Ar. 70. SS. Jahrg. Btenrilfl�rt<ö0 Ml. awnffö LBtWt. frei in# HcruS. botau«jofittat.«njdne Nummern 10®fq. Postbezug: Monatlich 1,60 Mk. unter Kreuzband für Deutichland und Oesterreich- Unaarn Ml. für da» übrige«udland <,60 Ml. monatlich, Periand ins Feld bei direkter Pestellung monatl. IbO Ml. Postbestellungen nehmen an Däne- Marl. Holland, Luxemburg, Schweden und die Schweiz, Singetragen in die Post-Zeitungs-Breislistt. Erichemi täglich. Telegramm• Adresse: »Sozialdemokrat Berliu". Verl: nee VolksblnK. Anzeigenpreis: Die iiebengespaltene Kolonelzeilekoflet 00 Psg.»Kleine Anzeige»", dag fettgedrulkte Wort 20 Pfg, tzulässig 2 scttgedruckle Worte), jedeZ wettere Wort 10 Psg, Stellengesuch« und vchlasstellcnanzetgen da» erste Wort 10 Psg„ jede« weitere Wort 6 Psg, Worte über 16 Buchstaben zählen tür zwei Worte. TeuernngSzuschlag 20°/» Kamilieu» Anzeigen St» Pfg., politische u, gewcrlschaftliche Vereins- Anzeigen<0 Pfg die Zeile, Anzeigen tür die nächste Nmnmer müssen bis a Uhr iiachmitl, im Hauptgeschäft. Berlin TW.S«, Lindenstratze S, ab- aeaeben werden. Geöffnet von S Uhr früh bis 7 Uhr abend». Zentralorgan der foztaldetnofcratifchen Partei Deutfcblands. Neöaktion: EW. tZ, �inöenstraße 3. Bernivrecher- Amt Morivvla«. Wt. 1S1 90— 1S1 97. Montag, den II. März 1918. Expeüitivn: Ew. 68. Linöenstraße 3. Kerniprechrr- S«t Moriitpl-l-p, Nr. IS1 90—101 97. Eine kriegsrecke Olemenceans. Paris. S. Mänz. Kammer. In Dcanttvorwng von Fnterpella- twnen über Verantwortlichkeiten und Bloßstellungen aus An- laß der Verhandlungen über den Bolo-Prozeh sagte Clemenceau, dem die Interpellanten vorgeworfen hatten, daß er eine gewisse Pressekampagne fortsetzen lasse, er habe vom ersten Tage an versprochen, die Zensur zu unterdrücken, was die Kammer angenommen habe. Clemen» ceau fuhr fort: Ich bin Chef einer republikanischen Regierung und werde jeden republikanischen Grundsatz verteidigen. Der erste Grundsatz ist der der Freiheit, der zweite der des Kriege? und der. daß man dem Kriege alles opfern müsse, um de« Triumph Frankreichs sicherzustellen.(Beifall.) Ich begreife, daß man hier die Fäll« von Verrat verhandeln will, weil diese Fälle auch zum Kriege gehören. Lassen Sie uns den Krieg führen, indem wir die Freiheit und d,« Republik schützen. Alle Gedanken müssen h, jedem Augenblick auf den Krieg zusammengefaßt werden. Helfen Sie mir. da wir ja dasselbe Ziel haben. Ich habe keinen anderen Wunsch, als mein Land au? der Lag« herauszubringen, in der e? sich befindet. In dem Matze, als der Krieg fortschreitet, sehen Sie, daß sich eine moralische Krise entwickelt, wie sie sich am Ende jede« Krieges zeigt. Ein große« Volk des Oriente», das in Jahrhunderlen des Kriege» erprobt ist, hat den Satz gefunden, daß derjenige Sieger ist, der eine Biertelstunde läuger als der Gegner an seinen Sieg zu glauben vermag. Do» ist auch mein Grundsatz. Ich bin mit dem Gedanken in die Regierung eingetreten, daß man die Moral de» Landes stützen müsse. Meine ganze Politik geht nach einem Ziel hin: Aufrechterhaltung der Moral de? Landes, die Aufrechterhaltung der französischen Moral in einer Krise, wie sie unser Land bisher noch nie gekannt hat. Tie Väter haben ihre Söhne dahingegeben, die un» glücklichen Einwohner der besetzten Gebiete haben Qualen erlitten, wie die Geschichte ihresgleichen nicht kennt. Der Flieger G a r r a s, der mich vorgestern besucht hat, erzählte mir, daß, wenn unsere Ge> fangenen in Deutschland nicht ihre Pakete au? Frankreich bekämen, sie Hunger? sterben müßten. Es ist die Lage derer, die wir lieben. Das ist schlimmer als alles. Sie sprechen mir von Personenfrage. Die kenne ich nicht und werde ich nicht kennen.(Beifall auf vielen Bänken.) WirsindnichtanderMacht.umeinerPar. tei den Triumph zu sichern. Unser Ehrgeiz steht höher. er will die Moral des französischen Volke? bewahren. Die Moral unseres Soldaten flößt allen Bewunderung ein. Wenn man zu- weilen vom Feinde spricht, so machen sie eine Bewegung, als ob sie sagen wollten, die feindlichen Anstrengungen werden sich vor unserer Front erschöpfen.(Lebhafter Beifall., Diese Stimmung mutz auf. recht erhalten werden. Man sagt, es tue uns ein m ö g l i ch st ba l- diger Friede not. Ich wünsche den Frieden, ich würde ein Verbrecher sein, wenn ich anders dächte, aber durch Blöken nach dem Frieden bringt man den preußischen Militarismus nicht»um Schwei. gen.(Lebhafter Beifall auf vielen Bänken.) Mein Wahlspruch ist: Selbst überall in der inneren P-llitik führe ich Krieg. In der äußeren Politik führe ich Krieg.(Beifall.) Ich suche mich auftccht- zuerhalten im Vertrauen mit unseren Verbündeten. Rußland hat«n» verraten. Ich fahre fort. Krieg zu führen und wevd« fortfahren bis zur letzten Viertelstunde, denn die letzte Biertelstunde wird uns ge- Höven. Alle Welt denkt eS und wünscht eS. Darin sind wir einig. Zu den Sozialisten gewandt, fügte Clemenceau hinzu: Ich per- stehe, daß einige unter Ihnen vor dem Krieg« als Ueberidealisten auf eine bevorstehende allgemeine Abrüstung hoffen konnten und dachten, daß man sich jenseits des Rhein» ihnen anschließen würde. Ich gehörte nicht zu den Ihrigen, aber ich verstehe, daß Sie hofften. daß die heroische Uncigennützigkeit Ihres Jdea- lismus an st eckend wirken würde. Das ist nicht geschehen. Es würde ein Fehler sein, heute den Versuch zu erneuern, der durch die Tatsachen so grausam bloßgestellt worden ist. Die Erfahrung mit einem solchen Frieden hat Rußland gemacht. ES sind Ihre Freunde, die sie versucht haben. KerenSki wollte in dem Augenblick den Krieg. Er verschwand und Lenin und Trotz ki kamen und sagte zu ihren Feinden: Wir wollen einen demokrati- schen Frieden schließen. Nun, Sie wissen, was aus diesem Frieden geworden ist. Wenn Sie noch von KriegSzielen sprechen, so fragen Sie doch die Deutschen, welches die ihren sind. Sie brauchen sie nicht anzugeben. Die Tatsachen sprechen eine genügend deutliche Sprache. Es ist Polen, Litauen und Ukraine unter dem Stiefel des Siegers. Und während wir von Rußland einen Schrei der Baterlcmdsbegeisterung und ein Aufspringen zum Wider- stand gegen den Eindringling erwarten, antwortet Schweige«. Die Frage ist nun gestellt. Sie ist eS durch mich. Ja. ich mache den Prozeß. Ich habe e» am ersten Tage gesagt, daß die Ge- rechtigkeit ihren Lauf nehmen würde und sie wird es. Wir werden bis an» Ende gehen in der Erfüllung der Aufgabe. die nicht weniger schwierig ist wie die unserer Soldaten. Nichts wird un» aufhalten, nichts uns beugen. Die Kammer nahm darauf, wie gemeldet, mit 400 gegen 75 Stimmen die Vertrauenstagesordnung Pedoya an, die besagt: Englische ErkundnngSvorstöste in Flandern — Französischer Angriff bei Blamont— Der 200, Luftsieg der Jagdstaffel Boelcke. — Einmarsch in Sereth. Amtlich. Große» Hanptgnartier, 10. März 1918.(W. T. B.) Westlicher Kriegsschauplatz. Heeresgruppe Kronprinz Rupprrcht. Die englischen ErkundungSvorstöße dauerten an? stärkere Abteilungen brachen südlich von Monchy vor. Bei ihrer Ab» wehr wurden Gefangene gemacht. Am Abend vielfach ans- lebender Fenerkampf. Heeresgruppe Deutscher Kr»»Prinz. Nördlich von RrimS drangen Sturmtrupp» in die feiad- licheu Gräben und brachte» Gefangen« zurück. Erhöhte Ge- fechtstätigkeit beiderseits von Orne». Heeresgruppe Her,»« Albrecht. Nordwestlich und«estlich vv« Blamont am Abend reg« Feuertätigkeit der Franzosen. Nach mehrstündiger Artillerie- vorbeitung griffen starke feindliche Abteilungen am Nach- mittage zwischen Sncerville und Badonviller an und drangen teilweise iu unser« vorderen Gräben ei«. Bor unseren Gegen- stöße» zog sich der Feind in seine LnSganggstellunge» zurück. Württembergische Sturmtrupp», nassaaische Landwehr und Flammenwerfer nahmen bei einem Borstoß in die französischen Stellungen südwestlich von Markirch 1 Offizier und 36 Manu gesangru. I« de« beiden letzten Tage« wurden 28 feindliche Flug- zeuge und 1 Fesselballon abgeschossen. Jagdstaffel voelcke brachte ihre» 200. Gegner zum Absturz. Bon den anderen Kriegsschauplätze»«ich» Nene«. Der Erste General au articrmeister. Ludeudorfi. Abendbericht. Amtlich. Berlin. 10. März 1918, abend?. Bon de» Kriegsschauplätzen nicht» Nene». Der österreichische Bericht. Wien, 10. März. Amtlich wird vrrlantbart: Keine besonderen Ereignisse. Der Chrs de» Generalstabr». Einmarsch der Gefterreicher in Sereth. Wien, 9. März. Au» dem KriegSpressequartiar wird ge- meldet: Den Bestimmungen de» Vorfrieden»schlussel mit Rumänien zufolge räumen die Rumänen seit dem 7. März die von ihnen bisher noch besetzt gehaltenen Teil« der Bukowina. Bon den ihnen nachrückenden eigenen Detache- mentS zog am Nachmittag de» 7. März ei« österreichisch- ungarisches Bataillon in Anwesenheit eine» Divisionkkonman- danken in die Stadt Sereth ei«. Die Kammer vertraut der Regierung, billigt ihre Erklärungen und geht zur Tagesordnung über. Die Stimmung innerhalb der deutschen Sozialdemokratie stand in der letzten Zeit vornehmlich unter dem Eindruck des russischen Friedensvertrages. Die Außerachtlassung der von uns geforderten Grundsätze beim Friedensschluß hatte berech- tigten Unmut ausgelöst und Stimmen wie die der Genossen Wendel und Kampffmeyer sahen in dem Frieden von Brest-Litowsk eine Tatsache, die eine grundsätzliche Aenderung unserer politischen Gesamthaltung nach sich ziehen müsse. Die Rede Clemenceaus gemahnt uns daran, daß wir unsere Politik nicht rein östlich orientieren können. Sic gemahnt uns, daß im Westen noch immer ein Feind steht, dessen Kriegswillen nicht nur ungebrochen, son- dern der noch in der letzten Zeit g e st e i g e r t ist. Ein Feind, der den Sieg über Deutschland als einziges Ziel vor Augen hat und an diesen Sieg wie an ein Dogma glaubt. Mögen wir uns Deutschlands militärische Lage vorstellen wie wir wollen— die Tatsache, daß die westliche Entente ihr Spiel noch lange nicht verloren gibt und ihrerseits von ihrem schUeßlichen Sieg überzeugt ist. zeigt, daß die Frage„An- griffs- oder Verteidigungskrieg?" auch heute sehr verwickelt liegt. Zum Teilproporz für den Reichstag. von Adolf Thiele- Halle. Die Verhältniswahlen bezwecken, Sicherung dafür zu schaffen, daß in den zu wählenden Körperschaften die de- teiligten Parteien im gleichen Stärkeverhäitnis vertreten sind. wie in der Wählerschaft selbst. Nur dann können die ge- wählten Körperschaften sein, was sie sein sollen, ein zlvar verkleinerte?, aber unverzerrtes Spiegelbild der Meinungen, wie sie in der WÄHlerschckft zu finden sind. Und nur dann besteht die Gewähr, daß die gefaßten Beschlüsse dem Willen der Wählermehrheit entsprechen. Letzteres aber ist der vernünftige Sinn und das naturgemäße Ziel aller Wahlen. DaS für die NeichStaaSwahlen geltende Wahlkreis-Mehr- heitSsystem wird diesem Ziele ungleich weniger gerecht als der Proporz(Abkürzung für Proportionalwahi Verhältnis- Wahl). Und je älter das Wahlgesetz wird, desto grotesker gestaltet sich die Verzerrung infolge der verschieden starken Bevölkerungszunahme und der ungleichen VevLIkerungsver- schiebungen. 1L71 zählten fast sämtliche 397 Reichstags- Wahlkreise zwischen nahezu 100000' bis höchstens 150 ÖÖO Einwohner. Nur fünf kieinstaatliche Wahlkreise blieben er- heblich hinter dem Durchschnitt zurück. Auf die vier großen Parteien, die es damals nur gab, verteilten sich die Mandate ziemlich ihrer Stimmenzahl entsprechend. 1912 dagegen standen den Wahlkreisen Teltow nnt 1316 000, Berlin VI mit 860000, Bochum mit 765 000, Hamburg III mit 723 000 Einwohnern die kleinsten Wahlkreise Koburg mit 75 000, Reuß ä. L. mit 73 000. Waldcck nut 62 000, Schaumburg mit 47 000 Einwohnern gegenüber. Die Riesenkreise wählton ebenso nur einen Abgeordneten wie die Liliputkreise. Daß dadurch die Gleichwertigkeit der Stimmen und da- mit die Gleichheit des Stimmrechts in entpsind- lichster Weise gestört wird, liegt auf der Hand. Und da bei dem Wahlkreis-Mehrheitssystem auch die bedeutendste» Minderheiten einfach unter den Tisch fallen, da ferner durch Zulassung der S t i ch wa h l e n ein weiterer das Stimniungs- bild trübender Faktor dem Wahlausfall beigemischt wird, brachte 1912 das geltende Wahlsystem den beiden konservative'» Parteien 7, dem Zentrum sogar 26 Mandate mehr, als sie nach ihrer Stimmenzahl beanspruchen konnten, während wir Sozialdemokraten statt 138 nur 110 Mandate erlangten. Auch Nationalliberalc und Fortschrittlcr haben zu wenig, die kleinen Parteien zuviel Mandate erhalten. Hier hätte die Reform einsetzen und grundlegende Bc- stimmungen treffen müssen, die den Mißständen dauernd ein Ende machten. Den alten berechtigten Forderungen, daß den weiblichen Personen das Wahlrecht geivährt und das Wahl- rechtsalter herabgesetzt wird, hätte endlich entsprochen werden sollen. Denn daß heute ein Zioanzigjähriger im Durchschnitt mindestens ein« gleich hohe politische Einsicht besitzt wie vor fünfzig Iahren, als das Gesetz eingeführt wurde, ein Fünf- undztvanzigjähriger, wird nicht mit Erfolg bestritten werden können. Und nachdem seit Jahren von allen amtlichen Zungen das Lob der deutschen Frauen in höchsten Tönen ge- sungen worden ist, muß es bitteres Mißtrauen wecken, wenn die erste sich bietende Gelegenheit, dem Worte die Tat folgen zu lassen, gänzlich unbenutzt bleibt. Doch nicht nur ist eine Erweiterung deS KreiseS wahlberechtigter Personen unterblieben, sondern auch die Anwen- dung des Teil Proporzes ist durchaus willkürlich. 36 Wahl- kreise sind aus den 397 herausgegriffen und für sie die Ver- hältniswahl vorgesehen worden. Ebenso willkürlich ist. daß diese 36 Wahlkreise in Zukunft 80 Abgeordnete wählen sollen. Warum nicht 60 oder 100? Von grundsätzlicher Reform keine Spur. Der Proporz dient der Regierung nur als N o i- b e h e l f, wie Dr. Friedberg ihn im Landtage sogar als Blitz- ableitcr für polnische Gewitter in Aussicht gestellt hat. Weder das eine noch das andere soll der Proporz sein. Sein oben skizzierter Zweck muß als Wahlprinzip anerkannt werden und gilt demnach für alle Kreise im gleichen Maße. Jetzt sollen nur die Kreise mit mehr als 300 000 Einwohnern die Ver- hältniswahl bekommen. Nur Bremen und Mannheim sind mit dazugeschlagen worden, obwohl sie die 300 000 noch nicht voll erreicht haben. Bimien wenigen Jahren werden andere Städte in die gleiche Stufe gerückt sein. Ihnen bleibt jedoch der Proporz vorenthalten. Das ist Pfuscherei übelster Art, eine Reform, die schon in der Geburtsstunde wieder reform- bedürftig ist. Die Regierung hat das selbst cingoschen. Sie entschuldigt sich in der Begründung damit, die Einführung des Proporzes für das ganze Reich würde„einenSprung ins Dunkle" bedeutet haben. Erst müsse„abgewartet" werden, ob durch die Verhältniswahl die politischen„Organi- sationen zu stärkerem Zusannnenschlust und Arößerer Festig- �'it gelangen oder ob die Aussicht, daß auch kleine Gruppen infolge der Verhältniswahl zur Geltung kommen können, zu einer Zersplitterung der Parteien führen wird".— Das geht, mit Verlaub, die Regierung gar nichts an. Sie hat sich nicht den ttopf der Wähler oder den der Fraktionen zu zerbrechen. Tie bat ein anständiges, den Zeiwerhältnissen entsprechendes Wahlsystem vorzuschlagen und damit basta. Von einem Sprung ins Dunkle kann allerwege nicht die Rede sein. Und da das Wahlkreis-Mehrheitssystem überlebt und überholt ist. hätte sie zu den allgemeinen Verhältniswahlen greifen sollen. Das hätte geschehen können, ohne daß, wre die Re- gierungsvorlage es tut, auf die Haarspaltereien, ob die Rcandatszuteilung an die Parteien nach dem System Hase, dem von Hagenbach-Bischoff, dem von d'Hondt oder einein anderen erfolgen solle, hätte eingegangen werden müssen. Es gibt beim Proporz keine Kompliziertheiten, wenn sie nicht absichtlich beigemischt werden. Und schon jetzt ließe sich dein Wahlgesetz ein Zuschnitt geben, der auf alle Zeit hinaus genügt. Nicht die Mandats v e r meh r u n g ist die Haupt- fache, sondern eine gerechte Mandats Verteilung. Neben. bei: Wo der Raum für die 44 Sitzplätze für den Mandats- zuwachs im Reichstagssaale hergenommen werden soll, ist ein noch ungelöstes Geheimnis. Glaubt die Regierung nicht von der Nnteilung kn Wahlkreise absehen zu können, so kann trotz dieser Erschwerung der Vrovorz leicht und befriedigend für das ganze Reich mnge- führt werden, etwa auf folgender Grundlage: Jeder gibt wie bisher einen Stimmzettel ab, der auf eine bestimmte Person lautet. In Wahlkreisen, in denen ein Kan- didat für die Partei des Wählers nicht aufgestellt ist, genügt ein Zettel mit Bezeichnung der Partei, für die der Wähler seine Stimme abgeben will. Nach der Wahl wird das Abstinnnungsergebnis aus jedem Wahlkreise an die Reichszentrale gesandt. Hier wird er- mittelt, wieviel Stimmen insgesamt und wieviel für jeden einzelnen Kandidaten bzw. für jede Partei abgegeben worden sind. Waren 14 Millionen Einzelstimmen in die Urne ge- legt und beträgt die Gesamtzahl der Mandate 409, so ent- fallen auf je 3ä 009 Stimmen ein Mandat. Wer diese Stim- menzahl erreicht oder überschritten hat. gilt ohne weiteres als gewählt. Die anderen Mandate werden jeder Partei nach der Summe der auf sie entfallenden Stimmen zugeteilt, und zwar von der größten Stimnrenzahl fortschreitend bis zu den kleineren, bis jede Partei die ihr zukommende Man- oatszahl erlangt hat. Um die kleineren Kreise nicht von den großen erdrücken zu lassen, kann die Mandatszuteilung auch nach dem Prozentsatz an Stimmen in den einzelnen Wahlkreisen, nicht nach der absoluten Stimmen- menge erfolgen. Daß jede Partei vor der Wahl eine Liste i lirer kandidierenden Anhänger der Zentrale einzureichen hat, ist selbstverständlich. Ein auf diesen einfachen und festen Linien aufgebautes Verhältniswahlsystem hat alle Vorteile für sich und zeitigt keinen Nachteil, der nicht auch bei dem gegenwärtigen System oder bei anderen Proporzarten in die Erscheinung tritt. Jeden- falls ist es geeignet, für eine gerechte Mandatsverteilung die größte Sicherheit zu bieten. Eine oberflächliche Berechnung hat ergeben, daß sogar in den gewählten Personen gegenüber den gegenwärtigen Mandatsinhabern in der Hauptsache nur die Veränderungen eintreten würden, die- durch eine gerechte Mandatsverteilung bedingt sind. ES gilt demnach nicht.einen Sprung ins Dunkle zu imternehmen, sondern lediglich einer dringenden Forderung der veränderten Verhältnisse gerecht zu werden und die Vcr- hältniswahlen zu allen gesetzgebenden Körperschaften im Reiche wie in den Einzelstaaten einzuführen. Cinftellüng der Keinöseligkeiten im Osten. Eine Anfrage Krylenkos. Bern», 10. Miirz. Amtlich. Am 5. MSrz hat der Ober* brsehlshabcr K r y l e n l o einen Funkspruch nn den Oberbestchls- fiftbcr Ost gerichtet, in dem er auf die Bedingung des FriedenSver- träges hinwies, nach der die Feindseligkeiten der Front einzustellen wären, in dem er ferner anfragt, ob alle Anord- uungen getroffen sind, daß die Feindseligkeiten eingestellt werden. Taraufhin erfolgte am 6. März vom Oberbefehlshaber Ost nach- StrwSberg:»Nach Damaskus�.((EcUIXtuidXII.) (Lesfing-Theater.) Trotz Streichungen und Zusannnenziehungen dauerte es vier und eine halbe Stunde, bis der Zuschauer den Damaskuslvandever im Kloster endgültig verschwinden sah, wo der Nach seiner lieber- -eugung von einer ganz besonders auserlesenem Schicksalsdämonie oerfolgte arme Sünder Genesung für seine Seele finden soll. Ein onger und ermüdender Weg. Was in der seltsamen Bekenntnis- Dichtung neu und eigenartig berührt, erschöpft sich wesentlich in dem schon früher aufgeführten ersten Teil des Dramas. Da onckt die angstgejagte zwischen dumpfem Schuldbewußtsein und dievolten hin und ber geworfene Stimmung, die tiefe Sehnsucht, dem quälenden Gebiet der Leidenschaft zu entrinnen, und der ge- heimnisvolle Reiz vorüberhuschender fremdartiger Visionen. Aber nlch hier schon verursacht das Fehlen einer inneren seelischen Ent- Wicklung, welche die buni« Folge der Szenen zu einem einheitlichen «'tanzen gliedert, nach der anfänglich äußerst starken Spannung nm Schluß merkliches Ermatten. Der Einfall, daß der Erlösungs- -cher den gleichen Weg, den er durchmessen, dann wieder rückwärts "andern muß, erhält im Stück kein« tiefere Bedeutung, stört als 'vielsrische Willkür; und die Schlutzpointe, daß der Büßer dann ikH am Ausgangspunkte seiner Fahrt auf dem Postamt den so mge erwarteten Geldbrief des Verlegers ausgehändigt erhält und nese angenehme Ueberraschung dankbar als Fügung Gottes an- ". kennt, streift sogar hart ans Parodistische. Nichts deutet da, nach- rem der Kreis des Weges sich geschlossen, aus eine weitere Wan- .rung hin, noch führt der neue Weg zu irgendwelchen neuen sielen. Das Strindbergsche Speziälthem'a, van wechselseitigem Haß --r ehelich Verbundenen, die doch nicht voneinander lassen können. "N ersten Teile nur gestreift, drängt sich hier wieder beherrschend ■n den Vordergrund, doch ohne fesselnde intimere Nüancierung. sis figuriert hauptsächlich als Gegenstand breit ausgesponnener Be- achtung. Aueb Schrullen, für Strindbergs mißtrauisch patholo- ülche Erregbarkeit bezeichnend, laufen mit unter. Die Gefährtin "'s Unbekannten, die späterhin, nachdem der Tod ihres Kindes sie -siäutert, als eine Art von himmlischer Erlöserin glorifiziert wird, utz die obligate Eheweibsbosheit so weit treiben, daß sie den mungslosen Mann, um ihn nur recht zu den'.ütigen, durch Lügen ul bringen, den Rock ihres geschiedenen Gatten anzuziehen; als ■ Vorgänger dann erscheint und das fragltche Kleidungsstück er- ont, strahlt sie in infernalischen Triumph. Auch die Phan- aereien Strindbergscher Goldmachcrversuche kommen da zu Worte. stehende Drahtanwort an die russische Oberste Heeresleitung. Die Einstellung der Feindfeligteiten war deutscherseits für den Ii. März, 1 Uhr nachmittags, befohlen. Wenn es trotzdem am 4. März zu vereinzelten Kämpfen gekommen ist, so wird dies deutscher- scits bedauert. Nach den hier vorliegenden Meldungen war die Ur- fache einerseits der Widerstand, der in Estland und in der Ukraine dem rechtmäßigen Lormarsch der deutschen Truppen durch rusflsche Truppen an einigen Stellen noch entgegen- gesetzt wurde. Andererseits haben leider auf großrussischem Gebiet einige Kämpfe mit wenigen unoeganisierten Bau- den stattfinden müssen, die sich feindlich gegen deutsche Truppen be- nahmen. Es ist der lebhafte Wunsch der Obersten Heeresleitung, daß auch diese Kämpfe bald völlig aufhöre« und daß andererseits die dazu erforderlichen Anordnungen getroffen werden. Damit erledigen sich die tendenziös in der ausländischen Presse verbreiteten Nachrichten. Türkei-Kaukasusrepublik. Noch eine Friedensverhandlung. Konstantinopel, 9. März. Die Delegierten der Türkei für die Friedensverhandlungen mit der p r o v i- sorischen Regierung des Kaukasus, der Chef des Admiralstabes Reuf Bei und der Direktor des Bureaus der Rechtsbeiräte im Ministerium des Aeußern Rusret Bei sind gestern an Bord des Dampfers Akdenis abgereist. Konstantinopel, 9. März. Die Kammer hat SaS Budget endgültig mit allen Stimmen der anwesenden 170 Abgeordneten bei einer Stimmenthaltung angenommen. Der Petersburger Sowjet für üen Zrieöen. Lugano, 10. März.„Secolo" veröffentlicht ein Telegramm feines Petersburger Korrespondenten, wonach der Sowjet m i t großer Mehrheit gegen die Stimmen der Sozialrevolutionäre den Brest-Litowsker Frieden angenommen hat. Eine Bestätigung dieser Meldung liegt noch nicht vor. Der Petersburger Sowjet vertritt nur die Stadt Petersburg, seine Ab- strmurung ist daher nicht entscheidend, aber doch nicht ohne shmp- tomatische Bedeutung. Die endgültige Entscheidung soll be- kanntlich vor einem allrussischen Kongreß der Sowjets gefällt wenden. Heringe Neigung für Sie rote Harüe. London, 9. März.(Reuter.) Die„Daily Mail" be- richtet aus Petersburg vom 7., daß durch den Einfluß Lenins die K am pflust der Bolschewiki sich vermindert hat. Die Blätter von heute sehen die Unmöglichkeit, den Krieg fortzusetzen, ein. Daß die Kriegsbegeisterung im Abnehmen begriffen ist, kann man daraus ersehen, daß Moskau nur un- gesähr 2799 Freitvillige(für die rote Armee aufbrachte, anstatt 69 999, wie man ursprünglich erwartet hatte. Die Ergebnisse der Werbung in Petersburg wurden nicht � bekcmntgemacht, waren aber wahrscheinlich noch geringer. Die Räumung Petersburgs mackst rasche Fortschritte. Die Bevölkerung ist noch immer fest über- zeugt, daß die Deutschen in die Stadt einrücken werden. Tie Meldung bestätigt, daß die bolschewistisch-� Massen — im Gegensatz zu ihren Führern— nicht von revolutionärer Energie, sondern von apathischer KriegSmüdiqkcit geleitet werden. Stockholm, 10. März. In einer langen Rede, die der Stell- Vertreter Krylenkos, Oberst M i a s n i I o w, in dem Zentral- exekuiivausschuß- der- Arbeiter- und Ssldatcnd.elegiertcn.hielt und in der er Beschlüffe imd-Verordnungen-- des- Sowsets einer Warfen Kritik unterzog," erklärte er. daß er die Neorganisation der Armee für ein Ding der Unmöglichkeit halte und ein« Verantwortung für die Neubildung der roten Armee nicht übernehme. AiiS diesem Grunde ist er bereit, dem obersten Heerführer Krylenko zu folgen und hat sei« Rücktrittsgesuch bereits eingereicht. Zur Hefetzung üer ftalauösiufeln. Stockholm, 9. März. Wie.Dagens Nyheter" au? Wasa er- -aheen, hat die dortige f i n n i sck e- R e g i e ru n g ans Anlaß der deutschen Alandsexpedition folgende P r o k l a- m a t i o n erlassen: Die Landung der Deutschen auf Aland geschieht ebenso wie ihre Operationen im Einverständnis mit der finnischen Regierung. Der Oberbefehlshaber der Truppen der Finnischen Republik hat der Re- gierung mitgeteilt, daß wir, seitdem wir Waffen erhalten haben, mit eigener Kraft den Kampf gegen die Russen und Roten Als er die Frau verläßt, rühmt er sich im Grötzenivahn, ihm sei das Wunderwerk gelungen. Auf einem nächtlichen Bankett— die Bühne bot da bei gedämpftem Licht in vagen Umrissen ein wunder- volles Traumbild— wird er als großer Mann gefeiert, bis dann von allen Seiten her der höhnisch schadenfrohe Spott hervorbricht. Selbst das Gefängnis bleibt ihm nicht erspart. In-den Szenen des dritten Teiles winkt oben von dem Gipfel eine? hohen Berges ein marmorweißer Bau, durch breiten Abgrund von profaner Welt geschieden. Das Kloster, wohin ein Geistlicher — des Unbekannten anderes Ich, das ihm im ersten Teil als Bettler in den Weg trat— den Lebensmüden leitet. Demütig lauscht er dessen frommen Worten, nur zuweilen im Trotz und seiner eckten Ztveifelsucht dagegen aufbegehrend. Noch einmal er- scheint, was ihm das Liebste war auf Erden. Zuerst die Toebter, von deren reiner Kinderseele er ein herrliches Erblühen erhoffte. Nun ist's eift keckes selbstbewußtes Fräulein, das sehr von obenher zum Bater spricht, von ihrem Verehrer plappert und ohne Tränen in den Augen Abschied nimmt. Und auch sein junges Weib, die Schmerzverklärte, die mütterlich gütig dem Einsamen Trost bringt, entgleitet abermals, die Hoffnung eines neuen Bundes unverbrüch- lich fester Liebe zerflattert in die Winde. Die unheimlichen Ab- neigungs- und Haßinstinkte tauchen wieder auf. Allerlei Episoden 'chieben sich dnzwischen. So eine Gerichtsverhandlung, zu der ein Fremder, den der Zettel„den Versucker" nennt, den Damaskus- Wanderer einlädt. Sie variiert in umständlicher Breite den Ge- danken, daß die Verführer in der Liebe bis zur Stammutter Eva rückwärts selbst stets Verführte waren. Noch unmotivierter nimmt sich die langgedehnte Szene aus, in der dem endlich in dem Kloster Angelangten die Bildergalerie des Hauses erklärt wird. Im letzten Bilde, unter den aufstrebenden Säulenpfeilern des gewaltigen Kirchenbaues, wird der Büßer in den Kreis des Ordens aufge- nommeu. Ein äußerer und leerer Abschluß, dem auch die schönen Weibgesänge, welche dazu klingen, keine Stimmung geben können. Die Rollen des Unbekanuten, der Schwiegermutter, des Bettker-Confefiors und der Frau lagen, wie bei der Aufführung des ersten Teils, in den bewährten Händen von Theodor LooS, Jlka Grünin g. Götz und Lina Lossen. Von dieser gingen die stärksten Wirkungen aus. Herr Laos hatte bei aller Feinheit seines Spiels den Helden auf emen Grad schwermütiger Gebrochenheit gestimmt, der. nach dem Text ja wohl berechtigt, das Ermüdende der Szene noch mehr verstärken mußte. Abels hell- fröhliches Organ in der Figur des„Versuchers" mutete dagegen wie Erholung an. Die freundlich stille Seelenruhe des Priors kam in Landas Organ und Spiel zu würdigem Ausdruck. Das Publikum dankte den Tarstellern imd dem Direktor» der eine un- Gardisten hätten durchführen können, aber. die vielen m Sudfinn- land verübten Gewalttaten und die Lebensmittelnot der BevöÄc- rung, sowie die täglich aus Rußland, eintreffenden Bolschewikihäufcn veranlaßten die Regierung, sich zum Wohle des Landes eines handkräftigen Freundes zu bedienen. In Deuffchlands Friedensbedingungen für Rußland steht auch die Bestimmung, daß die russischen Truppen und Bolschewiki aus Finnland ent- f e r n t werden müssen. Diese Räumung will Deutschland, gestützt auf ferne nach Finnland entsandten Truppen, überwachen. Deutschland gestattet nicht, daß russische Soldaten als Z i V i l p e r- fönen verkleidet in Finnland kämpfen und durch Untec- stützung der roten Banditenhorden den deutsch-russischen Friedens- Vertrag betrügerisch umgehen. Stockholm, 10. März. Nach offiziellen Mitteilungen aus Finn- land versuchen die russischen Soldaten und Rotgardisten die Bedingungen des deutsch- russischen Friedensvertrages durch massenweise ungesetzliche E'i n b ü r g er u ng als finnU sche Staatsbürger zu umgehen. Robert Cecil über Japan und Oftfrieüen. London, 9. März. Nach einer Reutermeldung erklärte Lord Robert Cecil bei einer Unterredung: Als unabhängiger souveräner Staat wird Japan jeden Schritt unternehmen, den es für richtig hält. Ich persönlich würde dies willkommen heißen, wenn Japan als Beauf- tragt er der Alliierten handeln würde. Man hat keine richtige Vorstellung davon, wie furchtbar ernst die Durchdringung Ruß- lan&s durch Deutschland gemeint ist. Seine Politik ist nichts wem- ger, als der riesenhafte Plan einer Welteroberung. Es hat die baltischen Provinzen fast bis nach Petersburg hinauf genommen. Was Finnland anbetrifft, so hat es Truppen nach den Alandsinseln geschickt und mit den Finnen eine Art Abkommen ge- troffen, daß die auswärtige Politik Finnlands zu seiner Verfügung steht. Das gibt ihm tatsächlich die gesamten russischen Msten an der Ostsee und läßt Rußland nur noch in Archangelsk und an der Murmanküste einen Zugang zum Meere. Deutschland hat Odessa besetzt oder ist wenigstens im Begriff, es zu besetzen, und gleich- zeitig hat es aus der Rückgabe der Häfen im Osten und im Schwarzen Meere an die Türkei bestanden. Deutschlands Absicht hierbei ist, die Bagdadeisenbahn durch eine neue Linie nach Osten über den Kaukasus und durch Nordwestpcrsien zu ersetzen, und hier- bei hat es. bewußt oder unbewußt, den tätigen Beistand der ört- lichen Bolschewiki gehabt. Auch die Armenier, erklärte Lord Robert Cccil, an denen England und Amerika das tiefste Interesse hätten, seien durch den deutschen Vertrag den Türken wieder aus- geliefert worden. De Karte zeigt, welchen furchtbaren Eroberungs- plan die Preußen noch hegen. Ihr Plan, Frankreich zu ver» nichten, ist fehlgeschlagen, aber sie hatten stets noch den Plan von Eroberungen im Osten in Reserve. Alles Gerede von einer Be- wegung in Deutschland in demokratischer Richtung ist ganz un- glaubwürdig. Gegenwärtig ist die militärische Herrschaft über das deutsche Volk noch unerschüttert. Gibt es irgendeinen Grund, wes» halb Deutschland nicht versuchen sollte, in Sibirien einzudringen, wie es das anderswo getan hat? Wir haben eine Meldung, daß die deutschen Gefangenen in Sibirien organisiert werden und daß ein preußischer General dorthin geschickt worden ist, um die Arbeit auszuführen. Selbst wenn diese N-Khricht unrichtig ist, so ist sie doch nur eine, verständige Vorwegnähme der Ereignisse. Wir wür- den im höchsten Grade töricht und verbrecherisch handeln, wenn wir nicht' jeden möglichen Schritt versuchten, um diesen deutschen Plan zu-vereiteln..Ich denke, wir wurden gut. b traten sein, wenn wir' den B e i st a n d u n s e re s j a p a n i sch e n V e r b ü n d e t e n bei einer«Sache suchten, in der er und er allein wirksame Dienste leisten kann. flnkunst»es Mlff in eabeck. Lübeck,-10. März. Der Hilfskreuzer„W o I f* langte heute nachmittag 3)4 Uhr vor Travemünde an und erreichte in eineinhalbsründiger Fahrt den bekanntlich für große, siefgehende Schiffe geeigneten L ü b e ck e r H a f e n, um hier einen Teil seiner Ladung zu löschen. Bei der Einfahrt in den Jnnenyafcn wurde das Schiff vom Hafenmeister, von dem Ortskommandanten und SenatZmitgliedern sowie von der Bevölkerung lebhaft begrüßt, was die Besatzung mit dreifachem Hurra auf die Stadt Lübeck erwiderte. Unter Glockengeläut legte das Schiff am Hafenkai an. gewöhnliche Regiekunst und Energie für dieses neue Wagnis ein» gesetzt, am«Schluß mit starkem Beifall. dt. Einer von tznnSert. Ein Bekannter sagte mir, der Volk Sbildneri sche und kirnst- lerische Wert der vom Goethebunde veranstalteten.Hundert frohen Abende" müsse nach den Erfahrungen der ersten SJcranstol- Jungen stark bezweifelt werden. Am Sonnabend war Gelegenheit, diese Behauptung auf Herz und Nieren zu prüfen. Der große Schul! heiß-«Saal an der Hasen- Heide war schon lange vor Beginn der Darbietungen voll, daß kein Apfel zur Erde konnte. Em Bierlokal wirkt nie ästhesisch, und von der improvisierten.Bühne" darf man das auch sagen.— Für einen poetisch veranlagten Menschen kann ja schon eine Kaspertheaterklmgel eine Offenbarung bedeuten. Kommen hinter- her eine richtige Opernsängcrin und ein Geigenspieler und gar ein Märchenerzähler, der ganz prächtig die Geschichte vom.Swinegel un sin Fru" gut plattdütsch zu snaken versteht, so ist man eben zufrieden. Gewiß, der M än nerge sa n gve re i n könnte auch besseres bringen als ein kriegerveretnsmäjzig da hermarschierendes Marinelied, und wenn Theater gegeben werden soll, so braucht es nicht gerade ein.«Schwank" zu sein, den vor zwanzig Jahren jede Schmiere totgespielt hat. Zuletzt ein heiterer Reigen: eine Hnmorissin guten Schlags, die harmlos-kecke Chansons«ms Kehle und Tasten schrammt, a«Sepp und a Kathl(.Holdrio!"), ein Hanswurst mit einem un- glaublich gelehrigen Hunde und schmelzenden Nachtigallenlauten... lind der ganze Saal lacht und freut sich! Denn schon! Goethe freilich dachte über den Hund auf der Bühne anders, und wäre er Vorfitzender des Goethebundes, so gäbe er heute seine Demission._ z- Notizen. — Der.bewaffnete Friede". Vom.bewaffneten Frieden" ist jetzt de? öfteren die Rede. Dieses Wort ist uralt und entstand nach dem Dreißigjährigen Kriege. Friedrich von Logau war es. der herausfand, daß auf jenen Krieg ein.gewaffneter Friede" gefolgt fei. Und er sagt von diesem: .Krieg hat den Harnisch weggelegt, der Friede zeucht ihn an: Mr wissen, was der Krieg verübt, wer weiß, was Friede kann?" Im vorigen Jahrhundert wurde dann das Wort vom.bewaff« neten Frieden" oft gebraucht. Karl Beck wendete es in dem Gedichte .Neue Götter und alte Leiden" in.Lieder vom armen Manne" fl846> auf die Polizei an:»Siehe, da lauert und späht ringsum der.bewaNnele Friede". Im Jahre 1848 reihte dann ein««Schrift „Der bewaffnete Friede" den weiteren Begriff LogauS dem Sprach» schätz dauernd ein. der Lustangriff auf Paris. Paris. 9. März. Amtlrcher Bericht vom 8. 3. abends. Es � hat ein feindlicher Fliegerangriff stattgefunden. Alarm wurde 8,50 gegeben. Geschwader, die sich gegen Paris und Umgebung richteten, wurden angekündigt. Unsere Flieger stiegen sofort auf. Um 10,30 wurden an mehreren Punkten Ab- würfe festgestellt. Es wird von Qpfern und Materialschaden be- richtet. Amtlicher Bericht vom 3. 3. 1,50 nachts. Der lleberfall hörte 15 Minuten nach Mitternacht auf. Aach den ersten Benachrichtigungen gelang es mehreren Ge- schwadern, unsere Linien zu überfliegen; sie erreichten nach und nach diePariserZone. Bon da an konnte eine gewisse Anzahl feindlicher Apparate, die durch Artilleriefeuer in ihrer sl-liegertätigkeit gehindert wurde, ihre Aufgabe nicht erfüllen. Auf Alarm wurde Sperrfeuer dürft unsere Artillerie gegeben. Eine- gröhcre Anzahl französischer Berteidigungsfliegcr stieg auf. Die Zahl der Opfer ist bisher noch nicht bekannt, sie soll aber weniger beträchtlich sein, als die des vorigen Angriffs. Die Wachen für den Hilfsdienst funktionierten unter neuen Be- dingungen ausgezeichnet. Die Schutzmaßnahmen waren wirksam. Nach üen LortesVahlen. Madrid, 3. März. lHavas.) Garcia Prieto erschien nach- m.ctags im königlichen Palast, Später erklärte er Zeitungsver- tretern, der König habe ihn dringend ersucht, in Gemeinschaft mit dem gegenwärtigen Kabinett weiter zu regieren. Er habe erwidert, er könne keine Verpflichtungen übernehmen, ohne zuvor mit Romanones gesprochen zu Haiku. Der Ministerpräsident stattete dann Romanones sofort einen Besuch ab. Kriegskreöite im ö'sterreichisthen Herrenhaus Wien, 10. März. Das Herrenhaus hat das viermonatige Budgetprovisorium und den Sechsmilliardenkredit angcnom- m c n. sVn Laufe der Debatte wiederholte Mimsterpräiidsiit von Seidler seine jüngst im Abgeordnetenhaus abgegebenen Er klär un- gen über die Notwendigkeit einer Berfassungsreform. Der innere Kampf um Litauen. Ein Mann, der sich einen„hervorragenden Kenner Litauens" nennen läßt und auf alle Fälle ein hervorragender Verehrer des Fünten Isenburg ist, faßt im..Tag" das litauische Problem in folgende Kernsätze, zusammen: „Man hat im vorigen Jahre einen Landesrat ins Leben ge- rufen, der sich am 12, Dezember für den Anschluß Litauens an Deutschland ausgesprochen hat. Dieser Beschlutz stellt eine Art Kompromiß dar zivisckcn den Anschauungen, wie sie unter anderem vom Fürsten I s c n b u r g.'dem hochverdienten Ehcf der Militärverwaltuiig in Litauen, vertreten wurden, und denjenigen Politikern, die das Schlagwort vom Sclbstbestimmungs- recht der Völker allen Neuordnungen im Osten zugrunde legen wollen. Inzwischen haben sich die Führer gewisser Reichstags- Parteien der Herren vom Landesausschutz liebevoll angenommen und sie für die Forderung nach voller staatlicher Unabhängigkeit des Landes gewonnen. Danach hat sieb denn auch der LandeSrat selbst in diesem Sinne ausgesprochen. Wir haben indessen bereits mitgeteilt, daß er damit bei unserer Reichsleitung kein Glück hatte, sondern freundlichst gebeten wurde, sich auf seine frühere, noch cimgermatzcn vernünftige Entschließung wieder zu besinnen. Ob er das nun tun wird'oder nicht— für uns kann darüber kein Zweifel bestehen, daß Litauen dem deutschen Jntrrcsscnkreis an- gegliedert werden muß." Nachdem Litauen von Rußland abgetrennt ist— unter Berufung auf das„Selbschestimmirngsrecht der Völker"—, wird ihm nuu das Erlkönig-Lied gesungen:„Und bist du nicht willig, so brauch' ich Gewalt," Man beruft sich dafür sogar ichon ganz offen auf die Reichslcitung. Die„Germania" will das freilich nicht wahr haben: sie erwidert, daß die Reichs- leitung Tag und Nacht an nichts anderes denke, als an die loyale Durchführung des Selbstbestimmungsrechts. Nach den Ersahnrngen der letzten Zeit aber gibt es gegenüber solchen Versicherungen überhaupt keinen Grad von Vorsicht, der nicht berechtigt wäre._ Arbeitslohn und Arbeitszeit nach üem Kriege. Ein Vortrag von Lnjo Brentano. Am Sonntag sprach im„Rheingold", veranlaßt vom„Volks- bund für Freiheit und Vaterland, der Münchener Nationalökonom Prof. Lujo Brentano über„Arbeitslohn und Arbeitz- zeit nach dem Krieg e". So wahr es ist, führte er aus, daß während des Krieges die Arbeirslohne beträchtlich gestiegen sind, so wird diese Tal fache doch zu sehr verallgemeinert und überschätzt. To sind im Dortmunder Jndustrievezirt die Löfine von 1313 bis 1917 um 57 Proz. gestiegen, was gar keinen Ausgleich im Verhältnis zur T e u c r u n g dar- stellt. Richtig ist, daß weiteste Arbeilerkrcise unter großen Eni- bebrungen ihr Leben fristen. Dazu kommt, daß die Arbeitszeit be- trächtlich erhöht ivurde und die Schutzgesetzgebung ganz außer Rand und Band ist. Hier muß das Ende des Krieges unbedingt eine Neuordnung bringen. Es gibt Leute genug, die nach dem Kriegsschluß kurzmng die Löhne herabsetzen wollen, über die Arbeitszeit schweigen sie sich aber aus.— Der Krieg hat eine Unsumme von Werten vernichtet, nur durch sparsames, ausdauerndes und rationelles Wirtschaftet? können wir wieder emporkommen. Die Herabsetzung der Löhne aber würde als Gegenwirkung Kämpfe und Streiks hervorrufen und damit eine schwere Lähmung des Wirtschaftslebens herbei- führen. Die VolkSivirtschaftler des 17. und 18. Jabrhunderts waren der Ansicht, nur durch wenig Lohn und lange Arbeitszeit könne eine hohe Arbeitsleistung erzielt werden. Dieser merranti- listischen Auffassung stellte sich später eine andere, zuerst von Adam Smith vertretene, entgegen, die gerade von dem Anreiz hoher Löhne und der guten Erholung nach kurzer Arbeitszeit eine hohe Arbeitsleistung erwartete. Praktische Versuche bewiesen auch die Richtigkeit der. letzten Behauptung, ein englischer Volkswirt stellt direkt nach praktischen Erfahrungen den S-atz auf: Niedrige Ar- bcitSzeit, hoher Lohn gleich billige Produttion, und umgekehrt. Selbst ein Mann wie Freiherr v. G a m p, der kaum im Geruch der Arbeiterfreundlichkcit stehen dürfte, ließ sich lieber Steinträger von Berlin kommen, die 4 M. den Tag kosteten, nur weil er mit ihnen beim Bauen besser fuhr als mit pommerschen Steinträgern, die nur 1,50 M. pro Tag kosteten.— Bei Zeitz in Jena wurde fest. gestellt, daß bei einer Herabsetzung der Arbeitszeit von 9 auf 5 Stunden der Verdienst pro Siunde bei gleichen Akkordsätzen von 61,3 Pfennig auf 71,3 Pfennig stieg, eine Steigerung der In- tenstlät von 100: 116,2. ?»r Arbeiter$t eben kein Mechanismus, sondern ein Orga- »ick»:»s, und seine Leistung ist von physischen und psychische» Bedingungen abhängig, die man nicht mft den mechanischen einer' Maschine vergleichen kann. Werden an einen Menschen Anforde- rungen gestellt, die über das täglich zu ersetzende Energiemaß hinausgehen, so tritt Ermüdung und schließlich Erschöpfung, bei dauernder Ueberanstrengung Entartung ein. Allerdings kann auch die andere Grenze gezogen werden, daß eine zu große Pause zwischen den Arbeitszeiten eine nachteilige Unterbrechung der Uebung zur Folge hat. Die Vertreter dieser Annahme berufen sich auf Erfahrungen im Osten und Orient. Da- zu bemerkte der Redner: Diese Behauptung ist richtig, wenn ste eine Bedürfnislosigkeit voraussetzt, die der moderne europäische Arbeiter nicht mehr kennt. Der heutige Arbeiter steht in einer Tätigkeitssphäoe, die ihn in Spannung hält, be- sonders den großstädtischen, der übrigens seine Freizeit gefitteter zu verbringen weiß als der Arbeiter der Provinz.— DeS weiteren bewies Prof. Brentano, daß die Gewährung hoher Löhne und kurzer Arbeitszeit Grundlagen des t e ch n t s ch e n Fortschritts und der rationellen Betriebsführung sind. Das Taylorshstem wird aber von den Arbeitern mit Recht als ein Raubbau an ihrem Leben betrachtet. Das heruntergebrachte Europa kann nur durch Menschenökonomie wieder in die Höhe kommen. Der unerläßliche erste Schrift, dazu ist die Festsetzung von Arbeitslohn und Leistung zur Sicherung des Wohlergehens der Arbeiterschaft. presse und Zensur. Ein Hilferuf an den Reichstag. Ter' BcZirkSveröaud Berlin- Brandenburg des Reichs- Verbandes der Deutschen Presse faßte am Sonntag nach einem Referat Georg Bernhards folgenden"Beschluß: Der Vorstand des Reichs-verbandes der Deutschen Presse spricht die bestimmte Erwartung aus, daß der Reichstag Uebergriffen der militärischen Jensur auf das politische Gebiet entschieden entgegentritt, und daß e r auch keine Abänderung der Zensurvor- schriften dulden wird, die der Sache nach die Einführung einer poli- tischen Zensur durch politische Behörden bedeutet. Was die Presse se lb st tun will, wird in der Kundgebung leider nickst gesagt. Dafür wurde beschlossen, zu verlangen, daß dem Herrenhaus drei Vertreter der Redakteure und Tages- schriststeller angehören sollen, statt des einen, den ihnen der Vcrfassungsailsschutz zugestanden hat. Tagung kaufmännischer MgefteUter. Einc Reichstagung kauftnänniscbcr Angestellter Deutschlands fand am Sonntagvormittag im Avgeordnetenhausc statt. Einberufen war sie von der„ArbeitSgcmeinscbaft der kaufmännischen Verbände", die ans elf verschiedene?? Vereinen und Verbänden besteht. Der deutschnationalc Herr Do r i n g- Hamburg sprach über„Kauf- m a n n s k a m m e r n". Diese sollen die sozialpolitischen Angclege??- cheiten des Handelsstandes bearbeiten, i?n Gegensatz zn den Han- delskan?mer?i, denen die Bearbeitung der reinen Wirtschaftspolitik vorbehalten bleibt. Eine Verschmelzung lnit den Arbeitskam- m e r n wird abgelebnt, da es Aufgabe der Kaufmannskammern sein ivird, kaufmännische Standes Politik und nicht reine An- gestelltenpolitik zu betreiben. In einer hierauf einstimmig an- genolnlnenen Entschließung heißt es u. a.: „Die allgemeinen Aufgaben der Kanfmanlrskammern sollen sein: Pflege des WirtschaftsfriedenS, Wahrnehmung der gemein- s a m e?? beruflichen u??d»virtschaftlichcn Angelegenheiten der selbständigen u?rd ange st eilten Kaufleute. Zur Teil- nabme an den Wahlen zur KaMmannSkgyrmer sollen berechtigt sein Personen, die'd'aS 21. Lebensjahr vollc??det habe» und?nin- destens fünf Jahre innerhalb des Deutschen Reiches als selbstän- diger oder angestellter Kaufmann täftg gewesen sind. Wählbar sollen sein dicienigen Wabbcrechtigten, Welche das 25. Lebensjahr vollendet haben. Tic Wahlen sollen nach dem System der Verhält- nrsivahl erfolgen. lieber„Wiedereinstellung der KriegSteilneb- m e r" sprach S ch a V e r- Hamburg, lieber zwei Drittel der kauf- männlichen Angestellt«? stehen unter den Fahnen und schwere Be- sorgnis erfülle die meisten über ihre Zukunft nach Beeirdigung des Kr?eges, Es bandele sich hierbei um eine Frage von eminent öffentlichem Interesse, und alles müsse aufgeboten werden, um die Kriegsteilnehmer an ihre früheren Arbeitsplätze zurückzugelcften. Um das zu erreichen, erstrebe die Arbeitsge?neinschaft ein Notgesctz. Eine Entschließung in diesem Sinne wurde angenommen. Ueber die G e h a l t s f r a g e sprach Beckmann- Leipzig. Um den großen Mißständen auf dem Gebiete der GehaltSfragc ab« izuhelfen, bat die Arveitsgemeilil'chaft Mind�stgehaltssätze aufgestellt, die in gleicher Weise für mänitliche l:nd weibliche Angestellte Gel- tu?ig haben sollen. Auch dieser Standpunkt wurde in einer Resolution festgelegt. parteinachrichten. Konsequenzen. Mit der Frage, welche Kcmseqnenzen au? der Schwenkung der Rcichspofttik aum Gewalttrieden zu ziehen seien, beschäftigt sich die, Partei presse nach wie vor sehr lebhaft. Die Bielefelder „Volksmacht" kommt zu■ dem Schluß:„Für ein« Politik mit diesen Folgen kcmn die sozmldemokrcftie keine Vera??twortung überitehmeii," Diesem sebr treffenden Satz fügt sie folgende nicht minder beachtenswerte Erklärung hinzu: „Ebensowenig freilich kann sie die Absicht haben, dem Er- obererwillen der Feinde Lorspan ndienjte zu leisten. Das eng Friedensfreunde i?l der Arveiterpartei und bei den Liberalen! Einstimmig!— das heißt, daß eine kleine Gruppe von Par- lamentariern zwar eine energische Propaganda gegen die Er- obererpläne Lloyd Georges und ftir einen Verständigungsfrieden betreibt, daß sie es aber nicht für geraten hält, den? Lande die Mittel zur Fortsetzung des Krieges zu verweigern, obgleich dieser Krieg nach de?? letzten Beschlüsse?? des Versmllcr Kriegsrates für die Entente ein reiner Beutefeldz??g werden soll. Das???ird bei der Entsche?dung der Reichs tag sfraktion nicht unbeachtet bleiben dürfe??. Diese Entscheidung ist eine sehr schüre, vielleicht die schwerste im ganzen Kriege. Immerhin hoffen wir, daß die Fraktion einen Weg findet, der den Notwendigkeiten des Landes gerecht wird, der aber auch der Regierung zu erfen??en gibt, daß sie auf die Zu- st??umung des Volkes»ich? mehr rechnen kann, wenn sie den Ber- teidigungScharatter des Krieges ausgibt. Die B r cs laüer„V o l k s iv a ch t" zittert au? einem Ar- tikel des Ge??. Stampfer: „So wenig wie mit Brest-Litowsk haben wir mit der offiziellen Vlamenpolitik irge??d etwas genzei??. Das muß mit solcher Deut- lichteit ausgesprochen werden, daß ein Zweifel daran unmöglich ist." „Ilnd es müssen die notwendigen Konsequenzen gezogen wenden," fügt sie hirrzu. Welcher Art diese Km?iequenze?? sind, führt jie nicht näher aus, Jr?dcs muß genauer überlegt werden. was d?e K o n s e q u c n z dieser 5tonseque??zcn ist u??d ob man durch die dem Frieden, de» wir wolle??.?iäher ko:nn?t. Bemrkenswtzrt ist jedenfalls der Hinivcis deS Bielefelder Blattes auf die parla- n? e n t a r i s ch e Uebung Englands, die beweist, daß die Absicht, ei??e scharfe und vor allem erne wirksame Oppo- s i t i o n zu treiben, nicht unter allen Umständen in negattvcn Ab- sttmmungen zum Ausdruck kom?nen muß. Donnerstag ist Wahltag in Nieöerbarnim. Die Frage, vor die die Arbeiterwähler des Reichstagswahl- kreises gestellt sind, lautet: MloMett im N«««im Zerlömemg? Ein Teil der Organisation, der im Verbälrn?s zur Gesamtmasse im Reich sebr klein ist, hat a??s fanatischer Rechthaberei die demo- kratische Diizipcin durchbrochen?lnd einen Keil in die Arbeiter- bewegung hineingetrieben. Wer für ihren Kandidaten, den politisch sehr wandelbaren Dr, Breitscheid sti??lmt, der stimmt für die Zer- splitterung der Arbeiterbeivegung, Der Kandidat der Arbeiter- einigkeit. für den alle stimmen müssen, denen die Zukunft Unserer Bewegung am Herzen liegt, ist Arbeitersekretär Rudolf Wissel!. GroßSerlln Unentgeltlich— und doch nicht umsonst! Die V e r s ch? ck u n g von Schulkindern aufs Land, die im vorigen Sommer erfolgte, hat bei r-.arrchen Eltern eine nicht a?rgeneb?ne Erinnerung hinicrlasien. Es g?bt Familien, die noch jetzt de?? Kostenbeitrag zu bezahlen haben, der ihnen auferlegt »vorden ist. In Martendorf ging einem Familienvater im Februar dieses Jahres von der Gemeinde die Aufforderung zu, für den vorjährigen Landaufenthalt seines Kindes nu??mehr den Betrag von 28 M. zu zahlen, nämlich 8 M. Reisegeld und 20 M, Ber- pflegungsgeld für 40 Tage. Daß ihm die Verpflegung mit 60 Pf. für den Tag angerech?ict wurde, wunderte den Vater. Wein? gezahlt werden mußte, so wollte er sich seiner Pflicht nicht e?itziehen. Aber er glaubte zu wissen, daß die Ba??ern- familie in Westpreußen auf Verpfleg i?ngsgeld für sein K??id verzichtet hatte. E?ne Anfrage bei dem Ge?ne?ndevorstcher des wesi- prerißischen Dorfes brachte die Bestätigung: Verpflegungsgeld hatte die Bauernfamilie weder verlangt, noch erhalten, Ats der Vaier diese Auskunft dem Gemeindeamt Mariendorf mitteilte, belehrte man ihn, daß er deshalb doch zahlen müsie. Die Gemeinde Mariendorf betrachte das Ganze als eine Einrichtung ihrer sozialen Fürsorge. Sie selber habe sich die Enischeidung darüber vor- deHalten, welchen Kindern sie eine Freistelle bewilligen wolle. Der Vaier Hörle aus de?n ihm erteilten Bescheid heraus, daß?nan bei etwaiger Weigerung, zu zahlen, ihn sogar verklagen werde. Nun, er wird es iiich? darauf ankommen lassen, sondern wird zahlen, was die Eeineiiide ihm abfordert. Indes, ein bißchen ivunderlich findet er es doch, daß die von den Bauern bewilligte Un- entgeltlichkeir der Verpflegung nicht de?? betreffenden Kindern, sondern zunächst der Gemeinde zugute kommen soll, die da??n vielleicht ganz anderen Kindern den Kosienbeitrag erläßt. Wir dürfen wohl ver- lnuten, daß gleich anderen Gemeinden auch Mariendors bei der Ver- schickung von Schulkindern aufs Land noch Geld zugegeben hat. Aber wie dieser Vater, so werden auch manche anderen Eltern und mit ihnen vielleicht auch manche Bauernfamilie es nicht so recht verstehen, daß ein Kind, obwohl vre Pflegeeltern es unentgeltlich aufnehmen, die Verpflegung doch .nicht umsonst haben soll. Der Eindruck die'es Gegensatzes wird kaum abgeschwächt durch den Umstand, daß dem Vaier, als die Schule seinen? Kinde die Verschickung anbot, die Heranziehung zu den Kosten in Aussicht gestellr wurde. Tie reichsten Leute— die geringste Gemeindesteuer! Die Ma- gistratsbehörden Groß-Berlins haben bekanntlich den E-mdtverord- l?etenversammlu??gsn vorgeschlagen, vom 1. April ab den Gemeinde- steuersatz um 20 Proz., dl h. auf 130 Proz., zu erhöhen. Demgcgen- über sind die westlichen V i l le n v o ro r t e in der Lage, es in diesem Jahre, ungeachtet höherer Abgaben an die Provinz und die Kreise, bei den vorjährige?? Sätzen zu belassen. So will die� Ge- meinde Grunewald wieder nur 160 Proz. erhebe«. Bei diesem Satze kommen in dem rund 7000 Einwohner zählenden Villenort 2100 000 Mk. an G em c indoeinkommensteuer ein, also dieselbe Summe,, die das 170 000 Einwohner zählende Lichtenberg vMin- nahmt. Krasser kann die steuerliche Ungerechtigkeit in Groß-Berlin kaum illustriert werden. Dabei kommt»och in Be- tracht, daß Lichtenberg große soziale Aufgaben für seine Arbeirer- bevölkerung zu erfüllen hat und Volks- sowie Armenschullastsn decken mutz, von denen man in Grunewald fast völlig frei ist. Berhaftnng einer Einbrechrrbande. Eine Einbrecherband«, die gewerbsmäßige Butterdiebstähle und Einbrüche m Butter- geschäften betrieb, wurde von der Kriminalpolizei unschädlich ge- macht. In der Nacht zum Donnerstag drangen jung« Bursechn in der Schmidstraße durch die Kellerfenster in die Butterhandlung von Lehden u, Schuhmacher ein. Bei der.Arbeit" überrascht, wurde?? zwei gleich ergriffen, drei weitere auf der Flucht am Engelufer ein- geholt und ebenfalls festgenommen, die anderen enrkamen. Die fünf gehörten zu einer zwölsköpfigen Bande, die ihren Treypunkt m der Schankwirtschaft.Zum Stern" in der Koppenstraße hatte, dort ihre Pläne schmiedete und dann mit verteilten Rollen Tag und Nacht auf Beutezüge ausging. Die Verhafteten, die gestern van der Kriminal. Polizei dem Untersuchungsrichter vorgeführt wurden, find alles junge B u r>' ch e n von 15 bis Ende der. Zwanziger Jahre, die Söhne von Vätern, die im Felde stehe??. Einige wohnten noch bei der Mutter, a??dere kamen gar nicht mehr»ach Hause, sondern trieben sich den ganzen Tag umher und nächtigten im den Herberg«? am Schlcsischen Bahnhof. Sie Sozialdemokratische Partei Deutschlands ist die berufene Vertreterin aller politisch Unterdrückten und Wirt- schaftlich Schwachen. Jeder Mann und jede Frau gehöre ihr an! Ich erkläre hiermit meinen Beittitt zur„Sozialdemo- kratischen Partei Deutschlands". Name:...................... Beruf:—.............. Genaue Adresse: Diesen Schein sende man ausgefüllt an Th. Fischer, Berlin SW. 68, Lindenpraße 3. Äm Stnbrüchk. GeschästSTlnbrecher erbeuteten In der Nacht zum Sonntag bei Schweizer in der Kommandantenstratze 83 für 4000 M. Satin, Unterröcke, Unterjacken usw., und in der Sattlerei von Oberstein in der Ziethenstr. 84 für 8000 M. Lederwaren. AhS dem Wasser gelandet wurden an der Löwcnbrücke aus dem Faulen See im Tiergarten der 15 Jahre alte Kauftnannslehrling Hugo Becger aus der Motzstr. 84, und tm dem Grundstück Halzmarkt- stratz« 14 aus der Spree ein unbekannter Mann von etwa 80 Jahren. Weshalb der junge Berger ins Wasser gegangen ist, weiß man noch nicht. Der Unbekannte hatte Papiere auf den Namen eines 83 Jahre alten Arbeiters Karl Czibera aus Lindenberg, Er trug ein dunkles Jakett und Hose mit roter Biese, eine blaue Weste, einen schwarzen Üeberzieher mit Scnnmctkrogen und schwarze Schnürstiefel mit Holzsohlen. Sprotten, die der Beschreibung spotten! Nicht unberechtigte Er- regung herrschte am Sonnabend in der Markthalle II in der Linden- straße. Dort waren Räucherwearen fein säuberlich in Paketen von je% Pfund zum Verkauf gekommen. Bei näherer Prüfung ergab sich, daß eS sich um alte, mit Sprotten und kleinen Bücklingen ver- ntischte total vertrocknete Fische handelte, die zum Teil ohne Kopf und Schwanz, angestoßen und zur Bequemlichkeit des Käufers schon abgepellt waren. Als Kcchenfutter konnte man die Fische vieleicht ansprechen, nicht aber als Lebensmittel für' Menschen. Dte Mehrzahl der Käuferinnen war natürlich entrüstet und hatte zu dem Schaden noch den Spott zu tragen. Im Frieden hätte zweifellos die Marktpolizei den Verkauf solcher Ware nicht gestattet, und das Publikum wäre nicht hineingefallen. � Immer langsam voran. Recht überflüssige Laufereien verursachte der. Berliner Magistrat einer Reihe Einwohner, die ihre Magermilchkarten bei der Brotkommission in der Schercnbergstraße erhalten. Nachdem der Magistrat durch sein Nachrichtenbureau in den Zerhmgen bekanntgegeben hatte, daß die neuen Magermilch- karten vom Sonnabend, den 9., bis spätestens Mittwoch, den 13. März, bei den Brotkommissionen abzuholen seien, wandten sidi am Sonnabend zahlreiche Berechtigte an die Ausgabestelle in der Scherenbergstraße, um dort een tröstlichen Bescheid zu erhalten, daß der Magistrat die Karten noch gar nicht ange- liefert habe. Man sollte doch meinen, daß derartige Publi- kationen erst dann erfolgen, wenn die Karten angeliefert sind. Die Berliner Hausfrauen sind doch wahrlich so abgehetzt, daß man ihnen nicht noch überflüsstgerweise unnötig« Laufereien aufbürden sollte. Zochtheus für ein» LcbenSmittelkartenhSudleri«. Die Näherin Elisabeth K r a n» w aus Berlin, die wiederholt von einem Un- bciannten Brot- und Nabrungsmiüelkarten, von denen sie den Um- ständen nach annehmen mußte, daß sie gestoblen waren, gekauft und damit, gewerbsmäßig Handel getrieben hatte, ist durch rechiskrättiaes Urteil der ersten Strafkammer deS kgk. Landgerichts l zu einem Jahr und drei Tagen Zuchthaus veruileil: worven. Gegen eine Mitangellagte, die von der Kranich Karlen käuflich er- worden und darauf Brot und Nahrungsmittel widerrechtlich bezogen holte, wurde auf eine Woche Gefängnis erkannt. Reinickendorf. Lebersmittel. Auf Abschnitt 12 der Lebens- mittelkarte Groß-Bcrlin wird M Pfd. und auf Abschnitt 13 1 Pfd., zusammen 1% Pfd. Marmelade abgegeben. Die Anmeldung bei den� Händlern muß bis einschließlich 18. d. M. erfolgen. Die von den Händler» gesammelten Anmcldeabschnitte, die nicht getrennt werden dürfen sind bis 13. o. M. früh 10 Uhr im Zimmer 22 des Ernährungsamtes abzuliefern. Der Berkaufspreis für 1 Pfd. Mir- melade beträgt 02 Pf. Wer die Ware bis zum 25. d. M. nicht abgeholt hat, verliert das Anrecht hierauf. — Dix Große Berliner Straßenbahn hat ihren An- gestellten braune Dimistausweiskarten zugestellt. Angestellte, welche stch durch eine solche Karte legitimieren und Dienst» kleidung tragen, sind in allen Geschäften vor anderen Kunden zu bedienen. Wetteraussichtcu für das mittlere Norddeutfchlanb bis Dienötag- mittag. Ziemlich mild und zeitweise heiter, jedoch vorwiegend wolkig oder neblig. Nirgends wesemliche Niederschläge. k'-Vr«.*»;,-;,..... i:-y Wahlspruch: Semper idem Undörbörg-Boonekamp wird nur noch unter der Bezeichnung Underberg in den Verkehr gebracht. Die alte anerkannt vorzügliche Qualität bleibt unverändert H. Underberg-Albrecht — x—,,, V«-, � � Roflieferaot t. Mmj. d. Deutacben Kalt« Königs ▼, Preuscan. RHEINBERG(RMd.)• Gegründet 1846. Kammerll.f.rut •r.lUJ.d. Kaisers T.Oaatsmtah, Königs T- Ungarn. * f.* chAiichWMW'MWW' f�iff ir«i »tultchfr mefallarlxster• Ocrdand. Verwaltungtatelie Berlin. Den Mitgliedern zur Nachricht. das unser Kollege, de: Mechaniker Erick Fricke Garten str. 99, am T, März gestorben ist. Die Beerdigung stnbel am Montag, den 11. März, nachmittags 6 Uhr, von bot Leichenhalle deS alten Teiles de« Golgathatirchhoje», Bar- tußftraße. au» statt. Den Mitgliedern ferner zur Nachricht, daß unser Kollege, der Schlosser Moli Toballa Grünaner Str. LS, am S. März gestorben ist. Ehre ihre« Studenten! Dte Beerdigung findei am Montag, den 11. März. nachmittags 3 Uhr, von der Leichenhalle des Thomas- KirchhoseS in der Hermann- straße aus statt. Reg« Beteiligung wird er- wartet. Die Ortsverwaltnng. Spezialarzt Dr. med. 1-aabs beh. schnell, gründl., mögt. schmerzlos u. ohne BerusSstör. keeostlsoktollrKalekel«., gsdeime blaut-, ilern-, praustilsiiion, Selieiaoste. Erprobteste Methoden tiarn- unö Blutuntersuoliung. Bahnhos u, Alexanderpl. Spr-Iv- In. 5— 8, SmiTil.lO— 1. ■ Lombard-Haus ü „ H. 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Die jevt«en bei- tretenden Mitglieder find de- rechtlgt, schon an der ersten Verteilung von Frühgemüle leUzunebmen.— Aufnahme neuer Mitglieder findet statt im Laden Pctersbu rgcrftr. 4.a: Montags, Mittwochs, Freitags 3— 12 und 4— 7, autzerdcin Sonntags 11—1. Ferner im Laden Kopenbagenerstr. 4: Dienstags Donnerstags, Sonnabends 3— IL u. 3— 6 und Tonn- tags 8— 10. Ferner täglich im Vcrwaltnugsburea«: Bnrg- strahe 27 kü, Zimmer 78 (gegenüber ZirkuS Buich)." IStine m echt. Friedenskautsehuk 3.80 IUI. gEoomi S Jahre Garantie, m bei Bctiellmig v. Gebissen gratis QmeÄ' ladopraxis Haivaui, SÄ* Zahnziehen m. Betäubung Goldkronen v. 20 R. an. Spez, StraSe 1 .Allee.» am Uhren: Schmucksachen Piltz& Co., Lindenstr. 109 Speml-Jlrzt i-Ge,chieoftui(rBnkh*iten HBrn Untersuchungen. Potsilaiiier Str. 111 leiden, Schwäche, Blut- u. Harn- [natitut: a, d. 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