Nr.4. 35. Jahrg. Bezugspreis: Pl5ttctiaSrL4£0aRU monoll. l�OKf. fcti WSH-iu», eocuu�aälBai.Sfiuelne Kümmern 10 pffl. BoftSezua: Monal- Nch 1�0 Stl luit«»lieuzdand für ®cut(<6lanb uni Cc!!erteirf).Un(iani B,— WL für bei übrige Autwnd ♦,50 JR1 motmtlltfi. Serfanb mi Feld bei blretier Leltolluna monatl. 1�0 SKI. aollicItcHmiden nelimtn an Däne- marl. Holland, Luxemburg, Zchniedrn und die Schioel�. üingolragsn in di>! Post-Zeixungä-Vreisliste. Erschein« täglich. Telegramm, Sdreste: »Eozlaldemokrat Berlin". Vevlinev Volkslilskt. �entralorgan der rozialdemokratt fd�cn Partei Deutfchlanda. ( 10 Pfennig) Der AuzeigellprciS betrügt s-dio ftehengeibaNcne Kolonel» xcilr»!> Pig.„Kleine Anxoige»". dall wigadruek!» Aar« SS'i-ig, tM- lä'stg itgrbr»ik!e Boriei. isdeS weilere Äort Kitfio,<5!t6e«B«H(tie und SchtM�ienmiä�zsn d(» t'fOe Wart 10 Pt»„!«d.S w>'NrrgVor»S.Pig. itrari« üver iB BuchKad«, sötüen irc «u-ei Dort», Seuer,i«g»gi»k»i»g S>"„> Familien> Stirieigeu Z:> Big.. votin Ich««. gewerstchaivichg KiijeiacK-10-Bra die Zgile, Anzeige» für d.e nächii» A, li» Iii.» niiii'e»\yi .1«Ii*«echmiti, im S«iHtg»ichivi. iSerlli,®'S. KS, Ltndanitreche ä>»'•= gsgeden webt». tSoisstmi NP SÖftf jiüj bi-s 7 Uhr iiOiiidf. mm Reöaktion: EW. öS, Llnöenstraße Z. gsernivrrcher:«me Mortnvlnt«. Skr. 1SI S0—|S1»7. Freitag, de» 4. Jannar 1V18. immer vor dieser ungelösten iZrage: Angenommen, die Entscheidung in den russischcnWostprooinzen fällt so. wie eS den Wünschen der Regierungen von Berlin und Wien entspricht, w i e s o l l s i ch d a n n d a s V c r- h ä l t n i s der M i i t e l m ä ch t e z n c l u an M; x int d i h r Verhältnis zu den ehemaligen russischen W e st V r v v in z e n gestalten? Man hat bisher immer nur von einer..Anlehnung" an die Mittelmächte sowie von einer Anlehnung der Mittelmächte aneinander gesprochen, nie aber deS näheren ausgeführt, wie man sich diese Anlehnnng vorstellt. Nun ist aber das Vor- hältniS von Staaten zu einander kein Liebesverhältnis, bei dem es genügt, einander in die Arme zu sinken und ewige Treue zu schwören, sondern es ist ein politisches Ge- schüft, das für alle Beteiligten mit Rechten und Pflichten. Vorteilen und Nachteilen— unter Umständen freilich nur mit letzteren— verbunden ist. und keiner wird in ein solches ©eschäst hineinsteigen wollen, ohne gellau zu lvisse», wie er dabei fährt. Auch den Polen, Litauern, Letten. Esten wird man. wenn es so weit ist, deutlich sagen müssen, was man von ihnen verlangt und was man ihnen dafür gewähren will, denn wenn sie das nicht wissen, können sie unmöglich darüber ent- scheiden, ob sie sich an die Mittelmächte„anlehnen" wollen oder nicht. Auf der aneeren Seite bedeutet doch diese Au- lehnung auch für die Btittelmächte.'eine gewisse Belastung, und nur wer die Größe dieser Belastung einigermahen kennt, wird sagen können, ob er die Anlehnung wünscht oder nicht. Darüber darf also der Reichstag volle Aufklärung uer« langen, wie das Verhältnis der bisherigen russischen West- Provinzen zu den Mittelmächten gedacht ist für den Fall. daß die sonstigen Umstände die Anbahnung cineS solchen Ber- hältniffeS ermöglichen sollten. Nicht weniger wünschenswert tv'äre cS, von Sachkennern einmal eine ungeschminkte Darstellung zu erhalten, welches Ergebnis unbceinfluhte VolkSabstimiiiungen tu den besetzten Gedicten voraussichtlich haben würden. Uns wird von den verschiedensten Seitt'n versichert, daß die Aussichten für den mitteleuropäischen Gedanken durchaus nicht güilltig sind, und daß sich z. B. gar nicht vorstellen ließe, wie in K u r l a n d und weiter östlich ein Volksvotinn zugunsten einer Anlehnung nach dem Westen zu erzielen wäre. Erfreulicherweise scheint bei den Anhängern der M ehr. h e i t sp a r t e i e n Nebereinstimmnna darüber zn herrschen, daß ein einwandfreier ModuS gefunden werden mutz, um den wirklichen V o I k s w i l l e"n in den besetzten Gebieten festzustellen und daß ein Votum zugunsten Rußlands oder der beiderseitigen vollen Unabhängigkeit— zum mindesten— mit Gelassenheit zu ortragen wäre. Wenn die bolschewistische Regierung ein völlig unbeeinflußtes Votum verlangt, so findet sie damit nickt nur die halbe oder dreiviertel Zustimmung der deutschen Unterhändler, sondern auch die ganze Zustimmung des deutschen Reichstags. Eine vollständige Einigung über diese Frage, mit deren Lösung be- kantttlich eine Spezialkommission betraut werden soll, dürfte dadurch wesentlich erleichtert ivcrden. Man kann wohl überall den Wunsch als selbswerständlich voraussetzen, daß ein voll- kommen ehrliches spiel gesvielt wird, die Sozialdemokratie legt aber ganz besonderes Gewicht daraus, den Russen und der übrigen Welt zu zeigen, daß alles' mit rechten Dingen zugehen soll und daß weder eine Uebervor- ieilung Rußlands noch eine Vergewaltigung der in Betracht kommenden Völker beabsichtigt wird. In diesem Sinne hat die Sozialdemokratie innerhalb der Mehrheit und im HauvtauSschuß gearbeitet und gedenkt sie weiterzuarbeiten, und sie wird gern die Unterstützung aner- kennen, die ihr dabei von gleichstrobenden Kräften in bürger- lichen Parteien geleistet wird. Tic Frage, um die es sich hier handelt, ist von so ungeheure m E r n st. daß alles ver« sucht werden muß, um eine gerechte und dauernde Lösung zum Hei! aller beteiligten Völker zu finden. Daran wird die Sozialdemokratie mitarbeiten, solange Aussicht auf Erfolg besteht. Niemand kann sich indes anheischig machen, das schwierige politische Ercmpel lo aufzulösen, daß es ohne Rest aufgeht. Und darum ist es jetzt schon wichtig, daran zn denken, daß ans dem Ergebnis der Friedensverhandlungen neue MoinungS- Verschiedenheiten zwischen Rußland und den Mittel- m ächte n entstehen könnten, die dann auf keinen Fall durch einen neuen Appell au das Schwert entschieden werden dürfen. Es ist dringend zu wünschen, daß der Friedensvertrag durch den Abschluß eines bindendenSchiedSgerichtsoer- trag c> gekrönt werde. Freilich haben die Bolschewisten für solche Gedankengänge, die ihnen als Ausfluß eines..bürger- lichen Pazifismus" erscheinen, bislu'r nickt viel übrig. Es wäre eine dankenswerte Aufgabe für die deutschen Unter- Händler, mehr noch für die deutsche Sozialdemo- k r a t i c, die stets den Gedanken des obligatorischen Schied?- aerichts vertreten hat. hier einen MeinungSausgleich zugunsten der westlichen Auffassung herbeizuführen. Ter HanptauSschuß bat seine Verhandlungen gestern ab- gebrochen, um.sie beute wieder fortzusetzen. Leider ist der Au- loag der Sezic-ldemokrateu, d e e i östs t a g i b e st e n? z« Vollsitzungen einzuberufen, vom AeltesienauS- ichuß abgelehnt worden. Dieser Antrag entsprang dem Wunsche, daß die FraktionSvortreter im HauvtauSschuß jederzeit mit den Gesomtiroktionen Fühlung halten und der Reicks- tag selbst unter Umständen die Aktion des.HauvtaiisschusseS verstärken könne. Es ist bedauerlich, daß der Aeltestenausschuß diesem Gedanken nicht beigetreten ist, und so wird der Haupt- ausichiiß zu zeigen haben, ob er auch ohne die jederzeit gegen- wältige Unterstützung des Plenums das erforderliche Maß des Einflusses in die Wagschale werfen kann. Dazu gehört aber vor allem jene volle Klarheit über die Absichten der Regierung, die man in den bisherigen Ans- führungen ihrer Vertreter vermißt! ** * die Sitzung öes �auptaussihufjes. Ter Reichskanzler ist mit einem großen TtaZ von Re- flictunflötcmcn erschienen. Ter Vorsitzende Abg. gsehrenkmch gibt bei Beginn der Sitzung der Hoffnung Ausdruck, daß miß bald der Friede beschert sein möge. Tos Auswärtige Amt führt in einer Zuschrift Besihwerde dar- über, dah die Vertraulichkeit der AnSschußvcrbiUidlungei! in der letzten Tagung nicht voll gttoabrt worden sei; insbesondere«in Artikel in der..Kölnischen Zeitung" enthalte Mitteilungen, die nicht in die Oesfentlichleit dringen sollten, Ter Ausschuß tritt dorm in die Beratung der Friedensverhandlungen mit Rußland Reichskanzler Gras Hertling begrüßt den Ausschuß. Tie ganze Welt folgt den Friedensverhandlungen mit größter Aufmerksamkeit. Tie Regierung legt Wert darauf, die Ansichten de? Reichstags kennen zu lernen. Tie Situation i st u n f i ch e r, die Entente tut alles, um Mißtrauen gegen uns zu säen. UnterstaatSsekretär». d. Bnssche bespricht dann die Verhandlungen in Drest-Ll!o»nö? und gibt zu- nächst einen historischen Rückblick. Tie russische Regierung hat zu Verhandlungen eingeladen aus einer Grundlage, die der Reichs- kanzlec als anncbr.ibar bezeichnen konme. Zunächst kam der Waffenstilkstand zustande, an diesen Verhandlungen war auch das Auswärtige Amt deteiligt. Die darüber geführten Verhandlungen fanden eine Ergänzung in Focfani, durch tve auch Rumänien mit einbezogen wurde. Alsbald haben die Friedensverhandlungen eingesetzt. Ter Redner erklärt die Zusammensetzung der einzelnen mit den Verhandlungen betrauten Delegationen. Die Verhand- lungen waren deshalb schmierig, weil aus der einen Seite eine Koalition von Mächten ska?ld, ans der anderen Seite eine Macht, die nur ibr« Interessen zu vertreten hatte. Dazu kommt, daß die Entente alles versucht bat, die Verhandlungen störend zu beeinflussen. Die deutschen Delegierten und ihre Verbündeten snt- schloffen sich, eine gemeinsame Erklärung auf die von den Russen ausgestellten Grundlinien zu formulieren. T« territsriaZe Frage hegegnete Schwierigkeit«». Tis Ruften vertreten den Standpunkt des absoluten S c l b st b e st i m m u n g S r c ch t s der Völker, einen Standpunkt, den sie auch Finnland gegenüber wahren werdan. Wir mußten den Ruffe» tlarlegon, daß für Polen. Livland und Kur- land die Trennung von Rußland bereits beschlossene Tai- fache sei.(Radi'.cr uracku NU nurehr vertrauliche Mitteilungen. die sich auf die Verhandlungen über diesen Punkt beziehen.) Ein anderer Teil der Verhandlungen bezog sich auf die Wirtschaft- l i ch e n F r a g c a, die der Redner ebenfalls vertraulich behandelt. Einigkeit besteht darüber, daß dem Krieg kein Mirtschnftsfms folgen dürfe. Die gegen die Deutschen in Rußland erlassenen Kriegsgesetze werden ausgehobe», beschlagnahmtes Eigentum zurückgegeben.? e sonstigen. Privaten zugefügten Schäden sollen wieder gutgemacht werden. Eine Kommission unter neutratrin Vorsitz wird darüber entscheiden. Eine Anzahl Kommissionen sind bereits eingesetzt, um Spezialsragen zn behandeln. Ter Austausch der Gefangenen wird von einer besonderen Kommission behandelt. Der Vorsitiende empfiehlt, in der-Aussprach« zunächst die poli- tische Seite der Fragen zu erörtern; damit ist der Ausschuß ei, wer- standen. Von verschiedenen Rednern wird die sofortige Verlage einer Denkschrift über die wirtschaftlichen Fragen in den besetzten Gebieten verlangt. Stanttsekretär Graf Roetern meint, man soll- sich von der;n Aussicht gestellten Denkschrift nicht zu viel versprechen, weil keine der Fragen, um die es sich handelt, als abgeßbloffen gelten kann. Ans dem Ausschuß heraus wird erklärt, daß man gerade auf dies« Denkschrift große» Wert legen müsse, weil sie die Grundlage für die Deratnugen bilden müsse. Weiter wurde beti'tgt. daß die deutsche Zensur auch an den Verhandlungen in B r e st- L i t o w s k ihres Amte» gewaltet hat. Abg. Ebrrt(Soz.): Wir legen entscheidendes Gewicht auf die wirtschaftliche» Fragen, zu diesem Zweck mich das Material ungesäumt vorgelegt werden. Aber außerdem miissc» sämtliche Stundsprüche der russischen Regierung vorgelegt werden, ferner alle Erklär-'nge«. die. tu», tikörverschaften in den 6? setzten Gebleicn des Ostens abgegeben worden sind. Die Abgg. Vr.zbzrger. Graf Westarp, Frhr. v. Gsmv und Haas« schließen sich diesen Wünschen an. Abg. L«drbour(llnabfi. Sozi) teilt mit, daß das KriegSministc- rlüm von Paul Rohrbach und Prosoffor Tchikmann eine Tont- schrift über die östlichcn Gebiete für die deutsch«» Vertreter in Brest-Liiowsk hat herstellen lasse» und bittet um Vorläge. vnterstaatssekrelär v. d. Pussche: Uns ist von einer solche» Denkschrift nichts bekannt(!>. Abg. Erzberger jZ.) fordert ebenfalls die Vorlage dieser Denkschrift. Seine politischen Freunde billigen das Verhalten der deutschen Vertreter i.i Brest- Litowsk. Wenn ein Separatsriedo mit Rußland zustande kommen soll, dann muß erst versucht werde», zu einem a! l g c m e i n e n Frieden zu komme». WaS die russische Regierung in ihren Grund- sähen ausgestellt hat, konnte nicht überraschen. Daß man der En- tcnte eine Frist stellte, war richtig und noiivendig. Bleibe diese Frist ungenützt, dann muß mit ollen Mitteln versucht werden, m i t Rußland zu einem Verständignngbsneden zu kommen, aber nicht nur mit den Bolschewik!, sondern mit dem ganzen runi-' schon Volke. Die Anertcn«»»« des Selbstbtstimninligsrrchts der Völker»ms, ohne Hintergedanken durchgeführt nwrdc'i. Heute steht noch nicht fest: Was i st P o l e n. lv n s i st K u* l a r. d? Tie Grenzen müssen eist abgesteckt lverde». Tie russische Regierung ha, die Landesräte als vorläufigen Ausdruck des Volks. villeus anerkannt. Sie hat aber gefordert, daß ihr Votum auf eine breitere demokratffchc Grundlage gestellt werde. F» der Praxis kann das nicht schwer halten, io daß auch hier keine n n ü verwind- lichen Schwierigkeiten bestehen. Uiierhört sei aber vir Art» wie die Militär,'crtvalluog sich de», kitnuischrn Landesrat iN'geniibrr verhält. Der Will« des Reichskanzlers muß zur Geltung gebracht werden. Wenn man vernünftig handelt, dann können die Osisragen in 1t> bis 12 Tagen erledigt sein. Sobald Rußland dmsbilistert hat, können wir unsere Truppen zurückziehe», damit die Völker unbecinflnvt entscheiden könnt». TaS wird uns rasch zum Frieden führen. Staatssekretär Graf Roederir erklärt, daß zwischen dem Kanzler und der MÜiiärvcrloaliung in Litauen völlige Einigkeit dariibee bestehe, daß der Landesrat in den nächsten Tage» zusammcntrelen solle. Abg. Tr. David(Sez.s: Was der Staatssekretär minzeieilt hat. war alles,»uc keine Aufklärung, Mit dem noch hochgehaltenen Rest von Geheim- diplomatie möge man brechen, die Russen haben es auch getan. Die alldeutsche Presse läuft in den letzten Tagen toioder Sturm gegen die Selbstbestimtnunz der Nölker, die all, wektieemde Theorie bezeichnet Wied. Aber die eftü ist vorbei, nkj man fiiVr die Böller entscheiden kann, nüc über eine Hammelherbe. Dir?eltfftt-efti»n- «n»,»« der Boiler ist die einzige Grundlage für einen dmerhaster. Frieden. Alles andere würde von den Völkern als liutersochilna oinpsunden werden. Das Voi-.nn dcc Völker- allein dgrf maßgebeiU sein. Das Ziel des Friedens muß sein, die Koalition auszulösen. die sich gegen Deutschland gebildet hat- An die Stelle dieser Aoa linon sollen freundschaftliche V e re i n v a r u n gc u trete: Tie Ziele der Rlldriiiäcben bewegen sich in den Gedankengänge: veiälsfirner Jahrhunderte. Zwischen den von den Russen angestellten Grundsätzen und den deiti scheu Vorschlägen klafft en Widcrspru ch. Es handelt sich ober»ur um de» deu! scheu Vo. schlag, die Oesterrcichcr scheinen entgegenkommeicher gewesen.zu sci:- W a n müsse auch d e il österreichischen Borschla kennenlernen. Tie in Polen. Litauen und Livland van de:- Landrdräten«efatzteu Sefchlüffc hat man dem deutschen Volkc vo, ciiffialte«. Dieser Zustand ist direkt ßcfdjaiitcnb. Die Russen IjaBen sich als die geschickteren Diplomaten erwiesen, sie verhandeln in rollster Oeffentlichkeit. Was in den östlichen Gebieten vorging, hat man der deutschen Oeffentlichkcit vorenthalten. Wir verlängert bei den ganzen Verhandlungen vor«llcu Tingen Ehrlichkeit. Der'Beschluß des Reichstags vom IS. Jirli hat den Bolschewiki erst die Möglichkeit zu ihrem Vorgehen gegeben, das dürfe bei den Verhandlungen nicht vergessen werden. Zunächst müssen die znstcnrzsn geschassen werden, die den Ausdruck des Volkswillens in den besetzten Gebieten des Ostens zu ermöglichen haben. In ihnen müssen alle Parteien des Landes vertreten sein. Ms Grund- Sage für diese Instanzen könne man die Landesräte anerkennen. Unerläßlich aber ist die Schaffung von konstituierenden Versa mmlnng est, die aus demokratischen Wahlen hervor- gegangen find. Wenn demokratisch gewählte Landesversammlungen die Eni- scheidung haben, ist Mie Lösung durchaus möglich. Aber ehrlich muß von allen Seiten Verfahrerl werden. Die Grenzbestimmung zwischen Polen und Litauen kann bei dem bestehenden Gegensatz zwischen den beiden Volksstämmen nur im Wege der Verstän- d i g u n.g zwischen Rußland und Teutschland er- folgen. Rasch mutz sodann die Vertvaltung an die Landesräte übergehen. Die Zeit der militärischen Verwaltung ist abgelaufen. Die Abtrennung eines Grenzschubstreifens vsn Polen zugunsten Deutschlands würde von vornherein den schärfsten Gegensatz zwischen Polen und Teutschland schaffen. Tie beste Lösung des polnischen Problems bleibt immer wieder die- ienige auf Grund des Selbstbestimmungsrechts. Sehr scharf sendet sich der Redner gegen die Verwaltung des Fürsten Ascit- bürg in Litauen. Tie Zusammensetzung der kurländischen Landeöbertretung entspreche einer wirklichen Volks- Vertretung etwa so wie der p re u ß i s che'L a nd t a g. Berechnung verdiene vor allem eine Entschließung der livländischen Bei- tretuirg, die nch für Unabhängigkeit und Neutralität er- klärt bat. Bei Berücksichtigung all dieser Tatsachen ergebe sich eine Lösung. Eine Grenzsichming gebe es bei der, modernen Rustung.-techni? uns ihrer Enttvicklung überhaupt nicht. Tie beste Sicherung unseres Landes sei eine politische Sicherung, :K:e aucki Bismarck im Nikolsburger Frieden vorzog. Wer mit strategischen Sicherungen komme, schieße viel zu kurz. Die Annexionisten gehen jetzt über zu Eingaben an die oberste Heeres- leitung und an den Kaiser und fragen: Findet sich denn lein zsovik? Sie drohen der Monarchie mit der Kündigung per Treue. Wenn sich die Herren aber aus den Willen des Volkes berufen, so treiben sie ein bedenkliches Spiel. 99 Prozent des deutschen Volles würde ihnen die schärfste Absage geben. Der Kamps gegen diese. Gruppen wird erschioert durch die Z c n s u r. die wieder recht häufig initz Verboten arbeitet. Man soll sich nicht der Hoffnung hingeben, daß Rußland jeden Frieden anneholen müsse. Ter Staatsmann, der die jetzt günstigen Aus- sichten, zu etilem ehrenvollen Frieden zu kommen, nicht zu würdigen versteht, gehört vo-- einen Staats gerichts- ho s gestellt. Tic Alldeutschen und Konservativen scheinen sich die Folgen eines Scheiterns der Friedensverhandlungen gar nicht richtig vorstellen zu können. Tie deutsche Volksvertretung muf- die Möglichkeit haben, ihren Willen entscheibeud in die Wagfchalc zu werfen und sie wünscht in ihrer-Mehrheit einen Friedest der Versrändigimg. Ilnkerstaatssekreiär h. d. Bussche erklär!, daß.zwischen den deük- 'chcn und den österreichischen Delegierten in Brest-Litowsk keinerlei Meinungsverschiedenheit�,! bestehen oder bestanden haben. Oberst Waitz teilt mit. daß Weder im Kriegsministerium noch in der namhaft gemachten Druckerei noch an einer sonstigen Stelle etwas von der vom Abg. Ledcbour erwähnten Denkschrift des Kriegslninisteriums bekannt ist. Tie Weiterberatung ivurde auf Freitag, vormittags 10 Uhr, vertagt.'____ Polnische SachverftänAige in Hreft-Litowsk. t',a dein Wunsch der polnischen Regierung, an det! FriedeuSverhandlmigen teilzunehmen, wird gemeldet, daß vi den Polen ermöglicht lverden soll, zu den Beratungen von S o n d'e r f r a g e n bei den Friedensverhandlungen von Fall zu Fall je nach dem Gang der Verhandlungen Sachvcr- st ii» d i g e zu schicken.__ §ür einheitliche§rieöensaktion öes Sozialismus. Aufruf der schwedischen Sozialdemokratie. Der Vorstand der Sozialdemokratie Schwedens erläßt folgenden Aufruf: .Tie Menschheit sehnt sich nach Befreiung von dem iü rchrerlicken Weltkriege, die Zerstörungen und Ab- 'ichlachtiiiigen müssen zum Aufhören gebracht werden. Das Gefühl dafür ist tu den kriegführenden wie den neutralen Länder» in starkem Wachsen begriffen. Die Forderung nach einem allgeiueinrn Frieden ist stärker geworden, seitdem die deutsch-russischen Verhandlungen ihren Beginn nahmen, und iv ä ch st a n Stärk e. Es mutz jedoch befürchtet werden, daß diese deutsch-russischen FricdenZverhandlungen einen Separatfrieden herbsii'übren könnten, durch den nur ein oder zwei der kriegführenden Völker aus dem Kriege onsgeschallet werden, während die anderen Völker beim Verbluten bleiben, und der Krieg kommt dabei nicht zum Stillstand. Ob ein solcher Separatfriede in einen schnellen und segens- reichen, allgemeineu und gerechten Frieden nmgewc.iidctt werden kann, hängt in erster Reihe davon ab, ob die Internationale ivieder zu gemeinsamem Vorgehen vereinigt werden kann. ES ist dreier Zusammenschluß, der jetzt stattfinden muß. Wo sich ein Hindernis auf seinem Wege erheb:, muß es niedergeschlagen werden. Wir fordern deshalb die Sozialisten aller Länder auf, sofort ans Wert zu schreiten, die Internationale zu einigen und ihre Lei- uiug, die die arbeneudeu Klassen aller Länden vertriu, den allgemeinen Völkerilieden vertüudigen z» lassen. Besonders wenden wir uns an die Sozialisre» Englands, Frank- reichs, Italiens und Amerikas mit dem Ersuchen, alle Mittel zur Beseitigung der Paßverweigerung zu benutzen. Da die Rcgicrungc» ihren mangelnden Willen zum Frieden zeigen, müssen die Völker selbst miteinander in Verbindung treten, um sofort einen allgcuiciuen und gerechten Frieden durchzuiührcu, der die Welt mit cincmmal vom Kriege und Militarismus befreie." Kopenhagener„Socialdemokraten" schreibt zu diesem Schritt der schwedischen Partei, daß nun auch die norwegische, die holländische und die schwedische Sozialdemokratie sich der Initiative angeschlossen haben, die die dänische Sozialdemo- tratie im Monat November, sofort nach dem Sieze der Französische Vorstöße in der Champagne. Amtlich. Großes Hauptquartier, 3. Januar 1918. tW. T. B.) Westlicher Kriegsschauplatz. An verschiedenen Stellen der Front Artillerirkampf. Nahe an der K ü st e wnrden bei gelungener Unternehmung Gefangene gemacht. Französische Vorstöße in der Champagne nördlich von Le Mesnil scheiterten in unserem Feuer. Oestlicher Kriegsschauplatz Nichts Neues. An der Mazedonischen und Italienischen Front ist die Lage unverändert. Der Erste Gcneralquartiermcistcr. Ludendorff. Zlbendbericht. Berlin, 3. Januar 1918, abcuds. Amtlich. Bon den Kriegsschauplätze» nichts Neues. Der österreichische Bericht. Nichtamtlich. Wie«, den 3. Januar 1918. Amtlich wird verlautbart: Oestlicher Kriegsschauplatz. Waffenstillstand. Italienischer Kriegsschauplatz. Keine besonderen Ereignisse. Der Chef deS Generalstabes. russischen Friedensrevolution, ergriff. Hoffentlich werde es jetzt bei dem neuen in den Entente-Ländern wehenden Friedens winde den dortigen Sozialdemokraten gelingen, die noch bestehenden Schwierigkeiten zu überwinden. Zu? litauischen Unabhängigkeitserklärung. Wer hat daS Reckst, zu„erklären"? Die Zeitschrist„Das neue Litauen" wird vom Präsidenten des Litauischen Landesrates beauftragt, zu der gestern hier ab- gedruckten Erklärung des Litauischen Staatsrats, die von dem litauischen Pressebureau in der Schweiz ausging, mitzuteilen, die einzige bevollmächtigte Instanz deS litauischen Lölkes, nämlich der L i t a u i s ch e Laudesrat, fei bei dieser Erklärung unbeteiligt. So der Litauische Landes- rat! Nun wird aber die Sache heiter. Zu gleicher Zeit mit der Verwahrung deS Litauischen Landesrats erscheint eine W.°T.-'B.-Depesche ans der Bildfläche, die folgendes meldet: „Der O b e r st e Litauische?! a t i o n a l r a r in der Schweiz, der von den sämtlichen l i l a u i s ch e n O r g a n i- s a t i o n e n in Litauen selbst, Rußlaird, Amerika und der Schweiz als oberste Vertretung des l i t a u i- s ch c n V o l k e s e i n g e s e tz t ist, hat soeben folgenden Beschluß gefaßt..." Folgk, in etwas veränderter Nebersetzung, der von uns gestern nutgeteilre Text. � Also: Der Litauische L a n d c s rät erklärt, daß der Oberste Litauische Na tionalrat nichts zu sagen hat, und unser offiziöses Telegraphenbureau bezeichnet zugleich diesen Nationalrat als oberste Vertretung des litauischen Volkes. Ein Beweis mehr, daß ohne die Schaffung>v i r k l i ch e r Volksvertretungen eine reinliche Lösung der Selbstbestimmungs frage überhaupt nicht denkbar ist._ Gegen öen Wittschaftskeieg nach Sem Kriege Haag, 3. Januar. Der„Ztienwe Rotterdamschc Courant" meldet aus London: Der„Manchester Guardian" sagt zu der Erklärung des Sprechers des Unterhauses, Lowrher: Der Sprecher hat sich mit seiner Erklärung gegen den Wirtschafts- krieg nach dem Kriege an die Seite Wilsons und LanSdowneS gestellt. Wir hoffen, daß Lloyd George das Land von den Beschlüssen der Pariser Wirtschaftskonferenz befreien werde. Ätvinow als Gotschaster für LonSon. Aulstcrdam, 3. Januar. Nach einer hier vorliegenden Reutermeldung aus London hat die niaximalistische russische Negierung Maxim Maximowitsch Likvinow zum russischen Botschafter in London ernannt.— Die Englische Regierung hatte bekanntlich den vorigen von maximalistischer Seite er- nannten Botschafter abgelehnt. Durch Lttvinows Ernennung wird die Frage der osfiziellen Beziehungen Englands zu Ruß- laud auiS neue akut._ Kustlsch-rumanischer Konftikt. Ruuläncu erschießen russische Revolutionäre. Petersburg, 2. Januar. Meldung der Petersburger Telegraphrnagcutur.) Der Bolkskvinmissar für die Auswärtigen Angelegenheiten gibt folgende Mitteilung bekannt: DaS Torf Leswo und einige Dörfer iu Beüarabien sind durch Truppen besetzt und einige Revolutionäre er- schössen worden. Nach einer authentischen Mitteilung luden die Rumänen durch einen russischen Oberst und einen ruinäni- scheu Genera! all: Mitglieder des Ausschusses nach Jafsy ein, wobei sie ihnen völlige Sicherheit gewährleisteten. In- dessen wurde der ganze Ausschuß vor die rumänische Bc- Hörde gebracht. Die rumänischen Behörden vcr- suchten a l l e z u erschießen, aber die Kosaken besannen sich eines besseren und hinderten sie daran. Derartige vcr- brcchcrische Handlunge» können nicht geduldet werden. Wir ersuchen den Herrn rumänischen G e- sandten, uns heute noch mitzuteilen, welche M a ss u a h m c n bis jetzt ergriffen worden sind,»in die verbrecherischen Elemente, die rumänischen Ofsizicrc und Beamten zu züch- tigcn, welche die Hand gegen die russische Revolution erhoben haben. Wir halten es für dringend geboten, die rumänische Ge- sandtschaft zu benachrichtigen, das? die russische Republik keinerlei Unterdrückung mehr dulden wird nicht nur gegen russische Nc- volutionäre, sondern auch gegen rumänische Revolutio- näre und Sozialisten. Jeder rumänische Soldat, Arbeiter »»d Bauer findet die Unterstützung der Macht der russischen Sow- jets gegen die Willkür der reaktionären rumänischen Bureau- kratic. Wir erachten es für nötig, den rumänischen Behörden durch Ihre Gesandtschaft mitzuteilen, daß die Macht der Sowjets auch vor den schärf st enMaßnahmen gegen die rumänischen Ber- schwörer und Gegenrevolutionäre, die Helfershelfer der Kalcdin, Tfchcrbatfchcw und der Rada(!) nicht zurückschrecken wird. Grot unö Kohlen in Frankreich. Der Beschluß ClemenceauS. von der Einführung der Brotkarte wieder abzusehen, um im Lande keine De- monstrationen heraufzubeschwören, hat die mit der Lebensmittel- Versorgung vertrauten Berwaltungskreise peinlich berührt. Die Bürgermeister des westlichen Frankreich haben in einer jüngst ab- gehaltenen Versammlung in Paris den Ernst der Lage dargctan und darauf hingewiesen, daß die Brotkarte unumgänglich notwendig ist, wenn man in Frankreich eine Katastrophe vermeiden will. Wie„Petit Parisien" berichtet, konnten infolge von Transport- schwierigkeiten die im letzten Monat in Frankreich geförderten und die eingeführten Kohlen mengen nur teilweise verteilt werden. Der Munitionsminister gestaltete daher den Präfekten. die während des Sonimers angelegten K o h l e n r e s e r v e n an die Bevölkerung zu verteilen. Der Verpslegungsminister ermahnt im„Petit Parifien" zur größten freiwilligen Einschränkung, besonders im Brotverbrauch, damit er nicht zur Einführung der Brotkarte oder gar eines brotlosen Tages greifen müsse. Eine Zälschung öes„Petit Journals Ein Beilrag zu der Art, wie die französische Hetzpresse den „Vorwärts" zitiert: In unserem Leitartikel vom 20. Dezember 17 mallen wir die Folgen auS, die eintreten würden, wenn nach dem Wunsche agrarischer Blätter der> r e i c H a n d e l im Lebensmittel- verkehr wieder zugelassen würde. Wir kamen zu dem Schluß, daß Deutschland alsdann innerhalb vier Wochen vor einer Katastrophe stehen würde.„Petit Journal" fälscht dieses Zitat um. indem es ihm seinen hypothetischen Charakter nimmt. Aus unserer Schilde- rung eines gedachten unwirklichen Zustande« wird die Schilderung der tatsächlichen Zustände gemacht, der französische Leser wird in den Glauben versetzt, der„Vorwärts" prophezeie den tatsächliche» Zusammenbruch Deutschlands innerhalb von vier Wochen. Wir würden uns über diese Fälschung entrüsten, wenn wir nicht eine ähnliche Art, den„Vorwärts" zu zitieren, oft genug auch bei der inländischen alldeutschen Presse feststellen müßten. Amerikas Mitwirkung am Kriege. Zwangsrationicrung in allen europäischen Ententcstaaten. Washington, 3. Januar.(Reuter.) DaS Staatsdepartement 'teilt in einem zusammenfassenden Bericht über die Arbeiten seiner Vertreter aus der Pariser Konferenz mit: Die hauptsächlichsten Vor- schläge sind folgende: Die Vereinigten Staaten sollten ihren ganzen Einfluß ausbieten, um völlige Einheitlichkeit im Land- kriege, zur See und auf wirtschaftlichem Gebiete zwischen Amerika und den an unserer Seite kämpfenden Ländern herbeizuführen. Regierung und Volk der Vereinigten Staaten sollten alles aufbieten, um die erfolgreiche Beendigung des Krieges durch planmäßige Zusammenfassung ihrer Hilfsquellen an Men- scheu und Material zu beschleunigen. Die Streitkräfte der Vereinigten Staaten sollten so rasch als möglich nach Europa ent- sandt werden. Ferner teilten die Delegierten die Errichtung einer gemeiusameu Organisation der Alliierten zur Zusammen- sassung des Schifssmaterials mit und gaben bekannt, daß soviel Schiffsraum als möglich für den Transport der amerikanischen Truppen verwendet werden würde. Außerdem würde der Plan zur intensiveren Ausnutzung der amerikanischen Secst'rerik rüste ausgearbeitet uiid mit der britischen Lldmira- lität ein betreffendes Abkommen zur Be kämpfung der U-Boote getroffen. Ferner sei für die Teilnahme der Bereinigten Staaten an den Beratungen des obersten Kriegsrates Sorge getragen. Es wurde eine' Einigung über die Beiträge der Vereinigten Staaten zu den gemeinsamen Kriegsmitteln der Alliierten erzielt und Bürgschaft dafür geschaffen, daß für alle amerikanischen Streitkräfte, die im Jahre 1918 nach Europa geschickt iverden, alle benötigten?l u S r ü st u n g S g c g c n st ä n d e zur Verfügung ge- stellt würden. Großbritannien, Frankreich und Italien haben, um den Vereinigten Staaten einen genaueren Einblick in � die Probleme der L e b e n S m i t t e l k o n t r o l l e im eigenen Lande zu verschaffen, zugestimmt, in ihren Ländern die Zwangsrationierung der Lebensmittel einzuführen. Ferner wurde der Anteil der Vereinigten Staaten an den militärischen Opc- rationen genau festgesetzt und eine beratende Kommission der alli- ierten Länder ins Leben gerufen, deren Aufgab« es sein wird. über die Zuweisung von Schiffen, durch die es Amerika ermöglicht werden soll, seine militärischen Pläne durchzuführen, zu ent- scheiden. De? Krieg auf öen Meeren. Berlin, 2. Januar. Durch uuscrc U-Boote wurden im Enz- tischen Kanal und?ltlanti scheu Ozean neuerdings vier Dampfer, drei Segler und zwei Fischersahrzeuge versenkt, darunter ein bcwafsuctcr tiesbcladeucr Dampfer, ferner der cugltschc Schuuer Proba mit Kohle» von Swausea nach Cherdourg, der Hortuzicsischr Schmier Aportugeza mit Salzladung»ach Frankreich sowie der portugiesische Fischdampfer ArgoS. Von de» übrige» versenkten Dampfern hatte einer Stahlbarren von Swansea nach Cherdourg geladen; ein anderer Tauipfcr wurde anS einem gesicherten Gclcitzng hcransgeschossc».' Der Chef dcö AdmiralfliibeS der Mariuc. Kämpfe in Süönrabien. Kouftantinopel, 2. Januar. Die Agentur Mill, erfährt aus dein A e in e n: Tie bei Aden operierenden Truppen setzen ibre Helden- haften Unternehmungen sott, an denen aucb alle Oberhäupter der Stämme von Tais mit anßerordeiitlicher Hingebung teilnehmen. In der ganzen Provinz herrschl Sicherheit. Ein Versuch der Eng- länder, Mariiielruppen in H o d c i d a auszuschiffen, wurde zurück- geschlagen. Seitdem gebt die Küstenschiffahrt ungebindeit vor sich. Die Treue deS Jmnm Uahia gegenüber dem Kalifat und feine großen Dienste verdienen jedes Lob. A s i r und die benachbarten Gegenden stehen außerhalb deS aufwieglerischen Einflusses deS aui- ständischen Scherns JdriS, der über reine Anhänger mehr verfügt und in jeincr Umgebung nicht gern gesehen ist. Kleine Kmgsnachrichten. Jntcruiernngcn in Italien. Die römische„Epoca" berichtet, der Minister deS Innern habe strenge Vorichrisren für die Jmernierung aller noch in Italien befindlichen Deutschen. Oeiterreicher und Ungarn erlassen Nach Ablauf einer fünftägigen Frist werden die feindlichen llmerianen nach den vier Provinzen Äquila, Avellino, Benevcnlo und Losen za verbrachi und interniert werden. Die Tcutschcn in Amerika unter Uebertvachung.„Times" eriäbrt aus Washington: Das Jusiizdepanemeni gibt bekannt, daß am 4. Februar mir der Einschreibung von ungefähr einer halben Million nichlnaturalifierier Deul'cher als feindlicher Ausländer zum Schutze gegen Spionage und Sabotage begonnen werden soll. Oesler» reicher und Ungarn werden vorläufig von der Maßregel noch nicht betroffen. STc. 4 ❖ ZS. Jahrgang Seilage öes vorwärts §re!tag,4.Fanuarl4?S Wirtschastliche Neuordnung durch politische Neuorientierung. In der„Deutschen Tageszeitung" erklärt Gras von Schwerin- Läwitz den Äamvf uni die Demokratisierung in Staaten und Genieinden mit dem Himveis auf die großen Probleme der Wirtschaftspolitik für unzeitgemäß. Er stützt seine Ansicht auf die Behauptung, daß sich die Demokratie nie und nirgends in der inneren Verwaltung bewährt habe, wo- bei er mit einer erstaunlichen Oberflächlichkeit die durchaus demokratische Selbstregierung aller angelsächsischen Länder in Gemeinden und Geincindcverbänden, ja auch die überaus er folgreiche Tätigkeit der Selbsthilfeorganisationen aller Bc rufsstände auch in Teutschland übersieht. Gerade die reiche, mannigfaltige und segensreiche Entwicklung dieser durchau demokratischen Organisationen, mögen sie nun Gewerkschaften oder landwirtschaftliche Genossenschaften oder Kreditgenosseu schärften oder Konsumvereine heißen, macht es klar,"wie u» sinnig sein Wort ist:„Für die Erfüllung dieser Aufgaben ist nun einmal eine starke, von wechselnden Strömungen der öffentlichen Meinung und von demokratischen Einflüssen un gestörte Autorität unentbeh rli ch." Graf v. Schwerin Läwitz wird selbst nicht behaupten, daß Kredit- und landwirt schaftliche Genossenschaften. Konsumvereine und Gewerkschaften am Gängelbande bureaukratischer Autoritäten groß getvordcn sind. Graf v. Schwerin-Löwitz will von der politischen Neu orientierung schweigen, um desto ausführlicher von der Wirt schaftlichen Neuorientierung zu sprechen. Aber was er davon sagt, ist nichts als eine anspruchsvolle Aufwärmung alter agrarischer Schlagworte. Nicht einmal das Verdienst kann ihm zugebilligt werden, ihre Auwendung auf die gegem wärtigen Verhältnisse bis in die letzten Folgen hinein durch dacht zu haben. Zwar ist dem Präsidenten des preußischen Abgeordneten- hauieS durchaus zuzustimmen, wenn er einen Abschluß von langfristigen Handelsverträgen im Augenblick für unmöglich erklärt. Aber das ist eine Binsenwahrheit, die nicht der Rede lohnt. Tie recht weitschweifenden Ausführungen des Grafen laufen auf die Empfehlung der sogenannten b e dingten Meistbegünstigung hinaus, wie sie be sonders die Vereinigten Staaten von Nordamerika hegen und pflegen. Tie europäischen Staaten haben vor dem Kriege er- klärt, daß sie keinen vertragschließenden Partner schlechter be- handeln wollen als einen dritten mit ibnen in Wirtschafts- beziehungen stehenden Staat. Daraus folgt, daß alle Handels- politischen Vorteile, die Deutschland z. B.'Oesterreich-Ungarn zubilligte, auch von Rußland. Frankreich usw. in Anspruch gc- nommen werden konnten. Ter Graf will nun. daß die von Teutschland einem zweiten Staate zugebilligten Vorteile von einem dritten Staate nur dann beansprucht werden können, wenn sich der dritte Staat zu einer entsprechenden Gegen- leistung verpflichtet. Da ist nun zu allererst zu bemerken, daß die allgemeine Meistbegünstigung von der zollpolitischen Meistbegünstigung zu unterscheiden ist. Die allgemeine Meist- begünstigung sichert dem Ausländer in Teutschland dieselben Erwerbsmöglichkeiten zu, die jeder Inländer, mindestens aber jeder Angehörige eines andern Staates, genießt. Graf v. Schwerin-Löwitz wird sich hüten, an dieser unbedingten Meistbegünstigung auch nur mit dem kleinen Finger zu rühren; er würde damit nur das Spiel der Engländer und unserer anderen Feinde spielen, die nichts sehnlicher wünschen als Ausenthalts- und Erwerbsbeschränkungen für Deutsche einzuführen. Was nun die z o l l p o l i t i s ch e Mcistbe- .günstigung anlangt, so wird es nach dem Kriege vor allem darauf ankommen, möglichst einfache, klare und umfassende Verträge zu schließen. Tic Einführung der unbedingten Meistbegünstigung schafft für alle Vertragsstaaten einen ein- heitlichen Vertragstarif. Tie bedingte Meistbegünstigung schafft taufend Unterschiede, die eine so grobe Hemmung der Kalkulation sind, daß was auf der einen Seite gewonnen, auf der anderen Seite verloren geht. Es ist allerdings richtig. daß auch die unbedingte Meistbegünstigungsklauscl kein Ideal ist und selbst nicht immer im freihändlerifchen Sinne wirken muß, weil jeder Unterhändler von der Gewährung von Vor- teilen in einem zweiten Staat durch die Furcht abgehalten wird, diese Konzession könnte, da alle anderen Staaten auto- matisch in ihren Mitgenuß eintreten, von ganz unberechen- baren Folgen sein. Aber dagegen gibt es einmal das Mittel der Svezialisierniig der Zolltarife, indem man möglichst genau qualifizierte Warenklassen schafft; und dann fällt diese Furcht zu einem Teile auch mit dem Abschluß eines engeren Wirt- schaftlichen Verhältnisses zu Ocsterreich-Ungarn Weg, da Teutschland Oesterreich-Ungarn eine Reihe der wichtigsten Konzessionen gemacht hat. Und schließlich ist die ganze Frage nicht zeitgemäß, weil auf eine Reihe von Jahren nach dem Kriege— sicher nicht zum Vorteile der durch die Unsicherheit in ihrer Kalkulation gehemmten Industrie— infolge der Un- bestimmtheit aller wirtschaftlichen Verhältnisse der autonome Tarif oder kurzfristige Vertrag gelten wird, der eine rasche Korrektur etwaiger Mißstände zuläßt. Sonst ist noch die naive Ansicht des Grafen zu verbuchen, daß Teutschland die Einfuhr besonders an Luxuswaren be- schränken, dafür aber die Ausfuhr von Waren wie Kohlen, Kali, Eisen, Maschinen, Zucker, Spiritus, Papier„nicht nur durch günstige Handelsverträge, sondern auch sonst auf jede nur mögliche Weise— billige Eisenbahn- und Wasserfracht und dergleichen— begünstigen müsse". Gewiß, das wäre eine sehr schöne Saibe. wenn sie sich nur deichseln ließe. Im Grunde läuft dieser Vorschlag des Grafen v. Scbwerin-Löwitz aus die Begünstigung des berüchtigten Dumping hinaus, auf die Verschleuderung deutscher Waren im Auslands zu Spottpreisen, die zu bewilliaen den Industriellen durch hohe Preise im Inlande möglich ist. Es wäre interessant zu toissen, ob Gras v. Schwerin-Löwitz auch die Getreideausfuhr- scheine, die die Verschleuderung deutschen Getreides ins Ausland so enorm begünstigt haben, für ein erfolgver- svrechendcs Mittel seiner wirtschoftspolitischen Nenorien- tierung ansieht. - So zeigt sich, daß die politische Neuorientierung nicht hinter die wirtscbaftliche Neuorientierung zurückzutreten hat. sondern daß im Gegenteil die politische Neuorientierung eine Voraussetzung der wirtschaftlichen Neuorientierung und ein Mittel zur Ueberwindung agrarischer Widerstände ist. Staötverorönetenversammlung. Kommunale Uebergaugswirtschaft.— Teuerungszulagen- Der bisherige Vorsteher Mickielet eröffnet die Sitzung nach dtz- Uhr mit einer BegrütziingZansprachc zum neuen Jahre, die in ein dreifaches Hoch auf den Kaiser auskiingt. Ter Stadtv. Woldcrsk»(Soz.) ist plötzlich verstorben; die Versammlung ehrt sein Andenken durch Erheben von den Sitzen. Unter dem Vorsitz des ersten Borsteher-StellvertretcrS Eassel geht nunniehc zuerst die Wahl der Vorsteher vor sich. Auf Vorschlag M o m m s c n erfolgt durch Zuruf die Wieder- lva hl der---tadivv. Michel et(Fr. Fr.). Cassel(Linke) und Heimann(soz.) zum Vorsteher bzw. ersten und zweiten Stell- Vertreter. � Tie Wiedergewählten erklären die Annahme der Wahl. Auch die bisherigen 4 Beisitzer und 4 Beisitzer-Stellvertreter einschl. der Stadwv. Bruns und Pfannkuch(soz.) beantragt Stadtv. Mommsen durch Zuruf wiederzuwählen. Stadtv. Dr. Rosenfeld(Unabh. Soz.) schlägt dagegen vor, statt Bruns den Stadiv. Dr. Wehl als Beisitzer zu wählen, da auch die unabhängigen Sozialdemokraten Anspruch ans Vertretung im Vor- stände prinzipiell erbeben mußten. Tie Stadtvv. M o m m s e n und Cassel sprechen sich gegen diesen Vorschlag ans. Tic Beisitzer werden hierauf, abgesehen von Bruns, durch Zuruf einstimmig wiedergewählt. Für Bruns findet Jctteltvahl statt. Bruns wird mit 82 Stimmen wiedergewählt; aus Dr. Wehl entfallen 7 Stimmen, auf Hintze 1- Dic ständigen und Sonderausschüsse werden in ihrer bisherigen Zusammensetzung auch für llllb bestätigt. Hinsichtlich der Zuteilung der Stadtbezirke und der Abordnung in die Vertvaltungsdepniationen und Kuratorien soll es ebenfalls beim Be- stehenden verbleiben. Auch im Jahre lllt8 werden die ordentlichen Sitzungen der Versammlung am Tonnerstag von 5 llhr ab stattfinden. In gemeinsamer Sitzung beider städtischer Behörden unter Vorsitz des Dberbürgcrmcisters W e r m u t h werden�darauf an Stelle der verstorbenen Stadtvv. Modler(Linke) und Stadthagcn 'Unabh. Soz.) die Stadtvv. Hahn und Wurm in die Zwcckvcr- bai'.dsvcrsammlnng durch Zuruf gewählt. Ein Antrag Bacthelmann(Unabh. Soz.) geht dahin, den Magistrat zu ersuchen, eine gemischte Deputation ein- zusetzen, welche die kommunale U c b e r g a n g S w i r t s ch a f t vom Krieg zum Frieden vorbereiten soll. Tic Begründung dco Antrags gibt Stadtv. Dr. Zadel(Unabh. Soz.). Ec verweist auf die unerfreulichen Zustände, die der Krieg, wie im Privathaushalt, so auch in der Kommunalwirtschaft erzeugt hat und die auch nach dem Friedensschluß noch Jahre oder Jahr- zehnte nachwirken werden. Da hätten die städtischen Behörden schon jetzt die Aufgabe, vorbauend und vorbeugend durch Maßregeln für die Uebergangszeit einzugreifen. Zweckmäßig werde diese Aufgabe nur von einer besonderen gemischten Deputation zu lösen sein, zu- mal sich der Aufgabenkreis in den letzten Jahren ganz bedeutsam erweitert und ausgedehnt habe. Beschaffung und Verteilung der Nahrungsmittel z. B. werde noch für lange Zeit Aufgabe der Gc- meinde bleiben. Man dürfe nicht die unerfreulichen Erscheinungen, die sich 187! nach dem französischen Kriege in Berlin ans dem Gebiete des Wohnungslvesens usw. so unliebsam bemerkbar gemacht hätten, sich jetzt in potenziertem Umfang? wiederholen lassen. Im einzelnen geht Redner dann noch aus die Wohnungsfrage, die Siedelungsfrage. die Ablösung der Mietschulden, die Fürsorge für Bekleidung und Beschuhung, auf die Aufgabe der Stadt als Arbeit- geber, auf die Arbeitsvermittlung, den Arbeitsmarkt, das Unter- stützungswesen, die Hygiene und Krankenpflege ein und streift da- bei auch das Gebiet der kommunalen Finanzfragen. Soziale Für- sorge müsse für die Kommune auf lange Zeit bmauS die Losung sein, nicht nur auf dem materiellen Gebiet, sondern auch im Be- reich der ösffentlichen Moral. Siadtv. Cassel lehnt den Antrag ab. Die bezüglichen Auf- gaben seien beim Plag istrat und bei den vorhandenen Verwaltungs- deputationen sehr gut ausgehoben, lvährend eine solche Sonder- dcputation der ihr gestellten Aufgabe auch nicht entfernt gewachsen wäre. Stadtv. Mommsen: Eine Deputation nach dem Muster des An- tragäjvürde die Arbeit der Verwaltung nur stören. Stadtv. Bruns(Soz.): Vieles in der uns gegebenen Begründung ist zweifellos beachtenswert; ein großer Teil der von ihm skizzierten . Aufgaben ist aber tatsächlich von der Stadt bereits in Angriff gc- nommen. Das vorgetragene Material erscheint uns daher nicht ausreichend, wir werden ihn zurzeit ablehnen. Dagegen verhehlen wir uns keineswegs, daß eine Menge von Fragen, die der Krieg füc die Kommune ausgeworfen hat, ständig in Fluß erhalten werden müssen, und in der Beziehung werden wir es gewiß an uns nicht fehlen lassen. Sollte bei den einzelnen Deputationen ein Mangel an Initiative wahrgenommen werden, so ist ja immer noch die Versammlung da, um auf Abhilfe zu dringen. Dafür, daß jeder auö dem Felde Zurückkehrende auck Arbeit findet und nicht aus Unterstützungen angewiesen ist, bat die Stadt alle ihre Bemühungen auf- zubieten; aber auch dazu bedarf es dieses Antrages nicht. Im Schlußwort bedauert Stadtv. Dr. Zadel die ablehnende Haltung der Mehrheit. Der Antrag wird abgelehnt. Dem Ersuchen der Versammlung, den nicht ständigen HilfS- kräften an den Gemeiicheschulen die erhöhte Vergütung für die Einzelstundc schon vom 1. April 1917 zuteil werden zu lassen, hat der Magistrai nicht entsprochen. Tic Stadtvv. Brückner(Soz.) und Dr. Rosenfeld sprechen ihr lebhaftes Befremden über diese Ablehnung aus. Stadtschulrat Dr. Fischer: Nicht finanzielle Gesschtspunkte find dabei ausschlaggebend gewesen, und der Kämmerer ist daran ganz unschuldig. Die nicht ständigen Hilfskräfte erscheinen dem Magistrat nicht den ständigen gleichwertig. Stadtv. Dr. Roscnfcld protestiert gegen die letztere Auffassung. Gerade die nicht ständigen Vertreter und Vertreterinnen ermöglichen doch erst den normalen Schulbetrieb. Tie Neuordnung der Hcimstätteiiverwaltung gibt dem Stadiv. Dr. Wdhl Veranlassung anzuerkennen, daß damit der erste Schritt zu einer Vereinheitlichung der VerwaltuNigen der Kranken- Häuser,, Hospitäler und Heimstätten erfolgt ist. Stadtmedizinalrat Dr. Weber gibt eine kurze Ueberficht des Wirkungsbereichs des ihm unterstellten Dezernats fiic die gemein- sauren Angelegenheiten der drei Kategorien. Das besondere Heim- stättenkuratorium bestehe nach wie vor. Stadw. Koblenzer(Soz.) begrüßt besonders die neue Anordnung, daß bei der Aufnahme von Tuberkulösen in die städtischen Anstalten die Kostenrcgelung erst nachträglich erfolgen soll. Durch die Einrichtung des neuen Dezernats würden aber die Schwierig- leiten des bisherigen Geschäftsgangs, über die Klage geführt werde, nickt bcscingt. Die Versammlung nimmt von der Vorlage Kenntnis. Zex Vergrößerung, Verbesserung und Aenderung der Anlagen der Trockcngemüscanstalt beantragt der Magistrat die Bewilligung von 96 991) M. aus dem Vorschußkonto. Die Vorlage geht nach kurzer Besprechung an einen Ausschuß. Die Brrufsoormundschaft für unclicliche Kinder soll nach einem Borschlage des Magistrats bis zur Volljährigkeit ausgedehnt werden. Stadiv. Manasse(U. Soz.) begrüßt dies« Vorlage mit ganz besonderer Freude und spricht dem Leiter der Einrichtung die vollste Anerkennung cniZ, Einstimmig wird nach dem Vorschlage d»s Magistrats be- schloffen. Tie Pflcgegcldcr für die in Familienpflege befindlichen Waisenkinder und Fürsorgezöglinge sollen mit Rücksicht aus die zunehmende Teuerung eine weitere Erhöhung erfahren. Die Versammlung stimmt zu. Der Borenttvnrs zum Neubau einer Gemeindedoppelschiilc in der G r ü n th a l e r Straße 4(Äostenüberschlag 826 909 M.) wird genehmigt. Zu der Borlaze über die Zahlung einer besonderen einmaligen Teuerungszulage seitens der Stadt befürwortet Stadiv. Brückner(Soz.) auch die aushilf s,w eise BesHafligten endlich zu berücksichtigen. Noch heute würden Diätensatze von 4,29 M. gezählt, dm im Verein mit der lausenden Kriegszulage angesichts der Teuerung absolut nicht genügten. Ter Begriff „dauernd angestellt" müsse fcbärfer umrissen werden; damit würde man eine Reihe sehr unangenehmer Streitereien ans der Welt schassen. Stadtv. Hintze(11. Soz.): Auch jetzt wieder übergeht man die Arbeiter und Hilfskräfte. Wir wünschen bei der weiteren Ver- schlechterung der Verhältnisse die Berücksichtigung beider Klassen von Beschäftigten. Die Arbeiter werden von den einzelnen Ver- waltungen auszul'essern sein; iur die Hilfskräfte ist in dieser Vorlage der gegebene Platz. Auch ihnen muß die Zubuße von 129 bis 290 M. zugesprochen weroen. Ter Antrag Hintze. den Hilfsträsicn, soweit sie mehr als 6 Monate tälig sind, ebenfalls die Zulage zu gewähren, bleibt in der Minderheit; die Vorlage wird unverändert angenommen. Die Vorlage über die Gewährung von Kriegsbeihilfen an Beamte, Angestellte und Arbeiter im Ruhestände sowie an Hinterbliebene von solchen gelangt zur Annahme, nachdem die Stadwv. Brückner und Hintze die wohlwollendste Hand- habung bei der Ausführung empfohlen haben, was bei dem außer- ordentlich niedrigen Sab van 39 Proz. der Beihilfe für die aktiven Beamten usw. doppelt notwendig sei. Schluß gegen 8 Uhr. GroßSerlm Die Kohlennot. Ein Leser unseres Blattes schildert uns, wie cS ihm erging, als er Kohlen kaufen wollte. Er begab sich lange vor Tagesanbruch zum Kohlenbabnbof Wedding in der Fennstraße, uin die Gewißheit zu haben, daß er beim Verkauf berücksichtigt würde. Als er um 6 Uhr früh dort eintraf, hatte sich vor ihm bereits eine Käuferschar aufgestellt, die er aus etwa 309 Personen schätzte. Die in der ersten Reihe stehenden Personen erzählten, daß sie schon in der Nacht um l/zL Uhr angetreten seien. Er stellte sich hinten an, harrte stunden- lang in der Kalte aus und sah nach Beginn des Verkaufes freudig dem Augenblick entgegen. Ivo auch er herankommen würde. Mir Verdruß erfüllte es ihn und die andern, daß Händler außer der Reihe abgefertigt wurden. Ilm II Uhr war er nach fünf« slündigem Waiten erst um ein Drittel vorgerückt— da riß den Leuten die Geduld und sie drängten zu den Kassen. Frauen und Kinder wurden umgeriiien, ein Schutzmann sah sich beiseite ge> schoben, die Menge umringte die«.chaltcr. Die�Vertänser suchten den« Andrang dadurch zu wehren, daß sie die Schalter schlössen. aber die Menge wich nickt. Da gab der Schutzmann bekannt, erst um 1 Uhr werde weiterverkausl. Entrüstung bemächtigte sich der Wartenden, die nun wieder noch zwei Stundeu länger stehen sollten. Späler. nrn Uhr, rückten noch drei Schutzleute an. die wohl das Geschästsperional herbeigerusen halte. Alle wurden nun hinausgetrieben, wobei bewnderS einer der Schutzleute sich hervor- tat. Draußen sollten sie sich aufs neue anstellen, um dann noch wer weiß wie lange zu warten und schließlich doch keine Kohlen mehr zu crbalten. Der Einsender dieser Klage zog wie viele andere es vor. nach fechSundeinbalbstündigem Warten ohne Kohlen nach Hause zugehen,.wo er vollständig durchfroren eintraf._ Stellvertretung beim Schneeschippe«. Hansbesitzer in Aerli» W teilen ihren Mietern folgendes mit: „Der Hauswart will die Beseitigung des Schnees seinerseits übernehmen, wenn er als Ersatz Ihrer Hilfe einen bestimmten Betrag erhält. Er stellt für den Rest dieses Winters die Forderung von M. 6,— für Lstieter'einer ö-Zimmerwohnung und von M. 3.— für Mieler cmer Z-Zimmertvohnung. Ich stelle crgebeust anbeiin, sich mit dem Portier in Verbindung zu setzen, um gewissermaßen eine Ablösung lür Ihre Hilfeleistung zu schaffen. Sollten Sie den Vor- schlag nicht anzunehmen bereit sein, so müßten Sie selbst für die Hilfeleistung beim Schiicelchippc» sorgen." Hoffentlich werden die Mieter so klug sein, nicht in diese Falle zu geben. Denn die Verpflichtimg zur Reinigung des Straßen- dammes liegt dem Hausbesitzer ob. Nur soweit dieser nicht imstande ist, die nötigen Arbeitskräfte herairzuschaffen, dürfen nach der Verfügung des Oberkommandos die Mieler zugezogen werden. Wenn der Hauswart sich bereit erklärt, die Reinigung gegen Entgelt zu übernehmen, hat natürlich der Hauswirt nicht das Recht, die Kosten auf die Mieter abzuwälzen, sondern muß sie selber tragen. Zur Marmeladenvcrteilung. Wiederholt sind uns in letzter Zeit aus den Kreisgn unserer Leser Beschwerden über die unzureichende Marmeladeuverieilnnq zugegangen. Es kommt darin zum Ausdruck, daß das im Herbst gegebene Versprechen, wonach pro Tag und Kopf 39 Gramm Marmelade gegeben werden sollten, jetzt nicht innegehalten wird, wa« um so bedauerlicher sei, als bercns die Verringerung der Fell- ration in Wirksamkeit getreten ist. Auf unsere Anfrage beider Reichsstelle für Gemüse und Obst wird unö dazu mitgeteilt, daß die veriprochenei, SV Gramm sich nicht nur ans Marmelade, sondern überhaupt auf Browiintrichmiitel. also einschließlich auch ans Kunsthonig, Sirup niid Rübenjast bezogen haben. Und dieses Versprechen ijl uo» der Rcichsslelle erfüllt worden. Im verflossenen Wirlichastsjabre wurde erst Anfang Februar mit der Verteilung vo« Brolan'strichunlleln bedonne». iodaß ins- gesamt nur 2 369 999 Zentner Marmelade vclteilt werden konnten, worunter sich das bekannte bis zu 69 Prozent mit Kohlrüben ge- streckte Kriegsinus befand. In dicicnr Wirtschaftsjahre sind dagegen bereits jetzt 1425 999 Zentner Brotauistrichmittel, darunter 1099 999 Zentner reine Fruchlmarmelode verteilt wordeil. Weitere 3 999 999 Zentner Brotanfstrichinillel befinden sich in der Verlei- lung. Es ist sonach bereits jetzt über fast das Doppelte derjenigen Menge verfügt lvordeu, die im ganzen vorigen Wirtschaftsjahre ver- teilt ivutde. Die Bmeiluligeii erfolgen an die Kommunalverbände, die selbständig darüber bestimmen, wann und in welchen Teil- mengen die Abgabe an die Verbraucher erfolgt. Für Groß- Berlin sind im November 47 231 Zentner Mar- melade und 14 136 Zentner Kunsthonig zur Verfügung gestellt ivorden, im Dezember wieder 47 231 Zentner Marinelade, 18 916 Zentner Kunsthonig und 7933 Zentner Rübensaft. Nach den Beiech- nungen der Reichsstelle sind somit in der erwähnten Zeil pro Tag und Kopi 33.6 Gramm verteilt worde». Für die neue Verteilung«- period- sind bereits 297 38! Zeniner Mauntlade und 75 639 Zentner Kunsthonig überwiesen worden. Nach diese» Mitteilungen der Reichsstelle darf erwartet werden, daß die Kommunalverwaltungen in den nächsten Tagen mit der Verteilung der neu überwiesenen Mengen beginnen. Gemuseberforgullg. DaZ 5?ii(StiÄ)!citi3iut schreibt: In der gestrigen Sitzung deZ LebeiiSmillelauS'dwsie» Groß-Veriin wurde die Erstreckung der Zu- siündiflkeii deZ LebenZmulelverbunde-Z ciuf die Geichiitte der Ober- Verteilung deZ von der Reichsstelle für Gemüse und Obst zugewiejeueu Geniüies und Obstes auf den Lebensmittelverband beschlossen. Die Zuständigkeit des'Lebcnsmittelverbandes soll sich iveiier auf die Aufstellung von Grund-fätzeu über eine etwaige Rationierung von Gemü'e und Obst nnd die Fest'etzung der Grast- und Kleinbandels- böckstpreife erstrecken. Damit wird wiederum ans einem wichtigen Gebiet eine Vereiiiheillichung der Glost-Berlmer Gemeinden und Kreise stattfinde!!. � TSo Sleiben die Fische? Zum ersten Male bat es in Grost-Berlur gu Nensabr keine Mische gegeben. Obgleich die Fische, besonders Karpfen, von den Zeitvei bältnissen wenig oder gar nicht berübrt worden sind, auch eine Menge gefangen wurden und auch gröstere Transporte nach Berlin gesandt wurden, war stier in den letzten Wochen kein Fisch gn festen oder aufzutreiben. Alle Beiniistungen in den Markthallen und alle Nachfragen bei den Fischbündlern waren vergeblich. Anch die im vorigen Jahr mit grasten Hoffnungen gegründete Fiichgescll- schaft bullte sich in tiefstes Schweigen. Wo die vielen Fische ge- blieben sind, mögen die Götter wissen. Hugo Woldcrski f Am Mittwoch fr Üb verstarb nach längeren Leiden unser alter Parteigenosse Hugo Wolderski. Mit istin ist wieder einer der Alten dahingegangen, deren selbstlose Hingabe die jetzige Gröste der Partei sckns. Als stuiger Tischlergeselle trat er stier in Berlin der Partei bei, als die Reaktion gerade gnm ärgsten Schlage— dem Sozialistengesetz— ausholte, um die Partei zu vernichten. Alle Gefahren aber schreckten unfern Hugo Wolderski nickt und bald erwarb er sich durch seinen ruhigen Mut wie durch seine Gewandtheit das vollste Pertrauen der(damals geheim organisierten) Parteimitglieder Berlins, so dast sie ihn 1883 als Delegierten zum Kopenbagener Parteitag der deutschen Sozial- Demokratie entsandten. Kaum zurückgekehrt, traf ihn die Ausweisung aus Berlin, die er übrigens erwartet halte. Hugo Wolderski aber wankte nicht in seiner Anschauung. Heber Magdeburg gelangte er nach Köln, wo damals noch eine schwache Parteibewegung den schweren Krnnps gegen das Zentrum führen.inustte. Bald stand Hugo Wolderski wieder mitten im Kampf. Lange Zeit leitete er von dort aus die Expedition des verbotenen„Sozialdemokrat", auch vermittelte er oft den Druck des Blattes in Teuifchland. Was diese Tätigkeit in der damaligen Zeit bedeutete, kann mir ermessen, wer die Parteigeschichte kennt. Hugo Wolderski verlor dabei nie seine Fröh- liSkeit, aber seine Sehnsucht galt doch Berlin. So kam er dann auch nach Fall des Sozial, stenglsetzes wieder zurück. Auch hier ruhte er nicht; rastlos arbeitete er für die Partei. Erst im zweiten und dann im ersten Kreise tätig, bekleidete er verschiedene Ehrenposten, so als Vorsitzender, Vertraliensmann, Stadtverordneter ui'iv. Schwer traf ihn die Zertrümmerung der Berliner Parteiorganisation durch die„Unabhängigen". Die von ihni so über alles geliebte Partei gespaiien, das drückte ibn bärler als alles persönliche Ungemach, das ihm in seinem Leben leider auch reichlich beschieden lvar. Er blieb der Partei treu, für die er sein ganzes Leben gegeben. Hugo Wolderski war ein eiitscblosscner surchiloier Kämpfer, ein treuer Charakter, aber auch ein warmsüstlender Mensch, der sein weiches, Gemüt hinler eine rauhe Sprechweise zu verstecken suchte. Ihm war fremdes Leid mehr als eigenes Leid. Immer war er hilfsbereit, nur sollte nie- nrand davon erfahren. Einem Wunsche entsprechend soll bei seiner Beerdigung von seder größeren Veranstaltung Abstand genommen werden. Die Parteigenossen aber werden Hugo Wolderski in ihrem Herzen ein ehrendes Andenken bewahren, als einem gnlen Menschen, einem treuen Kameraden und einem furchtlosen Kämpfer. Das Wahlrecht der Kriegsteilnehmer. Eine Kundgebung zur preustiichen Wahliechtsreform veranstalten die ivestlichen Vorort- griippcn des Bundes der Kriegsbeschädigten und ehemaligen Kriegsteilnehmer am Sonntag, den 6., in den Prachtsälen des Westens, Spichernstr. 3. Tagesordnung: „Friede nnd Vaterlandspartei.— Das Wahlrecht der Kriegsteilnehmer." Vertreter der Parteien sind eiiigeiadcn. Der Verein zur Fördcruug des Obst- und Gemiisevcrbrauchs hat im Leliebaus eine ständige Ausstellung erösfiiet. Der Zweck der origimillen Veranstaltung ist, das Publikum über die Bskömm- X i d) I c 1 1 des Obst- und GemLiegenusses und über die zz e r iv e ii d li li g des Gemüses und ObsteS zu belehren. diesem Zweck bedient er sich einer reichen Sammlung van Bädern, Modellen, Flugschriften, statistischen Karten uiw. Unseres E�cbtens wäre es allerdings erheblich zeitgemäßer und dankens- iiuen- laä taliiiiäera - Roben»«er. tzSnb.;P. Ciollet»!• Fuchssormkragen 35.-, Martin» HariMnenstr.ll. Tel. Mpl. 10303, Luther-Str. 14 III, Tausinger. werter, wenn die verehrlicho VercinZleiiilNg die Besucher ihrer Ans- slellung darüber belehren ivollic, lo a sie das zivdst'Uos sehr bekömmliche Obst nnd Gemüse zu den geltenden Höchstpreisen heut- zutage bekommen lönnen. lieber die geeignete„Äerivendiing" der genannten Naritüieii brauchte sich dann der Verein ivciler keine Sorgen zu machen. Ter Bolksüund für Freiheit und Vaterland veranstaltet am Montag, den 7. Januar 1918, abends 8 Uhr, im großen Sitzungs- faule des Abgeordnetenhauses, Prinz-Albrechi-Str. 6, seine erste Versammlung, in der die Ausgaben und Ziele des VolksbundcS erörtert werden sollen. Es werden sprechen: Rcichstagsabg. Gen. Legten, der christliche Gewerkschaftsführer Stege rwald und Prof. Dr. T r o e l t s ch. Eintrittskarten für Mitglieder und deren Gäste sind kostenfrei von der Geschäftsstelle des Volksbundes, Berlin SS. 30, Nollendorfstr. 29/30, zu beziehen, wo auch Beitritts- crklärungen entgegengenommen werden. „Ter Wahre Jakob", Weihnachts- und Neujahrsnummer, ist jetzt eingetroffen. Tie Lichtspiele„Nene Philharmonie" bringen von heute ab ein neue? Filinwsrk„RaSputin" zur Aufführung. Neukölln. Wintersport ans den Promenaden. Ans Beschluß deS Magistrats sind jetzl die Promenaden des Hertzberg-, Reuter-, Weichsel- und des Wildenbrnch-PlatzeS, serner die Scbillcr-Pramenade und die Promenaden in der Elbeslraße, Bouckoslraße und Warthe- straße den Kindern für Winterchort sreiaeaeben worden. Infolge- dessen ist eine Bestreuung die'er Promenaden mit abstumpfendem Material nicht mehr vorgenoninreu worden. Kreis Teltow. Geschäftsabschluß der Sparkasse. Beim Abschluß des Jahres 1916 betiugen die Spareinlagen 135889113 M. Im Lause des Jahres sind eingezahlt und an Zinsen guigeichneben insgesamt 164 l03 589 M., an die Sparer zurückgezahlt 132 961 116 M. Somit hat sich der Cinlagebestand um 31142 473 M. erhöht und betrug am Schlüsse des jetzt zu Ende gegangenen Jahres 167 031 592 M. Oberschöneweibe. Die Gemeinde als Zigarrenhändler. In dem Bestreben, die Einwahiisrichaft nach Möglichkeit mit den eiforder- licden Lebensmitteln zu per sehen, haben d:e Oiroß-Berlmer Gemeinden mit der Zeit einen recht umfangreichen Geschäftsbetrieb einrichten müssen. So bat sich jetzt die Gemeinde Oberidböneiveide auch der„notleidenden" Raucher angenommen. Die Gemeindeverwaltung hat einen größeren Pasten Zigarren verschiedener Preislagen angekauft. die nur an Zigarrenhändler, sonstige Geschäftsleute und Gastwirte abgegeben werden, um sie den Verbrauchern zuzusühren. Sersidtsziettung. Sparzwang zugunsten des Arbeitgebers. Ein von einem Buch- druckereibesitzer zu seinen Gunsten angewandtes Sparzwangspstem erklärte das Gewerb egerrcht Duisburg in einer' soeben amtlich veröffentlichien Entscheidung für ungültig. Der Kläger in dem betreffenden Prozeß war vier Jahre als Lehrling und. dann nach einige Zeit als Gehilfe tälig. In den lctzie» dreiviertel Jahren waren ihm vom Wachen lohn 1 M. und 50 Pf. zurück- behalten Warden, die er erst nach iüirsjähriger Täiigkcit ausbezahlt erhalten soll!?. Im Falle eines früheren Verlasieus der Stellung sollte der angesammelte Betrag als zugunsten des Arbeitgebers verfallen gelten.— Der Kläger sockt mit Erfolg diesen Verlrag an und erreichte die Verurreilung des Beklagren zur Auszahlung der'63 Mark Svargelder. Die Abrede," so heißt es in der Begründung, verstoße gegen ß 115 und 117 der Geioerbeardnung. Der Sparzwang sei hier augenscheinlich weniger dam bestimmt, die Lage des Gshiiteli zu verbessern, als die Ar-- beitskraft möglichst lange an den Betrieb zu fesseln. Der drohende Verlust der Spareinlagen im Falle vorzeitiger Auflösung des Ar- beitsvcrhältnisses soll den Gehilfen veranlassen, mindestens fünf Jahre zu bleiben. Die Wohltat des Sparens tritt gegenüber diesem Zwange völlig in den Hintergrund, nnd der Sparer gerät dadurch in ein Abhängigkeitsverhältnis zum Arbeitgeber. Auch die Kiin- digungssreiheit wird dadurch in unzulänglicher Weise beeinträchtigt. Die Vereinbarung könne darum nicht als rechtsgültig angesehen werden. Die Entziehung der Gratifikation eine iiilzulässigc Maßregelung. Der Auckhalter eines Mannheinicr Werkes haue mehrere Jahre hintereinander zu Weihnachten eine Gralifikon erhalten, nnd als er im Laufe deS Jahres 1917 um Gehaliszulage bar, wurde ihm diese unter besonderem Hinweis ans die kommende Gratifikalion abge- schlagen. Letzlere wurde ihm aber schließlich doch vorenthalien, weil er sich zur Zeit der Verteilung im Kilndigungsverhällnis be- sanv, und zwar wurde er als einziger vom ganzen Personal aus- genommen.— Das Kaufmann Sgericht Mannhelm sah die Berweiaerung der Gratifikation als eine unzulässige Zurück- setzimg gegenüber den Milangestellisn an und verurieilie die Gefell- schaft antragsgemäß zur Zahlung. In der Begründung zu dieser Entscheidung heißt es: Der Abteilungsleiter habe den Kläger, der um Gehaltserhöhung crsiichle, mit dem Hinweis ans die Gratifikation beschwichtig!. Nun liege in diesem Hinweis.allerdings noch keine formale Zusage, aber nicht der Wortlaut sei ansschlaggebend. sondern der Sinn, und der lonnie hier nur der sein, daß die Graiifilatiou wie in den Vorjahren, so auch im laufenden Jahre gezahlt werde. H. konnte demnach auf die Znwendnng rechnen und sie als zu seinem Gehalt hinzukommend bei seinen ivirtickaftlichen Dispositionen berücksichtigen. Hierin sei zweifellos eine Bindung an die Grati- fikationszahlung zu erblicken, falls nicht außeraeivöhnlicke Umstände eintreten. Als ein solcher Umstand sei ein bestehendes Mudigungs- Verhältnis nickt zu erblicken. Anders wäre die Sachlage, wenn in dem Jabre nberbanpl keine Gralifikalian verteilt worden wäre. Hier sei aber der Kläger als Einziger ausgenommen worden. Das könne nicht als rechtsgültig angesehen werden. Mus aller Welt. Ein spanisches Schloß durch Feuer zerstört. Aus Madrid wird imierm 2. Januar gemeldet: Um 11 Uhr vormiltaas brach in dem Schloß in La Gran ja ein Brand aus. der sick infolge eines heftigen Windes in dem ganzen Schlosse ausdehnte, ehe die Feuer- wehr eintraf. Er griff anch ans die Kollegiatskircke Über. Kirche und Schloß sind vollständig zerstört. Mehrere Hänser in der Nähe brennen gleichfalls. Da alle Brunnen und Wasserleilungeil zuge- froren waren, wurde das Löschen sehr erichwert. Es konnten nur sehr wenige Gemälde und Wertgegenstände geborgen werden. Der Schaden ist außerordentlich groß. Explosion einer Sce-Mine. Nock einer Reuter-Meldung wurde ain Mittwoch eine Mine in Pegwell-Bai zwischen Deal und Ramsoate ans Land aestmlt. Sie ervlodiene. als man sie aus dem Wasser halte. Sieben Personen wurden getötet. 20 verwundet; auch einige Häm'er wurden zerstört. Die Erschütterung wurde aus mehrere Meilen gefühlt. Englische Silvester— feuer. Der Berichierstatter der„Times" bei der britischen Armee in Frankreich meldet: Das neue Jahr wurde van den britischen Truppen mit einem plötzlichen Orkan von Geschützleu er ein geleitet. Um Millernacht wurden 12 Salven ans 12 Batterien abgegeben. Dabei wurden bestimmte Punkte systematisch beschossen, während die leichteren Ge- schütze einen Regen von Sckravnells über dos ganze Gelände niedergehen ließen. Die Deut'cken antworteten am dieielbe Weise oder indem sie mehrere Minuten lang Gardmenfeuer ab- gaben.___ ßricfPftfkn der Reöaktion. H. P. 160. Alles eingeführte Gclreide kann ans die Brolratitm angerechnet werden.— P. R. 18. 1. Tie Löbnung. bciiiig 5,39 M. 2. ES besteht kein Anlprnch auf Zigarren und Tabak. 3. Nein.— F.>527. 1. Nein. 2. Edronis be Erkrankungen der Augenlider.— 1S83. 20 M. für die Frau und 10 M. für jedes Kind Stäatsunlerjlützung, dazu kommt ein eventueller Gemeindezuschirst. Der NietZzuschutz müßte Ihrer Frau gewährt werden. Eine eventuelle Beschwerde wäre an den RcgierunqS» vräjidente» einzureichen.— C. D. 80. Wenn Sic den Vertrag niwt mit unterschrieben baden, müßte die Kündigung Ihrem Mann zugeüellt werden. Wenden sie sich an das MietSemtgungsamt.— Spandau 00. 1. Ja. 2. Umgehend. 3. und 4. Nein.— O.■<>. 76. Sie können bei der Stcuerkasse-nie Extraimterjtühunq beantragen— I. St. 1. und 2. Ja.— I. 31. 40. Sie haben Anspruch am Bezahluu, der Feiertage. — A. L- T. 837. Nein.— 4. 18. Ja, wenn im Mielsoer! rag nicht ausdrücklich bellimmt ist, daß die Kündigung nur durch eingeschriebenen Brief erjolgen muß.— 31. S. 45. Rein— O. I. ffi. 587. Rein. — Cnrt, Schdnan. Wie die Mannschaften der einzelnen Jahrgänge zur Entlassung kommen, wissen wir nicht. Das liegt in der Kommaadogewalt des Kaisers.—!){. Nt. 107. In den Besördcrnngsvorichrifteii i't eine Veränderung nicht emgelrelen.�— N. 3t. Trifrftr. 69. Anspruch ans Answandsentschädigimg haben Sie nicht, auch nicht am Kriegselterngeld, da Ihr Sohn Sic vor seiner Einberusmtq zum Militär nicht miterftüizt hat.— D. 110. Ja.— W. 9t. Trevtom. 1. Bis 31. Dezember 1917. 12. Harn- oder Geschlechlskrankbeft.—<5. 8. 102. Ig— Mazedoinon 80 761. Die Zeit rechnet nicht als Dienstzeit.— Rheinau. Anspruch ans Nachzahlung besteht nicht.— G. 3t. 500. 1. Absoluter Anspruch ans Urlaub ckeslebt nicht, er soll, soweit es der Dienst znlänt. nach Jabreskrilt gewährt werden. Verheirateten Mannschaften, besonders solchen mit großer Minderzahl, sollen, soweit eS aus militärischen Gründen angängig crlcheiut. für längere Zeit in die Heimat beurlaubt werden. 2 Für uneheliche Kinder wird die Unterstützung weitergezahlt. Anspruch aus Kriegswaisenrente besteht nicht.— I. T.«a.— M P. K.-4. 1. Anspruch ans AohnungS- zuichuß kann die Muitcr erheben, wenn der eine der Brüder den Miels- vertrag geschlossen oder wenigstens als Mieler mitunterzeichnet bar. 2. An-» svruch auf Invalidenrente laiin sie trotzdem erheben.— Jdral-Pajsago. Die Unterstützung kommt in dem Fall in Wegfall, es könmc nur Aimcn« Unterstützung ge fordert werden.— E. I. 27. Nein.— M. U. Nein. SSetteranSftckten für das mittlere Norddeutickian» v!S Sonnabend mittag. Vielfach heiteres, aber noch veränderliches Frost« wettcr, leine erheblichen Niederschläge. Die Vekamitmachung deS Oberkommandos in den Marken betreffend Beschlagnahme von Papier zur Ansertigung geklebter Papiersäcke(Lackpapicr) tritt am S. Januar 1018 in Kraft. Die vollständige amtliche Bekamilmachung erfolgt an den Anschlagsäulen und in der„Norddeutschen Allgemeinen Zeitung". Berlin, den 5. Januar 1918. (730. I. Mist 17. II. Ang.) Der Polizeipräsident. SklMkl WMNSe!!el"LMkl!S. Verwaltungsstelle Berlin. 2-4, Linicustraste 83—85. Keschästszeit von 9— 1 Uhr und von 4—7 Uhr. Telephon: Amt Norden 185, 1239, 1987, 9714. Sonntag, den 6. Januar 1918, vormittags 9'/. Uhr: Branchelweesamuslttttg aLer in den Mukgnstruiüjsnsbktrlebrn beschäft. Ardeiter und Ardtiterinutu im Gewerkschaftöhauö, Eugeiufcr 45, Saal 4. Tagesordnung: Bericht über die Verhandlungen mit den Zlrbeitgebcrn. DaS pünktliche und vollzählige Erscheinen aller Kollegen und Kolleginnen ist'unbedingt erforderlich. Für jeden Betrieb wird die Zahl der Anwesenden festgestellt. 221/11 JOIe Ortsverwaltuns. König). Preuss. 'Jjiehnns I. KIuhsc: 8. u. 9..lautaar 1918 f Klassen- Lotterie i/. 7? 'i Lose 5 10 20 40 13. und Porto bei Vorausbezahlung für alle 5 Klassen LS 50 100 LOO II. und Porto «skn, �es'iSii S S4 Prinzonstraßo 79, am Moritsjplatz. j Tägl. Gcwiunlisten zur Preuss.-Südd. Kiasseulotterie| 1.— 5. Klasse zum Preise von 8 JI. vorsendet portofrei! H. 0. Hahn's Wwe., Berlin S 14,| Alexandrinenstr. 70 und Prinz enstr. 79. ü granktii-B.Slerteliisft der BsuMet tu üetlin Z«MM. Sonntag, den 3. Februar, vormittags 19 Uhr, bei Wiike, _ Sebaslianftr. 39: Ordentliche General-Itrsalnailmtg. Tagesordnung: 1. Jahresabrechnung des Kassierers, Bericht des Vor- ftandes und des Aussichlsrats. 2. Abänderung deS Z 6 der Kassensatzung. 3. Ersatzwahl des Vorstandes: a) ersten Vorsitzenden, zweiten Kassierers, eines Beisitzers nnd drei Ersatz- männer; b) Wahl des AusfichtS- rats und der Ersatzmänner. 4. Kalsenangelegenheftcn." Mitgliedsbuw legitimiert. Pünktliches Erscheinen erwartet H»vr V<»r«t»i»9. I. A.: H. Metzle» Zpeiisl-tnl I>r. mock. HnscitS. Pnedrichstr.SO SwdlbÄ. 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Denn von der gröszien Sonnennähe merken wir im Januar wahrlich nichts, und seufzend empfinden wir es in den Kriegsjahren besonders schmerzlich, dafi der astronomische Winter nrcht mit dem wirklichen zusammenfällt. Wäre nicht die Wende von der Abnahme zur Zunahme der Tageslänge, so würde das Perihel für das Emp- finden des Alltags spurlos verschwinden im Einerlei der kalten. düsteren, sonnenarmen und froststarrendeu Winleriage. Und dennoch— für den tiefer in die Natur Blickenden ist der große Abschnitt im Leben des Jahres wohl erkennbar, und gut ficht- bar sind die Jäden, die von da zu manchen Symbol und Brauch leiten, dessen wahrer Sinn und Ursprung längst verichültet schien. Nicht an das Erste und Oberflächlichste soll dabei erinnert werden, dag der erste Januar wirklich on genug der Wendepunkt des ganzen WnilerS ist, von den, ab es wirklich kalt, eist richlig Winter wird, mit Schnee. Hochfroit und gleichmäßigem Wetier. Viel tiefer reicht die Wende hinab, vom Ilimalologischen zu dem davon so ab- bängigen biologischen Gesetz. Des Volkes unbeirrbare Weisheit, als welche man seine Er- fohrung bezeichnen kann wußte das schon längst und kleidete es in die Orakel alter Weiblem, die daS Aufblühen der„Barbarazwelge" nicht vor Weihnachten weissagen. Man schneidet sie zwar im No- vember oder zu Beginn des Dezember vom Baum, stellt sie aber vergeblich vor dem Fest auf den Tisch. Denn erst die Winter- sonnenwende bringt die zarten, milchweißen Kirschblüten aus ihnen zutage. Die zwölf heiligen Nächte von da bis Neujahr haben die Kraft, die Blüten des neuen ObstfegenS aufzuwecken, sagten schon die Alt« vorderen davon, und haben vielerlei kultischen Gebrauch um die „Rauhnächte� gesponnen, als eine hochheilige, erwartungsvolle Zeit, mit der ein neues Lebens inS Jahr tritt, schon lange bevor die Vriesterlehre von der Geburt des Heilands dem alten Glauben neue Deutung gab.> Immer wieder kehrt in diesen Volksbräuchen, die zahllos sind, eine grundlegende Anipielung wieder im Schmaus und WeibnachtS- gebäck als schmückender Zierat der Festtafel und des Weihnachts- . boumes, und das ist der Hinweis auf das neue Leben, das von jetzt ab wieder entsteben kann und soll. Die Sonnenwend' läßt die ' Woge des Lebens, die seit den ersten kühleren Nächten des August ganz allmählich verebbte und in den lichilosen Wochen des Dezembers nahezu völlig verronnen war, wieder ansteigen und Kraft gewinnen zum neuen Siegeszug über die Erde, dem das Aphelium, die Sonnenferne, ani 2. Juli ebenso ein Ende bereiten wird, wie noch stets im niajeslätischen Rhythmus, in dem das Sein auf Erden wird, i um zu sterben, und stirbt, um zu werden. l Tie Pflanzenforscher haben zuerst dem tieken Gesetz nachgehangen, das dahinter steckt. Eni russischer Botaniker, A s l e n a s y, hat entdeckt, daß schon lange vor der Wintersonnenwende alle Knospen von Blüicrn und Blättern fertig, sind, zum Austreiben. Aber sie vermögen es nicht. Gerade in den Tagen voin 22. Dezember bis 1. Januar gewinne» sie die„innere Be- fäh'gung" dazu. Wenn mau es in der Sprache ausdrückt, die er dafür anwendet, so heißt es: es tritt in dieser Periode eine innere Ilmstimmung ein, die das neue Wachstum veranlaßt. Von da ab ist es nur mehr die Frage des„Klinias", wann es im Walde Frühling wird. Es gab schon Jahre, in denen der Januar wachen- lang April- und Maiiemperalurcn beichcrte, und den Aelpkern ist solches durch den Föhn sogar in jeder Generation geläufig. Da blübieu denn die Frühlingsboten und die Obstbäume kleideten sich in Blütenichnee. Aber nn Dezember ward solches noch nie erlebt. Man kann die Barbara zweige wohl durch ein„künstliches Kluna", nämlich Slubenwärme und warmes Walser, schon im Dezember zum Austreiben bringen, aber nie vor dessen zweiter Häl'le i gewöhirtich blähen sie gerade an dem Tag der Sonnenwende selbst aus; auch die Gärtilcr, von denen die Blumcuschusucht der Großstädter die Künste der Frühireiberei verlangt, wissen es, daß man wohl Sommer- blüder«ufhalten und Rosen und Maiblumen dann noch im No- vember und Dezember verkaufen kamr, daß aber die eigentliche und leichte Frühireiberei erst mit Weihnachten einsetzt und dann im Januar und Februar ein Kinderspiel ist. Die Jäger iliid Tierkundigen hingegen wissen, daß eZ genug Tiere gibt, die uicht erst deu Mai abwarten, um eine Familie zu gründen, sondern damit noch mitten im Schnee, bei Temperaturen beginnen, bei denen wenigstens tm Msnschenherzen im Walde jeder Gedanke an Liebe erfrieren würde. Die 5krüben beginnen im Februar, oit schon im Januar damit; auch die Wölfe, vre Füchse, sogar die Hasen denken noch im Schnee an die Pflicht, ihre Art nichr aussterben zu lassen; niemals geschieht dies aber vor Weihnachien. In den Teichen und Bächen lebt eine tausendgestaltige Klein- Welt zierlicher Pflanzen und winziger Tiere am Grunde, die es alle sebr wohl merken, wann es Winter wird. Sie bauen ihm vor und bilden, oft aus großen Umwege» und mit Anstrengung aller Kraft, die in solch ein Tröpschen Lebeusstoff gelegt ist. Dauerzustände, rubende. woblverschlosjene Kapseln, in denen sie wie in einem gläsernen Sarg alles Ungemach dcS Winters ungefährdet überstehen lönnen. Es schadet ihnen dann die Kälte nicht; sie ertragen es, wenn dre Gewässer bis zum Grunde ausfrieren; ja, man will beobachtet haben, daß sie gerade danach besonders lebensfrisch, nämlich fort- pflaiizungSiroh Auferstehung im Lenz feiern. Ihr Lenz beginnt aber nicht mit den linden Lüften und dem Knospensprießen, sondern gerade bann, wenn es erst richtig kalt wird, im Februar und Januar. Wenn man ganz genau nachforscht� beginnt er unmittelbar nach der beiligen Zeit der Zwölfernächte. Dann sprießt am Grund der Bäche eine fanilbraune weiche Decke aus Millionen dieser Klein- pflänzchen, und bis es am Bachesrand richtig Frühling wird unter den Werden, ist die ganze Lenzesprackt im Wasser schon lvieder vorbei. Dagegen ist es von den ersten Frösten bis Weihnachten still und traurig bestell! auch in der KIcinwell des Wiasiertropfcns. Noch tummeln sich einzelne Skachrügler des Sommers darin, aber jeder Tag läßt neue ihr schützendes Gehäuse aufsuchen; und just von Mitte bis Ende Dezember erleben auch sie die große„innere Wandlung� der Wiutcrionnenwende. die nun schon wie ein all- gemeines Lebensaescy allerorten auS der Natur zu uns spricht. Was aber für alles Leben gilt, kann auch in des Menschen Daiein nicht spurlos vorübergehen. Und in dem ersten Augenblick, da man nach den Spuren dieses Gesetzes in unserem eigenen Biezirk sucht, drängen sich auch schon die bisher unverstandenen und nun so lichtvollen Tatsachen zu. Die uralten kultischen Gebräuche aller Völker messen den Wendepunkten der Erdbabn im Dezember und Juli Bedeutung bei. Besonders die Wintersonnenwende wird darin als Scheidewand zweier Lebensabschnitte bervoraeboben, von denen der alte der- gangene mu einer Periode der Ruhe und Besinnung beschlosicii, der neue aber mir Kräftesammeln, mit besonders guter Ernährung und Lebenssrcude beaonnen wird. Advent ist in diesem Sinne ein tiefernstes Wort und die „stillen Wochen" vor dem Fest de? Winters wurzeln in einem Natuigcietz. Schon in der vorchristlichen Zeit durfte man in diesen Tagen der sinkenden LebenSkrait keine Ehe schließen; wohl aber be gann auch schon lange vor dem christlichen 5kalender mit dem Winter- sest der„Fasching", die Zeit des frohen neuen Lebens, die von der menschlichen Natur nie anders empfunden ivurde, sie als die wahre Zeit der Eheschließung, als der große Aufstieg der Fortpflanzung, io wie auch im Weiher, im Späiwinterwald und. im hoimlicheu Lebcuszenlrum der Pflaiizcrikuospen wir kr. Jeder Einzelne kann es an sich selbst erleben, wenn er nur ein w enig Ach: bat auf die stille und doch so deutliche Sprache seines Körperlcbens. Goethe, von dem berichtet wird, daß er in den Wochen vor der Wintersonnenwende tagelang in sich gekehrt, wortlos, brütend unv tatenlos saß, ist auch darin wie ein Symbol der Menschheit. Der Januar bringt uns neuen Herzschlag und andere Körpergefüble, den Kranken neue Hoffnung und oft günstige Wendungen, den Schaffenden bringt er neue Anregungen, lind o m b r o f o, der sich die Mühe gab, eilte große Zahl geistiger Leistungen auf ihre EiilftehnngSzeit hin zu prüfen, findet die iniö jetzt nicht mehr erstaunliche Tatsache, daß ihre Zahl im Januar rrnd Februar sprunghaft ansteigt gegenüber dem November und De- zcmber, zu welcher Zeit sie sinkende Tendenz ausweisen. Ein und dasselbe Gesetz rst es also, das sich ausprägt im�Kitlkur- und Natur leben,»n Geistigen und irn Leiblichen. Sitte und Ge- brauche. Rschtsaiischauuug, Sage und Religion, Köcperkraft und Gesundheit, das Gesetz der genialen Leistungen, die Teilungen der Wassertierchen, die innere Umwandlung der Siräucher und Bäume, das Liebesleben der Vögel und des Wildes, all' das verrät den gleichen Rhythmus und ist mit einem geheimen und unbegreiflichen Faden angesponnen an den ehernen Gang der Gestirne und das große Weligcsetz des Nieveränderltchen. In tausend Gestalten er- schimmert das Ewigeine, und in die 182 Tage vom Perihel bis zur Sommersoiilieiiweiide ist das ganze Wellgeheimnis eiugeschlofien. R.' F r a n c&. Das Lutterlanö Sibirien. Weit über eine halbe Million Zentner Butter hat in den lctzien Friedensjahren Sibirien nach Deulichland geliefert, und doch war diese Menge nur ein kleiner Teil der gesamten Butterausfuhr dieses Landes. Sie kam in der Hauptsache Engtand zugute, während wir sibirische Butter meist nur im Winter bezogen, wenn England sich mit australischer Buiter versorgte. Infolgedessen haben die Eng» länder mehr als doppelt soviel Butter verbrauchen tonnen als die Deutschen, nämlich gegen 6 Zentner pro Kopf. Wie Profi E. Rath in der„Umschau" ausführt, kam die sibirische Butter erst vor zwanzig Jahren auf deu europäischen Markr und wurde mit derBaim nach den baltischen Häsen geschafft. Die Ausfuhr über See geschah hauptsächlich von Riga und Windau. Zunächst war der Zustand der Butter nach der langen Reiic etwas fragwürdig, aber schon 1829 wurden besondere Kühlwagen beschaffi und dann schnell in großer Zahl erbaut. Da die Bahnfahrt nach Riga nur etwa 13 Tage datierte, gelangte die Butler tadellos an ihren Bestimmungsorr. Die gesamte Fahrldauer von Sibirrsn(Tscheljabinskj bis Ham- bürg bcläufl sich auf 14—12 Tage, und die Butler kam namentlich im Winter stetS so in Deutschland an, daß sie im Geschmack aar nicht von deutscher Ware zu unterscheiden war. Nur Kenner sagten ihr ein etwas schwächeres Aroma nach. Tis Hauptmärktc für sibirische Butter waren nächst London Kopenhagen und Hamburg. Abgesehen davon, daß die HllndelSb-ziehirngen durch deu Krieg wichtige Veräiid-riltigen erfahren dürften, ist zu beachten, daß die Mciereiwirischaft in Westsibirien noch einer großen Enttvicklung fähig ist. da der Milchertrag durch die Einführung eineS moderne« Betriebes noch ans das Doppelte gesteigert werden tonnte. Der Viehstand in jenen Teilen Sibiriens wird auf 22 Millionen Stück geschätzt, so daß dort weit mehr Rinder als Menschen leben. Maskierte Tiere. Wo wäre es im Fasching auch dem phantaficbegabtcsleii Menschen eingefallen, sich beispielsweise als Auwald, als User- böichting oder Gartenbeet zu kostümieren? Und doch gibt es Tiere, die solches tun, und nicht, wie wir, nur ein paar iröbliche Stunden, sondern ihr ganzes Leben lang. Im warmen Uierschlamm der gesegneten Adria, in den seichten Nn- tiefen ihrer Küsten leben diese wunderlichen Gesellen, die io unzu- frieden sind, Krabben zu sein und durchaus pflanzliche Geichöpfe vortäusiben wollen. Nicht nur dulden sie, daß Algenbü'che, Polypenkoloiüen, Schwämme. Röhrenwürmer und selbst Seeanemonen sich ans ihrem flachen, breiten Rücken an- siedeln, nein, wo all da? sich nicht von selber einfinden will, beladen sie sich unermüdlich rnil Büscheln von Meerespflanzen, die sie mit ihren Scheren abkneifen und über sich hallen. Sogennlprte„Angel- baare" auf ihrem Panzer übernehmen sehr bald die Rolle hilfreicher Hände und ein winziger Wald marschiert seelenvergniigr im Sand umher, ein Walv, unter dem spähende Stielaugen, gepanzcrle Waffenzangen und ein ewig hungriger Magen lauern. Diesem letzteren und seiner ungestörten Sättigung zuliebe wird die ganze Maskerade wohlt hauptsächlich aufgeiiommen, denn da« Schutz- bedürfnis ist bei Tieren, die ohnedies so ausgezeichnet ihrer Ilm- gebung angepaßt sind, kaum mehr so besonders groß. Besonder? drollig ist es nun, solche Krabben im Aquarium zu beobachten, wenn man ihnen die gewohnte Hülle abgestrcist hat. VerzwerilungSvoll irren sie umher und beladen sich mit allem, was sie aufzufinden verinögcn. Selbst Glasscherben, Blech- und Holz- stücke sogar Leichen der eigenen Stammesangedörigen werben nicht versckrnäht, sondern oft init großem Kraftaufwand sortaeschlepvb Die Gefangenen glauben wohl, verhungern zu müssen, wenn sie nicht unter dem Schutz einer mehr oder weniger geschickten Verkleidung ihre Beute, die aus Seegarneeleu rmd ähnlichcnr be- stebr, anschleichen tonnen, lind trotzdem die Hand des Aquarien- besitzers gleich einer höchst realen Vorsehtuig für die Wünsche ihres Magens sorgt, lassen sie selbst nach langem Aufenthalt im künsi- licheir Bassin nicht davon ab, sich zu maskieren und ihre MaSke mir dem Eigensinn seit Generationen erprobter Ersahrungen scsr- zuhalten. Notizen. — Vorträge� Prof. Ifl. Schubring hält eiircu zehnstündigen Vortragszyklus im Schillersaal Charlotlenburg über das Thema Dantes„Göttliche Komödie". Die Dichtung und ihre Illustration vom 14.— 19. Jahrhundert. Abonnements zum Preise von 6,29 M. Beginn am 9. Januar 9 Nhr. — Theaterchronik. Das neue Werk von Hermann B u r t e t S i m s o n, wurde für das Deutsche Theater zur Ur• aufführung angenommen. 3] Töchter öer hekuba. Ein Roman aus unserer Zeit von Clara Viebig. „Aber, Frau Krüger, haben S i c ihm denn gar nicht ge- schrieben „I, wo wer' ich!" Die Krüger warf den Kopf in den Nacken.„Wenn e r nich schreibt! Aber nu wer' ich an ihn schreiben, jaja. Herr'Bertholdi wird gewiß so gut sein, mir sagen, wie rch'S anfangen soll. Korsika— auf Korsika— ach Gott, das is wohl sehr weit? Mein Junge, mein guter alter Junge!" Gs zuckte in ihrem Gesicht als wolle sie weinen; aber es kamen keine Tränen.„Wenn nian böse auseinander- gegangen is mit einem, dann is das Warten auf ihn noch iiiel schrecklicher. Das glauben Sie man!" ** » Langsam ging die Krüger von der Bcrtholdischen Villa die Straße hinunter. Die Sonne stand hock, die Hitze war lähmend. Sie schlich im Schatten. Und doch hätte sie eigent- lich gehen sollen wie eine ganz Junge, laufen, fliegen— ihr Gustav, ihr Gustav lebte ja! Ein schwerer Gang stand ihr noch bevor. Den mußte sie machen. Als sie mit Frau Vertholdi gesprochen hatte, war ihr das gekommen, wie in einer plötzlichen Aufwallung: sie niußte zu dem Mädchen hin- gehen. Sich einmal nach dem umsehen, sich selber über- zeugen, wie es ihm ging, damit sie es dem Sohn schreiben konnte. Und lieber wollte sie dann gleich gehen, sofort.—— Es war ein weiter Weg von hier bis dahin. Früher hatte die Hicselhahn ganz in der Nachbarschaft gewohnt, nicht tveit vom alten Kirchhof, hinten heraus in der Blumen- und Kränzebinderei. Da hatte der Gustav sie auch kennen ge- lernt. Dann war sie fortgezogen. Jetzt sollte sie entgegen- gesetzt wohnen, ganz draußen, da, wo die Villen ein Ende haben und Arbeiterwohnungen, in gleichförmigen Bauten, aus Feldern, die nicht mehr Accker, aber auch noch nicht Gärten sind, ragen. Frau Krüger hatte hier nie etwas zu suchen gehabt, nun aber suchte sie von Haus zu Haus. Sie schwitzte, sie hinkte schon. Die Füße taten ihr weh. Dieses Gehen in der Mittagsglut machte sie sehr müde. Hier lvar gar kein Schatten, die Bäumchcn, die zur Seite der Straße angepflanzt waren, standen noch Stunde ihren schattigen Garten oder ihr kühles Zimmer, in dem der Tisch schon gedeckt stand, und das behagliche breite Sofa, das zu einem Mittagsschläfchen einlud, zu verlassen. Aber heute ging es nicht anders, sie hatte Versäumtes nach- zuholcn; sie wollte wieder gutmachen. Wenn sie dem Gustav schreiben konnte, daß sie die Gertrud aufgesucht hatte, freund- lich mit ihr gewesen war. daß sie das Kind gesehen hatte — sein Kind— dann würde er sich freuen. Sie würde einen Brief von ihm bekommen, einen versöhnlichen Brief, und sie würde, sie würde— ja, was würde sie denn? Das wußte sie jetzt selber noch nicht. Das würde sich finden. Mit einer Entschlossenheit, die ihre Müdigkeit überwand, suchte die Mutter weiter. Sie fand die Hieselhahn nicht. Wohnte die vielleicht auch hier nicht mehr?" Schon gingen die Häuser zu Ende. Endlich erfuhr sie vom Postboten, der des Weges kam:„Hieselhahn— Fräulein Hieselhahn—? Ach so, die mit dem Kind! Die wohnt noch weiter draußen, in dem kleinen GeHöst an dem Kartoffelland, bei Strecken- arbeiter Dombrowski."— Frau Krüger stieß die vermorschte Lattentür auf und be- trat den eingefriedeten Hof. ES sah hier recht einfach aus, ziemlich armselig. Geringes Ackergerät stand umher; eine Schiebkarre, Schippe, Besen, ein paar schadhafte Körbe. An der offengebliebenen Tür eines leeren Brcttcrschuppeus. den kläglich miauend eine Katze umschlich, hing ein verschlissener Männcrrock, den Wind und Wetter zur Vogelscheuche gemacht hatten, und ein alter Filzhut, der nur eine Krempe, aber keinen Kopf mehr hatte. Dieser zerwehte Rock, der durch- löcherte Hut, der leere Schuppen hatten etwas Trauriges und Verlassenes, obgleich die Sonne hell schien. Frau Krüger fühlte eine Beklemmung: so sah eS hier aus? Nur daS Ge- schnattcr einer Gans, die jetzt heranwatschelte, und ein mauseriges Huhn, das im Sand kratzte, beruhigten sie; das war doch etwas einigermaßen Vertrauenerweckendes. Eine Fraucngestalt, die Aermel hochgestreist, die Füße in Holzpantinen, stand an einer Bütte vor der Haustür und spülte Kinderwäsche. Sie mußte sich tief bücken, Schweiß- tropfen perlten ihr hinab ins Waschfaß, aber sie hatte flinke Hände. Und fleißig war sie. Das war die Hieselhahn! Frau Krüger erkannte sie so fort, obgleich sie sie nur flüchtig ein paar Mal gesehen hatte. Sie blieb ganz still stehen und sah der Fleißigen zu. Sehr armselige Hemdchen, aus schon dümr getragenem altem Zeug jung und klein. Es wäre ihr sonst nie eingefallen, um diese s zusammengenäht, ein paar winzige Jäckchen und Windeln! Frau Krüger wischte sich den Schweiß ab: war das im- erträglich heiß heute! Und zu Hause hatte sie noch so viele gute Kindersachen! Ans dem niedrigen Fenster zu ebener Erde erscholl setzt eine kräftige Kinderstimme, ein lautes, ungestümes Geschrei. „Ja, ja, na, warte man, du I" Die Waschende hdb den Kopf, da begegnete ihr Blick dem fest ans ihr ruhenden Auge dcr Krüger. Sie stutzte; sie schien einen Augenblick nachzu- denken, dann flog ein rasches Rot über ihr Gesicht. Etivas Feindseliges kam in ihren Ausdruck.„Sic wünschen?" Frau Krüger wußte sofort: die hat dich erkannt, und böse ist sie dir auch noch. Hatte die Hicselh�n nicht Groll in dcir Augcn— etwas Herausfornderndes— oder war es nur Abwehr? Aber das half ja jetzt alles nicht, jetzt mußte sie gutmachten, sie kam wegen Gustav, ja, wegen Gustav, und— wegen--- Das Kindcrgeschrei erhob sich immer stärker, und mitten in das Geschrei hinein sagte die Krüger— sagte es ganz ruhig, aber das Herz schlug ihr dabei:„Ist das der Kleine? 'ne gute Lunge.'iS doch'n Junge, was?" „Jawohl," sagte die junge Mutter kurz und kehrte sich ab, um ins Haus zu gehen. Da faßte die alte Mutter einen starken Entschluß: sie durfte sich nicht an die Abwehr der andereil kehren, sie mußte- der sagen, was sie zu sagen hatte, die mußte hören, Und mit eineni großen Schritt war sie bei dem Mädchen und faßte es beim Handgelenk:„Sie, wissen Sie was? der Gustav lebt!" „Was geht mich daS an?" Die Hieselhahn wollte gleich-- gültig tun, aber dann wurde sie doch totenblaß. Sie strebte nicht mehr fort, sie blieb stehen. Mir weitgcöffncten, fast angstvollen Augen starrte sie seine Mutter au: warum, warum kam die und sagte ihr, ihr das?! Wollte die sie wieder beleidigen, ihr wieder wehe tun wie damals? Oh, sie ivnßte sehr wohl, die mochte sie nicht leidet!, die hatte es hintertrieben, das? Gusta» ehrlich an ihr gehandelt hatte. Aus sich selber hätte der ja niemals gesagt:„Das Kjnd ist nicht von mir." Er wußte es ja, daß sie keinen andern angesehen hatte, seit er mit ihr verkehrt, daß sie nicht einmal den Kopf nach einem andern gedreht hatte. Was kam nun seilte Mutter und sagte ihr:.Er lebt'? Für sie war er tot, doch tos, und wenn auch Nachricht von ihm gekommen wäre. (Forts, folgt.) Direktion 5Iax' Keinhardt. I�entsches Theater. 7 ühr: I»ep Bett See. Ponnabend; Bon Carlo». - Sonnt, nachm. S'/jUhrihaibo --Preise): D. deutsch.Kleinstädter üi iMst m e r«me t e. ' 7'!, Uhr: Kinder der Freude. W Sonnob.ecd: Kinder dHr Freude, Sonnt, nachm. S'/j U. j[hnlbo Preiso): Gespenster. Volkehühne. Theater am Säiowplatj. tJntergrundb. Schönh. Tor. 7>/z Uhr: älettda tJabier. Sonnabend: Nathan der Weise. Dir. C. Meinhard— R. Ssrnauer. Tlieater Königgrätzerstr. 8 Uu vis StraBe nach Steinaych Komödienhaus '1,8 Uhr: Erdgeist. Berliner Theater T/jü.: Die tolle K.®nite8. Thealer für Freitag, den 4. Januar. Eastspicthans Tj, Uhr; file Mondes Miiiels y.Lindeniiß! Central Tlit ater Kommandantenstraßo 3J. 7*1,: Die Csnrdasf iarst.ln Snt. S'/j U.: D.Kind, d. Exzellenz Friedricb-Willielmst. Theater r1/ 1 Dhr;|gS ßfeDMÜlM Kleines Theater vi, uhr: OeldzauheF. Kouiischc Oper T\t u..- Seiiwarzwalteiel. Horg.31/.: Kl. Dorch.u. ri Zinns. Sonnt. 31/, U.: Die Kinokfinigin. Metropo!-Theater uhr: Die Dose voa Staiy!. Sonntag 3 Uhr: Die Kaiserin. Neues Operettenhaus Schiüfbd. 4a. Kassent-Nd. 28!, 7'/, mir: Der Soldat öer Marie.! ilesülenz- Theater vi, uhr: Ulli Grün. äScbiller-Thcater O vi, Uhr: Paulloe. Schill er-T h. Chart 7'/. uhr: jZjg selige Eizete VI. Uhr Thalin Theater : Egon lind seine Fräuen. Theater am Nollendorlplatz 7 Uhr; Theater«icts Westens Tv.uhr�erFerlieiite ierzog mit Guido Thielschnr. Deutsches Opernhaus 7�- Carmeü. •->V. 1�3.'Ä7 r, t-Ai NATION AL.THEATER Cöpenicker Str. 68, 5 Min. Jannowitzbrücke. 83, 87, 88, 19,22,29, 32,36,37, 45.46,49, 11, 1,2, 3,4,6usw '/. 8 CJroßer Ertolg!'/4 8 Siadentenneljelien. Sonder-Ernihßignng bis 7. 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Der Ausschuß lvird seine Beratungen die nächsten Tage hindurch fortsetzen. �»s öe? sozialöemokratischen Reichstagsfraktion. Tie Fraktion trat am Donnerstag vormittag zu einer Sitzung zusammen. Die Genossen Schcidemann und E b e r t erstatteten Bericht über die Verhandlungen, die in den letzten Wochen stattgefunden haben. An diese Berichte knüpfte sich eine Debatte über die Ost fragen. t)crr von walösw und öie Höchstpreise. Vom Nachrichtendienst dcS KricgSernährungsamts erhalten wir folgende Zuschrift: In dem„Voiwärlo� vom 29. Dezember 1917. Nr. Wv, wurden Ausführungen über den ehcmatigeu Oberpräfidenten von Pommern, Herrn von LLaldow, und die jeinerzeh unter ihm an»' geblich erfolgte Höchflpreisüberichreiluiig bei der Hrndeuburgipsnde veröffentlicht. Da wir die hierzu seitens der „lloudwuliwaflSkaimner für die Provinz Pommern" criolgle RiÄtigstellmig in Ihrem geschätzten Blatte norb nicht gele'en haben, wären wir für eine Bekanntgabe der betreffenden Zuschrift, deren Worilaui wir anschließend folgen lasten, dankbar. Die Landwirtschaftskammer für die Provinz Pommern fchrerbt:- „Die aus der„Liberalen Korrespondenz" entnommene Mit- icilnng über„Herr von Woldow— einst und jetzt" enthält voll- komme» unrichtige Angaben über die Ausführung der Saimn- langen für die Hindenburgfpende im Jabre 1016/17 durch die Pommerfcbe LundwirtickaflSkuinmer. ES ist unwabr. daß von jeiicu der LandwirlftbaftSkammer die damaligen Höchstpreise für Speck. Schmalz und Schinken mißachtet worden sind. Wahr ist vielmehr, daß sie ausschließlich die für Stettin gelten- den Höchstpreise gezahlt hat; Stettin war der ErsüllungL- ort, da dort die Hauptsammelstelle für die Hindcnburgfpende ein- genchier war, bei der die Sammlungen aus der ganzen Probinz zuianimeiistostcli und von wo sie an die Empsangstelleli weiter- geleite: wurden." gez. Dr. Krull. Wir können in dem Schreiben der Landwirtschafrskammcr durchaus keine vefrieoigende Aufhellung des Sachverhalts er- blicken. Nach dem Schreiben sind den Landwirten„die für Stettin geltenden Höchstpreise" gezahlt ivorden. Was be- deutet das? Es gibt drei Arten von Höchstpreisen: Erzeuger-, Großhandels- und Kleinhandclshöchstprcisc. Selbstverständ- lich hatten die Landwirte nur Anspruch auf die Erzeuger- Höchstpreise. Ter Ausdruck„die für Stettin geltenden Höchstpreise" deutet aber darauf hin, daß man den E r- z e u g e r n die Großhandels-, ivenn nicht garÄ lein- h a n d c l s h ö ch st pr ei se gezahlt hat. Also hier ist Ans- tiärung dringend geboren. Wir vermissen auch jedes Eingehen auf die sehr detaillierten Angaben der„Lib. Korr.", wie z. B. darauf, daß in den amtlichen Kreisblättern unter Angabe un-gesctzlicher Preise zur Lieferung auf- gefordert worden ist usf. Untersuchungsstoff für tzerrn v. walöow. Geschäfte der Stadt Bensberg. Neulich karr in dem großen Bremer-Prozeß in Köln heraus, daß die �tadt Bonn größere Mengen Mehl Zu 2,10 M. das Pfnnd cm tue Maschinenbauanstalt„Humboldt" in Köln-Kalk ver- handelt hatte. E:n Teil des Mehls hat leider die Arbeiter des „Humboldt" nie erreicht, sondern ist auf dem Uvuoege über einen Agenten und die Schwind elfccmilie Bremer zentnerweise an R e- gierungSräte und sonstige„Schwcrstarbeüer" gelangt. Auf eine„steine Anfrage" des Abg. Behrens kam dann eine große Antwort, wonach das Geschäft selbstverständlich in schönster Oed- nung gewesen war. Nu» ein neuer Fall: Auf einem Kölner Güterbahnhof sind etwa 100 Zentner inländisches Mehl beschlag- nahmt worden, die aus dem Lager der Stadt B e n s b e r g bei Köln stammen. Das Mehl hatte im Weiterberkauf schon 3,10 M. dos Pfund erreicht. In Bensberg gibt es zahlreiche Schwer- und Schwerstarbeiter, die für das McHl recht dankbar gewesen wären. Engere unö breitere Safts. Zur Ostfrage. Ueber die Lösung der Ostfrage schreibt die„Germania" in einem Artikel, der um so mehr Beachtung verdient, als die „Germania" das Zcntralorgan der Partei ist, welcher der jetzige Reichskanzler entstammt: Wir glauben, daß im Mittelpunkt der parlamentarischen Er» örreningen dieser Tage die FraM des S c l b st b e st i m m u n g L- rechtes jener Grenzvölker stehen wird, derxn Länder der Krieg in unsere Hand gebracht hat. Das ist schon deshalb zu erwarten, iveil in der Hauptsache nur über diesen Punkt zwischen Deutsch- lanü und dem neuen Rußland eine volle Einigung noch inchl zu- stände gekommen ist. Unsere Friedensunterhändler hielten an den Vvten der Landesausschusse als dem Ausdruck der wahren Volks- meinung fest, während die Russen nach einem besonderen Referen- dum zu verlangen schienen. Dieser Gegensatz ist aber keineswegs ein solcher in der grundsätzlichen Auffassung des Selbst- beftimmungsrechtS für die betreffenden Grenzländer, sondern nur eine Frage der Ausführung. An dem Grundsatz wird die deutsche Regierung unserer Ucbcczeugung nach e.d c n s o w e n i g r ü t- t e l n l a i s e n wollen, wie die russische Vertretung. Es wird also wohl möglich sein, daß man für die Verwirklichung des Rechts- titelö. den der Friedensvertrag den Polen, Litauern, Kurlandcrn usw. geben will, eine mitrlereLinie findet, die in der Haupt- fache an den vorhandenen Volksvertretungen als Willenscrklärcr sesthieltc, sie aber auf eine breitere Basis stellen würde, wo es wünschenswert erscheint. Wenn man dann zur schnellen Tiwch� führung deS so ermittelten wahren Volkswillens die Hand bieten wollte,"könnten die Ostfragen zur beiderseitigen Zufriedenheit so schnell endgültig crlodigt werden, wie es zu wünschen vor allem die Russen, denen die innere Ordnung ihrer Länder am Herzen liegt, guten Anlaß haben dürften.» Es scheint uns ein nicht recht lösbarer Widerspruch, an vorhandenen Willenserkiärnngen festhalten und sie gleich- zeitig auf eine breitereBasis stellen zu wollen. Das ist doch nur möglich unter der unumstößlichen Voraussetzung, daß die Willenskundgebung auf breiterer Basis genau ebenso ausfällt, wie die auf der schmaleren. Macht, man dies Resultat von vornherein zur B e d i n g u n g der Abstimmung auf brei- terer Basis, so kann man hier von einer Willenskundgebung im Sinne des Wortes nicht mehr reden. Andernfalls aber ist es unmöglich, unter allen lsimständen an der Willenskundgebung des engeren Kreises festzuhalten. Die Nationalitätenpolitik öes Grafen v. Reventlsw» Wenn die Konservanven den Ton und die Prinzipien, wie sie auf den ostelbischen Klitschen im Schwünge find, auf ihre innere und äußere Politik übertragen, so ist das schließlich nicht mehr als „bodenständig". Wenn sie aber versuchen müssen, die wirklichen politischen Realitäten mit ihrer sogenannten Realpolitik in Ein- klang zu bringen, so werden sie mitunter komisch. So Graf Re- V e u t l o w in einem Artikel der„Deutschen TageSztg.". über- ichrieben„Die Besorgnisse der Hungerfriodensmehrheit".(Soll wohl heißen„der. Mehrheit, die nach dem Frieder! hungert"). Darin heißt es: „Gesetzt den Fall, die Ostseeprovinzen mit Litauen würden tatsächlich, nicht nur zum Scheine, fest an das Deutsche Reich angeschlossen: was für ein Rußland könnte dadurch mit Bitterkeit erfüllt werden?" Da unseres Wissens nur e i n Rußland existiert, halten wir diese Frage für recht überflüssig. Er fährt fort: „Wir glauben in aller Bescheidenheit behaupten zu dürfen, daß inan sich in Finnland darüber nicht erregen wird. Auch die Bevölkerung der Ukraine dürfte sich in der Betreibung ihrer eigenen Angelegenheiten dadurch nicht irremachen lassen, vielmehr höchstens mit Wohlgefallen eine solche Gestaltung der Tinge begrüßen." Wenn Herr von Revcntlow das so genau weiß, so ist es uns unerfindlich, warum er kraft der ihm angeborenen Bescheidenheit nicht so lange wartet, bis er die Ostsccprovinzen geschenkt bekommt. Weiter meint er: „Waxum, beiläufig bemerkt, die Mittelmächte nicht ge- so n d e rst mit der Ukraine verhandeln, ist eine Frage, die wohl näherer Untersuchung wert wäre. Unseres Erachtens wäre es nur natürlich, außerdem in jedem Sinne vorteilhaft das zu tun." Wobei Graf Rcventlow an da? Wort„Teile und herrsche!" denkt, was manchmal ganz richtig sein kann, aber nicht immer. Denn die Politik ist kein Baukasten. Die„kreuz-Zeitung� für öas gleiche Wahlrecht. Unser Standpunkt, daß allein da? gleiche Wahlrecht eine gerechte Würdigung der Leistung der Kriegsteilnehmer in sich berge, wird von den Konservativen zwar jetzt heftig bekämpft,»st ihnen aber gar nicht so fremd. Tatsächlich hat die„Kreuz-.Zeitung", woran jetzt die„Intern. Korr." erinnert, nach einem bedeutungS- vollen Kriege genau denselben Standpunkt eingenommen. Sie hat— es liegt allerdings weit zurück— das Dreiklasseuwabl- recht hart krikifielt und das RcichZtagswahlrecht gerade im Interesse der Kriegsteilnehmer gefordert. Als führendes Organ der Konservativen fällte an: 18. April 1867 die„ Kreuz-Zeitung" folgendes vernichtende Urteil über das preußische Wahlrecht: „Dies Wahlsystem ist nichts anderes als die R e p r ä f e n- tatton des Geldkapilals mir dem liigncrischcu Schein, daß es eine Bertreinng des ganzen Volkes wäre. ES ist die Her- stellung einer modernen Gelvanstokratic, welches alles Höhere und Edlere»ach oben wie nach unten je länger desto mehr in den Staub des gemeinsten Materialismus herunterzieht." In Borahnung der heutigen Zeit setzte sich aber die damalige „Kreuz-Zeiiung" auch schon mit besonderem Eifer für das gleiche politische Recht der Kriegsteilnehmer ein, die nicht hinter den Kapilalisten zurückftcheir dütslcu. In diesem Sinne schrieb die .Kreuz-Zcituug": Solch einem traurigen System gegenüber halten wir das allgemeine Wahlrecht für einen wirkliche» Fortschritt. Wir wollen hierbei kein entscheidendes Gewicht darauf legen, daß gegenüber der allgemeinen Militärpflicht das allgemeine Stimmrecht als ein schwer abzuweisendes politisches Korrelat erscheint, und daß jeden- falls, um die bekmpilen Ausdrücke zu wiederholen, die Blutstcuer clicns» schwer wiegen sollte wie die Gewerbesteuer. Was nir untere Beurteilung das Maßgebende ist, ruht insbesondere darin. daß in Ermangelung einer wirklichen ständischen Vertretung das allgemeinc Stimmrecht daö einzige ist, was Logik und Prinzip enthält." Diese AuSsührungen stimme» inhaltlich überein mit den von uns schon vor längerer Zeil zitierten Aeußerungen Hermann W a g e n e r s. des geistigen Leiters der„Kreuz-Zeilung" in jener Zeit, der nach dem Kriege von 1860 es für äußerst ungerecht er- klärte, wenn ein Gewürzkrämcr aus der Rosengasse ein höheres Wahlrecht habe» sollte, als der mit dem Ehrenzeichen geschmückte Kämpfer aus der Schlacht von Königgrätz. Aber waS waren die verhältnismäßig leichien Siege und kurzen Feldzüge von 186-1 und 1866 gegen den jetzige» Weilkrieg. Wieviel gewinnen nach den Ereignissen der letzten 3>/z Jahre die AuSsührungen der„Kreuz- Zeitung" von 1866 an Berechtigung und wieviel schärfer venitlcilcii sie das Verhalten der„Kreuz-Zeitung" von 10171 Nocbmais öas Getreide öes tzerrn v. �epöebcanö. Abg. v. Heydobrand sendet uns folgende B e- r i ch r i g u n g: Es ist unwahr, daß ich im Frühjahr 1917 so gut wie mein gesamtes Getreide aus der Einte von 1S16 unausgedroilben liege» gehabt und nichts abgeliefert habe. Wahr ist nur, daß der Aus- drulch eines Teiles— etwa eines Sechstels— der Gesamteint« 1016/17 auf meinen Besttzungen sich länger als sonst verzögert hatte, weil der starke Winterfrost die Ventile des Dampfkessels unbrauchbar gemacht und der als Ersatz mit großer Mühe herangeschaffie Benzolmotor ebenfalls durch die abnorme Kälte eine schwere Schädigung erhalten hatte, die.erst Anfang Mai von dul Fabrik reparier: werde« konnte, wozu die zu jener Zeit eingeiretene öffentliche Benzolsperre kam, während welcher Betriebsstoff wochenlang trotz dringendsten An« suchen» nicht zu erlangen, auch sonst kein Dreschersatz zu be- schaffen war. Es ist unwahr, daß aus der vorjährige» Ernte meiner Be- sitzungen auch nur ein Zentner Getreide unter die Preiie der dies- jastrigen Eril'.e gebracht oder gar unter Benutzunz der Flühdrusch- Prämie verwertet worden ist. Wahr ist vielmehr, daß sämtliches Getreide der vorigen Ernte schon wochenlang vorher bei der zu- ständigen Stelle zu den alten Preisen abgeliefert ivorden war, ehe die Preise neuer Ernte eintraten. Da wir bereits ans freien Stücken am 28. Dezember 1917 die inbaltlich völlig glcübe Erklärung, bie Herr V. Heybebrand der konservativen Presse übcrsandt hatte, abgedruckt haben, so erscheint diese Berichtigung zum mindesten überflüssig. Im übrigen halten wir voll aufrecht, was wir damals im Anschluß an diese Erklärung unter der Ueberschrift„Vier Fragen an den Landrat von Militsch" geschrieben haben. Zulagen zur FnveUösnrente. W. T. B. meldet vom 3. Januar: Der Entwurf einer Bekanntmachung über die Gewährung von Zulagen an Empfänger einer Invaliden-, Witwen- oder Witwerrente aus der I n v a l t d e n v c r s i ch k�r u n g fand heute die Zustimmung des Bundesrats. Die Entschädigung für Flicgcrschädcn. Die Miliiärberwaltuitg vertritt den Standpunkt, daß sie nicht verpflichtet ist, die Schäden zu ersetzen, die im Reichsgebiet durch femdiicks Flieger angerichtet worden sind. Man bat die Pflicht der Entschädigung vorbehaltlich einer anderweitigen Regelung vorerst den B u n d e s st a a t e n, in denen der Schaden enlstaild. überwiesen. Diese Bundesstaaten lassen sich aber Zeit mir der Auszahlung, io daß im Reichstag mehrmals Anträgen deswegen eingebracht worden sind. In einer solchen Anfrage macht der Zentrumsabg. Wirth die Feststellung, daß das Reich die eriorderlichcn Vorschüsse nichtgelcister hat.— Dieser Zustand ist geradezu unhaltbar. LeSte Nachrickten.- Eiuberufung des nstemichiichcn Abgeordnetenhauses. Wie», 3. Januar. Wie die Abendblätter melden, teilte der Präsident des Abgeordnetenhauses Groß dem Obmann des Tschcchenverbandes, S t a n e k, in einem Schreiben mit, daß er die. Abgeordneten für den 15. Januar zu einer Sitzung emberufeu werde. In parlamentarischen Kreisen verlautet, daß in der Sitzung- eine Friedenskundgebung erfolgen solle. Französische Stimme» zum Frieden. Genf, 3. Januar. In Paris erregt ein Leitartikel des„P a Y S" große Sensation, der vffen für den Eintritt der Entente in die Fric- densvcrhaudlungen ausfordert. Als Basis sollte der Entente den Mittelmächten gegenüber die Drohung dcS wirtschaftlichen Boykotts dienen. Man dürfe nicht bis zum allgemeinen Ruin kämpfen. Wilson trage jetzt in den Falten seiner Toga Ä r i e g S i l l u s i o n oder F r r e d e n S s i ch c r h c i t. Ju einem Leitartikel in der„H u m a n i t c" fordert R e n a il d e l die sofortige Bekanntgabe der Friedeusbedingunge!» Frankreichs, damit dem verbrecherischen Morden ein Ende gemacht werden könne. Gleichzeitig werden folgenschwere sozialistische Interpellationen über die Außenpolitik der Regierung Clemcnceau noch'Schluß der Kammerfcrien angekündigt. Die Antwort der Entente auf Teutschlands Friedens- bcdiagungen. London, 2. Januar. sReutcr.j„Times" meldet aus Washington: Zwischen London, Paris und Washington findet ein Gedanken- auHtausch über die Form der Antwort auf Deutschlands Friedens- bedingungen statt, wenn diese den Alliierten von den Bolfchewiki überreicht würden. ES ist noch nicht entschieden, ob Wilson, Lloyd George und Clemenceau anlvorten werden. Die Antwort würde aber Wilsons Erklärungen entsprechen und toahrschein- lich eine neuerliche Erklärung der KriegSziele in Form eines Auf- rusö an die feindlichen Völker über die Köpfe der Rcgicrungeir hinweg enthalten. Die Ukraine in Brest-Litowsk. Brest-Litowsk, 3. Januar. �:n 1. Januar ist in Brest-LitowSk die Jriedensdclezation der ukrainische» Volksrepublik eingetroffen. Alle vier Vertreter sind Mitglieder der ukrainischen Zentralrada und der allrussischen konstituierenden Versammlung. Die Delc- gieten der Ukraine haben alle Vollmachten von der Regierung der ukranischen VolkSrcgierung zur Führung der Friedcnsverhand- lungen. Im Gespräch mit unserem Korrespondenten haben die Beboll- inächtigten erklärt, daß nach der Note des GeneraksekretratiatS«der Regierung der Ukraine) die ukrainische Republik jetzt den Weg selbständiger internationaler Beziehungen ein- schlage. Die Bevollmächtigten der Ukraine bemerkten, daß sie be- dauerlicberweise gezwungen seien, die Tatsache zu konstatieren, daß die deutsche Presse bezüglich der tvcchren Sachlage in der ukrainischen Republik sehr schlccbt orientiert sei.«So sei z. B. die deutsche Oeffent- lichteit durch unrichtige und teilweise geradezu phantastische Stach- richten über die gegenseitigen Beziehungen zwischen der Ukraine und Frankreich sowie England verwirrt worden. Tie Ukrainer hätten zur Zeit der Kriegserklärung keinen Staatstöper gebildet und hätten weder direkt noch indirekt an der Entsachung des Well- brandeS Anteil gehabt. Jetzt, nachdem daS Volk der Ukraine einen festen Staat geschaffen baüe, wünsche es, den schleunigste» Abschluß eines demokratischen Friedens. Tie Delegierten hofften, daß sie bei den Friedensverhandlungen solidarisch in i r den Vertretern des Rats der Volkskommissare würden vorgehen können. Programm der rnglischen Arbeiterpartei. London, 3. Januar. Die Arbeiterpartei hat süc den im Juni stattfindenden Parteikongreß folgendes Prozr amm für ihre Politik nach dem Kriege aufgestellt: Die neue Ge sel l sch aft s- ordnung darf»ich: ans individualistische und kapitalistische Pco- duktion, sondern nur aus Kooperation und A e rt eilung, nicht auf gezwungene Herrschaft oder untertoorfeue Völker, unterworfene Kolonien, unterworfene Klassen, auf die Rechllosigkeit der Frauen, sondern gleiche Freiheit gegründet sein. In dem Programm wird die allgemeine Einführung von M i n d est- löhne» und die Beschaffung von Arbeitsgelegenheit iür die Soldaten und Arbeiter bei der Demobilisierung empfohlen. Die Arbeitszeit soll auf 4 8 Stunden pro Woche beschränkt werden. Der Bergbau, das Eisenbahnwesen, das Elektrizität s w e s c n und die Versicherung sollen verstaat- licht werden. Die Einführung von Schutzzöllen wird ab- gelehnt und dafür eine Besteuerung des Kapitals g> fordert. GeweeffchüWewWng Urabstimmung im Gemeinde- und Stalttsarbeitcrverbaud. Außer den bereits ongefübrten Organisationen sieht sich auch der Derl'anbsvolstand und Ausschuß des Gemeinde- und StauU» mbeilerverbandeS genötigt, eine NeorgonHaiion feines B-itrngs- bezw. UntersiützungSwesenS vorzunehmen. Hier tvie in dcnsenigen Organisationen, die bereits durch Urabstimmung die Verbands- beilräge erhöht haben, sind die Motive, die zu'encr Neuerung ztvingen, die gleichen. Bei dem verbände der Gemeinde- und StaatSorbeiter kommt noch hinzu, daß da? Verbalibsverniögeu seit KviegSbeginn um mehr als eine Biertelmillion ab- genommen hat. Am Gchliil?« deZ zweiten Ouartals t9l4 de- trug da« Vermögen der Haiivllasie rund 71« 000 M.; am Schlusie des dritten Ouartals 1017 dagegen nur rund 450 000 V?. Die .Hauptursache de« Sinkens der verbnndsfinanzen liegt im wesentlichen darin, daß 28 700 Mitglieder im Felde stehen. Während die Einnahmen in starkem Maße zurückgegangen find, sanken die Ausgaben nicht in gleicher Weise. Obwohl der Stand der zahlenden Mitglieder um die Hälfte zurückging, ist die Sterbe- Unterstützung um fast die Hälite in die Höhe geschnellt und die Nrankeitunterstützung beträgt nur ein Drittel weniger gegenüber den srüheretz Ausgaben. ES ist daher erklärlich, wenn die Hauplkafie allein im ersten und zweiten Ouortal 1017 um rund 60 000 M. abgenommen hat. Und doS dritte Ouortal hat trotz dcZ seit 1. Juli bestehenden Kiiegs- zuschlageö von 10 Pf. pro Beitrag nur einen Ueberichnß der Ein- nahmen über die Ausgaben von rund 2000 M. ergeben. VcrbandSvorstand und Ausschuß glauben im Jntercfie deS Lrr- bandeS die weitere Berantwo'tung für eine solche Finanzpolitik nicht übernehmen zu können. Um den kommenden Anforderungen an den Verband genügen zu können, schlagen sie daher folgende Neu- regelung vor: 1. Vorschlag: Der Verbandsbeitrag(außer Lokalzuschlag) wird vom t. April 1018 ab für männliche Mitglieder(mit Ausnahme der Jugend- lichen) um wettere 10 Pf. erhöht und beträgt dann einschließlich des KrleaszuiÄlagS wöchentlich 60 Pf.(statt bisher 50 Pf.> und 70 Pf. lstatt bisher 60 Pf.). Für weibliche Mitglieder, welche ciu wöchen�icheS Lohneinkommen von 21 M. und darüber haben, wird der Beibandsbottrag um 5 Pf., und zwar citltchlietzltch KliegS- zuichlag auf 40 Pf. lstatt bisher öS Pf.) pro Woche erhöh«.— Ter Beitrag für xensionierts MitgUeder wird von 1ö Pf. auf 20 Pf. festgesetzt. 2. Borschlag: Der jetzige Verbandsbeitrag bleibt unverändert. Die Erwerbs- loscittiittcrstlltzuiig wird— jedoch nur im Falle der Erkrankung— von 6 M. aus 4,50 M. und von 7.50 M. ans 6 M. pro Woche herabgesetzt. Die Sätze in Z 18 Absatz 2 erfahren eine entsprechende Ermäßigung. lieber beide Vorschläge soll eine vom 10. bis 16. Januar d. I. angesetzte Urabstimmung entscheiden. Von der Annahme des erste» Vorschlages wird ein« wesentliche Verbesierung der Verbands- finanzen und damit ein« Erhöhung der Kampfkraft der Organisation erhofft, während die Annahme des letzteren zwar eine Erhöhung der BerKandsbeilröge umgeht, die Sätze für Unterstützungen im Falle der Ertrankung jedoch wesentlich berabmindert. In« Hinblick auf die großen Aufgaben, die auch der Organisation der Gemeiud-- und Staattorbeiter bevorstehen, werden die Mitglieder bei der Ab- fiirnmung sich sicher so entscheide», daß daS Wohl des gesamten VerbondeZ dabei gewahrt»vird. Organisation, das Hilfsmittel gegen Nähgarnwucher. Der Mangel an Nähmaterial, Näh- und Stapfgarn, Nähseide usw. trifft di? Bevölkerung empfindlich. Neuanschaffungen begegnen großen Schwierigkeiten. Um so notwendiger ist deZhalö daS Ausbessern. Dazu gehört absr Näh- und Stopfgarn, doch ihre Preise sind derartig hoch, daß vielen Leuten und gerade denen, die am meisten slickeu und ausbessern müssen, die Anschaffung uu- möglich ist. Fast noch schwieriger steht eö um diejenigen, die sich mit Näherei ihren Lebensunterhalt verdienen muffen. Hier wird die große Bedeutung der seit vielen Jahren erhobenen Forderungen der Arbeiterorganisationen auf Lieferung der Nädzutaten erst recht deutlich. In den Fabrilbetricben ist�die Lieferung der Zuinten, einschließlich de» Nähaarns. nahezu zur Siegel geworden. Anders steht es für die mit Heimarbeit Beschäftigten. Daß eö aber auch hier möglich ist, die größten Mißstände zu beseitigen, zeigen die durch die Organisationen getroffenen Abmachungen. In den für die Lederwareninvustrie geldenden Tarifverträgen heißt es z. B.: ..Heimarbeiter erhallen Leim, Kleister, Pappe, Stifte, Watie- Papier überhaupt alle Zutaten, die zur FerTigstcllung der Ware notwendig sind, geliefert oder sie erhalten eine angemessene Em- schädigung dafür, die auf dem ArbcitSzettel und im Lohutarif (Lohnbuch) besonders vermerkt sein muß." Die hohen Preise für Nähmaterial und vor allen Dingen ihre Knappheit haben dazu geführt, daß die Frage der Lieferung durch die Utiternehnier wieder in Fluß gekommen ist. Ein Teil der Unternehmer, wie z. B. der Vorstand der Arbeilgcbervereinigung nir da« Schneidergewerbe, hat die Berechtigung der Forderung der Organisation der Schneider und Schneiderinnen anerkannt, stößt aber bei einer Anzahl seiner Mitglieder in der Sache auf große Schwierigkeiten. Jn-merhin ist erreicht worden, daß für Näh- zuraten, die die oroeiwndeu Männer und Frauen selbst beschaffen müssen, eine Entschädigung gezahlt werden muß. An die Äriegsbekleiduirgöämter'.st eoenfalls das Ersuchen ge- richtet worden, Nähzutaten unenizzeltlich �u liefern. Nach Ablehnung dieser Forderung durch, daö Preußische Kriegsministerium sind Vereinbarungen zustandegekommen, wonach die Kriegö- bekleidungsämter zwar das Material liefern, aber de« Arbeitern die Selbstkosten berechnen. Für eine große Anzahl Arbeiiskräfte sind also durch die Or- gaaisation der Arbeiter die schlimmsten Schädiaungen. die der Mangel an Nähmaterial im Gefolge bat. beseitigt worden. Taufende aber werden durch diese Abmachungen nicht berührt. Sie sind unerhörten Ansorderungen in pczug auf Preise für Näh- Material ausgesetzt. WaS auf diesem Gebiete geleistet wird, zeigt folgender Lohnzettel, den vor wenigen Wochen der.Konfektionär" veröffentlichte: Arbeitslohn für Ii Dutzend Schürzen 6.— M., Nähgarn, Der Preis von 8 M. für eine Rolle Garn ist übrigens durchaus Der Preis für Näbgarn überstieg hier also den Arbeitslohn. Der Preis von 8— M. für eine Rolle Garn ist übrigens durchaus i.icht selten;:■!, l und 5 M. wurden häufig bezahlt. Der Kampf gegen den Rähggrntvucher und feine Erfolge müssen aufS neu? den Beweis liefern, wie notwendig sie Organ:- jierung der weiblichen Arbeitskräfte in der Heimarbeit ist. Zusammenbruch öes KriegsmuchersZ Mehr als drei Jahre hindurch hat man mit alle.» möglichen Methoden versucht, dem Kricgswuchcr den Garaus zu machen. Mit der Organisation, mit Slrafbestimmungeu. uitt Eisenbahu- und Postüüerwachung, mit Ermahnungen und Aufklärungen ging mau gegen ihn vor. Es hat nicht» geniitzt- Zwcifellos ist der Hauptgrund dieser unleidlichen Zuirände in dem Versagen der Mengenerfaffung zu sehen- Auch hat es an der durchaus notwendigen. Energie und Frische des ZupackenS gefehlt. Wer einmal Gelegenheit hatte, auch nur in einen Nebenbsirieb der kriegswirtschaftlichen Organisation hineinzusehen, der kennt die Schwerfälligkeit und Unschlttsfigieit. die einer brauchbaren und wirk- janie» Mcngeupolitik entgegenstehen. Mit Riesenfle'.ß werden For- mular« entworfen, Rundschreiben erlassen, Vorbereitungsarbeitcu für BundcöratZvcrorduungen erledigt, Konferenzen abgehalten, Eingaben gemacht. Der BursaitkratiSmuS, der auch die beamteten Kaufleute erfaßt, macht jedes kühne, den Verhältnisse angemessene Vorgehen, zunichte. Die Langweiligkeit des Apparates ist geradezu ein Anreiz für den Schleich- und Kettenhandel. Ehe eine Bundes- ratsperordnung fertiggestellt ist. haben die Wucherer ihr Schäfchen schon im trocknen. Und wenn sie fertiggestellt, ist, blüht ihr Weizen erst recht. Denn es gibt immer Lücken und Schlupflöcher in solchen Bestimmungen, ganz abgesehen davon, daß sich viele an die Bor- schriften überhaupt nicht kehren. Bon der lO.Zimmer-Wohnnng bis zur Dachstube, vom Luxusladen bis zur Grünkramccke wimmelt es von Schleichhandelszentralen. Di« Kriegswnchergesetzgedung hat ihren Zweck durchaus verfehlt. Sie konnte nur wirksam sein, wenn sie gegen Einzelfälle vorzugehen batte. Eine Gesamterscheinung ist nach dem Wesen des Strafrechts schon nicht mehr als Verbrechen an- zusehen. Es ist daher auch so gut wie ausgeschlossen, daß man mit einer Verschärfung der Strafbestnnmunge.il und dem Aukbau von Nebcnmatznahmen zum Ziele gelangt. Seit dem Abschluß des WaffenstillstandsvcrtragS mit Rußland, der schon die Wicderausnahme des wirtschaftlichen Verkehrs zwischen den bisher feindlichen Ländern vorsieht, ist jedoch den Schleichhänd« lern und Wucherern die Angst in sie Knoche» gefahren. Die An- geböte zurückgehaltener Lebensmittel mehren sich und werden drin- gender. Man hört, daß in Ostpreußen die Wucherpreise fallen. In Berlin wird die telephonische Offerte geradezu aufdringlich. Auch die Preise anderer Waren sind schon gesunken. Im Publikum atmet man auf. Viele Leute halten mit Käufen zurück. Sobald ein verstärktes Angebot auch nur in Aussicht ist, holst alle» auf niedrigere Preise und hütet sich, die Wuchersooderungen zu be- willigen, soweit sich das irgend mit den Ernährungsnotwendigkeiten verträgt. Beispielsweise scheint man in den großstädtischen Gast- wirtekreisen ein schnelles Sinken der Schleichhandelspreise zu erwarten und sich danach zu richten. Die Verbraucher haben an der Beschleunigung dieser Entwicklung ein LebenSinteresse. Je nach- drücklicher man sie durch össenilichcn Hinweis unterstützt, um so schneller senken sich die Wucherpreise dem normalen Stande zu. Das Problem ist in der Annäherung der Wucherpreise an die Höchstpreise zu sehen. Tie Höchstpreise wurden ja deshalb nicht innegehalten, weil die dringende Nachfrage die Wucherpreise ermöglichte. Nun wird das Angebot gewiß nicht von heute auf morgen erheblich grüßer werden, da ja zur Ingangsetzung de» wirtschaftliche» Verkehrs zwischen Rußland und Deutschland geraume Zeit nötig sein wird. Aber erfahrungsgemäß pflegt sich der Preisstand nicht so sehr nach der augenblicklichen Lage, wie nach den zukünftigen Ver- Hältnissen zu richten, wenn diese Zukunft nur einigermaßen nahe ist. Die Furcht vor einem Preisfall treibt die Waren aus der Sperre. Hat dieser Prozeß erst einmal begonnen, so ist er nur durch eine neue Verknappung aufzuhalten. Es ist dabei grundsätzlich gleich- gültig, ob die Güter, speziell die Lebensmittel, die nach einem Fric- d-nsschluß mit Rußland über die Grenze zu uns kommen, der öffent- lichen Verteilungsorganisation überantwortet oder durch den freien Handel dem Volke zugeführt werden. Maßgebend ist die Aussicht auf Mengenvermchrung. Sicherlich wich» es nunmehr eine große Zahl von Schleich- Händlerzusammenbrüchen geben. Aber man wird dieser Krise des Wuchers mit Genugtuung zusehen. Die Herrschaften haben kein Mitleiden zu erwarten. Nicht? wünscht daZ Volk so sehnlich, wie das Aufhören der unerhörten Aussaugung, und eS ist ihm völlig gleich- gültig, ob dabei einige Tausend Wuchcrexistenzen oder auch noch mehr in die Brüche gehen. ES ist die höchste Zeit, daß die wider- wärtige Blutegelei«in Ende nimmt. Und mit ihr hoffentlich auch die Berkäuferiinverschämtbeit, die während deS Krieges den Käufer und die Käuferin zu Bettlern und Kulis gemacht hat. ' sehr wefentlich. bei Friedensschluß im Besitz größerer Mitte! zu sein, um die ihr zufallenden Aufgaben mit Erfolg lösen zu können. Was die Bezahlung anlangt, so übernimmt die Chemische Fabrik „Rbenania" die Obligationsanleihe in Höhe von kl Millionen Mark und zahlt der Gcsellschaft nahezu 7 Millionen Mark in bar. und � zwar den größeren Teil binnen kurzem, den Rest später. Der Betriebsgewinn der Hüttenverke C. Wilh. Kovscr u, Co. ist � in dem Vergangenen Geschäftsjahr von 2,2 auk Ich Mill. M. zurück- gegangen. Nach Abzug von 463 874 M.(3öl SSS M.>, Unkosten und Abschreibungen von 276 823 M.(275 041 M.'i verbleibt ein Rein- gewinn ein'chlietzlich deS Vortrages von 1,1 Mill. M.(1,6), aus dem � wiiderum 15 Proz Dividende zur Verteilung gelangen sollen. Die � Aufrechterhaltung der Dividende ist möglich, da die im Vorjahr mit �60n000 M. eingesetzte Kricgsrcserve diesmal fortfällt. Im Gr- i schästSbericht wird ausgeführt:.Während des abgelaufenen sechsten Geschäftsjahres war unsere Gesellschast wiederum fast ausschließlich mit Aufträgen für HecreSzivecke beschäftigt. Di« Kupfer- Produktion war normal, soweit sie nicht durch mangelnde Kohlenlieferung behindert war. Blei-, Zinn- und Zink- legierungen wuckten in relativ geringer Menge hergestelli. Je länger der Krieg dauert, um so geringer wird die eigene Betätigung im Kauf und Verkauf von Ware»! die Werke werden mehr und mehr zu Lohnhütten und der Betrieb beschränkt sich auf die lohn mäßige Verarbeitung der zugewiesenen Materialien." Die Automobililtdustrie der Bereinigteu Staaten. Durch den großen Kriegsbedarf und da« SiiS'Seidtn der ftüheren Lieieranlen Hai die amerikanische Lkulomobilindiisiri« eineck außerordenilichen Aufschwung erfahren, wie sich aus selgender partemachrichten. B. Borochow tot. Wie dw schwedische Arbeiterkorrespondeuz aus Kiew meldet, verschied dort am 17. Dezember der bekannte voale-zionistische Führer Bert Aorochow nach mehrwöchiger Krankheit im Alter von 36 Jahre». Der To? BorochowZ bedeutet für die jüdische Ardeiierbeweaung einen unersetzlichen Verlust. Borochow gehörte zu den bedeutendsten geistigen Führern des Poale-ZioniZmuS, für dessen theoretisches Gebäude er in seiiicc Schrift..Nafcha Platforma" den Grundstein lagtcv Borochow war jedoch kein Stubengelehrter. Seit der ersten russischen Revolution nahm er am politischen Leben einen hervor- ragenden Anteil. Er war Mitbegründer der jüdischen saztaldemo- kretischen Arbeiterpartei(Poale-Zion) Rußlands, deren volilische und publizistische Führung in den Jahren der ersten Revolution hauptsächlich in seinen Händen lag. Als Mitglied der Delegation des Poalc-Zion-Leebandes zur Stockholmer Konferenz nahm er lebhaften Anteil an der Ausarbeitung der Erklärung diese» Ver- bände» an das Holländisch-standinavische Soz. Komitee. InKuftitie unö Hanöe!. Die Einnahmen der Große« Berliner Btrafienbahn und der von ihr mitverwalteten Bahnen betrugen im Dezember 1947 vorläufig 7 824 533 M.. Dezemper 1916 endgültig 5612 220 M.(mehr: 1 712 809 M.). Vom 1. Januar bis 81. Dezember 1917(vorläufig) 73856 062 M., vom 1. Januar bis 81. Dezember 1016(endgültig) 50 381 325 M. tmehr: 14 476 737 M.). Tagesdurchschnitt 1917 202 350 M.(1916 162 244 M.). Die Hoch- und Untergrondbahu(ohne die Schönclbergsr, Wil- mersdotfsr und Dahlcmer Bahn) beförderte im Monat Dezember 1917 10 960 564 Personen gegen 8110 817 Personen im gleichest Monat des Vorjahres. T:e Einnahmen betragen 1 512 507 M. gegen 1 107 862 M. Die Betriebseinnahmen seit dem 1. Januar 191? be- tragen 14 672 877 M. gegen 16369 672 M. im Borjahre. Die Flach- bahn Warschauer Brücke— Lichtenberg vereinnahmte im Dezember 1917 26 964 M. gegen 18 483 M, Die Verwaltung behauptet, offen- bar um Vergleiche zwischen ihren großen Mehrgewinnen und der ge- planten Tariferhöhung hintonzuhalien, daß diesen Mehreinnahmen sehr erhebliche Mehrausgaben gegenüberstehen; die Löhne am Schlüsse des tüccfloffcncn Jahres find gegen 1916 weiterhin um zirka 5,5 Proz, die Materialpreise i« noch viel stärlevem Maße gestiegen. Die Bilanz wird ja, wenn das Versteckenspielen von der Verwaltung nicht gar zu sehr geliebt wird, nähere Aufschlüsse bringen. Die Generalversammlung der Chemischen Fabrik Hönningen und vorm. Ntesstngwerk Rcinickriidorf genehmigte den Abschluß fti? 1916/17. Die auf 20 v. H. festgesetzt« Dividende ist sofort zahlbar. Tie gesamten Anlagen der Hönninger Abteilung in Höninngen. Rheinbrohl, Meggen, Börstingen und Aschafsenburg nebst den dazu gehörigen Bcteiligungcut sollen auf Grund einer am 31. Dezember d. I. aufzustellenden Bilanz von der Chemischen Fabrik„Rbenania" in Aachen vorbehaltlich der Genehmigung der Generalversammlung zu!» Buchwert übernommen werden. Für die Gesellschaft sei-4 Tabelle ergibt: Steuersahr 1912 18. 1913 14. 1914/15. 1vlS>16. 1915/17. Personenwagen 24 293 28 30« 23 880 d6 234 65 834 Lastwaaen 903 7d4 13 9W 2l 265 15 977 Gelamtrahl 25 286 29 090 37 786 77 499 81 811 Soziales. Eiserne Unversrorenhette«. Di«.Soziale Praxis" besprich! in Nr. 12 ein« ihr zugekommene Eingabe des Vereins Deutscher Eis«!,- und S l a h l- industrieller, die kurz vor General Groeners Versetzung im August 1917 au den damalige» Nrick>Skanzler gemach! worden war. WaS dieser Eingabe charaklcrisiiich ist, da« ist der dttiere Haß gegen die ioziolpoltliichen Errungenichaften deS Hilfsdienstgeietze«. Mit zahlreiche» gröblich tendenziös znsammeiigestcllicn und aus dem Zusammenhang geiisienen Zitaten, wird, io iagt die.Soz. Praxis" — uns selbst fehlt ja die Kenntnis der Eingabe und so mlissen wir unS ans die Sugaben dieser Zeilschrifl stützen— wird gegen die.zwangsweise Ueberlragung der Arbeiter« und Ll n g e st e 1 l t e>! a u S s ch ü s s e. s o io i e der Schlich- tungssiellen auf die Friedenswirtschaft" anac- kämpft. Die Einrichiungen deS Hilftdienstgeietzes hätien sich nicht einmal im Kriege bewährt, sie behinderten daher erst recht eine giinstige industrielle Entwicklung in UebergangS« und FrsedenSwiri' 'chaft. Denjenigen Unternebniern. welche Aibeilerausschüiie und Schlichtungtsiellen neben den ordenllichen Gerichien zweckmäßig hielten, tolle die Schaffung ireisiehen, aber es solle kein Zwang dazu geichaffen werden. Die beste Sozialpolitik sei die. die voile Be« ichäitigung der vorhandenen iürbeitslrüile, gu!e Löhne und Ver« lorpimg mit Lebensmiiieln ermögliche.«Dazu gehöre die Verhütung jeder unröügen Agiiation und Anfreizung der Arbeiterschaft und die Siärkung der Autorität iowohl der RegiermigS« bebörde» wie der für die Belricbiiübrung veroniwoitlichen linier« nehmer." Die Srcherstellung der Heeresver- iorgung habe man viel besser mit dem Gesey über den Belagerungszustand erreichen können. Man müsse,«solange der Feind draußen tobt, im Innern durch Streng« Ruhe und Ordnung" lichern. Al« recht brauchbar erscheint den Geiuchstellern ein vollständiges Versammlungsverbot obne jeden Unterschied', eS sasie.die verderbliche Agitation an der Wurzel". E», geradezu wilder Haß tobt in' der ikingobs gegen die Gewerkschaften; sie hätten Dutzende von GewerkschastSbeainien in di« ruhigsten Jndustriegegende» gei'chickl,.daher" käme» au».die großen Unruhen, Ausstände, Lohnbewegungen und Krawalle" der letzten Monate. Wir erlebien beule unier dem HilsSdiensigesetz»in der Industrie ungeiäbr daSielve, ivie Rußland an der Front nnl seinen Loldaienausschüüen",»nd.sollte» zum mindesten dafür sorge», daß keine deranigen russischen Zustände aiü die Friedens- wirlichakt übertragen weiden". DaS Hitstdienstgesev sei„leider nur iür den Sieg des Gewerkschaftsgedankens" der eriolgreichste Schritt- n, acher geworden, nicht aber„für den Sieg der heimischen Gemein» IchastSarbeit und der deutschen Eintracht". Viel wirksamer aiS die den Eisen- und Stahlindustriellen so verhaßte«verderbliche Agitation" dee Gewsrlschojten unter den»och immer nicht von ihnen erkaßle» Albeiteru wirken kann, wirkt der Inhalt dieser Eingabe auirüileknd unlcr den Arbeitein und zeigr idneir, daß in viel höheren, Maß« derarheitende Mensch und nicht der Unrer nehm erprofit in den Mittelpunkt der inneren Politik gestellt werden muß. Damit wird erst in wirtiamster Weise der gesamien Volke« Wirtschaft gedient. Wir sliinmei, der.Soz. Praxis" durchaus zu. wenn sie im Schlußsatz lhrer Darlegungen memr, daß eS bofsentiich bald gelingen werde, durch die Albeilsinminerii und de» Ansbau des EinignnaSwesenS dl«.heimliche Gemeinschaiisarbett" wabr- Haft sicherzustellen.«Die innerdeutsche Geschichte muß endlich ans eherner Notwendigkeil über jene Leuie von Eisen hinwegschreiten, die mit einer in, Kriege maßlos grsticgene» Macht und uferloieu Mitteln zugleich«ine Gesinnung ver- binden, die unser gegen den Ansturm einer Welt verteidigte« Baierland jetzt und nach dem Kriege täglich neuen, schweren Er- schütlerungen cntgegenzuführen geeignet ist." Tie Erricktmig eincS Wohnungsamtes sit von den Tladtver- arvnetcn in Köln beschiajscn worden. Da? Ami betreib! Wohuungs- naebweiS(mit Pleldczwangi, WohnmrgSstaristik. Wvbnungspfiegc, werden beamtete Wohirungspsleger anZe- Wohnungsfürsorge. Es i> � � ü- V» i o««*•"" ßetfteüunjg., j Kleinwohnungen und die Beseitigung schlechter Wohnungen und s Stadwrertek. Geplant ist vor allem die Unterstützung des ge- I ineiirnützigen Wohnungsbaues in den Dange nossenichanen, en:- 'p rech ende Beeinflussung des städtischen Bebauungsplanes, der � Fluchtlinieirfefksetzuüg und der Bauordnung, Beschaffung billigen Baulandes und der Mittel zum Bauen und endlich durch die Sorge für gute Bahnverbindungen.— Für die Zeit der Demobilisierung werden besondere Vorbereitungen getcoffeti. Keinesfalls will man die Zurücktommenden in Keller und Dachgeschossen, wie schon vor- geschlagen wurde, unterbringen. Humauiftische Gemeinde Kerliu t2, ein Vortrag deS Herrn Dr. Rudoit Benzig über: D a 4 R e ch t a u s er e l b 6 b r st« m in u n g � statt. Vor und nach drin Vortrag« Harmoniumspill, toäste, Damen und Herren, will- kommen VeranUvortllcd sttr Politik i llrtch»utnitr Berlin: für den üdrlg«» Teil res Blakteü:'Akfred Scholj, Neuli'lln' für Jnferale: Tg. Offocf«, Berlin. Druck u. Be-Iag: Soavärts BncLdruck-r« u. BerlagsanftaU Beul Ttngcr& Co., Berlin sw. fiteri» 1 Beilage und Unirrhaltunzselatt.