Nr. 49. 35. Jalsrg. vezugSprei»: SterteySH«. Uß MI. monatl. XJXiWLl. ftti WZ HauZ. vorauZ�ahlbar.Ewzewe Nummern 10 Pfa. Coftticiiug: Monatlich 1Ä1 ERL Untet Kreuzband ffit Deutlchland und Oeilerrenh. llngarl! S.— MI« für daZ übrige SluZIand Psg. Worte über 1h Buchstaben zählen für zwei Worte, TeuerungZzuschlag 20«/�, Familien- Anzeigen St» Psg., politischc u, gewerllchastltche BeremZ- Anzeigen 40 Psg die Zeile, Anzeigen für die nächste Nummer müssen bi» 5 Uhr nachmiti. im Hauptgeschäft. Berlin®ffi.68, Lindenstraße 8, abgegeben werden, Geäfsnet bon L Uhr - früh bi» 7 Uhr abcndZ. Zentralorgan der roztaldemokratlfcben Partei Deutfchlanda. Neüakiiov: Ew. 68, Lwüenstraße 3. ßfernfprcifier: Amt Mortavla«. Str. 151 90— 151 97. Montag, den 18. Februar 1918. Expedition: Ew. 68, Zindcnflroge 3. kiiern'vrecher: Amt Moritzplatz.?tr. 151 90—151 97. Ablauf des ruffifeben Qfaffenftlllftands. das Ende von Srest-Ätowsk. Von Friedrich Stampfer. Di« Lage, die sich aus der neuesten Dniwitklung im Osten ergibt, est im höchsten Grade Widerspruch S-- voll und verworren. Di« Stellung der Partei kann nur durch frei« Aussprache geklärt, sie soll nicht durch den MeinungSauSdruck omeZ Einzelnen fest- gelegt werden. Darum ist der folgende Artikel mit dem Namen des Verfassers gezeichnet. Red. d..Vorwärts". Offen heraus iresagt: eS ist schwer, ein treffendes Wort für das zu finden, was der O st Politik der Mittel» mächte widerfahren ist. Worte sind schwach und ärmlich. War das Politik, so muß man die Politik in Zukunft als die Kunst definieren, das Gegenteil von dem zu erreichen, was man will. Man Hui den Frieden gesucht und hat dafür drei neue Feldzüge gefunden, den livlandisch-estländischen. den� finni- schen und den ukrainischen. Von allen Hoffnungen, die man auf Brcst-Litowsk gesetzt hatte, ist nichts, aber auch nichts übrig geblieben als neue Verwicklungen, neue Schwierig- leiten, neue materielle und moralische Belastungen. Was war der Plan? Frieden mit All-Rustland, Aufbau eines neuen Mitteleuropa, das Deutschland. Oesterreich-Un- garn, Polen und die balischen Länder umfassen sollte, und dann. Konzentrierung aller Kräfte auf den westlichen Ent- scheidungskampf. Was ist daraus geworden? Mit Rußland stehen wir wieder im Kriegszustand, und der mitteleuropäische Bau ist wie ein Kartenhaus zusammen. gestürzt. Polen hat infolge des Ukrainefriedens eine so ener- gische Abschwenkung von den Mittelmächten vollzogen, wie sie bei dem gegenwärtigen Zustand feiner Gebundenheit nur denkbar ist. Freiwillig wird Polen nicht mitteleuro- päisch werden. Bricht aber dieser Hauptpfeiler zusammen, so hängen die nordostlichen Traversen, Litauen. Kurland, Est- land, Livland, frei in der Luft. Von Polen und Nordrustland abgetrennt, werden diese schmalen Küstenländer immer die heißbi?gc5,rte Beute des Hinterlandes bleiben, das ohne sie nicht leben kann. Von Deutschland heraus sind diese Länder gegen einen Vertikalstoß vom Innern her kaum zu verteidi- gen. ES wäre Wahnsinn, sie an Deutschland anzugliedern oder ihnen auch nur den dauernden Schutz des Deutschen Reiches zu versprechen, wenn das polnisch-russische Hinter- land feindlich bleibt. Der Ukrainefricden sollte das Zustandekommen der mittel-osteuropäischen Pläne sichern, er hat das gerade Gegen- teil bewirkt und ihre vollkommene UnHaltbarkeit dargetan. Das ist bisher aber auch sein einziger greifbarer Erfolg. Am 9. Februar schloß die Kiewer Regierung Frieden, ein paar Tage darauf wurde sie aus Kiew verjagt, und jetzt ist sie ge- nötigt zu erklären, daß sie die übernommenen Verpflichtun- gen aus eigener Kraft nicht zu erfüllen imstande ist. Sie bedarf dazu der Hilfe jener Mächt«, die noch vor einer Woche ihre Feinde waren und mit denen sie soeben Frieden geschlossen hat. Die Regierungen von Petersburg und Shitomir(vor- dem Kiew) nennen sich beide sozialistisch. Aber geben wir ruhig zu, daß der Sozialismus mit ihnen beiden nicht viel Ehre einlegen kann. Die eine erklärt den Kriegszustand nach außen für beendet, um sich für den, Bürgerkrieg freie Hand zu verschaffen, die anl re ruft diejenigen, die bisher ihre Feinde gewesen sind, ins Land, damit sie ihnen gegen die eigenen Landsleute helfen sollen. In Petersburg wie in Shitomir hat das Testament von Karl Marx gleich seltsame Vollstrecker gefunden. Die Macht der ukrainischen Regierung, die sich auf fremde Bajonette stützen will, hat k e i ne Aussicht auf Bestand. Sie wird nicht nur den internationalen Bolsche- wismus gegen sich haben, sondern auch das nationale Bürger- tum. Rußland und die Ukraine gehören zusammen, ihre Trennunf) ist nur eine Augenblickserscheinung, der Krief} zwischen ihnen ist und bleibt ein Bürgerkrieg. Die Parte: aber, die in Bürgerkriegen bei fremden Mächten Hilfe suchte. wird schwerlich m der Bevölkerung soviel Sympathie finden. wie sie zur dauernden Begründung ihrer Macht nötig hat. Jedenfalls ist der Ukrainefrieden, dessen Unterzeichnung jetzt in den Kinos zu sehen ist, weiter nichts als ein Stück Papier, das, wenn es überhaupt giltig werden soll und giltig werden kann, noch einmal unterschrieben werden muß: m i t deutschem Blut. Um diesen Frieden zu holen, sind wir zunächst nach Kiew eingeladen— und zugleich kommen die Hilferufe aus allen anderen Ecken und Enden des weiland russischen Reiches. Reval, Dorpat, Helsingfors— wohin zuerst? lieber die Bedeutung solcher militärischer Spaziergänge mögen Sachverständige sprechen. Der Politiker wird den Tahure, Ripont, Sunhgan— Fliegerbomben auf London, Dover, Tünkirchen. Groß«» Hauptquartier, den 17. Februar 1918. Westlicher Kriegsschauplatz. HeereSgruppr Sronprin, Rupprecht. I» Flauder» und i» Lrt,is»irlfach auflebeuder Feuerkampf. Ja kleineren Jufanteriegefechten bei Chrrisp und süd- lich von M a r c o i n a wurde» Gefangene eingebracht. «roapriaz und Herzog Albrecht. Bei T a h u r« und N l p o n t, auf dem Sstlichen Maab- ufer und im Sundgau zeitweilig erhöhte Gefechtstätigkeit. Unsere Flieger haben in der letzten Nacht L» n d» a, Dover, Tünkirchen sowie feindliche Seestreitkräfte an der frauzösischea Nordküste mit Bomben angegriffen. Oeftlicher Kriegsschauplatz. Großrussische Front. Der Waffenstillstand läuft am 18. 9,, 12 Uhr mittags ab.____ Bon den anderen Kriegsschauplätze» nicht« Neue«. Der Erste Grneralquartiermeister. Ludeudorfs. Abendbericht. Amtlich. B e r l i», 17. Februar 1918, abends. Von de» KriegSfchauplätzeu nichts Neues. Ter österreichische Bericht. Wie», de» 17. Februar 1918. Amtlich wird»er. lautbart i Lrine besonderen Ereignisse. Der Chef b«S Generalstabe». Wunsch Hegen, daß jede vermeidbare Zersplitterung der Kräfte vermieden wird. Schon in friedlichen Zeiten hätte die Aufgabe, für ganz Rußland Gendarmen zu stellen, als kaum lösbar gegolten. Heute haben wir außerdem noch an der Westfront gegen die halbe Welt hu kämpfen, sind also hin- reichend entschuldigt, wenn wir nicht alle Aufträge, die wir vom Osten erhalten, erledigen können. Daraus folsit, daß weder dos gute Herz noch parteipolitische Sympathie oder Antipathie entscheiden dürfen, sondern nur das kühl und ruhig erwogene Interesse des deutschen Volks. Das Interesse deS deutschen Volks fordert einen ba"'gen befriedigenden Abschluß des Krieges in West und Ost. Die Einmischung in die inneren Kämpfe Rußlands führt uns aber nicht dem Frieden entgegen, sondern immer wester von ihm weg. So wie es jetzt aussteht, kann der Krieg noch sehr lange dauern. Denn alles, worauf wir im Osten unsere Hoff- nung setzten, scheint jetzt ein verspieltes Spiel und ein aus- getraumter Traum. Politiker, deren Glück und Weisheit darin besteht, eine alte Papagaienrede immer wieder zu wiederholen, werden hinter jedem Satz der vorstehenden Ausführungen gesagt haben: Sehr richtig— aber warum bewilligt Ihr dann noch Kriegskrodite, warum haltet Ihr mit anderen Parteien noch Besprechungen, warum geht Ihr nicht zur alleralleräußcrsten Opposition über? Und allerdings, ließe sich die sozialdemF- kratische Fraktion vom bloßen Temperament leiten, sie hätte schon längst den Lieblingswnnsch jener Leute erfüllt, die uns täglich fragen:„Wann endlich?" Auf diese Frage diene die Antwort:„Erst dann, wenn sich voransseben läßt, daß aus einer veränderten Haltung der deutschen Sozialdemokratie etwas Nützliches für das deutsche Volk und für den Welt- frieden herauskommtl" Eine große Partei kann es nicht machen wie die Tante Ulrike, die auf dem Sofa sitzt und übel nimmt. Sie kann sich nicht in den Schmollwinkel zurückziehen und leere Krstik treiben ohne Aussicht, dadurch etwas zu bessern. Opposition ohne Aktion ist Unsinn und Müßiggang, die oppositionelle Aktion kann aber nur außerparlamentarisch sein. Besteht die Mög- lichkeit, durch eine außerparlamentarische Aktion den Kurs der auswärtigen Politik nach einer Richtunsi umzulenken, die den Interessen unseres Volkes besser entspricht als die bisher eingehaltene? Nur wer diese Frage bejaht und das Recht des Reichstags, die Politik entscheidend zu beeinflussen, verneint, kann eine taktische Wendung befürworten, die dann mehr als ein feiger Ausweg ist... ES hilft nichtsl Der Versuch, überdenReichStag, d. h. auf dem einzig möglichen Weg Einfluß auf die Politik der Regierung zu gewinnen, muß wieder ausgenommen wer- den Der Mißerfolg der deutschen Außenpolitik ist n i ch t auf die Ratschläge zurückzuführen, die der Regierung von der ReichStagsmehrheit oder gar von der Sozialdemokratie er- teilt Warden sind, sondern vielmehr darauf, daß die klare Linie des Reichstagsbeschlusses vom 19. Juli von anderen Strömungen durchkreuzt worden ist. DaS»Wie ich es auffasse" in seinen verschiedenen Umwandlungen und Abwandlungen ist die Ursache des Mißerfolgs. Die Unterhändler von Brcst-Litowsk haben die taktische Freiheit, die ihnen der Beschluß der Reichstagsmehrheit gab, in Wirklichkeit nicht besessen, sondern sie sind mit aller- Hand Bindungen in die Verhandlungen hineingegangen. Sie sollten die Abtretung weiter Gebiete des frühereu Russenreichs erwirken, um aus ihnen Baumaterial für das künftige Mitteleuropa zu gewinnen. Die Sozialdemokratie hat von vornherein erkannt, daß auf diesem Wege der Frieden nicht zu erreichen ist, und hat davor gewarnt, ihn zu betreten. Leider war die Reichstagsmehrheit in sich nicht genügend gefestigt und als Ganzes nicht genug klarsehend, um die Regierung von diesem Wege zurückzuhalten. Jetzt aber ent- steht für sie und unö alle die Frage, ob sich das Reich noch tiefer in polnische, litauische, kurländische, livlmidischs, est- ländische, finnische und ukrainische Bindungen verstricken soll. Die Antwort muß ein klares Nein sein. Als Ziel sei nicht ein zerstückeltes und amputiertes Rußland, sondern ein großes, gesundes und freies Rußlaud aufgestellt, mit dem wir in Freundschaft und Frieden leben wollen. Wenn die deutsche Politik positiv zur Erreichung dieses Ziels nichts tun kann, denn die innere Wiederherstellung kann nur Rußlands eigenes Werk sein, so soll sie sich doch von allem enthalten, was Rußland an der Erreichung dieses Zieles hin- der» kann. Zugleich sollen uns die Erfahrungen des Ostens eine Lehre für den Westen sein. Auch dort wird mit„Randvölker- Politik" ein gefährliches Spiel mit dem Feuer getrieben. Flandern und Vlamen dürfen kein Hinder- nis für den allgemeinen Frieden sein! Es ist nicht die Aufgabe der deutschen Sozialdemokratie, Fehlschläge der auswärtigen Politik zu beschönigen und zu entschuldigen. Es ist vielmehr ihre Aufgabe, unter unver- brüchlichem Fe st halten an der Landesverteidi- g u n g immer wieder den Weg aufzuzeigen, der allein zum Frieden führen kann. Keine gewaltsamen Annexionen und auch keine gewaltsamen Amputationen! Selbstbestim- mungsrecht der Kleinen nach Maßgabe einer unter den Großen getroffenen Vereinbarung. Klare Einsicht, daß weder militärische Ueberwältigung noch diplomatische Heber- listung, sondern nur ehrliche Verständigung in absehbarer Zeit zum Frieden führen kann, und unbeirrt folgerichtiges Handeln im Sinne dieser Erkenntnis! Für eine solck>e Po- litik im Reichstag eine klare und entschlußkräftige Mehrheit zu suchen— das ist die Aufgabe, vor die sich die Sozialdemo- kratie gestellt sieht. Scheitert dieser Versuch an der EinsichtS- losigkeit und der Schwäche der bürgerlichen Parteien, so tragen diese, nicht sie dafür die schwere Verantwor- tung!_ Erklärung öes lktauifchen Nationalrats. Da» Litauische Pveßbureau in Lausanne schreibt: In Anbetracht dessen, daß all« Kriegführenden das freie SelbstbestimmungSrecht der Völker anerkannt haben, und daß dieses Thema in den Vorhand- lungen zu Brest-Litowsk mehrfach besprochen wurde, bleibt noch zu erwägen, durch wen und in welcher Form sich dieser ntionale Wille geltend machen darf. In Hinsicht aus das litauische Volk, das an der gerechten Lösung dieser Frage in höchstem Matze Anteil nimmt, da eS von dem sehnlichsten Wunsche nach vollkommener Selbständigkeit beseelt ist, gibt der Litauische Nationalrat, der seinen Sitz in der Schweiz hat, folgende Erklärung ab: Der LandeSrat den Litauen(»Tarhba") ist gegenwärtig der höchste rechtmäßige Vertreter deS Landes. Er wurde auf dem Landtage zu Wilna(vom 17. bis 22. September 1217) durch die Vertreter aus allen Teilen des Landes gewählt. Er setzt sich aus den hervorragendsten Vertretern aller Parteien und aller Stände des litauischen Volkes zusammen und wurde auch von allen Landsleuten im Ausland(in Amerika, in Rußland, im westlichen Europa) ,auf den Konferenzen zu Stockholm(vom 18. bi» 22. Oktober 1917) und zu Bern(vom 1. bi» 12. November 1217) als rechtmäßige Vertretung deS Landes anerkannt. Der Litauische Nationalrat erklärt seinerseits, daß er den LandeSrat(Taryba) als zu Recht bestehende Vertretung des litauischen Volkes anerkennt, der bestimmt ist, den Volkswillen zur Geltungzubringen, und daß er ihn, diesem Volkswillen eni- sprechend, in allen seinen Bestrebungen zur Erlangung der Ilnab- hängigkrit Litauens unterstützen wird. die französischen Sozialisten und Elsaß- Lothringen. Der schwerwiegende Umstand, daß die französischen An- spräche auf Elsaß-Lothruigen das Haupthindernis zu einem allgemeinen Frieden bilden,, macht es notwendig, über die Haltung der französischen Sozialisten zu diesen Ansprüchen klar zu sein. Dieser Eegenstand wird auch auf der Londoner Konferenz besprachen werden. Innerhalb der französischen Partei gibt es in dieser Be- Ziehung drei Strömungen�Die Rechte, unter Leitung Com- pöre-Morels, ist für�cine Annexion ohne Volksabstini- inung. Die Mitte, unter Leitung, von Nenaudel und Thomas, ist für die Annexion mit nachh.eriger Polksabstimmung, d. h. Frankreich soll vorerst Elsaß-Loth- ringen in Besch nehmen und nach einiger Zeit die Bevölkc- rung über ihre Zugehörigkeit abstimmen lassen. Die Linke, unter Leitung von L o n g u e t, Mistral und Presse- in a n e, ist der Ansicht, daß das Schicksal Elsaß-Lothringens gar nicht vom Kriegsausgang, sondern von den Wünschen der Bevölkerung dieser Provinzen abhängig sei, die Volksabstim- mung sollte schon jetzt vorgenommen werden. Am Ist. Februar traten die Vertrauensleute des Ver- bandes der Pariser Sozialisten(JT�d�ratiov Socialiste de la Seine) zur ersten Sitzung zusammen, um zu dem in den nächsten Tagen stattfindenden Parteiausschuß Stellung zu nehmen. Zwei Fragen beschäftigten die Pariser Sozialisten: lrlsaß-Lothringen und die nächste Abstimmung der sozialisti- schen Kommerfraktion über die Kredite. Die Rechte und die Mitte, die als„Mehrheitler" bekannt, gingen nicht zusammen. Ueber jede dieser Fragen lagen Entschließungen vor. Die „Mehrheit" verlangte: 1. Die Besitznahme Elsaß-Lothringens durch Frankreich und nachherige Volksabstinimung: 2. fortgesetzte Bewilligung der Kredite. Die„Minderheit" ver- langte: 1. Volksabstimmung in Elsaß-Lothringen, die über das" Schicksal dieser Provinzen entscheiden soll; 2. Ablehnung der Kredite. Außerdem lagen noch Entschließungen von kleineren Gruppen vor. Die Abstimmung war verwirrt, je- doch scheint sie eine Stimmenmehrheit für die„Minderheit" ergeben zu haben. Einstimmig wurde ein Tadelsvotum gegen die Kammer- niitglieder Compdre-Morel, Buisson und D i a g n e angenommen, weis sie sich von Clemenceau zu Regierungs- komissaren ernennen ließen., •- Am!7. Februar versammelte sich der französische Parteiausschuß (Nationalrat) zu Paris zu einer Sitzung/ um Zier sozialistischen Alliiertenkonferenz, die am 20. d. M. in London stattfandet, Stel- lung zu nehmen. Auch hier wird E l s a ß- 2 o t h r i n g e n be- stimmt die Hauptsrage sein. Ebenso sollte die Frag«, welche Haltung die Fraktion zu den künftigen Kriegskrediten einzunehmen habe, zur Verhandlung kommen. Schließlich sollte der Parteiausschiisi. darüber zu entscheiden haben, ob Comp�re- Morel und seine zwei Kollegen ihre Aemtex als Regierungs- kom missare behalten sollen. Wie„Progres de Lyon" berichtet, ermächtigte die Kammerfraktion sie dazu, da sie als Regierung?- tommissare nicht eigentliche Mitglieder der Regierung seien. Doch muffe in Zukunft hierzu die Erlaubnis der Partei eingeholt werden. Unterhausöebatte über öen verfailler Kriegsrat in Sicht. Rücktritt des englischen Generalstabschefs. Amsterdam, 17. Februar. Aus London wird offiziell gemeldet: Sir William Robertson, der Chef des Generalstabes, ist zurückgetreten. Zu seinem Nach/ f o l g e r ist Sir Henry Wilson ernannt worden. DaS Ptessobureau teilt dazu mit, daß infolge der Ausgestaltung der Funktionen des beständigen militärischen Vertreters, wie sie der Verfailler KriegSrat in seiner jüngsten Sitzung be- schloffen hat, die besondere Macht, welche bisher der Generalstabs- chcf laut der Order im Council vom 27. Januar 1916 besessen hatte, Das künftige deutsche Dildungsideal. Im Dürgersaal des Berliner Rathauses sprach am 16. Februar Prof. Dr. Gramzow(Humboldtakademie) über das künftige deutsche Bildungsideal. Er entwickelte ein Reformprogramm der Vor- fchulung für akademisches Studium: vier Jahre Elementarschule, dann erst vier Jahre, die durch Lateinimterricht gekennzeichnet siqt>. und Iveitere drei Jahre mit zwei(oder mehr) Fremdsprachen(Eng- lisch neben Latein); schließlich ein Jahr Oberg!, umasium oder Uni- versitätSeinsührun gsku rS. In der Hauptsache bot der Redner Nützliches, aber UeberfälligeS zur Erneuerung des höheren Schulwesens, in nicht eben, neuen methodisch-dialektischen Auslassungen über den Betrieb der einzelnen Lehrfächer: Gemeinplätze wie„Nicht söge- nannte Allgemeinbildung, sondern Jndividualbildung".„Mehr reale als formale Bildung",„non rnulta sed rnulturn"(nicht vielerlei, sondern viel); das Ganze„historisch vertieft" durch Notizen über die Geschichte des(vom Redner totgesagten) humanistischen Gymnasiums, gesalbt wft einem Tropfen banaler Apperzeptionspsychologie und für die anspruchslosen Hörer mit ein paar Anekdoten gewürzt. Die In- gendorganisationen sollen Zwangseinrichtungen von pädagogisch ge» milderte m militärischem Charakter werden. Die ganze Erziehung soll vor allem„national" rn dem Sinne sein, daß schon der Jugend das Bewußtsein feindlichen Gegensatzes zu anderen Völkern einge- flößt wird. Das wäre natürlich ein pädagogisch und politisch gleich schroeres Verbrechen am Volke. Ein solches„Bildungsideal" lehnen wir ab. Wer wie Herr Gramzow(und mit ihm die Humboldtakademie?) als unabänderliches Axiom an den Beginn der Ueberlegung den Satz stellt: WaZ wir erleben, ist nur die Einleitung eines Zeit- alters neuer schwerer Kriege— der kann wohl nicht anders; dem 'steht das Gramzowsche Bekenntnis Wohl an, daß Fichtescher JdealiS- mus für uns nichts mehr sei. für den sind Gewalt und Haß ewige Weltregenten, der hat von Trieb und Not dieser Zeit noch keinen Hauch gespürt/ der ist unfähig, den großen geschichtlichen Zug von innen her gestaltender Ideen zu begreifen, der bleibt Materialist und „Barbar".\ Kein Wort hörte man vom Weltanschauungsproblem der künftigen deutschen Bildung, kein Wort von geistiger Pflege für die große Masse, für die Erwachsenen, kein Wort zum �Problem der Univcrsitätsreform, keinWortzudengroßenPtoblemen d e r V o l k s s ch u l e! Ja. Herr Gramzow und verehrte..Humboldtakademie, Freie Hochschule": Liegen die Erziehungsnöte des großen Volkes, das in unsäglichen Leiden heut« die deutsche Zukunft rettet, etwa— unterhalb jener Grenze, wo man. von Bildung redet? Ach, das Bildungsideal der deutschen Zukunft wird sich auch ohne und gegon Herrn Gramzow und Genossen durchsetzen. rd. eingeschränkt worden ist. Deshalb habe die Regierung eS für ange- messen erachtet, General William Robertson vor die Wahl zu stellen, militärischer Vertreter im Obersten Kriegsrat in Versailles zu weiden oder sei« Amt als General- st a b s ch e f unter de« neuen Berhältnissea weiter zu bekleiden. General Robertson habe gemeint, aus Gründen, welche er in einer E r k l ä r u n g auseinandergesetzt hat und welche vom Minister- Präsidenten in der nächsten Woche sobald als möglich im Unter- h.ause bekanntgemacht werden solh das Anerbieten der Regierung nicht akzeptieren zu können. Die Regie-' rung habe zu ihrem großen Leidwesen sein EntlassungS- gesuch bewilligt. General Sir Henry Wilson hat das Amt des Chefs deS General- stabcS angenommen. Die Ernennung des dauernden britischen militärischen Vertreters in Versailles wird innerhalb weniger Tag« bekanntgegeben werden. * Wenn das Unterhaus über den Rücktritt Robertsons debattiert, dürfte eine jetzt ruchbar werdende Reuterfälschung eine Rolle in den Auseinandersetzungen spielen. Es handelt sich um die kriegstreibe- risch entstellte Wiedergabe einer Aeußerung des Grafen Czernin, eine tendenziöse Verdrehung, die eigens für den Bcrsailler Kriegs- rat gefertigt sein dürste. Laut„Allgemeen Handelsblad" weist„Westminster Gazette" auf den merkwürdigen Unterschied hin, daß Graf Czernin nach dem durch Reuter verbreiteten Text erklärt haben sollte, daß Oösterreich-Ungarn die Besitzungen seiner Bundesgenossen, auch SBelgien, wie die eigenen Be- sitzungen verteidigen würde, tatsächlich aber gesagt habe:„Den Besitz unserer Bundesgenossen vor vor dem Kriege werden wir verteidigen, wie die eigenen."„West- minster Gazette" bemerkt, diese Textverstümmelung sollte offenbar den Eindruck erwecken, daß Czernin eine chauvinistischere Rede hielt, als er wirk- l i ch t a t.„Daily News" ist besonders darüber empört, daß- keine Verbesserung gegeben wurde. Wir haben ein Recht, nicht' nur zu wissen, wie der Fehler gemacht werden konnte, sondern auch, ob der Rat von Versailles den richtigen oder unrichtigen Text vor sich hatte, als er zu dem bemerkenswerten Beschluß kam, daß in Graf Czernins Rede nichts wckr, was eine Antwort oder eine gemeinsame Erklärung von feiten der Alliierten nötig machte. Tie Haltung deS Kriegsrats w Versailles ist mit dem authentffchen Text von Czernins Rede nicht in Ueber- einstimmnng zu bringen, und das Parlament muß daher um Aufklärung ersuchen. Tie offiziösen Bureaus pflegen solche Leistungen nicht auf eigene Faust zu unternehmen, und in diesem Falle ist eS nicht schwer, zu raten, daß die KriegSratSinteressenten den Reuter-Redak- teuren diktiert haben, wie sie fälschen sollten. » Zur wichtigen NnierhauÄickbatte vom IS. Februar verbreitet W. T. B. jetzt noch bemerkenslvert« Ergänzungen. Daraus geht hervor, daß der Liberale Herbert Samuel, Minister im Kabinett Asquith, an der gesamten RegieningSpolitst sehr scharfe Kritik übte. Darauf antwortete namens der Regierung B o n a r Law, daß die Rede Samuels eine Verurteilung nickst nur dos gegenwärtigen Systems, sondern der d e r z e i t i g e n Regierung sei, in diesem Falte habe das Haüs die Pflicht, eine Regierung einzusetzen, zu der es Vertrauen yabe, bis die Zeit, komm«, wo man glaube, dies tun zu können, möge man sich der Kritik enthalten. Adamso-n(Arbeiterpartei) sagte,' er- sie h e einem Wechsel der Regierung nicht im Wege, falls ein solcher gewünscht werde. Die FriedenSbedingunge« des Premierministers gingen nicht soweit wie die der Arbeiterpartei. Leider sei aber di« deutsche Antwort ans die KrregSzielerklärungen des ArbeitertumS Lloyd Georges und Wilsons alles andere als hoffnungsvoll. Der Premierminister habe erklärt, daß die Alliierten in Versailles hiw-. sichtlich der Kriegsziele einmütig gewesen seien. Die Alliierten sollten aber weitergehen und die Friedensmöglichkeiten erörtern, um über die FriedenSziel« zu einer Verständigung zu gelangen. Der Redner appellierte an die Regierung, die Tür für Verhandlun- gen offen zu lassen. Sternhimmel nnS �lesthetik. Der Malerei ist es versogt, die Schönheit de? gestirnten Himmels darzustellen. Umso mebr ist das Wort des DichierS dazu besähigt. So hatle sich ein Vortrag über„Sternhimmel und Aesthetik", der dieser Tage in der Treptow-Sternwarte geHallen wurde, zur Hauptaufgabe gesetzt, die Hörer Dichtungen nacherleben zu lassen. Der Vortragende. Robert Henseltng, durch sein alljährlich erscheinendes„Stcrnbüchlein" weiteren Kreiien bekannt geworden, ließ Gottfried Keller, Mörike, Karl Hanptmann, Hof- mannSthal, Momvert zü Wort kommen. Goethe, Schiller, Kant, Wilhelm von Humboldt. Die Nacht ist lichter als der Tag. Tausend Sterne über nn? sind tausend Sonnen. Unberühibar. stetig, ewig kreiien sie. Lautlos wandelt droben Ordnung der Jahrtausende. Ein weiter Spannraum der Empfindungen: von der Freude am bloßen Schauen bis zu tiefem Erleben letzter Daseinsrätsel. Raum, Zeit— Unendlichkeit!. Einige Gesetzlicbkeit, in Formen und Wandlungen des Alls durchichimmernd letzter Sinn und Wille des Wellwesens. Das Herz der Natur ist auch in uns— und umgekehrt I Es hängt von uns ab, welche Sprache die Natur uns redet. Nach dem modernen Menichen.kam der Naturmensch zum Wort: Indianer Inner- brasiliens,' Mexikaner, Australier, Polynester. Erstaunlich, welche Anmut. Herzlichkeit und Feinheit des Nalurempfindens. namentlich aus den Märchen dieser„Wilden", spricht. Der letzte Teil des Vor- tragS beichäiiigte sich mit den alten Kulturen, mit Sternbildern, ihrer Entstebung, Sternbildsagen. Eine große Reibe ausgezeichneter Lichtbilder vermittelte eine Vorstellung von den Augengcnüssen, die der Schauende durch die optischen Hilfsmittel moderner Sternwarten haben kann. Es ist zu begrüßen, daß die Treptow-Sternwarte neben dem lein Erkenntnis- mäßigen, Populärwissenschaftlichen auch das Aesthetisch« pflegt; es ist für die große Mehrheit der Laien daS Gebiet der reinsten und fruchtbarsten Erlebnisse. Der Vortrag sand denn auch ausmerkfame und dankbare Hörer.__ Das Lihgo-Iest See alten Letten. Victor Jungfer berichtet m der„Wilnaer Zeitung": Lihgo war bei den heidnischen Lehen der Gott der Freude. Eine Rächt in jedem Jahr wurde ihm zu Ehren bei SchmauS und Tanz fest- lich begangen. Von weither strömte das Volk zusammen. Jeder brachte Geschenke mit, um seine Freunde zu erfreuen. Wenn der Vollmond am Himmel stand, begann ein feierlicher Operzug. Kinder bestreuten den Weg mit Blumen. Weiße Stiere, von Priestern geleitet, folgten. Dann kam eine Schar festlich ge- schmückter Jungfrauen. Lob- und Dankgesänge wurden zu Ehren der Götter Perkun und Potrimp angestimmt. Ihnen zu Ehren wurden die Stiere geopfert. Dann zog mau weiter, auf die Ebene hinaus wo Lihgos' Altar, m't Blumen bekränzt, stand. Nach dem Gebete der Priester versammelte sich das Volk auf der mondhellen Wiese zu Tanz und SchmauS. Priesterinnen be- retteten das Mahl. Major Herbert erklärte namens der im Militärdienst stehenden Unterhausmitglieder, sie seien bereit, ihr Leben für Groß-Britannien und die Alliierten in die Schanze zu schlagen, wünschten aber genau zu wissen, wofür sie kämpften. Er spielt auf gewisse Aeutzerungen der Northcliffpresse an und betonte, für derartige Ideal« vergösse er sein Blut nicht. Whyte führte auZ, die Sache des Friedens würöe am besten dadurch gefördert werden, wenn die Ententeregierungen ausdrücklich erklärten, daß sie die in Wilsons Kongreßboffchaft niedergelegten Grundsätze annähmen und bereit seien, sie aus der Frievenskonferenz durchzuführen. Er wies den Gedanken eines Versuches ab, Oesterreich von Deutschland zu trennen. Balfour erwiderte, er sehe nicht ein, warum man nicht versuchen solle, Deutschland und Oesterreich zu trennen. Niemand werde sich mehr freuen als er, wenn es gelänge, die feindliche Koalition zu sprengen. Die übrigens'hauptsächlich mit militäri- schen Fragen befaßte Verfailler Konferenz babe durchaus richtig gehandelt, wenn sie es ablehnte, in den gleichzeitigen Erklärungen Hertlings und Czernins etwas wie eine tatsächliche Annäherung« an den Standpunkt der Ententemächte zu erblicken. Die Mittelmächte hätten deutlich gezeigt, daß sie gac nicht die Absicht hätten, zu einer Verständigung zu gelangen. Der deutsche Erfolg an der Ostfront habe sofort bewiesen, was durchweg der wirk» liche deutsche militaristische Geist gewesen sei, nämlich Erwerb neuer Gebiete und wirtschaftliche Ausdehnung durch kon, trolliecenden Einfluß über große Länderstrecken, durch Sicherung der'Grenzen und durch Unterstellung dieser oder jener Fcemdvölker unter deutsche Kontroll«. Das sei die deutsche Politik drei Jahre hindurch gewesen. Soweit man nach den äußeren Anzeichen und den Erklärungen der verantwortlichen feindlichen Staatsmänner schließen könne, sehe er kein Abgehen auch nur um Haaresbreit« von den alten Bestrebungen, einen sogenannten deutschen Frieden zu erlangen. Alle Welt aber wisse, was ein deutscher Fricde» sei. Er habe nur eine Bedeutung: Er sei ein Frieden» der jede Ratio» zum Hörigen und Sklaven Deutschlands mache.(Beifall.) Nunc im an bemerkte, daß die Regierung, wenn sie die öffentliche Meinung zufriedenstellen wolle, durchaus klarstelle» müßte, daß sie eS mit ihre» FricdenSfvrmeln aufrichtig meine. S n o w d e n sagte, die Regierung habe eine riesige llmoissen, heit bewiesen sowohl im Kriegführen wie im Friedenschließen. Da» Land sei. zu der U eb erzeugu ng gekommen, daß die erste und dringlichste Pflicht sei, die Regierung ausdemAmtzujagen. Die Geganifation üer roten flrmes. Petersburg, 16. Februar. Der bollchetoisiiichen„Prawda" zufolge stellt die Agitationsabteilung für die Rote Armee bs. sondere Agitotionskollegien auf, die sich über ganz Rußland verbreiten sollen, um die Orgänffation' der sozialistischen Armee überall zu betreiben und die Massen über ihre Ziele aufzuklären. Die Zahlung von Unterstützungen an Fa- milien im Felde stehender Soldaten wird einen Monat(in Sibirien zwei Monate)� nach Erklärung der Demobilisation eingestellt mit Ausnahme der Familien derjenigen Personen, die in die Rote Armee eintreten. Das russische Defizit öer filierten. Amsterdam,. 16. Februar.„Westminster Gazette" schreibt, daß, wenn der Krieg mit der Wiederherstellung deS politischen Gleich. gewichts in Europa ende, die Stellung der Alliierten durch den Ausfall Rußlands«l». Großmachi schwer benachteiligt werden würde. Die öanüenjagö an öer Kaukasus-Iront. Konstantiaopel, 16. Februar. Das Presseguartter meldet: A« der Kaukasusfront verjagten unsere Sicherungsabteilungen, trotz der Unbilden des Wetters' Banden, mit welchen sie bei jedem Schritt zusammenstoßen, erreichten am IS.Februar die Gegend vcm E ch- mede', 28 Kilometer östlich von Kelkit und gelangten an der Küste in den Ort Vakf Kebir, 30 Kilometer von G su r a l e. Die Banden flüchteten aus Erfind schau und Umgebung in dey Richtung auf Mamo Katun. Ueber dqS Wesen der alten Lihgo-Lieder, die in dieser Nacht gesungen wurden, berichtet I. Merkel im Rahmen einer poetische» Darstellung(Wannem Amanta, eine lettische Sage. Leipzig 1802): „Jetzt ergriffen die Lihguffonas die Horner und stimmten die Weise der rückkehrenden Jäger an. Die Jünglinge sangen:„Wer sind dje holden Gestalten, vom Licht der Jugend umflossen? Sie stehen auf den Hügeln der Heimat und lauschen hinaus in die Ferne, dem Winde entgegen:„Bringst du Kunde?" In ihrer Mitte« wer ist die Hohe mit den Reizen des reisenden Mädchens ge- schmückt und mit der Würde edler Matronen? Einen Säugling drückt sie an den vollen Busen, der ihn nährt; einen schon lallende» Wandler führt ihre Rechte!" Antwortend sangen die Mädchen:„Lpta, sie nahen! Sie nahen, in ihrer Mitte Amanta! Bald sinkt' mit dir jede Gattin in die Arme des Gatten, jede Geliebte an de? Geliebten Brust!" Die Jünglinge sangen:.„Er ist besiegt, er ist gefallen, der Fürst des Waides, der zottige Bär! Nicht mehr wird er die Herde erschrecken und ihre zarten Hirtinnen! Nicht mebr wird der Lüsterne die kiiarrenden Stämme ersteigen und unsere Bienen- stöcke zerbrechen!" Die Mädchen sangen:„Täppischer Breitfuß? Weil du die Herden uns schrecktest, erschlugen die tapferen Männer dich. Weil du nicht mehr die Bienenstöcke.zerbrichst: Ueberfließen soll jegliches Horn von schäumendem Meth, wenn wir auf die Tafel der Männer dich tragen." „Näher! Räber, ibr Mädchen, näher!" sangen die Jünglinge. „Die Augen der Wölfe funkeln nicht mehr; ihre Zähne drohen nicht mehr, die säugende Kuh zu zerreißen oder ihr hüpfendes Kalb. Wir tvafen sie. wir schlugen sie nieder. So kehren wir einst zurück aus der Schlacht, joder gdschmückt mit dem Schwert eines Feindes!" Langsam erwiderten die Mädchen:—„Ach, kein« Schlacht!" Nottzeti. — I m Deutschen Schutzverband der Schwer» hörigen beginnt demnächst ein neuer Absehkursus, der für tninder- und unbemittelte Schwerbörige beiderlei Geschlechts un- entgeltlich ist. Meldungen sind möglichst bald zu richten an den Verbandsvorsitzenden Rudolf Diekmann, Berlin- Wilmersdorf, Uhlandstr. 102. — Stefan Zweig?„Jeremias", eine neue dramatische Dichtung der Kricgszett, großzügig gestaltet in Stimmen und Bll- dern qualbeladen ringender seelischer Anklage, in Massenszenen, darin Wabnw'tz triumpbiert, Verhängnisnot aufschreit, Willens- widerstand wächst und sich aufbäumt, dieses Werk steht im Pro- gramm des Vortragsabends, den Toni Halbe am Mittwoch» abens 8 Uhr, im Meistersaal veranstaltet. Die Künstlerin, spricht einen Akt der Dichtung, aus die vorweg ein Vortrag eingehen wird. „Der schwarze Handschuh", die fünfaktige lyrische Phantasie Strindbergs, gelangt am Mittwoch in den Kammer- . spielen zur Uraufführung. Oesterreich will mit Rußlanö weiter verhandeln! Aus Wien wird vom 16. Februar offiziös gemeldet: In- folge der derzeit in Rußland und zwar speziell in Peters- bürg herrschenden Anarchie und der dadurch bedingten Un- sicherhcit hat sich der Minister des Aeußcrcn veranlaßt ge- scheu, die unter Führung des Generalkonsuls v. Hempcl in Petersburg befindliche Kommission zeitweilig abzube- rufen. Die Kommission hat heute die deutschen Linien südlich Dünaburg überschritten und befindet sich auf der Reise nach Wien. Sobald die Sicherheitsverhältnisse in Peter sburg es gestatten, wird sich dieKvm- mizsion wieder dahin zurückbegeben. Wäbrend Teutschland den Kriegszustand zwischen sich und Rußland als wiederhergestellt betrachtet, legt die öster- reichische Regierung großes Gewicht auf die Feststellung, dal; sie die Friedensverhandlungen nur wegen der Urgunst der augenblicklichen Umstünde vorübergehend unterbricht, um sie bei gebesserten Verhältnissen wieder mMerzusübren. Polenproteste schärfstev Tonart. Wien, 17. FeZruar. Ten Blättern zufolge fand gestern«ine Dzllversammckung des Bolentluos statt, an der auch mestrere Herren- hausniitglieber teilnahmen. Es wurde eine vom Tbgesrvneten TaszhnZki(Soz.) vorgelegte, von der parlamentarische» Kam- Mission im Abgeordnetenhause abzugebende Erklärung sowie ein Aufruf an das polnische Volt, woAn gegen die Iuerkcnnung des C Holm er Landes an die Ukraine protestiert wird, sowie ein« g.'eichlant«?cde Resolution im Herrenhause ohne Debatte einst im- M i g angenommen. Die Kundgebungen sind inschärfstemTon augekctzt. Ueber das taktische Vorgehen im Abgeordneter! hause wird der Polen klub Montag beraten. Die Blätter meiden weiter, daß zwei polnische Delegierte, die de: Minister deZ Aeußeren. Gras Czerntn, zu einer Besprechung einlud, die Einladung ab- lehnten. de? Bürgerkrieg in ZinKlanA.. Petersburg, ist. Februar. Zutolge eines Telegramms der ..Prawda" hat am ö. Februar d:« finnische Weiße Garde in Stärke von 5 bis 10 000 Mann N iko la? st a d t ubersallen, die rufüstfeeu Truppen entwaksnet und sich in den Des iß der Stadt und des Häsens'geseßt. Swrkholm, 16. Fäbruar. Das Marinemlnisterhim teilt mit.' " itch den ersten Offizier des Panzerschiffes„Thor", Kapitän Elliot, sind gestern abend die Verhandlungen mit. den russischen Truppen über das Wegführen gefährdeter Einwoh- n e r der LlandSmsel auf schwedische Schiffe eingeleitet worden, die befriedigend tortschreiten. Herr Vorovsky ist heute in SionildeZHr.m angelangt. Stockholm, 16. Februar. Die zweite finnische Ezpe- dition, die 214 Uhr nachts zurückgekehrt ist, führte 600 Passa- giere mit. Die Roten Garden hatten diesmal keine Feindseligkeiten gezeigt. Eine dritte Expedition ist wahr- scheinlich. Stockholm, 17. Februar. Mcldimg der Svenska T?lc- grambyran.) Ta ein in� Uleaborg cstschöinenhcs Platt. go meliiel hatte, der finnische Senat habe ein Aner- bieten der schwedischen Regierung,'zwischxn bom Senat und den Revolutionären zu vermitteln, benimmt abgelehnt, lenkt..Dagens Nyhel�r" die Aufmerksam- keit darauf, daß die schtvedische Regierung keinen förmlichen Porp-Hlog� zur Intervention gemacht hat, sondern nur verstehen ließ, daß sie bereit wäre, an einer Perständiguno mit- zuwinken. Oslo unü �leme�ceaus Kabmettschef. Fnterpcllatio» in der franzöfifche» Kammer. Genf, 17. Februar. Ju der Frauzösischeu Kammer brachte gestern der Abg. Constanz eine I u t e r p c k l a t i o» ein über durch die Verhandlungen gege» Bolo entliiillte Verantwortung der Regierung. Es handelt sich um die Bezichungco zum Kabinetts- chef Elemenccaus, Herr» Mandel. Die Verhandlung der Jnter- pellotion wurde aruf Freitag nächster Wache festgesetzt. Diese Beziehungen kamen im Verlauf des Prozejies zur 'spräche. Das Verhör des Präfekten und deS kommandierenden Generals hatte die erbauliche Tatsache enthüllt, daß der Präfekt regelmäßig bei Bolo diinerce, während er gleichzeitig durch seine Polizei ihn überwachen ließ. In der..Frantf. Zig," war über diesen Teil des Prozesses gesagt: Der Präsekt stählte itch in seiner Per- tvaltungstäligleii stark veeinträchrigt durch die Energie der militari- schen Leolvaltima. und wemi der Präfctt den Militärbehörden rrgendeinsn persönlichen Wunsch unterbreiten wollte, so ließ er seine Bitte durch die liebenswürdige Vermittlung BoloS dem General 'Quiguandoa überreichen. Auf eine Anfrage des Verteidigers bestätigte der General Ouchuandon, daß Bolo ihm gelegen t- lich auch andere politische Persönlichkeiten zu- schick t�e. Ter Verteidiger: Erinnern Sie sich noch, baß Polo Ihnen einen. Herrn Mandel zuschickte?— Der Zeuge Zögerte mit der Antwort, aber der Vorsitzende mahnte ihn an seine Pflicht, nichts zu verbergen.— Der Regierungskommissär fragte: Am wen handelt es sich?— Der General: Sie meinen Herrn Georges Mandel, den gegentvärngen Kabinetts- chcf des Ministerpräsidenten Clcmenceau? Das ist richtig!— Der LtegierungSkommissär klappte bei dieser Ent- hüllung sprachlos zusammen. Der Verteidiger klärte unterdessen den Sachverhalt aus, den der General im übrigen durchaus beslätigie. Der jetzige Kabineiischef Elemeneeaus, Herr Georges Mandel, beabfichugr, bei den Neuwahlen nach dem Kriege seine Kandidatur in einem Wahlkreis der Pyrenäer.gegend auszustellen, und um sich Freunde in der Gegend zu erwerben, benützl er seine persönlichen Beziehungen und Per- gihlstigungen. besonders Befreiungen vom Kriegsdienst für gewisse Persönlichkeiten im Wahlkreise durchzusetzen. Da seine Bemühungen an der gewisienhasten Dienststrenge des Generals Äuiquandon einem unüberwindlichen Hindernis begegneten, so wandte sich Mandel an Bolo, um mit dem General persönlich be- kanntgemacht zu werden. Der Schritt Mandels erfolgte im letzten Herbst, als Elemenceau noch nicht Ministerpräsiden: war, wohl aber d:e Voruntersuchung gegen Bolv bereits veröffentlicht wurde. Mandel machte sich damals schon anheischig, dem General bei der Regelung seiner echwierigkenen mit der Zivilverwallung dienlich zu sein. Mandel ist angeblich der persönliche Schatten El» menceauS und im französischen Parlament ebenso wie in der Presse»ich: g«rn gesehen. Er ist der Sohn eines reichen Pariser Kaufmanns und trat als blutjunger Mensch von nahezu 20 Jahren in Elemenceaus„Au rare" ein, wo cr die auswärtige Politik mit einem unbestrittenen Mangel an Kenntnissen und Erfahrungen behandelte. Er wurde dann, als Clemenceau im Jahre 1903 zur Regierung gelangte. Privatsekretär deZ Ministerpräsidenten. und als Clemenceau drei Jahre später gestürzt wurde, brachte Mandel das Kapital zusammen, um ihm ein neues Blatt, den .Homme Libre". zur Verfügung zu stellen Clemenceau ist heute seinem treu ergebenen Ritarbeit« derpflichkt und hat als Minister-' Präsident ihn zu seinem KabinciAches ernannt. Mandel, der heute noch nicht 40 Jahre alt ist, ist eine Streber- natur, und sein politischer Ehrgeiz drängt ihn dazu, sich durch die Wahl zum Deputierten ein« von Clemenceau unabhängigere Zukunft zu«röfsnen. Er veröffentlichte im Anschluß an die Prozetzvorgänge eine lange Erklärung über seine Beziehungen zu Bolo, um zu ver- sichern, daß er Bolo schon längst als Bösewicht durchschaut habe; aber er kann den Empfehlungsbrief, den er von Bolo an den General Quiquandon überbracht hatte, nicht mehr aus der Welt schaffen, ebenso wie die Schadenfreude, die sein Abenteuer hinterläßt. Bolo hat inzwischen die Revision seines Prozesses b e- antragt. Lyoner Blätter melden, sei» Rechtsanwalt habe meh- rere Nichtigkeitsgründe angeführt. llnter anderem sei der Zeuge Casella im BerotungSzimmcr der Richter gesehen worden, und der Gerichtshof habe bei der Beratung nicht alle Akteu vor sich gehabt. Spannung ZWZfchen Orlanöo unö Sonnino. Genf, 17. Februar.„Journal des Defrats' beklagt die Spannung zwischen Orlando und Sonnini, da letzter« nicht auf Italiens papicrne Ansprüche auf die A d r i a verzichten wolle. Das Blatt hofft jedoch, daß sich eine Krise vermeiden lassen werde. ftus öer tschechsslaVisthenSozialöemokeatiS Auch die tschechoslawifche Sozialdemokratie hat sich dem natio- nalen Streben nach einem tschechischen Staat nicht entziehen können, das als Rückschlig gegen die bedrückenden Verfolgungen AeS Stuergkh- ichen Regimes einsetzte. Unter Führung von Modraeek und Haber manu wurde gegen die Parteileitung Sturm gelaufen. Natürlich unter freundlicher Assistenz deS Bürgertums, auS dessen Reihen der Parteiobmann Dr. S m e r a l sogar der Spitzelei ge- ziehen wunde? Er und der alierprobte Obmann der Fraktion, Ge- nasse Nemrc, traten zurück und überließen das Feld ihren Wider-, sachern, die eine Verbindung mit der kleinbürgerlichen»attonal- soziale» Partei anstrebten, welche von der Errichtung des tschechischen Staates in seinen historische» lMittelalterlichen) Grenzen das Heil der Welt erwartet. Von diesem Standpunkt auS kamen einzelne dies« absonderlichen Sozialisten zu ein« scharfen Verurteilung der Bolschewik:— weil diese zum Frieden allzu entschlossen waren und dadurch angeblich Verrat an der-slawischen"' Säche übten. Das Zwischen sjncl dieser extravaganten Nationalisten im sozialistischen Gewand wahrte aber nicht allzu lange. Die tschechische» Arbeiter sind dahinter gekommen, daß es bei d« militärischen Lage einfach irrsinnig ist, eine Politik zu treiben, die letzten Endes auf die Er- Wartung eines Enientesiezes gegründet ist. Auch haben sie den Weg zum Klafsenkampfcharakt« der Partei zurückgefcndsn. Eine Versammlung d« Bezirks- und Z�rviZvertrauenSmänn« hat folgende Richtlinien angenommen: 1. Daß sich die Exekutive und die Vertretung der Partei mit voller Klarheit gege» die mechanische Verschmelzung mit der nationalsozialen Partei aussprechen. 2. Daß die Porte iblötter ihre Spalte» tn größerem Maße als bisher der Erörterung und Verteidigung des Kollektivismus widmen. In einer Konferenz d« Vertrauensmänner Groß-PragS wurde der Dank allen Genossen(also besonders Snwral und Nemee) anSge- sprochen, die in der Jett d« despotischen Persekutiou an der Spitze der Partei standeu, sie verteidigten und für die Zukunft der tschechi- schen i'ozialdemokrätische» Aibeiterschost, soweii es in ihrer» Kraft war, alles erfüllten, was zur Führung ihres weiteren Kampfes gegen die Kapitalistenklasse und für den Kamps um die Selbständigkeit der ffchechischen Nation im Sinne der demokratischen Ideen not- wendig ist. In einer gegen zwei Stimmen angenommene» Entschließung wurde es bedauert, daß es dem Abgeordnet» Smeral unmöglich gemacht wurde, sich, aktiv an der Politik zu beteiligen. Die Konferenz verlangt, /daß da Wandel geschaffen werde, und erklärt, voll überzeugt zu sein von den ehrlich«! Absichten, mit denen Smeral die Sache der Partei in den Zeiten der grausamsten Verfolgung vor» trat, und«sumt ihn, in der Bewegung nicht passiv zu bleiben, sondern an der Bewegung mit aller Kraft wie früh« teilzunehmen. Aus dies« schwere» Schlappe hat Habermann bereits die Folgen gezogen: er hat aÄ Obmann der Fraktion demissioniart. Nachdem einmal den: NaftonaliZmnS Einhalt getan worden ist, d« bei den Tschechen wie bei jeder unterdrückte« Nation sehr stark ist, darf wohl der Wunsch und die Hoffnung ausgesprochen werden, daß sich die tschcchoflawische Partei den Zentralisten nähert, die eine gewisse organisatorische Verbindung all« österreichischen Gewerkschaften zur Führung von Arbeitskämpfen /für notwendig halten. Um dieser Frage willen ist eS zwischen ihnen und der dent- schen Sozialdemokratie einerseits und d« tschechoftawi schen Partei. die eigene, nationale Gewerkschaften zur Stützung der politischen Bewegung brauchte, zur Spaltung gekommen. ES wäre ein wahres Glück,-wenn jetzt ein Mittelweg gefunden und wenigstens eine fühl- bare Annäherung des westösterreich.schen Proletariats erreicht würde. Kleine Kriegsnachrichten. Russische Grenzsperre für Briefe und Zeitungen. Stockholm, 17. Februar. Im Zusammenhang imt de» mAftärischea Vocbereftungan der russische« Roten Armee ist die russische Grenze für die Beförderung der Briefe und Zeitungen nach Schwe- de« gesperrt. Die russische Regierung hat diese Maßnahme gleich nach dem Abbruch der Verhandlungen in Brest- L i t a w s k angeordnet. Der Prozeß gegen Oberst Repmgto». de« mikitärische« Berichterstatter der„Morning PoV', hat gester» begonnen. Flcischrationierung in England. Der englische Nahrungsmittel- kontrolleur beschloß die zwangsweise Durchführung der Flelschratio- uierung nach einem Entwurf, d« für London und die umgebenden Graischanen am 22. Februar, für ganz Großbritannien allgemein am 2S. März ist Kraft tritt. 44 neue Reichstagsfttze. Proporz i« den Großstädte« und Industriegebieten. Aus dem Entwurf eines Gesetzes über die Zusammen- sctzung des Reichstags und die Perhältmswahi in großen RcichStagswahlkrcisen, der am 16. Februar die Zustimmung des Bundesrats gefunden hat und nunmehr dem Reichstage zugeht, teilt W. T. B. folgende Bestimmungen mit: Die Zahl der Mitglieder deS Reichstags wird auf 44k erhöht. Die Stadtgebiete von Brrlin, Breslau- Frankfurt am Main, München und Dresden sowie das h a m- burgtschr S taatSgebiet bilden je eine» Wahlkreis. Außerdem werdcu Proporz- Wahlkreise gebildet für Köln, Düsseldorf. Elberfeld, Essen, Duisburg? Hannover. Leipzig und Stuttgart. Ferner gilt das VerhältniSwahlver». fahren für die Wahlkreise Nüberbaruim, Teltow. Königshütte, Hindenburg, Kiel, Recklinghausen, Lochum. Dortmund, Nürnberg, Chemnitz, Mannheim und Bremen. Berlin wählt 10, Teltow 7, Hanssburg 8, Bochum und Leipzig s«%, KRn, Breslau, Duisburg Dottmund, Essen, Ricderbaruim, München und Dresden sc 3 Ab- geordnete, die übrigen genannten je 2. Di« Wahlvorschläge müssen mindestens von 25 im Wahlkreise zur Ausübung der Wahl berechtigten Personen unterzeichnet sein. Sie dürfe» höchstens 2 Namen mehr enthalten als Abgeordnete im Wahllreise zu wählen sind. Eine sehr wichtige Bestimmung geht dahin, daß mehrere W a hlvo r sch I ä g e miteinander verbunden werden können. Verbundene Wahlvorschläge dürfen nur gemeinschaftlich zurückgenommen werden. Sie gelten den anderen Wahlvorschlägen gegenüber als ein Wahlvorschlag. Die Abgeordnetensitze werden auf die Wahlvorschläge nach dem Vor- hällnis ixe. ermittelten Stimmen verteilt. Hierzu werden die Stimmenzahle« nacheinander durch 1, 2, 3, 4 ufw. geteilt und von den dabei sich ergebenden Teilzahlen so viele Höchstzahlen der Größe nach auSgcscmdett, wie Abgeordnete zu wählen sind. Jeder Wahlvorschlag erhält soviel Abgeordnetensitze, tpie auf ihn Höchstzahlen entfallen. Verbundene Wahl- dorschläge werden mit der Gesamtzahl der ermittelten Stimmen als ein Wahlvorschlag in Rechnung gestellt. Die ihnen zukommenden Sitze werben auf die cmzelnen Wahlvorschläge verteilt, wie. eben beschrieben. Grotz-Berlm wird also nach diesem Wahlrech! statt bisher 8 im ganzen 20 Abgeordnete in drei verschiedenen Proparzkreisen zu wählen haben. Wichtig ist die Einführung der jo-' genannten„verbundenen Wahlvorschläge", sie ermöglicht es, daß Restbeträge zweier Parteien zusammengerechnet werden. Der Abschluß von Wahlbündnissen verliert für die Großstädte damit stark an Bedeutung, kann aber doch auch über die Bs- setzung einzelner, Mandate entscheiden. Man kann den Grundsatz der PerhältniswaH für die Großstädte akzeptieren in der Überzeugung, daß der Proporz, wenn er sich erst ein. mal hier bewährt hat, seinen Sieges- ug über das ganze Reich antreten wird. Aussprache über ö;e preise öer Waffen- jnüuftrie. Die Aommiffio« zur Prüfung vou Verträgen über Kriegs- lieferungen verhandelte am Id. ruft» 16. Februar 1618 im ReichS- tagsgebaüde» worüber amtlich u. a. Berichtet wird: Sodann wurde auf eine Rathe v-on Fragen eingegangen, die der Abg. N q s! s v ün Anschluß an die bisherigen Verhandlungen der Kommission gestellt hatte. Diese betrafen vor allem die Beschaffung von P u I« vejv die für Kanonen gezahlteu Preise, die Nachprü, ning der Selbstkostsn der Lieferungsfirmen und Beschaffungen im Bereiche der HeereSverwoliungeii von Bayern, Sachsen und Würi- teuft, erg. Der Abg. Arnstadt berichtete über die Prüfung der Ver- träge, betreffend Pferdeantäuse, der Abg. Zimmermann� über die Prüfung der Verträge auf dem Gebiete des LuftschiffwefenS. An der Hand eines Benchis des Abg. Noske wurde endlich eingehend übqr Waffe» Beschaffung verhandät. Es gaben hierbei vor allemdiedeneiuzelnenFirmengezahltenPreise zuledhafterAus spräche Anlaß. Neuköllnisches vom Rhein. Ein interessantes Gegenstück zu de« Neuköllner Enthüllungen veröffentlicht„Der deutsche Obst- und Gemüsehändler". ES stammt von der„LebenSmittel-EinkaufSstelle der Nassauischen Rheinstädte in Riederlahustein"»Und ist au eine Firma des Wiesbadener Be- zftcks gerichtet. Diese Einkaufsstelle ist van der Behörde einge- richtet zu dem. Zwecke, die nassauischen Städte am Rhein, wie Elt- vtlle, Rüdesheim ufw. apt Nahrungsmitteln zu versorgen. Sie be- kommt die Nahrungsmittel von dem rhein-mainischen Verbände. Diese Einkanfsstelle bietet nun ü. a. Waren zu folgenden Preisen an; 300 Zentner Viktoria-Erbsen 4,46 p. Pitz.. 100 Zentner gelbe Erbsen 3.10 p. Pfd., 36 Zentner weiße Bohnen 3,36 p. Pfd., 400 Zentner dicke Bohnen 3,46 p. Pfdi, 90 Zentner Graupen 2,66 p: Pfd., 200 Zentner Drciftucht-Marmelade IM p. Pjd� A Zentner Is. weiße Reisstärke 30,00 p. Pfd., 5 Zentner Kartoffelstärke 19,00 p. Pfd., 4000 Stück Tockettefeife 3,75—4,75 p. Stück, 1400 Stück Kernseife 3,75 p. Stück, 3 Zentner Schokolade 26,00 p. Pfd. 60 000 Dosen Leberwurst in l-Pfunddosen, garanr. gute Ware 8,75 p. Dose. 50 Liter seines Speiseöl 32,50 p. Liter. Dazu bemerkt das genannte Fachblatt: �Eigentlich ist ja jeder Kommentar zu diesen Preisen überflüssig. Es mag aber wenigstens darauf hingewiesen werden, daß der Höchstpreis für t Pfund Erbsen gegenwärtig 42 Pf. bettagt- für weiße Bohnen 45— 50 Pf.; für Graupen 40 Pf.; für Schokolade etwas über 4 M. Speiseöl wurde in letzter Zeit zu 6,30 M. für das Liter abgegeben." Letzte Nachrichten. Die Gcgrurrdolution von TüHcn.— Alcxejew gegen Moskau. Stockholm, 17. Februar.(Meldung der Petersb. Tel.-Agent.) Die Uuttrnrhnnmgen des Generals A l e x e i e w S gehen im Gebiete von Taganrog v«rwärts. Heftige Zusammenstöße haben zwischen der Roten Garde und dem Gegner stattgefunden. An drei Pirnkten kam es zu militärischen Operationen, Generat Erdelo kämpft bei Nostvw» General Alexejew bei Woronesch. In den er- bitterten Kämpien bei W o r o u e s ch wurden die Sowjet- truppen von allen Seiten umzingelt. Alexejew hat einen strategischen Plan ausgearbeitet, um die revolutionären Truppen einzuschließen. Im Falle deS Erfolges soll dann Alexe- ;ew über Woronesch und Charkow hinaus nach Moskau und Petersburg vorrücken» Petersburg, 16. Februar..Jswjestija" erklärt in einem Zeit- artikel, General Alexejew habe den Kampf nicht nur gegen die Aolschewisten an sich, sondern im Namrn der Wiederherstellung der Monarchie aufgenommen. Die Nachricht der Einnahme von Woro- ncsch durch die Trupe« AleresewS wird bestritten; eS heißt, die Kämpfe fänden 300 Werst südlich hei Kanesuskaja statt. Petcrsbnrg, 16. Februar.(Meldung der P. T. A.) Nach einer � Schlacht zwischen Matrofcu und der Roten Garde einerseits unv tartarischen Truppen andererseits wurde die Hauptstadt der Krim, Sinforopol genommen. Die Kathedrale ist beschädigt. Die Tmt- iare« befinden sich auf der Flucht. Die Truppen, Arbeiter und Ma- trafen erkennen lediglich die Autorität der Sowjets an. Di« Nach- richt der auslöiidisöbeu Presse, im Kaukasus und in der Krim herrsche die Pest, ist vollkommen erfunden. Wieder ciuc Pcrschwürnng gege» Leni«. Peterbburg, 16. Februar.(Meldung der Petersburger Tele- graphenageutur.) ES wurde eine OffizierSverfchwöruug aufgedeckt, welche de« Zweck hatte, Leniu aufzuheben, um ihn a l S G e if e l z u g e b r a u ch e u. In der Behausung der Organi, fatio« wurden Armeebombcu und geladene Handgranate» ge- f'unden. Der Fliegerangriff auf Loudo». London, 17. St'ümix.(Amtlich.) Feindliche Flieger uberflogen die Küste von Äent in der Höhe der Themse- Mündung gestern Abend kurz vor 10 Uhr und gingen gegen Lyndon vor. Bisher ist. wie berichtet wird, erst eine Bombe in London abgeworfen worden. her Keleistet habe». Suf Vorhalt de? KolonnenfLhrerS sagten die Angeklagten, süc den Lohn, den sie bekämen, könnten sie nicht mehr macden.— Hierdurch hiell dac- Gericht für erwiesen, daß d:e Angellogien am 4. und S. Februar nickt das Arbeitspensum gs- leistet haben, daS sie nack Maßgabe ihrer körperlichen Kräfte hätten leisten können, daß sie also mit Absicht die Arben verzögert haben. Mit Nürk ficht daraus, daß durch solches Verhalten dre Krieg'- industrie schwer geschädigt werden könnte, erkannte daS Gericht aur die vom Anklagevertreter beantragte Strafe von je drei Monaten Gefängnis. GelverffchHsbMWNg Jahresbericht der Zimmerer Berlins. An dem Bericht für daß?zahr 1917, den die Zahlstelle Berlin de� Zentralverbandcs der Zimmerer der aur Donnerstag abge- haltenen ZaHlsteLenvcrsammluZtg unterbreitete, wird unter ande- rem gesagt: Obgleich die eigentliche Bautätigkei! vollständig brach liegt, war die Arbeitsgelegenheit eine sehr gute. Die Nachfrage nach Zimmerern war dos ganze Jahr hindurch äußerst lebhaft. Arbeitslose gäbe eS nur iti beschräntter Anzahl. Von den im Arbeitsnachweis gemeldeten freien Stellen konnten im Durch. schnitt nur zwei Drittel besetzt werden.— Die vortreffliche Kon- junktur im Gewerbe und die damit verbundene bessere Verdienst. Iii v�Z/jLJL ÄXE,! Möglichkeit wurde durch die allgemeinen Verhältnisse wieder zu. �». nichts gemacht. Die im Zimmerergewerbe tätigen Arbeiter sind durch die vom Kriege geschaffenen Zustände besonders hart be. KHQlHj'jZhNfgAxt. troffen. Obgleich sie fast ausschließlich mit den schwerste» und ge- sahrvollsten Arbeiten für den Kriegsbedarf beschäftigt sind, befinden Der Wagen wird von Haltestelle zu Haltestelle voller. sie sich gegenüber arideren Arbeitergruppen in der Kriegsindustrie Alz wir so platt gedrückt waren, wie es ohne R'vvendrüche ks-ns�t�ch der Ernährung sowohl wie hinsichtlich der Entlohnung möglich ist. quetschen sich noch ein Dutzend Leute hinein.— erheblich im Nachteil. Dazu kommt der enorme Verichleig an an;, hoA fer.«erinas' w-s nicht acht oestt nichst" Kleidung und Schuhzeug bei der Arbeit, deren Txschaffuna und �- rerne �.erii.ZL. nuyr gem. ye�r rnau, Ergänzung während der Kriegszeit außerordentlich hohe GeldauS- roche.te em angejahrter �cr. ,,�ain toa Hermge waair, gaben verursacht, sowie die ständig höher werdenden Ausgaben für, �9°" langst beichlachnahmt, wurde ihm erwidert. das selbst zu liefernde Wertzeug.! Leeden se nia, ondauand von Heringe: da looft eenen lo det In April beantragte der Verband beim KriegSernährungZami, � Wasta aus'n Mund!" protestierte ein Arbeiter.„Hilfe, Sie die Zimmerer als Schiverstardeiter anzuerlemieii und ihnen dem» drücken mir den Magen ein!" schrie jemand.„Zu wat entsprechend die LebenSmittelzufaZratwnen zu bewilligen. DaS brauchen Sie'n Magen?" kriegte er zu hören.— Mir selber ÄrwgSecnährungSanit hat den Antrag abgelehnt mit der Be. gründung, die aufgestellte Liste der als Schwernarbeiier anzu> sehenden Arbertergruppen sei maßgebend und könne nicht zu» ganfien einzelner Berufsgruppen erweitert werden. Um mit Rücksicht auf die Stemsrung der Lebensmittelpreise ging es mittlerweile bitterschlecht. Meine noch gut erhaltene Figur war gänzlich aus dem Lot geraten: meine Fuße be- rührten zwar noch mit den Spitzen den Boden: mit meiner Schulter aber ruhte ich an der Brust meines zweitnächsten die Lohne zu verbessern, haben mehrere Verhandlungen mit den Nachbars. Dieser Nachbar War eme ziemlich gut gepolsterte Arbeitgebern stattgefunden. Da ein Uebereinkommen mit dem i Jungfrau; indes reagierte sie auf meinen ungewollten An- Verband der Bargeschäfts nicht zu erreichen war, versuchte die: Näherungsversuch in keiner Weise: denn notgedrungen hatte BerbandÄeitung der Zimmerer durch Verhandlungen mit dm ein. nur Blicke für eine alte Frau, mit der sie eng aneinander- «u ,u erlanoML Die Lnfinerböfi, innen wurden in—..Wir müssen raus, w.r müssen aussteigen! Iwßen sich er- regte Stimmen UN Hintergründe vernehmen.„Bitte! sagte verbindlich der Vordermann.„Aber wir können doch nicht!" —„Denn drücken Se man, drücken Se. wat Se können— oder denken Se, ick wär' Ihnen rüberheben?" Alles Drängen, Drücken und Schimpfen half nicht?, die Leute mußten weiter mit. Was aus ihnen geworden ist. weiß ich nicht, denn mich umfing bald eine erquickende Ohmnacht. AIS eS an der vor- letzten Haltestelle guten Menschen gelang, mich ins Bewußt- sein zurückzurufen, fehlten mir vier Knöpfe, ein Hut, ein Regenschirm und ein talergroßes Stück im Ueberzieher. das mir ein leidenschaftlicher Raucher weggebrannt hatte. Lohnerböhnngen zu erlangen. Die Lohnerhöhungen wurden in verschieoeneu Formen gewährt. Die Durchführung der Be- wegungen vollzog sich nicht immer glatt. In einzelnen Fällen kam rS zum Streik, iy anderen Fällen wurde die Angelegenheit aus Gruuv des HilfsdienstgesetzeS mit Erfolg vor den KriegZauSschuß gebracht. Obgleich die Erfolge der Lohnbewegunaen nicht statistisch festgestellt wurden, find sie doch unverkennbar und dürfen nicht unlerschätzt werden. Während zu Anfang des Berichtsjahres die Lohnsätze der Berliner Zimmerer pro Stunde 1,10 bis 1.40 Zst. betrugen, bildeten zu Ende des Jahres Stunvenlöhne von 1.70 bis 2.— M. die Regel. Hinsichtlich der Mttgliederbcwegung hat die Organisation im Jahre 1917 verhältnismäßig gut abgeschnitten. Am Schluß des zweiten Quartals 1914 hatte die Zahlstelle SWO Mitglieder. Bis zum Schluß de? Jahres 1914 sank die Mitgliederzahl aus 1648, am «chluß des JahreS 1915 auf 1810 und am Schluß des dritten Vierteljahrs 1916 auf 1168. Dann stieg die Mitgliederzahl auf Mangel an festem Gntschlust. «er long« Jahre da» schwierige Feld der Organisation beackert. »"»»■""«•««........... »ahme von 178 Mitgliedern. Seit dem B ginn des Krieges be- tnägt die tatsächlich« Mitaliederabnahme 974 gleich 42 Proz. Bis Ende 1917 waren 1578 Mitglieder gleich 68 Proz. zum Militär eingezogen. Davon sind 109 gleich 5 Proz. gefallen oder an ihren Wunden gestorben. gut jene Mlimenichen. denen»« immer an festem Entschluß mangelt. ES sind die KankelmÜlioen. die Unzuverlässigen, die sich nie zu einer entscheidenden Tat bekennen. Frägt man st«, ob sie ihren Beitritt zur Organisation vollziehen wollen, so antworten sie in der Regel, sie wollen eS sich noch einmal überlegen! Der O'ganiiator Die finanzielle Lage der Organisation kann in Betracht der!„nd Agitator in der Arbeiterbewegung erlebr in seiner Wi'ston nur allgemeinen Verhältnisse ebenfalls als zufriedenstellend bezeichnet i 0ft Ste größten TnliSu'cbimgen. So manch« öffentliche«er- werden. Gegenüber dem Jahr 1914 bat das Vermögen der Zahl-; w der er zu ietnen unoraanisier'en Berufskollegen ge- Än0Mme�. Z-kamt�LT««?� M°! strochenTva. seine klaren, dar»i-akst- Jntereffe der Versammelten die Mehreinnahme also 10 380,97 Tl. Von den Ausgaben ent- � berübrenden AuSsührunge» mit ve'fall aunnert. der ag'ta, arische fallen 32 858 M. auf di« Zentralkasse und 19 867 M. aus Unter-' Erfolg ferner Rede aber stand m keinem Vergleich mit dieser nützungen, und zwar auf Arbeitslosenunterstützung 13.50 N., j Zustimmungskundgebung. Di« Momente. ,n denen der Redner Streikunterstützung 168,60 M., Reiseunterstützung 1JS0 M.. Rechts-| in populärer Weif« ihre winichasilicken Leiden und Kümmerniffe .. Fasset ihn auf der Stelle, diesen Entschluß. Saget nicht, laß uns ein wenig ruhen, noch ein wenig schlafen und träumen, bis etwa die Besserung von selber komme. Sie wird niemals von selbst kommen. Wer, nach- dem er einmal das Gestern versäumt hm, das noch bequelner gewesen wäre zur Besinnung, selbst heute neck nicht wollen kann der wird eS morgen noch weniger können. Jeder Ber- zag macht uns nur noch träger und wiegt uns nur noch tiefer ein in die freundlich« Gewöhnung an unseren elenden Zustand...* Noch weniger als die Zeit, in der Fichte seine Reden hielt, er- trägt die kommende Zeit jenen zögernden und elenden Zustand d:r Menschen. Gerade die Zukunft verlangt unerbittlich, daß jeder feste Eiiticklüffe sasje. Ein Glied im großen Ganzen muß jedem doch ein solches Pflichibewußlseiu erfüllen, als ob eS auf ihn allem ankäme. Nur so entsteht jene unbciwinglicke Kraft, die es der Ar» beiterklasie erlaubt, guten Mutes in die Zukunft zu schauen. Verderb von Lebensmittel« ist in dieser Zeit der LebenSmiitelknoppheit doppelt und dreifach zu bedauern. Berechtigtes Aufleben erregte es am Donnerslag in der Berliner Zeniralmarkthalle, daß aus einer mit der Eisen- bahn angekommencr! gioßen Sendung von Kohl und Kohl« rüben erhebliche M-nigen als verdorben ausgeiondsn werden mußten. Viele Kohlrüben waren erfroren und danack in Fäulnis übeigcgangen, io daß sie sich in eine breiige Masse verwandelt hatten, die man auf den ersten Blick als gänzlich ungenießbar er» kannte. Bei dem Kohl ließen sich die äußerlich sichtbaren Mängel durch Abschälen der Deckblätter heserttgen, schnitt man aber den nun wieder ganz appetitlich aussehenden Kohlkopf durch, so ergab sich nur zu oft, daß er imren vollständig verfault war. Die zur menichlickeu Nahrung nicht mehr geeigneten Waren wurden herausgesucht und lagen am Vormittag auf den Bahnsteigen der Markthalle in Hauten umher, die eine» bösen Gestank verbreitetem Nach de» Schätzungen lachveiständiger Pei i'oneu, die wir befrogteu. soll bei d>e>er einen Ten- duizg die gesamte Menge de« Verdorbenen sich auf 7—800 Zentner belaufen. An zuständiger Stelle sagte man uns, sie sei out sechs« hundert Zentner zu schätzen, bei einer Äe'amiiendung von 12 000 Zentnern. In manchen Eisenbahnwagen war die ganze Ladung unverlehrt. bei anderen war ein Teil des Inhalts verdorben, in einigen Fällen bis zu einem Viertel oder einem Dritiel ihres Inhalts. Daß ein io betläcktlicker Teil der Waren verderben konnie, ivird aus den jetzigen Schwierigkeiten der Güteibekörderung erklärt und aus der Notwendigkeit, zur Beriorgung Berlins mit Gemiiie auch em» fernlere LondeSteile heranzuziebe». Die Sendung mußlc an- gewöhnlich lange unterwegs lein, zum Terl wurde sie noch in der Zeil des Frostes verladen, und manche Kohlrübe war wohl schon erfroren, che sie reckt aus der Miete heraus war. Als dann der Witterungsumschlag kam und Erwärmung brachte, stellte sich bald die Fäulnis ein. Der Schaden soll, wie man uuS der- sichert, nickt der' Stadt Berlin zur Last lallen. Das mag ein Trost lür den Magistrat sein, ober der Verlust von 600 Zentnern Kohl und Kohlrüben ist deshalb nicht weniger zu betlagen. schütz 246.61 M.. Entschädigung für verbranntes Werkzeug 508,50 Marl, Notfallunterstützung 394150 M.. Unterstützung der Kriegs- 'erlnehmer und ihrer Familien 18 534 M. Vom Beginn des Krieges bis Ende 1917 wurden die Kriegsteilnehmer und ihre Familien insgesamt mit 71 722 M. unterstützt. Die Versammlung hatte an der Tätigkeit des Zahlstellenvor- stände» nichts auszusetzen. Die bisherigen Mitglieder desselben bleiben im Amt. nur einige erforderlich gewordenen Ersatzwahlen wurde» vorgenommen. Gerichtszeitung. Drei Monate Gefängnis wegen zu langsamen ArSeitenS. Zwei Arbeiter der Luftverkehrsgesellschaft in JohanniSlbal standen vor dem außerordentlichen Kriegsgericht unter der Anklaae. sich gegen die om 1. Februar 1918 erlassene Verordnung des Oberkommandos vergangen zu haben, welche die Niederlegung sowie die absichiliche Ve, zögerung der Arbeit in den unter militärischer Leitung stehenden Beirieben mit Strale bedroht. Nach dem Zeugnis ihres Kolonnen sühm« haben die Angeklagten am 4. und 6. Februar in der Arbeit weniger geleist?* beleuchtete und ihnen de» Weg zeigt«, wie sie sich durch den Beitritt zu ihrer vtruf-organisation den Weg bahnen könnten, mit dem eigenen Schicksal zn ringen, eniflammte zwar die Herzen der Versammelten, damit hatte e« bei de« meisten unter ihnen aber auch sein Bewenden. Den nächsten Schritt zur Tat. zum An- schluß an dt« Organisation, fanden sie nicht. Leider besteh» di« übergroß« Zahl d«r beut« der Organisation noch Fernstebenden au» solchen energie» und tatenlos«» Mitmenschen. die nie aus sich selbst, sondern meist auf die übrigen hoffen. Sie scheinen der Wurzel, au« der ein ihr eigene« Leben be- stimmender Entschluß hervorwachien kann. ,u ermangeln. Ihr Wesen ist obne Saft und eigen« Bewegkraft. Jenen, di- den En, st der Zeiten nie erkennen, sich nie berufen fühlen, da« Sch'ck'al der Menlcken durch ihre eigene Tat mit zu bestimmen, bot Johann Gottlieb Fichte vor über Kundert Jahren in semer vierzehnten Rede an die deutsche Roiion mit berz- erfrischender Deutlichkeit den Spiegel ihre» falschen Tun« vor Augen gehalten. Wort« wie die damals au» so berufenem Mui de ge« fprochenen habe« sich lebendig erholten auch für unser« Zeit. Jenen. die den Weg zur Orgoniialum nicht finde«, oder vorgeben, noch ein sie bäl'en leisten können vnd seil-. bißcken zu warten, ehe sie beilretr« wollen, würde Fickte sagen: Friebrichsfelde. Znckerzusaokartc«. Der Genreindevorstand gibt bekannt: Noch cmer Verfügung der ZuckervertcilungSstelle des Kreises soll folgende Neuregelung für die Ausgabe der Zuckerzusatzkarten an K i n der erfolg?«: 1. Kinder, bis zur Vollendung des ersten Lebensjahres erhalten eine Zusatzmenge von 750 Gramm. 2. Kinder, bis zur Vollendung des zweiten Lebensjahre« eine Zusatzmenge von 500 Gramm. 3. Kinder, vom begonnenen driten bis zupi vollendeten 7. Lebensjahre eine Zusatz- menge von'250 Gramm. Alle im Umlauf befindlichen Zusatz- karten behalicn unverändert ihre Gültigkeit. Die im ersten Jahre stehenden Kinder erhalten ergänzungZweise 2 weitere Zusatz- karten. Kinder bis zum vollendeten 2. Jahr« erhalten eine Zu'atz- karte. Da bisher nur für die Kinder bis zur Vollendung des 6. Lebensjahres eine Zusatzkarte ausgegeben wurde, so erhalten nunmehr nach den neuen Besnmmmtgen auch die Kinder vom 6. bis zum vollendeten 7. Lebensjahr? eine Zusatzkarte. Tie Ausgabe erfolgt gegen Vorzeigung ber Hau«. Haltungsliste in unterm Einwobner-Meldamt am Mo" tag nach- mittag von 5— 8 Uhr für die Buchstaben A— K, am Dienstag, den 19. Februar, von 6—8 Uhr für die Buchstaben L— Z. E» wird ausdrücklich darauf hingewiesen, daß ohne Vor- legung der HauShaltungSliste keine Karten verabfolgt werden können. Die Anmeldung bei dem Kleinhändler hat umgebend zu erfolgen, da die Verkaufsstellen das NamenSver- zeichnis sowie die Anmeldeabschmtte der Neuangemeloeten bis Donnerstag, den 21. Februar 1918, im Einwobner-Meldeamt ab- liefern müssen. Die ZuckerauSgabe erfolgt mit Rückwirkung vom 1. Februar 1918 ab. Nachträgliche Anmeldungen lönncn keine Berücksichtigung mehr finden. Wetterbericht bis Dienstag mittag. Vorwiegend heiter und trocken, mittags Temperaturen in der Nähe des GefriervunkteS; in der Nacht zu Dienstag wieder ziemlich»renger Frost. Beraniworilich für Politik: Srick Kuktner, Berlin; für den übrigen Teil des Blatte»: ttlsted Scholz, Neukölln;(Ör Anzeigen: Theodor Glocke. Bettm. Verlag: VorwärlS-Verlag K. m. b. tz., Berlin. Diuck: Voriväns-Buch- druckerei und Berlagianstalt Paul Singer u. Co. in Berlin. Lindcnstrai; e 3 Admiralspalast 7«/, Uhr: Dentaehr Tftnae von 8ehnbept. Abrakadabra. Snezialarzt I)p. in©vA t. Getehiechttkranlcheiten Harn- |«ÄjSß&läl'yirZl leiden. Sobwikehe, Ehrlioh-Hata- Ku.-en, Blut- und Harn-Untersuchungen. Institute ! Poisilmer Str. III '■——rr= Sonntags l,It— l Uhr. k nllrtSranrtn 8- starke Broaohüre BO PL, naad AUlKinl CliUt»oberhalb 1 M. in versohl. Kuvert Dr. med. Karl Reinhardt. Dos Icttloso Waech- and ttelBlgnag amittel Kollodor ist vom Kriegsanssohnß zum Klelohandolapreta von 1 Jl. für das Kilo endgültig genehmigt. Probofässer 50 Kilo SO M. E. de Haen Chemische Fabrik„Lisi" 6. m. b. H. Abt. Waschmittel, Hainbarg 86. Alle Anfragen für die Provinz Bran denbnrg die Samtor-Desinfektions-Gesetlsebaft e i B., Berlin S 12, Bitterstr.*6/�7. Fernsp. MpL 2202. 2203. Drahtanschrift: Oeenntei Beriin. ■ Lomoard-Haus�i >. H Graft, Leipziger8t.75 Ii? Z Volle normale Beleihung P -»-tejt Diskretion. Re- 1* E«"'tat Gelegen-« £ Jr e•« helisk., Uhren,£ = Brillanten,| fS Schmuckssehen» W> 10—50*/, unL Ladenpr. WM Seien meines Bin! zum AuSlcheiten aller Schiffen au« den Sitten gibt es nicht« kellere« aisttpotheter Lauen. ftetus Renovation?. Pille« oanz bei. btt AuSschläoen Ge- fickiSblülen, roter Haut. Flechten. Blutandrang und Verstopfung Dose M. 4 50 nur oo» Ipdi Laoeist' Int Veetaid, Sprtnberg L 44. Zähne m eebt. Frierienskautschuk 3,50 M. »WWW» 3 Jahre Garantie. nanHa Zahnziehen m. Betäubung bei Bcnellung v. Gebissen graue. Goldkronen o. 20 M. an. Sptj ttÄ Zaiinpraiis Haitani, NZZUAil! 101 ei* stellt sofort ein „Union" Bangesellscbaft anf Akiien Banbnrean Kabelwerk Vogel. Gdpenlek, Vrledrlekaliaveiaer SiraBe. Ja«ehr ol» 30 000 Sxempl. verbr. Beste« Werk(einer«rt. Prakt. Schule für Harmonium. Universal-Hannonwmschule für alle System«. Erste Schule für daS einheltliche oder Normal-Harmonium von Nermsm» Protze, i**®' 9t. Huäfl. 214 S. K- 7 ii0. VolkSauSg. 112 3. SR. 4,80. AnSsührl. Lehrgang von de» efften Ansängen bis zur vollen IlnSbUdmig. Beste Methode zum Selbstunterrtcht. Große Auswahl von NebungS- und BortragSstllcken. An beziehen durch olle MusUulleu-Handwngen und vom f riumpk- Verlag Q. m. b. H-, «em* HVT«I«Uteeloo-Ufee IS. Wotttzpl. 114tS. Spezisl-Arzt Dr. med. Hasch«, Friedrictisfr. 90 Ä**. B-bandt non Svvhllte. Haut- Horn-. Frauenleiden, wezu chron. Fälle. Schmerzwie rürzefw Behandlg. obne Lernt» itörung. Bliitunteriuchung. Mitz Prelle. Teilzahlung. Svrechftunden l0 bis 1 und S— 8, Somit Ii— i. Uhren-Qoldwaren PUta dt Co., Sindenstr 109. rMHtel, lOOOiach llbewälirt«.s.ö0 u.»50; Prow. ,re,.« Apoth. Lauensteins Versand, Spremberg L. 44. direkt von der Fabrik yV zu Origlntlpreisen 1000 Zig. 1d von iL 65.— an 1000, U., 68.-, 1000. 1» 0, 80,-. Goldenes Haus G. rn- b. E. Friedrichatr. 89. P©mspre eher: Zeatarum"WS?