Nr. 3. 35. Jahrg. Bezugspreis: VicrteljShrl.«.SOMI. monall. l.WSKI. frei insH Postbezug: Monatlich 1.ÖD Sült linier Kreuzbnnb für Deutfchland unJ> Oesterreich- Uugom 0.— Ml. für bos Übrige Ausland 4,50 Ml. monallilb, Lerfand ins Feld bei direlier ScflcUunamonoU. IchOüRf. fPoflbeftcUungen ucqmen an Döne- marl, Holland, Eujrcmburq, Schweden und die Schweiz, Einaeiragen m die Pofi-ZeiuingS-Vreisüste. Erscheint täglich. Telegramm. Adreffee „Tozialdemokrat Berlin". Verlinev VolKsbletkt. ( 10 Pfennig Ter Zlnzeigenpreis beträgt f. die fiebeufleuniltcaeSieiijnrl- zeile ei Pffl.„ftltnic Sknztigen" und etfiUifiicXlenniijeijuni da-! eriie Jtfori 10 Pfg., jedes weitere S«rl'>P-a. Vörie über IS Vnchstaben zichle» iiic «loci-Sorte. Teiiernngszufchlag Ä)",» Familie»- iinzeigen.»» Pia,, l'oliiifche>>, gewerlichafiliche Bereins- Anzeigen 40-ifig die;:!eile. An zeige,, für die nürtrip?!un»ner möffcn bis 5 litte unchiititi. im Honsigefchofi. Berlin LZZ.üS, stuidensiraße!!, ab- gegeben werden, OieSffnei van b Uhr ji-llh bio 7 Ilyr abend», Tentralorgan der fozialdemokrat» fchcn Partei Deutfcblands. Neöaktion: Ew. vS, �inösnstraße 3. Feruivrecher: Ami Moritzpla». Str. 1S1«V— 151 97. Donnerstag, den 3. Januar 1918. Kasan Exptüition: SM.$8, Linüenttraße S. irerufprrcher:«ml Morivpl,»«, Str. 151 90— 151 97. Tor entfchefdendcn SntfchlüfTeii. Amtlich wird gemeldet: Brrliu, 2. Januar. Heute uackmittag clnpsing der Kaiser den RcickfSkanzler Grafen Tr. v. Hertling. den Otoieral. feldmarschall V. Hindenburg, den Genrralqnartieriiieistcr Ludcndorff, den Staatssekretär Grafen Reedern und den Staatssekretär Tr. v. Kühlmann zu gemeinsamen Bortrag. Am Bormittag schon hatte, wie die„Nordd. Allg. Ztg." meldet, eine isttzung des Bundesratsausschnsses für ans- wärtige Angelegenheiten unter deni Borsitz des bayerischen Ministerpräsidenten Tr. V. Tandl stattgefnnden. Gestrige Abendblätter lvnfztcn schon von einer„Kronrats-" sitzimg zu berichten, die am selben Tage um 5 Uhr nachmittags stattfinden sollte. Zweck einer solchen Sitzung kann nur sein, unter Borsitz des Kaisers eine Uebereinstimmung zwischen dem Reichskanzler und der Obersten Heeresleitung herbeizuführen, ivobei sich der Reichskanzler seiner Verantwortlichkeit vor dem Reichstag bewußt bleibt. Begreiflich ist aber der Wunsch der Ocffcntlich- keit. einen Blick hinter die Kulissen tun zu dürfen, hinter denen jetzt die lvichtigstcn Schicksalsfragen des deutschen Volkes entschieden werden sollen. Aus den verschiedensteil Gründen blickt die ganze Presse mit Sorgen auf die noch völlig un- geklärte Entwicklung der Tinge, und es findet sich kaum ein Blatt, das mit ruhigem Bertraucli dem Kommenden entgegen- sieht. Bedauerlich ist, daß der sonaldemokrati'chi' tiilis«ach der Einberufung des Reichstag S unter f olchen Umständen nicht allgemeine Unterstützung findet. Die Regierung darf sich die Gefahr nicht verhehle», daß der. von ihr angestrebte Friedensschluß im ganzen Volke ein Gefühl tiefer Unbefricdigung hervorruft. Auf der einen Seile können ihr die unentwegten„Machtpolitiker" nicht verzeihen, daß sie den Russen nicht die unbchanüschuhte Sicgerfaust eut- gegengestreckt hat. auf der anderen Seite— weit über die Kreise der Sozialdemokratie hinaus— herrscht schwere Sorge, daß das große Ziel eines dauernden Friedens mit Ruß- land um höchst ziveifelhastcr Vorteile ivillcu unerreicht bleiben wird. Aus alledem droht eine Zerreißung der öffentlichen Mitinung und eine Isolierung der Diplomatie, die angesichts der Tatsache, daß wir uns noch im Kriege de- finden, nicht unbedenklich ist. Wenn die Regierung in den breiten Massen des Volkes eines Stütze finden will, muß sie den Mut haben, den Eroberungspolitikern ganz zu mißfallen und mit Rußland einen Frieden zu schließen, der die Gewähr der Dauer in sich schließt, also einen Frieden ohne offene und v c r- steckte Annexionen. Sie muß auf die— auch in der deutschen Presse fast allseits preisgegebene— Fiktion verzichten. daß irgend ein Votum der russischen Grcnzvölkcr für ibro Loölöiung von Rußland und ihre Anlehnung an die Mittelmächte vorliege und ihre Absicht, diesen Völkern vollste Freiheit der Entschließung zu gewähren, gegen jede Anzweiflung sicherstellen. Wir veröffentlichen an anderer Stelle die Erklärung deS litauischen Staatsrats über die Unabhängigkeit L i t a u e n s. Ter Staatsrat fetzt sich aus den verschiedensten Parteien des Tandes zusammen, seine Meinung ist daher gewiß beachtlich, ob sie aber nicht durch eine unbeeinflußte Volksabstimmung eine weitgehende Korrektur erfahren würde, vermag heute nie- mand mit Bestimmtheit zu sagen. Immer wieder dringen aus dem neutralen Ausland Nachrichten zu uns herüber, die uns die Stimmung der Bevölkerung in den baltischen Pro- vinzen ganz anders schildern, als sie uns in den hierzulande verbreiteten Darstellungen erscheint. So veröffentlichte der ganz gewiß nicht deutschseindliche Berncr„Bund" einen Ar- tikel über die Zukunft Lettlands, worin gegenüber alldeutschen Forderungen gesagt wird: De.Z SircBc» der Letten gekit aber dabsn, ein gcnjfinsdmit- licheS Lettland zu bilden. Siefem Streben ist das neue Sintz- land ioforl ciitgegcngekomnien, indem eö die Bereinigung der in di ei EonvernemenIS verstreuten Lctlen zugestand. DaS letlische itzolf will weder von einer Annexion, noch von einer polilischen, mili. lärifcheii und wirtschaftlichen Anglicderung scineS Gebietes an Teutschland etwas wissen. Die Letlen wünschen auch keine fremde Befreiung. Sie baben sich selbst befreit und wollen für das Wieder- aufbliibon und Gedeihen ihrer Heimat selbst Sorge tragen. Nur ein freies Lettland als Bundesstaat der russischen Rcpnblik kaini den Letten ihre nationale Zukunft sichern. Auch die Erklärung des litauischen Staatsrats spricht, lwe man wohl bcnierken möge, nur von der Loslösung Litauens von Rußland, nicht aber von dem zukünftigen Verhältnis Litauens zu einem anderen Staat. Sie sagt nichts von Zoll- Unionen und M i l i t ä r k o n v c n t i o u c n. Ist es nicht denkbar, daß die Litauer.ihre Meinung stark modifizieren, wenn sie es auf der einen Seite mit einem abrüstenden Rußland, auf der anderen mit einem weitcrrüstcnden Teutschland zu tun haben sollten ik Vielleicht führt eS auch nicht allzu weit vom Wege ab, wenn man daran erinnert, daß Ungarn nach einer gestern von uns lviedergegebcncn Nachricht eine selbständige Armee bekonnnen soll. Ebenso gilt den Polen die Bildung einer selbständigen Armee als selbstverständlich. Daß die baltischen Provinzen angesichts dieser Borbilder ans ihre eigene Armee von Miliz verzichten iollten, ist höchst unwahr- scheinlich. Tas Bestehen einer selbständigen Armee ist aber das sicherste Wahrzeichen wirklicher staatlicher Selbständigkeit. und alle Konventionen, die abgeschlossen werden, verlieren dann viel von ihrem Wert. Solche Erwägungen sollten auch den realpolitischcstcn der„Realpolitiker" zu denken geben. Es kann sich bald her- ausstellen, daß die Porteilc, die von der Loslösung der West- Provinzen Rußlands erwartet iverden, nur cingebis�ete sind, ivährciid der ungeheure Nackteil der dauernden Verwiiidiing mit Rußland als einziges handgreislichcs Ergebnis übrig bliebe. ES ist nicht„verrannte Theorie", es ist nüchterne Schluß- solgening aus nüchtcriieu Tatsachen, die uns rät, mit der Parole„Frieden ohne Annexionen" unbedingt, vollständig und ehrlich ernst zu machen! Die litauische UnabhängiKkeitserkläruns. Tie Erklärung des litauischen Staatsrats über die Los- lösung Litauens Don Rußland, auf die sich die Erklärung deS Grafen Ezcrnin vom 2Ä. Dezember v. I. bezieht, hat nach dem Litauischen Pressebureau(Lausanne) folgenden Wortlaut: In Anbelrachl 1. daß Litauen vom 13. bis Ende des 18. Jahr- hundert» unabhängig war. 2. daß das durch Rußland gewaltsam annektierte Litauen niemals aufgehört hat. feine Unabhängigkeit zu verlangen, sogar mit der Waste in der Hand(183b. 1833 und 1905), 3. dc.tz Litauen von der zaiischen Regierung während 120 Jahren auf schändlichste Weise unterdrückt und inißhaiidelt worden ist und daß nach der Revolution auch die provisorische Siegierung keine Notiz von seinen Ansprüchen genommen hat, trotzdem Litauen von Ansang an Anhänger der neuen Regierung war(Deklaration vom 4. April 1017): 4. daß im gegentvärtigeii Moment der größte Teil Litauen» von den Dculscheii besetzt ist und dost da», durch die letzten Ereignisse sich in einer ganz neuen Situation befindlich« Rußland in die Unmöglichkeit versetzt ist. seine Pflichten und Berpflichtuiigen dem litauischen Bolle gegenüber zu erfüllen, welch letztere» seiner- ieitö jedoch iingeochtet der während eine» Jajhrhiiiideriö ertragenen Unterdrückung bis aus den heutigen Tag nicht aufgehört hat, seinen Verpflichtungen gegen den ruisiichen Staat rechtmäßig nachzn» kommen, erklärt der litauiiche Staatsrat als treuer Bcwahrcr und Wächter der höchsten Interessen des Vaterlandes: 1. daß das litauische Volk sich von jetzt ab dem russischen Staat gegenüber aller Bande las und ledig betrachtet- L. daß das litauische Volk, indem eS sich aus das von den Mächten proklamierte S e l b si b e st i m in u n g s r e ch t der Völker beruft, da» Recht und die Pflicht hat, sein Schick- s n l selbst in die Hand zu nehmen und seine Nu- abhängigkeit durch die fremden Machte anerkennen zu lassen. verhanülungen in Wien. Da» Wiener Korrcspondcuz-Burcau teilt am Mitllvoch mit: Morgen wird der ungarische Ministerpräsident Tr. Wekerle an den Verhandlungen über die mit den Friedensverhandlungen z n s«un m c n h ä n g e n- den wirtschaftlichen Fragen sowie an den Bc- ratungeu. die in der Angelegenheit der Vorbereitung eines Handelsvertrages mit Deutschland stattfinden, teilnehmen. Bei diesen Beratungen wird die deutsche Regiernug durch den Wirklichen Geheimen Rat Dr. v. Körner vcttreten sein. Der Ministerpräsident wird voraussichtlich erst übermorgen nach Budapest zurückkehren. Eine Budapestcr Meldung der„Frankfurter Zeitung" nennt die Verhandlungen, die WekerlcS Rciie vcranlaßtcn, „außerordentlich lvichtig." Neber die H a u d e I s v e r° tragsver handln»gen mit Deutschland sagt sie. aus Aeußerungen Wckcrles sei bekannt, daß eS n o ch zahlreiche Fragen gibt, die eine weitere Er- örterung zwischen der ungarischen und österreichischen Regierung erheische». Der polnische Ministerpräsident Kucharzewski, der in Wien weilt, hat gegenüber einem Vertreter der polnischen Preßagentur geäußert:„In der Teilnahme von Vertre- t c r n des p o l n i s ch e n S t n a t e s an den Friedensver- Handlungen in Brcst-Litowsk würde die politische Re- gierung und die polnische Nation, nachdem dort ja auch Pol- nische Interessen in Betracht kommen, den Beweis wohlwollenden Entgegenkommens der Mittelmächte und eine B e- st ä t i g u n g der Tatsache erblicken, daß die Mittel- mächte die Folgen, die sich aus der Schaffung eines selbständigen polnischen Staates un- widcrleglich ergeben, anerkennen.. �..■__ der üeutsch-rujUche wirtschafteausjchuß. Pctcxsburg, 2. Januar. In der ersten Sitzung des deutsch- russischen Wirtschaftsausschusses ist bestimmt worden, fürs erste über die Einrichtung von P o st Te I c g ni• v h c n- n ii b E i s e n b a Ii n v e r k c h r zu verhandeln. Für diese drei Gegenstände sind ll n t c r a u s s ch ü s> c geb.il- d c t worden. � Srest-Litowsk. Brcst-Litowsk, 2. Januar. In Brcst-Litowsk ist eine ukrainische D e p u t a t i o n eingetroffen, um an den Friedensverhandlttngen teilzunehmen. der Emüruck öer öeutschen Erklärung über öie Irjeöensgrunölagen in Rußlanö. Bern, l. Januar.„Daily News" meldet aus Petersburg vom 27. Dezember: Die Antwort der Zentraluiächie aus die Frirdeusvorichläge der Maximalistcn hat i m ganzen einen g ü n st i g e ii E i n d r u ck gemacht.„Den", das Organ der gemäßigten Eleiueuie, schreibt: Dieser klare kategorische Verzicht auf alle w ä h r e n b d e s Krieges gern achten E r o b e r u u g e n, die Bereit- lvilligkeit, den Völkern, welche die lluabliäugigleic während iu'S Äiicgcs verloren, dieselbe zurückzugeben, machrni die Er klämug des V i e r b u u d e§ zu einen» Höhepunkt deS Weltkrieges. Es ist nicht möglich zu sagen, wie sehr die Hände der Bolschewiti durch die deutsche Erklärung gestärkt worden sind. Zweifellos ist aber ihre Stellung durch die A u s n a h m e von z c h u V e r t r e t c in de r soz ial revolutionären Partei> n den Rat der V o l k s k o in in i s s a r e erheblich gefestigt worden. Mau glaubt, daß, weim die Bolichewiki jetzt die K o u st i t u a n t e zusamineutreren lasse», sie beinahe g a ii z Rußland h i u t e r s i ch haben werden. ES ist zu beachten, daß die Mirteilungeu der„Daily News" sich auf die am L.7. Dezember abgegebene Erklärung Ezeruius über die Friedensgrundlagen bezieht. Welchen Ein- druck die Beschlüsse der letzten Brest-Litowsker Sitzung vom 28. Dezember, die noch nicht zu einer Einigung über die Frage der Zukunft Litauens gelangte, in Rußland hervor- gerufen haben, wird noch nicht gemeldet. ch Köln, 2. Jamior. Ter„Kölnischen Zeitung' wird au» Berlin gemeldei: Heber die russischen V e r! r e! e r bei den >5 r i e d e ii» v e r h a ii d I ii ii g e n irnd die Z n s a m m e n a r b e i t mit ihnen, werden von einem vorii beigebend hier anwescndeu Teilnehmer an den Frledenöverhandktnig«! Mitieitnnzen geniachl, aus denen hcrdorgeht. daß ivir eS bei den russische!! Abgesandten init griftig außerordentlich hochstehenden, feingedildeieu Periöiilich- keilen zn tun haben»ud daß die Zusaiiiinenarbeir mit ihnen stets erkennen läßt, daß sie sich einer offenen und ehrlichen Vcrhandliiiigkinclhode besleißigen. Raturgemäß war ihnen die schwierige Technik diplaiiiaiiicher Berhand- lungen anfangs fremd, sie haben eS indessen verstanden. sich kberraschend schnell hineinzuarbeiten und beherrschen sie nunmehr in scbr geschickter Weise. Ein wesentliche S il e n ii z e i ch e n d e c E i g e ii a r t der russischen Vertreter ist, daß sie zwar den Frieden als Mittel zum Zweck lebhaft wünschen, daß ihnen je- doch über alles ihr Ideal der Hin g e sra leg n g der G c s e I l s ch a s t S o r d ii u n g der W c l r im Sinne ihrer Grund- sötze steht. Somit unterscheidet schon die Eigenart der eine» Ver- handliingSpartti die AnScinandersetzirngen in Arefi-LilowSk ftrund- iätzlich von allen srüheren diplomatischen Vcrhaudlwigen der Geschichte. die Entente unö AießrieStznsverhanöiungen. „Gedaukenavstavfch". Tie Anwesenheit B o u a r L a w s und A u st e u E h a m b c r l a i n s in Paris wird durch die Tätigkeit einer Sitzung dos Rats der Alliierten für KriegSastkäufe erläutert. Keinerlei Meldung deutet darauf hin, daß ihre Reise noch einen anderen Zweck haben könnte.„Daily Ehrouicle" will indessen wissen, es finde schon über die Antwort der Zentral mächte und die russischen Bedingungen ein G e ö a u k e u- a uSta u sch statt zivischcu den Regiormigeu von England, Frankreich. Italien und den Vereinigten Staate». Italic» fordert Widerstand. Beni, 1. Januar.»Corrier« dclla Sera' riklärt in seinem beuiigeii Kommentar zu de» Berhaiidlmigeii von Bresl-LiioitiZk, die Gegenoffensive der Entente auf den dciitsche» Fnedenstühiei� dürfe nicht unterbleiben, PickonS Rede genüge nkcht. Mai dürfe daher auch der Presse nicht allein, überlasten, scinotiche Ränst auizudecken. Andererseits fei eine eigentliche diplomatische Autwon ausgeschlossen, da man den Pcrrätcr» boii Petersburg nicht dir Machtvollkommenheit bmt Bernnttlern zuerkennen könne. Die Entente dürfe sich nicht zu den Friedens der- !? a ii d l u n g e n loekeu lassen. Zuerst müßten un- inittelbare Vorschiälie au die kämpfenden Nationen er- folgen, denn de» Alliierte»! könnte vermöge der strafferen deutschen Organisation eine Untcrbrcchunz dcS Krieges zum Nach- icile gereichen, wenn dadurch auch nur ein Mitglied der Allianz wankend werde. „Giornale d'Jtalia" sogt: Die deutschen Friedensvorschläge üe- fdeuicten zwar einen bemerkenswerten Schritt vorwärts, verbürgten aber noch nicht einen gerechten und dauernden Fri-dcn, den Anfang einer neuen Epoche für Europa und die zivilisierte Welt. Trlcndl» über Brest-LitotvSk. Bern, 1. Januar. Stach einer Meldung der Agenzia Steiani ergriff in der heutigen S e n a t? f i tz u n g Ministerpräsident O r- l a» d o das Wort. Er betonte zunächst, wie wichtig der i n n e r e W i d e r st a n d für Italien fei. Alles, wa-Z darauf gerichtet sei, ihn zu schwächen, sei im gegenwärtigen Augenblick Ver- rat und sei als feindliche Handlung zu bezeichnen, denn die Existenz Italiens stehe dabei auf dem Spiele. Was die äußere Politik anbetreffe, so habe er die Verantwortung dafür nur unter der Be- dingung übernommen, daß Sonnino sein Mitarbeiter werde. Ter PariikulariSnms oder genauer ausgedrückt, der M a u g el an Koordination fei Schuld an der Verlängerung des Krieges, denn die Völker der Entente seien nicht wie ihre Femdr von einem einheitlichen Willen beherrscht. Aber die Kon- i-reuz von Paris habe darin Wandel geschaffen und darüber lsinauZ die Zusammenkunft von Rapallo, als deren Ergebnis die italienische Armee den rechten Flügei der einheitlichen Armee der ZIlliierte» bilde. Italien werde seinen Verpflichtungen auch weiterhin treu bleiben, den Ein heits willen bilden helfen und, um dem Siege entgegenzugehen, zu einer Koordination aller Hilfs- mittel der Alliierten beitragen. Zu de» Verhandlungen in Brest-Litowsk sagte Orlando: Ich fTaubc, daß d er Augenblick gekommen ist, da? Manöver unschädlich zu macheu, durch das die Mittelmächte die geistige Kampfkraft ihrer Völker zu kräftigen und diejenige ihrer Gegner zu schwächen und zu verderben suchen, indem jjx sich als Verteidiger des Friedens gebärden und glauben machen toollen, daß es die.Haltung der Entente sei, die einen Friedensschluß vcr- hindere.(Beifall.) Die Entente Iv i l l den Frieden. Nur die Entente wünscht ihn.■ Denn sie will ihn in der einzig möglichen estalt, nämlich als einen gorechten, ehrenvollen und daucr- (ästen Frieden auf Grund von klaren und aufrichti- c n A vmachungs n. Die Mittelmächte schlagen einen selt- dwien Weg ein, um von der Entente ein Eingreifen in ihre Beziehungen zu einer Regierung zu fordern, die von der E n t e ii t e n i ch t anerkannt ist: denn einstweilen ist die : atsächl iche Regierung Rußlands die Verfaffunggebende Versammlung. Im übrigen erkennen große Teile Rußlands die gegenwärtige Regierung nicht an. Was den Inhalt der Friedensvorschläge betrifft, so hat der VoTtsbeaiistragte der Bolschewiki sagen zu können geglaubt, daß erstens die Wiederherstellung der Staaten, die : m K r i e g e ihre'Unabhängigkeit eingebüßt hätten, und zweitens die Aufgabe der besetzten Gebiete und Rr Verzicht aus G e b iet s a n e ig n.u n g anerkannt worden feien. Wir werden sehen, daß das ein Irrtum ist. �ettöersou über ßrieöenspsütik öer eng- lifchen MbsiLerfchaft. Bern, k. Januar. Auf der am 23. Dezember in London abgc- haltenen Konferenz der britischen Arbeiterorganisationen, der über 800 Abgeordnete beiwohnten, die 3t/4 Millionen Arbeiter vertraten. wurde zuklächst das von Reuter mitgeieilte Schreiben des Premierministers verlesen. Danach Verla? Henderson eine lange Ansprache, in der er der sozialistischen Ärmdgebung vonr >4. Februar gedachte, die cS ablehnt, zuzulassen, daß dieser Verteidigungskrieg zu einem Eroberungskriege werde, und dann auf die in der zu erörternden Kriegskundgebung niegergelegten Friedens- r o l i t i k der britischen Arbeiterschaft im einzeliieii einging. Der Krieg müsse jetzt als Kampf zwischen dem alten und dem neuen Negieruugssystem Deuiichlands angesehen werden. Keme Verständigung iöiine befriedigend sein, die nicht der Welt eine vollständige Diskreditierung des angriffslustigen Militarismus bringe und an seine Stelle eine höhere Auf- sassuug von nationnlcr und internatisnaler Berantivortlichkeit setze. Geheimdiplomatie, Militärdienstpflicht, Proifitmacherei aus der Her- stelluiiz von Instrumenten der Zerstörung sollten in der Gssell- ichast freier Stationen unmöglich sein. Die unumgängliche Bor- dediugiing des Planes einer Bölkcrliga sei die Ablehnung !edcr Form eines w irisch östliche nBot)kotts gegen Deutschland nach dem Kriege. Man sei berechtigt zu fragen, ob die Regierung alles, waS in ihrer Macht liege, lue, um die Feindseligkeiten abzukürzen. Ter Stedner wies sodann aus die D e h a u p t u u g C a r s o n S in feiner Rede in PortSmoulh hin. daß Oesterreich- Ungarn und die Türkei bereit seien, Frieden zu schließen, und fragte, warum die Slegieruug nicht in Verhandlungen mir ihnen, besonders mit der Türkei getreten sei, wie jetzt Deutschland mit Stußland. Statt dessen habe sie die Einnahm« Jerusalems betrieben. Obwohl nach der Erklärung CarionS die Türkei Frieden zu schließen wünsche, dehne England seine Fronten in diesem Lande(ins. E S k v n n e nicht Wunder n e h m e u, daß man England in neutralen Ländern, in St u ß l a n d und selbst in Amerika imperialistischer und aunexionistischcr Ziele verdächtige. Wenn die Arbeiter weitere Opfer bringen sollten, müßten sie bestimmte Zusicherungen erhalten, daß solche Opfer zur Herbeiführung eines ehrenhaften und gerechten Frie- Lais notwendig seien. Die Arbeiterschaft besteht daraus, daß Deutschland anerkenne, daß es ein unbedingtes Mindestmaß gebe, das es annehmen müsse. Andererseits dürften die Alliierten ! einerlei Zweifel darüber lassen, daß der Kampf lediglich um Grundsätze und Ideale, nicht um Eroberun- gen fortdauere. Tie Arbeiterschaft verlange Gelegen- h c i t f e st z u st c I k e e ii, i n lv i e w e i t Deutschland bereit sei, ihr Friedcnsprogramm anzunehmen. Deutsch-türkischss Ansmzabkommsn. Budapest, 2. Januar. Der türkische Finanzminister D s ch« v i> B e y«klärte dem Wiener Berichterstatter des„Az Est" bei s»ina»u Aufenthalt in Wien, daß er nach Berlin reisen »fitle, um mit Berireiern dortiger Banken über die Aufnahme einer neuen Anleihe zu verhandeln. Der letzte Finanz- vertrag der Türkei mit Deutschland läuft Ende Februar ab. Die Türkei beabsichtigt nun, einen neuen Vertrag zur Deckung ihrer Kriegsansgaben zu schließen. Dschabid Boy bezeichnete die Nrtilleriefeuer an der englischen West- front— Gefechte bei Prosnes und Ornes— Feuerkampf bei Asiago und im Tomba- Gebiet— Räumung der Zenson- Stellung.** Amtlich. Großes Hauptquartier, 2. Januar 1918.(23. 2. 23.) Westlicher Kriegsschauplak. Heeresgruppe Kronprinz Nupprecht. Bon Dixmudc bis zur Deule war die Artillcrictätiip kcit von Mittag an in einzelnen Abschnitten gesteigert. Nördlich und südlich von L e n S lebte sie in Verbindung mit ersolgreichen Erkundungen vorübergehend auf. Auch zwischen A r r a S und St. O u c n t i n nahm das Feuer zeitweilig an Stärke zu. Die Zahl der in den letzten Tagen südlich von M a r c o i n g gc- sangcncn Engländer hat sich aiif 500 erhöht. Heeresgruppe Deutscher Kronprinz. Nördlich von ProSnes und beiderseits von OrneS er- höhte Gcfcchtstätigkcit. Erkunduiigsvorstößc führten an mehreren Stellen der Front zur Gefangennahme einer Anzahl Franzosen. Oestlicher Kriegsschauplatz Nichts Neues. Mazedonische Front. Keine besonderen Ereignisse. Italienische Front. Die Fcucrtätigkeit war auf der Hochfläche von Asiago «nd im Tomba-Gcbict zeitweilig gesteigert. Der Erste Generalquarticrmcister. Liidcndorff. Abendbericht. Berlin, 2. Jaunar 1918, abends. Amtlich. Von den Kriegsschauplätzen nichts Neues. Der österreichische Bericht. Nichtamtlich. Wien, den 2. Januar 1918. Amtlich wird vcrlautbart: Oestlicher Kriegsschanplatz. Waffenstillstand. Italienischer Kriegsschauplatz. Auf der Hochfläche von Asiago, im Gebiet des Monte Tomba und an der untere» Piave entwickelte sich zeitweise ArtillerMfeucr. Am 20. Dezember früh wurde unsere Besatzung aus der Damm stell» ng bei Zenson ohne Berlnftc auf das östliche Piavc-Nfcr zurückgenviUMen. Der Gegner, der diese Räumung erst am 31. Dezember bc- merkte, hielt bis zn diesem Tage die verlassenen Deckungen fort- gesetzt unter Artillerie- und Minenfeuer. Der Chef des Generalstabes. Finanzen der Türkei als durchaus günstig, trotz des SteigenS der Staatsschuld. Die Türkei besitze ge- waltige Naturschätze, die zur Deckung der Staatslasten heran- gezogen werden könnten. Die Siegelung des türkischen Finanz- Wesens nach dem Kriege wird um so leichter sein, Ivril die in Deutschland ausgenommenen Kriegsanleihen in den ersten elf Jahren nach Friedensschluß weder verzinst noch getilgt werden müssen. Die Fried' ensverhandlungen mit Siußland be- urteilt Dfchavid Beh sehr günstig. Er erklärte, daß die Türkei nach einem Frieden ohne Annexionen und Kriegsentschädigung strebe. Das höchste Ziel des osmanischen Reiches bilde es, aus dem Krieg unversehrt und unter Wahrung seiner vollsten Staatshoheit her- vorzugehen. Das jungtürkische Regime werde erst nach dem Kriege imstande sein, demokratische Skeforme« zu verwirklichen. EZ werden besonders Maßnahmen für die arabischen und armenischen Gebiete ergriffen werden, die unter dem Kriege hart gelitten haben. Die wdhnachtsksnferenz ösr feanzösischen GeWerksckmften. Die ganze französische Presse beschäftigt sich mit den VerHand- luugen in Clcrmvnt-Ferrand. Während die kapitalistischen Zci- hingen den Sieg Jouhaux' und seiner Mehrheit feiern, behaupte: Renaudel in der„Humanilö", daß die Entschließung der Kon- ferenz über die»Internationale und den Frieden" beider Stich- tungen gerecht werde und der Haltung der französischen Sozia- listischen Partei entspreche. Wortlaut der Entschließung. „?lngefichts der gegenwärtigen Kriegslage und der geistigen Un- ruhe, die durck eine gewissenlose und reaktionäre Presse veranlaßt wurde; angesichts der Fehler unserer Diplomatie und des Mangels au Klarheit der Siegierungserkläruugen über die Kricgsziclc, ver- urteilt die Gewcrkschaftskonserenz alle geheime Diplo- inatie und alle 2te r h a n d l u n g e n, die ohne Vor- wissen der St a t i o n geführt wurden; sie verlangt, daß man die St a t i o ii in Kenntnis setzt von den Bedingungen, unter denen ein allgemeiner, gerechter und dauerhafter Friede gc- schlössen werden k ö n n t e. Die Koiifcreuz erinnert an die folgenden Formeln, die diejenigen des Präsidenten Wilson und der russischen Revolution sind, und die auch diejenigen der französischen Arbeiterklasse waren und noch sind: Ke i n e Zl n n e x i o n e n; das Siecht der Völker, über sich selbst zu bestimmen; Wiederherstellung der U n a b- h ä n g i g? e i t und der Unversehrtheit der gegenwärtig b e- setzten Länder; Wiedergutmachung der angerichteten Schäden; keine Kriegsentschädigungen; kein Wirtschaftskrieg näch Einstellung der Feindseligkeiten; Freiheit der SReereiigen u nd der Meere; Errichtung pflichtmäßigcr S ch i cd Sg e r i ch t c, um die z w i sch e u sta a t- licheu Difsereuzpuukte zu regeln; Begründung eine» Bundes der Stationen. In Uebereinstimmung mit den Ansichten der Arbeiter diese» Landes beauftragt die Konseienz den Gewerkschaftsbund, sich mit aller Kraft zu bemühen, von der französischen Siegierung die Bcr- Lffentlichung der FriedenZbedingungen zu erhalten. Sie fordert inständigst die Arbeiter aller Länder auf, von ihren Regierungen eine genau formulierte Veröffentlichung der FriedenSbedingungen zu erlangen. Diese Forderung wurde von der russischen Revo- lution seit Beginn gestellt, und wir stimmen ihr bei, da die» unter den gegenwärtigen Umständen das einzige Mittel zu sein scheint, einem Sonderfrieden vorzubeugen. Aus diesen Gründen und damit diese Grundsätze siegen, be- stätigt die Konferenz das Recht der Llrbeiterklaffe aller Länder im allgemeinen und der französischen im besonderen, an einer internationalen Konferenz teilzunehmen und nötigenfalls sie hervorzurufen." Die Entschließung wurde mit allen Stimmen gegen zwei Eni- Haltungen angenommen. RhserS Begrüßungsrede. In unserem letzten Bericht gaben wir die Begrüßungsrede des schweizerischen Delegierten Riffer so wieder, wie die„Baiaille", das Organ des französischen Gewerkschaftsbundes,-sie veröffentlicht hatte. Wie wir aus der schweizerischen Arbeiterpresse ersehen, hatte die Stelle über die Entfernung des Internationalen Sekretariats aus Berlin einen anderen Wortlaut. Ryser sagte: „Ich wünsche, daß die n ä ch st e internationale G e- Werkschaftskonferenz so schnell als möglich statt- finde, damit d:e Frage der Sitzverlegung des Internationalen Sekretariats erledigt wird und die internationale Tätigkeit der Ar- beitcr begimicu kann." Der§a»l Nrnster. Der Amsterdamer„Telegraaf", da? bekannte Eiitenteblatt. und die ihm nahestehende revolutionäre„Tribuna" bestätigen jetzt, daß Karl Minstcr tatsächlich a u d e r d e u t s ch e n G r e n, e f e st g e- nommen und in deutsche Haft abgeführt worden ici. Sie behaupten mit allem Stachdruck, daß Minster amerikanischer Staatsougebönger sei, daß er im Jahre 1905 die amerikanische Staatsangehörigkeit erworben hätte. Weiter wollen sie wissen, daß er von holländischem Gebiet au-Z verschleppt worden sei. Der nieder- ländische Justizmin ister habe eine Untersuchung darüber eingeleitet und die niederländische Regierung habe die deutsche Regierung er- sucht, vor Beendigung dieser Untersuchung nichts gegen Minstcr zu unternehme». Trotz dieser angeblich authentischen Darstellung bleibt der Fall ziemlich dunkel, da die beiden genannten Blätter keine weiteren Angaben darüber machen, wo der Vorfall sich ereignet haben soll und was Minster veranlaßte, sich in die gefährliche Stühe der deutschen Grenze zu begeben. Sie erzählen darüber fteilich eine merkwürdige Geschichte— Minstcr habe sich mit einem Vertreter der Unabhängigen Sozialdemokratie treffen wollen, um mit ihm über das Schicksal der Angehörigen von Deserteuren zu vcr- handeln, die angeblich in Deutschland verfolgt und bedroht waren, aber das ganze sei nur eine Falle deutscher Agenten gewe'en; man wird indesieu alle diese romanhaften Erzählungen wirklich nicht als Ersatz für eine völlige Aufklärung des Falles hinnehme» können. Der Krieg auf öeu Meeren. Berlin, 31. Dezember. Eines unserer Unterfee- Boote, Kommandant Korvetteilkapitäu Kophnmel, das seine Jährt bis zu üeu Kap Veröefchen Inseln ausdehnte und noch dort im Hafen von Porto Grande zwei große brasilianische(ehemals deutsche) Dampfer versenkte, ist unlängst glück- lich in die Heimat zlirückgekchrt. Personal und Material haben die lange Fahrt bestens überstanden und hierdurch einen neue» Beweis geliesert, ebenso sehr für die gute Zlusbildung der Besatzung, wie tür die Betriebssicherheit«»serer ll-Bvote, die nächst der Tüchtigkeit un- screr Konstruktciirc auch der gewissenhaften Arbeitsweise unserer Werftarbeiter zu danken ist. So tragen auch diese ihr volles TeL zu den Erfolge» des ll- Boot- Krieges und damit zum endlichen deutschen Siege bei. Tie Gcsamtbrute dieses U-BooteS besteht in der Versenkung eines, wahrscheinlich amerikanischen Zerstörers, von 9 Dampfern und 5 Segelschiffe» mit insgesamt rund 45000 Hr.-Reg.-To. Unter den Ladungen der meist von Amerika nach Jlalir« oder Frankreich bestimmten Schiffe befnudcil sich mindestens 10 000 Tonnen Kriegsmaterial, ferner Kaffee, Leder, Weizen, Tupfer, Stahl, Erdnüsse, Gummi in grösiercn Mengen. 22 Tonnen Kupfer hat da» U-Boot außerdem als wertvollen Beitrag für die deutsche Kriegswirtschaft mitgebracht. Seine Majestät der Kaiser hat dem Kommandanten, der schon auf eine SleiHe rühmlicher Kricgslcistungcn zurücksieht, den Orden Pour le Meritc verliehen. Der Chef deö AdmiralfiabcS der Marine. De? preußische Wahlrechtsausschuß. Ein Nutrag auf Einführung des Pluralwahlrechts. Am 11. Januar wird der aus 35 Mitgliedern bestehende Wahlrechtsausschuß des prcuszischeu Abgeordnetenhauses feine Arbeit wieder aufnehmen. Wie das„Berk, Tagebl" erfährt, wird ein Antrag auf Einführung des M e h r st i ni m e u- rechts eingebracht werden, wonach das Stimmrecht u a ch Besitz und Bildung abgestuft werden soll. Wer diesen interessanten Antrag einbringen wird, ist nicht gesagt. Man muß also seine Begierde zügeln, die Namen jener wahrhast preußischen Männer kennen zu lernen, die den Kriegs- >o u ch c r mit einem höheren Wahlrecht belohnen, die Kriegsteilnehmcrfchaft durch Minderung der staatsbürgerlichen Rechte bestrafen wollen. Erfreulicherweise hat die Regierung schon bei der General- debatte im Plenum erklärt, daß für sie das Pluralwahlrccht unannehmbar ist. Sie weiß, daß der Versuch, dieses Wahl- recht einzuführen, zu innerpolitischen Kämpfen führen müßte, wie sie Teutschland noch nicht erlebt hat. Denn es ist eine Ehrenpflicht der Daheimgebliebenen, den kämpfenden Volksgenossen draußen ihre volle staatsbürgerliche Gleich- berechtignng zu sichern. Gelänge ihnen das nicht sofort, so würden sie nach Kriegsschluß mit den heimkehrenden Soldaten zusammen eine Macht bilden, die die Reste der Junker- Herrschaft in Preußen mit einem Ruck zum Kehricht schleudern würde. Eine reaktionäre Politik, deren ultima ratio im Innern die bewaffnete Gewalt ist. wird nach dem Kriege in keinem Lande der Welt mehr möglich sein. Denn die bewaffnete Geivalk kann nicht gegen diejenigen aufgerufen werden, die jahrelang selber die Waffen für den eigenen Staat geführt haben. Möge man also überall rechtzeitig einsehen, daß die Zeit sür reaktionäre Machtproben ein für allemal vorüber ist und den Versuch unterlassen, der Masse der Bevölkerung ein Wahlrecht aufzuerlegen, das sie aus Gründen der Selbstachtung nicht ertragen kann i Nr.Z ♦ ZS. Jahrgang Heilage öes Vorwärts DL!i!»;cstaz.5.Iz�'LZr lal Kartoffelernte unö Kartoffel- ratio». Vom Vorsitzenden des Landarbeiterverbandes Georg Schmidt, Berlin. „In noch ftösicrem Grade als beim Brotgetreide erweist sich die Ermittlung der Kartoffelernte als unzuverlässig"— io stieß es in einer jedenfalls aus amtliches Quelle stammenden Mitteilung in der„Deutschen Tageszeitung" vom 7. Dezember 1917. Es sei eine gründliche Nachprüfung erforderlich, die bis etwa Mitte Dezember abgeschlossen sei. Das bisher, alio bis Anfang Dezember, bekanntgewordene Ergebnis der Kartoffel- ernte stelle ein erhebliches Defizit für die Deckung des Be- darfs dar. Zu dieser Schlußfolgerung dürfte die betreffende anftliche stelle Wohl berechtigt sein, denn wie mir bekannt wurde, bat die Kartoffelstatistik 1917 nur einen Ernteertrag von 2 ä M i l- lionen Tonnen ergtzben. Dabei ist doch allgemein be- kannt, daß wir 1917 eine mindestens ebenso gute Kartoffel- ernte hatten, wie 1913, die damals nach der Reichsstatistik rund al Millionen Tonnen betrug. Auf einem Kriegsernährungslehrgang, der im Herbst 1917 im Herrenhaus stattfand, hat ein Agrarier. Herr von und zu Putlitz, die grünen Hefte der Reichsstatistik als die verlogen st en Bücher bezeichnet, die es überhaupt gibt. So sagt man heute in jenen Kreisen, wenn diese Zahlen zu unbcqu?m werden. Sonst waren den Agrariern die Zahlen der Erntestatistik sehr angenehm, istn sie agitatorisch zu vcr- wenden. Da sich die Erntsstatistik auf die Angaben der Ge- rn e i n d e V a r st e h e r und agrarischen S a ch v e r. ständigen aufbaut, so ist ob'gcs Urteil ja auch in der Rich- tung interessant, wer das Volk belogen hat. Aber auch dann, wenn wir 19 Proz. an der Schätzung von 1913 abnehmen, so verbleibt immer noch ein erhebliches Minus gegenüber 1917. Auch wenn wir die vom Kriegsernährungsamt angenommene Erntcmcnge von 31,5 Millionen Tonnen für 1917 zugrunde legen. Auf dem christlichnationalen Arbciterkongrcß, der Ende Oktober stattfand, sagte Untcrstaatssckretär Edler von Braun, nian habe mit einer Ernte von 95 Zentner pro Morgen gerechnet, es„scheine" sich aber das Ergebnis auf 79 bis 75 Zentner pro Morgen zu erhöhen. Endgültige Zahlen seien vor dem 5. Nove-nber nicht erhältlich. Bis dahin könne der Forderung, die Nation auf-19 Pfund pro Woche zu erhöhen, nicht entsprochen werden. Nach dem 5. November wußte man aber auch noch nicht Bescheid. Am 9. Dezember sagte Direktor Alter vom Kriegsernährungsanst in einer Versammlung in' Hamburg:„Tie 51artoffel habe eine g ü n st i g e Ernte gebracht,„schätzungsweise" 95,5 Zentner pro Morgen. Eine Erhöhung der Ration erscheine deshalb nicht angängig." Es liegt jedenfalls so, d a ß in a n i m K r i e g s e r n ä h- r n n g s a m t a u ch h e u t e n o ch n i ch t w e i ß, w e l ch e n Ertrag die Kartoffelernte ergeben hat. Denn die von diesem Amt ermittelten 31,5 Millionen Tonnen stellen nur den Gesamtbedarf dar, wonach der Morgen 73 Zentner gebracht haben müsse. Ter konservative Abgeordnete v. Ost e n macht sich diese ermittelte Zahl natürlich gleich zu eigen. Am 28. November sagte es dieser Agrarier, daß die zugrunde gelegte Menge von 73 Zentner auf den Morgen schon restlos die gesamte Kartoffelernte erfasse. Wer aber mit landwirtschaftlichen Verhältnissen einiger- maßen Bescheid weiß, wird an eine derartige niedrige Ernte nicht glauben. Ich habe mir daher die Mühe gemacht und bei etwa drei Dutzend Vertrauensleuten des Deutschen Landarbeitcrverbandes über den Ernteertrag pro Morgen angefragt. Erhielt Antworten aus folgenden Ge- bieten: S ch l e s i e n 1, B r a n d e n b u r g 5, P o m m e r n 4, Provinz Sachsen nebst B r a u n s ch w e i g 8. S ch l e H. wig-Hol stein 4, Mecklenburg 8, und je eine aus Hannover und Königreich Sachsen. Der durch- schnittliche Ernteertrag ergibt: Schlesien 192, Brandenburg 78, Pommern 81, Provinz Sachsen und Braunschweig 81. SchlcS- wig-Holftein 78, Mecklenburg 85, Hannover 85 und'Königreich Sachsen 199 Zentner pro Morgen. Die Angaben pro Morgen schwanken zwischen 99—119 Zentner. Dieses Ergebnis der Umfrage sagt Kundigen nichts Neues. Eine d u r ch s ch n i t t l i ch e E r n t e von 89ZentnerProMorgenwarbeiderdlesiähri. gen Ernte, auch unter Berücksichtigung der Kriegseinwirkungen auf die Ernteergeb- nisse als sicher anzunehmen. Auf Boden, der für Kartoffeln schlecht geeignet ist, gibt eS wie alle Jahre einen minderen Ertrag, dafür aber auf besserem Boden desto höhere Erträge, so daß dieser Durchschnitt als gute Grundlage gelten kann. Das Rittergut Schöneiche hat nach seinen eigenen An- gaben 1916 vro Morgen 57,29 Zentner vro Morgen geerntet. Wenn auf diesem mageren Boden der Mark bei der Mißernte von 1916 annähernd 69 Zentner geerntet wurden, so kann man dieses Jahr sicher auf 89 Zentner vro Morgen schließen. Es gibt aber noch besseren.Kartoffelboden in Teutschland, wo höhere Ernten erzielt wurden. Diese Angaben von Landarbeitern, die auch Kartoffeln für ihren eigenen Bedarf bauen, wird wohl auch der berühmte agrarische sachverständige der„Deutschen Tageszeitung", der Rechtsbeirat pcs Bundes der Landwirte, Rechtsanwalt B ö t t- o e r. nickst bestreiten wollen. Dieser Wortgewaltige bezeichnet jede Kritik der Ernährungswirtschaft als agrarvcrhetzcnde, un- gerecht verdachtigend�Phrasen und hat den Mut zu behaupten, seitens der Gewerkschaften und der Sozialdemokratie seien noch keine Produktionsfördernde Maßnahnien Vorgeschlagen worden. Dabei darf man wohl die Frage an den Herrn Rechtsanwalt Böttgcr richten, was er von landwirtschaftlicher Produktion versteht. Ich wäre geneigt, aus den Schreiben der Landarbeiter noch einige Stellen wiederzugeben, aber wegen der leidigen Pavierknappheit will ich darauf verzichten. WaS mir aber ein guter Freund aus Mitteldeutschland schreibt, will ich doch be- kannt geben. Dieser antwortete: „Du willst wissen, wie viel Kartoffeln wir hier geerntet haben. ?.eS sind G-h-imn'ssc, das kann ich Dir nicht schreiben. Wir mußten erst angeben, wie viel Acker wir bepflanzen wallen, dann haben wir muffen angeben, wie viel wir geerntet haben, Ta kannst Du T:r denken, daß ein jeder nicht zu viel angegeben fiat. Wenn ich Dir das nun angebe und Du machst das bekannt, dann erfahren eS die Bauern und ich habe die Schande." Der betreffende Kollege hat wahrlich so gesprochen, wie 99 Proz. der Londleute denken. Darum bin ich auch über- zeugt, daß die von mir ermittelten Ernteergebnisse keintz Höchsterträge darstellen, sondern noch unter dem wirklichen Durchschnitt liegen. Trotzdem ich fast alle der Befragten als gute Verbandskollegen kenne, traue ich in dieser Beziehung nicht weit. Zu dieser Erkenntnis sollte man sich auch im K r i e g s- e r n ä h r u n g s a m t durchgerungen haben ,iind entsprechend die Ernteschätzungen bewerten. Will man aber den Landwirten und deren Interessenten alles glauben, so wird sich aber das Volk kein X für ein U vormachen lassen. Wenn t o t k r ä f- tig zugefaßt wird, kann die Kartoffelration auf 19 Pfund pro Kops und Woche erhöht werde». Auch dann, wenn die Nation erhöht wird, werden noch reichlich Kartoffeln nicht nur an Pferde und Zugtiere der- füttert werden. Was mich veranlaßte, zu dieser Frage Stel- lung zu nehmen, waren die falschen Angaben über den Ernte- ertrag. Diese Behauptungen, um den ganzen Jammer der Kartoffelversorgung zu entschuldigen, sollte nian nicht mehr verwenden, weil sie nicht mit den Tatsachen in Einklang zu bringen sind. Die anderen Schwierigkeiten bei der Kartoffel- Versorgung müssen soviel als möglich überwunden werden. Tie Kartoffel ist das Nahrungsmittel, das dazu dienen muß, den Magen einigcrniaßen zu füllen. Bei einem nochmaligen Versagen in der Kartoffelversorgung, wie es im Frühjahr und Vorsommer 1917 der Fall war, steht sehr viel auf dem Spiel. Das soll man an den niaßgebenden Stellen beachten. Fahrpreiserhöhuug mit militärischer Hilfe. Nach einer hiesigen Zeiiung soll das Generalkommando deZ VII. Armeekorps für die Slraßenbahncn seines Bercubcö einen Mindesttaris von IL Ps. stait des bisherigen 10 Pf.-TarisS zwangsweise und gegen den Willen der Gemeinden angeordnet haben. Eine kaum glaubliche Nachricht. Danach halte sich die militärische Gewalt in Bewegung gesetzt, damit die Dividende der Straßcnbabnaktionäre zu deren Zusriedenbeit bemessen wird. Daß dem Generalkommando jede Befugnis hierfür mangelt und daß eine solche Verordnung deshalb rechtSungttllig sein würde, steht außer allem Zweifel. Aber eS heißt scharf aufmerken, damit nicht die Nachricht aus Westfalen anderswo Mut zu neuen Forderungen erweckt. Vielleicht könnte ja auch der Großen Berliner Slraßenbahn der Gedanke kommen, unser militärisches Organ laste sich davon überzeugen, daß die riesigen Mehreinnabmen der Straßenbahn während der Kriegsjahre doch noch nicht groß genug seien. Wir glauben uns zu erinnern, daß im vorigen Jahre der Versuch gemacht wurde, auf dem Umwege über die Arbenerlöhne eine derartige Wirkung beim KriegSamt zu erzielen. Aber dieses batte das richtige Gefühl, daß die Militärbehörde keinen Beruf habe, sich in die brennendsten Fragen der Groß-Berl>ner Kommunalpolitik ein- mischen und zur schweren Mehrbelastung der minderbemittelten Kreise beizutragen. Und so wird die Große Berliner wohl auch auf diesen neuen Umweg selbst keine große Hoffnung setzen. Die Bevormundung unehelicher Kinder. Die Berussvormundschaft der Stadt Berlin soll eine wichtige Ausdehnung erhalten. Als sie am 1. April 1012 für die von da ab in Berlin geborenen unehelichen Kinder in Kraft trat, wurde zunächst nur an eine Geltung bis zur Vollendung de? 6. Lebensjahres gedacht. Die Beschlüsse der Gemeindebehörden setzten fest, daß nach Erreichung dieses Lebensalters die Kinder aus der Vormundichast der Stadt zu enilasien seien und die weitere Fürsorge für sie dann an Einzelvormünder übergeben solle. Bei den seit 1912 von der Stadl bevormundeten ältesten Kindern würde mit 1918 der Zeitpunkt kommen, wo sie ausscheiden müßten. Ter Magistrat ist aber inzwischen zu der Erkennt« nis gelangt, daß sich die Ausdehnung der Berussvormund ichait für die Unehelichen bis zur Vollendung des 21. Lebensjahres empfiehlt. Er hat das beschlossen und ersucht jetzt die Stadtverordneten um ihr Einverständnis. Hiermit folgt er nur einem Beispiel, das von anderen Großstädten bereits gegeben worden ist. Uebcr 200 Städte des Deutschen Reiches, darunter fast alle Großstädte, haben sich für Beibehaltung der BenirSbormundschaft weit über das 14. Lebensjahr hinaus ent« schieden. Mehrere davon haben sie bis zum 21. Lebensjahr aus- gedehnt, z. B. Leipzig, Dresden, Darmstadt, Elberfeld. Der Berliner Magistrat hebt in der Begründung seineöAnirages hervor, daß die Be- vormundung durch die Stadl den unehelichen Kindern bedeutende Vor- teile gebrocht hat. die ihnen über das 6. Jahr hinaus gesichert und noch gesteigert werden müssen. Die Willigkeit außerehelicher Väter, ihre UiiterhallSbeilräge zu zahlen, läßt oft gegenüber den älier werdenden Kindern nach. Um so notwendiger ist da die Bei- treibung, mit der gerade die Berufsvormundschaft bisher so gute Erfolge für die jüngeren Kinder erreicht hat. Auch die gesundbeit« liche und pflegerische Auisicht der BerufSvormundichasr müsse, sagt die Begründung, den Unehelichen tveiier erhallen bleiben, damit sie vor körperlichen, sittlichen und geistigen Schäden be- wahrt werden. Nach der Sckulenilasiung könne bei Berusswahl. Lehrstellensuche und AiiSbildungSüberwachung gleichfalls die Berufs- Vormundschaft den Unehelichen mehr nützen und fsgeuSreicher wirke» als ein Einzelvormimd. Uebrigens würde infolge des Heeresdienstes vieler Männer eS jetzt gar nicht möglich fein, die nötige Zahl von Einzelvormündern für die nach Vollendung des S. Lebensjahres zu entlassenden Kinder zu finden. In 1913 müßien etwa 1300 Mündel ausscheiden, bei einem Gesamtbestand von jetzt rund 11000. Die Gesamtzahl der seit 1912 von der Stadt in Vormundschaft genoin- menen Kinder belauft sich aus über 22 000, wovoir etwa die Hälfte durch Tod. Legitimalion, Adoption, Wegzug usw. wieder aus- geschieden sitid.J__ Wieder volle Milchration. Die Milchzusuhren gestalten zurzeit, aus die Kinder- und Krankenkartcn wieder das normale volle Milchguantum auszugeben. Demenliprechend werden von heute ab auf die roten Kinderkarlen für die Kinder im 1. und 2. Lebensjahre 1 Liter, aus die blauen Karten für die Kinder im 3. und 4. Lebensjahre �4 Liter und auf die braunen Karten für die Rinder im 5. und 6. Lebensjahre'/, Liter Vollmilch ausgegeben. GlerSzcttig werden die seinerzeit zum Aus- gleich für die verkürzte Mllchportton gesibaffenen Sondernrilchkarten über Vz Liier für die stillende» Mütter für nngüliig erklärt, so daß auf diese Sonderkarten Milch inchl mehr verabsolgt werden darf. Tie Charlottenburger Wafserlverke gegen besondere Gewerbesteuern. Die Charlottenburger Wasserwerke A.-G. führen, wie bekannt. mehrere VerwaltungSstreiiklagen gegen einige Berliner Bororie, die besondere Gewerbesteuern von großer Höhe auf die Anlagen und den Betrieb der Gesellschaft beschlossen haben. Dies hat neuerdings auch die Stadt Neukölln geian. Die Gesellschaft bat gegen die Neuköllner Sieuer Einspruch erhoben: der Magistrat Hai hierüber aber noch nichr befunden. Die Klage gegen die Stadt Schöne- borg, deren Verirag die Gesellschaft, wie seinerzeit niitgetcilt, zuiir 31. Dezember 1919 gekündigt hat. nachdem eine Verständigung mir den» Magistral wegeir einer VeriragSverlängerung nicht zu erzielen war, schwebt gegenwärtig beim Oberverwalnmg-:- gericht: der Bezirksausschuß zu Potsdam hatte sie in erster Instanz abgewiesen. Tie Steuerklage gegen die Gemeinde Zehlendorf ivegen ihrer Veranlagung zur Gewerbesteuer für da-5 Sleuersahr 1015/10 ist zugunsten der Gesellschast ciitschieden worden. Wegen der gleichartigen Veranlagungen für die beiden folgenden Jahre schweben noch die von der Geiellichast erhobenen Klagen. Der Erlrag der an die genannten drei Gemeinden im letzien GeichänSjabre gezahlten Gemeindegewerbesteucrn beläuir sich auf 577 137 M., während die Charlottenburger Wafferwerke nach dem vom Kgl. Steuerausichuß in Potsdam ausgestellten Ver- teilungsplan einschließlich der von de» Gemeinde» festgesetzten Zuschläge für das gesamlo VctteilungSgcbiet eine Gewerbesteuer von nur rund 50000 M. zu zahlen gehab: hätte. Zum Schlitze gegen derartige Sleuerbelastungen haben die Charlottenburger Wasser» werke den staallichen Aufsichtsbehörden ein Gesuch unterbreitet. ?!cue Wege für den Städtebau. Die Vereinigung Berliner Archltekten, Ortsgruppe Groß-Berliir des Bundes Deutscher Architekten, hat den iii Betrocht kommenden Lieichs-, Staat!- und Gemeindebehörden eine Denkschrift übei reicht, die auf den Arbeiten lind Untersuchungen des im Mai 1917 ver- fiorbenen Geh. BauratS Heinrich Katzser beruht und der groß- städtischen Bebauung neue Wege weist. Die Grundlage' dieser neuen Städlebaukunst beruht tu der kubischen Berechuung der Bebauung von Grundstücken, d. h. eS wird nicht wie jetzt der Flächeninhalr deS Grundstücks, sonder» der umbaute R a u,m, der ganze Baukörper, den Berechnungin über die Ausnutzung der Grilndstücke zugrundegelegt. Die Dciili'chrlir weist die Notwendigkeit dieser neuen BerechnungSart an der Hand der unglücklichen baulichen Eilt- Wicklung Berlin»»nd seiner Vororte nach. Das System der Berechnung de» umbauten Raums anstatt der bloßen Flächenberechuung führt da»!, daß nicht das einzelne Hau», da» Herne in» großklädtitchcn Stadtbild nicht mehr die künstlerische Einheit darstellt, sondern der ganze Baublock zur Grundlage' der Bebauung und architekloniichen Gestaltung gemacht werden muß. Jeder Baublock muß ein architckloiiiicbes Ganzes tverven. Die Denkschrift sucht an det Hand von Beispielen und Gegeiibeiivieleir nachzuiveisen, daß nicht mir die äußere Erscheinung der Hänsce durch ihre Zusammenfassung zum Baublock, sondern auch die wohn- lichen und gesundbeiilichen Zustände»n Innern der Hänier gebessert werden. Die Denkschrift schlägt schließlich eine Reihe von Einzel- destimminlgen vor: über die Beschränkung der Grenzbebauung. wo» durch für jeden Baublock ein einziger z u i a m m e n- hängender Innen Hof cnisteht, und über die AuSnutzbarkeit nach der Körperberechmnrg, dem umbauten Raum, wöbet die Be- stimmuiigen sich an die alte Bauordnung anlehnen lönntcn. Vor- anssetzung hierfür ist, daß die Bearbeitung de» Entwurfs ein:» Baublocks in die Hand eines Architekten gelegt wird. Ter Vertrieb von Sohlenschonrrn und-Bewehrungen ist, wie die Ersatzsohlen-Geiellschaft mitteilt, vom 1. Januar an verboten. Nur der Vertrieb solcher Soblenschoner und Sohlenbewebrungcn, die aus kernigem Blank- oder Bodenleder auSgestanzl sind und eins Stärke von wenigstens 2 Millimeter haben, ist noch bis zum 28. Februar gestaticr, unter der Bedingung, daß die Klemverkauf!- preise für daS Stück bei einer Länge von 2 bis zu 3 Zentimeter 4 Pf., bei einer Länge von mehr als 3 Zentimeter 5 Pf. nicht über- ichreiten. Aufwendungen für Verpackung, Kartons und ähnliches dürfen nicht besonders berechnet werden. Lichtspiele Tauenüicnpalast.„Der Weg iiiS Freie' heißt der neue Richard OSwald-Film in dem Bernd Aldor eine Hauptrolle gibt.— Em Lustspiel mit Albert Paulig in der Hauptrolle„Albert kriegt sie doch" ergänzt den Spielplan nach der heiteren Seite hin. Tic Mozart. Lichtspiele am Nolleudorfplatz bringen am Freitag daS vterallige Drama, Vertauschte Seelen" mir Bruno Decarli in der Hauptrolle zur Uraufführmig. Zn der Bluttat in der Kognatstubc, über die wir au» der Jnvalidenstraße berichteten, wird mugeieilt, daß eS gelungen ist, den fohiienflüchtigen Gustav Wenzel zu ermitteln und festzunehmen. Sfrau Wenzel Halle, um thiem Manne einen Schliipswinkel zu ver« chaffen, unter falschem Rainen in der Henr.sdorfer Straße 7 eine zweite Wohnung gemietet, in der sie ihn öfter besuchte. Knminol- beamle beobachteten sie heimlich, entdeckte» io dieie Wohnung, als sie sie DienStag wieder ausiuchte. Man fand dort Wenzel im Bet:e liegen und verbastete ihn. Wenzel hehauplet, er sei bei der Tat so schwer betrunken gewesen, daß er von nichts mehr wisse. Der Wer- haftete, der wegen Einbruchs vorbestraft ist und auch bei neuen Einbrüchen wieder als Mittäter rn Betracht kommt, wurde von der Kriminalpolizer der Militärbehörde Übergeben. Nicht Mord, sondern Selbstmord. Zu dein Mordgerücht in der Philippstraße erfahren wir, daß der Tod der Marie Wiolz so gut wie aufgeklärt ist. Die Kriminalpolizei fand nachträglich in der Wohnung einen Zettel, auf dem die Inhaberin mitte, lt, daß ihr Bruder sie in den Tod getrieben habe. Hiernach hat sie sich nach einem heftigen Streit niit ihrem Bruder augenschemitch selbst mit Gas vergiftet._ Charlottrnburg. Schuhfürsorge. Zur Beseitigung der Schwierigkeiten, die der Bvölkerung bei der Besohluug und Jnstandsitzuug von Schuh- werk entgegentreten, hat die Firma Carl Slillcr tm Austrage des Ma- gistrats Eharlottenburg zwei Annahmestellen für Schuhbesohliing für die Ebartoitenburger Bevölkerung eröffnet: WilmerSdorfcr Str. 45 jEcke Schilleistraße) und Taiientzienstr. 7b(Ecke Nürnberger Straße). Die Preise sind unter Mitwirkung deS MagtstrarS festgelegl. Die Rncklielcriing der zur Besohlnng oder Instandsetzung eingeliefeiten Schuhe foll in längstens 10 Tagen erfolget?. Bei der Ablieferung der Schuhe haben sich die Auftraggeber in den�liinahmestellcn als Charlottenburger Einwohner auSziiweisen, am besten durch Vorlegimg der Eharlvttcnburger AuSweiSkarte für Lebensmittel. Wilmersdorf. Lebensmittel. Bis einschließsich 6. Januar gelangen auf Abschnitt C der Bezugskarte für Eiuzelperioueu 100 Gramm Sago zum Preise von 0,24 M. oder 100 Gramm Buchweizen- grütze bezw. Buchweizenmehl zum Preise von 0,18 M. zur Abgabe. Die Entnahme hat in dem Geschäft zu erfolgen, wo der Inhaber der KezugSlaite in die Kundenttste eingetrageii ist. — Die Kunsthalle(Pariser Str. 45) verlängert ihre WeihnaclitS- auSstellnng bis 1. Februar ltäglich 10— ö, SomiiagS 11—1 Uhr) bei freiem Eintritt. Die Ausstellung bietet in dieser Reichhaltigkeil beste Gelegenheit zur Erwerbung von Kunstwerken. Steglitz. Gegen die lässigen„Schnccschipper" wendet sich der dortige AmtSvorstehcr. Bürgermeister Buhrow,«in einer Bekannt- inachung, worin eS heißt:„Die Straßenreinigung läßt leider uocii immer zu wünschen übrig. Wenngleich ich dankbar anerkenne, daß eine große Anzahl von Hausbesitzern und Mielern in vorbildlicher Werse dieser vaterländischen Pflichr nachgekommen sind, so gibt eS noch immer eine große Menge von Hausbesitzern die gar nichts g c r a n haben. Leider stehen mir Etrafmittcl nicht zur Becküguiig. Ich werde daher ür Zukunft die Namen aller Hausbesitzer oder Verwalter, vor deren Grundstücken selbst in dieser schweren Zerr kjnfiSWch bei; BeselligMg v c r ü f f e» t l i ch c n. von SchnSe und Eis uichi-Z gelnu ist, NcmickcilJwf. SefienSinhfel. Vom 5. nB wird in den Verkaufs- stellen der Gemeinde auf Feld 1 der ÄusweiSkarie eine Dose Fleischkonserve tider eine Dose Vkuiwuisikonserve abIeflebcn. Für minder von 6 Bis 12 Iagren wird vom ü. Januar ab eine Dose kondensierie Milche zum Preise von 1,2S M. ebendaselbst gegen Bezugschein abgegeben. Die Bezugscheine werden von morgen ab gegen Vorlegung des Siaimnbuches oder der Geburtsurkunde bei den zuständigen Vrotkonimissione» ausgegeben. 8l«f Äbschnill 133 der Lebensmilltlkartü werden iOO Gramm Graupen verleill. Die Ablieferung des Teiles A des Nbschniirs 133 bat bis einschiiestlich ___________________________|______|_______............ 5. Fanuar bei einem Kleinhändler zu erfolgen. Die Abgabe der Graupen an die Verbraucher finde: vom'J. Januar ab'statt. Grüna». Aus der Gcmeindevcrtretini.li. Die leiste Sitzung bc- schäfligte sich it. a. auch mit der weiteren Äusgesialtnng des Lebens- rnittclamtes. Nach dem Vorschlage des Gemeindevorfietiers soll ein ans zehn Personen bestehender Vorstand mit der Lcilnng beouftragr werden. Neben dem Vorsteher als Vorsitzendem soll noch der Ge- schästSfübrer, der Lagerverwalter und sieben Mitglieder aus der Bürgerschasl diesen Vorstand bilden. Die in diesem Frühjahr vor- zunehmenden Ergänzungswahlen zur Gemeindevertretung sollen auf Grund der bisherigen allen Listen vorgenommen iverden. l�iefkaften üer?>»süa?t!sn. (f. B. 33;?, 2.-.v- kann doch nur c!n Arzt nach körperlicher Nuicr- inchinig sagen, da die Ursache der Entzündung maßgebend jür die Art der Krankheil ist.— ÄL. S. 75. sie in.— iltiach. Tie Unterstützung must Lünen bis zur Festsetzung der Rente weitergezahlt werden: ko-nmcn Sie evtl, in unsere Svrechslunde.— IVO. Z. Antrag ist beim Gemeinde- Vorsteher enizureichen. ZSetterauZüchleu kür das uiitticr? otarddentichlaud vis Freitag iiiirrag. Zeitivcije heiter, aber sebr veränderlich mit ö'ter wieder- holten, meist geringen, nur im östliche« Küstengebiete starken Schlicejällcn; weitere Abkühlung. Direktion Max Iteinhartlt. Ooutncheit Tlieater. 7 Uhr; Der lebende Leichnam. Kununerspiele. T'/j Ulm: Kinder der Freude. Tolksbiihne. Theater am Eiilewplatz. Unterfrrundb. Sfthünh. Tot, 7'lt Üiir: Was ihr woHt. Dir. C. Mcinhäril— R. Bernauer. Ifieater e. Kßiiiggiälzerstr. 7 Uhr: S>Jo IVilÄentc. KomödJenhatis '/(S Uhr; Die beiden Seehunde. Berliner Theater 71/.ü.:Itiic TnlleKAmtaO. Theater für Donnerstag, 3. Janaar. T-iistspiffthans 78/4 Uhr: Die WDnßen Biels v.Linßeniioi Ccntral-Theator Ivoniniancinntonstraße 67. Drutsohes Opcs-iihans 7 Uhr: Prociosa. Hierauf: Pas bülllscli Gold. Friedrich-Wllliclffisf. Theater r'i.vur: flas BrEißiäilEPiliaos. übester der ligT. HechlchuleM ISUSifc, Fasanenstr I. Sonntag, tz. Januar, 7!?t Uhr: Va�'Cii arleys Taote. Sonntag. 13. u. 20, Jan., 7'/- U.: UlaMc'maii-iN Töchtor. Karl. Werth, u. Theat-Kastellan, Anita Serber Trude Hesterberg Kurt Fuss Jan Paul sowie der vollständig neue Januar-Spielplan Sahnhot FrietfrichstraBo Anfang 7Va Uhr. l, et ich» Saison in Berlin. Das einzig dastehende Janoar-Programni. Thrcr"lö�! Rieh. Sawade i und die übrigen Spezialitiiteu. MMs. Original- Ausstalturnt-Pantomlme. 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Geöjjnet von II— l'-ti und von 4V0— 7 Uhr. 3. ar.chlfrcis: St. Fritz, Prinzenslr. 31, Hos rechts pari. Geösfnel von l I— UM- und von tß'—7 Uhr. 4. Wahlkreis: Osten: 8t o b e 1 1 WengelS, Markusstr. 36. Geofsner von 11— IVi und. von 4>ch— 7 Uhr.— Karl Melle, PtterShurger Platz 4(Laden). Geöffnet von 11— l'A und von 416— 7 Uhr. 4. Wahlkreis: Südosten: Paul Böhm. Lausitzer Platz 14/15. Ge» össnet von 11— 114 und von 416—7 Uhr. 5. Wahlkreis: Leo Zucht, Jmmanelkirchstr. 12 lHof). Geöffnet von II— P-ö und ron 4>6—7 Uhr. 6. Vshlkreis(Moebii): Joseph, WilhelmShavener Straffe 45. Geöffnet von 11— 116 nnd ro» 4'6— 7 Uhr. Wedding: I. Hönisch, Plüllerstr, 34a. Ecke Utrechter Straffe(Laden). Geöfftiet von 11— P» und von 4t!>— 7 Uhr. Rasenthaler und Oranieabnrger Barstadt: A. W a 1 g a st, Wattstr. 9. Geosinee von 11— PA und»»n 4�.— 7 Uhr. Gesundbrunnen: Fischer, Bastiansir. 6(Laden). Geöffnet von 11 bis 116 und von 4"j— 7 Uhr. Schnnhauier Vorstadt: Karl Mars, Greisenhagener Straffe 22. Ve» blfnet von 11— IG und von«'s— 7 Ubr. Adlershos: I e h er st e i n, Bismarckstraffe 82. Alt-Gi!enicke, Fallenberg: S a l z vi a n n, Falkenberg, Gartenstadtstr. 10. Banmschulenweg: Karl Köpfe, Kiefholzstr. 179. Bernau, Röntgental, Zepernick, Schönau,. Dchönbrück und Buch: Heinrich «rose, Bernau, Mühlensir. 5(Laden). Zeitungs-Ausgabestellen und Jnseraten-Anuahme. Bohnsdars: Harlemann, Genoffenschastshans„Paradies' Charlottenburg: Gustav Scharuberz, Scsenheimer Straffe 1, Ge- öffnet von 11— US und von 4 Iii— 7 Uhr. Eichivalde, Schmöckwitz, Zeuthen, Mierodars: Oskar Mahle, Grünauer Siraffe 37. FrederSdari-PelerShaaen: U i f e n w a s f e r, PcterShagen. Friedenau, Steglitz, Südendc: H. B e r n s e e, Steglitz, Mommscnstr. 59. Friedrichshageu, Fichtenau, RalMdars, Echöueiche, Klein- Schönebeck: E r n st W e r t in a n n, Friedrichshageu, Köpenickcr Straffe 18. Friedrichsir. 10. urM- Grünau: Franz Klein »h'arkstr. 23. JshannISthal: M a x G o n s ch: Karsshorst: Frau Sachse, Junker-Jörg-Str 7 II. Königs-Wustcrhauft», Wildau, Niederlchu'.c: Friedrich B a n in a u n, Luckemvaldcr Sirage ä. Köpenick: Emil W i ff l e r, Kictzer Straffe 6(Laden). Geöffnet von morgens 7 Uhr bis abends 6 Übe. Lichtenberg I, Friedrichsselde, SohenschSuhausen: Otto S e i k e I, Warten» bergsiraffe 1(Ladens. Geöffnet von II— 1H und von 414— 7 Uhr. Lichtenberg IX, Nnminelsdurg, Stralau: Ll. Rosenkranz, Alt-Dox- Hägen 56. Gcvsfnei von>1— 1 G nnd von Vt— 7 Uhr. MahlSdarf, Kaulsdors, Biesdorf: P. H e ff b e r g, Kaulsdors, Ferdinand- straffe 17. Mariendarf, Maricnjeldc:?lugust Lcip, Chanffecstr. 29. Neukölln: 21t. Heinrich, Neckarstr. 2(Laden). Geössnct von 11— 114 mid von 4'4-— 7 Ubr. Neukölln-Britz: Rohr, Siegfriedstr. 28/29. Geöffnet von 11—114 und von 41«!— 7 Uhr. Riederjchöneweide: Wilhelm Unruh, Brückenstr. Iff, ll. Zlowawes: Karl Krobnberg, Eisenbahnstr. 10. Oberschöneiveide: Ida Freidank, SiSmarckstr. 25, l. Pankalv, Niederschönhaufea, Nordeud, Frauz.-Bnchholj, Blaulenburg: R i ff m a n n, Pankow, Mühlcnstr. 70. Rcinickendars-Lst, Aiilhelmsrnh und Schönhali: P. G n r s ch. Provinz- straffe 56(Laden). Geäiincl»on Ii— 1 Vj und 4,.i— 7 Übt. Sch-ukeudoss bei KönigS-Wnsterhansen: Chr. H a» s ch? e, Dorsstr. 10. Schöneierg: Wilhelm Saumler, Meininger Straffe 9(Laden). Geöffnet von 11—114 und von 411— 7 Uhr. Spandaa,«irmeasstad!: E. Stahl, Spandau, Marschallstr. 10. Tegel, Barsigwalbc, Wittenau, WaidmaunSluft. HermSdorf, Hoheil-Neucii- borf,«»rkrnwcrber, Freie Schelle und Neiuickendors-Vrst: Paul K i e ii a st, Sorsigwalde, Ziänschsir. 10. Geössnct von 11—114 und don 414—7 Uhr. Teltew: Pfeifer,.Ha,elstr. 2. TeinheHef: Ru». Neckermanu, Kaiscr-Wilhelm-Straffe 74. Trctztola: R e b. G r o m e n z, Kiefholzstr. 412, vorn I Treppe. Weitzensce, HeinerSdarf: G u st. R o ff k o p s. Verlincr Ä-Ice II. Wilmrrsderi, Halensee, Schmarzendors: Paul Schubert, Wilhelms» anc 27. Zossen: Fr. Ratsch, Berliner Straffe 24. Sämtliche ParteiNteratur sowie alle wissenschaftlichen Werke werden geliefert. Sonntags sind die Ausgabestellen geschlossen. Nr.Z—1�1$ Slwnerstag, Z.�ar.usc Petersömg�KieW. Einer der besten Nustlandkeuner Frankieich?, der Redakteur der„Dspüche de Toulouse", Jean Pölissier. ist für�Iicb au-Z Rußland zurückgekehrt und versucht, freilich mit deutlicher Tendenz, da» alle und neue Rußland wie es sich in den Gegensätzen Petersburg-Kiew, oder moskowitische-Z Rußland und Ukraine darstellt, zu schildern. Er schreibt: Wenn man Petersburg in der Richtung nach Kiew verläßt, fühlt man sogleich, daß man sich nach einer anderen Ä-eli begib!. Petersburg ist eine hyperborcanische Stadl: Kiew, obwohl im gleichen Breitengrad wie tstille gelegen, hat schon südlichen Charakter. Petersburg ist eine Bsohlbmilensi eitle ininitien von Sümpfen und in einer der enterbteste« Gegenden der Welt. Alles riecht nach Schimmel, alles hat ein Aussehen des Elends, des Verfalls, des Alters. Bereits um Ende August zeigen sich tausende von Vor- zeichen: die langsam steigende Kälte, der niedrig Hangende Himmel, das fahle Licht, der Nebel, der unaufhörliche Regen! Die Frauen mit ihren reizenden Harinomlastieselti. die enormen Holzstapel, die an den Landung? glühen', in den Hotelhöscn imd Hosräumcn der öffentlichen und privaten Gebäude aufgeschichtet Iverdcn, kurz alles läßt ein unbarmherziges Klima und einen langen Winter voraus- schon, gegen den man sich rüsten muß wie gegen einen scharfen Angriff. Kiew dagegen, die Mniier der russischen Slädie lmd die Hauptstadt der Ukraine, aus sieben Hügeln erbaut, die wie ein gewaltige? Vorgebirge sich über die Steppe erheben, über die Steppe, die grenzenlos ist wie das Meer, während an ihrem Fuße gleich einer Schlange der Tnjepr dahinrollt-, Kiew, versteckt unler Blältcrgrüii und unter der Pracht eines blauen Himmels, stolz auf die Zausende von Kircken mit den goldenen Kuppelkrouen, die einem ins Gedächtnis i uteri, daß sie in Rußland die Wiege des östlichen Christen- mm? waren— Kiew strahlt eine Atmosphäre des lleberslusseS aus, der Sorglosigkeit und Fröhlichkeit, wie man sie nur in Ländern der Sonne findet. In Petersburg hat augenblicklich da-Z Volk ei» schäbiges und unglückliches Aussehen, das Blitleid crlveckt. Die Menschen haben ein hartes, zurückhaltendes, mürrisches Aeußere. Wenn sie einen anreden, bat ihre Stimme einen aggressiven Ton und gereizten Klang. Man hat stets Lust, ihnen zu sag«::«Mehr Nerven, bit'.e:" Da? Empfinden setz! sich fest, daß aus jeden die llnsichcr- beit des heutigen politischen ZustandcS stbergegangen ist und die schmerzliche Sorge um das tägliche Brot tu! das Uebrigc. Man ist sich bewußt, daß seder von dem Gefühl geplagt wird, laß das, was das alle Rußland war, zusammenstürzt und im Morast versinkt. Die küninicrliche Menge, die ganze Nächte hintereinander in eisigster Kälte ansteht, um mit Hille der Karle ein klein wenig Bröl oder Fleisch lausen zu können, die Menge, in der man Arbeiter. Bürger. Soldaten, Greise, Frauen und Kinder erblickt; dann die wilden Springfluten von Menschen, die die Trambahnen bestürmen und sich gegenseitig nm Ellbogen und Fäusten bearbeiten,— denn die Mietkutschen sind unbezahlbar und verlangen 10— rö Rubel für die kürzeste Fahrt— die Beschränkungen, denen man sich sogar in den erstklassigsten Hotels unterwerfen muß, wo man für ein ab- icheuiichcs Diner 10— 12 Rubel rechnet; kurz, daS alles macht den Eindruck der Trübseligkeit und des wirklichen Mangels, den man in der Hauptstadt der Ukraine nichr findet Hier sind mir immerhin im Fentrum des Getreidelandes, des Zucker- und GcrstenlnndcS, des KvriUandeS. inmitten einet überreichen Erde, die ungezählt ihre Wohltaten verschenkt an die. die sich der gc- ringsten Mühe uiüerzieben, sie zu bebauen. Natürlich hört man auch über Einschränkungen klagen und über die Polonäse!! vor Bäcker-, Metzger- und Aigarrenlädeü, so wie eS sroilicb m igmz Rußland ist. Aber es ist schon auffällig, daß hier die Polouäsenreiheii nicht so laug sind wie in Petersburg und daß sie wenigstens nichr ganze Nächte andauern. Eigentlich scheint niemand unler den Ein- schränkungen besonders zu leiden. Im Garten des»Kasino der Kaufleute", dem wundervollen Schloß, von dem aus man nicht müde wird, die zauberische» Sonnenuntergänge zu bewundern, die sich in den trägen Wassern des Dnjepr widerspiegeln, bewegt sich jeden Abend et» Strom sröhlichcr, unbesorgter Menschen, elegant und leickn gellcidete Damen, zwischen Osfizieren und Sol- baten, Bürgern und Arbeitern. Sie lustwandeln und lauschen den Klängen der Musik, die eine Militärkapelle jeden Abend vernehmen läßt. Es dünkt einem dies eine immerwährende Spmmerlirchweih und man bat Mühe, sich zu denken, daß im gleichen Aiigenblick ganz Rußland in den Zuckungen einer Krise liegt, die sein Leben bedrohen. ES fällt einem schwer, sich hincin- zudenken, daß während der Rückschläge in Galizien, nach dem Ber- lust TarirvpolS und KaluSz und dem Vordringen gegen I Beiiarabie» die Belürchtung einer Räumung der Stadt die Gc- i müler beunrubigte. In den besten Lokairn. im„Conlineutal" oder j „Grand Hotel" ist noch für< Rubel ein Diner zu bekommen, das � besser ist als das, für das man in Petersburg 12—11 Rubel bezahlen muß. Eigentlich jst die Teuerulig in Petersburg vor allem anderen eine Folge der Transportkrise. In Kiew sind alle Vorräte reichlich vorhanden und deshalb kann man trotz der Beschränklurgen, trotz eines riesigen Schleichhandels, alle?, was man braucht, Verhältnis- mäßig billig bekommen. Lediglich die FabrikationSware ist. wie im ganzen übrigen Rußland, außerordentlich teuer. In den Tram- wägen herrscht dasselbe Gedränge wie in Petersburg, die gleichen Knäuel Menschen hängen an den Trittbrettern. Um Strom zu sparen, bat man den Betried um ein Drittel eingeschränkk. Einen guten Eindruck mackt die Ordnung, die sonst da? Publikum zu halten sich bemüht. Von selbst, ohne Abschließung, ohne die Aufsicht der Polizei— mit der seit der Revolution aufgeräumt ist—, ohne Reihenfolgenumniern steht das Voll seine Polonäse, und des Abends, weuii die Geichäfle und Fabriken schließen, verlängern sich die Reihen der Anstehenden zu einein endlvien Band, Aber das Volk ist gut- mütiger Natur und zeigt keine Nervosität. ES lacht, vergnügt sich über einen Spaß und lauscht mit iumgein Genuß den Geigen- spieler» und Sänger» in Gchrock und Zililid'erhut, die für Fröhlich- keit sorgen...._ vichter in Papiernst. Wenn wir bei der steigenden Papierknappheit wohl auch nicht b fürchten müssen, es löniite sotvei: kmnmen. daß das Papier fehlen würde, um den recht zahlreichen Dichtern und Schriftstellern zu mangeln, ihre mehr oder weniger unsterblichen Werke aus Papier zu bringen, so kann man sich doch ivoh! vorstellen, daß manchen Autoren da? Geld fehlen kann, uin das immer teurer werdende Papier zu kansen. Das war schon manchmal der Fall, als das Papier noch nicht so teuer war ivie jetzt. Peter Hille, den im- pralmchen, sorglosen Dichter, inaugel'.e e? trotz aller Zu- Wendungen seiner Freunde nicht selten an diesem nötigsten Material, seine Gcistcserzeugnisse sestzuhalieu, und viele seiner Dich- lunaen. besonders auch seine herrlichen Aphorismen schrieb er im Kaffeehaus mit dein Bleistift, den er sich vorn Kellner lieh, auf den Rand von alten Zeitungen nieder und brachte sie so zu de» Redaklionen. Von dem französischen Dichter Gerard de Nerval(1800—1805). dem sernfühligen Neberietzer deutscher Dichtungen, der in einer geheim» niSvollen, nie völlig aufgeklärten Weise, vermutlich durch' Mord, ums Leben kam, wird erzählt, daß er sich ost in den Restaurants, in denen er speiste, die allen Speisekarten mitnahm, um aus ihrer Rückseite zu schreiben. Sv soll ein Teil seiner„Faust"- Uebemtznng in die Druckerei gewandert sein. Wen» nicht an Papier, so doch au Federn hat es Grabbc zeitweilig gemangilt; wenn man seinen An- gaben trauen darf in dieser Beziehung. In seinem Schreiben an den Kronprinzen, späteren König Friedrich Wilhelm IV. von Preußen. heißt es:„Da übermannte mich die ausgelassenste Lustigkeit, und ich schrieb mir einem abgebrocheiieu Schweselhölzchen. welrbeS ich in Ermangelung einer Feder in die Tinte tauchte, das Lustspiel nieder, welches ich als Probe meines Talentes hier beizulegen wage". Der Druck öer Lichtstrahlen. Daß das Licht einen Druck auszuüben vermaKJ ist schon von Maxwell angenommen, und ipäler von dem großen russischen Physiker Lcbedcff an seiner berühmten Lstbtmüble nachgewiesen worden. Später bat dann der schwedische Physiker Arrhenius dieie Entdeckung da u verwertet, um die eigentümliche Tatsache aufzuklären, daß die Schwerte der Kometen meist in die von der Svime abgcwandle Nicht u rtai! �'r gestreckt find. Auch hat er den kühnen Gebunlen ausgespkochen, dag„.nz-..,; durch den Lichtdruck ivinzige Keime von einem Weltlörper aus 1 einen andern hinübergelangen und dadurch das Leben im Weltall verbreitet sein löniiie. Um winzige Körperchen müßte es sich freilich handeln, denn der Schätzung nach beträgt der Lichtdruck der Sonnenstrahlen aus einen ganzen Ouodratkilonieter der Erdobee- fläche, ivenil ihr die Strahlung ungeichwächt zukäme, noch nicht ein halbes Kilogramm. Der ganze Mond würde einen Druck von 6 Millionen Kilogramm erfahren. Das cischemt zwar an sich als ein sehr bedeutender Betrag, aber er verschwindet gegen die anderen im Weltraum ivallenden Krästc. Sogar der Neptun, der äußeiste der Planeten, wirkt ans den Erdenmond noch mit einer Anziehung von 3 Billionen Kilo- aramm. Im Laboratorium war es bisher nicht gelungen, die Wirkung deS Lichtdrucks genauer zu erforschen, da alle zunächst in Betracht gezogenen KLiperchen noch bei weitem zu groß dafür waren. Durften sie doch mir einen Durchmesser von etwa'/loa«« Zentimeter besitzen. Nunmehr bat der Wiener Physiker Ehreuhait höchst geistvolle Becksuche ausgesührt, die nicht niir diese Schwierigkeit«» über- ivuuden, sondern sogar eine weitere überraschende Eiudeckmrg von noch nicht abzuschätzender Bedeutung erbrachr haben. Tie kleinen Körperchen fand dieser Forscher in den Teilchen von vor- dampiicin Gold, Silber oder Ollee'siiöer. Die Lerdampfiliiz wird im elektrischen Lichtbogen erzielt, und die Kü zeichen des Edelmetalls bleiben im Raum schweben. Durch einen seinen Apparat, der den Namen Lichtzange erhalten hat. wird in diesen Raum der Strahl einer Bogenlampe geleitet, dessen Energie dreihundertmal größer ist als die der Sonnenstrahlen, wie sie an der äußeren Grenze unserer Atmosphäre anlangen. Durch ein Mikroskop konnte nun Ehrcuhast auf? genaueste beobachten, wie da" Licht die winzigen Metallteilchen in der Richtung seiner Strahlen fortstieß. Es zeigte sich aber ferner, daß schwerere Körperchen,>vie die Verbrennungsteilchen einer Zigarre gegen sie heioegr. also scheinbar vom Licht aug'zogen wurden. In manchen Fällen ließ sich geradezu wahrnehmen, wie die beiden Strömungen, mir den Lichtstrahlen und in entgegen- gesetzler Richtung, sich gegeneinander bewegten. Auch die Kräfte, mit denen diese Beweg» ngidi ersolgen. haben sich messen lasien/ obgleich sie für unsere Begriffe unendlich klein erscheinen. Die Be- wegung gegen das Licht hm ist eine vollkonmien neue Tatsache und bisher noch durchaus räiselhast. Durch sie wird aber erklärt, daß auch in den Kometenschweisen Strömungen erkennbar sind, die, cal- gegen der Regel, der Sonne zugewandt sind. »-» Kann man von ösr Eröe zum Mars telegraphieron! Die Frage, ob zwischen Mars und Erde eine Verbindung, ein GedankeuanZlausch möglich sei. ist ost ausgewoifen worden, und die Dichter haben sie in Phaniasieromancn mehrfach behandelt. Ter Leipziger Physiker Oliv Wiener hat sie nnn jmigsthin in einem Vortrage gestreist, den die„Deutsche Revue" veröffentlicht. Danach scheint e°, vom rein physikalischen Standpunkte ans betrachtet, nicht ausgeschlossen, von der Erde eine Botschaft zum Mars zu senden. Die elektrische Wellenielegraphie lväre es. deren man sich bedienen müßte. Die Reichweite der clck» irischen Wellenielegraphie ist während der letzten Jahre ganz ge- wollig aesleiaerl worden t sie albeilet mit Sltöiüen von vielen hundert Ampöre: die Motfxtaster, die zum Senden der drahtlolcn Telegramme rstuig sind, gleichen dem Stampfivcrk einer Fabrik. Von Nauen ans hat man bis nach Togo, ja bis nach Dculsch-Südwest-Asrika telegraphieren können. Tie Groß- stationen sind schon so iveil gekommen, daß Zeichen nm das Halbe Erdenrnnd gegeben iverden können, und der Bau von Einrichtungen, deren Zeichen ans der ganzen Erde bemerkt werden können, ist nur noch eine tvirtichestliche Frage. Bei genügender Bergrößetung aller Einrichtungen würde man dabin gelangen, von der Erde nach einem anderen Orte unseres Sonnensystems drahtlos zu telegraphieren, etwa die Wellen bis zum Mar? zu schicken. Man beauchle dazu srcilich Apparate, die nach dem gegenwärtigen Stande d.x Technik vielleicht eine Billion Pirrdelräfte betätigen müßten, ein Utuenuchmen, das allerdings mehr kost-m würde, als man mit Aussicht aus Erfolg gut ins Werk zu setzen loggen dürste. Wissen ivir doch nicht. ob den Menschen wesensverwnndte Geschöpfe auf den anderen Planeten unseres Sonnensystems wohnen,. noch wohnen oder schon wohnen, und wenn sie eS tun, ob sie gerade die Apparate Höne», um solche Zeichen wahrzunehmen und zu beachten. Wissen wir doch auch nicht, ob unter den vielen elektrischen und inagitehschen Siö- rungen, die unsere Apparate anzeigen, auch solche sind, die von solchen Geschöpfen aus anderen Planeten ausgehen. Das könnte!» beurteil»«, wenn ivir alle vorhandenen Störungen restlos imstande wären. Notizen. — Der Verband zur'Förderung deutscher Theatcrkultur hält am Sonntag, den 0. Januar, 12 Uhr piuiltlich, eine öffentliche Kundgebung über Zweck und Ziel des Per- bände-* im Leising-Theater ab. Unter den Rednern ist Reichstags- abgeordneter Heinrich Schulz und Präsident RickUt. —„DaS junge D e u t s ch l a N d", die neue Geftllschaft, die sich die Pflege unaufgeführler Dramen zur Aufgabe gestellt Hai, spendet jedem ausgeführten Tichicr 1000 M. Alle sonstigen Ein- nahmen sollen aw Preise und Förderungen vergebt« werden. — Das Staalsidear im Wandel der Z e i i e n kantet daS Thema einer Vorlesungsreihe, die Dr. Bacge am Freitag, den 4. Januar, ö'/j Uhr, im Humbferbräu sTanentzienjtr.'I) beginnt. 2] Töchter öer hekuba. Ein Roman aus unserer Zeit von Clara Vicbig. Sie schreckte zusammen. ES hatte geklopft. Erschrocken sah sie nackt der Tür. Das Mädchen war cS.„Gnädige Frau." sagte die junge Person mit den blanken Augen und lächelte,„ich lvollte ja nur fragen, ob gnädige Frau etwas wünschen? Der Herr hat gesagt, wir sollen nachsehen, wenn's zehn ist. Der Herr wollte nicht stören, gnädige Fratt schliefen noch." „Ich schlief nicht." Tie Frau sagte es förmlich verletzt: wie konnte er annehmen, sie schliefe? Nur die Augen hatte sie geschlossen gehalten, alS er noch einmal den Kopf in ihr Zimmer steckte. „Der Herr läßt grüßen," sagte das Mädchen wieder. „Er ist in die Stadt gefahren. Es. ist ein Brief gekommen heut morgen." Man sah ihr die Wichtigkeit an.„Heeresfache" stand dranf." „Heeressache?!" Die Frau fuhr auf. Das Mädchen sah sie ganz mitleidig an.„Gnädige Frau sind immer gleich so ängstlich. Nein, was Schlimmes ist es nicht, der Herr war ganz vergnügt als er fortging." Vergnügt— er konnte vergnügt sein?! Ein etwas ver- bitterter Zug kam in das schmale Gesicht der Frgn. „Soll ich jetzt das Frühstück herausbringen?" „Nein, danke, Emilie. Ich habe keinen Hunger." Das Mädchen zögerte noch.„Gnädige Frau, und dann ist die Frau Krüger unten. Sic wollte sehr gern den Herrn sprechen. Wir sind all? ganz aufgeregt. Wir meinen auch: e r ist es!" „Wer denn?" Frau Bertholdi wandte kaum den Kopf; es war ihr ja allcS so gleichgültig, sie war nur ärgerlich über die Störung. „Nun, der Gustav, der Krüger ihr Sohn. Sie hat doch eivig lange uichts von ihn: gehört. Nun hat sie'n Bild unten, ein Bild von Gefangenen. Da ist ihr Gustav mit bei. Sie möchte es der gnädigen Frau auch gern mal zeigen." Gustav Krüger— nicht möglich?! Nun war Hedwig doch nicht ganz teilnahmlos mehr. Sie verließ das Bett und warf einen Morgenrock über.„Lassen Sie Frau Krüger heraufkommet."--- Die Kriiger stand auf der Schwelle des Schlafzimmers, j Ihre in die Breite gegangene Gestalt und das ganz ergraute Haar ließen sie älter erscheinen, als sie in Wirklichkeit tvar. Man sah es ihr nicht an, daß sie erregt war. Ihre tiefe Stimme klang ruhig:„Sie haben ihn doch auch gekannt, Fran Bertholdi, schon als er noch'n Junge war; er ist ja ungefähr in einem Alter mit Ihrem Heinz. Nu sehn Sie mal, i-Z er das«ich?!" Rasch trat sie näher und hielt ein Blatt, das sie bis dahin in den Falten ihres Nockes gehalten, der andern dicht vorö Gesicht. Es war eine illustrierte Zeitung: „Deutsche Gefangene ans Korsika" (nach einer englischen Aufnahme). „Da ist er! Da. da!" Die Krüger tippte mit dem Finger auf einen der Gefangenen. An dem Zittern dieses Fingers merkte man nnn doch, daß sie erregt war.„Und so natürlich! So stand er immer: den Kopf vor. den Rücken 'n bißchen krumm. Ich Hab immer gesagt: du mußt dir grader halten." Die tiefe Stimme wurde leise:„Und wenn er auch jetzt gefangen is, wenigstens kommt er doch ivicder!" Hedwig Bertholdi wurde verlegen. Sie hatte vergeblich in dem Gefangenen Gustav Krüger zu erkennen gesucht. In der Haltung mochte etioas Aehnliches sein. Das war aber auch alles. Die Gesichter waren sämtlich unklar, hellere Flecke; einer sah tme der andere ans. Sie schwieg. Der Blick der Krüger hob sich jetzt von dem Blatt und bohrte sich in ihr Gesicht.„Sie meinen doch auch, das is er?" „Es wäre wohl möglich— eS ist möglich", verbesserte sich Hedwig rasch. Sie suchte nach Worten.„Es ist schwer, auf solchem Bilde mit Bestimmtheit jemanden herauszufinden. Ich kenne ja auch Ihren Sohn nicht so genau, wie Sie ihn kennen." „Ich bin die Mutter", sagte die Frau kurz, lind dann, wie nm sich selber noch mehr zu vergewissern, hielt sie sich das Bild dicht vor die Augen und trat dann, als sei cS ihr noch nicht hell genug, ans Fenster. Der Sommersoiuicnschein slutere herein und umwob die dunkelgekleidete Gestalt mit goldenem Geflimmer. So stand sie ganz regungslos ein paar Minuten mitten in der größten Helle und starrte in die illustrierte Zeitung. Hedwig zog ihr Morgcnkleid fester um sich, es fröstelte sie auf einmal, obgleich es heiß war: die Frau täuschte sich— sie täuschte sich sickvrlich— aber wer konnte den Mut haben, ihr das zu sagen?! ganz über- alltägliches „Mso Sie meinen, er is es uich!" sagie plötzlich die Krüger und trat vom Fenster weg. Nun stand sie im Schatten im schwarzen Kleid mit blassem Gesicht. Ihre Stimme war tonlos. Hedwig wehrte:„Oh nein— ich meinte ja nur- ich dachte— Sie müssen das natürlich besser wissen." '„Ich weiß es." Tie Stimme der Krüger hatte jetzt .wieder Klang.„Das is mein Junge. Mein guter alter Junge!" Sie preßte die Zeitung an ihre Brust,„'ne Mutter täuscht sich uich. Nein!" Sie lächelte beruhigt, zeugt. Dieses Lächeln verschönte ihr breites, Gesicht. Hedwig wagte nichts darauf zu erwidern— die Krüger täuschte sich auch doch wohl nicht, eine Mutter erkennt ihr Kind nach so langer Zeit, und wo es auch sei. Sie hielt der audern die Hand hin.„Dann freuen Sie sich Frau Krüger. Aber"ivanim hat Ihr Gustav nur so lange nichts von sich hören lassen? Das ist doch sehr unrecht von ihm." „Unrecht— unrecht?!" Die Frau grollte.„Freilich unrecht. Aber iver sagt denn, daß er alleinc unrecht hat. Ich Hab auch unrecht gehabt." Sie trat-Hedtvig näher.„JÄ will Ihnen sagen, Frau Bertholdi, warum der Junge so lange«ich geschrieben hat. Ich ich bin schuld dran. Der Gustav halte nämlich hier eine. Und als er von der Garnison nochmal hier war auf Urlaub, wollte er sich kriegstrauen lassen mit ihr. Sie war in der Hoffnung. Ich hab's nich zugegeben..Wer. weiß, ob das Kind von dir is', Hab ich gesagt. Sie tvar eigentlich sonst ganz ordentlich— fleißig ivar sie— aber ich Vitt Sie, Frau Bertholdi, man will doch nich, daß'n junger Mensch, der doch mal ivas hat, sich eine an den Hals hängt, die nischt is und nischt hat. Besonders hübsch lvar je auch nich und älter als er. Ich begreif ja den Gustav uich sie verbesserte sich rasch—„Hab ihn nich begriffen. Er is eben so anständig. Den ganzen Urlaub haben wir uns deswegen rumgehabt,'s war schon nich mehr schön. Zuletzt hatt' ich ihm die Sachs doch ausgeredet. Mer froh is er nich drüber gewesen. Am Morgen, als er fort- machte, hat er mir uich mai die Hand gegeben. Und darum hat er auch nicht geschrieben— an keinen." Sie atmete tief auf:„Gott sei Dank, daß er lebt! Daß er nich für immer von mir gegangen is im Bösen." Ihre Hände schlangen sich ineinander wie beim Beten;„Gott sei Dank!" (Forts. fciäU Gin Freund warnte ihn! 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Sachlich erfährt man aus ihr, toas ohnehin jeder weih, der die Verfassungsentwicklung in den deutschen Bundesstaaten verfolgt hat und was jedermann leicht erfahren kann, der die einschlägigen Gesetzestexte zur Hand nimmt, dag nämlich in den verschiedenen Bundesstaaten die vcrschio- denartigstcn Wahlsysteme herrschen, und Sah namentlich von den kleinen mancher ebenso reis und noch reifer für eine gründ- liche Reform ist wie in Preußen. Es gibt kaum ein Wahlsystem, das nicht irgendlvo in einem deutschen Kleinstaat ein bescheidenes Dasein fristet, und ein Student des Staaisrechts hätte hier Viel auswendig zu lernen. Tas Zweikammersystem besteht außer in Preußen noch in Baden, Bayern, Hessen, Sachsen, Württeinberg und Elsaß-Loihringen. In inner Anzahl von Kleinstaaten besteht ein verkapptes Zweikaminersystem, in dem die beiden Kammern äußerlich zu einer zusammengezogen sind, deren Abgeordnete zum Teil gewählt, zum Teil ernannt oder nur von einigen Privilegien gewählt werden Tas ist der Fall in Anhalt, Rcuß ü. L., Reuß j. 5., in Brauuschwcig, Sachsen-Weimar, Schaumburg-Lippe, Schwarzburg-Sondershausen, den Hansestädten usf. Ter einzige Schluß, der sich aus der ganzen Buntscheckigkcit unserer kleinstaatlichen Verfass ungszustände ziehen läßt, ist der. daß ein eiserner R e f o r m b e s e n notwendig ist, der mit all diesen Verfassungs- raritätcn aufräumt. zum miiitänschen Staatsstreich. Wo liZcilit der S)orck? Tis Alldeutschen sind mit der Entwicklung der Tinge in Brest-Litewsk nicht zufrieden und deswegen fordern sie kurzer- stand zur Revolution auf. Freilich nicht zur Revolution des Volkes, da wostl selbst bei ihnen kein Zweifel darüber stc- steht, daß noch nicht ein Tausendstel des deutschen Volkes sich für die alldeutschen Eroberungsziele gegen den Abschluß eine» Verstandigungsfriedens erheben würde. Sie fordern eine Re- volutwn der Generäle.„W o bleibt der Nor ck?" über- schreibt die„Deutsche T igeszeitung" ihren von Fritz Bley ver- faßten Leitartikel, der mit den Worten schließt: „Wo bleibt der Jorck, dessen die notvolle Zeit hangend und bangend wartet? Ist nicht einer unter allen Paladinen?" Die Erinnerung an Uorck ist unzweideutig. Es werden stier die Generäle aufgefordert, einfach über den Kopf der Regierung hinweg auf eigene Faust und nach ihren Grundsätzen mit dem Feinde zu verhandeln bzw auch die Verhandlungen abzubrechen und den Krieg fortzu- setzen. Was das bedeuten würde, bedarf keiner Auseinander- wtzung. Norck bat es gewilßt und dem König seinen Kopf zu Füßen gelegt. Er behielt ihn, weil er im Sinne der geschicht- Wstrtl Notwendigkeit YMidelte und das Volk hinter sich hatte. Ter Gevcral, der ans die Aufreizung der„Tuetschen Tages- zeicung" hin heute den Jvrck spielen wollte, würde erfahren, daß es bei ihm mit der bloßen Geste des zu Füßen gelegten Kopfes nicht das Bewenden haben dürfte. Denn hinter ihm stände nichts weniger als Volksmeinung oder geschichtliche Notwendigkeit, er würde doch nur als Werkzeug einer kleinen Schar unzufriedener Erobern ngs- Politiker handeln. Für die Charakteristik der Alldeutschen soll dieser Zwischenfall unvergessen bleiben. AIS die Revolistionsdrohun- gen des alldeutschen Generals z. D. von G e b s a t t c l gegen Bell, mann Hollwcg bekannt wurden, da leugnete die all- deutsche Presse, daß cS sich um konkrete Drohungen gehandelt stabe, eS sei nur die Warnung des besorgten Patrioten vorder nicht mehr zu zügeluden Volkswut gewesen. Ist der Ruf nach dem neuen Jorck auch nur eine Warnung? Er ist eine ganz konkrete Drohung und Aufreizung zum militärischen Staatsstreich. gegen Lichterfelöe. Zu den in der Presse vcrbreitelen Nmbrichlen über eine Eingabe der NahnmgSmittelstelle des Gemcindevorsiandes Bcrlin-Lichterfeldc leilt die R e i H s st e l l e f ü r G e m Ü s e und Ob st mit. daß die Befürchtung, der Abschluß einer ausreichenden'Anzahl von Liefe- rnngSverrrügen über Gemüse für den Herbst tStS werde eine lln- mä Aich keil sein, unbegründet ist. Die einlaufenden Nachrichten leisen vielmehr erkennen, daß die Kommunalverbände und Groß- iribrancher auf diesem Gebiete bereits jetzt in umfangreicher W eise und mit ni c h r Erfolg tätig sind, als im verflossenen Fobre gegen Ende Februar. Dies bedeutet eine» Boriprung von s a st z>v e i M o n a t e n. Daß viele Anbauer den Vertrags- abschlnß von der Bereitstellung von Gemüses amen lind künstlichem D ü n g e r abhängig zu machen gneigt sind. ist zutreffriid. Als eine unentschuldbare � Jrre- f ii h r u n g der offentstchen Meinung würde es sich aber darstellen, wenn der Gemeindevorstand Berlin-Lichterfcbdc wirklich bchanprtt baben sollte, daß dank der Dispositionen der Reichs- si e l l e für Gern ii f e und Obst beide Artikel sGcmüsesamen und künstlicher Dünger) vom Markte verschwunden seien. ES ist all- gemein bekannt, daß infolge einer völligen Mißernte der Mangel an Eemfiseiamen verbäugnisvoll zn lverden drohte. In monaiclanxcn Bemühungen ist eS aber der Reichsstelle für Gemüse und Obst gelungen, diese» Mangel fast ganz zu be- ! c i t i g c n. so daß nur cm, s u a h m S w e i s e einmal ein Anbauer feinen Wunsch nach Beliefening init Gemüsesamen nicht erfüllt sehen wird. Hierüber bälte der Gcmcindcvolsiand Berlin-Lichtorfelde sich leicht Auskunft einhole» können. Eöenlo mußte ihm bekannt sein, daß die Reichsstelle für Gemüse und Obst mit der Bewirtschaftung des künstlichen DüngerS nichts zu tun hat, daß im übrtgen die wichtigsten Sonett seit Kriegsbeginn für militärische Zwecke mit Beschlag belegt sind. Dein Ernst der Zeit emipricht es nicht, wenn eine Kommunalbehörde mit derartigen irrigen Angaben die öffentliche Meinung zu beeinflussen und auf diese Weise Maß- nahmen, die im Juteresse der Allgemeinheit notwendig sind, zu durchkreuzen sucht. Soweit die Reichsstelle für Obst und Gemüse. Wir geben Herrn v. Tilly zu, daß er eine sehr kräftige Sprache führt, die fast an die Tillys des Aelteren heranreicht, und der Lichterfelder Gemeindevorstand dürfte in Erinnerung an das Schicksal Magdeburgs, das jenen älteren Tilly zum Feinde hatte, zittern. Aber hinter diesen Kraftworten verbirgt sich in Wahrheit nichts als die Hilf- und Ratlosigkeit des versagenden Systems W a I d o w. Iii der Wirklichkeit sehen die Dinge sehr viel anders aus, als sie Herrn v. Tilly an seinem grünen Tisch erscheinen, und trotz aller kategorischen Erklärungen verspüren die Beteiligten wirklich die vorhandenen Mißstände. Solange die Jnne- Haltung der Liefcrnngsverträge abhängig gemocht wird von N a t u r a l g e g e n I e i st u n g e n, zu denen die Gemeinden vielfach außerstande sind, muß das System versagen. Traum irnö Mrklichksit. Ein Kriegsbeschädigter schreibt unS:„In der„Deutschen Zeitung" phantasiert ein Ungenannter darüber, was geschehen würde,„wenn durch ein Zauberwort unsere vor dem Feinde stehen- den Söhne und Brüder auf einen?lngenblick nach Berlin versetzt wenden könnten" und den vor dem Reichstag aufgestellten Scharen einige alldeuische Hetzfragen vorgelegt würden. Der Per- fasser phantasiert sich dann die Antworten der Feldgrauen znrecht, die nach seiner Idee lauten werden:„Raus mit den MehrhcitS- abgeordneten au» dem Reichstag" uwd ähnlich und schreibt dann: Die Männer, die diese Antwort erteilen, sind der Kery und die Kraft des deutschen Volkes. Ihre Stimme ist die mahgebcnbe, nicht die der Herren Erzberger und Genossen. Ja, aber mit Verlaub, die„Antworten" sind doch nur der Traum des alldeutschen Verfassers. Tie Wirklichlei: sieht ganz anders aus. Tie Probe, die die„Deutsche Zeitung" an- strebt, ist bereits gemacht worden. Ich selbst war mit zugegen, als sich vor einigen Wochen in einem der größten Säle des Zcn- truins Berlins Tausende von Kriegsbeschädigten versammelten— also alles Männer, die ehrenvoll vor dem Feind gestanden hatten. Diese nicht phantasierten, sondern echten Kriegsteil- n e h m e r von Fleisch und Blut stimmten ab— aber ganz anders, als es in der„Deutschen Zeitung" steht—, denn sie faßten einstimmig eine Protestresolution gegen das Treiben der All- deutschen und der Vaterlandspartei...... Tie Männer, die diese Antwort erteilen, sind der Kern und die Kraft des deutschen Volkes. Ihre Stimme ist die maßgebende..." Sehr richtig. Aber sind die nur- in der Phantasie eines Alldeutschen bestehenden KriegSteil- nehmer maßgebend oder die wirklichen? Doch sicher die wirk- lichen! Aber alsdann— warum erkühnt sich die„Deutsche Zeitung" noch immer zu reden, nachdem experimentell festgestellt ist, daß die Meinung der für sie allein maßgebenden ilriegsteilnehmer gegen sie steht?!" �__ HevorZugung öer vaterwnöspartei. Aus einer kleinen Anfrage des Abg. Stubbe(Soz.) erfährt man, daß der preußische Kriegsminister eine Verfügung erlassen hat, wonach die Deutsche Vaterlandspartei nicht als poli- t i s ch e r Verein im Sinne deö§ 49 Abs. 2 des Neichsmilitär- gesctzcs angesehen werden kann und demnach keine Berechtigung borlicgt, M i l i t ä r p e r s o n e n den Beitritt zur Deutschen Vater- landSpartci zu verbieten. Diese Verfügung ist auffällig, weil allgemein Militärpersoncn die Zugehörigkeit zu politischen Vereinen nachdrücklich verboten wird, loie beispielsweise der stellvertretende kommandierende General des 9.'Armeekorps eS verboten hat, im Heer und ist der Marine llstitglieder für politische Vereine, namentlich Wahl- vereine, zu werben. Tie Verfügung ist auch sachlich unberech- tigt, weil die Deutsche Vaterlandspartei als eine ausge- s p r o ch e n c politische 5k a in p f p a r t e i gegen die Mehrheits- Parteien des Reichstags gegründet worden ist und deshalb bchörd- licherseits nicht anders behandelt lverden darf als diese. ES verdient hervorgehoben zu werden, daß der bayerische Kriegsministcr auf eine Anfrage des Abg. Müller-Meiningen ge- antwortet hat, daß er die Vaterlandspartei nicht anders behandele als andere politische Parteien. Kleine Aufragen. Aus dem neuen Verzeichnis der beim Reichs- lag eingegangenen kleinen Anfragen feien folgende hervorgehoben: TaS Landgericht I Berlin hat eine Klage auf Schadenersatz wegen verweigerten A b k e h r s ch c i n s abgewiesen und das erstinstanzliche Urteil des Gewerbegerichts aufgehoben, weil das G e w e r b e g e r i ch t für derartige Klage fachen u n- zuständig sei. Eine Anfrage des Abg. Körsten sSoz.) hebt fcertwr, daß durch dieses Urteil einem großen Teil der Arbeiter der Rechtsboden entzogen ist und fragt den Reichskanzler, was er zu tun gedenkt, um diesen Uebelstand zu beseitigen.— Nachrichten ans dem Lande zufolge wird angesichts des WohnnngS- mangels von den Behörden vielfach die Benutzung de r Dach- und Kellerräume zu Wohnzwecken wieder zu- gelassen. Ein gemeinsamer Erlaß der preußischen Minister des Innern und der öffentlichen Arbeiten vom tz. Oktober 1917(den wir hier wiedergaben. Red. d.„Borw.") weist zwar ans das Bedenk- liche solcher Wiederznlassung hin, will sie aber für eine Heber- gangSzeit nicht ausschließen. Der Abg. Silberschmidt lSoz.) fragt an, was der Reichskanzler auf Grund Artikel 4 Ziffer 13 der ReichZverfassung zu tun gedenkt, um dieser die Ge- sundhcit des gesamten Volkes gefährdenden Entwicklung vor- z u b e u g e n. Wie cS in den Kram paßt. In einer Verieidigung der Mon- archie gegen dw westlichen Demokratien rechnen die„Berliner Neuesten Nachrichten" der Monarchie auch als besonderes Ver dien st das Friedensangebot vom Dezember 191 9 an. Als das Friedensangebot erging, da wurde es in der all- deutschen Presse keineswegs als Verdienst, sondern als eine Niederlage Teutschlands bezeichnet. Wie's trefft! Weßlick, verzichtet. Wir berichteten bereits, daß der anii- semitische Kandidat riir Bautzen-Kamenz, Glasermeistcr Wetzlich, von seiner eigenen Organisation ans den Sand gesetzt worden ist. Nunmehr gibt er das Rennen auf und Hai nach einer Meldung kou- servativcr Blätter seine älandidatur endgültig niedergelegt. StsotsmonopoZe in RußZanö. Der folgende Aufsatz behandelt Monopolpläne der Regie- giernng KerenSkis macht aber einige Motive für die senialio» nclle Einfübrnng des B a n k m o n o p o l S durch die Bolsche- iviki klar. Dieses Bankmonopol— dem eine Monopolisierung der Lebensversicherung folgen soll— er'cheint als ein Glied in einer umfassenden Monopolisiernng wichtigster Gewerbe, zugleich auch als Mittel zur Ueberwinoung privat- kapilatistischer Wieerstände. Wie viel sich von dem Werk der Bolichewiki in nächster Zukunft erhalten wird, ist ungewiß; sicher ist ihnen nur der Ruhm, wie sie in der Politik und in der Finanzwirtichaft mit revolutionärer Energie neue Wege gewieieu haben. D. R. Neben der Bewirtschaftung zahlreicher Lebensmittel und Roh- stoffe, wie sie auch in anderen kriegführenden Staaten stattfindet, hat die provisorische Regierung Nußlands seit ihrem Bestehen drei regelrechte Aaatsmonopole eingeführt. Es handelt sich in allen drei Fällen um Handelsmonopole, und zwar für Ge- treidc, Kohle und Zucker. Am straffsten war ursprünglich die Durchführung des noch im März beschlossenen GctreidemonovolS gedacht. DaS gesamte Korn, das damals vorhanden und jedes Korn im Halm, wurde als zur Verfügung einzig und allein des Staates stehend proklamiert. Der Ankauf und die Sammlung des Getreides wurde lokalen Ernährungskomitees übertragen, und die Verteilung lag besonderen Organisationen in Petersburg und in den Provinzen ob. Das Prinzip der öffentlichen Bewirtschaftung wurde dadurch gewahrt, daß das Getreide ausschließlich in die Hände der Kommu- nalkörperschaften gelangen durfte, mit Ausnahme natürlich des Teiles, der für die'Versorgung der Armee bestimmt war. Die Kails- leme wurden gänzlich ausgeschaltet. Um das Getreide auf den Markt heranzulocken, sah sich die Regierung im September gezwue- gen, die Ucbernahmcpreise generell zu verdoppeln. Dieses heroische Mittel, wogegen sie sich die ganze Zeit gesträubt hatte. scheint indessen wenig geholfen zu haben. Die auf die Getreidczu- fuhren angewiesenen Gebiete und Städte leiden nach wie vor infolge unzureichender Belieferung. Auch das Kohlen m o n o p o l entsprang der Notwendigkeit, die Regelung der Verteilung herbeizuführen. Das am 14. August in Kraft getretene Monopolgesetz steht die Errichtung einer Zentral- stelle in Charkow vor, die über die gesamte Kohlenprodukiion zu ver« fügen hat. Monatlich wird ein-Verteilungsplan ausgearbeitet, der dann den Zechen bekanntgegeben wird. Den Zechen wird ange- wiesen, an wen sie im nächsten Monat zu liefern haben. An erster Stelle haben die Eisenbahnen, dann die Kriegsindustrie Anspruch, beliefert zu werden, während für die privaten Verbraucher recht wenig sibrig bleibt. In Rußland ist eben das Holz noch immer das lvichtigste FeuerungSmatenal. DaS dritte Monopol, das Z u ck et m on o p ol, wird� dagegen ausschließlich aus rein f i s k a l i s ch e u Gründen eingeführt(die Zuckerproduktion ist syndiziert). Die Rolle, die der Staat dabei übernimmt, beschränkt sich darauf, daß der von den Fabriken er- zeugte Zucker aller Art, sowie der etwa aus dem Auslände eingeführte Zucker vom Staate übernommen und an den G r o ß- Handel zum Vertrieb wciiergegeben werden soll. Dabei sollen die Genossenschaftsorganisationcn bevorzugt werden. Da die lieber- nahine und der Absatz des Juckers zu festen Preisen zu geschehen hat, so werden die Großhändler und dv sonstigen Vermittler einen bestimmten Provisionssatz empfangen. Im Hinblicks darauf, daß zurzeit noch weitere Monopole vorbereitet werden, so z. A. für Zündhölzer, Tabak, Tee usw., wird die Errichtung von staatlichen Verkaufsstellen, wie dies früher mit den Schnapsläden der Fall war, für spätere Zeit in Aussicht genommen. D au n s o�i l der Handel gänzlich ausgeschaltet werden. Der Reinertrag des Juckermonopols wird schon für das nächste Jahr in Höhe von einer Milliarde'Rubel(inklusive der Akzise) er- wartet! Dadurch soll auch eine sehr wesentliche Verteuerung des Zuckers in Kauf genommen werden. Ter Preis wird nach Gebieten verschieden— indessen in von der Regierung von vornherein be- stimmten Grenzen— festgesetzt. So wurde er jetzt für Feinzucker zwischen 93 Kopeken und 1,4g Rubel und für Würfelzucker zwischen I Rubel und 1,3» Rubel für ein russisches Pfund(499 Gramm) festgelegt! Das Zuckermonopol tritt am 1./14. November in Kraft. Im Wege allen Monopolen steht jedoch die Frage der Be- fchaftung der Umsatzmittel. In den ersten Monaten haben sich die Banken bereit erklärt, das Getreidemonopol finanzieren zu helfen, wozu Milliarden erforderlich sind. Im Laufe der Zeit, mit der zunehmenden Unordnung, vornehmlich aber dadurch beeinflußt, daß die Revolution immer weitere wirtschaftliche Ziele sich zu stecken schien, steigerte sich der Widerstand der Banken, so daß die Regie- rung immer mehr in die Enge getrieben wurde. Schließlich blieb ibr beinahe nur die Rotcnprcsse allein zur Verfügung, doch vor- schlimmerte jede neue Emission von Papiergeld die ohnehin traurige Lage. Jetzt, nach langem Hin und Her, wurde für das Getreide- Monopol ein Kompromiß mit den Bauien abgeschlossen. Ter ganze Aufkauf des Getr.eidcs,.allerdings zu festen'Preisen, wird wiederun?. den Kaufleuien übertragen, so daß der frühere HandelSMarckk von neuem in Tätigkeit tritt. Nur- die Verteilung wird behördlich be- trieben. Dwfe Nachgiebigkeit der Regierung rief natürl'� auf feiten der Demokratie Unzufriedenbeit hervor, die noch fortzu- besteben scheint. Während beim Kohlenmonopol die Sache viel einfacher liegt, stellten die Banken beim Zuckermonopol der Regierung die ultimative Forderung wegen Beibehaltung des Handelsapparats, was auch von der Regierung gutgeheißen wurde. Allerdings müßte jeder Versuch eines vollkommen vom Staate gehandbabteu Monopols von vornherein an dem Mangel an geeigneten Kräften, an dem Fehlen eines einigermaßen befriedigend funktionierenden Regierungsapparats scheitern. In den letzten Tagen brachte der Drabt Milteilungen von neuen bereits beicvlosscnen Monopolen— auf Tee und Zündhölzer. Einige Zeit vorher sicherte sich der Staat 30 bis 49 Proz. der Beteiligung an den drei inaWbniden Elektri- zitätSftrmen Rußlands: dar Allgemeinen Elektrisitätsgesellschast, Siemens und der„Gesellschaft vom Jahre 1839". Die Staatswirt- schaft der jungen Republik nimmt gewaltige Dimensionen an, sie tritt damit in die Phase schwerster Konflikte mit dem Privaikapital ein. Lette Nsckrichten. Aiokscntiew vetchastet. Petersburg, 2. Januar.(Meldung der Petersburger Telegraphen-Ageutur.) Awksentiew, einer der'Organisatoren der Junkcrcrhcbnng, der sich in Petersburg verborgen hielt, ist in seiner Privatwohnung verhaftet worden. Einigung der Sowjets mit der Nada? Petersburg, 2. Januar.(Meldung der Petersburger Tele- graphenageniur.) Nach Mitteilungen der Abordnung, die von Kiew zurückgekommen ist, um den Zwist zwischen der Macht der Sowjets und der Nada freundschaftlich beizulegen, wird die Möglichkeit fest» gestellt, daß der Zwist freundschaftlich beigelegt Wird unter dem Gesichtspunkte der Einrichtung e i n e r n e u c n R a d a der Sowjets, wobei ihr Einflußkreis mehr criveitert wird. Die Zentrairada beabsichtigt, das Ultimatum des Rates der Voltskom- missare zu erfüllen, vorausgesetzt, daß die Ukraine mit Geld ver- sorgt wird und ein amtliches Dekret die Republik der Ukraine anerkennt. Wie die Abgesandten sagen, wird die Ukraine die Getreideausfuhr nach G r o ß- R u ß l a n d nicht sperre n. Nußland gibt Finnland frei. Petersburg, 1. Januar. Meldung der Petersburger Tele- graphenagentur. In seiner Antwort ans das Ersuchen der finuländischen Negierung bezüglich der Anerkennung der Un° abhängigkeit der finuländischen Republik bringt der Rat der Volkskounnissare in voller Ucbereinstimmung mit dem Grund- satz der freien Selbstbestimmung der Nationen im ausführen- den Hauptausschuß folgendes in Vorschlag: k. Anerkennung der politischen Unabhängigkeit der sinn- ländischen Republik. 2. In Uebcreinstimmung mit der finuländischen Re- giernng Einsetzung eines Sonderausschusses von Vertretern beider Parteien zur Ausarbeitung derjenigen Maßnahmen, die sich aus der Trennung Finnlands von Rußland ergeben. GeweckschasisbewMng Erstarkung der Unternchmcrorganisationen. Bezeichnend iür die orgcinisatoriiche Ersiarlung der Uniernehmer- orzanisationen selbst in der KriegZzeit sind die Vorciänge in der . Vrnuindustrie. Nach dein TalistkeirSbericht dc-5 Deutschen Brauer« � bnndeS sUnterncbinerverbaiideS) sind denr Bunde im Geichäiröjabr lSlS/t? noch 234 einzelne Brauereien beigetreten-; über 10t) Braucreiverbände geboren ihm als korporative Vereine an. So ist die Talsache festzustellen, daß der Brauerbnnd das gesamte Braugewerbe, vom größten bis zum kleinsten Betriebe, mit den Hunderttausenden in ihm schaffenden Männern und dem in ihm arbeitenden nationalen Werte ,tm Betrage von 3 bis 4 Milliaiden Mark vertritt. Mit dieser vollen, restlosen Ilmiassung der Gesamtheit eines größten deutschen Jndustriezwerges steht der Deutsche Brauerbund einzig da im deutschen Wirlsttmstslebeii. Die Zahl der Angestellten des Bunde? stieg infolge der aus- gedehnten knegswirtschasilichen Tätigkeit von 16 am Anfang des Kriege? auf 104 Mitte Oktober 1917. Der Bund bat durch seinen Anschluß an den Bund der Industriellen sich einen starken Riickhalt geschaffen; er verlangt auch eine Vertretung im„Deutschen In- dmtrieiat", um liamentlich für die UebergangSzeit und für die ipätcre Gestaltung der Produklions- und HandclsbedinguiiZcii die Interessen deS Braugewerbes wahren zu können. Natürlich wird die so starke Ilnrernchmerorganisation auch bei zukünftigen Lohnsragcn ihr gewichtiges Wort mitreden wollen. An- zsicken dafür sind schon worhanden. In Versammlungen deö VnndcZ ist schon daraus hingewiesen worden, daß die von den Arbeiter- organiiationen angestrebten Lohnerhöhungen ernste Aufmerksamkeit erfordern. Die Lohnfrage soll in einer Zentralstelle, im Bohlott- schutz-Verband für Brauereien, bearbeitet werden. Die Unter- nebmer halten die während der Kriegszcit zugebilligten Lohn- erhöhungcn nur für vorübergehend; sie hoffen auf eine Preissenkung der meisten für den Lebensunterhalt notwendigen Gegenstände, und denken damit sicher auch eine Kürzung der Löhne vornehmen zu können. Wieweit Meie Hoffnungen sich erfüllen werden, steht noch sehr dahin. Jedenfalls haben die Arbeiter— und zwar nicht nur in diesem Gewerbe, sondern in allen Industrien— ein großes Jnter- esi« daran, für eine Stärkung ihrer Organisationen sehr bedacht zu sein und nicht etwa, schlechten Beispielen folgend, durch organisa- lorische Zersplitterungen ihre ivirtschaftliche Kraft zu schwächen. Wilhelm Rössek, der zweite Vorsitzende de' Deutschen Textil- arbcilerverbandeS, ist, wie das Vcrbandsorgan„Der Textil-Arbeiter' auf Grund bestiminter Mllteilimgen anS dem rumänischen KriegA- gefaugenenlager Sipote berichtet, bereits am 2l. Februar 1917 dort verstorben. Mit Nösiel ist ein Mann dahingegangen, der sich nach jeder Richtung hin prächtig entwickelt hatte und noch zu großen Hoff- mingen berechtigte. Bekannt ist sein Wirken in der internationalen Vereinigung der Textilarbeiter. In seinem Wohnorte Lichtenberg batle R. ein Stadtverordnctenmandar inne, dein er mit großem EUer oblag. Der grausame Krieg hat nun seinem ferneren Wirken für immer ein Ziel gesetzt. DaS Buchdruckgewcrbe und der Krieg. Inwieweit die lange Dauer des Krieges auch das Arbeitsver- bält'.n« im Buchdruckgewercke beeinflußt dar, zeigt eine interessante Vetracht-.iiig im„Korre'pondent für Deutschlands Buchdrucker und Schriftgießsr". Darin wird betont, daß nur wenig mehr als 30 000 Gehilien norb in ihrem Berufe tätig sein werden, während etwas über 30 000 Berbandsmitglieder sich beim Militär befinden; nn- gesäbr 10 000 aber konnten als Entlassene oder Bcurtauble in der schwachen beruflichen Heimarmes wieder tälig fein. Der Gehilfen- ersag ist fast nur durch weibliche Personen gedeckt worden, die meistens am Handsatz und auch häufig an Setzmaschinen anzutreffen sind. Ende Oktober waren bereits 3172 Frauen und Mädchen i» den Buchdruckereien an Gehilfenplätzen tätig. Bis zum Jahresschluß illiid indessen nur noch mir einer kaum nennenswerten Vermehrung dieser Zahl gerechnet, denn die Hoffnung aui die Frauenarbelt im Buch- drnckgewerbe bat sich nach mancherlei Äuslassimgen. namentlich auf der Tagung deö Tarifaussckusses. als übertrieben herausgestellt. Dagegen ist in starkem Maße ein neuer Zufluß an Lehrlingen zu verzeichnen, io daß für die Ausbildung dieser Kriegslehrlinge die lebhaftesten Bedenken geltend gemacht tverden. Daß der„Korrespondent", der trotz der langen Dauer des Krieges immer noch dreimal in der Woche erscheint, wie alle Ge- werkichaiiSblätier sich in bezug auf leinen früheren Umfang erheb- liche Beschränkungen auierleaen mutzte, sei nur iiebcnbei erwähnt. Die Auflage ist indessen cisreulicherweiss gegenüber 1916 fast die gleiche geblieben._ Die„Dachdecker- Zeitung", bisher Wochenschrift des Zentral- Verbandes der Dachdecker Deutschlands, kann wegen Papiermangels und Verteuerung der Herstellungskosten vorläufig nur noch alle 14 Tage erscheinen. Redaktion und Zentralvorstand hoffen, daß diese Einichränkung bald vorüber geht und in nicht allzu ferner Zeil wieder zur wöchenilichen, später auch wieder zur achtsciligen Ausgabe ge- schritten werde» kann.____ 25 Jahre Verbandsangestelltcr. Der Vorsitzende des Verbandes der Porzellan- und verwandten Arbeiter und Arbeiterinnen Deutschlands. Georg Wollmann. kann am 1. Januar 1918 auf eine 2öjähiige Tätigkeit als Auge- stelltet des Verbandes zurückblickeu. Das VerbanvSorgan„Die Ameise" bringt in ihrer Nummer vom 28. Dezember des allen Jahres einen die auiopierungsvolle Tätigkeil des Jubilar? ehrenden Artikel deS Verbandsvorstandes und der VerbandSreviioren, in welchem feiner Verdienste für die Orgainfatton anerkennend gedacht wird. Emen außerordentlichen BcrbandStag beruft der Deutsche Kürichnerverband iür den 25., 26 und 27. Februar d. I. nach Hamburg. Aus der Tagesordnung steht u. a. neben den üb« licken geschäftlichen Angelegenheiten auch die Regelung der Zeitungs- frage._ öesthastigung heeresentiassener Wir lesen in der soeben erschienenen neuesten Nummer deS „Kricgsamt" als eine Mitteilung der Kriegsamlstelle Münster: Die starken Anforderungen, die der Krieg an die Industrie stellt, machen es erforderlich, ihr die Facharbeiter, die zunächst ziira Heeresdienst einberufen waren, bald wieder zurückzugeben. Es ist anzunehmen, daß heute fast jedes für dieKriegswirnchast in Anspruch genommene Werl über seinen allen Stamm an Onalilätsarbeitern toieder verfügt. Wenn trotzdem gegenwärtig die Nachfrage nach Albeitern noch eine sehr große ist, so findet das seine Erklärung darin, daß einmal die Fabriken viel'ach über ihren srüberen Umfang hinaus beschäiligt sind, andererseits die HeereSersatzsrage ein allmähliches Herausziehen der kriegSverweuduiigSsöbigen Arbeiter erforderlich macht. Um so unverständlicher ist eö, daß eine An- zahl großer und größerer Werte mit den Arbeitskräften eins Ber- fchwendung treibt, die im�Jntereffe des Heeresersatzes unbedingt vermiede» werden muß. So werden wiederholt Arbeiter, die von den Arbeiteralliiahmestellen der Werke für einen Teilbetrieb an- genommen werden, wieder entlasten, weil sie sich den Anforde- rungen der Arbeit, für die man sie annahm,»ich! gewachsen zeiglen. Anstatt min innerhalb des Werkes eine anderweitige Beichäftigungsmöglichkeit oder eine Umstellung zu erwägest, kündigeu die Werke derartigen Arbeitskräften. Es liegt bier zweifellos ein bedauerlicher Mangel in der Organisation vor, der den Werken selbst zum Schaden gereicht, weil ihnen auf diese Weise manche brauchbare, lveun auch an anderer Stelle ver- wendbare Arbeitskraft verloren geht, auch mit Rücksicht darauf, daß die Industrie immer mehr zur Herausgabe der jungen !v. Arbeiter gezwungen wird. Ein derartiges Abstoßen von Arbeitskräften wirkt aber besonders verbitternd und denn- ruhige nd, wcun es sich bei den Zurück- gewiesenen um einen Kriegsteilnehmer oder Kriegsbeschädigten Handel:, die sich m e i st bei ihrer alten Betrieb sa bleilung gemeldet haben, und nun bänsig d i e E r f a h r u n g m a ch e n»i g s s e n, daß sie infolge der mitgemachten Strapazen usw. den A u f o r d e r u n g e u nicht mehr gewachsen und gezwungen sind, andere zuträgliche Arbeit zu suche n. Die militärischen Stellen, denen nicht allein die Sorge um die LelstnngSsähigkeit der kriegSwirtschastlicheir Betriebe, sondern auch die Berantwortung obliegt, für eine ökonomische, die Heeres- interesien fördernde Ausnutzung der Arbeitskräfte sowie die Pflicht für Arbeitsgelegenheit unterer aus dem Kriege vorzeitig entlaste- neu Arbeiter zu sorgen, können solchem Verfahren nicht teilnahmS- loS zusehen. Aus. Anregung der KriegSanitstelle Münster bat daher das Stellvertretende Generalkommando VII. Armeekorps veranlaßr, daß die Bezirkskommandos und die auf den größeren Werke» eingerichteten militärischen Könlrollstellen alle jene Fälle auf- klären und zur spräche bringen, wo ein zur Aibcit übe, wiese»« oder in Zugang gekommener Wehrpflichtiger sinsbeionaere ehe- maliger Werksangehöriger) auS nicht stichhaltigen Gründen ab- gewiesen oder nach einigen Tagen wieder einlasien wird, ohne daß die Möglichkeit geprüft wurde, ob der betreffende nicht mr anderer Stelle im Werk seinen Platz ausfüllen könnte. Dieses„verbitternde und beunruhigende" Abstoßen von Arbeits- kräften wird schon beute in der Zeit des Arbeitermangels geübt. Der Dank der Unternehmer für dieKiiegsbeschädigten und sonstigen Heeresteiluebmer hat ein eigentümliches Gesicht. Daß es anders aussehen tvürde, haben wir gar nicht erwartet. Deshalb ist ja atlch in den sozialpolitischen Forderungen des Würzburger Parteitags verlangt worden, daß durch eiire Zwangs st rase den Unternehmern die Pficht zur Ei»r st eilung von Kriegsbeschädigten auferlegt werden müsse und daß den Kriegsteilnehmern nach Möglichkeit die Wiedcreinstellung in den alten Betrieb zu sichern sei'. Pariläliiche Schlichtungsstellen sollen über die Voraussetzungen der Wiedercinstcllung entscheiden. Was auf Grund der gemachten Elsahrungeij, vom Parteitag als uolwcudig erkannt wurde, findet hier,- seine gewisser- '.»aßpn amllichc Begründung. Sic wird fraglos nicht unbeachtet bleiben; wie man? treibt, io gehtS. Wir denken uns den Dank für die, die da draußen standen, anders, als cS bei einem Teil der Unternehmer der Fall ist. Und wir wollen auch dafür sorgen, daß den nur aus ihren Profil bedachten und aus dem Vollen iviri» icbaflenden Unternehmern gesetzlich klargemacht wird, daß sür die Unterbringung der Kriegsteilnehmer und KnegSbeschädigten keine Profitintereffen maßgebend sein dürfen und können. Partemachrichten. Kautsky über seine Eutlassuilg. Als sich der Partsivorftand nach langem. Zaudern zur Rüctverwandlunci der„Neuen Zeit" und„Gleichheit" in sozial- demokratische Blätter entschloß und die Kautsky, Wurm und Zetkin entließ, da konnten die„Gcmaßregelten" und ihre Freunde nicht genug über den„rohen Gewaltstreich" jammern. Da lohnt es sich doch Karl Kaut skys Meinung über das Verhältnis der Redakteure zu den„Parteiinstanzen" zu per- nehincn, als er nicht Gemaßregelter, sondern bloßer Zuhörer war. Im Jähr IWö schrieb er anläßlich des„Vorwärts"- Konfliktes in der„Neuen Zeit": Der Journalist muß in seinem Blatte togauS tagein reden über die verschiedensten Themata, deren Auswahl ihm keines- Wegs freisteht. Wie nun, wenn seine Anschauungen von denen seiner Auftraggeber abweichen, erheblich, dauernd abweichen? Er spricht doch nicht in seinem Namen— als solcher kann und muß er völlig frei reden— er spricht im Namen der Partei oder doch einer ibrer Organisatleneu. Hat er ein Recht daraus, im Namen der Organisation, mit Benutzung der Hilfsmittel der Organisation gt-gen diese selbe Organisation zu wirken? Diese Auffassung des Rechts auf freie Meinungsäußerung würde den Journalisten zum selbständigen Herrn der Hilsts- mittel der Organisation machen, als deren Tiener er eingesetzt wurde. Da um n ihm aber, namentlich in wichtigen Dingen, nicht ein Schweigegebot auferlegen kann, so bleibt nichts anderes übrig, als der Organisation das Recht zuzusprechen, den Jour- nalisten zu entfernen, wenn er eine Anschauung vertritt oder in einer Weise vertritt, die im Gegensatz steht zu den Uebcr- zeugungen der Organisation. Damit wird ihm nicht das Recht genommen, seine Meinung in der Partei ebenso frei zu äußern wie jeder andere Genosse, eS wird ihm nur das Vorrecht ge- nommcn, seine Meinungen als die der Partei an hervorragen- der Stelle mit den Mitteln der Partei zu verkünden.... Aber das Recht, den Journalisten zu entlassen, wenn seine Berufsarbeit eine folckje ist, daß sie den Zwecken der Organisation nicht entspricht, denen er dienen soll, dieses Redst muß der Organisation vevbleibcn, soll sie die Gewähr haben, daß ihr Organ auch stets das ihre ist und nickt das Privatorgan einiger Journalisten. Die Handhabung dieses Rechts mag mitunter Härten nach sich ziehen, Härten, die unt� so unangenehmer empfunden werden, wenn sie fleißige, sähige, getvissenhaftc Arbeiter bloß ihrer besonderen Ueberzengungen wegen rresscn. Je mehr man diese Härten vermeiden kann, um so besser; ich möchte hier keine Kätastrophentheorie predigen. Aber die«cheu vor diesen Härten darf nickt dazu führen, den Parteijournalisten ein Anrecht aus ihre Stellen zu verleihen, darf ihnen nicht ein Vorrecht ohne entsprechende höhere Pflichten geben.... Was im Jahr IlXXi billig war, kann im Jähr 191ki nickst unbillig gewesen sein. Der Parteivorstand konnte sich nach seiner Rechtfertigung durÄ Partciausschuß und Parteikon- ferenz nicht länger bloßstellen und seine Politik obstruieren lassen._ Böse Worte der Vegrüßung. Der Ueberiritt der ReickstagSabgeordnelen Brandes, Dr. Erdmann. Hüttmonn und Jäckel zur Partei der Unabhängigen ist von der„Leipziger PoUSzeitnug" als„ein glückverheißendes Zeichen" für die Partei, als„ein BeivciS ihrer sieigendeu Bedeuiung und des Erwachens ihrer Kraft" gestiert worden. Ganz �anderer Ansicht ist das Wochenblait der Stntlgarter Unabhängigen. Es verhöhnt den„himmliichen Schtvung", der die Leipzigerin über die Untiefen und Realitäten des irdischen Lebens im Gleit- fluge wegtrage, und meint bissig,„wer 40 Monaie mit_ einer Partei zusammenging, deren Politik sich von der unstrigen wie Tag und Nacht unterscheidet, dem können toir kein Ver- trauen mehr schenken." DaZ Blatt läßt aber die Frage unbeant- wortet, wieviel Monate des Zusammengehens mit„einer Partei, deren Politik sich von der unfern wie Tag und Nacht trennt', odn» Erschünerung des Vertrauens denn erlaubt sind. Bekanntlich haben die unabhängigen Abgeordneten allesamt diese Schuld aus sich ge- laden, der eine mehr, der andere weniger Monate hindurch. Dreien seiner neuesten Bundesgeuosien unterstellt das Stuttgarter Wochen- ölalt sodonn weiter, daß sie lediglich aus Furcht vor der Oppo« sition in den Gewerlichailen. deren Angestellte sie sind, die Flagge gewechselt haben. JnS Gesicht wird den dreien gesagl. daß ihnen die politische Charalleriesligkeit fehle. Wenn sie aus innerer Ueber- zeugung 40 Monate mit den Scheidemäiinerli zuiämnienginaen, dann iet keine Brücke vorbanden, die die Kluli zwischen Natioiialsoiialis- mnS und radikalem Marxismus aus der Weli schaffen könnte. „Waren sie aber mir dem Herzen auf der linken Seilen und opferten Grundsätze dem Götzen Disziplin, so werden sie der Aibciierichaft nie die Gewähr vielen können, daß sie in künftigen Sturm- zeiten die rote Fahne unbefleckt hochhalten werden." Die Ansicht sei ganz falsch, daß die Vergrößerung der ReichStagsfraklicu poli- tischen MachtzuwachS bedeute.„Ob vier Manu mehr oder weniger die Kriegskredite ablehnen, ist sür die Weltgeschichte sehr unweient« sich." Viel wahrscheinlicher sei. daß die ReickSlagSsraklion durch den Zuwachs schwankender Gestalten an Swßkrast einbüßt. Und sie ist so wie so nicht mit proletarischer Kampsenergie und Zielsicherheit überladen." Das ist weder für den Zuwachs noch sür den Stamm der Fraktion der Unabhängigen besonders schmeichelhaft, Preßerfolge. Unser Breslaucr Bruderblatt, die„BollSwacht", zählt bereits 30 000 Abonnenten. In etwa 14 Tagen stieg die Zahl ihrer Be« «eher von 43 000 um weitere 5000. Unter der Geiamizaht befinden »ich nicht weniger als 8000 Feldabonneuten! Diese auiehnsichen Zahlen zeigen jedoch noch keineswegs genügend die große Ve öreilung deS ArbeilerbkalteS. Fast jedes Exemplar findet, wie stets bii sozialdemokratischen Zeitungen, mehrere Leser. Man schätzt somit die Zahl der direkten Leser, ganz abgesehen von den Familien, mir 200 000 keineswegs zu hoch. Diese stolzen Ziffern beweisen den Einfluß des Blattes und ebenso unwiderleglich die Stimmmig der Volksmaffen iür du Sozialdemokratie. Unser Kölner Parteiorgan, die„Rheniii'ck o Zeitung", muß mitteilen, daß eS neue Abonnenten nicht mehr au- nehmen kamt, weil die ihm zur Lersügung stehende Papicrinenge dies nicht mehr zuläßt. Znöustrie und kanöel. Fortschreitende Konzentration der Banken. Die Commerz- und D i s k o n i o b a n k soll die Ve- schmelzung mit dem Chemnitzer Bankverein Mirenkapi- tat 13 Millionen Mark) betreiben.— Ter Bankier Hrlger in der Firma Alwin Hilgcr G. m. b. H. in Duisburg tritt in die Direktion der Dresdner Bank ein, bebält aber die Leitung seines früheren Uniernehmens.— Die Neustädter Bank in Neustadt i. Sa. beruft eine außerordenisiche Generasversammlung, die über die Erhöhung des Aktienkapitals um 400 000 M. auf 1 Million Mark beschließen soll. Tie iieucn Aktien übernimmt ganz die Allgemeine Deutsche C r e d i t- A n st alt, die wieder der DiSiontogesellschaft nahesteht. Hierdurch soll ein engeres FreundschaftsverhältniL zioischen beiden Instituten herbei- geführt werben. Staatlicher Eingriff im englischen Kohlenbergbau. Ter englische Kohlenbergbau, der sich bis zum Beaimi de? Krieges einer weiigehenden Freiheit erfrenie, ist dieser staatlichen Freiheiten infolge de? Krieges zum große» Teil verlustig gegangeii. Die Ursachen dieser Euiwicklung find kurz folgende: Die Kohlenpreist stiegen vom Beginn de? Kriege? bis zum Herbst 191 6 um zirka 200 Proz. So z. B. die Gaskohle von Durbam von 13 Sb. aus 40 Sh. Die stark organisierten eugliickcn Bergarbener Verlangten nun den Preiserhöhungen eni'viechende Löhne. Bei der Durchsetzung dieser Forderung enlwickelwn sich heftige Kämpfe, die die Kohlenförderung und damit die Kriegsühruug erschwerten. Zur Vermeidung dieser und auch der anderen durck die Preiserböbimg bedingten Schwierigkeiten und aus politischen Rücksichten, wie Ver- iorgiing der Alliierien und Hebung der Valuta, wurde im Dr-ember l9l6 das Handelsamt ermächtigt, jederzeir von einem Kohlenbergwerk Besitz zu ergreifen, unter Bedingungen, die er st nachträglich fe st gelegt werden sollten. Da- durch sahen sich die Grubenbesitzer gezwungen, wen» sie sich nicht enl- eignen lassen wollieu. vernünstzge Grenzen einzuhalten. Der Kohlen preis sank sofort erbeblich und er siehr heute ungefähr 80 Proz. über dem Friedenspreis. So kosiel die GaSkohle von Durham zirka 24 Eb. gegenüber 13 vor dem Krieg». Außerdam aber llbeiiiahm der Slaa: die Regelung deS Kohlenhandels. In jedem Bergwerksbezirk sind zwei Ausschüsse errichtet worden, von denen der euie die Zusuhrcir an die Händler regelt, während der andere die Aufträge an die Werke verleill und die Veriandbedingungen festsetzt. Was in Deutichland sich die Besitzer im Kohlensyndikat zur Regelung des Absatzes und der Preise geschaffen haben, hat nr Eng- !a»d der Staat getroffen. Es bedeutet dies einen kräftigen Anlauf zur Verstaatlichung des Bergbaues. Aus dem Berliner Wirtschaftsleben. Tie Bruttoeinnahmen des Pferde- und AutomobilbeiriebeS betrugen im Dezember v. I. 40 649 M.(v B. 371 136 M.). Die Omnibuseinnahmen werden wegen deö stark eingeschränkten Be- triebe? bis auf weiteres nicht mehr berössentlicht, da diese bei den erheblichen Mehrausgaben ohnehin keinen richtigen Maßstab sür die Geschäftslage der Gesellschaft abgeben. Gerichtszeitung. Die Schattenseite eineS Arbeitsverhältnisses mit hohem Lohn. 'Die Aussicht auf einen Tagelohn von 12 M. und fieie Kost veronlaßie einen Schlosser. Bejchäsliguiig als Elsenflechstr bei einer Berliner Bausirma anzunehmen, die Ärbeiieu für militärische Zwecke im Kriegsgebiet, siini Kilonieter hinter der Kampffronl, onszuinbrcn halte. Näheres über die Art der Arbeit war dem Sckloistr nicht mitgeteilt worden. Als er nach einer ziveitägige» Reist an der Baustelle anlangte, sah er sich sehr enttäuscht, denn da die Arbeiten ünier freiem Himmel und aui nassem Boden ausgeführt werden mußten, war eine Kleidung er- forderlich, welche Schutz gegen den Einfluß der Witterung bietet. Bei ander? war das Tragen langschäiiiger Sifffeln uner- läßlich. Ter Schlosser beiaß die notwendige«ibeitsklcidung nicht. Die Mililärverwaliung ließ ihn deshalb gar nicht ansangen sondern ordnete seine Rückreise an. Turck Klage beim Berliner Gewerbegericht forderte der Schlosier von der Firma 230 M. als Schadenersatz für die Reisezeit sowie für die NichtanShändigrmg der Papiere, die er auf der Arbeits- stelle abgegeben und bei der Abreise nicht zurück- erholten halte. Der Kläger sagt, der Schaden sei ihm durch die Schuld der Firma entstanden. denn wem, ihm gesagl worden wäre, welcher Art die Arbeit ist, dann würde er sie nicht angenommen baben. Dagegen berusl sich die Firma aus den vom Kläger unierschriebenen Arbeitsvertrag, worin bemerkt ist, daß es sich um Stellllngsarvcilen fünf Kilometer hinter der Kamps- front handelt. Hieraus habe der Kläger ldcr bebauptcl, den Ber- trag unbesehen unterzeichnet zu haben) seben müsien, daß er nicht in einer Werkstatt oder sonsi in einem geschützten Raun, beschäftigt werden würde.— Dos Gericht verurteilte die Firma zur Zahlung von 75 M., da beide Teile ein Verschulden au dem Schaden de? Klägers tragen._ Veräntwortlich{ttt Politstff Sri« Snttwr.»erst«: tte den ü», Teil deS SlatteS: Aired Scholz. Rei-tiülir tiir Inserate: Q>. Ot»«e, ve:-in. Druck u. Lcrlaa: LorwärtS Vuchdruckere, u. LeriagSanstall Paul Cinacr& tw., Berlin EW. Hirrzu 1 Sellage und Untcrhaltnngsdlatt.