Nr.38. 33. Jahrg. Bezugspreis: LierteZiährl. 4.S0 MI. monatl. ILVM. sret ins Haus. Vorau-Zzohlbar. Einzeln? Tatmmczn 10•Sfg.'Loslbezuq: Monatlich 1,60 M6 Unter Kreuzband sür Deuti chland und Oesterreich- Ungarn L.— Ml,, iür das übrige Ausland 4,60 Ml. monatlich Versand ms Feld bei direkter Bestellung nionail. 1,60 Ml. Bostbeslellungen nebmen an Däne- mar!. Holland, Luxemburg, Schweden und die Schweiz, Eingetragen in die ti-ost-.zeitüngs-Preislisle. Erschein««äglich. Telegramm< Adresse: »Tojigidewolra« Äcrlirr'. Berliner Volksblatt. (lopkchnnlv) Anzeigenpreis: DiessebengespalieneKolonelzeUekosict 00 Pkg.„Kleine Anzeigen", das fettgedrucNe Wart 20 Psg,(zulässig L fcttgedrulkte Worte), icdes weitere Wort 10 Psg. Stellengesuche und Echlasslellenaiizeigen daS erste Wort 10 Psg., jedeS weitere Wort 6 Psg. Worte über 1b Buchltabeu zählen für zwei Worte. Tenerungszulchlag 20°/» Familien- Anzeige» St» Psg.. politische u. getverlschaflliche Vereins- Anzeigen 40 Psg die Zeile. Anzeigen für die nächste Nummer müsse» bis 5 Uhr nachinitt. im Hauptgeschäft. Berlin 38.08, Ltndenstratze S. abgegeben werden. Geöffnet von 8 Uhr srü» biS 7 Uhr abends. Zcntralorga« der fozialdcmokratifcben Partei Deutfchlands. Nach Sem Kampf- eienöer Streit! Nur mit dem Gefühl des tiefsten Widerwillens nehmen wir von der Tatsache KeMtnis, daß die Unabhängigen aus den Ereignissen der letzten Tage keine andere Lehre gezogen haben als die, daß der Stank und die Zersplitterung der Ar» beiterbewegung nun erst recht unentwegt fortgesetzt werden müßten. Die Nummer des parteioffiziellen„Unabhängigen Zeitungsdienstes" vom 5. Februar ist von oben bis unten mit nichts anderem als mit widerlichem Krakeel gegen die sozial- demokratische Partei und die Gewerkschaften angefüllt. Ein Artikel gegen unseren greisen Genossen Wilhelm Bios, der wahrscheinlich mehr Verdienste um die Arbeiter- bewegung hat als sein ungenannter Gegner, schließt mit fol- gender Deklamation: Dieser Sumpf, der keine Klarheit, keine Entschlossenheit, keinen Mut, keinen politischen Sinn— der nur die Fülle der Erbärmlichkeit sein eigen nannte, war da? Verhängnis der französischen Revolution, wie in oer Gegenwart die n a t i o n a- listischen Regierungs sozial! st en das Verhängnis des Sozialismus und der International« sind, weil sie die Idee bla- micren und weil sie Interessen dienen, die nicht Interessen deS internationalen Proletariats fem können. lieber das Thenia, wer in den letzten Tagen M u t ge- zeigt hat, möchten wir uns im gegenwärtigen Augenblick mit den Unabhängigen noch nicht unterhalten. Aber das wird schon noch kommen. In einer weiteren Notiz wird der„Vorwärts" wegen seiner doch ganz selbstverständlichen Haltung zur Niederbarnimer Ersatzwahl folgendermaßen angestänkert: Der„Vorwärts", der die Ausgabe hat, hier eine rechts- svzialistische Erbschleicherei betreiben zu helfen, tritt daher für die Spaitungskandidatur eines Regierungssozialisten ein. Herr Dr. Breitscheid, den die Unabhängigen präsentieren, l?at unserer Partei ganze drei Jahre lang angehört und be- kämpft sie jetzt seit drei Jahren wieder.' Die sozialdemo- kra tische Partei, die seit jeher den sozialdemokratischen Kandidaten für diesen Kreis gestellt hat, stellt ihn jetzt wieder in der Person des Metallarbeiters und jetzigen Arbeilerjekretärs Rudolf WisseH, der seit etwa einem Menichenalter in der Bewegung steht. Wenn die Unabhängigen in diesem Fall von Erbschleicherei sprechen, so ist das nicht nur eine alberne Beschimpfung der Sozialdemokratie, sondern es spricht sich darin auch eine recht eigenartige Auffassung von den Rechten der Wähler aus. Im Mittelalter konnte man Menschen wie einen toten Besitzstand vererben, die Wähler in Niederbarnim sind in ihren Entschließungen frei und werden wissen, was sie zu tun haben. Tie genannte Korrespondenz für Stank und Krakeel fällt schließlich in ihrem Leitartikel, der vom Streik handelt, mit gehässigen Redensarten, die sich auf keinerlei Tatsachen stützen, über die Gewerkschaften her: Die Gewerrscbastsn sind den streikenden Arbeitern weder durch Rai noch Tat irgendwie beigejprungen. Ihre Hilfe ist von Ge- werkschaftsführern weder den Arbeitern angeboten noch von diesen gewünscht worden.� Erst recht nicht, als gewisse Regierungsstellen für ihre Absichten die Gewerkschaftsvertreter maskiert als Mit- bestimmende heranzuziehen dachten. Von fetten der Gewerkschaftsführer wurde ihr mehr oder mimder freiwillig passives Verhalten mit der erfolgten Aufstellung politischer Forderungen zu begründen versucht. Das war «in verfehltes Beginnen. Rühmen jene sich doch sonst so gern. «inen Teil dieser Forderungen, zum Beispiel, soweit sw die Lebenshaltung betreffen, immer besonders energisch— natürlich in ihrer Art— vertreten zu haben. Auch die eminent politische For- derung eines baldigen annexionslosen., demokratischen Friedens haben wir vor dem Streik dort vertreten geseben. Es war chncn also nicht durchweg der Zweck, sondern das Mittel, das ihnen nicht genebm war. Wer kann aus diesen Anstänkereien einen Sinn heraus- lesen? Auf der einen Seite wird gesagt, daß das Eingreifen der Gewerkschaften von den„Arbeitern", lies den Unabhängigen nicht gewünscht wurde, auf der andern Seite will man es � ihnen wieder zum Vorwurf machen, daß sie sich, dem Wunsche der Unabhängigen folgend, zurückhielten. Wären sie in die Bewegung mit eingetreten, so hätte es doch sofort geheißen: „Da seht ihr, diese Regierungsknechte wollen uns die Bewc- gung kaput machen."— Korrekter und loiialcr a l s dieGewerkschaftenindiesemFallekannman sich überhaupt nicht verhalten. Die Gewerkschaf- ten haben, dem von den Unabhängigen gegen sie gesäten Miß- trauen Rechnung tragend, Zurückhaltung geübt, um nicht sofort in die Bewegung einen Keim der Uneinigkeit hinein- zubringen. Sie waren später auf den ersten Ruf hin zur Stelle, wurden aber durch den Widerspruch der Unabhängigen am Eingreifen gehindert. Jeder Mensch in Berlin weiß heute, daß die unselige Uneinigkeit und die Hetzereien der Unab- höngigen gegen Partei und Gewerksck>asten M tschuld daran troaen. daß die Bewegung zu ke'nem befriedigenderen Abschluß gebracht werden konnte. Die Unabhängigen hatten allen Grund muckmäuschen still zu sein. Sie haben aber kaum den Abschluß der Bewegung abwarten können, um aufs neue znit blöden Schimpfereien und Verdächtigungen gegen Partei und Gewerkschaften loszugehen. Arbeiter Berlins, macht doch diesem Rummel ein Ende, damit die Arbeiterbewegung wieder gesund wird? örest'Litowskpetkrsburg ohne verbinöung. Petersburg, 6. Februar.(Meldung der Petersburger Telegraphen-Agenaur.) Seit vier Tagen sind die direkten telegraphischen Verbindungen mit Brest-Litowsk unterbrochen und bisher ist kerne amtliche Meldung über die Friedensverhandlungen veröffentlicht worden.._ W.T.S.-Grakel überNeSerlmer Konferenz. Das Wolfibureau meldet: Anläßlich des Ausenthalts des k. und k. Ministers des Aeußeru, Graf C z e r n i n. in Berlin kamen in wiederholten Ge präckwn mit den leitenden Deutschen alle laufen- den politischen und wirtschaftlichen Angelegenheiten— insbesondere die Ernährungsfrage— zur Diskussion, wobei in jeder Hinsicht vollstes Einvernehmen festgestellt werden konnte. Lieber Leser■*- nun weißt du es! Ein verheimlichter GeneralWmns! Auf sine Anfrage von Asquith erwiderte Bonar Law im Unterhause, nnt Rücksicht auf wichtige militärische Interessen sei es unmöglich, ohne dem Feinde wertvolle Einblicke zu geben, weitere Einzelheiten oder Erklärungen des Tätig- keitsbereichs des Versailler Kriegsrats zu geben. Ein Gene» r a l i ss i m u s sei nicht ernannt worden. Die französische Presse hebt bei Besprechung der inter- alliierten Konferenz nach einer Berner Wolsf-Meldung mit auffallendem Nachdruck die Tätigkeit des Generals F o ch .hervor, so daß sich annehmen, läßt, Fach sei der Lberleiter der künftigen Operationen.„Echo de Paris" betont, das Werk Fachs habe ans der Konferenz die höchste Anerkennung ge- funden. Die Alliierten marschierten jetzt unter einem ein- heitlichen Impuls. Einen Generalissimus, der den Parlamenten nicht verant- wortlich wäre, offiziell einzusetzen, geht nicht an. Der Be- weis ist schon um die Jahreswende erbracht worden, daß solch ein Unterfangen, das einem Verfassungsbruch gleich käme, gefährliche Stürme in den Volksvertretungen der Entente- länöer entfesseln würde. Haben die militaristischen Mächte dieser Länder jetzt einen„Generalissimus ohne Ernennung", der also den Parlamenten verheimlicht wird, in den Sattel gehoben? Daß die„Lästigkeiten" von Versassungspara- graphen auf solchem Wege überwunden werden, wäre in der Geschichte des Konstitutionalismus durchaus nicht neu. Der örandherü Armenien. Türkische Anklagen wegen Nichterfüllung der Waffen- ftillstanös-Heöingungen. Kanstgtitinopel, 4 Febrncir(Meldung der Agentur Milli.) Nach Abfchluss des Waffenstillstandes mit der russischen Armee an der Kaukasussront war abgemacht worden, daß die den Vertrag sch'uetzeiidep Parteien die Bedingungen des W a f f e n st i l l- st an des bis zur Beendigung der Berbandtuugen in Brest-Litowik strenge innebalten sollten. Trotzdem ist festgestellt worden, dah die Truppen derKaniasuSarmeen anfangen, die AbarenzungSlmie vor unserer Front mit ihren Ouartreien zu der- lassen, und datz sie sich z u L a u o u n d T? a s s e r i n S I n n e r e R u tz l a n d S z u r n ck z r e b e ir. Unter Altsnutzung diei'cS Beginnens der Räumung der besetzten Gebiete seitens der russischen Truppen baben die e> n g e b o r e n e n Armenier und diejenigen, die zu den russischen Ein« heiten gehörten, mit ihren Waffen die Flucht ergriffen, um in den erwähnten Gebieten zurückzubleiben, und schicken sich an, die Einwohner osmauischer Her tun st, die sich dort befinden, und namenl- lich das muselmanische Element zn verfolgen, wie e? bestimmt be- glaubig! ist durch Nachrichten, die durch türkische kriegSgefangene Soldaten gegeben werden, welche unsere Linien haben errclchen können, serncr durch die eingeborene Bevölkerung, der es gelungen ist. den Klauen der Armenier zu entkommen, sowie durch eine Ab- o r d n u n g, die mit der B i t t e u m H i l f e zu uns von der Be- völkerung geschickt worden ist, die sich den armenischen Verfolgungen noch nicht hat entziehen können und noch jetzt allen ihren Grausam- leiten ausgesetzt ist. Dicke Tatsachen wurden sogleich und wiederholentlich dem Ober st kommandierende>i der russischen Kaukasus- armeen in der ganzen ihnen zukommenden Bedeutung mit der Biire mitgeteilt, dixien Verkolgongen und Graiisamkeiien ein Ende zu machen. Aniworisepeichen u»d Miiteilungen des genannten Obetslkommandierenden besagen datz strenge Massnahmen unverzüglich ergriffen werden sollen, um die gemeldeten Bersolouiigen zu verhindern. Troydem steht unumiiötzlich fest, dass die muselmanischr Bevölkerung im Gegenteil täglich heftigere Bcr- solgungcn erleiden mutz, und zwar infolge des UmstandeS, da« die russischen Truppen, welche sähig wären, die Zulagen des russischen Oberkommandierenden zu erfüllen, die Gebiete vollständig geräumt haben, wo diese Grausamkeiten verübt werden. Expeüüiov: SR). 6$, LWSenstraße Z. ksserilivrecker: Am« Moritzvlatz, Nr. IM SO—lSl S7. Die Agence Milli teilte dann einige der bezeichnendsten Greueltaten mit, die in dem an der türkischen Front an- grenzenden Gebiete begangen und dem russischen Ober- kommando ausdrücklich gemeldet worden sind. Man wird diese Anklagen gegen Rußland im Auge be- halten müssen. Es steht zu vermuten, daß sie ein erstes Anzeichen von Auseinandersetzungen sein werden, deren Fortsetzung in Brest-Litowsk nicht auS» bleiben wird.'_ Unbegrenzte Kriegslieferantenwonne. Washington, S. Februar. Reutermeldung. Der Vorsitzend« deS RepräsentantenhauL-AusfchusseS' für auswärtige Angelegenheiten Flood legte heute das Gefetz für die Bewilligung von Geldern für das diplomatische und konsularische Korps vor. Er erklärte, die Vereinigten Staaten würden mehr Geld für den Krieg in weit kürzerer Zeit liefern, als es die kühnste Hoffnung unseres eigenen Volkes oder der Nationen, mit denen wir vcrbun- den find, glaubte. Bei Erörterung derMissiondesÖberstenHouse nach Großbritannien und Frankreich sagte er:„Es besteht vollstän- dige Uebereinstimmung über den genauen Umfang dessen. was die Alliierten von den Vereinigten Staaten brauchen, sowie dessen, vaS die Vereinigten Staaten liefern können sowie über den Zeitpunkt und die Art und Weise.' Mit Genehiniguna des Staatsdepartements erklärte Flood, daß die zwischen Jshii und Lansing ausgetauschten Noten die G r ü n d e für eine Reibung zwischen den Bereinigten Staa ten und Japan beseitigt und für den Frieden im fern«« Osten gevirkt hätten. Flood zollte dem Staatsdepartement Anerkennung für die Verhandlungen über die Rativnirruug der neutralen Staaten, Ber- Handlungen, die die Gefahr einer ljeftigen Erregung in Holland, Dänemark und Schweden mit sich brachten. Es ist keine Reibung: erklärte er, mit irgendeinem der Neutralen infolge des Kurses entstanden, den unsere Regierung bezüglich dieser-Dinge zu verfolgen gezwungen ist. Norwegen ist von Flood nickt genannt. Aber gestern erst konnte man aus norwegischem Munde hören, wie!»er amerikanische Rationierungskurs auf europäische Neutrale in Wirklichkeit wirkt. London, 6. Februar.'Reuter.?.Daily Mail" erfährt aus New Dork: Eine Million Tonnen SÄiffsraumsoll sür Kriegs- zwecke dadurch gewonnen werden, daß die in den atlantischen Häfen liegenden niederländischen Schiffe sowie für den Dienst in der Gefahrzone nickt geeigneten französischen Segelschiffe die südamerikanischeKü st enschifsahrt «m Stillen Ozean übernehmen. Die Lage in§innlanö. Petersburg, 6. Februar.(Meldung der Petersburger Telegraphen-Agcntur.) Bei H e l s i n g f o r s, R i h i° m i a k i, P er v o und S i b b o dauert der Kampf zwischen der Weißen und der Noten Garde an. W i b o r g ist t« den Händen der A' lxiter. der Gouverneur und 5 Stadtverordnete wurden verhustet. Ter Ausstand hält an. Abo ist ts> der Macht der Arbeuer. Die Hauptkräfte der Weißen Garitt sind in Nordsiimland versammelt. Das finnische Volkskommissariat hat folgende Aestim- mungcu veröffentlicht:. Bcfr.ciung der kleinen Bauern von der Abhängig- keit vo» den Gru»»dbesitzern; es wird ihnen das Recht vorbehalten. ohne Entgelt über das von ihnen bestellte Land zu verfüge«. Ferner ein vorläufiges Gesetz betreffend den Nebergang desjenigen Teiles der Bankoperationen an de» Staat, die letzthin»nbe- rührt geblieben waren, ferner ein Gefetz betreffend Sabotage von Beamten und ein Gesetz übre die Feststellung der Reserven an Lebensmitteln, schließlich eine Verfügung, welche die Bildung einer Abteilung sür Gesetzentwürfe bestimmt. Ein Generalstreik der Beamten steht bevor. Eine allgemeine Versammlung der Schiffsbesatzungen und Matrosen in Abo hat den ausführenden Ausschuß der Ar- bester Finnlands zu der Absetzung des bürgerlichen Senats und zur Verwirklichung der Macht des revolutionären Proletariats Finnlands beglückwünscht und sich bereit erklärt, die Brüder im gemeinsamen Kampfe bis zum vollständigen Siege über die erbitterten Feinde der Arbeiterklasse zu unterstützen. Petersburg, 5. Februar.(Petersburger Telegraphen- lwentur.) Die Abendblätter melden: Die finnische Weiße Garde, die von der Roten Garde aus der Gegend von W i- borg nach Norden gedrängt worden war, bat sich dort wieder gesammelt und, nach Eintreffen bedeutender Verstärkungen, die Offensive ergriffen. Sie bedroht Wiborg ernst- lich, dessen GaGnison Maßnahmen zur Verteidigung der Festung getroffen hat. Die Eisenbahnverbindungen sind abermals unterbrochen. Der Zug, in dem Kamenew und Salkina reisten, um sich nam Frankreich und der Schweiz zu begeben, konnte nicht über Tainmersors hinaus gelangen- « Kopenhagen, 6. Februar.„BerkrngSke Tidende" meldet aus Stockholm: Die hiesige kinnische Gesandtschast erhielt gestern abend die Mitteilung, daß die Lage in Toroea sehr drohend ist Die Rote Garde geht aggressiv, vor. Mehrere Eisenbahnwagen wurde» ü, der letzten Nacht auf dem Bahnhof auf- S-Srochen und ausgepwnderi. SS kommen beständig groß« Truppen- mengen aus Rußland i» Finnland m, « Die Namen der Mitglieder der neuen vorläufigen sozialistischen Regierung haben wir bereits mitgeteilt. Sie trat an die Stelle der aus sechs Jungfinnen, zwei Altfinnen, einem Schweden, einem„Agrarier" und einem Parteilosen bestehenden Regie- rung, die als Senat bezeichnet wurde. Im Berner„Bund" wird zu diesem gewaltsam vollzogenen Regierungswechsel auf folgendes hingewiesen: Während der Arbeiteraufstände im Mai und August 1917 und bis letzthin haben einige So�ialistenblätter die auiflammende Revolution des Proletariats in Finnland streng verurteilt und stets darauf aufmerksam gemacht, dah die Sozialdemokraten die Macht haben, aus friedlichem Wege die Forderungen der Arbeiterklast« zu verfechten. Wie nun aber die Zusammensetzung der neuen sozialisti» schen Regierung in HelfingforS zeigt, in der auch gemSfiigte Sozialistenführer vertreten sind, habe» die letzteren ihre Taktik geändert, offenbar, um den Bürgerkrieg und die Anarchie abzuwende rr. �Sämtliche Mitglieder der neuen Regierung find bekannte Arbeiter- und Bauernführer in Finnland. Einige von ihnen sind schon früher im Senat ge- seffen. Der neue Ministerpräsident M a n n e r ist Talma»(Präsident) des finnischen Landtages und Führer der gemäßigten Sozialdemo- kraten. Der Minister des Auswärtigen, Drjö Sirola, ist Sekretär der finnischen sozialdemokratiichen Partei und ein bekannter Schrift- steller. Er ist stets für den proletarischen Kampf gegen die bürger- liche Klasse.eingetreten. Während der RegierungSzeit Kerenikts war Sirola gegen die Einmischung Rußland? in die inneren finnischen Angelegenheiten, da Finnland nur durch seinen Landtag regiert werden solle. Da bei den letzten LandtagSwahlen die Sozialisten bekanntlich weniger Sitze erhielten als die bürgerlichen Parteien, so war Sirola dafür, daß diese Wahlen als un- gültig zu erklären seien und eine rein sozialistische Re- gierung«inzusetzen sei. Die markanteste Persönlichkeit der neuen Regierung ist allerdings der frühere Ministerpräsident Oskar Tokoi, der aus Oesterbotten stammt, d. h. demjenigen nördlichen Teile Finnlands, wo— wie es dort beißt—„weder Adel noch Krebse gedeihen' und wo scbon seit langem keine Unterdrückung ge« duldet wird. Er ist der Sohn eines armen Bauern und hat zehn Jahre in einer Goldwäscherei in Amerika gearbeitet. Als er 1901 in seine Heimat zurückkehrte, machte er sich bald im Landtage als guter Sachverständiger in der Agrarfrage bemerkbar. 19l3 wurde er Präsident deS finnischen Landtages und versah diesen Posten zur ollgemeinen Zufriedenheit. Seit 1912 ist Tokoi Präsident de» Zentral- verbände» der finnischen Gewerkschaften. Die neue finnische Regierung erklärt als ihr Programm freundschaftliches Verhältnis zu allen skandinavischen Nachbarn, eben- so wie zu Rußland, unter bestimmter Wahrung der Freiheit und Unabhängigkeit Finnlands. Die Revolte öer polnischen Regimenter. Ter Gegenschlag der Petersburger Negierung. Petersburg, b. Föbrnar.(Meldung der Petersburger Tele- graphcn-Agentur.) Am LS. Jcmuar bemächtigten sich pol- nische Legronen in einer Stärke von 26 000 Mann versch-e- dener Waffengattungen, die unter Führung de» Genernlstab» des Hauptquartiers standen, der Stadt Rogatschew. Die Sowjets der Bauern sowie die Kommissare wurden verhaftet. Da» Schatz- amt. in dem sich 1600 000 Rubel Bargeld befanden, wurde mit Beschlag belegt. Die russischen und polnischen Sozialisten wurden ebenfalls verhaftet. Die Feindseligkeiten begannen im Bezirk SienenSki und nn Gouvernement SmolenSk. Der polnische Generalftab erklärte Rogatschew und don von Mo- Jjilew abhängigen Bezirk als einen Teil der pol- n i s chcn Monarchie. Züge wurden in Rogatschew zurückge- halten und russische Soldaten erschossen. Der ausführende Ausschuß, der in Uebereinstunmung mit der Versammlung handelt, betrachtet die gcgcnrevolutümäre Eni- Nncklung der polnischen Bourgeoisie und ihre Legionen als direkte Bedrohung der Macht der Sowjet» und der revolutionären Errungenschaften und hat deshalb die Verhaftung der Vertreter der Bour- geoisie, der Grundbefiiirr und der Führer der Kadetten- Partei verfügt, die mit den Feinden in offenem Kampfe gegen uns gemeinsame Sache machen.> Ter Verband der Grundbesitzer, der unmittelbare Beziehungen zu der Erhebung unterhielt, wurde fijr außerhalb des Gesetzes stehend cd- klärt. Fürst Siviatoplok Mirsky und der Erzbischof von Stzek(?) wurden mit dem Einverständnis der polnischen Sozialistenpartei verhaftet. Da» russische Hauptquartier ergreift strategische Maßnahmen. Die Regierung hat eine Agitation unter den polnischen Truppen i» die Wege geleitet, um die Soldaten dazu zu bringen, die Offiziere des GeueralstabeS zu verhaften. ES werden Aufrufe verbreitet werden.. � Aus Rogatschew wird gemeldet, daß sich dort«ine G ä- rung der Geister beinerklich zu machen beginne. Der Gene- ralstab wurde verhaftet. Die einsichtsvollen Soldaten weigern sich, sich zum Spielball der Bourgeoisie machen zu lassen. Die sozia- listische Regierung hat dem polnischen Generalstab ein Ultimatum überreicht, in dem die Räumung von Rogatschew und die Ein- stellung der Gewalttätigkeiten und Verhaftungen gefordert wird. Von dem Ausgang der Revolte hängt das Schicksal der in unfern Händen befindlichen polnischen Geiseln ab. Wir halten es für not- wendig, sie selbst nach Erstickung der Revolte im Gefängnis zu halten. Petersburg, 6. Februar(T. U.) Die polnischen Truppen. die durch die letzten drakonischen Verfügungen KrylenkoS bis zum Aeußcrsten gereizt wurden und sich an den inneren Kämpfen mit den Russen um keinen Preis beteiligen wollten, besetzen eine Ortschaft nach der andern und jagen die geschlagenen Russen vor sich immer tiefer bis nach dem Innern des Landes her.. Ein Teil der in Mohtleio geschlagen Armee der Bolschewiki ist nach SmolenSk geflüchtet, wo das Hauptquartier KrylenkoS übersiedeln sollt«, aber hierzu keine Zeit mehr hatte. Während die polnischen Truppen unter dem Befehl de» General» LeSnitowski und des Generals Musnicki Mohilew tzon allen Seiten umzingelten, tobte im Innern der Stadt ein wilder Kampf zwischen den in Mohilew stationierten polnischen Ulanen von Krechowitze, Die an den Kämpfen beteiligten 2 Divisionen Bolschewikitruppen mutzten sich schlietzlich den Polen«rgebea. die bolschewistische voltswirtsthast. Eine Kritik in der konstituierenden Versammlung. Aus den jetzt eingetroffenen russischen Blättern läßt sich ein klareres Bild der Lorgänge bei der Eröffnung der Kon- stituante am 18. und 19. Januar gewinnen, als dies aus den telegraphischen Berichten möglich war. Der Eröffnung der Konstituante ging eine imposante Straffe ndemonstrafton voran, an der die Petersburger Arbeiterschaft zahlxcich ver-. Artilleriekampf«nd Erkutidungsvorstöße im Westen. Amtlich. Groß«? Hauptauartier, 6. Februar 1918.(W. T. 55.) Westlicher Kriegsschauplay. Heeresgruppe Kronprinz Rupprrcht. Ja einzelnen Abschnitten der siondrischen Front in der Gegend von ArmentiereS»ad am La Bassse-Kanal war die Lrtillcrietätigleit am Nachmittage gesteigert. Bei Leus lebhafter Minenlampf. An der Scarpe und westlich von C a« b r a i nahm das Artillcriefener vielfach gegen Abend zu. Heeresgruppe Deutscher Kronprinz. {frlundungSvorstüsie des Feindes in den Argonneu und östlich»oa Avocourt wurden abgewiesen. Gestern wurden sieben feindliche Flugzeuge und ei« Fessel« ballon abgeschossen. Leutnant Bongartz errang seinen 29. Luftsieg.. Von den anderen Kriegsschauplätze» nichts Neues. Der Erste Generalquarticrmeister. Ludendorsf. Basel, 6. Februar. Roch einem Pariser HavaSbericht er» wartet man in Pari», daß an der Ostfront die Kanonen wieder da» Wort ergreifen. Abendbericht. Berlin, 6. Februar 1918, abend». Amtlich. Bon de» Kriegsschauplätzen nichts Neues. Ter österreichische Bericht. Wien, de« 5. Februar 1918. Amtlich wird»er- lautbart: Seine besondere»« Ereignisse. Der Chef deS Generalstabes. treten war. Die„Rote Garde" der Bolschewiki und einige Soldaten- und Matrosenabteilungen haben auf die Volks- menge geschossen, A r b e i t e r b l u t ist geflossen. Die Liste der Getöteten und Verwundeten legt dasük Zeugnis ab. In der Sitzung des Zentralausschusses der Sowjets am 19. Ja- nuar, d. h. nach der nachts vorher erfolgten Auflösung der konstituierenden Versammluna. wies R i a s a n o f f lder bis vor kurzem mit den Bolschewiki zusammenging und von ihnen sogar zum Volkskommissar für das Eisenbahnininisterium be- stellt wurde) darauf hin, daß am 18. Januar in den Straßen Petersburgs„das Blut von Arbeitern, Soldaten und Bauern geflossen sei und daß es notwendig sei festzustellen, inwiefern daran die Räteregierung die Schuld trage". Jahrzehnt- � lang, führte Rjasanofs weiter aus, wurde in den Arbeiterund Bauernmassen das Bewußtsein großgezogen, daß die Konstituante das Ziel des Kampfes sei. Dct Rat der Bolks- kommissare begehe ein Verbrechen vor der Revolution und vor dem Lande, indem er das Volksparlament auseinander- treibe. Auch überschreite der Rat die ihm vom 2. Kongreß der Sowjets eingeräumten Befugnisse, da der Kongreß die Ein- berufung, nicht aber die Auflösung der Konstituante ihm auf- erlegt habe. Mithin durfte der Entscheidung des erst für später einberufenen 3. Kongresses nicht vorgegriffen werden. Lenin berief sich in seiner Antwortrede darauf, daß die November-Umwälzung die Konstituante zu einer I l l u- s i o n gemacht habe. Das Le b e n habe gezeigt, daß die Kon- stituante eine bereits überholte Stufe der Entwicklung Ruß- tands darstelle. Als er den Reden von Tschernow und Zere- telli in der Sitzung der Konstituante zuhörte, schien es ihm, daß er sich im Reiche der Ausgrabungen befinde, wohin er aus dem Reiche lebender Menschen, aus dem Reiche des arbeiten- den Volkes, gekonrmen war. Die Rede Z e r e t e l l i s, auf die Lenin hinweist, bildete den H ö h e p u n kt in den Verhandlungen der Kon- st i t u a n t e. Zerctelli unterstrich u. a. die Zweideutigkeit der Bolschewikipolitik in bezug auf die Konstituante. Diese Stelle seiner Rede, da sie eine allgemein interessierende Cha- rakteristik der Tätigkeit der Bolschewiki enthält, sei hier un- gekürzt mitgeteilt: „Hier wurde uns gesagt, man werde vor uns keine Rechen- schast ablegen,- aber die Konstituierende Versammlung ist auch vom Standpunkt der Parteien, die dies proklamieren, als das Organ des höchsten Volkswillens anzusehen. Ist dem nicht so, wie ist es dann zu erklären, daß der Konstituierenden Versammlung der Autrag unterbreitet wird, die hier verlesenen Grundsätze zu bestätigen? Wozu wurde dann die Konstituante einberufen, die während der Herrschast des Rates der Volkskommissare gewählt wurde?(Stürmischer Beifall im ganzen Saale mit Ausnahme der Regierungspartei.) Ich frage«ie, was ist durch ihre Experi- mente praktisch erreicht worden? Eine Organisation der Volkswirtschaft? Wo ist sie? Werden Sie behaupten, daß Ihre Versuche auf dem Gebiete der ErnährungSfrage es zu etwas ?-bracht haben? Gibt eS irgendwelche Resultate in der Organi. ation der Erzeugung? Sie werden„ja' sagen; ich frage aber. wie organisieren Sie die Volkswirtschaft Nutzlands? Sie reden mit Nachdruck von der Landfrage. Was haben Sie darin er- reicht? Das Land hat in der Tat den Besitzer gewechselt. Aber stärken dem» die Nachrichten, die vom Lande kommen, bei Ihnen die Zuversicht, datz dasLand wirklich indie Hände der ärmeren Bauernschaft übergegangen ist, und datz nicht die Wucherer und Reichen von deu Eroberungen der Revolution Besitz ergriffen haben? Würde die Landreform sich so befestigen, wie sie sich zurzeit abwickelt, so wäre dies keine Reform der grotzen russischen Revolution. Das wäre die Wiederholung der Stolyp in schen AuSspie- l u n g der Stärkeren, derjentgen reicheren Bauernschichten, die ohnehin die Landbevölkerung in ihrer Hand gehalten haben. Wird nicht die Landreform planmäßig durch Organe des gesam- ten Volkes durchgeführt, die imstande wären, alle technischen und geistigen Kräfte der Ration in Bewegung zu setzen, so wird sie einen Charakter annehmen, der Alle, die aufrichtig die Befesti- gung der Revolutiänserrungenschaften auf dem Land« erstreben, mit Entsetzen erfüllen und abschrecken Pird.' Diese Kritik der bossckiewistisckien„Sandreform", die bekanntlich in einem kurzen Dekret— und mchtS weiter— be- stand, ist überaus wichtig. Die landläufige Auffassung in. Deutschland geht dahin, daß die Bolschewiki den Bauern daS Land gegeben haben, während die Wahrheit darin besteht, daß sie die gewaltige organisatorische Arbeit, die in der Haupt- stadt und in der Provinz durch die Landkomitees geleistet wurde, jäh unterbrochen haben und daS Signal zur anarchi- schen Aneignung des Boden» und de» toten und lebendigen Jnveatgrs usw. der GutÄ>ssitzungen gegeben haben. Erwähnt muß noch werden, daß die Konstituante ein aus zehn Para- graphen bestehendes Gesetz über die allgemeine Lanbenteig- nung kq bloc angenockmen hat. Petersburg, 5. Februar. Nach einer Meldung der Perers- burger Telegraphcn-Ageniur nahm der dritte Hauptkon gretz der Arbeiter Soldaten- undBauernrätc dir Landgcsetzc an, die daS Eigentumsrecht am' privaten Landbesitz aufheben und dieses Recht jedem vorbehalten. der das Land mit seinen eigenen Händen bestellen will. Die Be- schränkung gilt nicht für die Berufsgenossenschaften. In den vor- bereitenden Hauptausschutz wurden 300 Mitglieder gewählt, da- unter 160 Bolschewiki und 126 revolutionäre Sozialisten des linken Flügels. die Kämpfe Zwischen Rusien unü Rumänen. London, ö. Februar.(Reuter.) Nach oistziellen Telegrammen . vom 2. Februar aus Jasiy entwaffnet und bekämpft ein großer Teil de» rumänischen Heeres jetzt die russisch« n Truppen. Tie Räumung der russischen Front in der Moldau dehnt sich täglich auS. Ganze russische Abteilungen ziehen nach der russischen Grenze und greifen die rumänischen Truppen und Düricr aus ihren,. Wege an. Beim Angriff der Russen aus Galatz entwaffneten rumänisch« Truppen nack eintägigem Kampfe die neunte- russische Division und erobcrleu 50 Kanonen. Einige Abteilungen der Division flüchteten nach dem deutschen Graben. Letzten Mittwoch griff das sechste russische Armee torps mir schwerer Artillerie F a l t i z e n l in der Milte der Moldaufront, an. GS wurde von Rumänen um- zingelt, entwaffnet und nach Rußland abgeschoben. Außer den großen Ttuppenabteilungen verlassen auch Regimenter und Kompagnien die russische st-ront. Die neue Republik Bessarabie» ersuchte die rumänische Regierung um Truppen, um einer Verwüstung de» Landes zuvorzukommen. Im Innern Bessarabien« bemächttgte sich die maylmalistiscve Rote Garde der BorratSmagazine für die rumänische und die russssche Armee und hielt Züge mit Lebensmitteln für die Bevölkerung der Moldau an. Auf Ersuchen der bessarabischen Re- gierung ließ daraufhin die rumänische Regierung die Eisenbahn Kischinew— Ungeny-Jassy besetzen, außerdem Bolgrad, Reui und andere BorratSzentren. Der Kampf zwischen den rumänischen Truppen»nd den Bolschewikibanden erstreckt sich über ganz Besiarabien. Die rumänische Regierung ergriff alle möglichen militärischen Maßregeln, um die eigenen und die nssst- schen Truppen an der rumänischen Front sowie die Bevölkerung der Moldau vor Hunger zu schützen. In Rußland wurden viele rumänische Offiziere urnb Parlamentarier bei- hastet, besonders in Odessa. Petersburg, 5. Februar.(Meldung der Petersburger Tele- graphen-Agentur.) Beim Kriegskommissariat eingelaufene Nack- richten bestätigen, daß die Kämpfe zwischen den russischen Truppen und den Rumänen beendet find und die Ruhe wieder- hergestellt ist. Die nach Kischinew vorgerückten Rumänen wurden gegen die rumänische Grenze zurückgeworfen. Das.Criegskommissariat ist der Meinung, datz der Sieg der maximalistischen Truppen über die Zentralrada dem Vorrücken der rumänischen Truppen in Bessarabien ein Ende machen wird, da die ukrainische Regierung ihnen ihre Unterstützung geliehen hat. Eröffnung der fibitifdjen Duma. Petersburg, 5. Februar.(Meldung der Petersburger Telegraphen« Agentur.) In Tomsk wurde die sibirische Duma eröffnet, di�zur Berufung der sibirischen Gesetzgebenden Ver« sammlnng die vollziehende Gewalt in ganz Sibirien ausüben wird. Die Duma zählt 30 Mitglieder. Vertreter der SemstwoS. Städte, Genossenlchaften»nd der Sibirien bewohnenden Völker- schasten, sowie Vertreter der Eisenbahn- und Postbeamten und an» derer öffentlicher Einrichtungen. EntentesozialistischeKonferenzvorbereitung. London, 5. Februar.(Reuter.) In kurzem wird«ine Ab- ordnung der britischen Arbeiter nach Pari« gehen, um. wenn möglich, vor dem Zusammentritt der allgemeinen interalliierten Tagung in London am 20. Februar eine Nebereinkunsl der englischen und sranzöfiichen Arbeiter und Sozialisten herbei- zuführen und eine internationale sozialistisck« Tagung in der Schweiz vorzubereiten. Der Ab- ordnung werden wahrscheinlich angehören: die Mitglieder des parlamentarischen AuSschuffe» de« BewerkichaftSkongreffe» Thorne und Bowerman, sowie Puidy und Arthur Henderjon. Die Wahlreform in Englanü. London, S. Februar. OaS Unterhaus lehnte mit 230 gegen 141 Summen die Kompromißvorschläge de» Ober- hquseS bezüglich der Verhältniswahl a b. Man erwaltet, daß da» Oberhaus fich diesem Beschlüsse fügen und daß die Wahlrefornt- vorläge morgen endgültig angenommen werden wird. Schwedens tzanüelsverffänüiauna mit den Alliierten. London, S. Februar. Reuter erfährt, daß als Srgebni« de» Besuch» schwedischer HandrlSobgeordneter»in für beide Teile be- iriedigende« vorläufiges Abkommen getroffen worden sei. E< fti gute Aussicht aus ciue endgültige verstäudigung. bei der man die Verhandlungen vervollständigen würde. Neue Unruhen in Spanien. Lern, 5. Februar. Lyoner Blätter melden au» Madrid: In H u e l v a find infolge de» LedenSmittelmangel« neue Unruhen aus- gebrochen. Die Lebensmittelgeschäfte wurden von der Menge an- gegriffen. Mehrere hundelt Frauen veranstaltete» in der Stadt> Kundgebungen, so daß die Bürgergard« zur Wiederherstellung der Ordnung eingreifen mußte. der Krieg auf öen Meeren. Berli», 6. Februar. Amtlich. Eine» uni'erer U-Boote. Aomman« dant Kapitönleuinant Wenninger, hat i« westlichru TeU>«< Arrmrl- kanal» drei Dampfer, zwei Segler und vier eng» lisch« Fischerfahrgeug« mit rund 20 000 B. R. T. versenkt. Die tn beträchtlichem Maße vorhandene Gegenwirkung über- wand da« voot durch geschickt angesetzte und kühn durchgeführte Angriffe. Unter den Schiffen befand fich der groß« englisch« ve- waffnete Dampfer Manhattan(6004 To.), der englische Schun« Perriton und die Fischerfahrzeug«««neral Leman. Perfeverance und Addax. Der Chef des AdmiralstabeS der Marine. Kleine Kriegsnackrichten. Die Ueberreste des bei Lirey abgeschossenen deutschen Flugzeuges wurden beim Transporl durä» ParrS von einer wütenden Menge beinahe vollkominen zerstört. Erst nach dem Aufgebot einer größeren Polizeiabteilung konnten die Ueberreste nach dem Bestimmungsort abgstührt werden. Keine weitere Demobilisierung in Holland. Der niederländische KriegSmrnister erklärte in der Zweiten Kammer, datz eine Demobi- sierung augenblicklich unmöglich sei. Wenn der Kampi im Osten vorüber sei, könne er im Westen um so schärfer werden. Mit der Entlassung von Jahrgängen sei schon so weit wie möglich gegangen worden und 62 Prozent der Armee seien ber-eitSentlassen. Die Bildung der rnssischeu Roten Armee. Die Petersburger Telegrapben-Ageniur meldet: Der Oberkommandierende des PeterS« burger Bezirkes hat die Bildung des ersten KorpS der Raren Armee der Bauen: und Arbeiter anbefohlen. AuZ- schüsie für Einschreibung und Zulassung der Kameraden wurden bei allen RegimentSousschüssen und örtlichen Stäben der Roten Garde eingesetzt. Ter Kommandant des 428. Infanterieregimentes, Kamerad P o t ap o ff, wurde zum Instrukteur des Korps erannt. Die Opfer der am Kriege Unbeteiligten. B onar Law antwortete im Unlerbauie auf eine Frage. eS seien»m ganzen 14 12V nm Kriege unbeteiligte Männer, Frauen und Kinder durch deutsche Unterseeboote und Flugzeuge getötet worden. Von den Deutschen seien keine Berichte über die Tötung von am Kiieoe Unbeteiligten infolge kriegerischer Handlungen der Alliierten voröffenUicht worden. /iussthußberatung üer tzerrenhausvorlage. Eine Mißgeburt. Mit Muhe und Not hat sich die Verfassungskommission des preußischen Abgeordnetenhauses endlich über die Grund- Kuge der Zusammensetzung des Herrenhauses verständigt. Gewiß wird die Erste Kammer, tvenn der Beschluß Gesetzes- kraft erlangt, in Zukunft ein anderes Antlitz aufweisen, aber an dem Wesen dieses mittelalterlichen Gebildes wird dadurch nichts geändert, �und auch die Wahl einiger Arbeitervertreter wird nicht dazu beitragen, das Herrenhaus zu einem mo- dernen �Parlament zu gestalten. Selbst grundsätzliche An- bänger des Fideikommißsystenis werden bei vorurteilsloser .Kritik nicht in Abrede stellen können, daß diese Erste Kammer uns geradezu vorsintflutlich anmutet und daß sie einzig und allein da ist, den Fortschritt in Gesetz- gebung und Verwaltung zu heinmen. Alles das ist ja aitch die offen ausgesprochene Absicht der Kommissions- nichrbeit. Zuerst soll eine durch und durch reaktionäre Erste .Kammer geschaffen werden, die ein Gegengewicht gegen eine radikale Zweite Kammer bilden soll. nnd. wenn dieser Plan geglückt ist. dann wird man auf Mittel und Wege sinnen, wie man der Radikalisierung der Zweiten Kammer vorbeugen kann. So werden jetzt die herrschenden Klassen doppelt bevorzugt, und die heute entrechteten Schichten bleiben so gut wie recht» los. der Osterbotschaft und dem Buli-Erlaß ist scheinbar Rechnung getragen, in Wirklichkeit bleibt alles ziemlich beim alten. Der Feuereifer, mit dem besonders die beiden konser- vativen Parteien sich gegen die Wahl von Arbeiter. Vertretern durch ihre berufenett Organe wehrten, ist kennzeichnend. Gegen Arbeiter im Herrenhause haben auch sie nichts einzuwenden, aber es dürfen nicht Arbeiter sein, die das Vertrauen ihrer Berufskollegen genießen, sondern aus königlichem Vertrauen berufene Arbeiter. Alle ihre Ein» wände, daß es an einem geeigneten Präsentationskörper fehle, oaß die Arbeiter keinen einheitlichen Berufsstand bilden, daß sie kein selbständiger Stand seien usw., sind nur Vorwände, hinter denen sich in Wirklichkeit die Abneiflung gegen die Gleichberechtigung der Arbeiter verbirgt. Die Freikonser- vativen scheinen denn auch ein großes Maß von Selbst- erkenntnis gewonnen zu haben, sie ließen ihren grundsätzlichen Widerspruch fallen, so daß in der Abstimmung die Ltamser- vativen schließlich allein blieben. *» ♦ Di: Ausschußberatung der H-rrenhauSvorlage ging am Mitt- woch weiter. Der Unterausschuß hatte seine Anträge vor- gelegt, die die in der Vorlage vorgesehene Vertretung des Handels und der Industrie zugunsten der laniwirt- schaftlichen Vertretung verringern. Dagegen wendete sich der H a n d e ls m i n i st e r; Handel, Industrie und Landwirtschaft müssen als gleichwertig behandelt werden. Da unter dem gleichen Wahlrecht die Handels» und Industriezentren Arbliter ins Abgeordnetenhaus wählen wurden, so müßte für eine eni- sprechende Vertretung im Herrenhaus e vorgesorgt werden. Eine Vertretung der Arbeiter im Herrenhause war vom Unterausschuß nicht vorgesehen worden, sie wurde aber in der Debatte insbesondere von d:m Sozialdemokraten und den Fortschrittlern ent- schieden gefordert. Der Sozialdemokrat betonte dabei aber- Urals, daß die Arbeiter nicht auf das königliche Vertrauen ange- wiese« wgrden dürste», sondern ein Präsentationsrecht erhalten müßten. Als Präsentationskörper kämen sehr wohl die Arbeitnehmerbeisitzer bei den Versicherungsämtern in Frage. N«ch weiterer Debatte wollte» die Konservativen die Aistim- mung nochmals aussetzen; dagegen protestierten die ande- ren Parteien, und der Antrag wurde schließlich zurückgezogen. Bei der Abstimmung wurde der Antrag des Unterausschusses angenommen, wonach im 8 4 bestimmt werden soll, daß auf Grund von Präsentation zu berufen sind: 48 Vertreter der Städte mit über 50 000 Einwohnern, 2 weitere Vertreter der Stadt Berlin, 24 Vertreter der übrigen Städte und der Landgemeinden mit über 10 000 Einwohnern, 24 Venreter der Provinzen, 1 Vertreter der Hohenzollernschen Land«, 24 Vertreter der ländlichen Selbstver- "Ämltung, 48 Besitzer solcher Landgüter, die bereits seit 50 Jahren im Besitz derselben Familie sind. 24 weiter« Vertreter der Land- Wirtschaft, 24 Leiter großer Unternehmungen der Industrie oder des löandelL, 18 Vertreter des Handwerks, 16 Vertreter der Hochschulen und 16 Vertreter der evangelischen und der katholischen Kirche, zusammen'292. Dazu fügte der Aus ich uß noch: 16 Ar- beiterocrtrcter, 12 Vertreter der Privatangestellten, 6 unmittelbare und mittelbare Staatsbeamte. 6 Lehrkrästc von höheren und mitt- leren Schulen, Volksschulen und Lehrerbildungsanstalten. 6 Ange- hörige der übrigen gelehrten Berufe, g Angehörige tech- nischer Berufsstände. S bildende und ausübende Künstler. Schriftsteller und Journalisten. Alle diese sollen aus allerhöchstem Vertrauen berufen werden, solang e nicht durch Gesetz PräfentationSkörpec für sie gebildet sind. Beschlossen wurde weites daß die auf königlichem Vertrauen Berufenen nicht auf Lebenszeit, sondern auf 12 Jahre berufen werden(Fortschriitl. Antrag), sowie, daß da? Herrenhaus nicht mehr Mitglieder haben oarf, als daS Abge- ordnetenhauS. Darauf wurde noch§ 7 angenommen, wonach die Teilnahme an der Präsentation ein« mindestens dreijährige preußi- sche Staatsangehörigkeit voraussetzt. Dagegen Ivaren Bedenken im Hinblick auf die reichsgesetzlich gewährleistete Frei- zügigkeit erhoben worden. Vizeministerpräsident Dr. Friedbecg meinte� man könne die Beschlutzfassung verschieben bis zu der über das Wahlrechterfordernis der dreijährigen Staatsangehörigkeit. Aber der Ausschuß nahm den 8 7 sogleich an. Weiterberatung Donnerstag. Ausammentritt Ses Reichstages. Die nächste Sitzung des Reichstages findet am 19. Februar, nachmittags 3 Uhr, statt. Tagesordnung: An- fragen, Petitionsberichte. •» * ES liegen wieder eine Anzahl kleiner Anfragen und Antworten auf solche tn den Drucksachen vor. Eine Anfrage des Abg. Lstor dringt auf Abänderung der Bestimmungen de» PostgesetzeS über die Schadenersatzleistungen, wonach für verloren gegangene Pakete im Höchstfalle ein Betrag von 3 M. pro Pfund vergütet wird. Kampf gegen üen gewerbsmäßigen Schleichhanüel! Verschärfte Strafbestimmungen. Bon einer bevorstehenden BundeSratSverordnnng zur Bekämpfung de« Schleichhandels macht die„N. A. Z." Mitteilung. Nach ihren Angaben deuten gewisse Anhaltspunkte darauf hin. daß die Zahl der gewerbsmäßigen Schleichhändler mehrere hundert- taufend betragen muß..Zu einem Teil', schreibt die.N. A. Z.*, .find e« Kleinhändler, die sich in frühere« Zeiten mit dem An- und Verlauf von Lebensmitteln beschäftigt haben, zu einem Teil Kleinkaufleute, die von früher her noch.Beziehungen' haben. Die Tätigkeit dieser Schleich- Händler hat aber in dem jetzigen Umfange der- artig bedenkliche Folgen, daß dadurch daS ganze Er- nährungSprsgram« der Regierung gestört werden kann. Denn da- durch, daß diese mehrere hundertlausend Schleichhändler ständig versuchen. Ware der öffentlichen Bewirtschaftung zu entziehen, wird die Menge, die den amtlichen Stellen zur Verfügung steht, unge- wöhnlich verkürzt, und es werden so LebenSmittelschwierigkeiten hervorgerufen, die durch die tatsächlichen VerhSltniffe nicht begründet sind. ES wird der Regierung unmöglich gemacht, die g e r« ch t e und gleichmäßige Versorgung der Bevölkerung durchzuführen.' .Aus diesem Grunde sieht sich die Regierung zu einem außer- ordentlich scharfen Singriff gezwungen. Wie wir erfahren, wird sich der Bundesrat demnächst mit einem Gesetzentwurf befaffen, der«in besonderes strafrechtliches Vorgehen gegen den ge- werbSmaßigen Schleichhandel in Aussicht nimmt. Schon früher haben die Preisprüfungsstellen versucht, gegen den gewerbsmäßigen Schleichhandel vorzugehen, einen Erfolg hatten sie hierbei indessen nicht aufzuweisen. Nunmehr erhoffen die maßgebenden Stellen, daß die neuen Bestimmungen jeden Schleichhandel m Zukunft infolge der Höhe der Strafen völlig unterdrücken. Nach dem Ge- tetzenlwurf sollen strafrechtlich verfolgt werden olle gewerb»- mäßigen Schleichhändler, die vorsätzlich«ine Gesetzes- bestimmung verletzen. Als Strafe wird uater allen Umstände« Ge- fängniS und daneben noch«ine Geldstrafe bis zu 100 000 M. vor« geschrieben. Darüber hinaus kann die Einziehung der Ware, mit der die strafbare Handlung begangen ist, verfügt werden. Wird ein Schleichhändler zum dritten Mate beim gewerbsmäßigen Schleich- Handel zur Anzeige gebracht, so kann da« Gericht nur noch auf Zuchthaus und daneben auf Geldstrafe und Einziehung der Ware erkennen.' •• • Soweit die.N. A. Z.'. Wir haben gegen schärfste Bestrafung de« gewerbsmäßigen Schleichhandel« nicht da» mindest« einzuwenden. Aber wir teilen nicht den Optimismus der„N. A. Z.'. daß durch solche Bestimmung der Schleichhandel völlig unterdrückt werden wird. Schärfste Beschlagnahme der Lebensmittel beim Erzeuger tut vor allem not. Wird sie nicht durch- geführt, dann wird auch der Schleichhandel weiter blühen und das erhöhte Strafrisiko durch erhöhte Preise einzubringen suchen. E. R., üer Geist mit öem Hakenkreuz. Bröger gegen Reventlow. Graf Ernst Revenllow sorgt für meine Berühmtheit. Er schreibt Mei Spalten der.Deutschen Tageszeitung'(Nr. 63 vom 4. Februar) mit jenem wunderlichen Deutsch voll, das zu seiner Politik so herrlich paßt. E E. ist für die Gewalt auch der deutschen Sprache gegenüber und sälll über die llaren, eindeutigen Meinungen anderer Leute mit lautem Geschrei her. Du kannst mit Engel«- zungen reden. B. E. brüllt aus altpreußischer Kehle zu allem nur .Hurra'. Da» ist für ihn der Gipfel menschlicher Weisheit. Meine ntztwendige Erklärung zum Zitat des Staatssekretärs Wallraf denlet der Geist mir dem Hakenkreuz auf seine sattsam be« kannte Art um. Er macht das nach dem Rezept: .X. bot sich nie de« Wahren beflissen. im Widerspruche fand er's; nun glaubt er alle« besser zu wissen, und weiß e« nur anders.' E. E. denkt bei dieser Erklärung sogar an Nietzsche. Merl- würdrg l Ich habe bei meiner Erklärung an den gleichen Nietzsche gedacht, der seinem Zarothustra da« herrliche Wort in den Mund legt:.Ich beschwöre euch,»»eine Brüder, daß ihr wieder die Erde 'liebt.' ES scheint also, dqß B. R. nicht weit genug in Nietzsche ge- lesen bat. sonst lönnte er laum das größere Gefühl in Gänse« füßchen setzen. Wa« will Graf Eisenstirn eigentlich von mir? Er fabelt von einer gefallenen Maske. Mein Gedicht.Bekenntnis' kann er damit nicht meinen, denn er kennt dieieS Gedicht überhaupt nicht. Oder weiß E. E., daß eS im zweiten VerS heißt:.Daß kein fremder Fuß betrete den beimiichen Grund, stirbt ein Bruder in Polen, lregt einer>n Flandern wund'. Im folgenden Vers:„Alle böten wir deiner Grenze heiligen Saum'. Wären ihm diese Stellen bekannt, dann könnte er mit dem Geschreibiel von der.Maske' gleich ein- packen. Er wird sich wohl hüten, seinen Lesein diese Stellen be- kannt zu geben, wie es bisher ja auch noch keinem RegierungSmann eingefallen ist, diese Zeilen in die politische Debatte zu werfen. Sie umschreiben nämlich da« Kriegsziel der Sozialdemokraien. Das Gedicht„BelennwiS' hat ein seltsame» Schicksal erlebt. Niemand war über die Wirkung der Vers««ehr erstauut, ai» ich selbst. Sprechen die Verse doch eine Selbstverständlichkeit au?, die nur in bürgerlichen Kreise« wie eine Offenbarung wirken konnte. Warum? Weil diese Kreise nichts vom Geiste des Proletariats wisien und fich in Borkriegszeiten nur an die oberflächlichsten Schlag- Worte hielten. Kein Sozialdemokrat hat daran gedacht, sein Land bei Kriegsausbruch im Stich zu lassen. Dagegen scheint das Bürger- tum sehr von dieser Angst geplagt worden zu sein. Ander« läßt sich die Ausnahme des Gedichtes.Bekenntnis' nicht erklären. E. R. will nun mir und der Sozialdemokratie aus dieser Ausnahme einen Strick drehen und stellt diesen Strick der Regierung freudig zur Verfügung, damit sie uns daran aufhängt. WaS kann ich für die Auflegung»neiner Worte? Niemand hat mich um den Sinn der Verse gefragt, auch E. E. nicht, der mir heute allerhand Fratzen und Schnörkel inS Gesicht malt, sie dann auswischt und triumphierend behauptet, jetzt sei„eine MaSte gefallen'. E. R. wird zwar Goethe nicht al»„deutsch" gellen lassen, denn der hatte kein Hakenkreuz auf der Stirn. Aber Goethe soll mir helfen, der gemeint hat:.Warum erklärst du'ö nicht und läßt sie gchn? Geht'S mich denn an, wenn sie mich nicht versteh»?' WaS ist also mit der gefallenen MaSke? E. B. fetzt sie Menschen anderer Gesinnung erst auf, um sie ihnen dann abzureißen. Er ist ein guter Politiker, denn er hat alle Eigenschaften eines schlechten Schauspielers. Er schreit nur über.gefallene MaLken', damit man nicht sieht, daß er seine MaSke noch auf hat, und waS für ein Gesicht hinter dieser Maske steckt, weiß langsam jeder vernünftige Mensch in Deutschland._ Karl B r ö g e r. Losset üie kmülein zu mir kommen aber nicht von Streikenden. Frau Rittergutsbesitzer von Oppen geb. von Arnim, auf Haus Tornow(Kr. Lebus) sendet uns folgenden Brief: An die Redaktton des„Vorwärts'. Es gelangt der Aufruf in meine Hände vom Landrat, be treffs der Aufnahme der städtischen und JndustriebevölZerung aufs Land. Ich habe voriges Jahr eine Kolonie eingerichtet. Eine größere Schar Berliner Kinder haben sich satt gegessen, ich habe ihnen Liebe geschenkt und nun— soll ich dies Jahr wieder Kinder von Leuten nehmen, die vielleicht zu den VaterlandSver- rätern gehören, die dafür sorgen und ihr Möglichste? dazu tun, daß unsere Männer und Söhne an der Front durch das sinnlose, feige Versagen ihrer Brüder daheim hingeopfert werden? Meinen Sie, daß unsere Menschenliebe so weit ginge? Ich käme mir selbst als Verräter vor. Ich fürchte, e» wird dies Jahr schlecht sieben um die Freudigkeit der Landleute, Ihre Kinder aufzunehmen! Wer hat die Schuld daran?— Da Frau von Oppen offenbar glaubt, daß ihre Person durch die Veröffentlichung dieses Schreibens gewinnt, so kommen wir ihrem Wunsche nach, das Urteil unfern Lesern überlassend.__ Streitinterpellation in Sachsen. Wie die..Nordd. Allgem. Ztg." meldet, hat die sozial- demokratische Fraktion in der sächsischen Zweiten Kammer folgende Interpellation eingebracht: Ist der Regierung bekannt, daß, wie im Reick«, so auch in Sachsen zahlreiche Demonstrationsstreike für den Frieden. sowie für bessere Regelung der Ernährungsfragen statt- gefunden haben? Kennt die Regierung die einzelneu Forderungen der Streiken- den und ist sie bereit, im Sinne der Forderungen zu wirken? Billigt die Regierung da« Vorgeht» der Generalkommandos gegen die Streikenden? Die nationalliirrale Partei verkauft ihr Ruhebett! Zeichen der Zeit im Jnieratenterl de«.Berl. LokawnzeigerS' I Da findet sich am 6. d. folgende kleine Anzeige; Rnhedrtt verkauft nationalliberale Partei, Wilhelmstr. 46—47. Nach dreieinhalb Jahren des Weltkrieges und sonstigen be- wegten und bewegenden Ereignissen hat jetzt selbst die national- liberale Partei für ihr Rubebelt keine Verwendung mehr, und nun können sich da« Märliiche Museum in Berlin und daS Germanttcke in Nürnberg um das lostbare Stück streiten, dessen Verkauf so recht den Wandel der Zeit verrät. Soziales. Arbeitsgemeinschaft der Archive für KriegSwohlfahrt. Auf Anregung der„Freien Vereinigung für KriegSwohlfahri" ist kürzlich em Zusammenschluß der WohlfahctS- arckive zustande gekommen. Diesen Archiven fällt die wichtige Ausgabe zu, die Erfahrungen der sozialen Fürsorge festzuhatten. Nur wenn die» in sorgfältiger und umfassender Weise geschieht, wird es möglich sein, die tiefgreifenden Veränderungen und zum Teil sehr wertvollen Errungenschaften, die der Krieg auf dem Gebiet der Wohlfahrtspflege und der Sozialpolitik hervorgerufen hat, wissen- schaftlich zu verarbeiten und für die Friedenszeit praktisch zu verwerten. Zwischen den vorhandenen Archiven, die meist an praktisch arbeitende Organisationen Angegliedert sind, ist eine gewisse Arbeits- teilung vorhanden. Die auch auf dem Gebiete der sozialen Für- sorge sich überstürzenden KrirgSuotwendigkeiten haben aber diese Grenzen vielfach verschoben. Da außerdem bisher fast kein Zu- sammenhang zwischen den einzelnen Archiven bestand, ist ein und dieselbe Arbeit vielfach von den verschiedensten Eiellen aufgenommen worden, so daß eine große Zersplitterung der Arbeit entstanden ist. Auch wer über sozialfürsorgerische Maßnahmen, sei eS zu prak- tischen, sei es zu theoretischen Zwecken, Auskunft haben will, hat große Mühe, die zuständige Stelle ausfindig zu machen._ Noch schwerer wird es dem wissenschrlstlicheu Bearbeiter, sich zuverlässiges Material zu beschaffen. Um dieser Verwirrung zu steuern, ist daher eine Zusammenarbeit der bestehenden Archive herbeigeführt. In der Geschäftsstelle, die an die Zeittvalstelle für Volkswohlfahrt, Berlin W. 50, Augsburger Str. 61. angegliedert worden ist, ist eine Zeniralnachweisestelle geschaffen worden, die über die Sammlungen j der Archive genau unterrichtet ist, über die Weiterarbeit ständig auf dem Laufenden gehalten wird und außerdem in der Lage ist. bc.i Archiven Anregungen zu geben. Allen Auskunftsuchenden ist daher dringend zu raten, sich an die Geschäftsstelle der Arbeits- gemeinschoft zu wenden, di« dann ihrerseits da« zuständige Archiv zur AuSkunstsertellung veranlaßt. Der Arbeiilgemeinschaft sind alle bedeutenden Archive auf dem Gebiete der eigentlichen Wohl- fahrtspflege konfessioneller wie intackonfessionellec Art, sowie auch sozialpolitisch- Organisationen, die großen GewerkschaftSverhauve und Berufsorganisationen angeschlossen, Auch für Woblsabris- Organisationen, die der Arbeitsgemeinschaft nich: angeschlossen sind, dürfte es zweckmäßig soi«. sich in ZweifelSfällen an die Geschäfts- stell« zu wenden und vor allem ihr solche Anfragen zu überweisen, für deren Beantwortung sie fich selbst nicht für zuständig halten., GewerWDbewegung Der Vorstand des Deutschen Landarbeiter-Verbaudes wendet s?ch in einem längeren Aufruf an die Mitglieder, um die Notwendialeir einer wöchentlichen Beitragserböhnng darzulegen. Zunächst soll durch diese Maßnahme erreicht werden, daß der Verband, der bisher von der Gcneralkommission der Gewerkschaften Deutschlands durchschnittlich 40 000 M. pro Jahr erhielt, sich aui eigene Füße stellen kann. Andererseits soll der Verband durch die Beitragserhöhung in die Lage versetzt werden, seine Hauptaufgabe, die Lebensveihältnisse seiner Mitglieder durch Erhöhung ihres Einkommens zu verbessern, mehr wie bisher erfüllen zu können. Die. Bezugsdouer der Krankenunterstützunz soll für diejenigen Mitglieder, die durch langjährige Mitgliedichaft dem Verband die Treue bewahrt haben, verlängert werden. Die Unterstützungssätze bei Maßregelung»ollen pro Tag etwas erhöhl werden. Nach den vom BcrbandSvorstand gemachten Vorschlägen zahlen m:ch in Zukunft, entsprechend ihrem geringeren Verdienst, die Mit- glieder des Landarbeiter-Verbandes»ehr niedrige Beiträge � im Vergleich zu denen in allen anderen Gewerkschaften. Es sollen ab I.April 1Sl8 erhoben weiden in der I.Klasse, der nur weibliche Mitglieder»m östlichen Gebiete Preußens angehören können, 15 Pf. pro 2So4ej in der 2. Klasse, der gleichfalls nur weibliche Mitglieder angeboren dürken, 20 Pr. pro Woche; in der ?!. Klasse 2S Pf. pro Woche,»n der 4. Klasse 30 Pf., in der ö. Klasse 35 Pf., in der S. Klasse 40 Pf. VerbandSvorstand und Ganleiter betonen ain Schlüsse des Aufrufes, daß die gegenwärtigen VerkebrSverhältnisse und sonstige Schwierigkeiten das Abhalten von Bezirkskonserenzen mit an- schließender Generalveriamnilnng unmöglich machen. Es werde daher auf das Einverstäiidnis der Mitglieder zu diesen Vorschlägen gerechnet._ Partemachrichten. Gründung einer freien Jugendorganisation in Magdeburg. Die Magdeburger Arbeiterjugend hat sich zum Zwecke einer besseren und planmäßigeren Jugendarbeit eine feste Vereins- form geschaffen und damit die bisherige lose Form der Organi- sation aufgegeben. In einer öffentlichen Jugendversammlung, die sehr stark besucht war, sprach Genosse Redakteur Müller über das Wirken und die Ziele der Arbeiterjugendoetoegung. Der Antrag, einen festgefügten Jugendverein zu gründen, fand die begeisterte Zustimmung der Versammlung, nachdem die Wortführer der In- gend sich dafür ausgesprochen hatten, lieber 300 Jugendliche er- klärten sofort ihren Beitritt zu dem neugebildeten Verein. Der Gedanke des festen Zusammenschlusses der arbeitenden Jugend hat unter den Wirkungen des Krieges, von denen die her- anwachsende Generation besonders hart betroffen wurde— wir erinnern nur cn» die Außerkraftsetzung der Jugendschutzbestimmun- gen und die dadurch hervorgerufenen schweren gesundheitlichen Nachteile für die Jugend— lebhaften Widerhall in den Herzen der arbeitenden Fugend gefunden. Das Beispiel der Magdeburger Arbeiterjugend wird darum auch die Anhänger unserer Jugend- bewegung allerorts anspornen, sich mit vermehrtem Eifer für die Sache der Jugend einzusetzen! Ein Zimmerwäldler über Lenin. Ch. Naine schreibt in der„Sentinelle":»ES mag Manael an Geschmeidigkeit iein, aber iiacbdem ich immer die Freiheit der Presse, die Rechte des Parlamems den P oporz, die Initiative und solche Älemigkenen verfochten habe, wäre es mir außerordentlich peinlich, mich darüber wegru'etzen, selbst in Geiellichaft guter Genossen. Wenn ich all dieie Dmge in den Wind schlüge, wie die Bourgeois, so müßte ich fürchten, ihnen zu gleichen, und das wäre des Ge- ständuis, daß die Schreib- und Redcirecheit, das allgenieine Stimmrecht, die Filltiative und das Referendum nur solange gut waren, als wir die Schwächeren waren daß sie aber verwerflich ieren, io- bald wir das Messer am Heft halten. Das ginge mir nicht leicht in den Kopf."_ Fortschritte in Breslau. Der Sozialdemokratische Verein Breslau beschloß in einer von 600 Personen besuchten Mitgliederversammlung die Erhöhung der Beiträge iür Frauen von 20 auf 30 Pf., für Männer von 40 auf 60 Pi. Der Beschluß wurde einstimmig gefaßt. Im letzten Quartal tS17 betrug der Zugang an neue» Mitgliedern 902,. der Abgang(durch Tod, Einziehung, Wegzug u'w,) 146, so daß einZu- wacks von 846 Mitgliedern verbleibt. Der Abonnentensiand der»Volkswacht" vermehrte sich gleich- zeitig um 200—300 in der Woche, während der bewegten Tage mußten wegen der gestiegenen Nachtrage im Slraßenverkauf 60 000 bis 61 000 Exemplare gedruckt werden. ?nöustrie und Handel. Erhöhung der Kohlen- und Eisenpreise. Die Eisenwerke haben trotz der wahrhaft glänzenden Bilanzen und der— bei halbwegs guten» politischen Wetter — täglichen großen Kurssteigerungen an der Börse den be- neidenswerten Mut gefunden, vom Handelsminister die Zu- stimmuno zu emet Erhöhung der Eisenprerse zu derlangen, wobei natürlich mit hohen Löhnen graulich' gemocht wird. Auch das Kohlensyndikat wird sich— spätestens in der zweiten Märzhälfte— diesem Sturmlaus anschließen. Auf diese Art wird eine eventuelle Erhöhung der K r i e g s st e u e r von Anfang an in der tatsächlichen Wirkung für den. Reichsfiskus aufgehoben. Graf Rödern mag sich rühmen, daß die letzte Veranlagung fünf Milliarden gebracht hat, und ans dieser ersten Blicks stattlichen Summe ein Argument gegen ein allzu starkes Anziehet» der Steuerschraube herleiten--- er wird damit nur großen Kindern imponieren. Was die In- dustriellen mit der rechten Hand gaben, das haben sie mit der linken dem Reichsfiskus und nachgiebigen, allzu nach- giebigen Beamten entrissen. Zwar hat der preußische Handelsminister gelegentlich aufgemuckt, so bei dem Verbot der spekulativen Pariausgabe von Aktien oder bei mancher Preiserhöhung. Aber es scheint, als wäre das nur geschehen, damit was geschiebt. Den massiv verdienenden Automobrlsabriken ist trotz des Einspruchs von führenden Handels- und Jndustriezeiftingen ein Preisaus- schlag von 23 Proz. bewilligt worden. Und ebenso werden die Eisen- und Kohlenmagnaten über kurz oder lang freund- williges Gehör finden, besonders in dieser Zeit der p o l i t i- scheu Reaktion. Es lohnt sich aber vielleicht doch, ein Blatt zu zitieren, das sich, mag es sich volitisch auch der Schwerindustrie der- schrieben haben, in feineim wirtschaftlichen Teil eine be- merkenswerte Selbständigkeit bewahrt hat, die„Kölnische Volkszeitung": „Die Gründe, die man für eine Preiserhöhung ins Feld führt, sind bekannter Art: Erhöhung der Preise für Roh- und Hilfsstoffe, Steigerung der Löhne, öffentliche Lasten usio. Es mag richtig sein, daß dir Gestehungskosten beute in einzelnen Zweige» des Eiscngcwcrbcs mit de«„Vertaufspreifen" nicht mehr völlig in Einklang stehen. Man muß jedoch, wenn man die Ertragssähigkeit der Industrie richtig beurteilen will, das Augenmerk nicht allein auf die festgesetzte« Verkaufspreise richten, sondern auf die Einnahmen überhaupt ifo im Eiscn- gcwerbe auf die riesigen Erlöse für gewisse weiter- perarbeitete« Erzeugnisse). In der Kohlrnindustrie setzen sich diese Einnahmen nicht nur ans den im Inland er- zielten Erlösen, sondern auch aus den vom Ausland erhalte- neu zusammen. Von de« besonderen Vergütungen, die das glheinisch-Westfälischc Kohlen-Tlmdikat seit mehr als cistxm Jahre an die Zcchenbesitzer ausschüttet, ist in der Oeffent- lichkcit nur sehr wenig bekannt: für die Lösung der Frage wegen der 5tohlcnpreise wäre es sehr lehrreich, wenn daS Syndikat einmal die G e- samtsummr der besonderen Zuwendungen, die es allein im Jahre 1917 neben de» regel- mäßigen monatlichen Erträgnissen an die Zechenbesitzer ausgezahlt hat, bekanntgeben w ü r d e." Ebenso wie die hohen Gewinns bei weitervcrarbeiteten Produkten der Eisenindustrie Erhöhungen der Selbstkosten reichlich ausgleichen, ebenso bei der Lkohlengewinnnng die enormen Erträge der bei der Verkokung gewonnenen Neben- Produkte. Und wenn zur Entschuldigung darauf verwiesen Wird, daß bei der Preisfestsetzung die unrentabelsten Werke maßgebend sein müssen, um die höchste Produktion zu er- zielen, so ist auf dieses verrückte Dogma zu erwidern, daß die Kriegsorganisationen ausgebaut genug sind, an Stelle der blöden und doch so wunderbar pfiffigen Schematisierung der Preise eine gewisse Individualisierung treten zu lassen. Es müssen nicht dieselben"Preise an' Krupp und einen Schlosser- meister gezahlt werden.__ Anorganischer Alkohol. In der ,Vrss.�Zig.' eizäblt Prot. Tr. K.Arndt:.Dienenesie «echniicde lleberraicbung ans dem Gebiete der Katalyie ist die end- l'che Lö'nng eine? schon vor 20 Jahren umworbenen Problems, die Gewinnung von Alkohol aus Karbid. Im Gegeniatz zum bisherigen Wege, der Vergärung zuckethal'iger Erieugnisie des Pflanzenreiches ist e« nunmehr gelungen, auf rein ouorganiichcm Wege den nicht nur als Genußmittel, sondern in noch viel höherem Grade als Rohstoff iür die Industrie wichtigen Alkohol in wirticha'tlicher Weise herzustellen. Das Karbid wird auS einem Gemisch von gebranntem Kalk und Kohle (Koks oder Anthrazit) in der Hitze des elekirischen Ofens eiickmolzen. Aus dem Kaibid entwickelt man ourck Eiiiwelsen in Wasser auf be- laliiite Weise Azetylen und leitet dies GaS durch angeiäueiics Waffer. welches Ouecksilberialze entbäli. Dann vei binden flch Wasser lEW)) und Azetylen iCaH.) zu Azelylaldehy?(C.JIjO). welchem man ichließlich die z»m Alkohol(OzHzOi rehlende» Waiseiswffalorne anlaneit. indem man reinen Dampf mit Wasserstoff über Nickel leitet. Wünscht man dagegen Enigiäure(CjE�O,) ,u bekommen, einen für die chemische Industrie höchst wichligeii Robstoff, io leitet man den Azetylal- debyd mit Lusiiauelstoff gemilcht über das Nickel. Wie Schweizer Zerlungen im vergangenen Herbst meld eleu, wird gegen wältig be> Visp im Wallis, wo große Wasserkrärie billigen elelirffchen Strom für die Karbidöien lieiern, von den Lonzawerken eine gewallige Anlage erbaut, welche bis zu hundert Millionen Kilogiamm Alkohol im Jahre liefern und den ganzen Bedarf der Schweiz decke» soll Die winschastlichen Folgen dieser Umwälzung sind nicht abzusehen." Nicht nur die wirischafilichen. auch die finanziellen Wirkiiiigen find nicht abzureben. Spiritus>oll eine ergiebige Steuer- guelle nach dem Kriege sein, ergiebiger als schon jetzt. Es ist di Befürchtung nicht ganz von der Hand zu weilen, daß die Agrarier versuchen werden, die Entwicklung der anorganiichen Alkoholgewinnung zugunsten der organischen— etwa durch ein Monopol— z u verhindern. Ein solcher Versuch wäre für die chemische Industrie Deutschlands umso gesährlicher, als die schweizerischen Lomzaloerke die Gewinnung an- organischen Alkohols im größten Umsang aufnehmen. Kröstige Förderung der Elektrizitätswirtschaft in Oesterreich. Bei Einbringung der Elektrizitätsvorlage.im Abgeordneten- hause beklagte der Arbeitenminister Hvman die bisherige Rück- ftändigkeit Oesterreichs auf diesem Gebiete, die vor allem in der unzulänglichen Ausnützung der Wasserkräfte, in der Systemlosig- keit der Elektrizitätswirtschaft, sowie im Ueberwiegen der kleinen Betriebe gsgenüber den Großbetrieben liege. Durch eine cnt- sprechende Ausnützung der Wasserkräfte würde soviel Kohle erspart, daß Oesterreich nicht mehr aus dem Deutschen Reiche Kohle ein- führen müßte, sondern imstande wäre, Kohle nach Deutsch- land auszuführen. Der Leitgedanke des neuen Gesetzes sei die möglichste Förderung der Elektrizitätswirtschaft, die Beseitigung der Hemmnisse und die gleichzeitige Sicherstellung der gesamtstaat- lichen, gemeinwirtschaftlichen Bedürfnisse. In der Besprechung der Einzelbestimmungen der Vorlage erörterte der Minister die Ein- führung der Konzessionspslichi und der staatlichen finanziellen Bei- hilse durch Teilnahme d«S Staates au der Kanitalveschaffung, Lei- stung von Garantievorschüssen, sowie Vorsorge für eine rationelle Kapitalbeschaffung. Neu sei die Gewinnbeteiligung des Staates die nur gegenüber solchen Unternehmungen eintraten werde, welche besonders staatliche Begünstigungen genießen. Eine deutsche Stadtanleihe in der Schweiz. Die Bank für Handel und Industrie, Filiale München, übernahm, laut«Münch. Neueste Nachr.", 10 Millionen Mark öproz. Münchener Stadt- aulcihe zur aussckstießlichen Begebung im neutralen Ausland. Die Anleihe ist zehnjährig, lautet aus Mark und ist in Mark rückzahlbar, so daß ein Valutaverlust ausgeschlossen ist. Der Ausgabekurs be- trägt 99 Proz., die Bankierprovision IM Proz. Gerickltszelttmg. Wegen versuchten Raubmordes hatte gestern der Jugend- gerichlshos des Landgerichts ll gegen den lljährigen Schneider- lehrling Bernhard Werner aus Zleukölln zu verhandeln.— Wie seinerzeit mitgeteilt, hatte der jugendliche Angeklagte Anfang August v. I. in Neukölln ein schweres Verbrechen begangen, welches ihn beinahe zum Mörder seiner Tante, der Hauseigentümerin Roster, gemacht hätte. Der Angeschuldigte war in schlechte Ge- sellschaft geraten und hatte trotz seiner Jugend schon verschiedene «Bräute". Um das zu diesem lockeren Lebenswandel nötige Geld sich zu verschaffen, reiste in ihm der furchtbare Plan, seine Tante, von der er wußte, daß sie am Monatsansang die eingegangenen Mieten im Hause hatte, zu ermorden und sich in den Besitz des Geldes zu setzen Mit der harmlosesten Miene erschien W. in den ersten Augusttagen bei der in der Woichselstraß« wohnhaften Frau N. und unterhielt sich längere Zeit mit ihr. Als sie sich bückte, zog er den schon bercitgehaltenen Schuhmacherhammer hervor und versetzte der Frau mehrere wuchtige Schläge auf den Kops. Die Verletzte hatte zu ihrem Glück noch die Kwm, laute Hilferufe auszustoßen. Diese retteten ihr das Leben, denn der Angeklagte ließ sofort von ihr ab und ergnft die Flucht. Seine Verhaftung sr- folgte jedoch schon am nächsten Tage.— Vor dem Jugendgerichts- hos sollte W. nun- gestern sein Verbrechen büßen. Hierzu kam es sedocb nicht da nach Einsetzung de-r außerordenillchcn Kriegs- genchte bei Moitd, Raub und anderen Kavilalverbrechen nur noch diese und nickt mehr die ordentljcken Gerickte zuständig find. Dos Gericht beschloß, die Sache den Kriegsgerichten zu überweisen. Eingegangene vruristen. ZSeaweiser durch die Kriegsverordnnnge» für Gastwirts-, Hotel» und Kafierhausbetlicb« Grotz-Berlins. 8 M. Berlag Albert NaulZ, Ber in. Der RrchtegmuMav drr Gleichmäßigkeit, von Dr. Fritz tzautz- mann. 5 M. W. Moser Buchhandlung. Serlm. sliinn vor der Hochzeit. Von Heimann Horn. 8,50 M. Egon Flellchcl u. Co.. Bern». Die ll-Boots-Tasel. Von Ingenieur Erich Jachmann. 1 M. Ber« lag Boll«. Pickardt, Bit! n. Die wichtigsten Arten der völkerrechtlichen Schiedsgerichts- Verträge. Von Dr. jnr. Karl Struvp.— Aufgaben künstiger Völker. rechtöwissenschast. Von Dr. Theodor Riemcyer. 1,50 R. Verlag Tuncker u. Humbloi, München und Leipzig. Mit verhängten Zügeln. Bon iL O. Weber. A. H. Müller, Halle a. S Tie elsaß-lothringilchen Kriegsgeiseln. Von Rich. LUIchgY, Stroßbulger Druckerei und Verlagsamtult. Straßburg i. Eis. Tie litauische Frage. Von A. Smetona. Verlag: DaS neue Litauen Berlin. Handarbeilen io Schule und Haus. Von Emilie Benz. 4.50 R. Flämische Licdridichtung alter und neuer Zeit. Von Heimich Brühl. M. 4.80. VoNsvcreinc-Verlag&>. m 6. H. M.'Gladbach. Verantwortlich für Politik: Erich Kultner, Beilin; für den übrigen Teil de Blattes: Alfred Scholz, Nenköll»; für Anzeigen:' Theodor Glocke, Berlar Verlag: Vorwäris-Berlag G. m. b H., Berlin. Druck: Vorwärts-Buch- druckerei und VerlagSanitall Paul Singer u. Co in Berlin, Lindenstraße 3. Hier«» l Briloae und Nntrrhalninnsdlott. OasReuefie aus dem Gebiete von Damenkleidung finden Sie bei uns stets früh- zeitig und in erschSpfendsr Auswahl. Schon eine Äeflchs iigung unserer zahlreichen, in- iereffanteu Schaufenster wird Sie davon überzeugen. Konigste. 55 tta Xitafef acuu�tni»« Shouffeesir. 113 9tk» encmaa villM 6owtfa$» atüMsSm! Nr. AS ♦ AS. Jahrgang Seilage des vorwärts Vonnerstag, 7. Februar? H?S Der Prozeß gegen Walöows zweierlei Maß. Bor dem Bezirkscnlssdmtz in Potsdam fand Mittwoch der erste Neuköllner Prozeß statt. Aus der Verhandlung er- gab sich folgende Vorgeschichte: Nach Veröffentlichung der bekann- ten Denkschrift durch den„Vorwärts" wandte sich das Kriegs- wucheramt an dem Magistrat Neukölln mit der Aitic, ihm Material geger. die übrigen Grotz-Bsrlincr Gemeinden zu geben. Auch sollte der Magistrat feine Beamten von der Schweigepflicht in einem Ber- fahren gegen die übrigen Groß-Berliner Gemeinden entbinde«;«S bandle sich nicht um ein Vorgehen gegen den Neuköllner Magistrat. Der Neuköllner Magistrar beschloß darauf, feinen Beamten die Genehmigung zur Zeugenaussage nicht zo erteilen. Nunmehr wurde das Verfahren gegen Neuköllner Magistratsmitglieder ein- geleitet, und Herr v. Waldow vcranlatzte den RegierungsprSsi- dentcu, den Anspruch zu erheben, seinerseits de» Neuköllner Be- amten die Genehmigung zur Zeugenaussage zu erteilen. Ober* bürger mcistcr Kaiser von Neukölln sab sich insolgedessen gezwungen, den betreffenden Magi stratsbe- fchluß zu beanstanden, woraus der Magistrat von Neu- fälln seine« eigenen Oberbürgermeister auf Aufhebung der Be- onstandnng verNagte. Diese Klage wurde in erster Instanz vor dem Bezirksausschuß in Potsdam verhandelt. Der Magistrat Neu- kölln war durch seinen Syndikus Stadtrat Lindner, der beklagte Oberbürgermeister Kaiser durch Rechtsanwalt Fabian aus WV- ruersdors vertreten. Stadtrat L i n d n e r erörterte in einem längerem Vortrage die gesamte schwierige Rechtslage, die Grund- zügs der Städteordnung von 1808 und der revidierten Städte- ordnung von 1831. In dieser war ein klarer Unterschied gemacht zwischen dem Mogistrat als Stadt bchörde und Staats- dehörde. Nur als letztere ist er der Regierung unterworfen, als Stäotbehörde dagegen ist er die einzige Obrigkeit der Stadtge- miernde, wie die Srädteardnung von 1831 ausdrücklich hervorhebt, ein Standpunkt, dem sich die vom 1353 durchaus anschließt. Stadt- rat Lmdner führte zum Söhlutz aus, daß. es auch der Logik widersprechen würde, wenn man der Obrrgkeit einer Selbst- Verwaltung ein« andere Behörde vorsetzt. Zum Begvifs der Selbstvertoaltung gehöre es, unabhängig ohne Vorgesetzte dazu- stehen. Der Bezirksausschuß erkannte auf KlageabwcisuNg, da nach§ AI der Instruktion für die Staötmagistrate aus dem Jahre 1835 der Oberbürgermeister der Vorgesetzte der städtischen Beamten sei. Es könne dahingestellt bleiben, führt« der Vor- sitzende, ReFie-rungsptäsidonit v. Massenbach, aus, oh diese Bestim- mung rnsosern rechtsgültig war, daß tatsächlich der Obexbürger- meister als vorgesetzte Dienstbehörde anzusehen sei. Jedenfalls ginge aus der Bestimmung hervor, daß keinesfalls der Magistrat die vorgesetzte Dienstbehörde sei. Gegen dieses Ur- teil des Bezirksausschusies steht dem Neuköllner Magistrat die Be- rufung an das Obcrverwaltungsgericht zu. Wie wir hören, ist die Recht Zgültigkeit des§ 20 der Ministerialinstruktion von 1835 sehr bestritten. .* ?toben dem eigenartigen Kamps um die Selbstvertoaltung interessiert uns vor allem die Stellungnahme des Staatssekretärs V. Waldow gegenüber Höchstpreisüberschreitung. Wir hatten schon vor einiger Zeit einen Bericht gebracht, wonach in einer S tzung der Reichsstelle für Gemüse und Obst mit dem Berliner Lebens- mitteldezernemen mitgeteilt wurde, daß die Gemeinden bis zu einem bestimmten Zeitpunkt die Höchstpreise über- schretrem durften, aber dann von einem noch von der Reichsstelle festzusetzenden Termin damit aufhören müßten. Auf diese unsere Darstellung erhielten wir dann eine Erklärung vom Kricgser- nährangsamt, wonach em« solche Haltung den Gemeinden nicht ge st a t t e t worden sei. Herr v. Waldow hat im Gegenteil in der Oesfentlichkeit dann werter zum Ausdruck gebracht, daß alle Höchstpreisüber» schreitungen rücksichtslos verfolgt werden würden. und nach einer uns zugehenden Mitteilung sollte sogar gegen den Berliner Polizeipräsidenten wegen Ucberschrcitung der Butter Höchstpreis« vorgegangen werden. In einem eigenartigen Kontrast.steht nun ein Be- richt, der uns von durchaus glaubwürdiger Seite über eine Sitzung'des Kriegsernährungsamtes zugeht. Da- nach hat bald noch Veröffentlichung der Neuköllner Denkschrift in den Räumen des Amtes unter dem Vorsitz v. Waldows ein« streng vertrauliche Sitzung stattgefunden, an der außer den Leitern des Kriegswucheramts, der staatlichen Verteilungsstellen auch die Großindustriellen teilgenommen haben. welche in größerem Maße Lebensmittel für ihre Arbeiter beschaffen. Einleitend ging der Staats- sekretär auf die Neuköllner Denkschrift ein und auf Schäden, die' den: jetzigen Ernährungssystcm durch die Aufrcch erhaltung des �Schleichhandels entstehen würden. Zur Beseitigung des Hebels erklärte er, daß der Schleichhandel aufhören müsse und von den Unternehmern verlangte er, daß sie sich nicht mehr des Schleichhandels bedienten. Alle inzwischen schon wieder getätigten Abschlüsse sollte jede Firma in einer Liste zusammenstellen und dem Amt übermitteln. Wegen der in dieser Liste aufgenommenen Abschlüsse würde weiter nichts geschchen, neue Ab- fchlüjse dürften nicht mehr vollzogen werden. Das Kriegs- ernährungsamt würde selbst die für die Zukunft benötigten Lebensmittel beschassen und den Unternehmern zuweisen. Der Vorsitzende de» Kriegswucheramtes äußerte sich noch entgegenkommender den Unternehmern gegenüber, indem er aus- ■rührte, er glaube sogar so weit gehen zu können, daß auch in den Fällen, wo von den Behörden bereits ein Ermittlungsverfahren be- obsichtigt fei, weitere Schritte unterbleiben würden. Im Verlauf der Debatte wurde sodann von einem rheinischen Unternehmer das durchaus treffende Wort geprägt:„Das einzige, was geklappt habe, sei eben der Schleichhandel gewesen." Soweit das Resümee deS uns übermittelten Berichtes. Er- freulich daran ist nur, darin find wir mit Herrn v. Waldow durch- aus einverstanden, daß zur Besserung der begangenen Sünden nicht der Staarsanwal: in Anspruch genommen werden soll. Wir würden uns noch mehr freuen, wenn sich auch Herr v. Waldow unserer Erkenntnis anschließen würde, es komme lediglich aus eine schär- sere Erfassung der noch vorhandenen Borräte an. Donderbar berührt allerdings, daß die den Unternehmern zugebilligte Toleranz den Gemeinden gegenüber ver» sagt. Und dabei haben sich die Unternehmer doppelt st ras- bar gemacht. Sie haben zunächst durch ihre wilden Einkäufe d i e Preise ungeheuer in die Höhe getrieben und alle Waren schon beim Einkauf über den Höchstpreis bezahlt, sodann habe» st« si�> aber nochmals strafbar gemacht, daß sie auch regel» mäßig die Waren über de» Höchppvu« an hie B«hm»chee gegeben haben. Man kann deshalb die großen Sünder nicht laufen lassen und die kleinen hängen, sondern uurn wird schon beide Kategorien, da es sowieso zu viel sind, laufen lassen müssen. Vorläufig scheint diese Absicht allerdings noch nicht zu bestehen. GroßSerlrn Tie Neugestaltung Grost-Berlins. Der Siadtiyndikus bon Berlin-Licbtenberg, Stadlrat Dr. Maretzky, veröffentlicht in den„Deutschen Stimmen" einen Auf- fatz über die kommunale Neugestaltung Grotz-Berlins. Er tritt nachdrücklich für die Selbständigkeir und Selbstverwaltung der Groß-Berliner Vororte ein und bekämpft eine Eingemcindlmg der Vorone, weil sie die gemeindliche Selbstverwaltung der Einzelgememde zerstöre, ohne einen vollgültigen Ersatz an deren Sielle zu setzen. Denn der Verwaltungsausbau einer Bicrmillwnensladt, wie sie Berlin nach der Eingemeindung der Bor- orte etwa sein würde, auf der Grundlage einer Stadtverordneren- Versammlung von 100 bis 150 Mitgliedern will der Verfasser nicht als kommunale Selbstverwaltung anerkennen, weil dieses Stadl- Parlament nicht mehr in lebendiger Fühlung mit den einzelnen Kreisen der Bürgerschaft und rhren Bedürfnrsien bleiben könne. Und dies sei das unbedingte Erfordernis jeder örtlichen Verwaltung, die Selbstverwaltung sei, d. h. von den eigenen Bürgern verwaltet werden wolle. Dazu komme, daß die Auslösung der selbständigen Vorort- gemeinden dem kommunalen Groß-Berlin die Mitarbeit von vielen Hundert sachkundigen Männern nehmen würde, die jetzt in den Gemeindekörperichalten der Vorortgemernden säßen. Buch sei zu bedenken, daß die Gemeindeverwaltung einer Riesenstadt wie Groß- Berlin eine ungeheure Anbänlung von Behörden, öffentlichen Be- trieben und Anstalten darstellen würde und daß sich sehr bald die Notwendigkeit einer Auseinanderlegung der Verwaltung heraus- stellen müßte. Diele würde dann künstlich geschaffen und an Stelle der jetzt vorhandenen, geschichtlich geworden treten muffen. Wenn der Vertaffec aus der einen Seile die Eingemeindung nach Berlin bekämpir, so tritt er doch anderseits für eine weil- gehende Zusammenfaffung und Vereinbeitlichung der Groß-Berliner Verwaltung ein, einmal, werl er zugibt, daß gewisie Ausgaben nur einheitlich für Groß-Berlin zweckmäßig gelöst werden können, zum andern, weil er die Ungleichheit in der Sieuerkralt der östlichen und westliche» Gemeinden ausgleichen will. Zur Erreichung dieleS letzten Zieles vergingt er. daß insbesondere die Sckul-. Armen- und KrankenbauSlgsten und die Potizeikosten aus den Verband Groß-Berlin übernommen werden, aber auch die Waffel sörderung will er dem Verbände Groß-Berlin übertragen wissen, weil es nicht angängig sei, daß bei dem beschränkten Waffer« Vorrat, der in Groß-Berlin vorbanden sei, emzelne Gemeinden, die sich»iliällig im Besitz von wafferbaliigem Gelände befänden, die Wasser bestände emseilig für sich in Beschlag nähmen. Tie Bersasiung des Verbandes Groß-Berlin will Dr. Maretzky dahin ändern, daß die Verbandsveriaiirmlung ouS u n m» r t e l- baren Wahlen der Burgersckast bervorgeben solle. Dadurch soll erreicht werden, daß in der BerbarrdSverlammlunq nicht dir Orts- interesien der Emzelgemeinden. sondern daS Geiamtwohl Groß- Berlins in den Vordergrund trete. Dagegen soll der Verbandsaus- schuß, so wie bisher, parnkularistisch zusammengesetzt sein und seine Stellung noch dadurch gestärkt werden, daß er nicht bloß aus- führendes Organ wie jetzt, bleibt, sondern nach Art der Magistrate neben der VerbandSveriammlung beschließende Körperschaft wird. Kindersegen und Wohnungsuche. Für Familien, die reich an Kindern, aber- an Geld arm sind, ist jetzt die Wohnungsuche eine schwere Aufgabe. Bei den Kleinwohnungen, mit denen solche Familien sich begnügen müssen, hat in. Lause deS Krieges sich ein Mißverhältnis von Angebot und Nachfrage herausgebildet, das für die Mieter immer ungünstiger geworden ist. Da diese Wohnungen jetzt knapp sind, so können die Hauswirte es sich noch länger als sonst überlegen, ob sie Familien hineinnehmen sollen, die bei geringem Einkommen eine große Kinderschar mitbringen würden. Eine in Berlin-Ost wohnende Leserin unseres Blattes, die mit fiinf Kindern gesegnet worden ist, schildert uns. was sie im Januar bei der Wohnungsuche erlebt hat. Im Vichhofviertel mußte sie von verschiedenen Hauseigen tümcrn und Hausveiwaltcrn oder deren Gattinnen sich abweisen lasien. weil sie angab, daß die Familie aus dem Ehepaar und fünf Kindern besteht. Sie wurde hinauskoniplinientiert mit Antworten, idie:„Mit sünf Kindern nehme ich Sie nicht!" oder:„Für sieben Personen vermiete ich die Wohnung nicht!" oder:„Nein, dann ist die Wohnung zu klein I" Gewiß, für sieben Personen wäre die Wohnung aus nur zwei Zimmern und Küche, die das Ehepaar haben wollte, wirklich„zu klein". Aber in Berlin und Vororten müssen Hunderttausende so menschen- unwürdig wohnen, weil minderbemittelte Familien die hohen Mieten für größere Wohnungen nicht erschwingen können. Ten Hauseigentümern, bei denen die wohnungsuchcnde Ar- beitersrau wegen ihres Kindersegens abgewiesen wurde, ist es schwerlich darum zu tun. der vielköpfigen Familie ihrAnrechtauscinemenschenwürdigeWohnung nicht schmälern zu lassen. Zutreffender dürfte die Vermutung sein, daß sie von dem Geschäft, eine solche Fa- milie hineinzunehmcn, sich keinen Vorteil versprechen. In Zeiten des Wohnungsmaugels können die Wirte es sich leisten, wählerisch zu s�in,— und für manche Familie wird dann der Segen einer großen Kinderschar zum Fluch. Nimmt die Knappheit der Kleinwohnungen noch zu. so stehen der minderbemittelten Bevölkerung schwere Tage bevor. Man schreit nach einer planvollen Bevöl'kerungs- Politik, die darauf abzielt, die Geburten zu mehren. Um das zu erreichen, bedarf e§ auch einer von sozialem Geist erfüllten Wohnungspolitik, die den kinderreichen Familien den notwendigen Schutz gewährt._ Tie Gefährdung der aufsichtslose» Kinder. Der Groß-Berliner KriegSaus schuß zum Schutz aufsichtsloser Kinder hatre am Dienstag die Vertreter der auf dieiem Arbeitsgebiet läiiaen Vereinigungen zu einer Besprechung eingeladen. Angekündigt war ein B o r t r a g über„Die zunehmende Erwcrbsaibeit der Frauen im Kriege und das daraus entstehende Problem der Rinder- und Jugendfürsorge". Ter Vor sitzende Stadt- rat Tasicnbach leitle mit. daß dieies wichtige Stück der Tages- ordnung bat anssallen muffen. Die Versammelten konnten daher nur den Bericht über die Tätigkeit des Ausschuffes entgegennehmen. den Sasienbach erstattete. Der seit dem Winter 1916' 17 bestehende KriegSauSichuß will Vereine durch Geld und Rat unterstützen, um ihnen die Vermehrung und Verbesserung ihrer Krippen. Kindergärten, Kinderhorte usw. zu ermöglichen. Bisher konnten mit Unterstützung des Susschupes m Groß-Berlin 21 neue Anstalten dieser Art eröffnet und 24 schon bestehende erweitert werde«, doch ist hiermu dem durch die Erschwerungen der Kriegszeit sehr gesteigerten Be- dürfnis noch lange nicht genügt. Für diele den Vereinen gewährte Hilfe mußte der Ausschuß im ganzen 115500 M. aufwenden. Die Mittel erhielt er zum geringen Teil aus Beiträgen von Rüstungsbetrieben. die er im ersten Jahr darum anging, zum größten Teil aus Zu- schüsien von Stadtverwaltungenen Weite sich die Engländer bei- diesem LiebeSwerke gegen das Völkerrecht ver- geben. Der Transport der schwerlranken Gefangenen, die sich teilweise nur an Krücken fortbewegen konnten, erfolgte auf einem Viehdampier; aber nicht etwa in den Ställen, wofür mancher dieser Unglücklichen wohl noch dankbar ge- Wesen wäre, sondern in einem von Schmutz starrenden Räume, noch unter den Ställen im letzlen Stockwerk des Schiffes. Dort mufften die Krüppel in verpesteter Luft die Nacht, wie Bieh zusammengepsercht, auf Bänken zubringen, die nicht einmal Lehnen hatten! Am Morgen erhielrcn sie Kaffee und mufften dann den ganzen Tag über hungern; Teller. Messer und Gabeln zu verab- retcken. daran dachten die aui alle äuffere Kultur so sehr bedachten Engländer nicht. Den Tee mufften sich die beklagenswerten Ge- fangenen mit leeren.Kon'ervenbiichien aus Pierdeftippeu schöpfen. Den Pferch tief unter der Wasserlinie dursten auch die nicbl verlassen, die von der Seekrankheit befallen waren. Die Reise dauerte über 82 Stunden. Ueber 32 Stunden setzten die Engländer arme invalide Gefangene einem Transport unter dicscir unwürdigen Berhäliniffen aus. Datz bei einem Schiffbruch rmrer solchen Umständen nicht eftrei; der Aermsten mit dem Leben davon- gekommen wäre, das machte dem unmenschlichen Feind keinerlei Sorge. Weil derartige Maffnahmen eine Roheit und Niedertracht be- künden, die wir unseren Kriegsgefangenen gegenüber nichi dulden, bat die deutsche Regierung bei der engl, scheu Regierung sofvrc energischen Prolest eingelegt. «.»etrerauSKchten für das mittlere Rorddeutichlan» bis Freitag mittag. Zeitweile heiter, jedoch überwiegend bewSltt, int Binnen- lande meist geringe, an der Mite etwas stärkere Niederschläge, ostwärts forrichreilend« Erwärmung. Deuttchc? ffletaHamiter- Verband, Verwaltungsstelle Berlin. Den Mitgliedern zur Nachricht. daß unser Kollege, der Dreher Wilhelm Heckmann Kiesholzftr. 7 am 2. Februar gestorben ist, Die Beerdigung sinoel am Freitag, den 8. Fe- bruar, nachmittags Z Uhr, von der Leichenhalle des Treptower Gemeinde-Fried- Hofes in Baumlchulenweg, Kiesholzsttase, aus statt. Ten Mitgliedern ferner zur Nachricht, daß unser Kollege, Maschincnarbcitcr Tbeodar Zahlmann BStlgerstr. 5 am 4. Februar gestorben ist. Die Beeidigung findet am Freitag. den 8. Februar, nachmittags 3 Uhr, von der Leichenhalle deS neuen PaulS-KirchhofeS in Plötzen. see, Dohnagestell. auS statt. Rege Beteiligung wird erwartet.__ Nachrufe. Den Mitgliedern ferner cur Nachricht, daß unsere Kollegin, die Arbeiterin Anna 8lshl am 23. Januar gestorben ist. Den Mitgliedern semer zur Nachricht, daß unser Kollege, der Dreher Huhsli Wenks vrunnenftr. 13 am 20. Januar gsstorben ist De» Mitgliedern ferner zur Nachricht, daß unser Kollege, der Gürtler faul ZchNs Neukölln,«eiseftr. 23 am 20. Januar geftorbe» ist. Den Mitgliedern serner zur Nachricht, daß unser idollege, der Schmied Emst Schmied Neukölln, JuliuSstr. 15 am 29, Januar gestorben ist. Den Mitgliedern ferner zur Stachncht, daß unser Kolleg», der Metallarbeiter faul Skrobek Dieboldstr. 4 N am 30. Januar gestorbeu iff. «hre ihre« Andeuten! 228/15 DI« Ortwerwaltunn. Direktion Max.Reinhardt. Deutische« Theater. 7 Uhr: Hamlet. Kam mernpiele. 7>l, Uhr: Kinder der Freude. VolkHbühne. Theater am Bülowpiatz Untergrundb. Schönh. Tor. 7 Uhr: Faust I. Theater j,- Königgrätzsrstr. 7 Uhr: Die XVildcnte. Komödlenhaus 8 ü.: Die Straße nach Eteinaych BerHner Theater 7-1. Uhr anm 350 Male: U/jU.iDle tolle KomteS. | iiegelmann Trappe Lnftakt Herbert UUhlin«; d. Itjähr. Klaviervirtnoso Orete Flus» Soubrette sorrie der relchhalttgc, nene Februar-Spiel plan. Zirkus �.Se!iutnanu| Bhf. Friedrichsir. Anf. 7-/,. Letzte Saison in Berlin. Omr Nur noch kurze Zeit. Das proße Fsbruar- Hport- Programm, u. a. exotischer Dressur- Akt ßMm. Geschw. Plötz-Larella, akrob. Ii an dtänzTinn en. 10 dressierte Kamele � Araber iila? Sayfi& läavilrn Cfroße Ausst.- ulvAIRU. Pantomime. T!l>-l. T-Jj. Sonnt. 3-/, n. l'/j Gastspiel Startüteln „Lr oder Sr" NeueBerl. Revue- Bilder usw. Trianon«Theater Georgenstr., Bhf. Friedrichs, r. Tel.; Zentrum 4927 und 2381. •■'„S Uhr Der'/,» Uhr Lebensschtiler. Komödie von Ludwig Fulda. Ida Wüst, Erich Kaiser-Titz, v. Mölloridorff, Mart. Kettner. St#. S'/.ll. 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Das grofie neue Februar- Programm und Mondfahrt. KSnlgl. Eisenbahndirektion 33. B 4. Halle(Sanici, den 4 Febr. ISIS. Jahrplanäiidkrung. Von Sonntag, den 10. Februar d. J ab fallen die Schnellzüge D 83 Dresden-EIstrrwerda sab 3«»)—Berlin sau 5«) und D 64 Berlin sab lw)— Eltterwerda- sab 3") Dresden Sonn- und Festtags aus. tdalle(Saale), im Febr. 1318. König! Eisenhahndirektion. Fabrplanänderung. Von Sonntag, den lll. Februar d. 1» fallen die Personenzüge: 806 Berlin sab 1«)-Halle san g°l) �-Bebra und 80? Eiienach- Halle sab l1°ft—Berlin san 4") Sonn- und Festtags zwischen Berlin und Halle ans. Halle< Saale), im Fcbr. 1918. König! Eisenbahndirektion. Die Norddeutsche Voigt-Theater. Sadstr 5£. Eatfstr. 53 Täglich i Marianne, ein BSetb aus dem Bolle. Kaffeneröffn. G1/,, Ansang 7'/, U. DienSlag, den 12. Februar: Benefiz für H.«uftpel: Mein Leopold. { Apollo I j Fnedeichsir. 218. 7a/4 1 Der Flieger von Tstngtan | sowie die verblüffenden j j Variete-Attraktionen, i i Theaterkasse ab 10Ü.| ummterbr, geöffnet, i Admiralspalast 7'/. Uhr: Deutsche Tttnse von Schobert. Abrakadabra. Relcbsiialten-Theater. Allabendl ich 71/. und Sonnlag nachmittag 3 Uhr Stettiner Sänger, „Wein Welh- nacht atranra". Nachmittags ermäßigte Preise! Berliner Konzertbaus Mauerstraße 82. Zimmers traße 90/91. Heute: Großes Konzert des Berliner KonzertbauB-Orcheater«, Beiter; Komponist Franz von Blon. Anfang Vj, Uhr. Eintritt 30 Pf. Anfang 7ff, Uhr. Morgen, den 8. Februar: CiroQea Konnert der Gruppe Osten de« OroB-Berllner Sängerbünde«. Beitong: Qruppen-Chormeister Paul Hüekel. Casino-Theater Lothringer Str. 37. TägL*1,6 U. Wieder ein attueller Schlager. Wirklicher Humor! Ar. Ersoiz! Hamfterfritze. BerL Posse in 3 Autz.— Dazu «ock, 2 Ewos, Carry Hartwell. Stg. 4 U.: Schipp, schipp, hurra! Haaransfall, Sch!:ppendi!dung.Jl«tleiz,Bari. stechte, Haultcsmetit. Gründlich. Speziatbehdl. 0r. phll. Herzfeld, Charlottenburg, Kantftr.34(Sa- vignypwtz), tgl. id-1. Sonnt. 9-11. Gevossellschllst vergrößett ihre Pflanzungen zum Frühjahr aui das Doppelte, und nimmt jetzt weitere Mit- glleder als stille Teilnehmtr mit Anteilen zu 100 M.. zu 800 931., zu 300 M. und bis zu 1000 M. aus. Mi»" Kriegsanleihe wird zum vollen Nennwert in Zahlung genommen. m Gemüse SJ; JlrrtriliinjsWfn an die Mitglieder billig nbge- geben, bei völliger Ausschaltung es Groß- und Kiein-Zwilchen- Handels. Der GewinnBherschuB wird als Dividende an die Mitglieder»erteilt. Gegenwärtig liegt noch Weist, kohl in der Verteilungsstelle ptttrsbllrgkr Str. 4a. Solange der Vorrat reicht, er- halten auch die neu beitretenden Mitglieder ein viertel Ze tner Weißkohl. Die alten Mitglieder sind mit Winterkohi reichlich versorgt worden. Aufnahme neuer Mitglieder findet statt im Laden Petersburger Str. 4a: Montags, Mittwochs, Freitags 9—12 und 4— 7, außerdem Sonntag 11—1. Ferner im Laden Kosten, Hagener Str. 4: Dienstag« Donncr-tagS, Sonnabends 10— 4 und Sonntag 8—10. Ferner läglich im Berwak- tungsbureau: Burgstraste Nr. 27 III. Zimmer 76 (gegenüber Zirkus Busch), von 10—7._ 17/8»' Allgemeine Ortskrankenkafse für Mit'ÄWeM Bekanntmachung An Stelle des verstorbenen 2. Borfitzenden der unterzeichneten Kalle, Herrn Karl Hempel, wurde der Arbeitnehmervertreter Herr Panl Köllcner Neukölln. Emser Straße 26, und an Stelle des verstorbenen 1. Dorsttzenden, Herrn Kaus- mann Poker! Tudlien, wurde der Arbeitgebervertreter Herr Kaufmann Brn»t lirlegler Berlin-remvelhof. Friedrich-Franz-�traße 15, gewählt. 300/8 Der Borfiand d. Allgemeine» Ortstranken- fasse für Berltu-Dempelhof. gez. Ernst Kriegler, 1. Boi sitzender. Spezialarzt Dr. med. IVochenfaB, Frledrlchst 125(Oranienb T.), fürSyphilis.Harn-u Frauenleiden Ehriich-Hata Kur(Dauer 10T.), Blutuntersuch. Sohnelle, sichere sehmerzl. Heilung ohne Berufs- Störung. Teilzahlung. 252/12" gprechstund.: 11— 1 u. 6—8. Mastputen, besonders fette. 21472* Fette Masthudner, Zelle kmirnheii>. empfiehtt besonders preiswert ütiMill AsSie. Planuser 21, am Halleschen Tor. � f. Raueli Invalldenstr 1 64, Frledrlchstrl t. la iamaika-Rum-Verschn. FL 27 la Cognac-Verschnitt.. PI. 27 Feinst. Obstschaumwein Fl 5.50 Lukretia Damen-Likör V.FL 8 76 Milder Cherry-Srandy%FL 6.95 KraftigerzuckergesQSter Halb und Halh-Lik«r V.FL 11.80 Rotweine, Znckerdoslrto feinste Schaumweine. Spezialarzt Dr. med. Cotemann f.Geschlechlskrankh., Haut-, Harn-, Frauenleiden, nar*8s. Schwache, Beinkranke.• Ehrlich- Hata- Kuren (Dauer 12Tage). Behandl. schnrfl, sicher u.schmerz- los obne Berufsstömug in Or. Momeyer Ä Co. konz.Labor. f.Biutunters., Fäden im Harn usw. Fito'(fislr.8l,#«gÄ gegenüber i Bathaus. 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Ein Beitrag zur deutschen Soldatensprache. Von Dr. I. S t a n j e k. Der Name des zarten, durch das herrliche Blau seiner Blüten ausgezeichneten Blümleins Vergißmeinnicht, das uns so oft schon auf der blumigen Wiese oder am Rande deS murmelnden Baches entzückt hat und das unsere Dichter und Sänger so überaus häufig als das Sinnbild herzlicher Liebe und treuer Anhänglichkeit ge- feiert haben, muß in der schweizerischen Armee dazu herhalten, um ein sehr wichtiges militärische» Ausrüstungsstück zu bezeichnen, den — T o r n i st e r. Sine ähnliche scherzhafte, ja noch derbere Neber- tragung hat sich der Name des blauen Blümleins in unserer Volks- spräche gefallen lassen müssen. Blaue Flecke im Geficht, die jemand bei einer Prügelei davongetragen hat, werden ebenfalls„Vergiß- meinnicht" genannt, weil sie einen blauen Denkzettel an den GÄer darstelln sollen,„Sonst sollste mit Verjißmeinmcht handeln", lautet eine oft gehöric Drohung in der Sprache des richtigen Berliner?, in der deutlich genug der Hinweis auf die blauen Flecke zu erkennen ist. Offenbar rührt die humorvolle Bezeichnung des Tornisters in der schweizerischen Soldatensprache als Vergißmeinnicht ebenfalls von blauen Flecken her, die er in vollbepacktem Zustande oft genug auf dem Rücken seines Trägers hervorruft. $11 der deutschen Soldatensprache Gell! seit jeher die Bezeich- nung„Asse" die beliebteste Benennung für den Tornister dar. Auch hier liegt ein hübscher humorvoller Vergleich vor: man denkt an den Affen, der dem Gaukler auf dem Rücken oder auf der Schul- ter hockt. Louis Schneider spricht in dem von ihm begründeten „Soldatenhort" diesem Affen des Soldaten einen besonders„hinter- rücksschen Charakter" zu,„weil er die Leute hinter ihrem Rücken" schikaniert. Aus dem Feldzuge 1870/71 wird uns die Redensart „den ollen Affen verkaufen" in der Bedeutung von„den Tornister ablegen" überliefert. Vergleich« aus der Tierwelt sind ja bekannt- lich im militärischen Leben besonders häufig. Aehnliche zoologische Benennungen, wie sie noch heute auf den Exerzierplätzen umher- schwirren— man denke nur an die unzahligen Rhinozerosse, Hammel und Kamele in der Lieblingssprache der Unteroffiziere—, waren schon. den altrömischen Legionssoldaten geläufig. Bekannt sind auch die Maulesel des Marius, wie der Humor der römischen Krieger die von dem Feldherr» Marius zum bequemeren Tragen und Ablegen des Gepäcks eingeführten Gestelle benannt hat. Bei den Landsknechten hieß der Harnisch Krebs, und wie häufig be- gegnen uns zoologische Namen in der heutigen feldgrauen Sprache! Da gibt es Küchenhengste und Küchenmokbe, Laubfrösche und Wasserratten(die erste Bezeichnung tragen die Jäger, die zweite die Angehörigen der Marine). Feldkaninchcn nennt man die Feld- artillerie, Maulwürfe die Pioniere, Karbolmäuschen die stets hilf?- bereiten Schwestern vom Roten Kreuz, Gefechtsesel heißt das Pferd des 5kompagnieführers allgemein, Himmelsziege, wenn es dem weiblichen Geschlecht angehört, Dienstmops wird das Dienstpferd genannt usw. Der Tornister der Jäger hat die offizielle Bezeichnung „Dachs"; zu den Bezügen der Jägertorister wurden früher aus- schließlich Dachs fell« verwandt. Da die Zunahme der Dachs« in Deutschland mit der der militärischen Jäger nicht gleichen Schritt gehalten hat, so gelangt jetzt bei der Herstellung dieser Art von Tornistern vielfach Dachsfellcrsatz, sei es in Fellen oder aber in fellähnlichen Ersatzstoffen, zur Verwendung, ivas aber den tveitercu Gebrauch der amtlichen Bezeichnung„Dachs" für diese Art von Tornister nicht hindert. Hier also hat ein Tiername sogar die Be- deutung einer offiziellen Bezeichnung für einen militärischen Aus- rüstungsgegenswnd erhalten. Außer dieser Benennung und der humoristischen Bezeichnung „Affe" gibt es aber noch eine groß« Anzahl weiterer Kosenamen für den Tornister, die alle von der reichen schöpferischen Kraft der Soldatensprache und zumeist von ihrem unverwüstlichen Witz und Humor ein beredtes Zeugnis ablegen. Aus der Fülle dieser Namen seien die folgenden angeführt: Kasten, Rheumatismuskasten, Kam- mode. Universalkommode, BundeSlade, Spind, Glasschrank, hol- zerner Ofen, Musterkoffcr, Verdrußkoffer, Rückenwärmer, Lager- schuppen, Schwindsuchtskommode. In Bayern sind besonders die Bezeichnungen Fell, Kaibel und Muckel im Schwange, die schweize- rische Soldatensprache kennt außer der zu Eingang dieses Artikels behandelten hübschen Bennenung„Vergißmeinnicht" noch die nicht minder eigenartigen Bezeichnungen der Alt, der Fründ, Reise- nezessärlei, Schweißkasten, Oergeli, Druckli, Kathri und Liebsti. Di« meisten dieser Namen erklären sich von selbst; der bei schlesischen Truppen verbreitete Ausdruck hölzerner Ofeg deutet darauf hin, daß dieser Ofen seinem Träger trotz der fehlenden Feuerungsanlage gehörig einheizt; man kann sich bann bei plötzlicher Abkühlung den Rheumatismus holen oder sich die Schwindsucht an den Hgls jagen, daher die Bezeichnungen Rheumatismuskasten und Schwindsuchts- kommod«. Der Name Spinb ist verwandt mit dem niederländischen Wort spinde, daS„Speiseschrank" bedeutet und mit den Wörtern unserer Sprache spenoen und Speise auf denselben Ursprung zu- rückgeht. In einem Spinde in der Kaserne bewahrt ja der Soldat auch sein Kommißbrot und die übrigen ihm etwa zur Verfügung stehenden Speisen auf; den hauptsächlichsten Raum im Soldaten- spinde beanspruchen aber nicht die Speisen, sondern die übrigen Kommiß- und.,EigentumS"-Sachen. Auch im niederdeutschen Sprachgebrauch bezeichnet das Wort„Spind" von Hause aus einen Speiseschrank, wie dies beispielsweise der. schöne Vers zeigt:„Ber- schwinde, verschwinde, wie die Wurst im Spinde!" Es ist also eigentlich eine Vorspiegelung falscher Tatsachen, wenn der Sol- dalenschraiik in der Kaserne die offizielle Bezeichnung„Spind" führt. Wenn der Soldat im Felde diesen Namen auf den Tornister übertragen hat, so erhebt dieses Feldspind noch weniger Anspruch darauf, ein Speiseschrank zu sein, auch wenn es die sogenannte eiserne Portion enthält oder wenigstens enthalten soll. Die bayerische Bezeichnung„Kaibel" bedeutet soviel wie Kälb- chen; ungegerbte Kalbfelle wurden früher fast ausschließlich zum Bezüge der Tornister verwandt; später hat man bei dem sich unge- heyer steigenden Bedarf an Tornistern zu Ersatzmitteln greifen müssen. Von den zur Bespannung der Trommeln verwandten ge- ? erbten Kalbfellen ist die letzte Bezeichnung auch auf die Trommel ekbst übertragen worden. Der Name„Muckel" ist die liebevolle ironische Uebertragung eines in Bayern häufig gebrauchten Kose- namens auf den gewiß nicht oft mit zärtlichen Empfindungen getragenen Tornister. Oberschlesische Soldaten nennen ihren Tornister auch Ke ister; sie ahnen nicht, daß sie hier einen Ausdruck gebrauchen, där dem griechischen Ursprungsworte Uifferer Bezeichnung Tornister am nächsten steht. Denn das Wort Tornister ist aus dem griechischen Worte kanistron abzuleiten.das mit seiner Nebenform Kanastron von Kann«(Rohr) herstammt und soviel wie einen aus Rohr ge- ftochtenen Tragekorb bezeichnet. In solch« aus Rohr geflochtenen Körbe verpackten die Spanier einst den Tabak, den sie aus ihren amerikanischen Kolonien nach Europa sandten, und von dem spani- scheu Worte canast, das heut« im allgemeinen einen Warenkorb be- zeichnet, erhielt bei uns der Rauchtabak den Namen Knastertabak. Die Form kanistron wurde in die byzantinisch« Militärsprache aufgenommen und nahm in dieser die Nebensorni tanistron an. Die letzte Form ging als militärischer Ausdruck aus dem btMntini- scheu Griechischen die südslawischen Sprachen über und von einem der slawischen Völker ubernahmen wir die T a n i st r a als wichtiges militärisches Ausrüstungsstück unter Umwandlung des Wortes in To r n i st e r. Aus der ursprünglichen griechischen Form kanistron aber entwickelte sich die siaunschc Bezeichnung kaistra für eine auf dem Rücken zu tragende Schultasche, die uns auch heute noch in dem in Oderschlesien gesprochenen sog. Wasserpolnisch begegnet und das dann in der Form Kaister in die Sprache der deutsch sprechen- den Oberschlefi«: aufgenommen worden fft. Die Worte unserer Sprache haben gar oft ganz merkwürdige Geschicke erlebt. Am meisten aber muß es sicherlich unsere Feld- grauen überraschen, daß die beiden Worte Knaster und Tornister, die in ihrem Leben heut« eine besondere Rolle spielen, und die in den Bedeutungen voneinander grundverschieden sind, ihren Ur- sprung von einem und demselben griechischen Worte herleiten. ,Z>fo Verlobung bei der Laterne". Erstaufführung im Deutschen Opernhaus. Die Leitung des Deutschen Opernhauses läßt sich mit Recht die Pflege Offenbachs angelegen sein. Neben seinen Meister- Operetten und Opern sind dort dem Berliner Publikum auch bereits verschollene Einakter-Singspiele vermittelt worden. Sie stammen. wenn man so sagen kann, aus der ersten Schaffensperiode Offen- Vachs, als«s für ihn. den kleinen Ttzeatsrdirettor galt, sich nicht bloß final, ziell über Waffer zu halten, iondern die Pariser an seine Art zu gewöbuen und, was die Hauptsache war, sie für burlesk- satirisch gehaltene, abendfüllende Operetten aus seiner Feder empfänglich zu machen. Nun sind ja jene Singspiele zumeist ziem- lich barmlose Kleinigkeiten, mehr kann man auch die ländliche„Per- lobung bei der Laterne" nicht nennen. Aber Offenbach, der Musiker, interessiert darin schon im hohen Grade; ja sein«, niez mals und von keinem späteren Komponisten mehr erreichte Eigenart offenbart sich schon hier, sowohl in den Orchesterstücken, als in den wenigen GeiangSmelodien und Couplets. Das Trinklied, die Zank- und Prügels, ene der beiden heiratslustigen, gegeneinander eifer- süchtigen Landschönen, endlich das Quartett sind reizende Köstlichkeiten des Offenbachschen Humors. Die Aufführung beweist die Kurzweiligkeit diese« kaum eine Stunde in Anspruch nehmende» Werkchens auch noch beute. Man hätte ja wohl manche» parodistischer herausarbeiten können. Bei- spielsweise gleich die beiden Weibien: als feiste„Nudel" die eine. als magere Hopfenstange dt« andere, wie st« uns noch von der Aufführung unter Gregor In der Komischen Oper vor ungefähr zwölf Jahren im Gedächtnis hasten. Indessen find die Damen F l e i f ch e r- W o l f als jungfesche Witwen auch nicht übel. Dazu gibt Harry Eteier den Peter mit erfrischendem Humor und Lotte Ste-tn asfistiert annehmbar als naives Muhmchen. ok. «in SerUuer Mnachtsscherz in alte« Zelt. Ecke Liesenstraße und Chausseestraße existierte noch bis bor etwa vierqia Jahren ein großer Wirtshaus garten,— jetzt stehen große Geschäftshäuser dort,-.Bei LicsenS", von welchem Per- anügungsloknl die erstgenannte Straße ihren Namen erhalten hat. Hier fanden viele Volksbälle statt, auch sogar im Sommer, denn mitten in, Garten Ivar ein sogenannter Pariser Tanzplatz, eine be- tonierte Fläche, auf der im Freien getanzt wurde. Muten durch diesen Garten floß die Panke. die noch übrigens an jener Stelle in der Chausseestraße sichtbar ist. Hier soll sich nun einmal Ende der zwanziger Jahre em elser- süchtiger Friseurgebilfc. als er seine Liebste mit einem Andern auf den Fastnachtsball � bei Liesen? gehen sah, in die Panke gestürzt haben So behauptete natürlich nur der FastnachtSscherz und wahrscheinlich lediglich zu dem Zweck, um den Satz„Er stürzte sich bei Liesens in die Panke" in drolliger Weise verdrehen zu können, und zwar in folgender Weise: „Er lieste sich bei PankenS in die Stürze.' „Er lankte sich bei Pürzen« in die Stiese.' „Er pankte sich bei Stürzen« in die Liese.' „Er stürzte sich bei Stiesen« in die Lank.' „Er stirste sich bei LankenS in die Pürz«.'. So ging es weiter. Diese Verdrehungen grassierten Jahre lang i bielleicht waren sie vom Besitzer des Vergnügung« lolalS in Berkehr gebracht worden als Reklan,-mittel. Harmlose« Berlin von anno Dazumal, da« an solchen Scherzen sein Vergnügen fand. katholische SibliothekstStigkeit. Ein in ihrer Rührigkeit vorbildliche Organisation ist der „Verein vom heil. Karl Borromäus' in Bonn, die BibliothekS- organisation der Katholiken. Nach dem Jahresbericht für 1916 hat er noch dem starken Rückgang im Jahre 1915 wieder 20 175 neue Mit- glieder gewonnen und damit einen Mitgliederstand von L48 849 erreicht;'dagegen ist die Zahl der Vereine um 46 auf 4449 zurück- gegangen. In den Bezirken Trier, Münster, Paderborn und Köln sind 2.2 bis 2,1 Pro,, der katholischen Bevölkerung im Berein. JnS- geiamt verteilte er 482 412(i. V. 401 493) Bücher. Die berichtenden 3243 Bereine(73 Proz.) hatten einen Bü-berbestand von L 179 282 Bänden, darunter ivaren 194 546 neue Bücher. Ausgeliehen wurden 9149 650 Bände<1,2 Millionen mehr als im Vorjahre). Von den OrtSvereinen wurden rniS eigenem 127 000 M. für die Bibliotheken aufgewendet. An der Zentrale wurde ein literarischer und technischer Kursus abgehalten, der von 200 Personen besucht war. In den Bereiuen sind u. a. 292 Konferenzen abgebalten worden. Wie der BorromäuSverein in die Breite wirkt, darüber noch folgende Zahlen: In den letzten 8 Jahren haben die berichtenden Bibliotheken nahezu 37 Millionen Bücher ausgeliehen! Zur Ber- sorgung der Soldaten mit Lesestoff wurden bis 31. Dezember 1917 nickt weniger al« 8 Millionen Bücher und Hefte versandt, darunter 1 354 314 Bü»er! Monatlich verlassen 190900 Bücher und Hefte die Sammelstelle! Die Größe der Zahlen darf allerding« nicht darüber hrnweg- täu'chen, daß man diesen Aufwand nickt als einwandfreie Volt«- bildungsarbeit bücken kann. Alles ist auf konfessionelle Beeinflussung angelegt, die an Zielsicherheit aber alles hinter sich läßt, was von anderer Seite auf dem Gebiete des Vibliotdeköwesens geschaffen worden ist. Die Arbeiterbibliotbelen stehen organisatorisch jeden- falls nock weit dahinter zurück, während ihre Bildungsarbeit unver- gleichlich höher zu bewerten ist. Notizen. — Borträge. Im Deutschen Monistenbmrd spricht Freitag 8V« Uhr im Pschorr-Haus, Tauentzienstr. 13/1 Dr. O. Stillich übir: da« Probien» der Entwicklung und des Fort- schritt«.— Pros. Rassow au« Leipzig spricht am Freitag in der Reihe der Gclehrten-Borträg« über„die deutsche Chemie im Kriege" in der Urania. — K u n st ch r o n t k. Die Zeitschrift„Die Aktion' deranstakiet vom 6. bis 20. Februar Kaiierallee 222 eine Ausstellung von Werken de« Münchener Malers Heinrich Strohmryer. — Ein Deutsche« Erfindung Sinstitut. Eine ge- meinnützige Orgaiitiation der Ersinderiatigkeit in Deutschland ist da» Ziel einer Gesellschaft, die in Gieße» begründet wurde. Sie ging aus Anregungen der in Frankfurt erscheinenden bekannten Wochenschrift„Umschau" hervor. 20] Töchter der hekuba. Ein Roman aus unserer Zeit von Clara Biedig. „Ach Gott. Fräulein Hieselhahn!' Das kleine Gesicht der Frau erschien heute noch kleiner.„Gretchen ist nicht da." „Hat sie noch Dienst?" „Dienst? Sie ist doch gar nicht mehr auf dem Amt. Wissen Sie daS denn nicht?" Die Mutter war sehr er- staunt. „Ich habe sie lange nicht gesehen." „Und ha sagt sie doch immer, sie ginge zu �hncn. Gott nee, Fräulein Hieselhahn",— die Frau fing plötzlich an zu weinen:„ich weiß gar nicht, was das mit Gretchen ist. Sie ist zu nervös. Bald sagt sie so, bald sagt sie s o. Sie war 'ne Weile beurlaubt, jetzt haben sie sie aber ganz entlassen. Der Dienst ist auch zu schwer..Mutter', sagt sie. ,du glaubst gar nicht, was alles zusammentelephoniert wird. Und dabei hat man doch auch seine eigenen Gedanken.' Ich bin froh, daß sie den Beruf aufgegeben hat. So schwer es auch für mich ist; ich muß nun für alles alleine aufkommen." „Sie wird sich ja bald verheiraten," tröstete Gertrud. »Meinen Sie?" Die verängstigten Augen der Mutter wurden noch verängstigter. »WaS hört sie denn von ihrem Bräuttgam? Geht es ihm gut? Kommt er nicht bald her?" »Fräulein Hieselhahn," die Frau trat ganz dicht an sie heran und flüsterte,„das ist es ja gerade! Bald sagt sie: ,Er kommt übermorgen,' und lacht und freut sich wie toll— bald sagt sie:.Er ist verwundet," und hat sich wer weiß wie. Und dann sagt sie wieder: ,Er kommt nie l' und weint sich halbtot. Fräulein, �ich sage Ahnen, man kann verrückt drüber tverden. Das war ja noch nicht mal so schlimm, als mein armer Mann damals so lange krank lag an Wassersucht und dann stark als wie ich es jetzt mit Gretchen habe. Denken Sie bloß, fällt sie doch neulich einem Feldgrauen um den Hals, der hier im Laden steht und sich Zigarren kauft. Sic hat einen Aufschrei dabei ge- tan, der gellt mir noch in den Ohren. Der Mann hat sich eins gelacht:.Man»ich so stürmisch',—'» war eiu ver- heirateter Mann, gar nich mehr jung. Sie hat ihn � nur von hinten gesehen, die Feldgrauen sehen sich ja alle gleich. Aber dann hat sie sich eingeschlossen. Vergebens habe ich an der Tür gebettelt:.Mach doch mal auf!' Ich hatte richttge Angst. Und dabei muß man doch hier im Laden stehn und freundlich fein, und kann noch nicht mal sagen warum man falsch zusammenrechnet oder nicht richtig 'rauSgibt. Die Angst sitzt mir noch in den Knochen, ich werd' sie gar nicht mehr los. Wenn bloß der Krieg bald ein Ende hätte!" „Ich muß jetzt gehen." sagte Gertrud beklommen. „Ach bleiben Sie doch noch'n bißchen," bat die Frau, „sie wird ja vielleicht gleich kommen." „Wo ist sie denn hin?" „Das weiß ich nicht, fragen darf ich Fa nicht, dann wird sie böse. Ich mutz sie ganz gewähren lassen. Aber so schlimm wie jetzt war'S noch nie: immer an ihn schreiben, nichts als an ihn schreiben und Paketchen schicken. Sie glauben gar nicht, was sie alles schickt: Kuchen. Schoko- lade, Pral'inees, Cholcratropfen. Pfefferminz. Wurst, Strümpfe. Sie spart sich's vom Munde ab, wir haben's ja auch nicht dazu." Die Frau rang die Hände:„Fräulein, ich weiß nicht, mir ist es so bange!" Bange war es auch Gertrud Hieselhahn. Wenn man Gretchen doch nur beeinflussen könnte, daß sie ruhiger würde! Noch dachte Gertrud darüber nach, als sie sich plötzlich von zwei Armen stürmisch umschlungen fühlte, ihr Schritt wurde gehemmt.„Trude!" Da war ja Gretchen! Heiße Küsse brannten aus ihrem Mund. „Fein, daß ich dich treffe! Ich bin so glücklich, so glück- lich. Trudchen. nun kommt er bald, nun machen wir Hoch- zeit! Heut war ich bei Hertzög, Hab' mir weiße Seide zum Kleid gekauft. Schön bin ich ja nicht, das weiß ich. aber dann werde ich schön sein. Trudchen. Trudchen!" Immer wieder umarmte sie die Freundin; ihre Augen glitzerten im Halbdunkel der trüben Straßenbeleuchtung. »Hat er denn geschrieben, wann er kommt?" „Noch nicht genau. Aber weißt du—" Margarete Diettich hing sich schwer an den Arm der andern und ging mit ihr weiter—„heute nach Tisch hatte ich. mich'n bißchen hingelegt, ich war eingenickt, da trat er ins Zimmer. Er kam iu mir ans Bett. Er beugte sich über mich und gab mir'n !uß— o, Gertrud!" Sie holte ttef Luft, ihre Arme zitterten, eS lief ein Schauer über ihre ganze Gestalt.»Und er sagte: .Halt dich bereit— ich komme!' Da bin ich gleich auf- gestanden, Hab mich fertig gemacht und bin nach Berlin zu Hertzog gefahren. Einen Myrtenkranz habe ich mir auch gleich besorgt. Willst du mal sehen, Trudchen?" Sie wollte eine Rolle und ein Kästchen, da? sie trug, aufmachen. „Nein, nein, jetzt nicht!' Gertrud wehrte hastig ab, das Mädchen war ihr unheimlich.„Geh nach HauS, Gretchen, deine Mutter ängstigt sich um dich." Die Dietrich schüttelte ungeduldig den Kopf.„Laß sie warten! Ich Hab ja auch warten müssen. Du"— sie drängte sich dicht an die andere—„willst du dir nicht doch den Ltranz ansehen und daS Kleid? Sie sind so schön. Komm, da unter die Laterne!" Gertrud riß sich los.„Geh nach HauS, ich muß auch nach Haus!" Sie rannte davon, sie hörte nicht mehr, was die andere ihr drein schrie. Von unbestimmtem Grauen durch- rieselt, lief sich schnell. O Gott, der Krieg, der Krieg— die war ja ganz verstört! Scheu � sah sie sich um: hörte deun nicht auch sie heute abend überall Gefüistcr? Unterdrücktes Lachen, ein Geräusch wie vom Küssen? In der Dunkelheit schlichen die Pärchen. Sie hatten der frostigen Luft nicht acht und nicht des Schmutzes der Straße. Die Kriogsbräute hingen ihren Soldaten am Halse. Seit Anfang Winters war Militär her verlegt, die Einsam- keit de? Vororts Ivar wie gemacht zu Licbcständeln. Wer ging � denn hier sonst noch über die abendlich verödete Straße?! Niemand störte den Soldaten und sein Mädchen. Manch einer, der zu Hause schon eine Braut sitzen hatte, fing jetzt noch einmal aufs neue an. Der Krieg drängt zum Leben. Je grausiger draußen das Grausen, desto zärtlicher drinnen die Zärtlichkeit. Und man mußte die Zeit, die noch blieb, ausnutzen. In den dunklon Alleen standen sie— wenn die Bäume auch jetzt entlaubt waren, die breiten Stämme gaben doch Schutz.— In die Türnischen der Villen drückten sie sich. hinter den Gittern der Gärten verbargen sie sich. Es war kalt, und doch ging es wie ein Odem der Erbitzung durch die Winternacht, ein Wind der Aufregung peitschte die kahlen Aeste und die Seelen der Menschen. Gertrud war jetzt draußen auf der Chaussee, von den Feldern wehte es, schnob sie an, als sei sie nackt und bloß, und zerrte an ihrem Leide.(Forts, folgt.) Winiei*stplimpfe (2. D. Jf.(8. M. u. Wort-Schutz) können Sie sich selbst SevfteHett aus alten Flickeit, Lappen und Resten. liloli, So«? Xtitit«. bequem an- und auszuziehen imch dem System 180/18* „Uckosirumpftfc Schnittnmstcrboqen für alle Größen(grauen-, jtinoer- und Männerstrümpse) erhältlich V. Fr. Hal>», Landsberger Straße 60/63. V. X. Wolff, Pros kauer Str. 33. R. � Max Boeldjcte, Chaussee- straße 67. W. A. iDochow, Asenacher Str. 84. <£. Falckeu-Neuciidorf. Speyerer Str. 3. d«. Jahre Garantie, www bei Benellung v. Gebissen gratis. Zähne ohne HatvKNi Oanrigsr StraSo 1 Gaumenvl.«.«UlilpniAla uallaui, Ecke Schönb.Allee. Zahnziehen m. Betäubung, Goldtronen v. 20 M. an. Spez.: yiw OCu�S-n�i sviXX*, 0t«»«*«* ♦>»»«»- Lotterie für deutsche Soldatenkinder Ziehung 16. Februar 1918 3667 Gewinne im Gesamtw. 100000 50000 10000 Los 3.00. 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