Ar 334, 34. Iahrg, Bezugspreis: Sieri.rifiitL ISOÜRt, moncll. LöCSH. frei m46«r Offenheit gab der Minister des Innern Dr. D r e w s den Wahlrechtsfeinden zu verstehen, daß sie fest entschlossen ist. das feierliche Versprechen des Wnigs einzu- lösen, daß sie das gleiche Wahlrecht einführen will, nicht, weil eS ihr. wie die Konservativen so gern behaupten, gewisser- maßen abgezwungen ist. sondern weil die StaatSnotwendig� ketten es gebieten. Man merkte eS Herrn DrewS an. daß er den Geist der neuen Zeit, von dem die Konservativen auch nicht einen.Hauch verspürt haben, erfaßt hat. daß er ein Ende machen will mit der bisher in Preußen beliebten Praxis der Bevorzugung der herrichenden Klassen und daß er dem ll�lkc.dcn ihm zurommenden Anteil an der Gesetzgebung ein- räumen will. Durch die Rede deS Ministers DrewS hat sich die Regie- iung noch mehr gebunden als durch die voraufgegangene kurze EinführungSrede des Ministerpräsidenten Graf H e r t l i n a, in der er sich gleichfalls unumwunden auf den Boden der iöniglichcu Erlasse gestellt hatte. Die Ausführungen de? beiden RegierunqSvertreter begegneten denn auch anf der Pinken, lebhaftem Beifall, während die Rechte bis weit hinein in die Reihen der Nationalliberalen offenbar auf vorherige Verabredung durch eisiges Stillschweigen demon- strierte.-..•,' Um so brausender war der Beifall, mit dem die Konssr- vativen fast jeden Satz der Rede ihres Führers v. Heydcbrand begleiteten. Der ganze Unmut über die innere Politik, die nicht mehr ihren Wünschen entspricht, die ohnmächtige Wut gegen die Regierung, die sich nicht mehr als Dienerw konser- vattver Interessen betrachtet, die Ahnung, daß eS nach An- nähme der Wahlrechtsreform mit ihrer Herrschast zu Ende ist. kam in HeydcbrandS Worten zum Ausdruck. Der Thron des ungekrönten Königs von Preußen ist ins Wanken geraten, und alle Versuche, ihn mit Hilfe der Regierung wieder auf- urickitcn. sind vergeblich. Der Hieb, den ihm der Minister des nnern versetzt hat, hat ihn mitten inS Herz getroffen, und als dann gar noch Graf Hertling mit zwei Sätzen die völlig unwahren Behauptungen.Heydebrands über die Vorgänge bei der Ernennung deS Reichskanzlers richtigstellte, da mochte sich wohl auch mancher von seinen Freunden abwenden von diesem Führer, der so gar keine Führereigenschaften besitzt. Aus dem Hause kamen nur noch zwei Redner zu Worte. Abg. P o ch n i cke(Fortschr. BolkSp.), der die Vorlage der- terdigte, aber im Interesse einer baldigen Verabschiedung da- vor warnte, sie mit weitergehenden Forderungen, z. B. der des Frauenstimmrechts, zu bepacken, und Abg. Dr. P o r f ch (Zentrum), der erklärte, daß ein Teil seiner Freunde für das gleiche Wahlrecht sei. während ein anderer Teil die Zu- stimmung von den Kommisstonsbeschlüssen abhängig mache. die Sitzung. Am Ministorfische: Ministerpräsident Gras t>. HteHing, Dr. Drew?. Dr. Friedberg. Herg:. Dr. Spahn, v. Eisonhardt-Rothe, Schmidt, b. Jreitenbach, Sydow, v. Daldow, Schiffer. Di« Tribünen sind überfüllt. Auch viele ReichstagZabgeordnete und Mitglieder de» Herrenhauses haben auf ihnen Platz gc- nomine». Präsident Graf Schwerin-Löwitz«öffnet die Sitzung um tt Uhr 18 Minuten. Die WahlrechtSvorlagen. Auf d« Tagesordnung stehen die drei Gesetzentwürfe, vrtr. a) die Wahlen zum Ahgcordneten hause, b) die Neugestal- timg de» Herrenhauses und c> die kldänderung de» Budget» rechte». Auf Borschlag de» Präsidenten wird die Beratung der drei Porlage» verbunden. Präsident Graf Schwerin-Löwitz: Bevor wir in die— vielleicht längere Zeit i, Anspruch nehmend«— Beratung dieser bedeutungsvollen Vorlage eintreten. .wollen Sie mir noch einen kurzen allgemeinen Hinweis gestatten. Ich gsshe dabei von der Voraussetzung au», daß Die alle ohne Au»- nähme nur da» eine Ziel im Auge haben werden, nach bestem Wissen dem Dohle de» Boterlanoes zu dienen. Und deshalb, weil' ich die» voraussetze, möchte ich S'e bitten, bei der verband- hing dieser Borlage— be? dem Austrag Ihrer vielleicht wett au». einandergehenden Meinungen über diese— doch keinen Augenblick unsere politische Gesamtlage«t vergessen, niemals zu bergessen, daß zugleich auch heut« noch ein« ganze Welt bon Feinde« mit gsspanntester Begier nur darauf wartet, deutsche Kraft durch deutschen inneren Hader geschwächt, die eigene sinkende SiegeShoffnuna ab« durch unsere« inneren Zwist neu belebt zu sehen. Da» Bild unser« Berhaadlungen üb« die WahlrahtSdov- lag«, wie eS sich kn Lan nächsten Monaten dem Auslands darstelle« wird, kann also nicht ohne den weitgehendsten Einfluß auf die FriedenSbereitfchast unserer Feinde sein. Da», meine Herren, wollte ich Sie bitten, in. unseren kommenden Verhandlungen bei dem Ton und Sei den Formen nicht zu vergessen, in denen Sie Ihre Meinungsverfchiedenheiten über diese Vorlage— im übrigen natürlich durchaus unbeschränkt— austrage» mögen.(Beifall.) Ministerpräsident Graf Hertling: Am 1. Nobsmber diese» IahreS hat Seine Majestät der deutsche Kaiser und König von Preußen mich zum deutschen Reichskanzler berufen. Als'sich herausstellte, daß die anfangs beabsichtigte T r e n- nung der beiden Aernter nicht angängig sei, hat Seine Majestät im Anschluß an dt.: erste Ernennung.mich auch zum preußischen Ministerpräsidenten berufen. Die Schwierigkeiten, die sich für mich daraus vom ersten Tage ergcbm haben, sind sehr hoch einzuschätzen. Im Reichstage, wo ich mick, vor einigen Tagen vorgestellt habe, konnte ich als eine dort bekannte Persönlichkeit auftreten, da ich viel« Jahre dem Reichetage als Mitglied angehört hqhe. Vor Sie. meine Herren. trete ich als ein völlig Unbekannter: nicht als ob. ich, in Preußen geboren, mit preußischen Verhältnissen nicht mich einigermaßen vertraut wäre. Ich habe 18 Jahre in Bonn am Rhein gelebt und habe 1880 den preußischen estaatSbeamteneid geleistet. Nachher aber bin ich nach Bayern übergesiedelt, habe dort 30 Jahre lang als Professor an der Universität gewirkt und seit 1012 an der Spitze des bayerischen Ministeriums gestanden. Die Schwie« r t g k e i t e u. die sich daraus ergeben, babe ich vom ersten Tage an eingeschätzt. Ich habe sofort an Deine Majestät den Köllig die Mite gerichtet, nachdem bereit» der hochverdiente bieberige Vize- Präsident de» preußischen GtaatsmwisteriumS. der Minister der öffentlichen Arbeiten Herr v..7reiienl>ach gebeten hat, ihn von seiner Stellung als Bizepräsident deß StaatsministeriumS zu entheben, einen neuen Bizepräffdenten' de» preußischen StäatSministerium» zu«nennen,' der mehr, als e» bisher der Fall war, den Ministerpräsidenten zu verireien haben würde. Wie be» könnt, hat Seine Majestät dieser Bitte entsprochen durch die Er- nennung de» Gebeimrat» Dr. Friedberg zum Vizepräsidenten de» preußischen StaatsministeriumS. Ich kann nur noch hinzu- fügen, daß ich die feste Absicht habe, mit allen meinen Kräften dahin bestrebt zu fein, mir baS'v er trauen zu verdienen, auf das ich bisher einen Anspruch bei Ihnen nicht habe. lBeifall.) Wie Die wissen, bin ick vom ersten Tage meiner Berufung an bar eine der schwierigsten Ausgaben gestellt worden. Ich sah mich vor die Berpslichtung gestellt, ei» wiederholt und friert ich gegsiirurS Kinsglniort einzulösen. Ich werd« diese» W»rt, soweit e» in«einen Krlfte« Nest, einzulösen bemüht sein. lLebhaster. Beifall.) Ich tu« da» au» voller UeberMuzunz.(Stürmischer- Beifall.) Wie ich vor einigen Tage« an anderer Stelle andeutet«, pflegt der Krieg nicht nur im BolkSlebeti tiefe Spuren zu hint«lassen. sondern pflegt auch zu neuen Aus- gaben hinzuführen und zu neuen Gestaltungen zu drängen. Als ich diese» Wort aussprach, befand ich mich, ohne eS damals zu wissen, in voll« Uebereinstimmung mit d« Thronrede, durch welche am !3. Januar 1013 der Landtag der Mdnarchie eröffnet worden ist: .Der Geist gegenfeitigen VeritebenS und Vertrauens— heißt eS da — wird mich im Frieden fortwirken in gemeinsamer Arbeit des ganzen Volke» am Staate, er wird unsere öffentlichen Einrichtungen durchdringen und seinen Ausdruck finden in unserer Verwaltung und Gesetzgebung und in der Gestaltung der Grundlagen für die Ber« trewng des Volkes in den gesetzgebenden Körperschaften." Die Vorlage, die beute Ihr« BesSlußfaffung unterbreitet ist. bezeichnet den W�g. Daß damit in du inneren Entwicklung Preußens ein entscheidender Wendepunkt bezeichnet wird, ist mir vollkommen klar. Ich bin rnir auch vollkommen klar, daß dieser bevorstehende Wendepunkt in vielen Kreisen schmerzliche Gefühle und schwere Bedenken entfachen wird. Sache einer wahrhaft staatSerhaltenden Politik, zu der ich mich durchaus be- kenne, ist eS. sich»übt auf di» Erhaltung des Bestehenden zu be- schränken, sondern auch im gegebenen Falle«ntig nnd entschloffen die H««d«n Neiirruuge» zu legen, wenn da» Bedürfnis des Volke«. wenn die Entwicklung und die politische Lage«• fordert. Wie gesagt. ich begreife die schmerzlichen Empfindungen, die dei den Anhängern des Bestehende» dadurch ausgelöst werden. In.«och mebr. ich würdige«S vollkommen, wenn«• sich für diese Kreise nicht Mop um GefühiSmomentr handelt, sondern«S sich für sie sog« als GewissenSft«« darstollt. Dies« GewissenSkmnpf m«fl ehrlich dnrch- gekompft werden. Sin Wahlsystem läßt sich nicht mehr halten, für welche» kein G«inger« alö Fürst Bismarck schon vor fünfztg Iahren sei» bekanntes V«dikt ausgesprochen hat.(Lebhaste Zustim- mung NnkS), angesichts der durchgreifenden P«änd«ungen. welche in der Zusammensetzung im voltSkorprr eingetreten find. Wie ge-- sagt, ich achte die Bedenken, ich acht? die Gefühle, trotzdem halte ich dafür, daß Sic dem vaterlonde den größten Dienst leisten, wenn Sie. selbfiverftändlich nach eingehender Prüfung, der Borlage ihre verfassungemäßt�e Zustimmung erteilen.(Beifall.) Sodann muß ich noch dw Veränderung in der Zvsgmmenfrtzun« de» HerrenhguseS begründen. Diese zielt nicht dahin, di« Stellung, die da» Herren- hau» in Preußen historisch eingenommen hat. zu verringern, sondern will vielmehr die Stellung im Volk fest wrankern. Preußen ist nicht al« bestimmende Faktoren hinzugetreten. Es erscheint notwendig, in dies« Zusammensetzung de» Herrenhause» den berussständilchen Ge- danken zur Geltung zu bringen, gleichzeitig empfiehlt sich eine Her« anziehung bar Selbstverwnltuns unter tunlichst« Ähonung des Bestehenden. Auf Einzelheiten will ich nichr eickssthen. Ich möchte auch die weisere Begründung der Vorlage meiuem ver. ehrten Kollegen im preußischen StaatSministerium überlassen. Ich schließe mit den Worten: Bringen Sie dem Vaterlande dieses Opfer. wenn e» ein Opfer ist. stimmen Sie der Vorlage im Interesse der gedeihlichen, friedlichen Entwicklung de» Staates zu, möglicher»»eife sogar zur Verhütung schwerer Erschütterungen.(Lebhaft« Beifalu) Minist« deS Innern Dr. DrewS: Dik AbanderungSbcdürfiigkeit de» Wahlrechts zum preußischen Abgeordnetenhause ist von der überwiegenden Mehrheit der Parteien wie von der Regierung seit langem anerkannt. WaS vor bald 70 Jahren ein geeigneter Weg war, eine den Willen de- Landes zum Ausdruck bringende Volksvertretung zu schaffen, da? ist eS heute unter völlig veränderten VerhälMissen nicht mehr. Tie gesamte politische, soziale und wirtschaftlich« Lage, insbesondere auch uns«? Steuerverhältnisie, auf denen daS bestehende Wahl- recht aufgebaut ist, haben sich derart verschoben, daß zurzeit ein durch die Emanation des geltenden Wahlrechtes nicht gewollte» überstarkcs und allgemein als Ungerechtigkeit empfundenes Mehr st immenrecht der beiden ersten Klassen ent- § an den ist. Der im Jahre 1900 unternommene Versuch einer enderung deS Wahlrechts ist seinerzeit gescheitert. Ueber die Umstände und Gründe, aus denen dieser Versuch gescheitert ist, will ich hi« nicht sprechen. Immerhin ist es bedauerlich, daß de- mal» eine Einigung nicht zustandegekommen ist. denn eS würden dann in der Zwischenzeit manche Schärfen und Reibungen vermieden oder wenigsten» gemildert worden sei». (Srbr nchtigt link?.) Aber anch wenn damals eine Einigung zu- starl-egekvmmen wäre, so würden wir l?eut« doch vor dör Aoi-- wendigkeit einer weiteren A'enderung unseres Wahl- rechtes stehen.(Sehr richtig t links.) Wenn di« StaatSregicrung in den zwischenliegenden Jahren keinen Versuch einer neuen Rege. hing'dies« Materie gemaSt'hat. so lag das daran, daß bei den weit auseinandergehenden Meinungen der Parteien keinerlei Aussicht auf ein positives Ergebnis vorhanden wäg. Die- Regierung hat indessen stets betont, daß, sobald der Zeit» Punkt für die Durchführung einer Reform de» Wahlrechtes ge kommen sein werde, sie dazu die Initiative ergreifen werdet Diqcr Zeitpunkt ist nunmehr gekommen. DaS gewaltigste Ereignis, daS riesenhafteste Erlebnis, daö unserem Volke beschieden sein konnte. ist über uns hereingebrochen. DaS große blutig« Weltringen, das sein End« noch nicht gefunden hat. hat unser Volk in allen seinen Schichten, in allen Höhen und Tiefen ergriffen, hat auch die Wahlrechtsfrage wieder in Fluß gebracht und b:r- langt gebieterisch ihre Lösung. Der Inhalt dieser Lösung ist vorgezeichnet durch die Tatsache. d«? drnntze« auf der Wahlstatt alle Riian« unseres Silkes im gleiche» Kampf kämpfen(Lebhafte Zustimmung links und im Zentrum), i» gleicher Weis« ihr Leben in die Schanzen schlage«. (Erneuter lebhafter Beifall.) Die gleiche Pflicht er siillung aller preußischen Männer ihrem Vater- lande gegenüber in Mühen und Entbehrungen, in Kampf und Ar- beit, in Rot und Tod. die sich so Herrlich in diesen Tagen liewährt bat. führt dazu, daß die Lösung der Wahlrechtsfrage nur darin ge- funden werden kann, daß jedem Preußen bei der ihm cingeräumtair Mitwirkung an der Gestaltung der Geschicke des Staates durch die Wahlen zum Abgeoodnetenhauie grittidsätzlich anch das gleich« Reckt erngerämnt wird.(Lebhafte Zustimmuno links.) Dias« Fordening ist ja keine logische i rein logisch begründen läßt sich ein Wahlrecht nicht.(Lachen und Unruhe rechts.) DaS Wahlrecht muß auf Gerechtigkeit bauen und darum wird die letzte und höchste Be- gründun, eine» Wahlrechts immer eine ethische sein. Wen» man auch Politik w« niger mit dem Herzen al» mit dem Kopf mache« soll, so müssen doch die großen und letzten Ziel« der innere« Politik, bei denen e» sich am da» VerhältaiS des DtaatSganzen zn seinen einzelnen Gliedern handelt, auf ethischem Boden wurzeln.(Sehn wahr! link».) Ein rein logisch ausgebanle» SdaatSgebäude entbehrt de» festesten und notwendigstem Eckpfeilers, der Liebe, der Treue »nb der Begeisterung zum Stnnt, dt« in den Herzen der Be Volke- ruug nnr dann erstehen und«Korken kann, wenn i« dem Volke die Empfindung herrscht. d«K in de» St««tsbao ethische Gedanke«»er- wieflicht sind.(Lebhafte Zustimm irng lcnkS.) Der ungeheure» ' l i ch t« r f ü l l u n g jedes einzelnen Preußen für den Staat da» gleich« Recht jedes Preußen im Staat entspreche«. aL ist die groß« ethisch« Forderung, die aus dem gewaltigen Schicksal unseres Vaterlandes heraus geboren ist. Die Er füll sin, dies« Forderung unserer Zeit ist durch die königliche Botschaft vom 11. Juli 1917 angekündigt. Sie geht hinaus über die Osterbotfchast. die lediglich besagte, daß für ein Klassenwahlrecht kein Platz mehr sei. Damit entfällt für die Regierung die Lösung auf kwr Grundlage eines Pluralwohlrechts, wie sie früher vielfach erörtert wurde. Rein logisch wäre daS Pluralwablrecht vielleicht da» folgerichtigste, wenn es einen untrüglichen Schllisse! gäbe, d«l Wert und die Bedeutung jede» einzelnen Staatsbürgers für da» Staatsganze in einer Anzahl von Stimmen zutreffend zusammenzufassen. Gerade diese Voraußsetzmig. ei« solcher Schlüssel, der anch nur einigermaßen befriedi- gende Annäherungswerte liefern könnt«, fehlt uns. (Zustimmung link».) Won« man mSdesondere bei einem Plural- Wahlrecht ein weniger demokratisches Ergebnis als beim gleiche» Wahlrecht erzielen will, so mutz man sich klar darüber sei», daß ein solches Ergebnis nur erzielt werden kann, wenn man eine große Anzahl offener«der»erstecktrr Mchrstimmrn für Einkommen nud Besitz gibt. Mehrstimmen für Wer. Familienstand und ähnliche pekuniär neutrale Momente habe» eine antidemokratische Wirkung nicht- Lediglich die nach pekuniären Moment en abgestufte!- Stimmen üben eine solche Wirkung auS. Ein nach pekuniären Ge- sichtSpunkte« abgestimmtes Rocht würde ab« feinem Mosen nach £ toiebec ein na«?■SKu e t!I tt f f 4 n'aLgeflufi«� Sa"?! recht darstellen(frtt richtig?[in!!), das gewissermaßen einen verjüngten Anfgnst unsere? bestehenden T reikl a ssenwahlrechtZ bilden wurde. sTebr gut! link?.) Ein Phtrulwahlrccht ist darum für die Zlaatöregierung nicht annehinSar. sLebhasrer Beifall. Insbesondere würde eine osfeme oder versteckte Abstufung de? Wahl. rechts nach pekuniären Gesichtspunkten unvereinbar sein mit den �orderungei?, die die Irdtzeit an uns stellt. sSehr richtig? links.) Tie Forderung! gleiche Reihte bei gleichen Pflichten, kann nur durch die Einführung des gleichen Wahlrecht? verwirklicht werden.(Beifall link- und im Zentrum.) Tiefe? gleiche Wahlrecht kann nach Au sassung der Regierung■ nur ein gleiche? Wahlrecht im Sinne unseres ReichStagswahlrecht? sein. d. h. in dem Sinn«, daß in örtlich abgegrenzten Wahlbezirken die Shmmc eines jeden Wählers dasselbe Gewicht hat wie die Stimme jede? andern Wählers�(Sehr richtig! links und im Zentrum.) Ein Versuch, das gleiche Wahlrecht aus andere Grund lagen zn gründen als dir des ReichötagSwahlrechts, erscheint sstr die Regierung gleichfalls nicht unnchmbnr.(Lauter Beifall links und im Zentrum, Unruhe rechts.) 2o ist in letzter Zeit vielfach dc Plan erörtert worden, dir Wahlkreise nicht reiit örtlich, sondern nach B e r» fs st ä n d e n einzuteilen und die Aogeordneten nur innerhalb der einzelnen Beruf? stände wählen zu lasten. Abgesehen fcvn der äußerst schwierigen Form einer r i dt :: g e n Verteilung der Nbgcordncteninandaie auf die«inzel nen Berufsstände, würde ein so gestaltetes Wohireedt den w i r t> s ch a f t l i ch e n Interessengegensatz der einzelnen Berufe, der sich leider in unserem öffentlichen Leben schon jetzt allzustark geltend macht, in voller Weise zur Grundlage unseres ganzen politischen Lebens machen,(sehr richtig? links und im Zcntnim.) Die Abgeordneten muffen Vertreter des gaiizen Volkes, nicht einzelner Berufe lein. Nach dem ganzen Ausbau unsere? preußischen Slaat-leben? ist der einzig richtige Platz für die Vcrlretung der Bcrufsstande al? solcher nicht das NbgeordnetenbauS, sondern das Herrenhaus. Die Botschaft vom ll. Juki'hat deshalb auch, wie ich ausdrücklich feststellen möchte, das gleiche Wahlrecht im Sinne des Reichstags- Wahlrechts gemeint und ist In der Bevölkerung auch so verstanden worden,«Sehr richtig! link? und im Zenlrnnuf��W���W�fl Rit allem Nachdruck muß der Auffassung entgegengetreten werden', daß es sich bei der'Vorlage um eine Belohnung an tue breiten Massen de? Volke? für während des Krieges geleistete Dienste hrndlc. Mit der Betätigung und Verwirklichung der Pflicht unseres Volkes in diesem Kriege und mit dem bewährten Vertrauen der Regierung zu einem bcbdenbaften Volk tri dieser schweren Zert würde der Begriff der Belohnung ebenso im Widerspruch stehen, n'-e die opferwillige Betätigung nus rcin moralischem Antriebe hoch stein über einer Handlung, die um des Lohnes willen«ichieht.(Sehr richiig! links und im Zentrum.) Zurückweisen müssen wir ferner die Annahme, daß wir mit der Vorlage die Absicht verfolgen, durch eine Demokratisierung unsere? Staates im Ausland, insbesondecc bc.i unseren Feinden iin« gegenSber eine günstigere Stimmung her vorzurufe« und den Haß und sie Feindschaft uns gegenüber herabzudrüaen. Cd wir in Deutschland und Preußen mehr oder weniger demokratisch, konstitutionell oder absolut regiert werden, gibt für die Stellung des Auslandes uns gegenüber ntcht den Au?- ichlag.(Sehr richtig!) Franlreich und England sind die begei- st e r t e n Verbündeten des absolutistischen Nuß lauds von früher gewesen und haben sich t» ihrer Haltung keinen Augenblick durch den völligen MangeljedeS demv kratischrn Zuges in diesem«tavtslvesen stören lassen.(Sehr gut!) Wenn fie l»rutc an Stelle des demokratischen, von innere» Kämpfen zersetzten, auk schiveren Wunden blutenden und ihre,» Welte roberungchtänen abgeneigten Rußlands wie. früher ein ab« 'st öl an st"s f che?, aber krieg-willig es Rußland habe>i würden', es besteht uwbl kein Zweifel darüber, daß sie einem sol chen Rußland i h r e b e« e i ft c> r e F r c u n d.s ch a f t noch heute in 'öcrichrlirr Polenz zuwenden würde».(Sehr richtig! links und im Dir Bedenken, die liegen die(binsührung de? gleiche« Wahlrechts erhoben werden, geben davon au?, daß eine:>i a d l kalisiernng bis Ä bgc ordneten Hauses für die ruhige Weiter entwicklung unsere- Staates zu einer schweren Gefahr wcr- den würde.(Solw richtig! rechts.) Nichtig ist allerdings, daß eine starke Radikalificruns des Abgeordnetenhauses eintreten wird. Wer abgesehen davon, daß neben dem Abgeortz uclenhans als gleichheoechtigter gesetzgebender Faktor auch in Zu kunst da? Herrenhaus besteht, habe ich vor dieser Radikali sicrung keine Furcht.(Lachen reibt?.) Ich hege die feste Zuversicht, daß in der neuen Zeit, die nach diesen, Weltkrieg» für unser Vater- land kommen wird, loeite streife rnifmS Volkes, die in der Zeit Lachen rechts.) Di« wunderbare Erstlingsfrucht dieser großen Zeil, jene unvergeßliche Begei st erung des Lugnsttages des Jahveö 1914 kanu und wird unmöglich ohne dauernde Folgen für unser Volt bleiben.(Sehr richtig? links und im Zentrum.) Ge- wiß. die Ansichten darüber, was dem Staate frommt, werden auch in Zukunft ausemanderptatzen und miteinander ringen. Aber bleiben kann, bleiben wird und bleiben muß als dauernde Nach- Wirkung die Neberzeugung, daß alle Teile des Volke? berufen sind, mit gleichen Rechten am Vau de? eigenen gemeinsamen Baterlandes milzntvirlen.(Beifall link« und im Zentrum.) steine Partei, die für das Vaterland eingetreten ist. darf in ihrer Neinentfaltung, in der Lust und Frci»be für die Mitarbeit an, Staate geschmä- lert luerden, vielmehr muß diese Freude noch gestärkt werden. (Beifall links und im Zentrum.) Durch die positive Mitarbeit wird a»*ch d a S Verantwortlichkeitsgefühl gehoben und die politische Arbeit selbst in praktisch brauchbare Lahnen ge- lenkt. Sie iverden sagen, daß ich ein grenzenloser Optimist bin. (Lachen und Zustiimmmg rechts. Heiterkeit link«.) Ich bin Optimist in den, Sinne, daß ich unverbrüchlich cm den guten Geist glaube, der im preußischen Volke lebt, und daran, daß dieser gute Geist sich durchsetzen und sich al? wirksam erweisen wird. lBe,fall linls.) Schon oft hat es ft> lnw Geschichte de? preußischen Staate? Augenblicke gegeben, i.i denen grund st ürzende.daSinnerc Gefüge unsere? Staate? zimformende Neuerungen in? Leben gerufen wurden. Immer wurde da die Befürchtung geäußert, daß damit die Grundlage des preuftifchen Staates»ernichtet und seine Zukunft.zerstört würde So war es in der großen Zeil vor hundert Jahren, als die S te i„- H ar d e n b e r g sch e n Reformen mit der Selbstverwaltung und der Aushebung der Erbuntertäiügkeit die gesamle» Grundlagen der damaligen Besitz- und Wirtschafisverhältnisse mit einem Feserstrich beseitigten(Sehr richiig! linls), so ivar es in der Zeit, als Preußen aufhörte, ein absolutistischer Staut zu sein(Sehr gut? links und im Zentzrum) und so war ts, loeirn auch in geringerem Maße, Anfang der 10er Jahre, als bei der Einführung der Kreisordnungen die gut?« herrliche Polizeigewalt ausgehoben wurde. CSehr gut! linls.) Von allen diesen Aenderungen wurden d i e s ch l i m m- st e n Befürchtungen für di« Zukunft vorausgesagt und alle haben sich am Ende für de«'preußischen Staat als segensreich erwiesen, ja sie sind oll« zu wichtigen Faktoren für die weitere gedeihlich« Entwicklung unseres Volkslebens geworden.(Sobr richtig! linlS.) Gerade dadurch und nur dadurch, daß Preußen im entscheidenden Augenblick entschlossen diese Neu- «rdnungen eiasübrte, d-e gebieterische Forderungen einer neuen Zeit waren, ist der gewaltige Aufstieg Prenüens möglich geworden.(Sehr richtig! linls.) Auch jetzt an der Schwelle einer neucn Zeit, die anders und bester werden muß als die Zeit vor dem Kriege war, müssen wir all« Voltsteile und all« Parteien zur positiven Zst i t a r b e i t imd zur FreudeamStaate heranziehen. Da« Blaff citftillftand mit mmanllchen Cruppen. Feindliche Vorstöße bei Moenvres ge- scheitert— Erfolge in Italien. Amtlich. Große? Hauptquartier, 5. Dezrmdrr 1917.(W. T. B.) Westlicher Kriegsscheuplatz. Heeresgruppe Kronprinz Nupprecht. An der flandrischen Front violsach lebhafte Artillerie- tätigkeit. Zwischen Iuchy und Bourlon war das Feuer aw Nachmittage erheblich gesteigert. Feindliche Borstöße südlich von MoeupreS scheiterte«: wir»achten einige Gefangene. Eng- tische Grabenstücke tri utt» südlich von Marcoing wurden vom Feind« gesäubert. Südlich von St. Queuliu«erstärlter Artillerie- und Minen- kämpf. Heeresgruppen Deutscher Kronprinz und Herzog Albrecht. In zahlreichen Abschnitten führte rege beiderseitige Er- kuudungstätizkcit zu heftigen Rahläuipfen. Ocstlicher Kric�sschauplatz. A» der Front des Erzherzogs Joseph und der Heeresgruppe Mackensen dehnen sich dir Waffenstillstands- Verhandlungen auch auf die rumänischen Truppe» aus. Mazedonische Tsront. Stärkere feindliche Abteilungen, die a« dem Westufer deS Ohrida sees und nordwestlich vom Tozrnnsee vorstießen, wurden abgewiesen. Italienische �rout. Truppen de- Feldmarsch, ilts Eourad haben ia de« Sieben Gemeindenden Italiener» einige H Z h e u stell» ng eu entrisse». Ter Erste Geueralquartiermrister. Ludeudorfs. Zetbendbericht. B e r l i», ö. Dezember 1917, abeudS. Amtlich. Erfolgreiche öittliche Kämpfe zwischen Juchtz und Bourlon. In den Tieben Gememdeu wurde der Italiener er- nent auS starken Stellungen geworfen. ?5cr österreichische Bericht. Nichtamtlich. W i e u, 5. Dezember.(W. T. B.) Die Verhaiidliingen beim Feldmarschall Prinzen Leopold von Bayern werden soetgesetzt. Ter Oberbefehlshaber der zwischen dem Dnjrster und dem Schwarzen Meere stehenden russischen und rumänischen Truppe» ist gestern nachmittag an den Generalobersten Erzherzog Joseph und an den Generalseldmarschall v. Mackensen mit dem B o r- schlag herangetreten, Besprechungen über einen W a s f r n st i I l st a n d einzuleiten. Unsere Heerführer haben zustimmend geantwortet. Die Abordnungen begeben sich au den Berhandlungsort. Auf der Hochfläche der Sielen Gemeinden haben Truppen deS Feldmarschalls Conrad einige Höhen- st e 1 l u n g e n genommen. ist aber nur möglich, wenn sie in der gesetzstekxmden Körperschaft «ine Zahl dem Abgeordneten hoben, die zur Stärke im Lande in einem angemessenen Verhältnis steht,>venn wir ein Waffenruhe auch an öe? Kaukasusfront. K» n st a n t i u o p e l, 4. Dezember. Ergänzung zum ifrt auitlicheu Heeresbericht vom 3. Dezember. " I e, tffc �-°blr«ch t gibt.(BeisOll.) Geschieht d�S. nicht, so wird � Xfr �berbesehlshäber der russischen Heere das alte Mißtrauen, die alte Verbitternng, der alte Hast weiter de- stehen bleiben. Deshalb bitte ich Sie, sich entschlossen auf den Boden de? pleickjen Wahlrecht? zu stellen. Tie Regierung muß und wird sich dahrr auch mit allrn ihr der- fassnngSmäßig zu Gebote stehenden Mitteln dafür einsehen, da st da? gleiche Wahlrecht Gese« wird. cht Beifall links.) Von einer Aenderung der Wahl» reise inteiluUg haben wir abgesehen, weil sich die gegen- wnrtigen Wahlkreise im Lauf: der Zeil zu sesteu, in sich geschlossenen Bezirken herausgebildei habe» lind ihre Bribehaltung daher zweckmäßig eescheint.(Widerspruch links.) Nun die Neugestaltung d c S Herrenhauses. Wir haben diesen Gesetzentwurf gleichzeitig vorgelegt, weil er in der Osterbotschaft angekündigt ist und weil auch Abgearpnctw'hau? und Herrenhaus in unserem St-iaikleben tatsächlich eine gewisse Ein- helt bilden. Die staatSrechtliasc Stellung de? einen Hauses wurde bei der Neugestältung des anderen auch in Betracht gezogen. Wie in vielen anderen Ländern, hat auch das Zweikammersystem sich bei uns bewährt. Diese zweite Kammer unterzieht die Beschlüsse der Wahlkammer einer nochmaligen Prüfung. Sine solche Nachprüfung gibt die Ge» währ, daß daS, was al? geMeinscnner Beschluß beider Kammern zutage tritt, dem Pohle de? StaatSganzen im besonderen Maße entspricht. Da» ist auch durch Ihm» gec-eihliche Zusammenarbeiten der beidem Kammern in Preußen bewiesen worden. Differenzen sind so selten gewesen, daß sie, wie beim Diätmgesetz, außerorbent- liches Aussehen erregt haben. Bei der Wabllammer kommen die Strömungen de« Dages rascher und lebhafter zum Ausdruck, während dem Herrenhause ein etwas zurückhaltender, moderieren- der Ehoraklec innewohnt. Ta» ist für einen störungösreien Gang der Staatsregierung im Ganzen außerordentlich nützlich. Rot- wendig allerdings ift�daß die Erste Kammer den Bedürfnissen der Zeit auch für die Dauer voll entspricht, da sonst die Gefahr eni- tcht. daß aiu starker retardierender Faktor sich geltend Macht. ES muß dafür Sorge getragen«erden, daß im Herrenhuufe olle Kreise und Tutizkeitsgruppen ihrer Bedeutung für das ltzanz« entsprechend vertreten sind und zu Worte kommen. Ter Minister bespricht dann die Etnzelhetten der Herrenhaudvorlage und begründet die Notwendigkeit ber Ver- trctung der städtischen und ländlichen Selbstverwaltung, der Ver- tr�tung der großen Berufsstände. Do? sind die Haupt- kristallifationspunkte, um weiche herum dte Neu» bildung deS Herrenhauses erfolgt. Die führenden Perfön- lichkeitci, unserer großen Berufsstände, oicfe hervorragenden Determinanten unsere» öffentliche,, Lebens, ebenso die Vertreter der Hochschulen, der beiden christlichen Kirchen usw. ollen im Herrenhaus« vertreten sein. Daneben hat innl auf A b s ch l« si eine» Waffenstillstandes �'cleuden Porfchlag gemacht, uns zwar säe alle Fraute» der vi�bndeten Heere im Osten. Dieser Vorschlag ist von de« verbündete» Heeren a.« g r n o m m e u worden. Daraufhin ist eine russische Abordnung zn darauf hinzielenden Verhaudlangen Hedem Oberkommando der Ostarm et n eingetroffen. Eine von dem Oberbefehlshaber der türkischen Armee ernannte Abordnung unter Fnhrnug de? persönlichen Adjutanten des Sultans, Divisi»»SgeaeraU» erster Klaffe Zekii Pascha, hat sich der Lertretang der verbündete« Heere angeschioffe». Die Vor» besprechungeu über den Waffenstillstand haben am it. De- zember mittags begonnen. fius der Tätigkeit üer Äo'schewiki. Kornilon» cntflvhcn. Petersburg, 5. Xcncaibcr.(Meldung dcS Soiiderbericht- crstatterfl der?lgence Hävos.) Die Regierung ernannte(ürc gor Petrowski zum Minister des Innern und Mnranolv zu dessen Gehilfen. Däs Duinagcdäude ist von den Moximalisten. und Wr Roten Garde besetzt worden, um zu nerstsndern, daß dte Hiinn Sitzungen abhält. Die ZÄiliissel.zur Twm WstiuM sich in den Händen der Maxnnglisten. Der Eisenbabnerausschuß erhielt die Meldung, daß eß slornilom in der Istzien Nacht gemngm ssi, mit tusr Gotnien Kosaken miS Bychow, wo er gefangen gehalten wurde, zu entfliehen. * Petrowski und Vkuranow waren von der Arbeit er Iuris ii, die letzte Reichsduma als Abgeordnete gewählt. Sie ge- hörten dort der sozialdemokratischen Fraktion,»nd zwar nach im Jadre 1014 erfolgter Spaltung der Fraktion der aus sechs Abgeordneten bestehenden Bolfchewiki-Gruppe an. Im Jahre 1915 strengte die Regierung gesien sie einen Prozeß >oegen angeblichen Landesberrats im Kriege an, und sie wur- den, obzwar die Duma deren Auslieferung verweigerte, nach Sibirien verbannt, wo sie von ber Revolution erst befreit wurden. Dos Dumagebäude, von dem im Telegramm die Rede ist, ist ziveifellos daS Haus der Stnchtduma und nicht dasjenige der Reichsduma(Taurisches Polais). In der Stadtduina hatte der sozialistische Wohlfahrtsausichuß seinen Sitz, den die Bot- schewiki nickst mehr dulden wolle». Ob Kornilow diesmal tatsächlich entflolren ist, steht dahin. Das wäre allerdings seltsam, denn die Bolschewiki bekunden l&'T&&£S*&sssri sssst xs'cn*"■*-r-nduch-u ii. a. Vertreter der Künstler. Vertreter der Presse, Vertreter der' �'M jlldischen Religionsgemeinschaft und Vertreter der Arbeiter- schaft. Die Zahl dieser au? Allerhöchstem Vcrtrmien Berufenen ft beschränkt worden, um die selbftändige Bede» tung es Heerenhause» als gleichberechtigten Faktor der Gesetzgebung zu stärken, während bisher der sogenannte PairSschub möglich war. Das wäre ober ein Mißtrauen de? Gesetzgebers zu seinem eigenen Werk gewesen, wenn an der unbeschränkten Zahl der aus Allerhöchsten, Vertrauen Berufenen scstgehalten inurdc. Ter Minister weist dann aus die Bedeutung des alten ländlichen Grund,- hcsitze? hin, der ein bedeutsamer Faktor unseres öffentlichen Leben? ei, und dessen besondere Vertretung im Herrenhause gerecht- ertigt erscheint. Ebenso ltegt es'mit den eingesessenen Ge- chlechtern. Reben dem auf breiter demokratischer Grundlage aus der ganzen Bevölkerung berufenei, frei gewählten Abgeordnetenhause oll also ein im wesentlichen auf berufSständtscher Grundlage beruhende? Herrenhaus tätig sein. Beide Häuser 'ollen selbständig an den Entschließungen mitwirken. Es ist zweifellos, daß Sie diese für Preußen überaus wichtigen und entscheidenden Vorlagen einer ernsten Prüfung unterziehen werden. Die Regiernag ist gern bereit, sich daran zu beteiligen »nd Ivefterr? Material herbeizuschaffen. Sie erwartet zuversilbt- lich. das, eine Einigung über da» groß: Reformwerk sowohl in diesem Haus« als ,m Herrenhaufe zustanoe kommt. Eine solche Einigung kann natürlich auch eine Abänderung in Einzel- ' e t t c n der Vorlage zur Folge haben. Unbedingt festhalte» muß und wird aber die Regierung an der Durchführung de? Prinzips des gleichen Wahlrechts als solches. TaS ist der ausschlaggebende, der Kernpunkt der Vorlage. (Lebhafter Beifall tinks und im Zentrum.— Lachen rechts.) Unsere �einoc erhoffen die Niederlage des Vaterlandes nicht mehr von «insm Sieg aus dem Schlachstelde, sondern von einem Z w i e- palt zwischen Krone und Volk. Diese Hoffnung wird scheitern unserem Willen zur Einigkeit. Wie in der Osterbotschaft die Worte niedergelegt sind, daß Preußens Krone dem preußischen Volte das denkbar hoch st e Maß von Vertrauen schenkt und daß Sara» alle Anschläge unserer Feinde scheitern sollen, so iegt es jetzt au Ihnen, da» Zeugnis des Vertrauen? zu diesem großen öieformwert auch Ihrerseits zu bekräftigen.(Lebhafter Beifall links und im Zentrum.— Lachen rechts.) (Schluß in der Beilage.) Sibirien und Ukraine. Zwei neue Republiken. Kopeuhagr», 5. Dezember.„Berlingske Tidende" der- öffentlich� eine Meldung des„Iltro Rossij", wonach es sich bestätigt, daß Sibirien sich als unabhängige Re- publik erklärt und in Omök unter dem Präsidenten Potepin eine eigene Regierung gebildet Hot, die ihren Sitz im früheren GonveriiementSgcbäude ausgeschlagen hat. Die neue lveiß-grüne sibirische Flagge weht.von allen öffentlichen Ge- bänden. Alle Teile Sibiriens hätten sich der neuen Republik angeschlossen. Die erste Hand- lung der neuen Regierung hat in der s o f o r t i g e n Z u r ü ck- berusung der sibirischen Truppen von den Fronten bestanden. Auch der K a u k a s u s sei im Be- griffe, sich von Nußland loszusagen und eine eigene Rc- g i e r u n g zn bilden, zu deren SRinisterpräsidentcn der frühere Bürgermeister von Baku, Büsch, ausersehen sei. Wie»,<1. Dezember.(Telunion.) Der Bund für die Be- freiung der Ukraine erhielt aus Stockholm folgendes Tele- gramm vom L. Dezember: Der Proklamierung der ukrainischen Republik haben sich alle Gouvernements mit Ausnahme der Stadt Odessa angeschlossen. Um die neugeschaffene staatliche Ordnung in der Ukraine aufrechtzuerhallten und zuFslärken, zog der ukrai- nische Krie�sminister Vetura 3Z0 000 Mann ukrainischer Truppen von der Front in das Innere de? Landes. Der.�rtegSmiiiister verfügt jetzt mit den schon früher organisierten ukrainischen Streitkräften im Hinterlande über eine Truppenmacht von über eine halbe Million ukrainischer Soldaten. Au? Petersburg über Kopenhagen wird der.Franks. Ztg." ge- drahiet: Der frühere Abgeordnete der Reichsduma. Petra ljki. der soeben aus Charlow zurückgekehrt ist, teilt mit, daß dort und im Tongebiel Rube und Ordnung herrscht. Die gesamle Mach! liegt in den Händen der ükräni schon Arbeiter- Vertretung, die alle eriorderlicben Maßnahmen getroffen hätte, daß Kaledin nichts gegen die jetzig« Regierung unternehme» könne. Hr. 534< 54. Jahrgang Heilage öes vorwärts Donnerstag, H. Dezember 1477 Mbgeorönetenhaus. (Schluß aus dem Hauptblatt.) III. Sitzung, Mittwoch, b. Dezember, vormittags. * Finanzminister Dr. Hergt begründet die Borlage über dre etatsrechilichen Äenderungen der Ber- faffung. Ter erste Absatz der Vorlage bringt eine Erweiterung der Etatsrechte des Herrenhauses und führt zu den Grundfragen des ZweikammershstemS. Wenn auch nach der preußischen Verfassung keine Kammer die andere majorisierren kann, so räumt sie doch dem Abgeordnetenhaus auf finanziellem Gebiete wichtige Vorrechte ein. Finanzgesetze müssen zuerst dem Abgeordnetenhaus vorgelegt werden, das Herrenhaus kann den Etat nur im ganzen annahmen oder ablehnen. Das Zlbgeordnetenfjaus ist hier fast ganz souverän. Diese Bestimmungen sind im Herrenhaus als drückend empfunden. Heute liegen die Dinge wesentlich anders als vor siebzig Jahren, dazu kommt, daß das Herrenhaus der Zukunft ganz anders zusammen- gesetzt ist als das heutige Herrenhaus. Die Staatsregierung hat von radikalen Aenderungen des Etatsrechts Abstand gc- noinmen. An dem jetzigen Entscheidungsrecht des Ab geordnctenhauseS darf nichts geändert werden. Aber in diesem Rahmen darf sehr wohl das Herrenhaus eine vermehrte Einwirkung erhalten. Das soll durch Zwischenv er Handlungen geschehen. Man soll den Wert eines solchen BerständigungSverhahrenS, das dem modernen Geist cnt- spricht, nicht unterschätzen. Abg. Tr. V. Hehdebrand(f.): Zunächst nur einige allgemeine Bemerkungen, obwohl die Rede des Minister» des Innern mich zu einer solchen Zurückhal. tung nicht veranlassen könnte.(Sehr richtig! rechts.) Sie war angefüllt von allgemeinen Redensarten, mit denen man alles oder nichts beweisen kann.(Große Unruhe und leb- baf:e Zuruf« links.— Stürmische Zustimmung rechts.) Ich wieder- hole, daß es nur Redensarten waren, und ich mache mich anheischig, mit solchen Redensarten auch die Einführung der Republik zu begründen.(Sehr richtig! rechts.— Große lln- tmhe ltnks) Ter Minister hat alle Möglichkeiten, daß die Borlage in einer anderen Gestalt verabschiedet werden könnte, kurzerhand abgewiesen. Das ist nach meinen parlamentarischen Ersah- rangen nichtdergegebeneWegjum auf eine Verständigung hrnzuarbeiten.(Sehr richtig! rechts.) Aber der Minister des Innern hat ja an seiner Seite einen gewandten Parlamen- tarier, und ich hoffe, daß das Zusammenarbeiten nach gute Früchte zeitigen wird.(Heiterkeit rechts.) Der Minister hat uns aufgefordert, in dieser ernsten Zeit nicht unnötig die Partei- st r e i t i g k e l t r n Wiederaufleben zu lassen. Das sagt der Ber- treter e.ner Regierung, die mit dieser Borlage ohne weiteres die Meinungsverschiedenheiten der Parteien offen zum Ausdruck bringen muß.(Sehr richtig! rechts.) Wichtiger war der Hinweis in der Rede des Ministerpräsidenten, daß wir es bei der Wahlrechts- vorläge mit einer Wivensmeinung des Trägers der Krone zu tun haben. Selbstverständlich kann eine solche Willensmeinung gerade bei meiner Partei auf ganz besonderen Widerball rechnen. Sie bestärkt unS in dem Entschluß, die Einzelheiten der Vorlage mit einer ganz besonderen Sorgsalt nach allen Richtungen zu prüfen, tsebr wahr! rechts.— Aha! links.) ES loäre unverantwortlich, wenn wir Dinge, die unS mit diesem Rachdruck ans Herz gelegt werden, oberflächlich behandeln würden. l�ehr richtig? rechts. Zurufe links.) Wir dürfen auch nicht ühere sehen, daß diese ÄMtensm einung der Krone sich uns. in v c r schs e- dener F o r m' dargestellt- bat. Erst»amchie Vorlage vpn.illOS dann die Vorlage von ltzlth'danst-die Dsterbotschatt und schließlich der Erlaß vom Juli. Wir dürfen ferner nickt übersehen, daß die Willensmeinung der Krone sich zu verschiedenen Zeiten versch ieden gezeigt hat.(Zuruf links: Man hat zugelernt!— Heiterkeit.) Und schließlich hohen wir dock nickt im. letzten, halben Jahr geschlafen, fondern wissen, wie diese Vorlage entstanden, Wissen, daß man die Noklage des Landes ausgenutzt hat.(Große Unruhe links.) Wir haben den Verdacht, daß auf. die Krone eine unzulässige Einwirkung stattgefunden hat.(Sehr richtig? rechts. Große- Unruhe links.— Abg. Hosfmann(IL Soz.): Sie wissen ja, wie es gemacht wird.) Bei aller Anerkennung der großen Vorzüge deS bestehenden Landtagswahlrechts haben wir niemals setne Schatten- feiten verkannt.-/Widersprach links.— Abg. Hoffmann (Unabh. Soz.): Das ideale Wahlrecht!) Sie waren doch dabei.und müßten es wissen.(Zuruf links: Wir wissen auch, daß Sie den Ausspruch korrigiert haben.— Heiterkeit lrnks.) Reine Wendung vom idealen Wahlrecht sollte weiter nichts fein als ci-n persön- liches Kompliment an die Mitglieder dieses-Hauses.(Große Heiterkeit links.— Zurufs: Schöne Ausrede!) Aber ich habe ge- lernt, daß man mit persönlichen Llebenswürdigkeite« vorsichtiger £:n muß.(Sehr gut! rechts.) Wir sind bereit, an einer Reform § Wahlrechts mitzuarbeiten und haben bisher unsere Mitarbeit niemals versagt. lWiderspruck links.) Wir haben auch Vertrauen zu unserem Volke.(Zuruf links: Wer da« Volk nicht zu Ihnen!— Sehr richt-g! links.) Aber Lersassungs- ändseungett dürfen niemals nach der augenblicklichen Zusammen- setzung des Volles vorgenommen werden, sondern sollen wiederum für Jahrzehnt« gelten.(Sehr richtig! rechts.) Es mutz eine ver- ständige Wahrnehmung dm öffentlichen Angelegenheiten möglich sein und eine jede BcrsassungSresorm muß den Interessen des Staates und den Wünschen des Volle? entsprechen. In diesem Sinne sind wir zur Mitarbeit bereit. Ich bringe aber die etnstim- mige Meinung meiner politischen Freunde zum Ausdruck, wenn ich sage, daß unS ein gleiches Wablrccht nicht als ein« geeignete Grundlage erscheint.(Sehr richtig! rechts.— Hört, hört! knks.) Wir werden die Vorlage zu verbessern suchen und unsere schließliche Entscheidung danach einrichten. Wir schätzen die Person und die Fähigkeiten des Grafen Herk- ling, aber es wäre uns Preußen doch angenehmer gewesen, wenn e:« Preuße preußischer Ministerpräsident geworden wäre.(Sebr rich- !ig! rechts.) Wir werden seine Handlungen abwarten und danach nnsere Entscheidungen treffen. Die Art. loie Graf Hertling sein Amt angetreten hat. hat bei uns große Bedenken hervorgerufen. (Sehr richtig! rechts.) Wir wollen uns ganz offen darüber ms- sprechen. Der Ministerpräsident hat sein Amt erst angetreten, als er da» Plazet einer Reichstagsmehrheit erhalten hatte. DaS können wir nicht für zulässig halten. Selbstverständlich muß ei» Staatsmann mit de» politischen Faktoren Fühlung nehme» und es war vielleicht ein schwerer Fehler des Dr. Michaelis, daß er eine solche Fühlungnahme unterlassen halke.(Hört, hört! links.) Aber es besteht doch ein großer Unterschied zwischen einer solchen Fühlungnahme und der Unterwerfung unter das Diktum einer Parlamentsmehrheit(Abg. Adolf Hofs- mann: die»icht k»nscrv«tiv ist!— Stürmische Heiterkeit.) Ich würde das auch dann für verkehr! hallen, wenn wir.Konservative bei der Mehrheit sein würden.(Heiterer Widerspruch links.) Wir sehen in der Art der Berufung des Reichskanzlers eine Beeinträchtigung der Befugnisse des Trägers der Krone.(Sehr richtig? recht?.) Wir befinden uns mit dieser Entwicklung auf dem direkten Weg zur parlamentarischen Regierung. (Sehr richtig! links.) Wenn wir eine parlamentarische Regierung gs- Hütt«, wo wä« da Preußen?(Schr gut! rechiö.— Urümhe links.) Wir machen diese Entwicklung nicht mit. denn, was wi worden sind, verdanken wir unserer starkmonarchischrn konstitutionellen Verfassung. Das Beispiel anderer Länder reizt nicht zur Nachahmung. Wir stehen an einem Wendepunkt der Geschichte. Es wird schwer sein, der Entwicklung Einhalt zu gebieten. Ist es doch schon bei uns so West gekommen, daß Dr. Michaelis seinen Abschied nehmen mußte, nur weil er sein Amt ohne Befragung der Reichstags- Mehrheit angetreten hatte.(Hört, hört rechts.— Lebhafter Widerspruch links.) Die Reichstags Mehrheit hat die Entlassung des Staatssekretärs Helfferich und seine Ersetzung durch eine andere, rein politische Persönlichkeit verlangt und auch gefordert, daß der verdiente stell- vertretende Ministerpräsident von Breitenbach seinen Platz einem anderen einräumen sollte.(Hört! hört!) Der Reichskanzler hat sich dem schließlich fügen müssen. Dahin sind wir gekommen, daß di« Minister und Staatssekretäre nicht aus dem freien Willen und der Machtbefugnis der Krone gewählt werden, sondern daß andere Leute bestimmen/wer entlassen werden soll.(Zuru links: Früher hatten Sie das Borrecht!) Auch der frühere Minister- Präsident und Reichskanzler Herr von Bethmann hat ein volles Verständnis für die Interessen Preußens nicht besessen. Durch die Reflelmig der elsaß-lothringische» Frage sind die preußischen Stimmen im Bundesrat in einer Weise beschränkt worden, die ganz entschieden gegen da? Interesse Preußens war. Dafür hatte man nur die Begründung, daß Preußen ein Opfer bringe« müsse. Das ist keine staatsrechtliche Begründung. Wohin sind wir i» Preuße« gekommen? Wir haben einen Ministerpräsidenten, der k« i n P r e u tz e ist, und wir haben einen Württemberger, der die preußischen Stimmen im Bundesrat vertritt und der zugleich Bertrauensmann der Fortschrittspartei und ber Sozialdemokratie ist, und wa? noch schlimmer ist, die preußischen Gesetze werden nicht mehr in Preußen, sonder« im Reichstag gemacht. In der letzten Zeit ist uns von der Regierung gedroht worden, wenn Ihr Euch etwa weigern würdet im preußischen Abgeordnetenhause diese Dinge anzunehmen, dann sollt Ihr einmal erleben, was geschieht Tie Herren im Reichstag bestimmen, und wir haben zu parieren. Wenn Ihr das nicht tut, dann fliegt Ihr einfach Ich will mir nicht die Stimmen zu eigen machen, die sagen: Bei dieser Entwicklung fühle man sich als Preuße im Deutschen Reiche beinahe verraten und verkauft(Sehr richtig! rechts, Unruhe links.) Es ist unser Recht, auch zu den großen außenpolitischen Fragen Stellung zu nehmen, namentlich, wenn es sich um Sein oder Nichtsein handelt Ich muß dem Bedauern meiner politi- schen Freunde Ausdruck aeben, daß der Ministerpräsident und Reichs- kanzler, ehe er seine Stellung antrat, sich einem Programm unterworfen hat, wie esderReickSkanzlerim Juli dieses JahreS festgelegt hat und welches für ein« politische Friedens- gestaltung de? Deutschen Reiches eine solche ohne Annexionen»nd ohne Entschädigung lediglich nach Verständigung vorsieht. Der deutsche Friede muß auf der Grundlage der«ilitärrschen Erfolge, die wir errungen haben, und der Opfer, die wir gebracht hoben, ge- schlössen werden(Zustimmung rechts.) Unser Deutschtum mutz in erster Linie bestimmend sein für die Grundlagen der Beendigung dieses Krieges. Auch wir wünschen dringend den Frieden, aber wir wollen ihn»icht durch eine Schwächung der Sicherung unserer Grenzen, nicht durch Schwächung unserer Wirtschafispolitik und durch eine Schwächung der auswärtigen Macht Preußens und der deutschen Zukunft erkaufen.(Beifall rechts.) Bezüglich der Entwicklung der Verhältnisse ati unserer Ostgrenze möchte ich der Regierung zwei Punkte zur Beachtung empfehlen. Die unbedingte Sicherung unserer Grenzen müssen wir in deutscher Hqnd behalten. die ivollen- wir nicht fremden Imtionen anvertrauen.(Zustimmung rechts.) �Sodann erfüllt die Heyen mancher guten Preußen mit großer Sorge, welches die Einwirkung der politischen Vcrhä?)iisse an der Ostgrenze aus die innerpoliti schen preußischen Dinge sein wird. Die Tragweite einer solchen Einwirkung ist gar nicht abzusehen. Sie kann so weit gehen, daß sie die Sicherheit unseres preußischen Staates bedroht. Die Rechte der preußi- schen Bewohner� der Ostprovinzen dürfen nickt in Frage gestellt werden. Ick möchte dem Ministerpräsidentelt die preußischen Ge- danken, die ich ausgesprochen habe, ans Herz legen. Es kommt dar- auf an. ob das Volk und seine Kraft widerstandsfähig genug find. sich empor zu arbeiten und läutern zu lassen nach außen und innen. Wir glauben an die Gesundheit und Zükunst unseres preußischen Vaterlandes. Das leitet unS in Wirklichketi. Komme, was wolle! («türinischer Beifall rechts, Widerspruch und Zischen links.) Mmrfterpräsident Tr. Graf V. Hertling: Die Worte des Borredners nötigen mich doch zu einer kurzen Erwiderung. Ich möchte zunächst betonen, daß ich für eine offene .kusspracke jederzeit dankbar bin und onerkennen. daß die offene Aussprache des Vorredners mir gegenüber durchaus auf einen Ton :er. Freundlichkeit gestimmt war.(Zustimmung rechts.) Aber die Auffassung, die der Vorredner über die Vorgänge vorgetragen hat. dre meiner Berufung auf die Stelle, auf der ich stehe, vorangegangen sind, entspricht jedenfalls nicht v, e i n e r A u f- s a f f u n g. Di« war die Sache? Seine Majestät der Kaiser hatten bereits am 1ä. Juli die Gnade gehabt, an mich die Anfrage zu rich ien, ob ich bereit sei, das verantwortungsvolle Ami des Reichskan; lers zu übernehmen. Nach ernsthafter Ueberfegung habe ich damals geglaubt, diesem Rufe n i ch t s o l g e n zu sollen. Unter noch schwie- rigeren Verhältnissen hat Seine Majestät im Oktober die Anfrage wiederholt Wie war die Loge? Die politische Lage im Innern war äußerst»erwirrt Di« Aufgabe, die ich übernahm.>var, zu emer friedlichen Zusammenarbeit zwischen Reichs- t a g un d Reich sleituitg zu gelangen. Unter norntalcn Ver- Hältnissen, im ftr ieden. würde mau sich einfach überlegt haben: Kannst du das wohl machen? Wie ist die Situation?, und würde sich nach eigener ruhiger Ifeberlegung zum ja oder nein entschlossen haben. Unter den außerordentlich komplizierten Verhältnissen, unter denen an mich die Anfrage gekommen war. war gar nichts a»deres möglich, als daß ich mich mit tuwschiedenen Mitgliedern verschiedener Parteien— und der Borredner wird wohl wissen, daß ich«ich zu allererst an ei» Mitglied sei«er Partei se«e»det habe (Sehr richtig!), das möchte ich nur nebenbei erwähnen—. ich sage, daß ich dazu kommen muß!«, mich mit den Mitgliedern de» Reichstaas ins Benehmen zu setzen. Nun hat der Vorredrier gesagt, ich hätte mich gleichsam durch diese Verhandlungen aus ein Programm festgelegt Das kann ich in dieser Weife nicht anerkenne», sofern darin der Godau kc auSgr- spräche» sein sollte, daß ich mich auf ein Programm festgeiegt Härte, das«einen eignen hierher»itßebrachte«»»litische» A»sch«»«nge» »icht entspreche» hätte.(Hört, Hort! DaS war«irbt der Fall. Ich habe keine Konzessionen gemacht, hie meinen politischen Gejirinun- gen irgendwie widersprochen habe« würden. Ich lxrbe mir Sie Sitnatum genau angesehen, und nachdem ich mir Bedenkzeit äüL- gebeten hatte, habe ich dann geglaubt. Semer Majestät sagen zu können: Run wohl, ich werde versuchen, ob ich diese Vertrauens- Mission ausführen kann. Die Vorschläge, die ich Seiner Majestät moäjie, waren mir nichtabgenötigt.e? waren lediglich solche, die ich auf Grund der bekommenen Kenntnisse der politischen Ber- häliniffe als notwendig ansah.(Beifall.) Daß sie dazu an- fetan gewesen seien, da? Ansehen der Krone herabzu- e tz e n. weise ich ganz entschieden zurück. Ich bin mein Leben lang entschiedener Monarchist gewesen und will als Mon. archist sterben. Ebenso entschieden weise ich es zurück, daß ich die Hand dazu biet«, den föderativen Charakter des Reiches zu beein- flufsen. Ich habe na Reichstag auSgesptochr«, daß die d« geschichtlichen Entwicklung des deutschen Volkes entsprechenden Grundlage» der Reichsverfassung nicht berührt werden sollen. Was die auswärtige Politik betrifft, so möchte ich mich aus meine Ausführungen im Reichstag berufen und nament- lich im jetzigen Moment irgendwelche weiteren Aussagen darüber nicht machen.(Sehr gut! links) Ich werde keinem Frieden zu- stimmen, der nicht eine bündige Sicherung der Grenze« d«S Deutschen Reiches und des preußische» Staates mit sich bringt (Beifall.) Wg. Dr. Pachnicke(Vp.): Der Ministerpräsident und der Minister deS Innern haben die Notwendigkeit der inneren Zteugestaltung mit einer Bestimmtheit und Festigkeit betont wie sie nicht mißverstanden werden kann. Sie betrachten das Königswort nicht als eingelöst, wenn sie die Vorlage eingebracht und vertreten haben, sie wollen auch das äußerste daran setzen, das preußische Wahlrecht zustande zu bringen und haben in Aussicht gestellt, alle zur Verfügung st eh enden verfassungsmäßigen Mittel anzuwenden. Der Energie des Wortes folgt hoffentlich auch die Energie der Tat. Dann wird sich das Vertrauen des Volke? zu dem Kabinett Hertling nur noch erhöhen. Die Regierung stellt alle Möglichkeiten in ihre Rechnung ein. auch schwere Erschütterungen. Ich füge hinzu, schwere Erschütterungen für den Fall, daß die Be- ratung sich über Gebühr hinausziehen und man versuchen sollte, eine Verstümmelung oder Vereitelung des Reformwerkes zu erreichen. Die Ankündigung des gleichen Wahlrechts war ein Ventil für die Spannun- gen, wie sie in einem langen Kriege entstehen. Wehe der Hand, die dieses Bentil wieder zu schließen versucht.(Lebhafte Zuitim- mung links.) Die Regierung wird alle ihre Machtmittel einsetzen müssen, wenn das Parlament versagt. Die Konservativen wollen Fortschritte im Abgeordnetenhause mit Rückschritten im Herren- hause erkaufen. Heute erkannte Herr v. Hehdebrand Schatten des Wahlrechtes an, noch 1816 klang es anders, damals war das Wahlrecht„fast ideal". Wir Wersen die Mitarbeit der Konser- vativen mit der größten Aufmerksamkeit verfolgen. Dazu zwingen uns die Erfahrungen bei der letzten Wahlreform. Dem bestehenden Wahlrecht noch ein Wort der Kritik zu widmen, lohnte sich kaum. Die Konservativen betrachten die Wahlrechts- Vorlage vom Standpunkt der Parteipolitik aus: wieviel gewinne ich. wieviel verliere ich? Stach dem Kriege wird das Voll von größerem Selbstbewußtsein erfüllt sein.- Die Kämpfer waren gleich vor der Granate, sie wollen auch gleich vor dem Gesetz scur. Der Redner verliest Aeußerungen der Professoren Laband, Del- brück, Hintze, usw. zugunsten des gleichen Wahlrechts. Auch Beth- mann Hollweg war dafür. Wir danken es ihm, daß er die Krone so beriet. Der Historiker der Zukunft wird ein anderes Urteil über Bethmann fallen als seine Widersacher von heute. Auch die nationalliberale ReichStagsfraktion ist für die Reform. Freilich. einige Nationalliberale hier sind dagegen. Zur rechten Zeit hat der nationalliberale Abgeordnete Blanckenburg in der Berliner Börsenzcitimg an Aeußerungen des Abgcordcnten Fuhrmann im Jahre lllC)? erinnert, der damals von einem elenden, verlotterte» und blödsinnigen Dreiklassenwahlrecht sprach.(Hört? hört!) Der Redner wendet sich gegen das Mehrstimmenrecht Will man eS wagen, Kriegsgewinnlern Borrechte einzuräumen? Herr v. Pvtitamer erklärte, daß die Anhänger deS gleichen Wahlrecht» an die Laterne müßten. Diese Angriffe richten sich gegen die Krone denn der Monarch hat sich selber für daS gleiche Wahlrecht eingesetzt Sonderbare Rohalisten. die das verdammen, was der König will, die die Krone vor der Krone retten wollen.(Sehr gut! linlS.) Gefährdet ist nur die- k o n s e r v a t i v e Partes der Einfluß des Grundadels, das geben w>r zu. Wir haben es aber satt, uns von Junkern regieren. zu lassen..... (Beifall links.) Wer will bestreiten, daß die Demokratie sich in England bewährt hat! Und hat das demokratische Frankreich nicht eine bewundernswerte Energie aufgebracht? An Rußland hat sich dos Wort bewährt: die Völker schreiten fort, die Verfassungen stehen still, das ist der Grund der Revolu- tionen. Mit tiefem Groll verfolgt Herr v. Hehdebrand die Vor- gänge im Reich. Die Entwicklung der Tinge in Preußen und im Reiche sind keine Eingriffe in veriassungkmäßige Rechte der Krone. Ist es denn richtiger, daß unkontrollierbare Einflüsse zur Enlschei- duna beitragen als wenn Leute mitwirken, die Bescheid wissen? Im Reich hat sich eine Mehrheit gebildet, hoffentlich findet sich auch in Preußen eine Mehr he't für diese Vorlagen zusam- me». An unS soll eS nicht fehlen!(Zustimmung links.) Herr v. Hehdebrand hat weiter die Friede nSresolution des Reichstags in die Debatte gsgogen, wo doch äußerste Zurückhal- tung geboten ist, wenn man die Friedensverhandlungen nicht stören will. Mit alldeutschem ErobcrungSgercde stärkt man nicht die FriedenSncigung der Gegner. Tie Vater- landspartei verschärft die inn-ren Gegensätze und ruft neue her- vor. Sie will die Wohlresorm verhindern, das ist ein Angriff gegen die Krone selbst.(Sehr richtig! links.) Wir dürren das Schiff nicht so scktner belasten, daß eS untersinken könnte. Deshalb stellen tvir die Fragc emer G e sä m t r e f o r m der Wahl- kreise cinsttveilen zurück ebenso das Gemeindewahlrech,t. (Aha! reckt«.! Der n-no Landtag wird das besser macken als der jetzige.(Heiterkeit recht?.) Mit der H e r r e n h a u S v o r l a g-e wird uns eiue hohe Rechnung für das gleiche Wahlrecht präsentiert Da taucht die Frage auf. ob für Preußen über- Haupt ein Herrenhaus notwendig ist. Wir haben ja schon zwei Stellen für die Gesetzgebung da» Abgeordnetenhaus und die Krone. Mindestens muß das Herrenhaus modern ausge- staltet werden. Man kömite auf die im Jahre 1848 vorgesehen« Form einer Wahllammer zurückgreifen. Tie Mitgliedschaft sollte zeitlich befristet werden. Es fehlt ein Präsentationsrecht ftir die jüdische Religionsgemeinschaft, für die Handelskammern, für Aerzte, Künstler und Presse. Die Uplenruse werden bald vor der Oerfent- lichkeit verstummen. Es wird sich bewahrheiten, daß ein größeres Maß der politischen Freiheit mit der preußischen Eigenart genau so vereinbar ist wie mit der Eigenart aller gebildeten und reifen BSlker.(Lebhafter Beifall links.) Abg. Dr. Porsch(Ztr.): Die inuerpvlilischen Geschehnisse der letzten Monate kann auch ich nicht sämtlich nrtt ungemischter Freude ansehen. Aber die Tatsachen können nicht ungeschehen gemacht werden. Ter Borwurf des Abg. d. Hehdebrand gegenüber dem Ministerpräsidenten über eine Hintansetzung über die Interessen der Krone findet keine sachliche Begründung. Graf.Hertling ist auch nicht der erste baye- rische Mtnifterpräfident der Ministerpräsident in Preußen geworden ist. In der Gestalt Chlodwig Hohenlohes hat er bereits einen Vorgänger gehabt Das Zentrum hätte gewünscht daß die Wahlreform in einer ruhigeren Zeit gekommen wäre, weil sie keineswegs geeignet ist. die Einigkeit und Geschlossenheit der inneren Armee zu festigen. Wo nun aber die Vorlage erfolgt ist müssen wir ohne Zaudern die Arbeit erledigen. In seinem Wahlaufruf von 1913 hat das Zentrum sich für die direkte Wahl ausgesprochen, aber die Frage offen gelassen ob es em g l e ick e s oder ein ab--. g e st u s t e S Wahlrecht baben wollte, weil die Ansichten unserer Wähler und auch der Zentmmsmitgliedcr dieses HauseS hierüber geteilt war. Ein Teil meiner Frrunbe hat sich fetzt für da» gleiche Wahlrecht auS- gesprochen. Der andere Teil macht seine Stellungnahme von de« Ergebnisse« her B«rha»dlimse« de? Ausschusses abhängig. S5tr m«Ä4* f»in V e s c r für unfexe br a»s« Feldgrauen draußen, auch mckt für unä ba&ftat(Äbg. Molf Hoffmann sUnabh.f- TaS sind nur Worte!)— Auch Tie können in diesem Ttadium der Beratung nur Wort« machen.(LebftaHe Zustimmung.) 5rf)»tröittc mix derartig« Bemerkungen. Wir machen kein Äesetz für die Aegeniuart. sondern für unabkehbar« Zeit. Freiheiten, die einmal hrmilligt sind, kann man kaum wieder zurücknehmen. Zwischen Demokratisierung in dex Ichcoti« und Praxi» besteht auch ein großer Unterschied. Bei demokratischer Herrschaft müssen wir au»reichenden Schutz sux die kulturellen Interessen haben. DaS müssen wir im Audschuh vrüfen. Der Borredner Hai vorgeschlagen, zwei Ausschüsse ein- zusetzen Wir holten da« bei diesen drei Zusammenhängen der vorlagen für unzweckmäßig. De«hald beantrage ich, die drei Sarlagen einem einzige»«utzschussr don LS Mitgliedern zu überweisen. Irgendwelche Verschleppung«- ablichten liegen uns durchaus fern. Wir hoffen, daß auck weiterhin preußisch« Angelsqcnbciten lediglich durch preußische Instanzen ent- schieden werden.(Vctsall.) Präsident Graf Schwcrin-Löwitz: Hch habe dem Hause eine erfreuliche Mitteilung zu machen: An der Front des Erzherzogs Leovold und der Heeresgruppe Mackensen dehnen sich die Waffenstillstandsverhandlungen auch auf die rumänischen Truppen aus.(Lebhafter Beifall.) In dieser Nachricht können wir eine gute Vorbedeutung für die heutigen Vcr- Handlungen erblicken.(Lebhastcr Beifall.) Donnerstag!1 Uhr: Weiterberatung. 1 Schluß 4 Uhr._ Brk«r Staöthagen. Ter Abgeordnete für den Groß-Derlincr Reichstagswohlkrcis Niederbarnim. Srtur S t a d t h a g e n. ist am Dienstag gestorben. Ttatlhagen, desien Leben mit der Berliner Arbeiterbewegung auf« engste verknüpit ist, war am 28. Mai lKb? in Berlin geboren, hatte hier das Gvmnasium besucht, dann die Rechte studiert und schon in jungen Jahren den Weg zur sozialdemokratischen Partei gefunden. Er wurde Rechtsanwalt, aber wegen feiner politischen Tätigkeit und seiner scharf kritischen Stellungnahme zu den be- stehenden RecktSliistitutionen schon 1892 aus dem Rechtsanwalt» stände ausgeschlossen. Sein Leben gehörte nun erst recht ganz der politischen Arbeit. Schon 1890 war et in den Reichstag gewählt worden, wo er namentlich in juristischen und sozialpolitischen De- batlen hervortrat. Ebenso gehörte er viele Jahre der Berliner Ttadtverordnetenvnsammlung an. Schließlich redigierte er diele Jahre long, mit einigeil Unrerbrechnngen, im.Vorwärts' die Sparten „Soziales" und.Gerichissaa!". ES gab keinen Winkel in der Albciterbrwegung Groß-BerlinS, in dem Stadthagen nicht zu Hause war. Man kann sagen, er war, wie wenige andere, ein aus- gesprochener Berliner Sozialdemokrvt. Rur einmal, abgesehen natürlich von sein», ReichStagSreden. greift seine Tätigkeit über da» Berliner iSebtet weit hinaus, da- malS nämlich, als er sein„Arbeiterrecht' verfaßte, da» vielen Arbeitersekretören und Arbeitern im ganzen Reiche ein wertvoller Ratgeber geworden ist. Siadthage» genoß in Berlin und besonder» in seinem Wahl- kreise groß« Volkstümlichkeit, die er vor allem einer ständigen engen Beziehung mit den Massen verdankte. Unermüdlich bearbeitete er seinen ungeheuren Wahlkreis, kein Dorf war ihm zu klein, kein«kreis zu eng, um in ihm zu sprechen. Seiner Krankheit, einem schweren Luiigenlciden. widerstand er mit eiserner Natur. AIS die Tpaltnng kam, war es für keinen eine Ueberraichung. daß Ttadthagen seinen Platz bei den Unabhängigen wählte-und daß er im Streit der unermüdlichst« Rufer wurde. In den Partei- wirren des JahreS 1918 mußte er auch seinen Platz im„Vorwärts' räumen, und so kam«S, daß er im letzten Jahre der alten Partei und ihrem Zentralorgan ganz gewiß nicht mit freundlichen Gefühlen gegenüberstand. Daß Stadthagen in der Partei nicht nur diele sachliche, sondern amb persönliche Gegner hatte, und daß er ein persönlicher Gegner von vielen war, daß•— vielleicht schon eine Folge seiner Krankheit— seine Art zu polemisieren den Zug zur Größe oft entbehrte, das braucht auch in dieser Stunde nichr vergessen zu werden. Aber das kann un» nicht daran hindern, seinem unermüdlichen Eifer im Dienst der Arbeiterbewegung und seinem guten Willen, ihr zu dienen, gerecht zu werden. veranttvsrtung für öen Konflikt. Die Lage in PreuFeu. Die gestrigen AbendSliitter versehen die Wahlrechts- 5 e b a t t e zumeist nur mit stiuimungSbildncrischer Umrahmung. Auf den Kern der �ragc geht nur, natürlich in ihrer Art, die„Deutsche Tageszeitung' cm. indem sie am Schluß einer längeren Volemil gegen den Minister de?» Innern sol- gendes auSsührt: Aber auch abgesehen davon, mußte sich u. S. die Staat»« regierung unbedingt auf den von der Verfassung vor- gezeichneten Standpunkt stellen, daß nicht sie allein über VerfasiungSfragen zu entscheiden hat, daß sie vielmehr auf eine Verständigung mit den gleichberechtigten Faktoren der Gesetzgebung angewiesen ist; sie mußte da» umsomehr, al» die vorliegenden Fragen, wie der Ministerprästdent mit Recht chetonte, GewissenSfragen find. Eine einseitige Vergewaltigung in solchen Fragen darf es nicht geben; keine Partei, die sich für den Staat und feine Zukunft wirklich verantwortlich suhlt, darf sich in diesen Dingen vetgewaliigen lassen. Wenn ei durch«ine solche Haltung der Regierung zu einem Konflikt kommen sollte, so würde die volle Schuld und Bcran'.wortung auf die StaatSregierung zurückfallen. Tie staatsrechtliche Lage des Falles haben wir schon gestern, wie wir glauben in völlig einwandfreier Weise dargelegt und finden diese Darlegung durch die Rede des Münsters be- stciiigt. Durch die Wahlrcchtsbotsckiaft vom 11. Juli ist eine Wahlreiorm. die nicht daS gleiche Wahlrecht bringt, für den dritten Faktor der Gesetzgebung, für die Krone, und für ihre verantwortliche Ziaigebenn, die Regierung unannehmbar geworden. Sin Gesetz kann also auf anderer Crundlagc als der des gleichen Rechts nicht zustande kommen. Dem Abgeordnetenhaus bleibt aber die Freiheit, die Borlage abzu- lehnen und sich damit für daS Fortbestehen des Dresklassenlvahlrechtk. auszusprechen. Die Verantwortung für einen solchen Beschluß tragen dann natürlich die. die ihn gefaßt haben, sie tragen auch die Verantwor- t u n g für die Folgen, die sich auS ihm ergeben. DaS ist der klare Tatbestand, den die»Deutsche Tages- geiiung" vergebens zu verschieben sucht. Der Kampf ums gleiche Wahlrecht. Agrarier, Schwcrindustrielle, Hausbesitzer gegen Kriegs- «eiluehmer und Kriegsbeschädigte. D« Bund bee Landwirt», der Reichsdeutsche IHtte-kstzandS-beeband, die Peveini-gung dex deutschen Vauernverei»« und der Zen tr«' v«xh o v d deutscher Industrieller Hab« eine gemeinsame©nfstfiTi-eßunz gegen daS gleiche Wahlrecht angenommen. DaS nämliche Hot der„Dchutzverdand für den deutschen Grundbesitz' für sich olle« getan. Alle' diese Verbände verlangen, daß nicht die Kopf- zahl, sondern die„volksmirtschastlick« Bedeutung der Serlistffchichteti" (lttS: da» Portemonnaie) entscheide. Dagegen ersucht der Bund der Kriegsbeschädigten undehemaliggn. Kriegsteilnehmer. der in über drei» hundert Orten Deutschland» Lausende von ehemaligen.KriegSteil- nehmern und Kriegsbeschädigten umfaßt, in einer Eingabe daS AB» göordnetenhauS, unerschütterlich an dem GrundsatzdeS glci- chen Wahlrechte festzuhalten und jeden Vorschlag eines abgc- stuften Wählrechts zurückzuweisen. In der Begründung heißt cS: Dts gleiche Wahlrecht ist das einzige Wahlrecht, das Zeos Zurücksetzung und Bmachteilkgung der Kriegsteilnehmer aus- schließt. Jedes abgestufte Wahlrecht würde zur Folge haben, daß Einkommen, Besitz, f er orale Bildung und ähnlich? Faktoren über die persönliche Aufopferung eines erhevlichen Teils der Kriegöteilnehmcr gestellt würden. Weiter wendet sich die Eingabe gegen die Herauf- schungdeSWa hl alters und die Bedingung einjähriger OrtSanfässigkeit: Gerade die Kriegsteilnehiner werden nach ihrer Heimkehr in besonder« großer Zahl zu einem Wohnungswechsel gezwungen seilt. Vielfach haben sie ihre bisherigen Wohnungen misgesen müssen, vielfach können sie ihre frühere Arbeitsstelle nicht wieder auftiebmen. Diese und andere Folgeerscheinungen langer Ab- Wesenheit werden einen massenhaften Wechsel des Wohnorts bei den Kriegsteilnehmern bedingen.... Der Ausschluß zahlreicher Kriegsteilnehmer von der Wahl- bereckittgung aus Gründen, deren letzte Wurzel in der Erfüllung der Wehrpflicht liegt, wird zlvcifelloS große Mißithmnung unter diesen erregen und die Befriodiyung über die Einführung de» gleichen Wahlrechts wieder aufheben. Schließlich fordert die Eingabe Bestimmungen, durch die den Siechen, Gelähmten usw. die Ausübung de» Wahlrechts crmög- licht wird. Kriegsspeisezettel eines Munitkonsfabrikanten. Unser Elbcrfelder Parteiorgan, die„Freie Presse', vcr- öffentlicht folgendes Dokument aus großer Zeit; Speisen- Folge: Geflügilpastete. 1�18 lllßinaniiShäiiser. Kraftbrühe mit Martschnilten. Forellen blau mit frischer Butler und bergtsche Nieren. 1(118 Bernkasteler Nosenborg. 1911 Rüdesheimer Berg Burgweg. Stangenspargel mit Schinken. 1911 Enkirchner StephanSberg. 1011 Rhaungauer Hecrntrunk. Rostbralen mit Salat, frischen Kartoffel» und verschiedenem Kompott. 1914 Rüdeöheimer Berg. 1915 Braunederger. Eis— Tiivöe. Käseplatt». Molka— Backwerk. Obst. Das ist die Speisenfolge eines Dineis zu G) Gedecken. das der Elberselder MunitionSlabrikant Rudolf Stachely am 24. Rv�mber aus Anlaß seiner silbernen Hochzeit gab. Z.E.G. Die.Zentrol-EinkaufSgenossenschaft' wehrt sich in einer Erklärung gegen die Behauptung des konservativen Landtags- adgeordneien Hammer, sie habe oft beichlagnahmte Waren mit'50 bi» 100 Proz. Aufschlag weiter verkauft. Die Z.E.G. erklärt da- gegen, daß sie kein Erwerbsinstitut ist. Die Preisunterschiede«r- klärten sich daran?, daß die Käuser, deren gesetzwidrige Einfuhr beschlagnahmt worden sei, im Ausland einen'viel zu hohen Preis bezahlt hätten. Bürgermeisterwahl in Hamburg. Der Senat hat den Bürger- meister Dr. v. Melle zum ersten Bürgermeister und den Senator Dr. Schroeder zum zweiten Bürgermeister für 1918 gewählt. Der Verband deutscher Handlungsgehilfen teilt unS mit, daß die „Arbeitsgemeinschost der kaufinännuchtn Verbände' mit den Vor- schlagen der gewerkschaftlichen Angestellten- und ArDeiterorganiia- -.ionen zum ÄrbeitSkammergesetz nicht einverstanden ist. soirdern die Errichtung besonderer Kaufmann skommcrn verlangt. GrofrBerün | Tie Generalversammlung der Kons»mgc»r»ffe«schaft wurde am DienStng sortgesetzt und noch nicht beendet. Wieder waren die Teilnehmer so zahlreich, daß sie den großen Saal de? LehrerdereinshauseS fülllen. Aus den in der vorigen Bertammlrmg vollzogenen Ergänz ungswahlen zum SuffichtSrat konnte das Ergebni« der Wahle» der sechs Ersatzmänner erst jetzt mitgeteilt werden. Gewählt ist mit lOZO�-lOZI Stimmen die Lifte der Opposition(Friedrich KoÄ. Helene Thomas, Wilhelm Fretsthaler, Hermann Müller, Adolf Hofsmann, Leopold Jaku- bowSti). während auf die vom GenossenschastSrat vorgeschlagene Liste 861—379 Stimmen fielen. In der Fortsetzung der Debatte über die Berichte de? Vorstandes und de» AussichtSrat« hob der erste Redner Hugo Poetzsch hervor, daß durch die Beschlüsse der vorigen Versammln,':g eine un- gewöhnliche Lage aeichaffeu worden sei. Man habe die Wahlen voll- zogen, bevor Entlastung erteilt wurde, und habe dann Entlastung erteilt, bevor die Kritik der Geichästsführung beendet war. Gegen- stand der Erörterung waren wieder die tn den früheren Berkamm- lungen berührten Haupipunkte, der Verkäuierinnenftreit vom viärz dieses Jahres und die Frage des Siebenuhr-LadenichlusieS. Daneben wurden diesmal mehr al? bisher auch Beschwerden über den VerkansSbetrieb und über die Darenbeschaffenyeit vor- gebracht. Ein Redner beantragt« eine MißtrauenScrklärung gegen den AusfichtSralSvorsitzenden Güttlcr und gegen das Vorstandsmitglied MtruS. weil man ihn infolge von Diffe- renzen mit dem Lagerhalter der Verkaufsstelle feines Be- zirkS vom Kauf in dtsfer Verkaufsstelle airsgefchloffen habe. Er zog den Antraft zurück, nachdem MiruS die Attanffr beantworte» und Güttier erklärt hatte, daß der Beschwerdeführer nach eigenem Wunsch an eine andere Verkaufsstelle überwiesen worden sei und seiner Rücklehr in die Verkaufsstelle seines Bezirks nichts im Wege steh«. Schon zu Beginn der Versammlung waren noch mehrere Anträge eingegangen. Gegen die Geschäftsführung de» Vorstände« und de? AufsichtSra!» wandte sich ein Antrag der Mitglieder- Versammlung einer Verkaufsstelle. Utrier anderen fordert« iur von der Verwaltung klare Borichriiten über die Kassen sührung. um Schädi- gungeu zu verhüten. Ein Mitglied beantragte, vom GeschästSjahr 1918/19 ab keine Rückverttütung mehr zu zahleu, wodurch man die Eintragungen. Marlenzählungen uiw. überflüssig mot&e», also Arbeit und Geld sparen werde, so daß die Angesiclltenlöhnc erhöht und die Warenpreise ermäßigt werden könnten. Der Antrag eines Mitgliedes„verurteikte die emfeitige Stellungnahme im Partei- streit', wie sie durch das Barlehn an die„VorwärtS'�Druckerei dargetan fei, und verlangte sofortige Kündigung des Dar lehn?. abgestimmt wurde noch über keinen dieser Anträge. Räch drei- siiindiger Verhandlung teilte nacht« um 11 Uhr ver Vorsitzende Gürtler mit, daß in den bisherigen drei Versammlungen bereit» 23 Redner gesprochen hatten und noch 25 Redner gemeldet waren. Man verlangte, nun zunächst den Antrag über die Zurückiorderunq des„BorwärlS'-DarlehnS zu erledigen. Dazu bemerlte Adolf Hoff- mann, es bestehe die Gefahr, daß dieses Geld der Konsumgenossen- scharr verloren gehe, weil nach dem Krieg« die Berliner Arbeiter- sckatt ein andere? Blatt gründen werde. Danach führte ein Streit zwischen zwei Mitglievertt zu so starker uuv anhaltender Uutuhe, daß der Vorsitzende die Versammlung schloß. Dazu sei folgende? bemerkt: So wenig der Bvtzkou der Un- abhättgrgen den..Vorwärts" ider übrigens mit der..Vonvärt?'- Druckerei nicht zu verwechfcln ist) daran gehindert hat. feine Auflage zu st e i g e r n, so wenig wird die Gründung eines SlatteS der Unabhängigen dem..Vorwärts' und der..DorwiirtS'-Druckmi de» Lebenslicht ausblasen. Auch wenn sich da» zukünftige Blatt der Unabhängigen gut entwickeln sollte, was im wesentlichen von der Art setacr RedaktionSsübrung abhängen wird, so bleibt Berlin doch rnr zwei sozialistische Blätter groß genug. Ein Wettbewerb zwischen ibnen könnte sogar beiden zugute kommen. sallS er mit rechtschaffenen Mitteln geführt wird und nicht durch ödes Gc- zänt, wie cs leider wieder auch in der Aonsumgenosienfchaft de- liebt wurde, die Leser verscheucht. Ter Wund der technisch-industriellcn Vcamtcn sur den Bürgern uöschust(Srosz-Berlin. Oberbürgermeister Do m i n t k u S lBerltn-Schonederg) sprach gestern abend in den Gcrmania-Prachtsälen vor einer vom Gau Berlin deL Bunde? der technisch-industriellen Beamten einberufenen öffentlichen Versammlung Über die Zersplitterung Groß-BerlittS. Der Vortrag irrnrb« mit großem Betfall autgenommen. Tie sick? nnschließende tzluSsprache endete mit der Anuabme einer Eni- ttfnteßung. in welcher die Versammlung die Gründung eine.- Lürgerausschttjsc« begrüßt, sich mtl seinen Leitsätzen einverstanden erklärt und dem Beschlüsse Ausdruck gibt, dem GeiieralauSschtiß der Ortsgruppe Berlin des Bunde» der tcckmtsch-industricllcn Beamten den korporativen Beitritt zum BürgerauSschutz zu empfehlen. LedeuSmittel für Kinder und Jugendliche. Die Stadt Berlin gewährt Kindern, die v o m 1. I a n u ar 1 9 1 S b i» zum 81. Dezember 1910 geboren sind, einmalig je etioa 250 Gramm Keks, und zwar auf Grund von Bezug- scheinen, die in den Brottommtsfionen vom 0. 6t» 9. Dezember ausgegeben werden. Die Auvgabe der Bezugscheine für olle 4 Jahrgänge erfolgt gleichzeitig. Die A n in e l d u n g sämi- liOer Bezugscheine bat v-»i den Einpfang'berechtigteit in den durch rosa verkaufSschilder getetmzkichiteten Geschäften biS zum 12. Dezember zu geschehen. Die Geichäfte sind bei den Brot- kommi'flonen dekaunl, auch an den Anschlagsäulen velösfcntlscht. Die An»gab« derKekS erfolgt in der Zeit vom 2 v. bis ,28. Dezember. Jeder Bezugichein trägt auf der Rückseite einen Vermerk über die Anmelde- und Ausgabetage. I u g nt d Ii ch c. die vom 1. Okiober 1902 bis 80. September 1909 geboren find, erhalien einmalig etwa 200 Gramm Trocken milchpulver. Die Bezugscheine dazu werden in den Brotkommissionen vom 0. bis 9. Dezentb:r ausgegeben werden. Da? Alter der Jugendlichen ist nachzuweisen. Tie Vcztto'chein- sind bis zum 12. Dezember in den durch hellblaue Ver'cmssschtlder gekennzeichneten Buttergeschäften zur Anmeldung' vorzulegen. V i e Ware wird vom 29. biS 24. Dezember vetni-rol�r weiden. Da« Trockenmilchpulver ist besonder? zur Htrstellung von Sfllch- kuppen geeignet. Vertrieb von Zkunsthonig und Rübensa st. Mitte diekeZ Monat? wird eine Neuregelung in der Vcrsargung mit Kunsthonig und Rübensaft in der Sets« eintreten, daß nur noch aus einen Abschnitt der kebenSmmellarte eine» der beiden genannten Ausstrichmittel abgegeben werden darf. Diejenigen G-sschäne, welche zurzeit noch Äunstbonig vorrätig heben, sind verpflichtet, die'- Bestände gegen Mgade von Zuckerkartenabschmneit und zwar l'/a Piund ans einen Abschnüt an«telle von V* Piund Zucker, an eingetragene Kunden zu verabfolgen. Es wird ausdrücklich darauf austuerksatn gemacht, daß, wenn Kunsthonig nicht mehr vorhanden ist, nur Zucker auf die Zuckerkarten entnommen werden kann. PreiKbestlmmungen für Kusfec-Cfrsasi. Ter Magistrat Berlin veröffentlicht«ine Verordnung, nach welcher die für KaffeeErsatzmittel durch daS KriegSermihningZamt neu festgesetzten Höchstpreise b!» zum 3J. Dezember für solche Ware nicht gelten, die noch zu teureren Prellen Angekauft worden ist und sich am VeröffeiillichiinaStage der Verordnung(0. Dezember) bereit? im Berliner Handel befindet. Vom 1. Januar darf auch diese Ware nur zu Höchstpreisen verkauft werden. Jugendfürsorge bei Kälte. Die Knappheit an Brennstoffen hat mit Recht die Vefürchiung hervorgeruien, e» weide bei strengerer Kälte schwer sein, die Wob- mingen während des ganzen Tage? für den Sukembalt der Kinder ausretotend zu erwärmen. DeSbolb sollen die Horte offengehalten und itötigenfallS vermehrt werden. Besonder» nötig tvird dtc» in größeren' Orien und nn Tagen sein, an denen der UMerricht bei Kälte auStällr. Der UnternchtSnmtister hat deshalb die Königlichen Negienmgen angewiesen, zu erwägen, wo in Schulen einzelne er- wärmt« RStinte zur Berfligung gestellt werden können. In Gc- bäuden mit iFlnzelheizung wird Sie? ohne großen Aufwand an Brennstoff möglich fem. In Schulen mit Zentralheizung soll die Mahnahme rechtzeitig vorbereitet werden. Die Schuisnetsungen sallen auch durch Ferien und sonstigen SchulauSsall nicht unter« brachen werden. Bei längerer Aussetzung de» UiiterrichtS ist für eine geeignete Beschäftigung der Schuljugend, z. B. durch BetvezungS« spiele im Freren oder durch Wanderungen, nach Möglichkeit zu sorgen._ Tie Krankeusiauser der Ttadt Berlin hatten im Verwaltungsjahr 1915/18(1. April 191» bi« 31. März 1016), aus dem erst jetzt der von der KrantenhauSdeputanon erstattete Jahresbericht durch den Magistrat bekanntgegeben wird, siir 67 038 Bebnndeltc 2 025 684 VerpflegungStoge zu leisten. DaS sind imgewöhnlich hohe Zahlen, die gegen da» vorhergehende Jahr ein Mehr von 4Z74 Behandelten und 396 005 Verpflegung-tagen ergeben. AuS dem Bericht ist freilich nicht klar zu ersehen, wie stark die zur Behandlung iiberioiesenen Militärpersonen on der Gesam!- zahl der Behandelten und der VerpflegungSiage beteiligt waren. Nach Geschlecht und Alter gruppierten sich die Behandelten in 29 784 Männer. 24 468 Frauen, 6789 Knaben, 6002 Rädchen. Gegen da« Vorjahr haben sich verNNitdert die Männer u» S1-. dagegen verneehrt die Frauen um 2288, die Knaben um 922, die Mädchen um 1217. Unter den Bchemdclten waren 22 500 Mitglieder von Krankeiikassen(einschließlich BerusSaetiossenschasten), mir 851 mehr al» im Vorjahr. Wie an den Kasirnniilgliedern die beiden Geschlechter beteiligt waren, sagt der Bericht leider nicht. Ausfällig ist die sehr starke Vermehrung der von den Armenkommissioncn überwiesenen Kranken, deren Zahl diesmal auf 16 579, um 8888 höher angcgebeit wird. AnZ den übrigen Gruppen feien nur noch erwähnt die auf eigene Meldung anfgenommeiien und einstwetleu unter Stundung der. Kosten behandelten Kranken mit 9059 und die auf eigene Kosten behandelten mid Vorschutz zahlenden Kranken mit diesmal 3591. Zutut Hute der Gmäscheruagen. Ter Betrieb der deutschen Be- stattungcn hat im Oktober einen Umfang erreicht wie nie zuvor. Es sanden nicht weniger als 1120 Einäscherungen gegen 908 im JWteBir de» vsrqinjenen Jafitcs statt, tva« eine Zunahme von mehr ol« L3Vcoz. bedsutcr. Berlin betrug die Zunahme allein M. Sie stieg von 100 auf 156. Zehupfennizstiickc aus Zink bis Aur Höhe von geh» Millionen Mar! zum Ersatz für einzuziehende Stücke auS Dickel werden jetzt geprägt. Unbekannte Zeiche. AuS dem fietzenfee in Eharlottenburg ist die Leiche einer unbekannten weibhchen Person gelandet worden. Die Toi« ist etwa 20— ZZ Kahre alt. untersetzt, hat rötliches Haar. Sie war betleidet mit schwarzer Blu>e, schwarzen Uiiterbeinkleidern, wetRem, gestreiftem AorseltiSoner, weistem Leinenhemd und schwarzen Strümpfen: die übrige Kleidung fehlte. Die verstorbene, die keinerler Ausweispapiere bei sich halte, trug am Ringfinger der linken Hand einen sogenannten Freundichaftssiegelriilg und einen kleinen Ring mit roten Steinen und weißen Peilen. Aeuküll». Poltttumliche Vorträge. Dienstag, den 11. De- zember. abends 8 Uhr, findet in der Aula der Realschule Boddin- strdtze 34/41 ein Lichtbildervortrag des Schriftstellers Herrn Oskar Bolle statt. Der Vortrag zerfällt in zwei Abschnitte, und zwar I. Märkischer Sand, II. Der Fläming. Eintrittskarten o 20 Ps. find vormittags von 0—2 Uijr im Rathaus, 2 Treppen, tzimmer 210, erhältlich. Kinder über 12 Jahre in Begleitung Er- wachfener haben Zutritt. — Wiiitelvorrersorgung mit Kartoffeln. Der Magistrat gibt be- kannt. daß die auf Grund der Hauslisten zur Dintervorvcrsorgunz in den Hausboltungen bestellten Kartoffeln in den amtlich belannt gemachten Berteilungsfiellen abgeholt werden können. Die Kartoffeln sollen für die Zeil vom 24. Dezember bis 17. März zum Verbranch bestimmt sein. Wer mehr verbraucht oder infolge schlechter Lagerung und lleberwachung der Vorräte Kartoffeln verfaulen läsu, kann keinerlei Erfatzonfpiüche aus Nachlieferung oder auf Aushändigung neuer Kartoffelkarten erheben. Schöneberff gegen die Sonntagsruhe. Die Stadtverordnetenversammlung beschäftigte sich in der Sitzung am Montag zunächst mit folgendem Antrag der sozialdemokratischen Fraktion: „Der Magistrat wird ersucht um bejchleunigte Ausarbeitung und Untervreitnng einer Vorlage für die Aenderung des Ortsstatuts über dle Sonntagsruhe, enthaltend die Aufhebung det Verkaufszeit der Richtlebensmittelgefchäfie an Sonn- und Feiertagen, sowie die Beschränkung der Verkaufszeit der Lebensmittel- und Blumengefchäste auf zwei Stunden(8—10 Uhr vormittags)/ Oienoffe M o h S führte begründend aus, daß die SonniagsrnHe bereit« vor Ausbruch des Kriege« eine große Rolle gespielt hat. Eine Gejetzesvorlage follt« alles regeln. Da die? aber bisher nicht geschehen sei, so müßten die Gemeinden Graß-VerlinS vorangehen. Es fällte jedoch nicht eine Kerneinde auf die andere warten, sonder« selb- ständig vorgehen, wie e« einzelne bereits geiau baben, Di« B»- denken, daß der Umsatz zurückgehen, die Unkosten sich steigern würden, treffe nicht z«, LS würden iowohl die Geschäftsleute als auch die Angestellleu bei der vorgeschlagenen Regelung gewinnen. Kleinliche Brdcuien sollte man fallen lasjen, um eine wirklich soziale Tat zu beichlteßen. Oberbürgermeister Dominica 4 orlliirt«, die Pengel g«n»r«de könne«ine derartige Frag« nicht allein regeln. Alle Gemeinden Groß-BerlinS müssen zusammen gehen.— Z e i l l i n lfjfr. FtaOion) ersucht um Ablehnung de» Antrages, da wohl die Angestellten, aber nicht die Arbeitgeber damit einverstnnden feien, Nachdem noch Pete rf o n-sll.$.) und Genosse K ü t s r dafür gestirocken, lehnten die Liberalen den Antrag ab und überwiesen ihn dem Raglstrnt zur Bernckkichtfgnng. Zur Errichtung eine? städti'chen Fuhrpark«, um.Köhlen und Leben?- mittel heranzurolen, wurden 100 000 M, bewilligt. Die Magistrats- vorlag«, die Lchrversonen der Privalschulen einem PenstonSregulativ zu unterstellen, wurde an den Magistrat zurückverwiesen, da ein ganz Teil redaktionelle Fehler und auch grundsätzliche Bedenken zum Ausdruck gebracht wurden. In die Deputation für WohnungS« und Giedlunz*west, da bei eintretendein starken Frost die Beliesenmg der Händler in« Stocken geraren könnte, Taalich von nachmittags 4 Uhr an erhält jeder Einwohner in den durch Plakate kenntlich gemacht?« Geschäften auf Sbfchntli 34 ein halb P«imd Fleifchsiilze für 1,45 R. Ferner in den durch' Plakate kenmlich gemachten Geschäften ans Abschnitt 37 eine Dose Sardinen für l.öO M. Bon heute an erhäkl jeder Einwobuer in dem Geschäft, in Ivekchem er in die Zucker- kundenlifte eingerragen ist, auf Abschnitt 86 ein Viertelpfund Kunst- Honig. Gleichzeitig wird an Minderbemittelte und Unbemittelle ein Posten Ltieseliohlen abgegeben. Für gänzlich Unbemittelte zahlt die Gemeinde auch die Koiren für das Besohlen. Meldungen sind an die Borsitzenden der KssegSunterstützungS-AuSschüffe in jedem Bezwi zu rfchten. Trovbi«. St»dtverord«etenwahken. Bei den vor einigen Tage« volgogenen Ztadwerordnetenwahlen wurden in der IN. Klasse alle Kandidaten der sozioloemokrattsche» Partei gewählt. An Stelle de« im Felde gesatlencn Genossen Richter würde Genosse Hermann Rothe und für die andere sich notwendig machende Erganzungs« wabl der Genosse Paul H i e b s ch mit 2« bezw. 28 Stimmen ge- wählt. In der Vrsotzwoil erhielt der Genosse Dennler 28 Stimmen und ist somit ebenfalls gewählt. Alle Gegenkandidaten unterlagen. "lii'J/.»»«MM»!' i>i«> jmmQgammammmm Gesß-Serlwer parteinachrichten. Mohlsdorf(Ostbahu). Tounabend. den 8, Dezember, abendS S Uhr, im Lokale von Anders, Bahnhofstraße: Mitgliederversamm« lung, Tagesordnung: 1, Die Sozialdemokratie während und nach dem Kriege. 2. Die Regelung der Leitragssrage. Referent: Krcik- vorfttzender Genosse Herm. Müller, Soziales. Aochmalt: Helfet der Ruttrr und helfet dem Ki«de. Der Bericht des Genossen Krätzig über den Vortrag de» Herrn Professor Lang st ein und seine Kritik der Sangsteinichen Darlegungen>» Nr. 325 de?„Vorwärts" vom 27. November d. I, har un« eine lauge Reihe von Zuschriften eingetragen, Werdende und stillende Mütter haben den Krätzigichen Darlegungen zugestimmt, und in den vielen Briefen kehit immer und immer wieder die Klage darüber wieder, daß es iv überaus schwer sei, sich selbst und die Kinder in ausreichender Wei'e so ernähren zu können, wie die Rütter eS für zweckentsprechend halten. Wir können alle diese Klagen nicht wiedergeben und glauben e» auch nicht nötig zu haben, weil sie, wie schon gesagt, im Ivesentlichen der Krätzigschen Dar- legu«a zusltmmen, Eiae der Zusendungen al« Antwort auf den Krätzigichen Artikel müssen wir jedoch inhaltlich unseren Lesern zum Vortrag bringen, eine deS Herrn Pros. Langst-sn selbst. Er hält seine Aiifsassung, daß die Säuglinge heule in genügender Weife ernährt werbe», und daß auck die Ernährung der stillenden Mütter eine genügende sei, aufrecht. Sc meint, daß beute den stillenden Rüttern täglich �—l Liter Bollmilch, mindestens 200 Geamm Weizen- rnehl in der Woche, mindesten» 500 Gramm Haferflocken»der WeizengricS im Ronat und i�öglichst bis zu 80 Gramm Rüben- zucker für den Tag zur Verfügung gestellt werden. Den Frauen ständen damit außer dem, wa« sie auf Grund ihrer?ehe«»mitlel- karten erhalten, 2460 Kalorie« zu. und- da doch zweifellos außerdem auch noch irgend elwas von stlemüse oder Sonstige» zugekauft würde, sei die Frau bei dieser Rationierimg voll- ständig imflande, ihr Kind an der Brust zu ernähren. Nach zahl- reichen in Wissenschaft un» Praxi« erhärteten Feststellungen brauche eine stillende Mutter, um ein Kind an der Bellst zu sättigen, für sich und da» Kind ungefähr 2800 Kalorien. Diese notwendige Menge werde sicherlich bei den siilleiideu Müttern überschritten. Dabei siebt Professor Langsiein ganz davon ab. daß beispielsweise in Eharlottenburg— und in anderen Kommunen sei es ähnlich — die Mütter, sobald ihr Säugling geboren sei, auch für diesen eine volle LebenSmitteikarle und außerdem"I, Kit 1 Liter Milch erhalte. Die Rulter sei tatsächlich bei der ausreichenden Nahrung, die ihr der Sraat beute gewährleiste, imstande, ihr Kind recht lange zu stillen. Au» allen Gegrübelt Deutschland? und von den veischiedensiau Kindernrzlen sei berichtet, wa» er aus Grand seiner eigene» Erfahrung auch schon festgestellt habe, daß nämlich die Gnttvicklung des Gäugling» tadellos sei. Die neu ge- boreneu Kinder seien ebenso lebensfähig wie früher. Gegenwärtig gehe es den Säuglingen so ausgezeichnet, Wie keiner anderen Alter sklasse, speziell nicht den von ilstii zum Vergleich beran- gezogenrn älteren Kindern. Auch a»v den Feststellungen der Farsorgeärzte der großen Stätte gebe hervor, daß die Frauea genau ioviel Milch hätten wie bitljer. C? sei falsch, das Heil stir die stillende Arbeiterfran dftw« zu erblicken, daß sie reichlich Suppen gdtteße. Man möge den Müttern eine genügende an Eiweiß nickt zu arm« Kost wünschen. Dieser Forderung entipreche dir heutige KriegSernähruiig stillender Frauen, Fan übrigen befürchtet Herr Profeffor Längstes«. daß durch die AnSführnngen da? Gen offen.Krätzig der nur durch die Sttllftendigkeft erhalteire Stillwillen der Mütter, der arnki neben der Sliftffthigfeit zim Stillen in Bettacht komme, geschädigt wurde Wir glauben, mit diesen Dorlegungeil auS den Ausführungen des Herrn Professor Laiigstem auch ihm gegenüber gerecht geworden zu sein. An seiner wissenschaftlichen Ilcberzeugiing zu zweifeln liegt auch nicht der geringste Grund vor. Aber Theorie und Praxis ist dach in vielen Fällen recht verschieden. Selbst wenn in der Theorie den Müttern ausreichend Lebensmittel zur Ber» fügung gestellt werden, in der Praxis Havert» damit doch recht sehr, Eine Frau, die nur aus die Familieiiimterstütziink und dir Beträge der KriegSwoch�enhilse migewleien ist, ist gar nicht imstande, alle» da« zu" schaffen, wa? zu ihrer und de« Kt«beS Ernähinng iiotweiidig ist. ES ist auch nicht jeder Ruttcr gegeben, die öffentliche Hilfe in Anspruch zu nehmen, um da? Fehlende zu be- schaffen, Die ganzen AnSsührimllen in Nr. 325»??„BorwürtS" sind lediglich von dem Gedanken gettazen der Mutter und dem.Kinde zu helfen und die Ccffeiitllckikcit in höherem Maße auf die Pffichl zu dieser Hilfe binzumelfen. Noch werden unserer Ueberzengimz nach diese Pflichten nicht Immer in genügendem Maße orsüvt. ES sollte uns freuen, wenn unsere NiiSnihrnnzen ein« AenderunA Per bewirkt haben. Daß dmch diese Antsührungen«wa»« Gtikl- freudialeit der Mütter entzegengewtrft Warden fei, halten wir fftt total ttvi». Aber die Boi aulsetzlintz zur Siillfteiidi�kcit. dir ge- nügende vrnährung der Mütter, dir m der Throite gegeben sein mag. sind in der Proch» doch viekfach nicht gogeben, AuS de« zahlreichen,»der mongelnde Ernährimg llageirde Zn>ch»ffien, die im« auf de« Züsch gesiogen sind, ersehen wir»e« ernsten Willen der Mütter, ihrem Kinde die»on der Natur befl>i«m-.e Nahrnug zu gebe«, dem Kinde die Brust zu reichen, mii der ErkeemtiriK heraus, daß damit da» Gedeihen de« Kff,d<« in erster Lime geivnyr- keffttt ist, Und dieser Wille ist bei all«! Müttern vorhand-en. Wir wollen auch diese« Mllen nicht schwächen, sondern ihn im Gegenteil zu stärken suchen dadurch, daß man«ie ebenerwäinrken Varauosetzungen zur Betätigung dieses WilleirS den Müttern auch gewährt. !»>-<>-»«' Gerichtszkitung. Gtiterdiebsiähle und kein Ende. Täglich sinden jetzt vor den Berliner Geriften Verhandlungen wegen Diebereien ous Güter- bahnhösen, bei Spedition-finnen u. drgl. statt. Am sclbrn Tage verurteilte die 4. Strafkammer des Landgerichts I den Bahnarbeiler Adolf Echern'ftke zu zivci Jahren Gesängnis und drei Fahren ftbr Verlust, der au» Güierivagen eine Mnioe Waren— man ja st» �ei ihm 000 Eier, 2 Eimer und ein Faß a.� gelaffcn» Butter, Mehl, Sardinen, Eimer nui Marmelade, ganze Posten Sohlenleder r. o. m.— entwendet hatte: und da? Schöffen- gerichi Bcrlin-Mitte den AuShilsSkulscher Karl Noack und Genossen, die umfangreiche Kollidiebstähle bei der„B. z, B, Ei." ausgeführt hatten, zu Gefängnisstrafen von 1 bis 2 Monaten. Bei Erörterung diese« Falles kam zur Svrache. daß iiifolge der immer mehr über- Hand nehmenden Diebstähle feiten» unehrlichen Personals die „B. i. B.®." allein in kurzer Zelt einen Schaden in Höhe von »0 OVO R. gehabt hat. Mus aller Welt. Gchwcre«! Eisent«»h»unfllück. der Nacht zu TionSiag fuhr zwischen Bahnhof Ahlen und Hamm der Zug 22 Aetlin— Köln auf den abgorissencn auf der Strecke zunlckgcdliebenen Teil eine? vokaufgefahreuen Sonderzuges mit italtenischen Gefangenen aus. In die Trümmer, die auch daS Nachbarglei« deckten, fuhr ein(Hüter- zug der Gegenrichtung hinein, ll.si Insassen de? Zuges, Dtrunter 8 deutsche Landsturmleute und ein Zugbeamter sind getötet und 45 fl.ke a n n verletz t. Die Verletzten sind in Krankenhäusern in Hamm untergebracht. Reisende des Tchnellzuges sind nicht verletzt. Die Schäden an Lokomotiven llnd Wagen erheblich. Die Strecke war 15 Stunden lang voflsländig gesperrt._ c 1 1 a i �ugenövervnftaltungen. Ztrbeiteijuaendyetni Berlin, Linvensir. tt. Morzen, Fr «dends« Uhr: D i S t u t i e r a d e n d. HeimerSssnung 7 Uhr. SSelsiersrc. Slbelterfnaend. Aeute obend 8 Uhr sindet im Fiigend- heim. Eharloltenbiirgee Eike Toslostrahe S. die letzte gemeinsame Dsrlcjung von GociheS„Faiisi� mit vertellien Rollen statt. �inKtsangsne Druckfthriften. Don Hennann Ztkzonaüij. Karutz. SS Ps. Piclrich Geichtcht«»e» Kriege». Band Denticke VerlagSanlialt Ttintgaii. Krieg und Viilkrrtnndr. Den Prof. Br. Reimer, Berlin. �_ Sriefkaften der Rs�sktion. F. D. V». Gegen 3 Uhr.— tkbartotieubnrg. Wenden Sie iich nn de.» MeTitenlkomilcc des Noten KrenzeS, Acilln V..— R. IS. Die Ali- tiettcffammeifiene bcsindet sich am Mvlletiinartt 4.—?l. B. 43.®tv !»i i n I e st ijocacilirauch in Sitjem(Dnerlnl dmi 130 Kiilütmetcr deimoen. —«egetiporl. Utting der..»«zelwort- Otto Drewitz. Berlin HiT Hl, «itlchiurr PN. 10«, fastet viertetjähi li-d 0,50 9k., v schrillt wtchenlliR. — F.>. Bietz Bei ianae Pie im Belii-de de» UrdeitgebcrS«Sellen imd tt-uiteiweciicherinig»dsiiit>li« sind, daden Die Anspruch aus ei«e Zniatz- drollarie.— St. B. 10«. Die Dame«oll zur Sprechstunde orscheinrn; dort wir» ihr Rai erteilt.—«. US. Fdre Mutter»irtsi in illheinSberg einen Äntraz kielen und planddast nachweisen, daa der Golm sie Unter- stützt hat.— P. St, Äl. 1. Nein. J. u:w 4 Pinv WINN<äif jirr Aibrit »der»bne Reine einlassen werden, vefoigl itnttasslillg mit Renle. besteht Pnspruch aus Familiemiiiierfttitznii» noch jßr die. Monate»am Soee der Gntigffung ad. 6. Wenn skr unbestimmte vsee lällgore Feit deuilandt, be» stedt KrmikrnvcrsiilierlmfiSpfiichl.— P. LA. 24. J. Verpflichtet zum An- lritt der Kur sind Sic nicht; e» wme iFlMkn aber doch der Antritt zu rate». 9. Tie müssen eine Ittsatzr rnt» beantragen. Stellen Sie djeien ilnlraa beim BezirkStommand«.—««. B. 3«.«enden �ie iich mit dem Belckield peifSttlich an das rirbeiiersrttelaiiat, Euqelüftr Ib.»eiie mittog» von II— 12'!. nud 0—7'/,. Uhr nachmittags.— Sirnbo Leopold. i. St'c haben Anspruch ans UrlaiwSsahrl: jedoch nicht alle»irr Wochen, vielleicht in ziita drei Monaten. 3, Richte' sich nach der Fgbrlkordming. — W. St, HS. Sic Müsset! sich pim Ziviwienst melden.— rK.!t. ,>a. . 10«. M-in— B. SO.' fr» ein frnchtldser»ideinwertrag»orliegt, braucht der Aibeltgebei nicht z« zagte«.— cht. P. III. Jedtt s»It siq»in seine elffane Lache tinnmern. Stbonttrilt ti» cfle«. Kiiepseettniile Eiu- sianen Haien Ittnen Aickpinch ans Untersttitznng.«e,m sich in den häitt-- ticken Bttfkiüilnisjen nichtt geiindctt ha!.- F. B. 40. flgre Fenit ist leider zur Rahlmig oeipsüchtet.— H. B». l.»17. Die«tarn kalic» tomr« Ansjnnch.—?wtsb. V-in.—»4t. lifft.«».«Is Soldat nur mit»«,ebnn,l«n de» ft»»«WMmb»e Knting ist an d ae» P»! teech i»sid bim ldine» ??»bnmte»«i richten.— SB. B. 7. 1. Ret«, foicNge R-cke«epahll wird. S. irnd 3. Venntragen Sie R>niz»be bei»tt Ha»itze«»eefich»ttmgSaittiaIt. —.ft. f. Sender®ie Nch a» He Miifltallenhai-binng i'tftqle, Bealbi 8 aS, Orarienfti'. m.— Ma. SM). I»I Bttlmer Rbretzbnch. Dd. n, E. id.', sinden Sic dnv Seircktischle. Änch d!« Mdttichc»civcrbcichnie JttHWt in Betracht.•- W. L. tZR?. Deia-ttzc.ftagen lasier siw im Rabn-i» einer Vrieskaiiermvliz iichl benntwoi ton. Dn jeder grürcren BiMaldek sinden Lke Shiichee din-üb»i.— lt. 7. 0!bre jpaan soll sich nn »ie nöck'ste Vok'zeiwache wenden.— tz®. 13.»!«i!r««ow. Verlag ThonmS i« flttdzkg, Zhafftr. 13.— R. R., ffseltzgrnri. Nein. »»»«>»!i!!>..».>..J »•Ulfimm t!Aetternu»sichten iftr&nf mittlere Stnrbbeulsckilnnd l iS Arm lag initin«. Zunächst kalt, zeitweise nebelig, sonst trocken und viel- fach heiler, später im Westen begtiincnde Zunahme der BctvLiknilg und wieder eiwaS wärmer. bilfindkn Sie sich Nefchaffung von söSsO es sich um bb hanvstt, in aUerbesteu u-ch mtw Sie die a»ge»blickiiche« bchftükßchiisen, werden Sie jckdesmKl voller Ki'e«Ae mO Zu« frfetmfcit büuim ßehett. Könlgstr. 33 Ehavsseeflr. 113 Pm Lodechof«HwndiTpfflg»lim Öftüfiner»«ffeffisi Sonkiags gsfthksssen.k Direktion Max Eemhardfc. Dentsclics Theater. 7 Uhr*: l»<»n Carlo«». Knmmeraylelc. 77, Ukr: KM«r dir frtude. Tolkabilhn«. Theatar am Bllawplatz. Uotergmudk. ächäch. Tor. 77, VTu Bdelulld. Theater für Donnerstag; 6. Dezember. Neues Operetfentiaus Sehifibd. 4». Kassent.Kd.5Sl r,4trhr:BfrSo!!litiIepM8ri8. Dir, C. Mtinhard— R Bernauer. Theater<. Königgrätzerstr. 7 Uhr; Ole Wildente. Komödienhaus '!fi Uhr: vis kaiden Seehunde. BerlinerTheater V'/jü.: Die tolle Komteß. Oer große Variete-Spielplan 12 Attraktionen 12 lO TScl- 7«�, Sonnt. 3'/,*.7V, Neu! Robert Steidl Rsffaj««o, Cartella, Otto Reuttar i,«. Rerae-Fosse; fieli'ti Sie bloß nicht nach Berlin! "apöllcT Friedrlckstr. 3t8. Dir.J. FQnin. AQnhradMeh T*lt Uhr; Fern Andre sewii» das«nrci-jleichlieiia erstirl D«neibar-Froynaanw Keine Prciserhdheng I Theotfrk. emi*eri>r. ycuSjt. Reicitstialien-Theater. Aliabendlloh VI, Uhr fu.Snnnt. nachm. 3 Uhr nerSip Welbiaelils- Nachmittags ermäßigte Preise! Voigt-Theater. vadetr. SS. Badstr. 58. Töglich: M Hitgt VMn Umn! Kasten er östn.»7,, Anlaog 7� H Adairile-Palatt. Ballett aal dem Elte 7*1, Whr Abrakadabra. Vorzfigliche Küche. Central-Thcater KomTnandeatenstrnße 57. : Die Csardaaftlratln DeBtsehe* Opernhaaa 7 Uhr tsehe* Opernhai r. Tannhäuser. Priedrich-Wilhelmst. Theater 7'/, Uhr: Kleines Theater 77, ffhr: Geldzaaber. Komische Oper 7'jg v.; SeiiwarzwalMitel. Sbd.S1/,; K lein Doreh.». d Zinns. Sonntag S'/ji Die Dose Sr. Maj. linatspleihaM 7*/« Uhr: Die blonden üileisv.LMentiof Metropol-Theater uhr; Die Dose vöh Stankol. Sonntay 3 Uhr: Die Kaiserin. Uesldoa»- Theater 77,�: Saskilnikeff. SehNIor Theater O eC'' Uhr: KchlUer-Th. Chart. �,uhr: Onkel Brisig. J?' Uhr: Thalia-Theater Theater am Nalleadartplatz 3';« Uhr: Er buü aufs Land. 7 Uhr; Theater de» Weatea» ntThr:|er verliebte Iteraij Bhf. FriedriehstraSe. Anfang 77, Uhr. Das glänz. Dezbr.-Pregr.j Q. S. -g 4\ Rieh. Saw.ide ikf Tiger Maud Wulff, flieg. Hunde, I Mexiko! Orolie Äusslaltiings-Paiitennine. Rose-Theater. 77, Mir: AttdretS Hofer. Trisnon-Tboster Leergenste., Ihf. Feiedrichste. Tel.;?enkr»M 4927 an d 2381. 'IpS Uhr Der 7,8 Uhr Lebensschüler. Komödi. ron Ludwig Fulda. IdaWöet. Brich Kaiser-TitB,. v.Mölleadorä. Hart. ICftttnor. Str. 37, kl. Pr.: Hedda Gabler. 'Särnrar li»r% Friodrichstr. 165. Ecke BehrenstraS«. Ciaire Waldoll Jeaa Moreau Bari« Paiii n. das herv»rragen«a D az»b b ar-Fr» pmaa a. Hanskap.: Fenyreei. NATIONAL THEATER) Cöpenickar Str. 68 T ig lieh'/,$ Uhr Sonder-Vergünstigung �Vemberi | AiLwc-lincld»' n!||�a»wchnel(lei�|| Orchester-Sessel M. 2'° inkl Gard. 80 Orchester-Sessel tS M. I Mittel-Raug-Balkon � M. 1 80 Uoierf'oTg I VS8 Igt ckk LWdL! jjrlt — Vonrerkanf 10— 2 nnd ab 6 Uhr abends.— Sonntaguaohm. 37.WaS j. MAdShöN ItäUttlCtt j Berliner Konzerthaus Maaentral» 83. ZTimmerstraß» 90/91. Beate: Großes Konzert de« Berliner Koneerthane-Orchester». i.eitei: Kerayonist Franz ven Blon. Anfang V/. Uhr. Eintritt SO Pf. Anfang 77, Uhr. Morgen, den 7. Dezember: Kroße» Koaxert des Berliner Lilederkrana Chonneistor; Jehannes Stehma»». Täglich 7'/, Uhr 3 Sebweetern Klöts! Ella und Martha Vera, Drohtseükiuistleiinnen, nnd das übrig» grefäc Zirkus-Programm. Komisches Intermezze der Clowns Reveily, MarceUy. Maj u. Franzi. Z. Sckluü: Mondfahrt. Phantastisch« Pantemhse im 4 Akten r. Paula Bueek. Walhalla-Theater. VI, Uhr: Zigeuner» Casino-Theater Lothringer Str. 37. Tägl. 7,3 ll. Wieder ein ettuellcr Echinger! Hamfterfritze. Berliner Posse in krei«usadge«. Verhcr knk- nr»e bunte Prur. Lena Nansen, 8 ßoiqaroTt mn. Sonnt, 4 Uhr: Cntet 9W»rtB. Spezial-irzt Dr. med. Hasche, Friedrichstr.SOÄÄ. BstzandL»enShlihiltB. H»»t» Her».. TTfituuiilcikcn, ipag. chren. HdlLc ShrIidyH«to-Me» roe, schmrnqls'r, l3r,esto Be« bandinag okwe Berusskör»»». Btalunhrinchmr». llt-isr P»eise. TeAvkl»»». ZtzveSftnmdoN t« bw 1»:»d o— 6. Sorna. 11— 1. URAIÜIA Donnoistcg, d. 6. Dozombar, 8 Dir: Tier und Mensel) in der Wildnis. MelilvS.!iO Ssppsntißhuer w. fette Kriechen XrSa. Fette Mistuteü«d Potee empjich Ii ön|rt8 proibwert Schmidt»otmaie Taecke, Ptanuter 31, um önBifÄt« Ztr. Spezialarzt Dr. med. WeckeafcH, Friedrishst 126(Ontaieiib T.), (UrSyphilis.Ham-iFrauonleidan Ehriich-Hata-Kur(Dauer 10T.X BlutuntsrMeh Sahnelt«, aiohera schmerz). Hmtaui ohne Benrfs- stamm). Tetisahtan«. 503(15- SyreehatanA: U— i o. 9— 8. Ttai träfitet. ffäti. frisch ZetteKtcn.. Psk. 2.5t»«». Mafthmtzner.„ 4,7». «»«inchr»,».««, Ar«,»rXchke.«Uassor Str.»;. prima WBrsleken ». Wim* a. Kaulaekeu- n. Rot fteteek tftrl. friseh. Pfd. 3,8« M Kaehrn. BiTp.-Ters. Versand v. 6 PM. ab. ZeBsehläolrteTei »ad WarwWabrik Arthar 8«h4adler. Zwiekua I 8. 1- nemhoehe Papier- Fahrradbereifung Vollwertiger K reutz für Gnatael. Haid allem Wittewang»- and Wtraß�BTerh<abMoa Stand. Bei großen Betrlehea herelta elagefßkrt. Drei» für«im» Faknwd-QunuOar koanfiaK inkl. flru- »eAm M. 30,— oh Fmbaik nette Kasse ge-ea Keehnabin» oder Terhesig» Zuhlmng. Frobereifen mr Eeaiohiis-mmg an. Uugar. Vertreter abernll geancht. tVtlL* Rüder erbitten lose, ohnb Rahmen. 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Berlin, Engelufer 14, in, Ammer 65. Sie in»ergangenen Iahten, so wird unser Verband auch in diesem Fahre«Ine 40/6 VMMWMMW an ale Edesrauen der zum Kriegsdienst eingezogenen Mitglied« zaUen, und zwar»ra Person 8 M. Bedingung ist, dag der Eingezogene vor seiner Ein ziebung 2« Nochen Mitglted unfereS Verbandes war nnd firi; diese Zeit seine Veltriige bezahlt hat. Di« AuOßahwng an die Ehefrauen ersolgt: Zln«hesrnuen, deren RnfaugScbnchstabe ihreS Familien- narne»» mit A dtS K beginnt: am DienStag, den Dezember; an Dhefraaen mit den SlnhangSduchstaden S biS Z: am Mittwoch, den 10. Dezember. IZie GGefranen haben bei Slbholnng deS,.UHr. von der Leichenhalle deS neuen SL Pauls« Friedhofes in der secstragc aus statt. Eine rege Beteiligung er- wartet «40/11 Die Verwaltung. DeuHcfter Cransportarbeiterverhand. Bezirksverwalt. Grog-Berlin Den Mitgliedern zur Nach- richt. dag unser Kollege, der Industriearbeiter HeirnsnnZehiiiing von der Firma Bergemann. Reinickendorf, am 4. Dezember im Alter von 59 Aahrcn verstorben ist Ehre seinem Andenken l Die Beerdigung findet am Freitag, den 7 d. M.. nach- initiags 3*1, Ubr, von der LeichrnbaUc deS Elifabech. Kiraihose«, Wollankstraxe 66. aus stau. tl/9 Nachruf. Ferner starb unser Kollege. der Emkassierer Ädoif Irmscber am 24. November im Altci von 64 Jahren. Ehre seinem Andenken! Dia Bazirksverweltuag. Am 4 Dezember enlschlies fanst noch langem lchwerem Leiden mein lieber, miver- geglich« Mann� unter treu- sorgender Pater, Schwieger- vater, Grohvale;. Bruder, Schwager und Onkel, der «afiwirt 14ZA im 34. Lebensjahre. An tiefsten Schmerze Pauiina Thomas geb. Höser. Elsa v. Leo geb. TbomoS, nebst Kindern. stlkred Thomas nebst Familie. Erika Themas, Melchierstr. 6. Die Beer dignng findet am Sonnabend, den 8. Dezember nachmittags 37, Ubr. von der Halle des' neuen St. Thomas- Kirchhofes. Neu» tölln, Hermannst'.., aus statt. Allen Freunden und Be- kannten die traurige Nach- richt. dag mein inniggclkbter Mann, unser herzensguter, Ireulorgcndcr Palcr. Bruder, Schwiegersohn, Schwager und Onkel, der Korrektor Otto Köster am Ä. Dogembc:. früh 2 llhr, nach langem, schworem Leiden im Aster von 40 Kahren sankt enlMasen ist. Nm stille TeSnadine bittet stn Namen d. Hinterbliebenen .TIartha Köster aeb Lecher nebst«Indern. Die Gwäschernng findet am Sonnakenk, den 8. k. 91., nachm. 3 Uhr, pon der Halle des Kremaiarirnnch©cricht- strafie, aus statt. SpezisIsTzt De. med. I.nnh» bek- schnell, gründi., mögt. schmerzlos u. ohne BcrusSstör. Geschlechtskrankheit, geheime Haut-, Harn-, Frauenleiden, Schwache. Erprobteste Methoden Ehrllch-Hata-Kitren. Harn- U. Bintantersuchnng.• Röntistr. m ÄÄl Schr. 10—1«. h— 8.«onett. 10— 1 Nr.ZZ4— 1917 � msmmmmmmmmmaBmammaMammmmma Die Sutterstiefel. Von Th Thomas(Frankfurt a. M.). Der die gelSen Siduhe von Slonislaus Krüger betraStcie, f-bütieile den Äopf. Auf den ersten Blick bemerkte man sie über- Haupt nicht, denn sie waren schon teil Tagen wegen Mangel an Creme nicht mehr gereinigt So wühle niemand recht, wo der Fuh- steig ausbort und die Schübe ansingen. Halte sich aber das Äuge erst an die Mimikry gewöbnl. dann iiog sich der Mund ganz fachte breit und breiter, bis er hell auslachte. Tie Schuhe waren nämlich nur noch gebe Ihnen drcihig Mark,' sagte Stanislaus,»verschaffen Sie sich Ihre Butierselber.' »Ui 0 n eiu» Sie mir das Doppelte geben, Geld hat für mich gar keinen Zweck. Sehen Sie,' sagie die Händlerin,»siüber hat dieses Paar dreizehn Mark und fünfzig Pfennig gekostet. Dafür bekam ich sieben Pfund Buller. Heute verlange ich von Ihnen nur fünf, wo doch alles ieurer geworden ist. lfot. wie steh ich da?' Ter Käufer war über dieses Rechenexempel so verdutzt, dah er zunächst noch Lust schnappen muhie. Die Rechnung bekam er nicht rund, dazu reichte sein Gehirnschmalz nicht au«. Er wutzte nur, er brauchte dieie Schübe Nr. 46 und halte keine Butter. Schlrehlich fahte er einen heroischen Entschluh: »Heben Sie mir dieses Paar auf, ich komme und hole sie mir am Montag in der Früh.' Schweihiriefend kam er zu Hause an.»Du muht morgen aufs Land und Bulter einkaufen, fünf Psundl' rief er seiner Frau ent- gegen. Die weisthe Nachtigall. Der Roman eine« sterbenden Jahrhundert«. Von R. France. »Also werden ja sehen. Lasj' er den Protokollisten kommen und die Zeugen in Sachen der Voruntersuchung gegen Widmont. Wer ist zur Stelle „Der Herr Rektor, seine Herrlichkeit, die Waschfrau vom Widmont. der Herr Stadtmedikus, der Professor Hundt und das Subjekt aus dem Spinnhaus. Ja richtig, ich Hab' auch den Schneider Zapletal mitbracht, der hat Anzeigen zu machen.... Und der Herr Professor Crollalanza kann nicht kommen. Er hat sag'n lassen, ihm is nit wohl, er vomiert, und wann ihm besser is. so is- er nachher ins Franzissi» schiössl befohlen zu dera Einweichung zum Herrn Statthalter selber.' Der Graf blätterte nervös in den Papieren. „Besl, er kennt die ganzen Geschichten besser als ich, er hat ja alles gesponnen und erlauscht. Mit wem sollen wir anfangen?" Besl nahm ungeniert die Akten vom Tisch: „Mit dem Zapletal zuerst. Der zeigt, wie West die Wühlereien schon gedrungen sind." Der Schneider wurde hereingeholt. Er wurde ganz kleinlaut, als er zuerst auf das auf dem Tisch stehende Kruzifix schwören muhte, daß er die Wahrhest und nichts als die Wahrheit sagen werde. Nach den, Eid ergriff der Statthaltercirat das Wort zu einer kleinen Ermahnung. „Er weiß, was für eine heilige Sache ein Eid ist. Erstens hat er die himmlische Strafe zu fürchten, so er den Eid verletzt und dann, für alle Fälle wird er auf sechs Monate ein- gesperrt. Was hat er also beobachtet?" »Herr Statthalter königliche Rat. sag' ich nur die lauterste Wahrheit. Aber iie schon nimmer zum Anhören, wie grau- sam gewisse Leute schimpfen— über Steuern, das stnd's zu hoch, wo zahlt' doch jeder Leidtragende gern sein bißt Steuer. über Militär, daß iie so frech, und über Polizei— wann ich sagen darf mit schuldige Hochachtung, daß steckt' fie Nas'n in jede Dreck...' »Wer ist ihm namentlich bekannt, der die Staatseinrichtungen verächtlich macht?' »Alle bitt' schön im ganzen Huglbräu schimpfns mit- samm, daß schmeckt Bier sthon gar nit mehr." »Ich glaube, du bast den Gröhenwabn! kreischte sie ihn an. »Wo ioll ich denn fünf Piund Bulter bernebmen?* Nun erzählte er ihr den Handel. Das Ende vom Liebe war. dah Klothilde Krüger am Sonntag vor dem ersten Hahnenschrei schon in der vierten Klaffe iah und hinaus in die Ferne iubr. Tie Bauern verlangten für dos Pfund Butter ach» bi» zehn Mark. Sie wcbrie sich wie eine Löwin gegen diese Forderung, erntete ober nur Schimpfereien. »Früher bekam mau in der Stadt ein Paar Stiesel iür zehn, beute verlangen sie«ünf-ig Mark und noch mehr. Da wollt ihr über die Butter schimpfen, wo ein Pfund Wagenschmiere acht Mark kostet?' Also kaufte sie sechs Pfund für füniunMünfzig Mark und fünfzig Pfennig, mit Auslagen rund sechzig Mark. Am nächsten Tage erhielt die Schuhwarenbändlerin ihre Butter im Werte von öv Mark, Stanislaus die Schuhe, die im Frieden 13 Mark bO Pfennig pekoiiet hatten. Seitdem er in den neuen Buttergondcln umhergeht, ist er tief- sinnig geworden. Er rechnet und rechnet und kann doch die Difle« renz nick» herausbekommen zwischen Stiefeln, Bulter, einhundert« iünfundsiebzig Mark Monatsgehalt und Wagenichmiere. Irgend etwa« ist ihm in diesem Zahlenspiel nicht ktar; wo der Haken sitz«, weih er aber nicht. NackiS hat seine Frau schon wiederholt Stanislaus stöhnen hören; sie biboupiet auch, er bobe von.Butter' geredet. Angst ist ihm auch vor dem nächsten Paar neue Schub«. Erbat Furcht, dah er dann mit fünf Pfund Butter nicht mehr wegkommt. Seit diesem Handel ist auch er, der früher da« Kohlenbecken von Longwy haben wollte, für baldigen Verständigungsfrieden. Und das alles wegen der fünf Pfund Bulter. Das Zlugzeug als Verkehrsmittel. ZuiunftSpläne nach dem Kriege. Wenn man jetzt an die Leiter der Flugzeugfabriken die Frage richtet, was nach dem Kriege mit der Fabrikation von Flugzeugen werden ioll. sobald der Heeresbedarf einmal stockt, erhält man meist eine iebr optimistiiche Antwort. Elstens wird daraus hingewiesen, dah der Krieg die militärische Brauchbarkeit de« Flugzeuges als Kriegswaffe genügend bestätigt habe, so dah man für später mit einer lauieuden und umiangreichen flugtechnischen Ausrüstung der Heere rechnen kann. Dann aber wird auch für das Friedens- g e I ch ä f t in Flugzeugen ein gröhercr Aufschwung erwanet: man bofft bald so weil zu sein. Flugzeuge als regelrechte Ver» k« h r§ m i t t e l zu benutzen. Beide Annahmen haben einen bohen Grad der Wahrscheinlich- keil für sich. Der Kiieg ist auch hier ein Schrittmacher de« technischen Fortschritts geworden. E>ne Flugmoschine, die jetzt eine Fabrik veiläht, ist in ihrer Konstruktion iowohl wie auch in ihrer iabrikaloriichen Auslührung ein andere« Produkt wie vor dem Krieg. Der technische Geist hat da« Problem gelöst, betriebssicher und lenkbar eine Maschine zu gestalten, die im Kiieg oder Frieden al« Waffe oder Vcrkehrsmiitel zur Luft bedeutsam« Funktionen er- füllen kann. So sind sogar schon jetzt während des Kriege« Pläne entstanden, regelmähige Verkehrslinien durch die Luft festzulegen. Der erste regelmähige Flugpostverkchr ist in Italien zwischen der Jniel Elba und dem Festland eingerichtet wotden. Ihm sind mehrere weitere italienische Linien gefolgt. Einer baldigen Ver- wirklichling dürften auch verschiedene schwedische Pläne entgegen- gehen. So behandelt man jetzt in Schweden ein Projekt für die Einrichtung eines regelmähiaen PostverkehrS mit Flugbooten zwischen Schweden und Finnland. Infolge der großen Tauchboot« und Minengefabr ist in den letzten Monaten der Personenverkehr zwischen Schweden und Rußland über Haparanda gegangen, was einen erheblichen Zeitaufwand erforderte. ES wird an die Einrichtung eines SuftdiensteS für die Post- beföiderung von einem Punkte der Stockholmer Gegend über die Alondsinieln nach Hangö oder einem Punkte der iüdfinnischen Küste gedacht. Gegenüber dem Verkehr über Haparanda, der von Stockholm bis Peiersbuig etwa 4 Tage in Anspruch nimmt, würde sich dieser Flugpostverkebr unter Anschluh der Eisenbahnsttecke aus einen halben Tag herabsetzen lasten. Der schwedische Kapitän Dahlbeck, der der Regierung diesen Plan vorgelegt hat. schlägt sogar die Beförderung von Personen mit den Flugbooten vor. Die Fahrzeuge sollen zwei Motoren hoben und einen grohen Bootskörper, um nötigenfalls mit einem Motor zu fliegen oder mit dem Bootskörper auf dem Waffer weiter fahren zu können. Ferner hat die schwedische Handelskammer in London an die britische Regie- rung das Er'ucken gerichtet, wegen der Unsicherheit des Schiff»- »DaS kann er nct sagen, Zapletal", mischte sich BcSl ein.„Beim Hügel Verkehr'» auch Notabilitäten, der Herr äußere Rat zum Beispiel, oder der St. Moritzpfarrer, die schimpf'n do net.. „Natürlich schimpfen nit... niemand schimpft.. sagte erschrocken Zapletal, der an die Heiligkeit des EideS dachte. „Aber er hat doch gerade gesagt, daß alle schimpfen, also was ist jetzt wahr?" entgegnete scharf Morawitzky, „Bitte Herr königliche Rat,' winselte ängsttich der De- nunziant,„schimpfen's ja alle,.besonders der Fleischhacker Brandl von Fischcrgassl hat gestern g'sagt. in die Residenzen sind die gnädige Herrn alles, bitte, hat er g'sagt, sind alleS Lumpen, hat er g'sagt, wann sie kein Geld hab'n zum Zahlen. Und bat er nix als schlechte Sachen g'sagt über die Prinzessin hochdurchlauchttgste von Herrn Herzog Statthalter. Und daß die Herrn von Solms oder Peißer so schlechte Kerln sind, daß sie soll'n Spießruten laufen.. Morawitzky winkte ungeduldig ab und ließ den Zeugen zurücktreten. „WaS für einen Dummkopf bringt er mir daher, BeSl, für meine kostbare Zeit. Ich opfere doch meinen freien Tag nicht für solches verwirrtes Gewäsch. Sind die anderen Zeugen auch so konfus?" „Der Mann ist eben nur sehr erschrocken," beschönigte Besl seinen Fehlgriff.„Er wußte nicht, daß er schwören muß. Sonst ist er ganz brauchbar— er hat ja seinerzeit den Thomas angezeigt, der wo den Professor Weißhaupt bedient hat mit den Mainzer Nachrichten." „Gut. Den Metzger Brandl kann er ja auf die Liste der AitSzuvigilierenden setzen. Weiter." Bevor aber der nächste kam, steckte der Schneide/ noch- malS den Kopf zur Türe herein. „Bitt' ich tausendmal Pardon, Herr Kaiserliche Rat, aber will Besl nit zahl'n Anzeigegebühr." ..WaS will er?" ..Hab' ich g'hört, kriegt jeder, der Anzeige macht, einen Gulden. Bin ich armer Familienvater, der nährt sich redlich und wenn schon gebührt ehrlicherweise..." Aber er wurde expediert, bevor er noch einsah, daß ein von Polizei wegen redlich verdienter Anzeigegulden erst bei erfolgreicher Festnahme eines Denunzierten ausgezahlt werden könne. Als zweiter kam feine Herrlichkeit. Der Graf stand artig auf, drückte dem Gelehrten die Hand, ließ ihn sich setzen und donaerstag, S. dezember verkebrS über die Nordsee eine Lufipostverbindung zwischen Schweden und England einzurichien. Von der englischen Reg'erung wurde geantwortet, daß sie sich mit der Frage der Einrichtung inter- nationaler Luftverbindiingen bereits näher befaffe. In der letzten Nummer des. Prometheus', dem wir auch obige Ausiührungen entnehmen, beschäftigt sich ein Mitarbeiter mit dem Thema, welchen Anteil Deutschland an einem künftigen Flug- postverkebr nehmen würde. Einzelne Grundgedanken dieses Artikels sind nicht von der Hand zu weiien. Die Ootimisten berufen sich am die Tatsache, dah jetzt während de» Kriege» viel Flugzeuge ge« baut woi den sind, die nach dem Kriege zum Teil noch für Friedens- zwecke Verwendung finden könnien. Mit Recht weist der„P>o- melbeuS' dieses Argument zurück. Die im Felde gebrauchten Ma- ichinen düiflen kaum noch verwendbar iein. Der Lustpostverkehr ver« langt eigene, iür»eine Zwecke gebaute leistungsfähige Strapazier« maichinen. Und der kapitalistische ErwerbSgeist, der ge« steigerte Rhythmus im Wirtichaitsleben wird auch die neuen Formen der Verkehrsmittel, die hier das Flugzeugweien möglich macht, Iii seine Dienste nehmen. Wenn auch das ZulunfiSbilv sehr optimistisch ist: Deuischland als Zentrale des LuilpostverkehrS, Berlin als Sammelpunkt aller Linien nach Ost und West, nach Süden und Norden, nicht nur mit den deutsche» Giohstädten, iondern auch mit den Weltstädten de» Auslände», so ist doch damit zu rechnen, dah nach dem Kriege da» Flugzeug als Verkehrsmittel noch eine große Zukunft hat._ R. W. Streckungsmittel für Tabak. Bei dem grohen Mangel an Tabak ist e» erklärlich, dah man versucht, olle möglichen Pflanzen als Ersatz heranzuziehen. Auf dem Lande ist denn nun auch der verflosiene Sommer fleißig benutzt worden, um Tobokersotzstoffe zu sammeln. Es sind da an erster Stelle die Blütenblätter der Roie zu nennen, die mit angenehmem Aroma verglimmen. Die abfallenden Blütenblätter, ttoinenilich jene der roten Rosen, werden gesammelt, in flachen Schichten an der Lust getrocknet, und dann dem Tabak beigemischt. Ein anderes Mittel, den Rauchtabak zu strecken und zu verfeinern, gibt die getrocknete Lindenblüte, die nach Eut- fernung von Stiel und Deckblatt dem eigentlichen Rauch- tabai zerkleinert beigemengt wird. Der Tabak soll durch diese empfohlenen Blütenzu'ätze an Güte und Belömmlichkeit keineswegs einbüßen. Z» den von allersher bekannien Strcckmitieln und Ge- ruchSzusätzen für den Tabok gehören u.a. getrocknete und zerschnitiene Spitzwegerichblätter, das Laub von Sauerkirichcn, Huflattich, Wald- meister und Lawendel. Allein werden diese Blätter wohl nie als Tabakersay gebraucht. Meist werden größere, an sich nicht wohl- riechende Bläiier vom Nußbaum, von der Buche ukw. benutzt und durch die feineren Blätter.parsümiert'. Vor dieser Benutzung von Baumlaub warnt Richard Lippmann. weil die Blätter nur aus Holzfasern be- stehen mit hohem Kohlstoffgehalt. AIS angenehme und unschädlichste Rauchblälter empfiehlt er auf Grund eigenster ouSgedehnicr Versuche Hopkenblätter, die bei ihrer Lagerung und Behandlung eine Gärung durchgemacht haben. Diese Hopfenblälier solle« iiiiter der Bezeichnung»Karlsbader Rauchblätter in den Verkehr gebracht werden._ Notizen. — Für 8 Millionen Gemälde wurden am ersten Tage der Versteigerung Kaufmann umgesetzt. Die Bilder von Meistern, deren Namen bis auf Pieter Breugel den meisten Nichtkunsthtstoriker» kaum bekannt find, brachten e« auf je über 300 006 M. Der Breugel, der das Schlaraffenland sehr volkötüliilich darstellt, kommt durch Schenkung in die Münchener Pinakothek. Die Familie Kaufmann stiftete einige weniger bedeutende Bilder dem Kaiser-Frredrich« Muieum. Den Ehrgeiz, ganze Sammlungen zu schenken oder zum Selbstkostenpreis dem Staate anzubieten, haben deutsche Sammler leider nicht mehr.— Am DienSiag begann der Bei kauf der Bronzen, der im Verhältnis zu ihrer Grötze und Bedeutung auch ganz unge- wohnliche Preiie eintrug. — Der Verband der Freien Volksbühnen ver- anstaltet sein IV. Konzert am Sonntag, den 9. Dezember, abends l/.ß Uhr, in der alten Garniionsirche, Neue Friedrichstrahe. Der Hof- und Domchor wird Chöre von Palesttina, Lotti, Caldara, Bach, Corsi u. a. zum Votrog bringen. Der Organist von St. Michaelis in Hamburg. Herr Alfred Siltard, spielt Orgelwerke von Bach und Cssar Franck. — Vorträge. Im Leising-Museum spricht Donner«- tag P. A. Melbach über I, I, Winckelmann und liest au« seinen Werken.— Im Monistenbund ipiicht Freitag abend 8'/« Uhr, Tauentzienstrahe 7 I, Profeffor Heinroth über»Tier» Psychologie'. schickte Besl hinaus, der sich mit empörter Miene über diese» Mangel an Vertrauen entfernte. „Magnifizenz, hätte Sie nie herbemüht, aber neuerliche, äußerst peinliche Vorfälle im Professorenkollegium und in der Studentenschast zwingen die Regierung zu schärferen Schritten. von Ew. Magnifizenz Kenntnis zu geben nicht nur Courtoiste.* sondern sogar Amtspflicht ist." Die Herrlichkeit rückte umständlich ihre Hornbrille zurecht und machte ein besorgtes Gesicht. „Weiß schon, Herr Graf, mein Kompliment zu dienen." begann er fett und salbungsvoll.„eS ist ein mißratenes Glied der.�Ima mater der Exstudiosus Peißer, den aber die hiesige hohe Schule schon abgestoßen, so wie in der heiligen Schrift steht: So dich ein Glied ärgert, so reiß' es aus,. „Es ist nicht der Peißer allein, der übrigens, wie mir scheint, nur durch eine Verkettung unglücklicher Umstände tief gesunken ist," begann der Graf,»es ist auch der Pro- feffor..." »Widmont. ich weiß," nickte der Rektor. Eine böse Sorg« fürS ganze Kollegio, seit wir erfahren, wie schlecht angeschrieben und verfeindet er mit allen Gutgesinnten ist. Aber die libertas docendi, die er mißbraucht, gibt unS leider kein Mittel— außerdem erfreut er sich seiner hohen Gelehrsamkett halber besonderer Gönnerschaft am Münchener Hof, der Ministor Knöpfl selbst hat..." „Herr von Knöpfl ist seit gestern nicht mehr Minister"— unterbrach ihn Morawitzky,„ein Kourier brachte noch heute Nacht..." „Oh. Exzellenz, dann steht gar nichts im Wege. Wegen der venia legendi... das läßt sich machen. Der Freiheits- brief der Universitas sagt zwar, kein Magister und Professor der Fakultäten darf seiner Lehre halber enthoben oder seiner Ueberzeugung wegen verfolgt oder ohne Einwilligung der Fakultät verhastet werden— aber pro prijno, wir verfolgen ihn ja gar nicht, trotz der fortwährenden blarae, so er der AcacUinia bereitet und der Gefahr, ihr bei der Regierung alle für ihr Bestehen so notwendigen Sympathien zu ver- scherzen— und secundem ordinam ist dieser Freibrief selbst anfechtbar, denn er stammt von Herzog Ludwig mit dem Haft und wie Kueißl behauptet, sei dieser Fürst mit dein kleinen Kirchenbann belegt, alle seine Verordnungen also da iura divi anfechtbar, wenn nicht rechtsungültig. Das gleiche sagt das Corpus juris canonicus da mataria Hanricus quator... Und eS ist per aa&logiam nicht unwahrscheinlich, vorausgesetzt, daß..(Fortt. folgt) Weilroachtsseschenke ss frühzeitig kaufen 1 � Leipziger Straße 97 und Königstraße 46 Juwelen* Ulwren Oold-' imd&IIS3 er warem Besonders empfehlenswerfe OcschcnSc-Artik«! Silberne Handlaschen Qoldene Qliedcrbänder tnlt£ds.at«incn rerzieit Oiiizier-Sioielnnge Silberne Zigaretteneluis H a I s k e 1 1 e n mit moderoen Anbäi gera Chitelaines Dimeu- und Herrenketttn Armbanduhren Gold. u. silberne B'eistifie Juwelen, Perlen werden zu hohen Preisen angekault oder in Zahlung genommen. GeEe�estheSSskistfe! t©©©@ s htükinstnniMntc preis v/ert «im Verkauf MuilWiauTMänzItSVlS Am Alexandorplats rähn8m.echt.HiiitsÄ 3,50 Hei SthcIIunfl v. Gebissen geaiiS. Goidlronen v. 2(i M. an. Zpcz.: �um.� Istinprsiis Muni. I�Vä. LungkA »nd Halökranke. Verlangen Sie kostcnsrei belehrende Broschüre über .>>e>!ineihode ohne Bcrufsftöruug. Sanitättrat Dr. Ambul, Berlin 117, Potsdsmei- Str. 123b II., erhält derjenige, der nachweilt, wo die am 30. 11. er. nachmittags von dem Kutscher Rodert Lange. 17. 11. 80 Nietz geboren, gestohlenen Pferde und Säcke ver- blieben sind. Lange bat den ihm anvertrauten Wagen in Lichten- bcrg, Jungstr. S, stehen lassen, während er die Pf.rde und zwar 2 staritwochige große Fuchswallache sowie die auS Säcken und zwar 2000 Imentsackell. 600 ZncktMtll tmii 400 Mrhlsiickkll bestandenen Ladung beiseite geschafft hat. Sämtliche Säcke itugen AnbänaeetikettS mit dem Firmcnaufdrnck..«ii-set,&€iIUckt>teln". sleder, der zur Wiedererlangung deZ gestohlenen Gutes und Ci gieffung des Täters beiträgt, erhält eine hohe Pelohunng. Meldungen nimmt die Kriminalpolizei, Zimmer 33, und die geschädigte ssirma Sri»«,- A OlücLstdn. Prenzlauer Allee 36, entgegen. 108/10, Spezialarzf IDr. med. Cotomnnnfl f.Geschlechtskranlch., Hsai-,_ Harn-, Frauenlaidan, nervfis. 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Wilson hielt heute im Kongreß ein« Rede, in der er sagte: $dk«:ll nicht darauf gutüdKomtneir. die Ursache!! des Arieqo« und die Zeit de? unerträglich«: Unrechts, da» von den wcheilvoSen Herren Deutschland? u;;? zugefügt oder gegen im» gzplant wurde. gu besprechen Da? ist seit langem jedem echten Ämerilanar in zu großem Maß« offensichtlich und verabscheu ungdwüichig geworden, um sein« Wiederholung rimw«.idig zu machen. Aber ich mächt» Sie auffordern, wiederum und mit sehr genauer Prüfung unsere Ziel« und die Rrtrel. durch welch« wir st» erreichen wollen. zu überprüfen. Dem: der Zweck der Besprechung hier an diesem Ort iü Handeln. Und unser Handeln muß sich in gerader Richtung auf die endgültigen Ziele hin bewegen. ES ist natürlich unser Ziel, den Srirz zu zewinuen und wir werden unsere Schritte nicht verlangsamen, twch worden loir un.» vom Wege abbringen lassen bi» er gewonnen ist. Es lohnt sich nun, die Frage zu stellen und zu beantwort-etr: Wann sollen wirdenÄriagalSgewonnenbetrachten? Von einem i'iesichiSputitte aus ist es notwendig, diefe Frage von grundleMiiider Vedeutm� aufzurollen.?!ch zweifle nicht, daß das ameri.'anifch« Volk weiß, um wo« e» fleh bei dem Kriege dandokt. und vx'kckx?» Ergebnis e? als die Aerwirflichung feiner Ziel« in dwirm Ktiioge betrachtet. AIS Nation find wir uns im leiste und in unseren Absichten einig. Ich:nHte wenig auf dicjenigon. die mir atwaS andere« sagen. Ich bSre Siimnum. die anderor Meimnig find. Wer täte da« nichtf Ich bäre de«?ad»l und da» Murren der Sckreier. der Gedankenlosen und der Unruhestifter. Ich seh« auch, wie Leute hier und da über den Frieden reden, die weder«lwa« von seinen G' ilndlagcn, noch von den Mitteln ver- stehen, durch den wir ihn mit aufrechünn Blick und ungebrochenem WcifE, erreichen fliinmt, aber ich weiß, daß keiner vgn Ihnen im vcamen der?!otion spricht. Sie rühren niemand da» Herz. Sie nrögan ruhig beiseite gelnho» und vargesjen werden. Aber von einen! anderen GestchtSpunkte au» ist«» notweichig, tlair zu sagen. wo» wir hier, dm wir zu handeln baden, als Zweck des strirge» brtrmftoan und welche Rolle wir bei der Regelung der sich au» ibm ergebenden Grundfragen spielen wolle». Wir sind die Sprecher des atwerikmii schon voflleS, und bicfc« Ball hat das Recht zu erfahren, ob fein Ziel da» uns«« ist. G» wünscht den Frieden zu erlangen durch Uebar wältigung de» llebcl», invem ein für allemal die finsteren Machte geschlagen werden, die den Frieden unteübrochen haben und ihn unmöglich machen, und es wünscht zu wissen,- wie eng sein« Gc- danken mit den unseren verbiutden sind, und Wae ivir zu tun be- absichtrgcn. Cb ist iinnülliz. tief entrüstet unwillig gegen jene Leute, die den Frieden durch«in« Ar« Kompromiß zu er» langen wünschen, aber e» wird denselben Unwillen gegen uns richten, wenn wir ihnen nicht Aar machen, wo» unser« Ziele sind. und wa» wir Planen, indem ivir den Frieden durch dir Wailen zu erobern suchen. -dküs KriegSNLlK. «J/*»/ Ich glaub«, ich spreche für da» und ich sag! zweierlei: ersten», daß dies« unart räg!ia>e l-richeinung. deren häßliche» Gc- stcht die Herren Deutschlands uns zciger:, bisse Badro- hung durch Lnirige, verbunden mi: Ttärke. als welche wir di« deutsch« Macht je»: so deutlich sehen, obn« Gewissen. Ehr« od«r Eignung für eiacn durch Peri�ag gelchlostenen Fried«», zu Boden geschlagen und. wenn nicht völlig aus der Weit gefchasst, so doch von dem frctmdlichen BeiVhr Zwilchen den Völkern aaSae. schlössen werden muß: zweir-ms, daß. wenn diese Srscheinvrs und ihre Macht wirtlich besiegt ist. und die Zeit kommt, wo iftjs über den Frieden verbandeln können, wann da» deutsch« Volk Eprochsr haben wird, deren Dort wir trauen können, und wenn dies« Sprecher bereit sein werden, namen» ihre» Boll«» ein allgemeines Urteil der Nationen darüber anzune innen, was künftig Grundlage für Gesetz« und Verträge über das Lüben der Welt lein soll, daß wir donii willig und frob fein worden, den vollen Prei« für den Frieden zu zahlen, und dies olune Murren. Wir wissen, welche» dicftr Brei» frin wird: rS wird die volle uu parteiische Gerechtigkeit sein. Gerechtigkeit in jeder Beziehung und ftr jedes Volk. Dieses schiießliche. Ueöereinlommen müssen unsetc Feinde ebenso gut wie unser« Freunde abschließen. Witihittflkott, 4. Dezember.(Rcutcr.) In seiuer Absprache an den Kongreß einpfiehlt Wilson, Oostcrrcich-Ungarn den Krieg zu erklären. Washington, 4. Dezember. fReuIer.s Eine vom Genat und dem RepräsentaittenhauS zu beratende Entschließung. welche erklärt, daß zwischen den Dereinigteu Staaten und Oe st erreich- Ungarn. Äulgarien und der Türkei der Ll r i e g S z u st a n l» b c sl c h t. ist im Senat eingebracht und ohne Vcrhandlnttg an den Ausschuß für Lltchwärtige An gelegenheiten verwiesen worden. Eine Kriegkerkläriing Ameriko» an unsere verbündeten wäre in erster Linie eine Dcinonstration de? unverminderten Kriegt- willens. Tstelleicht soll dies« Haltung der enrapäischen Besi- «nteMe Mut machen und sie llver da» AuSschtiden Rußlands hinweg- trösten. Ver». S. Dezcmber.(Meldung dcr Schwcizcnschen Depcichen. "tgentur.)„Journal de Geneve" meidet: Der GeschäftSträgoc der Gesandtschaft der Bwcinigten Staaten in Berit übergab am ll. De. zembcr dem politistben Departentent eine Not« Amerikas. die den Bundesrat venachrichtigt. daß die vetetnigte» Staate« formell die Keutrelitat der Lchweiz anerkenne« und in vollständiger Nebereinstimmung mit der Haltung ihrer Berbündc ton erkläre», die Nentrolität der Schweiz und die llnverletzlichkctt ihre« Gebietes solange zu achten,«lb die Eidgenosseu schalt ihre Neutralität aufrechterhalten wird. Die sonnell« An- erfcnnuirg der schweizerischen Neutralität durch die Vereinigten Staaten, welche die Verträge von Wie« und Part» nicht unter- �eickmet haben. isteineDatsackie vongroßer Bedeutung für die Stärkung inid Festigung der internationalen Stellung der Schweiz. KrteKensdebatte in See türkischen Kammer. Konstatrtinopel, 4. Dezember.(Meldung bot Aigentur Müh) Fm Laufe der Debatte im Parlament ergriff der sozialistische Wgeovdnei« von Konsrantinopel, S: l a h B e y. Sa! Wort. Nach- dem er sub mit der in demokratischer Richtung sich be- weganden Entwicklung in Deutschland und mit dem Emporkommen cir.ec sozialistischen Regierung in Rußland befaßt harte, hob er dt« von dieser Bewegung ausgebende allgam«t»teLnzi«h u ng Skr aft hervor und forderte die Re» gterung auf. sich darauf vorzubereiten. Auf die Frtedensftags übergebend, drückte«r der Regierung für ihre für den Frieden gün» 'sigen EnAärungen feinen Dan! au». Indessen, fügte er hinzu. bat far! Regierung erklärt, daß wir den lvrieg für unsere Befreiung und Unabhängigkeit um ieden Preis fortsetze» werden. Wir mochten die Regierung dieselbe Entschlossenheit und Ausdauer«u- falten sehen, um zu einem Frieden um jaden Preis zu lammen. V a l y Bei), Achgearbnxter von Jtthhi. wandt« sich gegen die AuSsührumzen feinet fozi akustischen Kollegen«elah Beh und er- llarta: W'.r wollen sicherlich Frt«den, aber wir wollen ihn nur unter der Bedimsiwa. daß er die Bestrckbnngen sichert, die un» de- wogen. hobsn. d-n.Krieg zu fübven, das heißt volle, unumschränkte Unversehrtheit des Reiche». Ich lenke die Auftnerksamkett der Regierung auf diesen Punkt. Wann werden wir die Feinde, die unseren geheiligten Boden schänden, vertreiben unrer Mithilfe unserer Bundesgenossen, von denen keiner mehr einen Fetnd im Land« stehen hat? Der Minister dcS Aeuhern«widerte: Ich habe bmtls die Srtlärung ebgegsben. Saß die vom Fe-.nd««folgt« Besetzung gewiiser Teile unsere» Gebiete» nur vorübergehend sei. Ich gründe dieses Vertrauen auf die Macht und Festigkeit unsere» Bündnisses, auf den Berlaufdcr Ereignisse an der Oft front und auf die gegenwärtige Entwicklung un lerer mikitärischen Lage. Ich richte außerdem die Bitte an Tic, zu unscrrm MntmiS, doS durch so viel mit unseren mächtigen Verbündeten gerne infam vcrgaisencS Blut festgekittet ist, volle» Vertrauen zu haben. Ms ösn Kämpfen Oftafritas. Ehrenvolle Wasfcnstrcckung der Dafelschen Ttreitmacht. Sotidnu, 8 Dezember. Der Vertreter de» Veuierschen BnreouS bei den cnglii Tonnen». Der Chef des AdmlralstabeS der Marine. Die pariser Ententekonferenz. Die Tchluftredeu— Bollkommen« Einigkeit. Paris, 4. Defltmher.(jfaoasmeloung.) Bor Aufhebung der Tchurrg der Konferenz der Allncrten hielt ver Berweter Wilson». k>h« r st H 0 u s«,«ine Rcd«, in der er auSfübrte: llnsere Beratun- gen waren gekennzeickmet durch Gleich st«llung und Einig- keit der Ansichten, welche, die besten Ergcbnifl« für dt« Zu- kunst versprechen. Ich haSe dig feste Ueberzeugunz. daß wir durch vereinigte und zu sammengefaßi« Anstrengungen da» Ziel er- reichen können, da» wir un» gesteckt haben. (läNneneeau schloß di« Konserenz der Slklneoten mrt folgender '■fcbe: Ich kann mich de» Gebonkenö nicht arwehren. daß. wenn die hiftwaische Freundschatt. die in glorreicher Vergangenheit die fron- ziistsch« und die omerikan'schc Natron vereinigte, für un» chrc Lehren hat, die gänzlich« Beseitigung alter Feindselig. ketten nicht minder lehrreich ist. In früheren Zeiten waren wir Freunde Amerikas, aber Englands Feinde. Tapfer und«heiich kämpf» n einst Franzosen gegen Engländer auf dem Land« wie zur Li'.». Heute päSen tich dies« Heiden Völker ganz ihrer soltdorische« freundschaftlichen Arbeit bin. — ES gibt hier weder große noch klein« Nationen mehr. All« Volker sind groß, die für da» nämliche Ideal„Gerechtigkeit und Froihen' kämpfen und zum Besten ihrer Zukunft ihre Opfer darbringen. Sie merfKn hierfür: n Bälde herrlich belohn! werden. Wenn ich ZeitungSmeldungen glauben darf, so hat sich jenseits der Echützengradui ein« g« w ich» 1 g e S ti m m« erh�n, die sich über dies« klonferenz lustig mach i. ES liegt aber hier kein Grund zum Spott vor. Unsere Feinde, denen nichts über brutale Gewalt geht, können un» nicht begreifen. Wir all« find tn den Kampf g?» zogen unter dem Gebote de» menschlichen Gewissen«. Wir wollen dieselbe Verwirklichung des Rechts, der Gerechtigkeit und der Freiheit, auch wenn man auf der anderen Seite de» Rheins nicht versteht, daß d>e Welt unseren Sieg erwartet. Und er wird kommen. Alle die Völker, deren Vertreter biar wmlen, sind ci.rö in dem Willen, den Triumph der größten Sache zu erkämpfen. Wir ar- beiten. um mit Waffengewalt das Recht auf Frieden zu gewinnen. Paris. 4. Dezember. iHavaS.) Im heutigen Ministerrat gab Pichon die Ergebnisse der Alliiertenkonferenz bekannt. Di« Konferenz habe unter allen GeficktSpunften Eraeb niste gezeitigt, zu denen man sich beglückwünschen tonne. Sie Hab« c» gestattet. die Einheit des wirtschaftlichen, finanzielleu und militärischen Handeln» sicherzustellen. Auf der Grund- läge vollkommener Einmütigkeit und enger Solidarität feien zwi- schen den Alliierten Abkommen geschlossen worden zur Lösung der Fragen, die ihre gemeinsame Rolle im Krieg? angingen. Die finau- zielien Bedürfnisse der Alliierten, die Erfordernisse ihvcr Bev>ass- trung und ihre Tran'po:i- und Lörpflcgungtvcrhältnifse seien Gczcu. Prüfung gewesen und hätten zu Bc> schlüsien, die ibre vockkommene Bei-iedignn» ver�üügten. geführt. Di« Sckiett««» eines tnieeelltierton obeoslen R«i»e-»lusiötnkie» sei g«vl>e.nt. Vom Ttrilftärftchen Standpunkt uuS i« die E t n b e i t d e» Handeln» auf den Weg gesicherter Verwirklichung gebracht mor- den durch-inen Generolitab der Alliierten, der nach einem Pro. gramtn, daS sich auf alle auf Äcr Tagesordnung stehenden Fragen hzziekst. zu arbeiten haben würde. In diplomatischer Beziehung hätte sich zwischen de» Vertretern der Mächte vollkommene Heb e re t n st i m m u n g über alle Angelcgenheften ergeben, die sie gemeinsam zu regeln hätten, um den a l lg« m c i n e n. S i« g ilirer Länder zu sichern. Madrid» b. Dezember. lFunkspruch de? Wiener K. K. Telear.- Krrrrsp.-BureouS.si Einer Meldung de» Blatte»..Narion* zufola-. werden in Güdsrankoeich zwischen Bavonne und Dax angeblich Truppenlagcr für Amerikaner und in Pau Truppen- lag? 7. für«ültld! Amerikanrr oder Engländ?r errichtet. Auch soll «wischen Bavvnne und Saint Jean de Lug: ein Lager für eitw neu« amer kanische Truppe nabretlung vorbereitet werben. Lonsöowne findet Zustimmung. Bern, 4. Dezember. Der HarlamentSberichtcrstattcr von »Daily?!eioS' und.Daily Mail" melden, daß der Btlcf Lansd ow n eZ am Donnerstag den HauptgesprächSstoff in den Wandelgängen de» Unterhauses bildete und allgemein al» poliii- fches Ereignis ersten Ranges angesehen wird. Der Be« lichter Natter von»Daily New»" gibt an, daß unbeschadet der ab« lehnenden Haltung zahlreicher Abgeordneter mit extremer Tendenz viele Konservative, denen man derartige Ansichten kaum zugetraut hätte, den Brief al»„den Tatsachen entsprechend und gkeignet, die Uebeezeugung eine» großen Teile» der öffentlichen Meinung auszudrücken", bezeichneten. Noch allgemeineren Beifall findet der Bries bei den Liberalen, von denen ein angesehene? Mitglied sagte, der Brief, der fraglos die Ansichten eine» brdenten« de» Teile» de» englischen Volke» ausdrücke, gäbe der englischen ilriegspolitik nun eine ganz neue Orientierung. Auch d:e Mitglieder der Arbeiterpartei seien ganz einverftaaden mit dem Briese. Verschiedentlich sei die Hoffnung ausgesprochen worden, daß man ihn in Teutschiond nicht mißverstehe» mächte. Ter Berichterstatter von»Daily Mail" bemerkt, eurer der Beweggründe de« bedauerlichen Friedensappell« LanSdowne» sei vermutlich die von Lentn angedrohte Streich ung der rufst- schen Staatsschuld, die den englischen Geldlettten und Rentnern schweren Schaden zuillgen würde. London, 4. Dezember.(Reuter.)»Daily Expreß" teilt mit. daß Addison die Stellung al» Mimsicr für öffentliche Gesund- heitspflege angenommen habe. Man hofft noch vor Weih- nachten den Gesetzentwurf betreffend Einrichtung diese« MinrsteiiumS zur Annohme zu bringen, der den ärztlichen Beruf verstaatlichen und jedermann freie ärztliche Behandlung sichern soll. Tisza gegen öas Selbstbestimmungsrecht öer Völker. C'zrrnius Auffaffung. Budapest, 4. Dezember, llngarische Telegation. Nachdem Gras Ezernin seinen Bortrag über die auswärtig« Lage beendet hatte, ergriff Graf Tisza das Wort und sagte, er müfie die erste Gelegenheit ergreifen, um aus» Entschiedenste gegen das Schlagwort vom Delbstbestimmungsrecht der Völker Einspruch zu 1 erheben, wenn diesem eine solche Bedeutung gegeben werde, daß die I inneren Angelegenheiten her Monarchie inter- uationaleti Charakter erhielten, so daß die Monarchie gewissermaßen unter die Vormitndsckafi eines internationalen Gerichts- hose? gestellt würde. Der Redner erklärte, er richte kein« Frag� ob den Minister de» Acußern; er witede. schon die Bloße Vorüut. ietzung beleidigend finden, daß der Minister de» Achckcrn etwck» ander«« tür. konnte, ol» mne solche Lomutung entschieden ßufcu»-' zuweisen. Gr»olle nur vüvstchvttt. daß dte ganze öftmlNch» Meinung und jeden Etaatsfaltor und selbsN'erltqnfistch auch die ungarische Delegation ouk das Entschiedenste fordere, stoß je.de> versuch, unser? inneren Fragen zu« Gegenstand einer Be- sprcchung zu machen, von vornherein zurückgewiesen werde.(Zu- stimmung.) Graf Julius Andrassy schloß sich al» Redner der Regierungspartei den Vemcrlungen de» Grasen Tisza an. mit dessen Ausführungen er sich in vollkommener Uebcr?instinimu»g befinde. Hierauf ergriff fcras Czezuin das Wort. Gr verwies auf die Stelle der Thronrede, wo gesagt wird, daß wir da« Schwert »ticht aus der Hand legen werden, solang« nicht unsere Feinde ihren wahnwitzigen Aufteilung»- und Bur-' gewaltigungSplänen unzweideutig entsagt haben, und ihre Einmischung in dte Geschicke der Monarchie ausgeg.oen haben. Der Minister de» Aeußeni stallte dann noch fest, daß die groß« Mehrheit der österreichischen Delegation den gleichen StandMinft einnehm?. * Der Begriff des..SelbstreitiiNmungSrecht» der Völker" ent- hehrt allerdings sehr d?r Klarheit. Im diplomatischen Sprach- gebrauch wendet man ihn gern« an. wen» ma» durch ihn eftna» kriegen kann, verabscheut ihn ober, wenn er etwa» koste» soll. Die Unterhaltungen mit den Russin übt- diese» Begriis werde» jedenfalls sehr interestai« werden. daszpnski über Sie Zukunft Polens. Budapest, v. Dezember. Der Peästdent der polnischen-Sozial- demokraten, der österreichische Abgeordnete DaSzhnSli. erklärt« über die Polensrag« dem Wiener Berichterstatter des.Az Est": Unser Arogramm ist die Angliederung GasizienS a» Polen nnd di« Per «inigvng dieser Länder zu einci» sclhstiiobigrn Skoakr, der mit Orperrrich-Nngar« rine Prrsonolunion ringrht. Eine natürliche Folge der Personalunion ist eine selbständige polnische Ann««. Mit dem vegriff der Perionoiunion ist auch eine Zollgemeinschafc und ebenso «ine Milttärtonventiott mit der Monarchie sehr gut vereinbar. Dies« Lösung der Polensrag« hat da« SuSwärttge Smr sich vereit« z» eigen gemacht. Wir stehen auf der Basis der dualistischen Staat»- sonn der Monarchie und verurteilen olle tschechischen Forderungen auf gewiss« Teile Ungarn». Leiste Nachrichten. Der österreichische Ausgleich angcnommr». Wien. S. Dezember. Das Abgeordnetenhaus hat die Bor« lagen betreffend Sie AuSgleichSprovisorien mit Ungarn»ngr- nommen. Bezüglich einer Anfrage Eianek-Ksrosce wege» SS er« st ü m m e l u n � der russischen Zirkularnote erklärte der Mmifierpräsident, daß eine gleichartige Frage in der Delegat ion eingebracht worden sei, wo sie Erörterung werde finde» können. Tie Wiederherstellung der Fttruleiinnsrn. Berlin, s. Dezember. Die WiedcrheritellungSarlxiten an dc.! Fernleiwngen nach außerhalb nehmen guten Fortgang. Bei- zögerungen treten noch im Berkdft nach Süddeutschland, Westssitr», dem Rheinland und nach Hamburg ein, GewerffchHsbewWng verlin und Umgegeno. Forderungen für de« neue» Militärsattlertarif. Am 9. September beuten die Militärsattler die Kündigung des Reichstorifs beiSlosien. Nickt, um ihn zu beseitigen, sondern um ihn in dem Sinne zu verbessern, dntz es den BerufSangebörigen möglich ist. im ollgemeinen annähernd pleicke Löhne zu verdienen. Bestimmte Forderungen hatte die Versammlnnq, welche die Äündi» gung beschloß, nickt aufgestellt, denn sie wollte der Zentroltorif- kommlssron. welche den neuen Tarif vorzubereiten bat. die Arbeit nicht erschweren. Nun find aber ieit der Kündigung 21'3 Monate vergongen. obne daß die Zentraltarifkommission etwas getan hat. um den neuen Tarif vorzubereiten. Da» muß um so mehr auffallen, als auf Verlangen der Unternehmer beim Tarifabsckluß die ungewöhnlich lange 5ii1ndiciungsmst von sechs Monaten festgesetzt wurde, während die Arbeiter drei Monate für genügend hielten, um den neuen Tarif vorzubereiten. In der am Dienstag abgehaltenen Versammlung der Militär- sattler führte der Referent Schulze aus: Die Arbeiterdertreter in der Zentraltarrfkommi'sion traaen an deren Untätigkeit in der Tarif- frage keine Schuld. Vor allem müßte der unparteiische Vorsitzende der Kemmlision Veranlassung nehmen, die Vorarbeiten für den Abschluß eine« neuen Tarifs in die Vsege zu leiten. Daß eS bis jetzt nicht geichah, ist zu bedauern. Die sstirückhaltmrg der Unternehmer mag sich wohl daraus erklären, daß sie hoffen, nach Be- endigung des Krieges mit dem Abbau der Löhne voraeben zu können.— Da die Zentraltarifkommission bis jetzt nichts für die Beratung �des neuen Tarifs getan hat. so bat die Branckenleitung der Msiitäriattler�irr Verbindung mit ihren Vertretern in der Zentraltarifkommission Vorschläge für den neuen Tarif aufgestellt, die dahin gehen: Das neben dem Tarif bestehende Kriegsprotokoll. welckeS die Bestimmung enthält:.Während der Dauer des Krieges wird ein Kriegszuschlag gezahlt.'... ist aufzubeben. Die Kriegs, uschläge sind in die Grundlöhne einzurechnen und diele so zu bemessen, daß höhere Löhne geringere Zuschläge erhalten als die niedrigeren Söhne, damit ein gerechter Ausgleich im Verdienst geschaffen wird. Dabei ist die Qualitätsarbeit aber höber zu bewerten als die nickt yualisizierte Arbeit. Die Zutaten sollen vom Arbeitgeber unentgeltlich geliefert werden. Die tarifmäßige Ueberstnndenenisckädigunq soll wieder eingeführt werden, da Ilefteriiunden im allaemeinen keine Notwendig- keit mehr sind, sondern die Arbeiten obne Leistuna von Ueberstnnden bewältigt werden können. Endlich soll die Heim» und Zwischen- meisterorbeit durch die Zentraltarifkommission in zeitgemäßer Weise beschränkt werden. Schließlich betonte der Referent, daß die Branchenleitung sich aus das unbedingt Notwendige beschränkt bat und erwartet deshalb, daß ihre Forderungen eriüllt werden. Trotzdem ist zu erwarten, daß die Unternehmer den Forderungen Widerstand entgegensetzen werden und daß es manche Schwierigkesten bieten wird, den neuen Tarif so zu gestalten, wie eö den berechtigten Interessen der Arbeiter entspricht. Eine Tarifdauer von zwei Jahren hält die Bronckenleitung für annehmbar. Dem aus Unternehmer- kreisen lautgewordenen Wunsch, den neuen Tarif bis sechs Monate nack Beendigung des Krieges abzuschließen, können die Arbeiter mit Rücksicht auf die nach dem Kriege voraussichtlich eintretenden Erwerbs- verhältnisie nicht zustimmen. Die Versammlung erklärte sich mit den von der Branchenleitung aufgestellten Forderungen einvetstandcn. Lohnforderungen der Gastwirtsgehilfe«. In einer stark besuchten Mitgliederversammlung de« Verbandes der GastwirtSgehilren, die in der Nacht zum Mttwoch im Germania- saal abgebalten wurde, besprach ZeiSke die Lohn- und ArbestS- verhältniffe im Berliner GastwirtSgewerbe. Wie der Referent aus- führre, hat der Verband während der KriegSzeit eine große Zahl von Lohnbewegungen in den einzelnen Gastwirtsbetrieben niit Er- folg durchgeführt. Dadurch bat ein erheblicher Teil der Gastwirts- gebilfen Lobnanfbesierungen erhalten. Am stärksten sind dabei die Angestellten in Caföbäuiern beteiligt, die gut organisiert sind. In ge- ringerem Maße find die Angestellten m Restaurants und Saolgeschä iten an den Erfolgen der Lohnbewegungen bereiligt. Tie auf Verbesierung der Lohnverbältnisse gerichtete Tätigleit de« Verbandes stieß bei den Unternehmern auf erhebliche Schwierigkeiten. Wo Forderungen gestillt wurden, drohten die Unternehmer oft mit der Einstellung von weiblichem Personal. Auch bessere Vereinbarungen wurden von manchen Unternehmern nickt innegehalten, in der Hoffnung. bei Differenzen die männlichen Gebilfen dnrck weibliche Arbeitskräfte et setzen zu können. Wenn eS trotzdem gelang. in mehr als 300 Betrieben mit mebr als 2300 Beschäftigten die Löhne während der KriegSzeit aufzubesiern, so zeugt daS von der Bedeutung und der gewerlsckastlicken Kraft de§ Gastwirts- gebilfenverbandeS. Dock da die LebenSmittelteuerung fortwährend ste»gt, so sind die gegenwärtigen Sohnverhältnisie nickt mehr zeit- gemäß. Namentlich ist die Entschädigung für Kost bei den beutigen Lebensmittelpreisen zit gering. Ganz besonders aber»msien in den Betrieben, welche während des Krieges die Löbne nicht erhöht haben, entsprechende Lohnauibefferungen gefordert werden. Die Unternehmer machen jetzt ganz gute Geschäfte. Sie sind deshalb sehr wobl in der Lage, die' Löhne ihrer Angestellten soweit aufzu- besiern, daß sie den Zeilverhälluiffcn wenigstens einigermaßen ge« recht werden. Nach einer regen Aussprache stimmte die Versammlung den nachstehenden Vorschlägen des Referenten zu: Von der Ortsverwaltung zu verlangen: 1. Daß die während des Krieges nicht aufgebesserten Mrnimallöhne für Restaurant- und Saal- g e s ch ä f t e den Zeitverhältnisien entsprechend erhöht werden. 2. Daß dort, wo Kostentschädigung gezahlt wird, diese mit den jetzigen Lebensmittelpreisen möglichst m Ein- klang zu bringen ist. 8. Daß in den EafeS, in denen die festen Löhne unver- bältnismäßig niedrige find, für Erhöhung derselben Schritte unternommen werden. t. Daß für die Aushilfskräfte in CafeS der Minimal- lohri an Wochentagen von 2 M. aus 3 M. und an Sonn» und Fest- tagen von 3 M. auf 4 M erhöht wird. 5. Die berechtigten Forderunge« der weiblichen Angestellten sowie d«S gesamten Hilfspersonals sind hierbei in ausreichendem Matze z» unterstützen bezw. zur Durch- führuirg zu bringen. � 6. Die Leitung de« paritätischen ArbeitZnackwesieS ist von den Gefchehnisien auf dem lausenden'zu hallen, damit vermieden wird, daß billigere Arbeitskräfte den Arbeitgeben» ver» miltelt werden.' Beschwerde« aus de« Tiemcns-Bettieben. Von der OrtSverwaliung?e« Deutschen NetallarbeiterverbandeS wird uns geschrieben: Di« Beschwerden über ungenügende und ungleichmäßige Verteilung der Lebensmittel an die Arbeiterschaft der Siemens u. Halsle- und Siemens u. Schuckert-Betriede nehmen kein Ende. So wurde der Arbeitenchast des Siemens u. Halske-Werner- Werkes von dem dmtigen Konsum ein Esten verabfolgt, welches völlig ungenießbar. zum'Te»! mit Maden �ersetzt war. Eingelegte Proteste blieben bisher erfolglos. Auch ,n dem Charlottenburger Wert der Firma Siemens u. Schuckert werden fortwährend Klagen von der dortigen Arbeilerschasi geführt. In diesem Werke find erhebliche Quanten'Kartoffel, Sülze, Heringe uiw. infolge umach- gemäßer Aliibewahruiig verdorben. Wenn allerdings so leichtsinnig mit den knapp zur Verfügung stehenden Lebensmitteln gewirlichaslet wird, dann ist eS Aufgab« der«u'fichtsinstanzen. hier regelnd ein- zugreifen, damit die Verwendung als meuschUche Nahrung nicht in Frage gestellt wird. Lebhafte Klagen wurden auch über die zu hohe Preisberechnung der Lebensmittel im Verhältnis zu den in anderen Betrieben ver- abfolgten geführt. Hinzukommt, daß die Eßgeschirre sieh in einem höchst unsauberen Zustand befinden. Beschwerden über diese An- gelegenheit sind bisher gleichfalls überhört worden. Die Arberter- schait hat zwar Gelegenheit, sich mit der von der Direktion er- nannten ErnäbrunpSlommission in Verbindung zu setzen. Da diese aber keine Reckte besitzt, so verhallen alle Beichwerden nutzlos Der Koniumvorsiand handelt in allen Angelegenheiten so eigenmächtig, daß eine Aenderung des besagten Mißstandes ausgeschlossen ist. Bei der Direktion finden die Beschwerdeführer kein Entgegen- kommen, sie wüsten vielmehr damit rechnen, daß sie der Militär- bcbörde zur Verfügung gestellt werden. Daß daS Koniinenweken bester zu regeln geht, bewieien die in einer Versammlung gemachten SuSiübrungcn eines ArbeiterauSichußvertrelerS aus den Spandauer Staatsbetrieben. Dorr findet eine bis in das Ileinste geregelte Verteilung der Lebensmittel statt. Tre übermäßig besuchte Versammlung nahm folgende Eni- schließung an: Die beute am 27. November 1917 in den Moabiter Bürgeriälen tagende Betriebsversammlung der im Charlottenburger Wert der Firma Siemen» u. Sckuckert beschäftigten Arbeiter und Arbeiterinnen bestätigt die vorgetragenen Uebelstände bei der Ans- bewabrung und Verieilnng der Lebens- und Genußmittel. Die Ver- fammlung hält die Abhilfe dieser Mißstände iür dringend geboren und verlangt umgebend die Ncuwabl des ArbeiterauSichusteS iowie des Konsumvorstande« durch die Arbeiterschaft, um»o ein« Garantie der gewisienhafien und ordnungsgemäßen Bewirtschaftung zu er- halten. Gleichzeitig verpflichten sich die Anwesenden, in jeder Werfe für gemeinsames Beraten und Handeln einzutreten, um auf diele Art für eine bester« Entlöhnung der Arbeiten bei gesundheitlichen Grundsätzen hinzuwirken._ Erfolgreiche Lohubeweguugen der Metallformer. Aus dem Jahresbericht, den der Branchenleiter Bredow am Montag in einer Versammlung der Metallformer und verufSgenosten erstattete, gehl hervor, daß im Laufe dieses Jahres in einer Anzahl von Betrieben Lohnbewegungen geiührt wurden, die in den meisten Fällen vollen Erfolg hatten. Die sorrgeiexr steigende Teuerung veranlaßte die Arbeiter, mehrmals Lohnaufbesterungen zu fordern. In manchen Betrieben wurden drei-, auch viermal Forderungen ge- stellt, lieberall, wo die Arbeiter einig und geicklosten vorgingen, wurden ihre Forderun ren in vollem Umfange-erfüllt. So gelang es, im Laufe des Jahres die Löhne im allgemeinen nm 100 Proz. aufzubesiern. Die Stundenlöhne der Metallformer belaufen sich gegenwärtig auf 1.80-2.00 M.— In den Zinkgießereien gab es ö'ter Differenzen wegen Bezahlung der Wartezeit und der Feier» schickten, die eine Folize des Materialmangels sind. Di« Arbeiter wandten sich an den KriegSausschuß. der eine Vereinbarung zustande brockte, wonach die obne Verschulden der Arbeiter verursachte Ar» beilSzeitveisäiimnis bezahlt werden muß.— Alles in allem können die Meiallformer und Lernisgenosien mit ihren in diesem Jahre er- zielten Erfolgen zuftieden sein. veutsches Kelch. Zur Ausbeutung der Privataugestellte«. Die Berlin-Anhaltrs che Maschinenbau- A.-G. ge- hört zu den Unternehmungen, die in der Preise der Angestellten häufig, nie aber lobend erwähnt werden. Sie knebelt ihre An- gestellten rücksichtslos und zwar bei bockst unzureichenden Gehältern. Bor uns liegt das Original eines Vertrages, den ihre Kölner Abteilung mit einem älteren verheirateten Angestellten ab- schloß, der— im dritten KricgSjahr«— mit Einhundert« fünfzig Mark Monatsgeholt engagiert wurde: „Mit der Stellung übernehmen Sie die Verpflichtung, Ihr« ganze Zeit uwd Tätigtett ausschließlich der Gesellschaft zu widmen und die Ihnen übertragenen Arbeilen nach Maßnahme der bei uns bestehenden und noch zu erlasienden Dienstvorichriflen Und sonstigen Bestimmungen sowie der jeweilig erfolgenden speziellen Weisungen nach bestem Wissen und Können zu erledigen. Sie verpflichten sich ferner, da« Geschästsinleresse nach jeder Richtung, im großen wie im kleinen, auch obne beiondere Weisung und auch außerhalb des Rahmens der gewöhnl cken laufenden Dienstpflichten, dauernd im Auge zu be- halten und alles anzuregen bezw. zu fördern, was genanntem Jntereise dienlich ist. Die Dienststunden sind bis auf weiteres festgesetzt: von 8 Uhr morgens bis 12 Uhr mittags, und von 2 Uhr nachmittags bis t/,7 Uhr. abends. Samstag« von 8 Uhr morgens bis 2 Uhr nach- mittag«. Die angesetzte Arbeitszeit ist pünktlich«inzuhalten. Sollte es das GeickäftSinteresie erfordern, daß eine Ver- längerung der Arbeitszeit vorübergehend oder dauernd notwendig ist, verpflichten Sie sich, den diesbezüglichen Bestimmungen des Vorstandes oder Ihres Vorgcietzten auch ohne besondere Vergütung Folge zu leisten. ES wird dies namentlich(?) während der Inventur- und Brlanzarbeiten der Fall sein. Jedes Fernbleiben von der Arbeit durch Krankheit oder sonstige Abhaltung, auck nur für einen Tag, ist uns sofort schriftlich zu melden; wird die Arbeit länger als einen Tag versäumt, s o i si ein ärztliches Attest hierüber erforderlich. Auch lömien wir verlangen, daß Sie stch von einem Vertrauens- a r z t.der Gesellschaft untersuchen lasten. Verweigern Sie die Untersuchung oder nehmen Sre die Tätigkeit nicht wieder aus, trotz- dem Sie vom Vertrauensarzt als dienstfähig erklärt worden sind. so sind wir berechtigt. Sie sofort ohne Kündig irng zu entlassen. Bet längerem Ausbleiben verpflichten Sie sich, auf jedesmaliges Verlangen erneut« Bescheinigung über die Fortdauer Ihrer Dienstui, sähigkeit einzureichen. Von der erfolgten Genesung ist uns sofort Meldung zu erstatten. Unentschuldigtes oder unberechtigtes Fern- bleiben vom Dienst gibt uns das Recht zur sofortigen Ent- l a s s u n g. Sie dürfen während des Dienstverhälwisie« keine Geschäfte irgendwelcher Art, weder direkt noch indirekt für eigene oder fremde Rechnung betreiben: hiervon ist selbst- verständlich die freie Verfügung über Ihre eigenen Sapilalie» bezw. deren Anlage auSgeichlossen.... Bezüglich der Kündigungsfrist wird hiermit festgelegt, daß das Dienstverhältnis von beiden Seiten nach Ablauf jeden Kalender- monais nach einem Monat vorher schriftlich erklärter Auskündigirng onfgehoben werden kann. Im Falle Sie entgegen dieser Ver- einbarnng unsere Dienste ohne unsere schriftliche Zustimmung unter Nicktinnehaltrmg der KündignngSfr�t verlassen, verfallen'Sie in ein« sofort zahlbare Konventionalstrafe in Höbe deS zuletzt bezogenen JahreSgehalteS(also 1800 Marli Die Red.). Ueber Ihre Gehaltsverhältnisse haben Sie gegen jevermann absolute Verschwiegenheit zu bewahren; im Falle deS ZuwiderharidelnS soll unS da» Recht zustehen, da» Dienstverhältnis sofort aufzuheben. Im Hmblick auf den§ 63 H.G.B Ablatz 1 wird vereinbart, daß Sie rm Krankheitsfälle außer dem Ihnen zustehenden Krankengelde von secks Wochen Bezüge nur in solcher Höhe beanspruchen, daß Sie auch iür die Zeit der Krankheit inSgeiamt nur die Höhe Ihres derzeitigen monatlicheli Gehalts erhalten. Für die Dauer einer dmch die Einleitung eines vorbeugenden Heilverfahrens nach Maß- gäbe des R.V.O. oder des VerstcherungSgeietzeS für Angestellte eintretenden Behinderung an der Leistung der Dienste besteht kein Rechtsanspruch auf die Gewährung der Fort- zablung von Geholt.' Ein Sllaveiivertrag etsler Ordnung! Kein einziges Recht für den Angestellten. Nm Pflichten. Und was für welche! Die.ganze Zeil' und ArbeuSlraft für die.Bamag', Uebeistunden nach Belieben der Ge- sellschast. aber ohne Bezahlung. Verbot der Nebengeschäsre. auch wen» bei Ivv M. im Monat Frau und Kinder hungern. 1800 M. Konventionalstrafe! DaS einzige, was man an diesem schmählichen Bertrag ohne weiteres begreift, ist das strikte Gebot, niemandem von dem Hungergehalt etwas zu verraten. Vom Wachstum der Unternehmerverbäude. Wiederholt ist auf die durch die großen Kriegsgewinne gestärkte Macht de» Unternehmertums und ihrer Verbände hingewieien worden Wie sich das damit verbundene Machlbewußtsein der Arbeit- geber ickon jetzt im geheimen äußert, war neulich die.Bergarbeiter- Zeitung' aufzudecken in der Lage, indem sie die Eingabe der Ver- einigung der Deutschen Arbeitgebeiverbänbe vom 2. Juni d. I. an General Gröner verösientlichle, worin von der»ungesunden Höhe der Löhne' die Rede war, dte eine»große Gefahr für unsere zu- künstige Wirtschaft' darstelle. General Gröner wurde daher ge- beten,»namenilich die staatlichen Betriebe auf die große Gefahr zu weiten Entgegenkommens gegenüber den unberechtigten Lohn- forderungen bmznweti'en'. Ueber die Entwicklung der llniemebmerverbände wird von diesen selbst meistens gebeimniSvolleS Schweigen beobachtet. Mit bober Wahrscheinlichkeit rst ober ans steigende Mitgliedei zahlen der- ielben zu rechnen, besonders bei denen mit hochicharimacherrichem Einschlag, die bekanntlich vor den.sanftesten' Druckmitteln auf widerbaarige Unternehmer nicht zurückichrecken. Da ist eS nün gewiß nützlich, zu hören, was eine Unternehme, Vereinigung, die zwar nickt zu den unbedingt icharfmacherüchen gehört, sondern schon ge- legemlich der Verständigung mit den Gewerkschailen das Wort ge- redet hat. über ihre Entwicklung während der KriegSzeit berickiet. .Der Deutsche Jndustrieschntzverband' schreibt in seinen. Mitteilungen' vom November 1917 folgendes: »Trotz der für die Werbearbeit ungünstigen KriegSverbäli- niste sind feit Anfang diese« JahreS weitere 340 Firmen mit rund 27 Millionen Mark JahreSlobniumme als Mitglieder neu gewonnen worden. Während des Krieges ist die Zahl unserer unmittelbaren Mitglieder insgesamt um 1330 auf zurzeit 6680 gestiegen. Anschlüsie mehrerer bedeutender Verbände und zahl- reicher Einzelfirmen stehen in nächster Zeit bevor. Wie die Ar- berter für ihre Gewerkicharten. müsien auch die Industriellen überall, wo sich Gelegenheit bietet, stets mit für ihre Organisation arbeiten.' In den»Mitteilungen' wird dann noch von einem»rmverkenn- baren MackizuwackS der Gewerkichatten' gesprochen, weshalb»ein weiterer Ausbau der Schutzorgansiation der Arbeitgeber um io not- wendiger' sei. Zumal der.nicht aus der Welt zu schaffende Interessengegensatz zwischen Arbeitgebern und Arbeitnehmern in ver Kriegssolgezeit zu außerordentlich schweren Auseinander- setzungen sübreu wird'. Es wird diese Ansicht zwar mrt angeblichen Aeußerungen der Eewerkschastsorgane be- gründet, allein man weiß ja, daß die Unternehmer sich gern als die Friedfertigen hinzustellen belieben, die sich nur notgedrungen gegen die böien Friedensstörer auf Abwehr rüsten. Die Arbeiter aber, wenn sie nur die einfachste Einsicht obwalten lasten, werden aus solchen Aeußerungen erkennen, wie notwendig ihre Einigkeit ist und wie wenig st« sich ZersplrtierungSbeftrebungrn in den Gewerkschaften leisten dürfen. parteinachnchten. HütUnantl und fein Wahlkreis. Zum Ueber tritt Hüttmann« zu den Unabhängigen stellt das Parteiorgan d-S Wahlireues Kastel- Melsungen, dir Hüttmann t912 in den Reichs lag entsandt«, das �volkSblalt für ftauel und Waldeck' u. a. folgende« fest:»Noch im Sommer 1913 hat eine Kasteler Versammlung nach einer Rede, in welcher Hüttmann die ReichStagSfraktion glänzend rechtfertigte, iljm einstimmig da» Vertrauensvotum ausgestellt. In den Jabren 1916 und 1917 haben ober eine KreiS-Generalveriammlung und eine ollgemeine KrerSveriamm- lung Hüttmanns Schwenkung zur Opposillon mit erdrücken- der Mehrheit gemißbtllrgt.' Arbelterjugeud und bürgerKche Zfugrudlkwngung. Genosse Hermann Kranold hat eine Vroschüre bber Arbeit erjuaerrd und bürgerliche Jugendbewegung geschrieben.� Der Zweck der vom Genossen Kranold in Chemnitz ver- 'aßien Sckoift«t. einem Zusammenarbeiten der prole» .trischen Jugondoewegimg mit einem TeLe der bürgerlichen Jug.nb- bewegung in gewissen gemeinsamen Fragen da» Wert zu reden. Der Verfasser unterscheidet in der Hauptsache zwei Typen der bür- gcrlrchcn Jugendbewegung: die autoritäre und die aulo- n o m e. Zur erster«» rechnet er die religiös autorttäre(dte chrift- lieber: Jünglings- und Junqchauenverei-mi und die militärisch auto- ritare Ingen dbewegung(Jurrgdeutschlandbund, Pfadfinder usw.). während er zur letzieren die von der bürgerlichen Jugend selbst verwalteten Vereine(die freideutsche Jugend, die Wandervögelver- eine usw.) zählt. Was er über und gegen dte«ttorttäre Jugendbewegung sagst ist trotz der knappen Form der Darstellung in überaus gründlicher und wirkungsvoller Weis« �ausgearbeitet. Im Gegensatz zur autoritären Jugendbewegung, die den Fugendltchen zur Nindgehorsamen Unterwerfung unter die Ge- walton der Kirche und des Staates erziehen will, steht die a u t a« n o m e Jugendbewegung, dte die Berechtigung das Eigenlebens de« Jugendlichen, den Wert der Persönlichkeit anarkenrrc. Freilich stehen wir der freideutschen Jugend skeptischer gegenüber als dar Verfasser. Solange die Kreise, die ihr angrhörerr. im geistigen Wölkenkuckucksheim schweben und an Stelle eirre« greifbaren, klaren -Programms nur die Phrase van„der Entwicklung der eigenen Kräfte unter eigener Verrmwortlichkeit mit innerer Wahrhaftig- keit' haben, wird man von einem Zusammenleben der proletarischen Jugendbewegung mit ihnen nicht viel halten könne». Dazu kommst daß diese Vereine, wie der Varfasier selbst sagt, da? Wichtigste«ch zu lernen haben, nämlich: Rückgrat nach oben. Die proletari- sche Jugendbewegung mit ihrem festen, lvnkreten Programm ist herausgewachsen aus der sozialen Not der Arbeiterjugend. Von dieser sozialem Nor wissen die freideutschen Kreise, die sich vor- wiegend au« der akademisch gebildeten Jugend das Mittelstandes und des mittleren und höheren Beamteirttnus zusammensetzen, nichts. Auch die von Kranold so sehr hervorgehobenen geistigen Nöte dieser bürgerlichen Jugend sind ganz andere als die geistigen Rote deS Prolo tariert in dc«. das mit dem vierzebnten DcSenSjahrc im den harten Zwang des ErtrerbSlebeuk. bmausgetriebe« wird und nichts als die kümmerlich? BolkSschuDildung stw eigen nennen f