Ar.l. 38. Jahrg. Bezugspreis! LierteliShia.«LH MI. monatl. I.SVMI. Mi ins Hau?. Vorauszahlbar-Einzeln- Nummern l0 Via. Postbemg: Monat- lich UtO ML Unier Kreuzband für Deulichiand und Oesterreich- Ungarn L.— ML. sür das übrige Ausland 4,50 ML monatlich. Versand ms Feld bei dlrever Sesiellung monail. I.S0ML Posibesieilungen nehmen an TSne- muri, Holland. Luxemburg. Schweden und die Srbweiz. Erngetraaen in die Lost-�eilungs-Preislist«. Eriche, nr lag lich, Telegramm» Adreffet .Sojialdemokra« Vet.iu*. Verlinev Volksblatk. ( 10 Pfennig) Der Anzeigenpreis beträgt i. die siebenaesbaltene Kolonick- »eile so Pig.„jilei»- Anzeigrii". das scttgedruckts Wort 2v Pig. izu, IMg L fettgedruckte Worte), zedes weitere Wort lv Pfg. Stellengesuche und SchlasstcUenanzeigen das erito Wort lv Psg.. jedes weitere WorLS Pfo. Worte über l& Buchitaben zählen w zwei Worte. Teuerungsjuschlag Al'/» Familien- Zluzeigen Si» Ps«.. holttilche u. gewerkschafUiche Neretns- Anzeigen 40 Pfg die t'eilc.»nzelgen lür die nächltc llmnmer müssen bis 5 Uhr nachmitt. im Hmiptgeschätl. Berlin KW. KS. Lindenftrahe S, abgegeben werden. Geüshiet von S Uhr jrüh biS 7 Uhr abcndi. �endralorgan äer foÄaläemoKratifcken Partei Veutfcdlancks. Redaktion: EW. öS» LinSenstraße Z. Kentivrechcr: Aon Mor-Hvia«. Rr. IM 90— 151 97 .1 Expedition: EW. 68» tindenstraße Z. ?ler»tvrccher: Amt Morivpiad, Nr. IM SV— IM 97, Vierte Jahreswende im �Hettkrieg! .Fi'tzt aber gkhen wki zu seinrm Totenmahl. Laßt euch nicht dadurch verwirren, daß wir Pfannkuchen efsen werden. Das ist ein uralter und geheiligter Brauch und hat sein Gutes. Und nun kommt! Seht, jetzt gehen wir alle Hand in Hand.� Dostojewskis idealste Männergcstalt. Aljoscha Karamasoff, schließt mit diesen Worten die ergreifende Toten» rede am Grabe eineS heldenmütigen Knaben; mit dieser Wendung klingt die tiefe Tragik des feclenaufwühlendsten Romans der Weliliteratur aus! Laßt euch nicht verwirren, wenn wir zum Totenmahl deS JahreS 1917 Pfannkuchen essen. Leibliche Pfannkuchen Werden eS sowieso nicht sein, die hat längst der Krieg geholt. Aber ein kommendes Jahr voll Hoffnung und Opti- in i s m u S zu begrüßen, ist auch uns„ein uralter und ge- heiligier Brauch und hat sein GuteS". Freilich, jeder Spötter hat es uns gegenüber leicht. Er braucht nur mit listigem Augenzwinkern daran zu erinnern, wie die Neujahrsprophcten nun schon dreimal ein anbrechen- des Jahr als Friedcnsjahr begrüßt haben, um jedesmal am Schluß betrübt den gänzlichen Hemnfall ihrer Hoffnungen konstatieren zu müssen. Es kann uns diesmal ja auch ebenso gehen. Tut nichts! Haben wir nicht alle in Friedenszciten mit dem Glockenschlag zwölf aus voller Lunge unser„Prosit Neujahr" geschrien, ohne einer dem andern den geringsten Grund für die plötzlich erwachte Hoff- »ungsseligkeit angeben zu können?! Und haben wir GrihvSc für u.utü{.vsfuiuiß. ES ist nicht die schätzbare Erwägung,„daß so ein Krieg ja nicht endlos dauern könne", die uns diesmal wie gewisse Neu- jahrspropheten von 1915. 16/17 antreibt, das Jahr 1918' als Hoffnungs- und Friedensjahr zu begrüßen. Leider hat sich gezeigt, daß der Krieg recht gewaltige Zeiträume andauern kann, und nichts wäre verkehrter als die Annahme, daß daS Feuer im Jahre 1918 wegen Mangels an Brennmaterialien iwir meinen dies bildlich, obwohl der Kohlcnmangel als solcher auch hierher gehört) unbedingt erlöschen müsse. Nein, wir müssen der Möglichkeit ins Auge sehen, daß dieser Krieg technisch auch noch in das Jahr 1919, selbst 1920 hinein dauern kann. Auck in dem Sinne sehen wir den Frieden nicht nahen, daß im Jahre 1918 eine der kämpfenden Parteien jenen„Endsteg" erringen wird, den fanatische AnnexionSpolilikcr ihren Böllern als Kriegsende vorgaukeln. Soll weitergekämpft werden, bis eine Partei zerschmettert das Diktat des Siegers über sich ergehen lassen muß. so scheint fraglich, ob der Krieg auch nur einen Tag früher zu Ende geht. alS ihn die allgemeine Erschöpfung beenden würde. Das' Wort Scheidemanns von dem Narren, der an einen zer- schmetternden Endsieg einer Partei glaube, hat zwar die helle Wut der Alldeutschen erregt, ist aber durch die Tatsachen ebenso bestätigt worden, wie diese bisher alle Endsiegs- Prophezeiungen der einen oder anderen Seite widerlegt haben. Unsere FriedenShossnung für 1918 beruht auf der wachsenden Macht des BerständigungS- gedankens. der uns im Laufe deS JahreS 1917 von den ersten Friedensworten zu den ersten Friedens- taten geführt hat. AuS dem Boden des Ver° ständigungSgedankens sind die Verhandlungen von Brest-Litowsk hervorgewachsen. Ihr Erfolg wird wesentlich davon abhängen, daß sie im Geiste des BerständigungS gedankens zu Ende geführt werden. In einem Moment größter Spannung trifft das neue Jahr uns an. Das Schicksal der westlichen Rand- Völker des russischen Reiches ist der Punkt, um den unsere und der Welt Besorgnis sich dreht. Nur wenn diese Frage in wirklich demokratischem Sinne gelöst wird, kommen wir dem Frieden näher. Dazu ist nötig', daß die deutsche Regierung alles unterläßt, was als ein Abrücken von ihrem Friedensprogramm auch nur s cd e i n e n töimle, wie es in der Antwort auf das ruisische Programm formuliert worden ist. Der Satz:„Eine gewalt- same Aneignung von Gebieten, die während des Krieges besetzt worden sind, liegt nicht in den Absichten der verbündeten Re- gierungen", darf nickt nur formal gelten, sondern er muß unzweideutige materielle Anwendung finden. Torauf hinzuarbeiten, daß dies geschieht, wird eine Hauptaufgabe der Sozialdemokratie im neuen Jahre sein. Die Sozialdemokratie wacht gleichzeitig darüber, daß die Möglichkeit eineS allgemeinen Friedens offen ge- halten wird. Es ist freilich eine migliche Sache, selbst am Ncujahrstage. prophezeien zu wollen, wann die friedens- freundlichen Strömungen in England und Frankreich über die kriegshetzerischen Regierungen den Sieg davontragen wer- den. Aber wenn Deutichland ebenso urrerschiitterlich in seiner militärischen Verteidigung wie in der unablässigen Beknn- dung seines ehrlichen Friedenswillens bleibt, besteht begrün- bete Hoffnung, daß dieser Zeitpunkt noch im Laufe d«S Jahres 1918 eintreten wird. Doch Misere Ansprüche an das Jahr 1318 sind noch höher gestellt. Nicht nur den Frieden, sondern den g r o ß e n F o r t. schritt>unsererinnerenFreiheitsoll es uns brin- gen. Auch hier hinterläßt 1917 alles in der Schwebe, nament- lich auch die für Deutschlands Entwicklung entscheidende Frage derpreußischen Wahlreform. Aeußerlich betrachtet, stehen ihre Aussichten nicht günstig. Aber wir haben Hoffnungen jen- seits des Dreiklassenporlatncnts, das sich sträubt, sein eigenes Todesurteil zu unterzeichnen. Wir haben die Gewißheit, daß die Millionen der im Schützengraben herangereiften Männer nach dem Kriege keine Bevormundungen, keine 'Unfreiheit, keine Privilegien- Wirtschaft im Innern Teutschlands dulden werden. Schafft man nicht vor ihrer Rückkehr reinen Tisch, so werden die heimkehrenden Millionen mit unwiderstehlicher Wucht die noch stehenden Hindernisse einer freien Entwicklung Niederwalzen. So oder so wird uns die Zukunft die innere Freiheit bringen. Die auten Anssichten. werden leider getrübt durch die traurige Tatsache, daß die Spaltung der Arbeiter- bewegung auch zu Beginn des neuen Jahres unverändert fortdauert. Hier sind die Hofsnungen auf eine bessere Ent- Wicklung leider zurzeit am geringsten. Und doch besteht auch hier keine Ursache, hoffnungslos zu sein. Wir wissen, daß die wirtschaftliche Entwicklung eine einheitliche Arbeiterbewegung Für Notwendigkeit macht, wenigstens in einer Arbeiterklasse, die fortschreitend sich"-ren Anteil, am Zukünftigen erobert. Uno die deutsche Aflbiru~.,«!asjü hat uni gropr Zukunft zu verteidigen. Wird doch schließlich trotz aller Verheerungen, die der. Weltkrieg anrichtet, ihr Ideal als Sieger daraus hervor« gehen. Wie die von der Arbeiterklasse gepflegten Friedens- ideale, so.seh? sie gehöhnt und verlacht worden sind, während des Krieges ständig an Macht gewonnen haben, und sich jetzt als die stärkste Macht erweisen, so werden auch die lange als utopisch verschrienen Wirtschaftsideale der Arbeiterklasse nach dem Kriege der Entwicklung ihren Stempel aufdrücken. Aus den rauchenden Kriegstrümmern wäckst der Sozialismus, wächst eine bessere und gerechtere Wirtschaftsordnung. DaS sind freilich Zukunftsperspektiven, die über das Jahr 1918 weit hinausgehen. Aber einen festen Grund für eine gute Zukunft wird das Jahr 1918 legen, wenn es uns die drei Dinge verwirklicht, die heute unserm Denken und Hoffen am nächsten liegen: den allgemeinen Frieden auf der Grundlage der Völkerverföhnung, die politische Frei- heit und Gleichberechtigung in Deutschland und allen seinen Teilen, und die Wiedervereinigung der Arbeiterbewegung, so daß wir wie jener DostojcwZ- fische Held sagen können: Und nun kommt! Seht, jetzt gehen wir alle Hand in Hand! So fei uns willkommen, neues Jahr, als ein Jahr, das die Arbeiterklaffe mit Hoffnungen begrüßt wie kaum eins der vorangegangenen. Freilich nickt, daß sie an gebratene Tauben glaubt, die chr in den Mund fliegen, sondern wir wissen alle, daß wir selber das Beste werden tun müssen, um unsere Hoffnungen zur Wirklichkeit werden zu lassen. Wenn wir uns am Ende des Jahres fragen, ob es die Hoff- nungen gehalten hat, die wir auf seinen Verlauf setzten, so wird das nicht ein Moment des äußeren Rückblicks, sondern auch der inneren Einkehr sein müssen. Jeder wird sich zu fragen haben, ob er mit vollem Herzen und ganzem Können für den Frieden, für Deutschlands Freiheit und für die Einig- keit der Arbeiterbewegung gearbeitet hat. Geloben wir heute alle? einzusetzen, daß wir bei Jahresschluß ohne Schuld vor uns selber stehen.__ deutschlanö und Zinnlanö. Ein« finnisch« Abordnung beim Reichskanzler. Die„Norddeutsche Allgemeine Zeitung" schreibt: Eine finnische Abordnung, bestehend auS dem Staatsrat Hjelt, Profeffor Erich und Direktor Sario. ist hier eingetroffen und vom Reichskanzler in Gegenwart des Unter- staatssekretärs im Auswärtigen Amt Frciherrn von dem Bussche empfangen worden. Die Deputation überreichte eine Boll- macht deS Präsidenten des finnischen Senats, die die Abord- nung ermächtigt, bei der deutschen Regierung die An- erkennung der Selbständigkeit Finnlands nachzusuchen. In ihrer Adreffe betonte die Deputation, daß eS Finnland sehr auf die Anerkcnnnng seitens Deutsch- lands ankomme, zu dem eS sich durch eine starke Gemeinschaft der Kultur und der Interessen hingezogen fühle. Der Herr Reichskanzler erwiderte auf die An- spräche deS Staatsrats Hjelt. daß die deutsche Regierung und daS deutsche Volt den Bestrebungen deS finnlandischen Volkes lebhafte Sympathie entgegenbringe, daß ober eine An- erkennung der Selbständigkeit Finnlands durch Deutschland von einer Berstöudigung Finnlands mit der rnssischen Rrgierong abhängig sei. mit der sich Deutsch- land gegenwärtig in Friedensunterhandlungen befinde. Diese Verständigung sei um so leichter, als Herr T r o tz k i als Minister des Aeußern die russischen Vertreter in Brest-Litowsk den deutschen Delegierten auf eine Anfrage habe erklären lassen, daß Rußland den finnischen Wünschen voll entgegenkommen werde, wenn Finnland sich an die russische Regierung wenden würde. Die Entente antwortet auf öen örest-titowsker Vorschlag. Amsterdam, 31. Dezember. Reuter meldet auS London: Der Londoner Korrespondent des„Manchester Guardian" erfährt: Tie britische Regierung betrachtet die bv« Deutschlaild«nd Oesterreich-Ungarn gestellte» FriedcnSbe- dingungen als ernsten Schritt bon feiten der Mittelmächte und hat die feste Absicht, eine ernst«, wohlüberlegte Antwort zu geben, sobald die Bedingungen offiziell über- reicht sind. Lloyd George hat bereits selbst seine Reise nach Frank- reich festgesetzt, um mit Clemenceau darüber zu der- hMdein. Die Wiedergabe dieser Melduckg eines liberalen Blattes durch Reuter scheint ihre Richtigkeit zu bestätigen. Von der Linken in England wiesin Frankreich ist in den letzten Togen stürnrisch gefordert worden, die Regierungen sollten gegen- über den Brest-LitowSker Verhandlungen die Politik des Schweigens und der Untätigkeit aufgeben und ehr eigene? Kriegszielprogramm entwickeln. Die Negierungen find jetzt augenscheinlich geneigt, diesem Verlangen nachzugeben, um die öffentliche Meinung zu beruhigen und, soweit dies möglich, im Sinne der Ententetzolitik nach Rußland hinüberznwirken. ES wäre natürlich weit gefehlt, deshalb schon den allgemeinen Friedcnshimmel offen zu sehen. Aber man kann das Vor- halten der englischen Regierung dahin deuten, daß sie sich auS inneren wie äußeren Gründen veranlaßt sieht, der g e- mäßigteren Richtung in ihrem Lande ein gewiffcs Entgegenkommen zu zeigen.__ NuMcher Vtöerftanö gegen öen Oolsthewik- §rieöen. In den russischen Zeitungen wird eins gemeinsam« Resolution veröffentlicht, die angenommen wurde in einer Konferenz des Zentralkomitees der russischen sozialdemokratischen Partei(Menschewiki), deS Zentralkomitee» der Partei der Soziali st en-Revolutionäre, de» Zentralkomitees der Partei der Volkssozialisten („Trudowiki"), des ZcntralauSschuffes der Arbeiter- Soldatenräte ganz Rußlands erster Zu- sammensetzung(das heißt in der Zusammensetzung, die von den Bolschewiki für aufgelöst erklärt wurde und in der Tscheidse den Vorsitz führte) und deS ZcntralauSschuffes de? Rates der Bauernabgeordnetcn ganz Rußlands. Die Resolution bestreitet die Aktivlegitimation der Bolschewiki zur Führung der Verhandlung mit den Vierbuud- mächten und erklärt mit aller Bestimmtheit, baß der Waffen- stillstandsvertrag niemand als die Bolschewiki binde. Das ist eine sehr ernste Tatsache, die auf die Berhanb- lungen in Brest-Litowsk nicht ohne Einfluß bleiben sollte. ES liegt im Interesse der Sache. daß wir nicht allein �mit einer russischen Partei. sondern tatsächlich mit ganz Rußland Frieden schließen. Heute sind wir auf Verhandlungen mit den Bolschewiki angewiesen, die zur Zeit die Regierung Rußlands bilden, und eS ist ganz selbstverständlich, daß wir mit jeder Regierung eineS feindlichen Landes, die Frieden schließen will, zu verhandeln be- reit sind. Im beiderseitigem Jntereffe aber liegt es. de» Frieden so zu gestalten, daß er der unausbleiblichen£)PP»- sition möglichst wenig Angriffspnnste bietet. Es liegt nicht nur im Interesse der ruffischen Unterhändler, sondern auch im Interesse dauernder guter Beziehungen zwischen Deutschland und Rußland, einen'Frieden zustande zu bringen, bei dem Rußlands Lebensnotwendigkeit gewahrt bleibt. Nur ein solcher Frieden wird Bestand haben. ES hat eine Zeit gegeben, in der es hieß:„Russische Trauer ist deutsche Trauer." Die Zeit ist vorbei, aber dafür ist Zeit für die Einsicht gekommen, daß die Interesse» Rußlands und D eutschl a nds gleichlaufcn, und daß es kein„Verrat an der deutschen Sache", sondern mr Gegenteil weitsichtige Wabrung deutscher Interessen ist, wenn � man auch die Interessen Rußlands als die eine? zukünftige» Freundes wahrnimmt— zum mindesten sich vor ihrer feindseligen Verletzung sorglich hütet! KkkMchs Stimmen Zu Srest-LitoWst. Tis englischen Liberalen. Zi«Nerd«m, 30. Dczeu�ber. Laut ,, Nieuwe Rotterdavrsche Courant" schreibt ,,M au che st er Guardia n" in einem Leir- artilel: Die Frage ist nicht, ob wir die Bedingungen deS Grafen Cüernin annehmen oder verwerfen sollen, wie sie vor un» liegen, sondern ob wir darauf nach reiflicher Ueberlegung ant- ' Worten sollen oder nicht. Wenn unser Volt einträchtig bleiben und mit voller Kraft den Krieg fortfetzen soll, muß eS die Ueberzeugung lu-bu?, daß keine Gclagrnheit, de» Krieg einem ehrenvollen Ende zuzuführen, versäumt werden ist. Tue Alliierten müssen deutlich sagen, warum und in welchen Puntten sie die Vorschläge ungeniigen-d oder mangelchaft finden. Auch„W e st m i n st e r G a z e t t e" verlangt eine gemeinsame Erklärung aller Alliierten und schreibt: Wir müssen eine solche Er- klärnng haben, und zwar rasch, wenn wir dem Feinde nicht alle diplomatischen Vorteile überlassen wollen. Wir können, wenn wir die Lage überblicken, finden, daß wir Dinge nötig haben, mn die der Feind bis zum letzten Atemzuge kämpfen wird. Diese Dinge werden von uns eine übermenschliche Anspannung verlangen, aber wir würden dann wenigstens auf einer festen Grundlage stehen, die uttk> dir Geneigtheit der demokratischen Kräfte der Welt erwerben würde. französische Eltnnmeu. Ber», 29. Dezember. Die Pariser Zeitungen befassen sich aus- schließlich mit der Antwort der Mittelmächte in Brest- Litowsk und der Rede PichonS über die äußere Politik Frank- leichI. Tie Presse stellt beide Kundgebungen einander gegenüber, um den Schluß zu ziehen, daß die Antwort der Mirtelmächte ein Meisterwerk an Zweideutigkeit sei. Tie Welt solle glauben, oaß die Mittelmächte den russischen Friedensvorschlag an- genommen und dadurch ihre Friedensbereitschast auf Grund eines selbstlosen Programms bekundet hätten, so daß die Schuld für die Weiterführung des Krieges nur auf feiten der Entente und ihrer verantwortlichen Staatsmänner liegen würde. Das oberflächliche Urteil könne jedoch einer eingehenden Prüfung nicht standhalten, da iee vielen Vorbehalte im einzelnen der grundsätzlichen Zustimmung j den Wert nehmen würden. Die Antwort PichonS sei c> u r ch a i! S passe nd. Frankreich habe erneut den Willen be° kündet, für das Recht zu kämpfen und, sobald dieses Recht bestritten sei, Frieden zu schließen. Wesentlich anders aber spricht sich Renaudel in der ..H u m a n i t e" aus. Die Rede Pichons könne man nicht loben, wenn auch gewisse Punkte, wie beispielSweiie die Aeußerungen über Elsaß-Lothringcn, Zustimmung verdienten. Die Regierung scheine die einzige Lösung i» Schweigen und Untätigkeit, ganz besonders bezüglich Rußlands, zu sehen. Dies sei zu wenig. Be- sonders peinlich sei man dadurch berührt, daß Pichon die von der Kammer im Juni angenommene Formel über die Organi- s a t i o n der Gesellschaft der Nationen beiseite gelassen und erst ans den dringenden Appell der Sozialisten erwähnt habe. I'm übrigen habe Pichon nicht geantwortet, nichts versprochen und, was noch schlimmer sei, die deutsch-russischen Dokumente mit einer Verachtung abgetan, die man als gefährlich betrachten müsse. „La n t e r n e" greift besonders die Aeußerungen PichonS über Rußland an, die geradezu von erschreckender Zdurzfichtigkeit seien. Frankreich müsse berücksichtigen, daß die Bolschewiki heute die Herren Rußlands seien, wenn eS nicht Rußland und vielleicht auch den Krieg verlieren wolle. Jcau L�nguet schreibt im„Droit du Peuple': Wir sehen uns einer unwiderstehlichen Strömung im ganzen slawischen Volk, keineswegs der vereinzelten verräterischen Aktion einer be- sonders extremen Parteigruppe gegenüber. Die ganze Nation be- gshrt den Frieden; aber sie will nur einen Frieden, der die Jnter- essen des russischen BolkcS und der internationale» Demokratie rettet. Noch kann der verhängnisvolle Fehler— verhängnisvoll für Frankreich und für den Sozialismus—, der von unseren Regieren- den begangen worden ist, wieder gutgemacht werden; aber es ist kein Augenblick mehr zu verlieren. Italienische Aeuhermlgeu. Rom, 39. Dezember.(Meldung der Agenzia Stefans.) Zu den Friedensverhandlungen in Vre st- Litowsk schreibt „G i o r n a l e d' I t a li a", indem es die ideutschen Vorschläge einer Prüfung unterzieht: Diese sind von allen Gesichtspunkten aus un- annehmbar. Die Mittelmächte bieten tatsächlich einen Frieden an, der ihnen unter Umständen Bergrößerunge» in Rußland unv auf dem Balkan sichert, ohne daß sie einen Zollbreit Boden dabei ver- lieren: wsdcr in Europa noch in ihren Kolonien. Selbst daS Schicksal Belgiens bleibt unklar. Es handelt sich in der Hauptsache um einen deutsch-ö st erreich! schen Frieden, den die Entente als einen Schimpf, als Zusammenbruch und als ein Un- glück von sich weist. Italien hat nur eine Antwort zu geben: Wider- stand au der Seite seiner Bundesgenossen.»Jdea Nazio- nale" schreibt: Der vom Grafen Czernin vorgeschlagene Friede würbe den S i e g d e n O e st e r r e i ch e r n u n d D e u t s ch e n zu- erkennen und die militärische, politische und wirtschaftliche Vorherrschaft Deutschlands i» Europa gutheißen. An- gesichts dieser Friede, iSformel können wir nur das Wort der Starken wiederholen: Widerstand leisten! Das neue Blatt„Epoca" schreibt: Es handelt sich osfensicht- lich um einen Hinterhalt, um eine neue Friedensoffensive, die der ersten Prüfung nicht standhält. Sie bedeutet den Fehlschlag der Bemühungen Rußlands, dem der Gegner selbst seine Pflichten dxr Solidarität ins Gedächtnis zurückruft. Ungarn unü öie Zrieüensverhanöiungen. Ter Bericht des Auswärtigen Ausschusses der ungarischen Delegation äußert sich zum Wiedererstehen eines selbständigen polnischen Staates wie folgt: Die Shassuiig eines selbständigen polnischen Staates bedeutet die Gutmachung alten Unrechts und Erschließung einer seit langer Zeit niiterdrückten großen Ration, die berufe» erscheint, durch ihre ieiöständige nationale Entwicklung und Erstarkung zu einem wichtigen Faktor der europäischen Kultur zu werden. Der Auö- schaß begrüße mit größter Freude und Sympathie die Wieder- Herstellung eines selbständigen Königreichs Polen. Selbstver- stäntlich müsse die Organisierung des neuen selbständigen König- rciflis tu der Weise durchgeführt werden, daß hieraus keinerlei nachteilige Riickwirkungen auf den Bestand der Monarchie und auf t.jC dynastische ParitätSverhältniZ entstehen, welches gerade in dem gegenwärtigen Kriegs ihr erprobtes Fundament bilde. Der Bericht erklärt sich weiterhin überaus befriedigt von der Tätigkeit des Grasen Czernin, spricht ihm für die Vor- dersitnng des Friedens Anerkennung und Bortrauen aus, billigt seine Erklärung, daß die Gegner mit der Ablehnung aller Friedensangebote ein zunehmendes Risiko übernehmen, und erklärt schließlich die Forderungen jener Politiker t Tschechen und Südslawen), die die Regelung der inneren österreichischen Verhältnisse zum Diskussionsgegenstand der Friedenskonferenz machen wollen, für Vaterlandsverrat. Gefechte bei Boefinghe- Staden und Graieourt— Der deutsche Vorftos; bei Marcoing und la Vaequerie— Kütttpfe am Tomba-Rückeu- Amtlich. Große» Hauptquartier, 31. Dezember 1317.(W. T.».) Westlicher Kriegsschauplatz. HerreSgrupve Kronprinz Rupprecht. Unter starkem Feuerschutz stieße« englische Abteilungen nörd- lich von der Bahu Boesinghe— Stade» vor. Unsere Trichtcrbesatzuug warf sie zurück und wachte eiuige Gefangene. Bei Berel aorr steigerte der Feiud tagsüber sein Artillerie- scuer. Heftige Mineukiimpfe Lei H u l l u ch und L e n S. Südlich von Graineourt wurdc ein feindlicher Borfiosi i« Rahkampf abgewiesen. Durch sorgfältig vorbereiteten Angriff setzten sich Sturm- truppru hannoverscher, oldenburgischer«nd braunschweigischer Verbände südlich von Marcoing in den Besitz der vorderen englischen Gräben. Rheinische Bataillone stürmten nördlich von La Bacquerie Teile der englischen Stellung. Ju mehrfachen verlustreichen Gegenstöße» konnte der Feind verlorenes Gelinde teilweise zurückgewinne». Au Gcfaugeuru wurde» 10 Offiziere und 395 Mann cingebracht. Heeresgruppe Deutscher Kronpriuz, Auf dem westlichen Maasnfer und beiderseits von O r N c s erhöhte Artillerietatigkeit. Heeresgruppe Herzog Alb recht. In ErkundungSgefechteu auf den MaaShShe« wurden ttnige Franzosen gefangen. Auf dem Westufrr der Mosel war das Feuer gesteigert. Oestlicher Kriegsschauplatz Nichts Neues. Mazedonische Ffrout. Lebhaste ArtlllcrictStigkcit zwischen Barbar nnd Do j ran- See. Italienische ftfront. Heftige Artillerie- und Minrnkämpfe dauerten tagSüier am Tomba-Rückeu au. Am Nachmittage griff französische Jofanteric an und drang in Teile der Tomba-Stellungen«i». De» Erste Gcneralquarticrmrister. Ludendorff. Nbendbericht. Berlin, 31. Dezember 1917, abends. Amtlich. Im Westen verliefen Grabenkümpfe südlich von M a r c o i u g für«ns erfolgreich. Am Monte Tomba hielt tagsüber gesteigerte Feuertätigkeit an._ Der österreichische Bericht. Wien, 31. Dezember 1317. Amtlich wird verlautbort: Oestlicher Kriegsschauplatz. Waffenstillstand. Italienischer Kriegsschauplatz. Nach heftiger Artillerie- und Minenwerferporvereitung ging gestern nachmittag französische Infanterie gegen nnscre Stellungen ans dem Monte Tomba vor. Nach schwerem Kampfe gelang eS dem Gegner, an«inigen Stelle» in unsere Gräben einzu- dringen. Gegenmaßnahmen sind im Gange. A» den übrigen Frontabschnitten vielfach rege Artillerie- tätigkeit. Der Ehef deS GencralftabeS. ■Ii wwiiMwmMiWiwwwwMMMi ä/imHumaaam«Kiuimuvj:rr/nrc Schwedens Kriegslage unü Kriegsfragen. Erklärungen des Ministerpräsidenten Eden. Stockholm, 50. Dezember.(Meldung von SvenSka Telegram- lbhran.) Ministerpräsident Eden hat heute eine Rede über die jetzige Lage der Volksernährung und die äußere, die innere und die Handelspolitik gehalten. Danach ist die Bolksernähruug sehr schwierig. Die Getreidemengen in den Staatsspeichern reichen nur bis Mai 1318, da die Ernte 1317 unter Mittelmaß blieb; die größte Sparsamkeit ist notwendig. Der Minister wies die An- griffe- auf die Handelspolitik der Regierung bei ihren Verhandlungen mit den beiden kriegführenden Gruppen zurück und erklärte, daß die Möglichkeit, Waren vdn de» Mittel- mächten zu bekommen, nicht vernachlässigt worden sei, im Gegenteil habe man durch Sonderabkommen hochwichtige Waren, wie Kohlen, O e l und Petroleum bekommen, aber das sei nicht genug. Zu den Verhandlungen mit den Ententemächten erklärte der Ministerpräsident, daß die Instruktionen der schwe- dischen Vertreter keine Abkommen zuließen, die die Unabhängigkeit und Neutralität Schwedens verletzen könnten, und daß die Be- hauptungen, die Entente stelle als Bedingung die Hergabe von Schiffsraum und den Abbruch der Eisenerzausfuhr nach Deutschland, völlig falsch seien. Zur Alandsfrage erklärte der Ministerpräsident, da jetzt Frie- densverhandlungen zwischen den Mittelmächten und Rußland schwebten, meine die schwedische Regierung, daß diese Frage angeschnitten werden müsse, damit sie nicht völlig über- gangen werde, falls Rußland aus dem Krieg ausscheide. Maß- nahmen zu diesem Zwecke seien von der Regierung g e- troffen. So viel könne gesagt werden, daß Schweden von der völkerrechtlichen Tatsache, die durch den Vertrag von 1858 geschaffen sei, ausgehe und bestrebt sei, aus diesem Grunde eine bessere und, wenn möglich, sichere Lösung zu erreichen als jene. Zu Finnlands Unabhängigkeitserklärung äußerte der Minister warme Sympathie für die Bestrebungen des finnischen Volkes, sich ein selbständiges Dasein zu gründen, und den lebhaften Wunsch, Finnland als unabhängigen Staat begrüßen zu können, daß aber diese Frage nach dem Eintritt eines neuen Staates in das europäische Staatensystem noch von anderen Umständen abhänge, wie der Möglichkeit einer Uebercinkunft zwischen Finnland und Rußland und der Haltung anderer Mächte. Er hoffe, daß Finnland alle Schwierigkeiten überwinden werde; keine Macht werde, wenn die Möglichkeit dazu vorliege, mit so warmen Gefühlen wie Schweden das alte Brudervolk im Kreise freier skan- dinavischer Völker willkommen heißen. Schließlich wies Eden alle Forderungen nach einem Eingreife n Schwedens in Finnland zurück und er- klärt«. Finnland» Kräfte müßten selbst das Recht Finnlands auf «in selbständiges StaatSlebcn begrün-den. die NeozeffleruKg üer Revolutkons� gefangenen. Petersburg, 23. Dezember.(Meldung der Petersburger Telegraphen-Agentury Der Bolkskommissar für Justiz hat seine A»- »rduung, daß die im Smolny- Institut Verhaftete» dem repslutiauäreu Gerichtshofs vorzuführen seien, zurückgezogen. Alle Bcrhastcten sollen in verschiedene Gefängnisse übergeführt werden, wo sofort uus drei Personen bestehende Untersuchunzsavsschüsse im Einvernehme» mir dem PeterS- durgcr Sowjet, de» örtlichen Sowjets und den Bertreleru der Bauern, Soldaten und Arbciter gebildet werden sollen. Binnen 40 Stunden wird ein Ausschuß die Nechtwaßig'eit der Ber- Haftung sowie die Frage, ob die Berhastetcu dem zustäudige» Gericht vorgeführt oder freigelassen werden sollen, prüfen. Vornehmlich handelt es sich bei dieser Entscheidung um die Minister der Regierung Sierenskis und um die auf Grurid des Dekrets gegen die Kadetten verhasteten Personen. Gegen alle diese richtete sich bisher die Anklage der Teilnahme an gegenrevolutionären Bestrebungen. Die jetzt verfügte Aende- rung des Prozeßweges läßt die Absicht erkennen, die Auge- legenheit nunmehr befchlennigt zu erledigen. Der Ausschluß üer Kadetten von öe? Konstituante. Tie Bestätigung des Dekrets durch die Sowjet-Zentrale. Die Regierung der Volkskommissare hat bekanntlich ein Dekret veröffentlicht, durch das die Partei der Volksfreiheit (Kadetten) wegen ihrer Teilnahme an den konterrevolutio- nären Verschwörungen von der konstituierenden Nationalversammlung ausgeschlossen wird; zugleich wird den gewählten kadettischen Abgeordneten bei weiterer Wühlarbeit gegen die Regierung die Verhaftung angedroht. Gegen dieses energische Vorgehen richtete sich der Widerspruch der nichtbolschewistischen Minderheit in den Arbeiter- und Soldatenräten, und am 15. Dezember kam es, wie aus den jetzt vorliegenden russischen Zeitungen zu ersehen ist, zur Entscheidung darüber im Zentral-Exekutiv-Ausschuß der Sowjets. Sozialrevolutionäre Redner erklärten, daß der Erlaß im ganzen Lande einen peinlichen Eindruck mache. Das Verhält- nis der arbeitenden Massen zur konstituierenden Versamm- lung könne erst durch deren Willensäußerung bestimmt wer- den. Vor allen Dingen hätte sich die konstituierende Ver- sammlung selbst in voller Stärke frei versammeln müssen, und es müsse darin das bürgerliche wie das sozialistische Ruß- land zu Worte kommen. Die Unverletzlichkeit der Abgeord- neten müsse— abgesehen von ganz fest bestimmten Ausnahme- fällen— gewahrt bleiben. Die Sozialrevolutionäre bean- tragten, das Dekret gegen die Partei der Volksfreiheit aus- zuHeben. Demgegenüber vertraten Lenin, Trotzki und Frau Kollontay mit großer Entschiedenheit den Standpunkt de? Volkskommissare. Es gäbe in Rußland gegenwärtig nur zwei Parteien, Bolschewisten und Kadetten; alles andere schwanke zwischen ihnen bin und her und verändere fortwährend seinen Bestand. Zwischen diesen beiden Parteien sei irgendeine Ver- ständrgung nicht denkbar. Auch nicht in der konstituierenden Vers«mmlung. Deshaib müsse beizeiten Vorsorge geirofsen werden, daß der Wille der Arbsiter und Bauern dort rein zum Ausdruck komme. Mit 150 gegen 38 Stimmen sprach ber Sowjet seine volle und uneingeschränkte Zustimmung zum Vorgehen der Negierung aus In Verfolg dieses Beschlusses hat der Volkskommissar für Heer und Marine Fähnrich K r y l e n k o einen a l l g e- meinen Erlaß an die bewaffnete Macht heraus- gegeben, in dem er das unmittelbar bevor- stehende Ende des Krieges anzeigt. Die Teil- nahmlosigkeit der Alliierten gegenüber dem russischen Frie- fcensstreöen werde ihn nicht länger aufhalten:„Lasset uns einen Frieden ohne die Verbündeten schließen, da sie einmal weiter Krieg führen wollen. � Die Arbeiter, Soldaten und Ma- trafen in England, Frankreich und Italien werden uns nicht verurteilen, sondern unserem Beispiel folgen." Sei der Krieg zu Ende, so werde der Kampf im Innern doppelt wichtig. D u ch o n i n sei gefallen, K o r n i l o w ver- wundet, geflüchtet und werde verfolgt, und K a l e d i n, der letzte Verfechter des alten Regimes der letzte Vorkämpfer der Grundbesitzer- und Kapitalistenklasse. Aus seine Nieder- werfung müßten alle Kräfte konzentriert werden. Die größte Gefahr sei, daß die Kapitalisten und Grundbesitzer mit ihren heimlichen Helfern unter den Sozialrevolutionären die Un- erfahrenheit und Unwissenheit des Landvolkes ausnutzten, um als Abgeordnete den Frieden, die Landverteilung und die Herrschaft des Volkes zugrunde zu richten. Alles sei verloren, wenn die Kapitalisten in der konstituierenden Nationalver- sammlung von neuem die Oberhand gewännen. Aber die Volkskommissare würden die Macht nicht ohne Kampf auf- geben, und ihre Hand würde in den letzten Kriegswochcn nicht zittern, sondern fest zugreifen. Volksbeauftragtenrat unü Ukraine. Petersburg, 29. Dezember.(Meldung der Petersburger Telegraphen-Agentur.) In feiner Sitzung am 27. Dezember hat der Geschäftsführende Hauptausschuß ohne Besprechung mit allen gegen 2 Stimmen seine Zustimmung zu der Politik des Rates der Volksbeauftragteu gegenüber der amtierenden Rada erklärt. Der Rat der Volksbeauftragteu richtet an die ukrainische Regierung folgende Kundgebung: Der Rat der Volksbcauftragten begrüßt die Bildung einer wirkliche» Bolksrcgierung in dcr Ukraine, indc« er dir Rada der Arbeiter und Bauern als wirkliche Regierung der Ukrainischen Volksrepublik ansieht, und per« spricht der ncurn Regierung dies« Republik brüderliche Unterstützung und ferner, daß er auf alle Weise in dc» Kampf für den Frieden wie in der Angelegeuheit der ttcbrrgabe der Landgüter, Fabriken und sonstige» Werke und der B a» k e n an die Arbritermossen des ukrainischen Volkes und an die Rrgierung der Arbeiter-, Soldaten-«nd Bauern- rate eintreten wird. ES lebe die Brüderlichkeit der Arbciter, Bauern und Soldaten der Ukraine und Rußlands. Turkestan unabhängig. Petersburg, 30. Dezember.(Reuter.) In Turkestan Hot sich, wie berichtet wird, eine selbständige Regierung gebildet. Nr.1 ❖ Z5. Jahrgang Heilage öes Vorwärts Dienstag, 1. �anvarl�lS Die Wirkung öer Gewährung von Stillgelöern bei öen Krankenkaßen in Groß-Herlin. Von Albert Kohn. Seit Dezember 1315 sucht die Allgemeine OrtZkrankenkasse der Stadt Berlin bei jeder Mutter, die ein Jahr vorher entbunden hat und von der Kasse Wockcnhilfe erhielt, festzustellen, wie sich das Neugeborene entwickelt hat. Es wird zu diesem BeHufe um Aus- füllung und Zurücksendung einer Karle ersucht, mit welcher um Mitteilung über den Geburtstag des Kindes, wie lange dasselbe gestillt wurde, ob, von wann und bis wann es krank war und, falls es gestorben sein sollte, um Angabe des Todestages und der Todesursache ersucht wird. Auf Veranlassung der Zentralkommission der Krankenkassen Berlins und der Vororte wurde dieses Versahren auch von einigen anderen Kassen übernommen und es liegen die Ergebnisse der Umfrage von 11 Verwaltungen, darunter der Allgemeinen Ortskrankenkasse der Stadt Berlin... mit 5374 „„.. Charlottcnburg„ 904 Niederbarnim...., 933 Betriebskrankenkasse der Stadt Berlin....... 307 im ganzen von 8769 eingegangenen Berichten für da? Jahr 1316 vor. Eine Anzahl Karten kam als unbestellbar zurück, da die vor Jahresfrist sestgestellten Adressen nicht mehr zutrafen. Die Zahl derjenigen Frauen, die die Auskunft verweigerten, ist dagegen sehr gering; meist wurden die Anfragen bereitwilligst beantwortet und noch der Freude darüber Ausdruck gegeben, dass die Kasse sich für das Ergehen des Kindes interessiere. Verschiedentlich wurden der Antwort Photographien beigefügt, die von dem guten Gedeihen des Säuglings Zeugnis ablegten. . Von den eingegangenen Antworten beziehen sich 7620— 86,90 Proz. auf Brustkinder und 1149— 13,10,, Flaschenkinder, außerdem wurden 159 Totgeburten zur Kenntnis gebracht. Es muß bei Beurteilung dieser Zahlen berücksichligt werden. daß infolge von Abmalbungen zwischen den Krankenkassen Groß- Berlins und den SäuglingSiürsorgestellen die stillenden Mütter sich allwöchentlich bei ihrer zuiländigen SäuglingSsürsorgestelle vorzu stellen haben und diese die Bescheinigung crreilt, die zum Bezüge des Siillgeldes für die abgelautene Woche berechtigt. Mit diesem Abkommen wurde bezweckt. Mutier und Kind der sachgemäßen Aus ficht und Beratung der Fürsorgestcllen zuzuführen. Diese Aufsicht unv Beratung hat offenbar nicht weniger zu den erfreulichen Er gebnisseli beigen agen, über die berichtet wird, wie die Talsache des erfolgien Stillens. Auf l00 Lcbendgeborene starben 1914-1315 1915-16 Alle One mit mehr Großstädte Alle Orte mit mehr Großstädte als 15 060 Einw. als 15 000 Einw. 15.6 15,5 14.9 14,1 Demnach baben sich die Sterblichkeitsverhältnisse bei den Säug- lingen in den Großstäslen besser gestallet als in den übrigen Orten Diese Erscheinung' darf darauf zurückgeführt werden, daß in den Großstädten die orgamsterle Säuglingssürsorge ganz anders in die Ctt'rfietiuuig trat, wie in den kleinen Orten. Dabei dar» nicht unbelücksicktigt bleiben, daß nach den gemachten Wahr- nehmungen verschiedene Landkiankenkassen bei Leistung der Kriegs- wochenbilie viel Anlaß zu Klagen gegeben haben. Die Siilloauer währte: 1 Monat in 765--- 10,0 Proz. der Fülle 2 Monate, 753= 9,9,, 3,, 866— 11.4... 4.. 944-- 12.4,., 6,„ 690— 9.1„__ 6., 687= 9,0,.„ 7,. 391-- 5.1... 8,, 320= 4,2,., 9,. 376= 4,9„,, 10„„ 295— 3.9„„„ 11„, 242= 3.2... 12,„ 302= 4.0,.. über 12„, 173— 2.8.,„ Die Siilldauer wurde nicht angegeben in 811— 10,6 Proz. der Fälle. Es erkränkten von den gestillten Kindern.... 2703— 85,50 Proz. und Von den Flaschenkindern..... 530— 46,13 Proz., so daß bereits liier die größere Widerstandsfähigkeit der Brustkinder ersichtlich ist. Dieselbe macht sich noch weit mehr bemerkbar da- durch, daß 604— 22 33 Proz. der erkrankten Stillkinder, oder 7,93 Proz. der Brustkinder überhaupt, starben, während 242— 45,66 Proz. von den erkrankten Flaschenkindern gestorben sind, oder 21.06 Proz. der Flaschenkinder überhaupt. Nacv Erkraiikungsarten gespaltet, zeigt sich, daß von den mit der Flasche aufgezogenen Kindern 12,70 Proz. an Entwicklungskrankheiten erkranklen, und von diesen Erlrankten 71,23 Proz. starben, während von den brustgcstilltcn Kindern nur 4,10 Proz. an diesen Leiden erkranklen und 32,59 Proz. starben. Mir Ausnahme der Jnfckiionskrankhciten sind die übrigen Krankheits- und Sterbeziffern bei den mit Muttermilch ausgezogenen Kindern weitaus günstiger als bei den Flaschenkindern. Die Ergebnisse der Umfrage sind offenbar ungünstig beeinflußt durch die von Monat zu Monat mangelhafter gewordene Er- n ä h r u n g s w e i s e. Das gilt jedoch nicht nur für die Flaschen- linder, sondern erst recht für die stillenden Mütter, da sicher bei besseren Ernährungsderbältnissen die Zahl der Stillenden eine größere gewesen und die Stilldauer in vielen Fällen länger aus- gedehnt worden wäre, wenn die Mütter imstande gewesen wären. ihrem Körper kräftigere Nahrung zuzuführen. Immerhin legen die Ergebnisse der Umfrage auch für Verlin dar, daß�ie Brust st illmig verbunden mit einer sachgemäßen SäuglingSfür sorge das wirk- famste Mittel gegen die Säuglingssterblichkeit ist und beweisen aufs neue die Notwendigkeit der Getvährung von Stillgelder». Der Einfluß der Kriegswochenhilfe macht sich in Berlin bereits an der Zahl der im Aller von 0—1 Jahr Gestorbeneu bemerkbar. Das Slalistische Amt der Stadt Berlin ermittelte:« Lebendgeborene Gestorben (ohneGeschlechts- im Alter von unierichied) 0—1 Jahr 1914.... 37493 5853 1915.... 30 813 4 361 1916.... 22 621 2 903 Demnach fiel die Säuglingssterblichkeit von 15,61 Proz. im Jahre 1914 auf 14,15 Proz. im Jahre 1915 und betrug 1916 nur mehr 12.85 Proz., so daß seit Einführung der Kriegswochenhilfe ein Rück- gang von 2,76 Proz. zu verzeichnen ist. partelnachrichten. Außerordentlicher Parteitag der holländische» Sozial- demokratic. Auf dem am 23., 24. und 25. Dezember in Utrecht stcrttgefun- denen außerordentlichen Kongreß der sozialdemokratischen Arbeiter- parte: Hollands(S. D. A. P.) waren 233 Mitgliedschaften durch 218 Delegierte vertreten. Der Vorsitzende L l i e g e n beeilte sich in seiner Eröffnungsrede, seiner?Ibneigung gegen die VerHand- lungen in B r e st- L i t o w s k deutlichst Ausdruck zu geben. Der Friede im Osten, so sagte er, schließe einen um so längeren und hcf- tigeren Kamps im Westen ein. Die russische Revolution habe zwar die ersten Friedensverhandlungen zuwege gebracht, aber es werde sich jetzt darum handeln, ob die Revolution den Krieg oder der Krieg die Revolution erjchlageu werde. Aufgabe der holländischen Partei sei, dabei die Rolle des Turmwächters zu spielen.... Zum Stande der eigenen Partei übergehend, berichtete Vliegen, daß die Mitgliederzahl Ende Sctztember 1917 26 223 betrug, und daß seitdem noch etwa 2000 Mitglieder hinzugekominen seien. Leider wären die Großstädte auch im letztverflossenen Jahr an der Mitgliederzunahme nicht beteiligt. Amsterdam sei sogar wiederum um mehrere Dutzend Mitglieder zurückgegangen. Die Abonnenten- zahl von.Hct Volk", dem einzigen Tageblatt der Partei, habe die 30 000 überschritten. Die ans dem letzten Kongreß für Herausgabe eines Morgenblattes von„Het Volk" als nötig erklärten 100 900 Gulden, wovon die Hälfte sofort in bar vorhanden sein müßte, seien jedoch noch lange nicht erreicht. Es wären erst reichlich 15 060 Gulden eingegangen. Außerdem seien 22 000 Gulden in Anteil- scheinen und Darlehen gezeichnet. Heber den Stand der wöchent- ■iich erscheinenden Provinzblätter werden keine näheren Angaben gemacht. Der vor etwa Jahresfrist gegründete„Socialistische Gids", das wissenschaftliche Organ der Parte:, hat erfreulicherweise bereits 1400 Abonnenten, also mehr als irgeirdeine airdere holländische Zeitschrift, aber infolge der gegenwärtigen Zeiwerhülwisse sei der finanzielle Stand des Organs dennoch kein günstiger. Die übrigen Betrachtungen des Redners waren vornehmlich dem neuen Wahlrecht und den sonstigen Aenderungen der Verfassung gewidmet, die die Partei vor neue große, aber auch dankbare Aufgaben stellten. Der erste Verhandlungsrag wurde gänzlich von den Beratungen über den Entwurf für ein neucsOr�anisationsstatut tn Anspruch genommen. Diese Reorganiiation war in erster Linie nötig geworden durch das Inkrafttreten des neuen Wahlrechts. Dieses sieht daL Verhältniswahlsystem vor, womit die alte Wahlkreisorganisation verfällt, auf der auch die Parteiorganisation beruhte. Man ging bei dieser Gelegenheit zur Bildung kleinerer Be- zirksorganisationen über. Dadurch hofft man zugleich in den Groß- städten das Interesse der Genossen am inneren Parteileben wieder wachzilrufeii. Von besonderem Interesse für uns ist die Stellungnahme zu den Friedensverhandlungen» über die am zweiten Tage gelegentlich der Debatte über die Tätig- keit des Vorstandes, der Fraktion und der ,.Vol!"-Redaktion ge° sprachen wurde. Ein Delegierter kritisierte die politische Haltung des BVolk" und seine Stellungnahme zur Friedenssrage und be- tonte, daß der Parieivorsitzende B liegen in einem Artikel des bürgerlich-ententcfreundlichen„Amsterdamer" sich noch viel schärfer gegen die Friedenspolitik der Bolschewiki geivendct hat als im „Volk" selbst. Vliegen, der Vorsitzende des Kongresses, verteidigte. die in jenem Organ vertretene Ansicht und sagte, daß er nach wie vor aus dem Gtaichpuntt stehe, daß. die Zl u she b u na der mit der Entente' geschlossenen Verträge seitens' der Lenin-stixgiernng einem Verrat gleichkomme. Wenn es in der internatimraleii Politik Mode werden sollte, daß eine Regierung sich nickt an die Verträge ihrer Vorgängerin halte, nur Werl sie anderer Meinung sei, dmur stehe man beim Auftreten einer neuen Regierung jedesmal vor einer Gefahr. Er warne den Kongreß dringlichst, einer Theorie zu huldigen, wonach man Verträge anders als«ruf normale Weise lösen darf. Genosse Troelstra entwickelte die in der schriftlichen Be- gründung zu seiner Resolution niedergelegten Gedanken ausfuhr- licher. Wir beschränken uns aus die Wiedergabe des folgenden Ab-. satzss seinem Rede: „Wenn man sagt, daß die Friedenspolitik der Bolschcwikis die Gefahr birgt, daß Rußland der aunexioiiistischen deutschen Regie- rung ausgeliefert werde, so ist das nicht richtig. Die Gefahr liegt beim russischen Reich, das Gefahr läuft, auseinander zu fallen.... Vliegen hat versucht, das?lufkün>digen der Verträge als Verrat zu qualifizieren. Im allgemeinen und für normale Verhältnisse kann man Vliegens Argumenten zustimmen, von dem ich übrigens nicht weiß, ob er den Treubruch Italiens ebenso als Verrat bezeich- net hat.(Natürlich weiß Troelstra sehr gut, daß es gerade Vlregen war, der auSgerccknet in dem berüchtigten Amsterdamer„Tele- graas" in zwei Artikeln den Treubruch Italiens verteidigt hat.— Der Berichterstatter.) Wie standen aber die Dinge in Rugland, als jene Verträge geschlossen wurden? Da herrschte noch das zaristische System. Die spätere provisörtscke Regierung übernahm die Ver- träge in der Meinung, dazu verpflichtet zu sein. Nehmen wir ein- inal an, daß in unserem Lande eine solche revolutionäre Bewegung entstünde; daß die Regierung durch eine revolutionäre ersetzt würde, und daß ich(Troelstra) die Ehre hätte, Mitglied der Re- gierung zu werden, und einen Vertrag fände, der mit Amerika gegenüber Japan geschlossen wurde. Kanu man sich dann vorstellen, baß ein Minister, der auf Grund des Gegensatzes zur vorigen Re- gierung, die diesen Vertrag schloß, gewählt wurde, einen solchen Vertrag ausführen soll? Er, Redner, würde den Bertrag veröffentlichen, zerreißen und sagen, daß man da mitnichts�u schaffenhabe nwolle. Langanhaltender Beifall folgte dreien Worten. Die Resolution Troelstras wurde in eiwaS geänderter Fassung angenommen. GroßGerlln Erwartung. Das alte Jahr geht klirrend von der Rampe. Der Weltgeist zieht geschäftig seine Schnüre— Nun tritt das„Neue" in den Kreis der Lampe und hebt den Taktstock zu der Ouvertüre. DaS Publikum renkt lauschend das Genicke Dem Dingenten zu. dem unbekannten— Wird's wieder nur dieselbige Musicke? Das alte Lied der alten Musikanten? Paulche«. Die Folgen einer Fahrpreiserhöhung. Nicht jede Verteuerung bringt eine Mehrung der Einnahmen und des Gewinns. Preissteigerungen führen manchmal zu starken Berbrauchsrückgängen, so daß dabei sogar ein Weniger an Gewinn hcraustommcn kann. Mit dieser Möglichkeit ist auch im Verkehrs« wesen zu rechnen; hier haben Fcrhrpreiserhöbungen noch stets eine Minderung der Fahrten bewirkt. Bei den Fahrpreis- erhöhungen, die in Groß-Berlin für die Stadt- und Ringbahn und jetzt auch für die Hochbahn und für den Kraftomnibus beschlossen worden find, dürfte die fahrtmindernde Wirkung zunächst nicht zu bemerken sein. Der Zudrong von Fahrgästen wird nachlassen, das ist sicher. Aber da in der Kriegszeit die Verkehrsmitte! bei weitem nicht genügen, werden ihnen wahrscheinlich immer noch so viel Fahrgäste bleiben, wie sie überhaupt befördern können. JSaß jedoch 'die Bevölkerung sich auf eine andere Weise gegen die Fahrtenver- teuerung wehren kann, daö wird man sehr bald sehen. Die Berliner O m n i b u s g e s e l l s ch a f t hat es schon sehen müssen, als sie auf ihren Linien mit Pferdebetrieb im Herbst 1916 die S-Pfennig-Teilstrecken durch 7 �-Pfe nn ig-Teilstrecken ersetzte. Diese Verteuerung hatte sofort die Wirkung, daß die 7 lo° Pfennig-Teilfahrten sich stark minderten, aber dafür die mit 10 Pfennig zu bezahlenden Ganzfahrten sich etwas mehrten. In den ersten zwölf Monaten nach Erhöhung des Teil- strecke nprcises beförderte die Omnibusgesollschaft auf ihren Linien mit Pferdebetrieb nur noch 41 818 362 Personen, gegenüber 71889 891 Personen in den letzten zwölf Monaten vor der Er- höhuna. Der außerordentliche Rückgang der Beförderungszah! er- klärt sich daraus, daß von den Psevdeomnibuslinien eine nach der anderen wegen Pserdemaugel eingehen mußte, so daß heute nur noch ein geringer Rest davon vorhanden ist. Hieraus läßt sich aber nicht das erklären, daß die Anteile der Teil- und der Ganzfahrten an der Gesamtzahl sich sofort nach Einführung der Vlb-Pfennig- Teilstrecken stark gegeneinander verschoben. Beteiligt waren vorher in den letzten zwölf Monaten die Teilfahrten für 5 Pfennig um 61 189 638 und die Ganzfahrten für 10 Pfennig mit nur 10 700 258, dagegen nachher in den ersten zwölf Monaten die Teilfahrten für Tstj Pfennig mit nur noch 30 671 148 und die Ganzfahrten für 10 Pfennig mit 11 147 214. Die Teilfahrten verminderten sich auf etwa die Hälfte, während die Ganzfahrten sich mehrten. Für die« jenigen Fahrgäste, die durch die Verteuerung der Teil- strecken sich aus dem Omnibus hinausgraulen ließen, tauschte die Gesellschaft seßhaftere Leute em, die gegen ihre 10 Pfennig eine längere Fahrt machten. Dabei wirkte diu Ueberfüllung der Straßenbahnwagen mit, die� manchen zur Benutzung des Omnibus auch für lange Fährten nötigte. Ob aber die Geiellschaft bei dem Tausch„besser gefahren" ist, das darf man doch sehr bezweifeln. Durch die Ganzfahrt eines seine 10 Pfennig voll absitzenden Fahrgastes werden dem gefüllten Wagen oft mehrere Fahrgäste ferngehalten, deren Teilfahrten einen höheren Gesamtbetrag gebracht hätten. Die Teilstrecken sind für die Gesellschaft vorteilhafter, weil sie in der Regel nur ein Drittel oder ein Viertel der gangen Linie ausmachen, io daß jeder Platz mehrfach seinen Inhaber wechseln kaum Bei Verkehrsmitteln mit Teilstrecken ist zu erwarten, daß. FahrprerSerhöhungen den Teilstreckenverkehr am fühlbarsten beeinflussen, weil ein Verzicht auf die teurer gewordene Fahrt bei kurzen Strecken leichter möglich ist als bei langen._ Die Staat sbahnverwaltung wie die Hochbahngesellschaft und die Omnibusgesellschaft werden gewiß auch diese Folge der Fahr- Preiserhöhungen in Rechnung gestellt haben. Aber sie scheinen sie nicht so hoch zu veranschlagen,'daß sie dabei schlechter wegkommen köiürten. Die Zukunft wird lehren, ob sie richtig gerechnet haben. Die Ablösung der Neujahrsglückwünsche bringt der Berliner Armenvettvaltung keine sehr erheblichen Ein-> nahmen. Zu Neujahr 1316/17 überwiesen 161 Personen ihre nach eigenem Gutdünken bemessenen Ablösungsgebühren, deren Gesamt- betrag sich auf nur 1651,50 M. belief. Dafür durften die Beteiligten, die sämtlich im öffentlichen Leben stehen und wohl alle einen reich- lich große» Bekanntenkreis haben, sich die Mühen und die Kosten der Versendung pflichtmäßiger Glückwünsche sparen. Der Magistrat veröffentlicht durch Zeitungsanzeigen die Namen der Ablöser, so daß diese ledig aller Glückwunschpflichten sind. Die Sitte, durch einen der Armeirverwaltung überwiesenen Geldbetrag die Ncujahrsglück- wünsche abzulösen, ist in Berlin jetzt gerade hundert Jahre alt. Sie kam hier zu Neujahr 1817/18 aus infolge einer Anregung, die der Oberpräsident v. Heydebreck gab, indem er als erster gegen, Ende 1817 eine AblösnngSgcbühr an die Armendirektion einsandte. Mehrere Personen schlössen sich ihm sogleich an, und nachdem die Armendirektion noch in oen letzten Tagen des Dezember die Namen der ersten sieben Spender bekanntgegeben hatte, folgten bis zum Jahresschluß noch viele andere ihrem Beispiel. Im ganzen be- teiligten sich schon an jener ersten Glückwuuschablösung 34 Per- svnen, deren Beiträge zusammen 286 Taler und 5 Silbergroschen— 858,50 M. ergaben. Der Brauch wurde beibehalten, und seiche tu hat die Ablösung der Neujahrsglückwünsche sich Jahr für Jahr wiederholt. Eine Verglsichung zwischen damals und jetzt zeigt frei- lich. daß die Abtöser heute sich nicht hoher als vor hundert Jahren einschätzen. Ter Durchschnittsbetrag stellte sich zu Neujahr 1817/13 auf 10,22 2)1. in heutigem Gelde, zu Neujahr 1916/17 aus 10,26 M., um ganze 4 Pf. mehr. Und das, obwohl in hundert Jahren dir Geldwert sehr beträchtlich gesunden ist! Keine Gebühre» für Bezugscheine. Die ReichSbekleidungSstelle ersucht die LandeSzentralbehörden in einem Rundschreiben, auf die Vervollkommnung der örtlichen Bezug« scheinstellen mit allem Nachdruck und aller Beschleunigung hinzu» wirken. Zugleich wird dann mitgeteilt, daß die Neichsbckleidungs- stelle zur finanziellen Erleichleruug dieser dringlichen Vervollkourm- nung der Bezugschcinstellen die Erbebung einer Gebühr für jeden dem Verbraucher auszustellenden Bezugschein erwogen hat. Auf das Gutachten des Beirats der Reichsbekleidungsstelle hin ist diese Ab- ficht aber fallen gelassen worden. Tie Gcmüsefteklc Groft-Berliu gesichert. Die Vorarbeiten für die Begründung einer gemeinsamen Gemüiestelle Groß-Berlin sind soweit gediehen, daß eine aus de» Gemeinden Berlin. Charlotteiibnrg. Lichtenberg und dem Kreis Niederbarnim bestehende Kommission einstimmig die zur Uebernahnie von Geschäflen der Gemüscversorgung»ollvendige Aenderung der Satzungen des LebenSmittelverbandes bejcklosscn hat. Die end- güllige Beschlußsasiung loirg alsbald im LebcnSiniltelausschuß er- folgen. Es steht damit zu erwarten, baß schon im Anjang des nenen Jahres der Lebensmitlelverband dre ihm neu übertragenen Geschäfte übernehmen ivlrd._ BerkehrSfreicr Kaffee Ersatz. Ausländischer und solcher inläirdischer Kaffee- Ersatz, zu dessen Herstellung durch den KriegsauSjchuß für Kaffee, Tee und deren Er- jatzmittel zugewiesene Rohstoffe nicht verwendet worden sind, also die sogenannte verkehrssreie Ware, unterliegt, nachdem eine ent- sprechende Anordnung schon ftir die Zeit bis zum gestrigen Tage getroffen war. noch werler bis zum 15. März nicht den vom KriegSernährungSamt festgesetzten Höchstpreisen und darf bis zu dem gleichen Zeiivunkt auch ohne Kaffee-Ersatzkarte weiter abgegeben werden. Kaffee-Eriatzmitlel der flaglicken Art, die erst nach dem 6. Dezember 1317 in den Verliner Handel gelangt sind, müssende- doch ausnahmslos zum Höchstpreise verkauft werden. Die reguläre Ware ist nach wie vor auf Karle zu entnehmen. Lerlängernng der Kassenstimde» bei der Berliner Sparkasse. Der Zufluß von Spareinlogen ist so ungewöhnlich stark, daß sich die Berliner Sparkasse entschlossen bat. die Kassenstunden�für den Spar- verkehr bei ihren sämtlichen Kassen und Zweigkassen bis Mitte Januar bis 5 llhr nachmittags zu verlängern. Wer dem Andrang entgehen will, wähle die Zeil zwischen 2 und 6 Uhr. Adlicfrrung der Seifenkartrnabschnitte. Die SeifenherstellungS- und Berlriebs-Gesellschaft, Berlin, gibt bekannt, daß die Fiist für die bei den Berliner Broikommiisionen monatlich einzureichenden Seifenkarieiiabschnitte von jetzt ab am 3. eines MonatS statt wie bisher am 8. eines MonatS abläuft. Seifenkarlenabichliüte, die bis zu dem 3. eines Monats nicht bei den zuständigen Biot« lommissionen abgegeben sind, können bei der Äusstellung der vor- geschriebenen Empfangsbestätigungen, keine Berücksichtigung finden und verlieren die Händler somit daS Bezugrecht auf K.-A.-Seise und K.-A.-Seifenpulver für den kommend» Monat. Das gleiche ftilt filt alle Nacki�argemeindsn, in welchen die Seifenhändler die Scifenlartsiiohschnitle bei den SsisenbersorgungSstellen der betreffenden Behörden direkt abliefern. Die Kohlcnndteilunz der SriegSsmisstelle in den Marlen hat im Einbernehmen mit der Kohlenstelle Grost-Berltn das g-aen die Firma A, u. I. Po d z u w» i». Berlin. Gleimsir. ttg, sowie deren In« Haber srlaffeiie Verbot de« Aanbel« mit Kohlen am 1?. Dezember wieder ausgehoben. PserdeauZfuhrverdst. DaS i�berkomniando hat bestimmt, daß bis«ur Beendigung der Pierde-mshabung<7.�13. Janusr) die Ausfuhr von Pferden au« d-,n StadtlreiS Berlin verboten ist. Aus- genommen von dem Verbot ist die Ausfuhr mit Genehmigung des stcllderiretenden GeneralkouiinandoS des M. Armeekorps und die Ausfuhr durch solche Händler, weiche mit Pferdeankausschein des Königlichen KriegsminifteiiumK, Stemonte-Jnspeltionen, ausgestaltet find. Den PoflanweisunzSvrrkchr für KriegSgefimgene in Nußtaud bat die Schweiz vom f. Januar ab cingrstelll. Postanweisungen an die Oberpostkonlrolls in Bern für deutsche Kriegsgeiangene in Ruß« land können deshalb vorläufig bei den deutschen Postanstallen nicht angenommen werden. Postanweisungen filt diese Gefangenen sind zurzeit nur aus dem Wege üd-r das schwedische Postamt in Plalmö 1 zulässig. Eine schwere Bluttat wurde in der Nacht zu Montag verübt. In dem K o g n a k a u« s ch a u k von Gerold in der In- » a l i d« n st r a tz e. gegenüber dem Ttettiner Bahnhof, befanden sich in später Slbcndstiind« noch viele Gäste, die zum Teil angetrunken waren. Unter ihnen kani es i» der zwölften Stunde zu einem Streit. Hieran war auch ein Gast beteiligt, der sich vor einiger Zeit schon unter dem Namen G u st a v Wenzel eingeführt hatte. ein Mann von etwa SS Jahren. Wenzel zankte sich fortgesetzt mit mehreren anderen herum, augenscheinlich in Trunkenheit.' Als man die Streitenden hinaus haben wollte, geriet Wenzel in Wut, zog ein Trcysepistole und schoß wie wahnsinnig um sich. Nicht weniger als sechs Schüsse, die ganze Ladung, feuerte er ab. Eine Kugel traf den Gefreiten 91 i ch t e r, der beim Rekruten- depot eines Jnfanterie-Regimenss in Cöpenick sieht und SoNfititZlZ seinen Brudee, dem Leiter des KognalausschankZ. im GrschSfie mithalf. seitwärts in die Brust und verletzte ihn so schwer, daß er tot zusammenbrach. Em zweiler Sckuß brachte einem Arbeiter Georg Laske eine schwere Beels, iverletzung bei. Di- Bluttat erregte unter den Güsten die größte Aufregung. Alle stürmten auf die Straße hinaus und liefen davon, mit ihnen auch Wenzel, um dessen Festnahme sich niemand kümmerte. Alb dann die Polizei erschien, fand sie nur noch die Leiche des Erschossenen, den Schwerverletzten und den Wirt. Der Bruder deS Erichosienen kann über die Ursache des traurigen Vor- snlleS keine Audtunsl geben, weil er an einer anderen Stelle in seinen Räumen betchäitigt war. Zeugen konnten noch nicht ermittelt werden. Auch W-uzel ist noch nicht ergriffen. Als ein besonderes Kennzeichen von ihm wird angegeben, daß er auf beiden Händen tnlolviert ist. Von einem Einvrcchcx angeschossen und schwer perletzt wurde Montag früh der Schutzmann B i e r tfi der Boxhagener Straße v«,»ewfcte* fiel kurz ,«ch k Uh« ein Man« auf, der an ten Berlin-Vichtemberger WeichbUogxmzs mit einem schweren Rucksack beladen von einem Straßenbahnwagen ahstieg. Er folgte dem Vcr° dächtigen, und als dieser vor dem Hause Boxhagener Str. 14/lb seine schwere Last einen Augenblick abstellte, fragte er ihn. was er in dem Sack habe. Der Mann erwiderte, es seien Kartoffeln darin. Als Bier den Sack dann anfaßte, um nach dem Inhalt zu fühlen, zog der Mann einen Revolver aus der Tasche, schoß cuz den Beamten und traf ihn so schwer in den Unterleib, daß et zusammenbrach. Hierauf ergriff der'Täter die Flucht und entkam. Der schwerverwundcte Schutzmann wurde nach dem Krankenhaus am Friedrichshain gebracht. Wie die Untersuchung ergab, enthielt der von dem Flüchtigen zurückgelassene Rucksack frischgeschlachtete Kaninchen, die er ohne Zweifel in einem Rachbarort oder vielleicht auch auf einem Laubengelände im Osten der Stadt gestohlen hatte. -19-18 Ein neues Ich? in fchNsrer Zeiten Lauf! Beuifchlünd braucht Gold!- %■ v % Besinnt Euch drauf! Für Gold den vollen Goldwert, lür Juwelen den hohen � Aj? Auslandspreis! jsSir M AuSlandSpre,,!* Juveun d.» Gerichtszeitung. Wohltätigkeit und Geschäft. Ein Blick hinter die Kulissen eines..Wohltätigkeiisgeschäftz". hei dessen Manipulationen„rS einem schwindelig werden kann", >vis der Vorsitzends MagistrntKrat Dr. Ncuwqnn bemerkt«, wurde durch eine Verhandlung vor der 3. Kaminer des Berliner Kauf- mnnnsgcrichts gewährt. Dax beklagte Marinedankvexlag ist eine Gründung der Kaufleute Wagner und Schröder. Er wurde tzem eingetragenen Verein gleichen Namens angegliedert, welchem Wohlfabrtöunternehmen auch der aus denr Vertrieb der Bücher und Zeitschriften de? Verlags verbleibende Nutzen zu- fließen sollte. Da es bei dem Verkauf per Blätter immer hieß. der Nutzen fließe dein Marmedan? zu, so ging das Geschäft gkän- zend, ja es hob sich schließlich so. daß ein Inhaber auf die Ein» nahmen des anderen neidisch wurde. DieS gegenseitige Miß- trauen kam dadurch zum Ausdruck, daß sich jeder Inhaber Personal engagierte, das von vornherein dazu verpflichtet wurde, gu..seinen," Chef zu halten und den anderen gu beargwöhnen. So hatte Schröder die beiden in den Verhandlung als Klägerinnen auftreten- den Damen als Kontoristinnen mit langfristige« Verträgen Sszagsstvi. ft« SCnst effmtfStoBt'irag der etteftt Gehilfin Hef Sil „6 Monate nach Friedensschluß". In dem dann folgenden lsnd- gerichtlichen Prozeß der beiden Sozien verzichteten beide Inhaber auf Fortführung des Unternchmeus. Schon in diesem Prozeß hatte Schröder erklärt, das ganz« Inventar gehöre eigentlich dem Sierem..Marinedank", und diesem WohlfahrtSunternehmen müßten auch die Ernkünfto der Handelsgesellschaft-uflteßen. der Staats- Unternehme« unter verfügt, das tonimljsar hatic______________ Staatsaufsicht zu stelle,:." Der zum Geschäftsführer er- nannte gerichtliche SachverMchige. Verlagsbuchhändler Heinrich Worms, verkaufte das Unternehmen mit Ausschluß eiiizelner Gläübigersorderungeu au den Verlagsbuchhändler Wilhelm Elsner. der die im Unternehmen steckenden realen Werte an eine neue gebildete Gesellschaft m. d. H.„Ikarinedantverlag" weijerverksufle. Durch diese Transaktion des amtlichen Geschäftsführers fühlen sich, wie die gestrig« Verhandlung ergab, merkwürdigerweise beide Parteien benachteiligt. Die Klägerinnen geben ihrer Meinung Ausdruck, daß dies gegen die guten Sitten verstoße, die Aktiva eines Unternehmens so zu veräußern, daß P-rsonalsorderungen dadurch ausfallen. Selbst beim Konkurs hätten sie doch wenigsten? einen Bruchteil bekommen. Auf der anderen Seite führt d-r Ve,- tretex des jmrzeit im Felde stehenden Schröder au. dem amtlichen Geschästsführer seien viel günstigere Angebote gemacht worden. Der als Zeuge geladene Verwalter Worms bekundet demgogen- über, daß er das damals völlig brüchig gewesene Unternehme» nach bestem Wissen und Gewissen mit Genehmigung des Staatskommissars verkaust habe. Gerade im Interesse der allen Inhaber lag es. daß die Handelsgesellschaft nicht in Konkurs geriet, penn dann hätte die Staatsanwaltschaft ein Wort mitsprechen müsse«.— Da d-v Beklagte Ech zur-ei t im Felde steht und der Beklagte W. auch verwegenslo-Z zu sein vorgiht, so begnügten sich die Klägerinnen auf Anraten des Ge- nichts mit einem von W. sofort zu zahlenden Monatsgehalt, für welche Zahlung der Buchhändler Elsner di« Garantie übernimmt. Jugenöveranftaltungen. Nrbeiteriugeudhetm Berlin. Sindruttr. 3. Heute DienStaz. Abends 7 Uhr, Z-oang» abend iü das' Heia, von S Uhr au geöffnet. lose NenjabrSseier." Arbeiterjugend Tchöneberg. Morgen M i t t w o ch, > ch ki g e Beiprechung. bei Lehmann, Sedanstr. SS, w i, abends S Uhr, Sriefkaften öer Zfoöaktion. M. 12. 17. Um diele Frage zu beantworien, reicht der Ranm d's Brieskastcns nicht auS. DaS ersehen(Sie aus jedem Führer von Bcriin. — H. R. 13. 1.£0-�33 Jahre alt. 2. Gin gesetzlicher Anspruch besteht nicht, dieS ist Sache des persönlichen Verhältnisses. — D. 88. 1. Nein.?. Beziehen Sie gegen Einscndang von!>ä Pi. in Briesmarlcn von der Boiwärls-Buchh.mdiimg, Berlin, Linderstraße 3. «SetteranSsichteu für vnS mittlere Rordveutschland diS DienStag mittag. Z»lt»oc!se oustlarend, jedoch vorwiegend trübe und etwas nebelig, ohne erhebliche Niederschläge: inätziger Frost. MMüMt ßN ZiSRMl WiWM. lÄftliluteüe Bonlln wnd ürnsregrenck. Den Berufsgenossen zur Nachricht, daß folgende Mitglieder im Felds gefallen sind: PäP&M© BlsrchöSSj Bezirk 7, iJari SlsSUfijOCk, Bezirk 18, MZW NWMZGS', Bezirk 24, LAKßTGz Bezirk IS, l.®STä?5, Bezirk 35. Ehre ihrem Andenken! ZÜS/S Hvr Torstand. F. EHSf Wii.WÜZ. Ear Frau z Abyalssam k'«Bt.MeaeinK.B.KSmert»Bk-�en. C.»Batl>l»l?. S?. Fcrrsp. Kgst.ltTOä j tu lU'aiis, SoaBuiaiieun. H. A. iE. Lanee, Bruaucimr. ISS NTöndliofelon> Vtlo�ÄÄt?7?r?ön> 1« Zsshau,()r.-ljohtürf.,CUiM»Mit85e «WM' eaipfiewt öelKM�sciiaellor*- V erzeicSisiis !! Emlteln 1 mal wSehentlicti. lialenttchtfide Geschäfte empfehlen«ich bei Einktofen. M iiiiGiisner ipalis Berlin«nd Omnienburg rara§BoirsM_ Weissbjer,€. Brdtbaapl, PaHaadenJür.«7 Tal.CqitlMt.ItU « i Sdjrötcr.RJ rS™ „ 9,«rat«» w5iTv;.,.yv!it-,j,�-> HenaianSfeyM, SuUribaUetäKa l. so PerhautMltRcn rz„ iugust Haitz �.Dä0bVL CZ3il�Hp3�r3 lMZ ZZS m. loiana-MflÄM«. Passage- Bad BalaiTH-Esd, Wiao«» Str. GS. 4(es«f>---■ a, eil Iii» n l> teUauD. t. 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Tor. TV, Ubr: I!iiz>xiri1c»pF. Kaoiuu. 2'/e Uhr ferro äÜigUo Preise); Hriida Cabler. Mimvooh: Ä'ora, Tiiiater i. d. Königgrätzerstf, D/�U.;©or Fiat üenstej-, Nttohm. L Uhr: Kimergden. Ssumüdieatian«. •/.SUhr: Die L-cidon SeBhunda. U Uhr: via variarena Tochiar. Cerllnur Thssatep. T'EU.: Die tolle tUomteS. Nuchni. 3 Uhr: FHmzaubar. Oas ML friFIÜ Anita Berber| in ihren Tänzen| Vamazetti- Truppe Akrobaten 3 Denvers Drahtseilaitb Tnide Hesterberg u. Kurt Fuß in ihrer neuen Tanzsseni Garcia Sehattenspiolo KesselySiMariooeU.-Theat. Jae Paul mit heuen Vorträffen Das lebende Spielzeug Mackweytruppe Pantoinimisten J. Fürst Handstan dsküoaÜcr Max Waltca Exzontak Theater für Dienstag:. I. Januar. Central-Thewlep Kotrn:iandB,ntcniitr8Üe 57. VI,: Die 1' e itefl hs{ ti fs t! n S'i,: y?ie Kinder der Exreilanz. Dentsehce Opee» iians uirJ. lüstÄryJiMs. Friedrich-Wübclnist. Theater 3 Uhr: Viofeila(La Trgviata). 7'/, Uhr: Das CreimäderlhaMS. Kleines Theater S'/i Uhr: Kilebelel. vi, Uhr: Geidiauligr. ävoijti-eji« 31/, Uhr; Die Kinakänigin. 1% w ScliwEFZwalilDiäöel. Metropoi-Theater 3 Uhr; Di« Kaiserin. Uhr; Ü!L EOSß ¥0Ü StäffilillL Neues Oporeltsnhaus S Uhr: Dar Obersteigor. Tv.unr.eerSßiöatlerJftrfe. T*/. Ubr; vis blonden Hsidei« v. UndoniiSf. ü'/.tflir: Ein toilsr Einlall. Kcaid«nz-Th«'ater 'ii, uhr: Liüi Grün. 8 Uhr: Die Vo-j'Uiällte. Sehüler-TJattateir O u/.uhr- piniBssßrBenifiarili, Schillcp-Th. C'linrl. tu Uhr: f anlme. Tiia«t»[-'ilieat«r 3 Uhr; Eine lustige Coppelehe. Uhr: Efjün imi ssiae Fraoeo. Theater am Nollendoriplatz 3'/, Uhr: Immer feste druij! 1 Uhr: NATIONAL.TH E AT E R Cöperdcker Str. 68, 5 Jlin..Tannotvitzbrücko. Heute S'Jj und 7ll, Uhr: Auf viciKciügcs Vcrlangea! StucksKtsuUsdsbs«. Oparette iu 3 Akt v. Haiton, Musik v. W. Bromras. Morgen und folg. Tage 7»/4 Uhr: Siudentanliebchon. Vorverkaut: ab 10 Uhr ununterhroohsn, auah Tiotz. Heute 1. Januar 2 gp. FsshorslellüDgEu, nachm. S'/sU.abds.T'ijU.' m. besonders gewähltojn| Sport-Programm. j Nehm. Kinder halbe Preise i WUt. 12 Jahren a. all.Süzpi. j h) beiden Vorsteüunir.; w fmv t■ Rieh, oawada. Hesiko 8SÄ u. d übrigen Spezialitäten Rose-Theater. 3 Ufc: Der Weiberfejub. TU Ehr: Kni-ltSS ZLfer. �sllisiia-Tkeltter. 3 Uhr: Zigeuner. -'/.uhr: Lsi'jjUMzgMzt. lieiciiZiisjjLii-siieätS!' Heutr naohm. 3 vdr u. abends 7-/. Uhr: In beiden Vorstellung. zum Schlu8:| Jeiu Weihnacliisipainn." 333�" Neehmittags ermädinfBlj PfT Logen 1 M.. Parkett 7S Pf jj| J£ Kgl. tlochschulc. Sonntag, 6. Januar, 7'/, Uhr: a "2 Druto-Hou-AaUUlirun;; des S je BerElneit* ss cape8!a-Ch0i*s � j(Dir-.: Frlta(St.sineck) Ju m Soll: A. Steineek, E. Engelke. H. Mersmann, J. Bilk, > Berliner Orcliestarvereinigung 1874/22.& 7 Händel: U'Allegro, l'/ÄiV I « Volkaliiiwl. Preise: 2— u. 1— M b. Bete& Bock, Werthelw.? U R ANI ä" 4 ÜJir fhalbe Preise): Das Oberensradtn uad dep Splüj;cn. 8 Uhr; Tier und Menseb In der Wildnis. III Kohta. jed. Jßrw. 711 |2 1 Kind frei, i ja Vollst, neues Programm dJastsptcJ Hartsiein „Sr oder ir." Ke!S Ingrid ?? Haina u. Sama?? „Das Hönor mit R. MteUU u. A Ktttior.IiiiioUo. Jicucnto Zwergvogel• Dressuren. u. Q. W. Vosgt-Theater. Qadstr 5K. Pacstr. 56. Haute imchmiitdS S Uhr: Die Anna- Life. Abends 7 Uhr: SieMeWümMl. Äb Miiiwuch; Ledige Mütter. MAZM, Heute 2 Vorstellungen TTj Nachmittags{711 j I Kind frei! g< j 'eri. Kind, halbe Preise. In beiden Vorstellungen: Das große Nfiujahrs-Prograniiii und«um Schluß MondfahrL Trlanon»Theater Qoorgenstp., ßhf. Friedrichstr. Tel.: Zentrum 4927 und 2391, 'l,H Uhr Der-/.S Uw Lebensschüler. Komödie von Ludwig Fulda, Ida Wüst, Erich Kaiser-Tjtz. v. Möllendora, Mart. Kettner. Stg. 3V, kl. Pr.: Hedda Gabler. J? Berliner Konzerüiaus Mauerptraßs 82- Zimmerstraße 00/91. Heate: Als Gastdirigenten Oslksil* F'S'llPatSj Komponlut. Edolph Becker, obÄHKÄ«.. Berliner Konierihaus-Orokaeldr, Lbifcer: Komp. Franz von Blon. Anfang 4L Ulur. U.T«urfiültcTiMain-. U.T SlollciiUoctula.:-, U.T ffriehrichfln," U.T Uutct Pen tiiiew m der eil tf Theater des Westens 3V« Uhr: Ein Walzertraum. 7V,Uhr:[ mit Guido Thlolsohef! iVVVMVO»? ojo ♦ sustipi-i mit EiPifia QSässesfBf Spietleitung: Danny Kaden U.T Weitiberüsweg, U.f Alexandecv�ok: VsZ«ZQMAf �sSSandör: „Das zweite Jch" U. IMorilp!., U.THasci, Heide. UTR�nickeitdorierltr Ndcheniozz reu 43,-« Ldr /- Sonnfno« venZSichr Por SB ros chen. Bin M&rcr.euapici Jurjondüche von 6-16 Jaliren haben zu diesan Vorsiellungea ZutrLtc. Ü.T MoritzplstO» U.T Schbnederg: In den VoräteUuncen von 8— 10 übr Dcp goäcene Tad. M.T HasenbLide: acnes nyMsn mchien ignsssmi M»1 WeintcltitDDcfcchr.f Primovera um Erna AAurens ferner Alles ters Kind t>k'i SuSiinrt mit fleiita TW Lea Peuksri. Herl V»- PealmUlior Hochimsressante aktuelle Film• Aufnahme I Amtlich mIMrischer Film. ttÄ rrsstsZ, LS. SLZl., m shsn Vor- sleKiuogen de? U.T£utfuc>fMii)oim»if U.T NoÜei.dorfpiav. 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Abt. z. 450 Sdinißiaßc 72. uch rn diesem Jahre werden Sie uns an alserersier SieZle fin> Ken, wenn es gilt, im Rahmen des Möglich- en, Erlaubten Ihrem Wunsch nach modemer, flotter und preiswerter Königstr. 33 Am Bahnhof Wsrasherplay Ehausseesir. lZ3 Seimatz ebensowenig zu wie dem Bier, jedoch aus ganz anderen Gründen. Beim Bier ist nichts ersetzt, sondern alles nur gestreckt, beim Kaffee ist eigentlich nickls ersetzt. Treffend sagte der Freiburger Pharmakologo Prof. Straub:»Nicht alle Qualitäten des Vorbildes Kaffee oder Tee sind vorhanden. Glänzend getroffen sind eigentlich nur die Farbe und die Temperatur; mit dem Geichmack und Geruch steht eS bedenklich, gar nicht vorhanden ist die Wirksamkeit*, und das ist iebr bedenklich. Es sehlt dem deutschen Tee und dem Kriegskaffce jegliches Koffein, die wirksame Substanz der Kaffeebohne, und des TssblatteS. Wenn auch die Wirkung des Koffein für die meisten Menschen eine unbewußte war, des- halb bestand sie doch und durfte vor allem in ihrer praktischen Bedeutung nicht unterschätzt werden. Die Phar« makelogie lehrt, daß das Koffein neben anderen zu Heil- zwecken brauchbaren Eigenschaften anregend auf das Gehirn wirkt, und zwar schon in seinen kleinsien harmlosen Mengen, erst die größeren Mengen haben die Heilwirkung. Die experimentelle Psychologie sagt, daß unter kleinen Gaben von Koffein die meß- bar» GeisteStäiigkeit, Assoziationen, Rechencrperimente u. a. mit besserem Erfolge verlaufen, geistige Ermüdung behoben wird. So kann man sagen, das Koffein unserer Morgen- getränkc hatte eine wichtige Funktion, es war der chemische Wecker und Schlafvertreiber, nach Tisch der Bekämpfer der VsrdauungSträgheit. Wem diese Beweisführung nicht ein- leuchtet, der halte sich an die Massenabsiimmung historischer Völker- erfahruug. Es gibt etwa acht Pflanzen auf der Erde, die Koffein enthalten, und alle sind die wichtigsten, oft einzigen Genußmittel ihrer glücklichen Finder geworden. So der Kaffee dem Araber, der Tee dem Chinesen, der Mate dem Südamerikaner, die Kolanuß dem aflikanischen Neger. Ter Welthandel hat sie von dort aus überallhin verbreitet. Durch die Untersuchungen Emil Fischers wissen wir nicht nur, was chemisch Koffein ist, sondern auch, wie man es künstlich machen kann. Wir sind also in der Surrogatvercdelung ganz von der ausländischen Pflanze und dem feindlichen Auslande abhängig und können uns dem sa doch nur eine Zeitlang suggestiv wirkendem Kaffes- und Tee-Eriatz das nach Wirkung und bitterem Geschmack vollwertige Genußmittel schaffen. Es ist wirklich unerfindlich, warum man eS nicht tut. Wir haben im Kriege gelernt, die LeistungS- fähigkeit seder Maschine voll auszunutzen, aber noch nichts ist geschehen, um der in der Kriegszeit doppelt schwer arbeitenden Maschine Gebiru wenigstens die Erleichterung zu ver- schaffen, die sie auch im Frieden hatte. Zweifellos hat die deutsche Technik dort, wo sie sich auf Wissenschaft stützen konnte, schon weit schwierigere Ausgaben in der Kriegszeit gelöst. Straub meint, das einfachste wäre, man durchsetzt die Ersatzmittel sogleich von Anfang an in der Fabrik mit dem künstlichen Koffein. Da aber Koffein nebenbei auch Medikament ist, so ist sein freier Verkehr beschränkt, es bedürfe wohl irgendwelcher bundesrötlicher Verordnung, und unsere Lerordnungsmaschine ist schon recht stärk überlastet. Hier irrt er; die Verordnungsmaschine brauchte gar nicht angestrengt zu werden, denn die hinderliche Verordnung erstreckt sich garmichr auf koffeinhaltige Zubereitungen, sondern nur auf dte reine Substanz Koffein. Wäre dem nicht so, dann hätte ja niemals eine Tasse richtigen Bohnenkaffees ohne ärztliche Verordnung verkauft werden dürfen. Gelingt aber die Veredlung des Ersatzkaffees, dann würde auch in Zukunft viel Geld im Inland bleiben,"das bisher für Kaffee ins Ausland gewandert ist. Das Meteor von Kmhessen. Am 3. April 1916 wurde in Kurhesien ein großes Meteor be- obochtet, das bei Hellem Tage mit auffälliger Lichterscheinung aus- tauchte und schließlich explodierte. Zahlreiche Beobachter hatten das Phänomen wahrgenommen; mit Hilfe der Tagespresse gelang es, von 102 Beobachtern ein umfangreiches Material über die Erscheinung zusammenzubringen, und auf Grund dieses Materials bat Professor Alfred Wegener kürzlich in den Schriften der Gesellschaft zur Be- fördcrung der gesamten Naturwissenschaften zu Marburg eine ganz ausgezeichnete Beschreibung des Phänomens veröffentlichen können. Als genaue Fallzeit ermittelte Wegener 3 Uhr 25 Min. nachmittags an obengenanntem Tage. Zu dieser Zeit, schreibt Wegener, wurde auf einem kreisförmigen Gebiet, dessen NadiuS etwa 135 Kilometer beträgt, ein hellleuchrendes Meteor gesehen, daS meist erst in etwa 80 bis 90 Kilometer Höhe entdeckt wurde, steil auf die Gegend von Treysa herabging, und in etwa 16 Kilometer Höhe erlosch. Das Licht war rötlich, die Färbung abnehmend. ES endete nicht mit einer Explosion, sondern wurde schwächer und erlosch schließlich; im Fallgebiet wurde von mehreren Punkten aus ein schwarzer Punkt gesehen, der an Stelle des bisherigen leuchtenden in schräger Bahn zur Erde weiter fiel. Die in etwa vier Sekunden zurückgelegte Bahn war in ihrer ganzen Länge als anfangs gradliniger weißer Rauchfaden sichtbar, der sich ausdehnte und dabei immer größer werdende Schraubenwindungen annahm, bis er nach etwa zehn Minuten Dauer durch allmähliches Erblasien verschwand. Auch der schwarze, nach dem Erlöschen sich:- bare Körper entwickelte weiter schwarzen Rauch, offenbar bis zu seinem Einschlag in die Erde. In einem Kreise von 50 bis 60 Kilometer Radius wurde ferner einige Minuten nach der Erscheinung ein donnerartiges Geräusch gehört, das im Fall- gebiet so stark war, daß Fensterscheiben und Kaffeelaffen klirrten und die Bevölkerung erschreckt wurde. Sie wurde hier überhaupt erst durch die Detonation auf die Erscheinung aufmerksam, da wie gewöhnlich hier die Lichterscheinung übersehen wurde. Dte Höhe deS Aufleuchtens des Meteors ergab sich zu 60 bis 90 Kilometer. Die Meteorbahn war von Nordwest nach Südost gerichtet. Das Meteor hat die Erde, deren kosmische Geichwindig- keit 29,3 Kilometer in der Sekunde beträgt, fast von hinten ein- geholt. UebrigenS ist der Meteorit nachträglich gefunden worden und wird, wie Artur Stentzel in der„Astronomischen Zeilschrift* mitteilr, demnächst durch Prof. Richarz beichriebeu werden. Das gesäte Salz. Die Volksüberlieserungen der Deutschen, Esten und Letten im baltischen Lande sind beionders reich an Sagen und Märchen. In den»Märchen und Sagen*, wie sie Aug. von Löwis of Menar ur der Sammlung»Die ballischen Provinzen*(Felix Lehmann, Verlag, Charlottenburg) herausgibt, steht dieses lettiiche Märchen: � Zur Ritter zeit ging den Litauern das Salz aus. Sie führten damals mit Livland und Kurland Krieg, deshalb dursten sie sich nicht in Riga zeigen, um neues Salz zu kaufen. Was nun? Sie rieten hin,'sie rieten her, zuletzt beschlossen sie, tünstig selbst Salz zu ziehen. Aber woher die Saat nehmen? Kommt Zeit, kommt Rat. Russische Fuhrleute, die von der Not der Litauer hörten, waren schnell mit vollen Säcken zur Hand. Nun versorgten sie sich und säten Solz. Im nächsten Frühjahr, als die Felder schon grünten, hielt eS die Säer nicht länger, sie wollten um jeden Prets eriahren, ob ihr Salz gut aufgegangen sei, und ob sie eine gute Ernte zu erwarten hälteu. Schließlich— was kann man da wissen?— beschloffen sie, der Schulze solle geben und das Salzseld prüfen. Gut, er ging. Aber um die jungen Pflanzen zu schonen, mochte er nicht zu Fuß durch die Saat gehen er befahl daher, daß zwei Vorsitzer und zwei Obmänner ihn auf einer Tragbahre über doS Feld tragen sollten. Gut, sie machten sich mrt dem Schulzen auf den Weg. Aber dann besannen sich alle vier: ihnen tue die Saat auch leid, sie wollten daher lieber ihre Stiefel ausziehen. Sie entledigten sich also ihrer Stiesel und setzten sich barfuß mit ihrer Last in Bewegung, denn die Litauer trugen keine Strümpfe. Aber je weiter sie gingen, um so mehr juckten und brannten ihnen die Füße und Schienbeine; das waren die Nesseln, die sie stachen, aber sie waren fest überzeugt davon, daß das die junge Salziaat sei. Auf die Dauer konnten sie es jedoch nicht ertragen, rieben und kratzten von Zeit zu Zeit ihre Beine und warfen zuletzt den Schulzen mitsamt der Bahre in die Nesseln, während sie selbst nach Hause rannten. Dort zeigten sie ihre geschwollenen Beine und riefen einmal iiberS andere;»Das Salz wird scharf, surchlbar scharf, schon jetzt brennt es gehörig.'_ Die größte Zeitung öer Welt. In der französischen Stadt Aix-la-Chapell» gibt es ein Zei- tungs museum, und in diesem Museum wird ein Exemplar jeder jemals erschienenen Zeitung aufbewahrt. Die größte Zeitung der Welt, die ebenfalls in dieser Sammlung vertreten ist, erschien nach einen: Bericht des„Mercure de France" im Jahre 1859 in New Dork. Sie bedeckt die Fläche eines großen Mllavds, ist 8)4 Fuß hoch, 6 Fuß breit und enthält 8 Seiten mit je 13 Spalten. Das Papier dieser sonderbaren Zeitung, die nur alle 160 Jahre er- scheinen soll, ist von einer Güte und Stärke, die den heutigen Zei- tungsverXegern die Kriegsnöte besonders empfindlich vor Augen führen mutz. Das Blatt wurde seinerzeit in 28 000 Exemplaren hergestellt, der Preis für jede Nummer betrug ungefähr 240 Mark. Der Inhalt der Zeitung, die übrigens mit Holzschnitten geschmückt ist, könnte einen Quariband von 400 Seiten füllen. Schließlich sei bemerkt, daß dieses Blatt sich von seinen Kollegen auch dadurch unterscheidet, daß man darin keine einzige Anzeige findet. Leider wird nicht mitgeteilt, wo die nächste Äurnnrer, die im Jahre 1959 erscheinen wird, bestellt werden kann. Doch kann man, ohne ein lächerlicher Pessimist zu sein, der Hoffnung Ausdruck geben, daß diese Nummer keine„Berichte vom Weltkriege" mehr cuthalten wird,_ Notizen. — Unser neuer Roman, mit dessen Abdruck wir heute beginnen, ist der Kriegsromau der Frauen.„Töchter der Hekuba* (Ton auf der ersten Stlbe!) heißt er mit vollem Recht. In der bildenden Kunst und Literatur ist die höckistcS Mitleid erweckende Gestalt der griechischen Sage immer wieder zum Symbol des Mullerscbmerzes erkoren worden. Die Hekuba, die im griechischen Heldenepos besungenen trojanischen Kriege ihre Kinder zun: Opfer geben mutz, ist viel tausendfach in diesem Kriege erstanden. Ihre Leiden find noch daS Schicksal von Millionen Frauen, d-e daheim einen nicht schwereren Kampf kämpfen wie die da draußen.»Da waren sie, ein ungezählter Chor klagender, trauernder, geschlagener Mütter. Sie rauften die Haare, sie schlugen die Brüste, ihr Wehgeheul stieg auf zum Himmel, gleich stark, gleich furchtbar wie zu Zeiten der Hekuba.* Nur eine Kennerin und Gcstalterin der Frau, wie Clara V i e b i g konnte eS wagen, unmittelbar aus den, Erlebnis heraus, uns ein großes Bild dieser Zeit, die ihresgleichen nicht hat, zu geben— nur gesehen mit den Augen der Mutter und Frau, ge- boren aus dem tiefen Verstehen und der mitfühlenden Güte für alle, die lieben und gebären, die opfern und hoffen... ij Töchter öer hekuba. Ein Roman auS unserer Zeit von Clara Viebig. Die Frau saß aufrecht im Bett. Sie horchte. ES war nichts zu hören. Wie war das früher anders gewesen l Da hatten die Söhne schon am Morgen das Haus mit Gepolter erfüllt, mit soviel frischem Leben. Jetzt war eS still. Sie waren fort. Daß Heinz ging, war selbstverständlich, er hätte ohnehin gerade dienen müssen. Und er hatte immer den Wunsch gehabt. Offizier zu werden— was denn auch sonst? Besondere Talente hatte er nicht, fürs Studium keine Nei- gung; aber Mut, Tatkraft, körperliche Gewandtheit hatte er, gute Haltung und ein hübsches Gesicht. Als er das erste Mal heim kam über den Sonntag aus Spandau— als Fahnenjunker bei der Artillerie—, war etwas wie Stolz in ihr Herz gekommen. Wenn alle so aussahen wie Heinz und sich so leicht in die Anstrengungen des Dienstes schickten, dann konnte Deutschland nicht fehlgehen. Unwillkürlich richtete sich die Frau höher auf; sie wendete den Kopf zum Nachttisch, auf dem neben ihrem Bett, in einem Rahmen vereint, die Bilder ihrer zwei Söhne standen. Ihr Mann hatte jeden von ihnen kurz vor dem Ausrücken noch photographieren lassen, die Mutter dann Weihnachten, am ersten WerhnachtSfest ohne die Kinder, damit überrascht. Es war gut v«n ihm gemeint gewesen, er ge- dachte sie zu erfreuen, aber sie hatte weinen müssen, so sehr weinen, daß er anfangs besorgt war. dann aber ärgerlich wurde; war eS denn nicht selbstverständlich, daß die Söhne draußen waren, gesunde, kräftige Menschen? Wenn alle Mütier ihre Söhne nun hätten zurückhalten wollen, tvas dann? Und die Jungen lebten ja noch, ganz wohl- behalten. Ja, Gott sci Dank, aber, aber— sie hatte selbst nicht mehr recht gewußt, was sie sagen wollte. Ach. baß ihr Jüngster auch gegangen war! Erst achtzehn; er hätte es noch nicht nötig gehabt. eAber der allgemeine Taumel hatte ihn mit- gerissen. Aus der Schule kam er, die Bücher schleuderte er von sich, daß die zerflederten Blätter uniherslogen— wieder hotte ihn heute ein Lehrer gefragt:„Wie, Bertholdi. Sie sind noch immer hier? Sie sind doch groß und stark.* Diese Schulmeister, o diese Schulmeister I Die Bitten, die Vor- Haltungen der Mutter:„Geh nicht! Du bist noch zu jung, du erträgst die Strapazen nicht,* waren ganz vergebens. Sie waren eben alle nicht bei Sinnen gewesen, die Söhne nicht, die Lehrer nicht, die Väter nicht— alle nicht. Nur die Mütter sahen, wie es wirklich war; die ahnten, wie es kommen würde. Gekommen war. Fröstelnd zog fich Hedwig Bertholdi die Decke höher an den Hals. Ihre Schultern beugten sich ganz nach vornüber, es legte sich ihr wie mit Eisengewicht ins Genick. Das war die Faust des Krieges. Falsche Propheten, die damals verheißen hatten: wenn der erste Schnee fällt, läuten die Glocken Frieden. Es war mehr daraus geworden, als nur ein kurzer Marsch durch Feindesland, als ein keckes Draufgehen, ein rascher Sieg. Der Schnee war gefallen und geschmolzen, Grün war crsprossen und erstorben— Frühling, Sommer, Herbst— Tag um Tag. Woche um Woche. Monat um Monat. Und wiederum war es Winter geworden, Frühling und Sommer. Nur die Natur hatte ihr Kleid verändert, unverändert stand noch der Krieg. Breit, groß, unerbittlich; jetzt schon fast mit grausamer Selbst- Verständlichkeit. Es roch nach Blut. Die Frau schauderte. Ihre feinen Nasenflügel bebten. Durch die geöffnete Balkontür kam von der Straße der Duft der Linden heraus. Sie roch ihn nicht. Die Knie hochziehend, stützte sie beide Ellenbogen auf und barg das Gesicht in den Händen. Ein Schmetterling wehte herein als flüchtiger Gast, eine Biene irrte ins Zimmer, beladen mit Blütenstaub, und um- summte sie. In der großen Linde, die breitgeästet im Vor- garten schattete, jagren sich zwitschernd ein paar Finken. Jenseits der Villenstraße in dem alten Park gurrten die Waldtauben. So einsam! Mit einem Aufseufzen ließ die Frau die Hände vom Gesicht und strich sich die Haare zurück, die ihr, zu Zöpfen geflochten, wie einem jungen Madchen herunterhingen. Der Kopf tat ihr weh, sie harte schlecht geschlafen und gar keine Lust, aufzustehen. Die Mädchen besorgten ja alles, es war jetzt auch wirklich unwesentlich, was ans den Tisch kam und ob eine Stunde früher aufgeräumt wurde oder später. Wann sie wohl wiederkamen?! Unruhig, wie suchend, wandte Frau Bertholdi den Kopf hin und her. O Gott, wie lange sollte sie denn noch warten? Nun wartete sie schon ein ganzes Jahr. Warten, immer warten. Täglich auf den Brinfboten warten: brachte er einen Brief von Heinz? Einen Brief von Rudolf? Einen Wisch, mit Bleistift ge- schrieben, verlöscht, kaum leserlich. Und doch immer und immer wieder gelesen, weggelegt, wieder hervorgeholt, jedes Wort herausbuchstabiert, überlegt, bedacht, daran herum- gedeutet wie Schriftgelehrte an Hieroglyphen. Dieses lang- same Entziffernmüsscn hatte etwas so PeinvolleS für das Herz, das dem Auge vorauseilt. Und wenn kein solcher Zettzel kam? Dann wurden die Minuten Stunden, die Stunden Tage, die Tage Wochen— nein, Jahre. Wie abwehrend streckte Hedwig Bertholdi beide Hände vor sich. Die weiten Aermcl des Nachthemdes fielen von ihren zarten Gelenken zurück. Mit einem sich selber bemitleidenden Lächeln sah die Frau auf ihre Arme: die waren sehr dünn geworden. Um Gottes willen, nur nicht noch einmal dieses schlimmste Warten wie letzthin! Da hatten sie alle beide nicht geschrieben, fast drei Wochen war von keinem eine Nachricht gekommen; nicht von Heinz aus den Argonnen. und nicht von Rudolf, der im Osten stand. Sie war darüber sckier vergangen, aß nicht, schlief nicht, die Kleider hingen ihr. Ler- gebcns hatte ihr Mann sie zu beruhigen versucht:„Es ist Sperre. Andere haben auch keine Nachricht.* Was gingen sie andere an? Ihr Mann sprach immer mit einer gewissen Bewunderung von der Nachbarin, der Witwe Krüger; aber das war eben eine Frau aus Bauerngeschlecht, so viel robuster.— Der Garten der Frau Krüger stieß von rückivärts an das Bertholdische Grundstück. Er war noch ganz ländlich, mit Kartoffeln und Gemüse bestellt, ein Ueberbleibsel aus der Dorfzeit des Vororts. Der Mann lebte schon lange nicht mehr. Frau Krügers einziger Sohn Gustav war im Krieg. Sein Regiment war mit bei Dixmuiden gewesen— lauter junge Soldaten, die noch nicht wissen, was Krieg ist. WaS eine Schlacht ist. Sie waren hineingelaufen wie Schafe, die ins Feuer rennen, ahnungslos, daß es sie verbrennt. Es waren ihrer viele geblieben. Frau Krüger hatte emsig die Verlustlisten studiert, ihres Sohnes Name hatte nicht darin gestanden. Darum war sie getrost. Dreiviertel Jahr waren schon verflossen seit Dixmuiden. Frau Bertholdi zog die Augenbrauen hoch: wie konnte man nur so ruhig sein? Wenn sie dächte, sie sollte so lange warten wie die Frau Krüger! Keine Nachricht erhalten, nur immer warten, warten, bis— Oorts. folgt) SU. Preus. Kiosenlotterte t Ziehung der 1. Kl.: 8. o. 9. Januar. Achtel-Lose 5 M.— Viertel-Lose 10 M. Halbe Lose 20 M.— Ganze Lose 40 M. 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ZeitungSausträgerin verlangt „Borwärts"-Spedtllon Schöne- berg, Meiningerftrafte 9.* Zeitnngsausträgerinnen köu- nen sich melden. �Vorwärts"- Ausgabestelle, Lausie-rplatzl4/15. r L ►SXZZZXXXS1 Zimmerleute and/ Urlauber für wichtige Kriegsarbeite» stellt ein SammerieZtl, «snllr» tzV». Schellingslratze 5, serner Reub anleitung Sommerfeld «i-o»»««. Werststrafte(A.-G. Weser), serner Sommerseldwerk liolinsn L/Pom. *mrrrTS**x**s'gssxxxxxxxXX Mehrere tüchtige 14962* jch amJ Schlosser Hilssschlofser Arbeitsburschen sofort berlangt. Adam Opel, Automobilwerke, Filiale Berlin, Evnrbiärestrafte 14. 1492L* AMe MW« mb zimekleme iMie s«wei!ln für auswärtige Baustelle sofort gesucht. Zu melden zwischen 8—1 und 3— 6 Uhr bei Windscbild& Langelott, Beton- u. Tiefbauantern., Berlin IV 57, Bülowftr. 79.' 14862* ----- II" aotori ccsucht. Meldungen nm II Uhr Tor mittags. Berlin W 50 Tauentzienstr. 21/24. II •• II MW Verkäuferinnen 1 i ! 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Nur Frauen, die solche Sirbetten schon gemacht haben, wollen sich zwischen 8 und 9 Uhr morgens melden. 1202 Alex. Herman i«; Berlin N20. Pankftr. 29- Kontoristin mtd«in« Fagerschreibtlin mit Bersandweten und Schreib- Maschine vertraut. t o s o r t. Schriftliche Bewerbungen an Birat.Hata,"Ä7i"" Sie Verstaat!ickRng öee rujsischen Sattten. Petersburg, 30. Drzrmber.({Beutet.) Die Moskauer Baske» siud ebenso wie die Petersburger Banken g t- schlössen worden. PeterLburg, 80. Dezember.(MewunH der Petersburger Tele- graphen.Agentur.) In der Schung der Vertreter der Privatbanken hat Piataeef erklärt, daß die Aktionäre der früheren Privatbanken sich der Staatsbairt airfchöfjcn. Aktiva und Passiva der Privatbanken werden von der Staatsbank übernommen; die Banken nebst ihrem Personal werden nicht aufgelöst, sondern der Staatsbank einverleibt werden. Die Jnteresien der kleinen Ein- leger werden gewahrt bleiben. In den nächsten Tagen werden die Bankherren die Teilnahme von Kontrollkommissarcn zum Zwecke der Kenntnisnahme der Bücher dulden müssen, welche von dem Sonderausschuß ermächtigt sind und die Auslieferung bestimmter Werte untersagen werden. Neue EKtentevorschüj?L Amerikas. Washinztsn, 20. Dezember.(Reuter.) Schatzsekretär MeAdoo ließ einen wetteren Vorschuß von 685 Millionen Dollar an Groß- britannien, von 165 Millionen an Frau kreich, 7Vs Millionen an Belgien und 1 Million au Serbien anweisen. Die Gesamtsumme der Vorschüsse beträgt bisher 4 236-166 GR) Dollar. De? Krieg auf den Meeren. Berlin, 30. Dezember. Durch die Tätigkeit uuserer U-Boote wurden im Sperrgebiet um England 1HH00 Sr.-R.-To. vernichtet. Drei Dampfer wurden i« Aermelkanal trotz stärkster feindlicher Gegenwirkung innerhalb vier Stunden von einem U-Boot versenkt, darunter der englische Dampfer Alice Marie<2210 Tvnncu) mit Kohlenladung»ou Remrastle nach Rochefort. Unter den übrigen vernichteten Schifft» befand sich der englische Segler Britanuic, auf der Fahrt von Granville nach Fowey, und ein großer englischer bewaffneter, tiefbeladener Dampfer. Der Ohes deS Admiralstabes der Marine. Berlin, 31. Dezember. Amtlich. Neue U-Boot-lkrfolge in der B i s c a? a, im E n g l i s ch r n K a» a l und in der Irischen See: Sr.-Reg.-To. Unter den versenkten Schiffen befand sich die französische, schwer bewaffnete Bark Chili(1318 To.) mit Salpeter für Frankreich sowie ei» englischer mit mehreren Geschützen mittlere» Kaliber« bewaffneter Dampfer, anscheinend ein Hilfskreuzer vom Aussehen und Größe deS C» r s i c a«, der unter Kessel- e x p l o s i o n sofort unterging, zwei tiefbcladcne größere Dampfer wurden aus gesicherten Gelritzüge« herausgeschossen. Der Chef des Admiralstabes der Marine. Meine Kriegsnachrichten. Roosevelt wider Wilson. Die Pariser Ausgabe von„Chicago Tribüne" meldet aus Washington vom 26. IS.: Roosevelt erklär:- :n einem Priese an das Kongreßmitglied Lundeen, daß Wilson die Präsidentschaft unter falschen Borspiegelun- g* n erlangt habe. Wilson sei unter der Devise„Er hat uizs vom Kriege serngeoalten" wiedergewählt worden; die Nation würde ihn nicht gewählt haben, wenn er auf Grund eine? Kriegsprogramms kandidiert hätte. Tie Niagarastrvmkraft kriegsverftaatlicht. Reuter meldet aus Wushington: Die Regierung hat für KriegSzw-cke den ganzen clek- trischen Strom requiriert, der an den Niagarafällen erzeugt wird. Gvremyki» ermordet? Petersburg. 36. Dezember. Wie ein« Abendzeitung meldet, sind der frühere Ninisterprässdent Goremykin, sein« Frau und sein Schwiegersohn in ihrem Land- hause im Kaukasus von Einbrechern ermordet worden.— Die Meldung wird von Reuter weitergegeben; sie bedarf also der Be- stätigung. ßn'eöenssicherung vor Hrenzficherung! Am 18. Dezember schrieben wir hier:„Sicher ist die große Mehrheit de» deutschen Volkes mit dem Grundsatz ein- verstanden, daß Frieden» sickerung vor Grenz- s i ch e r u n g geht. Die beste Friedenssicherung ist der Ver- zicht auf Veränderungen, die neue Konflikte hervorzurufenge- eignet sind." __ Nachdem schon die alldeutsche Presse gegen„dieses neue geiährliche Schlagwort" Sturm gelaufen, wendet sich die ..Vaterlandspartei" in einem Schreiben an die bürgerlichen Fraktionen des Reichstags noch einmal ausführlich dagegen, wobei sie ausführt: Wenn allerdings von anderer Seite Stimmen laut werden. welche die Frage äußerer militärischer Sicherung im Osten als nebensächlich gegenüber der Erlangung d«S Friedens bezeichnen oder die den erhofsten Friedensschluß im Osten benutzt wissen wollen zur Herbeiiührung eines allgemeinen Friedens, der uns auch im Westen weder Enlichädizungen noch Sicherungen bringt, fo müssen wir im Interesse von ganz Deutschland und im besonderen Interesse der Arbeiterschaft auf daS ernsteste hiervor warnen. Der Satz:, F r i e d e n S si ch e r u n g vor Grenz- s i ch e r u n g* erscheint uns für die allseitig erstrebte Frieden«- sichrrung Deutschlands verderblich; denn nur die Grenz- licherung ist für uns eine Friedenssicherung und zur Grenz- sicherung muß die Sicherung unserer wirtschaftlichen Behauptung und Erholung treten. Die Schiefheit dieser Beweisführung wird klar, wenn wir auf einen Staat exemplifizieren, zu dem wir nicht erst in gute Beziehungen kommen wollen, sondern zu. dem wir in solchen schon stehen: also Oesterreich-Ungarn. Würde heute jemand verlangen.>mr müßten(etwa als Kompensation für die angestrebte Erwerbung Polens) von Oesterreich Grenzsiche- rungen in Form der Abtretung der böhmischen RandgebirgS- kander fordern, so würde er zweifellos für verrückt erklärt werden. Denn durch eine solche Gebictsveränderuug würden wir zwar eine Grenzsicherung erhalten, aber sie mit einer enormen Friedensgeführdung eintauschen. Wir sichern unsere Grenze gegen Oesterreich wie gegen Rußland am besten, indem wir den Frieden mit diesen Staate» sichern. Und darum bleibt der Satz unbedingt richtig:„Friedens- sicherung geht vor Grenzsicher u n g!" Wer soll bestraft weröev! Selbstmisthandlmtg der„Deutschen Tageszeitung". Die..Deutsche. Tagcsztg." ist plötzlich von der selbstquäleristhen Sucht befallen worden, sich selbst in der allerschrccklichsten Weise zu mrßharchelu Und mit Schrmbsjosrten zu ßBWfjSafs*. DktsK schaurige Strafgericht vollzieht an ihr einer ihrer Mitarbeiter, ein Rechtsanwalt Dr. Bö ctg er. AtterduigL hat wohl Herr Böttger von der Tragweite feine» Tuns keine rechte Vorstellung gehabt. Herr Böttger glaubt nämlich in seinem blinden Wahn, sich gegen uns zu wenden, während er m Wirklichkeit munter die„Deutsche Tagesztg." ohrfeigt. Wir hatten verlangt, daß bei der gericht- licken Verfolgung der Höchstpreisüberschreitruegen nur die Erzen- ger. Händler und Schieber verurteilt würden, welche die höheren Preise erzioungcn hätten, nicht ab:r die Statuverioaltungen, die aus einem Notstand heraus die höheren Preise gezahlt haben. Herr Böttger nennt dies„die Justiz deS roten ZukunftSstaates", er meint, wir setzten dem„deutschen Michel eine rote Jakobinermütze aus und ließen ihn Recht sprechen, wie Herr Scheidemann und Genossen es für opportun halten". Wir wollten Anklag« nur noch gegen Gegner der Dkehrheitsparteien erhoben wissen und das seien stets die„Erzeuger der Produktionsmittel"(?). Voll sittlicher Empörung schreibt Rechtsanwalt Bötiger: „Der„Vorwärts" wünscht nicht um der Gerechtigkeit willen das Strafverfahren, sonsern zur Bekämpfung der Produzenten. Nach seiner Logik(richtiger ist das Gegen- teil) tragen die Schuld au dem Lebenmittelwucher der Städte die Erzeuger und dann erst„Händler, Mittel» männer und Schieber". Die Staatsgewalt soll also nach den Rechtsgrundsatzen des Z u k u n s t 3 st a a t e s in Den Kampf der wirtschaftlichen Vernichtung dos Produzenten st andes ein- treten. Ten Dieb aber soll mn» frei laufen lassen." Wir müssen Herrn Böttger zu unscrm ungeheuren Schmerz mitteilen, daß die„Rechtsgrundsätze de» ZukunftSstaates" in diesem Falle überein stimm«: mit— den RcchtSgrundsätzen der „Deutschen Tageszeitung"! Hätte Herr Rechtsanwalt Böttger die„Deutsche TageSztg." vom 23. Dezember gelesen, so hatte er dort folgende Sätze unter der Uoberschrift„Der Schutz der Kriegswucherer" lesen können: Wagen Ueberschreitung der Höchstpreise strafbar macht sich bekanntlich auch der Käufer. Der Bewucherte wird so zum Mitschuldigen des Wucherer». Er kann den Kriegswucherer nicht vor Gericht ziehen. Sonst wird aber der Geschädigte nicht auch noch bestraft. Beim gewöbnlichen Geldwucher wird nur der Wucherer wegen Ausbeutung der Notlage bestrast, nicht aber der Ausgebeutete, ebensowenig wie der Geschädigte bei irgendeinem anderen Vergehen oder Verbrechen. Will man den Kriegöwucher wirksam bekämpfen, so muh man die Strasbarkcit deS Käufers wegen Ucberschreitnng von Söchstpreifen aufheben. Also auch die„Deutsche Tagesztg." wünscht— nach dem Zeugnis ihre» Mitarbeiters Rechtsanwalt Böltger'—„nicht um der Gerechtigkeit willen daS Strafverfahren, sondern zur Bekämpfung der Produzenten". Auch die„Deutsche Tagcöztg." drückt, um an- dere Stellen des Böttgerschen Artikels zu zitieren, dem„rot« Vaterland", den„Kainssienipel dos sozialistischen Rechts" auf. Auch sie„schützt durch rote ZukunftLjustiz den Zusammenbruch des Wirtschaftslebens". Wir gratulieren zum Hereinfall.! die„Kreuz-Zeitung* und öss �Gesindel". Tie„Kreuz-Zeitung" und ihr Julius Werner haben am Sonntag die Massen des deutschen Volkes ein Gesindel genannt. In dem Gefühl, mit der Bekundung ihrer wirk- lichen Gesinnung doch etwas zu weit gegangen zu sein, ver- sucht die„Krcuz-Zeitung" sich jetzt herauszureden, mit dem Ausdruck„Gesindel" hätte nicht das deutsche Volk gc- troffen werden sollen. Wir gehen zur Klarstellung des Sachverhalts unser gestriges Zitat ausführlicher wieder. Julius Werner schreibt also: Die Beförderung der Demokratisierung unter Ausnutzung der durch den Krieg geschaffenen AuSnohmezuslände und der kaiserlichen Autorität verletzt nicht nur de» konservative« Echwertadel, dessen Ahnen iür die preußssche Monarchie die Schlachten geschlagen und dessen Blutopfer im Gegenwartskrieg unverhältnismäßig hoch sind. Vor allein ist es unseres Volkes gehobene Mittelschicht, die in ihrer geschichtlichen Bildung und politischen Einsicht sich durch das politische Kastratentum aus BelhmonnS Schule geradezu verletzt und verwundet fühlt. Wenn die politischen Machthaber nicht den Mut finden, gegenüber der dentschfeindlichen Wcltdemokratie die preußisch-deuische Monarchie zu festigen und die Reichsverfassung auf Bismarckscher Grundlage zu erhalten, dann dürfen sie fich nicht wundern, wenn sich manch ein loyaler Staatsbürger das Zarathustrawort aneignet:„Den Herrschenden wandt' ich den Rücken, als ich sah, was sie jetzt Herrschen nennen: Schachern und Markten um Macht— mit dem Gesindel." Werner unterscheidet somit nett und deutlich drei Schichten des deutschen Volkes: 1. den konservativen Schwert- adel, 2. die gehobene Mittelschicht und 3. das Gesindel. Die Aufrichtigkeit und die Liebenswürdigkeit der„Kreuz- Zeitung" sind also gleich groß, wenn sie sich jetzt dahin herauszureden versucht, sie habe mit dem Gesindel— man denke, wie gnädig!— nur die Sozialdemokratie gemeint. Sie schreibt jetzt: Werner verlangt mehr Mut gegenüber der deutschfeindlichen Weltdemokratie. Zu deren Vocsechter hat sich mm bei un« d t e Sozialdemokratie gemacht, nicht nur. indem sie sich ihr Ziel der Demokratisierung Deutschland« zu eigen gemacht hat, sondern auch, indem sie drohte, ihr weiteres Ziel der Nieder- werfung Deutschlands zu unterstitbc», wenn man ihr bei Er- reichung jenes ersten Zieles nichr behilflich sei. Dahin zielt der Wernersche Ausdruck. Es ist eine groß« Fälschung, wenn der „Vorwärts" tagt, er treffe das deutsche Volk. Dieses wird solche bewußten Selbstmordgedanke» weit abweisen. ES ist aber ein alte« Taichenspielerstück deS„Vorwärts", die sozialdemokratischen Fähnchenführer dem deutschen Volke gleichzusetzen. Wir nehmen dankend zur Kenntnis, daß der Ausdruck „Gesindel" nur auf die sozialdemokratische Parter gezielt haben soll. Es ist zwar gelogen, aber es macht sich sö auch ganz gut. Nicht minder gelogen ist es, daß die Sozial- demokratie jemals gedroht hat, die Gegner bei der versuchten Niederwerfung Deutschlands zu unterstützen. Wahr ist nur, daß die„Kreuz-Zeitung", das führende Blatt der konservativen Partei noch kmmcr jener Ehrlosigkeit der Gesinnung treu geblieben ist, die ihr schon einer, der sie außen und innen gründlich kannte, Bismarck, attestiert hat. Zur ßrage des IcaueuWahieechts in Preußen. Die Frage des Frauenwahlrechts in Preußen ist aktuell ge- worden, nicht durch die Wahlrechtsvorlage, sondern auch durch eine Reihe von Anträge» und Petitionen, die auf der Tagesordnung der ersten Sitzung des Abgeordnetenhauses nach den Weihnachtsfeiertagen stehen. Zunächst handelt eZ sich um den bereits vor Jahresfrist der Gemetndekoin Mission verwiesenen fortschrittlichen Antrag, der die Regierung ersucht, einen Gesetz. entwurs einzubringen, durch den die Bestimmungen der Städte- ordnung Preußens dahin geändert werden, daß Frauen zu Mit- 'MÄ-rn staSHschtt««»MmqtzkHMKnM M?«ffkunMör- stände» mit beschließender Stimme bestellt werden können. Selbst dieser belanglose Antrag gcht der Kommission zu weit. Sie hat ihn dahin abgeändert, daß Frauen nur zu solchen Deputationen und Vorständen bestellt werden können, die sich mit der sozialen Fürsorge und Wohlsahrlspflege befassen. . Zwei Mitglieder haben es sogar fertig g-Brachi. gegen de« Antrag zu stimmen. Zur Begründung führte da? eine Äovrmissi- onSmitglied aus. daß der Antrag einen Schritt zur Emanzipation der Frauen darstelle. ES ist zu erwarten, daß das Plenum dem Beschluß der.Kam- Mission beitritt und sich auch einen weiseren vom Zentrum ge- stell■ Antrag zu eigen macht, wonach Frauen auch zu Mit- gliroern von Schulkom Missionen bestellt werden kömien. Daß da» eine vollkommen ungenügende Lösung der Frage ist, bedarf keiner näheren Darlegung. Darüber hinaus aber wird sich das■ Haus auch mit direkten Anträgen auf Einführung des Wahlrechts der Frauen in Staat und Gemeinde zu beschäftigen haben. Die Kommission beantragt, sowohl eine Petition deS Vorstandes des deutschen Bundes gegen die Frauenemanzi- p a t i o n in 5diel. als auch eine Petition des deutschen Frauen st im mrechtSbundcS(Ortsgruppe Frankfurt am Main) um Einführung des Wahlrechts der Frauen in Staat und Gemeinde, der Regierung als Material zu überweisen. Di- eine Petition besagt natürlich genau daS Gegenteil der anderen, die Kommission hat sich also durch ihren Beschluß, beide Petitionen der Regierung als Material zu überweisen, um eine klare Stellungnahme gedrückt. Um so notwendiger wird es sein, daß das Plenum in unzweideutiger Weise zu er- kennen gibt, wie es sich zu der Frage des Frauenwahlrechtö stellt. Die endgültige Entscheidung über das Frauenstimmrecht wird wohl kaum in der erstm Sitzung deS Plenums noch Weihnachten, sondern erst in der W a h l r e ch t Z k o m m i s s i on fallen, wo von den Vertretern der Sozialdemokratie der Antrag auf Ver- leihung des aktiven und passiven Wahlrecht? o» alle Staatsbürger ohne Unterschied des Geschlechts zum Abgeordnetenhause eingebracht werden wird. Daß die Verleihung de? Wahlrechts zum Abgeordnetenhause auch das kommunale Wahl- recht zur Folge haben wird, muß einleuchten. Irgendwelche Hoff- nung auf Annähme des sozialdemokratischen Antrags wagen wir freilich nach dem Verlauf der ersten Lesung der Wahlrechtsvorlage im Plenum nicht zu hegen. Der Vollständigkeit wegen und um die reaktionären Tendenzen zu kennzeichnen, sei hinzugefügt, daß auf der Tagesordnung der nächsten Sitzung auch eine Petition des Deutschen Bundes gegen die Fraucnemanzipation steht, die den Schutz der Staats- und Gemeindebeamten gegen die Unterstellung von amt- lich bestellten weiblichen Vorgesetzten und den Schutz der Beamten und Privatangestellte» nach dem Kriege gegen den weiblichen Wettbelverb im EriverbSlcben betrifft. Die Kommission hat sich nicht dazu aufraffen können, über die Petition zur Tagesordnung überzugehen, sondern sie will sie nur teilweise durch Uebergang zur Tagesordnung erledigt wissen; im übrigen aber beantragt sie, sie der Regierung zur Erwägung zu überweisen._ Oer BundcsralLausschuß für auswärtige Angelegcnhcltc» tritt, wie die Münchener„Korrespondenz Hoffmann" meldet, am 2. Januar zusammen. HerrenbeuStagung. Da? Herrenhaus ist auf DtewStag, den 15. Januar 101?. zu einer Plenarsitzung zusammenörrafÄ: worden. ES sollen zunächst daS WohnungSgesetz und kleines Vorlagen er. kedigt werden. Netleidende LandmirtsÄatt? Von feiten der LandbüMek wird fortgesetzt behauptet, daß die Landwirtschaft während des Krieges mit Untenbilanz oder, ganz geringem Gewinn gearbeitet habe. Hier- mit vergleiche man folgende Tatsacken: Das Rittergut AnkcrShagen in Mecklenburg wurde vor einem Jahre von Rittergutsbesitzer Stoll' für 1750 000 Mark erworben. Jetzt verkaufte er es an Herrn Koppel für 2 350 000 Mark. Vor 25 Jahren waren für daS Gut 000 000 Mark gezahlt worden. Also eine Wertsteigerung von fiOOOOO Mark fit einem Jahre, die offenbar aus die nach Ansicht der Landbündler viel zu niedrigen Höchstpreise zurückzuführen ist. Letzte NackriSten. FriedekSfricr in Petersburg. Petersburg, 30. Dezember.«Meldung der Petersburger Tolegraphenagentur.) Heute fand in Petersburg eine Massen- kundgebung zu Ehren deS Erfolges der Frieden«- Verhandlungen statt. Tie Kundgebung begann um 10 Uhr vormittags und dauerte bis 5 Uhr nachmittag?. Es nahmen an ihr mehrere hunderttausend Arbeiter, Soldaten und Matrosen teil. Der Zug sehte sich von der Umgebung von Petersburg aus in Bewegung. Der Newskh-Prospekt bildete ein Meer von roten Fahne» und Schildern mit Auffchnsten. In den geordneten Reihe» marschierten Arbeiter au» jeder Fabrik mit der rote» Garde an der Spive. Alle Militärs mit Musik und ihren Waffe». Die Ukrainer, die sich in Petersburg befinden, nahmen auch an der Kundgebung teil. Die Aufschriften zeigte« in der größten Mehrzahl Vertraue» in die vollstLudlg« Aufrrchterhal- tung der Sowjet?, die dem Laude Frieden schenke. JuIbesonder« wurde ein allgemeiner demokratischer Friede ver- laugt, mit einem Aufruf an die europäischen Kölker, von ihren Regierungen die Teilnahme an den FriebcnShesprechnngcn zu er- langen. Unter anderem wurden besonders die Inschriften bemerkt, i« denen erklärt wurde, man würde nur eine solche Verfassung gebende Versammlung onerkenncn, die mit den Sowjets und den Bolkskounnissaren zusammengehen würde. Viele Auff'chriften sprachen sich gegen die Teilnahme der Führer und der Freunde der Bourgeoisie an der verfassunggebenden Versammlung au» und forderten Maßnahmen gegen dft Umtriebe und Sabotagcverfiwhe, die gegen dir Macht der«Sowjets gerichtet würden. Die Kundgebung glich an Großartigkeit der Kvndgebvng vom 1. Mai und beweist von neuem die Einigkeit der Arbeiter,«Kol- baten, Bauern und Matrosen. Die Rcvolutionäre zeigen dadurch ihre kraftvolle Entschlossenheft, dem allgemeinen Frieden und dem Sozialismus zum vollen Siege zu verhelfen. Da? aus die Straße gegangene Kolk richtet den letzten energischen Auf- ruf an die Demokratien Europas, damit sie sich der Arbeit für den allgemrinr» Frieden anschließe«. Dieser Appell muß gehört werden. Das Erdbeben vou Guatemala. Amsterdam, 31. Dezember. Reuter meldet ans Washington: Sonnabend hei ein neuerliches Erdbeben Guatemala fast ganz zerstört. Das Mnrinedepnriement berichtet, daß olles in Trümmern liegt. 125 000 Personen sind obdachlos. Flottenabteilungen erhielte« Befehl, Hilfe zu leiste». GewerWMbWWNs €rj!öc8t und gsfchwssen! Die deutsche Gewerkschustsoewegung hat in dieser von niemand vorausgesehenen langen Dauer deS Krieges das Höchste geleistet, was an organisatorischer Arbeit und tätiger Mithilfe für die unter den Kriegswirkungen Leidenden unter den schtvierigen Verhältnissen überhaupt möglich war. Als der Krieg begann, da bangte wohl so mancher um den Ve stand der prächtigen Organijationcn, die mit ungeheurem Fleiß, zäher Ausdauer und unermeßlichen Opfern in Jahr zehnten errichtet worden war. Und die Leiter der deutschen Gewerkschaftsbewegung selbst wußten eS, daß, wenn ein solches Gebäude vor dem Verfall gerettet werden sollte, alle Energie und organisatorisch-! Tatkraft angewendet werden mußte. Das geht klar und deutlich auS einem Artikel des „Coirespondenzblati" vom 15. August 1914 hervor. Darin heißt es zum Schluß: »Ter Völkcitrieq stellt die Arbeiterorganisationen vor Auf- gaben und Anipriirde, denen sie nur unter Anigebol aller ihnen verbleibenden Kräfte gewaäisen sind In diesen ernjten Zeiten muß es sich zeigen, ob die dcuriche Arbeiiersäiast treu zu ihren Gewerkschaften st e h l und bereit ist, jedes Ovier für ihre Erkaltung zu bringen. Wir zweifeln nicht daran, sondern sprechen die Erwartung ans, dah die Gewerkicha tsbewegung den Krieg Überdauern und sich nach demselben wieder rasch zur alten Höhe und Leishmgs fähig keil erheben wird. Deshalb darf auch keiner in den nächsten Wochen und Monaten erlahmen in der solidarischen Pflichiersülliing, sondern jeder möge muarbeiren. damit untere Orgainsaiionen die schwere Zeit möglichst glatt überwinde!'.." Diese in bitter ernster Zeit an die gewerkschaftlich organi- sterte Arbeiterschaft gerichtete Mahnung ist nicht umsonst ge° Wesen. Wie sehr auch der Krieg die Reihen der Organi- sationcn lichtete, wie oft er auch in dieser langen Dauer gerade die Besten herausholte und sie den Organisationen für immer entriß— die deutsche Gewerkschastsbewegung überwand die schwere Zeit so, daß wir heute mit Sicherheit sagen können: Sie steht, nach 4l Monaten Krieg, so fest da, daß sie in ihren Grundfesten nicht mehr erschüttert werden kann. Die in den letzten Wochen von einer Reihe Organisationen gemachten Mitteilungen über einen erneuten Mitgliederaufschwung stärken uns in dieser Ueberzeugung um so mehr, als die Zahl ihrer zum Kriegsdienst eingezogenen Mitglieder immer größer geworden ist. Wahrlich� wer in dieser Zeit noch die Kraft besitzt, für seine Sache erfolgreich zu werben, um dessen Ueberzeugung und Pflichttreue ist eS wohl bestellt. Und dafür, daß die Gewsrkschaftskämpfer daheim die Or- ganisationen so gut vor dem Verfall zu bewahren wußten, werden ihnen die Hunderttausende danken, sobald ihnen der langersehnte Friede die Heimkehr ermöglichen wird. Denn auch unter ihnen gibt es viele, die mit allen Fasern ihres Herzeus an der Organisation hängen, und aus den zahlreichen in der Geiverkschaftspresse veröffentlichten Feldpostbriefen klingt nur immer die einzige Bitte: Bewahret unsere Organisation! DaS ist ein Zeichen dafür, wie sehr sich durch alle Bitter- nisse und Leiden dieser entsetzlichen KriegSzeit das seit Jahr- zehnten geweckte Kulturbewußtsein der deutschen Arbeiterklasse erhalten hat. Und an der Schwelle des neuen FahreS, das uns— wenn nicht alle Zeichen trügen— den Frieden bringen wird, dürfen wir uns noch über eins freuen: die deutsche Gewerkschafts- bewegung ist verschont geblieben von jener bedauerlichen Spaltung von der die politische Organisation heimgesucht wurde. Da, wo sich Spaltungstendenzen bemerkbar machten, hat die erforderliche Einsicht von der Notwendigkeit, in Zu- kuuft einig und geschlossen dazustehen, immer wieder die Arbeiterklasse von verhängnisvollen Schritten abgehalten. Schnell brach sich die Ueberzeugung Bahn, daß die Haltung und Politik der Gewerkschaftsbewegung in diesem Krieg als nichts anderes als die notwendige Konseguenz ihres jahrzehnte- langen Wirkens im Kampf für die Teilnahme der Arbeiter- klassc an den Errungenschaften der Kultur betrachtet werden kann. Und wenn den im Felde stehenden Mitgliedern der langersehnte Friede erst wieder die Möglichkeit ge- währleistet, teilzunehmen an diesem stolzen Bau der deutschen Arbeiterklasse, lvenn sie gar Ruhe und Muße finden sollten, noch einmal rückwirkend zu über- schauen, was die deutsche Gewerkschaftsbewegung während dieser größten MenschheiiStragödie auf allen Gebieten geleistet hat, dann werden ne im Sinne Rückerts„Weisheit der Brah- manen" sprechen können: „Den emen ebr' iS, der nach Idealen ringt; Den andern acht' ich auch, dem Wirkliches gelingt. Den aber lieb ich, der nicht dies noch jenes wählt, Der böchstes Ideal der Wnklichkeit vermählt." Bertragserhöhnng im Bergarbeltrr-Vcrband. Der Vorstand de? Vergarbeiierverbondes beabsichtigte, vom 1 Februar ab einen Extra- beitray von Ist Pi. pro Woche und Mitaiied m erheben. Die Dezirkskonferenzen haben tnchl nur dem Ertrabeilraq zugestimmt, sondern seine Erhebung schon vom t. Januar an beschlossen. Auch soll die Beitragszahlung ob l. Januar in einer um l0 Pf. höheren Beitragsstaffel statifinden. Dicie Stärkuna der Finan�kraft des Verbandes ist die beste Antwort auf die schon jetzt während des BurgiriedenS ständig wiederholten Drohungen der Unternehmer mit dem schleunigen„Abbau" der Löhne. 25 Jahre Organisation der Maschinisten und Heizer. In die Reihe derjenigen GewerkschaflSverbänds, die auf ein Vierteljahrhrmderl organisatorischer und agitatorischer Werbearbeit zurückblicken können, ist mit dem 1. Januar nun auch der Verband der Heizer und Maschinisten eingetreten. Mit der starken Entwicklung der Industrie hat sich dieser Be- ruf eigentlich erst als be'ondere handwerksmäßig erlernte Berufs- grupve entwickelt, während vordem Monteure oder besonders quali- fi zierte Handwerker die Kesielanlagen bedienten. Als durch Geictz vom Jahre 1872 der Bctriebsunlernehmer oder dessen Stellvertreter sowie die zur Kesielwartung bestellten Arbeiter für den Dampfkessel- betrieb die Verantwortung übernehmen mußten und die Dampf- kesiel der staatlichen Revision unterstellt wurden, war die berufs- mäßige Erlernung als Maschinist und Heizer besonders er- forderlich. Tie Erkenntnis, nur auf dem Wege deS Zusammenschlusses eine Besierung der Lohn- und Arbeitsbedingungen erreichen zu können, ließ auch unter den Maschinisten und Heizern den OrganüatioiiS- pedanken bald aufkommen. Im November 1892 tagten in Berlin die Delegierten der verschiedenen Lokalvereine, um einen Verband zu gründen. Mir dem 1. Januar 1893 trat diese zentrale Organi- sation ins Leben. Die Entwicklung de? Verbandes ging mit schnellen Schritten vorwärts. Bei der Gründung 1299 Mitglieder, zählte er vor dem Kriege 26 267 Mitglieder. Der Krieg dezimierte auch die Reiben reiner Mukämpfer. Doch ist mit dem Jabre 1916 der Tiefstand in der Werbetätigkeit der Organisation über'chriiten, während dte Finanzlage eine stetig bessere wurde. Der Verband hat durch ein gut ausgebautes Unterstützungswescn für den Schutz seiner Mit- glieder bei wirtschastlichen Notfällen gesorgt, wre er denn auch in besonderen durch zahlreich geiührle Lohnbewegungen eine beacbtens- werte Berbesterung der Lohn- und Arbeilbedingungen für sie erwirkt hat. Nicht minder erfolgreich Ware» seine Bemühungen für einen besseren gesetzlichen Arbeiterschutz, der in diesem Beruf eine beson- dere Wichtigkeit hat, aber auch viel zu wünschen übrig ließ. Dazu am. daß in den meisten Betrieben bei einem bescheiden bemesienen Wochenlobn die Arbeitszeit eine fast uiibeschränkle war, auv an -onn« und Feiertagen war der Heizer und Maickinist infolge seiner Vertraueüsstellung" meist zur Arbeit verpflichtet. Die Organisation hat in der Zeit ihres 2öjZ5rigen Bestehens auf oll diesen Gebieten manche Kulturarbeit geleistet. Nicht ge- ringen Anteil an dieser mühevollen gewerkschaftlichen Arbeit bat der Genosse Kirschnick, der zuerst als unbesoldeter Vorfitzender, später als besoldeter Vorsitzender und Redakteur, und jetzt nur als Redakteur des Verbandsorgans und der. fachtechnischen Zeitschrift dem Verbände 25 Jahre in Treue dient. Tarifkündignng— Beitragserhöhnng im Zentralverband der Glaser �Zahlstelle Berlin). Am 81. Dezember 1917 ist dem Obermeister der Berliner Gloser-Jnnung lZwangsinnung) von der hiesigen Ortsverwaltung nachstehendes Schreiben zugegangen: Mitteilung! Berlin, den 30. Dez. 1917. Unter heutigem Dalum wurde dem Verband der Glasereien und verw. Gewerbe von Berlin und den Vororten folgendes Schreiben übermittelt: Laut Beschluß der Mitgliederversammlung vom 19. Nov. 1917 gilt der— zwischen dem Verband der Glasereien und verw. Ge- werbe von Berlin und den Vororten einerseits und oem Zentral- verband der Glaser Deutschlands andererseits— am 28. August 1911 abgeschlossene Tarn hierdurch als gekünd'gt. Etwaigen Verhandlungen zwecks Abschluß eines neuen veränderten, den Zeitverhältnissen entsprechenden Tarifvertrages erteilte die Versammlung tbre Zustimmung. Hochachtungsvoll H. Kitsche, Siellv Bevollmächtigter. Dieses Schreiben war notwendig da die llnternehmerorganisalion. der»Verband der Glaiereien" nicht sämtliche Arbeitgeber des Glaser- gewerbes von Groß-Berlin erfaßt. Infolge dieier Maßnabwen beschloß die am 29. Dezember im Gewerkschaftshauie tagende Mligliederver'ammlung den Lokalbeitrag von 65 a II s 89 P f. iestzusetzen. Es beträgt demnach von, 1. Januar 1918 ab der Geiämibeilrag pro Woche 1,5V Mark. Vom 1. Januar d. I. tritt auch die am 1. Okiober v. I. mit den Unternehmern vereinbarte Erhöhung der Teuerungs- zulage von 57 auf 62 B f. pro' Stunde tn Kraft. Demnach beträgt der Gesamtstuudenlohn 1,49 M. rest». für Nickst» Vollarbeiter 1,30 M. Versuche einer Arbeitszeitverkürzung oder sonstiger Ver- »chlechierungen im Arbeitsverhällnis find sofort der Orrs- Verwaltung zu melden. ?nöuftne und ßanöel. Die Besierung des MarkknrscS. Ost genug mußten wir im Verlauf deS Jahres 1917 ein kvrt- dauerndes Sinken des Markluries auf den wenigen neutralen Plätzen beklagen, ein Sinken, das euch durch den Erlaß eines all- gemeinen Einfuhrverbotes, durch eine scharfe Kontrolle des Zahlungsverkehrs mit dem Auslände, durch Ausnahme kleinerer ausländi'cher Anleihen und durch eine möglichst große Aussuhr Salb- wegS entbehrlicher Waren nur gehemmt, nicht gehindert werden konnte. Erst die russische Revolution bat gründlichen Wandel geschaffen. Das Mißirauen in die polirische Zukunft Deutschland? ist sehr gemindert, die U-berzeu-iling. daß eS durch den Lauf der Dinge in eine wirlschasilich recht günstige Lage kommt, be- festigt sich und wird ollgemeiner. Folgende kleine Tabelle gibt Auf- sckluß über die Bewegung der Preise der ausländischen Zahlung?- mitte! ES wurden gezahlt für: Friedens- 28. 1 12. 12. 1, 11. 8. 12 81. 13. wer» 1916 1918 1917 1917 1917 für 199 Holl. Gulden 168,99 236 99 23375 398,75 286 75 229,75 „ 199 dän. Kronen 112.59 148,62 16400 230,00 21800 161,50 , 199 schweb. Kr.. 112.59 149.75 171.75 256,75 246,75 171,75 » 199 Schweiz. Fr. 81,09 194.59 116.87 155,75 152.59 117,50 Diese erfreuliche Bewegung des MarkkurseS nach oben darf allerdings nicht überschätzt werden, so ungemein erfreulich sie auch ist. Sie erklärt sich zum Teil daraus, daß aui den wenigen sehr kleinen neutralen Märkten jetzt das Angebot an Mark gegenüber der Nachfrage ebenso zurückbleibt, wie es vor wenigen Wochen um- gelebrt der Fall war. So notwendig es sein wird, den internationalen Zahlung?- verkehr sür den deutschen Kaufmann und Industriellen möglichst oller Fesieln zu befreien, io übereilt wäre eS. vorzeitig die gellen- den Bestimmungen aufiubeben oder allzu sehr zu lockern. Durch eine Erweiterung des freien Verkehrs mit ausländischen Zahlungsmitteln würden nur Schwankungen in dem Kurse erzielt, die durch die Beeinträchtigung der Kalkulation fast noch schädlicher sind als ein relativer Tieistand. Mit wie erstaunlicher Naivität Industrielle und Kaufleute an die Behandlung des Valutaproblems hei angeben, und mit welcher Ungeni-rlheit sie e? in den Dienst ihre? GewinnstrebenS stellen möchten, davon zeugt nichts mehr als die Frage deS Vereins zur Wahrung der gemeinsamen wirtjchastlicheir Interessen in Rheinland und Westfalen an das Reichsbankdirektorium, ob von jetzt an nicht Auslandsverkäufe in Markwährung statt in ausländischer Währung geiätigr werden sollen. Veranlaßt ist die Anfrage offenbar dadurch,, daß die Exvorieure durch daS Sinken des Preise» der ausländischen Zahlungsmittel nicht mehr to viel Marl angeschrieben erhalten wie fniher. Die Reich'bank hat auf die Frage verneinend geantwortet, weil die Ausfuhr noch imnier einen guten Wäbrungsnutzen lasie und die Reichsbank nach wie vor auSländiiche Zahlungsmittel beschaffen müsse. Die ReichSbank be- zeugt also, daß die Exporteure einen sehr erheblichen Ge- w i n n dadurch machte», daß sie die an sich höheren Auslandspreis« nach Fnedenswäbrung in ausländische Währung umrechneten, die so erlangten ausländischen Zahlungsmittel der Reichsbank zur Ver- sügmig stellten und dafür natürlich enorme Summen in deutscher Währung erhielten. Es wäre sehr wünschenswert, wenn sich im Reichstag jemand mit einer Anstage an die Regierung wendete, warum diese Beträge nicht für die Reichskasse mit Beschlag belegt wurden und warum man sie an Privatexporleme ver« schenkt bat. tserantivorUiS für Politil: Erich KutNier. tJerlrn; Mr de» llbriam Teil des BlotteS: Mfrcd Scholl, NeutSlln- für Inserate. Th. Oilotfe, Perlin. Druck u. T erlag: Vorwärts Suchdruckerei v. Leriagsairitalt Paul iZwaer& Es. Berlin Li?. Hierzu 1 Beilage und Unterlialtungssratt. n— 1 1 innwim Zur Förderung des bargeldlosen Z& h iung s-V e r kehr a bitten wir um Benutzung der Gut schritt en• A.ht eilung tn unserem Hause Leipziger Straße. Auskunft in der Gu'sefn tften- Ab eilung im Ztvisdiens'cxk. Damen- Kteidun? Winterspaletots Wintsr-MattteMsider mit pelzbesah Astrachan- o. 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