Wr. 46. 38. Jahrg. Bezugspreis» üiertiyiihr!. 4M SMt, monafl.l,»»«. frei WSHnu«, vorauSzahlbnr. einzelne ?!ummcrn iv Pfa. Posibezup: Monat- Iich 1,60 Mi, Unter Kreuzband für Deutfchland und Oesterreich» Ungarn L,— MI, fiir das iibriae tluSiand 4.60 Ml. monatlich. Lersand ins Fei» deidireiter BesteIIrinamonatI,I,60Wt. Posibeslellungen nehmen an D6ne- mari, Holland. Luxemburg, Echiveden und die Schweiz. Eingetragen in dr» Post-geitiingS-Preisliste. Erichein» täglich. Toiegramm- Abraffe: »Tozialdem.krat Berlin� Vevlinev NolksblAll. ( 10 pksnnis) Anzeigenpreis: viesteb«ngesvaItrneK»ionelzeiIe?»stet NZ psg..Kleine Stuzeigen". das fettgedrulve Wort 2V Plg, lzuläiiig S fettgedruckte Wortei, jedes weite, e Wart tv Psg. Stell engcjnche und Schlafftellenanzeigen da? erste Wort 10 Pig„ jedes weitere Wort 6 Asg. Worte Ober 16 Buchstabe» zahlen iiir zwei Worte. TeuerungSzufchlog Kainilien- Anzeige., SO Pf».. pol, tische u. geweilichastliche Vereins- Anzeigen so Pfg. die Zeile,«i, zeigen für die nächste Nummer miisfe» bis !» Uhr nachmiti. im Saudlgeschäit. Berlin SW.SS. Lindenstraste 3, abgegeben werden. Kedssnet von S ilhr frlih bis? Uhr abends. 2�sntraisrgan der foÄaläemokrati fd�en parte» Daitfchlands. Reöaktisn: EW. öS» �inöcvftraße?. Fernlvrecher: Amt Morttzplat», m. 161 90—151 9T. Freitag, de« 15. Februar 1918. Expedition: EW. HS» Linöenstcaßs 3. neruivrecSer: Amt Morivplatz. Ar. 15190— 161 S7. Das Chaos öes Ostens. Polen, gestern Freund, beute Feind und der Entente- sreundschaft verdächtig, soll nicht nur wegen der Abtretung des Cholmer Landes diesen jähen Gesinnungslvechsct voll- zogen haben. Jetzt heiht es, auch deutsche Annexionsabsichten hätten dabei mitgewirkt. Bekanntlich haben in Berlin bis in die letzte Zeit zwei Strömungen miteinander gekämpft: die eine, die ganz Polen an die Mittelmächte„anlehnen", und die andere, die ein Stück Polen mit etwa 2 Millionen Einwohnern aus militärischen Gründen annektieren und den Rest seinem Schicksal überlassen wollte. Die Aussicht, an Polen einen Feind zu besitzen, stärkt naturgemäß diese zweite Richtung. Zugleich werden Stimmen laut, daß man nunmehr in den baltischen Provinzen feste Tatsachen schassen müsse. Von den litauischen Plänen spraclfen wir schon. Jetzt behauptet der„Lokalanzeiger", die gefährdete Lage der Deutschen in den russisch gebliebenen �Teilen der baltischen Provinzen fordere „Rettung in letzter Stunde", d. h. Besitzergreifung auch dieser Teile durch Teutschland. Auch hier waltet der Gedanke vor, die deutsche Herrschaft nach Osten soweit wie möglich auszu- dehnen und an Polen heran einen starken Wall zu schaffen. Die deutsche Regierung wird dem Reichstag Ausklärung darüber geben müssen, ob sie einen Teil von Polen und das gesamte Baltikum annektieren oder ob sie den Randvölkern ohne neue willkürliche Teilung ein wirkliches Recht auf Selbst- bestimmung einräumen will. Am 17. Februar läuft der Waffenstillstand mit Rußland ab, und an seine Stelle soll nach russischer Absicht der Vertrag- lose Friedenszustand treten. Ueber die Folgen dieser Ver- änderung ist im Großen Hauptquartier verhandelt und, wie offiziös erklärt wird,„volle Uebereinstimmung" erzielt wor- den. Diese Uebereinstimmung soll darin bestehen, daß durch den Ablauf der Waffenstillstandsfrist ohne Zustandekommen eines Friedensvertrags der K r i e g s z u st a n d wieder ein- getreten sein wird! Ueberflüssig zu sagen, daß diese Auf- fassung in den breiten Massen der Bevölkerung auf geringe Svmpathie stoßen und von der Entente in der ihr nützlich scheinenden Weise verwertet werden würde. Schweden und Zinnland. Sozialistischer Vermittlungsvorschlag. Stockholm, 13. Febrnar.(Eigener Drahtbericht dcS „Vorwärts".) Die RechtSsozialiste« vertreten die Idee, Schwede» solle in Finnland vermitteln. Gestern fanden hier zwei Riesenversammlnnge« statt. 10 000 Mensche» forderte» in einer Resolution die Regieraug ans, die Bermitt- lung zu übernehmen. B r a n t i n g begann mit einem Angriff aas die Bolsche- wiki. Er vermutete, daß die Leiter der finnische» Arbeiter- Partei widerwillig in die Bewegung hineingezogen wurden, verteidigte aber die finnischen Arbeiter gegen die Presse, welche sie als Berbrecherbaude hinstellt. Redner forderte die Arbeiter auf, dem Treiben der Aktivi st eu, das den Sturz der Linkspolitik bezwecke, zu widerstehen. In„Politiken" tritt L i n d h a g e n für die Bermitte- lung ein; er regt die Beilegung doö Zwistes in Finnland durch Volksabstimmung an. Ein anderer Artikel desselben Blattes verspottet die BermittelungSidee als Kinderei und bürgerliche Ideologie. „Socialdemokraten" veröffentlicht einen Aufruf deS Parteivorstandes für Bewahrung der Neu- tralität in der Finnensache. » Stockholm, is. sf-ebruar.(Meldung deS Svenska-Telegram- byran.) Ein Eisbrecher und der Dampfer Runeberg gehen um Mitlernacht, von dem Panzsrboot Thor begleitet, nach Aland ab, um die Schweden und die in Gefahr befindlichen Inselbewohner überzuführen. GesternichiftHe Kunögebungen zum utrainifihen Zrnöen. Wie«, 13. Februar. Der Kaiser hat ein Manifest „An meine Völker!" erlassen, das folgenden Wort- laut hat: »Dank Gottes gnädigem Beistande haben wir mit der Ukraine Frieden geschlossen. Untere siegreichen Waffen und untere mit un- verdronencr Ausdauer verfolgte aufrichtig« Friedens- Politik haben die erste Frucht deS um unsere Erhaltung geführten VerteidigungSiamvieL gezeitigt. Im Vereine mit meinen schwer geprüften Völkern vertraue ich varaui, dah nach dem ersten inr unS so erireuliciien FriedenSichlusse bald der allgemeine Friede der leidenden MenickiHejt gegönnt iein werde. Unter dem Eindrucke dieses Friedens mit der Ukraine wendet sich unser Blick voll Sympathie jenem N r e b> a m e n jungen Volke zu, in dessen Herzen zuein unter unseren Gegnern das Gefühl der Nächstenliebe wirksam wurde und welches noch in zahlreichen Schlachten bewiesener Tapser- keil auch dazu genügende Entschlossenheit besaß, um seiner besonderen Uebcrzeugung vor aller Welt durch die Tat Ausdruck zu verleihen. So schied es denn als erstes aus dem Lager unserer Feinde aus, u« im Interesse der möglichst raschen Erreichung de» mmmehr gemein. samen große» Zieles seine Bestrebungen mit««serer Kraft zu ver- einen. Habe ich mich schon vom erste« Augenblick an,»lö ich de« Thron meiner erlauchten Vorfahren bestieg, einst gefühlt mit meinen Völkern in dem felsenfesten Entschlüsse, den uns aufgedrängten Kampf bis zur Erreichung eines ehren- hasten Friedens au-Zzufechten, so fühle ich mich umso- mehr eins mit ihnen in dieser Stunde, in welcher nunmehr der erste Schritt zur Verwirklichung dieses Zieles erfolgt ist. Mit Bewunderung und liebevoller Anerkennung sür die fast übermenschliche Ausdauer und unvergleichliche Opferfreudig- keit meiner heldenhaften Truppen sowie jener, die täglich daheim nicht mindere Aufopferung bekunden, blicke ich voll Zuversicht in eine nahe glückliche Zukunft. Der Allmächtige segne uns weiter mit Kraft und Ausdauer, auf daß wir nicht nur für uns und unsere treuen Verbündeten, sondern auch für die ganzeMensch- heit den endgültigen Frieden erreichen. » Wien, 14. Februar. Graf Czernin wurde gestern bei seiner Rücklehr von Brest-LitowZk auf dem Nordbahnhof vom Bürgermeister Weiskirchner, dem gesamten Gemeinde- und Stadtrat, den deutschen parlamentarischen Klubobmännern Waldner und Fink aufs herzlichste begrüßt. Graf Czernin antwortete: .Mein erstes Wort auf heimatlichem Boden ist der heiße Dan! für unseren Sieg und unsere glorreiche Armee(Stürmische Hochrufe). für unser Volt in Waffen und an unserer Sprpe dem obersten Kriegs- Herrn, unserm Kaiser. Sie haben den Frieden gebracht und ihnen allein sind wir Dank schuldig. Der Friede von Brest-Litowsk ist in doppelter Beziehung bedeutsam: erstens bringt er uns dem all« gemeinen Frieden um ein bedeutendes Stück näher. Die Nacht ist gebrochen, e» beginnt zu tagen. Am Horizont erglimmt d a S erste zarte Morgenrot des allgemeinen Friedens. Das, was in Brest-LitowSk geschehen ist. ist noch nicht da» Ende, aber cS ist der Anfang des Weltfriedens. Nicht nur politische Krank- heiten sind ansteckend, auch politische Genesungen, auch der Friede wirkt an st eckend, waS die Zukunft be- weifen wird. Brest-LitowSk ist aber auch in Wirtschaft- licher Beziehung bedeutungsvoll. Was dort geschaffen wurde, ist, wie Sie, Herr Bürgermeister, ganz richtig gesagt haben, ein B r o t s r i e d c n, das Gegenteil von dem, was man einen Hungerfrieden nennt. Gewiß sind die Schwierigkeiten, die dem Transport entgegenstehen, noch bedeutend. Aber es sind alle Bor- lehrungen getroffen. Und wenn auch die Verhältnisse si h nicht rasch von Tag zu Tag bessern werden, so werden sie sich doch von Monat zu Monat bessern. Die Verbesserung ist jedenfalls unaufhaltsam. Was die Kriegsgefangenen anbelangt, so haben wir alle Vorkehrungen getroffen, und was menschenmöglich ist, wird geschehen, daß sie so rasch ol» möglich in die Heimat zurückkehren können. Wir dürfen dabei aber nicht vergessen, daß Rußland noch in den Krämvfen des Bürgerkrieges liegt. Das bedeutet wohl eine Verzögerung, aber wir hoffen, auch mit diesen Schwierigleiten fertig zu werden. Wenn jemals Zuversicht am Platze war, so bin ich fest davon über- zeugt, daß wir nur noch etwas durchhalten müssen, dann wird der allgemeine, langersehnte Frieden erreicht sein.(Stürmische, sich immer erneuernde Hoch- und Heilruse.) Auf dein BallhanSpkatz erwartete eine Vertretung der Wiener Frauen den Minister, der vom Balkon aus für die Ovalionen dankte und zum Durchhauen bis zu einem baldigen allgemeinen und ehren- vollen Frieden aufforderte. Wie das„Fremdenblatt" erfährt, hatte Graf Czernin gestern abend eine Konferenz mit dem Ministerpräsidenten Dr. v. Seidler über die Folgen des Friedensschlusses mit der Ukraine aus die innere politische Lage. Die Petersburger öeutsthe Kommijfion protestiert. Wolffs Bureau meldet: Die russische Regierung hatte die Absicht, alle in Petersburg befindlichen dent- scheu Kriegs- und Zivilgefangenen, ausgcnom- men die Invaliden, angeblich wegen der Ernährungssckwie- rigkeiten, sofort nach dem Trotzki-Lager im Gouvernement O r c n b u r g abzuschieben. Da die Austührnng dieser Maß- regel bei der in Rußland herrschenden allgemeinen Desorgani- sation eine außerordentlich große Gefahr für die Gefangenen mit sich gebracht hätte, hat die in P e t e r s b u r g befindliche deutsche Kommission gegen die Transportierung der Gefangenen nach Orenburg den schärfsten Protest erhoben._ Neue Kämpfe in öer Ukraine. Stockholm, 14. Februar. AuS Petersburg erfährt der Korrefpon- dent der Telegraphen-Ilnion, daß daselbst Einzelheiten über die zwischen den Bolschewiki und den Nkraincrn aufs neue entbrannten Kämpfe in NikolajcwSk eingelaufen sind. Die Ukrainer haben sich der Staatsbank, des Bahnhofes und anderer Gebäude bemäckitigt. Die Angriffe der Bolschewiki wurden zurückgeworsen. In der Stadt herrscht große Panik. Alle Häuser sind geschloffen, kein Mensch wagt eZ, auf die Straße zu geben. t Enteignung aller Maschinen in Nustlanö. Petersburg, 14. Februar. Das Institut Smolny hat nunmehr mich einen Erlaß über die Enteignung sämtlicher Maschinen im Lande veröffentlicht. Die bereits eingeführten Maschinen, die auch m Zukunft ans dem Auslände bezogen werden, find als S t a a t S e i g e n t u nl zu betrachten und »verde» vom Staate monopolisiert. Die Ackerbau- k o m i t e e 5 werden die Verteilung und Zustellung sämtlicher fSr die Landwirtschaft nötigen Maschinen übernehmen. die SolsihewM und wir. Bon Otto Braun. Dem Frieden mit der Ukraine ist der Friede mit dem übrigen Rußland leider noch nicht gefolgt. Die russischen Unterhändler in Brest-Litowsk haben die Verhandlungen mit der Erklärung abgebrochen, sie betrachteten den Kriegszustand zwischen Rußland und den Mittelmächten als beendet. Die langivierigen Friedensverhandlungen haben sonach wie russische Parteidebatten geendet: sie haben eine reichlich unklare, unbefriedigende Situation hinterlassen. Denn man kann wohl durch die einfache Erklärung, man befinde sich mit einem anderen Staat im Kriegszustände, einen Krieg eut- fesseln, nicht so aber durch eine diesen Kriegszustand negierende Erklärung den Friedenszustand wiederherstellen. Dazu gehören doch Vereinbarungen über all die Fragen, die der Krieg aufgerollt, eine Regelung all der mit einem Friedenszuftand unvereinbaren Tatsachen, die der Krieg geschaffen hat. Solle,! die russischen Gefangenen in Deutschland, die deutschen in Rußland bleiben, soll der Verkehr zwischen den bisher kriegführenden Staaten wieder aufgenommen werden oder weiter ruhen, alle diese wichtigen Fragen bleiben offen; die russische Delegatiou hat es für gut erachtet, vor ihrer Lösung Schluß der Debatte eintreten zu lassen. Wer die russischen Unterhändler kennt und ihre Ver- Handlungsmethode in den letzten Wochen auftnerksam be- obachtet hat und dazu hält die eigenartige Tätigkeit, die die Petersburger Telegraphenagentur unter Leitung Radcks ent- wickelte, der wird sich über das unbefriedigende Ergebnis der Verhandlungen nicht sonderlich wundern. Denn wie Leuie vom Schlage des Herrn Sobelsohn, genannt Radek, sachliche Verhandlungen komplizieren, verschleppen und unfruchtbar ge- stalten können, das kann man unter anderem im Protokoll über den sozialdemokratischen Parteitag in Chemnitz in, Jahre 1912 nachlesen, wo über den Göppinger ZeitimgSlonffikt verhandelt wurde. Auch erscheint die prätentiöse Art, in der dieser Zeit- genösse Radek noch zuletzt in Brest-Litowsk als einzig b c- rufen er Vertreter der Polnischen Nation auf- trat, in einem eigenartigen Lichte, wenn man im Partei- tagSprotokoll von Jena 1913 nachliest, wie feine polnischen Genossen, die ihn aus der Partei ausgeschloffen hatten, diesen Vertreter Polens deurteilten. Genosse Müller verlas dort aus einem Briefe des Vorstandes der Sozialdemokratie Polens und Litauens in bezug auf Rade! folgende Stelle: »E« geht jedoch nicht an, daß ein wegen Diebereien an« einer Bruderpartei ausgeschlossenes Subjekt in der deutschen Partei öffentlich und ostentativ tätig sein dürfte und sich auf diese Tätigkeit öffentlich— wie es die? tut— berufen könnte, um das polnische Urteil als belanglos und jeder moralischen wie jurisii- schon Bedeutung in den Augen det deutschen Genoffen entbehrend hnizustellen...." Gewiß, der zurzeit in Polen regierende RegentschaftSrat kann als eine rechtmäßige Vertretung des polnischen Volkes nicht angesehen werden, solange ihn eine aus allgemeinen Wahlen hervorgegangene Volksvertretung nicht sanktioniert. Aber Herr Sobolsohn-Radek kann diesen Anspruch unter den obwaltenden Umständen doch noch viel weniger erheben. Ihn dürften nicht einmal die polnischen Arbeiter als ihren Ver- treter anerkennen. Es kann nun freilich keinem Zweifel unterliegen, daß die deutschen Unterhändler durch die Art, wie sie ihre Erklärung vom 25. Dezember 1917 über das Selbstbestimmungsrecht der Völker in dem okkupierten russischen Gebiet durch die Er- kläniiig vom 27. Dezember 1917 entwerteten, nicht unwesentlich zur Verlängerung der Verhandlungen beigetragen und was daS schlimmste ist, im Auslande den Anschein erweckt haben, daß allein bei der deutschen Regierung das Friedens Hindernis liegt. Gleichwohl hieße e» den geschichtlichen Tatsachen Gewalt antun, wollte man nicht anerkennen, daß es auch ohne den Zwischenfall vom 27. Dezember v. I. und der nicht zn billigenden Haltung der deutschen Unterhändler in der Folgezeit zu einem Friedensvertrag mit den Vertretern der Peters- burger Bolschewikis nicht gekommen wäre, henn diese haben doch keinen Zweifel daran gelassen, daß sie die Zeit des Waffenstillstandes nicht zum Abschluß des Friedens, sondern vielmehr zur Uebertragung der Revolution ans das Gebiet der Mittelmächte ausnutzen wollen. Der erwähnte Radek, der journalistisch� Mentor der Bolschewiki-Rcgierung, hat doch in deren Organ„Jsvestija" in beziig auf die Brest-LiioivSker Verhandlungen ganz offen geschrieben: „Die Friedenspolitik der russischen Revolution muß auf die Herbeiführung der europäischen Revolution gerichtet sein. Jedenfalls muß man mit einem Stillstand oder Abbruch der jetzigen Verhandlungen rechnen." Da die europäische Revolution noch immer nicht anS- gebrochen ist, hat man vorerst die Verhandlungen abgebrochen. Das tst im Interesse der leidenden Menschheit aus das tiefste zu bedauern. Denn, wenngleich man auch einseitig den Kriegszustand für beendet erklärt hat, besteht er doch latent fort und kann jeden Augenblick akut werden. Radek spielt ja auch in dem obenerwähnten Artikel bereits mit dem Gedanken, mit Freischärlerkorps revolutionärer Abteilungen, wenn nötig, fortzusetzen. Deshalb muß hier den russischen Bolschewistcn mit aller Deutlichkeit gesagt werden» ihre Hoffnung auf eine baldige gewaltsame NeNolntion in Deutsch- rand ist ein Irrwahn. Sic begehen den Fehler, die russische Schablone an deutsche Verhältnisse anzulegen, die in politischer, wirtschaftlicher und kultureller Hiusicht den russischen um fast hundert Jähre voraus sind. Für bolschcwistiscbe Revolutionsmethodcn ist in Deutschland nun einmal kein Boden. ES musz aber auch offen und ganz unzweideutig ans- gesprochen werden, dajz wir als Sozialdemokraten diese Gewalt Methoden d e r B o I s ch e w i k i s auf das schärfste verurteilen. Wird auch in der bürgerlichen Presse in dem Bestreben, das sozialistische Regime m Rußland zu diskreditieren, viel Unwahres und Nebertriebenes über bolschelvistischc Greuel be- richtet, so bleibt doch als wahr noch so viel Vcrnrteilens- wertes übrig, das; wir alle Veranlassung haben, im Interesse der Sozialdemokratie davon offen und rückhaltlos abzu- rücken. � Ter Sozialismus kann nicht auf Bajonetten und Ma- schincngewehren aufgerichtet werden. Soll er Dauer und Bestand haben, mutz er aus demokratischem Wege verwirklicht werden. Dazu ist freilich Vorbedingung, datz die wirtschaftlichen und sozialen Verhältnisse für die Soziali- sierung der Gesellschaft reif sind. Wäre das in Rutzland der Fall, würden die Bolschewiki sich zweifellos auf eine Mehr- hcit im Volke stützen können. Da dem nicht so ist, haben sie eine Säbelherischalt etabliert, wie sie brutaler und rück- sichtsloser unter dem Schandregiment des Zaren nicht bestand. Sie haben die ans Grund des demokratischen Wahlrechts gewählte Volksvertretung mit Waffengewalt gesprengt. Sie schlagen die Demokratie tot und ersetzen sie durch Energie und brutale Gewalt. In einer Weise, die den Neid selbst der brutalen Zarenknechte erregen mutz, knebeln sie die öffentliche Meinung und werfen selbst ihre nur taktisch von ibnen abweichenden Genossen in großer Zahl in die Ge- fängnisse. Alles, was ihnen Ividcrstrebt, werfen sie mit der Waffen- gemalt der ihnen noch ergebenen Soldaten zu Boden. Diese Herrschaft der zügellosen bolschewistisch- sozialistischen Sol- dateska ist aber ebenso zu verwerfen, wie die Gewalthcrr- schast der zaristischen Soldateska. Sie kann auch nicht von Dauer fein. Das Chaos auf wirtschaftlichem und politischem Gebiet mutz innner größer werden und schlietzlich zum Zusammen- bruch dieser unnatürlichen sozialistischen Säbclherrschaft führen.. Was die Bolschewiki in Rußland treiben, ist weder Sozialismus noch Demokratie, es ist vielmehr g e n> a l t t ä t i g st c r P u t s ch i s m u s und Anarchie. Deshalb müssen wir zwischen d e u B o l s ch e- wiki int 5 uns einen dicken, sichtbaren T t e n n n ng s st r i ch ziehe n. Erkitnduugsgefechte im Artois und in der Champague— Französischer Borstoß bei Tahure. Amtlich. Großes Hauptquartier, 14. Feiruar 1918.(W. T. BN Westlicher Kriegsschauplatz. Engländer und Franzosen setzten an vielen Stellen der Front ihre Erkundiiilgcn fort. Nördlich von L e n s und in der Champagne kam cS dabei zu heftigen Kämpfen. In einem vorspringende» Teil unserer Stellung südöstlich von Tahure haben sich die Franzosen festgesetzt. Eigene Infanterie brachte in Flandern und auf den Maas höhen Gefangene ein. Bon den anderen Kriegsschauplätzen nichts Neues. Der Erste Gcneralquarticrmcistcr. Ludendorff. Abendbericht. Berlin, 14. Februar 1318, abends. Amtlich. In der Champague war die Feuertätigkeit in den Abschnitten nördlich von P r u u a y und südöstlich von Tahure vielfach gesteigert. Von dcht anderen Kriegsschauplätzen nichts Neues. Ter österreichische Bericht. Wien, den 14. Frbruar 1918. Amtlich wird ver- lautbart: Keine besonderen Ereignisse. Der Chef dcZ GcneralstabcS. » Wiederherstellung der galizifchen Grenze Die Ocsterreicher besetzen Brody. Wien, Februar. Aus dem Kriegspressequartier wird gemeldet: Gemäß Artikel ,2 Absatz V des mit der Iltrainc abgeschlossenen Vertrags, der den xtatug quo aule der zwischen Oesterrcich-Urrgarn uird Rutzland bestehenden Grenzen wiederherstellt, sind gestern unsere Truppen in Brody eingezogen. Das ein- marschierende Jägerbataillon wurde vom Bürgermeister der Stadt Brodh in Gegenwart der Rada der 11 ö. ukrainischen Division feierlichst b e g r ü tz t. Auch die Bevölkerung Uetz es an den aller herzlichsten Sym- padhiekundgebmigen für die österreichisch-nngarischen Truppen nicht fehlen. Durch diese friedliche Besetzrmg Brodys ist die letzte größere Stadt in Ostgalizien wieder in ö st erreichisch-un garischen Händen, nachdem sie seit den letzten Julitagcn 191ö unter russischer Herrschaft ge- Wesen war. . Was ist's in Englands Tie Opposttlo« gegen Lloyd CScorge. Ob Äfft Repingtoii hat in der„Morniitg Post" einen Ar- TilA über den ttriegsrat von Versailles veröffentlicht, wes- halb ein Verfahren gegen ihn eingeleitet ist; angeblich soll er schon verhaftet sein. Dieiein Artikel folgte der Vorstoß des liberalen Parteiführers Asqnith gegen Lloyd George,» der von heftigen Angriffen der gesamten radikalen Presse auf das gegenwärtige Kriegskabinett begleitet wird. Erst durch sie wird das Rätsel gelöst, das die letzte Unterhausdebatte dem deutschen Leser aufgibt. Die gemäßigte Richtung operiert in taktischer Verbindung mit einer nationalen Strömung, die in den Versailler Beschlüssen eine Kränkung des englischen Selbstbewußtseins erblickt. Diese Verbindung ergibt sich von selbst, denn die angebliche Zurücksetzung der englischen Heeres- leitung hinter die französische entspricht der Unterordnung der englischen Politik unter den französischen Chauvinismus und den kriegstollen Greis Clcmenceau. Die Stärkung der friedcnssreundlichen Bewegung in Eng- kmd ist zweifellos aus die pazifistische Stelluna Wilsons mit zurückzuführen. Wilson ist die Verzweiflung der Allcnglän- der und der Allfranzosen, wie Czernin die Verzweiflung der Alldeutschen ist. ES ergeben sich hier sehr bemerkenswerte Parallelerscheuiilngen, die für den Friedensfreund einis gewisse Ermutigung sind. Der Sturz des Kabinetts Lloyd Georges und seine Er- setzung durch eine Regierung Asquich-Lansdowne-Henderson würde der Friedensbeivegung auch in Deutschland neue Aus- sichten eröffnen. Aber noch ist es nicht so weit! Rotterdam, 14. Februar.„Nieutye Rotterdamsche Courant" zufolge versuchen einige englische Blätter, vor allem der radikale ,.S t a r". den Eindruck zu ertvccken, daß die Stellung des Kabinetts stark erschüttert sei. Es sei kein Zweifel daran, datz das An- sehen Lloyd Georges im Unterhause gestern einen Stoß be- kommen hat. Adreßdebatte im Unterhaus. London, 14. Februar, l Reuter.) In der gestrigen Sitzung des Unterbauies vci der Debatte über die Antworiad reffe aus die Thronrede hielt Baisour eine Rede, in der er. den Angriffen m c hrxrer Aogeordneter aus den Obersten KriegS- a t in Versailles eutgegentrat. Batsour sagte, der Oberste Kriegs- rat sei in erster Linie zur Besprechung dcr grotzen militärischen Fragen gusammengetommen und habe eine Erklärung über die Schlüsse, die aus den Reden des deutschen Reichskanzlers und des österreichisch- ungarischen Ministers des Aeutzern gezogen werden müßte», nvgegebcp; dcr Oberste Kriegsrat habe aber nicht die Kricatzziele besprochen. Dcr Kriogsrat habe über die Reden >) e r t r i n g S und C z e r n i n s zwar verhandelt, aber darin telue Fr testen san Näherung gefunden. Aus diesem Grund? seien die V e r h a n d l u n g e n über die militari- s o, c u Maßregel» loichtiger gewesen als je. ES habe keinen Sinn, der Regierung vorzuwerfen, daß sie sich nicht diplomatischer Mittet bediene. Diplomatische Methoden hätten nur dann Zweck, wenn man mit einem Volke zu tun habe, das entschlossen sei. zu einer U e b e r e i» sti in m u ng zu gelangen. Die Mittel- m ächte Iwtten aber offen gezeigt, datz sie keine solche Absicht hegten. Ter Unterschied im Ton, nicht im Wesen, den EzerninS Rede gegenüber Hcrtlings. Rede aufweise, lassen nicht den Schluß zu. daß Deutschland bereit sei, cinzulenken. Amsterdam, 14. Februar. Aus London wird gemeldet: Bei den Debatten Über die Antwort auf die Thronrede brachte Holt einen Zusatzantrag ein. worin das Bedauern darüber ausgedrückt loird, datz— dem Beschluß des Oberstem Kriegsrats gemäß— die Ftp rt setznng der militärischen Kraft- enisaltung die einzige direkte Aufgabe dcr Rc- gierung wäre. Holt hatte Bedenken gegen das Wort„einzige". Er fragte, ob dir Fortsetzung die einzige Aufgabe wäre, ob eS leine Alternatide. betr. der Politik gäbe und ob die militärische 'Macktentfallung allein die einzige sichere HandlungÄveise sei, um das gesteckte Ziel zu erreichen. Eabendish Bentinck sor- derte, daß die Regierung die militärische Kraftanspannung durch diplomatische Tätigkeiten nnterstützen solle. Balsour Iführte aus, datz die Debatte vollstnudig aus einem verkehrten Bc- griff dessen beruhe, was in Versailles geschehen sei und tvas ist der Rede deS Königs gesagt wurde. London, 14. Februar. Reuter. Lord Robert Cccil sagte: Eine grotzc Anzahl Redner habe betont, datz die militärischen Mit- tel nicht die einzigen seien, die zur Beendigung des Krieges an- gewendet werden sollten. Die Regierung nahm die Lehre an und hielt es für ihre Pflicht, jedes Mittel zu gebrauchen, um den Krieg zu Ende zu führen. Cecil stellte die Wilsonsche Forderung über Belgien und den Völkerbund ihrer„Annahme" durch den Feind gegenüber. Es müsse selbst für Snowden und alle anderen Anwälte der Deutschen in diesem Lande klar sein(Beifall), datz unter dem Deckmantel dieser„Annahme" beinahe jede Ein- verleibuug Belgiens in das Deutsche Reich den deutschen Staats- männern völlig freistehen würde. Hertling habe vorgeschlagen, die Erwägungen über den Abschluß eines Völkerbundes bis nach dem Friedensschluß zu verschieben. Das sei keine Haltung, die die brjtische Regierung annehmen könne. WaS geheimen Verträge angehe, so stehe er vor einer großen Schlvierigkeit. Da sie geheim seien, sei es eine Ehrenpflicht der Regierung, sie nicht zu veröffentlichen oder zu diskutieren, obwohl die Veröffentlichung den Vorteil haben würde, der Regierung die Verteidigung zu ermöglichen, datz sie dieselben geschlossen habe. Alles, was er sagen könne, sei, daß er glaube, daß diese Verträge durchaus zu rechtfertigen seien, obwohl die gegenwärtige Regierung für keinen derselben verantwortlich wäre. Natürlich sei etwas Wahres daran, daß alle diese Dinge erwogen werden sollten, und die englische Regierung machte vor dem Sturze der Regierung Kerenski ein Angebot dieser Art, und es sei nur deshalb nicht zur Diskussion des Angebots gekommen, weil die russischen Minister niSn lauge genug im Amte waren. Solange diese Verträge beständen, sei die Regierung an sie gebunden. Wenn man an die Regierung die Aufforderung richte, sich von ihnen loszusagen, so scheine es ihm, daß die Pazifisten die An- fangsgrunde ihres Glaubens nicht verstünden.(Beifall.) Wie soll man je zu einem Fortschritt in internationalen Angelegenheiten kommen, wenn die Regierung internationale.Verpflichtungen nicht als absolut geheiligt betrachte.(Beifall.) Es habe keinen Zweck, den Versuch zu machen, über den Frieden zu.diskutieren, locnn dcr Feind keinen Frieden will. Die Regierung Witt, wie jebermann, den Frieden, und es gebe nur eins, wofür sie kämpfe und zugebe, datz der Kampf geführt werde. Wenn die Regierung nicht vor dem Feinde kriechen und einen, Frieden um jeden Preis anbieten wolle, so geschehe es. weil sie überzeugt sei, datz ein solcher Frieden nicht nur von dem englischen � Volke verschmäht werde, sondern auch keine dauerhafte Grundlage für die Ordnung i>A Völker in Europa bilden würde.(Beifall.) London, 14. Februar.(Reuter.) Ter Antrag Holt wurde mit 1ö9 gegen 28 Stimmen abgelehnt. Unter dcr Minderheit be- fanden sich sämtliche P a z i s i st c n. ♦ die ruMche Demobilisierung. Berlin, 14. Februar. Ter russisckie Qberkommaudierenbe der West- und Südwest front Miasnikow hat durch Funiffpruch vom 11. d. M. folgende Befehle ergehen lasten: 1. Die Demobilisierung der Armee wird schnell vor sich gehen, wobei volle Ruhe und Ordnung bewahrt wer- den mutz. Der heutige Zustand unserer Eisenbahnen erfordert, datz wir sparsam mit ihnen umgehen. 2. Zur Durchführung dcr Temobilisation sind bei den Truppenteilen besondere Organe mit de» Komitees und Räten an dcr Spitze zu bilden? die Heranziehung bezahlter Ar- beitsträfte ist in weitgehendstem Matze erforderlich, worauf ich schon in meinem vorigen Befehl hingewiesen habe. 3. Parallel mit der Demobilisierung mutz die Organ 1- siernng dcr roten Armee gehen: mehr Agitation, mehr praktisches Handeln in dieser Richtung! 4. Tic Komitees, die Räte und die Verwaltungsorgane der Truppenteile müssen bis zur letzten Minute aus ihrem Posten bleiben. Kameraden! Die Erfüllung dieser Bedingungen wird uns ermöglichen, die Folgen des Krieges endgültig zu l i a u i d i c r e n und zu einer gesunden Form des Schutzes von Volk, Land und Revolution gegen ihre Feinde überzugehen. Petersburg, 12. Februar. Die„Prawda" begrüßt die ro!e Armee als wahre Waffe des Triumphes der sozialistischen Welt- revolution und des ilnkerganqes des Kapitalismus.— Die Organi- sation der roten Armee wird den örtlichen(Gouvernement— Kreis— usw.) Räten übertragen, innerhalb der Armee den Fron:- komitees der Armeen, Korps und Divisionen. Die Räte gründen hierfür besondere Ausschüsse, die Armee stellt besondere Stäbe der roten Armee auf. Ein Schritt zu? Wahirechtsrsform in Sachjen. Aus Dresden wird uns geschrieocn: Am 13. September 1917 teilten wir mit. daß die Reform des sächsischen Landiagswahlrechts im Verfassungsausschuß der Zweiten Kammer vollständig gescheitert sei. Nicht uur diz. sozialdemokratischen und fortschrittlichen Wahlrechtsfordc- rimgen waren abgelehnt worden, auch der Antrag des Nationalliberalen, Dr. Seyfert, der das allgemeine, gleiche Wahlrecht lediglich durch eine A l t c r s z u s a tz st i'm m e korrigiert sehen lvolltc. Ten Ausschlag gegen seinen Antrag gaben die Stimmen seiner eigenen Partei- freunde. Dies Ergebnis diente dann der Regierung zur Stütze ihrer absolut wahlrcchtsfeindlichen Haltung. Aber endgültig war die Angelegenheit im Vcrfaffungsansschusse noch nicht erledigt. Es war noch kein Bericht an die Kammer erstattet worden, und da die Sache ans dem Wege einer Zwischendeputation in den gegenwärtigen Landtag überführt worden war, ergab sich die Aiöglichkeit, sie noch einmal auf- zunehmen. Die National liberalen griffen auf den Antrag Dr. Seyfert zurück und brachten ihn mit einer verhältnismäßig wenig besagenden weiteren Be- schränkung des gleichen Wahlrechts wieder ein. Dcr neue Antrag verlangt: „die Regierung zu eriucheii, eine Vorlage einzubringen, durch die an Stelle deS jetzt gellenden(Plural-) Wahlrechts das all- gemeine, gleiche, geheime und direkte Wahlrecht gesetzt iverde in Verbindung mit der Verhältniswahl und mit der Gewährung von zwei Zusätzstimmen, für die in eister Linie das Lebensalter, nicht aber Vermögen, Grundbesitz oder Bildungszeugnis maßgebend sein sollen." In der Aussprache wurde die Möglichkeit erörtert, zur Voraussetzung der zweiten Znsatzstimme den Familien- st and(Besitz einer Familie, Verheiratetsein) zu machen, Bei der Verhandlung des Vcrsassungsausschusses am Dienstag verlangten die sozialdemokratischen Vertreter, daß zunächst über ihren ursprünglichen Antrag, dcr das unein- geschränkt gleiche Wahlrecht für alle Rcichsangchörigcir forderte, nun abgestimmt werde. Das geschah und der An- trag wurde gegen die sozialdemokratischen Stinimeii abgelehnt. Darauf standen die sozialdemokratischen Vertreter vor der Frage, ob sie den Antrag der Nationalliberalen ablehnen und dadurch nur der Regierung neue Handhaben zur Verweige- rung der Wahlreform geben, sondern auch einen wichtigen Schritt zu einer ziemlich radikalen Wahl- rechtsvcrbesscrung verhindern sollten. Sie entschlossen sich, für den Antrag zu stimmen. Damit erlangte der Antrag große Mehrheit (12 gegen 3 Stimmen). Auch der Vertreter der„ n n a b- hängigen" Sozialdemokraten, dcr im September 1317 den noch weitergehenden Refonnantrag Dr. Seyfert ablehnen half, stinimte jetzt dafür und entzog sich damit diesmal klugerweise dcr Gemeinschaft mit den Konservativen, die als einzigen den Antrag ablehnten. Zunächst soll sich die R e- g i e r n n g noch zu dem Beschlüsse äußern. Umgeworfen wird er aber dadurch ziveifellos nicht. Dittmann unö Lisbknecht. Unter dieser Ueberschrift verbreitet W. T. B. folgende Aus- führnngen: Anläßlich der Verurteilung Dittmanns zu ö Jahren Festungshaft zieht die„Leipziger V o l k s z e i t u n g" einen Vergleich zwischen diesem Urteil und dem gegen Liebknecht er- gangenen und kommt dabei zu einem Schlüsse, der ebenso falsch ist, wie seine Voraussetzungen: das Gericht hätte, o.or der veränderten V o l t s st i m m u n g zurückweichend, sich zu einem ähnlich scharfen Urteil nicht entschließen können. Richtigstellend sei folgendes bemerkt:/ Liebknechts Verurteilung erfolgte durch ein Militär- gcricht, da er A r m i e r u n g s s o l d a t war. Als Angehöriger des Heeres hat er unter Bruch des Fahnen cid c? dem Vaterland Schaden Zuzufügen versucht. Das Gericht hat daher festgestellt, datz er aus ehrloser Gesinnung gebandelt hat, und ihm die bürgerlichen Ehrenrechte aberkannt. Mildernde Umstände kamen hierbei nicht in Frage. TaS verhältnismäßig scharfe Urteil in vor allem deshalb gefällt worden, weil Lieb- knccht Soldat war. Ter Fall Dittmann liegt wesentlich anders. Tittinann ist nicht Soldat und stand auch nicht vor einem Militärgericht. Nach z 20 des Strafgesetzbuches für das Deutsche Reich war in diesem Falle ans Festungshaft zu erkennen, wenn dem Angeklagten ehrlose Gesinnung nicht nachzuweisen war. Das war nicht der Fall, und das außerordentliche Kriegs- gericht, vor dem die Verhandlung gegen Dittmann stattfand, konnte ihm um so eher die im Gesetz vorgesehenen mildernden Umstände zubilligen, als er unter der Suggestion einer Massenbewegung gehandelt hatte, während Liebknecht eine solche noch nicht vorhandene Bewegung ins Leben zu rufen trachtete. Es ist möglich, daß die Gerichte sich von diesen Gesichtspunkten haben teitcu lassen. Uns und vielen anderen erscheinen die Gründe nicht stichhaltig. Liebknechts Tat entsprang ebenso wie die DittmannS ehrlicher p o li t i s che r Ucberzeugung, die man für falsch ansehen, aber nicht für ehrlos erklären kann. Die Dreft-Ätowsker SchluMhungen. Berlin, 14. Februar, lieber den Verlauf der b e N> e n Ickten Sitzungen der deutsch-öfter reichisch-ungarisch- russischen Kommission zur Regelung der politischen und terri- torialen Fragen, die mit der bekannten Erklärung Trotzkis ihren Abschluß fanden, wird nachträglich noch folgendes be- kannt: Sitzung der Kommission vom 9. Februar leitete Staats- seiretär von Kühlmann idamit ein, daß er die in Aussicht ae- stellte zusammenfassende Darlegung über das Ergebnis der bisherigen Besprechungen gab. Ohne auf alle Einzelheiten einzugeben, stellte der Staats- se.vetär fest, daß eine erhebliche Annäherung der beiderseitigen Standpunkte auch durch die sehr ein- gehenden Debatten nicht habe erzielt werden können. Er persön- l:ch habe nicht den Eindruck, als ob eine weitere Erörterung auf der bisher von beiden Parteien eingenommenen Grundlage einen günstigeren Erfolg versprechen könnte, als bisher die Verhandlun- gen gehabt hätten. Es ergebe sich ohne weiteres aus der ganzen Sachlage, daß eine unumschränkte Ausdehnung von Verhandlungen, die keine Aussicht auf Er- folg versprächen, nicht ins Auge gefaßt werden könnte. Wenn er heute nochmals das gesamte Problem zur Bcsvrechung stelle, so geschehe es in der Absicht, ausfindig zu machen, wo� sich etwa noch ein Weg der Verständigung finden lasse. Der Vollständigkeit halber wolle er bemerken, daß die rechts- politischen Fragen zwischen den Spezialkommissionen bc- reits eine eingehende Erörterung gefunden hätten, so daß im Falle einer Einigung über die politischen Fragen der Abschluß auf die- sein Gebiete bosfentlich keine ernsten Schwierigkeiten bieten würde. Aus dem Gebiete der H a n d c l s s r a g e n sei man noch nicht so- weit gekommen, aber auch bier sei eine befriedigenoe Lösung nicht ausgeschlossen. Minister des Aeußern Graf Czernin führte hierauf aus-: Seit Wochen beschäftige man sich mit einer unfruchtbaren Erörte- rung darüber, wie gewisse territoriale Veränderungen an der rusfi- sthen Westgrenze zu qualifiziere:', feien. Ein auch noch so langes Hinausziehen dieser in ihren: Wesen theoretischen Erörterungen biete wenig Aussicht auf eine Einigung. Er möchte aber die Frage aufwerfen, ob solch eine Einigung vom S t an dpunkte eines Friedens auch wirklich un- be d i n g t n ö t ig se i. ES icheine ihn: auf Grund der bisherigen Diskussion keineswegs festzustehen, daß sich bezüglich dieser Per- änderirngen selbst eine Einigung nicht erzielen lassen werde. Er schlage deSbalb vor, die Frage offen zu lassen, wie die geplanten Veränderungen aufzufassen seien, und ohne diese Frage zu berühren, festzustellen, ob die Gestaltung dieser Ver- anderungen tatsächlich dem Abschluß eines Friedens Hiichernisse in den Weg legen würde oder nicht. Herr Trotzki entgegnete: Vom russischen Standpunkte sei die Anwendung, welche die Gegenpartei dem Grund- sah des Selbstbestimmungsrechtes der Völker geben wolle, gl�e ichbedeutend mit der Ablehnung dieses Grundsatzes; infolgedessen sei die Erörterung auf der Grund- läge dieses Prinzips allerdings hoffnungslos gewesen. Wenn er sich der Frage nach der Bedeutung der gemäß den Vorschlägen der Gegenpartei für Rußland vorgesehenen neuen Westgrenze zuwende, so müsse er darauf hinweisen, daß die geplante neue Grenzführung vom Gesichtspunkte militärischer und st rategi scher Rücksichten beurteilt werden müsse. Das müsse er den militärischen Beiräten der Delegation überlasset:. ES ser aber jetzt eine neue Schwierigkeit entstanden durch die Stellungnahme des Vicrbundcs gegenüber der Ukririuc. Die ukrainische Volksrepublik sei vom Vrerbunde anerkannt wor- .den, ja, wie er höre, hätten die Vierbnndvcrtreter mit den Bevoll- mächtigten der Kiewer Rada einen Friedensvertrag unterzeichnet. in. weichem angeblich auch die Abgrenzung des utrainischen Ge- bietes behandelt sei. Der Redner protestierte in eingehen- den Darlegungen gegen dieses Vorgehen der Mächte des VicrbundeS und bemerkte unter anderem, diese Handlungsweise müsse Zweifel hervorrufen, ob die Mittelmächte zu einer Ver- ständigung mit der Regierung des föderativen Rußlands gelangen wollten, er erkläre deshalb, daß der angeblich unter- zeichnete Vertrag mit der Kirwer Nada fürdas ukrainische Volk und für die Regierung von ganz Rußland keinerlei Geltung haben könne. Unter Bezugnahme aus die Bemerkung des Herrn Trotzki, daß die als russische Westgrenze in Aussicht genommene Grenzlinie der Besprechung durch Sachverständige bedürfe, machte Staatssekretär von Kühlmann nunmehr den Vorschlag, die Frage der Grenzziehung einer Unterkommission zu über- weisen, die am Schlüsse der Sitzung zu bilden wäre, und in einer auf den folgenden Tag anzuberaumenden Sitzung der poli- tischen Kommission über das Ergebnis ihrer Besprechungen zu be- richten hätte. Es ergebe sich, so fuhr Herr von Kühlmann fort, aus der Wichtigkeit und der grundlegenden Bedeutung der von dieser Unterkommission zu behandelnden Frage ohne weiteres, daß der Bericht dieses Unterausschusses für das weitere Schicksal der Verhandlungen von aus schlag- gebender Bedeutung sein werde. Wenn er mit einigen Worten auf die bei der Grenzziehung maßgebenden allgemeinen Gesichtspunkte eingehe, so geschehe dies deshalb, weil in der Unter- kommission in erster Linie die technische. Frage zur Besprechung kommen solle. Bei Ziehmng der Grenzlinie, wie sie sei- icns der Verbündeten der russischen Delegation vorge- sei, tagen sei, seien in erster Linie völkische Gesichtspunkte maßgebend gewesen. Es sei der Versuch gemacht worden, für Polen, Kurland und Litauen diejenigen Grenzen zu finden, welche der geschichtlichen Ab- grenzung und der ethnographischen Lage am besten entsprechen. Gewissen Andeutungen des Herrn Vorredners gegenüber, als ob den verbündeten Zentralmächtcn oei Ziehung dieser Grenzlinie i r g e n d lv e l ch e Pläne im Hinblick aus Nußland vorgeschwebt hätten, bemerkte der Staatssekre- 'är, er brauche Herrn Trotzki nur aus die dauernde Grundlage der deutschen Politik hinzuweisen, iAe sn der Pflege eines guten und freundschaftlichen Verhältnisses zu dem g r o ß e n östlichen Nachbarn bestanden habe bis zu dem Augenblick, wo durch Vorgänge, die der russischen Delegation ebenso gut oder besser bekannt seien wie der putschen, dem deutschen Volt der Kampf mit Rußland aufge- zwungen worden sei. Die deutsche Politik werde auch dem neu organisierten Rußland gegenüber immer ein � r e u nd n a ch b a r I i ch c s Verhältnis anstreben unter Vermeidung der Einmischung in seine inneren Verhältnisse, sobald dieser Krieg einen befriedigenden Ävsckluß gesunden haben werde. Zu den Ausführungen des Herrn Voltskommissars über die Haltung der Mittelmächte gegenüber der ukrainischen Volksrepublik bemerkte Herr von Küblmann. der Bierbund müsse es sich vorbehalten, selbst darüber Richter zu sein, welche Staaten er anzuerkennen für gut befind:. Die Mächte des Vierbundes hätten in der Tat mit den Vertretern der ukrainischen Volksrepublik einen Friedensvertrag abgeschlossen, der das Datum des heutigen Tages trage. Hieraus ergäben sich für die Mittelmächte ohne weiteres die nöti- gen Folgerungen und er könne keine Förderung der Verhandlungen von einer Erörterung der staatsrechtlichen Verhältnisse der Ukraine er- warten. Was das zukünftige Schicksal der in den besetzten Nand-Gcbietrn lebenden Völker"anlange, so beziehe er sich ans die bei den hiesigen Verhandlungen von den Vertretern der Mittel- mächte abgegebenen Erklärungen sowie auf die Darlegungen, welche über diese Frage von"Staatsmännern Deutschlands und der verbündeten österreichisch-ungarischen Monarchie vor ihren Volksvertretungen gemacht worden seien. Trotz der von den Mittelmächten vertretenen und festgehaltenen Auffassung, wonach das Selbstbestimmungsrecht in diesen Gebieten bereits ausgeübt worden sei, seien die verbündeten Regierungen bereit, durch planmäßigen Ausbau der bestehenden Ver- tretungskörper die Möglichkeit einer Kund- g e b u n g aus breite si er volkstümlicher Grundlage zu schaffen. Die Bestimmung des Zeitpunktes und die Form dieser Kundgebung wären zweckmäßig im Einvernehmen mit den derzeitigen Bertretungskörpern der betreffenden Gebiete fest- zusetzen. Minister des Aeußern Graf Czernin bemerkte, das Ver- hältnis der Ukraine zur Petersburger Regierung gehe den Vier- bund nichts an. Ein unfreundlicher Akt gegen die russische Regierung sei in dem Friedensschluß mit der Ukraine nicht zu erblicken. Der Vierbund habe mit der Ukraine keinen Bundes-, sondern einen Friedensvertrag unter- zeichnet. Die Ukraine sei also für den Vierbund durch diesen Vertrag nicht ein verbündeter, sondern ein neutraler Staat geworden. Konmie der Vierbund auch mit der russischen Re- gierung zu einem Friedensschluß, so werde Rußland für den Merbnnd gleichfalls ein neutraler Staat werden. Die Beziehungen des Vierbundes zur Ukraine und seine Beziehungen zu Rußland würden in diesem Falle dieselben sein. Ein Unterschied würde nur dann bestehen, wenn der Vierbund zu keinem Frieden mit dem Rat der Volkskommissare gelange, denn in diesem Falle hätte der Vierbund die ukrainischen Gebiete als neutrale, die dem Einfluß des Rates der Volksko in missare unter- st ehe n den Gebiete aber bis auf weiteres als feindliche zu betrachten. Was die Frage nach dem zukünftigen Schicksal der von öfter- reichisch-ungarischen Truppen besetzten Gebiete anlange, so verweise er auf seine Erklärung in der letzten österreichisch- ungarischen Delegationssitzung, W er nichts hinzuzufügen habe. Auf eine Frage Trotzkis nach der Grenzführung südlich von Brest-Litvwsk, über die mit den Ukrainern verhandelt sei, entgegnete Staats- sckretär von Kühlmann, daß auch bei Ziehung dieser Grenze versucht worden sei, zwischen der ethnographischen Volksverteilung und den historisch entstandenen Grenzlinien einen verständigen Mittelweg zu finden. Nachdem Gras Czernin bemerkt hatte, daß er keinen Grund sehe, weshalb der russischen Delegation keine Mitteilung über die Führung der Grenzlinie südlich von Brest gegeben werden solle, erklärte Oerr Trotzki sich mit dem Z u- sammentritt einer militärtcchnischen Kommission zur Prüfung der Grenzlinie cinverstandc». Staatssekretär von Kühlmann betonte, es sei unbedingt nötig, bis zu der für den folgenden Tag anzuberaumenden Sitzung Klarheit zu schaffen. Es handele sich jetzt darum, Elitschlüsse zu fassen. Von dem Wunsche der Beschleunigung der Verbaiidlungen geleitet, loolle er eine neue Fassung vorschlagen, die unter U m st ä n d e n den zweiten Artikel des zu verein- baren de ii Friedensvertrages bilden könnte. Diese laute: „Rußland nimmt Kenntnis von folgenden territorialen Ver- anderungen, die niit der Natifirlition des gegenwärtigen Friedensvertrages rintreten: Tie Gebiete zwischen den Grenze» Deutschlands und Oesterrcich-Ungarns nnd einer Linie, die... vcrlänft, werden der territorialen Oberhoheit Rußlands nicht mehr unterliege». Ans ihrer ehemalige» Zugehörig- keit zum russischen Kaiserreiche werden ihnen keinerlei Verpflichtungen gegenüber Nuß- land erwachse». Das künftige Schicksal dieser Ge- b i et c wird in dieser Beziehung im Einvernehmen mit ihre» Völkern entschieden werden, und zwar nach M a ß- gäbe der Vereinbarungen, die Deutschland oder Ostcrreich-Ungarn mit ihnen treffen werden." Im Zusammenhange hiermit wolle er noch bemerken, daß der wesentliche Inhalt des Art. 1 des ersten Vor- schlags für den Vierbuud eine conckitio sine qua non des Friedensschlusses sei. Es handle sich darum, daß die Räumung gewisser Gebiete durch die Mittelmächte zugesagt worden sei unter der Bedingung, daß die Räumung der Gebiete ihrer Verbündeten gleichzeitig statt-' finde. Damals sei als Zeitpunkt, von welchem an für die Nüttel- mächte die Räumungsverpflichtung beginnen würde, das Ende der russischen'Demobilisierung in Aussicht ge- nommen worden. Er stehe nicht an, zu erklären, daß die Mitte l- mächte hinsichtlich dieses Zeitpunktes zu Kon- Zessionen bereit wären, müsse aber wiederholen, daß ein Friedensschluß, in welchem die Zusicherung der R ä u m u n g der verbündeien Gebiete durch die Truppen der Petersburger Regierung nicht enthalten sei, nickt in Frage käme. Nach früheren Mitteilungen des Herrn AolkSkommissars für auswärtige Angelegenheiten glaube er nickt dar«» zweifeln jn sollen, daß die russischen Truppen in den besetzten türnschen Gebieten, an die er in erster Linie denke, dem Befehl der Petersburger Regierung unterständen. Bezüglich der mehrfach berührten Alandsfrage müsse er erklären, daß der Friedensschluß Deutschland als Mini- mum das an Rechten wieder einräumen müsse, was Deutschland vertragsmäßig bei Kriegsausbruch genossen habe. Er wolle aber nicht unterlassen, auch bei dieser Gelegenheit auf die lebhaft eu Wünsche des schwedischen Volkes hinzuweisen, welches aus geographischen und ethnographischen Gründen an diesen Inseln ein v i t ck l s Interesse habe. Herr Trotz!, entgegnete, ebenso wie Rußland jetzt seine Trupe n ans P c r s i e n zurückziehe, werde es sich auch aus dein t ü r- r i s ch e n Gebiet zurückziehen. ES fei selbstverständlich, daß dies in der klarsten und bestimmtesten Form in einem eavaigen Ver- trage mit der Türkei zun: Ausdruck kommen werde. Was die Frage der A I a n d s l n s r I n betreffe, so sei es ihm nicht ganz klar, von welchem Minimum der Rechte der Herr Staatssekretär gesprochen habe. Staatssekretär v. K ü h k in a n n entgegnete, er habe bezüglich der Aländssrage den Ausdruck„M i n i m u in" gebraucht zur Bc- zeichninig dessen, was er als eine deutsche Forderung an- sehe. Wenn man ihn frage, an totzlches Maximum er dabei gedacht habe, so sei dies die Maßregel, ans die er stckon früher mehrfach angespielt habe, nämlick unter Beteiligung der der Ostsee an- lliegendcu Völkerschaften dtrsc Inseln im breitesten Siitwe z« attt» kralisieren. Um ganz klar zu sein: das erste sei eine Forde- rung, das ziveite eine Anregung. Die Sitzung wurde hieraus geschlossen. * Am 10. Februar hielt die gemäß den Vereinbarungen sofort gebildete Unterkommission unter Vorsitz des K. u. K. österreichisch-ungarischen Scktionschess Dr. Gratz � zwer, Sitzungen ab, in denen in erster Linie die mrlitänschen Sachverständigen zu Wort kamen. Während von russischer Seite tu diesen Sitzungen versucht wurde, die strategischen Nachteile nachzuweisen, denen Rußland durch die oorge- schlagene Neusührung seiner Westgrenzr ausgesetzt wäre, wurde diese Auffassung von deutscher Seite unter nichrfachcr Betonung, daß es sich nicht um eine russisch- deutsche Grenze, sondern mn eine Grenze Rußlands mit den neuen Randstaaten handele, eingehend widerlegt. Eine Einigung konnte nicht erzielt werden.,,,. Zu Beginn der Sitzung der V o I lk o m m r ss ro n am 10. Februar brachte Staatssekretär vor: Kühlmann zu- nächst einen Befehl zur Sprache, den nach einer Meldung ans Petersburg das russische Oberkommando zur Verbreitung unter den deutschen Truppen verösserrtlicht habe und der die russischen Soldaten anweise, deutsche Truppen zum Vor- geben gegen ihre Feinde, die deutschen Generäle und Offiziere, zu bestimmen. Herr Trotzki erklärte, von einem solchen Befehl keine Kenntnis zu haben. Hierauf ersuckste von Küblmann den Vorsitzenden der U n t e r k o m nr i s s i o n Exzellenz Gratz, wie verabredet, über das Ergebnis der Beratungen seines Ausschusses Bericht zu erstatten. Nachdem Exzellenz Gratz mitgeteilt hatte, daß ein Einvernehmen nickt erzielt worden sei, richtete der Staats- sckretär an den Vorsitzenden der russischen Delegation die Frage, ob dieser noch irgendwelche Mitteilun- g e n zu inachcn habe, die zu einer befriedigenden Lösung bei- tragen könnten. Herr Trotzki führte aus, seine Delegation sei der Ansicht, daß nach den langen Verhandlungen nunmehr die Entscheidungsstunde gekommen sei. Die Völker erwarteten'mit Ungeduld das Ergebnis der Friedensverhandlungen von Brest-Litowsk. Nach Ausfällen gegen den Imperialismus der Welt erklärte er, Rußland wolle an dem Kriege keinen Anteil mehr haben, es sei nicht gewillt, das Blut seiner Soldaten für die Interessen der einen Partei gegen die andere zu vergießen. Deshalb führe Rußland sein Heer und Volk aus dem Kriege heraus. Rußland gebe den Krieg auf und benachrichtige hiervon alle Völker und ihre Regierungen, es gebe den Befehl zu vollständiger Demobilisierung aller Armeen, die jetzt den Armeen Deutschlands, Oestcrreich-Ungarns. Bulgariens und der Türkei gegenüberständen. Seine Regierung lehne es aber ab, die drutsch-österrcichisch-ungarischrn Bed-mgnngen zu sanktionieren. Rußland gehe aus dem Kriege heraus, sehe sich aber genötigt, auf die Unterzeichnung eines Friedensvertrags zu verzichten. Hierauf erfolgte die ihrem Inhalt nach schon bekannte Erklärung über die Beendigung des Kriegs- znstandes und die Demobilisierung sämtlicher Truppen. Staatssekretär von Kühlmann entgegnete, wenn er den gegenwärtigen Zu st and analysiere, so stehe der Vier- bund mit der russischen Regierung im Kriege. Die kriegerischen Unternehmungen seien durch den Waffenstillstands- vertrag eingestellt, würden aber beim Wegfall dieses Vertrages von selbst wieder aufleben. Wenn sein Gedächtnis ihn nicht trüge, bezeichne der Waffen st ill st ands vertrag den Abschluß des Frie- dens als den eigentlichen Zweck seines Daseins. Würde also mangels Abschluß eines Friedens der eigentliche Da- seinszweck des Waffenftillstaudsvertrages verschwinden, so würden nach Ablauf der vorgesehenen Frist die Kriegs- Handlungen wieder aufleben. Die Tatsache, daß die eine von beiden Parteien ihre Armeen demobilisieren, würde hieran weder tatsächlich noch rechtlich irgend etwas ändert?. Em Merkmal für das Bestehen des Friedenszustandes sei das Vorhandensein internationaler Beziehungen, wie dies unter Staaten üblich sei, ferner das Bestehen von Rechtsbeziehungen und von Handelsbeziehungen. Er möchte den Herrn Vorsitzenden der rüstig scheu Delegation um eine Meinungsäußerung darüber bitten, Ä die russische Regierung beabsichtige, neben der Erklärung der Be- endigung des Kriegszustandes mitzuteilen, wo die Grenzen des russischen Reiches liefen— trenn dies sei für die Wiederausnahme der diplomatischen, konsularischen, Rechts- und Handelsbeziehungen eine notwendige Voraussetzung— sowie ob die Regierung der Volkskommissare gewillt sei, die rechtlichen und Handelsbeziehungen genau in demselben Um- fange wieder aufzunehmen, wie sich dicS aus eurer Beendigung des Kriegszustandes natürlich ergeben würde. Diese Fragen seien wesentlich für die Beurteilung de» Pro- blems ob der Bierbund mit Rußland im Krieg oder im frieden lebe. Herr Trotzki erklärte, dem Gesagten nicht viel hinzusügea zu löiinen. worauf Staatssekretär von Kühlman« vor- schlug, für den folgende li Tag eine Vollsitzung anzuberaumen, in der die Stellungnahme der Venbünbeten zu den neuesten Mitteilungen der russischen Delegation bekanntgegeben iverden würde. Hm Trotzki erwiderte, seine Delegation habe jetzt alle Vollmachten erschöpft, die sie erhalten habe. Sie halte es für notwendig, nach Petersburg zurückzukehren. Alle Mit- tcilungeu, welche die verbündeten Delegationen mache»! würden, iverde sie im Schöße der Regierung der föderativen russischen llke- publik beraten und daraus die Antwort erteilen. Auf die Frage des Staatssekretärs von Kühlman». auf welchem Wege dieser Gedankenaustausch erfolgen solle, entgegnete Herr Trotzki, die russische Delegation habe von Brest-Litowsk aus eine direkte Drcchtverbindung mit Petersburg gehabt, vor der Einleitung der WaffciisttllstaiidSvcrhandlungen habe man sich durch Funksprüche verständigt, und außerdem befänden sich jetzt i n Petersburg Vertretungen der vier verbündeten Mächte, die mit ihren Regierungen verkehren könnten. Auf diesem Wege könne man eine Verbindung tzerstellew. Die Sttzmtg w»rde tztemtf afWhflm. GeweeWObewEuns Die neue Teuerungszulage im Holzarbeitervcrband jritt mit dem heutigen lo� Februar in Kraft. Auf Grund der letzten Vereinbarungen zwischen dem Holzarbeiterverband und den Ilmcrnehmern am 27. November 1017 erhalten vom heutigen Tage an alle Lohn- und Akkordarbciter, ebenso auch olle Arbeiterinnen und jugendliche Arbeiter eine Teuerungszulage von 5 Pf. für die Stunde. Die Vereinbarung vom 27. November 1017, welche z» dieser Teuerungszulage führte, war die dritte, die in der verhöliiiiSmägig kurzen Zeit seit dem Herbst 1016 abgeschlossen wurde. Zusammengenommen brachten diese Tarifbewegungen den Mitgliedern in allen Vertragsstädten eine Lohnerhöhung um 4S Pf. v r o Stundet an dielen Orten nicht unerheblich niehr. In gleichem Maße wurden die vertraglichen M! n d e st l ö h n e erhöht. Für die Arbeiterinnen Ivurden Mindestlöhne festgesetzt, die Arbeitszeit wurde für alle VcrtragSorte geregelt, und durch die Klasseneinteilung der Städte wurde die Grundlage für eine dem tatsächlichen Bedürfnis angepaßte allgemeine Regelung der Lohn« und Arbeitsbedingungen der deutschen Holzarbeiter ge- schaffen. Die.HolZarbeiter-Zeitung� betont mit Recht, daß die durch die drei Tarifbewegungen erzielten Lohnerhöhungen zwar hoch er- scheinen, wenn man sie mit den Errungenschaften des Verbandes während der Friedenszeit vergleicht. Ziehe man jedoch die während des Kriege» eingetretene Verteuerung der Lebens- bedürfnisse in Betracht, dann mutzten allerdings die Lohn- erhöbungen immer noch als unzureichend bezeichnet werden. Sie richtet im Hinblick auf die kommende Zeit folgende Mahnung an die Mitglieder: .Der im allgemeinen noch recht flotte Geschäftsgang darf un? nicht darüber täuschen, dah wir schlechteren Zeiten eiit- g egengehen. m denen wir die Kraft unserer Organisation notwendig brauchen werden. Soll sie dann das leisten, was wir von ihr erwarten, dann müssen nicht nur alle Mitglieder dem Verband die Treue bewahren, sondern jeder Verbandskollege mutz von jetzt an mit noch grötzerem Eiser als seither die Bemühungen der Ortsverwaltungcn, der Gauvorstünde und des VerbanvSvorstandcs unterstützen, möglichst viele neue Mitglieder für den Verband Zugewinnen. Die Zahl der llnorganisierten, besonders der weiblichen und der jugendlichen Kollegen, ist vielerorts noch reckt grotz. In den meisten Zahlstellen hat sich unser Deutscher Holzarbeiterverband im verflossenen Jahre glänzend entwickelt; trage seder dazu bei. datz in der Aufwärtsentwicklung des Verbandes kein Stillstand eintrete.*_ Ein erfreuliches Steigen des 5?assen- und Mitglieder- stundes zeigt der Jahresbericht für 1017 der Filiale Berlin des' D ent sch en Textilarbeiterverbandes. Der Kassenbestand stieg um 1016,18 M. und der Mitgliedcrstand um 132 männliche und 770 weibliche Mitglieder. Der Geschäftsgang war im ganzen kein gntet, mehrere Betriebe wurden wegen Material- und Kohlen- mangel geschlossen. ES fanden 18 grötzere Lohnbewegungen statt, die sämtlich von Erfolg gekrönt waren und insgesamt die Arbeiter- löSne um 17 001 M. pro Woche erhöhten. Aus der Bibliothek wurden 360 Bücher verschiedenen Inhalt» entliehen. Der Facharbeitsnachweis vermittelte für männliche 70 und für weibliche 00 Stellen. Laut Mitglicderbeschlutz sollte der NackweiS" dem Slädtischen Nachweis Berlin als ein pari« tätischer angeschlossen werden; leider steht diesem Bestreben der Arbcitgebcrverband feindlich entgegen. In der Generalversammlung wurde beschlossen, den Lokalzuichlag ab 1. April d. I. von 6 aus 10 Pf. zu erhöhen und die Mitglieder zu veranlassen, nur noch die höheren BeitragSklasse» von 46 und 05 Pf. zu zahlen, weil ab t. April d. I. die Krankenunterstützung zum Teil wieder eingeführt wird und die Streikunterstützung um 60 Proz. erhöbt worden ist. Als Waffe gegen spätere Lohnkürzungen sollen statistische Erhebungen über die jetzigen Tcxtillöhne vorgenommen werden; eZ ist Ehrenpflicht aller Textilarbeiter, sich hieran rege zu beteiligen. Aus der polnischen Arbeiterbewegung. Nm 10. d. M. beschlotz der Lithograpbenverband in Warschau, sich der Gewerkschaft der Buchdrucker anzuschlietzen. An demselben Tage satzte eine Generalversammlung der Buch- Kinder, die bisher gemeinsam mit ihren Arbeitgebern in einer Zunit organisiert waren, den einstimmigen Beschlntz, aus dieser auSzu- treten und der Gewerkschaft der Buchdrucker sich anzuschlietzen. Am 10. d. M. beschlotz ferner eine Warschauer Gruppe der Zuschneider, die bisher dem Handwerkertasino, einer Vereins- gung der Schneidermeister und Schneidergesellen, angehörten, ans dem Kasino auszutreten, und der Gewerkschaft der Schneiderarbeiter sich anzuschlitzen. Ter Bauarbeitergewerkschaft schlotz sich, laut Beschlutz vom 10. d. M-, eine neu organisierte Warschauer Gruppe von Steinarbeitern an. Alle diese Einzelvorgänge charakterisieren die gegenwärtigen Tendenzen der polnischen Arbeiterbewegung: das Ausscheiden der Arbeiter aus den gemeinsamen Organisalionen der Arbeitgeber und Arbeimehmer und Zusammen'chlutz der bisher getrennt vorgehenden Arbeitergruppen zu grötzeren, mehrere Arbeiierkategorien umfassenden Gewerkschaften.______ Parteinachrichten. Tie„L. B." al? Verteidigerin des ansliindischcn ImperiaiismuL. Eine scharfe Kritik der Linksradikalrn. Die Bremer.Ardeiierpolirik* setzt sich mit dem Wilsonschen Friedensprogramm, das sie ein Kriegkprogramm nennt, � ausein« ander und tadelt die.Leipziger VollSzeitung*, datz sie ein'eitig den deutschen Imperialismus bekämpfe, die Forderungen des feindlichen Imperialismus aber annehmbar finde: .Datz die deutsche Presse einstimmig die Wilsonschen Bedin- aungen ablehnt— höchstens findrn sie Anzeichen einer wachsenden FricdenSstimmnng darin— ist sebstversländlich. Dagegen findet die»Leipziger VollSzeitung* die Wilsonschen Friedensbedin- gungen gar" nicht so unannehmbar. Wer aber deshalb zu der Aufsassung kommen könnte, das Wilsonsche Programm sei ein demokratisches Friedensprogromm. und die bürgerlichen Klassen Teutschlands wollen nur deshalb dieses Programm nicht an- nehmen, weil sie antidemokratische Kriegseroberungen wollen, würde sich täuschen. ES ist gewitz vorzüglich, wenn ein Blatt und eine Partei den heimischen Imperialismus schärfer bekämpft, aber dieser Kampf kann doch nicht dadurch gut geführt werde», datz rn an den gegnerische» I in- perialiSrnuS als harrnloseDemolratie hinstellt. Eine solche Opposition beruht nicht ans klarer Emsich,, und weil sie nur instinktiv enwfiiidet, datz Be'ämpiung»ölig ist, ohn» klar zu wissen, weshalb uno wie lieffeindlich der Feind ist, mutz die Bekämpfung in der Form sehr rabiat sein, ohne im Wesen gründlich und erfolgreich zu sein. ... Wenn ,. V. die.Leipziger Volkszeilung* die Friedens- liebe der englischen Arbeiter hervorheb!, gegen die sich die Regie- rmig des Lloyd George kaum zu halten weitz. so mag es als Aufmunterung der deutschen Arbeiter verständlich sein, aber es entspricht n i ch>l«d e>n o b j e i t ifv e n Tatbestand. Mag Hendcr- son sich gebärden als müsse die imperalislische Negierung seinen de- mokratischen Forderungen bald nachgeben, in Wirklichkeit ist er und seine organisierte Gefolgschaft die geleithammelte Herde des Imperialismus. Die m England den ' Krieg bis anfS Messer bekämpfen, die revolutionären Gruppen, sie siechen im GeiängniS dahin, oder bilden eine tapfere. aber noch viel zu schwache Minorität, die mit den schliminsten Mitz- Handlungen verfolgt wird; und ähnlich steht cS in Amerika und Frankreich. Sie verstehen und hallen den ausländischen Imperialismus genau so wie den eigenen. Die Leipzigerin spricht nicht von dielen Kämpfern, sie redet über die angebliche Bedeutsamkeit der organisierten Arbeiter, die sich willig dem Imperialismus unterordnen— diese bilden ja denselben Stoff und spielen dieselbe Rolle wie die Unabhängigen hier. Die Opposition solcher Leute— hier wie dort— ist eine lärmende Wortopposition, die, um den eigenen Imperialismus(den sie für böswillige Politik einiger Gewaltmenichen hallen) zu bekämpfen, den fremden Imperialismus als weniger harmlos dar- zustellen suchen.* Die.Leiziger VollSzeitung* hat bisher zu allen Anariffen von links mit verlegener Beharrlichkeit geschwiegen und die berühmte Taktik deS SlrantzeS nachgeahmt, von welchem Vogel aber die Fabel erzählt, dah er«in sehr duntmes Tier ist. Erleichtert wurde dieses Verhalten dadurch, datz die Presse der LinkSradikalen klein ist und nur im Verborgenen blüht. Aber schlietzlich kann ein Argument so ein- leuchtend und zwingend sein, datz auch der Derstockieste Schweiger zun» Reden gezwungen wird. Hoffen wir also, datz die»L. B.' bald ihre Sprache wiederfindet. Für Frieden und Freiheit. Ilvc! glänzende Kundgebungen für Frieden und Freiheit sah an den beiden letzten Sonntagen der Bezirk Magdeburg. In über- füllten Versammlungen in Halberftadt und Magdeburg sprach Reichstagsavgeordncter Genosse Landsberg. Die Besucher zähl- ten in jeder Versammlung nach mehreren Tausenden.' Die grotzen Versammlungslokale waren polizeilich abgesperrt, so dah zahlreiche Leute wiKer umkehren mutzten. Genosse Landsberg unterzog das Treiben der Alldeutschen und Vaterlandsparteiler einer vernichtenden Kritik und fand damit den ungeteilten leb- haften Beifall seiner Zuhörer, ebenso wie ihm restlos Zustimmung zuteil wurde, als er den tieferen Ursachen der letzten grotzen Er- eignisse nachging, die in der zweifelhaften Haltung der Regierung zu der Frage der Annexionen und damit des Friedens überhaupt sowie in der Verschleppung der inneren Reformen zu suchen sind. Die Stellungnahme der Sozialdemokratie zu dem Streik erörterte der Redner in eingehenden Tai/ legungen. So wertvoll ein« Koali- tiou mit den MchrheitSparteien ihr sei und sein könne, wert- voller sei das Vertrauender Massen und das würde die Partei sich verscherzt haben, hätte sie sich zu dem Streik anders gestellt als sie es getan. Sie konnte gar nicht anders handeln. Auch hierin fand der Redner den Beifall der Versammlungen, der sich am Schlüsse der Ausführungen zu mimiienlanaer Dauer erhob. Weder in.Halberstadt noch m Magdeburg haben die alldeutschen Anhänger eines.Schwertsricdens" trotz verschiedentlicher Versuche bisher auch nur annähernd so wuchtige Kundgebungen zu- stände bringen können, auch in kleineren Städten des Regierungs- öszirks Magdeburg nicht, während von der Sozialdemokratie einberufene Vcrsammllmgen für einen Berständigungsfrieden auch überall dort den stärksten Besuch aufwiesen. In Köln wurde eine� Versa rnmlung. in der Abg. Genosse Meerfeld über„Massenstreik und Sozialdemokratie" sprach, a u f g e I ö st als der Redner am früheren Kölner Oberbürger- meister Wallraf Kritik übte. Es war dies die erste VersammlungS- auslösnng in Köln seit zwei Jahrzehnten. Die versam. weiten Massen antworteten mit brausenden Hochrufen auf die So- zialdemokratie._ Fiasko des wilden Generalstreiks in Holland. Der formell gegen die unzulänglich« LebcnSmittelpolitik und -Verteilung gerichtete Demonstrationsstreik in Holland ist bereits nach eintägiger Dauer als aussichtslos wieder abgebrochen worden. Trotz der von den Tribunisten, Anarchisten und Syndikalisten seit Monaten lebbaft betriebenen Agitation für den Generalstreik betrug die Zahl der Streikenden selbst in Amsterdam, dem Hauplfitz der anarchosozialistischen Bewegung, höchstens 2000. In Rotterdam und im Haag war die Beteiligung noch viel geringer. gedsieu werde». Nutcr den herrschenden Vcrhältiiiffe»»ringt die Zuckerrübe den Landwirten also bei weitem nicht den Nutzen, als die anderen Hackfrüchte es tun, und die Folgen ergeben sich von fciöft. Das sind die katastrophalen Folgen des unter den Augen und zum Teil mit Hilfe der Behörden gelriebeneu Schleichhandels, der alle Preisrelationeu verschoben und die Volksmoral auis schwerste erschüttert hat. Die Folgen sind katastrophal, weil eine vermehrte Znckergewinnung eine? der wichtigsten Mittel ist, um die allzu starke Heranziehung der Kartoffel zur Gelviunung des kriegswichtigen Spiritus überflüssig zu machen. ?nöustrie unö Kandel. Das Brannkohlensyndikat gescheitert! Tie Verhandlungen über die Bildung eines freiwilligen Syndikats für den preußische» Brau»kohlen- Bergbau östlich der Elbe sind bei einer am Donnerstag in Berlin abgehaltenen Sitzung dc-Z für die Bearbeitung der einschlägigen Fragen gewählten ZwölfernuSschusseS gescheitert, nachdem sich von vornherein un- übcrbrückbare Gegensätze in den Auffassungen über die Frag« der Sinsühruug einer EinheitSniarke innerhalb der be- triligten Werke herausgestellt hatten. Aus dem Berliner Wirtschaftsleben. Die A.-G. für chemische Produkte vorm. H. Scheidemandel in Berlin, die in der eisten KriegSzeit noch auf beiden Zützen hinkte, ist im weiteren Kriegsverlauf vollkommen gesundet, wie sich aus folgenden Ziffern egibt. (in 1000 Mark) Abschreibungen.... Reingewinn... Zum PreiöanSgleichSsvndS Zum UnrerstützungSfoiidS Dividende...... In Prozent..... Neuvortrag..... Bei einem Aktienkapital von Ü Miss Mark konnte also der Rem- gewinn seit dem Vorjahre mehr als verdoppelt und auf rund 0 Miss Marl gebracht werden, obgleich die Abschreibungen eine Erhöhung um 1,6 Miss Mark auf 8,6 Miss Mark erfuhren I Nochmals die Gefährdung deS ZnckerrübeubanS. Dem.Berliner Tageblatt* wird aus Magdeburg über die drohende Gefährdung des Zuckerrübenbaus durch schrankenlose Ge- winngier geschrieben: Die Frage der zukünftigen Zuckerversorguug spitzt sich immer wehr zu. Schon jetzt besteht die Gefahr eines nicht uudeträcht- lichen Rückganzes des Anbaues von Zuckerrüben, falls es nicht durch wirksame Mastnahmen der Reichsrcgierung zeliugt, dem vor- zukeugeu. Einen grostru Teil der Schuld, die den Landwirten den Anbau von Zuckerrüben ganz natürlicherweise verleiten rnust, trägt die fortgesetzte Preis» b c r f ch r c i t u» g der lür die mit der Zuckerrübe im Wettbewerb stehenden Feldsrüchte. Nach der Preis- Verordnung vom 18. März 1917 richtet man sich a» zahlrcicheu Stellen nicht mehr. Der Preis für Futterrübe» ist 1,60 M., für Kohlrüben uud Wruien aus 1,76 M. uud für Futtermohrrübe» aus 2,50 M. für den Zentner festgesetzt. DaS statistische Bureau von Licht macht aber daraus aufmerksam, daß von den Proviuzial- ftellen in Sneutlichen Bekanntmachungen für Futterrüben iindwciße Kohlrüben 3 M., für gelbe Kohlrüben 3,60 M., für gelbe Mohr- rübcn 0,26 M. und sür roir Michrrbbcn sogar 8,26 M. für den Zentner #) Außerdem 764817 M. zur Auffüllung des ordentlichen Re- servefond«. -> Zum Reservefonds 250000 Zss-mS dem Berkauf zurück- gelieferter Aktieu. Soziales. Höhere llnfallbelastung. Die Laste» der Unsallverfickerung sind von den ihr nutersteben- den Betrieben aufzubringen. Alljährlich sind für die Höhe der auf den einzelnen Betrieb entfallenden Beiträge Lohnnackwciiuugen dem Träger der llniallversicherung. der BetriebSgenossenickasi einzu- reichen, und danack berechnen sich dann die Beiträge. Sie werden alio erst nachträglich bezahlt, so datz die Gefahr besteht, datz die Berussgenossenschaft sür einen eingegangenen Betrieb leine Beiträge erhält, obwohl sie die in diesem Betriebe eingetretenen Unfälle zu entschädigen hat. Diese Geiahr ist ganz besonders in der jetzigen Kriegszeit gegeben, in der ja zahlreiche neue Betriebe dem Bedarf des Heeres dienen. Dabei ist vielfach die Belastung der Berufsgenossenschaft eine höbere, denn die Schutzeinrichtungen sind leider vielfach recht mangelhaft. Hier setzt nun eine neue Bundesratsverordnung' vom 11. Fe- bruar 1913 ein, wonach die Vorstände der Berufsgenossenschaflen mit Zustimmung de? ReichSversichernngSamtS bestimmen können, datz die während des Krieges neu errichteten oder neu eingerichteten Betriebe, die ausichlietzlich oder überwiegend iür den Bedarf des Heeres oder der Marine arbeiten, zu dem auf sie entfallenden Um- lagcbeitrage sür eine bestimmte Zeit einen Zuschlag bis zur doppelten Höhe dieses Beitrages zu entrichien haben. Dieje Zuichläge sind zu einem Vermögensstock anzusammeln. der zur Ermätzignug der Umlage wäterer Jahre zu verwenden ist. 8 3. Die Borstände der Berufsgenossenschaflen können mit Zu« stimmung des Reichsversicherungsamts(LandeSversickerungSamtS) bsstimmen, datz die Betriebe, die von voraussichtlich vorübergehender Dauer oder besonders gefährlich sind, Borichüsse auf die Umlage- beitrage nach Mahgabe des ß 738 Abs. 3 und 4 der Reichsveisiche- rungsordnung sür eine bestimmte Zeit und zu bestimmten Fälligkeits« tagen zu zahlen haben. § 4. Die Verordnung ist mit Wirkung vom 1. Januar 1917 in Kraft getreten. Die Tendenz dieser Verordnung ist nur zu billigen, nur ist zu wünsche», datz sie erstreckt wird auch auf jene Betriebe, in denen eine besondere Gefährdung der beschäftigteil Arbeiter durch die für HeercSzwecke verwendeten Stoffe gegeben ist. Bisher sind solche Gefährdungen nur teilweise dem Unfallschiitze unterstellt, nämlich nur bezüglich der Hinterbliebenen— die Geichädigien selbst haben keinen Anspruch auf Rente, wenn die womögliche Gefährdung auch eine noch so grotze Einbuße an Erwerbssäbigkeit zur Folge gehabt bat. Wir haben schon»nehrfach auf die dringende Notwendigkeit, hier einen Schutz zu schaffen, bingewiesen und wollen das bei dieser Gelegenheit erneut tun. Heute sind die Beiträge sür solche Laüeii noch zu haben, nach dem Kriege wird das Reich eintreten müssen. Wir sehen absolut leinen Grund, hier nicht auch die Betriebe heran« zuziehen. Bnreaukratie im ReichSversicherungsamt. � Einem durch die Gewerkschaftspress« gehenden Artikel G. Hcinkes entnehmen wir folgendes: Bei der SteiiihrilchS-Benissgeuossenschast ist durch den Rück- gang der berufsgenossenschaftlichen BetriebSüberwachung eine nicht unbeträchtliche Sleigerrnig der Unfälle zu verzeichnen. Von den 10 technischen Auffichtsbeamten der Steinbruch-Berufsgenosscuschlift konnten infolge von Heereeeinberufungcn im Jahre 1016 und 1010 nur noch 7 dieser Angestellten eine Revisionstätigkeit ausüben. Wie im Bericht der Bcrufsgenossenschaft für 1016 offen zugestanden wird, mutzteil bei dieser beschränkten Otevisionstätigkeit ganze Bun- oesstaaten und Provinzen»nberücksichtigt bleiben. Um dem wei« teren Unheil zu steuern, hat deshalb der Verband der Stemarbeite? am 20. Oktober 1017 an das Reichsversicherungsamt eine Ein�aoe gerichtet, worin, gestützt auf die Bestimmung ia§ 875 der ReichS- versicherungsyrtniung, das Amt ersucht wird, dMin zu wirken, datz eine Vermehrung der Aufsichtsbeamten durch�Personen aus den Reihen der Arbeiter bei der Berufsgenossenschaft herbeigeführt wird. In der Begründung der Eingabe wurde unter anderem ge- sagt:„Daß in der Steinindustrie sich eine ausreichend« Zahl von praktisch gcichuften Arbeitern befinden, die vollständig in der Lage sind, als Hilssaussichtsbeamte zu fungieren.* Diese gewerkschaft- liche Forderung, die nach den Jahresberichten des GewerbeaufsichtS- dieustes und anderen Behörden im Bergbau, im Bauwesen usw. und besonders in den süddeutschen Bundesstaaten schon zum Teil und mit Erfolg verwirklicht worden ist, wurde nach einem Meinung?- austausch mit der Berufsgenossenschaft in dem Antworffchreiben des NeichsversicherungSamts als nicht notwendig mit der folgenden Begründung abgelehnt:„Die Ansicht des Vorstandes der Stein- bruchS-BerufSgeiiossenschaft, daß es fraglich sei, ob die sich als Ar- beiterkontrolleur« meldenden Steinarbeiter die für den schwierigen und verantwortlichen Posten eines Auffichtsbeamten nötigen Vor» kenntnisse besitzen würden, und datz es mit der bloßen prakti'chen Kenntnis der Steinarbeit nicht getan sei, kann als unzutreffend nicht bezeichnet werden. Vielmehr erscheint eö richtig, datz von einem Revisionsbeamten auch ein« genaue Kenntnis der Versiehe. rungsgcsetze, Vertrautheit mit der Rechtsprechung des ReichSver- ficherungsamtS, Urteilsfähigkeit über die zur Verwendung kommen- den Maschinen, Kenntnisse der chernfftben und physikalischen Sigen- ichaftc n der Sprengstoffe umd anderes mehr verlangt werden mutz. Es würde also notwendig sein, die etiva anzustellenden Arbeiter- konirolleure in einem besonderen Unterrichtskursus erst für ihre Tätigkeit zu schulen. In diesem Falle ist es aber nicht einzusehen, weshalb als AufsichtSbeamt« gerade Arbeiter gewählt werden müssen usw.* Nack dem oben erwähnten§ 875 der ReichsverficherungSord- nung können als technische Auffichtsbeamten der Berufsgenossen- schaftcn auch Personen angestellt werden, diefrühcrdenver- sicherten Betrieben als Arbeiter angehört haben. DaS Schreiben des R. B. A. ist deshalb ganz unverftänd- lich und verdient die schärfste Zurückweisung. Mit Recht knüpft Heinke an dieses Schreiben folgend« Bemerkungen: Wir sehen, datz die amtliche Bnreaukratie im Widerspruch mit der Reichsversichc- rungSordnung sich nicht scheut, gegen die Demokratie erung der Versicherungsgesetze die alten und verbrauchten Argumente auS der doktrinären Rüstkammer zur Geltung zu bringen. Und wie stellt sich das Reichswirtschaftsamt als die setzt vorgesetzte Behörde des Reichsversicherungsamts zu dieser Auffassung? Die gewerkschaft- liche Arbeiterschaft wird erstmals große Ursache haben, hiergegen den schärfsten Widerspruch zu erhaben! Eingegangene Druristen. Giiingamor, Der getreue Eckart. Zwei Dramen von Alexander Freiherr von BernuS. Verlag R. Piper u. Ko., München. Rechtsfragen bei Todesfällen Von Alfred Pelkert, Arbeiter» iefretär. M.—.40. Verlan Linke n. Züchter. Breslau t, Blücherplatz 14. tzrrei! Siini Monare auf der flucht ans russischsr Gesäuge». schalt. Von.-da»; Schneid. F. Volkmar, Ueipzii «erantwortlich iür PoUtck! Erich Kuttncr. Berün; sür de» übrigen ÄUdcS Blattes: Alfred Scholz. Rrulölln: für Anzeigen: Theodor Glocke, Berlm. Verlag: BonvärtS-B erlag G m- b. H., Berlin. Druck: VorwörtS-Boch- drnckerei und Verlagsanstalt Paul«omger u. To. in Berlin. Lindenstratze 3. HUrz» 1 vcNage mid UntrchattimgSvtat«. Nr.4H ❖ ZS. Jahrgang Geilsge öes VorWärts Freitag, 75. Februar 1 415 Die Msjchußberatung der Wahlrechtsvorlage. Der Auftakt. Der erste Tag der Wahlrechtsdebatten im Verfassungs- ausschuß des Abgeordnetenhauses verlief verhältnismäßig ruhig und sachlich. Kein Wunder, denn vorläufig handelt es sich nur um kleine Vorpo st engefechte, der Haupt- kämpf, der um das gleiche Wahlrecht, wird erst in der nächsten Sitzung einsetzen. Einstweilen begnügen sich die Wahlrechtsgegner aller Schattierungen mit Versuchen, den Kreis der Wahlberechtigten möglich st einzu- schränken, sie suchen aus den Wahlgesetzen anderer Lcch- der innerhalb und außerhalb Deutschlands das Schlech- teste heraus, um es in die Regierungsvorlage einzuarbeiten. Das erste Attentat auf das allgemeine Wahlrecht ist glücklich abgeschlagen, die Konservativen haben sich genötigt gesehen, ihren Antrag, das aktive Wahlrecht an einen dreijäh ri° gen Aufenthalt oder Wohnsitz in der Gemeinde zu knüpfen, zurückzuziehen. Aber andererseits ist es auch nicht ge- Zungen, die Regierungsvorlage in diesem Punkte zu verbessern. Nicht nur der sozialdemokratische Antrag auf Einführung des allgemeinen, gleichen, direkten und geheimen Wahlrechts für Männer und Frauen über LO Jahre, sondern auch alle Anträge auf Beseitigung und Herabsetzung der Bestimmungen über Staatszugehörigkeit und Aufenthaltsdauer sowie auf Beseitigung der Ausnahmebestimmungen gegen Berlin sind abgelehnt worden. Einzig und allein eine Aus- nahmebestimnlung zugunsten der 5triegs- ! e i l n e h m e r gelangte zur Annahme. Das ist der einzige bisher erzielte Fortschritt. Heber die Anträge auf Entziehung des Wahl- rechts vorbestrafter Personen entspann sich eine lebhafte Auseinandersetzung zwischen der Rechten auf der einen, der Anken und der Regierung auf der anderen Seite, in der die grundsätzlichen Unterschiede der Auffassung über Wesen des Verbrechens und der Strafe deutlich zu Tage traten. Zu der Frage des gleichen Wahlrechts, deren Erörte- rung am Montag beginnt, haben die Konservativen einen Antrag eingebracht, der an Rückständigkeit nicht leicht übertroffen werden kann. Hiernach soll das Abgeordneten- haus aus 4Z0 Abgeordneten bestehen, von denen 236 in allge- meinen, geheimen, direkten Wahlen nach dem Mchrstimmen- iystem, 214 in berufsständischen, geheimen und direkten Wahlen gewählt werden. Man wird sich auf heftige Kämpfe gefaßt machen können. »« * Der BerfassungSauSschbß des AbgeordnetenchauseS begann beute mit der Beratung der Wahlxechtsvorlage. Ihr§ 1 gibt das Wahlrecht jedem Preußen, der die Staatsangehörigkeit seit wenigstens drei Jahren besitzt und das 25. Lebensjahr vollendet hat, in der preußischen Gemeinde, in der er seit einem Jahre seinen Wohnsitz oder Aufenthalt hat. In Ge- meinden, die in mehrere Wahlbezirke geteilt sind, tritt der Wahlbezirk an die Stelle der Gemeinde. Jeder Wähler braucht nur an einem Orte zu wählen. Für aktive Militärpersonen mit Ausnahme der Militärbeamten ruht d a S Wahlrecht. Hierzu sind eine Anzahl Anträge gestellt. Die K o n s e r- v a t i v e n beantragen, für die ein jährige Ortsansäsiigteit die dreijährige zu setzen. Ein uationalliberaler Antrag will folgende Bestimmung einfügen: Auf die Teilnehmer am gegenwärtigen Kriege findet für die erstmalige Wahl auf Grund dieses Gesetzes die Poraussetzung des einjährigen Wohnfitzes oder Aufenthaltes in der Gemeinde oder dem Wahlbezirke keine Anwendung.— Die Fortschrittliche Bolkspartei beantragt, die Bcdingng der drei- jährigen Staatsangehörigkeit zu st r e i ch e n, für die einjährige OrtSansäfsigkeit eine solche von sechs tRonaten zu setzen und auch den Satz zu streichen, daß der Wahlbezirk an die Stelle der Gemeinde tritt, wenn diese in mehrere Wahlbezirke geteilt ist. Der Sozialdemokrat befürwortete seinen Antrag auf Gewährung deS Wahlrechts an alle über 2<1 Jahr alten Personen ohne lknterichied des Geschlechts. Die Richtigkeit dieser progrmn- matischen Forderung der Sozialdemokratie sei durch den Krieg mehr als je erwiesen. Zu denjenigen, die während des Krieges ihre Pflicht erfüllt haben» so daß ihnen voltss Vertrauen zu schenken sei, gehörten wohl in erster Linie die zahlreichen KricgS- teilnehmet, und das seien ja die Leute, die das 20. Lebensjahr vollendet hätten, ja sogar noch jüngere. Ueber das Frauenstimmrecht habe er erst kürzlich im Plenum des Hauses sich deS längeren geäußert, er beziehe sich auf diese Siede und weise noch darauf hin, daß die Frauen jetzt im Kriege ein solches Maß von Verständnis an' den Tag gelegt haben, daß man leinen Grund habe, ihnen das Wahlrecht vorzuenthalten. Sollte aber dieser Antrag, was ja bei der Zusammensetzung des Hauses wahrscheinlich sei, abgelehnt werden, so solle man zum mindesten B e r s ch l e ch t« lendcnz ibres Antrags sei ebenso wie bei den übrigen konser vativcn Anträgen durchsichtig, es komme ihnen darauf an, den Kreus der Wahlberechtigten möglichst einzuschränken und dann allenfalls für den_ kleinen Teil, der noch übrig bleibe, daS gleiche Wahlrecht einzuführen. Sie vergäßen aber, daß das Volk sich diesen Spott und Hohn nicht gefallen lasse. Wolle man die Erregung in weiten Kreisen des Belkes, die nicht zuletzt wegen des Verhaltens des Wahlrechtsansschusses berrsche, beseitigen, so habe man allen Anlaß, die Regiernngsvor- Inge nicht noch zu verschlechtern. Ganz unannehmbar sei die Ausnahmebestimmmig für Berlin, denn dadurch würden alle die Berliner Wähler, die von einerSeitederStraße auf die andere Seite ziehen, wenn diese bereits zu einem anderen Wablkreise gehört, mit einem Schlage ihr Wahl- recht verlieren.— Qti-n Konservativer begründet den Antrag seiner Partei auf Verlängerung der Ortsansässigkeit damit, daß man die fluktuierenden Elemente nicht so be- handeln könnte wie die seßhaftem Ter Sozialdemokrat erwidert, daß der konservative Antrag ein Drittel aller Wähler um das Wahlrecht bringen würde. Er richtet sich de- sonders gegen die Arbeiter, die ihn als Spott und Hohn empfinden lpürden. Wenn man die Erregung der Ar- b e i t e r, die nicht zuletzt durch das Verhalten des Ausschusses hervorgerufen sei, verringern wolle, so müsse man alle Versuche einer weiteren Beschränkung des Wahlrechts unterlassen.— Ein Frcikonscrvativer bekämpft den sozialdemokratischen An- trag, der die Verteidigung des Vaterlandes belohnen wolle.— Ein N a t i o n ä l l i b- r a l e r spricht für die Regierungsvorlage und begründet den Antrag seiner Partei. Munster des Innern Dr Drews: Die e i n zahrige Auf- euthaltsirist ist auch in Elsaß-Lothringcn vorgesehen und sie ge- nügt. Eine dreijährig« Aufenthaltsfrlst würde die Allgemein- heit des Wahlrechts wesentlich einschränken, und daZ will die Regierung nicht. Das Wahlalter von 25 Jahren entspreche der Reichsverfassung, darunter könnte man nicht gehen. Betreffs des F r a u e n w a h l r e ch t s ist die Stellung der Frau von der des Mannes tatsächlich verschieden und muß es sein. Durch die Hincinziehung der Frau in die Politik würde man ihr die Erfüllung ihrer wichtigsten Aufgaben, ihre Mutter- und Erziehungspflichten, unmöglich machen. Die Er- setzung der Gemeinde durch den Wahlbezirk bezieht sich in der Hauptsache auf Berlin und soll ein Hin- und tzersckieben der Wähler vor der Wahl verhindern. Dem nationalliberalen Antrag stimmt die Regierung grundsätzlich zu; er gehört jedoch in die� Ueberganlgsbestimmungcn.— Ein Zentrum sredner meint, das Wahlrecht erfordere eine gewisse Seßhaftigkeit; dem Zentrum genüge die einjährige, es werde gegen den konservativen Antrag stimmen. Man könne die Wert- schätzung und Anerkennung der Frau nicht dadurch zum Ausdruck bringen, daß man sie in die Wahlagitation hineinzieht.— Das polnische Ausschußmitglied befürwortet den sozialdemokratischen Antrag.— Ein Konservativer zieht im Hinblick auf den Verlauf der Debatte den Antraf; auf dreijährige Aufenthaltsdauer zurück. Gegenüber dem Sozialdemokraten erklärt er: Was wir für sachlich richtig halten, tverden wir vertreten, ganz unbekümmert darum, ob dadurch Erregung hervorgerufen wird oder nicht. Dem nationalliberalen Antrag betr. Kriegsteilnehmer stimmen wir grundsätzlich zu. Ein Fortschrittler betont, daß eine Verlängerung der geforderten Aufenthaltsdauer und Staatszugehörigkeit über das jetzige Maß hinaus zu einer Entrechtung der Wühler führen würde. Die Ausnahmebestimmung für Ber- lin sei ungerecht. Wir sind auch gegen eine wettere Herabsetzung der Altersgrenze.— Ein Nationalliberaler erklärt den fortschrittlichen Antrag für unannehmbar.— Ein Konservativer führt aus, früher seien fluktuierende Ele- mcnte nicht vorhanden gewesen. Bei dem letzten Streik habe man gesehen, daß gerade die jüngsten Elemente männlichen und weiblichen Geschlechts diejenigen sind, die zu Ausschreitungen nei- gen. Diesen Leuten könne man doch nicht das Wablrecht geben. Wenn das sozialdemokratische Ausschußmitglied von Erregung spreche, so weise es damit wohl auf die kommenden Ereig- nisfe hin. Es sei ja allgemein bekannt, daß ein neuer Streik veranstaltet werden solle, weil die Drahtzieher sich mit dem Ausgang des letzten Streiks nicht zufrieden gäben. Dem Redner sei gesagt worden, daß der 18. Fe b r u a r, der Tag vor dem Zusammentritt des Reichstags, dafür in Aussicht genommen sei.— Darauf erwiderte der Sozialoemokrat, daß er keine Veranlassung habe, auf diese Ausfiibrungen«inzugehen, einmal, weil es nicht seine Sache sei, sich auf Ammenmärchen einzulassen, und zweitens, weil er ihm nicht den Gefallen tun wolle, eine Streif debatte heraufzu- schwören und dadurch die Verabschiedung der Wahlrechtsvorlage zu verzögern.— Ein Nationalliberaler fragt, ob die Bedingung einer dreijährigen Staatszugehörigkeit mit der Reichsverfassung vereinbar sei.— Ein Fortschrittler wünscht Klarheit über diese Frage; schon 1892 sei vom Abgeord- neteuhause festgestellt worden, daß Neichsangehorige, die in den preußischen Staatsverband ausgenommen sind, zur Wählbar- keit in den Landtag der einjährigen Staatszugehörigkeit nicht bedürfen. Ebenso müsse es mit dem amtlichen Wahl- recht gehalten werden. Justizminister Dr. Spahn erklärt diese Frage als strittig. Baden und Hessen fordern bereiis eine längere Staatszugehörigkeit, und der damalige Staatssekretär des Innern Graf Posa- dowSky habe sich seinerzeit im Reichstage dahin ausgesprochen, daß eine solche Bestimmung der Reichsverfassung nicht zu- wider laufe.— Der Nationalliberale gibt darauf seine Bc° denken auf.§ 1 wird in der Fassung der RegierungSvorlase angenommen, alle Abänderungsanträg? werden abgelehnt.— Einstimmig wird der nationalliberale Antrag betr. die Kriegsteilnehmer zum Busch luß erhoben. § 2 zählt diejenigen Personen auf, die vom Wahlrecht a u S- geschloffen sind. Auch hierzu liegen Anträge vor. Ein nationalliberaler Antrag will vom Wahlrecht auch diejenigen ausschließen, die zu Zuchthaus oder Gefängnisstrafe von mehr als 8 Manaten rechtskräftig verurteilt sind, bis zum Ablauf von ö Jahren seit Verbüßung oder Erlaß der Strafe, diejenigen, gegen die während der letzten ö Jahre auf U eberweis ung an die Landespolizeibehörde rechtskräftig erkannt ist, die- jenigen, gegen die rechtskräftig auf Zuläffigkeit der Polizei» a u f s i ch t erkannt ist, weiter die während des letzten Jahres ein« öffentliche Armenunter st ntzung erhalten haben, und end- lich diejenigen, die seit mehr als ö Monaten Staats- oder Gemeinde st euern schuldig sind.... Ein konservativer Antrag will des Wahlrechts verlustig erklären die ivegen Diebstahls, Vettugs, Sehlerei, Unterschlagung, Sittttchkeitst'erbrechen, Wahlfälschung, Wahlbestechung, Wucher oder Zuhälterei rechtskräftig zu einer Freiheitsstrafe von mehr als 3 Monaten Verurteilten oder die wegen B e t t e l n S oder L a n d str c i che n s der Landespolizeibehörde überwiesen sind. Außerdem deauiragen die Konservativen dir Einfügung eines § 2a, wonach auf die Dauer von ü Jahren vom Wahlrecht auS- »icschloffen werden diejenigen Personen, die wegen verleumderischer Beleidigung, vorsätzlicher Mißhandlung oder Landfriedens- bruchs zu einer mehr als einjährigen Freiheitsstrafe rechtskräftig verurteilt sind. Einen ähnlich weitgehenden Antrag stellt das Zentrum. Der Zentrumsredner erklärt es für grundsätzlich berechttgt, Wahlberechtigte, die zu Freiheitsstrafen verurteilt sind, ganz oder teilweise vom Wahlvecht auszuschließen, aber man soll die strafbaren Handlungen nicht, wie es die Konservativen wollen, einzeln aufzählen. Zweifelhaft kann man über die Dauer fein. Schon wegen einer St/ast von 3 Monaten das Wahlrecht zu nehmen, geht ntcht. In dieser Hinsickt muß der nationalliberale Antrag geändert wcrdeni Im übrigen ziehe der Redner seinen Antrag zugunsten des nationalliberalen zurück, jedoch dürfe wegen Steuerrückstandes ein Wahlrechtsverlust nicht eintreten, auch das Wahlrecht selbst sei nicht von der Steuerzahlung abhängig.— Ein Konservativer weist darauf hin, oaß auch das f r a n z ö- fische Gefetz bei gewissen Straftaten dauernden Wahlrechts- Verlust vorgehe. Minister des Innern Dr. Drews findet den Gedanken der Anträge richtig. Die Regierung schlage ja auch vor, diejenigen vom Wahlrecht"auszuschließen, die öffentliche Aemter nicht bekleiden dürfen. Ob man aber so weit gehen könnte, wie die Antragstcller wollen, sei sehr zweifelhaft. Jene Bestimmungen des' französischen Rechtes stammen aus einer Zeit, wo man eine weniger soziale Auffassung vom Wesen des Verbrechens und der Strafe hatte als jetzt. Heute nehme man auf die Momente mehr Rücksicht, aus denen heraus ein Verbrechen begangen worden sei. Eine ganze Reihe von Straftatci sei erklärlich a u d e m Milieu des Täters, und sie seien das Ergebnis einer einmaligen Verirrung, die eine einmalige bleiben könne. Einmaligen Gelegenheitsverbrechern dürfe man nicht dauernd das Wahlrecht nehmen. Wenn man aber einem Borbestraften für eine gMisse Zeit da» Wahlrecht ent» ziehe, so wäre das gewissermaßen ein Denkzettel und er» scheine gangbar. Ein Nationallibrraler stellte hiernach in Aussicht, den Antrag seiner Partei ändern zu wollen; wenn jemand die Rechtsord- nung verletze, müsse er sich auch eine Einbuße an seinen Rechten gefallen lassen.— Ein Frei konservativer kündigt für die gwoite Lesung einen Antrag auf lebenslänglichen Wahl- rechtsverlust bei bestimmten Delikten an. Ein Fort- f ch r i t t le r meinte, man dürfe nicht den Stab brechen über Men- fchen, die durch eine unglückliche Verkettung von Um- ständen mit dem Gesetz in Konflikt geraten. Das Volk werde ein solches Vorgehen nicht verstehen, vielmehr in Erbitterung und Zorn darüber geraten.— Ein Mi ntsterialdirektor aus dem Ministerium des Innern wendet sich g egen einen Wahl- rechtsverlust wegen S t e u c-r r ü ck st ä n d i g k e i t. � Ein Z e n- irumsabgeordneter spricht in ähnlichem Sinne wie der Fortschrittler, daß die Vorschriften des Bürgerlichen Gesetzbuchs ge- nügten; wenn man einen zeitlich begvenzten Wahlrechtsverlnst aus- sprechen wolle, so dürfte man das nicht schon dann tun, wenn jemand 3 Monate Gefängnis erhalten hat. Der Sozialdemokrat wendet sich grundsätzlich gegen eine» WahlrrchtSverlust solcher de- straftet Personen, denen die bürgerlichen Ehrenrechte nicht ab» erkannt sind. Würden die Anträge angenommen, so würden auch alle diejenigen das Wahlrecht verlieren, die wegen politischer oder Pretzvergehen oder auf Grund des 8 163 ber Gciverbeordnnng zu Gefängnis verurteilt wurden. Er stellt den Zusatzantrag, daß als Armenunterstützungen nicht gelten sollen Unterstützungen, die in der Form vereinzelter Leistungen zur Hebung es rar augenblicklichen Notlage gewährt oder die erstattet sind. Hierauf werden sämtliche Anträge einem Unterausschuß überwiesen. Am Montag wird die Frage deS gleichen Wahl- rechts beraten. Dazu liegt ein Antrag ber Konservativen vor, der will, daß das Abg eordn et enhaus aus 450 Mitgliedern be- stehen soll, von denen 239 in allgemieinen, geheimen und direkten Wahlen nach dem Mehrsninrnensystem, 214 in berufsstänbischen, geheimen und indirekten Wahlen gewählt werden. Jeder Wähler soll zwei Stimmen haben, eine für dre allgemeinen, eine für die berufsständischen Wahlen. Für die allgemeinen Wahlen wird je eine Znsatz stimme erworben: durch das Lebensalter lS0 Jahre),'das Vermögen �Veranlagung zur Ergänzungs'- steuer), das Einkommen(wenn der Steuerbetrag den 'im Durchschnitt auf einen Wähler in der Gemeinde entfallenden Steuerbetrag übersteigt, stets aber bei Ver- anlagung über 3000 M.ft die selbständige Er- werbstätigkeit(Beschäftigung mindestens einer verfiche- rungspflichttgen Person), des Grundbesitzes(2 Hektar Land- Wirtschaft, Forstwirtsckmft, Obstbau oder Gärtnerei oder mindestens einen halben Hektar Weinbau), der Schulbildung(Erreichung des Ziels einer Mittel- oder Realschule, Versetzung in die dritt- oberste Klasse einer mehr als sechsklassigen höheren Schule oder Aufnahme in die dritte Seminarklasse einer Lehrerbild'.mgsan» stalt). Für die beruss ständischen Wahlen wind die Wählerschaft in drei Berufsabteilungen mit 3 Gruppen eingeteilt(1. L a n d- Wirtschaft, For st Wirtschaft, Gartenbau, Fische- r e i, je nach Größe, 2. Industrie, Handwerk, Handel und Verkehr, je nach der Stellung, 3. freie Berufe und Be- amte, wobei die eine Gruppe von den freien Berufen, die zweite von den akademisch gebildeten Beamten und die dritte von den übrigen Beamten gebildet wird). Die Zahl der Wahlkreise für jede dieser Gruppen beträgt zwischen 13 und 29, jedes Viertel- Prozent der Berufsangehörigen in den für die allgemeinen Wahlen bestehenden Wahlkreisen wählt einen Wahlmann. Sozialpolitifther Stillstanö. Von Rud. Wissell. Die sozialpolitischen Maßnahmen der letzten Monate sind in ihrer gesamten Gestaltung s o überaus dürftig, sie stellen Halbheiten so arger Art dar, daß man ihren Verfassern sicher Unrecht tun würde, wenzi man annehmen wollte, daß ihnen die Halbheiten dieser Maßnahmen verborgen geblieben seien. Entweder fehlt der gute Wille im neuen Reichswirtschaftsamte, den Bedürfnissen der neuen Zeit in vollem Umfange gerecht zu werden, oder eS machen sich Kräfte geltend, die einem vorhandenen Streben zur Erfüllung dieser Bedürfnisse in den Arm fallen. Man braucht nur diese neueren Verordnungen ein- mal durchzusehen, um die Halbheit ihrer Maßnahmen sofort zu erkennen. Da ist in erster Linie die BundeSratsvcrordnung vom 12. Oktober 1917 über den Sch utz der Hinterbliebenen von Munitionsarbeitern zu nennen. Sie bestimmt, daß bei Gesundheitsschädigungen einer gegen Unfall ver- sicherten Person bei Herstellung von Kriegsbedarf durch nitrierte Kohlenwasserstoffe der aromatischen Reihe, die' den Tod deS Versicherten zur Folge haben, Sterbegeld und Hinterbliebenenrente unter entsprechender Anwendung der Vorschriften der ReichsPersicherungSordnung zn gewähren sind. ES wird also nicht das Merkmal eine? Unfalls, d. h. einer plötzlichen Gesundheitsschädigung gefordert. Auch die zum Tode führende allmähliche Einwirkung der schädlichen Berufs- arbeit genügt für die Entschädigungspflicht der Berufsgenoffen- schast. Aber nur den Hinterbliebenen ist ein Schutz gewährt, nicht den am Leben gebliebenen Geschädigten selbst. Der äußere Anlaß dieser Verordnung waren die schlimmen Erfahrungen, die in einem Cahuecitwerke Süddcutschlands gemacht worden sind. In dieser Fabrik waren innerhalb eines Vierteljahres an 10Ö Arbeiter an Nitrobenzolvergiftung erkrankt. Die von feiten der Behörde sofort eingeleitete Untersuchung ergab: daß die Lüftung in der Fabrik eine un> genügende war, wodurch die Einatmung des giftigen Nitro- bcnzols befördert wurde; daß die Kleider der Arbeiter im Arbeitsraume hingen; daß die Arbeiter auf den Boden spuckten; daß sie mit schmutzigen Fingern schnupften und durch den Tabak das Gift der Nase und den Atmungsorganen zu- führten; daß Eßwaren mit in den ArbcitSraum genommen und aus der Tasche verzehrt wurden; daß die Arbeiterinnen mit unbedeckten Haaren, in denen sich die Giftstoffe fingen, arbeiteten; daß die Patronenplättchen mit im.Munde.ge- Näßten Fingern aufgenommen wurden usw. Diese eigentlich unglaublichen Verhältnisse und Zustände wurden nun natürlich sofort geändert, an eine Entschädigung der betroffenen Arbeiier hat jedoch anscheinend keine der be- hördliche« Stellen gedacht. Erst als diese Verhältnisse durch eine Unfallhinterbliebenensachc dem Zentralarbcitcrsekrctariai. bekannt wurden und die Generalkommission der GeWerk- schasten Deutschlands unter Schilderung der Sachlage in einer Eingabe an den Reichskanzler die SchaFung eines Ver- sicherungSschutzes forderte, war das Ergebnis die Verordnung vom 12. Oktober 1917. Sofort nach der Veröffentlichung dieser Verordnung hat der„Vorwärts" die Ausdehnung des Schutzes auf die Versicherten selbst gefordert(„Vorwärts" Nr.° 296 vom 28. Oktober 1917); sie stopft nur die äußerste Lücke zu. Es ist ja ganz unverständlich, weshalb nur die Hinter- bliebenen geschützt sein sollen und nicht auch die oft schwer in der Gesundheit geschädigten Versicherten selbst. Und ebenso unverständlich ist � es auch, daß andere Schädigungen als die durch die nitrirten Kohlenwasserstoffe der bezeichneten Art von einem Versichcrungsschutze freigelassen bleiben sollen. Sollte hierfür etwa die Kostenfrage eine Nolle gespielt haben? Sollte man sich scheuen, sie den Trägern der Unfallversicherung zur Last zu legen? Die einfachsten Wege scheinen oft im Dunkeln zu liegen. Wäre es denn so schwer, das Kapital- deckungsverfahren für solche Lasten zu schaffen? Die hohe Bezahlung der Militäraufträge würde es mit Leichtigkeit er möglichen, die Kosten von den Unternehmern einzuziehen Damit wurde auch zugleich der Betrieb, gewissermaßen per- sönlich, cm der Schadenverhütung interessiert werden.— Die gleich dürftige Regelung einer Angelegenheit, wie ste in dieser Verordnung in die Erscheinung tritt, ist auch zu be- klagen in der Bundesratsverordnung vom 9. Oktober 1917. Sie bestimmt grundsätzlich, daß für alle Kriegsteilnehmer und solche Versicherte, die, ohne zur bewaffneten Macht zu ge- hören, sich bei ihr aufgehalten haben oder ihr gefolgt sind oder die in die Gewalt des Feindes gefallen sind, der den Hinterbliebenen zustehende Anspruch auf Beitrags- erstattung nach dem Versicherungsgesetz für Angestellte innerhalb einer einjährigen Frist geltend ge- macht werden kann, die mit dem Schluß des Kalenderjahres beginnt, in dem der Krieg beendet ist. In besonderen Fällen verlängert sich auch noch diese Frist. Diese Regelung ist gut. Kein Zweifel! Aber w e s- halb nur diese Regelung für die Beitrags- e r st a t t u.n g? Die gleiche einjährige Ausschlußfrist, wie sie hier ausgedehnt worden ist, besteht nach§ 1360 der R.V.O. auch für den Antrag auf Gewährung des Witwen- g e l d e s, d. h. der einmaligen Zahlung, die beim Tode eines gegen Invalidität Versicherten gewährt wird, wenn die Hinterbliebene Witwe selbst die Anwartschaft auf Invaliden- rente erworben hat. In nichts unterscheidet sich diese Frist von der eben besprochenen. Und doch ist sie unberücksichtigt geblieben. Weshalb? Aber auch nicht das Geringste vermag dafür angeführt zn werden.— Die Grundlöhne zur Berechnung des Krankengeldes waren bisher nach oben auf höchstens 6 M. begrenzt. Mit der Teusrung stellte sich immer mehr ein Mißverhältnis zwischen denc tatsächlichen Verdienste und den Bar- leistungen der Krankenkasse heraus. Selbst das höchste Krankengeld genügte vielfach nicht mehr, um den Lebensunterhalt Verheirateter mit ihrer Familie auch nur notdürftig zu sichern. Durch Bundesratsverordnung vom 22. November 1917 sind nun die Krankenkassen ermächtigt worden, die Grundlöhne bis zu 16 M. zu erhöhen. Wieder eine Verordnung, die gut isü A b e r a u ch wieder eine Verordnung, die die Kon sequenzcrn aus den tatsächlichen Verhältnissen nur halb zieht. Immer noch sind die Angestellten nur bis zu einem Jahres- a-rbeitsverdienst von 2500 M. versicherungspflichtig. Ja, ihnen fehlt sogar das Recht, freiwillig der Versicherung beizutreten. sofern ihr jährliches Gesamteinkommen 2566 M. übersteigt. Nun braucht man sich nur einmal zu fragen, was heute 2366 M. gegenüber 2366 M. vor dem Kriege bedeuten. Wirtschaftlich sind weite Kreise der Angestellten mit einem Einkommen von. über 2300 M. in keiner Weise über den Kreis der Versicherungspflichtigen, also der mit höchstens 2360 M. Jahreseinkommen, hinausgehoben. Viele Angestellte sind infolge der Gehaltssteigerung über die versicherungs- Pflichtige Gehaltsgrenze hinausgekommen. Umso mehr, als auch die Teuerungszulage'zum �Entgelt im Sinne der R.V.O. rechnet. Damit sind sie der Versicherungspflicht entfallen. Sofern sie bisher versichert waren, können sie freiwillig die Kassenmitgliedschast fortsetzen. Von diesem Recht werden auch viele Gebrauch machen. Andere werden es jedoch nicht tun, und das wird wahrscheinlich die große MÄjrzahl der bisher Versicherungspflichtigen sein. Die Folge der NichtVersicherung wird in vielen Fällen sein, daß ein Arzt nur in Fällen dringendster Not in Anspruch genommen wird. Das bringt natürlich erhebliche Gcsundheitsgefahren mit sich. Für die Verfasser der uns hier beschäftigenden Bundcsratsverordnung hat es geradezu auf der Hand liegen müssen, die vcrsiche- rungspflichtige Einkommensgrenze für die Angestellten zu er- höhen. Bon den Angestellten selbst ist es gefordert. In einer gemeinsamen Petition der vier Gewerkschaftsgruppen und der Arbeitsgemeinschaften der kaufmännischen Verbände, der freien Angestclltenverbände und der technischen Verbände wird als Versichcrungsgrenze 5660 M. verlangt. Ich meine mit Recht! Die Grenze von 2506 M. entsprach schon vor dem Kriege nicht dem dauernd gesunkenen Geldwerte, jetzt ist sie es auch nicht mehr im entferntesten. Mit der Erhöhung der vcr- sicherungspflichtigen Grenze auf 3666 Mark ivird der Kreis der versicherungspflichtigen Angestellten keineswegs erweitert, sondern nur eben dieselbe Ausdehnung ergeben wie vor dem Kriege. Also auch diese Verordnung versagt in dem eben be- sprochencn so wichtigen Punkte vollständig.— In der erwähnten Petition wird auch eine Neufestsetzung der Ortslöhne gefordert. E>ie hätte schon mit Wirkung vom 1. Januar 1913 ab erfolgen müssen. Sie ist immer hinaus- gezögert worden uttd dadurch bewirkt, daß heute die Orts- löhne in keiner Weise mehr das sind, was sie gesetzlich sein müssen, der DurchschuittSbetrag dessen, was gewöhnliche Tage- arbeiter zu verdienen pflegen. Die daraus resultierenden Schädigungen sind sehr groß, und bei der Unfall-, sowie Invaliden- und Hinterbliebenenversicherung dauernd fort- wirkend. In der Krankenversicherung kann das Krankengeld nach dem Ortslohne seinen Zweck, den Lohn zu verireten, unter den jetzigen Verhältnissen nicht mehr enüllen. Da die Ortslöhne auch für die Berechnung der Unfallrenten in niancheu Fällen von wesentlicher Bedeutung und. sie aber in keiner Werse den heutigen Verhältnissen mehr enrsprechen, ist die Erhöhung dringend geboten. Das gleiche gilt auch bezüglich der durchschnitt- lichen Jahresarbeitsverdicnste der� landwirtschaftlichen Arbeiter und der Arbeiter in der Forstwirtschaft. Auch diese Jahresarbeitsverdienste, die ja dauernd, eventuell bis ans Lebensende, für die Rentenberechnung der durch Be- triebsunfall Geschädigten gelten, entsprechen in keiner Weise inehr den heutigen Verhältnissen. Dringend ist deshalb eine Erhöhung der Ortslöhne und der landwirtschaftlichen �ahres- ' arbeitsverdienste geboten. Es ist leicht,— und das würde nur eben den tatsächlichen Verhältnissen entsprechen, sie generell um 30 Proz. heraufzusetzen. Besondere Arbeiten würden den Behörden daduech nicht erwachsen, aber den Ver- sicherten würde wenigstens in etwas ein Ausgleich zwischen Renteneinkommen und Lebensbedarf geschaffen worden sein. Statt dessen hat man sich mit einmaligen Zulagen von 8 M. für Invalidenrenten und Unfallrenten von 66% Proz. an begnügt, für Witwenrenten um 4 M. Vergessen sind die Altersrenten und die Unfallhinterbliebenenrenten. Wohin man auch auf dem Gebiete des Versicherungsrechts seinen Blick lenkt— und nur auf dieses habe ich einen kurzen Rückblick geworfen—, nur Halbheiten über Halbheiten. Es fehlt der großzügige Geist. Es ist auch nach" der Errichtung des Reichswirtschaftsamtes geblieben, wie es vorher war. Und dabei erheischt keine Zeit so sehr wie die heutige� den möglichsten Ausbau aller Gebiete des Arbeiterschutzes. Statt dessen nur ein zögerndes Fortschreiten, das gegenüber den viel rascheren Bewegungen auf dem ganzen Gebiete der Volks- Wirtschaft und des sozialen Lebens, nicht nur einen Stillstand sondern einem Rückschritt gleichkommt. Die Sozialpolitik hält nicht Schritt mit den Anforderungen der Zeit. Es ist Aufgabe des Reichstages, hier wieder ein- mal als vorwärtsschreitende Kraft zu wirken. Staötverorünetenversammlung. Vorsteher Michelct eröffnet die Sitzung nach 5% Uhr mit einem ehrenden Nachruf für den heute ftüh verstorbenen Stadtverordneten Basner(So,.) Für die städtische KriegShinterbliebenen-Für sorge beantragt der Magistrat für den Nest des Kalenderjahres 19! 7 eine Nachbewilligung von 60 099 M. und für das Kalenderjahr 1918 die Bewilligung weiterer 350 900 M. Sladtv. Brückner(So,.) bedauert, daß die Beratung des auf die Verbesserung der Bezüge der Kriegshinterbliebenen aus Kommunal- Mitteln gerichteten Antrags trotz der Dringlichkeit dieser Forderung von dem betreffenden Ausschüsse auf drei Monate vertagt worden ist. Die Bewilligung erfolgt. Vom 1. April 1918 ab soll der Preis für das von den Wasserwerken gelieferte Wasser von 16 auf 17% Pf. pro Kubikmeter erhöht werden.— Zugleich bringt der Magistrat der Ver- sammlung zur Kenntnis, datz mit dem 1. April das für öffentliche Zwecke bisher unentgeltlich gelieferte Wasier den betreffenden Ver- Wallungen zum Selbstkostenpreise abgegeben werden soll, womit der Wasserwerksverwaltung eine Einnahme von rund 409 090 M. zugeiiihrt wird. Stadtv. Dr. Wehl(U. Soz) protestiert gegen die Preiserhöhung aus hygienischen und sozialpolitischen Gründen, bemängelt aber auch, datz nunmehr ein neuer Unterschied gemacht werden soll, in- dem man das Wasser für öffentliche Zwecke zum Selbstkostenpreise in Rechnung stellen wolle, während Krankenhäuser, Schulen, Kirchen, Markthallen usw. den vollen Tarif bezahlen müssen. Es gehe auch Nicht an, datz Berlin einen höheren Tarif bezahle, während einige Vororte das Wasier zu dem billigeren Satz von Berlin erhielten. Stadtv. Hahn(Linke): Das Ersuchen des Magistrats bedarf doch näherer Prüfung, auch im Interesse der Hausbesitzer, die von der Erhöbung mitbetroffen werden. Stadtrat Dr. Preuß: Die Verwaltung hat jedenfalls die Pflicht, darauf zu halten, datz die Wasserwerksverwallung keine Unterbilanz ausweist. Stadtv. Mann(Soz.) erklärt sich für den Antrag Hahn auf AuSichutzberaurng. Datz die Hausbesitzer auch hier soforc mir ihrem Protest gekommen seien, könne niemand wundern, die HauSagrarier glichen den Landagrariern ivie ein Ei dein andern. Die Medenetzung eines Ausschusses wird beschlossen. Die lange Knegsdauer, sowie das Jnkraftlrelen des Zweckber- bandsgesctzes haben eine Aenderung der wegen Anlage einer elektrischen Schnellbahn vom Gesundbrunnen nach dem Hermannplatz in Neukölln mit der A.E.G. und mit Neu- kölln abgeschlosienen Verträge notwendig gemacht. Die Bauzeit mutz verlängert, die Baukostensumme erhöht, der Zinsfutz der aus- zugebenden Obligationen gesteigert werden. Autzerdem hat der pro- jektierle G e m e i n s ch a f l s b a h n h o f H e r m a n n p l a tz in die Bau- und Betriebsverträge Aufnahme gesunde». Endlich ivird der Entwurf eines Tarifes jür den Uebergang von der Nordsüdbahn auf die Schnellbahn Gesundbrunuen-Neukölln vorgelegt. Stadtv. Dove(Linke) befürwortet Ausschutzberatung. Ihm tritt Stadlv. H i n y ee Meies durch die häusigen Einbrüche und Diebstähle in letzter Zeit bewiesen lvürde.� Der Mangel an Polizei mache sich täglich fühlbarer. Der MagistratSvertrcter erkannie diesen Mangel an, jedoch liege hier keine Schuld an den aussichlführenden Bebörden. Die Bemühungen, geeignete Personen für den Wachdienst freizubekommen, tvürden ständig fortgesetzt. Genosse Wo ick erkennt gleichfalls den Verfall von Moral und Sitte an. Dieses sei aber weniger eine Folge des Mangels an Polizeimannschaften, als die der allgemeinen Erscheinungen des Weltkrieges. Nicht mehr Polizei iei die Lösung, sondern das Wirken jür einen baldigen Frieden. Aus der übrigen Tagesordnung ist noch anzusühre», daß den verheirateten slädlische» Beamte» und Lchrcrn der höheren Schulen, die bereits vor dem 1. August 1914 im Dienste der Stadt standen, eine einmalige Teuerungszulage im Betrage von 200 M.. gemäß den von Staatsbehörden getroffenen Maßnahmen gewährt werden, für Kinder initcr 18 Jahren, welche noch unterhalten werden, außer- dem noch 20 M. Unverheiratete Beamte mit einem Gehalt von weniger als 6000 M. sollen 150 M erhalten. Da die lfchrpersonen an den Gemcijrdeichnlen KnegSbcihilfen und Teuerungszulagen nach den staatlichen Sätzen erhallen, so sind sie den Lchrpcrsvnen der höheren Schulen gegenüber benachteiligt. Ans Antrag kann der UiilcrschiedSbetrag' im Wege einer außerordentlichen Unter- stützuitg gewährt werden und zwar bis 1. Juli 1917 rückläufig. Da die Sätze des Schulgeldes für die höheren Schulen in fast allen übrigen Gemeinden von Groß-Berlin höher find wie in Cöpenick. und die Lasten dauernd steigen, so wird in Anbetracht der allgemeinen Finanzlage der Stadt beschlossen, ab 1. April 1918 das Schulgeld für die Körner- und Dorotheenschnle zu erhöhen, und zwar bei der Vorschule� der Körnerschule fiir Einheimische von 60 auf 80 M., für auswärtige Schüler von 100 auf 120 M. Bei der Hauptanstalt betragen die Sätze für Einheimische 130 M., für Auswärtige 160 M.. bisher 140 M. In der Untcrstnse der Dorotheeirschule soll das Schulgeld von 75 auf 80 und von 90 ans 120 M. und in den anderen Klassen von 100 ans 130 und von 120 ans 160 M. gesteigert werden. Reinickendorf. LehciiSmittelvcrsorgung. Bei der jetzigen Eier- Verleitung bat sich hcransgestellt. daß Karten noch im Umlauf sind. die längst hätten abgelieseri werden müssen. Bei Wegzug von hier. bei Einberufung zum Militärdienst»iw. sind die Eierkarlen an die Brotkommiisionen zurückzugeben, wie alle anderen der Rückgabe unterliegenden Lebensmittellarten. Mißbräuchliche Benutzung wird bcstrast.' Bei die'er Gelegenheit mackt der Gemeindevorstand darauf aufmerksam, daß sebr oft die Hausbesitzer die Hauptschuld an der mißbräuchlichen Benutzung nickt nur dieser, sondern auch alle anderen Karlen tragen, da sie sehr wohl wissen, wer wegzieht oder zum Militär inbenuen wird. SS ist ferner zur Kenntnis gelangt, daß hiesige Ge- sckästSinhaber sich über die amtlichen Bekanntmachungen hinwegsetzen und dem Publikmn, das pünkiliche Beiolgung der erlassenen Vor- ichriften fordert, einfach erklären, daß sie sich aus den Bekannt- machungeir nicklS machen, sondern so handeln würden, wie eS ihnen beliebt.' Ferner haben Händler ihnen von unS zugewiesene Kunden mit nngehöngen Bemcrlnngen abgelcbnt. In Znknnfi wird der Geincindevorstand jeden Mißbrauch mit Karlen zur Bestrafung bringen und jeden Händler von weiterem Bezug von Waren unbedingt ausschließen. loenn er nickt p ü n! t- l i ch st seinen Verpflichiungen in bezug ans Einreichung der Kunden- listen(Kartenabschnitte) oder anständigen Behandlung seiner Kund- schaff nachkommt._ NownwcS. Lcbcnsmittcl. Bis Sonnabend, den 16. d. M. findet auf den Kartenabscknitt 6 der Lebensmitlelkane die Ausgabe von Graupen. Abschnitt 3 die Ausgabe von 50 Gramm Paprika- pfeifer statt. Ferner auf Abschnitt 1 der Lebensmittelkarte für Jugend- l i ch e die Ausgabe von 250 Gramm Kunsthonig stall. Groß-Serliner Partemachnchten. Wissell für Stadthagen. Der fozialden'.okraffsche Kandidat für Niederbarnim, Ge- nosse W i s s e l l. hatte einmal Gelegenheit, fiir seinen Vorgänger im Kreise, den verstorbenen Abg. Artur Stadthagen in tatkräftiger Weise einzntkcten. Der amtliche„Lüdeckischc Anzeiger' hatte im Jahre 1908 Stadthagen in persönlich ge- hässtger Weise angegriffen. Genosse Wissest wies in der Lübeckischen Bürgerschaft nach, daß diese Angriffe— es handelte fich um Stadthagens Ausschließung aus dem Anwalts- stände— auf sachlich unrichtigen Voraussetzungen beruhten und führte u. a. aus: Lngcsichls dieser Tatsache wagt es daS Amlsblatt der treten und Hansestadt Lübeck zu sagen, es handle sich um einen Mann, dessen Moral angefressen ist', einen notorischen Betrüger, einen Lnnipcn. einen üblen Geselle», und uns als Vertreter der Sozial- demokraiie sagt das Amtsblatt nach, wir ständen hinter solchen Leuten mit angefressener Moral. Und da sollen wir nicht imt aller Entschiedenheit und mit Recht fordern, daß, wenn wir die amtlichen Vekanntmachungen haben wollen, uns die Möglichkeit geschaffen werden müsse, sie so zu erhalten ohne daß wir mit unseren Beiträgen nebenbei noch ein solches Blatt unterstützen müssen, um es dadurch über Wasser zu halten, Wenn wir in Lübeck amtliche Bekanntmachungen haben, die jeder zu lesen verpflichtet ist, der im öffentlichen Leben steht, sollen sie ihm auch zugänglich gemacht werden, auch ohne daß er sich be- züglich seines pölitifchen Verhaltens anrempeln und an» pöbeln lassen muß.' Das war noch die gute alte Zeit, in der es hieß: .Einer für alle, alle für einen!" Jetzt hat sich die Uneinig- keit in die Reihen der Arbeiterbewegung eingefressen, und man bekämpft sich zur Freude der Gegner gegenseitig. Da- durch, das; die Arbeiter für die Kandidatur Wissells eintreten, können sie daran mithelfen, daß eS wieder wird, wie es war. Für Wissel!, das heißt; für die Einigkeit der A r b c i t c r b e>v e g u n g! Lichterfeldc. Die am Dienstag siattgefundene, guibesuchte Mit- gliederversainmlung hörte mit großem Interesse einen Vortrag der Genossin R p n eck über.Was lehrt der Krieg die Frauen?' Auf eine Interpellation, warum im„Lichterfeldcr Lokalanzeiger" lein Bericht über jene Versammlung erschien, i» welcher Genosse Groger über das Thema:.Waldow-Neukölln-Lickterfelde' sprach und ferner: warum der„Vorwärts" die Lichterfelder �Lebensmittel- Bekanntmachungen nickt bringe, antwortete Genosie Wenzel. Er führte aus, daß er die Redaktion des„Lokal-Anzeigers" brieflich ersucht habe, in jene Versammlung einen Berichterstatter zu senden, was aber nicht geschehen sei. Ein Bericht sei auch� im OrtSblaU nicht erschienen, dafür aber ein desto längerer über eine Versainm- lung der.ValerlandSpartei". An der alten Praxis dieser Presse, Versammlungen der sozialdemokratischen Partei totzu schweig e n, habe sich also nichts geändert. Was die Frage der Lebcnsmittel-Bekanntmachungen betreffe, so habe er sich beim Gemeindevorstand bemüht, sie zur Veröffentlichung t in„Vorwärts" zu erhalten. Zu s c i n e r U e b e r'r a s ck u ii g sei dies abgelehnt worden mit der befremdlichen Begründung: daß vonderAussichiS- be Horde verboten sei, solche Bekanntmachungen der Berliner Press« zugehen zu lassen. Bei den Behörden scheint die Absicht zu bestehen, die Ortsblättcken auf diesem Wege zu stärken, die ja— a n g e b Ii ch parteilos sind, in der Praxis jedoch im Fahrwasser der„Vaterlands- Partei" und der Konservativen schwimmen. Diese Ausführungen sührten zu einem lebhaften Meinungsaustausch, in der lebhafw Propaganda für dqzr„Vorwärts" gemacht wurde. Niederschönüauscn. Heute, abends 8% Uhr, bei Rettig Blankenburgcr Sir. 4: Mitgliederversammlung. TageS- ordnung: Die bevor stehende Reichstagswahl.— Bei der überaus wichtigen Tagesordnung erwarten wir vollzähliges Erscheinen sämtlicher Mitglieder.„Vorwärts'-Leser sind sreundlichst eingeladen. FnednchShagen. Heute, abends 8 Uhr, findet im„Linden- garten, Friedrrchstr. 74, eine Mitgliederversainmlung statt. Gsuchtszeitung. Urteile der Kriegsgerichte. Von den außerordentlichen Kriegsgerichten, die 'eit einer Woche in Tätigkeit sind, sind schon zahlreiche ältere und jüngere Personen, Männer und Frauen, wegen Ausschreitungen der verschiedensten Art be- Gelegenhett des Streiks teils mit schweren. teils mir geringeren Silasen bedacht worden. Der'40jährige Maschüienschlosser Johann Platajczek hat am 31. Januar aus dem Alcxanderplatz versucht, einen Straßenbahn- wagen zum Halten zu bringen, was ihm auch gelang. Er hat, wie das Gericht als erwiesen ansah, die Bremse abgeschraubt und schließlich einem Schutzmann Widerstand geleistet� Er wurde wegen versuchter Transportgefährdung. Widerstandes und Aufruhrs ru drei Jahren sechs Monaten Zuchthaus verurteilt.— Der 40jahrige Fräser Karl Meyer hat sich an einem Auslauf in der Gerichlstraße beteiligt und einen Straßenbahnwagen durch Ab- heben der 5ton>aklstange zum Halten gezwungen. Seine Strafe lautete auf ein I a h r s e ch§ Monate Zuchthaus.— Wegen eines äbnlichen Angriffs auf Straßenbahnwagen wurde der noch nicht tShährige Friscurgehilfe Paul Ziemann zu einemJahr Zuchthaus, der erst 17jätirige Schlosser Hermann Spitzer ru �wci Jahren Gefängnis verurteilt.— Der 3>jährige Former Paul M a r ß e l t hatte am 2. Februar vor den„Berliner Asbeftwerlra" die Arbeiterinnen aufgefordert. die Arbeit einzustellen, und Flugblätter verteilt. Ihn traf eine Strafe von sechs Monaten Gefängnis. In einer Reihe von Fällen, in denen Arbeiter beziehungsweise Arbeiterinnen angeklagt waren, zum Streik aufgefordert und sich dadurch des versuchten Landesverrats schuldig gemacht zu haben, erfolgte wegen mangelnden Beweises die Freisprechung. Da- gegen verurteilte da? Gericht den 17jährigen Mechaniker Erich Groth, der bei Gebert in Lankwitz tätig war. aber nicht mit- streikte, zu drei Monaten G e f ä n g n i s. Er wurde für über- siibrt erachtet, sich in die Wohnung eines Arbeiters— eines Russen— begeben, ihm von dem Äusbrnch des Streiks Kenntnis gegeben und zur Teilnahme aufgefordert zu haben. Wegen versuchte» Landesverrats, in Tateinheit mit Landfriedens- Kruch und Nvticnmg halten sich acht Personen zu verantworten. Sie wurden beschuldigt, in der Frühe bei 1. Februar in der Rahe des Bahnhofs Grünau Streikposten gestanden und Arbeitswillige verhindert zu haben, zur Arbeit nach Johannisthal zu gehen und dabei Drohungen ausgestoßen zu haben. Die Beweisaufnahme er- gab, daß solche Bedrohungen Arbeitswilliger allerdings vorgekommen sind, da aber die Persönlichkeiten der Angeklagten von keinem Zeugen wiedererkannt werden konnten, wurden sie sämtlich frei- gesprochen.— Der Tischler Johann Wittenberg ist von der Polizei beobachtet worden, wie er vietfach in das bei einem Gastwirt Balke in Neukölln befindliche Bereins- zimmer mit Paketen hineinging. Er behauptete, daß in den Paketen sein Werkzeug sich befunden habe. Das Gericht sah jbies dwrch die Beweisaufnahme für widerlegt und für erwiesen an, daß die Pakete Strei'kflugblätter enthalien und in dem Vereins- zimmer sich das Streikbureau befunden habe. Der Angeklagte wurde wegen versuchten Landesverrats zu sechs Monaten Zucht- Haus, umgewandelt in neun Monate Gefängnis, der- urteilt.— Während einer Zusammenrottung, im Humboldihain hatte der Arbeiter Max Behling der Menge, die durch einen reitenden Schutzmann onseinandergetrieben werden sollte, zugerufen bnben:„Holt den Mann doch vom Pferde herunter!" Die Menge hat dann auch danach gehandelt. Der Angeklagte wurde als Rädels- führer bei einem Aufruhr zu zwei Jahren sechs Monaten Zuchthaus verurteilt. �_ Rationierte Güter sind uupfändbar! Eine Entscheidung von großer praktischer Wichtigtou Hai da? Landgericht in Magdeburg getroffen, indem eö die Unpfändbarkeit rationierter Kohlen feststellte. Em Gerichtsvollzieher batte bei einer Schuld- nerin 15 Zentner BriketiS gepfändet! dieic Pfändung wurde durch Beschluß dcS-3. Zivilsenats deS Landgerichts Magdeburg mit der Begrniidlmg als unstatthaft bezeichnet, daß anläßlich der zum Zwecke der Rationierung der vorhandenen Borräte eingeführten K o h l e n k a r t e n die Schuldnerin nicht in der Lage sein würde, sich im Verlauf des Winters weitere Feuer ungS- mittel, als sie jetzt im Besitz habe, zu verschaffen. Hiernach würde eine Pfändung der vorhandenen nur IS Zentner Briketts bei der Schuldnerin ihr die im§ 811 Absatz 2 der Zivilprozeßordnung vorgesehene Menge von Fcuerungsmiiteln unwiederbringlich entziehen.___ ßrlcfFüften der NeöaMon. Lotte 1 legen und Freunden die I IraurigeMitteilung, daß mein sierzenSgukec?Nann, der j Buchdrucker ltekar Teske j am Mltwoch, den 13. Februar, abends 8 Uhr, nach längerer Krankheit an Herzschwäche j verstorben Ist. In tieser Trauer ftiophle Tcnke j und Johanna Tenke| als Mutter. Die Beerdigung findet am i conntag, den 17. Februar.« I nachmittags 2'/, Uhr, aus\ dem Friedhos der Frei- religiösen Gemeinde, Pappel- allee, statt. Am 12. Februar verstarb I I plötzlich mein geliebter Mann.! I unser guter Vater, Schwieger» | und Großvater Hermann David |hn 66, Lebensjahre. Berlin. 13. Februar 1913. j Weideuweg 3. Emilie Havld geö. Brink nebst Kindern. Die Beerdigung findet am I Montag, den 18. Februar, l nachmittags 4 Uhr, von der l Halle des St. Georgen- J Kirchhofes am Königstor aus j statt. 17811 Spezial-Ärzt I>r. med. IlaachO, Fiieirlclislr.SI) ÄSs. Behandl von Syphilis, Haut. Har»-. Frauenleiden, jpez.: chron. Fälle. Schmerzlose, lürzefte Behandlg. ohne Berujsstörung. Blulunterjuchung. Maß. Preise. Teilzahlung. Sprechstunden 10 diZ 1 und 5— 8. Sonm. 11—1. Oriskrankenkasse für das Maurergewerüe zu Berlin. C ÄZ, llankestr. 4. Einladung zu der am Montag, de» L3. Februar 1918, abends S Uhr, im Restaurant.Hinveriburg", Berlin, Hankcstr. 4(Vcrwaltungs. ciebäude der Kasse am Schönhauser Tor- Bülowplutz gelegen) staltsinbenden Mm rdentliciien iussclialisltzimg der Bertrctrr der Arbeitgeber und Kafscnmitgliedcr. Tagesordnung: 1. Beratung und BeschlußsafsüNg über etneSotzungsänderimg nach Maxgade dcr.BnndeSratsvcrordnung vom 22. 11.17/1.12. 17. 2. Verschiedene Mitteilungen dcS Vorstandes. Berlin, den 15. Februar 1313. 1533b Der Borstand der Ortskrankeiikasse für das Mnurergewerbe zu Berlin. A. Oaehns, Vorsitzender. R. Freunil. Schristfübrer. CB p i 5 m a 8- GmläpMieh: Kniserirnnsch fAtevm!»% Heu: Rampunseli, teliiHiera Jamaika- ttzam hergestellt| 6,— St., Orisiuninnschca 4,50 31. 1 Teil Pansohcntrnkt. 2 Teile siedendes Wasser er- 1 geben einen köstlichen«üßen Pnnneh. Kein Zucker erforderlich. Die Extrakte sind unter Ver- ivcndung von Wein hergestellt. Es wird höflichst gebeten, möglichst Flaschen oder Gefäße zürn Füllen| mitanb ringen. ser LIKÖRE Magenbitterükör Kümmel PlefferminzlikSi*! alkoholarm! LUT Klanche««ark. Im Gesohmack sind diese alkoholannon Liköre von j Spirituosen kaum zu unterscheiden und finden hberall ungoteilton Ecifull. Cogsiac, Rum, Arrak rumSfligen Preisen! Cherry Brandy, Fiaaoh«.. 10,50 m. Ung. Süßwein la, Finsohe. 8,75 m. ».Krämer, wis I kl,w'ch"r'Xb'öif.*r! 2. Verkaufsstelle: Relniekcnikorrer Str. 109 Verkaufsstelle: Amlrea«t«tr. 7S 1 4. Verkaufsstelle: Weukiilln, llerllncr Str. 7(5. Versand nach auSerlsalh in Korbflascbea von Z, 10| und 25 Liter. Lunssn ßsorilmist 1870. und."pnistrnnfc. Verlangen Sie kostenfrei beiehrende Broschüre über Deilnielhode ohne Berusöstörnng. SanltätSrat Dr. Wei««'» Ambii!., Berlin 117, Potzdamsr iiir. ih3d 11. Bäckerei-Gettoffenschaft Berlin. Eingeiragene Genossenschaft mit beschränkter Hastung. Berlin,«rbanstrafze 70 a. Gewinn- und Verlustkonto per 3l. Dezember 1917. Debet. An Utensslienkonio. *. Gesvannkonto. , Maschmenkonlo. „ Personal-Un- koüenkonto.. . Spcscnlonto A. „ Tciailtonto.. „ Zinsenkonio., „ Wespaim-llii- toslcnkonto.. . Speienlonio L. „.Kohlenkonto.. , Spcsenkonto F. M. 445,20 194.66 1 293,30 55 181.51 4 965,93 2 234.55 301,68 4 623.81 9 466.57 4 546.35 17 137.30 Kredit. M. Per Spezialreservc- sondSkonio.. 3 134,12 , Warenkonto.. 2 155,96 . Dctailkonto.. 158,— „ Bäckerciksnto. 94 942,78 100 390,86 100 390,86 Bilanzkonto per 31. Dezember 1917. Siktiva. An Anteilkonto G. S. oz �. . Anteilkonto H. E. G.... „ Menfllienkonto. „ Gcspannkonto. „ Kautionskonro. , Masckincnkonto „ Kassakonto.. Worcnkonto ., Gesparm-lln- koste, ikonto.. „ Spesenkonto B „ Bäckerei tonto . Spesenkonto F. M. 877,- 200.— 4 008,- 1 752,20 050,- 3 880.— 15 771,91 050,20 283,35 920/— 6 846,20 436,— 35 574,86 Passiva. Per Mitglieder-Gut« babenkonto.. . RescroesondS- lonto.... , Speziaireserve- sondSkonto.. „ Unterstützungsfondskonto.. „ Darlehnsschuld- konto M. 6 500,— 5 100,— 2 818,41 820,94 3 830,— . Kontokorrentkto. 11 485,51 35 S74M Im Lause drS Geschäftsjahres 1317 ist kein Genosse ein- geireten«so. auSgelihieden. Während des GeschästSjadre» ge- hörten der Genossenschast 20 Genossen an mit einer Geiamthaft» summe von 65>X) M. und einem Mitgliederguthaben in derselben Höhe. Die Gcsainlbastsumme und da» Milgliederguthaben haben sich gegen das Vorjahr nicht vermehrt und nicht vermindert. Da» Geschäflsjahr ging vom 1. Jan. 1917 bis 31. Dezbr. 1917. JDer Vorstaml. 107/18 Wilhelm Haase. W. Wilberg. Hopfen als Tabakersatz, vräpanert und zerkleinert, verkanst en gros jedes Quantum '131L� Äleiiiter, I>re«üei»-�tz.. 19. Telegramm-Adresse: ikränierzemter. Fernsprecher 22416. Sär Feldsoldaken! Veuksch.Polnifck. 15 5f. Dculsch.AranzösischlZ Pf. 6achk«»dl»n»V-rn»är!,.«-rlla JN vente nnd morgen kolMenp. 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Hirte. gesacht Sie Ä»i8 Mnnfl nird allen erblühen, die die Zeichen der Zeit richtig zu deuten verstehen u. rechtzeitig ihre Vorbereitungen treffen, um teilzunehmen an dem großen wirtschaftlichen Aufschwung, der die sichere Folge dieses Völkemngens sein wird. Es werden überall gebildete und leistungsrähige Xitariieiter I| sein. Beamt«. Lehrer, Anco- stellte des Handels u. d- Industrie sollten nicht vers&u- mun, jetzt ihr© Vorbereitun- zu trogen Bas beste Üiltel, rasch il gründlich, ohne Lehver, durch einfachen Sclbstunteri iohfc auf ein Examen vorzubereiten. die Einj.-Freiw.-Prüfung u- das Abitur.-Examen naonara- holen od. die fehlenden kauf- männ. Kenntnisse zu ergänzen sowie eine yortr* Allgemeinbildung sich anzueignen, bietet die Selbstunter- riems- Methode..Ruoün'*. Aus- fflhrl. 60 S. starke Broschüre kostenlos durch* Bonness& Hacbfeld, Potsdam. Poatkaeh 224. Grtskranks«kaße der Gürtler zn Berlin. Orantcnstraste Str. IZ8. Zu der am Souuabeud. den 23, d. MtS.. abends si,6 Uhr, im Restaurant Gott- lieb, Orautcnstrasie KS, Hof 1 Tr.. stattfindenden außer- ordentlichen Ansschntzsitzung werden die Herren Vertreter der Arbeitgeber und der Kassen- Mitglieder im Ausschuß hiermit ergcbenst eingeladen. Tagesordnung: 1. Aenderung der§§ 17, 18 Abs. 1 Rr. 2, 30, 45 und 48 der Satzung. 2. Antrag des Vorstandes auf Gewährung von TeuerungS- zuschläzcn zum Krankengeld. 3. Verschiedenes. Anfragen und Beschwerden. zu denen die Einsicht der Ge- schästsbücher ersordcrlich ist, sind dem Lorftpcnden des Borstandcs bis zum 20. d. MlS. schriftlich zu unterbreiten. DieVerfammlung wird pflnkt- sich eröffnet. 300/15 Eine Vertretung ist unzulässig. Berlin, den 13. Februar 1915. Der Borstand. Gustav Wolf, stell». Vorsitzender. Die den Herren Vertretern zugehende Einladungskarte dient als Ausweis und ist am Saal- eingang abzugeben.. ZMKDWllll Brat- nnd Suppenhühner Zelle lÜchM« SmiilW empsiehit besonders preiswert SWil°�°>-!Me. Nlanuser 2t, am Hallelchen Tor. 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Nr.4H— 1�1$ Unterhaltungsblatt öes vorwärts .........„---------------------------------------------------------- 7— 5re!tag,1S.§ebruar Das häßliche Mäöchen. Iöovelle von Sophus Michaelis. 1. ©fjel Sing war sehr häßlich. Nie hörte man jemanden daS allergeringste Schöne cm ik>r hervorheben. Da war nichts anbete» zu sehen als ein langes, farbloses Ding in Frauentleidern; ein- gesunken und knochig, wo Form sein sollte, und nur kartofselrund, wo Charakter halte sein muffen. Und merkwürdigerweise: Cthel Ling wußte e» selbst. Sie ge- hörte nicht zu den stiefmütterlich behandelten Wesen, deren sich der beharrlich angerufene Sviegel erbarmt— wie eine Mutter ihrer Schmerzenskinder— und ihnen verborgene Schönheiten enthüllt. Erhel Lmg haßte die Gegenüberstellung mit ihrem eigenen Selbst. Sie mied alle Fensterspiegel, sie wandte den Blick in stummem Eni- sehen zur anderen Seite: ach, verschont mich doch mit meiner eigenen Vogelscheuche. Ich habe mich schon genug über meine Häßlichkeit gegrämt. Ich bin mir selbst am allerunerträglichsten. Cthel Ling trug eine unauslötchliche Sebniucht nach Schön- heit mit sich herum. Mehr als irgendein Mann war sie Kenner meiWicher Reize. Sie ging unablässig aus die Jagd nach dem, wa» ihr selbst fehlte, mit einem Blick entdeckte sie das Schöne an einer Mmchwester. Den glanzvollen Bogen des Haares, die Plastik eines Halse», den Wellenschwung eines Nackens, die Linienzartheit einer schmalen, weißen Hand. In den Probesalons der großen Konsek- r.onSmagazine könnte sie hinaertssen sein wie in einem lebenden Museum. Nur das Gefübl ihrer eigenen Häßlichkeit hielt sie ab. in Bewunderung auszubrechen: etwas Hübsches, ja auch nur Nette» aus sich selbst zu machen, hatte sie schon längst aufgegebeil. Sie kleidete sich so farblos und diskret als möglich und verbarg, was zu verbergen war. Auf der Straße fühlte sie sich so scheu wie eine Motte, die durch einen unglücklichen Zufall ans Tageslicht ge- kommen ist und eiligst der Ritze zuflattert, tu der sie sich berstecken kann. Sie hätte am liebsten eine Maske getragen, um das Schön- heitsgcfübl der anderen nicht zu verletzen. Darum trug sie immer einen Schleier, Sie tonme es sich gar nicht vorstellen, als Ver- käuferin in einem Geschäft zu sitzen, sie hatte immer nur als Maschinenschreiberin und Stenographin gearbeitet. Wenn der Chef ihr diktierte, kehrte er ihr den Rücken zu. und sie war glück- I:ch darüber. Und später, wenn die Maschine unter ihren ge- schickten Fingern klapperte, war sie vollständig allein. Natürlich konnte Etbel Ling sich verlieben. Aber die Per- liebtheit durfte eher der Sonne oder dem Mond gelten als einem Manne. Welcher Mann konnte ie einen Blick auf sie werfen? Sie war ein Neutrum in Fraucnkleidern. Der Chef, ein robuster, breitschultriger, vierschrötiger Mann vom Broadway— einer von jenen, die über die Promenade wie eilte Art Straßenwalze in Mannesgestalt gehen-*■, der hatte sich nach und nach so sehr an sein automatisches Neutrum gewöhnt, daß er auch Privatbriefe in die Schreibmaschine diktierte, die ein Mann sonst anderen Frauen nicht zu zeigen pflegt. Wenn die Tippmaschine diese Antwort» stenogramme kopierte, dann konnte Cthel Ling den weiblichen In- frink: ganz leise in jick kribbeln fühlen, so, als wären diese vertrau- lichcn Zeilen an sie selbst gerichtet. Beinahe, ohne es zu wissen, schmückte sie den nüchternen Stil mit dem einen oder anderen liebevollen kleinen Kosewort. „Was ist denn das?" fragte Herr Mtschell, als er die Augen über die Maschinenschrift gleiten ließ, um seinen Namen darunter zu setzen.»Habe ich wirklich so diktiert? Mein Liebling?— Hm—" „Ja, ich glaube bestimmt, so steht es im Konzept," erwiderte Cthel Ling.„Ich müßte mich sehr irren."— Und purpurrot sing sie an, in den stenographischen Aufsätzen zu wühlen, bis der Chef, der das Geschreibsel selbst nicht lesen konnte, abwinkte und sagte: .Well, cs klingt ja nicht so übel— meinetwegen." Ter Stil von Herrn Mitschclls Liebesbriefen wurde wirklich allmählich ganz blühend. Cs sproßte so maigrün auS den trockenen Sätzen, daß er an sich selbst und seinem kleinen Liebling eine rcchrs Freude hatte. ES war eine prachtvolle Figurantin— ein Zirkusmädchen—, das durch diese Episteln erfreut wurde, während es eine Ämrnee nach Bussalo und Baltimore mackffe. Herr Mitschell entdeckte aber bisher ungeahnte Anlagen in sich. Jeden- falls war er mit seiner Schreibmaschine so zufrieden, daß er ihr einmal mit einer plötzlichen Wendung einen Brief zusteckte und es ihr überließ, die Antwort ganz allein zu entwerfen. Es war ein duftende», rosafarbenes Billett, und er sagte: „Ach, Sie dort? Ich bebe so verdammt wenig Zeit. Ich muß in die Berwaltungsratssitzung. Antworten Sic doch ein bißchen nett und trösten Sic Ltzzy so gut Sie können. Adieu eiustwoilen." So ging cr; und Etbel Ling las mit glühenden Wangen den Brief, der Herrn Mitschell in entsetzlicher Orthographie auf das vorbereitete, was im Anzug war. Sie mußte von der Tournee zurückkehren, um sich dem zu widmen, was sich nicht länger vcr bergen ließ. ES sei ein Skandal, und ihre ganze Zukunft sei verdorben! Ethel konnte sich lebhaft in ihre Gefühle versetzen. Aus der Dokumentenmappe oeS Chefs nahm sie eine strahlende Photo- graphie der schönen Lizzy in ihrer letzten Glanznummer. Sie stand da in märchenschwarzem Seidensamt, mit echtem, weißem Angoramuff. einer Reihergaraffe wie ein Springbrunnen, und weißen Lackstiefelchen mit Diamanistöckeln zu 3t) Dollar. Sic glich einer Dollarprinzessin mit Sonnenstrahlen aus Tusch au» den großen, flimlnernien Augen. Ja, der Chef hatte Geschmack. Im letzten„Schlager" kleidete sie sich siebenmal um, und die Garderobe, die sie trug, kam auf 100t) Dollar. Und die Schreibmaschine antwortete für Herrn Mitschell und für ihr eigene» liebesarmes Herz: wie glücklich er darüber sei, daß er nun Väter werden solle. Sie müsse gleich zum Arzt gehen und sich ein Zeugnis ausstellen lassen, daß sie nicht weiter austreten dürfe. Er würde schon alle Kosten tragen. „Zum Teufel," bemerkte der Chef, als er knapp vor Geschäftsschluß die Anrwort durchsab.„Da» Mädel muß ja rein glauben, daß ich sie zu heiraten beabsichtige." „Ja, wollen Sie das nicht?" fragte Etbel furchtsam. „Sind Sic übergeschnappt?" meinte der Chef, ohne auszusehen. „In jedem Fall aus Rücksicht auf die Umstände," stammelte Elhel.„Es wird für das 5) leine gut sein," fügte sie hinzu und wurde purpurrot. „Woher, zum Teufel, wollen Sie das wissen?" fragte Herr Mitsckell, einen raschen Seitenblick zur Maschine werfend. „Das ist etwas, was wir— was alle Frauen so im Gefühl haben," sagte sie und sah in sich selbst hineib. „Ja," sagte Herr Mitschell und starrte einen Augenblick sein Neutrum an.„Na ja, schreiben können Sic auf jeden Fall," schloß er seine Untersuchung ab und begann einen Scheck aus- zustellen._ Rujsijche Gewäjser, öle im Vinter nicht zufrieren. Der ruisiiche Wniler ist wegen seiner Strenge bekannt. Seit- samerweise gibt es nun in Rußland eine ganze Reihe von Ge- wässern, stehende und fließende, die trotz schneidender Kälte nickt zufrieren. Dr. B. Brandt(Bclzig i. d. Mark) hat im Linter 1916/17, der beionders sireng war und Temperaluren bis zu 38 Grad unter Null brachie, in dem weilen, von der Memel und vom Serwel'ck durckflossenen Alluvialdecken mit seinen diluvialen Hockflächenrändern eine Reihe wertvoller Beobacktungsn über solcke nicht gefrierende Gewässer gesammelt, worüber er in den bei Julius Springer in Berlin erscheinenden.Nalurwisiensckaften" berichlet: Im Januar und Februar des vorigen JahrcZ war der S e r w e t s ch trotz großer Kälte innerhalb einer vier Kilometer langen Strecke beständig offen oder doch nur von einer ganz dünnen. immer wieder schwindenden Eisdecke bedeckt. Er erhielt Zufluß durch eine Anzahl in verschiedener Höhe des Gehänges aus- tretender Quellen. Die eine zeigte bei der Lufttemperatur von 13,7 Grad Kälte 3,7 Grad über Null, ihre Wanermenge war nur gering lind vermehrte sich erst, als daS FrühjahrStauweller einsetzte; das Waffer einer anderen Quelle war nur wenig wärmer alS Null Grad und gefror bald nach dem Auslritt; eine dritte, sehr kräftige Quelle, die Szwjattna-Quelle, die im Sommer wegen ihres sehr kühlen Waffers geschätzt war, wies im Februar bei 6,2 Grad unter Null Lufttemperatur 7.3 Grad Wärme auf! Der Mühlteich, zu dem ihr Ablauf angestaut war, brachte es niemals über den Beginn einer Eisbildung am Rande; bei einer Lufttemperatur von 6 Grad unter Null maß sein Wasser wie auch der obfließendc Mühlbach etwa 6 Grad Wärme. Da die chemiiche Analyie des Waffers nichts Besonderes ergab, muß die verhältnismäßig« Wärme der Quelle aus der liefen Lage de? QuellhorizoitieS unterhalb der Zone ichwankender Bodcnwärme beruhen. Diese Szwjaliiia-Ouelle war es. die in erster Linie den Serwelich offen hielt und eine fast beständige Nebclbildung inner- halb der nächstfolgenden Flußstreckc hervorrief. Solche warmen Quellen sind im westrussiichen Landrücken weil verbreitet, und auf ihrem Vorhandensein muß das Offenbleiben von Flüssen beruhen. Unter den stehenden Gewäffern sind es in erster Linie die Moore, die nur unvollkommen zufrieren. Außerhalb der sumpfigen Niederungen sind stehende Gewässer selten, und der einzige größere Hochflächensee im westrussischen Landrücken ist der Osero-Swites, ein kreistörmiges Becken von etwa Ist, Kilometer Durchmesser, das den höchsten Teil einer ausgedehnlen' Bodenerhebung einnimmt, überwiegend ganz flache liier hat und oberflächlich weder einen Zu- noch einen Abfluß besitzt. Bei der strengen Kälte des Januars— beinahe 20 Grad unter Null— sollten Löcher in die Eisdecke geschlagen und der See abgelotet werden. Die EiSdecke erwies sich jedoch ul» morich und brüchig, unter ihr betrug die Wassertemveratur 0.6 Grad über Null, und es stellte sich heraus, daß das Eis überall nicht glasartig splitterte, wie man bei der kalten Lufttemperatur erwartet hatte, sondern zerrüttet, matt glänzend oder gelblich wie altes Eis war und sich sofort in einen wässerigen Brei verwandelte. Die sicher nur wenig übSr Null Grad liegende Temperatur des oberflächlichen Grundwasserstromes, der den See speist, genügte also, die Aus» brldung einer soliden Eisdecke zu verhindern. Das erste atnerikamfche viefelmotorfchiff. Äie amerikanische Technik, die gerade in der Motorindustrie stark entwickelt rnrd sehr umfangreich ist, hat sich erst jetzt aus einem bestimmten Gebiete der europäischen Motorenerzeugung gleichgestellt, indem sie ihr erstes Dieselmotorschifs vollendete.� Wie der„Prometheus" in einem Bericht hierüber erklärt, ist die jähre- lange Vernachlässigung des Baue» von Dieselmotoren in Amerika in der Hauptsache nur daraus zurückzuführen, daß die Konstruktion dieser Motoren eine ganz besondere Qualitätsarbeit unbedingt erfordert. Bekanntlich ist aber gerade die Qualitätsarbeit in dem auf Massenfabrikation eingestellten Amerika nicht gerade besonders entwickelr. Außerdem legte man früher auf den aus dem Diesel- motor sich ergebenden Hanptborteil— die große Oclersparnis— geringeren Wert, da man die einheimischen Öelvorräte für un- erschöpflich hielt. Dies h». sich sehr wesentlich geändert, im Laufe der Jahre stieg der Oelverdrauch in den Vereinigten Staaten so gewaltig, daß jetzt sogar berschiedcntlich schon ein Oelmangel fest- gestellt werden konnte. Darum hat man sein« Ansichten der Dieselmotorcnerzcugung gegenüber völlig geändert. Größere Diesel- Motorschiffe gab es aber noch immer nicht, nur kleine Segler wurden während des Krieges mit Dieselmotoren versehen. Schon vor dem Kriege hatten sich mehrere große amerikanische Fabriken da» Recht zum Bau von Dieselmotoren nach den in Europa bewährten Typen gesichert ohne aber hiervon größeren Ge- brauch zu mack/en, wenn man von widerstandsfähigen Motorbooten und von Dieselmotoren für den Landbetricb absieht. Nun endlich fft für ein große» Schiff der amerikanischen Kriegsmarine eine aus zwei Dieselmowrc» von je 2500 Pfcrdekrästen bestehende Anlage nach mehr als dreijähriger Bauzeit vollendet worden. Wie diese Anlage sich bewährt hat, fft nicht näher bekannt, doch scheint man damit zufrieden sein, da jetzt eine große amerikanische Werft auch daran geht, den Dieselmotor in der Handelsschiffahrt einzuführen. Es wurde bereits ein Frachtschiff in Bau genommen, das mit den ersten selbstgcbauien Dieselmotoren des in Dänemark ver- wenderen Typs ausgerüstet wird. Dieses erste amerikanische Dieselmotorhandelsscknfs hat eine Tragfähigkeit von ungefähr 8300 Tonnen, es ist 128 Meter lang. 16,4 Meter breit, IIB Meter hoch und hat einen Tiefaang von 8 Metern. Die Werft hat festgestellt. daß das Motorschiff infolge Wegfalls der umfangreichen und schweren Dampfmaschinencutlage eine um ILO Tonnen größere be- recbnde Tragfähigkeit hat als ein Dampfer mit den gleichen Ab- Messungen. Der Brennölvorrat wird im Doppelboden des Schiffes untergebracht und beträgt 1100 Tonnen, die dafür ausreichen sollen� dem Schiff eine ununterbrochene Fahrt um die ganze Welt ohne erneute Brennswfsversorgung zu ermöglichen. Notizen. — Bruckners VN. Sinfonie gelangt zur SuWhrrmg m dem Konzert, das der Dirigent des Wiener Konzertvereinsorchesters, Ferdinand Löwe, am 20. Februar mit dem verstärkten Philharmoni» ichen Qrckcster veranstaltet. — lieber Lionardo da Dinci als Führer der Hockrenaissance sprickt am Sonnabend, den L3. Februar, abends 8 Uhr, Dr. Max D e r i im AnwaUhause, Schöneberger Ufer 40. Karten zu 2 M. bei A. Wextheim. — Gertrud Eyioldt liest Mittwoch, den 29. Februar, abends 8 Uhr, im AusstellungSsaal von Paul Cassirer auS H a tz'- f e l d S„Franziskus" vor. — Institut für Meereskunde, G sorgen str. 34/36. Oeffentliche Vorträge: 19. Februar: Sanitätsrat Dr. Aßmann- Berlin: Erfindung und Entwicklung des Seaelns; 22. Februar: Dipl.-Jng. Achenbach-Berlin: Wie Schiffe untergehen. Beginn der Vorträge 8 Uhr abend». Eintritts- karten zu 0,25 Mk. — Ein Institut für Textilforschnng tritt in Dresden ins Leben. Die sächsische Regierung sichert die wichtige Anstalt finanziell in einer Weise, die ausreichend groß scheint. Der bekannte Tübinger Dozent Dr. Paul K r a i S. dessen Bedeutung al§ Kenner und Praktiker technischer Warenkunde der Dürerbund seit einem Jahrzehnt in weiteren Kreisen bekannt machte, wurde für daS Unternehmen gewonnen. — Die Kriegshekatombe. Der Warschauer Wochen- schrist„Unsere Kirche" zufolge lverden in den 19 Gouvernements- bezirken Polens über 98 000 Gräber von Freund und Feind mit mehr als 230 000 Toten auf nahezu 1800 Friedhöfe« gepflegt. S41 Töchter öer Hetuba. Ein Roman auS unserer Zeit von Clara Biebig. Sie hob den Kopf aus den Händen und starrte gramvoll hinüber zu dem beleuchteten Bild. Es»var deutlich erkenn- bar: das hübsche bartlose Gesicht mit dem keck aufgesetzten Käppi und den melancholischen Augen— sahen die sie heute nicht unsäglich traurig an? Nein,' das schien nur so; sonder- lich tief hatte er sich ja nie etwas genommen. Doch heute. heute— oh Gott, blickten die Augen nicht vorwurfsvoll, starr drohend aus sie? l.Hast du mich schon vergessen?' Es drang eine Stimme zu ihr:.So bald schon?' Sie erbebte. Es wurde ihr sehr kalt. Ach, du armer Mann! Sie grüßte sein Bild mit einem schmerzvollen Neigen: nein, oh nein, sie hatte ihn nicht vergessen. Täglich, stünd- lich. sah sie sein Grab am Monte Pian, mit Gcröllbrocken eingefaßt, ein Holzkreuz darauf, was seine Soldaten geschnitzt. Sie hörte den Bcrgwind darüber sausen, die Lawinen es umdonncrn— es war ihr ein qualvoller Gedanke, daß ihn frieren könnte in seinem Grab. Aber was konnte sie dafür, daß sie noch jung war? Daß es Ach in ihr regte wie Sehn- sucht, nicht nur Sehnsucht nach dem, was vergangen war. Sie streckte ihre Hönde bittend aus zu dem Bild an der Wand:.Mein armer Mann, ich werde dich nie vergessen. Aber es ist hart, einsam zu sein und einsam zu bleiben, doppelt hart, wenn man weiß, wie schön das Leben sein kann— zu zweien.' Aber würde eS jetzt noch so schön, könnte eS denn je wieder w schön sein mit ihm? Ihre Brauen zogen sich zusammen: sie war Deutsche. Und Deutsche ge- blieben. Das hatte sie gefühlj vom ersten Tag des Krieges an. Wie hatte sie gelitten unter seiner Begeisterung! Nur Italien, sein Italien, Leib und Seele für Italien. Seine Hingabe an sein Vaterland, hatte s i c wiederum ihrem Vaterland ganz wiedergegeben, �etzt verstand sie ihn so gut, sie war ihm nicht grani mehr, daß er sein Italien über alles stellte; das war seine Pflicht, als Oifizicr doppelte Pflicht gewesen. Aber etwas war je' Äufgeklafft zwischen ihnen, das trennte weiter als der schroffste Schrund der Berge, als der abgrundtiefste eisigst? Spalt der Gletscher. Sie hatte ihn längst verloren gehabt. Die einsam wachende Frau seufzte iief auf. mit einem Ruck warf sie das Haar zurück, das lang und schwer in trauernden Strähnen ihr vom geneigten Haupt über Gesicht und Hände floß. ES war dunkel jetzt an der Wand, der Mondstrahl erloschen... lind plötzlich verschwand a'.fch vor ihrem inneren Blick daS Bild des Mannes— da war nicht der italienische Offizier mehr, eine deutsche Uniform tauchte auf auS nacht- lichcm Dunkel, ein deutsches Männergesicht sah sie liebend an. „Nein, o nein!" Hatte sie es laut gerufen? Die eigene Stimme erschreckte sie. Ucber sich selber entsetzt, versteckte sie den Kopf ins Kissen: war sie so treulos, so ehrvcrgeffen, so bar aller Würde, daß sie jetzt schon, so bald schon, an den andern dachte? In tiefer Scham stöhnte sie und wehrte sich; nein, das durfte nicht sein. «» Gegen Abend, hatte Leutnant Bertholdi gesagt, würde er herüberkommen und Abschied nehmen. Den ganzen Tag hatte er an diesen Abschied gedacht. Es war ein fröhliches Hochzeitsmahl, trotz des Ernstes der Zeit. Trotz Hedwig Bertholdi, die ihr Taschentuch, zu einem KnSulchen geballt, in den Händen hielt, und immer wieder daran herum drückte und zerrte. Sie fühlte nichts mehr von dem Schmerz, ihren Jüngsten so weggeben zu müssen, sie fiihlte keinen Schmerz darüber, daß ihr Aeltcster sie morgen auch verließ, sie fühlte nur noch die Unruhe einer qualvollen Ungewißheit. Wie etwas nebelgrau Wogendes, unbestimmt Verschleiertes lag es um sie und vor ihr. War da noch eine Zukunft oder gab es keine mehr? Sie fühlte sich sehr müde. So viele Stunden, Tage. Wochen, Monate unsäglichen Hoffens! Wie mußte es denen erst zumute sein, bei denen es ganz ustd völlig zu Ende war?! Ihre Gedanken flatterten weg von diesem geschmückten Tisch, irrten in dem nebelgrauen Gewoge und flatterten dann doch wieder zu ihm her. Der Blick ihres ManneS. der auf ihr ruhte, ihr ab und zu heimlich zuwinkte, rief sie zurück. Die andere Mutter war auch nicht sonderlich heiter. Frau von Loßberg mußte so viel an ihren toten Mann denken; cr würde wohl glücklich gewesen sein, seine Tochter in solcher Umgebung zu wissen. Aber war Anne- marie denen hier denn auch so willkommen? Sie glaubte es zu fühlen, daß bei den Eltern ein Wider- stand war. Kein darauf deutendes Wort war gesprochen worden; Hedwig Bertholdi hatte zu der Jugendfreundin von ehemals überhaupt nicht viel sagen können, eine Herzlichkeit wollte nicht aufkommen. Ihr tat die Frau in der tiefen Trauer leid, aber man war sich ja fremd geworden, so fremd, als hätte man sich niemals gekannt. Die Verhältnisse waren auch so ganz andere. Hier diese Villa mit allen Bequemlichkeiten: die Diele mit dem von oben fallenden Licht, der Wintergarten mit Palmen und blühenden Blumen, die Oelgemäide, die echten Teppiche, die gediegenen Möbel, all der Geschmack, den der Besitz gibt. Und kein Sich- winden und immerwährendes- Rechnen, um einigermaßen standesgemäß zu erscheinen; die Schränke voll mit Kleidern und Wäsche, und auf dem Tisch Silber und seines Porzellan» wie etwas Selbstverständliches jede Mahlzeit reichlich und gut. All das gab der Witwe des armen Majors etwas noch Ge» drückteres. Sie saß still und zurückhaltend an der mit Kristall und weißen Blüten in zartein�Grün schön geschmückten Hochzeits» tafel in ihrer schwarzen Seidenfahne. Der Tochter zu Ehren hatte sie heute den Fümilicnschmuck der Loßbergs angelegt: eine feine, wie aus schwarzen Haaren kunstvoll geflochtene und gegliederte Eisenkette, an der ein großer An» Hänger hing— Krone und Wappen— wundervoll dem Goldschmuck nachgebildet, den die Urgroßmutter des Majors einst in den Freiheitskriegen dem Vaterlande zum Opfer gebracht hatte. Der Hausherr stieß mehrmals mit ihr an;„Auf Ihre Söhne I" Sic dankte und trank einen ganz kleinen Schluck von dem Sekt, der in ifirem Glas alles Schäumende verloren hatte. Sic hatte ihn zu lange stehen lassen, sie war cs nicht gewohnt, Sekt zu trinken; er schmeckte ihr auch nicht. Es war etwas Bitteres darin. Um so besser schmeckte er den Kadetten. Herr Bertholdi machte sich ein Vergnügen daraus, den beiden jungen Loß- bergs fleißig einzuschenken. Dann verneigten sie sich jedes Mal verbindlich, unterm Stuhl die Hacken zusammenschlagend: „Danke gehorsamst!" Ganz schon Leutnant, und doch strahlte aus ihren runden Gesichtern noch die harmlose Glückseligkeit des Kindes. Was würden die Kameraden im Korps sagen— Sekt getrunken, echten französischen Sekt! Keck stand Ewald aufund hob sein Glas:„Auf das Wohl des Herrn Hauptmanns, unseres verehrten Gastfreundes und Schwiegervaters, hurra l" Und „Hurra, hurra!" krähte auch Egon mit seiner überschnappen» den Knabenstimme. (Forts, folgt.) nireWon M&z lUfnhariH »cntBchc» Thenter, 7'/» Uhr; Nathan der Weise, Ksnimerapielo. 7»/, Uhr: Bl© Koralle. TollcRbittane. Theater am BOlowplatz. Untergrandb. Schönh. Tor, V'/i tThr: Hnmlct. | Theater ffir Freitag, 15. Februar. Kleines Thealer 7';. Uhr: Nante. Ceutral-Theater Koram andantenstraße 57. 71/,: Die Csardaatllratln SonntrS U; Oer Hlttenbesitzer. Theater Königgrätzerstr. 7" Uhr r.uin 50. Male; Der Katzensteg. Komödienhaus 7": Derünbcsteclillctie. BerlinerTheater 7 Uhr; BlltcblaaeB Blat. Hegelmann Trappe Löf tat t Herbert Rahling d. 14jfihr. Klavierrirtuoae Grote Flaaa rheinische Hmnoristin ■ovie der reichhaltige, nenc Febnur-Splelplan. Deutsches Öpcrnbaua u�= Die BageDottgü. Friedrlcb-Wilbelmst. Tbeatcr 7'/, Uhr; � glÄMsülM. Komisvlie Oper �l|t Uhr: Schwarzwaldmädel. Morgen 1U.: Wohltät.-Vorst,: Die Prinzessin u d. Schweinehirt. Sonntag 3'/,: Die Kinokdnigin. liUstspielhAns 7'/. Uhi: Die blonden Mädels v.LinMol Metropol-Theater uhr: ßie Rose Tön Slsmböi. Sonntag 3 Uhr: Die Kaiserin. Neues Operettenhaus Schiffbd. 4a. Uussent.Kd. 281 Tv.uhrtDerSolilatilerMarie. Residenz-Theater �uhr: Der junge Zar. Schilier-Tfi enter O T'/jUhr; Dlg Schö RMlIM Schüler-Th. Charl. n5uhr: Die M Japl Schillersaal bü.: Marc. Salzer. Thalia-Theater u& Eson utiil seine Fraaen. Theater am N'ollendorfplatz 7 Uhr; kMNi Theater de» Westens Tv.uhr; Der verliebte ßerzog mit Guido Thfelscher Zirkus jlSehnmann Bhf. Friedrichair. Anf. 7«/,. IW Nur noch kurze Zeit. Letzte Saison In Berlin. Das hervorragende große Sport- Programm, HÄira.-w © Araber MülaySayd# 10 dressierte Kamele. 3 Geschw. Plltz-Larella S akrob. Handtänzerinnen. 8 Frankonls 8 Unwihn Große Ausst.- IliCAilLU« Pantomime. Trianon-Theater */48 am Bhf. Friedrichstr.'/,8 Tel.: Zentrum 4927 und 2391. Der Lebensschüler Komödie von Ludwig Fulda. Ida Wüst, Erich Kaiser-Titz, v.MöUendorH, Flink. Kettner. Stg. 4 ü. kl. Fr.: iohannltfeusr. M» Ml Friedrichstr. 165. Ecke Behrenstraßo. 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Karten im Vorverkauf 50 Pf. bei sämtlichen Mitgliedern der Vereine. Abendkasse 60 Pf. Alle Vergünstig, aufgehoben. 8 Uhr: Prof. Dr. Jackh: Deutschland itn Orient. 8 Uhr: Prof. Dr. Schwahn: Die Tätigkeit der Feuerberge und Geiser. Reichshallen-Theater. Allahendlich 7'/- und Sonntag nachmittag 2 Uhr Zum Schluß Mein Weih- naetitstraum Nachmittags ermäBigie Preise! Tägl. Sonnt. 3'/, u. 71/. Heule letzter tag. Gastspiel Hartsteln „Er oder Er" Neue Berl. Revue-Büderusw. Apoliol | Friedrichstr. 2f8. 7I1/4| Der Flieger von Tsingtan | sowie die verblüffenden| Variete-Attraktionen. | Theaterkasse ab 10 U.| ununterbr. geöffnet. Tägl, 7V, Stg.»'/, 7?/, U. Granaten-Kfinig Planet. Auffangen einer scharf abgeschossenen 46 Pfund schweren Granate. 3 Janowskyt, 3 Heinys usw. usw. Zum Schluß Mondfahrt. Voigt-Theater. Sadstr 58. Badstr. 53. Täglich TV, Uhr; Mein Leopold. Sonntag, 17.2., nachm. 3 Uhr: bei kleinen Preisen: Marianne, ein Weib auS dem i«o!ke. Abends 7 u.: Mein Leopold. LewerKichaftshaus. 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