Ar.Ä. 35. Jahrg. Bezugspreis: LierleNLHN. iSO S5f, mono«, 1,502«. frei tnä Haus. öorsu»jot)Ibar.emjcInc Nummern 10 Pw. Poslbezuz: Monat- Iich y£0 SKt Unlei Kreuzband ffit Scuifcblorb und Oeilerrerch- Ungarn S,-- SPct, für 5oS übrige ZluSl-md 4,50 m. monatlich Scrtand ins Feld bei direkter Bestellung monutl. Ibv Mk. Boslbcstcllungcn nehmen an Däne- mar!, Holland. Luxemburg, Schweden und die Schweiz. Emgeiragen in die Bosi-Zeitungs-Preisliste. Erscheint täglich. VorWrl Telegramm- Adresse! .TozialSeinokra» Berlin". Verlinev Volksblstt. � 10 Pfennig) Der Anzeigenpreis beträgt f. die stebengcstiallrncKoloncl- «eile A> Pkg.„Kleine Stnzeigea", das settgsorucktc Wort 20 Psg.(tw lässig 2 fettgedrutkte Worte), icdeS weitere Wort 10 Bfg. Skellengetuche und Sch'asslellenanzeigen das erste Wort 10 Psg., jedes wettere DortSPjg. Worts über 15 Buchstaben zählen irr zwei Worte. TeueruiigSzuschlag M«/» Familie«- Anzeige» 3» Pig.. politische u. gewertsu.aflliche BcreiuS- Anzeigen t0'Lsg die Zeile. Anzeigen sür die nächiic Swnuncr vlüssen riS 3 Uhr nachNlitt. im Haudtgeschäft. Berlin SS. OS. Lindcnsttagc 8, abgegeben werden. Geöffnet van 8 Uhr stütz bis 7 Uhr abends. Zentralorgan der fozialdcmokratt fcbcn parte! Deutfcblands. Reöaktion: SW. 65» LinöenNratze Z. Fernsprecher: Amt Morttzpla«. Str. ISl SV— 151 97. Mittwoch, den 2. Januar 1918. Expedition: EW. SS» Lindenstraße 2. Fernsprecher: Amt MortpplaN- Nr. 151 90— 151 97. Englische Arbeiterpartei und Sol�hewik- Regierung. Vertagung des Friedensschlusses?-- Ein neues Stockholm? Stockholm.!. Januar.(Eig. Drahtbericht de?„ZorwartS".) Die englische Arbeiterpartei ließ dem hiesigen bolschewistische« Au?» landSvertrrter. WorowSki. ein für die russische Regierung be.- ftimmtes Protesttclegramm gegen de« Abschloß eine? Sonder, friedens zugehr«. Der llebermittler diese? Proteste? fragte zugleich an. ob die russische Rcgirruuz bereit wäre, de» Frieden?- schlußsolangezuvertagen.bi? eine internationale Sozio- listenkonferenz stattgesunden hätte. Worowski antwortete, die russische Regierung würde tatsächlich bis zur Entscheidung der internationalen Sozialistenlonserenz warten, fall? die Ententeregierungen zugleich mit der Pah- bewilligung die Gewißheit gäben, daß sie no« der Sozialisten- konferenz kein» Zerstörung der Frirden?orbeit erwarteten, sondern zu einem allgemeine» Friede» gemäß den russischen Por, schlagen bereit seien. Die vorstehende Mitteilung, die auf WorowSki selbst zurück- geht, wird etwaigen Mißuerstäuduissen vorbeugen. Die russische Rexierung tritt entschieden für den allgemeinen Friede« em, de» sie lieber der Hand der sozialistischen Internationale anver» brauen würd, glS jener der Regierungen, sie würde aber ans kein: internationale Sozialistenkonfcrenz eingehen, die zu einem Mittel der Kriegsvcrlängerung mißbraucht würde, und sie hofft, daß die Arbeiterschaft in allen Ländern auf ihre Regierungen eine» entschiedenen Druck im Sinne deö russische« Borschlag? au?übe« werde. vie Sozialisten bei Clemeneean. Keine Rcifepäffe nach Petersburg! Pari?, 31. Dezember.(Hava?mcldu«g.) Ministerpräsident Elemente au hat im Beisei» des Minister? des Auswärtig» P i ch o n eine Abordnung der Bereinigten Sozia- l i st e n der Kammer, bestehend aus Albert Thomas, Hubert Rouge r, Renaudel, Eachin und Jean L o n g u e t eoipfan- gen, die um Reisepässe für Petersburg baten» wo sie denAbschlußeineSSouderfriedenSzuverhindern oder wenigstens zu bewirken suchen wollten, daß er so unschäd- lich wie möglich ausfiele. Clemenccau erwiderte ihnen, bei aller Anerkennung ihrer BaterlandSliebe könne er unter de« verwirrten Verhältnisse» in Petersburg keinen Erfolg vow ihrem Schritte erhoffe«: vielmehr würde die Bewilligung von Pässe» zu diesem Zwecke ihrer Sendung eine« solche» Anstrich geben, daß unerwünschte Wirkungen auf die öffeutliche Meinung im Lande und an der Front eintrrten würden. Biel- fach würde man sagen, daß Frankreich an Borbe. sprechunge« über Friedenspräliminarien teil. nehme. Tics sei aber mangels ernst zu nehmender Borfchlägr her feindlichen Mächte ganz und gar nicht die Absicht. El«- mcnceau hob schließlich hervor, daß er die Entscheidung, die ge- wünscht werde, nicht treffen könne, solange er keine Ber- ständigunz darüber mit den Alliierten erzielt habe, und daß er keinen Grund zu der Annahme habe, daß deren Ansichten sich seit der Stockholmer Konferenz geändert hätten. Paris, l. Januar. Die Kammer erörterte ain 31. Dezember die Borlage über die vorlaufigen HaushaltSzwölftel, die vom Senat zurückverwiesen worden ist. Renaudel verlas im Namen ber sozia. listischen Gruppe eine Erklärung, die besagt: Tie Gruppe wird die Kredite für die Landesverteidigung annehmen, macht aber Bor. behalte hinsichtlich des diplomatischen Vorgehens, das den Notwendigkeiten der gegenwärtigen schwierigen Stunden nicht gerecht wird. Ter Minister der Auswärtigen Angelegenheiten Hai schon oft die Ziele gswissa Teile dieses Vorgehens auseinandergesetzt, ab'r das Schweigen aller alliierten Regierungen über die allgemeomen Hauptgrundsätze scheint uns nach und nack einen Zu st and moralischer Unterlegen- h e i t zu schassen, der unsere Sache schädigt. Zu der SB e i g e. r u n g E l e m e n c e a u s, der sozialistischen Abordnung Pässe für Petersburg, zu erteilen, sagt die Erklärung, baß die So- zialisten die russischen Revolutionäre anfforder« sollten, keinen Sonderfrieden z» schließen und nur auf einen allgemeinen Friede» auf der Grundlage beS Rechtes der Völker und zur Schaffung der notwcdigen Garantien und Sicherheiten hinzuarbeiten. Die Gruppe erklärt daß sie Gewicht darauf lege, ihrer Verantwortlich. kmt en Wunder' zu sein, bis zum nächsten Zeitpunkt, in dem sie von der Regierung die unerläßliche Festlegung ihrer diplomatischen Kriegführung v-rlangen verde. P i ch o n erklärt«, er habe seinen jüngsten Erklärungen, die die Zustimmung der großen Mehrheit der Kammer gesunden hätten, nichts hinzuzufügen. Er wolle nicht auf den tieferen Grund der don der soziaiistischen Weitere Erfolge bei Mareoing.— Zu uehmende Artillerietätigkeit um Berdun.— Heftige Feuerkämpfe im Tombagebiet. Große? Hauptquartier, den 1. Januar 1!)18. Westlicher Kriegsschauplatz. Heeresgruppe Kronprinz Rupprecht. Am Houthoulster Walde und bei PaSschendaele war das Artillerieseuer vorübergehend gesteigert. Ein starker eng- Ascher Erkundungbvorswß südöstlich von Monchy scheiterte. Südlich von �Mareoing wurde in kleineren Kämpfen der Gelandogewi»« vom 30. 12. erweitert. Die Gefangenenzahl hat sich um einige Offiziere und 70 Mann erhöht. Heeresgruppe» Deutscher Kronpfinz und Herzog Albrecht. Nördlich von ProSneS und beiderseits von OvueS, sowie nördlich und östlich von St. Mihicl war die Artillerietätigkeit zeitweilig lebhaft. Oestlicher Kriegsschauplatz Nicht? Neues. Mazedonische Front. Keine besondmn Ereignisse. Italienische Front. I« Tomhagebiot dauerten tagsüber heftige Feuer- kämpfe an. Der Erste Generalqvarticnneister. Ludendorff. ' Abendbericht. Amtlich. B e r l i n, 1. 1. 1S18 abends. Bon den Kriegsschauplätzen nichts Neues. Der österreichische Bericht. Wien, 1. Januar. Amtlich wird verlautbart: Oeftlicher Kriegsschauplatz. Waffenstillstand. Italienischer Kriegsschauplatz. Ans der Hochfläche von Asiag» und im Gebiet des Monte Tomba herrschte tagsüber heftige Feuertätigkeit. Der Ehef dcS GeneralswbcS. Gruppe aufgeworfenen Frage eingehen. Die Regierung handle in Vollem Einvernehmen mit den Alliierten. Bei der Wieder- cröffnung de? Parlaments werde die Regierung der Kammer zur Beantwortung der Interpellation zur Verfügung stehen. Der Waffenstillftanü zur See. Lerlin, 1. Kanuar. Nach russischen Nachrichten ssind der .Konteradmiral Z e l e m i j und drei Seeoffiziere zur Waffen- stillstandskommission für die Ostsee, Kapitän 1. Ranges Klykow und zwei Seeoffiziere zur Wafsenftillstandskommission für das Schwarze Meer kommandiert. Diese Kommis- fionen finden entsprechende deutsche Kommis- fionen unter Führung des Konteradmirals Freihcrrn v. D a l w i a k für die Ostsee und des Vizeadmirals Hopman für das Schwarze Meer vor. Neben diesen Kommissionen ist eine Sonderkommisston, an deren Spitze Konteradmiral Freiherr v. Kelsserlingk steht, nach St. Petersburg entsandt worden, um die Regelung der im Waffenstillstandsvertrage offen gebliebenen Fragen des Eismeeres, derMurmankü st o und einiger weiterer Einzelheiten vorzunehmen. Diese Kommission hat ihre Arbeit in St. Petersburg bereits aufgenommen. Ituliemstbe Stimmen zu Sreft-Litowsk. Bern, 31. Dezember. Erst am LS. Dezember hat, wie „Eorrsere della Sera' bemerkt, die italienische Zensur die Ber- öffenilichung eines Auszuges der„Agenzia Stefani" über die Ber- Handlungen in Brest-Litowsk, der die wesentlichsten Punkte der gegenseitigen FriedenSvorschläg« zusammenfaßt, sowie Le- sprechungen durch die Presse erlaubt. Die Haltung der Be- sprechungen ist im allgemeinen schroff ablehnend und deutlich nach der Rede Pichon? und der französischen und englischen Presse ab- gestimmt. Em Vorschlag sür Srest-Litowsk. Von Paul Söhre. Noch ist Pause in den Vcrhmrdlungen von Brest-Litowsk. Was bisher erreicht wurde, ist aller Anerkennung wert. Aber es bleibt gefährdet durch dos Wichtigere, was nach der Pause noch der Erledigung harrt und heute noch hart umstritten ist. Zwar hat der offiziöse Bericht erklärt, daß auch darin die Meinungen hüben und drüben sich einander genähert hätten. Ab■ wer mit nüchternem Auge zusieht, vermag diesen OptimiZmu? nicht zu teilen. Noch zeigt sich kein Ausweg zur Einigung. Der„Vorwärts" hat schon vor einigen Tagen das ernste Problem, um das cS sich handelt, mit knappsten Worten scharf umrissen: „Die Russen, deda'.igen Räumung der Beiatzten Gebiete durch die Truppen der MiÄÄmächte, Dahl eigener Behörde» aus Grund eines dLmokratischen Wahlrechts und unter deren Leitung eine BolkLnBsninntung über die künstige staatliche Selbständigkeit oder Zugehörigkeit dieser bislang russischen Länder. Die Mittelmächte dagegen stellen sich auf den Standpunkt, dag bezüglich Polen?, Litauens, Kurlands, Teilen von Livland und Estland bereits reUtSkräftige Beschlüsse des VoWwillrns vorlägen, die aus die Loslösung von Rußland abzielten. Sie verlange» arm Rußland Anerkennung dieser Abschlüsse vorbehaXtlich eines späteren LoÜs volrunS, aus breiler Grundlage, da- zwar nicht in Wwefeuhcit der Besatzungslruppcn, aber frei von jedem militärischen Druck gefällt werden soll." Nun soll eine S P e z i a l k o m m i s s i o n der Unter- Händler eine Einigung vorbereiten. Ob es ihr gelingen wird, das ist jetzt die Frage und die Sorge. Vielleicht trägt der nach- folgende Lorschlog dazu bei, einen richtigen Weg zu finden. � Oberster Gesichtspunkt muß auch iu dieser Situation bleiben, daß wir mit Rußland zu einem dauern. den. durch keinerlei Unklarheiten, Unchr- lichkeitcn und Mißvcrständ nisse gefährde- t e n, freundschaftlichen Verhältnis kommen. Wir müssen für alle Zukunft heraus aus der Umklammerung, in die uns Englands Politik vor dem Kriege gebracht hat. Das aber ist nur möglich, wenn wir den bisherigen Feind Rußland unS dauernd zuip Freund machen, wozu dieser ja auch herzlich gern bereit zu sein scheint. Erst dann haben wir den Rücken frei und können uns mit aller Kraft nach Westen wen- den, um die Entente zur Vernunft und Friedcnswilligkeit zu bringen. Erst dann ist die Zukunft Mitteleuropas gesichert. Erst dann kann Deutschland seine durch die weltwirtschaftjiche Entwicklung ihm aufgezwungene geschichtliche Aufgabe lösen, Kontinenlaleuropa vom Druck Englands endgültig zu befreien. Infolgedessen muß unter allen Umständen Deutsch- land und Oesterreich-Ungarn heute Rußland gegenüber die- selbe Politik einschlagen, die Bismarck 1886 dem besiegten Oesterreich gegenüber trieb und deren absolute Richtigkeit die Geschichte seitdem erwiesen hat. Es darf auch nicht ein Schatten eines Mißtrauens das neue Verhältnis der Mittelmächte zu dem neuen Rußland trüben. Diesem obersten Ziele ist auch das Schicksal von Polen, Litauen und Kurland, so wichtig es an sich lein mag, unter zuordnen. Es darf kein Streit darübeer zwischen uns und Rußlanö möglich sein. Das Rezept dagegen, absolut wirk- sam. ist der Vorschlag, den Rußland ihretwegen gemacht hat und den wir in dem„Vorwärts"-Zitat ins Gedächtnis zu- rückriefen. Jene Provinzen sollen in einer allgemeinen und n n b e e i n f l u ß t e n A b st i m m u n g ihre politische Zu- kunst selbst entscheiden. Wollen sie zu Rußland zu- rückkehren— wirsollcneS, um jcnesan deren, höherenpolitischen Zieleswillen, ohneMiß. behagen geschehen lassen. Wollen sie ganz selbständig werden lwas uns freilich ausgeschlossen erscheinen will)— auch gut. Werden sie ihre Anlehnung an die Mittelmächte suchen— um so besser: wir werden uns dann ihnen als ehrliche Freunde und Verbandsgenosscn zu erweisen, haben. Wer ob so oder so, unbedingte Voraussetzung ist. daß sie sich in aller Freiheit nicht nur, sondern in aller Gemeinsamkeit, in der Ein- hcit aller ibrer Landesbewohner, entscheiden tonnen. Es wäre Selbsttäuschung und Verkennung der politischen Jmpondc- rabilien, zu meinen, daß eine solche Entscheidung bereits ge- fallen sei. Die Wahrhaftigkeit gebietet zuzugestehen, daß 0 i e Russen recht haben, wenn sie sogen, daß die Erilärun- gen, die aus Kurland, Litauen und Polen, bisher vorliegen, nicht das geringste mit einer derartigen Volksabstimmimg zu tun haben. Sie sind vielmehr, wie in Kirrland, nur Aeuße- rungen einer dünnen, bisher herrschenden Oberschicht, aber, wie in Litauen, Beschlüsse einer Körperschaft, die mehr oder weniger zufällig aus den Vertretern von allerlei recht bunten litauischen Organisationen sich gebildet hat. Sollte die von den Russen vorgeschlagene Lösung— erst Räumung der besetzten Gebiete, dann Abstimmung— auf un- üSetfimtMidje Bedenken stoßen, so müssen andere Vorkehrungen getroffen toerden, die es ermöglichen, daß die Kurländer, Litauer und Polen in aller Freiheit ihre Entschlüsse fassen. Ein solches Arrangement scheint uns nun folgendes zu sein. Deutschland bleibt zunächst noch in jenen Provinzen. DierussischeRegierungaberentsendetDele. gierte in die hauptsächlicheren deutschen Vertvaltungsbe- v| Korden, innerhalb deren sie bestimmte, genau abzugrenzend« Aufgaben zugewiesen erhalten könnten. Diese so durch russi- sche Delegierte verstärkten deutschen Behörden bauen nun ent- weder raschest den einheimischen Verwaltungsapparat aus, der dann seinerseits die allgeincine Abstimmung vorninunt. oder sie selber, Hand in Hand mit eingesessenen Vertrauensleuten, leiten eine solche in die Wege. Der letztere Weg wäre der kürzere, und brauchte demnach nicht zu irgendwelcher künst- lichen Stimmungsmaclie unter der Bevölkerung führen. Noch eine andere Möglichkeit wäre die, daß unter unpartei- i scher Leitung der durch russische Delegierte und eingesessene Vertrauensleute verstärk- ten deutschen Behörden- allgemeine Wahlen stattfinden, und daß dos aus diesen hervorgegangene P a r l a. men t dann die Entsäseidung über die politische Zugehörigkeit dieser Länder träfe. Was von alledem oder neben den gemach- ten EinzelvorWäg«! noch sonst etwa das Nichtigste und.Prak- tischst« wäre, das zu entscheiden ist unS nicht die Hauptsache, daS überlassen wir den Praktikern cm Ort und Stelle. Uns kam es darauf an, in der vorübergehenden Hereinnahme russi- scher Delegierter in die bisher rein deutschen Verioaltnngs- körperschaften der besetzten Provinzen einen Weg zu zeigen, der vielleicht, so oder so noch modifiziert, geeignet ist. aus den augenblicklich noch fast unüberbrückbar scheinenden Schwierig. keiten herauszuführen. « Nachschrift der Redak tion. Wir veröffentlichen den vorstehenden Nufsatz des Genossen Söhre als Beitrag zur Diskussion einer Frage, die alle G«nüter in der Partei lebhaft bewegt und mit der sich jedenfalls auch die RcichStagsfraktion in ihrer Sitzung vom 3. Januar befasse» wird. Heber den Grundgedanken, daß wir zu einem dauernden Frieden mit Rußland gelangen müssen und daß diesem Ziel gegenüber alle» andere als neben- sächlich erscheint, ferner daß die Bevölkerung der besetzten Gebiete die vollste Freiheit ihrer Entschlüsse gewahrt bleiben mutz, gibt eä in der Partei sicher kein« Meinungsverschiedenheit. Das Problem erscheint in neuem Licht, wann man in Erwägung zietht, daß bei dem bevorstehenden Vplks» Votum keineswegs zugleich schon über künftige „Anlehnungen" entschieden werden muß. Zunächst lxmdelt eS sich doch um die Prinzipien frage, ob jene Völker bei Ruß» land bleiben oder sich von ihm loslösen wollen. Erfolgt die LoS- löfung, so gewinnen sie damit die Freiheit, nach beide,» Seiten hin Verträge zu schließen, wobei zu beachten ist, daß Verträge zwei- seitige Geschäfte sind, ihr Zustandekommen also von der Zustim. mung beider Teile abhängt. Die Sache liegt doch nicht so, daß wir einfach jeden Vertrag zu schließen haben, den ein staatSrecht» licheS Neugebild« mit uns abzuschließen beabsichtigt, sondern es steht bei uns zu prüfen, od das angestrebte engere BertragSver- hältniS den wdhlv erstandenen deutschen Indessen entspricht. Da- bei hat selbstverständlich der Reichstag mitzusprechen. Es würde sich dabei nicht nur um daS Verhältnis der neuzuschaffenden Gebilde zu Deutschland, sondern auch um ihr gegen- seitigeS Verhältnis zueinander(Litauen— Kurland— Polen!) sowie um daS Verhältnis eines Teils von ihnen(Polen?) zu Oesterreich-Ungarn, schließlich auch um unser eigenes zukünf- tigeS Verhältnis zu Oesterreich-Nngarn handeln. Im Hintergrund von alledem steht die ungeheuer wichtige Frage unseres dauernden VesthältuisseS zu Rußland. Ueber diesen ganzen Fragenkomplex herrscht keineswegs volle Klarheit und Usbereinstitranung. Wir dürfen daran erinnern, daß die sog.„a u st r o p o l a i s ch e Lösung' in der deutschen Presse von rechts bis links einmütig abgelehnt und daß sie nicht weniger scharf als vom„Vorwärts' auch Königliches Schavspielhans. Der tote Gast. Lustspiel van Rudolf Rieth. Eine unterhaltsame Silvestergabe war dieses Stückchen «ine» jungen Schauspielers nicht. Auf dem Theaterzettel tührte eZ den verheißungsvollen Nebentitel:„Eine ergötzliche Komödie aus der alten guten Zeit', doch ließ die Handlung leider beides, die Ergötzlichkeit wie das großväterliche StimnnmgSkolorit gleichmäßig vermissen, so viel Sorgfalt die Regie auch auf Echtheit der Kostüm« und de? Interieurs gewandt hatte. Was der Verfasser in Anknüpfung an eine Zfchoklefche Erzählung bietet, rangiert in jenes weite Possenreich, das„nie und nimmer sich begeben" und so natürlich auch durch zeitliche Zurückdatierung keinen Schein von MenschenmöglichNeü gewinnen kann. Die Silvesterfreuden eines kleinen Städtchens werden durch die grufelnde Erinnerung an eine ausgerechnet zwei Jahrhunderte alte lokale Spukgeschichte getrübt, nach welcher damals ein rätsel- voller Fremder, der tote Gast, drei Jungfern, die er betörte, da? Genick umgedreht haben soll. WaS liegt da näher, als daß der aufgeweckte junge Liebhaber der Liebsten eigensinnigen Papa, der «inen reichen Jüngling auö der Hauptstadt dem Töchterchen ver- schrieben hat und dessen ÄntrittSvisite beim Silvesterschmaus er- wartet, einzureden sucht, der Herr, der da erscheinen werde, sei ein« Neuauflage de» nach Wiederholung seiner Bluttat lechzenden Gespenstes. Er schilderte die umheimlichen Begebenheiten von Anno dazumal vor der zum Fest versammelten Gesellschaft mit dem Erfolg, daß die Herrschaften, als der Heiratskandidat blaß und schwarz gekleidet eintritt, vor Schrecken«niSeinanderstieben. In diesem Stile, der durch dilettantische Gewaltsamkeiten. Konto- dienkomik zu ertrotzen hofft, geht eö programmgemäß dann weiter. Alle Väter zittern für das Leben ihrer Töchter, der Jungfrauen- verein schickt an den Unhold eine Deputation, die ihn, zur Wieder- Herstellung der Ruhe, um schleunige tzlbreife bitten soll. Selbst der Bürgermeister wird mobil gemacht. Bis endlich der Gefürchtete nach einer Beichte d«s Rivalen und einer freundschaftlichen Kneiperei mit ihm das Feld räumt. Die Herren de Vogt, Ehrl«, Sachs, Ledebur, LienSfeldt wie die Damen S u s f i n and Heislc r setzten ihre Kräfte für die undankbaren Rollen ein. dt. 3n* neue Jahr mit Seethavens»Neunter�! Konzert der Freien Volksbühnen. Zu keiner Zeit als der gegenwärtigen konnte Beethovens „Neunte' in tiefere Beziehung, in sprechendere symbolische Be- deutung treten. Ihre Aufführung gerade am gestrigen Neujahrs- tage mutzte als mächtiger Friedensruf empfunden werden, zumal voa einer vorwiegend aus Arbeitern zusammengesetzten und auch mäist zugleich dem Verband de? Freien Volksbühnen ongehörigen Hörerschaft. von der„Kreuzztg." kritisiert wurde, die am 8. November d. I. schrieb, wenn diese Lösung zustande komme, werde man in L o n- don flaggen. Wir dürfen weiter daran erinnern, daß diese Lösung im österreichischen Reichsrat auf entschiedenen Widerspruch stieß und daß sie vor nicht allzu langer Zeit auch von maß- gebender deutscher Seite als höchst bedenklich bezeichnet wurde, worüber vielleicht im Hauptausschuß noch mehr zu sagen sein wird. Die Oeffentlichteit hat also jedenfalls ein Recht, Aufklärung darüber zu verlangen, ob auf diese„austro- polnische Lösung' zugesteuert wird, wenn nicht, imviefern sich die angestrebte Lösung von jener unterscheidet. Aus keinen Fall steht di« Sache so, daß die Diplomaten der Mittelmächte nur noch der Zustimmung Rußlands bedürfen, um ihre nicht ganz klaren Pläne zur Durchführung zu bringen. Sie bedürfen dazu auch der Unter- stützung der öffentlichen Meinung im eigenen Lande und der Zu- stinunung der Volksvertretungen, die sich nicht vor vollendete Tat- fachen stellen lassen wollen,— worauf ihnen gar nichts anderes übrig bliebe, als Ja und Amen zu sagen. Die vom sozialdemokratischen Fraktionvorstand gestellte For- derung nach raschester Einberufung de? Reichstags bedarf danach keiner weiteren Begründung. Wansing nimmt keine Notiz. Amsterdam, 1. Januar. Der.Times' wird aus Washington gemeldet: Staatssekretär Lanstng teilte, wie bereits kurz berichtet, auf einer Konferenz von Journalisten mit. daß er keinen Kommentar zu den Erklärungen CzcrninS in Brest-LitowSk zu geben brauche. Offiziell werde wahrscheinlich keine Notiz von diesen Erklärungen genommen werden. Amerika habe alle Heb che zu voll für die Festsetzung der KriegSmaßregcln, um sich für diese weitschweifigen Friedensvorschläge zu inter- esfieren. Amerika beabsichtige, keine Friedensunter- Handlungen anzuknüpfen, ehe Deutschland B e r g ü t i- gungen zusichere und Bürgschaft gegen eine Wieder- holung des Krieges gebe. England anderer Meinung. London, 1. Januar.(Reuter.) Der ParlamentSberichterstatter des„Daily Chronicle' meldet: In Regierungs kreisen wird an- erkannt, daß die Vorschläge vo.. Drest-Litowsk eine schwerwiegende neue Tatsache darstellen, von der amtlich Kenntnis genommen werden müsse. Selbst mit den Einschränkungen de? Grafen Czernin sei die Annahme der russischen Formeln ein Anzeichen einer neuen Lage. Großbritannien, Frankreich, die Per» einigten Staaten und Italien tauschten bereit» ihre An. sichten aus. (Die Meldung entspricht der schon gestern von uns wieder- gegebenen und besprochenen Mitteilung des.Manchester Guardian'. Red. d..Vorwärts'.) London, 81. Dezember.(Reuter.) Auf Anfrage im Hause des Premierministers erfährt Reuter, daß dort nichts bekannt ist von der vom„Manchester Guardian' gemeldeten angeblichen Ab- ficht Lloyd Georges, nach Frankreich zu reisen, um sich mit Clemenceau über die ö st erreichisch-deut scheu Friedensbedingungen zu besprechen. Die Weihnachts-Konfeeenz öe? ftanzöfifthen Gewerkschaften. II<. Am 22. und 23. Dezember 1317 tagte in Clermont-Ferrand die Jahreskonferenz der französischen Gewerkschaften. ES er- schienen 143 Delegiert«, die 69 Arbeitsbörsen, 47 Gewerkschaften und 33 Verbände vertraten. Als brüderliche Delegierte waren an- wesend:-ÖS. Appleton(Allgemeiner Verband der britischen Ge- toerkschaften), Bolkaert(Belgische Gewerkschaften) und ein ser- bischer Arbeitervertreter. I o u h a u x eröffnete die Konferenz und brachte eine Tagesordnung zur Verlesung, deren Inhalt von der „Bataille' nicht wiedergegeben wird. Nach einer längeren Ge- schäftsordnnngSdebatte sprachen mehrere Delegierte über die Not- Dieser außerordentlichen Bedeutung war sich Siegmund von Haufegger bewußt, indem er der von ihm geleiteten Aufführung ein beziehungsreicheS Flugblatt voraufsandte. Wie das vorletzte Mal— noch in Frieden Szeiten waren das verstärkte Philharmonische Orchester und der Berliner Volkschor auch jetzt di« beiden künstlerischen Träger der Ver» anstaltung. Ihnen gesellten sich für die Soloparts die Damen Elisabeth Sch u m a n n(Sopran) und Ottilie Metzger- L a t t e r m a n n(Alt) und die Herren Rudolf Laubenthal (Tenor) und Wolfgong Rosenthal(Baß). Die Wirkung muß als eine ganz gewaltig« bezeichnet werden. Immer wieder brachen spontane Beifallsstürme am Schlüsse hervor. Schiller-BeethovenS Jubelruf:«Seid umschlungen Millionen! Dieser Kuh der ganzen Welt!' widerhallte in jeder Brust— es war eine würdige Huldi- güng vor dem Genius Beethovens, des großen Republikaners. Nicht immer war das so. Jahrzehntelang wurde das Wert mißverstanden. Nicht bloß deshalb, weil der Chorgesang viel zu wenig entwickelt war, um die ihm hier im Schlußchor der „Neunten' gestellte große' künstlerische Aufgabe auch nur halb- Wegs befriedigend zu vollbringen. ES kam daher nur das eigent« liche Jnstrumentalwerk ohne die Freüdenkantate zur Auffühznng. Aber selbst die wenigsten Orchcster-Dirigenten hatten eine mehr als oberflächliche Ausfassung von dem Geist und der Melodie dieser Beethovenschen Musik. Erst den Deutungen und praktischen Hinweisen Richard WagnerS ist der Umschwung zum Besseren, ja zur durchaus vollendeten Wiedergabe— wie gestern geschehen ist— zuzuschreiben. Mittlerweile konnte daö Werk aber auch beim Publikum tieferes Verstehen ffnden, weil dieses immerhin den Banden kleinbürgerlicher Begriffs- und Gefühlswelt von ehedem entwachsen war; und vollends vermochte Beethoven vom jozia. listischen Arbeitervolk verstanden werden. Eine Bemerkung jedoch scheint am Platze. Warum singt man nicht den VerS„Deine Zauber binden wieder, was di« Mode streng geteilt' in der ursprünglichen Beethovenschen Fassung? Da heißt es— in der Partitur der Schottschen Original-, nicht der späteren Härtelschen Gesamtausgabe—„frech' geteilt! Dieser Ausdruck— und nicht jener konventionelle, obendrein unsachliche. entspräche nach der vorhergehenden unerhörten Steigerung der dithyrambischen„Begeisterung'— mit Wagners Wort— dem zürnenv-dramatischen Ausdruck, den eben Beethoven gewählt. tk. Tabakerfatz Im Ielöe. In dieser Zeit, wo eS nur noch Ersatzstoffe gibt, wo man er- staun, ist, wenn eine Ware auf den Markt kommt, die nicht au« Ersatzstoffen besteht, finden wir es ganz natürlich, daß auch für den Tabak jetzt endlich Ersatzstoffe gesunden find, die mit obrigkeitlicher Genehmigung in den Handel kommen und dem Tabak beigemengt werden dürfen— was früher nur heimlich geschah— und den Ge- nutz des Rauchers befriedigen müssen, wenn dann von Genuß über- Haupt noch gesprochen werden darf. wendigkeit der Ernberufung eines allgemeinen Kon- g v e s s e S. Die Konferenz nahm eine Entschließung an, die den Vorstand beauftragt, ein« Urabstimmung darüber vornehmen zu lassen, ob ein solcher Kongreß einberufen werden sollte. Inzwischen war auch der schweizerische Delegierte R h s e r erschienen. Er überbrachte die Grüße des schweizerischen Proletariats und führte sodann aus:„Ich gebe dem Wunsche Ausdruck, daß die Uebertragung-des Internationalen gewer!- schaftlichen Bureaus von Berlin nach der Schweiz bald geschehen möchte. Der Schweizerische Gewerkschaftsbund, der vor dem Kriege 83 033 Mitglieder zählte, Hot jetzt 123333; es sind hauptsächlich die Eisenbahner, denen diese Zunahme zu verdanken ist. Zum Schluß möchte ich noch das Bedauern darüber aussprechen, daß es den Franzosen und Italienern nicht möglich war, eine Vertretung zur Berner Konferenz vom t Oktober 1017 zu schicken.' Jouhaux verlas sodann daS Begrüßungsschreiben, das die hol- ländischen Organisationen an die französischen Gewerkschaften ge- richtet hatten. Die Internationale und der Friede«. Jouhanx berichte!« über die wiederholte Verweigerung der Reisepässe und erklärte, daß die Franzosen nur au» diesem Grunde nach Stockholm und nach Bern nicht reisen konnten; er halte eine internationale Arbeiterkonferenz für im- bedingt notwendig; das französische Proletariat sei entschlossen, der Arbeiterwelt diejenigen Friedensbedingungen vorzulegen. die Frankreich retten und der Menschheit eine befricdi-. gende Entwicklung zusichern könnten. C l a v a r i e erklärte, daß er zu denjenigen gehöre, die Deutsch- land als ein Mitglied des Bundes der Nationen scheu möchten, aber das deutsche Volk müsse die nötigen Garantien geben, die dessen gegenwärtige Regierung nicht gewähren könne. Rou- gerie verteidigt sich gegen den Vorwurf deS Pazifismus! Die wirklichen Flaumacher sind nicht die Friedensfreunde, sondern d i e rücksichtslosen Kriegshetzer, die unser Land der Ge» fahr der Erschöpfung und der endgültigen Niederlage aussetzend Schließlich verlangt er, daß die srcmzö- fische Regierung ihre FriebcnSbcdingungen veröffentliche, falls diese gerecht seien und Deutschland sie verwerfe, dann würde das fran- zöfische Proletariat mit Verzweiflung den Krieg fort- setzen.— Rahoux sagte, er sei Pazivist und lehne die Haltung der Mehrheit ab; er wünsche einen Frieden auf Grund des Zimmer- ioalder Programms.— Merrheim verlas vorerst einen Brief des Verwaltungsausschusses der Metall- a r b e i t e r, der die Haltung der Führer bei französischen Gewerkschaftsbundes seit Kriegsausbruch als nicht vereinbar mit den früher anerkannten Grundsätzen erklärt; die Metallarbeiter tadeln' die Zusammenarbeit des Gewerkschafts- bundes mit der Regierung und sie sind unzufrieden mit der ffitei» lungnahme der Führer gegenüber den Bolsche- w i k i. Merrheim führte dann auS:„Tue Mißstimmung, die gegen- wärtig in Frankreich herrscht, ist meines ErachtenS die Folge der Abdankung des Gewerkschaftsbundes. Die alliierten Regie- runge» müßten jetzt an den Uuterhandliungeu i» Brest-Liww« teilnehmen. ES ist bedauerlich, daß Genosse Jouhaux sich in seinem Bericht mit dieser Frage gar nicht beschäftigt hat. Ich bleibe bei meinen Auffassungen, daß alle Regierungen gleich- mäßigam Kriege schuld seien und daß die Völker g I e ich- mähig für den Krieg nicht verantwortlich gemach: werden können. Die einzig richtige Stellungnahme für uns ist, sich mit den Minderheitlern zu verständigen. Unsere FriedenZkonsernz kann nur ein wternationa'er Kongreß sein, auf dem die Vertreter der'Arbeiter aller Länder anwesend sind.' TilmanS, der belgische Delegierte, fragte, wie Merrheim über die Schadloshaltung Belgiens und Serbiens denke. Merrheim antwortete:„Man darf die Last der Wieder- gutmachung der KriegSschSden nichteinemeinzigenVolke ausbürden, sie muß von allen kriegführenden Ländern getragen werden, auch die Deutschen haben in Ostpreußen Schäden er- Schon lange, ehe wir in der Heimat an Ersatzstoffe des TabalS dachten, mußte der Feldloldat zu ihnen greifen. Treten außer- p-wöhnliSe Fälle ein, daß z. 03. die Gaben der Lieben ouS der Heimat nicht herankommen, da die Bagage die Truppe nicht er- reicht oder letztere längere Zeit nicht in Ortschaften gelangr. in denen da» Fehlende ergänzt werden kann, so ist die Zeit für alle diejenigen, die das Rauchen nicht entbehren können und wollen. schwer. Mannigfache Stoffe müffxn dann dazu dienen, de» Tabak zu ersetzen. Vor allem sind e» die Rispen der trockenen Gräser oder die rötlichen Frucbtstönde de» trockenen SouerampherS, die geraucht werden, also ein Tabatersotz. den bei uns zu Lande nur die Dorf- jungen verwenden. Rosenhlätter. Weichsellaub, Lavendelblüten usw. werden ja auch unter gewöhntichen Bei Hältnissen geraucht, jedoch nur als Zusatz zum Tabak, um dessen Wohlgeschmack und Wohlgeruch zu erhöhen. Vollständig neu und in diesem Kriege wohl zum ersten Male ist eS. daß— Tee geraucht wird, schwarzer Tee, den wir sonst nur zu trinken Pflegen, und der besonders in Rußland in genügender Menge zur Beriügung steht. Er ist von ziemlich strengem Geschmack; deShatb kamen findige Köpfe aus den Gedanken, jenen Tee, von den, bereits ein Abguß genommen wurde, zu trocknen vnd dann zu rauchen. Wirklich hat dieser.Tabak' einen milden Geschmack und wird daher von vielen Rauchern als Ersatz für richtigen Tabak ver- wendet. Hier zeigt ffch so recht klar, welche Mittel und Wege der Mensch ersinnt, um einem ihm liebgewordenen„Laster' frönen zu sönnen. obwohl eine starke Natur dazu gehört, diese Ersatzstoffe de« Tobaks zu vertragen. �_ cb. Notizen. — Deutsch-französische Verbrüderung 70/71 D er Krieg hat Annäherungen und Verbrüderungen zwischen den Soldaten miteinander im Felde liegender Gegner mehrfach mit sich gebracht, im größten Maßstabe diese« Jahr im Osten zu Beginn der russischen Revolution. So unerlaubt und unzweckmäßig sie mit»- täriich oft sind, so entspringen sie doch dem gemeinsamen Leiden der Soldaten unter dem Kriegs. Gemeinsam sind ihnen No, und Tod, schwere Aibeit. Entfernung von der Heimat und menschen- würdiger Lebensweise, da« Hausen in Erdlöchern. Ratten und Läuse.— Auch 73/71 fehlte eS daher an derariigen Annäherungen der feindlichen Soldaten nicht, aber erklärlicherweise nicht während der großen Bewegungsschlachten zu Beginn des Krieges, wohl aber wie heute im Stellungskrieg, vor dem belagerten Paris. Der General L-rdy du Vernois, der spätere preußische Kriegsminister, gibt in seinen„persönlichen Er- innerungen an den Krieg 1873—71'(„Deutsche Rundschau', Oktober 1805) folgende Tagebuchbemerkuug:„Versailles, den 12. 1. 71: Unsere Leute find zu gutmütig, wie beispielsweise folgender Fall beweist: Dickt vor den Vorposten wird ein großer Weinkeller ent- deckt. Die zunäckst befindlichen Truppen räumen seinen Inhalt auf; aber daS Lager ist so groß, daß sie eS nicht vollständig leeren können? Was geschieht? Sie winken den französtichen Vorposten; diese setzen die Gewehre zusammen, kommen heran und ichleppen den Rest des Weine» for». den unsere Leute ihnen überdies noch au» dem Keller herausholen. Zum Exekmor passen unsere Leute nicht.' litten.'((Stafeex Setfall bet best SDhnberäjetilent.y Perteat hält die Ausführungen MerrheünS für durchaus richtig. Die Arbeiter» klaffe habe nur einen Feind: Das Kapital. Er stelle stch voll- ständig auf den Standpunkt des KlafsenkamHfeS. Der wirNtchs Krieg werde nicht Milchen Natwnen ausgefochten, sondern zwi- sche« den Klassen.(Starke Unterbrechungen.) Die ein» zigen praktischen Sozialisten seien Lenin" und Trotzky; sie redeten nicht viel, sondern handelten entschlossen, wie dies die Lage verlangte. Er entbiete ihnen die herzlichsten Grütze. S a v o i c verteidigt die Haltung des Gewerkschaftsbundes. Deutschland habe noch bis heute seine Kriegsziele nicht veröffentlicht. Die Bolschewik: würden noch so manche Eni» täuschung erleben, denn die Deurschen gingen auf Eroberun» gen auS, sie strebten nach der wirtschaftlichen Beherrschung Bei- giens und nach der Einverleibung von Briey. Die Führer des fran- zösischen GewerkschastSbundeS konnten keine andere Haltung ein- nehmen.(Großer Beifall.) DutnaS wirft Merrheiw vor, dah er bestrebt sei, Deutschland zu entschuldigen; seit Kriegsausbruch sei die ganze Tätgkeit MerrheimS gegen Frankreich gerichtet gewesen. Wir seien nicht berechtigt, unsere Grütze an Lenin zu senden, denn die französischen Soldaten würden das Opfer dcS russischen Waffenstillstandes sein. Die Lage sei ernst. Spaltungen unter den Alliierten könnten den Sieg Deutschlands herbeiführen. Bourderon ergriff dann das Wort und klagte die Führer des Gewerkschaftsbundes an, daß sie sich auf den na- tionalistischen Standpunkt gestellt haben. Joühaux sei um kein Jota besser als Legien itt Deutschland.(Große Unruhe und fortgesetzte Unterbrechungen.) Nach Wiederherstellung der Ruhe setzte Bourderon seine Rede fort und sagte:.Ich kann nicht umbin, den Taten Lenins und Trotzkys meine Bewunde- rung zu zollen. Dies sind großherzige und vollkommen aufrich- tige Männer; sie wissen, dah die Völker überall die Opfer ihrer Regierungen sind. Die Stellungnahme der Mehrheit des Gewerk. schaftsbundes gegenüber der Entwicklung der russischen Revolution ist einfach unverantwortlich. Die Konferenz sollte eine Entschließung annehmen, die den unerschütterlichen Willen au»- spricht, einen internationalen Arbeiterkongreh zu erhalten." Nachdem noch mehrere Redner beider Richtungen über die Friedens frage gesprochen hatten, einigte stch die Konserenz, einen Ausschuß von Vertretern beider Richtungen ein- zusetzen, um eine Etttschfießnug zu entwerfen, die wir an einem der nächsten Tage veröffentlichen werden. Die Kämpfe im Tomdagebiet. Italienischer Heeresbericht vom 31. Dezember. Gestern griffen französische Truppen im Monte Toucha ab schnitt nach aus- giebiger Artillerievorbereitung, die am vorhergehenden Tage begonnen und in den ersten Morgenstunden verstärkt wurde, in glänzendem Schwung die feindlichen Linien zwischen der Osteria di Monfenera und Navanzine an. Trotz erbitterten feindlichen Widerstandes richteten sich unsere tapferen Verbündeten in den eroberten Stellungen fest ein. Sie nahmen 44 Offiziere und 1348 Mann gefangen und erbeuteten SV Maschinengewehre, 7 Geschütze, mehrere Schützengraben-Schnellfeuergeschütze und sonstiges reich- licheS Kriegsmaterial. Englisch« und italienische Batte- rien und Flieger arbeiteten wirksam mit. ?talienifther Kriegsrat. Rom. 1. Januar.(Stefani.) Ein Erlaß setzt einen Kriegs- ra t ein zur Beratung der Fragen, bei denen die Zuständigkeit der Zivilbehörden sich mit der der höheren Militär- und Marinestellen berührt. Der Ausschutz setzt stch zusammen auS den Ministe rn des Asutzern, des Schatzes, des Krieges, der Marine und der RüstungS- angelegenheiten. Den Vorsitz führt der Ministerpräsident, der außerdem einen weiteren Minister zum Mitglied de? Ausschusses ernennen kann. Die Chef- des Generalslabes und des Admiral- jtabes nehmen an den Verhandlungen des Ausschusses mit beratender Stimme teil. Der Ausschuß vermindert keineswegs die Befugnisse des Kabinetts, daS vom Ministerpräsi- dcntsn mit den Entscheidungen des Ausschusses bekannt gemacht wird. Rom» 1. Januar.(Meldung der Agenzia Stefani.) Der Senat, der seit dem 28. Dezember in geheimer Sitzung tagte, nahm am 31. Dezember die öffentliche Erörterung der Regierungserklärungen Wiederaus. Kämpfe in Palästina. Englischer Heeresbericht auZ Palästina vom 31. Dezember. Gestern besetzten unsere Truppen Beitin(Bethel, zwei Meilen nordöstlich Btrch), El Balua(eine Meile nördlich Birch an der Straße nach WabluS), Kah el Buri(etwa eine Meile westlich El Balua), Janiah und Raukerker(sechs bzw. sieben Meilen nord- westlich Birch). Im Küstenabschnitt der Linie erreichte eine Patrouille Kuljh(zwölf Meilen östlich Jaffa). Sie fand dort eine feindliche Artillericmunitionsniederlage und zerstörte sie Neuer- liche Berichte zeigen, daß die Unternehmungen vom 28. und 2S. De- zember zu einer ernstlichen Niederlage de» Feindes ge- führt haben. ES hat den Anschein, daß er am 27. mit deutscher Unterstützung einen entschlossenen Versuch machte, Jerusalem wieder zu nehmen. Seine Angriffe wurden mit Wucht ge- führt und dauerten vom 26. bis zum 27. 26 Stunden lang. General Menby richtete zugleich einen Gegenangriff gegen den westlichen Flügel der türkischen Angriffstruppen. Am 27. schritt dieser An- griff 2H.Meilen vorwärts, trotz aller Schwierigkeiten des Ge- landes. Die Engländer rückten an der Straße nach Rablu! nach Norden und die Truppen zu ihrer Linken nach Osten vor und trieben den Feind vor sich her zurück. Am Morgen des 29. sicherte General Menby die Linie Gurkäh— Rasset Takunich- Rom Allah— et Tirab— Wadi el Kelb. So ist da» Ergebnis des türki- schen Angriffs zur Wiedereroberung Jerusalems, daß wir in rnd- westlicher Richtung vier Meilen Boden gewannen und jetzt vier starke Stellungen zwischen dem Feinde und Jerusalem an Stelle der einen.haben. Die Türken erlitten schwere Verluste an Toten und Verwundeten. Die Toten allein werden auf etwa tausend ge- schätzt. Bisher wurden sechshundert Gefangene und zwanzig Maschinengewehre gezählt. vo!Ssvertretungen heraus! Wien, 1. Januar. Det�LBmarm des Tschechenverbande«, Ab. geordneter.B a n ek, verlangt in einem Schreiben an den Präses die Einberufung des Abgeordnetenhauses für die nächsten Tage. Er kündigt mehrere Anträge in bezug auf die Lcr- Handlungen in Brest-LitowSk an. Die neue ungeristhe Regierungspartei. Ei« Parteiprogramm mit königlicher Genehmigung. Budapest, 31. Dezember.(Meldung des Ungarischen Tele- graphen-Korr es Pondenz-BursauS.) Ministorpräsident Wokerle hat jetzt auch bis Z u st i m m u n g d e S König» für da» bis ins ein- ztlne f-ftgestellie Programm einer einheitlichen Regie- rungSpartei erhalten. Da ein Hauptpunkt diese» Programms die wenigstens teilweise Errichtung emeS selbständigen ungarischen Heere» ist. wird durch diese Zustimmung des Könige einer der dringendsten nationalen ungarischen Wünsche befriedigt. Die Gründung der neuen Partei soll erst Mitte Januar erfolgen. Der Minlsterpräsiöent dsabsichtigt jedoch nicht nur etne Bereinigung der jetzigen Regierungspartei, sondern die Gründung einer ganz neuen Partei, an der nicht die bisherigen Parteien als solche, soiildern ihre Mitglieder ilnserAufgabeihreralten Pro- gramme teilnehmen sollen. Wekerle scheint bei dieser Partei- gründung vor allem mit derNotwendigkeiteinerReichs- tagSauflösung zu rechnen, dann soll die neue Partei völlig einheitlich in die Wahlen gehen, so daß die Meinungsver- schiedenheiten und der Wettbewerb zwischen den jetzigen Partei. gruppierungen fortfielen. Sowohl auf dem linken Flügel der Re- gierungsparteien, als bei der Partei der nationalen Arbeit sieht man WeketleS Bemühungen nach wie vor sehr skeptisch an. Budapest, 31. Dezember. Die linaarische und die Oester- reichische Delegation treten aus Einladung der KriegSverwal- tung am 2. Januar eine viertägige Studienreise in die be- setzten Gebiete an, um an Ort und Stelle von den Verhält- msien dieser Länder Kenntnis zu nehmen. Die Reise geht zunächst nach Belgrad._ Kleine Kriegsnachrichten. Polnische Freiwillig« auS Amerika. Genf, SO. Dezember. Nach einer Havasmeldung aus Bordeaux ist die erste a m e r i- kanische Abteilung polnischer Freiwilliger heute dort eingetroffen und von dem Stellvertretenden Kommandierenden General, den Behörde-., und der Pariser Bertretung der selb- ständigen polnischen Armee unter Oberstleutnant Mo- kiejowski empfangen worden. Versenkung eines spanischen ErzdampferS. Rotterdam, 81. Dezember.„Maasbode" meldet; Der spanische Dampfer Andtri Mcndi ist mit einer für England bestimmten Ladung von 3600 Tonnen Erz gesunken. Englische Staatsmänner in Pari». Paris, 1. Januar. (Havas.j BonarLaw und Chamberlain find gestern abend hier eingetroffen. Englischer Minensucher und Schulschiff tarprdiert. Amsterdam, 1. Januar. Die englische Admiralität macht bekannt, daß die als M i n e n s u che r eingerichtete Schaluppe ArbutuZ tor- p e d i e r t worden und gesunken ist. Als der Angriff stattfand, war das Wetter sehr ungünsttg. Der Kommandant, ein an- derer Offizier und sieben Mann werden vermißt. DaS Schuldampfschiff Grive ist gleichfalls torpediert tvouben und gesunken. Zuckerration in England. London. 1. Januar. Amilich. Die wöchentliche Zucker-Kopfmenge wurde auf 54 Pfund(227 Gramm) festgesetzt._ Konferenz bei Kühlmann. Die Sozialdemokraten fordern schnellste Berufung des Reichstags. Beim Staatssekretär des Auswärtigen, Fchr. v. Kühl- man n. fand am Neujahrstag eine jff-nferenz der Fraktums- führer statt, bei der die Sozialdemokraten durch Scheide- mann und E b e r t, die Unabhängigen durch H a a s e der- treten waren. Die Konferenz, die einen vertraulichen Charak- ter trug, war dadurch notwendig geworden, daß Herr von Kühlmann schon heute abends nach Brest-Litowsk abreisen muß. Er kann also nicht in der Sitzung des Hauptausschusses am 3. Januar anwesend sein, zu der man den Reichs- kanzler erwartet. In der gestrigen Besprechung stellten die Vertreter der sozialdemokratischen Reichs- tagsfraktion. die Genossen Ebert und Schei- demann, die entschiedene Forderung, daß der Reichstag so rasch wie möglich einbe- rufen werde. Es ist zu erwarten, daß diese Forderung bei den morgen beginnenden Verhandlungen des Hauptaus- schußes eine Rolle spielen wird. Bor Beginn dieser Verband- lungen tritt um Ist Uhr vormittags die sozialdemokratische Fraktion zu einer Sitzung zusammen. vom alldeutschen Iregoli. Der alldeutschen MaÄengarderob«, die einige wenige Statisten in immer neuen Vermummungen attf die Bühne wirft, damit sie als ungezählte Massen wirken,«ntwandert ein neues EinkleidungS- Produkt: der.Freie Ausschuß für einen deutschen Arbeiterfrieden". Da Bescheidenheit noch nie die starke Seite der Alldeutschen gewesen ist, erklärt er selbstbewußt, im Namen von Dreimalhunderttausend zu reden(Gott der Herr hat sie gezählet). Die Hauptsorge dieses augeblichen Arbeiter- auKschusses bildet zurzeit die Furcht, daß es im Osten zum Frieden kommen könnte. Diese alldeutsche Friedensscheu der- anlaßt ihn,.mit Entrüstung" gegen' die von deutscher Seite in Brest-LitowSik aufgestellten FriedenSbedingungen zu protestieren. .In diesen Bedingungen liegt der vollständige Verzicht auf den deutschen Sieg. Vor dem ruffischen Ueberfall auf die friedlichen deutschen Grenzen, vor den russischen Greueln in Ostpreußen kapituliert Deutschland wie ein be- siegte» Volk." In dieser Tonart fort. Die alldeutsche Presse hatte bei Gelegenbett der NahrungS- mitteldebatten immer behauptet, es gäbe in Deutichland eine Sorte übermütiger, werkversorgter, behäbiger Schwerarbeiter, die eZ sich aus Kosten der Gesamtheit gut ergehen ließen und die allgemeine Not verhöhnten. Wir haben das bestritten, denn uns sind solche Arbeiter bisher nicht bekannt geworden. Jetzt löst sich das Rätsel. Offenbar zielt die alldeutsche Presse auf die ihr ja allein bekannten Aucharbeiter des.Ausschusses für einen deutschen A r b e i t e r f r i e d e n". Nach den Schilde- rungen, welche die alldeutsche Presse von ihren Schützlingen ent- wirst, kann eö allerdings nicht wunder nehmen, daß diese sich für unbeschränkte KmgSverlängerung begeistern. 5»rft zu Salm�tzorftmar gegen Landes- Verteidigung. Die Drohung des alldeutschen Professor Roethe, daß er nicht mehr mitmache, wenn die Regierung aus die alldeutschen Kriegsziele verzichte, erfährt eine Neuauflage. Der Herrenhäusler und Ruter des AdloniterordenS Fürst zu Salm-Horstmar schreibt in einer alldeutschen Korrespondenz: Ist denn überbaupt noch damit zu rechnen, daß unser herrliches Volk weiter kämpfen wird, wenn«S erleben muß, daß alle Opfer vergeblich gebracht und alle Zu- kunftshoffnungen begraben sind. Ter Fürst zu Salm- Hör st mar hätte alle Ursache, seinen Namen nicht in die Oeffentlichteit zu stellen. Denn sobald er den Mund auftut, mutz man ihn pflichtgemäß an seine Prophezeiung von August 1217 erinnern. Damals erklärte der Fürst: Nur noch wenige Monat, und unsere Feinde liegen zer- schmettert vor uns auf de» Knien." Ein Mann, der so daneben prophezei� hätte alle» Grund beschämt zn schweigen, Die Diktatur des Stammtisches. Die Ortsgruppe Duisburg der„DeutschvöMsdjen Partei" hat nachstehende Telegramme zur Absenduna gebracht: 1. An Reichskanzler Graf H e r t l i n g, Exzellenz, Berlin. Wir erheben schärfsten Einspruch gegen die deutsche Verzicht»- Politik m Brest-Lilowsk, welche die ganze deutsche Zukunft zu begraben droht und verlangen mit dem Rechte be- sorgtet VaterkanidSsreunde, daß da» Steuer des Staatsschisfe» un- verzüglich herumgeworfen werde. So kann und darf eI nicht weiter- gehen! 2. An Generalfeldmarschall v. Hindenburg, Exzellenz, Großes Hauptquartier. Die Diplomatenkünste von Brest-LitowSk drohen Land und Volk ins Verderben zu führen..Wir beschwören Ew. Exzellenz, alle Widerstände zu brechen und auch in dieser schwersten Schicksalsstunde Deutschlands Retter zu sein. Hindenburg wird nun wohl nichts anderes übrig bleiben, als auf Berlin. zu marschieren, die Minister gefangen zu nehmen und die Ortsgruppe' Duisburg der„Deutschvölkischeu Partei" als Regierung einzusetzen. Rußland hat die Diktatur des Proletariats. Es lebe die Diktatur des Stammtisches! Sehöröli.che Bnwsffimg zur Umgehung öer Kartoffelhöchstpreise. Ueber die Frage der Kartoffellieserung geht der.Mecklen- burgischen Zeitung" von behördlicher Seite eine außerordentlich beachtenswerte Darstellung zu, der wir folgendes ent- nehmen: Eine Versittterung von Karioffeln, mit Ausnahme der kranken und unter 1,72 Zeniimeter großen, ist leider(es heißt wirklich .leider"! Red. d.„V.") nach wie vor verbalen.... Der gesetzliche Höchstpreis beträgt seit dem 1ö. Dezember b M. für den Zentner, da die bisherige Schnelligkeitspränri« von 50 Pf. und die AuSfuhrvergütung weggefallen sind, so daß der Preis seit dem 15. Dezember etwa um 70—80 Pf. gesunken ist. Zu einer Her- aufsetzung des Preise» gegen den Frühling hin ist nach«eußerungen der Reichsbehörden gar keine Aussicht. Der Erzeuger hat also die Kosten der Aufbewahrung und den Schwund der Karioffeln bis in den Frühling und Sommer hinein selbst zu tragen. Es gibt nun aber ein Mittel für den Landwirt, den Wegfall der Prämien auszugleichen. Wenn nämlich der Landwirt mit seiner Kreisbshörde einen Anfbewahrungsvertrag schließt, so werden ihm für die verlragSmäßig aufbewahrten Kartoffeln bei erfolgter Ablieferung Zuschläge zum Höchstpreise gezahlt, welche die weggefallenen Prämien(50 Pf. ScknelligkeitSprämie und 5P-. Kilometergeld, zusammen durchichnittlich 70 bis 80 Pf.) reichlich aufwiegen. So wird zum Beispiel für solche VertragSkarloffekn von der Kreisbehöxde zn Schwerin bei Abgabe von Vertrags- mäßig gelagerten Kartoffeln für den Zentner ein Zuschlag gezahlt, toeicher sich bn den für Hamburg gelieferten Kar- toffeln beläuft: auf 1 M., wenn bis zum 15. März 1013 abge- liefert wird; auf 1 M. 20 Pf., wenn bis zum 15. April 19l3 ab- geliefert wird; auf 1 M. 50 Pf., wenn nach dem 15. April 1913 ge- liefert wird. Diese Betröge pellen cm reines Verdienst de» vertrag- schließenden Landwirts dar, der ja auch ohne Vertragsschluß zu den gleichen Leistungen(pflegliche Verwahrung und jederzeitige Ablieferung) schon nach den bestehenden gesetzlichen Bestimmungen verpflichtet ist. Außer diesem Borteil wird demjenigen Landwirt, der die Lagerung einer bestimmten Menge von Kartoffeln der- tragSmäßig übernimmt, die Erlaubnis in Aussicht gestellt, Kar- toffeln über daS bisher erlaubte Maß hinaus zu verfüttern oder sonst zu verbrauchen, während sonst nach den bestimmten Erklärungen des KriegSernährungSamteS nicht mit einer allgemeinen VerfütterungSerlaubniS zu rechnen ist. Die SchnelligkeitsPrSmie wurde ihrerzeit eingeführt, als angeblich im Interesse der Verbraucher liegend, da hierdurch die rechtzeitige Versorgung mit Kartoffeln sichergestellt werde. ES wurde dabei ausdrücklich betont, daß nach dem 15. De- zember auf keinen Fall der erhöhte Preis gezahlt werden würde. Jetzt erfinden die Mecklenburger Behörden ein Mittel, um den Landwirten, die— ganz gleich aus Welchem Grunde— die rechtzeitige Anlieferung von Kartoffeln unterlassen haben, auf anderem Wege die weggefallene Prämie zuzuschanzen. Man ntuß wirklich staunen, mit welcher Offenheit hier eine Behörde eine ganz glatte Höchst- preis umgchung einführt. Was sagt Herr v. Waldow dazu? Ist er der Ansicht, daß ähnliches wie das, waS er als Oberpräsident von Pommern stillschweigend geduldet hat, auch dem benachbarten Lande dcS Ochsenkopses billig sein müsse? I_ Letzte Nachrichten. Porncarö will dis zum Endsieg kämpfen. Genf, 31. Dezember. Nach einer Havasmeldung hat Präjiient Poincare aus eine Wnckwunschdrahtmrg dcS Königs der Belgier goantwortet, daß Frairkreich entschlossen sei, bis zum Endsieg zu kämpfen.- Dem König von Italien hat der Präsident im gleichen Sinne geantwortet._ Austausch Juternierter mit Rumänien. Bukarest, 31. Dczerrtber.(Meldung des Wiener K. St. ftoix« Bureaus.) Zwischen dem 18. und 27. Dezember fand bei Marasesti hinter den Schützengräben der Mittelmächte der angekün- digte Austausch österreichischer, ungarischer, deutscher und rumäni- scher Internierter statt. AuS der Moldau trafen in der angegebenen Zeit 5 Transporte mit 4964 Ocstcrreichcrn und Ungarn, darunter 2000 Frauen und Kindern, ferner 520 Deutsche ein. Für die Ueber- nähme waren alle Vorsorgen getroffen. Die Internierten trafen in Marasesti im großen und ganzen in befrisdigender Verfassung ein. Von den aus der Monarchie auszutauschenden rumänischen Internierten haben von dem Rechte, nach der Moldau zu gehen, nur 115 Gebrauch gemacht. Die in Bulgarien interniert gewesenen Rumänen sind in ihre Heimat zurückgekehrt. Mord oder Gasvergiftung? Ein Leichenfutid unter verdächtigen Umständen rief am Sonntagabend in: Norden der Stadt das Gerücht von einem Morde hervor. Ob es begründet ist, läßt sich noch nicht sagen. In der Philippstraße 13a bewohnte die u>werehelichte Stolz mit«hrem Bruder, einem Kellner, im zweiten Stock des Quergebäudes eine Stube mit Küche. Aus diesen Räumen nahmen Hausgenossen gestern abend einen starken Gasgeruch wahr. Zugleich fanden sie eine Füllung der EiugangStür eingedrückt Der Hausverwalter und Polizeibeamte, die eindrangen, fanden beide Räume mit Gas gefüllt und sahen, nachdem sie die Fenster geöffnet hatten, die DohnungSinsassin in chrer Stube in den letzten Zügen liegen. Ein Arzt, der gerufen wurde, konnte nur nach ihren T o d�feststellen, Wiederbelebungsverlache btteben ohne Erfolg. In der Stube sah es wüst aus. Möbel, Stühle. Tisch und Teppich standen und lagen durchein« ander, als ob cm heftiger Kamps ztvischen Fräulein Steig und einer anderen Person stattgefunden hat. Medinnalrat Dr. Stürmer stellte den Tod durch Gasvergiftung fest. Die Leiche wurde beschlagnahmt und soll heut- im Schauhause obduziert werden. ES ist möglich, daß die Tote das Opfer eines Verbrechens geworden ist, Kirchensteuer unö Kirchenaustritt. Die vielfachen Anfragen über die Kirchenstsuerpflichi und die BerewZfatzungen und Wirkungen des Austritts aus der bisherigen Kirchen- oder Shnagogengemeinde, die in der letzten Zeit der Re-> daAion zugingen, veranlaffen uns, die rechtlichen Verhältnisse dieses Gebiets an dieser Stelle in zusammenhängender Weise zu schildern. Nach den perschiedenen in Preußen geltenden Kirchensteuer- gesetzen— es sind deren nicht weniger denn acht— sind kirchen- iteusrpflichtig diejenigen, welche der Kirchengemeirtde durch ihren Wohnsitz angehören. Als Maßstab der Umlsgung dient die Maats- einkommsnst.uer und, sofern daneben eine Heranziehung der Real- steuern erfolgen soll, die staatlich veranlagte Grund-, Gebäude- Und Gewerbesteuer. Die Ergänzungssleu-er, die Steuer vom Ge- werbebetrieb im Umherziehen sowie die Betriebssteucr und die WarenhauSsteuer sind bei der Umlegung der Kirchensteuer nicht heranzuziehen. Die Veranlagung erfolgt für jedes Rechnungsjahr(1. 4. bis 31. 3.) durch den Gemeindekirchenrat(Prcsbhterium, Kirchenkolle- ffium usw.). Die Erhebung der Kirchensteuern ist durch eine in ortsüblicher Weise zu bewirkende Veröffentlichung der zu erhebenden Pro- zentsätze bekanntzumachen. Die Aufsichtsbehörde ist befugt, die De- kanntmachung des Steuersatzes an die Steuerpflichtigen durch be- sondere verschlossene Mitteilung anzuordnen. Bei Zugängen im Laufe de» Jahres sowie in denjenigen Fällen, in. welchen die staatlich veranlagte Steuer nicht die unveränderte Grundlage der Steuerzuschläge"bildet, bedarf e» stets besonderer verschlossener Mitteilung. Der evangelische(katholische) Teil einer gemischten Ehe ist von der Hälfte des der kirchlichen Besteuerung zugrunde liegenden Steuersatzes, zu welchem der Ehemann veranlagt ist, zur Kirchen- ■ steusr heranzuziehen..«soweit die Ehefrau zu de« Staatssteuern selbständig veranlagt wird, ist der evangelische(katholische) Te:l nach Maßgabe seiner Veranlagung zur Kirchensteuer heranzu- ziehen. ES ist in Preußen stillschweigende Gepflogenheit der Kirchen- borstände geworden, bei gemischten Ehen den zur Einkommensteuer veranlagten, selbst nicht kirchensteuerpflichtigen Ehegatten auch für die Kirchensteuer der hierzu Pflichtigen anderen Ehegatten heran-! zuziehen. Nach einer am 14 Mai 1912 ergangenen Entscheidung des königlichen Oberverwaltungsgerichts ist ern solches Verfahren nicht zulässig. Nur dem kirchenswuerpflichtigen Teile ist die Mit- kellung des Steuersatzes und oie Zahlungsaufforderung zuzu- stellen. Ob nicht aoer z. B. der Ehemann auf Grund der Be- stimm ung in den§§ 1385, 1388, wonach er der Frau gegenüber verpflichtet ist, für die Dauer der Verwaltung und Nutznießung am Vermögen der Frau die der Frau obliegenden öffentlichen Lasten zu tragen und er den Gläubigern der Frau neben der Frau als Gesamtschuldner hastet, doch für die Nichtbezahlung der der Frau obliegend- n Kirchensteuern haftet, ist eine Frage, die wahr- scheinlich zu bejahen ist. lieber den Rechtsweg bei Kirch ernst euersachen sei hier doch fol- gendes bemerkt: Gegen die Entscheidungen der kirchlichen Gemeindeorgane über Einsprüche gegen die Heranziehung oder Veranlagung zu einer gemäß Artikel 1 genehmigten Kirchensteuer steht dem Steuerpflich- tigen die Beschwerde offen, welche binnen einer mit dem ersten Tage nach erfolgter Zustellung der Entscheidung beginnenden Frist von vier Wochen bei dem Konsistorium einzulegen ist. Das Kon- sistorium legt die Beschwerde mit seiner Aeußerung der Staats- behörde(dem Regierungspräsidenten; in Berlin dem Polizeipräsi- dsnten) vor. Wird die Beschwerde oder der Antrag den Vorschriften des 8 1 Ms. 1 und des§ 2 Abs. 1 zuwider innerhalb der gesetzlichen Frist bei der zur Entscheidimg oder Beschlußfassung zuständigen Staatsbehörde angebracht, so gilt die Frsi'r als gsvahrt. Gegen die Entscheidungen und Beschlüsse der Staatsbethörden nach§§ i und 2 steht binnen einer mit dem ersten Tage nach erfolgter Zustellung beginnenden Frist von zwei Wochen sowohl den Sieusrpflichiige« als auch den beteiligten Kücchcngemcinden die Klage bei dem ObervenvaltungSgericht zu. Die Klage kann nur darauf gestützt werden: 1. daß die angefochtene Entscheidung oder der angefochtene Deschlutz auf der Nichtanwendung oder auf der unrichtigen An- Wendung de» bestehenden Rechts, insbesondere auch der bei den Behörden innerhalb ihrer Zuständigkeit erlassenen Verordnungen beruhe r 2. daß da» Verfahren an wesentlichen Mängeln leide. I» der Klage ist anzugehen, worin die behauptete Nichtan- Wendung oder unrichtige Anwendung de» bestehenden Recht» oder worin die behaupteten Mängel des Verfahren» gefunden werden. Durch die Erhebung der Beschwerde oder durch die Stellung des BertoilungZantragö oder durch die Anstellung der Klage wird die Verpflichtung zur Zahlung der Kirchensteuer nicht ausgehoben. Die Staatsbehörde ist befugt, bis zur endgültigen Entscheidung die vorläufige Aussetzung der VollstrÄnng anzuordnen. Der Austritt aus einer Kirche(jüdischen Religionsgemeinde) erfolgt durch persönliche Erklärung de? Austretenden vor dem Amtsrichter seines Wohnortes. Der Aufnahme der Austritts- gryärv« muß ein hierauf gerichteter Antrag vorangehen. Der Antrag t'ann zu Protokoll des GerichtsschreiberS erklärt oder auch schriftlich dem Amtsgericht eingereicht werden. Nach Ablauf von vier Wochen seit dem Eingang des Antrags beim Amtsgericht und spätestens sechs Wochen seit diesem Zeitpunkt findet dann die Auf- nähme der Ausrrittserklärnng zu gerichtlichem Protokoll statt. Diese mindestens vierwöchentliche Frist ist gesetzt, um der Religions- gemeinschaft, der der Antragsteller angehört, die Möglichkeit kr Einwirkung aus denselben zu geben. Der Richter ist verpflichtet, dem Vorstande der betr. ReligionSgcmcinschaf: den Antrag ohne Verzug bekanntzmnachen. Wer sich den Unannehmlichkeiten einer solchen Einwirkung nicht aussetzen will, kann in seinem Antrage gleich bemerken, daß er den Besuch eines Vertreters seiner Religions- gemeinschaft nicht wünscht. Im.allgemeinen untervleibt dann solcher. Der Antrag auf Ausnahme der Austrittserklärnng verliert seine Wirkung, wenn der Antragsteller der ihm zugehenden gericht- liehen Ladung zur Ausnahme seiner Austrittserklärung keine Folge leistet. Auf Verlangen ist dem Ausgetretenen eine Bescheinigung seines Austritts zu erteilen. Die Austrittserklärung bctvirkt. daß der Ausgetretene zu Lei- stungen, welche auf der persönlichen Kirchen- oder Kirchen- gemeindcangchörigkeit beruhen, also insbesondere zur Zahlung der Kirchensteuer, nicht mehr verpflichtet ist. Diese Wirkung tritt jedoch erst mit dem Schlüsse des auf die Austrittserklärung folgenden Kalenderjahres ein. Zu den Kosten eines außerordentlichen Baues, dessen Notwendigkeit vor Ablauf des Kalenderjahres, in welchem der Austritt aus der Kirche erklärt wird, feidgestellt ist, hat der Austretende bis zum Ablauf des zweiten Kalenderjahres ebenso wie die Kirchcnmilglieder beizutragen. treten. Die Gemeinden werden dann entsprechende Bekannt- machungen erlassen. Als gewerbsmässiger Pfandschein sMebrr wurde«in falsch' r Feldgrauer entlarvt, der mit viel Erfolg seit geraumer Zeit in SBoT-ItTt irw«1» ßnVrtrTrtfffl-nfmrrt tnt+ ssinr»? v>e»Trc,-»-S'KöTfövr» GroMerün Mord und Totschlag auf der Straßenbahn. Die Ueberfüllung der Straßenbahnwagen hat längst aufgehört, eine Unöequeullichkcit zu sein, über die man mit H u m o r hinweg- gehen könnte. Vom Silvesterabend werden uns zroei Fälle ge- meidet, die zum Rachdenken allen Anlaß geben. Eine Frau wird von der überfüllten Plattform in voller Fahrt herabgestoßen und erleidet schwere Verletzungen, im anderen Fall tritt im Kampf um den letzten Platz gar der Revolver in Aktion. Nimmt man dazu den noch unvergessenen Fall der Plattform, die unter dem Gewicht der Fahrgäste abbrach und bei dem schweres Unheil nutz dadurch vermieden wurde, daß der betr. Wagen zufällig ohne An- Hänger fuhr, so gelangt man zu den: Schluß: das sind keine Kriegsunbequemlichkeiten mehr, die gleichmütig in Kauf genommen werden könnten, sondern hier sind unhalthare Zustände eingetreten, die einer Abhilfe dringend bedürfen. Zu einer Revolverschießerei kam eS in der Silvesternacht bei einem Streit um den Straßenbahnwagen vor dem Hause Müller- straße 131. Dabei gab ein unbekmrnier Mann zwei Schüsse ab, die die Frau des Drehers Karl Kühnapfel aus der Müller- straße 131 in den rechten Arm und die rechte Brustscite trafen. Zu gleicher Zeit geriet Äühnapsel selbst unter einen Triebwagen der Linie 68, so daß er schwer verletzt mit einem Wagen der Linie 97 nach dem nahegelegenen Paul-Gerhard-Stift und von dort nach den: Virchow-Krankenhause gebracht werden mußte. Frau Kühnapfel wurde mir leicht verletzt. Nachdem sie einen Verband erhalten hatte, konnte sie nach Hause gehen. Der RevolverschieZer ist noch nicht ermittelt. Zwei schwere Straßsnbaknunsälle sind Silvester am Potsdamer Platz bzw. dessen Nähe- vorgekommen. Gegen abend stürzte die Währige Kriegerfrau Helene Zimmer aus der Antonstratze 34 aus einem vollbesetzten Straßenbahnwagen aufs Pflaster und zog sich dabei einen schweren Schädelbruch zu. Sie wurde auf der Unfallstation in der Eichhornstraße 5 verbunden und dann nach dem Krankenhaus am Urban gebracht. Ter zweite Unfall ereignete sich abends gegen 16 Uhr. Angeblich soll die 3Sjährige Kriegerfrau Agnes Schwarz au» der Flottwellstraße 14 von einem Fahrgast von der Plattform eine» vollbesetzten Straßen» bahn Wagens während der Fahrt hinabgestoßen fein und dann von einem Tuto erfaßt noch eine Strecke mit fort- geschleppt worden sein. Sic erlitt schwere Gcsichtsverlctzungen. Erhöhung der Lohnsätze beim Kriegsbeklcidungsamt. Das Kriegsbekleidungsamt de» GardekorpS teilt mit, daß vom 1. Ja- nuar 1918 ab für die weitere Krtegsdauer die Lohnsätze für sämtliche Bekleidungsstücke abermals erhöht worden sind. Rcisebrptmarkcn bleibe» einstweilen gültig. Verschiedentlich hatte es verlautet, daß die Reichsreisebrotmarken mit dem 4 Januar 1918 ihre Gültigkeit verlieren, weil von da ab ein andere» ist, stellte sich irgendwo auf der Straße mit seinen Spießgesellen aust und täuschte ein lebhaftes Handelsgeschäft vor. Di? beiden Zivilisten boten dem Soldaten immer mehr, ohne daß Vorüber- gehende wußten, was der Gegenstand des Handels war. Der Soldat erklärte dann um so lauter, daß er mit ihnen nie und nimmer wieder ein Geschäft machen werde, weil sie da» letzte Mal schon seine Notlage ausgebeutet hätten. E» kamen dann immer Leute hinzu, von denen der eine oder der andere den Soldaten fragte. was er eigentlich zu verkaufe:: habe. Der.Soldat" zeigte dann einen Pfandschein über ein Schmuckstück seiner Frau und erzählte, die Rot habe ihn getrieben, manches Stück au» seiner Wirtschast zu verkaufcir. Dabei hätten die beiden ihn so geprellt, daß er sich mit ihnen nicht mehr einlassen könne. Fetzt sei er vor der Abreise an die Front gezwungen, auch den Pfandschein noch zu verkanseir. Gar oft fand sich ein teilnehniender Mann, der sich erben, den Pfandschein zu Geld zu machen. Wenn aber der Erwerber das Pfand« stück einlöste, so fand er, daß es viel woniger als die Pfandsumme auf dem Schein wert und er gründlich betrogen war. Der.Feld- graue" wurde gestern in einem Kaffeehaus in der Tauentziensiraße angetroffen, entlarvt und festgenommen. Auf dem Polizeipräsidhirn begegnete er sich bei der Kriminalpolizei mit seinem letzten Opfer, dem er soeben einen Scheck über 1299 M. und 396 M. bares Geld ähgeschwindelt hatte. Der Betrogene war höchst erfreut, sein Geld gleich wieder zu bekommen. Es ergab sich, daß mehrere Lom- bardhäuser mit dem Schwindler unter einer Decke steckten. Sie verschafften dem Schieber die viel zu hoch ausgestellten Pfand- scheine, damit er sie zu Geld mache. Diese Lombardhäuser wurden geschlossen, Pelke nach Moabit gebracht. I« eine kostspielige Schlägerei geriet ein hiesiger Kaufmann, nachdem er ein gutes Geschäft gemacht hatte. Mit III 999 M. in der Tasche, weil der Bankenschlutz ihn verhinderte, das Geld gleich anzulegen, besuchte er spät abends noch ein Lokal der Lebeweit. Hier kam es einiger„Damen" wegen zu einem Wortwechsel, der dann in der Friedrichstirrtzc nahe der Mohrenstraße in eine Schlä- gerci ausartete. Bis die Polizei kam, gab es blutige Köpfe und zerrissene Kleider. Dann stob alles auseinander, nur einige wenige Ruhestörer konnten nach der Wache gebracht werden. Schlecht kenn. der Kaufmann weg. Ihm wurde in dem Durcheinander d i C Brieftasche, die den ganzen Ertrag des Geschäs- teS, 110 000 M. in Tausend- und 1000 M. in Fünfmarkscheinen, 6 arg, au» der Gesäßtasche gestohlen. Er setzt auf die Widderbeschaffung der langen schwarzen TÄsHe aus Sasfianledcr mft ihrem Inhalt eine Belohnung von 19—29999 M. aus. M:t- ieilwrgen über den Verbleib nimmt der 1. Krüninawezirk beinr Polizei-Bezirksamt Berlin-Mitte entgegen. Hebel mitgespielt wurde auch einem der beteiligten Mädchen. ES büßte nicht nur seinen Pompadour und Pelz, sondern auch seine Schuhe ein, so daß es auf Strümpfen den Heimweg antreten mußte. FricdrichSfclde. Verkauf von Brennholz. Die Gemeinde bat einen Posten trockenes kieftrn Stubbenholz abzugeben. Der Kauf- preis beträgt 4,39 M. ab Lager für den Zenmer und ist vorher in Friedrichsfelde an der Gemeindehauvtkasie. Schloßitr. 2t in Karls- Horst im Einwohner-Meldemnt, Dönbosistr. 34, einzuzahlen. Tie Abgab- de» Holze» erfolgt Freitag und Sonnabend von 11— 3 Uvr in Fnedrichsfelde auf dem Grundstück Schloßstr. 4 in Karlshorst auf dem Grundstück Dönbosistr. 31. NowaweS. Lebensmittel. Am Mittwoch, den 2. Januar llNS. findet auf den Kartenabschnitt 48 der L eben Z mit chlftrri e der Vor- kauf von Brieslingen staft. Auf den KartenaSschniii 48 entfällt ffl Pfund Brieslinge. Auf den Kartenabschnitt 33 der Lebens- mfttelkarte findet der Verkauf von Gemüse statt. Es entialle« auf den Kartenabschnitt 33: 2 Pfund Mohrrüben oder 2 Pfund Weißkohl d d ex 5 Pfund Kohlrüben. Mus aller Welt. Tausend Todesopfer des Erdbebens von Guatemala. Aus New Jork meldet Reuter: Nach einem Telegramm aus San Jose in Guatemala wird die Anzahl der Personen, welche bei dem jüng- sten Erdbeben in Guatemala umgekommen sind, auf tausend ge- schätzt.___ Wetteraussichten für da? mittlere Norbdeutschland bis Donnerstag mittag. Vorwiegend trübe, neblig, bei wenig veränderten Temperaturen. Im östlichen Küstengebiet gernige Niederschläge, DeranNvortlich für Politik: Ericki gut r» er, Perlin; Mr den übrigen Teil des BlatteS: Alind Scholz. Neutblln: für Lnkerale T».«locke,«erlin. 'Druck u. Leriaz: TorwärtS Bucbdruckerei u. Lerwgsanslalt Paul Singer& Co.. Perlin 6W Direktion Max Heinhardb. Oentsches Thoater. 7 tJhr: Don Carlos. Donnerst.; Der leb. Leichnam. Ramntpr*ipiele. VI, Uhr: Kinder der Freude. Donnerst.: Kinder der Freude. Volksbühne. Theater am BQIowplatz. üntoranindb. Sohönh. Tor. VI, Uhr: Mora. Donnerstag; Was ihr wollt. Theater ä. Königgrafzerstr. Vi,: Strindberg-Abcnd. Komc dienhaus */4S; Heiden Scehando. Berliner Theater T1!,: Die teile Koniten». 31/, Uhr: Lisls Märchenreise. Tägl. TV-, Stg. Ssi, u. 71/, U Cliss Currau d. schwankende Plänom. Der verwegene Matrose am pendelnden Mast. S Sfontaidots. equilibrist. Dressur-Akt mit Kakadus. Papageien, Pfauentauben nsw. chfrT Csfl Reinsch auf seinem Ungar. Gold- fuohshengot Czardasfürst Unnkel-ltappos neuestes bom. 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