Nr. 36. 35. Iaisrg. Bezugspreis: Li erteil Shrl. iJO Kl. monatt.! JSOSC. frei ins Haus, vsruusintiib�l. Einzeln« Nummern W Psg Postbezug- Monat- lich ISO Kl Unter Kreuzband für Deutichtand und Oesterreich s Ungarn L,— Ml. für das übrig» iwsland 4d0 Ml monatlich iieriand ms Feld beidirelter Sestellung monail lchvKl Postbestellungen nehmen an Däne- mar!, Holland. Luxemburg, Schweden und die Schweiz Emgelragen in dt« Post-ljettunaS-Preisltsl«. Sricheini tSgttch« Telegramm-»dreste »Sozialdemskrat Berlin�. Verlinev VolkSblnkt. s 10 Pfennig) Anzeigenpreis« Die fiebengelpaUene Kolonelz evekoslrt SO Pfg.„Kleine ätnutgen", dllS fettgedrullte Wort SV Pfg. izulässtg 2 fettgedruckte Worte), fedes weitere Wort tll Pfg. Stellengestiche und Echiafstellenunzeigen das erste Won 10 Pfg., jedes weitere Wort b Pfg. Worte über Ib Buchstaben zählen für zwei Worte. Teuerungszuichlag 20°/» Familien- Anzeigen S« Pfg.. polittiche u. gewerlfchaflltche Bereins- itnzcigcn 40 Pfg die Zeile,«n, eigen kür die nächste Nummer müssen vis 5 Uhr nachmitt. im Hauptgeschäft. Berlin SW.tiL. Lindenstrahe L, ab- gegeben werden. Geäffnet von 3 Uhr früh bis 7 Uhr abend». Zentralorgan der fozialdem okr ati f d)en Partei Deutfcblands. Reöaktwn: Ew. SS, Ltaüenstraße Z. Fernivrectier-«oir Morttzvlav. Vit. 15190—151 97. Die Pflicht öer Regierung. Wenn wir den Grafen Hertling richtig verstanden haben, so überwiegt in seiner Betrachtungsweise der Streikbewegung das kriminalistische das politische Eleinent. Der Streik ist für ihn nicht in erster Linie eine politische Willenskund- gebung, sondern etwas Verbotenes, Unerlaubtes, worüber es gar keine Diskussion geben kann. Seine Weigerung, mit Ver- tretern der Streikenden zu verhandeln, lägt keine andere Deutung seiner Auffassung zu. Wir wollen uns an dieser Stelle nicht mit dem Stand- Punkt des Grafen Hertling auseinandersetzen. Wir wollen vielmehr versuchen, in seine Psychologie hineinzuschlüpfen. Denn wir sind der Ansicht, daß auch die Auffassung des Streiks als einer unerlaubten Handlung die Regierung nicht von der Notwendigkeit sehr raschen, einsichtigen Handelns entbindet. Nach der Hertlingsclfen Auffassung— wir bleiben im folgenden immer in seinen, nicht in unseren Gedankengängen — haben sich Hunderttausende von deutschen Arbeitern zu un- erlaubtem, verwerflidfem Tun hinreißen lassen. Ein wirklich sich seiner Verantwortung bewußter Staatsniann wird sich nicht mit dem Gedanken abfinden können, dies Tun zu irgend- einer Zeit unterdrückt zu haben oder seine Unterdrückung durck andere mit angesehen zu haben. Er wird sich auch bei seiner Auffassung fragen müssen: Wie war es möglich, wo. liegen die tieferen Ursackfen und wiekannichdieseUr- fachen beseitigen? Für den Grafen Hertling ist der Streik ein Kriminalfall. Aber bei plötzlicher Häufung einer bestimmten Art von Strafvergehen wird sich keine einsichtige Regierung dabei de- ruhigen, daß Strafurteile gefällt werden. Nehmen wir beispielsweise den Schleichhandel. Alle Einsichtigen sind sich darüber klar, daß ihn noch so massenhafte Bestrafungen von Oberbürgernlcistcrn, Stadt- räten und selbst Polizcioberhäuptern nicht ausrotten werden, sc dern daß er nur durch schärfere Beschlagnahme der Lebensniittel beim Erzeuger beseitigt werden kann. Die Beseitigung der sozialen Ursachen ist bei allen Masscndelikten zehnmal wichtiger und erfolgversprechender, als die Be- ftrafungt die Vorbeugung ist gegenüber der Ab- schreckung das ungleich wertvollere Mittel. Das muß man sich gerade auch dann sagen, wenn man die Dinge vorwiegend kriminalistisch beurteilt. Rechtsstehende Blätter äußern ihre hohe Befriedigung über die Unterdrückung des Streiks. Wir wissen nicht, ob Graf Heriling von dem Verlauf der Dinge ebenso befriedigt ist. Aber, auch wenn dies der Fall sein sollte, so hätte er sich als Staatsmann darüber klar zu sein, daß die mechanische, äußerliche Beilegung des Konflikts seine innere Beilegung nicht überflüssig, sondern e r st recht notwendig macht. Kurzum, wenn Graf Hertling auch mit den Streikenden während des Streiks nicht ver- handeln wollte, so wird ihm doch sein inneres Verantwortungs- gefühl zwingen, wenn auch nicht mit den Personen, so doch mit ihren sachlichen Forderungen, wenn auch nicht während des Streiks, so selbst nach dem Streik„in Verhandlung zu treten". Die rechtsstehende Presse empfiehlt dem Reichskanzler allerdings gerade das geeignete Verfahren. Ihr ist der Streik willkommener Anlaß, gegenalleF orderungen des Volkes aufzutreten. Dabei bewegt sie sich in sonder- baren Zirkeln. Einmal bezeichnet sie es als großen Beweis der Reife des Volks, daß nur ein angeblich kleiner Bruchteil gestreikt habe, dann aber ist ihr der Streik wieder ein Beweis für die politische Unreife der großen Volksmasjen. Die„Ber- liner Neuesten Nachrichten" beschwören sogvr die Regierung, die Macht nicht aus den Händen zu geben, die ihr„die be- stehenden Gesetze zum Schutz der Arbeitswilligen gegeben haben". Noch viel zahlreicher sind die Versuche, die Negicriing vom Wege des g l e i ch e n W a h l r e ch t s abzudrängen. Läßt sich die Regierung hierauf ein, so würde sie, um in Hertling- schen Gedankengängen zu bleiben, etwa ebenso verfahren, als wenn sie drakonisckte Strafen auf den Schleichhandel.setzte, gleichzeitig aber die Nachprüfung der Lebensmittelbcstände bei den Erzeugern ausheben würde. Ein Nachgeben an die Wünsche der Reaktion hieße, nach der Beendigung des Ge- schehnisses die Ursachen, aus denen es erwachsen ist, noch zu verstärken und zu v e r g r ö ß e r n. Ein verantwort- sicher Staatsmann wie Graf Hertling wird mit Recht be- zweifeln müssen, ob eine solche Methode der Erzeugung einer Stimmung dienlich ist, wie gerade er sie wünscht und wünschen muß. Es wird jetzt viel die Frage der Verantwortlich- k e i t für den Streik diskutiert. Fest steht, daß die Sozial- demokratie an dem Ausbruch des Streiks durchaus unbe- teiligt ist. Ebenso fest steht aber auch, daß sie seit Wochen und Monaten die Regierung gewarnt und immer wieder ge- warnt hat. SW kannte die Stimmung in den Massen und wies immer wieder auf die M i t t e l hin, der Unzufriedenheit abzuhelfen. Ein Einziges sei hier angeführt: Gerade in den Tagen der größten Erregung tagte die Wahlrechtskommission des Abgeordnetenhauses, Aber sie beriet nicht das gleiche Wahl- Dienstag, de« 3. Februar 1318. recht, welches fast das ganze Volk verlangt, sondern jenes war zurückgestellt worden hinter die Beratung der Herrenhaus- vorläge. Dazu war über das gleiche Wahlrecht im Plenum in einer Weife gesprochen worden, welche in den großen Volks- masscn alle Hoffnung auf sein Zustandekommen dahinschwinden lassen mußte. Möglich, daß die Sache für jemanden, der hinter die Kulissen blicken konnte, nicht ganz so kritisch aussah, aber das große Publikum sieht nicht hinter die Kulissen und hält sich an das, was es schwarz auf weiß gedruckt liest. Und da konnte es nur Absage über Absage von den Parteien lesen, die im Dreiklasscnhause die große Mehr- heit bilden. Was aber war der wesentliche Inhalt der Herrenhaus- beratung gerade in der kritischsten Zeit? Endlose Reden wurden darüber gehalten, ob der Kronprinz bei seiner Großjährigkeit ohne weiteres ins Herrenhaus gelangen oder ob es hierzu erst einer Berufung seitens des Königs bedürfen sollte. Dann unterhielt man sich über die Rechte aller möglichen Fürstenhäuser, de? Hohenzollern- Sigmaringer, der Augustenburger, der dcpossedierten Häuser von 1866, der mediatisiertcn von 1863, darauf kamen die Grafen und edlen Herren, der Großarnndbefitz, die Groß- industrie, die Hausbesitzer usf. Am Schluß kamen endlich die Arbeiter, für welche die Regierung überhaupt keine Vertre- tung vorgesehen hatte. Demgegenüber erschien schon fast großartig ein konservativer Antrag, der unter den 156 vom König zu berufenden Herrenhausvertretern der Arbeiterschaft ganze sechs Vertreter sichern wollte, wohlgemcrkt, sechs Der- trete?, auf deren Wahl die Arbeiter nicht den geringsten Ein- fluß haben sollten. Man wende nicht ein, daß diese Dinge stch zum Teil erst ereigneten, während der Streik bereits im Gange war. Sie haben sicher nicht zur Beruhigung der Gemüter beigetragen und sind nur das letzt? Glied dessen, was öc rangegangen ist. Hier ist es Pflicht der Regierung, einen Anfang zu machen. Sie setze alle ihre Macht dafür ein, daß der Wahl- rechtsvorlage eine andere Behandlung zuteil wird. Sie kann es durchsetzen, wenn sie will. Sie hat iifl äußersten Falle das Mittel der Auslösung des Abgeordnetenhauses. Hier kann sie etwas tun, wenn sie will. Und das Interesse des Landes ver- langt dringend, daß etwas getan werde. Das Urteil gegen öen Reichs- tagsabgeorSneten dittmann. Zeitungsverbote. Wolffs Bureau meldet vom gestrigen Montag: In der heutigen Sitzung des außerordentlichen Kriegsgerichts vor dem Landgericht II stand die Hauptverhandlung gegen den Reichstagsabgeordneten Dittmann von der Partei der Unabhängigen Sozialdemokraten an. Vorsitzender war Landgerichtsdirektor Leue, Berichterstatter Kriegsge- richtsrat Dr. Koshler, Verteidiger die Rechtsanwälte Haase und Dr. Herzfeld. Der Berichterstatter beantragte wegen versuchten Landes- Verrats in Tateinheit mit Vergehen gegen 8 9d des Gesetzes über den Belagerungszustand und wegen Widerstandes gegen die Staatsgewalt 6 Jahre Zuchthaus und Verlust der bürgerlichen Ehrenrechte auf die Dauer von 5 Jahren, Das Gericht erkannte auf 5 Jahre Festungshaft wegen versuchten Landesverrats in Tateinheit mit Vergehen gegen das Gesetz über den Belagerungszustand und auf 2 Mo- nate Gefängnis wegen Widerstandes gegen die Staatsgewalt. Das Gericht nahm das Vorhandensein mildernder Um- st ä n d e an und erkannte auf Festungshaft, weil es nicht fest- stellen zu können glaubte, daß die Straftat aus einer ehr» losen Gesinnung entsprungen wäre. Wegen unerlaubter Veröffentlichung eines Berichts über die Verhandlung sind folgende Zeitungen verboten:„Post", „Deutsche Tageszeitung",„Deutsche Zeitung",„Deutscher Kurier",„Deutsches Lehrerblatt",„Berliner Blatt" und „Reichsbote". Wir sind infolgedessen nicht in der Lage, über den Prozeß berichten zu können._ was soll öie Serliner Konferenz! Und wo bleibt der Reichstag? Uebcr die Berliner Konferenz, die von W. T. B. mit großer Feierlichkeit angekündigt wurde, ist in der Presse ein großes Rätselraten entstanden. Was sollen K ü h l m a n n, Ludendorff, Czernin, Wedel in Berlin? Das „Verl. Tagebl." z. B. schreibt: Die Verhandlungen von Brest-Litowsk werden natürlich nicht unerörtert Sleiben, aSer sie werden bei dieser Beratung an- scheinend nicht im Vordergründe stehen. Wenn man sich weiter auf Kombinationen einlassen will, so wird man die Ursache der Berliner Zusammenkunft also anderswo suchen müsse« und es bleiben kxpeüitioa: EW. b?» jsinöenstraße Z. Ztzeriitvreche»:, Amt Mortvplao, Str. 151 SV— 151 97. dann vor allem zwei Möglichkeiten. ES bleibt die Möglich- keit, daß, neben der territorialen Abgrenzung der Ukraine, Fragen besprochen werden sollen, die sich an die Kriegsziele anderer Staate« gegenüber, zum Beispiel Rumänien oder Italien, oder auf das zukünftig« Ver- h ä l t n i s zu einem oder dem anderen dieser Staaten, beziehen. Und es bleibt die Möglichkeit, daß, vielleicht in Verbindung damit, die Regelung ganz bestimmter„politischer und Wirtschaft- licher Fragen" zwischen Deutschland und Oesterveich-Ungarn wün- schenswert geworden ist. Der Reichstag ist nicht so neugierig wie die Presse, er hat n i ch t den Wunsch, etwas Näheres zu erfahren, er hat vielmehr in seiner Mehrheit den Wunsch, zu Hause bleiben zu dürfen. Seltsame Zeiten, fürwahr, seltsame Zeiten! Schweden und Zinnlanö. Die �nterventionsgefahr. Stockholm, 4. Februar.(Eig. Drahtberich! d.„Vorw.".) Die Aktivistenhetze für Intervention in Finnland nimmt die schärfsten Formen an, nachdem du Regierung gegenüber einer Deputation konseroatwer Preß- lente eine offizielle Einmischung als derzeit unerwartbar be- zeichnete. Die von diesen Preßleutcn geplante Freiwilligen- Werbung für die finnische Bürgerregierung gibt Gelegenheit zu weiterer aktivistischer Demagogie, der auch die gesamte übrige Presse, ausgenommen die Presse der Linkssozialisten, ungeachtet der prinzipiellen Ablehnung der Intervention tat- sächlich Vorschub leistet. Die aktivistische Presse fällt die Regierung an, weil diese den Waffentransport nach Finnland für die S ch ü tz r n k vr p S verhindere. Aus den Protest Siiolas ver Palmstjerna gegen solchen Transport wies Palmstserna Sr- rola an, sich diesbezüglich an den Helsingforser schwedischen Gesandten zu wenden. Das Verbot des Waffentransports entspricht dem von Schweden gegenüber allen Kriegführenden durchgeführten Verhalten. Der Einwand, daß Finnland kern kriegführender, sondern ein neutraler Staat sei, ist formell richtig, aber zweifellos würde die Intervention die Kon- fliktgefahr mit Rußland verschärfen, da fr?:- Nische Schützen die russischen Garnisonen gewaltsam zu enr- waffnen streben. Viel bemerkt wird das an die Alandsbewoh- ner, die eine Vereinigung mit Schweden anstreben, gerichtete Wort des Königs, welches diese Frage als zwischen Schweden und Finnland zu lösende bezeichnet und Rußland ungenannt laßt. Die Aktivrstenhetze darf nicht unterschätzt werden, da einerseits der Gedanke der Befreiung Finnlands von Ruß- land in der Tradition siebt, andererseits die bougcoise Klassen- solidarität hier den ideologischen Mantel der nationalen Soli- darität mit den finnischen Schweden umhängt. In Finnland fällt nämlich die Klassenschichtung allgemein mit der nationalen zusammen. Indem man das sinnische Proletariat als Ableger und Vasallen eines großrussischen Bolschewismus hinstellt, sucht man die schwedische Bourgeoisie Finnlands als wahre Vertreterin der finnischen Unabhängigkeit auszugeben, obzwar dieselbe sich noch vor einigen Monaten gegenüber der damaligen sozialistischen Landtagsmehrhcit auf die russische Koalitionsregierung stützte. Einstweilen scheint die l i b e r a l- s o z i a l i st i s ch e Koalition Schwedens einer Intervention noch abgeneigt, wobei Wohl die Furcht mitwirkt, daß bei dem dann unvermeidlichen Konflikt zwischen der wohlorganisiertcn konservativen Partei und dem revolutionären Teil des Pro- letariats der Liberalismus zerrieben und auch die gemäßigte Sozialistenpartei gefährdet würde. Besonders kritisch würde die Situation, wenn die Bedenken verschwänden, durch Jnter- vention auf der Innenseite anzustoßen, was nicht ausgeschlossen ist, wenn die Entente die Hoffnungen auf Ruß- land endgültig verliert und vielleicht auch bei Schweden ent- sprechende Konzessionen in der Tonnagefrage erhält. Jedenfalls ist die Gefahr, in die Welthändel verwickelt zu werden, für Schweden setzt die ernsteste seit Kriegsbeginn. Der Bürgerkrieg in Zinnlanö. Das Eingreifen der Petersburger Regierung. Einem Funkspruch zufolge hat die Petersburger Regie- rung dem Präsidenten der Regierung der finnländischen Re- publik, in Beantwortung seiner Mitteilung, betreffs E i n- Mischung russischer Truppen in den Bürger- k a m p f im Innern Finnlands, folgende? mitgeteilt: Di« russische Regierung erachtet zusammen mit Ihnen die ge- waltsame Einmischung russischer Druppentcilc in dir inneren Angelegenheiten Finnlands für unzulässig, ebenso, soviel wir wissen» auch vom QUsichtßpunkt des rovolutionäre» finnländischen Proletariats. Aber jene Nachrichten, die wir von diesen Teilen und ihren Mannschaftsbeständen haben, daß die gegenrevolutionürcn chauvinistischen Elemente der finnländischen Bevölkern ng russische Sol- daten angreifen, auf Eisenbahnzüge schießen, u. a. m., rufe» wirkliche Selb st verteidigungs maßnahmen hervor. Zu- sammcn mit Ihnen halten wir für unbedingt notwendig, in kürzester Frist Fmnbmd vog russische« Truppe« zn reinige«, An Ergänzung von Nachriinten, die gleich nach Ausbruch der Revolution das Eingreifen bolschewistischer Truppen bei Wiborg meldeten, teilt Svenska Telegrambyran am Sonn- abend mit: Dem hiesigen finnischen Gesandten meldet ein Telegramm ans Helsingfors, daß starke Abteilungen der russischen Roten Gardisten und Soldaten von Petersburg nach Wiborg gekommen sind, um die Revolutionäre zu unterstützen. Wie„Dagens Nyheter" aus Helsingfors erfahren, haben die russischen M a t r o- s e n beschlossen, an der Aufruhrbewegung der Roten Gardisten teilzunehmen. Der finnische Geschäftsträger, Staatsrat von Gripenbsrg in Stockholm, hat dem dortigen deutschen Gesandten mn 23. Januar einen Protest der finnischen Regie- rung gegen die Maßnahmen der russischen Regierung überreicht. Ter Protest sagt, Rußlands Ver- halten bedeute eine„schwere Kränkuna Finnlands als selb- ständiger Staat". Er ergeht an alle Mächte, die die Selb- ständigkeit Finnlands anerkannt haben. Stockhotm, 2. Februar.(Meldung des Svenska Telegram- bhran.) Die Weihen Garden beherrschen nunmebr daS ganze Land nördlich von der Linie Nystan d— T a m- merforZ— Wiborg. In Oesterbotten nahmen sie Artillerie, Sprengstoffe, Maschinengewehre und Gewehre. Verstärkungen tref- fcn täglich ein. Der Kampf bei K e r a w a dauert an. Es kämpfen mehrere iausend Mann auf jeder Seite. Ruhe scheint zu herrschen in Wo, TammerforZ und Wiborg. Die Nacht war dort ruhig, aber die Lage bleibt sehr drohend. Stockholm, t. Februar. Der Sonderberichterstatter des SvenSka Telegrambyran meldet aus Helsingfors vom 81. Januar: D''e Weihe Garde besetzte Raumo, Lobisa und Borga. Viele Russen verlassen nicht nur die AalandSinseln, sondern über- baupt Finnland. In Helsingfors herrscht trotz des AuSstandes Ruhe. Die neue Regierung hat befohlen, die Staatsbank zu offnen und die Einlagen der Privatbanken durch die Staatsbank anszu- zahlien. Dt« Kätner und Kleinkätner wurden für vollständig frei erklärt. DieÄerwal!ungderProvinzenundGem«inden ist in die Hände.er organisierten Arbeiter über- gegangen.__ DeutWemö und öulgarten. Die„Norddeutsche Allgemeine Zeitung" schreibt unter der Überschrift:„Bulgarien imd wir": Die letzten Verhandlungen der bulgarischen S o b r a n j e stellen ein kräftiges Bekenntnis zu der Bündnispolitik dar, der Bulgarien die großen Erfolge dieses Krieges vordankt. Mit besonderer Aui» merlsamkeit sind hier auch die Aouherungen zur Kenntnis genommen worden, die sich auf die Verhatedlungen des HouptauSichusieS berogen Von einigen Rednern wurden daraus, dah der Reichskanzler tn seiner Rede Bulgarien nicht erwähnt«, Schlüsse gezogen, die wir nicht unwidersprochen lasien können. Es wurde mit einer ge- wissen Besorgnis angedeutet, dah die deutsche Politik hinsichtlich der Behandlung der bulgarischen Kriegsziele ein« Schwenkung u n t e.r n o nt m e n zu haben scheine. Zu solcher Besorgnis liegt jedoch kein Grund vor. Nach der ganzen Anlage der Kanzlerrede war diese in erster Linie eine Antwort auf die Botschaft Wilsons. Buk, arten, das sich mit den Ver« oimgten Staaten nicht im Kriegszustand» befindet, war des- halb in dieser Botschaft nicht erwähnt. Wir erinnern unsere bulgari« scheu Freunde daran, wie immer in den oifi stellen Regierung«- kundgebungen, im Parlament und in der führenden Presie be« tont worden ist, daß die deutsche Regierung»averdrüchlich an den»erträglichen Vereinbarungen mit Bulgarien festhalte. Diesem unerschliiterlichen Willen von Regierung und Volk ,st auch in der letzten Sitzung de? HauShallSauSschusie« au« der Mitte der Abgeordnete» und von feiten der Regierung durch den Staats« sekretär von Kühkmann in seiner Rede am 20. v. Mt«. erneut Aus« druck gegeben worden. Wenn nun in Sofia ein besondere« Wort des deutschen Reichskanzlers vermiht wurde und einige bulgarische Redner seinen AuSiührungen entnahmen, dah sich Deutschland« Interesse am künftigen Schicksal Bulgarien« vermindert habe, so ergibt sich auS dem Vorgesagten die U n» richtigkeit dieser Folgerung von selber. die gefölschten Telegramme öer Peters- burger Telegraphen-Agentur. Atitstcrdam, 3. Februar. Ueber die Darlegung TrotzkiS in Brest-LitowSk bezüglich der gefälschten Telegramme der Petersburger Telegraphen-Agentur sagt„Handelsblad", daß irgendwo in der Welt geheime Kräfte an der Arbeit zu sein scheinen, wclckic mit allen Mitteln versuchen. den Frieden in Brest-LitowSk scheitern zu lassen. Es wird wirklich hohe Zeit, daß diesem Verdrehen und Verstümmeln ein Ende gemacht wird. » Die Petersburger Telegraphen ageniur teilt die in Brest» LitowSk abgeqebln« Erklärung Trotzki« mit. wonach er fest- gestellt habe, dah der von der Petersburger Telegraphenagentur veröffentlichte Bericht über die Sitzung vom LS. De» z e mö e r, der eine unrichtige Darstellung enthielt, aus Peters« Kivg niemals abgeschickt worden sei. Die von der deutschen Presse fälschlich gegen die Petersburger Telegraphenagentur erhobene An» klage richte sich also gegen die, die dieses Telegramm nach Stockholm oder Berlin gesandt hatten.— Wolffs Bureau bemerkt: Hierzu kann iniigetettt werden, dah jene» Telegramm zuerst in der dänischen Press« am 8. Januar durch Ritzaus Bureau ver» breiiet worden ist. DaS an dieses gerichtete Originaltelegramm ist unterschrieben'„Wjestnik"(daS ist der russische Renne der Agen- hir) und ist datiert au« Petersburg vom 2. Januar. �rbeiteeorsanlsutlonen zu taufen sesucht! Tie Entente in Echtveden. Stockholm, 1. Februar. NyheiSbyran erfährt aus Helsiugfor«: Die Petersburger„Jsvestja" vom 20. Januar veröffentlicht wiederum vier Gehei«nd»ku«en te. Eines davon ist ein Telegramm des ftniheren russischen Gesandten in Stockholm Gulk- sewitfch. In dieiom Telegramm wird«« entwickekt. wir man die schw»dische Presse und die schwedischen Arbeiter»«».«!- satt on cu katrfen kZnnr. Ter amerikanische und der englische Ge- sandte verhielten sich gegenüber dem Versuch, die Presie unmittel- ?ar zu beeinflussen, abweisend, der so: anzv fische Gesandte je- doch schlug vor, die Propaganda solle nicht durch Stockholms Tale- zrambyran betrieben toerderz, sondern durch Einwirkung ruf die Arbeiterorganisationen, die ihrerseits wioder pic Pre?« bearbeiten würden. Gulkfewiisch schlug vor, daß der die Irage öer Vertretung öer westlichen Nanövölker Rußlanös. Brest-LitowSk, 3. Februar. Heute vormittag hielt die deutsch-östcrreichisch-ungarisch-russische Kommission zur Regelung der politischen und territorialen Fragen eine weitere Sitzung ab. Die Besprechungen begannen mit einer Aeuße- rung des Staatssekretärs v. K ü h l m a n n zu der Frage der Einladung bzw. Zulasiung von Vertretern der westlichen Randstaaten zu den Verhandlungen in Vre st- LitowSk. Der Staatssekretär erklärte, der frühere Standpunkt der Mittel- mächte in dieser Angelegenheit sei vollkommen unverändert geblieben. Herr Trotzki führte demgegenüber aus: Die Frage der Zuziehung einer Abordnung der polnischen Regierung als der Regierung eines selbständigen Staates zu den hiesigen Verhandlungen sei aufgetaucht, als die rusj'scbe Dete- gotton diesen Gegenstand gestreift habe, um daS Augenmerk darauf zu lenken, dah die deutsche und die österreichisch-unqarische Dele- äaiion zwar die Selbständigkeit des polnischen Staates anerkennten, die Heranziehung einer Vertretung Polens zu den Verhandlmtgen jedoch nicht angeregt hätten. Daraufhin habe die Gegenpartei aller- dings erklärt, dah sie diese Frage einer wohlwollenden Prüfung unterziehen würde. f ierauf fuhr Herr Trotzki fort:„Wir unsererseits erkennen elbständigkeit und Unabhängigkeit des pol- nischen Staates im vollen Umfange an, aber wir können nicht die Augen vor der Tatsache verschliehen, dah diese Svibständjgkeu nur ein« scheinbare ist, solange Polen unter dem Regimeder Besetzung steht. Gerade deswegen, weil wir die Selbständigkeit des polnischen Volkes und seines Staates aner- kennen, können wir, ohne die Selbständigkeit des polnischen Staate? anzutasten, doch nicht diejenigen Vertreter, die durch den Willen der besetzenden Behörden eingesetzt war- den find, als die Vertreter des polnischen Volkes an- sehen. Als bevollmächtigt zur Teilnahme an diesen VerHand- hingen könnte er nur eine VertretungPolenS ansehen. welche sich auf die breiten Massen stützen würde. Er möchte darauf aufmerksam machen. Sah die russische Delegation, wenn sie die Regierung des Herrn KucharczewSki nicht als die bevollmächtigte Regierung de» polnischen Volles ansehe, damit durch- au» nicht sage, daß st« die Unalchängigkeit de» polnischen Staates und des polnischen Volke« nicht anerkenne. In Erwiderung hierauf wies Staatssekretär v. Kühl- mann zuerst auf die Aeußerungen hin, welche die Vertreter der Mittelmächte bei den Kominissionssitzungen am 11. und 15. Januar zu dieser Frage abgegeben haben. Anknüpfend hieran bemerkte der SiaatSsekretär, er wisse nicht, warum der Vorsitzend« der russischen Delegation von den westlichen Randvölkern heute die Polen ausgesondert habe. Di« Angelegen- Helten der Polen, Litauer und Kurländer seien bisher zmammen erörtert worden, er glaube aber, einen gewissen Fortschritt darin erkennen zu können, daß Herr Trotzki die Selbstän- digkeit deS polnischen Staates im vollen Um- fang« anerkannt habe. Wenn der Vorsitzende der russischen Delegation auch für die anderen westlichen Randvölkcr Ruhlandö die Selbständigkeit anerkennen wollte, so würden dir Verhandlungen hiermit einen erheblichen Schritt vorwärtskommen. In Beantwortung einer vorher gefallenen Bemerkun>z Herrn TrotzkiS, dah die Regierungen der Mittelmächte die neue finnische Regierung noch nicht anerkannt hätten, erklärte Herr von Kühl- mann, er sei über die Vorgänge in Finnland noch nicht genügend unterrichtet, doch seien ihm von zuverlässiger finnischer Seite zahlreiche Klagen darüber zugekommen, daß die russische Armee dort in die inneren Kämpfe eingegriffen habe und daß d>« mehrfach geäußerten Wünsche auf Zurückziehung der russischen Truppen vom finnischen Territorium von der russischen Regierung nicht in befriedigender Weise beantwortet worden seien. Die S t e l- lungnahme zu den durch die Ereignisse in Finnland geschasfe- neu Zuständen müsse daher durchaus vorbehalten d le i b e n. Minister des Aeußeren Graf C z e r n i n wies darauf hin, daß Herr Trotzki eine ganz richtige Unter- scheidung zwischen Staaten und deren Regie- r u n g e n gemacht habe, Herr Trotzki erkenne nun die Selb- ständigkeit des polnischen Staates an, wolle jedoch das Recht der dort bestehenden Regierung, diesen Staat zu vertreten, nicht anerkennen. Mit Befriedigung konstatirre er, dah Herr Trotzki mit seinen heutigen Erklärungen wenigstens die Existenz und die Selbstän- diakeit des polnischen Staates anerkannt habe, womit ein« An- naheriuig der beiderseitigen Standpunkt« angebahnt zu sein scheine. Dagegen vermöge er n i ch t z u z u ge b e n, daß die Frage, o b d i e gegenwärtige polnische Rxgierunn den polnischen Staat zu vertreten berechtigt sei, dem Schiedsspruch einer dritten Regierung unterliege. Zur finnländischen Frage bemerkte sodann Herr Trotzki: Die Petersburger Regierung habe die Unabhängigkeit Fhrn- lands während de» Kriege» anerkannt, so daß sich damol» noch Truppenteil«, die am Kriege teilnahmen, auf finnländischem Boden befanden. AIS der finnische Staat sich mit der Bitte um Aner- kcnnung der Selbständigkeit Finnlands nach Petersburg gewa.!!'! habe, habe dieser selbst den Gedanken geäußert, dah die Trupp/ spätestens nach Abschluß des Krieges zurückgezogen würden, ia:. es nicht aus militärischen Rücksichten möglich wäre, ste schon früh. zurückzuziehen. Zur Hrrbeiführung eines Einvernehmens lü; über sei eine Kommission gebildet worden. Als nun in Finnlai die Revolution der Arbeitermassen begann, habe sich die finnisä Sozialdemokratie an die russischen Truppen mit dem Wunsche c wendet, dah sich diese nicht in die Kämpfe einmischen möchten. E diesem Wunsche entsprechendes Telegramm sei von ihr selbst an; finnische Regierung gesandt forden, es sei nicht auogc schlössen, dah zwischen Wb teilungen der russische. Truppen und Teilen der finnischen Bürgerar m/ Zusammenstöße stattgefunden hätten, doch leugne er, dc. diese Zusammenstöße irgendwelchen Einflutz auf den Gang d.. inneren Kämpfe in Finnland hätten haben können. Was die Heranziehung polnischer Vertreter betrefife, so werde am die russische Delegation wieder die Frage g richtet, ob sie die Unabhängigkeit Polens anerkenne oder nicht, tz sei klar, daß diese Frage eine Zweideutigkeit enthalt Er erkenne in vollem Umfange und unbeschränkt das Recht dc. polnischen Volkes an, selbständig und unabhängig zu existieren. aber er wolle nicht die Augen davor verschliehen, daß dieser pv nische Staat jetzt von fremden Truppen besetzt sei und daß> sogenannte polnische Regierung sich nur innerhalb der Grenz. bewegen dürfe, die ihr von oben her gesteckt würden. Sei d. polnische Staat ein Staat, so müsse er g e o g r a p h i s ck Grenzen haben. Sei das polmsche Königreich ein König reich, so müsse es einen König haben. Wenn der Staat tvcb.� Grenzen noch einen König habe, dann sei er kein Staat u n. kein Königreich. Man habe es hier mit noch nicht endgültig gestalteten Berhalinissen zu tun. Auf die Bemerkungen d«S Herrn Vorsitzenden der österreithisck ungarischen Delegation habe er zu erwidern, dah seine R r g i e r u n g durchaus nicht als Schiedsrichter dieser F rage auftreten wolle. Sie schlage nur einen Weg fi.. die Nachprüfung der Berechtigung der Pol ni säen Regierung vor. In Erwiderung hierauf bemerkte Minister des Aeutzeru Gros C z e r n i n, er möchte darauf aufmerksam machen, daß die Delegationen der verhandelnden Mächte n i ch t h i e r h e: gekommen seien, um einen geistigen Ringkam p- ausz ii fechten, sondern um zu versuchen, ob und inwie weit es möglich sei, zu einer Verständigung zu g.- langen. Für den Vertreter eines fremden Staates sei es schwer, fest- zustellen, inwieweit in einem anderen Staate die dort bestehcnK' Regierung zu Recht besteh«. Die Fortsetzung der Erörterung übe diese Frage sei seiner Ansicht nach unfruchtbar. Der polnisck Staat sei in Entwicklung begriffen und sein En wicklungsprozeh sei noch nicht abgeschlossen, deshalb habe Polen, wie Herr Trotzki ganz richtig bemerkt habe, auch noch kcww feststehenden Grenzen, aber auch die russische Republik. die noch in der Entwicklung bcgrifscn sei, habe noch kein. feststehenden Grenzen, was tndessen die Mächte des Vic. bundes nicht hindere, mit der gegenwärtigen russischen Regiert!!.-, zu verhandeln, ohne sich ans eine Prüfung ihrer Legitimität einzuladen. Wenn Herr Trotzki gegen die Mächte de» Olerbundcs den Vorwurf zu erheben sche-ine, dah sie die neu« finnische Regierung nicht aner keimten, so müsse er feststellen, daß i h in ven der Absicht einer Nichtanerkennung nicht, bekannt sei. Dah die Möchte de» Birrbunde« übrigens«nöi bereit seien, mit Regierungen zu verhandeln, die st« für zicmlir radikal halten, geh« aus der Tatsache der Brester LerhanÄrmg- zur Genüge hervor. Staatssekretär von Kuhlmann fügte hinzu: Di« zweiie Erklärung deS Herrn Vorsitzmiden btt nirsilchc: Delegation habe bestätigt, daß s» schwer sei, ohne den Worilav: so weitreichender Erklärungen vor sich zu haben, sich ein sicher.! Urteil über das Gesagte zu biEdenr. Da ein Widerspruch in du- Erklärungen eine» so geschulten Dialektiker«, wie e« der Herr Trotzki sei. ausgeschlossen erscheine, so lieg« offenbar ein Miß- Verständnis von seiner Scii« vor. Aus der ersten Erklärung Herrn TrotzkiS habe er den Eindruck gewonnen, als hältr der Redner damit rückhaltÄos und in vollem Umfange die Selb- ständigkeit de« polnischen Staate« anerkannt. nun habe aber Herr Trotzki m einer zweiten Erklärung au«gr führt, dah Polen mangels fester Grenzen und mangels eine? Königs weder ein Staat noch ein Königreich fei. Es fei allerdings schwierig, die Selbständigkeit eine? Staate» anzuerkennen, der gar kein Staat sei Er müsse doch darauf hinweisen, daß man sich vollständig in die Walken verliere, wenn man die Grundlagen einer gesunden juristischen Konstruktion verlasse. Am Schluß mochte Staatssekretär von Kuhlmann Mitteilung davon, daß er durch unabweisbare Pflichten g e z w u n g e n sei. auf kurze Zeit zu verreisen, die Zeit, die infolge seiner Abwesenheit für die Sitzungen der Po litischen Kommission verloren gehe, würde durch Verhandlun- gen von Macht zu Macht zwischen anderen in Brest vertre- tenen verbündeten Delegationen und der russischen Abord- nung sowie durch Arbeiten der Rechts- und Han- delSkommission auszufüllen sein. Die Sitzung wurde hierauf geschlossen. französssche Gesandte zu diesem Zweck 100 000 Kronen erhalten solle. Auch der italiewsche Gesandte in Stockholm billigte den ganzen Plan. Zu dieser aufsehenerregenden Nachricht derösfentlicht der fvcmzösische Gesandte ein« Erklärung, in der er mitteilt, er habe in einem Bericht«m seine Negierung seine Verwunderung darüber ausgesprochen, daß die Alliierten niemals daran gedacht hätten. zur Unterstützung ihrer Sache in der öffentlichen Meinung in Schweden die Methodetzdes feindlichen Propaganda- d i e n st e S anzuwenden, der mit so bemerkenswertem Erfolge ge- arbeitet habe. „Sozialdemokraten' stellt fest, daß die Gewerkschaften niemals von der Entente ein Angebot bekommen haben. Verschwörer gegen llenin. Stockholm, Z. Februar. Di« Petersburger Telegraphen-Agentur meldet: In der Sonderkommission des Kampfe» mit der Gegenrevo- lution ist beschlossen worden, alle Mitglieder der Zeitung„Wolja Naroda' lArqunow. StalinSky, Fried, u. a.) zu verhaften, da sie die Verschwörung gegen Lenin vorbereitet und unterstützt hatten. Außerdem ist festgestellt worden, daß in Petersburg sich eine be- sondere Gruppe der Verschwörer gebildet hatte, die ei sich unter bei- ligften Schwüren zur Ausgabe gesetzt hatte, einen Volkskom- uilssar nach dem andern und die Mitglieder des S m o l n h. I n st i t u t s zu ermorden. Diese Verschwörer kamen von der Provinz nach Petersburg. Dieselbe Sonderkonimission m«l- det, dah große Vorräte an Waffen und Sprengstoffen entdeckt wurden. ver tirieg auf öen Meeren. verlin,».Februar. U-BootS-Erfolge auf dem nördlichen Kries?- schanplatz: 18 000 Br. R.-T. Die Schiffe waren fast sämtlich tief beladen und wurden zum größten Teil im Aermelkonal veini»>et. U. a. wurde hier ein großer Frackitdampfer in gewandtem Angriff our einem Geleit, ug herausgeschossen. Namentlich seftgestellt konnte der englische Dampfer HunSgrov«<800» T) werden. Der Chef de« Admiralstabe« der Manne. die Lustangriffe auf Paris und London. Paris, 8. Februar. lHava».) Bei dem Luftangriff am 80. und 81. Januar wurden in Pari« 33 Peftonen getötet, darunter 11 Frauen und 2 Kinder, und in der Bannmeile l6. darunter 3 Frauen und 8 Kinder. Verletzt wurden in Paris 134 Personen, darunter S0 Frauen und 10 Kinder, und in der Bannmeile 72, darunter Sb Frauen und 7 Kinder. London, 3. Febiuar. fReuter.) Die amtlichen Polizeiberichte aeben die Geiamtverlusi«. die durch den Luslangriff in der Nach« vom 28. zum LS. Januar in ollen von den frind- lichen Flugzeugen berührten Bezirken entstanden, soweit sie betaiint sind. folgendermaßen an: Tot« ö8, Verwundete 173. Pon obigen Ver- lusten wurden S0 Personen gelölet und 91 verwundet in einem einzelnen als Schutzauienthalt für Luftangriffe benutzten Gebäude. Die Beseitigung der Trümmer dieses Gebäude» wird bedeutend er- schwert durch den gefährlichen Zustand de« Bauwerk«. E« ist mög- lich, daß noch mehr Leichen gefunden werden. der Kriegsverratsprozeß gegen öie englischen Zliegeroffiziere. Berlin, 3. Februar.e politiiche Gegnerschaft der Eltern an den Rindern zu rächen, eine Gesinnung, um die wir den NmergutSbesitzer Becker samt der .Deutschen Tageszeitung' nicht beneiden. Der Zrankfurter Magistrat für eine üemokratische Hemeinüeverfastüng. In Frankfurt a. M. hat unsere Stadtverordnetenfraktion zur Neuordnung der Gcmeindeverfassung folgenden Antrag eingebracht: „Stadtverordnetenversammlung und Magistrat mögen bei der Kgl. Staatsregierung dahin vorstellig werden, daß sie dem Landtag schleunige Vorlage macht wegen 1. Einführung des allgemeinen, gleichen, geheimen und dirck- ten Wahlrecht» für all« mündigen Einwohner ohne Unterschied de« Geschlechts für die Temeindevertrerungcn sowie die Kreistage; L. Beseitigung des Hausbesttzerpr.vilezs in den städtischen Ver. tretungen; 8. Aufhebung deS BeftäligungSrechtS für gewählte Gemeinde. organe; 4. Beschränkung des staatlichen AufsichtsrechtS auf das Recht der Anfechtung ungesetzlicher Verwaltungsakte der Gemeinden vor den ordentlichen Gerichten i» alle» Städteovdnungen und Landgruierndeordimngen.' Ein Antrag der Fortschrittlichen Volkspartei bewegt sich mit einigen Abweichungen in gleicher Richtung. Rur will er das Wahl- recht statt von LI Jahren an, erst im 24. Lebenssahre, und statt nach halbjährlichem Gememdoaufenthalt bei einjährigem Wohnsitz gc- währen. Im Namen des Magistrats erklärte der Oberbürger- meisterVogt, daß der Magistrat den Grundgedanken der berden Anträge vorbehaltlos zustimme. Wer den rnneren Frieden in unserem Vaterlande erhalten wolle, müsse für eine Reform der Gemeindever- fassungsgesetze eintreten. Ohne Aufhebung des Zensus seien nicht nur viele Frauen, sondern auch Kriegsbeschä- digte nicht wahtberechtigt. Der Magistrat habe sich aus Gründen der Gerechtigkeit für das Frauenwahlrecht erklärt. Er sei für die Aufliebung des Hausbesitzerprivilegs und für die Wählb-irkeit der Gemeindebeamten. Auch der Aufhebung des RechiS dc» Königs auf Ernennung des Ersten Bürgermeisters urrd aus Bestätigung des Zweiten Bürgermeisters stimme er zu. Die Stadtverordnetenver- sammlung müsse das Recht zu selbständigen E-ngaben haben, das staatliche Aufsichtsrecht sei wesentlich einzuschränken. Mit großer Mehrheit wurde folgende Formulierung ange- nommen:„Die Stadtverordnetenversammlung bc- grüßt die Stellungnahm« des Magistrais, die mit den Grundsätzen der Anträge der Fraktionen der Fortschrittlichen Volkspartei und der Sozialdemokratie übereinstimmt, und ersucht den Magistrat, gemeinschaftlich mit ihr in einem gemischten Ausschuß, bestehend auS 7 Stadtverordneten und 6 Magistratsmitgliedern, die Eingabe an die Königliche Eiaatsregierurig und die beiden Häuser des LandtagK fertigzustellen."_ Sche!üemann in Moabit. Wir erhalten folgende Zuschrift: Die.Deutsche TageS-Zeitung' hat eine Mitteilung über meine angeblickt Anwesenbeit.bei den Unruhen in Moabit" veröffenllickl. Ick weih von diesen Unruhen nicht mehr, als jeder Zerrungslcser davon willen kann. Was ich zu der Milteilung der ,D. T.-Z." im .Vorwärts" sogen wollte, werde ich leider erst sagen lönnen, wenn der Reichstag wieder versammelt ist. Berlin, den 4. Februar 1918. __ P h. Scheidemann. ?nöustrie unö Handel.• Gcldüberslutung. Die Banken und Sparkassen wissen sich der grotesken Geldflut kaum zu erwehren, obwohl doch die Kiiegsanleihcn in ihrem zwei- maligen jährlichen Turnus eine hübsche Dosis vo» Milliarden auf- saugen. Der Monat Dezember lvl? allein hat den Spariasien einen Zuschuß von Geld gebracht, der denjenigen aller früheren Monate übertrifft..Die Sporkasse", da« SmiSvlon de« Deutschen Spat fassen Verbandes, berechnet ihn ans dreiviertel Milliarden Mark. Nunmehr berechnet.Die Spat lasse' den teinen Zuwachs von Ein- logen bei den deutschen Sparkassen für das Kalenderjahr 1917— einschließlich 700 Millionen Mark gulgeschriedener Zinien— auf mindestens 8 V, Milliarden Mark. Dabei sind die von den Sparern im Laufe des Jahres auf Kriegsanleihen gc- zeichneten Beträge voll in Abzug gebracht. In Friedenszeiten betrug die JobreSzunahme höchstens eine Milliarde Marl, tfltich die Zahl der Sparbücher hat ganz ungewöhnliche Ver». mehrung etsahren, indem sie um mtndestenS 1'/, Millionen Bücher gewachsen tsl._ Um Flandern» KohlcnschStze. In dem bisher gänzlich mdusttiearinen Flandern find im lüd- lichen Teil« der Provinz L mburg kurz vor dem Kriege und mährend seiner Dauer mächtige Lager bester Jndustriekohle ent- deckt worden. Der belgische Sraat Halle bereit« eine Anzahl Kohlengrubenkonzesfionen in dieiem Kempener Lande nach innen eingeschlagen, die glatte Naht heruntergestcppt und oben 1 gerade in dem Bogen nur einmal umgelegt werden. Weil jetzt die � Patronenhülsen vierfach an der Seite aufeinander gesteppt werden, müssen, ist es des flotteren Arbeitens wegen erforderlich getvesen, größere Steppmaschinen anzuschaffen. Bei der rzeucn Ausführung der Patronenhülsen hat der Arbeitnehmer also weniger Arbeit, der Ärbeitgeber bedeutend höhere Unkosten. Zu dieser Ansicht hat sich die Schlichtungskommisfion vom 18. Juli 1917 bekannt, leider aber hat die Schlichtungskommission für Militärschneider für diese Gründe keine Einsicht gehabt, wahr- scheinlich deshalb, weil keiner der Beisitzer der Arbeitgeber in der Fabrikation der Patronenbülsen Erfahrung gehabt hat. Hochachtungsvoll (gez.) Josef Rothe. Zu dieser Berichtigung wird uns von unserem Gewährsmann mitgeteilt, daß vor der Schlichtungskommission neben dem Sachver- ständigen zwei Vertreter der Arbeitgeber als Zeugen vernommen wurden. Wie sich die Zeugen und Sachverständigen widersprachen, erhellt daraus, datz der eine Zeuge erklärte, der Arbeitgebex müsse für die Herstellung der Gcschoßhülsen aus Papier schwere Sattler- Maschinen bereitstellen, während der andere erklärte, dieie Gesckotz- hülsen könnten auf ganz kleinen Maschinen hergestellt werden. Nur darüber waren sich die be ben Zeugen einig, datz de? Betrag von 7 Pf., den sie zp wenig zahlten, dem Arbeitgeber zugute kommen müsse. Der eine begründete es damit, daß die Arbeit auf stärkeren Maschinen hergestellt werde, während der andere Zeuge die Leichtigkeit der Arbeit ins Feld führte. Der Sachverständige unternahm' es sogar, der Schlichtungskommission begreiflich zu machen, daß eine Papier-Geicktotzhülse ebenfalls durchgezogen werden könnte. Dieses Beginnen führte dazu, daß Zeugen und Sachver- ständige den Eindruck machten, als seien sie mit der Absicht hinge-, kommen, sich lächerlich zu macken._ I Vor der Sattler-Schl ickt u n gs kom m is sio n ist der Arbeitslohn von 18 Pf. für die Geschotzhülse als angemessen bezeichnet worden, wenn die Arbeiterin die Kanten nickü umlegt und dce Nahte nicht gegenseitig einzuschlagen braucht. Die ganze Geschotzhülse ist auck nach Ansicht der Saktler-Schlichtungskommission mit 25 Pf. richtig bezahlt. Aus Veranlasiung der Sattler-Schlichtungskom- Mission hat in Gemeinschaft mit den Arbeitgebervertretern dieser Kommission vor kurzer Zeit in Spandau eine Verhandlung statt» gesunden, bei der die Arbeitgebervcrtreter der Artillerie-Werkstätte gegenüber für Papierstoffe eine Extrabezahlung v o n 5 P r o z. für begründet erklärten. Von einer leichteren Arbeit bei den Pavierhülsen kann gar keme Rede sein. Es scheint aber, daß die Arbeitgebervertreter trotz ihrem Sereinfall bei der Scklick- tungskommission heute noch verständigen Leuten begreiflich machen wollen, datz die Arbeitgeber berechtigt sind. 7 Pf. Arbeitslohn, der den Arbeiterinnen zugedacht ist. in ihre Tastbe zu stecken. Fachleute. die dies beoreifen. sitzen nicht in der Schlichtungskommisfion für Milrtärscbneiderarbeiten und wie des weiteren daraeleot ist. hat auch die Sattler-Schsichtungskommission hierfür kein Verständnis. Es ist daher an der Zeit, datz die Herren Sachverständigen und Zeugen zu der nötigen Einsicht kommen. Gr rechnete gründlich mit den„Vaterländlern* ad. Frieden und Freiheit brauche das Volk, das wäre das notwendigste, sagte der Redner, womit er stürmische Zustimmung fand. In der Aussprache wurden recht scharfe Wort« gegen die Re- gierung laut. In einer gegen zwei Stimmen gefaßten Entschließung erklärte die Versammlung, daß sie von der Rede des Reichskanzlers nicht befriedigt ist. Sie vermißt die notwendige Klarheit in der Kennzeichnung der deutschen Kriegsziele. Verlangt wurde die schleunige Einberufung des Reichstags. Zu einer wuchtigen Kundgebung gestalteten sich drei am letzten Sonnabend in Hannover-Linden abgehaltene Versammlungen, in denen die Reichstagsabgeordneten Brey und G u st. Fischer sowie Arbeiter sekretär Schräder über„F c i e» den, Freiheit und gleiches Recht" sprachen. Schon eine halbe Stunde vor Beginn der Versammlungen waren die Lokale überfüllt, und immer noch kamen große Scharen, die hinein wollten. Viele Hunderte kamen nichj! in die Lokale hinein. Als der Saal des Gewerkschaftshauses gefüllt war, sammelten sich Hunderte von Ver- sammlungsteilnehmern auf den Jnnenhof, um von dort aus dem Redner, der bei geöffneten Fenstern sprach, zuzuhören. In allen Versammlungen kam die ungeteilte Zustimmung zu den Ausführungen der Redner zum Ausdruck. In einer angenommenen Entschließung wenden sich die Versammelten gegen Versuche, die Verhandlungen in Brcst-Litowsk zu stören und wird mit Nachdruck ein VerständigungS- frieden gefordert. Ebenso wenden sich die Versammelten gegen die Wahlrechtsverschlcppung und fordern energisch die schnellste Gewäh- rung des allgemeinen, geheimen, gleichen und direkten Wahlrechts für alle über» 20 Jahre alten Staatsangehörigen ohne Unterschied des Geschlechts.— Mit Bedauern mutz es verzeichnet werden, datz die Hannoversche Stadiverwaltung die Hergabe der grotzen Stadihalle zu solchen Kundgebunden verweigert, weil der Hannoversche Stadt- direktor Tramm einer der Haupischreier in der Vaterlandspartei und grimmiger Gegner eines demokratischen Wahlrechts ist. In Rathenow fand am Sonntag eine von über 950 Personen bekuckie Veisammlung statt, in welcker der Abg. M L l l e r über „Frieden und Freiheit* sprach. In der Diskussion sprack ein Redner im Sinne der Unabhängigen. Eine dem Referat entsprechende, vom Bureau vorgelegte Re'olution wurde einstimmig angenommen. In einer von ungefähr 1000 Personen besuchten Volksversamm- lung in Saalfeld a. S. sprach Reichstagsabg. Artur Hokmann über die Praktiken der Baterlandspartei und den Friedenswillen des Volkes. Seine für einen Verstäiidigungssrieden gemachten Aus« fühiungen fanden stürmischen Beifall, parteinachrickiten. Für Frieden und Freiheit. Die Sozialdemokratiscke Partei in Frankfurt«r. M. hielt am Mittwoch, den 30. Januar, im Zoologischen Garten eine Gegenver- sammlnng zu der verunglückten Versammlung der Vaterlandspartei ab. Das Thema war das gleiche wie in der Baterlandsversammlung, doch war im Gegensatz zu dieser freie Aussprache für jedermann garantiert. Die mutigen Mannen der Vaterlandspartei machten davon allerdings keinen Gebrauch und blieben der Versammlung fern. Um so stärker war der Ansturm der Frankfurter Arbeiterschaft; lange vor Oeffnung der Tore zum Versammlungslokals waren diese von dichten Menschcnscharen belagert, und als sich die Türen öffneien waren Saal und Galerie in wenigen Minuten besetzt. Auf 8 Uhr war die Versammlung anberaumt, um 7Z4 Uhr wurde das Lokal polizeilich abgesperrt. Der Frankfurter Reichstagsabgeordnete Dc. Quarck behandelte das Thema:„Was tut dem Vaterlande not?" vorwärts in Köln Unser Kölner Parteiblatt, die„Rhei irische Zeitung", hat in der Streikwoche 7500 neue Bezieher gewonnen. Allein die Post aufläge, die sich auf die ländlichen Ort« erstreckt, hat um 500 zugenommen. Der Stratzenverkauf, der seit langem „rationiert" ist. konnte nur einen kleinen Teil der Nachfrage be- wältigen. Den Verkäufern wurden statt 10 Pf. 50 Pf. für dip Nummer geboten. Leider wird der Zustrom von unserem Partei- geschäft mit geteilten Gefühlen begrützt, weil jeder Abonnenten» zuwachs den Papiermangel verschärft. Auch die Parteiorganisation nimmt zu, und es fließen ihr freiwillige Spenden zu. Die Ver- sammungen, zumal in den Landorten, sind glänzend besucht. Der Versuch der Zcntrumsvresse, den Streik zu einer Sozialistenhetze auszunutzen, ist mißlungen. Fortschritte der Arbeiterbewegung in DSuemark. Das Jahr 1917 Hai der dänischen Sozialdemokratie Erkolge auf den vetschiedeiisten Gebieten gebracht. Die Zahl der Partei- Mitglieder stieg von 65 000 auf rund 80000. Die Kemeindewahlen ergaben einen grotzen Sieg Im ganzen wurden 1479 sozial- demotraiische Gemeindeveltreier gewählt. 14 Städte und 34 kleinere Gemeinden haben soziakdemokraiische Mehi Heiken, darunter Kopenhagen, wo zwei neue Siadiiaisposten von den Sozial- demokiaten besetzt wurden, der für Armenwesen und der neu eriichiete für loinmunalsozialistiiche Arbeit. Der Stadt- rat für das Armenweien. Genosse Biggo Cbristenien, bat eine vollständige Reform seines ResiortS in Angriff genommen. Für die Greise wird eine ganze kleine Stadt errichtet. Da? Volksküchenwesen wird ausgebaut. Heute bekommen täglich t2 bis 13 000 Menschen für 45 Oere täglich eine Mahlzeit mit zwei Ge- richten. Nun arbeitet man daran, eine doppelt so große Anzahl ernähren zu können. Im Reichstag bat die Partei ein Gesetz über die Ardeitsloiennnlerstützung durchgesetzt, woni eine Subvention von l2>, Millionen Kronen bewilligt wird. Die Ve, waltnng des Unier- slützungsweseris wurde in die Hände der Arbeiter gelegt. Wichtig war auch die neue Sieuetgesetzgebung, die eine autzerordentliche Verschiebung der Steuerlasten zur Folge hat. Nunmehr fallen 76Proz. der ganzen Steueriunime auf die direkten und nur 24 auf die indirekten Steuern. Vor zehn Jahren war das Verhältnis umgekehrt, und aut die direkten Steuern entfielen nur 23 Proz. Zu erwähnen tst auch die Entwicklung det Genosienschasten. 1916 war eine Zentral« organisatton der Kovenhagener Kon'umvere>ne errichtet, die jetzt 16 000 Familien umfaßt und 1917 einen Umsatz von Wj Millionen Kronen hatte. In der nächsten Zeit beginnt die Kampagne für die ersten Wahlen aur Grund des neuen Wahlgesetzes. Die sozialdemokratische Partei tritt in sie mit grotzen Hoffnungen ein. trotz der nicht zu uniet schätzenden Ptopaganda. die die Syndikalisten aus Anlaß der sutchtbaren Arbeitslosigkeit betreiben. Verantwortlich für Politik: Erich Kuttner, verlin; für den übrigen Teil des Blattes: Alfred Scholz, Neukölln; jür Anzeigen: Theodor Glocke, Berlm. Verlag: Borwörts-Verlag G. m. b. H., Berlin. Dinck: Porwärts-Buch- druckerei und Verlagsanstalt Paul Singer u. Co. in Berlin, Lindenstrage 3. Hierzu 1 Bcilaqe and Nnteed-tivngSilatt. viele? Fragen liegt in den meisten Fällen näher als man zuerst annimmt. Handelt es sich um solche mit Aezug aus Damenkleidung so kommen Sie getrost zu uns. Alle)hre Fragen und N-denten werden hier in einer sür Gie durchs aus zufriedenstellenden Weise ihre Lösung finden. Shausseeflr. U5 OictilBtr«efichrf Nr. AH ♦ 35. Jahrgang Seilage öes vorwärts Vieastag, S. Februar Quittung. Fa«nlie G. durch G. D. Landsturmmann O. K. 12,—; H. und G.- Berlin-X 20,—; d..Vorn,.' 20,—; Unteroff. Zur Förderung des Kampfe« für Frieden und Freiheit gingen iu der Zeit vom 16. bis 31. Januar nachstehende Beiträge beim Unterzeichneten ein: IS,—; S Matrosen durch B. 10,—; Gefreiter L. und Pionier S. 10,—: W. K.» Berlin 5,—; Hands. u. Korr. W. u. Inf. Sch. 4,—; Genossin K.» Brunsbüttelkoog 5.—; Gesreiter K. 10,—; Unteroffizier A. St. 30.—; Landsturmmann A. G. 2,—; A. A.-Weri Lauta 2,—; Ges. von Kam. ein. bayer. J.-R. durch SB. 11,—; M. L.- Tondern durch 21.—; Krankenträger H. B. 6.—: B.-Berlin 6,—; Musketier W. 3.30; F.-Berlin 1.—; Vizefeldwebel B. 1.—; E. K.-Lingen 3.—; Gefreiter P. B. u. 12 Kam. 13.—; Kraftf. N.-Brüfiel 5,—; E. B.Osterode sOstpr.) 8,—; O. M.-Schöneberg 2,05; Handwerker einer Fuhrp.-Kol.11.—; P.Sch.-Neuiölln8.—; F.M.-Berlin 3,05; Mehr.Arl.- Maate?,— z Kam. d.Slabe« ein. reit. Abt. 8.—; W.S-Brln.-PankowS.—; Malroie E. Str. 24.30; E. B..Brln..Lanrwitz 20,05; 3 Unteroffiziere 5.—;«.-Durlach 26,—; Feldgrauer W. B. 3,—; St.-Berliu 10.—; Gefreiter R. 2,—; Kanonier O. M. 10.—; von ein. abst. rot. Krankenträger z. Zt. Rumänien 5.—; Feldgrauer Eck. 2,—; Eisenbahner F. Sch. 3,—; Pionier K.— ,60; Landsturmmann 28. 1,90; li. Sch.-Herzfelde 6,—; B.-Berlin N. 5,—; W. M.-Rautenberg(Oft preutzen) 6,—; K. V.-Brln.-KarlSborst 2.—; E. A.-Berlin 50,—; .Vorw.'-Redalt. 63,—; A. M.-Brln.-Friedcnau 5,—; M. G. u. F. L.-Berlin 10,—; M.-Neukölln 3,—; Kanonier 23. S. 3,—; Sattler der Fa. F. Guiremand-Berlin durch E. H. 23 50; Frau L. Berlins,—; 23. G.-Treplow 3.—; Leutn. d. R. H. 3.-; Land sturmmann 28. 3,—; 4 Pioniere d. Westens 11.—; G. W.-Piesteritz b,—; Fabrer R. 8,—; 3 Metzer Soid. durch Sch. 6,—; Musilkap. ein. Landft.-Jns.-Bat. 18,—; Unieroff. D. 5.—; Ges. in ein. La zarelt l. Osten durch Sch. u. L. 28.30; Unteroff. I. 10,—; O. K.- Berlin 10,—; F. G-Z. z. Zt. im Felde 10—; 6 Kam. in ein Et.- Pferde» Dep. 44.80; Wehr mann W. K. 6.—; Freunde aus Zarrentin i. M. 16.—; Krankeuliäaer E. H. 10.—; Wedrmann E. 1,—; Kanonier O. R. 2,85; von Kranken ein. Lazaretts durch K. 16,—; 10 Kam. ein. Flieger-Abllg. r. Westen 10,—; Landsturmmann M. M. 2,—; Kam. aus ein. bayr. Feldl. durch B. 4,—; Matr.-Art. G. 3,—; V. ein. Scheinwerferlruvp durch R. F. 19.—; Bez. Gr.»hürinpen, it eto. Listensammlung 120,—; Bez. Mecklenbg.- Lübeck, k cio. Listensammlung 230,80; C. M.-Poisdam 3.—; B. L.-Breslau 3,—; W. L.-Nauen 10,—; Sch.-Berlin—.60; Landflurmmann Sch.— ,40; 4 Sold, durch O P-Schwerin i. M. 4 05; Unter off. A. L. 1.50; I.-Berlin—.50; Personal d. Buchor. H. S. Hermann-Berlin durch K. 132.05; Arm.-Soldat R G. 10,—; v. 38 Kam. ein. Pionierp. ein. Landw Inf-Reg. i. Westen durch H. H. 52.—; Kam. d. M. G. K. ein. Mair.-Reg. 16,50; Frl. G., Kastwirlsgehilfin 5.—;.BorwärtS'Ieier, PallaSstrafte. 20,—; 2 G�fr. d. M. G. K. ein. Jnf.-Reg. 4,—; Frau K.-Berlrn 5,—; v. ein. Pionierpark durch Sch. 86.—; Kam ein. Parkkomp. 3,—; Gest v. 4 Landsturmleuten i. Osten 4.—; Landfturmm. H. K. t,—; T.-Schöneberg 5,—; Dragoner 23 I 4,—; v. Angest. in Stuttgart z. Bekämpfung der Gegner ein. Verständigungssriedens 30.—; E B.» Ludwigshafen a. Rh. 5.—; F. I. und Frau, Remscheid, 20,—; Res.- Jnf.-Reg. 11/254 durch Sch. 84.90. Berlin, den 1. Februar 1918. Der Parteivorstand. Weitere Geldsendungen find zu richten an: Otto Braun Berlin LVV 68, Lindenstr. 3; auch kann aus Postscheckkonto Nr. 7913 Fr. Bartels, F. Eben, O. Braun beim Postscheckamt Berlin einge- zabll werden. GroßSerlln Verschärfter Belagerungszustand auf der Hochbahn. Von den bescheidenen Btlten, dre wir im Interesse des Publi- kums vor einiger Zeil an die Direktion der Hoch- und Untergrund- bahn richteten, ist nicht eine einzige erfüllt worden. Im Gegenteil, die Zustände verschlimmern sich dort von Tag zu Tage, die Direktion rubrt keinen Finger und eine Auisichlsbebörde scheint es nicht zu geben. Die neueste Belästigung des Publikums besteht darin, daß die Richtungsanzeiger auf den Bahnböfen fast regelmästig falsch gestellt werden, so dafz lein Meuich ahnt, wobin ihn der Zug tragen wird, den er bestiegen hat. Em Leser. der genötigt ist, täglich mehrere Male die Strecke Wilbelmplatz— Gleis- dreieck zurückzulegen, schreibt uns darüber:.Wenn die beiden OlichlungS- anze'ger auf dem Bahnhof Gleisdreieck.Fehrbelliner Play" ver- künden, so kann man mit ziemlicher Sicherheil annehmen, dab dei betreffende Zug nach Wilhel», platz fährt und umgelehrt. Sehr häufig geschieht eS auch, daß zu gleicher Zeil auf dem einen An- zeiger.Wilhelmplatz", auf dem anderen.Fehrbelliner Platzt zu lesen ist. Ersucht man die beiden Beamten um Auskunft, so erhält man bei jedem den prompten Bescheid, sein Anzeiger gebe die richtige Strecke an. Während der Fahrt kann man dann nicht selten beobachten, daß auf den einzelnen Stationen ab- wechselnd.Fehrbelliner Platz",.Wilbelmplatz" und dazwischen hin und wieder.Reichskanzlerplatz" angezeigt ist. Denn auch zwischen.Wilhelmplay" und.Rcichskanzlerplatz" vari- iert man nach Laune und Belieben, und wiederholt bin ich unter der Flagge.Wilbelmplatz" auf dem Sophie-Charlolteu- Platz gelandet. Einem neuen und besonders raffinierte» Trick aber fiel ich an einem Nachmiitag der vorigen Woche zum Opfer. Ich war in den Zug Richtung.Neichskanzlerpsatz' gestiegen mit der Absicht, aus dem Bahnhof.Bismarckstrahe" uinzusteige». Als wir auf dem.Wrttenbergplay" hielten, lies eine Angestellte den Zug entlang und verlündeie mit lauter Stimme:.Dieser Zug fährt nach Wilhelmplay I" und zu gleicher Zeit sah ich, wie dqr Richtuirgsanzeiger auf.Withelmplatz" um- gestellt wurde. Als ich dann auf der vierten Station de» Zug verlieb, befand ich mich auf dem— Sophie-Charlotten-Play! Der Zug war also doch nach Reichskanzlerplatz gefahren. Gibt es kein Mittel, diesem skandalösen Betriebe ein Ende zu bereiten?" Mittel aibt eS natürlich, aber nach unseren bisherigen Er- fahrungen besteht keine Sussicht, datz fie zur Anwendung kommen werden. Denn Rücksichten, auf das Publikum spielen bei der Hoch- und Untergrundbahn eine ebenio minimale Rolle wie bei der Groben Berliner Slrabenbahn. Haupnache ist, dah man die Fahrpreise er- höht und die enormen Einnahmen noch weiter steigert.— Und dafür ist ja. Gottlob, bereits gesorgt. Gegen die Tariferhöhungen unserer Verkehrsmittel. Der Verband der Beamten und Lehrer für Grob-Berlin hat in einer begründeten Eingabe an die mahuebenden Stellen gegen die geplanlen Fahrpreiserhöhungen der Groben Berliner Sirabenbahn wie auch der Hoch» und Untergrundbahn Einspruch erhoben. Wen» die VerkehrSgesellschaiten für ihr Vorgeben ständig die infolge des Krieges eingetretenen Mehrausgaben anführen, so mub aber anderer- seil« auch aus die fortgesetzt steigenden Mehr-Einnahmen mit allem Nachdruck hingewiesen werden, die vornehmlich in der überstarken Besetzung der einzelnen Wagenllaffen zu erblicken find. In einer Zeit, wo die städtische Bevölkerung unter der wirtschaftlichen Not überaus bitter zu leiden hat. sollte überhaupt von jeglicher Tariferhöhung unserer wichtigsten Verkehrsmittel abgesehen werden; das sollten sich die VerkehrSgeiellschasten, die doch auch die öffent- lichen Bedürfnisse der Bevölkerung zu berücksichtige» haben, gesagt sein lasse». Schärfere Bekämpfung deS Schleichhandels. Wie die.Vosfische Ztg." erfährt, ist eine BundeSratsverordnung zur schärferen Bekämpfung de« gewerbSmäbigen Schleichhandels ausgearbeitet worden, die bereits die Genehmigung aller Stellen des KriegSernährungSamtS gefunden hat, und die nunmehr dem ReichS-Justizamt und dem preubischen Justizministerium zur Begutachtung vorliegt. Die BundeSratsverordnung, die der Reichskanzler erlaffen wird, steht in erster Linie für den gewerbSmäbigen Schleich- Wucher strenge Strafen, und zwar Gefängnis oder im Wiederholungsfalle Zuchthaus vor. „Erleichterte" Fleischbeschau. Eine hiesige Lokalkorrespondenz verbreitet folgende Nach- richt, an deren Nichtigkeit wir vorläufig noch zweifeln möchten: Die Minister des Innern und für Landwirtschast haben eine gemeinsame Verfügung über die erleichterte Durchführung der Fleischbeschau erlassen. Nach§ 2 des Fleischbesckiaugesetzes darf bei Schlachttieren, deren Fleisch ausschließlich im eigenen Haushalt des Besitzers verwendet werden soll, sofern Merk- male einer die Genußtauglichkeit des Fleisches ausschließenden Erkrankung fehlen, die Schlachtvieh, und Fleischbeschau unter- bleiben. Eine gewerbsmäßige Verwendung von Fleisch, bei dem die Untersuchung, unterbleibt, ist dagegen verboten. Es waren nun Zweifel darüber entstanden, ob nach diesen Vor- schriften auch solckfe Hausschlachtungen dem Beschauzwange unterliegen, bei denen bestimmte Fleischmengen auf Grund der Verordnung über die Regelung des Fleischverbrauchs an den Kommunalverband abgeliefert werden müssen. Im Ein vernehinen mit dem Reichskanzler haben die zuständigen Mi nister bestimmt, daß dieAbgabevon Fleisch an den K o mm u n a l v e r b a n d für die A b ga b ep f l i ch t i- gen keinen Zwang begründet, die Schlacht. tiere der allgemeinen Schlachtvieh, und Fleischbeschau zu unterwerfen.— Dagegen er- achten es die Minister für geboten, den Trichinenschauzwang bei Schweinen soweit irgend möglich auf Haus- schlachtungcn der erwähnten Art auszudehnen. Sollte sich diese Nachricht bewahrheiten, so würde sie ge- eignet sein, in den weitesten Kreisen der Bevölkerung die größte Beunruhigung hervorzurufen. Bei der durch die gegenwärtigen Ernährungsvcrhältnisse ohnehin gesclstvächten Körperkonstitution namentlich der arbeitenden Klassen er scheint es kaum glaublich, daß man diese zu allem anderen. auch noch derGefahreinerErkrankungdurchden Genuß gesundheitsschädigenden Fleisches aussetzen will. Getadezu ungeheuerlich aber wäre es, wenn der Trichinenschauzwang bei Sckweinen nur„soweit irgend möglich" durchgeführt werden sollte. Es würden dadurch Zu- stände herbeigeführt werden, gegen die wir im Interesse der Bolksgcsundheit den allerschärfsten Protest erheben müßten Verteilung von Aufstrichmitteln in Grost-Berlin» Der LcbenSmitlelverband Groß-Berlin hat beschloffen, auf die Abstlinilie 5 und 6 der gemeiniamen Lebensmittelkarte je llt Piund Bioiou'slriibmitiel(entweder Marmelade oder Kunsthonig) und auf Abichnitl 7 1 Pfund Marmelade zu verteilen. Ferner werden auf Abschnitt 8 der gemeiniamen Karte für Jugendliche 1 Pfund-Farin. Shrup oder% Piund Marmelade oder l/j Piund Kunstbonia zur Ausaabe gelangen. Der Aufruf wird durch dre einzelnen Gemeinden erfolgen._ Die Südliche Berliner B»r»rtb»h« teilt mit, daß wegen Bau- arbeiten an der Monumenlenbrücke die Linie V, Neukölln. Ring- bahnhos— Lichter felde, Händclplatz. von beute ab bis auf weiteres zwischen Kreurbergstratze und Ringbabnbof Schöneberg durch die Katzdach-, Dreibund- und Kolonnenstratze in beiden Fahrtrichtungen umgelenkt wird. Eine Verkehrsstörung auf zahlreichen Linien der Straßenbahnen des Südwestens entstand am Montag vormittag durch einen Z u iammenstotz zweier Stratzenbahnzüge an der Kreu« zung der Koch- und Markgrafenstratze. Ein vom Görlitz« Bahnhof kommender Wagen der Linie 93 fuhr mit voller Kraft auf einen Zug der städtiichen Slratzenbabnlinie K Dieser Zug wurde mit dem Auhängewagen aus den Gleisen geworfen, wobei auch der Wagen der Linie 93 entgleiste. Alle Wagen versperrten nun die Glciie in beiden Strotzen. Mehrere Perionen wurden durch GlaS- splirier verletzt. Der Berlehr mutzte umgelenkt werden. Zum Raubmord an dem Schuhmachermeistcr Rcichardt teilt das Polizeipräsidium mit: E» ist von Wichttglcll, datz sich sofort alle diejenigen melden, die über eine mit der Tat in Verbindung stehende Beobachiung aussagen oder sonst sachdienliche Mitteilungen über den Verlebr. die Gewohnheiten usw. deS Talen machen lönnen. Viel- leicht führt die Wabrnehmung einer Verletzung oder von blutigen Kleidern auf die Spur der Täler. Möglicherweise haben fie aus der Flucht eine Fahrgelegenheit benutzt oder find in irgendein Lokal eingekehrt, wo sie aufgeiallen sind. Nicht ausgeschloffen ist, datz der von dem einen Täler getragene Karton von einem vorher gemachten Einkauf, vielleicht aus einem Konictlionsgeichäst. herrührt. Es ist auch daran zu denken, datz die Täler sich vielleicht durch spätes Rachhauiekommen oder durch plötzliche Ausgabe der Wohnung oder unerwartete Abreise verdächtig gemacht haben. Im Schneesturm verirrt und erftore« ist eine Berliner Arbeiter- frou. deren ipurloieS Verichwinden die Polizeibehörde ieit Milte vorigen MonarS beichä'tigt. In diesen Tagen waren Leute des märkiichen GuleS Vehlow in der Nähe der Bahnstation Wulike aui dem Felde mit Tüngeislreuen beschäftigt, und auch der Inspektor mit seinem Hund war zugegen. Plötzlich schlug der Hund ein lautes Gebell an, und dem Geräusch nachgehend, fand man eine etwa 50jährige Frau in dem Graben sitzend, nur mit dem Kopf aus dem Schnee hervorragend, t o t auf. Ein Rucksack mit Kartoffeln lag nehmen ihr. Durch eine Legitimation, welche man in den Kleidern der Leiche fand, stellte es sich heraus, datz die Tot« die Arbeiterfrau Schröder aus der Rostocker Strohe 23 in Berlin war, die von einer am 11. Januar unternommenen Fahrt nach der Ost-Priegnitz nicht zurückgekehrt war. An jenem Tage war Frau Sch. mit anderen Frauen nach Bahnstation Wulike gefahren, um Kartoffeln einzukaufen. Die Sch. halte sich von den übrigen Frauen gelrennt und war nach dem Rittergut Vehlow gegangen, wo sie einen halben Zentner Kartoffeln kaufte. In der Dunkelheit begab fie sich wieder nach der oben erwähnten Bahnstalion. um mit dem letzten Abendzuge nach Berlin zurückzukehren. In dem gerade zu jener Zeil herrschenden Schneetreiben und der giotzen Dunkelheit ist die Sch. vom Wege abgeirri und quer in die Felder geraten. Ermüdet und erfroren setzte sie sich in einen Graben und ist einges-dlaien. Der immer mehr herniederrieselnde Schnee hüllte den Körper der Unglücklichen bald ein und ichus ihr so eine Leichendecke. Da Frau Sch., die Mutter von fünf Kindern ist und deren Mann im e l d e steht, nicht nach Berlin zurückkehrte, wurden polizeiliche Nach- orschungen angestellt, die ohne Erfolg blieben,. bis jetzt die Leiche gefunden wurde. Di« Leibrente Ut„Hauptmanns»an Ei Pen ick". Wilhelm Voigt, der.Hauptmann von Cöpemck". der als Privatier im Luxemburgischen lebt, macht jetzt wieder von sich rede». Und zwar durch eine Klage, die er beim Landgericht Berlin I»«gen der ihm von Frau Gertrud W e r t h e i m ausgesetzten Rente eingereicht hat. Diese Rente ist ihm Frau.Truth' seit dem Konkurse ihre» Mannes Wolf Wertheim schuldig geblieben. Di« Folg« davon ist eine öffent- liche Zustellung des Gerichts, in der es beitzt: Der Privatier Wilhelm Voigt in Luxemburg klagt gegen die Frau Gertrud Wertheim, geb. Tietzer, unbekannten Aufenthalt?, zuletzt wohnhast gewesen in Berlin. Corneliusstratze 4a, unter der Behauptung, datz dt« Beklagte sich durch notarielle Urkunde verpflichtet habe, an den Kläger eine monatliche, am 1. eines jeden KalendermonatS fällige Rente von 100 M. bis zu seinem Tode zu zahlen, mit dem Antrage, die Be- klagte kostenpflichtig zu verurteilen, an den Kläger 4200 M. nebst 4 Proz. Zinsen zu zahlen und das Urteil eventl. gegen Sicher- beitSleistung für vorläufig vollstreckbar zu erklären. Termin zur Verhandlung ist aus den 15. Mai 1913 vormittag» 10 Uhr beim Landgericht Berlin I anberaumt worden. Charlottenbnrg. Lebensmittel. Vom Donnerstag, den 7., bis Sonnabend, den 16. Februar, werden verabfolgt: 150 Gramm Hülfenfruchlmehl(Pfund 35 Pf.f auf Abschnitt 4 der Grotz-Berliner Lebensmittelkarte.% Pfund Jnlandsmarmelade(Pfund 90 Pf.) auf Abschnitt 5 der Grotz-Berlmer Lebensmirtellarte. Aus Abichnitt 84 der Eierkarte kann bis zum 16. Februar ein Ei zu 43 Pf. ent- nommen werden. Ueber 70 Jahre alte Personen erhalten einmalig drei Eier zum Preise von 48 Pf. für das Stück auf Grund von besonderen Berechtigungskarten. Diese Berechtigungskarten lönnen bis 8. Februar von 10 bis 4 Uhr, am 9. Februar von 12 bis 4 Uhr von den zuständigen Brot- kommissionen unter Vorlage eines amtlichen AuSweiieS über das Alter deS Bezugsberechtigten abgeholt werden. ES wird ausdrücklich darauf hingewiesen, datz die ausgegebenen Eier iogenannie Kalkeier sind, die nicht in der Schale gekocht werden dürfen. Die Eier können sofort gegen Abgabe der Berechrigungslarte bis zum 10. d. MlS. in Empfang genommen werden._ Neukölln. Fifchverteilonz. Bis auf weitere« dürfen in den durch Plakate kenntlich gemachten Neulöllner Fisch- und Räucher- Warengeschäften, sowie in den beiden städliichen Fischhallen Berg- strotze 21 und Pannierstr. 13 gegen Vorlegung der Neuköllner Warenbezugskarte entnommen werden: aui Abschnitt 89% Pfund Frischfisch und auf Abichnitl 90 l/t Pfund Räucherwaren. Lichtenberg. Lebensmittel. In dies« Woche w«den auf die Kartoffellarie fünf P'und Karioffeln abgegeben, die restlichen zwei Pfund find der eisernen Ration zu enlnehinen. Aus Abichiiilt 35 der Eierkarie kann ein Ei a 43 Pf. enlnoinmen werden. Feiner werden verteilt: Ohne Abtrennung von Marken sriicheS Gemüse zu Tagespreisen, mit Ausnahme des aui Nr. 173 der Lebensmillelkarte abzugebenden Gemüies lWeitz-, Roi-. Wirsingkohl»»d Mohrrüben), eingemachte Gurlen, Stück 15—20 Pf. Der Veikauf der Gurlen «iolgt nicht allein in den städtischen Füchhallen. sondern in allen Räucherwaren- und Koionlaiwarengeichäilen. In den städtischen Fischballen und bei den hiesigen Fiichhäiidiern und Räucherwaren- geschäiten werden abgegeben: Slus Abichnitt 174 8! frische Flutz- und Seefisch« und aus' Abschnitt 164 8! Räucherwaren. Reinickendorf. Nachahmenswert. D« Gemein bevorstand macht bekannt: Teiliichm« an den Maffenipeffungen. weiche Wünsche und Beschwerden vorzubringen haben, lönnen nur dann aus. Erfolg rechnen, wenn eine Vertrauensperson dieselben dem KüchenauSschutz vorträgt.—.. Zur Wahl ein« Vertrauensperson— Frau od« Mann—, dre hie nötige Sachkenntiiis besitzen, wird eine Versammlung im Lokal ........ ,uin... Februar, abends 6 Uhr, anberaumt. Da die durch Mchrheilsbeschluh herbeigeiührie Abstimmung nur kurze Zeit beaiiiprucht, kaun wohl jeder MgsienjpeljungS- Teilnehmer zu- gegen sein. Es wäre dringend zn wünschen, datz and«e Gememden dem Beispiel Reinickendoris folgen würden lind die Konsunienten selbst mitwirken lafien. Wir wollen hoffen, datz bei diesen Wahlen nur Leute gewählt werden, welche selbst die Maffeiispelsung in Anspruch nehmen. Denn bei der bish-rsg-u Praxis, datz-hrenamilich tätige Personen von Zeit zu Zeil Kostproben entnehmen, ist eine Besierung der Zustände im allgemeinen nicht eingetreten. — Lebensmittel. Auf Abschnitt 3 der Lebensmittelkarten für Grotz-Berli» werden 100 Gramm Grictz und für Jugendliche auf Abichnitt 1 der Karte je 100 Gramm Grietz abgegeben. Die An- Meldung mutz bis Heine abend erfolgen. Der Verlaus der Ware findet von Montag ob stall. Die von der Gemeinde gelieferten braunen Lebensmittelkarten sind sorgfältig auizubcwahrcn, da auch aus diese Karlen von Zeit zu Zeil noch besondere Zuwendungen gemacht werden. Von heule ab werden bei ben zuständigen Biotlommisfionen für Kinder im Alter bis zu 2 Jahren Gutscheine zum Bezug von je 2 Palelen Zwieback, für Kinder im Aller von 2 bis 4 Jahren je ein Palet Zwieback und l/t Piund Grietz ausgegeben. Für Kinder im Aller von 4 bis 8 Jahren werden Gutschein« für eine Dose Vollmilch ebenda ausgegeben. Um die durrd dre Abschirilt« von bO-Granim-Abichiülle» beim Weitzbrot entstehenden Verluste zu ver« hindern, braucht Weitzbrot in Mengen von weniger ais 500 Gr. Nicht mehr abgegeben werden.. Abschnitt 9 dei Eierkarle mutz spätestens bis heul abend dem Kleinhändler zur Anmeldung voigelegl werden. Die Abschnitte 32 der Zuckerlarte und>5 der Zuckerzuiaykaite find brö Freilag beim Kleinhändler zur Anmeldung abzugeben. Durch Grun- düng des LebensmitielverbandeS Grotz-Berlin find Extra Zuweisungen an Nährmitteln sür über 70 Jahre alle Personen nicht vorgesehen und lönnen daher die sonst üblichen Verteilungen. Grietz usw.. nicht vorgenommen werden. Es erübrigt sich deshalb die Aufsuchung der Brolkommiisionen._ Gerichtszeitung. Lebensmittelkarten- und Bezugscheindiebstäble. Bei dem Charlottenburger Magistrat war eine Zeitlang die Buchhalterin Frau Sophie Arndt, die mit einem Sänger Ernst Arndt verheiratet gewesen war, im statistischen Amt angestellt. Ihre Tätigkeit bestand u. a. auch darin, Lebens- mittelkarten, die von den Brotkommifsionen stapelweise zu» rückkamen, zu sortieren und sie dann in ein anderes Bureau zu bringen. Sie hat es verstanden, sich bei dieser Gelegenheit ein« große Reihe von Brot-, Milch-, Eierkarten, � Fett-. Kucker- Kohlen- karten usw. anzueignen. Sie hat einen Teil an Bekannte verschenkt, zahlreiche Karten ab« verkauft und etwa 100 Stück Brotkarten an einen Sänger W o t r u b a abgegeben, der in einem Bierlokale als Sänger wirkt« und recht gutes Geld verdiente. Der Mann be» zahlte ihr 2 M. für das Stück und setzte die Karten seinerseits wieder an Gäste des Lokals ab. Die Arndt hatte bald einen recht bestimmenden Einfluß auf den an sich gutmütigen und nerven- schwachen 28., der ihr mehrmals größere Geldsummen lieh und sich aus den ihm zugewiesenen gestohlenen Lebensmittelkarten zu er- wartenden Gewinn langsam schadlos zu halten trachtete.— Eine» Tages«hielt die Arndt im Staiistischen Amt aushilfswesie«ine andere Tätigkeit, nämlich das Ausfullen von Bezugscheinen, wenn die Kommissionen d«S Ausstellen solch« Scheine veriveigert hatten. Bei dieser Gelegenheit hat sie sich etwa 30 Bezugscheine an- geeignet, die sie widerrechtlich mit dem Stempel des Magistrat? Charlottenburg versah und an 28. beförderte. Dies« füllte sie aus und verwendete sie; teil» hat« sie nach Ausfüllung zur Anfchaf- jung vi»(Stotaafe verwandt, fenß an Freunde und Bekannte, dag Sbick für 2 M., verkaust. Im PolizeigsfangniS!hat er sich fälschlich uiiler den von ihm gewählten Künstlernamen eintragen lassen.— Er stand deshalb unter der Anklage der gewerbsmäßigen Hehlerei sowie der Urkundenfälschung vor der Straf- kammer des Landgerichis lll. während die Arndt wegen Diebstahls angeklagt war. Sie behauptete, daß sie von W.?u ibren Straftaten angeregt worden fei, während NechtSanwalt Dr. r? ch w i n d t den Nachweis zu führe» sich beinühte, daß W. uni- gekehrt das Opfer der verschmibten und ränkesüchtigen Person ge- worden sei. Die Arndt habe sich von W. zunächst zum Auslösen verpfändeter Sachen Geld geborgt, dann habe sie ihm auS Erkennt-- kichkeit für die Darlehen die Brotkarten und die Bezugscheine ge- bracht mit der Absicht, daß W. aus einem etwaigen Erlös der Karten ihr von der Schuld, die sie bei ihm hatte, etwas abschreiben sollte. — In Uebereinstimmung mit Staatsanwalt und Verteidiger nahm das Gericht bei Wotruba nicht gewerbsmäßige, sondern nur ein- fache Hehlerei und Urkundenfälschung an und verurteilte ihn— >er Staatsanwalt hatte l'A Jahre beantragt— zu 9 Monate n Gefängnis, die Arndt dagegen wegen Diebstahls zu 1 Jahr G e f ä n g ni s. Beiden wurden 2 Monate Untersuchungshast angerechnet. In Dkc Sorgfaltspslicht des StraszenhahnschaffnerS. , einer kürzlich ergangenen Entscheidung macht das Reichs- ivricht interessante Ausführungen über die' Pflicht des Straßenbahnschaffners, an den Haltestellen auf die einsteigende Fahrgäste gehörige Obacht zu geben. DnS ist ge« raäe m der Jetztzeit, wo die U e b e r s ü I l u n g der Straßen- bahnwagen in allen Städten zur Regel geworden ist, von be- 'anderer Bedeutung. Der Schaffner kann sich in der Regel ja durch einen Blick vom Hinterperron leicht über die Sachlage auf- klären.— Ein Straßenbahnschasfner muß sich, so sagt das Reichs- gericht, an der Haltestelle darum kümmern, ob und welche Personen mitfahren wollen. Ob die Warten- den, falls noch freie Plätze vorhanden sind, ein Recht auf Besörde- rung haben und ob der Schaffner einer Straßenbahn das Abfahrt»- zeichen stets erst dann geben darf, wenn alle eingestiegen sind, mag dahingestellt bleiben; jedenfalls darf er durch die Ab- fahrt, soweit dies für chn erkennbar ist, niemand aefähr- den. Hiergegen fehlt der Schaffner, wenn er das Abfahrtszeichen während des Einsteigens einer Person gibt.— Für dieses Verschulden des Schaffners haftet die Bahn(abgesehen von der aus dem Neichshaftpflichtgefetz sich ergebenden Schadenersatzvflichtl nach § 891 B G.B., wenn sie nicht den im Gesetze nachgelassenen Beweis erbringen kann, daß sie bei der Auswahl und Ueberwachung des Schaffners die im Verkehr erforderliche Sorgfalt beobachtet hat. Dabei kommt eZ für die Frage des ursächlichen Zusammenhangs zwischen der Fabrläsfigkeit de? Schaffners und dem Unfall einer im Einsteigen begriffenen Person, sowie ferner für die Frage eines ettvaigen mitwirkenden Verschuldens der letzteren natürlich stets auf die Umstände des einzelnen Falles an. Sriefkasten öe? Neöaktion. 3l. V. H2. 1. Eine Gehaltsgrcnze für die freiwillige Weiter» er siche- rimg ist nicht festgesetzt. 2 Die Wciterverficherung ikt dem Versicherungs- ami zu melden. Die BeitragSzapiung ist durch die Pott zu bewirten Am Schlich des Jlihres ei halten Sie von der Versicherung über die geleisteten Beiträge eine Ouittung 3. Vorläufige Quittung ist der PoueinzablungS- schein.— Osten 11. Da« Vervflcgungsgcld beträgt 2 M.— P. B. 18({3. 1. Dafür ist kein Zeitraum jestgesctzt. 2. Nein. 3. Bei der Steucrbebörde.— St. St. l. 1.§ 197 de« B. B. 2. Ja. 3. Wenn Sie tatsächlich zu viel gezahlt haben, ja.— F. D.-11. Ihr Betrieb ist gegen Unfall nicht versicherungspflichtig. Uebrigens ist der Unfall nicht entschädigungspflichtig, da für Unfälle ans dem Wege von und nach der Betricbsiläüe leine Rente gewährt wird.— I. O. N. 51. Nein. — W. 200. Jetzt nach 3'/, Jabien wird stch In der Sache allerdings laum noch etwa- machen lassen, Sie hätten doch längs! müssen energischer dahinter. her sei». Wenn von der Kompagnie da« Pake! abgesandt worden ist, so verlangen Sie Ersatz von der Poit.— SO. I. 81. Die Löhnung würde wohl weitergezahlt, absoluter Anspruch daraus besteht aber nicht. Weiter« Ansprüche sind einstweilen nicht zu erheben.— Karl I. 7, A. 03. 1..Wenn Bedürftigkeit vorliegt, können die Eitern einen solchen Antrag beim Gemeindevorstand einreichen. 2. Nein.— 3. 12. Sie können einem Landwehrregiment überwiesen werden.— 16 397. L. Dazu mußte die Zustimmung der Erben eingeholt werden.— Feldpost. Die Unterstützung ist richtig bemessen. Die Gemeinden sind nicht vervflicktet, mehr zu zahle». — Sandsturm 7. Das ist leeres Gerede.— F.(£. 82. Wenn Ihr Verdienst nicht»!. W. 100. Die letzte Reichstagsauslösung erfolgte am l3. Dezcinder 1906. Die letzte Relchstagswahi war am 12. Januar 19 2; im 1. Verl ner Kreis wurde, in der Slichwalil am 22. Januar 1912, der jetzige Rcichstagspiäsi- dent Dr. Kaemps gewählt. Für die Sozialdemokratie laiididiertc Witbctm Düwell.— Flock 700. Daniel' Stückten, M. 6. R., Berlin NW, ReichS- ag.— Handel. Studios rerum mercatorum.— Pionier 32. Doktor. stra' k stet als steiwilliger Landitulmman. er war jüdischer Konfession.— (f. 20. Ttreit'ache. Dazu bedarf eS keines Eramcns.— 21. 3. 2131. Tanrch müsse» Sie sich schon selbst aus dem Anhalter Bahndos erkundigen. — O. B. 17. 1. Die S ieskinoer hätten nur Awvruch an den Nachlaß der Frau, aus Ihren nicht. 2. Außer Ihrer Frau erben dann Mutter und Geschwister. 3. Durch Testament tonnten Sie sich gegenseilt t als Borcrbcn einsehen.— W. 8. K. Nein.— St. 3. 28. Sic haben keinen Ülnipntch aus Reichswochenhilse, da da? Einkommen jetzt noch 1500 M beträgt.— Argonnen. 1. Dienstsähig, geringer Herziehler. Lungenleidend, land- sturmpstichtig. 2. Nein.— F. L. K. 2009. Un» ist von beidem nichts bekannt, es ist sicher unzutresiend.— 23. I. A. Das Ministerium hat damit nicht« zu tun. Sic könnten Beschwerde beim BersicherungSamt einlegeit. r-.»ri»rrauöstldren'Nr das niteeirre Xorddeuixtiia»!' vt« Mittwoch nntlag. Zeitwelle nebelig, sonst trauen und viestach heiter, am Tage ziemlich mild, in der Nacht zum DienStag mäßiger FroU. veuNcher \ cransportarteitcrverband. | Sezirksvenvalt. Groß-Berlin Den Mitgliedern zur Nach- j vichl, daß unser Kollege, der ( Hausdiener 17/5 MM Ms> am 1. Februar im Alter von SS Jahren verstorben tst. Die Beerdigung findet am Dienstag, den 5. d. M., nachmittags 3'/, Ufer, von der Leichenhalle des Markus- Nirchhose». Wilhelmsberg. auS statt. Ferner starb unser Kollege, der Speicherarbeiler von d« Finna Osthasen am 2. d. M. im Alter von 40 Jahren. Die Beerdigung findet um Mittwoch den 6. d. M., nachmittaq« 2 Uhr. von der Leichenhalle des Neuköllner Gemeinde-Friedhose«, Ma- riendoffer Weg. auS statt. Um rege Beteuigung wird ersucht. Ifaehrnf. Ferner starb unser Kollege, der Aulvsübrer » AlMSM am 22. Januar im Alter von 65 Jahren. Ehre ihre«»«denken: Die 0oitrIl»,erv»!tiiog. Verband der Gemeinde- und Staatsarbeiter. Filiale Groll-Berlin. STachnxf. Den Mitgliedern geben wir hiermit Nachricht vom Tode deS Kollegen 189/11 Franz Neumann von den städt. Markthallen. Ehre seinem Andenken! Die Ortaverweitung. Spezial-Arzt Dr. med. IlaschO, Friednchstr.SO Äfla6™6. Bedandl. vonSnvhiliS, Haut- Harn-, Franenleiden, ivez.: chron. Fälle. Shrlich-Hala-Ku- ren, schmerzlos«, kürzeste Be. Handlung ohne Bernsssiörung. Blutuntersuchung. Maß. Preise. Teilzahlung. Sprechstunden 10 bis 1 und 5— 8, Sonnt. 11— 1. Ziehuna; schon 18. Februar. Kahl BrandenbunjUcber Ülaftbinenletxer'Vereln. (V. d. 0. B.) Silz Berlin. Am 3. Februar erlag einer Lungenentzündung unter liebe» MilgUed, der Linotype- scher Kurl aus Schöndoru, im Aller von 42 Jahre». Wir werde» sein An- denken in Ehren halten. Di« Beeidigung findet am Mittwoch, den 6. Februar. nachmittags 2 Uhr. von der Kapelle de« Luisen-Kirch- hoseS in Neutölln, Hermann- itratze IsB/lSO, aus statt. Um zahlreiche Beteiligung ersucht_ � � k Der Borstand. tilr deutsebe Soltiatenkimier. Gesamtw. u. Hauptgetviniie: WWMmk. 5©Q®0 Mk. lüOOO Mk. 5 mit Mk. usw. usw.[2144L [(ICH ß? Mb Porto U. amtl. Ltltfb U 0 Min« Gewinn-Liste 45 Pf. extra, empfehlen und versenden, auch N'aohnahme, ta!rSft.,Äii.tM4. Telephon Moritzplatz 2625. Gicht, Hexenschuß, Ischias C f) I I T C M C I Cl sei es daaerud udei am O U L. L I cn O I C.I von zu Zelt, leideu. i su lade ich Sie vieriait ein, dies« Usle�cnhell zu erzireiwu I null mii zu suhreibeo leb blu oerelu Ihneu susteuiue I und portutre. ettrus zu suaden, das luncn ein« ireudiyH UeberrasehunK hereiten wird Sio haben riBlIeieht schon' viel Ueld llii reraehiedenu U Ittel ausuoxebea and aui ein« TurCherKeheiide lis-seiuu. erzielt Ich b-aibie»Ii. II Ittel dai!Tialleicht|i»»>Ktet ist als Ursache Tun ttbeamatlsmus | Uiclit(l'uflajjnt Chiiajfrai, uPW ans Ihrem KSrpei au ee | kümplen. Ks wird auch seweu Leiden, die durch das Vur [•• anner.:eif lÖV» «Jean Holze /X VI B. U Juckkrätze verschwindet in wenigen Tagen durch RoichelsKrätzo- baLsam, der auch in den hartnäckigsten Fällen vollkommen sicher wirkt Fl. 4.50. Otto Reichel, Berlin 43, EisenbahnstraBe 4.* "Ä Molken-Eiweiß hat abzugeben 21222* Molkerei Storkow(Mark). Bluuiea- üde! KranzöiDiierei von Roben Meyer, Ind.: P. Golletis• Mariannanstr.S. Tel. Mpl. 10303. % ur Aeldsoldaten! veufsch'polnisch. ISPs. Deuffch-ArauzösischlSPf. Suchbsnhlung vsrwbrts. Verl!» Hauskultmutilen GrluSrz- und Knochenmühlen mit Schwungrad. Ferner starke BSand- und 3tandkasfeeniühten. Alle! Maschinen grob und sein mahlend verstellbar. Sofort lieferbar. Berkauf S125L* Rclvnei-, Reell» A, Keriohlatr 12. I. Stockwerk. Nr.ZH— 1H1S Unterhaltungsblatt öes Vorwärts dlenstag�S.Debrvar �tzeeresschritte öer Menschheit'*. Tag, Tag, dir rauschen wir, Eh du noch aufblühiest über den Dächern, Wenn du schon biulend ermmlst im Rauche der Schlote und Essen. Dir. Arbeit der Hände. Arbeit der Hrrne, Arbeit der Herfen, Euch allen ramchen wir. wachsend und stoßend und vorwärtsdrängend. Weiter, weiter, dem Morgen, dem Mittag, der Dämmerung entgegen Cän' Endel Ohn' Ende I HeereSichritte der Menschheit. Wie den Siurm eines Oikanes vernebme ich auch. In ihrer Woge treibe ich dahin, stoßend und wieder gestoßen, Ein rollender Stein in der Fiut, willenlos, Dem Ende der Straße entgegen, das sich auftat vor mir: Ein Tor zu neuen Straßen und Schluchten... Armin?. Wegner. Seethoven, öer Menfil). Die belannten Goethe- Erinnerungen Bettinas der Schwester Clemens Brentanos, des Dichters deutscher Romantik, haben die Vor- stellung einwurzeln lasten, daß die geniale ssrau in diesen Er- innerungen Dichtung und Wabrh-lt so ineinanderschmolz, daß beide in der Nachpiütung nur schwer sich sondern lassen. So überrascht es einigermaßen, Erinnerungen an Beethoven von ,hr kennen zu lernen, die das Gepräge aufnierkiamer und klarer Beobachtung tragen und in ihrer geisireichen Lebendigkeit einen scharfen. lebenS- vollen Umriß des Meislers der Töne gewähren. Beethoven und Bettina— welch ein merkwürdiges Paar, der trotzige Musik- titane und die schönheilsdurstige. ans Große sich leidenschafilich anschmiegende, ewig errcgie Frauenieele! So saßen die beiden im August 1810 in Beethovens Wohnung einander gegenüber und von diesem Besuche hat Bertina einem jungen, ihr bcfrciiiideteii Studenten in einem Briese berichtet, dessen Wiederenlveckiing wir dem Jenenser Lileralurhistoriker Albeit Leitzniann verdanken. In einem sesselnden Beitrage im neuen Hest der bei der Deutschen Verlagsansiali in Siuilgart erscheinenden ,T mischen Revue' stellt er tcsl, daß der Empsänger deS Brieses ein Student namens Alois Bibler aus Sonthofen im Allgäu war Wie hat nun Bettina den Meister gesehen? ..Seine Pciicn ist klein sso groß sein Geist und Herz ist), braun, voll Biaiternarben, was man nennt: garstig, bat aber eine bimm- lisch? Stirn, die von der Haimonse so edel g-wö!bt ist, daß man sie wie ein herrliches Kunstwerk anstaunen möchte, schwarze Haar«, sehr long, die er zurürkschlägi, scheint laum dreißig Jahre alt, er weiß keine Jahre selbst nicht, glaubt aber doch sünfuuddreißig. Ich hatte nun viel gehört, wie behutsam man ihm sein muffe,»im ihn nicht scheel zu machen; ich hatte aber sein edles Wesen auf eine ganz andere Art berechnet und nicht geirrt. In emer Viertelstunde war er mir so gut geworden, daß er nicht von mir lassen konnte, sondern immer nebe» mir herging, auch mir uns nach Hause ging und zur größten Verwunderung seiner Bekannten den ganzen Tag dablieb. Dieser Mcnich hat einen sogennunien Stolz, daß er weder den Kaiser noch den Herzögen, die ihm eine Penston umsonst geben, zu Gefallen spielt, und in ganz Wien ist es da? Seltenste, ihn zu hören. Auf meine Bitte, daß er spielen möchte, anlworteie er:„Nun, warum»oll ich denn spielen?" »Weil ich mein Leben gern mit dem Herrlichsten erfüllen will und weil Ihr Spiel eine Epoche für dieses Leben sein wird," sagte ich. Er verfichert« mich, daß er diese? Lob zu verdienen suchen wolle, setzte sich neben das Klavier auf die Ecke eine« Stuhles und spielte leise mit einer Hand, als wollte er iurtien, den Wider- willen zu überwinden, sich hören zu lasten. Plötzlich hatte er all? Umgebung vergessen, und seine Seele war ausgedehnt in einem Welteiimecre von Harmonie. Ich habe diesen Mann unendlich lieb gewonnen. In allem, waS seine Kunst anbelangt, ist er so herrschend und wahrbait, daß kein Künstler sich ihm zu nähern getraut, in seinem übrigen Leben aber so naiv, daß man aus ihm machen kann, was man'will. Er ist durch seine Zerstreuung darüber ordeutlich zum Ge- spött geworden; man benutzt die» auch so. daß er selten so viel Geld hat, um nur das Notdürftige anzuschaffen. Freunde und Brüder zehren ihn auf; seine Kleider sind zemsten, fein Ansehen ganz zerlumpt(das soll Nußbaumer sich merken), und doch ist keine Erscheinung bedeutend und herrlich. Dazu kommt noch, daß er sehr hartnäckig ist und beinahe gar nichts sieht. Wenn er aber SS] Töchter öer Hekuba. Ein Roman aus unserer Zeit von Clara Biebig. „I wol' Minka lachte.„Soll'n se sich ihre Hemden allein waschen und ihre Fenster selber putzen, man is doch «ich bloß'n Arbeitstier. Mein Mann iL im Feld, der tut genug, ich wer' mich doch nich auch noch zuschanden machen. Abschuften um so'n paar Groschen." Als sie das bestürzte Gesicht Gertruds sah, lenkte sie freilich ein:„Na, Sie müssen das nich so nehmen. Fräuleinchen. Ich geh ja schon!" Meist blieb die Dombrowski zu Hause, schlumpte in ihrer kleinen Wirtschaft herum und fuhr dann oft nach Berlin. An der noch immer offen stehenden Tür des leeren Schuppens hing noch injmer der zerrissene Männerrock, und der Pumpe war noch immer der Hut ohne Boden aufgestülpt. Merk- würdig war's, daß die Kinder nicht noch ungezogener wurden. Es lvar Frau von Voigt gewesen, die einen allgemeinen Zusammenschluß unter den Damen der Gemeinde ins Leben gerufen hatte,„Unsere Männer sind im Feld, unsere Söhne auch, wir haben Zeit genug. Hier sind soviel Frauen und erwachsene Töchter, alle können nicht Verwundete pflegen, es ist mindestens so wichtig, daß wir sorgen, daß den Kindern der Mangel an männlicher Zucht nicht zu fühlbar wird. Was droht sonst den Jungen? Die Besserungsanstalt. Und den Mädchen �?" Es war auffallend, wie wohl den kleinen Dombrowski das strenge Auge tat. das über ihnen wachte. Vor der großen Dame, die so streng guckte, und die auch neu- lich in die Schule zur Lehrerin gekommen war? hatten die Kinder Respekt. Den Erich hatte sie schon einmal empfindlich am Ohr gezogen, als sie ihn dabei traf, wie er aus dem Obstkorb, den der Geinüschändlcr an der Bahn vor seiner Tür stehen hatte, einen Apfel nehmen wollte.„Hast du das schon öfter getan?" Ihre Augen bohrten sich bis aus den Grund seiner Seele.„Was würde dein Vater sagen, der draußen im Krieg ist, wenn er nach Hause kommt und das hörtl" Dem Jungen schössen die Tränen in die Augen: ja, den Vater, den hatte er lieb, und den Apfel— na, er hatte doch Hunger. gerade komponiert hat, so ist er ganz taub und seine Augen find ver» wirrt im Blicke auf das Aeußerlilbe: dos kommt daher, weil die ganze Haiwonie sick> in seinem Hirn fortbewegt und er nur aus diese seine Siiiiie rictucn kann: daß aiio, was ihn mit der Welt in Verbindung hält nS Wasser gelangen. Denn die ausgeschlüpfte Libelle bat nichts mehr mit dem nassen Spiegel zu tun, über dem sie im Somnierwmd giüngoldcne und stahisunkelnde Kreise zieh! und winzige Jniekten als Beule baickl. Nur em cinzigeSmal bclritt sie das feindliche Element, mutig und ohne den Tod zu scheuen— bei der Eiablage. Rührend ist es zu sehen, wie das Männchen das Weibchen dabei nicht verläßt. Mit den Zangen seine« Hinterle beö hält er eS im Nacken und io fliegen sie gemeinschaftlich nach criolgter Beciattung von Schilfstengel zu Schilssteiigel, jeden bedachtsam pniiend und abtastend. Endlich schein? einer geeigner. Da« abwärts fitzende Weibchen sollet entschlossen die Flüge! fest zusammen und steigt vorsichtig wie an einer Leiter in die laue Flut hinunter. Ohne die Galtiii loszulassen, klettert das Männchen nach. Um jedes von ihlieii bildet sich, fest an ihrem Körper haftend, ein hauchdünnes, silbernes Ei, da« sie vom Wasser lrennl— die Taucherglocke. Aber freilich, nicht lange haflel sie im zunehmenden Druck deS WassciS In rasender Eile bereiter die Libellenfrau ihre Kinderwiegen. Mit dem scharfen Legesrachel schneidet sie die Haut deS Schilfstengels auf, drückt ein Ei hinein und preßt das losgetrennte Stückchen wieder iesl. Eine ganze Reihe Kammern wird so angelegt, immer von neuem angetrieben durch da« ungeduidige Wippen deS Männchens. Dann steigen di» beiden schnell zur Obeifläche empor, die Tauckergiocke, die sie vor dem Eririnlen ichützle, zerstiebt und am nächsten, für passend befundenen Schilfstengel beginnt die Arbeit von neuem. Hundertmal haben Menschen diese« wunderliche Tun beobachtet, in Büchern wurde eS erwähnt, den Kindern gezeigt. lind dennoch fand sich keiner, der es nachgeahmt härte, wie ein neues und brauchbares Modell. Jahrtausende erst mußten vergehen, ehe das Wort von der Einheit alles Lebenden geprägt wurde und ehe man begriff, daß Erfindungen nickt nur vom Menscken gemacht werden können. Generationen von Libellen und Wasseispinnen bauten unbeluminert dem ewigen Gesetz der Notwendigkeit solgend, ihre zarte Taucherglocke um sich. Aber der menschliche GcniuS wußte nichts davon.____ Drei Romantiker. Die Königliche Kapelle in der Volksbühne. Drei Werke; drei Tondichter von höchstem Namensklange: Schubert. Mendelssohn-Bartholdy, Weber. Und alle drei starben im Glanz der Jugend und eines RubmeS, der nie erbleichen wird. Aber noch ein Erlebnis haben sie gemeinsam: der Frühschein deutscher Romanttk grüßte ihre jungen Tage, und als der Waldbornklang der Lyriker Tieck und Eichendorff im Sturm der Julirevolution verwehte, eniflog ihre Seele dem kranken Leibe. Im Grunde sind all« echten Poeten und Musiker Romantiker— zumal diese— und müssen es sein. Da« wäre also gar nicht so was Besonderes; auch nicht der Umstano, daß Schubert, Mendelssohn, Weber auS dem Zauberborn eben jener Literatur« romantik neue Sprachbereicherungen für die Musik hecaufhvlien. Sondern das Besondere besteht darin, daß jeder von ihnen nur ihm eigenen Älangichönheiten Leben gab— je nach der Landsmannschaft, der er angehörte, sowie nach seiner künstlcriichen Individualität. Der Niederösterreicher Schubert steht anders zur Heimatnatur als Mendelssohn, der Niederdeutsche, oder als Weber, der Sachse. In seiner unvollendet hinterlassenen U-rrioII-Sinfonie singt und klingt jene österreichische Ländiichkeit auf, deren man schon in den Liedern der Minnesänger gewahr wird. Ihre idyllische Schönhett fällt Schmerzen und Leiden sonst verklärend, in Schuberts Gemüt und entlockt ihm herrliche Melodien und Harmonien. Bei Mendels- söhn tritt— im„Sommernachtstraum'— erst zum dichterischen Bilde Shakespearcscher Phantasiegcstalten die Namr. Sie trägt keine spezifische Heimalfarbe, wie bei Schubert: sie wird dafür von allerlei Zauberspuk und Fabelwesen bevölkert— bi§ zu den gelben Fluten des Ganges hin. Seine Romantik entfließt andern Quellen und geht andere Wege. Jnsosern jedoch ist Zwilchen Schubert und Mendelssohn einige Verwandlschaft, als sie beide Lyriker sind. Ganz anders Weber. Schon die.Oberon'-Ouvertüre macht es klar: er ist D r a m a t i k e r. In seiner Musik klingt Aktion, und reck: cigenilich ist er es. der die Zauber urdeutscher Natur- romantik in Klänge bannte. Wenn wir lagen sollen, wessen Werk das tiefste sei, so wird wohl Schuberts„Unvollendete" obeiinn- stehen. Und wenn wir gefrag! werden, wessen Werk am schönsten geipiell wurde, so müssen wir bekennen: jedes der drei gleich schön. Aber Webers Oberon ließ die Hofkapelle und ihr Dirizent Leo Blech in berückender Farbenpracht und jubelndem Rhythmus er- stehen._«k- Notizen. — Theater. Im Theater in der Königgrätzer Straße ist die Erstaufiühiung von Henri! I b s e n s Schouipiel„D i e Helden auf Helgoland"(„Nordische Heerfahrt') auf Sonnabend, den lg. Februar, festgesetzt.'- — Kurland-Ausstellung des Deutschen Ausland Lm u se u m S. Elinäßigte Eintrittskarten zum Preise von 10 Pf. statt 50 Pf. stehen de» GcwerlschastSinitglledern zur Ber- fügung. Die Karten können im Zigarrongrichäfl von Harsch(Ge- schaiisiiauS) in Empfang genommen werden. Die Ausstellung be- findet sich im Kunstgewerbemuseum und ist bis zum 10. Februar täglich von 10 bis 4stz Uhr geöffnet. — Die Vakanz der Schillerstiftung. Der Schutz- verband deutscher Schriftsteller schreibt: Bon dielen Seiten werden wir angesragt, ob es wahr sei, daß der Professor Adolf Bartels zum Generalsekretär der Schillerstiftung ernannt werden soll. Wir glauben, iniueilen zu dürfeu. daß nicht daran gedacht wird, eine parteipolitisch festgelegte Periönlichkeit, welcher Richtung auch immer, in cm Amt zu berufen, das nicht nur völlige literarische Sachlichkei: verlangt, sondern auch das Vertrauen aller in Frage kommenden Kreise zur Voraussetzung hat Aus diesem Grunde käme auch Herr Franz Blei, der gleichfalls als Kandidat genannt wird, aber einem ganz anderen literarischen Lager nngehörl. nickt in Frage." Vor einigen Tagen»ourde der Dichter C a e s a r F! a i s ch l e u als für das Amt in Alissicht genommen genannt. — Ukrainische Briefmarken. Die ukrainische Regie» rung verfügte die Herausgabe ukrainischer Briefmarken zu ü, 10, 15, 25, 35. 50 Kopeken und 1, 3, 5, 10 und 15 Rubel. — Hundert Jahr« Kartoffelmehl. Im Jahre 1017 kann das Kartoffelmehl seinen hundertsten Geburtstag feiern, der es auf seiner Höchstleistung findet. Die„Wiener Zeitung" verzeich- netc im Jahre l817, daß Se. Majestät„dem Direktor des polytcch- nischen Institutes Prechtl das Allerhöchste Wohlgefallen zu er- kenneil gaben lassen und anbefohlen hat, daß dessen Verfahrensart, Kartoffeln zum Teil in Mehl verwandeln zu können,� welches sich jahrelang ohne Gefahr aufbewahren und verführen läßt, zur all- gemeinen Kenntnis gebracht werde". — Ein neuer Naturschutzpark ist im BialowieZ- forst durch Befehl der dortigen Miliiärforstverwaiiung abgegrenzt worden. Das Gebiet schließt sich an Ouotnia, Narewka und die Feldflur Bialowies an und ist etwa 30 Hekiar groß. ES umfaßt natürlich einen Waldieil, worin noch Wisente vorkommen, die auch zu russischen Zeiten dort gehegtworden sind. „Da hast du den Apfel, ich kaufe ihn dir. Aber tu so was nie wieder. Ein Junge, der seinen Vater im Krieg hat, der muß auch kämpfen— gegen sich selber." Was das hieß, gegen sich selber kämpfen, verstand Erich Dombrowski nicht. Aber daß die strenge Dame doch auch gut ivar, verstand er. Ms ihm seine Schwester Minna vor- schlug, au Dietrichs Zigarrenladen das Schaufenster mit Kot zu beschmieren, den ste von der Straße aufgerafft hatte, schlug er ihn ihr aus der Hand:„Was würde Vater sagen, der draußen im Krieg ist?" und überzeugt setzte er hinzu: „Der loeint dann!' „Och, Vater weint ja jar nich," sagte Minna. „Doch weint er I" Erich zerrte die Schwester weg und stieß sie in den Rücken zum Fortgehen. Gertrud dachte: wenn sich doch auch jemand so um ihr Kleines kümmern möchte. Der Junge wurde nun schon munter, wollte nicht mehr den ganzen Tag im Wagen liegen und schlafen. Jede freie Minute nahm sie ihn heraus und spielte mit ihm, sie ließ ihn schon stehen. Er setzte seine Füßchen schon ganz richtig, aber mit dem Laufen wurde es noch nichts, er fiel um. Zumeist kroch er. Doch der Boden war kalt, kein Teppich bcdeckre ihn, keine Strohmatte, zwischen den schiechtgefügten Dielen wuchs der Schwamm, es war feucht in dem Häuschen, das ohne jeden Schutz allen Winden und Güssen preisgegeben stand. Gerade an die Außenmauer ihrer Stube schlug immer der Regen au. und wenn es draußen fror, dann glitzerte innen die dünne Wand, von Eiskristallen dedeckt. Aber alles wäre noch nicht so schlimm gewesen, hatte ste nur mehr Zeit für das Kind gehabt. Die lange Fahrt nach Berlin, der weite Weg dort zur Arbeitsstelle! Aber sie fand nichts in der Nähe. Heute wollte es sich ihrer wie Verzweiflung bemächtigen, als sie erst am späten Abend das Kind auf den Arm nehmen konnte, und mit ihm in der Stube auf und ab wandern. Sie ivar todmüde: früh aufgestanden, in die Stadt gefahren, lange gearbeitet, kein rechtes Mittagessen, nur ihre mit- genommenen Brote und dazu ein bißchen Kaffee— sie hätte sich gern schlafen gelegt, aber der Kleine wollte jetzt unter- halten sein. Sein Gcsichtchen war verschwollen, er mußte lange geweint haben. Hatte die Dombrowski sich denn gar nicht seiner erbarmt? Gertrud machte die Stubentür auf und rief in den dunklen Flur. Vielleicht hatte Minka noch et« wenig Feuer. Es war kalt hier im Zimmer, im flackernden Schein der dünnen Kerze glitzerte die Wand mit den Eiskristallen. Ihr Ruf verhallte ungehört, der kalte Ziegelflur gähnte sie an, stumm und dunkel wie eine Gruft; hastig schlug sie die Tür wieder zu. Nebenan in der Stube, wo die Kinder jetzt schliefen,— die Dombrowski hatte sie da herunter getan, weil's unten wärmer sei— rührte sich etwas. ES pochte leise gegen die trennende Wand. Nun wisperte eS:»WaS's denn los?* »Ist Mutter nicht da?" „Nee." IIa, Mutter is doch da." piepte Minna. Was der Junge nun noch durch die Wand flüsterte, ber- stand Gertrud nicht. Sie ahnte es— da war wohl Besuch oben? Oh, diese Frau, was sollte das werden? Jetzt hatte sie gar schon jemanden oben. Am liebsten hätte Gertrud die Tür wieder ausgerissen, wäre die Treppe, die steil wie eine Leiter zu der Mansarde heraufführte, emporgeklettert und hätte mit der Faust angepocht:„Schämen Sie sich!" Es ver- schlug ihr den Atem. Aber dann besann sie sich: was ging es sie an, was jene tat? Hatte s i e denn so großes Recht, hie Tugendsame zu spielen? Zusammenschaudernd schob Gertrud den Niegel vor ihre Tür; eS war ihr ein unheimliches Gefühl: ein fremder Mann im einsamen Haus. Ach, wenn doch der Dombrowski käme! Dombrowski—? 1 Es stieg ihr plötzlich heiß zn Kopf. Nein, der lieber nicht— wenn docy der Friede käme, endlich der Friede I Der mußte vieles wiederbringen. Ihr brachte er freilich nicht viel. Nicht den Geliebten zurück, den ihr die Sorgen jeglichen Tages schon in die Ferne gerückt, der ihr aber heute wieder so nahe war, merkwürdig nahe. Der' Mann, den sie oben bei Minka wußte, machte sie unruhig. Allerhand Gedanken kamen ihr, heimliche Erinnerungen, und auch Vorwürfe, die sich selber machte; aber die Erinnerungen waren doch stärker. Bebend vor Kälte und im Schmier der Erinnerungen kroch Gertrud in ihr eiskaltes Bett. Sie nahm ihren Kleinen neben sich und zog die Decke hoch herauf: mochte geschehen oben, was da wollte, sie wollte nichts hören und sehen. Aber das eine wußte sie: hier mußte sie fort. Aber wohin—? i (Forts, folgt.) Direktion Max Reinharat. Deutsches Theater. 7 Uhr: Don Carlos. Kamnierspiele. T'/i Uhr: Kinder der Freude. Volksbühne. Theater am BUiowplatz. Untergrundb. Sohönh. Tor. T'/jühr: DleHermannssohlachl. Theater Königgrätzerstr. 7 Uhr: Die Wildente. Komodienhaus 8 Uhr zum 125. Male: Die beiden Seehunde. Berliner Theater 7'/,U.: Die tolle KomteC. Rose-»Theater. vi, Ubr: Eine Waise. �Valtialta-Ikeater. vi, Mr: m golöenen tzm. TSgl. 7llv Sonnt. SV, u. V/, Gastspiel ISartstcin „8r oder Sr" Neue Berl. Revue- Bilder u»w. Casino-Theater 'Zot dnnger®tr. 37. TSgl.'1,8 U. Wieder ein aktueller Schlaget. Witllichet Humst l Gr. Etjoig! Hamsterfritze. Bett Pofle In 3 Au!z.— Dazu Kock, 2 Ewos, Carry Hartwell. ®tg. 4 U.: Schipp, schipp, hurra! URÜNIII 8 Uhr: Der Siegeszug nach Venetien. 8 Uhr: Prof. Dr. F. Lampe: Dnlgarien. RÄTIOML-TBE&TER CSpenicker Str. 68. 5 Minuten Jannowitzbrücke. 71/, Grof er Erfolg:! 7ll, Die ist riciitig!... Musik von Walter Brotnmo. Könnt. 3'/,: Studefitenlicbchen. Preise: 1,50— 8 M. Vorverk. IO'/j— 2 n. ab 6 Uhr. Voigt=Theater. Sadstr. 58. Baaste. 58 Täglich: Marianne, ein Weib anS dem Volke. Kastenetöffn. S'/„ Ansang 7>/, U. Dienstag, den 12. �ebruut: Benefiz für H. Sniipel: Mein Leopold. KsiehshsIlW-Thösigs. Kiiahendiith?>/, and Sonntag nachmittag Z Uhr Stettiner Sänger. „Dein Weih- nachtstranm". Nachmittags ermäBigte Preise! Hegelmann Truppe Luftakt Herbert KQhllng Klariervirtuose Grete Flnss Soubrette sowie der reichhaltlse, neue Febrnar-Spieiplatu Eirkus Sehmnann Bhf. Friedrichstr. Anf. T'/j. 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Adnilralspalast 7*1, Uhr: Deutsche TAnse von Schubert. Abrakadabra. J. F. Rauch Invalidenstr 1 64, Friedrichstr.11 la Jamaika-Rum-Verschn, FL 27 la Cognao-Verschnitt..Fl. 27 Feinst Obstschaumwein Fl. S.SO Lukretia Damen-Likör'/-FL 6 75 Milder Cherry-Brandy 7, FL 6,95 KräftigerzuckergesüSter Halb und Halb-Likör 7, Fl. 12 SO Krllft. Momagne-Ratwein FL 7.50 Bordeaux 0. Burgunder Rotweine Zuckerdosirle feinste Schaumweine. Jk Berliner Konzertbaus Mauerstraße 82. Zimmerstraße 90/91. Heute: Großes Konzert des Itcrliner Konzcrthanw-Orchestera, Leiter: Komponist Franz von Blon. Anfang 77, Uhr. Eintritt 30 Pf. Anfang VI, Uhr. Freitag, den 8. Februar: Großes Konzert der Gruppe Osten des Groß- Uerllner Sängerbundes. Leitung: Gruppen-Chormeister Paul Hückel. Kelmnntmachung. Zur Bermetdung von Gasvergiftungen und Gas, expiononen machen wir daranf aufmerksam, das? un> mittelbar nach der Bennvung von Kochplatten, Kochern, Stehlampen usw. unter alten Umständen die an den Gasleitungen angebrachten Tchlauchbälme, an welchen die Schläuche für die Gasverbrauchsgegenstände befestigt sind, zu schliesten sind. Bei den mir Schlauchauschlöfieu versehenen Koch» platten, Kochern, Lampen und anderen Gasapparaten, welche selbst mit Höhnen versehen sind, liegt die Gefahr vor, dast. wenn nur diele Hähne geschioisen werden, der Schlauch durch einen Zufall(Ausplaiien usw.) abfällt und das Gas dann frei ausströmen kann. Ferner ersuchen wir diejenigen Gasabnehmer- die Gas durch GaSautomatrn beziehen und einzelne Räume mit Gasbennvung abvermietet haben, auch ihren Unter- Mietern zur Pflicht zu machen, diese Massnahmen zu tresfen. Bei den Gasantomaten liegt ferner die Gefahr vor, dast, sobald das durch die eingeworfenen Geldftüite be- zahlte Gas verbraucht ist. die Flammen bei de» offen- stehenden Hähnen verlöschen. Wird nun das Automatwerk von dritter Hand durch Einwurf von Geldstücken wieder betätigt, so kann Gas ans den offen gebliebenen Hähnen unberbrannt entweiche« und schwere Gefährdungen herbeiführen. Es ist die Pflicht eines jeden einen Automaten in Dätig- keit Berietienden. sich davon zu überzeugen, ob nicht offenstehende Hähne vorhanden sind, anS denen Gas un- verbraucht entweicht. Berlin, den 17. Januar 1918. Slretlion sei MDüfffien Melle. Schim ming. Lenze. J.-Jlt. 519 Erl. 1/18. H.&P.Ude�Engelufer'l; Tabak- Großhandlung und Tabaktabrik. Rauch-, Kau-, Schnupftabake, Zigarren, Zigaretten Bis auf weiteres: =sss Genchaftezelt 8— II und 3— O Chr. Fernsprecher: Amt Maritzplatz 3014. Verkäufe Leihhaus, Blücherstrahe 10. 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