Wr. 57. M. Ilchrg. BezugSpret»: LierteijShri. 4JA Ml. ronatl. USeRt- Kit int Hau«. dorauSiahIbar. Einzelne Simmnern 10 Pfg� Postbezug: Munal- lich ILO Ml ilmer»reuzbanb für Deutfchianb und Oesterreich.llnanrn i!.- Ml. für da» übrige Autland t.»0 Ml monatlich. Verfand int Feld bei direkter Bestellung monatl 1,60 Ml Voftbestellungen nehmen an Däne- mark. Holland. Luxemburg. Schweden und die Schwei,. Eingetragen tu die Post-Zeilungt-Preitlisle, Erschein« täglich. Telegramm- Ad reff«: .«ozialdemdkrat Verliii-. ( 10 Pfennig y A«zei«-»prei«! Vevlinev VolKsblettk. «ort 10 Pfg. Stellengesuche und Schtaffkellenanjeigen da« erste Worl 10 V!g.. jede« weitere Wort S Pfg. Worte Über tb Puchslaben zihlen für ,«tf ,wei Worte. Teueningtzuschlag L0»/» Familien> Slnzeigea Sit Pf«., »oli tische« gewerkschastllche�Peremt- «nt«igen to Psg. die Zell«. Aul. für die nüchst« Stummer müssen>ts 6 Nbe nachmitt. im Haudtgeschüfi. verlin S«.K8, Lindenstrage X al» o«gebe«»erben,»»öffnet don 8 Uhr früh bi, 7 Uhr abend». Z�entralorgan der rozialdcmokratifchen Partei Deutfchlands. WSS«» Redaktion: EW. öS» Linüenstraße 2. Uerttivrrcher: Amr Morttzplan- Str. 151 90—151 97. Dienstag, de« ÄiZ. Februar 1NI.8. Expeültion: EW. 68,£Snöenfleo8c 3» Fernsprecher: Kwt Moritzplatz, Vtr. 151 00—151 07. •./.-iiis», ■yj" Reicbstagsrcden Bertlings und Fayers. frieden mit Rußland.— friedensruf an die Aestmächte.- funkertumult gegen den Wzehanzler. Petersburg, 24. Februar. Meldung der Petersburger Telegraphenagentur. In der Nacht vom 24. Februar fand eine Vollsitzung des Ausführenden HauptauSschusses statt. Nach heftiger Debatte wurden die deutsch e>t Friede nsbedingnngcn von Brest. Litowsk, die aber durch die letzten Z u s ä tz e v. K ü h�I m a n n s ergänzt waren, a n g e- nommen. t2K Stimmen wurden dafür und 85 da- gegen abgegeben; 2ti Mitglieder enthielten sich der Stimme und 2 Anarchisten nahmen an der Abstimmung nicht teil. Petersburg, 24. Februar. Meldung der Petersburger Telegraphrnagcntllr. Folgendes Tele- gramm wurde am 24. Februar um 7 Uhr früh durch Funkspruch an die deutsche Regierung in Berlin, dic�vsterreichisch-ungarischc in Wien, die bul- garische in Sofia und dir osmanische in Konstantinopel abgesandt: Gemäß der voin Ausführenden Hauptaus- schuf; und vom Rat der Bcrtrctcr der Arbeiter, Bauern und Soldaten am 24. Februar 4 Uhr 50 Minuten früh getroffenen(fntschcidung hat der Rat der Volksbeauf- tragten beschlossen, die von der deutschen Rc- gicrung gestellten Friedensbedingun- gen anzunehmen und eine Abordnung zur Uuterzriäsnung des Fried rni« nach Brest- Litowsk zu senden. Der Vorsitzende des Rates der Bolksbcauftragtcv: Wladimir Lenin. Ter Volkobcauftragtc für Auswärtige Angelcaciiheitea: Leo Trotzki. Tie deutsche Regierung hat der russischen ihre Friedens- bedingungen in Form eiiws Ultimatums zugchen lassen, das rm Prinzip ongeuomincn lvordeu ist. Ueber das Weitere soll in Brest verhandelt ivcrdcn. Graf Hertling sieht in dem Frieden, der nun in sicherer Aussicht stehe, ein glückliches Ergebnis. Am 22. Februar hatte der Rat der Volkskommissare eineiz Aufruf unterzeichnet, der verlangt: alle Kräfte des Landes sollten in 4>en Dienst der Verteidigung der Revolution nestcllt. ilird diese Verteidigung solle bis zum letz- t e n B l u t s t r o p f e p durchgeführt werden. Es werden dann militärische Anordnungen getroffen, und zum Schlich beißt es:„D a o s o z i a t i st i s ch e V a t e r l a n d i st i n G e» fahr!" Zwei Tage darauf wurde das Ultimatum im Prin» zip angenommen. Somit wird der Unterschied zwischen der sozialdemokratischen und der bolschewistischen Politik klar. Wir wollen das Vaterland erst verteidigen und es dann sozialistisch inacken. die Bolsch«uiki wollten dos Vaterland erst sozialistisch machen und dann verteidigen. Welche von den beiden Methoden die richtige ist, daübcr wurde jahrelang debattiert. Jetzt aber hat die Weltgeschichte entschieden. Inmitten dieses ungeheuren Kriegsetends emvsindet man leden Frieden als Erleichterung. Ob der mit Rußland ab- zuschließende Friedensvertrag in jeder Beziehung als ein glückliches Ergebnis zu betrachten ist. uiuß die Zukunft lehren. Noch ist im Osten alles im Werden, und die bisher gewonnenen Ergebnisse ciftbehren der Klarheit. Tic deutsche Politik sollte aber darauf eingestellt sein, zwischen Deutsch- land, Rußland und den zwischen ihnen zu schaffenden Ge- bilden einen haltbaren Znsland zu schaffen nach dem Grund- latz: Leben und leben lassen. Graf Hertling hat seltsamer- und bedauerlicherweise den Inhalt des deutschen' llltiniatums an Rußland dem Reichstag nicht»nitgeteilt. Man darf aber annehmen, daß mit seiner Annahme die Lostrennung be- stlinmter Gebiete von Rußland vollendete Tatsache ist N i ch 1 vollendete Tatsache ist noch der Anschluß dieser Gebiete an Deutschland oder die Mittelmächte, und ebensowenig ist es notwendig, daß für Rußland unübersteigbare Barrieren gegen die Ostseckustc aufgerichtet werden. In diesen Punkten ist vor Ueberstürzung zu warnen: am besten ist. ivenn ihre-endgültige Regelung erst erfolgt, wenn der allgemeine Frieden geschlossen wird. Graf Hertling bat versichert, wir dächten nicht daran, uns m Estland und Livland festzusetzen. Ueber Litauen und Kurland sagte er nichts. Von Polen sagte er dagegen, es solle cm 1 e l b st ä n d i g c r Staat lvcrdcn mit ungehemmter Eni- faUung. Wenn wir reckt verstehen, schließt das eine mehr oder weniger unfreiwillige..Anlehnung" an die Mittelmächte aus. Auch freut er sich darüber, daß lvegen des Ebolmer Ge. bietS schon eine gewisse Beruhigung geschaffen ist. woraus man schließen dürste, er wolle nicht ditrch die gewaltsame An- gliederung polnischen Gebiets an Teutschland neue Bcun- ruhigung schaffen. In ihrem größten Teil beschäftigte sich die Kanzlerrede jedoch mit dem W e st e n. Und da ist eine Annäherung an Wilson und Czernin nicht zu verkennen. Gras Hertling macht sich jetzt den Gedanken Ezernins zu eigen, daß eine Aussprache in engerem. Kreise stattfinden solle, die frei- lich zunächst unverbindlicher Natur sein müsse. Er vollzieht dabei ein Schrittchen des Entgegenkommens in der belgischen Frage, indem er versichert, daß wir nichtdaran denken, Belgien zu behalten. Allerdings müsse Deutschland vor der Gefahr geschützt werden, daß Belgien daS AufiNgrsch- gebiet feindlicher Mächte werde. Worauf die. Gegner wohl, unter Heranziehung geschichtlichen Materials, erklären werden: „Umgekehrt wird ein Schuh daraus. W i r müssen vor der Gefahr geschützt werden, daß Belgien ein Aufmarschgebiet Deutschlands gegen uns wird." Es ist noch nickt zu sehen, wie dieser Mciiinngsstreit geschlichtet werden soll, doch ist der. Wunsch ans alle Fälle zu unterstützen, daß seine Schlichtung durch eine Aussprache in kleinerem Kreise versucht werde. In wiederholten, breiten Ausführungen hat der Reichs- kanzler die deutsche Regierung gegen den Verdeckst anncxio- nistischer Absichten verteidigt und auf der andern Seite die Gegner solcher Absichten beschuldigt. Auch hier braucht man kein Prophet zu sein, um das Echo ouS dem Entcntewaldc vorauszuhören. Wenn z. B. Graf Hertling sagt, England interr-ssiere sich für die Selbständigseit Arabi-vs, um dieses zu seinem Schutzstaat qU machen und ans solche Weise seine Macht zu erweitern, die? aber sei Annexionismils. so wird man von drüben antworten, daß Deutschland doch bezüglich der russischen Randländer die gleichen Ziele verfolge, sich also selbst annexionistisck?cr Absichten, beschuldige. Wenn die Staatsmänner von hüben wie von drüben ihre vollkommen uneigennützige Friedensliebe beteuern, alles Licht nur ans der einen, allen Schatten nur auf der andern Seite sehen, muß man inimcr an die Schlußworte des schönen Liedes von BrahmS denken:„Und a kloan's bisserl Falschheit ist allwcil dabei." Allgemeiner Tauerfrieden, Völkcrversöhnung Menschheitsvcrbrüdcrung. alles schon und herrlich— aber was kriegt man dafür? Gerade weil nun die Gegner der deutschen Regierung in dieser Beziehung k e i n e V o r w ü r s e zu machen haben, steht ihnen die Miene der entrüsteten Ablehnung gegenüber dem deutschen Bespreckningsvorschlag nickt an. Sie können höck- stcns so argumentieren: Tie Absicht, den Gegner überS Ohr zu hauen besteht auf beiden Seiten, angesichts der gegebenen Kriegslage sind aber die Aussichten Deutschlands dabei günstiger, also sagen»vir Nein! Diese Argstmentation hätte nur dann einen guten Sinn, wenn die Gegner eine Besserung der Kriegslage für sich erwarten könnten, andernfalls bedeutet die Fortsetzung des Krieges die überflüssige Hinopferung Hunderttansendcr. Abgesehen davon, nimmt ja eine nnver- bindliche Besprechung den Gegnern nickst die Möglichkeit, den Krieg fortzusetzen, wenn sich die Besprechung zerschlägt. Es ist nicht die Sorge um Deutschlands Zukunft als Staat, sondern es ist die Sorge um die Zukunft Europas, die uns den Wunsch. nahelagt, es möge so bald wie möglich eine Fühlungnahme zwischen den beiden Streittcilen eintreten. Tann entsteht toenigstens die Hoffnung, daß die befrei- enden Worte gefunden werden, die die Welt aus dem Blutbann erlösen. »*• * Tic Rede, mit der Herr v. P a» e r. der Vizekanzler, sich in sein neues Amt einführte, hat sofort einen scharfen Kon- slikt zwischen der Regierung und den Kon- s e r v a t i v e n in Erscheinung treten lassen. Tie tobten wie die Wilden, weil Herr v. Paget die wüste Schießredc des I a n u s ch a u e r s, die vom. Bund der Landwirte mit johlendem Beifall aufgenommen worden war. mit kräftiger Gegenrede beantwortete. Die Konservativen sind-gewöhnt, für ihre schamlosen Hetzreden gegen daS Volk schonende Till- dung vom Regierungstisch zu finden und können sich noch nickt in den Gedanken finden, daß diese schöne Zeit vorüber ist. Ebensowenig mochte ihnen die Versicherung Payers passen. daß die Rcichsregicrung in der W a h I r e ch t s s r a g e fest hinter der preußischen Regierung stehe. Diese Ungewohnt- heiten. in breitem gemütlichen Schwäbisch vorgetragen, mußten auf die Junker aufreizend wirken, die es sich nun einmal nicht vorstellen können, daß vom Regierungstisch andere Töne erklingen als die Schnarrtöne der preußischen Treiklassenstaat- Autorität.� Sie werden sich daran gewöhnen müssen, und mit der Zeit auch noch an anderes!. Ter Lärm war so stark, daß die Schlußworte Payers und die Ermahnungen des Präsidenten in ihm untergingen. Erst der donnernde Beifall dcS Hauses und der Tribunen, in den sich kreischende Pfuirufe von recht? mischten, übertönte ihn. Hätten die Sozialdemokraten einen Negierungsvertreter so behandelt, wie gestern die Konservativen Herrn V. Paycr: die ganze konservative Presse würde heute den Untergang des Staates prophezeien, wenn nicht mit Ausnahmegesetzen gegen die Sozialdemokratie vorgegangen werde. Doch die Junker dürfen sich alles erlauben, wenn man ihnen androht— sie mit andern gleich zustellen. Mitten im größten aller Kriege erlebt die Welt dies schmähliche Schauspiel einer Junkerrevolte gegen das gleiche Recht. Aber diese Revolte wird—»im den Ausdruck eines konservativen Redners ans dem preußischen Ver- fassimgsansichuß zu gebrauchen— niedergesch lägen werden. Tie Geschichte wird von der preußischen Junker. Herrschaft sagen: Sie vermochte nickst einmal in Schönheit zu sterben, und ihr Ende war ein Ende in Schande. «* die Sitzung. 133. Sitzung. Montag, 25. Februar 1918, nachmittag? 8 Uhr. Am Bundeiratötische: Gras Hertling. Paher, Gras Rödern, Dr. Friedbcrg, Wallraf, v. kapelle. Frei- Herr v. S t e i n, W a I d o w, D r.e w». v. K r a u s e. fff Ü d l i n. Da» Hau! und die fnbiinen sind fibcisüQt. BizeprSsidcm Dr. P a a s ch e gedenkt de« Ableben« de« Groß- herzog« von Mecklenburg-Strelitz. Ersie Lesung öes Etats in Verbindung mit der Beratung des Gesetzentwurf« zur«enberung Oer KriegSsteuergesetze. Reichskanzler Graf Hertling: DaS hohe Hau« hat Anspruch daraus, über die außerpolitische Lage und die Stellung der ReichSIeitung zu ihr unterrichtet zu werden, wen» ich auch Zweifel a n d e m N u tz e n der von den SiaatSmknnern der kriegführende» Mächte«vor der Oeffenilichkeil gebaltenen Zwiegespräche habe.(Sehr richiig I) Mit dem früheren englischen Minister Ruiieiinan bin ich der Meinung, e« würde uns dem Frieden iveit näher bringen, wenn stattdessen Gespräche in kleinem Kreise zwischen berufene« verantwortlichen Vertretern der kriegführenden Mächte flaltsindcn würden. sSchr gut!) Bei solcher Aussprache würden auch unsere Gegner unsere Worte so nehmen tiiüsscn, w i e s i e g c m c i n t sind, und auch sie niüßte» mit der Sprache herausrücke».(Zustimmung.) Die Wone, die ick bisher zweimal hier gesprochen habe, haben im Ausland eine objektive Würdigung nicht gesunden. Bei einer Be- sprechung im engeren Kreise werden auch die Einzelheilen, die bei der Lökung großer Konflikle zur �Sprache kommen inüsie». erörtert werden und eine Verständigiliig über sie könnte dort erzielr werden. Dabei denke ich ganz besonders an Belgien. Zu wicdelholrcn Malen ist von dieser Stelle an« erklärt worden, daß wir nicht daran denken, Belgien zu behalten, daß wir aber gegen die Gefahr geschützt sein müssen, daß dieser Staal, mit dem wir nach dem Kriege in Frieden und Freundichasl leben ivollen, nicht zum Aufmarschgebiet feindlicher Machcnschaftr» gemacht wurde, sowie das auch in der Papstnote vom l. August ausgeführt worden ist. Tie Mittel und Wege zu solcher Lviung würden zweifellos am besten in einer solchen engeren G e i» e i n s ch a s l besprochen werden. Wenn aliv von Ver Gegenseite, etwa von der Regierung in Le Havre eine dahingehende Anregung kommen iollle, ju würden wir im« nicht von vvrn herein ablehnend verhallen. Aber bis jetzt sieht et nicht da noch au«, als ob diese Anregung Ruuciinan« greisbare Gestalt gewinnen würde und so muh ich einstiveilen noch die Methode der Dialoge fortsetzen. Ich gebe zu, daß man in der m Botschaft de» PrasideiUe» Wilson» vom 11. d. M. vielleicht eine kleinere Annäberung finden kann. Seine AuSsilhrungen gipfem in vier Sätzen, von denen er annimmt, sie könnte» die allgemeinen Grundlogen des Frieden« bilden. Der erste dieser Sätze besagt, daß der Frrede auf der G e- re chligket ausgebaut sein muß und auf einem Ausgleich, der einen dauernden Frieden am wahrscheinlichsten herbei- führen kann. Wer wollte dem widerspreche»?(Sehr richtig!) Der Satz, den der große Kirchenvaier Augustinus vor anderthalb Jahrtausenden ausgesprochen hat„.TustUia fundameutum tcgiiümiu'1(Die Gerechtigkeit ist die Grundlage der Staaten) gilt noch heule. Der zweite Satz Verlangl, daß Böller und Provinzen nicht von einer StaotSoberhoheit in eine andere herum- geschoben iverden, als ob es sich um Gegenstände oder Steine in eine»« Spiele handelte, wenn auch in dem großen Spiel de« Gleichgewichts der Kräfte, da? nun für alle Zeiten di-- kreditierl ist. Auch diesem Satz kann man zustimmen und man muß sich wunder», daß Wilson e« für nötig hält, ihn b e- sonder» einzuschärfen. Er laute» säst wie eine Polemik gen längst verschwundene Zustände und Anschauungen, gegrir abinettSpolitik und KabinettVkriege früherer Seifen, gegen«erbfnbung, den Siaafen und Privaf- . eigenuiin der Fürsten. Man könnle immer wieder auf tue Vermutung kämmen, als lebte Wilson in dem Wahn, m Deutschland bestehe eiil Gegensatz zwischen antokrarische Regierung und einer rechtlosen V o l k S m a s s e. Wilson lennt ober, wie die deutsche Ausgabe seine« Büches über den Staat zeigr. die slaatsrechltiche Strultur de-Z Deutschen Reiches, und er weist, dast Fürsten und Regierungen bei uns nur die obersten Organe eines im Staate z u'' n m m e n g e f a st l c n o lks o rg a n i S m u s sind. Wenn Herr Wilson sagt, das spiel mit dem Gleichgewicht der Kräfte sei für immer diskreditiert, io werden tvir das nur freudig begr ätzen. Tiefes System war bekanntlich'. eine englische Erfindung � > Sebr richtig!), die nur dann Anwendung fand, wenn eine Macht auf dein europäischen Kontinent dem englischen?kachbar zu mächtig zu werden drohte.(Sehr richtig!> Räch dem drillen Satz Wilsons mutz jede Lösung einer durch den«rieg ansgewo«fciicii Gebiets frage iip Interesse und zu- gunsten der darin wohnenden Bevölkerung erfolgen..Das ist nur eine weitere Ausführung de-Z zweiten Satzes und eine Ken- iequenz aus ihm. Er kann also in die zum zweiten Satz erteilte s'. u st l m m u II g eingeschlossen werden. Der vierte Satz endlich '»erlangt, alle tlar umschriebenen nationalen Ansprüche sollen die weitestgehende Befriedigung finden, die ihnen zuteil werden kann, ohne neue oder die Verewigung alter Elemente von Awist und Gegnerschaft, die den Frieden bald wieder stören würden, auszunehmen. Auch diesem Satze st i m m e i ck g r ii n d s ä tz l i ch zu. Ach diu also mit Wilson ein- «erstunden, daß die von ihm iiusgestclltcii Sönc die Grnndlage einer Bcrciiihariiiig über den Weltsricdc» bilden können. �Lebhafter Beisaü.) Nur ein Vorbehalt wäre zu machen. Ditse vier Grund- 'ätze mutzten von ajl e n Staaten und Nationen auch tatsächlich aiigciiommen sein.(Sehr richtig h Herr Wilson scheint in seinem Gedankciiaange der WirkliNikeil weit vorausgeeilt zusein. GeWitz,«in Völkerbund, der auf Gerechtigkeit und Wahrung des Friedens, aus selbstloser gegenseitiger An- erlemiung aufgebaut wäre, ein Zustand der Menschheit, in dem alle Reste früherer Barbarei, auch der Krieg, vollkommen ver- 'ch winden werden, wo es keine blutigen Opfer mehr gäbe, keine Selbstzersleischuiig der Völker, feine Zerstörung mühsam erarbeiteter >!ullurwerle— es iväre ein Ziel nufS Innigste zu wünschcn. Aber van diesem Ziel sind wir leider noch sehr weil entfernt, und noch besteht auch nicht das objektive von allen Nationen er- richtete Schiedsgericht, das üoer etwaige Streitigkeiten unparteiisch urteilen könnte. Wenn daher Herr Wilson an anderer Stelle sagt, der deutsche Reichskanzler stehe vor dem Gerichte der ganzen Welt, so mutz ich, wie die Dinge heute liegen, im Rainen des Deutschen Reiches und unserer Verbündeten diesen Gerichtshof als befangen ablehnen. iLebhafie Zustimmung.) Jinmerhin würde ich mich natürlich freuen, wenn ein jolchcS objektives SchiedZgerichr bestünde, und ich würde mich glücklich schätzen, zu der Herbeiführung eines solchen idealen Zustandos beilragen zu können. Aber von ähnlichen Gestimungei! finde ich bei den Vertretern der Entente noch keine Spur(Sehr richtig k) Tie Kriegöziele Englands, wie sie in den letzten Reden Lloyd Georges immer wieder • zutage getreten find, sind immer noch rein imverialistischer N a t u r. Wenn England vom. Selbitbestimmiingsrechr der Völker spricht, so denkt es nicht an Irland, Aegypten usw. lSchr richtig!j Unsere K r i e g s z i e l e sind dekaiiiiltlch von Anfang an Die Verteidigung des Vaterlandes, die Au'rechlerhalrung ieiner territorialen Integrität, die E r h a l i u n g der Freiheit unserer w i r t s ch a f t l i che n Entwicklung nach allen Richtungen hin. Auch unsere Kriegführung ist, wenn sie auch aggressiv vorgehen mutzte, in ihren letzten Zielen defensiv. Ich betdne das mit b e s o n d e r e in N a ch d r u ck,, um etwaige MifiverfiSiidnisse bezüglich n ufere r militärischen Operationen im Osten zu beseitigen. IlN'er V o r m a r s ch in der Ukraine war be- stimmt, die Früchte deS Frieden« mir der Ukraine zu sichern, die die Machmauotzeu der Bolichewisten geiähideien. Und der Er- folg ist bereis eingetreten. Unser Vormarsch fand eine wertere Unterstützung dadurch, dotz von seilen der Ukraine dringende H i l f e r u f e an uns kommen, sie in der Ordnung und SicherhMl ihres nenentwiSelren Staatswesens gegen die Siörnngen der Bolii»- ivistcu zu muerstiitzen. Auch unseren militärischen Operationen aus andere» Gebieten lieizcn Eiobernngsabsichte» schlechterdings fern. Bravo'.) Dicie Operationen sind nur vorgenommen loordcn auf Grund der eindringlichen B i t i e u und Vorstellung e n d c r B e v ö I k e r u» g, sie gegen die Greuel der Anarchie und gegen die herumstreifenden Banden zn schützen. Also lediglich im Sinne der Menschlichkeit sind diese Matznahmen getroffen. Wir denken nicht daran, uns in Liulaud oder Estland sestzusetzeii. 'Bravo Z Wir wünschen nur mit den sich entwickelnden unabhängigen StnatSgeüildcn demnächst in Frieden und Fcenudstbasr zu leben. ES gilt jetzt, den Völkerschaften dort die Organe der Selbst- v e r w a l r n n g und Selbstbestimmung zu schaffen oder die im Aufbau begriffenen zu schützen. Ter weiteren Enlwick- lung sehen wir in Ruhe entgegen. Aber weit über dieses iursxrünglich- gesteckte Ziel haben die militärischen Operationen bertits Erfolg gehabt. Sie haben bereits Kenntnis davon, datz die russische Delegation die abge- drochaneii Friedensverhaiidlungen wieder auf- nehmen will. Unsere Aniwort war. datz wir dazn bereit 'eien. Wir haben die Fricdensbcdingungen in Form eines Nlti- imnmr.s dorthin geschickt, die rusfiichen Delegierten sind auch bereits „bgereist. unsere Friedensbedingimgen sin» im Prinzip von der russischen Regierung angenoininen.(Bravo h Unsere Delegierten sind gestern abend nach Prest-Lilowsk abgereist. i Lebhafter Beifall.) Um miS die Früchte des Friedens mir der Ukraine zu fichern. zog unsere Heeresverwaltung nochmals das Schwert, und der Friede mit Rntzland wird demnächst das g l ü ck- liche Ergebnis sein. Die Friedcnsverhandlnngcu mit Rumänien haben am 23. Fe- bruar begonnen. Tie Verhandlungen sind schwierig, tvsil wir hier nicht allein stehen, sondern für unsere treuen Ver- b ündetcn cinzutrelen haben. Aber bei allscitigem guten Willen iverden auch die hier anSzugleichenden Gegensätze und Schwierigkeiten ein befriedigendes Ergebnis finden.— Für Polen scheint sich die Entente und auch Herr Wilson neuerdings ganz besonders zu interessiere». Die Herren wisien ja. datz durch die vereinigten st i äste Deutschlands und Oesterreich- Nngarns Pchlen aus der drückenden Abhängigkeil des zariMschen Nutzlands v-freir wurde, um aus dem uom Zarismus besreite» polnischen Landesieilen einen s e l b st ä UP igen Sraar.zu begründen, der in ungehemmter Entsallimg seiner«nationalen Kultur .'zugleich ein Pfeiler des europäischen Friedens sei» sollte. Die Frage der Vcrfaiiung des neuen Staates tounte lelbstverständlick nicht ivsorl gelöst werde». Auch jetzi ist sie noch »ich! über das Siadiniii eingehender ll n l e r b a n ö In ti g cn zwischen Denlschland, Oesterreich« Ungarn und Polen hinaus- gelominen. Z,u den vorhandenei! Schwierigkeiten ist»och die Frage der Adgrcuzniig des iieuc» Staates gegen die benachbarten rujsischen Gebietsteile hinzugekommeii, und der Frieden mit der Ukraine hat »i Polen zuerst grotze Beunruhigung hervorgerufen. Ich darf mich aber depHoffnung hingeben, datz auch hier bei allseilig bekundetem guten Willen sich ein Ausgleich erreichen lassen ivird, und schon das einstliche Ausivrechen dieser Absicht hat in Polen eine gewisse Beruhigung herbeigcsührr. Wir stehen also vor der Aussicht des Friedens auf der ganzen Ostfront von der Ostsee bis zum Schwarzen Meer-(Beifall.) Die Völker Europas frage» in fieberhafter Spannung, ob wir dadurch vielleicht auch zum allgemeinen Weltfrieden gelangen werden. Aber was aus den Ententeländern herübcctönt, latzl disje Hoffnung als ziemlich gering erscheinen.•(Zustimmung.) Im Gegensatz zu unseren rein defensiden KriezSzielcn sind die der Entente nach wie vor auf Eroberungen gerichtet.(Sehr richtig ff Die Entente kämpft um die Rückgabe Elsaß-LothriugcnS an Frankreich. Ich brauche hierüber dem früher Gesagten nichiS hmzuzu- rügen, es gibt keine clsast lothringische Frage.(Beifall.) Wenn eS eine clsatz-lothringifche Frage gibt, so ist es lediglich eine deutsche FWge.(Lebb. Beifall. j Die Entente kämpft um den Erwerb von Laiidcsteilen Oesterreich- Ungarns zugimstcn Italiens. Sie lämvft um die Abtretiiilg türki'chrr Gebiete, um die L o s l ö s u u g Syriens und Arabiens vom lürkiichen Reick. England bat vlotzlich sein Herz riic die Araber entdeckt und einrebt vielleickt einen neuen' S ck u tz st a o l unter englischer Oberhoheit, der das englische Machtgebier ganz'wesentlich erweitern würde. (Sehr richtig i> Und datz die Kolonialz tele'Englands auf eine Erweiterung, genannt Abrundung seine? schon ungeheuren Besitzes an Kolonien ausgehen, haben die englischen Staats- mäimer sa selbst iviederholt auskprocken. lind angesichts dieser ErobernngSpoliti! wagen die Staatsmänner der EiUdnle noch immer, von dem.imperialistischen, milltariftischen, aulokralitchen'' Deutschland zu sprechen, das der Störenfried in Europa iei. Neuer» dings komint in das System der Hetze, der Lüge und Verleumdungen noch das Schreckgespenst, wir könnten die neutraleli Slaqten verletzen. Gegenüber" einem neuerdings in der Schweiz wieder begonnenen Intrigenspiel dieser Art erkläre ich, datz wir auch keinen Augenblick daran gedacht haben und ine daran denken, die ich w e i- e r i s ch e Neutralität a v z u t a st c n. Wir find der Sckweiz und den übrigen neutralen Staaten Hoch- achtnng»nd Dank schuldig für die mannhafte Tatkraft, mit der sie allen Anfechtungen und Bedrückungen zum Trotz an ihrer Neutralität festgehaltr" bah?ii.(Lebhafter Beifall.) �Dic Welt sehnt sich nach Frieden. Aber es scheint nicht, daß dieses tiefe Sehnen bei der Entente Gehör fände. Krieg bis zum äußersten ist die Parole der Konferenz in Versailles, und diese Varole hat auch in den Red'N Lloyd Georges ein hl Utes Ecko gesunde u.(Sehr'wahr.i Ich babe zwar auch von an- deren Stimmen in England gehört, zu Runciman ge- seilte nch Lord M i l n e r. der vielleicht nach versöhnlicher sprach. Wir können nur wünschen, daß diese Stimmen sich mehren, daß die auch in den feindlichen Ländern vorhandenen friedlichen Strömungen sich dittchietzen. Aber dazu ist es höchste I c i t, denn die Welt steht vor den gröstten schicksalsschwersten Eni- scheiduugen. Entweder die Feinde enischließen sich, der Stimme der Menschlichkeit uns Vernunft Gehör zu geben und Frieden zu gehen— unter welchen Bedingungen wir zur Verständigung be- reit sind, wissen sie— oder sie meinen den verlirecherischen Wahn- witz des EroberutiaSkriegeS noch fortsetzen zu müssen. Dann werden� uniere berntchen Truppen unter ihren genialen Führern weiterkämpfen, und unser hewirnderungsivürdiges Volk wird weiter ausharren. Aber da? Blut der Gefallenen, die Qual der Verstümmelten, all das Leid und die Not der Völker— sie werden über die Häupter derer kommen, die der Stimme der Menschlich- keii bis zum letzten Augenblick widerstanden haben.(Lebhafter Beifall.) Bizckaii.zlcr V. Paycr: Wer wie ich diesem Hause. 3L Jahre lang angehört Hai. kann Ihnen nicht wie ein Fremder gegenüberstehen.(Beisallff Heute, im vierten Jahre des Krieges, kann eS für die deutsche innere Politik nur noch einen Gesichtspunkt geben: die Zusammenfassung aller Kräfte, hin durch Einigkeit und Opferwilligkeit unserem siegreichen Heere seine schwere Ausgabe zu, erleichrern. Alles Fremde zwischen den verschiedenen Bevölkeruiigskreisen muß beseitigt werden. Dem früheren Reichskanzler v. Beth- mann Holl weg, der bei Beginn des Krieges, gestützt ans die kaiserlichen Worte vom 4. August, voll großzügigen Vertrauens in das ganze deutsche Volk den Grund zu dieser Politik gelegt hat. gebührt dafür aus immer der Dank des deutschen Volkes. In der ersten Zeit des Krieges ist das Wort des Kaisers: Ich kenne keine Parteien mehr, ist der Burgfriede so gut tme allgcmei»•' gehalten worden. Damals hielt der Gedanke, daß gleiche Pflichten auch gleiche Rechte entsprechen müssen. seinen EinZKg in Deutschland. Bedauerlicher- aber auch vcrsiänd- licherweise hat manches Vorkommnis der späteren Jahre in diese. Stimmung Bresche gelegt. Der Burgfriede wurde leichten Herzens in d?» Winkel gestellt. Es ist verständlich, datz hie großen Massen der Bevölkerung, je schwerer die Lasten des, Krieges auf ihnen liegen, um so mehr auch von dem Streben nach politischer Veweounqsfreiheit und nach politischer Macht, sowie nach Einfluß ans die Regierung beherrscht find. E s gibt kei it e M acht auf Erden, die diesen Bedenken und dieses Streben im Deutschen Reiche wieder auszumerzen mächtig genug wäre.(Beifall linksO Die verbündeten Regierungen haben von Anfang an dieser Bewegung Rechnung g e l r a g e n. Sie sind für d,e Angehörigen»nd Hinterbtiebeneil' der ausmarschi arten Krieger in immer wachsendem Maße kingeireten. Tie Alters- grenze für den Beziig der Altersrente ist herabgesetzt worden. Das Vereinsgesev ist abgeändert worden, ebenso eine Novelle zum Militärstrafgeset'biich herausgegeben worden, und durch das Schutz- Haftgesetz ist die Freiheit und das persönliche Recht der Staats- bürger anerkannt worden. Weiter ist dem Haufe der Entwurf eines ArbcitskommergesetzrS zugegangen. Der Entwurf eines Ge- ietzes über die Neue-nteiluiiq der Wahlkreise zum Reichstag soll schwerempsundenezi Ungleichheiten ein Ende machen und die Probe auf die Durchführbarkeit der Verhältniswahl im großen Maße abgehen. Der Entrowrf betr. die Aufhebung de«? tz 4 Dl der Gewerbeordnung soll aus einem beißvwfirrttenen Gebiet Rübe schassen. An Sem Ernst und dem Willen der Reicksleitung, berechtigten Wünschen Rechnung zu tragen, kann daher nie- mand zweifeln.(Lebhafter Beifall.) Auf dem Gebiet deS Wohnungswesens werden ausgiebige Mittel von Reichs wegen zur Verfügung gestellt werden. Auch die Einzel iroaten sind sich des Gebots der Stunde bewußt.(Beifall.) Das hervorragendste Beispiel ist die Einbringung eines Gesetzes über die Abänderung des Wahlrechts znni Abgeordnetenhaus nnd Herren- haus in P reu neu,■ eine Abäiideruiig, die von Jahr zu Fahr dringlicher ge- worden und geheischt wurde, und deren Forderung jetzt wieder a u s das mächtigste durch das ganze Reich geht. Ich habe nicht die Absicht, mich in die Angelegenheiten des Bundesstaates Preußen hinein z u m i s ch e n.(Heiterkeit links, Unruhe rechts.) Es kann sich aber niemand der Einsicht verschließen, daß die Frage, ob für das preußische Abgeoednetenhaus ein dein ReichstagSwabl- recht gleiches oder ein ihm entgegengesetztes Wahlrecht gelten soll, schon wegen der ftiirfen Einwirknng Preußens auf die Gesetzgebung nnd Verioaltnng des Reiches tief in die Verhältnisse eingreift. 'Lebhafte- Sehr richtig' und lebhafter Beifall links.) Deshalb können politische Erwägungen über diese Frage auch in diesem Hause nicht unterlassen iverden— hat ja auch die Frage des preußischen Wahlrecht? bei der Streikbewegung der letzten Wochen, die keineswegs aus Preußen beschränkt war, eine se h r wesentliche Rolle gespielt! Die Reichsleitung wird sich schoil aus bundesstaatlichen Rücksichten in dieser Frage zurückhalte, l. wenn sie es auch begrüßen würde, wenn die preußische Regierung ihre Absicht verwirklichen und den harten Streit so beenden könnte, wie sie gewillt ist. Die Reichsleitung steht dabei durchaus auf dem Boden der jüngsten Erklärungen des Reichskanzlers und preußischen Mhiisterpräsidenten und des preußischen Ministers des Innern, die sich für unveränderte F e st h a l t u n g und Durchführung der in der kaiserlichen Bot- schaft vom 11. Juni 1317 angekündigte» Reform eingesetzt haben. Allerdings scheint die Sache durch den vor wenigen Tagen gefaßten Beschluß der Mehrheit de- preußischen Abgeordnelenhauses aus ein totes Gleis gekommen zu sein. Alle staatsrechiitchen Möglichteiten «werden mit eine in Eifer diskutiert, als wenn der Entwurf e n d- gültig gescheitert wäre. Ich kann nicht annehmen. daß dem so ist; schon mancher parlamentarische Entwurf ist mindestens ebenso g e fä h rd e t gewesen wie dieser undchack, zu- stände gekommev. Ick glaube nicht, daß die maßgebenden Par- teien sich der Einsicht deffey verschließen werden, was sie in diesen kritische« Siirnden der Allgemeinheit schuldig sind.(Brape?) Sie werden auch den Verdacht von sich' weisen, als ob cs ans eine doch jetzt schlechthin unmögliche Verschleppung der Frage abgesehen sei.(Sebr gilt!) Nach meiner festen Neber. zeugnng besteht dir Gewißheit, daß dos im Entwnrt vorgesehene Wahirechf für Preuße» kommt, nnd es besteht die begründete Hoff- nung. daß es bald kommt.(Lebh. Bravo! links.) Das Vertrauen der Bevölkerung und der Volksvertretung zu den Verbündeten Rc- gteriingeli als Träger einer den neuen Vcrhältnifien entsprechenden Politik iit gewachsen, daraus entsprang der Wunsch nach mag- lichit einmütigem Zusammcmvirken beider Fakioren. Das ist erreicht worden ohne staatsrechtliche Reut on st r n! 1 1 o ii im Wege der Verständigung durch Aufnahme einzelner, das Vertrauen ihrer Kollege» genießender Parlamentarier in. die Rcichsregierung und in die preußische Regierung. Wie dieser Versuch, an dem aktiv und passiv beteiligt zu sein ich die Ehre habe, ausfallen wird, läßt sich selbstverständlich nock nickt übersehen.(Abg. Kreih(f.': Sehr krichtig! Heiterkeit rechts.) Soll diese.Enttoicklung Früchte tragen, so. letzt sie aller- dings guten Willen aus allen Seiten voraus, t'lber der fehlt wohl auch nur b c i einzelnen.(Sehr gut! links.) Soweit ich die Tinge übersehen kann) ist die Hofftrung berechtigt, daß diese. Kriegs sch o p fu ng den Krieg überdauert.(Bravo! l'nks.V Leider wird mit der längeren Dauer des Krieges das Bild der Geschlossenheit, Opferwilligtest und des gegenseitigen Ver-. trauen« durch Bewegungen an den extremen Seiten etwas getrübt. wenn auch nicht in dem Maße, daß daraus Bedenken für unsere Zukunft entstehen. Die am meisten ins Auge fallende Er- schernung ist der von der äußersten Linien vor einigen Wochen ins Leben gerufene, wenn auch bald wieder zur Ruhe gebrachte Streik. Vom Standpunkt der Allgemeinheit aus mutz er aufs tiefste beklagt und verurteilt werden.(Sehr richtig!) Traurig genug, daß man jetzt darüber streit st, wer ihn veranlaßt hat. die eigenen Volks- genossen oder das feindliche Ausland. Er Hai vielleicht, namentlich was seine Wirkung ans die Kriegsbetriebe anbelangt, nicht in dem Maße geschadet, als zunächst befürchtet wurde. Geschadet bat er aber schon dadurch, daß er die H o.f f n u ng e n unserer Feinde aus unseren politischen und wirtschaftlichen Zusammen, ornch a u i s höchste g e st e ige p t und dadurch unsere Aussich- tan auf Frieden beeinträchtigt hat.(Sehr richtig!) Nie- mand kann wissen, ob er nicht den Krieg ganz direkt verlängert bat.(Sehl richtig?) Er hatte viele Arbeiter und Angestellte und leider nicht bloß die Rädelsführer in wirtschaftliche Schwierigkeiten gebracht, er hat auch Opfer an Menschenleben und Menschenglück gefordert, und weilii der Schaden nicht grüßer geworden ist, so ist das nickt das Verdienst derjenigen, die den Streik begonnen haben. Es haben dann auch die Gewcrkschasten und die sozialdemokratische Partei ihre Beteiligung an dem Streik zunächst abgelehnt. ES war e!_n Fehler, daß sie sich dann ihm auch nur teilweise an- geschlossen haben, angeblich, um die Bewegung in Schranken zn halten und Schlimmeres zu verhüten. Tatsache ist, daß sie dadurch die Beivegung, die ift selbst als zweckwidrig und schädlich erachtet haben, gestärkt baden. Die von ihnen beabsichtigte Wirkung zu erzielen, waren sie vielleicht zu s ch>o a ch. Umstände anderer Art, wesentsich wobl die Vcionncnheit und Entschlossenheit des obrigkeitlichen Eingreifen?(Lachen bei den Sozialdemokraten), die Aussichtslosigkeit, Ernüchterung und der Mangel an Geld haben Wohl mehr der Bewegling ihr Ende bereitet. Es wird sich zweifellos riber den Streik eine große Debatte entspinnen, ihr vorzu- greifen liegt nicht in meiner Absicht. Ich beschränke mich ans einige kurze Beinertungen. Tie Zioecke, die mit dem Streik verfolgt wur- den, werden wohl verschiedener Art gewesen sein. Ich glaube nicht, daß irgeird jemand ernstlich geglaubt hat, daß auf. dieses Signal bin sich nun das in den Fabriken beschäftigte deutsche Volk erheben, das doch immerhin recht erträgliche Joch seiner Re- giernng abwerfen und �Arm in Arm mit den sogenannten Prole- tariern aller Länder das Deutsche Reich mit dem Ideal des Regi- inents der Bolschelrnki beglücken werde. Wenn etwa der Zweck ge- Wesen sein sollte, die Vewcgung zugunsten des ReichstagSwahlrechts in Preußen durch den Streik zn stärken, s» hat umgekehrt nichts das Zustandetornmen des Gesetzes to gefährdet als eben dieser Streik (Hört! hört?) durch die Art. wie er von den Gegnern dieses Wahl- rechts politisch ansgenutzt worden ist.(Sehr richtig!) Ebensowenig einleuchtend ist der Gedanke, durch den Streik die Ernähr ii ngsickwierigkeiten zu bebeben. Auch nur' als Demonstration gedacht, mußte er in dreier Richtung Wirkung?» los bleiben, weil eine Demonstration hier nur dann einen Sinn haben könnte, wenn es cm dem guten Willen in der Leitung der betreffende» Organe seblen würde, was man gewiß nicht sagen kann. Es ist auch schwer, sich vorzustellen, wie in der Frage des Belagerungszustandes, der Schutzhaft, der Zensur usw. durch diesen Streik eine Besserung herbeigeführt werden soll. Endlich wird befwiiptet, daß der Streik die baldige Herbeiführung des Friedens erreichen sollte. Das würde aber doch doraiissetzen, daß auch die radikalen Parteien in den uns feindlich gesinnten Ländern sich dem a» schließen. Nirgends hat s�ch dieser Wille gezeigt, nirgend? diese M acht. Ikvigekehrt bat iich unabweisbar der naheliegende Gedanke aufgedrängt, daß die Möglichkeiten eines Friedens nm so weiter von uns abrücken, je mehr die Gegner an tiefgreifende innere Kämpfe bei uns glauben. (Sehr richtig!) Soviel vom Streik. Wer ihn zu verantworten hat, mag das mit seinem Gewissen ausmachen. Sicherlich hat er weder der Sache des Vaterlandes noch der des Volkes damit einen Dienst geleistet. Aber auch außerhalb der Reiben der Streikenden wird gegen das Gebot des Zusammenhaltens schwer gesündigt. nicht bloß von links, sondern auch von rechts.(Zuruf linkst Viel mehr!) Niemandem ist, seitdem sie Erörterung der Kriegs ziele ffeigcgebcn ist, das eckt verwahrt,.über diese und über den Inhalt des künftigen Friedens stch öffentlich aus- zusprechen, nur muß dieses Aussprechen für jeden, der das Wohl des Vaterlandes im Auge hat, seine Grenzen finde.» in der Rücksicht auf eben dieses Wohl»und in der Wirkung aus das Ausland. Wie wenig es aber diese Rücksicht übt, dos zeigt sich. wie beim Streik van links, so hier von rechts. Man glaubt, seiner Politik dadurch Kraft geben zn können, daß man denen, die anderer Meinung sind, den gnren Glauben abspricht.«Sehr richtig! links, große Nnruhe rechts. Zuruf rechts:- Diese Gleichstellung ist un« erhört!) Daß es nur ein kleiner Bruchteil der deutschen Bevölkerung ist, der sich aus diesen Standpunkt stellt, wird vom Feinde nicht beachtet. Bekanntlich können sich ja auch Minderheiten bei-geschickter Arbeit den Schein größerer Bedeutung geben als sie in Wirklichkeit baben.(Sehr wahr? links, andauernde Unruhe rechts.« So haben die Feinde die Wahl, ob sie die Pfeile gegen uns aus dein Köcher der äußersten Rechten oder äußersten Linken eni- nehmen wollen.(Erneute große Unruhe rechts.) Es wäre für unsere Brüder an der Front und zn Hause viel besser, wenn man nicht immer wieder die Herzen mit der bange» Sorge erfüllen würde, daß die Interessen des Vaterlandes in höchster Gefahr seien, wenn nicht nach dein Willen einer Minderheit regiert wird. (Lebhafte Zustimmung bei der Mehrheit. Andanernde Unruhe rechts.) Es ist ein schwerer Schaden, wenn in Berlin öffent- Iich unter dem briuisenden Beifall einer talisendtöpfigell Menge in der letzi?» Woche Schlagwortes wie das von der„niederträchtigen Friedensresolution des Reichstags" geprägt und vor der Phantasie der erregten Zuhörer da s Bild des ersehnten Reichskanzlers her- aufbeschworen wird, ans den geschossen wird, der aber auch schießt. (Hört! hört! Lebhafte Zustimmung links. Erregte Zurufe rcchtS. — Zuruf rechts: Das ist der große Staatsmann!) Disziplin zu l? a l t e n, muß von jedem Staatsbürger verlangt werden. Wer das nickt vermag, verwirkt das Recht, über andere zu richten. (Lebhafte Zustimmung bei der Mehrheit.) In den Fragen der Z e n s u r, der Schutzhaft und des S«• lagcrungszustandes muß versucht wenden, eine prak« tische Lösung zu finden, die so schnell als möglich hilft und so gründlich, wtc das auf dem Boden der heutigen Gesetz- gcbung möglich ist, den, wir ja im Kriege nicht verlassen wollen. Die neuen Steuervorlagen unterliegen noch oer Ent- schließung des Bundesrats. Erspart bleiben sie Ihnen nicht.(Heiter- Nr. 57 ♦ ZS. Jahrgang Seilage öes Vorwärts Dienstag, 25. Februar 1 Hl S Zur öeachtung! Alle Gekdseudungcu und Zuschriften für den„Vor- wärts" find nicht mehr an die Vorwärts-Buch- druckerei und Verlagsanstalt Paul Singer u. Co., sondern nur an den vorwärts-verlag H. m. b. Serlia SN 6$, Llnüenftraße 3, Postscheckkonto Nr. 87536, zu richten. vorwärts-verlag G.«. b. K. GroMerlw Wohnungsbcschaffung nach dem Zkriege. Der P r« u tz i s ch e Städte tag bittet in einer Eingabe an den Mit/ister des Innern, allen Städten, die während der Heb«. gangsfleit nach dem Kriege gezwungen find, iflr kleine Wohnungen za sorgen, wirksame Hilfe durch Gewährung ausreichender Staatsmittel zu gewähren, um fte so in die Lag« zu versetzen, einen Einfluß auf die Bemessung der Wohnungsmieten in den in der UebergangSzeit erbauten Häusern auszuüben.____ Zur Versorgung mit Arbeiterkleidung will die RetchSbeiletdungSstelle große Mengen fertiger Kleidung aus dem freien Handel durch Vermittlung der in Frage kommenden Verbände herausziehen. Die Verbände haben ihr be- reitS die Zusage gegeben, daß sie bestimmte Mengen heranichaffen und ihr überweisen werden. Die immerhin nahe liegende Befürch� rung, daß die Konfektion die Gelegenheit benutzen könnte, minder werlige Restbestände loszuwerden, gilt der ReichsbekleidungSstelle als ungegründet.■ Sie Null übrigen« die ihr angebotenen Waren »ur nach sorgiältiger Prüfung abnehmen, die jeden Versuch, ihr logenannten Powel aufzuhängen, unschädlich machen ioll. Gegen die Meiderverteilung durch die ReichsbekleidungSstelle find in letzter Zeit manche Bedenken geäußert worden. Zu der B mängelung der Machart erklärt sie, daß von ihr gebotene Kleidung einfach sein müsse. Diese sei doch nicht nur für Berlin bestimmt, sondern auch für andere Bezirke, in denen man sich schlichter kleide. Es handle sich überhaupt um eine NotstandSaktion. Die ReichsbekleidungSstelle sei nicht dazu da, Daren so zu liefern, daß sie.reißend' Absatz finden. Sie müsse vielmehr Waren liesern, die dem Publikum— nicht gefallen. Bei der ReichsbekleidungS- stelle wurde das von einer leitenden Persönlichkeit in einer mit Preflevertretern veranstallelcn Besprechung ganz offen heraus- gesagt. Erfahrungen dieser Art seien mit Strümpfen gemacht worden, die man ungeiärbt gelaffen hatte, um nicht die Faser zu schädigen. Das Publikum habe die Strümpfe nicht abnehmen wollen, weil die graue Naturfarbe mißfiel. AI« Kommunalverbänd« sich bei der verteilenden ReuhSbekleidungstelle beschwerten, habe sie ihnen geantwortet:.Denn daS Publikum die Strümpfe nicht nimmt, so hat es sie noch nicht nötig.' Einige Kommunal- verbände hätten selber die Strümpfe färben laffen, und in kürzester Zeit feien sie dann ihren ganzen Vorrat losgeworden. Große Hoff- nungen fetzt die{ReichsbekleidungSstelle auf die Gewebe a u s Papierfasec. Die technische Aufgabe der Herstellung von Papiergeweben, die gewaschen und dabei gekocht werden können, sei jetzt vollkommen gelöst,, versicherte man uns bei der Reichs- bekleidungsstells. Die bisher aus Papier angefertigten Stoffe ver- wandeln sich schon bei einstündigem Kochen in Brei, die nach dem neuen Verfahren hergestellten aber vertrogen vielstündige» Kochen und werden dadurch nur geschmeidiger. Bei der Versorgung mit Arbeiterkleidung sollen künftig die Gewebe aus Textilfaser den Berufe» vorbehalten bleiben, in denen die Kleidung sehr abgenutzt wird oder wegen Arbeit im Freien warme Kleidung nötig ist. Die Berufe mit leichterer Arbeit sollen die Papiertleidung erhalten. Wir nehmen an, daß auch die Wohlhabenden künftig auf Papierkleidung angewiesen sein werden, soweit sie sich nicht mit gehamsterten Stoffen eingedeckt haben. Bon der festen Bevölkerungspolitik". Der.Berliner Lehrerverein', die Organisation der Gemeindeschullebrer Berlins, nahm Stellung zu einer Teilfrage der Bevölkenmgspolitik. Lehrer Menzel erörterte in einem Vortrag über. B e o m t e n b e f o l d u n g und Bevölkerung«- Politik' die besonderen Maßregeln, durch die man die Beamten zu fleißigerer Beteiligung an der Mehrung de« KinderiegenS anregen will. Gegenüber den Plänen, von diesem Gesichtspunkt aus die Beamten- und Lehrerbesoldung zu ändern und Familien- zulagen zw geben, stellte der Reseren; die Forderungen der Be- amten« und Lehrerschaft auf. Die beste Bevölkerungspolitik für sie sei eine gute Gehaltspolitik, darum müffe vor Einführung von Familienzulagen zunächst das Diensteinkommen aufgebesieri und mehr den wirtschaftlichen Bedürfniffen einer Familie angepaßt werden. Nötig sei ein höheres Grundgehalt, kürzere Zulagefristcu, stärkere Bemeffung der ersten LlterSzulagen. Erreichung des EndgehaltS bis zum 4 b. Lebensjahr, reichlichere Dienst- Wohnung bezw. höheres WohnungSgeld. Menzel verlangte auch gesetzliche Bestimmungen, wonach in bestimmten Zeitabschnitten immer wieder die Gehaltssätze den eingetretenen Lenderungen des Geldwertes und de« BolkswohlstandeS anzupassen find. Soweit eine wirksame Bevölkerungspolitik besondere Familienzulagen für kinderreiche und unbemittelte Familien deS ganzen Volkes erfordert, hält er auch für die Beamten- und Lehrerschaft die Ergänzung deS nach obigen Grundsätzen bemessenen Dienst- einkommenS durch solche Familienzulagen für gerechtfertigt. Im Sinne dieser Ausführungen legte er Leitsätze vor, die der Lehrer- verein einstimmig billigte. ktraukcuhausmäugel. Unier den ErnäbrungSschwierigkeiten leiden auch die Kranken der Heil- und Pflegeanstalten. Schlimm sind Lungenkranke daran, denen ja eine besonders gute Kost dienlich wäre. Ein Schreiben, da« von sieben Lunkenkranken unterichrieben ist, geht uns aus dem Friedrichshain-Krankenhau« zu. Sie bitten uns um Vcröffcntlickrnng eines.Notschreis', der in erster Linie den Mängeln ihrer Verpflegung gilt. Mancher Lungenleidende, der mit dein geringen und bei der fetzigen Teuerung vollends unzuläng- lichen Krankengeld sich in der Familie uicht hinreichend pflegen lann, setzt seine Hoffnung auf ein Krankenhaus. Aber hier harrl seiner' eine bittere Enttäuschung. Die Unterzeichner der Beschwerde aus dem Friedrichshain-Krankenhau« klagem daß man nur zu oft ihnen Kohlrüben. Kartoffelsuppe und ähnliche Gerichte auflischt. Auch dicke Stullen mit dünnem Ausstrich können Wohl nicht als eine besonders nahrhafte Kost für Lungenkranke gelten. Milch, die für sie ein Hauptnahrungsmiltel fein sollt«, wird ihnen nur in geringer Menge gegeben. Nein, so dürftig braucht daS Krankenbaus die LungeltieiSendeu wirklich nicht zu beköstigen. Getadelt wird ferner, daß mau mit Wäsche spart, mit Leibwäsche wie mit Bettwäsche. I« dem Pavillon Iiis, der Lungenkranke beherbergt, soll eS vorgekommen fein, daß die Bettwäsche eines Kranken s Wochen hindurch nicht ge- wechselt wurde. Daß diese mit den Regeln nicht nur der Gesund- heitSpflege, sondern auch der Sauberkeit schwer zu vereinende Unter- laffung unvermeidlich gewesen sei. können wir nicht glauben. Wie bei der Unzulänglichkeit der Beköstigung, so müffen wir auch hier annehmen, daß die Einschränkung weiter getrieben wird, als es nötig ist. Von den Klagen, die da« Schreiben enthält, haben wir nur eine Auswahl wiedergeben können. Die gerügten Mängel find um so bedenklicher und Abhilfe ist um so dringender zu wünschen, weil eS sich um Lungenkranke handelt. „Der Kaiserhof" bleibt Hotel. Nachdem der Berliner Magistrat der Gesellschaft ein größeres Darlehen zu günstigen Bedingungen gewährt hat, beschloß der AufsichtSral, von einem Berkauf abzusehen. Eine Viehzählung findet am 1. März im Deutschen Reiche statt. Sie erstreckt sich auf Pferde, Rindvieh. Schafe. Schweine, Ziegen und Federvieh»Gänse, Enten, Hühner). Auch die BerwendungSart der Pferde und die Zahl der Zuchteber und Zuchtsauen wird ertragt. Für das Königreich Preußen wird die Zählung wie bisher auch auf die Kaninchen sowie die Trut- und Perlhühner ausgedehnt. Die Zählung wird in Berlin durch vom Magistrat beauftragte Zähler vorgenommen. Die Ergebniffs dürfen nur zu amtlichen, statistlichen Arbeiten, jedoch nicht zu Steuerzwecken benutzt werden. lieber die den Viehbesitz des einzelnen betreffenden Nachrichten wird daS Amtsgeheimnis gewahrt.— Wer vorsätzlich eine An- zeige, zu der er aufgefordert wird, nicht erstattet oder wissentlich unrichtige oder unvollständige An« gaben macht, wird mit Gefängnis bis zu sechs Monaten oder mit G e l d st r a f e bi« zu 10 000 M. bestraft; auch kann Vieh. deffen Vorhandensein verschwiegen worden ist, im Urteil als für »dem Staate versallen' erklärt werd'n. Fahrplanändernnge». Wir machen auf die im Inseratenteil dieser Nummer mitgeteilten Fahrplanänderungen der Eisenbahn- direktionen Halle und Magdeburg aufmerksam. Kein Papier in den HaaSmüll! Nach einer Bekanntmachung des Oberkommandos ist es vom l. März an bei Straf« verboten. Papier, Pappe und Reste davon dem Hausmüll beizumengen. Tharkottenkmrg. Der Haushaltsplan 1918. Die Stadtverord nsienvers ammlung wird sich in ihrer nächsten Sitzung am Mittwoch mir dem Haushaltsplan für 1918 beschäftigen. Der Magistrai schlägt, lote schon mitgeteilt, darin die Erhöhung deS Einkommen- steuerzuschlagS auf IM Proz. vor. Der Voranschlag schließt in Einnahmen und Ausgaben mit 80 452 220 M. ab, wa» gegen 1017 ein Mehr von 0,7 Millionen Mark bedeutet. Auf die ordentliche Verwaltung entfallen 75,2 Millionen Mark, aus die auherordent- liche 11,2 Millionen Mark, infolge der starken Teuerung sind die Mehrzuschüsse für 1918 ziemlich hoch. Sie betragen gegen 1017 mehr: bei der allgemeinen Verwaltung 1,0 Millionen Mark, bei den höheren und Gemeindeschulen 158 000 M.. im Armenwesen 234 000 M., bei den Krankenanstalten 100 250 M., bei der Volks- gesundheitspflege 137 547 M., bei den sonstigen Gemeindeeinrich- tungen 190 872 M. Einen besonders hohen Mehrzuschuß gegen- über 1917 erfordert de: Anleihedienst mit 21� Millionen Mark bei einem Gesamtbetrag von 0,5 Millionen Mark. Auf der anderen Seite sind die Einnahmen der städtischen Werke stark zurückgegangen. Da« Elektrizitätsweck soll 885 000 M. weniger bringen als»m lau- senden Berwaltungsjahr, die städtischen Gaswerke sind mit 197 000 Mark weniger an Uebcrschüssen eingesetzt, auch das städtische Waffer- weck bringt weniger ein. Die Hauptursache hierfür ist in der stocken Kohlenteuerung zu suchen, die für die städtischen Wecke gegen 1017 allein ein Mehr von 3.7 Willionen Mark erfordert. Die Gemeindesteuern sollen zum Ausgleich des Fehlbetrags« mit einem Gesamtertrag von 27,4 Millionen Mack ein Mehr von 4,8 Millionen Mack gegen 1017 ergeben-, hiervon sind allein 4,4 Millro- nen Mar! auf die Rechnung der Einkommensteuer zu setzen. Charlottenburg. Ablieferung von Knochen. Der Magistrat hat eine Verordnung erlassen, wonach vom 4. März ab die auSge. kochten Knochen, die nicht mehr verwertet werden sollen, in den Haushaltungen und Speisebetrieben aufbewahrt und allwöchentlich an den Schlächter abgeliefert werde» müffen, bei dem der betref. sende Haushalt in die Kundenliste eingetragen ist oder der Betrieb auf Bezugschein Fleisch erhält. — Lebensmittel. Diese Woche gelangen zur Ausgabe: Fleisch 250 Gramm aus Abschnitt 0&— k der Reich« fleischlarte fKundenliste); Kartoffeln 0 Pfund auf Abschnitt 0 u— k der Kartoffelkarte(Kundenliste), 1 Pfund aus der eisernen Ration oder für diejenigen, die die eiserne Ration nicht erhalten haben. auf die beiden Abschnitte 2d der Sonderkartoffelkarte. Zucker % Pfund auf die Zuckerkarte vom 10. bis 28. Februar,% Pfund auf die Zuckerkarte vom 1. bis 15. März. Butter und Eier wie besonders bekannt gemacht.— Auf die Allgemeine Grotz-Ber liner Lebensmittelkarte mit Aufdruck Eharlottenburg: K u n st> Honig 250 Gramm aus Abschnitt 7 vom 28. Februar bi« 0. März zum Psundpreise von 73 Pf. für lose bzw. 75 Pf. für Paketwar«; Teigwaren 100 Gramm auf Abschnitt 0 vom 21. Februar bi« 2. Marz zum Pfundpreise von 60 Pf. für 2. Sorte bzw. 83 Pf. für 1. Sorte; Weizengrie-ß 100 Gramm auf Abschnitt 10 vom 28. Februar bis 0. März zum Pfundpreise von 32 Pf.— Aus die rote NahrungLmittelkam: Boranmeldung von Dörrgemüse, 200 Gr. aus Abschnitt 170 in der Zeit vom 25. bis 28. Februar.— Aus die HauShaltSbezugkarte: Kondensierte Milch(1 Büchse) oder sterilisiert« Milch(1 Flasche) auf Abschnitt Ii vom 21. Februar bi« 2. März je nach Vorrat, kleine Haushaltungen zweimal gestreift« Karten, bzw. kondensierte Malch(1 Büchse) oder sterilisiert« Milch (1 Flasche) je nach Vorrat, große Haushaltungen einmal gestreifte Karten; Magermilchpulver(100 Gramm).— Auf die Groß-Berltncr Rährmittelzusatzkarte für Jugendlich« mit Ausdruck Eharlottenburg: Jnlandsmarmelade% Pfund auf Abschnitt 8 zum Preise von 00 Pf. oder Sirup 1 Pfund zum Preise von 50 Pf. — Städtische Handelsschule für Mädchen. Junge Mädchen mit Volksschulbilduna, die sich dem kaufmännischen Beruf widmen wollen. werden am zweckmäßigsten in öffentlichen Handelsschulen vor- bereitet. Aufnahmefähig in diese sind Mädckccn mit guter(ab- geschlossener) Bolksschul- oder sonstiger mindestens gleichwertiger Bildung. Der erfolgreiche Besuch einer öffentlichen Handelsschule befreit vom Besuche der Pflichtfortbildungsschule. Privat- Handelsschulen gewähren diese Berechtigung nicht. Für die in Eharlottenburg wohnenden Mädchen kommt die städtische öffentliche Handelsschule für Mädchen in Betracht. Dauer des Schulganyes 1% Jahre, Schulgeld 80 M. jährlich. Anmeldungen nimmt die Direktorin der Mädchen-FortbildungS- und Fachschule Eharlottenburg, BiSmarckstr. 21/22, Montag und Freitag von 5 bis 6 Uhr nachmittags, entgegen. Spandau. Konscrvenvcrtauf. Vom 25. ab gelangen in der Verkaufsstelle 2 im Rathaus sowie in dem Laden Pichelsdorfer Straße 23 und in den Geschäften von Henning, Lhnarstr. 30, und Krebs, Seegesclder Sir. 35, folgende Konserven gegen Vorzeigung der Levensmittelkarten zum Verkauf: CarbonnadeZ FlamandeS zum Preise von 11,50 M. pro Dose, Boef a la mode zum Preise von 6 M. pro Dose. Bulgarenspeisc zum Preise von 2,55 M. pro Dose, Pilze in Tunke zum Preise von 2,25 M. pro Dose, Hühnerfleisch zum Preise von 10,50 M. pro Tose. SchSneberg. Lebeuöwittel. Es findet Voranmeldung statt bis zum 2«. Februar süc je Ve Pfund, also im ganzen 1 Pfund Marmelade auf Abschnitt 5 und S der Groß-Berliner Lebens- mittelkarte.— Ausgegeben werden in der nächsten Boche 100 Gr. Teigwaren auf Abschnitt 3 der Groß-Beckiner Lebensmittel- karte, ein Briefchen Süßstoff auf Abschnitt 05 der Schöneberger Rährmittelkarte: in den durch Anschlag kenntlich gemachten Ge- schäften ist Rübensauerlraut ohne Marken erhältlich.— Ferner findet eine Verteilung der F e t t st« l l e Groß-Berlin nach Maß- gab« der Aushänge in den betreffenden Geschäften für eingetragene Kunden statt. Bw zum 2. März ist eine Neueintragung in die Eier-Kundenliste zu bewirken. Wilmersdorf. Abgabe von Saurrkraut. In der nächsten Woche soll zirka V« Pfund Rübeniaueriraur auf den Kops der Bevölkerung zur Ausgabe gelangen. Der Verlauf ist den Kolonialwarenhändlern übertragen._ Neukölln. Lebensmittel. Es gibt in dieser Woche: Marmelade IM- Pfund auf Abschnitt 0 und 7 der allgemeinen Lebens- mittelkarte.— Fisch- u n o R ä u che r wa r e n: In den städti- scheu Fischhallen und Räucherwarengeschäftcn gelangt Klippfisch zum Preis« von 3 M. und gesalzene Stinte zum Preise dem 1,05 M. so Pfund zum Verkauf. Heringe werden sofort nach Eintreffen aus die einzelnen Geschäfte verteilt Der Verkauf auf Abschnött 02 der Warenbezugskarte wird sortgesetzt.— Auf Abschnitt 36 entfällt ein Ei._ Pankow. Lebensmittel. Diejenigen, welche auf den Bezugs- und OuittungSabschnitt 79 der Pankower Lebensmittelkarte Salz. Hering e noch nicht erhalten haben, können vom 25. Februar bis 2. März zirka 100 Gramm zum Preise von 25 Pf. im Raucher- Warengeschäft von Stechow, Breit: Straße 24. entnehmen. Auf Abschnitt 8 der gemeinsamen Lebensmittelkarte entfallen 100 Gr. Grieß zum Preise von 7 Pf. Die Anmeldung hat bis spätestens 27. Februar zu erfolgen. Die Ausgabe und der Verkauf der Ware wird noch besonders bekanntgegeben. Die War« muß spätestens innerhalb einer Woche nach anberaumtem Deckaufstermin von dem Kleinhändler abgeholt werden. Weißense«. Lebensmittel. In den Verkaufsstellen Pistorius- straße 24 und Eafeler Str. 2 können, vom 85. Februar bis 2 März entnommen werden: Sauergurken, Stück 23 Pf., Klipp- f i s ch(1 Pfund 2.70 M.). S t o ck f i s ch(1 Pfund 2ch0 M.),K ra ft- blutkonferven(1 Dose 1,55 M.) und Fischpudding(Dose 7,80 M.). Tüten, Taschen oder dergleichen sind mitzubringen. Lichtenber». Lebensmittel. In dieser Woche werden abgesehen, und zwar ohne Abtrennung von Marken: Frisches Gemüse, eingemachte Gurken. Stück 15 bis 20 Pf. In den städtischen Veckaufshallen Kronprinzen- und Maritstraße werden gegen Vorzeigung der Lichtenberger Lebens- mittelkarte bis zu 5 Pfund inländisches Rübensauerkraut zum Preise von 25 Pf. pro Pfund abgegeben.— Gegen Abtrennung von Marien: Auf Abschnitt 173 der Lichten. berger Lebensmittelkarte je% Pfund ausländische Zwiebeln zum Preise von 50 Pf. pro Pfund auf den Märkten und in den städtischen Verkauföhallen.— Gegen Voranmeldung auf Abschnitt 0 der gemeinsamen Lebensmittelkarte 100 Gramm Teigwaren ( Waffe rtvar«) zum Preise bor. 12 Pf. Abschnitt 0 J wird nicht beliefert. In den städtischen Fischhallen und bei den hiesigen Fisch- Händlern und Räuchenvarengeschäften werden abgegeben: Auf Ab- schnitt 183 L frifcheFIuß- undSeefischezu Tagespreisen, auf Abschnitt 164 E Räucherwaren. Für den Kauf von Fischen und Fischu'aren erfogt eine Voranmeldung in den Ge- schäften nicht. Für alle städtischen F'schhallen sowie für sämtliche Räuchertvarengcschäfte, welche städiischerseitS beliefert werden, ist der Verkauf von Raucherwaren wie folgt geregelt: vom 25. bis 27. Februar werden die mit rotem, vom 28. Februar bis 2. März die mit gelbem, vom 4. bi« 6. März die mft blauem, vom 7. bis O. März die mit grünem Aufdruck versehenen Lebensmittelkarten abgefertigt. Die Bezugsabschnitte sind in den KleinhandelSgeschäf- ten bis zum Mittwoch, den 27. Februar abends 7 Uhr abzuliefern. -«v— Meinickeudo es. Lebensmittel. Vom 1. März ab wird in den amtlich«! Bertaufsstellen gegen Abstempelung der Milchkarten Keks und Zwieback zu oen auf den Paketen aufgedruckten Preisen abgegeben. Auf Milchtarte I(Kinder biS zu 2 Jahren) wird 1 Paket KekS und 1 Paket Zwieback ausgegeben. Auf Milch- karte II(Kinder bi« zu 4 Jahren) l Paket Zwieback. Wer die Waren bis zum 8. März nicht abgeholt bat, verliert daS Anrecht hierauf.— Anträge auf Zuweisung von Zusatzzuckeckarten sind vom 26. d. M. an gegen Vorlegung der Geburtsurkunde oder eine« sonstigen Nachweise«, aus tvelchen fich der Geburtstag de« Kindes zioeifclöfrei ergibt, an die zuständige Brotkommission zu richten. Die Frist zur Abholung des ZucverS auf diese Zusatz- karten für die Zeit vom 1. bis 28. Februar wird bis 5. März ver- kängert._ Groß-Serliner Partemachrichten. FrederSdorf-PeterShagen. Mittwoch, den 27., abends Punkt 8 Uhr, bei Heuer in PeterShagen: Sonder-BezirkSabend. Sehr wichtige Tagesordnung. Elscheinen aller Ritglieder Pflicht! Der Vorstand.___ Gerichtszeitung. „Wilde Ehen." Da« OberwaltungSgericht hatte sich mit einem eigenartigen Rechtsstreit zu beschäftigen, welchen Bdr Post- iekretär a. D. K. und«ine Frau M. au« Frankfurt a. M. gegen den Polizeipräsidenten von Frankfurt a. M. wegen Aufhebung einer polizeilichen Verfügung erhoben hatte. Der Polizeipräsident hatte den erwähnten Personen unter Strafandrohung ausgegeben, ge- Irennte Wohnungen zu beziehen. Nach erfolgloser Beschwerde er- hoben K. und Frau M. Klage und stellten in Abrede, in wilder Ehe zu leben, wie angenommen werde. Während der Bezirks- auSjchuß die Klage als rmznläisig abwies, hob das ObervsrwaltungS- gericht die Voremscheidsing auf, wies die Sache zur erneuten Per- bandlung und Entscheidung au den Bezirksausschuß zurück und führte u. a. au«, die wilde Ehe sei nach ReickiSrecht nicht strafbar; auch in Preußen sei sie straflos; doch feien die OrtSpolizeibehördeu befugt, das eheähnliche Zusammenleben unverheirateter Personen zu trennen, wenn daS Zusammenleben öffentliche« AergerniS errege. Die Trennung sei zu erzwingen durch polizeiliche Verfügung, die sich aber nicht gegen jeden Verlehr der beideir Personen, sondern nur gegen ihr Zusammenleben richten dürfe._ Mus aller Mekt. Eine falsche SensativitSnochrlcht. Nach Kopenhagener Meldungen tollte am Mittwoch ein großer englischer HandelSgeleitziig auf der Reise nach Norwegen von einer schweren Katastroph: betroffen worden sein. Ein dänischer, ei» engltscher und zwei schwedische Dampter— so hieß e»— seien tzn Sturm untergegangen und von den LS Schiffen de« Zuges nur 8 in Berken eingetroffen. Tatiäch- lich ist von dem ganzen Geleitzuge nur eis englischer Dampfer in- folge Verschiebung der Ladung untergegangen. Siebe« Bauarbeiter todlich verunglückt. In Tratteudorf beim Spremberg stürzten sieben Arbeiter, die an einem Schornstein- bau beschäftigt waren, infolge GaLstbiuchL ab, und blieben auf der Stelle tot. Der Rote-Kreuz-Dampfer Florlzel, auf der Fahrt von St. JohnS (Neufundland) nach New Jork, ist in der Nähe von Top Race gescheitert. Die 40 Fahrgäste und 60 Mann Besatzung sind sämtlich umgekommen. Srlefkasten der Redaktion. 8.& 36. Die Erhohmig uon 82)?. monallich erhallen nui UnjaD. renwer, die über öS'/, Prozent der Unsallrente beziehen. 1 1• b IsahmiHlltC ifnnTBFt hei freiem Eintritt. Wochentagen niMlllllUllJü BUUiCri u. votler DrchesterbeseUuns. Zirkus A. Schumann. Bhf. Friedrichstr. Anf. VI,( Letzte Saison in Berlin, j Nur noch kurze Zeit Das große Sportprogramn-i! besond. hervorzuheben I der Araber Mnlay Saydj mit seinen 10 Kamelen! Wi Radehnra i exotischer Dressurakt, I 3 Geschw. Pioetz-Larella, j akrob. Handtänzerinn. Mexiko. Kaffee Luitpold Motzstr. 15. Solisten- Kapelle. KapeHmeioter Csyroky. Eintritt frei. Speisen und Getränke in unerreichter Qualität Admiralspaiast 7'/, Uhr: Deutsche Tilnse von Schubert. Abrakadabra. Voigt-Theater. Badstr 53. Baostr. 56. Täglich TV» Uhr: Sonnabend, den 2. März: Benefiz sür Fr. Rühle: Verlorene Bhre. Tägl. V'/j. Sonnt. S'l, n. VI, Neu! Hartsteins beste Posse Der scliilne Wilhelm Neue Borl. Revue- Bilder usw. Schluß dos Hartstein- Gastspiels am 28. Febr. T wir Hu siaii- «nfällen u. starker VerschFl- 'mong findet wirkBam« HUIe durch Reichet* echte rABthniatre|>teu, berühmt durch ihre Wlrknug. üSjährig» glänzende Erlolga M. 3.75- Otto Re!chelt Berlin 43 SO, EiscnvannstraSe 4. Unyüotiate Erwerbs- MBglichbeUen Wetct die nächste Zukunft. Eine tief greifende Änderung unseres gesamten Wirtschaftslebens, ein gewaltiger Aufschwung unserer Industrie n. des Handels steht bevor, und es werden überall geschufie Kräfte gesucht »ein. Angehörige technischer Beruf« a. Handwerker sollen nicht versäumen Ihre Kenntnisse und Fertigkeilen dw korr raendee Zeit«xznpassen, um teilzunehmen an den wirtschaftlichen Er folge«, die haturgemäfi das Ergebnis des gewaltigen Ringens sein müasen Das beste Mittel, rasch und gründlich oliac Lehrer, durch einfachen Selb« nnterrlcht eine gründliche Ausbildung in technischen Wissenschaften an er werben, sind die technischen Leidet unterrichtswerke„SysUKarnack Mflchleid". 80 S» stark» Bro schüre kostenlos. Bonness 4 Hocbfeld, Potido» ____ PoWiacU 167__ i nochenmühlen, I Gewürzmühlen. Dünger» mühlen, Haushaltmühion, mit und olme Schwungrad, Vfandmiihlon,« affsomühl, alle grob u. sein mablend, verstellbar. Preist, m. Ab, ! bild. ums. Sof.ileserb.,oerl. � 81 n,o». Perlin VutbuserStr.6, Il.stockw. Halle(Saale), d. 23. g-ebr. 1918. Känigl. Eisenbahndirettion. 33. B 4. ÄtiWitliHwea. Von Areitag, den 1. März d. IS. ab sallen solgende Züge bis ans weileres auS: 3 zwischen Franksurt(Main) und Halle(an 7.23 abends). 8 zwischen Halle(ab 7.33 abdS.) und Eilenach. D 203 Franksurt(Main)— Halle (ab 5.57 morgens)— Berlin (an 8.36). D 206 Leipzig(ab 10.37 abdS.) -WeißenfelS(ab 11,28 abdS.) — Frontfurt(Main). D 238 Berlin(ab 7.03)—Halle (ab 9.50)— Frankfurt(Main). D 241 Franksurt(Main)— WeißenielS(ab 3.54)— Leipzig (an 4.45). Halle(Saale), im Februar 1918 Königl. fsiirnbahndirekfion. Züiie»iWii»liiMii. Vorübergehend fallen foigende Züge ans oom 26. d. MlS. ab: Vorzug D 9 Köln(ab 10.13 abds)— Braunichweig Hbf. (ab 5.20 morgenS)— Mage- bürg Hbf.(ab 6 56)— Berlin Potsd. Bs.(an 9.1S). Vorzug D 10 Berlni Potsd. Bs. (ab 8.47 abdS.)— Magdeburg Hbf.(ab 11.09 abdS.— Braun- schweig Hbs.(ab 1.00) nachts)— Köln(au 8.17) nnd vom 1. Marz d. I. ab: D 35 Dü'seldorj(ab 8.52 abds.) — Goslar(ab 4.55 morgens) — Halberstadt(ab 6.10)— Magdeburg Hbf.(ab 7.22)— Berlin PotSd. Bs.(an SSI) D 36 Berlin Potsd. Bs.(ab 9.07 abds.)— Magdeburg Hbs. (ab 11.42 abdS.)— Halb«, stadt(ab 1.00 abdS.)— GoSwr (ab 2.07 nachts)— Düsseldorf (an 9.30). Ferner sallen vom 1. März d. I. die Eilzüge: 33 Düsseldorf(ab 9.32)— Kreiensen(ad 4.33)— Magdeburg Hbs.(ab 7.26 abdS.)— Berlin PotSd. Bf.(an 10.07 abdS.) 34 Beritn Polsd. Bs.(ab 8.20) — Magdeburg Hbs.(ab 10.59) — Kreiensen(ab 2.06)— Düsseldorf(an 9.12 abds.» zwischen Düsseldorf und Kreiensen Magdeburg, den 24. Febr. ISIS. Königliche Eisenbahndireltion. RnochenmQhleD, Gewürzmühlen, Düngermühlen, Haushaltmühlen mit und ohne. Schwungrad. Waudmühlen, Kasseemühlen, alle grob nnd sein mahlenb, verNellbar. Preis- liste mit Abbildung umsonst. Sosort lieserbar. Verlaust Otiff, Berlin O. Manteuffelstr. 25, 1. Stockwerk. Nähe Schief, u. Görlitzer Bahnh. Wegen Todesfall verkaufe GsattS. mit Material- «\jaMv Warengeschäft. Schulze. Buch. Molikestr. 4 MWl MlMiM-LllKM. Verwaltungsstelle Verlin. X 34, Lintenstrafte 83—11». Gelchästszeil von 9— 1 Uhr und von 4—7 Uhr. Telephon: Amt Norden 185, 1239, 1937, 9714. Douacrataic, deu 88. Februar, abends 8 Uhr, In dem Lokal von KIcneut, Sophlenstrafio 6: Branchenversammlung Oer EleWimlMe nnd helfet StoS-Bctlins. Tagesordnung: 1. Vortrag. 2. Diskussion. 3. Branchenangelegen beiten. 4. Verbandsangelegenheiten. 5. Bericht über die Antwort der JnstallationSfirmen. Wegen der überaus wichtigen Tagesordnung ist zahlreiches und pünktliches Erscheinen sämtlich« Kollegen unbedingt erforderlich. Donner» tax, den 88. Februar, abend» 8 Uhr, In Heinrich» Fe«t»ttlen, Gr. Frankfurter Str.SO: Branchenversammlung flllet in öeafileiiipneteleü befüioillsien Soäegea gaö buüeglniieii. Tagesordnung: 1. Die fetzigen Nrbeltsverhälinisfe in unser« Branche. 2. Diskussion. 3. VerbandSangrtcgenheiten. DI« Kolleginnen nnd Kollegen werden dringend ersucht, in dieser Versammlung pünktlich und vollzählig zu«scheineu. ------------- Mitgliedsbuch legitimiert! 1 132/10 Die Ortsvcrwaltnns. 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Sie reichen bin, um diesen Menschen in seinem Wesent- lichen zu erfaffen: ein Demütiger, der unter dem furchtbaren Erlebnis deS Daseins zusammenbricht und doch ein Himmelsstürnier, einer, der in Tränen erstickt lind doch ein Tanzender ist, ein Psalmenstngender. ein ewig Schöpferischer. Ganz Leidenschaft, ganz Lirand, Gewitter und Vulkan. Der Raum, an deffen Wänden seine Bilder hängen, scheint zu explodieren. Diese Bilder stürzen sich auf unS und werfen uns um. Sie stalten, so wie Meidner das erhofft, was er von ihnen erwartet: sie vermitteln mcht nur ein wenig, nein viel, sehr viel von der Kraft, die er, als er sie sich aus der Seele rih. in sie'hineinstampfte. Sie iind voll rasender Gebärde, alles in ihnen ist Schrei nach Erlösung, ist Angst. Sehnsucht und Triumph. Es find da Landschaften, die aus den Tiefen der Erde hervorbrechen, die von berstenden Ab- gründen verschlungen werden. Der Tod ist in diesen Landschaften, Berge stürzen. Bäume brennen, Menschen hetzen, von Schrecken ge- peitscht. Es find da Siratzen und Plätze der grotzen Stadt: die Häuser wanken, als würden sie von rächenden Fäusten geschüttelt, Dächer fahren auf. das ganze wüste Leben wich einer Grotzstadt- stratze schlägt wie ein Wirbelwind aus der Leinwand heraus. Die grauenvollen Schatten des Todes steigen aus den Winkeln der Gaffen tind all das Ekelhafte» was dem Tode vorangeht, das Erbrechen der Cholcrakranken, da« sinnlose Gebrüll der Verfolgten, das Wahn- gestammel der Hilflosen. Dann sind da Bildnisse, Bildniffe von Menschen, die mit Be- wuhtsein leben, die selbst dort, wo das Tierische geschieht, pro- phetisch glühen. Menschen mit grotzen, die Welt einfangenden Augen, mit Augen, aus denen Erschütterung stürzt, alles verstehende Mitleid und kindliche Andacht. Menschen der Revolution, die ein neues Land sehen, von dem sie aber wissen, datz sie es nie erreichen werden. Dichter, Phantasten. Umpflüger. leer ausgehende Ernte- driuger. Auch über diese Menschenmalerei und das. was ihn dabei treibt, hat Meidner Erschöpfendes gesagt, in einem Kriegstagebuch, voir dem einige Seiten in dem Febriiarheft der Zeitschrift.Das Kunstblatt' veröffentlicht sind:.Sich eingraben in die zer- löckerte Mondlandschaft einer männlichen Physiognontie. Man gewahrt bald den Grund einer Seele und erschrickt vor so viel Bösem, Lasterhaftem und Gewaltsamem. Dennoch freut sich die Feder, denn das Böse ist pittoresk, und olle fiebernde, krächzende Unruhe eines Antlitzes, alle Ornamentik zerpockier Backen stillt einen unbekannten dämonischen Drang in mir'. Ist das mln Malerei? Meidner selbst gesteht, datz seine Ar- beiten ein edles, vollkommenes Handwerk noch vermissen lassen: »Ihr mögt,' so sagt er,.es verzeihen, ich mutz noch würgend mit zähen Farben ringen, dir den unbehenden Fingern nicht gehorchen ivollen. Ich möchte immer nieinen Strichen, die ich zehmnal weg- wische, ehe sie richtig sitzen, ein letztes, verzweifeltes Lebewohl zu- rufen.' ES ist schon Malerei, Malerei, wie sie die ersten Christen, vom Blutdunst ihrer Leiden umwittert, dem Dunkel der Katakomben anvertrauten. Malerei, die in jedem Strich Bekennlnis und Mission ist. Jeder Konventionelle wird sich abweiidell: der Unverdorbene aber, der Naive, das Kind im Manne wird es miterleben, wie hier aus farbigem Stoff, aus reiner Farbe, ans tiefer Nacht und jäh bervorstotzendem Licht eine eigene Welr erschaffen ist. Es ist die Malerei eines geistigen Raubliers, es ist die Malerei eines Gütigen, der sein Volt segnen möchte. Das Menschliche ist in dieier Malerei durchaus das Entscheidende, und so konnte es kommen, datz dieser_ Maler, dem nicht das Kleinste zu gering ist, um es zu gestalten, still zur Seile trat, als ihm ein Er- lebnis begegnete, das den Bielen und Vielzuvielen Stoff für billige Illustrationen lieferte, das dielen von Liebe und Welrnnn ganz Erfüllten ratlos machte�:»Der Stift fiel mir aus den Fingern. Des Zeichnens bin ich müde, denn die Berge der Leichen um mich nehmen mir das letzte, frohe Atmen. Ter«ommer wird seine Posounen blasen. Er wird klappern wie die Aasgeier. Er wird krächzen wie die alten Mühlen.... Jetzt ist es an der Zeit, unter die Menschen zu gehen. Jetzt mutztest du deine Pflicht lassen und unerlarnu unter die Menschen geben. Denk nicht mehr an dich. Latz den Pinsel den Leichten und Gewiffenlosen. Das Elend der Menschen umschreit dein Herz. Hilf ihnen wieder zu Göll zu kommen. Hilf ihnen, datz sie wieder beten können.' U. Br. Die Men. Esten und Letten werden als bis Stammesbevölkerung des Baltenlandes in der Regel zusammen genannt, aber diese beiden Völker sind in Wirklichkeit so sehr von einander verschieden, datz man sie beinahe als Gegensätze bezeichnen kann. Dem weiblichen, leicht erregbaren, lyrisch veranlagten Naturell deS Letten, der zu jähen, leidenschaftlichen Entschiüffen neigt, steht der Este als der männlich, festere, kernigen Typus gegenüber. Als die Deutschen das Land unterwarfen, da wurde ibnen die Unterjochung der Letten im ganzen nicht schwer, während die Kämpfe, mit den Esten ungemein lange dauerten und sehr blutig waren. Ja selbst, als die Eroberung schon längst vollendet warf erhoden sich die Esten in immer neuen Ausständen, um ihre alte Freiheit wiederzugewinnen und wenn die deutschen Herren den Letten als Feigling und Weichling verachteten, so fürchteten sie den tapferen Esten. Zur Zelt ihrei« Freiheit zählten die Esten zu den tüchtigsten Seesahrervölkern der Ostsee und noch jetzt stehen sie als lschiffer, Matrosen und Fischer auf einer hohen Stufe. Bekanntlich sind sie auch ethnographisch von den Letten durchaus verschieden. Während diese der indogermanisckien Völkergruppe angehören, zählen die Esten zum sinnisch-ugrischen Völkeistamme: ihre nächsten Verwandten sind die Finnen. Ihrer körperlichen Erscheinung nach sind sie in der Regel untersetzt und von minlerer Grötze; ihr Haupthaar ist zu- meist flachs- oder goldgelb. Doch finden sich unter den Este» auch sehr stattliche Gestalten, die eher an den gernianischen Typus erinnern: besonders ist das in den LandeSteilen der Fall, wo die estnische Bevölkerung, wie z. B. aus den Inseln des Rigaiichen Meerbusens, durch die Einwanderung mit schwebischem Blute durch- setzt worden ist. Was den Charakter des Esten anlangt, so ist es nur allmählich gelungen. Klarheit über ihn zu gewinncii. Solange er im Zustande der Leibergenschair lebte, versteckte er sich vor den Herren, die er batzle, und diese ihrerseits nahmen lein Jntereffe an dem estnischen Knechtsvolke. DaS hat sich im 19. Jahihundert von Grund aus ge- ändert. Es bleibt ein Verdienst der vielverlänerten deutschen Ba- rone, datz sie bereits im Anfange des 19. Jahrhunderts, und zwar aus eigenem freien Antriebe, den estnischen Bauern die persönliche Freiheit gaben. In der zweiten Hälfte des Jahrhunderts haben sie sodann den anderen grotzen Schritt getan, datz sie die Landaufr-ilung durchfühlten und so die estnischen Gesindcwirte zu freien Bauern ans freiem Lande machlen. Schon vorher halten die Denischen für das Voltslum und die Ueberlieserungen der Esten Interesse gefatzt; sie halten ihre Sprache, ihre Volksdichtung, ihre Gebräuche ersoricht; Männer, wie Roienpläntner, Knüpffer und Heller sowie Dr. Fähl- mann, haben auf diesem Gebiete als Bahnbrecher gewirkt. Der Este ist in seinem Austreten ernst, ja selbst rauh. Ge- schmeidigkeil geht ihm ab. Aber er ist im allgemernen durchaus ehrlich; man kann auf dem Lande die Schlüffel stecken laffen, ohne datz irgendetwas fortkommt. Damit vereint sich die allgemeine Zu- verlSisigteil deS Esten. WaS er versprochen hat, wird er halten; und was er unternimmt, leistet er gewissenhaft. Es ist im ganzen ein nüchternes Volk mit einem gesunden WtrklichkeilSsiiine, das sich nicht von Gefübiswallungen oder Phantastereien hinreitzen und be- rauschen lätzt. Man kann mit diesem Volke handeln und verhandeln, man tan» mil ihm leben und arbeiten. Hinter der rauhen Schale aber birgt sich beiin Esten ein zarter Kern. Es liegt viel Innigkeit und Sinnigkeit in ihm. Zart geht er mit Kindern um. Auch Leidende, Schwächliche und ältere Per- sonen behandeln sie mit vieler Zanheit. Das schönste Zeugnis aber für die feineren Seelenkräfre, die im Esten lebendig sind, bildet ihre Dichtung. Die eslustche Sprache ist reich an Wohllaut und ihre Ausdrücke voller Bildlraft. Der Este spricht überhaupt gern in Bildern, und selbst dem Stile der estbnischen Zeitungen kann man das abmerkeil. In dieser schonen Sprache hat sich nun ein ganzer Schatz von Volksdichtungen erhallen, die im Gegensatz zu der Lyril der Letten einen mehr epischen Zug ausweisen. Auch tlingen in der estnischen Volksdichtung noch Erinnerungen an die ferne Zeit der Freiheit und des Kamp'es na». Zumeist aber ist eS die Natur, das Landleben und die Liebe, die den Stoff zu den estnischen Liedern liesern; schwermülig ist ihr Grundton, und es lebt darin eine solche Zartheil der Empfindung, etiie io schone Anschaulichkeit der Sprache und eine solche natürliche Anmut der Motive, datz man das Volk daraus wohl lieb g-winiien mutz. Ein Pröbchen dieser Golksdi-brnng mag zum Beschlüsse hier Platz sindeu: Singe, finge, Du mein Mündlein. Zwilschre Du, mein Vogelzünglein. Lieb' und lodre, Sinn, mein Beerlein, Wall' in Wonne, Du mein Herzlein! Schweigen wirst Du schon einst müssen, Wenn Du unter schwarzer Erde Weilest zwischen weitzen Brettern, In des schönen Schreines Mitten. Der»verbrauchte' Krieg. In welchem Matzstabe, allen chauvinistischen Stimmungsartikeln zum Trotz, der Durchschnitt der sranzösischen Bevölkerung des Krieges überdrüssig ist, lätzt sich mit einer bisher noch niemals auS- gesprochenen Deutlichkeit einem der letzten Leitartikel des.Oeuvre" entnehmen: Ein Schriftsteller überbringt einem Verleger ein neues Manuskript.»Hier bringe ich Ihnen mein letztes Werk.'.Ein Roman?'.Ja.'.Und wovon handelt er?'.Vom Kriege natür- lich. Ich zeige, wie unsere heldenhaften Poilus...'.O, nein, nein, nur keinen KriegZroman. Das ist eine überwundene Mode. Der Krieg ist erledigt!'.Erledigt?'.Literarisch, jawohl. Der Krieg ist erledigt, vollkommen.verbraucht! Haben Sie keine lustige Arbeit? Vielleicht aus der Theaterwelt? Etwas leicht Frivoles? Das ist'S, was jetzt wieder zieht. Der Krieg aber ver- kauft sich längst nicht mehr!' Ein Dramatiker sucht mit seinem Manuskript einen Theaterdireklor auf..Meii< jüngstes Werk,' lagt er..Eine Komödie?'»Nein, ein Drama.'.Worüber?".Neber den Krieg. Die Heldin ist eine sener bewundernswerten, ans- oviernden Fronzöstnnen...'„Oh, nein, nein, kein Kriegsstück. Der Krieg? Was ist das? Der Krieg ist verbraucht, vollkommen verbraucht, mein Lieber! Das Publikum hat Eure herrlichen auf- opsernngsvollen Frauen und Eure heldenhaften PoilnS jatl. Bringen Sie mir etwas Leichtes, mit jungen Damen in ausgeschnittenen Kleidern.' In den Gast- und Kaffeehäusern sitzen die Leute auch heute noch in angeregtem Gespräch Aber worüber unterhalten sie sich? Von Bolo. von Caillaux, von dem Benzmmangel, von Gaby Deslhs, von Blinddarmoperationen. von Nizza. Aber der Krieg? Wer spricht noch vom Krieg? Ist der Krieg also wirklich verbraucht? Es scheint tatsächlich der Fall zu sein. Wir leben nicht mehr in der Atmosphäre der Zeit vor dem Kriege und noch nicht in der Stimmung de« künftigen Friedens. Wir leben im heutigen Frankreich in einer Uebergangszeit, die durch den vollkommenen Verbrauch der Nerven und der Be- geisterungsfähigkeit, durch eine seelische Erschösisung gekennzeichnet. ist. Nur in der Welt der Kriegsgewinstler ist der Krieg noch immer ein unerschöpfliches Thema, noch inrmer eine unverbrauchte Angelegenheit. Früher war der Krieg für uns alle eine heroische Tragödie, heute ist er etwas Körperlöses, selbst mit Gedanken nicht FatziicheS, ein Wahnsinn, ein Traumgebilde, ein Nebel. Und wie lastet er endlos über unserem Leben. Vor kurzem begegnete ich einem unserer berühmtesten Militärkritiker. Dieser Mann, so dachte ich, würde wenigstens etwa« Interessantes über den Krieg zu sagen haben..Was denken Sie von der wetteren Entwicklung des Krieges?' fragte ich ihn..Ach,' erwiderte er mit einer Bewegung der Er- schöpfung,.lassen Sie mich blotz mit dem Krieg in Ruhe!' ' Notizen. — Vorträge. Am 27. Februar spicht im Klindworth- Schärwenka-Saal der Direktor der Bremer Kunsthalle, Dr. Wald- mann/ über Impressionismus und Expressionisnlus. — Am 27. Februar behandelt Prof. M. Hartmann die Probleme des Islams in der Deutschen Gesellschaft für Jslamlunde (Dessancr Str. lt, Hof I). Gäste willkommen. — Im Zentrakinstitlit für Erziehung und Unterricht(Potsdamer Str. 126) spricht am Mittwoch. 8 Uhr, Pro'. M c i n e ck e über„die Bedeutung des Geschichtsunterrichts für- die Entwicklinig der Eiiizelpersönlichkett'. — DeS Malers Triibner Nachlast, aus etwa hundert seiner eigenen und fünfzig Bildern von Leibl und Genossen sowie einer Reih« aller Meister bestehend, wird in Berlin versteigert werden. — Ein Verein zur Bekänipfung der Geschlechts- krankheiten Ivurde in B e r n für die Schweiz gebildet. Bor- sitzender ist Professor Bloch« Zürich. Als Kollektivmitglied ist dem Berein das Schweizer Rote Kreuz beigetreten. — Der Stall. Im.Simplicissimus' lesen wir: Kürzlich wird eine unserer Jagdstaffeln in einem Dorfe einquartiert. Für die Mannichaiten wird in einem grötzeren Bauerngehöfl der leer- stehende Stall als Ouartier eingerichtet. Am nächsten Morgen kommt zufällig der Stabsveterinär eines Kavallerie-RegimentS vor- bei, besteht sich das neue Mannschastsquarlter und bricht entrüstet in die Worte aus:«Wirklich ein Jammer— so ein wunderbarer Stall wird für Mannschaflen hergenommen!' 49] Tochter öer hekuba. Ei» Roman aus unserer Zeit von Clara Viebig. »Schon fünfundzwanzig V Aber, na, jung ist das doch auch noch. Es wäre so nett, wenn wir uns öfter sähen." Und von einem plötzlichen Impuls getrieben, langte Annemarie über den Zaun und zog init beiden Armen die andere . näher zu sich heran.„Soll ich herüber klettern zu Ihnen?" Sie machte schon Anstalt dazu, aber dann besann sie sich: „Nein, das darf ich ja nicht mehr." Sie lachte und errötete stolz:„Ich mutz jetzt Rücksicht nehmen." Mit einem Gefühl, das nicht ganz frei von einem schmerz- lichen Neid war, dachte Lili an diese erste Unterredung mit der jungen Frau von Rudolf Vcttholdi zurück. Die war ein glücklicher Mensch! Lon Tausenden vielleicht der einzig Glückliche— wenigstens von Frauen gewiß die einzige jetzt. Die Männer fanden schon elier ein Glück, es lag für sie sogar eines in dieser Zeit. War ihr Mann denn nicht glücklich gewesen in seinen Kämpfen? In seinem Tod? Und war Heinz nicht glücklich auf feinen Flügen? Es wqr nichts Auffälliges dabei, datz Lili die junge Frau nach dem Schwager gefragt hatte; die ivutzte ja, datz sie mit Leutnant Bcrtholdi öfter zusammen gewesen war. Aber sie merkte bald, Anncinarie hatte keine Ahnung davon, wie nahe sie dem älteren Bruder gestanden hatte. Uin so eher hatte sie fragen dürfen:„Wie geht es dem Bruder Ihres Herrn Gemahls— auch gut?" „Der ist Flieger geworden— warum wundert Sie das so?" Lili hatte einen Ausruf nicht unterdrücken können. Ein „Ach!" war ihr entfahren, sie war sehr bleich geworden, der zarte Anhauch ihrer Wangen gänzlich verschwunden. Mit Mühe nur hielt sie an sich, sie durfte ja nicht zeigen, wie sehr sie das erregte. Nun erjl mutzte sie doppelt in Sorge um ihn sein, in doppelt berechtigter Sorge. Flieger, Flieger! Was hatte ihn dazu getrieben? Sie vielleicht? Um Gottes willen: sie? l Es war eine Nacht voller Qual, die Lili hiernach ver- brachte. War sie nicht eine Törin, datz sie ihn so hatte gehen lassen, so?! Hätte sie ihm nicht doch sagen können, sagen dürfen:.Geh jetzt. Aber wenn du wiederkommst, bin ich dem/ Hatte der Tote denn alles Recht, der Lebende keines,? Sie wußte viel von Flicgererfolge?! und konnte sich wohl denken, datz die Herrschaft in der Lust einen jungen kühnen Menschen reizt. Aber nein, er h ätte es doch nicht tun dürfen. Wußte er denn nicht, datz sie nun hier in Aengsten die Hände so fest ineinander wand, datz die Gelenke knackten? Sie konnte keinen Schlaf finden, keine Minute— ach, sie würde nie mehr ruhig schlafen können! Mit brennenden, trockenen Augen sah sie hinüber zum Bild ihres Mannes an der Wand. Angst hatte sie auch um ihn gehabt, halte Angst kennen gelernt, wie alle Frauelt sie kennen, die ihre Männer draußen haben; aber jetzt war noch etwas anderes bei ihrer Angst. Es empörte sich etwas in ihr gegen sie selber. Warum war sie so abweisend gewesen, hatte sich so kühl gezeigt? Hatte sich in die Tugend der un- wandelbar treuen Witwe gehüllt, von der ihr Herz, doch schon nichts mehr wußte. Warum, warum sich immer selber be- lügen? Warum so wohlerzogen sein, so in den Formeil der Welt befangen, daß man nicht offen zu sagen wagt;„Ja, ich bili dein, da, nimm mich!" In einer leidenschaftlichen Unrast bäumte die blonde Frau sich auf in den Kissen. Wenn er nun stürzte, wenn er. durch die Abwehr des Feindes getroffen, oder durch die Tücke des Elements bezwungen, sich zu Tode verletzte? Sie, sie allein war verantwortlich! Sie ächzte laut. Die peinvolle Einsamkeit der Nachr malw ihr die Schrecknisse nur noch schreckenövoller aus. Und dann zürnte sie auch wieder ihm. Mehr hatte sie doch nicht zeigen können, als sie ihm gezeigt hatte.»Ich kann nicht zum zweitenmal all die Qual und Angst des Martens durchmachen/ so hatte sie zu jhm gesprochen— hatte er das denn nicht gehört? Gehört; aber tischt verstanden. So spricht doch keine Frau zu einem, der ihr gleichgültig ist. Wie hatte er nur von ihr gehen kömieii im Trotz, im Zorn, in einer so knabenhaften Verletztheit, datz er es jetzt darauf anlegte, sein Leben zu verlieren? Sie stiegen alle nicht ungestraf/ aus Zur Sonne, die Helden der Luft. Im einsamen Dunkel, daS ihr Bett umgab, sah Lili plötzlich sein so liebes, so junges Gesicht, und schwere Tränen fingen an ihr langsam über die Wangen zu sickern..Kommerz Sie wieder!' Sle hatte im letzten Augenblick des Scheidens nicht hindern können, datz ihr das über die Lippen geschlüpft war; aber sie hatte es geflüstert, so leise, datz es unhörbar blieb. Jetzt, in der Angst um den, der sich, einem Bogel gleich, hoch in die Lüfte hob, unbekümmert um daS, was er hier unten ließ, streckte sie ihre Hände bittend aus und rief mit der ganzen Hingabe des Weibes, das weiß, was Liebe ist:„Komm wieder I" ** Die Tage waren jetzt schon viel länger. Für Glückliche »tag es schön sein, wenn die Nächte lange dunkeln, für die, so einsani sind und bleiben, ist es Erlösung, wenn der Abend spät konimt und der Morgen früh. Und überall begann es sich grünend zu regen. Schon zeigten die Büsche in den Gärten Blättchcn, und die Krokus auf den Rasenplätzen waren so farbenbunt, als wäre es niemals Winter gewesen. Lili hörte eine Amsel singen drüben im Bertholdischeir Garten, und eine andere, zwischen den Krügerschen Buchsbaum- radatlcn, antwortete. Als sie zum erstenmal diesen Lenz- gesang vernahm, hob sich etwas in ihr. War es Hoffnung, >vas da ausstieg? Befreiung? Sie hatte nie einen Brief von ihni erhalten, aber sie wuMe. gestern hatte seine Mutter Naichrcht von ihm bekommen. Er lebte! Das mutzte ihr für jetzct gnügen. Mit träumerischen Augen sah sie hinab in den ländlichen Garten. Dort schaffte Frau Krüger jetzt emsig. Im hellen Früh- lingssckcin sah man recht, wieviel Schnee dieser Winter ihr aufs Haar gelegt. Doch sie hatte noch Kräfte. Wie ein Mann stach sie den Spaten ein, sie grub ihre Beete uin. Sie schaffte den Dung ans dem Ziegenstall unter. DaS sollte alles fruchtbar werden, zutragen, einbringen— für lven?! Ein finsterer Gedanke schoß der Frau durch den Kopf, die über der Nasenwurzel furchte sich noch tiefer. Warum all die Arbeit, die Schwielen an den Händen, die Schweißperlen auf der Stirn? Wozu säen, pflanzen, ernten? Satz einer mit ihr am Tisch, dem sie den Teller füllen konnte? Zu dem sie sprechen konnte:„Schmeckt es dir? Ich habe es selbst gezogen. AlleS für dich I" Nun hatte sie's schon in alle Zeitungen setzen lassen: Vermißt wird seit dem 10. November 1914 der Reservist Gustav Krüger, Jnf.-Reg. 203, 3. 5koinp. Kameraden, welche mit ihm bei Dixmuidcn kämpften, oder Angehörige von solchen, welche seit gleicher Zeit vermißt werden, und Nachrichten(event. aus Gefangenschaft) erhalten haben, werden herzlich um Mitteilung gebeten. Unkosten werden gern Vergütet.(Forts, folgt.) i» j Freie Turnerschaft j Rummeisburg aVb. ' Am Sonnabend, den 23. Fe- i btuar 1918, verstarb nach J schwerem Leiden unser lieber I Freund und Turngcnosse i iTottdotä Körner im Alter von 36 Jahren. Durch seine jahrelange, ausopserungsreiche, uneigen- nützige Tätigkeit sür unseren Verein bat er sich ein un- vergängliches Verdienst er- worden und ein dauerndes Andenken gesichert. Möge ihm die Erde leicht sein. 136/19 Der Narftand. Beerdigung am Mittwoch. nachmittag-Z-t Uhr, Gemeinde. sriedhos, Lichtenberg, Lück. strage. Treffpunkt sür Turner und Turnerinnen lltl Uhr Restaurant Grunwald, Friedrichstraffe 42. deutsche? Metslszrbeitee- deedznck. V«r»altllag,,t»ll, Berlin. Den Mitgliedern zurNach- richt, dag unser Koliege, der, Schlaffer iZMM Baiw, Lichtenberg, Prinz, Aibert- Strasie 14, am 23. Februar gestorben ist. Ehre seinem Andenke«! Dle Beerdigung findet am Mittwoch, den 27. Februar. nachmittag-Z 4 Nhr, von der Leichenhalle des Gemeinde- Friedhoses in Lichtenberg, Lsickstraffe. au« statt. Rege Beteiligung erwartet 232/gj vis Ortevenealtung. Zahngebisse, Platin,®r. 7,60, ttetten, Rtnge, Bestecke kauft dVaxiiei-, Kafferstr. 18 1(Alexanderplatz). Die Einäscherung unseres Mitgliedes Frau ölga Gster Tegel, Freie Scholle 24 findet Donnerstag, den 23. Februar, nachmittags 4 Ubr. im Krematorium Berlin. Gcrichtslr. 37, statt.(263/ 14 Ehre ihrem Andenken l I i e T e r r seif 1 B V 9 Jean Holze ■»FW n�MEiejKOi. i Tr"�7nw»af.'4wje»ii—»« Allen Verwandten und Bekannten die traurige Nach. richi, dag meine liebe Schwester und Schwägerin FirniZita Rolle geb. Helnicke meiner lieben �Schwester Berta am 22. Februar nach 14 Tagen in den Tod solgte. Um stilles Beileid bitten Die trauernde Schuldster I Martha Kohb geb. Helnicke. Willi Kohb als Schwager, Berlin-Lcißensee, Stratzbuigstrafie 11. Die Einäscherung findet am Freitag, den J. März, nachmittag 4 Uhr, im Kre- malorwmGerichtstr.37. statt. Urinksltsr jür Beitnässe, sosort Hille, Alter und Gcichlccht angeben, mannlich 12, weiblich IS M. Bersandh. Wcrmania, Berlin 0. 12, Abt. II T. ProSkauer Str. 19 Sehr wichtig. Soeben erschienen. R. Drescher: SM« VllMiM oder EiedMMlgW. Ein Wort an Me, die es ernst meinen mit der Arbeiterbewegung .. Lorschlöge.. u« die Einheit und Stoßkraft der Partei . wiederherzustellen. Die Broschüre ist 16 Seiten stark und gegen Einsendung von 20 Ps. zu bezichen durch �rZnkilcbe Verlagsanstait u.BucfxlrudureifsVlirnberg. Bei Mehrabnadme'entsprechend. Rabatt. IGßOID 62 1. 100 St. 6,20 1000 IE 85„ 100.. 8,50 lööö IE 88„ 100„8,88 1000 IF 120,, 100.,12.00 1000 1 F 180„ 100„18.00 Zigarren v°n 33 M.«, Zigaretten v. 800 St. an sort. Auch Einzelverkaus.— Nur an Verbraucher u. Restourat. abzug. Zigaretten auch in größeren Posten am Lager. ETnAffflw Zigarette n-Ver- srirewy trieb Norden. Berlin N 54, Brunnens». 17, Hof II. Geöffnet ununterbrochen v.9— 7, Sonnt. 12—2. Fcrnr. Nord. 2343 t für eigenen Bedarf Spiralbobrer u. DreDftahle. 241SLs Meteor. Etsenbabnilr. 13. Speiisl-tnl vr. meil. Voekenlnk Fileilrlehstr.lZSspr"!,"!?:.?» tiir8xph!lis.Hern-u.7rausnleiden Blutuntersuch. Zohnelie, sichere schmerz). Heilüng ohne Berufs- Störung. Teilzahlung.* HöchKe Preist v* Weiu- u. Sektflasche«! Altpapier jeder Art! Lumpen, Eisen:c.! Sl. 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Botenfrauen stellt sofort ein" 1642b* „Berliner Tageblatt*', Biücherstr. 69. Tcth) So Bort ftf WJäeit nrSccit, so M öS fvS rTd�irft, Vrt Nat l mit iHrer Hilfe im Gleichgewicht zu er ballen, als intmci;' neueSckuldenzu machen. Daß die Zustände auf oem Gebiete der Ernährung noch vielfach unbefriedigend find, inust zugegeben Warden Erzeuger wie Verbraucher t>m nicht immer dal. ihrige, um einen gereckten Ausgleich herbeizuführen. Immerhin freue ich mich, erklären zu können, daß eine Verkürzung„nscrer Brotration zurzeit nicht in ssrage kommt. (Beifall..) Trotzdem muß sick natürlich muh wie vor iedcr auf das uatwendigste cinfchränten. Tie au» der Ukraine erhofften Wengen können wir nicht schon als bereits geliefert einstellen.(Sehr richtig!! Vielfach befürchtet man, daß die kricg»n>irtsä>aftiich:n Organisationen für Lebensmittel und Robstoffc als Sl?nhlkate und monapolähliliche Einrichtungen für immer vom Reich auf Kosten der Freiheit und ScNsttändigkcit der einzelnen aufrechterhält len werben können. Die ReichSlestung denkt nicht daran. Organisationen, die nur kür den Krieg geschaffen find, zu der» ewigen.(Bravo!) Sie wird die Bewegungsfreiheit und Jnitia- tivc de» einzelnen nickt zugunsten eines durch die Not der Zeit er- zwang« neu Staats sozialismus aufgeben.(Lebhafter Beifall.) Im Kriege haben diese' Organisationen viel Gutes ge- schaffen. Das wird eure svätere Zeit objeiHv anerkennen. Natürlich können sie auch nickt bei Abschluß des Friedensvertrags mit einem Schlaga beseitigt werden, sondern werden kürzer oder länger vis zu einer anderweitigen Regelung der Verhältnisse fortbestehen müssen. Ich komme zurück auf den Ruf nach Einigkeit und Zu- sammenhalren.(Lebhafte Zurufe rechts: Sie haben die Einigkeit nickt gefördert!— Ostentativer Beifall links.) Alle Eni- behrungen können uns nicht zum Frieden zwingen; nur«ins könnte unseren Feinden noch helfen, die. deutsche Uneinigkeit.(Er- nente Zurufe rechts. Letzhafte Zustimmung links.) Wir sind es unserem ruhmreichen Heere und seinen hervorragenden Führern schuldig, ohne Ansehen der Person aus allen Seiten das zurückzn, stellen, was uns trennt.(Zurufe rechts: Das tun Sie nicht! — Stürmischer Beifall und Händeklatschen im Haufe bei der Mehr- beit und auf den Tribünen.— Zwischenrufe und Zischen rechts.— Darauf erneuter stürmischer Beifall bei der Mehrheit.— Pfuirufe rechtS.l Vizepräsident Dr. Paafche: Diese Pfuirufe entsprechen nicht der Würde deS Hause?!'(Lebhafte Zustimmung bei der Mehrheit.) Das Hans vertagt sich. Vizepräsident Paasch? schlägt vor, die Sitzung Dienstag um 1! Uhr beginnen zu lasten. Abg. Frh. v. Qfamp und Prinz Scköneich-Earolath beantragen, den Beginn auf l Uhr festzusetzen. Alig. Graf Westarp: Fch beantrage, die Sitzung um 2 Ubr anzusetzen.«'.Heiterkeit.) Wir mästen den Wortlaut der heraus- fordernden Rede, die nur eben gehört haben, erst abwarten.(Zu- stimmung rechts. Große Unrul� bei der Mehrheit.) Das.Haus beschließt, die Sitzung um 1 Uhr beginnen zu lassen mit der Tagesordnung: Fortsetzung der Etatslwratung. Schluß b Uhr., Perna« mtd Dorpat besetzt— Esten- truppen treten unter deutsches Kom- mando— Shitomir erreicht. Amtlich. Groß«? Ha«pt,u«rtier,Lb. Fedrnar Ist Ist.(W.?. B.) Westlicher Kriegsschauplatz. Vielfach Artillerie- und Minenwerferkampf. An verschiedenen Stellen der Front Erkundungsgefechte, dir uns östlich von Arwcntieres Gefangene nnd Maschinengewehre einbrachte». Oestlicher Kriegsschauplatz. Heeresgruppe Eichhorn. Unsere Truppen besetzten P e r n a u. Ein Estcnbataillon hat sich dort dem deutschen Kommando unterstellt. Ihren Divisionen voraus haben gestern vormittag die Sturm« kowpagnic lst und die l. Schwadron Husaren- Regiments lst Dorpat genommen. Auf dem Wege dorthin wurde» 3000 Gefangene gemacht und viele Hundert Fahrzeuge erbeutet. Diese stirgcndc Abteilung hat somit in b>/z Tagen über 210 Kilo- m r t e r zurückgelegt. Heeresgruppe Linfiuge». I» R o w n o ist der gesamte Stab der russischen„drsonberen Armee" in unsere Hände gefallen; ihr Oberbefehlshaber war entflohen. Vortruvpen erreichten S h i t o m i r und nahmen dort?rr- biudung mit ukrainischen Truppen auf. Bon den anderen KricgsschouplSl?en nichts ReueS. Der Erste Gencralquarticrmcistcr. Ludendorff. Abendbericht. Berlin, 25, Februar 1918, abeudS. Amtlich. Stadt und Festung R e v a l wurde heute 10.90 Uhr vormittags nach Kampf besetzt. P l c s k a u(P s k o w) südlich vom Pcipnssce ist i« unserer Hand. Stockholm, 24. Februar. Welduitg der Petersburger Tele* graphen-Agentnr. Stellung der Front nach dem Bruck des Waffenstillstandes: An der Nordfronl macht sich ein Vormarsch der Deutschen auf Walk bemerkbar. Zlbtcilungen der Roten Armee sind ihnen entgegen- geschickt. Eine Bewegung des Feindes im Bezirk Reval ist nicht zu bemerken. Nach Erkundungen von Aufklärern rückt der Feind in Gruppen von hundert Mann aus verschiedenen Regimentern vor. Wie es scheint, sind Freiwilligenabteilungen gebildet. In W o l m a r sind fünfzig Mann Kavallerie und im Anschluß daran zwei Abteilungen Infanterie mit?lr- tillerie eingerückt.» Ter österreichische Bericht. Wien, den 25. Februar 1918. Amtlich wird ver- lautbart: An der P i a v e war dir Artillcrirtätigkeit lebhaft. Bei der Heeresgruppe Linsingcn haben deutsche Bortruppen in S h i t o m i r die Verbindung mit den ukrainischen Truppen aufgenommen. Der Ehef des GcnrralstabeS. f aOhlkiglgbest und mlt srele» z«s»«g ,»« Mettt.— Die Konferenz fordert für die Jode» aller Liwder die gleichen Rechte mit den Angehörigen jeder Nation. Palästina solle zu einem Freistaat unter internationaler Garantie gemacht werden. Arabien, Armenien und Mesopotamien dürsten keinesfalls wieder unter türkische Herrschast kommen. Wenn diese Gebiete nicht selbst über ihr Schicksal ent- scheiden können, so sollen sie von einer Kommission unter dem Völkerbünde regiert werden. Die Dardanellen sollen neutralisiert und unter die Kontrolle des Völkerbundes gestellt werden. Die Konferenz fordert nicht die Aufteilung Oesterreich-UngarnS oder daß ihm der wirtschaftliche Zugang zum Meere genommen würde. Tschechen, Slowaken und Südslawen dürfen einen freie» Bund von Douaustaaten an die Stelle deS österreichisch« ungarischen Reiches setzen. Im Wortlaut liegt diese Denkschrift über die KriegSziele noch nicht vor. Ueberraschungen dürfte dieser Wortlaut aber ebenso wenig erbringen, wie der Ueberblick, den der Reuterbericht gibt. H e n d e r- s o n sagte in einer Frühstücksaniprachc, daß die jetzt beendigte zweite Konferenz das Ergebnis der vorbereitenden Besprechungen in Paris und London vom Dezember 1917 im wesentliche» angenommen habe. Er faßte sie zusammen: Völkerbund zwecks Abrüstung rmd Verhinderung künftiger Kriege völlige Freiheit und Unversebrtbeir Belgiens, Serbiens, Rumäniens. Montencaros: andere GebielSveränderungen, so« weil England davon berührt werde, auf Grund von Gerechtigkeit und Recht zum Zwecke eines dauernden Weltfriedens. Das seien Mindestforderungen, bei der.»» Erfüllung der wirtschaftliche Boykott über Deutsch« land abzulehnen sei. Dieser Krieg müsse mit � Versöhnung enden. Beide Parteien müßten den Militarismus aufgeben. Die Arbeiterschaft!der Alliierten erstrebt den Sieg großer Grundsätze, der internationalen, moralischen, geistigen Kraft aiif Grund der unveräußerlichen Rechte allgemeiner Mensch« lickkeit durch ehrliches Spiel und ehrlichen Handel beider Parteien. aber keinen Frieden um jeden Preis. Eine baldige inter- nationale Konferenz müsse alle Hindernisse eine? ehren- vollen und gerechten Weitfriedens wegräumen. Hondersons Ansprache betont also, daß Mindestforde- runcpen gestellt werden, deren Annahme durch Deutschland ohne weiteres Verhandeln gefordert wird. Er predigt das Ziel der Versöhnung, aber mit drohend erhobener Faust aus- harrender Kriegswilligkeit. DaS ist der Torr und die Geste, die Lloyd George braucht. Die Resolution der Konferenz scheint auch da? ofstzielle Schweigen der Ententeregierungen über die Herausgabc der eroberten deutschen Koloinalgebicte nachzuahmen. Ob das. was Hendcrson und die Resolution im Punkte„anderer Gebietsveränderungen. soweit England davon berührt wird." verlangt, auch auf die Kolonialgebicte Bezug haben soll, läßt sich aus den bisher vorliegenden Bc- richten über das Ergebnis der Tagung nicht ersehen, und diese absolute Unklarheit ist bei der für andere Punkte be- liebten Klarheit perdächtig genug. »London, 24 Februar.(Renter). Die Arbeiterkonferenz der Alliierten sandte heute eine Abordnung von Ver- tretern der alliierten Nationen zu einer Konferenz nach Amerika, um sich mit dem Präsidenten Wilson und Ar- beiterführer Gompers über die Haltung der amerikanischen Arbeiter gegenüber dem Kriege zu beraten. Norwegisch-amerikenifches wirtfthafts- abkommen." Kristiania, 25. Februar. Sämtliche Blätter veröffentlichen eins Washingtoner Meldung, wonach eine Einigung zwischen Amerika und Norwegen über eine vollständige wirtschaftliche Uebereinkunft erreicht sei, an der auch Großbritannien und die übrigen Alliierten teilnähmen. Zwei norwegische Dampfer mit Futter« und Lebens« Mitteln seien infolgedessen bereits freigegeben worden. Die hiesige. Presse enthält sich vorläufig der Besprechung, nur„Oerebladet" bc«� tont, daß die Nachricht im ganzen Lande beftiedigen werde, zumal die erreichten Bedingungen loesentlich besser seien, als man ursprünglich erhofft habe. Italien niemals für Sonöerfrieöen. Rom, 28. Februar. Meldung der Agenzra Stefani. Auf eine Anfrage Labriolas in der Kammer erklärte Minister des Aeußern Sonnino, daß die italienische Regierung niemals in irgend einer Form einem Sonderfriede il zugestimmt habe. Auch die Nachricht von Verhandlungen für cwen Sonderfrieden sei vollkommen falsch. Der Kranzosenaugriff bei Nieüeraspach. Berlin, 25. Februar. Ueber den Vorstoß der Franzofen am 23. Februar Ivixd noch gemeldet: Llm 23.'Februar feuerte der Franzose im Sundgau von 10 Uhr 30 Min. vormittags ab aus 52 Batterien, Kaliber bis zu 28 Zentimeter, und aus schweren Minenwerferv an M 000 Artilleriegeschosse und 450 schwere Flügel minen gegen unsere vordere Linien, das Batteriegelände und die Straßen inr Abschnitt NicderaSpach— Ex- b rücke— Niedervurnhaupt. Um 1 Uhr mittags blies er aus dein Kreuzwald gegen Niederaspnch GaS ab. das über Norden nach Nordwesten drehte und in das Thanner Tal zog. Auch mit Gra- uaten suchte er den Abschnitt zu vergasen. Nach sieben stündigem Fcuer. stürmten drei völlig ausgeruhte, durch Wochen hinter der Front zmn Angriff geschulte Bataillone heran. Streckenweise brach der Sturm schon in unserem Feuer nieder. Bei E � b r ü ck e wurde er im Kamps Mann gegen Hann erstickt. In Niederaspach drang der Feind ein. Die Besatzung war cm Zahl unterlegen, geschwächt, erschüttert, betäubt von zahllosen Detonationen— aber sie zögerte keine Sekunde, sie wartete keine Reserven, keine Hilfe ab. sie griff den Feind an und warf ihn hinaus. Tie ganze vordere Linie ist sest'in unserer Hand. Infanterie cknd Artillerie haben sich glänzend gcschlaivm. Der Feind bat in ihrem Feuer schwer bluten müssen. Tic Gefangenen wissen davon zu erzählen._ der Krieg auf öen Meeren. Berlin, 24. Februar. Neue U-BootL-Ecfokge auf dem nördlichen Krirgsschauplat!: 19 000 Br.-Rrg.-Toniir». llnter den vcrsenltcii Schiffen befand sich der englische Truppentransport- d a in p f e r T u s c a n i a(14 348 Br.-Reg.-To.) mit a m e r i k a« ü i f ch e n Truppen an Bord. Der Dampfer wurde kurz vor dem Einlaufen in die Irische See in geschicktem Angriff bei stärkster feindlicher Gegenwirkung aus einem Geleitzug, an dessen Spitze er fuhr, hcrausgeichosien.. Der Chef des Admiralstabes der Marine. Meine Kriegsnochrichten. Englischer Heeresbericht aus Palästina. Der aus dem Gebiet von Jericho vertriebene Feind hat sich auf das. Nordufer des W a d i a l j a zurückgezogen, auf dessen linkem llser er Posten aus der Hochfläche zurückgelassen hat, und ostwärts durch den Jordan, wo er den Brückenkopf von Alghoranhe hält. Vor öem Zrieüensstbluß mit Rußlanü. Petersburg, 23. Februar.(Reuter.) Die Funkenstarion Zarskoje-Selo empfing um Mitternacht ein Funkentele- gramm, gerichtet an dem Rat der Volks beauftragten und unter- zeichnet H offmann, in welchem mitgeteilt wird, daß d i e deutsche Antwort um 6 Uhr morgens dem russischen Kurier ausgehändigt Molden sei, der sofort die Rückreise angetreten habe. Ein zweiter Funkspruch, an Trotzki gerichtet und Graf Czcruin untcrzoichnist, teilt mit, daß Oestcrveich-Ungarn zusammen mit feinen Verbündeten Friedensverhandlungen ein zu- leiten bereit s e i. Bern, 34. Februar.„Temps" meldet aus Petersburg: Die mÄilprpfiichtige» Engländer wurden ausgefordert, sich zum Ver- lassen Rußlands binnen 6 Stunden bereit zu halten. Den übrigen Engländern wurde der Rat erteilt, Rußland so schnell wie möglich zu verlassen. Wien, 24. Februar. Boisckiaster v. M f r e y begibt sich heute abend als Bevollmächtigter Oesterreich-Ungarns zu den Friedens- Verhandlungen nach B r e st- L i t o w sl. (Siehe dazu auch d'e Meldungen an der Spitze des Blattes.) Die verhanölungen mit Rumänien. Tie Verhandlungen mit Rumänien haben am Sonntag be- gönnen. Da aber die Vertreter der Vicrdundmächte erst am Dienö- tag vollzählig am Platze fein werden, müssen österreichische Privat. Meldungen von einem bisher günstigen Verlauf als bloßes Re- Portergerede angesehen werden. Daß die Verhandlungen in erheblicher Weise Tervitorialver- Änderungen betreffen werden, wird durch immer neue Zeitungs- äutzeurngen Uargcmacht. Auch eine Auslassung der halbamtliche» bulgarischen„Narodni Prawn" bestätigt das. Das Blatt betont die Notwendigkeit, Bulgarien gcgen Unternehmungen zu sichern, die die Serben, Griechen und Rumänen für die Zukunft gegen Bulgarien vorbereiten. Alsdann sagt die„N. PT:„Unsere Feinde dürfen nichldie Möglichkeit haben, eines TageS die A ette zu d u rchb rech e». die die Nordsee mtt d c m P e r- fischen Golfe verbindet und die in threr ganzen " ä n g e gleich widerstandsfähig sein muß. Einzig und allein gesicherte Grenzen Bulgariens werden neue Konflikts auf dem Balkan unmöglich machen, und indem sie den Frieden im nahen Osten festigen, Wersen sie den verbündeten Zen- tralmächten gestatten, die Früchte dieses Krieges vollständig zu genießen." Welche Wünsche andererseits in Rumänien auf- gelebt find, geht aus der Meldung des..B. T." hervor, die Ru- mänen legten das Hauptgetvicht auf drei befsarabifche Kreise, die sie im Berliner Frieden verloren; cS sind das rund 10 000 Ouadrcn Kilometer, welche die Gebiete Jsmael, Belgrad und Kübel umschließen. Daß die Bukarester Verhandlungen über die Territorial- augelegenheiteu hinaus für Rumänien Veränderungen mit sich bringen iocrdcn, geht aus einer Mitteilung der„Voss. Ztg." der- vor. Sie läßt das Sterbcglöcklein für das Regiment des rumäni- sckicn Königs klingen. Der rumänischen Delegation, dick' von der Jassyer Regierung zwecks Verlängerung des Waffenstillstandes mit den Vierbundmächkcll nach Bukarest entsandt wurde, ist von Lupu Kostaki, dem Verweser des rumänisthcu JnneiuniiüstcnumS, �folgende Erklärung übermittelt worden:„Herr Pst: er Earp bittet Sic, Sr. Majestät gehorsamst unterbreiten zu wollen, daß seiner Meinung nach selbst dann, wenn der König den Frieden mit den Mittelmächten unterzeichnen würde, sein weiteres Verbleiben auf dem rumänischen Thron eine Reihe von Erschütterungen hervorrufen könnte, die die Dynastie u n- möglich machen und die Heilung der durch eine fatale und falsche Politik verursachte» Wunden bedeutend erschweren würden." Der König soll also Bratianu nach in die Versenkung verschwinden. Inzwischen hack General Avcrescu sein Kabinett gebildet. Es heißt aber, bisher habe er keinen der in Bukarest znrückgebliebe- neu rumänischen Parlamentarier zum Eintritt in dieses Kabinett veranlagen lönnen. Die schwedische Manü-Schutzaktiou. Stockholm, 24. Februar.(Meldung von SvcuSka Tele- granunbyran.) Nachdem eine Verabredung bezüglich R ä u m u n g der /Alandsinseln von russischen und finnischen Streitkräften getroffen worden ist, hat die Re« g t c r n n g gemäß Ermächtigung deS Reichstages b e« schlössen, eine Abteilung zwecks Kontrolle, Bewachung und Schutzes der Bevölkerung gegen Gewalttätigkeiten dort- hin zu senden. Am Abend schiffte sich die Mannschaft in Anwesenheit des Königs, des Kronprinzen und dessen Söhne und einer Volksmenge ein. die die Truppe mit Hurra- rufen begrüßte. Tagung üer Ententesozialiften. Tie Teukschrift über die KriegSziele. Nach einer Rmtermeldung befürwortet die Denkschrift über die Kriegszicle, die die sozialistische und Arbeiterkonferenz der Alliierten in London angenommen hat, die Grüudung eines Völkerbundes, unter dciscu Kontrolle die Völker ihr S e f b sl b e st i m m u n g s r c ch t ausüben sollen. Der Bund werde das Schiedsgerichtsverfahren durch- setzen. Die Denkschrift verlangt die lloterdrückung der ge- Heimen Tiplomatie und VFrhindentng aller neue» Rüstungen sowie Verstaatlichung aller RnstungSiudustrien. Die Satzungen des Völkerbundes müssen einen Teil der Fricdensbedingungen bilden. Die allererste F r i e d e n S b e d i n g u n g sei die vollständige Entschädigung Belgiens und seine Wiederherstellung als un- abhängiger souveräner Siaai. Die Denkschriit crklärh das clsaß- lothringische Problem sei kein Problem t e r r i l o r i a l e n Ausgleichs, sondern das des Recht S. Seine Lösung fei für einen gerechten und dauernden Frieden unentbehrlich. Der ileue Friedensvertrag werde anerkennen, daß Deutschland durch die Kriegs- erklärung von 1914 den Frankfurter Frieden gebrochen habe Diese Aneikennuiig vorausgesetzt, käime Frankreich zustimmen, daß die e l s a ß'- l o i h r i n g i s ck e Bevölkerung über ihre Wünsche befragt werde. Der Friede»verde durch den Völkerbund garantiert werden. Die Denkschrift unterstützt de» Anspruch der italieilischrn Br- pölkermig in Ocstrrrrich-llngarn, mit I r a l i e n vereint zu werden. Vielleicht werden Vorlehrimgeu notwendig sein, um die l c g i t i m r n I u t e r e s s e u des italienischen Volkes in dem b e- nackbarleil Meere zu sickern. Dagegen verurteilt die Denk- schriir die Ziele des italienischeil JinperialiSinus. Die Le- ziehungen zwischen Italic» und den Sndslawrn au der vjt- lichen Adriaküste müßten aus die Grundsätze der Billigkeit und Versöhnung begründet Werden. Die Slawen, die inner- halb der künftigen Grenzen Italiens lebten, und Italiener auf slavischein Gebiet müßten gegenseitig Garantien für volle Freiheit der Selbstverivaltung erhalten. Serbieu, Monteuegro, Riimäliieu und Albanirl,»rüßleir von den feindlichenTruppen g e- räumt werden. Wo lilinler eine Bevölkerung der gleichen Rasse und Sprache vereint zu werden verlange, solle es geschehen. Alle diese Böller müßten volle Freiheil haben, über ihre Geschicke zu bestimmen. Die Konferenz schlägt einen Bund aller Balkanländer vor. Polru muji wiederhergestellt werden, in Einheit und Un- D!e„Norüö. Mg« Ztg/ enthüllt Üas Märchen von öen unterürückten vlamen. Von der angeblichen Unterdrückung der Vlamen in Belgien durch die Wallonen ist in der deutschen Presse sehr viel die Rede gewesen. Jetzt veröffentlicht die.?!ordd. Allg. Ztg." einen Artikel„Die Bestrebungen der Wallonen", aus dein stervorgeht. daß gerade die belgischen Wallonen sich als den unterdrückten Teil des Staates betrachtet haben. Gleich eingangs stellt der Artikel fest. daß die Wallonen nur 72 Abgeordnete in die Kammer schickten, denen von flandrischer Seite 83 Abgeordnete gegenüberstanden. Nach einer Unterdrückung der Vlamen sieht das nicht aus. Nun aber sind die Wallonen überwiegend religiös freidenkerisch, politisch liberal oder s o z i a l i st i sch gesinnt, während die vlamische Wählerschaft im Banne der klerikalen Partei stand, die durch daS Ueberwiegen der Vlamen in der belgischen Kammer die stärkste wurde. Diese dauernde Bevormundung durch den KlerikaliSmuS erregte bei Aahlrcichen Wallonen Unwillen. So bildete sich denn eine Bewegung für ein selbständiges Wallonicn. Die„Nordd. Allg. Ztg." veröffentlicht sehr interessante Dokumente dieser Beivegung. So schließt ein am 18. Juni 1912 unter der Ucberschrift„Für die Unabhängigkeit Walloniens" erschienener Artikel mit den Worten:„Wir»vollen dem kleri- kalen Flandern nicht länger unterworfen s e i n." Verfasser des Artikels ist niemand anders mlö— JuleL Dcftrse, der bekannte sozialistische Abgeordnete. Einen ganzen Monat lang(19. Juni bis 12. Juli 1912) druckte ein»vallonisches Blatt, der„Lütticher Expreß", in ilftesenbuchstaben auf seiner ersten Seite folgende Programm- erklärung:„In Belgien gibt es zlvci Völker. DaS eine kann nicht allezeit der Sklave und das andere der Herr sein. DaS eine kann nicht. allezeit gebieten und daL andere dienen." Mit dem Sklaven ist natürlich der iv a l l o> nische Volkstcil, init dem Herrn der v la misch e gc- meint. DicS sind nur emige der von der„N. A. Z." wiedergegebenen Belege. Danach erscheint doch die Frage,»v e I ch e r Volksteil bisher in Belgien als der unterdrückte zu gelten hatte, keines»vegö geklärt zu sein. Wenn selbst ein offiziös inspiriertes Blatt>me die„N. A. Z." jetzt plötzlich die Wallonen für den unterdrückten Teil erklärt, so zivingt das zu"grüßt er Vorsicht gegenüber der Behauptung, daß die Vlamen bisher die Unterdrückten gewesen seien. Maj?enftreit, Sozialüemokratie unü Unabhängige. Tie Organe der Unabhängigen fahren fort, fich an der Sozialdemokratie»vegen ihrer Stellung zum Massenstreik zu reiben. Diese Stellung ist hinreichend! bekannt und kann dahin formuliert werben, baß bie Sozialdemokratie den Massenstreik als bewußt angewendetes Mittel zur Kriegsbecndigung für n n t a u g l i ch hält und ablehnt. In dem vergangenen Streik sieht sie dxn elememaren Ausbruch einer berechtigten f Unzufriedenheit, und darum ist sie nicht nach der Art der Bürgerlichen den Arbeitern mit moraiischen Bannsprüchen entgegengetreten, sondern hat, ohne Furcht vor Konsequenzen, ihnen die Treue gewahrt und ihre berechtigten Forderungen vertreten.. Wenn jetzt der unabhängige Zeitimgsdienst über unsere Genossen im sächsischen Landtag wegen der Vertretung dieses 'Standpunktes mit hämischen Bemerkungen herfällt, so sei darauf folgendes erwidert: Der Versuch der„Unabhängigen", 'ich gegenüber den Sozialdemokraten ohne Eingehen eines be- sonderen Risikos als die„schneidigeren Kerle" herauszuspielcn, wird auf Einsichtige keinen Eindruck niachen, er kann nur im höchsten Grade abstoßend wirken. Die Unabhängigen sind ebensowenig grundsätzliche Anhänger des Massenstreiks als Mittel der KriegSbeendigung wie die Sozialdemokraten. Be- weiS: Die�Vcrteidigungsrede Dittmanns vor dem Kriegsgericht und die Tatsache, daß sich gerade die Hochburgen der Unab- hängigen während der letzten Bewegung indifferent verhalten haben. Die Unabhängigen sind im Durchschnitt gesetzte ältere Herren und in Fragen der Arbeiterbewegung gut genug be- ivandert, um zu wissen, daß man den Bolschewismus nicht nach Deutschland verpflanzen kann. Um eine klare Stellungnahme zur Frage der Landesverteidigung haben sie sich herumgedrückt mit der Ausrede, daß diese Frage„nickt aktuell" wäre, von ihren Gegnern der Linken werden sie höhnisch„Sozial- ■Patrioten" genannt. Sie verschmähen— tvie's trefft— auch wcht„nationale" Töne. Beweis: Di« letzte ReichstagSredc HerzfeldS mit dem pathetischen Schlußappell, einen Beschluß zu fasten„zum Wohle des Deutschen Reichs". Wenn sie jetzt so tun. alö wären sie in der Masteuftreif. frage oho und obenauf gegenüber imS„schlappen Abhängigen", fo ist das nichts weiter als ein durchsichtiges Manöver der varteipolitischen Schmutzkonkurrenz— oder doch noch etwas tveiter, nämlich ein frivoles Spiel mit Arbeiter» Interessen! Ist das klar und deutlich? Luüenöorff unö Kriegsprefleamt. Amtlich loird Qemetbet: In einer Pressebesvrschung am lt. Februar hat der Chef des Kr-.egSpreffeamts.den Presseverlretsrn folgendes mitgeteilt:„Nach verschiedenen Meldungen, deren Glaubwürdigkeit nicht im gering. sten anzuzlooiseln ist. ist die Entente im Begriff, mit raffi- merten Mitteln einen neuen Propagandaplan gegen die Person des ersten G e ner a lg n ar ti« r m ei ster s in Szene zu fetzen...Weg mit LndendorffI" heißt die Parole., Mi: diesem neuen Schlachtruf wendet die Entente eines der hüiterlistigsten Mittel an. um Deutschland zu schwächen. Es soll damit eine große Kluft im deutschen Volk« geschaffen werden, von der die Entente ihre Rettung erbofft.. Auf ihr Schwert und unsere Aushungerung scheint min große Stücke nicht mehr zu setzen. So versuch- man uns des Führers zu berauben, der als rechte Hand HindenburgS unersetzlich ist.— Jcb gebe der Presse von dieser feindlichen Unternehmung Kenntnis, damit stc durch ihre Haltung der Entente von vornlierein auch diese Hoffnung zerstören kann." Von einer näheren Bekanntgabe der tatsächlich vor. liegenden Nachrichten, die zu der vorstehend angeführten Mitteilung an die Pressevertreter Veranlassung gaben, mußte aus begreif- lichen Gründen abgesehen werden. Die Behandlung dieser Mitteilung in der Presse hat dahin geführt, daß sie von einzelnen Zeitungen für den Parteikampf uiitz zu Angriffen auf politische Persönlichkeiten ausgenutzt wurde. Da dieS in keiner Weise dem Zweck der Mitteilung entsprach und nicht gebilligt wurde, hat daS Kriegspresseamt in einer Pressebesprechung am 18. Februar die Pressevertreter gebeten, diese unerwünschten Erörterungen einzu- stellen, und erneut betont, daß die Press« lediglich über die Pläne der Pnkenk« unlerrlchl«! sekn solle, mn Fe zn durch» kreuzen, sobald sie an das Tageslicht treten. Die öffentliche Fest- stellung dieser Vorgänge ist notwendig geworden, nachdem Zei- tungen, die bei den Pressebesprechungen vertreten waren und somit über den Sachverhalt unterrichtet sind, durch ihre Darstellung die Vermutung aufkomme» lassen, als ob da? Kriegspresseamt den schädlichen Parteikampf oder die persönlichen Angriffe gebilligt habe. Ahm Toüe des Großherzogs von Necklenburg-Strelitz. Tie peinliche Thronfolgerfrage. Nicht der Großherzog von Mecklenburg»Schwerin, wie Bizepräsident Paasche gestern im Reichstag irrtümlich behauptete, sondern der von Mecklenburg- S t r e li tz ist plötzlich aus dem Leben geschieden, und zwar, wie sich bald herausstellte, freiwillig. Die Leiche des Großherzogs wurde mit einer Schußwundelm Kop in einem Kanal des Schloßparks aufgefunden, und es besteht kein Zweifel daran, daß Selbstmord vorliegt. Die Tat soll unter dem Druck einer starken Gemütsdepression geschehen sein. Der plötzliche Tod de? noch jungen LandeZherrn— er zählt erst 35 Jahre— stellt die Bevölkerung des GroßherzogtumZ Mecklen- burg-Strelitz vo» ein eigenartige? Problem. Nämlich der berechtigte Thconsolger. der Oheim des Verstorbenen, Herzog Karl Michaek. hat sich 1914 in den ruistschen SiaatSverband aufnehmen lassen und hat als russischer Offizier gegen da? deutsche Volk, somit auch gegen seine mecklenburgischen Landeskinder die Waffen getragen; gegen leine Beteiligung an der Verwüstung Ostpreußens liegt zum min- desten kein Alibibeweis vor. Einen Thronverzicht hat Karl Michael aber nicht ausgesprochen, er ist also noch immer rechtmäßiger Thronerbe und seine Ausschließung von der Erbfolge bedeutet auf alle Fälle eine mecklenburgische Revolution. Diese Revolution soll nun vonstatten gehen und zwar soll sich als nächster an der Reihe der Großherzog von Mecklenburg- Schwerin des Strelitzer TroneS bemächtigen. Tie Folge wäre eine Vereinigung der beiden Großherzogtümer und die Verminde- rung der deutschen Landesherren um eigen. ES ist aber klar, daß diese Veränderung, die im übrigen daS Schicksal unseres Erdteils wenig berühren dürfte, ohne Bruch de! legitimistischen Rechtsprinzips unmöglich ist. ES ist ein Stück Ironie der Weltgeschichte, daß sich solche? ge- rade in dem verzopftesten Lande deutscher Erde ereignen muß. So wird auch Mecklenburg in den Strudel der Weltrevolution, die dieser Weltkrig darstellt, mit hineiugerissen. Ganz nebenbei, man hat so viel vom SelbsibestimmungSrecht der Völker gesprochen und dieses sogar den Schwarzen in Afrika in Aussicht gestellt. Da muh die bescheidene Frage erlaubt sein: lind Mecklenburg? Die �deutsche Tageszeitung" gegen Sie ' baltischen Aarenöiener. Zur Rettung der baltischen Barone rauft sich Graf Reventlow jetzt täglich in der.Deutschen Tageszeitung" die Haare aaS. Wir haben erst unlängst darauf hingewiesen, daß die Deutsch- freundlichkeit der baltischen Barone etwa gleichaltrig ist mit der Enteignung ihre? Grundbesitzes durch die Revolution. Unter dem Zarismus waren sie russische Patrioten und Führer der russisdjen Armeen, die an der V e r w ü st u u g Ostpreußens ein gerüttelt Maß moralischer und tatsächlicher Mitschuld tragen. Dafür liefert uns den besten Beweis— die„Deutsche Tageszeitung"� Nämlich noch am 26. Mai 1915 wurde in einem Artikel ihre» WililärberichlersiatterS Rudolf Brandt über da« Deutschtum in den baltischen Provinzen folgende» ausgeführt: „Die besseren Familien sind g u te R u s s e n"... Sie haben zu viel Osfiere in der Armee. zu viel Beamte in der Regierung, und trotz aller Enttäuschungen. die man ihnen immer wieder bereitet hat, sind eS vielleicht dir zarentreusten Bürger Rußlands. ES ist ja wohl deutsche Art, so zu sein....' � So hat die„Deutsche Tageszeitung' selber zu Anfang des Krieges über ihre Schützlinge gedacht, für die sie sich jetzt be- geistert. Massenhaster Lanüesverrat russischer Gffiziere. Einem umfangreichen Stimmungsbild, da" W. T. B. von unserm Vormarsch in Rußland gibt, entnehmen wir folgende Schilderung: Aber"auch die großrussischen Kriegsgefangenen dürfen sich in bestinimlen Bezirken frei bewegen. Den Offizieren har man fäml- lich die Waffen gelassen, sie haben sich durchweg vorbehaltlos auf die deutsche Seite gestellt. Sie haben zu tief unter der Revolution gelitten, um in den Deutschen etwas anderes zu sehen, als dir' Retter und Befreier au? höchster Rot. ES sind Obersten und Generale darunter, die den Deutschen in den Karpathen, aw San und Bug, am Slockod und vor Tarnopol als Gegner gegen» überstanden. Die Deutschen haben sie au» Gefängnissen be- sreil, in denen sie ihre Hinmordun� erwarteten, denn die Bolsche- will planten in der Ukraine einen allgemeinen Offiziersmord. Mancher von ihnen hatte Tränen der Rührung in den Augen, als er aus deutscher Hand Degen und LfstzlerSepauletten zurückerhielt. Ti« russischen Offiziere betrachten cS danach als ihr gutes Recht, massenhaft zum Feinde überzugehen, tveil ihnen die innere Regierung ihres Landes nicht gefällt. Als in Rußland noch der Zarismus herrschte, wurde gegen die Führer des Sozialismus mit äußerster Bruta- lität gewütet, cS braucht nur an die Verschickung der sozia- listischen Dumaabgeordnetcn nach Sibirien usw. erinnert zu werden. Trotzdem haben wir nie etwas darüber gehört, daß sozialistische oder bolschewistische russische Führer quL Wut über den Zarismus zu den Deutschen übergelaufen wären und diese als Befrcjcr begrüßt hätten. Danach scheint das russische National- und Ehrgefühl nicht gerade seine höchste Vertretung in dem russischen Offizicrkorps zu finden. Aber noch ctwaS ist sonderbar: Deutsche Blätter, die sonst äußerst streng auf OsfizierSehre sehen, wie z. B. die „Deutsche Tageszeitung" usw., drucken diese Schilderung ab, ohne auch nur ein Wort der Entrüstung zu finden über Ossi- ziere, die aus innerpolitischen Gründen massenweise zu den Feinden ihres Landes überlaufen. Erscheint diesen Blättern der Landesverrat. in milderem Lichte, weil er sich gegen eine aus den Massen gebildete Regierung richtet?_ d:eüerich yahn gestorben. Dr. Diederich Hahn, �>er Direlror des Bunde» der Landwirte, ist am Sonntag in Hamburg im Atter von S8 Jahren gestorben. Mit ihm gebt eine der markantesten Persönlichkeiten Utiseu« öffentlichen Leben- dahin. Der Serfiorfien« Oxtr bon Hau» an« ffct Waat.offne«r un'' Halm", von Beruf Akademiker, eine Zeitlang Probekandidal u-- dann Archivar der Deutschen Bank. Trotzdem verwuchs er schliei lich so mit der agrarischen Bewegung, daß er, der hannoveraw" Akademiker, von de» ostelbischen Junkern ohne weiteres als einer t. r ihren angesehen wurde.' Schon bei der Gründung deS Bunde» der Landwirte vor 25 Jahren spielte Dr. Diederich Hahn eine Rolle. Im Jahre 1897 wurde er zum Direktor deS Bundes berufen und blieb seitdem ein. r der geistigen Leiter der Bewegung. Freilich lag seine Begabung weniger auf dem Gebiet« geistiger Führerschaft, in dem Angeben großer Ziele und neuer Ideen, a!.. vielmehr in einer auf die Massen wirkenden schlagfertige» Demagogie. Als Versammlungsredner war er in seinem Teu.� perament. DaS zeigte sich auch in seiner parlamentarischen Täligkru. Hahn gehörte dem preußischen Abgeordnetenhaus, und von 1893 fr Z 1803, dann wieder von 1907 bis ISIS dem deutschen Reichstag an. DaS gleiche Wohlrecht kostete ihm zweimal sein ReichStagSmanda:. trotz aller Gerissenheit in der Agitation konnte er es nur bei konscr vativer Hochkonjunktur behaupten. Er saß im Reichstag als Hospitoiu der Konservativen. Wer den Verstorbenen im Parlament öfter reden gehört Hai, dem wird cS um den schneidigen, witzigen und überaus schlagfertigen Debatler leid sein. Er war von einer nicht zu vcr- blüffende» Frechheit, aber niemand konnte sie ihm ver- Übeln. Köstlich waren seine homerischen Kämpfe mit Was. Horst de lPente. Der war auch Hannoveraner, lv.r noch nationalliberall.» war aber der Konkurrent um tic Bauernseele.� Er war aber viel schwerfälliger. Hahn deckte ihn mit Leichtigkeit zu— wenn er ihn auch sachlich nicht widerlegte— und setzte uuter alle Derb- und Grobheiten den kordialen Schluß: .Aber wir Hannoveraner lassen auieinander nicht» kommen, nickir wahr?" Auch mit unserem Leinert machte er diesen Scherz einmfr. Ader mit der Arbeilervertreiung anzubinden überließ er lieber de» echten Konservativen, bei denen er ja nur hospitierte— und da- nicht allzuoft. HewerkschHsbetlMng I« der Dresdener Zigarettenlndustrir legten am Sonnabend früh in einer Reihe von Großbetrieben die Zigarettenarbeiterinnrn. die Arbeit nieder, da es im Verlaufe der Lohnbewegung in fr•. Zigarettenfabriken zu keiner Einigung über die Lohnforderung-!! kommen konnte. Bis jetzt find folgende Betriebe von der Arbeit? niederlegung erfaßt: JaSmatzi Akt.-Ges., Monopol, Eckstein u. Söhne und Delta. Ter Ausstand droht jedoch noch auf weitere Firmen überzugreisen. Geheimal, kommen auch gegen Bankangestellte! Unser Artikel:„Ein Geheimabkommen gegen Industrie- angestellte" hat in weiten Ikreisen lebhafte« Interesse gesunden. Von den an uns gelangien Zuschriften möchten wir eine aus dem Kreise Posener Baiikangestelllen erwähnen, die die in Posen dom liierende.Osibani für Handel und Bewerbe" in besonderem Lichte erscheinen läßt. ES wird in dieser Zuschrift zunächst betont, daß genannte Bank auch in der Kriegszeit recht niedrige Gehälter zahU. Als vor einiger Zeit die Berliner v-Banken in Posen ihre Filiole» eröffneten, trat die Ostbank an dieselben heran, um im geheimen Vereinbarungen über daS AiiitellungS» und Be loldungSverhällni« der Bankangestellten zu treffen. Daß dieie Abmachungen von allen V-Banken akzeptiert worökn sind und daß eine Klausei wie gegen die Jndustrieangestellten besteht, beweist am besten die in Posen herrschende Praxis. ES ist nämlicv keinem der Angestellten möglich, am Orte bei einer anderen Bank Stellung zu erhalten. Die Folge ist. daß di: Posener Bankangestellten zu außerordentlich niedrigen Löhnen zu arbeiten gezwungen sind. DaS Bankkopital züchtet auf diese Weise ein gedrücktes Kopfarbeiterproleiariat. da«, weil e» noch keine moderne Organisation befitzt, viel hilfloser dasteht wie daS Industrie- Proletariat. Der ß 8 de? HilfSdienstgesetzeS wird durch ei» solche» Ab- kommen in einem Ort wie Posen natürlich vollkommen illusorisch gemacht. Die Forderung«» der TelegraphenarSeiter, Sorardrit« und Hand werker beschäftigten eine Lbcrsllllte Bersan'smlung im großen Saale der Eöpeiiickcr Festiäle. Wie der Referent Baleuthin betonte, bade die ReichSposiverwallung den Beamten und Unlerbeamten Ende Dezember 1817 eine einmalige Teuerungszulage von 200 M. uno 20 M. aus jedes Kind bis zu 16 Jahren gewährt. Die SlaatS- arbeiler und Handwerker warten fr« heute vergeblich. Trotz mehr- inaliger Gesuche um eine einmalige Teuerungszulage sei keine Antwort erfolgt. Dieses Schweigen des Reichspostamts habe unter den Telephonern bereit« eine starke Erbitterung hervorgerufen, umsomebr. als eS ihnen nicht möglich sei, von ihrem täglichen Verdienst die notwendigsten Gegenständ« des täglichen Bedarf» zu bestreite». Eine Resolution, in der eine Erhöhung der Löhne und lautende Ten rungszulagen aller Telcphoner. HilsSarbeNcr und Arbeiterinnen ge- fordert wird, fand einstlmmige Annahme. Patteinachrichten. Die dentsch-österrcichische Sozialdemokratie bewilligt das Budget, verweigert die Kriegskredite. Der Klub der deutsch- österreichische» sozialdemokratische« Ab- geordneten hat folgenden Beschluß gefaßt: .Der Klub der deutschen« sozialdemokratischen Abgeordneten hat seine Stellung zu der Regierungsvorlage über da« Budge!- Provisorium beraiea. Der Klub hat beschlossen, gegen dt« 2 und 8 der Regierungsvorlage zu stimmen, die die Kriegskredite enthalten, aber sür den§ 1 der Vorlage, der die Regierung zur Einhebung der Steuern und zur Bestreitung der normaien Dlaau ausgaben ermächtigt. In dritter Lesung ivird der Klub iür d>e Vorlag« nur dann stimmen, wenn die§§ 2 und 3 iKriegSkredür ausgemerzt sein werden. Für Krregslredite wird der K l u b n i ch t st j nr m e n. Die deutsch-österreichischen sozialdemokratischen Abgeordneten sahen sich vor de» Zwang emcr Entscheidung durch daS Verhalte» der Polen gestellt, die zu der unbedingten Opposition der Tschechen und Südslawen abschwenkten, so die Regierungsmehrheit elschültexten und die Bewilligung de» BudgelprovisoriumS ge- fährdeteu. Die Regierung drohte mit der Vertagung des Parla- menlS und mit dem z 14. und in dreier Situation verzichteten die deulich-österreichiicheu Sochialdemokraten auf die in der Ablehnung des Budget» gelegene Demonstration gegen den Klasienstaar, nur das Parlament und mir ihm einige geplante Verbesserungen der Lage der Arbeiterschaft zu retten. Die demich-österreichischen sozialdemokratischen Abgeordneten machen aber zur Bedingung für die Annahme de» Budgetproviso- lium», daß damit eine Bewilligung von KriegSkrediten nicht vcr- bnnden ist. Verantwortlich sür Politik: Erich Itultncv. Berlin; für den übrigen Test beb BlatteS: Alfred Scholz, Neukölln: jü: Anzeigen: Theobor Glocke, Berlin. Verlag: VorwärtS-Berlag G. m. fi. H., Berlin. Druck: VorwärtS-Buch- druckerei und VerlagSanstolt Paul Singer u. Co. in Berlin, Lindenstraße 3. Hier»» 1 veilage»ud Uiicrhaltuagiblett.