Ar. 8. 33. Jahrg. Bezugspreis: BierttyShv.«L0 M!. monatl�I�oW. frei inS HnuS. vorauSzahlbar.Einzelne Nummern 10 Pia. Poklbejiug! Sionat- -ich IUI Ml. Unict Kreuzband für DeuIIchiand und Oesterrerch- Ungarn 3r— Ml., fflr das übttpe Ausland i�jO Ml. monatlich. Leriand ms Feld bei direkter Bestellung monall. t�o Ml. Postbellellunpen nebmen an TSne- marl, Holland. Luxemburg, Tchlveden und die Schweiz. Elnpelragsn in die �ost-Zeitungs-Breisliste, Erschein» täglich. Telepramm. Adresse: »Sozialdemokrat Berlin-. Devlinev VolKsblAkk. (10 Pfennig) Der Sluzei genpreiS detrSpt s. die fiebengespaitene Kolanel- »eile S0'Lsg.„Klciue Anz> das setigedruckte Wort 20 »eigeu-. Psg. izu. lässig 2 setigedruckte Worte). ledeS weitere Wort 10 Psg. Stellengesuch« und Schlasstellenanzeigen das erste Wort 10 Psg., jedes weitere Bort ö'Lsg. Worte iiber lb Buchiiaden zählen sür »toei Worte. Teuerungszuschiag 20«,» Familien- Anzeigen Si» Pfg., doiilische u. pewerlschaftliche Ber. tns» Anzeigen 40 Psg die Zeile. Anzeigen str die nächste Nummer müssen bis 5 Uhr nachmiti. im Haubtgeschäst, Leriw SW.SS. Lindenstrasse L. ah- gegeben werden. Geöffnel von S Uhr stiih bis 1 Uhr abend». Zcntralorgan der fozialdemokratifchen Partei Deutfchlanda. Reüaktion: SW. 6$, Linöenstraße 3. isernkvrrchrr: Am» Mortnvla«. Str. liil SV— lSl S7. Dienstag, den 8. Jannar 1318. Expedition: EW. 0S» Linüenstrahe 3. Zhernsprecher: Amt Mortitvla«. Nr. l»l SV— Ii»» S7. Erhöhte fenertatigkeit bei �pern. Artilleriekämpfe östlich Aperu, an der Cambraifront, zwischen Aisne und Mosel — Erkundungsgefcchte. Amtlich. Große« Hauptquartier. 7. Jauuar 1318.<23. T. 9.) Westlicher Kriegsschauplatz. Im Stellmigsbogen östlich von Dpern und in einzelnen Abschnitte« zwischen de» von Arra« und Psronne aus C a m b r a i sührcadcn Straße» entwickelten sich am Nachmittage heftige ArtillerirtSwpfe. Auch zwischeo der M i r t t e und der AiSne, beiderseits vou O r u e s und auf dem Westufcr der Mosel mar das Artillerie» und Minenfeuer gesteigert. Die Sampstötigkeit der Infanterie blieb anfErkuudungr« im Borfelde der Stellunge« beschränkt. Oestlicher Kriegsschauplatz Nichts Neues. Mazedonische und Italienische ftfrout. Dir Lage ist unverändert.* Der Erste Generalquartiermeister. Ludeadorft. Abendbericht. Beeliu, 7. Januar 1918, abends. Amtlich. Die erhöhte Feuertätigkeit im Stellungbogen uordöst- lich vou Aper» dauert an. Loa de« anderen Kriegsschauplätzen nichts Nene». Der österreichische Bericht. Nichtamtlich. Wien, den 7. Jannar 1918. Amtlich wird oerlantbart: Oestlicher Kriegsschauplatz. Waffenstillstand. Italienischer Kriegsschauplatz. Keine besonderen Ereignisse. Der Ehef des Genrralstabe«. Srest-Litowsk. Ankunft der Russen.— Tie Besprechung mit de« Ukrainern. Brest-LitowSk. 7. Januar. Heute vormittag sind die russischen Friedensdelegierten einschließlich T r o tz k i S hier eingetroffen. Ans dem Felde, 6. Januar. Die Besprechungen mit der ukrainischen Abordnung wurden heute in einer Vollsitzung, an der Bevollmächtigte sämtlicher Vierbund- mächte, teilnahmen, fortgesetzt. Die ukrainische Delegation hat nach einer Berliner Meldung das in Aussicht gestellte Zirkular über die Selbständigkeit der Ukraine noch nicht überreicht. Die Ucbcrrcichung wird vor- aussichtlich heute erfolgen. Die Vertreter der Ukraine legen den größten Wert darauf, völlig selb st ändig neben der russischen Delegation zu verhandeln. pazifistenverfolgung in Italien. Bern, 6. Januar. Wie Secolo aus Rom meldet, find der Parteisekretär der sozialistischen Partei L a z z a r i und der Sozialist C a v a l i e r i wegen Propaganda gegen den Krieg angeklagt worden. walöow in Tätigkeit. Gegen die Komm»nalverbä,ide. Neuköllner Enthüllungen v. W a l d o w betrachtet Als unmittelbare Folge der muß folgender Erlaß des Herrn werden: »Die Zuwiderhandlungen der Kommanalverbände und anderer amtlicher Stellen gegen die kriegswirtschaftlichen Gesetze haben sich in bedauerlichem Maße vermehrt. Dem muß unter allen Umstanden Einhalt geboten werden. Schleichhandel und Preistreibereien von Stellen, denen die Versorgung größerer Volks- teile obliegt, müssen naturgemäß für die Gesamtversorgung sehr viel schädlichere Folgen nach sich ziehen als die Zuwiderhand- lungen des Einzelnen. Der Auflauf von Lebensmitteln unter rück- pchUloser lieber jchreitung der Höchstpreis« und gewissenloser lieber- Nietung anderer, weniger kapitalkräftiger Kauflustigen hat e» der Bevölkerung vielerorts nahezu unmöglich gemacht, ihren Bedarf zu dem Höchstpreise zu decken, und zu einer Prelssteigerung geführt, welche die Lebenshaltung der ärmeren Klassen auf das Bedenklich st e erschwert. Verderblich mutz ei besonders aus die Moral der Allgemeinheit wirken, wenn diejenigen Stellen, die zur Durchführung der Gesetze berufen sind, in einseiti- ger Wahrung der Interessen ihres engeren Wirkungsbereichs die zum Wohl der Allgemeinheit erlassenen Vorschriften übertreten. Ich hebe insbesondere hervor, daß Kommunalverbände sich am Schleichhandel mit lebendem Vieh beteiligt haben. Dieser Handel ist in besonderem Matze gefährlich, da hier- durch die Versorgung der Bevölkerung mit Fleisch, Fett und Milch auf das ernstlichste in Frage gestellt wird und die Preise für Zucht- und Nutzvieh auf eine Höhe gebracht werden, welche die Produk- ttonskosten der Landwirtschaft und damit die Preise der landwirt- schaftlichen Erzeugnisse noch weiter steigern muß. Ferner ist festgestellt worden daß einzeln« Kommunalverbände die von ihnen auszustellenden Saatkarten mißbräuchlich zur Beschaffung von Lebens- und Futtermitteln zum Zwecke des Ver- brauchs ausgenutzt haben. Es ist erforderlich, daß die Vorschriften. durch welche die ausschließliche Verwendung des Saatgutes für die Zwecke der Aussaat gewährleistet werden soll, bei den Kommunal- verbänden genaueste Beachtung finden Nach Zeitungsnachrichten beabsichtigen manche Kommunalver- bände neuerdings Mehlzulagen ihrer Bevölkerung zuzuwenden. ES bedarf in diesen Fällen stets der eingehenden Prüfung, ob die Zu- lagen aus Ersparnissen genommen werden. Wird dies seitens der Kommunalverbände nicht einwandfrei nachgewiesen, so ist die AuS- gäbe von Mehlzulagen unverzüglich zu»erbieten. Ich ersuche Eure Hochwohlgeboren, gegen jede amtliche Stelle, die sich der Richtachtung kriegSwirtschaft- licher Gesetze schuldig macht, rücksichtslos, ge- gebenenfalls durch Einleitung des Disziplinar» Verfahrens gegen die schuldigen Beamten sowie »durch Anzeige bei der Staatsanwaltschaft, vor« �zugehen. Ueber wichtigere Fälle ist mir alSbaid zu berichten. Di« Kommunalverbände sind über das Vorstehende eindring- lichst zu belehren. > Abdrucke für die Stadt- und Landkreise find beigefügt. v. W a l d o w. An die Herren Regierungspräsidenten und den Borfltzenden der staatlichen Berteilungsstelle für Groß-Berlin. An diesem Schreiben ist zunächst interessant, daß es sich nach seiner ganzen Tendenz fast ausschließlich gegen die Ver» fehlungen der Kommunalverbände richtet, also der- jenigen Organisationen. Oelche verpflichtet sind, Lebens- mittel für ihre Bevölkerung heranzuschoffen. Von den an» deren amtlichen Stellen, welche diese Verpflichtung nicht haben. ist nur nebensächlich und von den Jndustriewerken, welche in erster Linie für die heutigen Wucherpreise verantwortlich ge macht werden müssen, gar nicht die Rede. Auf Grund dieses Erlasses dürfte denn auch dasStrafverfahrengegen den Neuköllner Magistrat eingeleitet feitt. Wir unsererseits haben zur Besserung der bestehenden Mißwirtschaft immer verlangt, daß die Ware beim Er e u g e r schärfer erfaßt werden müsse. Aber wenn schon der taatssckretär v. Waldow glaubt, sich nicht anders helfen zu können, als daß er nach dem Staatsanwalt ruft, so müssen wir schon bitten, dann nicht nur bei den Kommunalbehörden stehen zu bleiben, sondern Parität walten zu lassen und auch die staatlichen Behörden in diese staatsanwaltliche Fürsorge einzubeziehen. Zunächst erlauben tmr uns. darauf aufmerksam zu machen, daß die Landesdirektion der Provinz Brandenburg in der Matthäikirchstraße zu Weihnachten Mehl an ihre Angestellten verteilte, das mit 6,40 M. p r o Kilo berechnet wurde. Das Berliner Polizeiprä- s i d i u m verkaufte Butter für 8,50 M, pro Pfund. In einer königlichen Fabrik wurde Mehl für 2,80 M., Z u ck e r für 3 M., Marmelade ebenfalls für 3 M., Kartoffelmehl für 7,30 M. und Rindfleisch für 4.70 M. pro Pfund abgegeben. Die staatliche Ver- teilungsstelle für Groß-Berlin, also ein amt- kiches preußisches Organ, hat zu Weihnachten ungesalzenes Schweinefleisch— ein Arbeiter bezeichnet es als Haut mit Ohren und Backen, das an der stärksten Stelle 25 Millimeter stark war— mit 7 M, pro Psung als Speck angeboten. DaS sind so einige kleine Proben, wie die staatlichen Organe die Theorien deS Staatssekretärs befolgen. Sollten ihm diese Beispiele nicht genügen, so empfehlen wir. die Reichs- Wirtschaftsämter aufzufordern, in einer Tabelle mit- zuteilen, welche Lebensmittel sie im letzten Jahre beschafft und zu welchen Preisen diese eingekauft wurden. Vielleicht ist der Herr Staatssekretär �dann so freundlich, diese Ver- zu- Nackte und verhüllte. Auch für das Blocksbergtreiben der Annexionisten aller Länder gilt das Wort:„Hier seh' ick» Junge nackt und bloß, und Alte, die sich klug verhüllen". Als ein Alter und klug Verhüllter präsentierte sich in seiner Rede vom 5. Januar der englische Premierminister Lloyd George. Er hatte seine Vermummung umso vorsichtiger getvählt. alS er zu den Ver- treten» der Gewerkschaften, d. h, der Arbeiterpartei sprach, deren pazifistische Linksentivicklung den niemals Kriegsmüden nicht geringe Sorge bereitet. Die Rede, die Lloyd George hielt, um den englische« Arbeitern zu gefalle»», mußte so gehalten sein, daß sie im einzelnen ihrer Teile den Beifall auch der deutschen Arbeiter finden konnte. Internationale Organisation zur Schlichtung internationaler Streitigkeiten, Sclbstbestimmungsrecht der Völker, Beschränkung der Rüstungslasten, das sind Tendenzen, in denen die deutschen Arbeiter mit Lloyd George um so aufrichtiger übereinstimmen konnten, damals, als er noch ein Vorkämpfer gegen die soziale Not ohne Ehrgeiz nach kriegerischen Lorbeeren war. Erfreulich ist der Verzicht auf den Versuch, in die innere Entwicklung Deutschlands mithineinzureden. Keinen Widerspruch findet das Verlangen, daß die vom Kriege ganz oder teilweise über- rannten Staaten in ihrer unverkürzten staatlichen Unabhängigkeit wiederherzustellen sind.„In einigen Beziehungen," sag» Henderson,„verkörpert sie— nämlich die Rede Lloyd Georges— die Grundsätze und Ziele, welche die Arbeiter- schaft bei der neulichen Konserenz als die wesentlichen Kriegs- ziele scstgcstellr hat." Bis hierher können a»lch die deutschen Arbeiter den Text unterschreiben, um wie viel Henderson weitergeht, ist in seiner Rede nicht gesagt. Henderson sagt nichts über Elsaß-Lothringen, nichts über Arabien, Armenien, Mesopotamien, Syrien und Palästina, nichts über die deutschen Kolonien. Aber auch er und mit ihm die ganz« englische Arbeiterschaft muß wissen, daß hier Ziele aufgestellt sind, deren Unerreichbarkeit beim gegenwärti- gen Stande des Krieges feststeht. Wenn Lloyd George von dem Unrecht von 1871 spricht und Elsaß-Lothringen„zwei französische Provinzen" nennt, so vergißt er hinzuzufügen, daß diese einstigen französischen Pro- vinzen fast ausschließlich von Deutschen bewohnt sind. Die fehlungen seiner staatlichen Organe in einer Denkschrift sammenzustellen und der Oeffenllichjkeit zu übergeben. Bolschewiki haben mit einer Großmut, die Benrnnderung verdient. Finnen und Letten. Polen und Litauern und Ukrainern das Recht aus Loslösung vom russischen Reiche zugestanden. Daß- sie aber dieses Recht auch Teilen des großrussischen Volkes selbst zugebilligt hätten, wird nicht berichtet. Die Elsässer und Lothringer sind in der Staatlichkeit des deutschen Volkes keine Fremdvölker, und wenn es auch ein von den Sozialdemokraten getadelter Fehler war, diese deutschen Volksbestandteile durch kriegerische Genwlt dem Ganzen einzuverleiben, so wäre es nun noch ein viel schlimmeres Unrecht, sie jetzt durch kriegerische Gervalt unter eine nationale Fremd- Herrschaft bringen z»» wollen. Arabien, Armenien, Mesopotamien, Syrien und Pa- lästina sollen von der Türkenherrschaft befreit werden. Es ist nicht gesagt, was und wie viel davon der englische Jmpenalis- mus als Befreierlohn beansprucht. Ebensowenig tritt dem Redner der Gedanke über die Schwelle des Bewußtseins, daß Deutschland seinen Verbündeten in gleichem Maße zur Treue verpflichtet ist, wie England den seinen. Und ebensowenig findet der Widerspruch Erklärung, warum gerade die Ein- geborenen der d e u t s ch e n K o l o n i e n vor der Ausbeutung durch europäische Kapitalisten geschützt werden sollen, nicht auch die Eingeborenen der englischen. Es hieße die Klugheit der englischen Arbeiterpartei unter- schätzen, wenn man annähme, daß ihr diese Widersprüche ent- gehen könnten. Offenbar aber glaubt sie Grund zu haben, zu ihnen diplomatisch schweigen zu müssen, u»»d man muß schon dankbar sein für Hendersons ausgezeichnete Bemerkung, die englischen Arbeiter wollten die V e r n i ch t y n g d e s M i l i- tarismuS nicht nur in Deutschland, sondern überall. Nur ganz vorsichtig und behutsam lüftet die eng- lisch« Arbeiterpartei den prunkenden Phrasenmantel, in den sich der Gedanke des englischen Machtfriedens hüllt. Werk zu vollenden, dos mit den Schwertern nicht voll- Und doch werden wir erst dann weiter kommen, wenn die Ar- bester in allen Ländern den Mut gefunden haben werden, jede Art von AnnexionismuS, den nackten wie den verschleierten, zu bekämpfen. Allerding». Deutschland ist daS einzige Land, wo der An- nexionismus noch in dem ihm angeborenen Adamskostüm auf die Straße geht. Anderwärts tritt die annexionistische Praxis nur verbunden mit einer pazifistischen Theorie auf. Dem deutschen Professor kommt es aber vor allem darauf an, daß in der Theorie alles stimmt, und so hat denn bei uns zulande die glorreiche Lehre vom deutschen Schwertfrieden und dem deutschen Mochtgewisse« sich entfaltet. Wahrhaftig, man wär< manchmal versucht, diesen bebrillten und bücherbewebrien Dozenten des Zlnne?ionismus zuzurufen:„Ihr Esel, warum stellt ihr euch auf die Straße und brüllt, daß ihr räubern wollt! Warum macht ihr es nicht wie die andern draußen, die nichts in die Tasche stecken, ohne bewiesen zu hoben, daß sie Jumttt der ganzen Menschheit einen Dienst erwiesen, die den Profit immer meinen und von Freiheit imnisr reden, die zwar oft genug Schweinehunde aus Instinkt sind, aber nie Schweinehunde aus philosophischem Prinzip?" JndcS, solche Lehre wäre gefährlich. Uns und allen, die den Frieden ehrlich wollen, kommt es nicht auf die inehr oder weniger elegante Form an. in der sich ein den Völkern schäd- sicher Handel vollzieht, sondern darauf, daß die Fragen, die der Krieg blutig aufgerissen hat, eine rasche und dauernde Lösung zum Wohl der Völker finden. Und mag zugegeben werden, daß der in Freiheitsphrasen verschleierte Annerionis- mus gegenüber dem ursprünglichen, nackten, auf das Kriegs- recht pochenden eine höhere Stufe äußerlicher Zivili- s a t i o n darstellt, so bedeutet doch erst die ehrliche Absage an «llle offenen oder versteckten Eroberungsgelllste eine neue Form innerer Kultur. Hier ist der Boden, auf dem sich die Arbeiter aller Länder zusammenfinden müßten, um das Werk zu vollenden, das mit den Schwertern nicht voll- endet werden kann, das auch den geschickten Fingern der Diplomatie immer wieder entgleitet. Der Beschluß, den die sozialdemokratische Reichstagsfraktion am leßten Sonntag gefaßt hat, könnte weltgeschichtliche Be- deutung erlangen, wenn er bei den Arbeitern der ganzen Welt, Rußlands wie Englands, Frankreichs wie Italiens die An- «rkennung fände, die er-verdient. Echo üer Rede LlopA Georges. Die Rede Lloyd GeovgcS über England» KriegSzielc und Friedens Bedingungen ist alles in allem als eine breite Ergänzung zu dem Grundtext des französischen Außenministers Pichvn„Zuerst siegen" aufzufassen. So ist«S selbstverständlich, daß das Reuter- bureau über die Wirkung in Washington znelden kann; Die erneute Darstellung der britischen KrtcgSziele durch Lloyd George findet hier allgemeine Zustimmung. Die Rede hat außer durch die Dläßigur� ihres Tones und die tklarheit deS Ausdruckes iveuig Uebenrafchung hervorgerufen. Die Führer in beiden Häusern deS Kongresses sind der Meinung, daß die Dar- stellung der Kriegsziele der Alliierten sehr klar ist.„New Vork TimeS" schreibt: ES ist unmöglich, die Bedeutung deS Versprechens Lloyd Georges zu übertreiben, der französischen Demokratie bis in den Tod beizustehen! dorm man kann die Unterstützung Frankreichs bis zum Aeußersten bei seiner Forderung nach SIsaß-Lothringen nicht als einen Mißgriff bezeichner!. Wort« der Zustimmung hat sofort auch Lord Lansdowne geäußert. Gr beschränkte sie allerdings auf allgemeine Wendungen eines vorläufigen Urteils. Wie aus London verlautet, sagt« er in einer Unteredung, er habe nur eine kurze Zusammenfassung der Rede des Premierministers gesehen und möchte deshalb von ihrer Besprechung Abstmud nehmen, bis er den vollen Wortlaut gelesen habe. LanSdotom: bemerkte jedoch mit Befriedigung, daß de? Premierminister in den bestimmtesten Wendungen den Grundsatz bekräftigt habe, daß England niemals nach großer Macht gestrebt habe, sondern vielmehr da- nach, sich von den Hoffnungen und Plänen militä- rischer Herrschaft abzuwenden. Er stimme mit der Anficht deS Premierministers überein, daß«in gerechter, dauerhafter Frieden nur auf die drei vom Pre- mierminister dargelegten Bedingungen gegründet sein könne. Die Annahme dieser Bedingungen durch Deutsch- land würde in sich schließen, daß der alte Geist militärischer Herr- schaft ausgespielt habe. Eine solche Annahme würde an sich ein Zugeständnis der Niederlage sein. In der Welt, die den Frieden will,»uerden diese Aeußernnyen Lord LanSdowneS, die Lloyd George.? Position stärken sollen, ganz anders wirken als deS Lochs Aufsehen erregender Dezemberbricf. London, 7. Januar. DaS Reutersche Bureau meldet, daß die Blätter die Erklärung Lloyd Georges als willkommen«, deutliche und endgültige Erklärung über di« Mindestfor- Gerungen Großbritanniens warm begrüßen, die nicht weiter herabgesetzt werden könnten, umd die den Mittelmächten keine Ausflucht mehr gestatten würden. Die Mittelmächt« müßten jetzt, iwnai sie tatsächlich so sehr nach Frieden Engelbert pernerstorfer. Stolz aufgerichtet schritt er zum Rednerpult, hoch trug er den mächtigen Kopf mit dem weißen Bart. Die vorspringende Haken- nase zeugte von dem kühnen Trotz, der im Wesen dieses demokra» tischen Kämpfers lag. Seine Rede flammte, wenn sie gegor. feudal» klerikale Reaktion ging— und das war meistens ihr Thema. Zwischenbemerkungen gaben der Empörung über die Verrohung Ausdruck, die die Christlichsozial«! dem östervoichischen politischen Leben eingeimpft hatten. Zu dichterischem Schwung erhob sich der Redner, wenn er von der Verwirklichung des Sozialismus sprach. DaS waren Reden, so recht nach dem Herzen der zukunstgläubigen Proletarier und der Jugend, und hell« Begeisterung toeckten sie. Der Name war schon ein Programm. Vom Vater hatte es sich auf den Sohn vererbt; wer loar eS denn, der unterm Ausnahme- zustand in der Zeit des deutschen Sozialistengesetzes di« Bedrückten im Parlament vertreten hatte— wer? Das waren der P einer- storfer und der Krvnawetter, die vielbespottete Zweimännerpartei; der«in« deutschnationaler Vertreter von Wiener-Reustodt, der an- der« Magistratsrat und demokratischer Abgeordneter der Haupt- stadt. und beide zwei Urwiener, mit dem Herzen aus dem rechten Fleck. Der eine noch dazu mit dem Zorn der freien Rede, die das Arbeitervolk draußen aufrüttelte, während der Schulkamerad Viktor Adler sich daran machte, es zu organisieren. Der Nationalismus dieses Deutschnationalen verwarf allen Chauvinismus, wollte kein Boll unterjochen wnd beherrschen, daS «igen« vielmehr zum fteiesten und kulturvollsten machen; er war demokratisch und sozial. So kam Pernerstorfer immer mehr ab von seiner Partei, die das deutsche Bürgertum gegen die vordrin- genden slawischen Proletarier verteidigte und dabei immer kapi- talistischer wurde. Im Sozialismus allein sah Pernerstorfer die Möglichkeit, den Nibelungenhort der deutschen Kultur dem ganzen Volk zu geben, und als das Mandat ablief, das ihm ja als einem Deutschnationalen anvertraut worden war. schloß er sich der So- gialdemokratie an— um prompt gegen einen Schworzon durcbzu- fallen. JndeS, nach wenigen Jahren zog er wieder in den Griechen- Palast am Franzeuiring ein. Dort brauchte er unrerm gleichen Wahlrecht nicht mehr allein zu kämpfen, mm hatte er eine starke Fraktion, di« ihn ins Präsidium des Hauses schickte. Wer etnen sier letzten österreichischen Parteitage mitgemacht hat, der weiß. »aß Pernerstorfer mit seiner parlamentarischen Erfahrung, mit berlangen, wie sie behaupten, mit ähnlicher Aufrichtigkeit ant- Worten. „Daily Telegraph" schreibt: Die Red« war gleichzeitig eine Herausforderung und eine Einladung, die mit derselben Offenheit beantwortet werden muß, widrigenfalls die Rationen zu dem unvermeidlichen Schluß kommen wüvden, daß H e r t l i n g und T z e r n i n deshalb nicht Absichten aufzudecken. DaS Blatt fragt: Sind di« Mittelmächte mit der Sprache herausrücken, weil sie nicht wagen, ihre wahren bereit, die in der Rede enthaltenen Bedingimgen anzunehmen? Wir fürchten, daß die einzige Antwort., die aus Berlin kommen wird, ein Schrei skeptischer Entrüstung darüber sein wird, daß Großbritannien einer so unverschämten Anmaßung fähig ist, daß es Bedingungen anfftelli, di« den Sturz des preußischen Militarismus, die Niederlage der deutschen Weltherrschaftspläne und die Wiedergutmachung der Verbrechen gegen die VeriragSrechte internationaler Abmachungen und Gesetze der Menschlichkeit bedeuten. Man darf sich keiner Täuschung darüber hingeben, daß diese Kriegs- ziele des Premierministers Bedingungen eines Siegers sind, und daß die Alliierten, um ihr Ziel zu erreichen, erst die bärtesten Monate und die empfindlichsten Heimsuchungen des Krieges zu überwinden haben werden. Llom, 7. Januar.(Stefani.) Die italienischen Blätter sehen in der Rede Lloyd Georges ein« Ergänzung zu den Erklärungen Pichons und Orlandos. Unabhängig und spontan seien die Kundgebungen der alliierten Nationen er- folgt, denen die größte Bedeutung beizumessen sei. Die Rede sei eine wohlüberlegte Antwort auf die plump« Falle des Grafen Czernin. England habe nicht uneigennütziger auf die Grundlagen der Friedensverhandlungen hinweisen, noch klarer aussprechen können, daß den Alliierten jade nationale Ver- gewaltigung fernliege. Genf, 7 Januar. Aus Paris wird gemeldet: Die franzö- fischen Blätter fassen die Rede Lloyd George» als einen wichtigen, bedeutungsvollen und zur richtigen Zeit unternommenen diplomatischen Gegenangriff ans und sind der Meinung, daß darin die Friedensbedingungen Englands vollständig und richtig zum Ausdruck kommen. Man erivardet voll Spannung die Antwort der Mittelmächte und hebt Lloyd Georges Wort« bezüglich Elsaß-Loth- ringen hervor. Die Blätter wiederholen, daß die Stabilität eines künstigen Friedens von der Lösung großer moralischer P r o b I e m.e abhängt. Amsterdam, 7. Januar. AuS London wird gemeldet:„Obser- ver" nennt die Rede Lloyd George? bedeutungsvoll. Lloyd George habe, so sagt daS Blatt, die deutsche Friebensosscnflve ia Rußland mit einer Gegen- «sfensivr beanttvsrtet und daö unwiderrufliche Minimum der Forderungen der Miierten festgestelli. Daß der Ministerpräsident im Slamen von Asquith, Grey und Henderson sprechen konnte, sei ein« genügende Bürg- schaft für das ganze Land, daß diese neue AuSeinanidersetzung der KriegSzielc und Friedensbemühungen wohlerwogen und bestimmt sei. Mit Weniger werden die Alliierten nicht zufrieden sein, und wenn die Mittelmächte sich weigern, dies« Forde- rungen anzunehmen, dann wird die Parole für unsere von neuem geeinigte Nation und die der A l i i e r i e n lauten: Krieg bis zum Aeußersten mit An- spann ung aller Energie und Anwendung aller Hilfsquellen! Amsterdam. 7. Januar. Aus London wird gemeldet: In einer Rede, welche Ramsay Macdonalo in Rutherglen bei Glasgow hielt, sagte er einer ReutermÄdung zufolge: Es ist nicht wahr, daß die unabhängige Arbeiterpartei die Position England« zu schwächen wünscht. Wir wollen gerade dafür sorgen, daß kein zusammengeleimter Frieden geschlossen wird. Wir wünschen einen Frieden, der neuen Anlaß zu einem Kriege beseitigtl Lloyd George hat durch seine Rede be» wiesen, daß er von der großen Verantwortlichkeit, welche der Ministerpräsident trägt, durchdrungen ist. Gegen öie Gegenrevolution an üer rumänischen§ront. Petersburg, 5. Januar.(Meldung der Petersburger Telegraphen-Agentur.) Die in Odessa eröffnete Konferenz der Arbeiter- und Soldatenräte der ru- manischen Front nahm folgende Entschließung an: seiner großen Duldsamkeit und nicht zuletzt mit seinem wienerischen Witz evn geborener Präsident war. Ohne die Politik war er nicht zu denken, aber ein Mann von seinen geistigen Interessen und seiner weltumfassenden Literatur- kenntniS, die nimmer müde wurde, alles Neu« aufzunehmen« der konnte nicht in der Politik allein feine Befriedigung finden. In der„Arbeiter-Zeitung" redigiert« er das Feuilleton und schrieb die Burgthsaterkritik. Gab es in Wien irgendeinen interessanten lite« rauschen oder kultu-rpolitischen Vortragsabend, so traf man Per. nerstorfer gewiß dort und oft genug sprach er da; etwa über Rassen- theorien oder am liebsten über die Antike, die er begeistert liebte, über daS alte Hellas und für das humanistisch« Gymnasium. So manche Schillerfeier der Arbeiter verschönte PernerstorfevS Festrede— einmal geschah das auch in Berlin in der„Freien Volksbühne". In früheren Jahren hatte er öfter in Süddeutschland ge- sprachen, in der üblen Reaktionszeit der Bülowära vergaß man sich einmal so weit, diesen guten Deutschen aus Preußen auszuweisen. Auf manchem Pariettag war sein gern betontes Deutschtum kritisiert worden, bis schließlich die nationalistische Entwicklung der tschechischen Genossen auch hierin ein« Aenderung bewirkte und die Partei mehrbeit sich Pernerstorsers Standpunkt näherte. Dabei lag eS ihm ganz fern, für seine Anschauung zu tverben. Nebcr- Haupt war thm die Partei nie Selbstzweck. So sehr er Sozial- demokrat war und so gern er immer dereit war, sich in den Dienst der Agitation zu stellen— mit inneren Parteidingen, die ja überhaupt in Oesterreich eine geringe Rolle spielen, hat er sich nie befaßt; er war zu großzügig dazu. Unbedingt« MeinungS- freiheit war ihm ein« Selbstverständlichkeit, dogmatische Bindun- gen und kategorische Festlegungen waren seinem künstlerisch be- einflußtcn Wesen fremd. Betrachtet man seine ganze Art, die mit abstrakten Formeln und mit festen Orgauisationsregeln nichts zu tun hatte, so kann man leicht zu Vergleichen mit dem französischen Sozialismus, mit eurem Pressense, wenn nicht mit Jean Jauri» selber kommen. Aber man kann es sehr wohl auch als— spezifisch Wienerisch betrachten. Pernerstorfer soll seine Erinnerungen niedergeschrieben haben. Die find dann sicher so, daß fi« erst in einer Zeit erscheinen dürften, die unS wie von dem Krieg, so auch von seiner Zensur befreit haben wird. Dann aber werden wir mehr aus diesem inhaltreichen, von fröhlicher llnbekümmertheit erfüllt«» Die Bcrsammlung der Sertretor der gesamten rumänischeu Front erkennt nicht daS Hauptquartier Tscherbat schrs? a» und pellt fest, daß die ukrainischen Kommissare, die die Geninil in Hönde» haben, von Rumänen unterstützt werden, die de» russischen revolutionären Truppen feindlich gesinnt sind. Die Berstimmlnag hält eine solche Lage für die Revolution gefährlich. Diö Versammlung befiehlt allen HrereSauSschüssen. biS zur Ergreifung anderer Maßnahmen die Gewalt zu übernehme!! und die rumänische Front von de» Gegenreoolu- tionärea z» säubern, die die revolutionäre rumänische Front «erdcrbr». Als Protest gegen diese Entschließung sind achtzig Ukrainer abgerei st, die zur Rada halten.'220 sind Bolschewik! oder Revolutionäre der Linken. Die Eni- schließung wurde mft 8tt) gegen 240 Stimmen angenommen. Die Armeen an der rumänischen Front sind mit ihrem ersten Ausschuß vollkommen auf Seiten der Sowjets. Ter Vorgang hat ols ein Teil der Auseinandersetzung, die sich gegenwärtig zwiichen der Ukraine und der großruisischen Regierung vollzieht, besondere Bedeutung. Er stell« eine Aktion dar, durch die der Roda nachdrficklidd nahegelegt wird, beschleunigt dmäi endgültige Tat zu bestäligen, daß sie mit der von Kaledin» Truppen gefübrtc» kriegswilligen Gegenrevolution nicht» gemein haben will. Des weiteren ist der Beschluß deshalb wichtig, weil er«'n Voigeben gegen die rumänische Reaktion, also ein Eingreifen in dre gärende rumänische Krise ankündigt. Die Abreise öer Ententebotjchastee aus Rußlanö. Stockholm, 7. Januar. Der englischeBotfcha'ftSr in Petersburg(der nach kürzlich erfolgter Mitteilung Ruß- land schon verlassen haben sollt«) wird laut„Masch Wiäk" am 7. Januar aus der russisefjen Hauptstadt abreisen. Auch die Dffiziere, die Mitglieder der errglischen Militärabordnung in Rußland sind, verlassen das Land. Auch der franzö- fische Botschafter wird in einigen Tagen nam- folgen. Er will gleich Buchanan zunächst iu Stockholm bleiben. Trotztis fluslanösvertreter. Im Namen des Rat? der Arbeiter- und Bauernvertreter tcill der Volkskommissar für Auswärtige Angelegenheiten mit. daß Bürger K a r p t n S k y vorläufig zum Bevollmächltgien des Kommissartgrs für auswärtige Angelegenheiten in Genf, Bürger L i t w i n o f zum Bevollmächtigten in London ernannt worden ist. Hinzu- gefügt wird: Alle Beamten der Gesandtschaft und der Militärmission, olle BerwaltungSbeamten der Russiicben Republik, die sich gegenwärtig in der Schweiz in dienstlichen Ge- ichästen aushalten, werden ausgefordert, auf das erste Verlangen der Ernannten dielen die laufenden Ge- fräste zu übergeben und Schriftstücke sowie der Verwaltung bei Schatze» der Russischen Repubirk«ur Ver'ügung gestellte Geld- summen auszuhändigen. Jeder Widerstand gegen die Be- iehle der Ernannten in dem angegebenen Sinne sei einem Staats- verbrechen gleichbedeutend. Der Krieg auf öen Meeren. U-Soot-�vgriffe im Mittelmeer. Berlin, K. Januar. 1. Am 22. Dezember 1917 hat eines unserer Unterseeboote i» Mittelmeer die Hvchöfe» und Schwelzwcrle von Pia m bin» wirluugsooll beschossen. 2. Schneidigen ll- Boot»- Angriffen sind im westlichen Mittelmeer letzthin acht Daulpfer und drei Segler mit rund 36000 S?�Reg.-To. zum Opfer gefallen. Die Dampfer, die mit Ausnahme von einem belade» waren, fuhren sämtlich ia park gesicherten Gcleitzügcn. Einer der Dampfer hatte MunitioaSladuag für Italien; er ging fast augenblicklich nach de« Terprdotreffer unter. Auch die übrigen Schiffe waren überwiegend Transporter nach Genua. Ihr Verlust bedeutet für Italien eine» empfindlichen Ausfall an SriegSmaterial. Leben— und gewiß auch viel auS der inneren Geschichte deS ftanz- josephschen Oestcr«ich erfahren. R. B. *• * Engelbert Pernerstorfer war am 27. April 1850 in Wien a.s Sohn eines Schneidermeisters geboren. Er besuchte mit Viktor Adler dasselbe Gymnasium und bezog dann die Universität, um si.v in der Philologie zum Mittelschullehrer auszubilden. Aber schon früh fesselte ihn daS politische Leben und im Jahre 1835 finden wir ihn zum erstenmal im Parlament, dem er dann, mit kurzen Unter- brechungen bis zum Lebensende angehört«. Er begann seine pol:- tische Laufban als deutschnationaler Demokrat in der Gesinnung, alö leidenschaftlicher Feind jeder Unterdrückung und als tapferer Draufgänger im Temperament. In der Zeit, in der die öster» reichifche Sozialdemokratie noch m den Kinderschuhen steckte, und dank dem Kurienwahlrecht im ReichSrat noch keine Vertretung vc- saß, bildete er mit Dr. Kronawetter zusammen die äußerste Linke im Abgeordnetenhaus. Seine Reden gegen die Polizeiwirtschaft. gegen den Uebermut der herrschenden Schichten und für da» allge- meine Wahlrecht flogen wie Brandfackeln über da» Land. Einmal. als,er geradezu ungeheuerliche Jugendstreich« einiger sehr hoher Herren kritisiert hatte, bekuin er in seiner Wohnung in der Lang- gaffe unerbetene Besucher. Zwischen ihnen und dem überaus kräft- gen Pernerstorfer kam rS zu einer handgreiflichen Auseinander- setzung, bei der die Besucher rasdfcr die Treppe hinunter kamen als sie hinausgekommen waren. Dieser an sich unbedeutende Vorfall. der in Wien nicht geringe Genugtuung weckte, bleibt doch kenn- zeichnend für ein Leben, da» in allen Lagen durch mutige Eni- schlossenheit ausgezeichnet war. Im Jahr« 1896 trat Peru-rstorser auch formell der sozial- demokratischen Partei bei, der er geistig schon längst angehörte, wie die von ihm herausgegebenen„Deutschen Worte" mtt jedem Jahr- gang mehr bezeugten. Der nationale Unterton in dem Titel seiner Zeitschrift klingt dann noch durch PernerstorserS ganzes politisches Leben durch Oft ha! er versichert, er sei ein internationaler Sozia- list. bleibe aber dabei doch deutsch bis auf die Knochen. Deutschtum. daS war für ihn aber nur ein anderer Ausdruck für Aufrichtigke::, Offenheit, Frejhsitlichkeit der Gesinnung. Ueberflüssig zu sagen. daß er mit seinem ganzen Herzen auf der Seite der Mehrheit stand. Aber auch die Andersdenkenden in der einig gebliebenen öfter- reichischen Partei schätzten die Vornehmheit seiner Denkweise, und in der Trauer über seinen Tod gibt eS keinen Unterschied der Rick- tung. Nr.S ❖ Z5. Jahrgang Heilage öes vorwärts Dienstag, S. Januar 1 Hl S Zur /ibwehr öer Wohnungsnot. Stellungnahme des Zwcckverbandes. Der Zweckverband Groß- Berlin beschäftigte fich in seiner gestrigen Bollversammlung hauptsächlich mit Fragen des Verkehrswesens und des Wohnungswesens. Den an der Sitz, mg zum ersten Male teilnehmenden neuen Obcrpräsidenten v. Loebell begrüstte der Vorsitzende Oberbürger- meisier Mermuth- Berlin als den Freund der Selbstverwaltung, der.die Lebensbedingungen der Bürgerschaft Grost-Berlins würdigen und vertreten' werde. Oberpräsident v. Loebell er- widerte, dieses Wort habe lebhaften Nachklang in seinem Herzen gefunden. Er bitte, in ihm nicht nur den Vertreter der.Auifichls- bebörde' zu sehen, sondern den Vertreter der StaatSregierung, die mit allen Kränen und Mitteln die dem Zweckverband obliegenden Aufgaben fördern wolle.' Den Grundsatz, unbekümmert um rechts oder links seinen Weg zu gehen, werde er auch in seinem neuen Amte befolgen. In dem Zweckverband Grost-Berlin, wo natur- gemäst verschiedene Interessen aufeinander stoßen, müsie der Oberpräfident mit gleichem Maß messen und nur für das von ihm als richtig Erkannte eintreten. Ein durch Vertrag von 1SS8 festgesetzter Rechtsanspruch der Stadt Neukölln gegen die Große Berliner Straßen- b a h n g e s e l l sch a st, der auf den Verband übergegangen ist. wurde an Neukölln zur gerichtlichen Austragung des SireiteS zurück- gewährt. ES handeil sich um Erstattung von Pflasterkosten, die von der Straßenbahngesellschaft bisher abgelehnt worden ist. Im An- schluß an diese Vorlage fragte Stadtverordneter Leidig- Wilmersdorf nach dem Stand der Verhandlungen über die Erhöhung der Straßenbahntarife. Verbandsdirektor Steiniger antwortete, der VerbandSauSschuß sei nicht müßig ge« Wesen und werde hoffentlich in seiner nächsten Sitzung zu einem Ergebnis gelangen. In der weiteren Debatte erfuhr man durch eine Aeußerung des Stadtv. H e i m o n n-Berlin, daß der Unterausschuß deö BerbandSausschusieS bereits einen Beschluß gefaßt hat. und zwar mit 10 Stimmen gegen 2. Was er beichlosien hat, konnte aus der vertraulichen Notiz nicht mitgeteilt werden. Gegen die Erörterung der Angelegenheit erhob der Vorsitzende Oberbürgermeister Mermuth wiederholt Ein'pruch. Die Verbandsversammlung beschloß, eine weitere Erörterung nicht zuzulassen. Die vormals Siemens u. Halskeschen Berliner Elektri- schen Straßenbahen, deren Aktien größtenteils im Besitz der Stadt Berlin sind, sollten nach dem Bertrage von 1S12 durch Berlin erstnialig zum 1. Januar 1320 erworben werden können. Die BerbandSversammlung beschloß Abstandnahme von der Aus- Übung dieses an den Verband übergegangenen Erwerbsrechtes, weil gegenüber dem 1312 ausbedungenen Kaufpreise von mindestens 16b�/z Proz. deS Aktienkapitals die Erträge der Jahre 1310—16 zu gering gewesen seien. Das Projekt der Schnellbahn Gesundbrunnen- Neukölln soll eine gewichtige Ausgestaltung erfahren durch den Gemeinschaftsbahnhof Hermannplatz, der den Uebergang auf die Nord-Züd-Untergrundbahn und auf deren Reu- köllner Fortsetzung vereinfacht. Dabei wird die Schnellbahn Ge- sundbrunnen— Reukölln vom Kottbuier Damm durch die Schönlein- straße, Jahnstraße und Hasenheide bis zum Hermannplatz und weiter durch die Hermannstraße bis zur Münchener Straße geführt werden. Ferner wird beabsichtigt, die Schnellbahn-Haltestelle am Ringbahn- hos Gesundbrunnen in besiere Verbindung mit diesem zu bringen. Die im Humboldthain an die Untergrundbahn mit einer Rampe fich anschließende Hochbahn soll sofort aus dem Hain herauSschwenken, die Badstraße überschreiten, dicht an den Ringbohnhof Gesund- brunnen heranrücken, hier ihre Haltestelle haben und dahinter in die Badstraße zurückichwenken. Hiernach muß der zwischen Berlin und der Allgemeinen ElektrizilälS-Gesellschaft geschlosiene V e r- trag von 1312, den der Verband übernommen hat, geändert werden. Zn der Vorlage nahm das Mitglied des Verbands- ausichusieS der Stadtrat Ä l b e r t i- Berlin das Wort zu einer Er- kläning gegen den Verbandsdirektor, der in der Vorlage seine eigenen Bemühungen um das Zustandekommen des GcmeinschaslSbahnhoss in ein möglichst vorteilhaftes Licht zu rücken sich bemüht und die onsängliche Stellungnahme Berlins zu diesem Projekt angreift. Verbandsdirekior Steiniger antwortete, die spätere Nachgiebig- keit Berlins sei anzuerkennen, aber zunächst habe die Berliner Ver- kehrsdeputation sich nicht nur gegen den Gemeinschaftsbahnhof in der von ihm vorgeschlagenen Ausführung, sondern überhaupt gegen einen Gemein>chaslSbahuhof ausgesprochen. Bei dieser Gelegenheit schüttete Herr Steiniger lein übervolles Herz aus und beklagte sich bitter über die.persönlichen' Angriffe, denen er in letzter Zeit aus- gesetzt gewesen sei und die von jenem Streit ihren Ausgang ge- nommen hätten. Stadtrat Mann- Neukölln führte des Verbandsdirektors Verdienste um deu Gemeinschaitsbahnhof auf ihr be- fcheideneS Maß zurück und hob die Tätigkeit des technischen Oberbeamten Prof. Giese hervor. Stadtbaurat Krause- Berlin erklärte, nur gegen das Projekt des VerbandsdirekiorS habe Berlin sich gewehrt. In der Abstimmung wurde die Vertragsänderung g e- n e h n, i g t. Zu einer erweiterten Debatte über die nach dem Kriege drohende Gefahr einer Wohnungsnot und über die dagegen zu ergreisenden Maßregeln führte der von den sozialdemokratischen Verbandsvertretern schon im No- vember eingebrachte Antrag, den VerbandSauSschuß zur größten Beschleunigung der Verhandlungen mit dem Fiskus wegen bau» licher Erschließung fiskalischer Ländereien zu Kleinhaussiedlungen und zur baldigen Berichterstattung über den Stand dieser Verhandlungen aufzufordern. Milberaien wurde ein inzwischen ini Dezember vom VerbandSdireklor er- siatteter Bericht über die bisherigen Verhandlungen, der jetzt zur Kenntnisnahme vorgelegt wurde. Erreicht ist bisher weiter nichts als eine Erllärnng des-Landwirtichoi'lsmmisterS. daß über die Landhergabe zurzeit zwischen den beteiligten Ministerien verhandelt wird. In der Begründung deS Antrages wies Stadtverordneter Genosie H e i m a n n-Berlin darauf hin. daß die VerbondSversamm- lung sich mit dieser Frage nun schon zum dritten Mole zu be- fchärngen hatte. Er erinnerte an die Opfer, die daS Voll in dem Kriege gebracht, an die Lasten, die es bisher hat tragen müssen. Die Rechnung, daß»« immer noch mehr davon zu tragen vermöge, könne sich einmal al« fehlerhaft erweisen..Beizeiten müsse man daran denken, etwas zur A d w e h r der für Groß-Berlin zu er- wartenden Wohnungsnot zu tun. Schon längst wäre Pflicht einer vorausschauenden und sozial empfindenden Regierung ge- wefen, Maßiegeln zum Schutz gegen dre Wohnungsnot zu ergreifen. Durch die akute Wohnungsnot, mit der mau für die Zeit nach dem Kriege rechnen muß, wird— so führte Heimann aus— das chronische Wohnungselend wieder noch verschärft. Der Wohnungsmangel begünstigt die M i e t S st e i g e- r u n g e n. die dann zur Einschränkung des Woh- nungSverbraucheS und der gesamten Lebens- Haltung zwingen. Die Minister der öffentlichen Arbeiten und des Innern haben der Gemeinde durch Runderlaß Rat- schlüge zur Bekämpfung der Wohnungsnot gegeben, die blutwenig bedeuten. Die Finanzverwaltung Preußens hat Mittel bereitgestellt zur Beteiligung an gemeinnützigen Baugesellschaften und zur Hhpothekengewährung. DaS Landwirtschaflsministerium aber hält gegenüber der Forderung, fiskalisches Land herzugeben, unbeirrt am allen KurS fest. So hat es ja auch in der Frag« der Lebensmittel- Versorgung den einseitigen Standpunkt der Produzenten ein- genommen. Gewiß ist zum Häuserbau noch anderes als nur Land erforderlich, aber zuerst doch Land, und das hat der Forstfiskus in Menge. Nötig ist natürlich auch eine gute VerlcbrSpolitik, die bei Festsetzung der Tarife den Verkehr nach den Zonen des weiträumigen Siedlungsgebietes ausreichend berücksichtigt. Zu bedauern ist, baß die Eisenbahnverwaltung den gewinnhungrigen Erwerbsgesellschaften mit einer Tariferhöhung iür Stadt-, Ring- und Vorortbahne« vorangegangen ist. Heimann bekämpfte einen vom flommerzienrat Haberland gestellten Antrag, der eine wirksame Befriedigung de« WohnungSbediirfnisseS für»nicht ohne die Tätigkeit der Grundstücks- und baugewerblichen Betrieb« und deS HausbefitzeS möglich' erklärte,«ine durch die Bau- ordnungen herbeigeführte Ausschaltung deS Privatkapitals behauptete und diese als Ursache der WohnungSknappheit und WohnungS- teurung hinstellte. Der Grundbesitz könne, führte Heimann hierzu aus, nicht von einem.Eingriff in wohlerworbene Reckte' reden. Vorteile, die ihnen in den Schoß fallen, feien den Grundbesitzern willkommen. Uebcr Scbädigungen aber, wie auch jeder andere Gewerbetreibende sie sich gefallen laffen muß, schreien sie Zelermordio. Herr Haberland erwiderte, in HeimannS politischer Ueber- zeugung liege ja von vornherein eine ablehnende Stellung gegen alles, was das Privatkapital angeht. Daß Wohnungsnot droht, gab auch Haberland zu. Er wollte nur nicht, daß man Land vom Fiskus kauft, und im übrigen sei das auch gar nicht Sache des Zweck- Verbandes. Die Leistungen gemeinnütziger Bougeiellschaften seien ein Tropfen aus den beißen Stein. Die private Bau- tätigkeit solle man fördern, daS sei das beste Mittel gegen die Wohnungsnot. DaS aber könne nur dadurch geschehen. daß.die Mieten entsprechend gestaltet' werden. AlleS fei teurer geworden, darum könne auch der Hausbesitzer nicht mehr mit den bisherigen Mieten auskommen. Für alte Häuser sei eine Miete st eigerung um 30 Prozent berechtigt und notwendig, bei neu zu erbauenden Häusern werde wegen der Bau- lostenverteuerung die Mietesteigerung noch größer sein müsien. Bestrebungen, die Mieten niedrig zu hallen, müsie jeder bekämpfen. Tie Arbeiter würden, behauptete Haberland, am wenigsten da- durch betroffen; die würden fich schon durch ihre Orgoniiationen »den veränderten Verhältnisien anzupassen wissen'. Er klagte bitter über Schädigungen des Grundbesitzes durch die Bauordnungen und meinte, nur ein»ausgemachter Narr' könne da noch sein Geld in Grundstücke hineinstecken. Oberpräsident». Loebell griff m die Debatte ein, um die Regierung und besonders das Landwirtschaflsministerium gegen die Angriffe unseres Genoflen Heimann zu verteidigen. Die Regierung erkenne die Wichtigkeit der Aufgab«, de« gemeinnützigen Baugesellichaften die Herstellung von Kleinwohnungen zu erleichtern, soweit die private Bautätigkeit nicht ausreicht. Die Förderung solcher Unternehmungen sei zuerst Sache der Gemeinden, aber der Staat sei bereit, nach Zustandekommen de« WohnungSgesetzeS sich an der Gründung von Siedlungsgenossenschaften mit Kapital zu beteiligen, wenn auch die Gemeinden daS tun wollen. Der Staat werde dann solchen SiedlungSgenosien- schakten siSkalischeSLand in Groß-Berlin zu Preisen überlasten, die ihnen«ine weiträumige Bebauung ermöglichen. Bei den be- teiligten Ministerien seien die Verhandlungen über Flächen und Preise bereit« abgeschlossen. Die Regierung sei fich der Wichtigkeit und Dringlichkeit voll bewußt. Auf günstigen und baldige» Abschluß sei zu hoffen. Stadtverordneter Cassel- Berlin empfahl zwar sofortige Annahme des Antrages Heimann, aber daneben Aus- jchußberatung für den Antrag Haberland, der ihm als.durchaus beachtenswert' galt. Die BerbandSversammlung b e- schloß beides.__ Groß-Serlln wer Senken kann, »veitz. daß jeder Arbeiter der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands angehören muß l Wer sich also zu den denkenden Arbeitern rechnet, der schreibe auf einen Zettel „Ich erkläre meine« Beitritt zur Tozialdemokratischeu Partei", darunter seinen Namen» Stand und genaue Adresse, und sende diesen Zettel sofort an Theodor Fischer, Berlin SW., L i n d e n st r. 3._ Wenn Berlin W schippt... ES ist sehr schön und praktisch, wenn man eS versteht, au« der Rot eine Tugend zu machen und fich lochend in« Unvermeidliche zu fügen. Der Berliner bat fich seinem Temperament entsprechend über die ihm zugedachte Schipperrvlle geärgert, hat an Pastender und un- pastender Stelle seiner Meinung über diese Zumutung unzwei- dculigen Ausdruck verliehen— dann aber hat er geschippt. Ohne Ueber stürzung, aber zweckmäßig und, wie die stattlichen Schneehausen beweisen, nicht ohme symetrijche» Empfinden. Damit war die Sache für den Durchschnittsberliner erledigt. Ist e« verwundetlich, daß durch den kategorische« Imperativ der Schneeschippverordnung die zarter besaitete Volksseele von Berlin W in nicht zu unterschätzende Konflikte gestürzt worden ist? DaS schwierigste war die Ueberwindung der angeborenen Ab- neigung gegen den profanen Geschmack, der mit dem Begriff.Arbeit' verbunden ist. Nachdem man sich damit getröstet hatte, daß es mög- lich sei, da« Unangenehme mit standesgemäßer Würde und Grazie zu verbinden, ging man zur zweiten Frage über: Wie zieht man sich gemessen zum Schneeschippen an? War auch dahingehend noch langen Erwägungen eine Auswahl getroffen(daß betreffs der Gerätschaften dem höheren Kunstgewerbe ein weite« Arbeit«- selb eröffnet worden ist, bedarf keiner besonders« Erwähnung), so durfte da» Ganze bald au« de«»orberetteudea Stadium ins tätige hinüberwechseln. Der große Augenblick war gekommen. In jeder Villa war eine Geiellschaft zum Ausrücken bereit, die was Entschloffenbeit und Ausrüstung anbetraf, einer Polarexpedition nichts nachgab. Vor allem war sür photographische Apparate gesorgt, um die Heroen und Heroinnen der Arbeit in allen Stellungen k la Meunier der stauenden Nachwelt zu erhalten. Hofichauspieler, Nackttänzerinnen usw. erftculeu sich des Besuchs der Besitzer illnsttierter Blätter— kurz, man hätte gar nickt gedacht, wie lustig daS Stbeiieii ist. ES wurde auch geschippt— Gott, man tut es ja so gern fürs Vaterland l Wie graziös sie die Schippen. Schaufeln und Besen anfaßten! (.Herrjott, et is keene Marmelade dran I' sagte mein Lehrmeister immer.) Jawohl. eS wurde geschippt; die gnädige Frau schippte im Ber- ein mit Komteß Paula und dem Dienstmädchen Lissi den Schnee von der reckten Seite der Straße nach der linken, der gnädige Herr. der junge Baron Heinz und das Faktotum Franz denselben Stoff von der linken Seite nach der reckten. Solange, bis selbst dem gefühllosen Schnee die Rührung an« kam und er in jenen flüssigen Zustand überging, der dem kriegs- mätzig besohlten Proleten das Wasser durch die Zehen treibt. Ungerechtigkeiten in der Gasverbranchsregelung. Eine Leserin schreibt uns:„Wir hatten unseren Gasvetbrauch schon im vorigen Jahr aus Sparsamkeitsgründen aus das äußerste Minimum eingeschränkt. Da unser Kochherd sehr viel Feuerung braucht und es keinen Koks mehr gab, waren wir im Frühjahr ge- zwungen, einen Gasherd zu kaufen. Natürlich ist nun der dies- jährige Gasverbrauch größer als der vorjährige trotz größter Spar- samkeit, aber er ist wesentlich geringer als der der andern Mieter deS Hauses(bei gleicher Kopfzahl und Wohnung), die sckon längere Zeit einen Gasherd benutzen. Wir müssen einer Straszablung ge- wärtig sein, da mein diesbezügliches Gesuch von der städtischen GaS- anstalt abschlägig beschieden ist.' Wie eS der Beschwerdeführerin geht, so oder ähnlich geht eS zahllosen Familien, und überall ruft diese Ungerechtigkeit Ei bilterung bervor. Der Vergleich mit dem Verbrauch' des letzten Jahres ist sckon deshalb ein absolut unbrauckbarer Maßstab für die zu sordernde Einsckränkung, weil es fast immer von Zufälligkeiten abhängt und demjenigen, der im Vorjahre versckwenderijck mit leinern Gas umging, eine Prämie gewährt, während er den sparsamen Verbraucher bestraft. Ferner läßt die bestehende Verordnung es unberücksichtigt, ob da« GaS nur zu Kochzwecken verbraucht wird— wie es in allen teueren Wohnungen mit elektrischem Licht der Fall ist— oder ob eS zugleich zur Beleuchtung dienen muß. Es findet also eine ganz ungerechtfertigte Benachteiligung der kleinen Leute statt. Sckließlich sind auch die Proleiarierfamilisn in einer schlimmen Lage. die im vorigen Winter noch Petroleumlampen brennen konnten und daher wenig GaS verbrauchten. Jetzt erhalten sie kein Petroleum mehr und find daher auf einen größeren Gasverbrauch angewiesen, während sie»ach der geltenden Verordnung noch unter die vorjährige Gasraiion hinuniergedrückl werden I Da« find völlig unhaltbare Zustände, die durch eine schleunige Reform der Gasverbranchsregelung unbedingt beseitigt werden müssen._ Ein merkwürdiges Inserat findet sich in der»Neuköllnischen Zeitung' vom S. d. MtS. ES lautet: Seltenes Angebot! Benutzen Sie die günstige Gelegenheit und verschaffen Siefich die bestimmte Aussicht und zu leine» Wucherpretjen, sondern äußerst billig, ein Postlolli, enthaltend: 10 ruff. Pfund Schinken, oder 10.. Wurst, oder 10.. Speck, oder 10., von dielen Sorten beliebig zusoinmengeftellt. Obige Fettwaren sendet Ihnen franko durch die Post Karl Sommer, Liegnitz. BadehauSrestaurant, gegen vorherige Eüiien- dung von 5 Marb Am sickersten durch Postanweis. mit Ihrer demlichen und genauen Adresse u. AuSwohiangabe. Dieser Heins Betrag soll mir die Ausführung der Sendung sicherstellen. Der Einfachheit wegen muß ich bitten, keine größere Geldiendung als gewünscht abzusenden. Ich benachrichtige Sie alsdann sofort über Zeit der Absendung u. weiteren Bedingungen. Der Versand ist nur vorübergehend möglich, daher ist Eile geboten I Sollte Ihre Postanweisung verspätet eintreffen, erhalten Sie den Betrag sofort zurück. Also keine Verzögerung! In früheren Zeiten war es bei reellen Angeboten üblich, die Preise der einzelnen Artikel anzugeben. Die inserierende Fitina scheint dagegen der Meinung zu sein, sür solche kostbaren Delikatesten, wie Schinken, Wutst und Speck, müßten und lönnien die Groß« Berliner heutzutage jede Summe zahlen, die man ihnen in Liegnitz abzufordern beliebt. Es wäre jedeiifall« interessant zu hören, welche Erfahrungen eiwaige Kunden deS Liegnitzer BadehauSrestaurateurs bei diesem Handel gemacht haben. Geschäftsabschluß der Berliner Sparkasse. Der Zufluß neuer Spmeinlagen war auch im Dezember ein ganz gewalliger. Die Zunahme betrug>n diesem Monat nicht weniger als 13 Millionen Marl. Nunmehr steht der Zuwachs des ganzen Jahres fest, er beläusl sich aus 108 Millionen Mark nach Abzug der Zeichnungen der Sparer auf die VI. und Vll. Kriegs- anleihe. Damit hat der Einlageiibestand der Berliner Sparlasse den Gesamtbetrag von b07 Millionen Mark erreickt. Darin sind enthalten die Jugend-Zwangsspar lasse mit 4 Millionen Mark und die im Laufe des Jahres errichtete Heeressparkasse für Berliner HeereSangehörige an der Front mit l,8 Millionen Mark. An Spar- büchern find jetzt im ganzen 830 000 Sparbücher im llinlauf. An Kriegsanleihen sind der Sparlasie bisher 29 Millionen Mark für 82 000 Personen in Verwahrung gegeben. Die Zeit der Stcucreinschätzung ist wieder da! Wer dies« Tin- schätzung'achgemäß vornehmen und sich vor Nackteilen schützen will, lasse sich sür 46 Pf.»den Führer duick das preußische Einkommen« steuergeietz' von der Buchhandlung Vmwäns, Berlin SW. 68, Lindenstr. 3, schicken. DaS Heflckcn enthält neben der Erläuierung des Gesetzes eine große Anzahl Musterformulare für Eingaben und Reklamationen. Der Berliner Stadtverordnete Barthelman«, Mitglied der unab« hängigen sozialdemokratiicken Fraltion, tst im Aller von 54 Jahren an Lungenentzündung g e st o r b e n. In der Urania wirp heute der Kampsflugzeugführer Jo. Heinrich May'emper einen Vortrag mit Lichlbildcrn über leine Eilebrnffe als Kampsflieger hallen. Der Vortrag wirb voraussichtlich am DomietS« tag noch einmal wiedetholt werden. Charlottenburg. LrbrnSmiNcl. In den KlemhandelSgelchälten können 6 Pfund Rarioffeln«»inommen werden, während das siebente Piund der eiierne» Ration zu enlnehmen ist. Vom Donnersiag, den 10., bis Sonnabend, den>3. Jan.. werden zwei weitere Serien der HauSballungSbezugskarie Marie CJ mit kondensierter Milch be» lieferi. Große Haushaltungen, Serie IIb und Illb, grün inid blau geslreiit. erhalten zwei Büchsen und kleine Haushaliungen Serie IIa und III» eine Büchse kondensierte Vollmilch oder Magermilch je nach Vorrat. Auf deu Lüchseu ist ersichtlich, ob«» sich um Jntauds- pSer NuslandZware und oB mit oder oiine Zucker handelt. Die In« baöer der HausbollunqSbezugskarten Serie IVa und IVb werden in allernächster Zeit beliefert. In derselben Zeit werden verabfolgt: l00 Gramm Steinpilz «>PPe üum Pfundpreise von j,2Y M. auf Abschnitt 170 der roten Nabrunge-mitlelkartc.— Montag, den 14 Januar, wird Kaiser» dämm 4oAt6 JKarolmger©arten) eine Lnsgabestelle der allgemeinen iLpeiiung eröffnet. Die Anmeldungen werden bereits am Freitag zwischen 12 und 2 Ubr entgegengenommen. Der Preis für die ganze Portion beträgt 60 Pf., für die halbe 26 Pf. Kaulsdorf. Die Mitgliederversammlung findet umständehalber erst Mittwoch, den IS. Januar, abends 8'/, Uhr, im Lokale von Hampel statt. Die Tagesordnung wird noch bekannt gegeben. Schöncberg. Vom Schulwesen. Ueber den Besuch der Schulen nach dem Bestände vom 1. November 1317 ha: der Magistrat der Stadtverordnetenversammlung Bericht erstattet. Danach berrug die durchschnittliche Schülerzahl der ein,clnen Klassen 43,2. Klassen mit 80 und mehr Schülern sind nicht mehr vorbanden, dagegen noch 23 fliegende Klassen. Nach der gegebenen Uebersicht waren vorhanden in den Volksschulen 12 804 Kinder, und zwar 0260 Knaben und 6336 Mädchen, in den Höheren Schulen 8317 Lernende, und zwar 8043 Knaben und 2160 Mädchen. Die Miltelichule wies eine Schüler» zahl von 276 Knaben und 619 Mädchen, zusammen 704 Lernende auf._ Am stälkstei, besucht war die 8.©emeindeschule mit 1147 Schülern und Schülerinnen, die sich am 28 Klassen verteilten. Den schwächsten Bestich zeigt die 3. GemeindesÄule sMädchen) in der Rysshämerstr. 23, die nur 608 Schülerinnen aufwies. — Kartoffelversorgong. In dieser Woche gelangen Kartoffeln nicht zur Ausgabe, sondern cS sind 7 Pfund der eisernen Ration zu entnehmet!. Lichteubrrg. Lebensmittel. In dieser Woche werden nur 3 Pfund Kartoffeln in den©eschästen ausgegeben, die restlichen 2 Pfund muffen der eisernen Ration entnommen werden. Außerdem gelanacn nochzur Verteilung: Auf Abschnitt 160 8'/i-Pstmd-Paket Haferflocken 0,86 M., Abschnitt 160 G, E, J je'/, Pfund Rübensaft zum Prei'e von 0.50 M. für 1 Pfniid. Abschnitt 160 E V, Pfund Kunsthonig zum Preise von 0,76 M. für»/,«Pfund-Paket oder 0,73 M. für Vj Pfund ausgewogen. Obgleich ein Teil der Pakete den Verkaufs« preis von 0.55 M. trägt, find die Kleinhändler infolge der inzwischen festgesetzten Höchstpreise berechtigt, 75 Pf. zu fordern. Auf Abschnitt 170 l!4 Pid.©raupen oder Gerstengrütze zum Preise von 0.33 M. für Vi. Pfd. In den städiischen Fischhallen und bei den hiesigen Wschhändlern und Räncherwarengeschästen werde» abgegeben: Auf Abschnitt 164 E Räucherwaren und auf Abschnitt 169 E frische Flutz- ui:d Seefische._ NowaweS. Lebensmittel. Heute rnid morgen findet in der Ver- kaufsstelle der Gemeinde auf Abschnitt 45 der Verkauf von Räucherwaren und am Abschnitt 51 der von Seefischen statt. In den KleinhandelSgeschätien Iverhen 7 Pfund Karioffel» anS- gegeben. Ans Abschnitt 53 entfallen 2 Pfund Mohrrüben oder 2 Pfund Weifekohl oder 5 Pfund Kohlrüben. Die AnS- gab« erfolgt auf folgende Nummern der Lebensmittelkarte in der Tnrnbollo Scharnhorststrafee von 9—11 und 2—6 Nr.»001—10500(vorm.). ?nöustrie und Handel. Bauinwollhttnger. Um die gewallige Bedeutung zu erfassen, die die derzeitige Krisis auf dem Baumwollmarkt für Deutschland bat, muß daran erinnert werden, daß Deutschlund in den letzten Fahren vor dem Kriege jährlich rund 500 000 Tonnen verbrauchte, daß diese Menge in der Hauptsache aus den Vereinigten Staaten, Indien und Aegypten kam, und daß etwa eine Million Arbeiter und Arbeite- rinnen mit einem Jahresverdienst von einer Milliarde Mark ihr Brot in der deutschen Baumwollindustrie fanden. Daß der Krieg den BaumtvollpreiS in Amerika, dem Haupt- erzeugungslanid, stark in die Höhe treiben würde, konnte als sicher gelten. Der riesige Verbrauch von Baumwolle für Mumiionszwccke hat deshalb auch den Preis, der zu Beginn des Krieges einen kata- strophalen Sturz erlitten hatte, bald wieder stark«»ziehen lassen. Kein Wunder, denn nach einer französischen Quelle verbraucht z. B. e i n Schuß aus einem L8-Ztm.-001— 19 500, ständen bereits zu einer Rationierung der Textilindustrie über (vorm.), 10 501—21000(nachm. l und Sonnabend 21 101—22 500 (vorm). 22 501—24 900(nachm. 2—5 Uhr). Soweit der Vorrat reicht werden heute in der Verkaufsstelle Blücherstrafee 2 auf Abschnitt 57 Puten a 5.50 M. pro Plund verkauft. Auf Abschnitt 58 wird M a r m e t a d e und auf Abschnitt 59 Grieß verteilt. Die Anmeldung muß heute und morgen in den KleinhandelSgeichäften erfolge». Die Warenmenge, die' auf jeden Abschnitt entfällt, Ivird noch bekanntgegeben. Grsß-Seellne? partemschrichten. Pankow, Rirderschönhausen, Buchholz. Donnerstag, den 1V. Januar, abends 8�z Uhr pünktlich, im Restaurant.Zur Hütte", Pankow. Breiiestr. 16. Tagesordnung: Stellung- nähme zur ReichStagSwahl. Verschiedenes. gegangen, indem man nur 60 Prvz. der Produktion freigab. Die Zukunftsanßfichten sind noch schlechter. Der Eigenverbrauch der Union betrug 1912/13 20 Proz. der Welternte, 1016/17 80 Proz.! Daß cS sich bei diesem Anschwellen dcö EigeiwerbrauchS nicht etwa allein um den erhöhten Mehrbedarf für MunilionSzwecke Handel), beweist die in den letzten Jahren gestiegene Spindelznbl und das An- ivachsen der Ausfuhr an fertigen Baumwollwarcn. In den Jahren 1011/16 hat die Spindelzahl in der Union um fast 2 Millionen zu- genommen. In England selbst gibt man sich auch keine« Illusionen darüber hin. daß die Ding? auf einen schweren Kampf mit der jungen, den Rohstoff an Ort und Stelle verarbeitenden und deshalb längst nicht in dem Maß wir England vom Frachtraum abhängenden amerikanischen Industrie hindrängen. Wo bleibt dann aber Eng- landS Baumwollindustrie, deren Exportwert schon 1006 sich auf fast 30 Proz. aller Exporte Englands bezifferte? önefkaften öer Reöaktion. 47. I. Z. Ja.— F. V. 6. Sie können Beschwerde beim RegierrnigS« Präsidenten, nachdem noch beim Ministerium des Jnneri« erheben.— H. H. W. Die Aufwandsentschädigunc, beträgt jährlich 240 M.; sie i't bei der unteren Verwaltungsbehürde ,u beantragen. In dem Falle mäht? Anspruch bestehen.—vär« ersolgloS.— A. tag. nachm. ff ,2 Uhr, in KilbelmSberg< Hohcnschön- Hausen. i Zenttalvcrdand der CSpfer - u. Berufsgencffen veunchi. 9 Filiale Grae-Berlifl. Am Freitag, den 4. Ja- nuar 1918, verstarb nnser Mitglied, der Töpfer LÜH LMll (Bezirk Pankow.»ttcderschönSausell) im Alter von 55 Jahren nach langem Krankenlager an Lungenlcide». Ehre seinem Nudcuken i Die Beerdigung findet am Dienstag, den 8. Januar. nachmittags 2 Uhr. von der Leichenhall« des Gemeinde- Friedhofes, Schönhoizer Heide, aus statt. 192/12 Der Borstand. Spezialarzl Dr. med. Ii fleisch tägl. frisch. Md. 3,50 M. Nachn. tiilp.-Vers. Versand v. 5 Pfd. ab. Eoßschlächterei and Wurstfabrik Arthur Schindler, Zwickau i. S. 1+ IVlarRen Itafer»»eir IS*7� «Jean Hnl-rn ie: l.'i �--'' �■ X Bim- uqiS Kranzfeilerei von Roben fileyer, Jtth.: P. Crolletz" Marlannensir. 3. Tel. 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Aber andere Störungen machen sich daiür bemerkbar. Ein Uebel löst das andere ab. so daß solch geguältrr Mensch in einem Jahre 366 verschiedene Krankheiten haben kann. Doch sind diese Beschwerden durchaus nicht eingebildet, sondern fie bestehen Ivirklich und stehen auch in engem Zusammenhange unter eliiandcr. Dns Nervensystem ist erichöpst. Oft scheinen diese Uebel und Störungen mit den Nerven aar nichts zu tun haben, aber wenn man sich genauer beobachtet, so wird man daS eine oder daS andere der folgenden Anzeichen von Nervosität bald feststellen lönnen, und manchal auch mehrere davon: Zum» der Glieder, besonder» der Hände, Reißen und Ziehen in den MuSteln, Gefühllosigkeit ein- zelner Hautstellen. Zucken der Augen oder der Lider, seelitche Ver- stimmung. Angstzustände. Unruhe obne Ursache, VerdauungS« befchwerden na» Anstrengungen, Kribbeln der Haut, beunruhigende Träume, Alpdrücken, Müdigkeit, besonders am Morgen, usw. Tie ernstesten Zeichen schwerer Nervenichwäche sind die oft wiederkehrenden Kopfschmerzen, die Schlaflosigkeit, die Mattigkeit, die schnelle geistige Ermüdung, die Gedankenlosigkeit, die leichte Reizbarkeit und schlechte Laune. Rehmen Sie diese kleinen Warnungszeichen der Natur nicht leicht, denn Nervenleiden höhlen das Mark des Lebens aus! Sogar. GetsteSkraiikheil, Epilepsie. Schiaganfall uns Lähmungen sind schon häusig aus unscheinbarer Nervenschwäche entstanden. Auch Sehstörungen, sogar Erblindungen, besonders bei Rauchern und Trinkern, treten als Folge von Nervenleiden auf. Schon leichte Nervenschwach« bringt viele Unannehmlichkeiten mit sich. Las Familienleben leidet darunter, besonders aber die geschättliche Tüchtigkeit läßt nach, weil die Energie und die Ausdauer erlahmten. Der Gesunde ist dem Nervösen gegenüber im Geschäft stets im Vorteil. Der Gesunde trifft mit überlegener Ruhe schnell ent- schloffen zielbewußte Anordnungen, die ihm Vorteil bringen. während der Nervöse zerstreut, bastig, aber doch zaghast handelt und sich von seinen Launen und seiner Reizbarkeit zu unüberlegtem Tun hinreißen läßt, da» ihm Rackenschläge bringt, die ihn dann um so mehr ärger» und entmutigen. Nervosität ist oft der unerkannte Grund von manch einem ver- fehlten Leben. WaS ist dagegen zu tun? Der beste und einfachste Weg ist Stärkung der Energie durch Ruhe, Erholung und geeignete Stärkungsmittel. Doch Ruhe findet der Nervöse nicht, selbst wenn er Zeit und Gelegenheit dazu hat, also auch keine Erholung. Nahrung genug finden die Nerven in den täglichen Speisen, aber sie nehmen diese nicht auf. weil sie zu sehr erschöpft sind, daher bedürfen sie der Anregung- So wie Salz und Gewürz anregend auf den Appetit wirken, so wirkt.Kola-Dultz" an- regend uqtz belebend aus die Nerven. Hierzu ist Kola-Lu!tz wirklich am geeignetsten, denn es enthält nach der Analyse bekannter Chemiker nicht», was schaden könnte. Sorgfältige Versuche von Aerzten und Forschern haben bewiesen, daß Kola-Dultz ein gute» Mittel zur Anregung der Nerven und besonders des Gehirns ist und so Kraft und Leben spendend auf den ganzen Körper wirkt. Kola-Dultz bringt Lebenslust und Schaffensfreude sowie das Gefühl der Jugend mit seiner Tatkraft, die Erfolg und Glück verbürgt. In vielen Fällen, wie eS vorliegende Briefe beweisen, hat Kola- Dultz gute Eriolge erzielt. Nehmen Tie Kola-Dultz eine Zeitlang, Ihre Nerven werden an- geregt, die Schwäche wird häufig nachlassen, und Sie werden sich dann bedeutend wohler fühlen. Ich bin so vollkommen davon über- zeugt, daß ich Ihnen gern ganz umsonst eine Probe senden werde, wenn Sie mir Ihre Adresse mitteilen. Versuchen Sie diese Wirkung der Gratisprobe, sie ist groß genug. um Ihnen gutzutun. 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Nr. 321. adressieren Sie diese au Max Unterhaltungsblatt öes Vorwärts Trank desinfiziere außerdem Mund, Rachenhöhle und VerdanungZ« organe.'—.Ich stimnite dem zu,' schreibt der Berichterstatter, .andere Kameraden auch.'... Dieselbe Soldatenbetrachtung knüpfte auch an die immer noch dielfach vor sich gegangene.Vorpanischung groster Mengen herrlicher Früchte': Aepfel, Birnen, Kirschen, Zwetschen, Beeren, zu geistigen Getränken verschiedener Art. die sie aufs lebhafteste bedauerte, beachtenswerte Bemerkungen an:.Wäre e5 nicht viel bester und volkswirtschaftlilb richtiger, sie zu wohl- schmeckenden Konserven zu verarbeiten? Wie wohlschmeckend und erftischend sind doch eingemachte Kirschen und Mirabellen zur Winterszeit! Im Felde sind solche Früchte oder gedörrte Zwetschen ein grober Genust. sind bekömmlich und gesund, wirken belebend auf die oft sehr mitgenommenen VerdauungSorgane und erfrischen, während Alkohol in jeder Hinsicht schädigend wirkt. Schon die gewöhnliche Marmelade, die inS Feld kommt, ist den Truppen drauhen trotz des Spottliedes, das man auf sie gedichtet hat, von unschätzbarem Wert.... Hat man Kaffee dazu(zu Kommistbrot und Marmelade) ist eS ein Genuß und man kann sich sättigen.' Petersburger Leben von heute. Stockholm, Anfang Januar. Das Stockholmer„Aftonblabet' veröffentlicht Auszüge aus einem Privarbries, worin ein Schwede, der sich derzeit auf einer Geschäftsreise in Rußland befindet, seine Eindrücke vom beutigen privaten und öffentlichen Leben der russischen Hauptstadt schildert. Der Schreiber gehört offenbar nicht zu einer den Bolschewiki politisch und sozial nahestehenden Schicht. Seine Mitteilungen ericheinen als das Urteil eines unbefangenen und wahrhettSliebenden Reisenden, der. ohne auf ein weiteres Publtkum zu rechnen, feine Angehörtgen über Zustände ouftiäten will, deren Darstellung im Ausland in der Regel von Parteiinteresse und Parteileidenschast beeinflußt ist. Ein solches Dokument hat oft einen größeren Wert, als mit theoretischen Argumenten und mit advokatorischem Eifer arbeitende Klageschriften der in den Kämpfen des TageS unterlegenen Partei, denen die zur gerechten Würdigung der Begebenheiten notwendige Distanz fehlt. ES kann sicher die politische Kritik nicht widerlegen und nicht ersetzen, aber es weist auf deren Grenzen hin. Der Briefschreiber warnt zunächst vor den.Aufklärungen', die man in der schwedischen Presse über die russischen Zustände finde. So habe ein Blatt sich von einem in Haparanda angekommenen Reisenden erzählen lassen, daß man in Petersburg in der Gefahr lebe, ermordet zu werden und dergleichen. Der Briefschreiber be- zeichnet das als schreckliche Uebertreibung..Glaube mir. das meiste von dem, waS über die Bolschewiki und deren Regiment geschrieben wird, ist erlogen... Tie Wahrheit ist, daß ein Fremder, der her« kommt, vorausgesetzt, daß er vorher nichts über die Verhältnisse wußte, kaum irgend etwas bemerken würde. Die Läden find wie gewöhnlich geöffnet, Theater. BioSkope und Gasthäuser desgleichen. Das Leben auf der Straße geht seinen gewöhnlichen Gang weiter, die Straßenbahn— vielleicht mit einigen Ausnahmen für gewiste Vorstadtlinien— verkehrt mit der gleichen Dichtigkeit und Ge< schwindigkeit. Natürlich ist sie auch jetzt überfüllt, aber obgleich ich sie in den letzten Togen täglich benutzt habe, habe ich leinen einzigen Menschen gesehen, der gratis gefahren wäre... Rom ist nicht au einem Tag erbaut worden und die russischen Verhältnisse lassen sich nicht im Handumdrehen ändern. Nicht einmal von den Bolichewiks. Im übrigen wird man gern anerkennen, daß sich diese als flmke und tüchtige Leute zeigen. Man braucht nur ihr Auf- treten gegen jene zu betrachten, die mit Hilfe des Alkohols Unruhen >;::ftcn suchen. Denn, mein Junge, Alkohol findest Du hier— .- i des absoluten Verbots geistiger Getränke. Das heißt, in Restaurants wird kein Alkohol serviert— außer vielleicht in aller Heimlichkeit in einigen von den besteren, eine Sache, woran ich indes zweifle. Aber da und dort gibt es große Lager. Und diese werden mitunter von irgendeiner willigen Seele.entdeckt' und dem Pöbel bekanntgegeben, der natürlich nicht zögert, sich zu betrinken. Aber diese Freude ist oft von kurzer Dauer. Sobald die Komman« dantur von der Sache erfährt, schickt sie Militärpatrouillen an Ort und Stelle und vernichtet den Alkobolvorrap Oft geht es bei solchen Expeditionen heiß zu. Die Patristtille schießt. Zu- erst in die Luft, um die ungeladenen Gäste fortzujagen und unberufene Leute auf Abstand zu halten. Hilft das nicht, werden die Gewehre— darunter auch Maschinengewehre— auf da« HauS gerichtet, wo sich das Alkobollager befindet. Sind die.Gäste' be- trunken, wozu mindestens ein Teil von thuen Zeit gehabt hat, und sind sie dazu mit Gewehren verleben, so entsteht ein Fenerzefecht von selbst. Irgendwelche besonders.blutigen' Zusammenstöße find nicht vorgekommen. Wie ich erfahre, haben die Spiriiusexpeditionen ernstere Folgen nur für eine verschwindende Minderzahl, und man bat bemerkt, daß dies allezeit so für Leute ab- läuft, die sich mit vollem Bewußtsein ins Spiel gemengt haben. Im übrigen kann ich Dir mitteilen, daß diese Dinge bei Nacht ge- schebcn— diejenigen, von denen ich sprechen hörte, zwischen 1l und 2 Uhr. Bei Tag sieht man nichts davon. Ja. richtig, in einer Gasse bei der Kasantathedrale sah ich selbst eines Tages die deutlichen Spuren der Vernichtung von Alkohol im Werte von einigen hunderttausend Rubeln. Man roch den vergangenen Kognak auf weite Entfernung. Und doch war das nur eine Kleinigkeit. Im Keller des Winterpalastes sollen die Bolschewiki Spirituosen für drei Millionen Rubel zerstört haben, darunter 300 Jjahre alte Weine. Gerechterweile muß man anerkennen, daß sie zu diesent Busweg erst griffen, als es sich zeigte, daß die zahlreichsten Wächter nicht ge- nügten. Auch heißt es, daß das englische Rote Kreuz Weine für einig» Millionen gekauft habe— zehn Etsenbahnwagen, sagte mit ein Eisenbahner aus dem sinnischen Bahnhof. Aber, wie gesagt, bei Tage sieht man von den Expeditionen wenig und hört auch davon kaum mehr, als waS in den Zeitungen steht. Und das ist nicht gar viel.— Zumeist Vermutungen und Ge- 6] Töchter öer tzekuba. Ein Roman auS unserer Zeit von Clara Biebig. Die Dombrowski war wirklich eine hübsche Frau, und sie hatie auch gar nicht so unrecht, es war schwer für Mütter. die auf Arbeit gingen, zugleich sorgsam auf ihre Kinder zu achten. Die Lehrerin lenkte ein.„Ja, ja. Aber das könnten Sie doch wenigstens, mir den Jungen morgens sauber in die Schule schicken. Ich muß ihn erst immer an die Pumpe führen." „Na, denn dreckt er eben unterwegs wieder ein I' Die Dombrowski war nicht aus der Fassung zu briugen. Es brachte sie auch heute nicht aus der Fassung, als jetzt ihre Beiden wieder heulend in die Stube hereingestürzt kamen. Erich hatte Minna mit der Schippe gegen die Nase gestoßen, daß ein Bächlein von Blut heruntertroff, und war dann doch selber von Entsetzen ergriffen, als er sah. was er angerichtet hatte. Sie schrien beide und schimpften zwischen ihrem Heulen gegeneinander an. Gertrud war erschrocken zu- gesprungen und wusch dem Mädchen das Blut ab. Frau Dombrowski sagte nur:„Erich, wart' mal. ich schreibe es Vätern. Der kommt und nimmt Dich mit in'n Schützen- graben. Da fressen Dich die Natten. Oder die schwarzen Fran- zosen kommen und holen Dich; die fressen auch Kinder.' Sie hatte ihren Spaß darüber, daß der Junge sie mit weit aufgerissenen Augen anstarrte. „Frißt unser Vater auch Kinder?' fragte er langsam. „Das nich', sagte die Mutter lachend.„Der is doch nich schwarz. Aber süchtig kann der auch werden, wenn ihm was nich paßt." ES flog wie ein leiser Schatten über ihr lachendes Gesicht. Sie mochte wohl daran denken, daß er sie einmal ge- schlagen hatte. Und nur wegen einer Kleinigkeit. Er war eines Sonntags abends mit ihr in einem Lokal gewesen, da hatten verschiedene Männer am Nebeutisch geseffen. und der eine von ihnen, ein hübscher Mensch, hatte Blicke mit ihr ge« wechselt. Das war alles. Aber ihr Stanislaus konnte so was nicht leiden. Eisersüchtig lvar der, oh je I Minka Dombrowski blickte einen Augenblick nachdenklich: wie hatte er doch gesagt, als er von ihr fortmußte?.Minka, ich sag dir. wenn du mir nich treu bleibst I' Er hatte gezittert dabei, der arme Kerl..Minka, ich sag' dir, dann— 6te| rüchte. Die Bolschewiki sprechen nicht viel von sich selbst sie ar- betten. Man maq auch welche Ansicht immer über sie haben, daß sie wisien, waS sie wollen, muß man zugeben. Da wird nichts mit leeren Worten und Gebärden angefertigt. Lenin und Trotzki. wie diejenigen, die ihnen am nächsten stehen, arbeiten Tag und Nackt. Im Smolni ist 24 Stunden am Tage Lickt. Di« hervorragendsten Führer arbeiten, essen und scklafen tm selben Zimmer— vor allem ist das der Fall mit den zwei obersten, und Du darfst mir glauben. daß eS nicht jedermann gelingt, inS Smolni hineinzukommen. Da gibt es Schiidwacken— Soldaten und rote Garden— einen um den andern, rechts und links. Erst wenn man über seinen Zweck ge- nau Auskunst gegeben bat, bekommt man«ine Zulaßkarte ins Smolni. Um Zutritt zu Lenin und Trotzki zu bekommen, ist eine be- sondere Karte erforderlich. Der beste Beweis für das Organisationsvermögen und die Arbeitskraft der Bolschewiki ist meiner Meinung nach ihre Um- organisierung der Ministerien. Wie Du Dick erinnern wirst, traten alle die alten Beamten sofort, als die BolsckewikS zur Macht ge- kommen waren, in den Streik. Was taten nun die BolschewikS? Sie erklärten ganz einfach, daß diejenigen, die ihren Posten wieder einnehmen wollten, sich binnen einer gewissen Zeit anzumelden hätten; die anderen wurden verabschiedet. Eine groß« Zahl von Unterbeamten— um nicht zu sagen, die meisten— meldeten sich an und mit ihrer Hilfe und teilweise mit neuen Leuten wurde die Arbeit in Gang gebracht. Es ist eine Tatsache, daß sie jetzt recht gut funktioniert. Davon habe ich mich selbst überzeugt. Einige meiner Kameraden, die gewisse Erfahrungen vom alten Regime her haben, sagen sogar, daß e§ jetzt besser ist als früher. Aber die BolsckewikS haben nicht nur die Ministerien organi- siert, londern sie nehmen auch die Ordnung des GeschättSlebenS auf sich. Schon wird davon gesprochen, daß aller Import und Export monopolisiert werden soll. Vielleicht ist das ein bloßes Gerücht, vielleicht auch nicht. Es würde mich nicht verwundern, wenn eS zum Monopol käme. Die Industrie ist schon jetzt unter einer gewissen Kontiolle, und die Banken kommen auch daran, wie sehr sie sich da- gegen auch sperren mögen. DaS schließt natürlich nicht auS, daß Schweden hier große Möglichkeiten bat. Aber da muß ordentlich ge- arbeitet werden. Denn gibt es Frieden mit Deutschland— und darüber gibt eS unter den Eingeweihten nur eine Meinung—, so sind die Deutschen im Augenblick hier. Die Animosität gegen Ge- schäfte mir den Deutschen, wovon manch« schwedischen Geschäftsleute sprechen, ist der blanke Unsinn. Die Russen werden ihre Waren sicher dort kaufen, wo sie sie am billigsten bekommen und wo sie im übrigen am besten behandelt werden. Bleiben die Bolschewiki an der Macht— und ich bin überzeugt, daß sie unter den gegen- wältigen Umständen weder von KerenSki, von dem niemand mehr spricht, noch von Kornilow, der keine Truppen hat, noch mich von Kaledin, der viele Meilen von Petersburg ist und mit den Bolicke- witö in seinem eigenen Bezirk genug zu tttn hat. s« ohne weiteres gestürzt werden können—, so muß man eben auch damit rechnen, daß sie Internationalisten sind, sie sich wenig oder gar nicht um nationale Gesichtspunkte kümmern. DaS hat man mehr als einmal gesehen.'_ Heiße Getränke als Wärmer. Ein hübsches kleines Wintersportbild zeichnet«in kurzer Bericht vom Bodensee aus dem letzten Winter. Der Unterste(westliche Fortsetzung des BodenseeS) war fest zugefroren. Taufende von Menschen tummelten sich auf seinem Eise. Da leistete ein gemein- nütziger Verein(Guttemplerloge von Steckborn), den Zeitpunkt er- fassend, gute praktische Arbeit. Sie errichtete auf der Eisfläche eine Verkaufsstelle für Tee und Backwerk. Der Zuspruch war flott und Hunderte waren dankbar für das zweckmäßige und wohlschmeckende warme Getränk und dafür, daß sie kein Wirtshaus aufzusuchen brauchten. Da eS bei solchen.Neuerungen' immer auch gut ist, wenn die Leute sie nicht bloß eben so hinnehmen, sondern zugleich darauf gelenkt werden, daß sie mit Bewußtsein vorgenommen werden, und was sie für Gründe haben, kündete noch ein guter Spruch und die Unierschrift der veranstaltenden Vereinigung davon. warum man Tee ausschenkte. So ist auch einer Unterhaltung von Soldaten, Kriegsteilnehmern, die vor einiger Zeit in einem norddeutschen Blatte zu lesen war. u. a. das Lob heißer Limonade zu entnehmen:.Ein Kamerad meinte, daß ihm draußen in der Stellung, wenn er mit durchfrorenen Gliedern in den Unterstand kam, nicht» bessere Dienste leistete, als ein« Tafle frisch gebrauler Zitronenlimonade. Diese er- frische und belebe und sei von bestem Wohlgeschmack, vor allem sei dieses köstliche Getränk billig. Eine einzige Zitrone liefere drei Tassen, selbst das schleckte russische Sumpfwasstr sei dazu verwendbar und beeinträchtige den Wohlgeschmack dieses Getränkes nicht. Dieser hatte ihn gar nicht ausreden lassen. Sie hatte ihm rasch die Hand vor die Augen gelegt, die anfingen unruhig umher zu rollen, und war dann so zärtlich, so heiß gewesen, daß sie im besten Einvernehmen schieden. Auf der Bahn beim Abschied hatte keine so sehr geweint wie Minka Dombrowski und keine so lange nachgewinkt. IL Wenn Frauen sich jetzt auf der Straße trafen, standen sie noch länger beisammen als zu früheren Zeiten. Abends war am Bahnhof der Heeresbericht angeschlagen, da sammelten sie sich in Gruppen. Die Ehefrauen sprachen von ihren Ehe- männern, die Mädchen von ihren Liebsten; da war keine, die nicht einen draußen gehabt hätte. Aber Gertrud Hicfelhahn stand nicht bei ihnen; sie kam abends von Berlin, dort ar- bettete sie bei einem großen Unternehmer— alles Militär- sachen— es war jetzt so viel zu tun, daß sie morgens schon eine Stunde früher anfingen und abends eine Stunde später aufhörten. Immer mebr Leute wurden eingezogen, immer neue eingekleidet, immer wieder rückten welche aus. Es würden bald keine Männer mehr hier sein, stellte Minka Dombrowstt fest. Sie holte das Fräulein manchmal abends vom Bahnhof ab; es hatte sich ein gewissermaßen freundschaftliches Verhältnis zwischen ihr und ihrer Mieterin herausgebildet. Sie bewunderte das Fräulein, das so viel feiner war als sie. sich besser kleidete, besser sprach, sich besser zu benehmen wußte und Gertrud wiederum vergaß nicht, daß die Dombrowstt sich keinen Augenblick besonnen hatte, sie, die Ledige, die ein Kind erwartete, zu dem kein Vater sich be- kannte, bei sich aufzunehmen. Sie würde auch nicht so diel verdienen können, wenn die Dombrowski nicht so und so oft von der Arbeit nach Hause liefe, um nach dem Kindchen zu sehen, sie nahm es sogar an schönen Tagen, wenn sie auf ihrem Stück Land arbeitete, mtt hinaus, hatte es bei sich stehen im Wagen. Müde kam Gertrud heute zurück, müder noch alS sonst. ES war so voll in der dritten Klasse, sie mußte stehen. Es war heiß im Wagen, und sie erzählten alle so viel. Fing eine nur an mit einem Wort, war gleich eine allgemeine Unterhaltung im Gang. Hier hatte jedejhr Schicksal. Die alte Frau in der Ecke hatte söhn und Enkel im Feld; sie selber erzählte nichts, aber die Nachbarin, die mit ihr nach Berlin gefahren war. weil die Großmutter den Enkel, der durchkommen sollte aus einem Transport nach Rußland, Notizen. — Vorträge. Ueber„Feuerkugeln und Metsar- sie ine* wird Dr. Archenhold Mittivoch, 8 Uhr, in der Treptow- Sternwarte spreche«. — Die Deutsche Gesellschaf t für Jslamkund« lädt zu einer Reihe von vier Vorträgen über„Die Probleme des Islams in Vergangenheit und Gegenwart' ein, die Prof. Martin Hartmann, Dessauer Str. 14, Hof I, abends 8 Uhr, am Mittwoch, den S. und 23. Januar und am 13. und 27. Februar IL 13 hält. Der Besuch ist unentgeltlich. Der Kunsthistoriker Karl voll ist im 51. Lebensjahre in München geworben. Er war eine eigenwüchsige Natur, die nicht die übliche Heersttaße ging. Von HauS aus Neuphilologe und auch als Tageskritiker bewährt, kam er erst in späteren Jahren in die akademische Laufbahn. Sein Hauptgebiet war die altnieder- ländische Malerei, der er mehrere Schriften widmete. AIS vortreff- liche Einführungen sind seine allen Schwall des Kunstjargons vcr- pönenden„vergleichenden Gemäldestudien' bewährt. Voll hatte lebhafte Fühlung auch mit der modernen Kunst, besonders Elevogt schätzte und würdigte er(auch literarisch). Sein« Vorliebe für die großen französischen Zeichner des 19. Jahrhunderts(besonders Daumier) trug uuS«in wertvolle? Buch ein. Als streitbarer Franke hat Boll eS verschmäht, sich durch willfährige Streberei beliebt zu machen; insbesondere hat er auch im Fall Bode(gelegentlich des Kampfes um die Florabkiste) Farbe bekannt. Die Chronik der Münchener Kunstgeschichte, Prof. Hyazinth Holland, ist im 31. Lebensjahre in München gestorben. Er lebte und webte in der großen Zeit der Miinchener Malerei, deren führende Träger er noch persönlich gekannt hatte, als getreuer Sammler und Darsteller. Schwind, Pocci und Adam hatte er besonders ins Herz geschlossen. Seine reichen Sammlungen, die auch in das literarische Gebiet einschlagen, hat er der Staat?- Bibliothek seiner Heimatstadt vermacht. — Die Ausstellung des Deutschen Werkbundes in Bern wird in der Münchener„Dekorativen Kunst' in einer illustrierten Sondernummer ausführlich behandelt und gibt einen mit Beispielen belegten Bericht von Dr. Moeller van den Bruck über die Kulturpropaganda, die der Deutsche Weltbund mit dieser AuS- stellung im Auslande geleistet hat. Auch der Berliner„Wieland' bringt in einer Sondernummer reizvolle zeichnerische Darstellungen des AuSstellmtgSgebSudeS und grundsätzliche Programmworte deS leitenden Architekten Peter Behrens. In den eigenen.Mitteilungen' des Deutschen Werkbundes finden wir Kritiken von Freund und Feind über diese Ausstellung zusammeugetrageit, in denen auch von französischer Seite meist rückhaltlos, zuweilen widerstrebend, die deutschen Leistungen anerkannt werden. -— R c y m o n t als Nobelpreiskandidat. Die„Nowa Gazeta" erfährt aus Krakau, daß der bekannte Romanschriftsteller R e y m o n t von der polnischen Akademie der Wissenschaften für den Nobelpreis vorgeschlagen wird. — Der Enckesch« Komet aufgefunden. Dem Di- rektor der Hamburger Sternwarte Professor Dr. Scharr ist cS gelungen, auf einer am 31. Dezember aufgenommenen Platte den periodischen Kometen Encke aufzufinden. DaS Gestirn steht am westlichen Ende deS Sternbildes der Fische, ist aber so lichtschwach.„ daß es nur mit Hilfe eine» starken Fernrohre» wahrzunehmen ist. ES bewegt sich langsam in sudöstlicher Richtung weiter. gern noch einmal auf dem Bahnhof sehen wollte, war ge- sprächiger. Sie hatten leider den Jungen nicht heraus- gefunden, obgleich sie erst vier Stunden auf dem Potsdamer Bahnhof gewartet hatten und dann noch vier Stunden auf dem Schlesischen. „Wir sind ganz alle davon, nich wahr, Sie?' Sic stieß die Alte an. Die nickte nur und wischte sich den Schweiß ab. Ihre welke Hand mit dem Taschentuch zitterte und sank dann matt in den Schoß. Die Gesprächige erzählte umständlich weiter, wie sehr sich die Großmutter gefreut hätte.„Sie hängt so sehr an dem Jungen— se hat schon die ganze Stacht nich schlafen können vor Aufregung. ES is zu traurig. Wir haben gewartet und geivartet, und nu hat se'n doch nich zu sehen ge- kriegt. Siebzig is se und schlagrührig, wer weiß auch, ob se noch lebt, bis er wiederkommt.' „Mein Zweiter ist auch draußen', mischte sich eine andere ein. eine Dame in Trauer; man sah eS ihren Augen an, daß sie viel geweint hatten.„Meinen Aeltesten habe ich schon verloren, der war an dem Unglückstag mit bei Dixmuiden. Mein Dritter wird jetzt auch eingezogen. Nun kann ich nur dasitzen und warten, bis wieder ein Brief, d--n ich inS Feld schickte, an mich zurückkommt:„Gefallen." Sie sagte es mit verzweifelter Bitterkeit. Ein Sturm erhob sich: wie konnte sie nur so sprechen?! Sie schrieen alle auf sie ein. Selbst die schlagrührige Alte tat jetzt den Mund auf.„Warten— wir wollen noch'n bißchen warten," stammelte sie. Die Nachbarin tippte sich auf die Stirn:„Se is schon 'n bißchen kind'sch. Un nu ganz vcrivirrt durch die lange Warterei." „Ich warte auch so," sagte die junge Frau, die ein kleines Kind auf dem Schoß hielt und eines vor sich stehen hatte, das in dem überfüllten Wagen sich ängstlich an ihre Kniee drückte.„Auf Nachricht von meinem Mann. In der Zeitung habe ich gelesen, die Engländer wären nördlich von Pipern in unsere Schützengräben eingedrungen. Gerade da siegt mein Mann. Wenn ihm nur nichts passiert ist! Nachts tue ich kein Auge zu. Immerzu denk ich: wie geht es ihm? Wenn ich nur erst Nachricht hätte I" Man sah ihr die Unruhe an. ihr noch jugendlich-rundes Gesicht hatte einen gespauuteu ängstliche« Ausdruck.(Forts, folgt) Uartrivcranstaltunge» in Groß Kerli« am Mittwoch, den 9. Januar, abends 8 Uhr. Ja nUcu Versammlungen werden Beiträge kassiert und neue Mitglieder ausgenommen. Alle auf dem Boden der Mehrheit stehenden Anhänger sind eiugeladen. S�iltldrtüsiKr. limin für Kerlm I. Mitgliederversammlung Bei Glane. Kommandantenstr. 88. TageSordmiiiz: Vortrag deS(�cnoffcn Thi elicke: Neue �eit— Nene Slnfgaben. Diskussion und Acrschiedenes. Der Borstand. Somldmoiir. Verein für Kerlin!I. Mitgliederversammlungen: I. und H. Abt. Westen Bei Nickert» Steinmetz. strasie 36a. III. u. IY. Abt. Friedrichsiadt und Südwesten, Ltndenftr. 3, II. Hol 3 ir. V. aiftr. Südwesten Bei»rufner, HagelBergcr- strahe'sOa. VI. Abi. Südwesten bei Schuster, Chllmisfo- platz 4. YQ. u. VIII. Abt. bei Reim, llrbanstr. 29. Der Borstand. ZlWideutake. Verein für Verlin Ili. Mitgliederversammlung iiu Gewerkschaftsbaus, Engeluser IS, Saal Y. Tagesordnung: lluserc nächsten Aufgabe». Referent: Genosse Alex P a g e l s. Vereinsangelegen- heilen. Der Vorstand. Zgsitlidemodr. Verein für Zerlin IV. Mitgliederversammlungen. Petersburger Viertel: b. Kühne, Schreiner- strafe S8. Pünktliches Erscheinen ist not- wendig. Wichtige Mitteilungen. Laudöberger Viertelt im Elysium. Lands- berger Allee 40. Tagesordnung: Vortrag des Stadtv. Genossen Ad. glitt er. Dis. fujfion und verschiedene Mitteilungen. Voll. zühligeS Erscheinen Pflicht. Frankfurter Viertel: bei Wacchter. Sil GewerlschastsbauS, Elisabethftr. 11. Tages ordnung: Politische Tagessragen. Stralaner Viertel: bei G. Rast, Warschauer Straße 57. Vortrag des Gen. G i r b i g über»Dir Reichsverfaffung". Mit« teilungcn. Die Mitglieder weiden um zahl- reichen und pünktlichen Besuch gebeten, da um 10 Uhr Polizeistunde ist. Eöpenieker Viertel: bei Fröhlich, MuSkauer Straße 1. 1. Die bevorstehende Siadlver- ordnetenwabl. 2. Lezirksangelegenheiten. Zu dieser Versammlung ist das Erscheinen aller Genossen unbedingt notwendig. Görlitzer Viertel: bei Taus, Lausitzer Straße 46. Tagesordnung: Vortrag, Ver- einkangelegenhesten und Verschiedenes. Ter Vorstand. Sozialdemchr. Verm für Kerlm V. Mitgliederversammlunge«: Abt. ld bei Schwanherz, Naugarder Str. 3. Abt. 1 u. la. bei Röiiiier, Immanuelkirchslr. 25. Abt. 2 u. 3: Siemunds Frstsäle, Linienstr 3. Abt. 4, 5«. 6 bei Pitkert, Linienstr. 198. Abt. 7 bei Walter, Echisibauerdamiil 22. Der Borstand. SoMIdtmolir. Verein für Verlin VI. Mitgliederversammlungen: 1. u. 2. Abt. bei Dobrohlaw, Swinemünder Straße 11. 3. ii. 4. Abt. bei Burg, Prenzlauer Allee 189. 5. u. 7. Abt. bei Emil Kor», Gleimstr. 10, Ecke 47. 6. Abt. bei Goldschmidt, Slolpischestr. 36. 8. Abt. bei Hofsmann, Swinemünder Str. 9. Abt. bei Dbiglo, Stralsunder Str. 11. 10. u. ll. Abt. bei Earus, Vottaitr. 37. 12. u. 15.. Abt. bei Reuter, Birkenstr. 29a.. 13. u. 14. Abt. bei Röther. Waldllr. 31. 16., 17. u. 20. Abt. bei Sachse, Lindower Str.26 18. u. 19. Abt. im„Sctzwedenzeit�, Schweden-. und Exerzierstraßen-Ecke. 21. u. 22. Abt. bei Lewandowski, Seestr. 104. Der Vorstand. Sozialdemokrat. Verein für Teltom- Keeskow-Storkom-ssharlottenburg. Bezirk Neukölln. Bezirksversammlungen: Ö« folgenden Lokalen: 1. bis 4. Bezirk bei Schulz, Reuternr. 47, Ecke Lenaustraße; 5. Bezirk bei Schittlcr, Weichselsliaße 5, Ecke Donaustraße: 6. Bezirk bei Noack, Weserstr. 41, Ecke Fuldastraße: 7. bis 8. Be- zirk bei Jden. Boddinstr. 58, Ecke Isar- firaße.' 9. Bezirk bei Nitzsche, Berthels- dorserslr. 8, Ecke Neue Donaustraße; 10. bis 12. Bezirk im Tnriierhcini, Böhmische Straße 13; 13. bis 17. Bezirt bei Renket, Hermanns'r. 178, Ecke Thomasstraße: 18. bis 20. Bezirk bei Ed. Richnow, Prinz- Handjertz-Slraße 69; 21. bis 24. Bezirk bei Hentschel, Herrsurthstr. 27. Tagesordnung in allen Versammlungen: 1. Vortrag.-2. Diskussion. 3. Veremsangelegenh. iIcUersilok. Abends 8!/„ Uhr, bei Feyer» stein, Bismarckslr. 82, Mitgliederversamml. StSxlitz vn«! I'rirckeil»,!. Gemein- schasüiche Versammlung bei Clement, Steglitz, Tüppelstr. 7. Vortrag des Gen. Bartels- Berlin.— Die Mitglieder werden gebeten, in dieser Versammlung ihre Beiträge zu begleichen, da Hauskassi'ernng nichr stattsindet. Tcrapelkui. Morgen abend S'/jUbr, Monatsversammlung bei Müller. Berliner Str. 97. Bezirk Cimriotteiidiirs. Dienstag, den 15. Januar, abends 8 Uhr, im Volkshaus, Rofinenstr. 4. Wichtige Tagesordnung. Alle? erscheinen. Das Lokal ist gut geheizt. Bezirk �Yiiniersilork. Die Mitgliederversammlung findet Mitt- woch, den ii. Januar, abend» 8'/, Uhr, bei Schäfer, Vrandenburgischeslr 69. statt. TagcS- ordnung: Kommunales.— Kassierer: Paul Goldberg, Uhlandstr. 79. Der Vorstand. Sozioldkmokratischtr Verein für Mederbornim. 'WeiBennee. Zahlabend bei Sracrke, Charlottenburger Sir. 3. Die»Vorwärts�- Leser sind eingeladen. 203/4 vngevknss Ermer&s- N6gIIcbhe»en bietet die nächste Zukunft Line Lef« rreifende Änderung unseres gesairten Wirtschaitslebens, ein gewaltiger Aufschwung unserer Industiie u. des Hanw del» steht bevor, und es werden überall geschulte Krähe gesucht iein. Angehörige technischer Beruft u. Handwerker sollen nicht versSumeni ihre Kenntnisse und Fertigkeiten dsi kommenden Zeit anzupassen, um leih zunehmen an den wirtschaftlichen Erfolgen, die naturgemäß das Ergebnil des gewaltigen Ringens sein müssen. Das beste Mittel, rasch und gründlich, ohne Lehrer, durch einfachen Selbst Unterricht eine gründliche Ausbildung In technischen Wissenschaften zu erwerben, sind die technischen Selbst« unterrichtswerke„Syst.Karuacla Hachfeld". 80 S. starke BrO' schüre kostenlos. Bonness& Hachfeld, Polsdc» Poslfacü 167 Spezial-irzt Dr. med. Haschd, Friedrichstr.90st"Ä SchanBL von StzbHilis. Haut- Harn«, Frauenleiden, svez.: chron. Fälle. 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Z.) und Monte Linne»(SWS B. R. T.). Zwei der versenkten Segler, darunter der italienische Gchuner Eilllio S. hatten Schwefel, der dritte Kohlen geladen. Während der Versenkung des einen Seglers wurde das ll- B o o t von einer Landbatterie bei(! a p S an B ito(Sizilien) beschossen, die Batterie jedoch durch das Boot zum Schweigen gebracht. Der Chef des Admiralstabes der Marine. » Kopenhagen, 7. Januar. Nationallidende meldet auS Kristiania: DaS Hmideisirrinisteulim teilt mir, daß die norwegische Handels- 1917 durch Berienkungen oder Minenexplosionen 434 Schisse mir insgesamt 627000 Tonnen der» I o r e n bat. Stockholm, 7. Januar. Laut dem Schiffsregister deS schwedischen KominerzkollegiumS hat die schwedische Handelsflotte während des Jahres 1S17 insgesamt 86 Schiffe, nämlich 45 Dampfer, 7 Motorfahrzeuge und 35 Segelschiffe verloren. Davon sind 80 einem Unglück zum Qpfer gefallen oder durch KriegSmatznahmen Zerstört worden. Wirtschastsfragen vor öem tzauptausfthuß. Der Ausschuß verhandelte am Montag zunächst noch einmal kurz ü 5er die Äefa'-flcnenfrage, wobei Abg. Dr. Cohn zur Sprache bringt, dag nach einer von russischer Seile auf- gestellten Behauptung unter den in Rußland gefangenen Deutschen eure Organisation bestanden hätte, zu dem Zwecke, eine B e« freiungSokrion in die Wege zu leiten. Bon russischer Seite wird behauptet, das; die deutsche Regierung dahinter gesteckt habe.— General Friedrichs stellt fest, daß das völlig u n z u- treffend lei, die deutsche Niegicruug würde das auch nicht ge- billigt haben.—- Auf eine weitere Frage d«S Abg. Dr. Cohn, ob nickt dre deutsche Heeresleitung davon informiert war, glaubt General Friedrich versichern zu können, daß auch diese Anficht nicht zutreffend sein könne. Die Beratungen wandten sich dann den wirtschaftlichen Fragen zu; ein Verircler des Auswärtigen Amtes teilt darüber turz mit, daß in Brest-Litowsk über diese Fragen noch nicht viel verhandelt werden konnte. Deutschland drängle auf die Feststellung, daß ein Wirtschaftslrieg im Sinne der Pariser Konferenz zwischen Denischland und Rußland ausgeschloffen sein solle und erzielte damit die Zustimmung der Ruffen; dagegen zeigten die russischen Vertreter wenig Neigung, den russisch- deutschen Handelsvertrag einfach wieder auf- leben zu lassen. Die Russen sind der Ansicht, daß dieser Handelsvertrag für sie nachteilig sei. Außerdem gedenken die Russen die wirrschasilichen Verhältnisse ihres Landes einer Um- a e st a I t u n g zu unterziehen und wollen bei diesem Wirken nicht durch Abmachungen gehindert sein.— Auch die Frage der Meist- begünsligung in noch in der Schwebe. Jedenfalls ericheint den Russen der dafür vorgeschriebene Zeilraum von 20 Jahren für zu lange. Es wird eine Einigung auf eine mittlere Linie erzielr werden können. Die weiteren Verhandlungen über diese Eegenstände waren streng vertraulich........... Die VahlrechtstommMon. Die Wahlrechtskommifflon deS preußischen Abgeordneten- Hauses wird am Freitag ihre Arbeiten beginnen. Entgegen den sonstigen parlamentarischen Gepflogenheiten soll zunächst eine allgemeine Erörterung stattfinden und dann erst in die Beratung der Einzelheiten eingetreten werden. DaS umfangreiche statistische und historische M a- t e r i a l, das die Kommission eingefordert hat, hat die Regie- rung ihr unterbreitet, so daß ein Vorwano zu weiteren Verschleppungsversuchen kaum noch gefunden wer- den könnte. Anträge liegen bisher noch von keiner Seite vor. Tie Mittestung, daß die Mehrheit sich auf einen Antrag ver- ständigt hat, der die Einführung des Pluralwahlrechts vorsieht, ist zum mindesten verfrüht, man will zunächst noch die Stellung der Regierung abwarten und hütet sich, durch Annahme eines Antrages, den die Regierung im Plenum als unannehmbar bezeichnet hat, die ganze Reform zum Scheitern zu bringen. Läßt sich über die Aussichten der Wahlrechtsrcform im engeren Sinne des Wortes zurzeit nichts Bestimmtes sagen, w gewinnt e i n Plan, der schon bei der ersten Lesung im Plenum angedeutet ist, immer greifbarere Gestalt: man wird versuchen, die Rechte des Herrenhauses noch mehr zu erweitern, um auf diese Weise die eigentliche Volksvertretung, wenn sich das gleiche Wahlrecht schon nicht hintertreiben läßt, zur Ohnmacht zu verdammen. Die Erweiterung des Budgetrechts des Herrenhauses, wie es die Regierungsvorlage vorsieht, genügt der Mehrheit noch nicht, sie will den Schwerpunkt der Gesetzgebung wenn irgend möglich vomAbgeordnetenhauseindasHerren- h a u S verlegen, und sie maelst für diesen Gedanken nicht nur in der Parteipresse, sondern auch in wissenschaftlichen Blättern eifrig Propaganda. Kennzeichnend ist ein Artikel des Ber liner Professors Dr. Erich Kaufmann in der neuesten Nummer der„Deutschen Juristen-Zeitung", der in völliger Verkennung der Gründe, die die Regierung zur Einbringung ihrer Vorlagen bewogen haben, aufs neue die Behauptung aufstellt, daß sie von zur Macht strebenden Staatselementen, ohne deren Geldbewilligungen und guten Willen die Fortführung und siegreiche Beendigung des Krieges un- möglich ist, in eine Zwangslage versetzt sei, um hieran die Forderung einer wesentlichen Stärkung der Macht des Herrenhauses zu knüpfen. Kaufmann wirft der Regierung vor, daß sie von der wichtigen Emsicht in die Notwendigkeit einer Er- Weiterung der Machtbefugnisse izxs Herrenhauses weit entfernt sei. Er fordert nichl mehr und nicht weniger als die v ö l l i g e Aufhebung des Budgetvrivilegs des Abgc- ordnetenhauses. Gleichzeitig will er die Erste Kammer zu einer Vertretung des gesamten Volkes gestalten, indem er gnädigst auch den Arbeitern einige Sitze einräumen will. Docb das ist nur Sand in die Augen gestreut, sein wirkliches Ziel ist eine Erste Kammer, die nur 100 bis 120 Mitglieder zählt, die eine Art Staatsrat bildet, zum mindesten aber einen ffaotsratähnlichcn Ausschuß aus ihrer Mitte wählt, der bei der Vorbereitung von wichtigen Gesetzen und Verwaltungs- grundiätzen gutachtlich gehört werden könnte. Eine starke und bedeutungsvolle Erste preußische Kammer betrachtet er bei der Ungewißheit der Konscguenzen unserer Wghlreform schon deshalb für eine der wichtigsten Forderungen, um zu ver- hindern, daß die Reichsleitung zu einer konstitutionellen Äeiclisregierung umgewandelt wird, die den Bundesrat aus der Stellung eines RegierungSorgans in die eines machtlosen Oberhauses hinabdrücke. Man sieht hieraus, wie der Hase läuft. Um so mehr ist die Sozialdemokratie verpflichtet, nicht nur den Kampf uin das allgemeine, gleiche, direkte und gehe'me Wahlrecht, sondern auch um die Beseitigung des Herrenhauses zu führen, im Interesse der Demokratisierung Preußens und Deutschlands. Merkwürdige Selbsteruschötzung. Die Viehzählung in der Gemeinde Hackingen hat, wie der„Jsarbote" mitteilt, zu einem ku- rissen Ergebnis geführt. In der drei große Ortschaften umfassen- den Gemeinde mußte die Schweinezucht ganz ausgestorben sein, denn die herumgegangene Liste schloß mit einer Gesamtzahl von 12 Stück Borstenvieh ab. Die geringe Zahl ließ Bedenken auf- tauchen, ob sich nicht mancher Schweinezüchter etwas verzählt habe. Und stehe da. eine behördliche Nachschau ewjab, daß die Schweinebesitzer der Gemeinde Hachingen tatsächlich m der Rechenkunst sehr weit zurück sind, denn sie wie? ein Ergebnis— von über 200 Schweiacköpsrn auf. Steigerung. Bei den Alldeutschen spukt der Revolutionsgeist. Die„Deutsche Zeitung" schrie am Sonntag: Deutsches Volk, steh auf! Die„Berliner Neuesten Nachrichten" steigern am Montag den Ton und befehlen dem Volk, in seinen heiligsten Gefühlen und Wünschen verletzt sich aufzubäumen. Als nächstes erwarten wir die Forderung, auf die Bäume zu klettern, doch raten wir trotz alledem, ruhig sitzen zu bleiben. öunö für vaterlanö unö Zreiheit. Vor einer Miigliedsrvecsammlmrg, die den großen Saal des Abgeordnetenhauses bis auf den letzten Platz füllte, entwickelte gestern abend der Boltsbund für Freiheit und Vater- land seine Aufgaben und Ziele. Sprecher waren der Reichstags- abgeordnete Genosse Legren, das Herrenhausmitglied S t e g« r- wald und Professor Dr. T r o e l t s ch. Der Borsitzende Professor Dr. Franke wies darauf hin« daß der Volksbund eine Zusmnmensassung wirtschaftlichec Verbände sei, die eine Volksmasse von 4 Millionen hinter sich wissen. Er er- strebe aber eine Einheit aller, die hinsichtlich eines ehrenvollen, gerechten Abschlusses des Krieges wie beim künftigen Neubau der deutschen inneren Verhältnisse eines guten Willens zum Fori- schritt sind. Prof. Dr. T r o e l t s ch ging auf die dem Willen deS neuen Bunde» entgegenstehende Vorgründung der Vaterlandspar» tei ein. So sehr die agitatorische Absicht schon deS Namens dieses Vereins nachgefühlt werden kann, so sachlich unglücklich, unrichtig und anmaßend ist diese Bezeichnung; sie kennzeichnet den Geist, der in den Reihen der„Vaterlandspartei" vorherrschend ist. Ihr stärkster Fehler ist die völlige Außerachtlassung der Rücksicht auf die Völker, die außer uns noch auf der Erde leben; wir brauchen gesunde Beziehungen in wirtschaftlicher Hinsicht, auf dir wir um unserer Zu- kunft willen nicht verzichten können.— Die zweite Aufgabe deS Volksbundes ist die Mitwirkung an der politischen Neugestaltung des Reiches. Ihr Schicksal und ihre Aussichten stehen und fallen heute mit dem Schicksal der Wahl- rschtsvorlage.— Der künftige Frieden kann nur ein BertcagSfrieden sein; jeder Vertrag aber bedingt Ber- trauen, Gefühl für das Recht der anderen. Schon seit langem setzt in allen Völkern eine Demobilisierung der Geister ein; diesen Prozeß zu förckern ist eine sittliche Pflicht, aus die zuletzt nur ein dauernder Frieden aufgebaut werden kann, soll nicht die Kulturwelt am gegenseitigen Selbstmord zu-- gründe gehen. Leg'en führte aus: Die Zustände in Deutschland vor dem Kriege dürfen nicht wiederkehren. Die gleichen Pflichten, für deren Erfüllung die unteren Schichten ihr Letztes eingesetzt haben, fordern gleiche Rechte. Die inneren und äußeren Vor- gänge, die un? jetzt bewegen, sind eng miteinander verknüpft. Es ist z. B. kein Zufall, daß dieselben Kreise und Personen, die nach außen die Gewalt und die Politik der Faust propagieren, dieselben sind, die im Innern allen freiheitlichen Bestrebungen deS Volke» mtt allen Mitteln entgegenstehen. Die WahlrechtSvorlage muß sich durchsetzen; die bis aufS äußerste in Anspruch genommene(Meduld deS Lölkes noch mehr zu belasten, führt uotwrndig zur Katastrophe DaS gleiche gilt von der baldigen vollen Freiheit deS KoalitionScechtS, das sich heute lediglich der Duldung erfreut; vor allem muß der§ 153 fallen! ES liegt bei der Zukunft, ob die während dieses Kriege? überbrückte Gegensätzlichkeit der Begriffe Freiheit und Vaterland auf immer ver- bindet oder noch erweitert und unvereinbar gemacht wird." MS letzter Redner nahm Abg. Stegerwald das Wort Er bezeichnete die Beendigung der Völkerkatastrophe und den Aufbau deS Friedens auf sicherer Grundlage aufzubauen, als allgemeines und oberstes Kulturziol. Zum Schlüsse erfolgte die Annahme folgender Resolution: Solange der VernichwngSwille der Feinde nicht gebrechen ist, muß unser Volk wie an den Fronten so auch in der Heimai in treuer Einigkeit und in Dankbarkeit gegen unsere Brüder im Waffenrock zur Verteidigung des Vaterlandes zusammenstehen, um in äußerster Anspannung aller Kräfte die feindlichen Anschläge zu vereiteln. Um diese Einigkeit unseres Volte» und die Anspannung seiner Kräfte zu stärken, ist es ein in der Gerechtigkeit wurzelndes Gebot höchster StaatSnotwendigkeit, sofort den eingeleiteten freiheit- lichen Ausbau in Reich und Staat fortzuführen, um die Gleichberechtigung aller Staatsbürger und ihre M i t a r- b e i t an den öffentlichen Aufgaben zu sichern. Insbesondere for- dert der Volksüund die schleunige Durchführung des gleichen, direkten, geheim enallgemeinen Wahlrechts für das Abgeordnetenhaus und eine volkstümliche Reform des Herrenhauses in Preußen. Jede Verschleppung würde schwere Gefahren für die innere Einheit heraufbeschwören. Nicht minder muß noch während des Krieges im Reich die Koa- litionSfreiheit gewährt, da» Vereinsrecht gesichert, die Vertretung von Arbeitern und Angestellten in ArbeitSkam- m e r n gesetzlich geordnet und dementsprechend eine Vertretung der B e a m t e n' in geeigneten Körpersckaften herbeigeführt werden. Die freiheitliche Entwicklung im Innern bietet zugleich eine feste Grundlage für eine klare und offene Politik nach außen. Wir lehnen einen Berzichtfrirben ebenso entschieden ab wie einen Ge w a l t f r i e d e n, der den Keim künftiger Kriege in sich birgt. Wir wollen«inen Frieden der Verständigung, der Ehre, Leben und Entwicklung unseres Volke» sichert, unbeschadet etwa zu verein- barender Grenzverschiebungen, von gewaltsamen Elebietserweite- rungen und Kriegsentschädignngen absieht und das Selbstbestimmungsrecht der Völker aufrichtig wahrt Jeder Friede, der Dauer haben soll, muß den freien Ve r k e h r und H a n d e l der Völker und die Gemeinschaft des Rechts und der S l t t- l i ch l e i t gewährleisten. In diesen Forderungen weiß sich der.Volksbund für Freiheit und Vaterland" einig mit der übergroßen Mehrheit des deutschen Volles. Kriegsteilnehmer gegen heimkrieger. Eine bewegte Versammlung der Vaterlandspartei. Einen überaus stürmischen Verlauf nahm eine Mitglieder- Versammlung der„Deutschen V ater londspor bei", die am Montag abend im großen Saal des LehrervereinshauseS tagte. Als Re- ferenten waren vorgesehen die bekannten AnnexionSpolitikcr Abg. Fuhrmann, Gildemeister» Abg. Bacmeister und Sie. Draub. Aus Einladung des Sekretärs der Vaterlcmdspartei Axel R i p k e waren eine Anzahl Mitglieder des Bundes der Kriegsbe- schädigten und ehemaliger Kriegsteilnehmer erschienen« denen Herr Ripke aus einer vorangegangenen Versaurm- lung des Bundes ausdrücklich Redefreiheit zugesichert hatte. Diese wurde jedoch von der Versammlungsleiiung unter Vor- schützung der polizeilichen Bestimmungen nicht gewährt Es kam bald zu heftigen Auftritten, zunächst als der Redner Herr Fuhr- mann die Stirn befaß, die anwesenden KriegSbeschädig- t e n als Deserteure zu bezeichnen,„die HindenlmrgS Jahnen verlassen hätten, um ihren Kameraden in den Rücken zu fallen". Das eindruckslose Referat des Herrn Gilhemeister wurde schweigend angehört, erneute Lärmszenen aber gab es, als während der Rede. Bac meisterS Kriegskrüppel, die Zwischenrufe taten, von den heldischen Laterlandbheimkricgrrn mit Etockschlägcn mißhandelt und beschimpft wurden. ES erhob sich ein Tumult, der über eine Viertelstunde dauerte, während derer Herr Bacmeister sein Referat unterbrechen mußte. AuS wüsten Schimpfworten, die siolc«, konnte man den Respekt der Vatcriandspartei vor den zu Krüppeln geschossenen Kriegern ersehen. Man sah Kriegsbeschädigte ihre Prothesen entblößen riud demorstrativ beu„B'-S-anS-Ende-Kämp- fern" hinhalten. Endlich schaffte die Polizei Ruhe, indem ein Po- lizeileutnant aufforderte,„die Kriegsteilnehmer mochten den Saal verlassen". Mit dem Rufe:.Die Kriegsteilnehmer ziehen ab, damit die Heimkrieger Platz haben" entsernlen sich die Kriegsbeschädigten.— Die Heimkrieger dar BaterlandSpartei waren unter sich und wußten nun, was die Feld- grauen von ihnen halten. 5skte Nachrichten. Um öen verhanöiungsort. Petersburg, 2. Januar.(Meldung der Petersburger Telegraphenagentur.) Auf das an die Deutschen gesandte Telegramm, in dem der Borschlag gemacht wurde, die Ber- Handlungen nach Stockholm zu verlegen, erhielt die russische Delegation eine Depesche der Deutschen, in der diese ihre Ankunft in Brest-Litowsk mitteilt. Auf dieses Telegramm antwortete die russische Delegation folgendes: Die Verlegung der Verhandlungen nach einem ncutra- leu Lande entspricht dem erreichten Stande der Verhandlungen. Angesichts der Ankunft Ihrer Delegation in Brest-Litowsk wird unsere Delegation zusam- mcn mit den Volksbeauftragtcn für auswärtige Angelegen- Helten Trotzki morgen in der Zuverficht nach B r c st- L i- towskabreiscn,dast eine Verlegung der Vcrhandlun- gen nach einem neutralen Laude k r i n c 5t o m p l i k a t i o- u e n in den Verhandlungen bewirken wird. _ Die russische Delegation. Eine Note Trotzkis an Sie Türkei. Bafel,?. Januar. Wie die„Neue Korrespondenz" aus Petersburg meldet, verlautet, das; Trotzki am Dvunerstag der f forte eine Note übermittelte, in der er vorschlägt, ü b c r d i e urückziehung der russischen Truppen ans Persieo Verhandlungen anzuknüpfen, unter der Bedingung, das) dies Beispiel auch von der Türkei befolgt werde._ Albert Thomas für Krieg. Amsterdam, 5. Januar..Algemeen Handelsblad' meldet auS London: Der frühere französische MunitionSminister Wert Th o- maö sagte in einem Gespräch mit dem Mitarbeiter von„Daiiy Chronicle", die französischen Arbeiterllaffea feien nicht pazifistisch. sondern entschlossen, die Niederlage und die Vernichtung des preußi- scheu Militarismus herbeizuführen. Die Ansichten der frarrzöstschen sozialistischen Partei seien dieselben wie am Anfang des Krieges. Im Gegensatz zu den Bolschewili, die den sofortigen Frieden wollrcn, verlangten dre französischen Arbeiter einen gerechten Frieden. Deutschland habe wie alle anderen Rationen nur dann daS Recht auf kommerzielle und industrielle Freiheit, wenn cS ein loyales Mi!- zlied de» Völkerbundes werde. Ukrainer und Bolfchewisten. Bafel, 7. Januar.(„Frist. Ztg.".) Nach einer Petersburger Havaömeldung sagt die„Novoja SchiSn", daß die Verhandlungen zwischen der ukrainischen Rada und dem Rat der Kommissare in S m o l e n s k stattfinden werden. Die Rada fordert dic Räumung deS ganzen ukrainischen Gebiets durch die maximali st ischcn Truppen und die freie Rück- k e h r der außerhalb ihre? Gebietes stehenden ukrainischen Truppen. DaS I n st i t u t S m o l n y ist mit diesen Bedingungen e i n v e r- standen und ersucht die Rada, den gegen Kaledin stehenden Truppen freien Durchmarsch durch die Ukraine zu gestatten. Dele- gierte der Rada werden in den Rat der Volkskommissurc cinireten. Das Protokoll von Brest-Litowsk. Berlin, 7. Januar. Die Erklärungen in Brest-LitowSk. Zu den in der Presse fortdauernden Erörterungen über die angebliche UnVollständigkeit der deutschen Mitteilung über den Ver- laus der Verhandlungen in Brest-LitowSk vom 23. Dezember(die Sitzung fand tatsächlich am 27. Dezember abends statt) erfährt die „Norddeutsche Allgemeine Zeitung" von zuständiger Seite fol- gendeS: Der von der Petersburger Telegraphenageirtur gemeldete Widerspruch der russischen Delegation ist in Brest-LitowSk nicht er- folgt DaS Wolffsche Tclegraphcnbureau hat den Wortlaut der Erklärungen in Brest-LitowSk ohne jede Einschränkung wiedergegeben. Im Anschluß an die dort veröffentlichtc Antwo.l deS Herrn Joffe auf die deutschen Gegenvorschläge hat der dcutüche Delegierte nur noch ausdrücklich festgestellt, daß über den letzten von Herrn Joffe erwähnten Punkt.nämlich die Notwendigkeit einer KornmisstonSberatung, volles Einverständnis zwischen den Delega- Honen bestehe. Hieraus ist russischerseitS nichts mehr geäußert worden. Zur Bolo-Pascha-Affäre. BonderSch w'e izerGrenze, 7. Januar.(„Köln. Ztg.".) Wie Pariser Blätter melden, ist die Untrrsnchnug gegen Bvlv Pasch« abgeschlossen. Die Anklage lautet auf E i u v e r st ä n d u- s mit dem Feinde. Auf dieses Verbrechen steht die Todesstrafe. Die strafgerichtliche-Verhandlung findet voraussichtlich Anfang Fe» bruar statt. GewerkschaDbewWng Ein Jubiläum. Die»Allgemeine Steinsetzer* Zeitung�, baS Dtgan des Verbandes der Sleinsctzer, Pflasterer und Benrfsgenoflen, lonnte am ö. Januar auf ein LSjäbrigeS Bestehen uurfick- blicken. In der letzten Nummer des BerbandsorganS wurden in lebendiger Weise die Verhäunifle geschildert, unter denen die»All» gemeine Stemfltzer-Zeitung* am Anfang das schwierige Organi- satronsseld zu beackern halte. Mit zäher Ausdauer hat sie im Laufe der Feit die Organisation aufbauen und festigen und schließlich der« selben beim Unternehmertum Anerkennung ver'chaffen helfen. Daß dem Blatte auch in der kommenden Feit ein reges Betätigungsfeld vorbehalten bleibt, wird unter Würdigung der schwierigen oko* nomischen Berhälinifle, denen die gesamte werktätige Bevölkerung entgegengeht, besonders betont. Teuerungszulage der Eisenkonstruktionsarve,'ter. Vor einiaen Wochen hatten die in den Eisenkonstruklions« beirieben beschäftigten Aibciter beschlossen, eine Erhöhung der Teuerungszulage um LO Pf. für die Stunde zu fordern. Inzwischen hat die Kommission der Arbeiter mehrmals mit den Unlelnehmern verhandelt. Ueber das Ergebnis der Verhandlungen gab Siering am Sonnlag in einer Versammlung der Eisenkonstrultionsarbeiter Bericht. Zunächst boten die Unternehmer eine Zulage von 8 Ps. für Haushaltungsvorslände und 5 Pf. für Ledige. Nachdem die Kommtision das entschieden abgelehnt halte, wurde das An« gebot nach langen und schwierigen Verbandlungen schließlich auf 12 und 8 Pfennig erhöbt. Danach sieigt der Mindest- lohn für Haushaltungsvorstäude von 50 auf 62 Pf. und für Ledige von 82 aus 40 Pr. Die Kommission hat versucht, eine gleichmäßige Zulage für Verheiratete und Ledige zu erlangen, aber die Unternehmer waren für dreien Gedanken nicht zu gewinnen. Der Redner betonte, daß die bewilligte Zulage, die ja weit hmter der Forderung der Arbeiter zurückbleibt, durchaus nicht befriedige. Immerhin sei die Zulage eine glatte Erhöhung des Ein- kommeiiS, denn sie werde erteilt ohne Rücksicht auf die Höhe des Verdienstes. Da für die Zulage im ganzen ll20 Haushaltungsvorstände und 208 Ledige in Frage kämen, so be- trage die Erhöhung der Zulage durchschiliitlich HVj Pf. für die Stunde. Die Komniission habe die Angclegenbeit mir den Ver- traucnsmännern besprochen und diese seien zu der Ueberzeugung gekommen, daß im Verhandlungswege nicht mehr zu erreichen, für eine Lohnbewegung die gegenwärtige Zeit aber nicht günstig sei. Deshalb werde der Versammlung die Annahme des Angebots der Unternehmer aneuipfohlen. Nach eingehender Diskussion erkannt« die Versammlung den Standpunkt der Vertrauensmänner und der Vcrhandlringskommission als begründet an und stimmte dem Angebot der Unternehmer zu. Soziales. Das Reich hat zu zahlen! Die Verordnung des Bundesrats über die Gewährung von Zu- lagen an die Empfänger von Invaliden- und Waisenrenten, über die wir in Nr. 6 des„Vorwärts' belichtete», schreibt die Er- stattung der gezahlten Zulagen durch die Versicherungsträger vor. Zunächst zahlt sie die Post ouS, das Neichsverficherungsamt verteilt durch seine RechnungSslelle die vorgeschossenen Zulagen auf die Ver- sichermixsträger und diese haben dann in den zehn auf das Jahr 1918 folgenden Jahren je ein Zehntel der ver- auslagten Summen der Post zurückzuzahlen. Es werden also gtotlweg die auf zirka 1100 Millionen Mark zu veranschlagenden Kosten der Sonderunterstützung den Versicherungsträgern auferlegt. während zu den sonstigen Renten das Reich rund gerechnet ein Drittel beiträgt. Weshalb das in diesem Falle nicht der Fall sein soll, ist ganz unverständlich. Ja wir meinen, daß das Reich diese neue Gesamilast im vollen Umfange tragen muß. Es handelt sich hier um eine durch die Krie g s v erh ä lt n i s se notwendig gewordene Maßnahme, und bie Ar- beiter bedanken sich schönstens, die dadurch be- dingten Kosten auf ihre Beiträge abwälzen zu las s e n. Wie kämen denn die Arbeiler dazu, die Kosten einer Kriegsmaßnahme zu rragcn? DaS i st Sache des Reichs. Wir erwarten, daß der Reichstag die erforderlichen Maßnahmen trifft, um diese Lasten dem Reiche aufzuerlegen. > Man komme nicht mit dem Einwand, daß eS sich hier nur um eine vorübergehende, nur für das Jahr 1913 gellende Maßnahme handele. 100 Millionen Mark sind für die aus den Beiträgen der Arbeitergeber und Aibeitnebmer zusammengebrachten Summen kein Pappenstiel. Es handelt sich, so dürftig die Zulagen an sich sind, um Belräge, die die Kosten der bisherigen Kriegsmaßnahmen der Landesvelsicherungsanstalten weit übersteigen. Bisher bat die Regierung stels den Standpunkt vertreten, daß die Beiträge nur aus- reichten, die Lasten der Invalidenversicherung zu decken. Als Mitte 1917 die Kiuderzuschläge der Jnvalidenrentcnempsäuger und die Waisen- bezüge um etwas erhöht wurden, ging das ohne Beitragserhöhung um 2 Pf. pro Woche nicht ab. Sicher werden jetzt die Landes- Versicherungsanstalten mit der Forderung kommen, eine entsprechende Beitragserhöhung erfolgen zu laffen. ES muß also das Reich die erforderlichen Kosten der Zulagen tragen. Und es muß sie auch über das Jahr 19,3 hinaus tragen. Daran besteht wohl kein Zweifel, daß im nächsten Jahr die Voraussetzungen für die Er- höhung der Renten genau so gegeben sind, wie jetzt. Ja, wir meinen, daß bei der Dür'ligkeir der Renten die ein- mal geschehene Erhöbung überhaupt keine Aenderung erfahren kann. Wir meinen weiter, daß die Alters- und Waisenrenten davon nicht ausgeschlossen bleiben können. Und wir meinen weiter, daß auch die in vielen Fällen mit geradezu brutaler Härte wirkenden Vor- sckriften über das Erlöschen der Anwarlichafi einer Aenderung dringend bedürfen. Das alles bedeutet eine dauernde Belastung der Invaliden- und Hintetbliebenenversicherung. Dies wird nalür- lich nicht ohne weitere Erhöhung der Beiträge geschehen können. Für diese aber werden auch die Arbeiter zu haben sein. Aber nur unter der Voraussetzung, daß die Leistungen der Versicherung auch dauernd und wesentlich erhöht werde». Das alles find Fragen, die durch die jetzt gewährten Zulagen neu aufgeworfen werden. Die Lasten der Zulagen hat das Reich zu tragen. Ernährung der Mütter und Säuglinge. Da? KriegSernährungsamt sieht sich veranlaßt, erneut auf die Bedeutung einer ausreichenden Ernährung der wer- denden Mütter und für Säuglinge hinzuweisen. Es hat sich herausgestellt, daß Kommunalverbändc unid Gemeinden nicht überall und nicht dauernd die Grundsätze beachten, die zur Erhaltung eines gesunden und lebenskräftigen Nachwuchses unbedingt eingehalten werden müssen. Das KriegSernährungsamt hat deshalb Grundsätze aufgestellt, deren Vorschriften Mindestsätze bedeuten. Es weist dabei erneut darauf hin, daß die Erfüllung dieser Ansprüche un- bedingt der Versorgung aller anderen Bevölkerungsklassen voran- gestellt wevden muß, auch der Krankenversorgung. Es sei deshalb das Wichtigste aus diefen Grundsätzen zur allgemeinen Kenntnis gebracht: Werdende Mütter: Vom 8., spätestens vom 7. Monat der Schwangerschaft ab bis zur Beendigung sind Schwangerschaftszu- lagen zu gewähren Pflichtmengen sind eine wöchentliche Brotzulage von mindestens 350 Gramm. Soweit Vollmilch zur Verfügung ficht, täglich% Liter, sonst Magermilch oder eine entsprechende Zulage in anderen gleichwertigen Lebensmitteln, wie Teigwaren, Nährmittel, Zucker. Gesunde Säuglinge und Kinder: Neben der Milch- Versorgung nach den Anordnungen der Reichsstell« für Speise- fette a) Säuglinge: 1. Zucker nicht unter 30 Gramm und mög- lichst bis zu 50 Gramm täglich; 2. mindestens 200 Gramm Weizen- mehl gewöhnlicher Ausmahlung für die Woche; 3. an Nährmitteln mindestens 500 Gramm Haferflocken oder Weizengrieß den Monat Soweit für den Säugling nicht volle Nahrungsmittelkarten ausge- geben werden, sollen den Müttern nach Möglichkeit Zulagen(Still- beihilfen) gewährt werden, b) Kinder vom zweiten Lebensjahr an haben den Anspruch, sämtliche Lebensmittel nach den für diese im einzelnen geltenden Bestimmungen zu beziehen. Eine Herab- setzung des-örtlichen allgemeinen Kopfsatzes bei der Mehl- und Brotversorgung zuungunsten der Kinder ist nicht statthaft. Politik während de? Krieges hervorhob, fand stürmischen Beifall. Seine Schilderung der VerschleppungSmanöver mit der preußischen Wahlrcchtsvorlage löste lebhafte Kundgebungen der Empörung aus. In einer entsprechenden Entschließung wurden die neugewählteu drei sozialdemokratischen Stadtverordneten in Köln beauftragt, den Wahlrechtskampf auch in das Rathaus zu tragen. In der Kölner Versammlung entwarf ein Sanitätsrat. Anhänger einer bürger- lichcn Partei, erschütternde Bilder des Elends der Rentenbezieher. auch der Witwen und Waisen. Er forderte auf, alles zu wn, daß den Angehörigen der deutschen Krieger, die un§ niemand in der Welt nachmache, besser geholfen werde. Das fei der beste Dank und das schönste Denkmal._ Industrie und ßanöel. Aus dem Berliner Wirtschaftsleben. Im Geschäftsbericht der Allg. Berliner Omnibus A.-G. wird ausgeführt: Ter im Borjahre eingeführte Tarif von 7l-j Pf. für Teilstrecken der Pferdcomnibusse hat zwar eine Steigerung der Einnahmen bewirkt, genügt aber weder während der Kriegsdcmer, noch in der kommenden Friedenszeit, um den Betrieb der Pferde- omnibusse wirtschaftlich zu gestalten. Zur Erleichterung der be- stehenden großen Schwierigkeiten in der An- und Abfuhr von Gütern hat die Gesellschaft eine Anzahl von Gespannen für diese Zwecke zur Verfügung gestellt. Der Tarif der Kraftomnibusse war bisher nicht geändert. Er berechnete sich unter Berücksichtigung der Verkehrsbrechpunkte der einzelnen Strecken auf lO Pf. für eine Fahrtlänge von etwa 3 Kilometer, 15 Pf. für eine Fahrt- länge von 3 Kilometer bis etwa 12 Kilometer, 20 Pf. für eine Fahrtlänge von mehr als etwa 12 Kilometer. Die außerordentlich gestiegenen Ausgaben für die Angestellten, Ersatzteile, sonstige Betriebsstoffe usw. mochten indessen eine Erhöhung unvermeidlich. Die Gesellschaft führte der Behörde gegenüber den überzeugenden Nachweis, daß ein« Steigerung der Fahrpreise im Kraftomnibus- betrieb, auf den sich das Unternehmen in Zukunft noch mehr als in der Vergangenheit stützen muß, nicht umgangen werden könne, und setzte, mit Geltung vom 1. Jcnnnrr 1918 ab folgende Fahrpreise für den Kraftomnibusbetrieb fest: 15 Pf. für eine Fahrtlänge von etwa 3 Kilometer, 20 Pf. für 3 Kilometer bis etwa 7,6 Kilometer, 25 Pf. für 7,5 Kilometer bis etwa 12 Kilometer, 30 Pf. für mehr als 12 Kilometer. Die Vorarbeiten für den Wiederaufbau des Unternehmens nach Friedensschluß sind im Gange. Immerhin wird ein« erhebliche Spanne Zeit vergehen, bis der Betrieb auch nur m den früheren Umfang wieder hineingewachsen sein wird. Geleistet sind im Jahre 1917 5 134 000 Kilometer(10 4600001. De- fördert sind 38 166 000 Fahrgäste(72 152 000). parteinachrichten. Wahlrcchtsvcrsammlungcn rm Rheinland. LandtagSabgeordnetcr Konrad Haenrsch sprach am 6. Januar in überfüllten Versammlungen in K ö l n und in Bo n n über den Kampf um das neue Preußen. Soldaten, die iq, Köln trupp- weise an den Versammlungsraum gekommen waren, wurden von einer Gendarmeriepatrouille zurückgewiesen. Die Versammlung war über diese militärische Maßnahme entrüstet. Harnisch, der ins- besondere die bisherigen positiven Erfolge der sozialdemokratischen Neue große Motorengesellschaft. Unter der Firma Junkers- Fokker-Werke wurde die in Dessau befindliche, von Prgf. Hugo Junkers-Aachen gegründete Flugzeugfabrik in eine Akieeng�scll- schaft mit 6 Millionen Mark Grundkapital umgewandelt. Nach dem Kriege werden die Neugründungen und Erweiterungen in der Motorenindustrie, wie im Geschäftsbericht der Chemnitzer Presto A.-G. richtig hervorgehoben wird, zu einem überaus scharfen Wettbewerb führen, der besonders für jene Werk«, die nicht auch noch andere Erzeugnisse der Fetnancchani! herstellen, recht gefähr- lich werden kann. Sackpapier ist beschlagnahmt worden. Die Beschlagnahme um- faßt Veräußerungs- und Verarbcrtungsverbot. Pom 29. Januar 1918 ab darf die Veräußerung und Lieferung von Sackpapier nur gegen einen Bezugschein der Reichssackstelle, Berlin, erfolgen. D>e Verarbeitung von beschlagnahmtem Sackpapier zur Herstellung geklebter Papiersäcke von mehr als 3000 Quadratzentimeter Sack- slächeninhalt bleibt zulässig. Eingegangene vruckftbriften. Belgien und seine Nentralisierung. Von Dr. Tb. Memeher. 1,56 M. Dunckcr u. tzumbtot, Münchea-Leipzig. Rordio-Zoni|# I Orlg.-Ausstatt.- Pantomim; Sonnt, 8'/, u. ab, 7'/, U Nehm. Kinder halbe Preise. 1. bd Vrst. Mexiko, S*rr Top Tägl. Vi* Sonnt. 31/, u. 7'/, (•aatplel V. Harlstein in seiner Posse: Walhalla-Theater. Gastspiel der deutlch- türkischen Gesellichasl ?'/. Uhr- Et oder Er" und das Qbrige, vollständig neue Januar-Programm. M Rose-Theater. VI, Uhr: Jet ietotollöiL. J Apollo 1 Friedrlchstr. 218. Tit I ISÄUrakiionenj AuGerd. d. Stimmungsb.[ Seemannsleben. 1 Theaterkasse ab 10 U. 1 unnnterbr geöffnet. SFIeiclisliailen-Tiieatgr. Allabendlich V,, und Sonntag nachmitlag 3 Uhr Stettiner Sänger. „Hein Weihnacht«träum". Nachmittags ermäSigte Preise! Yoigl-Theater. 58. 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