Nr. 35 G. 34. Jahrg. Bezugspreis: SitUeljä�iL 4�0®:!, monatl. lLVVU. frei msH um so mehr hoffen, als die Regierung der Bolschewiki, dir darauf eingeschworen ist. dem russischen Volke den inbrünstig ersehnten Frieden zu bringen, sich nach den uns zugehenden Nachrichten befestigt. Auch der Kosakenhauptmann Kaledin weicht vor der bezwingenden Stimmung der Massen zui-W; alle Verschwörungskunste der Amerikaner brechen zusammen vor der Gewalt der Tatsachen, jener Amerikaner, deren in brünstig ersehntes Ziel angeblich das Völkerrecht und der Sieg des Menschheitsgedankens ist. Vor einem Jahr war Bukarest gefallen, das Ru- mänrnroich zusammengebrochen, der Ansturm der Russenheere damit zugleich gebrockjen und in eine unschädliche Richtung abgelenkt, dem gewaltigen Sturm der Westländer ein Halt geboten. Aber ihre Siegeshosfnung war nicht gebrochen! Jetzt erst hatte England seine militärische K r a s t v o l l e n t w i ck e l t, seine technischen Hilfsmittel siu- Riesenhafte gesteigert Frankreich und Italien, durch England und die Bereinigten Staaten unterstützt, rüsteten mit oller Rocht. Es galt den letzten Massenangriff im Westen, während starke Streitkräfte der Rittelmächte im Oste» gefesselt blieben. Auch in Asien setzte England grotze Heer« in Bewegung, um dort seine Sonderziele auf Kosten der Türkei zu erkämpfen. Tann traten aus A n l a tz unseres verschärften U-Boot-Krieges die Vereinigten Staaten in den o f f e n e n K r i e g g e g e n uns ein, und alle die abhängigen Existenzen der Völkergemeinschaft wurden mit schärfcrem Zwange genötigt, ihrem Beispiel zu folgen. Manchen trieb auch nur der Leicheninstinkt der Hyäne. Auch das deutsche Volk spannte der grotzen Gefahr gegen- über seine letzten Kräfte an. es gab an Opferwilligkeit und Arbeitsleistung, an Heldenmut, an Erfindungsgabe und Organisation mehr als je ein Volk in der Geschichte gegeben hat. Arn 2. Dezember 191k wurde das Gesetz über den Hilfsdienst vom Reichstags verabschiedet. Aber es mußte eine geraume Zeit vergehen, ehe die deutsche Krastauspannung de, feindlichen gegenüber ausgleichend austreten konnte, die sich auf eine vierfach überlegene Volkszahi stützte. Die erste Hälfte des Jahres 1917 waren Wir daher im wefentlichen auf die Verteidigung mit weitaus schwächeren Kräften gegen außergewöhnlich starke an- gewiesen. Da verlegte Hindenburg die deutsche Stellung im Westen von der Somme rückwärts, gewann Zeit und durchkreuzte die Pläne der Feinde. Glücklicherweise erwies sic!, während deS ganzen Jahres die milttärisch« Kraft der Bereinigten Staaten als winzig im Verhältnis zur Grütze ihrer Ankündigungen. Die russische Revolution aber, die einen schwachen Zaren stürzen sollte, nahm einen ganz andere» Verlauf als ihre Urheber gewollt. DaS russische Heer, durch den Kampf der sriedenssehnsüchtigen Massen gegen die kriegs lüsternen Führer aus dem festen Gesiige geraten, schied aus dem Kampfe gegen die Mittelmächte zunächst aus und holte sich später so schwere Niederlagen, daß der Wunsch nach Friede-i ungestüm zum Ziele drängt« und aller inneren Feindschaft Herr wiirde. Trotzdem blieb der Kampf im Westen furchtbar schwer. Im Artois, an der Aisne, in der Champagne drangen dm Gewalthausen der Engländer und Franzosen vom 9. Apri! an, am Jsonzo die vermehrten Scharen Cadornas vom 14. Mai an gegen die Heere der Mittelmächte ungestüm vorwärts. Was man mit der Waffe schaffen konnte, was der Menschen geist an furchtbarsten Zerstörungsmitteln zu häufen vermocht. war mit größter Umsicht vorbereitet, um den Sieg der Gegner sicher zu machen. Durch Monate hindurch zogen sich die er- bitterten Kämpfe, die zahllose Opfer forderten. Als sie dort die Hoffnung auf einen entscheidenden Sieg endgültig fallen lassen mutzten, warfen sich die Engländer vom 14. Juli au südlich Apern mit starker Macht und ihrer überlieferten Zähigkeit auf Flandern, um dort die Küste zu gewinnen und die unbequemen Stützpunkte unseres U°Boot-5trieges in ihre Hand zu bringen. Ihr Oberfeldherr war des Erfolges sicher und sagte seinen raschen Einzug in Brüssel voraus. Aber da verzweifelt« Ringen rechtfertigte auch diesmal wieder das stolze Vertrauen des Angreifers nicht. Er rühmte sich zwar seiner Siege aber den Sieg in der Schlacht hat der nicht er- rungen. der einigen Raum gewinnt, sondern nur, wer de» Z>v c ck u n d d a s Z i e l feinesAngriffes erreicht hat. Das glückte dem Gegner niemals: auch diese Schlacht von fünfmonatiger Dauer mußte erfolglos um die Mitte des Nevnnbex abgebrochen wexden._L________ Schon vorher war die Zeit reif geworden für die großen d e u t s ch e n G e g e n s ch l ä g e, die uns nach allen Seiten )'iaum verschafften für den entscheidenden Kampf im Westen, der noch aussteht. Kein Fachmann kann ohne Bewunderung der ruhigen und zielbewußten Kraft der deutschen Heeres- leitung in der zweiten Hälfte des Jahres 1917 gegenüber- stehen, in der Schlag auf Schlag die Vorbedingungen für den Schlußkampf geschaffen wurden. Es war der große Um- schwung, die Weltenwende dieses Krieges, aus der sich die Morgenröte eines neuen Friedens erhob. Ich brauche nur die Namen Zalosza, Tarnopol, Stanislau, Focsani und dann die großen Erinnerungen von Riga, Jakobstadt, Dagö-Oesel in unser Gedächtnis zurückzurufen. Weit größer noch, als der materielle Erfolg war ihr seelischer Eindruck auf die Stim- mung unserer Feinde und besonders auf den wachsenden Friedenswillen des großen russischen Volke?, das kein ernst- Höstes eigenes Interesse von unserem tapferen Volke trennt. Es kam der größte und glänzendste Stoß der vereinigten beiden Mittelmächte, den iveder Angriffe der Franzosen um Verdun und bei Soissqns noch der kecke Handstreich der Eng- länder gegen Cambrai zu hindern vermochten. Die glänzende Tapferkeit der Franzosen drang nicht durch, die Engländer er- litten ihre zweite große Niederlage in diesem Kriege. Zähne- knirschend mußten sie eingestehen, daß sie dem wuchtigen Sturm des deutschen Fußvolkes nicht gewachsen waren. In Italien aber brach das Heer Cadornas zusammen, so daß die Wut der kriegshetzerischen Partei drauf und dran ist, seinen.Kopf zu fordern. 200 000 Mann und gegen 3000 Ge- schütze fielen in die Hand der Sieger, die innere Kraft des italienischen Heeres ward aufs höchste erschüttert und ist. wie der Verlauf des Winterfeldzuges in den eisstarrcnden Alpen zeigt, noch jetzt trotz der Hilfe der westlichen Bundesgenossen nicht wieder hergestellt. Nun begann die zweite groß« Umwälzung in Rußland am 7. Noveniber des Jahre, die der Herrschaft der Kerenski, Tcrestschenko, Kornilow und Kaledin ein Ende bereitete und die B o l s ch e w i k i an die Spitze der Regierung brachte, eine Wirkung zugleich der Friedenssehnsucht und des Landhungers der endlich frei gewordenen russischen Massen und der siegreichen Schärfe des deutschen Schwertes. Mit entschlossenem Willen wandte sich Rußland von seinen Vcr- bündeten ab, bereit, einen ehrenvollen Frieden, ivenn diese es nicht anders wollen, auch ohne sie zu schließen. Welch hoffnungsvoller Gegensatz zwischen dem 22. De- zenibsr 1917 und jenem 12. Dezember 1910, wo das deutsche Friedensangebot von den Gegnern höhnisch zurückgetviesen lburde, wo ffie als eines ihrer Kriegsziele verkündeten, daß Deutschland auch nach dem Frieden noch aus der Gemeinschaft der Völker ausgeschieden sein sollte! Jetzt stellte das Volk- reichste und an Bodenschätzen unerschöpfliche Glied aus deni Kreise unserer Gegner als eine seiner Friedensbedingungen die Forderung auf, daß sobald als möglich die w i r t s ch a f t- ! i 6) e n und kulturellen Beziehungen zwischen dem Bunde der Mittelmächte und Rußland wieder aiifge- n«mmen werden sollten.„Bermmft sängt wieder an zu siezen rmd Hoffnung wieder an zu blühn." Ter Schrei Lloyd Georges nach mehr Männern zeigt, Tie gewaltig der Unischwung in militärischer Beziehung ist, die ''-Vorgänge aber in'Frankreich und Italien kündigen die be- .ilNnende Zersetzung an. Vor jedem Zusammenbruch pflegt sich der Terrorisinüs der bisher regierenden Partei, hk von 'der Niederlage alles zu fürchten hat. in verdoppelter Gewalt- tätigkelt zu entladen. Die Welt ist' durchaus reif für den, Frieden, nur die Fanatiker wollen es nicht sehen. Darum werden also dem deutschen Volke auch im neuen Jahre noch schwere Käinpfe nickt erspart bleiben: aber die Loge hat sich derart verändert, daß wir ihnen mit gutem Ver- trauen auf einen günstigen Ausgang entgegensehen dürfen. Unser Rücken ist, vorläufig und, wie wir hoffen, für immer frei, wir können unsere Front nach einer Seite nur wenden und unsere gesammelte Kraft einsetzen, un: dort unsere Gegner von der Notwendigkeit zu überzeugen, der Menschheit den Frieden wiederzugeben. Für sie schwindet aber die Hoffnung auf amerikanische Massenhilfe wie ein Trugbild in nnmer loeitere Ferne, schon werden die englischen Tochterstaaten schwierig, und die wirtschaftliche Not beginnt anzuschwellen. Sie werden ihr gewagtes Spiel verlieren. � Wir treten in das Jahr 191« mit der Hoffnung ein, daß die nächste Weihnacht nicht mehr widerhallen wird von dem Gebrüll der stählernen Geschütze, sondern von deni Jubclklang der stählernen Glocken: „Freube diesem OaNd bebeute. Friede sei ihr erst Geläute." Die sozialistische Einheitsfront in öer ZrieSensaktion. Stockholm, 28. Dezember.(Gig. Drahtber. des„Bor- IvärtS'0) Ter heutige Slrtikel des„Socialdemokraten" zu EzerniuS Friedensangebot, der Br anting selbst zuge- schrieben wird, stellt eine bedeutungsvolle Wendung in »er Haltung des„Socialdemokraten" gegenüber der durch die leNte Revolution zur Reife gebrachteu Fricdeusaktion dar. Ju scharfem Ausfall gegen die imperia- listische Tendenz der Ententepolitit de? letzte» Jahres und in der tategorischen ErNärnng, daß die einfache Zurückweisung des Angebots undenkbar, sowie ei» BerSrechcu und eine Torheit wäre, tritt da« S e st r e b e n hervor, die s o z i a- listisch e Eiuheitsfront in der Friedens- nktion miederher zu st elleu nnd an den vou ver- fchiedenru Parteien, darunter zuletzt von der ungarischen und luilgarische», gemachte» dringende» Vorschlag eines allgcmeiucu sozialistischen Konferenz anzuknüpfen. Inwiefern das im Frühliug und Sommer Versäumte noch eiuzuholeu ist, läßt sich allerdings schwer sage». Soviel scheiut aber sicher zn sein, daß eine Organisation der Äon- fereuz durch das holländisch- skandinavische Komitee nicht mehr i u Betracht kommt, da die Bol- fchewikS dessen Autorität keinesfalls anrrkemien. Die Situation wird auch dadurch erschwert, daß zwischen den im Konferenz- kountee vertreteueu russischen Truppe» nud der Regierung Lenins eine kaum überbrückbare Kluft besteht. Tie Millionen- fpeude au Zimmervald bezeichnet die Stellung der Lenin- Regierung,»ud die bevorstehende Herausgabe einer Revue unter der Leitung Axelrods, die zweifellvö den Bolschewismus scharf bekällipfen wird, wird den Ausgleich schwerlich er- leichter». Voraussichtlich wird aber das einmütige Ein- treten sämtlicher»Parteien der neutralen Lirvder für die A»S»utz«»z der jetziges Ge- Ztrtillerietätigkeit östlich der Maas, in Mazedonien, bei Asiago und am Tomba- Rücken. Amtlich.«SrojjeS Hauptquartier, 28. Dezember 1917.(28. T. B., Westlicher Kriegsschauplatz. Au einzelnen Stellen der Front lebte am Tage die Gefecht?- tätigkeit vorübergehend ans. Auf dem östlichen Maasnfrr war sie auch während der Nacht lebhaft. Oestlich von Lüne- v i l l e brachten Erkundungsabteilungen eine Anzahl Gefangener anS den französischen Gräben ei». Oestlicher Kriegsschauplatz Nichts Neues. Mazedonische Front. Zwischen O h r id a-«udPreSpa-Ser, im Cerna- Bogen und auf dem östlichen Bardar-Ufer zeitweilig erhöhte Artillcrietätigkeit. Italienische Front. TagSSier war da? Feuer auf der Kochfläche von Asiago und am Tomba-Rücken gesteigert. Der Erste Generalquartiermeistcr. Ludendorff. Abendbericht. Berlin, 28. Dezember 1917, abends. Amtlich. Von den Kriegsschauplätzen nichts Neue«. Der österreichische Bericht. 28 i r n, 28. Dezember 1S17.(W.T.B.) Amtlich wird verlantbart: Oestlicher Kriegsschauplatz. Waffenstillstand. Italienischer Kriegsschauplatz. Westlich des Monte Asolone und östlich deS Monte- S 0 l a r o l a wurden feindliche Vorstöße abgewiesen. Der Ehcf des GeneralstabeS. I■IIIMIII IW1UII1I■■MIlllHIIIIIHWIIIIillllllllllllMNIIIIIIwllWW— legenheit zur Herbeiführung des allgemeinen Friedens die bei den Sozialisten der westlichen Entente- länder für den Frieden wirkenden Elemente verstärken«ud zur klaren Erkennung der vorhandenen Tatsachen beitragen, woran eS mindestens bei jenen Elementen noch immer fehlt, welche Guesdes Sekretär Charles Dnmas repräsentiert, der ans einer diplomatischen Reise nach Petersburg hier durchkam. Em Rotbuch über öie Geheimöokumente. Ter Kampf um Nostow— Lohnordnung der Eisen- bahner— Tie chinefische» Truppe» in Charbiu— Die Lage in Petersburg— Ter psychologische Augenblick für den allgemeinen Frieden. Basel, 28. Dezember. Nach einer Petersburger HavaS- Meldung erscheint heute der erste Teil des Rotbnchis, das Trotzki in regelmäßigen Abständen nach Maßgabe der Ver- öffentlichungen herauszugeben versprach. Der erste Teil cnt- halt die in der„Jstwestija" erschleneucn Dokumente, so weit die in der„Pralvda" erschienenen, mit Einschluß der Militär- konvention zwischen Rußland und Frankreich vom Jahre 1902. Das Rotbuch trägt das Motto: Nieder mit der Gehet mdiplo in atic! lltieder mit den bürger- lichen Bündnissen, KaPitaliSrnitS und Imperialismus!" Grosnys, 27. Dezember.(Petersburger Telegraphen-Agentur.) Die Bewegung von Truppe» des Rates der Volkskommissare gegen Rostow von der kaukasischen Front her wächst weiter. Täglich kommen mehrere Züge mit Soldaten durch Grosnys. Kosaken ver- suchten bei dem an den Mineralquellen gelegenen Bahnhof die Durchfahrt der nach Nostow bestimmten Truppen a u f z u- halten, der Versuch mißglückte jedoch. Petersburg, 27. Dezember.(Petersburger Telegraphen-Agentur.) Der Rat der Lollskommissare hat in einem Erlaß die Arbeits- bedingungen der Ei senbahnangc st eilten geregelt. Ganz Rußland wird in zehn Bezirke und die Eisenbahnangestellten werden in 14 Arbeiterkategorien eingeteilt. Tie Bezahlung wird je nach der Teuerung in den verschiedenen Bezirken abgestuft. Die niedrigste Bezahlung erhält die erste Arbeiterkategorie in Sibirien mit 155 Rubel monatlich. Die höchste Bezahlung von 510 Rubel erhält die 14. Kategorie in Petersburg. Für körperliche Arbeit sind acht Stunden täglich, für geistige Arbeit sechs Stunden täglich fest- gesetzt. London, 27. Dezember. Reuter erfährt von maßgebender japa- nischer Seile, daß nach den letzten Depeschen 3000 Mann chinesischer Truppen mit der Ausrcchterhaltung der Ordnung in Charbi» betraut sind. Ungefähr die Hälfte der russischen Garnison in Charbin, die sich insgesamt auf 8000 Mann beziffert, hat sich den Maximalisten angeschlossen. Kopenhagen, 27. Dezember.»Socialdemokraten" gibt eine Unterredung wieder, die der Stockholmer Vertreter deS Blattes mit dem schwedischen sozialistischen Reichstagsabgeordneten Höglund gehabt hat, der gestern von der Reise nach PelerZburg zurück- gekehrt ist. Höglund sagte, daß die Nachrichten der En- teilte über Unruhen in Petersburg vollkommen an« der Luft gegriffen seien, ebenso falsch seien die Behauptungen. daß die Regierungsmitglieder mit diktatorischer Gewalt auf- träte». Die Volkskommissare seien gegenüber dem Exekutiv- komitee veraillworilich und jeder Minister habe ein Kollegium zur Seite, das bei allen Entscheidungen mitbestimmend sei. Die Grundlage für die Macht der Bolschewiki- Negierung bildeten zwei Millionen Soldaten sowie fast die ge« samtc»eganlsierte Arbeiterschaft. Die gemäßigten sozialistischen Parteien verfügten nur über eine geringe Anzahl von Stimmen. Ueber die E r n ü h r u n g S v e r h ä I t n i s s e sagte Höglund, daß natürlich in Restaurants alle? sehr teuer, aber eigentlich nicht teurer sei, als in Stockholm. Tie Versorgung mit Lebensmitteln sei be- deiltend besser geworden seil pie Bolschewiki zur Macht gekommen seien. Bedeutende Lebrnsmittelvorräle, die geheimgehalten wurden, seien enideckl und verteilt worden. Ueber die FriedenSauSsichtc» hatte Höglund vor der Abreise mit Lenin eine Unterredung. Lenin sagte hierbei, er sehe den allgemeinen Frieden für nahe bevorstehend an. Die Völker seien kriegsinüde. Es sei naiv, an einen Sieg der Entente zu glauben, selbst wenn sich der Krieg noch ein Jahr hinziehen sollie. Jetzt sei der psychologische Ä u g e» b l i ck sür einen allgemeinen Frieden gekommen, werde er jetzt nicht abgeschlossen, so verde dies desto schlimmere Folgen sür die Regierungen habe». Petersburg, 27. Dezember.(Petersburger Telegraphenageniur.i Die große D r u ck e r e r de, Zeitung„Birschewija Wjedo- m o st i" ist für die Bedürfnisse des Hauptausichusies der Sowjets mit Beschlag belegt worden. Amsterdam, 28. Dszemer. Ans Tokio meldst Renter: Von be- sugter Seite wivd aus Charbin gemeldet, daß am Mittwochmorgen ein Kamps zwischen den Chinesen und maxima- listischen Truppen ausgebrochen ist. Die Russen ergaben sich, wurden entwaffnet und gefangengenommen. das neue Staöium öer§möens- aktion. Troelstra über Stockholm und Brest-Litvwsk. Ueber die Aussichten und die Zweckmäßigkeit einer Wieder- aufnähme der Bemühungen uiir Einberusung einer inter- nationalen sozialistischen Konferenz nach Holland'hat Troelstra sich in„Het Volk" in einem Artikel geäußert, der eine von ihnr vorbereitete Resolution für den aus Weihnachten ein- berufenen außerordentlichen Parteitag der sozialdemokratischen Arbeiterpartei Hollands betraf. Die Resolution beginnt mit einer Kundgebung für einen allgemeinen Frieden durch Ver- ständigung im Sinne der vom revolutionären Nußland ver- kündeten Prinzipien, erklärt ihre Sympathie für den Antrag der dänischen Sozialdemokratie, uninittelbar eine internatio- nale Konferenz einzuberufen, und bedauert, daß dies wegen der Lage der Dinge in den vornehnisten Ententeländern praktisch unmöglich ist. Dann sagt die Resolution: .Vom Abhalten einer Konierenz, wie sie vom rusfisS-holländisch« skandinavischen Komitee beabsichrigt ist, kann erst die Rede sein. wenn die sozialistischen Parteien der Enlenteländer dazu bereit und imstande sind. Auf ihnen ruht jetzt die Aufgabe, die Initiative zu ergreifen. Wenn ste damit noch länger im Verzug bleiben, so ist zu fürchten, daß die Stockholmer Konferenz, so wie sie ursprünglich rn Ausgabe und Bedeutung gedacht war, unmöglich wird. Der Kongreß erklärt sich deshalb bereit, auch an anderen Ver- s u ch en�zur Förderung de» Friedens teilzunehmen und ermächtigt den Parteivorstand, sich zu diesem Zwecks mit den Partsien der andern neutralen Länder zn verständigen.* Ueber das Verhalten der ententesozialistischen Parteien heißt es in Troelstxas Begründung dieser Resolution: .Indessen weigerte sich die englische Labour Party(nach der auf Veranlassung der dänischen Partei von Huysmans ergangenen Einladung) nochmals ausdrücklich, nach Stockholm zu kommen. Und aus Frankreich kam kerne bessere Nachricht. Wir baben folglich nicht nur mit der Poßverweigerung der Regierungen. sondern auch mit der Abneigung der i'ozialdemokralischen Parteien zu tun. Denn diese wirklich und energisch wollten, würden El-menceau und Lloyd George ihr übles Treiben gegen Stockholm nicht fortsetzen können. ES ist bedauerlich, aber leider notwendig, diese Taiiachen zu konstatieren. Sie bedeuten nicht mehr und nicht weniger, denn daß die Stockholmer Kon- seren, in ihrer ursprünglichen Tendenz mit dem Ziel eines allgemeinen Friedens durch Verständigung bis heutigen Tags an der ungünstigen oder schwachenHaltuug er Ententesozialisten scheiterte.* . Troelstra tritt sodann entschieden gegen jedes Zögern auf, die Fricdensversuche der Maximalisten zu unterstützen. Er sagt: „Während wir ein Friedensproaramm aufstellten, trieb das ab- folute FriedeiiSbedürfnis das russische Volk— nachdem es von seinen Verbündelen zu einer unmöglichen Offensive gezwungen worden war— in die Arme der Maximalisten. Man mag dies aus verschiedenen Gründen bedauern, aber eS würde Straußpolitik sein, diese historischen Tatsachen nicht in ihrer Bedeutung für den ferneren Verlauf der FriedenSentwick'lung erkennen zu tollen. Der Stockholmer.Sozialdemokraten*, der Tag für Tag heftige Angriffe gegen Lenin und die mit ihm verhandelnden Deutschen bringt, macht sich meines ErachrenS damit nur lächerlich. Nach verschiedenen Presseäußerungen begiimt man in England und Frankreich mehr und mehr einzusehen, wo die wahren Schuldige» an dieser» unerwünschten Verlauf der Dinge zu suchen sind. Es ist sicher nicht Sache der neutralen Sozialisten, den dafür veraniwort- lichen, unfähigen, einseiligen oder imperialistischen Politikern die schützende Hand über den Kopf zu hallen. Es wäre auch töricht, lediglich anZ Gründen par- tei politischer Art sich gegen die Friedensversuche Lenins ,u wenden, weil diese sich mehr in Zimmerwaldicher als in Stockholmer Richtung bewegen. In dieser» Stadium der Weltgeschichte muß jeder vernünftige Mentch bereit sein, die eine oder andere seiner Ansichten aufzugeben, wenn sie durch die Tat- sacken überholt werden. Wenn Lern» mit seinem versuch mehr Erfolg hat al» wir.offiziellen* Sozialdemokralen mit Stockholm hatten, dann wird dies sicherlich auf die Dauer zur Neuorientierung mancher Ansichten in der Internationale führen, die daran nicht sterben, vielmehr zu neuem Leben erwachen würde. Einstweilen bleibt die Tatsache bestehen, während nicht einmal die Sozialisten der Ententeländer bereit find, über einen all- gemeinen Frieden zu verhandeln, von einer sozialistischen Negierung ein Waffenstillstand abgeschlossen und ein Sonder- frieden vorbereitet wird. Natürlich mit dem Ziel, aus diesem Wege sowohl von ihren iogenannten.Bundesgenossen* als von ihren Feinden die Geneigtheit zur Mitwirkung an einen allgemeinen Frieden zu erreichen. Und nun die Geschichte diesen Laus nimmt, ist eS>n. E. unsere Aufgabe, nicht bindernd i» den Weg zu treten.— was auch unmöglich sein würde. sondern die Dinge in der gewünschten Richtung w eiterz»leiten." Und Troelstra fügt hinzu: „Könnte jetzt die Stockholmer Konserenz zu einer Bolkfftznng znsammenkominen. so würde sie zur Erreichung dieieS Ziele« viel beizutragen vermögen.... Aber da nun einmal eine solche Kon- ierenz mit der Teilnahme aller großen Parteien steht oder fällt, ist von einer solchen vorläufig nicht» zu erwarten.* Schmock in Stockholm. Tas belauschte Scheidemanngespräch. Der Pariser, M a t i n* bringt an der Spitze seiner Nnmmrr vom 20. Dezember ein ipaltenlange» Telegramm über den Aus- enthalt des Gen. Scheidemann in Stockholm. Der Korre- spondent erzählt, er sei am 16. Dezember vor Tagesanbruch durch die telephonischen Mitteilmrg geweckt worden, daß sich Scheidemann in einer„wichtigen geheimen Angelegenheit* in Stockholm aufgehalten habe und im Begriff sei, nach Berlin abzureisen. Der Korreipon- dent begab sich, wie er selbst erzählt, schleunigst noch dem Babnhos, wo es ihn» richtig gelang. Scheidemann nach den Karikaturen, die er von ihm im„Malin* gesehen hatte, zu erkennen. Indem er den nur mit sich selbst beickästigten Reisenden spielte, drängte er sich— immer nach seiner eigenen Erzählung— an Sckeidemann heran und konnte sogar ein Gespräch belauschen, da» dieser mit einem ungarischen Journalisten führte. Dieses Gespräch wird nun anscheinend wörtlich und vollständig wiedergegeben. Allerdings steht darin lein Wort, das nicht ebensogut oder noch besser von einem phantasiebezablen Korrespondenten erstmden wie von Gen. Scheide- mann gesprochen sein könnte. Der»Matin*-Ma»» schließ» au« diesem angeblich erlauschten Gespräch, daß Scheidemann in Stock- Holm enlscheidende Vorbereitungen für die Friedensverhandlungen von Brest-Litowsk getroffen habe, womit er nunmehr endgültig als ..gewöhnlicher Agent des deutschen GeneralstabZ' entlarvt sei.— Ein Gefühl dafür, als was sie sich selbst entlarven, scheint dem„Matin" und seinem Stockholmer Deteltiv-Journalisten nicht gekommen zu sein. Dieses Beschnüffeln und Bespitzeln eines„feindlichen Aus- länders* durch den Vertreter des großen Pariser SeniationsblatteS zeigt, daß man den ZlationolismuS bis zum Exzeß treiben und da- bei doch jeder nationalen Würde bar seilt kann. Zrieüenskampfe auf öem französischen Hewerkschastskongresi. Ter Kongreß der französischen Gewerkschaften, der in den WeihnawiStagen in Clermond Ferrand tagte, hat im Zeichen von Bcest-Lilowsk gestanden. Sein Merkmal ist der starke Einfluß, den die Minderheit, die den Frieden will, auf die Beschlüsse geltend machen konnte. Der Pariser Presse zufolge übte der Vertreter des Metall- arbiltershndikatS Merrbeim an der Haltung der Confederalion Generale du Tiavail sehr scharfe Kritik. Er erklärte, die alliierten R.e gierungen hätten nach Brest- Litowsk gehen müssen. Die Arbeiterklasse wünsche nicht am Tiplomalentisch, sondern innerhalb der Internationale an der Friedenskonferenz lcilzunehmem Die KriegSschädcn müßten überall, auch in Ostpreußen, gemeinsam wieder gut gemacht werden. Einige Milglreder der Minderheit vertraten die Ansichten Merr- Heims in noch entschiedenerer Weise. Man dürfe nicht vergessen, daß alle Völker glercherweise die Opfer ihrer Regierungen seien. Vourderon und andere Anbänger der Minderheit beiurworieten die Politik LeninS und TrotzkiS und nahmen sie gegen die Hefligen Angriffe und Verleumdungen der Enleiitepressc in Schutz. Kurz vor Kongreßschluß ergriff Merxheim nochmals da? Wort und führte auS, die Mehrheit der französischen Arbeiterschaft habe nicht das Gefühl, daß die Politik der Confederatio n den Krieg abgekürzt habe. Die Minderheit innerhalb der Confederalion ivolle allen Hindernissen zum Trotz eine Annäherung an die deutsche Arbeiterschaft, da sie überzeugt sei, daß die deutsche Arbeiterschaft die Empfindungen und Triebe ihrer Regierung nicht teile. Auch der geringste Hoffnungsschimmer auf Friede» dürfe nicht verschmäht werde». McrrheimS Rede wurde sehr beifällig aufgenommen. Den reaktionären Blättern geiällt sie natürlich ganz und gar nicht. Sie verurteilen überhaupt den Kongreß scharf. Hervo greift die Minderheit als Defaitisteu an und das„Journal des Debats" spricht von den Bolichewikis der französischen Arbeiterschaft. ES sei bedauerlich. daß� die Mehrheit der Minderheit daS übliche Zugeständnis gemacht habe, so daß die Ptehr- hcit sich nicht habe zählen lasse».„Journal des DebatlS" und„Temp" bedauern den Mangel jeglicher Aeußeniitge» über Elsaß-Lothringen sowie die Forderung auf Abhaltung einer Konferenz in Stockholm oder anderswo. (lemenceau unter sozialisiischer Lupe. Der sozialistische Deputierte C a ch i n beleuchtet in der „Heure" die Stellungnahme der Sozialisten gegenüber Elemencean, der seit Jahren alle Minister und Generale ausnahmslos und wähl- los aufs schärfste kritisiert habe. Dabei habe er sich in seinem Vorgehen mit den entschlossensten Reaktionären Frankreichs zu- sammengetan. Elemencean fehle jegliches Verständnis für die moderne sozialistische Bewegung. Laufe ihm etwas zuwider, so greife er zur Gewalt. Er sei ein Demagoge vom trübsten Wasser. Der Leitgedanke seines gauzen Regierungswerkes laute: Wenn wir noch nicht siegreich find, so liegt es an dem Berrat gewisser Männer im LandeZi ii.n er«. Diese kindisch« These sei freiheitlich gcfinnten Köpfen unaniiehmbar. Roch weniger ober könne man sich jetzt mit den Ausfassiingeu ClemenceauS über den Krieg und Frieden einverstanden erklären, der mitleidlos das Ideal, für das die republikanischen und sozialistisckien Soldaten kämpften, beschimpfe. Diese seien in der Ueberzeugung in den Krieg gezogen, daß es der letzte fei und daß ein geieckiter Friede geschlossen werde, bei dem jeder»ein, eines künftigen Konflikts aus- geschlossen werde. Di« sozialistische und republi- kanische Formel der Völkerverständigung zähle aber für Clemeneeau nicht. Er wolle den militärischen Sieg. Diese Politik eines Greifes mit vertrocknetem Herzen sei nicht die sozialistische. Zur Herstellung eines Friedens und zur KriegSbeendigung werden moralische Kräfte eingreilen. �die auch in Deutiebland einen Widerhall finden würden. Auch dort werde man sehen, daß alle militärischen Kräfte nur relativ seien. vom rusfischen Beispiel angespornt, werde die Arbeiter- schaft die Mittelmächt« zu Konzessionen treibenl die morgen Friede ttsverhandlunge» für eine» dauerhasten Frieden gestalten würden. Dias seien die sozialistischen Ausstchten, die Clemeneeau mit den Reaktioirärert und Chauvinisten Frankreichs von der Hand weise. Tie Stunde der Sozialisten werde schlagen. Da Clemeneeau der De- mskratie den Rücken gewendet habe, werde seine Herrschaft kurz und unsicher fein. der Krieg auf öen Meeren. Berlin, 27. Dezember. Auf dem nördliche» Kriegs- f ch a u p l a tz wurden durch unsere U-Boote neuerdings £r.-Reg.-To. versenkt. Unter de» versenkte» Schiffe« befanden sich ri» großer Dampfer von mindestens 6000 Br.-Reg.-To., ferner ein neuer englischer Dampfer, anscheinend vom E i n h e i t S t y p, der au? einem durch fünf«merikauische Zerstörer und mehrere lkniacher stark gesicherten G e l e i t z u g heranSgeschossen wurde, sowie der franzöfische Segler Nitre Dame de Rostrene». Der Chef de? AdmiralstodeS der Marine. Somben auf Mannheim am weihnachts- abenö. Mannhelm, 2fl. Dezember. Englisch? Flieger bewarfen am gestrigen Weihnachtsabend die offene Stadt Mannheim mit Bomben. Keinerlei militärischer Schaden. Zwei Perionen wurden getötet und zehn biS zwölf verletzt, darunter keine Militärpersoncn. dagegen franzö- fische Kriegsgefangene. Ein Flugzeug wurde in der Pfalz zum Niedergehen gezwungen, die Insassen wurden gefangen genommen. Kleine Kriegsnachrichten. Die Lettow-Truppen in Oortugiesisch-Oftafrika. Lissa Sott, i'T. November.(Reuter.) Amtlich wird auS Mocambique gemel- det: 2V0V Deutsche eroberten nach dreitägtgem Kample den Berg H k u l a. der von 260 Portugiesen besetzt war, und nahmen den Befehlshaber und 23 andere gefangen. Die portugiesischen Verluste betragen-40 Mann. Tie Deutschen ließen die Gefangenen am nächsten Tage wieder frei. Nach �öloniter Methoöe. Als im Spätherbst 1018 die geheime Verschwörung der Adlo- uiter tagte, da wurde als besonders gutes Rezept für die all- deutsche Kampftaktik empfohlen, Uneinigkeit zwischen die leitenden politischen und militärischsn Stellen Deutschlands zu säen. Trotz aller?lbleugnungen hält man noch heute an dieser Methode fest. In der„Deutschen Zeitung" erhebt ein Herr v. Kuckuck aus HÄ- goland den Ruf: Immer wieder, wenn uns das Elend unserer poli- tischen Führung mutlos machte und verzweifeln ließ, haben wir die Blicke zu unseren großen Heerführern er- hoben. Was lagen sie zu Brest-LitowSk'? Herr Kuckuck fordert also die leitenden militärischen Stellen auf, die deutsch« Politik öffentlich zu desavouieren. Em recht starkes Stück! Bildet Herr Kuckuck sich wirklich ein. daß die deutsche Antwort in Brest-LitowSk ohne Wissen und Einverständnis mit den leitenden militärffchen Stellen ergangen sei?? Oder Inas soll dieser Kuckucksruf? siiö'chsipreisüberfthreitungen unter tzerrn v. Walöows Aufsicht. Während Herr V. Waldsw gegen die Oberbürgermeister der Städte, die zur Beseitigung der dringendsten Not die Höchstpreise überschritten babe.n, den Staatsanwalt inobili- siert, weist ihm jetzt die„Liberale Korrespondenz" nach, daß er selber in seiner früheren Eigenschaft als Obe'Präsident der Provinz Pommern HöchstpreisüHerschreitungen hat durch- gehen lassen, die ihm keinesfalls unbekannt bleiben, konnten. Sie fragt: � „Ist Herrn v. Waldow entfalle», daß die Landwirt- 'chaftökammer in Pommern die sogenannt«»Hinden- b u rg- S p e n d e" ins Leben rief unter Mißachtung der da- maligen Höchstpreise für Speck, Schmalz und Schiulen? Ist dem früheren Oberpräsidenten bei Provinz unbekannt, daß während seiner Amtsführung die ganze Schar der ihm diensilintergebeneu Guts- und Gemeindevorsteher in jedes Häuschen ihres Dorfes schickten oder liefen, um die Spende einzusammeln unter Dar- bietung eines den amilich festgesetzten Höchstpreis um 23 Prozent übersteigenden Entgeltes'? Ist dem früheren Oberprästdenten von Pommern entgangen, daß die ihm dienstuniergebenen Landräte Monate hindurch mit ansahen, wie im Austrage der Land- wirtschaftskammer die Ein- und Verkaufsvereine— jene im Kriege zu Millionenverdiensten gekommeneu Geschäftsstellen der Großagrarier— in amtlichen Kreisblättern mehrmals wöchent- lich aufforderten, Speck und Schmalz zu liefern unter öffentlicher A«bietu»g der„«gesetzlichen Preises Ist Herrn v. Waldow u»- bekannt«eütiebeii, daß in den Landkreisen sein« Land rät« höchstselbst amtlich und öffentlich fortgesetzt für diese Liebesgaben dankten, indem sie jaden Spender nebst Art und Ge- wicht der unter Verletzung des Höchstpreises dargebotenen Spende nach Wohnfitz und Sicmd namentlich aufführten? Und glaubt unsere frühere Spitze der Behörde, daß diese Gleichmäßigkeit amtlicher Haltung in den verschiedenen Landkreisen eine rein zu- iälltge war? Drang nie zu ihm das Scherzwort, das an einigen Orten damals umging, vem der„amtlichen Animierkneip« zur Ueberschrcitung der Höchstpreise"? Ist endlich dem Minister v, Waldow nie zu Ohren gekommen, was der verantwortliche Oberpräsidenr v. Waldow, hätte er Fühlung mit der öffentlichen Meinung gesucht, unschwer erfahren konnte: daß ein Raunen, ein Geflüster durch Pommern geht, daß man sich fragt, ob und wie !oeit es wahr ist, daß bei der HindenSury-Spende, über die bis heute kein Menich eine öffentliche Abrechnung gesehen bat. die Höchstpreise nicht um 23 Prozent, sondern um viel mehr überschritten werden mußten, wollte die Frau deL Schwerarbeiters tu tllheinland-Westfalen für ihren Mann ein Pfund Schmalz oder«speck erwerben?" Hier hanbelt es sich allerdings nicht um Höchstpveisüber- ichreitungen, die zur Abhilfe dringender Not, sondern aus Nachgiebigkeit gegen die Prositsucht der Produzenten vorge- nommcn. worden sind. Am so interessanter ist es, daß Herr v. Waldow als Oberpräsident der Provinz Pommern nicht dagegen eingeschritten ist. * Eine interessante Bekehrung ist zu verzeichnen. Tie „Deutsche Tageszeitung" vertritt im politischen Teil beharrlich den Standpunkt, daß die Höchstpreisüberschreitungen nur durch die Verbraucher verschulder würden, weil sie die biederen und un- eigennützige» Landwirte so lange mit-dem Angebot höherer Preise lockten und köderten, bis dies« nicht mehr widerstehen können. Am Freitag aber vertritt die„Deutsch« Tageszeitung" im lokalen Teil in einer Notiz„Der Schutz der Kriegswuchcrer" den gegenteiligen Standpunkt. Da heißt es: Wegen Ueberschreitnnz der Höchstpreise itraßbar i nacht sich bekanntlich auch der Käufer. Der Bttvucherte wird so zum Mitschuldigen des Wucherers. Er kann den Kriegswucherer nicht vor Gericht ziehen. Sonst wird aber der Geschädigt« nicht auch noch bestraft. Beim gewöhnlichen Geldwucher wirid nur der Wucherer wegen'Ausbeutung der Notlage bestraft, nicht aber der Ausgebeutete, ebensowenig wie der Geschädigte bei irgendeinem anderen Vergehen oder Verbrechen. Will man den Kriegswucher wirksam bekämpfen, so muß man die Strafbarkeit des Käufers, wegen lieber- schreitung v«n Hoch ffp reisen aufheben. Gründlicher als durch den gefunden Menlchenverfiand der Lokalredaktion konnten die spitzfindigen Winkelzüge der p o l i t i- s ch e n Redaktion der„Deutschen Tageszeitung" uicht bloß- gestellt werden.. Das Neuköllner Saatgetreiüe. Der Präsident des Kricgserniihrungsaiuts bat in der ver- gangenen Woche bekanntlich mitgeteilt, daß gegen den Neuköllner Magistrat ein Strafversahren wegen unberechtigten Bezuges von Saatgetreide schwebe. Hierzu erfahren wir aus Neukölln, daß die Verwendung der in Betracht komm enden kleinen Mengen Roggen, Weizen und Gerste m der Zwischenzeit einwandfrei festge- stellt worden ist. Das Getreide ist zu Mehl vermähle» und der Einwohnerschaft im vergangenen Juni als E r s a tz f ü r d i e a u o- gebliebeneu Kartoffeln zugeführt wooden. Neukölln be- fand sich damals in einer Notlage. Die Stadt hatte keine aus- reichende Nahrungsmittel, um die Bevölkerung auch nur notdürftig versorgen zu können, und wirr froh, das Saatgetreide kaufen zu können, das damals überall in Mengen angeboten wurde, die das BsdürfniS zur Saatbestellung wen überschritten. Saatbohnen und -Erbsen, die die Stadtverwaltung kaust«, gingen, soweit sie nicht für Saatzwecke Verwendung fanden, der Massenspeisung zu. Neu- lölln verpflegte damals täglich-10000 Personen in seineu Sjpeife« a n stalten und mutzte bemüht bleiben, auf alle nur denkbare Weiss Lebensmittel herbeizuschaffen, um die Massenfpeisung ausrecht er- halten zu können. Der Magistrat glaubte, die Schließung dieser Anstalten gerade zur damaligen Zeit nicht verantworten zu könne» und beschloß lediglich aus diesem Grunde den Ankauf des Saat- getrcides. * Soeben wird eine Verordnung bekanntgemacht, welche bezweckt, dem Schleichhandel mit Saatgut einen Riegel vorzuschieben. Danach haben künftig nur solche Saatkarten Gültigkeit, die mit dem Dienststempel und dem Prüfungsvermerk der höheren Verwaltungsbehörde versehen sind. Die Befugnis der Kommunalverbänd«, den Gemeinden die Erlaubnis zur Ausstellung von Saatkarten zu erte.len, wird a u l- geHobe it.— Wir buchen dies als einen ersten Erfolg unserer Veröffentlichung der Neuköllner Denkschrift. wo blieb üas Senzol: Wegen des Benzols, daS Herr v. Hehdebranb angeblich für seine Dreschmaschine nicht erholten konnte, um in der Zeit der schwersten Brotnot sein Getreide auszudreschen, haben wir i* unserer Freitagnummer vier Anfragen an den Landrat von Militsch gestellt. Zu derselben Angelegenheit wird dem„B. T." von unterrichteter Seite geschrieben: „Die Freigabe von Benzol liegt in den Händen der Jnspek- Hon der Krastfahrtruppen. Die BstriebZstoffabteilung dieser Inspektion gibt Benzol frei. Der Landwirtschaft in Teutschland wird eine durchaus ausreichende Gesamtmenge, welche vorher zwischen dem Stab und den landwirtschaftlichen Refforts verein- bart wurde, freigegeben. Die ÄriegswirtschaftSämter, deren es in Deutschland so viel gibt, wie Stellvertretende Generalkom- mandos, liefern den Landwirten durck Vermittlung der Kriegs- Wirtschaftsstellen Benzol für Dresch- und Pslugmaschineu. ES erscheint»ollkommen ausgeschlossen, daß Herr V. Hetidebrand an Benzolmangel für seine Dreschmaschine« gelitte» hat; noch erstaunlicher ober ist es, daß daS LandratSamt Militsch, welchem das VerteiluugSsNstem von Brennstoffen für landwirtschaftliche Maschinen bekannt ist, diese AuSrede deckt. Ob die ferneren Entschuldigungen des Herrn w Heydebrand ebenso viel wert sind, wie seine Berufung auf Benzolmangel, entzieht sich meiner Kenntnis." ES erscheint immer notweirdiger, daß der Landrat von Militsch sich auf unsere Anfragen äußert. Landwirtschaftliches Unternehmertum und Kriegsbeschädigte. Unter dieser Ueberschrift besprachen wir am 3. Dezember einen Ar- tikel des OberinspettorS in der Brcrndenburgischen Provinzialvcr- waltung Salchert, der sich darüber beschwerte, daß die Wicderunter- bringung der wieder ertüchtigten Schwerverletzten in der Land- Wirrschaft auf den Wider st and des landwirt schaft- lichen Unternehmertums stoße. Hierzu sendet uns der Pommers che Arbeits nachweiSverband«in« längere Zuschrift, in der er sich dagegen verwahrt, daß aus den Angaben Salcherts verallgemeinernde Schlüsse gezogen würde». Nach seinen Erfahrungen sei es zum mindesten in Pommern irnrichtig, daß die Arbeitgeber schwerverletzte Kriegsbeschädigte als Arbeiter nicht nehmen wollten. Lette Nackrickten. Die englische Ariegspresse zu de« Friedensverhandlungen. Amsterdam, 2S. Dezember.(Reuter.)„Daily Telegraph" sägi, daß wahrscheinlich die Bolschewiki in Petersburg jauchzen werden. aber Menschen mit einem gesunden Urteil werden sich fragen, wa» nun die deutsch« Regierung präzis mit der russischen Losung: Keine Slnnexionen und keine Entschädigungen meine. Wir wissen, daß einflußreiche politische Persönlichkeiten in Deutschland beschlossen haben, Belgien unter deutsche Kontrolle zu stellen und daß die Verbindung zwischen Berlin und Bagdad nicht ab- gebrochen»erden darf. Solange diese Pläne nicht preisgegeben tveüden, solange der Schaden nicht gutgemacht ist, ist unsere Aufgabe noch nicht vollendet. Die„Daily Mail" schließt ihre Betrachlungen: ES wird nicht ernstlich über den Frie- den gesprochen werde» können, ehe Deutschland auf dem Schlachtfeld« geschlagen und sein« Kraft gedeurütigt und durch Entbehrung und die Niederlage gebrochen ist.„Daily Chronicle" bemerkt, daß die FriedenZbedingungen der Mittelmächte nicht die geringste Bürgschaft gegen«ine Wieder- holung des Krieges bieten. Deursckiland könne den Friede-» haben, sobald es ihn nur wolle, doch nur unter Bedingungen, welche die Welt von der» KriegSalp befreiten. Die„Times" läßt sich folgendermaßen aus: Das wirklieh« Ziel von Ezernins Antwort ist klar. Deutschland und seine Bundesgenossen hoffen, daß di« Volks- kommissare feie Tätigkeit der Abgeordneten in Brest-LitowSk geneh-- mrgen werden und die Mittelmächte beabsichtigen, von dem Be- schlntz des revolutionäre» Rußland Gebrauch zu mache«, um die Partei der Defaitisten in den alliierte» Ländern zu v e r- stärke». Ein Frieden, wi« die Mittelmächte und die Bolschewiki ihn erstrebe», würde den Rittelmächten den Sieg sichern.„Daily News" nennt die deutschen Borschläge unannehmbar, was die Lebe»sfrage Belgiens und Serbiens betrifft. Deutschland nähme die Wiederherstellung an, doch es schalte nach- drücklich die Entschädigung aus. D«s Heer für ine Lolschewiii. Petersburg, 27. Dezember.(Meldung der Petersburger Tele» graphen-Agentur.) In der Nacht vom 2Z. zu« 24. Dezember be» mächtigten wir uns in Charkow gepanzerter Kraftwagen nach Abfeuerung zweier Kanonen. Gegenwärtig befinde» sich die Panzerkvafttvagen in der Gewalt der rrnfrigon. Die Regimen» t e r Tschegrinski und Baturinski habe» sich de« Sowjet an» geschlossen. Der Kongreß der Eisenbahner, dar beauftragt ist. alle Fragen bezüglich der Eisenbahnen zu regeln, Hai Lenin zum Ehrenmitglied gewählt. Petersburg, 27. Dezember. Die Petersburger Telegrapben- Agentur meldet: Unter den Kosaken herrscht DemoralisaHo». Die Fronttrnppen weigern sich, gegeri die Regie- rungstruppen vorzugehen. Eine Divisian in der Umgebung des Bahnhofs Alexandrowsk leg!« die Waffen nieder. Ihr Beispiel wurde von anderen Regimentern befolgt. „Het Volk" über Breft-Litowsk. A in st e rd» t», 27. Dezember. Tie s»n«ll>emi>tr«tiiche Zeitung „fft Volt" schreib» über die Friede»svkrh«ndlimge« t» Brest-LitowSk: ES hängt jetzt»»» der H« l t u n g der West machte ab, «b auf den ersten Schritt zu dem Friede« weitere ftlge» werde«. Etz läßt sich uicht leugne«, daß eine Bewegung, die de» Bedingu»-- ge» der Mittelmächte e«tgege»käme, von der gange» Welt mit großer Freude begrüßt«erden würde. Die FriedenSParteien in England und Frankreich»erde» von ihrer durch die jüngsten Ereignisse ge- steigerte» Macht zweifeNos den besten Olebrauch machen. Die Per- sicherunge» Deutschlands und feiner B» n d e s g e- nofsen klinge» günstiger als je, und wen« ihre Femde sich jetzt weigerten, würde sie ei« Vorwurf treffen, der auch füg die beste Sache verhängnisvoll fein würde, GelverkschWbewMng Erhöhung der Teuerungszulage» in den städtischen Gaslverken und Krankenhäusern Berlins. Die städlisiben GaZarbeiler hatten an die Direhion der(Sa?« Werl« den Anirag gestellt, den in 8siündiger Arbeitszeit(Schicht- orbeiier) beschäftigien Arbeitern 80 Pi. und den in Osiimdiger Arbeitszeit beschäftigten Arbeitern, Arbeiterinnen und Handwerkern 20 Pi. pro Stunde Zulage zu gewähren. Die Zulage sollle ab l. Dezember in Kraft treten. Wie wir «rfabren. haben kürzlich zwischen der Direklion und den Arbeiter- ausi'chüssen, unter Hinzuziehung beS Vorsitzenden der Ortiverwaliung Berlin des Verbandes der Gemeinde- und SlaatSarbeiter, des fflenossen Müntner, Verhandlungen stailgesundsn, die zu folgendem Resultat geiührt haben. Die Direklion erkannte die Notwendigleil der Erhöhung der Lohnbezüge an, ließ aber eine unterschiedliche Behandlung der 8- und S-Stundenarbeiter nicht gelten. Nach den Vereinbarungen, denen die ArbeiterouSschüsse zugestimmt haben. sollen ohne Unterschied alle Arbeiter, Arbeiterinnen und Handwerker eine Zulage von 15 Pf. pro Stunde erhalten. Und zwar wird die Zulage in der Werse gewährt werden, dah ab 1. Januar 1S18 10 Pf. und ab 1. März weitere 5 Pf. zur Auszahlung ge- langen sollen. Wenn auch leider die Forderungen der Arbeiter keine volle Be« rücksichtigung gefunden haben, so kann man nach Lage der Sache mit der getroffenen Regelung einverstanden sein. Hoffentlich erteilt der Magistrat dieser Vereinbarung so bald wie möglich seine Zu- stimmung, denn die Not unter diesen verhältnismäßig schwer arbeitenden Arbeitergruppen ist groß. * In der Weihnachtswoche fand im Berliner Rathause eine Sitzung der Lohnkommissron der KrankenhauSdeputation statt. Eine ganze Anzahl teils schon recht weit zurückliegender An- träge des Personals um Aukbefferung der Lohnbezüge waren Gegenstand der Beratung. Zu dieser Sitzung waren erfreulicher- weiie die Vorsitzenden der ArbeilerauSschüsse aller Krankenhäuser sowohl wie die Herren Direktoren der einzelnen Anstalten ein- geladen und erschienen. AlS Vertreter der zuständigen Organisation nahm der Vorsitzende des GemeindearberterverbandeS an den Verhandlungen teil. ES fand eine lebhafte Diskussion der einzelnen Lohnanträge wie auch der jetzt so schwierigen BelleidungZ- und ErnährungSsrage statt, an der sich nament- lich die Stadtverordneten Koblenzer und Wehl sehr eingebend beteiligten und für die Forderungen des Personals energisch eintraten. Es wurden den Lohnklaffen 2. 3, i und 6 durchweg 30 M. pro Monat Tcuerungszulage bewilligt. Den TeSinfektionSgebilfen, Leichen-, LaboraroriumS-, Dpolheken-, Opc- ration«- und Badedienern und Maffeuren, d'e an Stelle der Ruturalveipflegung«in monatliches Kostgeld von 83. SS M. erhalten, wurde außer der Zulage von 80 M. noch die Höhe de» Kostgeldes um 60 Proz. gewährt. Die Lohnklaffen 7, 10 und Ivb(Küchen- mädchen usw.) erhalten 6 M. und die Lohnklaffen 11, 12 und Ii 20 M. pro Monat Teuerungszulage. Dem vcrheiraieien Personal, das außerhalb der Anstalten wohnt, wurde das WobnungSgeld durchweg auf 250 M. pro Jahr erhöht. Einzelne Gruppen erhielten bisher 150 M. Wohnuugsgeld. Ter prinzipiell wichtigste Beschluß aber dürfte sein, daß weib- ffche Kräfte, die anstelle von Männer» eingestellt werden, bei gleicher Leistung wie die Männer auch den gleichen Lohn er- halten sollen. Dieier Beschluß ist zwar schon einmal im vorigen Jahr« gesaßt, aber durch die Betriebsleitungen nie recht eingehollen worden. Jetzt wurde beschloffen, daß nach vierwöchenl- kicher Probezeit die Entscheidung über die volle Bezahlung zu er- foloen bat. Di« gleiche Bestimmung wurde auch getroffen für solche Arbeitskräfte, die z. B. für eine niedriger bezahlte Arbeit ange- nommen und später in höher bezahlten Stellungen verwendet wurden, ohne aber die für diese Stellungen vorgesehenen Lohn- bezöge zu erhalten. Auch diese Beschlüsse bedürfen noch der Zustimmung des Ma nstiatS. die schleunigst erfolgen muß, denn die Bezahlung dieses nach Tausenden zählenden Personals ist eine außerordentlich niedrige. Gemeinsame Organisationsarbeit Vau Stergerberbaud und Bund der technisch-i�dustriellcn Beamte». Uns wird gei'chrieben: Von all den Vereinigungen, denen Grubcubeamte angeböien, war es bisher nur der Steigerverbaud, der gegen die ieblechie Behandlung, die Prämieneutziehungen und die Slrafarbeit in der Leffenllickkeit proicstierte. Dieser Verband halte jedoch während des Krieges seine Tätigkeil eingestellt. Während des Krieges ist die Behandlung der Steiger nun noch schlechter ge- worden als ftüher, denn die Vorgesetzten brauchten ja eine Bloß- stellung nicht mehr zu fürchten. Tie Mitglieder des S'.eigerverbandeS verlangten daher eine Wiederau'nahme der VcrbandSiätigkeit. Diese hat sich durch eine Vereinbarung mit dem Bunde der technisch» industriellen Beamten ermöglichen lassen. Der Bund, der ebenso wie der Steigerverband der Arbeits« gemeinschaft der freien Angestelltenverbände angehört, vertritt von jetzt an in seinem Organ die Jntereffen der Steiger, und eS wird den Mitgliedern des SteigerverbandeS zugestellt. Schon die letzte Nummer brachte außer einem Leitartikel über die Lage der Steiger während des Krieges einige Ausschnitte aus Briefen, die ein Schlag- licht auf die Behandlung der Steiger werfen, Aus ihnen gehl her- vor, daß es für die Steiger eine gebieterische Pflicht ist, sich genau so wie die Aibeiler der Organisation anzuildließen, um mit dieser Mackl sich eine menschenwürdige Existenz zu erringen. Wie verlautet, soll nach Beendigung des Krieges zwischen dem Bund der t. i. Beamten und dem Steiger oerband der Frage der even- tuellen Verschmelzung beider Berufsorganisationen näher getreten werden. Inöustrie und Handel. Neuorganisation der deutsche» Filmindustrie. Vor dem Krieg herrschte in Deutschland fast unbeschränkt der französische Film, für den eine ausgezeichnete Verleihorganisation bestand. Da der Film ein wichtiges Propagandamittel ist, so wurde seine Herstellung und sein Vertrieb während des Krieges in Obhut des Bild- und FilmamteS genommen. Außer- dem gründete die Industrie im Verein mit Verkehrsvereinen die Deutsche Lichtbildgesellschaft. Vor kurzem wurde nun für die Herstellung von Qualitätsfilmen die Universum- F i l m- A.- G. mit einem Kapital von wicht weniger als 25 Millionen Mark gegründet, an der beteiligt sind: die Deutsche Bank, der Norddeutsche Lloyd, die Hamburg-Amerika-Liirie, die Dresdner Bank, Karl Lindsträm A.-G., Fürst DonnerSmarck, Schwarz, Gold- schmidt u. Co. Die neue Gesellschaft umfaßt aber nicht sämtliche Unternehmen, besonders sind einige ältere Firmen Außenseiter geblieben, die nun an ein« Gsgengründung denken. Gold, zum Rests in Vschfeln, nöglichft in baren Wechseln. Im Kriege ist nun der Goldvorrat ganz außerordentlich gesunken und an die Stelle der baren Wechsel find Schuldwcchsel oder ihnen gleichzustellende Verbindlichkeiten der österrcichisch-ungarischsn Rc- gierung getreten. Der Goldvorrai wurde am 23. Juni 1014 mit 1,24 Milliarden Kroneo, am 7. Dezember 1017 aber nur mit 0,26 Milliarden Kronen ausgewiesen! Ein großer Teil des Gold- � ichatzes ist in das Ausland gegangen, obre daß gesagt wurde, wo- I hin. Also wahrscheinlich nach Teutschland. Daher weist die Bank � auch unter den Aktiven ausländische Zahlungsmittel und Fordcrun- ! gen, auch effektives Gold in der Gesamthöhe von 0,8 Milliarden Kropen auf. Zusammenfassend läßt fich erklären, daß die östarreichisch-uuga- rische Bank sehr wenig getan hat, um durch eine Erhöhurg ihres GoldvorrataS den Wert der Banknoten zu erhöhen. Es bc rührt den Reisenden in Oesterreich sehr sonderbar, wenn er von einem großen Schleichhandel und einem gewaltigen Aufgeld von mehreren hundert Prozent auf Gold bört. Diese Mißstände bc- stehen zwar in verringerten, Umfange auch im Deutschen Reiche, aber eben nur in wesentlich verringertem Umfange. SsHiales. Verstaatlichung der amerikanischen Eisenbahnen. Mit der Motivierung, daß im Krieg« alle wirtschaftlich«» Kräfte zu einer Einheit zusammengefaßt werden müssen, hat Wilson die amerikanischen Eisenbahnen unter StaatSkontroll« ge- stellt— ein unerhörter Vorgang in einem Lande, wo jedes staat- liche Eingreifen in das Wirtschaftsleben aufs schärfste verpönt war und der bundcSstaatlichen Gewalt überhaupt sehr wenig Befugnisse eingeräumt waren. Die Kurse der amerikanischen Eisenbahn- aktien sind seit Wochen ständig gesunken, doch hat die Versichc- rung Wilsons, daß die Aktionäre auf«ine angemessene Verzinsung rechnen können, wenigstens im Augenblick beruhigend gewirkt. Wie immer, hat Wilson euren gewissen Zug ins Große. Mit Kleinigkeiten gibt er sich wicht ab. Also hat er sofort 200 Millionen Dollar, daS sind nach dem Friedenskurs des Dollars gerechnet 840 Millionen Mark, zur Anschaffung neuen rollenden Material? ausgeworfen. KriegsauSweiS der österreichisch-ungarischen Bank. Die österreichisch-ungarische Bank hat vor kurzem ihren ersten Ausweis im Kriege veröfssntliicht. Daraus geht hervor, daß sich der Notenumlauf fest dem 23. Juni 1914 bis zum 7. Dezember 1017 von 2,16 auf 17,4 Milliarden Kronen erhöht hat. Da die Banknoten nichts anderes als sofort fällige Verbindlichkeiten find, sind ihnen auch in gewissem Sinne die täglich fälligen Girogut- haben gleichzustellen, die sich in demselben Zeiträume von 0.3 auf 2 Milliarden Kronen erhöht haben. Die Deckung der Banknoten erfolgt bekanntlich zu einem hohen Prozentsatze in dem Weltgeld Wiederherstellunci vou Lebens- und Kranfcnvcrsicheriiugen. Der.Reichs-Anzrnger" vsiöffenllickit eine Verordnung des Bundesrat-?, wonach denjenigen, deren Rechte aüs einer mit einem privaten VcrficherungSunIernehmen geschlosieuen Lebens- oder Krankenversicherung nach dem 31. Juli 1914 erloschen oder gemindert sind, die Wiederherstellung der Rechte auS der Versicherung erlangen können. Danach gilt die nicht rechtzeitige Erfüllung einer ZablnngSpflicht als durch den Krieg verursacht, wenn sie aus eine Verschlechterung der wirtschaftlichen Lage des Versicherungsnehmers zurück-u'übren ist. Nach der Verordnung bat der Vorstand des Versicherungsunternehmens allgemeine Bestimmungen über die VorauSsetzungeu und den Umkang der Wiederherstellung auszustellen und dieselben innerbalb einer fesigeietzten Zeit der Aufsichtsbehörde zur Genehmi- gung einzureichen. Die Wiederberstebung der Rechte muß bis zum Ablauf von sechs Monaten nach Beendigung des Krieges beantragt werden. Für Versicherungsnehmer, die durch KrisgSvcrhältnisse an der Einhaltnng der Frist verbindert worden sind, endet die Frist erst sechs Monate nach dem Wegfall de- Hindernisses. Der Antrag auf Wiederherstellung ist fchriitiich unmittelbar an den Vorstand des VersicherungSuulernebmens zu richten. Die von den VersscherungSunwrnehmcn aufzustellenden all« gemeinen Bestimmungen über die Voraussetzungen und den Umfang der Wiederherstellung haben u. a. zu regeln: 1. die Wiederberstellung von Vslsicherungen, bei denen die Ansprüche de» VeisicherungSnebmerS gemäß dem Verirage durch KriegSteilnahme, Eirnritt in den Heeresdienst oder ähnliche Um- stände erloschen oder geminderi sind; 3. die Wiederherstellung von Versicherungen, welche die V-r- sicherungSnebmer iniolge einer durch den Krieg berbeigeführten Verhinderung oder erheblichen Ersgiweruiiq der Erfüllung ganz oder teilweise durch Kündigung oder auf andere Weise airgchoben haben; 3. die Rechte und Pflichien solcher Versicherungsnehmer, denen der Versicherer aus Anlaß des Krieges au-drücklich oder still- schweigend eine Stundung'oder andere Erleichterungen der Bei- tragSpflichr zugestanden hat. Kommt zwischen dem Versicherer und dem VersicherungSunter- nrbmer eine Einigung über die Wiederberstellung der Versicherung nicht zustande, so hat daS Amtsgericht, bei dem der Bei sicher»nqS- »ehmer fernen allgemeinen Gerichtsstand hat. auf Antrag des Ver- sicherungSnehmerS über die Wiederherstellung der Versicherung zu entscheiden._ I-detrerauSirchte» für da? niitttere?tordl>e«»f/,U.: Die tolle Komteß. Zi/, Uhr: Lilie Märchenreise. Der reichhaltige Variete-Spielplan = Rauchen gestattet!= Bhf. Friedriehstrafie. Ankans 7'/, Uhr. Das unerreicht dasteh. I Sport-Programm u.». t) fl Tiver 1 A Rieh. Sawade 1" 1 Maud Wulff,(lieg. Hunde MPTlt/n G' 0r'B-Aus-! iUCAl&U statt-Pantom. Sonntaj» S'/, u 71/, Uhr. j Nehm. Kinder halbe Preise« In beid-VorsfceU. Mexiko, j 10 Tiger 10 Sawade. Theater für Sonnabend, 29. Dezember. ü R A N| A Central-Thcatcr Koramandantonstraße 67. Die CeardaKflii-Htin Stg. 8«/,: Kinder der Exzellenz. DcutBche» OpcrnhauM uhn D. tust Weiher vJiniis. Friedrich-Wiihelmst. 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Zimmere traße 90/91. üento: Großes Konzert memm des Berliner KonEcrthaoa-Orchestcr», Leiter: Komponist Franz von Blon. Anfang Pj, Uhr. Eintritt 39 Pf. Anfang VI, Uhr Am 1. Januar(Neujahr) Iis casttlsata Berliner Konzerthaee-Orchesler, Leiter: Komp. Franz von Blon, p Kabarett Tivoli --------- Bunte Vorträge--------- SpIelfolRC vom 16.—31. Dcsember: Franziska Seldburg, Carl Grotb. Otto Mücke, Mila Endtresser, Ernst Wi 1 h e! m, Krämer-Wolff. tiiglirh zwei läapellcii. ;oi Weitare Kinder halbe Preise In beiden Vorstellungen; Das groSa Zirkusprogramm und zum Schluß: Die phant. Pantomime BVSondfahrL Besondershervorznheben Autflug im Flugzeug und Sensalions-Absiurt. Mg- S'/j ungolc. MondfahrL Voigt-Theater. Badstr 53. Baostr. So Täglich PI,«6:: Zlnneliefc. «Sonntag, 30. 12.. nachm. 3 Uhr Loge Nr.?. Abends 7 Uhr: Slniielleie. Admiralspaiast 7'!, Uhr: Die Novität Deutsche Tiinzc von Schubert. Abrakadabra. Trianon»Theater Geergonstr., Bhf. Friedriohstr. Tel.: Zentrum 4927 und 2391. 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I-Blutunters« Fäden im Harn usw. Fraärietetril.S'kS äiniäsirÄESÄ" H Rpr.10-1 u. 5-S, Sonnt 10-1. ? Honorar mäSiz, a. TeilzahL | Separates Damenzimmer. Nr. 556 4 34. Jahrgang Seilage öes Vorwärts Soanabenü, 24. Dezember 7 Mutterlose Solöatenkinöer. Tie Unterstützungssätze für Kriezerfcntilkn stitb dorn 1. Ns- »xin.ber ab um 5 Mk. für jeden Unterstützten erhöht worden. Wir nehmen wenigstens an, daß nun auch überall eine solche Erhöhung eingetreten ist. Die BundeSratsverordnung vom 2. November 1317 verpflichtet die LieferungSvenbände, svätestenS vom 1. November 1917 an eine Erhöhung der vis zum 1. Ottober 1317 gezahlten Familien Unterstützungen eintreten zu lasten und den Betrag se nach den örtlichen Verhältnissen zu bemessen. BiS zum Betrage von 5 Mar! für jeden Unterstützten werden die feit dem 1. November gewährten Erhöhungen der Unterstützungen vom Reich erstattet. Für leine Gemeinde liegt nunmehr auch nur der geringste Grund vor, nicht wenigstens um diese fünf Mar? die Unterstützungen zu erhöhen. Sind diese Sätze auch nicht im entferntesten geeignet, die wahnstnnige Preisstnge- rung aus allen Gebieten des Lebensbedarfs auszugleichen, so sind sie eS am allerwenigsten in den Fällen, in denen es sich bei den Unterstützten um alleinstehende Kinder handelt, um stnche, deren Väter im Heere stehen. Die Reichssätze betragen für diese Äinder nur 13 M., dazu komm! nunmehr der oben erwähnte Betrag von Z M. und dann noch d'S weitere Gemeindsunterstützung, dre in den Gemeinden um Groß. Berlin in der Mehrzahl der Fälle auch 13 M. beträgt. Das wären also 26 M. im Monat. In Berlin selbst beträgt der Satz zurzeit 30 M. Daß mit solcher, Beträgen der gesamte Lebcnsuiterhalt der Kinder nicht bestritten werden kann, liegt auf der Hand. Die uns zugegangenen oft geradezu erschütternden Klagen so vieler im Felde stehenden Witwer über ganz ungenügende Versorgung ihrer allein zurückgebliebenen Kinder haben uns veranlaßt,«ine durch Umfrage bei den Groß-Berliner Gemeinden und einigen anderen die Grundsätze festzustellen, nach denen die Unterstützung alleinstehender Kinder geha.idhabt wird. Dabei hat sich ergeben, daß die Mehrzahl der befragten Verwal- tungen Kinderuntcrstützungen gewährt. Da eS sich hier um eine für die Stadtverordneten bzw. Gemeindevertrcter überaus wichtige ilingelegenheit handelt, geben wir aus den uns zugegangenen d;e entscheidenden Sätze wieder: Schöneberg hat sich auf einen bestimmten Satz nicht fest- tr-tz der Gewährung der KriegSunterstützung noch vorhandenen No'lag« in der Regel Sonderunterstützungen gewägt Eharlottenburg hat bisher den Reichs, av von 10 M. und in der Regel einen städtischen Zuschuß von 7,50 M. monat- lich gt währt. Berlin: Meinstehenden Kindern werden zur Behebung der gelegt. Auf besonderen Antrag wird ein erhöhter städtischer Zu- scvuß gewährt. Die Unterstützungskommission richtet sich jedesmal noch den besonderen Verhältnissen, unter denen die Kinder in Pflege gegeben sind. Neukölln beschränkt sich nicht auf die übliche Kriegsunter- stütz uwg, sondern tritt darüber hinaus durch laufende und ein- malige Unterstützungen ein und bemüht sich durch wohlwollende Prüfung jedes Einzelfalles das Notwendige an Unterstützung zu gewähren. Wilmersdorf entscheidet bei Gawöhrunq von Unterstützungen an alleinstehende Kinder von Fall zu Fall. d. h. nach der Lage der Bedürftigkeit, da allgemeine Grundsätze bei der Ver- schiedrnartigkeit der Fälle nicht aufgestellt werden können. Lichtenberg zahlt die Mindestsätze von 10 st- 10-st 5 M., geht darüber aber in geeigneten Fällen noch hinaus. C ö p: n i ck richtet sich in vollem Umfange nach den in Groß- Berlin üblichen Sätzen. Friedenau regelt die Unterstützung von Fall zu Fall und zahlt bis zu ausreichender Versorgung und Unterbringung der Kinder. F r r e d r i ch s h a g e n gibt die alleinstehenden Kriegerkinder zumeist in Privatpslege, den Pflegestellen wird«in monatliches Pilegegeld von 25—30 M. gezahlt, die Kinder werden von den Auf- sichlSdamen und Diakonistenschwesicrn kontrolliert. Lichterfelde gewährt die Unterstützungen nach Maßgabe der Bedürftigkeit von Fall zu Fall und geht erforderlichenfalls über die Mindestsätze durch weiter« Zuwendungen aus Gemeinde- Mitteln hinaus. Mariendorf gibt nötigenfalls neben dem Reichs- und Kreizsatze von je 10 M. einen Gemeindezuschuß, der von 5 bis 30 M. schwankt, im Einzelfalle jedoch auch höher sein kamt. Schmargendorf gibt die reichsgesetzlich festgesetzte Unter- stützung von 10 M. Darüber hinaus kann ein Krciszuschlag bis hu gleicher Höhe bewilligt werden; außerdem kann zu diesen Sätzen in Fällen dringender Not ein gemelndeseitiger Zuschuß treten. Steglitz entscheidet von Fall zu Fall. Tempelhof zablt bis zu 80 M. Treptow zahlt im Wege der Kriegswohlsahrispflege über den üblichen Satz je nach dem tatsächlichen Bedürfnis. Zehlendorf richtet sich nach dem Bedürfnis des einzelnen Falles. In den meisten Fällen wird neben der Reichs, und Kreis- Unterstützung ein Zuschuß aus Gemeindemitteln gewährt. Etwas eigentümlich ist die vom KreiSauSschutz des Kreises Nisderbarniln gehalten. Sie gehtda hin, daß für alleinstehende Kinder von Kriegsteilnehmern die Familiewinterstützung nach den ergangenen gesetzlichen Bestimmunzen bis zur Behebung der Bedürftigkeit gezahlt werde. Es wäre nun ja auch noch schöner, wenn nicht einmal den gesetzlichen Bestimmungen entsprechend die Unterftühung gewährt würde. Daß darüber hin- aus den Gemeinden Pflichten erwachsen sind, scheint der Kreis- ausschuß noch nicht erkannt und deshalb auch noch nicht im Sinne der Erfüllung dieser Pflichten auf die Gemeinden des Kreises eingewirkt zu haben. Dopoelte Pflicht daher für die vorhandenen Gemeindevertreter, in ihren Gemeinden für eine ausreichende Versorgung der mutterlosen Kinder zu sorgen und damit auch vorbildlich für andere Gemeinden zu wirken. Recht unbefriedigend scheinen auch die Verthältniste in Eh a r- lottenburg zu sein Wenn das die wirklichen Leistungen für die mutterlosen Kinder sind, die unS auf unsere Anfrage mit- geteilt wurden, dann gibt eS hier recht, recht viel nachzuholen. Ter in Friedriebshagen beschriitene Weg der dauernden Kon- trolle und Ueberwachung der mutterlosen Kriegerkinder ist ein überaus zu empfehlender. Hoffentlich wird er überall beschritten. Hier handelt es sich um überaus gefährdete Kinder, für die gar nicht gu viel an Fürsorge und Pflege getan werden kam». GrofcSerün Ehrenbeamtenwirtschaft. Die Kriegs für sorge bat die ehrenamtliche Arbeit in einem früher nie geahnten Umfang zur Blüte gebrachr. Bei allen mög- lichen Körperlkdaften und Verwalumgen sehen Ivir jetzt Ehren- beamle männlichen und weiblichen Gcs«leck>ts und zwar oft in einer Täligkei», die nach ihper ganzen Art eine bezahlte Arbeits« krast erfordern würde. Auf die Klage, daß die Mitarbeit un-- besoldeter Helker anderen Leuten die Etwerbs Möglichkeit schmälert, wird man mit einem Hinweis auf den Mangel an Srbeiis- kräiien aniworien. Es kommt aber auch vor, dost erst die Angesiellien ihre Enilasiung erhalten und dann umsonst arbeilende Ehrenbeamte daiür eintreten. Aus der Kleider-Verwertungs-Gefellschafi kroß- Berlin wird unS von solchen Fällen berichtet und in bitteren Worten wird darüber geklagt, daß man sogar Kriegs- beschädigio auS ihren besoldeten Stellungen entlasten und durch Ehtenbeanile ersetzt habe. Gegen dieses Verfahren, nichts kostende Ehrenbeamte für die ums Brot ar- beitendsnAngssteltten einzutauschen und dabei auch Kriegsbeschädigte zu opfern, muß aufs ent- schiedensie Einspruch erhoben werden. Die Direktion der K. B. G. wird nicht den Nachweis führen können, daß in all solchen Fällen die Angestellten unbrauchbar geweien seien und keine geeigneten anderen Personen sich gegen Bezahlung hätte» finden laste». Wir vermuten, daß derartige Gründe für die Ersetzung der besoldeten Angesiellien durch Ehrenbeamte nur in Ausnahmefällen vorlagen. Es ist dringend nötig, bei der K. V. G. und auch anderswo der um sich greifenden Ehrenbeamtenwirtschaft end- lich Einhalt zu gebieten. Sie führt oit zu einer Mehr- einsiellung von Personen, erzielt aber dennoch im ganzen keine Mehrleistung, weil die Ehrenbeamte» sich in der Regel nicht mit ihrer vollen ArbeiiSkrast zur Verfügung stellen. Für den Bettieb ist diese WirtschastS weise schwerlich ein Ge- winn. Der einzige Vorteil, den die Verdrängung der Augestellten durch Ehrenbeomle bringt, dürfte die G e h a l r S e r i p a r n i s sein. Oder weiß man noch anderes, was uns vielleicht bisher verborgen geblieben ist?_ Wohlfeiler Dank. Der Magistrat erläßt einen Aufruf an die Bürgerschaft, in dem er ihr zunächst für die tatkräftige freiwillige Hilfeleistung bei der Sdmeebeicitigung den Dank ausspricht. Zugleich wird erneut jeder- mann, der eS irgend ermöglichen kann, gebeten, auch bei den weiteren Schneekällen die Hausbesitzer in Ausübimg ihrer Ver- vflichtung, den Schnee vom Fahrdamm zu beseitigen, zu unter- stützen und danaiL den Fahrdamm in dünner Schicht mit ob- stumpfendem Material(Sand oder Asche ohne Beimischung) zu bestreuen. Ueber die den Schipper» zu zahlenden Löhne uiw. schweigt der Aufruf des Magistrats. Wir nehmen an, daß die Erwägungen darüber noch nicht abgeschlossen sind._ Tie angebliche Teuerungszulage der städtischen Lehrer. Von einem städtischen Lehrer erhalten wir folgende Zuschrift: „Im„Vorwärts" vom 27. d. M. lese ich, daß wir Berliner Lehrer zu Weihnachten Teuerungszulagen von 200 bzw. 150 M. erhalten hätten. Das stimmt nicht! Der Magistrat hat in der Angelegen- heit eine Vorlage beschlosten. Ihre Verhandlung in der Stadwer- ordnetenvcrsammlung ist noch nicht erfolgt.. Gekriegt haben wir jedenfalls nichts. Die Stadt Berlin zahlte uns vor Weihnachten die zweite Hälfte einer Kriegsbeihilfe, die am 1. Juli fällig war, und deren erste Hälfte etwa am 15. November gezahlt worden war. Wer entschädigt uns nun für den Betrag, um den die gezahlte Summe seit dem 1. Juli an Kaufkraft eingebüßt hat? Ob den Herren mit 10 000 bis 13 01)0 M. Gehalt die Stadt Berlin'»die Kriegsbeihilfen auch so lang« schuldig bleiben mag? Nötig war diese Lodderei nicht! Gegen Jnterimsquittung des Rektors konnte unter Vorbehalt gezahlt werden, und die Sache war 1 bis 2 Wochen nach erfolgter Beschlutzfastung erledigt. Eine große Zahl von Leh- rern und Lehrerinnen— darunter auch ich— hat gleichzeitig am 24. d. M. erst eine Nachzahlung der Teuerungszulage für April- Juni erhalten können. Sie sehen also, was es mit unserer Weih- nachiszulage auf sich hat, und können sich denken, daß einem nicht gerade«in Segenswunsch über die Zähne läuft, wenn einem so prompt noch etwas dazu in den Beutel ge— schrieben wird." Wir verstehen den Aerger des Einsenders durchaus und nröch- ten nur bemerken, daß wir die betreffende Mitteilung von einem dem Berliner Magistrat nahestehenden Korrespondenzbureau er- halten hatten. AuS dem Hauptausschuh der Kriegsbeschädigteufürsorge In seiner letzten Sitzung beschloß der Hauptausschuß, eine Denkschrift über die vorhandenen Einrichtungen der Stadt Berlin sowie über die bisherige Tätigkeit für die Kriegsbeschädigtenfürsorge herauszugeben. Dem Verein für Fürsorge für lungen verletzte Krieger wurden, um etwa nach der Entlastung aus dem HeereS- dienste notwendige Nachbehandlung eintreten lassen zu können, 1000 M. als jährlicher Beitrag überwiesen. Eine lebhafte Debatte entspann sich über besondere Fürsorge fiir Schwerbeschädigt«. Der Ausschuß erachtet es als für eine dringende Aufgabe, diejenigen, die durch schwere Verletzungen besonders hart in ihrer Gesundheit geschädigt sind, demzufolge ichwer in Konkurrenz mit anderen Ar- heitern eintreten können, seine besondere Fürsorge zuzuwenden. Zu dem Zweck soll bei der Berufsberatung eine Sondergruppe ge- bildet werden, wobei folgende Leitsätze Beachtung finden"sollen: 1. Festsetzung des Begriffs..Schwerbeschädigt". Als schwer- beschädigt gelten jene Kriegsbeschädigte, bei denen nach dem Nr- teil de? Berufsberaters und des Arztes die Ausübung der alten ober das Ergreifen einer neuen lohnenden nnid dauernden Be- schäftigung mit großen Schwierigkeiten verbunden ist. 2. Kriegs- beschädigte dieser Art werden nach erfolgter Berufsberatung einer besonderen.Fürsorgeabteilung für Schwerbeschädigte" über- wiesen. Dieser Fürsorgsabteilung kommen folgende Aufgaben gu: a) Zustrm menarbeiten mit den bereits bestehenden besonderen Hilfsorganisationen für Schwerbeschädigte lz.?. für Blinde, Amputierte. Tuberkulöse usf.). Erforderlichentalls ist die Grün- dung neuer derartiger Organisationen anzuregen, b) Vermitt- lung von Arbeitstherapie an die noch im Lazarett befindlichen Schwerbeschädigten, e) Ermittlung von kaufmännischen und ge- »erblichen Betrieben, die geeignet mid bereit sind. Schwer- beschädigte während der Lazarettzeit anzulernen und einzuüben und später dauernd zu beschäftigen.(Zu diesem Zweck ist Zu- sammenarbeit mit dem Arbeitsnachweis und den Arbeitgeber- und Arbsitnehmerverbätiden erforderlich.) d) Besuch der Schwerbeschädigten an der Arbeitsstelle durch besondere.Be- tricbSbefucher". Ermittlung der Ursachen, die zu häufigem Ar- beitswechsel führen. Weitergabe der gewonnenen Ersahrungen an die Berufsberater. Dem Ausschuß sind aus Reichsmitteln 153 000 M., Pom Reichs- ausschuß aus Sammelmitteln 12 761 M. und von der LandeLver- sicherungSanstalt Berlin für 1917 35 000 M. überwiesen worden. Bei der Ueberwcisung von Roichsmitteln wurde erklärt, daß nicht fe st st ehe, ob und wann gegebenenfalls weitere Mittel zur Verfügung gestellt werden können. Diese Summen, in Verbindung mit der von der Stadt Berlin bereitgestellten, reichen natürlich nur verhältnismäßig kurze Zeit. 'da an den HauptauSschutz groß« Anforderungen gestellt toerdcn. Das Reich wird daher, da es ja dessen Aufgabe in erster Linie ist, für die Kriegsbeschädigten zu sorgen, weitere Mittel flüssig machen müssen.__ Freizügigkeit der Sparbücher. Die Berliner Sparkasse bat jetzt allen ihren Sparbüchern volle Freizügigkeit eingeräumt. Nunmehr bat jedes Berliner Sparbuch bei allen II Sparkassen, 20 Zweigkassen und 11 Nebenstellen für Ein- und Rückzahlungen und Zinsengutschriften Gültigkeit. Ueberall werden auck neue Sparbücher ausgestellt. Nur bei gänzlicher Ab- Hebung des Guthabens, also Auflösung deZ Sparbuchs, wende man siw an die Sparkasse, auf welche das Sparbuch lautet. Die nächsten Wochen werden nach den Erkahrungen irüherer Jahre einen großen Andrang zur Sparkasse mit sich bringen, besonder« von solchen, die ihre Ersparnisse zur Sparkaste hintragen. Diesem Andrang, der naturgemäß eine Verzögerung in der Abfertigung der Sparer mit sich bringen muß. kann man leickt entgehen, wenn man steh an eine der 20 neuen Zweigkassen oder eine Nebenstelle wendet. Auch sollten ftch die Sparer daran gewöhnen, die Zeiten besonders starken Andranges zu meiden; es sind die! stets die ersten Tage des MonalS, sowie alle Montage und überhaupt die Mittagszeit. Die Kasten und Zweig lassen sind von 9—2 Uhr, die Nebenstellen aber den ganzen Tag über geöffnet. Kartoffclversorgung. Für die Woche vom 31. Dezember bis 0. Januar ist die Kar- toffcl-VerbrauÄSmenge wiederum auf 7 Pftiiid je Perion iestgeietzt. Davon sind aber nur 6 Pfund auf die Abschnitte la.— k der Kartoffelkarte, und zwar schon von heute, den 29. Dezember ab. bei den Kleinhändlern zu entnehmen, das 7. Psund jedoch auS der der Bevölkerung gegebene» Boriaismenge(eiserne Ration) zu ver- brauchen.___ Mangelhaft arbeitende Bezugscheinstelle» geben der RsichSbelleidungSstelle erneut Anlaß zu Klagen, nach- dem die weitere Nachprüfung von Bezugfcheinstellen an 91 Orten durchgeführt worden ist. Das Ergebnis dieser Nachprüfungen wird jetzt mitgeteilt. Bei 44 AusfertigungSstellen war nichts zu er- inner». Bei 3 Stellen wurden kleinere Mängel auf mündliche An- ordnung hin sofort abgestellt. Gröbere Mängel_ wurden bei den übrigen 44 Stellen festgestellt und auf deren Beseitigung durch Er- suchen bei übergeordneten Behörde hingewirkt. Die in diesen 44 Stellen festgestellten Mängel waren zum Teil von einer Art, die den beabsichtigten Zweck des ganzen Bezugscheinwesens nahezu hin- fällig machte. Die Geschäftsführung zweier dieser Stellen ent- sprach keineswegs den erlassenen Bestimmungen; sie zeigte, daß sich die Leiter der Stellen nicht in vollem Umfange ihrer Verantworl- lichkeit bewußt waren. In beiden Fällen wurde eine anderweite Besetzung der Stellen anheimgegeben. An 27 Stellen wurde vor- schriftswidrig weder mündlich noch durch Aushang auf die Straf- barkeit falscher Angaben hingewiesen und bei 28 Stellen vor Aus- stellung eines Bezugscheines eine Frage nach dem Bestand unier- lassen. Gerade in der wichtigsten Aufgabe der Bezugscheinstellen, der Bestandsprüfung zwecks Anrechnung des Vorhandenen auf den für jede Person nach der Bestandsliste zugelassenen Bestand, ver- sagte die Geschäftsführung dieser Stellen völlig. Verwunderlich war auch, daß bei ff Bezugscheinstellen die Bekanntmachung über die Höchstmaße und die Liste der Stoffhöchstmatze unbekannt waren! Ferner wurde bei 10 Stellen die Erteilung eines Bezug- scheines nicht sofort in der Personalkarte vermerkt. Die Einziehung und Serlegung v»n Halicsiellen wird jetzt auch auf den Süden und Südosten ausgedehnt. Eingezogen werden 43 Haltestellen, und zwar: in der Jerusalemer Straße an der Jetulalemer K>r«e iür beide Fahrtrichtungen, in der König« arätzer Straß« an der Möckernstraße für die Fahrtrichtung HalleicheS Tor. in der Schöneberger Straße am Hafenplatz für beide Fahrt- richlrmgen, in der Prinz-Aidrecht-Sttaße am Abgeordnetenhaus für beide Fahrtrichtungen, in der Kochstrsße an der Wilhelnrstraß« für beide Fahrtrichtungen; ferner in der Neuen Jakobstraße an der Inselstraße, in der Copcmaer Straße. der Schlestschen Straße. auf der Treviower Chaussee, in der Elsenstraße zu Treptow, in der Harzer Straße. der Wildenbruchstratze zu Neukölln; in der Deuthstraße an der Kommandanteostraße. i» der Kommandantensiratze an der Beiith- straße, in der Kommandantensiraße an der Oranienstraße. in der Waldemarstraße auf der Woldemarbuicke für beide Fahrtrichtungen, in der Oranienstraße, der Wiener Straße, der Lausitzer Slraße, der Reichenberger Straße, der Elogauer Straße. Grünauer Straße; der Pannierstraße, Friedelstraße. Reuterstraße zu Neukölln; in der Äitschiner Straße an der Alten Jakobstraße siir beide Fahrtrichtungen, in der Skalitzer Straße, der Adalbertstraße, der Prinzenstraße am Moritzplatz für beide Fahrtrichtungen, in der Prinzenstraße au der Wasseriorstraße für beide Fa ort- richtungen. in der Lindenstraße an der Hollmannstraße für beide Fahrtrichtungen, in der Bärwaldstraße auf der Bäcwaldbrücke iür beide Fahrtrichtungen. Verleg! werden in diesen Straßen 20 Haltestellen, und zwar u. a.: in der Kommandantenstraße an der Alten Jakobstraße, und zwar für die Fahrtrichtung Spittelmarkt bis vor Hau? Nr. 68, für die Gegenrichtung bis vor Hausgrenze IS/lS, in der Kommandantensiraße an der Alexandrinenstroße für die Fahttrichtung Moritzplatz bis vor HauS Nr. 40. in der Bälwald- straße an der Ilrbanstraße bis an die WilmSitrahe, in der Lmdenstraße am Belle-Alliance-Platz in nördlicher Richtung bis vor HauS Nr. 107 bezw. nach Mast 747. in der Liihalistroße an der Wilhelmstraße bis in die Wilhelmstraße vor HauSmitie Nr. 37/38 bezw. nach Mast 585.— Neuerrichtet werden 4 Haltestellen in der Cöpenicker Straße an der Psuelsiraße vor Hau« Nr. 5 und 189, in der Elsenstratze zu Treptow in der Mitte zwiichen Treptower Chaussee und Cöpenicker Laiidstratze. in der Reichenberger�Straße an der Liegnitzer Straße vor HauS Nr. 110 und Nr. 75/76, in der Reuterstraße an der Lenaustraße zu Neukölln vor HauS Nr. SS und 46._ Die furchtbare Tat eineS Trunkenboldes wird aus Neukölln ge- nieidei. Dort wohnte in dem Hanfe Siegfried st raße 43 der 41 Jahre alte Packer und Kinovorführer Karl Dutke mit seiner 37 Jahre alten Frau und fünf Kindern im Alter von 13 bis herab zu 3 Jahren. Dutke ist lungenleidend und nur beschränkt erwerbs fähig,»her auch ein Trunkenbold und ein roher Mensch. Seine Frau, die für den Unterhalt der Familie wffentlich mitforgen mußte, mißhandelte er fortgesetzt so schwer, daß sie eS oft nicht mehr auShielt und ihn und die Familie wiederholt verließ. Die Sorge um die Kinder veranlaßt« die Mutier immer wieder, sich mit ihrem Manne auszusöhnen und zu ihm zurückzukehren. Seit einiger Zeit aber hauste Dutke mit den Kindern wieder allein, während die Frau in der ThomaSstratze wohnte. Gestern morgen um 6 Uhr hörte eine HauSgenossin ihn in der Wohnung laut schimpfen. Die Kinder weinten erst, dann glaubte die Frau sie röcheln zu hören. Sie achtete aber nicht weiter darauf, weil solche Auftritte nicht selten waren. Erst in der neunten Stunde wurden Hausbewohner durch einen starken Gasgeruch auf die im Erdgeschoß gelegene Wohnung WutkeS aufmerksam und holten die Polizei. Diese drang ein und fand in dem mit Gab angefüllten Zimmer Wuike und all« seine Kinder beiwußtloS in den Betten liegen. Die GaSlampe, die an der Decke angeschraubt gewesen war, lag auf dem Fußboden, die Leitung war geöffnet, und der Haupthahn am Gasmesser stand auf. Samaritern der Feuerwehr gelang eS, den Mann und vier Kinder in das Leben zurückzurufen. Sie wurden alle nach dem Krankenhause gebracht. Wutke lag auf dem jüngsten Kinde, dem 3 Jahre alten Töchterchen Gertrud, und dieses war wahrscheinlich unter der Last des Vaters im Bett erstickt. Alle Wiederoelebunas- versuche blieben bei der Kleinen erfolglos. Das älteste Kind, die 13 Jahr« alte Tochter Auguste, erholte sich bald so weit, daß sie einige Angaben machen konnte. Do hat sie gesehen, daß der Bater die GaSlampe abschraubte. Nach dem ganzen Befund und allen Ermittelungen unterliegt eS keinem Zweifel, daß Wutke die Absicht hatte, seine Kinder und sich selbst umzubringen. Damit hatte er seiner Frau auch früher schon wiederholt gedroht. Charlvtteiiburg. Lebensmittel. Vom Mittwoch, den 2. Januar bis Sonnabend, den 12. Januar werden verabfolgt: 100 Gramm Weizengrieß auf Abschnitt 164 der roten NahrungSmiitelkarie. lit Ptd. Marmelade zum Pfundpreike von 90 Pf. aui Abichnttt 166, l/9 Pfd. Kunsthonig zum Pfundpreise von 73 Pf. für Bateiware oder 73 Pf. für lose Ware oder t/5 Pfd. Sirup zum Pimidpreiie von 50 Pf. aus Abschnitt 187. Ferner iür große HaiiStrnüungen 3 lind für kleine Haushaltungen 1 Büchse" iondeiisterre Magermilch zum Preise von 1 M. per Büchse bezw. 2 oder 1 Buchse kondensierte Vollmilch zum Preise von 1.15 M. per Büchie je nach Vorrat auf Abschnitt<2 der HauShaltungSbezugSkarte, und zwar an die Inhaber der Serien la. Ib. gelb gestreift. Tie Serien 1'. III mtd' IV werden späler Dcliefett.— fferner kann in den bfi dnrrt) bc sonderen Aushang kenntlich geuiackten städtischen Verkauisslellen in der oben benannten Zeil auf die ileben'initlelansivelskarle bis zu 1 Pfund?!ährhefe zum Preise von I.LS SK. pro Pfund entnommen werden._ Schoueterg. Leben-Z mittel. Lon heute bis Mittwoch Vor- anmeidmig lür 125 Gramm Teigwaren auf Abschnitt 8S der Nähr-. mittelkarle und 1 Büchse kondensierter Nagermilch auf Abschnitt LI � der Nährmittelkarte für Jugendliche. Magermilchkarten haben noch bis 4. rei'p. 5. Januar Gültigkeit. sämtliche Karlen werden im LebenSmittelbureau, Friedrichstr. 88 im Laden, von 9—13 und 2—5 Uhr ausgegeben. Weißensee. AuS der Gemeindevertretung. Auf Grund der BundeSlaieverordnung vom 2. November d. I. ist das MietemigungS- aml als Schiedsstelle für SammelheizungS- und Warmwasser- versoraungsanlagen eingerichtet worden. Sollten auf diesem Ge- biete Slreiliakeilen entschieden werden, ist dem Mieleinigungsamt der Baurat MeSke als Sachverständiger zugeteilt. Um die bevor- stebende Wohnungsnot einigermaßen zu behebe», ist das BerwaltungS- gebäude in der PistoriuSstr. 24 geräumt worden. Die Bureauräume werden als Wohnungen instandgesetzt, ebenso werden eme Reihe Läden in den der Gemeinde gehörigen Nießbranchhäusern zu Woh- nungen eingerichtet. Die dadurch entstehenden Kosten in Höbe von 53 500 M. werden bewilligt. Die Gemeindevertretung beichließr dem LebenSmittelverband Groß-Berlin beizutreten und genehmigte die Satzungen desselben._ FricdrichShnzen. Lebensmittel. In der LebenSmitielverkausS- stelle der Gemeinde werden auf Abschnitt Ü der Ausweiskar'.e je b P'und Weißkobl und auf Abichnitt 7 je 2 Pfund Rotkohl ab- gegeben. Die Reihenfolge der Nummern wird an der BerkaufStafel bekanntgegeben.— Vollmilch erhalten die in der Zeit vom 1. Januar 1912 bis jetzt geborenen Kinder. Die Ausgabe der Karlen erfolgt beute. Die gegen Attest zu verabfolgenden Karlen werden gegen Vorlegling der schriftlichen Benachrichtigung Mittwoch. den 2. Januar 1918. ausgegeben.— Magermilch. Der Um- tausch der grauen Karten erfolgt Donnerstag, den 3. Januar, der roten f?mlag, den 4. Januar. Die für Dezember auSaegebenen Groß-Serlmer parteinachrichten. Weißensec. Sonntag vormittag 10 Uhr: Zusammenkunft der Dahlvereinsmitglieder bei Staerke, Charlottenburger Str. 1. Die VorwärtSleser sind ebenfalls eingeladen. Gerichtszeitung. M-rsscndicbstählc auf dem Postamt 40 hatten gestern vor dein SÄöffengericht Berlin-Mille ein Nachiplel. Auf der Anklagebank iaßen in dieiem Falle nicht jugendliche Postaushelferinnen, die der Leichtsinn und die Putzsucht verführt halte, sondern ältere, ver- heiratete Frauen, und zwar die Postausbelferiiiiten Ehrhardt, Ewert, Schulz und Wenzel.— Wie die Beweisaufnahme ergab, hatten die vier Augek'.agien aus dem Postamt 40 am Lehrter Bahnhof längere Zeit systemaiisch alle Pakete geplündert, die ihnen in die Hände kamen. Besonders her- vorgetan hatte sich hierbei die Angeklagte Ehrhardt, bei der eine Anzahl Blusen, Stöcke, Seide, Stiefel, Seife, insgesamt weit über hundert gestohlene Sachen vorgefunden wurden. — Wie der Vorsitzende in der Urteilsbegründung hervorhob, haben die Diebereien bei der Post in letzter Zeit wieder so überhand ge- nommen, daß fast kein'Tag vergeht, ohne daß ein Postbeamter oder Ausbelfer vor Gericht steht. Deshalb müsse mit exemplarischen Strafen vorgegangen werden. Das Urteil lautete deshalb gegen die Angellagte Ehrhardt auf 7 Monat? Gefängnis, gegen die drei übrigen auf je einen Monat Gefängnis. Briefkasten üer Redaktion. . B erlangen Sie von der Lazaretlverwallung E'.satz.— AuswanöS- entschädigung bei der Orlspolizei ihres Sohnorte? st-llen.— St. it. 72. t. Die Jahrgänge 1853/70 sollen tunlichst entlassen werden. 2. Mann- schasien, die das 4ö. Lebensjahr übeishiilten haben i. Söhne solcher Familien, die bereits ein oder mehrere Angehörige im Felde verloren haben. sollen vom Frontdienst befreit werden.— C. H. 23. L Ja. 2 205 M. monatlich. Deutscher Buclibinder-Dcrbanl (Zahlstelle Berlin.) Unseren Mitgliedern zur traurigen Nachricht, daß unier langjähriges Mitglied, der Buchbinder Äiioü Wellliausen gestorben ist. Tie Beerdigung findet cm Eonnabend, den 29. Dezember 1917, nachmittags 3 Uhr, von der Leichenhalle des Friedhofes der Andreas» Gemeinde in Wilhelmsberg au- stail. Um zahlreiche Beteiligung ersucht 31/20 Die Ortsverwaltung. Am 26. Dezember»er- tchsed nach langer Krankheit unsar lieber Bater und Schwiegervater, der Tischler Adolf Schultz Montcjijfclilr. C7 im 63. Lebensjahre. Um stille Teilnahme bitten Willi Schulst. Margarete Seifert geb. Schultz. Paul Seifert. z. Z. im Felde. Tie Einäscherung findet am Montag, den 3t. De- zember 1917, vormittags >0 Uhr. im Krematorium. Gerichtstraße, statt. 11321 Königliche Eisenbahndirektion. 33. 3 4. Halle(Saale), 25. Dezember 1917 Bom Dirnstag. den I.Januar lSl8 ab sallen die Ausent halte bei den Zügen 3 Franksurt(Main)— Weißcnsels (ab 6" nachm.)— Berlin Anh. Bahnbos(ou lO10 nachm.) und 4 I Berlin Anh Bs.(ab 8°° vorm.)— DeistenselS(an 12" vorm.)— I Bebra— Kaffel inGrost-Lichter- I fedr-Dst fort Außerdem wird von genanu- tem Tage ad der Ausenthall beim Zuge 4 in Gräsenhainichen nach Burglemnitz(au 10�, ab 10» vorm.) verlegt. Halle(Saale), im Dezember 1917. KVnlgliehe Eisenbahndirektion. äSonTl. Januar 1918 ad fallen die Aufenthalte bei den Schnellzügen 0 191 Berlin(ab tv" vorm.)— Görlitz(an 2" nachm.)— Breslau und D 114 Breslau— Görlitz(ab 11"»»»«.) — Arrlin(«n S" nachm.) tu KonizStvustcrhauseu fort. D!« übrigen BerkehrSzelten der genannten Tage bleiben unverändert. Halle(Saale) stn Dezember 1917. Königliche Eisenbahndireklien. Als Dpier des Weltkrieges I siel kurz nach seinem Urlaub I beim Slurm infolge Kops- ! ichusseS dmch Artilloriege- f; rsr.au auf 1. yq Opogen, Farben Fleisch. H. ddurstw. ttlektr!- j Str. HU guets�maDQsSsotr.i KgibnlHlu-apen Strclitiöt Str. 67 Udbelmacnxlna eisirlndirrriL»» » Tieehtermeister &»öbeCma 1 BezL'gsqueiisii-Vsrzelchnij Bcriln-Oston 0 Butter, Eier, KS*e zu ■rz fficlilhandlung kzh B3ipi8�E»Tn Photogroph. Atoliera» iMmE�raasgl Spezial-irzt Dr. med. Hasehd, ffleirlchslr.90 ÄÄ. Bedandl. oon Syphilis, Haut- Harn-, ffrauenleiven, fpez. chron. Fälle. Ehrlich-Hata-Ku- ren. schmerzlose, lürzeste Se- Handlung ohne SerufSitörung. Biutumersuchung. Mätz. 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Jedermann kennt seine prächtigen, rn ihrer Verwahr- lomng io malerischen Gassenjungen, von denen die Miinckener alte Pinakothek die berühmtesten Beispiele enthält, kennt leine Heiligen, die so liebend daS Christtind umarmen, kennt die lieblichen Kinder- bilder von Jesus und Johannes und die wundervollen Darstellungen der Madonna. Dieie allgemeine Beliebtheit und VolkSiümlichkeit hat aber in neuerer Zeit einen Niickichlag erfahren, indem man Murillo gegen seine groben Zeitgenossen, gegen Velasquez, ja auch gegen Ribera und Zurbaran. herabsetzte. Wie die Kunst Mozart? eine Zeitlang, wie die Ranaels, ist auch die harmonisch süge, schön- heitSverklärte Well de? Meister? von Sevilla de: Glätte und Weich- lichieil angeklagt worden. Die'paniiche Kunsr war bei der Abgeschlossenheit und Eigenart dieser phantastegewaltigen Nation für da? übrige Europa ein un- rmdcckles Gebiet, bevor die französischen Nomantiker und in der zweiten Häliie de? 19. Jabrhundcri? die Kunsthistoriker, bei uiiS vor allem Karl Justi e? entdeckten. Belasauez ward von einer Zeit, die in seinem Naturalismus da? Ideal der Kunst sah, als der . Meister schlechthin' geprieien, und dann wollten die jüngsten Ex- pressionislen m der visionären Phantastik de? Greco seinen U-berwinder erkennen. Murillo ist bereit? neben den ihm verwandten Malern Eorieggio und Raffael eilt Liebling de? 18. Jahrhundert?, da? in der zärtlichen Anmut und der ichwebenden Schlankheit seinel Engel etwa? Verwandtes fühlte. Meng?, einer der Hanpivertreter der Kunst um 1750, ivurde während seines Auscuihalts tn Spanien sein Lobredncr; seine Bilder, vor allem seine Genrc'zeneli, wurden so begehrt, daß sie aus Spanien völlig verschwunden sind. Der beste Ausdruck dieser Werljchätzung sino die Riesenpreise,� die schon im 18. Jahr- bunoerl für Murillo bezahlt wurden. So erwarb der Londoner Bankier Angerstein 1796 eins seitier Bilder für den damals im- geheuren Preis von 23 000 Reichslalern. Für die Madonna des Louvre zahlte Napoleon 1353 6lö 390 Fr., einen Preis, der unserem durch die Knegsgewmne verwirrten Matzstab nicht grotz ericheinen mag. damals aber cinzigarng dastand. Franz Kugler nennt in seiner für da? Urteil der Romantik bezeichnenden.Geschichte der Malerei' Murillo den„Raffael seine? Jahrhundert?", und so ward er stet? als der„spanische Klassiker' gejeiea. Murillo? Schöpfungen sind der nalürkichsie Ausdruck jenes Bolkscharakiers, der au? dem gleichzeitigcu Schriftlum hervortritt. und in leinen zerlumpten Betteljungen erkennen wir ebenso die pfiifigcn Helden der Schelmenromane wieder wie in seinen Heiligen- Visionen die zauberbail überirdischen Gesichte der heiligen Theresa und des Juan de la Cruz.„Seine künstlerische Grütze', sagt Justi, der feinste Ergründer semer Kunst,„liegt darin, datz er das eigen- artige Weie», den besonderen Zauber siidspanischer Menschenualur zuerst gesehen, ihr Palette un» Piniolfiihvung angepatzt und»4 g»- »«gt hat. sie in die heiligen Bilder einzuiühren. Das find jene leichten, elastischen Gestalten von biegsam-r Anmut de? Köiper?, jene weichen Formen, die nicht für die Plastik, aber für die Malerei ge- schaffen sind, jenes tiefe Braun der grotzen Augen und der Haare, neben einer warmen, da? Licht reMiierenden Haut. Da? scheint manchem uichiS Besonderes; ober memLiid hatte es bis auf ihn ge- funden, niemand hat e? ihm nachmachen können.' Dieses südspanijche M.lieu, da? dem Prien: noch so nahesteht, war die rechte Umwelt für die heilige Gelchichie und die Legenden, die den Stoff seiner Bilder ausmachen. Die idyllische Pairiarchenlust de? Alten Testament? weht durch seine Szenen; in ihnen wogt die glühend heitze Sonne des Süden?, die alle?»n Goldglanz taucht und denr träumeuden Hirn feenhafte Lustspiegelungen eines besseren Jensen? vorlänschr. Murillo gehört zu jenen glücklichen Genien, deren Werke mühe- Io? hervorgezaubert zu sein scheinen und mit einer selbsiverständ- lichen Notwendigkeit eine klassisch: Schönheit ausstrahlen. Aber er so wenig wie Mozart ivar ein Meisler von Anbeginn; auch seine Kunst ist das Resultat unendlicher Arbeit und mühevollen Ringen?. . DaS Handwerkliche erlernte er bei seinem Lehrer Juan de Eastillo, der aber ein langweiliger Akademiker war. Ein ehemaliger Miischüler, Pedro Moya, der in Flandern und England � die Kunst de? Rubens und van Dyck bewundert hatte, reizte den nie au? seiner Provinz herausgekommenen Jung- ling den Weg zu höheren Borbildern, und Ivenn ihm auch die 'Milte! zu eine: Reise nach Flandern nicht reichten, so erhielt er doch in Madrid durch leinen Landsmann, den Hofmaler de' Kön'g?, VelaSguez, die Erlaubnis, die Werke der in, Besitz de? Königs be- sindlichen grotzen Meister zu studieren. So hat er in zwei kurze» Jahren de? Studiums die Sprache gelernt, in der er dann sein Eigenste? auszudrücken verstand. Mit einer souveräne« Beherrschung der Mittel kehrte er«ach Sevilla zurück, und das erste grotze Weck, da? er nun(lv4ö) schul, der GemärdezykluS im Franziskaner- kl öfter zu Sevilla, machte ihn mit einem Schlage berühmt. Die ganze Tonleiter sein-r so üb-rauö reichen DarstelluirgSniikiel ist hier schon«»geschlagen: die Kran seine? Pathos, die Liebenswürdigkeit seine? HuworS, der Reichtum seiner Phantasie, die Inbrunst seines Glaubens. Murillo ist vor allein der unerreichie Darsteller de? KindeS, in dem da? Raturnahe de« Werden? sich mit der ahnungsvollen Verheitzunz einer lünksigen Entwicklung verbindet. Daher sind die Figmen seiner Visionen. wenn sie nickt wie EhrifluS und Johanne? al? Kinder dargeftelli werden, dem Kindlichen angenähert, so die Jungfrau und die Engel. In seiner sinnlich-übersinnliche« Kunst verschmelzen die blühend- fi-n Farbenwunder immer inniger mit einer alleS umwogenden und überrieselnden D«rstellung de» Lichte?. Man hat bereit? ftü» drei Etile im Werk Murillo? abzugrenzen v-rsiicht, die die spanischen Aesthetiker mit den Namen„ortils frio, alido und Taperoso" bezeichnet haben. Die Entwicklung seiner Technik kommt darin gut zum Ausdruck. Vom„kalten Stil', der noch hart im Ton und dunkel rn der Farbe, scharf im Licht und nüchtern im Lusdrnck ist, wendet er sich bakd zu dem„warmen Slil', der weich«, satte Farben und starke Gegensätze von Licht und Schatten liebt. Seine Höhe aber erreich: der Meister in jenem satilo vaporoso, der ganz sein persönliches Eigentum ist und die leckerste zarteste Verbindung von Farbe und Licht erreicht. Schon zebu Jahre nach seiner Rückkehr aus Madrid in dem Bilde des heiligen Antonius in der Taufkapell« zu Sevills, dem da? Jeiukkiiid in lichter Engelwolke erscheint, ist dreier Höhepunkt erreicht, und dann feiert seine die Ding» in Licht und Lust badende Kunst ihre Triumphe in den große« Zyklen der Hospitolkirche der Earidat und der Kapuzincrsirche zu Sevilla. Murillo gehört zu jenen seltgeit Geistern, zu denen Goethe in seiner Geschichte der Farbcnlehie Plaio rechnet und von denen er sagt, datz es ihnen beliebt, emige Zeit auf der Welt zu Herbergen. „Es ist ihm nicht sowohl darum zu tuu, sie kennen zu lernen, weil er sie schon voraussetzt, als ihr dasjenige, was er mitbringt und was ihr so nottut, freundlich mitzuteilen." Sein beglückende? und erhebendes Wirren in der Welt, da? nunmehr 806 Jahre währt, wird noch so manches Jahrhundert sortdauern. Neues»»« Nätsel öes SeZelfiugss. Wird der Mensch jevrals die Lust durchqueren können wie die segelnden Vögel? Gelungen ist dies bisher nicht, trotz der Versuch: der Brüder Wright, allein darum darf die Frage durchaus uidjt verneint werden. Ihre Beantworwng hängt davon ab, ob es Prometheus Die Möglichkeit Segelr» auch bei Winden Lmr gewöhnlicher Stärk« hängt nur davon ab. daß die Flächenbelastung das Berhäll- uiS zwischen Gesamtgewicht und Größe der Tegelfläche einen von der Herrschenden Windstärke abhängigen Grenzwert nicht über schreitet: da? absolut: Gbivicht b»S Flugzeuges(wie de? Bogels j. spielt dabei keine Rolle. Erfahrungsgemäß wird das flüoelschlaa- lose Niegen, der echte Segelslug. hauptsächlich in strömender Lust. ntt Winde, ausgeführt. Daraus hat man gefolgert, datz der Wind- drnä die einzige Krastqv�lle beim Segelflnze sei. Dies sieht aber im Widerspruch zu der sicheren Beobachtung neuerer Forscher, z. B. Siegmund Exners und E. H Hankins, die ftstgestellt haben, daß Land- und Meeressegler auch in scheinbar völlig windstiller Lust zu segeln vermögen. Während Exner'.o in zig klein«, dem menschlichen Aug« nicht sichtbar werdende Schwirrswläg« des Pogclslügels zur Erklärung annimmt, ist Hankm durch seine in Agra k Indien) gemachten Beobachtungen zu der Bernrunmg gelangt, die Kraftquelle. für die Schwebearbeit sei in einer seveimniövolleu, uirbekanuren Eigenschaft der Luft zu suchen, die durch die Strahlung der Sonne in Wirksatnkeit trist. Merkwürdig genug sind seine Beobachtungen. So hat er einwandfrei sestgestellt, daß bei scnutigem, windstillem Wetter der Segelflrtg zu einer bestimmten Zeil beginnt, die von Tag zu Tag pernodikch stn Laufe des Jahres wechselt. Weiter'.e'gie sich, daß die verschied«,!«» Bogklsrten in nahezu gleichmäßigen Zwischenzeiten nacheinander zu segeln beginnen, und zwar stets in dcr Reihenfolge ihrer Flächoubelasmnaen: am frühesten erhob sich immer der Milan, dessen Flächenbelastung mit 2,7 Kilogramm auf den Geviertmeter den kleinsten Wert der Reihe besitzt, zum Segel- flitge-, ihm folgte nach 20 biS 40 Minuten der weiß« Geier— Flächenbelastung 4,2 Kilogramm—, nach 40 bis 60 Minuten der weißschnäblig« Geier— 3,5 Kilogramm Flächenbelastung—, nach 69 bis 80 Minuteu der schwarz« Geier mit einer Uächenbelastung von 6 Kilogramm. Zwei Stunden.nach dem Milan wurde die Lust erst für den indischen Kropfftovch iegelfäljia, der eine Flächen be. lastung von 7,5 Kilogramm hat. ä&ie Umgebung des Beotachtungz- ortes ist flach. Gewöhnlich sieht man einige Segler in der Lust, und zurzeit der Morgenfluges stellen die Segler meist schon i« einer Höhe von 10 bis 20 Metern über dem Boden den Flügelschlag cm. Steigen sie während der wärmeren Tageszeit auf, w» die Luft besser segcftähig wird, so hören die Flügelschläge bereits in 4 bis 5 Meter Hohe auf. und die Vögel erreichen in gewöhnlich kreisförmigen Bahnen Höhen von 1900 bis 2000 Metern. Dabei Sann die Segel- k-lrfm erheblich von der Kreisform abweichen, auch ganz unregelmäßig, zuweilen mich viertelstuirdenlang und läitger fast gradlinig verlausen. Vom W-.nde werde» die Bqzel dabei cwgetrteben. Die Kraftquelle für die Leistung der Tchwetzvarbeit bildet nun nach dem Mitarbeiter beb„Prometheus" die Aenderung des lcn- rechten Spannungsgefälles der Lufl, daS für% Meter Höhe um rund 1 Kilogramm auf den Geviernnerer abnimmt. Ein tnii Schwebegeschwindigkeit segelnder Flugkörper wir» scheinbar gewicht- los unid braucht auch gar keine Arbeit gegen die Schwerkraft zu leisten; dcr Zuwachs an Gnergie der Lage erfoiat ausschließlich auf Kosten der potentielle» SpannungS-rnergi« der dorhendenen Luftdruckverteilung. Durch die tv-illkürlich« Vergrößerung der Flächen- belaftung, die durch Falten de? Handfächerß»der der Armschwingen. erreicht wird, kann der Segler in jedem Augenblick«inen Teil der angesammelten Spannungsenergie wieder in Schwebe- und Trans lationsarbeit umwandeln. Grundsätzlich wären demnach zwei ver- schiedene Arten von Segelflug nach ihr«, Kraftquclleil zu unrer- scheiden; der eine bedient sich der strömenden Lust, der andere der SpannungSenergie. EnSermalZNS Litauische Geschichten. Es war einmal ein Dichter, der hieß Hermann Sudermann. E? ist lang her. Dcr sang ein Lied von einem guien ostpreußischen Jungen und von der Frau Sorge. Da? Lied klang sehr rührend. Manche Stillen im Lande hörten e?, nahinen«8 in ihre Herzen auf, und veraatzen es nimmer. Später mockw dieser Sudermann Theater, faustdickes, prahlend«? Theater für die Lautesten; die Stilleren aber hielten sich die Ohreu zn, wen« das Bummbumm der Reklame und der Spektakel d»? Jahrmarsi? lärmte. Etwa? von dem ersten, echten Sndermnn« stcckt wieder in seineni Buche, da? zu fernem 60. Geburrsiage erschien: Litauische G e fch i ch l e n II A. E»iia>ch« Biichbandl.Nochf. Simtgart). ES ist ein guteS Bucb, ohne andere Abficht als die künstlerischer, epncher Keslattiing. Hier sieht man. iveich ein Können un» welch ein Temperament in dem ionst io Mache, iichen steckr. Vier Geschichten vereinigt der Band. Sie sind voll Erdkraft; Schilderungen einer ursprünglichen Naiur. Leidenschaft braust in ihnen, ober ganz elementar, uicht dir kitschige und verlogene Bühiienlerdenschoft. Diese Geschichten rühren nach Litaucw n» eiuem VolkSstauun, der, wie die Elllie, sozusazeu auf de: lctztcii Dünnung kätiipfl. Die Menschen Huben eine eigen« Bildung. Sie sind Geschöpfe ihrer Erde; ein Etiick Wildnis noch; tmbezwungene Natur. Sie sind Christen, aber rn ihnen wohnen noch die alten Heidengötter. und zur Natur.stehen sie»och im Verhältnis dämonischen Dienstes. Ihr Leben avcr hat ihre eigenen Gesetze, ihr eigenes Recht. Es ist ganz prachtvoll, wie Suderman» diese? Dasein anpackt. Die besten Stücke sind„Mick? BimbuUS". die überaus dramatische Geschichte eiiieS Wildschützen, und„Hau« uud cbrdme". Die letztere erzähl: dre Gesch'chie zweier Namenloser� die sich ihr Leben aufbauen und dem Moorboden Stück um Stück in zäher Arbeit abfeilschen. Dieser Kampf init der Natur bat cttvaS Großes. Gewaltige?. Mit Freuden liesi man diese? Buch. E? ist da? Werk eine? starkeu, rassige» Erzähler?, der Kraft nud Blut Hat. 1'.on Solmll, gleichfalls an dcr Verschwörung beteiligt und bor der Festnahme stehend, ist der„beste" Beamte, dessen Ent- lafsung Euer Durchlaucht rügten." „Der wegen revolutionärer Umtriebe festgenommen hätte werden sollen, daher er denn, als wir hinkamen, verschieden war, ob gestorben oder freiwillig aus dem Leben gegangen, ist noch nicht klar, jedenfalls ist er durch des Michalansky Umtriebe der irdischen Gerechtigkeit entzogen, gleichwie auch dcr vorgenannte von Solmll, der seitdem, durch Michalansky gewarnt, rätselhaft verschollen ist." „Schöne Geschichten das." brnmmte ganz laut dcr Obrist und der Statthalter rückte unruhig auf seinem Sessel. „Ferner— entschuldigen tausendmal alle Gnaden bei- samm', i mutz erst den Akt holen"— ' Und Besl verschwand— kehrte aber sofort wieder. In seinem Gesicht strahlte eine tückische Freude. 1„Euer Gnaden, draußen ist grab das bewußte Subjekt zu einer Meldung. Darf er reinkonimcn?" „Der Michalansky? Ja, er soll hereinkommen." Drei Stimmen sagten es gleichzeitig. Und Michalansky erschien. Jn einem seinen neuen An- zug— stutzerhaft geputzt. Er trug jetzt sogar ein Lorgnon. daS er aber vor Schreck fallen ließ, als er die Anwesenden und ihren GesichtSauSdruck erkannte. Sein Instinkt warnte ihn. Er knickte vor Dedotiou förmlich zusammen. „Fürstliche Hoheit" begann er... „Da stell' er sich hin und halt er'S Maul. H6c er zu, es ist von ihm die Rede," sagte barsch die fürstliche Hoheit. Beöl begann wieder zu reden, sein Gesicht g.änzte dabei vor Seligkeit. DaS war die lang herbeigesehnte Stunde der Vergeltung. „Ferner ist cr gestern abend wieder bei dem Herrn von Solms g'wesen"— Michalansky verfärbte sich auffällig— „hat dort lang o'wart' und is nachher ins Franztssischlössel -gang«,. Dort hab'n man verhaften woll'n." In dem Statthalter stieg plötzlich eine Ahnung empor— ihm wurde ganz heiß... Er stand aus. „Ich will den Michalanllky allein verhören," sagte er. Alle sahen sich betroffen an— Michalanskyll Beine schlotterte». AIS die Beiden allein waren, beganu der Aktuar, indem cr in die 5?nie sank: „Man verleumdet mich. Hoheft!..." ...Halt er'S M«ul"— schrie der Herzog,„er ist tvirkttch ein übles Subjekt. Wall hatte er gestern nacht? der Barnim von dem Herrn von Solmll zu bestellen?" Michalansky sah zu Boden. „Run, wird er sprechen?" „Frau von Dury wollte... sie wollte Herrn von Solmll sprechen.. „DeS Rachtll?" „.,a. „Allein?" Michalansky machte ein freche? Gesicht. ..Allein." Der Herzog schluckte heftig. Er ging zur Tür und sagte zu den draußen Wartenden:„Fch weiß genug. Bitte, MessieurS, wollen Sie eintreten l" Michalansky stand«15 Angeklagter vor seinen Richtern. Der Herzog ging auf und ab und dachte nach. Dann schritt er auf den Herrn von Kratz zu. „O brist," sagte er und zwang sich zu einem möglichst ruhigen Tou,„er hat doch diese« Subjekt übler Dinge halber von Rechts wegen für seine langen Kerle requiriert.... Wir haben damals Gnade sür Recht ergehen lasten.... Aber er hat sie nicht verdient. Kann er ihn jetzt noch brauchen?... Bielleicht alll Ersatz für den Peißer?" „Ob ich de* brauche» Bann, mein Prinz!" sagte frende- strahlend der Obrist. Michalanllky siel auf die Knie. „Gnade! Gnade!" schrie er. Doch man wendet» ihm den Riftken- Besl eMe l£n- aas, so rasch ihn sein« alten Füße trüge«, und holte die Wache. Der Herzog verabschiedete sich. „Mjch hat daS alleS angegriffen... meine Nerven!" Und cr fächelte sich Luft zu. Morawitzky lächelte ironisch und ftuster. Rur der Obrist war heiter. Er fuchtelte vvt seiner Rsitpoirsche und sagte lache»d: „Werden den Kerl scharf halten, ganz nach Verdienst mein Prinz..." Ms eine halbe Sftnide spater sich zwei geistliche Herren zur Audienz bei dem Herrn Statthalter meldeten, sagic dcr diensthabende Kammerdiener mit Achselzucken: „Bedauere sehr, Herr Offizierskonviktpsarrer Hochwürden, Sr. Durchlaucht haben den(iriupfauq abgesagt... Nerven- zurälle... die essrayablen Dinge von gestern... schwere Untersuchung." Und er mackle ein schrecklich Ztagall Gesicht. Die zwei Priester fingen die Treppe hinunter. Am jp-oßen Fenster blieben sie stehen und sahen gedankenvoll über die spitzgiebelige, von hier auS beherrschte Stadt, aus deren Schornsteinen lustiger Rauch i« die blaue Lust wirbelte. Unten hämmerte und summte der Bürgerfiaiß, oben zog ein Turmfalke immer höher seine einsamen Kreise in die blaue Luft. „Nu«, glaubt er, Pater Crollala«;a". sagte mißmutig der eine Priester,„daß mit dem Tot der Dnry für uns andere Zeiten kommen werden V" Der andere iah lange hinaus ins Hiuuuotsblau. „Ja und Nein. Pater Gnardftrau.<Äw«S wird sich sa ändern, aber dann kommt die Welle zurück. Die Personen gehen, aber die Gesetz« bleibe«. Da? ist ja der Sinn des Symbols vom Felsen Pelil Artch der Staat ist so langsam noch eine Kirche neben der'.Kirche geworden"... „Ja wirklich," nahm der Pfarrer der OMziersschule den Faden auf,„manchmal glaub ich wirklich, er braucht unll gar nimmer." „Oh.* braucht»rat umu»r. Der Skaii# ljüct nimmer auf. Wißt Ihr, wen» man so gaaz voe»«sjetz»»M»S philosophisch denken dürfte, man fönte fast auf be» Gebankcn: Durch diesen Kampf der Geiste:' H5ft sich die Welt ewig jung... Und das kommt, tveil beide recht badet:... in allem... Hätte nur eine Partei alt»» Nacht, st* hau» sich schon längst durchgesetzt... denn da» Rocht ist wie die Tanne, es kommt zum Schluß doch durch...«bar sa"— ar seufzte— „es haben halt immer beide Parteien in jeden: Kampf dc« Glauben an dall Recht... und das ist so gut, i»ie ball Recht selbst"... „Ja, diese Welt ist weise und schön von unserem Schöpser eingerichtet," sagte salbungsvoll der Pfarrer und ging langsam die Treppe hinunter zur arbettSsoichen Stadt. GlUhftisnsch, alloh-Iftei. Liter 2,00 M. HAZZsrMNZsii, nlfotiolfvci. Sil er 2,50 M. 1 Teil Punichexirakt, 2 Teile siedendes Wasser ergeben einen I köiillchen süssen Punsch. Kein Zucker ersorderlich. Die (ixirakle sind unier Verwendung von Wein hergesiellk. Das [i�le(tieltänf in jedem HauSdalt. Ein GlaS Punsch stellt j sich aus ea. S Pfennige.— ES wird höfl. gebeten, Flaschen j \ oder Gesäße zum Absüllen milzub- inoen. Z.kil'gMei'. Serliv K 84. vM.ÄMZti'. 88.! 2. Verkaufsstelle, tIZeinickendarfer Str. 100. 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