Ar. 332. 34. IahrK. Bezugspreis: Dierteljährl. 4L0Ml„ monntl. 1.S0M! frei inZ Hau«, vorauszahlbür. Einzelne Nummern lv Pfa. Postbezug: Monat- Itch lM> Mi. Unter Kreuzband für Deullchlund und Oesterreich Ungarn S,— Mi, für das übrige Ausland MI. monatlich. Persand ins Feld bei dtreiter Bestellung monatl. I/O Mi. Postdeltellungen nehmen an Däne- Marl, Holland, Luxemburg, Schweden und die Schweiz. Eingetragen in die t ott-Zeitungs-Preislista. Erscheint täglich. Telegramm« Adresse: »Sozialdemokrat 18 erlitt". Berliner Volksblntt. ( 10 Pfennig) Ter Anzeigenpreis lässig 2 stetige druckte Worte), jedes weitere«ort lü Psg. Stellengesuche und Eck'~'■- Wort 10 5 «orte ül.... zwei. Worte. Tetiemugszuschlag 20°/» Familien- Zl», eigen ZI» Pfg.. ........ chereins- 5 Uhr nachmitt. im Haudtgeschäft, Berlin SW.S8, Lindenstrahe 3, abgegeben werden. Geöffnet don S Uhr früh bis 7 Uhr abends. Zentralorgan der rozialdemokratifchen Partei Deutfchlands. Redaktion: SW. t>i, Linüenttrahe 5. Fernivrecher: Zlmr Morittvlaa. Rr. lSl SV— kl»! S7. Dienstag, den 4. Dezember 1317. expeültion: SV?. SS. Linöenftraße Z. Frruivrecher:?!«r Morittvla«. Nr. ISl SV— lSI S7. l>er Maffenktillktancl im Pkten. Deutfchland an allen fronten friedensbereit. Scilitt, Z. Dezember. Amtlich. Am 26. November hatte der VolkSkommiffar für Kriegs- und Marincangelegenheiteu uud Höchstkommandierende der russischen Armeeu Herr K r y l c n k o durch Parlamentäre anfragen lasien, ob der deutsche Oberbeschlsbaber zu sofortigen WaffcustillsiandSvcrhandlnngen bereit sei. Noch am gleichen Tage antwortete der Oberbefehlshaber Ost, Prinz Leopold von Baiseru, daß er bereit und bevollmächtigt sei, m't der russischen Obersten Heeresleitung über einen Waffenstillstand zu verhandeln. Es wurde sodaun mit den Parlamentären Ort und Zeit vereinbart, wo sich eine mit Bollmacht versehene russische Kommission mit eiuer entsprechenden bevollmächtigteu Kommission der Gegenpartei treffen sollte. Die russische Äom- Mission hat sich am 2. Dezember, nachmittags 4,30 Uhr, au der verabredeten Stelle eiugefnndeu, um sich unverzüglich zu dem sür die Bcrhaudluugcn in Aussicht genommene» Orte zu begeben. Dort ist sie am 3. Dezember mittags zu erwarten. Berlin, 3. Dezember. Amtlich:„Am 1. 12. 17 ist mit einer russischen Armee Waffenstillstand für die Front vom Südufer des P r i p e t nach Süden bis südlich der Lipo vereinbart worden. Mit dem 2. 12. 17 10 Uhr abends wurden i u diesem Abschnitt alle Feindseligkeiten ein- gestellt. CS sind Abmachungen getroffen wordeu, die sich ans Ber- kehr zwischen den beiderseitigen Linien, Truppcnverschiebnngen, Stcllungsarbeiteu und Flicgertätigkeit beziehen. Für die Kündigung der Waffenruhe ist ein Zeitraum vou mindestens 48 Stunden festgesetzt, vor dessen Ablauf die Feind- fcligkciteu nicht beginnen dürfen." Wien, 3. Dezember. Aus dem KriegSpressequartier wird am S. Dezember mittags mitgeteilt: Bei den im Bericht der Hecrrsfront des FcldmarschallS Prinzen Leopold von Bayern heute beginnenden Waffenstillstandsverhandlungen ist die ö st e r r e i chi s ch- u u. garischr Heeresleitung durch besonders bevollmächtigte lchhere GrncralstabSoffiziere vertreten. Die russische Abordnung, die gestern um 4,30 Uhr nachmittags au unserer Front empfangen wurde, ist noch abends an den Ber Handlungsort weiter- g c r c i st. Zwischen Pripet und Lipa Waffenstill- stand— Englischer Angriff bei Pas- schendaele im Gegenstoß zurückgeworfen — Vergeblicher englischer Angriff zwischen Jnchy und Bourlon— Deutscherseits bisher 6000 Gesangene, 100 Geschütze erbeutet— Der Feind im Thauner-Tal und im Snndgan in Bewegung. Amtlich. G r o ß e s H a u p t q u a r t i e r, 3. Dezember 1917. ,W. T. B.l Westlicher KriegSschauvlatz. Heeresgruppe Kronprinz Rupprrcht. Nach Heftigem Trommelfeuer bei mouddellcr Nacht griff der ffngläitder gestern früh mit starten Kräften uuseee Stellungen bei und nördlich von PaSschendaele an. Thüringische und hessische Truppen warfen de« Feind in schncidigem Gegenstoß zurück uud machten 6U Gefangene. Nach Abwehr der Angriffe flaute das Feuer ab; rS»ahm am Abend vorübergehend wieder erhebliche Stärke an. Auf dem Kampffelde bei C a m b r a i war tagsüber nur in wriiige» Abichnittcu dir Feurrlätigkeit lebhaft. Am Abend griff der Feind nach starker Feucrfteigcrung zwischen Ii, chy und Bourlon an. I« heftigen Nahtämpfen wurde er abgewiesen. Ein enfliichcr Teilangriff bei L a Barqnerir scheiterte. Im Gegenstoß wurden 9 Geschütze und 18 Maschinengewehre er- d rniet, Die Aahl der seit dem 30. 11. gemachten Gefangenen hat sich aus 0000, die Beute an Geschützen aus 100 erhöht. HerreSgruppe Deutscher Sronprlnz. In de» A r g o n n e n wurden tu erfolgreichen Untcruchmnugen Gefangene eingebrocht. Heeresgruppe Herzog Albrecht. Die lebhafte feindliche Tätigkit im Thanner-Tal und im Suudgan hält an._ In den letzten drei Tagen verloren unsere Gegner im L u f t t a m v s und durch Abschuß von der Erde 27 Flugzeuge und 2 Fesselballone. Leutnant Müller errang seinen 35., Leut- nant v. Bülow seinen 27. und 28., Leutnant Bongartz seinen 25. und 20. Lusisieg. Oestlicher Kriegsschauplatz— Waffenstillstand. In zahlreichen Abschnitten der russischen Front ist von Division zu Division örtliche Waffenruhe ver- e i n b a r t worden. Mit einer russischen Armee im Ge- biet vom Pripet bis südlich der L i p a und mit mehreren russischen Generalkommandos wnrde Waffenstillstand ab- geschlossen. Weitere Verhandlungen sind im Gange. Eine russische Abordnung ist in dem Befehlsbereiche des GeneralfeldmarfchallS Prinzen Leopold von Bayern zur Herbeiführung eines allgemeine» Waffenstillstandes ein- getroffen. Mazedonische Front Seine größeren Kampfhandlungen. Italienische Front. Nicht? Neues. Der Erste Generalquartiermeistrr. Ludrndorff. Abendbericht. Berlin, 3. Dezember 1917, abends. Amtlich. Südwestlich von Cambrai örtliche erfolgreiche Kämpfe. Bon de» andere» Fronte» nichts Nenes. Der österreichische Bericht— Waffenstillstand. Wien, 3. Dezember 1917. lW. T. B.) Amtlich wird vcrlautbart: In den letzten Tagen wurde au vielen Abschnitten der russischen Front vou Division zu Division und von Korps zu Korpö Waffenruhe verein- b a r t. Im P r i p j e t- Gebiet hat eine russisthe Armee mit dem gegenüberstehenden Kommando der Verbündeten einen formellen Waffenstillstand abgeschlossen. Eine russische Abordnung durchschritt gestern unsere Linie«, um mit den Bevollmächtigten der verbündeten Heere einen Waffenstillstand an der ganze» russischen Front anzubahnen. Auf dem italienischen Kriegsschauplatz uud in Albanien nichts Neues. Der Chef dcS GeneralstabeS. Nustijche Mitteilung an Sie verbündeten. Teutschland an allen Fronten friedensbereit.! Petersburg, 30. November. Reutermelduug. T r o tz k i teilte de« Diplomaten der Alliierten mit, daß Deutschland bereit ist, auf allenFrouteu über einen d e m o. kretischen Frieden zu verhandeln und fragt sie, ob sie an den Verhandlungen, die Sonntag beginnen, teil- zunehmen wünschten. Die Mitteilung TrotzkiS an die Verbündeten enthält die bedeut- sante Anerkennung, daß die Antwort der deutschen Negierung auf den russischen Friedensvorschlag eine geeignete Grundlage zu weiteren Verhandlungen bilde. Da die Antwort Englands und Amerika? auf keine Mitteilung schon belannt, die der ander«» nicht fraglich ist, läsit sich voraussehen, daß eS zwischen Nusiland und den Mittelmächten zu Verdandlungen über einen Sonderfrieden kommen wird. Dieicr Frieden soll auf demokratischer Grundlage geschloffen werden. Darüber, was als»demokratische Grundlage" zu belrachien>st. lönnen sich zwischen der deutschen und der ruisisehen Negiei ung MeimingSverichiedenheiien ergeben, die auszugleichen dann eben das Werk der weilere» Unierbalidlungen fein wird. Bon vornherein steht aber fest, daß man über einen demokraiischcn Frieden nicht nach dem Diktat deS Schwertes, sondern als Gleicher mit Gleichen unter Anerkennung der gegenseitige» Lebensrechte ver- handelt. Verhandlungen, die in solchem Geiste geführt werden, ver- sprechen dann einen raschen Ersolg.. Amerika fonöiert in Petersburg. Versuchsballon oder Schwenkung? Nichtamtlich. Berlin, 3. Dezember. Die russische Funkcnstation Zarskoje Selo gab am 2. Dezember nachmit- tags folgenden Funkspruch: „An Alle!" Gestern, 1. Dezember, besuchte General Johnson, Chef der amerikanischen Mission, den Kameraden Trotzki im Smolnyj-Jnstitut. Der General erklärte, er könne augenblicklich noch n i ch t im Name» der amerikanischen Regierung sprechen, da die Macht des Rates noch nicht erkannt ist; er sei jedoch erschienen, um B c rb i n- düngen anzuknüpfen, die Lage zu klären und Mißverständ- nisse auS dem Wege zu schaffen. General Johnson erkundigte sich, ob die neue Regierung bestrebt sei, den Krieg gemeinsam mit ihren Verbündete» zu liyuidieren. Ter General meinte, die Verbündeten würden am 2. Dezember an den Berhand- lungen kaum teilnehmen können. Kamerad Trotzki gab dem General in kurzen Worten Auf- klärung über die Politik des NatcS im Kampfe für den allgemeinen Frieden. Auf einen Umstand legte der Volkskommissar sür auS- wärtige Angelegenheiten besonders Gewicht, nämlich aus die öffentliche Behandlung aller benorftchenden Verhandln»- gen. Die Verbündeten könnten jede Phase der Entwicklung der Friedensverhandlungen verfolgen und demzufolge auchin einem späteren Stadium jederzeit sich den Berhand- lungen anschließen. General Johnson fragte, ob er diese Antwort seiner Rr- girrung übermitteln dürfe und erklärte zum Schluß:„Die Zeit der Proteste und Drohungen gegen die Macht des RatcS ist vorbei, falls diese Zeit überhaupt je bestanden hat." Weiterhin fragte der General, ob der Bolkskommissar auf einer Er- llärung über dir vorgefallenen Zwischenfälle(Protesterklärungen von Angehörigen der amerikanischen Militärmifston) bestehe. Kamerad Trotzki erklärte, die Formalitäten der Angelegen- heit seien belanglos und durch die Erklärung deS Generals:„Die Zeit der Drohungen und Proteste gegen die Macht des RateS ist vorbei", erledigt. Dieser sehr bemerkenswerte Vorgang läßt harauf schließen, haß die Ablehnung Amerikas nicht endgültig ist. Sein Der- hasten sticht jedenfalls auffällig von dem Englands und Frank-' reichs ab, die von Verhandlungen mit den„Verrätern", den „'deutschen Agenten" überhaupt nichts wissen wollen. Die Nachricht von der Unterhaltung Johnsons mit Trotzki wird der von Lansdowne eingeleiteten Friedensbewegung in England neue Nahrung geben._ Das Ende einer alldeutschen Theorie. In unserm gestrigen Leitartikel haben wir festgestellt, daß durch die Acußcrungen Hindenburgs und Ludendorffs die f altung der Sozialdemokratie zum uneingeschränkten U-Boot- rieg eine glänzende Rechtfertigung erfährt, während alles. was die Alldeutschen seinerzeit über die Wirkungen dieses Schritts prophezeit haben, ad absurdum geführt wird. Naturgemäß sieht sich die alldeutsche Presse,„Deutsche Tageszeitung" und„Kreuzzcitung" an der Spitze, zu krampfhaften Wider- legungsversuchen veranlaßt. Wir haben zunächst einen Irrtum richtigzustellen, der durch einen UebermittlungSsebler bei unS entstanden ist. Der Satz:„Hätte sich nicht di'e Aussicht auf die amerikanische Hilfe eröffnet, so hätten die Westmächte sich gewiß schon zum Frieden entschließen müssen" ist nicht von Ludendorss gesprochen worden. Er stellt einen Gedanken des ausfragenden Journalisten dar, auf den Ludendorss dann erwidert: »Da unser U-Boot-Kriog Amerika den Vorwand für seinen Eintritt in den Krieg gegeben hat, sc� ist diese Frage gleich- bedeutend mit der Frage, ob unser 4l-Boot-Krieg richtig war. In diesem Punkte hat sich meine Ucberzeugung nicht geändert." Da die Wiener„Neue Freie Presse" vom Sonntag am Sonntagabend in Berlin noch nicht zu haben ist, fehlte uns die Möglichkeit einer Kontrolle. Aber die an sich unerfreuliche Tatsache, daß die Wiener Zeitungen in Berlin jetzt erst mit großer Verspätung eintreffen, hat auch eine andere ungeahnte Wirkung gehabt: die alldeutschen Blätter, die gegen unsere Ausführungen am Monta�nachmittag polemisierten, befanden sich gleichfalls noch nicht äm Besitz des Urtextes der Unter- redungen und unterstellten diesen Satz daher als richtig. Und siehe da: Graf Reventlow und ebenso die„Kreuzeitung" bekommen das Kunststück fertig, auch segendiesenvek' weintlichen U u s s p r u ch L u d e uj> o r f f s ihre Theo- rre de> U-Boot-Krieges aufrechtzuerhalte n.� Der Zotz:..Hätte sich nicht die Aussicht auf die rimeri- konische Hilf? eröffnet, so hätten die Westniächte sich gewisi schon zum Frieden entschlief; ei! miisien," den also nicht Ludcn- dorff, sondern der Äusfrager Dr. Paul Gotdmonn gesprochen hat. ist sachlich iuiseres Ta'ürhnttenö absolut richtig. L ndendons drit seine Nichtigkeit auch uicht bestritten, sondern ausdrücklich zugegeben, indem er erwiderte:..Da unser U'Booi-Ärieg Amerika den Vornrand für seinen Eintritt in den Krieg gegeben hat. so ist diele Frage g l c i chb e d eu- t e it d m t d er Frag«, ob u n i er U Ä o o t- st r i e g richtig wo r." Darin liegt das Zugeständnis, dasi tatsäch- lich zwischen dem Eingreifen Amerikas und dem fortbestehen- den KriegSwillcn der französischen und englischen Regierung ein enger ursächlicher Iusamntenhang bestellt, und Luden- dorffs Ansicht, das; der U-Boot-strieg trotzdem richtig war, basiert auf seiner Uederzeugung, daß der U-Boot-Krieg für Amerika nur der L o r w a n d nickt die i! r s a ch e aetve'eu sei. in den Krieg einzutreten. Ans diesen, Grunde tchrieben wir schon gestern den Luit, ..Sud«ij!«Kffv LcioeiSführmlg steht u.w fällt mit der D?- h-rweiug, haß der U-Ssot-Kri-g für Amerika na r- in Bor- wa nd Mvefeu sei, in den Krieg einzugreifen." Tcn'.gcgenüder führten wir aus, daß der Eintritt Anie- rikae in den Krieg die tatsächliche Folge des unein- geschränkic» U-Boot-KriegeS und von sozialdeniokratiicher Seit' für diesen Fall best, m in l p r o p h e z e i l worden ist. Erst durch den U-Boot-Krieg konnte in dem paziWtjchen Amerita eine Ztimniung entstehen, die der jtriegs- Partei Oberwasser verschafsre. Tnß liier der Kern- Punkt der Frage liegt, gibt auch die aUbeutichc Presie zu. Aber stier hat sich ihre Anschauung merkwürdig gewandelt. Tie ,.Krrn>zeiinng" erklärt, diese'özialdemokratijcke Prophe- zeinna sei..allerdings nicht so schwer" gewesen, denn durch unser diplomatisches Verhalten gegen Amerika sei diesem..der Eintritt in den Krieg von uns ja geradezu zur Ehrensache(!) gemacht worden, falls wir desi uneingeschränkten U-Baot-Krieg ausnehmen". � � Oho, vor Tiscke inw luau» atidersl Als die Fra�e des U-Boo,.Kriegs noch nicht entschieden war, da wurden in der alldeutschen Presse alle, welll e die eingetretenen diplomat, scheu Folgen voraussagten, als Flaumacher und Schlvarzseder ver- stbrien. Gerode die alldeutsche Presse betonte damals nnab- lässig, daß Amerika iin Ernst gar nicht daran dächte, in den Krieg einzugreifen. Die Drohung Wilson- sei nur ein echt amerikanischer Bluff, um Teutschland von dem Schritt des U-Boot-Krieges abzuhalten. Deutschland solle darauf sa nicht hereinfallen, iveun es io weil wäre, ichrde man sich in Ametlka ruhig mit den Tatsachen abfinden. So— das läßt sich durch hundert Zitat? belegen— schrieb die alldeutsche Presse vor dem Februar Ist 17. Jetzt hat fies aus einmal längst vorausgewußt, daß wir Amerika den EiuiiUt in den Krieg„geradezu zur Ehretijache" gemacht hätten. Hier gibt es nur zwei Mdg- lichreüen, entweder die alldeutsche Presse spekuliert auf die Vergeßlichkeit ihrer Leser oder aber sie hat diese vor dem 1. Februar l917 in unverantwortlicher Weise hinters Licht geführt. Halten wir uns ferner immer wieder vor Augen, daß der alldeutsche Feldzug für den uneingeschränkten U-Boot-Krieg unter der agitatorisch wirksamen Verheißung geführt worden ist. daß durch dieses Mittel der Krieg l> e d e u tend c b- gekürzt werden würde. Jetzt sageil uns Hindcnburg lind Ludendoi-ss. daß diese Rechnung nicht einmal rein m i l i- t arisch richtig gewesen ist...Wir haben nicht daran gedacht. daß unsere U-Boote England in ein paar Monaten aushungern würden. Wenn ich Ihnen Einblick in die Akten der Obersten Heeresleitung geben dürfte, so würden Sie dar- aus erlehen, daß wir von Anfang a n mit dem U-Boot- Krieg weniger b c s o n d e r e als allgemeine Wir- k u» a e n haben hervorbringen wollen." TaS sind Ludendorsso Worte. Und damit vergleiche man die Worte der Alldeutschen. Man vergleiche damit, daß Herr v. H e n d c b r a n d im Inn: d. I. auf einer Versanim- lung in Mil'.tsch erklärte, von ganz zuverlässiger mannefack> männisclfer Seite gehört zu haben, daß England b i n n e n z w c i Monaten völlig erledigt sein würde. Diese..völlig zuverlässige Seit?" des Herrn v. Heydebrand hat offenbar kc i n e n E i n b l i ck in die Akten der Obersten Heeresleitung gehabt!— Und wenige Zeit später, im August 1917, prophe- zeite der Fürst Salin-Horstmar auf einer Dortmunder Flotten- vereinstaznng:„Nur noch wenige Monate gilt r� ans, zuhalten und unsere Feinds liegen vollständig zerschmettert am Boden." Dagegen sagt Liidendorff:„Unser Ziel war nicht, England a u s z u Hunger n, sondern es zzum Frieden geneigt zu machen." Diese Worte be- weisen nur gar zu deutlich, daß man auf alldeutscher Seite das Volk. Niil Zukunftsbildern gelockl bat. die niemals in der Be- cchnung unserer leitenden militärischen Stellen gelegen haben! Damit ist die alldeutsche Agitation vor der Welt- geschichte gerichtet. Wenn Hindenburg und Ludendorff aus der andern Seite aus die günstigen Ergebnisse hinweisen, die der U-Boot-Krieg iür die Schwächung der feindlichen Fronten in Jtalienjrnd Frankreich gehabt habe, so wind diese»!, von autoritativster Seite kommenden militärischen Fachurteil kein Laie zu widersprechen wogen. Gewiß ist es richtig, daß der U-Boot-Krieg den feind- lichen Nachschub von Heeresbedarf usf. auf das empfindlichste gestört hat. Und trotzdem wird man sich die Frage vorlegen dürfen, ob diese militärischen Vorteile die nachteiligen voli- tischen Folgen des U-Boot-5kriegs wettmachen. Ludendorsf selber bestreitet nicht, daß allein noch die Hoffnung auf die amerikanische Hilfe Frankreich und England zur Fortsetzung des Krieges ermutigt, er bestreitet nur, daß der U-Boot-Krieg für Amerika mehr als ein Vorwand zum Eingreifen ge- wefen sei. Aber hier sprechen die alldeutschen Blätter direkt gegen ihn. die jetzt plätzlich wissen, daß Amerikas Eingreifen bei der Verkündung des uneingeschränkten U-Boot-Krieges gemdezu eine Ehrensack>e für Amerika gewesen sei. Dann aber haben wir es hi�er mit einer im höchsten Maße k r i e g s- verlängernden Wirkung der von der Tirpitz-Clique als „kriegsverkürzend" betriebenen Entschlüsse zu tun. Die alldeutsche Tlzeorie ist durch Hindenburg und Ludendorsf völlig widerlegt. Ter uneingeschränkte U-Boot-Krieg ist uns ein Schul- beispiel dafür, zu welch verhängnisvollen Trugschlüssen man gelangt, wenn man immer die Dinge unter rein militärischen Gesichtspunkten sieht und öie politischen Folgen von Kriegs- Handlungen als nicht existent oder nebensächlich betrachtet. Deshalb stellten wir gestern mit vollem Bewußtsein die For- herung au?: die Generäle führen den Krieg und die Staats- männer den Staat Das gilt namentlich auch für die Dinge, die sich setzt im Osten abspielen. Auch hier orakeln die all- deutschen Blätter von nachts weiter als Stärkung"--strer militärischen Position itut* ähnlichen Dingen. Aber wenn es einer zielbewußten Dstilamatrc gelingt, ein Volk von 170 Millionen aus Feinden� Freunden Deutschlands zu machen. so ist das mehr als die großartigste ntilitörische Stellung, so ist das mehr als 10 mylitärrsche Siege. Deshalb haben hier nicht die Fachmänner der Strategie, sondern M- Völkerpsychologie das Wort, und nur wünschen unseren Diplomaten nur, daß sie diese Kunst nüt gleicher Vollkommenbeit meistern mögen wie Hindenburg, und Ludendorff die ihre. In läch'rlichcr Wrijjc sucht die„Tägl. Rundschau" den..Vor- u>iirU" gegen Gauoffe» Scheid? mann auszuspielen. Wir hatte!, gestern geschrieben: „Tie Kritik schweigt, wenn Ludonborff erklärt:«der Krieg niird nicht nifc RenkiSpnrtei abgebrowcn werden, er wird für und günstig entschicbcu werden"." Dem stellt die„Tägl Runlrscbau" das augeblichc Wort Scheide- inailns gegenüber:„Ein Narr.>ner noch an einen Sieg glaubt!" und frag: bdhmsck. wer jekü der Viavt sei. Ter„Tägl. Rundschau" zur Antwort, daß d.e von uns zehnmal al?gepranger!en alldeutschen Fälschungen Scheidemamischer Worte auch durch elfnialige Wiederholung nicht richtig werden. Genosse Scheidemann hat nie- intriZ die echigen Worte gSbrancht. sondern den für einen Narren er- !lärt, der cm einen so zerschmetternden Sieg der einen oder andern Seite glaube, daß man am Schluß des Krieges einem willen- losen Gegner die Bedingungen einfach diktieren könne. Ihm gibt übrigen? Lüdersdorfs vollkommen recht, der selber in der Unter- redung ausführt, daß ein einzelner Schlag den heutigen Krieg kaum mehr entscheide, daß die Zeiten der Schlacht bei Sedan vorüber sind. Trotzki übt Vergeltung an Englanö. Amsterda«. 2. Dezember. Aus Petersburg melde: Reuter: Trotzki hat Befehl gegeben, dag keinem Eng- l ä u d c r erlaubt werde, Nußland z u verlassen, solange die in England gefangen gehaltenen Ruffeu nicht frei- gelassen worden seien. Wie zu erwarten war, ist die Ausforderung, die Trotzki vor einigen Tagen an England ergehet« ließ, ohne Antwort geblieben. Ter setzt durch das Schweigen bewirkte Befehl spitzt die An- gelcgenhcit zu. Trotzki setzt dem schweigenden England, das mit der bolschewistischen Negierung nicht verhandeln will. Taumschrauben an. Damit wächst die Angelegenheit über ihre ansänglichc Bedeutung hinaus. �uch 9u!garien zum frieden bereit. Tic Tobranje über Mazedonien. Sofia, 1. Dezember.(Meldung der Bulgarischen Telegraphen- agentur.) Bei Wiederbeginn der Sobranjejitzungen hat Minister- Präsident Siadoslawow folgendes erklärt: Bulgarien war stets bcccu. in Ueberemstimmung mit seinen Vcrbündelen in Friedcnsvor ver Handlungen einzu- irctcir. sobald ein solcher Vorschlag von den Gegnern ausginge. Solch Vorschlag ist jetzt von dem Oerhaupt der Regierung der Russischen Republik Lenin und dein Volkskommissar für auswärtige Angelegenhelten Trotz!',S gelingen. Wir müssen Geduld. Ausdauer und Standhaftig. kcit haben, dann werden«vir siege». * Bern, 3. Dezember. Der in Essexhall am 21 November abge- haltencn Jahresversammlung der Londoner 22Z000 Mi:- glieder zählenden Labour Party lag eine den sofortigen Friedensschluß fordernde Enlschließung vor. Tor Amrag eines Delegierten, darüber ohne Erörterung zur Tagesordnung über- zugeben, wurde mit 196 gegen 130 Stimmen auge- nommen. Die starke Minderheit läßt die Zunahme de i Friede n SbedürfnisseS der engischen Arbeiterschaft er« kennen. Ramsau Maedonald verlangte in einer in Derby am 21. November gehaltenen Rede die Zulassung der Arbeircc und der Kirche zu den künftigen Friedensverhandlungen und betonte, de: Friede müsse ebenso gm zwischen den Männern, die in« Schweiße HreS Angesichts arbeiteten, geschloffen werden,«vic zwischen den ge- krönten Häuptern nnd goldbetreßten Diplomaten. Ter Redner ver- langte ein bedinguiigsloS freies Belgien, während Elsaß- Lo: bringen das Recht erhalten müsse, über sein eigenes Geschick zu bestimmen. Die Gegenstöße bei Gambrai. Berlin, 3. Dezember. Dem in der Nacht vom i. zum 2. Dezember bei Passchendaele gemeldeten schweren Arttllerieseuer folgten in den frühen Morgenstunden deS 2. Dezember starke englische Au- griffe, die nach aufgefundenem Befehl als Ziel eine etwa 600 Meter hinter unserer vordersten Linie liegende Geländewelle hatten. Der englische Angriff brach an der zähen Widerstandstrarr thüringischer und hessiicher Truppen zusammen, die in schneidigen Gegenstößen den Engländern vorübergehende Anfangserfolge restlos wieder abrangen. Außer sehr starken blutigen Verlusten büßte der Feind»och über 60 Gefangene ein. Nachmittags nahm auf dem Kampfgelände um Paöichendaele das Feuer wiederum große Stärke an, ohne daß Jnfanterieangriffe erfolgten. Die in Flandern scheiterten auch auf dem Scklachtfelde voir Cambrai abendliche feindliche Angriffe, die»ach stärkster Feuer- Vorbereitung gegen die Linie I n ch y und B o u r l o n angesetzt waren. Desgleichen brach ein starker englischer Angriff bei L a B a e q n e r r e blutig zusammen. Der«m Gegenstoß geworfene Feind erlitt m unjcceni VeriolgungSseuer«vettere«chrvere Verluste- Äußer den gemeldeten 6000 Gefangenen und 100 Geickützen serloreir die Engländer feit den« 30. November noch über 100 Maschinen- Jlr.332 ❖ 34. Jahrgang Seilaae öes vorwärts V-enstag, 4. Dezember 1H? 7 GroßSerkn Verwertung städtischen Geländes. In der letzten Sitzung der Gemischten Deputation, die auf An- trag der sozialdemokratischen Fraktion im Vorsabr zur Nachpiüfung der Bebauungspläne in dem noch nicht bebauten Gelände Berlins sowie zur Beratung über die Herstellung kleiner, gesunder und preiswerter Wohnungen eingesetzt wurde, sind Beschlüsie gefaszt worden, die registriert zu werden verdienen. Fast zwanzig Jahre sind vergangen, seil im Auftrog der Fraltiou Genosse Heimann zum eistenmal im Berliner Rathaus den Antrag begründete, städtisches Gelände, soweit es nicht für gemeindliche *jwed?e benötigt wird, nicht zu verkauien. sondern nur im Wege deS Erbbaurechts zu verwerten. Der Antrag wurde ohne Sondei- beralung abgelehnt, und das gleiche Schicksal erfuhren all die zahl- reichen ähnlichen Anträge, die von der Fraktion seitdem bei den schiedensten Gelegenheiten gestellt wurden. Vor kurzem gelang es uns durchzusetzen, dah in dem neuen Bebauungsplan von Treptow eine Kleinhaussiedlung, wenn auch in bescheidenem AuLmag, vorgesehen wurde. Als dieser Plan in der Deputation zur Besprechung gelangte, stellten unsere Vertreter wieder den Antrag, wenigstens dieses für die Kleinhaus- siedlung vorgesehene Gelände nur im Wege des Erbbaurcchis zu vergeben. Der Antrag wurde nach eingebender Beratung an- genommen, nachdem vorher schon gleichfalls aus Antrag unserer Vertreter beschlossen war, den ivkagislral zu ersuchen, einzelne Stücke aus zusammenhängende»! städtischen Grundbesitz nicht zu verkaufen, damit nicht die Einführung des Erbbaurechts behindert werde. Des weiteren ivll der NZagistrat ersucht werden, zu geeigneter Zeit eine Denkschrift über die Bedeutung des Erbbaurechls und seine Anwend- barkeit aus den Berliner Grundbesitz herauszugeben. Die gesahten Beschlüsse bedürfen noch der Zustimmung d�r Gemeindebehörden. Ob diese erfolgen wird, sieht dahin. Immerhin sind die Beschlüsse der gemischien Deputation nicht mebr aus der Welt zu ichaffcu und besagen sie praktisch zunächst auch nur wenig, sa stellen sie in grundsätzlicher Hinficht doch einen erfreulichen Fort- schritt und einen Erfolg unserer kommunalen Kleinarbeit dar. Grosz-Berliner Gcuieindcn und die Klcinwohnungsnot. Aus Einladung und unter dem Borsitz des Potsdamer Re- gierungspräsidcnten Freihenn von Masicnbach ist, wie wir ertahren, in einer Versammlung von Vertretern der zum Regierungsbezirk Potsdam gehörigen Gemeinden des Verbandes Grosi-Betlm die Frage besprochen worden, ob i» Grosi-Berlin nach dem Kriege eine ernstliche Wohnungsnot zu erwarten sei und mit welchen Mittelii ihr gesteiierr werden lömie. Ucber den Verlauf der Besprechung wird uns folgendes berichtet: Tie Grofi-Berliner Gemeinden glauben durchweg mit einer r e ch t e m p f i n d l i ch e n Not an kleineren Wohnungen rechnen zu müssen. Tie von ihnen bcreils vorgenommenen taiiächlichc» Feststellungen haben diese Auffafiung bestätigt. Wegen der Bereit- stellung von Wohnungen für die U e b e r g a n g ö z e i l wurde in den Verhandlungen daraus hingewiesen, dafi die vorhandenen feuer- polizeilich und hygienisch einwandfreien Wohnungen in Dach- und Kellergeschossen, deren Benutzung bisher nur aus bau- polizeilichen Gründen verbown worden iei, eine eihcbl'.che Reserve da'.stelle. auf die man als Notbehelf werde zurückgreifen kömien. Mau verbehlre sich indefien nicht, dag es Schwierigkeilen bieten werde. diese Wobnungen nach Beendigung des Rotzustandes wieder zu räumen. Jedenfalls müsse ibre Freigabe von voinberein aus einen bestimmten Zeniaum beschränkt werden. Weniger Beifall fand der Vorschlag, dle WohnunaSbedüifligen im Noliall in Baracken unierzubringe». Einig war sich dir Verianiinlung offenbar darin, dasi es das Wich- t i g st e sei, für schnelle Ingangsetzung der Bautätigkeit nach dem Kriege rechizeitig olles vorzubereiten. Es werde sich da- bei nicht nur um Bereitstellung von Bauslossen und billigem Boden, sondern auch beionderS um die Gewährung billiger Bau- gelder und Realkredue handeln. Die Beratungen sollen fortgesetzt werden. Die'e seltsame Art von Uleinwohnungspolilik. die den aus den Schützengräben und Unterständen heimkehrenden Kriegern ein Not- q lailier in Doch- und Kellerwohnungen zu bereiten gedenkt, dürste hei den von ihr Beglückten wenig Verständnis und Gegenliebe finden. Tie Verbandsversammlung Grost-Berlin ist vom Vprfitzenden des Verbandes Oberbürgermeister Wermuih zu einer Sitzung am Montag, den 7. Januar köl3, nach dem Berliner RarhauS geladen worden. Auf der Tagesordniiiig stchr u. a. die Lorlage, betreffend Abstandnahme von der Ausübung des Erwerb- rechts gegenüber der Berliner Elektrischen Straszenbahneii-Alrieir- geiellschasl zum l. Januar 1920 und die Vorlage, belreffend die bauliche Erschl'.esiung fiskalischer Löndereien in Verfolg des Bs- 'chluneS der VerbandSversammlung vom 12. März 1917, ferner soll der Antrag Basner und Genossen beraten werden, welcher lautet: Die Verbandsveriammlmig wolle bei'chlieszen, den Betbands- ausschiisi im Hinblick auf die drohende Äleiiiwokmimgsnol zur grösilen Beschleunigung der Verhandlungen mit dem Fiskus wegen der bair- licheu Erschließung fiskalischer Ländereien zu Kleinhailssiedlnngerl und zur baldigen Berichtcrstaituiig über den Sraud dieser Verhandlungen aufzufordern._ Käseverteilung. Bon morgen bis Sonntag wird in den Bezirken der 151.— ISS. Erolkomm ision an die dort in die Sveiiefettkundenlisten einge- rragenen Kunden je 125 Gramm Faustkäse verteil!, ebenso an einige bisher noch nicht berücksichtigte Geschäfte in den Bezirken der Brot- lommissionen 1—153. Der Käi'e ist erhältlich in den durch besondere VerkauiSschilder:„Verkauf von Käse der Fellstelle Groß-Berlin" ge keunzeichneten Geschäsieu. Das Nähere ergibt sich aus der air deu Anschlagsäulen veröffentlichten Bekanntmachung. Wer sich bei der letzten Bulieranmeldung bei einem anderen Geschäft hat eintragen laffen, das vorher berücksichtigt war, während da» frühere Buller- geschärt noch nicht an der Reihe war. mag sich bei der Fcllstclle Groß-Berlin schriftlich melden._ Berliner Lebensmittel. In Berlin wird auch in der laufenden Woche wieder die Kar- toffelralion von 7 Piund für die kommende Woche verausgabt. Die- jenigcn, die auf die Abschnitte 2a bis 2g der grünen Sonderkarloffel- kaite ihre 7 Piund Kartoffeln noch»ich: erhalten haben, können diese bis spätestens S. Dezember beim Kleinhändler abzunehmen. Nochmals die„losen Suppen". Zu der im.Vorwärls� veröffentlichten Klage über die„losen Suppen" erhallen wir einige Milreiluiigen von der Kriegs nähr- mitttel-Geicllschafl. Sie glaubt, sich dazu äußern zu sollen, weil jetzt in ihr ein großer Teil der Suppenindufirie zu- iammengeiaßr ist. Erwähnt hatten wir die K-iegsnährmittel- Gesellichost nicht, aber wir lallen gern auch sie zu Worte kommen. Viele Fabriken für Euppenpulver beziehen jctzi ihre Rohstoffe »ur von der KriegSiräbrmiltsl-Gesellichafl und miisieu auch nacv den von ihr ausgestellren Rezepren arbeiten. Die Suppenpulver dieser Fabriken bleiben zur Verfügung der Gesellschaft und werden dann der allgemeinen Verteilung durch die NcilbsvertcilungZsielle für Nährmittel zugeführt. Die KriegSnährmitlel-Gesellschast überwacht die von ihr versorgten Fabriken durch Beauftragte, die sie Proben entnehme» läßt. Wenn die daraus zubereiteten Suppen sich als minderwertig erweisen, so wird den betreffenden Fabriken die Liese- rimg von Rohstoffen geiperrt. Im ganzen ist die Nachfrage nacki Suppen so stark, daß die Kriegsnähiin'tlel-Gescllschaft den Rohstoff- bedarf nicht annähernd-u decken vermag. Es gibt noch Fabriken, die nichr von ihr beliefert werden, sondern sich Rohstoffe onf andere Weise verschaffen und dann die Supvenpulver nach eigenen Rezenten herstellen. Manche dieser Fabriken verwenden auch Rohstoffe, die llch schlecht zu Suppenpulvern eignen und keine ichmackbaste Suppe ergeben können. Dazu gehört die Kohlrübe üblen Angedenkens, die wir im vorigen Winter bis Znm llcbcrdruß„genießen" mußten. Die damals übrig gebliebenen Bestände an Kohlrüben sind zu einem Kohlenrübenmebl vermählen worden, und dieses sraawürdige Erzeugnis wird nun mit einigen geschmackbessernden Zutaten durch gewisse Fabriken zu Suppenpulver verarbeitet. Die von der Kriegsnahriingsmittel- Geiellschasl mir Robstoffen belieferten Fabriken dürfen vor- schriiisgemäß zu ihren Suppenpulvern kein Kohlrnbenmebl nehmen, und die Gesellschaft liefert solches überhaupt nicht. Auch Dörrgemüi'e wird zu ihren Suppenpulvern nicht mehr verwendet, iveil es beiin Kochen hart bleibt. Wir können feststellen, daß d i e S»vpe, die den Anlaß zu der in Nr. 3!9 unseres Blattes veröffentlichten Klage über die.loien Suppen" gab, aus einer nicht von der Krieasnährmittel-Gesellschaff der- sorgten Fabrik herrührte. Wünschenswert scheint uns, daß die Bevölkerung über die Herkunft der von ihr zu kaufenden„losen Suppen" nicht im Unklaren aelaffen würde. Auch sollte vor- geschrieben sein, die Zusammensetzung der Supvenpulver anzugeben. Dabei könnte man vielleicht reckr lehrreiche Auischlüffe über Wert oder Unwert mancher Erzeugnisse der Snppenindustri« erhalten. Die Kriensnährmittel-Gesellschait stimmt unserem Wunsch bei, daß die Bevölkerung von minderwertigen Erzeugnissen verschont bleiben möge. Wertpakete von Privatpersonen werden in der Zeit vom 17. bis einschließlich 23. Dezember nur dann angenommen, wenn fie— abgesehen von den den Inhalt betreffenden Mitteilungen— ausschließlich bares Geld oder Wertpaviere, Urkunden, Gold, Silber. Edelsteine oder daraus geierligte Gegenstände entbalien.— Das Verlangen der E i l b e st e l l u» g ist für die bezeichneten Tage bei gewöhnlichen Paketen, die von Privatpersonen herrühren, nicht zu- zulassen. Warnung an die Nasisieischgroßhändlcr. Aus den Kreisen der Roßfleischklemhänoler kommen Klagen darüber, daß ihnen die Ein- ballnng der vorgeschriebenen Kleinbandelsböchstpreiie nicht möglich iei, weil im Großhandel Wucherpreise für Schlachtpferde und Prerde- fleisch gefordert würden. DaS KriegSwucheramr macht darauf ans- merksam, daß es überall, wo ihm solche Fälle bekannt werden, nn- n a ch i i ch r i i ch einschreiten wird. Die Betroffenen haben dann nicht nur eine gerichtliche Strafe zu gewärtigen, sondern es kann ihnen auch sofort der Handel»nteriagt und der Geschäftsbetrieb ge- schloffen weiden. AIS angemessenen Großhandelspreis, bei welchem dem Kleinhändler die Einhaltung der gesetzlichen Höchstpreise mö ilich ist, bat der Fachausschuß der Preisprüstillgs stelle Groß-Bcrlm 190 M. für den Zentner mit Knochen berechnet. Unvcischüuiter Wucher mit Nähgarnen. DaS KriegSwncheramt bat die Firma Otto Flatauer Nach f.(Gustav Casparyl, Mülleritr. 152 des schamlosen Wuchers mit Nähgarnen über- führt. Die Frau des FirmeniilbabcrS, Frau Paula Casparh, halte Kciiiitnis erhalten, daß ein großes Berliner Konfektionshaus, dessen Kundin sie war, Nähgarne tür seine Arbeitsstuben dringend be- nötigte. Frau Casparh hielt in ihrem.Waienbause Nähmrne in Ueberi'ülle vorrätig, die sie für höchstens 50 Pf. pro Rolle eingekauft balle. S>e fiefp durch ihren Vetter, den Hand- luiigsgebilfen Max Pinkus, Baruimstr. 49. der Kon- feklionsfirma das Garn mit 6,75 M. und einer anderen Firma nnt 6,69 M. pro Rolle anbieten. PinkuS verkaufte auf dicie Weise, soweit festgestellt werden konnte 1920 Rollen für 6 8 60 M. Wie Frau Casparh bei ihrer Vernehmung selbst zugeben mußte, hatte die Ware einen reellen Werl von ungefähr 4 00 M.l DaS Kiiegswucheramt konnte im Warenhause Flatauer noch etwa 15 000 Rollen im Gewicht von mehreren Zentnern be- schlagnahmen. Seil Wochen hatte Frau Casparh den Verkäuferinnen Anweisung gegeben, an Ladenkunden keine Garne mehr abzugeben. Die lüchlige Geschäftsfrau und ihr Vetter wurden festgenommen und in das Umersuchnngsgefängnis eingeliefert. Für 38 000 M. Seiden- und Wollstoffe gestohlen haben Ein brecher die einem Geschält in der Pestalozzistr. 86 einen Bestich abstalteten. Obwohl die Täter sich zur Forlschaffung der Beute eines Wagens bedient haben müssen, sind sie unbemerkt ent- kommen.__ Charlottendurg. Lebensmittel. Vom Donnerstag, den 6., bis Sonnabend, de» 15. Dezember, weiden verabfolgt: 125 Gramm Steinpilzsuppe ans Abschnitt 156, 1 Pfund Marmelade auf Ab- schnitt 157. 125 Gramm Kunsthonig auf Abschnitt 158. Bis einschließlich Sonnlag werden auf die Näbrmitlelzusatzkarte für Jugendliche auf Abschnitt 34 125 Gramm Steinpilzsuppe aus- gegeben._ Neukölln. Verlauf von Marmelade. Die Abgabe von 500 Gramm Marmelade sinder aus Abschnitt 71 statt, während Abschnitt 68 jür ungültig erklärt wird./ — Rückgang der Ichultindcrzahl. Tie Zahl der Gemeinde- schulkinder dal während des Krieges nicht unerheblich abge nommen. Während die Schülerzahl im Oktober 1915 38 491 bei einem Zuwachs von 1028 Kindern betrug, ist sie im Oktober 1917 aus 37 159 zurückgegangen; hiervon sind 18 347 Knaben und 18 812 Mädchsri. Demeniiprechend ist auch die Durchschiriitsschülerzahl in den einzelnen Klassen zurückgegangen. Sie beträgt indes immer noch 51,82 Schüler pro Klasse. Auch im komnicnden Jahre wird eine größere Anzahl von vakanten Lehrerftellen in Lehrerinnenstellen umgewandelt werden._ Lichtenberg. Lebensmittel. Auf Abschnitt 147 3 können im De- zember 250 Gramm Kandiszucker zum Preise von 25 Ps. ent> nommen ivcrden. Die Anmeldung hat bis zum 8. Dezember in den Drogerien und Apotheken zu erfolgen; die Ware gelangt nach dem 15. zur Verteilung. Ferner au» Abschnitt 151 E 125 Gramm Grütze oder Graupen, Abschnitt 151 X>/z-Psund-Paket Morgentrank, Abschnitt 151 ck, G je 50 Gramm Nährhefe, Abschnili 131 E Heringe, Abschnitt 147 E Räucherwaren und aus Abschnitt 143 E frische Fluß- und Seefische. — Verkauf von Brennholz. Mit dem Verkauf in ungeschnitreneir Kloben soll sofort begonnen werden. Die Lösung der Holzscheine bat in der Kohlensielle, Zimmer 36. Scharnweberstr. 19, unter Bor legung der Koblenkarte zu erfolgen. Die Holzausgabe findet Haupt- straße 4 stall. Die Preise betragen für einen Raummeter 50, 46 und 31 M._ Pautow. Tie Lebensmittelversorgung durch die Gemeinde. In der letzten Sitzung der Gemeindevertretung nahm Genosse Schmidt in eingehender Weise zur Lebensmittelversorgung das Wort. Er wies auf die Notwendigkeit hin. angesichts des bevorstehenden vierten und besonders schweren Kriegswinters ganz besonders Vorsorge zu treffen. Es komme bor allem daraus an. bei den zuständigen Stellen. namentlich beim Kreise Niederbarnim, daraus hinzuwirken.� daß die Belieferung der Gemeinde nur den der öffentlichen Bewirtschaftung unterliegenden?!ohrungsmitteln besser als bisher geschehe. Auch wäre energisch darauf zu dringen, daß bei der im allgemeinen guien Kartoffelernte die Kopfratio u pro Woche von 7 auf mindestens 10 Pfund erhöh! werde. Ferner müßten geeignete Maßnahmen getroffen werden, welche das gesundheiis- schädigende Anstehen beseitigen. Auch dem neuerdings in Erschei- nung tretenden Unfug des„Tauschhandels" zwischen Geschäfts- leuten wie auch zwischen letzteren und dem Publikum, durch welchen die übrigen Verbraucher schwer benachteiligt werden, müsse euer- gisch gesteuert werden. Empörend sei, was sich die Käufer von ein- zelnen Geschäftsleuten oft bieten lassen müßten, so neuerdings bei der Äohlenbelieferung und Gemüseverteilung. Schließlich sei von den Vertretern der Gemeinde in der Brotkartengemeinschaft Groß- Berlin auf eine zweckentsprechendere Brotkarten- Verteilung hinzuwirken. Es sei ein unhaltbarer Zustand, daß für einen Säugling eine Brotkarte, eine Kartoffelkarte, eine Teil- Fleischkarte, sowie eine ganze Reihe von für den jungen Erden- bürger noch ganz unbrauchbaren Dingen vorgesehen seien, während für die Kinder von 10 bis 14 Jahren— einem Alter stürmischer Entwicklung— nicht eine einfache Drotzusatztarte übrig wäre.— Bürgermeister S t a w i tz versicherte, daß die Aussichten für die Er- nährung im kommenden Winter verhältnismäßig gut seien. Die Äartofselration von 7 Pfund, die Brotration von 1950 Gramm und das Fleischquantum von 250 Gramm werde den ganzen Winter ohne Einschränkung auszugeben möglich sein. Auch die sonstige Nahrungsmittelbelieferung werde durch den in den nächsten Tagen ins Leben tretenden Lebensmittelverband Groß-Berlin Voraussicht» lich eine Besserung gegen den bisherigen Zvstand erfahren. Die Kartoffeleindeckung mit zurzeit etwa 43 900 Zentnern gestatte auch für größere Kälteperioden regelmäßige Versorgung. Ferner seien auch noch etwa V> Zentner Kohlrüben auf den Kopf der Bevölkerung vorgesorgt. Ferner versprach der Bürgermeister den gerügten Uebclständen nach Möglichkeit abzuhelfen, sowie gegen Händler, die sich in der geschilderten Weise gegen die Käufer vergehen, unnach- sichtlich vorzugehen, nur müßten begründete Beschwerden auch wirk- lich zu feiner Kenntnis gebracht werden. So sehr anzuerkennen sei. daß auch die Händler unter den Kriegsfolgcn oft schwer zu leiden hätten, so müsse er es doch als unerhörten Bruch des Burgfriedens bezeichnen, wenn der Syndikus des Gemüsehändlcrvereins in dessen Zeitung das kaufende Publikum mit der Bezeichnung„Käufer- kanaillcn" belegt habe.— Nachdem noch eine Reihe weiterer Redner in der Angelegenheit das Wort genommen, beschäftigte sich die Ver- tretung sodann mit der bereits einsetzenden Kleinwohnnngsnot. Zu der Anregung der Schaffung eines amtlichen Woh- nungsnachweises sprach sich Bürgermeister S t a w i tz shn?- pathisch aus und stellte eine entsprechende Vorlage in baldige Aussicht. Reinickendorf. Gcmrindcvertrctcrsitmng. Dem zu begründenden Lebensmittelverband Groß-Berlin beizuircien be- ichloß die Gemcinoevcrtrctung in ihrer letzten Sitzung. Bedauert wurden die vom Kreise Niederbarnim der Begründung des Leben?- miltelvcrbandes bereiteien Schwierigkeiten und der bestimmten Er- Wartung Ausdruck gegeben, daß der Kreis Niederbnrnim die auch vom Kreise Teltow akzeptierten Vorschläge annehmen werde. Be- schlössen wurde ferner, daß das Mieteinigungsamt künffig auch bei einer Anweseiiheir von nur zwei Beisitzern beschlußiShig ist, falls die Parteien der Verhandlung ihrer Klage bei die'er Beietzung des Gcrichls zugestimmt haben. Den Beisitzern ioll für jede Sitzung eine Emichädigung von 6 M. gewährt werden. Der Zentralverband der Handlungsgehilfen halte den Amrag gestellt, umgehend ein Orisstatut zu schaffen, durch das die bisher zugeiasseiie Berka ufSzeir in de» N chilebeiismiilelläden. an den Sonntagen umgehend beseitigt wird. Diese An- regung wurde von unseren Genossen' unterstützt. Namens des Ge- meindcvorslandes erklärte hierzu der Bürgermeister, daß er mit dem Antrag sympathisiere; daß aber am Orte fast keine offenen Vor- kaussstelle» vorbanden ieien, in denen kauimännisches oder auch ge» werbliches Personal bcschnfligi würde. Es empiehle sich, dicie Frage mit den Nachbargeineinden. insbe>ondere mit Berlin, gemeinsam zu regeln. Ans die Aufforderung, eine iolche NegeUiiig anzuregen, er-> klälte der Bürgermeister, daß der Gemcindevoistand sich mit einer eiitiprechendeu Anfrage an die in Frage kommenden Gemeinden wenden werde. �— Salzvcrkauf. Von jetzt ab werden in den amtlichen Ver- kaufsstellen auf Abschnitt 126 der Lebensmittelkarle je zwei Pfund Salz abgegeben werden. Britz� AuS der Gemeindevertretung. Die am Freitag abge- halrene Sitzung beschloß, für die Versorgung der minderbe- mitteilen Bevölkerung mit Bekleidungsstücken die Summe von 10)000 M, zu bewilligen. Einer Borlage des 0-emeindevorstmr- des, wonach die Gemeinde die Mitgliedschaft bei der Bau- g e n o s se n sch a f t Ideal erwerben soll, wurde einstimmig zu- gestimmt� Die Gemeinde will durch eine Vertretung im Vorstand und Aussschtsrat der Genossenschaft täligen Anteil an den weiteren Arbeiten derselben nehmen und den Klei»Wohnungsbau fördern. Die auf noch vorhandenem umfangreichen Baugelände zu errichtenden � Neubauten sollen auch der Fürsorge für Kriegsteilnehmer und der für kinderreiche Familien dienstbar gemacht werden. Den Lehrper- sonen an den Volksschulen wurde eine Erhöhung der Ortszulagen bewilligt, die gegenüber den bisherigen eine Erhöbung bis zu 159 Mark mit sich bringt. Ferner sollen denselben aus Antrag besondere TcurungSzuwendungen gemacht werden. Tie im Dezember be- willigten TeurungSznlagen für Beamte sind auf die Sätze von 540, 720 und 900 M. erhöbt, lieber die Leben smittelvc rs orgung gab der Bürgermeister einen längeren Bericht. Die hier eingetretenen Zu- stände, die nicht zum geringsten Teil auf die Verkehrren und unge- nügendn Maßnahmen der leitenden Stellen zurückzuführen seien, machen es den Gemeinden außerordentlich schwer, wenn nicht nn- möglich, die bereckt igten Forderungen der Bevölkerung zu erfüllen. Zur Bremistosfversorgung wurde mitgeteilt, daß mit der Stadt Neu- tölln eine Vereinbarung getroffen ist, wonach die Einwohnerschaft von Britz von dort Holz entnehmen kann. Nowawcs. Gemeiudcwahlcn. Die Genienidevertretung befaßte siefi in ihrer letzten Sitzung nochmals mit den besonders von bürger' licher Seite als notivcndig erachteten Ersatz- bezw. ErgänzungS- Wahlen zur Gemeindeverlretimg. Nach längerer Beraiung wurde beschlossen, die Wahlen im März nächsten JabreS vorzunehmen und zwar auf Grundlage der alten, aus dem Jahre 1914 stammenden Wählerliste. Die Bemühungen unserer Vertrerer, die Aufstellung einer neuen Liste durchzusetzeii, loarcn vergeblich, obwohl sie darauf hinwiesen, daß bei Zugrundelegung der alten Wählerliste ein erheb- licher Teil der Einwohner, die inzwischen die Wahliähigkeit erlangt haben, von der Wahl ausgeschlossen würde. Die von der Gasanstalt beantragte Erhöbung des GaSprcises um 5 Pi. wurde nach längeren kritischen Ausführungen der Gemeindevertretcr Nathan und Neumann einstimmig abgelehnt. Groß-Serliner pürtemachrichten. Reinickendorf. Heuie. abends 3 Uhr, findet in den Hubertus- sä Ich. Provinzsir. 76/79 eine von der sozialdemokralilchen und der bürgerliche» Gemcindevertrcterfraklion veranstaltete Kundgebung für den BürgerauSschuß Groß-Berlin statt. Bohnsdorf. Grabow. Morgen, 8ß, Uhr, Milgliederverjammlung bel Jugenöveranstaltungen. Zirbeitcrjugendhctm Borliu, Lindcuftr. 3. Heute Dienstag. von abelws 7 Ühr an: Spiel- und Unterhaltungsabend.— Nächsten Sonntag, abends 7 Uhr. findet ein Bortrag jür die weibliche Lugend statt, woraus jchon heute hmgewiejc« wird. Pilip GerichtsMtung. NevoluerjourualismuS im Gerichtsgebäude. !e ili, KriminalgerichjLgebäude der siiite Ruf der Presse unter- 5' allen werden kann, zeigte eine vor dem Schvffenqerickt Berlin- Milte veiüandetle Antlage wegen Betruges, die sich gegen einen silieren, mil dem Eisecueu Kreuze geschmückten Gerichtsdiener richtete. Tiefer hat, wie b:e Verhandlung ergab, einer Angeklagten lO Di. abgenommen unter dein Vorgeben, dag er diese als.Schmier- gelder" für elwa anwesende Aerrrcter der Presse benutzen müsse, � wenn sie sicher sein wolle, das; die Verhandlung riickr in die Zeitungen konune. Ta der Angeklagte natür- I'ch nicht den geringsten Einflusi daraus ausüben kann und das Geld � einmch in die Tasche gesteckt hat, war die Grundlage für Er Hebung einer BctrugSanklage gegeben. Interessant ivar der EntschnldiglmgSgrund, den der Angeklagie'u. a. geltend machte: er habe wiederholt gesehen, dag ein gelegentlicher Berichtcrsi alter fich nicht geniere, derartige Geschäfte mit Angeklagten zu machen. so das; er geglaubt habe, dag auch er tu dieser Weise Geld der- diene, i könne.— Das Gericht sab das Vergeben de« Angeklagten für so schwer an, das', eS ihn zu einem Monat GefsingniS veruiteitte, wobei betont wurde, das; ein solches Bergehen eine schwere Schädigung des guten Rufes der Vertreter der Presse dar- stelle, die pflichlgemäsi ihrcS Amtes zu wallen haben. Mehr als daS Vergehen des' gleichgüliigeu GerichisdieuerS intet essicrt uns die Tatsache, dasi in Berliner Kerichtssälen ein tltcvolvc'.journalisi sein Wesen treiben kam, oder treiben konnte. Es Gerade.» viehische Mißhandlungen einer Stieftochter führten die rd'ou des im ,sc tde slehcndcn Hsiitdlers Gros;, Frau Margarete Eros; aus Neiiiicksudorf, vor die Strafkammer des Landgerichts III. DaS Schöffengerichr Hatto sie" zu zwei Jahren Gefängnis verurteilt und sofort in UiuersiichnngShaft genommen. Der Ehe- mann der Niigetlaglcu hat sich vor"crwa vier Jahren mit dieser verheiratet, um seinen beiden durch den Tod der Mutler der- waisten Kindern eine geordneie Erziehung angedeihen zu lassen. Die neue Mutter behandelte die Kinder auch gut, solange der Vater noch nicht zum Heeresdienst rinberufei! war. mir seinem Fortgänge aber änderte sie ihr Verhalten voll« kommen und wurde zur Megäre, die an der kleinen, jetzl lgjährigen Hedwig ihren Groll daniber auszulassen schien, dag ihr eigenes in der Ehe geborenes Kind durch den Tod ihr wieder geraubt worden ist. Der Arzt konnte etwa IM teils frische, teils vernarbte Wunden an der Nase, der Stirn, den Wangen, am Rücken, an den Schultern, am Geisig und am Hinterkopf feststellen. Das Mädchen gab hierzu die Erklärung, bast die Stiefmutter sie iviedcrholt mit einem Stück Holz verprügelt, aber auch mit einem Stock ins Gesicht geschlagen habe, wiederholt sei die Angeklagte mir einer sogenannten Schnster- ahle auf sie losgcgaugeit und habe ihr Stich- und Ritzwunden bei- gebracht, einmal habe sie auch dem Stiefsohn den Befehl gegeben, die Schwester zu verprügeln.— Die Angeklagte hatte gegen das ichösscngcrichtliche Urteil Berufung eingelegt Die Verhandlung zeigte, batz die Angeklagte eine überaus aufgeregte Frau ist. deren Nerven durch den Tod ihres Kindes stark gelitten haben. Nur mit Rücksicht hierauf entschlos; sich der Gerichtshof, die Strake auf ein Jahr G e i ä ii g r: i S zu erniästigen und einen Monat Unter- mchnngShafr anzurechnen. Die Strestochter ist ihrer„Erziehung' schon entrissen und in Pflege gegeben worden. Ms aller Welt. Sturmflut. Hamburg und das Küstengebiet der Elbe ist bon einer Sturmflut heimgesucht tvordcu, die am Sonntag einen Wasser- stand von 18 Fuh. 1 Zoll brachte, während der Normal- Wasserstand bei Hamburg 8 Fug beträgt. Der Straßen- bahnbctrieb ani Hafen mußte eingestellt werden. Snefkcilkn Ser ReAaktwn. Tie lurlftlsSe Svre»stunde sindel für Avonnenteo Eliibeiiftt. 3, 1.©ui linlS, varterre. nm Montag bis Freitag �von 4 bis 7 Uljt, am Sonnabend van 6 bis(i Ulir stau. Jeder für den Brteslasten bestimmicn Anfrage ist ein Buchstabe und eine Zahl als lvlerfzeisien beizufügen. Brieflich« Ant- wart wird nicht erlei». Anfragen, denen leine Abonnementsauiltung bei- gefügt ist, werden nicht bcanlwnrisl. Eilige Fragen trage man in der Svrcch- stunde vor. Verträge, Schriftslülie»ub dergleichen bringe wau iu die Sprech- ftuiidc mit, R. W. Der Verkäuscr hal recht,— 3. Kompagnie 72. 1. Dem Dienslbesehl müssen Sic solae», 2. Aus dein für den Soldaten vorgeschrlc- denen Instanz-nwea,— W. 57. Die Muiter hat keinen Anspruch.— Ärchose. Freie Fahrt. Antrag ist an die klomniandantur zu richien.— Feldgrau 2111. 1. Nein. 9. ft't Dienstsache. 3. Die Eltern können einen von der Gemeindebehörde beglanbigten Antrag an das Kommando des Truppenteils richten.— 1. R. Kummen Sie zur Sprechstunde.— — Rahnsdorf 130. Wenden Sie sich mit Fhren Annagen an das Preusi. Landesfleischamt, Berlin L�V. Königgrätzer Sir. 193.— K. G. Fa.— Kurland. Wenden Sie sich an das Zcntralkomiicc des Noten Kreuzes, Berbn, Prinz-Albrechi-Strage sAbgeordneienhaus).— A. P. KL. Wenden Sie sich an die Schmiedeinnung, Berlin, Fischerslr. 23,—?. V. Ldt. Stellen Sie Antrag an das Miele!, ilgungsamt wegen Entscheidung oder kommen Sie persönlich zur Sprechstunde.— 8. T. 3. Ihre Frage ist nicht recht klar bczügl. der 1 M. Die Unterstützung wird aus Antrag nachgesandt, wenn der Wohnort nicht dauernd verlegt ist.— S. C. IL. Ja. für Sep- tembcr,— Ba. II. Wenn die Söhiie zusammen si Jahre aktiv, nicht Landwehr oder Landslmm, gedient haben, lönnen die Eltern für jedes weitere Jahr 240 M, Üluswandsetilschüdignng bcankpruchcn,—oii Carlo«. liamm erspiele. 7% Uhr: Sora. Volkethtiitne. Theater ar.i Blilowplatz, Ur.tergrundb. öchönh. Tor. Uhr: Nr.üian der Weise� Du-. C. Meinhard— fT Bernauer. Tiieater i. Königptzerstf. ?-/. Uhr: ErdKOlst. Komodseis Staus '�SUhr; Die beiden Seehunde. Berlirser Theater 7h'xU,: Udir tolle täomtell. Theater für Dienstag 4. Dezetnäser. I-iastsplothans 7'/» Uhr; Die faMen Miels v.IMntioi Centrat-Tfceater Koinrnandantonstraße 57. rsi'j: n ie Ca.-irriaKfHrMtin Detitsches Opcrnhaaa uhr: B. last. ffelliePY.lfiails. Friedricli-Wülieimsi. Theater "'/.uiir:{Jas CraiÄrte. Rose»Theater. 7'/- Uhr: Andreas Hofer. Der grüße VariettSpiolplan t2 Attraktionen 22 Zirkus A, Schomann.| Bhl. FriedrichEtraEe, Heute Dienstag feelnci Zirkusvorstellunn. sondern S gr. Miislkauftiihrung dar' Kg i. Kcrr.nisniianUir Oerlm Jdoreron und folg. Tage 71/« Uhr: t M Tijcer-g F>,! ÄhV Riah. Sawaele Maud Wniff, stieg. Hunde, E und da;- hervorragende| Sport-Zirkus-Programm, ÜEXBiC© Or'tf.-Ausstatt.-Pantairiimf., Kleines Theater :/a Uhr: kiLlZMibei'. r, u, Koiuleclic Oper Metropol-Theater Die Rose m MüL Uhr: Neues Ofisrettenhaus Sclriffbd. 4a. Kussentj. Nd. 281 7'/4Uhr:nnBW ItesidenE-Thcatcr i1'! uhr: Eariiafa StossSn Schlllor-Theatnr O uh�KäteMoa ieirsi. Sclitlleir-Th. Chart. tv, uiir: Onkel Bräslg. Uhr Thalia-Theater : Ep iil seine Fräsen. Theater am Noilendorfplatz 3'/. Uhr: Er rmiB aufs Land. 7 Uhr; k-A Theater des Westens 7vaühr:Ber?6PJißlit8 ierzog NATIONAL THEATER Cöpenioker Str. 68 Täglich,'/d® Uhr Sonder-V ergünstigung Jü�mbcr) j Amsschneideo t[| 1—4 statt J ta inhl. Gard. Orchester-Sessel Kei]J9 4.30 Orchester-Sessel 8m M-! 80 Mittel-Rang-Balkon � M. 1 50 uÄ! Has ist die Skbe!.„ÄL- 1 Vorverkauf 10— 2 und ab 6 Uhr abends, yHHÜIA Dionstag, den 4. Dezember, 8 Uhr: Tier nod Msnseh In der Wildnis. Täglich 71/, Uhr: Das neue Dezcmber-Pro- gremm.— U. a.: Die SFaziösen 4 Sciiwest. KlöS! Frank«. Hera. Daisy William— Blumentcld Mia Asloria Komisches Intermezzo der Clowns Revelly, Maroelly, Hai u. Franzi. Z.Schluß; E�smslfahrt. Phantastische Pttnlomima in 4 Akten v. Paula Busch. b Sonntagnackm, ZffWZZ j. JUlädCllCU irKNMSN Casino-Theater 'f,8 Uhr. Nur noch bis 5. Dezember: Heiraten mutzte! Ab Donnerstag. 6. Dezember: Die neue Berliner Poffe: .Haniftcrfpitze. Sonnt. 4 Uhr: Onket Moritz. WgLMsslsr ; Bsdstr 08. Eadstr. 58. Täglich: i» imge MW Waes! | Kaffencröffn. 6';a, Ansang 71/, U. Fj-iodriohstr. 165. Ecke Behronstroßo, Ciaire Waldoff Jean Möreau Earic Paini n. das hervorragende D oz em b or-Program m. Hauskap.: Fcnyvesi. sOO Postkarien, SL Prochtsorriment, onth.Gold-, Glanz-. Broms.-, Kunst-, patr.. Blum.-, Kopf-. Kind.-. GcburtstngB-, Liebes-, Landschafts-. Witzk. usw. 5 M. (10 bis 30 Pf. Verkauf); staunend schneller Absatz. Tan- sende Anorkennungen. 100 Weihn.- u.Xoujahrgk.4 u.5 kl, in Glanz lObl. LUbsrgl. 12 kl., 100 biU. Korten 1.50, 2,50, II. P.WsgenknechtVerl., Leipzig Bekanntmachung. I. Den Bäckern und sonstigen Broive: käuscrn wird für jeden Fall, in dem sie den Inhaber einer gesälschten Brotkarte polijei- lich feststellen lassen, so dasi er gerichtlich bestrast wird, nach erfolgter Bestrafung eine Belohnung von 50 Mark so daß OegrOndet ISO« ausgesetzt, "Die Fälschungen sind meist plumbe Nachahmungen, sie ohne Schwierigkeiten zu erkennen sind. II. Vor dem Erwirb von Brotiarten antzerbalb der bebörd- lichcn Verteilung wird uachdriicklichst gewarnt. Jeder, der Brot- laricn erwirbt, muh damit rechnen, datz es sich uui gejätichte starten handelt. Er setzt sich der Kesahr der sofortigen Vcr- hastting und schwerer gerichtlicher Bestrafung aus, Berti», den 30. November 1917..• Magistrat dcr Königlichen Haupt- und Rrfidcuistadt. J,-Nr. 963SBr. 1, Wcrniüth. muü MllU �slhsliL-Thegter. 7'/, Uhr: Tägh 7'/« Lonne. 31/, u. 71/, NeuIRobertSteidl Eakfayotte, Cartella, Otto Rcutier i. d. Eevue-Posse; Heli'n Sie W nfehl naeh Berlin! APOLLO Friedrichstr. 218. Dir. J. Klein. Äilabendiich l'l, Uhr: Fei�n Mnfis»aa sowie das unvergleichliche erstkl. Dezember-Programm. Keine Preiserhöhung! Theaterk. ununterbr. gcötfn Relclisliallea-Tlieater Allabendlich 71/, Uhr u. Sonnt, nachm. 3 Uhr Stt-ttln. Sänger Mittw., S.fS,: Beneaz- Vorsiellung. Zum Scbluß zum 1. Haie: Mein Weilmachtstrauiii, Militär. Zeitbild von Meyse) Trianon»Theater Geergcnstr., Bhf. Friedrichstr. Tbl.: Zentrum 4927 und 2391, -,st8 Uhr Der'/,« Uhr LebeEsschöier. Komödie von Ludwig Fulda. Ida Wüst, Erich Kaiser-Tita, v. Möllendorff, Mart. Kettnor. Stg. 3>/, kl. Pr.; Hedda Gabler. Mi Berliner Konzerthaas. -■Wa'-i'CSlK Mauers traßo 82, Zimmerstraßo 00/91. Heute: fWr� Großes Wohltäliokeilskonzeri für den WeihnacMsfonds des Garde-Grenauier-Reglments Nr. 5. Mitwirkende: Kapeile dos Ers.-Btls. des Garde-Gr.-Rgts. Nr. 5, verstärkt durch Hoboisten des Feld-Egts., Leiter: Kgl. Musikdirektor K. Kneifet u. Kgl. Obennusikiastr. A. Gleve. Berliner Xonzcrthaus-Orchesfer, Leiter: Komponist F. v. Blon. Else Vcgi-Gauger(Sopran), Julius Roether(Tenor) v. Ot. Opernh. Anfang T'/j Ohr. Eintritt 1 ZU. Anfang 71/« Uhr. Karten im Vorverkauf im Berliner Konzerthaus zu haben. Alle Vergünstigungen aufgehoben. JEIallett auf dem Eise 7'l, Uhr Abrakadabra. Vorzügliche Küche. H. Pfau, Samlagisl �efDiFCksenslr�O zwilch. Babnh. üllexanderplatz u. Polizeipräsid.— Amt Kst. 3208. Für Damen Frauen-Bedienung. LiejerimI sür alle Krankenkajj. WeiSinachtsgescIzenke frühzeitig kaufen.' � Leipziger Straße 97 und ftömgstraße 46 Juwelen Ul�res�. iinci �Slib er war esu Besonders enipfehlenswerte Geschenk-Artikel Silberna Handtaschen Goldene Qücderbänder mit Kdelstelnen verziert Ofrizicr-Siejelringe Silberne Zigarettenetuis Halsketten mit moderuen Anh ärgern Chätelaines Damea- and üerrenketten Arm'janduhren Gold. u. silberne BieisUfle Juwelen, Perlen werden zu hohen Preisen angekauft oder in Zahlung genommen. waren en gros Einzelverkauf wie alljährlich zu biiiigst Preisen� S. ZLNLMgEü'. üdüs Königsir. 21 kein Laden, II. Stock. Biits genau auf Firma Ks und Hausnummer£,* yTl zu achten! l/t" " i Sonnt. v.l 2-2 goüffn. 1�' ö?!. ftifi!) Fettenten.. Pjd, 5,50 an. Masthühner.. 4,75. Kaninchen. Z.CO. Frau Grnichkc. Elsaffer Str.3Z. ÄÜ!«!!«, Lpei-ül-ifru l>n. zne«I. klnaoks, fr!eljr!l!l!8lr.30 Beb and i. von Syphilis. Haut- Harn», Frauenleiden, spcz. chron. Fälle. Ehrkich-Hala-Ku- rcn, ichmcrzlosc, lürzcstc Be- Handlung ohne Berussstörung. Bwlunlcriuchung. Mag. Breite. Teilzahlung. Sprechstunden 10 bis 1 und 5— ö. Sonnt. 11—1. Die letzten Offeriere: 11372* KeriUd.-Dohlrnkchoncr in Tüten; Jnh. 30 Keruschoncr, 2 Spitzen u. Sliste zum Preise v. M. v,tz»5 pro Tüte. Mustersendung. nicht unter 1 Postkolli u. 100 a-üten M. 85,— franko geg. Nach»., 1 Miistersohle gratis. Soblenschonersabr, Paul Krüger, NowamcS, Friedrichstr, 37, p™ Wörslchen a. Wurst a. Kaninchen- u. RoS» tieisch tägl. frisch. Pfd. 3,50 M. Nachn. Eilp.-Vers. Vorsand v. 5 Pfd. ab. Eoßschlächterei und Wurstfabrik Arthav Kchimülcr, Zwickau i. S. Forek, Prof. ä., Di« sexuelle Frage. Volksausgabe 3,80 M. Buchhandlung Vorwärts, Lin- denstraße 3, Laden.* „djnfc. Kennen Sie ■z bJ die Wohltat � fs* einer ILcibblixie? Sämtliche Systeme om Lag. resp.nacb Maßanferüg. sowie Brushbandagsn a1" Artikel z.<5e*und helts- and Krankenpfloge. Pollmann, Bandagist, Berlin N., Lothringer Str. 60." Lieferant für Krankenkass. Ihitf/ldlirJ* Zur Aosscheidune aller scharfen unu kranken Stoffe aue Bfui und Säften, ceuea Uiutverdlckuns, Bluiandransr. rotes lieslclu, Hautunreiuigkeiten ist mein Biulreinigungspalver Sattarln seit Uber is Jahren wirksam erprobt. Schachtel M. 1.50. übL 3 Sch. 4.45. Otto Reichel, Berlin 43, Eisenbahnst. 4 K�atizspetiäg« sowie kämtliche• BluntcuarranffcmeutS liefert fchnell und billig t�»«l t-i-oax. Llndenstr. 63, Tel. Mpl. 7203. Nr.AZ2— mi Unterhaltungsblatt ües vorwärts Dienstag, 4. Dezember WaffenstiUstänöe unö ihre Gesthichte. ES ist die Regel, daß Waffenstillstände schließlich aitm Friedensschluß führen; allein wie von jeder Regel, so gibt es Ausnahmen auch von dieser. Das berühmteste Beispiel einer solchen Ausnahme dielet wohl der Waffenstillstand, der nach den Schlachten von Lützen und Bautzen zwischen Napoleon und den Verbündelen geschlossen wurde. Es ist ein weltgeschichtlicher Waffenstillstand geworden. Denn in ihm entschied sich die Frage, ob Oesterreich auf die Seite der Verbündeten treten würde oder nicht. Napoleon rechnete mit Sicherheit darauf, seinen Schwiegervater von den Vebündetcn ab- trennen zu lönnen, und die deutschen Patrioten zitterten, daß nnverhältnismäßige Zugeständnisse an Napoleon die Be- sreiung Deutschlands zunichte machen könnten. Aber Napoleon zeigte sich selbst sehr entgegciikommenden Friedcusvorschlägen gegen- über unzugänglich, und damit entschied er sein Schicksal. Als die letzte Stunde des WaffenstillstalideS geschlagen halte, atmeten die Stein und Arndt, die Blücher und Gneisenau erleichtert auf. das Los des Korsen war geworfen; und es tvaren Augenblicke draniatischer Spannung, die das Ende dieses Waffenstillstandes bc- gleiteten. Umgekehrt hat wohl nie ein Waffenstillstand draniatischer begonnen, als der, der l86ö den Friedensschluß zwischen Preußen und der habsburgischen Monarchie einleitete. Arn 22. Juli standen Oesterreicher und Preußen bei Blunieuou im Gefechte, und noch wurde von beiden Seiten hart um die Entscheidung gerungen, als gegen Mittag die Nachricht von dem vereinbarten Waffenstillstände eintraf und so dem Kampfe mitten in seiner Entwicklung ein Ende machte. Da hieß es„Das Ganze halt', und bald hatte der Frieden den Krieg abgelöst. Die Geschichte der Waffenstillstände geht sehr weit in der Kriegs geschichte zurück. Ott ergab sich nach blutigen Schlachten auf beiden Seilen das Bedürfnis, die Gefallenen zu begraben, die Verwundeten aber zu sammeln und hinler die Front zu führen. Oder handelte eS sich um Siädlebelagerungen, so gönnte man Ivohl Fremden und Frauen eine Frist, die Stadt zu verlassen, und ließ während dieser Zeit die Waffen ruhen. Das sind sozusagen die geschichtliche» Ur-> formen der Waffenstillstände gewesen. ES sind auch Fälle vor- gekommen, in denen sich Waffenstillstände infolge der Erschöpfung beider Parteien gleichsam von selbst als zwingendes Bedürfnis auf- gedrängt haben. So geschah es während des furchtbaren Ringens um Sebastopol, während dessen man nach jedem großen Kampfe auf eine stille Vereinbarung die Feindseligkeiten, sei es für ein paar Stunden, sei es für eine» Tag oder auch einige Tage einstellte, um die gewaltige Menge der Toren beiseile zu schaffen und den Kämpfern einige Ruhe zu gönnen. Und während dieser halberzwungenen Waffenstillstände sah man die Soldaten beider Heere, die sich noch eben wütend bekämpft hatten, friedlich miteinander verkehren. Der ausgedehnteste und kulturgeschichtlich wichtigste aller Waffenstillstäudc. die je geschloffen worden sind, ivar wohl die berühmte„Treugu Doi", jener Gottesfrieden des Mittelalters, durch den der durch Fehden, Kriege und Gewalttätigkeiten jeder Art geplagten damaligen Menschheit loenigstens für die zweite Wochenhälfte eine friedliche Schonzeit gesichert wurde. In der Regel ist es, wie auch diesmal, der besiegte Teil, der um einen Waffenstillstand ersucht. Doch auch davon gibt es AuS« uohmen, und eine der berühmtesten bildet das Vorgeben Bonapartes im Jahre 17V7. Damals war er, zuin Teil auf Gefilden, die jetzt den glänzenden Sieg der verbündeten Streitkräfte gesehen haben, durch Oberiialicn bis nach Leobcn vorgedrungen, von wo aus die Straße nach Wien vor ihm lag. Da richtete er an den Erzherzog Karl folgenden Brief:„Herr Obcrgcneral! Die tapferen Soldaten führen Krieg und wünschen Frieden. Dauert er nicht schon seit sechs Jahren? Haben wir nicht genug Leute getötet und der traurigen Menschheit nicht genug Uebel verursacht? S'e bc- klagt sich von allen Seiten.' Dieser pathetische Brief sim Vereine mir Bonapartes strategischer Stellung) tat seine Wirkung: er führte zum Abschluffe eines Waffenstillstandes, aus dem nach- her der Friede von Eampo-Formio hervorging. Bona- partes Aufforderung zunr Waffenstillstände war nun jeden- falls ehrlich gemeint; die Geschichte kennt aber auch den Waffenstillstand als Kriegslist. Es war im Jahre 1805, wenige Tage vor der Schlacht der Austcrlitz, als ein Marschall Napoleons, der seine Vorhut befehligte, sich Kutuwff gegenüber sah, und zwar fließ er dabei auf weil größere Streitkräfte,' als er bermulet halte. Da scheute er denn doch vor einem Gefecht zurück und ließ bei dem Ruffcn auf einen Waffenstillstand antragen. Der Humor der Sache lag darin, daß Kutusoff vor seinem Gegner ebenso viel Angst hatte, , wie dieser vor ihm. Also ging er mit Eiter auf de» Vorschlag ein, verhandelte, zögerte, verschleppte und ließ während dessen seine Armee ganz langsam nach und nach verschwinden. Als die Ver- dandlungen schließlich abgebrochen wurden, waren die Russen ver- duslet und den Franzosen war eine günstige Gelegenheit eutgangen. Napoleon nahm den spaßigen Vorfall keineswegs von der humo- ristischen Seite, sondern schrieb seinem Marschall einen bitterbösen Brief, der mit den Worten schloß:„Sie bringen mich um die Frucht eines ganzen Feldzugcs'.__ Es pocht an eure Türe! Heber die weiße Unendlichkeit des Schnees geht die gütige Dezemberlegende in einen Sternenmantel gewickelt. Aber wie ein greiser, grausiger Rhapsode mit wehendem, weißem Barl steht draußen der Krieg und jagt seine blutigen Balladen in das silbersunkelnde Christnachtsglück hinein. Es geht ein großes, lange? Weinen über unser Vaterland. Kleine Hände pochen an eure Türe.... Sie haben keinen Vater mehr. Sie wissen nichts von einer Kindheit, die wie ein Märchen ist und einen lustigen Fiedelbogen hat. Es geht ein großes Traungwerdcn über kleine Gesichter, die ihren Vater suchen, der nicht mehr weiß in seinem kalten Soldaten- grabe, wie seine Kinder lachten, als sie sich au seinen Vaterknien die kleinen Nasen plattdrückten, lvcnn er ihnen im Feierabendlichte frohe Geschichten erzählte! Warmer Herdrauch sieigt aus euren Schonisieinen. die ihr noch was Liebes habt, das euch auf der Erde hält, ihr kinderlosen Ehe- pdare und ihr Junggejellcn, ihr Witweu und ihr alleinstehenden Frauen I Hebt in die Sterne der Christnacht cin verlasieneS, frierendes Kind, das zu euch kam wie das cngelumsungene HellandSköpfcheu in der wundersamen Dezemberlegende, wo auch so viel Armut ist und so viel Liebe! Mackt für die verlaffenen Kinder in eurem Herzen ein warmcS Nest zurecht. Dann wird ein Segen übcrS Vaterland hingehen. Macht auf! Macht auf! Max Jungnickel. Anmeldungen an die Geschäftsstslle des Reichsverbandes für KriegSpatenschafien, Berlin W 30, Münchener Straße 19, oder an die vlliichen, amtlichen Fürsorgestellen. Sarbarazweige. Der Schlachtenmaler Albrecht Adam, der 1730 in Nördlingen geboren war, erzählt uns in seiner Selbstbiographie aus seiner Jugendzeit:„In Nördlingen hat man nicht den düsteren Tannen- bäum für die Christbescherung, sondern man setzt schon monatelang vorher den jungen Stanim von einem Kirsch- oder Weichselbaum in einer Zimmerecke in einen großen Topf. Gewöhnlich stehen diese Bäume bis Weihnachten in voller Blüie und dehnen sich weit an der Zimmerdecke hin aus, was man als eine große Zierde betrachtet und was auch in der Tat zur Feier des ChristsesteS sehr viel bei- trägt. Eine Familie wetteifert mit der anderen, und die, welche den schönsten blühenden Baum hat, ist sehr stolz darauf,' In einigen Gegenden Tirols sucht man noch heute um die Weihnachls- zeit einen Kirschbaum im Freien zum Blühen zu bringen. So gräbt man in Rauggen in der ersten Klöpfelnacht, dem ersten Donnerstag- abend in der AdventSzeit, unter einem Kirschbaum Kalk ein; ge- wohnlich blüht dann der Baum iu der Christnacht. Ehedem näm- lich. als nur einzelne Gegenden unseres Vaterlandes die lichter« strahlende Tanne zu Weihnachten kannten, war die Sitte, am Weih- nachtSfeste das HauS mit blühenden Bäumen zu schmücken, auch in anderen Gebieten deutscher Zunge sehr verbreitet. Da ober das Treiben ganzer Bäumchen vielen zu umständlich war, begnügte man sich mit einem einfacheren Schmuck, Einige Wochen vor Weihnachtcu brach man niit Vlütenknospen versehene Zweige verschiedener Bäume und Slräncher und stellte sie im ge- heizten Zimmer in cin init Wasser gefülltes Gefäß, Gegen Weih- nachten blühten nun diese Zweige auf. Arn meisten wurde zum Einstellen der Zweige ins Wasser der 4. Dezember benutzt, der Gedenktag der heiligen Barbara, der Schutzpatronin der Artillerie, die nach der Legende zur Zeit des Kaisers Maximilian in Nikomedia lebte imd dort den Märtyrertod erlitt. Nach der heiligen Barbara nannle man die blühenden Zweige allgemein A a r b a r a z w e i g e. An»rauchen Orten bildeten die init Knospen besetzten Zweige von Fluchlbäumen einen regelrechten Handelsartikel; sie wurden auf dem Markte vertäust und selbst von Hausierern feilgeboten. Man benutzt die Barbarazweige sogar als Orakel. An manchen Orten beschaffte sich jedes Familienmitglied einen Kirschtn-, Weichsel-, Apfel- oder Birnbaumzweig und versah ihn mit Merkzeichen. Alle wurden nun in einen Tops gestellt und geineinsam gepflegt. Nach etwa drei Wochen blühten sie aus, und wessen Zweig sich mit de» schönsten Blüten geschmückt hatte, dem sollte auch im nächsten Jahre das schönste Glück blühen... Bei richtiger Behandlung und Auswahl der zum Treiben ge« eigneten Zweige ist in der Tat bereits in wenigen Wochen ein Er« folg zu erzielen. Damit man zu diesem gelangt, erhalten sie alle zwei Tage frisches, lauwarmes Wasser und werden täglich morgens,. mittags und abends ebenfalls mit lauwarmem Wasser derart mittels des Bestänbers bespritzt, daß sie tropfen. So behandelt, stehen die Zweige der Forsythia, Mandel, Aprikose. Lpiross. pruvikolia, Stachelbeere, Sauer- und Kornelivskirsche, der Pflaume, Schlehe und des Pfirsichs und Seidelbastes bis Weihnachten unbedingt in reichem Flor. Ist das Glück gut, so zeigen sich auch an Birnenzweigen einige Blüten.... In den letzten Jahren ist der sinnige Brauch der Barbarazweige in verschiedenen Gegenden unseres Baterlandes wieder aufgelebt. Vor allem hat mau immer mehr Gefallen daran gefunden, das Haus zum Weih- nachtsfest mit Blume» zu schmücken, eine Sitte, die freilich jetzt, da auch die Blumen sehr leuer geworden sind, stark eingeschränkt werden muß. Dagegen verursacht es nur geringe Kosten, wenn man sich die geeigneten Zweige verschafft, um sie für daS Weihnachtssest im eigenen Zimmer zum Blühen zu bringen.' Ein /lebeiter-Sänger-KonZert. Wenige Monate vor Knegsbcginn— erinnere ich mich recht stellte sich der neugebildete„Frauen- und Müdchenchor Norden' zum ersten Male mit Gesangproben vor. Später noch einmal. Seitdem hat er sowohl an Mitgliedcrzahl wie an Können erfreulich zugenommen. Diesen günstigen Eindruck gewann man anläßlich seines unter Mitwirkung des„Berliner Sinfoni- Orchesters' am letzten Sonntag in den Germania-Prachtsälen gegebenen Konzerts. Herr Jan F. v. d. DrieS, der jetzige Chor- meister. hat die Gesangsicchnik tüchtig zu entioickeln und zu fördern verstanden. Es läßt sich gewiß noch»ichr Freiheit in der Beherrschung der stimmlichen Mittel vorstellen. Was aber guten Ansatz, Reinheit, klare Aussprache, an- und ab- schwellende Gebundenheil der Töne sOsA-rw) angeht, so darf sich der Chor schon hören laffen. Von einigen dreistimmigen Frauenchören schien mir„Kein Feuer, keine Kohle" am gelungensten. Auch der„Sänger-Chor Wedding' ließ sich mit ver- schiedcnen Männerchören vernehmen. In„Robin Adair", der irischen Volksweise, noch zarler und ausgeglichener in dem Schaußschen„Ich hört ein Vöglcin pfeifen... erfreute eine gewiffe Kultur des Vor- trageS. Gemeinschaftlich an einer größeren Aufgabe waren beide Chöre in dem Melodrama„Kolumbus" für Mischchor, Orchester und Rezitation von Julius Becker beteiligt. Hier war es uns cin be- sonderer Genuff. Adolf Klein, dem unvergessenen bedeutenden Darsteller klassischer und moderner, zmnal Jbsenscher Dramen- gestalten als Sprecher wieder zu begegnen. Das Werk erweckte großes Jntcreffe und hinterließ einen starken Eindruck. vir. Notizen. — Bühnenchronik. Tilla D u r i e u x will sich, wie eS scheint, aus Rücksicht auf ihren erkraulten Gatten von der Bühne zurückziehen. Sie hat ihren Kontrakt mit dem kgl. Schauipielhause gekündigt. Ihre letzten Rollen sKleopatra, Mcdea) hatten bewiesen, daß sie in den Uebergang von der schillernden und rassigen Lieb- haberin zu heroischen Rollen Kraft und Sonderart mit hinüber- genommen hatte. — Der Hunger nach Kunst(und auch die Sensation der zu erwartenden hohen Preise)»ahm in und vor der Ausstellung der Kausmann-Sammlung in der Sezession bedenkliche Formen a». ES herrschte ein Massenandrang, als wenn die Gans zu 2 M. daS Pfund verkaust worden loäre. Und es handelte sich doch„nur" um alle Kunstwerke, die nächstens neuem Reichtum Glanz und Hinter- grund verleihen sollen. Uebrigens machte» sich die Veranstalter zwiefach schuldig: sie höben den angelündigten sreien Eintritt auf und verlangten 2 M. Eintritt. Sie haben dadurch daS begangen, was der Gesetzgeber im eigentlichen Sinne des Wortes unter „grobem Unfug" versteht. Sie sind aber auch zivilrechtlich haftbar, wenn einige der vielen, die infolge unserer Hinwcife auf den Gratis» eintritt hingingen, klagen wollen.' — Die Porzellanfarik Ph. Rosenthal, die in der Anfertigung hochgualifizierter und mit Kunstgeschmack durchgeführter Porzellane guten Ruf genießt, hat Bellevuestr. 10 eine ständige AuS- siellung ihrer Kunstabteilung eröffnet. — Ein russisches R e v o I u t i o n S m u s e u>n. Der Zentralausschuß der Arbeiter- und Soldatenrätc ganz Rußlands beschloß vor Ausbruch der neuesten Ereignisse, ein Museum zu gründen, in dem alle Denkwürdigkeiten aus der Revolutionszeit ge- sammelt werden sollen. Das Museum soll wissenschaftlichen Zwecken dienstbar gemacht werden. Daher wurde in Aussicht genommen, eS bei der Petersburger Akademie der Wisienschasieu zu errichten. In« zwischen ist ja der bolschewistische Ausstand ausgebrochen. Die Welsche Nachtigall. Der Roman eines sterbenden Jahrhunderts, 53� Von R. F r a n c L. ..Baronesse, Seine Durchlaucht der Herr Herzog ist natüv' lich nnbcschränktcr Herr über unö alle— Lison fühlte einen Stich— aber der" Deserteur untersteht nicht mehr seiner, sondern der militärischen Jurisdiktion. Nur der Herr Oberst Kratz von Scharficnstcin ist kompetent, ihn zu begnadigen, und der tut es gewiff nicht." „Warum nicht?" „Der Herr Oberst ist der an sich höchst richtigen Ansicht, daß angesichts der lvachsenden Unbotmäßigkeit des Bürger- tums strenge militärische Zucht unbedingt nötig sei. Er hat noch nie jemand begnadigt." „Aber mir wird er eS nicht abschlagen." Michalansky machte eine Verbeugung. „Gnädigste Frau Baronin, der Herr Oberst... ein genialer Feldherr... cin Held, oh. er hat die größten Ver- dienste, aber cin strenger Kriegsmann, er haßt die Frauen." Lison setzte sich ratio» hin. Also war dieser arme Mensch verloren... Das durfte nicht sein... Plötzlich kam ihr eine rettende Idee! Man mußte ihm zur Flucht verhelfen. Und niemand anderer konnte dies zuverlässiger bewerkstelligen, als Solms, sein Freund. Sie sprang auf: „Michalansky. er muß mir einen großen Dienst erweisen. Ich kann nicht mehr warten. Er muß— am besten sogleich — zu dem Chevalier de Solms... Und muß ihm sehr diskret eine Botschaft bestellen." Sie trat vertraulich an ihn heran. „Ich brauche sein Ehrenwort, ich mutz mich ganz auf " ihn verlassen können. Ich werde sehr, aber sehr dankbar sein." Michalansky mißverstand das. Verflucht— dachte er— die geht ins Zeug. Mit plumper Vertraulichkeit flüsterte er eitel: „Oh, Madame. Sic machen mich glücklich." ' Lison suhlte sofort die Lcrrückung der Grenzen. Und von diesem Augenblick an war ihr das bisher gleichgültige Subjekt widerwärtig. Doch es gab für den Augenblick keineli anderen Hoffnungsanker. „Er soll zehn, nein zwanzig Dukaten als Douceur be kommen, wenn er mich zufriedenstellend bedient. Sein Ehrcw wort ist aber verpfändet." Michalansky fühlte die Deniütigung. Er biß die Zähne zusammen und sagte trocken: ..Wenn es meine Stellung als Aktuar der Polizei zu läßt." „Dreißig Dukaten sogleich." Er stutzte. „Ich muß erst hören.. „Also er soll Herrn von Solms zu mir führen, ich er warte ihn heute nacht— gegen zehn— im Schlößchen— ich werd' ihm einen Schlüssel zum Garten geben. Aber hei ligste Diskretion— er muß sie schwören..." «Wenn aber Herr von Solms nicht will— er ist veo lobt, er liebt seine" Braut." sagte frech der Unterhändler. „Er wird wollen. Sag' er ihm... nein, zuerst muß er Diskretion schwören— hier vor dem Kruzifix." Michalansky dachte cin wenig nach. Dreißig Dukaten— hundertfünfzig Gulden— drei Monate Gehalt... seine ganzen so drückenden Schulden betrugen kaum so viel.. Er war entschlossen. Außerdem hatte er diese Frau von nun an in seiner Gewalt. Sein unfehlbarer Polizeiinstinkt sagte ihm genau, was sie wollte. Sie wollte Peißer befreien durch Solms, um diesem gefällig zu sein. Er warf einen lüsternen Blick auf sie. Wie rassig sie Ivar. Seit vorhin war die Bc- gierde in ihm erwacht. Hatte er sie in der Hand, war es leicht, auch in ihren Besitz zu kommen... Das wäre kein übler Spaß, mit einem Herzog zu teilen..v. Er machte ein ernstes Gesicht und ein so treuherzig ehr- liches als ihm nur möglich war! „Baronin, ich will ehrlich reden. Ich brauche hundert Dukaten." „Er soll sie haben," sagte sie freudestrahlend.„Und nun schwör' er." Und Michalansky schwor. Bei Gott, dem eingeborenen Sohn und bei seinem Schutzpatron, er wolle es geheim halten, immer und überall. Zu Solms solle er gehen und ihm sagen, Michalansky habe seine in jener Nacht verlorenen Schriften und wolle sie ihm wiedergeben und ihm auch wichtige Nachrichten sagen wegen Preißer. Ganz deckte sie ihre Karten nicht auf— vielleicht aber hatte sie doch schon zu viel gesagt.... Schließlich hatte sie aber auch den Polizeiaktuar in der Hand, wenn er zu solchem Tun bereit war. UebrigenS war ihr jetzt kein Opfer mehr zu groß. Seit heute morgen fühlte sie einen neuen Trieb, einen unwiderstehlichen Zwang in ihrer Seele. Sühnen mußte sie, aufopfern mußte sie sich, denn sie mußte dem geliebten Mann ebenbürtig werden. Auch sie wollte jetzt kämpfen für Volksrecht und Freiheit.... So leicht, so frei fühlte sie sich schon selbst. Zum erstenmal glücklich und wieder innerlich froh seit ihrer Kindheit. Es war unerträglich schwül im Zimmer. Sie stand auf, um das Fenster zu öffnen. Draußen brütete der Sommertag. Weiße Wolken blickten wie Schneebcrge herab auf den wieder menschenleeren Platz. Und aus ihm erkannte sie deutlich eine lange Bahn voll Blutlachen und einen großen dunkclrotcn Fleck am Pflaster. Sie schauerte zusammen. Dann aber ballte sie die Hände und ihre Augen funkelken wie im Fieber. Drittes Buch. I. Trotz des Feiertages war die politische Polizei nicht untätig. Der Graf hatte dem Statthalter vcrsproch, selbst die Untersuchung gegen Dr. Widmont und Genossen in>die Hand zu nehmen und es durfte keine Stunde mehr versäumt werden, um den großen Schlag zu führen. Mvrawitzky saß an diesem unerträglich schwülen Nach- mittag in der Kanzlei, in der viel Leben war, wenn auch äußerlich der ganze Statthaltcreistock jene gespenstige Lange- weile atmete, die über allen StaatSgcbäüdeii an Sonntagen ruht. Auch Best war im Dienst und draußen wartete sogar der Schnellschrciber. um Protokolle aufzunehmen. Und mit ihm eine kleine Schar von unauffällig Vorgeladenen, denen noch am Morgen zu ihrem größten Schrecken ein Geheim- böte eine sofortige Zitierung in die Statthalters überbracht hatte. Bevor jedoch Morawitzky in die Materie einging, führte er noch cin langes Gespräch mit dem getreuen Bcsl— nachdem dieser kurz folgende Meldung erstattet hatte: „Exzellenz, Recherchen in causa Solms und MichalanZsy erfolgreich gewesen." Eortj. foIgU Stai l!7. SoBfiittrr'icl im Luitkamps un'ev lieber, guter, boifnung-iooner �obn und Bruder, Schwager und Slcffc im Alter vou 2V Jahren Vizeseldwcbel Idegilo? fueike! Flugzeugsührer, Inhaber d,(risernen Kreuzes I. u. It. Kl,, des Flieger- abzeicheiiS u. der bulgnrilchcn Tapserkeilsmedaille, Tie tirftraurtgenHinte? blicbcnen. g88b Berlin, Erfurt, Herford. Spezialarzt Kr. med. I-aabs ich. schnell, griindl,, Nlöal. schmerzlos u, ohne Bernsstlör. vozebloeiilztlezatibeir. geiieims baut-, baen», feauenioiitvn. SebveSobs, Erprobteste Methoden Lkeliob-ttata-Xueoa, tiarn- u. Llutunloeeuctiunz,* Königstr. 34,38. CÄ.. 3t) i'. 10—1 u. h— 8. Somit. 10— 1 Zigaretten iOOÖ I. C. 42.- 1009 I D. LZ.- 1000 I E. 78.- roirb nur sortiert von 500 Stück oögcgehcn. Zigarren ein grohcs Lager. Versand nur gegen Nach« nähme oder in3 i«eld voraus. liczzsLiien-Veslsiödllosllen Berlin, Brunnenstr. 17. Ojcösjnet 8—7, Sonntags 12— 2. • Norden 2313. Punscli- Extrakt l Teil mit 2 Teilen heigci» Wasser ergeben einen sein- momatischc» s ü s? e» P u ii i ch alkoholsrei Zkein Zucker erforderlich � R 2. M. inkl. Wioderverkäufer erhalten Rabalt. LflseT0ii8llP.aD,Llr.2M. Bei Mthrenlnahme billiger. OMo ReicheS | ElncnbahnatraBo 4. Bon Tienstag. de» 1. T zember d.�s. ab werden die Züge 264,10 D 238 Berlin.ab 7")— Halle (ab 0")— Franlsurt(Main) und D 203 Frankfurt(Main)— Halle (ab ö*7)— Berlin(an S") wieder eingelegt _ Zug 11 203 verkehrt auf der Strecke WeigenselS— Berlin erst. malig am 5. Dezember. Halle(Saale), 1. Dez. 1317. Königliche Eisenbahn direktion. Spezialarz Dr. med. WockenfnU, Frledrichst. 125(Oranienb T.) fürSyphills.Hnrn-u. Frauenleiden Ehrlich-Hata-Kur(Dauer 10T.), Blutunterauch. Schnelle, sichere schmerz). Keilung ohne Berufs Störung. Teilzahlung. 252/12" Sprechstund.: 11— 1 n. 0—8. Ich pralrtiziere nicht mehr in der Klinik Elsasscr Str. BS. sondern nur noch Frledrichstr. 40 II. Dr. Kanlorowiiz, Spezialarzt fürHaut� u. Ge schlochtsloiden. 1010c Sprechz.: 11-2, 6-7, Sonnt.10-1 Ungeohnle Erwerbs- MGgiichhelfen bietet die nächste Zukauft Eine fiel [reifende Änderung unseres gesamten Vlrtschaftclebens.«In femalttger Auf- schv.une unserer lodustilt u. des Hau dels stellt bevor, und es u erden Qbera? geschulle Krörle gesucht »ein. Angehörige technischer Berufe u. Handwerker sollen nicht versSumen ihre Kenntnisse nnd Fertigkeiten def kommenden Zeit anzupassen, um teil Sunehtnen an den wirtschaftlichen Er folgen, die naturgemäß des Ergebnis des gewalligen Ringens sein müssen Das beste mittel, rasch und gründlich ohne Lehrer, durch einfachen Selbst onterrlcht eine gründliche Ausbildung In technischen Wissenschaften zu er werben, sind die technischen Selbst anterrichtswerke„äyst.kCarcnck Hacbield**. SO 5. starke Bro schüre kastenton. Bonners l HocMeM, Pcisdc;# rosifneh 167 IVS a rRe f* tief irrt«j�ir IO*7S> Spezialarzt vi. Colt-nmnn Q f.Geschlechtskranlch., Haut-, Harn-, Frauenleiden, nervSe. Schwäoho, Beinkranke.• Ehrlich- Harn- Kuren (Daner 12Tage). Behandl. schnell, sicheru.schnierz- tos ohne Berufsstörung: in Dr. Komoyer&. Co. tonz.Labor. f.Blutunters., Fäden im Harn usw. fnejraSstr.lll.&s„'p°;£ Miiiislr.SISlsä'r Spr. 10-1 u. 5-8, Sonnt. 10-1. Honorar mäöig, o. Teilzahl. Separates Oamenzimmer. Leihhaus Roseachaler Tor, Liniennrahe 20314, ticke Rosen- thalerstratze, nur 1 Treppe, laufen Sie Pelzkragen, Müssen, Skunks,'Nerz, Alaska, Bleu-, Kreuzfiichse, Iltisse und alle anderen Belzarien, Wanduhren, Taschenuhren, Schmucksachen, Brillanten, Silbenaschc», neue Herrengardcrode. SonmagS ae- vsfnct.______ 181K» 'Pelztvareii. Wollen Sic Pelzwaren noch billig kaufien, müssen Sie in den Blauen Bazar lausen. Kaijer-Wilhrlm- Slraze Ili, beim Alczauder- platz.___•___ 25A* Pcljgarniticre«. Pelzkrag- n 38 bis 125 Marl. Pfand. leihhaus, Prlersbiiigerftr. L7. 7552 Reue Pelzaaruitureu! Riesen- euüwahl! vlllcrbilligne Prc.se! Sknukokragen, SkunkLmufsiit, Alaskafüchic, Rvlsüchsr. Blau- süchse. JltiSgarniluren, Kaum- garnituren, Äteue Herrengarde- robe! llhrenveickauf, Zchmvck- lachen. Silberlasche»! Leid- Haus! Warichaueritr. 7. ItNK° Pclzgarniliiren kausi mau am allerbesten im weltberühmten Pclzlcibhau» nur Grunewald- stratzc 72. Eilenacherecke.(OK* Psandleihdau». Hermanu- platz 0. MaijenauSwahl! PrlZ'! röcke' fachen! SkinilSkragkn, Skunk° NNlff! neue> anzüge, Herrenhosen, Tcppich- M..,. verkauf, Ilhrenrerlaus. Pas-!. �tuulr-uragen '' IVIK» Leihhaus Morltzplatz 58» bietet Stieienauswahl in Pelz fachen, Skunks, Marder, Nerz, Alaskasiichsen, Pelerinen mv- dernsier Ausführung, 40—200 Marl Angebot in Herren-Geb pelzen, Wagen-, Reisepclzcn.— Große Auswahl in Rvckanzügen, Jakeltanzügc.i, Paletots, Ul- stcrn, teils auf Seide, prima Bcrarbeitung. Ferner Tainen- kosiüme in ciniachstcr bis elc- gantcsler Ausführung.— Eitra- angebot in Lombard gewesener Uhren, Ringe. Brillanten, silberner Taschen, Schmucksacben sehr villig._____ 183fl* Peligarnitureu, SknnkSstolas, StunksmnffkN, FuchSgarnimreu, Blausuchie. Rotfüchse. Alanen- auswahl. Silbertaschen. Leih- haus,.tkottbuserbamm 2, neben Jandorj. ll7A-' Teppiche, Portiere», Stepp- deckrn, Gardinen, Tischdecken, Tiwaudacken.„Vorwärts"- lejcr Exlrarabatl. Potsdamer- sl ratze iOO, Fischer. 235.«» Schöahauseratlee 115(Ring-, Hochbahndost Psandleihhans! Spotldiliigsle EinkausSguelle! Pelzganittiren, Alaskasuchse, solange Vorrat. iL,—! Taschen- ubreu, Wanduhren, Garderoben- lager, Silbertaschen! Staunen- erregende Goldwarenpreise! _______[SE* Eiegante Kostüme, Tamen- inäntcl, Tamennlster, Tainen- Blusen. Herrenanzüge. »" �su�erraoe».«miil». � Burschenanznge.Winterpalctow. ilrn, AiaKoiuchie, Rotmchse. Pelzsachen. Löwenthal, -e Hcrrenpaletots,! Neukölln. Berlinersir. 4l. 12st* echte, prima kende freitgeschenke! lOlß'— na.lttät, 12.-,,—. 1,5. ,225,—, Puppeutoaze«, elegant, Klapp- wageu, neue, billig. � Tiet, Boitasiratze 40, vorn Ii. 120K� echte Stuiikttmusfrn 150,—, eckte Blausüchjc, Krcnzfüchsc, Alaskafüchse, Sleininarber, FltiSkrageii 100,—. Knrsch nerei, Boxliugcner'tratze-l JjßV&r,«nlÄ: j Ta" sÄr�ltuS I ik: oxintp4*£ {trage SO. 2--0K» Odsibünm«, gut und sehr villig. Bornholmerfrraße Z2. '_______________ 107 5» LeihhanS, Blücherstrahe ll>. Preiswerter Perkouf von Her- reu- und Dainenubren. Silber- ratzrl/en in geichniackvoller Aus- fübrunp. Beleihnng iedcr Wertsache. 40K'' Reste für elegante Pupven- tlcider, Besirp usw. vertauil von 10—1 Schelle, Katzbochl- sirage 3, dorn U._ 60R* Pclzgarnitaren, protze Auswahl in Alaska-. Blau- und Zobeltüchsen, Kanin usw., sehr preiswert, von 60 Mk. an. Glück, Münzftr. 22, I, Ecke Kaiscr-Withelni-Zirntze. Senn- tags geöffnet. 58K* Gasznglampe. Krone, Ampel, alles mit Glasdedang, verkauft Lcfebre, Lranienstr. 65. 106120* Futterrüben hat abzugeben Kompott- und Limonaden- fabrik. T. Evers, Reichen bergerstraße 50. 61K Psandleihhans Prinzcnstr. 53, das zweite Haus vom Moritz- platz, kauft man neue Rock- anzüge, Jackcttanzüge, Paletots, Ulster, Beinkleider, Westen, teils auf Seide, prima Per arbeitung; ferner verleihe Geh rockanzüge Frackanzügc, Smo kinganzüge: Extraangcbol in Scidenblusen, Kleiderröcke, Taschenuhren usw.. Sonntags geöffnet. 100/6* Roch wirkliche Ricsenaus- wahl in hervorragend schönen Herrenzimmern, aparten, gc- diegenen Speisezimmern, eiche- neu, Mahagoni-, Nüstern-, Birken- und weißlackierlen Schlafzimmern bei billigster Preisberechnung finden Sie noch im besteingeführten und be- kannten Möbelhaus M. Hirscho- Witz, SQ., Staliycrstraße 25. Hochbohnc Kollbu.crtor. sl30K* shaiselongu« SOPO bis 150,00. Tapezierer Waller, Etargarder- straße 18.___ 25841* Verkäuflich Bett mit Rotz- Haarmalratze, Rutzbaiimkom- nwde, vierflammige Gaskrone, Kinderwagen mit Gummi« rädern, fast neu, Kindcrsitztisch, Küchcntisw Habcrer, HermS- dort, Waldsecstr. 12». 61K Wohnzimmer! wie nutzbaum Schränke, Bertito, Matratzen, Moquettsofa, Kücken in grotzcr Auswohl und billigsten Prci- sen. Möbelhaus tasten, nur Andreasstratze 30.___ 100K Mahagoni Kleiderschrank, Betlstelle. Küchcnschrank ver. kauft Mittenwalderstratze 45, Hof III. Köster. lOllb ' Psatinabsälle ptt Gramm bis 7,80 Mark. Ketten. Ringe, Bestecke, Uhren, Tafelaufsätze, Trefien, Film- nnd Zelluloid- absällc, photograpbische Rück- stände. Papiere, Glübstruinpi- asche, alte Zahngebisie, sal- pelersaures Silber sowie samt» liche Abfälle, deren Rück- stände und Gekrätze usw. kaust Platin- und Silberschmelzerci Broh, Berlin, Cöpenickcrstr, 20. Telephon Moritzplatz 3476. Eigene Schmelze, direkte Ver- Wertung�___ 171* Elektrotechnisches Installationsmaterial aller Art kaufen jeden Posten Golubew u. Rudo- Witz, Berlin, Schönhauser Allee 127. Norden 2191. 54K* Spiralbohrer, Werkzeuge, Filmabsälle, Bestecke, Uhren, Ringe, Ketten usw. kaust Mctalleinkaufs-Zentral«, Kon- buserdamm 65(Hermann- Play).________ 12051* Sektkorken, Wcinkorken, beschlagnahmefrei, sowie alle andere und neue Film- und Zelluloid- abfalle, Schallplatlcn, Walzen, auch zerbrochene, kauft Mat- lhäus, Alle Leipzigerstrotze 21, 12851* Musikinstrumente PiauoS, seltene Gelcgenhci ten, 700 aufwärts. Schwcchtcn. pianos, Duyscnpianos, Biese- Pianos, Spaclhepianos, Dlüth- nerflügcl, Duhsenflügel, West- maycrslügel. Krüger, Neue Königstratze 21(Alexander- Platz)._ 236/10* Nutzbaum-Konzcrtpiano, hoch elegantes, kreuzsaitige, Glockenton(Friedensware), schwarzes, 765,—, verkauft Ernst, Ora nienstratze 166, III. 114K* Talonharmoaium mit eingebautem Spielapparat, auch i-bne Notcnkcnntnisse spiclbar, 385,—, Esicpharmonium, gebrauchtes, 345,—. Ernst, Ora« nienstratze 166, III._ 11451* Gitarren, Mandolinen, Wan. dermandoline 20,—.Italienische, PorNigiesische 45,—, Laute 65,—, Konzertlaute 85,—, Unterricht 6,— Monatshonorar, Batzgitarre, Batzlautc, cingc- spielte Violine 85,—. Ernst, Oranienstratze 166, III. 14451* Kaufgesuche Piano, privat, bis 800,—, kaust Schwanke, Reukölln, Her- n:annstratze 229._ 575t* Elektrische Jnstallcitions'Materialien aller Ar: kaust Neu- mann, Berlin, Prinzcnstr. 64. Fernsprecher: Moritzpla? 3362. Einkaufsstellc: Wilhelm- trotze 53, I, rechter Aufgang. 'ernsprccher: Zentrum 3164. __________ 1751* Spiralbohrer! kauft jedes Quantum, jede Timension Nletalleinkauj, Beusielstratzc 3. 117K* Lebensmittel für unsere Ar bciterschajt sucht zu kaufen der Arbeiterausschutz der Firma Beermann, Bor dem Schlcsi- scheu Tor, z. H. Julius Bie weg.____+119* Platinabsälle! Gramm bis 7,70! Zahngebiffe! Ketten! Ringe! Militärtressen! Gliih stnimpfascke! Filmabsälle! böchsp zahlend, Schmelzerei, Metall Tinkaussbureau, Webcrstr. 31. Telephon Alexander 4243. 261* Juwelen, Pfandscheine Wäsche, Schreibmaschinen, Pclzwaren usw. beleiht imd kaust. Ver kauf von blligen Pelzwaren. Meiers Leihhaus, Friedrich« strotze 55, 1, Etage. 465k* Platinankaus, Gramm bis 7,60(ebensalls Ankauf alter Zahngebisie, Bestecken, Ringe, Ketten, Glübstrumpsasche zu ge� setzlichen Preisen. Metall� komor John, gegründet 1003 nur?U>e Jakobstratze 138 und Kottbuserstratze 1, Kottbuser- wr. Moritzplcrtz 12858. Firma genau beachten.__ r Leinölfirnis, Standöl, Cef lacke, Terpentin(Ersatz), Blei wcitz, Leim, Sckcllack, Firnis� Ersatz kauft Malerei Zöls, Neuendurgerstr. 16, Moritz> Platz 5861.___■ 3051+* Harmonium mit oder ohne Spiclapparat, eventuell Mcw .-enhauer, kauft Frau Janczak, Lüneburgerstratzc 4, I, Garten Haus._ 11451* Alter Flügel, Piano oder Tafelllavier kauft Drescher, Neukölln, Delbrückstr. 26, III. Preisangabe. 11451* Leinölfirnis. Bootslackc, nur gcfchlosiene Packungen, sämt- lich« Ocl- und Spirituslackc, Borax, 5kokophonium, Kopal, Bienenwachs, Ceresin. Pa- raffin, Schellack und ähnliches kaust, beste Preise zahlend. Wolter, Thacistratzc J5._ 191.5* Bandsägen. Tischlcrmaicbincn kaust Maschinenfabrik Hirsch. Pankstratze 39.___ j49 Säcke, Pläne. Packleinen, Bindfaden, Garn. Leinenband kauft höchstzahlend RoSner, Lolhringcrstratzc 64. 253/10* Höchslbel-ihung sofort. Psand- scheine, Wertpapiere, Spar- dücher, Nähmaschinen. Berg- knccht, Alcxandcrstratze 33. _ 122620 Leinölfirnis, Standöl bis 24,00, alle Ocllacke, für ganz belle Ware bis 16,00, kaufen Gebrüder Borowski, Gtieiscnau- trotze 5. Nollendors 2379. 83/10» Brillanten, Perlen, Färb- stein«, Ketten. Ringe, Zabn- zebisse, Silber, Platina 7,6>l, Obren kauft Juwelier Fntz, Seydelstratze 32, Ecke Spiiiel- markt. 32K* AuSzugiisch. Bücherspind. nntzbaumartia, Stilleben, gut erhalten(Kostenbeschreibung) kauft Wappler, Große Frank- fnrterstratze 73. 1013b Unterricht Klavierkursuß, Erwachsenen Schnellmetbode, Monaispreis 3,—. Kiavierübcn frei. Musik- okadeniie, Oranienstratze 63 (Moritzplah). 108,'12* Englischen Unterricht für Anfänger und Fortgeschrittene, ____ sowie deutsche und französische Leinölfirnis, Paraffin, Ocl- Stunden erteilt G Swientv, lacke, Borax. Aehnliches kanji| Charlottenburg, Stuttgarter- Drogerie, Liebig+n. 34. 108 5* 1 platz 9. Gartenbaus IV.» miUmMiMMMm imifen innöchßehend.Kma/ llieatem 6ua�4 und 4H—7 Uhr.• ab 5 Uhr schriftlichen Neben verdienst. Bömack, Türken- straße 24. f-153* ■EEmmmai Schlosser. Spezialist auf Holzbcarbcitungsmajdiincn gc- sucht. Hirsch u. Co., Berlin. Pankstratze 30.-s-40 Treiradfahrer verlangt Georg Stilke. Verlagsbuchhandlung, Mittelstraßc 18. 1008b Arbeiter verlangt Otto Rci- chel. Eisenbahnstratze 4. s20lK Monteur für elektrische Licht- anlagen verlangt Nürnberger- stratzc 45. 109,5 50 tüchtige Arbeiterinnen auf bessere Kostümjacketts im und autzerm Hanse. Blödorn, Kon 'ine' buserdamm 24. +160* Vermietungen Wohnungeq Hofwohnungeu, sauber, billig, Zentrum, Rvsenchalersiratze 39. (25�11* ,> Aufwartesrau gesucht für I best ereu Haushalt 5:0—1. ! Grimm, Wilhelm straße 141 III. 1009b ZeitnugStrögeriu verlangt Spedition, Prinzcnstr. 31.* Frauen zmn ZeiiunasauS- tragen sucht„Borwärls-Aus» gabestelle Alt-Boxbagen 56, Laden.* Botenfrau wird eingestellt. ..Vorwärts*, Charlottenburg, Sesenheimerstratzc 1._• ZeitiingSanSträgerinneu werden sofort eingestellt„Vor- mäns". Spedition, Markus- straße 36._______• Botenfrauen sofort verlangt Ausgabestelle Grcifenhagener- straße 22.* Botenfrauen verlangt soiort Ausgabestelle Lcrlin-Westen. Blumenthalstratze 8, Hos,»ar- terre bei Stolpmann._• Zeitungsträgcrin sofort ver- Zeitungsfrau verlangt„Vor- langt Spedition Lichtenberg, mär,-". Spedition Neukölln, Wartenbergstratze 1, Laden.* f Siegfriedstratze 28/29.* Reparaturschloffer für sofortige Beschsiftigung gesucht. Kraftwerk Weißensee, 1214L* Grosie Seeftrafie 14. Ztndit.Sdinfibrrgfffür« r Reparat.«. Wenden. Nbland- '.atze 12!. Laden. Roicnthal. sttedligL 7j§cd!ei' aus Möbel sticht 1190L* ll.Flatt 4.-B ,>4a/bav>iuser4tl öt Wir suchen inr unseren um- sgngreichen Fabrikbetried einen icrgischen nnd schreibgewandten ßWMkisltl. der imstande sein mutz, eventuell Reparaturen setbstZndig anszu- sichren und daS erforderliche Personal zu beaufsichtigen. Bau- Handwerker werden bevorzugt. tugebole unter Chiffre 14. 54., HauvtcxocditiondcS.. Vorwärts-. Berlin. Lindenstr. 3. Tchtthittacher inr Musterbesoblunz mit iinsrrcn .Holzsohlen gesucht. Solch«, die daraus gcarb. baden, bevorzugt. MsOlemekleS« für grötz. Hau« iosort od. später zu vergeh. BSebcrstr. 10 1.* lOO Arbeiter für große BallauSsührungki, im Westen aus deutschem Gebiet suchen zum sosortigen Eintritt. .tun«» tsovxcr-, 226 18* Berlin W 9, Potsdamer Straße 10/tl. Bautischler verlangt Thal. Lehrter Str. 44. AHH-ttlcar.�Si (Kcsselalplzaltj. sofort verlangt. 4'. F. Weber A.-C.. V 57, Potsdamer Str. 76h. Metalldreher und 1701;* Werkzeugdreher auch Kriegsbeschädigte verlangt iHiimtiolisfadrik F. Gaebert Berlin C 5-1, Sophie nftr. 2?— 32a. Wir suchen für uwerci: Betrieb meleme AltzM Ntimeller low!. AiM in grösterer Zahl, ferner 50/7*] smill. ffiiofet. wettzeiMW«. scclft- Mlede. Wlleger. ßlmglier« SlMter. Me!i«-Amchi»eNlie Ittbeiistiiit RmW. 4 Rathenow, Badnbosftrahc 33. ± immww vwwvm Tüchtigen Mascliinennieister und einige Hkziäenzsetzer suchen«ehr. TlAnii, Taubcn- stratze 6/9. 10)26 Schlosser und Dreher für i'lnjxzenixban stellt ein 109/3 BoItaannsciieLüftfeileriiiii j;£ Berlin, Prinzcnstr.£0. IWST".Hcchanikor-Mzp für FriedrnSarbet», Hauptsächlich Treliarbetten gesucht Veroiniol« Fabriken tiir llabora- toriumsbedart, h., Sciiarnborsi- straSe 22 109 4 �eliigss livilZtiköliks Inchtzn loiort die sttickt. dZuts- vervAltuna? Blankenfelde bei Berlin. Verbindung Rr. 47 u, 57— Nordend, SiemenSbahn— Rosenthal. Zinklöterinneu. Presie- rinnen, Wicklerinnc« suchtfof. Batterlc-Scbfflidt, Seiler» tr. 13* nctBecjrc. Bei der Wiederemnabme von MaZnisreZ tvurden vier Oifiiiere und 245 Mann eingebracht. Unter den Offnieren befindet sich auch ein Regimentskommandeur. Bei dem Eegeiistois in Gegend i'o Vacquerie. wo dem Gegner neun Geschütze und 18 Maschinen- gewebre abgenommen wurden, griffen unsere Sturmflicger wieder- holt aus niedrigen Höhen in den Erdkampf ein. « Ter Kampf»im Masmöres. üki q 1 i s ch e r Heeresbericht vom 2. Degember. Auf dein Scklachifelde von E a m b r a i wurden unier« Truppen gestern abend befehlsgemäg von dein scharfen Lorsprung, der durch das Tors MasnisreS gebildet wird, ohne Belästigung durch den Feind zurückgenommen. Heute morgen beschofi der Feind noch die geräumte Ortichast. Zehn feindliche Angriffe wurden an dieser Front innerbalb der letzten 24 Stunden gemach:: sie wurden gänzlich zurncigeschiagen. Kämpfe haben im Torie G o n n e l i e u und in seiner Umgebung stattgeiundcn. Feind- liche Angriffe, die während de» Nachmittags und Abends in der Nähe vo>i La Bacgnerie und B o u r l o n ausgeführt wurden, wurden durch unier Gewehr- und Maschrnengewehrfeuer gebrochen oder durch unser Artilleriefcuer zermalmt. Feindliche Jnsaulerie, die in der Umgebung von MoeuvreS zuiammengezogen war, wurde durch untere Artillerie erfolgreich unter Feuer genommen. Nachmittags. Im Lerlan'e des' gestrigen Zlampies in der Nach- barschail von MasniereS machte der Feind nicht weniger als neun von einander getrennte?liigriffe ans unsere Stellungen in und her deni Dorfe. Alle wurden unter schweren Bcrlusten für den Feind abgeschlagen. Bei dem letzten Angriff gelang es deutsch e n Infanterieabteilungen in der Nähe des Dorfes Les NueS Lerte- am Wesiufer des HcheldekanalS eine feste Stellung zu nehmen. Sie wurden aber durch unseren Gegen- angriff herausgeworfen. » Secn, 2. Dezember. Der Militärkritiker des.Echo de Paris" schreibt zur deutschen Offensive bei Cambrai, eS sei klar, dag ein grosier Teil der eroberten Dörfer bis un mittel- bar bor Cambrai von den Engländern unter dem Druck der furchtbaren von den Deutschen eingesetzten Massen geräumt werden mufffe.___ Der italienische Kriegsschauplatz. Jlatienischer Heeresbericht vom 2. Dezember. Lon der Hoch- stäche von Ajiago biS zur unleren Piav« hält da» Ar- lilleric ieucr in erheblicher Siäeke an. Feindliche Truppen, die auf dem Marsch« vom Monte Simone zum Tale beobachtet wurden, wurden unter das Feuer unserer Batterien genommen und zerstreut. Starte feindlich« Abteitungen, die sich nach heftigen Feuerwellen unteren Stellungen beim Meie:ta zu tiähern suchten, wurden sofort in die Flucht gejagt. In der Nähe de» Pertica gewann eine unieicr Abteilungen überraschend die vom Feinde gehaltene Höhe 1549, ohne jedock» ihre Besetzung zu bewcrtslclligen, da sie all- gemeine», heftigen konzentrischen Feuer ausgesetzt ist. Der Krieg auf öen Meeren. Berlin, 2. Tezrwdcr. Neue U-Boot-Erfolg« im Mittelmrcr: 11 Dampf» mit über A40ÖH 9r.-R.-To. Die Mehrzahl der Dampfer wurde im westlichen Mitielmecr aus nach Osten bestimmten, stark gesicherten Geleit- z ü g e u hcrausgeschosscu, einige davon im Nachtangriff. Unter den vernichteten Schiffen befanden sich die bewaffneten rnglischcii Dampfer Trowdndge(3712 To.), Margam Abbeh lt3ü7 T«.), Ambrrwn(4556 To.), AutacuS(3061 To), die bewaffneten franzö» schen Dampfer Moffoul(3135 To), Mare Fraisffnet(3t>SO To.), die iralienlscheu Dampfer Senegal(848 To.) und Cvwmeudatore Carlo Bruno(813 To.). Die meisten Dampf» waren tief beladen, große Werte sind mit ihnen untttgezangen. Hat» anderem wurden 5300 To. Kohlen nach Alexandrinen bestimmt, etwa 4000 To. Zinn, o p r a und Tabak für Frankreich und 1500 To. Weizen für Italic» versenkt. An den erzielten Erfolgen hat Kapitäulcutnant Otto Schultz? hervor: agcnden Anteil. Der Chef de» AdmiralstabeS der Marine. Gustav üer Gesreier. Tie Auncxionspolitik TtrcsemaunS. Herr Strescmann glaubt ev ganz besonders Pfiffig anzufangen. indem er in der„Ztationalzeitung" schreibt: Neben Polen tritt aber auch die Freimachung von Kurland, Lwlaud und Litauen als ein Ergebnis des Kriege« in deulicheren Umrissen vor unser Auge. SScstwärts gehl der Sinn dieser Bölk». LL e st 10 ä r t» treffen sie auf daS militärisch und wirtschaftlich mäch« irge, kulturell sie anziehende Deutsche Reich und deutsche Boll. Form und Fassung der Zusammenhänge Mit Deutschland wird noch umstritten sei«, ober kein Zweifel wird daran bestehen können, daß eine Selbständigkeit dieser staatlichen Gebilde nur möglich ist unter engster Anlebn un g au Deutsch- I a n d. Immer wieder finden wir auch in der deutschen Prcsic die Auffassung, das; eine solche Gestaltung der Dinge un- vereinbar sei mit russischem Selbstgefühl. Ist dem so? Von der russischen Demokratie ist da» Losungswort des SelbstbeslimmuiigSrechicS der Völker ausgegeben worden. Ein russisches sozialistisches Ministerium kann sich am wenigsten gegen die Anwendung diese» Grundsatzes wehren. So perverse Wege kann schließlich doch die auswärtige Politik nicht gehen, daß Deutschland Völker, die zu ibni neigen, absichtlich ziirückdrängt. weil eS glaubt, die russische polilüche Psychologie besser zu verstehen als diejenigen, die im Namen Rußlands das Won vom Selbstbestimnumgsrecht der Völker incrst präglen. Herr Ttrcsemann tut genau so. als hätte ihm die Peters- burger Bolichewikregierung schon die baltischen Provinzen im Namen der Selbstbestinimung der Völker zur Verfügung gestellt. Er ist noch schlauer als Vandervelde, der nennt eine Annexion eine Desannexion. Strescmann nennt sie SelbstbestimmungL- recht der Völker. Einstioeilen steht noch gar nichts darüber fest, ob sich die Mehrheit der Bevölkerung in den baltischen Provinzen an Deutschland, an Rußland oder überhaupt nicht anlehnen null. Formen, um eine solche Feststellung in ein- wandsreicr Form zu treffen, werden erst bei den deutsch- russischen Friedensverhandlungen gefunden werden können. Die deursche Regierung wird sich aber hüten, wegen ein paar Ländcrfetzen die Verhand- lungen scheitern zu lassenl «rgebnis auf Grund de! Rctihstvchlrcchi? gestalten müßte. Ter Verfasser kommt zu folgendem Ergebnis: Koniervaiive. Frcikoniervative Nalionalliderale Fortichntiliche. Zentrum... Polen.... Jetzige Zahl der Zahl der Mandate preußischen Landtags- nach Einsühlung de« mandalc NeichSiägswahliechtS 148 62 54 17 73 81 40 34 103 102 12 85 9 1 0 10 9 6 114 13 Kenferyative Denkschrift Zur Lvahlreform. In Anllcm(Wahlkreis des Präsidenten Graten v. Schwerin- Läwitz):st eine.Denkschrift über die Wirkungen der Cinsührnng des RerckistagswahlrechtS in Preußen" erschienen, in der von Wahlkreis zu Wahlkreis sorgfältig berechnet wird, wie sich da» LandtagSwahl- Weifen..... Sozialdemokraten.. Sonstige..... Das Resnltai ist für die Konservativen viel zu günstig. Denn wenn sie jetzt die Einführung des glslcuen Wahlrechts zu verhindern suchen und wenn das gleiche Wahlrecht dann doch kommt, io werden sie so zuiammengehauen werden, daß nichts von ihnen übrig bleiben wird. Aber auch sonst haben die Berechnungen gar keinen Zweck, da der Krieg zweifellos eine u.igcyeurc, partcipoliiischc Umschichtung der Wäblermasien und wahrscheinlich auch eine schr starke Ncr- änderung des gesamten parteipolitischen Lebens zur Folge haben wird. So sprich: jetzt schon alle Wahrscheinlichkeit dafür, daß sich die zum gleichen Wahlrecht bekehrten Nationalliberalcn mit den Fort- schrrttlern vereinigen werden un) daß eine so geschaffene einheitliche liberale Partei im Äainps gegen rechts bcsiere Reiultate erzielen wird, als die von der Tenkichrrst errechneten. Was aber gegen das gleiche Wahlrecht ist, daZ ist für den Müllangcr der Welt- geschickte bestimm!' Die NatwNKl�heralen zum neuLK Regierunssprogramm. Die parteiamtliche N a t i o n a i l. st o r r e s p." schreibt: Die „Bert. Neuest. Nachr." und der»Deutsche Kurier" bringen in über einstinimendem Wortlaut die Behauptung, daß entgegen der Mitteilung der»Natt. Korr." ein einmüliger ZnstimmungSbeschlnß der national- liberalen ReichStagSfraltion zu der Erklärung nicht vorliegt, mit der Dr. Strescmann sein Einverständnis mit dem innerpolitischen Programm de» Reichskanzlers Grasen Hertlmg ausgesprochen hat. Wir stellen demgegenüber fest, daß die Erklärung Dr. Sireiemanns nicht nur zu dem innerpolitischen Programm des Grasen Hertling, sondern überhaupt in ihrem ganzen Umfange unter einmütiger Zu st immun g der Fraktion abgegeben worden ist. Tie Erklärung hat der Fraktion vorher im vollen Wortlaut Vorgelege» und ist von ihr durch einstimmigen Beschluß gebilligt worden. Gehen irnü gegangen werben. Der neue Kurs. Der schwerliberale»Deutsche Kurier" schreibt: Der Landrat des Kreiics Lübbecke, Frhr v. Ledebur, hat seine» Abschied erbeten. Die innerpolitischen Verhältnisse machten eS ihm nicht länger möglich, potitischer Beamter zu bleiben Freiherr v. Ledebur ist Vorsitzender der Landwirt'chaslökammcr West- falen und gehört zu den Führern der Konservativen int Wahlkreis Mindcn-Navcnsderg. Auch andere Bcamie traten schon zurück, weil sie den neuen KurS nicht mitmachen können. Wir er- innern an Erz. v. Rhein baben und die verschiedenen polnischen Bd amten in der Ostmark, die zutückiraten. Der„Deutsche Kurier" hält daS Bleiben für richtiger. Allere dings, die Verwaltung bleibt die letzte Domäne des konservaliv- schwerliberalcn Kurses. Aber für wie lange noch? Einziehungen von tzeerespftichtigen üurch öie Zechenverwaltungen l Bon einer mehr als befremdlichen Art der Einziehung Wehr- Pflichtiger wird aus Dortmund berichtet. Danach versendet das BezrrkSkomnrando Dorrmund ll die GestellungSbefchls nicht mehr durck) dre Post direll an die Elnbcruienen, sondern die Karten gehen den Zechenverwaltungen zu, welche sie dann ausgeben. Bon Beleg schasismitgliedern der Zechen Holstein, Schleswig, Margaralho und Berernigle Schürbank wird sogar behauptet, daß die Betriebstührer unter den jungen Leuren Auslese halten dürfen, und erst aus dem Zechenbureau die Namen der Wehrpflichtigen i» die Gestellungsbefehle erniragen! Daß dadurch die Betriebs- leitungen die Möglichkeit erhalten, unbegricme Leute zu entfernen und Giinstlinge zu schonen, liegt llar au! der Hand. Tue Erregung über diese Art der Einberufung ist im Ruhrrevicr außerordentlich. WaS sagt das Kriegsministeriilm dazu? Krankenversicherung unü Wochenhilfe währenö öes Krieges. Der„Roichsanzerger" veröffentlicht eine neue BandeSratSver- ordmnrg über Krankenversicherung und Wochenhilfe während des Krieges.§ 1 der Verordnimg setzt die obere Grenze des durch- schnittlichen Tagelohns gemäß§ 180 Abs. 1 der NeickZvcrfichcrungS- ordnung vonfünfaufachtMark herauf, die in Abs. 2 und 4 daselbst bestimmte obere Grenze des durchschnittlichen TageSenlgells und des wirklichen Arbeitsverdienstes von sechs aufzehn Marl. —§ 2 gestatlst zur Deckung von Mehrleistungen die Erhöhung der Beiträge von 414 bis auf 6 Proz. des Grundlohns. 8 3 läßt gewiss« Erhöhungen de» KrankengcldcS bis zur Höchstgrenze von Dreiviertel des Grundlohn» zu. ß 4 gibt unehelichen Kin- de r n von Kriegsteilnehmern den?lnspruch auf Wochenhilfe auch unter gewissen Umstände«, unter denen er bisher nicht bestand. Die Verordnung tritt sofort in Kraft. Deutsch-Litauische Gesellschaft. Am 30. November erfolgte in Berlin im ReichstagSgebäude die Gründung der Dcutich-Litauischen Gesellschaft. In den Vorstand wurden gewählt Abgeordneter Erz- berger. Abgeordneter Dr. Gaigalat und Prost Dr Alfred Weber. Der VerwaliungSrat setzt sich zusammen auS: Abg. Erzberger, Abg. Pfarrer Dr Gaigalat, Abg. Dr. Ludwig Haas, Abg. Leicht, Dr. Paul Nathan, Abg. R. Müller, Abg. G. Nooke, Baron Nopp, Geheimrat Sehring, Abg. Trimöor», Prof. Alfred Weber und Prof. Dr. Birth._____ parteinachrichten. Ciuc mißglückte Altiou der Leipziger Unabhängige». Unsere Genossen in Leipzig hatten auf vergangenen Sonntag eine Volksversammlung nach dem„Panihcon" einberufen, in der Abg. Schöpflin üb» die innere Politik, Arbeileriekretär Lültich über die bevorstehenden Siadtverordnetenwahle» sprach. In der Absichr, die Versammlung zu majorisieren oder gegebenen- toll? zu sprengen, hatlen die Unabhängigen sich eine größ-re An- zahl von Eiiiliitis karten verschaff!. Trotzdem den llaabhängigen Redefreiheit zugesichert wurde, versuchien sie eine GeschästsordnungS- debatl« zu erzwingen, womit sie aber kein Glück haue». Während beinahe der ganzen Dauer der Schöpflmichen Rede verübten sie Radau und Skandal. In der Debatte sprachen dann der Vorsitzende beS Wahlkreises Leipzig-Land, S Ä e i b, und der Redakteur L i e b m a n n von der»Leipziger Volkszeilung". Schöpflin rechnete im Schlußwort mit den Unabhängigen ah. Nach dem Schlußworr zogen sie ab: ihre sorgfältig organisierte Aktion war total mißglück:. Die Versammlung tagte in aller lllnhe weiter, nahm das Referat Lüttichs enigegen nn) sprach in einer ein- stimmig angenommenen Resolution ihr Einverständnis mit dein Referenten ans. Die Preußische Wahlresorm nutz die Sozialdemokratie im Spiegel des Auslandes. Die»Wiener Arbeiierzeiiung", die bieder die Unabhängigen eh» entichuldigie und die Politik der Mehrbeu kritisch zu glossirren be- strebt war. schreibt zur preußischen WahIreGrm-Vorlage: „Wir sehen einen gewaltigen politischen Fortschritt sich voll- ziehen, im de« die Politit der Mehrheit d» deutschen Sozial- dcuwiratic ihren sicheren Autril«md ihr»ulengdarcs Berdirost Hot." Die»Arbeiterzeitung" weiß wohl, warum sie den Forlschrit! in. Preußen rühmt, lind spricht cS auch offen aus: weil sie von der Demokratisiening des Kerustaatcs Mitteleuropas mit Recht eine güiistige Wirkung auf die eigene Bewegung erhofft. Weniger ge- scheit ist die„Leipziger Vollszeituiig", die über die berechtigte Kririk den großen Forischritt nicht sehen will, iveil er ein Ehren- zeugnis für die Mehrheit ist, deren innerpolitischer Kampf in der Wahlresorm mit einem deiulichei,, wenn auch noch nicht abge- schlosienen Siege geendet hat. Dieses Verhalten ist um sotöiichrer. als in Sachsen sehr wohl em demokratisches Vorbild— und seien seine Vorzüge auch nur relativ— gebraucht werden könnte. Industrie und finnöei. Die Lockungen der Privatindustne. Vor wenigen Togen veröffentlichte der„Bayrische Ku- ricr" eine Liste von Stoatsangestclltcn, die augenbliSüch in Kriegsgesellschaften tätig sind und nach Friedensschluß in leitende Stellen der Privatinidustrie eintreten werden. Damit ist nur au einem besonders anschaulichen Beispiel ein Miß- stand nachgewiesen, der schon längst schwere Bedenken erwecken mußte. Nun wird gemeldet, daß das Aalisyndikat zum Vorsitzen- den seines Aufsichtsrats den früheren Untcrstaatssekretär Dr. Richter gewählt hat, der sich durch seine arbeiterfeind- liche und streng individualistische Gesinnung im Reichstag unliebsam bemerkbar gemacht hat. Das Kalisyndikat hat einen ehemaligen hohen Reichsbeaintcn am geeignetsten gefunden, die für den Reichssiskus so vorteilhafte Monopolisierung der Kaliindustrie— und dazu war in den ersten Kriegsjahren eine glänzende, vielleicht mit Absicht verpaßte Gelegenheit— oder wenigstens die sehr profitable und billige Monopolisic- nmg der Kali a u sf u h r zu verhindern. Es ist natürlich ein staatsbürgerliches Recht jedes Beam- ten, den Staatsdienst zu quittieren und gut, schr gut bezahlte Posten der Privat'industrie anzunehmen-, aber es ist ebenso gefährlich für das Staatsinteresse wie für den guten Ruf der hoben Staatsbeamten, wenn der Staatsdienst nur eine Bor» bereitungs» und Probezeit für die Berufung in einen Vor- stand oder Aufsichtsrat wird. Niemals wird der Verdacht ganz zu uirterdrücken sein, daß jene Beamten ihre Pflichten unter dem Gesichtswinkel ihrer künstigen geschäftlichen Tätig- keit erfüllt haben, daß, wenn nicht gerode unlautere, so doch wenigstens mehr oder minder im Unterbewußtsein wirkende subjektive Beweggründe ihre Entscheidungen beeinflußt haben. DaS wirksamste Gegenmittel gegen diese ofseicharen Un- zukömmlichkciten ist eine starke Empfindlichkeit der öffentlichen Meinung für berufliche Unvereinbarkeiten. Darüber binaus wird an ein gesetzliches Verbat für Staatsbeamte in der von unseren österreichischen Genossen einmal vorgeschlage- neu Art zu denken sein, wonach ibnen bis fünf Aabre nach ihrem Dienstaustritt der Eintritt in leitende Stellen der In- dustrie und des Handels untersagt ist. Verstaatlichung der nisstscheu Baukeu. Nach der Ägencc HavaS will die Bolichewiki-Negiekung der Kouslituante eine Vorlage über Velstaatlichung aller russischen Banken vorlegen.-_ Letzte Nachrichten. Ausgleich und Friede». Wien, 3. Dezember. Abgeordnetenhaus. TnS Wgeordnelen- haus begann die zweite Lesung der Vorlage betr. das Ausgleich- Provisorium. H sitzenden des Crimniit'ckauer Gcwerbegerichts den Arbeitern und den Unternehmern nahegelegt worden. Indem die Crimmitschaner Unternehmer, wie früher so oft schon, auch diesmal das Wewerbegericht als Einigungsamt ablehnen, be- weisen sie aufs neue, daß sie jeder Einigung und jeder Aus- spräche mit Vertretern der Arbeiterorganisation feindlich gegenüberstehen. Sie wollen sich nicht'einigen, sie wollen diktieren. Tie notleidenden Arbeiter werden versuchen, gegen- über den schwerreichen Kriegsgctvinnlern Crimmitschaus �auf anderem Wege zu ihrem Rechte zu kommen. deul�es UeicK. Tie erste Reichskouferenz des Deutschen Eisenbahner- Verbandes. Die jüngsie, der Generglkoinmilsicm der Gewerkschaften Dentsrb- land- origeichlossene gctocrlschastlicke Organisation bat>eine errreu- ticke Aufwärtsentwicklung zn verzeichnen. Um einen möglichst ein« deilkickcii Aufbau der Organisation und eine nach aewerkichastlichen Grundsätzen sich voll bebende Durchfsiürung der Verbesserung der stöhn- und Dienstverbälinisse hcrbeiii'.iiühren, tagte am 27. und 2?. November die erste Neichskonfercnz des Verbandes im hiesigen Gewerkschoitshause. Der Geist, von dem die xwei- tagige Konferenz beseelt war, ist ein Beweis dasiir, daß da« lang- ersehnte Ziel der Eisenbahner, eine macktdolle ßinbeitsorgani?ation zu besitzen, seiner Bcrwiiklichnng entgegen reist. Den Berickt deS Vorstandes erstattete der Vorsrtzeride Brunner. Tie sich daran an- lrrllpsende Ansspracke brachre eine uneingelckrmikte Anerkennung der vom Vorstand geleisteten Arbeit. Das Referat über:„Die Be deulung der wirischastlicken Interessen der Eiieirbahiier" halte eben- falls Brunncc übernommen, ss-olgende Entickließung laird ein« stimmige Annahme:„Die Kornerenz stimmt den in dem Referat des Verbandsvorsitzenden, Kollegen Brunner, aufgestellten Grundsätze»_ für die Vertretung der wirtschastlickerr Interl essen der Eisenbahner zu. Stach eingehender Besprechung dieser Angelegenheil beschließt die Konferenz: Ter Verbaridsvorstaiid wird beauftragt, rn möglichst lurrer sftist diese von der ersten Konferenz der Vertreter der Ortsgruppen. Bezirksleiter und Vorstandsmitglieder des Deutschen Cjseiibabricrverbandes nnerkanirlen Grundsätze>ür die Nrisilellring eines Prograrnms zur Vertretung der Interessen der Eisenbahner iubewg aus Lohnpolitik, Arbeiterverirrtuna, Organi iationSrecht, Arbeiter» und Angestellienrecht. Arbeiterschutz als Untev läge zu benutzen und d'eses Programm in fform einer Broschüre den Eisenbahnern sowie der Oeffenrlichkeit zugängig zu machen.' Der Punkr„Ausbau uiiserer Orgarriialion' brachle eine Wlle von Anregungen und Anträgen. Beschlossen wurde eine Ergänzung deS Vorstandes, der Ausbau der Bezirksleitungen, eine Verbesserung der Nnterstütznngs- und der Verwaluliigseinricktungen. In einem Schlußwort gab der zweire Vorsitzende S i e r i n g seiner Freude über den alänzenden Aufstieg der Organisation AuS- druck. Trotzdem müsse tüchtig weitergearbeitet werden, um die noch fernstehenden Eisenbahner dem Verband znzutübren. „Tie Pistole auf die Brust." Unter diestr Stichmarie beschäftigt sich die„Deutsche Arbeit« geber-Zei ring" mit der Bewegung der Arbeiterinnen in der Metall« indrisirie zwecks Herbeiführung besser« Lohn» und Arbeitsbedingungeen in Berlin. Wir batten bereits vor einiger Zeit von dieser Bewegung be« richte: Die„Derniche Arbeiigeber-Ieilung" veröffentlicht nunmehr ein Schreiben, das von dem Vorsivenden der Arbeiterrnnerrkommlision an die Obleute der Arbeiterarrsi'chüsse gerichtet ist und entrüstet sich über den Ton dieses Schreibens. Damit unsere Lei« selbst sich ein Urteil bilden können über dir Anschauung, die gegenwärtig in Arbertgeberkreisen herrscht, geben wir das Schreiben im Wortlaut wieder. ES lautet: Berlin, den 7. November 1317. Rundschreiben an sämtliche Arbeit«- ausschüsse, in deren Betrieben Arbeite- rinnen beschästigt sind. Werie Kollegen! In der gestern stattgehabten Versammlung sämtlicher ArbeuerauS'chüsse lind weiblicher Beitrauenspersonen ist der Bk'chluß gefaßt worden, die in zwei Exemplaren bei- gefügten Forderungen der Arbeiterinnen den Belriebsdirektionen zu unterbreiten, und zwar sollen nach dem Beschluß die Forde« rungcn allen Arbeitgebern am Moiiiag. den 12. d. M., gleickzellig ringereicht werden. Bei der Unlerbreitung soll den Arbeitgebern erklärt werden, daß die in den Grundsätzen enthaltenen Forderungen der Arbei- rerinne» Mindeslforderunpen sind, und daß die Arbeilerausichüsse bis Freitag, den 16. November, Nachricht«bitten, ob die Direllion mil diesen Grundsätzen einver standen ist. Tie Anerkennung kann Ich» istlich oder auck mündlich crkolgen. Ei hält der Arbeiter- ous'chuß bis Freitag, den 1K. November, keine Nachricht, bat er die Pflicht, an diesem Tage erneut vmstellig zu werden und zu fragen, welche Antwort die Direllion zu geben ge« willt ist. Weicht die Firma auS oder lehnt sie die Anerkennuug der Grundlätze ab, dann wird der Firma erklärt, daß der Arbeiter- ausschutz nunmehr den Kriegsausschuß nach§ 13 des H.D.G. an- rufen wird. Der unten angefügte BerichtSzettel muß dann von dem Arbeiieraus'chuß am Sonnabend, den 17. Novem- B e r, fa unkerem Bureau abgegeben werden. Bei Vebersendung mit der Post ersuchen wir um Rohrpostsendung oder Einschieibe- brief. Wir bilten, sich streng an die vorstehenden Beschlüsse zu halten, damit durch das einheitliche Vorgeben der gewollte Zweck emichi wird. Ganz besonders biiten wir aber darauf zu achten, daß der Direlron nur ekn Exemplar von den diesem Schreiben beigefügten Grundsätzen eingereicht wird. Besten Gruß Die Arieiteriunenkommisfio». I. A.: Wilh. Siering. BerichtSzettel. Name und genaue Adrefle des Betriebes:............... Zahl der beschäftigten Aibeiierinnen:................... Die Direktion hat auf die eingereichten Grundsätze folgende Ant- wort gegeben:................................ Der Arberterausichuß: Vor- und Zuname:...................... Genaue Adresse:....................... An dieses Schreiben knüpft nun die Arbeilgeberzeiiiing die Bemerkung, daß der kalegorriche To» und die ganze Methode zeigen, wie den Arbeitgeber» die Pistole au? die Brust gefetzt wird, um die gewerlschafilichen Forderungen der Arbeiterinnen durch- zusetzen. Die„Deutsche Arbeitgeverzeitung� ist sicherlich am wenigsten berechtigt, sich über den Ton zu entrüsten. Sie gebort zu den weniaen Organen, die während des ganzen Krieges mit seinen im- endlichen Opfern an Gut und Blut noch nichts gelernt haben. Nach wie vor vertritt sie ihren allen scharfmacherischen Siandpunlt, wo- nach über Lohn- und Arbeitsbedinguiigeil in einem Betrieb lediglich der Arbeitgeber selbst bestimmen soll Es ist ober dock ein bißcken stark, wenn unter Verdrehung der Tatsachen die gewerkschafitiche Organi'airoii der in der Meialliudustrie beschäftigten Arbeiter, das ist der Deutsche Metallarbeilerverband, mit Wegelagerern auf eine Stu'e gestellt wird. Die in den Betrieben der Metallindustrie beschäftigten Arbeite rinnen haben ibre Arbcilerausschüsse mit sofortigen Verbandlunge» über die gestellten Forderungen beauilragt. nachdem der Arbeitgeber- verband Verhandlungen über die eingereichten Forderungen ab- gelehnt hatte, und zwar schon vor einigen Monaten. Die Arbeiter- ausschüssc selbst baben den Wunsch geäußert, in einer gemeinsamen Konfereiiz eine Aussprache herbeizuführen, und lediglich der Umstand. daß einige Obleute der Arbeiterausschüsse nicht anwesend waren, sondern aiidere als Vertreter enlsandr hatten, bat dieser Konferenz Veranlassung gegeben, die Organisation zu beauftragen, die Be- ichlüsse dieser Konserenz den Obleuten der Arbeiterausschüsse noch einmal mitzuteilen. Die Deutsche Arbeitgeberzeitung hält eS eben für selbstverständ lich. daß die Arbeiterinnen für jeden Lohn, den der Unternehmer für angemessen bält. zu arbeiten haben. AIS während des Krieges die militärischen Behörden darauf drangen, weibliche Arbeiiskräfte au Stelle der Männer in den Be- trieben in großer Zahl aufzunehmen, haben die M>!itärbebörden sicher- lich nicht einen Augenblick daran gedacht, daß diese Arbeiterinnen zu Hungerlöhnen arbeiten sollen. Ist doch festgestelll worden, daß in Be- trieben der Berliner Melallindustrie es heute noch Arbeitgeber gibt, die einen Lohn von SS— 4ä Pf. für Arbeiterinnen als angemessen er- achten. Wie wenig aber von einem„Pistole auf die Brust setzen' ge- sprachen werden kann, ist schon auS dem Umstand«sichtlich, daß die bereits im Kriegsausschuß für die Melallbelriebe Groß-Berlins angemeldeten Verhandlungen nach Rückiprache mit dem Vorsitzenden des Arbeitgebcrverbandes bereitwilligst von der Arbeiterorganisation zurückgestellt worden sind. Diese Dinge müssen der„Deutschen Arbeitgeberzeitung' bekannt sein. Welchen Zweck verfolgt sie damit. Tatsacken bewußt zu ver« drehen und die Dinge auf den Kopf zu stellen? Aufsorderung zu kümmern, eS kann auch keine weibliche Person bestraft werden, die sich nicht meldet. Wie bei einer solchen Rechtslage die ißolizeiverordnung über- Haupt erlassen werden konnte, bleibr geradezu rätselhaft. ES scheint. als ob mit der Zunahme gesetzlicher Bestimmungen und Vorschriften die Verwirrung der Behörden überhand nimmt. Iedenfallsdaki es sich der Reichstag nrchl gefallen lassen, daß durch Poiizesperord« nungen oder Veriügunge» von Generalkomma- dos die ReichSgeietzs umgangen werden. Der Reichstag bat sicher sehr zwiirgends Gründe gehabr. die HilsSdienstpflichl nicht aus Frauen auszudehnen, und dreien Gründen müssen sick eben olle Behörden iügen, selbst wenn ihr Drang zu gesetzgeberischer Arbeit noch so groß ist. Soziales. Hilfsdieustpflicht für Fraue»? Die Berlin« Schneeichipper- Verordnung des Oberkommandos in den Marken wird noch übertroffen durch eine Polizeiverordnung, die am lS. November auf Grund einer Verfügung des Generai- kommandos Münster in Doiimund erlassen worden ist. In dieser Polizeiverordnung wurden alle männlichen Personen im Alter von IS— bis einschließlich 47 Jahren und sämtliche alleinstehenden und unverheirateten weiblichen Personen im Ali« von IS— bis ein» schließlich 88 Zahren, die nickt im Sinne deS§ 2 des Gesetzes über den vaterländiicken Hilfsdienst tälig sind, aufgeiordert. sich zur Ein- tragung in eine Lrste zu melden. Der Zweck der polizeilichen Re- grslrierung war in dei Bekonnimachung nickt angegeben. Nack der Verfügung des Oberkommandos, auf die sich die Verordnung stützt. kam die Be'chäfligung in der Land- und Forstwirlschast, sowie Be- und Eiilladen von Eisenbahnwagen in Frage, indessen wurde Weib- licken Personen, die sich meldeten, erklärt, daß sie zum Koblenladen herangezogen werden sollten. Es bandelt sich hier also um nichts anderes, als um die Einführung der H it s S d i e n st- p f l» ck t für weibliche Personen. Der Reichstag bot seinerzeit ausdrücklich die Hereinziebung der Frauen in den Hilfsdienst abgelehnt. Infolgedessen kann dieie Arbeitspflicht für Flauen auch nickt aui dem Umwege durck eine Polizeiverordnung eingeführt weiden. In geheimer Siadt- verordneiensrtziing wurde, wie die„Wests. Allg. Volksztg.' erfährt. der Dortmunder Oberbürgermeister als Chef der Polizei über die Verordnung zur Rede gestellt, wobei zugegeben werden mußte, daß d«e ihr zugrunde liegende Beifügung dem HilsSdienstgeietz widerstreitet. Jedenfalls brauche kick niemand um die Drückeberger im Ehrenamt. Man schreibt uns: Das„Bttliner Tageblatt' brockte in Nr. 5