Reüaktisn: SW. HS. Linüsnstraße Z. Fermdrecher: Zlmt MoritzplaK. Str. 1SI SO— 131 97. Donnerstag, de» 17. Januar 1918. Expedition: EW. HS» tinüenstrahe 2. Skeruiprech««: Smi Morlvvlatz« Rr. 15t Stt— 151 S7. Ur. 17. 38. Jahrg. Bezugspreis: Bterteli&hrt iM SRI, monaß. 1,50351. frei in* Hau*. vorauZ�ahwar.Swztlne irtummern i0Pfg. Postbezug: Maua«. Iick» I.öv Mst Uuler 5treu>baud für DeuilÄland und Oestccrelch. Ungarn il,— MI. für da* übrige Nusland « bll Ml. monatlich. Sevand in* Feld bei direkter Bestellung monatl. l,ö0Ml. Postbestellungen nehmen an Däne- amrl, Holland. Luremburg, Schweden und die Schweiz. Eingetragen in die Post-Zestungs-Preisliste. tkrichetu« täglich, Telegramm- Adresse: .Sozialdemokrat«erlm*. Vevlinev Dolfolilaff. ( 10 Pfennig) Der Anzeigenpreis beträgt i. die siebenaesbalieiieKvtonel- reite Ä> Psg.„Kleine Allzeigen", da* settgedruchre Wort AI Pig. izu- lässig 2 fellgedruckte Porie). iede* weitere Wort tü Pjg. 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Sie beabsichtigten nicht, die fraglichen Gebiete zur Annahinc dieser oder jener StaatSforni zu nötigen, müßten aber sich und den Völkern der besetzten Gebiete für den Abschluß von Verträgen aller Art freie Hand vorbehalten. Mißtrauischen Leuten(und deren gibt es viele!) kann sofort der Gedanke kommen, daß auch z. B. Frankreich sich Marokko nicht einverleibt, sondern daß es nur mit dem von seinen Gnaden regierenden Sultan Verträge aller Art abgeschlossen hat. Aber dieser Vergleich hinkt wenigstens auf einem Bein, denn die Polen, Litauer, Letten und Esten sind keine Marokkaner. In anderer Beziehung mag er gelten. Zwischen Frankreich und Marokko sind ohne Einverleibung Verträge aller Art abgeschlossen worden, die Europa mehrmals an den Rand des Weltkriegs brachten, lind das kam daher, weil auf französischer Seite Absichten bestanden, die deutlich genug waren und sich doch nicht offen auSivirkeu konnten, und weil daraus ein unklares, vieldeutiges, schielendes Verhältnis ent- ftand. Aehnliche Verhältnisse wünschen wir au der Oftgrenze unseres Vaterlandes nicht entstehen zu sehen.„Die Art," schreibt Prof. Otto H o e tz s ch in der„K r e u z- Z e i t u n g", „in der Deutschland in Brest das Sclbstbcstimmungsrccht der Nationalitäten praktisch verwendet, nimmt dem bis- herigen russischen Reiche mehr ab, als wir brauchen, und wirkt a n n e x i o n i st i s ch e r als das, was aus militärisch-stratcgischcn Gründen zur Erweiterung unseres Gebietes im Osten gefordert wird. Der Kampf um diese Unklarheit über die deutschen KriegSzielc im Osten hat die Krifis, die wir gegenwärtig durchzu- kämpfen haben, so verworren gemacht,>vie noch keine Krifis im ganzen Verlaufe des Krieges." Wird das Sclbstbcstimmungsrccht der besetzten Länder nicht offen und ohne jeden anncxiomstischcn Hintergedanken verwirklicht, dann ivird die Verwirrung mit dem Friedensschluß, den wir trotz alledem erhoffen, keineswegs enden, sondern erst recht beginnen. Wird Rußland unter der jetzigen oder einer anderen Regierung damit einverstanden sein, daß zwischen den Mittelmächten und jenen Ländern ewige Verträge geschlossen werden, die den Abschluß ähnlicher Verträge mit Rußland ausschließen? Werden diese Verträge in den vertragschließenden Ländern selbst nicht einer starken, vielleicht lvachscnden Oppositivn begegnen? Und werden nicht in Deutschland selbst aus östlichen MarolkanisicrungSbestrcbungen Schwierigkeiten und Konflikte jeder Art entstehen? Man denke nur den Fall, in Polen würde ein König eingesetzt, die Polen aber besännen sich nach einiger Zeit eines andern und wollten den Mann wieder fortjagen. Glaubt man. daß sich in Teutschland freiwillig eine Hand rühren würde, um den polnischen Königsthron zu stützen? Glaubt man, das deutsche Volk ivürdc auch nur einen Tropfen seines Blutes verspritzen wollen, um die Entstehung einer polnischen Republik zu verhindern? Die Sozial- dcmokratic ist allerdings nicht ganz so bolscheivistisch ivicHcir v. Kühlmann, der selbst Teilen einer Ration' das Selbst- dcstimmungsrecht zugestehen lvill. aber für Polen, Litauen, Kurland usw., die fremdstämmig sind, würde sie stets und unter allen Umständen das Recht der vollen Selbstbestimmung an» erkennen bis zur L o S l ö s u n g von Deutschland. Ein MarokkanisicrungSvcrtrag, falls ein solcher beabsichtigt sein sollte, könnte keine haltbaren Zustände, sondern nur neue Verwirrung und Verwicklung schaffen. Will man das alles nicht werden lassen, dann ist es hoch an der Zeit, daß man sich endlich klar und offen über die Verträge ausspricht, die man zur Begründung des neuen Zustands schließen will. Es handelt sich dabei ja nicht nur um Verträge mit Polen, Litauen, Kurlands und jenen Teilen Livlands und Estlands, die ihr Selbst- bestimmungSrecht geltend machen sollen, sondern auch um Verträge mit O e st e r r e i ch- U n g a r n. Alle diese Verträge sind außerordentlich wichtige KriegSzielc; wenn lvir aber fragen, was die Regierung da eigentlich will, so tappen tvir vollständig im Dunkeln. Es ist versprochen worden, daß alle diese neuen Abmachun- gen von Polen. Litauen und Kurland durch ein Volkövotum auf breiter Grundlage sanktioniert, d. h. unter Umständen auch nicht sanktioniert werden sollen. Würde eine jolche Sanktion nur von polnisch-litauisch-kurländrschcr und nicht auch von deutscher Seite erfolgen, so gerieten die Deut- jchen gegenüber den Polen usw. arg ins Hintertreffen. Auch Coiüoux' Verhaftung vor öem Parlament Die italienische Regierung als Helfershelfer. Am französischen Senat hat man, wie eine Berne r Meldung sagt, die Verhaftung Eaillanr' erwartet. Tie R c- giernng habe nach Ansicht der Senatoren jetzt die ganze Verantwortung zu tragen. Einige Senatoren vertreten die Ansicht, daß sofort eine I n l e r- p e l l a t i o n in der K a m m c r eingebracht ivcrdcn müsse, um die Regierung aufzufordern, über die Gründe der Ver- hastung Erklärungen abzugeben. Eine solche Interpellation hat bereits stattgefunden. Die Agence Havaö meldet am Dienstag: Tie Kaiiiiiier erörterte die I n t e r p e l l a t i o n deS sozialisti» schen Abgeordneten L a s o n t über die Massnahmen, die die Rrgie- rung zu treffen gedenke, um de» St e ch t S g r u n d s ä tz e n in der Angelegenheit der Ilnterslichung im Falle Caillaux Achtung zu verschaffen. Lafont wie? daraus hin, daß gewisse llntersuchuiigen in Italien nicht in Uebcrein« stimmung mit dem geltenden Recht stattgefunden hätten. Eine Formalitat sei unbeachtet gelassen worden, nämlich die Anwesenheit des Angeklagten. Dieser könne darum die Echthelt de« aufgesundenen SchrifistiickS bestreiten. UnterstaatSsckretär I g n a c e erklärte: Al? man vor einigen Tagen von dem Borhandcnsein eine* dem Angeklagten gehörenden Geldschränke? erfuhr, bat der Untersuchungsrichter um Ernennung eine? UntcrsuchungS-AuSschussc?, der sich an die italienische Regierung zu- wenden hätte. Bau diesem Augenblick an stand den Justizbehörden de? fremden Lande? die Oeffnnng de? Geldschränke? zu. Die? alle? geschah in aller Ordnung und auf lopale Weise. Die äußerste Linke erhob Einspruch. Tic Mehrheit der Kammer blieb ruhig. Elemenceau antwortete von seinem Platze aus. er könne Lafont dasselbe antworten, was Jgnace ihm gesogt habe, nämlich, daß die französische Justiz nur aus srauzösischem Gebiet souverän sei. Ekmenceall sagte iveiter: Wir ordneten den A u S,s ch u tz an d i c i t a l i e n i s ch e Regierung ab. Diese ist eine ehrenhafte Regierung. Wir haben kein Recht, zu den italienischeu Beamten kein Bertraucii zu haben und nicht z u g l a u b c u, daß die ita- lienischc Regieruiig nicht nach dem Grscl, verfahren ist. Und tvciin sie e? getan hätte, so wären wir nicht dafür verantwortlich. Die einfache, von der Regicrung angenommene Tagesordnung wurde mit 3gl> gegen 102 Stimmen äuge- n o m m e n. * Dieser Bericht ist nur als vorläufige Information anzu- schen. Er ist aber offenbar nach der Absicht hergerichtet ivordcn, der Interpellation ihre Bedeutung und Wirkung zu nehmen. Was der Interpellant gesagt Hai. ist so tendenziös verkürzt gegeben, daß sich seine Kritik des Falles mcht erkennen läßt, lieber das,>vas die Regierung gcantivortet hat, läßt sich nach dioser HavaSnieldnug nur sagen, daß sie den Versuch zn unternehmen scheint, sich um die gefährliche Belastung mit der Verantwortung durch einen unverfrorenen Advokateitkniff herumzudrücken. Das AbstiinmungsergebniS beweist, daß in der Tat, tvie Havas meldet, die Mehrheit der Kammer bei diesem Gewaltakte ruhig geblieben ist. für baS deutsche Pol! entscheidet sich beim Abschluß jener Per- träge ein wichtiger Teil seines Lebensschicksals. Und darum ist das Verlangen begreiflich, daß an ihrem Abschluß nicht bloß das polnische, litauische, lettische, sondern auch deutsche Volk lebendigen Anteil nehnie. Darum ist es auch mehr als müßige Neugierde, wenn wir immer wieder fragen, wie sich die Regierung eigentlich den Vertragskomplex vor st eilt, dcrdaSneueMitteleur opaschaffen soll. Wir haben das lebhafteste Interesse daran, daß der Frie- den mit Rußland keine diplomatische Miß. �eburt wird, voll Unklarheiten, Ziveidcutigkciten, Hinterhältigkeiten, Konfliktstoffen. Und der bisherige Gang der Verhandlimgen berechtigt zu der Sorge, daß der Frieden gerade ein solcher werden könnte, wie wir ihn nicht haben wollen, wie er zum Heil Deutschlands und Europas nicht werden darf., Das militärisch grob zugehauene Sicherungsprojekt, das sich nach Prof. Hoetzsch mit weniger begnügen will als der diplo- matisch feinauSgeklügelte Anlehnungsplan, bekämpfen wir grundsätzlich und hallen es für tatsächlich aufgegeben, wei( seine U n d u r ch f ü h r b a r k c i t erkannt worden ist. Die tatsächliche Undurchfiihrbarkcit auch>dcs diplomatischen Plans wird früher oder später gleichfalls zutage treten, er wird scheitern an dem Ernst, den die bisher russischen Grenzvölker mit ihrem Selbstbestimmungsrecht machen werden, und an dem Nachdruck, mit dem die wachsende Macht der De- m o k r a t i c in Deutschland selbst die Ansprüche jener Völker auf wirklich freie Selbstbestimmung unterstützen wird. Wäre es da nicht besser, gar nicht erst angefangen zu haben? Je weniger Polen, Litauen und Kurland Neigung zeigen werden, sich durch einen Akt deS Selbstbestimimmgs- recbts ihrer künftigen freien Selbstbestimmung zu de- geben, desto besser wird es für sie sein, für Teutschland, für Rußland und für die Beziehungen der Völker zueinander, die darauf angewiesen sind, jedes in voller Freiheit, in dauerndein Frieden miteinander zu leben. »* * Brest-Litowök, 15. Januar. Heute faudcu weitere Besprechungen der dciltsch-östcrreschlsch-nugarisch-rnjsischcn Kommission zur Regelung der territorialen nn» politischen Fragen statt. Trotz der vorlänsig noch starken Abweichnligen in den Auffassungen der beiden verhandelnden Parteien konnte in einigen Punkten eine g c w i s s c A n n a h e r n n g festgestellt werden. Ausführlicher Spricht. Brest-Litowsk, 15. Januar. lA. T. B.) Am U. Januar um 8 Uhr nachmittags hielt die deutsch-österrctchisch-ul'.garisch- russische Äoinmisston zur Beratung der t e r r i l>' r i a t e n Fragen ihre vierte Sitzung ab. Staatssekretär». Kühlmana teilte mit. daß die verbiindeien Regierungen zu dem Eutschlusse gekommen soicu. die tormiilierten Vorschläge der russischen Delegation ihrerseits gleichsnll? i n formulierter Form mündlich zu beantworten. Er muffe ab�i neitcrllch daraus hinweise», er halte die Art, daß die Dclegmioneu gegenseitig mit sornmlierten Schriftstücken»«handeln, für nus:e>- ordentlich zeitraubend und den Erfolg ivenlg sorderud. Wculi man wirklich zu einem sriedlicheu Abschlllssc gelange» wolle.>o werde es sich in Zukunit empfehlen, die Materien durchzulprechen und dann von jeder Seite je einen Herrn nur mir der Rcdaktivu zu beaustrogen. Diese beiden Herren mützteu al? RedailionSk o m i r e«>u- sammen versuchen, Wiewen sie eine gemeinsame Fassung stichen könnten und, soll? die? nicht möglich wäre, im Elnvern-hmen miteinander die gege.ltsdtigeii Differenzp unkte festlegen und schriftlich fixieeen. Hierauf gelangte die materielle Antwort der Verbündeten zur Borlesung. welche folgenden Wortlaut bat: „Die der deutschen und östmeichiick-imgarischcu Delegation übern, itteltcn Vorschläge der russischen Delegation betreffend die Entwicklung der Dinge in den von den Jeiitrolmächteu besetzten Ge- bieten Rußlands weichen dermaßen von den Ansichten der Veibiindeten ab, daß sie in der vorsicgeiidcn Form al? nnmmehinbar bezeichnet werden müssen. Ohne de?-näheren auf die äußere Form dieser Vorschläge eingeben za wollen, kann doch nicht unbemerkt bleiben, daß sie nicht" den Charakter de? von den Mitlelmächlcn angestrebten Kompromisse? tragen, sondern sich vielmehr als eme ein- ieitige rassische Forderung dnistellen, die den Wunsch vermissen läßt, die bcrcchliglcn Gründe der Gegcnseiie in Kalkulation zu ziehen.'.. 1 Trotzdem sind die österrcichi'ch-uiigfuiiche und die dounche De.c- gaiioli bereit, nochmals und diesmal formuliert ihre Anschauungen über die schivebenden Fragen liar zum Ausdrucke zu bniigcu und noch einen Versuch zu u n l c r u e b:» c u, ob das von ibneu angestrebte Komproniisj eine Aussicht auf Berwirllichnng bieten laim. lieber einen Teil der von den Verbündeten besetzten Gebiete ist in jjiffer 1 de? deutichen Ennvurse? gebandeti ivvrdcn. Dieie Materie ist durchbermc», bedars also keiner weiteren Erörterung. Die Frage nach den zurzeit von den Verdiindetru besesttru Gc bieten, die elgr icS staatliches Lrbc» brsinr», wäre icin zeitlich in vier Stadien zu gliedern: � Wz A. Ter Zeilpunkt zwischen dein Abschluß des Friede n? mit Rußland tnid der Beendigung der russischen D e m o b i l i s i e- rung, der Zeitpunkt zwischen dem russischen Frieden und dem a I l g e m e r n e u Frieden, der Zeitpunkt de.? ll c b e r« g a n g S st a d i u m? für die neuen Böller, endlich dos definitive Stadium, in dem die»enen Staaten die voll« Ausgestaltung ihrer Slaatsorganistnioii durchführen. Ii? mutz wiederholt darauf Kingewicscii werden, daß für die Mitielinächte— abweichend von dem, was tür Rußland der Fall ist — mit dem Abschlüsse de? Friedens mir Rntzlaiid keineswegs au.t, der allgemeine Frieden verbunden ist, daß slo vielmehr gezwuugeii sind, mit anderen Gegnern den Krieg weiterzuführ»!i. Gegenüber der russischen Regimiug erklären die verbiindeleir Delegationeu auf? licur. daß sie der Anschauung sind, die verfassungsmäßig zuständigen Organe in den neuen Staatsgcbiltzen seien vorläufig al? vollkommen befugt anzusehen, den Will e n b r c i i o r K r e i s e d e r V e v v l k e r u u g auszudrücken. Bon großer Vedeutung jnr die Frage der Eul« ftebung einer StaatSpersönlirtikeit ist das Urteil des Obersten Gerichtshofes in Washington vom Jahre 1808. in dem ausgeführt worden ist,„daß die souveränen Rechte der Vereinigten Staaten von Nordamerika al? voll und ganz de- ficljcttb artetlaffjit werden müssen vom Tage der Berlündigung ihrer Ulic>bhängig�:it ob, d. seit dem 4. Juli 177b— gonz im» tMangia von ihrer Anerkennung sciteu? EiiglmidS im Vertrüge vom MJahre 1732. skie-rv,«v»K ürisrnutiomil ooäiüv. p. 160.) Die vsrbünoeten Dslegalionc» nehinen All von der Er- llärung, das; „die ruf H s ch e N e A.i e r u n g nnS der Totsockie der Zu» gchörigieit der besetzten Gebiete zum Bereiche deö früheren ruisiichen Kaiserreiches leine Schlüsse zieht, die irgendwelche staatS» rechtliche Aerpfflichtimg der Bevölkerung dieser Gebiete im Bcr- hüllnis zur ruisrschen Republik auferlegen würden, und das; die alten G r e w z e» dcS früheren russischen Kaiserreiches, die Grenzen, die durch Gewalttaten und Lerürechen gegen die Böller gebildet wurden, insbesondere gegen das polnische Boll, zu- > a m m c n mit dem Zarismus v c r s ch w u n d c n sind," cben'o davon, das; „für die russische Regie rimg deswegen die Grundaufgabe der jetzt gefübrten Berhandlimgen nicht darin besteht, um in irgeudivelcher Weise das iveitcce zwangsweise Verbleiben der ge- nannten Gebiete inr Rahmen des russischen Reiches zn v c r- leidigen, sondern in der Sicherung der wirklichen Freiheit der Selbstbestirimmng, der inneren SlnatSeinrichtUtig und intcr- nationalen Laae dl-r Gebiete." Ju diesem Hiliauriuelihangc wäre die Frage aafzuwcrfcn, auS welchem Rechtsvcrbälkiif.S die gegenwärtige russische Regierung ihre Bcrcchtiguilg und Berpftichtiing alileitet, für die Sicherung der wirk- iichcn Freiheit der Sclbftdeftiminuitg dieser Gebiete bis zum äußersten, das heißt unter Umständen bis zur Fortsetzung des Krieges, ciu-u- treten. Wenn die LatsaÄe, daß die besetzten Gebiete zum Bereiche >ci früher»ot russische» Kaiserreiches gehörten, keiner- lei Vrrpslichtling der Bevölkerung dieser Gebiete gegen die russische Republik begiünd-t. ist nicht ohne weiteres ersichtlich. Ivorauf die r u i s i s ck e R e publik ihrerseits ihre Rechts und Pflichten gegen dieis Bevölkerunaeil gründen tvill. Stell: man sich aber, wie die ruisitche Delegation dies tnr, ans den Standpunkt, das; die iiiisiichs Republik ein derartiges Recht besitzt, so sind in der Tal: Umfang des Territoriums, politische Voraussetzung für die Au,- üöuug des S e l b st b e st i m ni u n g S r e ch t s, Uebcr- a Ii g s reg i in e und Form der W i l! e n S k u n d g e b u n g dke vier Punkte, über die versuch! werden mufz, Einigkeit zu eigielen. Zu l: Die Behauptung, das S e l b st b e st i m m u n g S r e ch t stehe Rationen und nicht auch Teilen von Nationen zu, einspricht iiicht unserer Allfiasiung des SclbstbestimmungsrechleS. Auch Teile von Nationen töniirn Selbständigkeit und Absonderung rechtmäßig bc- schlichen. ES ist hierbei keineswegs angenommen, dast die Olim ationSgrcnze für die Abgrenzung dieser Teile mastgebcud sein uill. Ku r! an d, L i t a u en und Polen bilden, auch historisch angc'ehen, völki'che Einheiten. Deutschland und Ocstcrrrich-Ungarn haden nicht die Ab- ficht, sich die jetzt von ihnen besetzten Gebiete einzuver- l c i l.i c n. Sic beabsichtigen nicht, die fraglichen Gebiete zur Annahme dieser oder iener Staatsform zu nötigen, in iissen aber sich und den Völkern der besetzten Gebiete für den A b s ch l ll st vönBertriigcn a l I c r r t freie H a n d v o r b e h a l t e n. Zu 2., Was die Ausführungen hierzu betrifft, so geheil sie an dein gniudlegenden 11 nterschied vorbei, auf den die vcrbiindcten Delegationen immer wieder hingewiesen haben. Eine Ziirückzichniig der Heere ist, so lange der Weltkrieg dniicrl, unwöglich, jedoch kau» angestrebt werden, die Tnipoe», falls es die militärischen Umstände gestatten, aus diejenige Zahl zurückzifführt!!, die zur Ausrcchtcrhaltiuig der Ordining und der technischen Betriebe im Lande unbedingt nötig ist. Tic Bildung einer nationalen Gcndürmeric kann angestrebt werde». Was die Rückkehr der Flüchtlinge und der während des snegc« Evaluierien betrifft, so wird iv o h l tv o l l e n d e P r ü s n n.'g von Fäll zu Fall zugesagt. Diese Frage kann, da sie nicht von aiisschlaggebeoder Bedeutung ist, einer besonderen Koni- niission übcrwicscii iverden. Zu st. Der r u s s i s ck c Vorschlag ist in seinen Einzelheiten i ch r klar g e n u g und bedarf der weilerni Auibellung. Es ist aber ohne weiteres zuzugeben, dag Ntir der fortschreitenden An- Näherung des allgemeinen Friedens den'gewählten Ber» ireiern der Bevölkerung des Landes in immer steigendem UMiange die Mitwirkung auch an den Ver- w a l t u n g S a u f g a b e n eingeräumt werden soll. Zu 4. Die verbündeten Delegationen sind grundsätzlich bereit, zuzustinimen, das; ein BolkSvotmit auf breiter Grundlage die Veichlüsse über die staatliche Zugehörigkeit der Gebiete ian'tionicren ioll. Eine einseitige Festlegung ans ein Referendum erscheint u n p r a r t t s ch. Auch das Votum einer ans breiter Grundlage gewählten und ergänzten rcpräientativen Körperschasr ivürde nach Anschammg der verbündeten Delegationen genügen. Es mag darauf hingewiesen werden, dag»uch die von der Regierung der Volkskommissare an- erkanntei: Staatenbildungen innerlialb deS ehemaligen russischen Kaiserreiche?, wie zum Beispiel der U k r a i n e und Finnlands, n i ch t i m W e g e eines R c f e r e n d n in s, sondern durch Be- ichlsisse von auf breiter Grundlage gewählten Nationalversainii!- luiigen erfolgten. Von dein Wunsche beseelt, es ileuerdigS zu versuchen, z» einer Verständigung mit der russischen Regierung zu gelangen, � haben die Regierungen Deutschlands und Oesierreich-UngarnS diese weit- g eh ende n V o r s ch l ä g e gemacht, fügen jedoch gleichzeitig hinzu, das; sie » den äußersten Rahmen bilden, innerhalb denen sie eine friedliche Verständigung noch e r h o i i e ii können. Sie waren bei der Entwicklung dieser Grundsätze ebenso von der vflicdtgemästeu Absicht durchdrungen, die i iaeue Wehrsävigkeit irefit schwächen zu lasien. solange dir unselige .wrieg noch sortgeietzi, als auch von der Intention, einige Völker, die an ihr Gebiet angrenzen, instand zu ietzcn, ciidgültig und setbständig iiber ihre cigeiic Znkunst zu entscheide», ohne dabei in einen Zu- stand der äustersten Nor, des Elends uns der Verzweiflung zu ge- raten. Eine Verständigung zwüchen Rusiland und den Mittelmächten über diese, sehr ichivierigen Fragen jedoch ist nur dann möglich, wenn a ii cb R u s; l a n d den estc n st l i ch e n W i l l e n zeigt, ; n einer Vereinbarung gelangen zu wollen, und ivcnn es anstatt des Versuches, einseitig Diktate auszustellen, sich bemüht, die Frage auch von der Eegenseile aus zu betrachten und jenen Weg zu finden, der allein zu einem friedlichen Ergebnis führen kann. Nur Hilter der Noranssetziing selchcr Intentionen �können dic� Dclcgatieiien der»erdündete» Mächte noch an der Hossituuz rnier frledi che» Beilegung»es Kenflrkts festhalten. Hb.ranf ergriff Herr Tretzti das Worr und erklärte: Er hoffe, dast die eben verletene Antwort der Zentralmächte jedenfalls die Zweistl über die formalen Schwierigkeiten beseitigt habe, die ffir die russische Delegation durch die in der vorigen Sitzung gehaltene» Rede dcS Generals Hoffmaini entstandeil wären. Die russische Delegation sei der Ansicht, das; sie in vorliegendem Falle Verhandlungen mit cincr Partei führe, die vv'iö r: t werde durch die deutsche Regierung. Ter Herr Staatssekretär habe daraus hingewiesen, das; alle Punkte dieier Ber» haut li«per. aus dem alleiiiigen politischen Willen der deutschen Regierung herrühren. Solange diese Ansicht von niemandem formell widerlegt sei, sehe die rüisische Delcgalton dies als eine iormale Erklärung an. Wenn General Hofimann Sarauf hin- gewiesen baue, daß die rüisische Regierung sich aus ihre Macht- stellung begründe vn». mit Gewalt vorgehe gegen alle Anders- Französischer Vorstoß bei Badonbiller.— Gesechtsstcigernng im Cerna-Bogcn.— Italienische Angrisse am Fontana Secea. Amtlich. Großes H a u p t q u a r t i e r, 16. Januar 1918.(W. T. B.i 4i5cft!ichcr Kriegsschauplatz. Heeresgruppe» K r o»> r i n z R u p p r e ch t iiiid Deutscher Kronprinz. Bei und südlich von L e n s war die Artillcrietätigkeit ge- steigert. In cinzcliicii Abschnitten ErkunduiigSgrfcchte; südöstlich von D r n e s wurden Gefangene gemacht. Heeresgruppe Herzog Alb recht. Nach mehrstündiger Feucrwirkuiig stießen französische Ab- tcilunge» nördlich von Badonvillcr vor und drangen vor- übergehend in unsere vorderen Gräben ein. Eigene AuskläruitgStruppci! brachten in den oberen B o g c s c n Gefangene ein. Ccstlichcr Kriegsschauplatz. Nichts Neues. Mazedonische s�ront. Km Ccrna-Bvgeu cihöhte GefechtStätigkeit. Italienische �ront. Zwischen Brenta und Piave vielfach lebhafter Feuerkampf, mit besonderer Heftigkeit im Gebiete des M oute A s o l» n e. Drc Italiener haben ihre erfolglosen Angriffe nur südlich vom Monte Fontaua Secea wiederholt; sie wurden ab- gewiesen. In de» Piave-Abschnitien nördlich vom M o n t c l! o vcr- stärkte sich das englische Artilleriefcuer. Der Erste Generalquartiermeister. Ludeiidorff. Adendbericht. A r r l i n, 16. Januar 1018 abends. Amtlich. Am Westhange des Monte Pertica scheiterten gestern nachmittag mehrfache Angriffe der Italiener. Bon den anderen Kriegsschauplätzen nichts Neues. denkenden, die sie als Gegeiirevolutionäre und Bourgeois stempele, so müsse allerdings bemerkt werden, daß auch die russische Regierung auf der Macht fuße. In der ganzen Geschichte kenne man bisher keine anderen Regierungen. Solange die Gesellschaft aus kämpfenden Klassen bestehe, so lange werde sich die Macht der Re- gierung auf Krail begründen und durch Gewalt ihre Herrschaft be- haupten. Er müsse aber auf das kategorischeste gegen die Behauv- tung protestieren, daß seine Regierung jeden Andersdenkenden für vogelfrei erkläre. Das, was die Regierungen anderer Länder bei den Handlungen der russischen Regierung abitoste, sei die Richtung, in der sie von ihrer Gewalt Gebrauch mache und in der sie sich durch nichts beirren lasse. So hätten er und seine Freunde, als die rumänische Regierung versucht habe, auf russischem Gebiete Gewaltmastregelu gegen revolutionäre Soldaten und Ar- beiter anzuioendcu, von hier aus der Petersburger Regierung vorgeschlagen, den ru m an i sch e n Gesandten, s e i n ganzes G c s a u d t s ch a f t s p e r s o ir a l und die rumänische Militärmisfion zu verhaften, und sie hätten die Antwort erhalten, das; die S bereits ge- sch c b en s ei. Anschließend daran siilirt Herr Trotzki folgendes aus: „Was die beiden Bci'piele anbetrifft, die General Hofi- mann angeführt hat, so charakterisieren dieie in leiner Weise unsere Poliiik ans dem Gebiete der nationalen Fragen. Wir haben Erkundigungen eingezogen über den wcisiriiffischcil Kongreß. Dieser Kvngretz setzte sich zu'ainmen mis den Vertretern der weiffrussislben Agrarier und hatte versuckt, sich aller derjenigen Slützpuntie zu be- mächtigen, welche das Eigentum des weistrujsischeii BoUes sein i missen. Und wenn er aus Widerstand gestoßen ist, so rührt dieser Widerstand von Soldaten her, unter denen in gleicher Weise Groß- russen, Weißrussen und Klcinrusien vertreten waren. Ich wieS schon in meiner formalen Erklärung darauf bin, daß diejenigen Konflikte, die zwischen unS und der Ukraine entstanden waren und sie zn meinem Bedauern noch nicht vollständig beseitigt sind, in keiner Weise das Recht des ukraiiii'chen Volkes aus Selbstbestimmung beschräilken köiiuen und uns in keiner Weise daran gehindert haben, die unabhängige ukrainische Republik anzu- erkennen." Herr Trotzki kam hierauf aus daS Schicksal der besetzte» Gebiete zu sprechen und meinte, aus den bisherigen Aussührungen der deutschen Vertreter den Schluß ziehen zn können. daß die Entscheidung des Schicksals dieser Gebiete erfolgen solle ohne Rücksicht daraus, ob das eigene Volk bereits imstande sei, die Entscheidung in die e i g e n e H a n d zu nehmen. Er möchte demgegenüber der Meinung Ausdruck aeben, daß die ge- äußerte Ansicht mir die Ansichten der ruisisckien Delegation bestärken kann über die sehr untergeordnete kitolle, die Sie Rechts» Philosophie in der Frage der Entscheidung des Schicksals von Böllern spiele. DaS beziehe sich genau ebenso aus die RechlS- Philosophie deS obersten amerikanischen Gerichtshöfe S. Wer die Geschichte der Entscheidungen dieses obersten Gerichts- Hofes genau gelesen habe, der wisse, daß dieser Gerichtshof seine Rechtsphilosophie iehr häufig in diesem oder jenem Sinne geäiidm habe, je nachdem eS nötig gewesen sei, das Gebier der Vereinigten Staaten zu erweitern oder nicht. Er glaube, daß bezüglich dieser Frage es viel interessanter wäre, nicht eine Parallele zu ziehen mit der Entscheidung dcS obersten amerikanischen Gerichtshofes, sondern nlit den Änsichleii und Aussprüchen der- ienigeir englischen I u r i st e n, die ihr Recht begründeten uiid herleiteten, ihre amerikanische Kolonie in der Hand zu be- halten. Was die Form des VerhäudelnZ anlange, so Halle es die russische Delegation für notwendig, gerade diejenigen Punkte in den Vordergrund zu stellen, die den % Gegenstand von Meinungsverschiedenheiten Hilden und digs mit aller genügenden Entschlossenheit, weil nur in diesem Falle eine gerechte Lösung ge'unden werden könne. Der Vorsitzende der deutschen Delegation habe gefragt, aus welchen Quellen.die russische Delegation die Bcrechtigmig her- leite, sich für daS Schicksal der besetzten Länder zu interessieren, da sie crrlärk habe.' daß deren frühere Zugchörigkei: zu Rußland ihnen keinerlei völkerrechtliche Verpflichtungen gegenüber Rußland aus- erlege. Aber sein Recht, sich für das Schicksal dieser Gebiete zu interessieren, habe der Herr Staatssekretär nicht aus der nakten Tatsache der Besetzung hergeleitet, sondern aus dem Prinzip der Selbstbestimmungsrechts der Völker welches er allerdings etwas restriktiv interpretiert. Dieses Prinzip gclre aber nicht weniger für die russisch' Delegation und begründe hinreichend ihr Interesse au dem Schicksal derjenigen Völker, deren'Ausscheidung aus dem Bestände des frühcrc» russischen Kaiserreichs sie nicht per- hindere. Herr Trotzki schloß mit der Bemerkung, daß sich die russische Delegation selbstverständlich das Recht vorbehalte, eine genaue Aeutzerung abzugeben über den Charakter der Erklärungen, die heute vcröjen worden seien. Hierauf ergriff Staaissckrciär v. Kühlmann das Wort und führte nachstehendes' aus: Was die Rede des Herrn Generals Hoffniann betrifft, möchte ich sowohl für mich als für den Herrn General Hoffmann ausdrücklich das Recht vorbehalten, auf diese Angelegenheit zurückzukommen. Die staatsrechtliche Zuständigkeit des Deut- scheu Reiches hat der Herr Vorredner mit der genauen Kenntnis internationaler Verhältnisse, die er besitzt, vollkommen richtig charak- terisiert. Ter Herr Reichskanzler, der einzige verantwortliche Rcichswinister, erteilt ans dem gemmten Gebiete der ans- Uiärtigen Politik die für seine Organe niaßgebcndcu Jnstrnk» tivne». Ucbrigens ist es bei der engen politischen llebereinstimmung, in der ich mich mit Herrn General Hoffmaiin befinde, vollkommen selbstverständlich, daß zwischen unseren Auffassungen keinerlei Zwiespalt besteht. Ter grundlegende Unterschied zwischen unserer Auffassung und dir der russischen Delegation ist. daß wir im Gegen- satze zu ihr auf dcm Vorhaudeueu aufbauen, das; wir ohne Bruch und g e w a l t s a m e n ll e Hergang tu seilen Gegenden ein geordnetes Staat s l eben entstehen lassen wollen, und daß wir es ablehnen, aus reiner Liebedienerei gegen die Theorie erst einen luftleeren Raum zu schaffen und in einer bisher näher nicht bezeichneten Weise in diesem luitleeren Raum den Staat sich bilden zu lassen. Ueberrascht hat mich die geringschätzige Bewertung der Urteile des Obersten amerikanischen Gerichtshofes durch Herrn Trotzki. Mir erschien die Geschichte der Gründung dieser großen Republik ui'd ein Urteil ihres Obersten Gerichtshofes über einen Punkt dieser Geschichte nir die Beurteilung der zivischen uns schwebenden Kontroverse immerhin nicht ohne Bedeutung. Wenn der Herr Vorsitzende der.... im übrigen nehme ich»ber mit Be- fnedigling Notiz von dein Schlüsse der Ausführungen des Herrn Vorredners, daß er und seine Delegation nunmehr gesonnen sind, in die wirkliche T i Skiffs ion und Klärung der Einzelheiten der uns trennenden Auffassungen einzutreten. Dahin ist mein Bestreben von der ersten Stunde unserer Arbeiten an gegangen, und ich war der Anschauung, daß die. beiden schriftlich fixierten Darstellungen der gegenseitigen Standpunkte, wie sie vor der Weihnachtspause ccfolgt waren, als Unterlage für die Diskussion genügende Formulierung geboten" hatten. Jetzt schlage ich vor, uns an die weitere von der russischen Delegation vorgeschlagene Arbeitsmethode zu halten, um über die vier Punkte, wie sie in unsere Antwort aufgenommen worden sind, nun wirklich in die Dctaildiskussion einzukreien. Ich hoffe, daß wir dann in tvenigen Tagen so weit, sind, mit voller Klarheit und in dem vollen Gefühl der Verantwort- lichkeit zu sagen, ob die Schwierigkeiten überwunden werden können oder der hier gemachte Versuch aufgegeben werden muß. Herr Trotzki erklärte hierauf: Seines Erachtcus könne man jetzt zu der Beratung der beiden Antworten, die vorgeschlagen worden seien, übergehen. Er müsse jedoch uocknuals betonen, daß et in der Frage der Zurückziehung der Truppen in keiner Weise der Ansicht des deutschen Vorsitzenden beitreten könne, daß angeblich die Entfernung der BcsatzungStruppen hinter sich einen leeren Raum zurücklassen würde. Diejenigen Völker, die das Gebiet Polens, Litauens und Kurlands bewohnten, würden in keiner Weise in einer politisch schwierigen Lage sich befinden, wenn die Bcsatznngsruppen sie sich selbst überlassen würden. Inwieweit eS sich um technische Schwierigkeiten handelt, wie das Fehlen einer eigenen Eisenbahn. Post usw., so könne man in solchen Fragen stets zu einer Einigung gelangen, auch ohne Kontrolle von Besatzungstruppen. Demgegenüber wies Staatssekretär v. Kühlmann darauf hin, daß neben den technischen Gründen auch die Gründe der Sicher- h e i t. die in dem verlesenen Terte angeführt worden seien, in den betreffenden liegenden eine ychr, wichtige Rglle spielten. Sodanuc, beantragte Herr v. Kühlmann. nunmehr übev die von der russischen Delegation selbst vorgeschlagenen vier Punkte in der von ihr an- geregten'Ordnung in eine geschäftsmüHigr Behandlung einzutreten. Nachdem sich Herr Trotzki diesem Vorschlage angeschlossen hatte. wurde die Sitzung beendet und die nächste Sitzung fiir den folgenden Tag 11 Uhr vormittags anberaumt. die Kriegsziele öer Alliierten. Tie �-rage einer Einheitserklärnng. Ter römische Korrespondent der„Stampa" berichtet, der H a ii p t P u n k t d e r P a r i s c r K o n f e r e n z sei die Ab- gäbe einer ins einzelne gehenden Erklärung über die Kriegs» ziele der Alliierten und die Abfassung eines gemeinsamen, die gesamten Forderungen enthaltenden Dokuments. Die italienische Regierung habe einem derartigen Einhcits- dokument zugestimmt. Auch„Giornale d'Italia" be- zeichnet ein derartiges Dokument als erwünscht und wahr- scheinlich, hält es aber für nötig, darauf hinzuweisen, daß die Hauptpunkte des demokratischen Friedens dadurch keinerlei Veränderungen erfahren würden. �Au er ff er Stelle würden dieFordcrungenFraukreichs gegen- über Deutschland und Italiens gegenüber O e st c r r e i ch bestehen bleiben. Das; die Abgabe einer Einheitserklärnng schon entschiedene Sache sei, darf aus den italienischen Azußerlingen nicht geschlossen werden. Aber offenbar sind Bestrebungen im Gange, die dabin zielen, und in Italien gibt es Bejürchtungen, die annexionislischeir Hoffnungen könnten dabei zu kurz kommen. Schwere Unruhen in Spanien. Madrid, 1Z. Januar. lMeldnng der Agenee Havas.) Die durch die Teuerimg hervorgerufene Unzusriedenheit nimmt im größten Teil der Provinz immer größeren Uiniang uiid an einigen Punkten eine beiiiiruhigende Wendimg an. Telegramme aus Saniander, Malaga, Valencia und Barcelona berichlen über Kundgebungen, ausschließlich von Frauen veronstaliet. In Barcelona wurden 30 Frauen beim Einsturz der Treppe der Präiekiur, die von der Menge besetzt worden war, verwundet. In San ran der fanden Zusammenstöße zwischen Frauen und der Polizei statt. In Malaga warfen über 1000 Frauen mit Steinen gegen die Bürger» Häuser. Die städtischen Bureaus wurden beschädigt. Die Kaffee- Häuser und Klubs wurden durch Gendarmerie ge» räumt. Die Blätter drücken die Zuversicht aus, daß die Regie» rung die äußersten Anstrengungen machen werde, um der Lage Herr zu werden. Die Vorgänge in Malaga deuten darauf hin, daß es sich bei den Unruhen um noch mehr als Hungernnruhen handelt. Die Bewegung ist im Begriff, aus sozialen Erbitterungen in politische Revolution umzuschlagen. Aus Barcelona wird jetzt eine Bankettrede Lcrroux' vom 3i). Dezember bekannt, die aus Anlaß der republikanischen Erfolge bei den letzten Munizipalwahlen gehalten wurde. Lerrour erklärte, mit Pablo Jglesias, dem Sozialistensührer. und Malguia des A l p a r e z. dem Haupt der Reformisten, wünsche er allen Freunden kuudzutun, bereit zu sein für die Stunde der Opfer für ihr Ideal. Der Augenblick sei gekommen, wo die, welche sich selbst revolutionär neunten, beweisen könnten, daß sie es wirklich seien. Die Zensur untersagte den Zeitungen. die drohendsten Stellen der Reche Lerrour' mitzuteilen. Man liest sie aber soeben in AuslandLblättern. \ Weitere Verhandlungen in Srest-Litowsk. Technische Schwierigkeiten, die durch den Kriegszustand verursacht sind, zwingen uns. den in später Stunde cingelau- scncn Bericht trotz seiner Wichtigkeit zu kürze n. Red. d.„Vorwärts". ?tin 15. d. Mts. haben zwei weitere Sitzungen der dcutsch-öster- rcichisch-ungarisch-russischrn Kommissionen zur Negelutig der terci- torialen und politischen Fragen stattgesundeu. Der Bor sitzen de der russischen Delegation regte zunächst die Zuziehung von Vertretern der besetzten Gebiete an. Staatssekretär v. Kühl mann gab erneut seiner Bereitwillig- keit Ausdruck, solche Vertreter heranzuziehen, dies jedoch unter der schon früher festgelegten Voraussetzung, das; das Erscheinen dieser Vertreter in Brest-Litowsk auch von der russischen Delegation dahin aufgefaßt tverde, daß die Staatwerdnng dieser Gebiete durch die Zulassung ihrer Abgeordneten auch russischerscits wenigstens Prä- sumptiv anerkannt werde. Trotzki erklärte, nicht anerkennen zu koituen,� daß diese Ver- treter den Willen der gesamten Bevölkerung jener LÄtdcr zum Aus- druck zu bringen geeignet seien. Staatssekretär von Kühlmann stellte fest, daß die abweichenden Ansichten der verhandelnden Parteien sich nicht hätten vereinigen lassen, indem er hinzufügte, daß dieser Umstand an sich nicht not- wcndigerwcise zum Scheitern der Verhandlungen führen müsse. Indem Herr Trotzki zugab, daß die Fortsetzung der Debatte auf dem bisher behandelten Gebiet wenigstens im augenblicklichen Stadium der Berhaudlungen zwecklos erscheine, erklärte er, daß, wenn die seiner Ansicht nach erforderlichen Voraussetzungen für die Volksabstimmung gewährleistet seien, es für die praktische Lösung der Frage in der Tat gleichgültig sei, welches Organ von dieser oder jener Regierung in irgendeinem vorhergehenden Zeitpunkt präsumptiv anerkannt worden sei. Bei der Erörterung des vom Staatssekretär von Kühlmann gemachten Vorschlages, für die Vornahme der entscheidenden Ab- stimmungen in den besetzten Gebieten den Zeitraum zwischen dem Abschluß dgs Friedens mit Rußland und spätestens einem Jahre nach dem allgemeinen Friedensschluß anzusetzen, schnitt Herr Trotzki sofort die RäumungZfrage au. Er führte aus, daß keine genügenden Gründe vorlägen, die Schicksale der fraglichen Gebiete mit dem Verlaufe und weiteren Gang des Krieges zu verknüpfen. Nack weiterer Debatte stellte Staatssekretär K ü h l m ann fest, daß zwischen den Parteien l! ebercin sti in muirg herrsche in dem Wunsche» möglichst bald den durch den Krieg geschaffenen Zuständen ein Ende zu bereiten, wiederholte aber, daß es aus den dargelegten Gründen untunlich sei, die militärischen Sicherungen vorzeitig zu schwächen. » Die Nachulitiagssttzung wurde um 5 Uhr durch den Staatssekretär von Kühlmann mit längeren Ausführungen eröschet, in denen er sagte: Die verbündeten Delegationen sind von der vollkommen aus- richtigen Absicht geleitet, für die Abstimmung bzw. Wahl das höchst- möglichste Mas- von absoluter politischer Freiheit herzustellur, welches mit den Umständen verträglich ist. Eine gewisse Zahl bewaffneter und disziplinierter Streitkräfte sei aber zur Aufrechterhaltung der öffentlichen Ordnung notwendig, um den ökonomischen Betrieb des Landes in Gang zu halten. Die Gegenwart dieser Kräfte könne der Freiheit der Abstimmung in keiner Weise abträglich sein. Trotzki erklärte, er müsse sich erst über die Räumungsfrage völlige Klarheit verschaffen, die er bis jetzt noch nicht habe. Staatssekretär v. Kühlmann entgegnete, er könne keine Ge- währ dasiir übernehmen, daß innerhalb des Zeitraumes, der für die Abstimmung praktisch in Frage komme, mikikärische Erwägungen eine vollkommene Räumung des Gebietes möglich erscheinen lassen würden. Trotzki erklärte, daß die Gegenwart der in Frage stehenden organisierten Kräfte nach russiscistr Ansicht der Bedeutung der Ab- stimmuag sehr schweren Eintrag tun würden. Seiner Ansicht nach könne die Abstimmung erst stattfinden, wenn die Flüchtlinge und Evakuierten wieder in ihrer Mehrzahl in ihre Heimat zurückgekehrt seien. Staatssekretär von Kühl mann gab ohne weiteres zu, daß grundsätzlich Flüchtlinge berechtigt s ein sollten, in ihre Heimat zurückzukommen Revolverschüsse gegen Lenin. Petersburg, to. Januar. �Meldung der Petersburger Telegraphen- Ageuiur.) Als Lenin gestern eine Ableilung der sozialistüchen Roten Garde, die zur Front abging, begleitet halte und im Automobil zurückkehrte, wurden auf dieses vier Revolverschüsse ohne Erfolg abgefeuert. Ver Krieg auf öen Meeren. Berlin, 15. Januar. Neue U-Boots-Erfolge im Mittel- vl c c r: ein englischer Zerstörer unö 24 WÖ Hr.-R.-T. tzanöelsschiffsraum. Am 30. 12. hat eines unserer Unterseeboote, Kommandant Ober- leutnant z. S. Obcruiüllcr, vor Alexandrien einen große» de- waffnete», durch Fischdampfcr und Torpedobootszerstörer stark g e- sicherten, vollbesetzten Truppentransporter versenkt und darauf in kühnem Angriff den Zerstörer der Sicherung H 08 durch Torpcdotrcffcr vernichtet. Ter Transporter hatte nach Bc- obachtiing des U-Bootes anscheinend ausschließlich weiße Engländer an Bord. Unter den übrigen von unseren U-Booten versenkte» Schiffen, von denen die meisten für Italien bezw. die Engländer im Orient Ladung hatten, befand sich ein weiterer bewaffneter von Zerstörern gesicherter Transportdampser von etwa 5000 Tonnen sowie zwei mittelgroße Dampfer, die aus Gclcitzügcn heraus- gcschoffcn wurden. Ter Ehcf des Admiralstabcs der Marine. Amtlich. Berlin, 16. Januar. Am 14./15. Januar unternahmen leichte deutsche Streitkräfte einen Streifzug üurch üie südliche Nordsee. Tie trafen weder feindliche Kriegsschiffe noch Handclöfahrzeuge an, trotzdem sie nördlich der Themsemündung bis dicht unter die c n g l i s ch e K ü st e vorstießen. Dort nahmen sie wichtige Hafenanlagc« auf nächste Eutseriiunge» bei guter Beobachtung mit über 506 Schuh unter wirksames Artilleriefensr. Ter Ehef des AdniiralstabcS der Marine. Hauptausschuß. Tie Liquidation fremden Eigentums in den Reichslandcn Ter Hanptansschnß des Reichstags verhandelte am Mittwoch zunächst über die Liquidation der Werke der Familie de Wendel. Die Verhandlungen waren vertraulich. An den Ausciuandersetz- ungen beteiligten sich die Adgg. Dr. Eohn und Emmel, Staats- jcrciar ll. Stein, General v. Wrisderg und Abg. Gothein, der anregte, die auf Grund von Bundesratsverordnungen getroffenen Maßnahmen einmal auch auf ihre Rechtmäßigkeit zu prü- fen. Tie Abgg. Trimbor», Eberl und Liefching brachten zu der Angclegeichctt folgende Resolution ein: „Den Herrn Reichskanzler zu ersuchen, alsbald die crfordcr- liiben Maßnahmen zu treffen, um durch die Aussicht des Reichs über die Naturschäch lErze usw.) die Interessen der Allgemein- heit gegenüber den Syndikaten zu schützen." Diese Resolution wünscht, daß die vorhandenen Erze nnier staatliche Kontrolle gestellt werden, namentlich nachdem von den Jntereyenten immer behauptet tvird, unsere Erzvorkommen seien derart knapp, daß wir unbedingt die Erzbecken von Longwy und Brie he annektieren müßten. Staatssekretär v. Stein erklärte, daß man den iü dieser Resolution geäußerten Wünschen bereits Rechnung getragen habe. Wie die Sacke gesetz- geberisch festzulegen sei. werde noch erwogen. Eine weitere Re- solution Gothein, Eberl, Stöbe wünscht, den Herrn Reickstkanglcr zu ersuchen, zu verhindern, daß durch den Zuschlag die gesamten de Wcndclschen Werte und Erzfelder in den Jnteressenkreis des Stahlwcrksverbandcs übergehen. � Diese Resolution tvurde zunächst dem Unterausschuß überwiesen. Tie Resolution Trimborn, Eberl und Liesching wird mit großer Mehrheit u n g e n o ni m e n an g .....----,...——-- beteiligt ff n � chvzberger den Antrag, die ganze Angelegenheit eventuell noch einmal an den Unterausschuß zurückzuweisen, mit der Maßgabe daß der Berkaus nicht eher stattfinden soll, als bis der Untevausichuß Bericht erstattet hat. Dieser Antrag wurde nach langer Debatte einstimmig angenommen.— Die nächste Sitzung findet Donnerstag nachmittag 3 Uhr statt. Tages- ordnung: Saisonarbeiter, Zcnsurdebaitc, Belagerungszustand. Gstelbisches Radikalmittel gegen den Hunger Man nehme den Verbrauchern ihr Lehtes. Endlich erfahren wir, daß unsere Ernährungspolitik bisher ganz falsche Wege gegangen ist. Es war der größte Unsinq, die Er- zeug er zu kontrollieren, daß sie ihre Erzeugnisse abliefern. Kontrolliert werden muß der Verbraucher, daß er nicht zu viel ißt. Und entdeckt man einen, der über die staatlichen Rationen hinausschlemmt und ettva 8 Pfund Kartoffeln statt 7 Pfund in der Woche verzehrt hat, so gibt es ein einfaches Mittel gegen ihn: man gibt ihm überhaupt nichts mehr und nimmt ihm weg, lo a s er noch etwa besitzt. Dann mag der ver- frcsscne Kerl Hungers sterben, damit ist wenigstens die Ratton eines lästigen Verbrauchers erspart, und von dem Dahingeschiedenen kann man sagen:„Sein Leiden war kurz." Das ist kein Witz. Es ist o st e l b i s ch e P? a h r h e i t. Der Vorsitzende des Kreisansschusses von Wöllstein(im Wahlkreise des Grafen Westarp), ein Herr von Lücke, zeichnet als der Er- sindcr dieses patentwürdigen Verfahrens. Herr von Lücke hat nämlich entdeckt, daß einige seiner kreiscingesessenen Verbraucher den ihnen zugewiesenen Wintcrvorrat an Kartoffeln nicht fein säuberlich in Wochcnrationen a 7 Pfund eingeteilt haben. Ihr unverschämter Hunger hat sie angetrieben, 8 oder gar 9 Pfund wöchentlich zu verzehren. Und deswegen dekretiert Herr von Lücke, nachdem er kategorisch jeden Ersatz des Mehrverbrauchs abge- lehnt hat: Es werden von fetzt ab in den Haushaltungen regel- mäßige Revisionen der Kartoffclvorräte borge- nommen und wird Haushaltniigc», welche die Kartoffeln nicht ordnungsmäßig aufbewahrt oder über den Tagcssatz hinaus da- von verzehrt haben, der Rest der Kartoffeln weggenommen, auch der Fall im Kreisblatt bekannt gegeben werden. Wöllstein, den 29. Dezember 1917. Der Vorsitzende des Kreisausschusses, von Lücke. Die Bekanntgabe im Kreisblatt findet unfern Beifall. Plan sollte sie gleich in der Form einer Todesanzeige abfassen, etwa in der Form:„In 1-1 Tagen wird an Hungers sterben mein heiß- geliebter versorgungSbcrcchtigter Kreisinsasse Max Müller, nachdem ich, der Landrat, ihm seinen Kartoffelvorrat für den Winter wegen Völlerei entziehen mußte. Dies zeigt in tiefstem Schmerz an der Vorsitzende des Kreisausschusscs von Lücke." Natürlich hat der Staat auch die Beerdigungskosten zu übernehmen. dürfen öieHöchftpreise überschritten weröen l In der Sonntagnummer statten wir einen Leitartikol ver- öffentlicht, der die Ueberschrift trug:„Uebcrschreitung der Höchstpreise erlaubt!" Hierzu erstalten wir voin Kriegser- nährungsamt nachstestende Zuschrift: „In der SonntagSausgabe des„Vorwärts" vom 13. d. Mts. brachten Sic unter der Ueberschrift„Neues zur Neuköllner Denk- schrift" eine Nachricht, nach welcher in einer Sitzung in der Reichs- stelle für Gemüse und Obst der RegierungSrat Ratzlaff, der die Verhandlungen leitete, erklärt haben soll, daß an eine Junehaltung der Höchstpreise für Gemüse vorläusig nicht gedacht Iverden könne. Die Gemeinden hätten das Recht, bis die Kon- kurrcnz der Großbetriebe beseitigt wäre, die Höchstpreise zu überschreiten. Der Termin, von lvelchcm ab dies nicht mehr zulässig sei, werde noch bekanntgegeben werden. Die vom Kriegsernährungsamt sogleich veranlaßten Ermitt- lungen haben ergeben, daß die obige Darstellung unzutreffend iit. In jener«Atzung, die am 19. Dezember stattfand, wollte der RegierungSrat Ratzlaff als Leiter der neucrrichteten Kontroll- abteilimg der Reichsstelle von den Vertretern der Groß-Berliner Gemeinden die Mithilfe bei Bekämpfung der Ueberschreitungen von Höchstpreisen in der Weise erlvirkcn, d a ß i h.m jedes Angebot. das ei n e Höchstpreisüberschreitung enthalte, zur Verfolgung mitgeteilt werde. Die Ware sollte alsdann beschlagnahmt und dem Äommunalverbande, der die Mitteilung ge- macht habe, zum Höchstpreise überwiesen werden. Die Vertreter der Groß-Berliner Gemeinden waren hierzu an sich bereit, machten aber ihre Zustimmung von der Bedingung abhängig, daß die samt- liehen Kommunalverbände und Großbetriebe Deutschlands zu einem gleichen Vorgehen gezwungen würden, damit nicht Eroß-Lerlin in Nachteil käme. Regierungsrat Ratzlaff stellte dies am Schlüsse der Sitzung als übcroinsrimmendc Ansicht der anwesenden Groß-Berliner Vertreter fest, versprach die Entscheidung des Vorsitzenden der Reichsstelle darüber einzuholen und, bis diese gefallen sei, in der Berfolgunz von Höchstpreisuberschrcitutigen nach Möglichkeit mit tunlichster Schonung zu verfahren. Er fügte aber ausdrücklich hin- zu, daß trotzdem die Kommunalverbände verpflichtet blieben, sich streng an die Höchstpreise zu halten. Ter-Vorsitzende der Reichsstelle ließ, als er zwei Tage später von dem Verlaufe der Sitzung Kenntnis erhielt, sogleich allen be- teiligt gewesenen Groß-Berliner Gemeinden tckephonicren, daß er es zurückweisen müsse, sich von irgend jemand, wer es auch sei, für die Befolgung gegebener gesetzlicher Vorschriften Bedingungen stellen zu lassen." Soweit die Mitteilung des Kriegsernährungsonttes. ES ist daraus zu schließen, daß der größte Teil unseres Berichts zutreffend ist, wonach die Konununalvertreter glaubten, die Beseitigung der bisherigen Mißstände sei nur durch eine Abänderung des Systems zu erreichen. Nur der Schluß des Bc- richts soll eine unzutreffende Darstellung enthalten. Wir ver- mögen uns dieser Auffassung des Kriegseruäbrungsamts nicht anzuschließen. ES wird doch zugegeben, daß der Vorsitzende am Schluß seiner Ausführungen verspach, bis zur Entscheidung des Vorsitzenden der Neichsstclle i n d e r V e r f o l gn n g von Hoch st p r e i s ü b e r s ch r e i t u n g e n n a d) Möglichkeit mit tun! sich st e r Schonung zu v er- fahren. T-aS ist das entscheidende Moment. Wie mutzte nun diese Aeußerung von den anwesenden Kommunalver- tretern aufgefaßt werden? Sie tonnte nur so aufgefaßt werden, daß Höchstpreis- Überschreilungen erlaubt seien, denn was anderes heißt es denn„nach Möglichkeit mit tunlichsteer Schonung verfahren". Soweit wie wir die Rechtslage beurteilen können, gibt es doch nur zweierlei, entweder man bringt Höchstpreisüberschmtun- gen zur Anzeige und dann setzt doch das Gericht die evtl. Strafen fest', oder man nimmt von Anzeigen Abstand. Wollte man letzteres mit den erwähnten Worten andeuten, so mutzte trotz des Nachsatzes, daß„die Gemeinden verpflichtet blieben". die Auffassung entstehen, daß die Ueberschreitting der Höchstpreise erlaubt sei. Daß sie entstanden ist, beweisen ja die uns zugegangenen Berichte, die wir als Unterlage unseres Lest- artikels benutzt haben.__ Stichwahltermin Baußcn-Kamenz. Die Stichwahl im 3. sächsischen ReichstagswckhlkreiS Bantzen-Kamenz ist auf den 25. Januar festgesetzt. Der kranke Vizekanzler. Die„Kölnische Zeitung" meldet aus Stuttgart vom 13. Januar: Ter Gesundheitszustand des Vize- kanzlers von Payer hat sich, wie man hört, so weit ge- bessert, daß er voraussichtlich noch in diesem Monat seine Tätigkeit in Berlin wird aufnehmen können. Bayern in Brest-Litvwsk. Die„Bayerische Staatszeitung" meldet: Nach Verabredungen mit der Reichsleitung wird an den Friedensverhandlungen mit Ruhland auch ein bayerischer Vertreter teilnehmen. Er wird als Mitglied der bestehenden Delegation des Deutschen Reiches durch den Reichs- kanzler seine Instruktionen erhalten. Als bayerischer Vertreter ist mit Genehmigung Seiner Majestät des Königs Staatsministcr Dr. Graf von Podewils bestimmt worden. Der ironische Seherkobold. In der„Deutschen Tageszeitung" lesen wir folgende Erkläriuig: „Das„Berliner Tageblatt" veröffentlicht am 9. Januar 1918 ein Schreibe», welches an zahlreiche �Mitglieder der Deutschen Vaterlandspartei verschickt sei und zu einem Trommelfeuer von Eingabe« auffordere. Mit diesem Schreiben hat der Vorstand der Deutschen Vater- lairdspartei nichts zu tun; es ist, wie Rachforschungen er- geben haben, ahne seine Kenntnis von einem einzelnen M i t gl i e de verschickt worden. Der Vorstand der Deutschen Vaterlandspartei mißbilligt, tvie sich von selbst versteht, em�der- artiges Vorgeheü auf das entschtedcnstc." sind u. a. folgende BeileidSkundgebungen eingetroffen: Mit der letzten Zcitc hat der Sctzcrkobold politisches Verständnis bewiesen._ Lettte Nackrichten. Schwere Explosion im Betriebe der A. E. G. In einem Fabrikraum der A. E. G., Brunnenstr. 1972, ent- stand gestern vormittag aus noch nicht aufgeklärter Ursache eine schwere Explosion. Von den in dem Räume anwesenden Personen wurde die 26jährige Arbeitersfrau Ida Kuczcwski aus der Kolbcrger Straße, deren Ehemann im Felde steht, in Stücke gerissen und auf der Stelle getötet. Durch umherfliegende Eisen-, Holz- und Glassplitter wurden verletzt die 26jährige Arbeiterin Margarethe Schlagowski, Linieustr. 66, die 23jährige Arbeiterin Luise Polei, Schwedter Str. 239, die 21 Jahre alte Arbeiterin Erna Grothe, Uckermündcr Str. 9, die in demselben Alter stehende Arbeiterin Marie Meyer, Putbuscr Str. 11 und die 27jährige Arbeiterin Frau Elly Schwenzlcr, Pasteurstr. 49 Gleich- zeitig erlitten die Verunglückten infolge sich entwickeln- der Säuredämpse Vergiftungen. Die Verletzten wurden sämtlich dem Lazarus-Krankenhausc, die Leiche der Frau Ida Kuczewski dem Schauhause zugeführt. Caillaux' angeblicher Plan. Nach einer Meldung �Ser„Giornale d'Jtalia" soll in Florenz ein geheimer Plan Caillaux' ffir den Fall seiner Ministerpräsident- schaff entdeckt worden sein. Caillaux würde die Verhaftung PoincarcS und aller derjenigen, die die.öffentlichen Angelegenheiten Frankreichs in jeuer letzten Zeit leiteten, mit Einschluß Briands, angeordnet haben. Dieses Programm sah die Schaffung neuer Staatsorgane vor, wobei der gesamte militärische Oberbefehl an der Front dem General Sarrail anvertraut und nach Paris zwei Sonderregimenter, aus korsischen Soldaten gebildet, berufen werben sollten mit ihren Generalen, die Caillaux als seine ergebensten Freunde betrachtete. Er hätte dann durch die Kammer das Projekt genehmigen lassen, das Caillaux den„Rubikon" nannte und das ihm die absolute Gewalt gab. Es handelte sich um einen wirklichen Staatsstreich. Kammer und Senat würden aufgelöst worden sein. Gleichzeitig hätte Frankreich die äußerste Anstrengung zu machen gehabt, um irgend- einen Sieg an der Front und einen diplomatischen Sieg davon zu tragen, um im Glänze dieses Sieges einer V o l k s a b st i m ni u u g den Friedensvorschlag und den Friedensvertrag unterbreiten zu können.(??) Paris, 16. Jaiiuar.(HavaS.) C o m v y, der in die Ange- legenhcit Caillaux verwickelt ist, ist Dienstagabend im Zimmer des Polizeikommissars, wohin er gerufen worden war, um Aufschlüsse zu geben, verhaftet worden. Comb» wurde unmittelbar darauf in das Gefängnis La Santo abgeführt. Große Warensfhiebtingen ansgedcckt. B e u t h c n, 16. Januar. Das Kricgswuchcramt befchkag. nahmte verschobene WarenimWcrtevon� Million Mark. Eine Anzahl hiesiger Geschäftsleute wurde in Haft genommen. GeweMWsbewWng Konferenz öer Tabakarbeiter. Im November hatte eine Konferenz der Vertrete: des freien. des christlichen und des Hirsch-Dunckerschen TabakarbeiterverüandeZ die Forderung an die Fabrikanten gestellt, datz die bisher gewähr- ten Zulagen guf 60 v. H. der Friedenslöhne zu erhöhen seien. Die Folgerung wurde den Fabrikantenorganifationen sofort unter- breitet. Bevor noch der Deutsche Tabakverein Stellung zu den Forderungen genommen hatte, einpfählen einige ferner Unterver- bände, so der Bezirksverem Giesten und Umgebung, der Verband der Untermaingegcnd und der Fabrikantenverband für Hamburg- Altona ihren Mitgliedern eine Erhöhung der Zulagen auf SO v. H. der Friedenslöhne. Auch der Westfälische Zigarren fabrikanten- verein, der dem Deutschen Tabakvercin nicht angeschlossen ist, empfahl, die Zulagen für Zigacrenarbeiter auf SV v. H.. für Sortierer auf 35 v. H. zu erhöhen. Der Zentralverband Deutscher Zigarrenfabrikanten, eine Vereinigung der mittleren und kleinen Fabrikanten, beschloß, die Zulagen auf SO v. H. zu erhöhen, da- gegen erhöhte die Hamburg-Altonaer Ortsgruppe dieses Verbandes die Löhne auf 60 v. H. der Friedenslöhne. Dann nahm der Deutsche Tabakverein in einer Sitzung seines Ausschusses am 13. Iairuar 101 8� Stellung und beschloß,„daß den Bezirksverbänden und Jach- verbänden(Nanchtabak-, Kautabak- und Schnupftabakbranche) eine Erhöhung oeS Kriegszuschlages bis zu SV v.£>. auf die FriedcnS- löhne anheimgegeben werden soll, wobei die nicht als Kriegszuschlag gewährten Lohnsteigerungen mit eingerechnet sein sollen, die Durchführung im einzelnen aber den Bezirksvereinen bzw. den Betrieben zu überlassen". Nachdem der Dcirtsche Tabakverein so beschlosten, hat eine weitere Reihe Unterverband« dieser Organi, stuion Stellung genommen und den Arbeiterorganisationen das Resultat mitgeteilt, während andere«S bisher nicht für nötig gehalten haben, überhaupt Stellung zu nehmen oder die Arbeiter- verbände von den: Resultat ihrer Beschlüsse zu unterrichten. Am 10. Januar 1018 fand nun wiederum eine Konferenz der drei Tabakarbeiterverbänd« in Frankfurt a. M. statt, um zu den Beschlüssen der Fabrikantenorganisationen Stellung zu nehmen. Th Aussprache auf dieser Konferenz war eine lebhafte. Allge- meine Verwunderung kam darüber zum Ausdruck, daß e-Z sowohl der Deutsche Tabakverein wie die übrigen Fabrikantenorganisa- tionen nicht zu einer vollen Anerkennung der Arbeitersorderungcn bättön kommen lassen, zumal eine größere Anzahl Fabrikanten beute 60 u. H. und mehr als Lohn- bzw. Teuerungszulagen zahlten. El. sei auch angesichts der hohen Fabrikatpreise heute sehr wohl möglich, eiue solche Erhöhung des Lohnes vorzunehmen. Wenn jene Fabrikanten, die starte HeereSlieferungen hätten, ivegen der ihnen gezahlten Preise die Zulagen nicht auf 60 v. H. erhöhen könnten, wie sie sagen, so möchten st« an geeigneter Stelle stch um höhere Preise bemühen: die Tabakarbeiter könnten darunter nicht leiden, zumal eine Erhöbung der Zulagen auf 60 v. H. angesichts der fürchterlichen Teuerung eine bescheidene Forderung sei. Sehr getadelt wurde der Beschluß verschiedener BezirtSverbSnde der Fabrikanten, einen Unterschied iu den Zulagen bei den verschiede- ncn Gruppen d-w Arbeiter zu machen. Während man den Zigarren- arbeitern und Wickclmachern 50 v. H. gewähren wolle, habe man z. B. für Sortierer, Bekleber, Zurichter usw. niedrigere Normen in Aussicht genommen. Schließlich einigte sich die Konferenz auf folgende Entschließung: „Die am 10. Januar 1018 in Frankfurt a. M. tagende Konferenz der drei Tabakarbeiterverbände bedauert, daß es in der Tnbak- industrie infolge des Verhaltens der Fabrikantenorganisationen immer noch nicht möglich gewesen ist, eine einheitliche Regelung der Wünsche der Tabakarbeiter betr. die Zulagen zu erzielen. Die Konferenz erklärt, daß sie es nach wie vor für nötig hält, die Lohn- fragen auf zentraler Grundlage zu regeln, um lo zu gesunden Zu- ständen aus dem Gebiete der Lohn- und Arbeitsverhältnisse zu kommen. Die Konferenz ist der Meinung, daß gerade in der gegenwärtigen Zeit die einheitliche Regelung der Lohn» und Arbeiisverbältnisse am besten gefördert werden kann. Bezüglich der Wünsche der drei Tabakarbeiterverbänd«. wie sie die Verireterkonferenz am 16. November 1017 formuliert hat, bringt die heutige Konferenz mit Bedauern zum Ausdruck, daß die gewünschten 60 v. H. Zulage nicht von allen Organisationen der Fabrikanten ihren Mitgliedern gegenüber zur Zahlung empfohlen worden sind. Ferner hält cS die Konferenz für ungerechtfertigt, daß die einzelnen Gruppen der Tabakarbcitcr von einem Teil der Fabrikantenorganisationen bezügl. der Zulagen verschieden be- handelt werden. Die Konferenz der drei Tabakarbeiterverbände empfiehlt nun- mehr der Tabakarbeitcrschaft, als Mindestzulage überall 50 v. H. zu erstreben und dort, wo eine solche Zulage nicht gemacht worden ist. erneUt mit Hilfe der Organisationen vorzugehen, um so zu der nötigen Einheitlichkeit in der Zulagengewährung zu kommen und die Lebenshaltung der Tabakarbeiterschaft zu verbessern." Es wird nun das Bestreben der Tabakarbeiter und ihrer drei Organisationen sein, die Zulagen, die bisher meistens 30— 35 b. H. betrugen, auf mindestens 50 v. H. zu bringen, soweit sie durch die Bewegung nicht bereits auf diesen Satz gebracht sind. Sie säen nicht«nd ernten doch: Obwohl die deutsche Gewerkschastsbewegung im letzten Jahr von einer erfreulichen Zunahme ihrer Kämpferschar berichten konnte, gibt eS leider noch viele hunderttausend Arbeiter und Arbeiterinnen. die sich ihrer Pflicht zum Beitritt ihrer Berussorganisation ent- ziehen. Die Mehrzahl unter ihnen wissen es wohl, wem sie es zu verdanken haben, daß ihre Löhne und Teuerungszulagen mit den immer höher gestiegenen Lebensmittelpreisen eine ständige Erhöbung gefunden babcn. ES ist ihnen bekannt, daß sie in den Genuß des erhöhten Verdienstes nur durch die rege und aufopferungsvolle Tätigkeit ibrer organisierten Berufsgenossen und deren Funktionäre gekommen sind. Gleichwohl scheuen jene der Organisation Fern» stehenden sich, auch ihrerseits die Pflichten eines wahren Menschen gegenüber ihren Berufs- und Klasiengenosien zu erfüllen. Datz sie i» ihrer absichtlichen, nur aus egoistischen Motiven entsprungenen Drückebergerei Verrat an ihren Mitmenschen üben, datz sie durch ihr LlbicitSsteben den Kampf der Arbeiterklasse um bessere Lohn- nnd Arbeitsbedingungen erschweren und seine Erfolge verlangsamen helfen, scheint jenen vielen, die nicht säen, aber doch gern ernten, nicht immer klar zum Bewußtsein zu kommen. Um wie vieles könnte die Gewerkschaftsbewegung mächtiger fein, wenn sich alle die der Organisation Fernstehenden an ihre Pflichten erinnerten. Und ahnen jene abseits stehenden, opferscheuen Arbeiter und Arbeiterinnen nicht, datz nach dem Kriege die Gewerkschaftsbewegung auf Grund der dann eintretenden schwankenden BeichäftigungSlage vor große, heute noch gar nicht zu übersehende Aufgaben gestellt werden kann? Viele mögen vielleicht die Absicht haben, erst dann, wenn nach Beendigung deS Krieges die Arbeitsbedingungen die ungünstigsten seien, der Organisation beizutreten. Die so kalkulieren, sind schlechte Rechner. Will und soll die Se» wcrischaftöbewegung der mannigfachen Schwierigkeiten, die sich aus dem späteren, langsamer Erholung bedürfenden Wirtschaftsleben er» geben, Herr werden, so bedarf diese schon heute der materi» ellen und ideellen Unterstützung aller Arbeiter und Arbeiterinnen. Nur dann können die einzelnen Berufs- organisationen ihren großen Aufgabenkreis erfüllen und— was die Hauptsach« ist— ihre Berufsangehörigen vor aller stch aus der Ungunst der Arbeitslage erwachsenden Unbill und deS zu erwarten» de» Lohndrucks schützen. Und diejenigen, die gewisser» maßen zu den absichtlich parasitären Genießern der organi» satorischen Früchte gehören, mögen sich gesagt sein lassen, daß ihr Beginnen ebenso verwerflich wie verabscheuungswürdig ist. Wer in Ruhe und Gemächlichkeit Früchte genießt, die er anstatt seiner eigenen fremder Anstrengung verdankt, führt ein würde- loses Leben. Wer die Früchte seiner organifierien, auf die ständige Ver- besierung der Arbeitsbedingungen drängenden Berusskollegen erntet und bisher noch nichts zu ihrer Unterstützung getan hat, der komme daher dieser Pflicht nach. Im Interesse der Daheimgeblicbenen wie der später wieder zu uns Zurückkehrenden laute die Parole für jeden einzelnen: Hinein in die GewerkschaflSorganisation! Zum Streik i» den städtischen Betrieben Warschaus. Warschau, 15. Januar. Deui Streik der Arbeiter und Be- amten der städtischen Betriebe hat sich auch das technische Personal der städtischen Theater angeschlossen. Eine Anzahl öffentlich: WohlfahrtSeinrichtungen, wie Feuerwehr und Miliz, streiken nicht. Damen und Studenten haben sich auf Aufforderung des Stadt- Präsidiums mit barmherzigen Schwestern zur Krankenpflege zur Verfügung gestellt. Die Ansprüche»er Angestellten an die Stadt erstrecken sich nach Mitteilung des Magistrats auf mehrere Mil- lionen. Der stellvertretende Stadtpräsident Dr. Lewiecki fordert zur Wiederaufnahme der Arbeit aus. Behördlicherseits sind Maß- nahmen vorgesehen, um den Gang der für die Bevölkerung wich- tigsten städtischen Betriebe aufrechtzuerhalten. Parteinachrichten. Sozialistische Parteitage in Oesterreich. In L a i b a ch fand der zehnte Kongreß der s ü d s I a w i sch« n Sozialiften statt. Er beschäftigte sich im Anschluß an Referate der Genossen Pctejan und Tuma sTriest) mit der Stellung der Partei zum österreichischen Staat. Die Beratungen gipfelten in einer Eni- schließung, welche'die ruffische Revolution als erste wirklich prole- tarischc Revolution begrüßt, das Auseinandersallen der Jnternatio- nale beklagt und ihre möglichst baldige Wiedercrufrichtung fordert; für die ö st erreicht scheu Völker wird die Vereint- gung aller kroatischen, slowenischen und serbi- scheu Gebiete zu einem innerhalb des ö st erreicht- schen Staate nverban des autonomen Staat mit weitgehendster Selbstverwaltung verlangt. Em Sieg der Entente würde zu imperialistischen Einmischungen auf dem Balkan führen und die geistige, wirtschaftliche und kultu- relle Entwicklung der südflawischen Gebiete-bedeutend hemmen. Der zentral istische Flügel der tschechischen Sozialdemokratie, d. h. die kleine tschechische Minderheit, die im Gegen stttz zur tschechoslawi schen Sozialdnnokraiie an der Ein- heitsorganisation des Proletariats in Oesterreich festhält, hielt in Brünn eine Reichskonferenz ab. Diese forderte Zuziehung der Parlamente zu den Friedensverhandlungen und SelbstbestimmungS- recht auch für da? tschechische Volk, das noch seiner demokratischen Vergangenheit selbst am besten über seine Interessen entscheiden und die Lostrennnng von Teilen anderer Völker von ihrem Volksganzen vermeiden werde. Die ffchechischen Arbeiter müßten aus dem Schlepptau des Bürgertums bsfreft und zum Kanipf gegen den Rationalismus vereinigt werden._ Die Konferenz sprach sich für Z i m m e r w a l d aus, will aber mit allen sozialistischen Richtungen in den besten Beziehungen bleiben. Einer etwaigen Wiederver- einigung mit der tschcchoflawischcn Sozialdemokratie steht sie shm- pathisck gegenüber, aber von Verschmelzung mit den chauvinistischen tschechischen Ralionalsozialen will sie nichts wissen. Soziales� Ariestsfürsorgeamt»nd Sekretariat für jüdische Arbeiter. Die aus dem Okkupationsgebiete nach Deutschland einge- wanderten Arbeiter befinden sich hier in sebr unangenehmer Lage. Aufenthaltsbeschränkungen. Mißtrauen und Vorurteil iragcn gemein- sam dazu bei. Kommt dazu noch, daß der Eingewanderte der dein- schen Sprache nicht möchtig ist. wie es vielfach ist. dann steigern sich leider die Unannehmlichkeiten häufig ins Ungemessene. Besonders haben die jüdischen Arbeiter darunter zu leiden. Um diesen hilfreich zur Seite zu stehen, haben sich eine Reihe jüdischer Organisationen zur Gründung eine?.ArbeiterfürsingeamteL der Jüdischen Organi- sationcn Deutschlands" zusammengeschlossen, zu dessen Vorsitzenden Herr Dr. jur. Adolf Friedemann gewählt ist. Die General« kommission der Gewerkschaften hat im Einvernehmen mit dem neuen Arbciterfürsorgeamt ein Sekretariat für ostjndische Arbeiter er- richtet. Die Aufgabe des gegründeten ArbeiterfürsorgeamteS wird darin bestehen, die Interessen der zahlreichen gegenwärtig in Deutschland lebenden jüdischen Arbeiter aus den Ostgebieten nach jeder Richtung hin zu wahren: in den Arbeitskreis des Sekretariats wird ins» besondere die Schlichtung von Streitigkeiten mit den Arbeitgebern und der Rechtsschutz fallen. Die Generalkommisfion der Gewerkschaften Deutschlands selbst bat die Errichtung des Sekretariats folgendermaßen bekanntgegeben: Ein Sekretariat für ostjüdische Arbeiter. Zur Wahrung der Interessen der ani dem Okkupationsgebiete nach Deutschland eingewanderten jüdischen Arbeiter ist in Berlin ein Sekretariat für ostjüdtsche Arbeiter ins Leben gerufen worden. Die Aufgaben des Sekretariats sind: Aufnahme von Beschwerden und Gewährung von Rechtsschutz, AuSlünfle über ArbeitSvermitUung, Zuführung der jüdischen Arbeiter an die betreffenden Berufsorgani- lalionen wie überhaupt jede Wahrnehmung ihrer Arbeitsangelegen- heiten. DaS Sekretariat wird vom Genossen Jsaac Kornfeld geleitet. Die jüdischen Arbeiter können sich mit dem Sekretariat direkt oder durch Bermiltlung der lokalen Arbeitersekretariote in Verbindung setzen. Die Korrespondenz kann in deutscher, jiddischer oder polnischer Sprache crfolflen. Da« Bureau des Sekretariats, welches seit dem 1. Januar 1018 seine Tätigkeit aufgenommen hat, ist der Genera!» kommilsion der Gewerkschaften angegliedert und befindet sich im GewerkichaftShauS, Berlin SO 16, Engclufcr 15 IY, wohin auch alle Zuschriften zu richten sind. Die Geschäftsstelle des„ArbeiterfürsorgeamteS der Jüdischen Organisationen Deutschlands" befindet sich in Berlin IV 8, Fran- zösischc Str. 10.__ Welche Geoossenschaft ist zuständig? Der Schlosser Sck. war bei Umbaute» in der Biltoriamühle. Schlesische Straße, beschäftigt gewesen. Hierbei verunglückte er am 21. September 1014. Die iür die Folgen des Unfalls in Anspruch aenonimene Müllerei-Bcrussflenossenschaft wies den Anspruch des Verletzten zurück, weil der Unfall nicht beim Mühlenbetriebc, sondern bei einem Eigenboubelriebe der Firma geschehen ist. mithin die Nordöstliche BaugewerkS-BerufSgenosienschaft zuständig sei. Auch die vorläufige Fürsorge iür den Verletzten zu gewähren, wurde von der VerusSgenossenichast mit der Begründung abgelehnt, daß ent- schädigungSpflicht'ge Folgen deS Unfalls nicht zurückgeblieben seien. Damit kam die Genosienschost um die Bestimmung des§ 1736 der ReichSveesicherungöordnung herum, welcher besagt, daß die zuerst angegangene Genossenschaft die Fürsorge zu übernehmen bat. sich aber mit dem anderen in Betracht kommenden VersicherungstrSger auSeinandeisetzen kann. Wird dann von dem anderen angegangenen Versicherungsträger gleichfalls die Entschädigungspflichl verneint, so ist nach§ 1736 a. a. O. die Sache dem Reichsversicherungsamt zu unterbreiten. Das Oberverficherungsamt erhob Beweis und verurteilte die Müllsrei-BerufSgenossenschast zur Zahlung einer Rente, weil der Kläger bei einer Tätigkeil, die im Interesse des Mühlenbetriebes ausgeübt wurde, den Unfall erlitt, entschädigungspflichtige Unfall- folgen lägen vor. Tie Müllerei-Berufsgenössenschaft legte gegen diese Entscheidung Rekurs ein. Derselbe wurde jedoch vom ReichSversicheruugsamt zurück gewiesen. AuS der Begründung lassen wir deS Allgemeininiercsses wegen folgende Sätze folgen: „Bei den umfangreichen Arbeiten der Firma Viktoria-Müble handelte es sich um Arbeiten, die nicht dem laufenden Müllerei» betriebe zugerechnet werden können, die aber in ihrer Geiarnlbeit versicherungsrechtlich als solche Arbeiten anzusehen sind, die aus die Vorbereitung eines Unternehmens, auch die Neuherstellung des MüblenbetriebeS gerichtet waren. Verrichtungen, die vor der Eröffnung eines Getriebes zu seiner Vorbereitung vorgenoinmen werden, unterliegen, wie das Reichs-Bersicherungsamt wiederholt ein- schieden hat. der' Verstcherung bei dem BersicherungSträger. dem der Betrieb demnächst angehören wird lzu vergleichen Handbuch der Uu» fallversicherung, 2. Auflage, Band I, Anmerkung 24, Abs. 1 zu d 1 des Gewerbe-UnfallversicherungSgcsetzes Seite 67). Es kommi da- her nicht darauf an, ob der Kläger lediglich für die Zeit des Um- baues von der Viktoriamiihle eingestellt war, wie die Beklagte be- bauptet, oder auch sonst als Schlosser für laufende Reparaturcir im Mühlenbetriebe, wie die Arbeiigeberin des Klägers angegeben Hai. Für die Folgen seines Unfalls vom 21. September 1914, der sich einige Wocken nach Wiederaufnahme drS MühlenbelriebeS ereignete, haftet in jedem Fall die Beklagte." ?nöustrie unö kanöel. Ter englische Außenhandel. Die gesamte Einfuhr Englands erreichte im letzten Jahre eine Höhe von 1065 256 407 Pfund Sterling(21,3 Milliarden Mark, gegen 048 506 492 Pfund Sterling im Jahre 1016. Tie gesamte A u S f u!> r im Jahre 1017 bezifferte siib auf 525 308 001 Pfund Sterling<10,5 Milliarden Mark) gegen 506 270 707 Pfund Sterling in 1016. WiederauSgcführt wurden im Dezember Waren im Werte von 3170 587 Pfund Sterling gegen 6 018 633 Pfund Sterling in der entsprechenden BorjahrSpcrrode. Tie gesamte Wiederausfuhr im Jahre 1017 betrug 60 552 241 Pfund Sterling gegen 07 566178 Pfund Sterling im Jahre 1016. Die Zahlen sind Ivenig peweiskrastig, weil in einer Zeit nnge- beuerkichster Preissteigerungen eine Wertsteigerung des Außen- Handels über die doch allein wesentliche Menge der ein- und aus- geführten Güter gar nichts sagt. Trotz dieses Vorbehaltes geht aus den Zahlen doch hervor, daß der englische Außenhandel reckt groß ist, wobei allerdings dahingestellt sei, ob er den mächtig gestiegenen Kriegsansprüchen genügt._ Witterung und Feldbestellung. Die„Frankfurter Zeitung" berichtet über den Einfluß de? schneereichen Winters aus bic Feldbestellung:„Der Winter er- weist sich im Durchschnitt strenger als die meisten des letzten Jahr- zehnts. Das vorübergehende Tauwetter hat die Schneedecke der Felder ztvar verringert, kaum irgendwo aibcr völlig dahinschrninden lassen und hat vor allein nirgends den Boden so erweicht, daß ein Pflügen in größerem Maßstabe auch dann nicht hätte stattfiudcn können, wenn nicht ein neuer W'iterung-umschlag rasch wie- der Schnee in großen Massen und tiefe Temperaturen gebracht hätte. Die Bestellung mit Wintergetreidc ist, wie bereits mehr- fach erwähnt, zwar etwa im vorgesehenen Umfange erfolgt: im Interesse der Bestellung mit Sommersaat aber wäre e v recht erwünscht, wenn noch eine oder einig« längere Perioden milden Wetters den Ainterfrost unterbrächen und eine Weiterfüb- rung des Pflügens ermöglichten. Der scharfe Frost, dem übrigens nach der augenblicklichen Wetterlage neues Tau- weiter zu folgen scheint, wird den ziemlich allgemein recht kräftig in den Winter gekommenen Roggensaaten nicht viel ge» schadet haben, dagegen ist es nicht unmöglich, daß hier und da spät in die Erde gekommener Weizen gelitten hat und umgepflügt werden muß; Klarheit darüber kann natürlich erst eine, ipatcre Zeit schaffen. Für die Zufuhren ist der Witserungscharakftr der letzten Zeit nicht sehr günstig gewesen, da er die Land-wcge schwerer benutzbar gemacht bat Zeitweilig kamen trotzdem besonders Weizen und Roggen in größeren Mengen heran. Die Zweifel, ob sich das Programm des K.-E.-A.: restloser r'liisdrujch und Ablieserung der Ernte bis 31. Januar tatsächlich wird durchführen lassen, sind an- gcsichlS der Witterungsgunst des Winters gewachsen." Die englische Farbstofsindustric. Reuter bringt sine sensationell aufgebauschte Nachricht, wo» nach eine der englischen Tuchindustrie angehörende Kommission 257 geheime deutsche Bestimmungen über die Bereitung von Färb- stoffen aus der Schweiz nach England mitgebracht hat. Mit Hilfe deS englischen Auswärtigen Amts seien die geheimen Vorschriften sicher nach England geschafft worden, die Kommission wolle nicht ein Monoppol gründen, sondern nur ihr Material der englischen Regierung anbieten zwecks Verwendung in den englischen indu- striellen Betrieben. Reuter will damit, wie da» Wolssbureau ausführt, glauben machen, es wäre nun endgültig vorbei mit der U-berlegcnheit der deutschen Farbstoffindustrie. Er gibt damit zu, daß die in den vorangegangenen drei KricgSjahren mit vielen finanzieven Opfern in England unternommenen Versuche der Begründung einer le!- swngSfähigen Farbstoffinduftrie biShcreinenErsolg gehabt haben. Die englische Regierung hat sich darum nicht gescheut, mit den Interessenten einen gemeinschaftlichen Diebstahl in Szene zu setzen und sich dessen nach Verübung noch öffentlich zu rühmen; aber auch diese Dcsperadopolitik wird kaum zum Erfolg führen, denn die deutsche Ueberlegcnheit m der Farbenherstellung hängt nicht von bestimmten geheimen Rezepte,, ah, die uian nur;u stehlen braucht, um dann ebenso gute Farben herzustellen. Wer die Entwicklung der deutschen Farbenindustric kennt, der weiß, daß sie ihre gegenwärtige Bedeutung nur erlangt Hai-aus Grund jahrzehntelanger mühevoller Arbeit, die in den verschiedensten Anlagen im Zusammenwirken zwischen Wissenschaft und Industrie statt- gefunden haben. Das Wirtschaftöabkommcn der Entente mit Argentinien. Der Präsident verlas im argentinischen Kongreß eine Botschaft bezüglich des mit den Gesandten Englands und Frankreichs getroffenen Abkommens und gab bekannt, daß sich Italien diesem Abkommen angeschlossen habe, ferner das Frank- reich und England sich verpflichtet hätten, vor dem 1. November 1018 Mitt. Tonnen Getreide und andere Lebensmittel zu kaufen. Der Präsident fügte hinzu, daß die Vereinigten Staa- ten zugestimmt haben, die AuSfuh'' der für Argentinien notwendigen Kohl ein zu gestatten. Ein Gesetzentwurf verlangt vom Parla- ment die Ermächtigung zur Eröffnung eineS Kredits von 200 Mil- lionen Piaster an die Regierungen Frankreichs und Englands, womit die Getreidelreferiingen ohne zu große Valuiaschwankungen bezahlt werden sollen. Die franMsche und die englische Regie- rung werden bei den argentinischen Gesandtschaften in Paris und London Wertbeträge in gleicher Höhe dieses Kredits hinterlegcn. was so viel bedeutet, als daß die führenden Ententestaaten, zu- gleich ehemals die ersten Geldmächte, selbst in dem Schuldnerland Argentinien keinen Blankokred't mehr genießen. TAI d-S»latte«: WN-d S-Ii-lz. Neukölln' lllr Jnleralei Tb. vilocke. Vc Druck u. Verlag: BorwckrtZ BuchdrAckere, u. B-rlagsanliaU Paul Eiliger-i Berlin»iv. HterM 1 Vellage«nd UnierhaltmizStl-Il. Nr. 17 ❖ ZS. Jahrgang Seilage öes vorwärts Vonnerstag, 17. Januar 1918 Mgeorönetenhaus. Tie Einbringung des Etats. Ter Staatshaushaltsewt, den der Fincmzminister am Mittwoch im preußischen Abgeordnetenhaus einbrachte, ist auf 6 Milliarden angeschwollen, er übertrifft also in Ein- nähme und Ausgabe die Etats aller frühcrenJahre, auch die der Friedenszciten. Zum erstenmal seit Kriegsaus- bruch hat die Regierung sich k�niüht, in allen Verwaltungen die Einnahmen und Ausgaben möglichst den tatsächlichen Verhältnissen anzupassen. In der Annahme, daß am 1. April 1918 der Friede n o ch n i ch t geschlossen ist, sollen nach dem Wunsch des Finanzministers die höheren«teuer zu- schlüge, die ursprünglich nur bis zum 31. März dieses Jahres bewilligt worden sind, auch noch weiter forterhoben werden, und man wird aller Wahrscheinlichkeit damit zu rech- nen haben, daß beide Häuseer des Landtages diesem Wunsche Folge leisten. Bedenkt man weiter, daß auch sehr erhebliche Erhöhungen der Güter« und Personentarife geplant sind, so ergibt sich daraus eine nichtunbeträcht« liche Mehrbelastung der Bevölkerung. Im großen ganzen lehnt sich der Etat in seinem äußeren Aufbau eng an seine Vorgänger an, er enthält wiederum alle diejenigen Positionen, die wir grundsätzlich von jeher be« kämpft haben und auch in Zukunft bekämpfen werden, vor allem die Kampfespositionen gegen die Polen und Dänen und die geheimen Ausgaben im In« tercssederPolizei. Umgekehrt weisen eine Reihe von Positionen, an denen besonders dse Ä r b e i t e r s ch a f t inter- eisiert ist, keine oder doch nur ganz unbedeutende Erhöhungen auf. Das gilt u. a. für die Gewerbcinspek- tion, für deren weiteren Ausbau sich keine Ansätze im Etat finden. In der verstärkten StaatshauSholtskom« Mission, der der Etat noch Erledigung der am Sonnabend beginnenden ersten Lesung überwiesen wird, wird es über wichtige grundsätzliche Fragen zu leblchften Auseinandersetzun- gen kommen. Nach der Rede des Finanzministers erledigte das Haus in zweiter Lesung den Gesetzentwurf über die Vereinfachung der Verwaltung, um sodann die gestern abgebrochene Beratung über das F r a u c n st i m m r e ch t zu beenden. Weder die Debatten noch die Abstimmung brachten Ueber- raschungen, die Mehrheit schloß sich unter Ablehnung fast aller Abänderungsvorschläge dem Kommissionsantrage in Verbin- dung mit einem Zentrumsantrage an, wonach Frauen m i t beschließendcrStimme in eineReihevonDe- putationcn zugelassen werden sollen— ein Fortschritt. der kaum der Rede wert ist. ** * Itd.. Sitzung, Mittwoch, 16. Januar, mittags 12 Uhr. Am Ministertisch: v Breitenbach, Dr. Sydow, Hergt. Finanzminister Hergt bringt den neuen Etat ein. Unser Hauptbuch enthält zwar einige Posten, von denen wir wünschten, dah sie besser abgeschnitten hätten, aber das Bewußtsein neugewonnener Festigung macht sich doch allgemein geltend. Militärisch stehen wir glänzend da, nach den unvergleichlichen RnbmeStaten des Heeres und der Flotte. (Bravo!) Von weltgeschichtlicher Bedeutung sind die Sonder- sricdcnSverhandkungcn mit Rußland. De: Friede ist auf dem Marsche und w'rd auf dem Marsche bleiben.(Bravol) Fe länger sich die Feinde im Westen sträuben, um so gün- sliger müsse» die Friedensliedingungen für uns werden.(Bravo!) Auch einen uns aufgezwungenen W i rtschaftS krieg würden wir ehrenvoll bestehen. Die" Arbeit der Unterseeboote wirkt. Wie groß die Not der Engländer'st. zeigt ihr Schrei nach der großen Armee über dem Wasser.(Sehr wahr!) Die große Armee über dem Wasser kann nicht schwimmen, sie kann n i ch t f l i c g e n, sie wirb nicht kommen.(Lebhafte Zustimmung.) Wenn die Gegner dann m>t FriodenSvorschlägen kommen, wird daS Friedensangebot wesentlich anders lauten- als das, welches sie seht in lächerlicher Ueberhebung abgelehnt haben.(Bravol) Die Neutralen haben eine gute Witterung dafür, wohin sich die Wagschale neigt; daS beweist das kräftige An- steigen unserer Valuta Vor der Höhe der Kriegs- schulden brauchen wir nicht zu erschrecken; sie bleiben bei uns trn Lande, während sie bei den Gegnern aus dem Lande heraus gehen. Die Untersuchung der beteiligten Ministerien über die Erschliessung neuer Stcuerquclle» hat das hocherfreuliche Ergebnis gezeitigt, daß wir, wenn auch große Opfer verlangt werden, doch zweifellos auch dieser Lasten Herr werden.(Bravol) Auch die preußischen SiaatSfinanzen halKn im Kriege keinen besorg- niSerregenden Schaden erlitten. Der Fehlbetrag für 1917 wird etwa 100 Millionen ausmachen. Aber die Fehlbeträge der Kriegöjahre sind durch die SteuerzuschlagSerhöhungen bereits von 517 auf 517 Millionr» heruntergegangen. Vor allem müssen wir danach streben, daß sich in Zukunft keine neuen Fehl- betröge ergeben. Das wird nicht leicht sein angesichts der ständig wachsenden Ausgaben. 70 Millionen Mark beträgt allein der Teil der Entschädigungen in Ostpreußen, der nicht vom Reich erstattet wird. Die Bergverwaltung hatte 1916 ihr bestes Jahr. Die BcrkehrSsteigerung sowohl im Güter- wie im Per« sonenocrkehr ioar ungeheuerlich. DaS Jahr 1916 bedeutete für die Eisen bah»Verwaltung den Höhepunkt der KriegSjahr«. Aber von da geht es resend bergab. Für das Jahr 1917 rechnet die Verwaltung mit einem Fehlbetrag' von 250 Millionen.(Hört, hört!) Ein Teil davon wird durch die Ucberschüsse der Bergverwaltung auszugleichen sein, die die kühnsten Erwar- tungcn übertrifft. Ihre hoben Einnahmen legen die Erwägung nahe, ob wir mit der K o h l e n p r e i s e r h ö h u n g, zu der sich die Regierung nur nach schwersten Bedenken entschlossen hat, dem Publikum und dem Gcioerbc nicht doch zuviel zugemutet haben.(Hört! hört!) Die erhöhten Einnahmen aus dem Grundstück s st« m p c l beweisen, daß der Bcsitzwechscl der Grundstücke auffallend zunimmt. Insgesamt dürften die indirekten Steuern einen Mchrüberschusz von weit über 100 Millionen ergeben. In- folge der Äohlenteucrung war der Rückgang der Einnahme der Eisen« bahnvcrwaltung so groß, daß sie sür 191b mit einem Defizit von 500 Millionen hätte abschließen müssen, nichts an den Staatshaus- halt abgeben, sondern noch einige Dutzend Millionen aus dem Staats- baushalt dazu borgen müssen Daher mußte zu einer radikalen Einnahmeverbesscrung geschritten werden. Die Tarif- erhöbung wird insgesamt 330 Millionen bringen.� Wir hoffen, daß d?e Tariferhöhungen nach dem Kriege beseitigt werden können. Selbstverständlich wird jeder preußische Finanzministsr daraus bestehen, dag die Einkommen- und Vermögenssteuer den Bundesstaaten verbleibt. Die erhöhten Stcucrzuschlägc werden wir auck weiter beibehalten müssen. Der Etat für 1916 ist mit 61b Milliarden um II Milliarden höher al» der lau- sende Etat. Das hängt mit der allgemeinen Steigerung der Aus« gaben, aber auch mit technischen Aenderungen, z. B. der Einarbeitung der Beamtenzulagen zusammen. Wir brauchen tüchtige Beamte und die Vorbedingung dazu ist eine Besoldungsregelung. Zunächst haben wir die durch den Krieg besonders schwer betroffenen Diätare bedacht.(Bravo!) Neue Aufgaben erstehen uns in der Bevölkerungspolitik, der Kleinwohnnngsfür- sorge und der S ä u g l i n g S fü rfo r g e. Für Groß-Berlin wollen wir die Besiedelung im Flachbau durch Hergabe erheblicher Gelände ermöglichen.(Beifall.) Es handelt sich um 673 Hektar, auf denen 96 006 Menschen angesiedelt werden können. Der Preis wird etwa 1 M. pro Quadratmeter betragen. Für die SäuglingSfürsocge ist eine halbe Million ausgeworfen. Aehnliches haben wir sür die Be- kämpfung der Tuberkulose getan, die im Kriege besorgmS- erregend zunimmt. Die Einnahmen aus den direkten Steuern leiden unter der sinkenden Steuermoral. Bei dem enormen Steuerdruck kann jeder fiir sich verlangen, daß im ganzen Lande gleichmäßig veranlagt wird.(Lebhafter Beifall links.) Der Etat für 1913 ist kein Papierctat, sondern ist auf alle Eventualitäten eingerichtet. Wenn er ein rechter und echter Friedensetat sein wird, so wird er einen Markstein in der preußischen Finanzgeschichte bilden. Unter Zuhilfenahme unserer alten soliden Finanzgebarung werden wir über alle Schwierigkeiten der Zukunft hinüberkommen. (Lebhafter Beifall.) Es folgt die zweite Beratung des Gesetzentwurfs zur Vereinfachung der Verwaltung. Abg.». Bockelberg(k.): Es handelt sich darum, die Jnstan- zen zu vermindern und Beamte zu sparen. Leider ist eine Bestim- mung verschwunden, die den Rcchtsgang bei polizeilichen Verfügun- gen wesentlich vereinfachte. Abg. Cassel(Vp.): In der Beibehaltung der VerwakkungSklagc gegen polizeiliche Verfügung-n, die der Vorredner bedauerte, sehen wir mit Genugtuung die Erhaltung eine» bestehenden RechtS- schutzes. Minister des Innern Dr. DrrwS erklärt seine Zustimmung zu den AuSschutzbeschlüssen. Nach weiterer kurzer Debatte wird die Vorlag« in zweiter und dritter Lesung angenommen. Hierauf wird die Debatte über die Anträge zur Frauenfrage fortges-tzr. Abg. Heins(k.) lehnt das Frauenstimmrccht ad und Polemistert gegen den Abg. Ströbel. Ein Schlußantrag wird angenommen. Unter Ablehnung aller anderen Anträge wird der Antrag der Kommission, die Frauen zu gewissen sozialen Ausschüssen der Gemeindeverwaltung zuzulassen, angenommen. Nächste Sitzung: Sonnabend 11 Uhr.(Erste Lesung de? Etats.) Schluß 4% Uhr. Staatskommissars für Volksernährung erforderlich geworden sind; sie belaufen sich auf 468 000 M. Für die Gestüivcrwaliung ist ein höherer Zuschuß von 302 382 M. erforderlich. Zu den Verwaltungen, die einen Minderzuschuß auftvcisen, ge- hört daS Ministerium des Innern. Der Mnrdcrbedarf von 6 005 982 M. ist aber nur ein scheinbarer, weil hervorgerufen � durch Uebertragung der Strafanstalten und Gefängnisse auf die i Justizverwaltung. Die Bauverwaltung hat einen Minder- bedarf von 2 024 858 M., indem zwar der Zuschuß im Ordinarium um 2 100 642 M. erhöht, des Extraordinarium dagegen um 6 026 600 M. herabgesetzt ist. Die landwirtschaftliche Verwaltung gebraucht einen Minderzuschutz von 046 079 M., wovon auf das Ordinarium 240 639 M. und auf das ExtraordU narium 705 440 M. entfallen. Der preußische Etat. Der vom Finanzminister Dr. Hergt dem preußischen Abgeord- netenhause vorgelegte Staatshaushaltsplan für das RechnungS- jähr 1918 schließt in Einnahme und Ausgabe mit 6 646 699 278 M. ab. Die Schlußsummen erhöhen sich gegen den Haushalt de? lau- senden Rechnungsjahres um I 386 933 667 M. In der Annähme, daß der Krieg am 1. April 1918 noch fort- dauert, sind die durch das Gesetz vom 3. Juli 1916 bewilligten Z u- schlage zur Einkommensteuer und zur Ergänzung?- steuer mitveranschlagt, gleichzeitig aber auf Grund deS§ 3 dieses Gesetze? von dem Eesamtaufkommen an Einkommensteuer und an ErgänzwngSsteuer 100 000 000 M. zur Deckung der Fehl- betrüge des Rechnungsjahres 1914 und der nächstfolgenden Rechnungsjahre abgesetzt worden. Die Absetzung zwingt dazu, die Einnahmen um 100 000 000 M. zu ergänzen. Deswegen ist ein Betrag von gleicher Höhe als außerordentliche Einnahme eingestellt. Ohne Berücksichtigung der Ab- und Zusetzung von 100 000 000 Mark stellen sich für das Rechnungsjahr 1018; die ordentlichen Einnahmen auf........ die dauernden Ausgaben auf der Ueverschuß im Ordinarium auf.... die ordentlichen Einnahmen auf........ die einmaligen und außerordentlichen Ausgaben auf der Zuschuß im Extraordinarium auf. Mark 6 638 863 278 6 196 091 411 343 771 867 7 886 000 361 607 867 .. 343 771867 Gegen die Veranschlagung für das laufende Jahr steigen: die ordentlichen Einnahmen um....... 1384 718 557 die dauernden Ausgaben um........ 1 289 860 172 der Ueberschuß im Ordinarium uin.... 145358385 die außerordentlichen Einnahmen um..... 1 220 000 die einmaligen und außerordentlichen Ausgaben um 146 573 385 der Zuschuß im Extraordinarium nm.... 145 353 385 Bei den Steuern und den staatlichen Betriebsverwaltungen er- gibt sich ein M e h r ü b e r s ch u ß von 94 627 146 M., der sich au« 247 947 467 M. Mehrüberschüssen und aus 153 420 321 M. Minder- Überschüssen zusammensetzt. An der Spitze der Verwaltungen, die«inen Mehrüberschus) er- warten lassen, steht die Verwaltung der direkten Steuern mit einem Mehrüberschuß von 184 718 100 M. Es folgt die F o r st- Verwaltung mit einem Biehrüberschuß von 29 138 000 M. Die Verwaltung der Zölle und indirekten Steuern läßt einen Mchrüberschuß von 17 834 966 M. erlvarten. Bei der Seehandlung wird ein Mehrertrag von 12 640 600 M. erhofft. Bei der D o m ä n e n v e r w a l t u N g ist ein Mehrüberschuß von 2 836 360 M. veranschlagt. Der llebetschuß der Lotterievcrwaltung erscheint um 880 642 M. höher, weil nach dem voraussichtlichen Ergebnis fiir 1917 ein« ent- sprechende Ermäßigung der Renten für die an der Preußisch-Süd- deutschen Klassenlotterie beteiligten Staaten zu erwarten ist. An den Minderübrrschüssen ist die E i s e n b a h n v e r w a l- t u n g mit 162 422 383 M. beteiligt. Die Bergverwaltung weist einen Minderübcrschuß von 2 205 286 M. auf. Die Dotationen und die allgemeine Finanzver- w a l t u n g erfordern einen Mehrbedarf von 26 468 669 M. Bei den eigentlichen Staatsverwaltungen er- gibt sich ein Mehrbedarf von 168 068 477 M., der sich aus Mehr- zuschüssen von 176 048 376 M. und Minderzuschüsscn von 8 879 399 Mark zusammensetzt. DaS Finanzministerium erfordert einen Mehrbedarf von 138 570 666 M., der sich aus der Einstellung der KriegSbeihilfen und Kriegsteuerungszulagen für Beamte usw. erklärt. Bei der Justizverwaltung ergibt sich ein Mehrbedarf von 41 320 800 Mark(21 371 000 M. Ordinarium und 19 968 300 M.. Extra- ordinarium). Die geistliche und ttnterrichtsverwal- tung beansprucht einen Mehrbedarf von 1 224 194 M., und zwar im Ordinarium 2 46Z'069 M. ntc�r, im Extraordinarium 1 228 875 Mark weniger. Bei dem Staats Ministerium erscheinen unter einem besonderen Kapitel die— künftig wegfallenden— i Ausgaben, die durch die Errichtung des Amtes emes preußischen Diktatur Dingsöa. In Dingsda war ein Skatverein, der ließ sonst fünfe grade sein und baute nie'ne Zicke von wegen Polittke. Da war der Amtsblattredakteur Theoderich(was willste mehr?), der zweite, Kulpc heißt er, war hierorts Schlächtermeister. Der dritte aber von dem Stich. das war der Ortsgcmeinderich. Der sprach mit lautem Wesen als er sein Blatt gelesen: „Den ReichStagsfritzcn in Berlin hm— ich bin ihnen gar nicht grün!"— Daß ich es kurz bespreche: Man baute'ne Depesche. Die ging an Herrn von Soundso. Zwar ehrerbietig— doch oho 1 Derselbe funkte wieder an die erzürnten Brüder. Der Stammtisch, tiefgerührt und stramm, hing auf das hohe Telegramm in schwarz-wciß-rothem Nahmen (mit Goldvcrzicrung) Amen. Paulchen. Berlin im Schneeschmutz. Nachdem bor kurzem der Berliner Magistrat den Ehrenschippern seinen Dank sür ihre seiner Meinung nach noch immer»unbezahl- baren" Leistungen ausgesprochen hatte, stellt jetzt daS Oberkommando .mit freudiger Anerkennung" fest,.daß es bei der bewährten Tat- kraft der gesamten Bürgerschaft Groß-BerlinS gelungen ist, binnen weniger Stunden des ungewöhnlich großen Schneefalls der letzten Tage Herr zu werden". Leider ist die Berliner Bürgerschaft nicht in der Lage, ihrerseits den beiden Behörden irgendioelchen Dank oder freudige Anerkennung zu zollen. Das Oberkommando hat der Städtischen Straßenreinigung so wenige Soldaten und Kriegsgefangene zur Verfügung gestellt, daß man genötigt ist, mit der sogenannten.Kleinen Schneehilfe" zu arbeiten. Die Berliner Stadtverwaltung aber bietet den weiblichen Arbeitskräften, die ihr der städtische Arbeitsnachweis vermittelt, einen Stundenlohn von 75 Pfennigen— die Berliner Einwohner, die diese Frauen und Mädchen als Stellverircterinnen beim Schippen mieten wollten, sollten 1 M pro Stunde zahlen— und wundert sich dann, wenn sich nicht mehr als 60—70 Personen melden und auch diese die anstrengende und miserabel belohnte Arbeit nach kurzer Zeit niederlegen. Seinen eigenen Schipperpflichten aber kommt die kommunale Obrigkeit in durchaus ungenügender Weise nach. Vor einer großen Anzahl städtischer Gebäude sowie auf vielen Plätzen und Brücken hat sich der Schneeschmutz seit Tagen angesammelt, ohne daß zu seiner Beseitigung das geringste geschieht..Richtet euch nach meinen Worten, aber nicht nach meinen Taten"— denkt Herr Dr. Neicke, der große Wclterfrosch de? Roten Hauses. Der Berliner Verkehr stockt an allen Ecken und Enden, das Passieren der Slraßenübcrgänge ist fast zur llmnöglichkeit geworden, den Einwohnern faulen die Kriegssohlcn unter den Füßen, Massen- erkrankungcn aller Art müssen die Folge sein, und ein Ende der Misere ist noch nicht abzusehen. Dämmert den verantwortlichen Stellen noch immer nicht die ElkenntniS, daß die von den Sozial- dcmokraten vorgeschlagene Maßnahme, der deutschen Reichshaupt- stadt eine genügende Anzahl Kriegsgesangener für diesen Winter zur Verfügung zu stellen, die einzige Möglichkeit bot, die jetzigen un- geheuerlichen Zustände zu»ermeiden? Abgabe von städtischem Brennholz. Der Magistrat Berlin teilt mit:„Für den Verlauf und die Verteilung der vom Magistrat Berlin beschafften großen Mengen Brennholz ist die Berliner BrennstoffbeschassungSgesellschast in. b. H. gegründet worden, deren gesamte Anteile sich im Besitze des Magistrat» Berlin befinden. Das Holz soll zunächst durch Per- mitilung von Kleinhändlern an die Verbraucher abgegeben werden. ES darf nur nach Muß verlauft werden, unter Benutzung eines dem Händler vorgeschriebenen Matzinstruments in einer Aus- Messung von 1t*> Raummeter. Der Verkaufspreis hierfür, dessen �ileberschreiwiig strafbar ist, ist auf 3 Mk. ab Lager des Händler« festgesetzt, bei Lieferung ins Haus darf ein TranSportkostenzuschlag von 20 Pf. je«/a, Raummeter erhoben werden. Bei Abnahme ganzer Meter Holz in Kloben oder in zerkleinertem Zustand dürfen die vom Verbände der Berliner Kohlengroßhändlcr veröffentlichten und für die Zeit vom 8. Januar ab geltenden Verkaufspreise, die von der Prcisprüfungsstelle genehmigt sind, nicht überschritten werden. Die Geschäfte der Händler, in welchen dieses Holz zu den angegebenen Bedingungen verkauft wird, werden durch ent- sprechende Schilder für das Publikum kenntlich gemacht werden. Es ist beabsichtigt, eine grüßerc Anzahl derartiger Berkaufsstelless über ganz Berlin vcrte'It, einzurichten. Nähere Auskunft über Holzverkaus und Holzverkaufsstcllcn erteilt die Bertiner Brennstoff- beschaffungsgesellschafl m. b. H., Berlin, Friedrichstr. 160. Der Verkauf de» Holzes darf zunächst an jedermann ohne be- sonderen Ausweis erfolgen, doch behält sich der Magistrat Berlin vor, eine Aendcrung dahingehend zu treffen, daß die Abgabe, so- bald sich die Notwendigkeit dafür herausstellen sollte, auf eine bc- sondere vom Magistrat herauszugebende Holzkarte erfolgt." Ob für die Zwecke de« Verkaufs und der Verteilung von stäz- tischcm Brennholz die Gründung einer G m. b. H. unbedingt no> wendig war, entzieht sich unserer Beurteilung. Die Erfahrungen. die man mit ähnlichen Orgamsalionen des Großhandels bisher ge- macht hat, nötigen uns allerdings, der Tätigkeit dieser Brennstoff- beschaffungsgesellschast mit einiger Skepsis entgegenzusehen. Auf absolut sicheren Grundlagen ncht aber unser Urteil über den projek- Herten LerkaufsmoduS. Die Einführung einer Holz karte unv einer K n n d e n l i st e für den H o l z o e r k a u f n't eine zweifel- lose Notwendigkeit, wenn man verhindern will, daß ähnliche Zu- stände, wie sie beim Äohlenverkauf leider noch immer bestehen, auch beim Verkauf deS städtischen Brennholzes Platz greifen. Wir Der- stehen schlechterdings nicht, welche Ersahrungcn der Magistrat in dieser Hinsicht erst noch sammeln will. Tic Storkuugen in der �fleischvcrsurgmig Groh-Berlins« In der vergangenen Woche ist wieder von verschiedenen Seiten über mangelhafte Fleischliefcrung Klage geführt worden. So soll in einzelnen Vororten sogar nur die Hälfte der auf die Fleischkarte entfallenden Menge, und zwar ohne Aussicht auf Nachlieferung aus- gegeben worden sein. Der Berliner Ntagtstrat ist— wie bei gleichem Anlast vor einigen Wochen— auch diesmal wieder in der Lage, auf Grund authentischen Zahlonmaterials nachweisen zu können, dag von einer nicht ausreichenden Belieferung seitens der Vieh- handelsverbändc oder von einer ungenügenden Zuteilung an die einzelnen Gemeinden und.Kreise seitens der Liebvecteilungsstelle Grog-Berlin auf dem Berliner Zeniralviehhof nicht die Rede sein kann. Tatsache ist allerdings, daß sich infolge der Schneeverwehungen auf den Eisenbahnen die Zufuhr eines Teiles des erforderlichen Schlachtviehs, von dem am ZWontag, den 7. Januar, etwa zwei Drittel bereits zur Stelle ioaren, bis zum Freitag hinzog, so dag die Vcr- teilung nicht so früh wie sonst erfolgen konnte. Am Freitag früh waren aber ebenso wie Berlin auch alle Nachbargemcinden und Kreise voll beliefert. In Berlin selbst konnten einigen zur Schlacht- gruppe IV gehörenden Schlächtern im Nordosten der Stadt die ihnen aus der FreitagSvcrteilung noch zugewiesenen Restmcngen ihres Wochenbedarss nicht mehr rechtzeitig in ihre Läden gebracht werden, da der Kutscher, der den Mitgliedern dieser Gruppe das Fleisch zu- fährt, am Sonnabend die Arbeit niederlegte. Die Fehlmengen sind aber am Montag dieser Wock>e den Kunden nachgeliefert worden. Im übrigen sind an die Nachbarstädte und Kreise ausgegeben worden: an Ebarlortenburg 154 772 Pfund(statt 142 SKI Pfund, die es'nach seiner Bevölkerungsziffer nur zu erhalten hatte), an Schöne- berg 81! 710 Pfund fftatt 77 226 Pfundst an Wilmersdorf 64 677 Pfund (statt 59 720 Pfund), an Neukölln 117 765 Pfund(statt 118 363 Pfuad). an Lichtenberg 73 788 Pfund(statt 66 977 Pfund), an den Kreis Teltow 248 856 Pfund(statt 229 452 Pfund) und an den Kreis Niederbarnim 196 943 Pfund(statt 189 891 Pfund). Bei den beiden Kreisen sind in diesen Zahlen diejenigen Mengen, die sie selbst auf- zubringen haben, mitcingerechnet. Aus dem Umstand, dag allen Gemeinden und Kreisen hiernach mehr Fleisch zugewiesen worden ist als ihr Wochenbedarf ausmacht, darf andererseits, wie der Ma- gistrat mitteilt, nicht etwa der Schlug gezogen werden, dag irgendwo Fleisch vcffchwendet worden sei. Das Mehr, das sich daraus erklär' dag das Schlachte cgebnis besser als angenommen war, wird vielmehr den Gemeinden und Kreisen bei der nächsten Wochenvertcilung angerechnet. In dieser Weise wird regelmäßig verfahren, Warnung vor falscher Kartenabgabe. In der letzten Zeit sind wiederholt Personen wegen Ersatz ihrer Nahrungsmitlelkarten vorstellig geworden mit der Begründung. eS wären von Unbekannten, die behaupteten, Angestellte der Brot- kommfffion zu sein. Brot- und andere Karten unter verschiedenen Borwänden abgefordert worden. Der Magistrat bemerkt hierzu, daß Nahrungsmittelkarten zum Umtausch von Angestellten der Brot- kommissionen nicht abgeholt werden. Sollte ein Umtausch oder andere Feststellungen erforderlich sein, so erfolgen diese durch den Hauseigentümer oder Verwalter oder im GeichäftS«immer der Brot- kommission auf Grund einer schriftlichen Aufforderung. Ersatz für abgeschwindelte Karten kann nicht geleistet werden._ Heute noch Kartoffelcintragnng. Der Magistrat Berlin weist eindringlich st darauf hin, daß heute der letzte Tag zur Eintragung in die Kundenliste für Kar- löffeln ist und daß jede Verfäumung der Eintragungsfrist, selbst wenn die Nacheintragung aus schriftlichen Antrag bewilligt werden sollte, eine Belieferung mitKartosfeln er st mehrere Wochen nach dem Inkrafttreten der neuen Kundenliste zur Folge haben muß. ES liegt daher im dringendsten Interesse jedes Einzelnen, rechtzeitig die Anmeldung zur Kundenliste zu bewirken._ frieden, Brot und gleiches Recht. Uebcr diese? Thema sprach Genosse Otto Braun in einer Wahlrechtsversammlung, die vom ersten und dritten Berliner Reichs- tagswablkreise am Dienstag in WilkeS Saal veranstaltet wurde. Der Redner gab der Hoffnung Ausdruck, daß die bei den Friedens- Verhandlungen in Brest-Litowsk entstandenen Schwierigkeiten über- Wunden werden mögen, damit wir zunächst einen dauernden Frieden mit Rußland bekommen, dem— das wünschen alle Friedensfreunde, besonders die deutsche Sozialdemokratie— ein allgemeiner Frieden folgen möge, der nicht auf Gewalt, sondern auf Verständigung beruht. Der Frieden, den wir wollen, ist nicht— wie die Alldeutschen fälschlich sagen— ein Hungerfrieden. Wir wollen, daß der Hunger- krieg nicht länger fortgesetzt wird, als es zur Verteidigung Deutsch- lands notwendig ist. Daß dieser Krieg für uns ein Hungerkrieg geworden ist, das liegt nicht nur an den von England veranlaßten Absperrungsmaßnahm'cn, sondern auch daran, daß wir von deutschen Lebensmiltelerzeugern ausgewucheri werden. Die falsche ErnährungS- Politik der Regierung, aufgebaut ans dem Anreiz deS Erwerbssinnes der Erzeuger, die Halbheit der zur Durchführung der Ver- ordnung getroffenen Maßnahmen, geben dem Schleichhandel und dem Wucber den weitesten Spielraum. Einen unheilvollen Ein- sluß auf die Ernährungspolitik des Reiches übt das preußische Ab- gcordnetenhauS aus. Die preußische Junkerkasie, die ja den Vor- teil von der verfehlten Ernährungspolitik hat. kann sich auf daS Abgeordnetenhaus verlassen. Soll das Abgeordnetenhaus eine Volksvertretung werden, dann muß es, wie wir fordern, auf dem allgemeinen, gleichen Wahlrecht beruhen. Wenn es der Regierung ernst ist. das durch ein Königswort versprochene gleiche Wahlrecht einzuführen, dann gibt es Mittel und Wege, um den Widerstand der WahlrecktSgegner im Abgeordnetcuhause zu breche». Sie könnte den Rcickslag anrufen oder das durch Verordnung eingeführte Dreiklasseiisystem durch eine Verordnung wieder be- seitigen. Das Unrecht des gegenwärtigen Wahlsystems, dies Bollwerk der Reaktion, muß fallen, koste es, was es wolle. Ein starker Druck von außen ist nötig, um die Regierung und die bürgerlichen Parteien zur schleunigen Durch- sührung der Wahlreform zu bewegen. Alle Freunde des gleichen Wahlrechts müssen mobil gemacht werden, um der Freiheit in Preußen eine Bahn zu brechen. Durch lebhaften Beifall gab die Versammlung ihrer Ucberein- stimmung mit dem Referenten Ausdruck. Keine Haussuchung beim Ncuköllucr Magistrat! Die vom „Lokal-Anzeiger" gebrachte Meldung von einer Haussuchung in den Räumen deS Neuköllner Magistrats stellt sich als in allen Teilen unrichtig heraus. Gummisohlen,-Absätze usw. Die Ersatzsohlen-Gesellschaft erläßt eine Bekanntmachung, wonach die Herstellung von Sohlen, Abiätzen, Ecken und Ferseneinlagen, die unter Benutzung von Preßformen aus Gummi, Altgummi oder Guinmiregeneraten hergestellt sind, verboten ist. Die allgemeine Zustimmung zur Herstellung vom Gummisohlen-� platten wirb bis auf Widerruf mit folgender Maßgabe erteilt: a. Gummisohlenplattcn dürfen nur noch in einer Stärke von 3 ff-. bis 4 Millimeter, und zwar in zwei Ausführungen, hergestellt werden: 1. Platten mit Gewcbeeinlagen(entweder eine Unterlage und eine Einlage oder mindestens zwei Einlagen), 2. Platten ohne jede Ein- läge, Ilmlage oder Unterlage, b. Die Platten sind au« erprobten Mischungen herzustellen, die für eine genügende Tragdauer Gewähr leisten.— Gummisohlenplatten und Gummisohlen dürfen nur zu Ausbcfferungszweckcn, nicht jedoch zur Herstellung neuer Schuhwaren verwandt werden.__ Neukölln. Flcischverkauf. Die Fleischverkaufsstellen sind in dieser Woche außer ain Mittwoch und Sonnabend auch beute und Montag, den 2l., zum Fleischbezuge für die laufende Woche geöffnet. Näheres enthält die beutige Bekanntmachung deS Magistrats. — Teuerungszulagen und Kriegsbcihilfcit. Die Kriegsnotstands« kommission hat in ihrer letzten Sitzung beschlossen, an die städtischen Beamten neben der laufenden Knegsteuerungszulage— entsprechend den für Staatsbeamte geltenden Bestimmungen— auch eine einmalige Teuerungszulage von 299 M. für Verheiratete und 159 M. für Unverheiratete zu zahlen. Tie Auszahlung der den Beamten zustehenden Beträge ist bereits erfolgt. Köpenick. Stadtverordnetenversammlung. In der letzten Sitzung machte der Borsteher Herr Lucht der Versammlung die Mitteilung. daß der Erste Vürgerineistcr Dr. L a n g e r h a n S schwer erkrankt sei, jedoch auf dem Wege der Besserung sich befinde. ES folgte hierauf die Wahl deS Vorstandes, der durch Zuruf in seiner bis- herigen Zusammensetzung wiedergewählt wurde, nur daß als Ver« rretung unseres seit 1914 sich im Felde befindlichen Genossen Galle Genosse Blum als Schrffttührer gewählt wurde. Hierauf erfolgten die Wahlen zu den Kommissionen. Aus der sonstigen Tagesordnung ist»och hervorzuheben, daß der Not der Zeit entsprechend beschlossen wurde, die Amortisation einiger Anleihen für das Jahr 1918 aus- zusetzen. Bisher wurde an den gewerblichen Fortbildungsschulen ein Schulgeld nicht erhoben. Durch Verfügung der Regierung wurde dieser' Beschluß ausgehoben und soll vierteljährlich 1 M. erhoben werden. Das MichaeliSsche Armenlegat wurde an drei Familien verteilt. — Erhebliche Einschränkung der GaSbeliefernng. Infolge außer- ordentlich geringer Zutuhr an Kohlen hat die Gasanstalt ihren Be- trieb sehr erheblich einschränken müssen. Es hat sich daher die Not- wendigkeit ergeben, die Gaslieserung an die Abnehmer bedeutend einzuschränken. Bis auf weiteres wird daher die Gasabgabe für die Zeil von 2—4 Uhr nachmittags und von 1—5 Uhr nachts voll- ständig gesperrt._ Spandau. Lebensmittel. Eierabschniit 9 der Lebensmittelkarte der 39. Ausgabe behält bis aus weiteres seine Gültigkeit. Reinickendorf. Lebensmittel. Anspruch auf eine Lebensmittel- karte für Jugendliche haben alle diejenigen Personen, die zwischen dem 1. Januar 1991 und dem 31. Dezember 1919 geboren sind. Kinder, die erst nach dem 31. Dezember 1919 geboren sind, erhallen ebenfalls eine Lebensmittelkarte für Jugendliche, sobald sie das siebente Lebensjahr Vollender haben und der Nachweis hiervon durch Vorlegung von Urkunden(GeburtSkchein, Taufzeugnis oder ahn- liche Urkunden) geführt wird. Jugendliche, die während der Gel- tungSdauer der Karte das 17 Lebensjahr vollenden, daher eigeiiltuv nicht mehr bezugsberechtigt wären, sollen trotzdem die Karte bis zum Ablauf der Kartenperiode- behalten. Der Verkauf der Graupen durch die Händler findet vom 21. Januar an statt. Wcißenscc. Neue Kundenlistcu für de» Kartoffclbezug. Die für den Karloffelbezug aufgestellten Kundenlisten verlieren mit Ablauf deS 29. Januar ihre Gültigkeit. Vom 21. Januar ab gelten die neuen Kundenlisten. Die Kartoffelkleinbändler sind verpflichtet, zur Eintragung in das Kundenverzeichnis ihre Geschäftsräume bis zum 19. Januar von 8 Uhr vormittags bis 8 Uhr nachmittags und am 29. Januar von 8— 19 Uhr vormittags offen zu halten. Dre für den Winter mit Kartoffeln versorgten Personen dürfen sich nicht zur neuen Kundenliste anmelden. FnedrichSfelde. Holzverkauf. Die Gemeinde will jetzt die Be« stände an tiefern Knüppelholz abgeben. Es handelt sich um Holz, daS im Sommer geschlagen und im Herbst angefahren wurde, also gut ausgetrocknet ist. Die Preise sind wie folgt festgesetzt: Für 1 Meter 42 M., für ff, Merer 21 M. Kleinere Posten werden nach Gewicht, per Zentner mit 4,75 M. abgegeben. Die Bezahlung findet wieder wie bisher im Einwohnermeldeamt, Dönhoffstr. 31, während der Dienststunden statt. Die Abgabe des Holzes erfolgt werktäglich von 19—12 Uhr vormittags und 2—5 Uhr nachmittags auf dein Hose der 8. Volksschule in der Auguste-Viktoria-Straße. NowaweS. � Lebensmittel. Auf Abschnitt 62 der Lebensmittel« karte findet die Ausgabe von Hülsenfrüchten statt. Die Karteninhaber müssen noch heute den Abschnitt bei dem Klcm- Händler abgeben, von dem sie die Ware zu beziehen wünschen. Humauistische Gemeinde Berlin. Der Osfizterstellvertrelcr ist natürlich der böhcrc Borgcsehie. 2, Unmittelbar nach der Verleihung.— Emma Butz. Zur Zahlung können Sie natürlich nicht verpflichtet werden. Wehl aber zum Schneeschippen.— Flieger 43. Sic müssen das Urlaubsgesuch mit her dringlichen Begründung nochmal ein- reichen. ES besteht eben kein absoluter Anspruch ans Urlaub.— Et 011. 18. Da Sie die Reparatur machen ließen, ohne an den Hauswirt vorher eine Ausforderung zu richten und ihm ctuc angemessene'Frist zgr'Beseitigung deL Mangels zu stellen, müssen Sie die Kosten tragen.— P. 77. Reins- dorf. 1. Nein. 2. Beiträge aus der Invalidenversicherung iverden bei Verheiratung nicht mehr zurückerstattet.— Alles was recht ist. lieber den für Sie als Soldat zulässigen instanzemnäßigen Beschwerdeweg lassen Sie sich vom Vorgesetzten unterrichten, wir können ihn de» nach Ihren Angabeu nicht angeben.— E. K. t!. Ja.— E. Z. 7. Nein — E.®. 27. 1. Nein. 2. New. nur zwei Kinder.— Nr. 100. Für die Einquartierung erhält Ihre Frau eine Vergütung; sie soll sich an den Gemeindevorstand wenden.— 3. K. 93. 1. Da die Ebc nach 1300 gc- schlössen und kern Testament vorhanden ist, erbt die Ehefrau ff,, die Kinder ff, des Nachlasses. 2. Ja, in welcher Höhe lönnen doch wir nicht sagen, da» muß von dem Nachlaßgericht sestgesetzt werden. 3. Ja. 23. T. 6. Die Mutter kann mit Recht ihren Anspruch aus das Kind geltend machen. Nachsordcrungen können Sic jetzt nicht stellen.— B. 46. 36. Die Anwendung vom Betrieb ist eine freiwillige und kann infolge dessen gekürzt werden.— 8. G. N. 65. Die Rentenerböhnng erstreckt sich nicht aus die Altersrenten. Ihre Frau hat zu wenig Marken geklebt, um' Anspruch auf Altersrente machen zu können.— 23. 23. 85. 1. Ja. 2. Bei der Stelle, von der Sie jetzt die Löhnung beziehen. rSetterauSstchten kür das mittlere Rorddeutswiand diS Areitag mittag. Zeitweise heiter, aber sehr veränderlich, mit geringen Niederschlägen. Südoawärts fortschreitende Abkühlung. Direktion Max Beinhardt. Deutsches Theater. 7 Uhr: Der lebende Leichnam. Kannnersplele. 7 Uhr, z. 1. Male; Die Koralle. Volksbühne. Theater am Bülowplatz. Untergrundb. Schönh. Tor. 8 Uhr: Fasching. Dir. C. Meinhard— R. Bernauer. Theater i,- Königgrätzerstr, 7 Uhr; Die Wildente. Komödienhaus ff, 8 Uhr: Die beiden Seehunde. Berliner Theater 7>/,U.: Die tolle KomtcB. DiTIONAL-TBEATER Cäponicker Str. 68.'/«8 Uhr „Die ist richtig!"... Sonnt. S'/jU.: Studentenliebchen Täjrl.71;., Sonnt. 3l/s u. 71/. W. Rartsteiu in seiner Posse: „Er oder Er" und das übrige, vollständig neue Janaar-Programm. I'alaöt-Xhcatep a. Zoo Sonnabend 4 Uhr: Letzte Vorstellung. Max und Moritz. Kt 0 76— 3 Werth., XheaterL Theater für Donnerstag, 17. Januar. Neues Operettenhaus SchiSbd. 4a. Kassent-Ud. 281 7ff,uhr:DBrSol!lati!ErMarie. Ccntral-Thcatcr Kommandantenstraße 57. 7 ff,: Die Csardasf Urstin Dentschcs Opernhans 7 uhr: DerZigeunerbaron. Kriedrich-Wilhelmsf. Theater Kriegswohlfahrts-Vorstcllg. Zum 700. Male: 7v,uhr: Das DreirnäMaiis. Komische Oper Z1� u..- Schwar: Sbd. 3'/,; K I. Dorch. u.d. Zinnsold. Kleines Theater v/, uhr: Geldzaaher. linstspleihans 7ff, Uhr: Die lilooüen Mädels?. UniieDtiof Metropol-Theater uhr-. Die Rose von Slambol. Sonnt. 3U.: Die Kaiserin. Kesldenz-Theater 7',. u�: Lili Grün. Schiller-Theater O 7*/, mr: Pauline. S»chllier-Th. Charl. 7'/suhr: Die selige Exzellenz. Thalia-Theater uhr-. Egon und seine Franen. Theater am Noltendorfplatz 3'/, Uhr: Fra Diavolo. 7 Uhr; -yxsi Theater des Westens 7v,uhr: Der verliebte Berzog mit Guido Thielschor Berliner Konzerthaus Mauerstraße 82. Zimmorstraße 90/21. Ilcntc; Großes IConzert dos Berliner Konzerthans-Orchestcrs,-9C Leiter: Komponist Franz von Blon Anfang 7li, Uhr. Eintritt 30 Pf. Anfang 71/, Uhr. de�isfcr.: Großes Woiilläti0keitskonzert veranstaltet von einem Res.-Inf.-Reg. im Felde zum Besten der Hinterbliebenen von Gefallenen des Regiments. Rose»Theater. 7'/, Uhr: Jet MMmiW. Walhalla-Theater. Anita Berber Trade Hesterberg Kurt Fuss Jan Paul sowie der vollständig neue Januar-Spielplan MnUSMaMil Bahnhof Friedrichstraße. Anfang 7'!, Uhr. Zum 1. Male: afldress. KameleJA| i J| vorgef.v.d. Araber| II Mulay Sayd. 1 Zorn 1. Male: „Das lebend Echo" Arnold Treisirr d. urkom. Fangkünstler j Sylvcros MavÜrn Orig.-Ausst. IHCAKLU Pantomime URANIA 8 Uhr: Der Siegeszug naeti ienetien. 8 Uhr: Prof. W. Laas: Grundlagen aus Physik und Gesetzgebung. Trianon'Theater Georgensir,, Bhf. Friedrichsir. Tel.: Zentrum 4927 und 2391. 'I,S Uhr Der M,S Uhr Lebensschüler. Komödie von Ludwig Fulda. Ida Wüst, Erich Kaiser-Tit®, v.MöllendorS, Mart. Kettner. Stg. 31/, kl. Pr.; Hodda Gabler. Reichshallen-Ttieater. Allabendlich 7'/, und Sonntag nachmittag 3 Uhr Stettiner Sänger. „Sein Wcih- nachtstraam". Nachmittags ermäSigia Preise! Casino-Theater Lothringer Str. 37. Tägl. ff, 8 U. Ter neue akMelle Schlager Hainskersritze. Bormier Posse in 3 Au'zügcn. Vorher das neue Jimuar-Progr. Elliot, Barnow, Prinz, 2 Ewos. Sonnt. 4 U.: DU Friadetwtaube. Admlralspalast 7ff, Uhr: Deutsche Tänze von Schnbept. Abrakadabra. Apollo Friedrlcbstr. 218. 7ff, 12 Ällraktionen AuBerd. d. Stlmmungsb. Seemannsleben. Theaterkasse ab 10U. nnqnterbr. geöffnet. Voigl-Thealer. Badstr. 58. Badstr. 38. Täglich: WoMätor der Monseieit Kassenerössn. 61/,, Ansang. 7 ff. U. Moni., 21.1g Bencf. s.H.Waldheim Der Ptarrer von Kirchfeld. 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Anderseits ist es ein hoffnungsloser Versuch, eine Verbindung zwischen dem Untergang der Römerherrschaft und der langen Friedensperiode konstruieren zu wollen, die mit der Be° zeichnung llomnua charakterisiert wird. Der«römische Friede" ist ein Ideal, das in der neueren Zeit auch nicht annähernd je wieder bat verwirklicht werden können. Denn was bedeuten die kurzen Jahrzehnte, während deren die europäischen Kulturftaaten dann und wann den JamiStempcl verschlossen hielten, gegen die Friedensspanne von nahezu zwei und einem halben Jahrhundert, die das Kaiserreich des alten Rom einleitete, und die sich über die ganze damalige Kulturwelt erstreckte, von den Mittelmeergebieten von Nub'en bis zum Rhein, von Portugal bis zum Hochlande des Iran? Rasende Bürgerkriege waren der Republik ins Grab gefolgt; auf Auguftus' Sieg über Antonius im Jahre 3l v. Chr. aber trat ein Friede ein, der lediglich durch Grenzstreiligkeilen, die mit der- hältnismäßig kleinen Truppenmassen geführt wurden und am ehesten mit den modernen Kolonialkriegen gegen halbwilde Völkerschaften zu vergleichen sind, unterbrocken wurde. Erst durch neue Bürger« kriege unter den Soldatenkaffern wurde ihm im 3. Jahrhundert nach Cbr. ein Ende gesetzt. Welche Bedeutung hatte nun dieser langdauernde Friede für die zivilisicrie Menickbeir jener Tage? Diese Frage wird in der däni- fchen Zeitung„Köpenhavn" von dem bekannten Archäologen und Kunstkritiker Fredcrek Poulsen aufgeworfen. Da ihre Behandlung, nock dazu seitens eines so hervorragenden Gelehrten, für jeden, der sich ja mit einer kulturellen Wertung von Krieg und Frieden be- schäitigt hat, von hohem Interesse ist, seien hier deren Hauptzüge wiedergegeben. Poulsen untersucht zuerst die materielle Entwicklung. Nickt ohne Grund, so schreibt er, preist eine Inschrift von Halikar- nassos in Kleinasien Augustus als den Erlöser der ganzen Men'chheit, dessen Vorsehung die Wünsche aller nicht nur erfüllt, sondern weit übertroffen habe. Denn im Frieden ruhen Land und Meer. die Städte blühen im Schutz guter Gesetze in Eintracht und Wohlstand, und es herrscht Ueber- fluff an guten Gaben." Der Grieche AristideS schreibt in einer anderen Lobrede der römischen Weltherrschaft:„Die Erde hat ihre alte Eisenrüstung abgelegt und zeigt sich nun im Festschmuck. Jetzt können Hellenen und Römer reisen, wohin sie wollen, und ihr Be- sitztum mit sich führen, als zögen sie von einer Heimat in die andere. Die ganze Erde habt ihr verändert, überall habt ihr Brücken über die Flüsse geichlagen, Fahrwege durch die Berge gehauen, die Wüste bevölkert und alle mir Disziplin und Ordnung veredelt. Ihr habt die Völker miteinander vermählt und eine Familie aus ihnen gemacht." Nock jetzt zeugen die alten römischen Landstraßen, Brücken und Wasserleitungen von der hohen materiellen Kultur jener Zeit, von dem gesunden Unternehmungsgeist, in dem die menschliche Kraft sich zum Ausdruck brachte, als sie sich vom Kriege frei gemacht hatte. Aus der antiken Literatur erfahren wir, daß ein Reisender mittels der staatlichen Postverbindungen gut und gern eine Meile in der Stunde zurücklegte. Hervorragend waren vor allem Größe und LeistringSfähigkeil der Last- und Transportschiffe. Man hat berechnet, daß das ägyptische Getreide- fahrzeug Isis, das Lukian beschreibt, eine Tragkraft von 1575 Tonnen hatte; noch gewaltiger war das Schiff, das unter Kaiser AugustuS mit dem ägyptischen Obelisken, der jetzt auf der römischen Piazza del Popolo steht, in Ostia einlief; eö hatte nebenbei nock� Platz für 1200 Passagiere und eine größere Ladung Papier, Pfeffer, Lehm und Weizen. Erst in der neuesten Zeit sind jene Maße übertroffen worden. Noch in den vierziger Jahren des vorigen Jahrbunderls waren LOOO-Tonnen-Schiffe Wunder der Technik, und erst um 1850 nimmt die moderne Entwickung ihren Anfang, die zu den 30(> Tonnen-Dampfern geführt hat. Sieht man von der materiellen Entwicklung ab, für die die Vorteile des Friedens somit unverkennbar waren, so hat die römische Kultur auch auf geistigem Gebiete ihre edelste Frucht hervorgebracht: da» römilche Recht. Was Dichtung und bildende Kunst betrifft, so standen die Römer zwar nicht an der Spitze, doch fallen auch das goldene wie das silberne Zeitalter der römischen Literatur ebenso wie die Blüte der ausgezeichneten römiscken u] Töchter öer yetuba. Ein Roman auS unserer Zeit von Clara Viebig. Die Goneralittz von Voigt war durchaus nicht sentimental. ihr Mann hatte sie dazu erzogen, jede Sache so gelassen wie möglich zu nehmen.„Das Leben ist wie der Feind," hatte er ihr ofk�gesagt. als sie noch jünger und leicht aus der Fassung zu bringen war,„man macht sich die Stellung klar, nimmt ihn scharf aufs Korn, rückt dann Schritt für Schritt — immer kalt Blut— immer weiter vor, ruhig vor— aber dann: zugepackt." Sie hatte es lernen müssen, an sich zu halten. Aber jetzt ging das Gefühl doch mit ihr durch— diese Frau, diese arme, einsam Gewordene l Ihre aufrechte Gestalt ein wenig niederbeugend zu der kümmerlich-kleinen, sagte sie mit der inneren Ueberzeugung, die auch andere überzeugt: „Sie sind nicht verlassen, liebe Frau. Sie haben noch eine Mutter— unsere deutsche Heimat. Der hat Ihr Mann Sie als Vermächtnis hinterlassen. Er hat Ihnen ein Anrecht er- worden. Und unsere deutsche Heimat ist eine gute Mutter, die sich ihrer Kinder annimmt!* „Redensarten I Das können die Vornehmen und Neichen leicht sagen," kam es jetzt höhnisch von irgendwo her. „Wer sagte das?" Die Generalin drehte suchend den Kopf, ihre stattliche Gestalt reckte sich noch stattlicher.„Es ist traurig." sagte sie sehr laut,„daß es immer noch Leute gibt, Deutsche gibt, die ein Vergnügen daran finden, zu mäkeln und zu hetzen. Was heißt jetzt.vornehm und reich'? Wenn einer im Schützengraben liegt und ist ein Prinz, liegt er ebenso im Dreck loie der einfachste Handlanger, und der eine Million hat, ebenso wie der, der keinen Pfennig besitzt!" Na, die war aber nicht auf den Mund gefallen! Und .Dreck' hatte sie gesagt—.Dreck!' Einige amüsierten sich darüber. Sie lachten. Und das steckte an. Ein ganzer Knäuel von Weibern drängte sich um Frau von Voigt. Diese wußte nicht recht, war das nun ein höhnische» Lachen oder erfreute Zustimmung? Eine plötzliche Zaghaftigkeit überkam sie. Es tat ihr leid, daß sie sich hatte so hin- reißen lassen. Sie drängte sich durch und ging davon mit raschen Schritten, im Innersten verstimmt. Nun war ihr die ganze Freude an Nowogeorgiewsk verdorben. War das Bildniskunst unier die lange FnedenSprriode. Aber, so wird man einwenden, entarteten nickt lilerarische und künst- leriiche Kultur gegen Ende der Friedenszeit, ein Zeugnis dafür, daß die geistige Spannkraft in dem Grade nachließ, wie Generation auf Generatio» sich den Wohltaten des Friedens hingab? Und ist die? nicht ein Beweis für den Wert des Krieges als geistiger Erneuerer? Wäre diese Betrachiungsweise richtig, so müßwn die großen Kriege deS 3. Jahrhunderts, während deren der römische Soldalenstand zu neuem Leben erwachte und die gesunde und unverbrauchte Bevölkerung der römischen Provinzen Teil an der Macht und dem Reichtum des Staates gewann, die geistige Kultur zu neuem Auffchwung gebrocht haben. Dies war jedoch nicht im entfern-� testen der Fall. Der kriegerische Geist hatte im Frieden keinen Ab- bruch erlitten, große Feldherren und tapfere Truppen harrten der Zeit, die ihrer bedursie. ES geht daraus hervor, daß Mut und Todesverachtung auch während jahrhundertelangem Frieden nicht erlöschen. Geistige Kultur aber hat nichts mit Krieg und Sieg zu schaffen: das römische Volk wurde auch durch seine Siege kein schaffendes Kunstvolk und kein Volk von selbständiger Kultur, obwohl es sich Länder um Länder unterwarf.„Es ist— so schließt Poulsen— auch heute kein Anlaß, einen lähmenden Einfluß deS Frieden? zu fürchten oder die Wiederholung„auffrischender" Kriege in kurzen Zwischenräumen für nötig zu hallen. Oder sollte man etwa denken, daß eS eine Gefahr für den skandinavischen Volks- geist bedeutet, daß ein Krieg zwischen den drei Nationen nun- mebr fast, ebenio undenkbar ist, wie ein Bürgerkrieg nnter den Schweizer Kantonen, die einander während des Mittelalters ständig zur Ader ließen. Wer fragt jetzt danach. ob ein Kanlon größer fei als der andere? Und beruht da? Glück des einzelnen Schweizers darauß ob er einem großen oder einem kleinen Kanton angehört? Erst wenn eine derartige Einsicht sich unter den Kulturvölkern Europas Bahn bricht, ersteht die Hoffnung einer neuen Lsx Eornana, die dre Welt umspannen kann. Führt der jetzige Krieg dazu, so muß er sicherlich bis zur tödlichen Ermattung aller Parteien durchgekämpft werden. Die Großmächte der Welt unierziehen sich zurzeit einer Pferdekur, und es wäre unzweckmäßig, diese verkürzt sehen zu wollen, bevor sie sicher und zuverlässig ge- wir« bat. Wenn jeder neue Kriegsmonat den Grund zu einem FriedenSjahrzchnt legt, dann wird der Weltkrieg nicht umsonst gc- kämpft worden sein."_ Meister Erwins Traum. sZum 600. TodeSiage Erwins von Stcinback, gest. 17. Januar 1318.) Die Entstehung der mittelalterlichen Dome und Bkünster kann sich der Volksglaube nicht anders als durch die Mitwirkung über« irdischer Mächte erklären. Beim Bau deS Kölner Domes muß der Teufel Handlangerdienste geleistet baben. und der Entwurf zum Stroßburger Münster soll dem Erwin von Steinbach von einem Enget im Traume eingegeben worden sein. Moritz von Sckwind malte nach dieser Legende„Erwins Traum": mit geschlossenen Augen durchschwebt der nachmalige Meister als Jüngling an der Hand eines Engels die Spitzbogengänge seines späteren Wunderwertcs.„Der Traum des Knaben birgt den Entwurf des reisen Mannes," könnte darunter stehen. Daß wiederum der Plan des Künstlers dazu ver- urteilt war. ein Traum zu bleiben,— ein Schicksal, das in jenen Zeiten, da Jahrhunderte zur Vollendung eines Bauwerkes gehörten, kaum als tragisch empfunden worden sein mag— wird von der Nachwelt immer schmerzlich beklagt werden. War doch, als Meister Erwin, nach fast vierzigjähriger Tätigkeit am Münsterbau, am 17. Ja- nuar 1318 starb, kaum die Hälfte des glorreichen Werkes vollendet, das er geplant hotte. Und als im Jahre 1430 das Bauwerk, welchem vier Jahrhunderte ihr Gepräge gegeben halten, fertig tvar, bot es einen völlig anderen Anblick, als ihm»ack dem Entwurf seines größten Baumeisters zugedacht war. Unterkirche, Chor, Ouerschiff und LangbauS waren freilich bereits vollendet gewesen, als Bischof Konrad tll. von Lichtenberg, der im Jahre 1277 den Grundstein zur Fassade des Münsters legte, zu deren Ausführung, sowie zum Bau der Türme Meister Erwin von Steinbach berief, und dieser sich an- schickte, den im streng romanischen Stil begonnenen und im lieber- gangsstil fortgeführten Gebäudeteilen mit seiner in reinster Gotik empfundenen Westausicht den großartigsten Abschluß zu geben, den die menschliche Fantasie ersinnen kann. Ein auS zierlichstem Maß« werk gefügter steinerner Svitzenschleier soll'e die ganze Fassade bis hinauf zu den untersten Turmgeschossen überspinnen und daftlbst vielleicht in Giebeln auslauten. Zwei Türme sollten das Mittel- portal mit dem herrlichen Rosenfenster flankieren; der über diesem gelegene Mittelraum, den eine spätere Zeit in unbeholfener Per- ständnislosigkeit ausgefüllt hat, sollte frei bleiben, um so die gigan- tische Wirkung der Türme zu erhöhen. Aber nur bis zur Höhe von etwa 20 Metern folgte diesem Entwurf der wirkliche Bau. Nach Erwin von Sleinbacks Tode wurde er zunächst von seinem Sohne wohl die rechte Art, den Sieg aufzunehmen? Man er- wartete ja kein lautes Frohlocken von den Leuten mehr. aber konnten sie eS nicht hinnehmen still- freudig bewegten Gemütes? Ihr Mann hatte doch recht: man durfte an diese Leute nicht den Maßstab legen wie an sich selber. Sic waren in Freud und Leid doch eben anders, wie man selber war. Sie sah plötzlich eine große Kluft— wer würde die über- brücken?! Der Krieg, zu dem doch alle auszogen/ alle, vor- nehm und gering, arm und reich? Er hatte es bis jetzt nicht gekonnt. Würde eS der Friede können—? Die Straße, die sie zu gehen hatte, lag dunkel. Droben kein Stern. Der Wind, der den ganzen Tag geweht, hatte Wolken herausgetrieben, nun flogen sie, seltsam geballt und zerrissen, wie fratzenhafte schwarze Ungeheuer über das matte Grau des Nachthimmels. Sie mußte an den Mobilmachungsabend denken. Da war sie am Arm ihres Mannes in Berlin die Linden hinuntergegangen, die dichte Masse der Menschen hatte sie mit fortgetragen, sie waren im langsam flutenden Strom vors Schloß gelangt. Wo die Leute die Offiziersuniform erkannten, machten sie Platz. Das Schloß lag dunkel und schweigsam. Der Kaiser hatte zum Volk gesprochen gehabt, sie waren zu spät gekommen, aber überall hörten sie noch davon reden. „.Ich kenne keine Parteien mehr'— ja, so hat er gesagt," hörte sie einen Mann dicht hinter sich laut erzählen. Ein anderer erläuterte daS noch näher:„Nu jibt eS nämlich jar keene Unterschiede nich mehr. Ob de Jeld hast oder keenS, ob de Jraf bist oder nur Fritze, der Klamotteudräjer, ob de uf de hohe Schule Latein jelernt hast oder ob de nich lesen nn schreiben kannst, allens eenc Wichse. Allcns nur Deutsche!" Ein wehmütiges Lächeln kam der jetzt eiliger Schreiten- den. Ein Regen sing an zu tröpfeln, der Himmel weinte. Sie lief in tiefen Gedanken: ach ja, so leicht war es nicht, verstanden zn werden! Rührend war aber der Droschken- kutscher gewesen, mit dem sie dann vom Schloßplatz zurück- gefahren waren, rührend und komisch zugleich. Er hatte, mit der Peitsche zurückdeutcnd nach den: dunkel-ragenden Bau, in dem Deutschlands Kaiser jetzt wohl die Geschicke Europas in seinem Herzen bewegte, und sich, halb auf seinem Bock zu ihnen herumwendend, beifällig nickend gesagt: „Wir haben Wilhelmen doch unterschätzt!" Der alte dicke Kutscher und sein humpeliger Gaul waren ihr unvcrgeß- i TV Donnerstag, 17. Januar und wahrscheinlich unter Benutzung seiner Zeichnungen weiter- gciührt. Dann kamen fremde Meister an die Reibe, die mit den alten Entwürfen uichts anzufangen wußten, im 15. Jahrhundert setzte der Ulmer Ulrich von Ensingen eS durch, daß man sich aus den Ausbau des einen Turmes beschränkte und vollendete dessen schlanken Schteckbau mit den 4 Schueckentürmchen bis auf den Helm, den endlich Johann Hültz aus Köln auS 52 Treppentürmchen aufführte. In diesem Turme, einem der höchsten in ganz Europa, suchte der junge Goethe sich von seiner Neigung zum Schwindel zu be- freien. � In dem sogenannten Hals unmittelbar unier dem Zinopf saß er oft eine Viertelstunde lang und betrat dann die kaum eine Quadratelle meffcude Plattform, um die herrliche Aussicht zu ge- nießen und„in leisen Ahnungen dem Genius deS großen Werkmeisters" zu lauschen. Mit welcher Inbrunst sich Goethe in da? Werk Meister Erwins vertiefte, ist bekannt. In der Abhandlung„Von deutscher Baukunst" gab er seiner Auffassung, daß man die Bauweise des Münsters nicht für ausländisch, sondern für vaterländisch zu halten habe, mit seit- samem Pathos, und seiner Begeisterung für den edlen Meister mit jugendlicher Uebersckwenglichkeit Ausdruck. Beiden Empfindungen ist Goethe treu geblieben, und auch seine Vorliebe für das Straßburgcr Münster hat im Alter nicht nachgelassen. Im vorigen Jahrhundert harte es eine Zeitlang den Anschein. als verflüchtige sich die Gestalt Erwins von Steinbach ins Sagen« haste, als sei sein Wirken am Straßburger Münster selbst nur ein Traum des Volksglaubens, dem die Kuuftgeschichisforscher die Glaub- Würdigkeit aberkennen müßten, ßie neuere Auffaflung jedoch hegt keinen Zweifel mebr an der Znverläsfigkeit jener freilich nicht mehr vorhandenen Inschrift, die noch im 17. Jahrhundert bezeugte, daß Meister Erwin im Jabre des Herrn 1277 am Tage deS heiligen Urban den glorreichen Bau der Münsterfaffade begonnen hatte. �in moüerner Totentanz. Trotz aller Kriegsnöte bat die Stadt Königsberg den schon lange gehegten Plan eines Gemeindefriedbofs während der letzten Jahre in großzügiger Weise verwirklicht. Den Mittelpunkt der An- läge bildet die von dem KönigSberger Maler Otto E w e l aus- geschmückte Friedhofskapelle, deren monumentale Fresken eine Art modernen Totentanzes darstellen. Die leitende Idee der acht, über zweieinhalb Meter hohen Figurenbilder ist die von dem Tode gepeinigte, gehetzte und wieder erlöste Menschheit. In prachtvoll elfenbeinernem Ton leuchten die meist nackten Gestalten auS blauem Grunde von der Kuppel der achteckigen Halle berab. Unter ihnen fleht man den Tod in allen seinen Tättgkeiten. Hier reißt er eine niedergesunkene Frau mit sich. an die sich unschuldige Kindlein klammern, dorr hält er entsetzten Männern und grauen daS abgelaufene Stundenglas vor, hier scheucht er wieder die Lebenden auseinander, dort führt er, eine grellgoldene Fahne vorantragend, die jungen Krieger in die Schlacht. Nicht immer ist sein Anblick schrecklich. Einmal hat er sich mit Krone und Hermelmmantel verkleidet, um ahnungslose, gutwillige Kinder zu entführen, und ein andermal erscheint er den Mühseligen und Beladeneu als Helfer und Freund. Notizen» —©in Baffer mann- Abend im«Deutschen Künstler- tchsater" zeigte den Darsteller in den Einaktern im Facetten- glänze virtuoser Vielseitigkeit. In SchnitzlerS.Gefährtin", der mit allen Illusionen einer Ehe aufräumenden, resignierten Rückschau, war er der moderne, vom Leben und der Skepsis zerfetzte Mann und in Hartlebens immer noch belustigendem Antiphilisterstückchen „Die sittliche Forderung"— der ganz auf sächselnden Provinztypus abgestimmte Spieher aus Rudolstadt, der so hurtig sich vom Moral- Hüter zum alleSverstcheiiden und mitmachenden Lebemann cnt- wickelt..Auf den Spuren Haasescher Fein- und Kleinmalerci wandelte er in der ältlichen Partie Piquet. Sein vom Adelsdünkel(je- schwellter Chevalier war ein Meiftersnickchen karikierender Portrat- kunst.— r. — In der Volksbühne wird infolge einer©Kränkung Pallenbergs Sonnabend„Ein Sommernachtstraum" und Sonntag «Was ihr wollt" gespielt. — Vorlesung. Auf Veranlassung der Deutschen Gesell- schaft für etbische Kultur liest Friedrich M o o st am Sonnabend. abends 714 Uhr. im Bürgersaal des Berliner Rathauses dw «A n t i g o n e' von Walter Hascncledcr vor. — Der Wer ein„Arbeiter-Hoch schule" veranstaltet am Sonnabend, 3 Uhr, in der Niederwallstr. 12, einen Emzelvor- trag Dr. Rohrbergs über„die dänische Volkshochschule". lich geblieben. Und unvergeßlich auch der Anblick, der sich ihnen bot, als auch sie sich umwandten. Langsam war da vom Wasser her ein mächtiger Vogel über Lustgarten und Schloß, über Dom und Zeughaus ge- segelt. Mit weitgebrcitetcn Schwingen stand er jetzt still. Nur ein Wolkengebilde war es, gewitterschwangcr am Sommerabend. Aber sich unter ihm rötend, schien der Himmel zu glühen vom Flammenwiderschein. Aufgeregt von den Ereignissen dieses TageS hatte sie nach ihres Mannes Arm gegriffen:„Da— da— siehst du ihn auch?" Ein schwebender Adler war eS mit gespreizten Flügeln. Es hätte sie wie ein Schrecken durchzuckt: war das nicht der russische Adler? Es war der preußische Adler gewesen— Gott sei gedankt! Die Generalin war jetzt am Krügerschen HauS angelangt: sie wollte noch die Tochter besuchen. Und wieder stieg eine Verwunderung in ihr auf, daß sich Lili gerade diese Wohnung ausgesucht hatte. Die war so bescheiden: kein Parkett, niedrige Zimmer, kein elektrisches Licht. Neberni Türeingang schwelte eine kleine Pctroleumsunzel. Als Frau von Voigt die unverschlossene Tür aufklinkte und in den engen Flur trat, fiel ein Lichtschein aus dem Zimmer zu ebener Erde. Die Stubentür stand offen. Drinnen saß die Krüger am Tisch und schien beim trüben Schein einer Lampe in einem Buch zu lesen. Sie war so vertieft, daß sie von der an ihrer Tür Vorüberschreitenden nichts bemerkte. Frau von Voigt stieg zu ihrer Tochter hinauf. Lili öffnete ihr selber die Glastür, die die Wohnung abschloß. Das Mädchen war zum Bahnhof gelaufen, als das Läuten anfing. „Ich brauche sie ja auch nicht," sagte die junge Frau gleich- gültig. In ihrem weißen schleppenden Schlafrock mit dem weißleuchtenden Gesicht sah sie aus wie ein Geist, Tie Mutter blickte sie voller Besorgnis an.„Nowo- georgiewsk, Lili," sagte sie stark.„Nowogeorgiewsk, das ist ein großer Sieg, ein wichtiger Fortschritt." Es war ihr, als müsse sie die bleiche Frau da vor sich aufrütteln. Sic legte beide Hände auf die Schultern der Tochter und schüttelte sie lcicktt.„Wie wird sich der Vater freuen! Er wird jetzt noch in Warschau sein. Ich bin sehr gespannt auf seinen Brief. Freu du dich auch, Lili, nun wird der Krieg bald zu Ende sein Gortj. folgt.) I Deutffter fnttaltor&eitcf- Pertand. Verwaltungsstelle Serlln. Den Witgliebern zm? Nach- I rlcht, datz unser Kollege� de> s Ichlosscr LZI/l? « SwineinNndcr Sirake 55 ] am 13..Kammr gestorben ist Die Beerdigung findet am I Domterstag. den 17. d. Mtl. nadimittagS S'/, Uhr, von der Leickienballe deZ Friedens» KirchhosS.Nordend, aus statt. Den Mitgliedern serner ;ur Nachricht, das; unser Kollege, der Metallarbeiter SMZIIM finM �knlih-r Itraste SZ/S4 am 12. Januar gestorben ist. Die Beerdigung findet am Donnerstag, den 17. d. Mtl. nackimiltags 3 Uhr, von der Leichenhalle deSSinmanS- Kirchhofes in Neukölln, Hermannftrad«, aus statt. Ghre ihrem Rndefke»! Rege Deteillgung erwartet ��D��rteveWaJhin� Deatlfter Banarbclter-Pertand. ZwciErerain Berlin. Bezirk Neukölln. Am 6. Januar starb durch Mord unser Mitglied, der HUssarbeiter Mms UM. Ehre feinem Nndenke» k Die Beerdigung findet morgen Freitag, nachmittag» 2 Uhr, aus dem neuen Jakobi» Friedhos sti der Hcrmannstrabe statt. sl4st/5 Um regeSeteiligung ersucht Die»rtt. Verwaltung. Spezial-Arat Xtr. med. ÜMelid. FrledilcIsli.SOÄl,, Vehandl. vonSychhiliS» Haut- Harn-, Fraaenleide», sh�.: chron. Fälle. Ährttch-Hata-Kn- ren. schmerzlose,»ArjtsU Behandlung ohne Berussstörung. 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Januar, nach kurzem aber i sch werem L-iden infolge(Sc- Hirnschlag verstorben ist. Ehre seinem Nndenken!! Die Beerdigung findet ani Freitag, den 18. Januar. nachmittags S'l, Uhr, von der Leichenhalle des Trep-j iower Kirchhofs, öttesholz- ftraße, aus statt. 1349b Der Vorstand. Verband der Brauerei- und üj Mlllenardeiter und verw, BerufsgenoITen. Zahlstelle Berlin. Kachrnf. Den Kollegen jltr Nach- richi, daß unser Mstglied, der Mitfahrer (illstav LteMn Bockbrauerei, Abteilung TL, gestorben ist. Ehre feinem Andenken.' 44/18 Die OrfsverwaltnnB. Allen Freunden und Be- kannten die traurige Mit- ieiwng, daß mein lieber Mann, unser guter Dater, Bruder>md Schwager, der Metallarbeiter ittA AWsl SllllSlg am 14. Januar nach längerem Leiden im SS. Lebensjahre verstorben ist. Beerdigung: Eonnabend, den 1». Januar, um Bj, Uhr von der Leichen- �-le der EinmauS-Gemeinde NeuköSu, Hennannstraße. Um still« Teilnahme bitten die tiesbetrübte Battin Marth« Serpold nebst Kindern Oppelner Straße 87. Cttnr Teepoid als Bruder Britzer Straße 26. Am 14. Januar verschied nach kurzem, schwerem Krankenlager unser lieber Kollege, der Monteur �Vilkelm Herkert Ehre seinem Andenken I Die Kollegen der Berk. Privat-Telefon-Ges. Die Beerdigung findet am 19. d. Mts., nachmittags 3st, Uhr, von der Leichen- balle deS Kolgatha-Fricd- hoseS.Barsusstraße, aus statt. Spezlalarzt JDf. med. I-aabs beh. schnell, gründl., mägl. schmerzlos rr ohne BenisSllör. Oesvbleonisbrsabbolt., geKeime ttaul-, iiarn-, Frauenleiden, Schwache. Erprobteste Methoden Ehrlioh-Hata-Kuren, Harn- u. Blutuntersuchung.* KißiiStf. 24 uS, Alcxan'dorpl. Epr. 10— lu.5— S.Sonnt.lO— 1 Punsoli- Extrakt 1 Teil mit 2 Testen siedendem Waffer ergeben einen alkohol» * freien seinaroma tischen —— siifte« Punsch.- Kein Zucker erforderlich Ii 5!. 2.1° M. inkl. FOrleere F!asch.20 Pt.zurück Losem SLtr; an, Ltr.2M. Sei Mehrentnahme billiger. Otto Reiches SO. Elsen ba h netr. 4. Speztatarzt Dp. med. 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