen, in denen keine GaSkocheinrichtnng vorbanden ist. ebenfalls Sonderkarten für Kochzwecke,«halten, und zwar geiitenh di» zu 5 Personen in einer Wohnung auf 8 Zentner, fei# 7 Personen auf c> Zentner und über lO Perionen auf 0 Zentner. Die Künstler tJn> Haber von Atelier»! sollen besondere Zuweisungen an Koks er- hol'cn. Eine ähnliche Regelung soll die Zuteilung an solche Schiffer erfahre«, die auf ihren Kähnen dein Brennmaterial befördern. Ihnen werden durch Vermittlung des WasscrbauamtS sogenannte Univecsalkarten durch die Kohlenstelle zur Bcrsügung gestellt. Diese Karten gelten immer für 0 bis 8 Kähne, die als eine Verteilungogcmeinschaft betrachtet werden.— Die städli- ichen Badeanstalten sollen mit 6on, Reckarstr. 2. Glealriedtie. 28,29. Max Glöge. Lemmftr. IS. Aug. Sieumaun, Katser-Frtcdrich-Zlr. 32. IV. Tteiubrenner, Weichjelslr. v. vlusg. 13. Otto Gauger. Donauilr. 26. Karl Schii«, fitultgarter Str. 45. Hugo Hoffman», Reue Dvnaustr. 4g. Rommel.>38?, nischc Str. 23. Howato, Böhmische Str. 47. Herina«,» Wiedrich. Walicrslr. 59/31. Fritz Briickmann, Nogatstr. b. Harm. Richter. Kncicbeckstr. 67. Rich. Bogt, Warthestr. 6g. Günther. Schierke- straße 28. Otto Gnfe, Loddinstr. 65. Hern,. Bock, Sleinmetzstr. 66. Karl Wücke. Hernionnplatz 5. Ernst Falke, Welerstr. 173. Nowawetz: Karl Krähnberg. Eisciibahnslr. t0. Richter. Grenzstr. 8. Schöncderg: ,Borwärts"-Spedltion. Meininger Str. 9. Henkel. Mtliiinger Str. 6. Obst. Martin-Lutber.Zir. 69. Roscuthal. Fritz- Renler-Str. 11. Rest. Krause, Bcgasstrahe, Ecke. Niibcnstraße.!!!er.. Polger. Khssbäuskrftr. 11. Rest. Groß, Sedanstr. 17. Zlg.-Geschäft Sp Ittel, Mcrscbnrgcr Str. 6, Eckardt, Varbarostastr. 10. Steglitz i Jost, LIchlerseldcr Str. 49 p. Rest. Element, Düppel- strotze 7. Seimdach, Trestschleitr. 15 p. Demtielstos: Rest. Martin Müller, Ringdahns!,. 44/42. Wolle»- derg, Berliner Sir. 2. Ileckermann, Kalscr-Friedrich-, Ecke Berderitratzr. Müller, Berliner Str. 97. Treptow: Wilhelm Lcmm, Traetzftr. 23(Laden). Ebert. Graef� stratze 1. Wilmersdorf: Adam Skuppert, Saalfelder Str. s. Paul Gold- derg. Uslandslr. 79. Autzerdent sind Im KeetSdnreau, Berlin SW. 68, LindNtftr.«, II. Hos IV, EInlritiSkarten zu haben. Ntederbarnim. Borsigwalde: Heinrich Schwelm, BerNn-Ditienau, Eharlolter.« burger Str. 48. FrirdrichSfeldr: Heinrich Waldmanu, Walderseeftr. 26. Emil Fuhrmann, Aalderseeltr. 42. Friedrichs!, agen: Richard Köckerttz. Klutltr. 3. KarlShorst t Paul Müller, Karl-Egon-SIr. v. A. Heitmann. Wescier Str. L. Lichtenberg: R. Peterhausel, Wüblischstr. 12. Daniel BSrfrl, Rtttergutslr. 25. Kanlsdorf: Friedrich Himprl, Bülowstr. 21. Justine Schölt, Giesestr. 39. Mohlsdorf: Emil Wiedcmonn, Kagnerstr. 3. Emil Rausch, Lenckeilr. 33. Sliedcrschöuhaufeu: Max Vieth. TreSkowstr. 52. Frit» Tien. Martbostr. 19. Oberschönewctdc: Max Jacobsen, Rathausstr. 23. Meinhold Krüger. Helnkdaltzsir. 20. Pankow- Otto Sillier,»croler Str. 42, vieinickendors-Oft: Paul Gnrsch, Prooinzstr. SS, Karl Schön- berg. Rejidenzstr. 66. Reinickendorf-West: Gustav Scharst, Anienienstr. 4S. Friedrich Rex. Wacholderftr. 35. Tegel: Paul Letbtg, Brunowstr. 28. Rudolf Gent«, Schöueberger Stratze 29 UI. Weitzensce: Albert Taubmann. Lichtcnbcrgcr Str. 11. Ludwig Hodapp. Würlhstr. 6. Bezirke, die der weiten Enlsernung von Berlin baldcr Karlen nicht zu- gesandt erhallen haben, trotzdem abcr an der Versammlung teilnehmen wolle», können Bestellunzen noch bei dein Kreislassiercr ausgeben. gerner find bei allen BorstandSmitgUedern Einlaßkarten zu haben. An allen Stellen findet gleichzeitig die Aufnahme neuer Mitglieder statt. Der Eintritt zur Versammlung ist nur gegen Karten a 20 Pf. gestattet. Weitere Auskunft erteilt daS Bezirköfekretariat, Linden- strafic 2, Eingang!U, 3 Treppen. Fernsprecher: Amt Moritz- platz Nr. 364. Die Welsche Nachtigall. Der Roman eines sterbenden Jahrhunderte. 52] Don R. F r a n c ö. ..Jetzt lauf zu!" brüllte der ÄenkerSknecht und schlug krachend auf den Rücken deS Burschen. In dem Augenblick sielen die Trommeln ein. Der Verurteilte flog wie ein ge- hetztes Tier hinein in die geöffnete Soldatenrcihe. Und krach, krach sausten hell die Schläge auf seinen Rücken nieder— jeder von einem Gebrüll des Schmerzes beantwortet.... Die zwei Schergen hatten den Strick langgelasscn und warteten an einem Ende der Reihe, bis er am anderen ankommen werde. Aber schon wenige Meter weit stolperte der Unglückliche. Hageldicht sausten die Schläge auf seinen Kopf, seinen Rücken, feine Arme, von denen das Hemd schon jetzt in Fetzen hing... Rasch sprangen die Knechte herzu— ein Kommando des gleich- müsig die Szene betrachtenden Offiziers, der ncrvcnerschütternde Trommelwirbel stockte— jetzt hatte man das Opfer wieder hochgezerrt— neue Püffe, sein heißeres Gebrüll. Schreien in der Volksmenge und nun wieder das dumpfe Trommeln und die krachenden Schläge. Dazwischen aber auch ein im Lärmen ungehört ber- hallender SchmerzenSschrei. Lison war ohnmächtig vor Aufregung und Entsetzen zu Boden gesunken— die Zofe sprang herzu, labte sie... und trug sie auf ihr Ruhebett. „Weg. weg— die Fenster zu— entsetzlich," kreischte ihre Herrin, als sie wieder zu sich gekommen:..Quelles bar- bares..." Und bei jedem Schmerzensschrei und stärkerem Hieb, der beraufscholl. schrie sie selbst auf. Ihr Kopf war wie von Schlägen zermalmt. In ihrem Herzen war nur ein Empfinden: weg. fort von den Menschen, die so entsetzliche Grausamkeiten verüben... Und ein anderer, noch schrecklicherer Gedanke, der sie in Ohnmacht fallen ließ: War das Peißcr, war das ihr Opfer? Sie hotte Lainettc, die vor Begierde brannte, noch mehr zu sehen, auf die Straße gesandt, um Sicheres zu erfahren. Und sie suhlte, es sei ihr Tod, wenn die Bosin den verhängnisvollen Namen zurückbrachte..., Der Tumult unten hatte sich inzwischen noch mehr ge- steigert. DaS Opfer der Justiz schrie nicht mehr einzeln, sondern stieß ein ununterbrochenes Heulen aus. erregte Rufe der Zuschauer. daS Trommeln, die fetzt dumpfer schallenden Schläge— daS alles klang in eine Symphonie dos Eni- setzens zusammen, von der jeder Laut für das gemarterte Gehirn der schuldbeladenen Frau da oben eine Höllenqual bedeutete. Lainctte kam. Mit tödlicher Angst hing sie an ihren Lippen. „Er mutz noch eimnal laufen— dreimal— er ist schon liegen geblieben.. begann sie mit vor Aufregung klappernden Lippen. „Aber wer ist es?" schrie Lison. „Der Huber Franz aus Erasdorf sagten die Stute." Lison stürzte zu ihrem Bctschemel. „Heilige Jungfrau. Hab' Dank!" Noch war ihr Ge wissen von dem Schrecklichsten rein. Und merktoürdigcrweisc, seitdem sie wußte, daß die Grausamkeit da unten nicht ihre Schuld sei, fand sie auch wieder den Mut. zuzusehen. Aber die Exekution war schon zu Ende. Der Aenuste lag wie ein geschlachtetes Kalb auf der Erde— eine einzige blutüberströmte, zerfetzte Maffe—. Man hatte die Voll- streckuug des Urteils unterbrechen müssen, der Delinquent war ohnmächtig— vielleicht war er tot. Sicher war er dem Sterben nahe. Die Menschen drängten um ihn— die Soldaten traten wieder in ihre Reihen zusammen— Kommandorufe ertönten— nun gleichmäßige Marschschritte— ein lustigerer Trommel» reigen— mau zog ab. Nur um das elende Bündel menschlichen Jammers stand noch eine Wache, rings umdrängt von Menschen, die auf die Ankunft des Karrens warteten, der den Gerichteten ins Hospital bringen sollte. Lison erblickte unter den sich dort Drängedcn Michalansky. Sofort rief sie Lainette zu sich: „Hol sie mir den herzoglichen Aktuar herauf. Sag sie, eS sei äußerst wichtig." Lainertc machte eine Geste des Erschreckens. „Zluckame,«est impossiblo pour moi." „Ist sie die Herrin oder ich? Was untersteht sie sich" brauste Lison auf. Dann sich bezähmend:„Ah. sie hat Ouerellcn mit ihm gehabt, ich weiß— aber ich bitte sie, ich habe nie- manden sonst.. Lainette behielt den Mund offen vor Erstaunen. So hatte sie ihre Herrin noch nie gesehen. Und deren sanft- müsigeS Wort wirkte Wunder. Die Zofe ging. Erst auf der Stratze kam ihr Haß gegen Michalansky wieder zum Au-?- bruch. Schon wollte sie umkehren> mit der Lüge, sie habe den Gesuchten nicht finden können, da sah sie Michalansky, wie er möglichst ausfällig und devot zu ihrer Madame hinaufgrüßte. Aber mehr konnte sie sich nicht abringen als ein schnippisches: „Er soll gleich heraufkommen.... Madame will ihm was befehlen." Sie sagte cS mit einer Miene, als ob sie ein Selbst- gespräch hielte. MichalanSky eilte sofort zu seiner Protektorin und erstarb eben in Kratzfüßen. „Er hat mich immer gut bedient," begann die schöne Frau, ohne seine Huldigungen zu beachten. „Ich bin überglücklich,' daß meine rastlosen Bemühungen Anerkennung aus so hohem Mundo.. Sie winkte ungeduldig ab. „Kennt er einen Studenten namenS Peißer?" „Längst nicht mehr Student, gnädigste Frau Baronin. ganz communer Soldat gewesen— wegen übler Streiche und Desertion jetzt in Hast, gewiß zu dienen, Euer Gnaden, Hab' ihn selbst verhaftet." „Michalansky, dieser arme Junge ist unschuldig in Haft! Ich iverde noch heute selbst dem�Statthaltcr sagen, daß cS ein Irrtum gewesen sein muß. Sorg' cr nur dafür, daß bis zu seiner Entlassung nichts Irreparables geschieht. Keine Exe- tutton oder.. „Kommenden Sonntag mutz der Peitzcr Spießruten lausen. Er Hat'S schon s'Urtcil. Er hätte heute sollen, abcr cr hat ein verrenktes Bein und kann nicht gehen." Lison lief es eiskalt über den Rücken. Ihre Augen blickten groß und angstvoll auf den Sprecher und ihre Hände falteten sich unwillkürlich. Ihr Herz schlug heftig. „Er hat schon daS Urteil! Das muß man kassieren"— stammelte sie.(Forts, folgt.) .ts BERLIN C Sfiandauerstr. 16 Königstr. 11-14 Gegründet 1815 WÄW. ). DM le Wildcato. Nachm. 3 Uhr: Kameraden. Koui H(! ic n han s. 'Iß Uhr: Die beiden Seehunde. 3 Uhr: Die verlorene Tochter. Berliner Theater. T'/jU.: Hlc tolle Komteß. Nachm. 3 Uhr: Filmzauber, Theater der Kgl. Hochschule für Musik, Easanenstraße 1. Sonntag, 2. Dez., 71/» Uhr: Bis 8hre Sonnt., 9. u. IG. Dez., 71/.. Uhr: 6hsTlsfis Ta«i!e. Kart. Werth. u.Th.-lCasteilan. Walhalla-Theater. 3 Uhr; Stsmannsliebchen. �Sffs�nsrr. TrianoM=Theater Geergenstr, Bh.f. Friedrichstr. Tel.: Zentium 4927 und 2391. V-S Uhr Bcr �»8 Uhr JLebensscKüier. Komödie von Ludwig Fulda. Ida Wüst, Erich Kaiser-Titz, v. MöllendorU, Mart. Kettner. Stg. 31/, kl. Pr.; Hedda Gabler. Voigt=Theater. Sadstr. 55. Badstr. 58 Heute nachm. 3 Uhr bei klein. 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Berichr vom Parle: lag in Würzburg. Refercntin: Frau R y n e ck. 2. Beschlußfassung über die beantrogie Beitraakerhöhung. Die „Borwärts�-Leser und Genossen, die auf dem Boden der Partei stehen und sich dieser anschließen wollen, werden um ihr Erscheinen gebeicn. NawnwcS. In der letzten WahIvereinSversamnilung sprach Genosse G r o g e r-- Neukölln über:„Der Kampf um die Neu« yestallung Teulschlands'". In der Diskussion wurde von einigen Rednern die eventuelle Nolwendigkeil eines EinlrilS von Sozial- dsnokraten in die Regierung zugegeben, doch auch die Schwierig- leiten, die sich einem solchen Schrill heule noch cntgegenslcllen, ge- würdigt. Die ebenfalls ousgeivorfene Frage, ob unser Purtei» Programm den veränderten nitrlschafllichei! Verhältnissen noch ent- spreche, veranlaß!« den Vorsitzenden, entsprechende Vorlräge während de§ Winters in Aussicht zu stellen.— Die beantragte BeitragZ- erhöoung auf 60 Pf. und 30 Pf. wurde einstimmig beschlossen.— Scharfe Verurteilung fand der Beschluß des GeioerkschaslSkartells, den Wahlverein von der Weihnachtöseivr auszuschließen, den unob- bängigen Wahlverein jedoch nicht. Dies vereinbare sich nicht wu dem Charakter des Siariells als unparteiische Körperschafl. Der LZahlvcreiil ivürde uiuer diesett Umständen de» in Aussicht genoni- menen Kostenbcitrag nicht leisten. WetlerauSstchren tiir das mittler« RorddriltiNtla»» tiiS Mvntagmittag. Mild und zeitwcüe ausklarend, jedoch vorwiegend trübe mit weiloerbreuden, im Norden vieljach starke», im Süden schwächeren Rexcnsällen. In der V S?niitt ä �-ZiehMß wllrden GMükke uM 2t0 Mk. gezooen: S Gewume zu 10 000 Mi. 167489 229637 6 Gewinne zu 5000 Mt. 88197 3 42184 160271 78 Gewinne zu 8000 Mk. 717 3588 16627 16992 44144 47655 54069 55500 66417 67478 78432 81345 87950 99892 101980 103046 112742 329388 132833 142998 3.60367 160629 163474 164216 169266 172970 177862 193070 196963 202333 204122 204914 206748 210937 23,1187 221925 222544 229764 232234 164 Gewinne zu 1000 Mk. 5037 6522 17951 28789 32870 33096 35009 38377 43837 45420 4637£f 46471 47673 48476 48638 62134 63339 64396 68250 98903 73876 76152 78020 82740 82900 862Ö1 87866 88169 92974 96587 107482 100031 110251 11O023 118767 118862 118902 126257 126512 127272 130961 137270 139427 142644 146246 148812 150800 151652 162O06 155770 163781 165137 168035 168872 179164 151292 182220 182669 183411 185894 185870 167988 188446 191706 193032 197401 206302 206143 208233 210903 211281 212237 24333 228261 229367 230646 222639 213586 217197 217812 231033 192 Gewinne zu 500 Mk. 256 1194 1692 2182 6353 8080 9232 9463 10712 11036 12226 15595 16357 17205 17821 20372 25691 Ö0Ö65 37078 39988 43154 43176 4442» 49770 59105 60760 61729 68506 71295 72471 77514 78593 79799 80934 87692 91729 87284 106599 108120 109069 109245 109532 111218 121056 121073 124675 136243 137469 138399 141571 158134 159385 160189 163244 163326 164661 165572 175853 178118 178629 179215 181082 184106 185799 191901 193265 193464 199761 200759 202872 203099 208114 209780 200602 2k4673 214706 217067 217465 224824 226307 228546 229033 229047 230922 231430 2323 16870 40510 71012 92494 119507 15073| 168616 185851 207069 217611 � Jn der N tag?-Ziehstlig lvÄdest Gewinne über 240 R?. gezogen: 2 Gewinne zu 10 000 Mk. 55369 4 Gewinne zu 5000 Mk. 194651 201988 60 Gewinne zu 3000 Mk. 11788 33310 35097 35553 38952 38679 59544 61167 69830 75906 93551 95793 96760 104952 114171 118989 123030 149853 160149 154050 157010 167660 188207 199467 201664 211124 215729 220119 225208 232293 160 Gewinne zu 1000 Mk. 1610 6352 7185 14845 35874 36309 21363 22863 26682 28808 31793 33585 42354 43842 51937 62759 53854 65242 58487 62590 63065 64937 65826 67005 67726 66227 77078 77574 84118 86331 91393 102592 102645 102834 103122 105950 108537 111107 119847 122301 122597 124579 126871 127699 133008 135711 335765 137595 138118 142273 145850 156516 155960 157562 160426 162518 164908 166053 171265 172664 172702 173828 176113 184340 188988 195357 201354 202900 204928 205155 206876 209680 210356 214807 215911 222905 224488 229755 231860 233734 218 Gewinne zu 600 Mk. 5938 6957 7481 9270 9841 10177 10831 11818 18848 39972 20836 25663 28327 31756 34744 35222 42627 51264 51781 69439 60981 64112 64568 64767 65990 66736 68119 74659 75408 76906 77842 60786 85615 88117 91608 93537 98487 103718 104252 104992 105269 306209 108175 109930 114284 1346.15 117861 122472 123531 126221 130378 330388 130713 131400 133834 137753 137880 138273 138639 140062 141594 142515 148116 148499 149385 149573 151051 151607 155439 155811 160086 160484 161365 161782 163033 163204 169106 171227 171736 172309 174721 176032 177952 178192 178397 1.78750 179309 3 80481 387750 189371 189982 191374.191462 192519 194987 195250 398756 208303 210204 213263 213622 218671 223143 223201 228450 226920 230108 231370 233919 Ortsverwaitung Berlin. Vtilitarbranche. Dienstag, den 4. Dezember, abeuds pünktlich 7 Nhr, im große» Saale deS�ewerkschaftShauseS, CngelnfertZ: MMÄMllW'WMMW. Tagesordnung: 1. Ric bisherigen Vorarbciien zut Erneuerung dcö Tarif« Vertrages. 2. Die letzte SchlichiungSkommIssionS-DerhandlMig. Branchcnangelezenheiten. SPüF* Achtung! lim den groBen Siel für unser« Versamm- lurg jb liekcmmen. waren wie Wider nenütigl, aumhmsweis« den Dienstag als Versamm kmgstsg.tu Wahlen. Wir bitte», darauf besonders LI. Lintenstraste 83— tiS. t'telchSftSzeit von S— 1 UKr und von 4—7 Uhr. Telephon: Amt Norden 165. 1239, 1987, 9714. Moutag, bett 3. Dezember 1917, abends 8 Uhr: Versammlung alltt m Mktaligitßkmell beschaftigltn Former nnb Kerufsgeasffell im Lokal„SKd-Ost", Waldcmarstr. 76. Tagesordnung: 1. yabresbericht. 2. Neuwahl der AgitaiionSkommission und deS Äranchenlcitcrs. S. Verbands- und vranchenangelegenhelten, lZn Anbetracht der Wichtigkeit der Tagesordnung ist cS Pflicht eines jeden Kollegen, pünktlich zu erscheinen. 220/8 Ztzle Orltiverwaünng. tsm ««MWA« Berßa«wUM. Dienstag, den 4. Dezember, abends S Uhr, im Lchrcr�Vereinshaus, Aloxanderstraße 41: WWW SN GMOWMlM. Tagesordnung: fSPtfetTUng der Oishuffion über den �ahresbevidht des Yorftandes und des Huf fichtsrats. Konsum-GLnoflruschaft Kerli« und Umgegend elngetrageue Geiiossenschaft mit bcfchränkier Hasipflicht. 107/4 Itze»» Vorstansi. Der Anfsicktsrat. R. Junger. 0. Schnitze. W. Lamm. A. Minis. P, Müller. I. A.: f. Gllttler. Der Gintritt kann nnr den eingetragene» Mitgliedern gegen Borzelgnng der braunen LcgttitnationSknrte gestattet werde».'Ms« SklMS mW' ilsMMkki' MMMVSMtiMWk». . vrtsvorwaltnng«vrlln.- MSM der LlMrel'li.«!kM«. Zahlstelle Berlin. Heute Sonntag, 2. Dezember 1917, nachmittags 1 Uhr: Mitglieder-Versammlung aller i« den Lager- v. Malzbicrbrauereicn Grosz- Berlins beschäftigten organisierten Arbeitnehmer im GewerkschaftShanS. Engeluser 15, großer Saab Tagesordnung: Ttellnngnahnie zum Ablauf des Tarifvertrages in de» Lager- nud Malzbicrbrauereicn Grost-Berlins. Di« wichtige Tagesordnung macht es jedem organisierten klolleaen zur strengen Pflicht, in dieser Veriammlung zu er- scheiuen Mirglirdsbuch ober-karte der Gewerlschaft berechtigt zum Eintritt. Kollegen! Erscheint zahlreich und pünltlich, da der Saal um 4 Uhr geräumt werden mutz. Die OrtSverwaltung Berlin des Verbandes der Bronerei- und Mühlcnarbeiter. I.A.: L. Sodapv. 47/lt» BlUthuersaal T'/j, TJlir GRAF hoensbroech; Tb? Graf Hertling,"TESÄiS-'1 j Kart. M. 1 bis 4.— hei Bote& Bock u- Wertheun. KfttistLZflhnes%k in moderner, isdergewünsohten AuatUhrung.m. u. ohne Platte. mit echt. PriedeRSlcautschuk, Goldkronen, Brücke«. Plomben, Umarbeitungen, Reparaturen sotert. Billige Preise, a. Teilz. Zahnziehen in drU. Betäub., epsz. f. ängstliche nerv. Patienten. 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Die vorliegende Swrist bekämpft nicht nnr die Irrtümer eines einzelnen tAenoisen. sonder» die einer genzen Richtung in unserer Dartei, aber sie stüdt fiw in diesem Kamvfe immer und Überall auf die Geschichte, aus die tSrundsätze...... DreiS Mark 2,5» Buchhandlung Vorwärts, Lindenstr. 3(Laden) ..— i H�btztzdbd» I»>>> la Kran seuKSoie in, und fCIinikeB im Gebrauch— Bchnellste l'Ir?OzR0 auch hei hartnRoltigen Fftiiep. '' mit ttücklaat-Katketer rSANABO?;_____ • ecklttiiapück»»»Ic iuti. Urvsj: ohne Berrufestörung ■' Berlin W, Biüowelr. 12, pl. Sprachst.: ia-% 0—«; donnt.: II— 1 ;:Tek Ltzw. 0604, Nolldt. 5fa L Damen 12-1,&-C. --------- SamlaUrat Dr. Paul Wolff. I MMWMWmMM Opfsverwaltang Berlin. Dem Andenke» unserer im Felde gefallenen und verstorbene» Kollegen gewidmet. �lbrecZlt, Hsns, Elektromontenr. gcB. 29. September 1879 in Posen. Biartoff, Otto, Arbeiter, geb. 7. November 1880 in Rummelsburg. Brunzlow, Richard, Dreher, geb. 7. Juni 1898 in Strausberg. Eifier, Hans, Schlosser. geb. 12. Dezember 1898 in Berlin Fiedler, Adolf, Former. geb. 30. September 1885 in Jalobsdors. Gelbhaar, Arno, Mechaniker. geb. 28. März 1885 in Berlin. Qoüetzke, Friedrich, Arbeiter, geb. 11. Februar 1884 in Rom!. Kamme, Otto, Arbeiter, geb. 14. Juni 1891 in Neukölln. Hinz, Hermann, Schloffer, ge�. 16. April 1892 in Gumbinnen. Kähne, Paul, Rohrleger, geb. 18. November 1875 in Ketzin. Lehmann, Richard, Former, geb. 25. März 1898 in Berlin. Lehr, Richard, Arbeiter,. geb. 12. April 1891 in Berlin. Mücke, Oskar, Bestoßer, geb. 3. Juni 1878 in Friedrichsberg. Rendant, Erich, Mechaniker, geb. 27. März 1896 in Berlin. Richter, Georg, Gürtler, geb. 9. Dezember 1877 in Niederlviese. Ritter, Willi, Gürtler, geb. C. November 1895 in Berlin. Sieber, Richard, Arbeiter, geb. 7. August 1890 in Leipzig. Zollbüsch, Wilhelm. Schlosser, geb. 19. April 1885 in Berlin. Zprnng, Karl, Arbeiter, geb. 9. September 1886 in Gransee. Sroka, Rudolf, Werkzeugmacher, geb. 1. Juni 1894 in Berlin. Schüdhauer, Max, Helfer, geb. 20. November 1879 in Berlin. Stärke, Hans, Schlosser, geb. 20. November 1893 in Barth. Ehre ihrem Andenken! Die OrtSverwaltnng. 220/10 W Vezirksverwaltung(»?of?-Berlin. Folgende Kollegen sind im Felde gefallen: FeröluaM Wicke. Bi-rfahrer. Franz Gresiak, Lagerarbeiter. Faid GFÜUner, Geschäftsdiener. iax Klempau, Möbelträger. Fritz KotteFba, AutoWäscher. Älfml Skeratb, Droschkenchauffeur. Hermann S&belatis, Straßenbahner. Walter Selmlz, Geschäftschanffenr. ilbert Träger, Fahrstuhlführer. Ernst üteeöt, Straßenbahner. August Weiß, Straßenbahner. Paul Weyer, GcschSftsdiener. Ehre ihrem Andenke»! l 11/7 B!e Be»irk»Ie!t»ri»zx- LeutlÄer Crllnzportlli'beiterverbllntl. Bezirksverwalt. Eroh-Bcrlin Don Mitgliedern zu: Nach- richt, dag nnser Kollege, der Hausdiener tmM rinüßou am 28. November im Atter von 78 Jahren verstorben ist. Die Beerdigung findet am ZllontaiZ, den>3. b.' M.. nachmittags 2'/, Nhr, von der iteichenballe des Thomas- KirchhoseS in Neukölln, Her- mannstrage, aus statt. Nachruf. Ferner starb unser Kollege, der Packer MM MM von der Firma Hagelberg, Marienstrage, am 26. Nö- vember im Atter von 52 Jahren. iShre ihrem Andenken! vis Bozii-ilvvinraltinig. Verband der Sattler und Porteleulller. örtsverwaSluns Berlin. AiS Opser des Weit- krieges fiel der Kollege Karl Käelier 34 Jahre alt. Ehre seinem Andenken! 160/17] Dia Ortsverwaltung. Freunden und Bekannten zur Nachricht, daß mein lieber Mann 1002b Paul Grüttner am 21. Sept. d. I. im Alter von 30 Jahren sein Leben lassen mutzte. Tieibetröbl Berta Grüttner gB. Ott nebst Tochter Dorothea. Neukölln, Heidelberger St.3t. .MV Ais Opser dieses Weltirisges nach 33 Monaten! starb im Feldlazarett am 12. Novetnber 1917 in- jolge Ruhr mein innigstgeliebler Mann, der bis! zum letzten Atemzuge lreusorgende Vater seiner Kinder, der Gesreite 107/3 j Iteinliold Speck im Alter von 40 Jahren. Im Namen aller Verwandten Deine untröstliche Gattin Klara Speck geb. Meistner j nebst Kindern Kate und Reinhold, Schöneberg, Fregestr. 18. Gar einfach war dein Leben, du dachtest nie an dich, Nur für die Deinen streben, galt dir als größte Pflicht. Wer dich gekannt, weiß, was wir verloren. Deuttcher Ulefallarbeiter- Verband. Verwaltungsstelle Berlin. Den Mitgliedern zur Nach- Acht, daß unser Kollege, der Schnitt arbester MW« UMM. Frankfurter Allee 359, am 23. v. M. gestorben ist. Die Beerdigung findet am Montag, den 3. d. Mts., nachmittags 2'/. Uhr, von der Leichenhalle des St. Pius-Kirchhojes in Hohen- Ichönbaussn- Z?iihclmSbcrg aus statt. Ziege Beteiligung wird erwartet. Nachruf. Den Mitgliedern serner zur Nachricht, dag unsere Kollegin, die Arbeiterin WM LldriA. Lichtenberg, Blumenthal- straße 22, am 20. v. M. ge- storben ist. Arbeiter- Radfahrer- Bund .Solidarität1. Mitgliedschaft Neukölln. Den Mitgliedern zur Nach- richt, dag unser Sportsgenosse Paul Fiseder am 27. Nov. verstorben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Montag, den 3. Dezember, | nachm. 31/, Uhr. aus den, | alten Neuköllner Friedhos, I Britz, Rudower Str., aus statt. Um rege Beteiligung ersucht j 10/2 Die Ortsverwaitung. Den Mitgliedern ferner zur Nachricht, dag unser Kollege, der Arbeiter Mkl SWMM. Wanteufielstr.83, am 25.V.M. gestorben ist. Den Mitgliedern serner zur Nachricht, datz unsere Kollegin, die Metall- arbeiteri» MW Veraer. Manteusselstraxe 68, am 24. v. M. gestorben ist. Ehre ihrem Andenken I 220/6 Die Drtsverwaltung. Verband dcrKupferFthmiede Deutschlands. Filiale Berlin. Am!. Dezember ver- starb nach längerem Leiden unser Mitglied Gustav Leidig im Alter von 58 Jahren an Darmkrebs. Die Beerdigung findet am Dienstag, den 4. De- zcmbcr, nachmittags 3fi,Ubr, von der Halle des Friedens- Kirchhofes in Nordend auS statt.' Um regeBeteiligimg ersucht Der Borstand. H»q. Kranken- u. Sterbe- kaffe d. deutsch. Drechsler u. d. Berufsgen. CriatzkaHe.| | Verwaltungsltell. Berlin b. Am 29. November verstarb | unser Mitglied Emil Wollt 1 TcmpcIh.,Schönebcrgcr St.5. | Ehre seinem Andenken k Die Beerdigung findet am 1 3. Dezember, nachmittags 3'/zUhr, von der Leichenhalle des Tcmpclboser Gemeinde- ! sricdhoses, Eermaniastratzc, > aus statt. 4l/8 Verband dersadrikarbeiter Deiiticblands. Verwaltung Groll-Berlin. Rachruf. Am 13. November verstarb unser Mitglied Mn Wer. am 21. November verstarb unser Mitglied SM«ch. und aur 23. November unser Mitglied WA« Slmerl. Ehre ihrem Andenken! I 241/5 Die Drtsverwaltung. Allen Verwandten, Frcun den und BckanMcr: die traurige Nachricht, datz am 30. November, morgens 2fi, Uhr, meine liebe Frau, unsere herzensgute Mutter und Großmutler Auguste kohm nach kurzem Leiden eni- schlafen ist. Um stille Teilnahme bittend für die trauernden Hinter- bliebenen Ii. BUlini. Die Beerdigung findet am Dienstag, nachmittags 31/, Uhr, auf dem Friedhof der! Luther-Gemcinde in Lank- j Witz statt. 1006b. Den Heldentod sür'S Vater- I land erlitt durch Brustschutz l nm 12. November 1917 unser lieber Sohn und Bruder, | der Gesreite Fritz Kotterba 1 Inhaber dcS Eisern. Kreuzes, lim blühenden Alter von 1 23 Jahren. 992b In tiefftem Schmerz ! Hedwig Kotterba als Mutter Artur Kotterba s nls»räd?r | Bruno Kotterba 1 at6'ötltE>a' Ein einsam Grab, vom ! Sturm umgrollt,keincBIumc i draus, keine Schritt von Gold. I Das alles nur ist ihm ge- I blieben vom Jugendlenze, vom Leben und Lieben. Am 27. November fiel im Luitkanipf unser lieber, guter, hoffnungsvoller Sohn und Bruder, Schwager und Neffe im Atter von 26 Jahren Vizcfeldwcbel Ibeodor Fuebel Flugzeugführer, Inhaber d. Eisernen Kreuzes I. u. II. Kl., des Flieger- abzcichcns u. der bulgarischen Tapjerkeiismedaille. Die ticftraurigen Hinter- bliebenen. 988b Berlin, Erfurt, Herford. Spezial-Arzt Dr. sied. Hascht, FriedriGhstr.90®�bcLTnV Bchandi. von Syphilis, Hanr. Harn-, Frauenleiden, spez. chron. Fälle. 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Ehronitcheö Hüstgclenkleideu i wiederholt erfolgreich behandelt.— 8. Frau E. Ho-! dorsf, Berlin, Colbergcrflr. 28/29. Nerven- u. Knoche»-! hantcntzündung— vollständig gelähmt— geheilt.— 9. Frau Prcust, Pankow, Damerowslr. 54. Lungen- bluten in 4 Tagen vollständig geheilt.— 10. Frau ! E. Herzwann, Schöncberg. Feurigstr. 61. Eiternde Fistel nach Plinddarmopcratiön geheilt.— 11. Herr! E. Ritter, Friedenau, Sponholzstr. 56. Von Kuie-\ gelentleiden geheilt.— 12. Frau 21. Rohrmoser, Berlin, Breslaucrstr. 1. Altes stiufzehujähriges Herz- leiden geheilt.— 13. Herr M. Ziuffncr. Rcinickcn- dorf-Weft. Slntonienstr. 3. Kicfervereitcrung geheilt.—! 14. Frau H. Hagel, Sachseuhausen b. OranienSurg L M.> llntcrf.-Blutungcn und Nervenleiden geheilt.—! 15. Frau Ww. Fritschler, Berlin, Marienburgerstr. 48.! Darmgeschwulst geheilt.— 17. Herr Erich Bock,! Berlin, Haoetbcrgerstratzc 15. Von Nieren- und Blasenleiden, Wassersucht, allgemeiner großer Schwäche geheilt.— 18, Frau Restaur. Hering, Berlin,| Schönhauser Allee 87. Von Basedowscher Krankheit geheilt.— 19. Herr 31. Breie, Bln.-Dcmpelhof, Friedrich-Ailhelmstr. 14. Schwere» Rücke nmarklciden siiit Lähmung der Beine vollständig geheilt.— 20. Frau E. Popp, Bln.-Lichteilbrrg, Gärtncrftr. 10. Bon chro- nischcr Herzschwäche und Verstopfung gShcilt. — 21. Herr A. Schladitz, Berlin, Eaprivislr. 24. Bor, GefichtSluPuS geheilt; vorder mit Radium erfolglos behandelt.— 22. Herr A. Hellwig. Bln.-Borsigwatde, Ernsttte. 25. Bon'Magcngefchwulst, Tierstvpfung und! Nervenschwäche geheilt.— 23. Herr Milch Händler Eckert. 1 Berlin, Greisen hagenerstr. 26. Bon gichtisch rheumatischen Schmerzen m Bein und Fußgelenk geheilt.— 24. Herr | Gastwirt E. Michaelis, Eharlottenburg. Wallftr. 87. Bon chronischem Leberlcidrn und Gelbsucht geheilt. — 25. Frau M. Kuorr, Bl».-Lichtenberg, Scharn- weberstr. 62. Bon Herzschwäche, Leberanschwelluug\ uiii» Magenkrebs geheilt.— 26. Sohn Paul des! Wei-benstellerS Hcrrr: Wilhelm Haffner, Bln.-Westriid, Beamtcnhaus. Bon schwerem Bcinlcide« geheilt.! Bein sollte abgenommen werden. 249/16" I ■Wf Briefliche Original-Anerkennungen von uns geheilter Patienten stehen im Wartezimmer der Anstalt auf Wunsch zur Einsicht. ♦ Getrennte Behandlungsräume für j Damen und Korren! ❖ Sprech- und Bchandlungszeit; 9—1, 4— T'/s-— Sonntag und Feiertag: 9— t. Die ärztliche AnstaltSIeitung: HeilnustaltSbefitzer Professor P* Bilisi@lsky approbiert im Ausland Kerlin 80. 16, Krückeastr. Ivb am Dalinliok Jannon-itsbräckc. Haut y und Beiaiieiden behandelt schmerzlos ohn. Bernfsstärnne Neukölln, Eichner, Berliner Sfcr. 75, v. II. HomöopatiL Ambalatorinm. Spreclist.: 9— 1, 5— 7(auß. Sonnabends), Sonnt. 9— 1. 1000 M. Belolinuns In der Nacht vom 29. bis 30. 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Haoas wendet aus Peter�urg: Der e'ße- � rnalig« �ominoridoin der Hauplfront General TsckeremMow wurde auf dem Wey« nach Pslow mit seiner Familie, verhaftet und nach der Pmr-Pnül-Festung ubergeführt, weil er einen Befehl nicht auS- geführt hatte. � Neutralität bis zum äußersten. �dreikonigstag in Kristiania. Kristiania, 1. Dezember. In der Konferenz der König« von Schweden, Norwegen und Dänemark und der sie begleitenden Minister wurde Einigkeit über folgend« Fragen festgestellt: Auf Grund des ZuskiKmeugehörigkeitSgefühlS der drei Lander find die Regierungen darin einig zu erklären: Wie langwierig der Weltkrieg auch werden miige, so soll das freundschaftliche nnd vrr- »raueusvolle Brrhältnis zwischen den drei Reichen gleichwohl auf- rcchlcrhaltcn bleiben. Uebcreinstioimcnd mit den früher abgegebenen Erklärungen und niit der bisher geführten Politik, ist es die bestimmte Absicht der drei Reiche und eines jeden für sich, ihre Neutralität allen kriegführende» Mächten gegenüber bis zum äußerste» aufrechtzuerhalten. Gegenseitig wurde der Wunsch ausgedrückt, einander während der herrschenden Schwierigkeiten in er- höhte in Matze bei der Versorgung mit den not- wendigen Waren Hilfe zu leisten. Um den Waren- nuStausch zwischen den drei Ländern wirksamer als bisher zu fördern, einigt« man sich dahin, sofort nach der Zusammenkunft besondere Vertreter zusammentreten zu lassen zwecks Ausarbeitung der hierzu nötigen Vorschläge. Man behandelte die Frage einer Erleichterung der Fremdengesetzgebung in de» drei Ländern gegenüber Bürgern der beiden anderen Länder. Man einigte sich dahin, die vorbereitenden Arbeite» zur Wahr- nehmung der gemeinsamen Interessen der neutralen Staaten während des Krieges oder«ach Kriegsschlutz fortzusetzen. Der König von Schweden, der Kristiania jetzt zum ersten Male seit der Auflösung der Union wieder besuchte, hielt im Königsschlosse eine Rede, die zur Schaffung einer neuen Verbindung auttorderte, nicht einer Verbindung der allen Act, sondern einer de» Aerständ nisses nnd des Herzens, deien Lebenslrast, so hoste er, von festerem Bestand sein werde als die der früheren. Der König von Norwegen hielt bei Eröffnung der Konferenz eine Rede, die in dem Besuche den Beweis sieht, datz das. was früher zwischen Schweden und Nortregen gestanden hat, keinen Schatten mehr auf die Einigkeit des Nordens wirft. die Wahlen zur Konstituante. Amsterdam, 1. Dezember. Bei den Wahlen zur Gesetz gebenden Versammlung gewannen, wie„Times" aus Peters� bürg meldet, die M a x i m a l i st e n dort sechs, die Kadetten vier, die Sozialrevolutionären zwei Sitze, die ondereir Parteien keinen Sitz. Die Maximalisten sind jetzt im Besitz der NeichSbank, alle anderen Banken sind ge schlössen._ Sibiriens Unabhängigkeit. Amsterdam, 1. Dezember. Ein hiesiges Blatt meldet aus London, nach dort eingelaufenen Berichten werde S i« b i r i e u sich unter der Führung P o t a n i u ö für unabhängig erklären. Die Minister seien bereits ernannt worden. Die neue Regierung werde überall sympathisch degrüßt. Zu einer Anzahl von Orteu wehe bereits die sibirische Flagge. Bei der Unbestimmtheit der Quelle dieser Meldung läßt sich nicht feststellen, auf welcher Grundlage und wie die Pro- klamiernng der Unabhängigkeit vor sich gegangen ist. Der Name Potanin ist aber in der Geschichte der Autonomie« bestrebungen Sibiriens seit Jahrzehnten ein feststehendes Programm. Der greise Schriftsteller hat sein ganzes Leben der Erforschung Sibiriens und der Verfechtung der Idee der Autonomie entsprechend der Eigenart des' Landes gc widmet. Das geheime Dranting-Telegramm. Stockholm, 1. Dezember.(Eigener Drahtbcricht des„Vor wärts".) Laut„Socialdemokraten" telegraphierte G u l k j c witsch an B r a n t i n g, daß er nicht die Exaktheit deS in der„Prawda" publizierten Telegramms anerkenne.„Social demokraten" erklärt indes auch die Aktion, wie sie im Tele gramni dargestellt wird, als unanfechtbar. Branting habe Rerenskis wirkliche Stellung zur Konferenz feststellen wollen, um für Aufhebung der Paßverweigerung besser wirken zu können, und habe sich deshalb an den russischen Gesandten gewandt. Ebenso harmlos sei das von Gnlkjeivitsch hinzugefügte Wort(Quelle); es sei erklärbar aus dem Wunsch nach guten Verbindungen mit den Mitgliedern des Konicrcnz- komiteeS, um die dortige Stimmung zu kennen. Gegen belgischen Mnnexionismus. Stockholm, 1. Dez.(Eig. Drahtbericht des„Vorwärts".) Vandervelde gründet in Havre mit Brouckere und T ew i nn e ein Tageblatt. Die Absicht ist, dem klerikalen ann e xi o nifti s ch en„S iscle". dem einzigen an der Front der Belgier zugelassenen Blatte, ein Gegengewicht zu bieten.___ Der Krieg auf öen Meeren. Berlin, 50. November. Neue U-BootS-Erfolgc im Sperrgebiet um England 13 000 Sr.,R.-T. Unter den versenkte» Schiffe» befand sich ei» schwer de- lade» er Dampfer von mindesten» 6 00 0 Tonne», der aus einem stark gesicherten Geleitzng herausgeschossen wurde. Ter Chef de» AdmiralstabcS der Marine. Berlin, l. Dezember. Amtlich. Eines unserer Unterscrbovte, Rammandant Dberlcutnaut zur See Balcntiuer, hat neuerdings i m östlichen Aermelkanal unter schwerster scindlichcr Gegen- Wirkung fünf Dampfer mit rund 2t OOS Sc..«..?. versenkt. Einer der Dampfer flog unter einer gewaltigen Detonation in die Luft; er hatte offenbar Munition geladen. Ter Chef de» AdmiralstadeS der Marine. Kleine Kriegsnachrichten. Ein österreichisches Ministerium für Boltsgcsundhcit. Wien, 25. November. Der Kaiser hat die Ernähtiing eines Ministeriums für Bollögesundheit genehmigt und den Ministerpräsidenten ermächtigt, einen hierauf bezüglichen Gesetzenttvurs im Rcichsrat einzubringen. Die Kohlenversorgung im Haupt- ausschuß. Der HauptauSschutz de» Reichstage» fetzt« am Sonnabend die am Freitag abgebrochene Haferdebatte zunächit nicht Wetter fort, sondern erörterte die Versorgung mit Hausbrand. Abg. Hoch erörtert eingebend die Wirkunzen des Kohlen. mangels. Ter Rcichskomnnssar hat!« den Zechenbaronen gegenüber ganz anders auftreten müssen. Entscheidend darf nur sein da» Interesse der ärmeren Bevölkerung. Der Handel bat fast völlig versagt. Das Gefühl der Unsicherheit in der Koblenversorgung wird immer stärker. Ein Vertreter der Regierung schildert die Maßnahmen in der Kohlenversorgung und bestreitet, daß auf den Großhandel zu viel Rücksicht genommen worden sei. Auch gegen die Zcchenbcsitzer sei scharf vorgegangen worden. Abg. Gothcin: An der Spitze der Kohlenhamster scheine die Ver- Wallung des preußischen Abgeordnetenhauses zu stehen. Abg. Wurm itlnabh. Söz.) schildert die Wirkungen des Kohlen. mangels in Berlin. Kohlen, die den Gemeinden zugewiesen wurden, sind nicht selten von der Militärverwaltung beschlagnahmt worden. General Sckcuch: Bon militärischer Seile geschieht alles, um die Kohlcnzufuhr nach Berlin und die Absuhr zu sichern. Abg. Lifft s Eßlingens meint, daß bei der R ü stu n g s i nd u- itri e eine weitere Einschränkung der Versoyzckng mit Kohlen nn- t u n l i ch. sei. Abg. Hrch: Der Vertreter deS Reichskommissar» ist über die wichtigsten Fragen einfach hinweggegangen. Die Antwort der Heeresverwaltung ist völlig ungenügend. Die Gemeinden, die großen Wald bestand haben, muffen gezwungen werden, Holz schlagen zu lassen. Damit ist diese Debatte erledigt und der Ausschuß trat in die Fortsetzung der Beratung über die erfolgte Erhöhung der Hafcrpreise ein. Abg. Rieth hält den Preis von 400 M. pro Tonn« nicht für zu hoch. Abg. Wen ndors ha! große Bedenken gegen da» eingeschlagene Verfahren. _ Abg. Wurm tUnabh. Soz.) übt gleichfalls scharfe Kritik an dem System des Anreizes durch Gewährung höherer Preise. Staatssekretär v. Waldow: Er sei nur ungern an diese Rege- lung herangetreten, aber eö blieb kein anderer Weg. Die Deckung des Hee�resbedarfes konnte nicht weiter hinausgeschoben werden. Er hcdauerc, daß der Beirat nicht gehört werden konnte. Er habe die Vollmacht selbständig einzugreifen, wenn die Kriegsnolwendigkeit das erfordere. Abg. Baner�(Svz.ft Der Staatssekretär des KriegsernährungS- amts hat den HaferpreiS, der zuzüglich der Drufchprämie bereits 536 M. beträgt, bis zum 31. Dezember d. I. um weitere 70 M.. also auf 400 M. erhöht, ohne den als Vertretung de» Reichstages vom ReichSlanzler berufenen ErnährungSbeirat auch nur zu. hören. Durch diese vollkomuien unbegründete enorme Preiserhöhung wird nur die Lcrfütlerung de» Brotgetreides gefördert und die Versorgung des Volkes mit Brot aufs schwerste gefährdet. Die sozialdemokratische Fraktion protestiert auf das schärfste gegen das nur den Interessen der Erzeuge: Rechnung tragende eigenmächtige Vorgehen des Krieg»- eriiäbrungsamte», das lediglich durch fpctgcicftlc PreiSsteige run gen i>ic Erfassung der Bestände an Lebens- und Futtermitteln zu bc- wirken sucht. Tie Fraktion erwartet von der neuen Reichsleitung, daß sie das KriimSernährnngSanrt ungesäumt zu energischem Vor- geben im Intereffe der Verbraucher veranlaßt. Sollten diese Er- Wartungen nicht erfüllt werden, wäre die Fraktion genötigt. die Mitarbeit im RriegsernährnngSamt«inMstttlen und ihre. Vertreter im Beirat zurückzuziehen, weil sie jede Verantwortung für die kommenden Ereignisse«Ii lehnen mub. Staatssekretär v. Waldow bestreitet, daß da? KriegSernährungs-- amt agrarische Interessen fördere. An Schärfe de? Vorgehens habe es das Kr i egsernähru ngsani t nicht fehlen lassen-, der Zwang führe aber nicht immer zum Ziele. Abg. Kreth fordert höchst erregt, daß die Anariffe auf die Land- Wirtschaft aufhören. Damit schließt die Debatte. Ter Antrag, die Frage der Lieferungen ins Ausland, der Kriegs- licierungcn und der Kriegsgesellschasten einem zehngliedrigen Unterausschuß zu überiveisen, wird nach kurzer Begründung durch Abg. Strcsemann a n g e n o m m c n. Abgeordnetenhaus. 100. Sitzung, Tonnabend, den 1. Dezember, vormittags 11 Uhr. Am Ministertisch: v. Waldow. Die ErnähriingSdebatte wird sortgesetzt. Sro» iZ.) bekämpft den sozialdemokratischen Antrag auf Erhöhung der Kartaffelration. Abz. Wcnkc(Bp.): Die Anbaufläche für Kartoffeln könnte leicht vergrößert werden, ivemi die vielfach überflüssig großen W e idcn der Rittergüter dafür bsnutzt würden. Der Für st P letz brauchte nur 2000 Morgen seines Besitzes an gutem Weide- baden mit Kartoffeln bepflanzen lassen und eine Industriestadt von der Größe Waldenburgs könnte davon mit Kartoffeln versorgt werden. Ter Großgrundbesitz weiß sich bei der- Durchführung der KriegSverordnungen gegenüber dem Kleinbesitzer Borteile zu verschaffen.(Große Unruhe rechts.— Bravo I links.) Abg. Hofer(Unabh. Soz.): Die Rechte verlangt, immer höhere Preis«. Trotz hoher Preise geht die Erzeugung von Jahr zu Jahr zurück. Ohne Zwang kommen wir da nicht aus. ES bleibt mtr der Weg einer Ueberwachung und Regelung der landwirt- i Haftlichen Erzeugung übrig. Die Regierung sollte endlich einmal darangehen, eine gerechte Verteilung der Lebens« mittel wenigstens zu versuchen. Die größten Fehler sind mit den Kartoffeln begangen worden. W:r haben in diesem Jahr eine vor- zügliche Kartoffelernte. Nur die Regierwngsstellen tappen über die Ergebnisse im Dunkeln, obwohl die Erntcmcnge bei der Kartoffel genau festzustellen ist. Der heutige Kartoffelpreis ist nicht zu niedrig, er ist viel zu hock. Da» sehe» viel« Landwirte selbst ein. Zur Felwot kommt in diesem Winter auch nock die K o h l e n n o t, mit der die Verkehrsnot im Zusammenhang steht. Sie muten dem allzu geduldigen deutschen Volk sehr viel zu. Zucker, der den Fett- Mangel ein wenig ausgleichen tonnte, wrvd anck nur in geringen Mengen gewährt. Man sollte Zucker nicht ausführen. Die höhere F l e r f ch r a t i o n hätte man ausrecht erhalten sollen, aber man schont den Rlndvichbestand im agrorifchen ZukunfrStntcrcsse. In den Massenspeisungen werden elende Massenfupprn verabfolgt. Diese Zustände schreien zum Himmel. So schlimm brauchte es aber nicht zu fem, wenn die Regierung nicht größere Furcht vor den Agrariern als vor den Massen hätte. Die Großagrarier führen den Hunger- krieg gegen die Großstädter. Im Osten wetterleuchtet es jetzt. Die Arbeiter haben gesehen, daß die Diktatur des Proletariats kein hal!- loser Traum zu sein braucht, wenn daö Volt will. Diese eindring. liehe Aufforderung von Rußlands Proletariat wird schließlich auch bei uns kein kleines Geschlecht finden.(Bravo! bei den Ilnabh. Sozialdemokraten.) 1 Stach weiteren Ausführungen der Abgg. Krüger(natl.), B r ü t t(fk.), I a n v(f.), W ulfsrt(k.l, Bethge(k.), Dr. Ä r u- n c n b e r g(Z.> wird die Debatte geschlossen. In der Abstimmung werden die Anträge der Kommission an- genommen, der sozialdemokratische Antrag ans Erhöhung der Kartoffelration wird abgelehnt. Damit ist die Tagesordnung er- ledigt. Nächste Sitzung: Mittwoch 11 Nhr. Wahlrechtsvorlage. Schluß: ö'A Uhr. Für die best er e Versorgung Oerlins. Die Schwierigkeiten im ErnährungSweftn veranlatzlen am Sonnabend die Berliner ErnährungSkommission, die au» Anlaß der ArbeitSeinslellungen am 16. April 1316 au» Vertretern der RllstungSarbeiterschaft gebildet wurde, im Reichstag eine gemeinsame Aussprache mir Mitgliedern de» parlamentarischen Ernährungsbeirats und anderen Abgeordneten zu veranstalten. Im Laute der Verhandlungen, an denen als Per» tretec des Berliner Magistrat» Herr Diadtrat Dr. L o h n i n g, al« Mitglieder des parlamentarischen ErnährungSdeiratS die Abgeordnelen Bauer, Molke nbuhr. Robert Schmidt, Wels und Dr. Mendorfs und weiter die Abgeordnelen Wurm und E b e r t teilnahmen, wurde Herr UntersiaaiSsekretär Dr. Brau n vom KriegSernährungSami ersucht, an der Beratung- teilzunehmen. um die Wünsche und Klagen der Arbeiterschaft persönlich entgegenzunehmen.— Die Vertreter der Arbeiterschaft erliärten mit aller Deutlichkeit, daß cs unmöglich sei. mit den jetzt festgesetzten Rationen auszukommen, daß der Schleichhandel und Wucher unter de« Äugen und der Begünstigung der Behörden blühe. Eine Erhöhung der Kartosselralion auf 10 Pfd. sei unerläßlich und auch möglich.— UiUerstaalSseirelär Dr. Braun versuchte in län- gcren Darlegungen nachzuweisen, daß das K.E.A. alle» getan habe wa» in seinen Kräften stand. Der Anregung de» verbandlung»- leiters Ebert, die angeschmilenen Fragen in der nächsten Sitzung de» ErnährungSbeirals zur Verhandlung zu bringen, stimmte der UuterstaatSsekretär zu. Die Sitzung ssndet im Lause der kommenden Woche statt, in ihr wird auch über die Erhöhung dcä Haserprrise» und die Unterbindung de» Schleich- Handel-' verhandelt werden.__ Magenschrmere für üie Wahlreform. Qder: Wenn zwei dasselbe tvu. Auf einem Bahnhof sah jüngst ein Wehrinann. der im Zivil» beruf Gastwirt ist. unter anderen Stückgütern einen mächtigen Kübel. der die Ausschrist„Wagenschmiere" lrug und vom Pommer« schen Viehhandelsverband an den O e k o>t o m e n de» preußischen Landtages odreisittt war. Neugierig, wozu man im preußischen Abgeordnrtenhause Wagenschmiere brauche, hob der Wehrmann den Deckel und entdeckle, daß der Inhalt an» prima Schweinefett bestand. Der Wehrmann, der au» seinem Zivil- beruf wußte, daß man init kleinen Gastwirten in ähnlichen Fällen wenig Ilmslände macht, erstattete Anzeige. Er erhielt aber die Ant- wort, die Erhebungen hätte» allerdings ergeben, daß das Schweine- fett zur Verpflegung der Abgeordneten bestimmt sei, die falsche De- klaration sei aber nur erfolgt, um den Transport vor Diebstahl zu schützen, so daß eine strafbare Handlung nicht sestznstellen sei. Der Staatsanwalt hat die letzten Gründe»einer Weigerung vielleicht doch für sich behalten. Allerdings soll alles Fett.� daS der Staatsbürger dann nicht bekommt, durch die Reichsfcttstelle gc- leitet werden. Allerdings entsteht die Frage, wie der Pommersche ViehhondelSverband Fett abgeben kann, da er eS doch an die er- wähnte ReichSseltstells hätte leite» müsse«? Aber lag nicht ein höherer staatlicher Grund vor, diesmal mehr als ein Auge zuzu- drücken? Die innerliche Einfettung der Herren Abgeordnelen soll offenbar ein reibungsloses Zustandekommen der Mahlreform ermöglichen. Sagt doch schon das Sprichwort: Wer gut schmeert, der gut fährt!__ ftaf öss Meffers Schreibe. In seiner Sonnabend-MorgenauSgobe wirft das„B. T." die Frage auf, ob es im preußischen Abgeordnetenhaus einen MehrheitSblock für die Ernführuiig de» gleichen Wahlrechts gebe und kommt zu folgendem Resultat: Gegen- über den zweifellos wahlrcchtSseindlichen 118 Koniervativen und höchstwahrscheiniich wahlrechrSfeindlichen ot Frcikomervaiiven sind im Abgeordnetenhaus vorhanden 73 Nationalliberale. 10 Fortschritrler, 103ZentrmnSleitte.:2Polen.10SoziaIde»tolraten beider Richtungen und 3 Wilde, zusammen 211 Nichlkonscrvative, die gegenüber den Äonserva- tivsir ein Nebcrgewicht von 33 Stimmen haben. Eine derartig« rein ziffernmäßige Berechnung wäre aber ein Trugschluß, denn von dieser Mehrheit sei mindestens ein Drittel der uotionalliberale-.t Stimmen abzuziehen, nämlich der schwerliberale Flügel um Fuhr- mann. Hirsch und Konsorten. Auch vom Zentrum müsse man wenigstens 10 Mann abziehen. Die Entscheidung liegt also auf des Messer» Schneide. Au» diesem Grunde fordert da»„B. T.", dai; sich die wahlrechlsfreundlichen Parteien im vorau» aus ein festes Aktionsprogramm einigen. In Esse« erklärie Herr v. Tirpitz ans einer Versammlung der Vaterlandspartei, daß niemand sti Deutschland, vom Höchste» bis zum Letzten, diesen Krieg angestrebt oder gewünscht härte. I» Esse it eiferte Herr v. Tirpitz gegen den englischen Mammo- niZmuZ und Kapitalismus, während Deutschland im Gegensatz dazu „durch Arbeil jeder Art" blühe. In Eisen appellierte Herr v. Tirpitz an den G e m e i n s i n n und die U n e i g e n n ü tz i g k e i t. In E i s e n wetterte Herr v. Titpitz gegen die Trustmagnateu Eng- l a n d» und A m e r i k a s.— In E s s e n befindet sich bekanntlich der Sitz der Firma Krupp. Friedbcrgs Mandat. Das Landtagsmmrdat des Abgeordneten Dr. Friedberg ist inmlge seiner Ernennung zum Staatsminister erloschen. Wie das„Berliner Tageblatt" nielder. wird die natimial- liberale Parteileitung seines Wahlkreises(Tolingen-Lennep-Rem- scheid) es ihm erneut anbieten. Hopfen als Tabokcrsatz. Der Bundesrat hat am Donnerstag eine Verordnung angenommen, durch die Hopfen sl» Täöakersatz zugelassen wird. Sladtverordiictenwahlen iu TrcSden. Die Dresdener Sladi» verordnetenwahlcn fanden am Freilag unter dem Burtzsriedsn statt. Nut Grund des disherigen LejitzstandeS hotte die Sozialdemokratie Anipiuch, in zwei Abteilungen insgesamt sünf Mandate zu bean- sprucken. die sie auch erbielt Die Unabhängigen hatten sich all« Mühe gegebe», den Arbciterll die Wahlbeteiligung zu ver- ekeln, erreichten damit aber gerade das Gegenteil: die Wahl- beteiligung war ausfällig lebhaft. Die beiden genannten Abteilungen umfassen 18 3öü Wahlberechtigw. von denen«in großer Teil zum Heeresdienst eingezogen ist. io daß tatsächlich höchsten» 10000 Wähler übrigbleiben. Von diesen gingen, obwohl ein Wahl« kämpf nicht stattfand und eine Gefährdung der Mandai- nicht zu bc- fürchten war, trotz dem 7175 zur Wahl und stimmten für die sozial» demolratischen Kandidaten. Letzte Nachrichten. Der Kamps gegen die Verwirrung in Rußkaad. Ttockholm, 1. Dezember.(Eig. Drnfitber. de»„Dorw.".) Die russiscbe Regierung entsandte 500 Delegierte zur A u s- klärung derBauern über die w i r t s ch a s t l i cb e R e o r g a n i s a ti o n und 150 zur Ordnung der Bahn- st o ck u n g e n. Tatsächlich ist schon vieles erreicht. Kartoffeln und Kohlen sind im Uebcrfluß vorhanden, die Nrot- ration ist verdoppelt worden. Konferenz öer Vertreter Ser Verbanösvorstänöe. Am 22.-24. November tagte eine Konferenz der Vertreter der Verbandsvorstände. Legicu berichtete über die Tätigkeit der Generalkommission, insbesondere über die Schritte gegen die Be- schränkungcn des Versammlungsrechts, über die Mängel des Hilfs- dienstgesetzeZ. ferner über die Beteiligung der Gcneralkommission an sozialpolitischen Kongressen usw. Bauer berichtete u. a. über die Gründung eines Volksbundes für Freiheit und Baterland. Nachdem sich aus der Ueberhandnahme der skrupellosen Agitation der„Deutschen Vaterlandspartei" ergab, dasi deren Kreisen Millionen- fonds zur Verfügung stehen, und datz ihre Bestrebungen nicht allein der Verhinderung eines baldigen Friedens ohne Annexionen und Entschädigungen, sondern auch der Lcrcitclnng innerer politischer und sozialpolitischer Neugestaltung galten, traten Männer aus den großen Wirtschaftsverbänden, besonders der Arbeiter und Angestellten zu unverbindlicher Aussprache zusammen» um dieser reaktionären Agitation ein Gegengewicht zu schassen. Man einigte sich aus die Gründung eines Volksbundes für Freiheit und Baterland, der vor- uehmlich die großen Wirtschaftsorganisationen sowie auch Einzel- rtutglieder, nicht aber die politischen Parteien umfassen und für einen baldigen volkstümlichen Frieden sowie für ein neues und freieres Deutschland wirken sollte. Eine von der Goneralkommission unter den angeschlossenen Gewerkschaften vorgenommene Abstimmung ergab die Zustimmung zum Beitritt gegen 6 Ablehnungen. Eine Wiederholung der Abstimmung brachte im wesentlichen das gleiche Ergebnis: nur 6 Vertreter stimmten gegen den Beitritt. Der lKenerallommifsion wurde neben dem ordentlichen Beitrag ein Vor- schußbeitrag von 20 Pf. pro Mitglied und Jahr gewährt. Ein Antrag, sür weibliche MitgUcbcr diesen Betrag zu ermäßigen, fand keine Annahme. Im Mittelpunkt der diesmaligen Konferenz standen die Eni- würfe eines Sozialpolitische» Arbriterprogramms und eines Arbeitskammergesebcs. Das von der Generalkommisfion vorgelegte Arbeiterprogramm sozialpolitischer Gewerkschaftssorderuugen umfaßt in IL Gruppen die Forderungen zur Sozialpolitischen Orga- nisation sBerwaltung),?lrbeitervertretung, zum Orgarnsalionsrecht, Tarifvertragsrecht, Einigungswescn, Arbeitsrecht, Arbeiterschutz, zur Arbeiterversicherung, Rechlfprechung, Arbeitsvermittlung, zum Ge- uossenschaftswescn. zu den Staatsbetrieben, zur Wirtschaftspolilik, internationalen Sozialpolitik, Volksernährung. Wohnungsfürsorge, Volkshygiene und Voltserziehung. Die Forderungen sind eingehend begründet und zu einer Denkschrift zusammengestellt, die eine Neu- gestaltung der wirischasts- und sozialpolitischen Verhältnisse Deutsch- lands verlangt. Diese Denkschrift soll den Regierungen und gesey- gebenden Körperschaften trnterbrsitet, aber auch als Derbe schrift für die sozialpolitische Neuorieniierung veröffentlicht werden. Ueber diese Programmschrift referierte Umbreit. Cr bezeichnete die Neuoricnlierung als eine von der Regierung selbst anerkannte Schuldverpflichtung gegenüber der deutschen Arbeiterschaft, deren Einlösungstermin jetzt gekommen sei. Die Gewerkschaften hätten Klarheit zu schaffen über die Tragweite dieser Verpflichtung. Es handle sich aber nicht um die Belohnung der Arbeiterschaft für ihre Haltung im Kriege, sondern um die von Regierung und Oeffentlich- keit selbst zugestandene Anerkennimg der hohen Bedeutung der Ar- beiterklasse für das gesamte Volks- und Wirtschaftsleben und um den Ausdruck der Gleichberechtigung der Arbeiter mit den übrigen Gesellschaftsklassen. Mit der Eingabe an die Regierungen und gesetzgebenden Körperschaften sei eine allgemeine Propaganda zu verbinden, die zugleich der Förderung der Gewerkschaften zugute komme. Die Debatte wandle sich sofort den einzelnen Abteilungen des Programms zu. Sie ergab im wesentlichen das Einverständnis der Vorstandsvertreter mit den Forderungen: doch wurden auch mancherlei Neufassungen, Streichungen und Ergänzungen beschlossen. Der Herausgabe des Programms als Eingabe sowie als Werbeschrift stimmte die Konferenz zu. Den Entwurf des Ardcitskammergesehes begründete Legre« Der Entwurf ist das Ergebnis gemeinsamer Arbeit der Zentralen aZer Gewerkschaften und Angestellrenverbände, die die Zeil für günstig erachten, die Schaffung gesetzlicher Arbeiter- vortretungen durchzusetzen. Da die Gewerkschaften auf der Forde- rung von Arbcitcrkanlmern, die übrigen Gruppen auf der von Arbcitskammern bestanden, so kam ein Kompromiß zustande, nach dem paritätische Kammern der Arbeitgeber und Arbeitnehmer zu schaffen seien, den Arbeitnehmerabteilungen indes das Recht zustehen soll, zwecks eigener Jntereffenvertretung für sich allein zusammen- zutreten, Anträge zn stellen, Eingaben zn machen, Gutachten abzu- geben und Erhebungen zu veranstalten. Die Kammern sollen territorial aufgebaur werden, aber auch besondere Berussabteilungen für die Land und Forstwirtschaft, sowie für kaufmännische und technische Angestellte erhallen und neben dem Reckt der Antrag- stellung, Begutachtung und Erhebung auch allgemein wirk- schaftliche und soziale WoblsahrtS-, sowie Verwaltung-- ausgaben erhalten. Im besonderen sollen sie bei der Regelung des gewerblichen Schulwesens und Lehrlingswesens mitwirken, den Abschluß von Tarifverträgen sowie von Fach- ausschüssen sür die Hausindustrie fördern, deren Täligkeit bei der Regelung der Löhne und Arbeitsbedingungen unterstützen und den von diesen festgestellten Lohnsätzen durch Beschluß unabdingbare Kraft verleihen. Sie sollen ferner EinigungS- ämter und Schlichtungsstellen errichten und die Mitglieder des Einigung-amtes aus ihrer Mitie wählen. Ter Entwurf regelt zu- gleich die obligatorische Einsetzung von Arbeiter- und Angestellten- ausschüssen für olle Betriebe mit mindestens 20 Personen, deren Wahl und Aufgaben, sowie die Dahl der Beisitzer der Schlichiungs-- stellen und die Aufgaben der Einigungsämter. Der Referent legre überzeugend dar, daß in diesem Entwurf die Vorzüge der Arbeiter- und der Arbeftskammern vereint seien und gleichzeitig die Möglich- keit der dauernden Erhaltung der Arbeiterausschiisse und SchlichlungS- stellen des Hilfsdienstgesetzes gegeben sei. In der Debatte wurde dem Entwurf im allgemeinen zugestimmt und nur einige Aendcrungen gewünscht, über die mit den übrigen Zentralen eine Verständigung herbeigeführt werden soll. Nach einer kurzen Aussprache über Ersahrungen aus der Wirk- samkeit von Arbeitern als Schöffen und Geschworcnc» wurden die Differenzen im Leipziger Gewerkschaftskartell eingehend erörtert.(Hierüber haben wir ausführlich berichtet im „Vorwärts" Nr. 326 vom 28. November). Zu diesem Punkt nahmen die Vorstandsvertreter nachstehende Resolution an: „Nach den Beschlüssen der Gewerkschaftskongresse sollen die Zweigvereine der gewerkschaftlichen Zentralverbände zu einem Kartell sich vereinigen. Die Gründung eines zweiten Kartells ist unzulässig und bedroht die Einigkeit der Gewerkschaftsbewegung, die zur Erfüllung der örtlichen Aufgaben der Gewerkschaften un- bedingt notwendig ist. Die Beitrogsleisrung aus Verbandsmitteln an ein Kartell. das im Gegensatz zu dem bestehenden Kartell gegründer wird, er- achtet die Konferenz als im Widerspruch stehend mft den Bei- bondsstatuten und den Bejchlüffen der Gewertschastskongresse und der Verbandstage." Mit dem ersten Teil dieser Leitsätze erklärten sich sämtliche Vcr- bandsvertreter einverstanden; nur gegen den Schlußsatz stimmte ein Vertreter. Ein Antrag, das Verbot des Uedertritts von Mitgliedern aus einer Gewerkschaft in die andere während des Krieges wurde ab- gelehnt. Die Anregung, die Einführung der ungeteilten Arbeitszcft unter der Voraussetzung achtstündiger Arbeitsschicht mit kurzen Pausen und ausreichender Ernährnngsfürsorge zu empfehlen, wurde nach kurzer Erörterung abgelehnt. Es wurde darauf hingewiesen, daß die körperlichen Ansoiderungcn und gesundheitlichen Wirkungen nichr in allen Berufen die gleichen seien und daß besonders die eine Bor- aussetzung für den Wegfall längerer Mittagspausen in den Groß- städlen, die weiten Entfermiugsn der Wohnungen vom Arbeftsplatz in den Kleinstädten und auf dem Lande nicht in gleichem Maße liegen, weshalb einer Vereinheitlichung dieser Reform schwere Be- denken entgegenständen. Zur Erreichung einer Reichs- Arbeitslosenversichming sollen besondere parlamentarische Schritte unternommen werden. Lcrantworllich für Politik: Erie, Siutiirr, Berlin: für den übrige» Teil des Blattes: Alfred Scholz, f-enlölln: für Lnfcrate: To. Glocke, Berlin. Druck Ii. Lerlag: Vorlrärts Buchdrnckerei u. BertagSanftalt Paul Singer!t Co., Verlin SW. Hierzu Ii Beilagen. 'crtßc/sn Leipziger Straße, I.Stock: | Ät PELZ-ABTEILUNG »J»0tC«C«C«0»0«00*C»0»003»S«0«C«»=«0»0«0«0«0«0«0!:»0»«0»CC»0«0«0»0»0«C»=**0»0«0«0K»0«C«3» Kleiderstoffe BKlSGÜStoffc 70 cm, mit kunsta. Streifen rji l CL gestreift, aus Schappseide in Diusenstoire modernen Farbcnstellungen rji x. /t au8 Schapp- Seide, HO cm, DlUSCnStOtiG Streifen u. Karos, schon. Färb. 1/* i. Ct cm breit, einfarbig, in JNOStUmStOrre verschiedenen Preislagen V.-. rt 130 cm breit, klein ge- Kostumstorre mustert VI*J i.£t schwarz, wollene u. halbscid. Kieiaerstoite Gewebe in verschied. Arten Seidenstoffe Schottenseide etwa 45 cm breit Gestr. Blusenseide etwa 45 cm breit T äffet schwarz und farbig m versch. Breiten Chinakrepp etwa IOO cm breit Seid. Kostümstoffe veiedb. 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