Nr.T9. SS. Iichrg. A Bezugspreis: ?!ieriekjShrI.S 1 Uhr abends. Zcntvalorgati der rozialdemokratifd�en Partei Deutfchlatida. Neöaktion: EW. SS, Äaüevstraße Z. Fernivrecher: Ami Morivplatz. Str. 1S1»0— 1SI V7. Dienstag, de« Ä9. Januar 1V18. Cxpeüition: EW. SS» Linöenftraße 3. issernfprrcher: Amt Morihplaq. Rr. ISI SV— 1S1S7. Die Forderungen der Hrbeiter. Unter Zien Forderungen, die jetzt von den Arbeitennossen mit gesteigerte in Nachdruck vertreten werden, ist auch rncht eine einzige, die nicht von der ungeheuren Mehrheit des deutschen Volkes gebilligt würde. Damit ist auch die grundsätzliche Stellung der Sozialdemokratie zu der gegenwärtigen Bewegung gegeben. Würden die Arbeiter ihre llnentbehrlichkeit im Produktionsprozeß dazu mißbrauchen wollen, um, selber eine Minderheit, der Mehrheit ihren Willen aufzudrängen, so müßten wir das verwerfen. Aber so liegen die Dinge eben nicht. Was die streikenden Arbeiter wollen, dos will im Grunde mit ihnen hie gewaltig überwiegende Mehrheit der ganzen Bevölkerung. In der Anerkennung dieser Datsache liegt auch das beste, vielleicht das einzige Mittel, ans den angenblicklickien Wirren rasch und ohne weiteren Schaden herausZiikoliimeil. lieber die Nützlichkeit einer Streikbewegung während des Krieges be- stehen naturgemäß die allergrößten Meinuncisverschieden- heitert, die ertragen werden müssen— nur sollte man mit Worten wie„Landesverrat" nicht unnütz herumwerfen. Nach Behauptungen der bürgerlichen Presse sollen gestern in Berlin 100 000 Arbeiter gestreikt habe», nach den Fcststellun- gen der Streikleitung waren es 230 000, wie viele im, Reich gestern gestreikt haben und wieviele in Berlin und dein Reich noch dazukommen, werden, wissen wir zur Stunde noch nicht. Jedenfalls tvärc es schlimm um das Deutsche Reich bestellt, wenn auf seinein Boden einige Hunderttausend„Lanücsvcr. rät- r" b-rmuliefen', wir weisen dies? llnterst.'llnng auf? nach- drücklichste zurück. Ten guten Glauben sollen ehrliche Gegner den Ar- heitern wenigstens zubilligen. Und da müssen sie zugeben: diese Arbeiter streiken in dem guten Glauben, ihrem Land und ihrem Volk dadurch einen großen Dienst zu leisten, daß sie mit Nochdruck ans der Erfüllung ihrer Forderungen bestehen. Eine reaktionäre Regierung, eine Regierung nach dem Herzen itz:r Scharfmacher würde sich natürlich auf den Standpunkt stellen: Gleichgültig, wie diese Forderungen aussehen,„mit Rebellen verhandeln wir nicht!" Eine Regierung aber, die auch nur ein wenig vom Hauch einer neuen Zeit berührt ist, wird jene Forderungen eiircr gewissenhaften Prüfung unter- ziehen und alles tun. was in ihren 5träftcir steht, um eine Einigung herbeizuführen. Mau kann nicht nach außen hin für den Verständigungs- frieden eintreten und seiner eigenen' Bevölkerung gegenüber auf einen Gewaltfrieden hinsteuern wallen. Denn damit wäre der Glaube an den ehrlichen Willen der Regierung� noch außen einen Verständigungsfrieden zu schließen, nnwider- dringlich dahin. Damit würde sich die Regierung aber auch im schärfsten Gegensatz zu ihrem Bundesgeuossen, der ö st e r- r e i ch i s ch e n Regierung stellen, die durch ruhiges Verhandeln und vernünftiges Entgegenkommen der— dort wie hier spontan ausgcbrochenen— Bewegung ein Ziel gesetzt hat. Was wollen die Arbeiter? Unzähligeniale ist das alles hier im„Vorwärts" auseinandergesetzt worden! Vorbehalt- lose und lückenlose Erklärung der Regierung für einen raschen Frieden ohne Annexionen und Kontributionen auf Grund des Selbstbestimmungsrechts der Völker. Aktive Teilnahme der Arbeiterschaft aller Länder an den Friedensverhandlungen. Freies Wahlrecht zu-allen Vertretungskörpern. Aufhebung des Belagerungszustandes und der Zensur sowie der Militari� sierung der Betriebe', Freilassung aller, die im Kampf für den Frieden ihre Freiheit verloren haben und ins Gefängnis gc- Iva ndert sind. Verbesserung der Lebensmittelversorgung durch schärfere. Erfassung der Produkte ain Ort der Erzeugung und durch gerechtere Verteilung, was sofort eine Hcrqufsctzung der Kärtoffclration ermöglichen würde. Jenem Teil der Presse, der jetzt gegen die Arbeiter tobt. möchten wir zu bedenken geben, daß die Arbeiter mit ihren Forderungen ganz besonders auch für d i e F r e i h c i t der Presse eintreten. Die Presse selbst hat sich diese Freiheit nicht schaffen können. Abgesehen von jenem ihrem reaktiv- liärstcn Teil, der immer nur' Freiheit für sich verlangt, aber Unterdrückung für die aridemt, sollte die Presse Anerkennung dafür finden, daß die Arbeiter auch für ihre besonderen Jntcr- essen und Forderungen eintreten und ihr Verlangen wie in den andern Punkten so auch besonders in diesem nachdrücklich u n t e r st ii tz c n. � Heute ist nicht mehr die Frage, ob der Streik gut oder schlecht ist. Heute ist er da, und das Augeiimerk ist darauf zu richten, was er will. DaS aber steht, um es wieder und wieder zu sagen, im Einklang mit den Wünschen einer gewaltigen Volks- Mehrheit, nird wenn diese erfüllt sind, dann wird auch der streik zu Ende sein. Die Bewegung hat sich am gestrigen Tage mit b e w n n- d er iis werter Ruhe vollzogen, und alle Welt erwartet nichts anderes, als daß es so bleibt. Da sie von keiner leitenden stelle inszeniert wurde, sondern aus den Massen selbst hervorgewachsen ist. müssen sich die organisatorischen Maß- nahmen, die zu ihrer Führung notwendig sind, während ihres Ganges selbst vollziehen. Diese Maßnahmen sind auf gutem Wege, so daß es bei giitem Willen von allen Seiten an Plan und Ordnung nicht fehlen wird. Gegen eine ganz kleine Minderheit haben die Vertrauens- männer der Betriebe, die sich gestern versammelten, beschlossen, beide Rickstungen der Sozialdemokratie zur Mitarbeit heranzuziehen, und beide sind zu dieser Mitarbeit bereit. Der gesunde Instinkt sagt den Arbeitermassen, daß jetzt zu gegenseitigen Befchdun gen. keine Zeit ist. Meinungsverschiedenheiten, die vorhanden sind, und die noch später vorhanden sein werden, können bei besserer Gelegenheit ausgetragen werden. Jetzt handelt es sich nicht darum, ob der (öenosse Hinz oder der Genosse Kunz mit seinem bisherigen Verhalten recht gehabt hat, sondern es handelt sich donmi, die Bewegung in geordnete Bahnen zu leiten, damit sie einem nützlickfen Ziel entgegengeführt werden kann. Kleingeister, die das auch jetzt noch nickst einsehen wollen, werden ihre Rech- nung ohne die Arbeiter gemacht haben. Und wie es im Innern gilt, alle Kräfte zur Einheit, zu- sammenziischmieden, so gilt es. auch über die Grenzen und über die Schützengräben hinaus die Arbeitermassen zur Soli- darität aufzurufen. Jetzt können die englischen und die französischen Arbeiter zeigen, ob es ihnen ebenso ernst um den Frieden zu tun ist wie den deutschen! Wir verlangen und erwarten von ihnen nicht, daß sie der eigenen Landesverteidigung in den Rücken sollen, so wenig wm wir das selber tun. ober wir ver- langen und erwarten von ihnen, daß sie mit dem gleichen Nachdruck, wie wir es tun, ihre Regierung dazu auffordern, dem grauenvollen Bölkerringen ein Ende zu bereiten. Wir vertrauen darauf, daß eine Bewegung, die von so großen und edlen Absichten geleitet ist, wie diese, nicht sich in Hader und Verlvirrung auslösen und auch nickst zwecklos ver sande'n kann. Wir vertrauen auf den gesunden Sinn der dcul scheu Arbeiterklasse, der darauf gerichtet ist, Mögliches mit den geeigneten Mitteln durchzusetzen. An den Stellen aber, die über den Gang der deutschen Politik außen und innen cnt scheiden lind die für ihre Entscheidungen vor der Geschichte ver antwortlich sinch möge man sich dessen bewußt sein, daß Bc wegungeir gleich der gegemvärtigeu durch Gewalt höchstens für einige Zeit aufgehalten werden, daß sie aber zur Entspan nung und zum Ausgleich gebracht werden können n u r d u r ch Gerechtigkeit! Es ist viclleickst nicht die Bewegung selbst, sicher aber ist es die gegenwärtig im Amte befindliche Regie rung. die vor eine letzte entscheidende Probe gestellt ist. Aber nicht nur an die Regierung, auch an die b r e i t c st e Oeffentlichkeit des deutschen Volkes ergeht der Ruf. sich über das Wesen dieser Bewegung nicht täuschen, nicht zu Ungerechtigkeiten verleiten zu lassen. Je entschiedener sich die Oefkentlichkeit, gleichviel wie sie zum Streik selbst steht, für die gerechten Forderungen, die ihm zugrunde liegen, einsetzt, einen desto besseren Dienst wird sie damit der Volksgesämtheit erweisen. Denn es geht nicht nur „ums Ganze", es geht für das Ganze, für eine bessere Zu kunft unseres Volkes, für den Frieden der ganzen Welt! Der Streik. Dicker Nebel in den Straßen Berlins, aus dem alle Dinge verändert und unförmig auf den Wandernden zutreten. Aus den Fabriken im Nordwesten, wo ich vorbeikomme, klirrt die Arbeit' nichts ist von der Möglichkeit zu spüren, die seit den letzten Tagen i» der Luft liegt. Kurz vor 9 Uhr lmbe ick meist Ziel, eine der größten Fabriken erreicht. Zu sehen ist ja nichts, aber unermüdliche Tätigkeit lärmt durch den Nebel. Tann wird es stiller. Frühstückspause? Streik? Da wird das Tor geöffnet. Drei Arbeiter treten heraus, gleichmütig, den Kaffeekrug unterm Arm. Einer gibt dem andern Feuer für die Zigarette. Das Tor bat sich unwillig hinter ihnen geschlossen, nickst lange und es biegt sich wieder zurück. Jetzt komnit schon ein ganzer Trupp. Das Tor schließt sich nicht wieder. Immer dickster»vachsen die Scharen ans dem Nebel, gleich- mütige ernste Männer. Frauen, die zuweilen ein wenig lächeln� Ein Haufen bildet sich, läßt aber eine Gasse. Einer sagt:„"Es kommen alle." Gruppen lösen sich stetig und wandern in den Nebel hin- ein. Ich folge der Richtung. In dem Garten vor einem Brauereisaale staut sich die Masse und wartet geduldig. Der Saal ist geschlossen. End- lich steht einer auf einer Bank und ruft: ...Kollegen, ich fpreckre im Namen des ArbeiterausschusseS. Ich brauche keinem zu sagen, warum wir die Arbeit nieder- gelegt haben, das weiß ein jeder selbst. Der Ausschuß wird mit den Vertretern aller ausständigen Betriebe Fühlung nehmen, um dann der Regierung unsere Forderungen mit- zuteilen. Wir erwarten von Ihnen, daß Sie sich nicht provo- zieren lassen, sondern ruhig nach Hause gehen und dep Gang oer Dinge abwarten werden." Langsam und lautlos löst sich die Versammlung auf, und da die Sonne den Nebel vertreibt, ist das Straßcnbild ganz das gewöhnliche.. Aus den Reihen der Arbeiicr ist wieder eine Streik- bewegung entstanden, ohne daß von irgendeiner leitenden Stelle Anregung oder gar Anweisung dazu gegeben wurde. Wie im April vorigen Jahres aus Anlaß der Herabsetzung der Brotration die Bewegung spontan entstanden ist, so war es auch bei dem am gestrigen Mdntag ausgebrschenen Streik. Erst nachdem die Arbeiter in großer Zahl die Betriebe ver- lassen ballen, schritten sie zur Einsetzung einer Streikleitung. Das geschah in einer Versammlung, die gestern nach- mittag im G c iv e r k s ch a f t s h a u s e tagte. In dieser Ver- sammlung erschien auch ein Vertreter der Sozial- d e m o k r a t i s ch e n P a r t c i D em t s ch l a n d s, um einige Worte an die Streikenden zu richten. Das wurde ihm sowie einem Vertreter der Unabhängigen Sozialdcmokrätie bereit- willig gestattet. Tann wählte die Versammlung eine Streikleitung. bestehend aus Delegierten der Streikenden und Vertretern der beiden sozialdemokratischen Parteien. Die Versammlung stellte folgende Forderungen auf: I. Schleunige Herbeiführung dc! Friedens ohne Annexion. ohne KriegLentschädigurig. auf Grund beS SelbstbestimmuUgö- rechts der Äölker entsprechend den AuZführungSbestimmungcii. die dafür von den russischen BolkSbcauftragtcn in Brest-LitÄsl fonmiliect wurden. A Zuziehung von Nrheitervcrtrctcrn aller Länder zu den Friedensverhandlungen.' Besonders für Deutschland wird gefordert: 3. AuSgicbigerc Nahrungsvcrsorgung durch Erfassung der Leü.'nSmittclbcstände in den Produktionsbetrieben wie in den Htindclslagern zwecks gleich, ticitziger Zuführung an kille Be- völkerungstreise. 4. Der Belagerungszustand ist sofort aufzuheben. TaS Ter- emSrccht tritt vollständig wieder in Kraft, ebenso daS Recht der freien Adeiungsäußerung>» der Presse und in Versammlungen. Tie Schutzgesetze für Arbeilerinnen und Jugendliche sind schleu- nigst wieder in Kraft zu setzen. Alle Eingriffe der Militär- Verwaltung in die gewerkschaftliche Tätigkeit sind rückgängig zu machen und neue zu verhindern. ö. Die Militarisierung der Betriebe ist gleichfalls aufzu- heben. 6. Alle wegen politische, gen Verurteilte und Ver- haftete find sofort freizulassen. 7. Durchgreifende Demokratisierung der gesamten Staats- einrichtungcn in Teutschland, und zwar zunächst die Einführung des allgemeinen, gleichen, direkten und geheimen Wahlrech!? für alle Männer und Frauen im Alter von mehr als Lv Jahren für den preußischen Landtag. Ferner nahm die Versammlung folgende Eni- schließung an: „Da nur unbedingte Solidarität Erfolg verheißt, gelobcn toir, jede Maßregelung unserer Führer, Vertreter und Beaui- tragtcn mit aller Macht abzuwehren. Wir richten aber auch an die Proletarier Deutschlands wie der anderen kriegsührcudcn Lander insgesamt die dringende Aufforderung, wie schon die Arbeitskollegen in Ocsterreich-Ungarn erfolgreich unS voran- gegangen sind, so nunmehr gleichfalls in Massenstreik»«tnAutreten, denn erst der gemeinsame internationale Klassenkampf schafft uns endgültig Frieden, Freiheit und Brot." Nach den Feststellungen der Streikleitung sind bis gestern nachmittag riiiid230 OOOStrcikendc gezählt worden. Man rechnet bestimmt damit, daß auch von den Arbeitern der noch nicht an der Zählung beteiligten Nachtschicht etwa 50 000 binzukommen werden, so daß sich die Gesamtzabl der Streiken- den auf 300000 beläuft. Der Streik erstreckt sich auf fast alle Betriebe der Rüstungsindustrie sowie auch anderer Branchen-. Die Zahlen der Streikenden verteilen sich bis jetzt aus die größeren Betriebe etwa folgendermaßen: Sckiivartzkopsf 4500, Flugplatz Johministhal-Adlershof 2300, A. E. 05. Turbine 2500, A. E. G. Acker- und Gerichtstraße 5000— 6000, Samson- Werk 1500, Merkur-Flugzengbaii 1200, Zwietusch-Cbarlotteu- burg 1500, Bergmann Hennigsdorfer Straße 2000, bei Goerz, Daimler und Auer ruht der gesamte Betrieb, Rumplcr Jo- bannisthal 1000, Lorenz 2000, I. Berliner 2500, Bergmann- Rosenthal 4000, Erich u. Graetz 2000. Gestern abend sollte im Gewerksthaftshause eine Ver- sammlung der E i s e n b a h n e r abgehalten werden, die in keiner Beziehung zu dem Streik stand. Tie Tagesordnung lautete:„Die Arbeitszeit der Eisenbahner". In letzter Stunde ist die Versammlung durch die Polizei v erböte u worden. t- Der grobe ßaal war überfüllt. Noch Mitteilung des Verbots gingen die Versammelten ruhig auseinander.— Ein Trupp von mehreren Hundert Arbeiten! der Ostbahn, der sich in ge- schlossenem Zuge nach der Versammlung begeben wollte, wurde, ebe das Verbot im Versa niinlungslokal bekannt war. von der Polizei auseinandergetrieben. *~* * �us Sem Reiche liegen erst wenige Nachrichten torv So ist c» am Sonnabend in Nürnberg, am Montag iu Hamburg z:i grös.ercn Au Zstän den gekommen. Aus dem Ruhr reu ier wird gemeldet, dag auf einer Langendreer Zeche und auf zwei Zechen des Tommmder Reviers die Belegschaft gestern früh nicht eingefahren ist. TrsW nach Srest-ütowsk. Petersburg, iÄ Zaiinor. Ter Vultsbeaunregte für auswärtige Angclegenheitc» Zrouti ist in der vergangenen Nacht nach Brest Litowsk abgereist. Auf die Abreise bereitete eine indirekte Petersburger Meldung schon vor einigen Tagen vor. Es hieß, der General kongrcß der Arbeiter- und Toldatenrätc habe nach einein Ne ierat Trotzkis über die FriedenSverhandlullgen diescnt neue Vollmachten für. die Fortführung der Brest- Li towsker Vcsprcchirngeii erteilt. einem Leitartikel überschrieben„FriedenSrede» oder Frieden rät der jtopenhagcucr.Soctaldeinokralen" den Bolschewiti, de» Friedensabschliiß nicht unnötig in die Länge zu ziehen. Das Blau fährt fort: Die Bolscheiviki. lamen zur Macht, weil daS russische Volk den Frieden ivollie und in dieser Beziehung iich durch KcrenSIi getäuscht, sa betrogen fühlte. Sie erließen auch sofort eine Kundgebung Über einen augenblicklichen FriedenSabschluß. Sie schlössen auch einen Waffensiillsiand ab. aber es scheint namentlich b e t T r o tz k i N e i g u n g zu bestehen, die Fr ie d e u s v e r h an dl» n g e u in die Länge zu ziehe» m der Hossuung, das; die> 0 z i'a l e A c l t« r c v o l u t i o n au-Zbrccheu nnd einen s o z i a l i st i s ch e u Welt- r r i e d e n schaffen wird. Das ts: eine gefährliche Phantasterei oder gefährliche Taktik. Ehrlicher russischer und deutscher Friedenswille könnten in Brest-Litowsk den Frieden bringen ohne Eroberungen nnd Enttäiffchnugen ans der Grundlage des SelbslbestinimungSrechtS der Völker, da? nanirnotivendig den W e l t i r i e d c n zur Folge haben würde, aber leinen I o F-i a l i st i j ch e» Frieden. Das ist ei» Phantasiegebilde, denn gegeuwätiig ist die Welt noch nicht sozialistlich und kann es auch nicht iin Handumdi ehe» werden, sondern Sie demokratischen Fricdensvötlcr sind der FrirdenJrrScit ir.iidc. WaS sie wollen, is: der Frieden und was sie erhoffen, ist, das; die Friedens dcrhand- lungeu, wenn sie in dieser BZoche»vieder in Bresi-Litawsl nufgc- iiouiuicu werden, etwas mehr zum Ergebnis haben möchten, als glänzende Reden und nicterlguge' Telegramme. * TurtW-ruffMe verhanü!ungen. Petersburg, 21. Januar.(3icntcr.) Wie gemeldet Inird, schreiten die Verhandlungen zwischen den russischen und türki- 'che» Vevollmächtigreil über die Einrichtung einer D a nrp s! ch i s l a h r t s v c rch.i n d n n g zwischen russischen nnd tüiktschen Häsen, besonders zwischen Odessa nnd K o n sta ntiu opel-, günstig fort. Die engh'sihe und amerikanische Peche zu öen Dsrlm-wiener Reden. Urberwiegcud Zlblehnung. Dir englische Presse. „Westminster Gazette", de.S Organ AZqurths. sagt: Wir sind bestrebt,, in einer!o wickitigan Anzelegenheit incbts zu übertreiben »nd leinen Strahl Tageslicht ansznschlieoßn, aber wir kommen über . die 3tcde im ganzen genoiinnen. zn keinem anderen Schluß als daß Bertling, mit deutschen Chauvinisten hinter ihm sich bemüht, die Türe geschlossen zu halmi die Czcrnin gewissermaßen zu öffnen siicht.> Tas ist nicht der Weg zu einer Liga der Nationen oder einem haltbaren Frieden, den'.vir suchen und für den Wirt sort- sahrcn müssen zu tiimpfcii. I'utct diesen Umständen haben wir tetne Wall als festzubleiben und alle unsere Energie und Hilft- quellen der Fortsetzung des Kampfes zn widmen. „Mnnchrstcr Gnardinn", das führende liberale Prvtniizbkatt, urteilt ebenso wie die Londoner„Daily News" relativ optimistisch: Hertling verläßt sich lediglich auf Deutschlands militärische Lage, die, wie er sägt, niemals so günstig war. Oesterreichs Haltung ist sehr verschieden. Vor allem ist der Untreschied zwischen den öfter- reichischen tili d' atii c vi kani'cbc n.KriegSziclen nicht ein iolchc-r, nm eiche Besprechung auszuschließen. CS besteht tleberenlstimmung nicht nllein in den Hanptgnividsätzeii, sondern auch übe rein i ge ko n kre te Fragen. Bei der Beurteilung dieser Erklärung müssen wir üpS«riimSrn�daß Wilson die italieni- scheli Ansprüche, soweit sie auf Ratwualität gegründet sind, aus- drücklich unterstützt. Oesterrcich-stugarn lehnt diese. Ansprüche nicht vorweg' qb, sondern schlägt einen Austausch der Ansichten vor, der der Ausgangspunkt für eine versöhnliche Aussprache zwischen allen �kriegführenden sein soll. „Obseever" führt aus: Ans den von Graf Hertling angegebenen Weg kann jetzt oder schließlich kein Friede fein. Di« Rede war tat- säcklich herausfordernd und kriegerisch bis zn einem Grade, der hinsichtlich Deuischlailbs.Läge und dessen künftige Aussichten unbe- greiflich ericheint. „Pall Moll Gazette" wirft Teuischlard und Oesterreich in einen Topf: Obgleich Czernin den Diskant und Hertling den Paß spielt, besteht volltonlmen« Harmonie in der beiderseitigen Wiedergabc. Beide Mächte lue! gern sia», ihre eigenen Verbrechen gützumacknm und jede verspricht ihrem Mithelfer beizustehen. Teutschland bietet keine Verpflichtung Belgien gegenüber au und lehnt die Rückgabe von Elsaß ab: Oesterreich- Illigarn nimmt gegenüber Ftalien und Serbien dieselbe Hältnr.g ein. Uns bleibt nur der Drang nach einem vollständigen Sieg. „Globc" sagt ebenfalls: Es sei nicht schwierig zu erkennen, daß die Reden des� Reichskanzlers und des öfter reicht schkn Ministers des Aeußern in enge» Beziehungen stehen. Es liegt nun an Lloyd George, das so verächtlich zurückgewiesene Angebot restlos zu rückzuziehen und, wenn er überhaupt noch Bedingungen erklären muß, jene auszustellen, die Deutschland zu erwarten hat, wenn die Sache bis zum bitteren. Ende geführt worden ist. Tic amerikanische Presse. Die New Uorker Morgenblärtcr bezeichnen allgemein Graf Kettlings Rede als unaufrichtig und anmaßend, •e|cn aber in der Rede h,s.B raffen C ze r n i n eine Nach- z i«' b i g k e i l Ocsierrchchö. Geringere Artillerietätigkeit im Westen— Am Col del Rosso heftigster Artillerie- kämpf- Heftige Jnsanteriekämpse zwischen Brenta nnd Afiago. Amtlich. Großes Hauptquartier, 28. Jeuuar 1St8.'W. T. S.> Westlicher Kriegsschauplast. Nördlich von Berclaeee wurden bei einem Erkundungs-. Vorstoß 17 Engländer, darunter 1 Offizier, gefangen. Tie Artillerietätigkeit war fast a» der ganze» Front ge- ring, lebhafter an einzelnen Stellen in der Ehampazne nnd im Maasgebiet. Italienische Zyront. Aus der Hochstäche der Sieben Gemeinden dauern seit gestern nachmittag Artilleriekämpse an, die sich bei Tages- anbruch im Gebiet des Col d c l R o s s o z» größter Heftigkeit steigerten. Bon den anderen Kriegsschauplätien nicht» Neues. Ter Erste Generalquartienneister. Ludrndorff. Abeudbericht. B c r l i u, 28. Januar l9!8, abends.?l m t l i ch. Zwischen A si a g o und der V r c n t a sind mit ita- iicnischeu Angriffen heftige Kämpfe entbrannt. Von den anderen Krirgsschaupiätzril nichts Neues. Ter österreichische Bericht. Wien, den 28. Aonnar l91L. Amtlich wird vcr- lautbarr: Auf der Hochfläche der Sieben Gemeinde» steigerten sich die A r t i l l e r i e k ä m p f e zeitweise zu größter H e f- tigkeit. Ter Chef des GenrralstabeS. „Tribüne" sagt: Ter Frieden, den die deutsche Regierung der- langt, ist ein Frieden, der eS Teulschlauo ermöglicht, den größten Teil seiner gegenwärtigen Eroberungen zu behaltet. Die Rede des Kanzlers ist zu sehr von oben herab, zu sophistisch,' um aufrichtig zu klingen. Tie richtige Antwort aus HertlingS Vorschläge kann nicht von den Kabinetten, sondern muß im Feld gegeben werden. Auch der„New Rork Herald" beschuldigt die Rede, die für die Front bestimmt sei, der Uiniufrichtigkeil, begrüßt aber diesen Ausdruck von Chauvinismus als ausgezoichueles Mittel, den gedankcn- kosen Vertretern eins vorzeitigen Friedens in allen Ländern die EroberungÄnst Teutschlands in ihrer unverhüllten Blöße zu zeige». '„New Kork World"' igt dagegen: Heulings Rede zeigt ein anderes Deutschland als daS vom vorigen Jabr bei der Ankündigung dc sunbcschrankicit Unterseebootkrieges. Anders wie sein Vorgänger, spricht Graf Hevtling ür>cr den F' ieden nicht mehr in Ausdrücken vom deutschen Sieg. Das Deutschland, das durch ihn spricht, zeigt nicht mehr auf die Kriegskarte, indem es sieh zum Eroberer Europas auswirft, o- ist e i n D e ii l s ch la nd i m Bei- t e i d i g u n g s z uft a»d.- nach innen s o.w o h l wie nach außen. „New Kork Times" sagt: Gras Czernin braucht eine Sprache, wie sie von einem Staatsmann, der bereit ist, sehr lvcil zu geben, um dein Frieden die Tore zu öffnen, erwartet werden kann. Hert- lings Rede ist lediglich eine Wiederboluug deutscher Anmaßung. Türkei und Ukraine. Slussprache über die zukünftigen Beziehungen. � Konstant« nopel, 21. Januar. Die Telegravhen-Agentur Mtlli meldet: Die türkischen Delegierten in Brest-Litowsk hatten am 17. Januar eine p r i v a t c Z n f a»! m e n k n n f t mit den Ukrainern. Nachdem man a» die alten historischen Beziehungen crinnert hatte, die die beiden Länder verknüpfen, und iestgesteltt hatte, daß man sich uickii als Kriegnihrende, svndcru als alte Freunde gegen- überstehe, wurde in die Erörterulig der in den Friedensvertrag mit den Ukrainern auszunehmenden Fragen eingetreten. Es-wurde fest- gestellt, daß wenn Sie politischen Beziehungen mit Rußland und der Ukraine wiederhergestellt sein würden, ein Bertrag mit der Ukraine geschlossen werden könne, sobald der Friedensvertrag seine endgültige Fw r:n erhalten und die Verbündeten der Türkei diese Auffassung teilen würden, und daß es für die Türkei durchaus wichtig fei, die politischen Grenzen der Ukraine zn kennen. Denn erst nach Nuftlärung dieses Punktes werde man über die dis S ch lv a r z e Meer bezüglichen Fragen sprechen töniien. Die os ni attische Delegation erklärte, daß eine sofortige Antwort auf die gestellten Fragen nicht dring- lich sei und daß die lUroiner sie in voller Muße studieren und mit sich darüber zu Rate gehen könnten, um zu sehen, ob auch sie Fragen aufzuwcrsen haben. Der eri'te Delegierte der Ukraine antworieie meraus im Namen tzer Delegation, daß die Ukrainer damals, als die llirahic noch mit den: rusiischen Kaiserreich oinheitüch verbunden war, sich zn wiederholten Malen aus dem Schlack'ifelde mit den Türken pe■ messen hätten, daß aber diese Kämpfe keine Feindschaft gegen die Türkei geweckt, sondern vielmehr in ihnen Gefühle der Bewunderung mr den Mut und die Tugenden der Türken wach- gerufen hätten. Dem jetzigen Augenblick messe die Ukraine besondere Bedeutung bei, denn er bedeute die Grundsteinlegung für die Beziehungen zwischen den beiden Ländern und sei geeignet, das Einvernehmen zwischen ihnen herzustellen und ausrichtige Freundschaftsbande zu verbürgen. Die rechtliche Lage der Ukraine in ihrem Verhältnis zu Rußland sei noch nicht voll- kommen geklärt. Tie Grenzen Mischen der llkraine enierseiis und Deutschland und Lesterreich-Ungarn andererseits könnten in Brest- Litowsk geregelt werden. Tagegen seien die Grenzen zwischen Rußland und der Ukraine, wenn auch bis zu einem ge- wissen Punkt fixiert, doch nicht endgültig festgesetzt. Was die Scestrcitträftc im Schwarzen Meer betreffe, io sei es. obwohl sie heute einzig und allein der tltraine gehörten, nicht möglich voraus- zusehen, wem sie künstiz unterstehen würden. Die osman ischen Delegierten dankten dem Redner für die den Türken bekundeten frenndschaftlichen Gefühle Sud betonten die Notwendigkeit, gewisse Gesichtspunkte und Vorbehalte zu formulieren. An den westlichen Grenzen der Ukraine sei die Türkei nicht unmittelbar interessiert, dagegen müßte sie die östlichen und südlichen Grenzen kennen lernen, um zu wissen, wer ihr Nachbar im Schwarzen Meer sei. Sie ersuchten um Ausklärmrgrn über diesen Gegenstand und nahmen gern Kenntnis von der Erklärung, daß die Schwarze-Meer- Flotte der Ukraine untersteht. Sodann wurde'.sestge.ilellt, daß d'e pc r i i.sche Frage nicht »n die Einflußsphäre de: Uitarnc gehört. Wcft die. Dardanellen- frage bclrisft, so betonte.die ukrainische Delegation, daß sie aus- schließlich die Türkei angebe nnd daß sie diesbezüglich nichts Eiidgültiges sagen könne. Tic Frage inußte von der Regierung studiert werden, die sie- vertrete. Bei Dieser Gelegenheit wütdeu die Schwarze-Bc eer-F rage und Die Frage der freien Durchfahrt durch das Schwarze Meer zur Erörterung gelangen. Andere neue'Fragen würden wahr f ch c i ii l i ch h i n z n k o m ni c n. Für die Ukrainer müßten diese Fragen ein Prüfftchi für die- Freundschaft und die Sym- patbien bilden dir zwischen den beiden Ländern bestehen. ? io o S m a n i s ch e n Delegierten erklärten, daß das Recht der freien Durchfahrt s ü r Handelsschiffe in F t i e- d ii s Zeiten geachtet werden würde, daß jedoch die Türkei i n K r i c gs z ei t e u noll w e n dkg er w c i se zu jenen Verteidi- gungsmittelu greifen würde,, dw zum Schutze der osman ischen Hauptstadt sich atp erforderlich erweisen' würden. Sie fügten, hinzu, daß. da ausgemacht sei, die Räumung der von den Russen während des Krieges besetzten osman ischen Gebiete als v c> n 6 i t i o sine a n a n o ii des Friedens zu betrachten, es für die oLmanischen Delegierten von großem Wert wäre, die Be- Ziehungen kennen zu lernen, die zwischen der Ukraine und dem Kaukasus bestehen. D-e ukrainischen Delegierten eaviderien, daß diese Beziebungen freunoschastlich und aufrichtiger Natur seiest, daß sie aber lein Fntcreffe an der künftigen Organisation dieses Gebietes hätten und nicht ivüßten, mit wem und wie der Kaukasus seine küni- tigeu Beziehungen und wie er sein inneres Leben einrichten werde. Die Petersburger Regierung bricht mit Rumänien« P e t e r s b u rsz, 28. Januar. Nach einem Petersburger Funkspruch hat die P e t e r S b n r g e r R e g'i e r«» g alle diplomatischen Veziehuugcn zu Rumänien abgebrochen. Die rumänische Gesandtschaft wird auf dem kürzesten Wege ins Ausland abgeschoben. Ter Goldschatz Rnmäuiens, der in Moskau liegt, wird als unantastbar für die rumänische Oligarchie er- klärt. Tic-Räteregicrung übernimmt für die Aufbewahrung dieses Goldes nnd für die Uebergabe an das rumänische Volk die Verantwortung. General Tscher bat schew wird als außerhalb des Gesetzes stehend erklärt. Basel, 28. Januar.(„Frks. Ztg.") AuS Ode sia wird berichtet, daß ruii'änische Abteilungen und utrainische Kosaken die Besatzung von Unghani entwaffnet und die Mitglieder des dortigen Sowjets verhaftet haben. Nach einer Btäuenneldung aus Kiew haben rumä- nische Truppen T i s ch i n e w uinzingelt. Tic Stadt tvird durch Artillerie beschpssen. Die Verluste der Rumänen wie der Bolschewin sind sehe hoch. „Nascht Wjedomosii" meldet: Die rumänische Negierung habe die nötigen Maßregeln ergriffen, damit die russischen Truppen das rumänische Gebiet räumen. Diese Maß- nahmen erstrecken sich jedoch nicht aus die ukranischen Truppen der R a d a. Wie Havas aus Petersburg meldet, haben die Marimalisten Arbeiter von der Front genommen, um sie gegen Kiew zu vcr- wenden. k)aNöLlsvLrstaLtlzchung in Rußland. Petersburg,.27. Januar.(Zkeutcr.tz Tie sretwilsige I l o t t e und die H a n d e l S s ch i f f a h r t L g c s e l l- s ch a s t e n Rußlands lverden verstaatlicht und der Leitung der revolutionären Matrosenvereinigung unterstellt. Das Kapital der Gesellschaften wurde beschlagnahmt. Oer Sürgerkrieg in Rußlanö. Tie Lage in Fimiland. Stockholm, 28. Januar.(Meldung von SvenSka Telegram« Byrau.) Seil gestern vormittag ist die telegravhischr Bcriiubuug zwijchen Stockholm nnd Petersburg unterbrochen. Di« sinnländiiche llebergängSstatioil Nyftad signalisiert, daß die Rote Garde die Linien abgeschnitten hätte.- Auch mit Finnloird besteht leine Verbindung. Man eiiähkl über Petersburg und Hoparanda, daß voll« ständige Anarchie in F i n n l a n d herrsche, dessen Unglück noch dadurch verniehrr worden sei. daß die russische B o l s ch e- w i k i- R e g i e r u n g e r k l ä r l Hab«, sie sei genötigt, ihren Grulldsänen gemäß die f i n n l ä n d i s ch en Revolutionäre im Kampf gegen die bürgerliche Gesellschaft zu unterstützen. Tic Kämpfe in der Ukraine. lieber die Kämpfe in dcr Ukraine meldet die Petersburger Tclegrophen-Agentur vom Sonntag Fortschritte dcr Bolschcwiki: Der PolkSbeonstragte Antonof gibt bekannt, dgß die Städte Krementschug, Romodan und Putiwl sich in dcnHänderr der Bolschcwiki besinden. Bei B a ch m o t s ch finden Kämpfe statt. Bei AleksandrowSk ergaben sich ls Abteilungen Kofaken nach einem Gefechte mir botscheiolstischeii Truppen. In Sewastopol wurden die Behörden dcr Sowjets anerkannt. Einige Seestreitkräfte der Radn stellten sich aus die Seile der Sowjets. Die Tataren wirr den bei Jalta zurückgeworfen und bei T-hcodosia ge- schlagen. Das lUroinische Bureau meldet vom 23. Fauuar aus Stock- Holm: Die russischen Offiziere, welche durch die Militär- rcform der Bolschewiste» zu gemeinen Soldaten degradiert wurden, stieben in Massen in die ll l r a i n e und treten in die ukrainische Armee ein. Tie„Wiener Reue Fi eis Presse" meldet rniS Lemberg: DaS ukrainffche Parteiorgan„Dito" erhält von der russischen Grenze die Nachricht, daß bei Luck zwischen ukrainischen und bolschewistischen Truppen mit großer Erbiltcriing gekämpft werde. Ter Angriff sei v o n den II l r a i n e r n ausgegangen, die sich der im Besitze der Bolichelvisten befindlichen Stadt Luck bemächiigen wollten. Der K a in p s dauere bereits mehrere Tage. Ter Kommandant der Bolschewisten habe sich an den Kommandanten der iu diesem Front- abschnitt.stehenden östcrrcichaliignrischen Batterie» mit der Bitte um Hilfe gewandt. Der Aufforderung sei jedoch keine Folge ge« leistet lvorden. Nach einer Havasmeldung aus Odessa wird zukünftig eine revolutionäre M i l i t ä r k o m m i s> i o n die Geschäfte der Stadl leiten. Die Kommission besaht aus Vertretern des russilchcn Zentralkomiiös, der rumänischen Front, mehrerer Kriegs- schaffe, dcr Arbeitslosen und der maxmralistischeu Organisation. Die Meldung fügt hinzu: Man wüd alle Güter dcr Reichen konsiSzieien, um sie den Arbeitslosen zu geben. Die„Frankfurter Zenung" erfährt aus Wien: Vor zwei Wochen fanden ür Sucharän, Jednize. Belz und Edingo sowie anderen Kleinstädten Mittel- und SüdbeßarabirnS große Pogrome statt, die \ beut der dortigen rumänischen Bevölkerung veranstaltet wurden. Größere Banden, die vielfach Soldatenuuiforinen angelegt hatten. haben a,n hellichten Tage die Judenviertel überfallen uud völlig ausgeraubt. In einigen Fällen wurden Juden getötet, in den meisten Fällen aber schwer mißhandelt. In Sucharan selbst soll es 25 Tote gegeben haben. Infolge der voll- kommen ungenügenden SicherheitZverhältnifse haben die Juden in diesen Städten eigene Milizen gebildet, die erfolgreich den plündernden Banden entgegentraten. Polcnlcgioiilirc gegen russische Truppen. iilnS Petersburg meldet Reuter.' Polnische Legionäre — also Truppen der in Rußland gebildeten polnischen Legion— besetzten die Station O r I ch a iin Eouvernement Mohileff und entwaffneten die russische Garnison. Ebenso besetzten sie die Stationen nördlich und südlich von Orscha. wo sie die russischen Posten entwaffneten. ltias Vorgeben erfolgte, weil die Volks- kommissare die Leiter der polnischen Milimrveremigungen verhafte: hatten. AuS Stockholm meldet Talunion: Am vergangenen Freitag vor- mittag um'All Uhr ckam auf die Kommandatur des obersten polni friren MilitärkomitreS an der Petrowski Ainje Straße in Moskau eine Abteilung der Roten Garde und russische Soldaten der Mos- kauer Garnison und legte den anwesenden polnischen Komitoemit- gliedern PodgorSki, seinem Adjutanten Pisa e Ski und dem Quartiermcister Downarewitz einen Verbafwngsbefebl des Kommandanten des Moskauer Militärbezirks Muratew vor. Der General des polnischen Rates T a! u r war nicht anwesend und wird gesucht. Tie Beehaftctcn wurden zunächst ins Bureau der Bolfchewiki gebracht,'und von dort nach dem Gefängnis in der Tanganka überführt. Es hmrselt sich nicht etwa um polnische Le- gionäre, sondern um polnische Regimenter, die(noch AuS- scheidung aus den russischen Regimentern) unter der eigenen Ra- tionalsahne gegründet worden sind. » lieber die Borgänze bei Galatz, die zum U ebertritt russischer Truppenteile zu den Verbündeten führten, wird aus Petersburg weiter gemeldet, daß die Rümpfe zwischen der V. und Teilen der Ist. sibirischen Division und den Rumänen auf der Höhe westlich von Galay immer noch andauern. Ans rumäui- swer Seile nehme» dabei schwere Artillerie und bei Galatz auch drei Monitore teil. Die russischen Stellungen von der Bahn Braila— G a l a tz bis z u in Sereth bogen östlich von R i c o l e i bleiben unbesetzt. Em befestigter Punkt an der Bahn ist von den Rumänen besetzt worden, deren Posten sich gleichzeitig ini Serelhbogc« festgesetzt haben.' * Tie Blilschewiftc« gegen die Zozialrevosutionäre. Basel, LL. Januar. Hayas meldet aus Petersburg: Am Zl. Ja- nuar wurden alle Mitglieder des sozialrevolutio- u ä r e n Komitees von Moskau und des sozialrevolutionären ÄoinitccS der Provinz Moskau ge sangen gesetzt, Thomas gegen üas Kabinett Clemenceau. Gcuf, 28. Januar. In einer Ztede in der Alhambra zn Bordeaux, griff Albert Thomas die Regierung heftig an so- tuohl wegen des Caillaux-Skandals als auch wegen ihrer verfehlten russischen Politik. Thomas verlangte tziue einheitliche diplolnatische Aktion der Eiitents. Peru, 28. Januar. Ju dem Perbot au den sozialistischen Abge- ordneten Cachin, eine öffentliche Versammlung seiner Wähler im 18. Arrondisscmcnt von Paris abzuhalten, erklärt dieser in der „Humanite", der tatsäailiche Grund sei, daß die R c a k t i o n ä c c nicht wollten, daß die Republikaner mit den Wählern in Fühlung träten, weil sie befürchteten, daß die Lügen zerstreut würde», mit denen man. dos unglückliche Frankreich ein- lulle. Clemenccau habe sich widerstandslos auch in dieser Sache vor der Reaktion gebeugt. Der Krieg auf öe» Meeren. Per liu, 27. Jaunar. Neue ll Bootsersolgc im Sperr- gcdiet um England: 20000 S. R. T. Ein großer Teil der Schiffe, die meist bewaffnet waren, wurde unter erheblicher feindlicher Gegenwirkung vor dem St. G e- orgskannl vernichtet. Der Ehcf des Admiralstabes der Marine. „Sulwn Javus 6cümy kampffähig. Ronstautinopel, 28. Januar. Ter türkische Panzerkreuzer Cullan JavuS Selim iGoebe») ist gestern hier eingelaufen. Das Schiff ist völlig verwendungsbercit. Auch die zahlreichen f. sind- liwen Fliegerangriffe haben dem Schiffe lediglich durch zivei kleine Boinbentreffer unwescntlicheBeschädignngenam Schornstein und an der Rccling verursacht. Englischer 1Z000 Tonnen-dampfer torpeöiert. L 0« d 0 n, 28. Januar., Reuter.) Der Eunarddawpfer Aiidauia Tonnen) mit 40 Passagieren und 200 Mann- schastcn wurde auf der Ausreise an der Ulftcrküstc torpe- d i ert. Alle louiiten sich in die Boote rette» und wurden nach einer Stunde geborgen. Man hofft, den Dampfer in den Hase» bringen zu können. � Kleine Kriegsnackrichten. Ter ehemalige Diktator Eastr», der als Präsident von Nene- zuela einmal den mächtigsten Weltreichen die Stirne bot, hält sich als Verbannter auf Trinidad aus, und die englische Regierung hat ihm uiUgcteitl. daß sie seine Anwesenheit auf cuz- l i s ch e m Gebiet nicht länger erlauben könne. Er der- suckste daraus, sich nach Frankreich einzuschiffen, doch die sran- zö lisch? Regierung telegcaphierte, dag sie ihn als u.nge- wünschten Fremden ansehe. In New Varl, wo Castro sich eine Zeillaug aufhielt, erfuhr er gleichfalls eine feindliche Be- Handlung. Er versucht nun, nach Italien zu komuien. Die Tchiffsnot Frankreichs.„Maiin" meldet aus Marseille: Tie französische Regierung beschlagnahmt vom 1. Februar ab alle im Hasen von Marseille liegenden Schiffe. Die Aicherseedampfer sowohl wie die Post- und Frachtdanipscr haben keine festgesetzten Linien mehr, sondern werden je nach Bedarf vcr- trerrbet. Der Pastdicnst wird verändert und herabgesetzt. Der Aufstand in China. Peking. 27.■ Januar.(HavgS.) Die Rebellen im Süden zeigen sich nach tätig und nahmen Dochu. erneu wichtigen Ort am Yangtsekiang. Die Pest breite: sich jenseits der großen Mauer in Richtung auf Taiyunfu»uK, die yerrenhausvorlage vor dem Ausschuß Für Fürsten-, Prinzen-, Adclsrechte— am 28. Januar 1!>18 l Eine ungesienre Spannung liegt über dem Volk. Die Wahlrechts beerdigungskom Mission des Drei- klassenhauses läßt sich dadurch nicht ans der Fassung bringen. Während- das Volk mit höchster Energie seine Gl dich- bc recht ignng im Staate fordert, spinnt die Kom- inission endlose Debatten über die Rechte---- der F ii r- st e n und Prinzen auf Vertretung im Herreuhäus, sür dessen„Reform" die Durchberatung der Wahlrechtsvorlage ja nin mehrere Ptonasc hinausgezögert lverden mußte! Soll mau lacken oder tveineu, wenn man liest, daß am gleichest Tag, an dem Hunderttausende von Arbeitern die Fabriken verließen, folgende Haupt- und Staatsfragen in der Drciklassenbauskomm i sfion brcitgctreten wurden: Ob der Kronprinz ohne weiteres Mitglied des Herrenhauses fein solle?— Ob den übrigen Prinzen des königlichen Hauses die lebenslängliche Mtgliestschaft gebühre?— Ob dieic auch dem F ii r st e n n 0 n H 0 h e n z 0 l l e r n- Sigmaringcn zuzubilligen sei?. Itnd dito den Anno 1866 depossedierten Für- . st e n h ä u fern soivie dem H e r z 0 g v 0 n S ch l e s w i g- H 0 l st e i n- A 11 g u st e n b u r g? Ob nian den gleichen Trost den R c i ch S st ä n d i s ch e n F ü r st e n h ä 11 sie r n gewähren solle, die schon bei deni großen Auskehren von 1803 ihre Mimaturländchen vcr- loren? So geht es weiter. Man kommt zu den„Lebenslang- lichen": 24 Vertreter der Fürsten, Grafen und H e r r ö n, 10 Vertreter der vormals r e i ch s st ä n d i- schcn Familien! Weiter zu den„Präsentierten": 3 Dutzend Vertreter des a I t e n u n d g c f e st i g t e n G r 0 ß- g r u n d b c s i tz c s, 3 Dutzend Vertreter der G r 0 ß i n d u- st r i e u n d d c s G r 0 ß h a n d e l sl Und so fort! Nur vom Volke, vom Volke ist mit keinem Sterbenswörtchen die Rede. Hier gilt nur das„historisckr Gewordene" versichert Minister Drews. So knabbert man wßiter ani„bistorifch Gewordenen" in dumpfer Dämmerung. Das preußische Volk ist noch nichts „historisch Gewordenes".— Dafür aber lebt es! * Es liegt ein kouseevativcr Antrag vor, daß der der Krone am nächsten stehende volljährige Agnat(Kronprinz) stets zum Herrcnhause berufen werden müsse. Ferner bcantvagen die Kon- servatiben die lebenslängliche Mitgliedschaft der P r i n z e n des königlichen Hauses, des Fürsten von H o-h c n- z 0 l I e r n, des C h e s S d e r i in I a h r e 1 8 ll 6 d c p 0 s sie d i c r- i c ii Häuser, den Herzog von S ch l e s w i g- H 0 l st e i n- A u g u sl e nb u r g sowie der Hauser der nach der deutschen Bundes- akte vom 8. Juli 1815 zur Standes schau berechtigten vormaligen deutschen r e i ch s st ä n d i s ch e n Häuser im Preußischen Herreuhause. Minister des Innern Dr. Trcws erklärt, daß die Regierung sich definitive Stellungnahme vorbehalten müsse. Ein Fortschritt- ler begründet den Antrag, daß die genannten Kategorien nicht auf Lebenszeit, sondern auf 12 Jahre dem Hervenhause angehören sollen. Da die erste Kammer nicht aufgelöst werden kann, muß wenigstens die Möglichkeit einer gewissen Rcurrnng geschaffen lvcr- den. ES kommt auf die Gliederung der E> e g e n w a r t, nicht der Vergangenheit an. Ter Redner wendet sich ferner gegen die Bc- hauptung der„Deutschen Tageszeitung", die ihm und feinen Frenn- den den Vorwurf des K r h p t 0 r e p u b l r k a n i s m u s" machte: Minister Dr. Tecws empfiehlt nochmals den konservativen An- trag. ES liege zwar keine rechtliche, Wohl aber eine historisch b c g r ü n d e t e S 0 n d e r st c l l u n g vor, und dem trage der An- trag Rechnung. Andererseits räume er dem König das Recht der Berutung ein. Tic Abstimmung über den Paragraphen wurde ausgesetzt. Der z 8 der Vorlage zählt den 5ireis derjenigen Personen ans, die lcbenslönglich i» das Herrenhaus brufen werden sollen, und zwar 10 Vertreter der vormaligen Reick s stände, 24 Vertreter der Fürsten, Grafen und Herren, und 28 Mitglieder solcher Personen, die jetzt mit erblicher Berechti- gunp dem Herrcnhausc angehören. Die Fortschrittlcr beantragen, die hier genannten Personen gleichfalls nur aus>2 Jahre zu be- rufen. Ei» Jvrtschri»tlcr erklärt, seine Partei bekämpfe das Prin- zip der lebcnolänglicken Berufniig. Ein großer Teil des Wider- fprucks gegen das Herrenhaus beruhe ans der Erwägung, daß so- viele Leute auf Grund längst überlcbtcr Vorrechte in die erste Kam- mer gekommen sind.— Diesem Antrag schlössen sich die Rational- liberalen und Freitonservativen an, während die Konservativen und das Zentrum ihn bekäinpften. Schließlich wurde die Frage einem Unteraus s ck>1 ß überwiesen. Nach§ 4 sollten auf Grund von Präsentation in das. Herrenhaus berufen werden: 1. 3ö B ü r ge r m e i st c r größerer Städte für die Tauer der Amtszxrt: 2. Ri Besitzer von ländlich e n Grundstücken in. einem llinfange von min- deskenS 100 Hektar, die sich zurzeit der Präsentation bereits 5(1 Jahre im Besitze ein und derselben ganiilie befinden, sür die Dauer der Besitzzeit; 8. 86 Leiter grostcr Unternehmungen der Industrie oder des Handels für die Dauer der Bekleidung dieser Stellungen. Hierzu liegt eine große Reibe von Anträgen vor. Die Fort- schrittler beantragen die Erhöhung der Handelskammcrvcrtreter von 36 aui 72 Mitglieder. Ei» Konscivativcr verlangt, daß im Herren- hause auch 36 Bürgermeister der kreisangehörigen Städte und 83 Besitzer kleinerer G r u n d st ü ck c angehören sollen. AchnlickeS verlangt ein Antrag des Zentrums. Tie Nationallibc- rate» beantragen, 86 Bürgermeister kreisangehöriger Städte für die Tauer der Amtszeit, und 36 Landbürgermeistcr, Amtmänner und besoldete Vorsteher von Landgemeinden, gleichfalls für die Dauer der AnAszeit. Tic Fortschrittler lvollen die Vertretung deS kleinen und großen Grundbesitzes so teilen, daß auf den Groß- grundbesttz 24, ans den Klewgrundbcsitz 48 Vertreter kommen. Auf die Antragen des Berichterstatters gab der HandelSministrr AustnilN. Industrie und Handel verdanken viel der Tatkraft euer- gisckcr Persönlichkeiten. Tie Anwesenheit dieser Männer im Herren- hause liegt im Interesse der gesamten Industrie u n d des g e s a m t e n H a n d e l s. Tic Handelskammern sollen keineswegs zurückgesetzt werden, dabei müssen aber auch die Interessen der Mittel- und Kleinbetriebe zum Ausdruck kommen. Es Werde auch dafür gesorgt werden müssen, daß der K 1 e i n b a n d e l eine Vertretung findet. Ein Fortschrittlcr weist aus die zahlreichen Petitionen hin, die durch den Gcdanten des bcrnssständisihcn Shstems hervorgerufen sind, und diesen Gedanken als ungangbar erscheinen lassen. Tic Präsentation der Großstädte wüßte statt verkürzt, er- höht werden. Ein Uebergewichl des Großgrundbesitzes dürfe nicht zugelassen lverden. Ein Rntionalliberalcr schließt sich diesen letz- teren Ausführungen an. Minister Trews begründet die Bevorzugung des Großgrundbesitzes mit dessen Bedeutung und dem h i st.o r i s ch Gewordene n. Die Einräumung einer besonderen Vertretung des kleinen Grund- besitzes würde das Snstcm des Gntwnrfo durcheinander bringen. Ein Konservativer spricht- sich für be r ü> Kständ ii che Zusammensetzung de- A b g e 0 r d n e t c n h a u s e s aus. Ein ptaironallilie« raler wendet sich �dagegen, daß etwa die Vertreter der Städte von den Provinziallandtageu gewählt werden follcn. Rachdem noch ein anderer Konserwttv«' sich ffir' verufsstän- djsches Abgeordnetenwahlrecht ausgesprochen, und Minister Drews die vorgesehene Städievertrctung damit befürwortet hatte, daß sie an die Stelle des individuellen Rechts einer einzelnen Stadt dre Auswahl der Tüchtigsten durch die Städte setze, wurde die Weifet- bcratung ans Dienstag vertagt. Neventlevp. Wir bitten um Entschuldigung für diese Ramenszusammen-, ziehung. Aber die Tatsache, daß Graf Reventtow sür Herrn Levn Propaganda macht, verdient immerbsir gewisic Beachtung. Gras Revcntlow ist im allgemeinen kein Freund deS Judentums. Sein neusterfundenes Schimpfwort für feine Gegner lautet„All« jubeu". Mit diesem Wort bedenkt er alle, die nicht All- deutsche sind. Jüngst wurde sogar Trotzki von ihm All- jude tituliert. Grat Reveutlow wirft Trotzki nämlich vor, nicht genügend lussischnational zu empfinden. Aber aus welchem Grunde? Etwa weil Trotzki Eroberungen für Rußland ablehnt O nein, sondern weil Trotzki nicht die deutschen Friedensbedingungen widerspruchslos herunterschlucken will. Ein All rüste darf näinlich komisckerweise nach Graf Reventlow— sich von nichts anderem leiten lassen, als von dem FriedenSbedürfnis des russischen Volkes! Wenn Trotzli sich gegen einen.Schmach- frieden" sträubt, so berücksichtigt er— immer nach Reventlow--- das FriedenSbedürfnis deS russischen Volkes nicht genügend, itt daher—.Älljude". So Graf Reventlow. Man müßte daraus logischerweise solgsrn, daß auch Graf R e v e n t l 0 w, der sich sa herzlich wenig um das Friedensbedürsnis deS deutschen Volles kümmert, weniger Alldeutscher als vielmehr gleichfalls Alljude ist. Offenbar aus diesem Grunde rührt jetzt Gras Reventlow auch die Rellametrommel für Prof. Dr. Hermann L e V y. Dieser hat nämlich eine Propagandaschrift für den U-Boot-Krieg.Der Sinn des U-Boot-KriegcS" verfaßt, den er als eine Art vom Himmel verhängtes Straf- und Sühngericht über Großbritannien feiert. Hätte Prof. Levy gegen den U-Boot-Krieg geschrieben, so wäre Gras Reventlow wohl zehnmal über den Namen des Verfassers gestolpert. Aber dos Gure nimmt man, wo man es trifft. Der manchefterttcke �ansabunö. Der Hansabund hat. wie er selbst cS ausdrückt, den„Kamps gegen den für die Freiheit der wirtschaftlichen Entwicklung immer bedrohlicher werdenden Staatssozi alt o- muS" aufgenommen. Zu diesem Zweck stellt sein Präsidium „Richtlinien" aus, in denen es heißt: „Ter Hmlsabund wird sich mit aller Kraft dafür einsetzen, daß auch in Zukunft die Eigenwirtschaft die feste und sichere Grundlage unserer Gesamtwirtschaft bleibe. Es ist ein Lcbensinteresse deS Staates und der � Ge samtwirts chaft, den freien und s ej b st ä n d i g c n, zur Berücksichtigung der For- derungen auch des Gemeinwohls durchaus geeigneten und gelvill- tcn Privatbetrieb zu erhalten, der auch den richtig der- standencn Interessen der Arbeiter Rechnung trägt. Im Interesse der dringend erforderlichen Entfesselung aller produktiven Kräfte. der Wiederherstellung des Mittelstandes und der Freizügigkeit so- wie des E in p 0 r st e i g e n s der?l n g e st e I l t e n zu selb- st ü n d i g c n Unternehmern wird daber der Hansabund jede Zwangswirtschaft a n s s s ch cffr s st e b e k ä m p- se n, welche zur Ausschließung und Beschränkung des freien Hau- dcls auch in der Friedcnswirtschafl und zur Bevormundung von Industrie. Gewörbe und Handwerk' führt und führen muß. Bon dem manchestcrlichcn Lehren auS der Zeit des. Frühkäpi- talismus unterscheidet sich die Hansabunddoktrin höchstens dadurch, daß sie nur noch den Angestellte n,. nicht mehr den Arbe.c- rern mit der Möglichkeit des A u f st i e g S z u f e l b st ä n d i g e n Unternehmern winkt. Aber auch die Angestellten sind längst eine Massenschicht geworden, die sich mit dem ewigen An- geftelltcnloS abfinden muß. Mit den gerühmten Vorzügen des Privatbetriebes steht es ähnlich wie mit den berüchtigten Kriegs- ersatznährmitteln. Sic sind nahrhaft— aber nur für ihre Fabrikanten! Eine Rirscnkundgebung der Tortuiundcr Sozialdemokratie fand am Sonntag in dem großen Saale deS„Fredenbaum" statt. Die äußere Veranlassung war ein bösartiger?t»griff der natio- nallibcralen„Dortmunder Zeitung" auf die Sozialdeuwkratic. Am vorausgegangenen(sonntag war es in. einer Versammlung der Vaterlandspartei zn Zivischenrällen gekommen. Diese Vorkommnisse schob die„Dortmunder Zeitung" der so.zialdemokratischcn Parteileitung in die Schuhe. Dabei hatte die Parteileitung von den Vorgängen erst durch die bürgerliche Presse erfahren. Ilm diesen Angrissen entgegenzutreten, wurde eine Versammlung ein« beruft'«. Obwohl diese erst an: Sonntag, bekanntgegeben werden konnte, war der Riesensaal des„Fredenbaum" schon vor der an- gesetzten Zeit überfüllt. Mehr als 4600 Personen waren im Säale und ebensoviel«! fand-n lemcn Einlaß mehr. Eine Entschließung, die eftien Frieden der Verständigung und die baldige Erledigung der Wahlrecktsvorlage im Sinne der sozialdemokratischen Forde- rnngcn verlangt, wurde einmütig angenommen. Gegenüber den 700 Man«, die in der Vaterlandspartei als„tansende Dortmunder Bürger" den Reichskanzler und Hindenburg antelegraphieren ließen, war die Versammlung eine wirkliche Volkskundgebung, wie sie in Dortmund seit den großen Wahlrechtsdemonstrationcn nicht wieder stattgefunden hat. Tic„Deutsche Zeitung" verboten. Das Erscheinen der„Deut- scheu Ztg." ist durch Verfügung des Oberkommandos in den Marken auf Grund der Ausführung in dein Artikel„Gras Hertking bittet um neue Friedensbedingungen" zunächst auf die Dauer von drei Tcigei: verboten worden.___ k Letzte Nackrichten. Zuchthaus für Abwurf feindlicher Aufrufe. Berlin, 28. Januar. Tie am 17. Oktober 1047 südwestlich Cambrai abgeschossenen Insassen eines Flugzeuges der 11. Squa- dron, Leutnant Scholtz und Leutnant Wockch, sind am 1. De- zeinber vom Gericht einer mobilen deutschen Etappenkommandantur wegen AbwurfeS feindlicher Aufrufe nach Bekanntniackmngxn auf Grund von tz 58 Ziffer 9 in Verbindung mit tz 160 des Militärstrafgesetzbuches zu je 19 Jahren Zuchthaus verurteilt worden. Itkrainischc Bermittlungsdrlrgatiou in Petersburg. Bafel, 28. Januar. Nach einer Hadasmeldnug aus Poris berichtet die„Noniaja Schien", daß eine Abordnung von 13 ukrainischen in Kiew stationierten Ein- heiten in Petersburg eingetroffen ist, um als Permi tt- l e r zwischen der R a d a und dem R a t e der Volkskommissare vorzugehen.___ Kampf um Helsiugfors. Stockholm, 28. Januar. T-ßr Bahnhof von Helsi-ngfors befindet sich m den Händen der Roten Garde. Der Eisenbahnvor- stchcr und mehrere Beamte sind getötvt worden. GewerffchsMNWUns Wie Lohn Verbesserungen durch Nrbcitewcchsel verhindert werden. AlS.wichtiger Grurid� zur Tiicilung de« AbkehrslveiuZ wird in § ö.deS Hilfsdieusjgesctzes.eine Verbesserung der Arbeilsbedin- gungeir* angegeben. Da der Arbeiter den Nachweis der Verbcsse- rung zu führen hat, wird ihm in der Regel der Arbeilswechsel nur ermöglicht durch eine Bescheinigung deS zukünftigen Arbeitgebers über die Höhe des Lohnes. Legt ein Unternehmer swas bei dem Mangel besonders an gelernten Arbeitern oft vorkommt) Wert darauf, den Arbeiter zu behalten, mutz er sich ebenfalls zu einer Lohnzulage verstehen. Die Lohnbescheinigung ist deshalb auch für das Unternehmertum von Beden- lung. Gerade deshalb aber»nacht eS alle Anstrengungen, um den Arbeitern diese Waffe zu entwinden. Einmal wirkt sie auf den ArbeitSwechsel und zum anderen auf die Steigerung der Löhne ei». Die praktische Wirkung für den Arbeiter im Falle der Verioeigerrmg durch die Unternehmer ist eine weitere Einengung der Freizügigkeil und die Verhinderung besserer Werdienstmöglichkeiten. Wie ein grotze-Z Werk auf dieses Ziel hinarbeitet, zeigt ein Ukas deS StinneS- Werkes»Dortmunder Union", den unser Dortmunder Parleiblatt zu veröffentlichen in der Lage ist. Er lautet: »Von besonderer Seite sind wir darauf aufmerksam gemacht, datz unter den Arbeitnebmervertretern im SchlichrungSausschutz die Ansicht besteht, die.Union" übe auf andere Unternehmer- firmen einen unzulässigen Druck aus, um diese zur Zurücknahme von Lohnbescheinigungen zu veranlassen. Diese Auffassung ist darauf zurückzuführen, datz in den Verhandlungen häufiger die Vertreter unfereS Werkes erklärt haben, wir könnten mitteilen, datz die den Arbeilenr ausgestellte» Lohnbescheinigunge» zurückgezogen seien. Es ist zweckmäßig, wenn solche Erklärungen in Zukunfr unterbleiben. Es mutz vielmehr darauf hingewirkt werden, datz die in Frage kommenden Firmen ihre Lohnzustche- rungen gegenüber den, betreffenden Arbeiter zurückziehen und ihrerseits dem ischlichtungsauSschntz hiervon Mirteilung machen. Wir«rsuchen die Terminvcrtrctcr mit entsprecheiider Anweisung zu versehen. Die Direktion, gez. Sempell. Obwohl also die Direktion den Druck auf ander? Firmen selbst für unzulässig hält, bleibt fie bei der bisherigen Praxis und ersucht »ur, einen anderen Weg einzuschlagen, der wenig kompomittierlich ist! Nach wie.vor sollen die Arbeiter gehindert loerden, sich eine angemessene Verbesserung der'Arbeitsbedingungen zu verschaffen, damit die Millionenverdienste der.Union" nicht etwa uin einige Tausend Mark verkürzt werden. Was sagt das Kciegsamt zu diesem Ukas? Znr ipraxis der Schlichtnngsausschüsse. In Kassel hatte die Arbeiterschasr von vier grotzen Segeltuchwebereien durch ihre ArbeitcrarrSschüsfe die Forderung nach Ein- führurrg von Mindestlöhnen gestellt. Als mit den Uirternehnimr darüber leine Einigung zu erzielen war. ivulde der Schlichlungs- ausichutz angerufen. Erst fand die Arbeiterschaft nrit ihren Forde- rungen dort Entgegenkommen. Desto überraschter war man, als folgendes Schreiben deS SchlichtungSauSschuffes einging: .Infolge eines Einzelsalles ergab sich die Notwendigkeit, die Zuständigkeit der SchlichtungSauSschüffe und der Kriegsamlsstelle nachzuprüfen. Hierbei wurde festgestellt, datz nach Ansicht des Kriegsamtes Berlin die Behandlung grundsätzlicher Fragen auS Zweckmätzigkeit.sgründen der einheitlichen Behandlung wegen, von der Kriegsamtsfielle Berlin zu betreiben sei. Hierunter fällt nach Anficht der KriegSarntssielle Berlin, die Frage des Mindest- lohneS." � Wenn man glaubt der Einheitlichkeit wegen, von Zweckmäßig- keitsgründen reden zu dürfen, so wäre gerade i» diesem Falle der Schlrchrungsausschutz Kassel aus ZweckmätzigkeitSgründen die zuständige Stelle gewesen. Die Kasseler Scgeltucksindustrie ist aus- schlaggebend für ganz Deutschland. Alle nennenswerten Betriebe der Branche befinden sich in den Händen der Kasseler Unternehmer. So haben neben ihrcn Belrieben in Kassel die Firmen Banman u. Lederer noch einen Betrieb in Wildenfels i. S.; Fröhlich u. Wolf in Hess. Lichtenau und ArenShausen- Gottichalk u. Co.»i Eschenstruth: Salzmann u. Co. in Einbeck, Melsungen. Oederan, Lariban, Jrredlond und in Ungarn. Wenn es in der Textilindnstrie eine Branche gibt, die für einheitliche und damit auch für Mindesilöhue reif ist, dann ist das die Segeltuchweberei. Es kommen verbälinismätzig wenig Be- triebe in Frage. Die Betriebe sind alle modern eingerichtet, haben ihren Siy alle an einem Orte, so datz entgegenstehende Schwierig- leiten leicht zu überwinden roaren. Nebenbei spielr auch die Frage der unterschiedlichen Rentabilrtät leine Nolle, da alle Firmen als Armeelieferanten riesig. verdien» haben. Die Begründung des SchlichlungsausschriffeS trifft aber auch gar nicht zu. Tie Auffassung des Vorsttzenden ist unrichtig. Es besteht keine Nnweiinng des Kriegsamies, datz die Schlichtung?- ausichiissc grundsätzliche oder aOgcineirie Lohnfragew ganzer Jirdustrie- bezirke nicht behandeln dürften. So hat sich z. B. auf Vorstellungen von Vertretern deS Metall- arberlerverbandeS die KriegSamtSftelle Berlin bereit erklärt, allen KriegSamtSstellsn zu emvwhlen, bei allgemeinen Lohnbewegungen ganzer Jndustriebszirke eine vermittelnde Tätigkeit auszuüben? Da- mit sollte der umständliche Weg des BorgebeirS jedes einzelnen Be- lriebeS durch feinen ArbeilerauSschutz und die Anrufung des SchlichtungSausschusses, sowie die unterschiedliche Behandlung der Einzelfälle vermieden werden. Denn der SchlichtungsauSschutz Kastel bereits angerufen war. io hätte gar nichts entgegengestanden, zu versuchen, die Frage ihrer Lösung entgegen zu führeu. Auf jeden Fall wollen sich die Arbeiter- ausschüff� merken, datz sie sich bei ähnlichen Anlässen vom schlichluugsausschutz nicht auS„ZiveckniätzigkeitSgrüirden" abwerfen lasten._ Inöustrie und Kandel. Einstellung der Gerstenlieferungen au Brauereien. AuS Braiilreisen erfährt die.Voss. Ztg.". datz auf Veranlassung des KnegSernährungsamtS einstweileu die G e r st e» l i e fe r u n g für BraUzwecke e i n g e st e l l l worden ist. Bisher sind den Brauereien deS norddeutschen BrausteuergebieteS 5 Proz. deS zugesicherte!! Ko»linge»ls von 10 Proz. geliefert worden. Die be- vorzrigtei, Brauereien BahernS haben bereit« mehr als 10 Proz. ihres löprozentige» Kontingents erhalten, allerdings mit der Ein- ickränkuiig, datz einstweilen die Mengen über daS Ivprozenlige Quantum hinaus unvermälzt aus Lager zu nehmen sind. Die norddeutschen Brauereien werden voraussichtlich mit einer weiteren Gerstenbelieferung nur zu rechnen haben, wenn Kartoffeln in größerem Umfange zur Verfütterung freigegeben werden können, oder aber, wenn nach Abschluß der Verhandlungen, Gerste auS der Ukraine eingeführt iverden kann. Derartige Lieferungen könnten sich aber frühestens wohl im Mai oder Juni bemerkbar machen. Angesichts der Verkürzung des Kontingents werde» die Brauereien gezivungeir sein, da« Bier noch leichter einzubrauen. Das Bier für die Truppen an der Front wird ebenfalls leichter eingebrout werden muffen. Trotz der Streckung des Bieres werde eine weitere Verteuerung des Bieres unvermeidlich werden, denn die Verringerung der Braumenge hat eine erhebliche Verteuerung der Braukosten im Gefolge. Seil einigen Monaten verhandeln die Brauereien bereits mit der Behörde wegen einer Erhöhung des Verkaufspreises für das dreiprozentige Einfachbier. Zurzeit beträgt der Preis 20 M. Die Brauereien forderten 2S M., schließlich kam eine Einigung auf 24 M. zustande. Aber auch dieser Preis wurde im Verlauf weiterer Verhandlungen bean- standet und die endgültige Festsetzung� soll jetzt mir 2L M. erfolgen. Die Brauereien glauben aber mit diesem Preis unter den jetzigen Verhältnissen nicht durchhalten zu können. Die Ausschankpreise der Gastwirte sind inzwischen schon um S Pf. für Liter, von IS Pf. auf 20 Pf., erhöht worden. Ob nicht an- gesichtS dieser Entwicklung doch noch eine behördliche Schließung von Brau betrieben erfolgen wird, ist einst- weilen noch nicht entschieden. Die Brauereien suchen eine zwangs- weise Schließung zu vermeiden. Von 2�000 Braubetrieben in Deutschland, einschließlich der Hausbrauereien, haben bisher 3000 den Betrieb eingestellt. Die Brauereien glauben natürlich niemals mit den ihnen zugestandenen Preisen zufrieden sein zu können, obwohl die Bilanzen deutlich zeigen, datz es allen so gut wie in den besten Friedensjahren vielen aber noch bester geht. Ein lahmes Dementi? Die BiSmarckhüite A.-G. sieht sich zu folgendem Dementi der Meldung von ihren hohen KriegSgewiunen veranlaßt: Die ander- weitig verbreiteten Angaben über das Ergebnis des ersten Semesters des laufenden Geschäftsjahres werden von matzgebender Seite als unzutreffend bezeichnet. Der Semestralabschlutz liegt noch nicht vor. Nun ist der Börsenteil der.Nattonalzciiung" wirklich nicht un- bedingt zuverlässig und seine Zeugenschaft nicht überzeugend. Aber auf der anderen Seite ist wohl zu beackten, datz da« Dementi nur eine, formale Ableugnung ist und nicht darüber täuschen kann, datz die BiSnrarckhütle A.-G. ganz ungewöhnlich viel der- dient Hai. Soziales. „Dat bltwwt all so, as dat West is." Nach Fritz Reuter lauten die Landtagsabfchlüsse in Mecklenburg entweder so, wie in der Ueb'erschrift angeführt ist, oder aber auch: „Sillens öliwwt bi'n ollen." Und es scheint, datz sich seit Fritz Reuters Zeiten noch nichts in Mecklenburg geändert hat, datz auch in der Kriegszert der alte Geist sich nicht gewandelt hat. Der „Mecklenburgischen VoltSzcituug" liegt ein Schreiben des Grohher- zoglickeu Ministeriums des Innern zu Schwerin vom 20. 4. 1017 vor, G.-Nr. 24 392, das wie folgt lautet:. „Die Verfügung der Unterstützungskoimnission, nach welcher Ihnen vom 1. 1. 1917 ab die Familien Unterstützung entzogen wird, vermag daS Ministerium nicht zu beanstanden. Es mutz von Ihnen verlangt werden, datz Tie Ihre Arbeiidkraft Ihren Kräften ent- sprechend der GuiSherrschaft zur Verfügung stellen. Das Mi- nisterium kann Ihnen nur dringend raten, sich mit einem An- trag aus Arbcitsübcrrvcisung an die Gutsherrschaft zu wenden. Wenn Sie regelmäßig aus Arbeit gehen, wird Ihnen die Unter- stützungSlommission die Familicnunterstützung demnächst wieder bewilligen, aber auch nur dann." Das Schreiben ist. wie der Inhalt schon ergibt, an eine Krieger- frau gerichtet. Das ist dem Schreiben gesperrt gedruckte Wort ist einmal, die fett gedruckten Worte zweimal unterstrichen. Die Frau hat bis zum September 1017 leine Unterstützung erhalten. Sie ist mit ihren beiden Kindern, von denen das eitle 4 Jahre, das andere 6 Monate' alt war, zu ihren Eltern gezogen, um nicht zu verhunzeru, uni) vom 1. Oktober hat sie von der Unterstützungskommission zu Rostock dann die Unterstützung wieder erhalten. Entzogen war die Unterstützung von der Kommission zu Güstrow. Bon der Guts» Verwaltung war ihr zugemutet worden, ihre Kin- der in das Landarmenhaus zu Güstrow zu geben. Wir hatten schon in der Nr. 317 des..Vorwärts" vom 18. No- vember 1017 einen krassen Fall ähnlicher Art auS Mecklenburg ge- schildert, in dem ebenfalls das GroßherzoAiche Ministerium d-w In- neru diese geradezu unglaubliche Auffasiung vertritt, wie sie in dem jetzt geschilderten Fall auch in die Erscheinung tritt. Dieser Fall liegt zeitlich vor dem schon im November geschilderten. Er bestätigt das, was wir schon im November sagten, datz man an manchen Stellen immer noch nicht weist,'was zum„Durchhalten" gehör:, und daß es in Fraktur einmal diesen Stell-n gesagt werden mutz. Wir lioffen, datz es der Reichstag mm mit aller Entschiedenheit und Deutlichkeit auch tut Freiwillige Fürsorgetätigkeit oder dehörÄliä>c Aufsicht in der Jugendfürsorge? Angesichts der Bestrebungen auf Verstaatlichung der Wohlfahrts- pflege im allgemeinen und der Jugendfürsorge im besonderen per- dient ein in der zweiten Januarnummer des„Zeniraldlarts für Vorm und schaflswesen. Jugendgerichte und Fürsorgeerziehung" iBgrlin. Carl Heymanns Verlag) er- icheinender Aufsatz des Vorfitzenden des Deutschen Kinderschutz- Ver- bandeS Oberlandesgerichtsrat F e i i e n b e r g e r, Celle, über„E r u- heil der Jugendfürsorge" besondere Beachtung. Fersen- berger wendet sich dagegen, datz etwa die Jugendfürsorge sich freiwillig einer behördlichen Bevormundung ausliefere. Man muffe auch sehr kritisch gegenüber den wohlwollenden Ausdrücken wie Anregung, Beeinfluffung uno Sammlung sein, die nichlö anderes alS Aufsicht über Zwcckmeitzigkeil und Notwendigkeit bedeuten würde».„Noch sind die bestehenden behördlichen Jugeiwfürforgeämter nicht stark genug, um die Nacht an sich zu reißen. Noch sind sie auf die freiwillige Mitarbeit der privaien Vereinigungen angewiesen." Für die von Feisenberger gewünschre Selbsthilfe seien zwei Voraussetzungen nötig: die ciferiuchtSlose Unterordnung der eigenen Vereinsintereffen unter die der gesamte« (Organisation). Jugendfürsorge und Einheitlichkeit der Gestaltung Der Verfasser schlägt dann Zusammenschlutz vereinen zu Sonderverbänden vor, die örtliche Mittelpunkte bilden. Diese Sonderverbände mutzten dann wieder ihrer- teils in einem Zentralverband zusammengefaßt sein. Der Zentral-Jugendfürsorgeverband hätte sich ichlietzlich seinerseits wieder in einen grotzen allgemeinen Verband privater Füriorge einzu- gliedern. Feisenberger verrrirt seinen Standpunkt der Freiwilliakeit scharf, wenn er sagt:„Scharie behördliche Aufsicht— und das Herz schweigt. Selbsthilfe, nicht SlaatShtlie gegen Uneinigkeit und Zer- splitterung. Zusammenarbeit mit Kommune, Staat und Reich— nicht Unterordnung! Förderung durch sie. nicht Bevormundung! Gemeinsame Beratung mit den Behörden— nicht Bevormundung l" Wenn aber schließlich„das Verhängnis" der gesetzlichen Regelung nicht mebr aufzuhalten wgre, so solle man wenigstens die Grund- züge durch ein Reichsgesetz und nicht durch ein LandeSgeietz festlegen. Gerade dieser letzte Gesichtspunkt verdient in diesem Augenblick Be- achtung, in dem ein preußisches Landesgesetz über die Jugendämter unmittelbar bevorsteht I Die Aussühningen Feisenberger« verdienen sicher Beachlung. Nicht nur in der Jugendfürsorge, auch in der gesaniten Wohlsahrlö- pflege— diese im weitesten Sinne verstanden, also z. B. die Säug- lirigs-, Tuberkulose-, Trinkerfürsorge— kann behördlicher Zwang jeden sozialen Geist töten und damit den Wert solcher Fürsorge in erheblichster Weise beeinträchtigen.'Aber fie braucht es nichr und darf eS nicht und wird es nicht, wenn der freiwilligen Tätig- keit die Möglichkeit genügender Jnitiarive gelassen wird. Sie darf aber nicht wild wuchern, sondern mutz sich energisch in den Rahmen planmäßiger sozialer Gesamtfürsorge eingliedern. An einem solchen gesotzlichen Rahmen fehlt eS heute völlig. Heute ist soziale Fürsorgeiätistkeit im wesent- licheir solche besonders interessierter Persönlichkeiten, die Neigung und Bedürfnis zur Bcackerung sozialer Gebiete führt. Weil eine gesetzliche Grundlage für diese Tätigkeit nicht bestehc. fehlt fie fast völlig in manchen Gegenden, namentlich auch in stark industriellen Bezirken mit grotzen sozialen Gefahren für die Be- völkeiuug. Zudem herrscht hier eine Zersplitterung und nutzlose Ver- geudung williger Kräfte und von Mitteln, ganz abgesehen von der Ausnutzung der offenen Hand durch unlautere Elemente. Die Wohlfahrtspflege und soziale Fürsorgetätigkeit darf aber kein Ge- biet zufälliger willkürlicher LebenSäutzernngen im Volle sein: sie rst vielmebr in enge Beziehung zum ivirtickafilicheit,- geistigen und sill- lichen Leben zu bringen. Natürlich darf nichts, was sich besier tret entfalten kann, unter die Fesseln des Gesetzes gelegt werden, den frei- ivilligen Kräften darf die Täligkeir nicht verleidet iverden. Mehr denn je müssen die im Volke schlummernden Kräfte zu sozialer Arbeit freigemacht werden. Am besten kann daS dort geschehe», wo sie auch gewissermaßen persönlich interessiert sind, in der Gemeinde. Bei der durch den Krieg geförderten Erkenntnis der absoluten Not- wendigkeit rationellster Menschenökonomie wird sich für jeden Kominmialbezirk der Nahmen für ettt gewisses Mindestmatz von sozialer Fürsorge vorschreiben lassen. Das kommunale Fürsorge- amt wird die organisatorische Stelle sein müssen, in der sich für die freiwillige Betätigung auf sozialhygieni'chein oder dem Gebiete der öffenilicherr Wohltahnspflege die beste Gelegenheit böte. Wir iehen darin kein„Verhängnis", sondern eine dringende Notwendigkert. Darin allerdings stimmen wir Feisenberger zu. datz die.Grundzüge, der Rahmen, hierzu atki besten durch Reichsgeietz geschaffen werden. Verantwortlich für Politik:(kr ich Knirncr, Berlin: für t>en übrigen Teil des Blattes: Äifred Scholz. NeukSlln: für isnzeige:!: Th. Glocke, Berlin. Druck u. Verlag: Vorwärts Birchdrnckem ri. VerlagSansralt Paul Singer& Co., Berlin SW. 63, Lindenltt. 3. Hierin 1 Bf ii an r und Uule rdal lunasblatt. ..'mbtte Geschäftes ist deshalb eine fs gewaliige, Neil Sie bei uns fo Vszug auf Oamenkleidung eine allumfassende Auswahl sindsn. Das Ve» ziehi sich gleichsrmoKen auf die Kleidungsstücke selbst, wie auf die Größen und Wslien, und auch auf die Preislage. Sie müssen e&i« bei uns das finden, was Sie suchen. Könlgstr. SS Dm Ocsalaüs gefdiJaifrai Nr.2H ♦ ZS. Jahrgang WJEBUBBSW Seilage öes vorwärts Dienstag, 2H. Januar 1915 GroßBerÜn Erklärung öes Setriebsperfonals öes �vorwärts". Tie Arbeiter und Angestellten des„Vorwärts�-Betriebes haben gestern abend in einer Betriebsversammlung ihre Sympathie für den im Gang befindlichen Dcmonstrationsstreik ausgesprochen. Sie erklären, zu dem Zwecke weiter zu arbeiten, daß eine Stelle für die Arbeiterbewegung erhalten bleibt, von der auS'sic gegen die An- griffe ihrer Gegner verteidigt werden kann. Tie Strahenbahntariffrage. Unter dein Vorsitz des Oberbürgermeisters Wennuth trat der VerbandSausschust des Verbandes Grost-Berlin gestern im Ralhause zusammen, bin nochmals zu der von der Grohen Berliner Straßen- bahn beantragten Tariferhöhung Stellung zu nehmen. Da eine Einigung nicht zu erzielen war, wurde nach kurzer Beratung be- schlössen, diese Tariffrage einer demnächst einzuberufenden Boll« Versammlung des Verbandes Groß-Berlin zur endgülligen Beschluß« fassung zu unterbreiten. Wie wir hören, wird das Kriegsamt am nächsten Mittwoch sich auf Antrag der Angestellten der Groß- Berliner Straßenbahnen mit der beantragten Gehalts- und Tarif- crhöhung beschäftigen._ Die Erschlichung der staatlichen Ländereien. In der gestrigen Sitzung des Verbandsauss-busses Groß-Berlin wurde auch über die gegenwärtige Lage hinsichtlich der Erschließung der staatlichen Forstländereien zu Stleinhau-siedelungen verhandelt. Es sollen bei der Slaatsregierung weitere entschiedene Schritte in der Richtung unternommen werden, die die Berbandsversammlung in ihrem letzten Beschluß zu dieser Frage vorgezeichnet hat. Ueber daS Ergebnis der Verhandlungen soll in der nächsten Sitzung des VerbandSauSschusseS Bericht erstattet werden.'— Die dem Verbandsausschutz zur Begutachtung vorgelegten Bebauungspläne wurden durchweg gutgeheißen. Hervorzuheben sind, ein Plan zur Erhaltung der Promenade der Grünthaler Straße im Norden Berlins an der Pankower Grenze und eine Reihe von Spandauer Bebauungsplänen. Traut die Polizei nur ihren Augen? Bei Abhebung von Ruhegeldern, von Witwen- und Waisen- geldenr oder anderen Unterslützungen fordern manche Behörden den Nachweis, daß die betreffenden Personen noch leben. Man kann diese Vorsicht nicht übelnehmen; denn eö war schon da, daß für bereits verstorbene Personen das auf ihren Namen auszuzahlende Geld durch Unberechtigte in betrügerischer Absicht noch weiterbezogen ivurde. Vorlegung von L e b e n s b e I ch e i n i g u n g e n fordert auch eine staatliche Munitionsfabrik, wenn sie für die Frauen und Kinder ihrer zum Heeresdienst einberufenen Arbeiter die ihnen zu- gebilligten monatlichen Unterstützungen zahlt. Eine in Berlin wohnende Kriegersrau, die von dieser Fabrik für sich und ihre fünf Kinder Unterstützungen erhält, klagt darüber, daß man ihr auf dem Polizetbureau bei Ausfertigung der Lebensbescheinigung unnötige Schwierigkeiten gemacht habe. Dort habe ein Beamter verlangt, daß sie zunächst nial ihre fünf Kinder mitbrächte und der Polizei vorwiese. Er wollte offenbar sich mit eigenen Älige» davon überzeugen, daß die fünf Rinder wirklich nnd wahe hastig noch alle am Leben waren. Die Einwendung der Frau, daö erst neun Monate alte jüngst« Kind befinde sich nicht wohl, habe— sagt sie unS_— leinen Erfolg gehabt. Der Beamte habe ihr achsel- zuckend erklärt, es lasse sich nun mal nicht ändern, die Kinder müßten eben olle in Person vorgestellt werden. Treffend ant- wartete ihm die Frau, daß bei etwaiger Betrugsabsicht sie ja ein sremdeö Kind als ihr ctgencS vorweisen lönnte. Aber sie mußte sich, fügen und alle fünf Kinder herbeiholen, auch das süngste, obwohl damals— es war gegen Ende Dezember— rauhe Witterung herrschte. Sie bat jetzt im Januar, als sie wieder die Lebensbescheinigung für die Abhebung der am Monats- schlutz fälligen Ubterftützung beantragte, unaufgefordert sogleich den ganzen Kinderschwarin mitgenommen. Soll sich das nun Monat tür Monat so wiederholen? Auf einem anderen Polizeibureau, zu dem dieietbe Frau früher gehörte, wurde ihr niemals zugemutet, zur Ausiertigung der Lebenöbescheinigung die Kinder mitzubringen. ES ist ungewiß, ob diese Forderung nur auf dem Mißverständnis eines übereifrigen Beamten beruht oder ob tatsächlich allen Polizei- bureauS eine derartige Vorschrift gegeben ivorden ist. Trifft etwa das letztere zu— vielleicht können andere Kriegerfrauen uns mitteilet,, welche Erfahrungen sie auf den Polizeibureaus ge- macht haben dann müssen wir schleunigste Beseiti« p u n g dieser sebr überflüssigen Schererei fordern. Wenn die Polizei wissen will, ob die zu unterstützenden Frauen und Kinder nocki leben, so kann sie das leicht aus ihren Meldebüchern feststellen, daß die Meldung eines Todesfalles erheblich verzögert oder ganz unterlassen wird, dürste eine seltene AuSiiuhme fein. ES ist also durchaus unnötig, daß ein Polizeibeamter bei Ausfertigung der üebensbcscheiniguiig persönliche Vorstellung der Frauen oder gar auch der Kinder fordert. DaS Polizeipräsidium sollte alle» Polizei- bureaus das ausdrücklich verbieten. � AuS der Deputation für Arbeitsnachweis. Der Verband der Portiers hatte darüber Beschwerde geführt, daß der ArbeitönachiveiS für das Handels- und Transport- gewerbe auch Portiers vermittle. In einer der letzten Sitzungen beschäftigte sich die Deputation bereits mit dieser Angelegenheit und fiißte folgenden Beschlutz:„Der ArbeitSstachwcis für das Handels-, Transport- und VerkehrsgewerBe ist nur zilständig für gewerbliche Arbeiter im Handels-, Transport- und VerkehrSgcwerbe. Für alle übrigen Stellen ist der Arbeitern achlvciS für Portiers pp. zuständig. In Zweifelsfälleu soll möglichst der Arbeitsnachweis für Portiers wohlwollend berücksichtigt werden." Mit dieser Entscheidung er- klärte sich der Verband der Portiers nicht zufrieden und legte er- neute Beschwerde ein. Tie Deputation erklärte sich jedoch außer- stand-, von ihrem früheren Beschluß abzugeben.— Zu Werbezwecken für eine bessere Benutzung des ÄrbeitsnachiveiseS für Gastwixtsgehilfen wurde von den Interessenten eine Bei- hilf« von 2000 M. verlangt. Die privaten Stessonvermittler im Gastwirtsgewerbe suchen die Lokal« auf, um ihre Nachtveise in schüfe des Verbandes Deutscher Arbeitsnachweise mit dieser Frage beichäftigeu. Ülusdriicklich erklärte jedoch die Deputation, daß, wenn eine Garantie übernommen werde» sollte, ein solcher Beschluß nur für die männlichen G a st w i r t s g e h i I f e n Geltung haben solle.— Beschlossen wurde ferner die Einführung van Ein- sch r« i bek a r i c n für die die Arbeitsnachweise benützenden Personen. Die Einführung einer O r d n n n g S st r a s e für»er- loten e Kartei,, die vom Referenten des Magistrats befürwortet wurde, wurde abgelehnt.— Für die Abteilung für n n- gelernte Arbeiter des städtischen Arbeitsnachweises soll, ent- sprechend der Einrichtung bei den übrigen FachOTbei! snachwei sei i, ein Kuratorium, bestehend aus je vier Arbeitnehmern und Arbeit- gebern und Vertretern des Magistrats, gebildet werden. Der Aus- schüfe für Gutachten und Anträge am Gewerbegericht Berlin soll ersucht werden, für dt« Besetzung dieses Kuratoriums gecigneic Vorschläge zu machen.— In längeren A use i nandersetzunge n be- schästigte sich sodann die Äeputatton mit dem.Entwurf eines ab- geänderten Statuts für den Verbau d Märkischer Arbeitsnachweise. Em von der Deputation eingesetzter Untcransschufe bat den Entwurf geprüft und eine Reihe neuer Vorschläge und Zusätze gemacht, die insbesondere der Stellung der Stadt Berlin und der WirtschafiSgemeinschaft Groß-Berlin mehr gerecht werden, als dies bisher der Fall war. Die von dem Unter- auSschufe so abgeänderten Satzungen wurden genehmigt.■ Wiederaufnahmt deö Betriebes auf mehreren Straßenbahnlinien. Seit oestern hat die Große Berliner Straßenbahn den Betrieb aus den Linien S7, 50 und T wieder aufgenommen uni>_ die Linien 32 und 46 bis zu ihren fahrplanmäßigen Endpunkten Görlitzer Bahnhof bezw. Fichtestraße wieder durchgeführt. Von heute verkehrt wieder die Linie 24 sGroßgörschenstraße bis Berliner, Ecke Scharnweber- , strotze); ebenso werden mit diesem Tage die Linien 20 und 01 bis zu ihren fahrplanmäßigen Endpunkten Lichtenberg, Viktorraplatz bezw. Steglitz, Bismarck-, Ecke Bergstraße, wieder durchgeführt. LebtnSmittelschieber. Auf Veranlassung de« Kriegswucheramts wurde der Kaufmann Alfred Sewelch, Eharlottenburg, Maitz- straße 12. der auf feinen Gefchäftspapieren als„Oberleutnant a. D." sinnierte, festgenommen und in das IlntersuchmrgSgesäilgnis eingeliesert. Er hat, ohne im Besitz der Handelserlaubnis zu sein, fortgesetzt Geschäfte über Lebensmittel aller Art für Großbetriebe unter Ueberschreitung der Höchstpreise abgeschloffen, u. a. auch den Versuch gemacht, Erbsen für Speisezwecke gegen Saatkarten Waggon- weise zu verschieben. Die von der Interessengemeinschaft deutscher Beanitenverbimde zum 29. Januar, abends S'/a Ubr. in den Germania-Prachtsälen anberaumte Versammlung bezüglich der Erhöhung der Krieg«- teuerungSzulagen muß au« besonderen Gründen um einige Tage verschoben werde». ZirkuS Krone. Der jetzige Spielplan hat nur noch bis Ende dieses Monats Bestand. Ab 1. Februar wird unter anderem auch Nora, das dressierte Nilpferd, seine Künste zeigen. lll>arlottcnb«rg. Lebensmittel. Bis estrschließlich Sonntag wenden auf Abschnitt 2 der Groß-Verl in er Nährmitdelzusatztarte für Jugendliche 100 Gramm Weizengrieß in den Kolonialwaren geschäften ausgegeben. Vom Donnerstag, den 31. Januar, bis Sonnabend, den 9. Februar, werden verabfolgt:% Pfund Inlands oder Südfruchttnarmelade(Pfund 90 Pf.) oder'A Pfund Aepfek kompott(ÄuSlandstvarc)(Pfund 1,20 M.i, je nach Vorrat, auf ühb- fchnttt 177,% Pfund.Kunsthonig auf Abschnitt 178 je nach Vorrat. 75 Gramm Weizengrieß und 76 Gramm Teigwaren, beides zu fammen auf Abschnitt 3 der Groß-Berliner Lebensmittelkarte. Die Z u f a tz z u ck e r ko r tc n für Kinder im 1. Lebensjahre und für Kinder im 7. Lebensjahre über% Pfund Zucker monatlich sind vom 29. 1. bis 6. 2. von den Empfangsberechtiatcn bei den Brottommissionen werktäglich von 10—1 Ubr gegen Borlage am!« sicher Ausweis« über das Alter der Kinder abzuholen. Vom 1. 4. ab erfolgt die Zuteilung der Zusatzzuckerkarten für Kinder im 1. LebenSjichre über 1 A Pfund, für Kinder im 2. Lebensjahre über 1 Pfund, für Kiwder vom 3. bis zum vollendeten 7. Lebensjahre über V« Pfund Zucker durch Vermittlung der Hausbesitzer. Vom Freitag ab werden versuchsweise die Berechtignngskaricn für Grieß, Graupen und Teigwaren, aber nur für diese drei Waren sorten, nicht nur lvic bisher in den 30 städtischen Verkaufsstellen, sondern in demjenigen Koloniallvarengeschäft eingelöst, in dem der Empfangsberechtigt« in die Kundcnlifte eingetragen ist. Neukölln. Prtrvlcihnvcrsorguug. Wie unS von amtlicher Stelle mitgeteilt wird, sind die der Stadl für den Monat Februar zu gewiesenen Pctroleummengen sehr gering. Infolgedessen inüssen die für Januar abgegebenen Wochenmengcn erheblich geknrzl iverden Neue Anträge auf Bewilligung von Pelroleummarken lonnen man» gmS vorhandenen Petroleums nicht beiücksichtigt werden. Die In Haber von Petroleumkatten werden gebeten, nur die unbedingt nob wendige Menge einzukaufen, damit wenigstens diejenigen Haus- Haltungen Petroleum erhalten, die weder Gas- noch elektrische L'.chk leitung in ihrer Wohnung haben. Eine Nachlieferung von Pclro- lemn auf Abschnitte vergangener Wochen ist nicht möglich. Lichtenberg. LcbeuSmittcl. In dieser Woche werden auf die Kartoffelkarten fünf Pfund Ä a r t o ff e ln verabfolgt, zwei Pfund werden dem eisernen Bestand entnommen. Auf die Abschnitte 176 8, K, G, J und E dürfen für die Zeit vom 1. bis 16. Februar je 376 Gramm Zucker entnommen werden. Wer an Stelle des ge- wohnlichen GebrauchSzuckers Kandiszucker zum Preise von 60 Pf. für ein Pfund beziehen will, muß seine Anmeldung in einer hiesigen Apotheke oder, Drogerie ersolgen lassen. Die Käufer muffen diese Llbschnitte bis zimi Mittwoch beim Verkäufer abgeben. Der Verkauf des Zuckers darf erst vom 2. Februar ab erfolgen. Die Käufer werden ganz besonders darauf aufmerksam gemacht, dafe Nach anmeldungen nach den» festgesetzten Anmeldeterinin nicht mehr be rücksichtigt werden können. Außerdem erhalten Kinder im ersten Lebensjahre einen monatlichen Zuckerzusatz von!>/„ Pfund. Kinder im zweiten Lebens jabre einen solchen von l Pfund. Kinder vom begonnenen 3. bis zum vollendeten 7. Lebensjahre einen Zuckerzuiotz von'/o Piund. Die hierzu erforderliche Verordnung wird demnächst vervffenUichl. Auf Abschnitt X6SK: Frische Fluß- und Seefissche, Abschnitt 164: Räucherwaren, aus Abschnitt 18lE; Heringe zu 1,80 M. das Pfund. Für den Kauf von Fischen und Fischwaren erfolgt eine Voran- Meldung in den Geschäften nicht. nisien angepaßt habe», beivilligtc die Deputation den Betrag von zunächst 1000 M,— Im Gastwirtsgeiverbe besteht ferner die üble Elepflagenheu, daß der Arbeitsoermittler gegenüber dem Unter- nehmer für einen Schaden bis zu einer bestimmten Höhe haftet, wenn der Gaftwirtsgchilfe sich Veruntreuungen zuschulden kommen läßt. Die Deputation hatte die Frage zu erörtern, ob«ine solche Verpflichtung auch für die Kellner und Kellnerinnen, die durch den städtischen Nachweis vermittelt werden, übernommen werde» soll«. Ein Teil der Deputation stand auf dem-Standpunkt, dafe von einer Haftung nicht gesprochen werren könne, während ein anderer Teil auf dw Gepflogenlxiten im Gastioirlsgetverde hinwies. Lehne die Deputation eine Garantie grundsätzlich ab. so liege die Gefahr nahe, daß die Unternehmer im Gasttvirtsgetverbe die private Stellen- Vermittlung bevorzugen weichen. Auf Anregung des Direktors des städtischen Arbeitsnachweises wird sich demnächst csil Unteraus- In der Zusammenstellung der in kommenden Lebensmittel hat sich Wilmersdorf. Lebensmittel. der laufenden Wockie zur Abgabe ein Fehler eingeschlichen. Es muß heißen: Von Mittwoch, de» 30, Januar bis Sonnabend, de» li. Februar auf die Bezugskaite für Einzelpersonen 260 Gramm Kunsthoulg(Abschnitt ü) und 126 Gramm Speistsirup(Abschnitt X).___ Weißensec. Aus der Gemeindevertretung. Tie Errichtung einer weiteren Zweigstelle der Gsmemdesparkasse im Hause Berliner Allee 91 wurde beschkosseu. Am 16. Februar soll an die Beamten, Angestellte» und Arbeiter eme einmalige Teuerungszulage aus- gezablt werden. Sie beträgt für die Beamten und Angestellten bis zu einem Einkommen von jährlich 11000 M. je 200 M. und für jedes Kind bis 18 Jahre, je 20 M.; für die Unverbeiratete» 150 M. Bei den Arbeitern erfolgt i»« einmalige Zulage nach den bestehenden Sätzen wi« die monatliche Teuerungszulage mrd Kricgsbeihilfen zu- sammcn beträgt. Die Verlegung der Straßenbahnhaltestellen hatte die Gemeindevertretung veranlaßt, eine Beschwerde«n den- Minister für Handel und Gewerbe zu richten. Der Erfolg ist der, daß die Haltestelle an der Berliner Allee, Ecke Remibahnstraße, verbleibt und die Haltestelle am Schloß und Lindenallee um eine Straße weiter nach der Wörthjtraße verlegt wird. Um der bestehciiden Wohnung-:- not zu begegnen, wurde ein Antrag an den Kreisauoichuß gerichtet, die Gründung einer«siedlungogvnossenschaft in die Wege zu leiten. Für diese Gründung soll nicht nur der Kreis, sondern auch der Staat und die Industriellen interessiert werden. Die' Gemeinde will sich ebenfalls für die Genossenschaft interessieren und eventuell geeignetes Gelände für diese Zwecke zur Verfügung stellen. Außer- dem würde noch die Wahl eines Schöffen vorgenommen; es wurde dc-r bisherige Schöffe Rothe wiedergewählt. Britz. Anmeldung für Saatgut. Die zum Bezüge von Saatgut (Getreide. Hülsenfrüchte usw.) erforderlichen Saatkarten sind in der LebenSmilteistelle Rochow-, Ecke Hippetstraßc zu beantragen. Bei Stellung der Anträge müssen die nötigen Nachweise über Größe nnd Lage deZ Landbesitzes beigebracht werden. Die Erledigung der Anträge erfolgt in der Reihenfolge der Anmeldung und nimmt, da die höhere VrrtetlungSbehvrde darüber entscheidet, einige Zeit in Anspruch.__ NvwaweS. Lebensmittel. Heute findet auf Abschnitt 16 der Berkaut von Räucherwaren statt. Der andauernde Rückgang der Milcherzeugung macht es erforderlich, daß von jetzt ab auf die Milchkarten zu l Liter eine Menge von nur B/4 Liter abgegeben werden darf. Auf Abschnitt 2 der neuen Lebensmittelkarte findet die Ausgabe von Marmelade statt. Die Anmeldung hierzu muß heule und morgen bei dem Kleinhändler erfolgen. Aus Ab- schnitt-3 findet die Ausgabe von Sardinen in Oel und B r ü h e statt. Die Anmeldung muß heute oder morgen bewirkt werden' — Ausgabe von Lebensmittelkarten für Jugendliche. Für fugend- liebe Personen vom begonnenen 8. bis vollendeten 17. Lebensjahre erfolgt die Ausgabe von Lebensmittelkarten in der Lebensmittel- karten-Ausgabestelle, Priester ftr. 81, und zwar für die Bezugsberech« rigten mit den AlnanaSouchstaben„A" biß ,E" und„L" b i S„H" a m 30. d. M tS, vormittags 8—1 U h r, für die übrigen VezugSberechligteir„F* bis„K" und ,8" bis„Z* am 31. d. MtS.. vormittags 8—1 Uhr. Auf Grund dieser Lebensmittelkarten sind die Jugendlichen zum Bezüge von Zusatz- Portionen an Nährmitteln berechtigt..Die Abholung der Karlen. muß durch die HauShaltungSvorstände erfolge». Als Ausweis für die BczugSberechligung sind die Geburt«- bezw. Taufscheine vor- zulegen.____ Groß-Serliner parteinachrichten. Spandau. Der Sozialdemokratische Wahlverein hielt am 21. Januar eine gui besuchte Mitgliederversammlung ab, in der der Geschäfts- und Kasseirbericht erstaltet wurde.- In beiden konnte' von einem rüstige» Fortschreiten der Organisation berichtet werden. Sodann hielt der-Abgeordnete des Kreises, Genosse Stahl, einen Vortrag über„Die politische Lage". Red» er schildert« die Ereignisse in Brest-Liiowsk und kommt auch auf die Kanzlerrede im Hauptausschuß zu sprechen, dl« wieder Klarheit in den Kriegszielen vermissen lasse. Leider sei die politische Situation sehr verfahren durch die Treibereien der Alldeutschen, die ihren ganzen Einfluß in Hof- und Regierungskreisen aufbieke-n, um einen VerständigungS- frieden zu hinicrtreiben. Die Reichstagsfracktion stehe vor folgen- schweren Entschlüssen, wenn die Regierung sich, wie es den Anschein habe, in daS Schlepptau der VaterlandSpartei nehmen lasse. Dann könne und dürfe die Fraltion eine solche drehbare Politik nicht mehr unterstützen. Die Ereignisse in Oesterreich seien für die Regierung ei» deutliches Menetekel, au dem sie nicht achtlos vorübergehen sollte, Die Geduld des Volkes ist nahezu aufs äußerste gefpanni, deshalb müsse die Arbeiterschaft alles daransetzen, daß ein recht bal- diger Frieden der Versöhnung der Völler zustande komme. Aufgabe deL Parlaments und insbesondere unserer Fraktion müsse es sein, die Regierung zu klaren und im Sinne der ReichStagsreso- lulion vom 19. Juli 1917 sich bew-cgeiiden Erklärungen zu veran- lassen, denn es sei wahrlich Zeit, daß anstatt einer neuen Offensive im Westen eine allgemeine Friedensoffensive jetzt einsetze. In der aitschlicfeciiben Diskussion sprachen sich alle Redner im Sinne der Allssuhrungen des Referenten aus und gaben ebenfalls der Meinung Ausdruck, daß alles darangesetzt werden müsse, nicht npr einen Sonderfrieden, sondern den allgemeinen Weltfrieden zu erreichen. Den Bericht über die Verhandlungen mit- dem Magistrat über die städtische Lebensmittelversorgung gab Genosse I a H n k e. Redner teilte mit, daß in einer außgievigen Aussprache mit der städtischen Kriegßkommission und dem Magistrat alle Beschwerden dargelegt wurden. Der Magistrat versprach eingehende Prüfung und Be- rücksichtiguna der vorgetragenen Wünsche und Beschwerden. An- geblich sei schon alleS gesckelstni, damit die Bevöllerung gut versorgt würde. Redner ist der Meinung, daß der Magistrat leider nicht i» vollem Maße seine Schuldigkeit getan habe und überaus rücksichtsvoll gegenüber denjenigen GeschäftSleiiteli. austrete, die sich Preiswucher und soiistiae gegen das Interesse der Gesamtheit ver- stoßende Unregelmäßigkeiten zuschuldest kommen ließen. In der Tasknssioii wurde seist darüber geklagt, daß der Magi- strat den jetzt in Spandau zu tarnenden vorhandenen Afterniietern keine Kohlenkarten aushändige. Di« Stadtberovdnetsn sollen dies- bezüglich sofort mit dem Magistrat in Verbindung treten. Ferner sei der Ausschuß für Verteilung der Lebensmittel erst einmal zusammengetreten und wurde dessen Zusammensetzung ebenfalls sehr kritisiert._ flus aller Welt. Die gröstte Dampfmühle Wiens niedergebrannt. Die größte Dampfmühle Wiens, die von Kaiscr-tEbersdorf. ist in der Nacht vom Sonnabend auf Sonntag mit ihren gesamten Vorräten an Getreide und fertigen Mahlprodnklcn vollständig nieder- gebrannt. Ebenso sind alle Maschinen und Treibriemen, also daß ganze Inventar der Ljliihle, verbrannt. Der Schaden ist zum größten Teil unersetzlich und wiegt deshalb sehr schwer, weil diese größte Mühle Wiens auch für die Versorgung der Rcichshanplftadt eine große Rolle spielte. Plünderung eines Kaffeehaufes in Brest. Eine Bande von Anamiter» und indochinesischen Arbeitern griff in Brest das Cafä Larvoc an, plünderte es vollständig und verletzte die Anwesenden schwer. Herbeigeeilte Polizisten wurden von den Anamitcrn angegriffen und mußten sich unler Zurücklasiimg mehrerer Posten in da- Polizeikommissariat des Handet-shasens flüchten, Ivo die Farbigen sie längere Zeit belagerte». Die Uebeltäler wurden nicht bestraft._ ßrauen- Leseabenüe. SchSnebcrg. Heute«st, Ufr ftraucn-Sefeadend bei<5rofj. Sedan- stratz« 17. Bort rag au« dem Leben deutscher FreiheitSdichtcr und ihren Äcrlcn.__• SAetterausnchteu für d«S mittlere Rarddeuttctiland vis Mittwoch mittag. Ju de» Mittagsstunden heiter und ziemlich mild, sonst vorwiegend nebelig, in der Nacht zu Mtltwoch vielfach Frost. Ar!ef?asten der Neöaktwn. ®- Ich. 10. Btt der» angegevcucn. Einkommen kann die geiau.ic Nüter'lutzunlj entzogen werden.— i». A. C.«, 61. Sie daben auf I eiöes keinen Anspruch.— Mandern«S. 9«. 1. 25 M. EiikdnidilNgS fönen, für ekieiituellc ärztliche Behandlung 10 M., Vocheiigcid von l M. toglich für 57 Tage und 50 Ps. Zlillaeld für 85 Taqe. L.�Dic Lröbe der «.entschädig mig ist uns nicht»ekamit. Nicht Jdre Krau, sondern Jic inüiseu den Antrag beim Truppenteil einreiche«.— St. Tt.«1. Die Zulage »Uchte Jbnen doch vom 1. 7. zustehen. Wenden Sic sich an einen der dortigen Gemeindevertrcter.— R. W. 1000. Die dortige Gemeinde wird eine Erhöhung der llnierslükung nicht»orgenommen habeu, sie iit dazu nicht verpflichtet.— M. ISO. Nein.— Ttreirfragr. 1.<>■:. Ircttcht in dem Falle kein Anspruch aus Unterstützung.— 2. Die Nuwailschatl lebt wieder auf. trenn 200 Marke» geklebt bud.— — A. P.»3. Auch vir Slaaislmterjiiihimg tonn bei deni an- gegebeneu Äerdieust entzogen werdeii. E.-ti. Ät. Die Bc- glaubigiing der Unterschrift durch den PolizciWachlmeistcr tbar nickt nötig. €h das Testament rechtsgültig'st, könnten mir nur nach Einsichtnahme sagen.— M. SS. 5t. Uli. Die Mutier tonn über ihr Eigentum bei Lebzeiten irc! vcrsiigen: der Verkauf wird nicht onzuscchten iciu.— Genosse 816. R-ir find mich der Meinung, dag Sic zur'.'Ibgabe der Kuh nicht verpflichtet werden können sXhrc Fron soll sich mit einer Beschwerde au den Laiidratz nrendcn.— Zi. S. 17. Anleitung dazu erhalten Sie bei »ins in der rsprechsttlndc.— F. 5t.>00. Nur wenn Bedüritigieit wach- gewicien werben kann.— Gertrud. IUI. 1. Der Wirt war dazu nicht vcrvslichtet, Sie daraus autmcrifam zu machen und die GaSanilait kann nicht gezwungen werden, zzhnen einrn Gasmesser zu setzen. 2.>sic lönmen sich dadur ch grosie UnannekmIIchkeiieii machen, da der Gasmesser doch nicht Ihr Eigentum itt. o. Za. denn nicht jeder Einwohner bat Gasbeleuchtung. —(5.-f»- 1. Wenden Sic iich an die Vorjührerichule deo Vereins per Berliner Kinothtaterbrsitzer, Fricdrichjtr. 207.— Brandt. Kanu nicht uö- gezogen werden.—.f». P. 87. l. Postaushilsenbej ckaffungsstellc Berlin G, Königslr. 50. 2. Magistrat Berlin, Siathans. lt. Kgl. Eisenbahndireklion Berlin W, Schöneb erger User 1/4.— B. M. Wenden Sie sich au Ihre zuständige Polizeibehörde.—(v. B- 33. Diese Bezeichnungen sind uns unbekannt.— Zlvei streitende Feldgraue. 760. Aus 1 Kilogramm Feingold werden 2790 M. ausgeprägt.— IS. 27. Bon der 27. Woche an würde Ihnen Krankcnrcnte gezahlt. Airlrag ist Heim Versicherungsamt, Klosterstr. 65, zu stellen.— Alfred 21. Ach, das ist sa Schwätze»«, der Soldat hat das abzuliefern.— M.B. Ghr. Schiiten Sic doch man schleunigst Ihre Selbilcinschätzuiig noch ein.— A. B.!>»!>. La, ist mit steuerpslichtig. äliroiebioo Jlax iisiirlaarät. Mkester. 7 Vstr: Oon Carlos. Kammersplele. "'/j Ulir: Kinder der Freude. Volksbiilme. Theater am Bülowplatz. Untergrundb. Schönh. Tor. 7'/.Uhr: Die Hermannschlacht. Uir. C. Meinhard— R. Bernauer. Tiisater g. Königgrätzerstr. 7'/, ü.: Der Ealzenstcg. Komödienhaus r(8Ubx: Die beiden Seehunde. Berliner Theater 71/2U.; Die tolle KomteB. URANIA 8 Uhr: Der Siegeszug nach Venetien. 8 Uhr: Prof."Dr. F. Lampe: Oesterreichisch-ungar. Lande. Casino-Theater Lothringer Str. 57. Tägl.'Iß U. Der neue aktuelle Schlager Hamsterfritze. Berliner Posse in 3 Auszügen. Borher das neue Januar-Progr- lliiiet, Berne»», prinr, 2 Ewas. Sonnt. 4 U.» Die Friedenstaube. N ATION AL-TfiEATERi Cöpenirker Str. 68, 5 Jim..Tarmowitzbrüctze. 83, 88, 87, 19. 11, 22. 29. 28, 1, 2. 3, 4, 6. 36, 37, 45, 49, UiitersTUudbahn: Inselbröcke.! 71 Jjhn Kin l'.rfolg, wie er seib„Ueber'n großer, j 2 ULI. Teiob" in dem Theater nicht dagew.ist. Die ist richtig I.... Gr.Possein.Ge,i.u.Taiizi..jA vXippsphütz. Mus.: Bromme. I Vorverk,: 10—2 u. ab 6 Uhr. Rcchtz. Billette besorg Preise d. PI: 1,50-8 M. Sonntasr.S'h: Siüdentenliefcohen Theater für Dienstag, 29. Januar. Metropol-Theater ?'/. Uhr; Central-Theatep Kommandantenstraße 57. 7'/,: Die Csarda8lHr8tin Deutsches Opernlians l'rstamff.: DjS HlipROttEII. Friedricb-Wiihelmst. Theater '■/»ult: öas Dreiätierlläus. Kleines Theater 7'f„ Uhr: UAlllö. Komische Oper � 1 s�StorawElöffläöcl liiistsplelhaus 7»/, Uhr: üikWMNiiekv.UMM Neues Gperettenhaus Schiffbd. 4a. Kassent. Nd. 281 w.uhr; fiep SoMattler Marie. - /4: fiie Rose von Stamtai. fte.itlenz-Theater uhr: Lili Grün. (!>chiller-Tlieater O 7',-vhr: Die wie Jag! Schllier-Th. Chart. 7V, mu-: Scieiiler Viel. Thalia-Theater tzrtL'.. Egoo liDd seine Frauen. Theater am Noileadoriplatz 7 Uhr; wt wm Theater«les Westen« 7vJuhr:DerTErlie!ite Rerzog mit Guido Thielscher Ketzte Tage! Anita Berber Trade Hesterberg Kurt Fuss Jan Paul sowis der große Januar-Spieiplan MMM, Täglich 7-/z Uhr: „Der lustige Landiseiirinann" Clifl' Carran »isw. Zum Schluß; Kondfabrt IVlasrReaii lieTork seif I O V 55 Jean Holze M/XfV» BU RO, TL Rauchtabaik nngcstreckt,'Ucbcrsceware, grob, n. Schag. a Pfd. 15,� M. Bei 10 Pfd. a 13,50 M. 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Frisdriehstr. 213. 7'/, I fZ Allralklianen\ Au6erd. d. Stimmungsb. Seemannsleben. BTheaterkasEe ab 10ü.| | unppterbr. geöffnet. Trianon=Theater Georgenstr., 3hf. Friedriohstr. Tel.: Zentrum 4927 und 2391. Uhr Def".8Uhr Lebensschüier. Komödie von Ludwig Fulda. Ida Wüst, Erich Kaiser-Titz, v. Möllen dorff, Mart. Kettner. Stg. 31/, kl. Pr.: Hedda Gabler. Adiuiralspalast vi, Uhr: Deutsche Tünte von Schnbcpt. Abrakadabra. Walhalla-Theater. 7% Uhr: M 90(9« SM. Kekanntmachnllg. Zur Bcrmeidung von Gastiergiftungeu und Gas- »'tzplostouen»iiochcu»vir datauf aufmerksam, das! un- mittelbar»och der Benutzung von hiochplatten, ziochern, Stchlampen usw. unter alle» Umstände» die an den Gas- leiliinget, augebrachten T cht auch pähne, an welchen die Schläuche snr die Gasverbranchszegenstönde befestigt sind, zu schlichen sind. Bei den mir Schlatichankchlnfsei, versehenen Köch- platten. Kocher», Lampe» und anderen Gaeapparateu, welche selbst mit Hähnen versehen sind, liegt die Gefahr vor, das«, wenn nur diese Hähne geschlossen werden, der Schlauch durch einen Zufall(Aufplatzen usw.) abfällt und das Gas dann frei ausströmen tann. Ferner ersuche» wir diejenige» Gasabnehmer- die Gas durch Gasnutomaten beziehe» und einzelne Näume mit Gasvenuuiing abvermietet haben, auch ihren llnter- Mietern zur Pflicht zu machen, diese Masmcilinicu zu treffen. Bei den Gasantoniate» liegt ferner die Gefahr vor, dafl, sobald das durch die etngeworfeuen Eeldstüite de- zahlte«las verbraucht ist. die Flammen bei den offen- stehenden Hähnen verlöschet,. Wird nun das Autowatwerk von dritter Hand durch Einwurf von Geldstücke» wieder beiätigt, so tanu Gas aus den offen gebliebcne» Hähnen tiuberbrauut er.» weichen und schwere Gef-itzrdunoen herbeiführe». GS ist die Pflicht eines jeden einen Automaten in Tätig- keit Versetzenden, fleh davon z« üverzengen, ob nicht offenstehende Hähne vorhanden sind, ans denen Gas un- verbraucht eutweicht. Berlin, den 17. Januar 1S18. M»« Ser slSMen MMle. Schimming. Leiizc. J.-Nr. Öl» Sri. 1 18. Zigarren, !! Rauch- 9 kau- 9 Sc�rsiüpf- Tabake» Max Ziegenhals,| Neue Königstraße 70.'% 1000 Mark Belohnung! Dienstag am Spätnachmittag wurde am.itursürstendamm 78 ein Ztveispänncr- Fuhrwerk(Hraucreiwagen) mit einem Fnchswallach stedites Auge blstid) und braune» Stiiic lKrötzc 1,70, wotzlgcnäbrk) bespannt, gestohlen. Der Wagen war dunkelrot gestrichen, mit gefüllten Spiritus-Vlcch-, Korbstaschen und Fässern beladen. Derjenige, der über die Täter oder Vcr- bleib des Fuhrwerks oder de»' Ladung Angaben machen kann, erhält Belohnung bis zu obigem Behage. MiUciliingei! erbeten an das Berliner Polizei-Reoier Ar. 26 und an 14. äc W. Müller. Berlin S, Buckower Str. 7. Tel, Mpl, 741. 20820 Berliner Konzertliaus Manerstraßa 82. Zirnrnerstraßo 90/91. Heute: OroBcs 9CGiize3*t mmm des Herl ine p Honzerthan.-Orche.ter*. Leiter: Konlpouist Franz von Blort. Anfang T'/, Uhr. Eintritt 30 Pf. Anfanc T1/» Uhr. de« tÄ.: Großes Wolillätigkeilskonzerl zum Besten der Hinterbliebener), gefallener Kameraden eines BeserTe-lEfanteiie-Eegiments. Ungsniinle Erwerbs- MSglichbeUen Metel die nächste Zukunft. Eine fiel greifende Änderung unseres gesamten Wirtschaiislebens. ein gewaltiger Aufschwung unserer Industrie u. des Handels steht bevor, und es werden übertfl geschulte Kräffe gesucht «In. AngehSrtte lectinlscher Beruf! u. HanCnerker sollen nicht vetsäunien ihre Kenntnisse und Fertigkeiten u?r kommenden Zeit anzupässen, um teil- renehmerv«n den w-Uschaftlkhen Er folgen, die naturgewt» das Ergebnil des gewaltigen Ringens sein müssen Das beste Mittel, rasch und gründlich ohne Lehrer, durch einfachen Selbst Unterricht eine gründliche Ausbildung In technischen Wissenschaften in er werben, sind die technischen Seifest umerrichtswerke,.Sjrst.Ki«.rnBCk Hachlcld". 80 S. sfarlco Bro schüre kostentos. Bonness& Hacbield, Poisdaw Postfoch 167 ©Haben Sie kMedMllell? empfehle nach Map passend gearbeitet. Stützeinlagea sowie Brnchbsndagcn aller?lrl. Leibbinden, Stütz- torfettS usw., Artikel zur Sc- sundbeits« n. Kranienpsiege." pollmsuUsKalldagiA, Berlin W Lothrivgor Star. 60, Lleferaat(Br Krankenkassen. Zigaretten l«0O ü O.. 42 M. lOOOll»..aurt.abziiaeb. Zigarren Beriond n. Berkaus nur sortiert v. 500 Stück an gegen Nachnahme oder Löremfendung. 1452* Fredy Zigarettsn-Verfriel) Norden Berlin X, Brunnenftr. 17. Fernruf Amt Norden 2343. Gcönnct nnuntcrhr. WocheningZ von 9-7, Sonntags von 12-2 Uhr ! Klanki'lißrtd-Znschnß- und Zrgräduisknsse der Serliuer Knspfarbeitkr und verwandter Gewerbe. Sonnabend.S.FebruarlillS, abends 8'/. Ubr. bei Heinrich Lange.Reichenbergcr cilr.11/12: Ordentliche General- Versammlung. Tagesordnung: 1. Kassenbericht al vierteljährlich, b) jährlich. 2. Beschlnssfassung ab. Satzungsänderung. 3. Wahl des Eciamivorstandes lind der Revisoren.[297/12 4. Lrmerc Kasieiiangelegenheit. Der Torstund. Georg Streiter, Schriftführer. Zur Grweiteriing ihrer Geutüsevflanznngen im nach- stcn Frühjahr nimmt die Nord- deutsche Gemüsebau> Ge- iiossenichaft jetzt wettere Mitglieder mit Anteilen zu hinidert Mark als stille Teil- uehmer aus. Auch die- neuen Mitglieder erhallen sofort euien halben Zenlner Weißkohl solange die Vorräte noch reichet». Zins mehrere Anteile entsprechend mehr. Näheres m den llertttlungsstellen: Kopenhagener Strafte 1 (beiin Riugbahnbos Schönhauser Allee) und Petersburger Strafte 4a, und im Ver- waltungsbureau! Burg- strafte 27 III. Zimmer 76 sgegenüber Zirkus Busch). sM?" Kriegsanleihe wird zum vollen Nennwert in Zahlung genoimnen. Der Gewinnüber- sobvS wird als Dividende an die Mitglieder verleiit. Kopenhagener Str. 4 ist geöffnet Tienstags, Don- ncrsfags, Sonnabends von 10— 4. ausserdem Sonntags früh 8— 10. Petersburger Str. 4a ist geöffnet Montags, Mitt- ivochs, Freitags»—12 und 4—7. ausseidem Sonntags U— l. 11/3* IWarumdasWeibamtaBj I leidet u. dJann am Weibe.| I I n h a l t: Reif zur Liebe j u.Ehe. Herrenrecht.— Eiker- | sucht— Untreue— Mannes- krast.- Kinder egen.— Dmge, die man nicht sagt jc. Pastor Sckmidt schreibt im „Correspondenl": Eins der entstellen Bücher, die ich gelesen. Die Bilder, die der I Beriasser entwirst, greisen an Herz und Gewissen.— > Preis' MI. 1,80. Mädchen, Idie man nicht i heiraten soll. 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Ro- vember 1917. krsn- Weißbrich, geb. 1. April 1888 in Berlin, gefallen am 3. Nc- vember 19L7. GCaH SOelOnes*, geb. 20. Ma» 1878 in Berlin, gefallen am 24. Fa- tiuar 1917. Willi Lehmiensi,. geb. 6. Scvlember 1897 tu Berlin, gefallen am 23. Oktober 1.917. WHKelisift ÜsassS'ä, geb. 21. Februar 1895 in Charlatteuburg, Im Felde gefallen. Wilhelm OehSke, geb. 17. Juli 1896 in Berlin, gefallen am 16. April 1917. Robert IfJeigeSt, geb. 24. März 1885 in Gera, im Lazarett gestorben i am 24. September 1917. Willi ioltE, geb. 15. August 1873 in Berlin, gefallen am 22. Of- lobcr 1917. Oskar üsule, geb. 5. Zlugust 1894 in Berlin, gefallen am 11. September 1917. Wir werden ihr Zlndenkc» in Ehren halten i Die Drt«vcrsvz»Iti>iig. ZkMll MMNdM-ZMM. Berivaltungsstelle Berlin.> K4, Lintenstrafle 83—80 Gelchäslszeil von 9— 1 Uhr und oon 4—7 Uhr. Telephon: Amt Norden 185, 1239, 1967, 9714. Achtung! Mch?ttug! Donnerstag, den:U. Januar, abends 6 Uhr: Vcrsammliitig der Metalidriieksr ßroji-Scdius im vlcwerkschaftshans, Engelufer 15, Saal 1. Tagesordnung: 1. Jahres- und Kassenbericht des.Kollegen Gunther« 2 Diskussion. 3. Neuwahl der Branchenkommtssiv». Vollzähliges und pünklliches Erscheinen wjrd erwartet. Donnerstag, den 31. Januar, abends 8 Uhr: Branchenversattimlttng de»' Elektmenleure ü. Helfer GroO-Beiiins im Lokal von Klement, Sophieustr. 6. Tagesordnung: 1. Vortrag. 2. DiSluision. 3. Bericht über die Nut- wort der Jnflallationssirn:cu. 4. Branchenangelrgen- Helten. 5. Berbandsangelegenheiten. Das Erscheinen sämtlicher Kollegen ist unbedingt erforderlich. Donnerstag, den 31. Januar, abends 8 Uhr: BranchenversttttlSttluttg aller in den Klempnereien besciiaftigten Kollegen üjüi Kolisginnen in Heinrichs Festsäle», Grosse Fra�lizirter Strafte 36. Tagesordnung: 1. Die jetzigen Zlrbritsverhältnisse in nnscrev Branche. 2, Tiskufsioit. 3. Nerbandsangrlegcnhcitcu. Die Kolleginnen und Kvllegen werden dringend ersucht, in dieser Versammlung pünktlich und vollzählig zu erscheinen. 231/11_ Die 4>»-tsvcvwaltnn.g._ Spezial-Arzt Dr. med. Hnschti. Friedrictistr. 30 ÄZh. Bebanvl vonShtzhili«, Haut- Harn-. Frauenleiden, jvez.: chron. Fälle. Ehrlich-Hata-Kn- rcn. i-bmerzlofe, kürzeste Be- Handlung ohne Bernjsftörung. Blutunterluchung. Mass. Preise. Tcilzabiung.«prechstundcn 10 bis l und 5— 8. Sonnt. 11— 1. und Halskranke. Verlangen Sie kostenfrei belehrende Broschüre über ' Hcttmethode ohne Bcruksstörurrg. Sanitätsrat Dr. Wclstc's Amhul., Berlin 117, Potsdamer Str. 123b II. Speziaiarzt Dr. med. Taabs bch. schnell, gründl., mögL schmerzlos>» oime Berufsftör. GesehlechlskraakheiL, geheime Haut-, Harn-. Frauenleiden, Schwäche. Erprobtere Methoden Stzrlloh-Hata-Kuren. Harn- u. Blutmitersuchung. KöDigstr. Uli ÄÄi. Zpr. tO— tu.5— 8. Sornt.lO— 1 Sutigeti Nr. 29— 1918 Unterhaltungsblatt öes Vorwärts Dienstag, 29. Januar Peenerstorfer unö öie Volksbilöung. Bon Ludo M. Har Im a u n. Wenn cS ricbiiq ist, bost der beutfdic SozinliSmuS in gerader Linie von der klaisisckicn deuiichen Philosophie abstammt und das; die geistigen Ahnherren von Marx und Lastalle leine anderen sind als Kant, Fichte und Hegel, so konnle Pernerstorfer als der reinste Ausdruck dieser geistigen Famrlie und des Sozialismus gelten. dem er mit der ganzen Leidenschast seiner starken Persönlichkeit angehörte. Im Anfang war das Wort: aber der Sozialismus hat es in lebendige Liraft, in die Tat umgesetzt, und weil er selbst Bewegung ist, die Aufgabe übernommen, das Dogma aufzulösen in geistige Freiheit, und weil er selbst die reinste Menschlichkeit ist, die erlviende Macht des Gedankens vom Himmel auf die Erde getragen. Auch Lassalle, der von der Philosophie HeraklitS des Dunkeln und des noch dunklere» Hegel ausgegangen ist. hat das Haupt- gewicht seiner praktischen Arbeit auf die Aufklärung der Massen ge> legt, und die Gründung der Arbeiierbildungsvereine gehl am ihn zurück. Aber auch jede seiner Agitaiionsreden enthält ein Stück liefet Wistenschast in populärer Form. Er bat den Bund der Wissen- schast und der Arbeiter veikündet. Und keiner hat wie er durch seine Schriften auf das für alles Große und Menschliche empfang- liche Gemüt des jungen Pernerstorfer eingewirkt und die Richtung seines Lebens bestimnlt. So war Pernerstorfer unter den ersten Studenten, die in Wien im Kreise von Arbeitern populär- totsten- schaftliche Vorträge hielten. Aber seinem Temperament und seiner Auffassung entsprechend war seine Absicht nicht darauf gerichtet, zusammenhanglose Kenntnisse zu vermitteln, sondern er ging stets auf das Ganze,'wie auch seine eigene Bildung nicht ein Mosait von Lesesrüchten ans den unendlich vielen Büchern, die er gelesen, war. sondern ein höchst individuelles Kunstwert. Die Durchd»ing»ng des Volkes mrt der Gesamtkultur der Menschheit durch eigenes Er- leben war eS, was er onstribte, ganz im Sinne jenes Herderschen oder Schiller scheu Hnmanitäts- ideals, aus das er hnnier wieder hingewiesen hat. Das war der Kreuzungspunkt von Menschheit und Notion, der Gleichungs- tuiist von Kuilur und Nation, von dem aus er das Bild der Zukunft erschaute. Die Nation war ihm vor allem Kulturgeineinschaft, und das Mittel, sie zu erreichen, die unvergleichlich schöne und reiche deutsche Sprache, die er liebte und studierte und als Meister beherrichte wie wenige. So war ihm vor andern Schiller, der Weltbürger, zugleich Wegweiser der deutschen Nation. Ihn stellte er den„Banausen' entgegen, und wenn diese den Dichter in ihreni sich überlegen dünkenden Unverstand schmähten, so donnerte er sie mit der ganzen Wucht seiner zornigen Rede nieder. Weit lieber, als im Parlament oder in. einer Volksversammlung zu sprechen, war es ihm, wenn er berufen wurde, am Schiller-Tag die Festrede zu hallen. In dieiem Sinne war es auch zu berstehen, wenn er sich den Freunden des humanistischen Ghmnafiums anschloß: er dachte nicht an eine Gelehitenschule der Exklusiven, aber er wollte, daß die reichen Schätze der aiiliken Kultur auch der Nachwelt unverloren bleiben sollien als wichtigste Elemente im Kampfe gegen jenes verhaßte Banausentum, das in der unmittelbaren Nützlichkeit und im Beruf aufging. Wie gegen die UiiverstSndigen und Zaghasten eiilbraniite aber sein Zorn gegen die offenen Gegner der modernen Kultur, gegen die Klerikalen. Er verfocht stets mit besonderem Eifer die These, daß es die Gegenreforinalion gewesen sei, die alles zukünftige Uebel über dieses anne zuinckgebliebene Oesterreich gebracht habe.' Jeden Versuch der Einichränkung der geistigen Freiheit, inockte er von weicher Seite immer ausgehen, hat er unerichrocken bekämpft,»nd seine Gegner waren die unfehlbaren Päpste, in ivelchem Paitei- lager inimer sie sich befinden mochten. Gegen alle Knebelungsgeietze des Staates hat er angekämpft: der klerikalen Hetze in der Wahr- mnnd-Affäre hat er einen Gesetzentwurf zum Schittz der Unabhängig- keit der Prosefforen entgegengestellt, und er stand an der Wiege der «Freien Schule", der er stets ein bereitwilliger Helfer geblieben ist — obwohl oder gerade weil ihm selbst seiner ganzen Art nach ein — allerdings durchaus unkonfessionelles— allgemeines religiöses Gefühl keineswegs fremd war. Aber so fehr Pernerstorfer ein geborener Kämpfer war, so erschöpfte sich doch seine reiche Natur nirgend in der Veriieinung. Er bat den Drang in sich gesübll, auch posiliv zum Aufbau der VotkSbildung beizutragen. Dies wissen die Arbeiter- Bildungs- vereine, die er durch Einsetzen seiner Persönlichkeit'gefördert hat. Der Volksbildungsverein criiiiiert sich dankbar. loelchen Emp'ang er ihm im Jahre 1892 in seinem Königreich Wiener-Neustadt bereiict hat. Und als in Wien das Vollsbeim im Jahre 19t>1 gegründet wurde, war es beinahe selbstverständlich, daß er als repräfeiilalive Perjön- lichkcit in den Vorstand als Obmannstellvcrtretcr eintrat und ihm als solcher bis zu seinem Tode angekört hat. Bei der Gründung der Volksbühne in Wien war er eine der treibenden.Kläfte und stand an ihrer Spitze, so lange sie als Arbeiterverein bestaud— indem er auch hier leiner Neigung gemäß seine umfassende litcra- rischc Bildung in den Dienst der Massen stellen konnte. Kein Zweifel, daß sich in dieser kräftigen, nun leider auch historisch gewordenen Gestalt unseres lieben Pernerstorfer und seinem Verhältnis zur Volksbildung das Wesen des Sozialismus gleich- iaiti ihmbolisch darstellt. Der Saziali-mus strebt naturgemäß zum Ueberindividuellen, und diefps drückt sich in nichts io stark aus wie in der Gemeinschaft der Kultur, an der unbewußt alle mil- arbeiten, ohne doch noch in gleichem Maße an ihr teilzuhaben. In ihr steht der starke Einzelmensch, der doch mit allen Fasern seines Seins in seinem Volk und der Menschheit verankert ist und aus ihnen seine Nahrung zieht. Er strebt die wertvollen Elemente in sich aufzunehmen und miteinander zu verbinden, um dmin als Persönlichkeit zunickzugeben, was er cmpsangen hat. So wird er selbst, so wird Pernerstorfer zum Organ der.Gesamtkultur uns das Beispiel und der Lehrer für die Zukunft. Wir aber, denen er so oft durch seine ieurige Beredsamkeit einen Hauch feiner starken Seele eingeflößt hat, wollen ihm folgen, wie er uns gelehrt, nicht, indem wir als Banausen auf seine Worte schwören, sondern indem wir fortschreiten, beflügelt von dem Smrme der Zeiten, die da kommen werden. Die Kaffeeklappe. Von Max Jungnickel. Hinter der Fron! ein Nest, aligeschosten, die Straßen von Wagen- rädern zerwühlt. Früher, als es noch Frieden war, ta: das Städtchen io einfach und versonnen. Es lebre so seinen Tag hin. den einen loie den andern. Aber dos ist schon lange her. Jetzt, nn Kriege, ist das Städtchen laut und markiichreierlsch geworden. Ein feldgrauer Jahrmarkt mit Lachen und Fluchen, Peitichenlnallen und RegimentS- munk und Schreien, und va» fernher das Wummern der Geschütze. Die Fensterscheiben, die dreckigen Häuseraugen im Städtchen, klirren— Und Winter ist's-- Am Marliplatz ein Schild:„Kaffeestube.' Ein langgcdehiiler, schmaler, niedriger Raum.'Schulbänke sieben darin, und binlen an Stelle des Lehrerpults steht ein Schaut- tisch, vollgeiürmt mit Ziqarettensckachteln, Zigarrenkisten, Keks und mit einem dampieuden Aaffeeboilich. b ganze Pfennige die Tasse Kaffee. Eme Luit in der Kaffeestube, eine Luft, die einen mit ihren Krallen würgt und an die Wand drückt: So nach Leder und Zrganen und Schützengraben und Mist. Die Kaffeestube schwälr. Ein Rembrandtdimkel zieht iiachlvogek- Haft über die Köpfe der Feldgrauen, die bier vor sich hindösen imd das warme Kaffeegeiöff in den kalten Magen kippend Andere iprechen laut vom Kriege und flachen, daß die verräucherten Feld- Herren, die an den Wänden kleben, auf die Straße flüchten möchten. Andere, die vom Urlaub kommen, schimmern von Heimat und haben das H-rz irgendwo in einem deutschen Städtchen vergessen. Das sieht man ihrken durch das Kaffeeklappcndunkel an. Versprengte: wie zerrissene,'berslstopplige Banditen sitzen sie da, den Aigarellengnalm durch die Lunge paffend. Und hinter jeder Rauchwolke her die Frage: Wo ist meine Kompagnie? Faule Ordonnaiizen. großmäulige Oifiziersburjchen, behäbige Tramknlscher — alleS durcheinander: Manche schlafen. Manche wachen, den verwilderten Kopf ans die Fäuste- gepflanzt oder auf die Bank geschmissen. Einer kommt b%tein, mit einem Knüppel in der Hand uno einem schüchterncn, lieben Saniiälsbund an der Kette. Und der Hund lvimmert vor Kälte und schüttelt sich, und die alte, dreckige Landsturmhand streichelt den Hund und drückt ihn. Die Kaffeeklappe summt. Immer dunkler wird's. Einer kramt ein SÄiitzengrabenlicht aus dem Tornister und brennt es an. Das Dreierllchr glänzt ans>oie ein sehnsüchtiger Heimarsgedanke. Uno die Rauchschwaden ziehen lüstern um das Licht. Vorm Schanftiich wird geschrien und gelacht und Kaffee ver- kauft. An der Erde sitzen drei und spielen Skat aus einer Kiste. Ein junger Kerl sitz! beim Licht und schreibt eine Anfichtspostlarte. die das lausige Etappennest zu einem lieblichen Städtchen hinauf- schwiiidelt. Der Sotdat, der hinten den Kaffee ausgibt und die Koste iührt, beträgt flch lvie ein iaugrober Herberasvaier. Einer geht zum Klavier und spielt ein paar Takte, eine verwilderte Geige mischt sich darein. Das Licht geht aus. Die Kaffeeklappe träumt. Sie grübelt eine Sehnsucht aus, und die' Sehnsucht krallt sich durch die dreckigen Wafsenröcke und kriecht in jedes Herz hinein. Es ist, als kämen die Sprüche wieder und die Fibelrätsel, die einst, vor� langen Jahren, auf diesen Schulbänken lagen.- Die Kaffeestube träumt die ganze Nacht.» Ils-d draußen fallen die kalten, windverwehtcn Wintersterne in die Pjützen der nächiltchen Gassen. Vis Surkhas. In der Wiener Geographischen Gesellschaft hat der Berliner Jndiensoricher Prosestor Dr. Lüders einen Vortrag über die Gurlbas gehalten, die als die besten Soldaten des anglo-indischen HecreS geitcn, sich aber auf dem nordfranzösischen Kriegsschauplatz so gar nicht bewährt haben. Sie stammen zumeist aus dem Königreich Nepal, das noch eine gewisse Seibsländigleir bewahrt hat. Es liegt am Südabhang des Himalatza und auf seinem Gebiet mischten sich seit alteröher arische mit ribetanisch-birmanischen Stämmen. Im S. Jahrhundert v. Ehr. wohnten am Südende des Landes die Saktzas, denen der Religionsstifler Briddha entsprang. Dort ist die Säule gesunden worden, an der 300 Jahre später König Aioka verkündete, daß hier der Buddha geboren wurde. Nepal erreichte durch Eroberungskriege unter verschiedenen Dynastien eine weit größere Ausdehnung, als es sie seit dem Krieg mit den Engländern 1813/16 hat. Von 1817— 1877 war Fang Bahadur Mmisteipräsident, er begründete die nepalsche Siaats- forn, eines SchattenlönigtumS mit einem allmächtigen Hausmeier — wie im Frankenreich der Merowinger im Deutjchland des achten Jahrhunderts. Von den Engländern erlangte dieser bedeutende Siaa'smann wichtige Zugeständnisse, ohne ihnen ebensolche zu ge- währen. Bis heute ist da§ Land für den europäischen Rausmann und Missionar verschlossen. Die Sprache der Gurlhas ist arisch, ibre Lieder wurden im Gefangenenlager Wünstors aus Schallplatten festgehalten. Körperlich zeige» die Gurlhas starken mongolischen Einschlag._ Nstszen. — Militarismus und M a m m o n i S m u s. Ueber dieses Thema spricht Dr. Rudolf Penzig in der Humanistischen Gemeinde am 3. Februar, abends 3 Uhr. in der Aula der Friedrich Werder- scheu-Oberrealschule, Niederwallstr. 12. Gäste willlommen. — Zu dcti„frohen Abenden' des Goethebundcs schreibt'man uns auS Charlottenburg, dort habe der Abend da-.- Wörtchen„ftoh' verdient.„ES gab zwar auch Kabarettkimst. aber sicher künstlet liche.' Die im«Vorwärts' gegebenen Anregungen über Bieriervieren und früheren Schluß waren bereits befolgt. Das Publikum bestand zumeist aus Erwachsenen.„Die Jugendlichen ickeise man au unsere Jugendheime.' Ueber einen Goerhe-Abend im Südosten, desien erster Teil gut ansprach, hören wir: Einen krassen Gegensatz- bildeten die Dar- bielmigen des zweiten Teiles. Zunächst trat eine Operettensängerin auf und brachte einige Stücke, die der heutigen Zeit angemessen sind. Dann aber sang sie eines jener Spottlieder aus unsere sogenannten .Feinde', wie man sie baupiiächlich zu Ansang des Krieges überall hörte und forderte die Anwesenden auf, die Endzeilen dieses LiedeZ bei der Wiederholmig mitzusingen. Ich weiß nicht, was ich eigcut- lich davon Holren soll. Wollte die Dame Ariegsstimmung machen oder für die Aüdeulschen agitieren? Ich bin der MemUng, daß man hier die Palitrl gänzlich aus dem Spiele lassen soll. .De? weiteren wurde ein Einaller aufgeführt, der sich«Der Mann muß wohl taub sein' betitelte. Auch hier bin ich mir nicht im klaren, ob in dem Stück die Gesindeordmmg mit ihrer Prügelstrafe verherrlicht werden sollte oder ob der tiefere Sinn überhaupt der Blödsinn ist. — Institut für Meereskunde, Georgenstr. 31 36. Freftag, 1. Februar. 8 Uhr, öffentlicher Vortrag von Dr. R. Pohle- Berlin: Die Schiffahrt nach Sibirien. Eintrittskarten 23 Pf. — Pernerstorfer als Voiksbtldungsmann. Ter Aufsatz von Ludo M. Hartmsnn entstamint der laiigen Reihe von Würdigungen, in denen die Wiener„Arbeiterzeitung" Charakter und Arbeitsleistung des österrcichischen Volksmannes gezelchmet hat. Hoffentlich wachsen diese Aussätze, au? denen gesunde vorwärts- weisende Kraft quillt, bald zu einer'Gedenkschrijt auf Pernerstorsec zusammen. 23] Töchter öer hekuba. Ein Roman aus unserer Zeit von Clara Viebig. Den Arm um ihre Schulter legend, zog er sie neben sich aufs Sofa. Auf diesem selben Sofa, Ivenn auch nicht ini gleichen Raum, hatten sie. oft dicht ncbeneinandergesessen in dcfi ersten Jahren ihrer Ehe. Warum war es nicht immer so geblieben? Der Mann sah die Frau an; lange genug war er jetzt fortgewesen, uin zu suhlen, wie sehr er sie noch liebte. Es war viel mehr als eine freundliche Gewohnheit, die ihn an ihrer Seite hielt. Sic saß ganz still. Mit träumerischen Blicken folgte sie den drei jungen Leuten, die aus dem Eßzimmer in den au- stoßenden Wintergarten gingen. Da setzten sie sich an den kleinen Tisch unter der großen Palme. Die Bruder rauchten, auch Annemarie nötigten sie eine Zigarette auf. Was, sie hatte noch nie geraucht? Nun qualmte sie keck. Ten Kopf mit der braunen Haar- siille hintübergelegt, versuchte sie gelehrig, Ringeln zu blasen. Bei jedem mißglückten Versuch, bei jedem Gehüstel brachen die jungen Männer in Lachen aus. Sie lachten alle drei; ein Wort, ein Blick, ein Krausziehen von des Mädchens feiner Rase genügten zur Heiterkeit. Es war so wohlig, so warm unter den Palmen, der Duft von allerlei Blüten schwebte im Raum. «Ist das famos hier." sagte Heinz nnd stieß einen Seufzer des Behagens aus.„Man hat eigentlich gar nicht gewußt, wie schön es zu Hause ist!" Ja, es war schön hier, ober jetzt noch viel schöner als srnher! Mrt einem heißen Blick umfing Rudolf die hell- gekleidete Gestalt. War die wundervoll gewachsen, schlank nnd doch kräftig, üppig fast! Er fühlte sich mächtig gepackt; ganz plötzlich. Als.er in den Krieg zog. ivar er noch zu jung gewesen— was hatte er da gewußt, was Liebe ist— aber jetzt, jetzt?! Er atmete rasch: das war Liebe auf den ersten Blick! Mit einer Hast, die Zeit auszunutzen, keine Minute zu versäumen, die kostbar war, widmete er sich ganz dem schönen Mädchen, lind Annemarie ließ ihre Blicke spiclcir, lachte, errötete, senkte die Wimpern und sah ihn dann ivieder voll air mit großen zärtlichen Augen. Sie waren beide plötzlich so erjüllt von einander wie der Sommertag von der Sonne. Was ging sie noch Krieg an und schwarzes Menschenleid? Sie fühlten nur Freude, die Freude, jung zu sein und ein- ander zu gefallen. Der Äeltere saß gelangweilt dabei, er kam sich überflüssig vor. Er stand ans: sie hielten ihn nicht zurück. Rauchend stand er ein paar Augenblicke am Fenster. Drinnen im Eß- zimmer schienen die Eltern ein wenig zu ruhen, die Mutter in der einen Sofaecke, der Vater in der anderen, sie hatten beide die Augen geschlossen. Draußen lag der Garten im letzten Schein des Wintertages, wunderschön sah die große Linde aus und die Tannen mit dem flüchtigen Puder des Schnees. Der Kops war ihm heiß. Der an viel frische Luft Gewöhnte fuhlie das Bedürfnis nach ein paar freien Atem- zügen. Leise schloß er die Glastür auf, die vom Winter- garte» ins Freie führte. Es fror leicht, die Wege waren trocken trotz des Schnees; der war weggestäubt und nur im Geäst und Nadel- werk der Bäume hängen geblieben. Im Westen war die Wintersonne bereits gesunken, aber sie hatte einen Glorien- schein hinterlassen. Vom roten Goldgrund hoben sich,»nend- lich sein gepinselt, in silbernem Grau Acste und Aestchen, all das Filigranwcrk ferner Gartenbäume ab, zart hingehaucht lfiie duftiges Gegitter eines Schleiers vor dem errötenden Angesicht des Himmels. Nur das Allernächste Ivar wirklich. Da standen die Bäume groß und massig: aber auch sie schienen eingesponnen in silbrigen Schimmer, versunken in traumseliges Schweigen. Heinz Bertholdi ging im Garten umher. Es überkam ihn wohlig: zu Haus, zu Haus! Und doch konnte er es noch nicht glauben, der Unterschied war zu groß, zu plötzlich nach all dem Blut und Grauen; viel mehr Blut und Grauen, als er je geschrieben hatte. Dieser Friede! Er hob die Augen: da ivar auch der Abendstern. Leise fing er an zn summe»: „O du, mein holder Abendstern!" Wundervoll groß und klar stand der. fern dem feurigen Goldgrund in einem sanften Vlaugrau. Und da tauchte auch der Mond auf, eine schmale, ferne Sichel, aber scharf umrissen in kühler Unnahbarkeit hinter dem alten Birnbaum der Witwe Krüger. Alle Ge- stirne begrüßten ihn daheim. Der junge Mann lächelte: und wer war denn das? Eine neue Erscheinung drüben im Nach- bargartcn! Im Krügerschen Garten ging Frau Rossi. Sie niochtc nicht draußen spazieren, die Straßen schienen ihr so öde, und jeder Blick, der ihre Gestalt in der Witwentrauer streifte, dünkte sie neugierig. Sie ging oft bei gutem Wetter hier auf und ab, hier störte sie niemand. Den Kops gesenkt, wandelte sie langsam. Sie hatte einen dunklen Schleier ums Haar geschlungen, wie mattes Perlmutter schimmerte darunter ihr Gesicht. Zärtlich hielt sie das weiße Kaninchen an ihrer Brnsl. Dessen rote Augen guckten verwundert: das wckr ihm noch nie geschehen, spazieren getragen z» werden. Der junge Mann grüßte über den Zaun. Er beabsich- tigte nicht, keck zu sein, er wußte selber nicht, was ihn dazu trieb,.Guten Abend!' zu sagen. Diese sacht wandelnde Gestalt war' ja keine Fremde, das war die Träumfrau im fließenden schwärzen Gewand, die leise kommt und Vergessen streut. Er hätte sprechen mögen:„Ich grüße dich! Ich heiße dich willkommen! Streue Mohn auf mein Haupt, daß ich das Grauen vcrgpsse, das mir der harte Tag gebracht hat!" Ader er besann sich, fuhr sich über die heiße Stirn: das ivar ja alles Unsinn, er hatte zu schnell und zuviel getrunken. Er stand plötzlich verlegen. Die Schwarzgekleidete hattp ein Paar große Augen ans i�n gerichtet, er sah Erschrecken in ihnen und ein trauriges Fragen. Lili hatte nicht bemerkt, daß drüben im Nachbargarten jemand war. Aus einem tiefen trüben Nachsinnen hatte sie der Gruß jäh aufgestört. Sie hatte an ihren Mann gedacht, und darüber, wie es. wohl geworden wäre zwischen ihm und ihr. Ob sie ihm an die Brust gestürzt wäre mit einem Jubel- schrei, alles Trennende vergessend? Ach, jetzt konnte sie an ihn denken ganz ohne Vorwurf, in einer Liebe, die nichts mehr störte, m einer Liebe, die so seltsam geworden war, daß sie ihm sein Grab an der Halde des Berges gönnte. Ihm war so wohl, er ahnte nichts mehr vom Wüten gegenein- ander— wie vielen Enttäuschungen war er entrostnen! Wenn ihr doch auch so-wohl wäre! Eine große Todessehnsucht erhob sich in der jungen Frau— wofür sollte sie denn noch leben?— keinen Mann, kein Kind. Auf was wartete sie noch?! Der junge Offizier machte eine Verbeugung, nannte seinen Namen. Eine leise Freundlichkeit huschte für einen Augenblick über das traurige Frauengesicht:„Ach so, Leutnant Bertholdi. ich habe es gehört, Sie sind gestern gekommen I" Und sie reichte dem jungen Marin niit der Gebärde der großen Dame die Hand über den Zaun. Sic nahm sich zusammen, sie wollte ja niemandes Mitleid, sonderlich nicht von einem, der ihres armen Mannes Feind gewesen war.„Wir sind uns früher schon begegnet," sagte sie kühl und verbindlich.„Lili von Voigt." Sortj. folat.1 n gerisöene und Rupffedern, bestens enl- ü stäubt und fütlkräftig bisM.l 2eo das Pfund j Psmieii ■ in niedrigen und höheren Preislagen bis M. 27FO das Pfund � 1 estehend ans Oberbett, Unterbett, 2 Kissen, nur mit u weissen Federn und Daunen geftült, rn Tcrscfc, Preisen l Unstreitfß j ;? r grösäies ßettfedern- u. Beüen- u. Spezlal- Geschäft Deutschlands. Gustotf Lustts icrüis. I fttoZIDStF. ilirli Efnsnng nur unter der Glaskuppel 11,47 Netaimettsteiien für Erwachsenie, 3 Mln�sr- BefS- A stelSen a, v. 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Karlshorst: Frau wachse, Junler-Jörg-Str. 7 II. Königs-Wnsterhausen, Wildau, Nicderlchme: Friedrich Baumann, Luckenwalder Straße 5. Köpenick: Emil V i ß 1 e r, Kietzer Straße 6(Laden). Geössnet von uwrgcn? 7 Uhr bis abends 8 Uhr. Lichtenberg I, Friedrichsseldr, Hohenschönhausen: Otto S« i k e I, Warten. bergstraße 1(Loden). Ecosine« von 11—144 und von 444—7 Uhr. Lichtenberg ll. Rnmmelsbnrg. Stralau: A. Rosenkra»,. Alt-Box- . Hägen 56. Geöffnet von 1 1—144 und von 444— 7 Uhr. Mahiödors. ttaulsdvrs, LieSdorst P. Heßberg. Kaulsdorf. Ferdinand. Mariendorf. Marienfekde: Angost Leip, Thausseestr. 2g. Neukölln: M. H e i n ri ch, Neckarstr. 2(Laden). Geofsnet von 11—144 und von 444—7 Uhr. Neukälln-Britz: Si o b r, Siegsriedstr. 28.20. Geöffnet von 11—144 und von 44-— 7 Uhr. Riederfchöneweid«: Wilhelui Unruh. Brückenstr. 10. ll. Nowawes: Karl Krohnbcrg, Eisenbahustr. 10. Oberschöneweide: Ida Freidank, Bismarckstv. 25, 1. 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