Ar. 53. 35. Zlchrg. Bezugspreis t C-icttelTCfttl. i.60 2SU monafl. l.SCSRI. fcct lnSHauZ, Sotauäja6[bar.ehyeIuc Nummern 10 Pfa Poslbezug: Monatlich ichO Ml. Uwei Kreuzband für Deutschland und Oesterreich- Ungarn S.— Ml, für t>aS Odrijic Ausland 4,50 Ml. monatlich. Scrland ins Feld bei direkter Bestelluno monatl. 1,60 Ml. Postbestellungen nehmen an Däne- marl. Holland. Luremburg, Schweden und die Schweiz Emgelraoen w die Bost-�eitungS-Preisllste. Erichctn» täglich. relegramm- Adresse: »Sozialdemokrat Berlin- Verllnev VolkSblnkt. � 10 pksnnls) Anzeigenpreis: DiefiebengespalteneKolonelzetlelostet K0 V'ci. �kleine Anzeige»-, daS fettgedruilke Wort 20 Pfg. lzullilstg 2 fettgedruckte Worte), ,cdsS weitere Wort 10 Pfg. Etellenaeluche und Lchlafflellenanzetgen das erste Wort 10 Plg., iedes weitere Wort ö Pfg. Worte über 15 Buchstaben zählen fi-r zwei Worte. Teuerungszustblag 20°/» Familieu» Anzeige» S>» Pfg.. politilch» u. gemerllchastliche BsrehvZ- Anzeigen 40 Big die Zeile Anzeigen für die nächste Nummer müssen vis 5 Uhr nachmitl im HauvtgefchSfh Berlin SSB.08. Lindenflraste 3, abgegeben werden. Geöffnet von S Uhr früh bis 1 Uhr abends. Zentralorgan der rozialdemokratifchen Partei Oeutfd�lands. Neöaktion: EW. 68, tinöenstrahe 5. gsernivrecher: Ami Mort»vla«. Ar. lKI SV— 151 97. Expedition: EW. SS» Einöenstraße 3. ihernivrechrr: Ami Mortuviats. Nr. 1SI SO— lSl 97, KettStigung des rullischen Funkspruchs. Die russischen Volkskommissare sind der Aufforderung, ihr Friedensangebot schriftlich zu bestätigen, schon am Mttt- woch nachgekommen. Die Ueberbringcr deS BestättgungS- schreibens haben gestern bereits die deutschen Linien passiert. Sie kommen als Sendboten Lenins und TrotzkiS, die, ent- gegen allen über Schweden kommenden Gerüchten, noch immer an der Macht sind. Unt»r diesen Umständen muh die Nachricht fahr über- raschen, dah sich Herr v. K ü h l m a n n gestern abend dennoch über Wien nach Bukarest begeben hat. Zuvor hatte eö ge- heißen, der Staatssekretär habe infolge des neuen russischen Friedensangebots seine Bukarcster Reise aufgegeben und werde sich bei den Verhandlungen mit den Rumänen durch Herrn von Rosenberg vertreten lassen. In seltsamem Gegensatz zu Herrn v..stühlmannS DiS- Positionen steht folgendes offiziöses Telegramm aus Wien: Wie die Blätter melden, war beabsichiigt, daß der Minister deS Aeußern Graf T zernin heute abend'nach Bukarest abreise. Ob diese Abficht verwirklicht wird, ist gegenwärtig noch nicht gewiß, da die Wendung, welche in der russischen Friedens- trage durch den Funkspruch TrotzkiS eintrat. e« vielleicht dem Minister al« notwendig erscheinen lasten wird, ander« Ver- fügungen zu treffen. Die deutsche Absicht scheint dahin zu gehen, die Russen warten zu lassen und erst einmal mit den'Rumänen zum Abschluß zu kommen. Möglicherlveise würden dabei bezüglich Beßgrabiens Abmachungen getroffen werden und dann käme man mit vollendeten Tatsachen zu den Russen. Die Unstimmigkeit, die zwischen der deutschen und der österreichischen Ostpolitik besteht, macht sich auch sonst an nianchen Anzeichen bemerkbar. Nach dem.Berliner Lokal- Anzeiger" sollen sie sich bereits in einem kleinen d i p l o- inatischen Zwischenfall entladen haben. In Berlin fühlte man sich nämlich darüber verletzt, daß daS amtliche k. und k. Korrespondenzbureau den Protest deS österreichischen PolenklubS, der scharfe Angriffe auf die deutsche Politik enthielt, ohne Zusatz wiedergegeben hat. Der.Lokal- Anzeiger- will wissen, daß der deutsche Botschafter in Wien beauftragt sei, sich wegen dieses Verhaltens des KorrespondenzbnreauS mit dem Wiener Auswärtigen Amt in Verbindung zu setzen. Das Berliner Blatt, das sich, mit Recht oder Unrecht, sichtbar den Slnschein der Objektivität gibt, bemerkt dazu in streAgem Ton: i?wn darf der Erwartimg Ausdruck geben, daß die öfter» reichffiste Regierung es auf die Vorstellungen unseres Botschafters hin nichl bei formalen Entschuldigungen bewenden lassen, sondern auch dafür sorgen wird, daß Fälle dieser Art sich nicht mehr wiederholen werden. Die Sprache der österreichischen Blätter, die in den letzten Tagen zum Teil schon ziemlich gereizt war, dürste aus diesem Anlaß nicht liebenswürdiger werden. Der Hauptausschuß des Reichstags hat gestern den Ukrainefrieden angenommen. Zugleich wird auS London berichtet:.Graf Ladislaus S o b ä n ski empfing vom AuS- wärtigen Amte ei» Schreiben, in dem Balfour ihm als Vertreter des polnischen Nationalkomitees in London mitteilte, daß die englische Regierung ihren Agenten in.Mow aufzetrogen habe, die Erklärung abzugeben, daß sie den kürzlich geschlossenen Frieden zwischen der Ukraine und den Mittelmächten Micht anerkennen, und daß Eng- land keinen einzigen Frieden anerkennen wird, an dem Polen interessiert ist, wenn dieses Land nicht vorher befragt lvorden ist." Als vorläufiges Ergebnis k«mn man buchen: Starkes Mißbehagen über die Behandlung der russischen Friedens- angclegenheit im Innern. Reibungen mit Oesterreich-Ungarn und keine Aussicht auf freiwillige Anerkennung der geschlossenen und noch zu schließenden Verträge im Osten durch die Entente. die vielmehr versuchen will, die getroffenen Entscheidungen durch sortgesetzten Krieg wieder umzustoßen. Man sieht einst- weilen noch nicht die klare Politik, die unS, nach dem Versprechen des Herrn v. Kühlmann, in absehbarer Zeit den allgemeinen Frieden bringen soll. die Londoner Konferenz üer Entente- /ozialiften. Die interalliierte sozialistische Konferenz wurde, wie Reuter meldet, am Mittwoch in London eröffnet. Die Verhandlungen der Konferenz werden bei verschlösse- nen Türen stattfinden. Der französische Soziali st entag ernannte Lyoner Blättern zufolge die Mitglieder der Mehrheit Thomas. Renaudel, Cachin und Dubreuil und die Mit- glieder der Minderheit Longuet, Mistral. Maurm, Bour- deron und Fressard zu Delegierte» für die Londoner Konferenz. Minsk besetzt— Ter Einmarsch in Est- land— Vordringen zwischen Dftnaburg nnd Pinsk— Rowno besetzt— Schwere Beute an Gefangenen, Geschützen» Eisen- bahnwagen und anderem Kriegsgerät— Französische Angriffe an der lothringischen Front. Amtlich. Grones Hauptquartier, 22, Februar 1918.(SB. T.».) Westlicher Kriegsschauplatz. Heeresgruppen Kronprinz Nnpprecht und Deutscher Kronprinz. vielfach Artillerie- und Miuenwcrfcrkampf. Ei» vorfloß in den Argonnen hatte Erfolg. Heeresgruppe Herzog Ulbricht. An der lothringischen Front war dir Kampftötigkeit in vielen Abschnitte» zwischen der Belle und P 1» i n e gesteigert. Starke französische Abteilungen griffen am Abend uiiserc Stclluiigeu bei Moncel, Rechirourt und Mouauconrt an. An einzelnen Stelle» drang der Feind ei«. Unsere Infanterie warf ihn im Gegenstoß wieder hinaus nnd machte eine größere Anzahl Gefangener. Südwestlich von M- r I i r ch brachten Sturmtrupps vou�einer Erknndnng Gejangene znrvik. Oestlicher.Kriegsschauplatz. Heeresgruppe Eichhorn. Bon der I« s e l M» o n au» sind unsere Regimenter nach Urberschreiten des zugefrorenen SundeS in Estland ein» gerückt und habe« Lcal besetzt. Im Lormarsch am Rigaischcn Meerbusen entlang wurde» P e r m i g e l und L e m s a l erreicht. Bei Lemsal kam eS zu kurzem Kampf, in dem 599 Gefangene gemacht und 20 Geschütic erbeutet wurden. Wenden wurde durchschritten» unsere Truppen stehen vor W o l m a r. Zwischen Diiuaburg und PinSk find wir im vordringen nach Osten. Heeresgruppe Linsinge». Die Bewegungen gehen vorwärt». An der ganzen Front wurden wichtige Bahn- nnd Straßenknotenpunkte besetzt. Rowno wurde vom Feinde gesäubert. Di« Beute läßt sich noch nicht aiinährrnd übersehen. Bisher wurden gemeldet: An Gefangenen: l kommandierender General, mehrere Divisionskommandeure, 429 Offiziere und 8709 Mann. An Beut«: 1353 Geschütze, 120 Maschinengewehre, 4—5900 Fnhrzengr» Eisenbahnzüge mit etwa 1000 Wagen, vielfach mit Lebensmitteln beladen, Flugzeuge und sonstige» im- üdersehbares KriegSgrrät.__ Bon den anderen Kriegsschauplätzen nicht» Reue«. Der Erste Grneralquartiermeistrr. � Lndendorsf. Abendbericht. Berlin, Sl. Febrnar l?18, abend». R m fcU ch. .Der Vormarsch im Gsteir danrrt an. Dentsche Trappen sind in Minsk eingerückt. von den anderen KriegSschanpAitzeii nichts Reue». Der österreichische Bericht. Wie», den 21. Februar ISIS, Amtlich wir»»er- lautbart:, Auf der Hochfläche von Asiago und östlich der vre» tu Arlillerietämpfe. Die Truppen der Heeresgruppe Linsinge» find im«eitere« Lorrücken und haben Rowno besetzt. Der Ehef de» Generalstabe». das Jebruar-Ergebnis öes U-9ootkrieges. Berlin, 21. Februar. Amtlich. Im Monat Januar sind durch kriegerische Maßnahm«» der Mittelwächte insgesamt «»»0G0 vr.-R.-T. de» für unsere Feinde untzbaren HandelschiffsranmeS ver- n i ch t e t worden. Damit beläuft sich daS Ergebnis des erste» Jahres uueingeschränkten U-Bootkrieges ans »590000 Br..N. T. Der Chef detz Admiralfiab» per Marine Die Fntinationalen und Kntiliberalen. Gestern war man mirtlfl im Avsiklaffenhmis. Heidi, schlug man die Wahlrechtsvorlag« der Rvaiecuntz in Scherben. Heute sieht es schon«n wenig katzsnjämmarllch auS. Di« konfervativ-nationalliberale Mehrheit setzt»in Gesicht auf wie die Bauern in Kortunis unsterblicher Jobsiade, nachdem sie den rcsormerischen Schulmeister aus dem Dorf geprügelt haben.„Ja. wenn der gnädige Herr nicht war!" Heute steht bei der Mehrheit im Vordergrunde die Sorge. vor der Regierung und der Entrüstung des Volkes. Mit der Regierung hoffen die Rückschrittler im Tone sanften Zu- redens fertig zu werden. Aber da ist der unangenehme Punkt, daß die Regierung mit der Anwendung„aller ver- fassungsmäßigen Mittel" gedroht hat. � Es scheint, daß der Gedanke einer Landtagsauflösung und folgender Neuwahlen doch recht peinliche Gänse- h a u t e m p f i n d u n g e n selbst bei hartgesottenen Reaktiv- nären auslöst. Denn anders ist es kaum zu erklären, daß die gesamte reaktionäre Presse heute wie auf einheitliches Kommanoo der Regierung klarzumachen sucht, daß zu einer Auflösung des s'lbgeordnetenhauses noch gar k e in An- laß vorliege. Mit auffallendeni Eifer erklären selbst Blätter wie die„Deutsche Tageszeitung",, daß die Abstimmung vorn Mittwoch nur einen„vorläufigen Charakter" habe und „schon die zweite Lesung der Wahlrechtsvorlage im Ausschuß ein verändertes Bild geben kann". Nach dem„Ver- liner Tageblatt" soll der Führer der Nationalliberalen, Abg. Lohinann, nach der Abstimmung erklärt haben, daß diese für die Nationalliberalen nur„einen informatorischen Charakter"(I) gehabt habe, nnd die„Magdeburgische Zei- tung" verbreitet die Meldung, daß die MehrheitSverhältnisse innerhalb der nationali iberalen Fraktion, die jetzt 44 Gegner nnd 2ö Anhänger des gleichen Wahlrechts um- fassen soll, sich bis zur zweiten Lesung der Vorlage im Plenum„noch erheblich verschieben" würden. Aber es wäre voreilig, aus diesen Aeußerungen eines schlechten Gewissens bereits irgendwelche optimistischen Schlüsse ziehen und in der Abstimmung vom 20. Febrnar lediglich eine selbstbewichtc, provokatorische Geste der Reaktion sehen zu»vollen. Der reaktionäre Wille ist im' preußischen Dreiklassenhaus sehr fest verankert, nnd wenn die. vollbrachte Tat ein anderes Antlitz zeigt als die Tat. ehe sie geschehen. so wirkt soläze Erkenntnis auf gewisse Gemüter nur noch verhärtender. Jnniitten der Stürme des Weltkriegs, nach dreieinhalb- jähriger Dauer des Ringens gefaßt, bedeutet der Beschluß vom 20. Februar nicht mehr und nicht weniger als eine nationaleSchande. Wenn ein Feudalherr dem Knecht, der ihn aus dem Wasser gezogen hat. nach vollbrachter Rettung ein paar M a n l s ch e I l e. n versetzt,»veil der Rock dabei beschädigt wurde— die Entrüstung könnte nicht größer sein. Eine solche Tet würde niit Recht als Kultur- schände bewertet werden, aber diese Raulschellen sind nicht schlimmer und nicht verächtlicher als die Maulschellen, die das Abgeordneten. Haus am Mittwoch dem Volke ver setzt hat, dem gleichen Volk, dessen heldenhafter Aufopferung jedes einzelne seiner Mitglieder E x i st e n z und Dasein verdankt. Die Hnuptveraniwortung für ditse national? Schande trifft die nationallibcrale Partei und ihre vier Mitglieder, die gegen das gleiche Wahlrecht gestinimt haben, die Herren Lohmann, H a u ß m a n n, Röchling und K ü n z e r. Von den Konservativen konnte schließ- lich niemand viel Besseres erwarten, als daß sie sich rektionär, junkerlich und unbelehrbar benehmen»oürden. Aber von einer Partei, die sich n a t i o n a l und liberal nennt, hätte man doch etwas mehr Verständnis für nationale und für liberale Gesichtspunkte in einem historischen Moment ver- langen dürfen. Da hat Herr S t-r e s e m a n n am Mittwoch im Reichs- tag eine klingende nationale Rede gehalten, eine Rede, in der viel von Teutschlands Ruhm und Ehre gesagt wurde, so daß ein national gestimmtes Publikum auf den Tribünen in Wallungen geriet. Zu derselben Stunde aber, in der diese Worte ertönten, begingen seine Parteigenossen im Abgeordneten l>aus die schlimmste Tat gegen Deutsch- lands Ruhm und E.hre: sie prellten das Volk um das ihm feierlich verheißen« Wahlrecht I W» ist in diesem. kleinlicfien Feilschen, das lediglich aus Mandatsrettnng be- dacht ist, etwas zu spüren vom Geiste des Vertrauens, voni Geiste der Liebe und Erkenntlichkeit zu dem Volle, von dein man in so hohen Tönen redet?! Wer die Rede Stresemonns liest und die Tat der preußischen National- liberalen danebenhält, der muß V» dem Urteil gelangen: Phxase«. Phrafewl Wo ist etwas von nationalem Geiste zu spüren Lei Herren, die ein Wahlrecht schaffen, das den K r i e g s g e- w innler und Kriegswucherer mit vier- und fünffachem Wahlrecht belohnt, den verarmten K r i e g s t e i l- n e h in e r und um die Existenz gebrachten Kriegskrüppel dagegen in die unterste Wählerschicht zurückstößt!— Unsere gestrige Feststellung, daß nach dem angenommenen Antrag ein Kriegs Wucherer künftig vier bis sechs, ein «riegsinvalide eine einzige Stimme haben wird, hat selbst die„Deutsche Tageszeitung" stutzig gemacht und zu einem kläglichen Verlegenheitsgestammel oeranlaßt. In seiner Ratlosigkeit behauptet das Blatt, daß„der größte Teil der ' unbemittelten Kriegsbeschädigten bei den durch den Krieg herbeigeführten Lohnverhältnissen die ziemlich sichere Anwartschaft darauf hat, mit Hilfe der Kriegspension die Ein- koinmensstimme zu erlangen". Diese Behauptung wagt das agrarische Organ seinen Lesern vorzusetzen, nachdem die rheinische Statistik erwiesen hat, daß die Kriegsinvaliden ein durchschnittliches Monatseinkommen von 66 M. und 76 Pf. beziehen. Und weiter vertröstet Las agrarische Blatt die Kriegsteilnehmer mit der Altersstimme, als ob jetzt die über 50jährigen im Felde stehen!! Wir wären begierig, von den Nationalliberalen zu er-" fahren, ob diese Geringschätzung und Verhöhnung der Kriegsteilnehmer und Kriegs- invaliden, wie sie hier zutage tritt, auch von ihnen geteilt wird. Man muß es nach ihrem Verhalten wohl annehmen. es würde dies ja auch nur in das Gesamtbild des a n t i n a t i o n a l e n und antiliberalen Verhgltens passen, das sie bei der Behandlung der Wahlrechtssrage be� kündet haben. Sie haben gezeigt, daß der Geist des Mißtrauens, der Bevormundung, der Entrechtung und Brutali- sierung bei uns nach dreieinhalbjährigem Krieg selbst in einer Partei nicht hat überwunden werden können, die das Wort „liberal" aus ihrem Firmenschild trägt. Die Quittung dafür wird nicht ausbleiben! Freilich muß abgewartet werden, ob die Regierung sie erteilen wird. Einein Vertreter des„Lokalanzeigers" hat Dr. Friedberg er- klärt, daß der Beschluß der Wahlrechtskommission zunächst keine neuen Entschlüsse von jeiten der Regierung erfordere, da es sich um etwas Vorläufiges, nicht Endgültiges handelt. Fn seiner Spätabendcius gäbe verbreitet das gleiche Blatt bereits als die Ansicht maßgebender Kreise des Abgeordnetenhauses. daß die Regierung nicht zögern werde, ans den AuS- sichten, welche die Mittwochabstimmnng eröffnete, die not- wendigen Folgenmgen zu ziehen. Aber nicht im Sinne einer Auflösung des AbgeordnetenhmiseS. sondern— im Sinne eines K o m p r o m i s s e s m i t d e r N e h r h« i t. Es wird herausgerechnet, daß die Mehrheit gegen das gleiche Wahl- recht im Plemim noch größer werden würde, daß eine Auflösung zwecklos sei und daher„glaubt man in der Annahme nicht fehlzugehen, daß die Regierung selbst überzeugt ist, � einen Mittelweg finden zu müssen". Ein Umfall der Regierung müßte natürlich sehr ichwerw regen de Konsequenzen auch für die Reichspolitik haben. Wir verlangen von der Regie. rung, daß sie bis zuletzt hinter ihren feierlichen Worten und Versprechungen stehe. Stellt sie sich an die Spitze eines ehr- lichen Kampfes für das gleiche Wahlrecht, so wird es ihr an Unterstützilug durch das Volk nicht sohlen. Zeigt sie sich ichwach, so wird daS gleiche Wahlrecht doch schließlich ohne sie u n d ü b er s i e errungen werden. Den National- liberalen aber, die gegen alle Grundsätze des Liberalis- mus das gleiche Wahlrecht zu Fall bringen wollten, winkt die Abrechnung der nächsten Reichstagswahlen. Um mach ein- mal mit KortumS Jobsiade zu reden: „FÜnfundzioanzig nach altern Brauch?"— Riastig geraten, so kommt es auch! SchVeöen unö Zmnlanö. Tie schwedische Regierung gegen Intervention und Waffeneinfuhr. Stockholm, 20. Februar.(Meldung des Sve»!ko-Tel.-Blnan.) Ministerprästdeul Eden beantwortete in der Zweiten Kammer eine Interpellation des linkssozialistiscknn ReichStagSmitgliedes Wenner ström über die Stellung der Regierung zur JnterventionSsroge in Finnland sowie der D ur ch- fuhr von W a sse ii. Eden erklärte, die Regierung hege keinerlei Absicht, eine bewaffnete Intervention zu unternehmen, falls daS Recht und die Interessen Schwedens nicht Kränkungen ausgesetzt seien, die dazu nötigten. Die an gewisien Stellen in Schweden gewünschte Intervention erwecke starken Widerstand in breiten Lagern des schwedischen Volkes und würde eine finnische Staatsordnung. die ihren Erfolg schwedischen Waffen verdankte, unter dem Teile des finnischen Volkes sehr verhatzr machen, gegen welches diese Waffen gerichtet waren. Die schwedische Regierung habe nicht die Absicht, daS bestehende Verbot gegen die Durch? und AuSfuhcvon Waffen aufzuheben oder zu ändern. In dieser Hinsicht seien leine Genehmigungen Kr Rechrnuig Finnlands gegeben worden. Die Regierung könne die Bildung von bewaffneten Korps auf schwedischem Boden nicht gestatten, aber Privatleute hätten die Erlaubnis er- halten, als Freiwillige in s i n n i s ch e D i e n st e einzutreten, denselben Grundsätzen gemäß, die in anderen gleichartigen Fällen angewandt worden seien. Die schwedische Regierung ist also fest geblieben. Ver- gebcnS haben die Juterveritionisisn das äußerste vermcht, die Stimmung dcS schwedischen Volkes zu bearbeiten durch das jetzt auch anderswo angewendete Mittel, ausreizende Schreckensnachrichten über die proletarischen Revolutionäre auszusprengen. Klug und weitsichtig ist die Politik der schwedischen Regierung, die es abweist, nur für einen Teil des finnischen Volkes einzutreten und es mit dem andern— der Arbeiterschaft— auf lange hinaus zu verderben. » Stockhol«, 2t. Februar.(Meldung deS SvenSka Telegram- Byran.) Der finnische Gesandte Gripenberg hat einer Pressemeldung zufolge gestern an die schwedische Regierung die Bitte gerichtet, Schweden möge in Finnland ein- greifen. DaS Gerücht, datz auch der englische und der franzö- fische Gesandte im Namen ihrer Regierungen die schwedische Regie- rung aufgefordert hätten, Finnland zu Hilfe zu kommen, wurde vom Ministerpräsidenten ick der gestrigen Abcndsitzimg der Kammer in bestimnitesler Weise für unrichtig erklört. ♦ Etockholin, 21. Februar.(Meldung des- SvenSka Telegram- byraul) Reichstag. Ter Ministerpräsident teilte mit, daß Schti'cö.en bei e.ine'r Anzahl der europäischen- Mächte d i e Initiative genommen habe zu einem diplomatischen Schritt in Petersburg betreffend die Räumung Finn- lands durch die russischen Truppen. Gewisse von den betreffenden Mächten hätten ihre Ansicht mitgeteilt, von den anderen sei eine Antwort bisher nicht gegeben worden. Die Regierung habe die Möglichkeit eines friedlichen Vergleichs auf Grund der völligen Selbständigkeit Finnlands untersucht und am 4. Februar den finnischen Gesandten in Stockholm ersucht, dies seiner Regierung mitzuteilen. Am 14. Februar ant- wortete die finnische Regierung aus Wasa, der Ve r m i t t- lungsvorschlag der schwedischen Regierung sei unannehmbar und Waffenruhe unmöglich. Die Regierung müsse bedauern, daß siede Möglichkeit einer friedlichen Beilegung mithin ausgeschlossen sei. Die Regierung fei indessen überzeugt, baß der Bermittlungsgedanke nicht aufgegeben werden dürfe. Tie schwedische Regierung sei fortwährend bereit, ihre Dienste zu diesem Zwecke zur Verfügung zu stellen. Betreffend die' Maßnahmen auf den AlandSinscln fiob der Ministerpräsident hervor, daß die Regierung in dieser Sache ihr Augenmerk darauf gerichtet habe, Gewalttaten und Blut- vergießen aus Aland zu verhindern und die Sicherheit der Aländcr an Leben und Eigentum- zu gewährleisten, dabei aber den poli- tischen Fragen der Inselgruppe in keiner Weise zu präjudizieren. Die Aussichten auf einen Vergleich schienen gut, seien aber später verdunkelt durch die Ankunft' und das Eingreifen eines sinnischen Schutzkorps, welches die größten Schwierigkeiten für eine Ver- einbarung gemacht hätte. Die Regierung setze ihre Be- mühnngen fort, die Alandsiu.seln und ihre Bevölkerung vor er- reuten Leiden zu schützen und eine Einigung zwischen den kämp- senden Parteien zustande zu bringen über eine Räumung der In- selgruppe unter Sicherung, daß sie in Zukunft außerhalb der Kriegsereigniffe gestellt werde. Nach heute früh eingelaufenen Zlachrichten scheine eine Wendung zum besseren eingetrx- ten zu sein und in diesem Augenblick beständen Hoffnungen auf baldige befriedigende Lösung. Der Führer der Rechten, Lindman, forderte ein entschiedenes Eintreten Schwedens zugunsten Finnlands, das durch eine SLOstihrige Gemeinschaft mit Schweden verbunden sei, während Aranting von der Regierung die Wahrung der unbedingten Neutralität verlangte und der Führer der radikalen Sozialisten, Wenner ström, erklärte, dos schlve- dische Volk wolle keinesfalls in den Kwieg hineingezogen werden. a m i l t o n(liberal! meinte, die Erklärung der Regierung über die finnländische Frage stimme mit den Anschauungen-der Haupt- masse des schwedischen Volkes nberein. die Manüschurei von öen Sowjets geräumt. Petersburg, 19. Februar.(Meldung der Petersburger Telegravhenagentur.) Tie Gerüchte, wonach die Sowjets eine Abteilung von zweitausend Freiwilligen in Jrkutsk ae- bildet hätten, die sich aus militärischen Gefangenen in russi- scheu Umformen zusammensetzen, und mit chinesischen Truppen in der Mandschurei ein Gefecht gehabt haben sollen, werden von den erwähnten Sowjets für vollkommen unwabr erklärt. Alle Abteilimgen haben z» s a m m e n m i t d e m Sowjet von(5 h a r b i n die Mandschurei geräumt. Die Mandschurei ist ein Lager der Gegenrevolutionäre, d i e sich auf chinesische Bajonette stützen. Infolge eines übelwollenden Berichts neigt die chinesische Bevölkerung dazu, die japanische Verwaltung in T s i n d a o als eine Besetzung zu betrachten. Die japanische Presse be- stätigt, daß Japan entschlossen ist, das' Gebiet nachdem Kriege an China zurückzugeben. Die Verwaltung in Tsindao verfolgt den Zweck, die Lage der Ein- geborenen zu fördern.__ Der Kampf um das österreichische öuögetproviforium. Wien, 2V. Februar. Das Abgeordnetenhans begann die 'erste Lesung des Budgctprovisoriums. Götz gab namens des Polenklubs eine Erklärung ab, worin gegen die Abtretung C h Fl in ö an die ukrainische Re- publik und gegen die Nichiznlassniig der polnischen Delegierten zu den Brest-Litowsker Verhandlungen protestiert wird. Der Polenklitb wünsche der jungen ukrainischen Republik eine große Zukunft und hoffe, daß die zioischen der ukrainischen Volksrepublik und dem polnischen Staate an den Grenzen sich ergebenden na- tionalen Streitfragen ohne Beteiligung Dritter im gegenseitigen Einverständnis von Volk zu Volk ausgeglichen werden. Die Ver- smmmelung des polnischen Landes bedeute einen Triumph des deutschen Imperialismus und eine Verhöhnung des Selbstbestim- mungsrechts des polnischen Volkes, lieber das zu Polen gehörende Land hgbe nur der polnische Staat ein Recht zu verfügen. Ter ukrainische Abg. Lewyckyi begrüßt« die Anerkennung des Selbstbestimmungsrechts der Ukraine durch den Friedensschluß mit der ukrainischen Republik, sowie die heutige Erklärung des Obmanns de? Polenklubs, daß Polen mit dem ukrainischen Staate in ein freundschaftliches Verhältnis treten wolle. Die Ukrainer müßten jedoch gegen die Auffassung der Polen protestieren, daß der Friede auf Kosten des polnischen Volkes und des polnischen Gebiets Cholm geschlossen worden sei, auf welch letzteres Gebiet die Polen ein Recht hätten. Redner verlangte schließlich, daß zur Wahrung der Eutwicklungssreiheit de-r Ukrainer in der österreichisch-ungan- scheu Monarchie die ukrainischen Gebiete Galiziens als Reichsland organisiert werden. Abg. Winter(Tscheche) pretestierte gegen den Einmarsch deutscher Truppen in Ruhland, der nur bezwecke, die revolutionäre Bewegung in Rußland zu bekriegen. Er vertrete neuerlich die Forderung nach Beizichnng von Vertretern der Völker zu den Friedensverhandlungen.— Während seiner Rede apostrophierte der tschechische Sozialdemokrat S o n k u p den auf der Galerie befind- lichen ukvainischen Delegierten'Sevrjuk durch beleidigende Zwischen- rufe, wogegen die ukrainischen Abgeordneten TrylowSki und Sin- galiewicz in scharfer Weise remonstrierten. Vizepräsident T u s a r erteilte dem Abgeordneten Soukup einen Ordnungsruf und sprach das Bedauern aus, daß ein Vertreter des befteundcten Staates beleidigt wurde.(Beifall und Zwischenrufe.) Abg. W a l d n e r gab namens oes Verbandes der deutsch-natio- nalen Partei eine Erklärung ab, worin er den Friedensschluß mit der Ukraine billigte. Daszhnski(polnischer Sozialdemokrat) erklärt«: Durch die Brest-Litowsker Verhandlungen sei das Vertrauen der Polen getötet worden. Künftighin werde zwischen Ukrainern und den Polen ein Elsaß-Lotbringen bestehen, an welchem beide Staaten Jahrzehnte bluten werden. Anstatt daß Oesterreich Polen und die Ukraine unter seinen Schutz genommen und den Austausch der sich gegenseitig ergänzenden Volkskräfte angebahnt hätte, hat es die ganze Führung dem Deutschen Reich abgetreten. Redner wendet sich unter lebhafter Zustimmung der Polen in heftigen Ausdrücken gegen das Vorgehen der Deutschen in Rumänien und Polen, wobei er vom Präsidenten mit der Bc- merkung zur Ordnung gerufen wird, er könne es nicht zu- geben, daß die Regierung des mit uns verbündeten Deutschen Reiches beschimpft werde. Dr. Adler(deutscher Sozialdemokrat) vertveist auf den vom Staatssekretär v. Kühlmann im Deutschen Reichstage zur Ver- lesung gebrachten Funkspruch der großrussischen Negierung und gibt dem Wunsche Ausdruck, daß die deutsche Regierung auch jetzt ihre früheren Bedingungen nicht als verfallen erklärt und sich zu keinen weiteren kriegerischen Operationen in das Innere Rußlands begeben iocede. Wir fordern die Regierung auf, alles auf das peinlichste zu vermeiden, was als Einmischung in die Angelegenheiten der Völker Rußlands betrachtet werden könnte und warnen insbesondere vor einem Ewgreifen in den Streit zwischen Groß-Rußlaud und der Ukraine. Bezüglich des Budgetprovisoriums erklärte Redner, daß die Sozialdemokratie selbstverständlich nicht für das Budgetprovisorium stimmen könne. Sie kann es nicht tun, weil sie keine Lust habe, politisch oder moralisch irgendeine entfernte Verantwortung für diesen Krieg zu übernehmen."(Beifall bei den deutschen Sozial- demokraten.) Die gebremste Opposition gegen Llopö George. NSqnith zum Rücktritt Robertsons. London, 19. Februar.(Reutermeldung.) Asguith, der mit einigem Bestall begrüßt wurde, erklärte im Unterhause, Robertson hat ein großes Beispiel gegeben, denn nach allem, was geschehen ist, hat er seine Dienste der Regierung zur Verfügung gestellt und die Stellung angenommen, die, obwohl sie nicht in Uebereinstimmung mit seinen großen Fähigkeiten sei, die einzige war, über die die Regierung augenblicklich verfügte. Lloyd George bc« stätigte di-S. Asguith fuhr fort, er hätte gern gesehen, wenn die Rede des Premierministers eine Woche früber ge« halten worden wäre. DaS Publikum habe aus der Erklärung Lloyd Georges vom letzten Dienstag geschlossen, daß die Regierung die volle Uebereinstimmung ihrer militärischrn Beratungen habe. Das sei aber offenbar nicht der Fall. A S q u i l h stellt darauf hierüber einige Fragen ansöloyd George und wortete auf Antwort. Seine Haltung riet Proteste von ver- schiedencu Seite» des HauseS hervor:.Sie haben kein Kreuzverhör vorzunehmen!" Lloyd George erklärte, der Widerstand iei in der Tat iqhr unerwartet gekommen, als man schon alle Schwierig« ketten überwunden glaubte. Asguith schloß mit der Erklärung, daß er den. Beschlüssen deZ Rates von Versailles durchaus nicht entgegentreten wolle. Er sei der Meinung, daß der militärische Vertreter in Versailles der Vertreter des Chefs des Generalstabes fein soll. Das Publiki-m, sagre er, ist über die jüngsten Geschehnisse vc- urmihigt. In den letzten zwei Monaten verloren wir I e l l i c o e und Robertson, die beide in hohem Maße das Vertrauen des Landes, des Heeres und der Marine einnahmen. Sic wurden zunr Rücktritt gezwungen. Dem Rücktritt beider ging eine f e i n d- liche. gewissenlose Treiberei voran. Er halte es im Interesse eines baldigen und günstigen Friedens für wichtig, daß die Stimme der parlamentarischen Kritik nicht zum Schwcigeu gebracht würde. * »..* London, 20. Februar. Bei Einbringung dcS Heeresetgts rm Unterhaus sagte Mac Pherstm: W i r müssen ans eine baldige entschlossene feindliche Offensive vorbereitet sein. Alle Maßnahmen, nur ihr zu begegnen, sind getroffen. der Krieg auf öen Meeren. Berlin, 20. Februar. Im westlichen Mittelmerr erzielten unsere U-Boote neue Erfolge gegen den italieiiiichen Transportverlehr. 23 00(1 Br.-Rcg.-To. feindlichen HandelsschiffSraumes winden von ihnen vernichtet. Unter den versenkten Schiffen befanden sich der italienische Dampfer Harlaw mit Kohlen von Mar- seille nach Livorno, die bewaffneten englischen Damp'or Newminster Abbeq(3114 Br.-!>teg.-To.), Sturton(4403 Br.-Reg.-To.) und C-lia (ö004 Br.-Reg.-To.), der englische Dampfer Aboukir(8300 Br.-Reg.-To.) und der italienische Segler Volonta di Bio, dieser mit Kar- tosfeln nach Tunis. Vier von den versenkten Dampfern wurden auS ein und demselben gesicherten Gelcitzug, einer aus Zerstörerbedeckung herausgeschossen. Von dem bewaffneten iialienischen Dampfer Harlaw und dem englischen Dampfer Aboukir wurden die Kapitäne als Gefangene eingebracht. Der Cbef des Admiralstabes der Marine. Kleine Kriegsnachrichten. KriegSstreik. Der Petersburger Korrespondent des«Giornake d'Jtalia' teilt mit, daß man jür den von Trotzki durch seine Er« llärung geschaffenen Zustand den neuen Begriff.Kriegsstreik" ge- prägt habe und nunmehr anwende. Lekte NachriMsn. Die rumänischen Friedeusaussichtcn. Berlin, 21. Februar. Die„Wiener �Kittagszeitung" vom 20. Februar 1018 bringt eine offenbar inspirierte Mitteilung, in der es nach einer Warnung vor voreiligem Optimismus heißt: Was Rumänien betrifft, so ist kcin Anzeichen dafür vorhanden. daß die Rumänen der reale» Sachlage Rechnung tragen und die Konsequenzen aus ihren Niederlagen— besonders hinsichtlich der berechtigten bulgarischen Forderungen— ziehen wollen. Für uns ist die Angelegenheit nicht brennend. Wenn Rumänien, dem der Friede unabweislichcs Bedürfnis ist, geneigt ist) auf vernünftiger Basis mit uns zu verhandeln, wird es uns bereit finden, wie uns die Bolschewiken bereit fanden, denen gegenüber wir wohl das Höchstmaß von Geduld bekundeten. Gedenkt Rumänien anders vorzugehen, so hat es sich die Folgen selbst zuzuschreiben. Die Londoner Konferenz der Entente-Sozialisten. * Man hofft,. daß die Delegierten am Freitag vollzählig erschienen sein werden. Ueber Amsterdam wird noch gemeldet. daß der Kongreß wahrscheinlich drei Tage dauern wird. Jede der Kommissionen wird eine b e s o n- dere Erklärung über das Kriegsziel aufstellen. Charles Humbert unter Anklage. Paris, 21. Februar. Nach dem„Temps" wird der Militär- gouverneur von Paris vom Senat die Ermächiigung zur Bcrfol- gimg von Charles Humbert verlangen. Das neue Verlangen wird gestellt wegen Einverständnis mit dem Feinde, das dem Militär- gerietst überwiesen werden muß. Nr. 55— im Unterhaltungsblatt öes Vorwärts IreKag, 22. Jebsusr Fns herz öer Ukraine. In.S Herz der Ukraine fii&rt die deutschen Streitkräfte, die Seiderseits von Luzk den Vomarscki angetreten babe», die Babn- linie, die über Rowno nach Berditschetv und von da weiter nach dem allen Kiew füljrt. Es ist dies die uralte, für das Völker- und Handelsleben deS europäischen Ostens bochbedeutsame Strasze, die Polen mit dein Gebiete des Dnjepr und Südrutzland verbindet, imd auf der sich schon seit vielen Jahrhunderten, wie dicHecreZzüge der Eroberer, z. B. der Mongolen im 13. Jahrl?undert, so auch die friedlichen Züge des Handelsverkehrs bewegt haben. Auf dieser Straße hat Wolhynien von jeher den Reichrum seiner Wälder den Gebieten Polens, Galiziens, Ostdeutschlands zugeführt. Diese Bahnlinie ist aber zugleich auch geographisch von besonderem Interesse, denn sie bezeichnet die Mirtellinie zwischen den beiden verschiedenen Teilen, ans denen das wolhynische Land besteht. Was nördlich dieser Linie liegt— so kann man im ganzen und großen das geographische Verhältnis kennzeichnen—, ist von andrer Natur, als was sich südlich davon anöbreiret Den Norden beherrscht jenes ungeheure Suinpfgebiet des Pripjetflusses, die Poleßje, an deren Westrand der deutsche Bornrarsch bisher Halt gemacht hatte und die alle großen Heerstraßen und Bahnwege fast durchweg in weitem Bogen umgeben. An sie schließt sich eine Ebenenlandschast an, deren hauprsächliche Elemente Wälder und Sümpfe sind. Die Wälder dieses Bezirks sind reich und mannigfaltig! der beherrschende Baum ist die Fichte, die mächtiaen Strecken mit ihrem dunkeln Nadelkleide das Gepräge ausdrückt; aber auch herrliche Eichen» und Buchenbestände, Birke, Erle und Espe gedeihen reich auf diesem sumpfbestandenen Boden. Ueberschreiten wir dann aber die Bahnlinie, so befinden wir uns in einem anderen Gebiete: in der Plartenlandschaft von Süd» wolhynien, und damit haben wir die große Platte der Ukraine erreicht, die sich rn einer mirileren Meereshöhe von 200 bis 250 Metern bis zum Schwarzen Meere erstreckt. Hier bietet die Land- schair ein anderes Bild: sie zeigt flach gewellte Ackerflächen, von waldbedecktsn Hügeln umsäumt, breite, flache Flußtäler mit sanften Gehängen und versumpften Talböden. Wie man sieht, ist es eine irrtümliche Vorstellung, sich diesen Teil der lfkraine als eine völlig«, gretizenlose Ebene vorzustellen. Das ist um so weniger der Fall, als von Galizien und Podolien her das dortige Hoch- und Hügelland mit kräftigen Ausläufern nach Südwolbynien vorstößt. Es erreicht seinen Höhepunkt in dem malerischen H tt g e l l a n d e von D u b n o, wo es bis zu 340 Metern ansteigt. Auf diesen Höhen haben die Flüsie ihren Nr- sprung. die dem Pripjet zuströmen, und hier ist auch die Gelände- bilduiig der Anlegung von Beiestignngen am günstigsten gewesen. So ist hier das bekannte Festungsdrcieck Luzk, Dnbno, Rowno ent- standen. Das sind heute längst vergessene Plätze. die nur jetzt durch den Krieg wieder in das Scheinwerfer- licht der Ge'chickte gerückt worden sind. Aber die Geschichte. die sie hinter sich baben. ist lang und bewegt genug. So bildete Luzk einst die Hauptstadt eines eigenen ivolbyniichen Fürstentums. D u b n o ist sehr malerisch aus einer Halbinsel ge- legen, die der Jkwafluß beinahe ganz umströmt, iund die FestungS- anlagen werden vollendet durch Rowno, das noch in der Mitte des 18. Jahrhunderts die glanzvolle Residenz der Fürsren Lubo- mirSli war. Heut sind all diese Städte nur noch Handelsplätze, die fast durchweg von den Juden beherrscht werden. Denn wenn auch die Juden nur etwa 13,2 Prnzent der Bevölkerung bilden, so find sie doch fast ganz in den Städten zusammen- geströmt, wo sie das in der Zeit der Polenherrschast der- drängle ulrainische Bürgertum ersetzt haben. In den mittleren und kleineren Städten bilden die Juden oft die Hälfte, ja selbst einen noch größeren Bestandteil der Bevölkerung. Erst im Süden stößt die Bahnlinie in das eigentliche SÄwarz- meergebiet vor, jenen Teil der Ukraine, auf dem ihr unerfchöpf- licher Reichtum beruht. Sonst herrscht in Südwolhvnien Lehm- und Sandboden bor, der jedoch gleichfalls sehr ergiebig ist. So ist es erklärlich, daß auch dieser Teil der Ukraine zu den wohlhabenderen und bevölkerteren Bezirken Rußlands zählt. Die Bevölkerung von Wolhynien wird auf vier Millionen berechnet, und die Landwirt- fchafr, die sich hauptsächlich auf Getreide« und Rübenbau sowie die Kultur von Oel- und Gespinstpflanzen bezieht, hat einen reckt guten Stand erreicht. Nur durch eine Seitenlinie an den Hauplstrang an- geschloffen ist die Hauptstadt von Wolhynien, S h i r o m i r. deren Name germanischen Ursprungs ist und auf einen der alten Waräger zurückgehen dürfte. Shitomir ist bekannritch zurzeit der Sitz der ukrainischen Roda; es ist eine lebhafte, ltrckenreiche und Handels« tätige Stadt. Die Hauptlinie der Bahn aber setzt ihren Weg un- mittelbar gegen Südosten fort und erreicht in Berditschew das Gouvernement Kiew. Dort ist das Herz der Ukraine bereits erreicht und alle Straßen führen zum fagenreichen Dnjepr, dem heiligen Flusse der Ukrainer, in dessen Fluten sich die Kuppeln und Türme Kiews spiegeln._ fröhliche Stlmösn im Lazarett. Uebcr Warschaus Dächern und Zinnen hängt Sonnen'ckein. Wir atmen Höhenluft im vierten Stock einer technischen Schute, Höhenluft, die vermengt ist mir dem Geruch von Jodoform, Baldriantropfen und anderen Medikamenten. Aber was schabet dies? Die Luft ist noch gut genug; die Ruhe tut alles übrige im Berein mit guier Pflege und Aufwartung, natürlichem und künst- Iichem Lacken der Schwestern und Wärter... Gestern krochen schwarze Schneewolken über uns hinweg. Wolken die an unser Dach stießen und nach einer Siunde ihre Fülle ausschütteten und die Straßen Warschaus in Weiß kleideten. Am Abend � brauste ein Orkan über die Stadt. Dröhnend und zerrend kletterte da? Un- gebencr an der Fassade unseres Hauses hoch, über die Dächer, die Schornsteine und Dachluken, um sich kopfüber wieder hinab- zustürzen in den Hos, daß es dröhnte auf den Zelten der schlafenden Krankenautos. Die Nacht hindurch flockte durch die hohen Fenster an der Straße geipenstlsch das Licht, so schweflig gelb als kaum das Gas der Beleuchtung aus einem Veiiw, und nicht ans einer lpärlich gespeisten Gasanstalt. Gruilige Nacht,, in der man die Decke ganz übern Kopf zieht und den lieben Gott walten läßt.... Und nun am Morgen Sonne, Wonne. Unsere Augen leuchten bei dem Ausblick über die Stadt. Durch und durch ist nun so mancher aar nicht mehr krank. Eine gehobene Hoffnungsstimmung, die den Menschen neu macht! Hinter hohen Fenstern, im warmen Raum Januarsonne, ein lockender, blauer Himmel über dem Ziiadellenlurm, der früheren russischen Zwingburg— Medizin für die Aerzte, Heilung iür die Kranken. Und haupl- sächlich bei den Leichtkranken, bor uns, von denen der Stabsarzt im Feldlazarett gesagt hatte:„Kinder, die Kriegsinüdig- keit ist doch die schlimmste Krankheit." Wir lachten damals mit ihm, denn das Weinen hätte keinen Zweck gehabt, wenn sich so ei» Arzt seinen Reim macht. Und nun breitete neben dem roten Kreuz der weiße Adler seine Fittiche über uns aus. Die Stadt mit ihrem Getriebe wirkt ganz anders auf die Nerven wie die ewige Welt- abgcichiedenheit der Feldlazarette. Die Sehnsucht nach dem pul- senden Leben erbebt ihr Haupt, und neues Wollen und Ber- langen bebt io manchen Kranken empor.— In einem Saal von 80 bis 100 Menschen liegen, bnnigewürfelt wie das Laub im Walde, herrscht nicht immer Trau-r und Bitternis, sondern auch der Kummer, der alle Wogen dieies beweglcn. langen Kriegs- lebens glättet(oder es versuch:). ES währt nickt lange, so ist der Kontalt zwischen bis dahin ganz fremden Menschen hergestellt. Leidensgenossen! Gemeiniamkciten überall: der große Saal eine singende Jnteresseit Harmonie. Erwachsene werden wie die Kinder und spielen wie diese. Immer wieder muß der Mensch hinunter- steigen in das naive Reich der ewig-lustige» Kinderwelt, um die Scharten des grauiamen Wirklichleitslebens auszuwetzen. Es gibt Bücher(wenn auch trotz aller Werbetrommeln nichl in großer Fülle), Schreib- und mancherlei andere Spiele, doch manche Stunde muß Humor und Witz unter den Kranken selbst einspringen, um über alle Klippen des Ledens hinwegzuhelfen. Und ist eS mich meistens Galgenhumor, auch der größte Wer- Zweifler und Pessimist nippt vom goldig perlenden Becher deS Spenders, und lacht mit und vergißt seine Krankheit auf einige Zeit. — Heute gab eS eine ganz neue Art der Lustigkeit, eine Art Lust- spiel, die sich auf den Brettern hätte sehen lassen können. Es pro- duzierte sich ein„Stabsarzt", der wahre Lach'alven auslöste. Er ging mit einem Hörrohr aus Papier von Bell zu Bert,„seine" Kranken unterinchelid. Mir fachmännischem Griff beklopfte er mir dem medizinischen Muielfinger seine sich emstbaft ergebenden Kranken, und drktierte seinem Schreiber den Befund inS Kranken- blalt. Bei einem erst gestern abend spät eingetroffenen Kranken er- weckte er den Eindruck eines echten Arztes, und mit viel Jnter- effe hörte er das lange Register der Schmerzen und Beschwerden an, das der Kranke rhnr vortrug. Folgende Bsrordnnngen und Untersuchl'.ngsergebmffe, die er seinem Schreiber ins Krankenblatt diktrerte, machten den Kränken aber doch stutzig:„Lungen o. B.. Herzschlag normal, bei Aufregung leiieS Klopfen, Töne abends ge-, dämpft. Sehr guter Ernährungszustand(in Wirklichkeil ein sehr magerer Kranker); täglich 30 Gramm Aspirin und 1I3 8. Jodkali. Sonst im höchste» Grade schützengrabenverdächtig(ihm in den Mund schauend); sagen sie mal.neunundneunzig" so oft es geht." Der Kranke ruft wohl«n zwanziqmal„neunundneunzig", bis er doch merkt, es kann nicht der richtige Arzt sein... Der Erfolg ist da. Der ganze Saal wälzt sich vor Lachen, und weiter geht der muntere Arzi von Bert zu Betr.„seine" Kranken untersuchend. E. P. Kammerspiele:„Der jHwarze hanöschlch". Eine lyrische Phantasie von S l r i n d b e r g. Die literariiche Mode, die lange Zeit von Strindberg kaum Noliz nahm, gefällt sich nach dessen Tod in einem Kultus, der!> ibst noch die Schnitzel und Abfälle aus der Werkstatt seines Schaffens andächtig verehrt. Nur so erklärt es iüch. daß beispielsweise das Passionsspicl„Ostern", in dem des erkrankten Dichters Glaubens- sehnsncht einen banalen Komödienstoff mit dem Glorienscheine ge- beimnisvoller Gotlessügung verklärt und nun auch diese noch un- gleich schwächere„lyrische Phantasie" auf die Bretter kommen konnte. Gab es dort in allen Wirrnissen immerbin dock m*. Mädchen- gestalt. die Interesse hatte, so zerfließt bicr mit der Handlung auch die Charakterfflik ganz ins Unbestimmte nnd Beziehungslose,-ßn der Willkür des Titels, der die Nebensächlichkeit, daß ein verlorener schwarzer Handschuh der Besitzerin chiriickgebracht wird, zur Kemr-� Zeichnung des Stückes verwendet, spiegelt sich der Wirrwarr, der in dem Werke selbst herrscht, gleichiam symbolisch wieder. Bon wirk- lickem Weihnacht-: empfinden läßt sich, wcnir auch ein Weihnachtsmann und ein schön frisierter lveiblicher Weibnachtsengel herauf- beschworen wird, kein Hauch verspüren. Die kindliche Einiali, die in einzelnen Wendungen erstrebt wird, verzerrt sich zur Forciertheit. Das Haus, das sich die beiden Geister zum Schauplatz ihrer Tätigkeit erkoren haben, ist mit allein prosaiiÄev- Komfort der Neuzeit, elektrischer Belcuchuing und einem Fahrstuhl ausgestattet. Da wohnt die schöne junge Mutter, die nach dem Zeugnis ihres Stuben- mädchenS von unausstehlicher hysterischer Gemütsart ist, mit törich'.em Kesckell und Mißtrauen die Umgebung quält; und oben in der Mansarde haust ein einsamer Gelehrter, eine groteske Faust- karikatur, der sich nach sechzigjähriger Sammler- und Rechnerei ganz ernsthaft einbildet, dem Welträtiel auf die Spur gekommen zu sein. Er entpuppt sich dann nach seinem Tode nebenher als Vater der geläuterten Hysterischen. Das Mädchen klagt dein Alten und dem Portier sein Leid, daß die Gnädige sie verdächtige, den Ring, der ihr verloren ging, gestohlen zu haben. Der Weihnacht?- enqel aber gibt seinem gulmütigen Untergeist Beseht, zur Strafe für die Hartherzigkeit der Dame ihr vergöttertes Kiodchen aus der Wiege zu entführen. Eigenes Leiden maq sie zu dem Gefühle ihres Unrecht« leiten, dann soll sie das Geliebte als Wcibirachtsgabe zu- rückerhaltcn. Der Weihnachtsmann treibt in der Zwischenzeil Allotria, stiehlt den von der Dame verlorenen Handschuh, in dem der Rilig steckt, schmuggelt ibn in die Wohnung deS Alten, bringt dessen Bibliothek in Unordnung und legt nach dielen Kindereien in einer philosophischen Disputalioir mit dem Gelehrteu�Proben seines Scharfsinns ab. Die Welirätsel- Lösung dieses Strindbergfchen Forschers besteht in einem Monismus, einer All-Einheitslehre, die überwältigend von Einfalt die Gegensätze, in dem alles Dasein sich bewegt, vollständig übersehen hat. So läßt sich denn sein billiges Dogma durch eine billige Dialcklik nach Belieben aus dem Sattel beben, die„Wiffenschaft" in ihre Schranken weisen. Er stirbt, das Mädchen bekommt den Handschuh mit dem Ring und bringt ihn der Dame, die, beschämt um Verzeihung bittend, zu Boden sinkt. Da sie rioch überdies zu dem Gestorbenen, dem Vater, eilt, um ihm als gute Tochter die Augen zuzudrücken, ist der Weihnacht?- enget sehr befriedigt, läßt sie das Kindlein in der Wiege wiederfinden. Regie und Inszenierung, für die Hermine Körner zeichnete, waren im ganzen den Absichten des Dichters feinfühlig angepaßt. Sehr gut Herr Gülstorfs als der geruhig ehrliche Portier und Werner Krauß in der Gestalt des Alten. Johanna Terwin, in vielem ausgezeichnet, erreichte in der letzlen Szene freilich nickst die Kraft befreiten mütterlichen JubclS, wie man sie beim Wieder- sehen des Kindes hier erwartet. Frl. L e i l o gab dqs Mädchen natürlich und sympathisch. Sehr crgenartig und nnancenreich wÄ' Gertrud EyioldiS Weihnachtsmann. Daß die Gestalt trotzdem kalt ließ, lag wohl am Dichter selber. Das Publikum folgte still» schweigend ohne Bcifallsäußerung. üt. Notizen. — Das Blüihner-Orchester unternimmt aus Ver- anlasiung des Auswärtigen Amies im April-eine Konzertreise nach Rumänien und Ungarn. In Bukarest finden fünf'große Sinfonie- konzerle staft. — DaS Erwachen des Vesuvs. Prof. Mallagra hat bei einem Besuch des VesuvkraterS festgestellt, daß der Kralerg rnnS sich etwa 12 bis 15 Meter im Durchschnitt nach Nordosten auS- gedehnt hat. Es ist das eine Folge der Ausbrüche, die in den tetzleu Dezembertagen des vorigen Jahres erfolgten. Es hat sich ein neuer AuSflußkcgel gebildet, der eine Höhe von 40� Meter erreicht. Die Mündung dieses neuen Kegels ist sehr täiz'und wirst. alle Minuten Millionen brennender Aschenteilchen und Steine her- aus. Die Lava durchfließt einen großen Teil der Hochfläche des Krater« unterirdisch und tritt erst an der äußersten Nordostgrenze zutage. 40) Töchter öer hekubo. Ein Roman aus unserer Zeit von Clara Viebig. Und ebenso ging es jetzt mit dem Kleid. Ehe sie wußte, wie es kam, war ihr die Wollbluse, der tvollene Rock vom Leibe gefallen, über sie sank das HockzeitSgewand. Die Seide hüllte sie ein, weiß und weich, der duftige Schleier war wie eine Wolke; sie ward gehoben, getragen. Ein schönes Bild lächelte sie ans dem Spiegel an, ein Wesen aus den seligsten Höhen. Nun war sie nicht Gretchen Dietrich mehr, das einsame Mädchen, das vor Sehnsucht verschmachtet— sie war geliebt, begehrt, sie war eine Braut am Hochzeitstag. Gleich, gleich trat er ein, der sie begehrte— ha. da war er schon! Hastig fuhr sie herum, ihr lächelndes Gesicht wurde noch lächelnder, mit einem leisen Schrei streckte sie die Arme aus: .Kommst du?" Wie aus weiter Ferne klang eS, und doch so nahe: .Ich komme zu dir!" »Wo du hingehst, will ich auch hingehen!" Sie sank ihm an die Brust, er schloß die Arme um sie, fest, fest; so fest, daß sie ächzte. Aber sie entwand sich nicht seiner Umarmung. Mochte es auch>veh tun— oh, so weh! sie pressen wie in einem furchtbaren Krampf, der die Brust einschnürt, den Atem versängt, den Herzschlag anhält. so. so nur war ewige Liebe! Sie lag ganz hingegeben, sie schloß die Augen. Dunkel, dunkel, nichts sehen, nur hören, was er flüsterte. ES flüsterte in ihrem Ohr:„Ich liebe dich!" Sie flüsterte zurück:„Ich liebe dich!" „Du bist jetzt mein!" „Ich bin jetzt dein I" Er nahm ihr den Kranz aus dem Haar, sie ließ ihn sich ruhig nehmen. Da lag er am Boden, der schöne Kranz I«ie wollte sich bücken ihn aufheben, aber seine Hand hielt sie zurück:„Laß ihn liegen, du brauchst keinen Kranz." „Ich brauche ihn, ich brauche ihn wohl.' Mau setzt mir den Myrtenkranz auf im Sarg." „Wo wir hingehen, gibt eS keinen Sarg; da ist ein Bett nur. der Freuden voll, da ist ewige Lust." Er stieß den Kranz mit dem Fuß beiseite.„Kommst du mit mir dahin?" Ihre Hand faßte nach dem Schleier, sie riß auch den vom Kopf;„Ich komme mit!" Er war hastig und ungestüm, er konnte es nicht erwarten. „Komm doch, so komm doch!" „Meine Mutter, was wird die sagen? Die grämt sich um mich." „Was.Mutter', was.grämen',— du bist jetzt mein, komni du nur, komm!" „Lieber, Geliebter, ich will meinen Mantel anziehen, daß die Leute mein Kleid nicht setzen, mein weißes Kleid, daS leuchtet so weit." „Ziehe deinen Mantel an. damit.niemand dich sehe, aber dann komm, komm! Ich habe nicht Zeit. Es ist Krieg. Ich fliege über die ganze Welt; nie bin ich so eilig gewesen ivic jetzt. Komm, Gretchen! Komm, Mädchen! Komm, liebste Braut!" Seine Stimme klang schmeichelnd. Es zog sie fort'mit Liebe, es zog sie fort mit Gewalt. Es gönnte ihr kaum Zeit, den Mäntel über ihr HoSzeits- gewänd zu werfen. Sie ließ in der Stube alles zurück; Kranz, Schleier, ihr tägliches Kleid. Das lag alles am Boden. Die Mutter würde es schon finden) in Ordnung bringen, aufheben. Sie warf kernen Blick mehr zurück. Fünsundzwairzig Jahre hatte sie hier gelebt, hier in diesen Räumen, hier war sie geboren, hier hatte sie als Kind ge- lacht, gespielt, ihre ersten Lieder gesungen, ihre ersten Tränen geweint, ihren erstey Traum geträumt. Hier war ihr Vater gestorben. Hier hatte ihre Mutter sie lieb gehabt� für sie ge° sorgt, um sie gesorgt. Das war alles nichts. „.Komm, Gretchen, komm!"-- Als Frau Dietrich in Hast eintrat, erwiderte niemand ihr„Guten Abend". Sie war eher wiedergekommen, als sie eigentlich beabsichtigt hatte; kein Zureden der Schwester, doch zum Abendbrot, das heute, dem Geburtstage zu Ehrcu, reichlicher als sonst war. dazubleiben, harte sie halten können. Sie mußte nach Hause, sie mußte nach Hause. Es trieb sie. Gretchen Ivar doch jetzt immer so merkwürdig, es war nicht gut, daß sie die so lauge allein gelassen hatte. Noch war es nicht ganz dunkel, der Märzabend nicht vollends hereingebrochen. Sie sah eS weiß am Boden schimmern, und dann stolperte sie: was ivar das?! Um ihren Fuß hängte sich etwas. Kleine künstliche Knospen aus Wachs, weiße Blütchen. zertretenes Grün. Wie ein Tvtcnkranz. Abergläubisch überrieselt sah sie sich um. „Gretchen!" Keine Antivort. Die Hände der Mutter, die unruhig nach den Streich- hölzern suchten, waren so ungeschickt, daß ein Streichholz naa) dem andern aufzischte, und erlosch. Endlich brannte Licht. Da lag der dunkle Rock, die dunkle Bluse am Boden, die Gretchen heute angehabt hatte, und drüberhin wand sich wie eine Schlange ein langer weißer Schleier. Was war das, was war denn das?! Ein unklares Entsetzen lähmt? die Frau, sie stand ganz starr. Wie kam das hierher, Brautschleier und Kranz?? „Gretchen! Gretchen!" Der Ruf der Mutter gellte durch die leere Wohnung. Was hatte die Tochter nun wieder an- gefangen? Und fort'war sie. Frau Dietrich riß den Schrank auf: ihre Sachen tvaren alle da. Nur der Mantel am Haken fehlte. Wo war sie hin? Zur Bahn, der Mutter entgegen? Ach ticin! Zu ihrer Freundin, Fräulein Hiesclhahn? Ach nein. Sie ivar ja menschenscheu, sie'-ging zu niemandem mehr. Vielleicht hatte sie wieder einen Brief geschrieben, trug den nun gerade zur Post? Ach nein. Es könnte wobl sein, aber es war nicht so. Das fühlte die Mutter plötzlich deutlich. Gretchen war fort, Grcjchen rannte draußen umher, von irgend etwas getrieben. Und es wurde Nacht. Wie lange mochte sie schon fort sein? Wenn sie doch wiederkäme, wenn sie doch bald wiederkäme! Zitternd leuchtete die Frau in alle Winkel, sie suchte eine Spur. Und plötzlich fing sie an zu weinen in großer Angst: ibr Kind, ihr Gretchen, wenn dem mir nichts Schlimmes widerfuhr. Sie riß das Fenster auf und spähte hinaus. Die Straße war leer, sonntäglich still. Drüben auf der anderen Seite stand ein verlaufener Huud und winselte. Es hörte sich schrecklich an. Die Verängstigte sah nach der Uhr: die stand auf vier. Ein Stuhl war darunter gerückt, das Glastürchen, daS den Regulator verschloß, stand geöffnet— um vier war sie also noch hier gewesen. Sie klagte manchmal:.Die Uhr, die Uhr, die dröhnt mir im Kops' die hatte sie da wohl ati- gehalten. Nun war cS Stunden später. Die Kirchcnuhr schlug. Tw Frau zählte: Gott im Himmel, war's nur möglich, schon neun? Ach wäre sie doch nicht fortgegangen, hätte Gretchen nicht allein zu Hanse ge- lassen! Neun, und Gretchen noch immer nicht da! (Forts, solgt.) Dcotlcfcr n-dallarbeKer- Pfrtfind. Vcrwaltungsstctle Berlin. Dm Mitgüedrrn zur Nach- � richt, hat uiiJcrJloilfgf, dcv> .'IvBtitcr Karl Wendt Bernauer Str. 97 j am 19. Februar gestorben Ii; Die Beerdigung findet am öonnadend. den 23. Februar. � nachmiltagS 5 iibr, nvn der \ Wchenhalle dcZ Städtischen Friedhofes in Buch aus statt. Rege Beteiligung wird er- ! wartet. ZklteZri'ok. Den Mitgliedern ferner Jzut Nachricht. dag unser t College, der Schmied k:mil Lasner Prinzen-Allce 46» am 14. Fevruar gestorben ist. Ehre ihrem Andenke» i kSS2,6Z M» oetivervsttuiiz. Lit? Berlin. Lege. Ibttb. «m 16. d. MIS. verstarb j| ! unser Mitglied, der Kauf j maim Herr Alfred Ken?. Die Bestattung ersolgl am , on«abend, den 23. Fe- j 6i««rr, nachmittags 5 ilhr | im Krematorium Gertchistr. Am 18. d. M. oerstarb unser Diitglied Herr dsnson. Die Bcsinttimg eiiolgt am t Sonntag, den 24. d. M.,I nachm. 3 Ilhr, im Krema f torium zu Treptow. Ehre ihrem Andenken Um zahlreiche Bcteili grmg l ersucht � 26.'!/, Z Der Vorstand. Ms Opfer des WellkriegeZ verschied am 18. Fedruar! nach langem, schwerem Leiden mein wniggeliebler Mann,> mein her-.ensguter, trr«sorgender Vater, der Kassenbeamte j INI SS. Lebensjahre. ISlSb l DicS zeigen tiefbeirüb! an geb. l.öil sroolre«,». s Kamnschulevweg, Äohlgeniuthstr. 5. Die Beerdigung smdet am Sonntag, den 24. Februar, nachmittags 2'/, ilhr, von der Halle des Gemeinde-Fried- hoses, Banmschuienmcg. Kiesholzsirntze, aus statt. Alten Freunden und Kellegen die traur ige Nachricht, dach unser lieber Vater, Schwiezer. it. Ww&»«ler, der Schristsetzer ■ Relnhold Matth es nach langem, schwerem Leiden am 18. Febr. verstorben ist. Um stille Teilnahme biUen die iranernden Hinterbliebenen lliirte geb. Uastbez. trlt» üzrkiooo geb. htaitdss. eilrrrr iff-ettke«. W«3fg:n,B5: ü.ajjr-iijjteiH als.>, Fischer. 11614* mit gediegener Schnitzerei und Perqiastmg, sowie eleganter Schiaszimmer zu billigsten Preisen. Berliner Möbelhaus M.»irschowitz, Tkalitzerftr. 26. Hochbahn Kvttbusertor._* Schlafzimmer, hell. lackiert, ein Bett mit Matratze und Keilkissen, Marmoc-Waschtisch � mit Spiegel, Nachttisch, zwei Stühle Handtuchständcr. Pal- mer, Eucrickefiraße 26, Ehar- lottenburz. Händler verbeten, Ich/Ä Schreibtisch und Bücherschrank zu»erkaufen.?. 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Fermus Wilhelm 1589, 5076. 17S.K* Klslkiv ßnmteem im„Us�NKkiZ" W sind toiHäg und erfoisreichl Am 17. Februar starb an j den Folgen einer Vertoun- s f dung mein geiiebier Dater, j Herr I�iedke� Die Beisetzuno findet am i 23. Februar, 2 Ahr nachm.,) i ans dc-.n Friedhof III,] Schönholzcr Heide, statt. s Paul Rkebke, zurzeit im � j Felde, zugleich im Namen j j aller Sliigehörizon. 16 IIb s IVestmiil-ge Lriaveeung j zum 22. Kedmistag nwistoS ! heißgeliobien Tobstcs. um»- res lieben Benders, des | MlisketterS 1805C Bafis Risopp gefallen am 2. Juni 1917. Oia tiefhoirEbtc Mutlsr-, Brüder, Sc!w;#S4Brn und Schwageoiii. Du warst so jung, d» starbst I zu jrüX wer dich atfa l»ergiß! dich nie. lldlhe sa ve»tt»e? kZvZkdeitek-yekdsnS. Iveoigvere!» Ssrila. Bezirk Pankow. Arn IT. Februar starb unser: Mitziied, der Maurer VZÜZLZW RÄS. Die Beerdigung findet i j morgen. Sonnabend, de»/ !3. Februar, nachmittags\ i• iUtr, aus dem«Semeiwde-! irwopos in der schönhoizer s zeide statt. Bezirk Wilmersdorf. Am 18. Februar starb i Ausser Mitglieo, der Putzer köL5!A? Die Beerdigimg sin ort j !»eu!e Freitag, nachsiittags ! tz, Ilhr. uon der Halle»es s I Niimersdorjer Friedhofes !»uS statt. \ iühre ihrem Auteuke»! Ilm rezeGeteilignuz ersucht! 148/lz Ter Vorstand. Am 18. Februar verschied i f nach längerem Leiden unser j s lieber Kollege, oer Setzer' iernti&Iä iaUhes.l Solu kodoi-ten werden, j wir in 04«» halten. Die Kallezcn der j Aordbrutsch.Buchdruckcrci. I Die Beerdigung findet am! i S-iKtosfn», den 23. Februar,| U Hör nocharlktags, von bcr{ Halle»eS TbomaS- Kirch- k lw/eS, Neukölln, Hermiiün-i ] ÖMM;.«IS statt. 16186| ..■IIIIL iiu—ii i MMjaiiirniii iwi Spezisi-Ärzt l>r. med. Kanctig, FiWrkSsft.M ÄSIiÄ Bodiindr»onSnvhOiS, Haut« -ö«r»-, J.cnnr.-tloÄ ru, spez.: »«-»«. Ztsälle. rmtricritoie, fütze/te ohnc yeruisjtvwmiz. PwdAueeAttck'ntig. Mäß. Breiie. T««z�4imz. Ä-rechÄuirdcn 10 bis i und»— 8, Sonor. 11— 1. WKM— HBBBMHBaMBP�HWWBWWWB»II» Will II—MB—■BSB Blaünabläll«!©ramm bis 7.7,! AiiMbilfe! 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Der zur Nschtsertigung der- ariig« Klauseln anzesüh»te Grund, datz sich die frühere Firma beim Siellemvechsel gegen den Verrat von GsschÄst�ßeheimwAen an den neuen Arbeitgeber des Angestellten schützen müsse, ist dabei in den meisten Fällen nur ein Vorwand. Der eigentliche Zweck dieser Freizügigieitsbeschränkungen ist der Druck, der durch den erschwerten Stellenwechsel auf das Behalt des Angestellten ausgeübt wnd. In erhöhtem Mäste tritt die lohndrückende Tendenz bei den sogenannten .Gehsimen Kenkurrenzllanssln" in die Ericheimmg, die schon sest vielen Jahren zwischen Firmen bestimmter Spezialbranchen der- einbart wurden, aber violmch nur in vortraulichcr mündlicher Ab- spräche zustande kamen, so dast immer nur in einzelnen Fällon gegen derart: zeAWomm-n vorgegangen werden lonute. Di« OessentNich- leit wurde zum erstenmal im Jahre 1306 auf ein solches AWommen der Berliner v- Banken alstmerisam. ES handelte sich um sine geheime Vereinbarung von vi« Brostbanken, wonach kein Bank- angestallter ans den beteiligten Firmen ohne vorherige Genehmigung seines bisherigen Arbeitgebers eingestellt werden durfte. Die Aöz- lichtest durch Bewerbung bei einem anderen llntenlehmeu eine GehaltSverbesterung zu esstaeicn und damit daS materiell« Fort- kommen dcS Angestellten worden auf dioie Weste gewaltsam unter- bunden. Die Angestellten solcher Betrieb« find also g»z«ungen, entweder zu den ihnen vom jewoikigev Arbestgeb« bewilligten stte- bäktern zu arbeiten oder vöiNg auS der Spezi akbrmiche auSzwschchden, für die sie auf Grund ihrer bisherigen BsrufStStigleU besonders qualifiziert sind. Diese gehonnen KonstirrenzNeuseln verstosten nicht nur gegen den Brimvschz der Freszüzigteii, sondeim blkden darüber hinaus euch«ine gegen die gwtsn Sitten gatrsstene Sorestibartmg. Ihre besonders veewevstiche Art ergibt sich vor allem aus dev Heimlichkeit ihres Bestehens. Die bstrssteaden Unternehmungen �>ersüzen über die ArbsitSiräsle von Angestellten, ihre lhuat»b«i«g rind ihr Fewkamnv!«, ohne darüber ein Wort mit dem anderen Kontrahenten deö Dienstvertrages zu verhandeln. Das ganze Ab« kommen, in dem über das Schicksal von Tausenden von Angestellten entschieden werden kann, wird sogar ausdrücklich immer gegen die betroffenen Bnzostellten geheim gehalten. Die wiederhost von den Angostolttenverbünden untmmommenen Versuche, die gesetzgebenden Kostieoschasten zum Erlast»ntsprechender Suasvsrschrstten gegen die Vereinbarung getieimer Konlurrenzklaulel» zu bewegen, waren ohne Eesolg gebltobeu. Jmokgedssion haben sich die Unternehmer immer wieder aus diesen dvnilen Weg begeben und nur selten! ist öS möglich, den Zkachwois für das Bostel) er, der geheimen Kmtiureenz» klausein zu siihren. In leHter Zeit ist eS dem Bunde der tochnstch- industriellen Beamten gelungen, ein derartiges Geheimdokument deö UnternehmerstlmS� gegen die Angestellten im Wortlaut kennen zu lernen. Dt« soeben erschienene Nummer seines Organs, die.Deutsche Jndustriebeamwn-Aoiwnjs', verösfentlicht eine geheime Konkurrenz- klausel, an der nicht weniger als neunzehn der hedepiendsten gfmnen der Berliner Metalllndustrie beteiligt sind. Der Inhalt dcS Ab- kommen? ist so bezeichnend für die beabsichtigte Gehalt? drückerei, da st wir ihn auch unseren Lesern nicht vorenthalten möchten. Diese Firmen haben mit Wirkung vom 1. Januar 1318 folgende Verein- barung getrosten: .Wird wichrend des Krieges mit England von einem Mitglied der Beeervguvq ein männlicher oder weiblicher Beamter eins.? anderen s!-fi»,ltedcS ohne dessen Zustimmung angestellt, so ist erst er eL v«wststtet. einen Betrag in ome von dem Verband«ei- liner MeiaSmdljsttieller verwaltete Kafie zu zahlen gleich de« doppelten deS von dem Angestellten in den ersten zloei Jahren erzielten AirhroinstmmenS. Der Zuftomnung bedarf eS nicht, wenn der inännstcke oder weibliche Beamte infolge KSndstznug seitens der Finna sich vm die neue Stellung beworben Hot. Die Zahlungen sind kalendervieeteksährttch zu leisten. Streitigkest«, cntschetoet die VeXraucnLtoinmifsiou des Verbandes Berliner Mstallstidiisteirkler/ An di»s«n Adkammen sind beteillgt: Allgemeine ElektrizitätS- Gesell lchaft, Seriin-AtchaMsche MaÜhinenbau-A.-G.,««gmann EleitevtatS-Weele, A. Bmchj»,»eutsche Waffen- und MunitionS' fabrikeu, C. L. P. Fleck Söhne, Carl Mehr. C. P. Go«»,. Opllsche Anstalt S.-B. Max Hast« u. Comp.. Keyling u. AhomaS A.-G., Eilen giosterei, Ist,«»«retnse Ast.-©»f., Ludw. Soowe in Co, Akt.- Ges.. C. Lorenz Akt.-Ges.. Dr. Paul Reher«kt.-Ges.. Siih u. Genest A.-B, A. Roller. MaschtuenhaSrik, Echaeffer«. Walcker A.-G, Siemens u. Halöke A.-G, SiemenS-Schuckerl-Werk« G. m. b. H. Angesicht« dieses gew«ltig«t UmsaugsS deS WtommonS vstet» wohl von keiuer Seite mehr bekeetteu werden kötnien, dast»S sich .hier um««e Angeleg«,ho«t handelt, an der die Oeßsirntfichieit und vor allein die maßgebenden Stellen nicht achtlos voeübergehsn können. Auch Heer Walter Rathevieu. der in der letzt«, Zeit in sesteon viel besterschenen Schrffton«L«loi Aneegimgen zur Gesuadung der öffentlichen Moral zu geben mutzt«, hätte alle Ursache, daö von de« Direktoren seines Betriebes mttunterzeichnete Schriftstück in Grund und Boden zu verurteilen. Diese Verembotprm ist um so hej�nAiHer. als sie in der Zeit des Bestehens des HiUSdienstgefetzeS ühz>.'Wäsien worden ist. Sei dem Bestehen dchseS Gesetzes mutzten sich die Angestellten ohnehin mit einer»«Mrä«tung der FaaiKtlgigksit»bfiuden.%or Reichstag und vor all«» die Gochaldoeuostadie haben ihre Kustunrnu», zu dem Gesetz nur g-be« tön«««, nachdam sstr die WesteeeMwick.img der Gehllkter und Löhne entsprechende Sicherungsparagraphen auf- genommen worden waren. Der§ 9 des HilfsdienstgeietzeS steht auSdrückuch die Fälle vor, in denen der SchlichtungSauZschutz dem Angestellten zum Abkehrschein und damit zum Siellenwecksiel verHelsen kann. Das soll ganz besonders in den Fällen geschehen, in denen der Angestellte eine angemesiene Verbesserung seiner Ar- beitSbedingungen nachweisen, also der Nachweis für die Erlangung «mer bester bezahlten Stellung geführt werden kann. Diese wich- tigste Schiitzbestiinimmg, mit der der soziale Inhalt des Gesetze« steht und fällt, ist durch die erwähnte geheime Bercinbarung der neunzehn Firmen glatt durchkreuzt und das Krieg Samt sollte es sich anaelsgen sein lasten, gegeri dielen schweren Vetstotz gegen da« HsttSdienftgesetz mit«ll« Kniichiedeeih-« einzugreifen. Sie In- dnstrieangestrllien«der iollren ans dies»« räckstchtSlosen Aorftotz der Vietalindnftrielen erneut er!»»»««, wie bittor not»S ihnen tut, sich restlos den gewoochchaftktchen vrganisaeionen cmzu- schlwtzen. » •• Der fortschrittliche Abgeordnete Sivkovich hat bereits eine diese geheime Konkurrenz klausel betreffende Anfrage an den Reiche- kanzle? gerichtet, was»ersekbc zu tun gedenkt, um zu verhüten, datz de» beteiligte» Angestellte» die einsige auf Grund de» Z s des Hilfsdienstgesetzes noch bestehende Möglichkeit einer mit dem Stel- lungswechsel verbnndenen Einkommensverbesserung genommen wird. Der Reichskanzler wird Wetter gefragt, waZ er zu tun ge- denkt, um eine solche Durchkreuzung der im Hilfsdienstgesetz vor- gesehenen Schutzbestimmungen für die Jndustrieangestellten zu ver- hindern.__ »von jetzt ab haiten wir alle öen Vorwärts T In den bewegten Tagen zu Beginn des Februar hat man diesen Ausspruch unzähligemal in Berliner Arbeiterkreisen der- nehmen können. Hatte es sich doch in jenen Tagen wieder einmal deutlich gezeigt, dast es einen tiefen grundsätzlichen Gegensatz gibt zwischen der bürgerlichen und der Arbeiter presse. ES hat sich gezeigt, daß in schweren Aeitzm eben nur daS Arbeiterblatt zu den Arbeitern steht. und so hieß oö denn überall bei den Berliner Arbeitern, die den Nnt«fchied zwischen der Haltung des„Vorwärts" und jener der bürgerlichen Blätter verfolgt hatten:„Treue»m Treue 1 Bon jetzt ab halten wir alle den Vorwärts I" Viele Tausende haben dieses Gelöbnis mittlerweile schon wahr gemacht. Aber noch gibt es große Massen des Werk- tätigen Volkes in Berlin, die dem„Vorwärts" ferngeblieben sind einem bürgerlichen, farblosen Blatt zuliebe. Sie gilt es jetzt, da der MonatSwcchssl naht, aufzurütteln und an ihre Wicht zu erinnern. Zeige nur das Blatt, das Du hältst, und ich werde Dir sagen, wer Du bist!� Für diejenigen, die den ,, Vorwärts" noch nicht beziehen, ihn aber ab 1. März erhalten wollen, ist es Zeit, den Bestell- zettol auszufüllen und einzusenden, der sich am unteren Ende dieser Seite befindet. --- r Zur Rufhebu«� beb Verbots von Dach- und Kotzlerwohnungen «ch«lte» wir vom deutschen AehnungSauSschutz eine Zu- ichritt,»er wir folgendes entneh«,«,: Dstz Kellerwobnnnqeu au sich «iS vom hygienischen Stondpuntt mindsewerlig anzusehen sind, be- darf keiner iveiteren Erörterung; daraus weist schon der Umstand hm, daß sie bisher unter Verbot gestellt sind. Sie dürsten zumal hei der sestgefielllen Tuberkulös egefährdung der Be- veiikinnMg, gerade für die hei»»kehrenden Krieger die allerungeeignetste Nnterkunfl>5 Möglichkeit darstellen, lind selbst wenn, wie dies in Aussicht genommen zu sein sch«i«t. ihre Znlvffimg aus ew begrenztes Zeinnatz— eS ist von fiwf J«h»eu die Rede— befristet wird, liegt die Gefahr nahe. dftdtrrch eine dauernde Verschlechterung der SL o h*« c i s e in der Gestakt einer allgemeinen Mietsteigerung herbeigeführt wird. Die durch die Ber- «eetuttg von Keller« und Dachwohmmgrn gegebene grötzere StuöBtüfnnpenröglichfcU der Grmidstücke wird nicht verfehlen, dum QanShefitzer den willkommenen Anlast zu bieten, durch MechiwRfiersUig der vorübc»g»hend erhöhten Mieten einen erhöhten Grmrdfiiickswert zu errechnen, der sich, namentlich wenn daS Grund- pckck üezlpstchen den Besitzer gewechselt hat, schwer wieder zurück- sch»»«ben lefien wird, und die alS vorüberzehend gedachte Mast- nichuie Wied so vorairSsrchtlich zum Nachteile der künstigen Meter zu einer dauernden Steigermig der ohnebin schon künstttch über die Gebühr hinausgetriebenen GrnndstückSpreisc führen, die eine Ge- sundung der beklagenswerten WohnungS. zu stände in den Groststädte» dauernd hintan halten wird. DaS Schicdszericht in der Strastenbahntariffrage. Der Vseband Grost-BerNn hat, wie wir erfahren, zu seinem Veetesier in dem von der Grasten Berliner Stratzenbahngesellichofk hemittagteit Schiedsgerichtsverfahren wegen der Regelung der Tarife den ReichSt«»Sai>ge« dneten Dr. S ü d e k u m bestellt. Der Obmann de? Schtcdsg«ichtö ist nach dem Verkehrssteuergesstz von beiden Pmiteien zu wützwn; kommt eine Einigung nicht zustande, so wird er von der Aufsichtsbehörde crnanut. Ter MeiichandelSH-chstpreiS für SohlrüSen wird von heute ab auf 10 Pf. je Pfund erhöht. „Ä«S Recht der nttchclichrn Kinder nitd der Reichstag" lautet d»S Thema»in«S BortrazeS, den der Reickvtagsebgeordncte Doktor Max Ouarck in der Deutschcn GeseHschaft für Mutter- und ÄttndeSrecht E. A., am Dienstag, den 26., abend« 8 Uhr, im An« walthauS, Berlin. Scköneberger Ufer 40, hält. Der »ortwift düchte vom bevölkcrtmgspolitischen Standpunkte von grostem IMevefie sei». Karte» zu 2 und 1 M. sind zu haben bei Bote u. Bock, Loichzioer und Tausntzienstraste, im Kaufhau» des Westens, in den Barsichänserir von Hermann Tietz und an der Abendkasse. Gold. S«S Krietzöwuckeramt weist da» Publikum auf folgendes hin: Jesar macht sich strastior, der ohne Genehmigung deö Reichs- ka»tzt«cö Reichtzmüirze« vehufS gewervNcher Betwertung einschmilzt »der Vsrarvtnet, ReichS»»ldmüu«en zu»mein ihre» Nennwert über- st»igst>d«l Prefie erwirbt od«»eräusteet. Rvh-, Abfall-»der Bruck- g»id teiwerolS zum gesetztick»« HöchstpeckS von 2730 Mark für daS Kilogramm feinen Goldes handelt oder Gold in irzendwelchsr Form zlmi Zwecke der Verardeilunz; ankauft und dabei diesen Höchstpreis überschreitet, Gold ungeachtet seiner Form und Herkunft über die LandeSgrenzen ausführt. Auch derjenige ist strafbar, welcher eine dieser strasboren Handlungen ausführen Iii ist oder irgendwelche Voihilje dazu leistet. Lichtspiele Snuentzien. Palast. Ein neuer Kttni vom Rubols Mein»«»�er Misten dra«ar?f vshandät»in bertereö Mentwier d»S DeiettivS tzarrh HfgzS. DaS Lufffpiei.Wo ist Goletti' mrl Mag de Lefsing. Hans Juntsimann, Hemrich Beer und Anna Müller-Linke ist in den Spielplan mit aufgenommen. Die Lichtspiele Nene Philharmonie bringen'vom 22. bis 28. in Uraufführung das Drama.Verworrene Wege' mit Saci von Londel in der Hauptrolle. Hierzu den sünfien Smarl-Webbs-Film.Der räiselhaffe Blick' und ein Lustspiel ,U Tage Urlaub' mn Lia Ley und Fritz Junkermann tn den Hauptrollen. ZirkuS Busch. Die Pamomime.Mondfahrt* wird auch in der kommenden Somitage-NachinlltagS-Votstelluiig ungekürzt zur Auf« stihrung gelangen. Kindesmord und Doppelsrlbstmord. Mit ihrem Sohn und ihrem Gel>»t>ren in den Tod gegangen ist die 30 Jahre aiie Ehefrau Ida d«S Sirastenbcibnstivtcrs D au« der Bremer Siratze. Das Ehe- paar D. wehnre früher m S>«tti«. Dorl k üpire»ie Frau hinter dem Racken d,S Manne« Veziehungen zu ihrem tt Jahre alr»n V«u,r Ott« B. an. Räch dar Urderstedelun« dar Kamill« aack Berlm feigee thr A. hw,h»r und fetzte das v»rhöl»n«S fort. Weck jedoch die Bezrehring«! in cht zerr Ehe fübren komcken, bafevlost daS Paar, lvährcnd D. austcrhalb Berlins beschäftigt ist, gememsom auS dem Leben zu scheiden und den Knaben in den Tod mitzunehmen. Hausgenossen wurden auf einen starken Gasgeruch in der D.schen Wohrniüg ousmeastam und hotten die Polizei, welche öffnete, und Frau D., ihren Sohn und ihren Geliebten tot in den Betten liegend fand. Eine Nevolvcrschlacht pur dem Gnoeindeamt. Bei dem Gemeindevorsteher Köppen in Miersdors bei Cüpenick ist ein gefangener Russe als Hilfsarbeiter tätig. In der Nacht vom Dienstag zum Mittwoch erwachte der Gefangene zwischen 1 und 2 Uhr morgens durch ein Geräusch am Fenster des Gemeindehauses und bemerkte dort Einbrecher, die dabei waren, in die Bureaus des Gemeinde- amts einzudringen. Der Russe weckte den Gemeindevorsteher und beide begaben sich nach dem Amtsbureau, wo sie von den Einbrechern m>t Revolverschiisscn empfangen wurden. Da sie ebenfalls von Schustwaffen Gebrauch machten, flüchteten die Diebe jchliejzlich und es gelang nicht, der Einbrecher habhast zu werden. Neukölln. In ber Strafsache gegen MagistratSmktgNeber hat der Oberpräsident die Beschwerde des Magistrats gegem den Be- scheid des Rechenmgspräfidönten, in dem dieser die Erhebung des Konflikts ablehnt, zurückgewiesen. Der Magistrat hat hiergegen wettere Beschwerde bsrnx Minister des Innern erhaben. Wie wir hören, schweben jetzt gegen Neuköllner Magistratsmitglieder� so einige zwanzig Prozesse wegen Höchstpreis- Überschreitung._ Wilmersdorf. Tee Fortschrfftler gegen die Stadtverordneten- Mehrheit. Der Hcmptverein Wilmersdorf der. Fortschrittlichen BolkSpsrtei hiokt am Dienstag abend eine Mitgliederversammlung «b, in der nachstehende Cmtschlrestnng angenommen wurde: Der Berein hat mit Unwillen davon KermtniS genommen, daß die Mehrheit d« Sdadtvcrordnetenvcrfammlung in Wilmersdorf einen Zffttrag ans Zuziehung von Arbeiterixirtretecn in verschiedenen De- putationen abgelehnt hat. Der Hauptveretn erblickt in diesem Verhalten der Stadtverondnetenmehrhsit der Stadt Wilmersdorf einen Beweis für die rückständige Gefinmmg dieser Mehrheit, die mit dem Geiste der jetzigen Zeit in schärfstsm Widerspruch steht. Die Haltung der WilmerSdorscr Stadtderordneienmehrheit läßt daher erkennen, daß in den iveckesten Kreisen der Reaktion nicht die geringste Neigung besteht, die Rechte des Volkes auch nach dem .Kriege zu wahren, lveim schon jetzt die berechtigten Interessen der s reihe itllch gesinnten Teil« des Volkes mißachtet Warden. Der Sauptveretn Berkin-Wilmersdorf der Fortschrittkichen Volkspartei fordert daher mit Nachdruck alle freiheitlich gesinnten Elemente auf. sich schon jetzt in«ntschiedemstor Weife zusamrmmzuschließen. um der gegenwärtigem und der zutüntztipeN Roecktion kräftvoll ent- gegentweten zu Knrwn. — Abgabe ven Nährmitteln. Vom 21. bis«�schließlich 24. findet für die Entnehme der in d«r Zeck vom 16. Februar bis zum 15. April zur Verteilung gelangenden Nährmittel Voranmeldung zunächst auf die Abschnitte 8, 9. 10 und 11 der Lebensmittelkarte statt. Die Verkaufs tage und die jeweils zum Verkauf gelangenden Waren und Warenmengen werden noch bekanntgegeben. Reinickendorf. Lebensmittel. Auf Abschnitt 7 der Lebensmittel- karte wecken 750 Gramm Marmelade, auf Abschnitt 8 100 Gramm AnSzugteigwaren. auf Mschnstt 9 100 Gramm Graupen und auf Abschnitt 4 für Jugendliche 150 Gramm Graupen abgegeben. Die Ablieferung des Anmeldcabsthnittsö bei den Händkern muß bis emfchließlicb 25. Februar erfolgm. Der Verkaufspreis für Graupen beträgt 36 Pf., für AuSzugteigwaren 86 Pf. und für Marmslad« 90 Pf. pro Pfund.— Personen über 70 Jahre können gegen AnShändigtmg eines Ausweises von sötten ihrer zuständigen Broikommiffion bei den amMchen Verkaufsstellen je 2 Eier zum Preise von je 43 Pf. entnehmen. Groß-Serliner parteinachrichten. Zur Staötverorönstsnwahl. lV. Kommunalwahlbezirt. Sonntag, früh Von SUHrab findet im Lokal von Ri ckert, Stein metzstratze 36», eine wichtige Flugblattverbreitung statt. Die Genossen und Genossinnen werden ersucht, pünktlich zu er- scheinen. Das Wahlburean befindet sich bei Sdolf Richert, Steinmetz« striche 36«. DaS sozialdemokratische Waljlkomitee. I. A.: Hermann Fritz«. A4. Kommuualtvahlbezirk. Wir ersuchen die Mitglieder und Genossen zu der am Sonn« tag. 24. Febrttar, stattfindenden Flngblaltverbreiffmg sich um 9 Uhr vormittags im Wahlbureau bei Obiglo. Stral« sunder Straße 11. zahlreich einzufinden. Such die Genossen. die am Wahltage, am Sonntag, den 3. März, sich dem Wahllomitee zur Verfügung stellen wollen, mögen sich im Wahl- bureau melden. � Da» Wahlkomrter. Friedrichsfekdr. Die Genossen treffen sich Sonntag, den 24. morgens 9 Uhr. zur Flugblattverbreitung bei Hermann, Taprivi- Allee 42. Rege Beteiligung ist erforderlich. Wechcnsee. Die Genossen werden ersucht, zur Erledigung von Wahlarbeiten sich heule abend von 7—0 Uhr im Lvlal von Stärke, Charlottenburger Sir. 3, einzufinden. Gerichtszeitung. Urteile der Kriegsgerichte. Die außerordentlichen Kriegsgerichte, die ihre Tätigkeit am nächsten Sonnabend beendigen sollen, hatten sich in den letzten Tagen fast ausschließlich mit solchen Angeklagt»« zu beschädigen. die in knegSwirtschafflich«« Bewieben. in g»»tze»er Anzahl bei B» r s i g,»n den Streck getreten waren und, de« Gebot des Ober- befehishabers in den Marken zuwider, sich nicht zu rechter Zeit zur Arbeit wieder gemeldet haben. In den meisten Fällen wurden die vorgebrachten Entschuldigungen nicht als durchgreifend er- achtet und die Angeklagten zu Gefänanisstrafen verurteilt, die sich in den Grenzen von 14 Tagen bis zu drei Monaten hielten. In wenigen Fällen kam eine Verurteilung zu 50 M Geldstrafe heraus.— Ein Schlosser Jürgens, der in den Daimlerwerken vor länaerer Zeit ein Flugblatt der unab« smärähkibh Abzuschneiden und zu adressieren: Expedition des ,Vvru»ärtS". Berlin SW, Lindenstratze». Ich bestelle ab l. März den„Vorwärts". Monat- lich 1,50 M. 1 Name Wohnort Straße— Nr.. hängigen Sozialdemokraten, welches nicht den Namen de? Druckers rnihielt, verbreitet batte. wurde zu zwei Wochen Haft der- urteilt, wobei berücksichtigt wurde, daß das Flugblatt mit dem Streik nicklS zu tun hatte, sondern sich gegen die andere Richtung der sozialdemokratischen Partei richtete.— Wegen versuchten Landesverrats wurde der Werkzeugmacher Franz Noll zu l Jahr Ge- f ä n g n i S, die Frauen Lma Kummer und Gcnrud Harms zu je 3 Monaten Festungshaft verurteilt. Mus oücr Welt. Geständnis eines Mörders. Don dem Schwurgericht Iweibrücken wurde am 18. d. M. der Kaufmann Otto Gebhard aus Pirmasens wegen Er- mordung des Lederhändlers Walter Loewenthal aus Berlin zum Tode verurteilt. Das Urteil erfolgte auf Grund eines Indizienbeweises, weil die Leiche nicht aufgesunden war und Gebhard bis zuletzt jede Schuld in Abrede stellte. Um der Todesstrafe zu entgehen, hat Gebhard jetzt ein umfassendes G e- st ä n d n i s abgelegt und erklärt, baß er seinen Geschäftsfreund Loewenthal während eines Streites in seiner Pirmasenser Wohnung mit einem Hammer erschlagen und die Leiche in der Nähe seiner Wohnung verscharrt habe. Die Leiche ist bereits auf- gefunden. Angesichts der veränderten Sachlage wird vermutlich jetzt wieder ein neues Gerichtsverfahren eingeleitet werden. Steuerhinterziehende Kriegsgewinnler. Der Generaldirektor Adels von den Mannes- mann-Waffen- und Munitionswerken in Remscheid ist wegen enormer Steuerhinterziehungen der- haftet worden. Der Neisedirektor Z i I z e r derselben Werke hat sich seiner bevorstehenden Verhaftung dadurch entzogen, daß er sich in einem Elberselder Hotel erschoß. für da» mittlere Norddentlchland bis «zettrrauSlichtru Sonnabend mittag. überwiegend bewölkt, mit wiederbolten, meist geringen, im östlichen Küsten gebiete etwas stärkeren Regen-, Sckinee- oder Graupelschauern. Ziemlich mild und zeitweise austlarend, jedoch öflBr" Srlefkasten der Redaktion. A. B. S. Laut§ KM B.G.B, ist der Vater perpflichtet, seiner Tochter im Fall ihrer Verheiratung eine angemessene Äuslicuer zu geben, soweit er dazu unter Berücksichtigung seiner sonstigen Verpflichtungen und ohne Gefährdung seines Unterhalts imstande ist. Wenn unter dieser Voraussetzung der Vater die Zahlung der Aussteuer verweigert, muh sie aus dem Prozeh- wege von ihm verlangt werden.— P. W. S"». Der Steucrbcrccknunz zugrunde gelegi wird das Einkommen des Kalenderjahres t917.— Solesines 334. 1. Nein, da die Genehmigung durch den Bundesrat n-ch nicht vorliegt. 2. Solche Zulagen können gewäbrt werden; es besteht aber kein Anspruch darauf.— G. N. 15. Für den Verwalter-Vertrag ist es zulässig. Ob sür den Mietvertrag, richtet sich nach den Bestimmungen dieses Vertrages.— A. M. 35. Nein. Sie tonnen in diesem Falle nicht mehr Antrag aus Kriegsunterftützung stellen, sondern es steht lZhnen nunmehr die Witwenrente zu.— G. Dahn, Kamin. Die Erhöhung bezieht sich nur aus Unsall- und Invalidenrenten. Ihre Frau bat keinen Anspruch aus böherc Rente,— E. 51 und K.(9. 341. Wie wir schon an dieser Stelle berichtigt haben, steht die Genehmigung des Bmidcsrats noch aus. H. 8. 435. Ja, dem steht nichts entgegen.— E. K. 4L. 1. Ihrer Frau muh, wenn sie jetzt arbeitsunsähig sst, Unterstützung gezahlt werden. 2. Sie bat Anrecht aus die ReichSwochenhilse.— A. W. 68. Sie können bei Gericht beantragen, dah ein anderer Testamentsvollstrecker bestellt wird, wenn Sie sich nicht gedulden wollen.— 900. Magdeburg. 1. Nein. 2. Ja. Direktion Max Reinhardt. Dentnehes Tlieatcr. 7 Uhr: Macht der Finsternis. Kammepwpieie. 8U.: Oer schwarze Handschuh. Volksbühne. Theater am Bülowplatz. ITntergrmndb. Sohöhh. Tor. 8 Uhr: König Oedlpns. Dir. C. Meinhard— R Bernauer. Theater«. Königgratzerstr. 'If8 Uhr: Erdgeist. Komödienhaus 8 TL: Die Straße nach Steinaych Berliner Theater 7 Uhr: Blltsblanes ISlnt. URANIA 8 Uhr: Professor Dr. B. Baur: BefQikeniflgspoiitik und Rassenhyyiene. Casino-Theater Lothringer Str. 37. Tägl.'1,8 ll Wieder ein aktueller Schlager. Wirklicher Humor! Gr. Erjolg l Hamfterfritze. Berb Posse m 3 Ain'z.— Dazu Heek, 2 Ewos. Carry Hartweil. Stg. 4 U.: Schipp, schipp, hurra! Theater für Freitag, 22. Februar. Neues Operettenhaus Schiflbd. 4a. Kassent. Nd. 281 7',. Uhr: Der Solilat Warle. Central-Thea« er KommandantenstraBe 57. 71/, Die Csardahförstln Sonnt. 3 U.: Der HBttenbesitzer. Deutsches Opernhaus 7 Uhr; Das goldene Kreuz.— Die Verleitung bei der Laterne. Friedrich-Wilhelmst. Theater T./.uhr: Das DreiMäerte. Kleines Theater VI, Uhr: Komische Oper 7«/, Uhr: Schwarzwaldmädel. Sonnab. 4U.: Wohlf.-Vorst.: Die Prinzessin u. d. Schweinehirt Sonntag 31/t: Die KinokSnigin. Liastspielbans 7'/, Uhi: DlehloptlenMäDEls?. Lintjenliof Metropol-Theater Z1* Uhr; Sonntag 3 Uhr: Die Rose m Staiübui. Die Kaiserin. Residenz- Theater Tv.uhr: Der junge Zar. Schiller-Theater O ßjg wilde Jagt »chlller-Th. Chart. 7v. uhx: SeMer Wel. Schülersaal 8U.: Marc. Salzer. Thalia-Theater u& Egon pä seine Fraoen. Theater am Nollendorfplatz 7 Uhr: Theater des Westens Tv.uhr:ßer?8rii3hte Herzog mit Guido Thielscher. Hegelmann Truppe Hoohtomkünstler Herbert Rahling d. 14jähr. Klaviervirtnose Grete Pluss rheinische Hnmoristin sowie der erfolgreiche Februar-Spielplan. MUMni! SM. Friedriohatr. Anf. 7I|!( Letzte Saison in Berlin,[ Nur noch kurze Zeit.| Ans dem reichhaltigen j Sport-Programm besond. hervorzuheben 1 der Araber iiüsy Sayb mit sein. 10 dr. Karoelen.[ H Daiieliura S| exotischer Dressurakt MoTlirn G-r- Ausst." ulvAllkUa PantominiQ, Tägl. 7% Stg. S'/. A 71/, U ßmlsslig M Auffangen einer scharf abgeschossenen 4G Pfund schweren Granate. 21 lleinys. Karl Rcinscb, Schulleiter anf„Czardasfürst". Zum SchluC: Mondfatlrt. Rose-Theater. T'/j Uhr: Eine Waise. Walhalla-Tbeater. 7V. Mr: M mmm öm. Reichshallen-Theater. lllabendlich 7ft, und Sonntag nachmittag 3 Uhr Zum Schlnß: Mein Welh- naehtstramn Nachmittags ermäßigte Preise! Tägl. 71/,, Sonnt. D1/, u. 7t/j Neu! Hartsteins beste Posse Der schöne Wilhelm Neue Berl. Kevue-Blldar usw. Schluß des Hartstcin- Gastspiels am 28. Febr. Trianon-Theater 5/48 am Bhf. Friedrlchstr. 8/48 Tel.: Zentrum 4927 und 2391. Der Lebensschüler Komödie von Ludwig Fulda. Ida Wüst, Erich Kaiser-Titz, v.Möllendorif, ITinlc, Kettner. Stg. 4 U. kl. Pr.: Johannisfeuer. ES AploSio I Fnedrichstr. 213. Tl I »er Flieger von Tsingtau sowie die verbiüfienden| Varietä- Attraktionen Theaterkasse ab 10Ü.| nnunterbr. geöffnet. fc--iÄ«» v-4-I.+{.. N ATION ALsTHEATER! Cöpenicfcer Straße 68, fr. Deutsch-Amerik. Theater.| . 7'I- Der Schlager?oö Berlin! 71- in 3 Akt. v. Dr. Lippschötz. I Text von Will. Steinberg. alter Bromme. Sonntag 3'!-: Stndentenlieiieiien.°pÄer Bm3� Vorvk.(Th.-K. Tiotz) Theaterk. lO'l, ununterbr geöffn, 1 I Die ist richtig! HaMlk von Wa VERLAG PAUL CASSIRER ADOLF VON HATZFELD FRANZISKUS Geheftet M. 3.50, in Pappband M. 5.— In dem Roman, der mit dem Normalschema dieser Gattung gar nichts zu tun hat, und in dem Autobiographisches Gestalt gewonnen haben soll, scheint mir ein Werk vorzuliegen, das für die neue, eben erst entstehende Form der Prosadichtung nicht nur bezeichnend, sondern sogar entwicklungsgeschichtlich von Wichtigkeit ist Münchener Ztg. 30. 1. 18 BERLIN W, VIKTORIASTRASSE 35 Gcutcrkf(l)aft$i)au$. Sonnabend, den 23. Februar 1918: lln'tei'ksIUmiis- Abend des Turnvereins„Fichte" zum Besten der im Felde stehenden Turngenossen. Mitwirkende: 11. Männerabieilung. Lehrlingsabteilung«. 5. Frauen- abteilung.— Das lustige Trio, Berliner Sinfonie- Orchester und andere Einlage«. Ansang 7 Uhr. Sonntag, den 24. Februar 1918; Mittags 2—4 Uhr: Goethe-Bund. MtoM im.LlkMM AlMSle" Herr Hopf, Cello Mitwirkende: ; Herr Otto Kowalski, Bariton. Anjang 6 Uhr. Im Restaurant: MMklMM B. toOSMe vlMge. Heute: Hühnerbrühe a Liter 60 Pf. und darin gekochte _ Hühner"ein halbes 6,00 M. Kaffee Luitpold Motzstr. 15. Solisten- Kapelte. Täglich Auftreten des Pistonvirtuosen Leo Fuhrmann. Eintritt frei. Speisen und Getränke in unerreichter Qualität. Berliner Konzertiiaus Mauerstraße 82. Zimmerstraße 90/91. Hewite• Wohltaügkdts- SJoffpel-Konzert zum Besten der Kaiserlichen Manne veranstaltet von der liebesgabensamraelstelle Stadtrat a D AdaTberc Dahms, W 30, Heilhronner Str. 6, unter Mitwirkung erster Kttnstler und des Berliner Konzerthans-Orehesters, Leiter: Komponist Franz vob Blon. Anfang T*li Uhr. Eintritt 1 M. Alle Verguaas. aufgehoben. Priedrichetr. 166. Ecke Behrenstraße. Ciaire Waldoft Willi Prager Werner Gofdmann u. das hervorragende Pehrnar-Programm. Voigt-Theater. Sadstr 58. Badstr. 58. Täglich 7V» Uhr: S. Diele WAwel! Sonntag, 24. 2.. nachm. 3 Uhr: Mein Leopold. Abend? 7 Uhr: C, diese Ehewänuer: tllliliszisflglsÄ 7'/, Uhr; Deatsehe Tttnre von Schubert. Abrakadabra. Spezialarzt Dr. med. l-izaba beh. schnell, gründL, mögL schmerzlos n. ohne BernsSstür. aeschlechtskrankhell., geheime Haut-, Horn-, Fraueoleiden. Schwäche Erprobteste Methoden Harn- und Blutuntersuchung. KSnigstr. 34j36, mWÄ.. Spr. 10— In, ö— 8, Sonnt. 10—1. MjMW Die »ergröhert ihre Pflanzungen zum Frühjahr aus d-is Doppel!?, und n im ml jetzt weitete Mit- giieder als W Mukwer mit Anteilen zu Ivb M., zu 200•}}<.. zu 300 M. uab bis zu 1000 M. auf. Kriegsanleihe wird zum vollen Nenn- wert in Zahlung genommen. DaS Gemüse wird in unseren MeMlIBMl an die Mitglieder billig abgege- den, bei völliger Ausschaltung des Grast-«nd Klent- Zwischenhandels. Der Ge- winnübcrschust wird als Dioi- dende an die Mitglieder veriei.t. Die alten Mitglieder sind mit Wintergcmüse reichlich versorgt worden. Die jetzt»e« bei- tretenden Mitglieder sind be- rechtigt, schon an der ersten Veririiung von Frnhacmüse teUzuncbmen.— Aufnahme neuer Mitglieder findet statt im Laden Petersburgerstr. 4a: MontagS, Mittwochs, FreilagS 9— 12 und 4— 7, auherdem Sonntag 11— 1. Ferner im Laden Kopenhagcnerstr. 4: Dienstags. Donnerstags, Sonn- abends 10—4 und Sonntags 8—10. Ferner täglich im Aer- waltnngsbureau: Burg- strafte Ä7 414, Zimmer 76 (gegenüber Zirlu» Büsch).• MWkl TttMilM'VeKM. Bcrwaitnngsstelle Berlin, kli 54. Lintenstraste«3—85. GelchästSzeit von 9— 1 Uhr und von 4—7 Uhr. Telephon: Amt Norden 185, 1239. 1987, 9714. Kohrleger u. Helfer. Achtung: Sonntag, de» 24. Februar 1918, vormittags 10 Uhr: Hänchen- Vcrfcinimlung im GewerkschaftShaus, Eng ewser 15, Saal I. Tagesordnung: 1. Bericht über die Vcrhandwngen d. SchlichwngZkommisfion. 2. Neuwahl der Agilalionstommisfion u. des Branchenieitcrs. 3. Verbandsangclcgenheiten. 4. Verschiedenes. Das Mitgliedsbuch ist am Saaleingang vorzuzeigen. In Anbetracht der öusierst wichtigen Tagesordnung ist eZ Pflicht aller Kollegen, pünktlich zu erscheinen. ein wii'tseimftliehsr unseres Handels u. der Industrie wird die Folge dieses Krieges sein. Eine tief- greifende Aenderang unseres gesamten öffentlich. Lebens steht bevor und unzählige Stellen werden neu zu schaffen sein. Es werden daher überall geprüfte und geschulte Krärte gesucht sein. Beamte, Lehrer, Angestellte d. Handels u. d. Industrie sollten nicht versän- men, jetzt ihre Vorbereitungen zu treffen. Das beste Mittel, rasch u. gründlich, ohne Lehrer, durch einfach. Selbstunterricht anf ein Examen vorzubereiten, die Binj.-Preiw.-Prüfung u. das Abitur.-Examen nachzuholen od. die fehlenden kanmänn. Kenntnisse zu ergänzen sowie eine vortr. Allgemeinbildung sich anzueignen, bietet die Selbstunterrichts- Methode„Rustin". AusfBhrl.60 S. starke BroschDre kostenlos durch Bonness& Hachfeld, Potsdam, Postfach 224. Kur für politisch reife Leser! Piinnhl Tor dem Leben. rüröIlPr 60 Pf Verl.,,Ziegel- 1 Kl O"1 brenn er", Münch en23 Sonntag, b«t 24. Februar 1918, vormittags 91/, Uhr: Branchen- Versammlung d. fifpn«, Prtöüs ReoolNttdeehkr n. Dreherlllllkll sowie Rundschltiser im Lehrervereinsbaus, Alerand erplatz. Tagesordnung: 1. Branchenangelegenbeiten. 2. Verschiedenes. KM- Zur besondere« Beachtung! TMI ES ist Pflicht aller Kollegen und Kolleginnen, in dieser außerordentlich wichtigen Versammlung zu ericheineu. Wir machen noch besonders aus das Bei kammlungSwkal Sehrervereiushaus, Alexanderplatz, aufmerksam. 232/7 Die Ditwverwaltnng-. Semn SOMer-sm«. Zahlstelle Berlin. M o« t> g, ben 25, Februar 1918, abeudS 8 Uhr, im Saale 1 des Eewertschaftshauscs, Eugelufer 15: kvnvrsk-�5vrssmm3ung. Tagesordnung: I. Jahresbericht 1917. 29/0 2. ErgänzvngSwohlen. 3. VerbandSangelegenheite« und verschiedenes. WWF» Die Versammlung wird pünktlich eröffnet. Zahlreichen Besuch erwartet Tie Orivverwaltung. Allgemeine Grtskranllenkafle Kerlm-Meißensee Am Dieuseag, den SO. Februar 1918, und Dienstag, den 5. März 1918, abends 8 Uhr. findet in den.Borussia» Festsälrn- zu Berün-Weißen- see, Berliner Allee 2X1, ein MiMer-Wrlm des Spezialartes Herrn De. med. Reaem über Beinleiden statt. 39112 Der Vortrag beginnt pünlt- iich und wird, um Störungen zu vermeiden, mn rechtzeitiges Erscheinen gebeten.— Soweit die zu beiden Vorträgen gülttgen Eintrittskarten nicht in den ein- zelnen Betrieben erbältlich sind, können dieselben in unserem Meldebureau. PistoriuSstr. 17 II, Zimmer 5, in Smpjang ge- nommen werden. Der Borstaod. I. A. fendol. Vorsitzender. Mensch der Vorzeit von Hein- Driesmans. Kund« über nsweise, Sprach« und KnI- tur des vorgeschichtlichen. Men- scheu. Viele Abbildungen und farbige Tafeln. Preis 2,50 M. Hauptexpedition des»Vor- wortsL Linden striche 3, sowie in sämtlichen Filialen. Oos fettlose wasch- und Reinigungsm KiOL&ODO M.schont die Wisehe" I Vom Krieesausschuss zam £. d§! 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Verlesen des letzten Pro- lokolls. 301/3 2. Beschlutzsaffung überAende- rung des 4. Rachtrages zur Satzung gemöp dem Schrei- ben des KgL Oberverftche- rungSamts, und zwar der §§ 19 und evtl 46 sowie Aenderung des§ 60 der Satzung. 3. Verichiedenes. Bertin-Achterfelde, den 21. Februar 1918. Der Vorstand. HanS Fischer, Vorsitzender. , UlveheniuSlile», f Bewürzmäklo». Dünger- wühlen, Haushaltmühleii, mit und ohne Schwungrad, Wandmühien.KaffeemOhl, alle grob ill sei» mablend, i verstellbar. Preis! m. Abbild. uius. Sof.lieferb.IerL i Simon, Berlin Zi', Putbuser Str. 6, ILStockw. spesiswrst Dr. med. Woehenlnii, Friedrichs! 126(Oranienb T.), fürSyphiiis,Harn-u. Frauenleiden Blutuntersuch. Schnelle, sichere schmerzt. Heilung ohne Berufs- Störung. Teilzahlung. 252/12* gpreohstnnd.: XI— 1 u. 6—8. ffüt ff De. rfl061 Jelöfol&aten! Deatsch-Polnisch. 15 Pf. Oeuftch-ArauzojischlSpf. Suchhantiuna vorwärts. Brrlw Auochenmuhlen, Gewür, mühlen, Düngmnnüblen, Oaushaltmüylen mit und ohne Schwungrad. 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Dieses Provisorium solle bis zum Ablauf von sechs Monaten nach Abschluß des Friedens mit den anderen europäischen Staaten, den Vereinigten Staaten von Amerika und Japan gelten. Beiden Teilen sei das Recht der Kündigung vom 1. Juli 1919 an vorbehalten, doch bestehe beider- seits die �Auffassung, daß es zweckmäßig sei, da» Provisorium bis zum Abschluß eines Definitivums aufrecht zu erhalten. TaS Recht der Kündigung sei jeder der Vierbunds mächte für sich be- sonders zugesprochen worden. Der Redner führte dann nähere Einzelheiten über die wirtschaftlichen Abmachungen mit der Ukraine an. Für die Zölle solle während des Provisoriums der allgemeine russische Zolltarif von 1993 gelten, soweit sie nicht im Vertrags- tarif ermäßigt oder gebunden sind. Der Literaturvertrag, der 1913 zwischen uns und Rußland geschlossen worden ist, werde zwischen uns und der Ukraine wiederhergestellt. Von besonderer Bedeutung fei es, daß von der Ukraine das Anerkenntnis erlangt worden sei, daß sie auf Grund der Meistbegünstigung keinen Anspruch auf diejenigen Begünstigungen habe, die wir O e st e r- reich- Ungarn und anderen zollverbündeten an- grenzenden Staaten einräumen würden. Hierdurch sei ein wichtiger Präzedenzfall für künftige Friedensschlüsse ge- schaffen worden. Neben den Grundlagen zur Regelung der allgemeinen han- delspolitischen Beziehungen sei für die Zeit bis zum 31. Juli 1918 eine besondere Vereinbarung über den Austausch der wich- tigsten landwirtschaftlicben und industriellen Erzeugnisse geiroffen worden. Dieser Austausch solle durch Zentralstellen erfolgen. Art, Menge und Preise der auszutauschenden Waren sollen durch gemischte Kommissionen fest- gestellt. werden. Bestimmte Angaben über die zurzeit in der Ukraine verfügbaren Warenmengen hätten die ukrainischen Per- tretc?� allerdings nicht machen können, doch hätten sie wiederholt und in glaubwürdiger� Weise versichert, daß beträchtliche Mengen vorhanden seien. Da die Ukraine ein ebenso große» Interesse au den bon uns zu beziehenden Waren hätte, wie um- gekehrt wir an den Rohstoffen und Agrarprodukten der Ukraine, so sei an dem guten Willen der Ukrainer nicht zu ztveifeln. Tie Ukraine, brauche vor allem industrielle Artikel, besonders landwirtschaftlich- Maschinen und Geräte und Handwerkszeug; es s-l festgestellt, daß diese Waren bei uns bereits jetzt in beträcht- lichem. Maße in ausfuhrfähigem Zustande vorhandxn seien. Die Hauptsache sei, durch Ordnung der Verkebrsderhältnisse einen geregelten Warenaustausch anzubahnen. Abg. List l Eßlingen) erkennt an, daß unsere Unterhändler herausgeholt haben, was herauszuholen war. Die Frage bedürfe aber noch der Klärung, ob und wie der Transport bewältigt wer- den kann. Die Ukraine werde die in den dortigen Häfen liegenden englischen Schiffe zu Transvortzwecken beschlagnahmen müssen. In der Ukraine gibt es viele Manganerze, die uns gesichert werden sollten. UnterstaaiSsekretär Göppert teilt mit, daß die Erzeinfv.br nicht erschwert werden soll. Mit den deutschen Handelskrsisen sind sofort Verhandlungen angeknüpft worden, und' zwar wurde für jede -küarengattung eine Organisation geschaffen. Eilte Kommission wird in der Ukraine die dortigen Vorräte ermitteln. Der Handel ist von Staat zu Staat gedacht. Heranfchaffmtg von Getreide werde sehr schwierig sein, denn das Getreide � liegt noch bei den Bauern. Aber es steht zu hoffen, daß sich der T r a n s p o r t a u f der w o n a u ermöglichen läßt. Allerdings können auf diesem Wcge ftur 300 000 Tonnen im Monat transportiert werden. General Friedrich erklärt dann, daß auf Wunsch der Obersten Heevesleittntg ein paar Dutzend ukrainische Kriegsge- fangen« in die besetzten Ge biete geschickt wurden, um dort die Bevölkerung üher Deutschland auf- zu klären. Antipolnische Agitation ist nicht getrieben worden. a n d e s v e r r a t könne darin nicht erblickt werden. Die 50 000 ukrainischen Kriegsgefangenen find in Deutschland im Lesen und schreiben untermchtet worden, sie werden in ihrer Heintat die Wahrheit über Deutschland vcrbreften. Abg. Erzberger(Z.) hält dieses Borgchen für sehr dankenS- wert, damit liefere man der Ukraine Leute, die sich für die Ber- waltung sehr nützlich erweisen werden. Abg. v. Trampczynski(Pole) erklärt, daß er seine Vorwürfe aufrecht erhalte. Im Gouvernement Cholm sei von diesen Gefangenen, die in phanwüischen Uniformsn durch da» Land zogen, antipolnische Agitation getrieben worden. . Abg. Dr. Golm(Unabh.©oz.): Gegen den Unterricht, der den Gefangelten erteilt wurde, ist nichts zu sagen. Aber der Zweck. den man damit verfolgte, sei zu verurteilen. Weshalb habe man die irischen Gefangenen in einem besonderen Lager vereinigt? Doch auch nur zu Zwecken politischer Agitation. Die ukrainischen Gefangenen find ganz systematisch zu Agitatoren ausgebildet wor- den.®fctti hat' ihnen damit zu verstehen gegeben, daß ihr Fahnen- eid nichts mehr gelte, das war die Verleitung zum Lau- des verrat. Abg. R,skc(Soz.): Daß in den Gefangenenlagern Kultur- arbeit geleistet wurde, ist erfteulicb. Die Herausziehung einzelner' Eefaugenenkategorion ist unter Umständen sicher anfechtbar. Das bat man aber in anderen Ländern auch getan. So behandelt Frankreich die Elsässer, Rußland die Tschechen besser als andere Gefangene. Wenn nicht mehr geschehen ist, als bis jetzt festgestellt wurde, so ist dar Regierung kein Vorwurf zu machen. Hätte man Leute aber zum Kämpf gegen ihr eigenes Land ver- leitet, dann wäre das zu verurteilen. Abg. Prinz Schönaich«Garosath(natl.) findet das Vorgehen der Militäroerwaliung durchaus berechtigt. � Abg. Dr. Roesicke(k.) meint, der dem Zaren geleistete Fahneneid konnte nicht mehr gebrochen werden, nachdem das za- rifche Regiment nicht mehr existierte. General Friedrich polemisiert gegen den Abg. Gohr.; der Vorwurf, das Kriegsministerium habe zum Landesverrat verleitet, Müsse scharf zurückgewiesen werden. Geheintrat Pettck, der bekannte Geograph der Berliner Uni- versität, hält dann einen Bortrag über die geschichtlichen Grenzen der Ukraine. An der Hand eines Kartenwerkes zeigte er die Gren- zeit der Sprachgebiete, die vielfach in Form von Halbinseln inein- ander eingreifen. Zum Teil wurden aus diesen Halbinseln In- sein, die dann dem Sprachgebiet vorgelagert sind. Die jetzt ge- zogcne Grenze ist eine Vereinbarungsgrenze. Das C holmer Land ist unstreitig ukrainisch, das ergibt sich schon dar-' aus. daß die Bevölkerung nur zum kleineren Teil polnisch ist. Abg. Trtimpzynski(Pole) bestreitet die Richtigkeit dieser karto- graphischen Dorstellung unter Berufting auf einen ukrainischen Autoren. Die Entscheidung tntiß der Bevölkerung selbst über- lassen werden. ?lbg. Seyda(Pole) bedauert, daß dieser Vortrag nicht eher dieses Gebiet zum großen Teil verlassen hat. Abg. Erzberger(Z.) zählte einige Bezirke auf, die ein« über» wiegend polnische Vevwlkerung haben, deren Lage Professor Penck auf der Karte zeigt. Wenn man diese Priuzipiett auf K a r la nd anwende, dann sei Kurland kein vorwiegend deutsches, sondern ein lettisches Land. Hoffentlich finde die gemischte Kommission einen befriedigenden Ausweg. Abg. Gothcin( Vp.) bedauert, daß die Frage des Schutzes der nationalen Minderheiten in dem Vertrag über- Haupt nicht berücksichtigt worden ist. Gehet mrat Penck verteidigt seine Stellungnahme. Die ethno- graphische Karte von 1873 sei nicht sein Werk, er habe sie nur vor- gelegt. Das statistische Material ist sehr lückenhaft und auf seine Richtigkeit nicht zu kontrollieren. Der Bevölkerungszuwachs ist ohne Zweifel willkürlich verteilt worden. Graf Mirbach berichtet dann über seine Erfahrungen in Petersburg als Leiter der deutschen Kommission. Da» Tempo, in dem sich die Entwicklung in Rußland vollzieht, ist geradezu phantastisch. Stell- ten stüher die Kadetten das freiheitlichste bürgerliche Element dar, so gelten sie heute als Reaktionäre. Die gestaltende Kraft geht den Bolschcwiki ab, sie haben kluge Führer, aber es fehlt ihnen die Disziplin. Der Wille zu einer Verständigung mit uns hat wohl nie ernsthaft bestanden. Den Bolschewiki lag nur daran, ihre Ideen zu verbreiten. Bei den Beratungen über den Postver- kehr legten die Bolschcwiki eigentlich nur Wert auf die Versendung von Druckschriften. Die Presse ist geknebelt, die Ber- Haftungen sind zahllos, mit allen Mitteln des Terrors wird gearbeitet. Die Ermordung der kadettischeu Minister war das Schlimmste. Unter den Massen herrscht volle Anarchie. Den Bolschewiki ist die Bewegung osfenbar über den Kopf gewachsen. Ihre Versuche, Ordnung zu schaffen, hatten kein Resultat. Im Smolny-Jnstitut war man enttäuscht darüber, daß in Deutsch- land keine revolutionäre Bewegung Wurzel ge- schlagen hatte. Die führenden Bolschewiki lassen sich scharf be- wachen,«in Beweis, daß sie sich auf die Liebe des Volkes nicht stützen können. Die deutsche Kommission stand untex strenger Bewachung, um mit anderen VolkSkrei- s e n nicht in Berührung zu kommen. Deutsche Ge- fangene befanden sich bereits in Petersburg, sie sollten wieder zurück, erst als die Kommission abreiste, zog man diesen Befehl zurück. Der Kommission sind bei der Abreise keine Schwierigkeiten in den Weg gelegt worden. Der schwedische Gesandte in Peters- bürg ist in weitgehendstem Maße bemüht, für die Deutschen in Ruß- land zu sorgen, ihm gebührt uneingeschränkter Dank. Tie Aussprache wandte sich nun wieder den Wirtschaft- 1 1 ch e n Fragen zu. Abg. Gothcin(Vp.) beurteilt die in der Ukraine vorhandenen Getreidevorräte sehr optimistisch. Tie Vorräte müssen noch im Laude sein, weil die Verkehrsschwierigkeiten den Abtransport nicht ermöglichten. Wir können au» dem Lande aber nur dann Vor- räte herausziehen, wenn für Ruhe und Ordnung gesorgt wird. Der Friede mit Rumänien könne uns einen brauchbaren Schienenweg nach der Ukraine bringen. Jedenfalls dürfe man zu Der n bürg als Leiter der Ausfuhrorganisation volles Ver- trauen haben. Abg. Mayer-KaufbeuvÄi(nil.) behandelt die Frage des Ab- transporte» von Getreide attS der Ukraine. Abg. Roske lSoz.): Wir brauchen so rasch als möglich Lebens- mittel. Momentan allerdings haben wir nur einen Papier- frieden, der hoffentlich bald zu einem Brotfrieoen wird. In der Ukraine herrscht ohne Zweifel Anarchie, die Regierung dürfte nicht viel Macht hinter sieh haben. Wenn dort für Ruhe und Ordnuitg gesorgt werden soll, ist für uns größte Zurückhaltung am Platze, denn Tank werden wir später kaum dafür ernten. Der Viehreichtum in der Ukraine ist durch den Krieg zweifellos so vermindert worden, daß allzu große Hoffnungen auf eine reichliche Zufuhr nicht berechtigt sind. Der ganze Handel wird in der ersten Zeit sich in der Form des Tauschhandels abwickeln; die Bereit- stellung von � Austauschmiiteln wird aber recht schwierig sein. Unbedingt muß verlangt werden, daß die erfaßten Vorräte der Ra- tionierung unterstellt werden. » Zu Beginn der Rachmittagssttzung ergriff zunächst der Mi- nisterialdtrektor vom Auswärtigen Amt, Kriege, das Wort zu Darlegungen über die Ber Handlungen der Rechtskommissionen in Brcst-Litowsk. Er wieL auf die SchivterigkeUen hin, die sich für die Vcrhandlun- gen daraus ergaben, daß die Vertreter der Ukraine keine iirter- nationalen Juristen, sondern Nationalökonomen und Advokaten waren. Es wurde von ukrainischer Seite zunächst sogar vorge- schlagen, die ganzen Rechtsbeziehungen ungeregelt zu lasse it. Nur auf energisches Drängen erfolgte die in dem Haitptvcrtrag und dem Zusatzvertrag niedergelegte Vereinbarung. Und zwar sind in dem Hatiptvertrag die alle Vertragsschließenden betreffenden Materien geregelt, Wogeyen der Zusatzvertrag nur die zwischen Deutschland und der Ukraine geltenden Abmachungen enthält. Der zu Beginn der Brester Verhandlungen überhaupt aufgestellte Lettsatz, daß Kriegskosten und Kriegs- schätzen als unter den gegenseitigen Verzicht fallend anzusehen sind, ist natürlich auch der Ukraine gegenüber zur Anwendung ge- langt. Dagegen ist der Standpunkt, daß alles, was Deutsche im feindlichen Ausland— nicht im Kriegsgebict— erlitten haben, »ollständig zu ersetzen äst, mit aller Energie gewahrt worden. Dies' betrifft insbesondere die Schäden, die den Ausländsdeutschen durch gehässige Sondergesetze nacb englischem Muster zugefügt wor- den sind und andererseits die Entschädigungen für Völkerrechts- widrige Gewaltakte durch Bevölkerung und Behörden. Unter tzen ersten Punkt fallen die durch die Beaufsichtigung, Verwahrung, Verwaltung und Liquidation zugefügten Schäden, unter den zivei- ten das durch Jnternierung, Verschickung nach Sibirien und das Vorgehen ungetreuer Verwalter geschehene Unrecht. Die durch geg- nerische Gesetzgebungsakte hervoogerufenen Vermögensverlusw sollen durch Entschädigung gutgemacht werden, sowett nicht Restitution möglich ist. Und zwar hat die Rückgabe zu erfolgen, trenn auch die betreffendcn Vermögensgegenstände in die Hände Dritter übergegangen sind. Dem sollen alle unrechtmäßigen Ge- waljafte von Behörden und Bevölkerung gleichstehen. Dem Einwand der ukrainiichen Delegation,.daß nicht sie, sondern die zaristische Regierung die Verantwortung für tzie Getvaltakte träfe, ist insofern entgegengekommen worden, als ihnen Zeit zur Auseinaudersetzung mit der russischen Republik gelassen und festgesetzt worden ist, daß die endgültige Auseivander- setzung erst spätestens beim Friedensschluß erfolgen soll. Aus �dem Erreichten werden die Deutschen im Auslande ersehen, daß wir ihre Klage nicht bergessen haben, sondern ihrer eingedenk getoesen sind. Betreffs der Staatsverträge ist vereinbart worden, daß alle alten Verträge einstweilen in Kraft treten und mindesten» 9 Monate bestehen bleiben sollen, Bis man sich darüber schlüssig wird, ob sie zu ändern sind. _ Unsere Vorschläge übcr Wiederherstellung der Privatrechte, die in jahrelanger Arbeit zwischen den Refforts und den Interessenten- Verbänden ausgearbeitet worden sind, sind von den Ukrainern in der vorgeschlagenen Form angenommen worden. Betreffs des Aiistausckies von Kriegsgefangenen und Zivil- internierten hat mau sich im Prinzip gewnigt. Die Einzelheiten müssen den Kommissionen überlassen bleiben. Unter dem Kapitel„Fürsorge für Rückwanderer" ist Fürsorge für die deutschen Kolonisten in Südrußland getroffen worden. Wir haben Garantien dafür erlangt, daß wir unsere Volksgenossen an uns sieben können. Es ist festgesetzt worden, daß sie auswandern und ihr Vermögen mit sich nehmen dürfen. Auch dürfen sie, selbst wenn sie die deutsche Staatsangehörigkeit noch nicht wieder erlangt haben, mit deutschen Diplomaten und Konsuln in Verkehr treten. Ebenso haben wir durchgesetzt, daß die deutschen Kolonisten in gleicher Form von der Ukraine für die erlittenen Schäden entschädigt werden, wie die ukrainischen StaatSange- hörigen. Außer Bestimmungen über?! m n e st i e-Srlatz sind in den Verträgen Abmachungen über die Wiederherausgabe in die Gewalt des Gegners geratener Kauffahrteischiffe getroffen. D i e in den Häfen des Schwarzen Meeres in die Gewalt der Ukraine geratenen deutschen Kanffahrtei- schiffe sollen ausnahmslos zurückgegeben wer- de n. Die einzelnen Artikel des Hauptvertrayes werden ohne Wider- spruch genehmigt. Abg. Müller-Meiningen(Vp.) und Abg. Tr. Jnnck(natk.) sprechen sich labend über die juristische Owaltsikation des Friedensvertrages aus. Abg. Müller-Meiningen hätte die Aufnahme eine» Schiedsgerichts- Paragraphen gewünscht, um Zweifels- fragen auf diese Weise zu erledigen. Bei Artikel 3 des Zusatzamtrag�, der sich aus die Ratifikation der Verträge bezieht, schneidet Abg.-Dr. Eohn(Unabh. Soz.) die Frage der Auslieferungsverträge cur, die längst nicht mehr zeitgemäß sind. Solleu diese Verträge auch mit der Ukraine tmgewendet werden? Geheimrat Kriege antwortet, daß die � Aus- lieferungsverträgs auf moderne Grundlagen gestellt werden sollen, und zwar soll daS ntit aller Beschleunigung geschehen.— Zu längeren A us einanders e tzu ngen führte die Frage, ob die Ukraine Entschädigung leisten muß, falls sie Boden ent- eignet, der Ausländern gehört. Jpsbesimdere körnen dabei Polen in Betracht, die im Königreich Polen wohnen, aber z. B. auch im Gouvernement Cholm Grundbesitz haben. ES wird erklärt, daß protokollarisch festgelegt ist, daß Deutsche in diesem Fall entschädigt werden müssen. Allerdmgs ist diese protokollarische Erklärung nur einseitig erfolgt und trägt daher mehr den Cha- rakter einer Rechisverwahrung. Die weiteren Kapitel wurden ohne wesentliche Debatte er- ledigt. Abg. Dr. Junck(nall.) erörtert dann die Frage, ob der Vertrag der Zustimmung des Reichstags bedürfe. Diese Frage sei zu bejahen, denn ein Teil der Fragen erfordert unbedingt die Zustimmung de» Reichstags, so z. B. die Handels- politischen Abmachungen. Diese Fragen können aber nicht �von den anderen getrennt meiden, deshalb müßten die Wertwäge dem Reichstag als Ganzes vorgelegt werden. Abg. Gröber(Z.) tritt dieser Auffassung bei, denn man könne 'die Verträge nicht einfach auSsinanderreißen. Diese Verträge haben eine solche Bedeutung, daß der Reichstag nicht übengangen werden kann. Wenn 1871 anders verfahren wurde, so sei nicht zu übersehen, daß wir heute doch in ganz anderen Zeiten leben. Llbg. Graf Westarp(k.)t Nack, Artikel 11 der Reichsverfassung 'bedürfen der Zustimmung des Reichstags nur die Punkte, die in tzie Reichsgesetzgebung eingreifen. Diese Trennung ist nicht nur möglich, sondenr direkt geboteu. Das Recht, Frieden zu schließen, steht einzig dem Kaiser zu. In diesem Friedensvertrag ist die Sacke ohne Bcdeittung. bei anderen Verträgen aber kann sie von Bedeutung sein. Der Reichstag kamt Stellung nehmen zu den Friedensverträgen, aber die Entscheidung darf nicht in seinen Händen liegen. Ilbg. Dr. SLbekum(Soz.): Diese Beweisführung geht fehl. Der Kaiser ist zum Abschluß solcher Verträge berufen, aber da» schließt nicht aus. daß«mdeve Körperschaften mit herangezogen werden. Ter Kaiser hat 1900 dem Zaren den Rat gegeben, sich für den Frieden mit Japan der Zustimmung der Volksvertretung zu versichern'. Damit hat er selbst tzen erfvvderlichen Kommentar gegeben. Abg. Müller-Meiningen(Vp.) schließt sich dem an, schon des- halb, weil solche Verträge nicht in einzelne Teile zerlegt werden köuiten. � Abg. Gröber(Z.) weist gegenüber dem Grafen Westarp darauf hin, daß solche Verträge nur an Wert gewinnen können, wenn sie von der Zustimmung der Volksvertretung getragen sind. Die Vorträge müssen im ihrem vollen Umfange dem Reichstag vor- gelegt wc rtzen. Abg. Graf Westarp(k.) hält daran fest, daß solche Verträge der Zustimmung de» Reichstags nicht bedürfen. Abg. v. Halem(Disch. Frakt.) schließt sich dieser Anficht an. Geheimrat Kriege: Wenn ein solcher Vertrag vorgelegt wird, dann kommt damit zum Ausdruck, daß er dem Reichstag als Ganze» vorgelegt werden soll. Dafür sprechen insbesondere auch politische GesichiSpunAe. BK der Abstimmung wird der Friedensvertrag gegen die Stimmen der Abgg. Lcdebour und BrandeS angenommen. Die Polen hatten sich vor der Abstimmung a«S dem Saal« entfernt._ weitere Verschlechterung öer wahlrechtsvorlage. M» vorlSufiger Abschluß. Unbekümmert darum, daß er den Kernpunkt der Wahl- rechtsvorlage in sein Gegenteil verwandelt hat, hat der Wahlrcchtsausschntz des Abgeordnetenhauses seine Bcratun- gen fortgesetzt, ja er ist sogar zu einem gewissen Abschluß gekommen. Aber«in Blick auf die Beschlüsse lehrt, daß sie wohl für ein gleiches, nicht aber für ein Pluralwahlrecht passen, so daß sich große Unstimmigkeiten ergeben. Andere wichtige Fragen sind zwar beraten, aber noch nicht ent- schieden, sondern einem Unterausschuß überwiesen. Die ganze Arbeit, ans die viele Wochen verwendet sind, ist deshalb Stück- und Flickwerk. Aber das mag noch hingehen, man ist vom Dreiklassenparlament schlechtere Leistungen ge- wyhnt, wenn nickst auch in der letzten Sitzung bei jedem Punkt die Absicht einer weiteren Verkümmerung des Wahlrechts zutage getreten wäre. Der Mehrheit genügt es nicht, daß sie dem Kreis der Wahlberechtigten er- beblich eingeschränkt und daß sie das gleiche Wahlreckst zu Falle gebracht hat, sie sinnt auf immer neue Mittel, das höchste Recht des Volkes zu verkümmern.' Sie will die Wahl- Pflicht einführen, in der Hoffnung, dadurch der Sozial-. deinokratie Abbruch zu tun, sie fordert st ä n d i g e W ä h l e r> l i st e n nach Art der Landgemeinde- und Städteordnungen, um die Arbeiter, die durch die wirtschaftlichen Verhältnisse zum häufigen Wechsel ihrer Arbeitsstätte gezwungen sind. noch weiter zu e n t r e ch t e n, sie beantragt die Ver- hälwiswahl, aber nicht allgemein, sondern nur dort, wo die Sozialdemokraten und die Polen dadurch geschädigt werden. Und das nennt sich Wahlreform. Vielleicht gelingt es dem UnteraiKschuß, der jetzt zunächst weiterzuarbeiten hat, noch andere Verschlechterungen auszu- tüfteln. Es fragt sich nur, ob die Wähler sich das auf die Dauer gefallen lassen.. � In der TonuerKiagssitzung*dcs Landtagsausschusics für die Vcrfassimgsvorlage boantragteu die Konservativen, einen neuen § 31 einzufügen. Hiernach soll jeder Wähler verpflichtet sein, seine Stimme abzugeben und nur ernste Erkrankung, unaufschiebbar« und'wichiige Geschärt« und sonstige besondere Verhältnisse sollen davon entbinden. Wer unrntschülbigt seine Stimme nicht abgibt, soll die Kalbe Einkommen- ftettn, mindestens«5fr 10 M. Strafe jaülw. Gegen die Höhe ist Beschwerde beim Neyierungspräsidenten zulässig. Der nationÄliberale Wahlpflich'.amtrag setzt die Strafe auf 1— 50 W. und auf den dreifachen Steuerbetrag fest. Minister des Innern Dr. DrewS bezeichnet die Wahlpflichtfrage als«ine reine ZweckmähigkeitSfeage. Die Fest- stellung der Entschuldigungsgründe werde iminer schwierig sein. Die Regierung sei in erster Linie gegen die Wahlpflicht. wolle der Ausschuß sie aber einführen, so sei der konservative An- trag vorzuziehen. � Ein Fortschrsttler wünscht, daß die Wahlen stets an einem Sonntag stattfinden, weil dann die geschäftlichen Abhaltungen auf ein Mindestmatz sinken. Damit man sich über die Folgen klar werden könne, stimmen die Fortschriitler auch für den Grund- satz der Wahlpflicht. Gegen die Stimmen des Sozialdemokraten und des Polen spricht sich der Ausschuß grundsätzlich für die Wahlpflicht ans und überweist die borZiegenden Anträge einem Unterausschuß. Einer konservativen Anregung auf Anlegung stöndiger Wählerlisten tritt der Sozialdemokrat entgegen. Dieser Antrag laufe wiederum auf eine Schmälerung dcS Wahlrechts für graste Teile der Bevölkerung hinaus, namentlich werde das fluktuierende Element dadurch geschädigt, denn wenn ständige Wählerlisten eingestührt werden, so wird die Folge die sein, daß jemand, der zwar sonst olle Voraussehnngen des Gesetzes erfüllt, aber am Tags der Auslegung der Listen noch kein Iah? in der Ge- msinde wohnt, fein Wahlrecht derlient, obwohl er am Tage der Wahl selbst die. Vorstedingirng der einjährigen Aufenthaltsdauer erfüllt hat. Im übrigen wende den Gemeinden daraus ein ungeheures Maß von Arbeit erwachsen, wenn sie neben den GemÄndewählerlistsn noch fortlaufend besemdere LandtagS- wähleNlisten aufstellen müssen. Ein Ministerialdirektor berichtet, daß er bei seinen zahlreichen Revisionen noch niemals eine richtig aufgestellte Gcmeindewähler- liste gefunden habe.' Auch diese Frage wird dem Nnterausschuß überwiesen. Darauf werden die wahltechni scheu Bestimmungen der ZZ 5—14 angenommen, nur Z 14 wird durch einen nationaliberalen Zusatz- arttrag dahin geändert, daß jeder Wähler so viel Stimm- z eitel abzugeben hat, wie ihm Stimmen zustehen. Ein fort- schrrttlicher Autrag, der die Wählbarkeit wie bisher schon nach ein sähniger Staatszugehörigkeit eintreten lassen will, während die Regierungsvorlage drei.Jahre fordert, wind abgelehnt. Der Minister des Innern erklärte im Laufe der Deb«ite, daß die Negierung als ktzegnerin des PluraswahlrechtS selbst keine Veranlassung'habe, Anträge zu stellen, sie sei aber. bereit, Auskunft zu geben, in welcher Rich- tung infolge des gestrigen Beschlusses gesetzgeberische Aenderungen erforderlich seien. Ein nationalliberaler Antrag, tovnnch an der Bewegung verhindert« kriegsbe schädigte Wähler auf Kosten der Gemeinde in das Wahllokal zu befördern sind, wird dem Unterausschuß überwiesen. Nunmehr wird die Frage beö BerhältuiSwahlsystems besprochen. Ein fortschrittlicher Antrag will, wen-n mehr als 200 000 Einwohner auf einen Abgeordneten kommen, für jede weiteren angefangenen hunderttausend Einwohner ein neues Mandat schassen. Für Berlin mit 20 Abgeordneten, die Regierungsbezirke Posen mit 19, Bromberg mit 10 und Marienwerder mit 10 Abgeordneten sowie in 25 wetteren großstädtischen oder h o ch i n d u st r i e l l egl Wahlkreisen soll die Berhältni s- wähl eingeführt tverdeu, und Mar entsprechend den im Reiche vorgeschlagenen Pro porzbe ftimmun gen. Ein nationalliberaler Antrag will die Verhältniswahl für alle Wahlbezirke mit mehr als zwei Abgeordneten und für gemischtsprachige Wahlkreise einführen, sofern mehr als ein Abgeordneter zu wählen ist. Für die letzteren Wahlbezirke soll das der. kömglichen Verordnung überlassen bleiben. AlS gemischt- sprachig gilt ein Wahlbezirk, wenn nach dem Ergebnis der letzten VoUszählung wenigstens ein Fünftel der Bevölkerung nicht deutsch als Muiwrsprache spricht. Dieser Antrag wird dahin begründet, daß auch die Minderheiten vertreten sein müssen. Ein Fortschrittlcr führte auS, daß feine Fraktion geteilter Meinung darüber sei, ob der Proporz für den ganzen Staat eingeführt worden solle. Es gäbe Fälle, in denen eine groß« Min- dorheit unberücksichtigt bleibe, besonders in großeil Industrie- zeirtroir und gemischt sprachigen Gegenden. Da-Z System müsse sich an die neue ReichstagSvorlagc anlehnen. Minister des Innern Dr. TrcwS: Die Gründe für die Bor- hältmswcchl haben sicherlich ein bedeutendes Gewicht, die Rechfruug dürfte geneigt sein, sich ihnen anzuschließen; zweitmäUg wird dasselbe System wie im Reiche mizuwmden sein. Angebracht erscheinen die Verhältliiswoblen dort, tvo es sich um s e h x dichtbevölkerte Wahlkreise handelt, um so er- heWichen Minderheiten Gelegenheit zu geben, daß sie unter nor- malen Verhältnissen allein einen Abgeordneten Ivählen dürfen. Für die gemischtsprachige« Gebiete erscheint die Verhältnis- wähl besonders ang«zeigt. Ein Konservativer betont, daß sein« Partei die aller- schwerst«n Bedenken für das Berhälw iswahlrecht habe, auch ein Zentrumsredner hat sehr große Bedenken. Der Sozialdemokrat erklärt, daß die Sozialdemokratie in ihrem Programm das Verhältmswahlstistem fordere, aber die Ver- hält-niswahleu gairz allgemein und nicht etwa nur für be« stimmte Bezirke. Die Botfage, die«rgenblicklich dem Reichstag nnteickreitet sei. bedeute einen Schritt zur ErveichunG dirses Zialss. Der nati»valkber«Ie med der sortschvittsiche Antrag d«gegs,i s»i»« ganz«vderS zu bewerten, dsnn sie wollen die Bachäkruswohl nirr dort einführen, tvo die Palen die Mehr- Heist cßpexi itad die fKeustscheu in der Minderheit sind. zweiiMFdart. wö in dichtbevölkerten WabliT eisen die bürgerlichen Parteien in der Minderheit sind. Es handle sich also ganz zweisel- loS um ein Ausnahmegesetz. Aolle jnetn dezr Antragen diaswi Charakter nahman, dann mütze man' die Verhältniswahlen auch dort einführen, wo die Sozial- demokralon«ine starke Minderheit bilden. Zkgch&em noch ein Fortschrittler erklärt hatte, der Antrag ferner Partei sei kein Ausnahmegesetz gegen die Polen, sondern nur von sachlichen Gesichtspunkten eingegeben, gingen die Anträge an den Unterausschuß, der auch die WahlkreiSeinsteilung varbe- reiten soll. Damit find die Arbeisten des VersassungSausschusses vor» länfig z n Ende. Je nach dem Stande der Arbeiten deS Unterausschusses wird dir nächste Sitzung einberufen werden. In der nächsten Woche tritt das Plenum des Abgeordnetenhauses tvioder zusammen. GewerkßhaßsbeWElmg «»der 100 00« Mit,li«d«r. Der Deutsche Met«llarbeiter-V«rband hat, wie auS dem Ergebnis der Evheiunqen über die Nit,kiede»tew»g»»ng vom 27. Januar bis zum 2. Februar 1918 hervorgeht, nunmehr das vierte Hunderttausend überschriitcn. Die neueste Nummer der»Metallarbeiter-Zeirung' betont hierzu: »Unsere unter' de» Waffen stehenden Kollegen mögen aus dieser Tatsache von neuem die Zuversicht schöpfen, daß sie am hoffentlich bald eintretenden Sud« des Kriege» in«ine mrerschüttert dastehende Gewerkschaft zurückkehren können, die imstande ist, fich ihrer Wünsche und Forderungen mit alter Talkraft anzunehmen. Und wahrlich, Arbeit wird es genug geben für tzen Deutschen Metallarbeiter-Ver- barid! Sie wird um so leichter werden, je stärker, je mehr nach außen und innen gefestigt der Verband dasteht. Darum auf, mit frischer Tatkraft, daß bald die halbe Million Mitglieder wieder erreicht werde!" Die Angestellte« der �irma Loewe u. Co. beschäftigten sich in einer von den»vrreinwten Angesiellienverbänden einberufenen Versammlung mir der Tatiakeit des Angestellten- auSschusseS. Nach einem Bericht deS Ausschusses über die Ver- dandlungen mit der Direktion besprach Krüger vom Verband der Vureananeesiellien das Verbalien der Direktion gegenüber den Wünschen der Angestelliem Dieselben verlangen eine Erhöhung der allgemeinen Tenerungszulaae und der Gehälter der kaufmännischen Angestellten. Die Teuerungszulagen sind niedriger als in den meisten größeren Industriebetrieben, und daß auch die Gehälter der kauf- mäimischen Angestellten den berechtigten Ansprüchen nicht genügen, wurde an zahlreichen Beispielen nachgewteien. Es gibt noch Anaestellte mit 70 M. Gehalt und ein LOjähriger Angestellter be- zieht ein Gehalt van 110 M. Ferner wünschen die Angestellten, daß eine Herabsetzung oder Entziehung der Teueruugsrulage nur nach dreimonatlicher Kündigung erfolgen kann. Die Direktion' hat sämtliche Wünsche der Angestellten abgelebiit. Sie hält da? jetzige Einkommen der Angestellten für misreichend. Berüglich der Kündi- imig der Teuerungszulage verlangt sie Vertrauen von den An- gestellten, sie werde ihnen die Teuerungszulage geben, folanoe die Teuernili bestehe. Die Direktion habe ja den Kriegsteilnehmern «uck die llnterstützungen nur für eine bestimmte?,eit zugesichert. jedoch bisher immer weitergezahlt. Wie iebr die Direktion da? Vertrauen der Aniestellleii verdient, zeigte sich dann sehr schnell. Gegen das Protokoll der Sitzung des Ausichiisses mit dem DirektionS- vcrireter hatte der Ausschuß Einspruch erboben, weil dasselbe ,war die Ausführungen deS Direktionsvertreters, aber nicht die Aus- führungen der Angesielltenvertreier enthält. Eine Stunde noch Ab- gäbe dieses Einspruchs erhielten neun von den vierzehn Ausschuß- midDliedern und Eisatzmäimern die Aufforderung von der Dir»kiion ihr Amt nlfdeqiilegen. da ihr Einkommen den Benag von L0»S M. jetzt übersteige und sie deshalb die Wählbarkeit verloren HLiien. Dieses Verlange» ist jedoch unberechtigt, weil der ReichstagSanSschuß tür d«s HilfSdienstgesetz im Einverständnis mit dem Kriegsamt und den«»denn, zuitinditzen Behörden beichl»fien hat, daß die einmal zewähltwi Pgetretcr bei Uebersteigen der iO0»-M«rk-EhKnze nicht audtustdaiden brau che». Außerdem wurde der Nbrnann d»s Au«- schnNaö in eine andere Abtchlun, strafversetzt, angebsich.«eil von i»ii««n Ab:»ilring«»»rst«Her Beschwerden gegen seine Arbeil vor- legen. SaS Uerk«lten der Firma wurde einer scharfen Kritik unter- jagen. Die Zahlung der Unterstützung an die Kriegsteilnehmer be- weise gar nichts, denn es wäre ja noch schöner, wenn eine Firma, die aus den Kriegsgewinnen 32 und 35 Proz. Dividende zahle, nicht einmal die Familien der eingezogenen Angestellten unterstützen wolle. Wenn die Firma versuche, in die Einigkeit der Angesteulen einen Keil hineinzutreiben und die energische Vertretung der Angestellteninteressen zu verhindern, so müßten die Angestellten mit aller Entschiedenheit hinter ihren Vertrauensmännern sieben. An den mir großem Beifall aufgenommenen Bortrag schloß sich eine kurze Aussprache; alsdann wurde nachstehende Entschließung einstimmig angenommen: ..Die äußerst zahlreich besuchte Versammlung der Angestellten der Firma L»ewe bedauert, daß die Direktion gegenüber den Wünschen der Anecstellten kein Entgegenkommen gezeigt bat. DaS Einkommen der Angesiellten entspricht aber in keiner Weise den TeuerungSverhältnifien. Ter AngestelllenauSschuß wird daher beaustragt, den SchlichtringsauSschuß anzurufen und zu versuchen, dort eine Einigung über eine Erhöhung der Gehälter und Ten- rungSzulage herbeizuführen. Die Versammlung protestiert gleich- zeitig gegen die Versuche der Firma, den AngestelllenauSschuß zu iprengcn und fordert die Vertreter auf, ihr Amt unter allen Um- ständen weiter zu versehen."_ Die Leipziger Gewerkschaften. AuS dem Bericht des Leipziger Gewerffchaflskartells führten wir hie Zahlen über den Rückgang der Mitgliederzabl der Leipziger Gewerkschaften im Jahre 1917 an. Die'„Leipziger VolkSzeining" betont nun, dieser Rückgang sei nur scheinbar, hervorgerufen durch die Absplitlerung vom Kartell, in Wahrheit hätten die Leipziger Gewerkichasten gegenüber dem Vorjahr 4000 Mitglieder gewonnen. Selbst wenn die Angaben der»L. V." richtig sind, bleibt die Tat- fache der Zersplitterung und einer erhebliche» Schwächung der Selbst wenn die Angaben der»L. Leipziger Gewerlschaftsbewegiing im Jahre 1917 als Schuld der Unabhängigen bestehen.__ VerbaudStag der Böttcher. Vorstand und Ausschuß deS BLttcherverVandeS bevnfeu zum 47. Jjini nach Wüvzburg den 13. VerbaudStag ein. In dem An- fttzNften an die BerbaiidSmitFlledcr wird der Meinung Ausdruck »»geben, daß nach menichlichein Ermessen der Krieg sich wohl in seiner letzten Phase befinde und daß diese Erk-iiiitniS dazu zwinge. diejenigen Maßnahmen und Einrichtungen zu treffen, die notivendig sind, um den Verband mit Kriegsende widerstandsfähig und schlag- fertig zu gestalten._ Die Kriegsteuerungszulage— ein Teil des Lohnes. Eine Entscheidung, die weitere Kreise interessieren dürfte, wurde am 19. Februar von dem SchlichtungsauSschuß beim Bezirks« iommando Augsburg getroffen. In der Spinnerei am Sfcidstrnch in AugSbrwg lond seit»»rcnnner Zeit mfolge Mangel an Roh- n>«tm«l irnt vaetGrzter Arbeits ,«U ee«»b„»»t. Um b«n Arbeiten! für den erzielten Mlnderverdienst einen AuSgkeich zu biete«, gewährte die Direktion eine KrtegSteirsvungszulaqe von 4 M. pro 14tng>gen Zahllag und eine Kindsrznlage von 3 Pf. pro Arbeits- stunde. Obwohl das Unternehmen einen sehr günstigen Geschäfts- abschlug zu verzeichnen hat— eS verteilt bei reichlichen Abichrei- bungen und Rücklagen 10 Proz. Dividende— wurde den Arbeitern vor einiger Zeit, nachdem inzwischen ein Wechsel in der Betriebs- ' um eti die.Ktnde»ziil»ge«nl leilung erngelrelen war, sowohl die Kriegsteuerungszulage wie auch Ter iS-tiu« h»r tivfortec.«sie Strebten zirr MMfangigniotbun z dieser Maßregel z» bewegen, blieb erfolglos, so daß sie den Be- schwerdeweg zum SchlichtungSauSschuß betraten. Nach mehr- slündiger Verhandlung vor dem Schl'chtungSauSschuß erließ dieser folgenden Schiedsspruch: „Wenn auch anerkannt werden muß. daß die Lohnsätze der Boumwoll'pinnerel am Sradtpark in Augsburg nicht niedriger sind. als jene in anderen ähnlichen Betrieben in Augsburg, so bleibt doch die Tatsache bestehen, daß die Arbeiter der Boumwollipmnerei wegen nickl immer vorhandener voller Beschäftigung und Verdienst- Möglichkeit nichi imstande find, die in der Lohnausstellung pro Zahl- rvg ausgewiesenen Beträge regelmäßig zu verdienen. In Anbetracht der noch bestehenden außerordentlichen TeuerungSverhälmiffe wird der Direklion der Bmimwolltpinnerei am Stadlbach dringend nabe- gelegt, bis zum Wiedereintritt geordneter Arbeitsverhältnisse und günstigerer Lebensbedtnguuaeu die bisher freiwillig gewährte» TeuerungS- und Kinberzulagen weiter zu bezahstm. Lvhnbewezttng der Wiener Nietallarbeiter. In monatelangen Verhawhluntz« zwischen den beiderseitige« O«Gaaisati»nen in den Wiener MetaRgewerbeu wurden unter Bei be Haltung der im Mai gewährten Teuerungszulage 20 prozentige Aufschläge auf die ur- sprünglichen Akkord- und Zeitlöhne durchgesetzt. Jedoch gilt das nur für Wochcnverdienste bis 126 Kronen, bei höherem Verdienst ird der Aufschlag geringer, darf ab« nicht unter 5 Krane«»ächenb betragen. Di« bis gewährte~ nur bis zum Wochenverdienst von IM wird fort«« allen Arbeitern ohne Ausnahme gewähri. Sämtliche Mindestlohm: iverden um 50 und 100 Proz. erhöht, die Grundlöhne der Atkordarbeiter werden erhöht. Der neue Vertrag läuft bis zwei Monate nach Friedensschluß. Die Hauptvertrauensmänner haben den Abmachungen, die für mehr. als 100 000 Arbeiter gelten, bereits zugestimmt. . parteinachnchten. Schärfste Kritik der Unabhängigen von links. Die Breiner„Arbeiterpolitik", das Organ der Spartakuslenle, nimmt siä> wieder einmal die Unabhängigen vor: „Im„Mitteilungsblatt" der Unabhängigen wechseln p e r s ö n- liche Verunglimpfungen und gewaltsam karr- struierte Gegensätze miteinander ab. Zuweilen wirken die Aufsätze der Unabhängigen wie eine Satire auf die eigene Bewegung. Vergessen doch die Artikelschreiber in der Hitze des GeiechlS oft ihre eigene Vergangenheit. So ist beule z. B. für sie die KriegSkreditverwetgerung eine Selbstverständlichkeit. In ihren Episteln über die Abhängigen lesen wir immer wieder, daß diese.Ver räter am Sozialismus »ewordeii aus bloßem Eigennutz. aüI purem Organiioiionsnueresie. Dann ichlagen sie an ihre Brust und rufen: seht, unser Ehrenichild ist blank. Ader haben nicht die parlamentarischen Vertreter der Unab- hängigcn— mit einziger AuSnabnie von Kunerl— ein über das andere Mal die Kredite bewilligt? Haben nicht die Hoffmann und L e d e b o u r in Zimmerivald mir allen Mitteln die Resolutron der Linken bekämpft, die die Abgeordneten verpflichten wollte, von�nun ab die KriegSkredite zu verweigern? Und stehen dir Un« abhängigen nicht heute»och auf dem Boden der Balerlandsvcrteidi- gung? Wie haben sie sich benommen gegenüber denen, die den Austritt aus der alren sozialdemokratischen Partei. prottamierlen? Gebrauchte» sie damals den„Diszinlinbrewern" gegenüber nicht dieselben Arguniente, mit denen die Abdäiigigen overierien? Von alledem wird beule nalürlich in der Preffe der Unab- bängigen nichis gesagt. Denn da würde sich ja immer wieder zeigen, daß wirklich große Gegensätze zwischen ihnen und den Abhängigen gar nicht vorhanden sind, daß all ihre Entrüstung»ur Pose ist, ihr Radikalismus nur ein neuer Mantel, den sie sich umgehängt haben." Tie Unabbängigen vertrauen darauf, daß Spartakus' Stimme unter dem Knebel des Krieges ungehört erstickt wird; sie büten sich wohlweislich, auch nur ern schüchleines Wort der Abwehr gegen die immer heftiger werdenden Angriffe von links zu watzen. ZnSustrie unö Kandel, Aus dem Berliner Wirtschaftsleben. Die Hirfch-Kupfcr-Werke haben in einer am Mittwoch abge- haltenen Generalversammlung ihr Kapital auf 80 Millionen Mark verdoppelt. Hiervon dienen 7.5 Millionen Mark zum Austausch einer Hönningen- gegen eine Hirsch-Kupfer-Bttie. In der vorausgegangenen Generalversammlung der Ehemitchen Fabrik Hönningen wurde die Verschmelzung mit der Notwendigkeit'be- Gründet, für dieses Unternehmen Anschluß zur Stabilisierung der Dividende zu suchen. In der Generalversammlung der Hirsch- Kupier-Werke führte dann Herr Aron Hirsch aus: Die V-rwaliung der Hirsch-Kupser-Werke hat seit vielen Jahren beobachter, wie sich das Reinickendorfer Werk der Chemischen Fabrik Siöuningc» günstig entwickelte, und sie war entschiosten, als Hönningen seine chemische Abteilung abgestoßen hatte, deren Reinickendorfer Werk zu erwerben und eS ol« selbständigen Betrieb fortbestehen zu lassen. Das FabrikationSprogramm Reinickendorf ähnelt dem der Messingiverle vo» Hirsch. Auch kam eS der Hirsch-Bsrwallnng daraus an, ihr Berliner Platz- geschäst durch die jetzt neu erworbene Reinickendorfer Abteilung schnell und auskömmlich beliefern zu lassen. Schließlich stellt Reinickendorf auch eine Reihe von Spezialcrzeuginffen her, die für die Hirichgcfell« ichaft eine wichiige Ergänzung ihres Arbeitsgebietes darstelle». Da- durch, daß Hönningen erst vor kurzem seine chemische Abteilung mit guleni Nutzen abGestoßen hat,. sind diesem Unleriiehmen erheb- llche Barmittel zuGeflossen, die nun in Höhe von etwa 9 Millionen Marl bei der Uebeniahme der Gesellschaft den Hirsch-Werken zugute konmien. sDazu kommen noch die großen stillen Reserven und dix erheblichen Effektenposten Hönningen). Von den vor- geschlaßenen Kapitalserhöhung um 15 Millionen Mark dient, wie bekannt, mir die Hälfte zum Erwerb von Hönningen. Die restlichen 7,5 Millionen Mark sind, wie der Vorstand weiter ausführte, in An- betracht der stetiGeu Vergrößerung deS Geschäfts nötig, um die Ge- seitschaft kapitalkräftig zu erhalten. Hierbei spielt daS sehr umfang- reiche Bauprogcamm eine Rolle, in dem für d a S EberS walder Messingwerk eine Anlage vorgesehen ist, wie sie dieengere deutsche Industrie bisher noch nicht aufzuweisen hat(Muminiumwerk). Auch die bekannten Beteiligungen in Bayern haben erhebliche Kapitalinvestie- rungen nach sich gezogen, die ziffernmäßig erst im neuen Jahre in die Erscheinung treten werden. Alles in allem sollen alio die neuen Mittel keineswegs nur wich- tigen Kriegszwecken, sondern vor allem auch für die F r i« d e n S- arbeit der Hirich-Kupserwerke verwandi werden. Der AutsichtSratS- varsitzende, Kommarzrenrat Millingtou-Hermann, teilte mit, daß der Abichluß der Htrsch-Knpfei-Werke für daS Jahr 1917 bereits fertiggestellt ist und ein sehr gutes Bild zeigt. Die Verwaltung wird der ordentlichen Generalveriammlimg die Verteilung einer Dividende von wiederum 20 Proz. vorschlagen. Die Generalversammlung der Held«i. Francke A.-G. in Berlin setzte die Dividende auf 14 Proz. fest. Nach Mitteilung deS Vor- standes ist das Ergebnis des abgelaufenen Iahte 3 durchweg günstiger gewesen als daS der vorhergehenden KrregSsahte, obwohl die«lgememen, drnch dt« Krieg verursachten Schwierigkeiten eher größer waren. Alle Abteilungen haben mit Erfolg gearbeitet. Der Eingang an Aufträgen war zufriedenstellend. Es hat sich ein Gesamtgewinn von 622 071(i. V. 578 837) M. ergeben. Zu Abschreibungen werden 212 093(i. D. 232 473) M. ver- wendet. Auf Anfrage teilte Diretlor Schindler mit, daß die Zu- gänge auf Platzeinrichtung in nennenswertem Betrage nicht mehr in die Erfchemung lreien werden. Die Verwaltung habe zwar noch ein Grundstück zugekauft, aber die innere Emrirdlung ist so gut wie beendet. Die Platzemrichtung in Wilmersdorf rsl vollständig auf- gelöst. Das Geschäft im neuen Jahre babe sich bi« jetzt nicht ungünstig entwickelt. Wie es sich später gestalten werde, könne man beule nicht beurteilen, da es davon abbängen werde, ob noch w«ii»re. den Betrieb einschneidend berührende Verordnungen erlassen werden._ Die«tttefttterftrjMHG der Schwei,. Der Schweizer Bundes- rat teilt mit, d«ß die drohende Geireidenot durch die Stellung hoilindiicher Schiffe für den Transport aus den Vereinigten Staaten und Argeiitwien gemildert werden.dürfte. Verantwortlich für Politik: Erich Kuttner. Berlin; für den übrigen Teil dct Blattes: Alfred Scholz. Neukölln; für Anzeigen: Theodor Elocke, Berlin. Verlag: BorwärtS-Berlag K. ur. b. H.. Berlin. Druck: BorwärtS-Buch- drrickerei und BerlagSanftalt Pauk Singer u. Co. in Berlin, LIndenstratzc 3. Hier»« 1 Brill, sc nnd NnterhalwugSdiatt.