Dr. 16. 38. Jahrg. Bezugspreis: 4,50 M!. monafl, 1.50 M, fai ins vaus. vorauszahlbar.Slnzelne Ziumaiern 10 Pia. PuswMng: Monatlich i£0 Ml. uniei»Itcujbanb für Deuiichland und Oesterreich- Ungarn i»,— MI. für das übrige Ausland t�so Ml. monastich Periand ins Feld bei direlter Bestellung monail. i.öo Ml. Postbesiellungcn nebmen an Düne- macl. Holland Luremburg. Schweden und die Schweu Emgenage» in die toftvieitungs-Bteislillt Erlcheini täglich. Telegramm. Sdreft«: »Eozialdemokrat I8er:ta". Vevlinev VolKsblerkk. ( 10 Pfennig} Der AuzetgeupreiS betrügt f. die stebengefpallene Kolonel- »eile Lll Big.»Kleine ülnieigcn", da» ietlgedruill« Wo« 20 Big. lzu- iüistg 2 lellgedrulkle Worte), icbes weitere Wo« 10 Big Slellengeiuche iwei Worte. Teuernngsiuichlag 20°/. Milien» Älnzetgen Kl» Pia., »we .«? politiiche u. gewerlschaitliche Vereins. »n»'"- str 5 Ilde nachmitl. im llnzeiaen 40 Big die geile. Anzeige» 'ür die nächste Rummer müiien dir Bertin SW.ti«, Lindenilrahe 8, ab» gegeben werden. Geöisuei von S Uhr früh dib? Uhr abends. Zcntr&lorqan der rozialdemokratifchen parte» Deutfcblanda. Keöaktion: SM. HS, �inöenstraße Z. gerniveerder: Ami MoelSvlan. Str. lSI SV— lKI ST. Mittwoch, den 13. Januar 1318. Sxpeüition: SM. HS, Linüeastratze Z. Stern, vrecher: Am« Murinvlntz. Sir. tkl SV— lk!»7. Heftige Kämpfe am Monte Pertica. Mn der Krise vorbei. In der Presse geht die Unterhaltung darüber weiter, ob fick durch die letzten Konferenzen etwas an der politischen Gesamtlage geändert hat oder nicht. Die Antwort darauf ist einfach: wenn die Negierung, woran loyalerweife nicht ge- zwciielt werden kann, den Abgeoidneten die Wahrheit gesagt hat. daiin hat sich nichts geändert. In diesem Sinne führt auch die„Germania" aus: .D>e Grundlagen unserer Friedenspolitik bleiben in der Ta« die alten: Nach dem Osten gelten die Erklärungen des Reichskanzlers vom 29. November weiter mit ihrem Bekenntnis zum Setbitbestimmungsrecht. Im übrigen ist eine Bindung unserer KriegSpolitik nach anderen Seiten nicht erkolgt. Auch an der Absicht, das SelbstbestimmungSrecht der östlichen Grenzvölker loyal durchzusührnn, wird in dem be» kannten Sinne festgehalten. Aus dieser Sachlage folgt, datz dem Staatsiekretär von Kühlmann für die Bei Handlungen in Brest-öitowst keine neuen Weitungen gegeben werden brauchten. ES sind auch tatsächlich keine ergangen." Eine andere Frage ist, ob uns die Abwehr einer Der- s ch l e ch t e r il n g der deutschen Politik genügen kann. Wir wünschen, wie allgemein bekannt, eine Verbesserung in dem Sinne, daß die loyale Abficht, das Selbstbestimmungsrecht der Völker zu achten, tatkräftig in Erscheinung tritt. Geht dieser Wunsch in Erfüllling. so ivcrden die Verhandlungen in Brest-Litowsk troy aller anfänglichen Schwierigkeiten noch zu einem guten Ende kommen, anderenfalls werden sie scheitern. Die Negierung weih auf der einen Seite, was auf dem Spiele steht, ans der anderen ist ihr. wenn sie mit den Nüssen zu einer Verständigung Über das Selbstbestimmungsrecht kommt, die Rückendeckung sicher. Eine Regierung, dio den ersten Frieden zustande gebracht hat. wird festen Boden unter den Fühen haben. Würde dagegen der Frieden daran scheitern, dah die deutsche Regierung dem Begriff des Selbst» bestlmmiinasrcchts eine dem deutschen Volk unverständliche Deutung gäbe, so wäre der Rückschlag auf die allgemeine Stim« mung gefährlich. So liegen die Dingel Im Hauptaiisschuh hat gestern Graf Westarp den.V olr« wärts" einer Indiskretion zu beschuldigen versucht, weil er schon gestern früh mitteilte, was Herr v. d. BuSsche gestern nachmittag im Hauptausschuh erklärte. Der Aerger deS Grafen Westarp rührt lediglich daher, dah der negative Er- folg des alldeutsche», Hauptangriffs vor aller Welt festgestellt worden ist._ Verhaftung Caillaux'. Paris, 14. Januar.(HavaS) Caillaux ist heute morgen verhaftet ond unverzüglich i» das Gefängnis für Kraute über- geführt worden. Ueber die Wirkung dieses EreignisieS teilt die„Patrie" mit: Die neue Verkostung wurde in der Kammer knapp vor Mittag bekannt. Die in der Bibliothek oder in den Aus schuh- sälen arbeitenden Abgeordneten umringten gleich die Journalisten. die die Nachricht überbrachten. Die Aufregung war ungeheuer. Die Verhaftung machte, wie Havas berichtet, in der Ocffentlichkeit grohen Eindruck. Das Publikuin rih sich förmlich um die Abendblätter und beiprach eifrig die Nachricht. Alle Abendblätter erschienen mit grohen Ueberschristcn, wie..Tie Verhaftung des Freundes Bolos" oder„Hochverrats-Verbrechen" oder „Ein Theaterstreich". Ohne bestimmte Ursachen für die Der- Haftung zu nennen beiichwu die Blätter von der Durch- suchung eines Schliehfaches, das'Caillaux in Florenz unter dem Namen R c n o u a r d in der Banca Jtaliona di Sconto habe. Nach dem Jtransigeant hätte man in diesem Schliehfach Wertpapiere in beträchtlicher Höhe und Papiere gefunden, deren Bedeutung unbestreitbar sei. Das Blatt sügt hinzu: Es ist ein Schnftstück in die Hände der Militärgerichtsbarkeit gelangt, dessen Bedeutung und Wichtig- feit nicht gestattete. Caillaux länger auf freiem FiiH zu lassen. Tvr„Temps" sagt, daß es sich um ein belastendes Schrift. stück handelt, das in der ausländischen Presse vielleicht binnen kurzem publiziert werden könnte. Diesen Darstellungen tritt das Organ Caillaux. die„Vsrits". mit der Erklärung entgegen, dah sich in dem Stahlfach nichts befand, was sich auf die Beschuldigung bezog, Caillaux habe der Bundesgenossen- schaft Frankreichs schaden wollen. Die Gewaltnatür Clemenceau schafft sich skrupellos die Möglichkeiten, die sie für ihr Ziel brauckst. Eine Havasnote bestätigt d?,- Eindruck der sronzösischcn Deputiertenkammer. daß die Verhaftung Coillaur weniger eine Folge des Ergeb- «isseS der Untersuchung ist,' als die politische Entscheidung und Entschließung Clemenceaus. Caillaus muß aus der politischen Aktion ausgeschaltet werden. Der Jmperialis» ums fürchtet diesea Gegnex feinet Maas wie einen Tod- Sch eiternde Angriffe gegen de« Asolone und den Pertica. ««tlkch. Trotzes H o«» t, o« r t ler, td.Jouuar ms.(KB. T. 8.) Westlicher Kriegsschauplatz. Peine besonderen Errignisse. An verschiedenen Stetten brr Front Artillrriekampf. Ocstlicher Kriegsschauplatz. Nicht? Neues. Mazedonische Front. Die Lage ist unverändert. Italienische Front. Starke Angriffe, die der Italiener gegen die österreichisch» ungarischen Stellungen am Mo nie Asolone und Monte P e r t i e a führte, sind unter schweren Verlusten gescheitert. Die tagsüber in den Angriffeabschnitten anhaltenden Feuer» kämpfe dehnten sich zeitweilig nach Westen über die Brenta,»ach Osten bis znePiaoe aus. Auch läng» der unteren Piaoe und in Verbindung mit italienischen Vorstößen imPiavc»Delta war dir ArtMerietätigkei» vielfach gesteigert. Der Erste Generalqunrtteemeister, Lndenvorst. Ztbendbericht. verli«, 15. Januar 1918, abcudS. Amtlich. Zwischen B r e u t a»od P i a v e vielfach heftiger Feuerkampf. Lo» de» audereu KriegSschouplätzeu uichtS NeseS. Der österreichische Bericht. Nichtamtlich. Wie», de» 15, Jaauor 1918. Amtlich wird oertautbart! Italienischer Kriegsschauplatz. Zwischen der B r e n»» und dem Monte Peetiea ging der Italiener«ach starker, zeilweise zum Teommelfeuer gesteigerter Artillerievorbereitung zum Jnfanterieangriff über. Räch sehr heftigen Nahtämpfen gelang eS dem Feinde, an ein» zelnen Stelleu in unsere Gräben einzudringen. I« Gegenstoße wurde er jedoch anS diesen geworfen. Im ganzen Angriffsraum ist die vorderste Sawpslinie voll in unserem Besitze. Der Gegner erlitt schwere Verluste. An der unteren Piade wurde ei» feindlicher Vorstoß bei B r e s s a u i u rasch zu« Stehen gebracht. Der Chef de» Generalstabe?. feind. Die bisher aufgestöberten„Dokumente" reichten nicht aus. mit einigem Grunde vor der Oeffentlichkeit den Pranken» schlag gegen Caillaux zu führen, der den Gefürchtcten be- schleunigt parlamentarisch mundtot macht. So wird nunmehr ein neues Dokument..entdeckt", mit einem zweckmäßigen Kommentar betan und alsbald ohne Befragen der Kammer zu dem gewollten Gewaltstreich verwertet. DaS Unternehmen schmeckt nach echter Polizeiarbeit, und dah Clemenceau sich nicht scheut, dies Mittel spielen zu lassen, beiveist. wie drin- gend ihm das Vorgehen nötig schien. Er fordert daS Parlament heraus und dürfte der Meinung sein, der Augenblick sei dieser Herausforderung günstig. Der Ausgang des JnterpcllationsansturmS, kombiniert mit der bisher in der Caillaux-Frage von der Kammer ge- zeigten Haltung, wird Clemenceau iy der Tat kaum fürchten lassen, dah die Kammer ihn jetzt im Stiche lassen wird. Die Krtegsparteien brauchen einen rücksichtslos entschlossenen Führer, wenn sie der Gefahr der schiefen Ebene entrinnen wollen. Clemenceau ist ihr bester Vabanquemann und er wird rechnen, dah sie ihn nicht fallen lassen werden, um einen Caillaux der Gerechtigkeit zuliebe zu retten. Selbst wenn es aber nach langwieriger Untersuchung, die sich durch tausend raffinierte Mittel dehnen läßt, gelänge. Caillaux auf freien Fuß zu bringen, so wäre doch vorlaufig erreicht, was Clemenceau und seine Leute wünschen.. Zwei Sätze ans den Stinimen der französischen Presse stellen die Tat des Ministerpräsidenten in grellstes Licht. Die .Heure" sagt:„Clemanceau eröffnet so den f u r ch t b a r st e n Prozeh in diesem Kriege. Er übernimmt die höchste und tragisch st e Verantwortung." Der „Jntransigeant" aber sagt:„Möge die Gerechtigkeit also ihren Laus nehmen. Es gilt, mit allen Mitteln sich zu verteidigen und zu siegen." Mit allen Mitteln! Die Mördermoral des Krieges begann ihr Werk mit der Vernichtung eines Jaurös, dessen Leben ein loftbarsteS Kulturelement Frankreich? und der Welt war. Nun legte sie dreist Hand an die Freiheit eines Caillaux, und wenn sie kann, wird sie sein Leben nicht schonen. » Pari?, lt. Januar.„Oeuvre" stellt au? Zeitschristen von der Front fest, dah fortschrittliche Blätter wie„Oeuvre", „PayS".„Journal du Peuplr",„Bataille", ferner auch„Hamme Encbatnä". bevor et umgetauft wurde, auf vielen Frontabschnitte« verboten find und keine AbounemeniS auf diese Blätter angenommen werden dürfen, dah dagegen Blätter wie„Journal",„Malin", „Petit Parifien",„Action Franyaise", in Unmengen verbleitet werden.„Oeuvre" werde al« verdächtig aufgeführt, wogegen daS Blatt energtsch protestiert und gleiches Recht für alle Zeltungeu verlangt. Wie schon mitgeteilt wurde, gehört auch die„Humanitö" zu den an der Front verbotenen Blättern, und es wäre ein Wunder, wenn andere sozialistische Blätter eine andere Be- Handlung erführen. Es ist die Zeit der Vorsorge, um daS Heer gegen die Stürme zu sichern, die im Innern bei dem jetzt aufgerichteten Regiment und bei dem Anwachse» der Bewegung gegen den Krieg nicht ausbleiben werden. Für llvlänöischen Zrage. von Dr. Llexander Lipschütz, Riga. Genofie Dr. Lipschütz. Privatdozent an der Universität Bern ehemalige» Mitglied de? sozialdemokratische» Komitee? für Kurland und Livland, sendet uns längere Ausführungen zur livländischen Frage, denen wir da? Folgende entnehmen. Bon der Suffaffung ausgehend, dah die Bewohner der besetzten Gebiete völlig frei über ihr Schicksal entscheiden sollen, würden wir die Unterdrückung dieier beochilichen Stimme, die sich für da» Verbleibe« jener Länder im russischen Reichsverband ausspricht, für un» statthast halten. Da sich Graf Henling auch neuerding? wieder zu seiner Erklärung vom 28. November über da? SelbstbestimmungSrecht der Völker bekannt bat, bleiben die Vorschläge vom 28. Dezember interpretationSsähig, sie könne« als« noch im Laufe der Friedensverhandlungen eine Abände» rung erfahren, die das SelbstbestimmungSrecht talsächlich sicherstellt. Die Bewohner der besetzten Gebiete werden dann selbst zu entscheiden haben, ob sie sich den Anschauungen deS Geuossen Dr. Lipschütz anschließen«ollen oder nicht. Red. d.„vorwärts". SuS den Vorschlagen, die Deutschland auf der Friedens- konferenz in Brest-Litowsk am 28. Dezember gemacht hat. geht hervor, daß Deutschland die Absicht hat. Kurland und Teile von Livland und Estland zu annektieren. Gegenüber de« russischen Borschlägen, die deutschen Truppen aus dem besetzte« Kurland, Livland und Estland zurückzuziehen, damit das letti» sche Volk die Möglichkeit habe, über das zukünftige politische Schicksal des Landes zu entscheiden, stellt Deutschland sich auf den Standpunkt, daß der Volkswille in Kurland und Riga schon während der deutschen Okkupation zum Ausdruck ge- kömmen sei. Es ist für jeden denkenden Menschen klar, wie der„Volkse Wille" in einem okkupierten Lande zum Ausdruck kommen kann. Der..Volkswille" in Kurland ist auf dem„Landtag" in Mitau unter Vorsitz eines kurländischen Adeligen zum Aus» druck gebracht worden. Dieses Kunstprodukt eines„Landtags" hat sich für die Annexion Kurlands durch Deutschland ausge» sprochen. Man glaubt durch die Geschichte Liv-, Kur» und Estlands begründen zu können, daß diese drei Länder zu Deutschland ge» hören, daß ihre Annexion durch Deutschland nur die Vollen- düng ihrer organischen Entwicklung sei. Demgegenüber be- Haupte ich. daß die Annexion der drei baltischen Provinzen oder eines Teiles derselben eine gewaltsame Unterbrechung einer jahrhundertlangen Entwicklung wäre gegen de« Willen und gegen das Interesse einer hoch- kultivierten undzu nationalemBewußtsein gelangten Bevölkerung. Auf den ersten Blick scheint eS mit dem Deutschtum der baltischen Provinzen— oder Livlands in weiterem Sinne— sehr klar zu stehen. Livland ist die erste deutsche überseeische Kolonie, von deutschen Rittern begründet. Dem deutschen Ritter, der nach Livland zog, folgte der Kaufmann und es folgte ihm der Handwerker, die Städtebauer. Nicht aber derdeutscheLandmann— und das war, vom deutsch» nationalen Standpunkt auS betrachtet, das Verhängnis. Di« kolonisierende deutsche Oberschicht war natürlich sehr darauf bedacht, eine unverrückbare soziale Schranke zwischen dem freien„Herr" und dem unfreien„Knecht" aufrechtzuerhalten. Dieser Gegensatz aber wurde hier zum Gegensatz zwischen den Deutschen und dem lettisch-estnischen Volke: der sozialh Gegensatz trat hier notwendigerweise auch als ein ftgtiin «a?e r auf. Dleertvachen deDemokratie ,in L i v l n d konnte nur lettisch und estnisch j e i n. TaL die Deutschen in der Verwaltung Livlcmds die Oberhand behielten, hatten sie nur der reaktionären russischen Negierung zu danken, die trotz ihrer schamlosen Russist- zierlmgSpolitik einen großen Teil der deutschen Sonderrechte in der inneren Verwaltung des Landes und der Stadt nicht antastete. Die Landtage der drei Provinzen durften trotz aller Nufsifizierung deutsche Adelsversammlnngen 'bleiben— in Riga heißt das Landtagsgebäude auch heute noch „RiiterhauS"—, die Stadträte blieben Versammlungen der deutschen Hausbesitzer. Indem die russisch? Revolution mit allen politischen Vorrechten des Standes und des Besitzes auf- geräumt hat, hat sie auch in Livland mit dem Deutschtum als einer bevorxechieten politischen Macht aufgeräumt. Aus der objektiven Tatsache, daß der deutsche Ritter und der freie deutsche Städter in Alt-Livland einem unfreien Bauer u n d e r e n, damals auch weniger kultivierten Stammes gegenüberstanden, erwuchs ein bedeutungsvolles subjektives Moment: der Mangel eines national-liöländischen Em!-finden? bei der herrschenden deutschen Oberschicht in Liv- k«nd. Im Verlaufe des ganzen Mittelalters waren in Liv- Iftnd dieselben antiuationalen Kräfte wirksam wie in Deutsch- fand: Ritter, Orden, Geistlichkeit und Städte befehdeten ein- ander. Gin allgemeines Chaos von sich widerstreitenden so- zialen Elementen, ohne jede nationale Richtlinie, ohne jede nationale Konsequenz. Das alles galt auch für Deutschland. Aber für Livland kam eben das subjektive Moment hinzu, das die mitinationalen Kräfte in noch stärkerem Maße entfesselte. Und da das Sonderintercsse der baltischen Ritterschaft stets «usschlaggebend war, schacherte der feudale Adel mit allen mächtigen näheren oder entfernteren Nachbarn auf Kosten der anderen livländischen sozialen Schichten, sobald das dem fcu- dalen Gonderinteresse irgendwie entsprach. Der baltische Adel lieferte Rußland bis in die jüngste Zeit die reaktionärsten Staatsmänner. Wer Livland kennt, wird leider zugeben müssen, daß die geistige Atmosphäre der livländischen Deut- scheu von einem geradezu schauderhaften russischen Byzanti- nismus erfüllt ist... Es zieht sich durch die livlandistbe Geschichte wie ein roter Fäden eine nationale Selb st Verleugnung zu« g u n st e n deS feudalen S o n d e r i n t c r e s s e 5. Noch in der jüngsten Zeit hat der baltiscise Adel das national-liv» Kindische Interesse verleugnet, indem er sich während der Ne- «oluticn von 1905, die ein Kampf der lettisch-estnischen Demo- kratie gegen die deutsche oligarchische Aristokratie war, mit der reaktionären russischen Regierung gegen das Land der- bündete. Indem der baftische Adel es nicht erreicht hatte, daß das Volk sprachlich mit der Oberschicht verschmolz, indem er ferner aus diesem Unvermögen Kapital zugunsten seiner Sonder- interessen schlug und die Interessen einer livländischen Nation stets verleugnete, hat er die oben schon gekennzeichnete Situa- Kon heraufbeschlvoren: das Erwachen einer livländischen Na- tion konnte nur das Erwachen einer lettisch-estnischen Nation fein. Die Entfernung der feudalen und großbürgerlichen Oberschicht von der ausschließlichen Verwaltung des Landes, die das Ziel der Demokratie ist, konnte im gegebenen Fall nur die Entfernung Deutscher sein. Die lettisch-est- nische Demokratie ist die nationale Vollen- düng der jahrhundertelangen livländischen Geschichte. Die Annexion L i v l a n d 3 durch Deutschland wäre dagegen eine gewaltsame Unterbrechung dieser Geschichte. Jeder der 160 000 Deutschen in Livland ist ein Glied der nationalen stvländischen Gemeinschaft, und jeder von ihnen hat das Anrecht, die Vorteile zu genießen, die ihm aus seinen persönlichen Eigenschaften im sozialen Leben einer Demo- kraiie erwachsen können. Die Konsiittnerung einer freien lettisch-estnischen Demokratie bedeutet nicht die Unterdrückung Ser deutschen Livläuder, sondern die Ausmerzung der Vor- rechte der feudalen Herren und der Großbourgeoisie. Wir haben das herrliche Beispiel der demokratischen Schweiz vor Augen, in der Deutsche, Franzosen und Italiener friedlich beisammen leben. Wie die 7 Proz. Tessiner Italiener ihr Recht gegenüber den 70 Proz. dentschsprechender Schweizer finden, so werden es auch die 7 Proz. deutscher Livläuder gegenüber den 85 Proz. Letten und Esten in der livländischen Demokratie finden. Eine Demokratie kann nicht die Rechte irgendeiner Gruppe schmälern, wenn sie nicht den Ast ab- sägen will, auf dem sie sitzt. Di? Hoffnungen der lettischen und estnischen Demokratie haben sich durch die russische Revolution erfüllt. Früber, solange das zaristische Rußland noch bestand, konntx man sich fraacn. ob es nicht day Richtigste wäre, eine Lostrennung der baltischen Provinzen von Rußland und ihre Umwandlung in einen lettisch-estnischen Pufferstaat zu erstreben. Jetzt, wo die Revolution den Zarismus hinweggeräumt hat, kann von einer Lösung der Frage im Sinn« eines Pufferstaates keine Rede mehr sein. Es liegt im Interesse sowohl der lettisch-estnischen Demokratie, daß Liv-, Kur- und Estland bei Rußland bleiben. Die junge russische Demokratie will mit dem deutschen Volke in dauerndem Frieden leben. Aber dieser dauernde Friede wird nur möglich sein, wenn das offizielle Deutschland darauf verzichten wird. Rußland um eine seiner wichtigsten Eristcn Bedingungen, d. h. um die baltischen Provinzen zu bringen. Die Annexion dieser Provinzen wäre nur die Ein- leitung zu weiteren Kriegen. Auch die kleiue lettisch-estnische Demokratie wünscht den Frieden, um alle ihre Kraft dem Wiederaufbau ihres Landes, dem Neubau ihres nationalen Lebens widmen zu können. Jeder Deutsch-Livlcmder, der im Nahmen der lettisch-estnischen Demokratie seine Kräfte dem engeren Vaterlande leihen will, wird willkommen sein.... Aber jetzt ist Riga nicht frei. Riga ist so wenig deutsch, wie Zürich und Schaffhausen deutsch sind: und Riga ist so wenig„trunken vor Jubett, wie Zürich und Echaffhansen es wären, wenn dort nicht die eid- genössische Demokratie, sondern deutsche Truppen die Macht in der Hand hätten.____ VorbLTsiLung öes rutschen Staats- bankrotts. Petersburg, 13. Jon-mr. Reati'rmeldnng. Der Oberste Kat für d«»«ntionole Eigentum het eilten E» t- n> n r f eines Dekretes zur Annullierung oller nationale» Anleihen, die von der kaiserliche« »» d bürgerlichen R e g i e r» u g ausgegeben wurden, niis gearbeitet. Nach diesem Enkwnrf werden alte inläudischen Anleihe«, die im Besitz von AusiSaderu find, bedingungslos N!>»«lliert. Rur die knrzfristig« Anleihe des Schabamtes und die vs« Schatzamt aeSgcgebenen Serie« ble.be» gültig. Ter Akt, der hier vorbereite! wird, hat schon vor Wochen seine schreckenden Schalten vorausgeschickt, Die warnenden Mahnungen, die Bonar Law damals im Unterhaus ergehen ließ, sollen ohne Frucht bleiben. Die Dinge nehmen den Verlans, der ihnen natürlich»st. und was nun greisbarer deutlich sich ankündigt, wird ohne Zweifel im westlichen Europa bemerkenswerte Zuckungen auslösen, die vielleicht auch für den weiteren Gang des Krieges nicht einflußlos bleiben. Meh? MKnne? für üas englische tzeer. London, 15.?e Entfernung der russischen Truppen aus Persien schneller vor sich gebe, als man zu hoffen wagte. Nach amilichen Angaben der persischen Regierung haben die ruisii'chen Truppen in llrmia alles geplündert und vernichtet. Folge dieser Pogrome ist, daß die Perier sich auf russisches Gebiet hinüberretten. Ungefähr IS 000 Perser haben sich in der mugonischen Steppe angesiedelt, wa sie die Reis- und Baumwollpflanzungen zerstörten. Der Krieg auf öen Meeren. Berlin, 14. Januar. Eines unserer Unterseeboote hat unter schneidiger Führung deS Oberleutnants zur Sre Lo s letzthin im Acrmelkaual 5 Tampfu und 3 Fischerfahrzeuge mir rund S?.-Reg.-To. versenkt, eine Leistung, die um so ancrkrunrnswcrtcr ist, als die E r. folge von einem kleinen N« Boot«nd in einem Scrgcbiet erzielt wurden, in dem die feindliche Gegenwirkung br- sonders stark ist. Alle Dampfer, mit Ausnahme eines, waren bewaffnet und tief belade«; es konnten namentlich festgestellt werden der englische bewaffnete Dampirr Jolauthe<3081 To.) sowie der be- waffurte englische Tankdampfer Area<4839 To.), der in geschickt durchgeiührlem Angriff anS eine« stark gesicherten Tauk- dampfergrleitzvg hcrauegrichosscn wurde. Tie versenkten Fischerdampfer waren englischer Rationalität und führte» die Namen Gratiinde: Das aktive Frauenwahlrecht halten lvir n i ch t für eripiießlich. Wir lehnen es daher ab. Die Eingaben des Bundes gegen die Frauenemanzipatiou zeugen von Oberflächlich it. Ein RegieruiigSuertreter erklärt, daß der Minister bereit sei, die Städieordiinng im Sinne der Wunsche des GemeindcausschuffeS. allerdings nichl durch ein Sondergesetz abzuändern. Abg. Dr. Lcwin(Vp) tritt für volle G l e i ch b e r e ch t i- g u n g der Frau ein. Von Herrn Giäf habe man nur Schlagworte gehört. Die Frauen haben im Kriege Pflichten ausgeübt, man müsie ihnen auch Rechte geben. Die Eingabe des Bundes gegen die Frauenemanzipation habe keinerlei Bedeutung, wenn sie nickt durch den Ausschuß ans ihrer Bedeutungslosigkeit gerissen worden wäre, Wir stimmen kür den Antrag Hauffmann, bitten aber auch linieren Antrag auf Wählbarkeit der Frauen in die städtischen Deputationen anzunehmen. Man sollte mit den nötigen Reformen nicht warten, bis es zu ipät ist. Abg. Hirsch(Soz.): Bei den Ausführungen des konservativen Redners siel mir das Wort von Llopd George ein: Rebmt io ein Mannesstückchen. Das ganze Gehirn seines HauKwekens ist die Frau, die lbn wahr- scheinlich aöi'olul beherrscht— er aber, der Herr der Schöpfung spiicht:„Sie ist nicht reif zum Wählen."(Heiterkeit.) Herr ffirnf hat den Beweis erbracht, daß seine Partei au« dem Kriege nichts gelernt hat. In politischen Versammlungen der Laierlan dspartei sehen auch die Konservativen die Frauen sehr gern, aber rm übrigen sollen die Frauen sich nicht politisch be- tätigen. Wir stimmen selbstverständlich für die Wiederhcr- stelluiig des uriprünglichen Antrages der Fort- s ch r i t t l e r. Andere Bundesstaalen sind uns in dieser Frage lange vorangegangen. so Baden und Bayern. Der Oberbürgeimeister Dr. Düllo von Offenbach schreibt:.Ohne die Mitwirkung der Frauen wären wir gar nichl imstande gewesen, unsere Kriegssüriorgeläligkeit, mit der unsere Bevölkerung sehr zufrieden ist, auf diese Höhe zu bringen*. Die Regierung will nun eine Reform auf diesem Gebiete vertagen bis zur Reform des Geinembeversaiiungsgesehe;. Hoffentlich kommt diese Reform mög- lichst bald. Wir fordern darüber hinaus de« aktive und passive Gemeindewahlrecht der Fraueu und das gleiche Wahlrecht für die Frauen zu den gesetz- gebenden Körperschaften. Man sagt, der einzige Beruf der Frau sei die Ausübung der Familienpflichi. Mit diesem Argn- ment kommt man in einer Zeit, wo die wirtschaftlichen Berböltnisse immer mehr Frauen in das Berufsleben hinein« dränaen. Auch die Konservativen haben den Frauen im BerusS- leben niebr als einmal ihre Anerkennung ausgesprochen. Aber mit Worte!, allein ist es nickt getan, man muß diese Frauen dann auch durch Talen von ihrer Rechtlosigkeit befreien. Dort wo da» Wahl- reckt der Flauen zu den gesetzgebenden Körpeiichafien besteht, bat man gute Erfahrungen gemacht. Sollte einmal die Regierung mit dem Frauenwahlrecht kommen, so werden die Konservativen da- gegen genau dieselbe Taktik treiben, wie jetzt i» der Wahlrechts. kommission, wo sie alles versuchen, um die Wahlreform zu verschleppe» und womöglich zu Fall zu bringen. Dir werden selbstverständlich in der WablrechtSiommisiion auch die Gewährung des FcauenwahlrechtS beantragen. Räch den Vorgängen in der Wahlrechtskammijswn ist eS ja wohl ausgeschlossen, daß das Haus geneigt sein könnte, noch weiter zu gehen, als die Regierung es beantragt. Aber da« Vvtum dieses Hauses entspricht nicht der Stimmung der großen Masse der Bevölkerung.(Sehr wahr! bei den Sozialdemokraten.) Dies Parlament ist kein Spiegelbild der im Volke herrschenden Strömung.(Sehr richtig! bei den Sozial- demokraten.� Deshalb legen ja die Herren auch so großes Gewicht darauf, das jetzige ungeraht« Wahlrecht zu verewigen. Aber täuschen Sie sich nicht: mit Gewalt werben Sie dem Rad der Weltgeschichte nicht in die Speichen fallen können. Das Volk ist gerade durch die Art und Weise w'e die Mebrkwit in der Wahlrechtskom- Mission Obstruktion treibt, erwacht und wird auf der Hut sein. ES wird nicht weiter mit sich spielen lassen. Auch die Frauen werden mit ihrer Forderung des aktiven und passiven Wahlrechts immer wiederkommen. Wir werden nicht ruben, bis diese gerechte Forderung erreicht wird.(Lebh. Beifall b. d. Soz.) Abg. Dr. Licpmann(natl.): Im Gegensatz zum Abg. Hirsch glaube ich nicht, daß die Frauen einen tatsächlichen Dan? erwarten, sie haben sich nur von ihrer idealen Auffassung leiten Kassen. Abg. Dr. v. Woyna(freikons.): Es ist wichiiger. daß wir nach dem Kriege der Not der Frauen steuern, als daß wir ihnen das Stimmrecht geben. Abg. Ströbel(Unabh. Soz.): ... Legierung glänzt durch Abwesenheit; sie nimmt offenbar diew Debatte nicht ernst. Um so ernster sollten die Frauen jetzt den Kamvt für ihr Wahlrecht aufnehmen. Man sagt, der er- habeniie Beruf der Frauen ist die Ausübung der Familienpflichten. a b e l j i �d50 P r o z. der Frauen gar nicht in der Lage, dieie Pflichten auszuüben. Alle diese Millionen Frauen brauchen das Wahlrecht, um auf die politischen und sozialen Verhällnisse bessernd einwirken zu können, und Sie wollen es ihnen mit brutaler Rücksichtslosigkeit verweigern.(Sehr wahr! b. d. Unabh. Soz.) Aber man verbietet ja sogar den Kriegsbeschädigten e'ne Wahlrechtsversammlung, wodurch f:e|0 erbittert wurden, daß sie sich die KriegSorden vom Rock rissen i�ehr gut! 6. d. Unabh. Soz) Man hält ja die Frau für die ge- borene Sklavin des Manne». Aber das Bewußtsein der Gleich- Wertigkeit erfüllt immer mehr und mehr die Frauen. Der Sinn der Reden hier war. daß die Frauen minderwertig seien— und so etwas hier in diesem Drclklaflenhouse. Noch stets ist in der Ge- schichte der Uedermut kurz vor dem Fall am größten gewesen! In der Wahlrech-Skommissson hat ein angeblicher Vertreter des Hand- Werks, der selber Rentier ist. gesagtr Wir werden von uniercm Standpunkt nicht aogeben. und wenn man uns in Stücke haut. Demgegenüber müssen die Frauen nun ihrerseits ihr Recht mit Nägeln und Zähnen erkämpfe«». fBravol b. d. Unabh. Soz.) Luch an der Bsvölkerungspolitik sind che Frauen in erster Linie interessiert. Lhr Wunsch ist eS. daß � gesundes Geschlecht heranwachse, und daß es nicht durch einen ninftigen Krieg wieder hinweggefegt weroe. Wir fordern ein« ~.e 0 rungSpolitik, die hinausgeht auf einen demokrali» schen Völkerbund.(Sebr wahr! b. d Unabh. Soz.) Würden die grauen sich aufraffen zu e>nem Gebär streik und zur allg«» meinen Niederlegung der Arbeit, nicht einen Tag länger würden die»innexlonlsten ihre Pläne durchführen können, man würde es nicht langer wagen, rhnen da» Wahlrecht zu ver- a e i g e r n.(Bravo! b. d. Unabh. Soz.) Has Haus vertagt sich auf Mittwoch. 12 Uhr.(Einbringe des Etats Fortsetzung der heutigen Beratung.) Schluß: S Uhr, D!e Gefsngenenbehanölung im tzauptausschuß. Eine Regierungserklörnng über Brest-Litowsk. Mit der Liquidierung der im Elsaß befindlichen französi- schen Webereien und Spinnereien hat sich ein vom Hauptausschutz des Reichstages eingesetzter Unterausschuß befaßt, der am Dienstag seinen Bericht erstatiete. Die Sache wird am Mittwoch weiterverhandelt. Der Ausschuß wandte sich dann der Vrkandlnny der Gefangenen in Frankreich zu. Abg. Erzberger stellt fest, dgß im Gegensatz zu der Behandlung, die die französischen Gefangenen in Deutsch. land erfahren, die deutschen Gefangenen in Frankreich sehr schlecht behandelt werden. General Friedrich bestätigt das. In der Behandlung der Gefangenen steht Frankreich weit hinten in der Liste unserer Feinde. Vis jetzt haben stets nur Ne° preffalien geholfen. Die Verwendung in der Feuerzone war eine Barbarei. Jetzt sind als Repressalie Franzosen nach den besetzten Gebieten Rußlands versetzt, 400 Französinnen kommen nach H o l z m i n d c n. um die verschleppten ElsSsser herauszubekommen. Die französischen Vertreter in Bern haben er- klärt, daß sie sich auf Abmachunzen über die Elsässer nicht ein- lassen wollen. Die direkten Verhandlungen mit Russen und Engländern waren sehr erfreulich, anders mit den Fran- zostn. Diese Verhandlungen fanden in Bern statt, mit dem Ziele, je 60 000 Gefangene, vorzugsweise Familienväter, auszutauschen. Die Franzosen lehnten eS ad, mit den Deutschen direkt zu verhandeln, es konnte nur durch Vermittlung von Schweizern geschehen. Die Franzosen wollten den Austausch nach Kategorien— Familienväter gegen Familienväter—, und zwar wollten sie 3000 Deutsche gegen 15 000 Franzosen austauschen. Der Plan mußte unter diesen Umständen aufgeschoben werden. Man erreichte aber doch, daß die Intern icrung in der Schweiz auf'eine breitere Grundlage gestellt wird. Die 48jährigen Gefangenen sind gegenseitig ausgetauscht worden, 800 Franzosen gegen 400 Deutsche. Deutschland erklärte sich bereit. 5000 französische Familienväter gegen 4000 Deutsche auszutauschen. Die Franzosen stellten dann aber Forderungen, die nicht bewilligt werden konnten. Mit England besteht ein Uebereinkommen, daß einfacher Fluchtversuch mit höchstens 14 Tagen Arrest bestrast wird. Diesem lieber- einkommcn traten die Franzosen nicht bei, man einigte sich aus 4 Wochen Arrest. Dagegen konnte ein Uebereinkommen über Strafaussetzung nicht erzielt werden. ES bestehe kein Zweifel, daß die französische Regierung die Cabetage durch französische KriegZgefangenr unterstüt. Wenn Deutsche in Gefangenschaft geraten, werden sie skandalös behandelt und ihres Eigentums beraubt. Darin soll jetzt eine Besserung eintreten, indem Geld nur im Beisein eines Offiziers abgenommen werden darf. Mindestens 80 000 deutsch« Gefangene befinden sich im Operationsgebiet. Ueber die Befreiung aller Unteroffiziere von körperlicher Arbeit war keine Einigung zu erzielen, nur vom Sergeanten aufwärts findet kein ArbcitSzwang statt. Wir haben 410 000 gefangene Fran- zosen, darunter 7000 Offiziere, die Franzofen haben an deutschen Gefangenen höchstens die Hälfte. Frankreich soll wissen. daß wir unsere Gefangenen nicht im Stick lassen. Abg. Prinz Schöna: ch-Carolath regt die Vorlage einer Denkschrift an. Abg. Frhr. v. G a m p wünscht energisches Aus- treten gegen Frankreich. Abg. S t ü ck l e n unterstützt den Wunsch nach Vorlage einer Denkschrift. Daß Repressalien angewendet werden müssen, sc! bedauerlich; wenn es aber nicht zu umgeben sei. müsse man nur Leute cmS den höheren Ständen in An- spruch nehmen. Abg. Cohen- Nordhausen empfiehlt gleichfalls, bei Repressalien darauf zu achten, daß mit dem kleinsten Kreis die größte Wirkung erzielt wird. General Friedrich sagt die Vor- läge einer Denkschrift zu. Damit waren die Erörterumgen hierüber erledigt. Bei Festsetzung der Tagesordnung für die nächste'Sitzung kam eS zu einer sehr lebhaften und langen GeschästSordnungS- debatte. Abg. Fischbeck beantragte, die politische De- batte am Mittwoch fortzusetzen. Diesem Antrag schloß sich Abg. Eberl an mit dem Hinweis darauf, daß man allgemein bestimmt mit Wiederaufnahme der politischen Debatten rechne. Die Debatten in Brest-LitowSk seien damals, aks die Auseinandersetzungen im HauShalisauSschüß abgebrochen wurde, ins Stocken geraten, sie gehen jetzt aber wieder weiter. Die Presse der Annexionisten Hai jedoch auf die Verhältnisse gar keine Rücksicht genommen und mit ihren Ausführunzcu unsere Unterhändler diskreditiert. Schon aus diesem Eirunde sei eS ein dringendes Erfordernis, die politische Debatte nicht weiter hinzu- ziehen. Unterstaaissckretär v. d. B u S s ch e gab daraufhin im Namen des Reichskanzlers folgende Erklärung ab: Ich kann namcn» des Herrn Reichskanzlers die Erklärung abgeben, daß in de« Instruktionen, dir Staatssekretär v. Kühl- mann für die Verhandlungen in Brest-Litowsk erhalten hat, keinerlei Aenderung eingetreten ist. Hiermit dürfte allen im Publikum und in der Presse umlaufende« Gerüchte« der Boden entzogen sein. Graf Westarp versuchte, dem„Vorwärts" eine Indiskretion zu unterschieben, die mit der Veröffentlichung der am Moi!taa im Auswärtigen Amt gepflogenen Erörterungen verübt sein soll. Abg. Ebert nahm den.Vorwärts� gegen diesen Vorwurf, den er als unberechtigt nackwies, in Schutz. Die Darstellung Eberts wurde noch von anderer Seite, insbesondere durch den Abg. Erzberger, b e st ä t i g t. Das Ende der langen Debatte war, daß die Fortsetzung der politischen Erörterungen gegen die Stimmen der Sozialdemokraten auf einen späteren Tag verschoben wurden. Vahlrefu!tst von Sautzen-Kamenz Bautzen. 16. Januar 1918.(Eigener Drahtbericht des „Vorwärts".) Nach dem eben bekanntgewordenen amtlichen Wahlresiiltat haben bei der Neichstagsersatzivahl im Wahl- kreise Lautzen-Äinmenz von 22 263 Wahlberechtigten 17YZZ ihre Stimmen abgegeben, 76 Stimmen waren ungültig, von den 16 9ü9 gültigen Stimmen entfielen auf Justizrat Dr. H e r r m a n n(k.). 6986 Kaufmann P» d o r(Vv.),,.. 8620 Landlagsabg. U h l i g'Soz.).. 6161 Zersplittert waren zwei Stimmen. Das amtliche Wahl- rclultat zeigt gegenüber den bisher gemeldeten Ziffern nur ganz geringfügige Unterschiede. Die Behauptung kauservativcr Blätter, daß die Zahl der auf ihren Kandidaten entfallenen Stimmen bei genailer Zählung noch erheblich steigen würde, ist nicht eingetroffen, sie ist völlig gleich geblieben. ES bleibt dabei, daß rund 10 000 Stimmen für den Verständigungsfrieden noch keine 7000 für den Ge- waltfrieden gegenüberstehe», Hertlmg im tzerrenhüus— für wohnungs- rrform. Einen großen Reinfall bereitete Graf Hertling den vielen, die sich am Tienstagnachm'ttag auf den Tribünen deS Herren- hauseS drängten.„Sie sitzen schon mit hochoezog'nen Brauen und alle Welt erwartet sich ein Fest"— nämlich so eine Art Daniel in der Löwengrube, da doch Graf Hertling belastet mit dem Wahlrecht und außerdem hinreichend verdächtig eines„Verzichtfriedens" vor den geborenen und ernannten Gesetzgebern erschien. Als er sich aber endlich erhob, schon nachdem die Beratung des Wohnungsgesetzes> eröffnet worden war. da kamen statt einer politischen Rede ein paar gewiß treffende und warmherzige Sätze über das großstädtische Wohnungselcnd und über die Notwendigkeit, den einst heimkehrenden Kriegs- tcilnchmern gesunde Wohnungen vorzubereiten— aber um daS zu hören, hätte man schließlich nicht den Leiter der Reichs- lind Staatspolitik gebraucht. Immerhin klang aus der kurzen Rede das lebendige Interesse an der sozialen Frage, das schon den Studenten und später den Zeiltrumsproscssor Hertling beseelt hat. In der weiteren Debatte betonte der Danziger Ober- bürgermeister S ch o l tz, daß dieses geringfügige Gesetz ganz mit Unrecht als ein Wohnungsgesetz auftritt; c§ fömie nur ein Anfang sein. Herr v. Rheinbabcn wollte das Gesetz schon höber schätzen. Weiter Hörle man von Dr. D e r n b u r g den troff- lichen Gedanken, daß im Wohnungswesen die Herrschast von Augebot und Nachfrage aushören müsse, und vom Grafen Posadowsky die bemerkenswerte Neußerung. daß deutsches Geld in gesunden Siedlungen daheim besser angelegt werde als in tropischen Kolonien. Obwohl Rheinbabcn der» Hause den Vorwurf gemacht hatte, daß ohne seine lange Ausschußberatung das Gesetz schon drei Vierteljahre in Kraft stehen könnte, trat mau den Ausschußbeichliissen bei, so daß das Gesetz ans Abgeordneten- haus zurückgehen muß. Am heutigen Mittwoch werden kleine Vorlagen beraten. Cme Ma�enöTMonstrstion für öeN verst£mü%unAsfmöen. Nach der mißglückten Kundgebung der BalerlandSpariei in Jena hat nun die Jeneirser Sozialdelnokratie die bsreüS angr- Kündigte Gegenkimdgebung veranstaltet. Waren zu der Brrsamm- lung der Vaterlandsparrei etwa 3000 Personen erschienen, von denen über 2000 Gegner des Alldeutschtums waren, so strömte dies- mal wohl die doppelte Menschenmenge zusammen, von der die Hälfte keinen Platz mehr fand, nachdem schon lange vor Versammlungsbeginn der Niesensaal d s Jenenser Volkshaules bis auf de» letzten Platz gefüllt war. Aber diese Menge war von einheitlicher Gesinnung erfüllt, sie trat restlos für den Verständigungsfrieden ein. Die Führer der Vater- lern ds pariei waren zu der Versammlung geladen wordon, Haiku sich aber mit Ausnabme deS Dr. Maurend recher unter nich- tigen Vorwänden gedrückt. Während aus der vorangegangenen Versammlung der VaterlandZpartei den Führern der Sozialoemo- kratie jede» Wort, auch eine kurze Bemerkung zur GqchäftSord- nung verweigert worden war, konnte Maurenbrecher% Stun- oen lang ungestört reden. Dabei hatte er noch nicht einmal 60 Anhänger im Saale Ovwohl Mmirenb recher sich auf den Sozia- listen a. D. herausspielte und mit Lassalle und materialistischer Ge- schichtSauffassung um sich warf, wurden seine Ausführungen von der ganzen Versammlung mit Ausnahme eines kleinen Häufleins alldeutscher Anhänger abgelehnt Vor ihm hatte Genosse Rudolf in einem ausführlichen Reffrat unier stürmischem Beifall für den Verständigungsfrieden gesprochen. Die Polizeistunde bereitete ber Versammlung ein vorzeitiges Enoe. Mit über 8000 gegen ganze 3 Stimmen wurde eine Entschließung für den Verständigungssrie- den angenommen. Die„Deutsche Zettung" bezichtigt sich selbst plumper Lügen. Am 16. Januar bezeichnet die»Deutsche Zeitung" die Meldungen über die Mißhandlung Kriegsbeschädigter als»plumpe Agita- tionLlügen". Genau eine Woche vorher hatte dieselbe»Deutsche Zeitung" in ihrem Bericht der vaterlandsparteilichen Radauversammlung schmunzelnd da?„Trommelfeuer drnischcr Fäuste" ge- rühmt, daZ auf die Zwischenrufer niederging. Gedächtnisschwäche! Rationalliberale für gleiches Wahlrecht. Die naiionalliberale KrciSorgani'otion de« WahltreiseS Mettmann hatte zur Beipreckung der Wablrcchisvorlacie eine Veriammlnng einbennen. an der der erweiterte KreiSvoistaiid und die VemmieiiSmänner de» Wahlkreises teilnahmen. Dieie Tagung sprach dem»aiionalliberalen Abgeordneten des Kreises,.Kommersinirat LucaS zu Berlin, der für die Regierungsvorlage eniichiede» einlrat, mit übcrwäliigender Mehrheit ihre Zustimmung aus. LMe Nachrichten. Ultimakum der Bvlschcwiki an die Konstituante. Amsterdam, 1v. Januar.„Algemeen Handelsblad" erfährt auS London, daß die Bolschewikiregierung die Absicht habe, be: Verfassungsgebenden Versammlung am 18. d. M. e i n Ulli m a � tum zu stellen, Russland zu einer sozialistischen Republik zu er- klären und alles Land und allen Besitz zu enteignen. Rotterdam, lS. Januar.»Nieuwe Roiteodamsche Courani" zu- folge erfährt»Dailh News" aus Petersburg vom 13.: Die Boliche- wiki haben alle ausständigen Beamten deS Finanzministerium? entlassen und deS Pensionsrecht« beraubt. Der Volksbcauftragte Antonow meldet, daß das Donnetz-Beckni von Kaledins Truppen gesäubert und die Kohlenerzeugung in Händen der Bolschewiki sei. DaS Getreide sei zur Versendung nach dem Norden beschlagnahmt worden. Der rumänische Gesandte in Petersburg perhaftet. Stockholm, 13. Januar. Nach einer Meldung der Agence Havas aus Petersburg wurden der rumänische Gesandte Diamondi und daS Personal der Gesandtschaft gestern abend auf Befehl der Volksbeauftragten verhaftet und in der Peter-Pauls-Frstong inter- nicrt. Die Ursache sei unbekannt. Die Verhaftung habe große Erregung hervorgerufen. Das diplomatische Corps, auch daS neu- tral«. sei von ihrem Doyen, dem amerikanischen Botschafter Francis, dringend zusammenberufen, um Einspruch zu erheben. Wilson dertrvstct die Iren. Bern, IS. Januar.«Daily Mail" meldet auS Washington vom 10. Januar: Wilson empfing heute im Weißen Hause eine auS einer Reihe der angesehensten amerikanischen Bürger irischer Abkunft bestehende Abordnung, welche ein Bronzcstandbild deS großen irischen Revolutionärs Robert Emmet überreichte. Phelan, Scua- tor von Kalifornien, der an der Spitze der Abordnung stand, führte in einer kurzen Ansprache aus, daß die Iren das schwere ihnen von England in der Vergangenheit zugefügte Unrecht zu vergessen bereit seien, falls man ihnen gemäß dem erklärten Kriegsziel der Alliierten Freiheit oder auch nur Autonomie gewähre. Der Präsident nahm das Standbild dankend entgegen, enthielt sich aber jeder Erörterung der irischen Frage. Er machte lediglich eine freundliche und Hofs- n.ungsdolle Andeutung, daß der in Dublin tagende Irische Konvent bemüht sei. die Frage der zukünftige:! Re- gierung Irland« zu lösen, GelverffchHsbewVlMg Die Ursachen öer Papiernot. Der»Korrespondent für Deutslblanvs Buchdrucker und Schrift- flieher* fährt in seiner Nummer vom 12. Januar fort, das Tbema Papiernot und Papierwucher zu behandeln. Er verweist zunäcbst darauf, dah die Druckereikontore gegenwärtig wegen der auSoeklügelten Kontrollmethode über den monatlichen Papierver- brauch mit einer ungeheuren Last bepackt seien. Die Kriegswirt- schaitsstelle erbebe 20 Pf. für 100 belogene Kilo Papier, bei Druck- färbe schwanke die Abgabe zwischen 2l) bis 60 Pf. für jede Lieferung. Wenn mit ähnlichem Eiser und geldlichem Aufwände die Förderung der Papierproduklion betrieben werde, mübte doch wohl in etwas ein Ergebnis zu verzeichnen sein. Die Hartnäckigkeit, mit der von Militärbehörden der immer schlechteren Gestaltung des Wirtschaits- lebenS vielfach teilnahmslos zugeseben werde, gebe dem Kriegs- wirlschastsbureaukratiSmus keinen Mut, sich dagegen mehr zur Geltung zu bringen. Bor dem Götzen Krieg und seinem ungeheuren Bedarf sinke alles in die Knie. Es wird alsdann dargelegt, daß die Papierfabriken, die gegen- wärtig in der Hauptlache mit der Herstellung von anderen Papier- forte» als für den Druck beschäftigt sind, gar kein Interesse hätten. ZeitungS- und anderes Druckpapier zu produzieren. Nitrierpapiere würden von der Heeresverwaltung ausicrordentlich benötigt. Die Epinnpapiere gingen zum Teil für Heeresbedalf, znm anderen für die Terlilfabriken, und würden ebenfalls kehr hoch bezahlt, höher als Druckpapier. Und den damit beschäftigten Papierfabriken würden Kohle, Rohstoffe. Materialien und Personal gestellt. Die Zeitungsverlegerorganisation sei zwar seit langer Zeit be- müht, für die Zeituugspapierfabriken Personal frei zu bekommen sowie ihnen Material und Kohle zu beschaffen. Mangelnde Rücksicht im Verein mit dem unheimlichen BureaukratiSmuS verhinderten aber Lbhilie in dem noch möglichen Matze. Neuerdings sei dem Vorstande deS Verein? Deutscher ZeitungS- Verleger vom Rcichskohlenkommiffar die beruhigende Versicherung gemach« worden, datz die Zeitungspapiersabriken fortan feste Kohlen- mengen erhallen sollen. Träfe das zu. so würde wenigstens die Gefahr der wiederholten Stillegung von Papierfabriken infolge Kohlennot nicht mehr so bedrohlich sein. Mit dieser Zusage dürfe es indeffen noch nicht sein Bewenden haben, notwendig sei eine ollgemeine Steigerung der Produktion nicht nur an ZeitungS-, sondern auch an Druckpapier. Trete eine solche nicht ein. so werde daS Buchdruckgewerbe noch mehr ruiniert und es hätte dann um so länger am Wiederaufbau zu arbeiten. DaS träfe die vielen Tausende der im Felde siebenden Berufskollegen insofern schwer. als sie nach ihrer Rückkehr daS unverdiente LoS großer Arbeits- losigkeit erwarten würde. « Gegen Papiernot und Papierwucher nabm am Sonntagmittag eine starkbeiuchte Versammlung der graphischen Arbeiterschaft Dresdens Stellung, die vom Graphischen Kartell Dresden, bestehend aus den örtlichen Mitgliedschaften der verbände der Buchdrucker, Lithographen und Steindrucker. Buch- binder und Druckereihilfsaibener, nach dem Bolkshauie einberufen worden war. Nach einem Referat deS GauvorsteberS der Buchdrucker, und nach einer kurzen Aussprache, wurde eine Entichliehung angenommung, durch die die Versammlung Protest einlegt gegen die mangelhafte Papierversorgung des geiamien graphischen Gewerbes und gegen den Papierwucher. Eine weitere Ein- schränkung der Druckerzeugnisse würde nicht nur eine be- denlliche Benachteiligung oller Volksschichten während der Kriegszeit bedeuten, sondern sie würde besonders auch das gesainte graphische Gewerbe schwer schädigen und die Still- legung weiterer Betriebe zur Folge haben. Auch daS Ausfuhrverbot für Papierwaren vom 3. Januar d. I lasse eine Lahm- legung vieler Betriebe der PapierverarbeilungSinduslrie befürchten. Daher sei für die geschädigten Berufe ein vollgültiger Verdienst- erkatz notwendig. Der Vorstand des Graphischen Kartells wird fchlietzlich beauftragt, in einer Eingabe an den Reichskanzler zu der- langen, datz dem fortdauernden und stetig steigenden Papiermangel von den dazu berufenen Stellen wirksamer als bisher entgegen- gewirkt wird. Zur Abstellung der Behinderung des graphischen GeweibeS durch die mangelhafte Kohlen- und Lichiver sorgung soll der Vorstand bei der Stadtverwaltung vorstellig werden. verlin and Umgegend. Ein tüchtiger Sachverständiger. vor der Schlichrungskommiision für Mililärschneiderarbeiten wurde vor einigen Tagen wegen der Bezahlung von Geichotzbülien und Gianalkappen verhandelt. Für die Geichotzhülsen ist ein Arbeitslohn von 2S Pi. pro Stück vorgesehen. Die Schltchiungs- komnnifion für das Saltlergewerbe bat bei den Ariilleriewerlstätlen in Spandau Verhandlungen geiührl, wonach die aus Papierstoff hergestellten Artikel einen Aufschlag von 6 Proz. erfahren sollten. Nun hatten einige Firmen Geschotzbülsen aus Papierstoff hergestellt und beriefen sich aus einen Schiedsspruch der Schlichtungskommission für dos Sattlergewerbe, wonach sie blotz 18 Pf. zu zahlen brauchten. Da ein derartiger Schiedsspruch der SchlichwngSkommiision deS Saltlergewerbes gegen den Tarif verstotzen haben würde, so er- klärte die Schlichtungskommiision für das Schneidergewerbe, datz er für sie keine Bedeutung habe.. Trotzdem erfolgte eine Anfrage, ob die Angabe der Beklaaten zutreffend fei: autzerdcm wurde Herr Eggerl. der Arbeitgeber» beintzer dieser SchlichlungSkommtision ist, als Sachverständiger ge- laden. Er erschien im letzten Termin der Schlichtungskommisfion für das Schlieidergewerbe und erklärte, datz die Schlichtung«- kommiision kür das Sattlergewerbe io, wie seitens der Albeilgeber behauptet weide, beichl offen habe. Er wurde nun zunächst darauf aufmeiliam gemacht, datz er nickt als Zeuge, sondern als Sach- verständtger geladen fei. Seine eben gemachten AuStührungen feien eine Zeugenaussage. Er solle der Schlichiungslommiinon aus- einanderietzen. inwiefern die in Rede stehenden Geichotzhülsen für 7 Pf. weniger Arbeit veruriachten, als diejenigen, von denen die Arbeitgeber meinten, datz sie mit 25 Pf. bezahlt werden mutzten. Trotz wiederholter eingebender Befragung brachte Herr Eggert nichts anderes heraus, als die Behauptung, diese Patronenhülsen seien leichter herzustellen und daher wären 7 Pf. weniaer zu zahlen. Von den Mitgliedern der Schlichtungskommiision wurde ihm entgegengehalten. datz seinerzeit, als die Sattler» Schlichlungskommtssion den erwähnten Beschlutz gesatz: habe, dieie Arbeit noch gar nickt aus Papier angefertigt worden sei. Der Beschlutz habe sich autzerdem darauf bezogen, datz die Arbeiterin nickt die ganze Get'chotzhülse fertiggestellt hätte. Herr E. blieb aber dabei, datz diele Hülse weniger Arbeit mache. Ein nun als Zeuge vernommener Arbeitgebelverrreter begründete den Abzug von 7 Pt. damit, datz der Arbeitgeber für die Herstclluna der Papierbülien schwerere Nähmaschinen brauche, der Abzug vou 7 Pf. bedeute alio nur eine Enischädiaung. Der Sachverständige wurde nun gefragt, ob er denn eine Pg'rolienhülie aus Pap er bereits ge- seben habe, was er verneinte. Ein anderer Zeuge, ebenfalls Arbeit- geber. erklärte, die zwei Geichotzhülsen. die er der Schlichlungs- kommiifion vorlege, hätten auch der Sattler-Tchlichiungskommiifion vorgelegen, es sei dann der erwähnte Beichlutz zustande ge- kommen Die Anfertigung der Papierhülien sei wesentlich leichter als die der Stoffhülsen und könne auf einer einlachen Wäsche-Näbmaichine angefertigt werden. Diese Ausführungen der Zeugen und Sachverständigen gaben den Mitgliedern der Schlich- tllngSlormnijfion Anlaß, zu betonen, daß die Beisitzer auch Fach- leuie seien und es sich verbäten, ihnen gegenüber solche Aus- sübrungen zu machen, die Von Sachkenntnis nichts verrieten. Dem Sachverständigen wurde noch vorgehalten, datz er bei den Ver- Handlungen in Spandau zugegen gewesen sei, als ein Zuschlag von 5 Proz. für Popieisloffe verlangt wurde, jetzt mute er der SchlichtungSkommission zu. das Gegenteil zu glauben. Die Schlichtungskommiision entschied dahin, datz für die Gestfiotz- hülsen 25 Pf. Lohn zu zahlen sind, mithin die Differenz nachzu- zahlen ist. In den vorliegenden Fällen bandelt eS sich um einige tausend Mark, die von vier Firmen zu zahlen sind. Dieselben erklärten sich nach Verkündung des Beschliisfes der Schlichiiingskommiision zur Zeblung bereit, ohne datz in den einzelnen Fällen ein Urteil not- wendig wurde._ Tie Wäschearbeiter vor dem Kriegsausschuh. Wegen der von den Wäicheaibelter» geforderten Lohnau'besieriing wurde in der letzten Sitzung des Kriegsailsichnffcs für das Schlieidergewerbe weiter verhandelt. Der KriegSausichntz verkündete am Scklutz der Sitzung den Beschlutz, datz die einzelnen Firmen ihre Lohnlisten vorlegen sollten, um festzustellen, ob und in welchem Umfange eine Lohnausbesserung erfolgt sei. Nach diesen Fest- stellungen will der Kriegsousschutz prüfen, ob und in welchem Um- fange dem Verlangen der Arbeiter Rechnung zu tragen ist. Neuer Termin findet am 23. Januar statt. Parteinachrichten. Auf der Suche nach Annexionisten in der sozialdemokratischen Partei befindet sich die»Leipziger Volk?- zeitung\ Diese Sammelwut erklärt sich aus dem Streben, die so nachtetlige Zer'plilleriing der Arbeiterbewegung dadurch zu recht- fertigen, datz einzelne.annexionistitche' Mehrheilsiozialisten und damit zugleich die Mehrbeiispartel»ür die Verlängerung deS Krieges haltbar gemacht werden. Dabei icheut da» Blatt nickt, ungenaue Berichte alldeutscher Blätter über angebliche Aentzerungen in Ver- iammlungen den eingehenden Tarstellungen der Parteiprcsie vorzuziehen. Diesem Treiben tritt der Gcnosie H a e n i s ch in der »Rheinischen Zeiiunq' entgegen:»Unter dieser Spitzmarke regt sich die»Leipziger Volkszeiiung� gar gewaliig über meine Kölner Rede vom 6 d. MtS. aus. Hätte das Leipziger Blatt sich die Mübe ae- nommen, den aussühruchen Versammlungsbericht der»Rhein. Ztg.' anzusehen, ansiall sich ausichliehlick aus das ungenaue Referat eiiieS bürgerlichen Blattes zu stützen, so wäre diese Aufregung überflüisig gewesen. Die»Leipziger Volkszeitung' hätte dann gemerkt, datz der grötzle Teil meiner Rede sich gegen die Annexionisten und gegen die Baierlauvspartei gericktei hat. Was den von ihr in erster Linie angegriffenen Pasius meiner Rede angeht, so war sein Gedanken- gang der: So wünschenswert an sich auch für Deutschland die Ge- winnung von Siedlungsland im Osten immer sein möge, so sei die selbstversiäiidliche Vorausietziing jeder Krenzänderung eine ebrlicheVer- ständigung mit Rutzland. Diese Verständigung, die Schaffung eines dauernden guten Einvernehmens zwischen den beiden Reichen sei unendlich viel werlvoller als die Gewinnung von ein paar bunderi Quodratmeilen netzen Landes. Deutschland müsie alles tun. was irgend möglich sei, um die Verständigung mit Rutzland schnellstens berbeizusühren. Das sei auch der sicherste Weg zum allgemeinen Frieden. Denn sei mit Ausscheiden Rutzlands ans dem Kriege erst daS stärkste konliiientale Glied aus dem eiserne» Reifen der Euieiite herausgebrochen, so werde auch der Geiamlinede nur noch eine Frage kurzer Zeit sein. Vielleicht bat die»Leipziger Volkszeitung' die Freundlichleit. von dieser Richtigstellung Notiz zu nehmen.' Für Freiheit im eigenen Land. Außer in Köln und Bonn hielt Genosse LandtagSobgeordneter Konrad Harnisch in der letzten Wocke noch Wahtrecktsversainm- lungen ab m Aachen, Schausenbcrz und Nothberg; dazu kamen nock zwei Versammlungen im Wahllretse Dortmund. Alle neii» Versammlungen waien ausoezeichnel besucht, teilweise übelfülll, so datz Hunderte von Besuchern wieder umkehren mutzten. Wo die Teilnahme von Soldaien nickt wie in Köln und Mülheim verbinderi wurde, gaben gerade die zahlreich erichieneiien Feldgrauen ihrem stüi milchen Verlange» nach dem gleichen Wahlrecht beionders lebhaften Ausdruck. Auch aus bürgerlichen Kieisen war der Besuch der Versammlungen auisallind stark, vor allem in Köln und in dem tckwarzen Aachen. In Nothberg hatte der katholische Geistliche von der Kanzel herab vergeblich vor dem Besuch der Berjammlung ge- warnt, sie war besonders stark gefüllt. Industrie und Handel. Um den deutsch-russischen Handelsvertrag. Es ist noch ein weites Stück zum Frieden mit Rußland, aber die Geister erhitzen sich schon an dem Problem der künf- tigen Wirtschaftsbeziehungen— ein Problem, das dadurch nicht leichter wird, daß die Bolschewiki auch in der Handels- Politik revolutionäre Wege gehen wollen. In Rußland selbst taucht natürlich das Märchen auf, Deutschland wolle seine Machtstellung als Sieger benlltzen, um Rußland zur Kolonie herabzndrücken. Daran ist kein wahres Wort. Auf der anderen Seite greift die deutsche Schwerindustrie die handelspolitischen Unterhändler in Bvest-Litowsk an. So schreibt die„Bergwerkszeitung": »Nun geht aber ou-s den Erklärungen des Herrn Direktor Johannes hervor, datz die unbedingte Meistbegünstigung gar nicht gemeint ist. Wie Rutzland die Sonderstellung Oesterreich- Ungarns anerkennen will, so soll Deutschland sich damit abfinden, datz die Begünstigungen für die astatischen Grcnzländer, für Persien, Afghanistan, die Mongolei aufrechterhalten bleiben. Da- bei sind die deutschen Wirtschaftskreise übereinstimmend der An- ficht, datz diese Bestimmungen der alten russischen Haudelsver- träge fallen müssen und tatsächlich die volle Meistbegün- st i g u n g a n z u st r e b e n ist, wenn anders nicht Deutschland dem bevorzugte» Wettbewerb Japans unterliegen soll. Tatsächlsch aber soll es mit der Meistbegünstigung noch ivesenttich schlimmer stehen, als im Hauptausschutz öffentlich zu- gegeben wurde. Rußland soll während des Krieges eine Reihe von Konzessionen und Vorrechten an die Länder der Entente er- teilt haben, deren Umfang den Deutschen noch gar nicht bekann: ist, die aber auch späterhin aufrechterhalten werden sollen. Datz hier eine unübersehbare Gefahr für Deutschland liegt, ist nicht zu verkennen." Wenn Rußland auf die Gewährung der ihm von seinen östlichen Nachbarn eingeräumten Vorzugszölle verzichten soll. so wird Deutschland die Bevorzugung Oesterreich-Ungarns um so schwerer rechtfertigen können, als es sich dort um alte, hier um n e u e Rechte handelt. Es ist die Möglichkeit nicht abzulehnen, daß es sich der Schwerindustrie weniger um die für sie wirklich nicht sehr bedeutungsvollen Vorzugs- rechte Rußlands in Mittel- und Ostasien als um jede Ein- schränkung der unbedingten Meistbegünstigung handelt, woraus logisch die Ablehnung eines mitteleuropäischen Be- Vorzugungssystems folgt. Indessen ist abzuwarten, ob sich die Schwerindustrie offiziell und mit Nachdruck hinter die Angriffe der„Bergwerkszeitung" auf die deutschen Unter- Händler stellt._ Aus dem Berliner Wirtschaftsleben. Dir Generalversammlunz ber Eharlottcnburger Wasserwerke Akt» Ges. in Bertin-Schoneberg genehmigte die Jahresredjnnng für 1916/17 und setzt« die Dividende ans 6 Prnz. fest. Der Streit mit der Stadt Schöneberg gäb Anlatz zu einigen Anfragen, wovon die erste den Stand des Prozesses in Angelegenheit der Besteuerung der Charlottenburger Wasserwerke betraf; weiter wurde gefragt, ob es nicht möglich ist, der Stadt Schöneberg gegenüber den Wasserpreis zu erhöhen, und zwar mit Gültigkeit vom Deginn deS Streites, da die Stadt Schöneberg eigenmächtig den Vertrag da- durch gebrochen hat, datz sie seine Grundlagen vollständig ver- schoben hat. Schlietzlich erkundigte sich ein Aktionär, ob die Stadt Schöneberg nicht an die Gesellschaft herangetreten sei zwecks Ab- schlutz eines Vergleichs. Die Verwaltung antwortete: In dem Prozetz mit der Stadt Schöneberg steht vor dem OberverwaltungS- gericht ein Termin zum 12. Februar bevor. Angesichts dieser Sach« läge müsse sich die Verwaltung versagen, näher auf die ganze An» gelegenheit einzugehen. Für die Vereinbarung eines neuen Tarifs fei eine Grundlage durch den Vertrag gegeben, den die Gesellschaft unlängst mit der Gemeinde Lankwitz abgeschlossen hat. Danach wird der Preis für das Kubikmeter Wasser um 5 Pf. erhöht, wovon 3 Pf. an die Gemeinde zurückfallen und 2 Pf. der Gesellschaft ver- bleiben. Endlich teilte die Verwaltung mit, datz ein von der Stadt Schöneberg Beauftragter sich bei der Gesellschaft nicht gemeldet habe wegen Abschlutz eines Vergleiches. Es seien nur Mittels-- Personen an die Verwaltung herangetreten, mit denen zu verhan- dein sie abgelehnt habe. Selbstverständlich werde die Verwaltung, wenn die Stadt Schöneberg offiziell an sie herantritt wegen eines Vergleiches, auch mit ihr deswegen verhandeln. Die Deutsche Erdöl A. G. beabsichtigt den Erwerb der I n t e r» nationalen Rumänischen Petroleum A. G. in Amster- dam, die vor längerer Zeit von der der Deog nahestehenden Dls- kontogosellschast mitsaniert wurde. Da das holländische Unter- nehmen satzungsgemätz vor dem Eindringen nicht holländischer Interessenten geschützt ist, so mutz eine qualifizierte Mehrheit von Aktien erworben werden. Der Preis— 6,5 Mill. Holl. Gulden oder 14 Mill. M.— ist recht hoch, und die Deag mutz die Aussichten der rumänischen Petroleum industrie recht günstig beurteilen, wenn sie -das Unternehmen zu diesem Preis ankauft und auch den hohen Stand der holländischen Valuta nicht scheut bzw. das Risiko über- nimmt, zwecks Aufkaufs ein holländisches Darlehen mit dem Valuta» risiko bis zu Kriegsende aufzunehmen. Der Wettbewerb des nnttralen Auslandes nach dem Kriege. Durch den Krieg sah sich das neutrale Ausland, ganz beson- der? die Schweiz, ihrer bisherigen Bezugsquellen beraubt. Bei der langen Tauer des Krieges darf die Entstehung eigener In- dustrien nicht wundernehmen. Die deutschen Industriellen neigen im allgemeinen nicht zu einer pessimistischen Ucberivertung dieses neuen Wettbewerbs. Trotzdem dürfte der folgende Bericht der »Kölnischen Volkszeitung" über die Entwicklung der fch wetze- rischen Textilindustrie nicht ohne Interesse sein: »Die Umwälzung im schweizerischen Webstossgewerbe. hervor- gerufen durch den Krieg, ist ganz bedeutend. So hat die Hut- st o f f industrie der Schiveiz, welche vor dem Kriege sektr un-be- dentend war, kaum geahnten Aufschwung genommen. Auch die Herstellung von halbseidenen Schirm st offen, welche sonst kaum in Betracht kamen, hat sich so ausgedehnt, datz die Ein- fuhr ausländischer Erzeugnisse nach dem Kriege autzerordentlich schwierig sein wird. Mehrere Fabriken dieses Ziveiges, welche vor- dem in Deutschland arbeiteten, stellen Schirmstoffe jetzt in der Schweiz hcw. DaS Gleiche gi-lt von der Anfertigung von handge- druckten seidenen Möbelstoffen. Weiterhin sind mehrere neue Tüllfabriken entstanden, so datz der schweizerische Bedarf im In- land gedeckt wird, autzerdem erhebliche Ausfuhr dieses Artikels zu erwarten ist. Ihren Bedarf an glattem Baumwolltüll, der ehemals von England bezogen wurde, stellt die Schiveiz jetzt selber her. Von außerordentlicher Bedeutung ist es, datz die früher aus dem Rheinland /Barmen) bezogenen Litzen und geklöppelten Spitzen jetzt ebenfalls in der Schweiz verfertigt werden. Mehrere Fabriken beschästigen sich ausgiebig mit der Anfertigung von k ü n st l i ch e n Blumen, die vor dem Kriege Sachsen in großen Mengen nach der Schweiz ausführte. Desgleichen werden jetzt in dem Lande selbst Stoffknöpfe, welche vor dem.Kriege fast ausschlietzlich aus Deutschland eingeführt worden sind, erzeugt. DaS Bestreben der Schweizer Verbraucher, sich von dem Auslände unobhängig/zu machen, wird durch die Gründung mehrerer sehr bedeutender N ä h f a d« n sabriken in Rorschach und Base! gekenn- zeichnet. In der französischen Schweiz sind, ebenso wie in der deutschen, einzeln« sehr bedeutende Bindfaden sabriken ent- standen. Auch die Anfertigung von Ersatzstoffen hat unge- ahnten Umfang angenommen. Für Jute. Flachs und Lei» nen sind mehrere groß« Fabriken teils i-m Entstehen begriffen,' teils im Betrieb. Das Fidlen von genügenden Mengen von Wolle bat einzelne Fabriken, welche sich sonst mit der Bearbeitung von SeidenkokonS befaßten, veraulatzt, Wollersatzstoffe zu verarbei en, deren Verwendungsmöglichkeit sehr günstig beurteilt wird. Di« früher aus Oesterreich und aus China bezogenen Haarnetze werden setzt ausschlietzlich in der Schiveiz hergestellt. DaS vor dem Kriege sehr unbedeutende schweizerisch« Teppich- und Läufer- stoffgewerbe hat ungeahnten Umfang angenommen." Gerichtszeitung. Straffreie Nebertretnuge«. Die interessante Flage, ob und inwieweit eine llebertretung der kiieoSwirtschaftlichen Vorschriften damit gerechlfcriigt werden kann, daß diei'e Ueberlretnnq auS böberen allgemeinen Jnleresien geboten gewe'en sei, beschäsiigte das Schöffengericht Neukölln. Ter Fabrikbesitzer Winkelmann hotle sich zu verantworten, weil er in seiner Fabrik, die wickiige Kriegslie'eningSaullräqe zu erledige» hat, für seine Arbeiter große Mengen Fleisch eingekoust und obne Fleischkarle an sie abgegeben hat Ei" Ein- läufer von ihm. sowie der Einkäiiser einer anderen Fiima. der von den Warenüberresteu dieser Firma an Winkelmann abgegeben hatte, mutzien sich wegen der'elben Beschuldiguug ver- amworten. Sie rechtfertigte» sich damit, datz sie lediglich von dem Bestreben geleitet worden seien, den Ansrüstuiiasai beilern eine besiere Veipflegung zu verschaffen, um sie arbeitsfähig und arbeit«- willig zu erhallen. Nur durch diese Maßnahmen sei eine Arbeits- einstellung verhütet worden. Der AmiSanwalt ließ dieie Ber« teidigung nickt gelten, sondern beantragte gegen die beiden An« gestelllen je 25 Mark Geldstrafe, gegen den Fabrikberrn als den Hauptangeklagten 1000 Mark Geldstrafe. R.-A. Dr. Als- b e r g beantragte dagegen die Freisprechung. Lei einem Konflikt wie er für die Angellagten begründe« gewesen sei, müsse unier An- Wendung allgemein gültiger RecktSgedanken die Erfüllung der weniger wichtigen Pflicht hinter der köderen zurückneben. In die'em Falle sei die höhere Pflicht die Ausrecklerhaltung der die Bereit- nellung wichtigen Kriegsbedarfs dienenden Fabrikation gewesen. Um diese höhere und unmittelbare Pflicht zu erffillen. wen die An- aeklagten nach Sage de« Falles berechtig, geweien. sich über Be« stimmungen, die nur mittelbar den Zwecken der ReickSwohIkahrt dienen, hinweg ,usetzen. DaS Schöffengericht trat dieser Aulfassung bei und ertannie auf kostenlose Freisprechung. «.»etrer-uSliwre»»«s mittlere«orddeutcmiaN»»,, Donnerstag mittaq. Zumeist mild, vorwiegend trübe mit welt-ren Niederlchlögen, wärmer im Westen, zeitweise-utllarend und wieder etwa» .älter. »erannvort!:« für Erich«»ttnit,«erlin; für den üdr-S-u Zeil des SiaUes: Alfrcd Scholz, ReutSLn' kür Snlerate: Ttz. El-cke, Berlin. TruS u.«erlag: LorwächS Buchdru-leeei u. Bertags-mstall Laut 6i»aa& eo„ «erlin 8W. titw 1 Ccttagc. !Tt. 16 ♦ ZS. Jahrgang Heilage öes Vorwärts Mittwoch, 16. Januar 161 S Zrieöensj�luß und Sozialpolitik. Die Geiellschair für Soziale Reform bat an den Reickiskanzler eine Eingabe gerichtet, in der sie den Kanzler ersucht, dahin zu wirken, daß in die Friedenverträge Vorschriften über den Arbeiter- schütz und Sozialversicherung ausgenommen werden, welche die vertragschließenden Regierungen verpflichten, binnen einer ge- messenen sflist gleichartige oder doch gleichwertige Einrichtungen aui den beiden genannten Gebieten zu treffen. Solche auf Gesetz oder Verordnung beruhenden Maßnahmen sollen sich insbesondere erstrecken: 1. Aus Bestimmungen zum Scbutze von Leben. Gesundheit und Sittlichkeit aller Arbeiter und Angestellten, vornebmlich auf die Re- gelung der Ruhezeilen lSonniagsruhe, Mindestrubezeit. Verbot der Nachtarbeit) und der Arbeitszeiten lHöchstarbeilSzeit sür Kinder, Jugendliche, Frauen und für Männer in beionderS beichwerlichen oder gefährlichen Betrieben): auf die Festsetzung einer Altersgrenze für die gewerbliche Beschäftigung von Kindern und Jugendlichen und Frauen von besonders gefährlichen, beschwerlichen und un» geeigneten Berufen: auf enisprechende Maßnahmen zum Schutze der Angestellten in Liandel und Gewerbe: aus die staatliche Ueberwachung solcher Schutzvorschristen durch geeignete Beamte: 2. auf Bestimmungen über Umfang und Art der Verstcherung gegen Krankheit, Betriebsunfall, Alter, Invalidität, für W'iwe»« und Waisenversorgung der Arbeiter in Stadt und Land sowie der Angestellten. Die.Deutsche Tageszeitung' nimmt in ihrer Nummer l2 von diesem Jahre zu dieser Erngabe der Geiellichast für Soziale Reform Stellung. Sie behauptet, daß die Gesellschaft für Soziale Reform sich erne Forderung zu eigen gemacht habe, die von den sozialdemokratrschen Arbeiterorganisationen erhoben worden sei. Sie habe sich wohl keine Ge» danken darüber gemacht, welche Folgen für die Souveränität der Staaten eine solche Matz» nähme haben, in welcher Weise sie die Einmischung des Aus» landes in innerpolittsche Verhältnisse geradezu heraus- fordern würde. Sie bringt dann im Anschluß daran erne— wie sie sagt— halbamtliche Auslassung in folgender Weise: Es darf sehr fraglich erichcinen, ob die Reichsregierung in der Lage fein wird, derartig weitgehende sozialpolrtifche Bindungen in den Friedensverträgen durchzusetzen. Daß eine möglichst gleich- mäßige internatioiiale geietzliche Fürsorge sür alle Klassen von Arbeitnehmern nur erwünscht wäre, ist ohne weiteres zuzugeben. und zwar sowohl aus sozialen wie aus wirtschaftlichen Rück- sichten. Denn den Industrien der einzelnen Länder kann es nur erwünscht sein, wenn sie unter gleichen Einschränkungen und Belastungen aus der sozialen Fürsorge arbeilen. Aber die bisherigen Bestrebungen zur Vereinheitlichung des geietz- ltchcn Arbeiterschuyes aui Grund internationaler Vereinbarungen haben gelehrt, wie schwer es ist, auf diesem Gebiet wirkliche Er» folge zu erzielen. In der sozialen Fürsorge kommt es nicht nur auf den Erlaß von Gesetze» an, sondern vor allem auf die Form ihrer Anwendung. England hat benpielsweise auf manchen Gebieten weitergebende Arbeilerschutzvorschiiften als Deuischland, aber ihre Anwendung ist durch so zahlreiche zugelassene Au»» nahmen eingeschränkt, daß ihre Wirkung weil hinter der der deutschen Regelung zurückbleibt. Mit der Uebernahme solcher Ver- pflichtungen zur Eniführung sozialpolitischer Reformen ist es daher allein noch nicht gemacht. Im übrigen dürften auch die in der sozialen ' Füriorge noch stark rückständigen Staaten kaum geneigt sein, in bezug aus dieses Gebiet Bindungen einzugeben, deren Tragweite in wirtschaftlicher Beuehung schwer zu übersehen ist. Wenn es nur gelingt, nach Beendigung des Krieges die Arbeiten der Internationalen Vereinigung für gesetzlichen Arbeilerschutz möglichst balv wieder aufzunehmen, dann wird sich daS durch die Ein» gäbe erstrebte Ziel auch ohne vertragliche Verpflichtung im Friedensschluß erreichen lassen. Wir müffen gestehen, daß uns selten eine dümmere Auslastung. als sie in den eigenen Worten der.Deutschen Tageszeitung' zu finden ist. zu Gesicht gekommen ist. Die.Deutsche Tageszeitung' und dieses gilt auch für den Berfaster der halbamtlichen Auslassung— scheint bezüglich der tatsächlichen und der staatsrechtlichen Verhält» niste doch manche Wissenslücke aufweisen. Nichts weiß sie davon. daß in dem Kaiserlichen Erlaß vom 4. Februar 1890 ausdrücklich darauf hingewiesen wurde, daß sich eine Besterung der Lage der Arbeiter nur durch internationale Verständigung der an der Be- herrschung deS Weltmarktes beteiligten Länder, wenn auch nicht überwinden,- so doch abschwächen laste. Die.Deutsche Tageszeitung' weiß nichts davon, daß auch die amilichen Vertreter Deutschlands beauftragt wurden, bei den gerade jetzt mit uns im Kriege befind- lichen Staaten anzufragen, ob die Regierungen geneigt wäien, mit Deutichland in Unrerhandlnngen zu treten, zwecks internationaler Verständigung über die Möglichkeit den Bedürfnisten und Wünschen der Arbeiter entgegenzukommen. ES bat dann die internationale Arbeiterschutzkonferenz vom 15. bis 29. März 1890 in Berlin stattgefunden, und wenn diese auch ein greisbares Resultat für die Arbeiter nicht zur Folge gehabt ba«. so ist doch aus weiteren internationalen Tagungen der Re- gierungen>1903 und 1905) eine Vereinbarung über das Verbot der Verwendung von weißem(gelben) Schwefel sür gewerbliche Zwecke und eine Vereinbarung über die Beschränkung der Nachtarbeit für Frauen zustande gekommen, die wobl in allen Ländern in durchaus loyaler Weife zur Durchiübrung gebracht worden»st. Daß diese« in dieser Zeit nicht möglich sein sollte, die wie noch keine Zeit so lehr die Notwendigkeit beweist, durch planmäßige Fortbildung des Arbeiterfchutzes die sinnlose Ausnutzung der ArbeitSlraft zu verhüten, ist wahrscheinlich daS Geheimnis der.Deut schen Tageszeitung'. Und daß die Forderung der Gesellschaft für Soziale Rekornt als sozialdemokratische Forderung verschrien wird, nimmt ja weiter kein wunder. Das ist man bei der.Deutschen Tageszeitung', die beute noch in dem Sozialdemokraten einen Menschen minderen Rechts er- blickt, gewöhnt. WaS die.Deutsche Tageszeitung' meint, ist die Talsache. daß der Internationale Gewerk» schaftSbund und vor ihm eine Konferenz der französischen und englischen Gewerkschaften in LeedS gleichfalls für den Friedensschluß Arbeiterschutziorderungen weitgehendster Art gefordert haben. Wenn die Geselljchafl für Soziale Reform zu dem gleichen Ergebnis kommt, wenn sie die Notwendigkeit solcher Forderungen anerkennt, so ist das der beste Beweis dafür, wie berechtigt die Forderungen der Gewerkschaften über internationale Verständigung auf dem Gebiete des Arbeiterschutzes sind. Es handelt sich hier um Forderungen, die geradezu in der Lust liegen, die gebieterisch ge- fordert werden von den Nöten der Zeit, die im Jntereste der ökonomi» scheu Erholung aller vom Kriege so schwer betroffenen Länder liegen. Daß eine halbamtliche Stelle sich gegen diese Forderungen wendet. muß in hohem Maße befremden. Ob es möglich ist, derartige politische Forderungen in den Friedensvertrag durchzusetzen, läßt sich natürlich zurzeit noch nicht beurteilen. Aber wenn Schwierigkeiten obwalten, dann sind sie eben lediglich dazu da, übei wunden zu werden, zumal ja die gleichmäßige mrernarionale gesetzliche Fürsorge für alle Klaffen von Ärheitnehmern selbst nocb der Meinung der halbamtlichen Sielle nur erwünscht wäre. Die Arbeiter aller Läiider werden sich schon hinter dieie Forderungen stellen, bandelt e« siw doch um ibre Arbeiiskrost. ihr Leben, ihre Ge- sundbeit. deren Schutz hier erstrebt wird. Sie werden den im inter« natroualen Boden wurzelnden Baum des Arbeiletschutzes schon jeder auf seiner Seite hegen und pflegen und dafür ssrgen. daß er für dte in jedes Land hineindringenden Wurzel« auch ditz erforderliche Nahrung zum weiter« WachSuu» erhält. Gewiß muß auch erstrebt werden, die Arbeiten der internatio- nalen Vereinigung sür gesetzlichen Aibeiierschutz bald wieder aukzu» nehmen. Aber damit daif es kein Bewenden haben. Wie wir ichon in unserem Artikel in Nr. 149 deS vergangenen Jahres über die Sozialpolitik im Friedensvertrag schrieben, wird die Internationale Vereinigung für gesetzlichen Arbeiterichittz in Basel das ausführende Organ des internationalen Arbeilerschutzes werden müssen. Sckon 1899 halte die Schweiz ein solche« offizielles Internationales Arbeiterichutzamt der Staaten in Anreaung gebracht. Jetzt ist dte Zeit reik. es zu schaffen, und es mnß herauswachsen eben aus dem internalionalen Arbeitsamt in Basel. Die Forderungen der Gesellschaft für Soziale Reform liegen durchaus im Jnreresle der arbellenden Schichten der großen Mäste der Bevölkerung. W>r wollen das hier ausdrücklich konstatieren und begrüßen diese Forderungen aus vollem Herzen. GroßSerün Ein Tropfen Nusik... Der von irdischen Genüssen wenig beschwerte Magen und die das Tauwasser niit der Regelmäßigkeit einer Säugpumpe ein- und ausstlömenden üriegsstiefel können einen Seelen- zustand herbeiführen, der iingeeignet erscheint, sonnig-mollige Lebensbetrachtungen im Otto Ernst Stile vom Stapel zu lassen. Dieser Stimmung, die der Volksmund als miesepetrig bezeichnet, könnte ein gescheiter Arzt durch Verordnung eines. Gewinn und pasriotische Tat! 2E3 0C G22€C3€£3€k2Cr3£C3£X3€C303£Z3€S3&£2 ti Die günstigste Gelegenheit$ § zum Verkauf von Juwelen zum hohen g LI Auslandspreise bietet die Ablieferung 8 an die Goldantaufsstellen. 8 Gleichzeitig eine patriotische Tat! kernigen Frühstücks oder eines plötzlichen Friedensschlusses sehr wirkungsvoll entgegenarbeiten, aber leider ist der für diese Apotheke zuständige Doktor noch nicht„zurück" I— In dieser Stimmung der läufst du dich in einen„Musik- salon"! Ein Hauch schmeichelnder Wärme hat dich von der Straße hereingelockt. Drinnen sitzen welche auf weichen Sesseln, halten zlvei Hörer an die Ohren und machen Ge- sichter wie die Bauern vor der Kanzel. Du überlegst. Musik— gut. Schallplatten— hm. Aber im Zeitalter des Ersatzes soll der Mensch nicht wähle- risch sein. Also zwanzig Pfennige geopfert und ein Tonstück ausgesucht.„Traviata— Trinklied mit Chor.' Schön. Die eingeworfene Münze scheint sich zuerst zu einem Stöhnen und Hüsteln aufzulösen— dann geht es los. Kratzend und quairend, aber ein ahnender Unterton der ewig-jungen Verdiniusik schwingt mit. Hält man die Hörer ein wenig ab, so gewinnt der Ton. Er löst doch Empfindungen. Damals. als du das Lied das letztemal in der Oper hörtest, war dein Freund bei dir, der heute in Flandern schläft, oder eine kleine Freundin, die längst einen anderen genommen... Wenige Minuten später gehst du wieder durch die Straßen. durch das Leben, wie du es nehmen mußt. Aber in dir glimmt doch ein Lämpchcn, halb heiter, halb traurig, und du wunderst dich, wie bescheiden du geworden bist. A, Z. Schneeschipper-Ersatz. Zum Erlaß deS Oberlommando« teilt der Arbeitsnachweis der Stadl Berlin mit, daß er in der Lage ist. den Mietern, die von dem Recht Gebrauch machen wollen. Eriatzkräfre zum Schneeschippen zu stellen, solche Kräfte zu vermitteln. Frauen werden zum Stundenlohn von l M., Männer für 1.75 M. Stundenlohn der- miuelt, außerdem muß das Fahrgeld vergütet werden. Der Arbeitsnachweis der Stadt Berlin hat sich unsere» Er- achtens an eine falsche Adresie gewandt. Nicht die Mieter haben die Ersaykräste zu st eilen, sondern die Hausbesitzer. Nur wenn dieie nachioeislich keine Arbeitskräfte aufzutreiben imstande sind, sollen sie nach dem Erlaß dcS Oberkommandos die Mieter zur Hilfeleistung heranziehen dürfen. Im übrigen mögen sich beide Teile bei der kommunalen Obrigkeit dafür bedanken, daß diese die ihr obliegende Pflicht der Straßenreinigung glücklich mit Hufe des Oberkommandos auf die Mieter und Vermieter abgewälzt hat. Ausgabe der Vollmilchkarte« in Groß-Berli». Die Vollmilchkarten sür Februar kommen in den zur Fettstelle Groß-Berlin(Milch) gehörenden Gemeinden in den nächsten Tagen zur Ausgabe. Die Inhaber von Vollmilchkarten haben die Februar- karten bis zum 24. Januar einschließlich dem Kleinhändler vorzw legen. Es werden ausgegeben: aus die mit einem roten Kre>S gekennzeichneten Milchkarien sür die Kinder im 1. und 2. LebenS- johre 1 Liter Vollmilch, auf die blauen für die Kinder im 3. und 4. Lebensjahre\ Liter B o l l m i l cd. auf die braunen für die Kinder im 5. und S. Lebensjahre Liter Vollmilch. Auf die Krankenkarten und die Karten für fchwangere Frauen wird die volle aufgedruckte Menge Bollmilch verausgabt. Da die Milcbportion aui die normale Menge erhöht ist, gelangen Sonder- karten für stillende Mütter nicht mehr zur Ausgabe. Den Kindern bis zum zweiten Lebensjahre ist ein Vorzugsrecht bei der Anmeldung derart eingeräumt, daß bis zum 21. Januar dieses JahreS einschließlich nur Anmeldungen auf diese Karten zuläisig sind. Erst nach Ablauf dieser Anmeldungszeit haben sich die übrigen Milidberechligten in der Zeit vom 22. bis zum 24. Januar anzumelden. Die Milchhändier haben die Abschnitte bis zum 2 7. Januar bei der Fettstelle Groß-Berltn (Milch), Po st st r. S, Abteilung Kleinhändler, einzu- senden. In Berlin find die vollmilchkart« für Februar 191S bis zum Sonnabend, den 19. Januar einichließl'ch von den Brotkom- Missionen abzuholen. Die Karten iür Kranke werden Wie bisher von der Zentralstelle für Krankenernährung zugesandt. Berliner Lebensmittel. Die Stadt Berlin gewährt den Kindern, die in der Zeit vom I.Januar 1907 bis 31. Dezember 1912 geboren find, einmalig je etwa 250 Gramm Keks, und zwar aui Grund von Bezugscheinen, die von den Brotkommrssionen vom 24. bis 26. Januar ausgegeben werden. Die Anmeldung samt- licher Bezugscheine hat von de» Empsangsberechligten in de» durch rosa Berkaufsschilder gekennzeichneten Geschäften bit i«n 81 Februar zu geschehe». Di« Srichift« Pud bei d« Brotkommüstonen bekannt, werden auch an den Anschlagsäulen ver- öffenilicht werden. Die Ausgabe des Keks erfolgt vom 11. Februar ab. Infolge der Verkehrsstörungen haben seit einiger Zeit die Eierzuiuhren völlig aufgehört. Der Magistrat war dadurch anßer- stände, die Händler mit Ware zu ve, sehen, so daß noch inchi>ämt« liche Kunden auf Abichnilt 33 der Eierkarten haben befriedigt werde» können. Dies wird aber auf jeden Fall geschehen, sobald die Zu- fuhren wieder begonnen haben. Handel mit Sauerkraut. Die KriegSgesellichast für Sauerkraul erläßt eine Bekannt- machung, wonach die Hersteller Sauerlraili(Kohl- und Rübensaner» kraur) nur gegen einen von der Reichcstelle sür Gemüie und Obst ausgesertiglen Bezugschein abgeben dürfen. Die Bezugicheine werden den von den Landeszeniralbehörden der Reichssielle für Ge- müse und Obst benannten Stellen zur weiteren Verteilung über» wieien. Bei Absatz von Sauerkraut 1.. Qualität gelten die folgenden Höchstpreise: l. Beim Abiatz duich den Hersteller frei Verlade- Nation des Herstellers für 50 Kilogramm nelro 16 M.. 2. beim Ab'atz durch die behördlichen Verteilungsstellen an den Kleinhandel oder an Großverbralictier frei Haus oder Lager des Empfängers iür 50 Kilogranrnr 19.50 M., beim Abiatz durch den Kleinhandel an die Verbraucher einfchiicßlrch handelsüblicher Verpackung sür 1 Pfund 25 Pr. Für Lieferungen an Heer und Marine gelten die von der Kriegsgejellschasl den Herstellern mitgeteilien Sonderbestinunungert. Neingefallene Bodenspekulanten. Der Polrzelpräsident von Berlin hat, wie ichon miigeteikt, für daS ciwa 2000 Morgen umfassende Gelände östlich der Spandaucr Caustee und Charloatenburg igewöhnlich als.Nord-Westeiid' bezeichnet) eine neue beicdränkle Bauordnung festgesetzt. Die dortigen Grund- eigenlümer— sehr wohlhabende Leute— haben da« Gelände i-bon seil 1887 brock liegen lasten, und zwar in Erwartung noch höherer Preise, als sie bisher geboten wurden. Man lehnte grundsätzlich alle Kausangebote ad. Das Gelände diente dann und wann eininal als Pferdemartt, Sporiplatz oder dergleichen. Nun hat da« Polizei« Präsidium endlich eingegriffen, und es erhebt sich jetzt naiüilich ein groizes Lamento über den Verlust an Zinien und dergleichen mehr. Härten die Herren Griindstückspekiilanten die früheren Kaaiofferten angeiiommeii, so braachien sie beule nicht zu klagen. Wer spekuliert, muß auch aui Verluste ge'aßt sein, und was die Giundslückwuwerer verlieren, pflegt in der Regel der Allgemeinheit zngme zu tommen. Haussuchung beim Ncuköllucr Magistrat. Der.Lokal-Anzeiger' macht folgende Mitteilung: In dem gegen den Nenlöllner Magistrat eingeleiteten Ermittlungsverfahren erichien Dienstag minag im Auftrage der Staatsanwaltschast der Leiter der Neulöllner Kriminal« Polizei, der Kriminalinipektor Berlin, nebst dem Kriminallommissar Dr. Kühl, um beim Magistrat eine Haussuchung abzuhalten. Es handelt sich um die vom Staaisanwalt verlangte Heransgabe der magisiratlilben LieierungSbücher und HandelSabichlußdolumente. von denen bisher der Magistrat nur eine Abschrift ohne Unterschrift vor- legt«, während er im übrigen gegen die Herausgabe der Magistrats- allen Piotest einlegte. Diesem Protest hat die vorgesetzte Behörde nicht stallgegeben, so daß die Durchsuchung erfolgte. Oberbürger- meister Kaiser war nicht anweiend. Er befindet sich zurzeit auf einer Reise an die Westfront. Die Durchsuchung zog sich mehrer« Stünden hin. Ein neues System der Ernährung. Am 22. Januar, abends 8 Uhr, wird der Direktor der Wiener UniveisilätS-Kinderklinik, Prof. Dr. v. Pirquet, im Charlottenburger Rathaus« s a a l einen Vortrag über«Ein neues System der Ernährung' ballen. Er wird seine vcrein'ocliten Meihodcn zur Feststellung de» NabrungSbedarss, des Nährwertes der verschiedenen NahrungS» minel und die Gesichtspunkte für die zweckmäßigste AuS« wähl nach der Preislage darstellen. Diese Fragen sind gerad«, in der Gegenwart für die mit der Leitung von Bollsspeisungen, Volksküche» usw. beauftragten Frauen von größter Wichligkeil, ebenso sür die Mitglieder von HauSfraueiivereinen und überhaupt für alle im AufklärungSdienst über wirtichastlickie Fragen milwirkende Per- sonen. Einirinskaiten sind im Zeniralbureau deS Cbactoilen- burger HauSfrauenvereins Charlollenburg, Goethestiaße 22, und in dessen sämtlichen Ausgabestellen bei sofottiger Meldung zu er« halten. Der neue Schaufensterdekorateur. Einen ungewöhnlich dreiste» Diebstahl verüble ein noch unbekannier Mann in einem hiesigen Warenhaus. Die großen Betriebe sind jetzt oft gezwungen, mit einem erbeblichen Teil ihres Personals zu wechseln. So kommt es, daß zeitweilig ein Angestellter den anderen nicbt kennt. Dieie Lage nützte ein dreister Dieb aus. Ein Mann von etwa 30 Fahren ging durcki die Räume de? Warenhauses und wandle sich endlich an eine» Angestellten mit der Weisung, es solle im Schaufenster etwas ge- ändert werden. Er sei der neue Dekorateur und wünsche, daß ein schwarzer Gebpelz aus dem Fenster herausgenommen und durch einen anderen vom Lager ersetzt werde. Man ließ den vermeint- lichen neuen Dekorateur ruhig gewähren, zumal der Mann ohne Kopsbedeckung herumging. Der Dieb nahm selbst den Pelz aus dem Sälaufenster heraus und tat so, als bringe er ihn nach dem Lager, um von dort emen anderen zu holen. In Wirklichkeit ver- schiyand er mit feiner Beute, die 1800 M. wert ist. Tie Verteilung der Lebensmittelkarten an Urlauber. Charloticnburg. Die Arbeits- und Entlastungsurlauber müsten sich ihre Lebensniilteltarten zu jeder Verteilung von den Brot« kommiisionen abholen. Damit die Abholung nicht von unberechtigten Personen vorgenommen wird, haben die Arbeitsurlauber ihren Urlaubsschein, eine Arbeitsbescheinigung der sie beschästigenden Firma und die Hausliste des Hauswirts bei der Abholung der Karlen vor- zulegen. Die gleichen Unterlagen haben die Entlassungsurlauber beizubringen. Die Betriebe sind deshalb gebeten worden, die ent- sprechende Arbeitsbescheinigung sür die bei ihnen täligen Arbeits- und Entlastungsurlauber auszustellen. Auf den erstmalig ausgestellte» Schein kann alle vier Wochen der Vermerk über die weitere Bs- schäftigung aufgenommen werden. Lichtenberg. Neue Maßnahmen der KriezSküchen. Uns wird ge« schrieben: Nachdem für die Kriegstücke der Stadl neue Einricktnnge» getroffen und gediegene Kräfte angestellt worden sind, sollen, iofer» sich eine ausreichende Anzahl Jnieressemen melden, sür den Norden von Lichtenberg, insbesondere für die Möllendorffsiiaße und deren Querstraßen die Speisen mittag« durch besondere Transporlkarren anSgesabren werden: die Karren werden an. der Normannenstraße» Scheffelstraße und Herzbergstraße anbalten und allen Jnlereslerilea Gelegeubeir bieren, gtir zubereitete, nahrhafte und schmackhaft« Speisen für 50 Ps. die Portion zu beziehen Dieie Velaniialnmg wird aber nur verwirllichi werden, wenn sich eine ausreichende Anzahl Abnehmer beim Magistrnr(Ratdaus Zimmer 26) oder beim Stadtverordneten Meldner(Möllendorffftl. 30) vorher anmelden. Eäpenick. Lebensmittel. Stadtieitig verteilte Lebensmittel ge- langen von Donnerstag ab in den Lebensmittelhandlungen der Stadt zum Berkauf. � � Steglitz. Sonntagsruhe in den KriegSküihen. Der Ausschuß kür vollgUiegslüchea macht belamu, daß bis auf weitere« V» au tags fein Esse» m eb r bcroBfolflt wird. Begründet wird diese Mntznabme damit, dah auck die Nachbargemeinden ihre Küchen Sonnlags geichlosien halte», und Weiler wird angeführt, daß der Verwaliung die erforderlichen Nahrungsmittel von jetzl ab nur noch jür sechs Tage zugewiesen würden. Neinickendorf. Leben-Zmittel. Da die vorhandene Marmelade kei der Berieilung nur Sonnabend nicht gan� ausgereicht hat. ist hierfür an einige Händler Kunstbonig ausgegeben worden. Der Berkaufspreis für 1 Pfund Kunstbonig belrägl 75 Pf.— Die Busgabe der AusatziebenSinillelkarten für Jugendliche von 3 bis 17 Jahren erfolgt durch die Brolkommissiouen am 24., LS. und LS. Januar.__ Tegel. Lebensmittel. Bon heute ab können auf Abschnitt 78 der Lebensmiiielkarte Löv G ranim Supvenmehl<12 Pi.), auf Bbichiiilt 79 250 Gramm Marmelade(45 Pf.), auf Abschnitt 18 der Sübslosfrarte ein Päckchen Süßstoff entnominen werden. Friedrich-Zhagcn. Kohlenvcrteilung. In dieser Woche gelangen für die zweue Hälfte des Winters die neuen Kohlen- und Sonder« karten zur Ausgabe. Pom 20. Januar ab dürfen aber erst Kohlen auf neue Kohienkartcn bezogen werden. Bei Gruppe II aus Ab« schnitt l— 3; Gruppe III, Abschnitt 1—12; Gruppe IV, Abschnitt 1 bis 14; Gruppe V, Nbichnilt 1—20. Die Kohlenhändler werden durch Verfügiiiig verpflichtet, bestimmte Verkaufszeiten innezuhalten. — HauSschlachtiiiize» von Schweinen müssen bis zum 31. Januar vorgenommen werden. Anträge sind in der Abteilung für Fleisch- Versorgung, Friedrichstr. 88, sofort zu stellen. NowitwcS. Lebensmittel. Auf Abschnitt 8 der Eicrkarte findet die Ausgabe von Kalkeiern statt. Die Karteninhaber müssen den Abschnitt noch beute beim Kleinhändler abgeben. — Wünsche auf verbesserte Kriegsfürsorge. Der hiefige Bezirksvvi stand des Sozialdemokratischen Vereins hat dem Gemeinde« vorstand in einer Eingabe eine Reihe von Vorschlägen unterbreitet, deren Verwirklichung eine besser« Kriegsiürsorge bezweckt. In erster Linie wird die Einrichtung einer eigenen Schuhreparatur« Werkstatt empfohlen. In der Begründung wird darauf bin« gewieien, dost von den wenigen Schubmachernmeistern. die bisher schon die notwendigsten Schuhreparaturen kaum bewältigen konnten, fetzt zur Winterszeit, wo die Sorge um intakles Schuhwerk besonders dringend wird, noch viele zum Hilfsdienst heran- fiezogen und hierdurch zur Schließung ihrer Reparaturwerk- tällen gezwungen werden. Ferner wird die Beschaffung von Brennholz für die Einwohner gefordert. Ii» Interesse der mann- liche» Einwohner wird der Gemeinde nahegelegt, zu versuchen, einige Barbiere ganz oder tageweise vom Hilfsdienst zu befreien, oder ober, wenn letzteres nicht möglich sein sollte, durch Uebernabme eines der zahlreichen gelchloffenen Barbiergeschäfte(im ganzen etwa 20!) eine eigen« Rasier- und Haar schneide st nbe einzurichleu, da beim Manne das regelmäßige Rasieren und Haaischneideu ebenso gut zu den LebenSnoiwendigkeilen gehöre, wie reinliche Kleidung u. bgl.— Die weiteren Vorschläge betreffen Verbesserungen in der Regelung der Lebens« mittelverteilung.— Am Schluß der Eingabe wird dem Wunsch nach einer mündlichen Aussprache Ausdruck gegeben, da sich gerade über die Lebensmittelversorgung und-Verteilung noch manches Beachtenswerte sagen ließe. O?oK-6erlinee parteknachrichten. Die Neichstagsersatzwahl in Niederbarnim. Der„Vorwärts* bat in seinem Leitartikel vom letzten Montag. in dem er die bevorstehende Iieichstagsersatzwahl in Niederbarnim besprach, an beide streitende Teile die Aufforderung gerichtet, zur Vermeidung weiteren Schadens an der Arbeiterbewegung den Kamps wenigstens sachlich ohne persönliche Gehässigkeit zu führen. Der .Unabhängige Zeitlingsdienst*, der die Z e r s p I i t t e r u n g S- kandidatur Dr. Breitscheid vertritt, reagiert darauf, in- dem er unseren Artikel eine„Häufung von Unwahrheit und Heucke- lei* nennt. Im übrigen wird dem„Vorwärls* wegen dieses Ar- tikels folgendes vorgeworfen:„Lügnerische Manier*,„freche Stirn', „Dreistigkeit*,„Schwindel*,„kurzbeinige Lügen*,„Roßtäuscher- künste*..Täuschertricks*, nochmals„Heuchelei* und„Schwindel- kanonade*. Alles die?, weil wir unS erlaubt haben au-zufuLren, daß Ge- nosse RudolfW i s s e l l der Kandidat der sozialdemokratischen G e- samt Partei ist. der für die E i n h e i t d e r A r b e i t e r b e w e- g u n g gegen alle ZcrsplittcrungStendenzen eintritt. Will der „Unabhängige Zeitungsdienst* nicht wenigstens den Versuch machen. mit Gründen zu kämpfen statt mit Schimpfworten? Berlin 2. Kreis. Heute abend 8 Uhr in Habels Brauerei. Berg- mannstraße ö— 7: Versammlung des sozialdemokratischen Verein«. ReickStagsabg. D. Stückten spricht über: Das freie Wahlrecht und die Arbeiter. Schöneberg. Heute abend 8>/z Ubr in den Neuen Rathaussälen, Meininger Sir. 8: Mitgliederversammlung des Wahlvereins. Tages- ordnung: Das freie Wahlrecht. Referent: Landtagsabgeordneter Genoffe Paul Hirsch. Neukölln. Sonnabend, den 19., abends 8 Uhr. in den Passage- Festsälen, Bergstr. 151/52 Lichtbildervortrag de« sozialdemokratischen Ortsvereins: Eine Reise durch daS Riesen- gebirg e. B>lletIS a 80 Pf. find bei den Bezirksjührern und in den Speditionen zu haben.- Johannisthal. Heute abend V29 Uhr findet im Restaurant Gobin, Roonstraße. unsere Mitgliederversammlung statt. Gäste und „Porwäris'-Leier sind eingeladen. Mus aller Welt. Die Opfer des Grubenunglücks von Halmeraud. Amsterdam, 15. Januar. Reuter meldet aus London, daß nun feststehe, daß 160 Grubenarbeiter bei dem Grubenunglück in Halme» rand umgekommc» seien. 14 Leichen sind bis jetzt ans dem Berg- werk herausgeholt worden, während 146 Mann noch unter den Trümmern begraben liegen, sür deren Rettung keine Hoffnung mehr vorhanden ist._ Z«gz«>'ammrnkioß. Aus Wien wird gemeldet: Dienstag krnh stieß i» Stanoii Trzciana bei Rieszow ein nach Wien durckkabrender Schnellzug mit dem in der Station stehende» Schnellzug Kralan— Lemberg zusammen. Sechs Soldaten, zehn Zivil- reisende und ein Bahn bedien steter wurden getötet und fünszig Personen verletzt. Die Verkehrsstörung dauerte eine Stunde._ öriefkasten der Neöaktion. E. H. 100. Bitte geben Sie uns Ihre Adresse an. damit wir Jlnen eine» Auszug der in Betracht kommenden Bestimmungen zusenden könn-n. Deutsche Feldpost. Tie Adresse lautet: tixeneo äas rensegnen-.ont l'Athenee 3. Sie tönnrn KriegSminilteriums, 100. Wenden Sie sich mit Ihrer Erfindung an die Königlich Preufiilche Eiscnbabiidirektion. Berlin XV., Schöneberger User 14.— G. Str. S. 34. Cass Monovo:. Friedrickstrahe sneben Admiralspalai't).— M. 5JI. 1900. Neiu. — ft. B. Zuständig für die Klage ist da» Landgericht, in dessen Be- rk Sie jetzt Ihren Wohnsitz baben.— A. M. 1918. 1. Nein. 2. Sie haben nichts und zablen desoalb nichts. 31. Sil). 83. Die Erhöhung der Renten fit einstweilen nur für ptuvalidenrenlen-ingetreten.— 06�10. 1. Ja. 2. Für die Alimentation besteht die Psändungsgrcnze von 2500!'l. nicht. 8. Ihr Eigentum kann gepfändet werden. 4. Dagegen gibt e» keine Sicherung.— Feldgrau 2000. Der Beiressende kann trotzdem als Vater de» Kinde» gellen. Medizinisch fit unteres Wissen» der von Ihnen ge« schiiderte Fall denkbar.— St. 1884. Ja.— M. St. 1430. Frage» Sie deshalb bei der Verwaltung der Ebaritö an.— O. H. 32. Sie können ein soiche» Attest vorlegen, entscheidend ist aber die Untersuchung durch den Militärarzt.- Sch. 102. Die von Ihnen gehegte Befürchtung könnte eintreffen. Uebrigen» können Sie die Arbeit überbaupl nicht ohne weiteres niederlegen, sondern müssen einen Abkehr chein daben. Wegen der Mängel im Betrieb- mühten Sie sich au Ihre zuständige GewertschaftSorganfiation wenden und wegen der Ausstellung eine» Kricgsschcins eventuell an den KriegZausschu!;. — Dlssideut. tReichästSilelle der Freireligiösen Gemeinde. Berlin, Vavvel- allee Iä/17.— Calais 09 Davon iit uu» nicht» bekannt.— O. B. 33. Derartige Formulare erhalten Sie in jeder Buchhandlung.— E. R. 28. Wenden Sie sich an die Samenhandlung Schmidt, Erfurt.— K. K. Nein. — 3llter Landsturminann. Ihre Einberusung auch zu einein Land- webr-Regimcnt kann wieder er olgen. Ihr« besanderen Berh rllnisse rechtfertigen aber ein Gesuch um Besreiung vom Militärdienfl. Das Gesuch ist bei der Kompagnie einzureichen.— A. R. 174.'l. Ja. 2. Der Antrag ist beim Gemeindcoorstand de» OrteS. wo die Betreffende ihren Wohnsitz bat, zu stellen.—(S. ffl. 35. Ja— S.'8. 1895. Jg. Di refction Max Reinhardt. Dcatache-s Theater. 7 Uhr; Hon Carlos. KaniraernpSele. 7'/, Uhr: Kirnler der Freude. Volksbühne. Theater e.m Blliowplaü. Untersfrundb. Sohönh. Tor. 71/, Uhr; Was ihr wollt. Dir. C. Meinhard— R Bernaucr. Theater Königgräfzerstr. 8 U.: Die StraOa nach Stsinaych Komödienhaus Uhr; Erdgelet. Berliner Theater T'/sUoHle tolle Komteß. Theater für Mittwoch, 16. Januar. Neues Operettenhaus Schiffbd. 4a. Kassent. Nd, 281 7v.üh,:0erSßlialdepMariB. Central-Thcater Kommandantenstraßa 57. 71/,: Hie CsardasfUrstf n Dcnt6cli.es Opernhaus 7 utr: La Trayiala. Frledrlch-VVilhelmst. Theater n .uhr: ßäs Creisiigrliiaus. Kleines Theater vi, utr: Geldzaufcsr. Komischo Oper 2 v.; SdiwarzwaiiiiiliiöL Anita Berber Trade Hesterberg Kurt Fuss Jan Paul sowie der vollständig neue Januar-Spielplan Dnstsplclhans T/, Uhr: BieiMecliiels Metropo!-Theater Die Rose?oo MM. 71l, Uhr; Resldcnji-Tlicatcr vi, uhr. ml Grün. Kehllier-Ttieatcr<> lv.ubr: Proigssar Bemiiafdl S>cliiltcr-'l h. Chart. L'/.U.: D. Käthchen». Heilbronn. vi, uhr: Pauline. Tf lialla-'ä'hcittcr VI. Uhr: Ep llüi! seise Fragen. Theater em Nollendorfplalz S'L Uhr: Fr» Dlavolo. 7 Uhr: Theater des Westen» 4 Uhr: Känsel und Gretel. Tv.uhr�ryefiieliie ierzog mit Guido Thiolscher HATIONAL-TUEATER. Cßpenicker Str. 68, fr. Oeutsch-Amerik.-Th. 83, 88. 87, 19, 11, 45, 49, 22, 28. 29. 1,2,3,4. 5 Min. Jann.-Br. l'l« Bhr C Poll ffüllru n g 7% Ullk »Die ist richtig!"... Grolls Posse m. Gesani? n. Tanz in 3 Akt. v. Dr. Artnr Lippschütz. Gesangst.: W. Steinberg. Mas.: W. Bramme. 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Krirasieilnehmer-M Hauptexpedition des „Vorwärts" Berlin SW.68, Undenstr.3, sowie in sämtlich. Filialen Nr.lH—191$ Unterhaltungsblatt öes vorwärts MittlVoch, 16. Januar Schneewinter. Von Moritz Loeb. Wenn nickt alles täuickt, wird sich, ebenso wie der derftangene. auck der gegenwärtwe Winler als ein strenger in der WilieningS- gesckichte auszeichnen. Seit seinem Beginn, den der Meteorologe nickt von der Wintersonnenwende, sondern bereits vom Dezember- antang an rechnet, herrscht im gröglen Teile Mitteleuropas ftroit, der nur einmal eine ganze Woche hindurch von Tauwetter abgelöst gewesen ist. In Süddeulschland war dabei der s?rost strenger und noch ausdauernder als im Norden des Landes, wo zwlichcndurch das Thermometer mehrfach, wenn auch immer nur sür ganz kurze Zeit, über den Geicierpunkt gestiegen ist. wo sich auch im allgemeinen der Frost bisher in müßigen Grenzen geholten hat. Jedenfalls gewährt aber der diesjährige Winter, als Ganzes genommen, nicht das Bild, wie es während der letzten anderthalb Jahrzehnte die bei weitem gröhte Mehrzahl der Winter dargeboten bat: statt fast unaufhörlichen Regenwetters bei ver- bälliilSmäjzig hohen Temperaturen überwiegen Ei§- und Schnee- tage, und die Vermutung drängt sich auf, daß die lange Reihe von Jahren mit milden Wintern nunmehr beendet, dah statt ihrer jetzt wieder einmal eine größere Zahl kalter Winter bevorsteht. Es liegt in der Raiur der Dinge, daß milde Winter keine eigent« licken Schneewinter find. Denn ihre Eigentümlichkeit ist ja daS Vor- wiegen von Rege» füllen, und eS tut n'chiS zur Sache, daß auch in sonst sehr milden Winiern gelegentlich einmal besonders starke Schnee- fälle vorkonimen. Aber selbst der gewaltigste Schneefall macht noch leinen Schneewinter. Um von einem solchen spreche» zu lönnen, ist eS er'orderlich, daß an vielen Tagen Schnee fällt, daß ein Verhältnis- mäßig hoher Prozentsatz der winterlichen Niederschläge in Gestalt von Schnee herunlerkommi und daß sich längere Zeit hindurch eine zusomniendängende Schneedecke erbält. Alle diese Voraussetzungen sind ober nur in einem strengen Winter gegeben, und schon daraus gebt hervor, daß Sckneewinler gewöhnlich auch strenge Winter lein werden. Freilich wird nicht jeder strenge Winter auch ein Schnee- wrnier zu sein brauchen: so zeichnete sich der mäßig strenge Winter 1lK>8/l>9, der w bezug auf die Kälte im Durchschnitt dem des Vor- jobres ziemlich gleich kam, leineSwegs durch besonderen Schnee- reicht, im aus. Weit größer war dieser im Wmler 1006/07, der an Strenge hinter den beiden Wintern l00S/09 und 1916/17 zurückstand. Zu berücknchligen bleibt auch, daß der Schnee in ganz anderem Maße als die Temperatur an enger begrenzte Striche, oft sozusagen an den Ort, gebunden ist, daß er, wie Behre sagt, eine sehr launenbafie meieorologrsche Erickeinung darstellt. Oft werden verhältnismäßig schmale Landstriche mehrfach hinlereinairder von starken Schneefällen heimgefuckl. während in nicht weiter Eiitfernung davon wenig oder gar kein Schnee fällt. BeispielSwelse war bei dem gewaltigen Schneesoll, den Berlin am 3l. Januar 1007 er» leblc und der zu den stärlsten gehörte, die je in der Sieicbshaupt» stadt vorgekommen find, die Echnsemenge selbst innerhalb der Stqdt voneinander sehr verschieden. Während damals im Südwesten 34,6 Zenlimeier Niederschlag verzeichnet wurden und der Schnee 30 Zentimeter hoch lag, fielen im Nordwesten nur l7,b Zentimeter Öfiederichlag, die eine Schneedecke von>9 Zenfimeler Höbe ergaben. Dabei find die beiden meteorologischen Beobachtungsstalionen in der Luftlinie nrrr etwa drei Kilomeier wonrinander entfernt. ES ist das eine Erscheinung, ähnlich der der Strichregen und der Gewitterregen des Sommers, die sehr oft ganz scharf von Gebieten völliger Trockenheit umgrenzt sind. Sehr zu unrericheiden ist, was die Echneebäufigleii und Menge anlangt, auch zwischen Ebene und Ge- birg«. Im letzreren ist eigentlich jeder Winter schneereich, da infolge der in größeren Höhen herrschenden niedrigen Temperatur>m Ge- birge meist die Riederichläge auch dann in Schnceform fallen, wenn es in der Ebene bei mildem Wetter regnet. Sieht man von den Gebirgsgegenden ab. so ist Deuttchlonds schneereichste Gegend der Noldosten. insbesondere die Provinz Ostpreußen, was wiederum mit der größeren Strenge der Winter in diesem von dem sarmatijchen Steppenklima beeinflußten Gebiet zusammenhängt. Schneefälle von so großer Intensität, daß sie eine Schneedecke von 30 Zennmeler und mehr ergeben, geböien in Mitteleuropa überall zu den großen Seltenheiten. In Berlin, defien zwei Jahrhunderte um- fastende Wiilerungsgelchichie Behre geschrieben hat, war der stärkste Schneefall der letzten hundert Jabre am 21. Dezen.ber 1819. An diesem Tage lag die Schneedecke 80 Zenlimeier hoch. Es folgt der 10. April 1337 mit,.SS Zeniimeler. 40 Zentimeter hoch lag in Beilin der Schnee am l. Februar 1907 nach zwettägigein, fast un- unterbrochenem Schneefall; eS war der bedeutendste, den die cbende Berliner Generation gesehen hat. Die Beieittgung der un- geheuren Schneemasten nahm mehr als drei Wochen in Anspruch und lastete der Stadt rund anderihalb Millionen Mark. Nach dem großen europäischen Silvesterschneesturm von t9l3 lag in Berlin— übrigen» auch in einem großen Teil Nord- und Ostdeutschlands— die Schneedecks 31'/, Zentimeter hoch; 80 Zentimeter hoch lag der Schnee in Berlin weiierhin am 17. Januar 1893, sowie am 3. März 1909. In dieiem Winter haben besonders die-letzten 14 Tage in verschiedenen Gegenden Mitteleuropas außerordentlich große Schneemengen gebracht. So Halle Wien am zweiten WeihnachrS- tage clnen der gewaltigsten Schneefälle feiner Witterungsgeschichle, der eine Schneedecke von etwa einem halben Meter Höhe erbrachte. An manchen Stellen der Stadt waren die Berwehungen 1 Meter hoch. Sofort darauf einietzendeS Tauwetter erleichlerle die Be- seitigung der ungeheuren weihen Flut. In den ersten Januariagen hatte Ostpreußen sehr schwere Schneestürme zu bestehen, und am 5. Januar 1913 lag der Schnee in Osterode 40, in Königsberg 33. in Memel 32 Zentimeter hoch. Die zweite Januarwoche brachte weiten Teilen Süddeutschlands mächtige Schneefälle, die zeitweilig den ganzen Eiienbahnverkchr lahinlcgien. In Berlin Hai eS vom 8. bis zum 12. Januar Tag für Tag. und meist stark, geschneit. Auch daS ist für den einzelnen Ort schon eine ungewöhnliche Erscheinung; eS ist doch in Berlin in sechzig Jahren nur neunmal vorgekommen, daß eS an sieben oder mehr anseinandersolgende» Togen geschneit hat. Hier gehören die längsten Perioden von Schneefall der Neuzeit an. So schneite es 1888 vom 26. Januar biS zum 12. Februar jeden Tag, also an achtzehn a»f- einaiidcrfolgenden Tage», im folgenden Jahre 1889 vom 2. bis 15. Februar, somit an vierzehn Tagen. Eine Periode von ähnlich langer Dauer hatte in Berlin nur der Winter 1386/37 mit zehn auseinanderfolgenden Schneelagen. Auch die Dauer einer geschlossenen Schneedecke hängt begreif- licherweii« eng mit dem Charakter des Winter« zusammen. Je strenger er ist, um so länger wird sich die weiße Decke erhalten. Denn jede durchgreifende Tauwetterperiode wird den Schnee narür- lich zum Schmelzen bringen. Die längste Dauer einer geschlossenen Schneedecke in Berlin betrug 67 Tage und fiel in die Zeit vom 4. Januar bis 11. März 1895; 66 Tage lang lag ununterbrochen Schnee vom 2ö. November 1890 bis 29. Januar 1891. Auch vom 3. Januar bis 3. Mörz 1833, also an sechzig Tagen, trug in Berlin der Boden ununterbrochen ein« weiße Decke. Alle drei Winter waren kalt, besonders der letztgenannte, besten Strenge seither noch nicht wieder erreicht worden ist. Der gegenwärtige Winter hat an Schneereichttim zwar den von 1906 07 noch nicht erreicht, er steht auch noch hinter dem von 1908/09 zurück; aber wir befinden uns auch erst in der Mitte des Winters, und es ist sehr wohl möglich, daß er in bezug auf Schnecreichimn wie auf die Strenge des Frostes seinen Vorgänger sowohl wie die beiden genannten früheren strengen Winter der neuesten Zeit noch übertteffen wird. ,5rohe �beiiSe�. Der erste der vom Goethebund Berlin geplanteu bimdert.Frohen Abende' hat am Montag im Schloßpark zu Sieglitz stattgesunden. Zunächst: Da« mckl eben zahlreiche Publikum bestand großenteils aus— Kindern. Nicht, als od sie auSge- schlosten bleiben müßten vom künstlerischen Frcudenlabial— darüber würde ja noch zu reden sein. Aber«me gewisse, obwohl nicht be- absttligte Ilnstimmigleit lag doch darin. Es mag deshalb, um einer irgendwie irriümlichen Buffastung von vornherein zu begegnen, darauf hingewiesen sein, daß diese.Frohen Abende' vorwiegend als lilerarkünstlerische Nnierhallungen tür Erwachsene, und zwar für die vom Krieg härter beiroffene Bevölkerung bestimmt find, Frobeit und Freude, wie sie nur allein dem uneischöpiticken Zauberborn der Kunst und Poesie entspringen, sollen in traurige Herzen gesenkt werden. DaS war denn auch die Ouintestenz, die Hermann Suderman» durch ein iinpromsierteS Märchen von einem, der auszog, Freude zu suchen, mit glücklicher Beziehung auf dies Auditorium zu verdeuiirchen trachtet«, lind gleich be- gann die Rerhe hochkünstlerischer Vorträge. Kaum erscholl der Ruf— und siehe: alle, alle kamen sie untere Musiker, Sängerinnen, BorlragSmerstcr. Da hörte man Waldemar Meyer, den großen Geiger. Erna Venera, Otto SommerSlorfl. Und dann kamen im zweiten Teil Robert Moppcl, de Bogt als Lantenjänger, ferner«in Zaudcrlünstler u. a. m. Ganz zum Schluß wurde eine kleine Groteske.Fräulein Witwe' von Fulda tempera« menivoll und drastüch gespielt. Wie man ficht: ein überreiches, fteilich auch etwas.buntscheckiges' Piogramm. Vorerst wird ja ein wenig.Experimentieren' Vonnöten sein, um auch minder entwickeltem Knnsigeschmack entgegenzukommen. Da» Cmporläutern der Seelen und Geisler will behutsam getan sein. Dann wiid daS Programm gewählter, die Mäste aller, die Freude erwarten, größer und größer werden. Und Goethe muß bei und in allem Dargereichren der Weckruf echtester Kunst sein und bleiben. vir. Huaöertjahresjubiiäam einer Maschine. Am 21. Dezember 1917 waren, wie der.PromeiheuS' berichtet, hundert Jahre verflossen, ieirdem eine Dampsmaschine in Beirieb gesetzt wurde, die heute noch rbren Dienst versieht. Tag und Nacht bebt die Unermüdliche im Brunnenhause zu Jtiank bei Berchtesgaden die geiätiigte Salziole auf eine Höhe von 356 Meter, von wo aus deren Weilerleitung nach Rcichenball erfolgt, Di« 6 Meter hohe und mir einem Kolben von 950 Zentnern Druckkraft ausgerüstete Malchin« wurde von dem wert über Bayerns Grenzen berühmien Mechaniker Georg von Reichcnbach, dem Arbeits- genossen Fraunhofers, konstruiert»nd galt zur Zeit ihrer Jnbewieb- leyung für die größte Dampfmaschine der Erde. Die von ihr in hunderljähriger ununterbrochener Arbeit bewältigte Gesamisole- beiörderung beträgt 7742 Millionen Liter, die einer Salzmenge ent» sprechen, zu deren Beiörderung ein Eisenbahnzug von 2430 Kilometer Länge erforderlich wäre. Wenn die Veieranin der Aibeit einmal im„Deutschen Museum' auf der Jiariniel in München ihren Altenteil bezieht, wird sie mit dem Modell jener ersten Dampfmaschine zusammenireffen, die einst JamcS Watt erbaute. Als Huldigung Sgruß für deuit'che Erfindungen wurde dieses Modell in friedlichen Tagen vom Kenfinglon-Mnseum in London der Schwesteranstalr in Bayerns Haupiftadt überwiesen. Wann kehrt ihr wieder, schöne Tage der iierdloien Anerkennung fremden Fleißes, fremden Schaffens und ErfindenS! Kalte§üße. Kakle Füße find während des Winters ein sehr verbreitetes Uebel und bringen den geistig Arbeiicnden nur zu oft zur Ber- zweiflung. Die Erhöhung der Temperaiur des Zimmers hilft nicht dagegen, ebensowenig wärmere Fußbekleidung, wie dicke Strümpfe, Filzschuhe uiw., man muß vielmehr suchen, in den Beinen und Füßen den mangelhaften Blutlaus wieder heiMtellen. Es kann am besten durch Bewegung geschehen. Ein beliebtes Mittel ist, fich langsam auf die � Fußspitzen zu erheben, längere Zeit ans den Fußspitzen zu gehen, wiederholt Kniebeuge zu machen, alle diese Uebungen mästen aber ziemlich lange fortgesetzt werden. Ost hilft auch wiederholtes Wechseln der Strümpfe. Sehr gut wirken auch wechselwarme Bäder, indem man die Füße etwa eine Viertelstunde abwechselnd je 3 Minuten in heiße» und kaltes Master hält. Es wird dadurch eine viel gründlichere Durchblutung der Haut hervorgerufen als nach einfachen heißen Bädern oder Ab- reibungen; zuletzt muß steis das kalte Wasser benutzt werden. Kalte Fußbäder allein veriehlen oft ihren Zweck. Natürlich darf man weder enges noch feuchtes Schuhwerk iragen. auch keinS, das die Lust zu sehr vom Fuße absperrt. Ganz schädlich ist eS, mit kalten Füßen zu Bett zu gehen; dann ist es schon befier, eine Wärm- floiche zu gebrauchen, als sich stundenlang frierend und schlaflos im Bett herumzuwälzen._ Epsiem unö Schieber. Zum Schieber sagte da§ System: Du bist mir wenig angenehm— sei nett und stirb,... eS ist mir lieber k Nanu! erwiderte der Schieber, jetzt bin ich platt... wie sprichst denn du? Du nährst die Kuh, ich melk! die Kuh— sind wir nicht brüderlich am Werke? — Faso! Da stand der OchS am Berg«. Wir mittlerweile, sanft und zart. wir andern ivolln nnS gern begnügen, es schäumt sich waS in untern Krügen— t Die Milch der frommen DenkungSa:!. Die liefern sie unS prompt und billich.. rin mit der Millich I (Peter Scher im»SimPlieljflmuZ'.s Notizen. — Türkisck-Unterricht, kostenfrei für Damen, findet im Berliner Handwcrker-Verein, Eophienstr. 1s, jeden DienSlag S'/j Uhr abend» statt, beginnend DienSlag. den 22. Januar; für Herren und Damen stets Sonntags 11 Uhr vormittags. In der Fortbildungsschule werden alle Elemenlarfächer, auch Buchführung Sprachen, HauSbaltungslehre, Säuglings- und Krankenpflege unter- richtet. UnterricklSgeld 2 bis b M. vierteljährlich. Stundenpläne kostenfrei von der Geschäftsstelle. 13] Töchter öer hekuba. Ein Roman au» unserer Zeit von T l a r a V i« b i g. „31 ber warum denn? Wenn's doch s'on braver Mensch ist?" Gertrud verwunderte sich. .Meine Mutter kann ihn nicht leiden— hu. die ist bös! Aber wenn ich ihn nicht kriege, geh' ich ins Wasser I" Erregt sprang das Mädchen auf. unruhig lies es in der Stube umher. Das Kind, durch die Heftigkeit aus einem leisen Schlummer geweckt, fing an zu quarren. Gertrud wollte es nehmen, aber Margarete wollte es nicht lassen.„So ein Kind, so ein süßes Kind" ach. wenn ich doch auch ein Kind halte l" Sie fing an zu schluchzen. Dieie Aufgeregtheit hatte wirklich etwas Beunruhigendes. Gertrud war eigentlich ganz froh, als die andere endlich aufbrach Bis zu den erste» Häusern wollte sie Gretchen bringen. Sie schlug ein Tuch um sich und das fliiid und nahm es auf den Arm, an dem anderen hing sich die Dietrich. Um die beiden Frauengestalten, die langsam den Häusern zuwundelten, wob fich die Dämmerung. Sie waren beide dunkel gekleidet, und dunkel waren auch schon die Felder, rechts und links der Chaussee. Geheimnisvolle dunkle Gestalten standen im Dunkel und schienen zu winken. Margarete hing sich fester an Gcrtiuds Arm und drängte sich an sie: „Wie gut, daß Sie niitgehen. ich stürbe vor Angst. Ach, mein liebes Trudchen, nicht ivahr, du kommst zu meiner Hochzeit? Ich lade dich ein. Ach. sag doch ,du' zu mir— es macht mich glücklich. Sag, hast du mich lieb? Ich habe kernen Menschen, der mich so recht lieb hat— ich bin ja io arm!' War das merkwürdig von der, so etwas zu sagen! Gertrud dachte dauider nach, als sie nun allein zurückging. ,Zch bin ja so arm'— wie stimmte denn das? Gertrud fuhr plötzlich zusammen, sie hörte ein Weinen. Durch die Dunkelheit kam etwas hinter ihr hergetrappelt. Aun heulte es laut. Erschrocken blieb sie stehen: DombrowSkis Kinder?»Wo kommt ihr denn her? Wo ist denn eure Mutter?" Die kleine Minna faßte verängstigt nach Gertruds' Kleid• und klammerte sich an:„Huh, so dunkel,'s is so dunkel!' Der Junge aber schimpfte los!„Mutter—? Och die! Hat uns nach Hause jeschickt. Die amesiert sich l" Was sollte das heißen? Die amüsierte sich? Gertrud wollte eben, getrieben durch ein seltsam gemischtes Gefühl von Abneigung und einer gewissen Verantivortlichkeit, den Jungen ausfragen, als durch daS Dunkel deS ZlbendS ein dumpfes Summen ging. Ein fernes Hallen. Das waren die Glocken der Kirche. Die lag weitab und der Wind stand nicht von dort her. aber man erkannte doch daS langsam-fchwere, feierliche Dröhnen. Sie hielt ihren Schritt an. sie gebot dem Jungen, der laut weiterschimpste, Stille. Nun hörte man'S deutlicher. Diese tiefe, ernste, erzerne Stimme, Läuten um diese Zeit? Der Nachmittagsgottesdienst war längst vorbei, Begräbnisse fanden so spät nicht mehr statt; das konnte nur Sieg sein. Wenn es absetzte, dreimal von neuem sich erhob. Man kannte das, zu vielen Siegen schon hatten die Glocken geläutet, vor kaum drei Wochen erst für das große Warschau; man war fast gewöhn! daran, bereits wie abgestumpft. Trotzdem kehrte Gertrud um— Sieg? I Horch I Jetzt Huben sie an zum drittenmal! Und wenn sie persönlich denn auch nichts medr zu verlieren hatte und nichts zu gewinnen, es trieb sie nun doch dem Bahnhof zu. Nicht so allein sein zu solcher Stunde. Da waren die andern. Menschen genug jetzt, da würde sie erfahren, was sür ein Sieg eS war. Und ob nun bald Friede sein würde. IV. lieber den abendlich-stillen Ort hin hatten die Glocken gerufen: Sieg! 3!m Bahnhos drängte man sich. So voll wie heute war es selbst dann nicht dort, wenn auf dem Fern- gleis Truppentransporte vorbeifuhren. Die hielten hier nicht; aber man winkle den Feldgrauen, die aus den bekränzten. mit allerlei Kreldeiuschriften bekritzelten Wagen halben LeibeS heraushingen, und rief ihnen gerüyrte Worte des Grußes und des Llbschieds nach. Die Worte gingen zwar verloren in der rasselnden WindeSschnelle, die winkenden Grüße aber wurden erwidert mit stark gebrülltem Hurra. Jetzt drängte sich die Menge vor dem Anschlag neben der Bahnhofstur. „Die Festung NoivogeorgiewSk, der letzte Halt des Feindes in Polen, nach hartnäckigem Widerstand genommen. Die ge- samte Besatzung, davon gestern im Endkampfe allein über 20(XX) Mann, und vorläufig unübersehbares Kriegsmaterial fielen in un/ere Hände." Mit hastig hinfliegenden Blicken las man'S— stumm. Das war nicht mehr der Jubel der Begeisterung wie bei den ersten Malen, der Krieg dauerte nun schon über ein Jahr. «Mutter, haben die nu bald verspielt?" fragte plötzlich eine Kinderstimme ganz laut. Die Mutter hatte im Ungewissen Sternenlicht, mühsam herauSstudierend, halblaut gelesen, nun schwieg sie verlegen. Die hohe Kinderstimmc war wert vernehmbar. Die zunächst Stehenden lachten.„Sei stille," wisperte die Mutter. „Dann kommt unser Vater auch wieder,»ich wahr, Mutter?" fragte die Kleine unbeirrt weiter-. Die Frau schüttelte stumm verneinend den Kopf; fich durch das Gedränge hastig Bahn brechend und das Kind hinter sich dreinziehend, lief sie davon. ES war die Frau deS Schlossers Frank von der Ecke am Markt, er war vor vierzehn Tagen am Narew gefallen.„Nu sitzt sie da mit dem großen Geschäft—'n paar alte Ge- sellen hat sie vor der Hand wohl noch— er hat olles ins Geschäft reingesteckt— schlimm für sie, schlimm für die Kinder— fünfe hat se. alle noch klein!" „Die is noch»ich am schlimmsten dran", sagte eine andere Stimme.„Aber wenn sie nur den Mann hat, weiter nichts, kein Geschäft und keine Kinder— nur den Mann l" Sie blickten sich alle um nach der wehen Stimme, die sich wie ein Verzweiflungsscufzer erhob. Die kleine verkümmerte Frau duckte sich scheu. DaS hatte sie nicht gewollt, daß alle nach ihr hinsahen, es war ihr nur so herausgefahren, wider ihren Willen laut. 3lls ob sie selbst durch die Dunkelheit jeden mitleidigen Blick als Be- leidiguiig fühle, kroch sie ganz in sich zusammen. Sie wollte Niemandes Mitleid, es brauchte sich keiner um sie zu kümmern, sie hatte auch keinen nötig, leben wollte sie ja nicht mehr. Sich verkriechen wie ein krankes Tier und sterben, das wollte sie. In einem hilflosen Weinen, wie ein verlassenes Kind schlich sie eben davoir. da legte sich eine Hand auf ihre Schulter:„Liebe Frau!" Es lag ein großer?iachdruck auf dem liebe, eine herzliche Freundlichkeit im Ton. Gort,. folflU Zentral-Kranken- nnd Sterbekasse der deutscbenWagenbaner NeukSlln I. a cb r u f. Am 3. Januar starb plötzlich unser Mitglied Wilbelm Hensler. Ferner sind im Dezember unsere Mitglieder.der Kollege Gustav Schnitz und der Kollege Ut\ Andres gestorben. Ehre ihrem Andenke«: 2S8/10 IZIe 0rt5ver«altung. Seullchek MetsNZkveltek- verdZtiä. Ver«a>Iung5S>elie öoeli». Den Mitgliedern zur Nach- richt, dag unser Kollege, der Schraubendreher Äö Jtrtnöttg Weberstr. 9 am II. Januar gestorben ist. Die Beerdigung findet am Miitwoch, den 16. d. Mts., nachmittags 3 Uhr, von der Leichenballe deS Gar- nison« KirchhoseZ. Hasen- Heide, aus statt. Rege Beteiligung wird erwartet. Kachraf. Den Mitgliedern ferner zur Nachricht, daß unser Kollege, der Former Sem BoiKatt Neukölln, Weisestr. 60 am 28. Januar gestorben ist. Ehre ihrem Andenke»: 221116 Di« Ortsverwaltuno, Verband der GaK*- und SÄanhwirte Deutschlands. Zahlsteile Berlin. Den Mitgliedern zur Nachricht, das; unser Kollege Meli» Mlinim Sochstr. 22. Bezirk 2 am 10. Januar verstorben ist. Ehre seinem Andenken: Die Beerdigung sindcl heute Mittwoch, nachmittags 3 Uhr, aus dem Elisabeth- Kirchhos, Prinzen- Allee. statt.[156/16 Die vrtsvcrwaltung Berliner verkuchsbühne 1897. SU« Opfer de««elt- kriege« starb infolge eines UnglücksiallcS am 17. De» zember 1917 unser lieber Vcreinslollege Z« UWoSM. 23 Jahre alt. 297/7 Ehre feinem Anbeuken: Der Vorstand. Tanksasiuiisi. Für die Uli« erwiesene Teilnahme beim Hinscheiden meine? geliebten Mannes, unsere« teuren VaterS sagen wir allen Freunden und Bekannten sowie der Orts- Verwaltung der Zentral- Kranken- und Sterbekasse der Tischler, Hamburg, O>ls- Verwaltung Berlin?, unsc- reu herzlichsten Dank. Berta Wulff 1841b ncblt Kindern. Spezial-irzt Dr. med. Haachd, Friedrichstr.90 ÄZ,. Bebandi. vonThNhilt«. Haut- Harn-,»Frauenleiden, svez.: chron. Fälle. Ehrlich-Hata-Ku- ren. ichmerzlose, lürzeste Be- Handlung obne Beruisslörung. Biuluntersuchung. Mag. Preist. Teilzahlung. Sprechstunden 10 bis 1 und 5—8. Sonnt. 11— 1 Allgemewe Ortskrankenkafle Kerlin-PankoW. Slm Donnerstag. Lt. Ja. nuar ItttE. abends 8 Übr, findet im Restaurant von R o c z h ck i, Berlin- Pankow, Kreuzstr. S/4, eine ! m Austerordentliche■ ! �lnsschutz- Sitzung l stall. 299,13 Tagesordnung: 1. Ver lesung de« Protokolls der letzten Sitzung. 2. Beschluhsassung über die Satzilngsänderung.Erböbung der Grundlöhne, des Kranken gcldeS pp.. nach der Bekannt machrng de« Reichskanzlers vom 22. November 1917, be« tresfend. 3. Antiaq deS Vorstande» aus Gewährung einer einmaligen Teuerungszulage an die Be- amten.?ln stellten PP. 4. VerlchiedeneS. In Beräcksichtigung der au st er- ordentlich wichtigen TageSord. nung werden die Herren Ver- treter der Arbeitgeber und Ar- beitnebmer um pünktliches und zahlreiches Erscheinen ersucht. Ein Ausweis wird den Herren npch zugesandt. Der Voratand. Otto RIBmann, Vorsitzender. M ein innDei beseitigt[9661i*■ ür"rM Sm-s-ldej jed.HautauSschlag, Flechten, Hautjuiten. bes. Bein- schädcu. Krampfader» der Frauen u. dergl. Zusendg. ei folgt per Nack- nähme iri Dosen a 2,20, 3,85, 6,60. Elefanten-Apotheke, Bortln, Leipziger Str. 74 (am Dönhofsplatz). Spezialarzt Dr. med. L,aabs beb. schnell, grfinbl.,. mögi. schmerzlos u. obne BerusSstör. 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Better, Alexander- stqaße 22._ 85K Korsettnäheriane» für bau- ernde Beschäsiigung sucht B. Brunkow, Unter den Linden 16. 1336b Vlusen-Arbeiterinnen, geübte, im Hause, sofort verlangt von Orgler, Fidslmann u. Co., Mohrenstraße 20/21, Hos rechts 3 Treppen._ 1339b Blusen- und garnierte Kleider- Arbeiterinnen aus gut ge- arbeitete Sachen finden gegen Probevorlage sosort Beschästi- aung außer dem Hause bei Orgler, Fidölmann u. Co., Mobrenstraße-20/21, Hos rechts 3 Treppen, Abteilung IV. l340b Lehrmädchen für Strauß. und Fantasiefedern verlangt Nelson, Leipjigerstraße 7l/72. 180/11 Arbeiterinnen aus Marabu- streiscn verlangt Nelson, Leip- zigerstraße�7l/72.___ 180/9 Frauen zum ZeitungSauS- tragen sucht„Borwärts�-Aus- gabestcll« Alt-Boxbagen 56, Ladem_* Zeitungsausträgerin verlangt „Vorwärts*- Ausgabestelle Treptow, Kiefholzstraße 412, I rechts.* Werkzeugmacher stellen ein 1634L* Spezialkonstniktlonen, Steglitz. Birlbuschstr. 87 Zs) Wir stellen noch 1337b Lehrlinge-m. Brückner& Lücke. G. m b H Cöpenickcr Str. 114."' m. mmm- für mein Greisenhagener Werk «'sucht. Julius Schäfer. 16. 4L* ipanllurter Allee 112 Kräftigen Allsdieml verlangt föNNös, 7/13 Alerandrinenstr. 44. Zeitungssrau verlangt„Vorwärts"- Svedinou Neukölln, Siegsriedstraße 28/29.* Zeitungsträgerin sofort ver- langt Spedition Lilbtenderg, Warienbergstroße l, Laden.* ZeitungsauSträgerin verlangt Bernsee, Steglitz. Mommlen- str. 59.__* ZeitungSausträgerin oerlangt „Borwäris''-Spcdinon Schöne- berg, Meiningerstraße 9.* ZeitungsauSirägerinuen kön- neu sich melden..Vorwärts*- AusgobestelleA'ausiyerplatz 14/15. ZeitungsauSträgetin iosort einzustellen. VorwäriSlpediiion Moabit. Wilbelmsbavenerstraße 48, von 11—1� und 4h-— 7 Uhr____* Zeitungstrageri» verlangt Spedition, Prinzenstr. 3l.* ZeitungSausträgerinnen wer- den loson eingestellt„Bor- wärtS- Spedition, MarkuS- straße 36._• Botenfrauen verlangt IvfoN Ausgabestelle Berlin-Westen, Blumenthalstraße 8. Hof. rar- terre bei. Stolpmann.* Botenfrau für den Bezirk Erasmussiraße verlangt„Bor- wärts", Sesenheimexstr. L• Botenfrauen sofort verlangt Ausgabestelle Greisenhagener- straße 22.* ZeitungSauSträaerin verlangt Spedition Weißensee. Berliner Allee II.* Lagerarbeher für Papierlagerkeller werden sofort einaestellt. I338d Bapiorverarbeitungstvert llodort Xeiiptlug. Friedrichstr. 11. �Xüchtw�Tischler sucht J- P'aff Akt.-Ges.. Moybachuser 48/51. 16602* 8ebll>85er sofort gesucht.[15641 Lüdtke& Zander,„Xa. und Sfeibcr- n[«i jpn* ardettertuur» C/ÜafvIJ ,m Hause. 17/i'j Salonion, Markgrasenstr. öS lüedliger 8eii!o88ei' oiler Meekaniller zum Anlernen tür �paretlen-HOIsen-Haschiren sofort gesucht Zigarettenrabrik Garbäly, 12SL* Pankow, HadildutraÄe.