Nr. 53. SS. Itchrg. vezugSpreiS: VierteyHrl. ifiß NN. monafl. l.SÖgW. Shtmmcrn lO�fa. Polstbezua: Mon�- lüh IJSO Mi. Unter Kreuzband fdr Deutschland und Oesterreich- Ungarn 2,— Mi, für da» übrige HuSumh 4.50 MI. monatlich. Versand in» Feld beidiretter Bestellung monatl. 1,50 MI Postbgstellunoen nehmen an Düne» marl. Holland. Luiemburg, Schweden und die Schwei,,«eingetragen in die Post.gettung»»ißrri»Iiste. Erscheint täglich. Delegramm• 5ld reifer »Eozialdemakr««««(»**. ( 10 Pfennig) Di« Anzeigenpreis: 2 fettgedruckte Worte), jede? weitere Wort 10 Pfg. Stellengesuche und Schlafstellenanzeigen da» erste Wort 10 Pfg., jede» weitere Wort B Pfg. Worte über 15 Buchstaben zählen siir Vevltnev Volksblakk. Anzeigen 40 Pfg. die Zeile. Anzeige» für die nächste Nummer müssen bis t» Uhr uachniitt. Im Haut _..------ mst verlin EW.KS, Lindenstrabe 3, abgegeben werden. Geöffnet bou S Uhr früh bis 7 Nhr abend». Zcntralorgan der roztaldcmohratifcbcn parte» Deutfchlanda. Neüaktion: SW. 68, Linüenstraße 3* Krrnfdrecher s«wt Moritzplatz, 9tt. 151 90—161 97. Sounabend, de« 2, Februar X9I8. Expedition: SM. 68, Linöenstraße 3. Fernsprecher: Am» Moritzplatz, Nr. 161 90—161 97. Sekanntmachung öes Gber- befehlshabers in öen Marken. Znnächst sieben Großbetriebe unter militärische Leitung gestellt. Vekanntmachung: Die AusstandSbcwegung, in der ein Teil der Arbeiter do» Groß-Berli« verharrt, beeinträchtigt die Versorg, ing des Heeres und der Marine mit Waffen und Munition. Ich habe daher folgende Betriebe: 1. Deutsche Waffen- und Mnnitions-Fabrik in Marien- felde, Lichtenberg uud Wittenau, 2. Berliner Maschinenbau-Aktien-Gesellschaft dorm. L. Schwarhkopff, Berlin, 3. A. Borsig in Berlin-Tegel, 4. Allgemeine Elektrizitäts-Gesellschaft— Fabrik Hcn- nigsdorf, 5. Argus Motor-Gesellschaft Berlin-Reinickendorf, s>. Flug-Verkehrs-Gesellschaft Johannisthal, 7. Daimler-Motoren Zweigniederlassung Marienfelde unter militkrisihe Leitung gestellt und den Arbeitern dieser Betriebe aufgegeben, die Arbeit späte st ens Montag, de» 4. Februar 1318, bis morgens 7 Uhr wieder aufzunehmen. Zuwider- handelnde sehen sich schwerer Bestrafung nach den Vorschriften des Belagerungszustandes aus; die Wehrpflichtigen unter ihnen werden außerdem m i l i- tärrsch eingezogen werden. Der Oberbefehlshaber in den Marken. von Kessel, Generaloberst. Zum Streik in Groß-Serlin. Am 28. Januar lief schon am frühen Morgen die Nach- richt bei uns ein, daß in zahlreichen Berliner Betrieben die Arbeit niedergelegt worden sei. Es erschienen dann in schneller Folge Arbeiterdeputationen von Mitgliedern unserer Partei aus vielen Betrieben bei unS, die uns über die schnell um sich greifende Bewegung informierten und die Bitte aus- sprachen, daß der Vor st and der Sozialdemokrat»- s ch en P artet Vertre t e r in die Streikleitung entsenden möge; das sei zweifellos für den guten Ver- lauf des Streiks, der auch nach ihrer Ueberzeugilng not- wendig sei, von der größten Wichtigkeit. Wir entgegneten, daß der Streik ohne irgend welches Zutun der Partei oder der Gewerkschaften entstanden sei. Die Arbeiter der vom Streik betroffenen Betriebe hätten be- reits Delegierte entsandt, die sich zu einem.Arbeiterrat' konstituiert hätten, der bereits eine Streikleitung gewählt und bestimmte politische Forderungen aufgestellt habe. Angesichts dieser Tatsachen könne uns niemand zumuten. Nachtrag- lich eine Verantwortung zu übernehmen. Die Frage der Arbeiter, ob wir eine Delegation in die Streikleitung zu entsenden dereit sein würden, wenn die De- legiertenversammlung der Streikenden uns selbst darum er- suche, wurde nach eingehender Aussprache bejaht. Daraufhin ging eine Kompiission der bei uns vorstellig gewordenen Arbeitervertreter in die gerade tagende Versamm- lung der Delegierten, um zu beantragen, daß Vertreter der Sozialdemokratischen Partei in die Streikleitung eintreten sollten. Noch ehe sie ihren Antrag einbringen konnten, war bereits ein ähnlicher Antrag debattiert und mit 198 gegen 196 Stimmen abgelehnt worden. Die geringe Ststnmen- differenz und der neue Antrag veranlaßten die Delegierten- Versammlung, die Debatte von neuem aufzunehmen. Gen. W u s ch e ck begründete den Antrag in sachlicher Weise nnd fügte hinzu, daß der Parteivorstand bereit sein werde, eine Vertretung in die Streikleitung zu entsenden, falls die Ver- sammlung entsprechend beschließe. Der Abg. Ledebour bekämpfte den Antrag in heftiger Weise. Nach den beiden Reden wurde die Debatte geschlossen. Die Abstimmung er- gab nunmehr zirka 366 Stiinmen für und nur etwa 46 gegen den Antrag. Wir stimmten dem Beschlüsse zu. In das Aktionskomitee der Delegicrtenversammlung traten nun zu den bereits ge- wählten elf Arbeiterdelegierten und den drei Abgeordneten Dittmann, Haase und Ledebour drei Mitglieder des Parteivorstandes: Braun, Ebert, Scheide- mann. Der Eintritt erfolgt unter der den Arbeiterdelegierten unserer Partei gegenüber ausgesprochenen Voraussetzung, daß das Aktionskomitee entsprechend der mittlerweile erfolgten großen Ausdehnung des Streiks erweitert bezw. umgestaltet und eine nochmalige Beratung der bereits aufgestellten F o r- Gerungen ermöglicht werde. orn Lause des 29. Januar wurden alle Versammlungen, auch die der Delegierten der ausständigen Arbeiter, ver- boten. Das Aktionskomitee befaßte sich infolgedessen»»ach dem Eintritt unserer drei Genossen, die zu den bereits auf- gestellten Forderungen weder in sachlicher noch in formeller Beziehung irgendwie hatten Stellung nehmen können, sofort mit der Frage, wie eine Versammlung der Vertreter der streikenden Arbeiter zu ermöglichen sei. Scheidemann wurde beauftragt, bei dem Henn Staatssekretär deS Innern, Wallraf. telephonisch um eine Unter- rcdung zu ersuchen, in der man sich über das Ver- sammlungsverbot und daS Versammlungsrecht zu unter- halten wünschte, um den streikenden Arbeitern schnellstens die Möglichkeit zu verschaffen, Stellung zur gesamten Situation zu nehmen und Beschlüsse zu fassen. Scheidemann sollte dem Staatssekretär mitteilen, daß die zu ihm zu entsendende De- legation aus je zwei Abgeordneten der beiden Fraktionen und fünf Arbeitern des Aktionskomitees be- stehen sollte. Herr Wallraf antwortete telephonisch, daß er wohl die Abgeordneten zu empfangen bereit sei, nicht aber die Arbeiter aus dem Streikkomitee. Scheidemann widersprach dieser Auffassung, erklärte sich aber bereit, dem Aktionskomitee davon Kenntnis zu geben und erwirkte das Einverständnis des Herrn Staatssekretärs, daß dieser sich für 12 Nhr mittags auf jeden Fall zu einer Aussprache bereit halten ivollte, gleichviel, ob eine Unterredung zustande komme oder nicht. Das Aktionskomitee lehnte es ab, die Arbeiter ausschalten zu lassen, ließ aber dem Staatssekretär erneut sagen, daß um 12 Uhr zwei Abgeordnete (Haase und Scheidemann) sowie zwei Arbeiter zu ihm kommen würden, um ihm lediglich Mitteilungen über das Versammlungsverbot zu mache n. Herr Wallraf erklärte sich, als die Deputation im Reichs- amt deS Innern erschien, bereit, die Abgeordneten zu empfangen, blieb aber den Arbeitern gegenüber bei seiner Ablehnung. Er änderte seine Stellung- nähme auch nicht, nachdem ihm durch einen Ministerialdirektor, der als Mittelsperson fungierte, noch einmal ausdrücklich gc- sagt worden war, daß die Deputation mit ihm nicht über politische Fragen verhandel-i/sondern nur Mtteilungen der be- reits erwähnten Art zu machen wünsche. Die beiden Ab- geordneten erklärten sich bereit, mit dem Staatssekretär ohne Hinzuziehung der Arbeiter zu verhandeln. Durch das Oberkommando in den Marken wurde dann auch den Mitgliedern deS Aktionskomitees jede mit dem Streik im Zusammenhang stehende Tätigkeit unter An- drohung der in Betracht ko in menden Strafen verboten. Im Laufe deS 31. Januar fand im Anschluß an eine Unterredung über Wirtschaftsfragen mit dem Staatssekretär vom Stein eine Aussprache zwischen dem Reichskanzler und den Abgeordneten Robert Schmidt und Bauer-BreSlau statt, um eine Basis zu suchen, auf der Verhandlungen stattfinden konnten. Der Reichskanzler erklärte sich zu Verhandlungen bereit, wenn außer den Abgeordneten der beiden sozialdemokratischen Fraktionen die G e n e r a l k o m m i s s i o u als Vertreterin der Gewerkschafton beteiligt werde. Es könnten dann auch noch gewerkschaftlich organisierte Arbeiter, deren Beteiligung oder Nichtbeteiligung am Streik nicht nachgeprüft werden sollte, an den Verhandlungen teilnehmen. Es muß betont werden, daß die Generalkommisston der Gewerkschaften ihre Neutralität gegenüber der Streik- bewegung öffentlich erklärt hatte, da es sich offenkundig um einen politischen Streik handele. Einige Abgeordneten der beiden sozialdemokratischen Fraktionen besprachen die gemachten Vorschläge und kamen zu der Entschließung, dem Reichskanzler zunächst folgendes Telegramm zu senden: „Unterzeichnete Abgeordnete und K Funktionär« der Geiveck- schafisorganisationen, die von den Streikenden als ihre Vertrauens- Personen bezeichnet worden sind, ersuchen, empfangen zu werden, zunächst zur Erörterung des Versammlungsrechts. Antwort an Abg. Ebert erbeten. Ebert. Haase. Ledebour. Scheidemann." Nachdem dieser Vorschlag abgelehnt war, verständigten sich die Vertreter der Unabhängigen Sozialdemokratischen Partei und der Sozialdemokratischen Partei dahin, dem Reichskanzler nunmehr vorzuschlagen, einer Verhandlungs- kommjssion in folgender Zusammensetzung zuzustimmen: Haase und Ledebour, Ebert und Bauer sowie drei g e« werkschaftlich organisierte Arbeiter. Nach diesem Vorschlag wäre zwar die Generalkommission nicht offi- ziell, ober doch durch einen ihrer Vorsitzenden, der als sozial« demokratischer Abgeordneter an Stelle Scheidcmanns ein- treten sollte, vertreten gewesen. AuchdiesenVorschlag hat der Reichskanzler nach mehrmaligen Ver- Handlungen abgelehnt, weil er darauf bestand, daß die Generalkommssion der Gewerkschaften o f f i z i e l I bei den Verhandlungen vertreten sei. Die Kommission so zusammen- zusetzen, wie der Reichskanzler wünschte, hat die Unabhängige Sozialdemokratische Partei abgelehnt. Unsere Bemühungen. Verhandlungen herbeizuführen. sind demnach gescheitert. Eine Entsihcidung der Delegierten- Versammlung der streikenden Arbeiter über die Zusammen- setzung einer Verhandlungskommission läßt sich wegen des Verbots aller Versammlungen nicht herbeiführen. Berlin, den 1. Febniar 1918. Der Borstand der Sozialdemokratischen Parte». der baverifche Ministerpräsident dankt den Sozialdemokraten, daß sie die Führung in die Hand genommen haben. Aus München meldet W. T. B. unter dem 1. Februar: In der heutigen Sitzung der Abgeordnetenkammer erwiderte Ministerpräsident v. Dandl auf eine Rede dco sozialdemokratischen Abgeordneten S e g i tz: „Der Hauptausschuß des Reichstags hat hinreichend Klarheit geschaffen darüber, was die Reichsleitung und die Mehrheit der Volksvertretung in den Friede nszicl- fragen will. Gegen das, Nxis der Kanzler über die bei g i s ch e Frage sagte, kann ein bereckstigter Widerspruch wohl nicht ausgesprochen werden.(Lebhafte Zustiminnng rechts und in der Mitte.) Ich glaube nicht, daß wir von vornherein alles preisgeben können in einem Moment, wo die Feinde noch Forderungen stellen, die an die Lebensnotwendigkeiten des deutschen Volkes rühren. (Stürmische Zustimmung.) Das wäre falsche Diploinahe. Nicht annexionistische Bestrebungen, ein Gewaltsnede» und Schwertfrieden ist das Ziel der Rcichsleitung. Sie will nur den Bestand des Reiches sichern gegen Ueberfällc. wie wir sie erlitten haben. Ich bitte, doch nicht immer Mißtrauen zu hegen, sondern Vertrauen. Man darf nicht alle möglichen Punkte und Beschwerden mit der jetzigen Streik- bewegung in Verbindung bringen. Ich danke Ihnen(zu den Sozialdemokraten), svenn Sic jetzt dir Führung in dir Hand nahmen. Ich hoffe, daß dadurch die Bewegung in ruhige Bahnen gelenkt und der Ausstand baldmöglichst zu Ende gebracht wird. Die Streikvorgänge, insbesondere in Berlin, sind eine helle Freude für das Ausland. Auf i n n e r p o l i t i s ch e m Gebiet wird a l I e 3 geschehen, um die Zusagen der Neichsleitting zu erfülle n. Tie Warnung, die P o I i- zei möge nicht nervös werden, hat mein voll- k o m m e n c s Einverständnis, aber bitte, auf� der anderen Seite aber auch keine Nervosität,(Lebhafter Beifall.) Versammlungen unö demonstrationszng in München. Ruhiger Verlauf. München. 1. Februar.(W. T. v.s Wie die„Miinchener Neuesten Rachrichten" melde», erfuhr die Streikbewegung keine nennenswerten Lerstäl knngen. Ein Demonstrations- zug und verschiedene Versammlungen nahmen einen ruhigen Verlauf. keine Zweideutigkeit! Die„B. Z. am Mittag" findet, daß der„Vorwärts' in seiner gestrigen Nummer„einen einlenkenden Ton" ange- schlagen hat...ohne ganz aus der bisher leider beobachteten Zweideutigkeit Heraliszukommen". Schiefer kann man unsere gestrigen Ausführungen nicht ausfassen. Der„Vorwärts" hat davor gewarnt. �die Bewegung in tumultuarische Vgrgänge ausarten zu lassen. Diesen Standpunkt hat er immer, unter jeder Redaktion, eingenommen. Um ihn zu finde, i, hat er ein„Einlenken" gar nicht nötig gehabt. Im übrigen erklären wir unzweideutig: Wir st e h e n zu d e n A r b e i t e r n, und in schlveren Zeiten stehen wir erst recht zu ihnen.(Sollte es niemanden im Hause Ullstein geben, der für dieses Solidaritätsempfinden noch einen Rest von Verständnis befitzt?) Ob wir diese Belvcgung und ob wir sie im gegen- wärtigcn Augenblick gewünscht haben, steht nicht zur Debatte. Tatsache ist, daß sie aus Ursachen, um deren Beseitigilng wir uns vergeblich bemüht haben, ohne Zutun der sozialdemo- kratischen Partei entstanden ist. Nachdem es soweit gekommen war. hat die sozialdemokratische Partei nach den» alten Grundsatz gehandelt, daß man eine solche Bewegung nicht sich selbst überlassen dürfe. Sie »st in sie eingetreten in der Absicht, sie in geordnete Bahnen Zft leiten und so rasch wie möglich zu einem Ergebnis zu bringen, das der allgemeinen Sache des Volkes nützlich ist. Nachdem dieser Versuch gescheitert ist, bleibt kein weiterer „Vorwurf" gegen die sozialdemokratische Partei bestehen als der, daß sie sich in schwerster Zeit von den Arbeitern, ihre» Klassengcnossen und Brüdern, nicht getrennt hat. Diesen Vor- Wurf wird sie e r h o be n c n H a u p t e s tragen, unbekümmert sie sich in schwerster Zett von den Arbeitern, ihren Klaffen- genossen und Brüdern, nicht getrennt hat. Diesen Vonvurf wird sie erhobenen Hauptes tragen, unbekünuuert um das Gelarm. das»n der„B. Z." und anderen bürgerlichen Blattern erhoben wird., Regierungserklärung zur Streikfrage. Warum wird nicht verhandelt? Amtlich. Berlin, t. Februar. Oleqcniibcr den Arbeits- eiiistellungen in Groß-Bcrlin bot die Negierung von vornherein ?>en Standpunkt vertreten, das- sie nicht i,, der Lage sei. mit einem von streikenden Arbeitern ohne jede gesetzliche Grundlage gewählten„A r b c i t e r r a t" in Bcrhandlunge» über politische Fragen einzutreten. Tagcgcn hat sie stets ihre Bereitwilligkeit bekundet, die Lage mit den politischen.und gewcrkschaft- I i ch e n Führern der A r b e i t c r s ch a s t zu erörtern. Diesen Grundsätzen hat am gestrigen Tage auch der Reichskanzler bei einer Besprechung mit de» Abgeordneten Bauer und Schmidt Ausdruck gegeben. Er erhielt indessen balp darauf ein vo» den AK- geordneten Ebcrt, Hanse, Ledcbour und Scheidemann unterzeichnetes Telegramm, worin diese crsiichte», zusammen mit füns Funktionären »er Gewerkschaftsorganisation, die von den Streikenden als ihre Vertraue, lspcrsonc» bezeichnet worden seien, vom Kanzler empfangen zu werden, und zwar zunächst zur Erörterung des Vcr- jltmmlungsrechts.— Ta dieses Ersuchen mit der oben dargelegten grundsätzlichen Stellungnahme der Regierung nicht in Einklang zu bringen war, lies, der Reichskanzler mit den, Borschlag erwidern, das, an der gewünschten Besprechung je zwei Vertreter der beide» sozial- kunnokraiischei, Reichstagsfraktionen und der Generalkom- m i ss i o i, der Gewerkschaften teilnehmen sollten. Er 'stellte zugleich anhei»,, den Leitern der gewerkschaftlichen Organi- sation zn ihrer Unterstützung noch drei andere Vertreter der Ge- werkschaften beizugeben. Tic Gegenseite ging jedoch daeanf nicht ein, sondern schlug nun- mehr vor, die Abordnung n»S je zwei Vertretern der beiden Reichs- agSfraktionc» und ans drei in den, oben erwähnten Telegramm '.-zeichneten Geuxrkschaftsfnnktionärr» znsammcnzusctzcn. Unter ru beiden Mitgliedern der sozialdcmotratischen RcichStagsfraktion sollte sich der Abgeordnete Bauer befinde», der zwar der General- lommission der Gewerkschaften angehört, jedoch als Vertreter der 'Parteileitung an der Besprechung teilnehmen sollte. Die oou, Reichskanzler vorgeschlagene Zuziehung besonderer Vertreter acr Gewerkschaftsleitung sollte mithin unterbleiben. Der Reichskanzler konnte sich mit diesem Vorschlage nicht einverstanden erklären, da die so zusammengesetzte Ab- erdnnng sich wiederum als eine von der Streikleitung bcvoll- ii'iichiigte Vertretung der streikenden Arbeiter darstellte und nicht ei!S Verlretnng der Arbeiterschaft in ihrer Gesamtheit. Infolge- besten hielt der Zieichskanzler an der Antwort fest, die er auf das erwähnte telegraphische Ersuchen gegeben hatte Bon der Gegenseite lourdr jedoch erklärt, dag unter diesen Umständen auf den Empfang r.er Abordnung verzichtet werde.— Wie der geschilderte Sachverhalt ergibt, ist die Regierung jederzeit bereit, b e- rnfcnr Vertreter der werktätigen Bevölkerung ; i, empfangen und mit ihnen zu beraten. Als berufen zu solchen Berhandlungen sieht sie die Abgeordneten aller Fraktionen an, austcrdcm für die Erörterung der besonderen, i-ie BerusSintkreifen der Arbeiter betreffenden Fragen auch vi? Vertreter der verschiedenen gewerkschaftlichen Verbände.— Sic mutz es aber als n»vereinbar mit dem Wesen unserer staatlichen Ordnung ablehnen, über politische Lebensfrage» deS ganzen Volkes mit Vertretern solcher Sonder- gruppen zu verhandeln, die durch Niederlegen der Arbeit in Zeiten »aterländischrr Rot den Veweis dafür liefern, das, sie den Ernst st>rer schweren Verantwortung als Glieder der Gesamtheit deS ..entschen Volles nicht erkenne». �US öem Rsick. Bremen, 31. Januar. kW.?. Auf der Werf! der Aktien- Gesellschaft Weser bar heute morgen ein kleiner Teil der Arbeiter ■:e Arbeitsstätte verlassen. Ter Archeitexausschun ha: bisher die l'Zerftkeitmig nicht aufgesucht und ihr seine Wünsche nicht geäußert. D i c W e r s t wird unter militärische Lei: u u g g c- . e l l t. Aus den Hnnsa-LloyS- Werken ist der ArbcitcrauSschusz mit er Leitung in Verhandlungen eingetreten. Scharfmacherische MajsenpsMolsgie. Wir kennen sie von früheren Gelegenheiten her: der bekannte .. sekttrinkende Arbeiter", den irgendein Reporter einmal entdeckt 'xibsn wollte, muhte jahrzehntelang der Scharfmacherpresse als chauptbetvcisstück für die VcrschwsndunySfucht der Masten und die angeblich viel zu hohen Löhne dienen.— Tiefe Art der Masten- vshchologie feiert heute Auferstehung. Tie„Deutsche TageS- zeitung" teilt folgende Szene mit: „In der Straßenbahn fitzt eine blasse Stenotypistin, die Tochter e-nes unteren Beamten, die sich mir ihrem geringen Ein- kommen recht und schlecht für Deutschlands Sieg iiud Wohlstand durchgehungert habe», einige» wohlgenährten Fabrikarbeitc- rinnen und kräftigen, gulgckTeibcien jungen Männern gegenüber, deren Ruftreleu und Altssehen verraten, daß � sie zu NüstungSbet rieben gehören. Man spricht über den Streik. Tic fetcrnden jungen Lmste geben ihrer Befriedigung mit dem bis- herigen Verlauf desselben Ausdruck, und eine der gur aus- sehenden Arbeiterinnen tut den bezeichnenden Ausspruch:„T e s macht buch wen i g sten S n o ch mal Laune!" Psycho- logie der Massen: To wird da? Verbrechen des Streiks von einem großen Teil der irregeleiteten Arbeiter belvertek; welche Verantworrung aber nehmen dir Drahtzieher des Streiks auf sich, die sich bereits nach russischem Muster Aktionsausschuß und Ar- bei terra t nennen!" Tie Geschichte kam uns beim Losen bekannt vor. Wir halben sie in der Tat bereits vor vier Tagen von jemandem erzählen hör«», der sie aus zweiter Hand tucitergab. Bei dieser Gelegen keit dürfte sie auch der Berichterstatter der.Deutschen .Tageszeit ung" erfahren haben.' Ta ihn, die Geschichte aber in der damaligen knappen Fassung noch nicht effekwoll genug schien, so hat cr sie mit T e t a i l ö e i g e u c r Erfindung nach der ihm zweckdienlich erscheinenden Richtung hin ausstaffiert. Diese durch drei Hände gegangene Erzählung wird aber sicher noch zehn Jahre laug das„authentische Atalcrial" bilden, das als Grundlage für die Beurteilung der jetzigen Vorgänge dient. Eine ruhige Stimme zum Streik. Tie Rolle der Wahlrcchtsfrage. Gegenüber dem Toben der alldeutschen Presse, die an Starke der Ausdrucksweise alles bisher Dagewesene �über- bietet, zitieren wir nur ein bürgerliches Blatt, Tie„Frank- furter Zeitung" schreibt: Nach wie vor spielt bc: der ganzen Bewegung die W a y.- ech ts frage eine ganz besondere Rolle. Uill> cS zeigt sich, was ich ein nationalliberälcS Blatt, wir die Berliner„Börsepzcrtulvg" wvochcbt, wse verfehlt es war, den Urhebern dcZ ganzen Streiks durch die Art der Kommissionsbekalungen im preußischen Ab- geordnete nhanse einen Vorwand zu liefern. Nachdem die Re- gierung sich zur Einbringung der Wahjrcchtsvorlage entschlossen hatte, hätte eS der politischen Einsicht entsprochen, dem Gesetz- entwurf keine Schwierigkeiten zu bereiten, sondern ihm so schnell als möglich zur Rechtskraft zu verhelfen. Dar Vizepräsident deS preußischen Staatsnunisteriums Dr. Friedberg ist es g-ioesen, der, lange bevor man an die Möglichkeit eines Streiks dachlc, auf die Gefährlichkeit der Verschleppung hinwies und darin eine Schwächung unserer Widerstands kraft gegen die Feinde sab. Die Staatsregierung hat die Pflicht, und wir schöpfen aus der gestrigen Erklärung der �Nurddeutscheil Allgemeinen Zeitung" die Hoffnung, daß sie sich dieser Pflicht voll bc- wüßt iist, in der preußischen Wahlrechtsreform mit aller Enrrgie vorzugehen. Streiköebatte im �auptausschuß öes �bgeorönetenhaufes. In der DonnerSlagfitzung deS StaatshauShaltSausschusses des Abgeordnetenhauses kamen außer dein fortschrilttichen Roduer, dessen Aeußerungen wir bereits gestern nritgcteilt haben, auch noch Vertreter anderer Parteien auf die Streikbewegung zu sprechen. Ter I e n t r u m S r e d n e r, ein christlicher Ge- werkschaftsführsr, führte aus, daß die von ihm vor- urleilte Streilbcwegung in Deutschland durchaus nicht diesen großen Umfang kälte annehmen können, wenn man bei der De- Handlung der Arbeiter eine größere Rücksicht hätte walten lassen. Weiter wollte er auf diese Sache zurzeit nicht eingehen.— Ter Sozialdemokrat erklärte ebenfalls, auf die Streik- frage nicht eingehen zu wollen, da er von den Streikenden weder dazu ermächtigt fei, noch sich auch sonst berechtigt fühle, im Namen der Streikeiidoii irgendwelche Ausführungen zu machen. Er be- gnüge sich damit sestzustellen, daß sowohl ein Dclegiertentag der Hirsch- Tunckcrschen Gewcrkvcreiue im Bezirk Düsseldorf wie auch -in Dclegierlentag der christlichen Gewerkschaften im Bezirk Esse», nachdem sie sich gegen die Streikbewegung gewendet hatten, in ihren Entschließungen austraten, daß die Regie- rung die Arbeiterforderungen nach besserer Ernährung sorgfältig berücksichtigen müsse und daß die Verzögerung der inneren Reformen, namentlich die Bcrschlcppnug der Wnhlrejorm, in der Arbeiterschaft besonders böses Blut gemacht habe. Aus diesen Aeußerungen von oin Streik gar nicht beteiligten Arbestergruppen könnten sowohl die bürgerlichen Parteien, wie auch die Regierung ersehen, wo die Hehel zur Besserung angesttzt werden müßten. Ter Hnndelsminister äußerte sich zu dem Streil nur mir den Worten, er wolle in der gegenwärtigen Situation auf die Bewegung nicht eingeben. Er be- dauere nur, daß durch die Arbeitseinstellungen eine Verlängerung des Krieges einirete. Karl Stöger an wallraf. Genosse Bröger,'der vom Stoatsfekrestär Wallrof(früher schon einmal vom Neichskanzler) im Hauptausschuß des Reichstags zitierte Dichter, schreibt der„Frank. Tagespost": Zum zweiten Male widerfährt meinem Gedickt Bekenntnis die Ehre eines Zitats in öffentlicher Reichstagsverhandlung und wieder klingt dieses Zitat vom Regierungstisch her. Es scheint, daß die RegierungSmänncr die bewußten zwei Zeilen des Gedichtes end- gültig dem Sckatz ihrer politischen Schlagwort-, einverleibt haben. Dazu muß doch gesagt werden: TaS Gedicht Bekenntnis ist Ende 1l>1l entstanden, m einer Zeit also, da wir dem Krieg noch gefühls- mäßig ganz anders gegenüberstanden als im vierten KriegSjabr. Ich habe bei den Versen ganz unpolitisch gedacht, bcdaure es abcj: nicht, daß sie recht bald politisch aufgefaßt und verwendet worden sind. Natürlich besteht auch nicht der mindeste Anlaß, das Gefühl, dem die Verse entflossen sind, heute zu verleugnen. Nur muß klar und deutlich gesagt werden: Au daS Teutschland der Tirpitz und Reventlow, der BaterlandSpartei und der Erobrrungspressc ist in dem Gedicht mit keinem Wort gedacht. Gemeint ist das neue freie Teutschland, das Deutschland politischer und bürgerlicher Gleichheit und Gerechtigkeit. Für dieses Teutschland haben seitdem Hunderttausende geblutet. Staatssekretär Wallraf hat d:e Verse mit einen Spitze gegen die Arbeiterschaft versehen. Er ruft mich als Schwurzeugen für die Vaterlandsliebe des deutschen Arbeiters auf. Ich kann dagegen nichts tun. aber ich möchte doch zu bedenken geben, daß seit Ende 1914 die Welt nicht stillgestanden hat. Drei Jahre schmerzbollsten Erlebens liegen zwischen jenem Gedicht und heute, wie für mich, so auch für Millionen Menschen auf der ganzen Welt. Wir lieben unser Land, aber wir lieben auch die blutende, leidende Welt. Soll das kleinere Gefühl das größere ausschließen? Wenn deshalb vom Regierungstisch wieder ein für die Stimmung der Massen bezeichnendes Wort zitiert werden soll, so empfehle ich den Herren diese Verse aus einem Akt Spartakus von mir: Die ireue Welt will ohne Mord bestehn und dieses Amtes fühlt sie sich l>eruferi: Den Nienschen schützen und fein heiliges Recht! Zum Throne führt den Geist, der Taten denkt, und herrschen soll mit ihm nur d i e Gewalt, die alles Recht, das auf der Welt geboren, um feines reinen Daseins willen ehrt; Gewalt der Liebe! Ein Protest der Richter von Bad Oeynhausen. Wir übernahmen in unserer Nummer vom 25. Januar� 1918 aus einem anderen Blatt die Mitteilung, wonach In einer Strafsache gegen verschiedene Hoteliers der Stadt" Oebnhamen wegen Berabiolgung markenfreien Fleisches sämtliche Richter des Srieö sich Jür befangen erklärt halten,»eil sie selbst bei den betreffenden Hoteliers Fleischspeisen ohne Abgabe von Marken verzehrt härten. Hierzu schreibt uns Herr Amlsgerichtsrat Ä ä y s e r- Oeynhausen im Auftrag seiner Kollegen, daß diese Behauptung unwahr:st und jeder tatsäch- licken Grundlage c n tb eh r t Wir bedauern, einer falschen Nachricht zum Opfer gefallen zu sein. Im übrigen zeigte die Ans- machunz unserer Notiz, daß sie nicht als Vorwurf gegen die bc- treffenden Richter, sondern nur als eine Illustration bekannter Zeit- rrephältniffe gedacht war. örest-Litswsk. Kein Sonderrecht öer Kiewer frieden- üelegation. Der Kamps der zwei Gewalten, die in der Ukraine um die.Herrschaft rinaen. hat auf den Wiederbeginn der Brest- Litowsker Verhandlungen erheblich eingewirkt. Das war vor- auszusehen und wurde auch bereits angedeutet, als wir die Mitteilung gaben, daß eine zweite ukraimiche Delegation, eine marimalistische, zu den Friedensverhandlungen entsandt sei. In der Plenarsitzung am Mittwoch machte Trotz ki von dieser Tcl-sation der„Regierung der Räte der Arbeiter-, Soldaten- und Bauerndelcgiorten der ukrainischen Volks- repiiblik" Mitteilung. Er sagte: Ter Vorsitzende des ExelutivausschusseS, Herr Med w i e d e w, und der Volksstaatssekretär für militärische Ängelegeicheiten, Herr ch a ch r a y, befänden sich in Breft-Lrtowsk, und zwar innerhalb des Verbandes der russischen Delegation. Tiefe Tatsache, die von größter Bedeutung für den weiteren Gang der Verhandlungen sei. spiegele die Lage wider, wie sie sich in der Ukraine als Ergebnis der jüngsten Ereigniye entwickelt habe. Ta die Gegenparteien ein Interesse daran harte», genau über die Zustände in der Ukraine unterrichtet zu sein, so halte er es für notweridtg, eine kurze Erläuterung zn geben. Die ukrainischen Räte der Soldaten-, Bauern- und Arbeiter- Deputierten führten �in der ganzen Ukraine einen entschiedene» Kampf gegen die K i e w e r R a d a, wobei in vielen Teilen der Ukraine die Partei der Räte gesiegt habe, die im voll- ständiger Uebereinstimmung mit dem Petersburger Rate der Volks- kommisiäre auftrete. Das ganze KoUxnbecken des Doniez- Reviers, das ganze Bergwerksgebisi von Jekatcrinos- law und die Gouvernements Charkow und Poltawa seien in der Gewalt der iikrahrtschcn So weis. In den anderen Teilen der Ukraine wachse die Mächt der Sowjets und gebe der Einfluß der Kiewer Rada stetig zurück. Am Tage der Abreise Trotzkis aus Petersburg sei auf direktem Drahte aus Kiew gemeldet: worden, daß das Kiewer Generalsekretär rat zurück- getreten sei. Welche Lösung die Krise in der Kiewer Re- gierung gefunden habe und welchen Einfluß sie auf die Delegation des Herrn Holubowycz ausüben werde, fei noch nicht bekamst, doch gehe aus dem Dangelegten jedenfalls hervor,— daß ein mit der Delegation des Kiewer Sekretariats abgeschlossc- ncr Frieden unter den augenblicklichen Verhältnissen keinesfalls bereits als ein Frieden mit der ukrainischen Republik angesehen werden könne. In seiner Rede im Hauptausschutz des Reichstages habe der Staatssekretär von K ü h l m a n n es so dargestellt, als ob die russische Telegatioir die ukrainische solange anerkannt habe, wie sie annehmen konnte, letztsre würde die Rolle eines HÄfstruppS spielen; jetzt aber, wo die russische Delegation ihren Fehler ein- gesehen habe, verweigere sie ihr die Slnerkennnng. Ties sei eine zu subjektive Darstellung des Vorganges. Schon in der ersten Sitzung, in welcher die Frage der ukrainischen Delegation an- geschnitten worden sei, habe er erklärt, daß der Prozeß des « e l b stbe st i m mm ng s rech t es der Ukraine noch im Werden begriffen sei. Jetzt, wo in PetcrAurrg der allrussische Kongreß der Räte der Arbeiter-, Soldaten- und Bauern- Tcputierten tage, crus dem auch die ukrainischen Sowjets vertreten sein und wo einmütig föderative Grundlagen für die russische Re- publik geschaffen würde», entspreche die Ausnahme von Vertretern des ukrainischen Volks- sekretariats in die hiesige russische Delega- t i o n durchaus den Zuständen, die i n J) e r r u s s-i- scheu Republik Herrschten. Wenn die Delegation des Herrn Holubowycz nach wie vor ein Mandat des Kiewer Sekretariats habe, so erhebe seine Delegation keinen Einspruch gegen deren fernere Teilnahme an den Friedensverhandlimgen. Jedenfalls aber könnten nur solche mit der Ukraine getroffenen Abkommen anerkannt werden, welche durch die Regierung der föderativen Republik Rnsiland ihre formelle Bestätigung fänden. Hierauf gab der in Brest-Litowsk zurückgebliebene Ver- treter der ukrainischen Volksrspnblik, Herr Lewytsjkyj, folgende. Erklärung ab: „Vor der Abreise unserer Vertreter lourde unter den Mitgliedern der Delegation verabredet, daß bis zum Wiedereintreffen der ganzen Abordnung einzelne hier zurnckgcbliebeiie Mitglieder in politischen Fragen nicht austraten sollten. Daher bleibt die Stellungnahme unserer Delegation zu der hier abgegebene:! Erklärung des Vertreters des Rates der Volks- kommisiäre sowie zu der Frage der Zuziehung von Beriretern der Stadt Charkow zu der russischen Delegation bis zum Wieder- ei n treffen unserer Abordnung vorbehalte»-" Staatssekretär v o n K ü h l m a n n und Graf C z e r n i n stellten sich ans denselben Standpunkt, die Erörterungen über die Darlegungen Trotzkis bis nach Eintreffen der Delegation der Kiewer Rada ailfzuschieben. Trotzki erklärte Herrn v. Kühlmstnn gegenüber, cr habe seinerzeit tatsächlich nicht er- wähnt, daß ans ukrainischem Gebiet neben der Rada noch eine zweite Körperschaft bestehe, welche Anspruch daraus erhebe, das ukrainische Volk zu vertreten. Es sei für die russische Delegation kein Anlaß gewesen, zu dieser Frage Stellung zu nehmen, solange die Räte der ukrainischen Arbeiter-, 1 Soldaten- und Banerndeputiorten noch nicht entschieden hatten, ob sie eigene Vertreter zu den Friedensverhandlungen entsenden wollten. Die Frage, welche der beiden Organisationen das Recht habe, endgültig über d i e W ü n s ch e der ukrainischen R e p u b l i k z u sprechen, werde nach dem Ergebnisse des Kampfes zwischen den beiden O r g a n i s a- t i o n e ii zu entscheiden sein. Der Anregung des Grasen Czernin, inzwischen möge die Kommission für terri- tonale Fragen ihre Arbeiten wieder ausnehmen, schloß Trotzki sich an. In der Donnerstagssißung dieser Territorialfragen- kommrssion wurde die Frage des Rechtes der ukrainischen Tele- gation sofort aufs neue angesponnen. Gras Czernin wies darauf hin, daß die Kommission bisher die Frage der Gebiete besprochen habe, welche von reichsdeutschcn Truppen besetzt seien. Er schlage nunmehr v'or, zu versuchen, eine- gewisse Klarheit über das Gebiet zu schassen, das von ö st erroichisch- ungarischen Truppen besetzt sei. Vor Eintritt in die Einzelheiten dieser Frage möchte er bemerken, daß die Herren der ukrainischen Delega- t i o n auf dem Standpunkt ständen, sie hätten allein und selbständig über diese Fragen zu verhandeln und zu beschließen. Gegen diese Auffassung der Dele- gation der Kiewer Rada erhob T r a tz k i im Namen der russischen Regierung„m i t a l I e m N a ch d r» ck E i n s p r u ch". Er tügte hinzu: Was die materielle Seile betreffe, so sei er der Anficht, ans Gvrnid verschiedener Nachrichten, insbesondere aus Grund eines Telegramms, welches er eben erkalten habe, daß die Frage einer Teilnahme der Delega- lion der Kiewer Rada an den Brester BerhandliinLen mehr als eine Frage der Vergangenheit anzusehen sei, ixmm als eine Frage der Gegenwart und der Zukunft. Ter Inhalt des. Telegramms, den Trotzki im weiteren Verlaus der Sitzung bekannt gab, sagt, daß der a u s sch l a g- gebende Teil der Kiewer Garnison zur ukrainischen Sowjet-Regierung überge- gangen und die weitere Existenz der Rada nur nach ganz kurzen Zeiteinheiten zu bemessen jei. Auf Anregung des Vorsitzenden wurde darauf beschlossen, die Zuständigkeit der ttkrainrschen Delegation für territoriale Fragen in einer am Freitag abzuhaltenden Plenarsitzung � in Anwesenheit der ukrainischen Vertreter weiter zu besprechen. Eine Auskunft, die sich Trotzki zum Schluß erbat, stellt in Aussicht, daß in näcksster Zeit die Frage der Z u z i e h u n g eines Vertreters despolnischen Ministeriums zu den Friedensverhandlungen auf die Tagesordnung go langen wird. Depeschknfalschlmgen. In den am Mittwoch nnd Donnerstag abgehaltenen Brest- Litowsker Sitzungen kamen höchst beachtenswerte Telegramm- schwindeleieu, die auf dunkle Hände schlieren lasten, zur Sprache. Tro tzki kam auf die Angelegenheit zurück, welche bei Begüm der lehren Verhandlungsperiodc eine Rolle gespielt habe. Danrais sei ein angeblich von der Pererrburger Telegraphen- agenrur ausgegebenes Telegramm über eine in der ersten Sitzungsperiode abgegebene Erklärung Herrn Joffes zur Sprache gcbrachr und darauf bin- gewiesen worden. dost diese Depesche den Sachverhalt in wahrheitswidriger ZSci'c darstelle. Er, Trotzki, habe darauf erklärt, das; der deutsche und der ö st e r- reichisch-ungarischc tliche Bericht über die fragliche Erklärung Herrn Joffes ri Äfhg gewesen fei, während der au- gebliche Bericht der PeteiMprgcr Telegraphcnagcutur nickt den Tatsachen enlivreche. In dSsftr Sache habe et setzt in Petersburg eine Untersuchung vornehmen lassen, in der festgestellt worden sei. daß die Pctersdurgrr Telezraphenageiitur ein solches Telegramm überhaupt nicht abgeschickt habe. Wie dieses iKistvcr- ständniS oder diese Fälschung entstanden sei, vermöge er nicht nach- zuprüsen. Er überlasse eS den daran interessierten Slelkn, dies festzustellen. Vor Eintritt in die Tagesordnung der KommisstonSfitzung, die am Donnerstag abgehalten wurde, gab Trotzki sodann eine Er- klärung ab, in der er darauf hinwies, dag die heute in seine Hände gelangten deutschen Blätter ein angeblich von der Petersburger Telegraphen-Agentur stammendes Telegramm ent- hielten, welches» weim ihm Glaube» geschenkt werde, auf den Gang der Verhandlungen in schlimmster Weise einwirken tonne. Darin werde der Schlußpassus einer Rede angeführt, welche er vor dem dritten Kongreß der Arbeiter-, Soldaten- und Bauerndeputierien in Petersburg gehalten habe. Er habe tatsächlich dort einen Bericht über den Gang der FricdenSver Handlungen in Brest-LilowSk erstattet und habe seinen persönlichen Standpunkt und den Standpunkt der Delegation und seiner Regierung zum Ausdruck gebracht. Nach dem Telegramm Härte er angeblich gesagt, die Delegation würde keinen Sonderfrieden ab- i ch l i e ß e n. Diese Nachricht sei erfunden und stelle genau das Gegenteil von dem dar, was er gesagt habe. Die Vorsitzenden der ösierreichisch-ungarischen und der deutschen Delegation erklärten,'sie würden den Ursprung der frag- lichen Meldung feststellen lasten, woraus in die TageS- Ordnung eingetreten wurde. Die Meldung, die aus Stockholm kam und unterm A, Januar erging, legte Trotzki die Worte in den Mund: „Die russische Dekegatio« wird ihre Forderungen nicht preisgeben. Sie wird keinen Separatfrieden schließe». Die Bewegung greift aus Polen und England über. Tic Macht der imperialistischen uud bürgerlichen Regierungen ist unterminiert. Das europäische Proletariat wird uns unterstützen. Wir kämpfen für eine gemeinsame Sache und wir werden siegen." Diese Meldung, die also nach Trotzlis Erklärung das wirklich Gesagte in» gerade Gegenteil verlchrte, wurde von der bürgerlichen Presse in Fettdruck wiedergegeben und erregte natürlich nicht geringes Aussehen. WolffS Telegraphen-Bureau hatte sie aus Stockholm vermitell und dürtte also in der Lage'ein, bei Feststellung des»Ursprung»" der Depesche eine wichtige Rolle zu ipielen. ■ r.« 7 Was Trotzki im Sowjet gesagt hat. geben Londoner Meldimgen, über die da» holländische Nieuwe Bureau umemchlel, nach Angabe dc-Z„C. H." in der Fassung: daß leine Aussicht aus einen Frieden ohne Annexionen bestehe, und daß alles, was erreichbar sei, ein Kompromiß ivär«. DaS von ihm verlangte Versprechen, keine« Sonder- sricdru zu schließen, tonne und wolle er nicht abgebe». Er werde uuz alles tun, wa» zur Lerleldigung der Errungeuschasten der Re- volutjon notwendig sei. Deshalb werde er in Brest-Litowsk er- Küren, daß die deutschen Vorschläge überaus hart sind, aber daß Rußland vielleicht nichts anderes übrig bleiben werde al» teunoch einen Sonderfrieden zu schließen. Trotzki hofft. daß die Westmächte e» ihm nicht verübeln werden, wenn Rußland schließlich in einen Sonderfrieden willigt. Nach dieser Erklärung habe der Kongreß der Sowjet die Haltung der Vertreter in Brest-Litowsk genehmigt und sich gegen die deutschen Bedingungen ausgesprochen, die Vemmr aber zu allen notwcndigea Schrttlcn bevollmächtigt. Lorü llansüownes§rieöen. Lord Lansduwno hat nouerding» Anlaß gelioniuien, sich über den Zweck seines berühmten, an den„Daily Telegraph" gerichteten Briefes vom 29. November zu äußern. Eine Ab- orduung, die hauptsächlich aus Schriftstellern und Journalisten bestand, überreichte ihm eine Dankadresse und der Lord aut- wartete laut Reuter: Wo» den Zweck de» Briefe» anbelangt, so gab cS unter unseren Besten Leute, die verivim waren, weil sie die Ziele, für die der Krieg fortgesetzt werde, nicht kannten. Sie waren bedenklich, ober wenn man diese Leute von der Gerechtigkeit der Sache überzeugt. werden sie bis zum bitteren Ende arbeiten und kämpfen.(Beifall.) Tie Kriegszßele sind zwar inzwischen enthüllt worden, ihre ursprüngliche Fassung bcdnrste jedoch cincr Erklärung. Ich habe leine Klage gegen die Regierung: wir müssen die Schwierigkelten, in der sie_ sich befindet, berücksichtigen. Glücklicherweise stchen wir in diesem Krieg nicht allein, wir müssen unserer Ver- bündetc« gedenken und in den Zwangslagen, denen wir zweifellos gegenüberstanden, mußten eiligst Entschließungen getroffen und Ver- biudlichkciten eingegangen werden: das geichenkie Vertrauen mußte geachtet werden, mid ichIbin sicher, die allgemeine Ansicht auszu- drücken, wenn ich eS für undenkbar halte, daß wir irgendwie gegen imscre Verbündeten, die ruhmvoll au unserer Seile gekämvfl haben, nicht loyal sein könnten. Ich stimme jedoch mit der Er- klärung de» PiemierministerS vom 18. 1. übcrein, wonach er die Zeil für gekommen hält, unsere Kriegsziele darzulegen, die die Billigung' der vernünftigen nnd_ gemäßigten öffentlichen Meinung unsere» und aller anderen Länder finden würden. Ich glaube, daß wir alle bereit sind, diesen schrecklichen Krieg so lange fortzusetzen, bis wir einen klaren Frieden bekommen können. Aber wir wünschen, daß keine Gelegenheit versäumt werde, diesen Frieden näher z» bringen. Einige halten an der Meinung fest, daß ein solcher Friede durch Verhandlungen erreicht werden könne, andere glauben, daß er nur durch einen vollkommenen Sieg, entweder durch eine cnltchetdende Kampf Handlung oder einen Zer- I e tz» n g S p r o z e ß erreichbar sei. Er wisse jedoch keine gebenden Personen, die bereit seien z» sagen, ei» vollkommener Sieg im Feld sei tn Sicht. Zersetzungsprozeß müßte sehr lange ö a u crn, Personen, die dieser Frage sehr viel Beachtung gejchenkl haben, meinten zwei Jahre. Wir müssen uns vorstellen, was noch zwei Jahre Krieg bedeuten, da» Anwachsen der Staatsschuld, die Knappheit a n 2 e b c n L m i t t c l n würde in eine Hungersnot ausgeben und ein LeidenSzu stand in der ganzen zivilisierten Welt cintreteui Darum uiüffcu wir versuchen, einen ernsthaften dauernden Frieden zur richtigen Zeit zu erreichen. Der einzige Weg dazu sei die Vereinigung aller Mächte, keine Vereinigung einer Gruppe gegen eine andere Gruppe, dahiugcbend, jeden internationalen Streit einer Art internationalen Gerichtebos zu überweisen und gegen alle verbrecherischen wider- spensligep Teilhaber Zwang anzuwenden. Die Teilnahme Deutschlands au einem solchen Uebereinkommen würde die Verneinung d e S preußischen Militarismus be- deuten.__ StreikSedaae im Serliner Rathaus. Das VerfammlunjZ'kverbot nnd die Freisinnigen. Zu»' GfM�Äußerten sich am Donnerstag die Stadtver- ordnetM ftVnnn. Die Unabhängigen Hatten einen A n t rag'eingebracht, der gegen daS Pom Oberkommando er- gangene Verbot der Streikveriamlungen protestierte und den Magistrat zu Schritten der Abwehr aufrief. In der Be- gründung des Antrages führte Dr. W e y l ans, die Lorgänge der letzten Tage seien gerade aus dem Verbot zu erklären. Wie sollen wir, fragte er, an die Unbesonnenen herankommen, wenn es uns nicht in Versammlungen möglich ist? Ober- bürgermeister W e r m u t b bedauerte, daß dem Magistrat eine Möglichkeit, auf die Bchoegung einen Einfluß auszuüben, bisher nicht gegeben worden sei. Ob der Magistrat etwas gegen das Versammlungsverbot zu unternehmen bereit sei, ging ans seinen Worten nicht hervor. Als erster Rodner der Freisinnigen lehnte Stadtverordneter Cassel ab, in den Streik einzugreifen, der zur- Erringung politischer Ziele ver- anstaltet sei. Seine Freunde würden gegen den Antrag stimmen, damit man nicht glonbe, daß sie diesen Streik billigen. Für die s o z i a l-d e m o k r a t i i ch e Fraktion erklärte unser Genosse P s an n k n ch, sie stimmen selbst- v e r st ä n d i i ch für den Antrag. Er hob hervor, daß Partelporstand und Generaüommtjsion längst die Regierung auf die Notwendigkeit einer anderen Ernährungsregelnng hingewiesen haben. Einmütig habe sich der Parteiansschuß dahin ausgeiprockien, daß der Beloger ungszustand aufgehoben werden müsse. Die Parteileitung habe sich bemüht, in die Strerkbemegung einzugreifen, um sie in geordnete Bahnen zu lenken. Dazu sei aber nötig, den Arbeitern ihr Vereins- und Versammlungsrecht zurückzugeben. Pfannkuch wies daraus hin, daß sa auch die Freisinnigen ans Prinzip für diese Forderung eintreten müßten. Aber der Stadtverordnete M o m m- s c n, der dann das Wort ergriff, lehnte noch schroffer als Cassel ab, hierzu eine Hand zu rühren. Tie Erregung der Tribünenbesncher. die sich schon vorher in Zwischenrufen ge- äußert hatten, nahm bei den Ausführungen Mommsens zu. Sie erreichte ihren Höhepunkt während des Schlußwortes von Ad. H o f s m a n n, der die Ereignisse der letzten Tage schil- derte. Mehrfach halte Vorsteher Michelet die Zuhörer zur Ruhe gemahnt und ihnen mit Räumung der Tribünen ge- drobt. AIS sie beim Schluß von Hoffmonns Rede in Beifall ausbrachen, ordnete der Vorsteher an:„T i e T r i b ü n e ist zu räumen!" Diese MMregel verursachte bei den Trü- l'nnenbeiuchern einen so st ii r'm t s che n Auftritt, wie er in dem Berliner Stad tve rord ndtensaal noch nicht dagewesen sein dürfte. Tie Erregtesten schleuderten heftige Schmäh.o- ft in den Saal hinab, i'o daß der Vorsteher die Sitzung einst- weilen aufhob. Freisinnige Stadtverordnete wandten sich jetzt mit Vorwürfen und Verwünschungen gegen Hoffmann, so daß cs auch unten noch ein lärmendes Durcheinander gab. Nach- dem Magistratsdiencr die Tribünenbesucher hinausgeschoben hatten und die Sitzung wieder eröffnet worden war, schritten die Stadtverordneten zur Abstimmung. Sie ergab A b> lehnung des Antrages mit 73 Stimmen gegen 31. N ur die beiden sozialdemokratischen Fraktionen stimmten für ihn. GroßSerlm fin unfers Leser! Durch den Zwang der Verhältnisse ist es uns gegenwärtig nicht möglich, unsere Leser über zahlreiche Ereignisse zu unterrichten, die sie besonders interessieren würden. Wir bitten, diese Unterlassungen nicht etwa als den Versuch eines„Tot- schweigens" seitens der Redaktion deuten zu wollen. Taö Berliner Strasienbild. Tie Polizei hotte am Freitag alle Plätze, wo am Donners- tag Ansammlungen stattgefunden hatten, durch zahlreiche Schutzmannschaften besetzt.� Der Humboldthain war völlig ab- gesperrt. Streikende sah man in der Nähe der großen Fabri- ken die Straßen passieren. Zu Ausammlungen oder Demon- strationen kam es nicht. Dagegen ist es in der Nacht vom Donnerstag zum Frei- tag auf dem Alexanderplatz zu jsinem Zusammenstoß zwischen der Polizei und einer Anzahl Streikender gekommen. Auch haben am späten Abend noch mehrere Verhaftungen statt- gefunden._ Verhaftung des Reichstagsabgcordncten Tittmann. Der der unabhängigen Fraktion angehörende Abgeordnete Tittmann ist am Tounerstäg vormittag während einer Ansprache, die er an die im Treptower Park ver- sammelten Streikenden hielt, von der Polizei verhaftet worden. Dittmann war bekanntlich Mitglied der Streik- leitung. Wie die bürgerliche Presse mitteilt, sieht die Staats- anwaltschaft in der Ansprache DittmannS eine strafbare Handlung. und zwar nicht nur eine Uebertretuug des Belagerungs- zustandsgesctzes, sondern eine Aufforderung zum Landesverrat. Der RcichStagsabgeordncte Dittmann ist gestern früh dem zuständigen Staatsanwalt zur Vernehmung vorgeführt worden._ Ter Streik nnd die Grosie Berliner. Tie Direktion der Großen Berliner Straßenbahn teilt mit, daß ihre H a u p t we rk sta t t infolge der Arbeitseinstellung� st i II- gelegt werden mußte. Tic am Tonnerstag während der»Straßen- unruhcn umgeworfenen und beschädigten Anhangewagen sind in de» ReparatunwerkstäticTi der einzelnen Bahnhöfe wiederhergestellt worden. Gegenwärtig verkehren auf den meisten Strecken_ namentlich im Norden und Osten» keine Auhäitgewagrn. Störungen des Strastenbahnbetriebes fanden gestern vormittag gegen tt Uhr, tvie andere Blaticr melden, an mchccrrn Stellen statt. In Treptow, in der B r u n n en st r a tz c, in der Pankow er Allee, in der Äcker st ratze und am Grünen Weg bildeten sich um diese Zeit luiederwn starke Ansammlungen. An den Haste- stallen wurden die Stratzenbahnwagcn gestürmt und am Weiterfahren gehindert. Die Sckieibeii der Wagen wurden zertrümmert, die Kontaktstangen beschädigt, die Kurbeln weggenommen und sdilietzlich wurde das Stratzenbahnpcrsonal der betreffenden Wagen mitzhandclt. weil es stell weigerte, die Perrons zu verlassen. Bis jetzt basten sich schon eine Anzahl Auft'ichtsbeamt«, Fahrer und Schaffnermnen als dienstunfähig infolge der erlittenen Verletzungen gemeldet. Jnrolgcdessen mutzte der Verkehr von und nachTreptow eingestellt wenden, während auf den anderen Linien, auf denen sich Tumulte abspielten, llmlenkungen statt- fanden. Die Polizei machte überall da. wo es zu gewaltsamen Be- lriebsstörungen kam, von der blanken Waffe Gebrauch. Gctvcrkschaftshaus und Polizei. In unserem gestrigen Artikel„Der Streik" war mitgeteilt worden, datz ein Teil der Gewerlschaslsaugesiellten der Aufforderung der Polizei, das Haus zu verlassen und ihre Bureau» zu ichließen, Folge geleistet hätte. Wie wir erfahren, entspricht diese Mitteilung nicht den Tatsacken. Sämtliche GcwerksckastSangestellte haben es abgelehnt, den, Verlanaen der Polizei zu entsprechen, und die Polizei hat keinen Versuch gemacht, die Angestellten mit Gewalt zu entfernen._ Tie erste Tagung der austcrordcntlichen Kriegsgerichte. Am heutigen Tage weiden im Krüninalgericht die ersten Sitzungen der autzerordentlichcn Kriegsgerichte abgehalten. Die Verhandlungen finden statt: für Vergeben und Verbrechen die inner- halb de» Bezirks des Landgerichts ll tder Süden Berlins und die südlichen Vororte) begangen sind, im Zimmer 408. für den Bezirk de? Landgericht» III.(der Norden Berlins, lCharlottenburg) im Zimmer 418 und für den Bezirk des Landgerichts I(Berlin 2-Mitte> im Zimmer 400 des Neuen Kriminalgerichtögebäudes in der Turm- stratze.___ Berliner Lebensmittel. Auf Abschnitt 3 der Lebensmittelkarte der Stadt Berlin ent- fallen 160 Gramm Grietz. Außerdem werden auf die Ab- icknilie 1 und 2 der Lebensmittelkarte der Stadt Berlin für Jugendliche je 100 Gramm, insgesamt also 200 Gramm Graupen und Grütze abgegeben. Die Abschnitte beider Karten sind vom Sonntag, den 3., bis Dienstag, den b. Fe- bruar. in den durch besondere Verkaussschtlder gekennzeichneten Äleinhondelsgcschästen abzugeben. Die Ware wird nach Ablauf der üblichen Frist zur Verfügung stehen. Außer der Verteilung der obengenannten Lebensmittel findet i» der Zeit voni U.— 20. Februar noch eine Verteilung der Fett st eile Groß- Berlin nach Maßgabe der Aushänge in den betreffenden Geschäften für eingetragene Kunden stall. Auf Abschnitt 34 der Eierkarte kann vom 4. bis 16. Februar ein Ei a 4L Pf. entnommen loerden. Preiserhöhung für Kraukcnbrot. Da die ReichSgelreidestelle den Krmmunalvcrbändcn für Kranken- zivecke zurzeit ein erheblich bessere» Mehl, da» entiprechend teurer ist(Auszugmebl) zur Verfügung gestellt hat, mußte der Preis für das Rranlenbrot entsprechend erhöbt werden. Er ist mit Wirkung vom 4. Februar für das 1950 Gramm schwere Krankenbrot auf 1,10 M. festgesetzt worden. Als Kranlenmehl wird nur noch Aus- zugmehl zum Preise von 34 Pf. je Pfund abgegeben! Herabsetzung der Petroleumratio«. Der Berliner Magistrat teilt mit: Wider Erwarten hat die Zahl der berechtigten Anträge auf Zuweisung von Karten» p e t r o l e n m derart zugenommen, datz eS bei der zur Verfügung stehenden Petrolcummenge riolwendig geworden ist, die für den Monar Januar dem Einzelne» bewilligten Wochemnengen im Fe- bruar von 2 Liter auf Ist., Liter bezw. von 1 Liter auf'/z Liter herabzusetzen. Gcgeu eine Tariferhöhung der Grostc» Berliner. Ter Verband der Beamten und Lehrer für Groß-Berlin hat an den Vorsitzenden des VerbandsausschufseS de» Zweckverbandes Grotz-Berlin �den Antrag gerichtet,„einer Tarrf- erhöhung der Groß-Bcrliiicr Stratzenbahn nicht zuzustimmen, be- sonders einer Erhöhung des VerkehrSlarifS um SO Proz,, vielmehr den dankenswerten Befchlutz der Verbände Versammlung vom Jahre 1916 aufrechtzuerhalten". Er begründet den Antrag mit dem Hin- weis auf die bedrängte Lage der Beamten« und Lehrerschaft Groß- Berlins, vornehmlich auf die gering- besoldeten Beamten und Lehrer, die tagtäglch auf die Verkehrsmittel angewiesen sind; er meint, daß die schwere Belastung durw die Lage der Großen Berliner Straßen- bahn nicht gerechtfertigt wäre angesichts der VorkehrScinschränkunge» und der Mehreinnahmen, die sie durch die weit stärkere Benutzung der Wagen erzielt. Neukölln. LebenSviittel. Bon beute bis Freitag, den 8. Februar, dürfen in denjenigen Geschäften, in welchen die Anmeldung zum Bezüge von Kolonialwaren erfolgt ist, aus Abschnitt 1 der a llg e- ru e> n e n L c b e n» m i t l e t k a r t e für Neukölln löO Gr. Graupen bezw. G e r st e n g r ll tz e, auf Abschnitt 2 ISO Gr. Teigwaren entnommen werden. Aus die LebeuSmiltclkarte für Jugend- liche dürfe» die vorstehend genannlenNälirmiUel nicht entnommen werden. In den sr ä d i i s ch c ,i lö e r i a u f S st e l l e n dürfen von heute ab am Abschnitt 1—3 der neu ausgegebenen Lebensmittelkarte für Jugendliche 35�) Gramm Nährmittel lBuchweizenmchl, Buch- iveizengrütze, MorgeNtrgnk, lose Suppen usw.) entnommen werden. Uud zwar erfolgt die Abfertigung an Inhaber der Lebensmittelkarte mit den Anfangsbuchstaben A— E Sonnabend, den 2. Februar, F— II am Montag, I— K am Dienstag, L— B, am Mittwoch, S am Donnerstag, T— Z an, Freitag. Ein Anrecht auf eine be- stimmte Art von Nährmitteln steht dem Käufer nicht zu. In den Leriaufsstellcu gelangen antzerdem noch folgende Waren zum Vertauf: Nährhefe je Pjuud t.öO M., Suppe Agne« je Stück � 15 Pf., Brühwürfel 3 Stück 10 Pf.. Steckrüben je Dose 80 Pf.. Den„vorwärts" zu abonnieren hat jetzt jeder denkende Arbeiter mehr denn je Anlaß. Warum? Diese Frage wird sich jeder Leser selbst be- antworten können. Dann wird er dafür sorgen, daß der folgende Bestellzettel nicht unbenutzt bleibt: Ich abonniere ab 1. Februar 1918 den„Vorwärts". Abonnement monatlich 1,59 M. Name_____ Wohnort-—-—- Straße_—---- Nr___ LZilbenienslei sch je BMse 5.60 M, Kaninchenfleisch je Vflchs« 5 37?,, Äauillchcu klein je Süchte 3 M Der Verkauf findet an Neuköllner Einwohner ohne Se- ichränkuiist statt. Die für den Abschnitt 35 der Eierkarie noch sehlende Menge Eier find jetzt eingetroffen: Abschnitt 35 fft nur noch bi-Z Donners- rag, izen 7. Februar, gültig. Schöueberg. Die Kriezslohuzulazeu der ftädtischen Ardeiter neheu zurzeit gegeunber den Zulagen, die die Arbeiter anderer Äe- ineinben Groff-Serlins erhallen, an letzter Stelle. Eine zeirgemäffe Erhöhung der ÄNiegslohnzulagen ist dringend geboten. In der letzten Setriebsveriamnrlung wurde eine Enttchlietzung angenornmen, die ieifftellt. daß die bisher gewährten Kriegsbeihilfe» wie Äriegslohn» Zulagen Bei Berücksichtigung der mastloseu Teuerung und der äufierft niedrigen Grundlöhne völlig nnznreickend find. Es wurde beschlossen, beini Magistrat eiue Erhöhung der Kriegslohnzulagen inn 2,50 M. pro Tag für alle Handwerter. Arbeiter und Arbeiterinne», zahlbar ab 1. Januar ISIS, zu beantragen. Pankow. LeieuSloittek. H a fe r fl o cke n dürfen auch indiesem Monat nur an Kinder im 1. und 2. Lebensjahre anf Grund der er- r illen amtlichen Bezugscheine von den hiesigen Apotheken und Drogerien verabfolgt werde». Die sür Kranke ungültig gewordenen Bezugscheine für Haferflocken werden vom 6. Oktober ab tat Zimmer 4t deS Rathauses gegen Bezugscheine für andere LebenS- mittel umgetauscht. Groß-SerZiner parteinachrichten. Alt-Glienicke-FaUenberg. Tie Milgliederversaurmlung, die zu Sonntag, nachmittags 4 Uhr, einberufen war, fällt aus. chretreligtoic Gemeinde. Morgen Sonntag, 3. Februar, vormittag» »Uhr. Baphel-Allee 15/17:«taiköfa. Jdeal-Kaüno. ZZeichselltr 8; Cdtt- vichotteteeihe, Wichelmmcnhosftr 43, Bii Otto Pomp..Freireligiöse Bor. -esuiig'. IQ»/, Uhr, Kleine Franiiurter Str. 6, Vortrag von Herrn Bruno Wille:»Mutter Erde'.— Säfte willkommett. Schutz fiir Arbeiterinnen unö �ugenöliche. Von Rudolf 38 i s s eil. Äus der eigenett Anschcimmg über die schweren. Schäden des in so vielen Betrieben beseitigten Arbeiterschutzes für Frauen und Jug endliche haben die jetzt Streikenden die For- derung auf Wiedereinführung dieses Schutzes erhoben. Keine Forderung ist berechtigter wle diese. Durch daZ Notgcfetz vom 4. Attgust 1944 über B e- fchäftigungsbeschränkurtgen gewerblicher Arbeiter ist' der Reichskanzler für die Tauer des gegen- wärtigen Krieges ermächtigt worden, entweder allgemein oder für bestiinmte Arten von Anlagen von einer Reihe von Schutzbestimmungen der Gewerbeordnung Ausnahmen zu ge» währen. Zu diesen Schutzbcstimtstungen. gehören auch die über Frauenarbeit und Beschäftigung von Jugendlichen. Das dem Reichskanzler generell eingeräumte Recht ist den höheren Verwaltungsbehörden für einzelne Betriebe eingeräumt worden. Auf Grund dieser Befugnis ist nun in überaus zahlreichen Betrieben der Arbeiterschutz für Frauen n.w In- aendliche beseitigt worden. Ter Reichskanzler selbst hat von seiner Befugnis keinen Gebrauch gemacht. Die Befreiung von den Arbciterschutzvorfchriften ist in solchem Umfange von den höheren Verwaltungsbehörden be- willigt worden, daß man geradezu sagen kann, daß heute der Arbeiterschutz ein großes Trümmerfeld t st. Es ist den Arbeitern heute gor nicht möglich, im Einzel- falle festzustellen, ob sür einen bestimmten Betrieb der gefetz- liche Arbeiterschutz noch in Kraft ist, oder durch Gewährung von Ausnahmen beseitigt ist. Durch die Einberufung über- aus zahlreicher Gewerbeaufsichtsbeamtcn und der technischen Aussichtsbeamten der Berussgenossenschaften ist auch eine be- hördliche Kontrolle der etwa noch gellenden Vorschriften über- aus erschwert. Das hat natürlich auch die Nichtbeachtung der Arbeiterschutzbestimmungen in solchen Betrieben und Anlagen zur Folge gehabt, für die Ausnahmen von den gesttzlichen Schutzvorschristen nicht bewilligt worden sind. So lastet denn der Krieg, von allem anderen ganz abge- sehen, ganz besonders schwer auf den arbeitenden Frauen und den Jugendlichen. In einer das physiologisch zulässige Maß oft weit übersteigenden Weise werden ihre Kräfte in Anspruch genommen. Geradezu charakteristisch für die den Frauen zu- jjemutete Arbeit sind eine Reihe von Einzelangaben in einer vom Deutschen Metallarbeiterverband im vergangenen Jahre herausgegebenen Broschüre über die Frauenarbeit in der Metollindustrie während des Krieges. In einem Betriebe des Schiffbaues werden Frauen sogar mit Stellagenbau beschäftigt. Aus dein oberichlesischen Industrie- gebiet wird mitgeteilt, daß{m einem Betriebe Frauen und Mädchen an der Fertigstraße stehen und mit Zangen die durchkommenden Fertigprodukte abnehmen. In einem an- deren Betrieb waren die Frauen imt dem Tragen der Pfannen beim Gießen beschäftigt. Als besonders schwere Arbeit wird das Befördern von Eisenteilen, das Vorhallen beim Nieten, das Stemmen mit Preßluft usw. bezeichnet. Sogar mit dem Fällen eines Kupolofens wurde ein Mädchen beschäftigt. Ter Unfall- und Gesundheitsschutz ist überaus mangel- Haft. Festgestellte lange Arbeitszeit, Fehlen der borgeschrie- betten Pausen, Nacht- und Sonntagsarbeit sür Frauen und AehnlichcS ergab sich für die große Mehrzahl der von der Er- Hebung erfaßten Betriebe. Nur aus einem Fünftel der Betriebe wurde die Frage nach dem Einhalten de r Bestimmungen des Arbeite- r i n n e tt s ch u tz e s bejaht. Sogar schwere Verstöße gegen die Unfallverhüiungsporschriften wurden gemelöet:„Die Wechselräder an den Drehbänken lausen alle ungeschützt." „Da an den Maschinen(Stoßwcrk mit Exzenterpressen) die Schutzvorschriften fehlen, ist die Zahl der Unfälle(Finger- Verluste) eine hohe." In einem Falle wurde festgestellt, daß eine Frau schon vierzehn Tage nach der Niederkunft die Arbeit wieder auf- nahm. Schwer lastet der Krieg auf den Schultern der Frau. Ihre Arbeitsüberlastung ist geradezu zu einem bevölkerungs- politischen Problem geworden. Die Frau soll der kommenden Generation das Leben geben. Nicht nur sie selbst, sondern auch die kommende Generation leidet schweren Schaden, wenn die ihr obliegende körperliche Arbeit ihre Kräfte übersteigt. Und die gegenwärtige Arbeil übersteigt ihre Kräfte. Und ebenso ist es bei den Jugendlichen. Heute wird bei ihnen verbraucht, was, erst ausgereift, der Volkswirtschaft In der Zu- kunst dienen sollte. Diese schweren Schäden der Beseitigung des Arbeiter- schutzes haben der Sozialdemokratie int Reichstag schon mehr- fach Anlaß gegeben, die Wiedereinführung des Arbeiter- schutzes zu fordern. Sie sind niit diesem Verlangen auch von den bürgerlichen Parteien int Stich gelassen worden, die von der Ansicht ausgingen, daß der Arbeiterschutz während des Krieges hinter der Erzielung der höchsten ProduktionS- lcistung zurückstehen müsse. Ein solcher Grund kann heute nicht mehr gelten. Eine nur kurze Zeit der Mehrleistung wäre erträglich gewesen. Die andauernde Ueberanspannung schädigt die Volkskraft in schwerster Weise. Die Produktion muß sich den Bedürfnissen der Zeit anpassen-, andauernder Raubbau geht nicht an. Aus diesen Erwägungen heraus, aus der tiefen Kenntnis der tatsächlichen Wirkungen des fehlenden Arbeitcrimicn- schutzes fordern die Arbeiter die Wiedereinführung des Ar- beiterschutzes. Tie Erfüllung dieser Forderung dient der Volkswirtschaft in weit, weit höherem Maße, wie die unge- Hemmte Ausnutzung, wie die heute betriebene schranken- lose A n s n n tz ii�n g der Arbeitskräfte. GewekkschHsbkwVUNg Emi! Dobttn gestorben. Ein großes. übetauS arbeitsreiche» Leben hat am Donnerstag- abend seinen Abicklütz gesunden; Töblin. der langjährige Bor» sitzende deS Deutschen Buchdruckerverbands», ist von einer beinobe ZOjäfirigen Tätigkeit durch den Tod abberufen worden. Gleich herben Verlust erleidet die Gewerkschaftsbewegung durch den Tod TöblinS wie im Jabr« 1912. als ein ibm Gleicher, Bömelburg. der deutschen Arbeiterbewegung durch den Tod entriffen wurde. Bömelburg war außer seiner gewerkschaftlichen Tätigkeit auch in der politüchen Bewegung- hervorragend tätig. Döblin» Wirken und Schaffen konzentrierte sich auf rein gewerk schaft- liche Tätigkeit, die. soweit er sie kür den Buchdruckerverband auZ- übte, später in vielen Fragen richtunggebend für die deutsche Gewerk- sSaftsbewsgung überhaupt wurde. Seine großen organisatorischen Verdienste für seine engere Berufsorganisation zu würdigen, wird Aufgabe dieser selbst sein, für un» gilt c» hier nur, seine Vorbild- liche Stellung als GewerkschaftSsührer im allgemeinen zu würdigen. Döblin war der eifrigste Verfechter de» Tarifvertrags» gedanken». der anfänglich sehr starken Anfeindungen ausgesetzt war, im Laufe der Zeit sich aber siegreiche Bahn verschaffte. AIS nach dem im Jahre t8Sl/S2 verlorenen Kampfe um den Neun- stundentag im Bnchdruckgewerbe die Organisation sich allmählich wieder erholte, war eS ihr Vorsitzender, der in den nachfolgenden Fabren, feit 1896, am Wiederonfbau der Tarifgemeinichast emsig wirkte. Er galt als bester Kenner der Tariffrag« und gewisier- maßen als Gutachter, und er wurde in dieser Frage nicht nur in Gewerkschasiskreisen ol» Berater geschätzt, sondern auch von anderen Kreisen um seine Meinung angegangen. Sein zielklarer. durch reiche praktische Erfahrung gestützter Standpunkt zu ollen gewerkschaitlichen Fragen und Geschehnissen war geradezu muster- gültig. Vom g-raden Weg der praktischen Gewerkschaft»» Politik biuline ihn nicht» ab. am wenigsten mancherlei empfind- liche Angriffe, die namentlich in früheren Jahren gegen ihn und seine Organisation erhoben"»irden. Und eine straffe, für die Ge- werkschast aber notwendige und sehr nützliche Disziplin wurde von ihm befürwortet und speziell im Buchdruckerverbände durch- gesetzt, die nicht zuletzt den Elfolg hatte, daß der Verband fast den letzte it BerufSgenosien organisatorisch er- faßte und unter sein starke» Schutzdach führte. Festgefügt, un- erschütterlich auch in dieser schweren Kriegszeip finanziell stark, in den organisatorischen Einrichtungen mustergültig, so stellt sich da» Lebenswerk beute dar, dem der Verstorben« seit 1888 al» Borsitzender. vorher schon als Berliner Gauvorfitzender, in steter Arbeitsfreudigkeit treu gedient hat. Aber auch an der Hauptleitung der Gewerkschaftsbewegung war Döblin als eifrige» Mitglied tätig. Seil dem Januar 1903 gehörte er der G e n e r a I! o m m i s s i o n der Gewerkschaften al» Mitglied an, nachdem ihn der GewerkschafiSkongreß in Stuttgart 1902 dazu gewählt hatte. Sein Rat und seine Meinung galt dort alleweil sehr viel, seine klare und nüchterne Beurteilung gewerk- schastlicher Dinge war stets von nicht geringer Bedeutung. Seine bi» in die letzte Zeit dort so rege entfaltete Mitarbeit wird schwer vermißt werden. Seit Oktober bongen Jahre» kränkelte Döblin. Sein« näheren Freunde und Kollegen führten seinen KrankheitSzustand aus die jetzigen schlechten Eniährung«verhältniffe zurück. Ein unheilbare» Leberleiden aber zehrte au ihm und zwang den SSjährigen auf da« Sterbelager. Weit über die Gewerkschaftskreise hinaus wird tiefe Trauer über den Tod de» treuen, allgemein beliebten und geachteten Gewerkschastskämpfer» sein. Die deutsche Gewerkschaft»- Bewegung aber und der Buchdruckerverbond haben einen schweren Verlust zu beklagen, denn einer ihrer Besten kann für sie nicht mehr wirken. Sein Andenken aber wird fortleben, und sein Lebenswerk wird in der deutschen GewerffchoftSgeschichte al» leuch- tendes Vorbild allezeit dastehen. Eine mahnende Stimme aus dem �elde. Wie innig zahlreiche GewerkichaftSgenosien im Felde sich mit dem Wohl und Wehe ihrer Berufsorganisation verbunden suhlen. ,eigt sich jedem, der die GewerlichastSpresse verfolgt. Viele Tausende sind eö, die, obwohl abgeschlossen von ollem kulturellen Sein, dennoch mit ganzem Herze», am ferneren Schicksal ihrer Organisation interessiert sind. Und gerade jetzt, da noch in vielen Gewerkschaften die Fragen des zukünftigen AuZbaneS ihres Beitrag»- und Unter- stützungSwesens sowie die Erfasiung aller noch Fernstehenden in den Nahmen der Organisation erörtert werden, greifen die feldgraue» GewerkschoftSgenossen lebhaft ein, um im BerbandZorgan ihren daheimgebliebenen BerufSgenosien mit Rat zurseite zu stehen. Ein Beispiel dafür, daß gerade lange zum Kriegsdienst ein- gezogen« GewerkschaitSgenosien da» lebhafteste Interesse für die wirtschaftliche Erstarknng bekunden, bietet uns da» VerbandSorgan der Porzellan- und verwandter Arbeiter und Arbeiterinnen Deutschlands..Die Ameise". In der keramischen Industrie zeigt sich«ine zunehmende Ver- trustung, eine steigende Macht de? Unternehmertum», während die Arbeitcrverbände an Mitgliedern und an Mitteln gerade durch den Krieg geschwächt wurden. Neuerdings tritt nun ein Genosie au» den, Felde für die Schaffung eines größeren Keramarbeirerbelbante» ein. Ter Genosse betont: Nach dem Kriege wird wahrscheinlich»ine neue Epoche der Weltwirtschaft beginnen, da heißt es auch sür die Arbeiter und deren Organisationen auf dem Posten sein. Hierzu brauchen wir in erster Linie eine stark« Organisation. Also müsien unsere nächsten grundsätzliche» Aufgaben sein: 1. Agitation. 2. Für eine Verschmelzung der Verbände der keramischen Arbeiter ciü- treten. Der Kollege F... meinte, nach dem Kriege wurde mancher der Feldgrauen den Weg zum Verbände nicht wieder zurückfinde!!. Ich habe bis jetzt im Feld« eine andere Auffassung gewonnen. NC Feldgrauen wissen, daß sie für alle jahrelange» Strapazen' und Entbehrungen aus einen Dank des Unternehmertum nicht zu rechnen haben, daß sie nur erreichen und besitzen werden, waS sie sich mit Hilfe und kraft ihrer Organs sationen zu erobern wissen. Aber wir, die wir jähre lang geradezu Unmenschliches ertragen und erduldet habe», wic haben ivohl auch ein Recht, zu verlangen, daß wir dann vorn Ertrage unserer Arbeit un» anständig ernähren, kleiden und wohnen kännen. Kollegen und Kolleginnen daheim I Ackert und lockert denBoden für unsereSaat.sorgtnnd schafftfür euren, für unfern Verband, für Besserung un- serer Verhältnisse. Da» ist mein Reujahrsgruß«n alle von euch, vom Felde auS. Hoffentlich kommt der Frieden bald, dann treffen wir un- wieder im Kampfe um unsere Existenz. In diesem Sinne grüße ia/ euch alle.__ Tarifkündigung der Schuhmacher. Die Schoßbranche der Schuhmacher hat in einer Versammlung am Montag e i n st i m m i g beschlosien. den bis zum 31. März laufen- den Tariwerirag zu kündigen. Für den Abschluß eines neuen Bertrage» stellte die Versammlung folgende Forderungen auf: Die Lohnsätze deS alten Tarif» sollen einschließlich der bi» jetzt bewillig len Teuerungszulagen, die für Akkordarbeiten 109 Proz., für Zei! lohnarbeiter 70 Proz. betragen, al» neue Grundlöhne anerkanni werden. Zu diesen Grundlöhnen soll noch eine Teuerungszulage von 30 Proz. gewährt werden. Außerdem wird noch eine Aenderung de» Vertrages in dem Sinne gewünscht, daß die Stücklohnsätze»ich! durch einzelne Firmentarife, sondern durch einen allgemeinen Tatii festgesetzt werden, welcher der unterschiedlichen Oualitäl der Arbeiten dadurch Rechnung trägt, daß zwei Tarifklasien— die eine mir Höberen, die andere mit etwas geringeren Lohnsätzen— eingerichtc: werden. Industrie und tzanöei. Streik und Börse. Ter Streik warf schon in voriger Woche einige Schatten aus? Börsengeschäft. Da» Gerücht von dem bevorstehenden Ausstand tauchte bald auf, wurde nach den österreichischen Erfahrungen berei: willig geglaubt und durch die Mitteilungen über die aufgesundeiiei! Flugblätter bekräftigt. Eine starke Wirkung zeigte sich in der Kurs Bildung nicht. Die allgemeine Unsicherheit über die Friedensvec Handlungen und andererseits über die Steuerpläne, dann der Ausstand in Oesterreich und die von alldeutschen Fanatikern heraui beschworenen Krisen— alles das hat schon seit geraumer Zeit di' Geschäftsluft gedämpft, so daß die auf den schnellen Erfolg eing. stellte Tagesspekulation nicht alluviel Ware an den Markt zu bringen hatte. Da» sogenannt«„Publikum" der Kapitalisten häi an seinem Besitz unverdrossen fest. Als dann der Streik tatfächlia! ausbrach, erniedrigte sich wohl allgemein das Kursniveau, aber durchaus nicht sehr stark oder infolge drängenden Angebots, sondern weil die Käufer Zurückhaltung übten. Auch wurden Leerverkehr vorgenommen, d. h. es wurde entweder die Lieferung der Aktie- hinausgeschoben oder es wurden geliehene Stücke geliefert beide■ in der Erwartung, sich billig eindecken zu können. Da die Börse am DonnrStag den Höhepunkt des Streiks überschritten glaubte, so setzte: Dsckungskäuse ein, die noch durch Rück- und Neukäufe verstört. wurden. Am Freitag setzte sich die nach oben gerichtete Kursbe- wegung kräftig fort, wozu die relativ versöhnliche Sprache der»Nord?. Allgem. Ztg." und der Friedensverhandlungen beitrugen; der Kur: stand von Ende letzter Woche wurde aber noch nicht erreicht. In allgemeinen läßt sich sagen, daß di« Börse ein« empfindlich« Schädi gung der Industrie nicht annimmt, sondern eher an eine Ersparung von Kohlen glaubt und den Streik für einen„Ersatz" von Feie: schichten hält. Dieser Optimismus, der wieder einmal beweist, daß die Börse dauernde Wirkungen gegenüber AugenblickSstimmungen vernachlässigt, wurde wesentlich dadurch gekräftigt, daß sich das TranSportgewecbe am Streik nicht beteiligte und die Zeitungen weiter erschienen, wenn auch mit Ach und Krach. Frankreichs Finanzen. Dem„TempS' zufolge betrogen die im StaatShauSbalte Frau'- reichs für 1918 vorgesehenen gewöhnlichen Ausgaben 7 769 818035 Frank, denen an gewöhnlichen Budgeteinnahmen 7 530 623 930 Fron' gegenüberstehen. Zur Deckung des Ausfalls sollen neue Finanz � maßnahmen getroffen werden, wodurch der Staatskasse schätzungsweise ungefähr 301", Millionen zufließen werden. Für die Zeil dauer vom 1. August 1914 bis 81. Dezember 1917 ergibt sich für Frankreich folgendes Finanzbild: Budgetmäßig« Kredite 106 500 000 000 Frank. Dem Staatsschatz« und der Finanz. Verwaltung sind ans direkten und indirekten Steuern, Staatsschatz- scheinen, Anleihen usw. 101 Milliarden zugeflossen. Lotste Naäsrickten. Trotzki über Englands Absicht. Petersburg, 30. Januar. In einer Rede im Kongreß der Arbeiter- und Soldaren rate am 26. Januar erklärte Trotzki:»Ter englische Imperialismus hat erkannt, daß er Deutschland nicht be siegen kann. Run ergibt sich auf Kosten Nutzland« die- jenige Kompensation, die man Deutschland lassen muß. um«S be- seinen Unterhandlungen mit den englische» und amerikanischen Imperialisten nachgiebiger zu stimmen. Einen unmoralischen Frieden kann es nicht geben, es kann nur zu einem unglücklichen Frieden kommen. Wollten wir uns verpflichten, auf all« Fälle nur einen allgemeinen Frieden zu' schließen, so hieße das. der französischen und englischen Börse einen Wechsel ausstellen, der nur mi: Strömen Bluts unserer Soldaten eingelöst werden könnte." Mehrere Versammlungen in München. München, I. Februar. Die Polizerdireltion München teilt üd-r den Stand des Streiks in München mit: Tie Streikbewegmvg ist keine allgemeine geworden. Eine geringe Zunahme ist zu kon- statieren. I m Laufe des Vormittags finden mehrere Versammlungen statt. WetternuSlichten für da» mittlere Noeddeuttchiand vi» Sonntag tnlttufl. Zcitwcil« aufklarend, jedoch vorwiegend trübe oder nebelig, kein« oder unerheblich« Niederschlage, am Tag« größtenlcilS lcorcn, in der Nacht zun: Sonntag strenger Frost. Verantwortlich sür Politik: Erich Kut.ner, Berlin: sür den übriaen Teil Blattes: Alfred Scholz Neukölln; für Anzeigen: Theodor Stocke. Berlin. Verlag: Vorwärts-Berlag iL.«. W H.. Berlin. Druck: Borwärts-Buch< drmkerei und BerlagSanstalt Paul sing« n. Co. in Berlin, Lindenslrnße 3.