Kr. 19. 55. Jahrg. Bezugspreis: M. Iich 1.b0 3X1 Uitter Kreuzband ffir Deutschland und Oesterreich. Ungarn Z.— M!, für daS übrige Lnglond e.« Mst monatlich,«erfand in« Feld bei direkter BssteIIuna moiialI.t,b0Wf. Bostbestollunaon nelfmen an Däne. mark, Holland. Luxemburg. Schwede» und die Schweiz. Stnaetraoen in die Post.Z«itungt I« Worte über iE Buchstaben züstien für zwei Worte. TeuerungSzuschlag Aamtlien» Anzeige» Sit Prg.. WM"" zewerkschastlichc Bei Pfg die Zeile, ilnz sie Kummer müssci Uhr uachmilt. im HaudtgefchMt. Berlin SW.68. Lindenstragc». ad. gegeben werden. Geöffnet hon S Uhr friih bi« V Uhr abend«. »wei Worte. gsmntli«»> holttifchc u. gewerrschaftlichc Berein? ...| Slnzetgen 40 Pfg die Zeile. Anzetge �ir�die Nächsie Kunmrer müssen r>' Zentralorgan der foztaldemokratifcben parte» Deutfcblands. Reöaktion: SW. 68, LinüevstraKe 3. Fernsprecher: Hmt MortIplaU, Str. 151 80—151 97. Sonnabend, den 19. Januar 1918. Expcüttton: EW. 68» Linüenstrahe 2. Fernsprecher- Amt Moritzplatz, Nr. 15180—15187. Selterreichs Z Verhaftung See Königs von Rumänien. Basel, den 18. Januar. Reuters Bureau meldet aus Petersburg: Die bolschewistischen Volkskommissare habe« die Verhaftung des Königs von Rumänien verfügt, der nach Petersburg geführt wurde. Sreft-Litowsk. Hefrieöigenüe verhanülungen mit öen Ukrainern. Brest-Lltomsk, 17. Januar. Bei der heute zwischen der deutschen und-österreichisch-ungarischen Delegation einerseits und der ukrainischen Delegation andererseits abgehaltenen Besprechung wurde einleitend das bisherige Ergebnis der über die politischen Fragen vertraulich gepflogenen Unterredungen resümiert. Graf Czernin hob hierbei den für die Brester Ber« haildlungen überhaupt geltenden und auch von der ukraiui» schen Delegation anerkannten allgemeinen Grundsatz hervor, daß die Einmischung eines Teiles in die inneren staatlichen Angelegenheiten des anderen ausgeschlossen sei. Andererseits bestehe Einverständnis darüber, daß beiZu stände- kommen eines die Entwicklung eines dauernden. freundschaftlichen Verhältnisses sicher. st eilenden Friedens die beiden Teile bereit seiem sich unter Voraussetzung voller Gegenseitigkeit über verschiedene, sie interessierende politische und kulturelle Fragen auszusvrechen. Hierbei wies Graf Czernin beispielsweise auf die Besprechung der Sicherstellung des Schicksals jener polnischen Minoritäten hin, welche dem künftigen ukrainischen Staate etwa angehören werden. Diese Erklärungen wurden von der ukrainischen Delegation zustimmend und mit dem Bemerken zur Kenntnis genommen, daß sie a u f G r u n d derselben in die weiteren Verhandlungen eintreten werde. Bei der weiteren Besprechung über die R e g e l u n g d e s beiderseitigen wirtschaftlichen Verkehrs wurden keine solchen Divergenzen in den grundlegenden Auf» fassungen festgestellt, daß sie das Zustandekommen einer Ver» einbarung zu hindern vermixfyten. Die Beratungen wurden soweit gefördert, daß sie sich bereits auf konkrete Fragen des Warenaustausch Verkehrs er» streckten. Der Gang dieser Verhandlungen und deren bisheriges Ergebnis lassen dieErwartungcincsbrfricdigen. den Abschlusses berechtigt erscheinen. Die Weiterberatung ist einer Spezialkommission über» tragen worden, die ihre Arbeiten mit tunlichstcr Beschleuni» gung durchführen wird. O T r o tz k i ist am Donnerstag nach Petersburg ge- reist. Nach einer Meldung der„Nat.-Ztg." hält der Ausschuß für Vorbereitung der Konstituante die Anwesenheit Trobkis in Petersburg für notwendig. Er soll vor dem Sowjet mündlich Bericht über den Stand der Friedensverhand- lungen erstatten. Nach der„Jsvestia" wird in den in Vor- bereitung befindlichen Konferenzen auch die Frage der Teil- nohme der Fremdvölkcr an den Friedensverhandlungen be- raten und beschlossen werden. Bis zur Rückkehr Trotzkis. die nach dessen Aeußerungen binnen W o ch e n f r i st zu erwarten ist. werden mit den übrigen Mit- gliedern der russischen Delegation wirtschaftliche und rechts- politische Fragen durchberaten/ * Günstige Verhandlungen auch in Petersburg. Wie«, 17. Januar. DaS Wiener K. K. Telegr.-Korresp.-Bureau meldet aus Brest-Lirow»! vom 17. Januar: Laut einer vom Gene- ralkonsul von Hempcl aus Petersburg eingelaufenen Meldung nimmt der bisher schleppende Verlaus der VerHand- lungen der Petersburger Kommission in den letzte» Tag,» einen günstigen Fortgang. Es gelang bei der Erörterung über die Eröffnung des Privat.. Post» und des Zeitungsverkehrs mit Ruß- land die bisher auf russischer Seite vorhandenen Schwierigkeiten zu überwinden, und eS kann bereits zur Formulierung der ge- trofsenen Vereinbarungen geschritten werden. Zur Verhandlung über den wechselseitigen Austausch von Arzneiwaren wurde ei« Unterausschuß eingesetzt, der feine Kuatungen am 16. Januar begonnen hat. SU? Sonüerfrieöe und allgemeiner: jrieöe. Brest-Litowsk und die österreichische» Parteien. Heber die Debatte, die sich im Budgetausschuß de» öfter- reichischen Abgeordnetenhauses an die Erklärungen des öfter- reichischen Ministerpräsidenten über den Stand der Verhandlungen in Brcst-LitowSk anschloß, berichtet das Wiener Kvrrcspondenz- Bureau: Sozialdemokratische Redner verlangten von dem Ministerpräsidenten, er solle den Grafen Czern>invonder Stimmung der Bevölkerung unterrichven.die einen Friedensschluß in Brest-LitowSk, aber auch den allgemeinen Friede« verlange. Der Christlichsoziale M a t a j a gab namens der deutschen bür- gerlichen Parteien eine Erklärung ab, in der er als oberste Richt- schnür für die Angelegenheiten der äußeren Politik feststellte, baß alles zu unterlassen sei, was die Stellung der Wer- trcter der verbündeten Mächte bei den Friedensvarhand» lungen in Brejt-LitowSk erschweren könne. Auch die deutschen bürgerlichen Parteien hielten die parlamentarische Erörterung der Brest-LitowSker Verhandlungen für notwendig, dazu sei aber der Ausschuß der Delegation für AeußereS berufen. Jede Hinaus- ziehung der Verhandlungen in Breft-Litowsk erscheine als G c- fährdun g des erreichbaren Sonderfriedens. Die Deutschbürgcrlichen stellten fest, daß sie in den Erklärungen Lloyd Georges uno Wilsons keine Grundlage für einen Friedensschluß sähen:..Wir stehen auf dem Standpunkt der Souveränität des österreichischen Staates und lehnen jede Ein- Mischung des«uslondck in innere Vcrhältniffe der Monarchie ab." Der Deutsch-Freisinnige Zenker trat den Ausführungen Matajas entgegen und erklärte, daß die deutsche Bürger- schaft ebenso denke wie die deutsche Arbeiter- schaf t. Der Tscheche S t a n e k vertrat neuerlich seinen Standpunkt hinsichtlich des S e l b st b e st i m m u n g e r e ch te S, auf Grund dessen der Völkerfriede gesichert wäre. Auch der Redner der Süd- slawen erklärte, daS Volk verlange nichts anderes. als einen guten Frieden, und hob die internationale Be- deutung der südslawischen Frage hervor. 4- Wien, 13. Januar. Im Budgetausschuß erwiderte auf eine sozialdemokratische Anfrage wegen der Brest- LitowSkcr Verhandlungen der Minister des Innern Graf Toggenburg: Gms Czernin hat wirklich nichts anderes im Auge, als zu einem Frieden zu kommen, der für Oesterreich-Ungarn annehmbar ist. Vielleicht niemand, auch auS der Partei der Sozialdemokraten, will den Frieden aufrichtiger und wahrhafter, als Graf Czernin ihn zu er- reichen st r c b t. Er wird die Friedensverhandlungen nicht scheitern lassen, sofern natürlich nicht ganz unmög- liche Dinge als Forderungen an ihn herantreten. Aber diese ganz unmögliche« Tinge werden nicht an ihn heran- treten, denn wir dürfen nicht vergessen, daß beide Teile den Frieden wollen. Verschleppungen von unserer Seite werden auch nicht eintreten, weil Graf Czernin genau weiß, daß ein mög- lichst rascher Abschluß des Friedens im Interesse Oesterreich- Ungarns geradeso wie Rußlands liegt. Der Minister gab zum Schlüsse dem Wunsche Ausdruck, das Volk möge durch seine und seiner Presse Haltung den Gang der Ver- Handlungen nuc in der Form beeinflussen, daß darin das Vertrauen, welches der Unterhändler brauche, um seinem Gegenpart standzu- halten, auch zum Ausdruck komme. Brest Litotvsk im ungarischen Abgeordnetenhaus. Budavcst, 18. Januar. Im Abgeovdneienhause richtete der Abgeordnete Holl an den Ministerpräsidenten bezüglich der Friedensverhandlungen in Brest-Litowsk die Anfrage, ob die Regierung auch jetzt noch auf dem Standpunkt eines an- nexrons- und kontributionslosen Friedens stehe, und ob die Vertreter der Monarchie auf dem Kongreß in der Richtung wirkten, daß die Gegensätze ausgeglichen und ein allgemeiner Friede herbeigeführt werde. Der Ministerpräsident erklärte, daß die Regierung auf dem Standpunkt eines annexions- und kontributionslosen Friedens stehe, wobei er auf die betreffende Erklärung des Ministers des Aeußern verwies. Auf diesem Standpunkt stehe jedes amtliche Organ der Monarchie, vor a I l e ni d e r K ö n i g. Er könne nicht verhehlen, daß die Aeußerungen des Interpellanten nicht zur Kräftigung dieses Standpunktes dienten. Sonst hätte er nicht die Frage von Elsaß- Lothringen aufgeworfen. Unsere Friedensbestrebungen würden dadurch sehrge- schwächt, daß unverantwortliche Faktoren fortwährend forderten, daß der Friede so schnell als möglich geschlossen werde. Dies könne bei den Feinden die Annahme hervorrufen, als ob diese Forde» rung in geschwächter Kraft begründet sei.(Langanhaltender Beifall.) Die Antwort wurde zur AennwiS genommen._ Was bedeutet die Wilson- öotfthaft: Ein Artikel der Londoner„Ration". Wenn einmal die Geschichte der- Presse während des Weltkrieges geschrieben wird, dann wird ein besonders ehrenvoller Platz in ihr MaßinghamL„Nation" eingeräumt werden. Von ihr und ihren Hauptniitarbeitern, Brailsford und I. A. Hobson.>vird man sagen, daß sie die Fahne frei- heitlicher und menschheitlicher Gedanken hoch durch das Blut und den Schmutz der allgemeinen Völkerschlüchterei getragen haben. Von Chauvinismus des eigenen Landes verfolgt, hat die„Nation" dank ihrer mutigen Haltung doch stets an Ver- breitung gewonnen. Jahrelang unter Ausfuhrverbot- gestellt, hat sie Mühe gehabt, ihre Stimme jenseits des tiefen Wassers vernehmbar zu machen: wo es ihr gelang, fand sie ein lautes Echo bei allen, die ihr Herz noch an großen Zukunftsgedanken zu erheben vermochten, freilich hat sie dabei auch oft das Mißgeschick gehabt, fremdem Chauvinismus als Kronzeugin gegen den eigenen dienen zu müssen. Ein Blatt, wie diese englische Wochenschrift hat ein Recht auf achtungsvolles Gehör, auch tvenn eS einmal etwas zu sagen hat, was vielen hierzulande wenig gefallen mag. In ihrer Nummer vom 12. Januar veröffentlicht nun die „Nation" einen Artikel, in dm sie der öffentlichen Meinung Deutschlands den Vorwurf macht, die letzten Kund» gedungen Lloyd Georges und Wilsons falsch und ungerecht beurteilt zu haben, lieber den Inhalt dieses Aufsatzes teilt uns ein Privattelegramm aus Bern folgendes mit: Die englische Wochenschrift„The Nation" vom 12. Januar schreibt: Die offene Diplomatie Rußlands trage bereits ihre Früchw, da unter der unmittelbaren Wirkung der Friedensverhandlungen von Brest-LitowSi Lloyd George seine Krieg 6 ziele revidiert habe. Der ganze Ton von Lloyd Georges AuS- führungen bedeute zweifellos, daß der- englische Premierminister auf die Wiederher st ellung des Friedens hinziele und zum mindesten zur Eröffnung von Besprechungen bereit sei. Alle englischen Arbeiterführer hätten dies offenbar auch so verstanden. Die Frage sei nur, ob Lloyd George, indem er den Frieden wünscht, auch tüchtig genug sei- ibn zu bekonimen. Einige seiner territorialen Forderungen dürsten allerdings die Zeniralmächte veranlassen, feine In- tentionen in i ß z u v e r st e h e n. Die ganze deutsche Presse habe einen großen Fehler begangen, indem sie einstimmig die Vor- schlage Lloyd Georges als unausrichtigeS Angebot ablehnte. Die »Nation" meint, Lloyd George habe M a x i m alb e d in g u» g c n gestellt und die Deutschen hätten dies verstehen sollen. Leider zeigten die Presseäußerungen, daß die? nicht der Fall. Wilsons Rede zeige eine»och viel bedeuten- dere Aenderung des ToneS. besonders weil sie die erste Entente- kundgebung sei, welche die Juliresolution des Reichs- t a g e S würdige. Seine Forderungen seien hauptsächlich verschiede» von denjenigen Lloyd Georges, weil sie die Freiheit der Meere, die endgültige Ablehnung des Wirtschaftskrieges und die Zurückweisung der Zerstückelung der Türkei enthalten und einen besseren Standpuulc in der Kolonialsrage einnehme. Wilsons territoriale Forderuugcir seien nicht exzessiv. Schwierige Fragen seien allerdings Italien, Polen und Elsaß-Lothringen, aber auch sie seien mittels Kompen- lationen und Referendum nicht unlösbar. Die»Nation" meint schließlich, Deulschland müßte von unverzeihlicher Unvernunft und trotzigem Zynismus beherrscht sein, w e n it eS i n W U s o n S Rede nicht den deutlichen Wunsch nach vernünftige in Ver st ändigungSfricdcii erblicken würde. Ter Artikel der„Nation" beweist zunächst tatsächlich, de.ß der englische Pazifismus, genau wie der amerikanische auf die Linie der letzten Wilson-Botschaft eingeschwenkt ist. Man kann freilich immer noch sagen, daß die englischen und die amerikanischen Friedensfreunde von Wilson eingesangen ivorden wären oder daß sie es selber nicht aufrichtig meinte». Darauf ist zu erwidern, daß gerade die„Nation" gegen den letzteren Verdacht ausreichend geschützt isr und daß sie vielleicht doch bessere Gelegenheit hat, die Vorgänge in den Entente richtig zu beurteilen als die deutsche Presse. Auch der„Vorwärts" hat schon bei der Besprechung von Wilsons Botscl)aft darauf hingewiesen, welcher Widerspruch in der hier landesüblichen Beweisführung liegt, die einer- seits behauptet, die Entente stehe unmittelbar vor dem mili- tärischen Zusanimenbrnch und andererseits versichert, sie sei nach wie vor bis zum äußersten kriegslustig und klammere sich an unerfüllbare Forderungen. Als unerfüllbare Forde- rungen bezeichneten wir solche, die auf eine Verstumme- lung des reichsdcutschen Gebiets und auf eine Untreue Deutschlands gegenüber, seinen Verbündeten hinauslaufen. DaS ganze deutsche Volk ist nach wie vor fest entschlossen, An- griffe auf seinen Bestand und seine Ehre abzuweisen, und es würde in diesem Sinne bei einer allgemeinen Fricdensbe- sprechung einig hinter seinen Unterhändlern stehen. Schon Parum kann von einer Gefahr, Teutschland könnte sich auf einer allgemeinen Friedenskonferenz zu schmählichen Zuge- ständnissen treiben lassen, ernstlich nicht gesprochen werden. Es ist richtig, daß sich die Stimnnmg in der Entente in der Richtung zum allgemeinen Frieden entwickelt, leider droht sie sich in Deutschland zu gleicher Zeit von dieser Richtung zu entfernen. Unverkennbar ist der Einfluß jener Strö- rnung. die nach dein erwarteten Frieden mit Rußland den totalen Zusmnmenbruch der Entente und damit die Gelegenheit zu einem„deutschen Schwertsriedcn" nach allen Seiten bin erhofft. Gegen diese Strömung befinden loir uns in einem steten erbitterten Kampfe, nicht weil, wie die alldeutsche Verleumdung uns nachsagt, unser Herz für die Entente schlägt, sondern weil wir mit tiefer leidenschaftlicher Sorge beobachte«, wie das Schicksal unseres eigenen Volkes von irrigen und verbängntsvollen Vorstellungen gefährdet wird. Wir glauben nicht, daß die Menichenmilliarde, die gegen uns steht, sich bald, glauben noch weniger, daß sie sich dauernd den, deutschen Sckjlvert bedingungslos unterwerfen wird, und darun, bekämpfen wir den Versuch, napoleonische Idee n ins deutsche Volk zu tragen, von denen und von deren Träger einer unserer tiefsten Denker. Hegel, in seinen Vor- Icsilngen über die Philosophie der Geschichte gesagt hat: In Napoleon stellte sich dann wieder ein individueller Wille an die Spitze des Staates: Er wußte zu herrschen und wurde iin Innern bald fertig. Mit der ungeheuren Macht seines üharatter» hat er sich dann nach außen gewendet, ganz Europa unterworfen und seine liberalen Einrichtungen überall ver- breitet. Keine genialeren Siege sind je gesiegt, keine genievolleren Züge je ausgeführt worden; aber auch nie ist die Ohnmacht des Sieges in einem helleren Lichte erscbienen als damals. Die In- dividualität der Völker hat endlich diesen K o l o ß g e st ü r z t. Tie Geschichte Frankreichs nach Napoleon zeigt deutlich, was aus einem Volke werden kann, das der Narr seiner Gloire geworden ist. Von Napoleon selbst stammt aber auch das Wort, daß Ideen zum Scksiuß immer stärker sind als Kanonen. Tie Idee eines allgemeineil dauernden Friedens, der internatio- nolen Gerechtigkeit, der Schiedsgerichte und der Abrüstung wird schließlich stärker sein als der gewaltigste Erfolg der Waffen. Und es ist ein Zeichen unserer Stärke, nicht unserer Schwäche, daß diese Idee auch in Teutschland auf fruchtbaren Boden gefallen und in der größten Partei des Reichs, in der deutschen Sozialdemokratie, ihre Vertreterin ge. funden hat. Die deutsche Regieruitg, die sich zu den Grundsätzen des Verständigungsfriedens bekannt hat. darf sich nicht hinter den formalen Vorwand verschanzen, daß die zehntägige Frist zum Anschluß an die Friedensverliandlnngen für die Entente ab- gelaufen fei. Von den nächsten Entschlüssen �der Staats- männer hüben und drüben lzängt Leben und Sterben von Hunderttanfenden ab. In ihrem Namen ist zu fordern, daß vier wie dort diese Entschlüsse mit tieseni sittlichem Ern« und strengster Gewissenhaftigkeit gesaßt werden. Der Fluch des leidenden Volkes wird aber die hetzerische Presse treffen, die ihre Regierungen von den Wegen zum allgemeinen Frieden abzubringen, jede Regung der Menschlichkeit als feige Schwäche und unmännliches Rühren zu bannen sucht. Tiefe Presse bat drüben vor einem Jahr den Sinn des deut- scben Friedensangebots ciitstellt. ihre Gesinnungsgenossin hüben sucht uns setzt über die Stimmung des. Auslandes irre zu führen. Vielleicht urteilt die„Nation" zu optimistisch— dennoch bedarf die Frage der Klärung, ob es einen Weg zum ehrenvollen allgemeinen Frieden gibt, der nicht über neue Leichenhügel führt. Möge sich der leitende Staatsmann, der die Politik des Reichs unter das Zeichen eines lebendigen Christentums im Sinne der päpstlichen Friedensnote zu stellen versprach, seiner ungeheuren Verantwortung bewußt sein! ** Tie deutsch-österreichische Sozialdemokratie zu Wilsons Botschaft. Die Wiener Arbeiterschaft hat am vergangenen Sonntag in fünf Massenversammlungen einstimmig einen Beschluß angenommen, in dem es heißt: Die Arbeiterschaft fordert mit leid n s ch a f t- Itcher Entschiedenheit den allgemeinen Frie- den. Sie begrüßt die Anstrengungen der Arbeiter aller Länder. dem Kriege ein Ende zu setzen. Sie betrachtet die Rede Lloyd Georges und insbesondere das Fridensprogramm Wilsons als Anzeichen, daß auch die feindlichen Regierungen unter dem Drucke der Arbeiterschaft ihre imperialistischen Kriegszicle bereits einzuschränken beginnen. Sie protestierm gegen die planmästige, wie auf Kommando er- folgte Mißdeutung dieser Kundgebungen durch die gesamte bürgcr- liche Presse und fordert die Regierungen der Mit- telmächte aus, diese Kundgebungen zum Anlaß zu nehmen, allen feindlichen Regierungen einen demokra- tischen Frieden ohne Annexionen und K o n t r i- b u t s o Ii e u a n z u b i e t e n. Aus den Debatten des Abgeordnetenhauses gebt hervor, daß hinter diesem Beschluß nicht bloß die österreichische Ar- beiterschost, sondern auch die Masse des B si r g e r t u m s steht. Der K«mpf um Caillaux. Stnrm in der sozialistischen Presto. Paris, 18. Januar.(Havas.) Ter Ilntersuchungs- a u S sch u ß am A u Z n a h m e g e r i ch t s h o s trat vor der Sitzung zusammen und wählte als Vorsitzenden Ernest Monis. Bern, 17. Januar. Die französische sozialistische Presse ver- langt heute mit schärfstein Nachdruck Bekanntgabe der Totnmrntc, die die Verhaftung Caillaux' vcranlaßien. da der S ch u l d- beweis durch die bisherigen Bekanntmachungen durchaus noch nicht erbracht sei.„Bataille" erklärt, die iOeffcmlich- feit warte mit Beklemmung auf genaue Wiedergabe der Tatsache». Es wäre selbst unter dem Vorwand diplomatischer Notwendigkeit ein gefährliches Spiel, die Veröffentlichung der Tatsachen ver- schieben zu wollen. Es gehe um das Leben des Landes, um den Grundsatz der Freiheit und Achtung vor d e r I u st i z.„Seure" stellt die große Nervosität fest, die seit der Verhaftung Caillaux' in Frankreich herrscht und versucht die Oesfentlichkeit über die Verzögerung der Bekanntgabe der Toku- mente zu beruhigen. Die unabhängige und fortschrittliche Presse erklärt unter festigen Angriffen gegen die Regie- Meist geringe Gefechtstätigkett im Westen. A,« t l i ch. Großes Hauptquartier, 18. Januar 1918.(W. T.».) Westlicher Kriegsschauplatz. Aus de« größten Teil der Front war dir GefechtStätigkrit gering, lebhafter in der Gegend südwestlich von C a m b r a i. Bei kleineren Unternehmungen nördlich und nordöstlich von P r o S n e s wurden Gefangene eingebracht. Oestlicher Kriegsschauplatz. Nicht? Neues. An der Mazedonischen und Italienischen Front ist die Lage unverändert. Der Erste Generalqnartiermeistcr. Ludendorff. Abendbericht. A«ist li ch. Berlin, 18. Jannar, abends. Von den Kriegsschauplätzen nichts Neues. Ter österreichische Bericht. Wiesn, den 18. Januar 1918. Amtlich wird ver- lautbart: Keine besonderen Ereignisse. Tex Chef des Generalstabes. r u n g, daß die französische und italienische Gerichtsprozedur darin übereinftimme, daß die Oeffnung des Trelorfachs in Florenz nur im Betfeiig eines bevollmächtigten Vertreters Caillaux' hätte erfolgen dürfen. Durch daS eingeschlagene Verfahren sei ein glat.t«r Rechtsbruch erfolgt.„Verite" betont, eS fei unzulässig, ckine politische Sache von derartigem Umfang durch Militärbeamte, die nur Agenten der Regierung seien, führen zu lasten. Di« Caiillaux feindliche Presse wendet sich gegen die Beschuldigungen, die gegen die Militärgerichtsbehörden er- hoben werden. Tic Rewerung dürfe sich auf die geforderte De- batte nicht ewlasse*.„Figaro" meint, daß die sozialistischen Be- mübungen, aus Caillaux das Opfer eines Rechtsirrtmns zu machen, ergebnislos verlaufen werden. Demgegenüber betont die fozialistische Presse einmütig, daß sie nicht die Sache Caillaux. sondern die Sache der Republik und die Sache der Gerechtigkeit gegen die Ungerechtigkeit verteidige. Wie der., Lyoner Brogres" erfährt, wurde Caillaux' Panzerkassette in Florenz bereits am 6. Januar von der italienischen Polizei formlos geöffnet und die darin ent- balterren Gegenständ« beschlagnahmt. B r i a n d soll als Zeuge im Caillaux-Prozeß vernommen werden. Er erklärte Presse- Vertretern, er habe Loustalot den Paß für die Schweiz verweigert. Verhaftungen. Genf, 17. Januar. Der Deputierte Loustalot ist, wie Havas ineldet, heute verhaftet worden. Paris, 18. Januar.(Meldung der Agence Havas.) Zur Per- Haftung Combbs schreibt..Honune Libre": Die neuen, aus Amerika stammenden Dokumente beziehen sich gleicherweife auf Lousta- l o t und C o m b y. Ganz besonders hinsichtlich des letzteren können gewisse Einzelheiten festgestellt werden bezüglich seiner Reise nach der Schweiz, wohin er Loustalot begleitete, der damals in Beziehungen zu Murnr Pascha stand. Paris, 18. Januar.(Meldung der Agence Havas.) Der Schriftsteller Hauen, Vertreter italienischer Zeitungen .in Paris, wurde unter der Beschuldigung, in die Angelegenheit Cavalini verwickelt zu sein, gestern früh verhaftet. Italien und die Caillaux-Affäre. Lugano, 17. Januar.„Agenzia Stefani" verbreitet einen langen amtlichen Bericht, in dem die gewaltsame Oeffnung des Caillauxschen Tresorfachs in Florenz und die Beschlagnahme der T�kumente gerechtfertigt werden soll. Tie italienische Militär- behörde erklärt darin, daß eine vorherige Bcnachrichti- gung des Eigentümers oder die Anwesenheit eines Vertreters'des Eigentümers nach Lage der Sache un- nötig gewesen sei.„Giornale d'Jtalia" betont energisch, daß keinerlei Nngesetzlichkeiten oder Willkürlichkciten im Falle Caillaux vorgekommen seien. „Giornale d'Jtalia" befaßt sich mit der Idee Caillaux', die die Gründung einer Liga der lateinischen Staaten zum Ziele hatte. Das Blatt stellt schließlich summarisch fest: Ueberall die gleichen Methoden? Ueberall die gleichen Männer! Diese Männer verfolgten zweifellos eine klare und präzise Idee, den Krieg mit dem Verspreche» zu Ende zu führen, daß auf ein wohlwollendes Bcrhalten Teutschlands gerechnet werden dürfe. Die Unruhen in Spanien. Generalstreik in Valencia— Blutvcrgieste» in Malaga. Madrid, 17. Januar. Amtlich. In Valencia ist infolge plötzlich cinzctrricner Zwisiigkcitcu zwischen Arbritgebern und Arbeit- nehmern die Tätigkeit der iuditstriellen Betriebe eingestellt worden. Die Kais, Docks und die Eisenbahnen in Malaga liegen vollständig still, Soldatcnpatrouille» durchziehen die Straßen. Genf, 17. Januar.„El Sol" meldet: Bei den Unruhen in Malaga mußte» die Truppe» von der Waffe Gebrauch machen. ES gab einige Tote und zahlreiche Verwundete. Tic Lage wird als außerordentlich ernst bezeichnet. Kürzung üer Mehlquote in Gefterreich unü ihre folgen. Durch eine Verordnung des VolksernährungSamteS wird eine Kürzung der Verbrauchsyuote an Getreide und Mehl angeordnet. Die Höhe der Brotration bleibt unverändert. Der Nichtselbst- versorger wird liumnehr eine Wochenmcnge von llöv Gramm Mehl gegen früher 1400 Gramm beziehen, der Selbstversorger wird fort« an über eine Wochenmenge von 1373 Gramm Getreide gegen stüher 2100 Gramm verfügen. Diese Herabsetzung ist deshalb so außer- ordentlich empfindlich, weil die Kartoffelration nur drei Pfund die Woche beträgt. Die Folgen haben sich auch alsbald gezeigt. In Medcröster- reich und Wien traten die Arbeiter in Streik. Die«Neue Freie Presse" hebt hervor, daß die österreichischen Arbeiter im Feld und im Hinterland ihre Pflicht getan hätten und daß sich die mächtig anschwellende llnzustiedenheit au? der offenbar lmgleichmißigen Verteilung der Lebensmittel, besonders aus ihrer Zurückhaltimg in Ungarn, erkläre. Der Ernst der Lage scheint aber die ungarische Regierung etwas nachgiebig gestimmt zu haben. Such der Kaiser hat angeordnet, alle Fürsorge der Besserung der Ernährung zuzuwenden. Tisza für wekerle. Gegen Karolyi., Graf Tisza hielt in einer Konferenz seiner Nationalen Arbeitspartei eine längere Rede, in der er sich unter andere«! auch mit der Bewegung der Pazifisten befaßte und hier- bei ausführte: Die Tugenden der Nation kommen auch heute überall zur vollen Geltung, doch inuß dafür Sorge getragen werden, daß denen das Handwerk gelegt werde, die bestrebt sind, die Seele der Nation zu vergiften, die ihr das Bewußt- sein rauben wollen, daß sie einen gerechten Verteidigungs« kämpf känipft, die den Irrglauben zu erwecken bestrebt sind, daß ein die ehrenvolle Zukunft der Nation sichernder Frieden schon hätte erreicht werden können. Graf Tisza sagte: Wer offenen Auges die Geschehnisse verfolgt, kann sich nicht der Tatsache verschließen, daß sowohl die Friedensverhandlungen mit dem russischen Reiche, wie auch das Verhalten der West- lichen Feinde Symptome zeigen, welche nur der Umstand er- klärt, daß man dort diese störenden Erscheinungen in Ungarn und in dem anderen Staate der Monarchie ungemein über- trieben beurteilt und sie fälschlich in Rechnung zieht. Unter Betonimg der vollen Berechtigung der militärischen Forderungen Ungarns befaßte sich der Redner mit der Angelegenheit der Wahlrechts- r e f o r m. die während des Krieges nicht auf die Tagesord- nung gestellt werden sollte. Doch fordere die heutige Lage Opfer von allen, und es müsse ein gegenseitiges Opfer gebracht werden, um eine Atmosphäre zu schaffen. die alle gesunden Kräfte der Nation zu dem Wohle des Landes dienender Arbeit vereinen könne. Tic innerpolitische Bedeutung der Rede Tiszas liegt in dex Unterstützung der Forderung Wckerles nach einer selb- ständigen ungarischen Armee und in der Bereitschaft zu einem Wahlrechtskompromiß, der allerdings von der ungarischen Oligarchie keine allzu großen„Opfer" heischen dürste. Im ganzen hat Graf Tisza den Eindruck zu erwecken vermocht. daß er aus den: Kampfe mit der Krone, bei dem diese das Wahlrecht gegen den Diktator allsspielte, als Sieger her- vorgebt. Tie sehr scharfen Bemerkungen des Grasen TiSza gegen die Pazifisten find auf die Partei des Grafen Karolyi ge- niünzt, die nach außen eine ousgesprocken pazifistische. Deutsch- land gegenüber recht selbständige Politik und für eine weit- gehende" Demokratisierung Ungarns eintritt. Kleine Kriegsnachrlchten. Ein KricgsarbeitSrat in Amerika. London, 7. Januar(Reuter I „Times" erfährt aus Washington vom 13. Januar, daß Wilson den Arbeitersekretär William Bauchop Wilson an die Spitze des Kriegsamtes gestellt hat mit der Ermächtigung, einen ArbcilSrat ins Leben zu rufen, der ibm becatcnd zur Seite steh«: soll. Der Präsident gab ibm Vollmacht, das. ganze Krie-gS- amtsproblem einschließlich der Verteilung und deS Trans- Portes sowie die Wöhnungssrage und die Frage der Anlernung von Arbeitern zu behandeln. ver Ausschuß für tzanüel unü Gewerbe setzte am 18. Januar leine Beratungen über die Stillegung der Unternehmungen und die Bedingungen ihrer Wiederinbetriebietzung nach Beendigung des Krieges fort. Es lagen eine ganze Anzahl von Anträgen vor. Wahricheinlich werden sännliibe Anträge in einer von allen Parteien unterschriebenen Kompromißresolution vereinigt werden. Der Abg. R i e h e r(natl.) tritt für die Einrich- tung von P r ü f u n g s i ii st a n z e n ein, die Abgg. Klings und Müller- Fulda(Z.) schließen sich dem an.— Abg. Bell(Z.) meint, daß alle die. die im öffentlichen Interesse Privatrechte opferten, Anspruch auf Entschädigung hätten. Abg. Jäckel(U.«oz> verlangt eine Statistik über Zahl und Ar: der siillgeleglen Betriebe und iahe es am liebsten, wemr man mit der Stillegung überhaupt aufhöre. Molkenbuhr(Soz.): Bei der Stillegung darf die spätere Wiederaufnahme der Arbeit nicht aus dem Auge ver- lorcn werden. Die Zweiteilung von Rohstoffen in der UebergaugS« wirtschasl hat nur Zweck, wenn Maichinen vorhanden sind, wie denn die sofortige Verarbeitungsmöglichkeit der Stoffe nachher das Wichtigste sei. Die Arbeitsmaschinen müssen baldigst ersetzt und die Winschast so rationell wie möglich betrieben werden. ES liegt zwar nahe, dem bedrängten Mittelstand zuerst zu Helsen, aber man muß auf die Wirkung aller Maßnahmen auf die Konsumenten Rück- ficht nehmen. Ein Vertreter deS KriegSamteS legt die Grundsätze dar, die bisher für die Still- und Zusammenlegung maßgebend waren. Geheimrat M a t h i§ ging auf die geäußerten Anregungen und Wünsche ein. Wir wollen uns bemühen, die zum Teil schweren Schäden der Zusammen- und Stillegung möglichst auszugleichen. Die in Betrocht kommenden Gewerbetreibenden, die Angestellten und Arbeiter sollen gehört werden.— Abg. Liesching(Bv) logt, daß das Prinzip der Höchstleistung übertrieben und das Interesse der Privalwirtichast zurückgedräugt worden sei. ES sei viel zu viel stillgelegt worden und eine Entschädigung unabweisbar. Abg. Cohen- Reuß(Soz.) glaubt auch, daß viele Fehler ge- macht worden sind. Da nun aber bei dem Rohstoffmangel Still- legungen unvermeidbar seien, muß man an dein Grundsatz der wirtschaftliche« Höchstleistungen festhalien. Vor allem seien die Organisationen djer A r« b ei t er von vornherein zn hören, da diese die persönlich unintA- e'iicrten Sachverständigen seien. In der Nebergangswirtschafl werde ebenfalls Zjlaugel an Rohmaterial fein. Er könne sich für eine Be- vorzuguug kleiner Betriebe schlechtweg nicht begeistern. Die Förderung der Produktivität wäre dringendes allgemeines Interesse, nicht aber die künstliche Ausrechterhalrung aller Betriebe, die vor dem Kriege bestauden hätten. Unierslaatsjekretär im Reichswirtschaftsamt Göppert: ES sei schwer, wirtschaftliche Dinge im voraus genau zu beurteilen. Wie beim Ausbruch des Kriege- ivürde es auch nach seiner Beendi- gung in dieser Begebung mau che Ueberraschun g geben. Deshalb könne er sich nicht für ein bestimmtes Programm erwärmen. man könne höchstens gewisse Grundsätze festlegen, nach denen zu verfahren sei. Eine möglichst gleichmäßige Beschäftigung sei anzustreben, unter tunlichst« Wiederherstellung der WirtschaflS- sormeu aus der Zeil vor dem Kriege. Abg. Mumm(D. Fr.) nennt die bisherigen StillegungS- Methoden reinste M, t t e l st a n d s t ö te re i, die unbedingt aufhören müsie.— Abg. Schiffer- Borken legt die Notwendigkeit der erweiterten Hinzuziehung von Arbeitern und An- gestellten als Sochversländige dar und erwähnt, daß öfter« veraltete, aber große Bernebe beichäftigt, andere belfere aber stillgelegt wurden; der Einfluß der Vertrauensmänner der Regit« rung fei zu groß. Die Aenfuröebatte Tie T-ebatte wurde am Freitag fortgesetzt. Abg. Ebert(Soz.): Mit einem biltercn Gefühl geht man an diese Frage heran, in der der Reichstag eine klägliche Rolle spielt. Es ist nicht besser geworden, trotz der entgegenkommen- den Erklärungen des Reichskanzlers und trotz des Hinweise- aus einen neuen Erlaß des Äriegsministers, der dem Reichstag noch nicht mitgeteilt worden ist. Heute herrscht ein System der Bekämpfung der Sozialdemykratic und der Begünstigung der Annexionisten. Ter alldeutschen Presse bat man die Besprechung der Ange- lcgenheit Ludendorfs gestattet, der andersgesinnten Presse hat man-jede Erörterung verboten. T i r p i tz greift aggressiv in die Politik ein, vor Angriffen schützt ihn die Zensur, ob- wohl er den Depeschensturm aus den Kanzler organisiert hat. Tie Besprechung einer Denkschrift der S ch w c r i n d u st r i e für Annexionen hat man dadurch vereitelt, daß man eine Gegen- stbrist des Agb. H u e und anderer Sozialpolitiker n i ch t v e r- öffentlichen ließ. Flugblätter beschimpfenden In- Halts dürfen an der Front verbreitet werden, die Rede S ch e i d e m a n n s aber ist noch immer verboten, wie auch andere Flugschristen für einen Verständigungssricden verboten tr> erden. Beschwerden nützen gar nichts, sie toerden einfach dem Generalkommando zur Erledigung überwiesen, gegen das sich die Beschwerde richtet. Damit verklagt man den Teufel bei seiner Großmutter. Allerdings kein Wunder, angesichts der Tatsache, daß der Äriegsminister der schärfste Gegner der Reichstagsmehrheit ist. Redner trägt«ine Reihe Fälle vor, um das Treiben der Zensur zu beleuchten. Ein Flugblatt zur Wahlrechtsvor- läge wurde kurzerhand verboten. In Königsberg unterbindet man jede politische Agitation. Redner bespricht das Verbot der Broschüre des Abg. S t ü ck l e n:„Tie Sozialdemokratie für die Feldgrauen". Aus Beschwerde hat der Kriegsminister geantwortet, mit dieser Scbrist werde die Politik in das Heer getragen. Ein- zelne Generalkommandos haben Strafen bis zu einem Jahr für die Verbreitung dieser Schrift angedroht. Dagegen dürfen annexionistischc Schriften im Heere verbreitet werden. Andere Generalkommandos haben verboten, Mitgliedet für politische Parteien im Heere zu werben, für die BaterlandSpartei aber wird im Heere die weitgehendste Agitation betrieben. Admiral v. Krosigk hat in einem geheimen Rundschreiben direkt da- zu ausgefordert. Beiträge an die Batcrlctudspartei zu bc- zahlen, wenn � auch die Lssizicre � und Mannschaften nicht Mit- glieder werden könnten. Aber auf ihre Frauen sollten sie ein- wirlen, Mitglieder zu werden. Ter Kriegsminister hat einen geheimen Erlaß hinäusgegeben, wonach die Baterlandspartei keine politische Partei sei, �>eereSangehörige also Mitglieder werden könnten. Tatsächlich ist diese Partei eine parteipolitische Organi- sarion, eine Auffassung, die auch der bayerische Kriegsminister teilt. Im Felde hat man sogar Anfrufc für den Beitritt zur BaterlandSpartei in den MannschaftSrüumen angeschlagen. Viel- fach wird ein Druck zum Beitritt ausgeübt, Beitritts- erkläruirgen werden in den Schreibstuben entgegen- genommen. Bei der o. Kompagnie des Lcrndwehr-Jnf.-Reg. 77 läßt der Kompagnieführer Einzeichnungslistea im Schützengraben berumgehen. Selbst der M i l i t ä r g o t t e s d i e n st wird zur Agitation benutzt. Eine solche Predigt des Pfarrers Heckenroth in Bukarest ist sogar als Flugblatt verbreitet worden. Anderer- scits treibt man Schnüfse'lei gegen die Mannschaften, indem man festzustellen versucht, welche Zeitungen die Soldaten lesen. Beim Oberkommando der zweiten Armee wird in einem geheimen Befehl verlangt, die Lerbreiiung sozialdemokratischer Schritten zu unterdrücke« u wtz ch-i e e i n g ech-e n d« Ppst-der Mannsch-aften g e-- n ffii z u beobachten. Das ist eine unerhörte Spitzelwirtschaft, mit der man die Mannszucht bestimmt und sicher untergräbt. Unsere Presse steht unter Zensur, im Felde übt man die Zensur noch einmal, insbesondere gegen den„Vorwärts". Einige Kvmmandoftellen verbieten direkt die sozialdcmo- k r a t i s ch e Presse, z. B. bei einem Berliner Garderegiment. Andere militärische Stellen verbieten den Mannschaften, mit Ab- geordneten in Verbindung zu treten. Was ist das für ein Vor- gehen gegenüber gereiften Männern? In welche Rolle kommt der Parlamentarier, wenn er geradezu als anrüchig bezeichnet wird. Am 7. Januar ging ein Funkspruch an die Divisionen im Westen, in dem Auskunft gefordert wird über die Meinung der Offiziere und Mannschaften über die Verhandlungen in Brest- Litowsk. csolche Berichte sind erstattet worden, ohne die Mann- schatten zu fragen. Man hat in einem Falle einfach einen die Mehrheit des Reichstags beschimpfenden Regimentsbefehl verlesen und dann behauptet, das sei die Meinung der Mannschaften! In-dem gleichen Geiste wird das Versammlungsrecht gehandhabt, besonders in den Bezirken Breslau und Magdeburg. Das Kriegs- Ministerium hat das gebilligt, die Baterlawdspartci aber darf Der Krieg auf öen Meeren. Berlin, 17. Januar. Eine? unserer Unterseeboote hat kürz- lich an der Westküste Englands vier Dampfer, ein franzö- sisches Bewachungssahrzeng, emen Segler und einen Fischdampfer versenkt. Die Mehrzahl der Schiffe wurde unter erheblicher feindlicher Gegeywirkung in den für starke U-Boots-Abwehr besonders gceigneien Gewässern der Irischen See und des B r i st o l k a n a l z durch ge- schickte Angriffe vernichtet; hier fiel auch das französische Be- «achungss ahrzeug deui U-Boot zum Opfer. Sämtlich« Dampfer waren bewaffnet; unter ihnen konnte« die englischen Dampfer ElmSleaf und Boston City namentlich festgestellt werden; von de» beiden anderen Dampfern hatte der eine Kohlen., der andere, von Ansehen und Größe des englischen Dampfers Egrrmont Castle(5291 To.), Palmöl geladen. Der Fischdampfcr ährte die Bezeichnung S. F. 696. Der Chef des AdmiralstabcS der Marine. « Die„Frankfurier Zeiiung" meldet aus Bern:„Journal" bc- richler aus New Jork, dorr gehe das Gerücht, daß ein Tauchboot 100 Meilen von der Bucht von Galveston einen amerikanischen Dampfer versenkt habe. Die Nachricht habe unter dem Publikum große Erregung und an der Börse eine allgemeine Baisie ver- urjacht.______ Berichtigung ües(dberkommanüos in öen Marken. DaZ Oberkommando in den Marken sendet uns die nach- 'ende Berichtigung: _. SofortI noch beute! Grs haben in der beutigen Ausgabe des„Vorwärts" die in r„�corddeurichen Allgemeinen Zeitung" vom 17. 1. 18 bekannt» -geoene Anordnung Seiner Exzellenz des Herrn Oberbefehls- ii �kkcn gegen den Redakleur Erich KuiMer unter 'erAleoerichrrn„Das Lbertoinmando gegen den Bund der Kriegs- belwamglcn veröffemlichi. Diese Ueberichrift ist uurickuig und irresuhrens, ha die Anordnung sich nicht gegen den Bund derKriegsveschädigtenundehemaligenKriegS»i im hauptaussihuß. ungehindert öffentliche Versammlungen in diesen Bezirken abhalten. In Magdeburg verbietet man die Ankündigung von Vcrsamm- lungen, solange sie nicht genehmigt sind. Soziald-mokratische Redner tollen"ihre Reden wörtlich vorlegen, von Rednern«.-.derer Pacieien v,rlowg: man das nicht. General Sonntag in Magdeburg hat in einer Bekanntmachung sogar die Tod esst ras» angedroht beim Aufireten von Unruhen! Wie muß das aus das Ausland wirken! Redner bespricht dann das Verbot der in Berlin im Zirkus Schumann geplanten Versammlung. Auf eine Be- schwerde an den Reichskanzler ist die Antwort erfolgt, daß ans der großen Zahl der Ausgabestellen geschlossen werden mußte, daß Leute in die Versammlung gekommen wären, die nur vorüber- gehend Mitglieder waren. In Breslau schikaniert man die Ge- werkschaften damit, daß sie ihre Versammlungen zehn Tage vorher anmelden müssen. Krieasmiyister v. Stein erklärt, daß er seinen Erlaß, die BaterlandspaUei betreffend, zurückgezogen habe, nachdem er überzeugt worden sei, daß dieie Partei als politische Partei zu bewerten sei. Aus seine Aufforderung bin verliest Major Grau -den Erlaß über die Zensur, wonach das Verbot von Zei- wngen nur auf wenige Tage ausgesprochen, werden darf. Dann fortfahrend, erklärte der Kriegsminister,' daß die Zensur allerdings niemals, befriedigen werde. Mißgriffe werden nie ganz vermieden werden können. Besondere Schwierigkeiten be- reite die Zensur von Büchern, mit der in der Regel Gelehrte betraut werden. Es sei aber eine bekannte Erfahrung, daß gerade Gelehrte sich selten einigen können. Die Feinde seien gegenwärtig bestrebt, unser Heer ungünstig zu beeinflnssen, und aus diesem Grunde sei es notwendig, alles zu tun, um die schädlichen Wir- kungen eines solchen Einflusics auszuschalten. Abg. v. Grarfe lk.) beklagt sich über die Beschränkung der Vaterlandspartei durch die Zensur. Dem„Vorwärts" lasie man in der Bekämpfung der Vaterlandspartei den weitgehendsten Spielraum,(!) die Vaterlandspartei selber werde aber m der Ver- teidigung ganz erheblich beschränkt. Die Angriffe Ellerts auf den Kriegsminister seien über das Ziel hinausgoschossen. W e n n e i n- zelne U n te r be f e h l s ha b e r für die Vaterlands- Partei eingetreten seien, so dürfe man das nicht verurteilen. Sozialdemokratische Soldaten seien mit der Mehrheit des Reichstags keineswegs einverstanden. Er bedauere, daß der Erlaß des Kriegsministers ü!l>er die Vaterlandspartei zurückgezogen worden sei. General v. WriSberg: Entweder die Versammlungen werden alle erlaubt oder nur teilweis«.(Stürmische Heiterkeit.) Die Entscheidung muß den Generalen überlassen bleiben. Das Kriegs- Ministerium hat Richtlinien herausgegeben,-.■ alle Parteien gleich zu behandeln. Ter Vaterlandspartei werden keine öffentlichen Verstimmlungen gestattet. Es könne nicht geduldet werden, daß durch Zulassung von Gästen V e re i ns v e r s amml u n g e n zu äffte n t Li chen Versammlungen gemacht werden. Die in Breslau geforderte Frist von zehn Tagen ist jetzt erheblich herabgesetzt worden. Eine Zensur der Telegramme gibt es nicht, sondern nur eine Ueb erwachung. lieber das Verbot des Verkehrs mit Abgeord- neten werden Erkundigungen eingezogen und dann Auskunft erteilt werden. Admiral Hobbinghous geht auf die Zensur ein, soweit sie Ver- baltnisse der Marine betrifft. Aeußerungen der deutschen Presse über den U-Boot- Krieg werden entstellt in der feindlichen Presse wiedergegeben und zu unserem Nachteil verwertet. Das müsse ver- hütet werden. Daß die Marineverwaltung Maßnahmen- erzrisfen -habe, um Tirpitz.zu schützen, sei u n zut refft c üd. General v. Koppel, bayerischer- Wilitärbcvollmächligter, erklärt, daß der bayerische Kriegsminister die Zensur nicht anders, anwende als die anderen Bebörden. Das bayerische Kriegsministerium werde sich durch den Abg. Gräfe nicht zu c i n e r an d e r e n Haltung bestimmen lassen. Auf den Grafen Bothmer sei die lveit- gehendste Rücksicht genommen worden, aber er zeigte sich als u n- v er b e s s e r l i ch. Major Grau bespricht die einzelnen Zensurfälle und behauptet, daß die Presse jetzt mit der Zensur zufrieden sei. Flugschristen müssen voll jedem Korpsbezirk von neuem durchgesehen werden, auch wenn sie in anderen Bezirken von der Zensur bereits durch- gelassen worden sind. Der Verbreitung der Rede des Abg. Scheide- mann stehe nichts mehr im Wege, das Verbot sei jetzt aufgehoben. Die Aufhebung des Verbots des sozialdemokratischen Flugblattes über den Verständtzungsfrieden stehe bevor. In der Praxis gehe es nicht anders, als daß die Beschwerden dem Generalkommando übergeben werden, gegen das sich die Beschwerde richtet, damit dem Kriegsministerium rasch der Bericht zugehen könne, der dann die Grundlage für die Entscheidung bilde. Die Fortsetzung der Debatte wurde darauf auf Sonnabend vor- mittag 16 Uhr vertagt. t e i I n e b>n e r, sondern ausschließlich gegen die Person deS Redakteurs Erich Kutlner als Vorsitzenden dieses Bundes richtet, wie die„Norddeutsche Allgemeine Zeitung" bereits zutreffend hervor- gehoben hat. Auf Grund des§ 11 des Rcichsgesetzes über die Presse vom 7. 5. 71 werden Sie ersucht, die vorstehende Be- richtigung in der nächstfolgenden Nummer des„Vorwärts" abzu- drucken. Von feiten des Oberkommandos. . Der Ehct des Stabes v. B e r g e. AiiS der Bemerkung der„Norddeutschen Allgemeinen -Zeitung" ging allerdings hervor, daß der Zweck der Maß- regeln sich nicht gegen den Bund richten soll. Daß aber r e i n t a t s ä ch l i ch u n d l o g i s ch eine Maßregel, die den Vorsitzenden einerOrganisation entfernt, dasSelbstverwaltungS- recht dieser Organisation beeinträchtigt und sich insofern auch gegen diese richtet, sollte doch nicht bestritten werden. * Auch bei dieser Gelegenheit muß ein Teil der alldeutschen Presse sich ein herrliches Selbstzeugnis ausstellen. Als seiner- zeit der„Vorwärts" verboten wurde, schrieb die„Kreuz- zeitung", der„Vorwärts" mußte verboten werden. Jetzt schreibt die„Tägliche Rundschau":„Die Maßnahme(des Oberkommaudos) war eine dringende Notwendig- keit." Sülow auf öer Hilöfläche. Der Mann, der trotz allem politischen Mißgeschick, für das er verantwortlich ist, die Sehnsticht nach einer zweiten Kanzlerschaft nicht fahren lassen kann, macht wieder von sich reden. Das offiziöse„Wiener Fremdcnblatt" wandte sich in sehr schroffer Form gegen Gerüchte, daß der frühere Reichskanzler Fürst Bülolv lebhaft am Werke sei, dem Staatssekretär Kühlmann Schwierigkeiten zu bereiten, in der Absicht, sich selbst an seine Stelle zu setzen. Ob die Form, in der das„Fremdcnblatt" die Bülowsche Intrige zurückivies, sehr glücklich war, lassen wir dahmgestclll sein; sie wird jedenfalls aufgewogen von dem. Gegengehcul der alldeutschen Presse, die bundesbrüderlich von„Wiener Anmaßung", dem„Oesterreichischen Dolchstoß" usf. redet.. Ein Teil von ihr greift auch sofort die Gelegenheit auf. um für Bülow erneut Propaganda zu machen. So. schreibt der von der Schwerindustrie abhängige„Berliner Lokal-Anzeiger": Wie immer aber die Persönlichkeit und die Leistung des Fürsten Bülow in Wien beurteilt werden möge: Wir müssen doch init aller Entschiedenheit darauf hinweisen, daß die Frage, ob und wie er wiederum in den Diensten des Deutschen Reiches verwendet wird, ausschließlich eine Angelegenheit des Deulschen Reiches und der deutschen Bevölkerung ist. Diese bringt in weiten Kreisen den diplomatischen Fähigkeiten des Fürsten Bülow aufrichtiges Vertrauen entgegen und würde es mit Freude begrüßen, wenn bei der Erledigung der ungemein wichtigen Ausgaben, die der deutschen Diplomalte jetzt gestellt sind, auch sein Rat gehört würde. Bei der Auswahl der für Deutschlands Sache wirkenden Männer kann das Deutsche Reich selbstverständlich nur auf seine eigenen Jnler« essen Rücksicht nehmen. Jede Einmischung von außerhalb, und käme sie von dem nächsten Verbündeten, mutz mit aller Schärfe zurückgewiesen werden. . Wir beschränken uns hierzu auf folgende Bemerkung: Zu Valenlinis Rücktritt behauptet ein Teil der Presse, der ehemalige Chef des Zivilkabinetts habe gehen müssen, weil er sich nicht sorgfältig genug von der persönlichen Quali- fikation der von ihm vorgeschlagenen Kandidatur über- zeugt habe. Es wurde Herrn von Valentini selbst vor- geworfen, daß er Payers" Erkrankung nicht vorausgesehen habe. Valentinis Nachfolger würde sich schwerer Nebe» sehungen schuldig machen, lvenn er den Fürsten Bülow für irgendein verantwortliches Amt in Vorschlag bringen wollte. Erhöhung öer Renten aus öer Unfall- Versicherung. Der Bundesrat hat in seiner Sitzung vom 17. Januar 1918 beschlossen, daß die Empfänger von Verletztenrenten aus der lln» fallversicherung eine monatliche Zulage von 8 M. zu ihrer Rente beantragen können, wenn folgende Bedingungen erfüllt sind: 1. die Rente, die der Verletzte gegenwärtig bezieht, mutz min- bestens eine solche von zwei Dritteln der Vollrente sein; 2. der Verletzte muß sich im I n l a n d e aufhalten; 3. es dürfen nicht Tatsachen vorliegen, welche die Annahme rechtfertigen, daß die Zulage nicht benötigt wird. Der Antrag ist an den Versicherungsträger oder ein Ver- sicherungsamt zu. richten. Zweckmäßigerweise werden geeignete Schriftstücke dafür, daß die drei Bedingungen erfüllt sind,- sofort beigefügt. Der Versichcruugsiräger teilt seine Entscheidung schriftlich mit. Der Antragsteller kann gegen die Entscheidung binnen einem Monat nach Zustellung Einspruch bei dem Oberver- sickieeungsamt einlegen, das auf seinem Rentenbescheid angegeben ist.. Das Oberversichcrungsamt entscheidet endgültig. Zulagen werden vom 1. Februar 1918 bis 31. De- zember 1918 gewährt und durch die Post ausgezahlt. Tod eines LandtagSabgeordnctcn. Der konservative Landtags- abgeordnete für den Wahlkreis Sagan-Sprottan, Oekonomicrat K un tz e, ist in Berlin Plötzlich gestorben. LeSte Aachrichten. Straßcukämpfe in Odessa. Basel, 18. Januar.(„Franks. Ztg.") Nach cincr Pariser Habasineldung wird ans Petersburg berichtet: Nach den Abendblättern ist in den Straßen von Odessa zwischen ukrainischen und m a x i m ä l i st i s ch e n Truppen eine Schlacht entstanden. Die Ukrainer hielte» die Gebäude der Rada�besebt. Das Gewehrfrucr hat sich auf die ganze Stadt ausgedehnt. Der Kreuzer Sinopc und andere Schiffe sind in die Reeden eingefahren und haben das Feuer eröffnet.___ Tie Zersetzung in Rußland. Berlin, 18. Januar. Folgender für die Auflösung in Rußlandtypische Spruch wurde hier aufgefangen: An alle Stationen, mit allen Mitteln und auf jedem Wege, an alle Eisenbahner. Kameraden! In schwerer Stunde wenden wir uns an Euch im Namen der hungernden Armee, nur noch eine ge- ringe Anstrengung, nur ein wenig Geduld in diesen furcht- baren Minuten! An der Front ist keine Verpflegung vor- Händen, es gibt keine Zufuhren, die Regimenter leiden buchstäb- lich Hunger, die Zukunft des Landes, die Zukunft der Revolution ist in Euren Händen. Eure Geduld ist durch die Ueberfällc marodierender Banden erschöpft, aber beißet die Zähne zusammen und— im Namen des Volkswohles, im Namen der in Oualen daniederliegenden sozialistischen Staatsordnung— alle auf zur Hilfe in dieser Stunde! Mit den Räubern werden die Soldaten der sozialistischen Armee des Rußlands der Arbeiter und Bauern unbarmherzige Abrechnung'halten, sie werden es nicht zu» lassen, daß die Nichtswürdigen den Skamen des Volkes- beschimpfeu? und das Glück ihrer(Mitbürger?) vernichten. In den nächsten Tagen werden wir. mit der Waffe in der Hand, Eure Arbeit beschirme», gebet uns aber. Zeit, berücksichtigt den Ernst- der Stunde, strenget in dieser entscheidenden Minute noch einmal alle Kräfte an, gebet der Front Brot, Fourage, rettet sie vor weiterem Hunger! Rur Eure bis zum äußersten angestrengte Arbeit kann die Revolution erretten, jeder einzelne möge durchhalten und alle mögen im Namen der Zukunft, zu Hilfe eilen. Jeder auf seinem Posten, jeder an seiner Stelle im Namen der Revolution! Das Zentralkomitee für das Versorgungs- und Berpflegungswcscn der Armee. Das Allrussische Verpslegungskomitee. Der Rat der Volkskommissare für Militärangelegenheiten. Der Kommissar für das Verkehrswesen. Verunglückter llrlauberzug. Königsberg, 18. Januar. Von amtlicher Stelle.wird mit- lleteilt: Am 18. Januar, 5,19 Uhr früh, ist der Urlauberzug 3999 nach Riga mit dem Personenzug 192 uach.Jnsterburg zwischen Pamletten und Argeningken dicht bei letzterem Bahnhof zusammen- gestoßen. Es sind bisher 2 5 Tote festgestellt. Verletzte sind bis- l?e.r 59 geborgen. Ter Materialschaden ist bedeutend. Ter Bcirieb der Strecke ist aus etwa 21 Stunden gesperrt. Ueberschw emmungen im Rheingcbict. Bingen, 18. Januar. Große Verwüstungen hat das Hochwasser des Rheins in Bingen angerichtet. Tort sind infolge des Hochwassers Betriebsstörungen iui Gas- und Wasserwerk eingetrelen.- Auch im H u n s r ü ck, wo die wilden Gebirgsbäche Hochwassee führen und-über die User getreten sind, sind"große Schäden zu derzeichneu. Mehrere Provinzialstraßen mußten tür den Verkehr .gesperrt werden, da die Brücken beschädigt sind. Die Mosel hat bei Trier, Bcrnxaftel uich anderen Orten das Land weit- . hin überschwemmt. GewerkschafisbewEUng Eine Aenderung des Beitragswesens plant der Tab akarbeiterverbond. Wie auS einer von der Berbandsleilung ausgearbeiteten Denkscbrift zu entnehmen ist, ge- nügt die gegenwärtige Finanzlage deS Verbandes keineswegs mehr den Anforderungen, die die stark veränderte Kaufkraft des Geldes an denselben stellt. Zwar ist die Mitgliederzahl seit dem Jahre ISIS wieder in stetem Steigen begriffen, diese Steigerung ist indessen nur den unteren Beitragsklassen zugute gekommen. Dadurch ist die finanzielle Entwicklung de« Verbandes ins Stocken geraten. Eine baldige Besserung ist ohne statutarischen Eingriff nicht zu erwarten. Am 1. Oktober lg17 betrug das Gesamtvermögen de§ Verbandes 581 080,12 M. Eine Stärkung der Finanzkraft würde er- reicht, wenn die unteren Verdienstgrenzen geändert und die Mit- glieder der zweiten und dritten Beilragsklasten sich bereit erklären würden, einen höheren Beitrag, 50 Pf. in der zweiten und 75 Pf. in der dritten zu entrichten. AIS Folge einer solchen Maßnahme müßte die Streik- und Maßregelungsunterstützung eine entsprechende Erhöhung erfahren. Diese Verbesserung müßte sich auch auf die Erwcrbslosenunterstützung und deren Dauer erstrecken. Zu dieser Denkschrift hat inzwischen eine Konferenz der Funktio- uöre des Verbandes Stellung genommen und ihr Einverständnis mit derselben erklärt. Sie beschloß, den Mitgliedern durch eine Urabstimmung die Möglichkeit zu geben, bei der Entscheidung mit zuwirken. Die Vorschläge des Vorstandes sollen noch dahin ergänzt werden, daß bei Slrelks die Kriegsunterstützung von 76 Pf. auf 1 M. erhöht wird. « Ter Verband der Glasarbeiter und Arbeiterinnen Deutschlands sieht sich veranlaßt, der Frage der Beitragserhöhung näher zu treten.„Ter Fachgenoffe�. da» Verbandsorgan, betont die Not- wendigkeit einer Beitragserhöhung u. a. mit folgenden treffenden Argumenten: «Eine wöchentliche Beitragserhöhung von 10 Pf. kann unser soziales Verhältnis nicht verschlechtern. Betrachten wir zum Bei- spiel die ungeheuer tägliche Belastung unseres Haushaltes, so ist der lO-Pf.-Zuschlag zu unserem Verbandsbeitrag eine ganz ge- ringe Mehrausgabe. Wir müffen ohne Gnade für unseren täglichen Bedarf ungeheuer große Aufwendungen machen, ohne daß wir den geringsten Widerspruch dagegen erheben können. Die Stärkung unserer Finanzkraft aber wird jenen das Handwerk legen, die nach der Beendigung deS Krieges an eine Herabsetzung der gewährten Teuerungszulage schon heute denken. Moralische Solidarität und materielle Stärke werden wir haben müffen. So denken vermutlich eine große Anzahl unserer Kollegen. Weil wir aber alle von dieser Notwendigkeit überzeugen wollen und müffen, soll jeder gangbare Weg zum Ziel geprüft werden. Zu einer freiwilligen Extrasteuer können wir uns wegen der Unsicherheit deS Erfolges nicht bekennen. Demokratischer ist eine Hernähme pflichtgemäßer Beitragsleistungen. Die Zeiten find ernst, und Geld ist oft sehr wenig vorhanden, des- halb die Stärkung der Finanzkraft. Aus diesen Gründen bleibt nur die satzungSgemäße, obligatorische Beitragserhöhung aller Mit- glieder übrig... Die Ungewißheit über unsere Zukunft beschwert uns jede Maßnahme. Nur eins wissen wir bestimmt: unsere Gewerkschaft wird nach dem Krieg ihren Mitgliedern starken Schutz gewähren müssen. Wir verlangen von unserer Zentralleitung Vorsorge nach dieser Richtung. Als Gegenleistung muß die Mitgliedschaft dem Hauptvorstand Vertrauen und Verständnis entgegenbringen. Ist eine Verbesserung der Finanzen unbedingt notwendig und er- forderlich, dann kein Zaudern; aber nickt über die Köpfe der Gesamtheit hinweg, sondern eine freie, offene Klarlegung der Ver- bältniffe, und nachher muß es zur Entschließung im Dienste unserer Sache kommen.'_ Vertragskündigung im rheinisch-westfälischen Holzgewcrbe. Während im gesamten übrigen Holzgewerbe durch Verein» barungen mit den beteiligten Unternehmerverbänden über die Teuerungszulagen für die Holzarbeiter und die sonst notwendigen Bedingungen für die ungestörte Verlängerung der Tarifverträge eine Verständigung verhältnismäßig leicht herbeigeführt werden konnte, ist es mit den Unternehmern im rheinisch-westfälischen Gebiet schon in den voraufgegangenen Jahren und auch jetzt wieder zu ernsten Differenzen gekommen. Die größere Zahl der Holz. arbeiter in diesem Bezirk sind in den Betrieben der Bau- Unternehmer beschäftigt, für die der Westdeutsch« Arbeitgeber- bund für das Baugewerbe mit den Verbänden der Holzarbeiter (neben dem Deutschen Holzarbeiterverband die christliche und Hirsch- Dunckersche Gewerkschaft) im VertraaSverhältniS steht. Daneben macht sich der rheinisch-westfälische Tischlerinnungsverband besonders wichtig, obwohl in dessen Betrieben nur die geringere Zahl Arbeiter in Frage kommen, weil es sich in der Hauptsache um Kleinbetriebe bandelt. In erster Reibe sind diese JnnungSvertreter bestrebt, die im Holzgewerbe seit Jahren mit den maßgebenden Unternehmer- organisationen vereinbarte VeriragSpolitik zu bekämpfen, obwohl sie selber naturgemäß für eine solche Politik, infolge der eigenen ge- ringen Bedeutung, nicht ernstlich in Frage kommen. Um solche Zwiespätigkeiten möglichst auszuschalten, waren zu dem im August 1917 vor dem Kriegsamt geführten Verhandlungen für daS gesamte Holzgewerbe neben vielen anderen auch die oben- genannten Unternehmerverbände mit hinzugezogen worden. Doch daS Geschäft war wieder nicht nach dem Geschmack der Herren; an- scheinend hatten sie geglaubt. Preiserhöhungen für sich selber von der Militärverwaltung erlangen zu können. An der Gewährung von Teuerungszulagen wollten sie sich nicht beteiligen. sie zogen sich deshalb alsbald von der Verhandlung zurück. Ebenso haben sie das schließliche Ergebnis derselben Ver- Handlungen weit von sich gewiesen und jeden Anspruch der Holz- arbeiter in ihren Betrieben aus Gewährung ähnlicher Zulagen wie in allen anderen Holzbetrieben beharrlich abgelehnt. Auf einer gemeinsamen Konferenz der Holzarbeiter in Bockum am 2. Dezember 1917 sind neben der Feststellung dieser krassen Mißstände die Forde- rungen für die etwaige Verlängerung der vor der Kündigung stehenden Tarifverträge beschlossen worden, die inhaltlich den Bedingungen angepaßt waren, wie sie im übrigen Holzgewerbe seit Monaten bereits durchgeführt sind. Ueber diese Forderungen fand nun zwar am 28. Dezember eine Verhandlung zwischen den Parteien statt, aber von einer loyalen Anerkennung dieser in allen Konkurrenzbetrieben schon geltenden Bedingungen durch diese Unter- nehmer war keine Rede. Als so eine Verständigung aussichtslos erschien, haben die Arbeitervertreter den Vorfitzenden deS EinigunqS- amts für daS Holzgewerbe, Herrn Beigeordneten Rath aus Essen, gebeten, unter seiner Leitung eine neue Verhandlung berbeizukübren. Aber auch diesmal scheiterte der Versuch an dem bockbeinigen Ver- halten der JnnungSvertreter, die die Teilnahme an solchen auf den 10. Januar anberaumten Verhandlungen strikte ablehnten. Als Begründung für diese neue Brüskierung haben die Unternehmer dem Beigeordneten Rath mitgeteilt, daß sie unter sich beschlossen hätten, die geforderten Teuerungszulagen in vollem Uinfange zu dewilligen, daher sei jede weitere Verhandlung überflüssig. Die Arbeiter haben von diesem Beschluß erst durch die Unternehmer- presse Kenntnis erhalten. Der Beschluß ist nicht nur als einseitiges Unternehmerprodukt dazu angetan, die Arbeiter und ihre Vertreter in der ärgsten Weise vor den Kops zu stoßen, er deckt sich auch schließlich nicht mit den von den Holzarbeitern beschlossenen Forde- rungen. Immerhin sind dadurch nunmehr olle Brücken zu einer Verständigung abgebrochen, auch ist das bisher schon lehr sckwan- kende gegenteilige Vertrauen, auf dem daS ganze Vcrtragsverhältnis beruhte, so gut wie gänzlich in die Brüche gegangen. Die Zentral- vorstände der Gewerkschaften haben daher gemäß dem Beschluß ihrer Vertreterkonferenz sämtliche Tarifverträge im genannten Bezirk zum 1. April 1918 gekündigt. ?nöustrie und Handel. Zur Zusammenlegung von Betriebe». In der Fachpreffe wird eine Leußerung des früheren Staats« sekretärS des ReichSwirtschastSamteS Exzellenz Dr. Schwander ver« breitet, wonach zur Beseitigung der in verschiedenen an das Kriegs- amt und das Reichswirtschaftsamt gerichteten Eingaben geäußerten Beunruhigungen über«ine etwaige Zuiammenlegung von Betrieben nach Benehmen mit dem KriegSamt mitgeteilt wird, daß eine solche Zusammenlegung weder von der Reichsleitung noch vom KriegSamt beabsichtigt sei. Eine Aeutzerung dieses Inhalts ist nicht abgegeben worden. Wenn auch bei allen Zusammenlegungen aus die besonderen Verhältnisse de» betreffenden Industriezweiges weitgehende Rücksicht genommen und gewissenhaft abgewogen werden wird, ob die mir der Zusammenlegung erzielten Vorteile nickt durch die gleichzeitig entstehenden wirtschaftlichen Nachteile aufgehoben werden, ist eine Zusage, daß überhaupt keine Stillegungen mehr erfolgen werden, bei der Lage der Wirtschaft unmöglich. Soweit kriegswirtschaftliche Verhältnisse weitere Zusammen- legungen notwendig machen, wird daS ReichSwirtschaflSamt auf eine enge Fühlungnahme mit den berufenen Vertretern der in Le- tracht kommenden WirtschaftSgruppen besonderen Wert legen. 97 Milliarden Postscheckverkehr. Der Postscheckverkehr im ReichSpostgebiet hat ssch 1917 recht erfreulich entwickelt. Die Zahl der Postscheckkunden ist von 113 918 Ende 1916 um 10 511 auf 189 132 Ende 1917 gestiegen. Ihr Gut« haben bat von 165 Millionen Mark Ende 1916 aus 726 Millionen Mark Ende 1917, also um rund 260 Millionen Mark zugenommen. Der Gesamtumsatz betrug 97 116 Milliarden Mark. d. h. gegen das Vorjahr 83 661 Milliarden Mark oder 53 Proz. mehr. Bargeldlos wurden 72 318 Milliarden Mark oder 71,1 Proz. deS Gesamt- Umsatzes beglichen. Anträge auf Eröffnung eines Postscheckkontos find bei jeder Postanstalt erhältlich. verantwortlich für Polttt!: Erich Rntttier. Berlin: für den ttStiaen Teil deS Blattes: Mfrrd Scholz, Neulölln! für Inserate: T>. Glocke, Berlin. Truil u. Verlag: vorwärts Buchdruckerei u. Verlag!- anstall Paul Einger& Co., Berlin sw. Hierzu 1 Beilage und NntcrhaltnngSblatt. Direktion Mai Reinhardt. IteutscSies Theater, 7 Uhr: Don Carlos. Kantn« erspiele. l'/a Uhr: Kinder der Freud«. Volksbühne. Theater am Bülowplatz. üntergrundb. Schönh. Tor. 7 Uhr: Ein Sommernachtstraum. Theater Köniogrätzerstr, T/tü.: Der Katzenstesr. Komödienhaus '/«s Uhr: Die beiden Seehunde. Berliner Theater 7l/,ü.;Dlc tolle KomteB. B'/a Uhr: Lisi« Märchenreise. Anila Berber Trude Hesterberg Kurt Fuss Jan Paul sowie der vollständig neue Januar-Spielplan Hirkusil. Sehnmann Chf. Friedrichstr. Anf.?>/,. Letzte Saison in Berlin. OeST" Nur noch kurze Zeit. Neu! Auftretendes Neu! Arabers Ifulsy Sayä mit sein. 10 dress. Kamelen. „Das lebende Echo" Arnold Treisler usw. Orig.-Äusst.- Pantomime. Sonntag S'/j u. 71/, Uhr. Nachm. das gleiche ungekürzte Programm wie ahds. Nachm. Kinder halbe Preise. Theater für Sonnabend, 19. Januar. Kleines Theater Ti. uhr: Geldzaaber. Centrai-Theater Kommandantenstraße 57. 7'/,; Die Csardasfürstin Horg.3';,: Der Kütlenbesitzer. Dentsches Opernhans � uhr: Die Fleilenaiis. Frledrich-Wilhelnist. Tbeater Ti.vhr: flas Mäderta. Komische Oper 31/,: K I. Dorchen u. d. Zinnsoldat. 71 vMorg. 8'/, P.: DI« KlnokSnigl«. Cnstsplclhans 7'/, Uhr: Die blonden Mädels v. Lindenhof. Morg. S'I« U.: Ein toller Einfall. Metropol-Theater xKr: Die Hose m SMil. Morg. SU.: Die Kaiserin. Neues Opereltenhaus Sohiffbd. 4a. Kassent.Nd.281 7v.uip:flerSoldat!lerMarie. Resldens-Theater Tl. Uhr: Llll Grün. Schiller-Theater O Ml; Die wilde Jagd. Schlller-Th. Charl. S Uhr: Die Braut von Messina. 7»/, Uhr: TU Uhr: Thalia-Theater Tbeater am NollendoripIatz| 3'/. Uhr: Fra Dlarolo. 7 Uhr: Theater des Westens Tv.uhr: Der Terüetitfl Herzog mit Guido Thielscher 1 Uhr: Hänsel und Bretel. Sonnabend 7'/, Uhr: Frl. Martha Molmke, Sohulreiterin. Cllft Cnrran. g llontaldoa. Runkel-Rappos, Spaßmaoh. 2 Oubski, Rettory. Zum Schluß: Hondfahrt. Morgen auch nachm. 31/, ungekürzt Hondfahrt. Zirkus Krone "Viktoria-Theater Koübuser Str. 6. Tel. Moritzplatz 11811. TägL7'l,Ubr. Mitlw., Sonnabend, Sonntag'/,! und'1,8 Uhr. 11 fiper, 10 Elefanten Loweo, Plerde und alle Artisten. Mittw., Donnerst., Kreit, Sonnab. 71/, Goldsammlung mit Freikarte bei Eintausch eines Goldstücks. Vorvk. Zirk. m"Wertheim. Tägl. TU, Sonnt. 3'/, u. 7'/, W. Hartstein in seiner Posse: Er oder Er" Iund das übrige, vollsländig neue Januar-Programm. Casino-Theater Lothringer Str. 37. TSgl.'1,8 N. Der neue aktuelle Schlager Hamfterfritze. Berliner Pssje in 3 Aulzüge». Vorher daS neue Jannar-Progr. Elllot, Barnow, Prinz, 2 Ewos. (sonnt, l U.; Die Friedenstaube. Berliner Konzerlbaus Mauerstraße 82. Zimmerstraße 90/91. Uentc: Großes Konzert des Berliner Konzerthaus-Orchesters. Leiter: Komponist Franz von Blon. Anfang 71/, Uhr. Eintritt 30 Pf. 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I Sonntag 3'|�Uhr: ShidentenllBbehen.(Halbe Preise.)| Wandkalender 1* 9» T» 8 auf kräftigem Karton mitRaum fürNotizen ispfenniadasSstid Bestellungen nehmen die Vor wärtsausträgerinnen entgegen, URANIA 4 Uhr(halbe Preise): Tier und Mensch In der Wildnis. 8 Uhr: Der Slegeszug nach Venetien. Rose-Theater. 'S'/, Uhr:-Der falsche Prinz. u/.uhr-liei'gMMdidzt. Anfang woeheut. TU, Sonntag nachm. 4 Uhr. Kottbuser Damm 95 Morfflissa Trianon»Theater Georgenstr., Bhf. Friedrichstr. Tel.: Zentrum 1927 und 2391. >1,8 Uhr Der'1,8 Uhr Lebensschüler. Komödie von Ludwig Fulda. Ida Wüst, Erich Kaiser-Titz, v. MöllandorS, Mart. Kettner. Stg. 3>/, KL Pr.- Hedda Gabler. Walhalla-Theater. TU Uhr: M goiMtg Horn. Admiralspalast VI, Uhr: Deutsche Tanze ▼on Schubert. Abrakadabra. Voigt-Theater. Sadstr 58. Badstr. 58. Tlialich 7V. Uhr: Mtöter der MenseM Sonntag, 20. 1., nachm. 3 Uhr: Pieper und Sperling. Abends 7 Uhr: Wohltäter der Menschheit. Reiciisiiallen-Theater, Allabendlich?1/, und Sonntag nachmittag 3 Uhr Steltiner Sänger. „Hein Welh- nachtstranm". Nachmittags ermaSIgte Preiae! I Apollo! 1 Friedrichstr. 218. Tl,\ |12ittraktiODen Sonntag 3';, Uhr Jeder f lErwacbseae I Kind frei| 1 Theaterkasse ab 10 U. ] xmnnterbr. geöffnet. Spezialarzt Dr. med. Colemann f.GetchlechUkrankh., Haut-, Harn-, Frauenleiden, nervös. Schwäche, Beinkranke,* Ehrlich• Data■ Kuren (Daner 12Tago). Behondl. schnell, sicher u.sohmerz- los ohne Borufsstörung in Dr. Uomeyer«& Co. konz.Labor. f.Blutunters, Fäden im Harn usw. »Panoptik. KüfflüStrjiyi Rathaus. Spr.10-1 n. 5-8, Sonnt, 10-1. Honorar mäöig, a. Teilzahl. Separates Damenzimmer. Spezial-irzt Dr. med. Hasche, Friedrichstr. 90 eSÄ. BeHandL von Syphilis. Hant- f ar«-. Franenleiden, spez.: ron. Fälle. Ehrlich. Hata-Ku- rem schmerzlose, kürzeste 23c. Handlung ohne Berussslörung. Blutuntersuchung. Maß. Preise. Teilzahlung. Sprechstunden 10 bis 1 und 6—8. Sonnt. 11— 1. 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Die Spatzen pfeifen frech von allen Dächern auf Bürgermeisters Laubfroschperspektiven— nun hilft kein Gott uns schwergeprüften Schächcrn, wir trampeln Tauschnee, daß die Nasen triefen. Fliegt einer rücklings in die fette Patsche, flucht er im Namen aller bösen Geister: Der Teufel hole die verdammte Matsche Und— Gott erhalt uns unfern Bürgermeister! __ P a u l ch e»r. Die Städtische Strasienreiuigung. «Spät kommt ihr, doch ihr kommt!" Seit gestern arbeitet die Städtische Stratzenreinigung mit der.Großen Schneehilfe". Das Oberkommando hat ihr 1200 Soldaten zur Verfügung gestellt und für heute soll sogar die„Doppelt Große Schneehilse(2400 Soldaten) versprochen sein. Bei dieser Gelegenheit sei und gestattet, einmal einen kritischen Blick auf den gesamten KriegSbctrieb der Städtischen Straßenreinigung zu werfen. In diesen Tagen konnten wir immer wieder die entrüstete Frage hören:„Wo bleibt die Stratzenreinigung I?" Wahr»st, daß' gegenüber der.höheren Gewalt" die StraßenreinigungSmannschaft der Stadt fich als machtlos erwies. Wo man Straßcnreinigcr antraf, sah man sie im Schweiße ihres Angesichts arbeiten, um den Schlammfluten notdürftigen Abfluß nach den Stratzenkanälen zu schaffen. Aber die Mannschaft der Berliner Stratzenreinigung ist leider in der Kriegs« zeit so verringert worden, daß sie nicht mal für die regel« mäßigen Reinigungsarbeiten genügt. Die Zahl der ständigen Straßenreinigungsarbeiter einschl. Burschen belies sich vor dein Kriege auf 2200, jetzt aber stehen nur 1ö00 zur Verfügung. Dabei wären zur ordnungsgemäßen Reinigung der Straßen jetzt sogar mehr Arbeiter erforderlich als damals: denn die dreieinhalb Kriegsjabre haben eine sehr merkliche Verschlechterung des Straßenpflasters gebracht, die bekanntlich die ReinigungS- arbeiten erschwert. Wenn der Magistrat die Straßen der Stadt noch mit der früher üblichen Sorgfalt reinigen lasten wollte, so hätte er längst die StraßenreinigungSmannschaft mindestens wieder auf die frühere Stärke bringen und 000 HilfS- arbeiler oder mehr zu ständiger Beschäftigung einstellen müssen. Sollen wir glauben, daß hierfür Kriegsgefangene, wenn er sich um sie bemüht hätte, nicht zu haben gewesen wären? Hinfällig ist hier der Einwand, daß die Stadt für sie nicht immer genug Arbeit härte, wie man gegenüber dem Vorschlag. Kriegsgefangene als Schneeschipper zu nehmen, gesagt hat Jetzt sind zur Schnee» bekeiligtmg neben Soldaten auch Kriegsgefangene als HilfS« arbeiler eingestellt worden, aber offenbar noch lange nicht in genügender Zahl. Wäre die ständige Mannschaft der Straßenreinigung beizeiten durch Kriegs« gefangene ausreichend ve stärkt worden, so hätte die Stadt»tindestens 600 geübte Straßenreinigungsarbeiter mehr, deren Mitarbeit auch bei der Schneebeseitigung jetzt ins Gewicht fiele. Doch einfacher war es allerdings, die gesamte regelmäßige Reinigung der Straßen den 1600 Mann aufzupacken. Und ein« fach« ist es auch, jetzt zur Abräumung der vrrschneiten Straßen« dämme die Hauseigentümer samt ihren Wohnungsmietern heran» zuziehen. Daß der Magistrat die ihm durch den Erlaß des Oberkom- mandos zur Verfügung gestellte Arbeitskraft der Berliner Bürger mit schonungsloser Energie in Anspruch zu nehmen weiß, zeigt fol« gende»nS soeben zugehende amtliche Mitteilung: .Der Magistrat erläßt nochmals die dringende Aufforderung an die Bürge« schafl, unbeschadet der gesetzlichen Verpflichtung der Hausbesitzer zur Reinigung deS Bürgersteiges, an der Beseitigung der Schneemassen von den Straßendämmen sich tatkräftig zu de- teiligen. Zum größten Teil hat die Bürgerschaft den früher er- gangenen Ausforderungen in dankenswerter Weise volles Ver« fländniS entgegengebracht und tatkräftig Hilfe geleistet: in vielen Fällen mußte aber eine Säumnis festgestellt werden. Der Magistrat hat nunmehr der StraßenreimgungSverwaltung den Auftrag erteilt, in den einzelnen Verwaltungsrevieren Be- obachtüngen zu sammeln und Anzeige zu erstatten, so- bald die Pflicht zur Reinigung deS Straßen- dammes geflissentlich außer acht gelassen wird." Bedauerlich ist nur, daß der Magistrat selber seiner Ver- pflichtung zur Beseitigung der Schneemasten ein.volle? Ver- fländniS" nicht entgegenzubringen scheint und sich in dieser Hinsicht mannigfache.Säumnis" zuschulden kommen läßt. Wenn>nan von der Umgebung einiger Kirchen absieht, findet man nirgends in Berlin derartige Massen von Schneeschmutz liegen, wie vor zahl« reichen st ädtl scheu Gebäuden. Auch hier darf man, und zwar im wortwörtlichsten Sinne, unserer konimunalen Obrigkeit raten, zunächst einmal vor der eigenen Tür zu kehren. Zur Durchführung der Sonntagsruhe in Neukölln. Der dortige Magistrat macht bekannt: Nachdem das OrlSstatut über die Regelung der SonntagSarbeit im Handelsgewerbe vom 8. November 1917 in Kraft getreten ist, haben alle offenen Verkaufsstellen deS HandelSgewerbeö. mit AuS- nähme der NahrungS-, Genußmittel- und Blumengeschäfte, gleich- gültig, ob sie Personen beschäftigen oder nicht, an Sonn- und Fest- tagen zu schließen. In Berlin und anderen Vororten haben sich die Kommunal- Verwaltungen ebenfalls für die Durchführung der Sonntagsruhe ausgeiprochen und wollen diese Frage gemeinschaftlich für Groß« Berlin regeln: ober weiter hat man vorläufig noch nichts von der Sache gehört. Sind die Gemeinden Groß-BerlinS mal wieder mcht unter einen Hut zu bringen, oder stellt man noch„Er- wägungen" an? Die Kohlenverkaufszeiten. Zwecks vorzugsweiser Belieferung der für die erste Winterhälfte ausgegebenen Kohlenkarten gegenüber den neuen Kohlenkarten und für die von den Kohlen« Händlern innezuhaltenden Verkaufszeiten hat der Kohlenverband Groß-Berlm folgende Regelung getroffen: An dem ersten Verkaufs- tage einer jeden Woche und an dem darauf folgenden Wochentage dürfen Kohlen nur gegen Abschnitte der für die erste Winterhälfte ausgegebenen Koblen- und Sonderkarten an Verbraucher abgegeben und von diesen entnommen werden ohne Berücksichtigung von Vor« best-llungen. An diesen Tagen haben die Kohlenhändler ihre Geschäfte mindestens an vier auf einander folgenden Tagesstunden, jedoch nicht vor 6 Uhr morgens und nicht nach 8 Uhr abends für die Verbraucher geöffnet zu halten. Falls in dieser Verkaufszeit die Nachfrage der Besitzer alter Kohlenkarten nicht befriedigt werden kann, haben die Kohlenhändler die Verkaufszeit bis zur Erschöpfung des vorhandenen Koblenvorrats, jedoch»»icht simger als bis 8 Uhr abends, entsprechend auszudehnen.— Ai» allen Wochentagen sind die Kohlen« geschäfte an mindestens drei aufeinander folgenden Tagesswnden für die Verbraucher geöffnet zu halten.— Alle Verkaufszeiten sind den Verbrauchern durch von der Straße aus sickitbaren AuS« bang bekannt zu geben. Erster Verkaufstag ist der erste Tag einer jeden Woche, an welchem der Kohlenhändler über Kohlen verfügt.__ Anmeldung für Kaffee-Ersatz in Grosi-Berlin. Der Bestellabschnitt der neuen Kaffee-Ersatzkarte Nr. 3 muß in der Zeit vom 20. bis 24. Januar bei einem Kleinhändler Groß- Berlins abgegeben werden. Zur Entgegennahme der Bestellabschnitte sind nur diejenigen Kleinhändler berechtigt, die schon bisher mit Äaffee-Ersntzmiiteln gehandelt haben. Vom 10. Februar ab wird gegen Aushändigung des EmpkangSabichnitteS der Karte die Ware entgegengenommen werden können. Die Kleinhändler dürfen fortan diese nur von Großhändlern beziehen, die als solche von den Groß- Berliner Kommunalverwaltungen ausdrücklich zugelassen worden find._ Berliner Lebensmittel. Auf Abschnttt 1 der allgemeinen Lebensmittelkarte entfallen 150 Gramm Graupen oder Grütze, auf Abschnitt 2 150 Gramm Teigwaren. Die Abschnitte sind von heute bis zum Montag in den durch besondere Verkaufsschilder ge> kennzeichneten Kleinhandelsgeschäften abzugeben. Die Ware wird etwa vom 26. d. M. ab zur Verfügung stehen. Außerdem findet noch eine Verteilung der Fettstelle Groß-Berlin nach Maßgabe der Aushänge in den betreffenden Geschäften für eingetragene Kunden statt._ Umtausch von Fleischkarten. Für die am 21. Januar beginnende Fleischkartenperiobe können die Fleischkarten in Berlin in der Zeit vom 21. bis 23. Januar bei den zuständigen Brotkommiffionen gegen Bezugscheine auf Teig« waren und Grieß umgetauscht werden. Auf eine Vollkarte werden wöchentlich 250 Gramm, auf eine Kinderkarte 125 Gramm dieser Nahrungsmittel ausgegeben. Der Warenbezug erfolgt wie bisher aus den bekannten besonders kenntlich gemachten Geschäften. Zum Umtausch berechtigt find diejenigen, die sich bei ihrer Brotkommiision zur Eintragung in die Liste gemeldet haben oder nachträglich von der Abteilung für Fleischversorgung zum Umtausch zugelassen worden sind. Wer die Anmeldung seinerzeit ohne sein Verschulden(z. B. infolge Krankheit oder Abwesenheit) versäumt hat, kann den Umtausch ebenfalls in der Zeit vom 21. bis 23. Ja nuar von 8 bis 1 Uhr im Bureau für Flelschversorgung, Stralauer Straße 8—6, bewirken._ Der Berlin« Stadtverordnetenversammlung haben die Stadt« verordneten Börner und Genossen(U. S. P,j folgenden Antrag unterbreitet:»Wir beantragen: die Versammlung wolle beschließen, 1. gegen das unerhörte, jeder Begründung entbehrende Verbot ein« kommunalen Wählerversmnmlung durch das Oberkommando in den Marken im Interesse der Berliner Bürgerschaft schärfsten Prolest zu erheben; 2. den Magistrat zu ersuchen, alle erforderlichen Maß nahmen zu ergreisen, um für die Zukunft solche ungesetzlichen Verl böte zu verhüten und um den Bürgern der Stadt Berlin die gesctz- lich gewährleisteten Versammlungsrechte zu sichern." Der ungeheuerliche Zustand der Berlin« Straßen hat zahlreiche schwere Unfälle zur Folge gehabt, darunter einen tödlichen. Die meisten ereigneten sich im Norden von Berlin. ES handelte stch in den»neisten Fällen um Bein« und Armbrüche, Kopf« und Rippenverletzungen. Die städtische» Rettungsstellen hatten allein in über 60 Fällen Hilfe zu leisten. Selten sind soviel Unfälle gemeldet als am Donnerstag. Dir Geltungsdauer der Arbeiterwochenkarten im Stadt«. Ring mid Vorortverkehr wird auf weiteres auf zwei Wochen ver« längert. Während dieser zwei Wochen müssen auf diesen Karten dann 6 Hin« und 6 Rückfahrten an 6 aufeinander folgenden Ar- beitstagen cmSgesührt sein. Die erste Fahrt braucht nicht am Tage der Lösung angetreten zu werden, wodurch ermöglicht wird, die Wochenkarte schon am Sonnabend zu lösen, somit da« Lösen am Montag früh zu vermeiden.— Damit ist eine von unS schon vor längerer Zeit aufgestellte Forderung endlich erfüllt. Palast-Theat« am Zoo. Am Sonnabend, den 19., nach« mittags 4 Uhr. letzte Aufführung der Kinderkomödie.Max und Moritz". Am Sonntag wieder zwei Vorstellungen, 3'/, und T'/j Uhr. Nachmittag? ein Kind frei. In beiden Vorstellungen Wilhelm Hart- stein in seiner Posse.Er oder Er' und das übrige ungekürzte Pro. gramm._ Neukölln. Städtisch« Holzverkauf. Auf dem städtischen Holz platz am Obcrhafen, Zugang durch die Lahnstraße, gelangt Kiefern. Brennholz zum Verkauf, das in Rollen und Kloben von 1 Meter Länge und auch zerschnitten in Stücken von ca. 25 Zentimeter Länge abgegeben wird. Der Kaufpreis beträgt ab städtischen Holzplatz für 1 Raummeter Rollen und Kloben gemischt 46 M., für 1 Zentner ge. schnittenes Holz 6 M. Als kleinste Menge kann vom Kloben- und Rollenholz>/, Raum. meter, vom geschnittenen Holz Vi Zentner bezogen werde»». Der Kaufpreis ist beim Kauf auf dem stadlischen Holzplatz zu entrichten, für Abtransport hat der Käufer selbst zu sorgen. Diejenigen Einwohner, welche bereits Holz gekauft, ab« noch nicht abgeholt haben, können das Holz gegen eine Gebühr von 3 M. pro Raummet« auf dem Holzplatz sägen lasten. Bei Neuläufen kann in Kloben oder Rollen gekauftes Holz nicht besonders ge- schnitten werden. Süßstoffverteilung. Vom Montag ab kann bis auf weiteres für jeden Haushalt, ohne Rücksicht auf seine Mitgliederzahl, auf Ab» schnitt W der Haushaltnngskarte ein Briefchen Süßstoff entnommen werden._ Lichtenberg. Zur Marmcladeverteilung. Infolge der schwierigen Verkehrsverhällnisse ist es nicht möglich, die jetzige Verteilung von Marmelade, wie ursprünglich beabflchligt, bis zum 20. d. M. aus- zuführen, weshalb die Gültigkeit des für den Bezug vorgesehenen Wappens der Hälfte 6 der Lebensmittelkarte bis zum 30. d. M. ver- längern wird. Markenfreies Brennholz. Um der Bevölkerung zur Streckung der Kohlenvorräte den Einkauf größerer Mengen Brennholz zu er- möglichen, hat die Stadt den Brennholzpreis � herabgesetzt. DaS Brennholz wird bis auf weiteres zum Preise von 3 Mark für '/, Zentner markenftei auf dem städtischen Holzplatz, Hauptstr. 4, abgegeben. Die Berkausszelt ist von 7 bis VoS Uhr. Sonntags von 8 bis 12 Uhr. Angehörige von Kriegsteilnehmern erholten das Holz zum Voruigspreiie von 2 M.. wenn sie beim Einkauf ihre AuSlveiskarte für die Kricgsunterstützling vorweisen. Wer das Brenn« holz gegen einen Fuhrlohn von 1 M. für einen Zentner frei Keller angefahren zu erhalte» Ivünscht, kann die Bestellung schriftlich. mündlich oder durch Fernsprecher(Amt Alexander Nr. 2847) bei der städtischen Kohlenstelle, Scharnweborstr. 19 1, Zimmer Nr. 34, aufgeben. Kreis Teltow. Musterung. I» de» AuShebungSbezirken Teltow I und II findet in der Zeit vorn 24. Januar bis 7. Februar eine Nachmusterung der Militärpflichtigen statt, die in den Jahren 1898, 1897, 1896, 1895 und früher geboren sind, sowie der Landsturm- Pflichtigen deS Jahrganges 1899. Es werden nur diejenigen Militär- und Landsturmpflichtigen gemustert, die bei früheren Musterungen wegen zeitig« Untauglichkeit zurückgestellt ivorden sind. Reklama« tionen um Zurückstellung wegen häuslicher Verhältnisse sind von den Gemeindebehörden auszufertigen und mit der vorgeschriebenen Be« scheinigung der OrtSpolizcibehörde versehe»», dein Landrat möglichst umgehend einzurelcheit, spätestens aber im Musterungstermin vor« zulegen. Gleichzeitig Mit diesen Musterungen findet eine Nach- Musterung derjenigen Wehrpflichtigen statt, die die Entscheidung .garnisonverwendungsfähig",.arbeitsverwendungsfähig",.zeitweise garnison- oder arbeitsverwendungsfähig" oder„zeitig untauglich" erhallen haben._ FriedrichSfelbe. Ausgabe von Lebensmittelkarten. Mit dem 21. Januar werden neue Lebensmittelkarten zur Ausgabe gelangen. Da für jugendliche Personen im Alter vom Beginn deS 8. bis zum vollendeten 17. Lebensjahre eine bessere Ernährung in Aussicht ge- nommen ist, werden diese besondere Lebensmittelkarte»! erhalten. Zunächst kommen diejenigen Personen in Frage, die zwischen den» 1. Januar 1901 und dem 31. Dezember 1910 geboren sind. Für die späteren Ausgaben werden sich die Geburtsdaten entsprechend ändern. Von demselben Tage ab werden die Lebens, nittelkarten an Mililärurlauber nicht mehr durch die Brotkommissionen. sondern im Einwohner-Meldeamt, Dönhoffstr. 31, werktäglich von 8— 2l/2 Uhr ausgegeben. flus aller Welt. Hochwasser und Ueberschwemmungen. Bingen, 18. Januar. Der Rhein ist in den letzten vier- undzwanzig Stunden um mehr als einen Meter gestiegen. Großen Schaden hat das Wasser in einer Fabrik in Mallendar angerichtet, wo ein Tausend Fässer Marmelade fortgeschwemmt wurden. Die Hochflut der Nahe hat die Ortschaften G r o l s- heim. Münster, Dictersheim, Sarmsheim und die Häuser der Neumühls bei Büdesheim unter Wasser gesetzt. Zur Hilfeleistung sind Pioniere cinge- troffen. Auch bei der Mosel hat das Wasser eine solche Höhe erreicht, daß in verschiedenen Orten die Sturmglocken geläutet wurden. An verschiedenen Stellen sind die Dämme der Moseltalbahn unterspült und fortgerissen worden. Bei der regnerischen Witterung ist ein weiteres Steigen des Rheins und seiner Nebenflüsse zu befürchten. Kassel, 18. Januar. Die Schneeschmelze und die reich- lichen Regcnfälle der letzten Tage haben die Flüsse in Kur» Hessen beträchtlich anschwellen lassen. Die Lahn hat mehrere Dörfer durch Ueberschwemmung vom Verkehr völlig abge- sperrt; auch die Werra führt Hochwaffer. Besonders gefahr- drohend steigt die Fulda, die zudem aus der Eder starken Zufluß erhält. Heute nacht wurden bereits mehrere Straßen der Kasseler Altstadt überschwemmt, so daß der Fußgängerverkehr völlig stockte. Stellenweise schlägt man Brücken. Die Keller jener Gegend stehen unter Waffer. Ein Soldat wird vermißt: man glaubt, daß er c r- trunken ist. Kassel, 18. Januar. Seit gestern sind bedeutende Ge- ländestrecken des Kinzigtales von Langenselbold bis in die Gelnhäuser Gegend überschwemmt. Der Staatsbahnhof Langen- selbold ist von dem Ort getrennt, da die dorthin führende Straße teilweise überflutet ist. Essen, 18. Januar. Ruhr. Weser, Ems und Wupper führen schweres Hochwasser und überfluten die Ufer. Jena, 18. Januar. Im Saalegebiet ist gcst»rn unerwartet starkes Hochwasser eingetreten. Weite Gebiete sind über- schwemmt, viele Ortsverbindungen unterbrochen. In Jena sind ganze Stadtteile überflutet. Zahlreiche Häufer stehen unter Waffer. Der Verkehr wird durch Not- brücken und Kähne aufrechterhalten. Jugenöveranftaltungen. Arbeiter-Jugendheim Berlin, Linbenstraße 3. Morgen Sonntag. wird daS Heim»im 5 Uhr geöffnet. Abends 8 Uhr; Vortrag dos(Sen, D i t t m er: Der Eniwickwngsgedanke und der Darwinismus.— Am Dienstag: Spiel- und Neigenabend.— Am Freitag: DiSkuticrabend. Allgemeine Kranken- und Sterdekasie der Metallarbeiter (B. a. G. Hamburg). Filiale Berlin 1: Mitgliederversammlung heute abend 8 Uhr bei Schwachenwald, Gneifenaustr. 71.— Berlin 3: Mitgliederverfammlnng heute abend 8'/, Uhr bei Kahfer, Ncichenberger Strafet 154.— Filiale Berlin 5: Mitgliederverfammlnng heute abend 81/, Uhr bei Thiel. Rückerstr. 7. Frrtrcttgtlilc»Gemeinde. Morgen Sonnlag, 20. Januar, vormittags 9 Uhr. Pappel-Allec 15/17; Neukölln. Ideal-Kasino. Weichfelflr. 8: Ober. Schöneweide, Wilhelminenhofftr. 43, bei CNo Pamp,»Ficireligiöfe Vorlesung". � 10fl, Uhr, Kleine Franlsurter Str. 6, Vortrag von Herrn Ernst Däumig: Wanderungen durch die Nnrchcngeschichte. XIV, Volksverdummung im Zeitalter der Aufklärung.— Gaste willkommen. Sriefkasten üer Redaktion. L. P. 10. ES handelt sich um ein sreikonlervatweS Blatt.— W. Sch. J 00«. Berlin C 25, Münzslr. 20 II.— I. F. 30 und i(. K. Das können lvir Ihnen Im Briefkasten nicht auScinandcrfctzen. Beilellen Sie bei der Buchhandlung Vorwärts eine Broschüre hierüber.— Kanouicr R. Dr. L. diente 1893/94 beim Garde-Pionier-Bataillon.— M. G. L. 87. Solange Sie eingezogen sind, ruht Ihre Mitgliedschaft. Werden Sie cnt« lassen, so gellen Sie ohne weiteres wieder als Mitglied.— 1280. Im Annonzenteil des„Vorwärts" unter„Kleine Anzeigen" finden Sie Ab- nahmestellen dafür.— M. t. Verlag„Der Anler", Jnlernationale Schausteller« Zeitung, Hamburg: Verlag„Der Komel", Pirmasens. W. 110. Sie können zur Zahlung der Reparatur verpflichtet wo den., da der Einwand des Wirtes bei einer eoent. Klage vom Gericht ivohl als zu- treffend angesehen würde.— F. L. 13. Ihre Frage ist nicht zu de- antworten. Sie geben 1971 Marken als gellebt an. Da? Gesetz ist noch nicht foiange i» Kraft, als dafe foviel Marken geklebt fein könnten. Kommen Sic mit den Karten in die Sprechstunde.— St. Ost. 1. 1- Nein. 2. An« spruch besteht nach Ihren Airaaben. 3. Wir kennen weder den Namen des von Ihnen genannten Professors, noch deffen Adresse.— O. 3. Nein. lkvrttcrauSstchten tut das mittlect' Storddeuliktililno»»« Tonntag mittag. Borwiegend trübe mit weitverbreiteten, im Südosten meist geringen, w de»» anderen Gegenden stärkeren Regenfällcn; Nordost« wäris fottschrellendc Erwärmung. ZMel MWM-MM. Verwaltungsstelle Berlin. Zk Sri, Linicnstraste 83—85. Geschästszcit von 9— 1 Uhr und von 4—7 Uhr. Telephon: Amt Norden 18S, I23S, 1987, 9714. Achtung! Gürtler! Achtung! Sonntag, den 20. Januar 1918,' vormittags 9'/, Uhr: Große Versammlung der Kollegen und Kolleginnen, welche in Beleuchtungs' und Militäreffektcnbetricbcn beschäftigt find, im Gcwcrkschaftöhaus, Engeluser 15. Tagesordnung: 1. Jahresbericht. 2. DiSkujsion. 3. Neuwahl deZ Branchen. Vertreters, der gesamten Kommission, des Kassierer? und der Revisoren. 4. Verschiedenes. 221/20 Ohne Mitgliedsbuch kein Zutritt! 9U Bei der Wichtigkeit der Tagesordnung ist daS Erscheinen aller Kollegen, auch derjenigen, die jetzt in anderen Berusen tätig sind, dringend ersordcrlich. Die Ortsvepwaltnng. i- m Mienamer UDd verwandter ßerutsgenossen. Zahlstelle Berlin. Tonntag, den 20. Januar 1918, nachmittags 1 Uhr. im vtewerkschaftshauö, Engclufer 13, großer Saal: Branereiarbeiter- Versammlung. Tagesordnung: Bericht der Lohnkonimisfiou; Beschluhfafsnng. Zu dieser Versammlung sind alle in den Lager« und Malzbicrbrauereien Groß-Berlms beschästigten organifierlen Kollegen eingeladen.— Jeder Betrieb und jede Sparte muß vertreten sein. Mitgliedsbuch oder Mitgliedskarte berechtigt z. Eintritt. 44/17___ Idlv Ortsverwaltune- _ Jeder"M? Im eigener SeliQtiiiiaeber! j Anleitung hierzu geg. 70 Ps. I Nachn. Behördl. cmps. 45 MX) N. Elektrische Leitungsdrähte, Kabel, Lttzeu kaust preiswert 8/19* ütuebel, Alt. Moabit, Kirchstraße 18, vom. Zpezijslsnl Dr. med. Laaba beh. schnell, griindl., mZgl. schmerzlos u. ohne BerufSstür. it>dIu.,IlslOni»I». 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Fe- bruar zu vergeben Spcner- straße 29, Schröder. 85«* Arbeiter für die Pharma- zeutische Abteilung sucht Otto Reichel, Eisenhahnstr. 4� 151« Schulfreie Knaben als Lager- burfchen verlangt Verlagsbuch- andlung Georg Stilke, Mttcl- 1360b ZeituugSauiträgerin sofort einzustellen. Borwärtsspeditiou Moabit, Wilhelmshavencrstraße 48, von 11— 1V4 und 4�4—7 Uhr.• Handlung I straße 18. Botenfrau für den Bezirk ' Erasmusstraße verlangt„Vorwärts", Sesenheimerstr. 1. ♦ Botenfrauen sofort verlangt Ausgabestell« Greifenhagencr- straße 22.* Radfahrer verlangt Georg Stilke, Verlagsbuchhandlung. Mittclstraße 18._ 1359b Junge Mädchen gesucht. Nahrn'.ittelfabrik„Lebomax" A. E. Weber u. Co., Char- lottenburg, Werner- Siemens- Stuaße 20/21. 74«* 50 tüchtige Arbeiterinnen auf bessere Kostüme und Paletots im Hause. Blödorn,«ottbuser Damm 24. fflOI* 50 tüchtige Arbeiterinnen aus bessere Kostüms und Paletots außcrm Hause, welche sauber arbeiten. Blödorn,«ottbuser Damm 24, Fabrikgebäude III. _ tl61* Mamsellen aus bessere Damen- paletotS. Clemmenfen,«asta- nienallee 86.-fl64* Zeituugsausträgerinne» werden sofort eingestellt„Vor- wärtS- Spedition, Markus- straße JJII_* Botcntraueu verlangt lojor, Ausgabestelle Berlin-Wcsten, Blumcnthalstraße 8, Hof, par- terre bei Stolpmann._• ZeitungsauSträgeriu verlangt Spedition Wcißcnsee, Berliner Allee II.___* Frauen zum Zeitungsaustragen sucht„VorwärtS"-AuS- gabestclle Alt-Boxhagen 56, Laden.___* ZeitungSauStrSgerin verlangt „Vorwärts"- Ausgabestelle Treptow, Kiefholzstraßc 412, I rechts._______* Botenfrau stellt ein„Vorwärts". Spedition, Wilmersdorf, Wilhelmsaue 27, P. Schubert.•* Einen prüfet! und einen Hausdiener verlangt Jarolzki, ÄÄ Zleltercn, möglichst milt- tärfreicn I999L* Kutscher mit guten Zeugn. stellt sofort ein J. D. 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Im Gebäude des Zentralinstituts für Erziehung und Unterricht ist jetzt eine der eigenartigsten Ausstellungen zu sehen, die unsere Zeit geschaffen hat. Die Sammlung, die zwei große Räume in dichter Ordnung füllt, nennt sich Weltkriegsbücherei. Ihr Schöpfer und Besitzer, Richard Frank, macht sie jetzt der Besichtigung zu- gänglich, um sie nach Kriegsschluß für immer der Oeffentlichkeit an- zudertrouen, als bleibendes, vielgliedriges und lehrreiches Denkmal des Wellkrieges. KriegSlileratur und KriegSbilder wurden schon verschiedentlich in Ausstellungen gezeigt. Zun, erstenmal aber sieht man jetzt das umfassende, Fronten, Etappen, Hinterland, Freund, Feind und neutrale Staaten betreffende Material, das— systematisch und bis zu einem hoben Grade lückenlos— unier einheitlich zielbewußter Leitung zusammengetragen wurde. Die Sammlung verblüfft schon durch ihre außerordentliche Reichhaltigkeit, wobei zu bemerken ist, daß jedes einzelne Stück völlige Selbsterechtigung hat und keinerlei künstliche Vergrößerungen durch Wiederholungen bewirkt werden. Allein die Kriegsliteralur aus den kriegführenden und neutralen Staaten umfaßt 33 500 Mummern. Daran schließen sich 2500 Zeitungen und Zellschristen der am Kriege beteiligten Länder. Dre Zahl der deutschen Tageszeitungen und Zeitschristen, die von dem Unternehmen ständig bezogen und verarbeitet werden, be- läuft sich mit Einschluß der regelmäßigen amtlichen Vcröffcnt« lichungen auf 960 Nummern. Hieran gliedert sich eine sehr inter- cssant und übersichtlich geordnete Sammlung von 85 Schützengraben- Zeitungen; besondere Beachtung verdienen unter den letzteren die Eiiizclstücke von hohem Seltenheitswert, ungefähr dreißig an der Zahl. Die Lazarcttzeitungen kann man in siebzehn Exemplaren studieren. Dann tut sich eine fremde, ganz eigenartige Welt auf, reich an Ent« behrungen und Fern'ein, aber auch reich an unerschütterlicher Zu« verficht, guter Laune und künstlerischem Witz: die Gefangenenlager- Zeitungen aus Deutichland, Oesterreich-Ungarn, England. Frankreich, der Schweiz. Holland und Kanada. Insgesamt 93 stellen sie eine Sonderbibliotbek dar, die allein Tansenderlei vom 5krreg und den durch ihn geschaffenen Schicksalen, von völkerrechtlichen Zuständen und eigenartigen Ruiturbildern zu berichten weiß. Damit ist aber der Reichtum an im Kriege entstandenen und nur der Kriegszeit geltenden veriodischen Druckschriften noch lange nicht erschöpft. So haben z. B. nicht weniger als 89 deutsche Groß- firmen ihre eigenen Kriegszeitschriften gegründet. Kriegsblätter wurden auch von deutschen Gymnasien, von deutschen Nniversitäten und von einzelnen studentischen Verbindungen in? Leben gerufen. Eine ganz andere Literatur gibt von dem Leben und der Ver- waltung in den besetzten Gebieten Kunde. Hier stehen zum Studium fremdsprachige Verordnungen und Amtsblätter sowie 175 Zeitungen und Zeitschriften in verschiedenen Sprachen zur Verfügung, deren Jnball den besetzten Teilen von Belgien, Nordfrankreich, Kurland, Litauen, Polen, Rumänien und auch— Norditalien gilt. Aus letzterem kann man erkennen, daß die„Weltkriegsbücherei' nicht nur gewiffenhafr, sondern auch mit bemerkenswerter Schnelligkeit or- beiret. Da allein ein genaues Register mehr Papier und Drucker« schwärze erfordern würde, als unter den heutigen Umständen statt- Haft ist, müssen wir uns mit wenigen knappen Stichworten be- gnügen. Ein ungeheures Material an Zeitungen und Zeitschriften, die keine Kriegsgrüudungen sind, aber darum natürlich nicht minder KriegSlileratur darstellen, steht zur Verfügung. Oesterreich-Ungarn ist mit 172 Erscheinungen vertreten, die Türkei mit 37(darunter auch persische und arabische), Bulgarien mit 81, alle in ganzen Kriegsjahrgängen. Auch die Feinde spiegeln sich in ihrer Presse Wider, die interessantesten Tagesblätter, Wochen- und Monatsschriften sind vorhanden, und es fehlen auch nicht russische Blätter auS der Revolutionszeit. Unter den Kriegsdenkwürdigkeiten erblickt man die berschie- densten Maueranschläge, Werbeplakate, Denkwürdigkeiten auS Ge- fangenenlageru und Lazaretten, Fliegerbriefe, Ehrendiplome, eine Unzahl postalischer Merkwürdigkeiten usw. Soweit beute schon Vollkommenheit möglich ist, wurde sie hier erreicht. Nach Beendigung des Krieges aber wird diese sonderbarste aller Büchereien ein unerschöpfliches Museum darstellen, ein au» Tat- fachen, aus dem praktischen Leben und der Kriegführungen entnom- menen Dokumenten zusammengesetztes, gewaltiges Lexikon des Krieges, Em Studienobjekl allerersten Ranges. Und wer nach 10 oder 100 Jahren irgend eine Auskunft über die heutige Geschichte wünscht, wird sich in der„Weltkriegsbücherei" Belehrung holen können._ A. B. Kammerspiele:»Die Koralle� von Georg Kaiser. Kurz nach Eisig und dem zu früh verstorbenen Sorge ist nun Georg Kaiser in Berlin, wo bisher nur seine belanglose Komödie „Die Dorma" gespielt wurde, als Vertreter der jungen Generation zu Worr gekommen. Die Hoffnungen, die sich an den neuen Namen geknüpft, wurden durch du Probe leider arg enttäuscht. Das Drama hat die gleiche Signatur einer über alle psychologischen Menschen- niöglichkeilen und alle Erfordernisse dramatischer Einheit nn- belümmert hinwegsetzenden Willkür, wie Essigs und Sorges Stücke, Doch von dem tiefen Ernst, der leidenschaftlich ringenden Erregung. die in Sorges„Bettler" lebten und trotz, des Wirrwarrs stark er- griffen, ließ sich hier nichts» verspüren. Nirgends stößt man auf ein inneres Erlebnis, ans ein Gefühl, das einen Antrieb zur Erfindung dieler seltsam verzwickten Milliardärsgeschichte hätte geben können. Das Ganze löst sich in ein zielloses Gaukelspiel aberteuerlicher Köm- binationen auf. Besagter Milliardär, der in seinem Tempel„das heiße Herz der Erde" allmonatlich einmal allen Bittstellern jeden Wunsch erfüllt, setzt„einen Herrn in Grau", der ihm dort Weltverbesserungsprojekte auskramt, seine Lebensanschauung auseinander. Was ihn auf scnrer Jagd nach der Milliarde rosilos vorwärts trieb— sei überall die Angst gewesen. Sohn eines Proletariers, habe er erleben müssen, wie sein arbeitslos gewordener Vater fortlief, die Mutter sich das Leben nahm. Das Bild des Abgrunds, das sich damals vor dem Bewußtsein des Knaben zum ersten Male aufgetan, verfolgte ihn seither im Wachen und Träumen, spannte jeden Nerv in ihm, dem Elend zu entfliehen, und machte ihn auf diese Weise schwerlich zum — Milliardär I Und so wie ihn, so peitsche solche Angst auch alle anderen vorwärts. Sohn und Tochter hat er vor jenem Alp, der auf ihn drückt, bewahren wollen, sie sollten, aufwachsend in lönig- lichcm LuxuS, die furchtbar nahe Wirklichkeit des MenschenelendS n>e mit eigenem Auge sehen. Das gilt ihm allen Ernstes als Weg zum Glück und menschlicher Vollendimg. Im übrigen gehört es zu den Eigentümlichkeiten dieses Kauzes, sich zur Vertretung in Ge- schäften einen Sekretär zu halten, der ibm als Doppelgänger wie ein Ei d�n anderen gleicht und den auch seine nächst Ver- trauten nur durch ein Zeichen, die Koralle an der Weste, von ibm unterscheiden können können. Eine Zeitlang schien es, als wolle sich das Stück von so verschnörkelten Voraussetzungen her zu einer Art harmloser Anklage erheben. Der Sohn hat auf einer Vergnügungsreise nach Europa die Entdeckung gemacht, daß sich der Glanz der Reichen auf die erbarmungslose Ausbeulung des Volkes gründe. Er kehrt als Heizer eines Kohlen- schisfes zurück, bekehrt im Handumdrehen die eben noch ganz ge- dankenlose Schwester und nimmt beim Streik in den Fabriken seines Vaters gegen diesen Partei, ja will ihn niederknallen. Das ist im Stück unglaublich primitiv skizziert, aber rührt, wenigstens der Sache noch, an wirkliche Probleme. Doch dient das alles nur als Auftakt zu einer völlig leeren Phantasmagorie. Der Papa, von dem sich seine Kinder lossagen, schießt seinen Sekretär und Doppelgänger mir nichts dir nichts über den Hauken und nimmt dem Toten das Erkennungszeichen der Koralle ab. Vergebens, daß der Mörder nun behauptet, er sei der Milliardär. NlS Träger der Koralle hält man ihn für den Angestellten, und die scharfsinnigsten Juristen zerbrechen sich die Köpfe, wie sie ihn beweiskräftig identifizieren können. Auch die Kinder erkennen ihren Vater nicht. Daß ein paar examinierende Fragen, von diesen über Vorgänge de? Familienlebens an ihn ge« richtet, sofort den Zweisel lösen könnten, füllt niemand bei. Schließ- lich arbeitet sich die Phantasie des Angeklagten in die ihm auf- gedrungene Rolle ganz hinein; er ergötzt sich bis zur Hinrichtung rührielig an den glücklichen.Kindeserinnerungcn seines Opfers, die er für seine eigenen hält. So burleskes Raffinement kostümiert sich hier als» Tragik! Das Publikum machte aus seiner Enttänschung kein Hehl, Bei- fallsversuche stieben auf ein entschiedenes Zischen. W e g e n e r bewährte auch diesmal wieder seine eindringlich suggestive Kraft in der bodenlosen Hauptfigur, vermochte bei aller Üntoahrheit der Situationen in Momenten den Schein des Lebens vorzutäuschen. Für die Versliegcnheit des aufgeregten Weltverbesserers fand Werner K r a u ß reizvoll originelle Ausdrucksmittel. Der Sohn wurde durch Herrn Deutsch, den jungen talentvollen Darsteller von Sorges„Bettler", die Tochter durch Fräulein Eckersberg repräsentiert.-lt. Neubildungen in der deutschen Sprache. Die' bemerkenswertesten, in den jüngsten Jahren entstandenen Neubildungen in der deutschen Sprache erörtert H. Wanner in der Zeitschrift„Niedersachsen." Bei den Neubildungen unserer Zeit bandelt es sich allerdings nicht mehr um Lautverschiebungen und Lautwandel oder andere tiefe einschneidende Veränderungen. An- scheinend ist nicht mehr die Kraft vorhanden, neue Wurzeln und Stämme zu erzeugen, hingegen sind Zusammensetzungen be- merkenswert, Bedeutungswandel und Ueberiragungen sowie Bildung besonderer Standessprachen. So tvnd z. B. in den Bc-x richten über Versammlungen usiv. jetzt häufig die Könjugations- form durch Umschreibung ersetzt. Es heißt:„Er hat seine Absicht zur Kenntnis gebracht. Der Entwurf soll zur Ver- öffentlichung gebracht werden. Die mutmaßlichen Täler wurden zur Anzeige gebracht. Auch liest man häufig Wendungen, wie:„Die Kapelle brachte daS Musikprogramm zur Ausführung. Etwas zum Versand bringen." Andererseits wird statt bringen vielfach„ge- langen" gebraucht.„Die Dividende gelangte zur Vertetlung." Es handelt sich hier gewissermaßen um ein Berichterstattcrdeutsch, um völlig überflüssige Umschreibung eines Tätigkeitswortes, tvobei die Verbalsorm nicht nur kürzer, sondern auch viel verständlicher wäre: „Die Dividende wurde verteilt, das Bild wurde ausgestellt, das Musikstück wurde vorgetragen." Andere Neubildungen sind durch den vielfachen Gehrauch der Vorsilben„be" und„ge" enlstandeir. Be zeigt die Richtung einer Töiigkeit auf einen Gegenstand an. Beledern heißt mit Leder per- sehen, bemeistern heißt, sich zum Meister einer Sache machen. Ge bat eine zusammenfassende Bedeutung. Geselle ist, wer mit in demselben Saal wohnt. Gefährte, wer init dieselbe Fahrt oder Reise macht. Bei anderen Neubildungen wachsen trennende Vor- silben. wie über, ob, mit dem Zeitwort zusammen: Er übersiedelt, es obliegt mir, während es beißen sollte: er siedelt über, cS liegt mir ob. Eine auffallende Neubildung ist das Wort„tätigen". Der Schalter wird von der Tür betätigt, Verkäufe werden ge« tätigt usw. Seit einiger Zeit wird auch der Genetiv nach Präposi« tionen, die dielen Fall regieren, gemieden. Statt„ein Freund meines Vaters" sagt uian„ein Freund von meinem Vater". Anderer- seit? bildet man wieder neue Genetive, die überflüssig sind:„Das Projekt wurde des Näheren beleuchtet, der Vorschlag wurde dcS weiteren besprochen, der Redner verbreitete sich des Längeren." Auch neue Präpositionen werden erfunden:„Der Schnellzug ab Hannover fährt um 8 Uhr, die Gegenstände werden ab Haus ge« liefert usw." Endlich find unter den ausfallendsten Neubilduiigm auch Schlagwörter zu nennen, die plötzlich auftauchen, sich stark ver- breiten und dann bald wieder verschwinden. Heutzillage nuiß alles, was dem Gedächtnis fest eingeprägt werden soll,„cingehämmert" iverden, wie die Niete in einem Dampfkessel; alles, was auf einem sicheren Grunde ruht, ist auf diesem„verankert", wie das Schlacht- schiff auf dem Meeresboden._ Wasierdlchte Strickwaren. So angenehm die wärmende Wirkung von Wollsachen in trockenem Zustande ist, so unangenehm wirken die Wollsachen, wenn sie naß werden und gewöhnlich auch lange Zeit zum Trocknen brauchen. Unter solchen Umständen können die Strickwaren noch zur Erhöhung des Frostgefühls fübreli. Zur Vermeidung dieieS Uebels kann man sich aber eines Beriahrens bedienen, da? jeder Hausfrau ermöglicht, die Wollsachen wasserdicht zu machen. In ein Gefäß, das ja nach der Größe deS betreffenden Stückes gewählt wird, gießt man Wasser und mengt eS mit essigsaurer Tonerde in der Weise, lmß auf neun Teile Wasser ein Teil esffgsai"»e Tonerde kommt. Man läßt die Wollsachen ungefähr eine halbe Stunde in dieser Lösung liegen, drückt sie dann nach dem Herausnehmen möglichst gut aus und hängt sie zum Zwecke raschen Trocknens an einen sehr heißen Ofen. Dies ist besonders wichtig, da bei einem allmählichen Trocknen das ganze Verfahren nickt taugt. Geschieht das Trocknen aber schnell, so hat der Stoff seine Fähigkeit, Wasser anzunehmen, verloren. Im allge- meinen wird durch die oben genannte Lösung kein Stoff geschädigt, bei besonders empfindlichen Stoffen aber kann man vorher zur Vorsicht eine kleine Probe machen. Unbesorgt kann man gestrickte Pulswärmer, Kopfschützer, Handschuhe in die Lösung werfen, da die essigsaure»Tonerde sie in keiner Weise angreift. Die so behandelten Wollsachen riechen anfangs ziemlich empfindlich nach Essig, doch geht der Geruch an der frischen Luft schnell wieder verloren. Auch ganze Wollmäntel lasten sich auf diese Weise„imprägnieren." 16j Töchter öer tzekuba. Ein Roman aus unserer Zeit von Clara Viebig. Die hinter faltigen Lidern sich bergenden Augen » der Krüger blinzelten in dem einst breiten, jetzt lang- gewordenen Gesicht. Ein Licht glomm in ihnen auf, das ihrem matten Blau tieferen Glanz verlieh.„Dann werden alle Gefangenen frei!" Die Krüger stützte die Hand auf den Tisch, als poche sie darauf. Und sie lächelte.„Es steht in der Bibel geschrieben: „Dann wird Frohlocken und Jauchzen sein und des Friedens kein Ende." Der Abend von Nowogeorgiewsk durfte doch nicht zu Ende gehen, ohne daß er gefeiert wurde. Einige Urlauber hatten sich zusammengefunden. Unter ihnen hatte Minka Dombrowski einen alten Bekannten. Als sie am Nachmittag mit den Kindern in den Anlagen— der einstmaligen Dorfaue — dem Militärkonzert zuhörte und viele Blicke, die sie als lauter Bewunderung einschätzte, ihr neues Kleid musterten, hatte sie ihn wiedererkannt. Kaum hatte sie einen lauten Ausruf der Uebcrraschung unterdrücken können: je. das war ja der von damals aus dem Restaurant, auf den ihr Stanislaus so eifersüchtig gewesen war!———.Minka, ich sage dir, wenn du mir nicht treu bleibst!' Er hatte ge- zittert dabei und mit den Augen gerollt. Ach je, der arme Kerl I Der war jetzt in Frankreich. Er konnte am Ende auch in Rußland sein. Wochen schon hatte sie keine Nachricht. Wer weiß, wo er steckte! Sie hatte dem Verehrer, der sie damals mit vielsagenden Blicken bewundert, und der ihr jetzt in Feldgrau noch besser gefiel, freundlich zugelächelt. Sie war doch eine verheiratete Frau, sie konnte sich das schon erlauben. Und wer konnte es ihr verdenken, ihr, die sich so plagen und mit den Kindern herumschleppen mußte, und nicht einmal den Mann da hatte, der ihr sagte:„Minka, du bist zum Anbeißen!" daß sie die Einladung des Feldgrauen, den Abend mit ihm zu verbringen, annahm. Sie aß auch gern mal was Gutes. Auf Bock- Würstchen und neues Sauerkaut hatte er sie eingeladen. Da gab's auch Bier zu trinken. So schickte sie denn die Kinder nach Hause. Der Junge widersetzte sich, er wollte nicht gehen, da gab sie ihm einen so derben Klaps, daß er sie ganz entsetzt anstarrte. Sie sagte aber gleich hinterher:„Ich schenkt dir auch'n Groschen." Der Feldgraue lachte: diese Frau war wirklich drollig. Er fühlle ihre Lebensgier. Sie machten erst noch einen kleinen Spaziergang, bei dem sie neben ihm berschlenderte, in der schon merklichen Abendkühle fröstelnd in ihrem leichten Kleid. Erst als sie im Walde waren und er den Arm um sie legte, wurde ihr wärmer. Sie dachte jetzt nicht an ihren Mann. Wenn der Mann zu lange fort ist, gewöhnt man sich zuletzt daran, man fängt an, zu vergessen. Und doch Wales ihr wiederum, als der Feldgraue neben ihr schritt, als ginge sie mit ihrem Stanislaus, und sie lehnte sich fest gegen ihn, als er zärtlich wurde. So lange hatte kein Mann sie im Arm gehalten l Dabei schwatzte sie munser. Als sie einkehrten, war das Lokal schon gestopft voll. Mit Mühe fanden sie noch an einem Tisch Platz, daran schon drei Feldgraue saßen. Sonst hatte jeder Feldgraue seine Liebste bei sich; diese drei aber waren noch unbeweibt. Und sie machten Herrn Lehmann, im Zivilleben Barbier, gefährliche Konkurrenz. Minna Dombrowski schwamm in Seligkeit: nicht bloß einen, nein, vier Männer auf einmal. Es benahm sie ganz. Sie saßen, in eine Ecke gelängt, an einem kleinen Tisch und so dicht beisammen, daß oald der. bald jener Männer- fuß ihren Fuß berührte. Die Knie stießen unter dem Tisch- chen zusammen; drückte sich ein Knie ganz besonders fest gegen das ihre, so drückte sie wieder. Herr Lehmann war der hübscheste von den vieren und ein alter Bekannter, er war auch der, der für sie bezahlte, sie schlug jedem andern, der nach ihr greifen wollte, auf die Finger. „Schöne Minka. auf Ihr Wohl!" Sie tranken tüchtig. Herr Lehmann bezahlte fünf Runden; die anderen jeder nur eine Runde. Er konnte das wohl auch, er hatte im Zivil- leben ein flottes Geschäft in der Dennewitzstraße zu Berlin. Wenn erst Friede war und er wieder daheim, dann sollte die schöne Minka nur zu ihm kommen, dann würde er ihr die Locken kräuseln. Und Herrn Dombrowski auch bedienen. Er zwinkerte dabei mit den Augen, und die andern lachten brüllend dazu. Warum sollte man denn nicht vergnügt sein? Wenn man wieder herauskam, wer weiß, wie lange man da noch lachen konnte!„Eine Kugel, und adjö Sie!" sagte Herr- Lehmann. Die Dombrowski wurde ganz sentimental. Das sechste Glas Bier war zuviel gewesen, sie fing plötzlich an zu weinen: Gott, Gottchen, ihr guter Mann, wo mochte der jetzt stecken? Ach, eine Kriegerfrau hat'S doch zu schlimm. Es geht ihr zu traurig. Wer weiß, ob er noch am Leben war l Sie neigte sich gegen Herrn Lehmann und ließ den duseligen Kopf an seiner Schulter ruhen. „Ach Gott, mein Mann, ach, ach!" Dabei ließ sie es aber doch zu, daß die Rechte des Verehrers sie auf dem Racken tätschelte, der frisch und kernig aus dem leichten Kleid! guoll. Sie fqßte nach seiner Linken und hielt sie zärtlich in ihrem Schoß. V. Wenn Hedwig Bertholdi jetzt in den Garten ging, sah sie drüben die Krüger das Obst abnehmen. Es war reif; bald würden die Blätter fallen. Und eine Angst kam sie an vor dem einsamen Winter. Schon der vorige war schwer gewesen, aber da war doch ihr Mann noch hier..Nimm dir jemand ins Haus,' schrieb er.„Es gibt so nette junge Mäd- chen, die froh sind, eine Unterkunft zu finden— besonders jetzt.' Kein Wort, daß er bald wiederkommen würde, wieder- zukAnmen hoffte. Und auch nichts von Bedauern darüber, nicht selber bei ihr sein zu können. Und die Söhne schrieben, auch davon nichts. Als seien ihnen draußen alle zarteren Empfindungen abhanden gekommen. Ihr Aeltester, Heinz. hatte das Eiserne Kreuz bekommen, und Rudolf war Unter- offizier geworden. Aber keiner sagte:.Arme Mutter, wie bist du so allein!'— und das hätte sie doch mehr als alles andere gefreut. Ihr graute vor einer Gesellschafterin, die darauf ange- lernt ist, immer heiter zu sein, immer zu lächeln, ivenn auch die Launen der Dame noch so schwer zu ertragen sind. Nein, zu so etwas konnte sie sich nicht entschließen! Da schrieb ihr eine Jugendfreundin, von der sie lange nichts gehört hatte, Frau von Loßberg aus Koblenz. Eine Bitte. Herr von Loß- berg— Major— war vor einem Vierteljahr nach langem Leiden an den Folgen' einer schweren Verwundung gestorben; Frau von Loßberg, schwächlich und zermürbt, wollte zu ihrer alten Mutter ziehen, die in einem kleinen hessischen Städtchen von einer bescheidenen Pension lebte. Der älteste Sohn war auch schon Offizier und im Felde, die beiden jüngsten Söhne in Bensbcrg im Kadettenkorps; nur noch die Tochter war zu Hause. ,Es ist hart für meine lebensfrohe Annemarie, bei uns zwei lebensmüden alten Frauen im Winkel ihr junges Da- sein vertrauern zu müssen. Ich tvürde sie gern in eine Famile geben, wo sie sich im Haushalt oder bei Kindern nützlich machen könnte. Es ist auch gut, wenn sie es jetzt schon lernt, sich in andere zu fügen— ich werde nicht lange mehr leben, ich fühle es. Ich gehe bald meinem Manne nach. Dann wird für Annemarie doch die Notwendigkeit kommen, unter Fremde zu gehen. Weiter viel gelernt hat sie nicht, wir glaubten, bei meines Mannes Stellung und ihres guten Aussehens wegen sei das nicht nötig. Viel- leicht kannst du nur, liebe Hedwig, die du doch gewiß viele Beziehungen hast, für meine Tochter behilflich sein.'-- Goxtf. jolgt.l Seifendose Zelluloid .93 Pf. 12 Kopierstifte 95 n 4 Pakete Mandelkleie 95 Pf. 4 Pakete Wascnpuiver A. Dandorf&G Belie-Alllonce-Striisse Gr. Frankfurter Strasse erunnen-Strasse Kotibuser Daimn Wilmersiiorfer Strasse Emellle 1 Emailleteiler ti.f....... 95 Verlangen Sie bei Einkäufen Rabattmarken mit Stiel 95 pf. 95?/. 1 Maschinentopf. M 1 ßlum8nvase«uirerresPre" 95 pt ipi. 2Kompottschü8S9lnp�nast.95 i Kompoltsoiiussel hübsches QR Blumenmuster l f. 1 Kompottschüssel Dismantmustcr, OK rund od. viereckig*'1' ! MarmeladendosflÄü/terSS 1 Blumenvase mit Goldrand 95 Pf. SWasserbeoher * 95 Pf. 1 Zuckerschale.......... 95 pf. 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MtS., nachmittags 3 Uhr, von der Leichenhalle des Heilig- Kreuz-KirchhoseS in Marien- dors. Eisenacher Straße, aus statt. Rege Beteiligung wird er« wartet. Den Mitgliedern serner zur Nachricht, daß unser Kollege, der Dreher Paul Rettig Friedrichshagen, Kirchstr. 6b, am 13. Januar gestorben ist. Die Beerdigung findet heute Sonnabend, den lg. d.Mts., nachmittags 2'/,Uhr, von der Leichenhalle des Gemeinde- FrtedhoseZ in Friednchshageu, aus statt. Rege Beteiligung wird er- wartet. Den Mitgliedem serner zur Nachricht, daß unser Kollege, der Schnittarbeiter August Seepolrt Oppelner Straße 37, am 13. Januar gestorben ist. Die Beerdigung findet heute Sonnabend, den 19. d.Mts., nachmittags 3>/,Uhr, von der Leichenhalle deS itmmans-Kirchhoses in Neu- tölln, Hermannstraße, aus statt. Rege Beteiligung wird erwartet. Kucbrafe. Den Mitgliedern ferner zur Nachricht, daß unsere Kollegin, die Metallarbeiteriu Manna Braiin Manteuffelstr. 103, am 10. Januar gestorben ist. Den Mitgliedern serner zur Nachricht, daß unser Kollege, der Schlosser Sermann Sense! Mirbachstr. 12, am 25. v. MtS. gestorben ist. Den Mitgliedern ferner zur Nachricht, daß unser Kollege, der Schlosser Paul Sude Ebertystr. 27, am 14. Dezember 1917 ge- starben ist. Den Mitgliedern ferner zur Nachricht, daß unser Kollege, der Sfiberarbeitcr Emil Pertzel Wrangetstr. 12, am 4. Januar gestorben ist. Den Mitgliedern serner zur Nachricht, daß unser Kollege, der Mechaniker Georg Stanelle Bredowstr. 9, am 9. Januar gestorben ist. 221/19 Ehre ihrem Andenken! Die OrtSverwaltuog. Buchhandlung Ctautsv t'oek, G. m. b. H., Leipzig, 8/12 sucht und erbittet Offerte: MNtueM�kisR' Möbel, Nachläse, ganze Wittsdinsten kauft B» h m o, Neukllln, Anzengrubcrstr. 2. Tabak-Grobschnitt jeiu Kippentabak) Pfd. 13.— M. per NacUnalmie unfr. Th. Falkenbacb, Dortmund, Krimstraßo 7.* Oerband der Brauerei- und fflUhlenarbelter und verwandter Berufsgenollen. Zahlstelle Berlin. Den Kollegen diene zur Nachricht, daß unser Mit« glied, der Flaschenkeller- arbester tent falachowiez (Brauerei Groterjan) gestorben ist. Ehre seinem Andenken i Die Beerdigung findet heute Sonnabend, den 19. Januar, vormittags 11 Uhr, aus dem Sebastian- Kirchhos, ReiniSendors.Hum- bolblstr. 68/73. statt. Um zahlreiche BeteiltKing wird ersucht. 44/18 Der Borstand. BorfcbtlAirnzr. Die Beerdigung unseres Kollegen, des Monteurs Wildelm Serlort findet nicht am 19., sondern Montag, den S1., 3'/, Uhr nachmittags, von der Leichen- halle des Goigatha-Fried- Hofes, Barsusstraße, aus statt. Die Kollegen der Berliner Privat-Telephon-Gesollsch. IVlarRen lieTen sei» 18 7 9 Jean Holze HAME61JRO, X MWitimgni. Bou Dienstag, den 25». Januar d. I. ab falle» sotgende Schnellzüge aus 14 Tage aus: 3 zwischen Frantsurt(Main) und Halle(an 7.23 nachm.) 8 zwischen Halle(ab 7.33 nachm.) und Eiscnach. D 22 Berlin(ab 7.25 vorm.) — Leipzig. D 29 Leipzig— Berlin(an 11.39 nachm.). D 50 Berlin(ab 8.16 nachm.) — München. D 49 München— Berlin(an 9.11 vorm.) D 63 Dresden— Berlin(an 5.05 nachm.). D 64 Berlin(ab 1.08 nachm.) — Dresden. D 114 W Hirschberg— Berlin (an 3.17 nachm). D 191 W Berlin—(ab 10.15 Bonn.) Hirschberg. D 203 Frantsurt(Main)— Berlin (an 8.36 vorm.). v 238 Berlin(ab 7.0g)-zrank. surl(Main). Nähere Angaben find aus den Bekanntmachungen aus den Stattonen ersichtlich. 260/1 Halle(Saale), im Januar 1918. Königliche Ekstnbahndirektion. 4. f. Usuell Invalidenstr 164, Friedriclislr.11 la Jamaika-Rum-Verschn. Fl. 27 la Coßnao-Verschnitt.. Fl. 27 Feinster Obstschaumwain, wimdervoU. Qualit. Fl. 5.50 Lukretia Damen-Likör>/,FI. 6.75 Milder Cherry-Brandy VjFl. 6.95 Vorzüglicher Bordeaux-Rotwein Vorzüglicher Burgunder-Rotwein Kräfl. Montsgne-Ro twein Fl. 7.50 EEH Ganz besonders preiswert! Pelzmäntel II Persmnerklaae«ul Brokat Seal-Electrie, ziemlich lang Fohlen, kurz 740,— 850,- 300,- Kostüme l Ulster! (groSc Auswahl' l» Samtkostüme, waoacro, yuaiithten cfeinwuu. 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Lan�e, Brunnenatr. 166 4 Bäcktfw o, Koaditoreiaa � Otto iVolÜ,"ireptow, Krüliat. 16 Zichau,Qr.-Lichtort. 4 BlerbraworoL, Blorhdandlg. � EenpeiBOM empfiehlt SiialllsDiere ersten Rtngee j Bezu�sciueilers-Ver�eidiEiisi Erschein 2 mal wochen..... 4i'nS»fMKTiFr7i<:rte~» iSilhelm lISHir- IS „ 48«igtm ietailictscliift»„ JSdjröter.RJ r fett! 43 Derkauleetglltn« August Holtz£■. < 4T \Bmmt«.„—"~"C* Bföübuser-, w«Story C.» D.aim IS/12. 4 ÜfBnlhämirunBnnZZ� IBithke, öcora.St. »S'ÄÄ Trwtow. Criti-Str.l« et. Onarioccea- burg. Gaege.Utto g nntfkep. nechanlher d iklla.üorgw.l« Meierei C. Bolle A.-Q. 3ep!inn.!U.2i�Ä Ältester and grvsste» MilcbwlrtscbaftUcher __ Grossbetrieb- b''"a a.HlUieiül auchGclegenhffiti * Uhren u. BoiBwrar tehmann, Alb- Frenkmie ��ineTikorp, Fructitaatt» p { ISugs| I 80 Filialen in«n.n Hudteilen. i *cEri Gern p Ui SSOYtrianfasttH 6r:-Berl