Ar. 44. 35. Jahrg. Bezugspreis: r.itrt-qavr>.<ö0Ml. monaajjxm. fzti in«©aus, SorauSjabttat.ttinjelnc Jhunnwrn 10 Pj-, Postbezug: Wonat- UdJ 1�0 Ml. Unier Kreuzband für Deutschland und Oesterreich- Ungarn 3,— Ml. für da« Übrig« Ausland 4,80 Ml. monatlich. Lersand in« Feld bei direller Bestellung manatl 1,60 SRI. Boslbestellnngcn nehmen an Düne- marl, Holland, Luxemburg, Schweden und die Schweiz. Singetragen in dt« post-ZeitungS-LreiSIist«. Erscheint täglich. Telegramm- Adreffe .Cojialdemokrat Psg.. Volitische u. gewerlschaftNche Vereins- Anzeigen 40 Pfg. die Zeile. Anzeigen für die nächste Nummer müssen bis I» Uhr nachmitt. im Haudtgeschäft, Berlin®33.68, Lindenstratze 8, abgegeben werden. Geöffnet bon s Uhr früh bi« 7 Uhr abend«, Zcntvulorqun der rozialdcmokrätifchen Partei Deutfcblands. Neüaktion: EW. tS, Linüenstraße 3. Farnivrecher: Sl«t Moritzplatz, Rr. litt SU— 151 97. Mittwoch, den 18. Februar 1918. Expedition: EW. öS» Linöenstraße 3. Fernsprecher:«mt Moritzplatz, Str. 151 90—161 97. Milton an Uzernin und Bertling. Zu frlcdensbcfprechungcn fofort bereit. Die neueste Rede des Präsidenten der nordcunerikanischen Republik führt uns auf den Ausgangspunkt aScr Kriegs- beträchtung zurück, auf die große Streitfrage: Friedens- zwang oder Friedens Verständigung? Wir haben es soeben erlebt, daß das militärisch völlig zusammengebrochene Rußland sich zwar zur Beendigung des Kriegszustandes, nicht aber zuin Abschluß eines Friedensvertrages zwingen läßt, den es für annexionistisch erklärt. Wir baben schon oft, aber stets ohne Erfolg an dieser Stelle an die Anhänger eines Zwangsfriedens die Frage gerichtet, wie sie sich die Erzwin- gung eines Friedens mit Amerika denken. Herr Wilson sagt, daß der Transport amerikanischer Truppen an die West- front beschleunigt werden soll, und wir zweifeln nickt daran. daß auch ihr Anprall auf unüberwindlichen Widerstand stoßen wird. Aber wir können, so oft wir wollen, amerika- nische Heere auf europäischen: Boden schlagen: zum Frieden zwingen können wir Amerika damit nicht. Das können wir ebensowenig, wie Amerika Deutschland zum Frieden zwingen kann. Immer wieder erinnert man sich an ein Wort, das Wilson, als er noch mit Teutschland im Frieden lebte, gesprochen hat und das, wie kein zweites von ihm. Widerhall, in Deutschland fand:„W e. n n ra a n. c-i n a n b c* nicht überwältigen kann, muß man sich miteinander verständigen." Was' kann die veiw Wilson-Botschast zu dieser Perstän- digung beitragen? Sie ist zweifellos in der' Form fiöchst friedlich und gemäßigt gehalten, läßt aber noch die Mög- lichkeit offen, daß der Krieg mit aller Kraft fortzu- sehen sei. Wie so viele Reden der Staatsmänner ist sie Friedensinstrument und Kriegsmittel zugleich. Als Kriegs- mittel sucht sie zwischen Oesterreich und Deutschland einen Keil zu treiben und die Gegensätze in Teutschland selbst zu vertiefen. Man kann darauf mit Einigkeitserklärungen ant- warten, aber man darf dabei doch nicht übersehen, daß Unter- schiede zwischen der deutschen und der österreichischen Politik sowie Gegensätze in Deutschland tatsächlich bestehen. Hinter der Einheit der militärischen Front steht also nicht die gleiche Einheit der politischen Front. Sie besteht nur so weit, als es sich um die Verteidigung handelt, darüber hinaus scheiden sich die Geister. An der Rede des Grafen Hertling vom 24. Januar ist auch in der deutschen -Presse Kritik geübt worden und auch ihr ist der Unter- schied zwischen der Tonart Hertlings und jener Czernins auf- gefallen. Andererseits ist nicht denkbar, daß Graf Czernin seine Erklärung, in der er eine gemeinsame ö st e r- reichisch-amerikanische Friedensvermitte- l u n g anbietet, in gewolltem und bewußtem Gegensatz zur deutschen Reichsregierung abgegeben hat. viel eher ist anzu- 5, nehmen, daß er im Einverständnis mit ihr handelte. Zwischen � der deutschen Regierung, die Wilson so unfreundlich be- handelt, und der österreichischen, von der er so freundlich spricht, besteht doch unleugbar eine enge Verbindung. So wenig Oesterreich bloß ein Satrap des deutschen Willens ist, so wenig kann Deutschland Oesterreichs Friedensbestrebungen völlig fernstehen. Vorverhandlungen zwischen Oesterreich und Amerika können den allgemeinen Frieden zwischen dem Vier- bund und der Entente einleiten. Vielleicht würden solche Vorverhandlungen dazu führen. den schärfsten Gegensatz zwischen Hertling und Wilson zu beseitigen, der darin besteht, daß Hertling mit den einzelnen Gegnern über die Fragen, die sie betreffen, einzeln verlmn- dein will, während Wilson eine Gesamtneureglung aller Der- Hältnisse durch eine allgemeine Friedenskonferenz anstrebt. Wir können nicht oft genug wiederholen, daß einer solchen allgemeinen Konferenz nichts im Wege steht, da das ganze deutsche Volk bereit ist, Ansprüche eines gegnerischen Im- verialismuS' auf deutschen Besitzstand uiit allen Mitteln zurückzuweisen, die Befriedigung annexionistischer Wünsche ober nicht im Willen des deutschen Volkes liegt und eine Verlängerung des Krieges nicht rechtfertigen kann. In der Verteidigung gegen fremden Annerionismus geschlossen, in seiner überwältigenden Mehrheit heimischen Annexionsbe- strebungen widerstrebend, w steht das �deutsche Volk da und harrt ungeduldig einer Regierung, die es dem a l l g e- meinen Frieden entgcgcnführt. . Die vier Prinzipien, die Wilson für den Friedensschluß aufstellt, können in ihrer allgemeinen Fassung auch allge- meine Zustimmung finden. Bei dem Versuch, sie durckzu- führen, werden sich aber sofort die Gegensätze der einander bekämpfenden Imperialismen bemerkbar machen. Jede Partei ist zur Anerkennung der schönsten Grundsätze bereit, aber'jede möchte dabei doch ouch.eincn kleinen oder größeren weltpolitischen Extraprofit herausschlagen. Solche Hintergedanken müssen auf allen Seiten aufgegeben werden, lvenn in absehbarer Zeit der Frieden zustande kommen soll» Wilson sagt:„Ein allgemeiner Friede auf derartiger Basis kann sofort besprochen werden. Aber bis dahin können wir nichts anderes tun, als weiterkämpfen."- Es handelt sich also zunächst uin die Feststellung, ob die deutsche Regierung bereit ist. einen allgemeinen Frieden auf derartiger Grundlage-zu besprechen. Bei dieser Besprechung würde sich dann auch herausstellen, ob Wilson recht hat, tvenn er behauptet, das Hindernis für einen Frieden nach gerechten Grundsätzen, wo- bei„das Bestehende, soweit das ohne allzu große Schwierigkeiten möglich ist, beibehalten werden soll", wirklich nur bei den Alldeutschen und nicht etwa auch bei den Allengländern und den Allfranzosen liegt. Oder vielleicht auch bei den All p o l e n, deren auffälligt Begünstigung durch Wilson nicht außer acht gelasien werden kann! Aber die Schwierigkeiten eines Friedensschlusies werden nie überwunden werden, solange man nicht auf beiden Seiten einsieht, daß man einander nicht überwältigen kann und sich daher miteinander verständigen muß! Und darum muß durch ein entsprechendes Verhalten von deutscher� Seite fest- gestellt werden, ob Wilsons Wort, einet sofortigen FriedcnsbesP rechung stehe nichts im W e g e, nur ein diplomatischer ScHachzug oder wirklich das erlösende Wort für die Menschheit ist. Die deutsche Antwort soll und darf nicht anders lauten als so: l Z u Fried»n sbesprcchungen sind auch wir sofort bereit! Wilsons Reöe an Ken Kongreß. Washington, 11. Februar.(Reuter.) Wilson hielt heute folgende Rede an den Kongreß: Am 8. Januar hatte ich die Ehre, zu Ihnen über die Kriegs- ziele zu sprechen, wie unser Volk sie auffaßt. Der englische P.r« m i e r in i n i ster hat am ö. Januar in ähnlichen Aus- drücken gesprochen. Auf diese Reden antwortete der deutsche Reichskanzler am 24. Januar und Graf Czernin für Oesterreich-Ungarn am gleichen Tage. ES ist erfreulich zu hören. daß unser Wunsch so bald verwirklicht wird, daß nämlich jeder AuS- tausch von Ansichten über diesen großen Gegenstand sich vor den Ohren der ganzen Welt vollziehe. Die Luttöort des Grafen Czernin. die der Hauptsache nach an meine Adresse aus meine Rede vom 8. Januar gerichtet ist, ist in einein sehr freundlichen Tone ge- halten. Er erblickt in zu einer Erklärung eine hinreichend e r mu t i g c.nd e-A nnähe ru ng an die Auffassun- gen seiner eigenen Regierung, um seinen Glauben zu rechtferti- gen, daß sie eine Grundlage für eine eingehendere Besprechung der �jiele durch die beiden Regierungen liefere. Er soll angedeutet haben, daß mir die Ansichten, die er zum Ausdruck brachte, zuvor mitgeteilt worden seien, und daß ich zu der Zeit, da er sie äußerte, über sie unterrichtet gewesen sei. Hierin ist er aber sicherlich miß- verstanden worden. Ich hatte keine Mitteilung von dem, was er zu sagen beabsichtigte, empfangen. ES lag natürlich auch kein Grund vor, weshalb er sich privatim mit mir hätte in Verbindung setzen sollen; ich bin ganz zufrieden, zu seiner öffentlichen Zuhörerschaft zu gehören. Graf Hertlings Antwort ist. ich muß es sagen, sehr unbestimmt und sehr verwirrend. Sie ist voll zlveideutiger Sätze und es ist nicht klar, wohin sie führt. Aber che ist sickierlich in einem von der Antwort deö Grafen Czernin sehr abweichenden Ton« gehalten und äugen- scheinlich mit entgegengesetztem Zwecke. Sie b e st ä t i g t leider eher den Unglückseligen Eindruck, den wir aus den B e- sprechungen in Brest-LitowSk gewonnen haben, als daß sie ihn beseitigte. Seine Erörterung und seine Annahme unserer allgemeinen Grundsätze führt ihn zu keiner greifbaren Folgerung. Er weigert sich, sie aus die wesentlichen Punkte anzuwenden, die den Inhalt jeder endgültigen Abmachung bilden müssen. Er ist mißtrauisch gegenüber einer internationalen Aktion und internationaler Beratung. Er akzeptiert, wie er sagt, den Grundsatz öffentlicher Diplomatie, aber er scheint darauf zu bestehen, daß diese, wenigstens im vorliegenden Falle, auf All- gemeinheiten beschränkt werde, und d.aß die verschiedenen Einzel- flageit über Gebiet und Staatsobcrhoheit, jene Fragen, van deren Lösung die Annahme des Frisdens seitens der 28 jetzt im Krieg befindlichen Staaten abhängt, nicht in allgemeinen B c- ratungen, sondern getrennt von den infolge ihrer Nachbarschaft näch st beteiligten Nationen erörtert und geschlichtet werden. Er stimmt der Freiheit der See zu, aber ist zweifelhaft über irgend eine Beichränkung dieser Freiheit durch internationale im Interesse der Westordnung ge- troifcnc Maßnahmen; er würde mit bedingungsloser Freude die Wirt schaftS schranken ztvischea den einzelnen Ländern v c r- schwinden sehen, weil dies in- keiner Weise den Bestrebungen der Militärpartei, mit der er sich anscheinend bemühi, gute Beziehungen zu unterhalten, hinderlich sein würde. Ebenso wenig erhebt er Einwände gegen eine Beschränkung der Rüstun. e n. Diese Angelegen beii wird sich, wie er glaubt, durch die Wirt- 'astÄaget die dem Krieg folgen wird, von selbst regeln; di: deutschen Kolonien aber, verlangt er, müssen ohne Erörte- rung zurückgestellt werden. Er will mit niemandem als den Ver tretern Rußlands über das, waö mit den Völkern und Ländern der baltischen Länder geschehen soll, bosprechen; mit memandem als der französischen Regierung die„Bedingungen, zu welchen dac französische Gebiet geräumt werden soll, erörtern; lediglich mit Oesterreich will er bcsvrvchen, was mit Polen geschehen solle. Die Lösung aller, die B a I k a n sta at en betressendvn Fragen überweist er, wie ich ihn verstehe, Oesterreich und der Türkei und die Vereinbarungen, die hinsichtlich der n i ch t t ü r k i s ch e n, dem gegenwärtigen o s m a n i s ch e n Weich zugehöriaen Völler getroffen werden müssen, den türkischen Behörden allein. � Nachdem ein Abkommen nach allen Seiten in dieser� Weise durch Einzelverhandlungcn und Zugeständnisse erhielt ist, hätte er, wenn ich seine Erklärung richtig auslege, keine Einwendung gegen eine Liga der Rationen, die«S unternehmen würde, das neue Gleichgewicht der Kräfte gegen die Störungen von außen zu sichern. ES muß für jeden, der erkennt, wie dieser Krieg ibie Meinung und Stimmung der Welt gestaltet hat, offensichtlich sein, daß auf s»lche Weise unmöilich ein allgemeiner Friede, ein Fried-:, der die unendlichen Opfer dieser Jahre tragischer Leiden wert ist, erreicht werden kann. Die Methode, die der Deutsche Reichskanzlei vorschlägt, ist jene des Kongresses von Wien. Wir können und wollen nicht dahin zürückt-hroy. Was aus dem Spiele steht, ist der Weltfrieden, was wir erringen wollen, ist eine neue Böller ordnung, aufgebaut auf den weitsichtigen und allumfassenden Grund fätzcn von Recht und Gerechtigkeit, nicht bloß einen Frieden von Rädtcn und Flicken. ES ist möglich, daß Graf Hertling die« nich! sieht oder nicht versteht. Lebt er mit seinen Gedanfen tatsächliw in einer. verflossenen Welt? Hat er die ReichStagSentschliehung vom 1?. Juli vollkommen vergessen oder übersieht er sie absichtlich? Diese spricht dingungen für einen allgemeinen Frieden, nicht von nahe iichdehniing oder von Vereinbarungen von Staat zu Staai. Dir Weltfrieden hängt von der gerechten Schlichtung jedes d,- von Bcdin naler A U verschiedenen Probleme ab, auf welche ich in meiner kürzliche u Botschaft an den Kongreß hingewiesen habe. Ich meine selbstw.'i ständlich nicht, daß der Weltsrieden von der Annahme irgend eine, bestimmten Gruppe von Vorschlägen über die Art, in welcher diese Probleme gelöst werden sollen, abhängt. Was ich meine, ist lediglich, daß die se Probleme jedes für sich und ine gesamt die ganze Welt angehen und daß, wenn sie nicht im Geiste seibstloser und veeinflußter Gerechtigkeit gelöst werden, im Hinblick auf die Wünsche natürlicher Zusammenge Hörigkeit'' und völkischer Ansprüche sowie auf die Sicherheit und den geistigen Frieden der betroffenen Völker, kein dauernder Friede erreicht werden kann. Diese Probleme können, nicht getrennt und in abgeschiedenen Ecken er örtert werden. Niemand darf davon ausgeschlossen werden. Was immer den Frieden betrifft, betrifft auchedie Menschheit, uns was durch militärische Macht geschlichtet ist, ist, wenn in unrechter Weise geschehen, keineswegs beigelegt. Es müßte alsbald wieder von neuem angefangen werden. Ist sich Graf Hertling nicht bewußt, daß er jetzt vor einem Gerichtshof der ganzen Menschheit spricht, daß alle cnvachten Völker der Welt nun über all das zu Gericht sitzen, lvas jeder Staatsmann, gleich gültig tvelchen Landes, über die Folgen eines Konflikts sagt, der sich nach allen Teilen der Welt ausgebreite! hat? Die Reichs- tag öe n t s ch l i« ß u n g vom Juli hat die Entscheidung eines solchen Gerichtshofs offen angenommen Es soll„... i weder Annexionen noch Entschödigiingen oder straftveisen Schadenersatz geben, es sollen keine Völker durch ein« internationale Konferenz oder eine Vereinbarung zwischen Gegnern von einer StaatSoberhoheit an eine andere ausgeliefert werden, die Völker dürfen nur noch gemäß ihrer eigenen Zuftim- mung beherrscht und regiert werden, D-aZ„SclbstbestimniiiiigS- recht" ist nicht eine bloße Phrase, es ist ein gebieterische! Grundsatz des Handelns, den die Staatsmänner künftig nur auf ihr« eigene Gefahr mißachten werden. Wir können keinen allgemeinen Frieden haben, nur»veil wir ihn. verlangen oder durch einfache Vereinbarungen au�" einer Friedenskonferenz. Er kann nickt aus gctrenn- ten Vereinbarungen zwischen mächtigen Staaten zusammengefügt werden: alle Teilnehmer an diesem Krieg müssen sich zur Schlich- tung jeder Frage, an der sie irgendwo beteiligt sind, zusammen- finden, denn, lvas wir suchen, ist ein Frieden, den wir alle-geinein schaftlich garantieren und aufrechicrhalten können, und jeder ein zelnc Punkt muß dem allgemeinen Urteil unterstellt werden, ob er recht und billig sonne ein Akt der Gerechtigkeit und nicht etwa ein Handel zttnschen Staatshäuptern ist. Die Vereinigten Staaten habcn keinen Wunsch, sich in europäische Angelegenheiten rinzumischm: oder'als Schiedsrichter in europäischen territo rialcu Streitigkeiten zu fungieren. Es ist unt?r ihrer Würde, sich einer inneren Schwäche oder Zerrüttung zu bedienen, um ihren Willen einem anderen Volke aufzuerlegen. Sie werden' cs gerne hinnehmen, wen» man ihnen'verständlich macht, daß di« Lösungen, die sie vorgeschlagen haben, nicht die besten oder den> haftestcn sind. Sic sind lediglich ihre eigene provisorische' Skizze der Grundsätze und der Art, in welcher sie angewendet werden sollen. Tie Vereinigten Staaten sind jedoch in diesen Krieg eingetreten» weil sie, ob gewollt oder nicht, z u Mitbctroffenen in den Leiden und der Ungebühr, die von den militärischen Herren Deutschlands dem F r i e d« n u n b der»S t cß d r ü f i t b d r Menschheit z u g e-- fügt würben, gemacht warben siiib; und bie Friebensbedingungen - twtreffen sie fast el'enso sehr, als wie sie irgendeine andere Nation, der eine führende Nolle in der Aufrechterhaltung der Zivilisation --usällt, betreffen, Tie sehen keinen Weg zu einem Frieden, bis die Ursachen dieses Krieges beseitigt werden und ihre Siederkehr so weit erreichbar, unmöglich gemacht wird. Dieser Krieg hatte seine Wurzeln in der Nichtbeachtung der Rechte der kleinen Nationen und Rassen�, denen die irinigkeit und die Macht hlilte, ihre Ansprüchen-, ihre eigene Stoatszrrgehörigkeit und ihre eigene Form des polNschen Lebens durchzusetzen. Vertragliche Verpflichtungen müssen nun eingegangen werden, die solche Dinge lürrstig unmöglich mache», und diese Verpflichtungen müssen durch die vereinigte Macht aller Nationen, die die Gerechtigkeit liehen unk» willens sind, sie um jeden Preis aufrechtzuerhalten, gestützt werden. Wenn p'ebidtssraee» ini»»ilUitifle Veziiknngen der großen Sittter. die keine org«nisierte Widerstandskraft haben, durch B e r- trage zwischen den uröchtigen Regierungen, die sich für nächst- öeteüigl balien. bestimmt werden solle», wie Hertling vorschlägt, warum nicht euch wirtsMfttiche Fragen? Es ist soweit gekommen, daß in der veränderlichen Welt, in der wir uns befinden, die Ge- l recht igteit und die Rechte»er Volker das ganze Gebiet internatio- der Zutritt zu den N»hm«teri«lic» und zu den billigen gleiche» Handelsbedingungen. Graf Hertling wünscht, daj; die wesenilichen Grundlagen von Handel und Industrie durch gemeiissame Abkommen und Bürg- schaften gesichert»»erden sollen! er kann aber mchi erwarten, daß ihm dies gewährt wird, wenn die anderen Oegeiistiinde, welche im Friedensvertrag zu regeln sind, nicht auf dieselbe Weise, nämlich als Posten in der Endabrechnung behandelt werden. Er kann nicht die Nützlichkeit eines gemeinsamen Uebereinkommens aus dem einen Gebiete verlangen, ohne es auf dein anderen zu gewähren. Fch nehme es als verbürgt an, daß er einsieht, daß gcsonserie und eigennützige Verträge in bezug auf den Handel und die Haupt- sndustriesloffe keine Grundlage für einen Frieden bilden würden, '. üb ebensowenig, dessen mag er sicker sein, würden dies gesonderte eigennützige Verträge in bezug auf Provinzen und Völker tun. Graf. Ezemiu scheint die Grundlagen des Friedens mit klaren Augen anzusehen, und er scheint sie nicht zu verdunkeln._ Er sieht, daß ein unabhängiges Polen, gebildet aus allen unbestreitbar polni- scheu Bevölkerungen, die eine an die andere grenzen, eine� Auge- iegeaiheit von europäischer Wichtigkeit ist und natürlich zugestanden werden muß, ferner, daß Belgien geräumt und wiederhergestellt werden muß, gleichgültig, welche Opfer und Zugeständnisse dies mit sich bringen mag. und ferner, daß nationale Bestrebungen be- friedigt werden müssen, sogar in seinem eigenen Reiche, in gemein- iäincni Interesse Europas und der Menschheit. Wenn er über Fragen schweigt.' die die Interessen und Absichten seiner Verbündeten näher als die Oesterreichs allein berühren, so ist es natürlich nur, weil er sich, wie ich vermute, gezwungen suhlt, unter den Umständen auf Deutschland und die Dürkei zu verweisen. Indem er die wichtigen in Betracht tammenden Prinzipien und die Notwendigkeit, sie offenherzig in die Tat umzusetzen, erkennt und ihnen zustimmt, fühlt er natürlicherweise, oaß Oesterreich auf die Kriegs- ziele, wie sie von den Bereinigten Staaten ausgedrückt ivucden, mit weniger Schloierigkeit, als dies Deutschland möglich ist, eingehen kann. Er würde wahrscheinlich noch weiter gegangen sein, wenn er auf Oesterreichs Bündnis und feine Avhüngigtrit von Tcutschlmid keine Rück- ucht zu nehmen gehabt hätte. Die Untersuchung, ob es den beiden Regierungen möglich sein wird, in diesem Austausch der Ansichten fonzusch reiten, ist einfach und klar. Tie ai-zuwendenden Grundsätze send die folgenden: l. daß jeder Teil einer endgültigen Verein- b a r u n z im wesentlichen ans der Gerechtigkeit in dem bestimmten Felle und aus einem solchen Ausgleich aufgebaut fein«uß,»»» dem e» am wahrscheinlichsten ist, daß er einen Frieden, der daulmu» ist, herbeiführen wird; 2. daß Böller»nd P r»» i n z e>« nicht von einer Staats- oberhohrit in eine andere hcrumgeschoben«erden, als ob es sich lediglich um Gegenstände»der Steine in einem Spiel handelt, wenn auch in dem großdn Spiel des Gleichgewichts der Kräfte, das nun sür alle Zeiten diskreditiert ist; daß jedoch Z. jede Lösung einer Gcbietsfrage, die dnrch diesen Krieg aufgeworfen wurde, im Interesse und z u g» n st e n de» betraffe»an Bevölkerungen und nicht als Teil eines blassen Ausgleiches«der Kampromisses der Ansprüche riva- lisierender Staate» eetroffen werden muß. 4. daß alle klar umschriebenen nationale» Ansprüche die weitgehendste Befriedigung finden sollen, die ihnen zuteil werden kann,»hnr neue aber die Bercwigunz alter Elemente»an Zwist uud Gegnerschaft, die den Frieden Europas und sair.it der ganzen Welt wahrscheinlich bald wieder stören würde», anfjunehmen. Ein allgeal einer Friede auf s- l ch e r W r a n d l a, r errichtet, kann erörtert werden. Bis ein solcher Friede gesichert ist, haben wir keine andere Wahl, als mit dem Krieg fortzufahren. Soweit wir cä«beurteilen können, sind diese Grundsätze, die wir als grundlegend betrachten, schon überall alS zwingend akzeptiert, mißer von den Wortführern der deuifchen Militär- und Anncxisnspartei. Wenn sie anderwärts v« r w or fe n wurden, so sind die Widersprechenden nickt genügend zahlreich oder einflußreich gewesen, um ihre Stimmen vernehmbar werden zu lassen. Es ist ein tragischer Umstand, daß diese eine Partei in Teutschland anscheinend wilens und fähig ist. Millionen Menschen in den Tod zu senden, um etwas zu Verbindern, was alle Welt nun als gerecht ansieht- Ich wäre kein wahrhafter Wortführer des Volkes der Ver-- einigten Staaten, wenn ich nicht nochmals sagen würde, daß i r in diesen K r i? g wegen keines k l e i n« s A n l a s s e s einger treten sind, und daß wir aus dem grundsätzlich einge- sichlagenen Weg niemals umkehren können. Unsere Hilis. Quellen sind jetzt teilweise mobilisiert, uud wir werden nicht ruhen. vis dies nicht in Gänze geschehen ist, unsere Truppen werden rasch zur Front geschickt und die Seudunge-t werden noch beschleunigt werden. U n s« r e g a)>•-? e Kraft wird in diesem Krieg ser Befreiung e> M e s e tz t werden, einer Befreiung von der Bedrohung und vou deA auf Vorherrschaft gerichteten " V r>'.I ch e II 1 e lv st s üchst i g e r Gruppen von a n t o k r a t i- s wen Her r scher», was immer auch die Schwierigkeiten und die gegenwärtigen teilweisen Verzögerungen sein mögen. Wir sind in' unserer Kcast der unabhängigen Tat unvezw in glich und können unter keinen Umständen zustimmen, in einer Welt, die von Ränken und Gewalt regiert wird, zu leben. Wir glauben, daß u n s e r e i g e n e s Verlangen»ach einer neuen W e l 1 0 r b n ti n g. in welcher VernAnft, Gerechtigkeit und das allgemeine Interesse der Mensch- heil regiert, das Verlangen der aufgeklärten Menschen überall ist. Ohne diese treue Weltordnung wird die Welt ohne Frieden sein. Dein menschlichen Leben werden erträgliche Existenz- und Eni- lpicklungSvedingungen fehlen. Nachdem wir einmal unsere Hand an Vi Durchführung dieser Aufgabe gelegt haben, werden wir »licht mehr umkehren. Ich hoffe, daß ich es nicht Nötig habe, hinzuzufügen, daß kein Wart, p«s ich gesagt habe, als Trohunz gemeint ist. Das entspricht nicht der Gesinnung unseres Volkes. Ich habe so gesprochen, nur damit die ganze Welt die wirkliche Lotim. mung AmerikaS kennen lernen möge, daß die Renschen überall wissen sollen, daß unsere Leidenschaft für Gerechtigkeit und Selbst- regimmg nicht lediglich eine Leidenschakt in Worten, sondern eine solche ist, die, wenn einmal in Taten umgesetzt, befriedigt iserden Erkmidungen, Artitleriefeuer nnd Minen- kämpf im Westen— Gefechte am Sasso Rosso. Amtlich. G r 0 ß e s H a u p t q u a r t i e r, 12. Februar 1918.(SB, T. B.k Westlicher Krie.jsschauplatz. Heeresgruppen Kronprinz Rupprccht und Deutscher Kronprinz. An vielen Stellen der Front Artillerietätigkeit. Infanterie- abtcilungrn führten südlich von St. O u e n t i n und avf dem östliche» Maasufer am Cauricres-Waldc erfolgreiche Er- kundungen durch und machte» dabei Gefangene. Heeresgruppe Herzog Albrecht. Zwischen Flireh und der Mosel Artillerie- und Minen- kämpf, der sich heute niorgrn besonders in der Gegend von Rcmeuauoil le verschärfte. Oestlicher Kriegsschauplatz. Die militärische Lage ist an der Front gegen- über den Grostrusscn und Rumänen unvcr- ändert. Italienische Front. Auf der Hochfläche der Sieben Gemeinden tagsüber lebhafter Fenerkampf. Im örtlichen Angriff säuberten österreichisch- ungarische Truppen fciudlichc Stützpunkte am Südhangc dcS Saffo Rosso und nahmen dabei G Offiziere und 170 Mann gefangen._ Bon der mazedonischen Front nichts Neues. Der Erste Gencralquartiermetster. Ludcndorff. Abendbericht. Berlin, 12. Februar 1918, abends. Amtlich. Westlich von der Mosel flaute die Ecfechtstätigckeit «ach dem Scheitern französischer Borstösie am Vormittage wieder ab. Von den anderen Kriegsschauplätzen uichts Neues. Ter österreichische Bericht. Wien, den 12. Februar 1918. Amtlich wird ver« lautbart: Auf der Hochfläche der Sieben Gemeinden und im Gebiete des Monte Asolone lebhafte Artillerictätigkei». Nördlich V a l st a g n a warfen unsere Truppen den Gegner aus feincn Stellunge»; hierbei wurden sechs Offiziere und 170 Mann gefangen eingebracht. Ter Chef des GcnerolstabcS. * Italienischer Heeresbericht vom lt. Februar. Sehr heftiges zusammengefaßtes Artilleriefeucr und Unter« nehmungen der feindlichen Jmaiilerie folgten am gestrigen Tage westlich und östlich des FrenzelataleS auseinander. Vor unseren neuen Stellungeu auf dem V a l Bella und auf dein Col del Rosso wurde die feindliche Nnlernehmuug durch das Feuer unserer Batterien rasch erstickt. Wetter östlich auf den Südabchangen de? S a s s 0 R 0 f f 0 versuchten österreichische Ab- teilungen unter dem Schutze ihrer Artillerie wtederholl einige UeberwachungSgräben zu besetzen, die wir vor unseren Linien geräumt halten. Sie wurden beständig durch unser mörderisches Sperrieuer daran gebindert. muß. Die Macht der Vereinigten Staaten ist für keine Nation und- kein Volk eine Bedrohung. Sie wird niemals zu Angriffszweckcn oder für die Zwecke der Befciedi- gung selbstsüchtiger Fntcressen angewendet werden. Sie entspringt der Freiheit und steht im Dienste der Freiheit. die weitere Entwicklung im Osten Litauens Selbständigkeit. Niemand zweifelt daran, daß die Reife des Grafen Hertling und des Herrn v. Kühl m a n n nach dem Groszeil Hauptattarticr dem Ziele gilt,' fönrndlagen für das >v eitere Vorgehen im Osten zu schaffen. Und zwar lvird, wie wir hören, zunächst die Selbständigkeitserklärung Litauens ins Auge gesafft, die vielleicht schon in der aller- nächsten Zeit erfolgen wird. Bekanntlich hat im September v.£(. in Wilna eine litauische Landeskonfetenz gelagt, die Mitglieder aller Parteien, im ganzen etwa 200 Personen, umfaßte und sich einstimmig für die Selb- ständigkeit Litauens aussprach. Die Konferenz wählte einen LandeSrat, dein unser Parteigenosse Kairis als zweiter Vor- sitzender angehört. Dieser LandeSrat hat sich auf den Standpunkt gestellt, daß die Selbständigkeit Litauens unier.Anlehnung" an Deut'chland anzustreben sei. Diese. Anlehnung" soll in WirlschastS- verträgen aller Art, Post« und Eiienbahnverträgen wie in einer Milttärkonveiition Ausdruck fiuden, die jedoch durch die Klausel eingeschräukl wird, daß litauische Truppen nicht in Kolonial- lriegen vetwender werden dürfen. Die Erklärung des litauischen LandeZratS würde, um einen in Brest-Litowsk viel verwendeten Ausdruck zu gebrauchen, nur prä- sumiive Geltung haben. Ihre dauernde Gültigkeit würde erst durch ein Volksvotum äuf breiter Grundlage, d. h. also durch eine Volks« vertrelung des gleichen Wahlrechts oder durch eine allgemeine Volksabstimmung zu begründen fein. Die.AnlchnungS"-Verträge tvürden selbstverständlich der Zustimmung deS Deutschen Reichstags bedürfen. Die Sozialdemokratie steht auf dem Standpunkt, daß Litguen ö«s v»lle Selbstbestimntungsrecht, einschließlich des Rechts, sich wieder an Rußland anzuschließen, zu gewähren ist. tntd daß seine dauernde Bindung an Deutschland kein Ziel ist, das anzustreben im deutschen Interesse liegt. dringliche Anfrage an Rumänien Ter Bierbund hat, wie das„B. 2." hört, die rumänische Regierung in Jajsh aufgefordert, in Verhandlungen ein- zutreten. Er hat die rumänische Regierung ersucht, bis heute, Mittwoch abend, mitzuteilen, ob sie zu Verhandlungen bereit sei oder wicht. Dieser Meldung wird hinzugefügt, der Aufforderung sei nicht die Form eines Ultimatums gegeben worden, das eine Drohung in sich schließe! Sie ist immerhin ein feltr deutlicher Wink, die Ange» legenheit unverzüglich in Fluß geraten zu lassen. verzweifelte Lage öec bürgerlichen Regierung ßinnlanüs. Kampf gegen die Slktivistcn in Schweden. Stockholm, 12. Februar.(Eigener Drahtbericht des„Vor- wärts".) Trotz fortgesetzter Siegesberichte läßt sich die Tatsache nicht verbergen, daß die Lage der bürgerlichen Finnischen Re- gierung sehr u n g ü n st i g ist.'Mannerheims Emissät: C a st r e n erklärte hier geradezu, daß die Situation der Weißen Garde verzweifelt werde, wenn nicht Waffen und Munition un Nerz ü glich zugeführt werden. Aftonbladet" erklärt, der Bolschewismus solle lieber jetzt auf finnischem Boden niedergeschlagen werden als her» nach ans schwedischem. Tie liberale Presse, beispielsweise„DagenSNyheter*. ermannt sich, dieser Scharnnacherei entgegenzutreten, wober die wachsende Stärke der von den Linkssozialisten or- gatissierten Gegenaktion Einfluß übt, da die Intervention eine schwere innere Krise hervorrufen würde. Die gestrigen Protc st Versammlungen in der Provinz hatten ansehnlichen, teilweise Massenbesuch. stellenweise nahmen die Liberalen an der Protestaktion teil. Die Stockholmer Versammlung, welche infolge Zaalabtrcibung unter freiem Himmel außerhalb der Stadt stattfand, hatte trotz der Ungunst des Wetters 1800 Teilnehmer. „ D a g e n s Nyheter" publiziert einen Artikel, welcher mahnt, von den finnischen Revolutionären nicht als Huli- g a n s zu sprechen, auch wenn Gewalttaten vorgekommen seien. Denn an der Bewegung nehme die sozialistische Partei mit der Parteileitung teil und mit dieser werde die bürger- liche Regierung verhandeln müssen, um Finnland eine stabile Existenz zu verschaffen. „Politiken" berichtet aus Tornea über weißen Terror. Freitag wurden sieben Personen füsi- l i e r t, darunter der Volkskommissär Swietlitschny. welcher den rumänischen Gesandten Diamandi begleitete, und ein am selben Tage aus Schweden ausgewiesener Finne. Diamandi suchte Swietlitschny zu retten, wurde aber mit Verhaftung bedroht. Tic Leiche wurde die ganze Nacht im Schnee liegen gelassen. » Stockholm, lt. Februar. Amtlich wird über den Abbruch deS Telegraphenverkehrs mit Finnland mitgeteilt, daß der durch Kappen des Kabels bei der Niinmung Nystadts durch die Weiße Garde gestörte Verkehr bis Sonntagabend nicht wieder hergestellt iverden kann. Auf baldige Herstellung sei wegen der Schwierigleiten einer neuen Kabellegung bei Wmterwetter, der Mtnengefahr und den Eiöverhältuissen nicht zu rechnen. Die Häufung der Telegramme nach Finnland und Rußland sei so groß.- daß selbst bei schneller Ausbesserung der ordnungsmäßige Dienst Wochen zur Wiederherstellung brauche. Was«, 10. Februar.(Meldung von SvenSka Telegrambhran.) Gestern und heute fanden lebhafte Kämpfe bet Mäntyharm lldlich Sankt Michel statt Stockholm, 10. Februar. Die schwedische Gesandtschast in HelsingforS teilt mit, daß nach einer amtlichen Bekannt« m a ch u n g die Roie Garde als staatliche Institution aufrecht« erhalten werden wird. Gegenrevolutionäre Zeitungen sind vor« übergehend verboten worden. Im Weigerungsfälle sollen die Druckereieü beschlagnahmt werden�. Nach einer weiteren Meldung ist Wiborg in empörendster Weife' von den Russen ausgeplündert worden. Stockholm� 10. Februar.„Aftonbladet" bringt folgendes Tele- gramm ans Lulea: Der AmtSvorstand verlangt Militär, um die Ordnung auf der Pasel SeSkaroe aufrechtzuerhalten, da man eine Invasion der Roten Garde und russischer Soldaten befürchtet.(An- merkung der Redallion: Aus der schwedischen Insel halten sich zahlreiche sinn ländische Arbeiter auf.) Zum Zrieüensvertrag mit öer Ukraine. In dem in unserer Montagsnummcr abgedruckten FHiedenS- itcrirog muß es im Artikel VII., I, c heißen:„Die Verrech- n u n g erfolgt in Gold aus folgender Basis: 1000 deutsche Reichs-- mark in Gold= 462 Karbowarffec Gold der ukrainischen Volks- rcpu�lit= 462 Rubel" usw. Cme regierungsfeinöliche Mehrheit im östereeichisthen �lbgeorönetenhaufe. Tie„Polnischen Nachrichten" melden: DaS Präsidium dcS Polenklnbs, bestehend aus dem Obmann Goey und den Obmannstellvertrerer,, Kendzier, German und Lvsocki, er- schien Seim Ministerpräsidenten Frhrn. von Seidler und teilte ihm mit, daß angesichts der Beröfsentlichung des Frie- densvertrageS mit der ukrainischen Volksrepublik, worin von römisch- katholischer- polnischer Bevölkerung in überwiegender Mehrheit' bewohnte Gebiete von Kongreßpolc» zugunsten der Nkraiue abgetrennt wurden, der ganzen Polenklub sich ge- zwnnge« sehe, sowohl im ReickZrate als auch in der öfter- reichischcn Delegation zur schärsstru Opposition überzugcheu. Die Polen waren bisher erne getreue Gcfolgstrupve der Regierung, ähnlich, wie die Deutschen, mit denen sie sich in die Herrschaft über die anderen Nationen teilten. Im Welt- krieg glaubten sie sich aber der Erfüllung ihres nationalen Ideals, der Vereinigung mit ihren Volksgenossen mindestens in Kongrcßpolcn zu nähern. Run scheint die sogenannte a u st r 0 p 0 l n i s ch e Lösung, wie die Zuweisung des national umstrittenen Gouvernements Cholm an die Ukrainer sehr stark verinuten läßt, aufgegeben. Dazu gesellen sich Beschwerden über Kriegsbcfchwernisse in Galizicn und die Furcht vor einer Zweiteilung des Landes in einen volnischen und ukrainischen Teil. Dadurch, daß die Polen mit Südslawen upd Tschechen zusammen in Opposition gegangen sind, sieht sich die Regie- rung von der Gefahr bedroht, auch für e i n n u r z w e r- monatiges Budgetprovisorium eine Mehr- h e i t kläglich z n s a m m c n k r a tz e n zu müssen. Sie sucht nun einmal die Ukrainer und Südslawen für sich zu ge- Winnen und zum anderen schiebt sie den Parteien die Ver- ontwortung für eine' Sprengung des Parlaments und eine neue unkontrollierte Herrschaft der Bureaukratie zu. Viel- leicht überlegen es sich die Tschechen, Polen und Südflalven doch noch, wieder eine parlamentslose, eine schreckliche" Zeit beraufzubeschwören. Abex auch die Sozialdemokratie. die dos Budget grundsätzlich abzulehnen pflegt, scheint sich in einer etwas schwierigen Lage zu befinden. '*-* * Ilm die schwerwiegende Tatsache zu begreifen, daß die öfter- reichische Regierung mitten im Krieg keine Mehrheit für ein auch nur kurz befristete� Budgetprovisartum erhält, empfiehlt sich viel- leicht die Lektüre des folgenden Berichtes über eine Rede des Kroaten SSuIoiitc nach der Auftnachung der offiziellen Reichs- raiVkorrespondenz: T-cr Redner gibt«ine durch zahl reicht Beispiele belegte Darstellung von Verfolgungen und I u st i f i- zicrungcn, die gegen die Südslawen unternommen worden seien. Staatsbürger wurden als Geiseln verlangt, die für jeden Anschlag gegen Eisenbahnen oder Militärperfouen hasten mutzten. Unter Aniührung von Beispielen schildert der Redner die Behandlung, die eine Anzahl von Geiseln von den militärischen Behörden erfuhr. Auch er sei Geisel gewesen. Am iV. Juki 1914 wurde er verhaftet, mi! dem Bedeuten, er sei mit seinem Leben für das lovale Verhalte« der Voechesen ver- onlwortlich. Er wurde nach Mamula gebracht, wo die Geiseln, als die Festung im August 1914 von der französischen Fleute bombardiert wurde, gefeffelt wurden. Ein Feldwebel mit dem Re- volvcr in drr� Hand drohte, jeden zu töten, der einen Klagclaut von sich gebe. Später sei er nach Wien zu einer Operation geschickt und bei der Musterung für tauglich befunden, bei der Prüfen- tierung aber als zum Landsturindienst untauglich entlasten worden. T r o d d e m sei er dem L a n d st u r m be z i r k s- tommando I vorgeführt worden, bald zur Prüfen- rening und dann zur Konstatierung gekommen, aber noch vor Em lauf des Befundes langte der Bcfebl ein, ib» ohne Rücksicht anf den Befund und auf feine militärische Ausbildung in die Marschkompagnie einzuteilen.(Hört! bort! bei den Südslawen.) Tatt sind ihm die Freiwilligcnabzeichen abgenommen worden. Er erkrankte und sei im Superarbitriernngsweg nur für leichte Dienste als Schreiber für geeignet befunden, jedoch nicht als Schreiber verwendet, sondern nach Komorn in die Abteilung für volitiich Verdächtige gesteckt und für gewöhnliche Feldarbeit ver- wendet worden. Den Befehl des KaiierS, alle Abgeovdneten zur Tagung des Reichsrates zu beurlauben, wollten fene militärischen Borge- •echten als für ihn nicht gültig betrachten, so daß er erst nach Eröffnung des Parlaments entlasten wurde. Die Südilltwen ver- langen, datz dem Volke Gewähr dafür gegeben werde, datz sich Anschläge gegen ihre Eriireyz nicht mehr wiederholen. Sicherheit dafür könne aber nur durch Bildung eines unabhängigen Staates geboten werden. Das stnjd geWitz traurige und aufreizende llebergriffc; aber die Ankläger der österreichischen Verwaltung im Kriege sollten nie ver- gesson, daß die Ratio nali st en aller Nationen die Bureaukratie und das Militär durch die Zerschlagung des Parla- inenis kontrollos und allmächtig gemacht haben. Die Zälschungen öes»Petit Parisien". Stockholm, 12. Februar.(Eig. Drahtbcricht des„Vorwärts".) Das jungsoziakistische Blatt„Politiken" weist an eklatanten Ein- zclheitcn die Fälschung der von„Petit Parisich:" publizierten Dokumente nach, welche die Bestechung russischer Revolutionäre durch Teutschland beweisen sollen. Anläßlich des angeblichen Briefes von«che idemann an Olberg, worin er diesem 1ö0 000 M. avisiert babcn ,'oll. richtete Olberg, der nie Bolschewik war, sondern Jnter- Nationalist ist, eine Zuichriit an„Socialdemokraten". worin er er- klärt, datz er die Bekanntschaft mit Scheidemann für ebensowenig entehrend ansehe, wie die mit irgendwelchem Mitglied einer andern sozialistischen Mchrheitspartei. Ucbrigens erhielt Olberg, der nur während der Revolution 1996 und in den Folgejahren" für den „Vorwärts" korrespondierte, nicht aber i. I. 1917, von Scheide- mann überhaupt niemals einen Brief. Die Seinefö'üeration unü öer Krieöe. Der Verband der sozialistische« Vereine bon PzyliS und Umgegend hielt am Sonmag eine Versammlung ab.- um seine Vertreter für die am Sonntag zusammentretende Tagung der Partei zu ernennen. Bei der Beschlußfassung sind die Rechtssozia« listen vollständig unterlegen. Die Zensur hat die Wiedergabe des Wortlautes der angenommenen Tagesordnung noch nicht) freigegeben. Sie enthält folgende drei Punkte: 1. das B/rlangen nach einem schleunigen Friedensschluß auf der Grundlage des SclbstbestimmungsrechteZ der Völler; 2. Ablehnung der Krieg--krcdite durch die Vertreter der sozialistischeit Parteien; 3. Lösung der elsatz-lothringischen Frage durch ein R e s e r e n d n in. SoZialiftenverfolgung in Italien. Die Versammlung de-Z Vorstandes der italieni- i ch e n P a r t e i, der Gewerkschaftsdelegierten und der Kammer- rnAüon. die am bevgangenen Sonntag in Florenz statlstnden iolne. ist von der Polizei verboten worden. Die Führer und Delegierten, die sich schon nach Florenz begeben hatten, wurden von der Polizei derart kontrolliert, daß es ihnen auch nicht möglich war, zu improvisiertem vertraulichem Zusammensein zu kommen. Clemenceau unü Delcaste. Tie französische Regierung hat am 7. Februar die Einsetzung einer besonderen Kommission zum Studium der bei dem Friedens- 'chluß möglicherweise aufzuwei senden Fragen, die den französischen Kolonialbesitz betreffen, verfügt. Zu den Mitgliedern der Kom- mifnon gehört der ehemalige Minister des Aeußern Delcasts. Die Tatsache, daß Deleast'e von Clemenceau zum Mitglied der Kommission ernannt wurde, bestätigt auch, daß die Versöhnung zwischen den beiden Polilitern zustande gekomme» ist. Oer Krieg auf öen Meeren. Berlin, 11. Februar. Im östlichen Teil des AermclkanalS und an der englischen Wesiknsic vernichteten liniere 11-Boote 18 vvtt Br.-R.-T. feindlichen Handelsschiffsraums. Alle Schiffe, mit Ausnahme eines in Ballost fahrenden, waren beladen. Ein etwa 5090 Br.-R.-T. großer Dampfer wurde aus einem Geleitzug beransgeschoikn, ein anderer allein fahrender Tampser von mindestens 9000 Br.-R.-T. trotz starker Bedeckung versenkt. Der Cbes de» AdmiralsiabeS der Marine. Kleine Kriegsnacbrichten.. Tie Tauchdootjägrr. Der amerikanische Admiral Benson hat Anfang Januar vor dem MarineauSschuß� des Kongresses dargelegt, daß der TypaS der sogenannt« Tauchbooijnger die E r w a r t» n g e N nicht e r l ü l l t habe und dw Bauten daher beschränkt worden seien. Amerika rnid Jrlaud. Jeanelle Raniin, das einzige weibliche Mitglied des amerikanischen Kongresses, brachte Anfang Januar eine EnifchUeßung ein. rn der es heißm„Die Regierung der Ber« einigten Staaten erkennt das Recht Irlands auf politische 11 il a b h ä n g i g k e t t an, und wir i echnen Irland unter die Länder, lue deren Freiheil und Demokratie wir kämpfen." lieber das Schick- T8., MmraÖ«>st ni vts bekannr. r-änischc Hilfe für Finnland. Kopenhagen, 10. F�. vruar. ±.-Lc dänische Regierung bat angesichts der in Finnland herrschenden Lebensmittelnsl ihre Zustimmung zur Abseudung: einet Ladung Lebens urlttel nach Finnland gegeben; die Ladung besteh�«uz G e t' e i d c. Mehl, Butte,; und Zucker. Das Moreria-ifs&t, Thomas ist damit bereits Fttttag nachmittag nach Stockholm abgegangen. hertimg für Wahlreform. „Mit allen ihm z« Gebote stehenden Mitteln." Schon gestern war die ungewohnte Entschiedenheit auf- gefallen, mit welcher der Vizepräsident des prcntzischen Staats- Ministeriums, Dr. Friedberg, einem neuen VcrschleppungS- antrag der Konservatwen im Vcrfassungsausschutz entgegen- getreten war. Etwa zu gleicher Zeit hatte, wie halbamtlich gemeldet wird, Graf H e r t l i n g den Präsidenten des Ab- gevrdlletenhauscs, Grafen Schwcrin-Löwi� zu sich gebetcil, um ihm folgende Mitteilung zu machen: „Ihm, dem Ministerpräsidenten, fei in letzter Zeit von ber- schiedcnen Seilen— auch in dcr Presse— unterstellt worden, daß er nicht mehr mit der gleichen Entschieden- h e i t, wie bei seinem Amtsantritt, für die Wahlreform- Vorlage eintrete. Er müsse diese Unterstellung mit aller Schärfe zurückweisen, �enn er habe sein Wort gegeben, für die Wahlreform eintreten zu wollen, und werde dieses Wort halten. Er erkenne zwar durchaus an, daß eine für die ganze Zukunft Preußens und des Reiches so entscheidend bedeutungs- volle Vorlage, wie es die preußische Wahlrewrm sei, eine sehr gründliche und eingehende Durchberatung erfordere, und daher nicht in kurzer Frist erledigt werden könne. Aber er müsse Wert daraus legen, keinen Zweifel an seinem unveränderten Willen aufkommen zu lassen, die Reform mit allen ihm zu Gebote stehenden Mitteln zustande zu bringen" Llns dicsi'r Erklärung des Kanzlers ist zu schließen, daß nach seiner Absicht die reaktionäre Sturzwelle, die in diesen Tagen über Deutschland niederging, keine dauernden Folgen haben soll. Bedauerlich ist nur, daß Graf'Hertling diese Erklärung nicht schon vor vicrzehti Tagen abgegeben hat. __» Aenfuröedatte im preußischen ' Staatshaushaltsausschuß. In der verstärkten StaatshauShaltskomnsiffion des preußischen Abgeordnetenhauses gab es am Dienstag zunächst nochmals eine lebhafte Zensurdebatte. Abg. Haenisch( soz.) brachte die Art uitd Weise zur Sprache, in der die Zensurstelle des Oberkommandos in den Marken mit den Zeitungsberichten über die Verhandlungen der Kommission vom letzten Freitag umgesprungen ist. Diese Verhandlungen be- trafen bekanntlich in erster Linie die Streikbewegung. Genosse Haenisch teilte mit, daß durch eine Verfügung deS Oberkommandos ollen Berliner Blättern die Wiedergabe der Aus- sübrungen des Genossen Braun rundweg verboten worden sei, während die Provinzpresse darüber vielfach sehr ausführliche Be- richte hätte bringen dürfen. Dem„V o r w ä r t s" sei der ganze Bericht verboten worden, trotzdem in ihm alle Schärfen der De- batte mit voller Absicht von vornherein ausgemerzt worden seien. Genosse Haenisch legte schärfsten Protest gegen eine solche Behand- lung parlamentarischer Ä» m m ission sberichte durch die Zensur ein; er müsse die verfassungsmäßige Zuläfsigkeit solcher Maßnahmen bestreiten. Er erwarte, datz im Interesse deS Ansehens de» Parlaments sich alle Fraktionen diesem Protest anschlössen, und dtitz der Minister des Innern sofort beim Oberkommando die ernstesten Vorstellungen erhebe, nm die Wiederholung ähnlicher unwürdiger Vorgänge unmöglich zu machen. Aus. dem Hause stimmten die Ab �ordneten Cassel(Vp.) und Dr. Lehmann(natl.) den Ausführungen'des Genossen Haenisch zu, während die Herren von Kessel(f.). und Dr. Newold(fr!.) mehr oder minder das Vorgehen dcr Zensurstelle zu verteidigen suchten. Dcr Btiuistcr des Innern erklärte, rhin seien diese neuesten Zensurverfügungen völlig unbekannt, er selbst sei der Mei- nung, daß objektive Berichte über die Kom- m i s s i o n s v e r h a n d l u n g c n, Berichte, die sich von Vor- hetzung freihielten, ungehindert erscheinen sollten. Er werde in diesem Sinne seine Auffassung b e i tu Oberkommando geltend machen, eine direkte Ein- Wirkung auf dessen Beschlüsse aber stehe ihm be- k a n ti t l i ch nicht zu.— Im weiteren Verlaufe der Debatte brachte?lbg. Haenisch die Art und Weise zur Sprache, in derber La n d r a t von Swine-- münde in einem amtlichen Schriftstück die Roichstagsmchr- Heft beschimpft und Propaganda für die Vaterlandspartei ge- trieben habe. Herr Cassel schloß sich der Verurteilung des un- glaublichen Verhaltens des Laiidrats rückhaltlos an, und der Minister machte aus feiner Mitzbillrgung kein Hehl. Ucbrigens sei der Landrat inzwischen aus seinem Ämie geschiede n. Zcntrumsabgeordnete und Rationalliberalc spanne, i inzwischen die am Freitag begonnene Debatte, über die konfessionelle Parität weiter, der Minister schilderte die glänzende Entwick- lung der Sparkassen und ihre Mitwirkung bei dem Erfolge der.Kriegsanleihen, konservative Redner klagten über di« schlechte finanzielle Lage der Kreisblätter und so wurden noch viele andere Dinge mehr oder minder ausführlich behandelt. Abg. Haegifch verlangte besseren Schutz der Lebe. ns- mittclgeschäfte gegen die sich häufenden Ein- bruchsdieb stähle und brachte eine Reihe von Beschwerden über die Dh e a t erzcn su r zur Sprache. Beschwerden, denen von verschiedener Seite zugestimmt wurde. Herr Korfantv führte Be- fchwerde über die skandalöse polizeiliche Behandlung, die ihm und seiner Gattin anläßlich eines Besuches in Kattvwitz zuteil geworden fei. Der Minister mißbilligt den Borgang ausdrücklich. Bei der dann'folgenden Beratung des" Medizinaletats worden in stundenlanger Debatte die Fragen der Tubertulosevekämp- fung. der Prostitution, der Säuglingsfürsorge, des Falles Henkel usw. eingehend behandelt. Der Vertreter unserer Fraktion legte beson- dereS Gewicht auf die sozialen Zusammenhänge aller dieser Dinge und lenkte seinerseits die Aufmerksamkeit der Regierung aus die systematische Mundtoimachung der Vertreter gewisser neuer An- schauungen auf dem Gebiete der Krankheitsbekätnpfung. Tie Sitzung schloß mit einer längeren Salvarsaadebattc. Ein Antrag der Sozialdemokraten, zur Prüfung dieser Frage eint gemischte Kommission einzusetzen, wurde von der Regierung' be- kämpft und gegen zwei Stimmen abgelehnt. Nachschrift der Redaktion des„Vor- wärts": Zur Zensurrcdc des Genossen Haenisch bemerken wir. daß uns nicht der Abdruck des ganzen Kommissions» berichts verboten wurde. Aber da wir die Rede des Genossen Braun nicht bringen konnten, verzichteten wir darauf, die Reden seiner Gegner wiederzugeben. Der Irrtum des Genossen Haenisch beruht aus einem Mißverständnis, an den! er keine Schuld trägt._ �lerger über mißlungene Verschleppung. Die konservativen Organe sind untröstlich, daß die aber- malige Verschleppung der Wahlrachtsvorlage durch Zurück- stellung hinter die sog. Kompetenzvvrlage nicht gelungen ist. So klagt die„Kreuzzeitung": (Si ist alio bereii-Z soweit gekommen, daß uiebt entscheidet, ob dieier oder jener Weg iackiliih ncktig und verniiuitig ist, sondern daß die in der Oeffentlickikest mit unberechtigte« Schlagworten erzeugte Stimmung für die Beieblüsse des Abgeordnetenhauses maß- gebend � ist. Das ist der Punlr. wo die Herrschaft der Straße an die Stelle des wahren Parlamentarismus zu treten beginnt. Aus diesem grundsätzlichen Zusammenhang heraus sind solche Zugeständnisse hochbedcnkksch. Und gerade deshalb bedauern wir es. daß der Minister Friedberg sich so lebhaft für diese Lösung einsetzte. ' Aehnlich äußert sich die'„Deutsche Tageszeitung" unter dcr Ncbcrschrift„Die erste Unsachlichkeit": Die auch von Herrn Dr. Friedberg geäußerte Auffassung, eine Voranstellung auch der Vorlage über die Befugnisse deS künftigen Herrenhauses könnte stichhaltigen Grund zu Mißtrauen gegenüber dem Reformeifer der Regierung— oder auch des Abgeordneten» Kaufes— geben, ist alio durckjaus haltlos, und wenn radikale Blättert vor allem der„Vorwärts", den konservativen Antrag in hetzerischer Weise als einen Ver- f ch I e p p n n g s ü e r f u ch behandeln, fo muß ein derartiges Ge- baren mit allem Nachdruck zurückgewiesen werden. Leider hat die Argumentation des Herrn Bizeptäsidenten de« Staatsministeriums der radikalen Agitation Wasser aus die Mühlen geleitet, da man eben mit den gleichen Gründen auch die Voranstellung der Vorlage über die Zusammensetzung des Herreu- hauieZ bekämpfen kann. Die Konservative!! sind lvirklich prächtige Gemüter. Sic haben bisher mindestens ein halbes dutzendmal den Versuch einer Wahlreform durch alle erdenklichen Manöver hintertrieben. Jetzt aber spielen sie die Gekränkten, wenn mau ihnen scharf auf die Finger sieht, und zetern über„unberechtigte Schlagworte" und„Hetze". Das Mißtrauen, das das Volk diesen Herren entgegenbringt, braucht lvirklich nicht künstlich genährt zu werden. Oder hält man das Volk sür einen Idioten, der erst vor dem g e- warnt werden muß, dcr ihn jahrzehntelang ge- prellt hat?!_ Zum LanöesverratsproIeß gegen öen �vorwärts". Der für gestern angesetzte Termin im LandeSberratSprozeß deS außerordentlichen Kriegsgerichts gegen die Genossen Friedrich Stampfer und Erich K u t t n e r ist aufgehoben worden, weil weiter e"E rmittelungen notwendig geworden sind. Unzufrieöenheit mit öem Kriegsgericht. „Der Höhepunkt der Gcnleinheit." In der„Deutschen Zeitung" gibt der Fregattenkapitän a. D. Schnell seiner Unzufriedenheit mit dem Urteil, welches das außerordentliche Kriegsgericht über den Ncichstagsabg. Dittmann gefällt hat, heftigen Ausdruck. Herr Schnell be» schuldigt das Kriegsgericht„sentimentaler Regungen", weil es Dittmann nur zu Festung und nicht zu Zuchthaus ber- urteilt hat. Er schreibt: Diebstahl, Wortbruch. Raub, Totschlag, Mord,— alles das reicht nicht hinan an die Niedrigkeit der Gesinnung, an die Verworfenheit deS Menschen, der die Belange seines Volkes und Staates den Feinden in die Hände spielen, der den eigenen im bittersten Kampf st-henden Heeren die Mittel nehmen will, sich der Gegner zu erwehren. Abgesehen davon, daß alle übrigen Verbrechen nur eine oder wenige Personen be- treffen, der Landesverrat dagegen Millionen von Volksgenossen, lassen sich bei jenen immer noch Fälle denken, in denen die Handlungsweise des Verbrechers in etwas milderem Lichte er- »scheinen kann. Ein schwaches Gemüt kann durch heftige seelische Erlegungen, durch Angst, durch Reizung des Jähzorns, durch alkoholische Einflüsse usw. zu einer unüberlegten Tat hingerissen werden. Dcr Landesverrat hat diese Entschuldigungen nicht. Er muß von langer Hand vorbereitet, gründlich überlegt sein; er ist sich dcr verderblichen Folgen genau bewußt; er weiß, was er will; er arbeitet mit kühlem Blute. Und m e r st e n s arbeitel er fremdem Geld zuliebe. Das ist der Höhepunkt seiner Gemeinheit. Herr Schnell stellt also den Abg. Dittmann mit den Leuten auf eine Stufe, die fremdem Gelde zuliebe ihr Vater- laiid verraten. Das ist allerdings—„der Höhepunkt". Aber dcr schneidige Fregattenkapitän ist selbst mit den: Zuchthaus nicht zufrieden, sondern er erinnert daran, daß er schvu früher in der„Deutschen Zeitung" für vollendeten tvic sür versuchten Lerndesverrat die Tod es st rase gefordert hat. Man sieht daraus, daß jeder Versuch, es den alldeutschen M a x i m a l i st e n des weißen Schreckens recht zu machen, von vornherein aussichtslos ist. /iuch eine fortschrittliche KanüiÜatur in Nieöerbarmm! Wie das„B. T." erfährt, hat die Fortschrittliche Volkspartei aus Grund deS seit 1012 geltenden W a h l l o ur- p r o m t s s e s mit Pen Ratio rialliberalen das Vor- standSmitglied des Csienbahnarbeiterverbandcs Hoffmann- Lichtanberg als Kandidaten für die LieichStagSersatzwahl in Niederbarnim aufgestellt.— Nach einer bisher unwidersprochenen, auch von uns iviedergegebenen Meldung haben die Nationalliberalen einen eigeneil Kandidaten, den Stadtrat Maretzky aufgestellt. Danach scheint das Verhältnis zwischen Fortschrittlern und Natro- nallibevalen im Wahlkreis reichlich ungeklärt zu sein. Baterlandk-parteilicher Tanz. Der alldeutsche»Jngelheimer An- zeigcr" beriebtel über die KaiseraebtzrtSlagsfeier der Valerlandspartei, Ortsgruppe Scbwabenheim:„Unter Spiel und zTanz ging der Abend hin und trennte man sich erst in früher Morgenstunde in froher Stimmung". Eine Eingabe des Sächsischen Saalbesitzerverbandes um Wieder- Zulassung von Tanzvergnügungen ist jüngst mit dem Bemerken ab- schlägig beicküeden worden, daß solche Feste der gegenwärtigen Volks- stimmuug durchaus widersprechen. Die trobgestimmlen und tanzlustigen BaterlandSparteiler weichen freilich auch sollst weit von der Lolksjtimmuug ab. Lette Nachrichten. Kein Ultimatum an Rumänien. B e r l i n, 12. Februar. Wie wir erfahren, ist die durch HavaS verbreitete Meldung von einem III bim a tum der deutsche« an die rumänische Regierung nicht zutreffend. Richtig ist, das? der Olencralseldnianchall von Mackensen mit dcr rumänischen Heeresleitung in Verhandlungen getreten ist, um die Ent- Scheidung über das Fortbestehen des seinerzeit mit dem General Tschrrbatschew abgeschlossenen, für Russen und Rumänen gemeinsamen W a f f c n st i l l st a n d e S herbeizuführen, nachdem durch das augenblickliche Verhältnis zwischen Ukrainern und Rumänen eine Klärung dieser Frage notwendig geworden ist., Republik Großrußland. Basel, 12. Februar. Eine Agentur weist aus Moskauer Mel» düngen hin. daß die Vertreter der Grotzrutzland bildende« 26 Pro- vrnzen sich in Moskau versammelt haben, um dort drei Tage lang Besprechungen abzuhalten. Der Zweck dieser Konferenz ist, die Verfassung der Republik auszuarbeiten, die den Name« Groß- rutzlcmd erhalten soll. GewerWWetvVlmg Beitrag und Unterstützung im Tapezierervcrband.- Im Korrrspondonzblatt dcS Verbandes der Tapezierer und der wandten BerufSgenosscn»erweist der VerbandSvorstand daraus, dag er sowohl als auck der BerbaiidSauSschun sich bereits seit Jahr und Tag mit der Frage der Erhöhung der Unterstützungssätze und der tl'eiträge biffchästigt habe. In Anbetracht der Tatsache, dah bei der gegenwärtigen Entwertung des Geldes die jetzt gezahlten Unter- stützungssätze völlig unzeitgemäs; seien, bei �em zurzeit itocli herrschenden Wochenbeitrag von til) Pf. die Untetstühnngen aber nicht erhöht werden könnten, sei der VerbandSvorstaiid einstimmig zu dem Veschlust gekomincn, den Mitgliedern in allerkürzester Zeit eine Vor- läge zur Beschlußfassung zu unterbreiten, die eine Erhöhung der Unterstützungssätze nnd der Beiträge vorsieht. Daß die vom Ver- band geleisten Unterstützungen den größten Teil der Gesamt- einnahmen des Verbandes ausmachen, beweist am besten folgender Vergleich: In den zehn Jahren von 190S bis 1314, die als normale DurchschnittSjabre gelten können, erzielte die Organisation eine Ein- nähme aus ov-Pf.-Beiträgen von 2154521 M. Die Ausgaben für Unterstützungen betrugen aber ollein 1334 781 M. Daraus geht hervor, daß eine weitere Erhöhung der Unterstützung ohne eine ent« sprechende Erhöhung der Beiträge unmöglich ist. Aus der Schlichtungskommissio» für Militärschneideret. Wegen Bezahlung der Geschoßkappen bezw. Geschoßhülsen, über die wir wiederholt berichtet haben, wurde im letzten Termin vor der Schlichtungskommission erneut verhandelt. Der Verireler der Firma Kowall war nicht zum Termin erschienen, eS wurde mitgeteilt. daß er sowohl als auch die Firma Kamper u. Weber sich an das KriegSomt mit der Anfrage gewendet hätten, ob die im Lohn- tarif vorgesehenen Löhne tatsächlich gezablr werden müßten. Sie hielten dieselben für zu doch und hätten vorgeschlagen, daß die Arbeitslöhne mit rückwirkender Kraft ermäßigt würden. In der Verhandlung wurde nun festgestellt, daß die Firma den Auftrag übernommen hat, nachdem der jetzt in Frage stehende Tarif Gültigkeit erlangt hatte, daß also ihre Kalkulation sich aüf den Tariflöhnen aufbaut. NamenS der Beklagten wurde von deren Ver- treter darauf hingewiesen, daß das KriegSamt nicht«nseilig die Löhne abändern könne und insbesondere gar kein Recht habe, einen Lohn mit rückwirkender Kraft zu ermäßigen. Die Löhne seien von Sachverständigen der Arbeitgeber, Arbeitnehmer und der Artillerie- werlstätte in Spandau festgesetzt, eS könne daher dem Einwand der Beklagten, daß die Löhne zu hoch seien, keine Bedeutung beigelegt tverden. Die Firma Kamper u. Weber erklärte sich nunmehr, ohne daß ein Urteil gefällt wurde, bereit, den Differenzbetrag, der weit über tausend Mari beträgt, nachzu- zahlen. Die genaue Summe soll an der Hand der Lohnbücher fest- gestellt werden. Wegen der Firma Kowall soll ein neuer Termin stattfinden, während die gegen die Firma Kamper u. Weber gerichtete Klage wegen der Löhne für die Füllung von Schwellkifsen bor der Schlichtungskommission für das Sattlergewerbe verhandelt werden soll. Gegen Frau Kupfer klagten zunächst zwei Arbeiterinnen aus denselben Gründen wie die Arbeiterinnen bei Kamper u. Weber. Kunze vom Stimeiderverband erklärte, daß auch er noch einige Sachen gegen Frau Kupfer Hab- und daß eS sich vielleicht empfehle, dieselben miteinander zu verbinden. Nach längeren Verhandlungen wurde be- schlössen, die Angelegenheit auf Montag zu vertagen und der Frau Kupfer aufzugeben, die mit der Auftragserteilung in Verbindung siebende Korrespondenz, sowie die Orders selbst vorzulegen. In täeser Sache werden mehr als 3000 M. gefordert. Gegen den Vaterländischen Fiauenverein vom Noten Kreckz sübrte ein alter Mann Klage, daß ihm nickt die vorgeschriebenen Löhne gezahlt seien; auf seine Einwendungen habe man ibm erklält, die Löhne ieien in letzter Zeit heruntergesetzt worden. Eine Ber- tretung des FrauenvereinS war nicht erschienen, die Sache mußte daher vertagt werden. In einer Klage gegen den Schneidermeister Große wurde mit- geteilt, daß dieser von der Charlottenburger Innung Feldblusen übernommen und nicht die vorgeschriebenen Löhne bezahlt habe. Nach der Behauptung deS Beklagten soll es sich um Arbeiten han- dein, die für Marine-Jnfanterie in Bremerhaven bestimmt sind, während die Klägerin behaupte», die Arbeit sei für das 3. Armee-' korps in Spandau. Der Beklagte erklärte, er habe diese Arbeit bei der Charlottenburger Innung im Austrage des Herrn Lindenberg abgeholt und auch geliefert. Herr Lindenberg habe nur die Ber- recknung vorgenommen und sich im wetteren um die ganze Sache nicht gekümmert. In einem anderen Falle hatte der Schneidermeister Eppstein aus Nenkölln Arbeiten für Spandau übernommen, diese in Reu- külln anfertigen lasten und gleichfalls die vorgeschriebenen Löhn« nicht bezahlt. Obwohl er bereits mit der klagenden Arbeiterin einen Vergleich abgeschlosien hatte, zahlte er noch 30 M. nach, weil er darauf hingewiesen wurde,' daß die nichttarifmäßige Bezahlung strafbar sei.__ Industrie und Handel. Der Angriff öer Solfchewik! auf den Kapitalismus. Der Staatsbankrott.— Die Verstaatlichung der HandelKslottc und der Bcmke«.— Annullierung der russischen Staats- anlcihen. Der Zentralexekutivausschutz hat folgenden Erlaß über die Aufhebung der Staatsschulden am 3. Februar beschlossen: 1. Alle Staatsanleihen, die von der Regierung der rufst- schen Bourgeoisie aufgenommen sind, werden vom 1. Dezem- ber 19 t7(A. St.) ab für ungültig erklärt, die Dezember- kupons nicht mchr bezahlt. 2. Ebenso werden die Garantien ungültig, die von diesen Regierungen für Anleihen verschiedener Unternehmungen gegeben sind. 3. Alle ausländischen Anleihen werden bedingungslos und ohne jede Ausnahme annulliert. 4. Kurzfristige Obligationen bleiben in Kraft. Prozente werden nicht bezahlt, dte Obligationen selbst gelten wie Kre- ditscheine. 5. Minderbemittelte Bürger, die annullierte innere An- leihe bis zu 19 009 RitM besitzen, werden durch Anteile der i neuen Anleihe der russischen sozialistischen föderativen Räte- j republik entschädigt. 9. Einlagen in den staatlichen Sparkassen und deren Zinsen sind unantastbar. Die im Besitz der Sparkassen be findlichen annullierten Anleihen werden auf die Schuld der Republik übernommen. 7. Ueber Entschädigung von Genossenschaften und der gleichen werden besondere Bestimmungen ausgearbeitet. 8. Die Leitung, der Liquidation der Anleihen hat der Oberste Volkswirtschaftsrat. 9. Die Ausführung ist Aufgabe der Staatsbank. 19. Die Feststellung der Minderbemittelten erfolgt durch besondere Kommissionen. Diese haben das Recht, Ersparnisse in vollem Betrage zu annullieren, die nicht auf dem Wege der Arbeit erworben sind, selbst wenn diese die Summe von 5999 Rubel nicht übersteigen. Ueber die„N ationalisierung der Handels- flotte" wird folgende Mitteilung veröffentlicht: Alle Schisfsimtcrnehmungeil, die Aktiengesellschaften, Handelshäusern und Großunternehmungen gehören, werden durch Dekret des Volksrates für nationales Eigentum der Republik erklärt. Eine Ausnahme bilden näher bestimmte kleinere Fahrzeuge. Ferner wird das Projekt des Dekrets über die Kon- fiskation der Aktisnkapitale der früheren Privatbanken veröffentlicht. Demgemäß werden alle diese Kapitale in vollem Umfange konfisziert und der Volks- bank der russischen Republik übergeben. Alle Bankaktien werden annulliert und jede Dividendenauszahlung eingestellt. Unter der Bezeichnung„Volkskommissariat für Finanzen" wird ein Finnnzkollegium gegründet. Durch die Aufhebung der Staatsschuls werden die Rentner, diese Parasiten der Gesellschaft, zum Verzicht auf ihren Besitz und ihre Zinsen gezwungen. Es tritt also eine sehr merkliche Ent- Igstung der Volts- und Staatswirtschaft ein, eS wird reiner Tisch gemacht, ein schlechtes Geschäft aufs gründlichste liquidiert. Allein es bleibt zu bedenken, daß einem Staat, der so rücksichtslos seine Verpflichtungen zerreißt, in die Zukunft niemand mehr sein Geld anvertrauen wird, und daß schließlich der StaatSbanirott alle Gläubiger Rußlands trifft, nur nickt jene, die seinen— bisherigen Feinden angehören. Die Mittelmächte haben genug Faustpfänder, die Interessen ihrer Bürger kräftig zu schützen. Schließlich sei noch darauf verwiesen, daß Artikel 13— so schön er auch klingt— praktisch reiner Unsinn ist. Der Nachweis, daß Spargut aus Ar- beit stammt, ist schwer zu kontrollieren und wird rorsicher nur dazu führen, daß die revolutionären Steuerkommissionen— bestochen werden. Auch mit der Verstaatlichung der Banken durch Verfügung ist eS nicht getan. Sollen die Banken weiter arbeiten— so braucht es dazu ebenso erfahrene wie gewissenhafte Beamte, und die streiken im Augenblick noch zum Protest gegen die Gcwaltherr- schaft der Bolschewiki._ Der Zuckeranbast in Gefahr. DaS statistische Bureau von F. O. Licht bemerkt in seinem neuesten Wochenbericht, daß aus einer ganzen Reihe von mittel-, nord- und ostdeutschen Bezirken Mitteilungen vorliegen, nach denen vorläufig mit einem weiteren, zum Teil einschneidenden Rückgang der Zuckcrrübenanbauflächv gerechnet werben muß. Dem Zuckcranbau drohl Gefahr, weil der Anbau anderer Hack- fruchte, wie z. B. Mohrrüben nicht nur lohnender, sondern auch mit geringerer Arbeit verknüpft ist. ES ist vergeblich, den Landwirten vorzuhalten, daß sie die Polköeriiährung bedrohen und die Landes- Verteidigung schwächen, wenn sie keinen Zucker anbauen; sie gehen dem höchsten Gewinn nach und wollen ihre patriotische Pflicht nur erfüllen, wenn ibnen höhere Preise bewilligt werden. Statt höhere Preise zu bewilligen, wäre es freilich ebenso gut möglich, die Preise für die mit der Zuckerrübe konkurrie- renden Hackfrüchte kräftig herabzusetzen. Aber es ist leider sehr fraglich, ob das KriegSernährungSamt die moralische Kraft hat. entgegen dem Druck der Landwirte diese richtige Preispolitik zu treiben.__ Der gegenwärtige Stand der rumänischen Erdölgewinnung. Die„Kölnische Volkszeitung" schreibt: Im besetzten Gebiet Rumäniens werden zurzeit täglich etwa 275— 280 Wagen Rohöl gewonnen. An dieser Ausbeute ist die Romäna-Americana mit etwa 85, die Stcaua Romana mit 75 bis 83, die Astra Romana mit 73 bis 75 und die Concordia mit etwa 33 bis 35 Wagen beteiligt. Die Aussichten auf Steigerung der Ausdeute sind sehr gut. Ewc ganze Reihe von Sonden steht vor der Erbohruug bzw vor dem Lel. und bei einigen erwartet man, daß sie sich als Springquellen ausweisen werden. Die Schwierigkeiten bei der Beschaffung von Bohrgeräten usw. dauern allerdings an. dagegen scheinen sich die Verhältnisie für den Versand etwas zu bessern. Die Hoffnung, mit der Ilmlegung der- Röhrenleitung Ploesti-Crniavoda nach Giurgui im Jahre 1917 fertig zu werden, hat sich leider nicht erfüllt, was um so mehr zu bedauern ist, chlS diese Röhrenleitung bei Wiederaufnahme der Donauschiffahrt wesentliche Entlastung der Eisenbahnen hätte herbeiführen können. Vor Ende Mai wird schwerlich aus Fertigstellung der Leitung zu rechnen sein.(In unserem Artikel„Die deutsche Beteiligung an der Erdölindustrie" ist die Ausbeute der Concordia irrtümlich mit 8333 statt mit 83 303 Tonnen angegeben.)- Soziales. Kein Anspruch auf Hinterbliebenenrente. Nack ß 593 der NeichsverficherungSordnung haben Verwandte der aussteigenden Linie, also Eltern. Großeltern Anspruch auf Hinterbliebenenrente, wenn der durch den Unfall zu Tode gekommene Versicherte diese aus seinem Arbeitsverdienst wesentlich unter« halten hat. Bei all den Streitigkeiien aus diesem Paragraphen dreht eS sich in der Hauptsache darum, ob der Verstorbene wesentlich den Lebensunterhalt der Elrern bestritten hat. Ist dieser Nachweis nicht strikte zu führen, so ist in fast allen Fällen mit der Ablehnung des Anspruchs zu rechnen, In ollen Fällen tun die Eltern, die Unterstiitzung von ihren Söhnen erhalten, gut, darüber Buch zu führen, Dalum und Betrag ,u notieren, wenn sie durch/ die Post Geld zugestelll erhalten, die Postabschnirte sorgfällig aus- zubewahren. Veranlassung zu diesem Huiweis gibt uns folgender Fall: Der Kutscher Kl. verunglückte am 10. Februar 1916 tödlich. Der Verstorbene hatte mit seiner Mutter, die Witwe ist, gemein- schaftlichen Haushalt geführt und bat nach der Behauptung der Mutler, die noch an zwei Schlafburschen vermietet hatte, seinen Verdienst zur Bestreitung des gemeinschaftlichen Unterhaltes ab- gegeben. Die Fuhrwerls- BerufSgenosienlchvft lehnte den Anspruch der Mutter ab, weil der Verunglückte nur GelegenheitSarbsiler gewesen, nur tageweise gearbeitet habe nnd aus diesem Gruude nicht in der Lage gewesen sc,, wesentlich zum Lebensunterhalt beizutragen. Auch habe die Frau seit Oktober 1915 Armenunterstützung bezogen. Der hauptsächlichste Teil deS Unterhalts sei durch Vermietung der Schlaf- stellen sowie Handreichungen und Aufwartung bei den Schlafburschen erzielt worden. DaS Oberversicherungsamt Groß-Berlin verurteilte die Genossen- schaft zur Zahlung der Hinterbliebenenrente, weil es im Gegensatz zu der Genosienichaft zur Ueberzeugung gelangle, daß die An- Wendung de«§ 593 im vorliegenden Falle gegeben sei. Der Ver- storbene hatte, als er im Herbst 1914 als Armierungsarbeiter tätig war, seiner Mutter dreimal aus dem Felde insgesamt 43 M. gesandt. Diesen Betrag, als auch die Summe, dte der Ver- storbene, als er bei seiner Mutter wobnte, dieser gegeben hatte, wurde bei den dürftigen Verhältnisseil als ein wesentlicher angesehen. DaS'Reichsversicherungsamt erhob auf einaelegten Rekurs weiteren Beweis. Auf Grund dessen wurde die Entscheidung des OberversicherungsamteS aufgehoben, dem Rekurse stattgegeben und die Witwe mit ihrem Anspruch abgewiesen. Die vom Verstorbenen gesandte Summe aus dem Felde 613 M.) wurde als hinreichender Beweis dafür, daß der Unterhalt der Mutter vom Sohn zu einem wesentlichen Teil bestritten worden sei, nicht angesehen. Kl. habe in einem nicht festen Arbeitsverhältnis ge- standen und sei infolgedessen nicht in der Loge gewesen, seiner UnterhaltSvflicht daueind nachzukommen. Hinzu käme, daß die Ärmendirekiion Unterstützungen gezahlt habe; das wäre nicht ge- schehen, wenn der Sohn ausreichend zum Lebensunterhalt bei- getragen hätte. Wir hallen dies Urteil für ein Fehlurteil. Die Unterstüüungen der Armendiretlion betragen im Monat 13—20 M.; daß davon eine einzelstebende Person nicht leben kann, ist selbstverständlich. Ebenso bekannt ist, daß sich die Kosten eines HauSKallS pro Kops geringer stellen, wenn mehrere Personen daran beteiligt sind. Der Bersrorbene lebte fcn Haushalt der Mutler. Daß diese hierdurch in, wesentlichen ihren Unterhalt mitgesimden haben wird, ist eine Er- fahrung, die da« praktiiche Leben tagtäglich ergibt. Solche Er- fabrungen kommen anscheinend für das R. B. A. nicht in Betracht. Erhöhung der Grenze für die Vcrsichernugspflicht in der Angestellteupersicheruilg. Die Arbeitsgemeinschaft freier Lngestelltenverbände hat dem Bundesrat und dem Reichstag eine Petition unterbreitet, worin der Bundesrat gebeten wird, auf dem VerordnungSwege, die Grenze für die Versicherungspflicht der Angestellten von 5030 ans 8030 M. zu erhöhen. Niemand wird dieser Position ihre innere Berechtigung av- sprechen. Der Krieg bat so abnorme Lobnveihältnisie gebracht, daß die Vorschrift des VerstchcrungSgesetzeS für Angestellte, wonach die Versicherungspflicht erlischt, wenn das Einkommen 5000 M. überschreitet. alle» andere als zeitgemäß ist. Sic ist aber da und muß angewendet werden. Sehr zum Schäden der Angestellten, die aus der Versicherung ausscheiden, wenn, was doch lediglich durch die Teuerung verursacht wird, ibr Gehalt über 5300 M. hinausgeht. Wenn noch dem Kriege der ArbeilSmarkt überlastet sein wird. wird gerade bei den Angestellten, deren Orgonisationsverhälinisie noch sehr im argen liegen, am ehesten mit Lohnherabsetzungen be- gönnen werden. Die allmähliche Wiederkehr besicrer Verbältnisie auf dem Lebensmittelmarkt wird dazu ein übrige» tun und über kurz öder lang würde dann die Versicherungspflicht wieder gegeben sein, die vorhandene Lücke würde iich aber in den meisten Fällen empfindlich bemerkbar machen, je größer sie wird. Die Petition fordert 1. Erhöhung der Grenze deS für die Ver- sicherungSpflicht maßgebenden JahreSarbeitSverdiensteS von 5000 M. auf 8000 M.; 2. daß Versicherte, die während des Krieges wegen des UeberichreitenS der bisherigen BersicherungSgrenze aus der Pflichtversicherung ausgeschieden sind, ohne Nachzahlung der Bei- träge in ihre alten Rechte eintreten können; 3. daß sie jedoch berechtigt sind, die ausgefallenen Beiträge nachzahlen können und 4. Saß diese Bestimmungen sinngemäß auf die Angestellten Anwendung finden, die wegen Ueberichreitens der b333-Mark-Grenze auS der Versicherungspflicht ausgeschieden sind oder nicht ver- sicherungSpflichtig waren und vor dem 1. Januar 1917 bei össent- lichen privaten öder LebenSversicherungSunternehmungen einen Ber- sicherungsanirag abgeichlosien haben. Wir meinen, daß die Petition mit gleicher Berechtigung auch eine Erhöbung der Grenze der Versicherungspflicht in der Kranken- und Invalidenversicherung hätte anstreben sollen, denn auf diesen Gebieten dürfte die Grenze von 23A0 bezw. 2590 M. noch häufiger überschritten worden sein, als die 5333 M.-Grenze bei der Angestelltenversicherung._________ Iugenöveranstaltungen. Eine Konferenz der Jngendousfchüfs« und Funktionäre der Arbeiterjugend Groß-Berlinö findet am Sonntag, den 3. März. vormittags Ö1/, Uhr. im Jugendheim. Berlin SW., Lindensti. 3, statt. Tagesordnung: Vortrag des Genossen D o m n i ck: Der Auf- und Ausbau unserer Groß-Berliner Jugendbewegung(Gründung eines Ver ems Arbeiter- Jugend Groß-Bcrltn). Zu dieser Konseren, sind alle aus dem Soden der .Artellcr-Jugend" stehenden JugendauSschüsse und Funktionärs eingeladen, ebenso die örtlichen Parteivcreine. Verantwortlich für Politik: Erich Kuttncr, Berlin: sür den übrigen Teil deS Blatte«: Alsred Scholz, Neukölln; sür Anzeigen: Theodor Glocke, Berlm. Verlag: BorwärtS-Verlag G. rn. b. H.. Berlin. Druck: VvrwärtS-Buch- druckerei und Verlagsanstalt Paul Singer u. Co. in Berlm, Lind-nstraße 3. Hier»» t veila,» und Unlerhalli-ngStitt.tt.> Spezialant Dr. med. I-aAbs beh. schnell, griindl., mögl. schmerzlos u. ohne Berufsstör. GescHlechtskraRkheit., geHeimo Haut-, Hern-, Frauenleiden, Schwäche, Erprobteste Methoden Oirlich-Hata-Kuren, Harn- u. Biutuntorsuchung.* WM MS.«gÄ. ropr. 10— Ib. 5—8, Sonnt. 10—1. Verkauf eines Schankaefchösts, verbunden mit Verkaus von Noßfleifch. t-brikalen, im westlichen Vorort Berlins. Umsah jetzt im Januar ■45 000 M. Uebcrnahme ver 1 April oder 1. Mai. AuSkunjt erteilt Pohle. Serlin-Steglih. Albrechtstr. 121. 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Weil gar zu schön die Sonne flirrte und gar zu lieblich blies der Wind— schmis; Paulchen mit mehr Schwung als Würde die Winterhüllx in den Spind. Doch ach! Uns arinen Erdenviechern- wird solcher Leichtsinn schnell zum Fluch:- Heut rächt sich an den Taschentüchern das schwergelränkte Manteltuch! Seilage ües vorwärts Mittwoch, 13. IebruaelHIS Paulch en. Städtetag und Kohlettversorgung. Der Staatssekretär de? NeichSwirtschaftZamtS hat auf Antrag deS Deutschen StädtetageS unter Beteiligung des Reichskohlen- kommisiars eine Abordnung empiangen, bestehend aus den Ober- bürgxrmeistern Dr. Körte-Königsberg, Blüher-DreL- den, Matting-BreSlau, Siegrist»Karlsruhe und dem Geschästssührer des StädtetagS Dr. Luther. Solpohl der gegenwärtige Stand der Kohlenversorgung wie auch' die Notwendigkeit einer rechtzeitigen Vorsorge für die spätere Versorgung, besonders durch starke Busnutzung der mit Verkehrs» schwierigkeiten weniger belasteten Frühjahrs- und Sommermonate zur Hereinschaffung von Kohlen in die Städte, waren Gegenstand eingehender Darlegungen der Slädteverlrerer. Der Staatssekretär erklärte, daß den städtischen Würtfchen nach Möglichkeit Rechnung ge» tragen werden soll, wobei er wegen der Borsorge für den nächsten Ämter aus die bereits geplanten Maßregeln des ReichSkohlen» kominiffarS hinwies. Die Charlottenburger Wasserwerke gegen Schöneberg. Die bekoniite Steuerklage der lsharlottenburger Wasserwerke A. G. gegen den Magistrat Berlin-Schöneberg beschäftigte den H. Senat de« OberverioaltungsgerichtS. Die Charlottenburger Äafferivcrke, die ihren Sitz in Schöneberg haben, Ware« vom dortigen Magistrat aus Grund einer besonderen Gemcindegewerbe- steuerordnung, wonach diejenigen Betriebe steliewflichlig wurden, die in den Straßen Schönebergs Rohre, Schienen und Kabelleitungen verlegt haben, für das Steuerjahr!916 zunächst zu einer Gewerbesteuer von SslitWO M. veranlagt worden. Diese Vor- anlagung wurde jedoch zurückgezogen. Unmittelbar darauf, im Frühjahr 1917, beschlossen jedoch Magistrat und Stadt- verordnete von Schöncberg eine neue Steuerordnung, worin die Kabelleitungen als Sreuermerkmal gestrichen waren. ES blieben im wesentlichen nur noch die Charlottenburger Wasserwerke und die EngNsche GaSgeiellschaft als Steuerpflichtige übrig. Äuf Grund der neuen Steuerordnung wurden die Charlottenburger Wasserwecke dann zu einer Steuer von 869 090 M. veranlagt. Hiergegen erhob die Gesellschaft Einspruch und Klage mit dem Antrage auf Freistellung. Der BezirkSausichuß m Polsdom wieS die Klage in erster Instanz ab. Auf die Revision der Gesellschaft wurde die Klage vor dem Obervelwallungsgericht �rörterl.— Ter Vertreter der klägerischen Gesellschaft beantragt erneut unter Berufung-tuf die Bestimmungen des Kommunalabgabengesetzes, die Schöneberger Steuerordnung für rechtsungültig, die Veranlagung für unzulnifig und die Höhe der Steuer iür ungesetzlich zu erklären. Die Sladt Schönebcrg habe diese Steuer nur beschlosien, weilMüe Charlottenburger Wasserwerke den um 1. Januar 1929 ablaufenden Wasferlieferungsvertrag mit der Stadt zu den Bedingungen des Magistrats nicht verlängern zu können glaubte. Zivilrechtlich entspreche eine solche Steuer nicht den Anforderungen von Treu und Glauben: auf der einen Seite seien die Wasserwerke zur Wafferlieferung verpflichtet und könnten sich nicht der Steuer durch Fortzug entziehen; auf der anderen Seite werde das Unternehmen durch derarrig allzu hohe Steuern dem Ruin entgegengesührl. Einen solche» Zustand könne der Gesetzgeber nicht gewollt haben.— Ter Verlreler der Stadt Scköneberg wies demgegenüber darauf hin, daß die Getneinde Scköneberg den Wasterlieserungsvertrag vor Jahren, als sie noch Dorfgemeinde war, abgeschlossen habe, und daß die Gesellschaft in dieser ganzen Zeit au» der Stadt Schöneberg, ihrer besten Kundin, hohe Einnahmen gezogen habe. Durch die finanziellen Lasten des Krieges sei die Stadt gezwungen, zu besonderen Einnahmen zu greifen. Die Stadt sei durch die zuständigen Minister selbst auf die besondere Gemeindegewerbesteuer hingewiesen worden.— Das OberverwaliungSgericht beschloß, das Urteil den Parteien schriftlich zuzustellen. Tie Entscheidung in dieser wichtigen Sleuerfrage wird für eine ganze Reihe anderer Gemeinden Groß- Berlins, die die gleiche besondere Gcmeindegewerbesteuer ein- geführt haben, von grundsätzlicher Bedeutung sein. Erhöhte Vorsorge gegen Brotkartenfälschungen. Die Brotkarten für die 8., 9., 19. und 11. Woche, d. h. für die Zeit v.>m 18. Februar bis 17. März, sind alle auf gelblichem Wosserzeichenpapier gedruckt. Um eine Unterscheidung der Karten für die einzelnen Wochen zu ermöglichen, ist die zissern« mäßige Mochenbezeichnung im Druck besonders deutlich hervor- gehoben. Vorzeiger anderer Karten sind anzuhalten, da sie recht« mäßig nicht in den Besitz dieser Karten gelangt sein können. Nur nicht blöde! Der„Hausbesitzerverband zur Regelung des ZentralbeizungSweienS" hat in einer zahlreich besuckten Bersamm- lung beslblosien, die �SiaatSregiernng zu eriuchen, dafür zu sorgen. daß die Kökspreiie für den Hausbrand herabgesetzt werden, und daß die Belieferung für den Hausbesitz zu erschwinglichen Preisen er- folgt: serner daß alle Verträge für Wohnungen init Heizung und Warn-wa sie rbersorgung. die aus Grund früherer Kokspreise abgeschlossen morden sind, init sechs wöchentlicher Frist für kündbar erklärt und die Mieteinigungsänuec und Schiedsstellen ermächtigt werden, das Mielsverhältnis und die MictSpreise den veränderten KokSpteisen entsprechend zu gestalten. „Das möstte man gleich der Steuer anzeige«!" Zu einem peinlichen Disput kam es in einer der letzien Sitzungen der 8, Kammer des Berliner KausmannSgerichtS zwischen dem Borsitzenden, M a g i st r a t s r a t D r. R e u m a n n, und e iner als Zeuglii erschienenen Kriegenrau. Die betreffende Zeugin war von der einen Klageporlei mitgebracht worden, ohne eine Borladung erhalten zulhaben. Bei„mitgebrachten* Zeugen entstehen wegen der Zeugengebühren sehr häufig Differenzen, da das Gericht nur Gebühren zahlt, wenn eine gerichtliche Vorladung statt gesunden hat. die Mitgebrachten aber trotzdem ihre ZeitversäumrnS ersetzt haben möch'.en. AI» die Kriegerfrau Berta L. auf die Frage des Vorsitzenden, ob sie etwas versäume, erklärte. sie habe einen sehr großen Ausfall, denli sie arbeite auf Munition und verdiene lS M. pro. Tag. lvandte sich Dr. Neu- mann zum Protokollführer mit den Worten:„Donnerwetter. daS müßteman gleich der Steuer anzeigen.* Und zur Zeugin gewendet, fuhr der BcrhandlungSleiter fort;„Wo Sie so viel Geld verdienen, finde ick es sehr kleinlich, wenn Sie da auf die Zcugengebühren noch Wert legen.* Die derart apostrophierte Kriegersrau erwiderte, es wäre ihr lieber, sie hätte ihren Mann hier, dann brauchte sie nicht so schwer zu arbeiten. Da sie � nicht gerichtlich vorgeladen war, mußte sie tatsächlich ohne Entschädigung abziehen. � Heute ist für die werktätige Bevölkerung mehr denn se Zeit- Verlust als Geldverlust anzusehen, eö sollte darum niemand, der als Zeuge vernommen werden soll, sich„mitbringen" lassen, sondern auf gerichtlicher Ladung bestehen.'Ist aber jemand schon einmal so gefällig und läßt für einen Bekannten die Arbeit im Stich, um sich bei Wind und Wetter an Gerichtsstelle zu begeben, dann sollte er wenigstens dagegen geschützt sein, daß ihm für seine Gutmütig- teil noch fein angemessener Verdienst bom Richtertisch vorgehalten wird.. Du hast noch Gold! Trage es nichi! Lege es nichi beiseiie! Vsrkanfs all deinen Gotdschmuck noch heuie der Goldanlaufstelts! Nach einem Einbruch bei der eigenen Mnttcr verhaftet wurde eine 13 Jahre alte Arbeiterin Erna H ö p p n e r aus der Dragoner- straße. DaS Mädchen verließ vor längerer Zeit die clierttche Wohnung, trieb sich umher und sank immer tiefer. CS trat in enge Beziehungen zu einem Manne, den eS nur dem Vorname»' Paul nach kennen will. Dieser gewann bald einen großen Einfluß aus seine Gelieble. Als er sie kürzlich fragte, ob sie nicht eine Gelegen- beit zu einem Einbruch loisse. gab sie ihm die Wohnung der eigenen Mutter an, einer fleißigen Frau, die schwer zu arbeiten hat, um für ihre jüngeren Kinder zu sorgen. WSbrend die Mutter auf ihrer Arbeitsstelle war. lockte die ToÄIer ihre jüngeren Geschwister auS der Wohnung. Unterdeffcn brach ihr Geliebter ein und stahl alles, waS nicht niet- und nagelfest war. Von dem Erlös gab er dem Mädiben eine Kleinigkeit ab. Dann ließ er eS sitzen und verschwand. Dir Ermittelungen der Kriminalpolizei führten bald auf die richtige Spur. Das Mädchen wurde gestern sestgenommen und dem Unter- suchungSrichter vorgeführt. Für 79 999 Mark Gepäck gestohlen. Gestern um die Mittags- zeit hitzlt ein Gepäckkastenwagen, der mit zwei Schimmeln bespannt war. Und der Bz. Bg. gehört, kurze Zeit in der Mohrenstraßo. Während dort die Begleiter abtrugen, bemächtigte sich ein Dieb deS Gespanns und jagte davon. Der Wagen, der die Nummer 32 trägt, hatte noch für 79 999 M. Gepäck aller Art geladen. Auf die Wiederbcschaffung der Tiebesbeule ist eine hohe Belohnung aus- gesetzt.__ Lichtenberg. Lebensmittel. In der gestrigen Mitteilung muß eS heißen: Auf Abschnitt 1899', L nicht 1799. X je eine Dose Kon- dene-MilS>. Auf Abschnitt 189(7 nicht 179CJ 60 Gramm Mager» milchpulver. Lichtenberg. Die Listen zur ReichStagSwahl liegen von jetzt bis einschließlich Dienstag, den 19. Februar, zur Einsicht ans. An Wochenlagen von 8 bis 3 Uhr, Sonntags von 9 btS 13 Uhr, und zwar für den alte» OrtSleit Berlin-Lichtenberg im Stadtverordnetensitzungssaal de? i�ihauses Möllendorffstr. 6 und für den alten OrtS- teil Boxhagen-RuinmelSburg im Zimmer 59 des Stadthauses Türr- schmidlsir. 25. Jeder Wähler überzeuge sich, daß er eingetragen ist oder er wende sich an die Vertrauensleute unserer Partei bezw. an den Bezirks leiter R. Peterhansel. Wühlischstr. 12/13, vorn L KreiS Teltow. Der Milchverbrnuch der Selbstversorger ist durch eine sofort in Kraft getretene neue Verordnung deS KreiSausschusseS neugeregelt worden. Danach dürfen die Selbstversorger sdie Kuh- Halter nebst ihren HauShaltS- und WirtschaflSangehörigcnZ sür ihren Haushaltsbedarf an frischer Vollmilch nicht mehr als durchschnittlich *1, Liter auf den Kops und Tag verbrauchen; statt dieses Durch- schuiltSverbraucheS von''/» Liter auf-den Kopf und Tag des ganzen Hanshaltes können auch die für Kinder bis zu sechs Jahren. schwangere Frauen und Kranke iin einzelnen zulässigen Bollnülch« mengen verbraucht werden. Alle über den hiernach zulässigen HausballSbedarf gewonnene Vollmilch ist. soweit nicht Verbutterung zugelaffen ist, abzuliefern und zwar zunächst an diejenigen Stellen, an die im September 1916 die Milch abgeliefert worden ist. Die Verwendung von Magermilch durch den Kuhhalter unterliegt keinen Beschränkungen.___ Tegel. Lebensmittel. Auf Abschnitt 1 der Süßstoffkarte kann ein Päckchen Süßstoff entnommen werden. Auf Abschnitt 8 der Lebensmittelkarte>/, Pfund Kunsthonig zum Preise von 57 Pf., aus Abschnitt 7 der neuen LebenSniittelkarts wird ein Ei zu 48 Pf. verteilt. Auf Abschnitt 2 der neuen Lebensmittelkarte sür Jugendliche können jetzt 199 Gramm Grieß in der GemeindeverlansSstelle cnt- nommen werden. — Die RrichStagSwählerliste« liegen bis Dienstag, den 19. Fe- bruar von 8 bis 3 Uhr in der Stcuerabteilung— Beitstraße 5, Zimmer 15— zu jedermanns EMsicht öffentlich apö. Auch am Sonntag erfolgt die Auslegung von 8 bis 3 Uhr. Groß-Serjiner Parteinachrichten. Wissell als Parlamentarier. Genosse Rudolf Wissell, der sozialdemokratische Kandidat für Niederbarnim, hat mehrere Jahre" hüidurch der Bürger- schast der Stadtrcpublik Lübeck als Mitglied angehört. Dort hat er sich nicht nur das unbedingte Vertrauen seiner sozial- demokratlschen Wähler, sondern auch die Achtung der bürger- licheu Gegner zu erwerben gemußt. Als er im Jahre 1909 wegen seiner Berufung nach Berlin ailssch'.ed, hielt der Präsident Dr. Götz eine ifscde, in der er sagte: Herr Wissell hat seit seinem Eintritt in die Bürgerschaft wohl zu jeder wichtigen Borlage das Wort ergriffen und bewiesen, daß er in der Durcharbeitung des Stoffes niemand nachstand. Auf dem Gebiete der Sozialpolitik verdanken wlr ihm manche auf fruchtbaren Boden gefallene A n r e g» i, g. Jetzt gehört Genosse Wissell, wie bekannt, der Redaktion unseres Blattes an und ist ihr Hauptmitardeiter in sozial- polittschen Fragen. Als Vertreter von Arbeiter- i n ter e ssen ist er zweifellos zu einer hervorragenden Rolle im Reichstag berufen._ Heoß-öerlin. Heute abend, 8 Uhr, Mitgliederversammlungen der So-, zialdemokratischen Bcrcine. In allen Versammlungen werden Beittäge entgegen- genommen und Reuausuahmcu vollzogen. Da den Genosse« wichtige Mitteilungen zu machen sind, ist das Erscheinen aller Genossen dringend notwendig. Berlin I. bei Glane, Kommandantenstraße 88. Berlin II. 1. und 2. Abt. Westen bei Rickrrt, Steinmehstr. 36s.— 3. und 4. Abt. Friedrichstadt und Südwesten, Lindenstr. 3, II. Hof 3 Tr.— 5. Abt. Südwesten bei Keufncr, Hagelbevger Str. 29s.— 6. Abt. Südwesten bei Schuster, Chamissoplatz 4.— 7. und 8. Abt. bei Reim, Urbanstr. 29. Berlin III. im GewerkschaftShauS, Engelufer 15. Berlin IV. Petersburger Viertel: bei Kühne, Schreinerstr. 58.— Landsberger Viertel: im Elysium, Landsberger Allee 49.— Frankfurter Viertel: bei Waechter, Kl. GcwerkschastShaus, Elisiubethstr. 11,— Stralauer Viertel: bei E. Nah, Warschauer Str. 57.— Cöpcnicker Viertel: bei Fröhlich, Muökauer Str. 1.— Görlitzer Viertel: Bei Daus, Lausitzer Str. 46. Berlin V. Wt. 1b bei Schwanherz, Naugarder Str. 8,— Abt. 1 n. la bei Spange, Christburgcr Str. 24.— Abt. 2 und 3: Sicmunds Festsäle, Linienstr. 8.— Abt 4, 5 und 6; bei Pickcrt, Linicnstr. INF.—- Abt. 7: bei Walter, Schiffbauerdamm 22. Berlin VI. l.— 7. Abt. im GcnvsscnschaftshouS, Stargarder Str. 3.-i■ 8. Zlbf. bei Hoffman», Swinemündcr Str. 47.— 9. Abt. bei Dbigl«, Stralsunder' Str. 11.— 19. Abt. bei Carus, Bol-tastr. 37.-- 11. Abt. bei Paul, Gartenstr. 191.— 12.— 15. Abt. bei Kleiner»!, Jugow- und Oevetzowstraßcn-Eckc.— 18. u. 19. Abt. im„Schweden- zeit", Schweden- u. Ererzierstraßen-Ecke.— 16.«. 17., 29.-22. Abt. bei Sachse, Lindower Str. 23. Bohnsdorf: bei Grabow, am Bahnhof Grünau. Brib: Heute abend 8% Uhr MUgliederversammlmrg bei Bahr, Werderstr. 37.„Borwäxts"-Leser und Gesinnungsgenossen werden um ihr Erscheinen gebeien. Popenick: bei Gollnow, Rosenstraße. Fredersdorf-PeierShagen: bei Heuer- in PeterShagen. Karlshorst:£*i Poser, Dönhoffstr. 8. .Kaulsdorf: bei Hampel, Hönoloer Sir. 5. Lichtenberg: bei Kurkowskr, Pfarrstr. 74, nahe der Frank- furtcr Allee. Mariendorf: Chausseestr. 44. Neukölln. In folgenden Lokalen: 1. bis 4. Bezirk bei Schulz, Reuterstr. 47, Ecke Lenaustr.; 5. Bezirk bei Schittlcr, Weichselstr. 5, Ecke Donaustr.; 6. Bezirk bei Noack, Weserstr. 41, Ecke Fuldastr.; 7. Bezirk bei Jdcn, Boddinskr. 58, Ecke Jsarstraße; 8. Bezirk Sei Kleinerl, Stuttgarter Str. 7;. 9. Bezirk bei Ntvsche, Berthelsdorfcr Sir 8. Ecke Neue Donaustr.; 19. bis 12. Bezirk im Turnerheim, Böhmische Str. 13; 13. bb' 17. Bezirk bei Cenkel, Hermannstr. 173, Ecke Thomasstr.: 18. bis 29. Bezirk bei Ed. Richnow, Prinz-Harrd- jery-Str, 69:. 21. bis 24. Bezirk bei Hentschcl, Herrfurihstr. 27. Oberschöueweide: bei lodewig, Laufenerflr. 5. Pankow: zur„Hütte" Breitestr. 16. Reinickeudors-Ost: in den Restaurants Dölchner, Residenzstraße, Ecke Markstroßc. und Neumaun. Pravinzstraß«, Ecke Koppestraße. Steglitz: bei Element. Düvpelstr. 7. Temvelhef: bei Müller, Berliner Str. 97. Weistenser: bei Staerkc, Charlottenburger Str. 3. Wilmersdorf: D.e Mitgliedorvcrsainmlumz findet erst am 29. Februar statt._ Friedrichshagrn. Freitag, den 15. Februar, abends 8 Uhr, im„Lmdengarten*. Friedrichstr. 74: Mitgliedervers am in- lung. Tagesordnung: Die bevorstehende ReichStagSwahl. Wer- schied enes. Treptow-Baumschulenwcg. Am Mittwoch, den 18. Februar, abendö 8'/, Uhr, findet bei Erbe, Baumschulenstr. 14. und bei Ebert, Grötzstr. 1. BeilragSkassielung statt. Srächste fällige Mitglieder- Versammlung am Dienstag, den 26. bei Ebert in Treptow. Grötz«. straße 1.. Mahlsdorf sOstbahnj. Am Sonnahend, den 16. Februar, abends 8 Uhr. im Lokal des Herrn E. Anders, Bahnhofstraße: Mitglieder- Versammlung.__ Gewinnans�ttg der II. Vreuhisch- Andventsche» 0*37. KöuigUch VreuMchcv) Massenlstteri« 2. Klaffe l. ZiehungStag 12. Februar ISIS Stuf jede geivg«!« vtinniner pn»-»»c« alrtch Vöde Wewlnn»«»fall«». onv zwar ir«wer auf dt« b»i« aldific« S,«immer in den t>«>deo Abteil»ii»e»> ans U (Ohne Gewähr A. Et.-A. f. ü.)(Aachdrua verboten» In der BorinittagS» Ziehung wurden Gewinne über VS Mk. gezogen: 2 BeWinne zu 49 909 Mk. 127835 2 Gewinne zu 3900 Mk. 163171 4 Gewinn« zu 590 Mk- 61262 188392 12 Gewinne zu 400 Ml. 4641 10254 8968» 117699 124405 203423 44 Ettmnnc ju 300 Mk. 3050 29957 37974 42966 67051 85378 69522 85840 87375 97756 114773 118373 124771 129322 131621 157667 184396 291999 203414 207473 215813 216353 86 Gewinne zu 200 Dtt. 929 1103 6942 18409 22784 ,25105 29418 30142 30380 30779 32668 84886 36861 40301 43479 51264 55929 58042 62737 65312 67490 74478 86706 87454 88993 92153 94239 106723 112746 120543 125922 130288 144566 147695 161290 161333 162003 166716 168790 176585 182254 2X0849 215236 In der Rachlnittags.Ziehang wurden Tcivinne über 0« Mk. gezogen: 2(ikwim-e zu 60 000 Ml. S02S 2 Gewinne zu 5000 Mk. 135066 2 Gewinne zu 3000 Mk. 186379 . 2 Gewinne zu 1000 Ml. 190960 4 Gewinne zu 500 Ml. 39388 2066B0 213710®Ctt'"tne 400 15769 67057 85164 142785 12 Gewinne zu 300 Mr. 28274 36304 87323 130843 207045 213079 64 Gewinne zu 200 Mi. 1150 4743 5884 7382 16793 22842 33762 34040 35269 35892 46628 49290 63651 65427 743X0 76746 93784 99147 100629 106663 114014 122398 127100 130506 131 1Y7 136173 162543 172026 182665 186616 200512 215088 ö GerichtsMung. Stadtkinder auf dem Laude. Wegen Sittlichkeit?' verbrechen in drei Fällen i;t vom Landgericht D a r m st a d t am 27. November v. I. der Landwirt T r a y s c r zu zwei Jahren Zuchthaus und fünf Jahren Ehrverlust verurteilt worden. In dein Wohnort des Angeklagten waren eine Anzahl Stadtkinder zur Erholung untergebracht. An drei Mädchen unter vierzehn Jahren hat sich der Angeklagte in der Weise vergangen, dag er sie im- » ll.Jj.JI.lll!>»» sittlich berührt hat. Seine Revision wrirde vom Reichs- gcricht als unbegründet verworfen. Tie Uüübertraglmrc Monatskarte. Ein Kaufmann R. hatte für leinen Hansdiener B. eine Monatskarte für die Strecke Friedrich- nrahe bis Tiergarten der Stadt- und Ringbahn gelöst. Nachdem R. seinen alten Haasdiener mitten im Monat entlasten und einen neuen angenommen hatte, erteilte er letzterem eines Tages den Austrag, ihm etwas aus seiner Wohnung am Bahnhof Tiergarten zu holen: zu diesem Zwecke übergab R. dem neuen Hausdiener die auf den Rainen des alten ausgestellte Monatskarte. Als die Eisen- bahnver waltung hiervon Kenntnis erhielt, wurde gegen N. ein Strafverfahren eingeleitet. Tie Sirafkammer erachiete Betrug für vorliegend und verurteilte R. wegen Betruges zu Ii) M, Geldstiafe, indem sie betonte, er bebe den Betrag für eine neue Monatskarte ersparen wollen und daher die Eisenbähnbchichde getäuiÄ: und gc- schädigt. Diese Entscheidung focht R. durch Revision beim Kaminer- gericht an und stellte in Abrede, die Absicht gehabt zu haben, einen Betrug zu verüben. DaS Kammergerichl wies indessen die Revision des Angeklagten' zmück. SSeUeranStUdten tlir das mitriere N»rddeiltl.! nnr MS Tonnerskag mittag. Zeitweise heiter, aber veränderlich, mit mein geringen, nur im Nordwesten etwas verstärkten Niederschiägen; in der Nacht zu Ton- nerstag besonders im Osten leichter Frost, um Mitlag überall ziemlich mild. iDiroKtunt Marc iteinhardt. I'outscJios Theater. 7 Uhr: Macht dar Finsternis. FCammerspieie. VI, Uhr: Die Koratle. Volksbühne. Theater am Bülowplatj. Untergrundb. Schönh. Tor, VI, Uhr: Nathan dar Wcisa, Pir. C. Meinhard— F.. Berr.auer. Theater j,-. Kcniogrätzerstr. 7": Strindberg-Abend. Komödienhaus P': DerCnbestechliche. Berliner Theater 7 Uhr: Blitablaues Blut. Theater für Mittwoch, 13. Februar, f.nbtsplellians 73/4 Uhr: DieiilonilenSMs*. LindeBho! Ccntrql-Theater Kommaiidantenstraße 57. 7'./,: Die Csardasflirstln Deutsches Opernhaas ev, uhr: Die WaSküre. Friedrich-Wilhelmsf. Theater U/.Uhr: ßßS vfWMflljM. Kleines Theater VI, Uhr: klanls. Neuer Spielplan! Jlegelmann Truppe Luftakt Riegos dress. Elefanten Karl Bernhard, Humorist Berat, Lichtakt Herbert Rahling d. 14inhr. Klavicn'irtuo'jO Frank Herrn», Exzentrik Maximilian u. Sohn, Akrobaten Asra, Billardkünstler Grete Flnss rheinische Humoristin Alwine u. Jerome, Equili- bristen Alice Barver, Kunst- schützin Kinomatograph. Komische Oper 7'!» u-: ScliwarzwalWeL Neues Operettenliaus Schiffbd. 4a. Kasseut.Nd. 281 �miriDerSßliiatder Marie. Theater des Westen» 4 Uhr; Känsef und Bretel. 7vauhr: Der verliebte Eerzog mit Guido Thielsoher. Metropol-Theater Die Rose von Staiiül. yu Uhr: Residenz-Theater v'/3uhr: Ber juapZar. Schiller-Theater O 1*1, uhr: ßie wie W. Schiller-Th. Chart. 3 Uhr: Wilh-eim Teil. T'/jUhr: OespensleF. Thälla-Theater Hhr: EP ÜBt! 58108 FfgUSÜ. Theater ai# Noliendorfplatz 3'/, Uhr; Don dnan. 7 Ulli; wm HUÄWZMiWMMMWMUWG süß?*' Santa-Lucia-Wein Küat'ich in Apotheken, Drog.- Delikateß- Geschäften.* KMKkM m ZÜUBM'MUlUW ZahHkcSic Berlin unii llmgegend. TonnerStag, de» 14. Februar, adends 8 NHr: ZahisteiS@E%"¥@rsamm8iing int GcwcrkschaftShause, Engelnscr 15. Tagesordnung: 1. Zlbrechiinng vom t. Q-uartal 1917. 2. Bericht und tSraänziingsmalil ded Borstandes. 3. gänzuiigswahl der Schiedstommisston. V'oIIzhiitZges IZrsehelnea der Delegierten Ist DQieht. Der Vorstand. Das fettlölsc- Wasch-«n«. ftciiiigun g$m Ittel ist vom Kriegsauäschnß zum Kleinhandelspreis/von t Itl. für das Kilo endgültig genehmigt. ProbefÄsser 50 Kilo 50 51.\ Bericht und Er- 256/1 t fr. Doutsch-Arnorik. Thcot. I Tügl. 7'/, Uhr: Cöpemcker Straße 68. Der große E. de Haen Chemische Fabrik„List" G, m. b. W. Abt."WaschmHtel, Haaatjurg: 36. Alle Anfragen für die Provinz B rii ndenburg an die SaDllßr-Dssinlekhons-Gesellseliaft e h. H., Berlin S-13, Rltterstr. 2«/iy. Pom sp. Mpl. 2202, 2203. Drahtanschrift: Oosuntei Berlin. E p f© S g> Die ist richtig! Vorverkau F: lO1/» 2 und ab 0 Uhr. Sonnt. 07.: Stndcntenliebchcn. Zirkus ÄSctamatra ßhf. Friedrickstr. Ant. NW- Nur noch kuns?sit. votzts Saison in Berlin. Das hervorragopds große Sport- Prograuim, iBr-faKri-w �ÄraößFMiiläySafd# 10 dressierte Kamele. 3 Goschw. PiStz-Larella 3 akrob. Handtänzerinnen. 8 Frank ouis 8 LI q v i ir p Gro ß e Ausst,-{ 1t' C ü 1 A U. Pantomime. JU Berliner Konzertiiaus $***} Mauerstraße 82. Zimmcrstraße 90/91. *— Heute: Großes Konzert des Berliner Konaerthaus-Orchesters, Leiter: Komponist Franz von Blon. Anfang�?1:, Uhr. Eintritt 30 Pf. Anfang 71/, Uhr. Freitag? den 15, Febr.: Großes Konzert des Erkschcn Hänncrgesangvorsins(E. V.) in Gemeinschaft mit dem Mohrschon Männerchor. Chorm.: Kgl. Musikdir. Prof. Max Stange. k mit tificklaut-katneler �SANABO Ii in Kracst-htiausem, Luaretteo und Künikin im Ui)br»ui;h— Schnulloto 2rfciee»ach tei hartniiekigan Pälten. �MwAnsiitefin tr.teänü.U�hnis: . Berlin W, Düicvvsir. 1 2, pl. klola Ltzw. OCOJ, Nolldl. 663. f roste W H_ Ohne Berutsatörung öprötasa: 13— 2,'>— S;.SonnU: 11— 1.. trprechst. t. Damaa 12—1, 6— 8.■■ Sanitatsrat Dr. Paul Wolft. g«li!ilMüe I fitt die(»pä j?i;i lildilei d. WüMe- Meiler z« SM. Zlin Freitag, den LS Februar 1918. abends 3 Uhr, findet im � Gewerkschastshaus, Engel.! user 15. Enal 3, eine Außerordentliche Ausschuß- Sitzung statt, zu welcher die Vertreter i der Arbeitgeber und der Ver-! sicherten hierdurch eingeladen' sind. 300/11■ Tagesordnung: 1. Antrag des Vorstandes aus Abänderung der ZK 15, 16 und 44 der Sgtzung. 2. Antrag des Vorstandes aus Wiedereinsührung der Schwangeren- Unterstützung (§ 27 der Satzung). Der Vorstand. � Emil B o e s k e, Vorsitzender.! Fritz Zinke, Schrijtsührer. vereii, ckee SteteotvpeNl'e und GalvarioplasfiKer Rcriins und llmgegenck. 5?cn Mitgliedern zur Nachricht, datz unser Mitglied �ichsnl Gnth j im 75. Lebensjahre»erstorben ist. Ehre seinem Andenken k Tie Beerdigung findet am Donnerstag, 14. Februar, nachmitlnijs 3 iibr. von der Leichenhalle der Paul- Ger- Hardt- Gemeinde,« Schöne- | öerg, Hauptstrafie, aus tzall. Um zahlreiche Beteiligung i bitter 1 283/3 Der Vorstand. Eon erschienen: Licoahardt Ualmans PrakllsGtieLauisn-ii.GÜarre-ScIlüls (100 Seiten) juil" Anhang, ausgewählte Lieder M. 3.—. LiederSOllaiZ ltU 1 ante(CO S.). ent- I Walhalla-Theater. ß'/j Uhr: Domröschen. 7./- uhr: im Gölileiign fiöfB. Rose-Theater. 7»/, Uhr: Eine Waise. Tätri. 7!;2, Sonnt.!!>/. u. 71/, Heute drittletzler Tag. /jastspiel Hartstelm „Er oder Er"' Neue Beel. Revue-Biider usw. Friedriohstr. 165. Ecke Behrenstraße. Glaire Waidoff Willi Prager Werner Goldmann u. das hervorragende Februar-Programm. Yolgt-Thealer. Badstr 58. Badstr. 58. Täglich TV« Uhr: Mein Leopold. T giinerSlag, den 2l. Februar: Äenefi-, kür I. Löitte: .Artnrs Flitterwochen. URANIA 8 Uhr: Direktor Franz Goerke: JerKosai® m. i 8 Uhr: Dr. W. Berndt: Von den Grenzen des organischen Eobens, HimU® 1 | Friedpichstr. 218. 7a/<| i>er Flieger von Tsingtan I sowfe die verblüffenden| J Variets-Attraktionen. I f Theaterkasse ab 10 G.| unnnterbr. geöffnefc, Trianon-Theater s/<8 am Bhf. Fpiedrichslr.°/,8 Tel.: Zontrum 4927 und 2391. Der Lebensschüler Komödie von Ludwig Fulda. Ida Wüst. Erich Kaiser-Titz, v.Möllondorff, Flink, Kettnsr. Stg. 4 ü. kl. Pr.: Johannisfeuer. Admlralspalast 7alt Uhr; Dentsehe Tdnze von 8chabert. Abrakadabra. C&vvs ISCII� TägI.7Va Stg. 3'/, u. U. Granafen-Känio Pismel- Aaffangan einer scharf abgeschossenen 46 Pfund schweren Granate. 3 Janowskys, 3 Heinys usw. usw. Zum Schluß; iondfahrt. haltend 36 ausgewählte Lieder M. Si.- Zu beziehen durch alle Musiknlieu-Handl. u. vom T r i ii m p h- Ve r i a g G. m.». 11., Berlin SW Gl, Waterloo-Ufer 19.— Moritzpl. 11418. »HM tW? stzM 5? ü Hopfen als Tabakersatz; | ürärarievt m:b zerkleinert, verkamt en !;19L* Pmnl tZcmter. Dfck Telegramm-Adeei'se: iträukerzemier. Reicfisliallfin-Tlieatßr. Allabendl ich 71/, und Sonntag nachmittag 3 Uhr Zum Schluß; Weili- naciitstrauin Nachmittags ermäßigte Preise I Casino-Theater Lothringer Str. 37. Tägl.'(,8 U. Wieder ein aktueller Schlager. Wirklicher Humor! Gr. ürjolg! Hamsterfritze. Berti Polse in 3 Au!z.— Dazu Hock, 2 Ewcs, Carry Hartwell. Stg. 4 IL; Schipp, schipp, hurra! »«WM Brat- und Tiivvenhühner Zelle MWülW SßüWeil sr6" empfiehlt besonders preiswert SSM-»»-« IliW. Planuser 2l. am Halleschen Tor. —--- Ziehung am iL. Febrnar!SIS——— KSnderiielm- Lslterie . Genehmigt für Provias Brandeaburg und Berlin 100 C00 Lose, 3067 Gewinne im Gesamtw. von Mark t®««©© s.©c#s® o.« |sc Lose zu 3 Mk. !sLMUIeeiC!i Porto u. 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Februar verstarb " plötzlich infolge eines Un- glüllSfall-s im Dienst m treuer Pfiichterfüllung unser gelicbier einziger Sohn, der Sit rii tiefe er 152S6 Paal Jurlschka Untcroskizicr im Augusta- Kardc-Grcnadier-Aeg.Nr 4,1 Snh, des Eis, Kreuzes 2. Ki., s Im 23. Lebens j ah: c. Berlin, t2. Februar 1918.| D-e trauernden Eltern Adoit Jurischha und Frau Marie reb. Brink. Die Beerdigung findet am\ Freilag, de» 15. d. M., nach' miliags VI, Ufer, aus bernf hiesigen Garuison-Airchhos( in der Hascnheide statt. "gvar Am Freitag, den 8. Fe- I bruar vcriiarb an den Folgen I eines Gehirnschlages mein! s lieber Wann, unier guier 1 Bai« rmd Grotzval«, de: i ! Tischler l53vb\ Rarl LeSialiaFdt j im beinahe vollendeten I [ 72. Lebensjahre. Dies zeigt tieibctrübt an I ! Wwe. Berta Lehniiardt t j nebst Kindern und Enkeln.\ Falkenberg bei Grünau. FlottePU-iPelzinWü la Ponleumäntei. ziemlich lang, Hott» Oiucheuiorm aal Brokat...... 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Ein tieseS Geheimnis verhüllt ihre Lebensgeschichte. Warum, so fragt man imnier wieder, blühen sie gerade dann, wenn Frost und milde Witterung beständig wechseln. warum gerade zu Ende und nicht anfangs dcS Winters? Wir können leicht feststellen, daß die Blüienknospe des Schnee- glöckchens sehr bald, nachdem die Hflanze abgeblüht bat, angelegt wird. Dann aber verharrt die junge Anlage fast dreiviertel Jahr in Ruhe, ans der sie plötzlich erwacht. Man hat die perschieden- artigsten Versuche angestellt, die Knospe schon früher ans ihrer Ruhe aufzurütteln, doch alle sind bisher gescheitert. Uebrigens kennt man Vflanzen, b« welchen die Ruhe der Kneipen noch länger dauert. Die amerikani'sche Dreibliime legt ihre Knospe gar schon zwei Jahre siüher an, ehe sie zur Ausbildung kommt Gewiß hat auch jeder von uns an älteren Bäumen aus dem Stamm einen jungen Trieb hervorbrechen sehen, der einer Knospe emstammte, die vor vielen Jabren angelegt, dann überwachsen war und nun, nach langen Jahren, mit einem Male neues Leben bekam und durchs Holz hindurch wuchs. Was ist die Ursache für diese merkwürdige Er- scheinung? Wir wissen es nicht. Wir können nur vermuten, daß hier gewisse chemische Umwandlungen vor sich gehen. ES wäre aber müßig, sich in theoretischen Spekulationen darüber zu ergehen, welcher Art diese Umwandlungen sind. DaS� ist Sache der Zellforschung, die gerade auf diesem Gebiete noch scbr wenig greifbare Neiultale gezeitigt hat. Wenn man bisher don spezieller Botanik sprach, so verstand man darunter die systematische Botanik im weiteren Sinne, welche sich mir den äußere» Unterschieden der Formen, mit deren genetischer Entwick- lung, soweit sie aus morphologischen Gesichtspunkten sich ergab. mit der geographischen Verbreitung, mit biologischen Eigentümlich- keilen usw. beschäftigt. Ader noch liegt fast das ganze weite Feld spezieller Botanik brach, nur die ersten Anfänge der Beackenmg dieses Feldes sind gemacht. Sie bewegen sich zunächst auf Physika- lifchem Gebiete. Sicher ist, daß sie. wenn sie auf das chemische Gebiet ausgedehnt werden, uns deroinst das größte Rätsel lösen werden, das Lebensrätiel. Diese Untersuchungen werden uns dann auch die Antwort auf die Frage geben, warum die ersten Frühlings- blumen gerade zu dieser Jahreszeit blühen. Wenn wir tmS die ersten Frühlingsblumen ansehen, so können wir mancherlei Interessantes beobachten. Die Blüten haben etwas Apartes, daS von den meisten anderen Blumen abweicht. Da ist z. B. der gelbe Winterling, der erste bon allen Lenzcsboten, den cS nicht sonderlich stört, wenn er wiederholt hart wie Glas gefriert. Lbgleich oder vielleicht auch eben weil er eine heimische Pflanze ist, sind et man ihn in nnieren Gärten leider selten. In Enzland fehlt ei kaum in einem Garten und alljährlich berichlen die englischen Gartenbaiizeitschristen, wo der erste„Winterakonil� geblüht hat. Das Pflänzchen sendet aus seiner Knolle, die man im Spät- sommer an den'Rand von Gehölzgruppen wie KrokuS einpflanzt, bis fingerlange kräftige Stengel, die an der Spitze die große gelbe,>ebr wohlriechende Blume tragen. Eine einzige Knolle treibt bis zu einem halben Dutzend Blüienstiele, und da sich die Pflanze schnell durch Samen, den sie ausstreut, vermehrt, io genügen verhältnismäßig wenige Knollen, um in ein paar Jahren größere Flächen mit der Pflame zu beictzen. Unter jeder Blüte sitzt eine reizend zerschlitzle grüne Manschette. Die Blume selbst öffnet sich nur bei warMem Weiter, Regenwetter und Kälte, ja selbst rauhe Winde tasten sie geschlossen. Weiß die Blume, daß bei solchem Weiter keine Insekten fliegen, welche sich den süßen Honig aus den tutcnartig geformten Blumen holen und dabei die Be- stäubung ausführen sollen? Wenn es auch auf den ersten'Blick scheint, als seien die gelben Blätter die Blumenblätter, so lebrt uns doch die Morphologie, daß sie die Kelchblätier sind, die bei anderen Pflanzen eine grüne Faibe haben, Ihre Kelchnotur dokumentiert sich auch darin, daß sie nickt abfallen wie Blumen- blättec, sondern, allerdings erst nach Wochen, wenn die Blumen befruchtet sind, langsam eintrocknen und verichrumpien, Ganz ähnlich verhält sich die Nieswurz, einer nahen Verwandten dcS Winterlings. Eigenartig sind die Laubblätier der beiden Pflanzen. Beim Winterling erscheinen sie gleichzeitig mit oder bald nach den Blüten, Ihre Blatifläche sitzt schildartig ans dem Blatt- stiele, ist dabei aber vielfach zierlich eingeschnitten. Die viel größeren Laubblätter der Nieswurz dagegen haben eine Gestalt, die man in der botanischen Kunstsprache als fußförmig bezeichnet und die sich im ganzen Pflanzenreiche nur sehr selteü findet. Doch nicht nur die krautartigen Pflanzen, auch die Holzgewächle senden uns jetzt schon vereinzelt Bmmengrüße. Mit am schönsten ist der Seidetbast. dessen Zweige dicht mit rosenroten, kleinen, sehr süß duftenden Blumen besetzt sind. Erlen. Haseln, Pappeln schauckeln bald ihre Blllienkätzchen im Winde und streuen dabei ganze Wolken gelben Blütenstaubes aus. Auch einzelne Ahornarten und der Hartriegel blühen schon jetzt. Es ist recht charaklensttsch, daß die meisten dieser Holzgewächse sogenannte Windblütler sind, d, b. Pflanzen, die nicht darauf angewiesen sind, daß Jnseiien den Blütenstaub von einer Blume auf die andere tragen, sondern die den Wind als postillori d'ainour benutzen. Für die Oekonomie der Pflanze ist das aller- dings nicht sehr günstig, denn eS leuchtet ein. daß eine Bestäubung der Blumen dann in viel höbtrem Maße vom Zufall abhängig ist. Solange die verschiedenen Blumen noch auf derselben Pflanze sitzen, wie bei der Hasel, ist die Wahrscheinlichkeit, daß die- Blumen bestäubt werden, immer noch größer als da, Ivo die ver- schiedenen Blumen, nämlich Staubgefäßblüten und Stempelblüten, auf verschiedenen Pflanzenindividrrcn sitzen, wie es bei den Pappeln der Fall ist. Ans äußerst sinnreiche Weife sind diese Pflanzen der Windbestäubung angepaßt, Ter Blütenstanb ist locker und staubtrocken»n Gegensatz zu dem nicht so leickt verwehbarcn Blütenstaub der' Insektenblütler, die Staubbeutel liegen frei zutage und der ganze Blütenstand ist so lose, daß der leiseste Lufthanch ihn in Bewegung setzt. Die Blumenhüllen sind so klein, daß sie dem Blütenstäube keinerlei Hinderinsse in den Weg stellen. Andererseils sind die Narben, auf welche der Blütenstaub gelangen muß. wenn eine Befruchtung stattfinden soll, Verhältnis- mäßig groß und federartig zerteilt, so daß sie wie richtige Staub- fänger funktionieren. Auch hier sind die Blülenhüllen klein, so klein, daß der Uneingeweihte die Blumen bisweilen, wie z. B, bei der Hasel, gar nicht bemerkt. Erst die blutroten, fcderbartarligen Narben, welche aus den Knochen hervorragen, weisen den Weg, wo man die Blumen zu iuchen hat. So bieten schon die ersten Knospen dem aufmerksamen Nainr- freunde eine Fülle von Stoff zum Nachdenken. In wenigen Wochen marschiert dann das große Heer der Lenzblüher auf. Möge eine günstige Witterung ihnen bcschieden sein! Der Nationa!öichter öer Ukraine. Jetzt, wo die Ukraine durch den Friedensvertrag mit den Mittelmächten endgültig uxier die selbständigen Staaten Europas eingetreten ist, gebührt es sich wohl, des Mannes zu gedenken, der der Seele und der Sebnsucht des ukrainischen Volkes das Wort ge- lieben, sein Nationalgesühl mächtig gestärkt und den Drang nach völkischer Unabhängigkeit in ihm geweckt hat. Das ist T a r a S S ch e w t s ch c n k o, ein Dichter, dessen Lebensgang seltsam und er- schütiernd war und desien Schäften ihm einen hohen Rang in der europäischen Liiteratur anweist. Schewtschenko wurde am!). März tblll im Dorfe Morynci im Gouvernement Kiew geboren. Er war der Sohn eines Leibeigenen und wurde früh Waise. Eine elende Jugend und ein Herz voller Sehnsucht nach Licht und Glück: so waren die Anfänge seines Lebens. Endlich wurde mau auf ihn aufmerk» sam, und zioar ivar es seine bedeutende malerische Begabung, durch die er Anteil erregte. Ein Akademieprofesior brachte durch Ver- losung eines seiner Gemälde die Summe von 10 000 Rubel zu- samnidn, dafür wurde Schewüchenko sreigekaust und er konnte die Petersburger Kunstakademie beziehen. ES begann eine glückkiche Entwicklungszeit, Die Kunstakademie konnte er mit der goldenen Medaille aitsgezcichnci verlassen, zugleich hatte sich ihm während der Zeit in eifriger Arbeit die große reiche Welt der Bildung er- öffnet, Sein Dichten, desien Anfänge schon in seine Frühzeit zurück- reichten, nahm nun einen mächtigen Aufschwung, Die Lieder wuchsen aus der Seele dieses Ukrainers hervor, wie die Blumen aus der Erde. Die großen geschichtlichen Erinnerungen seines Volke?, das freie Kosakentum, seine Taten und Schicksale, daS Leben am heiligen Dnjeprstronre, die Natur der unermeßlichen Steppe: das alles war in diesem Sohne des ukrainischen Volkes lebendig und entströmte ihm nun in seelenvollen Liedern, deren Atem der freie Steppen- wind zu sein scheint und deren Unterton die tiefe Melancholie eines Volles bildet, das in sozialer und nationaler Sfnechnchast schinachtet, Leidenschaftliche Freiheitsiöne stimmt Schewlschenko an, nstd vor allem ist es die von ihm selbst durchkostete Schmach der Leibeigen- icbast, gegen die seine Verse eisern. Das mächtige, gegen den russischen Despotismus gerichtete Ge- dicht«Kaukasus" wurde die Ursache zur tragischen Wendung seines Lebens. Mitten aus der Tätigkeit als Professor an der Kunst- akademie zu Kiew wurde er herausgerissen, nach Petersburg auf die Festung geschleppt und dann in die Kirgisensteppe Sibiriens verbannt. Dabei wurde ihm verboten zu lesen oder zu schreiben, zu nialen oder auch nur zu singen— geistiger Tod war es, was der Zar dem Dichter der Ukraine zugedacht hatte. Ganz konnte freilich dieser quellende Licdermund trotz alledem selbst in de.' GrabeSnacht der sibirischen Verbannung nicht erstick! werden, aber erst nach einem vollen Jahrzehnt, nach der Thronbesteigung Alexanders II., gelang eS seinen Freunde», seine Befreiung zu er- wirken. So kehrte der schwer Geprüfte in die alte Lebensbahn zurück, nur daß seine Liebe zur Ukraine nun um so mehr vertieft, sein Haß gegen die Herren und Herrscher um so stärker gewachieii war. Nur drei Jahre hatte er so noch zu leben; am 10, März 1801 ereilte den riesenztarken, aber durch die Leiden der Verbannung körperlich schwer erschütterten Mann ein vorzeitiger Tod. Von seinen Gedichten hat Julia Virginia eine deutsche Ueber- setzung geliefert, die vor einer Reihe von Jahren im itzenien-Vetlag in Leipzig erschimen ist. Ihre Melodie ist dunkel, ihr Atem heiß---- Mit tiefer Liebe und innigem Verständnis schildert er die Natur der Ukraine und das Leben ihrer unterdrückten Kinder. Ueber allen Leiden aber erglänzt der Stern künftiger Hoffnung. Freiheit! Frei- beit! das ist die Losung, die Schewtschenko dem Ukrainer Volke ins Herz gepflanzt hat. Die Schlußworte seines Gedichtes«Vermächt« Iiis" lauten; Senkt mich ein— doch dann erhebt euch! Ketten sprenget, Härtel Feindes Blut, es röie eurer Freiheit Siegsstandarte, Und im neuen freien Bimde In der Brüder Kreise Denkt auch meiner dann mit einem Wörtchen lieb und leise. Und er ist nicht vergessen worden! Der Volksdichter wurde in der Erinnerung seiner Landsleute zum BolkShelden. Sein, Sterbe- tag wird in der Ukraine als höchster Ikaiionalseiertag begangen, und die Ukrainer wallfahrten dann zu dem Hügel bei Kaniw am Dnjcpr, wo Schewtschenkos Sterbliches zur letzten Ruhe gebettet ist. Er hat die erst um 1800 zur Schriftsprache erhobene ukrainische Volksmund- art mit dem Blute der Dichtung belebt und geweiht; er hat sein Volk um seine nationalen Ideale gesainmelt, und so ist es auch seine Saat, die jetzt in der Freiheit der Ukraine aufgegangen ist. Notizen. .— Ueber die Ukraine spricht im Wiffenschaftlichen Theater der Urania unter Vorführung bon Lichtbildern am 18. Fe- bruar, abends 8 Uhr, Dr. Falk Schupp. — Die Gci st erhand. Ein Beitrag zu der bekannten Tat- sacke, daß Amputierte oft ein, Gefühl in dem Glied zu empfinden glauben, das sie gar nicht mehr besitzen, findet sich in dem Brief eines englischen Soldaten an den„Manchester Guardian":„Ich habe meine linke Hand im Felde verloren und glaube trotzdem noch immer diese Hand ganz deutlich zu fühlen. An jedem Abend habe ich das Gefühl, als ob die Finger dieser nicht mehr vorhandelien Hand offen wären, während es mir am Morgen immer scheint, daß sie stst-geschlossen sind. Diese Vermiderung gehs stets während des Schlafes vor sich. Nun muß ich erklären, daß ich Linkshänder war und während der Schlacht' den Revolver, mit der linken, jetzt verlorenen Hund hielt. Wenn nach meinem Gefühl die Finger der amputierten Hand geschloffen sind, haben sie genau die Stellung, als ob sie einen Revolver hielten._' Ich kann Fnir das Ganze nur daraus erklären, daß mir die zerschmettert�Haud genau 24 Stunden nach der Verletzung ab- genommen wurde. Um 4 Uhr morgens hielt die Hand mit gc- schlossenen Fingern den Revolver, und am nächsten Morgen um 4 Uhr wurde sie amputiert. Es ist also erstens, als ob die Hand sich an beide Ereignisse erinnerte, und zweitens, als ob meine Nerven sich an die Hand erinnerten, die gar nicht mehr vor- hauden i't.' — Spruchweisheit der Litauer: Mit lahmem Gaule reitest du nicht weit.— Mit Artigkeit allein kriegt man keinen Topf zu Rande.— Bei Tisch darf mM nicht blöde sein.— Es find nicht alle Jäger, die krumme Hörner tragen.— Ein Huhn verrät sich schon durchs Gackern,— Was das Kalb nicht lernt, lernt der Ochfe schon gar mlht.— DaS Unkraut lacht den Flachs aus.— Er macht auS einer Nähnadel eine Wagendeichsel.__ 32] , Töchter öer tzekuba. Ein Roman ouS unserer Zeit von Clara Viebig, „Du bist eifersüchtig," sagte ihr Mann.„Mehr als alle Zukunftssorgen quält es dich, daß du die Liebe deines Sohnes nun teilen mußt." Sie senkte den Kopf:'war es denn nicht a�ch schwer? Nie, nie hätte sie ohne weiteren Kampf eingewuligt. wäre nicht das dunkle Bild der 5lrüger wie ein mahnender Schatten auf ihren Weg gefallen. Als sie zur Kirche fuhren, fing es an zu regnen. Es regnete der Braut in den Kranz, das bedeutet Glück. Waruni fvlltc die auch nicht Glück haben, reich, schien, jung? Die Neugierigen, die sich in großer Zahl vor der Kirche an- gesammelt hatten, waren begeistert. Beifälliges Gemurmel begrüßte die schöue�Braut deim Aussteigen." Was die fein war l In weißer Seide, niit einein Schleier, der in vielen duftigen Falten von dem runden Myrtenkranz niederhing. sie ganz umhüllend, �nd sie>var nicht blaß, wie meist die Bräute, sie hatte ein Gesicht wie eine Rose. Und wie schneidig er auHsah! Freilich noch ein bißchen sehr jung. „Dct gibt sich mit jedem Dag," sagte eine Alte. Die Mutter des Bräutiganis hörte alle Bemerkungen, ihre Sinne waren unheimlich geschärft am heutigen Tag. Sie sah ast die Blicke, neugierige, beivundernde. teilnehmende, neidische. Sie fühlte den Regen auf ihren» Haupt, empfand ihn wie Tränen. Sie roch den Dust der Tanncngirlande, die den Kirchcneingang umkränzte; sie schmeckte eine Bitternis auf ihren Lippen. Sie hörte nicht nur die Orgel, die ihnen cnt- gegenbrcnlste aus dem offenen Portal, sie hörte auch jLden Laut Istnter sich. „Wenn der bloß wiederkommt," sagte irgend jemand. Und dann jemand anderes t„linken Sc man nich." Margarete Dietrich war auch unter den Zuschauern. Ganz vorn in der vordersten Reihe stand sie, dicht am Kirchen- portal, und ihre Augen tranken mit einer wahrhaft per- zehrenden Gier das Bild des schonen Paares. Bald, bald würde auch sie da hineingehen durchs �kränzte Portal, im Seivenkidd, in Schleier und Kranz. Ahr Atem flog, sie rückte immer näher: daß ihr nur nichts entging! Sie sah das Lächeln im Gesicht der schönen Braut und den stolzen Aus- druck aus dem des jungen Bräutigams. Ihre Blicke flackerten unruhig, ihre Augäpfel rollten: so schön, so schön,— oh. waren die glücklich! Nur den Tag erleben, dann war's gut. Weiter wollte sie auch gar nichts: nur den Tag I Die Dietrich preßte ihre Hände ineinander, es war ihr, als müsse sie laut aufschrriott: so viel Glück, und sie wür noch immer allein, stand noch immer draußen vor der Pforte. Es ivar nicht länger mehr auszuhalten. Sie stöhnte auf. „Wenn Se nich mehr stehn können, denn jehn Se dach ab/' sagte eine Frau.„Dct dauert heute. Bei die predigt er lange." Sic wollte sich vor die Dietrich drängen, aber diese stieß sie zurück. Hier, hier würde sie ihren Platz behaupten, und wenn sie auch umfiele. Sie war jetzt oft so schwach, essen �mochte sie gar nicht mehr, die Kleider hingen ihr. Die Mutter tat was sie konnte und PflLgte sie, aber konnte ihr die die Sehnsucht nehmen? Andere starben an Auszehrung, sie fühlte es selber ganz genau; s i e zehrte aus au Sehnsucht. Drinnen schwieg die Orgel. Was der Getstlichc sprach, konnte man draußen nicht hören, aber Margarete hörte doch jedes Wort. Jetzt predigte er:.Wo du hingehst, da will ich auch hingehen'— das sagten sie immer bei Trauungen. Heute aber sagte er noch etwas anderes: von der Liebe, die alles überwindet, von der Liebe, die über das Grab hinaus dauert— von ewiger Liebe. Sie reckte den Hals vor, sie richtete sich auf die Zehen, sie lauschte, lauschte angestrengt. Ein Zittern lief durch ihren Körper, ihre Züge vibrierten, ihr mageres Gesicht bekam fliegende Röte und wurde dann plötzlich grün- blaß. Ihr Ateni stockte: jetzt sprach er die Trauformel— jetzt steckte er ihnen die Ringe an— jetzt sagten sie: ,Ja!' Wie laut das klang! Alle sahen hin nach Margarete-Dietrich. Sie hatte plötzlich ganz laut gerufen.Ja!" Und dann fiel sie um.---- Auch zum Haus der Krüger waren die Glocken gedrungen, sie tvußte, was die läuteten. Bei ihren Nachbarn ivar ein frohes Fest, der junge Bertholdi machte Hochzeit. Sic kannte den Rudolf schon, als er ihr vom alten Birnbaum noch die Birnen herunterschlug, und ihr Gustav ihn dafür durchprügelte. S&ie sich alles änderte! Nun ivar der obenauf, und ihr Gustav—?! Wenn sie nun auch bald etwas von ihm hören würde, es war ihr doch oft bange. Ruhelos strich sie den ganzen Tag durch Haus und Garten; selbst die Frau, die gc- kominett ivar, die Wäsche waschen, hatte sie abgeschafft. Alles allein, alles allein machen, nur Arbeit, Arbeit, daß man müde wurde ivie ein Hund. Als die Glocken feierlich um ihr Haus dröhnten, hielt sie sich die Ohren zu. Sie mochte die nicht hören. Das hätte ihr Gustav auch haben können— Kriegstrauung— wenn man will, war die so rasch zu haben. Oh, ihr Gustav, tbr armer Junge! Immer fester preßte sie die Hände gegen die Ohren, sie borte daS festliche Läuten doch. Sie stieg hinab in ihren Keller, da schaffte sie bei ihren Kartoffeln und den eingewinterten Rüben und Kohlköpfen, daß ihr der Schweiß lief.. Der Keller war dunkel und tief, die Luke zur Straße mit Stroh verstopft/ ztt läuten hatte es längst aufgehört, aber sie hörte es immer noch. Was wohl daS Mädchen machen mochte, die Hieselhahn? Gekommett Ivar die nie, obgleich sie sie damals aufgefordert hatte. Nun? dann' sollte sie's bleiben lassen! Nun war der Junge schon fast ein Jahr— Gustav sein Junge I Wie sie wohl durchkommen mochte mit dem Kind? Es war setzt alles, so teuer, jetzt mußte ein jeder beten; .Unser täglich Brot gib uns heute', und wurde doch nicht imnier satt von dem, was er. seit einem Jahr nun schon, nur aps seine Brotkarte bekam. Fleisch gab's seit deftt November wenig; es ging ihr gewiß kümmerlich, der Hieselhahn! Ach, »venu sie's doch lieber zubegeben hätte, daß der Gustav sie geheiratet! Dann wäte er von �-der Mutter nicht im Trotz iwschieden. Dann brauchte sie ihre Gedanken jetzt nicht so herumlaufen zu lassen in die Ferne, wie Schafe in der Irre. Oh, dieses Läuten, dieses Läuten, es machte sie ganz verrückt! Bis ins Innerste drang es ihr. In ihrem tiefen dunklen Keller kniete die Krüger auf ihwn Kartoffeln. In der dumpfen Lichtlosigkeil streckte sie ihre Hände empor und schrie zu Gott. Aber der sah nicht hinab in den tiefen Keller. Nein, noch einmal zu der Hiesxl- hahu hingehe», nein, das tat sie nicht. Die mußte jetzt zu ihr kommen, so gehörte fich's! Immer fester faltete die 5krLgcr ihre Hände, sie kämpfte gegen das Läuten an, das sie verstörte. Sie rang mit sich selber:„Was soll ich tun? Mein Gott, oh mein Gott!"— Und noch eine andere im Hans wurde erregt durch das Läuten. Frau Rosff wußte, daß es zur Hochzeit läutete; Heinz Bertholdi hatte ihr vom Bruder erzählt und von dessen Glück. Fast widerwillig halte er ihr davon gesprochen, mit einer stockenden Langsamkeit, so. als hätte er's lieber nicht er- zählt, und doch wieder.so, als ob er nur davon sprechen könnte, weil ihn eigene ähnliche Wünsche erfüllten. (Forts, folgt.) A. Dandorf&G MTZW Ssile-Alliattce-Strasse Gr. 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