Pr.lv. 35. Jahrg. Bezugspreis: SterteljShu.«LO Mt. monatl.!�0 SU SSeuflifilanb und Oesierreuh-Ungurn 3,— Sffit, für das übrige Slusland 4,50 Ml. monatlich. Sersand ins Feld bei direltcr Bestellung monatl. 1�0 Ml. Postbestellungen nehmen an Däne» mari, Holland. Luxemburg. Schweden und die Schweiz, eingetragen in die Posl-�eitmigs. Preisliste. Erscheint täglich. Telegramm- Adreff«: ..Sozialdemokrat Berlin' Vevlinev VolKsblskt. Zentralorgan der foziatdemoftratifd�en partci Deutfcblands. (lOPfennia D« AuzeigenpreiS betrügt s. die stedengespaiienc Kolonel- »eile SS Pfg.„ktleine Anreigen", das lettgedruckti Äort 20 Psg.(zu- lässig S lellgedmikie Worte», ledes weiter« Wort Ist Big. Stellengesuche und SchlafsteUenanzclgen da? erste Wort 10 Ptg., sedeS weitere Wort ö Psg. Worte über In Buchstaben zäbten für zwei Worte. TeiierungSzuschlag 20»/». Familie»» Rnzeige» Sit Pfg., doiitische u. aemerkschastliche Sereins- «inzeigen 40 Psg die Zeile. Anzeigen sür die nächste Nummer»lllssen vis 5 Übe nachiniU. ün Hauvtgeschäst. Berlin®S.6», Lindensiraiie 3, abgegeben werden,(»ei'-inet von 8 llhr slüh bis 7 Uhr ftbends. NeSaktion: Ew. HS» Linöenstreße 2. Fernivrecher: Amt Morinpiatt, Str. 151 90— 131 97. Donnerstag, de« 10* Januar 1918* ! Expeüitio»: Sw. öS» Lwüeastraßr 3. kberuivrecher:««t Msrivpla», Str. 15100—15197. Wilsons Weltfriedensprogramm & In dem Augenblick, in dem die Verhandlungen von Brest wieder aufgenommen werden, zunächst nur um über den russi. schen Wunsch nach Verlegung des Verhandlungsorts zu be- raten, hat der Präsident der Vereinigten Staaten im Kongreß eine Rede für den allgemeinen Frie. den gehalten. Stach schon die letzte Rede Lloyd Georges von früheren Aeußerungen der Ententeführer, zumal des heiß- blutigen englischen Premierministers selbst, stark ab, so gilt das noch mehr von der Rede Wilsons, die im Verhältnis zu seinen früheren Reden geradezu als ein Muster st a a t s- männischer Mäßigung erscheint. Die Wirkung des— trotz mancher Bedenken im einzelnen —- schönen und lockenden Weltfriedensprogramms, das Wilson entwickelt hat, wird in Deutschland durch zwei Unistände be- einträchtigt werden. Erstens zittert in einem großen Teil der öffentlichen Meinung noch die Erregung über frühere heftige Reden des Präsidenten nach, und zweitens wird sich sofort das Mißtrauen regen, ob nicht der idealistische Schwung der neuen Rede nur ein diplomatisches Manöver ist, ob nicht den Russen das Irrlicht eines allgemeinen Friedens entzündet werden soll, um sie noch einmal in den Blutsumpf des allgemeinen Krieges hineinzuführen. Und wir? Gerade weil in uns der ewige Gedanke der Menschenverbrüderung wach und rege ist. weil wir den Frie- den, von dem Wilson spricht, wirklich wollen, müssen uns hüten, Opfer eines allzu leichtfertigen Vertrauenz zu werden. Wir können Wilsons Borschlag nicht enthusiastisch fciMmiften. ohne zu priifon, uns P-b'.-etci tmfe njos tttH" itiin-frrut»» sichtigt ist. Wilsons Rede genügt noch nicht als Beweis dafür, daß die Entente einen Frieden, wie er in dieser Rede dargestellt ist, abzuschließen bereit ist. Die Entente hat die Frist, die ihr zum Anschluß an die Friedensverhandlungen gegeben war. verstreichen lassen, und die Rede Lloyd Georges enthält Punkte, über die sich wohl verhandeln läßt, von denen aber von vornherein gesagt werden muß. daß die Regierungen des Vierbundcs sie nicht so, wie sie sind, annehmen können. Diese Punkte kehren in der Rede Wilsons abgeschwächt wieder. Die Wiedererwägung der elsaß-lothringischen Frage wird in die Forniel gekleidet, diese Angelegenheit müsse„so geordnet werden, daß der Frieden im Interesse aller gesichert wird". DaS ist aber nur dann möglich, wenn auf den Ver- such verzichtet wird, Teile des deutschen Volkes vom deutschen Volke abzutrennen. Auch über die Türkei spricht sich Wilson ähnlich aus wie Lloyd George, nur daß er vorsichtigcrweise die Möglich. keit offen hält, daß die nach Lloyd George zur Loslösung reifen Gebiete in Formen der Autonomie dem Gcsauitver- bände des türkischen Reiches erhalten bleiben. Zwischen den Reden Wilsons und Lloyd Georges besteht somit ein ähnliches Verhältnis wie zwischen den Erklärungen vom LS. und LS. Dezember. Tie Rede Wilsons und die Er- klärung� vom LS. Dezember sind Bekenntnisse zu idealen Grundsätzen, die allgemeine Billigung verdienen. Aus der Rede Lloyd Georges und in der Erklärung vom 28. Dezember guckt aber etwas heraus, waS mit diesen Grundsätzen nicht in Einklang zu bringen ist. Die Rede Wilsons und die Erklärung voin 25. Dezember zusammengehalten, ergeben Grund- lagen, auf denen sich über den allgemeinen Weltsrieden ver- handeln läßt, vorausgesetzt, daß auf beiden Seiten der ehr- liche Wille besteht, ihnen kein Schnippchen zu schlagen und das ideale Programm der Weltbesreiung nicht durch nationalistisch eigensüchtige Hintergedanken zu verfälschen. Für den Sozialismus ergibt sich daraus die Auf- gäbe, die von den Staatsmännern verkündeten Grundsätze anzuerkennen, für ihre Durchführung zu arbeiten, diejenigen aber, die diese Grundsätze verkünden und mit ihrer Durch- führung betraut sind, auf die Ehrlichkeit ihrer Absichten sorg- sam zu prüfen und kein Abweichen von dem vorgezeichncten Wege zu gestatten. Es ergibt sich daraus weiter die ent- scheidende Frage, ob die Arbeiterklasse aller Länder reif und aktionsfähig genug ist, um aus dem Ernst zu machen, was für andere doch nur ein�Spiel mit diplomatischen Worten fein könnte. Soll die Arbeiterklasse diese Ausgabe erfüllen, so darf sie nicht hinter den Staatsmännern des eigenen Landes blind hinterherlaufen. Der Vorwurf, dies getan zu haben, wird bekanntlich auch gegen die politische Arbeiterklasse Deutsch- lands erhoben, wie wir glauben mit Unrecht. Wir haben nie zu einem anderen Zweck hinter unseren Staatsmännern Posten genommen als zu dem, sie durch einen Druck in den Rücken auf den FriedenSweg zu bringen. Darin wollen wir fortfahren, und wenn die Arbeiter der anderen Länder dasselbe tun wollen, dann wird der allgc- meine Weltfrieden in nicht mehr ferner Zeit erreicht werden. Am 6. Januar abends haben die verbündeten Delegatio- «en in Brest-LitowSk den Russen mitgeteilt, daß die am 23. Dezember beginnende Frist für die Entente abgelaufen sei und durchblicken lassen, daß sich die Verbündeten an die Vorschläge für einen allgemeinen Frieden, die an jenem Tage erstattet wurden, nicht mehr gebunden fühlten. Die Dis- kussion über einen ollgeineinen Frieden war damit aber nur formell geschlossen, sachlich geht sie weiter, kann sie und soll sie an jedem Tage wieder aufgenommen werden. Wir stim- men mit den Russen vollkommen in der Auffassung überein, daß der allgemeine Frieden nicht als Lockmittel mißbraucht werden darf, um einen Teilfrieden zu verhindern, daß er aber selbstverständlich das erstrebenswerte Ziel bleibt, dem wir mit allen Kräften zusteuern müssen, sobald sich die Gelegenheit dazu bietet.. Wenn die Ententeregierungen Beweise für ihre Absicht erbringen, einen Frieden zu schließen, der dem deutschen Volk keine Preisgabe dessen, was es vor dem Kriege besaß, und keine Treulosigkeit zumutet, dann wird die deutsche Regierung zur allgemeinen Friedenskonfe. renz gehen. DaS soll kein Zeugnis fein für die guten Absichten der Regierung, ober ein Ausdruck der lebendigen Kräfte, die in unserem Volk rege sind. Also, wenn es ernst ist mit den guten Absichten, dannkcinenTaglänger! Washington. V.'Januar. Präsident Wilson hat. eine Botschaft an den Kongreß gerichtet, die sich mit den ten Botschaft in folgendem Telegramm mit: Wieder einmal wie schon wiederholt vorher haben, die Sprecher der Mittelmächte den Wunsch zu erkennen gegeben, die K r i e g s z i e I e und eine mögliche Grundlage für einen allgemeinen Frieden zu erörtern. In Brest- Litowsk haben Besprechungen zwischen Vertretern der Mittelmächte stattgefunden, auf welche die Aufmerksamkeit aller Kriegführenden gelenkt wurde, zu dem Zwecke, festzustellen, ob es möglich sei. diese Besprechungen zu einer allgemeinen Friedenskonferenz auSzudeh- nen. Die Vertreter Rußlands haben nicht allein eine f e st n m- schrieben« Darlegung der Grundsätze, auf Grund welcher sie bereit wären, Frieden zu schlichen, sondern auch ein ebenso kl a r c s Programm für die tatsächliche Anwendung dieser Grundsätze vorgelegt. Die Vertreter der Mittelmächte legten ihrerseits die Grundlinien zu einer Vereinbarung vor, die, wenngleich weniger klar, einer Auslegung im liberalen Sinne fähig schien, bis sie das eingehendere Pro- gramm mit positiven Bedingungen zufügten. Diese? Programm brachte keinerlei Zugeständnisie weder sür die Souveränität Ruh- land» noch zugunsten der Völker, um deren Geschick es sich handelt. ES bedeutete kurz gesagt, dah die Mittelmächte beabfich- tigen, jeden Fuh breit Landes, d«s ihre bewaffneten Massen besetzt hielten, jede Provinz, jede Stadt und jeden vorteilhaften Punkt als dauernde Mehrung ihrer Länder, ihrer D! achtzubehalten. Es ist eine berechtigte Vermutung, dah die allgemeinen Grundsätze einer Vereinbarung, die sie zuerst vorschlugen, von den liberaleren Staatsmännern Teutschlands und Oesterreichs»hcrrührtcn, jenen Männern, die die Macht ihres eigenen Volkes, dessen Gedanken und Streben zu fühlen begonnen haben, während die konkreten Bedinsungen für die tat- sächliche Vereinbarung von bcn militärischen Führern kamen, die keine anderen Gedanken haben als zu behalten, was sie besitzen. Die Verhandlungen wurden abgebrochen. Die Ver- treter Ruhlands waren aufrichtig und konnten ernstlich solche Vorschläge von Eroberungssucht und Vorherr» .s ch a f t nicht in Erwägung ziehen. Der ganze Zwischenfall ist sehr bedeutungsreich, aber anch sehr verwirrend. Mit wem haben es die Vertreter Rußlands eigentlich zu tun? In wessen Namen sprechen die Vertreter der Mittelmächte? Sprechen sie fiir die Mehrheiten der Volksvertretungen«der fiir die Minder- heitsparicien, für jene niilitarstisch-impsrialistische Minderheit, die bisher ihre ganze Politik sowie die Angelegenheiten der Türkei und der Balkanstaaten, die sie gezwungen haben, an dem Kriege teilzunehmen, beherrscht hat? Wem haben wir nun also zugehört? Jenen, die im Geiste und nach den Absichten der Entschließung des deutschen Reichstags vom lv. Juli vergangenen Jahres sprachen, oder jenen, die den Geist und die Absichten auf Eroberung und Unterwer- fung verkörpern, oder haben wir tatsächlich beide Teile vor uns, die sich noch in offenem, hoffnungslosem Gegensotz zuein» ander befinden? Das sind sehr ernste dringende Frage«, von deren Beantwortung der Friede der Welt abhängt. Aber waS auch das Ergebnis der Verhandlungen in Brest- Litowsk sein und welche Schlüsse man auch aus dem Sinn und den Absichten der Vertreter der Mittelmächte ziehen möge, sie haben die Welt mit ihren Kriegszielen bekannt zu maHen verjnHt und iZr« Gegner zerauSgejordert» zu sagen, waS deren tziele seien und was für cine�Aus- einandersetzung sie alS gerecht und befriedigend ansehen wurden. ES besteht daher kein triftiger Grund, warum wir auf diese Her- auöforderung nicht mit äußerster Offenheit a n iw v r- Jen sollten. ES gibt keine Verwirrung der Meinung unter den Gegnern der Mitirl mächte, keine llnficherheit über die Grundsätze und keine Unklarheit hinsichtlich der Einzelheiten. Geheimtuerei, Unaufrichtigkeit und Mangel an genauer Feststellung der Kriegs- ziele sind lediglich auf Seiten Deutschlands und seiner Vcrbün- dehn. Das russische Vol! ist ohnmächtig und, wie eS scheint, vollkommen hilssics gegenüber der unnachgiebigen Macht D«ltschIm>dS. Seine Kraft ist anscheinend gs- brochen, aber seine Seele will sich nichr unterordnen. Es appelliert an uns, damit wir sagen, was wir wünschen, und ich glaube, daß das Volk der Vereinigten Staaten es wünscht, daß ich mit voll- komm euer Klarheit und Offenheit darauf antworte. Ob die gegenwärÄgen Führer in Nußland es glauben wollen oder nicht. eL ist unser inniger Wunsch und unsere sehnliche Hoffnung., dah ein Weg gefunden werde, der eS uns erlaubt, dem russischen Volke zu helfen, seine Wettges leckten Hoffnungen aus Freiheit und dauern- den Frieden zu erfüllen. Wir sind i» den Krieg eingetreten, weil Verletzungen des Rechtes vorgekommen sind, die uns aufs cmv- findlichst« getroffen haben und die daS Leben unseres VotteS unmöglich gemacht hätten, wenn sie nicht wieder gut gemacht würden und die Welt ein für allemal gegen eine Wiederhotung gesichert würd:.___; U«kc Programm ist da» Pragramm des Weltfriedens und c» stellt zugleich da» einzig mögliche Programm dar. Der erste Punkt ist, daß alle Friedensverträge öffentlich find und öffentlich zustande gekommen sind, und daß danach ketnr geheimen internationalen Verein- darungen irgendwelcher Art mehr getroffen werden dürfen, sondern die Diplomatie immer offen und vor aller Welt getrieben werden soll. Der zweite Punkt ist vollkommene Freiheit der Schiffahrt auf dem Meere ausserhalb der territorialen Ge- Wässer im Frieden sowohl wie im Krieg, mit Ausnahme jener Meere, die ganz oder teilweise durch eine internationale Handlung zweck» Durchsetzung internationaler Verträge geschlossen werden. Drr dritte Punkt ist dir Beseitigung, soweit sie mökliich ist, aller wirtschaftlichen Schranke» und die Errichtung der Gleichheit der Handelsbeziehungen unter allen Nationen, die sich dem Frieden an- schließen und sich Z« seiner Ausrechtcrhaltung vereinigen. Tie vierte Beding« ng ist, das? entsprechende Garantien gegebe» und angenommen werden, daß die Rüstungen der Völker auf d»S niedrigste mit der inneren Sicherheit verein- barende Maß herabgesetzt werden. Punkt 5. Eine freie, weitherzige und unbedingt unpartci- ische Schlichtung aller k»>l» n i a l e n Anspruch e, die ans einer strikten Beobachtung des Grundsätze» fußt, daß bei der Entscheidung aller falcher SouoeräaitätSfragcn die Interessen der betroffenen Bevölkerung ein ebensolches Gewicht haben müssen wie die bercch- tigten Ansprüche der Regierung, deren Rcchtstitel bestimmt werden sollen, sollte herbeigeführt werden. Punkt 6. Wir müßten ferner dir Räumung d e ö ganze« russischen Gebiet« sowie ein Einvernehmen in allen Fragen, die c« betreffen, verlange» zweck» freier Mitwirkung der anderen Nationen der Welt, um Rußland eine unbeeinträchtigte und unbehinderte Gelegenheit zur unabhängigen B c st i m- mung seiner politischen Entwicklung und nationalen Politik erringen zu helfen, um eS in der Gesellschaft freier Na tionen unter selbstgrwähltcn StaatScinrichtungen willkommen heißen zu können; darüber hinaus würden wir Rußland Vn- terstützung jeder Art, die cS nötig hätte und wünschen würde, gewähren. Punkt?. Belgien mutz, worin dir ganze Welt übereinstimmt, geräumt und wiederaufgerichtet werden, ahne jeden Versuch, seine Töuvrranitöt, deren ci sich in gleicher Wrise wie olle anderen freie» Nationen erfreuen soll, zu beschränken. Punkt 8. Das ganze französisch c Territorium müßte befreit und dir besetzte» Teil« wiederhergestellt werden, so- wie daS Unrecht, da» Frankreich durch Preußen im Jahre 1871 hinsichtlich Elfaß-LothringenS zugefügt wurde und das bcn Weltfrieden während nahezu füufzig Jahren in Frage gestellt hat. sollte wieder gut gemacht werben, damit der Frieden im Jnter- esse aller wieder stchcrgestelt werden kann. Punkt?. Es müßte eine Berichtigung der italic- nifchcn Grenze« nach dem klar erkennbare» Besitzstande durchgeführt werden. Punkt 1ü. Den Völkern von Oesterreich-vugarn deren Platz unter de» anderen Rationen wir fichergestellt zu sehe!' wünschen, müßte die erste Gelegenheit einer autonomen En Wicklung s«scbrn serde». Punkt 11. Rumänien, Serbien und Monte- n c> r u nuifiten geräumt und die besetitc» Gebiete zurückerstattet werden; Serbien müjjte einen freien und sicheren Zugang zur See erhalten und die Beziehungen der Balkanstaaten zuein- ander müftten durch freundschaftlichen Verkehr gemäß den historisch feststehenden Grundlinien von Zusammengehörigkeit und Ratio- nalität bestimmt fein; auch müßten internationale Garantien der alitischen und wirtschaftlichen Unabhängigkeit sowie der Unver- letzlichkeit des Landbesitzes der Balkanstaaten gegeben werden. Punkt IL. Ten türkischen Teilen deS gegenwärtigen Osmanischrn Kaiserreiches müßte unbr- dingte Selbständigkeit sichergestellt werde». Aber die anderen Rationalitäten, die jetzt unter türkischer Herrschaft stehen, wollen eine unzweifelhafte. Sicherheit für ihre Lebensbedingungen und ein» vollkommen unbeeinträchtigte Gelegenheit zu autonomer (Entwicklung erhalten. Die Dardanellen sollten dauernd als freie Durchfahrt unter internationalen Garantien den Han- delsfchiffe» aller Rationen geöffnet werde». Punkt 13. Ein unabhängiger polnischer Staat, der alle Länder, die von einer unzweifelhaft polnischen Bevölkerung l-cwzhnt sind, und der einen gesicherte» freien und zuverlässigen Zugang zur See besitzt und dessen politische und wirtschaftliche Nnabhängigkeit sowie territoriale Unverlctzlichkeit durch internatio- nalcn Vertrag garantiert sein müßte», sollte errichtet werden. Punkt 14. Es muß eine allgemeine Bereinigung zer Rationen mit bestimmten Vertragsbedingungen gebildet werden, .um Zwecke gegenseitiger Garantieleistung für die politische Unabhängigkeit und Nnverletzlichkeit der großen sowie der Reinen Nationen. Bezüglich dieser loeientlichen Berichtigung von Unrecht und Durchsetzung des Rechte? fühlen wir uns mit allen Regierungen und Völkern, die sich gegen die verbündeten Kaiserreiche vereinigt eaben, in enger Gemeinschaft. Wir werden bis zum Ende für solche Vereinbarungen und sertragSbedingungen solcher Art zusammenstehen, wir sind willens .u tämpfcu und den Kampf fortzusetzen bis diese erreicht sind, aber nur weil wir die Vorherrschaft deS Rechtes und einen gerechten und dauerhaften Frieden wünschen, wie er .lediglich durch Beseitigung der hauptsächlichen Kriegsursachen er- zielt werden kann, was durch dieses Programm erreicht wird. Wir iaben keine Eifersucht auf die Größe Deutsch- �andS, und dieses Programm enthält nichts, was diese Größe beeinträchtigt. Wir sind nicht neidisch auf die deutschen Errungenschaften oder das deutsche Ansehen, ioaä Wissenschaft oder IlilternebmungSgeist anbelangt, die ihm inen so glänzenden und beneidenswerten Namen gebracht haben. Wir wollen Deutschland nicht schaden oder ihm, waS feinen recht- mäßigen Einfluß oder feine Machtstellung anbelangt, im Wege stehen. Wir wollen es auch nicht mit den Waffen oder durch ieino- selige Handelsverträge bekämpfen, wenn es bereit ist, sich nit unS und den anderen friedliebenden Nationen der Welt zu Vertrags- Bedingungen von Recht und Rechtlichkeit sowie Billigkeit zu vcr- nngeu. Wir wütischen n«r, daß«ö»inen Platz der ölloichheit unter den Völkern der Welt einnehm«, anstatt einen solchou der .Herrschaft. Ebenso nehmen loir unS-wicht heraus, irgend- eine Abänderung seiner staatlichen Einrichtun- gen zu verlangen. Aber es ist, wie wir offen bekennen müssen, notwendig, und zwar, als Borbedingung für einen Mei-- iiuNgSauStoirsch mit ihm, daß wir rmffen, für wen seine Unter- Händler sprechen, wenn sie zu uns sprechen, nämlich, ob für die Reichstagömehrhelt oder die Militärpartri uzw, für die Leute, dereu Glaubensbekenntnis imperialistische Vor- Herrschaft ist. Wir haben nun sicherlich in.Ausdrücken gesprochen, sie zu bestimmt sind, um irgendeinen weiteren Zweifel oder eine iveitsre Frage zuzulassen. Ein deutlich erkennbarer Grundsatz zieht ach durch das ganz« Programm, das ich umrissen habe. Es ist der Grundsatz der Gerechtigkeit gegenüber allen Völ- turn und Nationalitäten und ihr Recht auf dem gleichen Fuß T Freiheit und Sicherheit miteinander zu leben, ob sie nun mächtig oder schwach sind. Solange dieser Grundsatz nicht zur Grundlage getnacht wird, kann kein Teil de? Gebäudes der imter- nationalen Gerechtigkeit sicherftehen. Das Volk der Vereinigten Staaten kann keinen anderen Grundsatz zulassen und zu seiner Geltendmachung ist es lmllenS, sein Leben, feine Ehre und alles, mos es besitzt, einzusetzen. Der sittlich« Gipfelpunkt dieses größten und letzten Krieges sür menschliche Freiheit ist erreicht worden, und das amerikanische Volk ist bereit, seine ganze Stärke, sein tzüchstcS Streben, seine Unversehrtheit und Hingebung einzusetzen Srest-Litowsk. Vorbesprechungen. Vrcst-Litowök, S. Januar. Heute nachmittag wurde eine Bordesprechung zwischen den Vorsitzenden der hier der- iamnieltcn Abordnungen abgehalten, an der teilnahmen: Staatssekretär v. Kühlmann, Minister deS Aeußern Graf Gzernin. Justizminifter Popow, Volkskommissar sür auswärtige Angelegenheiten Trotzki, Großwesir Talaat Pascha und ukrai- mscher Staatssekretär sür Handel und Industrie Wsewolod Holubowytsch. Nach Erörterung von Form- und P r o g r a m nl f r a g e n wurde für morgen vormittag 11 Uhr eine Vollsitzung anberaumt. Später fanden Besprechungen zwischen Vertretern der V i e r b u n d- mächte und den ukrainischen Vertretern statt. Die ßrieüensbeöingungen üer Ukraine. Dem Ukrainischen Preßbnreaau wird auf indirektem Wege aus liiew am 4. Januar gemeldet: Ein Vergleich scheint zustande gekommen zu sein zwischen den Maxi- in a l i st e n und den Ukrainern. Tie Ukraine, als un- abhängiger Staat, wird an den Friedensverfmdlungen von Brcst-Litowsk teilnehmen, und zwar unter Zustimniung der Negierung Lenins und der Vertreter der Zentralmächte. Letztere haben der Ukraine das Recht zuerkannt, an den Friedensverhandlungen teilzunehmen. Das Ukrainische Par- lament hat zu Vertretern des ukrainischen Volkes folgende Persönlichkeiten ernannt: Professor Hruschewsky, Bin. n i t f ch e n k o. den Präsidenten der ukrainischen Regierung sowie den Justizminister Tkatschenko. In der Note der ukrainischen Delegierten werden folgende Bedingungen aufgestellt: „Die Ukraine verlangt, daß ein allzemeiner Friede i wischen allen Kriegführenden geschlossen werde, daß allen Völkern völlige Autonomie zugestanden und baß ihnen eine s e l b st ä n d i g e Existenz garantirrt werbe. Keine striegSkontribvtio« nach Sckiadenersatz irgend- welcher Art darf verlangt werden. Alle Weltmächte müsse« die Unabhängigkeit der ukrainische» Republik auer. Gefechte bei Boesingbe nnd östlich Bulle- court— Breiter franzöfischer Angriff bei Flirey. Amtlich. Große» Hauptquartier. 9. Januar 1918. sW. T. B.I iLestlicher Kriegsschauplatz. Heeresgruppe Kronprinz Rupprrcht. Unter starkem Feuerschutz stießen englische ErkundungS- «bteilungen gegen den Südrand des Houthoulster Waldes vor, einige Kompagnien griffen an der Bahn Boesinghe— Staden an. An keiner Stelle konnte der Feind unsere Linien erreichen; in unserem Feuer hatte er schwere Verluste. Beiderseits von L e n s lebhafte Artillcrictöiigkcit. Ocstlich von B u l l e c o u r t fanden'mehrfach Handgranaten- kämpfe um kleinere Grahcnstiick- statt. Heeresgruppe Herzog Albrecht. Westlich von Flirey brachen die Franzosen am Nachmittage uach heftiger Feuerwirkung in 4 Kilometer Breite zu starken An- griffen vor. An einzelnen Stellen drang der Feind in unsere Postenlinic ein; Versuche, über sie hinaus Boden zu gewinnen, scheiterten. Unsere Gegensiößc warfen den Feind im Laufe der Nacht überall wieder in seine Ausgangsstellungen zurück. Oestlicher Kriegsschauplatz Nichts Neues. Mazedonische und Italienische Front. Tie Lage ist unverändert. Der Erste Generalquarticrmcister. Ludendorff. Abendbericht. Berlin, 9. Januar 1918, abend». Amtlich. Bon den KriegSschauPlätzeu nichts Neues. wandeln. Das ist dank eurer(der englischen Arbeiter. D. R.) begonnenen Taklit möglich. Ihr fotmulierlet eure Kriegs- ziele, ihr fordert die Slliierten-Sozialisten zum Anschluß auf. Ihr weidet eure Formel als Programm der Jnter- nationale vorschlagen. So werdet ihr zur internationalen Konserenz gelangen, die eine ge'chichtliche Rolle spielen kann unter der Bedingung, daß sie sich nicht von den Ereignissen überholen läßt. �enöerson Suchanans Nachfolgers „Algemeen Handelsblad" zufolge schreibt.Daily NcwS" »u den Gerückten, daß B u ch a n a n vorläufig nicht in Petersburg örsetzt werden solle, es würde diesen Entschluß bedauern. Das Blatt dringt darauf, daß ein Mitglied der Arbeiterpartei als Botschafter oder Regierungskommissar nach Rußland gesandt werde, um auf diese Weise zu zeigen, daß England der Revolution günstig gesinnt sei. Von anderer Seite verlautet, zunächst gerüchtweise, Henderson sei bestimmt. Buchanans Posten einzunehmen. Auch diese Ernennung ließe sich als ein Zeichen deuten. daß die Entente alle Mittel aufzubieten entschlossen ist. den Sonderfrieden zu verhindern oder wenigstens zu verschleppen. um mit Hilfe der Hoffnung auf einen allgemeinen Frieden eine neue Frist sür die Fortsetzung des Krieges zu ge- Winnen. Natürlich wäre der Plan, Henderson mit hervorragenden Vollmachten nach Petersburg zu entsenden, nicht plötzlich von gestern auf heute ersonnen. Hat etwa Clemcnceaus Ab- lehnung der Absicht französischer Sozialisten, nach Petersburg zu reisen, in Verbindung damit gestanden? War die Mission Henderson zugedacht, weil dieser der Ententcpolitik als der mehr sichere Mitgänger gilt? Ha p a r a n d a, 9. Januar. Der englische Botschafter in Petersburg, B u ch a n a n, ist mit Familie und Gefolge hier eingetroffen und reift nach Stockholm weiter. Der österreichische Bericht. Nichtamtlich. Wie», den 9. Januar 1918. Amtlich wird verlautbart: Oestlicher Kriegsschauplatz. Waffenstillstand. Italienischer Kriegsschauplatz. Infolge ungünstiger Sichtverhältnisse blieb die Gesechtstätig- keit auf einzelne Feuerüberfälle beschränkt. Der Chef de? GenrralstabeS. kennen, die ihre eigene Regierung, ihre eigene Armee und ihre eigene diplomatische Vertretung haben will. Die m a x i m a- listische Regierungsgewalt findet in der Nkraine keine Anerkennung; sie gilt nur sür das Moskauische Ruß- land. Der Friede muß durch die Vertreter aller nnab- hängigrn Republiken, die zusammen die russische Konfö- deration bilden, unterzeichnet werdxn. Die parlamentarischen Vertreter deS nkrainifche« Ga- lizien haben ihrerseits dem ReichSrat eine Erklärung abgegeben, in der sie verlange», daß die ukrainische Frage in Österreich in der Weise gelöst werd«, daß» saus Ostgalizien nach dem Friedens- schluffe keinen integrierenden Test der Ukraine bilden sollte, dieses zu einer uutonomen Provinz erhoben werden müsse." Die Bedingungen unterscheiden sich von den maximalistt- schen Grundforderungen also durch Weglassen jeder prinzipiellen Stellungnahme gegen Annexionen. Tie Ansprüche auf das ukrainische Gebiet Galiziens verboten eine derartige Erklärung._ Die Solschewik! und der neue Stockholmer Konferenzversnch. Stockholm, 8. Januar.(Eig. Trahlbericht des„Vorw.') Borgbjerg sagte mir, er halte eine Konferenz der Sozia- listen jedenfalls für angezeigt. Worowski, der Vertreter der Bolschewiki in Stockholm, svrach sich in einem Gespräch mit einem Interviewer des„Politiken" dahin aus. daß die Voraussetzung einer Teilnahme der Bolsche- w i k i an dem jetzigen Wiederbelebungsversuch einer Sozialisten- konsercnz eine von den Regierungen unab- hängige Arbeit der sozialistischen Parteien für den allgegteinen Frieden gemäß den Prin- zipien der russischen Revolution sei. Die Instruktion für f)upsm(ius Englandreise. Stockholm, 8. Januar.(Eig. Drahibericht de!.Vorwärts".) In einer Beratung der skandinavischen und russischen Mitglieder deS Konferenztomitees wurde ein Beschluß gefaßt, der in Form einer Begrüßung der'N ottin ghamer Konferenz eine Instruktion für HuySmanS Englandreise enthält. Die Adresse weist darauf hin, daß die Ereignisse die von den Organiiaioren der Konferenz im Mai ISIS formulierten Auffassungen bestätigen. Stockholm war ein Kind der russischen Revolution. Es bandelt sich um die Erfüllung der Beschlüsse von Stuttgart. Kopenhagen. Stockholm. Der Zweck der Stockholmer Zusammenkunft war und ist die Wiederher- stellung der Internationale, die den Dauerfrieden durch ein allgemeines Einvernehmen über den demokratischen Frieden er- reichen soll. Stockholm verlöipert einen Gedanken de? ProleiariotS und bildet kein Jnsirument irgendeiner Regierung. In Stockholm rankt sich die Idee durch, daß die russische Revolution, die eine Revolution für die ganze Welt ist, ihr Programm ohne zu große innere Er- fchütterungen nur verwirllicken konnte, wenn sie innerbalb kurzer Frist einen ehrenhasten Frieden erlangte. Die Stockholmer Konferenz hätte der ruisiicheii Arbeiterklasse den notwendigen Zusammenhalt und die Kraft gegeben, und so die Gefahr von Sonderaklionen zum Kampf sür den allgemeinen Frieden vermieden. Diese Politik blieb unverstanden. Rußland wurde enimutigt unter Hoffnungen aus Stockholm darauf. So wurde es ins Crxirem geschleudert. Aus der Paßverweige- rung der Entente ergaben sich die Gefahren eines russischen Sonderfriedens und das Erstarken annexiant st»scher Strömungen in Deutschland und O e st e r e i ch. Dadurch wurden die verhälinisie an der Westfront so verschoben, daß vielleicht zwei oder drei Kriegsjahre »ölig sind, um einer Partei merlliche Fortschriile zu bringen. Aus der Paßverweigerung ergeben sich die Lpier von Millionen Menschenleben und von vielen Hundert Milliarden. Die Rettung kann nur daS Streben bringen, den in Aussicht stehenden Son- . de r fr i e d en iu einen allgemeinen Fri'eden umzu- Ulbert Thomas und Elfaß-Lothringen. Für Wicdercrobcrung ohne Volksabstimmung. Albert Thomas stürzt sich mit auffallendem Eifer aus die Arbeit, in englischen Blättern über französilche Kriegsziele zu schreiben. Nunmehr bringt er die Ansicht seiner Partei zur Elsaß- frage in Erinnerung.„Allgemeen Handelsblad" zufolge schreibt er im.Datlh Telegraph": Die englischen Sozialisten glauben, daß die französischen Sozialisten sür eine Volksabstimmung in Elsaß-Loibringen sind. Das ist jedoch nicht die von den französischen Sozialisten vertretene Politik. Der Fronksurier Friede, dem Frankreich sich unterwerfen mußte, ist durch Teutichlands eigenen Willen 1914 in Stücke gerissen worden. Dos Recht Frankreichs bleib» unveränderlich. Darum muß Elsaß- Lothringen an Frankreich zurückgegeben werden. * Paris, 8. Januar.(Havasmeldung.) Kamme r und Senat haben heute die Sitzungen wieder aufgenommen. Die Alters- Präsidenten hielten bewegte Anchrachen, in welchen sie die Rück- gäbe Elsaß-Lothrtngens verlangten. Sie führten die Worte Lloyd Georges an. der als Dolmetscher des Gewissens der Menschheit erklärt habe, daß England die französische Demokratie in ihrer Forderung einer Ueberprü'ung deS großen im Jahre l87l begangenen Unrechts bis in den Tod unterstützen werde. Schließlich richteten die Alletspräsidenlen an die Kammern die Ansfarvernno. den. Burgfticdeu zu wahren.__ Italien und lllopd Georges Rede. Bern, 9. Januar.>, fim dem Liederbuch der Vaterlandspartei. L Teutschland, Teutschland über alles! Deutschland, Deutschland über alles, über alles in der Welt! Wehe, wem gesetzten gfalleS diese Losung nicht gefallt! Ist'S noch einer, der die Knochen lahmgeschosien bracht' nach HauS, etz' vom Frieden w i r gesprochen— packt ihn. schmeißt den Feigling rauS! Unsrer Pfeife nachzutanzen haben wir ihn herbestellt— will er nicht? Haut ihm den Ranzen daß er von der Treppe fällt! Kam'rad, nur nicht aufbegehren. seist du zehnmal amputiert könnten wir dich nicht entbehren. hätten wir dich reklamiert! P a u I ch e n. II. Die Trompete von Vionville. Sie erheben Vernunft- und Friedensgeschrei, Diese Frechheit ist nicht zu ertragen! Kriegskrüppel im Schmuck deS E. K. II, Wir haben sie niedergeschlagen! Wir sind reklamiert und kerngesund, Und fochten mit wuchtigen Hieben. Ein Glasauge und ein hölzernes Bein, Sind alL Beute am Platze geblieben. Wir feiern mit Reden die.Wacht am Rhein". Die„Brüder", die für uns gefallen— Aber Kriegskrüppel, die um Frieden schrei n. Soll man rücksichtslos niederknallen! Wir sind reklamiert und verdienen am Krieg Und hungern nach mehr bunten Noten! Trum weiter, Ihr a n d e r n. von Sieg zu Sieg? Wir leben!— Tot sind die Toten! Aren». Hausbesitze? und Kleinwohnungsnot. In einer Denkschrift de« BreSlouer MagiflralS über Klein- Wohnungsbau bat Juslstrat Dr. Epstein LeitfStze vom Hausbesitzer- standpunl, aus ausgestellt, deren Prägung die.Deut, che Grund- eigeniümer�eilung" als besonders glücklich und iür andere Grotz- stödre, namentlich für Berlin posiend bezeichnet. In diesen Leit- sätzen heitzl es:.Es ist an allen Orte», in denen DobnungSnot be« steht oder droht, die Errichtung von Häriiern mit Kleinwohnungen in„weckdienlichcr Weise jw fördern. Soweit hierbei behördliche Hilfe in Krag« kommt, haben die Behörden alle« zu vermeiden, wa« die Loge der derzeitigen Hausbesitzer zu untergraben geeignet ist. Die Eigentümer der bestehenden Häuser leistungS- iäbig und arbeitsfreudig zu erhalten, ist bei der grotzen Zahl der bestehenden Wobnungen auch für die Lllgemeinhert von ungleich größerer Bedeu'ung als die Beschaffung neuer Wohnungen, deren Herstellung immer nur in verhSImismätzig geringer Zahl möglich ist. ES ist selbstverständlich Pflicht der Gemeinden, Vorsorge zu treffen, daß die heimkehrenden Krieger ausnahmslos auch eine menschenwürdige Wohnung vorfinden. Zu dem Zweck haben die flädlischen Behörden unverzüglich Schritte zu tun. um Teilung gröberer Wobnungen, vorübergehende Freigabe von Räumen in höheren Slockwerken, Beunlstellung öffentlicher Räume herbeizuführen. Da« wird um so leichter sein, wenn die städtische Baupolizei der Angelegenheit Wohlwollen entgegenbringt. Dauernde Abhilfe ist zu erhoffen, wenn der zweite Teil de« Gesetze« über die Sicherheit der Bauforderungen endlich eingeführt, dadurch de» Baubandwertern die Bezahlung ihrer Arbeiten gesichert und so der Bauschwindel an der Wurzel getroffen wird. Die Bau- tStiglei» der Baugenossenschaften und Gemein- nützigen Gesellschaften ist in keiner Weise ge- eignet, die freie Bautätigkeit zu ersetzen und da« WohnungSbedürfnl« zu befriedigen. Ihre Bevorzugung schadet der Bautätigkeit mehr, als sie nützt, und deshalb wendet sich der organi« sierte HauS besitz gegen jede Bevorzugung dieser Organtlation in irgend einer Form, ff« ist insbesondere P r o t e st einzulegen, daff Hypotheken zu einem niedrigeren ZlnSsuff hergegeben wer- den. als die« dem übrigen Hau« besitz gegenüber e> ch i e b t. Eine jede Bevorzugung macht den ieffhatten Grund- esitz konkurrenzunfähig, schädigt dielen und auch die Stadt selbst. die nicht berechtigt erichemt. das zum größten Teil vom HauSbesiy aufgebrachte Vermögen zu verschenken, um für Neubauten Vorzug«- rechte gegenüber dem bestehenden HauSbefitz zu begründen. E« er- scheint auch nicht erforderlich, datz zum Erwerbe von Häusern städtisches Land, sei eS Baugenosienschaflen oder Privawersonen. zum Einkaufspreise gewährt wird. Auch hierin liegt ein Geschenk." Den Hausbesitzern schwillt offenbar der Kamm. Eine derartig dreiste Bemerkung, wie vom Verschenken von zum größten Teil ouigebrachlen Vermögens, verdient die allerschäriste Zurück- Weisung. Dringend nor tut ein Eingreifen zur Herstellung billiger Kleinwohnungen. Der Krieg ha: die Wohnungsnot überall zu einer akmen Krankheit gemacht. Der Umstand, daß während der KriegSzeit nur wenig, im letzten Jahre fast überhaupt keine Woh- rnrngen gebaut find, hat überall die Hcmsbefiyer veranlaßt, eine Steigerung des Mietzinse« vorzunehmen. Sie find dabei in einer Weile vorgegangen, daß man in manchen Fällen geradezu von Wucher sprechen konnte. Deshalb bat ja auch der Bundesrat die Ber- ordnung zum Schutze der Mieter gegen ungerechtfertigte Miels- steigenmgen erlassen und hat er dadurch ermöglicht, durch eine un» parteiische Instanz die Versuche, die Notlage der Mieter auszubeuten, abzuwehren. Zu den von der jetzigen Wohnungsnot betroffenen Schichten gehören in erster Linie die mmderbemitlelten Kreise, namentlich die kinderreichen Familien.»- Der.Volkewille" in Hannover veröffentlichte kürzlich den Brief einer Krieger'rau an das Krieg«- Ministerium, zu dem jede Bemerkung überflüssig ist. Die Frau, wohnhalt in Niederau bei Düren, ist zwangsweise auf die Straße gesetzt worden, nachdem alle ihre Bemühungen, eine andere Woh» nung zu bekommen, vergeblich gewesen find Vom Bürgermeister hat fie folgende Antwort erhalten:.Gemeindewohnungen sind kein« da und hier ist nichts frei. Ich kann ihnen kein« geben." Dann heißt es in den, Briefe:.Am T. Dezember morgens 8 Uhr erschien der Gerichtsvollzieher mit zwei Mann und setzte alles auf die Straße. Gegen Abend ließ der Herr Bürgermeister die Möbel mir Fuhrwerk aufladen und in einen Schuppen fahren, wo sie kreuz und quer umherliegen und halb kaputt und beschmutzt. Die Kinder sind aus dringende« Bitten vom Herrn Bürgermeister auf acht Tage inS Waisenhaus gebracht. Ich und der älteste Sohn von IS Jahre» find un» selbst über- lasten.--- Ich bin alle Tage auf Wohnungssuche und kann mit meinen neun Kmdein keine Wohnung bekommen." So wird eine Familie ihres Kinderreichtum« wegen, den Wissen» schast und Sozialpolitik als ein Segen für das ganze Volk preisen, in grausamster Weise gestraft. Und so geht es ähnlich zahlreichen anderen Familien auch. Die Notwendigkeit einer WohmingZrosorm größten Stile? und Umfange« tritt in immer deutlicherer Weise in die Erscheinung. Gemeinden, Staat und Reich haben gemeinsam und einander er- gänzend einzugreifen. Alle Mittel müssen zur Anwendung kommen. um rechtzeitig den Bedarf an Wohnungen sicherzustellen. Schlimm würde eS sein, hier irgendwelche Rücksichten auf die Hausbesitzer zu nehmen. Boden- und Wobnungswucher, Terrain- und Hypoiheken- wucher mutz entschieden bekämpft, die veralteten Rechtsveihältnisle, die aller modernen Hygiene off geradezu inS Gesicht schlagenden Bauordnungen beseitigt werden. Für die Aufzucht eines ge- sunden Volkes kann nicht zuviel geschehen. Reich. Staat und Gemeinden haben Boden. Darlehen und praktische Erfahrung zur Versügung zu stellen und den gemeinnützigen Wohnungsbau nach allen Kräften zu sördern. Allen von rein finanziellen Beweggründen getragenen Einwänden der Hausbesitzer zum Trotz, im Interesse einer weitblickenden Bevölkerungspolitik. Und es muß sofort etwa» geschehen. Alle Maßnahmen zur Schaffung von Kleinwohnungen müssen sofort vorbereitet und auch möglichst gleich durchgeführt werden. GroßSerlln Die Witwen und Waisen der Gefalleneu können warten! Die sozialdemokratische Sladlverordneienstaktion hatte an die Stadiverordnetenversammlung den Antrag gestellt, zu beschließen. daß den Hinterbliebenen gefallener Kriegsteilnehmer neben der ihnen vom Reim gezahlten Hinterbliebenenrente ein kommunaler Zuickutz während der Dauer de« Krieges gezahlt werden kann. Die Stadt- verordnetcnvenammlung erkannte durch alle Frokiionsredner an. daß hier eine klaffende Lücke in der Beriorgung der Frauen und Kindex vorhanden rst, die ihren Ernährer durch den Tod verloren hoben und vielfach schlechter gestellt sind, als die Fronen und Kinder ber lebenden KriegSleilnebmer. ES wurde bc- ichlosten, den sozialdemokratischen Antrag einem Ausschuß von fünfzehn Mitgliedern zu überweisen. Dieser Ausschuß tagte am vergangenen Dienttag und beschloß, man höre und staune, die Angelegenheit auf drei Monate zu vertagen. Sämtliche sozialdemokratischen Redner hallen wiederholt darauf hingewiesen, daß sofort etwas geschehen müsse. Ihre Argumente fanden aber bei den bürgerlichen Stadtverordneten und den Mogistralkvertretern kein Gehör. Letztere beriefen sich letzten Endes darauf, daß bis entstehenden Kosten eigentlich von dem Reich zu tragen wären, daß schon bisher in den schlimmsten Fällen von der National- und der Städtischen sowie der Kruppstistung geholfen würde, und aus Grund einer kriegsministeriellcn Verfügung Vorsorge getroffen sei. vor- bandcne Härten auszugleichen. Eegenwäilig sind, so führte ein Maaistratsoertreter weiter ans, für die Kriegshinterbliebenen- sürsorge der Stadt ca. tb 600 Alten angelegt und von der National- stistung rund 860 000 M. und seitens der Glädlistben Siiflung ca. 300 000 M. ausgegeben worden. Da die Zahl der Krieger- wilwen die Zahl der Alten der bisher Unterstützten wesentlich über« steigt, so müsse zunätdst das Material gesammelt werden(!). um sestKustellen. welche Summen für eine erweiterte Unterstützung be- nöilgt würden. Dies« Argument« kamen den bürgerliwen Vertretern äußerst gelegen, und sie beschlossen gegen die Stimmen der Ver- treler beider sozialdemokratischer Fraltionen, die Angelegenheit aus drei Monate zu vertagen. Die widerspruchsvolle Haltung der Bürgerlichen wird am besten dadurch charakterisiert. daß man zunächst die ber- meintlichen hohen Kosten bemängelte, die für die Finanzen Berlin« entstehen würden, daß man dann aber, als vom Magistratsvertreter daö Nichtvorhandensein von statistischen Unterlagen erwähnt wurde, sofort diesen Einwand zum Anlaß nahm, die Verschleppungstaktik durchzudrücken..Zeit gewonnen, alles ge« Wonnen" dürste der Hauptgrund des Verhaltens der bürgerlichen Mehrheit gewesen sein. Bciihrdürfen sich dieHniter- bliebenen gefallener Kriegsteilnehmer de- doirken, wenn sie weiter Not und Entbehrung leiden. Sie sollen eben warten, bis— ja bi« das ftaiisttsche Material vorliegt oder— bi« der Krieg zu Ende ist! Nur nicht blöde sein! Die Freie Vereinigung der Berliner HauS- besitzeroeine hielt am DienSlag eine Generalversammlung im Berliner RathauS ob. Architekt Dr. A s ch c r sprach über WoHnungS- not und UebergangSwirtschaft. Er war der Ansicht, daß nach dem Kriege sich eine Laulust zeigen werde, meinr« ober, datz die Mieten etwa 65 b r S 60 Prozent(!) höher sein müssen al« zur Zeit, um die Grundstücke rentabel zu machen. Dann sprach der 1. Vorsitzende deS Charlottenburger Grundbesitzer- Vereins von 1S8« Wilhelm Fiebelkorn über die»Etilrechmng de« HauSbtsitze» durch die Praxi« von MieteinigungSämtern", und äußert« dabe» die originelle Ausicht, daß gerade diejenigen Mieter, di« die MietelnigunxSömter anriefen, am ehesten in der Lage seien, die Forderungen der Wirte anzuerkennen. Die Mieleinigung«- ämler seien eine.schwere Bedrückung deS HauSbefitzerstandeS". Die Vorsitzende deS HanSbesitzerinncnverem« von Groß-Berim, Frau A. Schefsncr, bedaueile, daß sowohl bei den Behörden wie in den Kreisen der Mieter noch immer die irrige Ansicht vorhanden sei. der HauSb�sitz erziele erheblichen Verdienst. Die Verhältnisse hätten sich jedoch verändert. So betrügen jetzt die Untosten allein iür Schauertllcher gegen früher 0 M. 120 M. im Jahre usw.— Di« Versammlung nahm eine Entschließung im Sinne der Scheffnrr und Ficbellorn au und beschloß eine Eingabe an den Bundesrat auf Schaffung einer Berusungöinstanz für die Mieremigungsämter. Man kann den Berliner Hausagrariern alle möglichen Vorwürie machen, aber daß fie eme falsch« Bescheidenheit zur Schau tragen, wird ihnen niemand nachsagen dürfen. Wildversorgung. Um zu erreichen, daß die auf die Stadt Berlin entfallenden verhältnismäßig geringen Wildniengen auch tatsächlich der Berliner Bevölkerung zugeführt werden und nicht, wie es schon mehrfach vorgekommen ist, an nicht Berliner Einwohner zum Berkauf ge- langen, har der Magistrat die Berliner Wildhändler angewiesen, Haien, wilde Kaninchen mid Fasanen nur noch gegen Vorzeigung der Berliner Lebensmiltelkarle zu verkaufen. Aus Rai-, Dam-, Reh- und Schwarzwild findet diese Maßnahme keine Anwendung, da das Fleisch dieser Wildjoricn der Fleischkarle unterstellt ist. Die Musterstadt Wilmersdorf. Man schreibt uns:.Eiitschiedon find die Einwohner von Ml- meiSdorf die besten Patrioten. Jawohl! Man vergleiche: In Schönederg, in Groß-Berlin, in Chailottenburg, überall rund um Wilmersdorf wird in verhältnismäßig kurzen Abständen Kunsthonig. Marmelade usw. verteilt. Geschieht e« einmal lange Zeit nicht, so speltakelt man. bis der Magistrat wieder hcrauSrücki. Wie unrecht ist daS in der Jetztzeit, wo„niemand" was bat, wo alle gleich- mäßig hungern, wegen ein bißchen Brotauistrich zu jammern! Da find wir WilmerSdorfer doch andere Leute. Bei uns gibt eS weder Marmelade»och Kunsthonig m nennenswerten Ouantitäte» vonnerstag, 10. Januar lHI S WSBBBB—— BaBBBWMS— TOPWMei und niemand muckst sich, olle eflen ruhig ihr trockenes Brot. Wie. das will man mir nicht glauben? Wir Wilmersdorfer feien lauter reiche Leute und da sollten wir nur trockenes---? Jawohl. eS ist so. und wer eS nicht glaubt, der gehe in die Häuser und sehe selbst, woS gegessen wird. Treppensteigen ist nicht angenehm,»st auch nicht nötig: man braucht ja immer nur unten beim Portier nachzusehen. Die darüber wohnen, essen ja dasselbe. Wie lönnie e« ander« sein, da eS doch nichts gibt? Also, bitte kein häßlicher Verdacht etwa!" Nach anderen unS zugegangenen Mitteilungen wurden in der Musterstadt Wilmersdorf in, Laufs der letzten beiden Monate auf jeden Einwohner t Pfund Marmelade und Vj Pfund Kunsthonig verteilt. DaS macht pro Tag 12'', G r a m m' B r o t a u s st r> ch. Wie un» ein vereidigter LebcnSmittelchemiker versichert, soll man ein derartiges Ouanlum bereit« unter einem mitteljcharfen Mikroskop ganz deutlich wahrnehmen können. Tie EinschrLnkutige« im Strafe, ibahnverkchr. Beim Reichskommissar für die Kohlenverteilung fand gestern unter dem Vorsitz des BcrgraiS Z i e i u f ch eine Besprechung statt, die sich mit den vv» uns bereu« erwähnten Einschränkungen im Snoßenbahnverkehr beschäftigte. Es wurde auSgesüb«, daß unicre Koblensördcrung annäbernd die Produltion der Friedenszeil erreicht habe, daß e« der Eisenbahn aber infolge der großen Anforderungen an anderen Stellen nicht möglich sei, dle nötigen Waggon« zur Be- sörderung der ersorderliche» Mengen zur Verfügung zu stellen. Man müsse daher beim Verbrauch mit jeder Tonne Kohlen sparen. Zu den Stellen, wo noch etwas geiyait werden könne,' gehöre auch der Straßenbahnverlehr. Zunächst ist eine Erweiterung der Abstände der Hollestelle» geplant, sernec sollen bei einzelnen Linien die Um» wege fortfallen, iodann soll der Sonntagsverkehr eingeschränkt und einzeln« Außenlinien eingezogen werden. Es wurde betont, daß eine Einschränkung deS Arbeiterverlchrs nicht vorgesehen sei, sondern im Gegenteil versucht werden solle, diesen noch z u verstärken. Wir beben die« besonders hervor, weil wir annehmen, datz man auch in ber ReichSkvhlenstelle eingesehen har, daß eine allgemeine Einschränkung de« Verkear« einfach nicht mehr mög- lich ist. Ob die durch die Verlegung der Haltestellen erzielte ikohlen- eriparnis wirklich so groß ist. daß das Publikum schon wieder diese PerkehrSeischwerung aus sich nehme» mnßie, erlchetnr uns sehr frag- licd. Hoffentlich führt die Vermeidung der Umwege nicht zu einer allgemeinen VerkehrSeinschränkung, da ja eine ziemlich große An- zahl von Bahnen erhebliche Umwege mackt. Der allgemeine Verkehr darf jedenfalls nicht noch weiter ein- geschränkt werden, denn schon heute ist die Ver- kehr«b«förderung auf der Straßenbahn vielfach m it L e b en S g e fa hr verknüpft! Eine neue Straßenbahnlinie Spandau— Bahnhof Jnngfernheide. Die landeSpollzeiliche Abnahme der neuen Siraßenbannlinie Tpandau-Markt— Bahnhof Fuiigfcrnheide hat nunniebr staitgeslinden, die anstelle der jetzigen Spandauer Linie Nr. 6(Spandau-�Fürsten- brunn), die eingezogen wiid,«ine bessere und schnellere Verbindung für den starken RüstungSarbeiierverlehr noch den neuen Fabrikanlogen in der Nähe de« Bahnhofs Jungfernhetde und in Siemens« stodt darstellt. Die neue Linie soll am. 21. d. M. eröffnet werden. Der Betrieb erjolgl in derWeiie. daß viertelstündlich Züge einmal von Spandau nach Bahnhof Jnngfernheide durch dir Nonnendommallee und zurück über den Schwarzen Weg und durch die Gartenseldersiraß« und dann in einer Schleifenfahrt verkehren. Zur Beschlaguah»� gebrauchter Kleiduugs- und Wie wir bereits berichteten, sind noch einer Bekonntmachllng der ReichSbekleidnngsstell« alle gebrauchten Kleidnngs» und Wä'che- stücke, die zur Veräußerung oder anderweiltgen Veriverlung de- stimmt sind und sich im Besitz von Gewecbeirelbenden befinden, beschlagnähmt. Die Besitzer derartiger Ware» und soweit sich die Waren nickt in Gewahrsam der Besitzer befinden, neben die!«» auch die GewahrsomSinbaber find verpflichtet, die von der Beschlag- nähme betroffenen Gegenstände dem zuständigen Kommunalvnbaud zu melden. Der MirtschostSbezirk Groß-Berlin für Kleiderverwerlung, der für die Städte Berlin, Char>0!tenburg, Berlin-Wilmersdorf, Berlin- Schöneberg und die Kieise Teltow und Ricderbarnim in dieser An- gelegenbelt zuständig ist. erläßt nun eine Bekanntmachung, nach der alle in diesen Städten und Kreisen ansä sigen Besitzer und Inhaber beschlagnahmter Waren, insbesondere Althändler, Trödler. MonalS- garderobenhündler sowie Garderoben- und Ma5kenkostiimüerU,h-r aufgefordert werden, ihr« Bestände binnen einer Woche der Geschäftsstelle de» WirtschaftsbezirkeS in Berlin, Mollenmarkt 4. an- zumeldsn, gleichzeitig aber auch anzuzeigen, ob eine Veräußerung der Waren an den WirtschailSbezirk beabsichtigt oder die Durch- führung des Enteignung« Verfahrens vorgezogen wird. Unerledigte städtische Aufgabe«. Die Berliner Stadiverordnetenversammlung bat in ihrer Neu- jahrSsitzung auch d,e im vorigen Jahre und in früheren Jahren ein- gesetzten Ausschüsse und gemischten Deputationen bestätigt, die den ihnen erteilten Auftrag noch nickt erledigt haben. Darunter be- finden sich eine Reihe von Ausschüssen und Deputationen, die teil- weise seit eine in Dutzend Jahren bestehen, ohne mit ihren Beratungen zu En de gekommen zusein. Zwölf Jahre alt ist zum Beispiel die Deputation wegen Herbei- führung einer gesetzlichen Bestimmung, daß die in Form von Kra»kenbau«behandlung gewährte Armenunterstützung für den Verlust de« Wahlrecht« nickt in Frage komme. Seit 190S ist sie mit ihren Beratungen nicht zu Ende gekommen und der Krieg hat inzwischen ganz neue Formen der Uniersiützungen gebracht.— Aus dem Jahre 1L0S stammt die gemilchte Deputation zur Ein« richlung einer Arbeitslosenversicherung, ans dem Jahre 1011 d,e Deputation für die Erschließung de« städtischen Grundbesitzes in Treptow, der sich später erne zweite Deputation für die Ausstellung deS Bebauungsplanes zugesellle, und seit dem Jahre 1S12 müht sich— bisher ohne Erfolg— die gemischt« Deputation zur Errichtung von Walderholungt« statten für Kinder._ Die beide« Stadtvcrordnetcu Genosse Hugo WolberS ki und Jobann Barlhelmann wurde» am Mittwoch nachmittag im städtischen Krematorium in der Gerichtstraße eingeäschert. Die beiden sozialdemokratischen Fraktionen der Berliner Stadtverordncteuvec- sammlung nahmen au den Feiern teil. Ei» Kurs»? in der ÄricgSkrankrnpflrgk wird Ende Januar durch da» Zentralkomitee vom Roten Kreuz lHelferiiumiableilung) unentgeltlich veranstaltet werden. ES können sich noch einige Teil- nchmerrnnen mit cmiprechender Schulbildung im Geschäftszimmer der Abteilung, Boßstraße 0, unter Beifügung eines selbstgeschriebene» Lebenslaufes melden. Mindestalter 20 Jahre. Kein Eissport auf dem Trltowkanal. Der Teltowkanal wird auch in diesem Jahre mchl für den Eissport freigegeben werden. Denn sowohl er wie der Prinz-Friedrich-Leopold-Kanal und die dazugehörigen Seen sollen soweit wie irgendmöglich für den Verkehr sreigebalten werden, so daß also bei Eisbildung Eisbrecher in Tärigkeit trercn werden. Der Direltor de« Teltowkanals warnt in einer öffentlichen Bekanntmachung dringend vor dem Betreten der Eisdecke des TeltowlanakS und der BerbindungSkanäle und zusammen« hängende» Gewässer. Lichtenberg. Neue KriegswirtschaftSmaiznaZsinen. Ter städti- sche NahrungslnittelauZschuh hat in seiner letzren Sitzung eine Reihe wichtiger Beschlüsse zur Kriegsernährung und Kricgswirt- schast yefatzt. Es wurde über die in letzter Zeit abgeschlossenen Möbcllieserungsverträge berichtet. D«nach sind v»n verschievenen Fabriken insgesamt 650 Stubeneinrichtungen und ungefähr ebenso- viel Kücheneinrichtungen für die Stadt in Arbeit gensmmen. Ferner sind-SSO Mühle in Auftrag gegeben werden. Die Stuben- einrichtungen sind flir Wohnungen ben 1 Zimmer und Küche be- stimmt. Mit der Lieseru»ß wird Ende diese? Monats begonnen werden..Die Lagerung der 5K»bel soll in Turnhallen erfolgen. Von der Bebiirferung sind bereits zahlreiche Meldungen wegen Abgabe t'»n Wohnungseinrichtungen eingegangen. Eine der Stadt zum Preise von SZSSO Mk. angebotene Hotelau-stattung soll ange- kaust werden. Ferner wurde beschlossen, die LicferungSvertäge für Herbstgemüse auf eine breitere Grundlage zu stellen. Mit Rücksicht darauf, daß im verflossenen Jahre die Sicherung der all- gemeinen Eemüseversorgnng darunter gelitten hat, daß die Kriegs- inidustrie ihrerseits neben den Stadtverwaltungen selbständig LieferungSverträge abgeschlossen und die von den Städten gebot:- nen Preise oft sehr erheblich überschritten hat, hat der Nahrungs- mittelausschux in Aussicht genommen, die(Lemüseversorgung der Rüstungsindustrie gleichfalls auf die Stadtverwaltung zu über» Nehmen und einheitliche Lieferung �Verträge sowohl für die allge- meine Bevölkerung, wie für die Rüstalnasarbeiter abzuichliehen. Der Magistrat hat in Verfolg dieses Bef�luffes an alle Fabriken die Anfrage gerichtet, ob sie bereit wären, den Abschluß der Liefe- rungsverträge� der Stadtverwalwna zu übertragen. Die Anfrage enthält den Hinweis, daß der Abschluß selbständiger Verträge durch die Fabriken nach'den neuen B-trimmungen der Reichs-G:müse- stelle nur mit Zustimmung der Stadt erfolgen darf. Wilmersdorf. Ncuansgabc von Bvllmilchkarten. Bis Sonn- übend gelangen die für Kirtder bis zu 6 Jahren bestimmten Fe- bruar-Bollmilchfarten zur Ausgabe. An diesen Tagen haben sich die beteiligten Harishaliunxsvorstöude besonderer Ausgabeordnung gemäß zwischen 9 und 2 Uhr in der für sie zuständigen Brottom- Mission einzufinden und gegen Vorlegung geeigneter Urkunden lnicht poliz'il-iche Anmeldung der Kinder) die ihnen zustehenden Karten in Empfang zu nehmen. Die Ausgabe der Fe!>ruar-Voll- milchkarten für werdende und stillende Mütter erfolgt an den- selben Tagen der dafür vorgesehenen Buchftabcnfolge gemäß im städtischen Lebcnsmittelamt. Wilhelmsaue 114/116," I. Eingang. Erdgeschoß, Zimmer 2ö. Die Ausgabe der auf Grund ärztlichen Zeugnisses bewilligten Vollmilchkarten an Kranke und Genesend« erfolgt durch die Abteilung für Krankenernährung, Wilhelms- aue 114/115, ebenfalls bis Sonnabend. Spandau. Einrichtung einer städtischen Druckerei. Nach dem Vorbilde andener Städte will nun mich Spandau sich eine eigene Druckerei einrichten. Der dortige Magistrat lucht jetzt durch An- zeige im.„Zoitungsperlag" eine gut ausgestattete Druckerei zu kaufen.___ Steglitz. Stellungnahme zur Berliner Vorortgemeinschast. In einer vom kommAnalpolitrschen Verein cinberufsnen öfsent- lichen Versammlung wurde der Beitritt der Gemeinde zu der Ber- liner Vorortgemeinschaft im Kreise Teltow beschlossen und die Orts- gruppe Steglitz begründet. Die Bersammlung nahm dann nach ausgedehnte? Erörterung eine Entschltming an, in der es heißt: „Die Steglitzer Büreierschafl hält die schleunige Schaffung einer der wirtschaftlichen Einheit Troß-Berlias entspuachachhe« Gemeinde. verfassling unter Wahouna dar Tekbständigkeit der Ei�nzelgemein- den für dringend erforderlich. Dabei ist die Erlangung der Stadt- rechte für die Landgemeinde Steglitz und deren AuZicheiden aus dem Verbände des Kreises Telww mit allem Nachdruck anzustreben. Nur durch friedliche, verständnisvolle und tatkräftige Zusammen- arbeit aller beteiligten Stellen kann ein ersprießlicher Erfolg er- wcrrtet werden. Deshalb ist besonderer Wert daraus zu legen, daß die Berliner Vorortgemeinschaft sich mit anderen Gemeinden und kommunalpoli-tischen Vereinigungen Groß-BerlinZ, namentlich auch mit dem BürgerauSfchuß Groß-Berlm, zu gegenseitiger Förderung der gememsamen Aufgaben in steter enger Fühlung hält."__ Reinickendorf. Lebensmittel. Auf Abschnitt 135 der Lebens- miitelkarte werden 150 Gramm Teigwaren verteilt, und zwar je 75 Gramm Auszug- und 75 Gramm Wasserware. Die Ablieferung des Testes A des Abschnittes muß bis zum.Montag bei einem Kleinhändler erfolgen. Der Verkauf firtbet vom 18. d. Mts. ab statt. Der Verkaufspreis für 1 Pfund Wasjeiware beträgt 62 Pf. und für 1 Pfund Auszugware SS Pf. Friebrichsfclde. AuS der Grmeiadcverwaltung. Kinder un° bemittelter Eltern erhalten unentgeltlich täglich 1 Portion warmes Mittagessen in den Gemeinschaftsküchen, in Friedrichs selbe, Berliner Straße, und im Ortsteil Karlshorst in der TreSkowalee, in per Zeit von 12— 2 Uhr. Beschetnignnoen werden hierfür von den zuftändigei? Boxirksvorstebern ausgestellt und wird die Verab- folgung nicht als Armenunterstützung verrechnet, sondern aus dem Wohlfahrtsfonds bestritten. Auskunft in allen kommunalen Angelegenheiten erteilt der Genosse'Gemeindeve»ordn»ter Emil Oehlert, Prinzen-Allee 12, nachmittags von 3— 3 Uhr. Bon heilte an, erhalt jeder Einwohner in dem Geschäft, i» welchem er in die neue Zuckerkundenliste eingetragen ist, auf Ab- schnitt 47 der Lebensmittelkarte ein hakhes Pfund Marmelade für 45 Pf. Ferner in den durch Plakate kenntlich gemachten Ge- schästen auf Zlhschmtt 43 entweder IfiO Gramm lose Suppen- mifchung oder 2 Würfel Suppenuftschung. Von vormittag 9 Uhr ab gelangen heute wieder Mohrrüben zur Verteilung. An jeden Einwohner werden auf Nb'chmtt 51 je 2'ch Pfund zum Preise von H Pf. das Pfund abgegeben. Gerichtszeitung. Urteil im Wcißenseer Baukprozcß. Der seit dem 17. September verbondelie Prozeß ist gestern beendet worden. Es wurden ver- ur«cilt: Der Angeklagte Kmiftnann Walter Kiesel wegen Ver- gchens gegen das Genossenschaftsge'etz ist sechs Fällen und wegen Betruges in einem Falle zu vier Monaten Gefängnis und 5000 M. Geldstrafe; der Angeklagte Bückerrevisor F r i ck wegen Vergehens gegen dos Genossenichastsgeietz zu 500 Mark Geldstrafe, der Angeklagte Bauunternehmer Edmund Ullrich wegen desselben Vergehens zu 100 0 Mark Geld- strafe; der Angeklagte Kaufmann'Hermann Henkel zu 1030 Mark Geldstrafe; die Angeklaoten Telegraphensekretär Karl M e w e§ und Gemeindeoberiekrefär Max M e h l h o s e zu je 30 M. Geldstrafe. Die übrigen Angeklagten: Rechtsanwalt Josef A p p e l r a t h, Fabrikant Max Steinte und Tischlermeister Karl Baichin werden freigesprochen.— In der Begründung des Urteils führte der Vorsitzende u. a. aus: Die Vorgänge, die dem Gericht zur Beurteilung unterbreitet worden sind, liegen zeitlich lo weit zurück, daß eine vollständige Ausklärung des Sachverhalts schwierig und in vielen Fällen gar nickr möglich war. Ein vollständiges Bild über die Ursachen des Zusammenbruchs und die Schuld der einzelnen Angeklagten hat durch die Verhandlung nicht geschaffen werden können.__ Mus aller Welt. 80 000 Mark Schweigegeld für einen Polizeibcamten. Im Dom- Hotel zu Köln war ein Schieber aus Berlin abgestiegen, der großen Werken alle möalichen Waren in großen Mengen anbot: Speck. Erbse», Fleisch, Würste, Käse, Bettücher, Nessel und andere Sroffe. Als er gefaßt wurde, bot er dem Polizeibcamten 80000 M. Schweigegeld. Der Beamie nahm ihn iest. Das Kölner Schöffen- gericht verurteilte den Schieber zu drei Monaten, zwei Wochen Ge» sängniS und>000 M Strafe.— Ein anderer Schieber wurde wegen unlauteren Bullerseschäften zu 30 000 M. Strafe verurteilt. svetiernnssirti»?!, ffer das mittler- Siorodenrichiand vis Freitag mittag. Ostwärts sortschreitcnde Trübung mit weit verbreiteten, im Südosten meist geringen, i» den anderen Gegenden stärkeren Schnee- fällen i mäßiger Fron. Snef?aften der Redaktion. 1217. Die Vollrente wird natürlich nicht weiiergezablt. Sie habe» diese nur für die Zeit Ihrer völligen Erwerbsunsibigteit erhalten. Nach- dem das Heil!) erfahren abgeschlosse» ist, erhallen Sie eine Tellrente. Ob diese Khrer Verletzung entspricht, kömte« wir nach Fhren Angaben nicht beurtxilcn. Sie mühten mit dem Bescheid der Berussgenoftenschast in unsere Sprechstunde kommen.— Wl. S>. 8. Em Anspruch besteht nicht. Bei manchen Truppen, eilen wird eine solche Zulgz« gewährt.—37. KöntgUch Vronßischcu) Ktasseutotterre 1. Klasse 2. Aiehungstag S. Januar 1918 Stak iede aez«b»»» rstiMiMir il»d zwei gleich Hove iLewin»» gellillen, und zwar je rincr auf die Los» atricher Stomnicr in den beiden Slbfciluuaen l und» (Ohne Gewähr A. Et.-A. s. 8)(Nachdruck vel boten) In der BormittagS- Ziehung wurden Gewimie über 50 Mk. gezogen: 2 Gewinne zu 10 000 Mk. 113835 2 Gewinne zu 5000 Ml. 46824 2 Gowimie zu 3000 Ml. 55332 6 Gewimie zu 600 Mk. 27373 85693 188598 6 Gewinne zu 480 Mk. 65197 81875 141623 6 Gewiime zu 300 Mk. 19097 81444 167033 30 Gewinne zu 200 Mk. 876 16895 27790 30359 55464 96761 98437 99041 108019 122460 145312 169033 184310 184440 195282 58 Gewinne zu 100 Mk. 1291 17721 18082 27194 33798 35221 4ß507 51197 68586 59916 61084 70696 71610 73072 74636 76392 91881 102689 124686 127213 13)829 150837 152982 154128 166307 159055 159397 165023 210599 In der Nachmittags-Ziehung wurde» Gewinne über 50 Mk. gezogen: 2 Gewinne zu 50 000 Mk. 59260 2 Gewimie zu 30 000 Mk. 123789 16 Gewinne ,u 200 Mk. 26798 83517 46199 63739 70252 76663 186388 190143 20 Gewinne zu 200 Mk. 10434 34922 69012 113590 139648 162782 156821 166388 161427 173260 82 Gewinne'zu 100 Mk. 4080 11887 16964 18752 22647 27876 31741 44709 62802 61853 63732 64262 66037 68211 71073 72457 75872 75964 79205 91359 95161 110939 111253 118585 119755 130195 136336 136759 1,36851 138265 138780 146030 150246 151901 152681 156639 173062 183490 184004 187891 207376 Di» Ziehung der 8. fllasic der 11./237. Preuß.- Ciidd. tlofien- Lotterie findet gm 12. und 18. Krbrua? 1918 statt. Dirobtion Illax•Roinkarckii. Idcutschos Theater. 7 TThr: l!>«n Carlos. Freitg. 71/,: Dantons Tod. tiairnnersoiele. 8 TThr: Der eingebildete Kranke. Froit. 7s/,: Kinder der Freude Volkahühue. Theater am Biilowplatz. Untergrundb. Schönh. Tor. 7 IThr: Fan st I. Freitag 7'/,: Othello. Dir. C. l/fessiWifch— R ßernauer. Tlieater Köningrätzerstr. 8 U.; Die Straße nach Steinaych Komödienhaus ,/<8 Uhr: Die beiden Seehunde. Berliner Theater V'/jü.iDle tolle KomteC. Anita Berber Trude Hesterberg Kurt Fuss Jan Paul sowie der vollständig neue Januar-Spielplan Theater für Donnerstag, 10. Januar. Centrai-Theater KomTnaiulantenstraße 57. 71/,: Die Csardasftirstln I>cnt»>ch«»H tfüteFHhaus 7 m,.. Das SdlUeno Kreuz. Die glDckliche Insel. Friedrich-'ft'ilhelmst. Theater Das{ireiirifcliiSBS. Kleines Theater vi, TThr: ksi�isllbe?. »Mr 1% tr.: SeliwamaitoltleL Metropol-Theater Die M von Stamliu!. VI, Uhr: Xam 1. Slale. Neues Operettsnliaus SchiSbd. 4a. Kass6nt.Nd.281 Tv.uhriOErSöltlatilerMarie. Ijustsniclhaus T/, Uhr: Die tiMeo Mädels v.Lindeniio! llebid�nz-Tlioator vi, Uhr: LÜH Grün. Schliror-Thelitcr O vi, uhr. Pauüne. »chin�Tti.(tharl. vi,�: Die seJigsExzelleBZ. - thhTRlTMwffu r VI, Uhr; Im üfiti seine Fraaen. Theater am dfcnöitdorfpfah S1,'. Uhr: Hans Huckebein. 7 Ukr: m Theater de» fftustoinT 4 Uhr: H linset und Gretel. T'/.utr.ßervErlielite Berzoi mit Guido Thielsoker URANIA 8 Uhr: Joh. Heinrich Maykemper: Aus meinen Erlebnissen als Kampleger. national.theater] 5 Minuten Jannowitzbriicke. Clipenlckcr Str. 68. j Täglich'flS tiroSer Ertolg! Täglich StwdentewUeiieksti.tÄm�l Sonntag St'h u. 71/, Uhr: Stadentcnlielrchen.| Ververfcatif: t Oft, und ab 6 Uhr abend» Bahnhof FriedrichslraBc Anfang 71/s Uhr. Letzte Saison in Berlin, j Das einzig dastehende| Jan aar p r ogram m fifih 1 iger 1 1 KV Sawade K.V u. d. übr. Spezialitäten j Jfexibo. Orig.-AusstaU.- Pantomime 1 Sonnt. 3l/2 u. ab. 71/, ü. j Nehm. 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Zum Schluß: Mondfahrt, besonders hervorzuheben; Aufstieg im Flugzeug u. Sensations- Absturz. Stg. 3'/, ungekürzt; MondtahM ZIRKUS Krone auf der Bühne d.Tiktoria-Theatcrs (früher Sanssouci) gut geheizt, Rauch, gest. Kottbuser Str. 6. Hechbahnstation Kottb. Tor. ' TeL Moritzplatz 14814. Tägl. 71/, Ukr. Mittw., Sennaband, Sonn- tag''I, und 71;, Uhr. ? Elefanten � Tiger, Löwen,® u. der ar. Sportspielplan.| Vorverk. Zirkus u. Werth. ?ril»n«»ii»??esto? Georgenstr., Bhf. Friedrichstr. Tel.: Zentrum 4927 und 2391. '1.8 Uhr SAer Uhr Lebensschüier. Komödie von Ludwig Fulda. Ida Wüst, Erich Kaisar-Titz, v. Mollendorff, Mart. Kettner. Stg. 3'/, ki. Pr.: Hedda Gabler. UcutKciie Papier- fahrradbereifung Vollwertiger Ersatz für Gnmml. Hält allen j Wltternngs- and StraBenverhältntssen Stund. Bei srroBen Betrieben bereits einxektihrt. Preis für»ine Fahrrad-Garnitur komplett inki Einziehen M. 80.— ab Fabrik netto Kasse gegen Naohnahine "oder vorherige Zabluag. Proberoiken zur Besichtigung am Lager. 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Ich staune. denn solche Vornehmheit kannte ich aei ihr bisher nicht. Sie schien etwas von meinen Gedanken erraten haben, denn bei der Be« grükung haucht sie mir jm:„Ich bin von oben bis unten in Papier gehiilli! Erschrecken Sie nicht, ein.Rühr' mich nicht an" bin ich deshalb noch lange nicht. Und Waich» und sonnenecht bin ich trotz allem... Aus Papiergewebe besteht daS Jackentostüm, die Bluse, das Unterkkeid, se.bsl der Hur. Die Strümpfe sind aus Kunstwolle, das heißt auw aus Papierstoffgcwebe, gestrickt. Die Stiefel be» sieden aus halb und halb, nämlich auS echtem Leder und Eriatz. die Sohle ist elastisches Holz. Nur mein Regenschirm ist echt, und der ist leider schon sehr verbraucht.. Damit ist vollendet, was unsere Papierfabrikanten, Rohstoff» erzeuger und Kon'eklionShäuser allmählich und bedächtig während der beiden letzten Jahren vorbereitet haben. Die Woll- und Baum» woll» sowie Lemenslofse sind ersetzt worden durch ein Papierstoff- gewebe, das dem echten Tuch oder Leinen sehr ähnlich sieht. Nur etwas leichter fällt es aus und weitmaschiger im Kaden als der echte Stoff Karben, Muster, Ausführung und Verarbeitung über- raschen. Im Tragen und in der Behandlung sind freilich einige Bedingungen zu erfüllen. Die Sachen dürfen nicht gekocht und nicht zu berß gewaschen werden. Gegen Regen und Sonne sind sie un- empfindlich. In der Kinder« und Hausgarderobe findet man viele Ueberraschungen, die in der nächsten Zeit manche Lücke ausfüllen werden. Da sieht man in schönem Marineblau die Kieler Knaben» anzüge nachgeahmt mit ihren Malroieickragen und Matrosen- bluien. Die Biedermeier- und Dirndlkleidcven und-Schürzchen und K'ttel für unsere kleinen Mädchen erfreuen in ihrer schönen Bunt» he't. Npch die praktische Gewandung wird hier durch Papierstoff- gewebe ersetzt. Unterröcke, Schürzen, Wäsche und Umschlagelücher sind aus dem neuen Ersatzstoff hergestellt. Ebenso die vielen Hand» arbeiten, die Teppiche und Decken, Vorhänge und selbst die Markt- und Einkaufstasche. Leider sind diese Sachen nicht so preiswürdig. wie man es von einem Ersatzstoff gemeinhin erwarten möchte. Dafür sind sie aber ohne Bezugschein erhältlich. Mit der Heistellung dieses PapierstoffgewebeS befasien sich diele Fabriken. Die Herstellung ist in Deutschland- seit über 60 Jahren bereits bekannt, übernommen wurde sie freilich von den Chinesen, die seit Sliers die niedlichsten Gewänder, Vorhänge und Tcppiche aus einem Papierstoffgewebe verferiiglen. Der deutsche Gerst hat vieles dabei noch ergänzt und verbesfert. •• Die.Umschau' berichtet über ein in der.Papierzeitung' be- schriedenes Patent, nach dem ein Papier herstellbar sein soll, das bei mancher Aebnlichkeit mit dem Pergamentpapier in recht wesent- licken Eigenschaften von diesem abweicht. Zur Erzeugung dieses neuen wasserfesten und gasdichten Papiers wird un- geleimte? Papier, etwa Fließpapier, durch lalle Schwefelsäure von bestimmter Grädigkeii gezogen und dann die überschüssige Säure be- fertigt. Dadurch wird die Papieroberfläche in einen leimarrigen Stoff verwandelt, der die Papierkaiern wafierfest zuiammenklebi und diePoren gasdicht verschließt. Im Gegensatz zum Peigamenl. das nach ähnlichen Grundsätzen hergestellt wird, ist dies Papier undurchsichtig, aber nicht dornartig, sondern weich und elastisch. Wenn mehrere solcher Papierbahnen entweder gleich bei der Herstellung oder nachträglich durch Walzen vereinigt werden, so kann das neue Erzeugnis zum Verichließen von Gesäßen mit schäumeiiden Flüssigkeiten etwa in der Weise benutzt werden, wie man bisher Gummischeiben oder Ringe gebrauchte. Außer der größeren Billigkeit hälte dies Dichuingswaterial den Vorzug von Geschmack- und Geruchlosigkeil gegenüber dem Gummi, nicht zu vergessen, daß Gummi aus dem Ausland stammt, während hier nur einheimische Rohstoffe zur Ver- Wendung kommen. •» • Die GlaSflaschen, die man allgemein zur Beförderung von Milch benützl. haben nach neuen, in Amerika unternommenen Ver« suchen angeblich den Fehler, ziemlich leicht schädliche Keime zurück- hallen zu lönncn. Darum kam man auf den Gedanken, Milch« Haschen aus Papier herzustellen, die nach einmaligem Gebrauch forigeworsen werden können, waS allerdings nur bei Verwendung eines in großen Mengen vorhandenen und sehr billigen Malerials praktisch durchiührbar ist. Nach einem Bericht deS.Prometheus' wurden aus den erwähnten Gründen im Staate Penniyivanien die Milchflaichen aus Glas verboten, und an ihrer Stelle benutzt man Flaschen aus einem leichten, mit Paraffin getränktem Karion. Diele S] Töchter öer hekuba. Ein Roman auS unserer Zeit von Clara Viebig. Aber Lili von Voigt hatte auf ihrem Willen bestanden. Die Mutter hatte die Zukunft dieses schönen verwöhnten Kindes nie anders gesehen alS im Hause eines reichen Mannes; der Vater sah sie an der Seite eines jungen Käme- raden, dessen Leben er vom Kadettenkorps an verfolgen konnte— die Gedanken der Tochter aber flogen Tag und Nacht über die Grenze hin. zu ihm, der sie mit seinen dunklen Augen, die ihr ein Abgrund von Tiefe schienen, gc- fangen hatte. Sie hatte es durchgesetzt, den Wünschen der Eltern ent- gegen. Hoch über dem Hasen von Spezia, über dessen Kriegs- schiffe sie wegsahen in das wunderbare Blau des Mittel- meeres, hatten sie in einem rosa Landhaus gewohnt, mitten in einem Garten, dessen Hänge von Rosen und Orangen dufteten. Es war wie ein Traum gewesen, ein Traum von Duft und Farbe, von Schönheit und Glück.— Und nun war sie doch wieder zu Hause bei den Eltern. „Ich liebe meinen Mann, ich liebe auch Italien— trotz allem', sagte sie zur Mutter.„Sagt nichts auf Italien, ich ertrage es nicht.' Es mußte schrecklich sein für die Tochter! Mit einem kummervollen Blick sah Frau von Voigt in das Gesicht der jungen Frau, dessen schöne Weichheit harte Linien bekommen hatte. Nein, sie würden sich ja beherrschen, nichts sagen, ob- gleich es schwer war zu diesev-Zeit, die ganz erfüllt war von der Empörung über die Treulosigkeit deS einstigen Bundes- genossen. Es war entsetzlich schwer zumal für ihren Mann! Frau von Voigt zitterte innerlich vor einem Ausbruch des Generals. Die drei, die einst so innig zusammen gelebt hatten, saßen sich jetzt frostig und schweigsam bei den Mahlzeiten gegenüber. Ach, wenn doch ihr Mann schon lieber wieder draußen wäre! Wenn die Frau auch die Strapazen für ihn fürchtete, es war doch besser für ihn, für sie alle, als dieser jetzige unerträgliche Zustand. Er, innerlich wütend, war von einer Förmlichkeit gegen die Tochter, wie zu einer Fremden. Es war unerträglich. Aber nur so konnte er sich bezwingen und das zurückdrängen, was ihn jetzt ganz und gar erfüllte: dieses verdammte Italien! Seine Frau fühlte es ihm an: er sehnte sich ungeduldig. fortzukommen. Aber der General mutzte warten, bis seine Flaschen werden in großen Mengen alSFabrikware bergestellt, und zwar mit einer zu diesem Zweck besonder? konstruierten Maschine, die inner- halb einer Siunde 6000 derartige Flaschen zu liefern vermag, und zur Bedienung bloß drei Arbeiter benötigt. Das Grundmaterial ist ei» Holzbrei, und eine Tome desielben genügt sür 600 000 Flaschen. In den Robbrei w'rd ein Stablkern getaucht, um den sich auf dieke Weise ein natloser Zylinder bilde», der dreimal um die eigene Achse gedreht, und dabei jedesmal nach einer Druteldrehung mit einer Zange zusammengepreßt wird. Dann wird der so hergestellte Zylinder getrocknet, von dem Kern abgezogen, eine andere Maschine dient dazu, den Boden einzuleyen und den Deckel aufzupressen. Hierauf endlich erfo'qt zur Erzielung vollkommener Wasserdichligkeit des Para'finbad. Im Durchschnitt dauert die Herstellung dieser Flasche msgesomt acht Minuten, und die Arbeit geichieht aus durch- aus hygienische Weise, da während derselben daö Material nur durch Stahlzangen berührt wird. �arte Zeiten. i. Ich gehöre entschieden zu denen, die das Glück begünstigt. Neulich erhielt ich durch einen Bekannten, der Mitglied eines Kaninchcnzüchterverein« ist, ein Kaninchen. In dieser Zeit der Fleiichknoppheit ein willkommener Sonntagsbraten. Allerdings darf vom Braten in de? Wortes eigenster Bedeutung nicht gesprochen werden, denn daS dazu Notwendige,' nämlich Butter und Speck, war nicht vorbanden. Aber ein Kaninchen schmeckt ja auch geschmort ganz lecker, und überhaupt in der jetzigen Zeit! Mit den übrig gebliebenen Knochen wollte ich Mollh, dem Teckel, der mit mir im gleichen Hause wohnt, eine unerwartete Freude bereiten. Ich tat sie auf ein Stück Papier und legte dies am nächsten Morgen vor die Tür. kurz ehe Molly seinen kurzen Flühspaziergang unternahm. In der Vorfreude de» Augenblick», in dem Molly erscheinen, daS Papier beschnuppern und über den seltenen Fund herfallen würde, stand ich beobachtend am Fenster. Aber der Teckel kam nicht. Ein älterer Mann in abgetragener Kleidung schlich die Straße entlang. Er sah da» Papier liegen, schaute danach, bückte sich hastig und hob es auf. Mit wilder Gier fiel er über die Knochen her und verzehrte sie, soweit er sie beißen konnte. ES waren ja Kaninchen« knochen und daher zum größte» Teil weich und knorpelig. WaS mag diesen Menschen wohl getrieben haben, die Knochen. die für den Hund bestimmt waren, von der Straße aufzulesen und zu effen? Wer will behaupten, daß es Hunger gewesen ist wo doch in unserer großen Zeit jeglichem Einwohner die zur Zugang- Haltung seiner LebcnSmaschinerie nötige Nahrungsmittelmeng- genau zugemessen wird! 11. Neulich fuhr ich im Vorortzuge der Stettiner Bahn nach Berlin. Au» alter Anhänglichkeit benutzte ich den Wagen vierter Klasse, für Reisende mit Traglasten destimmt. Es war s« gegen Abend, der Wagen war besetzt. Meist Leute, die von der Arbeit heim fuhren oder die die letzten Früchte von ihrem Laubenland nach Hau» holten. Auch eine ältere Frau war unter ihnen, ihrem GesichtSauSdruck, ihrer Kleidung und ihrer Sprache nach jenem voll angehörend, das den Hauptieil der Bevölkerung unserer Ostmark bildet. Sie wickelte einige Stücke frisches Fleisch au» einem Papier und erzählte ihren Reisegefährten: .Gehe ich durch den Wald, sehe ich Fuch» stehen. Hat er sich Karnickel gefangen und will er stessen. Ich denke, du frißt Fleisch und ich habe keinS? Ich will Fuchs fortjagen, er bleibt stehen und grmst rnich an. Ich nehme Stock und schlage ihn über Buckel. Fuch» rückt aus. Habe ich Karnickel genommen, er kann sich anderes fangen.' Schneefall. Ob die Schneeschippe in diesem Winker häufig au» der Ecke hervorgeholt werden mutz? Anläßlich de» berühmten Berliner Schneeschipperlasse» gewährt e» eine gewisse Beruhigung, zu hören, daß anhaltende Schneefälle hier selten find, denn es hat sich in 60 Jahren in Berlin nur neunmal ereignet, daß es an sieben oder mehr aufeinanderfolgenden Tagen schneite. Die längsten Perioden von Schneefall gehören der Reuzeit an. Im Jahre 1888 schneite e» jeden Tag vom 26. Januar bis 12. Februar, im folgenden Jahre vom 2. bis IS. Februar. Die größten seit 1887 in Berlin ge- messenen Schneehöhen find 40 Zentimeter am 1. Februar 1907, neue Division zusammengestellt war. Ein Glück, daß er so wenig zu Hause war! Für die Mutter war daS Zusammenleben mit der Tochter auch nicht leicht— Lili war gereizt— sie wußte oft nicht, sollte sie fragen:.waS schreibt dein Mann?" oder sollte sie nicht fragen. Die junge Frau hatte auf der Reise nach Deutschland über die Schweiz den italienischen Gesandten in Bern aufge- sucht. Ihre schönen, verängstigten Augen hatten rührender zu ihm gesprochen als ihre Lippen; er vermittelte ihr den Brief- Wechsel mit dem Leutnant Rossi. Ach, wie sie sich nach ihm sehnte! Sie waren unendlich glücklich gewesen. Nun schrieb er. ganz entflammt, von der Front: Sieg. Sieg I Er schrieb immer von Erfolgen: Italien würde' sich binnen kurzem jene alten Gebiete zurückerobert haben, die unerlöst unter Oesterreichs Herrschaft schmachteten. Er war vollständig von Italiens gerechter Sache überzeugt, er brauchte große Worte. Die junge Frau sah ihn im Geiste vor sich mit dem geröteten Gesicht, die Augen ausgeregt, in einer Begeisterung, die sie nicht teilen konnte, teilen durste. Oder doch, hätte sie die nicht teilen müssen? War sie jetzt nicht auch Italienerin? Ach, die vier Jahre höchsten Glücks im schönsten Lande der Erde hatten doch nicht das Land aus ihrer Seele verdrängen können, in dem sie geboren war. Sie hatte daS vordem nie gewußt. Aber als ihr Mann zu ihr ins Zimmer gestürmt war. leidenschaftlich erregt durch.den schmerzlichen Gedanken der Trennung von ihr. und doch jubelnder Genugtuung voll:.Krieg. Krieg, wir gehen gegen Oesterreich I'— da wußte sie: Oesterreich und Deutschland stehen jetzt zusammen. Und sie fühlte plötzlich, daß sie d o ch nicht Italienerin geworden war. Es schnürte ihr die Kehle zu und preßte ihr das Herz zusammen, wenn sie in den italienischen Zeitungen lesen mußte, wie schlecht es um Deutschland stehe. ES grämte sie weit weniger, daß sie nun einsam vom Fenster ihre? rosa Hauses hinaus in daS wunderbare Blau deS Mittelmecres starrte, als daß sie denken mußte: Deutschland, wie geht es Deutschland?! Die Eltern hatten nicht geschrieben:.Komm', sie hörte jetzt überhaupt nichts von ihnen, sie wartete auch gar nicht darauf, sie wartete nicht einmal niehr eine Antwort ihres Mannes ab, sie reiste nach Deutschland. Wie auf der Flucht. Eine plötzliche unbändige Sehnsucht hatte sie ge- trieben, die Widrigkeiten einer sehr erschwerten Reise machten ihr gar nichts aus-- nur nach Deutschland! Donnerstag, 10. Januar 30 Zentimeter am 13. Januar 1893 und 81. Januar 19V7, 26 Zenu- metcr am 21. März 1888 und 23 Zentimeter am 8. Februar 1897. Nach heutigem Maß lag der Schnee am LI. Dezember 1823 80 Zentimeter und 65 Zentimeter hoch am 10. April 1837. In Mitteldeutschland ereignete sich in den Tagen vom 19. bis 23. De» zember 1886, also unmittelbar vor dem Wcihnachtsfest, ein ge- waltiger Schneefall, der ungeheure Verkehrsstörungen verursachte. Die meisten Eiicnbahnzüge blieben im Schnee stecken, allein in Deutschland sollen damals im Laufe von vier Tagen 240 000 Mil- lionen Zentner Schnee herabgefallen sein. Als eine äußerst scltenc Erscheinung ist ein Berliner Schneefall vom LS. und 26. Mai 1705 verzeichnet worden, der in der.Linden-Allee an der Neustadt" großen Schaden anrichtete, so daß man abgebrochene Aeste fuhren- weis« fortschaffen mußte. Die kältesten Monate sind häufig sehr schneereich, da? trifft auch auf einen der strengsten europäischen Winter seit Menschengedenken, den vom Jahre 1788/89 zu. In Bayern gingen in einem fürchterlichen Schneesturm am 24. und 25. Dezember, bei welchem der Schnee sich haushoch auftürmte, viele Menschen zugrunde. Im Winter 1783/84. der ebenfalls zu den sehr strengen gehörte, fielen in ganz Deutschland riesige Schncemassen nieder, die bei der Schmelze außerordentliche Ueber- schwemmungen und Verheerungen verursachten,„deren man in den Chroniken der ältesten Zeiten kein Beispiel findet', wie es in einem Buche über die strengen Winter in Deutschland im 18. Jahrhundert heißt. Zu Mainz war seit 1505 kein so hohes Wasser gewesen. Köln, Deutz, Mannheim. Heidelberg, Frankfurt a. M., Würzburg, München. RegenSburg, Prag, Dresden, Meißen und andere Etäme erlitten durch Ueberschwemmungen den größten Schaden. Solches Unheil könnt« uns zu keiner Zeit ungelegener kommen, als in diesen schweren KriegStagen.__ Der ekngebilüete firzt. Mollbre bat den„Eingebildeten Kranken' geschrieben: die KriegSverhältnisse in Frankreich haben nun da» Gegenstück, nämlich den eingebildeten Arzt entstehen lassen. Die Geschichte ist, wie .l'Oeuvre' kurz erzählt, die folgende:„Ts gab einen Apolbeker- lehrling. der eingezogen war, sich aber sehr langweilte, einfacher Soldat zu sein. Um wieder Zivilist zu werden, hätte er den Un- tauglichkeitSgrad erlangen müssen. Um Offizier zu werden, hätte er Heldentaten verrichten müssen. Beide» war ihm unmöglich, sei e§ durch die Verhältnisse oder durch persönliche Veranlagung. Da »ahm der Apothekerlehrlina einen Briefbogen, der aus dem Kopf den Aufdruck.Militärische» GeiundbeitSamt" trug, und schrieb darauf seine eigene Ernennung zum Aisistenzarzt erster Klasse. Dann sandte er sich selbst nach Nizza, wo er die Kranken zu behandeln begann. Niemand kam dahinter, daß dieser Arzt in Wirllichkeit gar kern Arzt war. Weder seine Patienten, noch seine Kollegen merkten etwas. Man anerkannte sogar seine Tüchtigkeit, er wurde nach und nach zum selbständigen Arzt, zum Oberaozt und schließlich zum Leiter dreier Lazarette, in Nizza ernannt. Kurz bevor er das Kreuz der Ehrenlegion erhalten sollte, verschwand er spurlos, nachdem er sich selbst einen EerietzungSbesehl ausgeschrieben hat. Augenscheinlich hatte der Spaß ausgehört, ihn zu unterhalten. Sonst wäre er sicherlich eines Tages noch zum Unterstaatssekretär im GesundheitS- Ministerium ernannt worden. Die Leute, die uur Tatsachen begreifen und nickt verstehen, wa» hinter und zwischen den Zeilen verborgen ist, die Leute, die in jedem Ereignis einen Skandal und einen Reinsall erblicken, schimpfen jetzt fürchterlich, nennen den Apothekerlebrling einen elenden Gauner und erklärten, daß die Medizin und die Behörden sich als Betrug erwiesen hätten. Dies« Stellungnahme erscheint unS völlig falsch. In Wirklichkeit hat ein Mensch von außerordentlichen Geistes- kästen eS verstanden, sich über die Mass« und über den bureau- katlschrn Weg hinwegzusetzen. ES handelt sich um keinen Betrüger, sondern um«in Genie, das blitzartig die Geheimnisse der Medizin und der Bureaukralie begriffen ha». Eine geniale Persönlichkeit bat sich gezeigt und ist derschwunden wie ein Meteor. Wir haben schon einmal eine solche Nummer in FranKcich gehabt. Ein Mann, der nichts war, hat sich zum Oberbefehlshaber, zum Ersten Konsul und zum Kaiser ernannt und ist dann verschwunden. Allerdings hat er seine Versetzung nicht selbst angeordnet.' Nottzen. — Max Jun g n i cke I lieft am 10. Jan., abends 8 llhr, im Lessingmnseum eine neue Dichtung»Die Mutter' vor. — Porträge. Im Ronistcnbund spricht Freitag. 8'/«. Uhr. Tauentzinstr. 7 I, Albert Friedenthal über.Die Kunst in ihren Beziehungen zum Monismus'.— Prof. Max Weber au» Heidelberg spricht Sonnabend im Abgeordnetenhaus über .DaS abendländische Bürgertum'. — Leo Trotzlis Bild(aus Postkarte) wird von der Wiener Volksbuchhandlung herausgegeben.(Preis 24 Heller.) Und nun, da sie hier war. hatte sie doch nicht das große Gefühl. daS sie erwartet hatte. Nicht die Beruhigung: zu Hause. Warum hielt der Vater sich so zurück? Warum sprach er nicht ganz unumwunden? Er hatte doch früher niemals mit seiner Meinung zurückgehalten. Die Zeitungen, die er sonst immer liegen ließ, nahm er jetzt an sich: sie ver- gaß. daß sie selbst gewünscht hatte: kein Wort gegen Italien. Und warum fragte die Mutter nicht nach Enrico? Die mußte doch wissen, daß sie heute einen Brief bekommen hatte. Einen ausführlichen Bries. S>e saß auf ihrem Zimmer-- e» war noch dasselbe Zimmer mit den weißen Möbeln und den duftigen Mull- gardinen, in dem sie als Mädchen so gern gewohnt hatte— aber jetzt gefiel eS ihr nicht mehr. Sie fühlte sich beengt. Wo war daS blaue Meer, auf das sie hinauSgeblickt hatte, weit, weil— wo der Garten voller Orangendüfte? Ach, war das doch schön gewesen! Mit umflorten Augen las sie wieder den Brief ihreS ManneS. Er stand nicht weit von Roncegno— daS kannte sie. Da war sie mit der Mutter auch einmal gewesen, als es noch österreichisch war. Sie hatte in Levico das Eisenwasscr getrunken. ES war im zei- tigen Frühjahr gewesen, oben auf den Bergen Winter, aber unten im Tal unzählige ttefdunkle große Veilchen, und die Fluren strahlend im Blütcnschnee der Obstbäume. Als ob daö nun bereits alles wieder Italien gehörte, so schrieb ihr Mann. Der Leutnant Rossi schrieb nicht, wie man an eine Frau schreibt. So schwer er sich auch von ihr getrennt hatte— unten am Berg war er umgekehrt, war noch einmal durch den Gatten zu ihr hinaufgestürzt, hatte sie an der Haustür noch einmal an sich gerissen und noch einmal heiß und lange geküßt— jetzt war er ganz Soldat. Er schilderte ihr seine Stellung, schrieb milttänsche Einzelheiten, soviel er davon berichten durfte. Gestern hatten sie einet» Vorstoß gemacht i« Felsgebict. eine stark be- festigte Stellung deS Feinde» genommen— fünfzig Gefangene, viele Tote— aber eS mußte noch ganz, ganz anders kommen..Evviva Jtalia!'— hatte er damals nicht gerufen, als unten im Hafen dtt Kriegsschiffe hißten, jubelnd gerufen? Sie hörte ihn jetzt wieder rufen. Aus jeder Zeile dieses Briefes rief es, aus jedem Wort. Für ihn gab es nur das eine, daS einzige: Italien und Italiens Sieg. Mvrts. folgt.) Donncrntaff. S«» IT. JaBBap, abends 8'/, Uhr, im Sani 4 das(tewarksckaftshausas: CJeneralTersasiBmlnng. Tagesordmnsjr: Gesebllftshpplpht über den Stand des Voibanda» der Freien Velbsbühnen. Boferenfc: Harr Diretter Oeorg Springer. Antrac des Vorstandes an! StatDtcnändernag. Verschiedenes., M«- Zutritt haben nur Mitglieder gegen Verzelgung Ihrer Mltglledskaria. Pcut! Weihenlee. Sichtrvherg» Strage 110, an? statt. Den Mitgllebern ferner >ur Nachricht, baß mife»' Kollege, ber Lehrer m»m Iiirechter Str. 98 am 1. ftetmar gestorben ist. Die Beerbigrmg flnbei am Donnerstag, den 10. b.Stti., nachmiiing» l'l, Uhr, von bcrSeichenhale be4*m««tb- zlnchbvie» in Mrinidenborf, NAgelftr. t,««4 statt Rege S' erwartet cleiNzung wir» DenNitgliebmi serner zur Nachricht baß tmicr itolleg«, ber Schlosser AMWII WIM Kresscver Ttr. 1» am ö.». Wts. gestorben ist Den Riigüebern zur Nachrl ferner! unser> N. dollege, der stormer Mlk MW Obcrlchöneiveide am 21. Dezbr. gestorben ist Den Mitgliedern ferner mr Nachricht, baß unser Kollege, ber Gärller «S MSkM TresSowstr. 43 gestorben ist. Ehre ihrem«nbenke«! 221/14 Die Ortarervraltung. I f'tftyfmiui<£3*aK Vcrb«rd der Gemeinde« und SiaEtsarbeitcr. Filiale QreS-Serlln.. Den Mitgliedern geben wir hiermit Nachricht vom Tode des Kollege« MZ RM von der öffentlichen De» leuchtung. Beerdigung am Sonn. abend, den 12. yanuar, na Lei Friedhofes Haufen) au?. Ehre seinem Slndenbe»! Um rege Beteiligung bei der Besialtung de? Kollegen ersuch: 186/8 Die Ortsverwaltung. achmlttaal 3 Ubr, von ber eichenballcbe?«cthlttnatte (Mederfchön- ' Zcntralwpband der Sieinarbclter ceatlcölaads. Zahlstelle Berlin. Den Mltglie»««, gut Mach- richr, baß tmser Kollege,»er S.'einmeg EWU Mi am k. Januar»ersterben ist. Die Beerdigung stnbri am Sannaben»,»tu IS. Januar, nachmittag« I Uhr. auf dem nSMstche« jtiti- hos in Buch statt Abfahrt»er Züge vom Slelliner Bahnhof 12.5, a» riefundbrunt�n 12.10. Um rege Beteiligung er. sucht 172/1 Die OrtSverwaltnna. r l'lm 7. Januar starb nach langem, schwerem Leiden meine liebe Frau, unsere guie Mutter Kiiiflä Neuhoff Bh�eM im 52. Lebensjahre. Für die trauernd«» Hinter« bliebenen 128Sb stodertsteustottnedst Kindern dl 20. Koloineftr. 129. Die Beerdigung findet am Freitag, den 11. Januar, nachmittag? 1 Uhr, von der '/alle des Elisabeth» Kirch« ofes.Wostanlstraße, au? statt 155/12» Dsp V«p»te»»d i. Verir.; G. Winkler. Deutldjer Bcdibinder« Verband. (Zahlstelle Berlin.) Am 5. Januar verstarb »vfkr langjähriges Mitglie», die Aldumard eiterin 8e!NS presse!. Glhve ihrem Andenken! Die Beeidigung findet am Donnerstag, den 10. Januar, vachmiltagS 2'/, Uhr. auf dem Jerirsalems« Kirchhof, Sieviölln, Hrrmannstraße, HM. Um zahlreiche Beteiligung ersucht M/1 Die Ortsverwaltung. Zcntral-Verband der Zimmerer öcutfiblands. tahlficlie Berlin und mgegend, Bezirk b. Zk»nbp»L. Den verusSgenoflen zur Nachricht, daß unser Äst- kühnst Wefckert •w 4. Januar verstorben ist. Ahr? seinem Andenken! Die Beerdigung bat gestern ans dem neuen Friedhef w dsr kbi«fh»lzsteaz« statt. oofmiden. 2.15/9 Der Vorstand. Am g. Januar starb nach langem Laiben«ein lieber •Slam««» gilter Sater�»er FleifchSeschauer Heinrich Ssrgau im«3. Lebensjahre. 1294b Die trauernden Hinter« bUebcnen: Berta Bargau und Sobn Bernhard. Die Beerdigung findet am Freitag, den lt. Januar. nachmitlags 3 Uhr, auf dem Friedhos in Marzahn statt ipszialarz Dp. mied,(lolpmeinn f.Sesghleahtahrankh., Haut-, Harn-, Frauenleiden, nervBs. Schwäche,.Beinkranke,• Elirlleh- Huta- Kuren COsaer ISTage). Beb an(TL »•hneU, eiebaru.schmer»- loa ohna Bsrufsatdrang in Dr. HomeTer dt Co. kanz.Labor. l.Blnbunters., Fäden im Hirn nsw. FrfeiFielBtr.fiU onoptik. gegenüber « Käthe, us. Spr 10-1 u. 6-8, Sonnt 10-1. Kenorar ivliSIg, a. Teilzahl. Separate» Oamenzimmar. tMßne � Sföße KrampfadergeschwOre, moh roraUsohmerzhafte Wunden. Entzündung, mit unertrflgl. Jacken heilt ohne Nachteil lt. vielen Brlelcsbericht die aohta„Ollnda-SSolbo". Absat sarlda, naturgera. Wirkung, Abenns wohltuend. 1,40 M. Ctl« Reichel, Barlin 43. äsanbub-nabr. i.* Spezial-Arzt Dr. med. Hmaeh«, Frhirichstr.SOÄXb. Bebanbt van GHvbiltS, Haut. "kravenlelben,(»ej.: st«. Vhrstch.Hntn.Hn. lerzlole, tArzeste»e. bnndlung ohne BerusSstörung. Maitttnleriuchiing. Mäz. Preist lestiahlung. Kbrechftunden 10 bi« l und 4— S. 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S, 4, Hof 4 Treppe». von SchiveiM Seite gemeldet: Da die Unternehmung Betreffs der über Kallnach abgeworfenen Bomben ergab, datz es sich um Spreng- stücke gleicher Art handelt, wie diejenigen von Prunuul, Muttenz und Mcnzikon, wurde die Schweizer Gesandtichafl in Frankreich be- auflragt, der französischen Regierung eine Note zu überreichen, worin nachdrücklich und in aller Form gegen der- arlige Handlungen protestiert wird und dre kalegoriich auf voll- ständige Unterdrückung solcher Verletzungen des Schweizer Gebietes sowie aus Bestrafung der Schuldigen dringt. TÜie die schweizerische Telegraphen-Agentur meldet, wurde der schweizerische Gesandte in Berlin beaustragt, der deutschen Regie- rung das Bedauern des Bundesrates auszusprechen. Aufnahme öer wilson-Hotfthast im Kongreß. Englische Stimmen. Amsterdam, S. Januar. Reuter meldet auS Washington: Wilsons Rede macht« einen tiefen Eindruck auf ir.e Kammer. Viele Staatsmänner, Diplomaten und andere ofsizielle Periön- lichk-tten waren anwesend. Man lauschte mit tiefer Aufm ort- samkeit seinen Worten, die immer wieder von donnerndem Beifall unterbrochen wurden. Wilsons Erklärungen bezüglich Elsaß-Lothringens riefen eine große Kundgebung her- vor. Die ganze Versammlung klatschte Beifall. Alles in allem genommen, wurde die Rede Wilsons von den Kongreßführern mit großer Begeisterung ausgenommen. Der Vorsitzende des Komitees aus dem Senat für die auswärtige» Beziehungen, Stonc, erklärte, mit dem Präsidenten volliemnnen einer Meinung zu sein. Andere Senatoren nannten die Rede Wilsons größtes Staatsstück. Ter Vorsitzende aus dem Abgeord- netenhause für. dre auswärtigen Angelegenheiten, F l oo d, sagte: „Ich glaube, daß die Rede den Bundesgenossen in Ruß- lano neuen Mut machen wird." Das„Hondelsblad" erfährt aus London: Es war bereits 2 Uhr nachts, als Präsident Wilson seine Rede beendigt hatte. Die Telegramme darüber kamen denn auch zu spät'an, um den Mor- genblättcrn Gelegenheit zu geben, die Re�e zu besprechen. Das „D a i l h C h r o n i c l e" sagt in seinem Kommentar: Wilson hat wieder einmal die große Gelegenheit ergriffen, um nicht nur dem eigenen Volke, sondern auch der ganzen zivilisierten und sich der Verantwortlichkeit bewußten Menschheit den Weg zu zeigen. Die guie Wirkung, welche die Rede Lloyd Georges in der ganzen Welt hervorrief, mutz enorm durch den Appell verstärkt sein, der nun von �Washington aus an die Welt gerichtet wird, und in dem der Präsident der Vereinigten Staaten wieder einmal gezeigt hat, welche Autorität er als moralischer Politiker und als Wortführer der demokratischen Zukunft in einer neuen Welt hat. Man wird gemerkt haben, daß Wilson die Erklärungen von Lloyd George bestätigte, doch zugleich auch ein Frie- densprogramm in die Welt hinaussandte, welches noch kategorischer und deutlicher ist. Man hat hier anerkennend konstatiert, daß die Rode in der Hauptsache eine Einladung an die Mittelmächte war, nun endlich die Geheimnistuerei auszugeben und ebenso offen- herzig wie die Alliierten es taten, ihre Kriegs- ziele bekannt zu machen. der Krieg auf öen Meeren. Berlin, 8. Januar. Im Atlantischen Ozean und im Nermclkanal sind lürzlich von unseren U-Booten b Dampfer und ein Segler versenkt worden. Mit Ausnahme eines waren sämtliche Dampfer bewaffnet und fuhren in Geleit zögen. Einem unserer U-Boote gelang cS durch zähes Festhalten und geschicktes Manövrieren aus ein und demselben Geleitzug drei schwerbeladene Dampfer z» vernichten. Unter diesen befanden fich die englischen bewaffneten Dampfer Bernnrd(3682 To.) mit Kohlen nach Gibraltar und Bristol Eity 12511 To.) mit Stückgut, hauptsächlich Chemikalien, die nach New Dork bestimmt waren und nach Angabe der Besabung einen Wert von annähernd 40 Millionen Mark hätten. Ter Segler war ein Bollschiff von annähernd 2000 To Größe. Ter Ehes des Admiralstabcs der Marine. Ter Euidcn. Kommandant ausgetauscht. Rotterdam. S. Ja- nuar. Per erste Transport der deulichen Austquschgefange- nen aus England auf Grund des Abkommens vom 2. Juli 1017 trifft wahescheiiilich Ende die'er Woche in Holland ein. Unler ihnen wird sich auch der Konimandant des deutschen Kreuzers Emden, Fregatrenkapitän Karl v. Müller, befinden. Der Fall Tromp dementiert. Das Haager Korrespondenzburcau erfährt von durchaus zuverlässiger Seile, daß die Meldung des „Delftschen Courant" über den Zwischenfall mit dem nieder ländischen Kriegsschiff Tromp unrichtig ist. Kleine Kriegsnachrichten. UeberseetranSport von Lriegsgefangenen. Im niederländischen Auswärtigen Amt fand durch den deutschen und den britischen Ge° sandten und die Direktionen der Tampfschiffahrisgesellichaften Rotterdamer Lloyd und Zeeland die Unterzeichnung von Kontrakten betreffend den Ueberseetransport von britische» und deutschen Kriegsgefangenen statt. Wirtschaftsfragen vor öem Hauptausfthuß. Um anderen wichtigen Ausschüssen genügende Zeit zu ihren Ar« Veiten zu lassen, ist eine Vereinbarung dahin getroffen worden, daß diele Ausichüsie vormittags lagen, währenddem der Hauptausschutz seine Tagungen am Nackimitlag abhält. Bei den am Mittwoch fortge'etzlen Beratungen über die künf- tige Gestaltung der' H a n d e l s v e r h ä l I n i s se mit O e st e r r e i ch- U n g a r n, die wieder streng vertraulich waren, sprachen die Abgg. Frhr. v. Bamp, Graf Schwer in-Löwitz. Wurm, Gotbein Noske und Rösicke. Die nächste Sitzung des HauptauSschuffes findet Freitag nachmittag statt, und zwar gelangen zur Verhandlung die privatrecht- Achen Verhältnisse. � Deutfthlanös �dompteuee�. Oldenburg knallt auf Sozialdemokraten, Wangcnhcim auf Tiplomaten. Vor einer wrstpreußischen Bundlerparade haben Ol- denburg-Januschau und Frbr. von Wangen- heim-Spiegel ihr Herz entladen. Sie fochten mit starken Argunienten, denn sie erklärten kurzerhand, alles tot- schießen zu wollen, was etwa anderer Ansicht wäre. Auf den Januschauer hat offenbar die ZirkuS-Busch-Luft der großen Vündlerparaden nachgewirkt, denn er hielt Plötzlich das deutsche Bolr für eine wilde Bestie und. sich für den Dompteur, der es mit der Peitsche zähmt. Aber lassen wir die Herren selber reden. Herr von Wangenheim erklärt: Der Staatsmann, der einen Frieden ohne KriegSenifchWi- aung schließt, müßte als Landesverräter niedergeschossen werden. (Stürmischer Beifall.) Auch Herr v. Oldenburg schießt, aber er sucht sich seine Ziele unter der Arbeiterschaft aus: Durch Erzberger und Schcidemann wird das Deutsche Reich vor der ganzen Welt zum Narren gemacht. Wenn ich etwas zu sagen hätte, würde ich Erzberger in den Schützengraben schicken und Schcidemann muffte sich im Hilfsdienst nutzlich machen. Wenn die Sozialdemokraten keine Munition machen wollten, dann würde ich sagen: Wer sein Batcrland in der Not verläßt, ist ein Hundsfott. Tann muff man sie zwingen und die Rädelsführer an die Wand stellen und totschießen.(Graßer Beifall.) Die Re- gierung mutz sein wie ein Dompteur, mal streicheln, mal mit der Peitsche knallen. Wer bloß streichclt, ist ausgeworfen. Was will man unter allgemeiner Voffsabsttmmung verstehen?_ Wer durch Polen hin und her geritten ist. wird mit Blücher sagen: Vax populi, vox Rindvieh.(Stürmische Heiterkeit.) Wir sind weit entfernt, diese Oldenburgiaden tragisch zu nehmen. Denn wo der Dompteur austritt, da pflegt auch der Clown nicht weit zu sein. StaatsanValtschaft gegen Polizeipräftöium. Folgen von Neukölln. Wie wir hören, beabsichtigt die Staatsanwalifchast gsgen alle im„Vorwärts" genanM? Stellen wegen HöchstpreisüHerschreitun- gen ein Verfahren einzuleiten, also auch gegen das Kall Polizei- Präsidium Berlin. Wir nähern uns dem erhabenen Augenblick, in dem de: Polizeipräsident, Herr v. Oppen, vom Staatsanwalt in festes Gewährsam gebracht wird unter den Klängen des schönen Liedes:„Ha— cha— Hammer dich emol, emol, emol bei dei'm geflickten Kamisal". Aber vielleicht erinnert sich der Polizeiprästdent unterwegs des Ausspruckies, daß eS keinen Menschen in Berlin gibt, der die Höchst- preise nieSt überschritten hat, und dann werden wir das sonderbare Schauspiel erleben, daß Staatsanwalt und Polizeipräsident sich gegenseitig für verhaftet erklären. Ernst gesprochen: Das ganze Verfahren gegen die Opfer des Kriegswuchcrs hat natürlich nur dann einen Zweck, wenn es darauf ausgeht, die Nutznießer zu ermitteln und der Gerechtigkeit zuzuführen. Es ist zuzugeben, daß der Bandwurm sehr lang ist, aber wir sehen immer noch nur Glieder und keinen Kopf. Der Kopf ist nicht in den. Städten zu finden, sondern ganz wo anders. Hier wird aber nicht nur mit strafrechtlichen Maßnahmen, sondern noch mehr mit organisatorischen vorgegangen werden müssen. All dies Unerguicklickie erbält erst feinen rechten Sinn, wenn eS endet mit der restlosen Erfassung der Produkte am Orte der Erzeugung: �_ Gegen verschleierte Annexionen. Tie Bewegung im Lande. Bielefeld, S. Januar.'(Eigener Drahlbericht des„Vortv.D Für einen Frieden ohne Annexionen und Entschädigungen sprach sich gestern abend eine von mehr als 2060 Personen besuchte Volks- Versammlung auS. Der Redner, Genosse Severing, fand an jenen Stellen seiner Rede den stärtften Beifall, in denen er sich gegen die Versuche der Regierung und anderer einflußreicher Stellen wandte, die in der Antwortnote an den Papst gegebenen Richtlinien zu verlassen und verschleierte Annexionspolitik zu treiben._ Nachklänge Zur Schlacht am Blexanöerplatz. 3ll!deutfche Beschänigungsversuchc. Die Entrüstung, die wir über die Mißhandlung der Kriegsbeschädigten durch die„Vaterlandspartei" aussprachen, wird van der gesamten Presse geteilt, soweit sie nicht direkt im Solde der Alldeutschen steht. Doch auch von den alldeut- schen Blättern suchen sich schon einige zurückzuziehen. Die „Berliner Neuesten Nachrichten" z. 23. sprechen von„hoch st bedauerlichen Vo r g ä n g e n" und erteilen ihren Ge- sinnungsgenossen wenigstens eine leise Rüge, daß sie nicht die Zurückweisung der Zwischenrilfe dem Porsttzenden und dem Redner selbst überlassen haben,„wie es richtig gewesen wäre". Wenn sich dasselbe L3latt zur Entschuldigung des unglaub- lichen Ausfalls Fuhrmanns auf das Stenogramm beruft, so kann uns dieses nicht maßgebend sein gegenüber dem, was nicht nur wir. sondern auch hundert andere mit eigenen Ohren gehört haben, zumal da das Stenogramm an der cnt- scheidenden Stelle abbricht und nur„großen Tumult" der- merkt. Andere alldeutsche Blätter macht dagegen ihre grenzenlose Verlegenheit nur noch dreister. Die„Kreuzzeitung" wendet den alten reaktionären Trick an, den Bund der Kriegsbeschädigten und Kriegsteilnehmer als eine sozial- demokrattsche Organisatton hinzustellen. Daß er das nicht ist, daß er alle freiheitlich gesinnten Kriegsbeschädigten und .Kriegsteilnehmer zu sammeln sucht, daß gerade auch die von der alldeutschen Presse am heftigsten angegriffenen Personen nicht der Sozialdemokratie angehören,' haben wir hier schon dargelegt. Aber im Grunde ist das ganz gleichgültig. Denn auch ein sazialdemokrattscher Kriegsbeschädigter bleibt ein Kriegsbeschädigter, der für des ganzen deutschen Volkes Wohlergehen seine Gesundheit und Knochen geopfert Hot. Man sollte glauben, daß so etwas nicht mehr ausdrück- lich gesagt werden müßte. Aber der„K r e u z z e i t u n g" muß es gesagt werden, denn sie bemerkt am Schlüsse ihrer Darlegungen zynisch: „Wenn also be: der Versammlung der Deutschen Vater- landspartei' am Dienstag einer sozialdemokratischen Spreng- Wonne das Schicksal eines wohlverdienten Hinauswurfs beschieden wurde, so macht das absolut keinen Unter» schied, ob diese Sprengkolonn« aus KriegSver- letzten oder nicht bestanden hat." Dieselbe, gerade vom„vaterländischen" Standpunkt aus entzückende Auffassung, daß man einem Kriegsbeschädigten keine Rücksicht mehr schuldig ist, sobald er anderer Ansicht ist als die Vaterlandspartei, vertritt auch die„Deutsche Zeitung". Sie beinerkt mit dialektischer Feinheit: „Wenn ferner behauptet wird, die KriegLbeschädigien und Kriegsteilnehmer seien aus dem Saal gemiefen worden, stj ist das«ine»-»utzte llnp»«i>rß«it, denn es ist v»m Vorstandstische ausdrücklich erklärt»erden, daß man lediglich der von den Ruhe- ftörern bewiesene« Gesinnung die Tür weise." Also nur die Gesinnung ist hinausgewiesen worden! Wir müssen leider aus eigener Anschammfi konstatieren, daß mit der Gesinnung auch die Träger dieser Getinnung hinaus- gewiesen, und nicht nur hinausgewiesen, sondern hinaus- geprügelt und hinausgestoßen worden sind. D«s ist ja eben der Skandal bei der Geschichte, daß eine größten- teils aus Heimkriegern bestehende Versammlung den Kriegs- beschädigten nicht einmal soviel Respekt entgegenbrachte, um ihre abweichende Gesinnung in Ruhe zu ertragen. Aber auch nur von der Blamage, die Gesinnung der Kriegsleilneh- mer aus dem Saal gewiesen zu haben, kann sich eine„Vater- landspartei" nicht mehr erholen. Festgestellt werden soll schließlich, daß die gesamte all« deutsche Presse über die von uns, dem„Berliner Tageblatt", der„Vossischen Zeitung" und anderen Blättern erwiesenen Fälle der Mißhandlung Kriegsbeschädigter nach wie vor schweigt und immer nur von einem„Hinausweisen" redet, wo ein H i n a u s p r ü g e l n stattgesunden haß Auch die Deutsche Baterlandspartei selbst hat bisher die Sprache noch nicht gefunden. ffrmee unÜ Politik. Mit den Erlassen des Kriegsministers, nach denen die Armee der Politik fern gehalten werden soll, dürfte wohl im Widerspruch stehen folgender Regimentsbefehl, der bei einem im Osten stehenden Feldarttllerie-Regiment den Mannschaften zum Appell verlesen wurde: D:e Offiziere und Mannschaften sind einig in dem Wunsche nach Frieden mit Rußland, aber die Bedingungen, unter welchen jetzt Frieden geschlossen werden soll, bezeichnen sie als schmachvoll für Deutschland, sie entsprechen nicht unseren Lei- stungen und Opfern. Lieber wollen Offiziere und Mannschafte» weirer kämpfen gegen England Dieser Befehl wurde den Mannschaften als ihre angeb- liche Meinung verlesen, ob esauch ihreMeinung sei, hat man sie nicht gefragt. Halbamtlicher Protest gegen dag„Größere Deutschland�'. Unter der Ueberschrift„Frech verleumden, etwas bleibt hängen", kämpft die„N. A.Z.* gegen einen Artikel des amerikanischen„Wallstreet- Journal" vom 5. November. Dieser Artikel hat dem deutschen Kaiser verschiedene Aentzerungen in den Mund gelegt, so auch die vom„Triumph des größeren Deutschland". Die„N. A. Z." ex.» zeichnet diese Aeutzerung als freche Verleumdung. Noch besser als durch kräftige Worte kann die Regierung derartige Fälschungen durch ihr tatsächliches Verhalten widerlegen. Eine Konferenz der Finanzminister der deutschen DundLsstaateu tritt nach einer Meldung des„Lokal-Anz." in diesen Tagen in Berlin zusammen, um mit dem Reichsschcchamt finanzielle Fragen zu erörtern. Angeblich handelt es sich nur um einen informellen Meinungsaustausch. Mobilmachung der Baterlandspartei. Die Vatcrlandspartct plant große Dinge. An den Kaiser soll ein Dcpeschensturm lvsgr- lassen"werden, der Küblmanns Entlassung fordert, am 20. d. M. will man in ganz Deutschland Versammlungen abhalten. In einem Rundschreiben werde» hierfür genaue Anweisungen gegeben: Die Ortsgruppen solle telegrap bisch Besucherzahl und die Zahl der neuaufgenommenen Mitglieder melden. Auch wo keine Per- sammlungen stattfinden, sollen die Ortsgruppen ihre M i t g l i e- derzahl telegraphieren.(Was bereitet sich hier vor?) Man will sogar— wie wir schließlich noch erfahren— der besonderen Umstände halber von einer Verprugelung der Kriegs- beschädigten beding terweise Abstand nehmen, falls diese am Eingang der Versammlung feierlich geloben, zu allen Reden der Baterlandspartei nur ja und amen zu sagen. Letzte Nachrichten. die üeutsche Wassenftillftsmös-KommijKon in Simaburg. Berlin, 9. Januar. Die Mitglieder der deutschen Waffenstill- standS-Kommission in Dünaburg überschritten am 2b. Dezember 1917 d i e russischen Stellungen aus der Ehau?ee .Kowno— Dünaburg. Sie wurden hier von Vertretern der russischen Militär- und Zivtlbebörden empfangen und fuhren mit AutoS nach Dünaburg weiter, wo Wokvt- und Avbeitsrcmme in cineor Privatgebäuds bereitgestellt ivarcn. Die Waffenstillstands-Kommission Dünaburg ist in ihrem Vc- reiche, d. h. von der Ostsee bis zur Düna, auf Grund des Punktes 7 des Vertrags in erster Linie für die Bearbeitung aller sich aus dem Vertrage ergebenden militärischen Fragen zu- ständig. So beriet z. B. die erstmalig am 2K. Dezember zusammen- getretene Kommission bereits über die Festlegung der durch Punkt 4 des Vertrages vorgesehenen Verkehrs st allen an der Front. Aber auch Fragen aus dem Gebiet des Post, und Eisenbahnverkehrs bildeten bereits Gegenstand der Er- örternngen. Infolge von Vorbefprechungen der deutschen Kam- Mission mit Vertretern der russischen Eisenbahnbchörden konnten bereits auf deutscher Seite örtliche Konferenzen von Offizieren und Eiseniahnfachleuten beider Staaten zwecks beschleunigter Wiederherstellung und Inbetriebnahme der Strecke Wilna— Dünaburg stattfinden. Wie wir hören, werden die Verbandlimgen beiderserÄ rn entgegenkommendster Weise geführt. Dir russischen Bcbördrn in Dünabnrg sind sichtlich bestrebt, unsere Feldgrauen in Dünaburg vergeffrn zu machen, daß sie sich in Feindesland befinden._ Waffenstillstand und TruppenVewegungciu Berlin, S. Januar.(W.T.B.) Ein Londoner Telegramm der „Gazette de Lausanne" vom 8. zitiert eine» Funkspruch der russischen Regierung, wonach cntgegenX de« Waffen st ill st andSbedingnngen die deutschen Mann, schaften bis zu 35 Jahren f ü r d e» W e st e n herausgezogen w»r. den. Dir Truppen hätte« die llebersührung nach der Westfront für eine Hinschlachtung erklärt, 25 090 deutsche Soldaten in der Gegend östlich Kowno sich verschanzt und gemeutert. Diese Nachricht, deren Sinnlosigkeit durch das Märchen von den 25 000 Nteuterern charakterisiert wird, ist in jedem Punkte er- logen. Die genaue Inn ehaltung der vcreiubarten WaffcnstillstandSbcdiugungen durch die Deutschen ist von den Russen mehrfach anerkannt worden. Die Militärpflicht in Amerika. Amsterdam, 9. Januar. Nach einem hiesigen Blatte wird der „Times" aus Washington gemeldei, daß der Ober st e Gerichts» Hof der Vereinigten Staaten das militärische Dienst- pflichtgosetz gutgeheißen hat. Der oberste Richter White erklärte, daS Gesetz passe in den Nahmen der Verfassung, da der Kongreß die Macht habe. Krieg zu erklären, was von selbst die Macht in sich schließe, die Bürger zum Militärdienst in der Heimat und im Auslände zu zwingen. Indische FrrilicitsLcwegung. Rotterdam, 9. Januar.„Nieuwe Rotterdamsche Courant" be« richtet aus englifchen Blättern, daß am 26. Dezember in Kalkutta ein indischer nationaler Kongreß eriffnek wurde. ES waren 4090 Abgeordnete erschienen und eS herrschte große Begeiste» rung. Mrs. Besant, die den Kongreß er ist knete, verlangt« die so- fortige Annahme eines Gesetzes durch das englische Parlament, das Indien eine Sclbftrrgiernng nach australischem Muster ge- währt. Mrs. Besant sag:c: Indien lrcgt nicht länger auf den Knien, um Wohltaten zu erbitten. Es verlange Rechte, dies sei die Freiheit, für die die Alliierten kämpften, dies fei die Demo- kratic und der Geist bex neuen Zeil. GewerkschafisbelvVlMg Verbanüstag öes Sauarbejtek-Verbanües. Verbandsvorstand und Beirat des BauarbeiterverbandcS berufen einen Nerbandstag zum 11. März 1918 noch Nürn- berg ein. Seit dem letzten Verbandstage sind mancherlei Wandlungen und Erscheinungen zu verzeichnen gewesen, die eine gründliche Ueberprüfung der Verbandssatzungen und -einrichtungen nötig machen. Hinzu kommt noch, daß bei den Verbandlungen über eine weitere Teuerungszulage im No- vember vorigen Jahres vor dem Neichswirtschaftsanrt in Berlin der Untcrnehmervsrband die Verlängerung des Tarif. Vertrages um ein weiteres Jahr(bis 31. März 1919) als Gegenleistung verlangte, für die die Verhandlungsführcr des Verbandes die Verantwortung allein nicht tragen, sondern die Entscheidung darüber dem Verbandsvorstand überlassen wollten. Dem hat sich auch der Verbandsbeirat angeschlossen. Mit der Bekanntmachung über die Einberufung des Verbands- tages uisterbreiten beide Körperschaften den Mitgliedern ein vollständig überarbeitetes Statut. Verwaltungstechnisch, wie im Beitrags- und Unterstützungsweien. wird eine Reform an Haupt und Gliedern in Vorschlag gebracht. Die Gliederung des Verbandes zu großen Bezirksvereinen, die schon aus tariflichen wie aus wirtschaftlichen Umständen nötig erscheint, soll nach der Vorlage die Regel bilden, und nur ausnahmsweise sollen Ortsvereine dort bestehen, wo sie isoliert und an an- deren Orten keine wirtschaftliche Einheit bilden. Das Ein- trittsgeld soll nach dem Lebensalte? der Eintretenden aboe- stuft werden und von 1 M. bis aus 5 M. steigen. Ganz ve> sonders wichtig erscheint die Vorlage des Verbandes in bezug auf das Unterstützungswesen. D:e Kronken» und Arbeits- lasenunterstützungen sollen auf die Dauer von 72 Tagen in jedem einzelnen Fall und für das ganze Jahr hindurch ge- zahlt werden. Visher waren die Wintermonate von der Zah- lung der Unterstützung ausgeschlossen. Dann sollen die Mit» glieder während einer UnterstützungSveriode vom Beitrag befreit sein. Tie Unterstützungssätze selbst werden erheblich erhöht. Sie steigen je nach Dauer der Mitgliedschaft und Beitragshöhe' bei der Arbeitslosenunterstützung von SO Pf. bis zu 3.30 M., bei der Krankenunterstützung von 50 Pf. biß zu 2,20 M. täglich. Wichtig ist noch, daß diese erhöhten Unterstützungssätze ohne weitere Karenzzeit zur Auszahlung gelangen sollen und die in den früheren Verbänden zurück- gelegte Mitgliedschaft bis zum Jahre 1905 angerechnet werden soll, so daß ein sehr erheblicher Teil der Mitglieder sofort in die höchste UnterstützungSklasse gelangt. Auch die Unter- stützung in Gterbefällen ist erhöht. Sie steigt von 20 M. biS zu 132 M. Wie die Entwertung deS Geldes bei de? Normierung dieser Sätze tu Betracht gezogen worden ist, so �ist dies duch bei der Streikunterstützung geschehen. Die täglichen Sätze, die im ersten Jahre der Mitgliedschaft in der untersten Beitragsklasse mit 1,70 M. beginnen und in der höchsten Beitragsklasse mit 3,50 M. enden, steigen in Abständen von 3 zu 3 Jahren nach mehr als zehnjähriger Mitgliedschaft auf 3 M. in der untersten BcitragSklasse und auf 5 M. täglich in der obersten. Für jugendliche und ältere vorübergehend er- werbSunfähige Mitglieder sind in allen Klaffen Nebenstufen eingerichtet. Diese erhebliche Mehrbelastung will der. Ver« band durchführen bei einem Beitrag, der, nach Stundenlöhnen und auf 52 Wochen im Jahre verteilt, wie folgt bemessen wird: Bis zu 50 Pf. Stundenlöhne: 50 Pf. Hauptkassenbeiträge. von 51 bis 69 Pf.: 60 Pf., von 51 bis 70 Pf.: 70 Pf., von 71 bis 80 Pf.: 80 Pf., von 81 bis 90 Pf.: 90 Pf., von 91 bis 100 Pf.: 100 Pf., über 100 Pf.: 110 Pf. Dabei wird zur Grundlage für die Berechnung des Bei- tragssatzeS eine Erhöhung nm 20 Pf.� in Vorschlag gebracht auf diejenigen Beitragssäfje. wie sie für den im Jahre 1913 geltenden Tariflohn normiert worden sind. In dem„Grundstein" hat bereits eine lebhafte DiS-, kussion eingesetzt über die bisher in großen Umrissen den Mit- gliedern bekanntgegebenen Vorschläge. Hoffentlich finden diese sorgsam abgewogenen Leistungen und Gegenleistungen den Beifall der Mitglieder und die Anerkennung des Ver- bandstageS. � Achtung! Rohrleger vnb Helfer Z Auf vi-lsach-«nfrogen teilen toir mit, datz gemeitz Vereinbarung mit dem Ärbeitg eberverband vom t. Fanuar ab jeder Rohrleger und Helfer 12 Pf. Zulage pro Stunde zu erhalten hat. Deutscher Metallarbeiterverband. Verwaltungsstelle Verlin. Ein Protest ans de» städtischen Jrrenanstalteiu Eine stark besuchte Protest Versammlung der in den städtischen Jrrenpflegeanstalten Berlins beschäftigten Arbeiter, Handwerker und Angestellten tagte am 3. Januar d. I. im B-rlmer Äewetk'ckaftS« h-mie. Der geräumige Saal konnte nicht die Menge der Teilnehmer fasten, die Kopf an Kovf gedrängt stand. Frl. Friedrich vom Verband der Gemeinde- und StaatSarbeiter berichtete über die Zustände in den Berliner städtischen Jrrenpflegeanstalten und über die Zurücksetzung der dort Beschäftigten bei derSewäbrimg von Lobn- und TeuetimgS- zulageu. Die Lebenömiltelnot, unter der die Gesamtheit der städti- scheu Bevölkerung zu leiden dat. wird in den städtischen Anstalten noch dadurch verschärft, datz das Personal nicht einmal die Rationen rrbält, auf die eS auf Grudd der Lebensmittelkarten Anspruch bat. Während Personal und Kranke, sofern eS ihnen nicht möglich ist, sich auf eigens Koston Nahrungsmittel zu beschaffen, fast dauernd vom Hunger gepeinigt find, wurde an Hand eimger Speise- zettel aus den Anstalten Dalldorf und Herzberge fest« gestellt, datz die Teilnehmer d«S ersten und zweiten TilcheZ, die Llerzte und das Oberpflsgeperfonal. bis heute noch keinen Mangel kennen gelernt haben. Hier gibt eS noch in bunter Abwechselung: Schokoladen-. Haferflocken- und Brühiuvpen; Fisch. Fleisch und Hühner: Milchreis, FlommeneS. Apfelluchen usw.! Bon der Vinheiwlüche. für die man tSeoreusch im Magistrat ein- tciti, ist hier»och kein« Spur zu entdecken! Neben der NahrungLmiitelnot macht sich nun m den Anstalten noch in unangenehmster Weise der Kohlenmanget bemerkbar. Aus der Anstalt Wuhlgarten wurde berichtet, datz die Anstalt im Dezember acht Tage lang, und zwar gerade während der Wechnachtö- teierrage, wegen Mangel an Kohlen urcht geheizt werden konnte!!— So unzureichend wie die Beköritgung und die Feuerung find auch die Löhne de5 Personals und der Arbeiterschaft. Den Hand- werlern und Heizern ist vor kurzem eiue Lohnzulage von 12 M. pro Monat C) zugebilligt worden. Sie beziehen jetzt einschlietzlich der ihnen wäh,e»d deö Krieges gewährten Sohn» und Teuerung«- zulagen einen Monatslohn von 180 bis 220 Mark. wozu bei den Verheirateten noch ein« Kinderzulage von 7.60 M. für jedes Kind kommt! Die Gutsarbeiter müssen fich so- gor mit Monatslöhnen von 174 bis 177 Mark be- gnügen. Naturalbezüge haben dieselben nicht. Wirtschastlich am schlechtesten gestellt sind jedoch die Pfleger, von denen ein grotzer Prozentsatz verheiratet ist. Das Durchschnittseinkommen des ver- heirateten Pfleger« mit nwei Kindern beträgt zurzeit 13 2 Mark pro Monat, wozu für ihn selbst dann noch die AnsialtStost kommt! Wohl find in lenter Zeit vom Magistrat und den Siadtverordnerrn mit Rücksicht auf die Not der Be- amten und Fest angestellten einmalige und laufende Teuerungszulagen bewiMgi worden, aber gegen die wirtschaftliche Not dieser niedrigst bezahlten Gruppen von städtischen Arbeitern und Angestellten ist bisher noch nichts getan worden. Hat doch die Deputation für die städtische Jrrenpflege erst im Dezember aus die Annage des Personals und der Arbeiterschaft erklärt, datz fie leider nicht in der Lage ist. schon wieder mit neuen Vor- schlagen an den Magistrat heranzutreten und onbeimgestellt. die An- trage nicht Weiler zu verfolgen! Die Antwort aus dieses Ansinnen der Deputation war der einmütige Protest der Beschäftigten, der in der nachstehenden einstimmig angenommenen Entschließung zum Ausdruck kam: „Das am 8. Januar ISIS im GewerkschaktSbause zu Berlin versammelte Betriebs-, Guts-, HouS- und Pflegepersonal der städtischen Jrrenpflegeanstalten Buch. Dalldorf. Herzberge und Wühl- garten erbebt einmütig Protest gegen die in de» städtischen An- stalten zurzeit herrschenden Zustände sowie gegen die Ablehnung seiner Lohnanträge. Das it, Kost und LogiS stehende Personal steht sich durch den in den Anstalten herrschenden Mangel o» Nahrungsmitteln und Feuerung und die dadurch steigende Erregung unter den Patienten, in seiner Gesundheit und Arbeitsfähigkeil ernstlich bedroht. ES er- wartet, daß durch das sofortige Eingreifen des Magistrats entweder der Kost- und LsgiS zwang durch entsprechende Lohnerhöhung ab- gelöst wird, oder aber durch Einfübrung der Einheitsküche in den Anstalten für eine auch unter den jetz'gen Vethällnissen mögliche ausreichende Ernährung des Personals und der Kranken Sorge getragen wird. Die Versammelten erklären die ihnen während d-s Kriege» gewährten Lohnzulagen für völlig unzureichend. Sie stellen fest, datz selbst die verheirateten Handwerker in den Jrrenpflegeanstalten mit ihrem Einkommen hinter dem der ledigen ungelernten Arbeiterinnen in den städtischen Gaswerken zurückstehen. Sie nehmen mit Bedauern Kenntnis davon, datz die von den ArbeiterauSichüsten und der Ortsverwaltung Berlin des Verbandes der Gemeinde- und StaatSarbeiter in ihrem Austrage im Oktober refp. November ge« stellten Anträge auf Lohnerhöhung von der Deputation für die städtische Jrrenpflege ohne jede Berücksichtigung der tatsächlichen Notlage der Beschäftigten und ihrer Familien abgelehnt und dem Magistrat überhaupt nicht unterbreitet wurde!:. Die Versammlung beauftragt die OrtSverwaliung Berlin des Verbandes der Gemeinde- und StaatSarbeiter. diese Anträge und die heurige Eniscklietztmg nunmehr dem Magistrat direkt zuzustellen und erwartet davon die unverzügliche Erfüllung ihrer berechtigten Wünsche. In der Ueberzeuguna, datz nur durch den einmütigen organi« satoriichen Zusammenschluß mit der Gesamtheit der städtischen Arbeiter eine dauernde Beiierimg ihrer wirtschaftlichen Verhältnisse erreicht werden kann, verpflichten fich die Versammelten, sür die Ausbreitung des OrgonisationSgedankenS und für den Avschlutz an den Verband der Gemeinde- und StaatSarbeiter unermüdlich in den Anstalten wirken zu wollen." Eisenbahner streik in Argentinien. Buenos AircS, S. Januar. tHavasmeldung.) Die Eisenbahn- angestellte» der Südlinie haben be?chlosien, in 18 Stunden in den Ausstand zu treten. Parteinachrichten. Leine Kandidatur Dr. Breitschcids. Nach einer Lokalkorrespondenz bestätigt sich nicht die Meldung, datz an Stelle des verstorbenen Abgeordneten Stadthagen von den ilnabhängigen Sozialdemokraten der Schriftsteller Dr. Rudolf Breitscheid als Kandidat sür die Ersatzwahl aufgestellt worden sei. Die Unabhängigen haben zu der Kandidatenfrage noch gar nicht Stellung ge- nommen. Erst eine demnächst einzuberufende General- Versammlung des WahlvcreinS Niederbarnim wird sich mit der Ausstellung deS Kandidaten beschäftigen. Ter Mehring nahestehende Stuttgarter..Sozialdemokrat' hat aber die Kandidatur Breitscheid totzuschlagen versucht. ehe sie bestand. Wahrhaftig, kein Zeugnis herzlicher Bruder- lichkeit und einigen Sinnes! Mehring, KautSky und die andere» Unabhängigen. Mehring ist zwar von den Unabhängigen kandidiert und auch in den Landtag gewählt worden. Das hindert' ihn aber nicht, ge- legentlich ein offenes Wort mit ihnen zu reden. So schreibt er ihnen jetzt wieder im„Stuttgarter Sozialdemokrat" in» Stamm- buch: Wenn setzt die Unabhängigen mit ihren Nörgeleien, ganz im parlamentariichen Tr'bünenstil, an der Politik der Bolschewiki ein- setzen, so mutz man gestehen, daß längst nicht alle frei sind, die ihrer Ketrcn spotten. Auch scheinen die alten Eiferiüchteleien zwischen KautSky und Mehring lustig weiter zu gedeihen und zu blühen. Denn auch die „Korrespondenz sür sozialdemokratische AuslandSpolitik' bekommt eine» tüchtigen Wischer ab: „Der— gelinde gekagt— unzeitige Kampf, den ein Organ der Unabhängigen Sozialdemokrane, die von Rud. Breittcheid herausgegebene Korrespondenz sür sozialdemokratische Auslands- Politik, die unter der Autoritär St. Kaulökvs und ähnlicher Partei- . grötzen erscheint, gegen die Politik der Bolichewiki erösfnel hat, kennzeichnet so recht die p h i l i st e r b a f t e G e s i n n u n g. die im Lause der Jabrzehn«» der deutschen Sozialdemokratie in Fleisch und Blut übergegangen ist und wie wir fürchten, ihr erst durch bittere und lange Prüfungen wieder ausgepault werden kann.' Offenbar gilt der Vorwurf der phllisterhaflen Gesinnung der Sozialdemokratie, die unter dem geistigen Einfluß Karl K a u t s k h S steht..__ Die Uuabhäng'gen und die BolschewikS. Die Organiiation der Unabhängigen in Chemnitz hat einen Protest an ihren Parteivorsiand geschickt, weil die„Leipziger Volks- zertung" die Art angriff, wie die BolschewikS die Diktatur de» Pro- letariats ausüben. Die Chemnitzer Unabhängigen finden, datz durch diese Haltung der„L. V." daS russisch« Proletariat brüskiert und das deutsche verwirrt wird, so datz eö dem Beispiel der Belscheiviks nicht mehr zu folgen vermöchte. Zurückgewiesene- Aubiederuug der Unabhängigen. Auf die Bemerkung LedebomS im Reichstage, datz die Bolsche- wiki in Rußland etwa dasselbe spien, wie die Unabhängigen in Deutschland, antwortete die linksradikal« Bremer„Srbeiterpolitik", Herr Ledebour möchte gar zu gern vom Strahlenkranz der russischen Revolution«in Flimmerchen für die �armseligen Un- abhängigen erhaschen: in Wahrheit hätten aber er und A�olf Hoffmann die wirklichen deutschen Freunde der Bolichewiki mehrfach öffentlich denunziert, und sich zum Kamps gegen sie nicht nur hinter den sozialdemokratischen Parleivorstand. sondern auch hinter den Staatsanwalt gesteckt. Als Denunziant der BplschewikS in Deutschland seien Ledebour und Hoffmann unfreiwillige Organe der Kriminalpolizei und der General- kommandoS geworden. Nicht allein Trotzki, Lenin und Zmow- jew sprächen deshalb mit tiefster Verachtung von der Haase-Parrei. sondern auch Rosa Luxemburg und Franz Mehring hätten an ihrer wissenschaftlichen Leuchte Karl KuutSky kern gute« Haar gelassen. Kurz jede Stunde bolschewikischer Arbeit überschütte den ganzen unabhängigen Klüngel kübelweise mit Schimpf und Schande.„Die Unabhängigen find all und schwach, die SenUität glotzt ihnen aus allen Poren." ZnSustrie unö Handel. Aus dem Berliner Wirtschaftsleben. Di« Hirsch-Kupfer- uud Messingw-rke setzen ihre ÄuSdehnungS- besirebungen kräftig herab Nachdem sie vor einigen Monaten die Aktienmajorität der Ersten bayerischen Graphirbergbau S.-G. in Unter- griesbach erworben haben, die allerdings iiiir iehr geringe Ge- schäfiSerfolge aufzuweisen bar. haben die Hirsch Kupier und Messing- werke zur weiteren Stärkung ihrer Position im bayerischen Graphilbergbau nunmehr einen ll/3 Mill. M. betragenden Posten Aktien der G r a p h i t w e r k s Kropfmühl A.-G. i n M ü u che» zu ungefähr löv Proz. gegen bar erworben und sind mit zwei Vertrauensmännern, nämlich Herrn Sigmund Fraenkei in München und Sigmund Hirsch in Beriin in den Aussichtsrat der Graphitwerke Krop'mühl A.-G. eingetreten. Diese Gesellschaft hat infolge des Kriegsbedarfs nach Schmelztiegeln eine sehr ra'che Entwicklung genommen. Mit ihrer Beteiligung an der Graphilweri Kropfmühl A.-G. verfolgen die Hirich-Kupfer- und Meisingwerke, die in Eberswalde bererts eine Schmelztiegelfabrik betreiben, noch einen weitergehenden Plan. Es ist die Gründung einer bayerischen Schmelzriegel- s a b r i k in der Nähe der FörderungSüäNe des zur Sckmiclztiegel- fabrikaiion infolge seiner vorwiegend blätterigen Beschaffenheil be» sonders geeigneten Pasiauer Graphits beabsichtigt, worüber zurzeit noch Verhandlungen im Gange sind. Es herrscht jetzt ein wahres GründungSfieber in Werften. Fast kein Tag, an dem nicht eine Neugründung oder eine Kapitals- erhöhung einer bestehenden Werst gemeldet würde. So will die Gelsenkirchner BergwerkSgesellschafr und ein unter Führung des Hauies Bleichröder stehendes Konsortium je eine Werft errichten. Andere Gesellschaften beabsichtigen den Werft- betrieb zu ihrer bisherigen Tätigkeit hinzuzunehmen. So z. B. die Fl ender Brücke n.b au A.-G. und die Orcnstcin u. Koppel A.-G. Die Lübecker Maschinenbau-A.-G., deren Aktien sich im Besitz der O r e n st e i n u. Koppel A.-G. befinden, hat bei Lübeck ein größeres Terrain erworben, auf dem die Errichtung eines Werft- Unternehmens geplant ist. Es sollen Baggerschiffe, Handeisschiffe mittlerer und kleinerer Größe ir hergestellt sowie Reparaturen ausgeführt Wersen. Da die Ge. sellfchast bisher hauptsächlich Bagger herstellte, schafft sie sich durch den Buu von Schiffen für die Aufnahme von Bagqereinrichlungen eine Ergänzung ihrer bisherigen Produktion. Die Aufwendungen für die Errichtung der Werft können aus den flüssigen Mitteln der Lübecker Gesellschaft bestritten werden. Die Norddeutschen Kabelwerke A.°G. in Neukölln weisen nach Abschreibungen von AS 737 SR. einen Reingewinn einschließlich deS Vortrages von IS OSO M. von 372 785 Wt. aus. Hieraus wird eine Dividend« von 12 Proz. auf 1500 000 M. und von 6 Proz. auf 500900 M. neu« Aktien verteilt. Das Warenlager halte iast die doppelte Werlhöh« des Vorjahres erreicht. Es ist dies auf den er- höblen llmfatz und aus die gesteigerten Rodmaierialpreise zurück- zuführen. Die Gescllichafl geht mit einen, erheblichen Be- tand an Aufträgen in das neue Geichäflsjahr hinein. In der Bilanz er'cheincn u. a. daS Warenlager mit 894 509 M., Wert- Papiere mit 73 235 M, Bankguthaben und aussteheiide Forde- rungen mit 1 897119 M., Kreditoren mit 1 120 045 M. Neu in den Aussichlsrat gewählt wurde neben zwei anderen Herren Stadlral Dr. Mann-Neukölln. Der AussichlSrat der Bauk de? Berliner KasseilvereinS beschloß eine Dividende von 6l/s Proz.(i. B. 55/s Proz.) vorzuschlagen. Adler-Werke Äleyer— ei« Musterbeispiel. Die Aktiengesellschaft Adler-Werke vorm. Heinrich Kleyer hatte beabsichtigt, angeblichen Kapitalbedarf durch Ausgabe von Aktien zum Nennwerte zu befriedigen. Durch eine solche Aktienausgabe, wie sie auch von den Daimler-Werlen beliebt wurde, wii d den alte» Aklionären dos Recht auf den sehr billigen Bezug einer Aktie eingeräumt, die sich über kurz oder lang ebenso gut verzinst wie die alten Aktien. Ein solches werlvolles BezugSrechr prägt sich natürlich auch im Kur? auS und so habe» auch die«krien der Adler-Werke vorm. Kleyer eine sehr erhebliche KurSerhöhung zu verzeichnen gehabt. Die Re- gierurig ist diesen Treibereien nun dadurch entgegengetreten, datz sie die Erhöhung des Aktienkapitals konzeisionspflichliq gemacht bat. Sie weigert sich, den Adler-Werken Kleyer die Genehmigung der Kapitalserböbung zu geben, wenn dieie nicht ihren Kapitalbedarf dadurch decke», datz sie weniger Aktien, aber diele mit eurem entsprechend hoben Aufgeld« ausgeben. Zwar muß das Ausgeld nach dem H.B.B, in den Reservefonds eingestellt werden, aber einmal kann der Reservefonds werbend mirarbeiten und überdies können die Bankguihaben für BetriebSaufweirdunge» herangezogen und mit dem Aufgeld wieder aufgefüllt werden. Den Wert der Regierungspraxis wird man vor allem in einer Dämpfung der Spekulation iehen und darin, daß der Verwäsicrung des Kapitals und der künstlichen Herabdrückung dex Dividende zum Schaden des FiSkuS Schranken auferlegt werden. Doch ist es wünickenswcrt, daß eine einheitliche Praxis Platz greiir. Das Verbot der Aktien- Ausgabe bei den Adler-Werken kontrastiert einigermaßen damir, daß gegen die unverschämte Kapitalverwäsferung bei Daimler kein Einspruch erhoben wurde.__ Die Gestaltung der Pelzpreist. lieber die Gestaltung der Pelzprciie in der letzten Zeit unter Einfluß der Friedensverhandlungen mit Rußland ist eine sehr lebhafte Diskussion enlbrannt. Die Pel, bändler wollen es absolut nicht wahr haben, datz die Preise zurückgegangen sind, iveil sie davon eine weitere Schwächung der Kauflust deS Publikums fürchten. Die„Neue Pelzwaren-Zcitung" bestreitet aber im Grunde nur. daß die Pieise der ausländischen Felle zurückgegangen find. Sie gibt zu. daß die fabelhaften Preise, die auch für inländische Felle gerahlr wurden, kräftig geiunken sind. früher wurden für rode Landfüchse 109— 120 M. gefordert, jetzt wird ein solches Fell mir 00-80 M. gehandelt. Ganz rnteresiaiit sind die Angaben über die Preisbewegung gerade von FnchSsellen: Früher erhielten die Fölstsr-0— 8 M.. 1915 10 M., im Vorjahrs 30 M. Wenn jezjr alio 60 M. bezahlt werden, ist das noch ein sehr guter Preis, der den Preisen vom August 1917 entspricht. Der Außenhandel der Türkei. Im Gegensatz zu Deutschland und Oesterreich veröffentlicht die Türlei die Aiißenbandelszablen für daS zweite Halbjahr des Fuioiizjahres 1916/17. Eiiitubr aus Bulgarien Waren im Wecre von 8 515 978. D.e u t s ch l a n d 01 383 470, Holland 1040 234 Oesterreich- Ungarn 95 519 23!. Persien 1 004 495, Rumänien 42 901 280, Schwei, 8 078 829. insgelamt 221 053 049 Piastor. Wie aus dem Vorgehenden ersichtlich ist, nimmt Oester, eich-Ungarn in bezug aus die Einruhr nach der Türkei die erste Stelle ein. Die Ausfuhr betrug nach Bulgarien Waren im Werl« von 45 599 492, D e u l' ch l o n d 247 879 609. Halland 0723, Oesterreich-Ungarn 75 480 883. insgesaml 345 585 313 Piaster. In bezug aus die Ausfuhr aus der Türker steht D e u l s ch l a n d an der ersten Stelle. _L_UL—____ L_L_!miI______________■------.-"■■■'B J-J.t A-raritwortli« Kr Po Mit: ll.'icti ktultn-r Berlin: kür den Air mea Teil des Blattes: Alir-d echolz. Zteakötiir für tznsera-.e: TP. Wodt, Berltn. Truit u. Verlan: Vorwärts Sutödtiidttci u. Verlagsantratt Paul Erirzer k Co., Berlin SW. Hier»» 1 Beilage uro UntrrdattungSblttt.