Nr. 11. 33. Jahrg. Bezugspreis: Liert.IjährU 4.ö0 Mü. monatl. I.SVMr frei ins Hans. vor2uszahlbar.Einzelne Nummern lo Pfa. Postbezug: Monat- Irch IM Met Unter Kreuzband für Deuttchtcrnd und Oesterreich- Ungarn ä,~ MI» ffit daS Übrige Ausland 4,60 9R£. monatlich. L erfand ins Feld bei direkter Bestellung monatl. 1,50 Ml. Postbestellungen nehmen an Däne- marl, Holland. Luxemburg, Schweden und die Schweiz. Eingetragen in die Post-Zeitungs-Preisliste. Erschein» täglich. Telegramm- Adresse: »Sozialdemokrat Berlin". Vevlhrev.Volksblatt. Ztfntralorgan dir fozialdcmolirati fcken Partei Deutfcblands. flOPfennisJ Der AuzeigeuprciS belrägt>. die jieSengeihalteitokteloncl- Zeile SS Big.„kleine All?, eigen". das scltoiibrnllle Wort 20'Sfg. lzn- lüsslg 2 sr-igedruckie Brüte), tedes wriiere Werl ZO Psg. Stellengrsume und � S6'lniste>leuanze:Nk:i daS crsie Kort 10 Ptg., jrdes weitere SS».2 ZPfg. Warte über ZZ SlNlsfmSe» zählen tür zwei Borte. Teueruiigszuschiag 20»,. Familie»> Anzetgr«?» Pig.. politische u. geioertichallllche Nerrius- Anzeigen 40 Psg die AeUc. ZinMgen für die nächste Nummer nlüssen bis H Uhr nachmiti. im Hanvlgeschiiil. Berlin Sffi.68, Lnidensiliitze s, nb- gegcbcn werden. Geöffnet von S Uhr früh bis 7 Uhr abends. Reöaktton: EW. HS, Linöeastraße 3. {fetnfbredter; Amt Morippla«, Nr.!SI SS— lSl S7. tsm Freitag, beu 11. Januar 1918, Expeöitks«: SM. HS» LwSenstraße 5. Fernivrecher: Slm« Moritzpiat», Nr. 1S1 SO— 17,1. v«. In ßreft-CitowsH wird welter verhandelt. Srest-Litowsk und Washington. In Brost-Litowsk scheinen die ersten Schwierigkeiten überwunden, doch muß man stets mit neuen Zwischenfällen rechnen. Am Mittwoch ließen die Russen die anderen reden und schwiegen. Am Donnerstag erklärte sich Trohki bereit, die Verhandlungen in Brest weiterzuführen. Hier bricht der vorliegende Bericht ab. - Die Weiterführung der Verhandlungen an dem Orte, an dem sie begonnen hoben, ist ein Erfolg der Mittelmächte, dem die Zusage gegenübersteht, den endgültigen Abschluß des Friedens an einem anderen Orte vollziehen zu wollen. Man scheint sich also, wie das in solchen Fällen oft geschieht, auf halbem Wege entgegengekommen zu sein. Die Weigerung der Russen, in Brest weiterzuverhandeln, hatte, wie wir schon wiederholt ausführten, eigentlich den Sinn, daß sich die Russen weigerten, auf Grundlage der Vorschläge vom 28. De- zember zu verhandeln. Die Einigung über den Verlmndlungs- ort läßt hoffen, daß sich inzwischen auch in sachlicher Be- ziehung eine Annäherung vollzogen hat. Werden die Ver- Handlungen in Brest weitergeführt, so wird ja bald die vor- gesehene Spezialkommission eingesetzt werden, deren Werk voraussichtlich für Zustandekommen oder Scheitern des Frie- dens entscheidend sein wird. Her? v. Kuhlmann erklärte am Mittwoch, er halte die Schwierigkeiten materieller Art nicht für groß genug, um ein Scheitern des Friederislverkes zu rechtfertigen..Heber diese Schwierigkeiten hat sich Trotzki bisher auf der Konferenz nicht ausgelassen, in Petersbntg aber hat er wiederholt verfichert, daß die Vorschläge vom 28. Dezember für die russische Regie- rung unannehmbar seien. Aufgabe der Spezialkommission wird sein, einen Modus für das Selbstbestimmungsrecht der Völker zu finden, der diesen auch nach russischer Auffassung die volle Freiheit der Entschließung sichert. Nur wenn ihnen diese Freiheit gewährleistet wird, und wenn sie dann etwa aus völlig eigenem Willen ihre„Anlehnung" an den Westen vollziehen sollten, werden die Mittelmächte ihr Wort, einen Frieden ohne gewaltsame Annexionen schließen zu»vollen, eingelöst haben. Jn�vischen ist über die„Meinungsverschiedenheiten", die hinsichtlich des Ostfriedens in bohen Regionen»valten, noch mancherlei bekannt gelvorden. Es bestätigt sich, daß die eine Seite T e i l e der russischen Westprovinzen ohne Rücksicht auf nationale Zusainmengehörigkeit zum Zweck der militärischen Sicherung und zur Erwerbung des p v l n i s ch c n 5l o h l e n- d i st r i k t s offen und einfach annektieren ivill, während die andere.Seite, nämlich die diplomatische, auf dem Weg einer mehr oder minder anfechtbaren„Selbstbestimmung" zu an- sehnlichen„Machterlveiterungcn" im Osten zu komrnen hofft. Herrn v. Kühlinann wird dabei der geheime Hintergedanke nachgesagt, er wolle dem Geist der Ausdehnung im Osten Be- friedigung schaffen, nni dann iin Westen einen Frieden nach dem Stande vorher schließen zu können. Herr v. Kühlmann »vixd daher aus den verschiedensten Gründen angegriffen: von den einen, weil er die zur militärischen Sicherung gewünschten Gebiete nicht fest genug in die deutsche Hand bringen will, von den anderen, weil er einer geheimen Liebe für England verdächtig ist, von den dritten, weil sie fürchten, daß er durch Annexionen, die sich Selbstbestimmung nennen, einen dauernden Frieden mit Rußland unmöglich machen könnte. Während so bei uns— nach der Erklärung vom 25. De- zember— der Kampf zwischen den Theoretikern der offenen und der verschleierten Annexionen geführt tvird, ist sich der größte Teil der Berliner Presse einig �darüber, daß die Friedensbotschaft des Präsidien ten Wilson nichts als eine Falle sei. Dieselbe Einigkeit hat bekanntlich auch auf der Gegenseite fast inimer geherrscht, wenn die Mittel- mächte mit allgemeinen Friedenserklärungen herauskamen: immer hieß es dann, diese Erklärungen seien nicht aufrichtig, sie seien nichts als Heuöhelei, und der zur Schau getragene Pazifismus sei nichts anderes als ein verkappter Jmpcria- lismus. So auch jetzt �rr größte Teil der deutschen Presse gegen Wilson. Merkwürdig ist nur dies: Die Blätter, die am lautesten versichern, die Friedensliebe Wilsons sei nicht ehrlich, be- haupten zugleich auf das allerbestimmtestc, daß die Entente unmittelbar vor ihrer entscheidenden Niederlage stehe. Wir erlauben uns die Frage: ist es denn wirklich ausgeschlossen, daß eine Mächtegruppe, die unmittelbar vor der entscheiden- den Niederlage steht, ernstlich den Frieden will? Wenn sie aber den Frieden nicht will, und wenn Wilson, wie man er- klärt. Deutschland verstümmeln, Oesterreich und die Türkei zerstückeln will— ist es dann wahrscheinlich, daß er die Lage seiner Mächtegruvpe so beurteilt, wie das allgemein hier geschieht? Ernst zu nehmen ist doch immer nur d.er Imperialismus des Siegers, nicht der des Besiegten. Deutschland ist nicht in dem. Sinne Sieger, daß es allen seinen Gegnern die FriedenSbedingungen diktieren könnte. Aber ist Deutschland so besiegt, daß man ihm die Herausgabe Elsäß-Lothringens, Posens, Danzigs und was Wilson sonst noch versteckt gefordert haben soll, abnötigen könnte? Käme es heute oder morgen zu allgemeinen Friedens- Verhandlungen, und die Gegner»viirden mit solchen Forderungen kommen, so würden ihnen die deutschen Unterhändler ins Gesicht lachen. Daß auf dieser Grundlage kein Frieden geschlossen werden kann, darüber ist sich doch das ganze deutsche Volk einig. Und gerade diejenigen, die am schärfsten jede deutsche Annexionspolitik bekämpfen, sind moralisch am stärksten verpflichtet, sich gegen jedweden fremden AnnerioniS- mus zur Wehr zu setzen. Aber es ist lächerlich zu sagen, die Gefahr allgemeiner Friedensverhandlungen bestehe darin, daß die Gegner An- nexionen ans Kosten Deutschlands fordern und mn Ende gar noch durchsetzen könnten. Dagegen schützt uns nicht nur Wilsons Versprechen,„W i r»v o l l e n D e u t s ch I a n d n i ch t schaden", sondern noch viel mehr— mit Hertling zu sprechen—„unsere Machtstellung". Für einen Teil der Presse ist jedoch bei seiner Ableh- nung des allgemeinen Friedens der Gedanke maßgebend, daß die erwartete weitere Verbesserung der Kriegslage eine voll- ständige Abkehr von der Politik des 19. Juli und des SS'. Dezember gestatten könnte. Auch»vir Sozialdernokratcn sind nun für jede Verbesserung der Km'gKla�, träumen aber nicht den Traum, daß man die ganze Welt mit Waffengewalt unter den deutschen Siegeswillen beugen könnte, und fürchten., daß eine politisch falsche Ausnutzung militärischer Erfolge auf die Dauer'zu Teutschlands größtem Unheil ausschlagen würde. Darum fordern' wir für die Friedensstinimen des Auslandes dieselbe ernste und unvoreingenommene Be- achtung, die von der liberalen Presse Englands für die Friedenserklärnng der Mittelmächte vom 25. Dezember gc- fordert worden ist, und lehnen alle Belehrungen, die uns teils in drohendem, teils in ivohstvolleudem Sinne zugekommen sind, dankend ab. Heute wie gestern: Wenn es den Gegnern init ihren FricdenSabsichten ernst ist, dann keinen Tag länger! * Die KuDen für weitertagen in Dreft- Litowsk. B r e st- L i t o w s r, 10. Januar. In der heute vor- mittag abgehaltenen Sibung erklärte sich die russische Tele- gation bereit, die Friedensverhandlungen in Brest-LitvwSk fortzusetzen. Ferner stellte sie fest, daß die vom W v l f f- B u- r c a u veröfsentlichtc Darstellung über de» Verlauf der Sitzung vom 20. Dezember dem tat s ä ch l i ch c u Hergang entspricht. Die von der russischen Tele- graphenagcr.tur verbreitete Nachricht über den Verlauf dieser Sitzung»vurde russischcrseits als unrichtig bezeichnet. Vollsitzung am Januar. Brcst-Litowsk, 9. Januar. Heute vormittag, um 11 Uhr. fand eine Vollsitzung statt, an der sämtliche De'le- gationen und die ukrainischen Vertreter teilnahmen. Der Großivesir Talaat Pascha eröffnete die Sitzung und übergab den Vorsitz an den Staatssekretär von Kühlmann. Staatssekretär v. K ü h l m a n u nahm daraus das Wort zu folgenden Ausführungen: Die für die bisherigen Sitzungen maßgebenden Formalien werden, lvie ich annehme, mit allgemeiner Zustimmung auch wei- ter als mahgebend betrachtet werden. Da in der Zusammensetzung einzelner Delegationen Veränderungen vorgekommen sind, erscheint es nicht überflüssig, am Beginn unsrer Arbeiten einen kurzen Niickblick auf die Vorgeschichte und den bisherigen Gang der Verhandlungen zu werfen. Die gegenwärtige ruffische Regierung hat a in 2S. N o- üember 1917 durch einen»An Ällc" gerichteten Funkspruch unter Mitteilung gewisser BeWü.fe ihre Bereitwilligkeit erklärt, mit den Kriegführenden in F r i e d c n ö v e r h a n d l u il- gen cilizutreten. Daraus bat der deutsche Reichskanzler, Herr Dr. Graf v. Hertling, in seiner programmatischen Antrittsrede vor der Vollversammlung des Deutschen Reichstags am 29. Novcin- ber 1917 erklärt: „Die russische Regierung hat gestern von Zarskoje Selo aus ein von dem Volkskommissar für auswärtige Angelegenheiten, Herrn Trotzki. und dem Aorsitzeuden des Rates der Bolkskom- Mission, Herrn Lenin, unterzeichnetes Funkcntelegramm an die Ilegierungen der kricgführeirdsn LÜnoer gerichtet, worin sie vor- schlügt, zu einem nahen Termin in Verhandlungen über den Waffenstillstand und einen allgemeinen Frieden einzutreten. Ich stehe nicht an zu erklären, daß in den bisher bekannt gewordenen Vorschlägen der russischen Regierung diskutable Grundlagen für die Aufnahme von Verhandlungen erblickt werden können� und daß ich bereit bin. m solche einzutreten, sobald die russische Regkruiw hierzu bevollmächtigte Vertreter entsendet. Ich hoffe und wünsihf!.- daß diese Bestrebungen bald feste Gestalt annehmen und uns kn Frieden bringen werden." V' Die leitenden Staatsmänner der anderen Verbündeien gaben" dem Sinne nach gleiche Erklärungen ab. Am 3. Dezember 1917 begannen die Verhandlungen über den Wassenstillstand. die am 15. Dezember durch N n t c r z e i ch n u n g des Waffe nstillstandSvert'rages erfolgreich zu Ende geführt worden sind. Gemäß der Bestimmung dieses Vertrages im Artikel l>:„De vertragschließenden Parteien werden im unmittelbaren Är.siln'nß an die Nnkerzeichnung dieses Wassens! lUftandsvertrageS in F r: o- dens Verhandlungen eintreten", entsandten die vier verbündeten Mächte bevollmächtigte Vertreter nach Brest-Litowsk, die mit den Vertretern der russischen Regierung am 22. Dezember 1917 die Friedensverhandlungen begannen. Diese zerfielen in zwei ge- soildcrtc Teile: In eine Erörterung über die Möglichkeit eines allgemeinen Friedens und in eine Besprechung derjenigen Punkte, die unter allen Umständen zwischen den Mächten deS Vicrbundcö und der russischen Regierung zur Erörterung gestellt werden müßten. Wie von der russischen Delegation in der Sitzung vom 2ö. Dezember 1017 vorgeschlagen worden ist, trat eine zehntägige Unterbrechung der Verhandlung e n ein, „damit nach der russische» Erklärung die Völker, deren Sie-- gierungen den geführten Verhandlungen über einen allgemeinen Frieden sich noch nicht augefchlosseu hätten, die Mäglichkeil hätten, genügend mit den jetzt aufgesielUeu Prinzipien eines solchen Fr'ed'eilä sich bekannt m machen; nach Verlauf der besagten Frist müßten die Verhandlungen erneuert werden, abgesehen davon, ob und wieviele krirgstihrenbe lZtaatcn sich den V« r Handlungen anschließen."..1 Die Frist ist am 4. Januar 1918, mitternachts, abgelaufen. Tie verbündeten Regierungen haben dar- auf nachstehenden g e m c i n sa m e u 23 es ch l n ß d u r ch Funk- spruch verbreitet, nachdem ihnen bekannt geworden war, daß von den Regierungen der Entente irgendwelche zweckdienlichen Mitteilungen nicht eingegangen waren: „In ihrer Antwort auf die Vorschläge der russischen Tele- gatim: hatten die Delegationen des Vierbundes am 25. Dezember 1917 in Bresl-Liiowsk gewisse Leitsätze für den A b s ch luß eines sofortigen Friedens aufgestellt. Zur Vermeidung ciucr einseitigen Festlegung hatten sie die Gültigkeit dieser Leitsätze ausdrücklich davon abhängig gemacht, daß sich sämtliche jetzt am Kriege beteiligten Wächte innerhalb ciucr augemesscncn Frist ausnahmslos und ohne jeden Rückhalt zur gcuaucjien Beobachtung der alle Völker in gleicher Weise bindenden Bedingungen verpflichten müssen. Mit Zustimmung der vier ver- bündeten Delegationen war daraus von der russischen Delegatstpi eine zehntägige Frist festgesetzt worden, innerhalb welcher die au- deren.Äriegsühreudcn sich mit den in Brest-LitowSk aufgestellten Grundsätzen eines sofortigen allgemeinen Friedens bekannt machen und über den Anschluß an die Friedensverhandlungen elitscheideu sollten. Die Delegationen der veobündetcu Mächte stellen frst, daß die zehntägige Frist mit dem 4. Januar 1018 abgelaufen und von keinen! der anderen Kriegführenden eine Erklärung über den Beitritt gu den FriedniSverhand- iungeu bei ihnen eingegangen ist." Wie sich auS dem Inhalt der Mitteilung der v e r b ü n- d e t c n Regierungen vom 25. Dezember 1 917 ergibt, war! die wesentlichste Vorbedingung, die darin gestellt wurde, die einstimmige Annahme der alle Völker in gleicher Weise bindenden Bedingungen durch alle feindlichen Mächte. Der S! ich t c i n tr i t t dieser Bedingungen lmt die aus dm Inhalt der Erklärung und dem Berstreichen der Frist sich ergebenden Folgen. Dns Titumrnt ist hinfällig geworden, Die nächste Aufgabe unserer Verfammlnug wäre zu- nächst, die Verhandlungen-au dem Punkte wieder aufzuuehmen, an dem sie vor Eintritt der WcihnachtSpause sich befastden. Die russische Delegation hat aber durch ein von Herrn Joffe gezeichnetes Telegramm an General H o s f m a u u diesem mitgeteilt: „Die Regierung der russischen Republik hält es für notwendig, die weiteren Verhandlungen über den Frieden aus neutralem Boden zu führen und schlägt ihrerseits vor, die Bcrhaiidlungcn nach Stockholni zu verlegen" und auch in cinciu weiteren Tele- gralnm den Wunsch der Verlegung des Verhandlungsortes in daS neutrale Ausland zu erkennen gegeben. Ich Ivill auf die aus bisherigen Darlegungen an anderer Stelle den Herren Delegierten bekannten Gründe, die es iinmKg- lich machen, die Verhandlungen an einem anderen Oric als Brest- LitowSk zu führen, hier nicht näher eingehen, möchte aber jetzt schon als feststehenden und unabänderlichen Beschlust»er vier verbünde- teil Mächte aussprechen, daß sie nicht in der Lage sind, die jetzt hier angefangenen Verhandlungen über einen Präliminarfrieden an einem anderen Orte weiterzuführen. Wie schon früher in unverbindlicher Weife dargelegte waren sie aus. (Tourüüific g t r u h it iit, die formale S ch l u ß v e r H a n d- Inn 3 und UnrerzeiHinmg der Präliminarien an einem" mit der russischen Deleaatwn zu vereinbarenden Orte vorzu- n e h m c n und über die Wahl�oieseZ OrtcS in eine Debatte einzu» treten. E-Z kann nicht unerivähnt bleiben, da ja für die Führung einer Verhandlung die Atmosphäre, in der sie sich vollzieht, von der allergrößten Wichtigkeit ist, daß seit dem Abschluß des Ge- danksnaustauschcs vor der' Zeitweiligen Unterbrechung der Ver- Handlungen sich manches zugetragen hat, was geeignet schien, Zweifel an der aufrichtigen Absicht der russischen Regierung zu erwecken, mit den Mächten des Viervundes zum A b s ch l u ß eines raschen Friedens zu gelangen. Ich mochte in dieser Hinsicht verweisen auf den Ton gewisser halbamtlicher Kund- gedungen der russischen Regierung gegen Regierungen der Vier- bundmächte, insbesondere aber auf eine Kundgebsug der Prtcrs- burgrr Telcgraphen-Agentur, Sie im Auslände als halbaintliches russisches Organ angesehen wird. In dieser Kundgebung— ich will, um ineine Rede nicht allzusehr zu verlängern, für den Augen- blick aus die wörtliche Wiedergabe verzichten, behalte mir aber, wenn es nötig werden sollte, ihre Wiedergabe für den weiteren Verlans der Diskussion vor— war«ine angeblich in der Sitzung vom W. Dezember 1917 durch den Vorsitzenden der russischen Dele-- imtion, Herrn Josse, gegebene Antwort, ausführlich wiedergegeben, die— wie ein Einblick in die Allen lehrt— lediglich aus der Phantasie des Erfinders entsprungen ist. Diese in allen Teilen .rfvndcnc Mitteilung hat erheblich dazu beigetragen, das Urteil über den bisherigen Verlans der Verhandln n- gen zu verwirr e n und deren Ergebnisse zu g e f ä h r- d e ii. Wenn ich trotzdem die Hoffnung nicht völlig aus- geben möchte, daß die Verhandlungen zn einem ersprießlichen Ergebnis führen 'Önu.ii, so gründet sich diese Hoffnung in erster Linie auf den uns bekannten und durch die russische Delegation in beredter Weise zum Ausdruck gebrachte Wunsch des russischen V o l- k e s nach eine m dauernden und gesicherten F r i e- Den und ans die Erfahrungen, die wir in den Verhandlungen mit der Arbeitsmethode der russischen A bordnung ge- macht haben. Soweit sich aus den vor der Arbeitspause geführten Verhandlungen ein Urteil bilden läßt, halte ich die Schwierig- leiteil materieller Natur nicht für gras? genug, um ein Schci- lern des Friedensdierkes und damit voraussichtlich die W i e d e r a u f rla h ut e des Krieges im O st e n mit seinen unabsehbare!! Folgen für gerechtfertigt zu halsen." Hierojü führte dar österreicbisch-lmgarische Minister des AeußereÄ G ruf C z c r u i u aus; „Ich habe den Beurerknnge» meines deutschen Kollegen noch folgendes hinzuzusügen: Die Gründe, welcher wegen wir eine Verlegung der Verhandlungen im jetzigen Augenblick ,11 ein neutrales Land kategorisch verweigern, sind doppel» :cr Natur. Erstens technischer Art: Sie, wie wir, sind von hier ans mit direkten Drähten mit unseren resp. Ihren Regierungen verbunden und täglich findet ein Meinungsaustausch von Ihnen mit Petersburg und Kiew, von uns mit unseren Zentralen statt. Wir olle können diesen Apparat nicht missen, sollen die Verhandlungen lucht unendlich erschwert'Wid verzögert werden. Roch wichtiger aber als dieser Grund ist das zweite Mo-- t iv: Sie, meine Herren, haben seiner Zeit an uns die Einsndung mr allgemeine Friedensverhandlungen ergehen lassen. Wir haben dieselbe angenommen und wir haben uns auf eine Basis für den allgemeine» Frieden geeinigt. Auf dieser Basis haben Sie Ihren Verbünd et eai ein zehntägiges Ultimatum gestellt. Ihre siVexSündeien haben Ihne» nicht geantwortet und kirnte handelt es sich nicht mehr um Vcvhaudlungeu zwecks eines allgemeine» Friedens, sondern eines Se- paratfriedens zwischen Rnftland und dem Bierbnnd. Tie Verlegung der Verhandlungen auf neu- träleS Gebiet würde der Enteute die von ihr ersehnte G elegenheit geben, störend einzugreifen. Die Regierungen Englands und Frankreichs würden vor und hinter den Kulissen alles versuchen, um das Zustaudekouliueu dieses Separatfriedens zn verhindern. Wir weigern uns, den westlichen Mächten diese Gelegenheit pl liefern. Aber wir wareu bereit, an einem noch zu bestimmenden Orte die formale S ch l u ß b e r h a n d l u n g und die Unter- zeichnung das Friedensvertrages vorzunehmen. Was den m e r i t o r i s ch e ii Teil der Verhandlungen anbelangt, in welchem eine U e b e r e i u st i m m u n g , wisch e n Ihnen und uns noch nicht erzielt ist, so vaben wir uns in der letzten Plenarsitzung bindend daraus ge- einigt, diese F r a g e n c i n e r ad hoc z u bildenden Kam- m i s s i o n zu übergebe n, welche sofort ihre Arbeiten zn be- ginnen hätte. Alle vier Alliierten sind völlig einig darüber, die VerHand- ! u n g e n aus der von. dem Herrn Staatssekretär und mir ent- mickelien, mit den russischen Herren bereits bin- o e n Ä abgemachten Basis zu Ende zu führen. Wenn die Herren der russischen Delegation von den p l e i ch e n Intentionen beseelt sind, so werden wir zu einem olle befriedigenden Ergebnisse gelangen; wenn nicht, dann werden die Tinge ihren notwendigen Lauf nehmen, aber die Vereint- iv ottung für die Fortsetzung des Krieges fällt dann ausschließlich aus die Herren der russischen D e l e g a t i o n." Großwesir Talaat Pascha und JustiZminister P o. v o w schlössen sich namens der türkischen und der bulgarischen Delegation diesen Ausführungen an. Daraus gab General H o f f m a n n folgende E r- k l ä r u n g ab; „Es liegt mir hier eine Anzahl Funksprüche und Aufrufe vor, unterzeichnet von den Vertretern der russischen Regierung und der russischen Obersten Heeresleitung, die teils Beschimpfungen der deutschen H e e r e s e i n r i ch t u n- gen und dir deutschen Obersten Hccrcsleumig, teils Aufforderungen revolutionären Charakters an unsere Truppen enthalten. Diese Funksprüche und Aufrufe verstoßen zweifellos gegen den Geist des zwischen den beiden Armeen ge- schloffenen Waffenstillstandes. Im Namen der deutschen Obersten Heeresleitung lege ich gegen Form und Inhalt dieser Funksprüche und Ausrufe auf das entschiedenste Protest ein." Feldmarschalleutnant Exzellenz von Csiscseries, Oberst Gant- schell) und General der Kavallerie Jzzet Pascha schlössen sich diesem Protest im Namen des k. u. k. Armeeoberkommandos, der bulgari- scheu Obersten Heeresleitung und der Osmanischen Armee an. Auf Vorschlag des Voltskommissars für auswärtig« An- gelegenheiten Trotzki wurde nunmehr die Sitzung unterbrochen, Ariilleriekampf südöstlich Dpern-— Nachtgefecht bei Zandvoorde.— Luftkampfverluste im Dezember.— Italienischer Nn griff westlich Asiago abgewiesen. Amtlich. Großes Hauptquartier, 10. Januar 1918. Frssclballoiie und 1 IN Flugzeuge, von denen 47 lsititcMnisercu Linien, die übrigen jenseits der gegiicrischeu Stellungen erkennbar abgestürzt sind. Wir habe» im Kampf 8'� Flugzeuge und J Fesselballone verloren. Ocstlichcr 5krieizsschnuplatz Nichts Neues. Mazedonische und Italieuische Front. Tic Lage ist unverändert. Der Erste Generalquarticratristcr. Ludendorss. Abendbericht. Berlin, ilv. Januar 1918, abends. Amtlich. Von dcu Kriegsschauplätzen nichts Neues. Der österreichische Bericht. Nichtamtlich. Wien, den 10. Januar 1913. Amtlich wird verlautbart: festlicher Kriegsschauplatz. Waffenstillstand. Italienischer Kriegsschauplatz. Westlich Asiago wurde ei» feindlicher Angriff abgewiesen. Der Ehef des Eeneralstabes. Die ftLNZößschen MÜMrmWonen in Rußlanö. Nach„Nowsa Shisn" hat Trotzki verlangt, daß die französische Militärabordnung ihr Aufklärnngs- b u r e a u schließ e, ihre drahtlose Telegraphie aufgebe und ihre Offiziere über die Grenze schicke. . Reicter berichtet aus Petersburg vom 6. Januar: Das Jnformationsbureau der französischen Militärmission loird beschuldigt, falsche Berichte verbreitet zn haben, die geeignet sind, die Oeffentlichkeit in verhängnisvoller Weise aufzuregen. Es wird der Name eines jungen Offiziers erwähnt, der eine unrichtige Erklär ling der d e u t- scheu F r i ed e n s b edi n g ungen gegeben haben soll und der Rußland sofort verlassen hat. Tie französischen Ossi- ziere werden aus den Gebieten, wo Kriegszustand herrscht, sofort nach Petersburg zurückgerufen werden. Wie„Matin" erfährt, ist der dem General Bertbelot bei her französischen Militärmission in Rumänien beigegebene General T a b o u i s als Kommissar der französischen Republik beim Generalsekretariat der U k r a i n e b e g I a u- b igt worden,_ Konfe?LKZ der EntenSe-Sozmlifien. Loudo n, 9. Januar. sRentermcldung.f Ter parla- meutarische Ausschuß des T r n d e- l! u i o n- 5k o» g r e s s e s mcd der Bollziehungsausschuß der nationalen Ar- beitcrpartei beschlossen auf ihrer Sitzung in London, den Arbeiter- und sozialistischen Parteien der alliieerteu Lfiu- der, Amerika eingeschlossen, zu empfehlen, eine weitere Zusammenkunft zur Beratung über die 5ir'xgsziele der Alliierten abzuhalten. Es wurde vorgeschlagen, diese Zu- usirnmusninnft wm 20. Februar in London abzuhalten. Die englische /irbeßSerschaft Zur Mffssn- Sotschaft. London, 9. Januar. sMcIduiig des- Rcutcrscheu Bureaus.) Der parlamentarische Ausschuß des Gewertschastskongrcsscs, der nationale Vollzugsausschuß der Arbeiterpartei und der Parlaments- rifchs Ausschuß des Cooperative Congreß veröffentlichten geinein- sam ein- Erklärung, in der Wilsons Kiindgebung über die KriegSzirlc der Alliierten willkommen geheißen und gesagt wird, daß die große Tatkraft und der weite Gesichts- kreis in Wilsons Botschaft besonders darin zum Ausdruck kommen, daß die Friedensverhandlungen/ wenn einmal brgon- neu, vollständig öffentlich geführt werden und daß sie keine geheimen Abmachungen enthalten oder gutheißen sollen. Wetter heißt es: der britische Arbeiter heißt auch den Aus- druck der Sympathie sehr willkommen, den Wilson gegenüber der verzweifelten A n st r p n g u n g Rußlands gebraucht, die volle Freiheit zu erringen. Die britische Demokratie wünscht nichts ausrichtiger, als daß die russische Demokratie über- zeugt sein soll, daß alle Alliierten in ihrem Kampf für Frieden und Freiheit und ihrer Bemühung, die segensreichen Ergebnisse der Revolution zu erhalten, auf ihrer Seite stehen. Die Worte des Präsidenten über die„Freiheit der Meere" sind wegen ihrer Klarheit und erschöpfenden Darstellung zu begrüßen. Wir sind mit seiner Auslegung von der Freiheit der Meere, der die Mittelmächte solche Bedeutung beilegen, sämtlich einverstanden und die Mittelmächte können sich nicht gegen diese wenden, wenn sie tatsächlich ausrichtig alle angrisfslustigen Le- strebungen ablehnen. Keine andere Formel ist so sehr der Zustim- murig sicher, daß eine Jnselmacht wie Grotz-Britannien gezwungen ist, ihre eigene Sicherheit und die des Reiches in KriegZzeiten zu schützen. Wir heißen Wilsons Forderungen loillkonuyn, daß Belgien geräumt und wiederhergestellt werden muß. Schließlich mit einem Wort gesagt, Wilsons Programm ist im wesentlichen dem von de« englischen Arbeitern aufgestellten ähnlich. Meinungsverschieden- heiten im einzelnen entziehen sich der Erörterung. Die pMWe Regierung m Serlm. Tom polnischen Regcntschaftsrat irnb dem polnischen Ministerpräsidenten, die bis Mittwochabend in Berlin weilten, sind in Empfängen durch Kaiser und Minister die zu er- wartenden besonderen Ehrungen erwiesen worden. Tarüber wird in der Presse eingehend berichtet. Den Verhandlungen, die stattgefunden haben, sind nur folgende Zeilen gewidmet: Die Vormittagsstunden am ö. ds. Mts. waren ernster Arbeit gewidmet. In Fachkonferenzen wurden die laufenden Fragen behandelt, unter anderem die A m n e st i e f r a g e, auf die die Vertreter Polens viel Gewicht legen. Es wird versichert, paß die Verhandlungen zu einem befriedigenden Ergebnis geführt.haben. Weitere Vcrhandlungsthemen erfährt man aus einer Mitteilung des Polnischen Pressebureaus, das von dem polnischen Mlnisterpläsideiiten unterrichtet wurde. Danach wurden insbesondere besprochen: die Teilnahme der polnischen Regierung an den Friedensverhandlungen in Brest-Litowsk und die baldmöglichste Schaffung einer P o l n i. s ch e n Ar in c c auf- breiter nationaler Basis. In dieser militärischen Angelegenheit wurde von polnischer Seit? ein Organisationsprojekt vorgelegt, das bereits vom polnischen Ministerium angenommen und vom Regentichaftsrat genehmigt worden ist. Ferner wurde die Aufhebung einer ganzen Reihe A u s n a h ni c m a ß r c g e l n im Königreich Polen angeregt, die für die Bevölkerung besonders drückend sind. Bezüglich der Requirierung von Eisen wurde eine Denkschrift vorgelegt. Großes Gewicht wurde gelegt auf die Erlangung der A in n e st i e und Zurückziehung einer ganzen Reihe, einzelne Persönlichkeiten treffender Maßnahmen. Tie polnischen Regierungsherren sind nach Wien weiter- gereist.__ Die§?age des allruMchen Sunöesrepublik. Petersburg, 3. Januar.(Meldung der Petersburger Telegropheu-Agentur.) Gestern fand ein Tepeschenwechsel zwischen Vertretern des Hauptausfchusfes der Sozial- revolutionäre der Linken und dem Hauptausschuß der Sozialrevolutionäre in 5iiew statt. Ein Mitglied des Ausschusses der Sozialrevolutionäre der Linken machte den Vorschlag, Vertreter der ukrainischen Sowjets und Abgeordnete der Bauern zum allrussischen Bauernkongreß zu entsenden, wo die Frage der Errichtung einer allrussischen Bundesrepublik geprüft werden wird. Der dritte Bauern- kongreß Allrußlands wird am IL. Januar eröffnet werden. Auf diesem und auf dem am 8. Januar zusammentreten- den 51 o n g r e ß der Arbeiter- und Soldaten- abgeordneten wird über die B e f c st i g u n g der G e- Walt der Räte der Soldaten, Arbeiter und Bauern sowie über die Lösung aller durch die Revolution aufgeworfenen. grundlegenden Fragen verhandelt werden. Die KKNuliiexte Darikmentsausiö'sung in Spanien. Madrid, Iv. Januar.(Havasmeldung.) Der Ministerrat hat beschlossen, dem König einen neuen Erlaß be- treffend die Auflösung des Parlaments vorzulegen. *' Madrid, 10. Januar.(Havasmeldung.) Nach Blätter- Meldungen ist der Präsident des spanischen Arbeitgebcrver- bnndes für Metallurgie und Mechanik, Jose Barret, in Bar- zelona ermordet worden. Ein Pastor und ein Lehrer der Handelsschule, die ihn begleiteten, wurden schwer verletzt. Auf die Getroffenen wurden von einer Anzahl Individuen zahlreiche Schüsse abgegeben. Die Täter entkamen. De? stricg auf den Meeren. Bcrlin, 9. Januar. Trefflich durchgeführte Angriffe brachten einem unserer erfolgreichste» N-Boots-Kommandanten, kpapitäuleutmint Zteinbrinck, im Wefiausgauz beS AermelkanalS einen Erfolg von 27 000 Sr.-Neg.-To. ein. Vo» den G zum grichten Teil bewaffneten Dampfer« wurde« 3 grosse tiesbeladcne aus einem durch Zerstörer, Fisch- dumpfer, Luftschiffe nnd Flugzeuge besonders stark gesicherten Geleit- zug hcranSgeschoffsn. Art und Stärke der Sichernng lassen darauf schließen, das: eS sich um Schiffe mit ganz besonders wert- voller Ladung handelte. Einer dieser Dampfer war vom Ein- h c i t s t y p und mindestens öGGO To. groß. Unter den übrigen versenkten Schiffen befand sich der brasilia- Nische,(nach Angabe der Vesatznng englische) bewaffnete Dampfer Ceara(3324 To.). Außer den ö Dampfern wurde ein Lollschiff von mindestens 1500 To. vernichtet. Der Chef des Admiralstabcs der Marine. * Die E i ii h e i tsdamvfcr sollten wegen der Schnelligkeit des Baues bcionders geeignet sein, die durch den U-Boot-Krieg ra'ch wachsenden Verluste auszugleichen. Nun ruht bereits mindestens der zweite EmheitSdampfer auf dein Grunde. Ueber weitere Mißerfolge benchiele die fremde Presse: Der Eindruck festigt sich, daß dieic Schnellbauleii gleich allen übrigen Schiffen erheblich rascher veisenkt werde», als sich ihr Ersatz herstellen läßl. RngriffsplaN gegen öieöeutscheKwttenbssis? Ein Aeuter-Telegramni aus Washington, so sichreibt Nörregaard im»Morgend ladet" vom 4. Januar, verdient besondere Aufmerksam- keit. Es heißt darin, daß em enlschcidendcr Plan ausgeaibeilet sei zur wirkiamsrenAuSnutzung der amerikanischen Flotte; Uebereinlommen sei getroffen mit der britischen Regierung, um gewisse Pläne zur Abwehr der ll-Bool-Gefabr auszuführen. ES scheint, in Verbindung mit anderen Erzeugnissen � betiachtet, daß- der 11-Boo:-Krieg jetzt eine so ernste Bedeutung erlangt hat, daß die Vcrbandsmächte sich entschlössen beben, das Ueüel an der Wurzel zu fassen und einen Angriff auf die deutschen Flottenstationen zu unternehmen. Sie haben versucht, die U-Boor-Basis in Flandern durch einen Laildangriff zu erreichen, eS glückte nicht. Sie haben ver� sucht, die Gefahr mit direktem Kamps gegen die U-Boote zu beschwören; das ist auch nur in lehr beschränktem Maße geglückt. Die Anzahl der versenkten Schiffe ist in den letzien Wochen in raschein Steigen begriffen. So kommt man darauk. anzunehmen, daß diese„gewissen Pläne" in einem Aug-iff ans die deutsche Flotienbasts bestehen. Die Erfahrungen der Dardanellen sind allerdings nicht sehr ermutigend für die Engländer! Und c-Z kann sein, daß sie va banque spielen mit ihrer marilimen lleberiegenheit. Glückt es ihnen, die deutsche FlolteiibasiS zu zerstören, so wird die ganze Kriegslage radikal ver- ändert. Glückt es nicht, so wird dasselbe der Fall sein, nur in ent« gegcngesetztem Sinne. Nr. 11 ❖ Z5. Jahrgang Heilage h orwarts 5reitag, 11. Januar 1 Hl S Tragische Kimöe. Der Polizei ist manches schon gelungen — sogar die Gräser hört sie manchmal wachsen- sie fingiert klug die allerschwersten Jungen zuni Zwecke, sie gehörig zu verknaxen. Der Leser denkt, ich will ihn heute foppen— nein, es geschehen Wunder hier auf Erden selbst in Berlin: der Präsident von Oppen soll staatsanwaltlich jetzt vermöbelt werden. Des OrdnungSstaateS streng gerechte Feme wird ibn zum Orte der Zerknirschung führen. Dort kann er lernen, daß sich die Extreme wie oft im Leben, so auch hier berühren. Und die Moral bleibt, daß zu bösen Bude» oft werden selbst die allerfrömmsten Knabe»; denn gar zu leicht fällt einer in die Gruben, die er für andre sorglich hat gegraben! Paulche». Sie Entwicklung öerkaliinöustrie Tie KÄimdustrie beansprucht ein besonderes Interesse, weil sich das Reich schon einmal ocranlatzt sah, diese durch höchst ungesunde spekulative Neugründungen zerrüttete Industrie zu sanieren, und dann, weil die Idee eines Kalimonopols diskutiert wird, wobei die meisten wohl an ein Handelsmonopol, mindestens an ein Ausfuhrmonopol denken. In der Kaliindusiric selbst hofft man aber offenbar, gerade aus dem privatwirtschaftlichen Betrieb der Ausfuhr nach dem Kriege große Reichtümer zu sammeln. Während deS Krieges ist der Kaliindüstne die Aufgabe zugefallen, den Be- darf der deutschen Landwirtschaft an künstlichen Dungmitteln zum größten Teil zu befriedigen, da Phosphate und Stickstoffdüngs- mittel nur in geringen Mengen zur Verfügung stehen. Doch hat die Kaliindustrie auch schon während des Krieges an der der Menge nach geringen Ausfuhr sehr gut verdient. Bekanntlich werden für die Aussuhr an sich höhere Preise berechnet, mid diese Preise werden zum Friedenskurs« der Mark in die Auslandswährungen umgerechnet; die auf diese Weise erhaltenen ausländischen Acchlungs- mittel oder Guthaben werden der Reichsbank zur Verfügung ge- stellt, die sie zum jeweiligen— augenblicklich noch sehr hohen und vor kurzem noch höheren— Kriegsturse der auslättdischen Zahlungs- mittel umrechnet. In einer Gesellschasterversainmlung des Kali- syndikatS Anfang November wurde mitgeteilt, daß im Laufe des Jahres 1917 schon 5 Millionen Mark Währnngs-Sond ergewinne den Gesellschaftern zugeführt wurden, und daß das Syndikat wei- tere 3 Millionen Mark aus demselben Erwerbe zur Verteilung bringen werde. Leider hat sich das Reichsschatzami die Gelegenheit entgehen lassen, diese hohen Sondergewinne der Kaliindustrie und ebenso des Kohlenbergbaues, der Eisenindustrie usw. dem Reichs- säckcl zuzuführen. Tie Hofsnung auf ei« gutes Friedensgeschäft hat zu einer sehr erheblichen Höherbewertung der Kalikuxe und Kaliaktien ge führt, einer Höherbewertung, die weit über die durch verschiedene Kalipreiserhöhungen ermöglichten augenblicklichen Gewinnchancen hinausgeht. Zwar behaupten die Kaliinteressenten, daß diese Preiserhöhungen keineswegs genügen und der Steigerung der Löhne und Materialkosten nicht entsprechen. Aber dem steht doch gegen über, daß die Kaliwerke im späteren Verlause des Krieges ihre Dividenden kräftig erhöhen konnten und daß auch für das abge- laufen« Geschäftsjahr mit noch höheren Ausschüttungen gerechnet wird. So verteilten die Deutschen Kalitoerke im Jahre 1315: 3 Proz., im Jahre 1316: 5 Proz. und für 1317 rechnet die Börse mit einer Ausschüttung von 13 Proz. Trotzdem sind die Kurssteigerun» gen noch unverhältnismäßig höher, als diesen Dividcndenerhöhnngen entspricht. Im Jahre 1317 hat der Bundesrat ein Abtäufverbot für neue Schächte erlassen. Dadurch sind den bestehenden Werken gewisse Monopoleigenschaftcn beigelegt worden. Dies« Lage will die Kali» industtie ausnutzen. Während früher Kaligerechtsame und Kali- werke von größeren Unternehmen aufgekauft wurden, um eine Verringerung der Shndikatquote und damit eine Verschlechterung der Produkttonsbedingungen hintan zu halten, kaufen jetzt die großen Konzerne Werke auf, um sie mtt ihren bisherigen zu finan- ziell und technisch bis zum Höchstmaße auSnutzbaren Einheiten zu verschmelzen. Daneben macht sich das lebhafte Bestreben geltend, die Kalisalze weiter zu verarbeiten und chemische Fabriken zu diesem Zwecke zu errichten. Die meisten dieser Konzentrations- bestrebungen stehen allerdings noch im AnfangSstadium. Den Anfang hat das der Diskonto-Gesellschaft nahestehende Kanzem Aschersleben durch Angliederung der Kaliwerke Hatorf ge» macht. Run folgen auch die Deutschen Kaliwerke, die vor« erst bestrebt sind, eine Reihe von Werken, an denen sie.bisher nur beteiligt waren, gänzlich aufzukaufen. Diese Bestrebungen stoßen auf gewisse Widerstände. Man wird um den Preis nicht handelseinig. Als typisch mag die Ab- lehnung des Angebots der Deutschen Kaliwerke gelten, für einen Kux der Gewerkschaft Immenrode drei eigene Aktien zu ge- währen. Die Gewerke dieser Gewerkschaft schätzen ihren Besitz so hoch ein, daß sie mit drei Aktien der Deutschen Kaliwerke nicht zu- frieden sind, und motivieren ihrzp Entschluß damit, daß die Aktien der Deutschen Kaliwerke vor etwa zwei Neonaten, unter Ausstreuung des falschen Gerüchtes, es stehe eine Verbindung der Deutschen Kaliwerke mit dem Anilin-Konzern bevor, plötzlich um 63 Proz. in die Höhe gesetzt wurden. Die Deutschen Kaliwerke dagegen behaupten, daß allein die Bewertung der Beteiligungen dieser Gesellschaft dem heutigen Kursstande entspricht, nicht gerechnet die Eigenbesitzungen der Deutschen Kaliwerke, nämlich die Gewerkschaften Bernterode, Neu-BIeicherode, Nordhäuser Kaliwerke und Ludtvigshall, für die ein Kapital von 21 Millionen Mark aufgewendet worden sei Es wird sich empfehlen, daß das Reichsschatzami möglichst schnell zu einer Präzisierung seiner Stellung gegenüber dem Plan einer Monopolisierung des Kalihandeis oder mindestens der Kaliaus- fuhr gedrängt wird, um aus übertriebenen tzöherbewertungen folgende Enttäuschungen und Ersatzansprüche zu verhindern. Großü. Mahl! r d n e t c n- achmittags ist der Achtung! Staütve. Parteigenosse Am Sonntag findet die L Ersatzwahl im 11. Kommunalwa Gewählt wird von vormittags Ii 6 Uhr. Kandidat der Sozialdemokratisc Redatteur Hermann Rathmau Michaelkirchplatz 1. Parteigenossen! Die Gegner machen große Anstrengungen, unS dieses Stadtverordnetenmandat zu entreißen, jeder sozial- demokratische Wähler muß daher frühzeitig auf dem Posten sein. Vergesset es nicht! Wichtiger als je ist in der gegen- wärttgen Zeit eine starke Vertretung deS werktätigen Volkes im Stadtparlament. Also Sonntag auf zur Wahl! Als Wahllegitimation genügt: Steuerzettel, MietZkontrakt oder Militärpaß! Das sozialdemokratische Wahlkomitee. I. A.: H. M e i s n r r. Ein siebzigster Geburtstag. Der langjährige Leiter der Nawlcxpcdilion deS«Vorwärts", Fritz Z u b e i l, feiert heute seinen 73. Geburtstag. Die Kriegs- wirren haben es mit sich gebracht, daß wir den Siebzigjährigen nur als Angehörigen unseres Betriebes, nicht als Parteigenossen feiern können. Aber ein Menschenleben, im Dienst der Arbeiterbewegung zugebracht, vergißt sich nicht, wenn eS auch in jüngster Zeit eine Wenduirg genommmen hat, die wir von unserem Standpunkt aus als eine bedauerliche poluiiche Irrung betrachten müssen. Zubeit ist seit 1893 Vertreter von Teltow-Beeskow im Reichstag und halle, bis Würzburg, auf keinem unserer Parteitage gefehlt. Bei Beginn deS Krieges gekörte er zu denen, die die Politik der Reichstags- fraktion am entschiedensten vertraten, er erlitt deswegen aus den Kreisen seiner jetzigen Parteigenossen heraus die schwersten persön- lichen Angriffe, fand es aber später doch richtig, bei ihnen Anschluß zu nehmen. Doch darüber»irt ihm zu rechten, ist heute der am wenigsten geeignete Zeitpunkt. Denn, ivaS immer man sagen mag, die Rechtschaffenbeit seines Charakters, die Ehrlichkeit seines WollenS sind über jeden Zweifel erhaben, und darum erfreut sich Fritz Zubeil auch heute noch im«VorwärrS'-Hause der größten persönlichen Achtung und Beliebtheit. Möge es ihm noch lange vergönnt sein zu wirken, wie eS seiner Ueberzeugung entspricht. Möge er auch sdieser nicht ganz gewöhnliche Geburtslagswunsch sei erlaubt) in dieser streitdurchwühlten Gegenwart mit uns an die Vergangen- heit denken, deren Erinnern unS eint, und an die Zukunft der Arbeiterbewegung, die ein geichlosseneS Zusammengehen fordern wird. Aber wie immer Fritz Zubeil über diese Dinge denken mag, er war uns ein guier Kamerad, i st noch jetzt, auf seinem vom Politischen getrennten Gebiet, ein treuer und angeschener Mit- arbener unseres Betriebes. Mcinungsversckiedenheiteir sollen die Herzlichkeit dieses Geburtstagsgrußes nicht trüben! Strenge Winter in Berlin. Den diesjährigen Winter können wir nach seinem bisherigen Verlauf noch nicht für besonders streng halte». Dagegen dürfte uns allen der vorjährige Winter als einer der strengsten gelten und lange in unangenehmer Erinnerung bleiben. Daß aber dieses Urteil über den Winter 1316/17 denn doch zu.streng" ist, zeigte Professor H e l l m a n n in einem vor der Meteorologischen Gesellschaft ge- baltenen Vortrag über.Strenge Win.�r". Er hat zur Messung der Strenge eines Winters die Summe der DurchschnitlStemperaturen aller EiSlage der fünf Monate vom 1. November bis 31. März be- nutzt. EiSlage nennt man diejenigen Tage, an denen die Temperatur nicht Über 0 Grad steigt. Bei dem Verfahren Hellmanns ergibt sich, daß der vorjährige Winter, so hart er auch zeitweise war, im ganzen keineswegs den sehr strengen zuzurechnen ist. Als sehr streng empfanden wir ihn infolge einer Soibstläuichung. die durch einige besondere Umstände bewirft wurde. Vorangegangen war ihm eine zusammenhängende Reibe von sieben milden Wintern, die uns der- wohnt hatten. Auch setzte im vorjährigen Winter die Kälte erst spät zu einem Zeilpunkt ein, wo wir fast schon dem Frühling entgegen- hofften. Und zum Unglück für uns kam dazu der Kohlenmangel, der unS die Abwehr der Wmterkälte erschwerte. Hellmaun hat für Berlin sein Verfahren auf die aus den Wintern 1766/67 bis 1316/17 zusammengestellten Beobachtungsergebnisse angewendet. Hiernach will er von den 153 Wintern nur 2s als sehr strenge gelten lassen, darunter alS den allerstrengsten den Winter 1788/83. Der Vortragende betonte mehrere kcnnzerchnende Eigenschaften, die ein sehr strenger Winter in Berlin zu haben pflegt. Gewöhnlich treten in ihm drei bis vier Abschnitts böser Kälte aus, die durch Tau- weller unterbrochen werden. Wenn er schon iin November einsetzt und erst im März endet, so bringt er doch die schlimmste Kälte in seiner Mitte, von Dezember ab. Die Andauer der Kälte wird begünstigt durch eine dicke Schneedecke, die sich lange Zeil hält. Die kür Berlin bekannt gewordene Höchstdauer wurde im Winter 1337/33 ermittelt, wo sechzig Tage hindurch, vom 5. Januar bis zum 5. März, der Boden mit Schnee bedeckt war. Die tiefsten Temperaturen liegen für Berlin in sehr sirengen Wintern gewöhnlich zwischen 23—25 Grad und manchmal noch"darunter; im Winter 1783/83 wurden 25.6 Grad er- reicht. Dabei herrscht gewöhnlich heileres Wetter, und die Winde kommen überwiegend aus Ost und Nordost. Die Ergebiiisse der 153 Jahre zeigen, daß nur ganz selten zloei sehr strenge Winter aufeinander fo lg e n, aber oftdiesebr strengen Winter von strengen umgeben sind. Regelmäßigkeilen der Wiederkehr strenger Winter in bestimmten Zeilabichnilten möchte Hellmann auS den SrgebniSreihen nicht mit Sicherheit folgern. Unter den letzten 153 Jahren fallen ihm aber die Jahre 1788—1815 dadurch auf, daß sie viele sehr strenge Winter, im ganzen siebzehn hatten. Dagegen gab es in 1846—1317 nur sieben sehr strenge Winter, so daß er geradezu eine Klimaschwankung annehmen zu müssen glaubt. Auf Fehler der BcobachtungSergebnisse seien die erheblichen Unter- schiede zwischen den beiden Reihen nicht zurückzuführen, und auch auS dem Einfluß der Großstadlzusammenballung könne man die an- scheinende Kttmaschwanlung nicht hinreichend erklären. Berliner Lebensmittel. Bei der weiteren G e m ü se v e r t e i l u n g auf Abschnitt 126 der LebenSmiitelkarte werden nunmehr die Einwohner der im Westen und Teilen des Nordwesten Berlins belegenen Brotkommiisionen zur Anmeldung aufgefordert. Welche Brot- kommissioilen in Betracht kommen, ergibt die Bekanntmachung deS Magistrats an den Anschlagsäulen. Die in jenen Brotkommissionen ansässigen Einwohner, die Gemüse beziehen wollen, haben in einer der BerkaufSstälten. welche für den Bezirk ihrer Brotkominission ge- bildet sind, am Freitag, den 11., und Sonnabend, den 12., Ab- schnitt 126 der Lebeiismittelkärte gegen Bescheinigung des Verkäufers abzugeben. Der Verkauf des Gemüses findet gegen Rückgabe der Bescheinigung nur in der Verkaufssiälte, in der die Voranmeldung erfolgt war. in der Weise statt, daß die Inhaber der Beicheinigungen von Nr. 1—403 am Dienstag, den 13., von Nr. 431—833 am Witt- woch, den 16., und von Nr. 831 ab am Donnerstag, den 17., zum Einkauf berechtigt sind. Bcrtciluilg von Kunsthonig und Nübensaft. Nach einer Bekanni- machung deS Magistrats eiusällt auf den Abschnitt 132 der Leben?- miitelkarte>/g Pfund Kunsthonig oder 9/t Pfund Rübenfasr. Der' Preis für Kunsthonig beträgt im Ausstich 37 Pf. für'/z Pfund und 73 Pf. für 1 Pfund und in fertigen Pfundvaketeu 75 Pl. für 1 Pfund.' Der Preis für Rnbenlaft beträgt iür alt Pfund 38 Pf und für 1 Pfund 53 Pf. Der Abschnitt 132 ist nur in demjenigen Geschäft, in dem der Verbraucher zum Zuckerbezug in das Kundenverzei ckniS eingetragen ist, gegen EmpiangSbcscheiniaung abzuliefern, und zwar in der Zeit vom Freitag, den 11., bis Montag, den 14., einschließlich. Nachträgliche Anmeldungen sindeu nicht statt. Der Käufer ist verpflichte:, nach Maßgabe der vorhandenen Borräte Kunsthonig oder Rübeniast zu entnehmen. Die Ware wird dann nach Ablauf der üblichen Frist bei den Geschäficn gegen Rückgabe der Empfangs- befcheinigungen zur Verfügung stehen. Protest der Kriegsbeschädigten gegen die Baterlaitds- Partei. .DaS Wahlrecht der Kriegsteilnehmer", so lautet die Tages- ordnung der allgemeinen Mitgliederversammlung, die der Bund der Kriegsbeschädigten und ehemaligen Kriegs« t e i l n e h m e r am Sonnlag. den 13. Januar, im Saale des LehrerveremShaufsS am Alexanderplatz, vormittags 13ftz Uhr, abhält. Referenten hierzu sind die Bundeskameraden Reichstags- abgeordneter Sivkovich und Reichstagsabgeordneier David- söhn. Außerdem toird sich die Veriammlung mit den Ausschreitungen beschästigen, die auf der V e r s a m m i u n g der Vaterlandspartei gegen Kriegsbeschädigte verübt worden find. Bericht hierüber erstattet der Bundesvorsitzende Erich Kin tner. Um zahlreiches Erscheinen, namentlich aller knegSbeichädigten Käme- raden wird gebeten. Einlaßkarren sind zu haben auf der GeichäftS» stelle des Bundes, L1V. 68, Lindensir. 114, wo auch Beitrittserklärungen entgegengenommen werden. Weitere Eiufchränkungen des Personenverkehrs werden vom 13. Januar an Platz greifen, und die Eisenbahnbehörden benutzen diese Gelegenheit, um daS Publikum auf die Verderblich- keit des Reifens hinzuweisen..LZer unnötig reist, schädigt die Kriegs- führung"—.Wer reiten will? frage sich vorher: Ist deine Reise wichtiger alS die Abfuhr von Kohle oder als die Herstellung von Munition oder als die Versorgung der Großstädte mir Lebens- Mitteln?"—.Niemand, der reist n will, denke, daß es out ihn nicht ankommt, und daß eine Person die Eisenbahn nicht belastet. Auf jeden kommt es an!"— Mit solchen und ähnlichen Kern- und Schlagworten sticht die Eiienbahnbehörde von der Benutzung ihrer BsrkebrSanftalten abzuschrecken. Wir möchten unfererseuS den Herren den Rat geben, sich ein- mal persönlich durch eine längere Eiienbahnfahrt— ober nichl in amllicher Eigenschaft in der ersten oder zwerien Klasse, sonder» als private Normalpassagicre driller Kajüte— von den mannigfachen Annehmlichkeiten einer Reise in gegenwärtiger Zeit zu überzeugen. Sie würden dann zweifellos zu"dem Reiuliat kommen, daß heul- zutage wahrhaftig kein Mensch aus Ucbermut oder zum Vergnügen die Eisenbahnen in Anspruch nimmt. Wer sich den Sirapazen aus- setzt, die ihn hier erwarten, der muß schon eine» sehr ernsten und zwingende» Anlaß dazu haben, und über die unabweisbare Rot- wendigkeit helfen ihm dann auch die klangvollsten amtlichen Kern- jprüche leider nicht hinweg._ Die ucueu Kohlenkarteu für Groß-Berlin werden wahr- scheinlich am 1ö. Januar ausgegeben werden. Nähere Be- stimmungen dürften bereits morgen bekannt gemacht werden. Sämtliche Hausschlachtuuge» von Schweinen müssen bis spätestens 31. Januar vorgenommen werden. Nach diesem Zeilpunkt könne» HauSichlachlungcn von Schweinen nur noch iy wirllickeu Noifällen erfolgen, wenn z. B. besondere UmstZude, wie etwa zu befiirchiender Sal, mangel, eine derartige Maßnahme rechtieriigsn. Anträge auf Hausschlachtungen von Schweinen sind bis spätestens Freitag, den 25.. im Bureau der Abteilung für Fleischversorgung, Srralauer Straße 3—6 I, Zimmer 36, mündlich unter Vorlegung einer Be- schcinigung der zuständigen Broiiommisfion über die Zahl der Haus- baltSangehörigen zu stellen. Wird die Genehmigung zur HauS- schiachtung nicht erteilt, so steht gegen den ablehnenden Bescheid die Beschwerde bei der Königl. Preuß. Provinzialflcischftelle, Schi!!- strafte 13, offen._ Lichtspiele Taucntzien-Palast. Eine junge bulgarische Schau- spielerin Manja Tzaischewa wird heute Freitag zum erstenmal im Film in Deutschland spielen. Das Werk heißt:.Die sterbenden Perlen", ein Deiektivfilm von E. A. Dupout, der von Rudolf Meinert inszeniert ist. Tie Lichtspiele Reue Phiiharmvllie, Cöpenicker Sir. 36/37, an der Uiitergrundbahn Jnselbrücke, bringen vom 11. bis 17. Januar das große Filmpcachtwerk„Lumpengre'te" mit Leontine Knhnberg in der Hauptrolle in Uraufführung. Charlottenburg. In der Stadtverordnetenversammlung enolg.'c am Mittwoch zunächst die Einführung der neu« und wiedsrgewählttn Stadtverordnercn und Stadträte; unter den ersteren befindet nch Genosse Hirsch, unter den letzteren Genosse Abrens. AuS der Be- grüßungsrede des Oberbürgermeisters Dr. Scholz sind die Worte hervorzuheben, die sich auf die innere Politik Preußens beziehen. Unter Hinweis auf den Widerstand, den die Wahtreform in gewissen Kreisen sindel, erinnerte er daran, daß auch die Sterniche Srädte- ordnung vor 1l3 Jahren aus de» gleichen Widerstand gestoßen sei, daß sie sich aber vorzüglich bewährt habe. Dem Volke, das in beispielloser Weise feine Pflicht getan hat. müsse unverkürzt sein Reckt gegeben werden. Die Gegner der Wahlreform solllcn eingedenk sein an die Worte deS Königsberger Polizeidirektors Frey zur Einführung der Städieordnung:«Zutrauen veredelt den Wen- scheu. Ewige Vormundschaft hemmt seine Steife."— Die Konsti- tuierung der Versammlung ergab die einstimmige Wiederwahl des bisherigen Vorstehers Dr. Frcntzel, des Stellverlreters Hirsch und der Beisitzer Dunck, Ruß, Marzahn und Dr. Genzmer. Bon der Mitteilung betreffend Gewährung von Knoden.- besoldring an Hinterbliebene von Pnpatdienstverpflichtelen imd Arbeitern nahm die Versammlung Kenntnis. Tie Aenderung des Ortssiatuis betreffend die Verpflichtung zum Besuch der Fort- bildungsschule für Mädchen wurde geuehniigt, ebenso eine Vorlage, die die Nachbewilligung von weitere» 6533 M. zur Verabreichung von Frühstück an Schulkinder vorsieht, und die von uns bereits inhaltlich mitgeteilte Vorlage betr. KriegsieuerungSzulagen. Schiineberg. Möbelverforgung. Der Magistrat hat die Vor- bercitungeil für eine Versorgung der minderbemittelteir Bcvölkc- rung mtt Möbel» im wesentlichen abgeschlossen. Er stellt der Bc- völlerung vorläufig 333 bis 433 Zweizimmer-Wohiiungen zum Preise von etwa 833.— M. sowie 253 Dreizimmer-Wohnungen zum Preise von etwa 1833.— M. zur Vertügung. Die Zweizimmer- Wohnungen bestehen aus Stube und Küche und cirlhalien: 2 Bettstellen, 1 Garderobenschrank. 1 Kommodo, 1 Tisch, 1 Vertiko, 2 Stühle und 1 Kücheuschrank, 1 Küchentisch, 1 Topfbrett, 1 Stuhl. Die Dreizimmer-Wohnungen bestehen aus Schlafzimmer. Wohn- und Eßzimmer und Küche und cu:- halten: 2 Betteu, 1 Schrank, 1 Kommode, 1 Spiegelaufiatz, 2 Stühle, 1 Wäscheschrank, 1 Büfett. 1 Anrichte,' 1 Tisch mit 2 Zügen, 4 Stühle und 1 Küchenichraiik. 1 Küchentisch, 1 Küchen- rahmen. 2 Slühle, 1 Kohlenkasten und 1 Handtuchhalter. Ferner fieBcrt eine Reihe ernzeliier Küchen zum Preise von cilva 300 M. verein Endlich Hot die Stadt einen �rödereu Posten Matratzen für die Schlaszimnicreiurichtunkien zu billijien Preisen geschafft. Die Zimmer sind vom 20. Januar ab in den Schaufenstern des Haui'eS Haiiptslraße Nr. 1t zu sehen. In demselben Hause mird im Februar gleichzeitig ein Verkauf von Kleidern und Wüsche für die minder- bemiltelte Bevölkerung eröffnet. Anti äge von Einwohnern auf Zu- Weisung der Wohnungseinrichtungen sind vom 20. Januar ab an den Magistrat, Deputation für Kleider- und Möoclvcrsorgung, zu richten. — Die AuZgaLc der neuen Kohlcnkarten für Schöneberg erfolgt in Zimmer 130 des Neuen Rathauses und zwar: für Häuser mit Osenheizung in der Zeit vom Freitag, den 11., bis DicnSlag, den 1ö. Januar einschl., die Ausgabe der Sonderlarten für Mieter in Häuiern mit Zentralheizung am Mittwoch, den 16. Januar. Die Kohlenkarten werden an die Hausbesitzer ausgegeben, welche zur Weitergabe an die Mieter verpflichtet sind. Alles Nähere ergib! sich aus der an den Anschlagsäulen erlassenen Bekanntmachung. Neiiiickendorf. Grirupcnvcrtciluug. Auf Abschnitt 130 der Lebensmittelkarte werden 150 Gramm Graupen verteilt. Die Ab- lieferung des Teiles A des Abschnitts 136 muß bis einschließlich Montag bei einem Kleinhändler erfolgen. Soziales. Tie Stellung der Beautieu zur Konsumgenossetischaftsbewegung. Bekanntlich nehmen die Beamten in wirtschaftlicher Beziehung eine gesonderte Stellung ei». Sie beziehen ein festes Geyali, das keinen Schwankungen unterworfen ist und in bestimmten Abständen steigt. In den anderen Beruiszweigen regelt sich das Einkommen nach der Leistung, nach der geschäftlichen Lage des Arbeitgebers und auch nach Angebot lind Nachfrage. Die Angehörigen der freien Be- rufe, zumal die Arbeiter, sind imstande, eine günstige Konjunklur zur Erlangung eines höheren Einkommens ansznnutzen, auch bietet ihnen die Organisation ein Mittel, auf ihre Arbeitgeber einen Druck auszuüben. Diese Möglichkeit fällt bei einem Teile der Festbe- soldelen, namenllich bei den Staals- bezw. Gemeindebeamteir. völlig weg. Sie hoben fast gar leinen Einfluß auf die HAhe ihres Einkommens und sind lediglich ans das Wohlwollen der höheren Vorgesetzlen und der Parlamente angewiesen. Da bleibt ihnen dann nur der andere Weg übrig, ihr Einkommen zu steigern, indem sie sich kou- sumgenosienschafllich organisieren und dadurch ihr Einkommeir in- direti erhöhen. Tie Notwendigkeit einer Steigerung der Kaufkraft des Geldes durch die Koniuiligenofsenschasten hat sich besonders im Kriege dcuilicb gezeigt, und darunv treten auch, iir de» Bcamten- kreneu die koiislimgeiiossenichafllickenGBestrebungen immer mehr in den Vordergrund. Daß sich die Festbesoldeten konsumgenossenschaft- lich betätigen müssen, diese Ueberzeugung hat überall festen Fuß gefaßt, doch bedarf es noch einer tatlrästigen, zielbewiiß>en Auf- klärnngsarbeit, um sie zu einem Geineingut aller Beamten zu machen. Das Recht der konsumgenoflenschaftlichen Organisation kann den Beamten beiilzmagc nickt mehr bestritten werden. Die als Beamten- Ivirlichaflsvereinebekannten Einrichtungen, sowie ähnliche Einrichtungen mancher Behörden sind ungenügend. Die Beamten selbst der- laugen seil Jahren, daß mau sie durch keine gesetzliche oder Ver- walturigsvorichrifl bindere, ihre Hauswirtschait so zu gestalten, wie dies alle anderen Berufskreiie tun, und daß man' sie vor allen Dinosn nickt hindere, durch Einkauf von Waren in Konsumvereinen ihre Lebenebaliung zu verbessern. Sie wollen in wirlichastlicher Beziehung keineir größeren Beschränkungen uurerworfen sein alS die übrigen Staatsbürger, und sie fordern ihre wirtjchastliche Selbständig- keit ohne Rücksichtnahme auf die Wünsche einzelner Jntelessen- gruppen. Im Verlaufe des Krieges haben die maßgebeuden Stellen diesen Forderungen zugestimmt und den Beamten die Be- teiligung an Konsiimvereiuen freigegeben. Dagegen laufen die Milielstanksretier Sturm. Sie behauplen nach wie vor, daß die Konsumvereine den Mittelstand zugrunde richteten, weshalb sie belämpit werden müßten; es sei nämlich die Hauptaufgabe unserer Wulichaslspolilik, einen kräftigen, leistungsfähigen Mittel- stand zu erhalten. Die Beleiligung der Beamten an den konsum- genossenschaftlichen Bestrebungeil dürfe nicht gestattet werden, weil das eine Schädigung der kleinen Händler und Geschärlsleule in sich schließe. ES kann gar nicht zweifelhaft sein, daß diese Wirtschaft- licho Ouattsatbcrei nach dem Kriege jämmerlich Schiffbruch leiden wird, weit es dann auf eine Zusammenfassung aller vorhandenen Kräfte ankommt, bei der jegliche Kräftezersplitterung und Kräfte- Vergeudung vermieden wird. Das vermögen aber nur die Konsum- genossenichafieil iml ihren mustergültigen Einrichtungen, nicht aber die zersplitterten Miltelsiandsleute. Das Recht auf genossenschast- licke Selbuhilfe wird also den Beamten nicht mehr vorenthalten werden können. Wenn es eine Tatsache ist. daß die Beamten gar nicht daran denken, auf ihr staatsbürgerliches Recht der koniumgenossenschaftlichen Betäligung den Mittelstandspolitikern zuliebe zu verzichten, so kommt es doch nunmehr daraus au, daß sie von diesem Recht in der richtige» Weise Gebrauch machen. ES wäre durchaus falsch, wollten sie sich von der großen Wirtschaslsgemciuschait aller Verbraucher absondern und sich in eigenen Konsumvereinen organisieren; der richtige Weg genossenschaiilichcr Selbsthilfe ist der Anschluß an die bestehenden Konsumvereine und ihre tatkräftige Mitarbeit im Rahme» dieser Vereine._ Gericktszeitung. Böse Folgen einer übermütigen Aeußcrung. Der eben erst 18- jährige Arbeiler Max P. war am 22. September mit mehreren anderen Personen aus einem Kohlenwagen, uin von einem Bahnhof Kohlen abzuholen. Unterwegs begegnete ihnen eine Abteilung Sol- daten mit den Gewehren auf den Sckultern. Einer der Soldaten trug das Gewehr vorichrislswidrig, so daß ein Unteroffizier es ihm zurechtrückte. AlS dies der Angeklagte, der nach der Bekundung seiner Mitfahrenden sich in übermütiger Siimmung befunden haben soll, sah. rief er den Soldaten zu:„Werft doch die Gewehre weg und macht Sckluß 1' Nach den Aussagen von vier als Zeugen vcrnonimonen Soldaten ioll die Aeußcrung sogar noch etwas dedenklichcr geklungen Hoden. Die Folge war. daß der Angeklagte für diese unbedachte Aeußerung festgenommen wurde, drei Wochen in Ilnteriuchunashasl gesessen hat und sich nun vor der Strafkammer zu verciniworten haue.— Der Staatsanwalt beantragte 3 M o n a t e Gefängnis, da unter den heutigen Zeitverbällniffcn derartige Aufreizungen leicht bedenkliche Folgen nach sich ziehen könnten. Der Gerichtshof verurteilte den Angeklagten zu 0 Wochen Gesang- n i S und rechnete zwei Wochen auf die Untersuchungshaft als ver- büßt an._ Zugzusammenstotz. Magdeburg, 10. Januar. Ter verspätet fahrende D-Zug 179 fuhr am 10. Januar bei Ausfahrt aus dem Personenbahnhof O s ch e r s l e b e n(Bode) auf den im Rangierbahuhof einfahren- den Güterzug 5111. Ein Bediensteter schwer, einer leicht verletzt. Aom D-Zug 179 Maschine und Packwagen entgleist. Beim Güterzug erheblicher Materialschaden. Hauplgleis Magdeburg— Halberstadt voraussichtlich 10 Stunden, Hauptgleis Halberstadt— Magdeburg 5 Stunden gesperrt. Personenverkehr wird unter Benutzung der Rangiergleise aufrecht erhalten. Kälteperiode in New Dork. Wie das„Jourual� aus New Dork erfährt, bietet die Stadt das Bild eines Eisfeldes. Tie Straßen sind vereist, daß sich Unfälle zu Hunderten ereignen. Der Wagenverkehr ist vollkommen unmöglich. Da auch die Straßenbabu den Verkehr einstellt, können die in den Außenquartieren wohnenden Bewohner ihre Arbeit in der City nicht aufnehmen. Das Eis bat durch sein Gewicht auch viele Telephon- und Telegrapheuleitungen zerstört. KigenöveranstaltunAen. Eharlottenburg. Nrbeiter-Iugendheim. Ziosinenstraße 4. Sonntag, den 13. Januar: Heimerösfnung 7 11 br. Vortrag des Genossen H e i l m a n n über„Neuere Dichtung von Vildgans". Nach dem Vortrag allgemeine Spiele. Eltern und©äste willkommen. Cingegangens Drucksthristeü. Almanach de la Gazette des Ardennes ISIS. 1 M. Volckmar, Leipzig. Haus Mvllenkopf. Von Wilhelm Schliffen.— Jnselfruhling. Bon Ludwig Fincklst— Dreizehn aus Schwaben. Verlag von Strecker u. Schröder in Stuttgart. Als ich noch im Flügeikleide. Von Albert Nehm und Marlin Frehsee. 3. M. 3.„Dresden". Von Winfried Lüdecke. 25 Pf.— Olkichel. Von Job. Schern 7o Pf.— Karl Bröger: Ter unbekannte Soldat. 25 Pf. ReelamS Ilniverfal-Bibliothek. Leipzig Zwangstierwaltung und Liquidation des feindlichen Vermögens im Inlands. Bon Dr. E. Petri. Straßburger Druckerei und V-rlagSanftalt, Strasburg i. Eis. Snefkasten der Redaktion. Die turiftisck!! Sprechstunde findet für Äbonnenten Lindcnstr. 3, 1. Hos links, parterre, am Montag bis Freitag von 4 bis 7 Uhr, am Sonnabend von 5 bis 6 Uhr statt. Jeder für den B r i e s I a st e n bestimmten Ankraae ist ein Luchstabe und eine Zahl als Merkzeichen betzusügen. Briesliche Anl- wort wird nicht erteilt. Anfragen, denen keine Abonnemenisoni-tung bei- gefügt ist, werden nicht beantwortet. Eilige Fragen trage man in der Sprech- stunde vor. Vertrüge, Schriftstücke und dergleichen bringe man in die Sprech- ftundr mit. Feldgrau. 1. Ja. 2. Durch Klage beim Landgericht. 3. Rotwendig ist der Urlaub dazu nicht, da die Klage durch einen Rechtsanwalt ver- treten w:rd. 4. Er kann auf Grund eines Armenattestes beim zuständigen Landgericht Antrag aus Beiordnung eines Anwalts stellen. S. Nein, der Sohn muß selbst klagen. 6. Die von Ihnen selbst angegebene Tatsache genügt.— M. G. XI/4. Erst wenn der Betreffende durch Antrag bc.m Amtsgericht für tot erklärt worden ist.— M. 3. 27. 1. Waisenrente erhalten Sie sür die Kinder aus Grund der von Ihrem Mann uekieblen ?.>!arken, Witwenrente nur, wenn»sie selbst invalid sind. 2. Waisenrente etwa 3 M. monatlich. 3. Ja, die Differenz ist gering. 4. und 5. Nein. — I.•£). I. Ihre Frau hat keinen Anspruch auf Altersrente, sie bat zu wenig Marken geklebt. Wenn sie aber erwerbsunfähig ist, kann sie doch Anspruch auf Invalidenrente geltend machen: dazu reichen die oekObten Marlen vollauf.— 38. Nur die Eltern, nicht der Soldat, haben Anspruch aus Aulwandsentschädizung, und zwar nur dann, wenn ei» Sohn noch aktiv dient.— 4711. Ja.— S. 99. Anspruch auf Unterstützung hat die Frau nicht mehr: wenn aber uachgewiescu werden kann, daß der Tod infolge der beim Heer zugezogenen Kiankbeit eingetreten ist, kann sie Rentenansprüche gellend machen.— W. M. 34. sie haben nur noch Aiilbruch aus Unteislützung für einen halben Monat vom nächsten Zahltag au gerechnet. — 21. O. 37. 1. und 2. Wenden sie sich mit Ihrer?liifrage an die Schmiedeinnung, uns ist Näheres darüber nicht bekannt. 3. Ja, wenn Sie obne Abkedrfchein die Arbeit wechseln.—©. M. 1?. 1. Ja. 2. Sie sind auch dann zur Selbsteinichätzung verpflichtet.— F. 21. 30. Vom nächsten Zabltaa an gerechnet aus einen halben Atonat.— E. M. 87. 1. Nein. 2. Darüber kann der Voigeietzte frei oeriüzen. 3. Nein. 4. Auch wenn Sie die Stammrolle unterschrieben haben, können sie, wenn sich später herausstellt, daß Ihr Leiden aus eine Dienstbeschädignng zurückzuführen ist, Slnspruch aus Rente erbeben.— Wally 31. Ja, wenn er einen Be- fehl dazu erbätk.— Neuköllner Ratte. 1. Durch eine Anzeige bei der Polizei würde doch diesem Mitzitand sofort abgeholfen werden. 2. Gesetz- liche Bestimmungen bestehen dasür nicht. Sje dürscn auch mcht auf Kosten des Hauswirts die Renovierung vornehmen lassen und den Betrag dafür von der Miete abziehen: Sie könnten nur gegen den Hauswirt beim Amtsgericht Klage aus Herstellung der Wohnung in vertragsmäßigem Zustande erheben. 3. Ja.— 2. 101. Nach unseren Informationen iöuneii wir den Beitritt zur betreffenden Gcnossenichast nicht empfehlen.— Humincle Hummel. 1. Nein. 2. Bestimmte. Sätze bestehen dafür nicht, die Zulagen sind willkürliche. Nachzahlung kann deshalb nicht erfolgen.— 21. Altmann.£ie_ sind steuerpflichtig.— C. H. Nein.— N. Ja. — N. H. 5800. Sie muffen in den hiesigen Lazaretten nachfragen, ob imd wo ein Platz für Ihren Mann frei ist und dann an den Chcsaizt des jetzigen Ausenthaltslazaretts ein entsprechendes NeberweiiungSgesuch richten. — 3. 50. Die Kosten belaufen sich aus etwa 3—4 M. Die Ehefrau muß besonderen Zlnlrag stellen.— W. 3ch. 38. 1. Wenden Sie sich an die Geschäftsstelle der Zcitschnit für Spiritusindustrie, Berlin 8\V II, Hedeniannstr. 10/11. 2. Ein gcsetziichcr Anspruch daraus besteht nicht.— A. 77. Solche Institute finden Sie im Berliner Adießbüch Teil II Seite 130 und 199.—i-. nceU. IVoekeaknS. Friedrichs! 125(Oranienb D.f, siirB/phllis.starn-u.FrausnIeidzn Blirlich-liata-Enr(Dauer 10?.), Blutuntersuch. Sohnelle, sichere schmerzt. Meilung ohne Berufs- stürang. Teilzahiung. 252/12* Sprechstund.: 11— 1 u. 6—8. 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Retnaelvinn..'' 1470,— 235,— 470,— 2899,20 1000.— 750,44 62r4,61 Im Geschäftsjahr ist ein Gc« nosse eingetreten. Ferner wurden von 5 Ee- Nossen 30 weitere Anteile ein« gezahlt. Zlusgcschicden ist ein Genosse mit 3 weiteren Anteile», so daß am 30. September 1917 143 Ec- »offen mit 151 weileren An- teilen vorhanden waren mit einer Haftsumme von 1470 M. Gcschästsguthabcn und Hast- summe betrug je 1470 M. und haben sich je um 135 M. ver- mehrt. 1300b MemgeuofftüschiP „Villtsdrli!". Peaster. vtt» lisrn. ttetasek. 'ür Aeldfoldaten! � Dentsch-Poinisch. 15 HF. I Veutfch-Franjösifchlbyf. 3uv i n n entstehen dürfte, ich ihn folg- lich dazu nicht begutachten kan n." Wärmeschutz— NärmegeWinn. ES gibt zwei Mittel, ein warmes Zimmer zu haben, ettiwedcr durch entsprechend starkes Heizen, oder durch sorgsamsten Schutz der Räume gegen Wärmeverlust. Jetzt ist selbstverständlich der zweite Weg nicht nur empfehlenswerter, sondern meist überhaupt der einzig gangbare. Leider ist eS nicht ganz leicht, das Eni- weichen der Wärme durch Wände und Decken zu verhüten, aber es gibt immerhin einige Mittel, die von jedermann ohne viele Umstände angewandt werden können. Professor Nußbaum, einer unserer besten Sachkenner in der Wohniingshygiene, erteilt in der„Umschau" einige in dieser Richtung nützltche Rar» schlüge. Soweit die Fenster"in Betracht kommen, ist tvoyl lchon genügend auf die Notwendigkeit ihrer sorgsättigen Abdichtung, ins- besondere mit dem schlecht wärmeleitenden Papier, hiitgcwiejcn worden. ES iväre nur noch besonders daraus aitsmerl- sam zu machen, daß sich Undicdtigkeilcn au den Fenstern auch oft dorr finden, wo ihr Holzrahmen an da? Mauerwerk anschließt, wo sie aber nur seilen gestickt werden. Eine wettere schwache Stelle pflegt die Sockelleiste zu ieiu. die den Fußboden deS Zimmers umrahmt. Auch hier sollten klaffende Ritzen, mit Papier verstopft werden. Balkontüren sind am besten ganz mit Packung zu sperren, die ja leicht durch Portieren oder anders Decken dem Auge entzogen werden können. Schließlich muß man sich aber unter Umständen auch an das Mauerwerk selbst machen; besonders in Feitsleniischen, die gewöhnlich nur mit schwachen Mauern umgeben sind. Hier dürtle es am leichtesten und zweckmäßigsten srin, Zeitungöpapier in mehreren Schichten auf der Wand zu festigen, und � zwar hauptsächlich über den Fenstern. zumal wenn etwa der Heizkörper sich gerade darunter befindet. Da über den Fenstern ohnehin irgendein Stoffzicuat angebracht zu sein pflegt, läßt sich auch dieser Wärmeschutz hinreichend bemänteln. Der Vorschlag der Einführung von Venitlatoren oder Gebläsen zur Be- seitigung der TcmpetaUtrgegeiisätze im Zimmer, die sich zwischen Fußboden und Decke auf 30 Grad belaufen können, ist zwar sehr bcachlenswert, aber schwerer dttrchsührbar. Die deutsche Zigarren- und Zigaretten-Crzeugung. Mancher Raucker wie auch mancher Nichtraucher mag sick ivohl schon gefragt haben, toteviel Zigarren eigentlich in Deutschland er-- zeugt werden. Nun hat der Deutsche Tabakverein'ermittelt, daß die Erzeugung wie folgt gestiegen ist sin lNilltoitctt Stück) t 1875 5231, 1903 7384, 19» 8700, 1910 10 500. Da in Deutschland nur 34 000 Tonnen Tabak erzeugt werden, im Jahre Vor dem Kriege der Rohiabakvcrbrauch Deutschlands aber etwa 114 000 Tonnen be- trug, so kann man daraus schließen, daß auch in der Kriegs- zeit noch viel Tabak nach Deutichland eingeführt worden ist und daß auch schon allerlei Ersatzmittel benutzt lvorden sind. Besonder? ausfallend ist der zunehmende Verbrauch von Zigaretten in Deutschland. Die Erzeugung betrug nämlich (ebenfalls in Millionen Stück): 1875 152, 1903 3200. 1013 12 442, 1910 25 000. Während also die Zahl der erzeugten Zigarren sich von 1875 bis 1910 bloß verdoppeil hat, ist die der Zigaretten im gleichen Zeitraum um das 105 fache gestiegen. Da für das Heer 75 Proz. der erzeugten Zigarclien bereitgestellt werden und auch von den übrigen Mengen noch viele ins Feld geschickt werden, kommt die Erzeugung zum weitaus größten Teile dem'Heere und der Manne zugute.__ Notszen. — Vorträge von Dr. Bruno Wille. Montag, 14. Jan., sowohl G/z als auch 8 Uhr, Dorotheenstr. 12 übe: Faust L Dien-tag, 15. Jan., daselbst 8 Uhr über Goethes Gedichte. — 109 frohe Abende bietet der vom Berliner Goeibebirnd begründete Ausschuß für Volksunterhalt un gen dar. Die Veranstaltungen werden vom 14. Januar ab nachetuander tn 10 verschiedenen Sälen der Außenvierlel allabendlich stattfinden. Soweit über die Eintrittskarten nicht bereits durch die Magistrate der Stadtgementden verfügt worden ist, werden sie in den noch näher zu bezeichnenden Verkaufsstellen ausgegeben werden. Der Preis ist 25 Pf. iür die Einzelperson, 50 Pf. für die Familie bis zu fünf Personen scinschlteßltch Garderobe). — Die H nmboldta lade in ie Freie Hochschule gibt soeben da? VorleutngsverzeichniS für Januar— März heraus, da- trotz des Krieges eine Fülle von Vorlesungen und Führungen auf allen Gcbteiett culhält. Es ist unentgeltlich in der Geschäftsstelle, in Lehransialten und Lesehallen, Buchhandlungen und tm Hauptbureau Neue Friedrickstr. 53—50 II zu baden. Ermäßigte Hörerkarten u. a. für Mitglieder der Freien Volksbühnen ttttd der Gewerkichaslen(letztere bei Horich. Engeluker 15). vs Töchter öer ßekuba. Ein Roman aus unserer Zeit von Clara Viebig. Die junge Frau schloß die Augen. Sie beschwor sich sein Bild herauf: er stand wieder vor ihr, jung, hübsch, liebensivert, sie sah in die Tiefe seiner dunklen Augen— warum sprach er nicht von Liebe? Nur von Krieg, Krieg. Hatte er denn ganz vergessen, daß seine Frau Deutsche war? Wußte er nicht, wie schiver es für sie sein mußte, schier un° erträglich, ihn auf der andern Seite zu sehen? War denn alles, was sie damals geglaubt hatte:.dein Volk, nieiu Volk, mein Land, dein Land,' jetzt nicht mehr so? War das geträumt gewesen? Aus grausamer Wirklichkeit baute sich eine Mauer auf und wuchs schnell höher und höher. Hob sich ein Bollwerk, weit mächtiger als die Alpen, zwischen Italien und Deutschland, zwischen ihm und ihr. Ob er das auch so fühlte? Da— nur ganz zuletzt, ein paar Worte der Liebe. Als ob die ihm zum Schluß nur gerade noch ein- sielen! Sie verletzten mehr, als daß sie wohltaten. Der Brief siel aus ihrer Hand zu Boden; sie ließ ihn liegen. Langsam fingen ihre Tränen an zu rinnen und tropften ihr auf die Hände, die sie wie hilflos vor sich auf dem Schoß hielt. Ach nein, sie verstand ihren Mann nicht mehr, und er verstand sie nicht mehr. Wie durfte er ihr, gerade ihr s o schreiben?--- Evviva Jtalia I--- Er mußte doch wissen, daß er sie verletzte, wenn er Italien bejubelte. Oh dieses heimtückische, verrätestsche Land! In ihrer Erregung konnte sie nicht genug der verdammenden Worte finden. Dieses Land, das nicht Wort war, daß die Natur ihm so viel Schönheit gespendet hatte. Wie eine Verzweifelte sprang sie auf. Mit unruhigen Schritten ging sie im Zimmer auf und ab. Und dabei weinte sie immerfort. Verstand sie denn niemand mehr? Konnte denn keiner begreifen, wie ihr zumute war? Losgelöst von der alten Heimat, verpflanzt in eine neue Heimat, und dann wieder losgelöst von der neuen Heimat und wiederum in die alte zurückgepflanzk! Solch eine arme Pflanze hat gar keine rechte Heimat, die ist nirgendwo zu Hause. Ihr Mann schickte keinen Gruß an die Eltern— er erwähnte sie nicht einmal in seinem Briefe— war er so gleichgültig? Oder war er böse auf die, weil er wohl glaubte, sie seien die Veranlassung, daß seine Frau Italien verlassen hatte? Sie stand still und reckte ihre schlanke Gestalt, trotzig hob sie den Kops; sie biß sich auf die Lippe und unterdrückte ein Schluchzen, ihre Tränen hörten auf zu rinnen: oh nein, die waren nicht schuld. Die hatten sie nicht kommen heißen. Sie, sie allein hatte eS gewollt ganz von selber, es hatte sie niemand beeinflußt. Da. da ganz tief innen— ihre Hand krampste das Kleid über der Brust zusammen— da saß etwas, das hatte sie getrieben. Was sollte sie am blauen Meer unter der leuchtenden Sonne? Wenn der Himmel über Teutschland so trübe war, dann mußte auch sie unter diesem trüben Himmel sein. HI. Die Linden in den Straßen deS Vororts hatten längst abgeblüht. Die breiten Wipfel in dem Park, der Bcrtholdischen Villa gegenüber, standen in jenem tiefen Grün, das, übersatt an Farbe, deutlich spricht: grüner kann ich nicht werden, nun gilbe ich bald. Frau Hedwig Bertholdi war ganz allein. Ihr Mann war auch fort. Er war zwar schon achtundvicrzig, aber er hatte ein Gut besessen, das er der Erziehung seiner Sohlte wegen verkauft hatte, und dieses Leben als Landwirt hatte ihn frisch erhalten. Er war wie ein um zehn Jahre Jüngerer; es hatte ihn längst gewurmt, daß er, Reserveoffizier, Hauptmann, so völlig tatenlos drinnen saß, während sein Jüngster, als gemeiner Soldat noch dazu. draußen lvar. Er hatte sich gemeldet. Als die große Linde vorm Hans noch blühte, war der ersehnte Brief gekommen— .Hceressache'— nun durfte er doch wenigstens Rekruten drillen, in einem Winkel an der Grenze von Russisch- Polen.„Und wenn ich denn auch keinen Pnlverdampf rieche, so höre ich doch wenigstens, wenn der Wind günstig steht, daS dumpfe Rollen der Geschütze", schrieb er an seine Frau. Nun war er doch endlich zufrieden! Hedwig senkte den Kopf: wie viel besser es die Männer hatten. Sogar die an der Front, trotz aller Strapazen, trotz der Todesgefahr. Sie seufzte. Die-Frauen hatten es schwerer. Da saßen sie nun alle— wohin sie blickte: Frauen, Frauen, ach Gott, sie hatte gar nicht gewußt, daß es so viele Frauen gab— und dachten nichts anderes, sprachen nichts anderes als: Krieg, Krieg. Und mußten doch den Tag hinleben im Kleinkram ihres Da- seins und sich heimlich verzehren bei Tag isiid bei Nacht in der Sorge um die draußen. Ihr Leben hatte sich bis dahin ganz um da? der Söhne gewunden; erst als die noch klein waren, in kleinen Sorgen, als sie größer wurden, in größeren Sorgen. Jetzt zuletzt in der schwersten Sorge: um ihr Dasein überhaupt. Nun war noch eine Sorge hinzugekommen— nein, eigentlich keine Sorge, ihr Mann war ja außer Gefahr,— aber doch eine ständige Besorgnis. Wie würde es mit seinem Rhen- matismus werden? Der plagte ihn von Zeit zu Zeit. Und dann: ivürde es ihn nicht gelüsten an die Front? Würde eS nicht auch ihn treiben, und er es am Ende auch durch- setzen, hinauszukommen? Sic überdachte die Jahre ihrer Ebc; bald würden sie silberne Hochzeit feiern, es Iväre doch bitter, wenn sie die nicht feiern könnten. Nicht feiern, waS man so feiern nennt, nein, still begehen in einem Zurückblicken ans die Vergangenheit. Von der Liebe, mit der man sich heiratet, bröckelt freilich manches ab, die Sinne werden ruhiger, die Jahre der Gewöhnung stumpfen ab, aber jetzt stieg ihr doch etwas wie ein. Inarmes Rot in die Wangen, wenn sie an ihren Mann dachte. Es war so schwer, sich selber um alles kümmern zu müssen. Nun merkte sie erst, wie viel er ihr abgenommen, wie er ihr das Leben eigent- lich sehr angenehm gestaltet hatte. Das äußere Leben wenigstens. Innerlich war es oft unbefriedigend gewesen; sie hätte ihn anders gewünscht, geistig angeregter; und anregender. Freudig hatte sie den Umzug in die immittelbare Nähe der Weltstadt begrüßt, da würde vieles anders werden. Er war derselbe geblieben. Sie hatte die Söhne gehabt; all deren Interessen geteilt, mit ihnen gelernt, als sie größer eigenen Ideen, als sie noch klein waren, mit ihnen gestrebt, wurden. Jeder von den beiden hatte seine seine Ansichten, seine Ideale; sie hatte sich redlich be müht, daran teilzunehmen. Und sie hatte doch nicht imnier ganz mitkönnen: die waren eben jung, jung und töricht— und sie? I Hedwig sah sich in ihrem einsamen Zimmer in den Spiegel. Ihr Mann sagte immer, sie sähe noch Ivie ein Mädchen aus. Tat sie das? Ja, wenn sie sich am Abend ihr reiches Haar in Zöpfe flocht. Aber jetzt?! Sie sah rasch weg und seufzte dann auf: man alterte rasch in dieser Zeit. Gut, wenn man miteinander altert. Miteinander— nur nicht allein sein l(Forts, folgt.) DJrelition Max Reinhardt. Dentschos Thenter. 71/, Uhr: Dantons Tod. Kamm erspiele. T'/j Uhr: Kinder der Fredde. Volksbühne. Theater am BDIowplatz. üntergrundb. Sehönh. Tor. TVa Uhr; Othello. Dir. C. Meinhard— B Bernauer. Ttieatsr I,- Kfiniggrätzerstr. 7 Uhr: Die Wildente. Komödienhaus 'i�SUhr; Die beiden Seehunde. Berliner Theater 71/,U.: Die tolle KomteB. Anita Berber Trude Hesterberg Kurt Fuss Jan Panl sowie der vollständig neue Januar-Spielplan Theater für Freitag, II. Jantiar. Central-Theater Komraandantenstraße 67. 7'/,; Oic CaardaNfiirstin Söhnt. S'/j: Der HOttenbesitzer. Deutsches Opernhaas t mr: Tannhäuser. Frledrich-Wilheimst. Theater '■/.uir: Das Oreiiiiierlliaiis, Kleines Theater vi, uhr: Geldzauber. Komlncho Oper 7� o.- Setswarzwaläsiadel. Mrpr. S'/j: K i Doreh. u.d. Zinnsold. Sonnt. 31/, U.: Die Kinokönigin. l.nstspielhaus Tl, Uhr: Die liioiiiien Mädels i. Lindeolio! Metropol-Theater uhr; Die Rose m Slanii!«!. Sonnt 3 U.: Die Kaiserin. Neues Operettenhaus Schifibd. 4a. KassenLNd. 28t uz. uhr-.Oer Soldat derMacie. Desidenx Theater 7'/. �r: Liiü Grün. SchUler-Theater O u/. uhr: im Halen. Mchiller-Th. Chari. 7>/3uhr: Traumulus, 7'/. Uhr: Thalia-Theater Eroq nod seine Fraoeo. Theater am Nollendorfplatz 7 Uhr; tm Theater des Westen» w.uhr�erverlielile ßerzo� mit Guido Thielscher Verband der Freien Volksbühnen.!| Sonntag, den 13. Januar, mittags 12 Uhr in der Volksbühne, Theater am Biilowplatz: VII. KONZERT. Das Klingler=Quartett. fj. Tan BeothoTen: Streichquartett O-moll, op. 18, Nr. 4.; Streichquartett Es-dur, op. 74; Harienquartett. Karten: 1 Bark einschließlich Kleiderablage sind noch in der Geschäftsstelle, Linienstr. 227, zu haben. sfe!w25552K55»r2Se.5555i 'l'SBSS.it*»..*.**'-!.! Rose=Theater. VI, Uhr: Der WMMW. Walhalla-Theater. vu uhr: Äm goldenen Rom. NATION AL«TfiEATER| S Minuten JannowitzbrDcke. Cttpenlcker Str. 08. Täglich•/, 8«roBer Erfolg! Täglich'/,8 SMentenliebohen.?«"?.«"' Sonntag S'/j u. 7'/, Uhr: SlRdcntenllcbchen. Vorrarkauf: 10'/. und ab 6 Uhr abends. Bahnhof FriedrichstraBe Anfang 7'/, Uhr. Letzte Saison in Berlin. Aus d.roichh. Sportprogr. I besonders hervorzuheb. I p Tiger| S-"»' Sartado JL�I Maud Wulff, flieg. Hunde. MkMo. Orig.-Ausstatt.- Pantomime{ Sonnt 8';, n. VI, U. Nehm. Kinder halbe Preise. I T.bd Vrst. Matika.f OTiger| Tr Janon»Theater Georgenstr., Bht. Frledriohsfr. Tel.: Zentrum 4927 und 2391. VjSUhr Der VK Uhr Lebensschüler* Komödie ron Ludwig Fulda. .Ida Wüst, Erich Kaiser-Titz, t. Möllendorff, Mart. Kettner. Stg. 3'/, kl. Pr.: Hedda Gabler. tewifti Friedrichstr. 165. 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Im Mnhagonffaale hält das fe Ghttspret leint Mrihrmchtstielcherlmg°b.. von Aktien ciei csrl Lcboeoillg, FiseogieLerei nnä VVeFkzeugmsscbinen-FsbFik AktiengeseUscbstt in iieue Aktiea äei lZebr. Krüger& Co. Aktiengesellschaft Nachdem die in den Generalversammlungen der Carl Schoening. Eisengießerei und Werkzeugmaschinen-Fabrik Aktiengeseilsohaft und der Gebr. Krüger& Co. Aktiengesellschaft vom 2. November 1917 gefaßten Beschlüsse in das Handelsregister eingetragen worden sind, fordern wir gemäß§ 805 Absatz 3 und§ 290 H. G. B. hierdurch die Inhaber von Aktien der Carl Schoening, Eisengießerei und Werkzeugmaschinen-Fabrik Aktiengesellschaft auf, ihre Aktien nebst Dividendensoheinen für 1917/18 u. ff. zwecks Umtausch in solche der Gebr. Krüger& Co. Aktiengesellschaft unter Beifügung eines doppelten Nummern Verzeichnisses spätestens bis zum IS. Februar 1918 bei der Commerz- und Dif/., Sonnt.>0—1 Uhr. Plattuabsoll« per Gramm bis 7,80 Mark, Ketten, Ringe, Bestecke, Uhren, Tafelaufsätze, Tressen, Film- und Zelluloid- abfalle, phowgraphifche Ruck W R stände, Papiere, Glühstrumps- asche, alte Zahngebisfe, sal- peiersaureS Silber, deren Rück- stände und Gekrätze usw. kauft Platin- und Silbeischmelzerei Broh, Berlin, Cöpenickerstr. 29. Telephon Moritzplatz 8476. Eigene Schmelze, direkte Ber- Wertung._ 17 1* Spiralbohrer, Werkzeuge, ilmabsälle, Bestecke, Uhren, iinge, Ketten usw. kauft Meialleinkaufs-Zeutrale, Kott- buserdamm 66(Hermann- Platz)._______ 12ÖJI» Kaufe höchstzahlend Materialien für Elektrisch, Gas und Wasser, Werkzeuge und der« gleichen. 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Härtung, Aktien- gesell/chaft, Berlin-Lichienberg, Herzdergstraße 122._ 82il* Arbeiter, der schon bei Flafchenbierverlegern oder ähn- lichen Betrieben gearbeitet bat, sucht Esseuzensabrik Otto Reichel. Eiseubahnstr. 4. 151K Stempelsetzer sucht Otto Krebs, Blumenstvaße 93. 180/3* Botenfrau für den Bezirk Erasumssttaße verlangt„Bor- wärts", Sesenheimerftr. 1.* ZeitungSausträgeriu verlangt „Vorwärts"- Ausgabestelle Treptow, Kiefholzstraße 412, I rechts.» ZeitungsauSträgeriuueu werden sofort eingestellt„Bor- wärts- Spedition, Markus- straße 36.__» ZeiiungiauSträgerin sofort einzustellen. Vorwärtsfpediiion Moabit, Wilhelmsbavenerstraße 48, von ll— IIb und 41-— 7 Uhr.* Botenfrauen sofort verlangt Ausgabestelle Greifenhagener- straße 22.* Botenfrauen verlangt sofort Ausgabestelle Berlin-Westeii, Blumenthalstraße 8, Hos, rar- terre bei Stolpinaun._* Freuen zum Zeiningsaus- tragen sucht„Vorwärts-Aus- gabestellc Alt-Boxhagen 56, Laden.* fflümiSer. 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Donnerstag mo- dem« Tänze. 72K* Schneideriunea ans Taillen und Röcke verlangt Modesalon Ernst, Seydelstroße� 14. 81K* Klebmunen im Haufe verlangt Adolf Rosen, Putzfedern- fabrfk, Wallstraße 16._ 140,«* Lehrmädchen verlangt sofort Adolf Rosen, Putzfedcrnsabrik, Wallstraße 16. 140K* Botenfrauen stellt sofort ein Berliner Tageblatt, Blückier- straße 69._ 1230b* Zeitungsträgeri» verlangt Spedition, Prinzenpr. 81_* Zeitungsfrau verlangt„Vor- wärt?"- Spedition Neukölln, Siegfrfedstraße 28/29,* MkWkW sofort gesucht. 12975 pharmareuiisch- Kosmetische Fabrik. Hausdruckeret Dd er«c Ii V norvsld«, Edifonstr. 34. MiStüNtl sofort geiucht. 12S6b Gedr. Mann, Tanbenstr. 8/9. Bauklempner verlangt 16312* W. Remm, Nassauifchc Str. 88a (Bau: Flugplatz Johannisthal) Iulogeo5eiiveikei'. gel. Schlosser, der auch schmiede» kann, ges. Thomas& SohOler, Schöneberg, Badnstr. 17.* liielitige stellen ein I8A» T& KaptnBky. Weihensee. Langhausstr. 6. Werkzeugmacher stellen ein 16342* Spcjinlfonflraftionrn, Steglit,. Birkbufckstr. 37 BS Kutscher mit guten Zeugnissen, bestens empfohlen, nüchtern und uttel- tigent, stadttundig, sicherer Fahrer, guier Pferdepsicger per foiori gesucht. 16352 Junge Leute und solche ohne eugnisfe zwecklos. ocdel n. Vetter G.m.b.H. Alexander str. 22. tksienzentadrik. Ze R. Ein Vorführer Arbeitszeit von vorm. 8 Uhr bis nachm. 5'), Uhr, per sofort gesucht. Deutscko Bioskop=Qesellschaft m. b. H. Xenbabclsberg. Stabilsdorfer Strafte 99—101.* Vlferkzeugimachor Sy«ncht sofort~W2 4/15 Scbraabenfabrik Reiehe, Wassertorstr. 9. Englisches hofpiwlschiff vernichtet. London, 9. Januar. Das Reutersche Bureau meldet amtlich: Das englische Hospitalschiff R e w a ist torpediert worden, eS sank am tt. Januar gegen Äinernacht im L r i st o l k a n a l auf dem Heimwege von Giöraltar. Alle Verwundeten wurden auf Patrouillenschiffe gerettet. Die Verluste betrugen drei Mann der Besatzung, drei Laskaros werden vermißt. Das Schiff fuhr nüt allen Lichtern und den durch die Haagcr Konvention vor- geschriebenen Abzeichen. Es beiand sich nicht in dem so- genannten Sperrgebiet, wie c-Z in der Erklärung der deutschen Negiernng vom L9. Januar 1917 sestgclegt worden ist. Notiz des W. T. B.: Da die U-Boote, die hierfür in Frage kommen könnten, zurzeit noch in See sind, iönnen sich die zu- ständigen Stellen, lvie wir hierzu erfahren, noch nicht abschließend äußern. Es wird von unlcrrichteter Stelle aber für aus- geschloffen gehalten, daß daS Schiff durch ein Unterseeboor torpediert worden ist. Demnach kann nur eine Lersenkung durch Minen in Frage kommen. zks gleiche Wahlrecht heraus! Am heutigen Tage tritt die Wahlrechtskomniisfion des Abgeordnetenhauses zu ihren Beratungen über die Ver- sassungsvorlagen der Negierung zusammen. Die VerHand- lungen im Plenum lmben reidilicli der Gefahr vorgebeugt, dem Kommenden mit übertriebenen Hoffnungen entgegenzusehen. Trotzdem bleibt eine gewisse Spannung: wird sich schließlich doch noch eine Mehrheit für das gleiche Wahl- recht finden, oder wird alles in einem kläglichen Kompromiß aufgehen, der wieder einmal darlegt, daß ein offener und ehrlicher sofort- schritt bei den heutigen Verfaffungszuständen so gut wie ausgeschlossen ist. Wird man wirklich veraltete und überlebte Privilegien nur beseitigen, für die Errichtung neuer, nicht minder anstößiger Privilegien, und wird man den unendlich beschämenden Zustand bestehen lassen, daß— am Wahlrecht gemessen— in Preußen der Kricgswucherer der höchst geachtete und der um alles gekommene Kricgsinvalide der mißachtetste Staatsbürger ist?! In diesen entscheidenden Wochen lvird viel, wenn nicht alles davon abhängen, daß der Kommission des Dreiklassen- Hauses nockmals gründlich der Wille des Volkes zu Gemlite geführt wird. Die Herren sollen eingedenk sein, baß hinter dem gleichen« Wahlrecht nicht nur ein Königs- wort, sondern der entschiedene Wille u n g c- h e u r e r Volksmas sen st e h t, die nicht gesonnen sind, sich um ihr mit Hunger. Blut und u n- zähligen Leiden erkauftes Recht auf Gleich- berechtig nng im Staate prellen zu lassen. Die Herren der Wahlrechtskommission sollen immer wieder de- denken, auf lvie schwacher Grundlage sie selber stehen, auf der Grundlage eines Wahlrechts, dessen himmelschreiende Ungerechtigkeit in Teutschland keinen einzigen Ver- t e l d i g e r mehr findet. Deswegen haben sie auch nicht das Recht, die„kommende Neugestaltung so zu treffen, wie es vielleicht die P r i v i l e g i e r r e n wünschen, denen sie ihr Mandat verdanken, sondern für ihr Handeln darf nur auS- schlaggebend sein der Wille des Volkes, das in seiner großen Masse niemals niit ihrer Wahl einverstanden gewesen ist. Das erfordert gewiß von den einzelnen Abgeordneten eine starke Selbstverleugnung. Aber wer sie nicht ausbringt. der trägt die schwere Verantwortung für alles Kommende, für das. was kommen muß, wenn man einem Volk fein Recht vorenthält, das durch dreieinhaljährigcn Krieg bis in die letzte Faser zu staatsbürgerlichem Denken erzogen worden ist. Diesem Volk ist das gleiche Wahlrecht keine Marktware, von der sich abhandeln läßt, sondern das gleiche Wablrecht ist ihm Symbol der Anerkennung seines Rechts auf volle staatsbürgerliche Gleichberechtigung. Deswegen gibt es keine andere Lösung, durch die das Volk befriedigt werden kann, und des- wegen kann dieses Volk auch nicht ruhen, ehe es da's gleiche Wahlrecht crk ä.m pst hat, was immer auch jetzt die Wahlrcchtskommission beschließen mag. Mit Worten ist das deutsche und preußische Volk genug gelobt Ivordcn, es will jetzt Taten sehen, und weiD die. von denen es die Taten crivartet, neue Ungleich- h c i t e n errichten und neue Fesseln schaffen, dann wehe ihnen und der deutschen Zukunft! Daß das preußische Volk stark genug sein wird, sich das gleiche Wahlrecht zu erkämpfen, daran zweifelt im Grunde wohl nie- mand, vom Dreiklassenparlament hängt allein ab, ob sich diese Erringnng o h n c s ch>v e r c K ä m p f e und E r s ch ü t t e- r u n g c n vollziehen wird. Dsr more-lische Zusammenbruch der VaterlanZspartd. Nach dem Kricgsbeschödigtcnpogrom— Absage der Kriegerwitwen. Immer weitere Kreise der Bevölkerung wende« sich von der VatedendSpartei uuf» ihren Annexionsbeslrebuirgen ab, und zwar gerade diejenigen, die am meisten in diesem Kriege gelitten und Opfer gebracht haben. Ten Kriegsbeschädigten hat die Vaterlands- Partei in roher Weise die Tür gewiesen, weil sie nicht für Annerio- nen zu haben sind, jetzt hat in Jena eine von vielen hundert Krie- gÄuiitwen und Kriegerfraucu besuchte Versammlung gleichfalls ein vcrnicktcndeS Urteil über die Balcrlandspartei gefällt. Tiefe Versammlung der Kricgerfrauen und Änegerwitweu, die am t>. Januar im großen Saale des GewerkschaftshauseS tagte, nahm eine Entschließung an, in der zunächst die mangelhafte Unter- stützung kritisiert und die drückende Notlage der Kriegerfrauen und Kriegerwitwen im vierten KriegSwinter betont wird. Tann heißt e» in der Entschließung: Au einer baldigen Vcenjtzgunz des Krieges hat dnS gesamte Volt daS grösite Interesse: feie Äriegcrsrauen und Kriegerwitwen verurtkilk» deshalb entsckiicden das kriegsverläuzernde Treiben der sogenannten Vatrrlandspartei, die sogar die Friedcnsnnter- nehmunge» des Reichstags und drr Reichsregierung alS nicht im Jnurrsie des Volkes liegend verdächtigt und damit den Feinde» Teutschlands immer wieder erneuten Anlas, gibt, die Furchtbar- kcit und Entsetzlichkeit des Krieges in das Grauenhafteste zu stci- gern Die 5lriegcrfrauen und Kriegerwitwen Jenas erachten daS Treiben der VatcrlandLpartei als im höchsten Maße volksschädi- gend: nur Kricgerfraucn, die dies noch nicht erkannt haben, können ciiicr solchen Partei Gefolgschaft leisten. Auch die Tat- fache, das, die Vatcrlandspartci sich zum gröfitcn Teile aus Ele- mentcn zusammensetzt, die die Gewährung deS Wahlrechts zu den öffentlichen Körperschaften� auch an die Frauen prinzipiell und mit allen Mitteln bekämpfen, so wie sie auch jeden weiteren Aus- bau der Lolksrechtc im allgemeinen zu verhindern suchen, muß alle Kriegerfrauen beranlafsen, gemciüsam mit der Tozialbemö-' kritischen Partei die Vatcrlandspartci auf das Entschiedenste zu bekämpfe«. lßu der gleichen Zeit wurde in Jena auch ein zweites Volks- gericht über die Vaterlandspartei vollzogen. Die Ortsgruppe Jena der VatsrlandSpartei hatte cinc öffentliche Versammlung nach dem großen Saale des Volkshauses einberufen, die von über 2000 Personen besucht war und polizeilich abgesperrt werden mußte. Aber das Volk erwies sich durchaus nicht als auf Seiten der Vaterlandspartei stehend. Aus der Versammlung wurde angefragt, ob eine Diskussion stattfinde. Hierauf wollte der Vorsitzende aber nicht eingehen, sondern nur schriftliche Anfragen an den Referenten gestatten. Dabei hatte auf der letzten öffentlichen Versammlung der Sozialdemokratie ein Vaterlands- parteiler ungestört über eine halbe Stunde seine Ansicht vortragen dürfen. Tie Verweigerung der freien Ausspräche ver- setzte die Versammlung in große Erregung. Aus der Mitte der Versammlung wurde angeregt, darüber a b z u st i m m e», o3 die Anwesenden für Machifrieden oder Verständigungssrieden seien. Mit Ausnahme ganz weniger erhob sich alles für den Ver- ständigunzsfricden. Tarauf schloffen die Vaterlandsparteiler die Versammlung. Von sozialdemokratischer Seite wird nunmehr eine öffentliche Volksversammlung mit dem Thema „Machtfrieden oder Verständigungsfrieden?" einberufen werden. und zwar unter ausdrücklicher Garantie freier Aus- spräche für die Führer der Vaterlandspartci. -'■* Zu dem am Moirtag auf die Kriegsbeschädigten veranstalteten Pogrom findet die Presse der Vaterlands- Partei immer neue und immer unsinnigere Aiisveden. Tie „Deutsche Zeitung" will jetzt„feststellen", daß es sich um einen „w o h l v o r b e r e: t e t e n Plan der Sozialdemokra- t i e" gehandelt habe, die Versammlung der Vaterlands Partei zu stören. Diese Vorbereitung geschah bekanntlich in der Weise, daß der Generalsekretär der Vatcrlandspartci, Herr Axel!>iiprc, auf einer vorangegangenen Kricgsbeschä- d igten Versammlung zum Besuch einlud und eigenhändig 200 Ein- trittsierten für die Versammlung der Vatcrlandspartci an die Kriegsbeschädigten übergab. Danach ist Herr Axel Ripke, General- sekretär der Vaterlandsparki, offenbar geheimer Agent der So- zialdemokratic!— Eine Zuschrift an die„Berliner Neuesten Nach- richten" will folgendes feststellen: „Außerdem waren die Haupt schrei er dumme, uner- fahrene, noch nicht im Felde gewesene junge Menschen, die besser tun würden, von solchen Versammlungen fern zu bleiben, da sie doch keine Ahnung davon haben und nur mit denen schreien, von denen sie aufgehetzt werden." Dieser Satz ist richtig mit der einen Einschränkung» daß diese jugendlichen Hauptschreier von der Vatcrlandspartci aus- geboten waren. Es war nämlich in ziemlicher Anzahl uniformierte Jugendwehr in den Altersstufen von 8 bis 15 Jahren auf der Ver- strmmkung zugegen, aus diese trifft das vernichtende Urteil des Einsenders allerdings voll und ganz zu. Auch die von der Vaterlandspartci gebrauchte Ausrede, daß die Polizei die den Kriegsbeschädigisn zugesicherte freie Aus- spräche verboten habe, erscheint jetzt hinfällig, denn der der Vater- landspartei nahestehende»Berliner Lokalanzeiger" schreibt: „In einer Versammlung, die vorgestern abend von der Ver- elnigung der Kriegöbeschädigteii veranstaltet worden war, war von einem Mitglieds der Vaterlandspavtei dem Hauptredner des Abends Dr. Breiin, gestattet worden, daß er in der Ver- sainmlung der Vaterlandspartei sprechen dürste. Der Landes- verein Grosi-Berlin hatie aber nur drei Rednern das Wort er- stattet." Sonach hätte also nicht die Polizei, sondern der Landes- verein der LaterlandSpartei entschieden, daß die Kriegsbeschädigten trotz der Zusage nicht reden dursten und damit den ersten Anlaß zu den schmachvollen Vorkommnissen gegeben. gesucht! Die letzte Nummer der„Tägl. Rundschau" enthält folgendes Inserat:■• Für eine große, rechtsstehende Partei werden Kräfte zur Agitaiion nnd Orcianisation besonders in den kleinen Städten und auf dem Lande, in auie uno dauernde Stellungen ge- sucht. Dringendes Ei fordernis ist rednerische Begabung; bevor- zugt werde» Herren, die bereits in ähnlichen Stellungen läng waren. Ausführliche schriftliche Bewerbungen mit Lebenslaus und Zcugnisabschnnen usw." Eingedenk der neuen Berliner VersanimkungStaktik vermissen wir die Einforderung eines Zeugnisses darüber, daß der Bewerber als Hausknecht erfolgreich tätig gewesen ist. Zu Zielen ös? Menschheit. Vortrag von Hans Delbrück. Gestern abend fand die erste Mitgliederversammlung der „Deutsch-polnischen Gesellschaft" statt. Sprecher war Pro- fessor Hans Delbrück. Der Redner widersprach der überlieferten Auffassung von der natürlichen staatlichen Unreife Polens. Ter„a u st r o- p o l- irischen Lösung" trat er mit starken Zweifeln entgegen. Die hohen Preise auf dem Weltmärkte werden die Anfrichlung der alten Zollschranken urimöglich machen. Die Folge ist das Ein- treten für den Freihandel, der sich nur als mittel euro- päische Unternehmung nicht denken läßt. Der iveite Blick in die Zukunft spricht für eine ehrliche, freundschaftliche Stellung zu Polen. Darum muß die Lösung der staatlichen Frage eine ganze sein, es muß verhindert werden, daß das gegenseitige Verhältnis von vornherein gespannt wird und uns in Polen ein neues Serbien entsteht. Heute sind die Stimmungen dcS polnischen Volkes für uns nicht allzu begeistert, daß dies besser wird, dafür solle auch die neue Gesellschaft arbeiten.» Das Europa von heute steht unter dem düsteren Zeichen der n a t i o n a l e n Verbitte- rung. Eine Umsormung des Denkens ist die einzig« Rettung; eine neue Ordnung wird sich ohne Außerachtlassung der Macht doch irir wesentlichen auf dem Rechte aufbauen müssen, selbst unter Verzicht aus nicht zu bestreitende Bedürfnisse der ein- zeluen Völker. Delbrück stellte sich aus den Standpunkt, daß Deutschland vollständig im Osten und Westen auf Gebietserwcr- bungen verzichten könne. Wir brauchen inrS darum lauge noch nicht vor unkeren Nachbarn zu fürchten. Ist durch den Friedensschluß kein neuer Konfliktstoff geschaffen, so ist die Demokratie in allen Ländern zu weit fortgeschrrtten, als daß sich auch nur ein Volk in einen Angriffskrieg hineintreiben ließe. Nicht aus pazi- f i st i s ch e n, sondern auS Gründeil höherer staatsmännischer Klugheit ist Loyalität zu fordern. Einen praktischen Le- weis für die Richtiglcit dieser Auffassung lieferte der glänzende Erfolg der englischen Politik in Südafrika. Professor Delbrück schloß seine Aufübrungen mit den Worten: lieber die n a t i o n a l e u Z i c l e h i n a u s die der M e n f ch h e i t im Auge zu haben, das ist die Forderung des Tages! Ein polnischer Redner stellte sich im wesentlichen aus den Standpunkt Delbrücks. Joröün v. Kröcher gestorben. Ter preußische Laridtagsabgeordnete Jordan I�Krochcr ist, wie ein Telegromm meldet, in der Nacht zum Donnerstag auf seinem Gut Vinzelbcrg, KrerS Gardelegen, gestorben. Er vertrat im Abgeordnetenhaus den oltmärkischen Wahlkms Salzwedel-Garde- legeir. Jordan v. Kröcher gehörte zu den Führern der Konserdativen und nahm namentlich im parlamemarischeir Leben seiner Partei eins hervorragende Siellling ein, die sicb äußerlich darin dokumentierte, daß er von 1898 bis Ansang 1912 das Präsidium des preußischen Landiags innehalte. Sein Rücktiin als Präsident des Abgeordneten- hames erfolgte damals infolge heftiger Zusammenstöße mit der sozialdemokratischen Fraküoir, bei denen seine Geschäftsführung starken Widerspruch erfuhr. Seitdem ist Kröcher mehr und mehr auS der ersten Schlachtlinie der politischen Kämpfe zurückgetreten, wozu wohl auch sein hohes Aller beitrug(er ist 1840 geboren und fast 73 Jahre« alt geworden). Auch dem Reichstage hat Kröcher lange Zeit als Mitglied angehört, cr wurde 1898 für den Wahlkreis Solzwedel-Gardelegen gewählt und vertrat diesen bis 1918. In diesem Jahre wurde seine 1912 erfolgte Neuwahl für ungültig erklärt, bei der crneulen Wahl eroberte der Führer des Bauern- Hundes Tr. Böhme das Mandat. Jordan v. Kröcher war der vollendete Typus des konservaiiveii Adligen, von knorrig-zähem Herrenbewußisein und ganz und gar mit den Änschammgeii und Traditionen seiner Klaffe venvacknen. Infolgedessen vertrat er polnisch den Siandpunkt äußerster konservativer UnnachgieLigkeit, sceUich nicht aus irgendwelcher Vtreberei, sondern aus der mit seinem Ich verwachsenen inneren lleberzeugung. HilfsKienstausschuß. Am Donnerstag tagte der Hilssdienstausschuß, um eine Reihe Eingaben zu erledigen. Zu einer lebhaften Aussprache führte die Einziehung von Mit- gliedern der Hilfsdienstausschüsse. Von cinenr Vertreter des Kriegs- aurts wurde erklärt, daß bei solchen Einziehungen nur�rnilitä- rische Gründe maßgebend seien, überdies sei der Hilfsdienst- ausschutz nicht zuständig � Dem wurde entschieden w i S c r- sprachen und eine in einer solchen Sache eingereichte Petition dem Kriegsamt zur Erwägung überwiesen. Das Kriegsamt in H a n ri o v e r hat in einem Aufruf Louis für die besetzten Gebiete gesucht, die vaterländische Ge- sinnung haben. Aus dem Hilfsdienstausschuß heraus wird bc- tont, daß eine solche Vorbedingung nicht zulässig ist. Von Ver- tretern des Kriegsamis wird erklärt, daß dieser Ausdruck miß- v e r st a n d c n worden sei. Abg. Dittmann bringt einen Fall des Mißbrauchs des Hilssdieustgesetzes zur Sprache. Ein krrcgSr nvalider Mechaniker ist aus einer Stellung in einem kriegswichtigen Be- trieb herausgerissen und dein Gutsborstand in Frohnau zur Arbeit überwiesen worden. Ter Gütsvorstaud, der nur kräftige Leute brauchen kann, lehnte die Einstellung bes Mannes a b und bescheinigte ihm, daß er zu ,'chwcrcr Arbeit nicht brauchbar sei. Das hatte zur Folge, daß der Mann längere Zeit keine Arbeit sindeii konnte. Bei der Untersuchung hat der Offizier dem Manu erklärt:„Sie haben sich hier.anständig zu betragen, zwei Kreuze haben Sie schon". Das beweise, daß hier politische Gründe mitgespielt haben. General S ch a u ch gab zu, daß der Fall richtig geschildert wurde unb erklärte, daß dieses Vorgehen scharf mißbilligt worden sei. Abg. Bauer schließt sich dieser Verurteilung an, das Hilfsdienstgesetz dürfe unter keinen Um- ständen zu politischen Zwecken mißbraucht wer- den. Ter Ausschuß stimmte einmütig zu. Abg. Baue r bespricht danu den Mißstand, daß eine Menge Arbeiter und Llrbeiterirrnerr infolge Ko h l e n m a n g cl s feiern müssen. Entweder! müsse man diesen Arbeitskräften eine Entschädigung gewähren ooer ihnen sofort den Abkehrschein gebe». Jedenfalls dürscir die Arbeiter nicht geschädigt werden. General Schauch: Das Kriegsamt hat den zuständigen Stellen bereits empfohlen, diesen Mißstand zu beseitigen, ev. durch Zuweisung anderer Arbeit am gleichen Orte. Eine zentrale Regelung ist vorgesehen. Abg. G o t h e i n meint, daß in diesem Falle K r i e g s s ch ä d c n vorliegen und daß infolgedessen die Ge- meinden eingreifen müßten. Das Reich hätte diese Ausgaben dann zu ersetzen." Abg. Bauer setzt auseinander, daß den Arbeitern mit Genreindeunterstützung nicht gedient sei, sie legen Wert da- rauf, ihre Arbeitskrast' zu verlverten. Bei d u ii g. Hier ist c-parsamkeit am wenigsten am Platze. LsMs Nachrichten. Graf Luckuer auf Ncu-Seeland interniert. Dresden, 10. Januar. Graf Luckner vom Hilfskreuzer Seeadler ist, wie sein Vater initteilt, unverwundet in Metuihi auf Neuseeland interniert. Maiscnvxrbreihtng der Wilsvnbotschaft. Amsterdam, 10. Januar. Die„Times" erfahren: Sofort, nachdem Wilson seine Rede verlesen hatte, traf cr Maßnahmen, um diese Botschaft so weit ivie möglich zu verbreiten und sie vor allem in Deutschlaird, Oesterreich-Ungarn. den Balkaustaatcu und Rußland oekanntzumachen. Der Text seiner Botschaft wurde nach allen Enden öcr Welt telegraphiert, die auf drahtlosem Wege, durch llebcrseekabel und Uebcrlandzentralen erreicht werden kann- ten. Eine Million Exemplare, die in deutscher Sprache verfaßt sind, werden von Fliezern in die deutschen Schützeuzräbe» abgeworfen werden. Ferner werden Exemplar« der Botschaft nach jeder Stadt und nach jedem Dorf Rußlands gesandt. Der Text wird in allen russischen Blättern veröffentlicht werden. Auch der Schweiz und den anderen neutralen Staaten wird die Botschaft in vielen Exemplaren zugesandt werden. Ferner wird sie in alle slawischen Sprachen übersetzt und in den slawischen Län- dern mit allen nur möglichen Mitteln verbreitet werden. Das Rentersche Bureau telegraphiert Bemerkungen eng- l i s ch e r Blätter, in denen die Botschaft als ergänzende Er- klärung zur Rede Lloyd Georges begrüßt wird.„D a r l y New s" sagt: Die Rede Wilsons bedcntet die rückhaltlose Zustimmung Amerika? zu den von Lloyd George ausgesprochenen Friedens- gruudsätzen. Das gemeinsame Programm des Präsidenten und des britischen Premierministers verträgt sich in allen Punkten mit der Politik, die die russische D e l e- g a t i o n irr' B r e st- L i t o w s k einschlug. Die Alliierten haben endlich ihre Absichten so klar festgestellt, daß weder Freund noch Feind, noch die Neutralen sie mißverstehen können. Arbcltcrentlaffullg in Schweizer Munitionsfabriken. Bern, 10. Januar.(„Franks. Ztg.") Wie verschiedene Blätter melden, haben die Mu n iiio nöw e r? stä i ten in der Schweiz mehr als ISVO Arbeiter aus bis jetzt unbekannten Gründen entlassen. Man glaubt, daß eine Verminderung der Verträge und der Bestellungen Frankreichs und Englands für 1918 eingetreten jei. GeMtkschaKbWMNg Gcge» Papiernot und Papierwucher! Zu einer Protestbewegung gegen die immer unbnlibarer werben- den Zustünde au? dem Gebiete der Pnpicrbesckmffung und-Versorgung will die Organisation für Deutschlands Buchdriilker und Echriflgiester schreiten. Der.Kolrespondent' vom 10. Januar bespricht in einem längeren Artikel die aussteigende Gefahr, die die wachsende Papiernot nicht nur sür die Verleger von Zeitungen und Zeilichrisien, sondern auch für die Buchdrucker und die anderen graphischen Arbeiter bedeutet. Wie die Dinge sich jetzt gestalteten, stehe zu befürchten, dost es den Buchdruckern usw. ergehe, wie den Textilarbeitern, die nur vier oder fünf Tage in der Woche- arbeilen lönncn. Nnd de» Prinzipalen droytselbsi die Vernichtung ihrer Existenz- Die am 10. Nov. vor. Jahres ouflraggrmäst vom Tarifaml an den Reichskanzler gerichtete Eingabe um Abstellung der Kalainiiät sei bis jetzt unbeantwortet geblieben. ES sei daher die Pflicht der Organisation, die Jniliaitve zu einer Protestbewegung durch VersammlungS- beschlüsse zu ergreifen. Am kommenden Sonntag, den 13. Januar, sollen die Kollegen in ollen größeren Druckstädten ihre Stimme gegen die daS ganze Gewerbe schwer schädigende mangelhafle Papierversorgung zu erheben. Diese Versammlungen sind als VereinSvcrsammlungen gedacht, zu denen auch die Angehörigen der übrigen graphischen Organisationen eingeladen werden können. Bon jeder Versammlung soll alsdann eine Eingabe an den Reichskanzler gerichtet werden iiiiter Aiilehiiiing an die vom Tarifamt im November deS vorigen Jahres bereits abgegangene. Tie Gewerkschaften und die Jugend. Der Gewinnung der Jugend widmen neuerdings die christ- Ii ch e li Gewerlichasten beiondere Aufmerliamkeit. Zweifellos mit Recht: denn der jugendliche Arbeiter spielt beute im Wirtschaftsleben eine ganz andere Rolle als vor dem Kriege. Nicht nur ist die Zabl der jugetldlichen Arbeiter und Arbeiterinnen gewaltig gewochsen; sie ,ind auch in überaus zahlreichen Fällen an die Stelle des erwachsenen Arbeiiets im Betnebe getreten. Ihre Wichtigkeit siir den Produklionsprozeß, iür den Unternehmer und damit auch für die Gcwerkschahen hat sich ganz bedeutend erhöht. So befaßt sich das Dezemberheft der„Deutschen Arbeit�, der MonatSscknist sür die Bestrebungen der christlich-nationalen Ar» beilerichast, ausschließlich mit der Frage der Gewinnung der Jugendlichen für die christlichen Geiverkschaften. In verschiedenen Artileln wiid dieses Tbema behandelt, insbesondere auch einem engeren Zusammenarbeilen der christlichen Jngendpflegeorgani- sanonen mit den christlichen Gewerlschasten das Wort geredet. In dieicn Artikeln findet sich vieles, waS auch für die freien Gewerkichaiten sehr beachtenswert erscheint. So schreibt zum Beispiel Jobann Schwerdfeger unter der Ueberichrist„Zum Stande der Jugendfrage", daß die Jugendfrage größtenteils, wenn uichl hauptsächlich, Arbcjiterjugendsrage werde. Die Jngendsrageist für die Gewerkichaflen nicht allein Nachiousfrage. Vielmehr wird der jugendliche Arbeiter ein Faktor von größter Wichtigkeit für die Einteilung und den Atisgang von Lohnbeweglingen uiw. Infolge ihrer bedeuiwmen volkswirtschaftlichen Stellung könne die Jugend nicht länger Objekt zur Löiung der Jugendfrage sein; sie wird vielmehr in Zukunfl ganz andere Ansprüche ans Leben stellen als früher. Die christlichen Gewerkschaften müssen daher die neuen Not- wcndigkeilen in bezug auf die Jagend erkennen. Dies g'lt in gleicher Weise auch für die freien Gcwerkschaften. Auch sie haben allen Anlaß, sich über die Wichtigkeit dieser Frage klar zu werben und der Gewinnung der Jugend die größte Auf- inerksamkeit zu schenken._ Tie Korbmacher im Jahre 1917. Der Geichoßkorb beherrscht in der KriegSzeit das Arbeitsfeld der Korbwarenindustrie. Rund SO 000 Personen sind in Deuiichland mit der Herstellung von Geschoßlörbe» beschäftigt. Die Zahl der weiblichen Arbeitskräsle, die früher nur genug war, ist in den Kriegsjahren ständig gestiegen. Wie der Obmann der Zentral- kommissiou der Korbmacher in einer Versammlung am Dienstag ailSsiibrte, war die Zahl der auf GesckoßkLrbc arbeitenden Frauen und Mädchen im Jahre 1916 bereits auf ein Drittel der insgejamt Beschä'tigien gestiegen und im Jahre 1917 ist. sie auf zwei Drittel angewachsen. Der Organisation j— dem Deutschen Holzaibeiter- verband— gehören nur rund 3000 Arbeiter und Arbeilertnnen der Korblndustrie an. Schon vor dem Kriege belief sich die Zahl der Organisierten auf 2600. Sie bat sich also trotz des starken Zu- wachses an Arbeitnehmern nur um 400 vermehrt, obgleich eS die Organisation an Bemühungen, neue Mitglieder zu gstvirinen, nicht bat fehlen lassen. Naureutlich die weiblichen Arbeilskräste sind dem Organiiationsgedanken nicht zugänglich. Sie vermögen es nicht einzusehen, daß sie es in erster Linie der uner- niüdlickien Tätigkeit des Verbandes zu danken haben, wenn die ebenials ungewöhnlich niedrigen Löhne in der Korbnidustiie in den letzten Jahren auf ein« erträgliche Höhe gebracht worden find. Nach- dem eS der Verband durchgesetzt halte, daß die preußische Heeres- Verwaltung im Juni den Tarif anerkannte»nd rhren Lieseranlen vorschrieb, vom 1. Jult ab die vereinbarten Tariflöhne zu zahlen, war der Weg frei, um den Tarif in der ganzen Jndusirie zur Durchführung zu bringen. Das ging jedoch nicht ohne Schwierig- koit und die Zentralkommiifion halte viel Arbeit,»m bei den Fabrikanten die Jnnehaliung des Tarifs durchzusetzen. Meistens war das immer erst möglich nach Anrufung der zuständigen mili- tär.ichen Stelle, welche mit der Entziehung ihrer Aufträge drohte für den Fall, daß die Tariilöhne nickt bezahlt werden. Die Korb- wareniabrikanten haben auch keine Organisation, die stark genug wäre, um ibrc Mitglieder zur Zahlung der Tariflöhne anzuhalten. Daraus elklärt es sich zun, Teil, daß es beute noch Fabrikanten gibt, die den Tarif nicht beachten und Löhne nach ihrem Belleben zahlen. In Thüringen, wo etwa 30000 Personen, zum großen Teil in der Heimarbeit, auf Gcsckoßkörbe besckät'tlgt sind, niachien die dortigen Unternehmer der Poizellan-, der Glas-, der Spielwaren- indliftrie einen Vorstoß gegen den Korbmackertarif. In einer Ein- gäbe an das Oberkommando in Kassel behaupteten sie, die Korb- inacker verdienten so hohe Löhne, daß sich die Arbeiter und Arbeitennnen der anderen Industriezweige der Korbmacherei zuwende!». und daß eine Herbietznng der KorbmaSerlöHne»olivendig sei, um den übrigen Jndnstriezweigen die ArbeitSkrätie zu erballen. Diese Eingabe wurde gestützt durck Angaben der Sonneberger Handelskammer, wonach die Korbmacher über 100 M. in der Woche verdienen sollte». Der Obmann der Zemralkommisfiori hat dieie Angaben an Ort und Stelle geprüft und einwandfrei sestgestelll, daß sie sehr stark übertrieben sind. Bei den angegebenen hohen Löhnen handelt es sich uin Heimarbeiter, die drei bis vier Hilsskräste be- schäftigen, der ganze Verdienst aber vom Fabrikanten auf den einen Arbeilcr gebucht ist, mit dem er abrechnete. Aber noch etwas anderes hat sich bei der Nachprüfung durch den Obmann heraus- gestellt. Um den durch die KnegSverhältnisse brotlos gewordenen Arbeitern der Glaswarenindustrie in Lautcka Be« schäsligung zu verschasien, hat die Gemeinde eine Werkstatt für Geschoßkörbe eingerichtet, die unter der Leitung des Bürger» meisterö steht. In dieser städtischen Werkstatt erhalten die Arbeiter nur die Hälfte des Tariflohnes. Diesem Beispiel des städtischen Betriebes sind auch die privaten Unternehmer in Lauscha gefolgt. Diese Angelegenheit»st der zuständigen Militärbehörde gemeldet worden und wird voraussichtlich dadurch erledig: werden, daß die Unternehmer sowie der städtische Betrieb zur Zahlung der Tarif- löhne angehalisn werden. Jetzt ist es die Militärverwaltung, welche den Korbmachern bei der Durchsührung des Tarifs zur Seite steht..Das wird aufhören, sobald die Kriegsarbeiten beendet sind- Dann sind die Arbeiter auf sich allein angewiesen. Das muß sie also veranlassen, ihre Organisalron zu stärken, damit sie jedem Versuch, die Löhne zu drücken, mir Erfolg entgegentteten können. Ucber merkwürdiges Verhalte» der Krankenkasse«- vorstände gegenüber dem Verband der Bureauangestellten be- richtete in einer Veriammlung der Groß-Berliner Kranken- k a s i e n a n g e st e l l t e n der Bevollrnäckiigte Krüger. Im Juni traten die Kasienangesiellten durch den Verband an die Vor- stände wegen Erhöhung der Teuerungszulagen heran. Mit Rück- sickt aus die damals noch bestehende» niedrigen TeueriliigS- znlagen der Stadt Berlin, nach denen sich die Krankenkassen richten sollen, forderten die Anasstellten nur 60 Mark pro Monat sür Verheiratete, SO Mark für Unverheiratete über achtzehn Jahren, 40 Mar! sür Unverheiratete unter achtzehn Jabren und 10 Mark sür jedes Kind. Die Äassenvorstände waren der Meinung, daß dieie Forderungen zu hock scicir und es kam schließlich eine Verständigung auf der Grundlage von 50, 40, 25 und 7,50 M. zustande. Das Verlangen der Vorstände, die An- gestellten sollten sich verpstickten. bis zum 1. April 1018 keine neuen Forderungen zu stellen, wurde von der Organiiaiion abgelehnt. Nachdem ipäier der Preußische Staat wesentlich höhere TcuerungS- zulagen eiiitührte und die Stadt Berlin ihren Angestellten erbeblich höhere Sätze gewährte, traten die Kasienangestellten erneut mit Fordeningen an die Kassenvorstände heran. Entgegen den bisherigen Gepflogenhetlen wurden zu den Beratungen über die Neuregelung der TeuerunaSzulagen ein Vertreter des Verbandes der Bureanangesiellten nicht binzugerogcn. Zu der Voiständesitzung. in der die endgültige Beschlußfassung er'olgte, wurde zwar der Verband eingeladen, aber die Zulassung seines Ver- treters dann a b g e l e h nt. DieieS Verhalten der Kasienvorstäiide gegenüber der Organisation, der etwa 95 Proz. der An- gestellten und Hlltsarbeiter der Krankenkassen angehören, hat unter den letzteren lebhafte Entrüstung beivorgeruicn. Auf eine Beschwerde des Verbandes haben auch verschizdenc Kasienvoritände zum Ausdruck gebracht, daß sie mit dem Beschluß jener Vorständesitzung nicht eiiiverstanderr sind, sondern in den Angestelllenfiagen die Verhandlung und Verständigung mit der Organisation wünschen. Bewilligt sind jetzt folgende Teuerungszulagen: Verheiratete 80 M., Unverheiratete über 18 Jahren 60 M., Unverheiratete unter 18 Jahren 40 M., sür jedes Kind 10 M. Der Verlaus der Bewegung zeigt, daß auch die Krankenkassen- angestellten nur durch eine geschlossene Organisation ihre berechtigten Interessen vertreten können. An den mit großem Beifall auf- genommenen Bericht schloß sich eine lebhafte Aussprache, in der das Verhalten der Verbandsleriung vollste Zustimmung fand. Folgende Entschließung wurde einstimmig angenommen: „Die am 8. Januar versammelten Angestellten, Beamten, Hilfs- arbeiter und Hitfsarbeilerinncn der Groß-Berliner Krankenkassen sprechen dem Verband der Biircauangcstellien sür die jederzeitige tatkräftige Vertretung ihrer Interessen ihren Dank und ihr feste? Vertrauen auS. Die Versammlung bedauert lebhast, daß die Kosienvorstände bei der letzten Regelung der Teuerungszulage obne sachliche Gründe eine Verhandlung und Verständigung ü!'er die Wünsche der Angesiellten mit den Vertretern des Verbandes abgelehnt haben. Damit wird den Angestellten die einzige Möglichkeit zur Vertretung ihrer Interessen genommen. Die Versammlung erwartet mindestens von den Arbeitnehmer- verlrclcnr in den Vorständen, daß sie in Zukunft dafür eintreten werden, daß die Angsstelltenorganisation anerkannt wird, »nd daß die Kassenvorstände nicht reakrionärer sind als das König l. ObetversicherungSaint, welches stets in entgegenkommender und beteiiwilliger Weise mit dem Verband Verhanddlr bar. Die Veriammlung beauftragt gleich zeitig den Verband, erneut an die Kassenvorstänve den Antrag aus Gewährung einer ein- maiigen Teuerungszulage nach dem Borbtlde der Gemeinden zu stellen."_ Ter Derem der Deutschen ZeitungS- und TruckererVeatnten E. B beschloß in einer kürzlich in Hannover abgehaltenen außerordent- lichen Hauptversammlung den Anschluß an die Arbeilsgemeinschast freier Angestelllenverbände. Als Delegierter wurde Herr H, Hiiirichjen, Berlin, gewählt._ parteinackrickten. Pcrnerstorsers Begräbnis. Wien, 9. Januar. Heute fand unter großer Beteiligung der Wiener Arbeiterschaft das Leichenbegängnis des Vizepräsidenten des österreichischen Abgeordnetenhauses, des sozialdemokratischen Abgeordneten Engelbert Pernerstorfer, statt. In Vertrewng der Regierung nahmen die Minister Panhans, Höfer, Mataja, Hanau und Graf Toggenburg teil. Präsident deS Abgeordnetenhauses Groß und Genosse Dr. Viktor Adler hielten warm empfun- dene Nachrufe. Die Unabhängigen und die Jngend. Die zur Agitation unter der Jugend im„Milteisungsblatt" der Berliner Unabhängige» e->igerichlere besonders Jugend- b e i l a g e entbälr in ihrer letzten Stummer einen längeren Artikel „Rückblick und Ausblick", der„feststellt", daß der zu den„Unab- bängigen" haltende Teil der Jugendbewegung über„tastende Ver- suche noch nicht viel hinausgekommen ist* und„weder der Zahl noch der Betätigung nach Anlaß zur Zumcdenheil gibt". Auch werden in diesem Artikel die Jugendltchen über die ÄriegSvolitik der„Re- gierungsiozialisten", insbesondere natürlich über deren Kredit- bewilligung„belehrt" und behauptet, daß die Jiigendschutzbestim- mungen nur deshalb außer Kraft gesetzt werden konnten, weil die Sozialdemokratie durch die— Kreditbewilligung zur Erfolglosigkeit verurteilt sei. Bekanntlich ist zu Beginn des Krieges eine Bundes- ratSvelvrdnung ergangen, die die Wirkung hatte, daß die ohnehin sehr dürftigen I» g e n d s ch u tz b e st i m in n n g e n zum weitaus größten Teile außer Kraft geletzt wurden. Dies hat mit der lange» Dauer des Krieges zu hockst bedenklicken Zuständen geführt. Die überlange Arbeitszeit, die Nacktorbeit und in Verbindung damit auch die ungenügende Ernährung sind zu einer ernsten G e f a h r für den G e- tun d hertSzu sta nd und die Leistiing-Sfähigkeit der Jilgeiidtzchcn geworden, so daß selbst der Reickskanzler in einem vor einiger Zeit erschienenen Erlasie aus diese Gerahr aufmerksam inachen mußte. Die Zentralstelle für die arbeitende Jugend bat nun als die beru'cne Sachwalterin des jugendlichen Jndustrieproletariars sich der Interessen der Jugendlichen tatiräflig angenommen und zu wiederholten Malen die restloie Wiederherstellung des Jngend- schutzes verlangt. Leider waren dieie Bemühungen bisher erfolglos. Der Artikellchreiber glaubt nun, diese Bemühungen der Zentral- stelle in einer sür die Arbeiteljugend so außerordentlich hochwichligen Frage mit einigen spöttischen Bemerkungen abtun zu können und mackt sür das Ergebnislose dieser Bemühungen— bei denen auch die unabhängigen Jugendverlreter, die bis vor einem Jahre der Zentralstelle angehörten, eifrig mitgewirkt haben— die Kriegs- Politik und Kreditbewllligung der„Regieriiiigssozialisten" ver- antwortlich. Nätielhaft erscheint, warum unter solchen Uniständen die Unabhängigen mit ihrer Politik der Kredit- vertoeigerung nicht schon längst die Wieder- Herstellung deS JugendichntzeS erreicht haben. Darüber gehl der Artikellchreiber mit Stillschweigen hinweg, ebenso wie über die Tatsache, daß die Unabhängigeu in diese: bedeutsamen Frage bisher so gm wie nichts getan haben. Wenn in dem Artikel dann einer„kraftvollen, umfassenden proletariichen Jugendbewegung"— selbstverständlich unter Ausschaltung der„Arbciter-Jugend" und der Zentralstelle— das Wort geredet wird, so darf man daranerinnern, daß es gerade die»Un- abhängigen" gewesin sind, die vor etwa einem Fahre ohne jeden ersichtlichen Grund auch die Jugendbe'n.'gu-ig geivallen und damit deren kraftvolle Keschlossenhe.. jeibjt zerstört haben!_ Industrie und ssanöei. Neue Bankcnverschmelzung. Die Dresdner Bank bat mit der Döbelner Bank in Döbeln, deren Aktienkapiral 2 500 000 M. beträgt, ein Abkommen gelroffen, wonach die letzier? als Ganzes mit ihren Niederlassungen in Döbeln. Roßwein. Waldheim und Hartha mit Wiikung ab 1 Januar IL! 7 aus die Dresdner Bank üdergebr. Die Dresdner Bank beabsichtigt durch die Ucbernahme des alten angesehenen Döbelner Instituts ihre beduuenden, weitverzweigten Beziehungen zum WirtschaslS- leben Sachiens weiter auszubauen und zu den in Frage kommen- den Bezirken, zu denen sie bisher durch eigene Niederlassungen noch nicht vertreten war, in noch engere Fühlung zu treten. Die Sperrung deutscher Guthaben iu Oesterreich. Bor einiger Zeil erregte es in Österreich lebhaften Unwillen, als die Reicksbank die Sperrung der österreichischen Guthaben in Deutschland bis zwölf Monate nach dem Kriege anordnete, es sei denn, daß eine ickristliche Genchmigling der Reichsbank zur ander- we'tigen Verwendung vorliege, oder die Guthaben zur'.ibtragung öiierreicktscher Schulden in Deutschland verwendet werden. Man wußte aber schon damals, daß es sich mit dieser eiliicknetSendeil Maßregel um mchls mehr als um eine Wiedervergeltung gegenüber der Praxis der österrcichisch-ungarlichcn Devisenzentrale bandelte, die die Flüssigmachung dcutickcr Guthaben in Oesterreich untersagte und eine Sperre in der Weise anordnete, daß die Gelder bei einer Bank in Oesterreich-Ungarn binterlegt werden imißlen, während den ausländischen Gläubigern nur die Gutschrift zugestellt wurde. Dadurch wurden natürlich erhebliche Beträge zum Schaden deutscher Kaurleute immobilisiert. Wollten die den:- tchen Kailfleute sie verwenden, so konnten sie im besten Falle bei ihrer deutschen Bank auf Grund des österreichnchen Guthabens ein hock verzinsliches Darlehn aufnehmen, wobei sie noch außerdem das WäbrungSrisrko zu tragen hatten. Die Wiedcr- Vergeltung durch die Reichsbank scheint also vollkommen gereckt« fertigt. Wie der Deutsche G l ä u b i g e r- S ch u y v e r e i n sür Serbien uun niiiteilt, hatte die Maßnahme der Reichsbank noch einen ganz besonderen Grund. Die österreichische Regierung sperrte in der angegebenen Weise nickt nur die deutschen Guthaben in Oesterreich, sondern verhinderte auch die Auszahlung der flüssig gemachten deutschen Guthaben in Serbien. Der Gläubigerschntzvercin sür Setbien ivandte sich vergeblich an dos denlsche Auswärtige Ann und an die deutiche Botschaft in Wien. Erst mir Hilfe von Geschäfts- freunden in der österreichi'chen Großfinanz konnte wenigstens für die Einziehung der deutschen Guthaben in Sccbien gesorgt werden. In letzter Zeit sind die Verbandlungen wieder aufgenommen worden. Es ist wahrscheinl'ch, daß dieses Thema anläßlich des Besuches des ungarischen Mmisterprändenten Dr. Wekerle und deS österrerchiichen Finanzministers Dr. Wiminer in Berlin zur Sprache kommt. Papicrstoffmangel in Nngarn. Das ungarische Amtsblatt ver- öffcnilicht eine Regierungsverordnung, wonach sämtliche Zelluloie- Vorräte nut Speire belegt werden. Van nun an darf die Zellulose nur mit Bewilligung deS Handelsministers in Verkehr gebracht werden. KriegSwirkungen in den Vereinigten Staaten. In den Vereinigten Staaten hat der Krieg auf den Geld- und Effektenmarkt ganz anders als rn Deutschland gewirkt. Hier schuf der Ausverkauf aller Waren die flüssigen Mittel, um die-KrregS- kosten vorerst zu decken und dann trat die Nolenprene in Tätigkeit. In den Bereinigten Staaten ist natürlich kein Anlaß zu einem Ausverkauf aller Waren, und so kommt es, daß d)e finanziellen Kriegs- erfordernisie zu einer außerordentlichen Geldverknappung sühren, welche die industriellen Unlsrnebmen hindern, neue Anlagen zu errichten und notwendige Reparaturen vorzunehmen. Die „Birmingham Daily Post" bringt folgendes bezeichnendes Tele- gramm aus Washington: Tie Bethlehem Sleel Comvany erhielt von der Regierung einen Vorschuß nr Höhe von 400 000 Psd. Sterl-, weil«S ibr unmöglich war, anderweitig die nöiigen Beträge aus- zutreiben, um ihre Kontrakte zu erfüllen. Zum Teil ans dieselbe Ursache ist die Verstaatlichung der amerita ii i scheu Eisenbahnen sür die Kriegs- dauer zurückzulühren. Sie wird von dem Präsidenten Wilson damtt gerechtfertigt, daß dieser Krieg nicht weniger ein Krieg der Hilsömittel als der Menschen, vielleicht sogar mehr der Hilfsmittel, der Menschen sei. Darum sei es notwendig, die Eisenbahnett Mler eine Autorität und nack verciiifachlen Methoden der Zuiammeir- arbeit zu verwenden, was unter privater Direktion und Kontrolle erwiesenermaßen nicht möglich war" Diese schäriste Kritik des kontrolloien Kapitalismus in der» Lande seiner unbeschränktestcu Herrichaft ist besonders bemerkenswert. Die Eisenbahnen konnten besonders deswegen ihren Ausgaben nicht gerecht werden, weil sie auS Geldmangel ihren Güterwagenpark nicht vermehrt babeiz, so daß jetzt die Vereniigten Staaten, das kohlenreichste Land der Welt, unter einer regelrechren Kohlennot zu leiden beginnen. Die Verstnatlichung der amerikanischen Eisenbahnen ist die größte Aktion dieser Art. Um welche Ricscnausaabe es sich handelt, möge aus folgenden Zahlen ersehen werden: Die Länge der Bahnen be- trug 1912 nicht weniger als 402 887 Kilometer gegen nur 62 734 Kilometer in Deutschland! Der Werl der Aktien und Obligationen beläuft sich auf 1676163838 bezw. 1920 126 980 P'und Sterling, daS gesamte in den Bahnen angelegte Kapital aus 4367 872155 Psd, St. l86 Milliarden Mark). Im Jahre 1010 stellre sich die Verzinsung der sestverzinSlickeii Schuld mr Durch- schnitt auf 3,79. diejenige der Aklien aus 3,64 Proz. Die gesamte» Berkcbrseinnahmen innerhalb eines Jahres belicfei, sich ans 560 916 000, die Betriebskosten aus 377 104 000 Prd. Sl. An Reisenden wurden inncrbatb Jahresfrist 988 735 000 Personen be- fördert, im Güterverkehr 1 822 241000 Tonnen. Diese Leistuttg lvurde bewerkstelligt von 63 030 Lokomoliveu. 38 000 Personenwageu und 2 297 620 Güterwagen.> Zweiseilos spielen auch politische Gesichtspunkte bei der Eisen- bahnverstaatlichmig eine gewisse Liolle. Einmal toll den sehr zahl- reichen, als Wählern einflußreichen Besitzern von Eisenbahnaklien und Schuldverschreibungen die Gewähr eines ruhigen ZinsgenusseS aebolen werden. Darum werden den Eigentümern von Anteil- scheinen folgende Bürgschaften geleistet: 1. Das Eigen- tum der Bahnen ist während der Dauer der StaalSkontrolle in ebenso gutem Zustande als bei der Uebernohme zu erhalten, 2. Die Bahnen sollen eine Verzinsung bekommen, welche dem Durchschnitt der ketzleir drei Jahre vor dem 30. Junr 1917 entspricht. Auf der anderen Seite bietet die Verstaatlichung die Gewähr dafür, daß sich eine eventuelle Erhöhung der Tarife im Rahmen des Nottvendigen halt und zum produkriven Ausbau der Eisenbahnen verwertet wird. Slllgemrinc Kronkrn- und Srrrbekaike der Metallarbeiter (23. a.&. Hamburg). Filiale Baumschulen weg. Den Mi!« gliedern, welche in Treplow wobnen zur Kenntnis, daß am Sonnaiiciid. den iL, Januar, abends von S1� bis 10 Uhr, im Lokal von Borch, Elsen- straße 101, Ecke Kietgolzüratzc, kassiert wird, Verantwortlich sür Vollttti Erich Kuttncr. Verlin: iür den übrigen Teil des Blattei! Alsrcd Scholz, Neuiolln' iür Jnlerate! Th. lllockr, Berlin. Druck u. Verlag: Vorwärts Buchdruckerei». Verlagsaiistiilt Paul Singer ät Co., Verlin sw Hlerz« 1 Beilage«nd UnirrhaltungSblatt.