Nr. SS. M. Jahrg. Bezugspreis» Z?iirteys?rl.<50 Mr. monatl. srei ms Hans. vorauZzahldar-Einjeine Rumniern 10 Bfg. Postbezug: Monat- lich 1�0 Mk. Unter Kreuz band für Dcutfchland und Oesterreich-llnxarn L.— Ml, für das übrige Ausland <50 Ml. monatlich. Perl and ins Feld beidireller Bestellung menail. l�o lvll. Postbeslellungen nehmen an Däne- marl. Holland. Luxemburq, Schweden und die Schweiz. Eingetragen in die Post'dieitlmgs-PrciSliste. Erschein» täglich. lretegramm- Abrufe: »Sozialdemokrat Berlin' ( 10 pksnnis ) Anzeigeuvreiö: Derlinev Volksblakk. Dieslchengesvalkklieiiolonelgcilekasirt W Big.»Kleine Anzeigen", de- skllgcdNtlkie Wort itO Pfg. fzulüfiiq 2 fettgedruckte Worte), jedes weitere Wort 10 Pjg. Steliengeinchc und Schlafftellenanzeigen da» erste Wort 10 Pfg, jedes weitere Wort 5 Pfa Worte über 15 Buchstaben zählen mt zwei Worte. XeueningSzuichlag 20»t«. keamilien- Anzeigen Si» Pf».. Volitische u. gewerkfchasMchc Bereins- Anzeigen so rtfg. die Zeile. Anzeigen für die nächste Nummer müssen bis k» lllir nachmiU. im Haudtgelchiist. Berlin SW.6S. Linde, istrahe ab> oeacben werden. Sessfnet tu« z Uhr frth bis 7 Uhr abends. Zentralorgan der rozlaldemokratifcben Partei Deutfchlands. Redaktion: SM. 6$» Linöenstraße 5. gernsvrecher: Amt Morttistla«. Str. ISi gv— 151 97.. Donnerstag, den 7. März 1S18. Expeöition: EW. SS» tinüenstraße 2. Kerniprecher: Am» Moritzvlatz, St». Ik»l SV— lSI»7. Vorfriede mit Rumänien. Die Zrieöensvereinbarung mit Rumänien. Berlin, 6. März. Amtlich. AuS Bukarest wird von» 3. März gemeldet: Im Schlosse Bustea bei Bukare st wurde heute 7 Uhr nachmittags von den bevollmächtigten Vertretern der Vierbundmächte und dem rumänischen Bevollmächtigten folgender Vertrag unterzeichnet: Beseelt von dem gemeinsamen Wunsche, den Kriegszustand ztvischen Deutschland, Oesterreich-Ungarn, Bulgarien und der Türkei einerseits und Rumänien andererseits zu beenden und den Frieden wieder herzustellen, sind die Unterzeichneten(folgen die Namen der fünf Rs�iernngsvertrcter) dahin übereingekommen, daß, nachdem der zu Focsani am Dezember 1917 unterzeichnete Waffenstillstandsvertrag am L. März gekündigt und am 5. März 1918 um 12 Uhr mittags abgelaufen ist, vom 5. MSrz 1918 mitternachts an eme vier- zehntägige Waffenrnhe mit dreitägiger Kündigungsfrist laufen soll. Zwischen den Unterzeichneten besteht vollkommene U e b e r e i n st i m m u u g darüber, daß innerhalb dieses Zeitraumes der endgültige Friede abznschliche« ist, und zwar auf Grundlage nachstehender Bereillbarnug: 1. RumSnien tritt an die verbündeten Mächte die Dodrudscha bis zur Donau ob. 2. Die Äiüchtr beS ÄierünudeS werden für die Erhaltang veS HandclSwegeö für Rnmänieu über Konstanza «ach dem Schwarze« Meer Sorge tragen. ». Die vou Ocsterreich-Ungar» geforderte« Grenz- berichtignnge» a» der Ssterveichifch-nngarisch- ru«n«ischeu Grenze werden von rnmäaisther Seite grundsätzlich angenommen. 1. Ebenso werde» der Lage entsprechende Maßnahmen aus wirtschaftlichem Gebiete grundsätzlich zugestanden. 5. Die rumänische Regierung verpflichtet sich, sofort mindestens acht Dioifionra der rumänischen Armee zu demobilisieren. Di« Leitung der Drmobilmachuiig wirb gemeinsam durch das Oberkommando der Heeresgruppe Mackensen und die nimäuische Oberste HeerrSleitung erfolgen. Sobald zwischen Rußland ünd Rumänien der Friede wiederhergestellt ist, werden auch die übrigen Teile der rnmänische« Armee zu demobilisieren sein, soweit sie nicht zum Sicherheitsdienst nn der rnssisch-xumänischen Grenze benotigt werden. 6. Die rumänischen Truppen haben sofort da S. von ihnen besetzte Gebiet- der österreichisch«ungarischen Monarchie zu räumen. 7. Dir rumänisch« Regierung verpflichtet sich, den Transport von Truppe» der verbündete« Mächte durch dir Moldau und veßarabie« nach Odessa risenbohntechnisch mit allen Kräften z» nnterstützen. 8. Rumänien verpflichtet sich, die noch in rumänischen Diensten stehenden Offiziere der mit dem Vierbundr imKrirge befindlichen Machte sofort zu entlassen. Diesen Offiziere« wird seitens der BirrbundSmächt« freies Geleit zu- gesichert. 9. Dieser B e r t r a g tritt sofort in Kraft. Zu Urkund dessen haben die Bevollmächtigten diesen Ver- trag unterzeichnet und mit ihren Siegeln versehen. Ausgefertigt in fünffacher Urschrift in Bustea am 5. März 1918. CS folgen die Unterschriften. * Wien, G. März. In» Abgeordnetenhause machte zu Beginn der Sitzung der Ministerpräsident Mitteilung von der Unterzeichnung des PräliininarfriedenS mit Rumänien und gab den Inhalt des Vertrages bekannt. Der Ministerpräsident schloß mit den Morien: Ich erlaube mir, das Haue aufrichtig dazu zu beglückwünschen, daß durch das militärische und politische Zukammenwirken Oesterreich- Ungarns mit seinen treuen Verbündeten diese neue wichtige Etappe auf dem Wege zum allgemeine u Frieden erreicht worden ist. (Lebhafter, lang anhaltender Beifall und Händeklatschen.) Die mWschen Ereignis) e und Frankreich. Stockholm, 6. März.(Eigener Drahtbericht des„Vor- wärts".)»Stockholm Tidnirzgen" berichtet auS Paris, daß die russischen Ereignisse bei allen Parteien daS Gefühl der nationalen Gefahr verstärkten und eine dementsprechende Amiäherung bewirkten/ Die Stimmung werde gekennzeichnet durch Artikel der„Humanite" und des »Pays", die mit der übrigen Presse unbedingt das Elsaß fordern und durch die gemäßigtere Sprache, die Barrös gegen Caillaux führt. Man sieht hoffnungsvoll den Ereignissen im fernen Osten entgegen, hegt aber gleichzeitig die un- bestimmte Befürchtung, daß Deutschland den Schutzwall Europas, welcher Rußland war, nicht ersetzen könne. Einst horte nian'S anders auS Frankreich. Der erste Napoleon prägte das politische Mezkwort: Soll Europa kosakisch werden? Die Politik seiner Enkel klebt dem Russenreich das Etikett an»Schutzwall Europas". Aber Schutzwall gegen wen? Da Europa genannt wird, kann nur die sogenannte gelbe Gefahr gemeint sein. Und davon redet die französische Presse in dem Augenblick, wo die französische Staatskunst hilfswillig der Landgier Japan« beisteht, das asiatische Rußland an sich zu reißen. Um die» imperialistische Ziel ungestört verteidigen zu können, wird Deutschlnnd als Schreckpopanz in den Vordergrund gerückt, und man hofft, daß dieses Mittel Breite genug hat. um die Wahrheit der ostasiatischen Vorgänge vor der franzöfischen Oeffentlichkrit verstecken zu können. Denn die Dinge liege» so* daß Japan seinen Bundesgenossen England und Frank- reich seinen Willen diktiert. Daß diese nach der japanischen Flöte tanzen' müssen, da sie dil� Schwächeren in Ostasten geworden sind, soll natürlich verborgen werden. Auch Pichons Erklärungen im französischen Kammerausschuß für Auswärtige Angelegenheiten operiertest nach diesem Rezept. AuS diesen Erklärungen gibt der„Matin" Einzelheiten. Er sagt: In dem Augenblick, wv die maximalistische Propaganda die Oberhand gewinne, bereite Sibirien sich vor, die ungeheuren Vorräte an sich zu raffen, welch« die Japaner für die russische Regierung angehäuft hätten. Energisch« Maß« nahmen drängten sich auf, eS sei sicher, daß daS, was in die Hände der KazimaltstM falle, eine B�ve de» Feindes würde. ES fei also Pflicht der Alliierten, die Erzeugnisse in Verwahrung zu nehmen, welche sie für sie verbündete Regierung bestimmt hätten. Japan könne bitlger weise allein vorgehen, eS ziehe aber vor, im Einvernehmen mit den Allt- i« r t e n zu bandeln. Wilson habe nach gewisienhafter Prüfung festgestellt, daß daS japanische Eingreifen im Austrage der Alliierten dem Grundsatz, welchen er ausgesprocher habe, in keiner Weise zu nahe trete. ES.handle sich nicht darum, auS der russischen Verwirrung Vorteile zu ziehen, oder gegen den bisherigen Alliierten feindlich aufzutreten, es Handel« fich vielmehr um einen Schachzug gegen das deutsche Eindringen, welches die Zerstörung deS Gleichgewichts der Mächte in Asien erstrebe. Die maximalistische Regierung habe durch die Nnterzrichnung deS schimpflichen Friedens die Verträge verletzt. Millionen Russen machte» sich darauf gefaßt, preisgegeben zu werden. DaS Eingreifen der mächtigen japanischen Armee sei das natürliche Mittel deS Vorgehens der Entente in Rußland. Die Aufgabe Japans werde abgeschlossen sein, wenn sie die Hand, welche Deutschland auf Rußland und Asieu lege, zurückgestoßen haben werde.__ Japans sibirische Aktion. New N o r k, K. März.(Renter.) Die„Associated Preß" meldet and Washington: Dir Vereinigte« Staaten sind grundsätzlich mit Japan, Großbritannien und den andere» Alliierten z» einer N e b r r e i«- k u u f t über das Vorgehen in Sibirien gelangt, die Einzel- heiten bleiben jedoch noch«nszuarbeiten. Daß diese Uebereinkunft zunächst den Sinn hat, die Japaner geloähren zu lassen, ergibt sich auS einer Reuter- Meldung aus Washington, dtc, vom 5. März datiert, folgendes sagt: Man glaubt, daß die militärische Aktion Japans in Sibirien unmittelbar bevor st cht. Die amerikanische Regierung hat keinerlei Erklärung abgegeben. Ju diplomatischen Kreisen verlautet, daß die Japaner mit Rücksicht auf die dringende Notlvendigkeit rasch vorgehen und gleichzeitig die diplomatischen Nerhand- Inn gen fortsetzen»Verden, um mit den Vereinigten Staaten und den Alliierten sich über den Umfang und das Ziel der Aktion zu einigen. „Nieuws van den Dag" schreibt: Gegen die zunehmend« Anarchie in Sibirien hatte die japanische Regierung bereits ihre Maßregeln getroffen. Es sei bekannt, daß schön vor eini- gcr Zeit Wladiwostok wie C h a r b i n durch japanische Truppen besetzt worden sind,..um die Ordnung zu Iwnd- haben". Der einzige eisfreie russische Hafen in diesem Weltteil, sowie der bedeutendste Eisenbahnknotenpunkt sind also bereits in der Mackt Japans. Die neuen Pläne der japanischen Rr- gierung, Pläne, die so wichtig erscheinen, daß Ja- panL Bundesgenossen die Köpfe zusammen- stecken, müssen etwas anderes bezwecke». Es ist deutlich, betont das Amsterdamer Blatt, daß die Regierungen der Entente im Hinblick auf Japans Pläne ziemlich beunruhigt sind. Der Ton der amtlichen Telegramme aus London, Paris und Washington verrät das zur Genüge. Es wird uns zu nachdrücklich versichert daß die Amerikaner und Engländer am liebsten sehen würden, wenn Japan allein in Ostafien vorginge, als daß wir nicht vermuten sollten, daß sie gute Miene zum bösen Spiel machen, preußische Reptilienzucht. Ein privates Rcklamcmonopol. Bon Max Ouarck. Da streiten sich die Leute herum, ob für die kontluenden großen StaatSbcdnrfniffe Monopole zu schaffen seien, die den leeren Staatsläckel mit einem kräftigen Strom von Gold füllen sollen? Eine ganze gelehrte Literatur darüber ist erschienen, mit einerseits und andererscitL, mit kräftigen Vorstößen van links für gewisse fast spruchreife' Steuer- monoPole, mit ängstlichen Verwahrungen auS der Mitte der Parteien gegen die nNhcimlichr Ausbreitung der Staatsallmach.t. die da drohe, oder von rechts mit ganz � mchmbünnten Gründen der nacktesten Jnteressenpolttik dagegen, daß. einer mächtigen Erwerbsgruppe-die melkende ,Ku.h genommen werden dürfe, ans der sie so viel schöne Milch zieht. Dabei werden wir mit einer Reihe kleinen Stenern, auch mit recht großen geplagt, deren Snmme viel mehr Unmut rnismacht, als eine einzige unerschrockene MonopolisienmgStat in den breiten Massen erregen kann. Inzwischen aber gehen die Regierungen daran, in aller Stille und Heimlichkeit Erwerbs- monoPole für sich und andere zu schaffen und fragen den Teufel nach all der gelehrten Literatur. Sie handeln nach FaustS Wort:„Im Anfang war die Tat". Eine solche Tai, deren Beurteilung freilich sehr verschieden- artig kanten dürfte, ist in diesen Ta�e» von der preußisch- hessischen Eis- n bahn ver io n t t u n g sowie der Ber- wastung der ReichScisenbaynen ausgeführt worÄen. Die beiden Verwaltungen haben unterm 21. Januar d. I. mit dem Vcrlagsbuchhändler Reimar Hobbing in Berlin einen nach vielen Seiten bedeutsamen Vertrag abgeschlossen, der die ge- werbSmätzigc Reklame innerhalb deS ganzen Bereichs jener Eifrnbahnverwaltungrn regelt. Die„Franks. Ztg." machte iu ihrer Rümmer vom 27, Januar d. I. die ersten Mitteilungen über die einzigartige Begünstigung deS Verlegers eines Rc- gierungSblatteS. Die Angaben über den weiteren Inhalt des erstaunlichen Verttags, die ich in: Nachfolgenden auf Grund gcvaucr Kenntnis von seinen Einzclbestftnmurigen machen kann, lassen feine politische und wirtschaftliche Bedentung erst in vollem Maße erkennen. Bisher teilten sich, wenn ich recht nniarrichtet bin, drei- zehn Unternehmer in die Reklame auf den preußisch-hessischen und Reichseisenbahnlinien. Jeder dieser Geschäftsleute hatte den Bezirk mehrerer Eisenbnhndirektionen zu Reklamezwecken gepachtet und betrieb ihn schlecht und recht, während dek- Krieges natürlich mehr schlecht als recht, weil die trüben Zeiten nichr gerade eine Aufforderung zu überniäßiner Sieklame sind. Manche der Leute sind seit Jahren in diesem Pachtverhältnis und haben während der ersten KriegSjahrc vielfach die Ge Winne zugesetzt, die sie in den Jahren vor dem 5lriege gemacht hatten. Einzelne sind auch in dem Krieg in das Pachtverhältnis eingetreten und haben zunächst lediglich zngesetz! in der Hoffnung, bei der Fortdauer der Vertrage nach Friedensschluß sich geschäftlich zu erholen. Daß man die Reklame bisher bezirksweise verpachtete, hatte seine guten, geschäftlichen Gründe. Auf diese Wesse bekam kein Gcneralpächter die nicht, unbeträchtliche Macht in die Hände, die publizistisch in einem Pachtvertrage liegt, der das ganze Eisciibahnnetz umfaßt und poliftsch wie ge- schäftlich sehr mißbraucht werden kann.'Daneben konnten die verschiedenen Einzclpächter den örtlichen Bedürfnissen eher gerecht werden nnd ihren kleineren Bezirk intensiver bearbeiten. Diese Chance war auch nötig, denn die ReklamebesugniS der 13 Pächter war seitens der Eisenbahnvcrwaltung auS guten Gründen sehr erheblich eingeschränkt. In der Hauptsache standen ihnen nur die Unterfiihrungen der Bahnhöfe zur Verfiigung. wo sie die bekannten großen Holztafeln mit Reklameschildern anzubringen hatten. Außerdem noch einige wenige Stellen in den Bahnhöfen. Die Außenwände der Bahnhofsgebäude' durften von ihnen nicht zu Reklamezwecken benutzt werden und ebenso hatte bekanntlich die Eisenbahnvcrwaltung bis auf eine bekannte Berliner Ausnahme die Innenwände der Eisenbahnabteile von Reklamebildern freigehalten in der richtigen Erwägung, daß man den Menschen, oie stundenlang in diesen Abteilen sitzen müssen. nicht gerade noch die Angenplage schreiender Rcklamefchildcr zu allen übrigen Beschwerden des Reifens bereiten soll. Ins- gesamt löste die preußisch-hessische Eisenbahnverwaltting auS diesen Pachtverhältnissen die immerhin ganz niedliche Summe von 300000 M. im Jahr. DaS alles soll nun anders werden. Herrn Reimar Hobbing wird durch einen Gcneraldertttag daS?aIle.inige und ausschließliche Recht zur Ausübung der gewerbsmäßigen Reklame auf fast dem ganzen deutschen Eisenbahnnetze übertragen. Er tritt allmählich nach Maßgabe deS Ablaufs der bisherigen Einzelverträge in das Pachtrecht ein und dieser Ablauf läßt sich außerordentlich beschleunigen. weil die Eisenbahnberwaltimg das Recht hat, jene Verträge in ziemlich kurzer Frist zu kündige!?. Nur iveun nach dem Ermessen� der Eisenbahnvcrwaltuiig die Aufhebung eine be- sondere Härte bedeuten>vürde, kann daS Vertragsverhältnis bis zu zivci Fahren nach Beendigung des Krieges bestehen bleiben. Irgend eine Entschädigung ist für die gewesenen Pächter, ivenn sich der General- Pächter niit ihnen nicht einigen kann, nicht vor- gesehen, wogegen dein neuen Generalpächter im Falle der Vertragsauflösung eine recht ansehnliche Entschädi- gnng zugesichert ist. Das nennt man gleiches Recht für Alle! Im Gegensatz zu dem bisherigen Zustande erstreckt sich die iwue Generalpacht ans die sämtlichen Bau stich leiten des gesamten Geländes der E i s e n b a h n p e itiv a l t u ii g sowie auch noch auf s ä m t- liche Züge und enthält im einzelnen die Besngnis, ge- inerblichc Anzeigen in den Fluren, Vorhallen, Wartesälen und Hallen der EmpfängSgebäude, in und an den Unter- iilbrungen, in den Treppenaufgängen und an den Treppengeländern. auf den Bahnsteigen, an den Grenz- und Abschluß- gitlcrn,. zwischen und hinter den Gleisen, an den Rückseiten und Scheidewöudcn der Ruhebänke, an den der Eisen bahm gehörenden Zugangsstraßen, an den Bahnlvärter Häusern und anderen Dienstgebäuden, überhaupt auf allen nicht für Eisenbahnzwecke benutzten Plätzen, ferner sogar au den Außenseiten der bahneigenen Güter- und Gepäckwagen 'bwie iin Jimern der bahneigenen Personenwagen cinschließ- ficki der bahncigcncn Schlaf- und Speisewagen, und zivar waiohl in den Abteilen als auch in den Seitengängen der T'.irchgangNvagen anzubringen. Die Bepslasterung auch aller Außenseiten der Bahngebäude soll soweit zugelassen werden, djiß sich die Eisenbahnverwaltung zu einer sehr bczeickmenden Einschränkung genötigt sieht: durch die Reklame darf die Erkennbarkeit der B a h n h o sis b e z e i ch n n n g und der amtlichen A n S h ä n cx e nicht g e st ort>v erden! So vcr- schwcnderisch soll Herr Hobbing mit der Ueberschüttung der Baanlagen durch Reklameschilder versahreu dürfen. Wenn sich daS die frühers» Teilpächter jeiuats im Traume vor- gestellt bLttau! Die ästhetische Wirkung dieses einzigartigen Pachtvertmges kann man sich kauin ausmalen. Aber auch daS ist ncM) nicht genug. Dein neuen Unternehmer wird das alleinige Recht zur Csnlcgnng von Druckschriften in die Züge überttchge». WaZ das bedeutet, kann nur derjenige schätzen,' der Verleger eines Regierungsblattes ist. wie H?rr Reiniar Hobbing. Er hat bekanntlich die kitzliche Aufgabe übernommen, aus der„Norddeutschen Allgemeinen Zeitung" ein Weltblatt zu machen. Wenn er so bescheiden äst. sein Recht auch nur für diese bei den Behörden gchviß nicht im Verdacht stehende Zeitung und ihren Fnscratculeist gründlich auszunutzen, so erhält er die Möglich- keil, seinen Annoncen die Verbreitung zu geben, die kein anderes Blath m Deutschen Reiche erreichen kann. Und die Eisend ahnverNnÄtuiig hält offenbar die„Norddeutsche All- gemeine Zcitumz" für bedürftig und würdig dieses nicht eben kleinen Geschenkes! Es blühen uns herrliche Zeiten, wem» jeder Eiscirbtihureisende. der Berlin verläßt, ausschließlich niit der„Norddeutschen Allgemeinen Zeitung" in der Hand unter dein erheberÄan Eindruck ihrcS offiziösen Inhalts ist. Man muß es Herrn von Breitenbach lassen, er versteht sich auf die Züchtung stgp hs treuer Gesinnung im größestcn Maßstahe. Was Herr Renimr Hpbbing für diese- Rtesenvorzüge des neuen Gciwrulpmhts, der ihm auch noch Frachtfreiheit für oie Reklamen und freie Fahrt für seine Aussichtsbeamien zu- sichert, zu leisten hat. ist nicht übermäßig viel. Daß die bis- herigen Teilpächter weder von Frachlsreiheit noch von freier Fahrt irgend etwas gewußt haben, braucht gar nicht erst versichert zu werden. Immerhin zeigt die Festsetzung der Pacht- summe, daß auch die Eisenbahnvcrwaltiuig mit kolossalen Einnahmen rechnet, die Herr Reünar Hobbing au? dem Pacht- uerlrag ziehen dürste. Solange seine Noheinnahmen die Suintne voll'2 Millionen Mark im Jahr nicht übersteigen, zahlt der Uziteruehmec äO Pcoz. derselben. Ueb ersteigt die Roheinnahme jene Summe, so, erhöht sich die Gebühr für den überschießenden Betrag ans 6t) Prvz. Dabei sollen unter diese Roheinnahmen noch nicht rimnal die Vergütungen, die Herr Hobbing von seinen, Auftraggebern für Anbringung. Beseitigung, Instand- sctziing usw. der Reklamen erhebt, und ebensowenig diejenigen, die er für die Lieferung von Aushängen einkassiert. Selbst wenn man � davon absieht, daß der neue Generalpächter an? der Lieferung von Aus- hängen, die er für den Reklamebediirftigen leicht vorschreiben kann, noch ein sehr respektables Nebcn- geschäst machmH wird, sind diese Bedingungen mehr als liberal und sicher bisher in eincnr Pachtvertrage der Eifeubahnverwaltmig'noch nicht dagewesen. Aver es koiinnt immer noch mehr! Herr Hobbing ist in den ersteil fünf Jahren in der B e m c s s u n g seiner Geb ü h r e n grundsätzlich frei. Erst nach dieser Frist ist die Auf- itellüng eincS Tarffs für ihn in Aussicht genommen. Hat jemals ein Mensch in Preußen gewußt, daß die Eisenbahn- Verwaltung ein so goldenes Herz habeil kann'-k lind noch bei der Zahlung der Pachtsumme kommt sie Herrn Hobbing in reizender Weise entgegen. Er braucht sie erst nach Schluß jeden Jahres in den ersten Tagen des Januar zu ent- richten. Er kann also mit seinen gewonnenen � Millionen nochmals Zinsen machen, auf die die großmütige Eisen- bahnverwaltung mit einer charmanten Handbewegung ver- zichtet... Das Pachtrccht beginnt drei Monate nach Finedensschluß. läuft unkündbar aus nicht weniger als 13 Jahre und läuft dann noch Inn drei Jahre weiter, wenn eS nicht mindestens zwei Jahre vorher gekündigt ist. Ilnd niit holder Vertrauens- ieligkeit wird dein Unternehmer gestattet, das Geschäft als offene Handelsgesellschaft oder G. in. b. H. zu betreiben. sobald er nur den ausschlaggebenden Einfluß dort behält und am Vermögen der Gesellschaft wenigstens zur Hülste beteiligt ist. Danach ist i'z gar nicht sicher, ob Herr Hobbing nicht eine Gesellschaft mit ganz geringem Kapital gründen und ob die Eisenbahnverwaltung nicht in dem.Falle, daß jene uinwirft, mit sehr langer Nase das Nach- sehen' bei ihren Vertragsansprüchen haben kann. Freilich sind das nicht allzu viele! Als Kaution beispielsweise braucht Herr Hobbing iinr den Betrag von 30 000 Mark zn hinterlegen, eine Sliiiinie, die zu dem Objekt der Generalpacht in gar keinem Verhältnis steht. Ein junger Handelsbeflissener, dem wir den Vertrag. vertraulich zeigten, meinte, damit getraue er sich auch ein Geschäft anzusaugen. Offenbar sei die Urkunde nicht von der Eisenbahn, sondern von dem Rechtsanwalt des Herrn Hobbing clstworfeu... So ein Grünschnabel! So»vas passiert noch im Jahre des Heils 11)18 in Kriegs- nöten, die zahllose Mittelstandsexistcnzen mit ihrem ganzen Der Waffenstillstandsvertrag mit Ru- mftnien— Deutsche Truppen bei Eckerö ans den Alandsinseln gelandet— Ge- sechtstätigkeit im Westen. Amtlich. Äro�es Hauptquartier, 6. März 1916. iW.-T. B.i Westlicher Kriegsschauplatz. Heeresgruppe Kronprinz Rupprecht. Heftige Fcacriibcrsällc richtete der Zeind gegen unsere Strlluiigc» auf dem Nordufcr der L y s. Ein starker eng- lischcr Vorstoß bei R a a st e n wurde im Nahkampf abgewiesen. Beiderseits der Scarpr und in Verbindung mit eigenen er- solgreichen Erkuildungeir nördlich und südwestlich von S t. Q u e n t i n lebte die(Defechtotätigkeit auf. Heeresgruppe Deutscher Kronprinz. A» einzelnen Abschnitten Arlilleriekampf. Sturmabteilungen draugc» in der Gegend von O r n e 3 in die französischen Gräben und brachten 28 Gefangene ein. HeerrSgrüppe Herzog Albrecht. Südlich vom R h e i»- M a r n e- K a u a l, im T h a n n r r Tal und bei Altkirch rege Tätigkeit der Franzosen. Osteu. In Verfolg der von brr finnländischen Regierung erbetenen militärischen Hilfe sind deutsche Trnppc» auf den Alands- i ii s e l n gelandet. Der Waffen still st andsvertrag mit Rn- m ä« i c n ist von neuem formell nuterzeichnet worden. Friede n Sverhandlauge» schließen sich nnmittel- bar an. Bon den anderen Kriegsschaupläiirn nichts NeueS. Ter Erste Generalquarticrmcister. Ludendorff. Berlin, 9. März. Ein zur Einrichtung eines E t a p p e u p l a tz e s für die HilfSaktiUn nach Finnland bc- stimmte? Teil unserer Seestreitkräfte hat am 3. März nachmittags bei Eckerö auf den Alands inseln geankert. Der Chef des AdmiralftnbeS der Marine. Abendbericht. Berlin, 6. März 1918. abends. Amtlich. Von den Kriegsschauplätzen nichts Neues. Der österreichische Bericht.. W i e u, 6. März 1918. Amtlich wird vcrlaütbart: A» der italienische» Front keine besonderen Er- eignissc.* Der Waffen st itlsta» dsvertrag mit Rumänien wurde formell unterzeichnet. Ruf Grund desselben begiimcu nunmehr die Fricdrusverhandlungeii. * Ter Chef des GencralstabeS. Geschäft bezahlen, und ailsgerechnet in dem Preußen, in dein soeben das freie Wahlrecht eingeführt werden soll. Doch hat man am Ende- eben deshalb Eile gehabt, den Vertrag unter Dach und Fach zu bringen: was bedeutet, daß vielleicht doch sogar der alte preußische Landtag mit dem Dreiklassenwahlrecht noch genug Kraft und Anstand auf- bringt, das verheißungsvolle Nnternehnien des Herrn v. Breiten- bach und des Herrn Reiinar Hobbing einer liebevollen Prä- fnng zn unterziehen._ Nußlanö und Finnland. Stockholm, 3. März. Laut der. linkssozialistifchen Zeitung „Politiken" wurde am 1. März im Smolny-Jnstitut ein Vertrag unterzeichnet, der die Beziehungen zwischen Rußland und Finnland ordnet. Rußland tritt alloS unbcweglichc Eigentum ab wie Gebäude, Fabriken, Telegraphru, Eisenbahnen, beschlagnahmte Schiffe und Festungen, sowie die Gebiete am Eismeer. Finnland tritt die Eisenbahn von Vnlkensiari bis Petersburg ad, sowie die Tele- graphcnkadeln nach Rußland. Tie Festung Jno wird russisch. Ruß» land verleiht den finnischen Arbeiter» alle Rechte,»nd Finnland ver- schafft den Ruffrn Erleichterungen. Außerdem zieht Rußland sofort srine Truppen aus Finnland zurück. DaS Telegramm ist unter- zeichnet von der Abteilung des finnischen �BolkSkommiffariatS für Auswärtige Angelegenheiten. Anmerkung des W. T. B.:„Es handelt sicb offenbar um einen Vertrag zwischen der russische n und der f i n n i s ch- s o z i a l i st i s ch c n N c b e u r c g i c r u n g in Helsingsors." Warum„Nebenregierung"? Zurzeit ist sie Haupiregie- rung und daß sie sich als solche zn behaupten gedenkt, gibt sie durch den Vertragsabschluß zn erkennen. » Stockholm, 3. März. Wie mehrere Stockholmer Blätter auS Finnland melde«, haben die Weißen Gardisten Björneborg genommen. Zinnlanddebatte im fthwedisthen Reichstag. Stockholm, e. März. Der Ministerpräsident gab in der Zwei- ten.Aaurmer Antwort auf die von Th�re sReckrtAj.vxrtei) eingebrachte In t er p c ll a ti o n über dir Absichten der Regie- rnng, de« Finnen zu helfen, welche auf die Inseln im Finnischen> Meerbusen geflüchtet ivaren. Ter Ministerpräsident erklärte, daß er nicht genaü verstehe, was der Zivterpellmck beabsichtige. Falls e r e i n e b e- wo ff nete Intervention wünsche, so könne ihn die Regierung nicht befriedigen. Durch das Eingreifen des schwedischen Geschäftsträgers in Helsingsors seien in- zwischen in einigen Ortschaften gute Ergebnisse erzielt worden, und man hoffe, solche auch anderöioo erzielen zu können. Viele Flüchtlinge hätten sich den Roten Garden gefangen gegeben und würden als Kriegsgefangene nach internationalem Recht unter der Kontrolle der schwedischen Gesandtschaft bckhandelt werden. Die Regierung sei bereit, ans diese Weise jedweder Gruppe von Finnläudern, welche sich in Notlage befinden, zu helfest. Der Interpellant tadelke die Regierung, deren Politik in Finnland eine bittere Stimmung gegen Schweden erzeugt habe. „Schweden hat uns verraten," sage man. Alan müsse beweisen, daß die- nicht wahr sei. Greis Hamilton, der jetzige Führer der Linkspartei, machte dem Interpellanten denVo rwu r f, daß er Schweden in den K r: e g z w i n g e n wolle. Redner daMo 8eL ReKernng für ähr: Haltung mich Handlungsweise.- Der Linkssoziali't M a n s s o n forderte die Regierung auf. ihren groben Fehler/Truppen nach Aland zu senden, dadurch wieder gut zu machen, daß sie diese Truppen gleich zurück-« berufe. Ein Protest Eaillaux'. Bern, 8. März. Caillaux protestiert der Pariser Presse zufolge dagegen, daß erst- jetzt nach mehreren Wochen eine genaue Bestand- ausnähme über den Inhalt des Florentiner Kassen- ! ch r a n k e s seitens der französtschen Regierung veröffentlicht wurde, aus der hervorgehe, daß seine Angaben vollauf der Wahr- hcit entsprecheu. Der Verteidiger Ceecaldi erklärt in der Presse, daß mau die Oeffcutlichkeit getäuscht habe. Zu keiner Zeit und in keinem Lande hätte man ein derartiges Ver» fahren für zulässig gehalten. Das Ergebnis de? Eorteswahlen. Madrid, T.März.(Meldutzg der Agenee HavaS.) Die neue Kammer wird sich folgendermaßen zusammensetzen: 9 6 Demo» k r a t e ii, 3 9 Ä n h ä n g e r R o in ä n o n e s, 3 9 Anhänger Albas, 10 unabhängige Liberale, 93 Konservative, 27 An» Hänger Mauras, 23 Anhänger La CiervaS.S unab» hängige Konservative. 9 Anhänger Don JaimeS.S Katho" likeii, 1 Agrarier, 13 Republikaner, 9 Reformisten, 6 Sozialisten, l unabhängiger Republikaner, 20KataIonier, 3 nationalistische Republikaner, 3 kätalonische Nationalisten, 7 baskische Nationalisten. 1 asturischer Regionalist, 1 andalusischer Regionalist. der Krieg auf öen Meeren. Berlin, 3. März. Unsere Unterseeboote haben im Sperrgediet um England neuerdings 20 090 Br.-Reg.-To. Handeisschiffsraums versenkt. Bon den vernichteten Schiffen sind zwei besonders wert» volle bewaffnete Dampfer von je 6000 Br.-Reg.-To. in geschicktem Angriff, schärfster- feindlicher Gegenwirkung zum Trotz, aus demselben Geleitzug herausgeschossen worden. Eilier der Dampfer hatte Munition geladen. Zwei weitere tief beladen« D a in p f e r wurden an der O st k ü st e Englands ebenfalls aus Geleitz ügen herausgeschossen. Der Chef des AdmiralstabeS der Marine. Kleine Kriegsnachrlchten. Tie deutsch-niederländische Kicsfrage. Haag, 0. März. Amt- tich. DaS Ministerium des. AKißeren teilt mit. daß die deutsche Regierung die Zulassung« i n'e r niederländt scheu K o in mi s s i o n, die den Bedarf von Sand und Kies für bürger- liche Zwecke im besetzten Belgien und Nordfrankreich unter- J u ch c n sollte, abgelehnt habe. Die deutsche Regierung fei bc- reit, vorläufig von der Durchfuhr von Sand und Kies abzusehen, um der uiederländischen Regierung Schwierigkeiten zu ersparen. Sie bleibe aber auf ihrem Rechtsstandpunkt und behalte sich vor, auf die Angelegenheit zurückzukommen. Frankreichs Fahrgang Illlv. Paris,». März. Der Minister- rat genehmigte den Gesetzentwurf Kickreffend Einstellung des Jahr- gangs 1919. Der Entwurf wird später der Staniner zuHeheu. PrSsidentenwcchscl in Brasilien. Rodrigit A I v e S wurde zum Prästdente» der Rcpülilik gewählt, Delfin Mororra zum-Mze- �Präsidenten.. � � �-...... Ein« amerikanische Artilleriebesis in Frankreich. Reuter meldet aus Washington: DaS Kriegsdepa-rtcment der Vereinigten Staaten teilt mit, daß in Frankreich eine große Artilleriebasis errichtet wind. die 23 Millionen Dollar kosten wird. Diese Basis wird aus 29 großen Magazinen, 12 großen Werkstätten und Kundert Heineren Werkstätten und Magazinen bestehen. Mit dem Bau der Ar- t i l l.e r i c b a s i S. zu-deren Betrieb 430 Offiziere und 16 000 Mann nötig sein werden, wnrde vor mehreren W o ch e n b c g o n n e n, nachdem ein großer Teil des benötigten Materials und der übrigen Ausrüstung in Frankreich angekommen war. Das Kriegsdepariewent verlangte-vom Kongreß außer den bc- reits bewilligten 640 Millionen Dollar für die Durchführung der Luftrüstungen noch weitere 430 Millionen Dollar. Sinnseiner- Unruhen.„Matiu" berichtet unterm 28. Februar aus London, daß die. Sinnfeiyer-Beweguiig in der Grafschaft C l a r e an Ilm sang z uneh m e. Die Sinnfeiner bemächtigten sich namens der irischen Republik der Länderetcn, bestÄlten sie und näh- inen das Vieh weg. Die gefangenen Sinnfeiner verweigerten die Nahrungsaufnahme und müßten nach einigen Tagen aus der Hast entlassen werden. Ferner meldet Reuter: Aus verschiedenen Teilen Jr- I a n d s werden vereinzelte ,S 1 u n fe i n e r- ll n r u h e n gemeldet. Eine Anzabl mit Stöcken bewaffneter Leute hat sich der kleinen Stadt Kiltimagh im Bezirk Maho b e m ckch t.i g t.... John Rcdmonds Tod. London, ö. März.(Reuter.) Der Führer der irischen Natioiialtsteu John Edward Rcdmrmd ist in der vergangenen Nacht g c st o r b e n. MbgeorSnetenhaus. (22. Sitzung, Mittwoch, 6. März.vormittagSlIUHr. Am Ministertisch: Dr. Friedberg, Dr. Drews, von Eisenhardt-Rothe. Auf der Tagesordnung steht die Beratung dcS Haushalts der Ansiedlungskoimnisfion für Westprenßen und Posen. Dmnit wird eine allgemeine einheitliche Erörterung aller polnischen fragen verbunden. Abg. Dr. Seyda(Pole): Die polnische Fraktion wird sich an dieser Aussprache nicht be- teiligen, nachdem die Regierung unseren Forderungen, die durch Vertrauenskundgebungen sämtlicher polnischer Wahlagitationen voll gebilligt waren, nicht enlgegengekaimnen ist, sondern sie tu schroffer Weise abgelehnt hat.(Hört! hört!) Wir legen bei dieser Gelegenheit erneut Protest ein gegen den Friedens- vertrag in B r e st- L i l o w S k. Die Abtrennung des Cholmer Landes von Polen ist eine schwere Verletzung deS den Polen zuerkannten SelbstbeftimmungSrechts und ein brutaler Schlag gegen den oucki von den Mittelmächten anerkannten Grundsatz eines demokratischen Frieden- ohne Annexionen. Mit der Erklärung des" Reichskanzlers Grafen Hertling vom 25. Februar 1918 in bezug auf die Feststellung der westlichen Grenzen des Königreichs Polen wird eine Politik der Annexionen angekündigt, welche ein friedliches und freundnachbarliches Nebeneinanderleben des deutscheu und polnischen Volkes.unmöglich machen würde. Wir legen nochmals feierliche Verwahrung gegen diese bereits gerätigten und noch beabsichtigten Geivaltakte an der polnischen Nation ein und werden den ukrainischen Friedensvertrag niemals als Recht anerkennen.(Lebhafter Beifall bei den Polen. Lachen rechts.) Abg. Dr. Wolff-Gorki(I.): Mit-dröhnendem Hammer müssen wir an daS S chlaf« gemach der Regierung schlagen(Heiterkeit), damit sie endlich Nr.öS ♦ Zö.�ahrgaag Seilage öes Vorwärts Donnerstag, 7. März 191 S Der erste Kriegswucher-Prozeß gegen GroßinöustrieUe. Ein umfangreicher Strafprozeß, der nicht mir wegen der Per- sönlichkeiten der Angeklagten, sondern vor allem wegen einer zur Entscheidung ftohenden grundsätzlichen Frage von allergrößtem Jnterege ist, fand am Mittwoch vor der Strafkammer» des Wies- badener Landgerichts seinen Abschluß- Außer wegen Bestechung ist wegen Kriegswuchers Anklage erhoben worden gegen jMe Geschäftsführer der Maschinenfabrik Wiesbaden, Stadtrat Karl P h i l i p p i, Direktor Rudolf Philippi und den Pro- kuristen Wilhelm Fischer. Die zur Entscheidung stehende grundsätzliche Frage ist die, ob die bekannte Bundesratsverordimng gegen denKriegswucher vom 23. Juli 1915 auchaufdie Industrie angewendet werden darf. Alle bisherigen Prozesse wegen Kriegswuchers haben sich ausschließlich gegen den Handel gerichtet. Der Tatbestand der Anklage gebt auf die erste Krieg? zeit zu- rück, wo der damalige Miigeschäftsführer und Gesellschafter der Maschinenfabrik Heinrich Philippi als Hauptmann beim Pionier-Heerespark in Mainz stand und nach und nach seiner Firma für Heereslieferungen Aufträge in Höhe von vielen Millionen Mark zuführte. Insbesondere vergab er an seine Firma Lieferurigen an 'Schurzholz für Unterstände, die allein den Betrag von 1(5 Millionen Mark ausmachten. Daß diese Vergebungen möglich waren, wird darauf zurückgeführt, daß Hauptmann Philippi auf eine Anfrage seiner vorgesetzten Behörde erklärt haben soll, er habe mit der Ma- schinenfabrik Wiesbaden gar nichts mehr zu tun. Als auf vielfache Beschwerden der ausgeschalteten Konkurrenz die Angelegenheit zur Untersuchung kam, wurde Hauptmann Philippi Mitte 191(5 verhaftet und sitzt seitdem in Untersuchungshaft. Im Laufe der weiteren Untersuchung stellte sich heraus, daß bei der Maschinenfabrik Wies- baden zu seinen gunsten große Beträge verbucht waren, und zwar 1 Proz. aller Heereslieferungsaufträge der Maschinenfabrik. Hierin sah die Militärbehörde die sortlaufende Zuwendung einer Prooi- sion an den Hauptmann, gegeben zu dem Zweck, ihn zu veranlassen, ausnahmslos der Maschinenfabrik Wiesbaoen alle Aufträge zuzuführen. Weiler wurden vom Militärgericht auch die hohen Preise bemängelt, die vom Mainzer Pionier-Hoorespark der Maschinen- fabrik Wiesbaden bewilligt worden waren, und es wurden schließ- lich eine Anzahl von Bevorzugungen festgestellt, die im Gegensatz zu anderen Heereslieferanten nur der Maschinenfabrik Wiesbaden zugestanden worden waren. Das gegen Hauptmann Philipp, eingeleitete Strafverfahren endete mit der Verurteilung des Hauptmanns zu drei Jahren Gefängnis. Hauptmann Philippi hat gegen dieses Urteil Be- rufung eingelegt. Weiter wurden die Gattin des Haupt- manns und eine Freundin der Familie wegen Beihilfe zu l ä n- g c re n F re i hei ts st ra f« n verurteilt. Sofort nach der Verurteilung des Hauptmanns Philipp, wurde von der Oberstaätscmwaltschaft in Frankfurt a. M. gegen die drei jetzigen Angeklagten das Strafverfahren eingeleitet. Di« Anklag: wird daher nicht von einem Wiesbadener Staatsanwalt, sondern vom Staatsanwalt Lemkes- Frankfurt a. M. vertreten, da die B e- amten der Wiesbadener Staatsanwaltschaft sich wegen gesellschaftlicher und freundschaftlicher B-e Ziehungen zu den Angeklagten für befangen hielten. Unter den Leumundszeugen befand sich der Erste Staats- anwalt des Wiesb�ener Landgerichts Geheimrat Hagen, der ebenso wie der Wiesbadener Oberbürgermeister Glässing den beiden Brüdern Philippi daS denkbar hefte Zeugnis ausstellten. Ins- besondere erklärte der Er st« Staatsanwalt, daß er sich auch nach Erhebung der Anklage nicht veran- laßt gesehen habe, seinen Berkehr mit der Fa- milie Philippi aufzugeben. Den Hauptpunkt hei der DestechungSanklage bildete die Frage, wie die don der Maschinenfabrik Wiesbaden dem Hauptmann Phi- lippi gutgeschriebenen Beträge anzusehen find. Während die An- geklagten behaupteten, daß es sich daher um Vorschüsse auftdi« Tantieme gehandelt herbe, vertraten die Anklage und ihr Gutachter, Bücherrevisor F r i ck- Berlin, den Standpunkt, daß der Charakter dieser Zahlungen als Provision zweifellos sei. Ebenso hielten die Gutachter der Anklage daran fest, daß ganz erhebliche Uebcrgewinne erzielt seien, während die Verteidiger Dr. A l s b« r g- Berlin und Justizrat G u t t m a n n- Wiesbaden betonten, daß ei doch nicht notwendig gewesen sei. den Hauptmann Philippi durch Hergabe von Geld erst znr Erteilung von Aufträgen zu veranlassen, denn der Hauptmann war ja ohnehin an dem Gedeihen der Maschinenfabrik persönlich interessiert. Von den Sachverständigen der Anklage wurde zum Teil in schärsstten Worten gerügt, daß die Maschinenfabrik Wies- baden einen. Teil der Lieferungen in Unterlieferungen vergeben und dabei ebenfalls erhebliche Uebergewinne erzielt hätte. Festge- stellt wurde, daß die beiden jetzigen Angeklagten, um einem ihnen drohenden Zivilprozeß der Heeresverwaltung zu entgehen, im Wege des Vergleichs freiwillig aus ihren Ueberschuffen zwei Millionen Mark zurückgezahlt haben. Am Schluß der Beweisaufnahme beantragte Staatsanwalt Lemkes gegen die Angeklagten Karl und Rudolf Philippi Verurtei- lung wegen Bestechung und Kriegswucher zu einer Gesamtstrafe von je einem Jahr Gefängnis und 10 000 M. Geldstrafe sowie zur Rück- erstattung von 124 000 M. Bestechungsgeldern. Er hielt es durch die Beweisaufnahme für zweifelsfrei erwiesen, daß die Angeklagten ihrem Bruder die in Frage st«l>enden Beträge als Entgelt dafür zugewandt hätten, daß er die Maschinenfabrik Wiesbaden allein mit i Aufträgen bedachte. Die für das ganze deutsche Geschäftsleben tief einschneidende Bundesratsverordnung gegen den Kriegswncher wolle gerade verhüten, daß die Not des Krieges zu Bereicherungszwecken ausgenutzt werde. Die Angeklagten hätten gewisse ulos ge bandelt, wenngleich zu ihren Gunsten spreche, daß sie offenbar der Verfüh- rung des Hauptmanns Philippi erlegen seien. Gegen den Proku- risten Wilhelm Fischer beantragte der Staatsanwalt wegen ein- fachcr Begünstigung ein- Geldstrafe von 500 M. Verteidiger Rcchisanwalt Dr. Alsberg legte dar. daß dieser Prozeß für die deutsche Industrie von der größten Bedeutung sei. Es dürfe nicht dazu kommen, daß Deutschlands Dank an seine Masse n schmiede darin bestünde, daß man nachträglich die Industrie mit Kriegswucher- Anklagen verfolge(!) Staatsanwilt Lemkes meinte, daß man naäb diesen Ausführungen ja den Brüdern Philippi beinahe allein das Verdienst- dafür zusprechen müsse, daß die Durchbruchs- absichten unserer Feinds nicht gelungen seien. Richtig sei, daß dieser Prozeß von größter grundsätzlicher Bedeutung sei. weil er einschneidriidc BundcSratsverordnung gegen den Kriegswucher wolle vom 23. Juli 1915 falle. Diese zum erstenmal gerichtlich zum AuS- trag kommende Frage aber müsse besaht werden.- Das Gericht sprach sämtliche Angeklagten von derAnklagederBestechungunddesKriegswucherS frei./ CS nahm in Ueberetnstimmung mit der Aufsassirna der Per- teidigung an, daß Hauptmann Philippi nicht erst durch Vorteile be- wogen zu werden brauchte, seinen Brüdern die Austräge zuzuführen Auch beim Kriegsivucher teile daS Gericht die Auffassung der Ver- toidi gung, daß die Maschinenfabrik Wiesbaden für die Herstellung von Schurzhölzern nicht so zu kalkulieren brauchte wie ein Säge- werk, sondern an ihrer altbewährten Kalkulation». m e t h ode fe st halten durfte. Jedenfalls brauchten die Ang«- klagten aus der Höhe des Gewinnes nicht zu folgern, daß dieser Gewinn im Sinne der BundeSratsverovdnung ein übermäßiger war. GroMerlw Berliner als Reichstagswähler für Niederbarnim. Der ReichstagswahlkreiS Niederbarnim schließt in sich auch Teile der Stadt Berliu. Bon B e r I i n- O st gehört zu ihm grflßtenteils das Viehhofsviertel, das ihm benachbart ist. DaS mit dem ReichstagswahlkreiS Nicderbarnim wählende Berliner Gebiet umfaßt den Stadtbezirk 180.4., Teile der Stadlbezirke 180 B und E, Teile der Stadtbezirke 181 A und B, die Stadtbezirke 181 0 bis 181 K.(Die übrigen Teile der Stadtbezirke 180 B und 0 und der Stadtbezirke 131 A und B, zusammen eiwa 75 Grundstücke, gehören zu dem ReichstagswahlkreiS Berlin IV.) Mit dem ReichstagSwahl- kreis Niederbarnim wählen auch kleine Teile von Berlin- Nord. Sie enthalten aber nur einzelne Grundstücke, nämlich Schonensche Straße 10—15 von Stadtbezirk 248 C und Wriezener Str. 22 und 23 von Stadtbezirk 323 B.(Die Hauptteile dieser beiden Stadtbezirke gehören zu dem ReichstagswahlkreiS Berlin VI.) Diese wunderliche Abgrenzung des ReichstagSwahlkreiseS Niederbarnim erklärt sich auS der bisherigen UnVeränderlichkeit der ursprünglichen und längst veralteten WahlkreiSeinteilung. Seine zu Berlin gehörenden Teile wurden der Stadt erst lange nach Inkrafttreten jener WahlkreiSeinteilung durch Umgemeindung einverleibt. Umgemeindung des heutigen Vieh« bofsviertelS von Lichtenberg nach.Berlin erreichten die Berliner Gemeindebehörden im Jahre 1878, als sie dort einen eigenen Vieh- und Schlachthof einzurichten sich anschickten. Das umgemeindete Gelände hatte damals nur etwa 1750 Einwohner, bei der Volks- zählung von 1910 aber rund 62 000 Einwohner. Die kleinen Teile an der Nordgrcnze Berlins kamen von Pankow an Berlin erst in neuerer Zeit bei Gelegenheit von Grenzverbesserungen. Alle Um- gemeindungen aber«nd alle Aenderungen der Stadtgrenze blieben ohne Einfluß auf die vor einem halben Jahr- hundert durch Gesetz fe st gelegte Wahlkreis- grenze. Darum sind noch heute die Berliner, die in diesen aus Niederbarnim uach Berlin übernommenen Gebieten wohnen, Reichs- tagZwähler für Niederbarnim. Ter neue Verbandsdirektor. Gestern war der Ausschuß der Berbandsversammlung für die Wahl des Verbandsdirektors zu einer Sitzung zusammengetreten. Nach Bericht über die eingelaufenen Bewerbungsgesuche yrnrde eine Abstimmung vorgenommen, die folgendes Ergebnis hatte. Auf Stadtrat F i s ch b e ck entfielen 1 2 S t i m m e n, auf den bis- .herigen Verbandsdirektor Dr. Steiniger 6 Stimmen; 3 Stimm- zettel waren unbeschrieben, fodaß Stadlrat Fischbeck mit einer er- heblichen Mehrheit als Kandidat ausgestellt ist. Der in der Sitzung aufgetauchte Vorschlag, einen.Kompromißkandidaien" zu wählen, als welcher der Bürgermeister Dr. Maier-Charlottenburg genannt wurde, fand keine Gegenliebe. . Die sozialdemokratischen Mitglieder der Kom- Mission gaben die Erklärung ab, daß aus der Zahl der vorhandenen Anwärter der Schöneberger Stadtrat Dr. Licht der ihnen genehmste Kandidat sei. Da sie aber für diese Kandidatur in den Kreisen der Mitglieder der VerbandSveisanimlung keine ausreichende Unter- siüyung gefunden hätten, so würden sie, um eine Zeriplittcrung der Stimmen zu vermeiden, die Lkdndidatur Fischbeck unterstützen. Diese Entschließung, die ihnen nicht leicht würde, sei ihnen dadurch er- möglicht, daß Stadtrat Fischbeck �n den letzten Jahren in sozial- politischen Fragen eine entgegenkommendere Haltung eingenommen habe als früher, Städtische Baupolizei. Der Minister des Innern hat nunmehr mittels Verfügung vom ö. März dem Oberbürgermeister von Berlin die Verwaltung der Bau- und Fluchtlinienpolizei t�cim 1. April 1918 ab übertragen. Die Beamten der bisherigen Baupolizeiabteilung des Polizeipräsi- diumS treten znm weit überwiegenden Teile in die städtische Ver- »valtung über. Die Verwaltung'wird fortan in dem Gebäude Roß- straße 21/25 Unielkunft finden. Kein städtisches fleisch gestohlen. Da? N a ch r i ck t e n a m l teilt mit: lieber»umfangreiche Diebstähle auf deinZentralviehhos" gingen kürzlich Mitteilungen durch die Zeitungen. Aus der Ueberschrifl konnte ge- schlössen werden, daß dort auch für die Versorgung Lex Berliner Zivilbevölkerung bestimmtes Fleisch und Vieh gestohlen worden ist. DieS trifft jedoch, wie der Magistrat mitteilt, nicht zu, vielmehr ist lediglich die Heeresverwaltung, die ihre Schlachtungen auch auf dem Zentralviehhof vornimmt, durch die Diebstähle geschädigt worden. Berliner Lebensmittel. Auf Abschnitt 13 der Lebensmittelkarte entfällt V» Pfund, auf Abschnitt 14 ein Prund Marmelade. Die Voranmeldung findet in den durch Aushängeschild:„Verkauf von Marmelade auf Lebens- mittelkarlen der Siadt Berlin' gekennzeichneten Geschätten am 7., 8. und 9. März statt. Die Abgabe der Ware an den Verbraucher darf nicht vor dem 15. März erfolgen. Der Kleinhandelspreis für 1 Pfund Marmelade beträgt 0,92 M.« Gegen die Schießerei in de» Straßen Berlin» beim Transport von Mililärgefanaenen richtet sich'folgender Antrag der sozial- demokratischen Stadtverorduetenfraktioti: „Die Stadtverordnetenversammlung wolle beschließen, den Magistrat zu ersuchen, schleunigst alle geeigneten Schritte zu tun, um zu verhüten, daß beim Transport von Militärgefangenen durch die Siraßen Berlins Leib und Leben Unbeteiligter gefährdet werden."» Von anderen Fraktionen der Berliner Stadtverordnetenver- sammlung sind ähnliche Anträge eingebracht worden. Inzwischen wird weiter geschossen! Am Dienstagnachmittag sollte ein Militärgesangener nach der Elisabclhkaserne in Charlotten- bürg gebracht werden. In der Königin-Elisabelh-Straße versuchte er zu entfliehen, der Transporteur gab vier Schüsse ab. ver- fehlte ihn und verletzte aber eine Frau Reu mann auS der Fredericiastraße am Hinterkopfe. Im Wintergarten hat das Ballett des Dresdener Hof- thealers ein vielver'preckeiideS Gastspiel eröffnet. Es pflegt neben dem klassischen Ballett, das mit seinen Steifheiten und Ge- ziertheiten und nur noch' ausnahmsweise(wie bei den Russen) zu seffeln vermag, die freieren, leichteren und natürlichen Formen. Die vielfachen Tanzreformversuche der letzten 20 Jahre sind heute zu einen, gewissen Abschlüsse gekommen, dem auch die HolballeltS sich angeschlossen haben. Frisch und anmutig wirkten die hübschen Szenen mit Blindekuh- und Versteckspiel eines Mozartschen Balletts, gravitätisch und schalkhaft mit ausdrucksvollem Händespiel Webers Aufforderung zum Tanz. Frieda Heß und Jan Trojanowski, die Sterne der Dresdener, entzückten mit derben deutschen Tänzen und entfesselten Zigcunerwildheit in LisztS ungarischer Rhapsodie.— Das Varieteprogramm bot ein vaar Rummern, die. voll einschlugen, und Ernst Thorn überbot alles, was man je an Zauber lüusten sah, er hext ganze Menschen hin und her, daß eS eine Art hat. Die mit allerlei Ulk gewürzten Fangspiele von Toto und May sind von unübertrefflicher Gewandtheit. Dazu gesellten sich die Akrobaten- arbeit und Luftakte und die abwechslungsreichxn Musikleistungen der Familie A d e l m a n n und Sen'.a SönelandS einzigartige satirisch-parod istische Kunst. Zeugen gesucht! Personen, die gesehen haben, wie am 27. Februar, abends Vz7 Uhr. am A l e x a n d e r p l a tz ein Arbeiter aus der Straßenbahn gefallen ist. besonders die Dame und der Herr, die sich des Verunglückien so liebevoll angenommen haben und ihn zur Unfallstation begleiteten, werden um Angabe ihrer Adresse bei Frau Schöneich, Berlin O 112, Schreinerstr. 36, ge- beten. Unkosten werden gern wiedererstattet. Wilmersdorf. 190 Proz. Einkommensteuer. Der Magistrat hat den Boranschlag für 1918 feltiggestellt und schläg» vor, ebenso wie die anderen Stadtgemeinden Groß-Berlins die Einkommensteuer auf 190 Proz. zu erhöhen. Die übrigen Gemeindesteuern sollen unverändert bleiben. Das Steueraufkonimeir ist mit 11,5 Millionen gegen 9,8 Millionen iin� Vorjahre eingestellt. Der Voranschlag schließt in Einnahmen und Ausgaben mit I9 3!8 5v0 M..ab. Die Kriegsteuerung drückl sich in verschiedenen starken AuSgabeerhöhungen aus; so sind die Anfwendiingen der allgemeinen Verwaltung von 1,8 Million im Borjahre auf 3,3 Millionen Mark gestiegen. Anderer« seitS sind auch Ersparnisse zu verzeichnen,-so bei der Straßen- beleuchluna, wo die Ausgaben 175 000 gegen 290 800 M. betragen. — Schulunterrichts beginn. Von Montag, den 11. März, ab ist der Unterrichtsbeginn bei den Gemeindeschulen auf 8 Uhr, statt bisher 8>/z Uhr, festgesetzt, während der Unterricht der höheren Lehr- ansialten bis zun, Ende des Winterhalbjahrs weiter um 9 Uhr anfängt. — Lebensmittel. Für die Zeit vom 16. Februar bis zum 15. April werden auf Grund der Lebensmittelkarten für Jugend- kicke abgegeben: Auf Abschnitt 4 je zwei Arten Milchpräparate (sterilisierte dänische Vollmilch, kondensierte Voll« oder Magermilch. Halbmilchpulver); auf Abschnitt 6 2 Päckchen Puddingpulver; auf Abschnitt 6 100 Gramm Weizengrieß; auf Abschnitt 7 100 Gramm Graupen; auf Abschnitt 8 500 Gramm Farinsirup. Die Anmeldung zum Bezüge hat bis einschließlich Freitag, den 8. März, zu ge- schehen. Berechtigt zur Annahme der Voranmeldungen auf Ab- sckmitt 4 und Absckmitt 8 sind die Mitglieder des örtlichen Milcb- kleinbändlervereinS, der Anmeldungen auf die Abschnitte 5, 6 uniz 7 die Mitglieder des KolonialwarenvereinS. Die VerkaufStage für die einzelnen Waren werden noch bekanntgegeben. Kreis Teltow. Verteilung von Nähgarn. Im Kreise Teltow werden demnächst Baumwollnäbfäden verteilt.� Zu diesem Zweck sind zunächst bei den Kleinhändlern Kiindenlisten zum Eintragen der Haushaltiiiigei, aitszulegen. Vorläufig wird auf mindestens vier Personen einer HallSbaltmig eine Rolle ausgegeben. Haushaltungen mit einer geringeren Perionenzaht sollen, falls sie bei der jetzigen Verteilung kein Nähgarn erhallen, bei der nächsten Lieferung berück- sichtigt werden._ Reinickendorf. Zum Lastcnansglcich für die ärmeren Berliner Vororte nahm die Gemeindevertretung in ihrer letzten Sitzung Stellung. Bürgermeister Wille hatte auf dem Provinziallaudtag iür die Rellungsaktion zugunsien der Provinz Brandenburg ge- stimmt. Die Gemeindeverlretung. nahm mit allen Stimmen gegen die de? Bürgermeisters folgenden von Genossen Schönberg ein- gebrachten D r i n g l i ch k e it S a n l x a g an: „Die Geincindevertretilng erklärt, daß sie in dem Beschluß deS Brandenburgischen Provinziallcmdtages auf j Bewilligung von vier Millionen Marl zur Unterstützung für die notleidenden Berliner Vororte keine befriedigende Lösung der Groß-Berliner Frage erblicken kann. Sie steht vielmehr nach wie vor auf dem Standpunkt, daß eine wirksame Behebung der Notlag« der steuerlich weniger leistungsfähigen Vorortgemeinden nur auf dem von dem Bürgerausschuß Groß-Berlin betretenem Wege zu erzielen ist. Ebenfalls mit allen Stimmen gegen die des Bürgermeisters be- schloß die Gemeindevertretung weiter: Die Gemeindeverlretung bringt ihren einmütigen Wunsch zum Ausdruck, daß der Vertreter der Gemeinde im gweckverband Groß-Berlin bei der bevorstehenden Verbandsdirektorwahl gegen die Wiederwahl des bis- herigen VerbandsdirtzßtorS�Dr. Steiniger stimmen und feine Stimme ssir denjenigen Kandidaleii' abgeben wolle, der für eine weilgshonde und beiriedigende Lösung der Groß-Berliner Frage �Gewähr bieler. Ferner beschloß die Gemeiniievertletung deck bei der Gemeinde be- ichäitigten Arbeitern«ine Teuerungszulage von 10 Prozent ihres äkohnes, und den während des Krieges eingestellten Bureau- Hilfskräften eine Zulage von lv M. pro Monat zu zahlen. Di�häufigeir Kleiderdieb stähle in den Schulen und die de» Ellern dadurch entstehenden Berlusts veranlaßt«» den Gemeindvorstand, mir der Märkischen Haftpflichtversicherung A.-G. eine Versicherung gegen Kleiderdiebi'täble abzuschließen. Die Gemeindevertretung erteilt hierzu ihre Zustimmung. Eine eingehende Aussprache zeitigte daS Projekt der Reinicken- dorf— Liebenwalder Bahn zum Bau einer elektrischen S ch n e l l b a h n, die den Endhallepunkt ihrer Bahn(Reinicken- dorf— Rosenthal) mit dem der A. E.G. Schnellbahn Neukölln— Geinnd- brunnen(Christianiastraße) verbinden ioll und ihrer ganzen Länge über Rsinickendorier Gebiet fährt. Die Gemeinde Reinickendorf soll zur Durchiührung de« Projekts beitragen durch Nebernabme eines größeren Postens von Aktien der zu begründenden BerriebZgeiell- ichast. Die Gemeindevertretung beschloß ihre grundsätzliche Zu- stimmung zu dem Prosekl und betraute eine sofort gewählte Kom- Mission mit den weiteren Verhandlungen. Auf Antrag deS GemeindevorstandeS wurde sodann noch gegen den Widerspruch unserer Parteigenossen eine Erhöhung der FriedhofSgebühren um 50 Proz. beschlossen. — Zur Milchveisorgung. Der Gcmeindcvorstand hat au- geordnet, streng zu beachten, daß sämtliche amtlichen PerkuafS- stellen bei Ausgabe von Magermilch oder Bntleimilch erst die« jenigen Milckberechtigten berücksichtigen, welche ihre ihnen zu- stehende Milchmenge nicht voll erhalten haben. Etwa übrig bleibender Rest ist dann erst freihändig zu verkaufen. Groß-Serliner parteinachrichten» � Spandau-Siemensstadt. In einer giltbesuchten Reichstagswähler- veriaminiung sprach iwr Kandidat des Kreises Niederbarnim, Ge- uosse R. Wissel! über:„Die bevorstehende ReichstagSwahl". Redner erörlerto die Nöten des Krieges und die gewaltigen Zu- liinitsaüfgaben für die Arbeiterichait. Nicht JllustoiiS-, sondern Realpolitik müsse die Arbeiterschaft treiben. Die anwesenden Vertreter der„Unabhängigen" auS Spandau versuchte», den Redner durch Zwischenrufe aus dem Konzept zu dringen. Unter lebhaftem Beifall der Versammlung ging Wissell auf diese oft inhaltlosen Zroischennlse ein und wie? nach, daß die Politik der Unabhängigen bisbcr nichts Positives hervoraebracht, sondern nur zum Schaden der Arbeiterschaft und des«einen Mittelstandes gewesen sei. DaS beweise die Abstimmung bei der Besteuerung der KriegSgewinne, die Haltung in der Friedensfrage und die letzte. Ablehnung des Friedensvertrages mir der Ukraine.„Alles oder Richtspolitik" könne unter den gegenwärtigen Verhältnissen für die Arbeiterschaft keinen Vorteil, sondern nur gewaltigen Schaden bringen und eine solche Politik würde und könne er als denkender Arbeiter nicht treiben. Lebhafter Beifall folgt« diese« führungen. Wft Vertreter der.HttaBTJSttfitgett' sprach sodamr Herr Stese« >1>: n g. der ,Wanderredner� der U> S. bei diesem Wablknmvfe. Derselbe versuchte mir hoblen, inhallloscn Pbrasen und Verdück- iiuunqen W'ssell zu widerlegen, waS ihm aber' nicht gelang. Am Schlüsse seiner Ausführungen ermete er nur den Beifall seiner fünf freunde aus dem.unobbängigen Lager". Als die fünf Nnent- wegien sahen, das; für sie keine Lorbeeren zu holen waren, verließen sie unter allgemeiner Heilerkeit die Versammlung.' Der Versammlungsleiter. Genosse Stahl- Svandau, forderte die Anwesenden in eindringlichster Weise auf, bis zum Tag« der Wahl alle? düran zu setzen, daß alle Wähler von Siemensstadt. so« weit sie zum Wahlkreis Aiederbarnim gehören, ihre Pflicht erfüllen und für die Wahl Wissells agitieren, damit es gelänge, den Wahl« IreiS der alten Sozialdemokratie zu erhallen. Lichtenberg. Die hiesigen sowie die Groß-Berliner Genossen, die. zur Wahlhilse bereit sind, werde» dringend ersucht, sich am Sonntag, vormittags S Uhr. in folgenden Lokalen einzufinden: Ritter, Rummelsburg, Schillersir. 26; Hamann, Boxhagen, GryphiuS« Uraße 15, Ecke Krossener Straße. Beide Lokale sind vom Bahnhof Stralau-RummelSbMg zu erreichen. Ferner bei KurkowSki. Lichten- berg, Pfarrstr. Ii. Zu erreichen vom Bahnhof Frankfurter Allee bis Verbindungsweg. Für Reu-Lichtenberg bei Wilhelm Fleischer, Ecke Jrenenstraße, direkt am Bahnhof Lichtenberg-FriedrichSfelde. Wen wählen die Arbeiter? Die gestern unter dieser lieber- schrift wiedergegebene Tabelle enthielt einen Druckfehler, der der Genauigkeit wegen berichtigt werden mag. ES haben im Kommunglwablbezirk nicht 16, sondern nur 1 Wähler ohne Berus .unabhängig" gewählt. An der Tatsache, daß die Arbeiter zu rund zwei Dritteln sozialdemokratisch wählten, wird dadurch nichts ge- ändert.. Schüneberg. Der Wahlverein veranstaltet Sonnabend, den 9, März, abends 8 Uhr, im.Schwarzen Adler", Havptstr. Ui, einen Familienabend, verbunden mit Lichlbildervortrag s.Reise durch daS Riesengebirge") sowie Aufführung von Sieigen und Nalionaltänzen. Eintritt 3l) Pf. Eintrittskarten sind bei den Bezirks- und Gruppen- siihrern sowie in der.Borwärts'-Spedition zu haben. Direktion M»x Reinhardt. IteutscheB Theater. 7 Uhr: I»on Carlos. Kumtnernpiele. 7 ff. Uhr: Kinder der Freude. Volksfefihne. Theater am BOlowplats. Untergrundb. Schöna. Tor. 7 ff fUhr: Die Hermannsschlacht. Dir. C. Meinhard— R Bornauer. Theater � Königgrätzerstr. '/48 Uhr: Erdgeist. Komödienhaus 7 Der ünbestcchUclie. Berliner Theater 7 Uhr; Bllts blaues Eliot. National-Tbealer. CöpenickerStr. 68. Tägl. Tffjg Hin Erfolg, wie er seit| .Ueber'xi großen Teich" in dem Theator nicht da-j gewesen ist. Die ist richtig!.. Uusik; Walter Bromme.! Ktg..bff: Slüdenienlicbcher.J Der ftroße > arlcKl-Spielplan «astspiel: Ffleda Hess, Kjl. Solot.Snz, 'an Trcjanowski, Hofb.-Mstr.. G retc Ackermann, Joh.Hen- jjitr, Dora Retters. Gertrud Müller, Erna Fritz, Grete Richter, Barbara Poitz, Irmgard Adler om Itnilett des Kgl. Ilolthcater Dresden. Zirkus A. Schumann.! SHf. Friedrichstr. Anf. Uotate Saison in Berlin, j Nur noch kuj-zo Zeit. Das volistäntü!) neue Kärz-Programni, Zx Tüly mt mit ihr. dres». Eisbaren.| Entkleidnngs-Szene i n der Unit, Frl. Zoe.| Mfach. Keck Gebr. Petrok.[ Die 3 Grazien am Draht. MeilkoUSEsd Apolio | Friedrichstr. 218. Tii\ Der Fliegrer von Tsingta« I sowie die verblülfenden I Varietb Attraktionen. | Theaterkasse ab 10U.| nnunterbr. geöffnet. Trianon-Theater •,,8 am Bht. Friedrichstr.'ltH- Tel.: Zentrum 4927 und 2391. Der Lebensschüler Komödie von Ludwig Fulda. Ida Wüst, Erich Kaiser-Titz, v.MüUendorff, Flink, Kettner. Stg. 4 CT. kl. Pr.: Johannisfeuer. Voigt-Theater. Sadstr 58. Badstr. 58 Täglich V/, 116t: Verlorene Ehre. Mittwoch, den 13. März: Benefiz für Kläre Richter. ätntterarzxcn. Theater für Donnerstag:, 7. März. örlefkasten der KßdöPdon. Dir brieflichen Anfragen mehren sich in letzter Zeit ungehener. Wir machen darauf nufmerksam, daß briefliche Antworten nicht er- teilt werden können. Die Beantwortung der Anfragen kann nur durch den Briefkasten unter angegebener Chiffre erfolgen. <9.($. 81. Davon ist uns nichts bekannt. Air alauben bestimmt tagen zu können, bah da? leeres Gerede ist— K. G. 172. Das ist geoen- wärtig ja erst Gegentland der Nerchslagstierbandlungen gewesen. Nach einer Erllärung des Vertreters der Mikltärbebörde soll der Urlaub aus solchen Gründen nicht verweigert werden. Sie könnten den Beschwerdeweg beschreiten und sich auf dicie Erklärung ftüben.— Gefreiter. 1. Wenn Sie den Befehl dazu erhalten, müssen sie zum Gottesdienst gehen. 2. Dieler Fall, wonach der Soldat deshalb mit Festung bestraft wurde, ist uns erinnerlich. Zu welcher religiösen Sehe der Soldat gehörte, wUen wir nicht, haben auch, keine Zeit mid kein Interesse daran, das festzustellen. 3. Auch das soll in Berlin geschehen sein,— Lt. N. 2S. t. Strafbar haben Sie sich deshalb natürlich nicht gematbi, Sie können aber zum Schaden- ersatz veroflichtet werden für dte Aufwendungen, die Ihre Braut aus Grund des Eheversstrechens gemacht hat. 2.«ä.— M. B. K. Aa. — 9t. M. 1. Die Gemeinde, in der Ste jetzt Ihren Wohnsitz genommen haben, kann Ihnen den MIetzuschutz verweiaern,- Wenden Sie sich nochmals an den Kreisausschiitz(Landratsamt).— 91. Ä. 40. Ja.— F. X. 400. Die Aufrechnung gegen die Miete ist nicht statthast. Sie könnten sich dadurch eine Klage zuziehen,- Audigntz. Eine Baraus- zablung der Konlnbutionsgelder mutz nicht erfolgen; sie können auch in dieser Art zum Besten der Mannschaften V»rweiid>ing finden.—. 26, Das ist im voraus schwer zu sagen. Es wird allerdings wahrscheinlich auf einige Tage Gefängnis erkannt werden. Einen Verteidiger zu nehmen, würde sich kaum cmpseblen, da er in der Sache iür Sie nicht viel erreichen. kann, Ihnen aber sehr hohe Kosten dadurch erwachsen würden.— BtnSk 1152. Das richtet sich doch wesentlich danach, ob Bedarf an solchen Leuten vorhanden ist. Sie mutzten d-sdalb mit Ihrem Vorgesetzten Rück» spräche nehmen.— Die Strafe ist niibt gelöscht sie könnte aber aus An- trag Bci_ dem verurteilenden Gericht vielleicht gelöscht werden. Ob Aussicht aus Beförderung bestehe, können wir doch nicht wissen, Wahrschciniich wird Ihnen aber dabei die bohc Strafe hinderlich sein.— W. Rt. 10. Nein. — H. F. 65. Der Wirt ist zu dikler Reparatur nicht verpflichtet, auch nicht die Gasanstalt, Sie müssen fle auf Ihre Kosten ausführen lassen.— K. L., Taborstraüe. 1. Der Untcrstützungsickc'n kann Ihnen nicht verweigert werden, denn ob an die Frau Unierstützung gezahlt wird, entscheidet ja nicht Ihr Vorgesetzter, sondern die Unterstiitzungskoinmisston am Wohnort Ihrer Frau, Ob die Frau Unterstützung erhält, hangt davon ab, ob Be- dürftigkest für vorliegend erachtet wird. 2. Die Unterstützung für das «htd müßie doch werter gezahlt werden. Venn da? nicht geschieht, mutz Beschwerde eingereicht werden.— R. B. 40. Unterstützung mutzte in diesem Falle wohl gezahlt werden,—Vglkslla-Theater. x 7't, Uhr: Der sidele Bauer l�ose-Theater. Tic U6r; Eine Waise. McOllü- Di« vergrößert ihre Pflanzüngen zum Frühsahr auf das Doppelte, und nimmt jetzt weitere Mit- g lieber als » MmWer mit Anteilen zu 1' Arbeiter 11 Fritz Sebmah Hufelandstr. 27, am 4. März gestorben ist. Ehre seinem Audenken I Die Beerdigung findet am Donnerstag, den 7. März, nachmittags S1/, Uhr, von der Leichenhalle des Barths- iomäus-Kirchhofes, Weißen- see, Falkenberger Straxe, aus statt. Reg« Beteiligung erwartet 232/19 Die Ortsverwaltung. an die Mitglieder billig adgege- den, bei völliger Ausschaltung. des Grast- und Klein- Zwtscheabandets. Der Ge- winuuberschust wirb als Dioi- dende an die Mitglieder verteut. Die alten Mitglieder find mit Wintergemüse reichlich versorgt worden. Die jetzt neu beitretenden Mitglieder find be- rechtigt, schon an der ersten Verleitung von Frühgeniüie' teilzunehmen.— Aufnahme neuer Mitglieder findet statt; im Laden Peiersburgerstr. 4a: Montags, Mittwochs, Freitags 9— 12 und 4— 7, autzerdem Sonntag 11—1. Ferner im Laden Kopenhogenerfir. 4: Dienstags, Donnerstags, Sonn- abends 9— 12 u. 3— 6 und Sonntags 8—10. Ferner täglich im 2terwaltnngsbureau: Burg- ftraste 27 KU, Zimmer 7fi (gegenüber ZirkttS Busch).* Aeusterft günstiges Angebot! Modernes Seiilafzimer mit dreiteiligem Antleideichrank und KrisMvverglasung, 1500 M., weitzlack. Küche mit Anrichte Alexanderstr. 37 1. 25/13 Aködel-7» In allen DrelsIaHfen 1-, 2- u. 3-Zimm,-Wohnungen empL in med. Auslührg. Jul. Apelt, Tischlermstr. Berlin SO, Adalbertstr. 6, Hochbahnst, Kottb. Tor. Verband der Brauerei- und ffiflblenarbelter und venv. Bcrufsgenossen. Zahlstelle Berlin. Den Kollegen zur Nach- richt, daß unser Mitglied, der Flaichenkellerarbester Ernst Gevies (lschultheitz-Brauerei Abt. I) gestorben ist. Ehre seinem Andenken t Die Beerdigung findet heute, Donnerstag, den 7. März, nachmittags 3 Uhr, vom Et. HedwigS-Kilchhos Weitzensee, Wörthstratze, aus statt. 45/2 Rege Beteiligung erwartet Die Orisverwaliung. Zahngebisse, PUtti«. Gr. 7,60, Stetten, Ringe, Bestecke kauft Fran W agner, Kaiserstr, 18 I(AlepanderPlatz). Am 4. März 1918 verschied plötztich nach kurzem, schwe- rem Leiden mein innig- geliebter.herzensguterMann, der Landslurmmann kugo Veikilvpl im 48. Lebensjahre. Dies zeigen fiesbetrübt an Frau Hedwig WeiBkopf geb. Faupel Otto WeiSkopl als Bruder Anna und Wanda WeiBkopf als Gelchwisler Ann» Schier geb. Faopel als Schwägerin Elisabeth Isnoicke gb.Faupel als Schwägerin IBarie Lote geb. Faupei als Schwägerin Karl Mstzke als Schwager Hermann Fiebwranz. Nach Vollendung seines vollen Streben mag ihm der Herr die Ruh« geben, damit wir w der Hoffnung gehen bis einst ein frohes Wiedersehen. Die Beerdigung findet am Freitagvormiltag II Uhr vom Garnison- Lazarett Neues Lager in Jüterbog statt. Spezialarzt Dr. med. Wockenluß Fr!eilnelislr.!!Ss°p,"!,"fi:,)"| fürSyphilit,Harn-u Frauenleiden Blutuntersuchungen. Schnelle,; sichere, schmerzlose Heilung ohne Berufsstörung. Teilzahlung 100 Postkarten, Ss Praohksortimenltzenth.Qold-, j Glanz-, Broms.-,,• Kunst-, Blumen-, Kopf-.f Kinder-, Geburtstags-, Liebes-, Landschaft«-, Witzk. usw. 6,50 M.' (10 bis 30 Pf. Verk.): Taugende Anerkennungen.. 100 Karten 3, 5, t> M. Oster- k arten 3, 5, 6, 10, 12 M. P.WagenknechtVerl�i«ipzig< DkutlAer Butbblnder�Ucrbanl (Zahlstelle Berlin.) Den Mtgliedern hie trau- rige Nachricht, haß unser langjähriges Mitgiled, der Kollege Prost Eisenbrann am 4. März plötzlich ver- ftorben ist. Ehre seinem Andenke«! Die Beerdigung findet am Donnerstag, den 7. März. nachmittags 4 Uhr, von der Halle des neuen Elisabetb- Kirchhofes, Wollankstraße 66, aus statt. Zahlreiche Beteiligung er- wartet 29/7 Die Ortsverwaltung. | Verband der fabrikarbeitcr Dcutfcblands. Verwaltung GroB-BerDa. STachrnf! Am 19. Februar, verstarb lmjer Mitglied Ulbert lade! am 21. Februar unser Mit- gtied Äapst Sossmann und am 27. Februar unser Mitglied otiolimmennann. Ehre ihrem Andenke« l 241/8 Oie Ortsverwaltung Die Einäscherung unseres Mitgliedes Frau Erna 8emm!er findet heute Donnerstag, vormittags ll Uhr, im Kre- matorium Berlin, Gericht- strotze 37, statt. 263/20 Ehre ihrem Andenken! Am 17. Februar verschied 5 plötzlich im Felde unser" lieber Kollege, der Sergeant e Karl Müller im Alter von 42 Jahren. Wir vcriiercn in ihm einen treuen und tüchtigen Mitarbeiter und werden sein. Andenken stets i» Ehren halten. 1736b Beerdigung: Freitag, den 8. März, 3 Uhr, Erlöser-. Friedhos, Lichtenberg, Lück- straße. Möbelfabrik Beroltna e. G. m. b. H. Nach kurzem, schwerem Leiden verschied am 4. März meine liebe Frau, unsere Mutter und Grotzmutter Emilie Umiemann g-b. I/'eze, im 67) Lebensjahre. In ttefstem Schmerz Die Htuterbltebeuen. Die Bcerdigui:g findet Frei- tag, den 8. März, nachmilt. s 2 Uhr, von der Leichenhalle des Thomas-Kirchhojcs in Neukölln, tzermaunstratze. aus statt._ i73()b Allen Freunden und Be- kannten die traurige Roch- richt, daß meine liebe Frau, unsere gute Mutter, Tochter. Schwester, Tante 17LA Eise Karle! geb. Weiske, im Alter von 34 Jahren am 4. März, 1 Uhr jrüh, sanft enfichlasen ist. Dies zeigen tiefbettübt an Budoit Bartel u. Kinder. Die Beerdigung finoet am Donnerstag, den 7. März, nachmittags 41/, Uhr. aus dem Friedhos Pappelallee 15, statt. Nr. bö— 1918 Unterhaltungsblatt öes vorwärts ■w�——— biwuii» mwi'iiimam i» wwi-.DiJUMB i».*iuwihu>«iUii Vonnerstag, 7. Mörz „Seejchlacht." von Remharö Goering. (Tondervorstellung der Gesellschaft„Das funge Deutschland" im Deutschen Theater.) Ans besonderen Gründen verspätet. Red. d.„SS.". Als der Vorhang fiel, regten sich ein paar Hände zu banalem Applaus, der aber unter erregtem Zischen von allen Seilen rasch verstummte. Schweigend, vom Bilde furchtbar naber Menichennot in allen Nerven durchschültert, strömte das Publikum aus dem Theaterfaal. Etwas von der grausigen Wirklichkeit des Krieges, den skrupellose Theaterspekulanten in der ersten Zeit zu buntgemalten Jahrmarttssensationen nutzten, war auf den Brettern vorüber- gezogen, hatte die Wunden der Erinnerung an geliebte Tote und an die Qualen ihres Sterbens aufgeriLen. Man sah den Untergang, und in dem Untergang die trotzig kühne Geste der Todesverachtung, die doch das Schmerzliche des Eindrucks nur noch drückender und schwerer rnachle. Man fühlte das Zernialmende des Schicksals, doch keinen Hauch von tragischer Versöhnung und Erhebung. Dieser Heroismus klingt wie ein Notschrei.gejagter, von allen Seiten rettungslos umstellter Kreatur, die in gewaltsamer Htzpnose ?u einem Rauschzustand, in dessen Gluten jdde andere menschlichere Empfindung verglimmen soll, fich angestachelt hat. Ein Krampf, der sich das Aussehen übermütiger Laune und freudiger Erwartung gibt, hält Herzen und Körper straff gespannt. Die derbe starknervige Willenskraft der einen erzwingt sich diesen Zustand; in anderen, die ihn nicht erzwingen können, erwacht er nachträglich um so ungestümer, da der Kampf beginnt, beim ersten Donnern der Kanonen. Die Szene spielt im Panzerturme eines Schlachtschiffes, da?. ein Glied im großen Geschwader, der feindlichen ftlotte cnt- gegendampft. Der Dichter hat in seiner SchitSerung jedwede Art der Schöiimalerei verschmäht, wenn er auch die Sprache, die»eine fün� Matrosen reden, nicht selten über das natürliche Niveau steigert. Ein paar leichtblütige Gesellen, von Hermann Thimig und Emil I a n n in g s vorzüglich dargestellt, treten am markantesten hervor. Sie wetteifern in Ausbrüchen formier Lusttgleit, als ging- die»sabrt zum Tanziaal, nicht zum nassen Grabe. Zwei Burschen, denen jeder Sinn für feierliches Pathos abgeht, die sich die Zeit mit zotigen Erinnerungen an Liebesabenteuer auf Samoa vertreiben. I a n n i n g s mehr ins Brutale schillernd. Thimig ein blonder Jung, der durch die frische rührende Gesundheit seiner Jugend die Herzen im Augenblicke gewinnt. Aber auch er in der Erregtheit von einer täppisch blinden, ja gehässigen Händelsucht. Wer's ihm nickit gleich tut, wie der'Kamerad am Auslug, der von seinen ti üben Ahnungen erzählt, den verhöhnt er: daß er feige Angst empfinde. Es kommt Befehl, durch kurzen Schlaf sich für die Schlacht zu stärken. Ein älterer Matrose— Paul Wcgener spielt ihn— tritt in den Raum. Ein Gt übler, dessen Sin» in der Hypnose keine Ruhe finden kann und allerhand rebclliichen Gedanken nachhängt. Hier in der Charakteristik dieses einzelnen, der mit dem wunder- gläubigen Mann vom Auslug seine Gedanken austauscht,- war in- mitten oll des Typischen Gelegenheit zu einer intimer individuali- sicrenden Psychologie gegeben— eine Gelegenheit, die freilich von dem Dichter nur in geringem Maße verweilet ist. Die Hinter- gründe der Persönlichkeit werden, trotz der Hilf» vön-W e g e u e r 5 Meisterkunst, nicht lebendig, die Figur bleibt fremd, mehr.über- raschend als überzeugend. Wenn der andere, sein Panner, bei oller Bangigkeit doch nie an seinen.Soldatenpflichten gezwnfclt hat, scheint er, der Ungläubige, durch ein paar zufällig belauschte Worte zu ichwärmeriicher Lebenssehnsucht entzündet, an Selbstmord oder Meuterei zu denken. Der innere Znsammenhang hierbei, bleibt dunkel. Die beiden schlafenden Burschen, die er nicht beachtet. hören beim Erwachen verdächtige Worte seines Selbstgespräches und stürzen sich auf ihn, den sie als Meuterer Verhalten wollen. Aber der Obermatrose, von Werner Krauß-in stärket? sichert n Linien dnrckgxführt. verfügt die Frcilaffung. Er kennt den Mann, er kennt die vagen unberechenbaren Stimmungen, die die Erwartung nahen Kampfes in mancher Seele auslöst.— Die feindlichen Schiffe werden gesichtet. Ein Taumel fiebernder Ekstase ergreift die Mannschaft. Ehern klingen die Kommandoworte von Werner Krauß. Kugeln prallen an den Panzer. Die Waffer zischen. Der Raum iüllt sich mit glsttgem Gas. Entkräftet bricht von den Leuten einer nach dein andern zusammen. Wahnsinn fällt sie an. Ais letzter hält der Einsame sich aufrecht an der Kanone. Schuß auf Schuß abfeuernd, im Drucke eines blinden inneren Zwangsgestihls.- Endlich fällt auch er, die Lichter löschen aus. Die beklemmende Macht des Erlebens, von der Wunderbären Stilcchtheit des Spieles und der Reinhardtichen In'zenierung getragen, hielt die Zuschauer bis zum letzten Augenblick fest im Banne. Ob Goering als Dichter eine Hoffnung ist. wird erst nach anderen Werken, in denen der Stoff selber nicht diese über- ragende Gewalt besitzt, sich entscheide» lassen können. ät. Hilöer von öen Manösinseln. Es gab eine Zeit, da schienen die Alandsinseln zu einem der Ziele des TourisienstromeS werden zu sollen. Mariehamn, die Hauptstadt des„festen Alands", der Hauptinsel der ganzen Gruppe, hatte sich zum Badeorte entwickelt, und das liebliche, etwa lausend Einwohner zählende Städtchen wurde nicht nur von Finnland und Schweden her, sondern auch von manchem im Norden reisenden Aus- länder besucht. Und es lohnte den Besuch, dies Mariehamn mit seinem schönen, milden, würzigen Klima, seinen-freundlichen Gärten. seinen blitzblanken, vor Sauberkeit strahlenden Häuschen und seiner freundlichen, ansprechenden Bevölkerung. Slber die ZwangSherrichafl BobriloffS knickte die junge Blüte der Stadt; von den für die Fremden erbauten Häusern blieben viele leer stehen, und die mit großen Kosten errichtete Kuranstalt brachte kaum die Auslagen ein. Vielleicht aber, daß die bedeutenden geschichtlichen Ereignisse der jüngsten Zeit, die die Alandsinseln zu einem Mittelpunkte des allgemeinen Interesse? gemacht haben, neuen Anteil für sie wc�en und manch emen beranlasseii werden, sich diese merkwürdige nordische Inselwelt einmal mit eigenen Augen anzusehen. Merkwürdig und sehenswert genug sind die AlandsinWn wirklich: dieser aus Hinderten von bewohnten Inseln und Tau'endcn und aber Tansendeii von Holmen, Klippen und Schären zusammen- peiügte,»ach allen Richtungen von unzähligen Buchten, Fjorden und Sunden iörmlich zersägte und. zerrissene Archipel. Am verwirrend- sten ist die Inselgruppe gegen die Oitscite gegliedert, wo sie gegen das finnische Festlaiid hin einen ganzen dichten Schwärm von Inseln und Schären aussendet. Bewohnt sind von diesen Inseln tin ganzen nur. 150, und das Herzstück der Gruppe bildet das erwähnte„teste Aland". Aber auch in diesen kompaktesten Land- lörper der ganzen Gruppe dringt das Meer von allen Seiten her mit liefen und zum Teil auch breiten Buchten. Fjorden und Sunden zerreißend ein. Die Inseln besteben aus demselben Granit, aus dem das finnische und däs schwedische Festland aufgebaut sind; sie zeigen ein bewegtes Gelände, das in der höchsten Erhebung, dem Ordalsklint, bis zu 132 Metern aussteigt, und>o läßt es sich wohl denken, daß sie dein Naiurfreuilde eine Reihe fesselnder und Wechsel- voller Bilder bieten. Ganz verschieden aber ist dabei die Landschaft deS festen Alands und die der Schären. Dort ift_ der Eindruck wesentlich srenndlich, denn die festen Slländer haben, seitdem ihrer blühenden Schiffahrt durch das Dampfschiff der Garaus gemacht worden ist, sich mehr und mehr an den Ackerbau gewöhnt, und ihre Insel ist jetzt erfüllt von fruchtbaren Aeckern und saftig-grüncn Wiesen, durch die die wohlgehaltene Landstraße an gemütlichen Dörfern und alten Herrenhänsern�iorübetführt. Draußen im Schärenhof aber brandet das Meer an wilden, kahlen, glattgeichliffenen Klippen, und da lebt eine wetlerharie Bevölkerung ein schweres Leben. Jagd und Fisch« fang bilden ihre Beschäftigung, die Frauen arbeiten wie die Männer, eintönig ist das Leben, nur ein- bis zweimal im Jabrc wird ein Gottesdienst abgehalten, zu dem dann die Männer und Frauen von allen Ecken und Enden herbeikommen, und dann werden die Kinder eines ganzen Jahres getauft und die Toten des Jahres eingesegnet. Die.Aländer tragen unverkennbar skandinavisches Gepräge. Die Männer sind livhe, kräftige Gestalten, breitschultrig und»nuSkulös, von regelmäßigen Gesichtszügen, und auch die Frauen pflege» stall- lich iind wohlgebildet zu icin. Ans den Schären draußen pflegt freilich das harte Leben ihre Züge frühzeitig streng und schar, zu prägen. Tie Aländer belracblcn sich selbst als Finnen, sprechen aber Schwedisch. Es herrscht eine gute alte Kultur im Bauertinlnme dieser Inseln; das kann man aus dem iesten Aland überall beobachten. Die rotgemalten Bauernhöfe sind ge- räumig mit hohen, liwten Stuben, von äußerster Sauberkeit und Ordnung, die Betrcn in den Wänden- in zwei bis drei Stockwerken angebracht, mit reiniichen Vorhängen versehen, der Boden mir ge« webten Malten bedeckt.' Roch lebt mancher uralt germanische Brauch in dieser abgelegenen Welt des NordcnZ fort; so steht z. B. fast das ganze>Jahr hindurch mitten auf dem Dovfplaye die mit Bändern iind Kränzen geschinückle Mittiommerstange, um die zur Mi«- sommerzeit der Tanz abgehalten wird. Auch die malerische Volks- tracht der Aländer wird dank der Bemühungen finnischer Künstler in neuester Zeit wieder mehr gepflegt und getragen. Louis Corinth. Im Hause der Berliner Sezession(Kurfürstendainm 232) hat man, nur den«echzigjährigen zu ehren, 1.40 Bilder von Louis Co- rinth zusammengetragen. Den Erlrag wan vierzig Arbsitsjahren. Es fehlen viele Stücke, von denen man weiß, daß sie in besonderem Grade die Eigenarten des Malers kennzeichnen, aber das Borhan- dene reicht inimerhin aus, um da» Urteil, das wir seit langem über diesen Nachkömmling des Rubens uns gebildet haben, zu bestätigen. Corituh ist ein Maler im verwegensten Sinne des Worts. Wenn er Farbe und Pinsel zur Hand h«t, kann er qllcs. Wir emp fangen aber selten den Eindruck, daß er auch schöpferisch wäre, wenn das Handwerkszeug ihm entzogen würde.. Seiner Malerei fehlt das Geistige, zugleich ein Vorzug und ein Nachteil. Nicht daß es ihm an Phantasie mangelte; er hat vielerlei Einfälle. Aber was vermitzt wird, ist die.geschlossene geistige Persönlichkeit. Er ist' überall zu Hanse, alles reizt ihn, er läßt sich dnnch vielerlei entzünden und nicht zuletzt durch die Werke oder, richtiger gesagt, durch die Arbeitsweise der Kollegen. Seine Entwicklung gehorchte kaum eine: inneren Notwendigkeit, folgte vielmehr den Ereignissen, die mn ihn herum in der Malgeschichle der letzten'Jahrzehnte vor sich gingen. Es ist da zu sehen: Münchener Atelier, Berliner Impressionismus. aber auch Cezanne und sogar Münch. Alles freilich aus eine virtuose und beinahe an das Selbständige grenzende Art. Das Letzte, das, -was als ein unlösbares Geheimnis von Mensch zu Mensch überspringt und aus der Leinewand heraus an Sinne und Seele greift, fehlt zumeist. Hier und da ist eS bemerkbar, in einigen Blumen- krönen, in einem Stück menschlichen Fleisches, in eines Ferkels schwärzlichem Schweiiieblond oder in dem donnernden und blitzen- den Schvvarz und in klirrenden Metallichtern des Florian Geyer. Solche Oasen sichern diesem Unermüdlichen Daner. In Corinth steckt ein Karikaturist nroßen»StiIs. Insofern Haler eine legitime Berwandtschaft zu Grünewald s-nd den Marchrinm malern des Barocks. Insofern ist er auch in einem besonderen Grade ein Deutscher. Er stammt aus Ostpreußen, wo der Alkohol zu den Vergnügungen des starken Mannes gehört und wo die Mäd» chen kräftige Hüften haben. Von dergleichen Reizen ist eine Er- inncrung in allem, was Corinth gemalt hat. Ein Landsknecht, der den Beruf zum Berlichingcr Götz in sich fühlt; ein Philistertöter, der oft genug vor Berlin W. kapituliert. Seine Bilder haben an- fcrngs Entrüstung erregt) heute bereits gefallen sie. Das Neue an ihnen war eben nicht.eiin Problem, sondern eine Gebärde._ Er ist nichts weniger als frivol und selbst dort, wo Gekreisch aufschlägt und Bacchanal schäumt, ein guter' Hausvater und frommer Christ. Er liest viel in Büchern(darauf möchte ich wetten) und kennt di? An- tike. Aber auch die Bibel. Doch gehört er-deshalb noch nicht in die Nähe Dürers, wohl aber in die der sogenanntem Historien- und Anekdotenmoler. Nur daß er eben das Handwerk viel besser beherrscht als die meisten dieser seiner Verwandten. Darum ist er apch am besten dort, wo er es nicht nötig hat, sich mit Inhalten auseinanderzn- setzen: im Stilleben. Doch ist andererseits festzustellen, daß ihm, wenn'die Stunde glücklich war, auch Bildnisse von Männern ge- lunaen sind. In allen diesen Fällen bewährt sich jene karikaturistische Begabung, die ebensogut das Animalische wie das Groteske zu erfassen vermag, die akademische Gewöhnung, die nie ganz verleugne! wird, sprengt und- etwas zustande bringt, was in ebenso belustigender wie wohltuender Weise an die Schauerbilder unsorer Kind heitsjahrmärkte erinnert. Vieles von dem, was er gemalt Hai, und besonders so, wie er es gemalt hat, das ist schon einmal dagewesen: aber wenn man c? jetzt wieder vor sich sieht, wirkt es doch beinahe neu und lebe ns stark und jedenfalls als ein echter Corinth. K. Lr- Notizen. —„Selig sind d i> Fr ic d e n Ssti sie r In einer Zeit da die Friedensstifter, berufene und nnberufene, am Werke sind, ch cS wohl auch zeitgemäß auf ein Wort ans dem Evangelium hinzu- weiten, dos meist falsch übersetzt und demgemäß>o zittrt wird. Jin Kap. 5. Vers 0, zu Anfang der Bergpredigt heißt es:'„Selig sind die Friedensstifter!" nicht, wie meist getagt wird:-„Die Fned- fertig euf'. Selbst in' guten deutschen Ucbersetzimaen heißt es leider noch immer so, aber die Fachgelehrten haben längst daraus ausinert- sam gemacht, daß diese Ueber,etznng fehlerhaft sei. — Der K r i e g s p l a n e t. Mit dem Galgenhmqor, wie ihn die Lage Europas nur zu sehr rechlsertigt, untersucht eine französische Zeitung die Fwge der Marskanäle von einem neuen Ge- sichtSpunkte aus. Die MarSkanäle, über die die Wissenschost immer noch keine sichere Auskunft geben kann, werden tiunmehr erklärt— als EchützengrSben. Große-Armeen leben in den Schützengräben — wenn man so etwas leben nennen kann. Da die Astronomen uns aber versichern, daß diese Kanäle schon unendlich lange zu beobachten sind, muffen die Marssoldaten eine beispiellose Ausdauer besitzen. Weiterhfii baben die Slstronomen sestgestellt, daß die Farmen der Kanäle sich häufig.verändern. Auch die? läßt sich leicht erklärcn- Da'der Mars viel älter ist nl? unsere Erde, sind seine Bewohner auch viel„zivilisierter" als wir, sie zerstören und bauen immer wkeder neue Schützengräben. Sck'öne Aussichten für die sich zivilisierende Erde! Sks Töchter öer hekuba. Ein Roman aus unserer Zeit von Clara Viebig. Lili strich wie verffinken dem kleinen Esel immer auf und ab das struppige Fell. Er schien an streichelnde Hände ge- wöhnt, ließ es sich mit Wohlbehagen gefallen und sah sie da- bei klug an. „Dummer Esel," sagte der Mann, dem es ein Bedürfnis schien, von dem zu reden, was seinem Herzen jetzt noch das Liebste war.„ne,' bei stimmt nich. Wat, Fritze?" Er patschte dem Tier auf den Rücken.„Erst Munition jetragen hoch uf de Berge— waS der wohl-auSjehalten hat,"n tapferes Tier— und nu hier Mist fahren!'s is akkurat wie bei de Menschen, früher vornehm und jetzt— ei weh I Hher jut hat cr's doch. Er heißt ooch Fritze, zum Andenken. Zu Hause bei uns darf er in de Stube koitlmen. Daun guckt er uff'n Tisch, ob da noch Kaffee steht; den trinkt er. Nu los, Fritze, los!" Er schnalzte mit der Zunge, daS Esclcheii ruckte an. Flüchtig an die Mütze fassend, zog der Mann mit seinem Ge- fährt weiter. Sie trieben jetzt alle Landwirtschaft Freilich eine recht bettelhaste, so eine Art von kleinstem Kleinbetrieb. Frau von Voigt, der Tochter aus einem großen Grundbesitz, ent- lockte es ein mitleidiges Lächeln. Aber es hatte doch zugleich etwas Rührendes, zu sehen, wie alle sich mühten. Die städtische Tracht Paßte nicht recht zu der Beschäftigung, es jauchten lvclche in Faltenrock und weißer Bluse; andere waren beim Umgraben in braunen Halbschuhen mit hohen Absätzen. Es war für alle Bestellung reichlich spät. Um Berlin waren sie schon ein langgewohntcr Anblick, die mit mehr oder weniger Ansprüchen gebauten Lauben, rrm die inr Sommer rote Feuerbohnen klettern, der Salat grünt und im Herbst Sonnenblumen, hoch wie Bäume, ragen und große Kürbisse reifen. Hier aber war's der Beobachten- den, als hätte die Not mit dem Finger aufs Oedland ge- wiesen, auf das Land, auf dem noch das Kraut der Heide um sich fraß, und die Wurzeln vermorschter Kiefern den Sand- boden durchsetzten. Hier mußte erst völlig urbar gemacht wer- den wie in Urwald und Prairie. Langsam kroch schwelender Rauch heran und brachte üblen Dunst mit; es stank nach Unkraut. Da brannten welche das Gestrüpp ab. lind überall Dtahte im Viereck und in die Länge gespannt, oder auch nur abgebrochene Kiefcrnkuüppel, so wie man sie im WalS auflas, mit vermorschter Borke und dürrem Gezweig, als Grenzzaun um das kostbare Gut gesteckt. Herminc von Voigt ivar es anders gewohnt: wo waren die üppigen Saaten Feld bei Feld, wo die tadellos bestellten Ackerbreiten ihrer Jugend? Fern nur, ganz fern ging ein richtiger Bauer hinterm Pflug her, seine Gestalt und das Pferd, getragen von einer Ackerwelle, hoben sich groß ab gegen die Helle des Horizontes. Hier aber versuchteil sie so herum, der eine baute dies, der andere das; dieser nur Kartoffeln, jener nur Gemüse. Hier wieder einer. von allem ein bißchen. Der eine fing's so an, der andere so; es lag etwas Ungeordnetes in dieser Art, etwas Unbchilfliches in diesen Versuchen. Und überall war etwas wie Hast dabei— oder spürte nur sie die? Es wurde Frau von Voigt bange. Wenn es den Leuten nun nicht glückte? Das Saatgut war teuer und nicht allzu reichlich. Was dann, wenn aus den Kartoffeln nichts wurde? Der Boden war schlecht; die Kar- toffel, freilich anspruchslos, will doch die rechte Pflege haben, und vor allem Sonne zur rechten Zeit und auch Regen zur rechten Zeit. Möchte der Himmel nicht zuviel von bcidcm spenden und nicht zu wenig I--- Die Preise wurde», immer unerschwinglicher. Wenn die Frauen jetzt auf den Marflt gingen, machten sie enttäuschte Gesichter. Spargel— was sollte man wohl mit Spargel? Den gab's! aber der machte nicht satt. Morcheln? An den schwarzen Dingern konnte man sich noch vergiften. Fleisch wollte man baben, Fische, Eier! An Butter.dachte man schon gar nicht mehr, aber an Margarine. An die jungen Mohrrüben, die sonst um diese Zeit aus Frankreich kamen. An den ersten Salat; der war wenigstens voriges Jahr noch billig zu haben gewesen, und auch Radieschen und Spinat und Rhabarber, den die Kinder gern essen. Die Händler forderten jetzt unverschämt.„Was kostet der Salat?" Der Preis war hoch.„Und das Pfund Spinat?" Der Preis war noch höher. Niedergeschlagen ging manches Weib, es traute sich gar nicht mehr beim Nächsten Stand zu fragen. Aber eine andere� war nicht so zag:„Sie wollen wohl ooch reich werden wie'n Kriegslieferant. und ooch so fix, was, Sie? Fufzig Fennige für so'n Salatkopp? Sie sind wohl verrückt?" Da wurde die bäuerliche Händlerin frech.wie noch nie: ihr Mann stand auch im Feld,'sie allein hatte die Mühe und Kosten, was wußten die Städter, was der Bauer für Plage hat. Wenn der Tag graut, schon raus, ganz gleich ob die Sonne brennt oder der Regen klgtscht— und graben, pflanzen, sich tausendmal bücken.„lind dann kommt'n Unwetter tind alles iS futsch. Lieber cß ich mein Zeugs da allecne, ch' ich's billiger gebe oder laß es verfaulen,'s is Krieg I" Da warfen sie ihr die Körbe um.-----, Die Dombrowski hätte es besser haben können als viele der Frauen, Dombrowski hatte vor dem Krieg schon sein Stück Land fleißig durchgearbeitet, es war gut in Kultur, im der- gaugenen Jahr hatte sie reichlich 5tartafftln darauf gcerntet und Kohl-wie Riesenköpfe; aber sie hatte ganz die Lust daran verloren. Sie ging Wohl einmal mit den Gerätschaften hin; kaum' hatte sie jedoch angefangen zu«rbejien, so warf sie auch die Hacke weg und rannte wieder nach Hause. Es-war graulich draußen so allein; hinter jeden Busch guckte sie scheu. Sie, die sich nie gefürchtet hatte, fürchtete sich jetzt. Sie bat Gertrud sfehmulich, unten bei ihr in der Stube schlafen zu dürfen;-die Kinder schienen ihr nicht Schutz genug. Gertrud willigte ungern ein: nun hatte sie nicht einmal mehr die paar Stunden der Nacht für sich, aber durste sie ,nciu' sagen? Der alte Liebhaber kam nun nicht mehr, und Minka schien sich auch nach keinem weiter umzusehen. Sic hatte es Gertrud erzählt: im Hemd, im bloßen Hemd war der geflohen. Der alte Anzug, der schon solange an der Scheunentür gebaumelt, imd der durchlöcherte, aufgeweichte Hut, den Erich der Pumpe aufgestülpt hatte, waren seitdem verschwunden.„Die hat er sich cuigezogen, haha jdas muß ausgesehen haben, hahahaha!" Aber es war mehr die Angst als das Lachen, was die Frau dabei schüttelte. Sie war eine unruhige Schlafgenossin. Sic hatte ihr Bett heruntergeschafft, dicht neben daS von Gertrud hatte sie's gerückt, oft faßte ihre Hand herüber nach der Gertruds:„Fräulein, sind Sie auch da?" In dieser Nacht fuhr Minka Dombrowski auf. Der Mond schien hell ins Zimmer. Gertrud, die sehr ermüdet war, schlief fest; da wurde sie wach gerüttelt:„Fräulein, hören Sie nichts? Draußen is jemand. Es tappt am Hans lang I" Morts. folgt.) Donncrötaq, fccn �1. März, ndcndS 8 Ufir, im BjclucrEfrf)nfidtjn«3, Verliu. Engeln fer 15,®. 1: ZSkeKWMlW Tagesordnung: 1. Jahresbericht, a) bc-5 Vorstandes, b) dcS Kassierers, e) der Revisoren. 2. Diskussion. 3. Neuwahl des gesamten Vor- slandeS, des Schiedsgerichts und der Neoisoreu. i. Veratnng der gestellten An- träge. .4. VereinZangelegenheiten. Ohne Mitgliedskarte kein Zu- fc iit! Neu aufgenommene Mit- - glieder haben die«usnabme, guinung mitzubringen. Einträge zuvJahresversammlung müssen bis' 13. März in Händen des Vorsitzenden sein, um bcrüik- sich. igc werden zu können. Es wird gebeten /pünktlich zu?Vcr- saminlung zu erscheinen. SL3/i3 Vcr Vornland. Eitra- UmMiMaM für Buelabinclep n. verwandt. Gewerbe. Oonnwg, den 10. März, vor- miittigs 10 Nhr, Luiscnuser 17: Gtuerii!iikrsa»imliing Tagesordnung: 1. Verlesung der Protokoll«. 2. Abnahme der ftnfjreSrethmmg und Entlastung dcS Rendnnten. 3. Verschiedene Kassenangelcaen- heilen. Illrtöb Der Vorstand. I. A.: H. R h a u d a, Vors. lZMul-MM Ott MemMer 10-firOeiiftiifn RMWiiOs. Filiale Berlin 1. Tonntag, den 10. März, vormittags'l,!! Uhr, im Lokale des Herrn II. bieliiuldt, Prinzrnallec 33; Mltgiieder-Versammlttng. Um zahlreiches Erscheinen ersucht 131/8_•' Der Norftand. d iir Aeldjoldaien! �V-llksch-Volnssch. lüpf. Seutsch-AranzösischlSpf. Sochhaadtung dorwSrt». Serllo ZBeÄslsrÄ " Dr. med. ttelemnnn D tiir GeschiechlskraRiclieilen, Haut-, Harn-, Frauenleiden, nervSa. Schwache, Bein- kranke,* Bohandhmg schnell, sicher nnd schmerzlos ohne Berufsstörung in Dr. Ilomejt'cr dt Co. konz Labor. f.Blntunters., Fäden im Harn nsw. FriedriehstrJl&�tlk; gegenüber . IlivtharJs. Spr. 10-1 n. 3-8, Sonnt. 10-1. Hinorar mäßig, a. Toilzahl. Separates"Damenzimmer. Serier.postkarten mit 3,50 oder 4.- M., 100 Gcmäidekarlen 6,-, 7,- od. 9.- M., 100 Humor. AuSverkansSkart.l.bOM Tioe München, UiOS, Sternatr. 28. IM in Bnanri-».«UlnmMn Zahlsteilc Berlin. Freitag, den 8. März 19 18, abends 7 Uhr: Vevsammlnng aller in den Lager- und Malzbierbranereien bc- schäftigten organisierten Slrbeitnehmer im Gewerkschaftshaus, Engeluser 15, groster Taal. Tagesordnung: Bcschluftfassnng iiber die von den Arbeitgcbeni gemachten Zugestäikvnisse. ES Ist Pflicht aller organisierten Ko.llcgcn, in dieser Ver- sammlung zu erscheinen. ivijt,,tjxdc.l»ich oder Karte der Gemerkschaft berechtigt zum Eintritt. 45/3_ Die«rtsvcrwnltnnjf. und Halskranke. Verlangen sie kostensrei belehrende Broschüre über Heilmethode ohne BerufSstörnng k SapitälSrat Dr. �ei>se'« kimbui., Berlin 117, Fetaiiamep Str. 123b II. Keine Wanze mehr für II. 1.50 nur mit Kammerjäger Berg's Micodaal I und H zu erzielen. JFetat beefe Zelt zur Brntvernichtnng;. Erfolg verblüffend. Kinderleicht anzuwend Ges. gesch. Doppelpak. M. 1.50. Ausreioh. für 1— 3 Limmer n. Betten. Alleinverkauf; Sämtliche Warenhäuser A WortliBim. Bei Einsendung von M. 1.90, a. Postscheckkonto Berlin 31286. Portofr. Zusend. n. answ. d. 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WWttielm a5n\gärb31/32 in b« Polenfrage aufwacht. Eine wirkliche Versündigung mit den Polen wird eS niemals geben, denn die Wünsche der Polen auf politische und terriioriale«elbständigleit kann keine .mußische Regierung erfüllen. Mit der von der Regierung beab« sichtigten Reform des Wahlgesetzes, die vielleicht 150 Sozialdemo- kraten, 100 Zentrumsleule und 00 Polen bringen kann, kann die Regierung ihre Ostmarkenpolitik nicht fortsetzen. Gegenüber den polnischen Ansprüchen muß auch einmal von deutscher Seite mit ganz groben Brummern geschossen werden.(Sehr gut! rechts.) Aber die Regierung scheint auf nichts hören zu wollen. Emen Landrat in Pose», der objektiv die Stimmung der deutschen Kreise wiedergab, hat man ber-den Ohren genommen und nach Hannover verschleppt.(Lebhaftes Hört! hör:! rechts.) Abg. Ad. Hoffina nn!U. S.ff Hai er nicht an Schiebungen teilgemmtmen?) Das ist ausgeschlossen. Die Regierung will nicht sehen, aber setzt ist keine Zeit zu Konzessionen an die Poken.(Beifall rechts.) Vizepräsident des Staatsniinistcriums Tr. Friedberg r Bisher war der auch von den Konservativeu ausgesprochene. Aweik der Polenpolitik, die polnisch sprechenden Preußen möchten sich möglichst bald auch als Preußen suhlen. Der Vorredner hat jedes Entgegenkommen an die Polen für aus- s i ch t s l o S erklärt. Ist er etwa ein Einspänner in seiner Partei? (Lebhafte Zurufe rechis: N e t n I» Dann hat die konservative Partei >bre Haltung geändert, und da ist eS umso merkwürdiger, wie die- selbe Partei der Regierung fortwährenden Wandel ihrer Anschauung vorwerten kann. Die Regierung will ebenfalls die Stärkung des Deutschtums ausrecht erhallen, ober Ungleichheiten beseitigen, die« nicht wirksam sind, aber von den Polen als ungerecht emplundeu werden mußten, wir folgen also nur dein-Gefühl der Gerechtigkeit. Gewiß wird unter einem veränderten Wahlrecht auch das Abgeordnetenhaus sich anders zusammensetzen.(Hört l hört! rechts.) Die Hammer schlage des Vorredners sind an inir zienrlich cindruckSloS vorübergegangen. lHZrr, hört! rechts.) Die Regierung schläft keineswegs, sie tut ihre Pflicht und hält Wacht im Osten, die ebenso wichtig ist, wie die Wacht am Rhein. Wen» daS Eni- etgnungSgesetz ein Schwert von Pappe geworden ist, so flnb gerade die von der Rechten beichloffenen Zusätze schuld. Jedenfalls)chcint unö jetzt der richtige Zeitpunkt. dies aufreizend wirkende Schwert von Pappe aufzugeben. Eine polnische Nation in Preußen, von der Abg. Sehda tprach, kenne ich nicht. Wir find keine Jllllsionspolittker, wir wisse». daß e-S nur kleine Gruppen der Polen sind, die sich mit unS verständigen wollen. Wie die Polen über den frieden mit der Ukraine denken, kann uns ziemlich indifferent lassen. (Zustimmung.) Die Polen selbst haben ni,chtS daiür getan, ihr Vaterland vom russischen Joch zu befreien. Das haben die Mittelmächte getan. Den Dank, Dame, begehren wir dafür nicht. Eins aber lassen wir uns nicht nehmen; Leben und Etzistenz unseres Vaterlandes ordnen wir nicht� nach polnischen Wünschen, sondern nur nach unseren eigenen Be- därfnis s e n.(Lebhafter Beifall.) Abg. Pohlmann>Vp.): Die Polen hätten wirklich abwarten sollen, was über das Cholmer Land endgültig vereinbart wird. Jede Autonomie, sedes internanonale Schiedsgericht lehnen wir ab. Uiffere polnischen Mitbürger müssen sich als polnisch sprechende Preußen, nicht als preußische Polen fühlen. (Beiiall.)'. Lüg. Stanke(Z.)t In Wesipreußen imd Posen hat die Regie- rung iLnlgegcnkvinmen gezeigt, in Oberschlesien aber nicht; ins- besondere hat man dort die Wünsche der k a r h o l i s ch e n Geist- I i ch k e i r für den Religionsunterricht in der Muttersprache nicht erfüllt. Abg. Braun(Toz.): , ES handelt sich hier um einen politischen Kampfetat. Dieie Polit,! tann natürlich niemals zur Verständigung und zur Milderung der Gegensätze führen. Die Ansicdlungskonimission hat mit ihren Bestrebungen nur einen ganz winzigen Erfolg erzielt, denn in dem letzten Jahrfünft bat. sich die deutsche Be- völkerung in jenen Provinzen um 4,0, die polnische um 4,4 Prozent vermehrt. Dieser Gewinn steht in keinem Verhältnis zu den aufgewandten Millionen und der Uiffumurc von Verbitterung und Verärgerung, die diese Politik bei den Polen hervorgerufen hat. (Lehr wahr! bei den Polen u. Soz.) Bei einer Fortsetzung der auf die Verdrängung der Pole» gerichleten Politik ist eine Verständigung ausgeschlossen. Sie muß restlos aufgegeben werden. Jetzt endlich will man ernst machen mit der Aufhebung des Eni- eignungsgesetzcS, aber offenbar nur. weil inan zur Erkenntnis ge- kommen ist, daß dies Gesetz ein Mißgriff war. ES hat sich in Wahrheit als � Hilfsaktion für halbbankerotte polnische Großgrundbesitzer berausgestellt.(Sehr wahr! bei den Sozialdemokraten.) In dieser Aufhebung kann also die polni'we Bevölkerung kein Entgegen- kommen erblicten. zumal der§ ISb des Ansiediungsgesetzes alffrecht erhallen wird, mit dein man es dem polnischen Bauer u n m o g- 1 1 ch machen kann, sich auf eigenem Grund und Boden e in schützendes Dach zu bauen, und zumal man eS oblchni, polnischen Ansiedlern die Wohltaten des Gesetzes be- treffend die A» s iedlung von Kriegsteilnehmern im gleichen Maße zuguic kommen zu lassen. Hat doch der Landwictschajtsminister in einer Kommission des Herrenhauses erklärt, die Anfiedlungskommisfion werde wie bisher von deutschen Anfledlern z« erheblich günstigeren Bedingungen als polnischen Kriegsbeschädigten Annedlungsmöglichkeir verschaffen. «Hört! hört!) Also die Männer, die gemeinsam im «Schützengraben gestanden haben, sollen, wenn sie nach Hause kommen, wieder verschieden bewertet werden.(Hört! hört!) Auch die B e h a n b l u n g der polnischen Saison- a r b e i l c r als rechtlose Masse trägt nicht zur Versöhnung der� Polen bei. lSehr richtig! bei den Sozialdemokraten.) Aus dieie Weise stößt man die Polen von Preußen ab und erhöbt � die Anziehungskraft de? neuerrichteten polnischen Staates. Daß man die bisherige Nadclstichpolitik fortsetzen will, be- weist auch die Absicht, das Proportionalwahlrccht in den polnisch sprechenden Provinzen einzutuhren, eine Maßnahme, die sich naturgemäß gegen die Polen richtet. Entweder man führt einen extrem scharfen Kampf gegen das Polentum, was ich für'ehr verdexblich halten würde, oder man treibt tatsächliche Versöhnung- Politik, darf aber dann nicht bei Halbheiten und Versprechungen stehen bleiben.(Bei- jaU 6. d Polen u. Soz.), Räch weiteren Ausführmigen Juhrmauns(vatl.) und Wink- lcrs