Kr. SS. 38. Jahrg. Bezug»»«!«: BuctriiS&x CtOSKt. mwistl. USOVH. sretbrSHlll», vsrauS�hwar.EinMn« &ummsm 10 Pia. Poltbe�uo; Mona». !:ch 1Ä) 2Ä1 itmei Kreuzband für Demi chl and und Oesterreich- llieizarr Ml. ftr da» Cbrtflt KuSlono . 50 Ml. monatlich«erfand Uli Feld deidirelrer flefieüung motuiR. ißOdPS "CottbcsteCung«! nebmen an Dine- srarl. Holland Lurernburg, Schweden und die Schweiz. Srngewiifien in die 'dost-iiestungS-HreiSiiste. E?«chelni läglich. Zleiearanun» ildreffn »S-ztaldernokrat Berlin Derllnev Volksblakt. ZcntraXovqm der foztaldemohratl fcbeti parte» Deutfcblanda. ( 10 Pfennig) «»zetgaipretSl NestedensekpaUcneKownelzeilekoflcj 80 Pfa..Kleine Anzeigen-. daS fetlgedrucklc Wort 20 Pfsi.> zulässig L fettgedruckte Worte), iedeZ westere Wort 10 Pfg. Eiellengemche und Echlafstellen anzeigen dos erste Wort 10 Pfg.. iedes weitere Wort 5 Pfg. Worte über 15 Buchstaben zählen für zwei Worte. Teuerungszuschwg 20°/» Familien- Anzeigen SO Pfg.. politische u. gewerkschaftliche Vereins. Anzeigen 40 Pfg die Zeile. Anzeigen für die nächste Nummer müssen bis 5 Uhr nachmilt. im Haudtg-fchLft. verlin sW.63, Lindenstrahe 3, ad» »«aeben werden Geäffnet von 8 Uhr früh bis" Uhr a�nds. Ksdaftion: EW. 68» tioüeastraße 3* Werukvreckier: Amt Mortlzplai». Sit. 151 90— 151 97. Sonntag» de» 24. Februar 1918* Expeöitiou: SW. 48» tinüenstrahe 2. Frrnsvtrchet: Rmr Motinvlatz. Ar. 15190—15197. Schweöen unö Jinnlanö. „Vorübergehende� schwedische Aland-Mahuahme«. Stockholm, 22. Februar.(Melbunq de««venska- Telegrambyran.s Amtlich. Unter schwedischer Vermittlung ist zwischen der Weiße« Garde nnd den Rassen anf Aland sowie zwischen den Rassen and der Bevölkerung von Aland über die Räamang der Inselgruppe ein Ab. kommen getroffen worden. Stockholm, 23. Februar. sMeldung von Svenska Tele- gram'.nbyran.i Die Regierung überreichte heute dem Reichs- tag zwei Vorschläge, die durch die Lage auf den Alandsinseln veranlaßt sind. Die eine betrifft das Recht, Wehrpflichtige außerhalb des Reiches zu gewissen Zwecken, der ander? die Mittel zum Nachtdienst der schwedischen Mannschaft auf Aland. Der Ministerpräsident betonte, daß beide Vorschläge durch ein Uebereinwmmen zwischen den Kämpfenden auf Aland ver- anlaßt sind und nur vorübergehende, bis zum 1. März i9l9 dauernde Maßnahmen zum Schutz der Inselbevölkerung beabsichtigen. Sie schlössen also gar keine politischen Absichten ein. Die Erste Kammer genehmigte ohne Erörterung die beiden Regierungsvorlagen. Die Zweite Kammer genehmigte nach Opposition der Linkssozialisten die erste Vorlage mit 131 gegen 15 Stimmen, die zweite ohne Abstimmung. Tlockhol«, 22. Februar. Bielbesprochen wird in der schwedischen Presse die Talsache, daß 5000 schwedische Finnen auf einer finnischen Schäreninsel von Roten Gardisten umzingelt sind und dem Hunger- rsd zu unterliegen drohen. Die konservativen Biälter fordern euer- gisch deren Rettung, doch erklärte Marineminister Palmstiorna einem Mitarbeiter von.«ktonbladet', daß die schwedische Aktion zur See wegen der Eisverhältnisse unmöglich sei. dagegen wolle die Regie- nutz in HelfingsorS wegen des Schicksal« der Unglück- lichen Weißen Garden besonders vorstellig werde». Stockhol«, 2Z. Februar. sEigener Drahtbericht des „Vorwärts".) Heute fuhr der sozialdemokratische Partei- iekretär M o e l l e r nach HelsiugforS z» Verhandlungen mit de« finnische» Parteivorstand über die B e r m i t t l u o g S- frage. Eine gemeinsame Bermittinngsaktion der skandinavischen sozialistischen Parteien kam nicht zustande, da die Nor- weger eine vorherige gemeinsame Beratung, die Dänen eine eigene Untersuchung für nötig hielten. Das schwedische jung- sozialistische Blatt„Politiken" beschwert sich, daß seinem Re- dakteor H o e g l n u d die Fiunlandreise unmöglich gemacht wnrde. • Stockholm, 22. Februar. Räch einem Telegramm auS SSinäjosi find die meisten russischen Kriegsschiffe in den Häfen von Helfingfor» und Sveaborg in den letzten Tagen wieder eingefroren. Da die Roten Garden den Fall von TammerforS und Wyborg ibefürchten, haben sie HelsingforS itl Kriegszustand erklärt und die drei Landfronten der Stadt mit Stacheldraht und Schützengräben umgeben. Maßnahmen zur Verteidigung von Petersburg. Stockhol«, 22. Februar. Meldung der Petersburger Telegraphen- Lgenrnr.) Nach einem Befehl des Kriegskommiffariats vom 2l. Fe» bruar über die Bertetdigung der Revolution ist ein außer« ordentlicher General st ab für den Bezirk Peters- bürg ei» gesetzt, der auf Grund des Belagerungszustandes die augenblicklikbe Unterdrückung der verbreckiertschen Versuch« gegen- revolutionärer Elemente. Ausschreitungen anzustiften, anordnet. Gleichzeitig wird die sofortig« Beschlagnahme aller in Privatbesitz befindlicher Explosivstoffe besohlen. Es werden Maßregeln zur Be- slandSanfnabme und Verteilung der Lebensmittel getroffen und die gesamte Bevölkerung für Verteidigung.? arbeite» mobilisiert und zur Veriiigung der Mtlitärbehörden gestellt. Außerdem werden alle Immobilien, die zur Verteidigung notwendig sind, beschlagnahmt. polnisches Minister-proviforium. Warschau, 22. Februar. Wie„Kurier Warszawski" vielber, ordnere der Regentschaftsrar die Bildung einer pro- visorischen Regierung an. An der Spitze. der einzelnen staat- iichen Agenden werden Sektionsckefs stehen, welche unter Vor- fitz eines der bisherigen Minister einen Rat bilden. Als Vor- sitzender dieses Rats ist vom Regentschaftsrot Unterrichts- minister Ponikowski in Aussicht genommen, welcher das Unterrichtsministerium weiterleitet. Noch während, dieses lLravifotiums. das möglichst kurz sein soll, wird der Regent- schaftsrat einen Kandidaten für die künfrige Ministerpräsi- dentschaft bestimmen und ihm, wenn die politifchs Lage günstig ist, hie KabisettSbstdsng übertragen. Walt w Livland besetzt— Dubno erreicht. «« t l i ch.«rohes Haaptguartier. SS. Februar ISl«. fW. T. B.i Oestlicher Kriegsschauplatz. I» Estland sind unsere Trappe» i« Bordringe« nach Osten. In Livland wnrde Walk besetzt. Ja der Ukraine habe» die süd- lich von Lact vorgehende» Kräfte Dubno erreicht. Im übrigen nehmen die Operationen ihren Fortgang. Die Zahl der eingebrachten Gefangenen hat sich«m 2 Generale, 12 Obersten, 433 Offiziere und 8770 Mann erhöht. Bon den anderen Kriegsschauplätze» aicht» Reue«. Der Erste Generalquartiermeister. Ludrndorff. Zlbendbericht. Amtlich. Berlin, 23. Februar 1318. Am Hartmaunsweilcr K o p f und West- lich von Mülhausen tagsüber erhöhte Gefechts- tätigkcit. Die Operationen im Osten nehmen den erwartete« Verlauf. Ter österreichische Bericht. Wie», de» 23. Februar 1918. A m t l i a> wird»er- lautbar«: Keine besonderen Ereignisse. Deutsche Truppen haben Dubno besetzt. Ter Chef deS GenrralstabeS. » BcrNn, 23 Februar. iW. T. V.) Fm Osten fitzen die deutschen Truppen tu ichnellem Tempo ihren Vormarsch fort. Die wertvolle Beul- vor allem an ungeheueren Gcschützmengen und rollendem Malerial sowie die auifallend große Zahl an gefangene» höheren und uiedere» Oifizieren be« weilen den tragischen Zusammenbruch des einstigen tapferen russischen M'llionenheereS, dessen Wiedergeburt für absehbare Zeil nichl möglich sein wird. Im Westen fitzen Engländer und Franzofin ihre ge- walriameu Erkundungen, osl unter Einsaß stärlster Kräfie. sorl. Durch den Beschuß von M o o r s e e l e erlillen die Enrwoblicr neue Verluste. Desgleiche» wurden in Gegend St. Ouentin durch feindliche Bombeiiabwliifc in der?iacht vom 2l. zum 22. Februar eine Zivilperson gerörel und 14 ver- wundet. Die Erörterungen der feindliche» Presse über dem- nächst an der Westfront angeblich bevorstehende Kämuse si»d in ein neues S l a d r u nr getreten. Während, wie ichon mehrfach, die omiiiche Agence Havas den nahe bevorstehenden großen deutschen Ansturm ankündrgt, find laut der französischen Provinz- presse im Gegensatz hierzu Offensiven der Westmächte bald zu erwarten. Diefi verschiedenen Meldungen sollen anscheinend tatsächliche Angriffsabsichlen der Enrenre verscherer». In sedem Falle wird die Entente nsS bereit finden. Solsthewismus. von Friedrich Stampfer. Wir erfahren selten etwas über die Aufrufe und Funk- spräche der Bolschewiki, und die Verständigung über sie wird dadurch einigermaßen erschwert. Diesmal aber kommt uns die„Norddeutsche Allgemeine Zeitung" zu Hilfe, indem sie, im Rahmen einer Polemik, folgenden Satz aus einem russi- schen Funkspruch vom 21. Februar wiedergibt: Da sich die deutsch« arbeitende Klasse i« dies« drohenden Stunde als unentschlossen und nicht stark genug erwiesen hat, um die verbrecherische Hand des eigenen . Militarismus mifzuhalten, so blieb uns keine andere Wahl übrig, als die Bedingungen des deutschen Imperialismus an- zunehmen bis zu dem Zeitpunkt, wo die europä- ische Revolution sie abändern wird. Der, deutsche Imperialismus antwortet darauf in der „Norddeutschen Allgemeinen Zeitung�, dieser Funkspruch liefere den Beweis dafür,„daß es der bolschewistischen Regie- rung auch im gegenwärtigen Augenblick, wo sie sich zur An- nahnie der in Brest-Litowsk gestellten Bedingungen bereit erklärt hat, noch genalW wenig um einen dauernden Frieden und um die Wiederher st�llung frcundnachbar- licher Beziehungen zwischen Rußland und uns zu tun ist, wie während der durch ihre Schuld gescheiterten Verband- lungen." Die Kundgebung zeige,„daß wir uns bei dem Friedensschluß mit Rußland bestisnmte und sichere Bürgschaften für die Erfüllung aller Verpflichtungen geben lassen müssen, die Rußland vertragsmäßig eingehen wird." � Es ist nun einmal eine Tatsache, daß wir in Deutschland keine sozialistische, sondern eine bürgerliche Regierung haben, und man wird von einer bürgerliclien Negierung nicht er- warten können, daß sie aus dem russischen Funkspruch andere Konsequenzen zieht als die von der„Norddeutschen" formu- liertcn. Die Stellung des deutschen Imperialismus wird da- durch nicht geschwächt, sondern gestärkt. M.it dem Kampf der Bolscftewiki gegen den Imperialismus ist es überhaupt eine eigene Sadhe. Er begann damit. daß die russischen Fronten von innen her vollständig zer- mürbt wurden. Die deutsche Sozialdemokratie hat diese Methode des Kampfes gegen den Imperialismus nie für richtig gehalten, und, da sie sie selbst nicht anwenden wollte, hat sie ihre Anwendung auch den Sozialisten der fremden Länder niemals empfohlen. Der Jmperialisinus aller Län- der hat es dagegen stets mit dem alten Haussegen gehalten: Behüt' uns, heiliger Florian. Schütz unser Haus, zllnd andre an. Er war für das Ausland stets b o l s ch e w i st i s ch, für das Inland stets nationalistisch. Die deutsche� Sozialdemokratie hat hingegen stets den Bolschewismus fllr� das Inland wie für das Ausland bekämpft. Da sie der eige- nen Landesverteidigung nicht in den Rücken fallen Wollte, konnte sie ehrlicherweise anderen sozialistischen Parteien nicht den Gebraiuh von Mitteln empfehlen, deren sie sich selber nicht bediente. Als die Bolschewiki keine Soldaten und keine Kanonen mehr hatten, traten sie in die F r i e d e n s v e r h a n d- lungen ein. Auch hier haben sie den deutschen Jmperialis- mus nicht bekämpft, sondern geradezu gefördert. Ein Grauen konnte einen packen, mit welcher Leichtherzigkcit sie russi- sches Gebiet preisgaben, wie sie ein Land nach dein anderen mit einer leichten Handbewegung wegschoben, wie sie mit un- veränderlichem Gleichmut die Redensart wiederholten:„Bis zür Loslösung von Rpßland." Nie hätten deutsche Sozial- demokratxn in ähnlicher Lage ähnlich gehandelt I Für die Notwendigkeit, große Wirtschaftsgebiete zusammenzuhalten, zeigten diese sich sehr modern dünkenden Sozialisten nicht das geringste Verständnis. Jene deutschen Sozialdemokraten, die in einer Balkauisierung des Ostens eine Gefahr für alle be- teiligten Völker, auch für das ihnen am nächsten stehende deutsche Volk erblickten, wurden durch das Verhalten der Bolschewiki geradezu in Verzweiflung gebracht, und damals konnte man sagen:„Ja, wenn die Bolschewiki und die beut schen Annexionisten miteinander einig sind— was sollen. wir deutsche Sozialdemokraten dagegen machen?" Die Volschewiks jagten die Konstituante, die die E i n- heit Rußlands repräsentierte, zum Teufel, wie nur je der Zar eine Duma zum Teufel gejagt hat. Und erst nachher, als die moralischen Bindemittel de? Reichs von ihnen selbst völlig zerstört worden waren, besannen sie sich eines anderen und gingen gegen Finnland und die Ukraine, nicht, weil sie Rußland, sondern weil sie der Revolution abtrünnig geworden sein sollten, mit Waffengewalt vor. Diese Länder beteuern nun aber, daß sie gar nicht der Revolution abtrünnig geworden seien, sondern daß sie nur für die bolschewistischen Revolutionsmetho- den kein Verständnis hätten, und damit wurde der Bürger- krieg, namentlich in der Ukraine, zum russischen Glaubens- krieg. Die Sache der Revolution wurde dadurch nicht gefördert, desto mehr aber die Sache des deutschen Jmverialis- mus. der gegen die Bolschewiki naturgemäß um so starker wurde, je mehr sich diese fast alle Sympathien entfremdeten. So haben die Bolschewik den deutschen Sozialdemokraten im Kampfe gegen den Imperialismus eine Waffe nach der anieren aus der Hand gewunden. Wir sagten:„Rußland ist noch inimer eine Macht." Man antwortete uns:„Es steht ja kein Mann mehr an der Front." Wir sagten:„Ihr de- schwört einen neuen Revanchekrieg herauf." Man antwortete uns:„Die Rtifsen sind keine Franzosen, sie haben kein so ent- itrickcltcs Nationalgefühl." Wir sagten:„Für Rußland wäre dör Verlust der baltischen Provinzen unerträglich." Man antwortete uns:„Tie Russen verzichten ja selbst auf diese Provinzen." Wir sagten:„Wir wollen die Errungenschaften der russischen Revolution nicht zerstören lassen." Man � ant- wortete uns:„Seht euch diese Errungenschaften an, da schießt ja eine sozialistische Richtung auf die andere sozialistische Richtung." Die Bolschewik! merken aber noch immer nicht, daß sie den deutschen Imperialismus gefördert, jeden wirklichen Kampf gegen ihn erschwert haben. Sie starren immer auf das eine illusionäre und unbrauchbare Mittel: den revo- l u t i o n ä r e n M a s s e n st r e i k. Die deutsche Sozialdemokratie hat niemals im Massen- streik ein Mittel gesehen, die Revolution mit einem Schlage durchzuführen, noch weniger ein Mittel, einen begonnenen Krieg zu beenden. Immer wieder ist auf internationalen Sozialistenkongressen gesagt worden: Da der revolutionäre Massenstreik nicht in allen Ländern gleichzeitig und mit gleicher Stärke ausbrechen kann, bedroht er dasjenige Land am meisten, wo er zuerst und am stärksten wirkt.»Die Richtig- keit dieser Behauptung ist an Rußland bestätigt worden. Das deutsche Volk hat keine Lust, aus diesem Wege der nächste zu sein. Und wenn die Bolschewiki im letzten deutschen Streik ein bolschewistisches Unternehmen erblicken, so kommen sie damit wiederum den Auffassungen der deutschen Imperialisten und Reaktionäre entgegen und schwächen diesen gegenüber die Stellung der deutschen So- zialdemokratie, die von dem Streik eine ganz andere, richti- gere Auffassung hat. Diese sieht in ihm den elenientaren Ausbruch einer sehr begreiflichen Mißstimmung, nicht aber ein Unternehmen, das bewußt auf die Entwaffnung des Landes gerichtet war. Die Sozialdemokratie lehnt den Bolschewismus ab, aber auch bei den Unabbängigen sind die Meinungen über ihn sehr geteilt. Ich glaube nicht, daß die Leichtfertigkeit, mit der Ledebour jüngst im Reichstag den Massenstreik als Mittel zur Beendigung des Krieges glorifizierte, bei ihnen viel Zu- stimmung gefunden hoben wird. Nebenbei gesagt, es macht sich nicht sonderlich gut, wenn Dittmann vor dem Kriegs- gericht beteuert, er habe nie zum Streik aufgefordert, und wenn ein paar Tage später Ledebour im Reichstag durch un- verantwortliche Redereien andere Leute gefährdet, die nicht durch die Immunität geschützt sind. Man kann also abschließend sagen, daß die Masse der deutschen Arbeiterklasse dem Bolschewismus f e r n st e h t und daß es nur vereinzelte Personen gibt, die mit ihm kokettieren, obne es aber damit sonderlich ernst zu meinen. Sollte je- wand den Bolschewiki etwas anderes.erzählt haben, so war das eine Irreführung,«-der die Enttäuschung folgen mußte. Der größte Feind der Bolschewiki ist aber ihr Irrtum! » London, 22. Februar.(Reuier.).Daily Telegraph" meldet aus Petersburg, daß Lenin erklärt habe, Rußland sei nicht in der Lage, dem Einmarsch der Deutschen Widerstand zu leisten, so daß eine Fortsetzung des Krieges auf eine Niederloge Rußlands und die vollständige Vernichtung aller Errungenschaften der Revolution hinauslaufen würde. DaS einzige Mittel, sie zu retten, sei ein Friedensschluß, nach welchem der Wiederaufbau Rußlands in sozialistischem Sinn« be. endet werden könne. Die Regierung müsse den Krieg gegen die inneren Feinde fortsetzen, könne also die dazu nötigen Truppen nicht an die Front schicken. Ein anderer Grund für den Friedens- schluß sei, daß die Deutschen sich jetzt mit den Imperialisten von Westeuropa noch nicht geeinigt hätten; die? werde aber früher oder später geschehen, und daher müsse Friede geschlossen werden, ehe die Imperialisten der ganzen Welt sich gegen die Revolution vereinigt hätten. die Lage in Eftlanü. Etockholiu, 23. Februar.(Eigener Drahtbericht deS „BorwSrts".) Der Stockholmer Vertreter des estländischen Landtags erhielt direkte, bis zum 12. Februar reichende Berichte. wonach die Massen Verhaftungen von Adeligen und Bourgeois bestätigt werden. Hingegen seien keine Morde vorgekommen. Bei den Wahlen zur estnischen K o n st i t u a n t e erhielten die Bolschewiki 30 Prozent der Wähler gegenüber 40 bei den allrussischen Konstituantewahlen. Ukraine- polen- Rumänien. Wien, 22. Februar. Abgeordnetenhaus. Zu Beginn der Sitzung erklärte Ministerprästdent Ritter von Seidler: Borgestern er- schien in den Blättern eine amtliche Verlautbarung, die davon spricht, wo gegenwärtig da» Schwergewicht der öfter» reichisch» un garischen Streitkräfte liegt. Wie aus verschiedenen in der Debatte gefallenen Aeußerungen hervorgebt. scheint dieses Communiquü teilweise zu mißverständlichen Auf» fassungen geführt zu haben. Zur Susklärung möchte ich drei kurze Bemerkungen vorbringen. Wie ich schon am IS. Februar er» klärte, ieteiligt sich Oestemich-Ungarn nicht an der militärischen Aktion(Beifalls, die gegenwärtig von Deutsch- lrnid gegen Rußland geführt wird.(Beifall.) Der Einmarsch ö st erreicht sch-ungarischer Truppen in die Ukraine, mit der wir im Einverständnis stehen, erfolgt nicht. Was Rumänien anlangt, besteht der Waffenstillstand zwischen Ocsterreich-Ungarn und diesem Staate. Die Frieden»» Verhandlungen beginnen in den nächsten Tagen. DaS Hau» setzte sodann die erste Lesung deS Budgetprovisoriums fort. Abg. Dr. Eugen L e w i c k h wie» nach, daß den Polen weder in historischer noch in ethnographischer Be- z i e h u n g durch den Friedensvertrag mit der Ulraine ein U n- recht geschehen sei. Den Polen sei eS aber nicht um Cholm zu tun. Dieses bilde nur einen Borwand, um den schon lange beschlossenen Kampf gegen die Zentralmächle zu inszenieren. Wenn die Polen meinen, daß die Ukrainer die Mittelmächte im Stick lassen werden, um sich mit den Polen zu verbinden, befinden sie sich in einem großen Irrtum. Gegenüber den Aeußerungen von sla» Wischer Seite stellte Redner fest, daß die Ukrainer nicht Vasallen deS Deutschen Reiche», sondern seine Verbündeten sind. Die Ukrainer lehnen die ihnen von slawischer Seite gegebenen Ratschläge ab, da die Grundlagen der deutschen Politik mit den Bestrebmigen der Ulrainer übereinstinrmen. « Wie«, 22. Febeuar. DaS Abgeordnetenhaus beendete die erste Lesung de» Budgetprovisoriums. Der Pole D e m» i» S k i beklagte die tzüStmlassung polnischer Vertreter zu den Brester Verhandlungen und kritisierte den ukrainischen Friedensvertrag, denen Ergebnis den berechtigten Hostnungen der Polen und den ihnen gemachlen Ver- sprechungen nickt entsprochen habe. G l o m b i n S k i suchte durch eine Reihe siatistiicker Daten zu beweisen, daß daS Choimer Gebiet polnisch sei. Durch die in der Erklärung des Minister- Präsidenten zugestckrrte Kommission werde keinerlei wesentliche Aenderung peS nkrainischeu Vertrages erfolgen. T r e t i dunkle den polnischen Mitgliedern des Herrenhauses für ihr einiges Bor» gehen mit der gesamten Nation. Budapest, 22. Februar. In der heutigen Sitzung de? Tbgeord- netenbauieS führte Ministervrästdent Dr. W e k e r le unter anderem folgendes ari§: Was die polnische Frage betriffl. so ist eS nickt not- wendig zu wiederholen, daß wir für die zukünftig« Kon» st i t u i e r u n g und Konsolidierung sowie für die B e- friedigung der Ansprüche des polnischen Volkes in seder Hinsicht von vollsten Sympathien erfüllt sind lAll-emeine Zustimmung.) Es ist dies nickt nur unser Standpunkt, dem wir Geltung versckafsen wollen, es entspricht dies der ganzen imaarischen öffentlichen Auffassung. Ueber die Fragen, welche nicht geklärt sind, welch« vielleicht als einseitige Wünsche auflaucken können, und welcke vielleicht demnächst zur VerHand- lung gelangen, könne er sich natürlich nickt äußern. ES ist die Fraae, siibr Wekerle fort, in tpelckem Maße wir im Jnterrffe der Sicherung der Grenzen de« Deutschen Reiche? m i t Bezug auf Polen Ansprüche zu erheben wünschen, darüber könne er aber daS HauS beruhigen, daß auch bei Lölung dieser Frage die polnischen ethnischen Verhältnisse entscheidenden Einfluß ausüben würden. Was nun die Cholmer Frage belreffe, so sei bezüglich derselben mit den Ukrainern eine neue Vereinbarung zustandegekommen. Er wolle im vorhinein bemerken, waS auch der österreichische Minister- Präsident besonders betont habe, daß nämlich der u kr a i n i s ch e Friedensvertrag im Punkt 9 an die Bedingung geknüpft sei, daß er nur dann ins Leben trete, beziehungsweise, daß er nur dann in Geltung bleibe, wenn sämtliche Punkte erfüllt würden. Wenn nur ein einziger Punkt, schloß Wekerle. n i ch r erfüllt wird, tritt der ganze Vertrag außer Kraft- und eS bat eine neue Vereinbarung zu erfolgen. In der Cholmer Fraae ist nun eine neue Bereinbarnng zustande gekommen, welche die Gewähr enihält, daß die Wünsche der Bevölkerung und die ethnographischen Vcrhäliniste berücksichtigt werden, und daß diese Frage unter der Mitwirkung Polens gelöst wird. Ich hoffe, daß unter Auirechierhallung des ganzen Friedensvertrages auch Meie Frage zur gegenseitigen Beruhigung unter Beachtung der polnischen Jntereffen gelöst wird. .« Sofia, 22. Februar.(Meldung der Bulaarffchen Telegravben- Aqernur.).Mir" besprich» die offiziöse Wiener Rote über die FricdenSmSglichkeiten mit Rumänien, da« nock territoriale Ablichten hege, die eS mit den Waffen in der Hand zu ver- folgen entschlossen sei. Das Blatt sagt: Die rumänischen RegierunaSkreise würden sich niemals entschloffen haben, die Mittelmächte zu bekriegen, wenn sie sich nickt zu dem Glauben hätten Verlriten losien. daß einige Monate nach ihrem Eintritt in den Krieg die Entente unfehlbar den Sieg erringen würde. Jetzt, wo sie ibreS Irrtum« inne werden. sind sie bereit. zu,n Bunde mit ibren alten Ver« kündeten, die jetzt die unirigen sind, zurückzukehren und ihnen alle wirtschaftlichen Zugeständnisse zu machen, nur um unsere Interessen zu schädigen. Da» Blatt meint aber. Rumänien werde sich irren.„Unsere Verbündeten werden sich niemals entschließen, neue Berrätereien zu ermutigen, indem sie für die Interessen derer eintreten, die sie einmal so verraten haben.' « von amtlicher ukrainischer Seite wird dem Wolffschen Bureau mitgeteilt, daß die HavaSmeldung au« Petersburg vom 22. Februar, in der behauptet wird, Frankreich hob« die Unabhängigkeit der Ukraine nicht anerkannt und der Botschafter Noulen» habe lediglich den General TabouiS beauftragt, wegen des Sonder- friedenZ der Ukraine bei der Rada Protest«inzu- legen, tendenziös und frei erkunden ist. General Tabouis bat seine telegrapbiiche Beglaubigung durch die fran- zösische Regierung feierlich an die ukrainische Regierung über- reicht. Durch dies«« Schriitstück, daS sich in den Staatsakten der Ukraine und in beglaubiater Abschritt bei dem damaligen ersten Adjutanten und Chef der ausländischen Abteiluna de» Krieg«- ininisterinms Georg von Gosienko befindet, war die Ukraine als un- abhängig anerkannt. Die Erklärungen Englands in gleichem Sinne, die kürzlich von Hava» verbreitet wurden, sind ebenfalls au< der Luft gegriffen. Eine hollänüische Stimme über Belgien. In Naumann».Hilfe' veröffentlicht der trübere holländisch« Ministerpräsident HeemSkerk einen' Artikel, der sich vom holländischen Standpunkt au» scharf gegen den Tirpitz-Plan wendet, Flandern in deutscher Hand zu behalten. Er schreibt: Ueber die Ursachen de? Kriege«, über die Schuld- kragen wird in Holland verschieden geurteiit. Es gibt auch welche. die glauben, die Sache sei so kompliziert, daß man vorsichtig sein muß in seinem Urteil. Ich will sogar annehmen, daß e« einige, wenn ouck nickt sebr viele, gibt, die der Meinung sind, daß Deutschland so von keinen Feinden bedrängt war. daß eS beim Anfang deS Kriege» glauben mußte, keinen anderen AuSweg zu baben. als im Durchzug durch Belgien. DiekeS aber steht fest, daß fast ausnahmslos(es gibt einige wenige Ausnahmen, die aber in dieser Angeleaenheit nicht den geringsten Einfluß aus die öffentliche Meinung und auf die politische Führung haben) wir Holländer überzeugt sind, daß die vollständige Wieberberstellung Belgiens eine Forderung des Reckte« ist. Die flämische Frage, so erklärt HeemSkerk müsse al» innere belgische Frage gelöst werden. Solo-?nterpellation. Pari», 22. Februar.(Meldung der Sgence HavaS.) Kammer. Vor der Debatte über die Interpellation hinsichtlich der durch den Boloprozeß erfolgten Bloßstellungen erklärte Ministerpräsident Clemenceau. er sehe keine Notwendigkeit, dos Land durch eine Debatte zu beunruhigen, die einzig und allri« der Militärgerichtsbarkeit zustehe. NichtSdesto- weniger halte er sich zur Verfügung der Kammer. Darauf wandte sich Painlevö gegen Bestrebungen, die darauf abzielten, daS Land glauben zu machen, daß ein Kriegs- minister während acht Monaten die mit dem Verrat zu« sammenbängende Angelegenheit niederzuschlagen vermochte, anstatt ein Strafverkahren einzuleiten. Er legte dar. daß die nach Italien emlandlen Untersuchungsausschüsse mit leeren Händen zurück- gekommen seien, da man sie auf falsche Fährten gelenkt habe. Man habe darum nur auf die nach Amerika gesandten Ausschüsse zählen können. Painlevs erinnerte bann an die Tatsachen, die zur Verhaftung BoloS führten. Die Debatte wurde auf Freitag verschoben. Es ist anzunehmen, daß in der Debatte da« von Cle- menceau angeschlagene Thema, der Militärgerichtsbarkeit ein Vorrecht von dem Recht des Parlaments auf freie Kritik aller die Regierung betreffenden Vorgänge zuzusprechen, eine Rolle spielen wird. Clemenceau hat freilich nur einen platonischen Versuch, dies Vorrecht zu stipulieren, gemacht. Er wagt denn doch nicht, das Parlament offen zu brüskieren, und dies ist bezeichnend für die Situation. Frankreichs Getreiüeforgen. Bern, 22. Februar. Lyone? Blättern zufolge erstattete in der gestrigen Kammer sitzung der Reg erungskommissar für die Ge- kreide oersor gang. Compere-Morel, einen eingehenden Be- richt über die Lage. Der Getreidebedarf Frankreichs habe seit Ausbruch des Krieges ständig zugenommen, die Ernte dagegen ständig abgenommen. Der Fehlbetrag für 1917 betrage 69 Millionen Doppelzentner, was ungeheure Ankäufe im Ausland erforderlich machc. Infolge der Produktion«- und Transportkrffe in der ganzen Welt werde die Lage sehr ernst werden., Trotz aller Bemühungen und trotz gesteigerter Getreide- einfuhr bestehe augenblicklich immer noch ein Fehlbetrag von 3ö 772 000 Doppelzentnern. Infolge der zunehmenden Schwierig- ketten in der Schifssraumfrage während und nach dem Kriege werde Frankoeich sich auf 1,8 Millionen Tonnen fraulichen Schiffsraum beschränken müssen und eS werde ihm nicht gelingen, sich zu ernähren, wenn es die eigenen Bodenerl rügnifl« nicht ver» mehre. Außer den bisher bebauten Flächen müßten noch 2 254 000 Hektar zur Geroeideerzeugung urbar gemacht werden. Die zwangsweise Landbestellung, die in England und in der Schweiz gute Ergebnisse gezeitigt habe, werde nicht zu um- gehen sein. Ein Eingreifen des Staate? in Kriegszeiten sei not- wendig. Hoffentlich könnten die Zwangsmaßnahmen wieder einhole», was m drei Jähren versäumt worden sei. Der Wechsel im englischen Generalstab. Im„Journal de Teneve" wird am letzten DienSlag ge- schrieben:„Die Beschlüsse der Konferenz von Versailles bedeuten, wenn wir recht unterrichtet sind, ein« wirkliche Veveinbcitlichung des Kommandos. Sie vermehren die Befugnisse beS Rates von Versailles and übertragen einem der VerbandSg e n e- r ä l e— man kann leicht erraten, wer dies ist— die Verfügung über alle französischen und englischen R e- serven. Das Kommando der Reserven bedeutet h-ure die Leitung der Operationen, so daß im wesentlichen die Einheit des Kommandos beim Verband zur Tatsache geworden ist. Nur der Name fehlt. Diese Beschlüsse bedingen naturgemäß eine gewisse Beschränkung der Befugnisse des�briti- scheu Kommandos, und gegen diese Beschränkung hat Robertson durch seinen Rücktritt protestie- ren wollen. So ist eine militärische uns politische Krise in England das Lösegeld für die Einheit des Kommandos beim Bcr- bandc, wie eZ von klarblickenden Leuten vorausgesehen und be- fürchtet wurde. Wir können die Bedeutung des Ereignisses an sich nicht er- messen. Aber man kann annehmen, daß der Wechsel im eng- lischen Generalstab hätte früher kommen müs- sen, um nutzbringend zu sein. Der VerteidigungZfeld- zug von 1918 ist bei der englischen Armee von einer Leitung vor- bereitet worden, die ganz von Offensivgcdanken in Anspruch ge- nommen war. Jetzt, da es sehr spät zur Ausführung aller dringen- den Arbeiten ist, kann der Wechsel der Leiter nicht mehr einen Wechsel deS Programm? und der Methode bedeuten. ES ist zu befürchten, daß eS seine sicherste Folge sein wiro, daß die Auto- rität der britischen militärischen Leitung und die Festigkeit de? Kabinetts am Beginn eines furchtbaren und entfchei- denden Felbzuges erschüttert wird.' Da?„Journal de Geneve' machte diese Ausführungen vor der Debatte im englischen Unterhause, in der sich Lloyd George noch als Herr oer Lage erwiesen hat, die aber zugleich in der Hal. iung ÄSquith' ein Zugeständnis der Schwäche Englands erbrachte. Das Genfer Blatt stellte zur Kennzeichnung der Situation in feinem Artikel fest:„Die deutsche Offensive kündigt sich für Eng. land in Krisen-Gerüchten an.' Die Vorgänge in Griechenlanü. Lugano, 18. Februar.(Agence Hellenique.) E» liegen bisher begreiflicherweise keine detaillierten direkten Meldungen über die letzten blutigen Unruhen in Griechenland vor, die nach der ersten Unterdrückung der ersten Meuterei in Lamia stattgefunden haben. Die eingelaufenen Preßberichte und Privat- Nachrichten können jedoch folgendermaßen zusammengefaßt werden: Die Meutereien und die Unruhe» in Lamra und Theben dauern fort und nehmen einen solchen Umfang an, daß die Regierungskreis« von einem ernsten Komplott für König Konstantin sprechen wollen. Daß aber trotzalledem die M o b i l i- s i e r u n ff in diesen Distrikten normalerweise vor sich gebe, und daß dik Einberufenen mit Begeisterung sich melden, entspricht nicht den Tatsachen. Die Advokaten Gaveas und Staikos wurden als Anstifter verhaftet. In der Gegend von Theben versuchte der Präsident einer Reservistenliga, KokalatiS, die Bauern zum Aufstand zu verführen. DaS Kriegsgericht verurteilte die Führer der Bewegung in Theben zum Tode. Offiziere wurden erschossen. Di« Ankunft des Generalinspektors der griechischen Armee, Generals Bordeaux(Chef der französischen militärischen Mission), m Lamia trug nur dazu bei, die Erregung des BolkeS zu erhöhen. welches die Anwesenheit französischer Offiziere in Griechenland nicht dulden will. Die in Athen stattgehabten Unruhen seien durch eine» Wortstreit zwischen Venizelisten und vier königstreuen Offizieren in einer Bierbrauerei in der Nähe deS ConcoroiaplatzeS veranlaßt worden, der zu einem Zusammenstoß und dann zur Veranstaltung einer großen improvisierten Manifestation des sonst erregten Volkes führte, welches unter den Rufen:„Es leben unsere Offiziere, nieder mit den Tyrannen!" in der Richtung nach dem Conkordiaplatz sich bewegte. Die aufgebotenen Gendarmen weigerten sich, die Manifestation mit Gewalt aufzulösen, was die Behörden veranlaßt«, die in der HerodeSstraße einquartierten fran- zösischen Landungstruppen zu Hilfe zu rufen, welche mit großem Eifer die Volksmenge angriffen und auf sie schössen. Bei den Zusammenstößen wurden zirka 73 Zivilisten verwundet oder getötet. Daß 20 000 Alliiertentruppen in Piräus landeten, bestätigt sich bis zur Stunde nicht. Die Ruhe soll erst um 3 Uhr früh her- gestellt worden sein. Unter den zuletzt verhafteten Persönlichkeiten be- finden sich auch die Exministcr Damianos und Argyropulus und verschiedene Universiätsprofessoreu. Ein Teil der Verhasteten wurde in die Festung von Rauplia eingkerkert. der Krieg auf Sen Meeren. Verliu, 22. Februar. Neue U-BootS-Erfolge auf dem nördlichen Kriegsschauplatz: 18 000 Br.-Rrg.-To»nen. Unter den versenkten Schiffen befand sich ein großer Dampfer von über 10 000 Br.-Reg.-To. vom Aussehen deS englischen Dampfer« Der Chef de» Admiralstabes der Marine. Kr. 55 ♦ 35. Jahrgang 1. Seilage öes Vorwärts Sonntag, 24. Zebruar 1 47 S i .182. Sitzung. Sonnabend. 23. Februar. dormiSagS 11 Uhr. Am BundesrotStische: B. Paysr Graf Rae der». LUlf der Tagesordnung steht zunächst das Gesetz zur?««- derung des Kriegs st euergesetzcs. Danach soll die .Kriegsabgabe auch zur Deckung eines Fehlbetrages im ReichLhaus- halt vermendet werden können. Auf Antrag des Avg Tüdekum(Svz.) wird beschlossen, die Beratung dieses Gesetzes mit der Aussprache beim ReichShauS- ha l t Z p l a n zu verbinden. Es steht Militärisches zur Erörterung, und zwar zuerst der Bericht des Hauptausschusses für militärische Angelegen- Herten. Ein Antrag Dr. Müller- Meiningen sVp.s. F e h r e n- dach(F.), Dr. Stresemann(ndtl.) und Stücklen(Soz.) ersucht den Reichskanzler, dafür Sorg« zu tragen, daß») die Entlassung der Jahrgänge 18SS und 1870 »uS dem Heeresdienst sobald alS möglich geschieht, daß aber jeden- falls die dauernde Zurückziehung der Jahrgänge 1369 und 1870 aus der Bordersten Linie zur militärischen Dienstleistung in die Heimat mit möglich st er Beschleunigung durchge- �ühpt werde, daß b) diejenigen Mannschaften deS Landsturms, :c seit Kriegsbeginn unausgesetzt im Felde stehen, und seit m i n- bestens einem Jahre in der Front eingesetzt find, zu Ersatz. truppenteilea dauernd in das Heimatgebiet versetzt wer- den. Der Hauptausschuß fordert weiter die Beseitigung oder wenigstens die Milderung der Strafe de? streugen Arrestes. Auch sollen alle �Mannschaften ein Recht ans Nrlavb haben. Die Unab- hängigen Sozialdemokraten verlangen eine Denkschrift über die Ergebnisse der Strafrechtspflege in Heer und Marin« für die Zeit vom 1. August 1914 bis Zeptember 1917. Zu den Anträgen spricht als«rster Abg. Stückle»(Soz.): Trotz der Zusage der Regierung scheint eine ernste Absicht zur Entlassung der älteren Jahrgänge nicht zu bestehen. Wie lange sollen diese Leute, deren militärischer Wert doch nur ein zweifelhafter ist, auf Kosten des Staates die Lazarette und Ka- fernen füllen? Das Gesetz sah ursprünglich die automatische Entlassung der Landsturmleute nach der Vollendung des 45. Lebensjahres vor. Erst ein« spätere Ergänzung setzte wahrend des Kric- geS mit der Z-iterfüllung auS. ES muß aber doch berückfichtigt werden, daß bei der Annahme der Zusatzformel ein Krieg von einer solche» Dauer nicht vorausgesetzt war. Die Kommandierung von Landsturmleute» zur Jndustriearbeit ist kein Ersatz für die Entlassung. Wenn die Leute entlassen würden, so unterstehen fie der Hilfsdienstpflicht und können in bezug auf Löhne usw. von ihren Arbeiterrechten Gebrauch machen. Es ist schon viel getan worden, einen geregelten Austausch zwischen Reila- mierten und Frontsoldaten herbeizuführen. EL ist aber dagegen zu protestieren, daß man Arbeiter iufolge des Streiks massenhaft strafweise emgezoge» hat. ES kann auch behauptet werden, daß im Innendienste Land- sturmleute zu Zwecken gebraucht werden, deren Notwendigkeit ganz und gar nicht auf der Hand liegt. In Bayern und W ü r t t e m- berg ist die dauernde Beurlaubung der in dem Antrag gefaßten Jahrgang« durchgeführt. Es wird allgemein und scharf verurteilt, daß sich noch 48jährige in den Schützengräben befinden. Wohl besteht eine Verfügung, daß Landsturmleute die älter als 45 Jahre sind und länger als sechs Monat« im Felde stehen, aus der Feuerlinie zurückgezogen werden sollen. Das wird auch ?etän. Aber die zwei und drei Kilometer, die man st« zurücknimmt, ann man nicht als eine Entfernung auS der Feuerlinie bezeich-, »en. Diese Bestimmung müßte ferner auch auf die Armic- rungSsoldaten ausgedehnt werden, die sehr oft im schwer- sten Feuer ihren Dienst verrichten müssen. Auch die Väter kinderreicher Familien, ferner die letzten Söhne müssen auS der Frontlinie entfernt werden, um das AuSster- ben ganzer Familien zu verhindern. In der' Frage der UrlaubSgewährung herrscht geradezu ein ChaoS. Zweifellos müßt« der vrlanb frei- giebiger gewährt werden, alS das heute der Fall ist. Es gibt noch genug Leute, die seit 18 Monaten ununterbrochen in der Front Dienst tun, ohne auch nur einmal Nrlaub erhalten zu haben. Biel- mehr ist ein Begünstigungssystem eingerissen, gegen das heftig Ber- Wahrung eingelegt werden muß. So werden Offiziersbur- sch e n oftmals hintereinander und regelmäßig beurlaubt, um Lebensmittel für die Offiziere heranzuschlevpen. Ein neuer Er- laß sieht vor. daß möglichst im Sommer die Lerrte auS der L a n d- wirtschaft, im Winter die Städter Urlaub bekommen sollen. Praktisch bedeutet daS: im Sommer fahren die Bauern auf Nrlaub, im Winter wird der Urlaub gesperrt. Ein triftiger Grund für die Unregelmäßigkeit im Urlaubswesen ist das mangelhafte Funktionieren des Verkehrs. Die Einrichtung regelmäßiger U r- lauberzüge würde hier vieles bessern. Im höchsten Grade»m- gerecht ist es, wenn für das Vergehen einzelner strafweise ganze Kompagnie» den Urlaub aut gewisse Zeit gesperrt bekommen. Diese Maßnahme ist mir vom KricgSministerium ausdrücklich als voll- ständig zulässig bestätigt worden. Ja eö ist sogar vorgekommen, daß der Urlaub den Soldaten sogar bei Todesfällen in der Familie verweigert wurde, einem Soldaten sogar mit der Begrün- dung,„er könne seine Frau doch nicht lebendig machen". Folge dieser Mißstände ist. daß sich die Fäll« häufen, wo Soldaten ohne Genehmigung auf Urlaub fahren, und ein großer Teil Sol- baten, die jetzt in den Gefängnissen sitzen wegen Fahnenflucht oder eigenmächtiger Entfernung von der Truppe büßen damit schwer ihre Eigenmächtigkeit. Diesen Zuständen könnte begegnet werden, indem man wie in O e st e r r e i ch den Soldaten ein Recht auf Urlaub gewährt. Darum braucht nicht gesagt sein, daß zu einer bestimmten Stunde der Soldat daS Rech! hat. das Gewehr an die Wand zu stellen und wegzulaufen. Weiter wendet fich der Redner gegen den strengen Arrest. Es wird immer behauptet, daß er zur Aufrechterhaltung der Disziplin notwendig sei. Dasselbe hat man gesagt, als die Strafe des Anbindens beseitigt werden sollte. Als diese beseitigt war, konnte man doch keine Lockerung der Disziplin feststellen. Zum Schlüsse wendet sich der Redner gegen die Streichung der Zulagen an die Mannschaften.(Leb- hafter Beifall bei den Sozialdemokraten.) Abg. Müller-Me'mingen(Dp.) ivendet sich gegen das Kriegsministerium, das angegeben hat, cS ständen höchstens noch tausend Mann der im Antrage er- wähnten Jahrgänge an der Front. DaS könne nicht stimmen; eS handelt sich um z e b n t a u s e n d e. Die Zurückziehungen au» der Keuerlmie sind nur scheinbare. In dieser Hinsicht sind die Ver- sprechungen an den Reichstag nicht eingehalten worden. Die ArMterungStruppen verdienen besondere Derück- stchtigung Tee Drückebergerei ist besonders i» den Militärbureaus krasser denn je. An der Front macht fich besonders das Ver- hältnis der jungen Offiziere, deren militärische Tüchtigkeit nicht abgeleugnet werden soll, zu den alien Mannschaften sehr un- liebsam bemerkbar.— Die Verweigerung oder Entziehung des Urlaubs als Strafe oder Nebenstrafe müßte verboten werden. Aufs schärfste müßte auch gegen den Solöatenfragen im Reichstag. Mißbrauch der vrlaubsgewShrung z» Hamsterzwecke»» d. h. zum Schleichhandsl zuungunsten der Zivilbevölkerung und zugunsten der Offiziere vorgegangen werden. Auch bei der Löhnung besteht ei» arges Mißverhältnis zwtschen den hohen Gehältern junger Offizier« und der niedrigen Entlohnung alter Mannschaften,-z- Die Militärverwaltung und die Oberste Heeresleitung sind mit uns einig in dem Bestreben nach Reformen. Deshalb vertrauen wir auch darauf, daß die Militärverwaltung und die Heeresleitung unseren Wünschen entgegenkommt.(Beifall bei der BÄkLpartei.) Oberst V. Wrisberg: Ob eine Entlassung der Jahrgänge möglich ist, wie fie m dem Antrag gefordert wird, hängt von der militärischen Lage ab. Ebenso verhält es fich mtt der dauernden Zurück ziehung. Ich bebaute, daß dieser Antrag nicht im Ausschuß de- sprachen werden konnte, wo ich manche Aufklärungen hätte geben können. Entschieden zurückweisen muß ich die Aenherang de? Abg. Stückle», daß t» der Sache der Zurückziehung der Leute über 42 Jcchre nichts geschehen sei. Tausende von Leuten sind auS der vordersten Linie zurückgezogen worden, und daS Bestreben der Militärverwaltung geht dahin, auch die ein- zelnen Fälle noch zu beseitigen, in denen eS bei den Millionen von Truppen noch nicht geschehen ist. Auch über der. Urlaub kennen S?e ja die Ansicht der Heeresverwaltung und billigen sie. Als Strafe soll der Urlaub nicht verweigert werden. wenn er auch im unmittelbaren Anschluß an eine Strafe nicht wohl anzctrete« werden wird. Wenn der Abg. Stücklen von der Er. bitterung von Mannschaften sprach, die nicht au» der vordersten Linie zurückgezogen sind, so verallgemeinert er einzelne Fälle. (Lebhafter Widerspruch bei den Sozialdemokraten.) Jawohl, ich Sab« draußen eine ganz andere, eine freudige und begeisterte Stimmung gefunden. General». Langermann: Eime Denkschrift über die Straf- «chlspflege im Heer und Marine vorzulegen, wie eS der Antrag Albrecht verlangt, sind wir nicht in der Lage; daS würde zu viel Arbeft gegenwärtig machen. Der strenge Arrest kann nicht ganz abgeschafft werden, er muß als äußerste Strafe vor einem gerichtlichen Einschreilen bestehen bleiben. Wohl aber hat� der Kriegsminister zugesagt, öu prüfen, ob nicht auch im allen Fällen, wo nach dem Militörstrafgesctzbuch auf strenge�, Arrest erkannt werden muß,«irre mildere Straf« zulässig sein kann. Ich hoff«, daß den gesetzgebenden Körperschaften ei» ent- sprechender Gesetzentwurf recht bald vorgelegt werden kann. Abg. Prinz z« Schönaich-Earolath(natl.) gibt semer Freude über die entgegenkommenden Erklärungen der Vertreter der Heeresverwaltung Ausdruck. Abg. v. Graefe(!.): In den K r i eg S ge feil fcha fte,n sitzen immer noch Leute, dktz sich die Finger beider Hände mft Brillanten schmücken, und denen eS recht gut täte ihre Finger einmal zu den schwierigen Arbeiten in den Schützengräben zu verwenden. Gerade da» ärgert die Urlauber und die Soldaten draußen wohl am meisten.— Wir werden für die Resolutionen stimmen, mir nicht für die Resolution, die u. a. auch die gänzliche Abschaffung des strengen Arrestes fordert. Abg Werner-Gießen wünscht bessere Berücksichtigung der ver- höftnffse des Mittelstandes bei den Beutlaubungen. Abg. Ryffel(V. Soz.): Die Klagen, daß alte Mannschafteu aus dem 69er Jahrgang nicht in die Etappe zurückgenommen werden, wollen nicht ver- stummen. Vielfach wird gesagt, die Bestimmungen könnten nicht eingehalten werden, weil es an Ersatz fehle. Man möge nur alle die auffordern, sich freiwillig zu melden, die als alldeutsche Maulheloen Gott auf den 5knien danken« daß der Krieg noch nicht zu Ende ist. Die Stimmung ist durchaus nicht so begeistert draußen, wie General v. WriSberg daS zu glauben scheint. Bei der Behandlung, die die Leute vielfach über sich ergehe» lassen müssen, ist da? nicht wunderbar.(Redner will Einzelfälle dafür vortragen, wird aber vom Vizepräsidenten Dove ersucht, nur zu den Anträgen zu sprechen) Wir werden beim Etat auf diese Fälle zurückkommen, legen aber schon hier Protest dagegen ein, daß Leute, die man hier als Helden bezeichnet, im Heer« beschimpft und geschlagen werden. Dem vor zwei Jahren gefaßten Be- schluß des Reichstags, die Entlassung dauernd Kranker und Dienstuntauglichrr zu beschleunigen, wird nicht nachgekommen. Beim I. Ersatz-Batl. des Ins.- Regts. 61 sind eine große Menge Krüppel eingezogen, ebenso beim Jnf.-Regt. 175 in Graudenz. Ein Mann, der dreimal Blutsturz gehabt hat, wurde beim Husarenregiment in Großenhain ohne Untersuchung als diensttauglich eingestellt. Ein an Brust und'Rücken Verwachsener, 1,33 Meter groß, wird weiter beim Tilsiter Infanterie Regiment behalten, obwohl er keinerlei Dienst tun kann und 20 M. Entschädigung monatlich für Tragen seiner Zivilkleioer bekommt.(Hört! Hört!) Streikende und poli- tisch Unliebsam« werden zur Strafe ins Heer gesteckt. In R ü st r i n- gen wurden 20 Leute, die am 81. Januar l9t8 unserer Partei beigetreten toaren, am 14. Februar eingezogen(HörtI Hört!) All- gemein Nagen die Soldaten ferner über u»genügen de und schlechte Kost. Wo bleiben die Nahrungsmittel, die für daS Heer geliefert werden? Die Feldwebel und Unteroffiziere, die in de« Küchen beschäftigt sind, schassen ständig Lebensmittel nach Hause So vereichcrn sich einzelne widerrechtlich an dem, was den Sol- daten zukommt. Vielfach bestehen auch noch OffizierShüchen, wo die Offiziere für 1,40 M. essen können, soviel fie wollen, während den Soldaten verdorbenes Fleisch vorgesetzt wird. Gibt eL doch HeereZteile. die direkt als Hungerkompanien bezeichnet werden. DaS Anrecht auf Urlaub nach einer bestimmten Zeit müßte den deutschen Soldaten ebenso gewährleistet sein, wie den österreichischen. Ist eS doch vorgekommen, daß einem Soldaten, der zu seiner totkranken Frau wollte, erwidert wurde: „Warten Sie bis Ihre Fra» tot isftl(Unruhe. Zuruf: Gsfühlsroh- heit!) Zum Teil ist der Urlaub käuflich; er wird an Leute gewährt, die Kriegsanleihe gezeichnet haben. Poli- tisch Mißliebig« erhalten leinen Urlaub. Soldaten, die An- Hänger der Unabhängigen Sozialdemokratie sind, werden w i e Hunde behandelt(Vizepräsident Paasch« ersucht den Redner, nur mif die Resolutionen einzugehen und in seinen Behauptungen vor- sichtiger zu lernst In einem Falle habe ich den Versuch gemacht, eine ganz detaillierte Beschwerde der Militärbehörde einzureichen. Es handelt(ich um Den H a u p t m a n n B r a st von der BesatzungS- kompagnie in Belgien, der u. a. unter Mißbrauch seiner Dienstge- Walt ständig Leute dienstlich nach Deutschland beurlaubt, die dann kistenweise Lebensmittel für den Hauptmann nach der Heimat be- fördern müssen(Hört! Hört!). Die Untersuchung het natürlich gar nicht» festgestellt! Aber wo sind denn die Lebensmittel her? Be- kommt der Hauptmann für seinen eigenen Bedarf soviel, daß er zentnerweise nach ber Heimat schicken kann? Eine Haus- s u ch u n g hei dem Hauptmann hat man abgelehnt. Man verlangt, daß ich die Namen meiner Gewährsmänner nenne. Darauf kommt eS den Herren an. Seit Jahren fast be- komme ich Briefe von der Front nur noch auf Umwegen, weil die Soldaten wissen, daß Ariefc mit M. d. R. gelesen werden. Vielfach wird berichtet, daß draußen Schweine und andere» Vieh geschlachtet wird, ohne daß die Soldaten etwas da- von bekommen, sonder» daS Fleisch, die Schinken, Würste usw. werden sogleich von deck Offizieren nach Deutschland geschickt. Dem kann nur gesteuert werden, ivenn man gegen Vergehen der Offiziere und Feldwebel genau so rücksichtslos vorgeht, wie sonst gegen kleine Vergeben von Soldaten. Wir haben den Reichskanzler um eine Denkschrift über die Ergebnisse der StrafrechtSpslege. im Heer und in der Marine ersucht. Nach einer Erklärung deS Abg. Stücklen ist sie bereits vorhanden, nur uns noch nicht"zugänglich gemacht. Es wird notwendig fein, eine parlamentarische Kam- Mission einzusetzen, die all die Fälle nachprüft, denn es sind viel- fach drakonisch harte Urteile gefällt, die dem Volksemvfinden voll ständig zuwiderlaufen. So wurde ein Mann, der, trotzdem er als D.». bezeichnet war, in den Schützengraben geschickt wurde. und dessen Nerven daß Trommelfeuer nicht aushielten, wegen Feigheit vor dem Feinde zu 5 Jahren Gefängnis verurteilt. All diese Verhältnisse hängen mft dem System deS Militarismus zusammen. Die Gleichheit aller im Schützengraben ist eine Illusion. DaS System muß dazu führen, daß die verzweifelte Masse ihre Sllavenketten schließlich sprengt.(Bravol bei 11. Soz.) General Scheuch(Chef des Kriegsamts): Aus politischen Gründen, wegen Zugehörigkeit zu einer politischen Partei, ziehen wir niemand ein.(Lachen bei den ll. Soz.) Wohl aber ziehen wir Leute ein, die sich als Hetzer herausstellen.(Hört, hört! und große Unruhe bei den U. Soz.), weil sie die Bedingung der Zu« rückstellung nicht mehr erfüllen. Die Zurückstellung erfolgt zur ÄnfrechterKnltung und Erhöhung der Produk- t i o n in der Heimat, vor allem in den Rüstungsbetrieben. Wer diese Voraussetzung aus irgendeinem Grunde nicht erfüllt, w-rd wieder eingezogen. Dazu gehören vor allem die, die m*fi andere von der Arbeit abhalten, und die ziehen wir ein.(Leb- hastes Bravol rechts.) Die Zahl der Ku.-Personen in den Militär- bureauS und Kriegsgesellschaften ist heute nur noch ganz gering. Oberstleutnant Schulz betont, daß auch �da« sächsische KriegS- ministerium ernstlich bestrebt sei, möglichst ältere Jahrgänge auS der Front zurückzuziehen. Abg. Frommer(k.): Da» Herz jede« Soldaten muß fich empör«! über solche v a te r l a n d? l o s« n Reden, wie man fie hier hören mutz.(Sehr wahr! rechts.) In WirtschastSfragen gehe ich sonst gern mit Sozialdemokraten zusammen, aber wenn man solche Reden hört, kann man von uns nicht verlangen, daß wir noch per- sönlich mit diesen Herren verkehren.(Lachen b. d. U. Soz.) Mit so geknechteten und verhungerten Soldaten, wie Abg. Ryssel ste schildert, hätten wir nicht unsere Schlachten gewinnen können.(Leb- hafte Zustimmung rechts.) Abg. Dr. Haegy(Elf.) wendet fich gegen die nnterschiedliche Be- Handlung der elsaß-lothringlschen Soldaten; bei ihnen wird vor der UrlaubSgewährung nachgeforscht, ob ihr« Verwandten nicht etwa politisch unzuverlässlg find.(Hört, hört! bei den Elf.) Abg. Wirth(Z.): Herr Kolleg« Ryssel hat uns nur ein Zerrbild der Zustände an der Front gegeben. Herr Kollege Stücklen hat auch auf Baden hingewiesen. Di« Beschwerden der badensischen Soldaten könnten in ihrer Häufung auch politisch« Konsequenzen haben. So hat der Minister v. Bodman« im badischen Landtag erklärt, er habe ein« Revidierung der MiNtärkonventton zwischen Baden und Preuße» angeregt. Dringend zu wünschen wäre einzelnen stellvertretenden Generalkommandos, daß ein verständigerer Geist bei ihnen ein« zieht. Bei der Zurückziehung der alten Leute sollte man auch big. Zivilarbeiter berücksichtigen. Generalmajor v. WriSberg: Den badischen Beschwerden abzu- helfen babon wir uns mit Erfolg bemüht und darin werden wir fortfahren.(Bravo!) Gegen den Unfttg der UrlaubSerlaufung durch Geschenke wird rücksichtslos eingeschritten wer- den; ich bitte, uns solche Fälle mitzuteilen. Die Berallgemeine- rung, die vom Abg. Ryssel behauptet worden ist, ist ein« unerhörte Beleidigung«nseres braven Offizier- und Unteroffizierkorps, dir ich auf das entschiedenste zurückweisen mutz.(Beifall rechts.)_ Der Abg. Ryssel hat den Erfolg erreicht, daß er draußen Beifall findet, aber draußen bei unseren Feinden. Unser OfsizierkorpS ist über die Anschuldigungen erhaben.(Bravo! rechts.)_ Abg. Schöpfli»(Soz.): Leider wird auch begründeten Beschwerden nicht abgeholfen und deshalb ist es nötig, sich an die Oeffentlichft't zu wenden. DaS ' t auch in vielen Fallen schon geholfen. In den letzten zwei ':en ist der Widerstand in der Armee gegen die nsche de» Reichstags im Wachsen begriffen, trotz aller Verordnungen de« Kriegsministeriums. Daran ist schuld die««- aufhörliche Hetze der Konservativen und der alldeutsche« Presse gegen den Reichstag. Diese Presse ist dabei mitschuldig an den vielen Vorkommnissen, die hier allseitig bedauert werden. (Sehr richtig! bei den Sozialdemokraten.) Die Zahl der Offi» z: e r» b u r s ch e n. die der Front entzogen werden, schätzen wir mindestens auf drei kriegsstarke Armeekorps. In der Heimat we den Soldaten zu Dingen verwendet, die geradezu lächerlich sind. In Swinemünde z. B. werden 1 Gefreiter und 4 Ka« nonieve dazu verwandt, die Kohlköpfe des Herrn Major« z« bewachen. Da? heißt geradezu Schindluder treiben mit der Nollskraft-des Vaterlandes.(Sehr richtig! bei den Sozialdemokraten.)— lieber Lebensmittelfahrten zugunsten von Offizieren habe ich bereits vor längerer Zeit dem KriegSmtnisterium Mitteilung gemacht; aber ich warte heute noch auf Antwort.(Hört! hört! bei den Sozialdemokraten.) Der Urlaub wird tatsächlich zur Strafe enizogen und sogar ganze Truppenteil« werden rnu UrlaubSeniziehung bestraft wegen Vergehen einzelner. Gegen diesen Unfug, in dem die alten Offiziere erzogen find, ist sehr schwer anzukämpfen.— So wie General Wrisberg cd schildcrie, ist die Stimmung draußen nicht. Da? Wort des Generals v. Scheuch von den Hetzern, die am die Front geschickt werden, war ein böses Wort. Wer entscheidet darüber, wer ei« Hetzer ist. Vielleicht die Herren vom Bezirkskommando oder die Polizei? Das führt dann dazu, daß jeder, der vom Unternebnier oder sonst als Hetzer denunziert loird, eingezogen wird. All« Hetzer in Berlin haben nicht soviel Erbitterung schaffen können als der in feinem blinden Fanatismus politisch so tollpatschie< Herr v. Kessel mit seiner Verordnung während de» Streiks. Oder denken Sie an da? Wort des Herrn v. Oldenburg 1' Wir brauchen einen Kanzler, auf den geschossen wird; sonst taugt er nichts. Hat man den Mut, gegen solche Hetzer vorzugehen?(Sehr gut! bei den Sozialdemokraten.) Di« Sie als„Hetzer� bezeichnen, sind oft Leute von glühendem Empfinden für Recht und Gerecht ig- feii(Lebhafte Zustimmung bei den Sozialdemokraten.) General v. Scheuch weist den Angriff auf Generaloberst v. Kessel zurück. WaS ich unter Hetzer versteh«, habe ich klar gesagt: Leute, die vom Militär zurückgestellt sind, um zu arb-iten und statt dessen andere zur Arbeitseinstellung aushetzen. Zur Fest- stellung hoben wir die Organe unserer Kommaudo- g e w a l t und die Polizei. Die sind für unS zuverlässig genug. Einzelne Fehlgriffe dabei sind nicht so schlimm wie daS Unheil. das Hunderte solcher Hetzer anstellen könnten. DaS größere UeM auszurotten, dazu stehe ich an meiner Stelle.(Lebhaftes Bravo! recht?.) Abg. Dr. Müller-Meiirnigen(Vp.): Die Stimmung ist von Stmlde zu Stund« erbitterter gcwordeiu Möge die Mili-arv waltung die nötigen Konsequenzen daraus ziehe». Es gibt viele Stellen, die vertuschen; dies« schade« der deutschen Armee. Ich freue ntkfr, daß General v. WriSberg so entschieden sich dagegen gewendet hat. Aber die Rede des Abg. Ryssel bedaure ich unge- mein; ihre Tendenz war nicht, Verbesserungen herbeizuführen, sondern das Ausland gegen uns aufzuhetzen.(Sehr richtig! rechts und bei der Volkspartei.— Widerspruch bei den U. Soz.) Dem General Scheuch gegenüber bemerke ich, daß nach ganz allgemei» uem Urteil, auch von zahlreichen Offizieren, ein Hauptsitz der Drückeberger auch die Bureaus der militärischen Verwaltung sind, Werden dort doch auch kv.°Leute sehr rasch in gv. verwandelt, damit sie zurückbleiben können. Vizepräsident Dr. Paasche ruft den Abg. Schöpflin wegen feiner Aeußmutgen gegen den Generaloberst v. Kessel nachträglich zur Ordnung. General v. Scheuch: Ich beziehe mich nochmals auf die Maß- nahmen, die im Gange sind, die kriegsverwendungsfähigen Leute aus den mil'tärischen Bureaus herauszuziehen und ver- traue auf den Erfolg dieser Maßnahmen. Aber ganz entschieden muß ich die Behauptung zurückweisen, daß kv.-Leute zum Zwecke der Zurückhaltung in gv. ungewandelt werden. Abg. Ledcbaur(II Soz.): Ich protestiere gegen den Vorwurf, daß Abg. Rhsscl seine Rede gehalten habe, um daS Ausland aufzuhetzen. Abg. Müller-Meinigen hat nachher selbst scharfe Kritik geübt, also dem Ausland Material geliefert. Bezeichnend war die Aeußerung des Herrn v. Scheuch, man stütze sich auf die Polizei. um die Hetzer herauszufinden. In Wahrheit stützt er sich dabei auf das elende st e Lumpengesindel, auf die bezahl- ten Spitzel, die sich als Arbeiter verkleidet in den Betrieben aufhalten, llnd wie verträgt es sich mit dem Standpunkts des Generals Scheuch, daß sogenannte„Hetzer' einfach militärisch eingekleidet an dieselbe Arbeitsstelle mit der Soldatenlöh- n u n g gestellt werden. Wer steckt die Differenz der Löhne in die Tasche? Die Unternehmerl Daß dieie dann sehr bereitwillig Leute als„Hetzer" angeben, ist klar.(Sehr wahr! bei den Sozialdemokraten.) So wird.der Nährboden der Revolution er- zeugt.(Sehr wahr bei den Sozialdemokraten.) General Scheuch: DaS Interesse, das der Vorredner an dem Schutz der Hetzer genommen hat, ist mir vollkommen erklärlich.— Auf die Jfrage, Ivo die Differenz der Löhne in militärischen Be- trieben bleibt, erwidere ich, daß die Regelung dieser Angelegenheit im Gang« ist.(Zuruf bei den U. Soz.: Auch für die Vergangen- heii?) Bei den militarisierten Betrieben bandelt eS sich im übri- gen nicht um Reklamierte, sondern um Wehrpflichtige, die aus irgendeinem Grunde nicht arbeiten wollen, militärisch eingezogen werden und ihrer Wehrpflicht nun in dieser Form genügen. Die Maßregeln sind ergriffen worden, um die Produktion für den Heeresbedarf unter allen Umständen sicherzustellen.(Bravo! rechts,) Abg. Bühle(Soz,): General b. Rhode, Kommandeur der ersten Jnfanteriebrigade, hat draußen an der Front einen tSsähri- gen Elf äff er, als dieser auf Befragen lediglich seinen Na- inen und Geburtsort genannt hatte, geohrfeigt und be- schimpft. Ein e l s ä s s i s ch e r Offizier stellte Strafantrag gegen de» General. Darauf stellte der General Strakantrag gegen den Soldaten wegen Beleidigung.(Hört! hört!) Dieser wurde vom Kriegsgericht freigesprochen, mußte sich aber vor dem General entschuldigen.(Hört! hört!) Was ist g e g e n d e n General geschehen?— Der Redner'bringt weiter einen Ge- heimerlaß zur Sprache, wonach elsaß-lothringische Soldaten nicht bei Stäben usw. verwendet werden dürfen. Traut man den Elsaß-Lothringern nicht, so nehme man sie aus dem Heere heraus, aber man behandle sie nicht als Sodaten 2. Klasse. General v. Langermann: Die Untersuchung des Falles des Generals Rhode istnochnichtabgeschtossenzeS müssen noch ins Zeugen im Felde verhört werden. Die Debatte schließt. Die Kommissionsbeschlüsse werden unter Annahme des Antrags Müller-Meiningen(Bp,) und unter Ab- lehnnng des Antrags Albrecht(U. Soz) angenommen. Nächste Sitzunä: Montag, 3 Uhr.(Erste Lesung deZ Etats.) Schluß: 5% Uhr.__ GroMerün Die empörte Gnädige oder: Der„Lokal-Anzeiger" als Kaffeeklatschersatz. Nachdem durch daS Verschwinden des Kaffees und Kuchens die herrschaftlichen Kaffetlatsche stark eingeschränkt worden sind, hat sich der„LvkalanzeigeT" allen sorgenbeschwertsn„Gnädigen" als KaffsÄlatschersatz angeboten. Namentlich hat ex ihnen seine Spalten breit geöffnet, damit sie ihren Aergor über das traditionelle „Dienstbotenlend" weiter ungehindert austoben können, ein Thema, das unseres Wissens seit zirka 2000 Jahnen den Lieblings gespräch- ftoff aller nichtstuerischen Hausfrauen in gehobener Stellung bildet. Hören wir z. D., was Kaffeschwest er Helene R. zu zetern hat: Es scheint, als ob die Zustände auf dem Arbeitsmarkt für Hauspersonal beute schlimmer geworden sind als sie waren, Em p ö r e n d wirkt es, wie die weiblichen Dienstsuchenden, meist unter den Augen der Vermittlerin, die dreistesten Forde r u n g e n, die dreistesten Fragen an die suchenden Hausfrauen stellen, wie sie an herausforderndem Be- nehmen sich förmlich zu überbieten versuchen. Die Frage, ob die Vorratskammer auch gefüllt sei, ist fast stereotyp. Die peiulichsten Momente erlebt man aber, ivenn sich die Säten, die G r e t e n, die Augusten und Jetten danach erkundi- gen. ob etwa Kinder im Hause seien— mit Kindern gäben sie sicki nicht ab. Dem Jammer der Frau Helene R. ist sehr schnell abzuhelfen: Sie braucht nur seden Morgen um 6 Uhr aufzustehen und selber ihre Wohnung zu scheuern. Ter Bürgerausschnff(Sroft-Berlin beschäftigte sich in keiner Sitzung am Freitag mit der Vorlage des. Provinzialansschusses. wonach den leistungsunfähigen Ge nieinden Gross-Berlins ein Zuschuß von 4 Millionen Mark gewährt werden soll. Die Vorlage sieht vor, daß der setzt von der Provinz erhobene Steuersatz von l4 Proz. auf 19 Proz. erhöht werden soll. Der auf diese Art von der ganzen Provinz ausgebrachte Betrag von ungefäbr 4 Millionen Mark soll zum Lastenausgleich Groß-Borliner Vor ortgenieinden verwandt werden. In der Diskussion wurde betont, daß es doch sonderbar berühren müsie, wenn weit von Groß-Berlin entfernte Kreise Steuern aufbringen sollen, um Groß-Berliner Gemeinden unterstützen zu können. Offenbar will man mit diesem Vor- gehen erreichen, daß die Vororte Groß-Berlins mehr an die Provinz gekettet werden und. wenn sie von dort erst Subvention erhalten haben, ibren Gedanken, sich zu einem G em e in s ch a f ts w e s e n Groß- Berlins zusammenzuschließen, aufgeben werden. Nach§ 119 der Provinzialordnung bedarf es der Zustimmung der zuständigen Minister, wenn die Provinz 25 Proz. und mebr Steuern erheben will, des weiteren, wenn der Betrag für Ausgaben auf länger als fünf Jahre dienen soll. Um diese Genehmigung nicht einholen zu brauchen, erhöht man die Steuern nur auf 19 Proz. und sieht eine Subvention der Gemeinden zunächst auf drei Jahre vor. Dem Sinne der Provinzial-Ordnung entspricht es nicht, von der ganzen Provinz Steuern zu erheben, um diese, wie bier geschehen, einzelnen Gemeinden zur Verfügung zu stellen. Dieses Vorgehen stelle das Gegenteil dessen dar, was der jetzia? Minister Drews beabsichtigt habe. Einstimmig wurde beschlossen� den zuständigen Minister, ähnlich wie es Berlin getan hat. zu ersuchen, alle zulässigen Mittel anzuwenden. um die Durchführung der Vorlage zu verhindern. Des weiteren beschloß der Ausschuß folgende Entschließung. die dem am Sonntag tagenden Provinziallandtag übermittelt werden soll. „Der Bürgeransschutz Grotz-Berlin nimmt zu der Vorlage des ProvinzialauSschusieS betreffend die Bewilligung einer Jahres- beibilfe von vier Millionen Mark für Berliner Vororte die fol- gende Stellung ein: Da zwischen den Berliner Vororten wesenilich« Unterschiede in der Sieuerkrait der Bevölkerung bestehen, sind sie nicht in der Lage, ihre Verwaltungsausgaben gegenüber ihren Gemeinde- anaehörigen gleichmäßig zn erfüllen. Der Bürgerausschutz vermag ober in der Vorlage der Proviiizialverwaltung trotz der darin be- kündeten Ovlerwilligkeit der Provinz keinen glücklichen Weg zum Ausgleich dieser Verschiedenheit zu erkennen. Denn t. Es werden in der Borlage weit entfernt liegende Kreise der Provinz zur Traynng der Grotz-Berliner Lasten herangezogen, obwohl sie mit Grotz-Berlin keinen wirtschaftlichen Zusammenhang haben, während andererseits die Stadt Berlin, die wirtschaftlich mit den Bororten auf daS engste zusammenhängt, von der Bei- tragSlast verschont bleibt. 2. Die Provinzialordnung und die sonst für die Zuständigkeit der Provinz matzgebenden Gesetze bieten für diese Borlage keine Grundlage. 3. Die Möglichkeit der mühelosen Gewinnung solch erheb- sicher Zuschüsse für die Ecmeindekassen(z. B. 1,2 Mill. Mark für eine einzelne Vorortgeineinde) bringt die Gefahr unwirtschaftlicher Verwaltung, und infolgedessen einer weiteren Steigerung der Bedürfnisse auf Kosten der Provmz. Auf der anderen Seite ge- fährden diese Zuschüsse die Freiheit der Selbstverwallung der Gemeinden durch die Abhängigkeit, in die sie unwillkürlich durch die Verteilungsstelle geraten. 4. Die wirffchastlichen baulichen und kulturellen Bezieh külgen zwischen Berlin und seinen Vororten sind so stark, datz silr eine große Zahl von Gemeindeausgaben die Notwendigkeit einer Lösung im Gemeinschaftsinteresse besteht. Eine solche Lösung aber wird erschwert oder gar verhindert, wenn Berlin aus der Verwaltungs- und Zablungsgemeinschaft mit den Vororten dauernd ferngehalten und andererseits zwischen den gebenden und empfangenden Groß- Berliner Gemeinden eine Quelle weiterer unerfreulicher Zerwürfnisse schaffen wird. 5. Der Bürgerausschutz erkennt deshalb eine natürliche Lösung der vorhandenen Grotz-Berliner Gemeindeschwierigkeiten nur in der Schaffung einer Gesamtgemeindevess waltung. deren sachliche Zuständigkeit dem Umfang der GemeinschaslS- intereffcn entspricht, und deren örtlicher Umfang alle Gemeinden umschließt, die in wirtschaftlichem Zuiammenbang mit Berlin stehen, wobei dafür Sorge getragen werden mutz, daß die Ver- waltung des Gebietes von Grotz-Berlin zur Erfüllung der Auf- gaben von nicht gemeinschaftlicher Bedeutung in Einzelverwaltungen gegliedert bleibt. * Der Berliner Magistrat hat aus Anlaß der Vorlage des Provinzialausschusses über den Provinzial-Lasten- ausgleich an dpn Herrn Minister des Innern die Bitte ge- richtet, ihm eine Mitteilung darüber zugchen lassen zu wollen. ob die R e f o r m a b si ch te n für die Groß-Ber- liner Kommunalorganisation noch bestehen und welches ihre Grundzüge sind. Brandeuburgischer Provinziallandtag. Vom Genossen Dr. Borchardt wird uns geschrieben: Dem Landtag der Provinz Brandenburg, der heute zu seiner kurzen Tagung zusammentritt, liegt als eine der wichtigsten Vorlagen die- jenige vor, die für die Berliner Vororte die Bewilligung von 4 Millionen Mark fordert. Diese Vorlage hat den ausgesprochenen Zweck, in den Vorortgemeinden das Bestreben nach Aufgeben ihrer kommunalen Selbständigkeit, also nach der Eingemeindung in Berlin, zu beseitigen. Sie geht hierbei von der völlig falschen Boraussetzung aus, daß diese Bestrebmigeu lediglich durch die finanzielle Notlage hervorgerufen sind. Abgesehen von dieser un- zutreffenden Voraussetzung wird man zugestehen müssen, daß die Provinz als das umfassendere Gebilde die Pflicht hat, ihren um- leidenden Gliedern zu helfeu, und man wird auch anerkennen müssen, daß es für die Provinz eine Lebensfrage ist, ob sie die Berliner Vororte in ihrem Verbände behält oder nicht: denn das Steuersoll der Provinz wird, wie der Landesdirektor in seiner Vor- läge hervorhebt, zu fast drei Viertel von diesen Vororten getragen, so daß die Provinz nach ihrem Ausscheiden ein lebensunfähiger oder doch mmdeftens ganz leistungsunfähiger Torso bliebe,"in welchem die Steuern auf eine schier unerträgliche Höhe empor- schnellen müßten. Von diesem Gesichtspunkt aus wird man es verständlich Und begreiflich finden, wenn die Vorlage im Provinziallandtag eine gunstige Ausnahme findet. Das Groß-Berliner Problem wird dadurch freilich in keiner Weise gelöst. Das kann nur durch ein« Ein- gemeindung im größten Stile geschehen, wobei freilich die Mängel der Berliner Verwaltung nicht auf das größere Gebilde übertragen werden dürfen, sondern die schon im gegenwärtigen Berlin not- wendige Dezentralisation der Verwaltung dann in noch weit höherem Maße durchgeführt werden. Zur Tariferhöhung der Straftenbahn. Der TarisauSschuß deS Verbandes Grotz-Berlin hat gestern eine Unterkommission gewählt, die mit der Direkliön der Straßenbahn verhandeln soll. Für diese Verhandlungen wurde ihr bei der Tariffestsetzung ein Spielraum zwischen 11 und 12� Pf. gesetzt. Zu bindenden Vereinbarungen ist die Uuterlonnnijsion natürlich nicht befugt. Demgegenüber müssen wir unbedingt an unserer Forderung festhalten, daß der Fahrpreis von 11 Pf. nicht über- schritten werden darf. Die Große Berliner würde bei 'dieser Preisfestsetzung nicht nur die aus der Verkehrssteuer resul- tierendeu Mehrausgaben ersetzt bekommen, sondern auch noch einen recht beträchtlichen Exlragewiim berausschlageu. Es liegt nicht der geringste Grund vor, den Altionären der Stratzenbahngesellschaft darüber hinaus auf Kosten der Grotz-Berliner Bevölkerung eine iir jeder Hinsicht unverdiente Liebesgabe zu de- willigen. Erhöhte Liebesgabe für die Imker. Im vorigen Jahre bat die ReichSzuckerstcHc den deutschen Imkern 32'A Millionen Pfund Zucker zur Bienenfütterung aus- geliefert. Das Resultat ist bekannt: Der Honig wurde fast aus- schließlich zu Wucherpreisen aus dem Wege des Schleichhandels vertrieben und die große Masse der Bevölkerung hatte das Nachsehen. Als Belohnung für dieses patriotische und opferfreudige Verhalten 42] Töchter öer Hekuba. Ein Roman ans unserer Zeit von Clara V i e b i g. Wenn sie jetzt nachts im Bette lag. flog auch sie. Dann war es ihr, als höbe ihr Körper sich aus den Kissen, als chwebe sie durch unendliche Räume, die man Himmel nennt, und fühlte mit Schaudern die Erde unter sich versinken. Warum nur hatte Heinz sich dazu gedrängt? Sie laS jetzt nur von Abstürzen. Wußte er denn' nicht, daß.Flieger' das Aller- gefährlichste ist? »Fliegen, die reine Lebensversicherung," antwortete er ihr.„Ein herrliches Gefühl, so allem entrückt zu sein, auf den Flügeln des großen Vogels durch den Aether zu schweben, von allem anderen losgelöst. Dann denkt man nicht mehr an das, was gewesen ist oder was sein könnte, alles ist vergessen. mau stiegt, fliegt und genießt das." „Laß ihn doch," sagte Annemarie.»Ich finde es riesig schneidig von ihm." WaS wußte diese junge Frau, die mit einer unerklärlichen Unbefangenheit in den Tag hineinlebte, von den Gedanken einer Mutter? Die Aeltere hätte die Jüngere beneiden mögen um ihren Gleichmut— hatte die ein glückliches Temperament I Und es war ja auch so, als sollte sie recht behalten mit ihrem täglichen: ,Es wird schon gut gehen,' noch immer hatte sie die besten Nachrichten von ihrem Mann. Briefe flogen hin, Briefe flogen her. Mitten in allen Kriegsgreuel blühte das Liebesglück. Und Hedwig sagte sich: so muß wohl die Frau sein, die es ihrem Mann leichter macht zu dieser Zeit. Sie wußte nicht recht, sollte sie die Schwiegertochter oberflächlich nennen, oder herzenskühl, oder sie beneiden? Es hatte sie als etwas ganz Unfaßliches berührt, wie die beiden Menschen von einander Abschied genommen hatten. Strahlend waren sie von Dresden wiedergekommen. Rudolf hatte seine Frau noch nach Hause gebracht am letzten Tag des Urlaubs, am Abend mußte er fort. Annemarie würde ruhig bei der Mutter bleiben, bis er wiederkam, dann würde man ja schon weitersehen. Und Annemarie hatte sich hineingefügt mit derselben Leichtigkeit, mit der sie sich eben in alles fügte. Sie hatte wohl geweint, als ihr Rudolf sie zum Abschied küßte, aber als sie dann auf dem Bahnsteig stand tmd ihm Nachwinkte, hatte sie doch schon wieder unter Tränen gelächelt. Und er hatte ihr lächelnd wiedergewinkt, obgleich auch ihm das Wasser in den Augen stand. Sie waren eben jung, sie hatten noch nie das große Leid erfahren, das das Innerste um und um kehrt— glückliche Kinder. Es gab Stunden, in denen es Hedwig Bertholdi schwer fiel, nicht ungerecht gegen die Schwiegertochter zu werden. Wie konnte die nur so heiter sein! Das Lachen, das sie einst entzückt hatte, dieses volle, tönende Lachen, fiel ihr jetzt auf die Nerven. Aber mußte sie nicht eigentlich froh sein, daß Annemarie die Zeit und die Trennung so trug? Wenn die nun immer geklagt und gezagt hätte? Ohne daß Hedwig es wußte, nahm sie sich jetzt mehr zusammen; sie konnte sich von der soviel Jüngeren doch nicht beschämen lassen. Annemarie genoß das Behagen, das sie in dieser Häus- lichkeit umgab. Es war doch schön, Frau zu sein, selbst wenn der Mann nicht da war. War der Krieg erst zu Ende und Rudolf zurück, würde es freilich noch schöner sein. Jetzt be- schäftigte sie das Kind, daS sie erwartete. J!och war es lange hin, bis das geboren werden sollte, aber sie fühlte sich schon ganz als junge Mutter. War es Eitelkeit, war es Stolz auf das Kriegskind? Oder schon Liebe? Sic pflegte nicht über sich nachzudenken, aber ihr selber unbewußt wachte ein Trieb in ihr aus: der Trieb zum Kinde. Sieben Söhne möchte sie haben, sieben schöne, gesunde, muntere Jungen. Und leise trällerte sie das alte Soldatenlied vor sich hin» das sie als Mädchen oft gesungen: »Musketier sein lustge Brüder, Haben guten Mut. Fidera, fidera, stderallala!" In den beiden benachbarten Gärten gingen die beiden jungen Frauen. In ihrer gesunden Fülle guckte Annemarie über den Zaun: Frau Rossi war noch immer so schlank; war sie nicht wie eine Lilie zart und weiß? Annemarie bewunderte die schöne Frau im füllen; sie hatte die kennen gelernt, Frau Rossi war einmal herübergekommen und hatte einen Besuch gemacht. Aber sprechen hatte sie nicht viel mtt ihr können, die Schwiegermutter führte hauptsächlich die Unterhaltung. Sie sprachen über den Tod des Leutnants Rossi, wo und wie er gefallen war. Die Witwe hatte sehr leise, fast zögernd, die teilnahms- vollen Fragen beantwortet; dabei waren ihre Augen mit1 einem zerstreuten, unruhig suchenden Ausdruck durchs Zimmer geglitten. Ein Bild von Heinz stand da. Sie nahm es in die Hand, sah darauf nieder und hielt cS so während des Gespräches eine ganze Weile.„Ein neues Bild meines Sohnes," sagte die Mutter. Da errötete sie leicht und stellte es hin. Hatte die etwas Weibliches, Sympathisches und so etwas Gehaltenes! Hedwig Bertholdi war ganz entzückt. Nun sah Annemarie mit einer gewissen Neugier hinüber zu der jungen Frau. WaS machte die wohl den ganzen Tag? Keinen Mann, an den sie schreiben konnte, und kein Kind, auf das sie warten konnte. Das mußte doch zu langweilig und traurig sein. Still und langsam ging Frau Rossi zwischen den mit Buchsbaum eingefaßten Rabatten, gleich einer Nonne, ab und zu bückte sie sich, sie pflückte Veilchen. Aber kein Lächeln kam dabei auf das ernste Ge- ficht. Das ganze Gefühl ihres Reichtums überströmte die junge Frau Bertholdi. Sie grüßte mit ihrem srohesten Lachen, wollte gern besonders freundlich sein: die war ja so arm. Und wie eine, die Millionen zu verschenken hat, sagte sie: „Sie sind immer so allein, kommen Sie doch öfter mal zu uns herüber, ja?" Sie streckte ihre Hand hin. Jetzt lächelte Ali; sie nahm die dargebotene Hand, aber dann wurde ihr Gesicht gleich wieder ernst. Zurückhaltend sagte sie:„Ich bin nicht so allein, ich habe ja meine Mutter am Ort. Aber gewiß, ich werde schon gern einmal kommen." Annemarie fühlte: das war nur so gesagt. Die wurde natürlich nicht kommen; das war dumm, sie waren doch beide jung, sie würden gut zueinander passen. Mit der ganzen Unbefangenheit ihres Wesens hielt sie fest: die gefiel ihr nun einmal, und die sollte sie nicht mit einer Redensart ab- speisen.„Sie kommen ja doch nicht, wenn Sie so sagen: .Ich werde schon gern einmal kommen.' Och!" Sie warf den Mund auf und schüttelte den Kops:„Nein, damit gebe ich mich nicht zufrieden, Sie sollen sagen: ,Ja/ Morgen? über- morgen? Meinetwegen auch erst in drei Tagen. Aber Sie müssen sagen:.Ich komme. V Sie find, doch auch jung. Ich bin achtzehn. Wie all sind Sie?" »Fünfundzwanzig." Sortl. kolgU will hie RschSzitckerstelle de» SbmUc« Jmier» jehi sog« 37 Millionen Pfund Zucker bewilligen, aber freilich nur dann, wenn sie sich„verpflichten", ein Drittel ihrer Ernte an die Regierungsfanrmelstelle zu liefern und den anderen � Teil im den Handel zu bringen. Eine Zwangkerfassnng des Honigs�— meint die Reichszuckerstelle— sei unmöglich, weil die Imker im Reiche derart verstreut seien, daß man eine Kontrolle der Ernte nicht durchführen könne. Dem beschränkten lln terta nenv erstand drängt sich unwillkürlich die Frage auf: Wenn eine Kouttolle der ganzen Honigernte unmöglich, wie will man denn kontrollieren, ob die Imker den dritten Test ihrer Ernte auch wirklich abliefern? Wiegt man sich trotz der im vorigen Jahre gemachten Erfahrung etwa in dem treuherzigen Mauben, daß die deutschen Bienenzüchter ihren Verpflichtungen freiwillig nachkommen werden? Diese Naivität wagen wir selbst unserer Nahrungsmittelbureaukratie nicht zuzutrauen. Berliner Lebensmittel. In der kommenden Woche beträgt die Kartoffelratiou 7 Pfund, von denen je 1 Pfund wieder aus der eisernen Ration zu entnehmen ist.— Vom Montag, den 25. bis Mittwoch, den 27. Februar wird in den südlich des Tiergartens belegenen Bezirken der 8., 9. und 15. Brolkommisfion je 125 Gramm pommerscher Weich- käse verteilt._ Brennholz. Der Magistrat Berlin hat, wie wir bereits berichteten, größere Mengen Brennholz angekauft. Der Verkauf dieses Brenicholzes findet in Holz- und Kohlengeschäften statt, die durch besondere Schilder als.Holzverkaufsstellen der Berliner Brennstoff-Be- schaffungS-Ges. m. b. H.", kenntlich sind, außerdem in den städti- schen Lagerplätzen: Prenzlauer Allee 80(Gußrohrlager) gegen- über der Stargarder Str.; Greisswalder Str., Gelände der städtt- schen Gasanstalt am Bahnhof Weißensee; Sellcrstt. 31/38, Gelände dch städtiscken Gasanstalt; Kottbuser Ufer 21/22; Landsberger Straße 40/42. Nunmehr wird außerdem an die minderbemittelte Bevölkerung Brennholz zum ermäßigten Preise von 2,20 M. für iln Raummeter abgegeben werden. Die Abgabe findet nur in amtlich geeichten Maßen statt, und zwar in denselben Verkaufsstellen wie oben angegeben. Die Abgabe sindet gegen Brennholzkarten statt, welche bei der zuständigen Brot- kommisfion vom 28. Februar a b erhältlich find, und zwar für die Inhaber der Kohlenkarten der Gruppe II oder III mit einem steuerpflichtige nEin kommen von nicht mehr al» 3000 M. Das Nähere ist aus den öffentlichen Bc- lanntmachungen zn ersehen. ZtrfaS Schumann. Nadschura und Mulah Said. Schwestern Plötz Larella und Frankoni sind Artistennamen ersten Rangs, die Kommisfionsrat Schumann für die letzten Monate seines Zirkus ge- Wonnen bat. Die Ausstattungspantomime.Mexiko" geht heute in beiden Vorstellungen in Szene. Für 180 000 Mark Metalle beschlagnahmt. Durch die Fest- nähme des Malers Christian Hanjen, Charlottenburg. Pestalozzi- straße 74. des Kaufmanns Hugo Lasker, Breslau. Kronprinzen» ftraße 41, des Ingenieurs Rodert Kolb. Charlottenburg. Schiller- straße 61. der Händlerin Meta Berndt, Berlin, Greisswalder- straße 13. des Kaufmanns Paul Warmuth, Tegel, Scklieper- straße 75. und des Monteurs Hermann Januicheck, Pankow, Brehme- straße 16, ist_ dem Kriegswucheramt die Aufhebung einer gefähr- lichen Kettenhändlerbande gelungen. Diese lausten Zinn- und Zinn- legierungen, das bekanntlich angemeldet sein muß. auf und ver- schoben es demnächst zu hohen Preisen weiter. Die Ware, die in erster Hand für 3.70 M. das Kilo gekauft war. stieg in der Kette auf 18 M. das Kilo. Das Kriegswucheraml konnte eine Menge der Ware im Gesamtwert von ca. 180 000 M. beschlagnahmen und der litnegs-Metall-Aktiengesellschaft zuführen. Eine weitere Sendung, die mir der Eisenbahn unterwegs ist. wurde vom Oberkommando be- fchlagnohmt. Die obengenannten Personen find in das Unter- suchungsgefängnis eingeliefert worden. Ein tödlicher Unfall hat sich am Donnerstagabend auf dem Babnhof EberSstraße zugetragen. Die 21 jährige, bei der Bahn- Verwaltung als Tükschließerrn tätige Marie Cazcek versuchte einen Bollringzug zu besteigen, als sich dieser bereits in Bewegung geietzt ha'te. Dabei glltt sie vom Trittbrett ab. geriet unter den Zug und wurde sofort getötet. _ Charlottenburg. Beabsichtigte Ausdehnung der Sonntagsruhe. Der Magrsirat hat den Stadtverordneten den Erlaß eines Orts- ftatutS vorgeschlagen, durch das für den Gcmeindebezirk Char- lotlenburg dle Einführung der vollen Sonntagsruhe im Handels- gewerbe während der Dauer des Krieges festgesetzt wird. Aus- geichlosien hiervon soll nur der Handel mit Nahrungs- und Genuß- mittel», mit Blumen und Zeitungen sein. Mit Rücksicht auf die zuiammenhangendeu wirtschaftlichen Verhältnisie Groß-Berlins wird I-doch die Einführung der Sonntagsruhe von deren gleichzeitigen Regelung in Berlin, Wilmersdorf und Schöneberg abhängig ge- macht. Lebensmittel. In der Woche vom 25. Februar bis 3. Marz kommen zur Ausgabe:% Pfund Marmelade auf Ab- schnitt M der Bezugskarte für Einzelpersonen, zirka 14 Pfund Rüben, auerkraut auf Abschnitt? der Bezugskarte für Einzel- Personen. IVa Pfund Kaffee-Ersatz-Mischung auf Abschnitt dl der Bezugskarte für Einzelpersonen, vom 1. März ab 1 Flasche sterili- sterter Vollmilch mif Grunt> besondrer Bezugsscheine für Kinder un Alter bis zu 7 Jahren. Die Abgabe von 1 Päckchen Süßstoff out Abschnitt 25 der gelben Haushaltungsbezugskarte läuft weiter. Kreis Telww. Weitere Sicherstcllung von Kartoffeln. Der ÄreiSausichuß hat unter Aufhebung früherer Bestimmungen eine neu- Verordnung erlassen, die am 25. Februar d. I. in Kraft tritt und die Kartoffelmengen der Erzeuger auch weiterhin für die Ver- sorgung der Bevölkerung in Anspruch nimmt. Räch der neuen Ver- Ordnung dürfen die Äartoffelerzeuger für ihren Eigenbedarf und den ihrer Wirtschaflsangebörigen vom 25. Februar ab bis zum 14. Sep- tember d. I. nur 9 Piund je Kopf und Woche verbrauchen. Die hierzu erforderlichen Kartoffelmengeu werden ihnen belassen; ferner dürfen zur Deckung der zum Verfüttern freigegebenen Kartoffeln und der Verluste durch Schwund nur 10 Proz. anstatt bisher 20 Proz. des Ernteertrages an Spätkartoffeln des Jahres 1917 in Ansatz gebracht werden. Zur Versüllerung find nur ungesunde Kar- toffeln oder solche unter einer Mindestgröße von 1 Zoll(gleich 2,72 Zentimeter) freigegeben. Die nach dieser Berechnung frei- werdenden Kartoffeln werden für die öffentliche Bewirtschaftung durch den Kreis Teltow in Anspruch genommen. Treptow. Lebensmittel. Außer den üblichen Rationen werden berteilt: 250 Gramm Farinsirup auf Abschnitt 8 der Groh-Berliner �LebenSmitetlkarte für Jugendliche, 100 Gramm Nährmittel auf .Abschnitt 8 der Groß-Berliner Lebensmittelkarte. Karotten und Kohlrüben stehen in allen einschlägigen Geschäften zum Verkauf. Britz. Lebensmittel. In der Woche vom 25. Februar bis 2. März gelangen in der Verkaufsstelle der Gemeinde zur Abgabe auf Abschnitt 55: Nährmittel(100 Gramm für Haushalte ohne Jugendliche), Abschnitt 53: Dörrgemüse(100 Gramm pro Person). Abschnitt 60: Heringe(14 Pfund pro Person für die Num- mern 901— 1800), Abschnitt 61: 1 Dose Rübcnhlutwurst und 1 Dose Kraftblutkonserven(pro Haushalt). Abschnitt 62; Kümmel (50 Gramm pro Haushalt), Abschnitt 63: Marmelade(14 Pfund pro Person) ab Donnerstag bei den Kleinhändlern, Abschnitt 64: Tee(2 Pakete pro Haushalt), Abjckputt öö: Sonderputeiluug. Auf die Abschnitte 1— S der fSerfina SebenSinittelkatts fb Jugendliche gelangen 350 Gramm Nährmittel pro Person zur Ausgabe. Ferner werden abgegeben: Fleischextrakt, Knochenbrühextrakt, Scholle in Aspik, Muschelfleisch und Klippfische. Bei den Gemüsekleinhändlern können in den nächsten Tagen auf Abschnitt 57 der Britzer Lebensmittelkarte 50 Gramm Ztviebeln (714 Pf.) auf den Kopf der Bevölkerung entnommen werden. Groß-Serlmer partelnachrichten. Hroß-Serlin. Die regelmäßigen Mitgliederversammlungen und Partei- Veranstaltungen für de» Monat März finden 8 Tage früher, am Mittwoch, den S. März statt. Die Parteigenossen und Geuossiuue« werde« gebeten, fich an diesem Abend frei zn halten und die Beranstaltnugeu zu besuchen. Die gemeinsame Bekanntgabe der Versammlungslokale er- folgt am Dienstag, den 5. März. Alle Einsendungen für das gemeinsame Inserat müssen bis Montag, de« 4. März, dem Bezirkssekrctariat eingereicht sein. Zur Stadtverorünetenwahl IV. Kommunalwahlbezirk. Heute früh von 9 Uhr an Flugblattverbreitung von Rickert, Steimnetzstr. 36a aus. 34. Kommunalwahlvezirk. Heitte Flugblattverbrcitung um 9 Uhr von Obiglo, Stralsundcr Str. 11, aus._ Breitscheid und ,/L. B." Die.Leipziger VglkSztg.* unternimmt einen neuen verzweifelten Versuch, die unglückliche Kandidatur Breitscheid in Niederbarnim zu verteidigen. Für das Bemühen des.Vorwärts", der Person Breit- scheids objektiv gegcnüberzutreten, hat sie natürlich nicht das ge- 3« lange schon gingst du goldgeschmücki. Verwerte deine Gotdsachen zu vaterlandischen Zwecken! Bringe sie der Goldankaufstetle, die den vollen Wert dafür vergütet. ringsie Verständnis, sie antwortet darauf mit wilden Schmähungen gegen den.Vorwärts" und den Kandidaten der Sozialdemokratie, Genossen Wisiell. Dadurch wird nichts an der Tatsache geändert, daß Dr. Breit- scheid, der in der sozialdemokratischen Partei nur sehr kurzen Auf enthalt genommen hat, am allerwenigsten dazu berufen war, einem allbewährten Genoffen entgegenzutreten. Es ist keine Empfehlung für einen Kandidaten, wenn er keine politische Standfestigkeit be weist, sondern alle paar Jahre einer anderen Partei angehört. Auf einen Mann, der so an politschem Reisefieber leidet, ist schließlich für keinen ein sicherer Verlaß. Nebenbei gesagt, hätte man in Leipzig allen Grund, etwas be scheiden«! aufzutreten. Als Not an Mann war. da standen die so- zialdemokratische Partei und der.Vorwärts' zu den Arbeitern. Wo war aber damals Leipzig, das sehr radikale Leipzig? Alles war in jenen Tagen über Leipzig erstaunt! Jetzt aber, da alles wieder im Gleise ist, kann man in Leipzig den Mund gar nicht weit genug auftun und nicht genug über den»regierungs- sozialistislben', den.abhängigen'.Vorwärts' schimpfen. So sucht man den Mangel männlicher Tugenden hinter einem desto größeren Maß von Unverschämtheit zu verdecken. Und dieser Gesellschaft sollten die Berliner Arbeiter nachlaufen? Berlin VI. Schönhauser Borstadt. Morgen, abends 8 Uhr. Zusammenkunft der Genossinnen bei Baganz, Gandy st r a ß e 3. Treptow-Baumschuleutoeg. Dienstag, den 26. Februar, abends 8Vz Uhr: Mitgliederversammlung bei Ebert, Treptow, Graetzstr. 1. Tagesordnung: 1. Die öffentliche Lungenfürsprge in Treptow und ihre Bedeutung für die Arbeiterschaft. Referent«! Genossin Elfriede Rh neck. 2. Aussprache und Verschiedenes. Birkeuwerder-Borgsdorf. Heute nachmittag 4 Uhr: Oeffeut liche Wählerversammlung im Restaurant Bodensee am Bahnhof Birkenwerder. Tagesordnung: Die bevorstehende Reichs- tagSwaHl. Referent: ReichStagsabgeordnetcr Georg Davidsohn. Freie Aussprache. Nowawrs. Mittwoch, den 27. Februar, pünktlich abends 8lU Uhr, findet im Lokal von Max Singer, Priesterstr. 31, eine Mitglieder- Versammlung statt. Tagesordnung:.!. Die bevorstehende Gemeinde- Vertreterwahl und Aufstellung der Kandidaten. 2. Geschäftliches. 3. Verschiedenes. Hoheu-Neuendors. Mitgliederversammlung. Am Sonntag fand hier eine mäßig besuchte Wähterveriammlung statt, in der unser Kandidat. Genoffe Wisiell, referierte. Sein zweistündiger Bor- trag, in dem er den Wählern klar und deutlich die Richtlimeu seiner im Falle der Wahl von ihm vertretenen Politik zeichnete, einer Politik nicht der Phrase und des Verneinens, sondern einer der Arbeiterschaft wirklich nützenden, die Talsachen berücksichtigenden Realpolilik, wurde mit starkem Beifall aufgenommen. In der Dis- kussion bemühte fich der Unabhängige L t e s e g a n g vergeblich, die Worre Wisiells zu entkräften. Wer von den Wählern geglaubt hatte, von Herrn Liesegang eine wirklich saüliche. durchschlagende Begründung für die Haltung seiner Partei zu hören, sah fich schwer getäuscht. Nach emstündiger Anstrengung gelang es ihm nur, den Wählern zu beweisen, daß er von den Verhältniffen, wie sie tat- sächlich liegen, keine Ahnung habe. Auch einige von bürgerlichen Diskussionsrednern an ihn gerichtete spezielle Fragen tat er nach aller Gewohnheit mit schönen Phrasen ab. Im Schlußwort wurde denn auch Herr Liesegang vom Genossen Wisiell gründlich erledigt, was elfteren veranlaßte, unier dem unausbleiblich cu Csschimpfe von dauuen zu ziehe«. Mus aller Welt. Explosion eines Lenklustschiffes. Paris, 22. Februar.(Meldung der Agenee Havas.) Ein fran- zösischeS Lenklustschiff, das am Mittwoch morgen im Aermelkanal auf der Höhe von Sainte Adresse Erkundungen vornahm, hatte einen Ausfall mit dem Steuer und stieß gegen eine Klippe bei Le Havre. Es kam zu einer schrecklichen Explosion, durch die der Major Fleurh'owie ein Funkentelegraphist auf der Stelle getötet wurden. Ein abstürzender Unterosfizier brach sich den rechten Arm. Infolge des Aufftoßens platzten die an Bord des Luftschiffes befindlichen Bomben. Sie verletzten mehrere Psrioncn, die herbeigeeilt waren. Das Luftschiff ist vollkommen zerstört. Jugenüveranftaltungen. Arbeiter-Jugendheim Berlin, Lmdenstr. 3. Heute Sonntag Hemtörftiung 5 Uhr. WendS 8 Uhr: Vortrag des Herrn Dr. Hosrichter.— Dienstag: Sdielabend.— Freitag: Diskulierabend. Bezirtszusammeukünfte. Prenzlauer Vorstadt: Jeden Man» tag- und Mittwochabend bei Eichhorn. Danziger Str. 93.— Gesundbrunnen: Jeden Mittwochabend bei Gillwald, Putbuscr Strahe 24.-- Moabit: Jeden Donnerstagabend in der.Vorwärts"- Spedition, Wil- hclmshavener Str. 48. önefkasten der Redaktion. A.<5. 1918. Durch Ihren Austritt ausser Landeskirche Wörde Ihnen die Möglichkeit gegeben, dis Eheschließung mit der Dijsidentin vollziehen zu können. Die Sacke wird sich natürlich verzögern. Es ist sein unwahrscheinlich, daß schon bis 1. April eine Regelung erfolgt sein kann. Sie basten natürlich allein für den Mietvertrag. Der Wirt kann den Ver trag deshalb nicht lösen.— F. K. IL«. ES besteht kein Anspruch aus volle Löhnung, wie Übcrhouvt die Löhnung nur gewährt werden kann. Die Schwester muß sich also mit dem Teil der Löhnung zufriedengeben. Wenn die Löhnung später aus den vollen Betrag erhöht wurde, so wird jedenfalls große Bedürftigkeit als vorliegend erachtet worden sein. Wegen der jetzigen Erhöhung kann sie sich mit einem entsprechenden Antrag an den Truppenteil wenden.— Ldst. H. M. II. Sie sind im Irrtum. wenn Sie glauben, daß ein absoluter Anspruch aus StaatSunterstützung beftebt. Wenn B-dürstigkeit nicht sllr vorliegend erachtet wird, kann auch die Staatsuntcrstiitzung verweigert werden.— H. B. 1. Nach üst.jäbrigcr Dienstzeit. 2. Ja. Diese Zeit rechnet nicht als aktive Dienstzeit.— — H. W. Lichtenberg. 1. Bis 10 Ubr. 2. Wenn ordnungsgemäß die Kündigung crjolpt ist, muß der Mieter räumen; wenn nicht, können Sie ihn durch Klage beim Amtsgericht dazu zwingen.— A. 5k. 183. DaS bedeutet dienstfähig.— W. B. 712. 1. und 2. Sie können solche Anspnichc erheben. Der Antrag ist beim Bczirksseldwebel einzugeben. 3. Sie können den Versuch bei der Kriegswohlsahrtspflege machen.— S. H. Ob der Verdienst so niedrig bemessen ist, ist doch jedensalls noch nicht festgestellt. Sie können fich aber wegen der Sache evtl. mit einer Beschwerde an den zuständigen Kriegsausschuß wenden. Aus jeden Fall müssen Sie der.Auf- sorderung zum Hilfsdienst Folge leisten.— H. N. 53. Das Testament ist in der Form rechtsgültig.— Vi. Bü. 3». 1. Für die Schlüssel muß der jetzige Eigentümer sorgen. Wer Anspruch aus die Miete für' Dezember und Januar bat. können wir nach Ihrer Mitteilung nicht seststcllen. 2. Monat- lich 42 33 M.— Feldpost 263. Die Mutter des KindeS kann nicht ve:- pstichlet werden. Sie zu heiraten. Sie müssen die Alimente zahlen; nach Ihrer Entlassung aus dem Militärdienst auch sogar die rückständigen.— — H. H. 100. Bezüglich der Möbelbeschaffiing durch die Stadt Berlin sind vorbereitende Schritte im Gange. Doch dürsten noch einige Monate verstreichen, bevor diese Einrichtung bcnützt werden kann.— Wt. G. 20. Darüber entscheidet die Militärbehörde.— 2t. B. 100. Sie wenden(ich am besten an das Zentralnachweisbureau des Kricasministertums, B.erlir NW 7, Dorotbeenstr. 48.— Ell» 100. Darüber können wir keine Aus- ksnst geben. Wenden Sie sich an die vorstehende Adresse.— Gr., Beeliy. Provinz Posen.— L. Di. 20. Rabbiner-Seminar, Berlin N 94; Artillerie- straße 31.— Flieger 1000. AIS Soldat müssen Sie das Vcrsetzuzigs- gesuch aus dem vorschriftsmäßigen Dienstwege stellen: das von Ihnen an- gegebene Schreiben ist nicht statthast.— M. Tilge 100, Der Ort ist uns nicht bekannt— S. 122. Der Beseht ist auszuführen; Werkzeug-und Seije muß ihm allerdings geliefert werden.— E. T. 32. Wenden. Sic sich noch einmal mit einer Beschwerde über die lange Verzögerung im ben Magistrat. Am besten wäre sreilich, wenn Ihre Pflegeeltern einmal per- sönlich vorstclltg würden._ LSetterauSstchten für das mittlere Skorddentlchland dt« Montag mittag. EtwaS kühler, vielsach heiter aber veränderlich, öfter geringe Niederschläge. Einsegtiungsseschenke frühzeitiss kaufen! niaa Leipziger Straße 97 und Königstraße 46 Juwelen.* UliLrein 6oierichtstrabe 37, statt. Allen Freunden und Be- kannten die traurige Nach. richt, dag am Donnerstag, den 21, Februar, U1/, Uhr, meine liebe Frau Flora Poddig geb. Blehter im 48. Lebensjahr Plötzlich verstorben ist. 17A In ttesem Schmerz August Poddig. Die Beerdigung findet am Sonntag, de» 24, Februar, nachmulagS 3ll, Ubr, von der Leichenhalle des Deiben» ieer Gemeinde- FriedhoseS, Rötckeftrage. aus statt, Danksagung. Allen Freunden, Bekannten, den Rollegen der Firma Ludwig Löwe mid dem Deutschen Metall- arbetter-verband sage ich hier- mit sür die Kranzspenden und Bnieilnahme bei der Beerdigung meines lieben Manne«, de« Schlosier« Brun« Naumann meinen bellen Dank. 180a prsu Ww. Naumann nebat Kindern. Danksagung. Jdr die vielen Beweise herz. licher Teilnahme und die zabl- reichen Rranzipenden bei der Beerdigung meine« lieben Manne« und guten Vater« Gtlo Kusserow sage ich allen Bekannten und Berwandlen sowie den Genossen der U. S. P, D,, insbesondere Herrn Waldcck Manafse sür die trostreichen Worte meinen in. nigsten Dank. kons Kusserow 180« «nd Kinder. Oankkagung. Für die herzliche Teilnahme an der Einäscherung unseres lieben Sohnes 1S0A Erich sagen wir allen Freunden und Bekannten, besonber» dem Ge. nassen Manaffe sür die trost- reichen Wort« und auch dem Sängerchor Weddwg unseren herztichslen Dank. Henry Reubert nnb Frau Ol« Eltern. stSMHi Renbert«nd Fran. Allen Verwandten, Freun- den und Bekannten die traurige Nachricht, dab meine lnnigftgeliebte und treusor- gende Frau Ilig 8etimilüg-b-�ZllZe nach langen, schweren Leiden am 21. Februar, nachmittag? 4Uhr, imAltervon32Jahre» sanft entschlafen ist. Der tieftrauernde Gatte Hiearg Bebmldl, Prinzenallee 85. Die Beerdigung finde! am Dienstag, den 28 Fe. bruar, nachmittag» 8'/, Uhr. von der Leichenhalle des neuen Santt.PauluS.Ki> cki. hoses w Plötzense« au« statt, Hödöllsdfill Bölling eingetragene Senossenschast mit Beschränktet Hastpflicht, «ilanz für das Geschäfts. jähr lvl?. üktiv». M, Kafiendestand... 1783,24 Waren..... 38780,— Maschinen.... 1970,— Werkzeug..... 1830,— Inventar..... 180.— Debitoren.... 7840,— Banlen..... 19476,78 Postscheck.. Kautionen.,, Konto Dubio.. Passiva. Kreditoren..., Interims. Konto., Anteile,.,, Dorkebn..... Reservefonds.,. Gewinn.... 857,85 250,— 1,— 72318,85 83,85 5000,— 210,— 54534,32 241,18 12250,— :7�318~85 Im Laufe de« GelchäslSjabreS ist kein Genosse ausgeschieden und keiner beigetteten. Die Genossenschast bat 7 Mitglieder mit einer Gesamthastsumme und einem GeschäslSguthaben von je 210 M.»5/1 Der Vorstand. H.Krebs. Kart Kauert. Sllt I-S MW in Ticustboteu- angelegenheite« Suchende wenden sich ver> lraucnsooll an den 48/5' Verbs nd der Bausanaeftcllten, Bertin SO 18, Engtluicr 21 III. Geöffnet von 8—5 Uhr. SM-UäÄnft «MHt»««« S»ot lÄetileeu T-f ,, Feidmustersdg. M t,- Bareinsdg E. J. Quenzei, Hamburg 24 Ei. Münzen kauft Hall, Uönzenhdls. Berlin, WUbelmstr. 46/47.* MMMLMlS.VlIlWWtk.I Ortsverwaltung neriin. DtenStag, den 86. Februar, abend« 8 Uhr, im«ewerkschaftshanse, Engeiufer 15; General»Versammlung. Tagesordnung: 1. Abrechnung vom IT. Ouartak 1917. 2. Jahresbericht der Berwalwng über da« GeschästSjahr 1817. 8. Neuwahl der Revisoren. 4. BerbandSangelegenhette». Ohne Mitgliedsbuch kein Zutritt k Zahlreiches Erscheinen der Mitglieder erwartet 181/7 VI««trtnverrraltnng. SkSM WljWM'MlSM Bezirk Berlin. DtenStag, de« 86. Fedrnar ISIS, abendS 8 Uhr: Allgemeine Eisenbahner-Versammlung im graße« Saal des GewerlschaftShauseS, Engelufer 18. Tagesordnung: 1. Die«cdeutung der Eiienbahne» für die Krieg. fübrung und die wirtschaftlichen Forderungen der Eisen- bahne». Referent: PerbandSsekretär Kollege«otiur. 2. Freie Aussprache. Zahlreichen Besuch erwartet 283/10 DI« Kenlrtrnleltnn». Spezial-Arzl Dr. med. Hasehch, Friedrichstr. 90 Äa0�. Bedandl. oonSqvbiliS, Haut. tarn-, Frauenleiden, svez.: ron. Fälle. Schmerzlose, türzeste Behandig. obnc Berussstörung. vlulunlerfuchung. Mäh. Prelfe. Teilzahlung. Sprechstunden 10 bis 1 und 5— 8. Sonnt. 11— 1. Wir taufen It.§15 derBekairnftn. v. 25. IX gebr.'/,. Sekttorke zu 12 � Weinkorke »*2 4 u.all.imd.Grt. neue u. ge&tJtorie ferner:• Zelluloid-, Film- Hartgummi- Wachswalzen- SchallPlattenAbfäll- Ordower G. m. d. H„ George, iktrltiftr.«0 (b. Alexonderptatz), Friedrichstrafte�Z» Ecke Zimmernraste. 8-12-/� 2'l,-6>lr Damenhüte werden auf neuosto Formen in bekannt guter Auiälührung umgepreßt Ecksteins Hutfabrik, Involideusti-. 38, an der OhaasseeatraC�Filiale; Wiolandatr. 7, an der Kantstr&B«.*. ciLlkkWn AMeis-».SMeM ISiMl.Sersi!szii>eiU Grsastkasse. »emäh§§ 87/55 der Kassen- satznug bringen wir hierdurch zur Kenntnis, dafi die Gkükral-Nkrsammlllng für da« Jahr 10 18 am Sonntag, den LS. April ISIS, vormittag« 8'/, Ubr, im GewertschaftShaufrzu Berlin, Engeluier 15, stattfindet. Die Generalversammlung hat fich mit der Abnahme der JabreSrechnung, der Eni- laltung de« Vorstande«, der Wahl der Kassensunktionär«, mit Anträgen zur Kassensatzunz, mit VerwallungSsragen und Be- schwerden von Mitgliedern usw. zu beschäsligen. 263/8 Die Abgeordneten werden durch belondere Einladungen benachrichtigt. Der Vorstand. Spezml-trzt Dr. med. WockenluS Frleilrlelislr.lISspiSSÄ fOrSjrphilis.Ham-u. Frauenleiden Bluluntaraueh Schnelle,«iohere tohmerxl. Heilung ohne Beruft- »törunz. Teilzahlung.* KDOcbenmiiliieo, Gewürzmiidlcn, Düngermühlen, HauShallmöhlen mi> und ohne. Schwungrad. Wandmüblen, Kafieemühlen, alle grob und sein wählend, verstellbar. Preis- liste mit Abbildung umsonst. Sosort lieserbar. B erkaust OetT, Berlin O. Mankeuffetttr. 25. 1 Stockwerk, Nähe Lchles. u. Girtltzer Bahnh. Spezislürzl D,-. med. Linnba dch. schnell, gründt., mögt. schmerzlos u. ohne BerusSstör. üe»ohlevhl»krankhslt., geheime ! Haut-, Hern-, Frauenleiden, j Sohwlche. 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Zuckerkrankheit uiw.— Frei. willige, briefliche»nd mündliche Anerkennungen früher behandelter nnd geheilter Patienten, die an. gaben, vor der Behandlung in unserer Anstalt ander- weitig ohne Erfolg behandelt worden zu lein: I. Frau M. Richter, BeriiwMooblL Waldstr. 83. Li'.age». leide», Blntarmnt, Rervenfchwäche geheilt.— 2. Herr Georg Heinrich. Banmfchulenwrg, Baum. schulenftr. 29 ll. Lungenleide» geheilt.— 8. Frau E. Vlödoru, Töpenick, Aug-Biktoriastr. 24. Herz». Leber- nnd Nierenleiden wiederholt gebessert.— 4. Herr St. Enste, Restaur.. Eharlottenburg, Hutten- straste 12. Ehronitcher Mitteloh�atarrd gehetl«.— 5. Frau Martha Alite».«ottbu», Grenziir. 4. Bon Herz- n. Magenleide» geheilt.— 8. Fran M. Zafke. Berlin, Nollendorsftr. 40 I. SthenmatiSmu« nnd steife Schulter gebeilt.— 7. Herr E. Ehrhardt. Gr.-Lichter- feld«. Ringstr. 52». Ehrontlche» Hüftgelenkleide» wiederholt erfolgreich behandelt.— 8. Frau G. Ho- dorff. Berlin, Eolbergerftr. 23/19. Nerven»«. Knochen- hanteutzündoug— vollständig gelähmt— geheilt.— 9. Herr F. Rahda, Bertin. Prinzen.Allee 72/73. Bon Kopf- nnd Krcnzfchmerzen, trocken« Brnftfell- entzttndung«ach Influenz» geheilt.— 10. Frau G. Herzmann, Gdiäneberg, Feurigltr. 81. Eiternde Fistel nach Bltnddarmoperatioa geheilt.— 11. Herr E. Ritter, Frievrna«, Sponholzstr. 58. von Knie- geienkleide» geheilt.— 12. Frau A. Rohrmofer, Berlin, BreSIauerstr. 1. Alte» fünfzehnjähriges Herz. leiden geheilt.— 13. Herr M. Auftuer, Reintcken- dorf-Weft, Antonlenstr. 3 Kielervrreiternng geheilt.— 14. Frau H.Hagel, Tachfenhauien d. Oranienburg L M linterl.-Blutn»ge»«nd Nervenleiden gehellt.— 15. Frau Ww. Fritschlrr, Berlin, Marienburgerstr. 48. Darmgefchwnlft gehellt.— 17. Herr Erich Bock. Berlin, Havelbergerftratze 15. Bon Nieren- und Blasenleide», Wafiersnck.t, allgemeiner grotzer Schwäche geheilt.— 18. Frau Restour. Hering. Berita. Schönhauser Allee 87. Bon Basedowscher Krankheit geheilt.— l«. Herr«. Brote. Bln..Dempelbok. F.'icdrlch-WUbelmi'tr. 14. Schwere» Rückenmarklriden mit Lähmung derBeine vollständig gebellt.— 20. Frau E. Popp. Bln..Lichte»berg.«mweistr. 10. von chro- nischer Herzschwäche nnd Verstopfung gehellt. — 2t. Herr A. Schladts. Berlin, eaprioistr. 24. Bon EcflchtSlnpn« geheilt: vorder mit Radium erfolglos behandelt— 22. Herr A. Hellwtg. Bln.-Borflgwalde, Srnststr. 25. von Magengeschwulst, Berstopfung und Nervenschwäche gehellt.— 23. Herr Milchbändler Eckert. Berlln.Breisenhaaenerstr. 28. Bon gtch tisch. rheumarrschen Schmerzen in Bein und Fustgelenl geheilt.— 24. Herr Gastwirt E. Michaeli«. Eharlottendnra, Wallitr. 87. Bon chronischem Ledrrleiden nnd Gelbsucht gehellt. — 25. Frau M. Knorr. Bln.-Lichienderg.«charn» weberstr. 62. Bon Herzschwäch«, Leberanschwellung und Magenkrebs gehellt.— 28. Sohn Paul de« WelrtenslellerS Herrn«Lilhelm Hassuer, Bln.-Westend. «eamtcnhau«. Bon schwerem Beinieide» gehellt. Bein sollte obgrnomiren werden. 248,16' WM- Srlelllohe Original-Anerkennungen von uns geheilter Patienten«leben im Wartezimmer der Anetalt auf Wunaeh zur Elneloht ♦ Getrennte Behandlungsräume für Oamon und Herren I ♦ Sprech- und Bahandlungszeii; 8—1, 4— T'/r— Sonntag und Feiertag: 8—1. Hetlanstaltsbesiher Professor P. fölisteSsky approbiert im Auslaud Beflla 80. lö. Bi-ückellstr. Ivb am Lukuttok-lannasvltnbi-llolt«. ZiMern Stammeln. Lispeln. Nervosität □.Angstgefühl vorm Sprechen, Atemnot, auch alle Sprachstörungen, welche durch den Krieg hervorgerufen wurden, beseitigt gründlich Nr. 54— t41§ Unterhaltungsblatt des vorwärts SotiftßbertS, 23. Jebrua? Rätselhafte Grgane öes Meafthen. Bon Dr. van Troy. Hatte man noch vor weniger als zwei Jahrzehnten geglaubt. nicht nur olle Organe des menschlichen Körpers zu kennen, sondern auch über ihre Bedeutung und ihre Funktion orientiert zu sein, so haben die Forrschrilre der Forschung gezeigt, dag diese Anschauung aus einem Irrtum beruhte. Nicht nur sind— io merkwürdig es klingen mag— überhaupt� noch neue Organe ausgefunden worden, wie die in der Nähe der Schilddrüse befindlichen'Nebenschild- d r ü s e n oder Epithelkörper, sondern eS hat sich auch er- wiesen, datz eine ganze Anzab! von Organen, die man zwar kannte, aber für nutzlos und überflüssig hielt, geradezu lebenswichtige Funktionen auszuüben haben. Dazu gehören vor allen Dingen die genannten Epithelkörpcr nebst der Schilddrüse, der Hirnanhang oder die Hypophysis, der TbvmuZ oder die Brie- und die Neben- nieten. All diesen Organen gemeinsam ist, daß sie chemische Pro- dukte in den Blutkreislans absondern. Daher der Name„Driiien mit innerer Sekretion"— und auf ferne Organe im Körper einen Einfluß ausüben, dergestalt, daß sie hemmend oder reizend wirken. Zwei Beispiele mögen als Jllustralion dienen: das Sekret des hinleren Lappens der Hypophysis wirkt weit entfernt im Körper auf die Muskulatur des schwangeren Uterus und erzwingt >n ihr Kontraktionen, d. h. Wehen, die für die Geburt des Kindes notwendig find. Der Extrakt der Hhvo- vhysts ist daher als geschätztes,'wehenbeförderndes Mittel in die Geburtshilfe aufgenommen worden. Aber so klein auch die an der Gehirnbasis sitzende Drüse ist. so eingreifend und mannigfach ist ihre Tätigkeit. Der vordere Lappen dient noch ganz anderen Funktionen. Sein Sekret übt einen starken LRlchStumsreiz aus. Ja bei krankhaiten Veränderungen diese- Gewebeabschnittes, wie z. B. bei Geschwülsten, wird wahricheinlich infolge einer reich- licheren oder konzentriertercn Absonderung dieser Wacb-tumsreiz so mächtig, daß auch bei eiwachienen Menschen einzelne Gliedmaßen oder Körperteile ins Ungemessene zu wachten beginnen. Dies sind die Erscheinungen des sog. Niesenwuchfos oder der Akro- in e g a l i e. Nicht bei allen Drüsen mit innerer Sekretion liegen aber die Aerhältnisie so, daß man schon heute ihre Funktion aus direktein Wege ermitteln könnte. Vielmehr rührt der Forlschritt unseres Wissens von der Erkenntnis der Ausfallsericheinungen her, die auf- treten, wenn die Drüie gar nicht oder falsch arbeitet. Man weiß schon seit längerer Zeit, daß nach totaler Entfernung der Schild- brüse bei Kropsoperationcn der Oraanismus deutliche Verände- mngeu, das Bild des sogenannten Myxödems zeigt. Die Haut wird teigig und schwillt an. Dabei wird sie trocken, die Haare fallen aus. Zudem nehmen die geistigen Fähigkeiten des Patienten ab. und eö entsteht das, was man einen Kretin nennt. War das«rkrankle Jndividnum in einem Alter, in dem das Wachs- tum noch nicht abgeschlossen war, so bleibt eS nach Entfernung der Schilddrüse dauernd im Wachstum stphen. Dafür, daß es wirklich Ausfallserscheinungen von feiten der Schilddrüse sind, kann der schlagende Beweis durch Behandlung solcher Kranken mit Schild- drüsenexlraklen erbracht werden, dann geht das Myxödem zurück, und jene erhalten ,hr nonmales Aussehen wieder. Aber die moderne Chirurgie bat diese Konsequenzen überhaupt zu um- gehen gelernt. Man verzichtet, bei den kropfigen Er- Irankungeu der Schilddrüse darauf, das ganze Organ zu ent- fernen, sondern läßt einen Teil, der möglichst unverändert ist, stehen. Dieser zerniert dann das spezifische Produkt der Drüse, da? eirze Jodphosphoreiweißverbindung, das Thyrevidin ist. Bei der toialen Ausrottung der Schilddrüse ist cs zu sehr Übeln Zufällen nicht selten dann gekommen, wenn die Operierten noch in jugendlichem Alter standen. Es traten Kämpfe auf, die zum Tode führten. Lange bat man nach den Ursachen dieser Erscheinungen gesucht. Schließlich kam man durch Ueber- legungen und Experimente darauf, daß die oben erwähnten Neben- oder Anhangsschilddrüsen, die man bis dahin als versprengte Schilddrüsensubstanz angesehen hatte, Organe von eigenem Bau und eigener Bedeutung seien. Ließ man diese Nebenschilddrüsen oder, wie man sie jetzi besser nennt, die Epithelkörper, stehen, so setzen auch keine Krämpfe.Tetanie" ein. Auch die von dem Merseburger Arzt Basedow im Jahre I8t0 zuerst beschriebene und nach ihm genannte .»rankheit, die.Glotzaugenkrankheit", die mit Schilddrüsenschwellung, Glotzaugen und Herzklopfen einhergeht, beruh! auf einer Störung der inneren Sekretion der Schilddrüse. Das Sekret ist krankhaft verändert und vermehrt und besitzt Giftwirkung. Man hat lange vergeblich verflicht, der Kranheit mir allen möglichen Mitleln Herr zu werden. Schließlich ist man auf den Vorschlag der bekannten Chirurgen Mehn in Franlfurt a. M. und Kocher in Bern ebenfalls zur chirurgischen Behandlung der Basedowschen Krankheit übergegangen. Dank den Fort- schritten der chirurgischen Technik sind die Erfolge zufriedenstellend, aber immer noch verbesserungsfähig. Durch die Operation gelingt es, die Krankheit, die sonst unaufhaltsam vorwärts drängt, zum Stillstand zu bringen. Unsicherheit aber brachten an die Operation sich anschließende Todesfälle, bei denen es schwierig war. die Ursache zu ermitteln. Schließlich stellte sich heraus, daß der Tod gar nicht eine direkte Folge dgr Schilddrüsenoperation darstelle, sondern ein sog.. T h y m u st o r" sei. d. b. auf die'Thymusdrüse zurück- geführt werden müsse. Auch die Thymus oder der Brie-— bei Tieren bekanntlich Milch genannt, verqleiche Kalbsmilch— ist eine Drüse mit innerer Sekretion. Von ihrer Bedeutung weiß man heute auch noch wenig. Offenbar aber steht auch sie in irgendwelchen Beziehungen zu Wach-tumvorgängen. Denn bei Neu- geborenen ist fie relativ zu ihrer Körperstärke tmr stärksien entwickelt. Bis zur Pubertät nimmt sie noch weiter än Umfang zu, um dann allmäblich, wenn das Wachstum vollendet ist, zu„atrophioren". Im Alier ist an. Stelle der Drüsenzellen Fettgewebe getreten. Wenn »ach den neueren Befunden die Todesfälle bei Basedow eigentlich Thymu-tode mit Schwellung der Drüse waren, so haben die Chi- rurgon geglaubt, auch diese so lange unbeachtete Drüse mitsamt der Schilddrüse entfernen zu sollen, jenen Zufällen vorzubeugen. In der Tat scheint die Rechnung zu stimmen, denn die Ausgänge der Baiedowoperationen mit Thymusexstirpation waren günstiger als die früheren obne eine solche. Die angeführten Beispiele'von den zwei Sekreten der Hyvophysis, den der Schilddrüse.und des Thymus, machen keinen Anspruch auf Vollständigkeit. Es sei biet nur noch an die Neben- nieten kurz erinnert, deren spezifisches Produkt, doS Adrenalin oder Suprarenin, eine blutdrucksteigernde Wirkung ausübt. Aber obgleich sedes von ihnen seinem eigenen Zweck dient. ordnet sich ihre Gesamtheit doch wieder einem einzigen großen aemeinsamen Zwecke unter. Sic beziehen sich insgesamt auf die Regulierung des Stoffwechsels, fie bewirken durch den Reiz, den fie fernerhin mit ihren chemischen Kräften ausüben(in den Körperzellens eine Ueberernährung, die sich als Wachstum darstellt, andererseits nehmen sie aber auch dort weg. was zu viel ist und verhindern die Anhäufung schädlicher oder un- nützer Substanzen. Diese Aufgaben sind zu vielseitig, als daß eine Drüse mit einem Sekret dazu ausreichte. Nur durch das harmonische Zusammenspiel aller, bei dem die eine Tätigkeit die anderen reguliert und kontrolliert, können sene erfüllt werde». Daß aber diese gesamte.Korrelation"(Wechselbeziehung) auf da- empfindlichste gestört werden muß, wenn ein Glied ausgeschaltet ist oder falsch funktioniert,. ist nur zu begreiflich. So entstehen aus kleinen Mängeln Schädigungen, die das Leben des Organismus auf daS schwerste bedrohen. Sasner als Süchersammler. Nnserm unvergeßlichen Emil Basner widmet Max Grun- wald auf Grund jahrelanger intimer Zusammenarbeit einen Nach- ruf, in dem besonders da- Talent des Verstorbenen, Bücher aufzu- spüren und zu sammeln, beleuchtet wird. Von einer wahrhaften Unerfctzlichkeit BasnerS— schreibt Max Grunwald t- kann auch die sozialdemokratische und gewerkschaftliche praktische Geschichtsforschung sprechen. Er war natürlich kein Systemaliker, kein gelehrter Geschichtsschreiber, und er selbst hätte solche anmaßende Signatur sehr eindeutig zurück- gewiesen. Er war aber ein ganz unvergleichlicher Sammler und Finder. Was er in langen Jahren für sich und seine Freunde an alter sozialistiicher und gewerkichaitlicher Lite- ratur gesammelt hat, das ist schwer zu beschreiben. Er wurde dabei freilich unterstützt von einer Kenntnis der Personen und einer Kenntnis möglicher Fundgruben, die ihm nur iein langes Leben in der vrakliichen Arbeilerbewegung, iein langes Wanderleben und seine vieltältigen Reisen harten verschaffea können. Dabei war er�übiigeu- auch von einer besonderen naivey Rück- siittSlofigieit und gerissenen Geichäsrigkeit, die er durchaus offen zugab und ohne die er viele seiner Erfolge nicht möglich gemachr Härte. Seine Methoden auf dem Gebiete des Büchersuchens und Bücherfindens erinnerten dabei vielfach an die Erwerbsmittel, die nach Marx der uriprünglichen Akkumulation anhaften.(Vergl. KapiHvl I, 24. Kapitel...) Aber der Zweck beiligte bei unserem verstorbenen Freunde hierbei sehr wohl die Mittel, und schließlich verstand er doch alles durch einen veriönlichen Ausgleich zu mildern. Seine Sammleriäligkeit hat der wissenschaftlichen Geschichts- forschung und Geschichtsschreibung unvergloichlich genützt: ohne seine Hilfe hätte weder die Geschichte der Berliner Arberterbewegung noch die der Hamburger io geschrieben werden können, wie sie dann ge- schrieben wurden, und auch die dokumentarische Geschichte der Jnter- nationale wäre nicht so vollzählig, wenn Emil Basner nicht ge- Holsen hätte. Der Dank war freilich meist nur der, daß er ganz beiläufig an irgendeiner veriteckien Stelle des Vorworls oder der Anmerkungen genannt wurde. Er selbst hat sich mit literarischen Darstellungen nicht gern abgegeben und sie gern anderen ge" wandteren Federn überlasten. Seine Geschichte der Schmiede- bcwegung ist deshalb ebenfalls mehr eine Chronologie von Doku- menten als eins ausgearbeitete geschichtliche Darstellung. Seine Dokumenten-, Bücher- und Zeitschrifteilsammlung dürfte nächst einer bekannten Privalsammlnng in Wien und neben unserm Parieiarchiv die reichbaltigstc, mindestens aber die kompletteste Sammlung darstellen, die e- in der Welt auf diesem Spezialgebiet gibt, und man möchte ivünsche». daß ihre Schätze nicht zerstreut werden, sondern vereint an eine öffentliche Stelle übergehen. Diese private Sammlertätigkeit hat in der Partei- und Gewerkschafts- geichichte nur das Vorbild Julius MoitelerZ. mit dem ihn übrigens eine tiefe Freundschaft verband.. Mit BasNerS Tode endet eine Generation von Sammlern, die in unserer modernen, raschlebige?. auch das Sammeln industiialisierenden Zeit keine» rechten Platz mehr findet. Wer nicht über unbegrenzte Geldmittel verfügt, müßte über- unbegrenzte Zeit zum Suchen vertilgen; dem gewöhnlichen Sammler der Gegen wart wird weder das eine noch das andere beschieden sein. Wie öer Colleoni abbeföeöert wurde. Der Schutz der Kunstwerke in den durch den Krieg bedrohten Städten Italiens hat in gewissen Fällen auch technisch recht schwierige Ausgaben gestellt. Dazu gehörte, wie Arduino Colasanti, ein mit dem Schutze der Kunstwerke betrauter italienisckv-r�Kunstforscher. in der römischen„Tribuna" mitteilt, vor allen Dingen die Sicherung des berühmten Reiterstandbildes des Colleoni von der Meisterhand de- Verrocchio in Venedig. Für die Fortschaffung dieses mächtigen Bildwerkes war e- Vorbedingung, sich über sein Gewicht kiar zu werden. Man berechnete es nach dem Beispiele des Gattamelata« Denkmal- in Padua und des antiken Reiterdenkmals des Mark Aurel out dem Kapitolsplatze in Rom, und danach wurden die Gerüste und Hebemaschinen konstruiert. Zuerst wurde dann der eherne Condottiere aus dem Sattel gehoben und� auf ein Floß im N>o Zanipolo gebracht. Nun blieb noch das mächtige Pferd. Da entdeckte man ein Loch im Sattel. J)a3 es ermöglichte, die genaue Dicke der Bronzewandungen des Rostes festzustellen, und dabei eraob sich die auch kunstgeschicbtlich wertvolle Entdeckung, daß ihr Durchmesser die unerhörte Stärke von drei bis vier Zentimeter hatte, und daß die unteren Teile der Beine sogar vollkommen ma'siv waren. Das Pferd ohne den Reiter wog öt Doppel-Zefltner," und zu seiner Hebung mußte die ganze Maschinerie erheblich verstärkt werden. Sie gelang, nachdem ein lb Meter hohes Gerüst errichtet worden war: um aber das auf Rollen, gestellte Roß an Bord des Flosies zu bringen, genügten die angestellten Arbeiter nicht, und so svannten sich die Zuschauer selbst an die Seile. Auf diese Weise wurde der Colleoni von dem Platze verbracht, auf dem er jetzt weit über 400 Jahre gestandeu hat. Der Änfluß öer Gestiene auf das Wetter. Im Volke ist der Glaube allgemein verbreitet, daß die Ge- stirn-, insbesondere der Mond, Einflüsse auf unsere Witterungsver- bältnisie ausüben. Neuerdings hat nun auch die Wisienschafl die Berechtigung dieser Annahme, der gegenüber sie sich so lange Zeit spöttisch ablehnend verhielt, ernsthafter auf Grund der meteorologi- scheu Erfahrungen geprüft und ist, wie A. Bencke in der Monats- schrift..Untere Welt" mitteilt, zu dem Ergebnis gelangt, daß aller Wahrscheinlichkeit nach tatsächlich reckt bemerkenswerte Zusammen- hänge der Ursachen des WetlerS mit Slerneinflüsien vorliegen. Vor allem ist es gelungen, das Auftreten der großen ozeanischen Zhllone- und Wirbelstürme, welche die Meteorologie als sekundäre Ursachen ftir unser Wetter erkannt hat, mit den von den Astronomen schon so lange mit großem Jnteresie verfolgten Sonnen- flecken und Sonnenfackeln in Beziehung» zu setzen. Dieie letzteren, die uns von gigantischen Wirbelstürmen Kunde geben, die in der glutigen Sonnenalmospbäre sich abspielen, tollen vermittelnde Wir- kunoen, wahrscheinlich elektrischer Natur, auf unsere Erdatmosphäre ausüben und so dortse'lbst das Entstehen entsprechender Luft- strömungen veranlassen. Die Planeten, insbesondere solche von große; Masie' wie Jupiter und Saturn, und unser nächster Nachbar, der Mond, wirken je nach ihren Stellungen, modifizierend auf die zwischen der Sonne und unserer Erde sich aus- breitenden Kraftfelder ein. Demnach müßte man durch Beobachtuug der auf der Sonnenoberfläche sich abspielenden Vorgänge unter Be- rücksichtigung der Stellung der Planeten die Grunddaten für die irdische Wettervoraussage gewinnen können. Sollten sich die Er- wägnngen bestätigen, io würde die Meteorologie, die sich bis jetzt nur unsicher tastend vorzuarbeiten vermochte, eine wichtige gesetz- mäßige Fnndierung erhalten. ES scheint also, daß die allen Bauernregeln, die Gestirne und Wetter miteinander in Beziehung setzten, nahe daran find, eine wiffenschastliche Rechtfertigung zu er- langen. 411 Töchter öer tzekuba. Ein Roman aus unserer Zeit von Clara Viebig. Ost hatte Frau Dietrich schon auf die Tochter warten müssen; wenn die gehen wollte, ging sie eben, eigensinnig. da half kein Bitten und auch kein Schelten. Aber heute hielt sie das Warten nicht aus. Etwas Merkwürdiges, Unerklärliches schwebte in dem kleinen Zimmer, hauchte sie an, daß cs ihr bald eiskalt wurde, bald glutheiß zu Kopfe stieg. Ge- danken auf Gedanken kamen, stießen, hetzten sich, trieben der Mutter Füße wieder zilm Hause hinaus auf die Straße. Erst zum Bahnhof. Eine leise Hoffnung führte sie: vielleicht stand die Tochter da und wartete. Niemand hatte Gretchen gesehen. Vergeblich stand die Frau am Bahuhofseingang und spähte die Straße hinauf und hinab; sie hörte noch immer den verlaufenen Hund winseln, j Es war ein hübscher kleiner Hund mit langhaarigem Fell. man sah es gelb schimmern im Laternenschein; mit suchenden Augen sah das Tierchen fie an. es hob bittend die Pfote, sie stürzte an ihm vorbei..Gretchen, Gretchen!' schrie es in ihr. Halb unbewußt schlug sie den Peg zur Hieselhahn ein.---. Gertrud Hieselhahn wollte sich eben niederlegen. Das Kindchen schlief, die Dombrowski war aus. was sollte sie noch so einsani aussitzen;»es war unnütz, daß sie noch Licht verbrannte. Da hörte sie ihren Namen rufen. Durch die große Stille klang,, es langgezogen hohl, wie Käuzchenruf. Das Hoftor war geschlossen, es stand jemand draußen' auf der dunklen Chaussee und rief nach ihr. Sie niachte das Fenster auf:„Wer ist denn da?' „Ich, Fräulein Hieselhahn, ich! Ach, ist Gretchen bei Ihnen?"' „Frau Dietrich? Ztein, Gretchen ist nicht bei mir. Warten Sic, ich komme raus!" Es war etwas in der Stiinme der Frau, was Gertrud mit Mitleid erfüllte und mit Angst ansteckte, die suchte ihr Kind. Klein, noch kleiner als sonst, wie ein verscheuchtes Tierchen, stand die Frag in der Nacht auf der einsamen Chaussee; Bei- stand suchend klammerten sich ihre feucht-kalten Finger um Gertruds Hand.„Gretchen ist fort— ach Gott, die Angst! Fräulein Hieselhahn. verlassen Sie mich nicht l"-- I Sie suchten beide. Nun schon lange. Sie wußten nicht. wie lange schon. Durch die dunklen Felder stolperten die zwei einsamen Frauen. Erst hatten sie rund ums Haus, ums ganze Gehöft gesucht. Warum sie das taten? Es konnte doch sein, meinte Gertrud, daß Gretchen sie hatte besuchen wollen. Nun suchten sie weiter draußen, und riefen und riefen. Immer abwechselnd. Dazwischen wimmerte die Mutter leise: sie hatte es.ja längst geahnt, daß es kein gutes Endenehmen würde mit Gretchen. Sie hatte es nur nicht wissen w ollem, es sich selber immer wieder ausgeredet. Hatte es auch nicht sagen mögen, zu keinem anderen sprechen von ihrer Angst. „Man will das doch nicht, Fräulein Hieselhahn. Abcx heute, heute— ich kann nicht mehr schweigen.- Ach, meinen Sie, ste hat sich etwas angetan?" Gertrud biß die Zähne zusammen: war das grausig. Ja, oberung von Verbun noch immer nicht mit. Ungeheure An auch sie hatte längst gedacht: ist alles wahr, was Gretchen' stürme, ungeheuere Verteidigungen, auf bei erzählt? Oder alles gelogen? Nein, Lüge durfte man das nicht nennen. Lüge nicht— oh, das arme Mädchen!„Wir nlüssev umkehrell, Frau Dietrich,' sagte sie weich.„Hier ist Gretchen nicht. Wir wollen nach Hause gehen, vieMcht daß sie Dtzt da ist. Wenn nicht, laufe ich noch aus die Polizei- wache.' Das war etwas für die Frauen, die am andem Tag vorm Buttergeschäft standen. So sehr fie sonst auf das Stehen schalten, heute wurdL es ihnen nicht zuviel. Das war ja schrecklich mit der Dietrich! Die kan: nun nach Dalldorf."• „Fortjelaufen is sc von Hause," erzählte eine,„in: Hochzeitsstaat. Mit ihr weißes Kleid. Untenrum in die Püffchcn lauter kleine Myrtenstmißchen. An die Taille vorn auch'n Myrtenbukett. Meine Frida hat's jeschn, heute bei's Zeitungsaustragen, als sie ihr brachten. Heute morgen. Dem Polizeiwachtmeister sein Hund hat ihr aufjespürt. Ganz weit draußen ins Feld bei den Tümpel, unter dem Kiefernbusch, dicht ani Rand von's Wasser, soll se jclegcn haben. Die Nacht is noch kalt, sie war jänz der- klammt." Man drängte sich neugierig näher heran. Ob sie sich da hatte ertränken wollen? Und warum? „Nu, weil se verrückt es. Die hat zu lange auf den Bräutigam warten müssen." Ob sie denn wirklich verlobt war? Man hatte den Bräutigam noch niemals gesehen. Die Frau, die in der Nähe von Dietrichs wohnte, zuckte die Achseln.„Kann sind, kann ooch nich sind. Wer weiß Be- scheid mit die Mächens. So viel is sicher: wenn eine jetzt einen draußen hat. un er schreibt nich, un kommt nich, und se weiß nich, hat se'n noch oder hat se'n nich mehr, denn kann et ihr ooch schon so jehn wie der Dietrich.' Ja, das konnte es l Es ging wie Entsetzen über aller Gesichter, sie blickten scheu. Von ferne nahte sich ihnen einer mit harter Faust, der packte die Herzen, daß sie zerbrachen. Der nahm die Gedanken und schüttelte sie. daß sie unter- einander gewirbelt wurden wie Spreu in einem Sieb— das war der Krieg.> XU. Der Frühling wollte kommen, aber er brachte bte Er- beiden Seiten ungc- heuere Opfer. Dieses Frühjahr war es besonders zeitig warm geworden, es blühte bereits iin April, aber wer konnte sich daran freuen? Wenn Hedwig Bertholbi jetzt durch ihren Garte« ging, sah sie nicht, daß der Flieder bald Knospen ansetzte. Sie hatte Sorgen, größer« Sorgen, als sie vordem gehabt hatte. Wenn Annemarie lachte, tat es ihr fast körperlich weh. Ihr Aeltester war jetzt der, um den sie am meisten bangte. EZ sei ihm über, als Artillerist ewig im Unterstand zu liegen und sich mit den Ratten herumzuschlagen; er hatte ein Bett da unten, eine ganz nette Wohnung, nur auf den Knopf brauchte � er zu drücken, so war der Bursche auch schon da, aber dieser Stellungskrieg war das Oedeste, was man sich denkeil konnte. Er hatte sich zu den Fliegern gemeldet; da war doch noch Freiheit der Bewegung und ein selbständiges Handeln. Den Hauptmann Bölcke hatte er kennen gelernt, der hatte sein Gesuch unterstützt. Nun wußte die Mutter ihn freilich augenblicklich nicht im Kampf, hinter der Gefahrzone machte er seine Ausbildung durch. Aber ging er nicht noch viel größeren Gefahren entgegen als Rudolf, der als Infanterist vor Berdun lag? Htfinz flog schon, und seine Briefe, die seit dem Urlaub selten- gekommen waren, und die ihr eigentümlich müde und unlustig gedünkt hatten, strömten jetzt über von einer Lebhaftigkeit, die sich wie Begeisterung las. Aber"das feine Ohr der Mutter hörte unter der Be- geisterung doch noch ganz etwas anderes: was war mit Heinz? (Forts, folgt.) / Spezialarzt Dr. mt>d. äjmmbm b«h. schne», grflnbL, minL fchmerzlo» o.»fine BerusSstör. Qesehleohttkrankheü, g«halme Haut-, Harn-, FraueoleMa«, Schwloha. Srprobteftt Methoden Harn- and Blirtuntarauohung. Wtljslr. Hjäl,„»Ä,, Spr. 10—1«. 6—8,® onnt. 10—1. zahll tri« 600 K. Malzimmer, gebr.' Mit 6 i« 800 TO,. , Speisezimmer, gebr hlS 1000 TO., Möbel ed. Art lauft Ego» Neukölln, Berliner Str.SO.'" Möbel jeder Art iowi» ganze Nachläffe kauft höihitzadlend I'zt«»»«!», Reulöllu, Mewmexstr. 4.* f. Ennt ieriti. Berlin < WlfcBhoHp. Betrniifce> Franz Abraham Etsk. XtulBi-oJtAmertnnk-KeU. (Jt IszMstr. la, Perup. K�st 1(708 «Bandanan, Oummlw.> R. Bänke, BtrtUuer Str. M. B. Krane, KtawitutMitr. it.- A. E. Lange, Brusaanstr, 1U 4 Bldier- a. Kaadlterelen h Olio Wollt. Treptow, Zachau. Or.-LiCktiuMillia drSitrSraBtr«!.. Biarhdandig.V lifipfflfzflfii mm R«atpliablt |# Dual!! 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Deutsches Opernh.: Die tustige» Weiber von Windsor. Nachmittags 3 Uhr: Schiller-Th. Charlottenburg: Novella d'Ändrea. Echiller-Th. O.: Hinter Mauern. Lessing-Th.: Menschenfreunde. Künstier>TH.: Der Herr Senator. kose»Ttiester. 3 Uhr: Die Prhmtsekretärta. v, Uhr: Gine Waise. Ltiestcr kür SonntsF, 24, Februar, Centrai-Theater Kommandantenstraße 57. 7'/, Die Csardanfürstin 3'l, Uhr: Der Hüttenbesitzer. Deutsches Opernhans 7 uhr: Carmen. Friedricb-Wilbelmst. Theater 3 Uhr: Der Waffenschmied. Tf, Uhr; Das Dreimäderlhaus. Kleines Theater o'l, Uhr: Henriette iacohi. 71;, Uhr:{>811(8. Komische Oper S'l, Uhr: Die Kinokünigin. l'js o.- SeiiwarzwaliWel. Metropol-Theater XTkr: ÜB Mi?0I1 3 Uhr: Die Kaiserin. Neues Operettenhaus 8 Uhr: Dar Obersteiger. 7'/.uhr:DErSolilalierMarie. Kastsplelhans 7*1, Uhr: Die blonden Mädels v. Lindenhof. S'l, Uhr: Ein toller Einfall. Kesldena-Theater �.uhr: Der junge Zar. 3 Uhr: Dyckerpotts Erben. Schiller-Theater O 3 Uhr: Hinter Hanern. V/, Uhr: ffleL Sehlller-Th. Charl. 3 Uhr: Novella d'Andrea. VI, Uhr: Schillersaal 8U.: Marc. Salzer. Thalia-Theater Egon und seine Franen. 3 Uhr: tlharleys Tante. Theater am Notlendorfplatz S'l, Uhr: Immer feste druff! 7 Uhr; Theater des Westens S'l, Uhr; Ein Walzertraum. vv.uhr: Der verliebte Herzog mit Guido Thielsoher Honte 2 Vorstellaogen 2. Uesrelmaiin Truppe Hochturnkünstler Herbert Ittihling d. 14jähr. Klaviervirtuose Orete Plnss rheinische Humoristin sowie der erfolgreiche Februar-Spielplan, Zirkus A, Schumann.! Nur noch kurze Zeit. 31 1 S Vor- iji; 2 stellnngen 1 2j Nehm. Kinder halbe Preise I unter 12 J. auf all. Sitzpl.[ Nachm. dass. reichhaltige Sport-Progr. wie abends, u. a Nadeliora m und die übrigen Attraktionen. Mpviirn Gr- AusstaH HtCAIhU. Pantomime. Walhalla-Theater. 8 Uhr: Der fidele Bauer. 7-,. Uhr- zm Golienen Born. URANIA Sonntag und Montag 8 Uhr: Die Ukraine. Montag 8 Uhr: Professor Dr. A. Keßner: Meaere Schmiede- and BchwelUverfahren. Theater L d. 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B.T ftmtürfterbams ü.f Ziollcndorfptatz; Die Mite Warn Drama m S Akten. mit Pein, Treptow und paulmMer U.T Uater des ündw Weir berftveg Aiezaaderplati: Balla- Harton; Der neue tfilmdern Das Spiel mit dem Tode. Ü.T Morttvtatz Halen deid« SÄBnebeig; Gunriar TolnSs: Die Spur der ersten Liebe U.T Morls platz VI Hafenbcits: Erika QlSssner: Die Männerfeindin. , SvieUeitnilg; Danny Kaden. U.T Semidmborfetfitoh«; Erna Morenas Rafaeia. Hilde Wdrneri Scronin «cnutierjunefcr Uraufführung ferwrsi Wege i San BHel - Eie rll Ausstellungssaal Paul Cassirer Viktoriastr. 35. Sennabond, den 2. März, abends 8 Uhr: IV Vortracsabend � Walter MASENCLEVER- Vorlesung seines A rstidAn A«' 5 eigenen Di-amas„-»utRguuv Karten za 3, 2 u. 1 ZI bei Bote& Bock, Werthelm und Cassirer� Kaffee Luitpold Motzstr. 15. Moilsten- Kapeile. Kapellmeister. Csyroky. Liu tritt frei. Speisen und Getränke in unerreichter Qualität. Admiralspalast. 2 Voretell., 4 u. Vi, Uhr. Deutsche Tänze von Schubert Abrakadabra. 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Auch der last tägliche Verlust dieler kleiner Fischer« 'ahrzeuge schädigt die Ernährung Englands empfindlich, denn e Hochseefischerei und der Genutz von Fischen spielen drüben eine heblich wichligere Rolle als bei uns. Von der ehemals etwa 2200 anipier zählenden Fischerflotte steht beute, soweit noch vorbanden. -r grogere Teil als Minensucher, Begleit- oder Wachtschiffe im Marinedienst.. Kleine Kriegsnackrichten. Reue englische Balkanwühlcreie«.„Kambana* weist auf die uersrärkte diplomatische Offensive der Entente im Orient hin. die i irter zwei Formen vor sich gehe: 1. Schaffung eines lixdtla wischen Reiches, das das beste Mittel zur .ierstückelung Oesterreich« Ungarn» wäre. 2. Austreibung er Türkei ans Europa, wo« die Neutralr« nerung von Konstantinopel hetbeiführen würde, weshalb ' uch die Entente plötzlich von der Grenze EnoS— Midia zu sprechen beginne. Di« beiden Ideen wurden ffen auseinandergesetzt in der englischen Preste, die künftig die .iiweisungen eines so energischen PropogandachesS wie Lord "sortbrliffe zu befolgen habe» wird..Kambana' empfiehlt, diese indlichen Treibereien aufmerksam zu verfolgen. Der auseinandergejagte Synod. In Petersburg sollte der zu einer allgemerncn Beratung zusammengerufene heilige Synod seine öitzungen beginnen. Zu dem Synod find mehrere hundert Popen. wie Bischöfe und Erzbtichöfe, sowie auch der Patriarch Trchontn aus Mos lau gelommen. Als die Geistlichken fich zu der ersten Be- 'prechung versammeln wollte, wurde sie von den Roten Gardisten n-Zenrandergetrieben unier dem Vorwand, datz die Gerstltckkeit für e Revolution überflüsfig sei und nur für sie gefährliche Beschlüsie lasten würde. Ein Temobilisationsvorschlag für England. Da? eng pi sehe Ar« .'itsminisleritnn macht bekanwt. dah die Kommission für den "Wiederaufbau, die mit den Uebergangsmatzregeln am »'nde des Krieges betraut ist, dem KriegSkabinett einen Heinobilisationsvotschlag eingereicht hat. Die Grundlage deS staiieS ist, dag bei der Demobilifation der Mannzchaften - Forderungen des bürgerlichen Lebens mehr berücksichtigt werden bcn, als die von Heer und Marine. Die Maßregeln werden den Irlicitsbörfen anvertraut werden. Auch örtliche Kommission� erden eingesetzt werben. Englisches aus Perfien. Der Führer der persischen o n st i t u t i o» e l l e n Partei und ehemalige Vizepräsident .s persischen Parlaments Prinz Suleiman Mirza ist auf rsischem Boden durch den englischen Konsul in Ker« uanschah festgenommen und als britischer Gefangener ach Ehanehin abtransportiert worden. Nach einer Stockholmer r-olff' Meldung hat diese Verhaftung in ganz Persien die größte Empörung erregt. Die baltischen Darone. Zu der Zrage der russischen Ostseeprovinzen schreibt die „Deutsche Tageszeitung"': Es mutzte selbstverständlich sein auch für uns Deutsche, dotz die Befreiung von StammeSgenosten, die Bewahrung ihres Da- fetns. ihrer Werke und ihre« Wirkens vor dem Untergange keine Gefüblsfrage ist. sondern eine solch« praktischer auswärtiger Politik im eminenten Sinne de» Begriffe». Man könnte fich in Deutsch- land dielleicht auch daran erinnern, datz dieser AnnexionS- fanatiSmu», wie er sich den sozialdemokratischen Seutzerungen zu'olg« in den Baltischen Provinzen in Gestalt deS vormarlche» anbahne, im Grund« nicht» andere» sei al» Rationalitäten« poluik. Für Rationalitätenpolitik habe» wir gerade w der sozialdemokratischen Presse viel feierliche und erhebende ZustimmungSäutzerungen gefunden. Auf das Bal- ukum will man sie freilich im deutschen Sinne nicht angewendet wisseu, weil da» deutsche Element dort viel zu schwach vertreten sei. Wollten diese politischen Richtungen bei un» die Frage gründlich und guten Glauben» untersuchen, so würden sie zugeben müsten, und zwar angesichts jahrhundertelanger geschicht- liwer Treignist« und Entwicklungen, datz e» lange nicht immer aus das zahlenmäßige Verhältnis der Bevölkerung ankommt, um eiit Land, von nationalem Gesichtspunkte gesehen, zu charakteri- steren.. Der„Deutschen Tageszeitung� erscheint dann Wetter die Stimmung im Deutschen Reiche„unverständlich". Uns gar nicht. Wir sehen uns die Deutschen etwas genauer an, die w gerne unsere Landsieute werden wollen. Früher war oavon wenig zu merken. Die baltischen Barone waren die getreuesten Schergen deS blutigen russischen Zarismus, sie laben, als der Krieg gegen Deutschland ausbrach, durchaus nicht blutenden Herzens", wie sie uns jetzt einreden wollen, sondern iit großer Energie und Begeisterung gegen Deutschland gekämpft. Sie bildeten in hohem Prozentsatz die Führer der russischen Heere, und d i e •rcuel und Verwüstungen in Ost preußen sind daher zum großen Teil auf das Konto der baltischen Deutschen zurückzuführen. An ihrem Wesen und ihrer Gesinnung sind eS meist Leute vom Schlage des Herrn v. Oldenburg-Januschau. sich gegenüber der großen Maffe der estnischen und livischen Bevölkerung als die„Dompteure" und Tierbändiger" fühlen, und deren Ideal— genau ic bei Herrn v. Oldenburg— das Schießen aufs ' o l k ist, ein Ideal, das sie bei den Strafexpeditionen, die er ersten russischen Revolution folgten, in hohem Maße ver- wirklicht haben. Ter wirklichen Bevölkerung der Ostseeprovinzen. den Esten, Liven und Letten, die weit über 90 Proz. der Bevölkerung bilden, gönnen wir das SelbstbestimmungS- ccht sehr gerne. Aber wenn wir sehen, daß aus i.'sen Ländern ein zweites schlimmeres Mecklenburg gemacht wird, in dem der Gegensatz zwischen grund- �.'sitzenden Herren und rechtloser Bevölkerung noch ver- wärst wird durch nationale Gegensätze, dann sagen wir: ■.irmi haben wir kein Interesse. Noch weniger Interesse hat rs deutsche Volk daran, daß für die baltischen Junker die Aufteilung ihres Grundbesitzes rückgängig ge- mcht wird, die ja die eigentliche Wurzel ihres Schmerzes wiö ihrer plötzlichen Sehnsucht nach Deutschland bildet. Dee»volksbunö" gegen öle Wahlrechts- Verweigerer. geht folgende Erklärung zu: Vorstand des Volksbundes für Freiheit und Baterland erhebt im Namen von Millionen deutscher, insbesondere preußischer Männer, und Frauen aller Berufsstände den schärfsten Einspruch gegen den neuerlichen Beschkuß vor BerfassungSkoin- Mission deS Preußischen Abgeordnetenhauses, wonach für Preußen ein Pluralwahlrecht eingeführt werden soll. Der Vorstand de» Volksbundes für Freiheit und Baterland drückt die bestimmte Erwartung aus, daß eS im weiteren Verlaufe der Verhandlungen noch gelingen wird, diesen volksfeindlichen Be- schlutz zu beseitige» und den berechtigten Ansprüchen aller Volks- schichten auf gleich berechtigte Mitwirkung am Verfassungsleben des Staates Geltung zu»erschaffen. Insbesondere richtet der Vorstand des Volksbundes für Frei» heit und Vaterland an all« Mitglieder des Verfassungsausschusses sowie an alle Mitglieder des Hauses der Abgeordneten die drin- gende Mahnung, nicht durch neue, die breiten Volksschichten ent« rechtende Beschlüsse die Erbitterung im Lande noch zu steigern. Nach den Erlebnissen dieses Krieges kann an ein anderes Wahlrecht zum Preußischen Abgeordnetenhause als an ein gleiches nicht mehr ge- dacht werden. Ter Königlichen Staatsregierung spricht der Vorstand dos Volksbundes für Freiheit und Vaterland Dank aus für die Ent- schiedenhest, mit der sie bisher ihr« Vorlage vertreten hat; er richtet an sie die dringende Bitte, vor keinem Mittel zurückzuscheuen, das geeignet erscheint, dem gleichen Wahlrecht zum Durchbruch zu verhelfen. Der Vorstand de« Volksbundes für Freiheit und Vaterland g-bt zugleich seinem lebhaften Befremden Ausdruck über hie den inneren Frieden gefährdende Art. in der die Verhond- lungen des Bundes der Landwirt« dieser Tage in Berlin geführt worden sind. Der Vorstand d«S Volksbundes legt bei voller Würdigung der sachlichen Meinungsverschiedenheiten gegen solche, die Gelchlossenhett unseres Volkes zerstörende Ausfäll«, ernst« Verwahrung ein. Dei�ssDank an die Regierung hätte sich der„Bolksbund" vielleicht aufsparen können, bis das gleiche Wahlrecht unter Dach ist._ Luüenüoeff, Erzberger und Kriegspresseamt. Vor einiger Zeit tauchte in verschiedenen Blättern die Behauptung auf, daß unter der Parole„Fort mit Ludendorff!" eine Hetze gegen den Generalquartier- meister im Gange sei, die vom feindlichen Ausland genährs würde. Diese Nachricht erregte einiges Erstaunen, wenigstens war allen politischen Persönlichkeiten, mit denen wir in Berührung kamen, von der Existenz einer solchen Hetze nicht das mindeste bekannt. Die alldeutsche Presse verfehlte jedoch nicht, diese Behauptung immer und immer wieder aufzugreifen. Erst andeutungsweise. dann in immer bestimmterer Form tauchte die Be- bauptung auf, daß diese Hetze von der Reichstags- mehrhett deS 19. Juli ausgehe. Ein alldeutsches Blatt sprach dunkel von einer bestimmten Persönlichkeit, deren Namen es nicht nannte, als von dem Haupthetzer gegen Ludendorff, ein anderes fing den Ball auf und erklärte, daß diese Persönlichkeit der Abgeordnete Erzberger- sei. Dieses Blatt waren die„Berliner Neuesten Nachrichten". Gegen diese Bezichtigung wendet sich nun der Abgeordnete Erzberger mit folgender Bemerkung an die„Germania": Gestatten Sie mir, hierzu folgende» zu bemerken: Da die alldeutsch« Preste jeden Tag mindesten» eine Unwahrheit über mich verbreitet, habe ich e» ausgegeben, diesem Treiben in jedem einzelnen Fall entgegenzutreten, zumal auch Richtigstellungen meinerseits fast nie von dieser Press« gebracht werden. Zu dem vorliegenden Fall habe ich folgende» zu erklären: von der ganzen angeblichen Propaganda gegen Sudendorff ist mir nur da« ein« bekannt, daß die erste Nachricht hier« über von de« SriegSpresseamt ausgegangen fein fall. Mehr weiß ich von dieser Sache nicht. Die Behauptung deS Abg. Erzberger, daß die erste Nach- richt über die Ludendorffhetze vom Kriegspresseamt ausge- gangen sei. wird uns von anderer Seite bestätigt. Wir enthalten uns jeden Kommentars zu dieser seltsamen Tat- fache.__ Die letzte Sitzung öes außerordentlichen Kriegsgerichts. Vor dem außerordentlichen Kriegsgericht stand gestern u. a. der Schankwirt Otto Masche unter der Anklaget durch öffent» liche Reden zum Streik aufgefordert zu haben. Der Antrag lautete auf acht Monat« Zuchthaus, umzuwandeln in ein Jahr Gefängni«. Das Urteil lautete auf zwei Jahr« Zucht- hau«. Damtt haben di« außerordentlichen Kriegsgericht« ihre Tätig- kett beendet. Die noch nicht zur Aburteilung gelangten Streik« Prozesse weichen von den ordentliche» Gerichte» erledigt werden. Die Geleimten. Immer mehr stellt fich heraus, daß die Ration« llibe- ralen tm preußischen Abgeordnetenhaus bei ihrem schmählichen Wahlrechtsverrat einen Hereinfall erlitten haben, der alle» ihren Erwartungen widersprach. Sie hatten nämlich ge- glaubt, daß ein Teil des Z e n t r u m s sie bei der Niederstimmung d«S gleichen Wahlrechts unterstützen und daß durch dies« Gesellschaft di« Sache für sie ein weniger kompromittierendes Aussehe» er- halten würde. Das Zentrum hat jedoch den Nationalliberalen diesen Gefallen nicht getan. Es ist wohl bekannt, datz auch im Zentrum«in rechter Flügel Gegner des gleichen Wahlrechts ist, aber di« Zentrumsleute sind gerissene Taktiker und hüten sich, ihre Partei, solange sie es verhindern können, vor ihren teilweise stark demokratisch gesinnten Wählermassen zu kompromittieren. Als klar war, daß die vier nationalliberalen WahlrechtSgegner in der Kommission ohnehin ausreichten, um das gleiche Wahlrecht zu Fall zu bringen, stimmte das Zentrum geschlossen gegen den konservativ» freikonservativeu Pluralwahl- rechtsantrag. Jetzt sind di« Nationalliberalen würend, daß das Zentrum sie allein in der Patsch« gelassen hat. Di«„Natt. Cocresp." hatte ihrem Schmerz darüber noch in verhüllter Weis« Ausdruck gegeben, di« nattonalliberal«.Magdeburgisch« Ztg." aber gesteht den Tatbestand iinzweideutig mit den Worten zu: die Gefolgschaft des Herrn Dr. Lohmann sei vom Zentrum hinters Licht geführt worden. Die Blamage der Nationallibcralen fängt an, riesengroß zu werden! Politik im tzeere. Eine Anfrage des Abgeordneten Stubbe(Soz./ ist folgender- maßen beantwortet worden: Die Deutsche Vaterlandspartei war durch Erlaß de? Herrn KrtegSministerS vom 20. November 1917 als nicht- politischer Verein im Sinne d«S§ 49 Abs. 2 des Reichs-Militär» Gesetzes erklärt worden. Der Erlaß ist jedoch als auf eine« R e ch t s i r r t u m beruhend alsbald, mst» zwar unter dem ZO. November 1917, wieder aufgehoben worden. Das Verbot deS stellvertretenden kommandierenden Genc- ralS d«S IX. Armeekorps, im Heer und in der Marine Mit- glieder für politische Bereine, namentlich für Wahlvereine, zu werben, entspricht der Bestimmung in § 48 Abs. 2 des Reichs-Militär-GesetzeS und ist daher begründet. Zlach Z 3 deS Reichsvereinsgesetzes vom 19. April 1908(Reicht, Gesetzbl. S. 151) ist ein Verein ein politischer, wenn er eine Ein- Wirkung auf politische Angelegenheiten bezweckt. Von dieser allge- meinen Begriffsbestimmung des politischen Vereins ist auch bei Anwendung des§ 49 Abs. 2 des Retchs-Militär-Gefetzes auszugehen. Eine besonder« Bestimmung de? Begriffs„politischer Vor- ein" im Sinne des§ 49 Abs. 2 de» ReichS-Militär-GesetzeZ ist daher entbehrlich. Der Reichskanzler. In Vertretung: Wallraf. Mecklenburg im Süden. Die in Latbach, der Hauptstadt von Krain, erscheinende Zei- tung„Slovenec" erzählt diese artige Geschichte, die in Deutsch- land auf verständnisvolles Interesse rechnen kann: „Gestern hatten wir in unserer Redaktion einen ungewöhn- lichen Besuch. Die Herzogin von Mecklenburg schickte zu uns einen Gendarmen mit der Frage, wer der Verfasser der Notiz über das Petroleum fei. da» sie in großer Menge erhalten hatte, während die Gemeinde dabei leer ausging. Selbstverständlich haben wir den Gendarmen höflich verabschiedet. Die hochgeborene Dame hat merkwürdige Begriff« von der Re- daktion, aber eine außerordentliche Macht in der Hand. Nur bei uns ist eS möglich, daß eine Herzogin die Gendarmerie mobilisie- ren und ihr Befehle erteilen kann, di« Redaktionen mit solchen Auskünften zu belästigen." Die im letzten Satze ausgesprochene Anficht kst nicht ganz richtig. Der Redakteur, des durch diesen Besuch ausgezeichneten Blattes würde diesen Satz nicht geschrieben haben, wenn er das Land kennen würde, aus dem die Veranlasserin deS Besuches stammt— oder gewisse andere an dieses Land grenzenden Länder. KriegSsefangene«nd Löhnung. Nach den Bestimmungen der KriegsbesoldungSvorschrift kann den Angehörigen Kriegsgefangener zur Unterstützung die Löhnung deS Gefangenen fortgezahlt werden. In einer kleinen Anfrage nahmen die Abgeordneten Fuchs und D a v i d s o h n(Soz.) darauf Bezug, daß beim Res.- Jnf.-Regt. 99 die Zahlugg teils„aus dienstlichen Gründen" ganz eingestellt worden ist, teils von dem seitens der Angehöri- gen zu führenden Nachweis abhängig gemacht wird, daß der LöhnungSberechttgte sich tatsächlich in Gefangenschaft befindet. Der Reichskanzler wiro gefragt, ob er für die richtige Anordnung der Kriegsbesoldungsvorschrift zu sorgen gedenkt. Abgewiesene Schadenersatzansprüche. Da? Hamburger P r i f e n g e r i ch tt hat in seiner am 22. Februar abgehaltenen öffentlichen Sitzung die Entschädigungsansprüche abgelehnt, die für die wegen Verdachts des neutralitäti*ndrigen Handels mit dem Feinde im vergangenen Jahr torpedierten und versenkten n o r w e- g i s ch e n Dampfer ESperanza, Asta, Saga und D r a u p- ner von den Eigentümern geltend gemacht worden sind. Auch die Schadloshaltung für di« mitvernichteten MannschaftSeffekten ist abgelehnt worden. Di« Schiffe wurden zerstört, als st« in Ballast von Frankreich nach England zurückfuhren. Auf«ach Wladiwostock! Der Appettt kommt beim Essen. Erst forderten die Alldeutschen die Annexion des Baltikums. Jetzt verlangt die„Deutsche Zeitung",„datz von dem alten Deutschen Reich eine feste und breite Brücke nach dem Baltikum hinüber- führt." Zur Sicherung dieser„Brücke" braucht Deutschland natür- lich ein„ausgedehntes Vorgelände" und zu dessen Schutz einen „massiven Grenzwall". Vor dem Grenzwall muß sich natürlich ein„GlaciS" befinden»nd wenn wir schon so weit östlich sind, ist der„Korridor zum Stillen Ozean"— mit weiten Sicherungsstreifen rechts und link»— eine Selbstverständlichkeit. Damit find wir dann in Wladiwostock und weiter kann selbst ei« Alldeutscher nicht. Pfiffig. Di«„Deutsch« Tageszeitung' will den Mafien die volitikche Reife zugestehen! Sie knüpft nur eine ganz kleine Be- dingung daran: die Arbeiterschaft dürfe fich nicht „eine Vertretung gefallen lassen, wie die sozialdemokra- tische Presse und die meisten sozialdemokratischen Ab- geordneten fie vorwiegend darstellen. Würden alle Ar« beiter in Preußen eine derartige Vertretung. die ihr« Hauptaufgabe in Volksvers nhrung und Hetze sucht, dorthin jagen, wohin sie ge- hörte, dann wären wir zu unserm Teile durch- au« geneigt, in der Frage der politischen Reise ander« zu urteilen." E« gehört die ganze konservative Arroganz dazu, das Volk nur dann für politisch reis zu erklärtn. wenn eS nach dem Willen der Herren wählt. Der König absolut, wenn er ihnen den Willen tut und da» Boll wahlberechtigt, wenn eS konservativ wählt. Lekte Nachrichten. Die Lpndoner Sozialistenkonserenz. Amsterdam, 23. Febrüar.„Daily Chronicle' sagt einem Be- richt au« London zufolge: Die sozialistische Konferenz hat große Fortschritte in der Richtung einer allgemeinen Einigung über die Kriegsziele gemacht. Di« Berichte der beiden Kommissionen über die Bildung eines Völkerbundes und über die territoriale Regelung nach dem Kriege h«t die gesamte Konferenz angenommen. Es ist sehr wohl möglich, daß da» Resultat der Konserenz eine einstimmige Erklärung über die KriegSzielc der Arbeiter, und Sozialifttnpartei der alliierten Länder sein wird. Pierre R e n a u d e l erklärte einem Mitarbeiter deS„Daily Ehronicle", datz«s sich dann zeigen müsse, inwieweit die deutschen und österreichischen So- zialisten und GewcrkschaftLmänner noch bereit' seien, gegen ihre Kameraden in den alliierten Ländern zu kämpfen und in welchem Punkte die Vorschläge der alliierten Sozialisten mit denen der deut- schen Sozialisten nicht übereinstimmten. In dem Berichte über den Völkerbund wird die v o l l ko m- mene Demokratisierung aller Länder und eine Preis- gäbe jedeö Imperialismus gefordert. Verlangt wird die Einsetzung einer internationalen Gewalt und eines internationalen Hohen Gerichtshofes zur Regelung aller Streitigkeiten mit der De- fugnis, di« Beschlüsse dieser internationalen Gewalt durchzuführen. Betreffs der territorialen Regelung nahm die Koni- Mission einzeln« Zusatzanttäge der französischen Abgeordneten an. Diese weisen darauf hin. daß der Vertrag von Frankfurt am Main durch die Kriegserklärung im Jahve 1914 gebrochen worden sei und daß eS deshalb dem Völkerbund überlassen bleiben muß, die ganze elsaß-lothrtngische Frag« von neuem zu er- wägen. Usber die Zukunft der deutschen ttopischen Kolonien soll der Völkerbund entscheiden, der dabei dem Wunsche der Völker der benachbarten englischen Kolonien Rechnung tragen würde. Im allgemeinen verlangt die Konferenz, daß die Rechte aller Ratio- nalitäten in acht genommen werden sollten und daß, obwohl Italien ei» Anrecht auf Trieft habe, dafür gesorgt werden müsse, daß Oesterreich«inen Zugang zu dem Ad riatischen Ms« erhalt«. \ GelverffchastsbewMng Ten„Wirtschaftsfriedliche«" ins Stammbnch. Die»Westdeutsche Trbeiter-Zeitung�, da« Organ der katholischen Arbeiter- und Knappenvereine Westdeutschlands, wendet sich in einer »U n e r B e i f t r I i d)* überichriebenen Noti, gegen die in der letzten Zeit von der»Deutschen ArBe»tgeBer,eitung' Betriebenen Methode, BerufStnätzig das Misttrauen zwischen Unternehmer und Arbeiter zu dertiefen. Bekanntlich lies da» Unternehmerblatt gegen die von den Arbeiterorganisationen erhobenen Forderungen auf die EinfShrung von Arbeitslammern. Neuregelung des BereinSrechtS. Ausbreitung der Tarifverträge. Senderung de« Arbeitsnachweises, Einigung«- ämter usw. Sturm mit dem Schlustklang:»Lassen wir uns nicht durch geschickte Manöver täuschen, lasten wir uns nicht einschüchtern durch Drohungen oder durch die von gewisser Seite bis zum Ueber- drust wiederholte Versicherung, datz jetzt eine ganz neue Zeit ange« brachen sei, in der schlechterdings alle Verhältnisse auf den Kopf gestellt werden müssen. Die»Westdeutsche Arbeiter-Zeitung' bemerkt hierzu: »So verblendet und verstockt haben sich allemal jene Kreise gebärdet, die sich hernach nicht genug darüber wundern konnten. dast die Wirkung ihrer Verstocktdeir eine ganz andere war. als sie gedackit. WaS die»Deutsche Arbeitgederzeilung" seit Monaten tut, ist weiter nichts als Klassenkampf von rechts tm igegensotz zu dem der Linken. Wir nennen da« mit dem Feuer spielen. Wir wünschten allen denen, die nicht müde werden, ihren Unwillen über die Verdrehtheit der Arbeiterschaft zu bekunden. «inigeWochenLektüreder. Arbeitgeberzeitung'. Wenn sie diese Heyereien ruhigen Blutes vertragen können. bann mögen fie auch Nerven haben für Anzeichen de» Un- inutS in der Arbeiterschaft." Den gelben Unternehmerschützlingen kann diese Auslassung des christlichen LrbeiterblatteS zum besonderen Nachdenken anempfohlen werden. Denn gerade fie werden ja nicht müde, den gelben Werk- Vereinsmitgliedern von der die Harmonie zwischen Kapital und Arbeit störenden Tätigkeit der freien Gewerkschaften zu erzählen. Eine zentrale SohnregnNernng für daS ganze Reich strebt feit einiger � Zeit der Verband der Porzellan- und ver- wandten Arbeiter und Arbeiter i.nnen Deutsch- l a n d S an. Ende Januar gelang«S dem Vorsitzenden des Ver- Bandes, mit Unterstützung des Genofien Bauer von der General- kommiifion, vom Reichswirtschastsamt die Bereitwilligkeit zu er- halten, die Vermittlung zu Verhandlungen mit dem Schutzverein deutscher Porzellanfabriken z» übernehmen. Noch ehe der Verbands- vorstand Nachricht über den Verhandlungstermin erhielt, begannen Unternehmer aus Oberfranken in den einzelnen Betrieben VerHand- lungen über Erhöhung der Teuerungszulagen herbeizuiübren. Der Vorstand des Poriellanarbeiierverbandes wandte sich dabcr noch- mals an das Neichswirlschastsamt unter Hinweis auf diese Tatsache, die den Verdacht nahe lege, dast der Schuyverein für sich vielleicht schon die Ablehnung zentraler Verhandlungen beichlosien habe, dem ReichSwtrtschaflsamr aber seine Entschlrestung noch vorenthalte. Auf sein Ersuchen. daS Reichswirtschastsamt möge den Schutzverein der Unternehmer z» einer schleunigen Erklärung veranlassen, steht eine Antwort an den Vorstand des Porzellanarbeiterverbandes noch aus. Diese Verschleppung der Lobnregulieriing hat bei den Mitgliedern deS Verbandes bereits grasten Unwillen erregt, um so mehr, als trotz der ungeheuren Teurung der Lebensmittel und Verbrauchs- gegenstände aller Art der Arbeitsverdienst im ganzen Beru'e noch keinerlei Aufbesserung erfabren bat. Der Verbandsvorstand der Porzellanarbener erklärt denn nun auch, dast die spielige Behand- lung der Rolfragen und Nolllagen der Arbeiter durch die Unter- nehmer baldigst aufhören müsse. Die Stuttgarter Unabhängigen für die Zersplitterung der Gewerkschaften. Die Stuttgarter Organisa:io« der Unabhängigen beschlost mit SS gegen 47 Stimmen die Vorarbeiten in die Hand zu nehmen»zur Gründung einer neuen gewerkschaftlichen Kampforganisation." Ein weiterer Beschlust zeigt, dast es eine»politisch-gewetlschafiliche EinheitSorganlsalivu' ist, in der diese Unabhängigen ihr Ideal er- blicken. Mit dem Stuttgarter Beschlust haben die Unabhängigen zum ersten Male offen die Zerspitterung der Gewerkschaften als ihre Ab« ficht kundgetan, die sie bisher mehr heimlich betrieben haben. Ihre Cstährlichkeit für die Arbeiterbewegung wächst dadurch in bedroh- licher Weife, aber zugleich wohl auch die Hoffnung auf ihre Ueber- Windung._ Enttäuschte Bewerber. Rur za oft» erleben Arbeilskräste, die sich aus Grund von Jnseiateu im Arbehsmarlt von Zeitungen um Stellen bewerben, eine gewisse Enttäuschung Bercus�n Nr. 45 deS.VoiwärtS' veröffentlichten wir einen Fall, wonach einem bei der Allgemeinen Elektrizitäis-Gejellschaft. JnstallationSbureau Hamburg, um Beschäf- ligung nachsuchenden Monteur ein Stundenlohn von 70 Pi. geboten 'ourdc. Vor uns liegt das Antwortschreiben einer anderen grasten Firma an einen Elektromonieur, aus welchem hervorgehl, dast der dem Slellungsuchenden in Aussicht gestellte Stundenlohn zwar be- deutend höher lst. den gegenwärtigen Teuerungsverhältnissen aber dennoch in leiner Weife gerecht wird. ES handelt sich in diesem Falle um die Ehemische Fabrik Griesheim- Elektron, Franlkurt a. M.. die ihre Anzeigen in der»Verl. Morgenpost" zu veröffenilichen pflegt. Einem stA«mf est« solch««nzekg« ttn die Firma um Stellung'' wendenden Elektromonteur. der mit seiner Familie in' Berlin wohnt, wurde geantwortet, dast die Firma bereit sei. ihn als Elektromonteur anzustellen. Als Lohn werde ihm zunächst sticht mehr als 1.20 M. pro Stunde gezahlt werden können. Bemerkt wird jedoch, dast die Verpfleaung in Lauta sKreis Calau). wo das Werk ist. ousterordentlich billig sei und dast dieselbe durch daS Werk erfolgen könne. Dem Bewerber ist eS, wie er mitteilt, trotz der in Aussicht ge- stellten billigen Vervflegung beim besten Willen nicht möglich, für diesen Sohn die Stellung anzunehmen, weil-r damit seine Familie. die er in Berlin zurücklassen must, nicht ernähren kann. Gewerkschaftsunterstützungen fürpolitischeMasscnstreiker. Die freien Gewerkschaften baden gegenüber den iüngsien Streiks als einer rein politischen Bewegung völlige Zurückhaltung geübt und kelbstverständl'ch auch keine Streikunterstützung gezahlt. Die Hirlch-Dunckerschen Gewerkvereine hinieaen haben eine Nachdruck- lich? Warnung Jjvr dem Massenstreik an ihre Mitalieder ergehen lassen, zablen aber jetzt wie das»Hamburger Echo" berichtet, an die� Streikteilnehmer in Hamburg aus einem Sonderfonds eine Ent- 'chädigung von 5 M kür jeden Tag der Arbeitsrnhe. Hoff« man durch eine solche Entschädigung Mitgliedersana treiben zu können? Konsequent ist das Verhalten der Gewerkvereine in keinem Falle. Der Tarif int Makergewerbe. Der Beirat des Verbandes der Maler. Lackierer nssv. bat den neuen im Reichswirtschastsamt abgeschlossenen allgemeinen Tarif mit allen gegen eine Stimme genehmigt. Der Reichstarifvertrag wird dadurch bis zum 16. Februar ISIS versänaert und eine weitere TeueriinaSzulage iür die Groststädte von 20 Pst. im übrioen von 15 Pf. für die Stunde festgesetzt. Der erste Teiluilchlag von 15 bezw. 10 Pst wird unter Anrechnung der ieit 1, Oktober 1917 gewährten besonderen Zulagen ab 15. Mär,, gezablt. die zweit? Rate von 5 Pf. ab 1. Juni. Sonderzulagen für einzelne Siädie bleiben vorbehalten. lieber den Stand des Verbandes konnte der Vorsitzende Streine berichten, dast trotz der starken Abwanderung aus dem Berus der Rückgang der Mitgliederzahl seit Ende 1916 zum Stillstand ge- kommen ist. Durch austerordentliche Beihilfen an die Fronen der eingezogenen Mitalieder dal sich der Kasienbesiand ein wenig ver« rinaert. Eine Beitragserhöhung um 10 Pf für die Hauv'kass? und entsprechende Erhöhung für die OrtSbeiträae haben die Mitglieder fast einmütig gutgebeisten Die erhöhten Beiträge setzt der Ber- ifcmdsbeirat ab 1. April in Krast. Von einer allgemeinen Neuregelmtg be? Nntersiütznngen'will der Verband Abstand nebmen. bis die Verhältnisse nach dem Kriege einigermasten übersichtlich und dauerhast geworden sind. Eine Generalversammlung soll dann die letzte Ent'cheidiina fällen. Die allgemeine soziale Tätigkeit des VerbandSvorsiandeS und der Gewerkschaften seit Kneasbeginu wurde vom Beirat gebilligt. Zwei seiner Mitglieder machten den Vorbehalt, dast man über manche Schritte der Generalkommission geteilter Meinung sein könne: ein mastgeblicheS Urleil darüber werde sich erst nach dem Kriege fällen lassen. Die Einigkeit innerhalb der Gewerkschaften soll jedoch un- bedingt hochgehalten werden. parteinachrichten. Vorwärts auf allen Wegen. Die»Rheinische Zeitung" in Köln erfreut sich an- dauernd einer ständig wachsenden Bezieherzahl. Seit 1915 ist die Auslage des Blattes derart gestiegen, dast die Bezieberzahl sich »nehr als verdoppelt hat. Vom 1. Januar 1918 an bis jetzt gewann das Blatt erneut 3290 Abonnenten. Zeitweilig hat sich der Verlag genötigt gesehen. Mostnahmen zu ergreisen, um dem allzustarken Zustrom neuer Leser Einhalt zu tun, weil die Papier- rationierung leider eine Erhöhung der Auflage nicht zuliest. Beson« ders guten Absatz findet die»Rbeinische Zeitung", die, nebenbei be- merlt, scharse Kämpfe gegen die örtlichen Zensurstellen zu führen ge- ztoungen ist, im Sttatzenbandel. Täglich werden 6000—6000 Nummern im Sirastenhandel vertrieben: auch hier wäre die Auslage noch be- beulend höber. wenn nicht infolge der Papicrnot vom, Berlage ein- schräntende Mastnahmen unternommen würden. Industrie und Handel. Ungarn und Mitteleuropa. Der ungarische Ministerpräsident W e k e r l e hat sich im ungarischen Abgeordnetenhause sehr freundlich über eine wirtschaftliche Einigung Mitteleuropas ausgesprochen. Allein es zeigt sich, daß starke Widerstände im Lande vorhanden sind. Die Industriellen und die Kaufleute, die sich schon jetzt gegen den ö st e r r ei ch i s ch e n Wettbewerb am liebsten durch Zölle schützen möchten, fühlen sich natürlich durch die Gefahr eines deutschen Wettbewerbs alles andere als angenehm be- rührt. Die Agrarier wiederum fürchten, daß auch die Balkan- staaten in irgendeiner Form Mitteleuropa angegliedert wer- den und erklären sich mit der wirtschaftlichen Einigung Mitteleuropas nur unter der Bedingung einverstanden, daß der vollkommen freie Verkehr in landwirt- schastlichen Produkten gewährleistet wird, was den Verzicht Deutschlands auf den Schutz seiner Landwirtschast gegenüber Oesterreich-Ungarn bedeuten würde. Es ist klar, daß damit wiederum kaum die deutschen Landwirte einver- standen feln dürsten. Sa schreibt z. V. die Leitung der un- garischen zollpolitischen Zentrale, die die Interessen von Handel und Gewerbe vertritt: Es kann festgestellt werden, dast sich in Kreisen sowohl der Laildwirtschafr, wie auch des Handels und der Industrie, die industrielle Arbeiterschaft mit einbegriffen, eine gewisse Abnei- gung dagegen geltend macht, dast die wirtschaftliche Annäherung an Deutichland in der Form eines Vorzugszollvertrags verwtrt- licht werde. Unter den im prakiischcn Wirtschaftsleben Ungarns wirkenden Fachleuten zählt dieses System überhaupt keine An- Hänger; sie sind nur unter den theoretischen Wirtschaftspolitikern zu finden. Man bedauert lebhast, dast gerade in den gegen-- wärtigen entscheidenden Zeiten, wo über die Handelspoütischs Zukunft mit Deutschland verhandelt wird, an der Spitze der Ge-» schäfte Theoretiker sieben, die, obgleich sie in allen anderen Wirt- schaftsftagen das vollkommenste Vertrauen Ungarns genießen, gerade auf dem zollpolitischen Gebiet« einen Standpunkt ein- nehmen, der unter den ungarischen Kaufleuten und Industriellem von niemand geteilt wird Handel und Fa.brikinduftrie nehmen einheitlich Stell« ng für die Schaffung eines aus gegenseitigem Wohlwollen be- hendcn, die Interessen des andern achtenden Tariwertrags, e-n bedeutender Teil der Landwirtschaft aber läßt die Wahl offen zwischen einer Zollunion mit völlig freiem Ver- kehr und einem tarisarischen Handelsvertrag. Die schutzzölln-- rische Bestrebung der ungarischen Industrie bedeutet natürlich beileibe keine Ablehnung des Annäherungsgedankens an Deutsch- land. Vielmehr befürchten die fabrikindustriellen und kauf- männischen Kreise, dast eine durch nicht entsprechend« Mittel er- folgte Verwirklichung der wirtschaftlichen Annäherung auf vc- lrtischem, zumal wirtschaftspolittschem Gebiete statt einer An- Näherung bloß Jnteressenstreitigkeiten, Reibungen und ein- Er- kaltung der Gefühle im Gefolge hätte. Es müßte daher eine andere Form gefunden werden. Die Ungarn wollen sich mit dem Ausbau eines möglichst wichtigen K a n a l n e tz e s, mit einem Währungsüber- einkommen und mit gewissen zollpolitischen Maßregeln begnügen. Diese zollpolitischen Maßnahmen sollen darin be- stehen, daß die beiden Kontrahenten ihre gegenseitigen Zu- geständnisse so spezialisieren, daß sie von anderen Staaten so gut wie gar nicht in Anspruch genommen werden können. Es sei hier nicht die Frage untersucht, ob vom deutsche:: Standpunkt die Herstellung Mitteleuropas wünschenswert isft Auch hier, besondres in Rheinland-Westfalen, melden sich die Stimmen, die sich dagegen aussprechen. Aber der Minister- prädcnt Wekerle wußte sehr wohl, warum er sich für die Wirt- schaftliche Einigung Mitteleuropas ausgesprochen hat. Er ist als erfahrener Wirtschaftspolitiker wohl überzeugt, daß Ungarn nur mit finanzieller Hilfe und wenn die ungarische Landwirtschaft in Deutschland ein Abicktzgebiet findet, die finanziellen und sozialen Lasten des Krieges tragen kann und daß diese Vorteile selbstverständlich nicht umsonst zu haben sind._ Soziales. Erhöhung der Einkommensgrenze für die Versicherungspflichi der Privatangestellten in der Krankenversicherung. Auf Veranlassung des RetchSwirtschaftsamte-S fand in den letzten Tagen unter dem Vorsitz des UnterstaatSsekretärs Dr. Easvnr wiederum eine Konferenz vo-u Vertretern dieses Amtes, des Reichs- versicherungsamtes, der Hauptverbände der Krankenkassen, der Aerzte usw. stakt, die sich mit den Anträgen und Anregungen auf Htnaufsetzung der Versicherungsg ranzen für de Privatangestellten beschäftigte. Die Vertreter der Krankenkassen forderten dt« Er- höhung der Grenze für die Pflichtversicherung auf 4000 M. Die Vertreter der A erzteveret n-igungen wendeten sich grundsätzlich gegen alle dies« Bestrebungen, weil fie eine Beschränkung der bis- hörigen freien Praxis der' Aerzte herbeiführen. Es wurde ihnen erwidert, dast es sich wicht um eine grundsätzliche Ausdehnung der Pflichtversicherung, sondern darum handle, den veränderten Geld- Verhältnissen Rechnung zu tragen. Ein Vorschlag, die Grenze für die Pflichtversicherung auf 3000 M. und für das Verbleiben in der freiwilligen Versicherung von 4000 auf 4500 M. hi>naufzusetz«r. wurde von den Vertretern der Kassenverbänd« als den Verhältnissen nicht entsprechend abgelehnt. Die Aerztevertreter erklärten schliestlich, wenn der Bundesrat in einer Verordnung höhere Grenzen festsetze, so müßten sie sich damit abfinden. Sie seien dann jedoch jeglicher Verantwortlichkeit gegenüber den ärztlichen Vereinigungen enthoben. Di« Kasserwertreter erklärten schließlich. dast, wenn die Regierung wicht eine befriedigende Regelung der Frage herbeiführe, ein Eingreifen des Reichstags zu erwarten sei.— Verlief auch die Konferenz ohne eine Verständigung und Einigung, so ist doch zu erwarten, dost der Bundesrat eine Er- höhung der Versicherungsgrenze vornehmen wird. Nrdeiter- Samariterbund. Kolonne«roh> Berlin. Montag. den 25. Februar, abends 81/, Ubr, in Schulze« Vereinshaus. KönigSgrabeu Nr. 2: B o r t r a g Nach dem Vortrag praktische BerbandSübungeti. Gäste haben einmaligen freien Zutritt— Mittwoch, den 27, abends 5'/, Ahr. Milgliederverjammlung im selben Lolal. T.-O.: DaS Ätjihttge StistungS- fest usw. Verantwortlich für Politik: Erich Kuttner, Berlin; für den übrigen Teil de! Blattes: Alsred Scholz, Neukölln; sür Anzeigen: Theodor Giocke. Berlin.. Verlag: Vorwärts-Verlaz(5. rn. b. H., Berlin Druck: VarwärtS-Buch- druckerei und VerlagSanstalt Paul Singer u. tev. in Berlin, Lindsussraste 3, \ Hierz» 3 BeUagea. O. IPertBeim E in clor Lebensmittel-Abteilung Hilfix-Kunstileisch v«« 2.4V (Kostproben Leipziger Straße) GlasWaren Tor zeit an Preßglasgamfoir„Hansa" BaUerdosea..... 1.45 EompoUschässeln Hooigdosco.. 75, 95pt. Käseglocken.... 1.70 Kompottscbüsseio KMchweih Jl)Pf. bia 2.10 &oirpottscfaösse!a Me»ä.•• 35pi bis 3.15 Weiß 4ier*cU< 50pt. Li« 2.05 Kompotteller..... 25p£. Wassergläser____ 35pf. Blntnesschalea 90ru 1.95 Wasserkröge 1.35 u, 4.25 Znckerscbalen... 75?-. BroReller....... 28p». Bralensdmsse'n, cw 95 pl bi. 2.15 Taakesckalen....... 1.35 Tablttis.......... 30?-. Gebäckdosen...... 70?;. tbrmeladei dosen... 55pl Milchtöpfe.. 35, 45, 75?,. Kompolleher...... 22pi Kompottscbüsseln- 30 b.95pi. Brotkörbe........ 90?- KuchenleHer...... 75?; Kannen...... 1.25, 1.35 Tassen....... 42, 48?,. Kaffeegeschirr Üt Streublumen-Muster Kaffeekannen.. 2.75, 3.00 Knchenlelier....... 2.50 Znckerdosen....... 1-00 Milcbteple.. 60«. ti» 1.25 Brotielier.*.... 35pi Tassen....... 65, 95pf. Steingut Tafelgeschirr bunt bedruckt Speisefeller... 40p£ Brotteiler..... SOpl SoiEpotleller.... 27pi Bratenscbösseln <»ai von"SO?;, lu 2.95 Genmseschnss. 1.50, 1.90 Tnnkeschalei., 2.40 Kompottscbnsseln. 1.70 Kartoffelnäple Bit Oecia 3.60, 4-60 Sappensäüisela«a L---.» 5.40, 5.95. 6.00 Likorg'äser IOp». Bierpoka!emGoi 60?.. 55?-., 75?!, 1.75 Wassergläser... 28?i. BkrÄM, Sekikeiche, Bowlengiäser, Biusesmea N» sskr bilitgcn Pscims Tafelgeschirr»m 6?«»<»«, 23»ciii« 44.00 Tafelgeschirr fa> 12 45 teü« 85.00 Tafelgeschirr u?«««.- je»ffi« 148.00 Kaffeegeschirr*,«. 14.75 lasse» mä Cdtaw........... 65« Tassen lub» bamai». SSpl, 95?» TaSSen LlaaaaStzvhmustar........ 1.35 Obsischalen«» 60?;. u. 2J>Ö Obsüelier......... 85«, 2.10, 2�0 Waschschüsseln. 2.95 Vorratsbmhsen.. 65?! Gebäckkasten 1.65, 1.95 Flaschen f. Essig, Oel 35pl Salz- ad. Hehlsesten 1.35 Wissel kanoen.... 2.95 Gewiinbnchsen.. 20«. Milchtöpfe. 15?/. bi.80« Majolika-OsUeller 35«, 75«