Ar. TS. 33. Iahrg» Bezugspreis: Si-rtclMrl. 4.60 MI. monatl. 1.50 TO, frei ins Haus. dorauSjahIdar.Einzelne Nummern 1V Psg. Poslbezug: Monat« !>ch 1�0 Ml. Unter Kreuzband für Deutschtand und Oesterreich. Ungarn L,— Ml. für das übrige Ausland 4,50 Ml. nionatlich. Versand INS Feld bei direlter Bestellung monatl. 1,50 Ml. Boswestellungen nehmen an Düne- mar!, Holland. Luxeniburg, Schweden und die Schweiz, l-ingctraaen in die Post-ZeitunaS-Preislistc. Ericheint täglich, Telegramm- Adresse: »Sozialdemokrat Berlin". Vevlinev Volksblertt. ( 10 pf«nnls) Anzeigenpreis: DiegebengefvalteneKolonelzeilelogel 00 Pfg.„Kleine itinzeigcn". das settgedruiZte Wort 20 Pfg. szuläsflg 2 settgedrurklc Wortes, wdes weitere Wort 10 Psg. Stellengesuche.und CchlaMellenanzeigen das erste Wort 10 Pfg.. jedes weitere Wort ü Psg. Worte über 15 Buchstabe» zühlkü für zwei Worte. Teuerungsznichltch Familien< Anzeigen Sil Psg.. politische u. aewerlschafttichc Bereins- Anzeigen 40 Psg die sZeile. Anzeigen für die nächste Nniimwr utüsien bis t» Uhr nachinitt. im Hauptgeschäsl. Berlin SW.S8. Lindenilraiie S, abgegeben werden. GeSsfNet von 8 Uhr früh bis 7 Uhr abends. ZentraXorgnn der fozialdemoltrattfdjcn Partei Deutfcblands. Reöaktion: SW. 68, Linöenstraße Z. Fernivrecher:'Amt Mortvvla«, Rr. ISl SV— 151 97. Mittwoch, de« IB. März 1918. Expedition: SV. 68» Lindenstraße Z. kyernsvrecher: Amt Moritzplatt, Nr. 131 99—151 97. Bomben auf Paris und jVeapel. Kurland. Der Landesrat trägt dem Deutschen Kaiser den Herzogs- Hut an. Am 8. März hat der kurländische Landesrat unter dem Vorsitz des deutschen Verwaltunzschefs, Herrn v. Gohler, auf Antrag des deutsch-baltischen BaronS v. Rahden-Maihof unter Assistenz der deutsch-baltischen Barone Manteuffel, Vietinghoff, Lieven, Grotthuß und des Fürsten v. Lieben einstimmig be- schlössen, dem Deutschen Kaiser den kurländischen Herzogshut anzutragen. Der Landesrat wünscht einen möglichst engen Anschluß an das Deutsche Reich und den Abschluß von Kon- ventionen betr. des Militär-, Zoll-, Verkehrs-, Maß-, Münz- und Gerichtswesens, trifft also hier in wundervoll harmo- nischer Weise mit den in Berlin gehegten Wünschen zu- sammen. Zufällig waren auch zwei Vertreter LivlandS und Est- lands anwesend, die Herren v. Transehe und v. Brevern. Der Landesrat gab in seiner Entschließung auch dem Wunsche Ausdruck, daß das ganze Baltenland dem Deutschen Reiche angegliedert werden möge. Einige Herren erklärten, für den Antrag Rahden nur stimmen zu können unter dem Vorbe- halt, daß alle drei Provinzen in das Deutsche Reich aufgehen würden. Da Estland und Livland jenseits der Linie liegen, hinter der Rußland laut dem Friedensverträge von Brcst-Litowsk nichts mehr zu sagen hat, dürften diese weitgehenden Wünsche nur durch einen neuen Krieg gegen Rußland zu be- Flebigeu sein. Einstweilen ist aber zu überlegen, ob ein Eingehen auf den Antrag der baltischen Barone(denen allerdings jetzt zur Verschönerung ein paar Letten zugesellt sind) irgendwie in Einklang gebracht werden kann mit der Er- klärung des Reichskanzlers vom 29. November, daß er das Selbstbestimmungsrecht achten werde. Das Selbstbestimmungs- recht kann nur durch eine Volksabstimmung oder durch eine demokratisch frcigeivählte Volksvertretung ausgeübt werden. Der kurländische Landesrat ist aber noch viel weniger eine Vertretung der Bevölkerung von Kurland als das preußische Dreiklassenhaus eine Vertretung des preußischen Volkes. Die Aktion in G(lasten. Ultimatum der Wladiwostoker Konsuln. London, 12. März.(Reuter.)„Daily Chronicle" erfährt nuS Petersburg: ES ist die Nachricht eingetroffen, daß die Konsuln der Alliierten in Wladiwostok ein Ultimatum an die Lokal« bchördrn richteten, in dem sie dir Wiederherstellung des vor der Herrschaft der Bolschewiki bestehenden Regierungssystems forderten sowie den Schutz der Untertauen der alliierten Länder gegen die Einmischung det lokale» Ber- w a l t u n g verlangten. Dieses Vorgehen der Wladiwostoker Konsuln der Alliierten, daS den gestern gemeldeten Protest in Petersburg ergänzt, beleuchtet die Lage. Es ist nicht nur mehr ein bloßes Vor- spiel des Angriffs, der zu erwarten ist, ist vielmehr als der Uebergang zum Angriff aufzufassen, der ini Namen des Schutzes von bedrohten Untertanen zur Eroberung schreitet. Und es geht hier wie überall: die Eroberer finden SukkurS in dem Lande, das ihre Gewaltpolitik für sich erkoren hat. Der Washingtoner Korrespondent der„New Aork World" berichtet, daß ds jetzt wohl sicher sei, daß starke japanische Streitkräfte nach Sibirien und der nördlichen Mandschurei gesandt werden. Vielleicht werde sich ihnen eine russische Division anschließen, die aus Soldaten zusammengestellt ist, die den Alliierten freundlich gesinnt sind und sich vor den Bolschewiki nach Japan und dem nördlichen Sibirien geflüchtet haben. F ü r st L w o Iv, jetzt in Peking, werde wahrscheinlich die Führung dieser Division übernehmen. Es sind Offtziere bestimmt worden, um die chinesische Division zu kom- mandieren, dix sich den Japanern anschließen ivird. Nach englischen Meldungen operieren Kosaken- t r u p p e n im mandschurischen Osten unter Führung eines Generals Semcnow an der sibirischen Bahn. Sie sollen sie bis zu der Karinskaja-Verbindung mit der Amur- Eisenbahn aufgeklärt haben, mit bolschewistischen Truppen in Kampf geraten sein und sich wegen Mangel an Artillerie Und Maschinengewehren zurückgezogen haben. Der verspätet eingetroffene„Daily Chronicle" vom 1. März enthält einen bemerkenswerten Artikel eines diplo- matischen Korrespondenten, der nachdrücklich für den Wunsch Japans, im russischen Ostasien militärisch vor- zugehen, eintritt. Der Korrespondent schreibt: „Durch unseren Vertrag mit Japan ist letzteres der autorisierle Hüter des Rechts und der Ordnung im fernen Osten. Das ist sehr wichtig und gibt Japan das Recht zu handeln. Auch das Gerede von einer amerikanische» Teil» Feuerkampf und Vorfeldgefechte zwischen Lys und Scarpe— Luftbomben auf Paris. Amtlich. Großes Hauptquartier, 12. März 1918.(W. T. B.l Westlicher Kriegsschauplatz. Die feindliche Artillerie entwickelte am frühen Morgen an vielen Stellen der Front, namentlich zwischen der Lys und Scarpe, rege Tätigkeit. Auch in den Abendstunden lebte der Fcnerkampf vielfach auf. Im Vorfelde der beiderseitigen Stellungen kam eS zu kleineren Jnfantcricgefcchten. DaS Feuer englischer Artillerie auf rückwärtige Ortschaften forderte zahlreiche Opfer unter der französischen Bevölkerung. Auch C a m b r a i erhielt mehrere Schuß schwersten Kalibers. Znr Vergeltung für feindliche Fliegerangriffe a« 9. und 19. März auf S t u t t g a r t, Eßlingen, Unter- t ii r k h e i m und Mainz haben unsere Flieger in letzter Nacht Paris auKgiebig und erfolgreich mit Bomben belegt. Leutnant Freiherr von Richthofcn errang seinen 27. Luftfieg. Von den anderen KrirgSschauplötzen nichts NeueS. Der Erste Gencralquartirrmristcr. Ludendorff. Abendbericht. Berlin, 12. März 1318, abends. Amtlich. Bon den Kriegsschauplätzen nichts Neues. Der österreichische Bericht. W i e n, 12. März 1918. Amtlich wird verlautbart: Keine Ereignisse. Der Chef brS GeueralstabrS. * Berlin, 12. März. Amtlich. Marincluftstreitkräfte haben in der Nacht vom 19. zum 11. März Hafenanlagcn und militärifchc Einrichtungen von Neapel, sowie die Eisenwerke von Bagnoli ausgiebig nnd wirkungsvoll mit Bomben belegt. Der Chef des Admiralstabcs ber Marine. nähme vermag die Bedeutung dieser Rolle nicht zu schmälern. Amerika hat an der Westfront genug zu tun, und jeder Versuch, Mannschaften, Munition und Tonnage von diesem großen Ziele abzuwenden, muß verurteilt werden. Auch würde jede Teilnahme Amerikas in dem gewaltigen Unternehmen Japans von der japanischen öffentlichen Meinung ganz gewiß verübell werden als ein Zeichen des Mißtrauens in Japans Fähigkeit und sein DeS- interesiemenr." Der Korrespondent rühmt sodann die Tüchtigkeit des japanischen Gcneralstabes und erklärt, daß die betroffenen Ge- bietsteile Sibiriens die neue Polizeiaufficht Japans begrüßen würden. Wer sie begrüßen würde, darüber lassen die er- wähnten neueren Meldungen keinen Zweifel. Pikant aber ist die Ansicht des Korrespondenten, die Amerika von der ostasiatischen Aktion einfach auszuschalten sucht, weil seine militärische Kraft in Europa gebunden sei. Daß die Dinge der Entente so einfach nicht liegen, hat inzwischen die Zurückhaltung Amerikas und seine zwar noch artig ge- formte, aber doch deutlich ivarncnde Vermahnung an Japan, nicht zu weit zu gehen, erkennen lassen. Vielleicht hängt da- mit auch die jetzt zunächst gerüchtweise auftretende Nachricht zusammen, Lloyd George habe die Absicht, nach Washington zu reisen und mündlich mit Wilson zu bc- raten._ Wilson an Rußland. Washington. 11. März.(Reuter.) Wilson schickte an den amerikanischen Konsul in Moskau folgende Depesche: Ich möchte die Gelegenheit des Zusammentritts des Kongresses der Sowjets ergreifen, um die aufrichtige Sympathie des Volkes der Bereinigten Staaten in dem Augen- blick auszusprechen, wo die deutsche Macht sich ein- gedrängt hat, um den Kampf für die Freiheit zu unterbrechen nnd um seinen Erfolg zu bringen sowie die Wünsche Deutschlands an Steve der Ziele des russischen. Volkes zu setze». Unglücklicherweise ist die Regierung der Bereinigten Staaten jetzt nicht in der Lage, unwittelbare wirksame Hilfe zu leihen, aber sie würde es wünschen, diese Hilfe zu erweisen. Ich möchte dem russi- schcn Volke durch den Kongreß die Gewißheit geben, daß die Regie- rung der Bereinigten Staaten jede Gelegenheit benutzen wird, um Rußland noch einmal die vollkommene Souveränität und Unabhängig- keil in seinen eigenen Angelegenheiten zu sichern und ihm wieder zu seiner großen Rolle im Leben Europas und der modernen Welt im vollen Umfange zn verhelfen DaS Volk der Vereinigten Staaten nimmt mit ganzem Herze» än dem Versuche deö russische» Volkes teil, sich von jeder autokratischen Regierung z» befreien nnd Herr seine» eigene» Leden»»» werde«. Russenfriede und Reichstag. Von Paul K a m p f f m e y e r- München. Genosse Friedrich Stampfer hat in der Partcipresse einen Artikel:„Der große Friede von Brest- Litawsk" ver- öffentlicht, in dem er für die Zustimmung der sozialdemokra- tischen Reichstagsfraktion zu diesem Friedensschlüsse eintritt. Darauf entgegnete ich ihm in der„Münchener Post" (Nr. 84), daß diese Zustimmung den vollständigen Bruch mit der Friedcnszielpolitik, die wir seit Kriegsbeginn in allen Fraktionsbeschlüssen und Parteikundgebungen betätigt hätten, bedeuten würde. Unsere Unterstützung des Gewaltfriedens müßte die Grundlage des VerständigungSfriedcns überhaupt erschüttern. Wenn wir noch am 28. Ftzbruar für den Ver- ständigungsfriedcn gesprochen hätten, dann könnten wir nicht 14 Tage später gegen ihn handeln. Volle Einheit zwischen Reden und Handeln sei ein notwendiges Gebot folgerichtiger politischer Kricgsführung. Genosse Stampfer erwidert mir, daß die Frage der Zu- stimmung zum Brest-LitowSker Friedensvertrag eine taktische Frage sei. Es handle sich hier in erster Linie um eine„Vorausberechnung politischer Wirkungen". Wir könnten nicht wünschen, daß der Sowjetkongreß den Frieden ablehnt und dadurch den Krieg verlängert, und daß ferner die Entente in ihr Kriegszielprogramm eine Revision des Ostfriedens ein- stellt. Die deutsche Sozialdemokratie solle die Völker Ruß- lands und die des Westens nicht in der Auffassung bestärken. daß der Krieg zur Beseitigung des Vertrages von Bresr- Litowsk weiter fortgesetzt oder wieder aufgenommen werden müßte. Genoffe Stampfer sieht als„politische Wirkung" unserer Friedensablehnung die Ermunterung der Russen und der Völker des Westens zu einer weiteren Fortsetzung des Krieges voraus. In diesem Punkte überschätzt er„die politische Wirkung" unserer Ablehnung. Die führenden Köpfe des SowjetSkongrcsses würden höchstens zu einer Fortsetzung des Krieges raten können, wenn sich der Reichstag geschlossen gegen den Brest-LitowSker Friedensvertrag auflehnen würde. Dieser aber stimmt ja in seiner übergroßen Mehrheit dem deutsch-russischen Friedensverträge zu. Die Führer der Sowjets wissen genau, daß die deutsche Sozialdemokratie an diese m Vertrage weder rütteln noch rühren kann. Eine Ab- lehnung des Vertrages durch die Sozialdemokratie kann also nicht die Sowjets zu einer Wiederansachung des KriegSfeucrV verleiten. Die wirklichen Machtverhältnisse im Deutschen Reiche liegen heute klar vor den Augen aller Sehenden. Wir haben wohl eine Heeresleitung, aber keine Reichsleitung. In der äußeren Politik scheint die Heeresleitung jetzt völlig die„Reichsleitung" zu übergipfeln. Wenn die Russen den Frieden von Brest-LitowSk ablehnen wollten, so könnte sie höchstens der Gedanke dazu ver- leiten, durch einen Bandcnkrieg deutsche Volkskräste im Osten fesseln und dadurch die deutsche Offensivkraft im Westen schwächen zn können. Aber selbst die phantastischsten Bolschc- wiki dülften die militärische Lage im Osten nicht so weit verkennen, daß sie aus hundert ablehnenden Rcichstagsstimmeu sofort die Hoffnung auf eine erfolgreiche russische Volks- crhebung schöpfen könnten! Wir geben Stampfer völlig recht: eS handelt sich in der Frage der Zustimmung zum Brest-LitowSker Frieden um eine taktische Frage, es dreht sich um eine„Vorausbercchnung politischer Wirkungen". Aber er täuscht sich gerade bei der Vorausberechnung dieser Wirkungen. Die zuungunsten des Friedensvertrags ausfallende ReichstagSabstimmung kann nimmermehr eine allgemeine russische Volkserhebung ans- lodern lassen. Was wir heute schon aus der Annahme dcS Brest- Lirowsker Friedensvertrages vorausbestimmen können, ist, wie Stampfer selbst schon angedeutet hat, ein späterer russischer„Befreiungskrieg". Und dann vor allem ein riesenhaftes Wettrüsten und eine neue Aera der Expansion des Militarismus. Genosse Stampfer befürchtet also auS unserer Ablehnung des Friedensvertrages eine Anfeuerung der russischen Kriegs- lust, Und doch verlangt er selbst die schärfste Kritik des Inhalts des Friedensvertrages bei uu- serem zustimmenden Votum. Kann diese Kritik nicht etiva auch zu einer„Fortsetzung" des Krieges ermuntern? Und können das nicht schließlich alle unsere Reichstagsreden gegen den russischen Gcwaltfrieden in Bresl-LitowSk getan haben? Die Sozialdemokratie, die nach Stampfer im Reichstag aussprechen soll, daß sie mit dem Inhalt des Friedensvertrages nicht einver- standen ist und entschieden für eine Revidierung dieses Ver- träges eintritt, erzielt unter Umständen durch ihre Kritik des Vertrages gar keine andere Wirkung auf die Russen als durch die Ablehnung des Vertrags. Daher soll sie offen sofort gegen den deutsch-russischen Vertrag stimmen. Ihr Votum für einen Gewaltfrieden könnte überdies die letzten Reste der tnternational-sozialistischen Friedensbewegung, fiio noch ehrlich für einen VcrständigungSfriedcn kämpft, in Schutt und Trümmern begraben. Muß man das nicht auch als eine„politische Wirkung" der sozialdemokratischen Zu- stimnliing zum BresüLitowsker Gcwaltfriedcu voraussehen? ** * Fachschrift d e r Redaktion. Uns sind aus spar, eikreisen auch Zuschriften entgegengesetzten Sinnes zu- gegat'gen, die wir aus Raumgründen einstweilen nicht ab- drucken können. Der Aussatz des Genossen Kampffmcyer vor- dankt den Rorzug, der ihm zuteil geworden ist, nur seiner er- sreulichtül Kurze. In jenen Zuschriften wird ausgeführt, daß man die Kart" am Russenfrieden, so berechtigt sie sei, doch nicht übetrreirtei! dürfe, denn das Vvlkcrkonglomerat Rußland sei doch kein sozialistisches Ideal und darum nicht nn- antastbar. Das: der abgeschlossene Frieden in scharfe m Gegen- s a tz zu dem Pr�ziamni der Kricqspolitik steht, an dein die S o z i a l d e Nt o k r a t i c stets festgehalten hat, tvird von keiner Seile lwitritten. Und so bleibt die schwierige Frage für die Frakrion bestehen, ivie sie sich zil diesem Vertrag verhalten solle. Tie Annahme kann als Billigung einer Politik aufgefaßt iverden, die die Partei nicht billigt. Die Ablehnung hinwiedornm könnte sehr leicht dahin mißdeutet tvcrdeu, daß die Sozialdemokratie eine Umstoßniig dieses Vertrags ourch<>X.'ivtstt. also durch Fortsetzung des Krieges, für rickuig Halle. Die bisher geführte Diskussion hat aber vielleicht das gute, daß sie die Entscheidung der Fraktion, wie immer sie fällt, vor der Mißdeutung schützt, sie erkläre sich mit der Dstpolirik der Regierung einverstanden, andern- falls sie wünsche die Umstoßnng des Vertrags durch fortgesetzten Krieg. Aufgabe der Fraktion selbst wird es sein, den Auslveg aus dieser nicht leichten Sitliation zu finden. Chinesische Warnung an Sie Holschewiki. LiNidmi. 1-. März. Oos Rentcrschc Bureau meldcr aus Peking: Nack dein R ü ck z n g d e r K o s a k e n Sc�cnows aus eine Stellung in der Aähe einer mandsämrischen Bahnstation richtete der ch i n e-- s i s cti e K o in nr a n d a n r v o n C h a r b i n an d e n B o l s ch e- wikisn hrcr die Warming, daß jeder Einfall in das chinesische Gebier als eine kriegerische Handlunj, betrachtet lvürdc, da man von der Streitmacht Semenows annehme, daß sie die rnisische Provinzialregiennig vertrete, die von China anerkannt worden sei. Die Kosaken haben d'e Bolschcwikifiihrer von Blagoweschischensk verhaftet und die Truppen der Bolschewiken entwaffnet. Aus Sckianghai meldet Nentcr, daß die Bolschcwiki- führ er von JrkntSk an die chinesischen Behörden der Grenz- siationcn der Mandschurei die Versicherung telegraphiert hätten, daß sie keine n n f r e u n d l i ch c n Absichten gegen China hegien und daß sie nur den„Rebellen" Semcnow angriffen. Die Chinesen antworteten, die Beziehungen Chinas zu Rußland seien unverändert und sie seien nicht in der Lage, Seinenow als Rebellen zu betrachten. Z!iegerangriffe gegen Paris unö Neapel. Paris, 12. März, hpcvas.) Amtlich wird mitgetelll: Ein seind- lichcr Fliegerangriff hat stattgefunden. Das Signal wurde um v Uhr 10 Minuten abends gegeben. Sieben Geschwader wurden ge- melde!,, die sich aus Paris zu bewegten. Um 10, Uhr 13 Minuten wurden au inehrereii Punkten Bombenabwürfe festgestellt. Menschen- Verluste. und Sachschäden wurden verursacbr. Weitere Mitteilungen werden gemacht werden, sobald genauere Berichte eingehen. Paris, 12. März. sHavaS.) Amtliche Mitteilung. Der Alarm endete um 12.13 nachts. Aach den ersten Berichten war e-? etwa ö<1 feindlichen Fliegern gelungen, die Linien zu überfliegen. Donk dem Sperrfeuer der Artillerie, das während der ganzen Dauer des Angriffs mit großer Heftigkeit unterhalten winde, konnte eine gewisse Anzahl der Flugzeuge ihre Ziele nicht erreichen. Immerhin wurden zahlreiche Bomben sowohl ans Paris, wie auf die Bannmeile abgeworfen.' Mehrere Ge- bände wurden zerstört oder fingen Feuer. Die Zahl der Opfer ist noch, nicht bekannt. Sie wird bekannt gegeben werden, sobald die Belichte eingegangen sein werden. Ein Gotha wurde 3 Kilo- metcr von Chatrau Thierry brennend a b g e s ch o s s e n. Die Besatzung wurde gefangen genommen. Der Hauptmann, der das Flugzeug führte, gehört dem 3. Geschwader der 7. Armee nn. Rom, 11. März.(Steiaiii.) In der letzten Aacht haben seind- lichs Flugzeuge gegen 1 Uhr die Stadt Reopet nngegriffcn und im ganzen etwa 2 0 Bomben geworfen, die fast alle das Innere der Stadl ttasen, ohne daß militärischer Schaden angerichtet worden wäre. Unter der Zivilbevölkerung sind einige Opfer zu beklagen, darunter sieben Intasien des Schwesternhospizes Arco Mirclli. Tie Bevölkerung verhielt sich überall ruhig. Der Hilfsdienst be- währte sich. WcgNLhms öer deutschen tzasenanlagen in Amerika. Washington, 12. März.(Reuter.) Der Senat hat versnchswcise eine» Zusatzantrag angenommen, der W i l s o n erm ä ch t i g t, die Docks nnd Hascnanlage« des Nord- deutschen Lloyd nnd der H a m b n r g- A m c r i k a- Linie zu ü b e r« e h m e». Kamenews englWe Erfahrungen. Stockholm, 12. Marz.(Eig. Drahtbcr. des„Vorlvärts".) Der nils England zurückgekehrte Kamonew erklärte cineni Vertreter der„Politiken", daß die Engländer sein ganzes Kuriergepäck iv c g n a h m e n und ihm die Taschen ausleerte n. Der Patz nach Frankreich wurde trotz deS Visums der Petrograder Botschaft verweigert. Auf sein Verlangen nach einem offiziellen Dokument stellte ihm diu englische Regierung die Kopie eines Briefes Cambons. des Unterstaatssekretärs im französischen Auswärtigen Ministe- rinnt; zu. wonach Maxim alisten in Frankreich nicht zugelassen werden öürfen. Kamenew mußte auch auf den Bestich von Frcnndcil ver- zichtcn. da die ersten russischen Besucher am Tage nach ihreni Besuch verhaftet wurden. Balsour lud ihn zum Früh- stück ein. was Kamenew ablehnte, solange er alS ver- dächtige Privatperson und nicht als offizieller russischer Ver- treter behandelt werde. Ein Gespräch mit Henderson brach Kamenew sofort ab wegen des provozierenden Tones, den Henderson anschlug. DaS Verhalten der englischen Regierung erklärt Kamenew mit der Angst vor Revolution. Tatsächlich ist die Stimmung beispielsweise in Manchester und besonders im Clydebezirk revolutionär; ein Ausbruch sei, wenn nicht früher, so nach Kriegsschluß zu erwarten. Auf der L o n d o u e r K o u f c r c n z machte sich eine energische Opposition geltend. Die Vertreter der offiziellen italienischen Sozialisten, Modigliani und Schiavi, stimmten nach Ablehnung des Amendements für sofortigen Waffcnstill- stand gegen sänitliche Resolittionen. Der Kampf gegen Clemenceau. Bern, 12. März.„Progrvs de Lyon" meldet ans St. Etieiinci Tie Veebände der republikanischen Sozialisten, der Soziälistisch-Radikalen, die Vereinigung der Freidenker und die Liga für Menschenrechte haben sich zu einer F ö d e- r a t i o n der Linken zusammengeschlossen, die in ihrer ersten Tagesordnung energisch gegen die reaktionären Machenschaften in Frankreich protestiert. Die Wahlen in Spanien. Ainsterdam, 12. März. Reuter meldet auS Madrid folgende Ergebnisse der S e ir a ts w a h l e n: 46 Demokraten, 16 Anhänger von Romanones, 16 Anhänger Albas, 6 unab- hängige Liberale, 43 Konservative, 7 Anhänger Ciervas, 8 Anhänger Mauras nnd 24 Angehörige anderer kleiner Parteien._ kleine Kriegsnachrichten. Gcnerittfcldmnrschall Hindcnbnrg weilte, wie amtlich gemeldet wird, gestern zu Besprechungen in Berlin. Pazisistcuvcrsolgimg in Amerika.„Matiu" meldet aus New Dork: Der Schriftsteller William Robinson lvurde wegen siiedensfreundlicher Propaganda verhaftet. In einer kürzlich erschienenen Broschüre hatte Robiniön verlangt, Amerika solle sofort Frieden schließen, da keine Aussicht vorbanden sei, daß es sich bei den Frieden-Vcrhandlungcn gegen die Wünsche der Entente durch- setzen könne._ Die„vergraulten unö verängstigten� Sllldcutschc Schuttgarde für Daimler. Die„Deutsche Zeitung", Hauptorgau der Alldeutschen, ist anläßlich des Falles Daimler außer sich bor Wut. Worüber? lieber die schamlose Bereicherung des hochpatrioiischcn Unter- nchmcrtuins am Staat.— Behüte Gott, sie ist ja extra mit zwei Millionen Kriegsgewinngeldcrn aufgckanst worden zur Ver- tretung der alldeutsch-großindnstriellen Interessen. Also tobtsic— gegen die Sozialdemokratie, die es gewagt hat. die Schande des PrivatkapitalismuS aufzudecken und an der Hand des Falles Tainiler etwas in die dunkeln Winkel und Ecken der kapitalistischen Moral hineinzuleuchten. Rollende Donner gehen dem Gewitter voran:„Vater- ländischc Pflicht"—„dringende Warnung"—„beunruhigende praktische Wirkungen". Dann als erster Blitz der gequälte Aufschrei einer in der schönsten Haussespekulation und andern heiligsten Gefühlen verletzten Jobbcrscclc: Wohin soll es führen, wenn das noch 14 Tage oder drei Wochen länger dauert und die weitesten Kreise vergrault und verängstigt werde». Und nun entlädt das Gewitter über den Häuptern der verruchten Noske nnd Genossen: Die achte Kriegsanleihe sieht vor der Tür I Und ausgerechnet wenige Tage vorher läßt die Regierung e S zu, daß die Sozialdemokratie aus Vorgängen bei einem industriellen Werk, daö immerhin einigen, mit Geld nicht aufzuwiegenden, Verdienst um unsere Stellung im Weltkampf hat, einen Skandal inszeniert... Man versuche sich einmal klar zu machen, was geschehen kann, wenn der Fall Daimler in der sozialdemokratischen Art Ivcitcr a n S g e s p o n n e n und ausgeschlachtet wird, wie das in diesen Tagen berciis vielverheißend geschehen ist. Die praktischen Weiterungen dürsten für unsere neue Kriegsanleihe k a t a st r o p h a l sein. Ob ein solches Ergebnis nicht ganz inr Sinne der sozialdemokratischen Führer liegen würde, nachdem der j ü n g si e„General- streik" so kläglich Schiffbruch erlitten hat? Ob eS nicht gleichfalls ganz im Sinne der räche- dürstenden sozialdemokratischen Hetzer tväre, wenn durch diesen Fall unsere innere Front eingeschlagen werden könnte? Habt Ihr oben wirklich kein Ohr, zu hören die Klagen des Gcängstigten? Rührt es Euch nicht, wie sich die Angst einer um den Profit gebrachten Wuchersecle in den wahnsinnigsten nnd niederträchtigsten Denunziationen Luft macht? Doch der Ehrenmann der„Deutschen Zeitung" appelliert nicht nur an die Regierung, er stöbert auch mit verzweifeltem Stecken in den Tiefen der sozialdemokratischen Seele, ob er nicht dort einen Rest ihm geistesverwandter ka- pitalistischer Jnteressentcnsucht entdecke: Schon jetzt sind nach uns gttvordenvn Mitteilungen aus Anlaß der Aufbauschung des Da imkert alles Voranmeldungen Privater auf die neue Kriegsanleihe zurückgezogen worden. Werden die sozialdemokratischen Hetzer von derartigen Bor- gängen in MWeidenschaft gezogen, oder tzcstyen sie keine Kriegs- anlrilicn, so Paß sie auf Kosten ihrer Mitbürger sich solche vlewalt- tütigkeitcn(!!!) ruhig erlauben können? Ja wirklich, besitzen diese bösen Menschen keine Kriegs- anleihc? Spekulieren sie nicht an der Börse? Denn ein Politiker, der Kriegsanleihe besitzt,— o kapitalistische Seelen- knnde des idealistischen Attdeutschtnms!— kann doch unmöglich an der Enthüllung eines Skandals mitwirken, durch die möglicherweise der.Kurs der Kriegsanleihe sinken könnte!I Doch hinter allem Wehgcschrei eine niedliche kleine Drohung:„Haust Du meinen Daimler, hau ich Deine Kriegs- anleihe." Eine kleine Erpressung, in die Watte schlecht- gemünler patriotischer Besorgnis gewickelt. So ähnlich sagte ja auch die Daimlcr-Direktion: Störst du Zncincn Profit, so schränke ich meinen Motorenbau ein." Streikende Heeres- lieferanten, streikende Kricgsanleihczcichner,— mit welchem Recht haben sie doch über streikende Arbeiter zu Gericht gesessen! Die Daimler-Gesellschaft erläßt eine längere Erklärung, in der sie ausführt, die Beschuldigungen gegen sie seien aus Angaben eines wegen Untreue entlassenen Beamten zurückzuführen. Die Preisfestsetzungen seien nach Einheitssätzen pro Pferdekraft erfolgt und nicht nach den Kalkulationen der Direktion. Die Bcrechnun- gen, die der entlassene Beamte kannte, seien auch nur Dcilkalku- lationen gewesen, von einem Viermillionengewinn pro Monat könne keine Rede sein. Die Direktlau habe auch nicht 30 Proz., sondern nur 10 Proz. Preiserhöhung verlangt, sie habe nie mit Einstellung des Betriebes gedroht, sondern nur augedeutet, „daß eine eventuelle Aushebung der unrationellen Nachtschicht eines kleinen Teils der Belegschaft in Erwägung zu ziehen sei". Diese Erklärung sc! einige Tage später, noch vor den Relchstagsberhand- lungcn, zurückgenommen worden.— Dies Kind, kein Engel ist so rein! Das Karnickel aber, das angefangen Hai, ist die Sozialdemokratie! flüs öer sozialöemokratifthen Neichstaxs- fraktwn. Tic Fraktion bestimmte tn ihrer Sitzung am Dienstag die Redner zu einer Reihe von Kapiteln des Etats. Zum Etar des neuen WirtschaftLantteS werden sprechen die Abgtr Dr. Südekn m. Hoch und Schumann. Beim Rcicksamt des Innern wird Ab- geordneter H a s c n z a h l die Unterstiitzungsfragen, Abg. S cb u l z- Erfurt die Fragen kultureller Art behandeln, lieber die Novelle zum Schutzhafigesetz Abg. Wendel, zum Postetat Abg. Ta u ü a d e l. Zu den Kriegskrediten sprechen für die Fraktion Abg. Noske. zum Belagerungszustand Abg. Bauer- Breslau, zur Zensur die Ub- geordneten Heine und M e e r f e l d. Gestrecktes Dreiktastenwahlrecht. Verlängerung der Legislaturperiode. Dem Abgeordneten Hause ist ein Gesetzentwurf zuge- gangen, wonach die init dem 1l. Airni 1918 ablaufende Leg'iS- laiurperiode des Abgeordnetenhauses um ein Jahr verlängert werden soll. Der Entwurf wird niit Hurra angenommen werden. Be- deutet er doch für daS Drciklasscnwahlrecht eine Galgenfrist, und auch Reineke Fuchs stand schon ans der Leiter— und wurde doch nicht gehängt. Kommt Zeit, kommt Rat, denken die Junker. vier Monate Lanüsturmüienst nach öem Kriege!!? Abg. Müller- Ale iniagen(Vp.) stellt folgende Anfrage: Ist es richtig, daß folgender Komnmndaittur-Bcfebl ergangen ist: Soltau, Hannover, 19. Februar 1313. „Sämtliche aus den Geschäftszimmern der Kommandamur beschäftigten Militärpersonen, svfovn sie dem Landsturm äuge- hören, haben sich bis zum 22. Februar 1918 schriftlich zu erklären, ob sie mit ihrer Zurückhaltung im Dienst auf die Tauer von min- dcstens 4 Monaten von der TemobÜmachiuig ab einverstanden sind. Tie Erklärungen sind von den Abteil uagsvorstälwen gesammelt zum 23. Februar Abteilung la einzureichen; Leute, die sich nicht eimvcrstanden erklären, tverdcn unverzüglich dem Front- dienst zugeführt.mid durch andere ersetzt. gez. Thiemig, Generalmajor und Lagerkommandant." Was gedenkt der Herr Reichskanzler zu tun, um einen solchen ungesetzlichen Druck auf Landsturmleute zu beseitigen? Oldenburg macht Schule. Je mehr Rote fallen, desto besser! In seiner berüchtigten Schießrede im Bund der Landwirte hat Herr v. Oldenburg-Januschau u. a. Ruck seine Genugmung darüber ausgesprochen, daß im Kriege„die Roten Feuer auf den Frack bekamen". In einer konservativen Versammlung in Gardelegen führte ein gewisser Dr. Adlcr-Salzwedel diesen Gedankengang fori, indem er sagte, je mehr„Rote" im Kriege fielen, desto größer werde die Hoffnung, daß endlich einmal eine andere Gesinnung in die Welt komme. Der konservative Dr. Adler freut sich demnach über jede Kugel. die einen deutschen Soldaten trifft, wenn dieser Soldat ein Sozial- dcmokrat ist. Denn wenn alle Roten totgeschossen find, dann wird die Gesinnung der Herrn v. Oldenburg-Januschau und Dr. Adler- Salzwcdcl in Deutschland triumphieren. Glückliches Deutschland! Zensur unü Reichsbekleiöirngsstdk. Abg. Krätzig(Soz.) hat folgende kleine Anfrage im Reichs- tage gestellt: Ist dem Herrn Reichskanzler bekannt, daß am 2. März 1013 folgende, die Kritik der Geschäftsführuiig der ReichSbekleiduiigSsteLe unterbindende Zensurverfügung ergangen ist: „Anscheinend durch eine Korrespondenz ist in den Zeitungen eine Meldung über die beabfichligle Altklciderbewirtschafmng der RcickSbekleidungSstelle veröffentlicht worden, die zu erheblicher Beunruhigung geführt hat. Tie ReichSbekleidungsstelle mackr die Zeitungen aus die Zensurbestimninngeii aiifmerkiam. ivonnch über Abgabe von Arbeiterkleidnng und Stoffen iiir die RüstungS- industrie und über Planungen der R e i ch S b e k l e i d u n g§- stelle im allgemeinen nichts veröffentlichl werden darf. Die RcichsbekleidmigSstelle bittet die Zeiliingen sich nach den Be- stimmungen zu lichtem welche(!) gezwungen ist, gegen alle Zeitungen, die unzulässige Beröffentlichunge» bringen, cinzu- schreiten." Was gedenkt der Herr Reichskanzler zu tun, gegen diese Zensur- Verfügung, die gegen die von der Regierung abgegebene Erklärung verstößt, daß sich die Tätigkeit der Zensur auf militärische, die Kriegführung betreffende Angelegenheiten beschränken soll? Der Kammcrherr der Kaiserin, v. Behr-Pinnow, hat nach dem „B. T." dir jkriegerfrauen für 42 Pf. Säcke machen lassen, sich aber dafür 80 Pf. vom Kriegsministerium bezahlen lassen. Seine G. m. b. H. hatte ein eingezahltes Kapital von 23 000 M. und„ver- diente" in neun Monaten vier Millionen sechshundert- u n d d re i ß i g ta u s e n d Mark, tvovon etwa die Hälfte als Steuer bezahlt tmirde. Als die Sacke ruckbar wurde, erklärte der Kammerherr sich bereit, eine halbe Million Mark„Buße" zu zahlen, worauf das Kriegsministerium einzugehen schien. Erst Widerspruch aus Reichstags: reisen führte zu einer anderen Wendung. Michaelis wieder im Amt. Der frühere Reichskanzler Dr. MuvacliS ist zum Oberpräsidenieii der Provinz Pommern ernannt worden. Hoffenilich sorgt er dafür, daß nun viel Eßbares auS Pommern nach Berlin kommt, dann ist er der allgemeinen Beliebtheir sicher. Lekte Nachrichten. Tie Sowjets für den Frieden. Bern, 12. März.„Nouvellistc de Lyon" meldet aus Moskau: Ter Sowjet von Moskau habe die Ratifizierung des Friedens- Vertrages mit den Mittelmächten mit nngcheurer Mehrheit ange- nommcn. „Journal" berichtet: Ter Umschwung in Moskau sei auf die Ausführungen LeninS zurückzuführen, der in Moskau die Gründe auseinandersetzte, weshalb Rußland den Frieden annehmen müsse. Von 193 Sowjets hätten 119 auf drahtliche?ln- fragccinÄotuiiifürdicRatifizicrungabgcgcben. London, 12. März. Reuter. Der Korrespondent der„Dlorning Post" erfährt aus Petersburg: Ich höre, daß Moskau in den Händen der anarchistischen Partei ist, gegen die die Bolschewik! einen harken Kampf werden führen müssen. Es ist auch zweiftl- hast, ob es den Petersburger Truppen gelingen wird, Moskau zu erreichen. Nr. 72 ❖ 35. Jahrgang Oeilage öes Vorwärts Mittwoch, 13. MSrzlHIS Ried erb arnim vor der Entscheidung. Sie Schwäche öer Unabhängigen Ihre Haltung im Reichstag. Kein Zweifel, daß die Bewegung der Unabhängigen ihren Höhepnnkr bereits überschritten hat. Selbst in Berlin, einst- mals Ausgangspunkt und Zentrum ihrer Bewegung, ver- lieren sie schrittweise den Boden. Wenn sie bei den letzten Stadtverordneteninablen der dritten Klasse in einem Bezirk nur noch die Hälfte, im anderen gar nur noch ein Drittel der Stimmen für sich ausbrachten, wenn in einem proletarischen Borort wie Nolvawes selbst nicht mehr ein Drittel der Wähler für die Unabhängigen stimmen, lo zeigt das eine Abkehr der Massen, die selbst dieser Partei zu denken geben sollte. Im Reiche sieht es noch ganz anders aus, da gibt es graste Distrikte und Provinzen mit regem Parteileben, in denen von den Unabhängigen gar keine oder so gut wie gar keine Rede ist. Ihre Macht beruht einzig in dem Besitz einiger groher Städte und auch dieser Besitz erweist sich als zweifelhaft, mehr als zweifelhaft. Freilich, nach austen hin will man sich nichts merken lassen. Man sprengt Versammlungen. Man hat eine An- zahl zielbewusttcr und fanatisierter Anhänger, die von einer in die andere laufen, kräftig ihre Stimme er- heben und so den Anschein einer„Volksstimmung" er- wecken. Aber gerade der Kandidat der Unabhängigen für Niederbarnim, Herr Dr. Brenscheid, wird wohl über diese Ver- sanimlungssiege w c h nni t i g den Kopf schütteln. Er kennt ihren Wert aus langjähriger eigener Erfahrung. Wie- viel solcher Versammlungssiege hat er nicht als Führer der .Demokratischen Vereinigung" in Berlin, in Düsseldorf und anderswo errungen. Aber am Wahltage zeigte sich die Kehr- feite: da gab noch nicht einmal ein Fünftel, noch nickst einmal ein Fünfzehntel der Wähler die Stimme für Dr. Breit- scheid ab. Es>var Schein gewesen, die Kraftgeste statt der wirklichen Kraft. Aber diese ganze Erscheiuung ist nur die Folge, Wirkung einer ganz gleich gearteten sachlichen Politik. Auch die Politik der Unabhängigen, so geräuschvoll sie nach austen hin auftritt, ist bloste Geste, ist Tiradc und Agitation.. Die reife beherrschte Kraft, von der die sozialdemokratische Massenbewegung getragen wird, fehlt ihr. Das wissen die Unabhängigen selber nur gar zu gut: Daher ihre nervöse Gereiztheit, daher ihr neurasthenisches Deklamieren und Agitieren� mit dem sie sich und andere über daZ Gefühl der inneren Schwäche hinwegzutäuschen suchen. Denn die Unabhängigen können sich selber nicht im un- klaren sein, dast ihre ganze Politik im innersten Kern sich als zwecklos und verfehlt herausgestellt hat und mit jedem Tage zweckloser wird. Als sie die Partei sprengten, da begingen sie eine in den Augen der Arbeiterschaft ungeheuerlich e Tat, die' sie nur rechtfertigen konnten durch ein au st er- gewöhnliches Ergebnis dieses Schrittes. Das fühlten sie selber und deswegen versprachen sie als Frucht der Partcispaltung ein Ziel, das selbst dieses Opfers ivert er- schienen wäre: den baldigen Frieden. Hätten sie diesen Erfolg nicht verheisten, so wäre ihnen nicht der hundertste Teil der Arbeiterschaft bei der Parteizerrcistung gefolgt. Aber nun hatten sie ihr Lockmittel: die alte Partei, so sagten sie, sei schuld an der Kricgsverlängerung. Mache män sich von ihr los, verweigere man die Kredite, dann würde man in den feindlichen Ländern überall eine Parallelbcwegung in der Arbeiterschaft auslösen und der vereinte Wille der Arbeiter- schaft würde dem Krieg ein Ende setzen. Erfahrene Partei- führer der Sozialdemokratie, die genug von der Arbeiter- beivegung in England und Frankreich wustten, warnten vergeblich vor solchen I II u si o n e n. Die Unabhängigen suchten mit ihrer Presse ihren Anhängern systematisch ein ganz falsches Bild von der Stimmung der Arbeiter drüben zu geben. Und da ein groster Teil der deutschen Arbeiterschaft naturgemäß keine eigene Anschauung von diesen Dingen hatte, so gelang anfangs die Täuschung. Nun haben die Unabhängigen seit Jahr und Tag die gewünschte Handlungsfreiheit. aber keine der von ihnen prophezeiten Folgewirk iln gen hat sich geltend gemacht. Die engl ischen Ärbeitervertretcr bewilligen auch heute noch e i n st i m m i g ihrer Regierung die. Kriegskrcdite, die den Unabhängigen gleichzustellende Opposition in der französischen Arbeiterbewegung ist noch.immer nicht über die„drei Kienthalcr" hinausgewachsen und die italienische Sozialdemokratie, wegen ihrer Kredit- ablehnung von den Unabhängigen als leuchtendes Beispiel hingestellt, hat seit der Niederlage am Jsonzo ihr Herz für die Landesverteidigung entdeckt. Trotz der Beivegung der Unabhängigen haben die Ententesozialisten gegen die Sabotierung der Stockholmer Konferenz durch ihre Regierungen nur mit einer lahmen Geste protestiert. Trotz der deutschen Unabhängigen hat die letzte Konferenz der Entcntesozialisten Beschlüsse gefaßt, die mit der geforderten Aufteilung Oesterreichs und der Türkei, mit der Abtretung Elsast-Lothringcns an Frankreich dem Entente- Imperialismus vollsten Vorschub leisten. In England herrscht mit Unterstützung der Arbeiter- klasse ein Lloyd George, in Frankreich regiert Clemencean, den.selbst das Blatt" der Unabhängigen einen„Kriegs- Wüterich" nennt, und wer in Frankreich überhaupt nur das Wort Verständigung in den Mund nimmt, wer etwa wie Eaillaux im Sinne von Erzbcrger oder Haustniann agitiert, kommt auf Leben und Tod vor das Kriegsgericht. Der einzige. Erfolg, der die Parteispaltung hätte recht- fertigen können, ist also völlig ausgeblieben, aber auch völlig. Die Rechnung der Unabhängigen ist falsch gewesen.?ticht um ein Haar hat uns die Parteüpaltung dem Frieden nühergebrachr. Und so tritt, wie in der Agitation, so auch in der Politik der Unabhängigen die K r a f t g e st e in den Vordergrund zur Verschleierung der Ohnmacht. Die Partei wälzt sich im wildesten Ablehnungsfieber. Da man nicht ra- dikal wirken kann, must man sich radikal gebärden. WaS kommt, wird abgelehnt, ob gut oder schlecht. Ist es gut, so ist es eben viel zu wenig. ö'/z Milliarden Stencrertrag im Jahre aus Kricgsgewinnen — viel zu wenig, wird abgelehnt. Lieber schenkt man Daimler und Konsorten JU/s Milliarden, als dast man auf das Prinzip der-ganzen Kriegsgcwinncrfassung verzichtet. Die Verbesserung des VereinSgesetzes, wonach die Gewerk- Morgen ist Wahltag in NieSerdarnim. Jeder Parteigenosse, dem die Zeit es irgend erlaubt, hat die Pflicht, sicti dem sozialdemokratischen Wahlkomitee zur Verfügung zu stellen. Während unter den Arbeitern Bruderlampf herrscht, arbeiten die Bürgerlichen mit allen Kräften, um möglichst einen ihrer Kan- didaten in die Stichwahl zu bringen. kelW WlmMiföie Slime M Mlmn Mn! Wer aber für die Zersplitterung der Arbeiterstimmen wirkt, der wirkt/ gewollt oder ungewollt, für die Gegner der Arbeiterbewegung. Laßt Euch darum keine Zersplitterungskanöiöatur aufdrängen, sondern stimmt alle für den Kandidaten der sozial- demokratischen Partei: Älrbeiterfekretär Rudolf Wisfell. schaftcn nicht mehr als politische Vereine behandelt werden dürfen,— viel zu wenig, wird abgelehnt. Es fehlte ja die Beseitigung des Sprachcnparagraphen. Aber der wurde wenige Monate später beseitigt. Eine hohe Steuer auf den Gewlim lachender Erben, wie der Kriegstod sie massenweise schafft,— wir sind doch nicht dazu da, um dem Staat Gelder zn Pcrschaffcn,— wird abgelehnt. Der Reichstag fastt eine F r i e d c n S r e s o l n t i o w,— aber die Unabhängigen haben an der Formulierung einiges auszusetzen, deshalb init den Alldeutschen dagegen gestimmt und diesen der Triumph bereitet, dast sich mehr als hundert Stimmen im Reichstag gegen die Resolution zusammenfinden. Man stimmt gegen all und jedes. Dös hat a Schneid! Eine Taktik, welche die Partei seit Jahren überwunden hatte, feiert in dieser Sekte fröhliche Nrstädt. Aber schliestlich kommt den Massen doch zum Beivusttscin, dast zum unterschiedslosen Neinsagen keine besondere Klugheit, nicht einmal besonderer Mut oder besondere Prinzipienfestigkeit gehören. Der Stumpf- sinn des Ueberradikalismus tritt zutage. Und wenn man sieht, dast sich nichts ans der Welt ändert, auch wenn sich Ledcbour und Haasc durch konsequentes Sitzenbleiben die Hosenböden durchscheuern, so folgt die Ernüchterung, Freude an der Entwicklung haben höchstens einige Anarchos und Syndikalisten, die früher als Anstensciter in der Arbeiter- bcwegung nichts werden konnten, jetzt aber in Wirklichkeit bei den Unabhängigen die Herrschaft haben. Wie oft mag Dr. Breitschcid, wenn er die anarchistischen Ausbrüche seiner Wanderredner und Agitatoren mit anhören mustte, innerlich die Hände gerungen und geseufzt haben:„Gott schütze mich vor meinen Freunden!" Aber in den Massen besteht doch'heute ein deutliches Gefühl dafür, dast die Unabhängigen sie einen falschen Weg geführt haben. Nicht zum raschen Frieden haben die Unabhängigen ihre Massen gebracht, sondern zum Bruderkampf und den traurigen Parteizustünden, die der jüngste Streik mit Deutlichkeit enthüllt hat. Die Massen besinnen sich, sie kehren um. Und ivas ein Augenblick der Verwirrung getrennt hatte, kehrt zurück zur Fahne der alten Partei. Wirkt Dr. Rudolf Breitscheid, der durch viele Parteien Ge- reiste, als ein Symbol der nervösen Unrast, des aufs Agi- tatarische gestellten Charakters der Unabhängigen Partei, so repräsentiert sich in N u d o l f W i s s e l l, dem in dreißig- jähriger Parteiarbeit Etzgrauten, dem warmherzigen unvcr- drossencn Sozialpolitikcr und Anwalt Millionen Äolleidcnder der stetige, aus sich heraus standfeste Charakter der alten sozialdemokratischen Partei, jener Charakter, zu dem die Ar- beiter Vertrauen haben. wie öie„Unabhängigen" öie /lrbeiter- interessen vertreten. Ihre„Arbeit" im preußischen Landtag. Nicht nach ihren schöne» Redensarten und Versprechungen darf iiioii die Unabhängigen beurteilen, sondern ausschließlich nach ihre» parlamentarischen und außerparlamentarischen Taten. Wie sie im Lande draußen durch Sprengung van Friedcnsversannmlu-ngan und durch Sprengung solcher Versammlungen, die ausschließlich dem Kampfe für eine bessere Lebensmittelversorgung dienen solltm, die Sache der schlimmsten Arbciterfoinde systematisch gefördert haben, ist allgemein bekannt. Ebenso ihre Ablehnung der Friedens- resolution im Reichstage, ihr Stnrmlauf gegen die allein die Wohl- habenden belastenden Kriegsgewinnsteuer usw. Viel weniger hat die Oeffentlichkeit leider das Treiben der Unabhängigen im p r e u- ß i s ch e n A b g e o r d n c t e n h a u s e verfolgt. Und doch kann mau hier die ganze Arbeiterfeindlichkeit der„unabhängigen" Politik geradezu in Reinkultur studieren. Wie war cS in den letzten paar Monaten im Dreiklaffenhause? Schon die iviederholten Reden des Herrn S t r ö b e l bei der ersten Lesung der Wahlreformvorlagen bestanden zu einem 1 sehr großen Teil aus sinnlosen und boni Zaume gebrochenen Pole-- miken, nicht etwa gegen die Partei der Rechten, sondern gegen die — Sozialdemokratie— Mehrings Rede zur Generaldebatte über den Etat bedeutete viel weniger eine kräftige Wahrnehmung der Arheiterinteresscn als vielmÄhr«in wehmütiges Gcwimmerc über die diebischen Angestellten der Post und der Eisenbahn.— Bei der für die weitesten Kreise der Bevölkerung so hochwichtigen Frage der Kartoffelversorgung meldeten sich die sogenannten „Unabhängi�gsn" überhaupt nicht zum Worte, sondern überließen die Vertretung der Volksinteresstu: ausschließlich unserem Genossen Braun. Ebenso war es bei der Erörterung de? Justizctats — auch hier verspürte kein Unabhängiger das Bedürfnis, dnS Wort zu ergreifen. Und als unser Genosse Haenifch sich tatkräftig eines durch Gerichtsurteil schwer getrofsp->'on Unabhängigen annahm, störten Am dessen Parbeigenvs?«i, besonders Herr Adolf Hoffmann, fortwährend durch Zwischenrufe von ausgemachter Albernheit.— Bei der Beratung des Bergetats hielt es gleich- falls kein Unabhängiger für notwendig, auch nur mit einem Wort für die Interessen der Grubenproletarier einzutreten. Sie icher- ließen das unserem Genoffen H u e.— Neuerdings beim Eisenbahn» etat niachte der unabhängige Herr Hofer zwar einige belanglose Bemerkungon zur Frage der Gütertarife, aber weder zu der für die breiten Massen des Volkes sehr viel drückenden Frage der un- geheucrlichen Erhöhung der P e r s o n e n t a r i f e noch zu der Lage der Eisenbahnbeamten und Eisenbahnar- beiter meldete sich ein Unabhängiger zum Worte. In beiden Fällen überließen sie freiwillig unserem Genossen Leinert das Feld. Und erst in dem Augenblick, als Leinert wegen seiner schneidigen Wahrnehmung der Arbeiterinteressen in einen scharfem Konflikt mit dem Eisembahnminister geriet, meldeten sich die Herren Adolf Hofsinann und Ströbel zum Worte, aber nicht etwa um Leinert bcizusprimgen, sondern nur, um ihm in der schmäh» l i ch st e n Weise in den Rücken zu fallen und einen siirn»» losen Zank vom Zaune zu brechen> au dem die Arbeiterfeinde ihre reinste Freude hatten. Wohlgemerkt: in keinem der genannten Fälle(und es ließen sich deren noch zahlreiche weitere anführen), in denen die„Unab- hängigen" nicht das Wort ergriffen, handelte es sich ctlva um eine Mundtot um chung durch die reaktionäre Mehr- h e i t— eS war immer eine freiwillige Nichtwahruehmring der Arbeiterinteressen. Mögen die Wähler von Niederbarnim am morgigen Waihltage aus diesen unwiderlegbaren Tatsachen die gebotenen Folge- rungen ziehen und Mann für Manu Rudolf Wissel! ihre Stimme geben! /tos öem Wah!kampf. BrcitschcidS Vcrsnminliiiigssprengung. Die Versammlung in Weißensse, die von den Unabhängigen geiprengt worden ist, nachdem ihr Kandidat eine halbe Stunde lang unter musterhaiter Ruhe unserer Genossen gesprochen hatte, verdient noch eine besonders Hervorhebung, weil in diesem Falle Herr Dr. V r e i t s ch e i d persönlich die Verantwortung für das Auftreten seiner Anhänger trägt. Als während de? Vortrages von Wlsscll ein Teil der Unabhängigen gar zu viele Zwischenrufe machte, von deren geistiger Höhe das Wort zeugt, das erscholl, als Wissell für die Kriegsinvaliden sprach:„Ach waS, den Kriegsbeschädigten gchts besser als uns!" hielt Dr. Brcitscheid seine An» Hänger noch zurück. Ganz anders benahm er sich nach Schluß seiner eigenen Ausführungen, als Genosse Hcilmann ihm erwidern wollte. Heilmann begann mit der Bitte, ihn ebenso ruhig anzu- hören wie Brcitscheid. Breitschcid habe sich über den„Wust von Verleumdungen" beschwert, mit denen der Redner ihn verfolge. Er freue sich, seine Vorwürfe, Tatsachen, Herrn Vreitscheid ins Gesicht sagen zu können. Breitscheid hat im Laufe von 1l) Jahre» für virr Parteien öffentlich gewirkt. Hergekommen ist er von den Nationailiberalen, von der Redaktion des „Hamburger Korrespondenten" und des„Hannoverschen Kuriers". Dann hat er 1S07 für die Freisinnige Vereinigung zum Reichstag kandidiert, 1912 für die Demokratische Ver» einig ung: für die Sozialdemokratie ist er Stadt- verordneter geworden, und jetzt kandidiert er für die Unab» hängige Sozialdemokratie.— Die Versammlung hörte diese rein talsächlichen Feststellungen ganz ruhig an; nur Brcitscheid brüllte unaufhörlich dazwischen: Das ist unwahr, das ist Lüge, Schwindel. Jetzt sprang er auf, trat dicht vor de» Redner und brüllte ihn, mit den Armen hcnimfilchtslnd, an:„Sie lügen, Sie sind ein Verleumder I" War diese kindische Theater» s p i e l e r» i auf Einschüchterung berechnet, so verfehlte sie ihren Zweck, Der Redner erwiderte, daß jedes seiner Worte unanfechtbar wahr sei und forderte Herrn Breitscheid höchst energisch auf, sich au seinen Platz zn scheren und den Mund zu halten. Das tat dieser denn auch, aber nun hatte er seine Anhänger so weit, daß sie rin wüstes»»»ntcrbrochencS Gebrüll anstimmten, bei dem kein Wort mehr zu verstehen war. Der Redner erklärte schließlich, die Unab- hängigen täten ganz klug daran, ihn über Breitscheids Person- lichkeil nicht Weiler reden zn lassen: den» täten sie es, so würde wohl am Donnerstag kein Wähler mit gutem Gewissen dem Manne feine Stimme geben könne». Er wolle nun rein sachlich zu den politisch e n Fragen sprechen. Brenscheid habe sich als Anhänger der Landesverteidigung bekannt, der nur nicht jeder Re- gienmg in jeder Lage Kriegskredile bewillige. Sein Wandcrredner Liese gang hingegen wiederhole in jeder � Bersaminlung, der Arbeiter habe kein Vaterland und Deutschlands Wohlergehen könne uns ganz gleickgültig sein. Diese Worte LiesegangS wurden von den Unabhängigen durch st ü r m i s ch e n Beifall unterstrichen und durch Zuru'e bekräftigt. Herrn Breitickierd war das unangenehm, und er gab wieder das Signal zum Skandal, indem er schrie:„Sie verdrehen das l Sie wollen bloß nicht verstehenl" Heilmann suchte dann darzulegen, daß der Ge- wallfriede im Osten dadurch verichuldet sei, daß die Russen leider mit den Verhandlungen geivarlet kälten, bich sie widerstandsunfähig waren, und wies.auf den ungebrochenen KriegSwillen und die wilden Z e r sch m e tte r u n g S o r o y u n g e n der E leinen- Wählt Arbeltersekrelär Rudolf Mssell! ce au und Lloyd George yin, wurde aber fortwährend unler« krochen. Schliefzlich wandte sich Heilmann an Dr. Breitscheid und fragte ihn: I st d a Z Ihre Auffassung von Redefreiheit? Ist das Ihr demokratisches Empfinden? Wenn Sie jetzt nicht Ihre Anhänger auffordern, endlich still zu sein, übernehmen Sie die volle persönliche Verantwortung für diese Skandalmacherei und Versamm- lungssprengung. Als Antwort brüllte Breitscheid, daff sei bewußte Verdrehung und Schwindel. Natürlich lärmten seine Anhänger umso lauier, und der Vorsitzende, der schon zuvor, um die polizeiliche Auflösung der Versammlung zu vermeiden, sie zeitweilig vertagt halte, konnte nur noch an die Breitscheid-Garde die Frage richten, ob sie den Redner ruhig anhören wolle, und als daraus neues Gebrüll antworlele, die Versammlung schließen. Der TerrorismuS der Unabhängigen, die planmäßig die vordersten Saalreihen besetzt halten, hatte„gesiegt". Aber damil schaffen sie nicht aus der Welt, daß auch in dieser von ihnen gut vorbereiteten Versammlung die große Mehrzahl der Anwesenden auf feiten der alten Partei stand. Denn als Dr. Breiticheid sich über die GeschäftSlührung des Vorsitzenden beschwerte und eine Ab- stimmung darüber verlangte, trat die Versammlung mit Zwei- drutel-MeKrheit den Vorschlägen desVorsitzenden bei, Be' der Abstimmung konnten die Unabhängigen eben nicht durch die Kraft ihrer Lungen ersetzen, was ihnen an guten Gründen und an Zahl der Anhänger fehlt. Mir ihrem Auftreten in dieser Ver- sammlung werden sie schwerlich neue gewonnen haben. Oberfchönctvcide. Die am Sonntag vom Wahlverein einbe- rufenon Wählcrversammlungen erfreuten sich eines sehr guten Besuches. Referenten waren die Genossen Molkenbuhr und Groger. In längeren Ausführungen entwickelten die beiden Redner die Grundsätze der aliwr so z i aldem okrat i scheu Partei und die Richtlinien der Politik vom 4. August 1914 bis zum heutigen Tage. Beide Referenten stellten Vergleiche an zwischen Dr. Brsit- scheid und unsorem Genossen Wiffell, welcher seit mehr als drei Jahrzehnten lmi zur Arbeiterschaft und zur Sache des Volkes ge- halten hat. Sie forderten die Anwesenden auf, i?m 14. März ge- 'chlosien für den Arbeiterseikretär Rudolf Wisscll zu stimmen. Trotzdem Anhänger der Unabhängigen zur Stelle waren, nahm keiner Veranlassung, in der Diskussion zu sprechen. Der Verlauf der Versammilungen war ein ruhiger und gibt zu den besten Hofs- Uuugen Veranlassung. Herzfelbe. Ein' unabhängiger Agitator für Wisscll. Eine Wählervcrsaminlung der unabhängigen Sozialdemokraten fand am Sonntag in Herzfelde statt. Nur 83 Personen waren der Einladung gefolgt. Der Referent Laukant lobte zunächst die Kon- fcrvativen und die Nationalliberalen als ehrliche Politiker, wäh- uend die Freisinnigen schon weniger ehrlich und die RegierungS- fozialisteu am unehrlichsten seien. Die Sozialdemokratische Partei gehe mit den bürge vlicheu Parteien und den Kapitalisten Hand in Hand und sei mit kleinen Fortschritten zufrieden, während die Un- abhängigen auf dem Standpunkt der Katastrophentheorie stehen mit Revolution, Massenstreik usw. Die Macht des Kapitals sei ungeheuer gewachsen mii die Gewerkschaften könnten keine Kämpfe mehr führen. Die Regierungssozialisten treten für alle Annexisnen ein, für den russischen Gemalt frieden usw. In der Diskussion trat Genosse Krüger dem Referenten in längeren Ausführungen entgegen. Der Referent bade zwar die Ziele der anderen Parteien kritisiert, habe aber mit keinem Wort gesagt, lvas nun eigentlich seine Partei wolle. Er begründete dann die Taktik der Sozial- deinokra tische n Partei während des Krieges und kennzeichnete deren Erfolge. Die Partei habe das sozialistische Endziel nicht aus den Augen verloren, aber solange sie bestehe, sei sie auch für Deilfortschritte eiUgeti eten, um den Befreiungskampf der Arbeiter zu erleichtern. Die Macht des Kapitals wird sicherlich nicht ge- schwächt durch die Ablehnung der Kriegsgewinnsteuer und die Zer- reißung von Partei und Gewerkschaften durch die Unabhängigen. Diese Ausführungen wurden von der Versammlung mit Zustim- muug aufgenommen. In seinem Schlußwort machte Herr Laukant noch einen verzweifelten Versuch, die Zuhörer in das unabhängige Fahrwasser zu leiten, indem er seine ersten Behauptungen in noch stärkeren Ausdrücken und in noch größerem Widerspruch zur Wahrheit wiederholte. U. a. sagte er, bei der Firma Goerz seien 14 Dreher ans Grund des Hilfsdienstgesetzes militärisch einge- zogen und müßten für Soldatenlöhnuug arbeiten. Das hätten die Arbeiter den Gewerkschaftsführern zu verdanken. Genosse Krüger kennzeichnete dies durch einen Zwischeurui sofort als Sckwindel, da das Hilssdienstgesetz mit militärischen Einberufungen nichts zu tun habe. Durch die sich daran anschließende Auseinandersetzung über verschiedene Fragen geriet Herr Laukant so aus dem Gleichgewicht, daß er z u in Schluß unter der Heiterkeit der Versammlung zur Wahl Rudolf W i s s e l l s aufforderte. Siehe auch Gro�-Bcrliner Parteinachrichten. Möbclbcschaffung. Die Fürsorge für die Beschaffung solider und preiswerter Möbel bildete den Gegenstand längerer Beratungen im Ausschuß der Berliner Siadlverordnetenversammluiig. Es wurde u. a. inilgeteiit, daß icbon infolge zahlreicher dringender Gesuche eine Werkstall auf dem siädliichcn Viehhofe von der städtischen Tischlerschule eingerichtet worden ist, in der Kriegsbeschädigte mit der Ausbesserung und Auf- arbeitung von aus Nachlässen usw. herrübrendem altem Hausrat beschäftigt sind. Der Magistrat ist bemüht, solche Nachlässe zu erwerben und zu verwerten. Dadurch ist, es möglich Schränke, Bett- stellen, Tische, Stühle an mibemiuelte Verbraucher zu Preisen ab- zugeben, die weieutlich geringer sind, als die sonst geforderten. Das Kriegsministerium ist ersucht worden, die beim Friedens- schlug in den Etappen, Lazaretten uiw. freiwerdenden Möbel der Stadt zu mäßigen Preisen zu überlassen. Auch die städtischen Ver- waltungen wurden veranlaßt, alle überflüssigen Stücke zur Ver- fügung zu stellen. Ferner sollen zunächst övv neue Wohnungs- einrichtungen bestehend ans Wohn- und Schlafzimmer- bezw. Küchen- möbel beschafft werden und zwar durch Vergebung von Lieferungen unmittelbar an die Hersteller solcher Sachen. Daneben werden noch Einzelmöbel, Nachttische, Bellen, Sofas usw. angefertigt. In der Kommandanienstraße 81 sollen Musterzimmer als Verkaufsobjekte eingerichtet werden. Diese Einrichtung wird Berlinern, Vorzugs- weise Kriegsteilnehmern zugute kommen. Der Erwerber muß ein Drittel des Preises anzahlen. Der Rest wird gestundet. Der Aus« schuß stinimte diesen Ausnihrungen einstimmig zu und wird der Stadtverordnetenversammlung die Bewilligung von vorläufig 600 000 Mark zu diesem Zweck empfehlen und für die Bewilligung weiterer Mittel eintreten.__ Weniger Bezugscheine für Wäsche. Nach einer Bekanntmachung der Reichsbekleidungsstelle dürfen künftig Bezugscheine legelmäßig nur auf Leibwäsche seinschließlich Münnerpläitwäiche) oder Bettwäsche, Säuglingswäsche oder-de- kleidung, Taschentücher. Hausschürzen, Wi'ch- oder Scheueriücher ausgefertigt werden. Die Antragsteller sind darauf hinzuweisen. daß Wüsche an§ reinem Papiergewebe ohne Bezugschein erhältlich ist. Für sonstige Wäichestücke darf ein Bezugschein nur ausgestellt werden, wenn sie in erheblichem Maße ini Gebrauch durch besonders schwer zu entfernende Stoffe(Fett, Blut, Ansteckungsstoffe usw.s ver- unreinigt worden sind. Tisch-, Hand- und Badetücher gibt es also nur noch, wenn Wäsche dieser Art durch Flecke unbrauchbar geworden ist. Tie Versorgung der Insassen von Krankenhäusern. Das Kriegsernährnngsaml teilt niit: Entgegen irrigen Auf- fastungen sei darauf hingewiesen, daß von auswärts eingelieferte Insassen von Krankenanstalten nicht von ihrem Wohnsitz mit Reisebrotmarken und Lebensmittelkarlen zu versehen, sondern vom Kommunalverband des Anstaltsortes zu versorgen sind. Eine Ans- nähme gilt nur für die Brotzulage, die den in Lungenheilanstalten überwiesenen Schwerstarbeitern zugebilligt ist; sie muß vom Be- triebsort aus durch Reisebrotmarken bewirkt werden, weil nur die dort zuständige Veriorgungsstelle die Anerkennung der Schwerst- arbciier nachzuprüfen vermag._ Käsevcrtcilung. Vom Donnerstag, den 14., bis Mittwoch, den 20. März, wird in den westlich der Belle-Alliancestratze gelegenen Bezirken der 18. und 10. Brolkommission je 12S Gramm p o m- m e r s ch e r Weichkäse verteilt. Verschicbungen in der Verbandsversammlung Gross-Berlin. Der VerbandSausschuß hat die im Zweckverbandsgesetz dor° gesehene Neufeststellung der auf die einzelnen Gemeinden und Gen'eindeberbände entfallenden Mitgliederzahlen nach dem Ergebnis der Personeiistandsaufnabine von 1916 vorgenommen. Danach ist eine Veränderung gegen früber insofern eingetreten, als der Stadt C h a r l o t t e n b u r g und dem Kreise Niederbarnim se eine Stimme weniger, den Gemeinden Likbtenberg und Steglitz je eine Stimme mebr zukommt. Charlottenburg und Niederbarnim werden also vom 1. April d. I. ab in der Verbandsversammlung Groß-Berlin nicht je 9, sondern je 8 Vertreter haben, während sich die Zahl der Lichtenberger Stimmen von 4 auf ö und die der Steglitzer Vertreter von 2 auf 3 erhöht. Neuer Auszahlungsmodus für Militärpensionen, '-Renten usw. Vom 1. April an werden die auf Grund der Militärversorgungs- geietze zahlbaren Pensionen usw. für Offiziere und Beamte, In« validenpensionen und Militärrenten uiw. sowie Hinterbliebenen- gebübrniffe, ferner die von Militärbehörden an solche Empfänger bewilligten Unterstützungen, Zuwendungen, Beihilfen uiw. nicht aber Marine- und Schutztrupjzengebührnisie ulw.— durch die für den Wohnort des Empfängers zuständige B e st e l l v o st a n st n l t gezahlt. Die fortlaufend zahlbaren Gebübrnisse werden von diesem Zeitpunkte an bereits am 29., oder, wenn dieser Tag ein Sonn- oder Feiertag ist, am 28. des der Fälligkeit der Gebührnisse vorhergehenden Monats gezahlt. Die Auszahlung der Beträge erfolgt bei den Postanstalten an den bier- iür eingerichteten Zahlstellen. Die pünktliche Abhebung der Gebühr- niste an den Fälligkeitstagen ist dringend notwendig. Empfänger. die ihre Gebührnisse nicht persönlich abheben wollen, sondern im Giro- oder Postwege zu erhalten wünschen, haben dies gelegentlich der Abholung der Beträge bei der zuständigen Postanstalt zu beantragen. Dies gilt auch für diejenigen Emptänger, die zur- zeit ibre Gebührnisse bereits im Girowege oder im Postscheckwege erhalten. Die Betreffenden erhalten von der zuständigen Behörde noch eine besondere Benachrichtigung über das veränderte Zahlungs- verfahren. Wem eine solche Benachrichtigung nicht zugeht, erhält dagegen seine Gebührnisse in der bisherigen Weise, zu dem bis- herigen Zeitpunkt und aus der bisherigen Kasse weiter. Die Sommerzeit beginnt in diesem Jahre— nach der Verord nung des Bundesrats— am 16. April, morgens 2 Uhr nach der gegenwärtigen Zeitrechnung und endet am 16. September morgens 3 Uhr, im Sinne der Verordnung. Die öfientlich angebrachten Uhren sind am 16. April morgens 2 Uhr, auf 3 Uhr vorzustellen, am 16. September morgens 3 Uhr, im Sinne der Verordnung auf- 2 Uhr zurückzustellen. Von der am 16. September doppelt er- scheinenden Stunde von 2 bis 3 Uhr morgens wird die erste Stunde als 2.A. 2 A 1 Minute usw. bis 2 A 69 Minuten, die zweite als 2 B, 2 B 1 Minute usw. bis 2 B 69 Minuten bezeichnet. Die zunehmende Unsicherheit in Groß-Berlin hat das Ober- kommando veranlaßt, während der Nacht einen militärischen Patrouillengang einzurichten. Reinickendorf. Lebensmittel. Auf Abschnitt 14 der Lebens- mittelkarte Groß-Berlin werden 200 Gramm Teigwaren, und zwar 100 Gramm Auszug und 100 Gramm Wasierwaren, abgegeben. Die Ablieferung der Anmeldeabschnitte bei den Händlern hat bis ein- schließlich 18. d. M. zu erfolgen. Der Verkauf beginnt am Sonntag. Verkaufspreis für Auszugwaren 86 Pf. unv für Wasserwaren 62 Pf. für ein Pfund._ Röntaental- Zepernick. Gemcindcwahlergebnis. Bei den am Sonntag stattgetundenen Gemeindevertreterwahlen sind unsere Ge- nassen in der 2. und 3. Abteilung gewählt. In der 2. Abteilung erhielt Genosse Moritz Müller von 28 abgegebenen Stimmen 18 und in der 3. Abteilung wurden 46 Stimmen abgegeben, wovon unser Genosse Franz Schulz sen. 46 Stimmen erhielt. Ein Gegenkandidat war hier nicht aufgestellt. NowaweS. Die Ausgabe neuer Fleisch-, Kartoffel- und Brot- karte» findet am 14. und 18. d. M., 8—1 Uhr, in den bekannten Ausgabestellen statt. Die Karten sind von den Hauseigentümern bezw. deren Stellvertreter in Empfang zu nehmen und umgehend an die einzelnen Haushaltungsvorstände zu verteilen. Diese sind wiederum verpflichtet, die Karten auf Verlangen den selbständigen HaushaitungSangehörigen auszuhändigen. « Groß-Serlmer parteinachrichten. Zum Wahlkampf in Niederbarnim. Die Parteigenossen und Genossinnen Groß-Berlins, die ihre Adresse zur Beteiligung an der Wahlhilfe dem Zentral- wahlkomitce noch nicht angegeben haben und auch all jene, die keine besondere schriftliche Benachrichtigung erhalten, wollen sich zur Wahlarbeit in Lichtenberg ain Donners- tag, vormittags um 9 Uhr, im Lokal von Spitzig, Frankfurter Allee 88, Ecke Kronpruizenstraßc, einfinden. Die mit der Uebermittlung des Wahlresultats betrauten Genossen wollen das Ergebnis der Wahl sofort nach Feststellung im Wahllokal dem Zentralbureau, Lindenstr. 3, unter den Telephonnummcrn Moritzplatz 364, 101 70 und 151 90—151 97 mitteilen. Friedrichshagen. Heute abend 8 Ubr, im Brauereiausschank: Vortrag des Reichstagsabgeordneten Dr. David: Wa« rum wir Wissel l wählen. Alle„VorwärtS"-Leser, Männer und Frauen müssen zur Stelle sein. Karlshorst. Alle Genossinnen und Genoffen, die am Wahltage zur Wahlhilfe bereit sind, treffen sich morgens um 9 Uhr in unserem Wahlbureau Restaurant Poser, Dönhoffstr. 8. Diejenigen, die sich erst im Laufe des Tages zur Verfügung stellen können, bitten wir, sich gleichfalls dort zu melden. Abends um 8 Uhr: Bekanntgabe des Wahlresultats bei Poser. Rcin!ckendorf-Ost. Das Zentralwahlbureau befindet sich morgen bei Dölchner, Residenzstr. 50.(Telephon Amt Reinickendorf Nr. 3336.) Genosten und Genossinnen, die sich zur W a h l h i l f e zur Verfügung stellen(auch diejenigen, welche nur stundenweise am Vor- oder Nachmittag frei sind), melden sich von vormittags 9 Uhr ab im obigen Wahllokal. Die Verkündigung des W a h l r e s u l t a t s erfolgt abends ün selben Lokal. Mariendorf. Heute, Mittwoch, abends 8V2 Uhr, außerordentliche Mitglieder sammlung bei Hoch, Chaüstce- straße 44. Tagesordnung: Stellungnahme zur Gemeindeverlreter- wähl. Gesinnungsfreunde und„Vorwärts'-Leser werden um ihr Erscheinen dringend gebeten._ Wilmersdorf. In den„Prachtsälen des Westens" sprach Montag abend Genosse Dr. Q n a r ck- Frankfurt a. M. über das „Freie Wahlrecht". Der Referent schilderte in anschaulicher Weise die Widerstände, die sich inner- und außerhalb des Abgeordneten- Hauses dem gleichen Wahlrecht entgegenstellen. Besonders hob er hervor, daß die Einführung desselben für Staat wie für Gemeinde gleich notwendig sei. Nachfolgende Resolution wurde einstimmig angenommen: „Nach den schweren Kriegserfahrungen ist im preußischen Volke nicht bloß das dringende Bedürfnis lebendig nach einer Um- gestaltung der staatlichen Verfassung mit der Grundlage des glci- chcu, allgemeinen, geheimen und direkten Wahlrechts, sondern auch das Bedürfnis nach einer Reform der städtischen und ländlichen Gemeinde Verfassung. Diese muß sich vor allem richten auf die Einführung des freien Wahlrechts für alle großjährigen Reichsangehörigen, dw seit höchstens einem Jahre in der Gemeinde wohnen, auf die Be- seitiguug des Hausbesitzerprivilegs, auf die Aufhebung des Be- stätigungsrechts für gewählte Gcmeiudeorgane und auf die Be- schränkung des staatlichen Obrigkeits- und Aufsichtsrechts, das nur nmfassen darf die Anfechtung ungesetzlicher Verwaltungsakte der Gemeinden. Erst in der Ausdehnung der Verfaffungsreform auf Staat und Gemeinde liegt die Gewähr für eine volle Befriedigung des Volksbedürfnisses auf wirtschaftlichem, sozialem und politischem Gebiete. Die Versammlung fordert die preußischen Volksgenossen aller Orte auf, jene Ausdehnung durch Anträge in den Gemeindcver- walwngen zu fördern und zu unterstützen." öeiefkasten üer Neöaktion. Die brieflichen Anfragen mehren sich in letzter Zeit ungeheuer. Wir machen barauf aufmcrkiam, daß briefliche Äiitwortcn nicht er- teilt werden können. Die Beantwortung der Auflagen kann nur durch den Briefkasten unter angegebener Chiffre erfolgen. G. P. 134. Steigerung der Miete kann deswegen nicht eintreten, wohl aber kann Ihnen die Fensterauslage wegen unlauteren Wettbewcibs verboten werden.— Sö. Ä. 7. 1. Die Strafe wird vom Amncstiecrlatz nicht betroffen. 2. Auf Antrag wird Ihnen die Gcricht-Ztaffe Ratenzahlung gewähren.— A. D. 50. 1. Nein. 2. Der Frau müssen die notwendigilcn Sachen zum Lebensunterhalt verbleiben. 3. Nein. 4. Ja. 5. Nein. k. Ja. 7. Nein.— G. K. 99. Ein solches Gesuch können Sie durch das Bataillon an das Veterinär-Kdrps richten.— T. 109. Das allein ist noch kein Grund für die Unterstützung. Wenn ausreichender Verdienst bei der Frau vorhanden ist, kann die Unterstützung auch dann abgelehnt werden.— Eewiunauszng der 11. PrenMch- Süddeutschen (•*37. Königlich Ureusjischcn) Kiaffenlatterie 3. Klasse 1. Ziehungstag 12. März 1918 Auf jede gezogene Nummer find zwei gleich Iiovc lvewiniie gefallen, I und zwar je einer auf die Los« gleicher Nummer tu de» deidc» I Abteilungc» I und II (Ohiie Gewähr A. St.-A. f. Z.)(Nachdinck verboieu) In der VormittagS-Zichimg wurden Gewinne über 144 Mk. gezogen: 2 Gewinne zu 10 000 Mk. 216496 2 Gewinne zu 6000 Mk. 162946 4 Gewinne zu S000 Mk. 84663 1SSS32 12 Gewinne zu 1000 Mk. 23337 42234 66974 124373 162373 215177 12 Gewinne zu 600 Mk. 73006 136017 143034 138367 177980 216877 24 Gewinne zu 400 Mk. 1727 8948 13263 442S2 73S67 77383 96038 126038 162331 IS37SS IS4361 221722 80 Gewinne zu 300 Mk. 14073 13304 21026 21090 21196 21284 24163 31661 33332 3S27I 41366 47231 60IS3 70093 73639 76412 84029 83286 92773 92993 93634 97662 100669 101297 104134 106696 118237 131133 163813 166396 167707 167207 171947 172000 178297 191026 194482 193233 214724 222337 In der NachmittagS-Ziehimg wurden Gewinne über 144 Mk. gezogen: 2 Gewinne zu 30 000 Mk. 63116 4 Gewinne zu 1000 Mi. 107269 144252 16 Gewinne zu 600 Mk. 2600 26469 71267 83406 94790 167679 167857 216784 20 Gewinne zu 400 Mk. 1668 3224 32027 32034 40871 62987 77936 116168 122143 136560 162746 166377 163982 193369 203423 62 Gewinne zu 300 Mk. 4320 7834 12926 14241 30714 36470 42674. 62479 65436 73701 76043 78636 33329 91048 100340 108339 103660 113330 114734 132676 143603 146098 143640 163412 171160 196321 20S967 214637 216S33 220660 222767 Bekanntmachung. Am Sonnabend, den 30. ds. Mts., bleiben die Bureaus und Kassen der Reichshanptbank nachmittags geschloffen.(2o97L Reichsbank-Direktorium. Ravenstein. Schneider. ltairkmanrnscks Schulen der Korporation der Kaufmannschaft von Berlin. a) Handelsschulen für Mädchen, Weinmeisterstr. 16/17, Scharnweherstr. 19. Wilhelmshavener Str. 2/5, Wilmersdorf, Weimarische Str. 21/24 Der Besuch der Schule befreit vom dreijähr.Pflichtsohulbesnoh. Ausbild.in allen haufm. Bachern für ehem. Gemeindeschüler. Selektakurse für Absolv. von Lyzeen. Aufnahmeprüfung am 10. April 3 Uhr. b) Fachklassen für Mädchen. Weinmeisfersfr. 16/17. Ministeriell als Ersatz für d. Wiichtschule anerkannt. Kaufmänn. und hauswirtschaftl. Ausbildung. Acht Wochenstunden. c) Fortbildungsschule für weibliche Angestellte, Weinmeisterstr. 16/17. Unterricht in allen kaufmänn. Fächern, abends 8— 10 Uhr. d) Schule für Maschinenschreiben für Mädchen. Reue Friedrichstr. 55/56, III. Der Unterricht wird von 8I/2— Ü'/j und von 7— 10 Uhr erteilt. Stenographie. e) Kaufmänn. Fachschulen für schulpflichtige Lehrlinge, Auguststr. 21, Sophienstr. 18, Sebastianstr. 26, Inselstr._ 2/5, Elisabethstr. 56/57, Gartenstr. 25, Steglitzer Str. 8a. Der Besuch befreit vom Besuch der städtischen Pflichtsohule. Außer den kaufmänn. Fächern auch Englisch u. Französisch in 8 Wochonstundon. Vor- u. Nachmittag-Unterricht. f) Versicherungsfachschule, Dorotheonstr. 12. g) Kaufmänn. Abendschulen für junge Kaufleute, Klostor- straße 74, Inselstr. 2/5. Sämtliche kaufmänn.Fächer und Sprachen, abends 7-10 Uhr. h) Geschloss. höh. Handelskursus f. j. Kaufleute mit d. Berechtigung z. eins. Dienst, Klosterscr. 74. Ausbildung in sämtlichen kaufmänn. Fächern sowie Englisch und Französisch, abends 8— 10 Uhr. Nach Absolvierung Abschlußzeugnis. Beginn sämtl. Kurse am 11. April. Auskunft täglich im Bureau der kaufmänn. Schulen. Burg- Straße 25 II, vo» 9— 3 Uhr, sowie in den Schulen selber. Der Direktor Dr. KnSrk. DeuticlKP Cransportarbeiterverband. BczirlSvcrwait. Groß-Berlin Den Mitgliedern zur Nach- richt, daß unser Kollege, der Droschkcnsührer Helnricli NeMe von der Firma Pohl, Alt- Bovliagen M, am 9. d. M. im Alter von öS Jahren verstorben ist, Die Beerdigung findet am Donnerstag den t-t, März, nachmittags 3>/z Uhr, von der Leichenhalle' des Mar- kus-Kirchho-es in Wilhelms- berg aus statt. Ferner starb unser Kollege, der Droschkensührer Als Zejmeiller von der Firma Mertens, Berlin, Langcstr. 80, am 9. d, M. im Alter von 49 Jahren. Die Beerdigung findet am Mittwoch, den 43. März. nachmittags 3 Uhr, von der Leichenballe des Lichten- bcrger Gemcindc-Friedhojes in Marzahn aus statt. Rachruf e. Ferner starb unser Kollege, der Industriearbeiter Otto Rank tarn 6. d. M. im Alter von 1 18 Jahren. Ferner starb unser Kollege, I der Droschkcnsührer Schaeiicke von der Firma iöardelt, Berlin, Neue Hochstr. 39, I am 7. d. M. im Aller von 1 63 Jahren. 19/1 Ehre ist rem Andenken l vis lZerirstsvervattung. vcutscbep Buchbinkki'-- verband. (Zahlstelle Berlin.) Den Mitgliedern die trau- rige Nachricht, dag unser Kollege friiz Lüdieke am 10. März d. I. in der Heilstätte Sommerfeld ge- itorbe» ist. Ehre seinem Andenke«! Die Beerdigung ersolgt am Donnerstag, den 14. 3., nachm. �/zö Uhr, von der Heilstätte inTommcrseld aus. 29/8 Die Ortsverwaltung. Effiaj Verband der Gast- und | Sdianliwirtc Deutkblands. Zahlstelle Berlin. Den.Kollegen zur Nach- | richt. daß unser Mitglied •JoKsnn Gnadt Swinemünder Straße, Bezirk 2, 151/14 I am 9. März verstorben ist. � Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet heute I Mittwoch, den 13. d. M., I nachmittags 4 Uhr, von der I Leichenhalle des Freircli- I giösen Friedhojes, Pappel- I allee 15—17, aus statt. Um rege Beteiligung ersucht Tie Ortsticrwaltung.■ Am Sonnabend. den 9. März, früh 4s/4 Uhr, ist mein lieber Gatte, unser lieber Vater und Großvater, der Buchbindcr-Wertsührer Guxv Feuerhack nach langem schweren Leiden im last vollendeten 65. Lc- benSjahre sansr entschlafen. Dies zeigen tiesbctrübt an Emilie Fenerstack. ötichard Fcuerhack nebst Kindern, Elsbeth Grünberg geb. feaerhaelc ncbst Fa- milic, Erich UenerHack nebst Gattin. Die Beerdigung findet am 13. März, nachmittags 3 Uhr, von der Leichenhalle des Ar-cdbofes der Frcirkligivsen Gemeinde in Berlin, Pappel- allcelö— 17, auS statt. 1802b IVscIhruk. Unser lieber Freund und Kollege, der Rotations- arbeiter Willi Foppuow geb. 18. 7. 1887 welcher seit einem Gefecht am 21. Mai 1915 vcrmigt wird, ist für tot erklärt worden. Wir werden seiner stets in Ehren gedenken. 2599L Tie Kollegen der BorwärtSdruckcrci Rotation- Nachtschicht. Dcuttcljcr Metallarbeiter- Verband. Verwaltungsstelle Berim. Den Mitgliedern zurNach- ! richt, daß unser Kollege, der | Klempner Willlelm Fielilg Charlottenburg, Kantslr. 02, | am 6. März gestorben ist. Die Beerdigung findet am Mittwoch, den 13. März, nachmittags 3 Uhr, von der Leichenhalle des Südwest- Friedhofes in Stahnsdorj aus stait. Rege Beteiligung wird er- wartet. Den Mitgliedern ferner zur Nachricht, daß unser Kollege, der Schlosser Gnsiav Sehöneleli Stargarder Straße 47 am 9. März gestorben ist. Die Beerdigung findel am Mittwoch, den 13. März, nachmittags i'/2 Uhr, von der Leichenhalle des Georgen- Kirchhojcs in Weißenscc, Ziölckestraße, aus statt. Rege Beteiligung wird erwartet. 233/7 Ehre ihrem Andenken! Die Ortsverwaltung. DanKlaguug. Für die zahlreichen Beweise der Teilnahme gelegentlich der Beerdigung unseres— nach fast vierzigjähriger Tätigkeit für die Sache des Proletariats als Opfer verstorbenen— Vaters, Schwieger- und Großvaters, des MaurerS 2521 Wilhelm Kiebke sprechen allen Beteiligten, ins- besondere auch dem Genossen Kuttncr für den warm cmofun- denen Nachruf unseren innigsten Dank aus. P. Niebke. zurzeit im Felde. Anna Riebke. J-riedwart Riebke. idauksag-nng. Da�es mir nninöglich ist, jedem ein- zelnen die Hand zum Dank zu reichen, so sage ich allen, die meinem lieben Mann, dem Sattler Heinrieh R inke, die letzte Ehre erwiesen haben, besonders den Kolleginnen und .Kollegen der Firma K. Nein- Hardt, Cöpenicker Straße Iva, nieinen herzlichsten Dank. �ranaisha Linke geb. Lubritz nebstKmdcrn.stallschreibcrstr.7. MMW Die ßMWWsl vergrößert ihre Pjlanzungen zum Frühjahr auf das Doppelte, und nimnil jetzt weitere Mit« gticdcr als » lelfilkülltK mit Anteilen zu 100 M., zu 300«»}., zu 300 M. und bis zu 1000 M. aus. Kriegs- auleihe wird zum vollen Nenn- wert in Zahlung genommen. DaS Gemüse wird in unseren Mnimmim an die Mitglieder billig abgege- ben, bei völliger AnSschaltnng des Grost- und Klein- Zwischenstandels. Der Go- winnnbrrschust wird als Divi- dcnde.an die Mitglieder verteilt. Die alten Mitglieder sind mit Wintcrgcmiise reichlich versorgt worden. Die jetzt neu bei- tretenden Mitglieder sind be- rcchligt, schon all der ersten Vcrlciluiig von Fruhgcmüie teilzunehmen.— Aufnahme neuer Mitglieder findet statt im Laden Petersburgerstr. Ra: Montags. Mittwochs, Freitags 9—12 und 4— 7, außerdem Sonntags 11— 1. Ferner im Laden Kopenhagenerstr. 4: Dienstags, Donnerstags, Sonn- abends 3— 12 u. 3—6 und Sonn- tags 8—10. Ferner täglich im Vcrwaltililgsbiirea»: Burg- strastr 37 III, Zimmer 76 (gegenüber Zirkus Busch).* Spezialarzi Dr. med. Woekenfuß Frieilriolistr.�Ssprechstn-i�s fürSyphilis, Harn-u.Frauenleiden Blutuntersuchungen. Schnelle, sichere, schmerzlose Heilung ohne Berufsstörung. Teilzahlung Persianrr Klaue, lescho Aufmachung-, »■4 lang UOÜ. 773, WO, fpbleamäutol Vi lang 105i,, 875, 790,—. GummimäDtel! ßelden-GummimäntcI, ioso GJockenfonn, reizende Farbensteil ungea 210, 185, 105, 133,-. Kamm�nm-Kostiime, beste Stolfe 425, 306, 275, 246. Phantasie-Kostüme 225, 105, 172, 140,- Pelzmäntel? Plüsclimäntel! 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M 1 KcmpottscIiOssel Terscliicdcnc F ormen, reiches Pressmnster riereokig oder rnnd, Pressmuster 95 pt □OEP 3 Kinderbecher 1�,»°.. 95 3 Oewürzdosen 95 p«- 1 Teekanne S?!. 95 2 Tassen �n!w*™en; 95 p«. IMarme- ladendose 95 pi. W?/ IBiumenvase schweres "Pressmnster 95 pi. 1 Messerkasfen Direktion Max iteinhnrdt. HcufKche« Tlipatcr. * Uhr: Macht der Finsternis. Kninmcp(i|>icle, y*/, Uhr; Kinder der Freude. Volksbühne. Theater am Bülowplati. Untorgrandb. Schönh. Tor. > Ihr; Hanncles Himmelfahrt. Uir.C. Meinhard— R. Bernauer. Theater k, Königgrätzerstr. 7": Die Heiden auf Heigeiand. Komödienhaus 8 U.: Die SfraSe nach Stoinaych. BerHnerTheater 7 Uhr: Blltssblane«»»Inf URAIfilA N'ohm. 4 Uhr(Imlbo Preise): Der Sisgestug nach Venolien. 8 Uhr: Wissenschaftl. Verein. Gehoimrst Orlich(Berlin): Die lechn. nnwendungen eleklr. Slröma In Gasen und Dämpfen. 8 Uhr: Dr. W. Borndt: lieber seelische Fähigkeilen bei Tieren. Heiste Uraufführung!| ITäg-l. T'/j. Sonnt. 7'/, Pers. Auftr. Paul Heidemann in der Klm-Operotte .Paulchens Badcabonteucr" | ii i'i;]-- Tin.;"?.l:ir/- lJro;rr. '„C,...Mi vWMM Theater für Mittwoch, 13. März. Contrnl-TIioator Kommandantsnstraßo 57. Ucufsiriiosi OpornhnjiK vi.J.lüsl. Weiber v. Winds. Friedrich-W itbelmst. Theater I Cllli T'/jUhr; bäS Kleines Theater TV- Uhr: Keilte. KontiHche»»per 71z u.: Scbwafzwaidmäilel. Sonnab.S1/,.: Schwarzwaldmädel I.iiHltipielhanfs l'l, tibi: Die blonden Mädels v. Liniisnliol Neues Operettenhaus Bchiftbd. 4a. Knnscnt. Kd.261 Tv.uhrJerSoldatderMarie. Metropol-Theater TOr; Biete von StanM IIOBirlcnz-TheatPr �m.r: Ber junge Zar. Schilie-r-Tbeafor« 71/; Uhr: �1,��!' WW. Schillor-Th.(Ihnrl. -v.tnir: Hopleni'ätbs Erben. Thnlia-Theatnp ui'r4: Egon iiml seine Frauen. Theater am Nollendorfplatz 3'/, Uhr: Dar Troubadour. 7 Uhr; Theatftr dew Worten» Tv.uhr: Oer verliebte ßepzog mit Guido Thielsoher. N ATSON AL=THEATER Cöpenicltcr Sfr. 68. Täglich: Deutsch-Amerik. Th. Sie ist richtig!... Tluulk von Walter»»roiiinic. !!! Größter Lacheriolg!!! Sonntag"'ilL: Sliidentenlicbchen.\ Proisc: 1.50-8 M. Rose-Theater. VI, U8r: Eine Waise. Walhalla-Theater. D'MUjr: Älinicl imb Krcfel. uvmc Das Masikanfentlopf. Yoigl-Thealer. Badstr. SB. Badstr. 58 Mittwoch U/s 11 Ov: filuttcrlcgen. TonncvSlag l'l, NHr: .HutfcrKoarcn, Berliner Konzerthaus Jlaueratralio£2. Zimraerstralio 90/01. Heute: Großes Konzert des Berliner Konzerthaus-Orchesters. Leiter: Komponist Franz von Blon. Anhing 7'/, Uhr. Eintritt 30 Pf. Anfang 7V» Uhr. h'roitag, don 15, März: Gr. Wohltätigkcits-Konzert zum Boston dor freiwilligen Sanitätsholonnc vom Boten Kreuz Berlin. ßmth Aufsehen erregt täglich daS Phänomen des Magen- lrainingS Max Wilion, welcher v. ersten Prosessoren als ein medizinisches Räisel bezeichnet wurde; derselbe verschlingt Fische, Frösche. Wasserschlan- gen dutzendweise, ijji, irintt, raucht und bring! sedan» nach SD Min. dieselben wieder lebend u. sauber z. Vorschein. Diö seböne Greolin Jenny Suleika u. Partnerin. Tttrkfoche Fakire u Vnlkanmcnschea I usw. usw. Zum Schlug: Phantastlsoho Pantomime Mondfahrt. M Kaffee H Luitpold ülotscstraße 15. Täglich: Kabarett Danny Gürtler 13 der König der Boheme Ina Marcelle, Max Ree, Molly Morley, Leo Führmann. Kapelle Ctyroky. Ärzt l»r. med. Ilaschd, Friedrictistr.aO BedandL vonÄYVhilis. Hank» Hnrn-, Frauenleiden, spez,: Äron. Fälle. Schmerzlose, fürzeste Behandlg. oone Berussstörung. Blutuniersuchung. Matz. Preise. Teilzahlung. Sprechstunden 1D bis 1 und 5— 8. Sonnt. 11— 1. StUawKatr Priedrichstr. 165. Ecke BehrenstraCe. Glaire Waldoff Willi Prager Milda Breiten Mizzi Dressl u. das hervorragen de M ärz-Pr o gram in. Apollo| Friedrichstr. 218. 7'/. j Der PHca/er' von Tslnjjtan 1 sowie die verblüffenden 1 1 Variete-Attraktionen. | Theatorkasse ab 10 U.| ununterbr. geöffnet. Casino-Theater lothringer Sir. 37. Tägl.'s, 8 U. Nur noch bis inft.'-'0. Stürz; Hamsterfritze und da« noue Märzprogramm. Donnerst., 21. März. z. 1. Male: Annas Traum. 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Man könnte in Zeiten dieies Kriege? eher Bürgerinnen« steig sagen, denn eine lange, schwarze Reibe von Frauen steht da. wie draußen im Forst eine mitlelhohe Reibe trauriaer Tannen. Auch ebenso schwarz wie die Tannen draußen und die Köpie geneigt von den Laste» des Winters; und manches Haupt trägt den Schnee des LebenswintcrS. Spötter haben dielen wartenden Frauenreiben die Bezeiidnung Polonäse angebängt. aber es fehlt doch die Musik dazu. All das Warten gilt heute einem Fischgeschäft, das in einer Nebenstraße liegt mit geheimnisvoll hcruntergelasienen Borbängen. Aber heute meldet kein Plakat hinter der Scheibe:«Geschlossen wegen Mangel an Ware I* Dieses Geschäft heute mit seinen ge- heimnisvollen Vorhängen, dieie Erwartung, dieses Raten aller: was mag im Fenster liegen an schönen Waren? könnte in Konkurrenz treten mit einem kecken, jungen Frauenzimmerchen, das auf irgend- einer Bübnc zotige Sachen erzählt und leise, indiskret das Röckchen hebt, damit seidene Spitzen hervorlugen, die die Phantasie erregen. Hier will nur beule niemand seidene Spitzen scben, hier in dieser ärmlichen Nebenstraße und in dieser Zeit der Papierstoffe und Holzkchube. Und daS schlimmste ist es fängt noch an zu regnen: Regen und kapute Schuhe— e? sind zwei Pole, die sich abstoßen, und übrig bleibt ein Schnupfen, der blutarmen Leuten überhaupt nicht bekommt... Da, hatte sich nicht eben der Vorbang des Fenster? gerührt? Die ganze Menge der Frauen gerät in Spannung. Die preußische stramme Haltung zieht ein und die Gesichter werden feierlich beim Gedanken an Spickaol und Oelfardinen. Aber nein I e? ist erst drei Uhr und um vier Uhr öffnet der Krösus erst feine Bude und den geheimnisvollen Vorhang. Vorne an der Spitze der Wartenden hat eine noch verdächtig dick aussehende Alte Posten gefaßt. Sic hat eine Bank unter dem Arm, kann aber das Ding nicht praktisch benutzen in der«drang- voll-fürchterlichen Enge'. Von hinten ruft eine Frau:«Die Olle da ist immer zuerst, man kann hinkommen, wo man will.' „Tet is doch meine Sache! Wer zuerst kommt, malt zuerst, so war't schon auf die alte Humboldtmühle.' «Du hast recht, Mütterken', sagte schelmisch ein blutjunger Mann. «Du Grünschnabel', erwiderte die Alte,«mache dette nach Flandern kommst, mein Sohlt liegt schonst zwei Jahre im Granat- trichter.' Mittlerweile kommt die Politik an die Reih«. Vorne die Alte ist wieder die führend« Persönlichkeit:«Die Ukrajäner sind doch die einzigen Menschen, dre Verständnis für uns haben. Getreide sollen wir bekommen und fette Schweine.' Sie schmetzt mit Behagen aui die Speckseiten, die kommen sollen, und meint dann, ja, die vier- deenigen Schweine sind bei uns schon eine Seltenheit....' Von der anderen Straßenseite kommt ein alter, behäbiger Herr. Die Alte legt sich geheimnisvoll den Finger an den Mund und zischelt: «Seht man den da, vor'm Kriege hat er keene fünf Groschen ge- habt und heute hat die Ulle Diamanten und Perlen, eene Sechs- zimmerwohnung mit'n Dienstmächen und een Klavier dazu, wo sie garnicht spieleri kann. Und eenen«echten Tizian' hat er gekooft, hat die Ulle erzählt.'—«Eenen Tizian?" fragen viele Stimmen. «Oder ist et een echter Bisam?' Verbeffert sich die Alte,«so wat äbnlichet ist. et.' Hinten ruft eine Stimme:«Die Zigarren Ionen ja hdule auch siebzig, die er mit einem Sechser einge- kauft hat.' .Nee', sagte der alte Herr, der inzwischen näher gekommen ist. «sie kosten sogar achtzig bis eenen Märker, wat sagst denn nu? Und im Abfeordnetenhaus Hab' ick neulich zwce Stimmen dafür. be- kommen, iür den Besitz, versteh'n Se, for de Bildung will ick gar keene mebr-chaben." Hoffentlich hält der Unterausschuß, wat der Hauptausschuß versprochen hat— denn meine Zigarren waren ja ooch bloß«llsschikß�... Und wat stehen Se denn alle hier, et jibt ja doch keene Spickaale.' Tie Menge machte sich luffig über den Herrn, der zu frei von seinen Gewinnen erzählte. Und als er abichob, rief man ihm nach:.Geh' man zu Hause und spiel bei der Ollen am neuen Klgvier...' Ein Schutzmann hatte sich angezogen gekühlt und kommt strammen Stvritles daher. Die Alte an der Spitze fragt:«Na. Wachtmeisterken. haben Sie auch eeu Ding abgekricht?' Der denkt an icharfe Revolver und Krawalle.«Ick meene.' sagt die Alte,«ob Se nich een Pfund Speck haben gekricht, Se haben doch ooch nich gestreikt. Meine Tochter bei de Große Berliner bat een Pfund gekricht, ungelogen eene Hand breit hoch. Se hat nich gestreikt, hat auch nicht qefabren, sondern war krank und is gleich gesund ge- worden. ES fehlt nur an Fett.' «Ja, ja,' seufzt der Schutzmann,«un? fehlt nur Fett und Dl- kobol und bald ein Paar neue Hosen.'—«Und ein Paar Holz- klotzen,' Verbeffert die Alte,«dann wird endlich'mal Frieden werden.' Die ganze Reihe der Frauen seufzte...«Frieden'. Ueber dem Laden in der ersten Etage öffnet sich ein Fenster und ein volle?, yestindes Gesicht ichant heraus. In dem dicken Ge- »cht. ist in der Mitte eine große Oeffnung und ans dieser Ocffrning dringt eine Grammophonstimme nach unten:«Kinder, wat wollt ihr alle da unten, ihr holt euch nur kalte Beene. Die Spickaale schwimmen im Ozean und die Oelfardinen find noch in Norwegen. Et gibt so wenig Blech.' ..Blech wollen wir ja nicht!' schallt cS ibm von unten entgegen. Er säbri fort:«Die Heringe lieaen alle auf Eis. der Krieg dauert noch sieben Jahre, und da müssen wir bannig sparen. Bei jeder Fis.hgei'ellichajt liegt ein Hering aus'n Eis, und nu kommt det letzte Berliner Hotel unter die Kriegsgesellichasten, aber Klubsessel gibt et keine nich mehr. Nu wißt ibr allens; seid ihr satt?' Der Händler oben läßt eine kleine Kunstpause eintreten und fährt dann fort: Sie können aber auch warten, ick Hab einen neuen Artikel da.'— «Man keene Gummi«artikel'. die find verboten. Der Schutz- mann wird auf der Stelle vorschriftsmäßig rot und sagt:»Pst, das ist verboten, jede Anpreisung!' «Na, ich kann doch wohl meine Fischbutter anpreisen,' schallt eS ihm von oben entgegen. «Bitte schön, Herr Nachbar, aber spucken Sie unS nicht auf den Kopf!' Ein Raunen, ein Raten und Fragen ging durch die Menge. Es gab Wogen, Wellen wie auf dem Landwehrkanal, wenn von oben ei» Knirvs einen Siein niedcrplumsen läßt. Der Schutzmann ermahnt die Frauen zur Ruhe, st« würden alle herankommen, sollten nicht drängen, und überhaupt nach der Fisch- buttcr.... Eine Frau sieht durch den Schlitz des Fenstervorhanges und liest halblaut:«Fiichklöße, Pudding, Muscheln in Weingelee' und zu- letzt mit Kopfschüttelu«Schusternäqel in Mostrichsauce' und als Stempel aus das Gesagte:„alles Schwindel I' Und nun kommt endlich der Herr Ladenbefitzer. Nachdem er seinen Laden geöffnet, hängt er ins Fenster ein großes Plakat mit der Ausschrift:«Frische Fischbutter aus Norwegen.' Als erste ging die resolute Alte von vorne in den Laden. MS sie, auf den Ladentisch gestützt, in die Schüssel mit der Fischbutter stierte, nabm ihr Gesicht eine andere Färbung an. Draußen ver- dunkelte sich der Himmel und alle Gesichter, die zwei Stunden ge- waitet batten, wurden nickt heller. Und als die Alte zurückkam, hielt sie ein Papier hoch und ein Klumpen undefinierbar Graues kreiste in der Luit. Hoch wie zur Drohung schwang die Alte die Fischbutter und rief voll Empörung: Wir Deutsche fürchten nur Gott und die Norweger._ B. P. vis Mgegenwart ües Eisens. So unendlich wichtig das Eisen für unsere gesamte Kultur ge- worden ist, so wenig pflegt fich der Unberufene darum zu kümmern, woher denn eigentlich dieses Metall immer von neuem in ver- wendungssähigem Zustand in die Hände der Menschen gelangt. Die wenigsten wissen, daß eS sich bnchsläbhch überall befindet. 5 Proz. unierer Eidrinde sind reines Eisen, obzwar es nur an einem ein« zigen Ort der Welt als eigentliches Metall aufgefunden wird. Dieser Ort ist die Insel Disco aus Grönland, wo dio Lager offen zutage liegen und ausgebeutet werden, indem man daS Metall einlach ver- lädt und iortjührt. Die Hochosenbearbeitung besorgte dort ein Kohlenflöz, daS auf dem natürlichen Wege der Reduktion das Eisen aus dem Verband deS Basalles, in dem es auch sonst meistens gefunden wird, ausschied. Freilich kann eine solche Ausscheidung nur äußerst langsam von statten gehen, aber die großen und immer währenden Umwand- lungen der Erde waren noch nie an Jahre oder Jahrhundert« ge« bunden. Sonst findet fich das Eisen fast in allen Mineralien und Ge- steinen. Wo Felsen oder Erden in roien, gelben oder schwarzen Fürben oder Tönungen ans Tageslicht treten, ist stets Erienerz in ziemlicher Menge vorbanden. Wir hoben uns heute ge- wo Hut, jede Verbindung dieses Metalls zu seiner Gewinnung zu be- nützen. Unsere Vorfahren beschränkten fich fast hauptsächlich- auf Rasen- Eisenerz, das fich in Folg« feines reichen PhoSghorgehaltes ganz besonders zum Schmieden eignet. Aber nicht nur die anoganische Welt ist liebevoll von Eisenerzen durchsetzt. auch die organische kann seiner nicht entbehren. AuS Acker- und Gartenerde nehmen es unsere Nutzpflanzen zu sich, denn ohne Eisen gibt eS kein Blattgrün. Das stundenweite Laubdach der Wälder, selbst der magere Grund von Heide und Moor wäre nickt imstande zu atmen, wen» ihnen das Eisen fehlte. Daß wir dem Gemüse und den Früchten für unseren Körper Nährstoffe entziehen, haben wir der Gegenwart des Eltens zu danken. Wir esien Blattgrün, weil eS eiweißhaltig ist. und mit unS esien es direkt oder indirekt auch die Tiere. Das Ersen, das wir in jedem Nahrungsmittel, im Trink- waffer und besonders in Stahlquellen in uns aufnehmen, kreist weiter in unserem Blut. Eisenoxydalion ist es, was unter dem Namen des Hämoglobin« unserem Bluie die Farbe verleiht. Denn wie keine Pflanze obne Eisen zu atmen vermag, so müssen auch wir eS zu diesem Zweck zu Hilfe rufen. Das Eisen in unserem Blute ist eS. das den unentbehrlichen Sauerstoff aus der Lust an sich reißt und durch unseren Körper trägt. 3.1 bis 3.3 Gramm Eisen enthält da? Blut eines Menschen,»nd die tägliche AuS- sckeidung von einigen Milligramm muß durch die Nahrungsaufnahme stets wieder ersetzt werden. Von unserem Körper gerät daS Eisen wiederum in die Erde. in der lein ewiger Kreislauf von neuem beginnt. Wie oft mag so ein Körnchen die anorganiiche und oiganiscke Welt durchlaufen, machtlos und dem unabänderlichen Gesetz der Dinge gehorchend. Neberall aber ist eS dem Mensrven zugänglich, wird von ihm er- beutet, umgewandelt, in tausend Formen gegossen und endlich wieder in sein Blut aufgenommen. Und überall und in jeder Phase ist es unentbehrlich und veränderlich. ,vas Musikantentorf*. (Erstaufführung im Walhalla- Theater.) Schon der Titel dieser neuesten von Johanna Sakzmann und Benedikt L a ch m a n n herrührenden Operette mit der Musik von Walter Mortier verbeißt eine, vulgäre Handlung. Diese Vermulung trifft auch zu. Die Handwerker und Gewerbetreibenden eines unweit von Wien gelegenen Dorfes, dem diesmal die Sommer- frischler fehlen, haben sich zu einer Musikkapelle zusammengetan, um im Umherztehen von Ort zu Ort Geld zu verdienen. In Abwesenheit der Männer übernehmen die Frauen deren Ver- richtungen, wobei mancherlei drollige Dinge sich begeben. Im übrigen spielen die Hauptvorgänge zwischen Land und Großstadt: naivderbe Dörfler machen zeitweilig unfreiwillig den.Stadifrack', und Wiener mimen in Janker und .Krachledernen' den.G'scheerten' oder«Landrammel'. Das gibt abermals allerhand Situationskomik, die zum Lachen beraussoldert. Daß das Ganze eigentlich eine Wanderung durch die Wiener Operelten und Gcsangsposseu dartut. daß insbesondere der Mittelakt Hellbergers übrigens öfter ausgeschlachtetem«Opern- ball' verteufelt ähnlich steht, ist vielleicht— eine Garantie für die sickere Wirkung. Läßt stch der Musik auch nickt mehr als Alltags- wert zuiprecken— denn die Partitur enihält mancherlei triviale Bönkelsängerei— eins hat sie dock: Sangbarkeit und wienerische Frohkebigkeit. Fehlt nur noch, daß da« Ding ernsthafter studiert wird, damit mehr Farbigleit und flüssigere Beweglichkeit hinein- kommt; denn an bewährten Operettenkräften. als da sind: Johannes Müller, die Damen v. Arvah und v. Dombrowska. Viktor Janfon, Max Steidl und Leopold Coßmann, mangelt es wahrlich nicht. � Notizen. — Kunstchronik. Die Kunsthandkimg Fritz G u r kk t t, Potsdamer Str. 118, Villa II, eröffnet am Freitag ihre März-AuS- stellung, in der Porträts des>8. und 19. Jahrhunderts, sowie eine Kollektion von Bildern von E. v. Aigner, Sagau gezeigt werden. — Ueber den deutschen Sprach g eist spricht Prof. W. Spletistößer am Sonnabend, S Uhr, im Bürgersaal deS Rathauses für die Humboldt-Alodemie Freie Hochschule. — Der Wunderdoktor. In der.Jugend' lese«»ir: Die Nachmusterung brockte nicht die allerschönsten McmnSbtkder Vor de» ärztlichen Rrrbterstu.hl. Aver der Richter war gütig, sah an den kleinen Mängeln vor» bei. legte seine Hand auf schiefe Schultern nnd lobte den ganze« Nachlaß in die Kasernen hinein. Auch den kleinen dicken Chemiker mit seinen gestapelten Gckön- beitssehlern..Ah,' sagte der Mann begeistert,«das ist was ganz Erhebende«. Das ist wie bei uniern Herrn Jesu« ChnstuS: er legi Dir die Hand auf, und Du bist gesund mein Sohn!' ritr Siehe: eS wurde auch der Kollege mit dem akten Herzleiden gesund gesprochen. Mußte er nicht über'? ganze Geficht strahlen?»Ach, Herr Doktor, wenn Sie mir das schriftlich geben könnten l' »Schrlstlich??' »Ja. ich bin seit sieben Jahren in Behandlung— ich werde dem Pftitcher einen wundervollen Prozeß anhängen.' sq Töchter öer hekuba. Ein Roman aus unserer Zeit von Clara Viebig. Es gab der Widrigkeiten genug. Nicht die kleinste Schwierigkeit lag in dem Verkehr mit den Käufern. Was hatten die Frauen doch immer zu klagen! Nun standen sie schon wieder ein, zwei Stunden und länger, und waren noch immer nickt daran, und zu Hause schrien die Kinder, und das Esten sollte gekocht werden und Gott weiß was noch ge- schafft, und hatte man sich dann müde und matt in der Schwüle gestanden und kam endlich an die Reihe, dann wurde man noch angelassen, wenn man sich einen Augenblick überlegte, was man denn eigentlich hatte haben wollen. Die Kassiererin war auch gleich umvirsch: konnten sie denn nicht mehr zusammenrechnen? Zwei mal zwei machte doch vier und nicht fünf. Man war gegenseitig unzufrieden mit- einander. „Geduld, wir müssen Geduld haben!' Hermine von Voigt seufzte. Es war oft schwer, das Geduldhaben, waren die Damen, die den Verkauf übernommen hatten, doch selber manches Mal müde zum Umsinken, die Füße taten weh und wurde» kalt auf dem Kellersteinboden des Verkaufsraums, während der Kopf glühte, benommen durch die beklemmende Ausdünstung von Waren und Menschen. Aber Geduld l Es war Krieg, und dieser Krieg bedeutete: Geduld haben. „Wir dürfen nicht ungeduldig werden, wir nicht,' sagte ermutigend Frau von Voigt.„Kinder, hört doch einmal auf mit eurem Murren. Was sollte bloß werden, wenn's euren Männern draußen auch zuviel würde?!" „Denen is's schon längst zuviel!" rief eine Stimme keck. Die Vordersten lachten dazu, die anderen murmelten zu- stimmend:„Die wollen ooch nich mehr I" „Das ist nicht wahr!" Die Gencralin reckte sich, sie blickte über die Köpfe weg nach der Ecke, aus der die kecke Stimme gekommen war.„Traurig genug, wenn einer nicht mehr mag— es kommt aber nur daher, weil er nicht kann. Aber ihr, ihr könnt noch. Ihr habt noch nicht Jahr und Tag im Schützengraben gelegen, ihr habt noch nicht dem Trommelfeuer standgehalten. Ihr habt euch noch alle Abend in euer Bett legen können. Ihr könnt euch noch waschen und die Kleider wechseln, euch frißt das Ungeziefer nichch Ihr seht noch alle Morgen die liebe Sonne. WaS das heißen will! Und wenn euch mal was quer geht, und wenn ihr hier'n bißchen länger stehen müßt, dann wollt ihr gleich aufbegehren? Schämt euch!' „Es geht uns auch dreckig", sagte eine. Sie stand dicht vor Frau von Voigt und sah ihr ins Gesicht; nicht frech, ganz ruhig. Und es klang auch nicht frech:»WaS glauben Sie wohl, meine Dame, was schwerer is? Im Schützen- graben liegen oder hier so drinne sitzen, daß man überhaupt kein Ende von absieht? So einer weiß doch: nu kommt gleich'ne Granate und denn bin ich weg, weiß selber nich wie. Aber wir—? Warten, immer warten!'s kann noch 'n halbes Jahr dauern, vielleicht auch noch ein Jahr; keiner weiß, wann Ende is." Es zuckte in ihrem Gesicht, ihre ruhige Stimme wurde plötzlich heftiger:„DaS is zum Verzweifeln I Wozu denn Krieg? Was haben wir getan, wir Frauen, dio Kinder, daß wir hungern müssen? I Mein Aeltcster is bei Jpern gefallen, mein Mann is noch draußen, es iS mir nich so schwer, als wenn meine Kleinste abends so weint, und ich se nich satt geben kann l' Nicht satt? l Hermtne von Voigt starrte daS blasse Weib an. dem die dunklen graudurchschossenen Haarsträhnen finster in die Stirn hingen, Sie war nicht imstande, etwas zu er- widern. Die Blasse bekam daS Viertelpfund Haferstocken auf ein Attest für ihr krankes Kind und ging; ohne Gruß. „Die weiß nur nich, was sich gehört, gnädige Frau," sagte Minka Dömbrowski, die jetzt an die Reihe kam,„Se meint das nicht so schlimm." Ihre einschmeichelnde Stimme war eine reine Wohltat. Und es tat auch wohl, ihr freundliches Geficht zu sehen. Aber so hübsch wie früher war das auch nicht mehr, weniger rund und nicht mehr so blühend. Sie hatte gleich die Karten vom ganzen Haus mit— sieben Parteien— sie holte für alle. Es war eine lange Ausein- anderrechnerei, eine umständliche Abfertigung; sie mußte jedes für jeden besonders haben, und dabei schwatzte sie. Es tat ihr zu leid, daß sie die gnädige Frau so bemühen mußte. Das gnädige Damchen sollte nur nicht verdrießlich werden. Aber sie hätte es der Nachbarin auf dem Flur nicht gut abschlagen können, die hatte den kranken Vater, den konnte sie nicht allein liegen lassen. Und das Fräulein, die Lehrerin, war in der Schule. Und die junge Frau unten lag in Wochen. Und die alte Frau daneben konnte nicht stehen wegen der Gicht. Und wenn die Leute ihre kleinen Kinder schickten, so wurden die immer hiiitenan gedrängt und kamen überhaupt nicht mehr nach Hause.' „Na. wird's nu bald?" sagte eine ungeduldig.„Sie denken wohl ooch, Sie haben'S hier alleene jepachtet. Man voran!" Die Dombrowssi wandte sich empört um:„Schubsen Se doch nich so I" „Ich schubse ja sar nicht l'. »Doch schubsen Sei" »Sie sind ja verrickt!� »Nee Sie I" »Rllhe, ich bitte um Ruhe!" Die Generalin erhob die Stimnie: das ging nicht an, daß hier gezankt wurde. Die beiden Weiber maßen sich mit drohenden Blicken. Eine allgemeine Reizbarkeit zitterte in der Luft. So war daS früher nie gewesen; da hatte man sich leicht verständigt— eine kleine Änzüglichkeit. ein derber Scherz— es wurde ge- lacht und alles war wieder gut. Jetzt schien auch hier innen kein Friede werden zu wollen. »Aber Frau DombroivSki!' Dte Generalin kannte sie von früher her als eine gutmütige, leidliche Person, aber jetzt schien auch sie nicht Vernunft annehmen zu wollen. Ihre schwarzen Augen suntetten, ihre Nasenflügel bebten, sie atmete rasch. „Die drängelt doch so— au! Lassen Sie doch— WaS, kneifen? Unterstehn Se sich!" Die Gegnerin lachte höhnisch:»So'ne! Will sich noch mausig machen, so'ne!" Da kreischte die Dombrowski auf. ES wäre zu Hand- greiflichkeiten gekommen, hätten die Nächststehendcn die beiden nicht auseinandergedrängt. Jede hatte ihre Anhängerinnen und Verteidigerinnen. Minka Dombrowski weinte. Da stand sie nun, den hübslyen Kopf gesenkt, an jedem Arm einen Korb, beladen mit den sieben Sachen für das ganze Haus. überströmt von Tränen. Oh, daß sie sich so behandeln lassen mußte! Und sie tat doch niemandem was zu leide, und sie hatte den Mann im Feld— ach, ihren guten Mann I— und keinen sonst, der für sie sorgte l— Sortf. folgt.) Verkäufe P«lzgar«Ituren aller Art, jetzt zu herabgesetzten Preisen! Nene Herrenanzüge. Ubren- verkauf, Stlbertaschen, Ein- segnnngsgcschenke! Leihhaus, Warsthauerstrabe 7.* Holzriider 50», 45-, 40-, 35-, 30er Leiterwagen(eigenes Fabrikat), Klappsportwagen, Lieferwagen. Alle Oieparaniren an Korb- und Kinderwagen. Korbinacher Weidlich, vrniiiien- straße 00.(Firma achten!) ________ 120K* Forel, Prof/ Ä., Die sexuelle Frage. 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Direktor im ReichZwirtschaftsamt Müller: Der Reichskommistar für Kohlenversorgung hat sich keineswegs gegen die Rationierung der Kohlen, sondern nur gegen die öffentliche Bewirt- schaftung gewendet. Für einen schrankenlosen freien Kohlenhandel hat der Reichskommistar sich nicht ausgesprochen. Abg. Gcper(Unabh. Soz.) beschwert sich über eine V e r- schärfung der Vorzensur, da zur Ausfuhr bestimmte Zeit- schriften schon 24 Stunden vor der Ausgabe im Original oder Um- druck eingereicht werden müssen. Major van der Berg: Es handelt sich hier um eine neue Rege- lung. die im Interesse der Zeitschriften selbst liegt. Abg. Schees(Vp.) fragt, ob der Wunsch der kleinen'Landleute, dasi ihnen für das sehlende Brotgetreide eine entsprechende Menge selbsterzeugter Gerste belassen werden möge, erfüllt werden könne. Unterstaatssekretär v. Braun: Es ist nicht möglich, diesen Wunsch zu erfüllen. Abg. Nhlig(Soz.) lenkt die Aufmerksamkeit auf ein vertrau- lickies Schreiben des Reichsverbandes für Herren- und Knaben- bekleidung, nachdem die Reichsbekleidungsstelle dem großen Mangel an Obcrkleidung für die minderbemittelte Bevölkerung da- durch abhelfen will, daß an Stelle der Beschlagnahme den Detail- geschäften die Verpflichtung zur Lieferung von Lö 000 Anzügen auferlegt ist, wobei ihnen gestattet sei, auf de» Fakturen- oder E-"standswert dieser Rotstandsklcidung Zuschläge bis zu 53 Prozent zu erheben. Es bedeutet dies eine ungeheuerliche Verteuerung der Notstandskleidung für die minderbemittelte Bevölkerung. Direktor im Reichswirtschaftsamt Müller: Das Rundschreiben des genannten Verbandes entspricht nicht den Tatsachen. Den Fakturenzuschlag in Höhe von 53 Proz. hat der Verband be- ansprucht, er ist ihm aber nicht bewilligt worden. In dieser Höhe gilt er nur für Anzüge aus Stoffen, die noch aus Friedens- zeiten stammen. Im übrigen sind die Preisforderungen des Ver- baiches sehr wesentlich herabgesetzt worden. Abg. Taubadcl(Soz.) wünscht Abhilfe gegen eine Anordnung des stellvertretenden Generalkommandos des 5. Armeekorps, wo- nach Bestimmungen des Gesetzes über den Vaterländischen H i l f s d i e n st auch für jugendliche männliche Personen im Alter von 14 bis 17 Jahren Anwendung finden sollen. Major v. Braun: Rechtliche Bedenken gegen die Verordnung, die auf Grund des Gesetzes über den Belagerungszustand erlassen ist, bestehen nicht. Eine Ausdehnung des Hilfsdienstgesetzes über die untere Altersgrenze hinaus und eine zwangsweise Heran- ziehung jugendlicher Arbeiter ist nicht beabsichtigt. Abg. Kleve(natl.) beschwert sich über zu niedrige Bezahlung der Landwirte bei der Aushebung von Pferden für militärische Zwecke.* Generalmajor v. Wrisbcrg sagt ein nachträgliches Prüfen bc- anstandetcr Fälle zu. Abg. v. Gräfe(k.) rügt das Verhalten der dänischen Rettungs- gcsellschaften gegenüber dem deutschen Prisenschisf Jgotz Mendi und fragt, welche.Schritte gegen das den Grundsätzen des Völker- rechts und einer loyalen Neutralität widersprechende Verfahren der dänischen Negierung unternommen worden sind. Ein Vertreter des Auswärtigen Amts: Die deutsche Negierung ist sofort in Kopenhagen vorstellig geworden. Die Reichsregierung zweifelt nicht, das; die dänische Regierung die Freilassung der inter- nierten Mannschaft und ihre sofortige Abreise nach Deutschland oiwrduen wird. Die Neueinteilung öer Wahlkreise. Auf der Tagesordnung steht das Gesetz über die neue Z u- faulmensetzung des Reichstags und die Verhältnis- wähl in großen RcichStagswnhlkrcisen. Danach soll die Zahl der RcichStagsabgevrdnetcn von 397 auf 441 erhöht, die Zahl der Wahlkreise auf 387 vermindert werden. Die Stadtgebiete von Berlin, Breslau, Frankfurt a. M., M ü n ch e n, Dresden, Hamburg bilden je einen Wahlkreis. Ferner wer- den noch 3 große Wahlkreise durch Zusammenlegung gebildet. Diese Ricsenwahlkreisc erhalten mehrere Abgeordnete. So werden in Berlin 13 Ncichstagsabgeordnetc gewählt, im Kreise Teltow 7, in Hamburg 5, in Bochum und Leipzig je 4. in Köln, Breslau, Duisburg, Tortmund, Essen, Niederbarnim, München und Dresden je 3 und in den übrige» großen Wahlkreisen je 2. In diesen Wahlkreisen wird die Verhältniswahl eingeführt. Staatssekretär des Innern Dr. Wallraf: Die durchschnittliche Bevölkerungszahl der Wahlkreise, die nach dem Gesetz 130 333 betragen sollte, beträgt nach der letzten Volks- Zählung 133 533. Die Vorlage bringt eine Teilreform. Bei Zugrundelegung der Durchschnittszahl von 133 333 würde der Reichstag aus 733 Abgeordneten bestehen. Im allgemeinen ent- spricht die Vorlage dem früheren Beschlüsse des Reichs- tags nur mit der kleinen Aenderung, daß der Begriff der Wirt- schaftlich zusammengehörigen Gebiete nicht in die Vorlage übernommen ist, vor allem mit Rücksicht darauf, das; dieser Begriff sehr verschieden ausgelegt wird. Der Minister erörtert des ivciteren die Vorteile mrd Nachteile des P r o p o r t i o- n a l w a h l s y st e m s; feine Ausfüllungen bleiben im Zusammen- hang aus der Tribüne unverständlich. Welche politischen Folgen die Vorlage für die einzelnen Parteien mit sich bringen wird, läßt sich nicht übersehen. Das beweist schon, daß die Regierung bei ihrer Vorlage sich von rein sachlichen Beiveggründen hat leiten lassen. Ich hoffe, daß auch die Krilik nur von sachlichen Motiven ausgehen wird. Abg. K uckhoff(Z.): Die Vorlage bedeutet ein Stück Neu- o r ie n t i e r u n g. Sic ist bedingt durch die gewaltige Vermehrung der Bevölkerung in den grösiindustricllen Wahlkreisen. Wir haben jetzt Wahlkreise mit 1333 333 Einwohnern. Wir bc- g r ü s; e n die Vorlage grundsätzlich. Eine allgemeine Reform der Wahlkreiscinteilung wäre zurzeit nicht z w e ck m ä s; i g, zumal auch die letzte Volkszählung von 1913 setzt keineswegs mehr maß- gebend ist. Wir wollen die Vorlage schnell verabschieden, um Preußen ein Beispiel zu geben. Wir beantragen die Ucberweisung der Vorlage au den VerfassungSaus- s ch u ß. Abg. Dr. Gradnancr(Soz.): Die Vorlage ist zweifellos von großer Tragweite. Ich kann sie aber nicht so günstig beurteilen wie mein Vorredner. Statt einer wirklich gros; angelegten Reform bekommen wir eine Teil- rcfocm, die bepackr ist mit einer Fülle sehr fragwürdiger Besinn- mutigen. Wir haben die Ungerechtigkeit der Wahlkreiseinteilung oft genug aufgedeckt und haben auch die Verhältniswahl seit lau- gem gefordert. Insofern bedeutet die Vorlage einen Erfolg un- serer vieljährigen Bemühungen. Leider iveist sie aber einen überaus zwiespältigen Charakter auf. Einen guten und gerechten Gruudgedauken bringt sie in einer solchen Form zum Ausdruck, daß wir das Ganze nur als sehr nnznrcichcnd und unbefriedigend bezeichnen müssen.(Sehr wahr! b. d. Soz.) Eine allgemeine Reform wäre durchaus möglich. Gerade jetzt nach dem großen Erlebnis dieses Weltkrieges wäre es eine Pflicht der Reichsleitung und deS Reichstags, die volle Gleichberechtigung der deutschen Staatsbürger auch auf dem Gebiete des Reichstagswahlrechts zur Durchführung zu bringen.(Sehr gut! b. d. Soz.) England hat im Kriege eine Wahlreform großen Stils, die auch 6 Millionen der weiblichen Bevölkerung das Wahlrecht brachte, durchgeWrt. (Hört, hört?) Durch die Vorlage aber bleibt der pluralrxchAiche Charakter der Neich.stagswahlkreiseinteilung auch in Zukunft in großem Umfange erhalten. Berlin, das an Einwohnerzahl sogroß ist, wie die Provinz Ostpreußen, wird nach dem neuen Gesetz nur l3 Abgeordnete in den Reichstag entsenden können, die Pro- vinz Ostpreußen dagegen 17.(Hört, hört!) 277 Wahlkreise bleiben unter dem Durchschnitt von 163533, 62 davon haben sogar weniger als 163 330 Einwohner. Ein Wahlkreis wie Teltow mit einer Einwohnerschaft von 1315 333 erhält in Zukunft 7 Mandate; aber ebenso 7 Mandate bekommt auch der Regierungsbezirk Stettin mit nur 869 333 Einwohnern. Das Proportional- Wahlrecht will die Vorlage nicht etwa als gutes und gerechtes Prinzip, sondern lediglich als politisches A u s h i I f s m i t t e l. Die ganze Art,» wie Sie die Verhältniswahl nur für einen Teil der Großstädte einführen, hat offenbar eine Spitze gegen die Ar- bcitcrschaft.(Sehr wahr! b. d. Soz.) Da? wird ganz offenherzig in der Begründung zugegeben. So ist die Vorlage stark mit Partei- politischen Absichten belastet. Ein weiterer Uebelstand der Vorlage ist die Schädigung der Arbeiterschaft in den Wahlkreisen, von welchen indn- strielle Teile abgeschnitten und mit benachbarten Städten ver- Kunden sind. Der Verfassungsausschuß wird also ernstlich prüfen müssen, ob die Neuregelung' nicht mindestens aus alle Wahlkreise, die schon 1913 233 333 Einwohner hatten, ausgedehnt werden soll, wenn da- durch auch die Zahl der Reichstagssitze um 133 steigen sollte. In bezug auf die Wahlordnung ist zu verlangen, daß sie nicht ohne die Zustimmung des Reichstages erlassen werden darf. Das System der gebundenen Listen ist jedenfalls besser als das in der Vorlage vorgesehene, wonach jeder Wähler beliebig die Liste ändern kann. Alles in allem bedeutet die Vorlage eine Milderung des bisherigen Unrechts des Neichsiagswahlrechts gegen die großen Städte und sie führt das neue Prinzip der Verhältniswahl ein. Freilich bleibt viel altes Unrecht bestehen und neue Mängel nnd Benachtcili- gungen sind zu befürchten. Ihre endgültige Stellung- nähme behalten meine Freunde sich vor. Aber selbst wenn das Gesetz in verbesserter Form zustcondc kommt, so können wir es nur als ein P r o v i f o r i u m betrachten, als einen Anfang, als einen Schritt auf dem Wege, auf dem in Zukunft weiter mar- schiert werden muß.(Bravo! bei den Sozialdemokraten.) Abg. Mnller-Meiningen(Vp.): Meine Freunde stehen dem Entwurf wesentlich sympathischer gegenüber als� der Vor- redner, er ist der erste Erfolg der Arbeiten des Verfassungsaus- schusses. Aus Schachern und Feilschen im einzelnen darf man sich nicht einlassen. Daß durch die Verhältniswahl die Minderheit nur in einigen Wahlkreisen vertreten sein soll, erscheint auch uns als ein Mangel. Aber nach der ganzen Entwicklung, die die Angelegenheit genommen hat, muß das jetzt mit in den Kauf genommen werden. Abg. Dr. Junck(natl.): Wir sehen in der Vorlage eine loyale Erfüllung des Wunsches des Reichstages. Ich hoffe, daß die Freunde des Abg. Gradnauer sich in der Kommission der Vorlage freundlich gegenüberstellen werden. Von einer Arbeiterfeindlichkeit der Vorlage kann man wirklich nicht sprechen. Sie wird ziveifellos eine bedeutende Vermehrung der s o z i a l d e m o k r a- tischen Abgeordneten zur Folge haben. Erfreulich ist, daß man die gebundenen Listen nicht eingeführt hat.(Bravo! bei den Nationalliberalen.) Abg. v. Beit(k.): Die Vermehrung um 44 Mandate geht sehr weit; wir hatten höchstens mit 23 neuen Mandaten gerechnet. In der Vorlage wird gesagt, daß von einer Ausdehnung der Verhält- niswahl auf das ganze Reich keine Rede sein könne. Der Vize- kanzler v. Paycr hat aber neulich gesagt, die Vorlage sei die Probe aus die Durchführbarkeit der Verhältniswahl im großen.(Hört! hört! rechrs.) Wir stimmen der Ueberwcisung der Vorlage an den Verfassungsausschuß zu. Abg. Dr. Erdmann(Unabh. Soz.): Wir können dieseni Viertel- oder Achtelreförmcheu kein besonderes Verträgen entgegenbringen. (Bravo! bei den Unabh. Soz.) Mit dem Zweck der Vorlage haben wir nichts zu tun. Die Wahlreform wird betrieben, um die Ar- bciter in den Schützengräben und den Acunilirmsfabriken bei der Stange zu halten im Interesse der Kriegsziele der Eroberung s- Politiker.(Sehr wahr! bei den Unabh. Soz.) Die bürgerlichen Parteien werden von dem Gesetz nicht Schaden haben; ist doch bei der Zusammenlegung der Wahlkreise eine Wahlkreisgeometrie zu- gunsten bestimmter bürgerlicher Parteien, des Zentrums und der Konservativen, zuungunsten der Sozialdemokrasie betrieben. Von der Einführung des allgemeinen Verhältniswahlrechts werden die Parteien durch die Furcht vor der Sozialdemokratie abgehalten. Deshalb ist dieser Entivurs kein Anfang einer bc- ginnenden Reform, sönderu dieses Rcförm.chen soll einer wirkliche« Reform den Weg verlegen. Deshalb lehnen wir diese Vor- läge ab, dadurch werden wir das Vertrauen immer weiterer Volkskreise gewinnen.(Bravo! bei den Unabh. Soz.) Abg. Graf v. Posadowsty(Dt. Fr.): Wie sehr man ein Wahl- recht überschätzen kann, dafür ist ein Beispiel die Aeußerung eines Redners in Frankreich, der die Listenwahl empfahl mit den Worten: Nach Einführung dieses Wahlrechts wird Frankreich so glücklich sein, daß selber die Frauen ohne Schmerzen gebären werden.(Heiterkeit.) Die Eutirncklung der Bevölkerung wird über kurz oder lang zu einer Umänderung der gesetzlichen Grundlage der Wahlkreis- einteilung zwingen. Dabei muß aber neben der Bevölkerungszahl auch die Fläche mit in Betracht gezogen werden; sonst tvird der Reichstag immer mehr zu einer Vertretung großstädtischer Interessen. Die Debatte schließt. Der Entwurf wird dem Versassungs- ausschuß überwiesen. Es folgt die Vorlage zur Aenderung des Postscheckgesetzes. Staatssekretär des Reichspostamts Nüdlin: Die Vorlage will die Teilnahme am Postscheckverkehr tveiter verbilligen, um den bargeldlosen Zahlungsverkehr möglichst zu fördern. So soll der Briefverkchr der Postschcckkunden mit dem Postscheckamt vom Porto befreit und die Gebühr von 3 Pf. für Ueberweisungen aufgehoben werden. Die Einzahlungsgcbühr für Zahlkarten soll in Zukunft der Einzahler tragen. Ich hoffe, daß auch diese Vorlage dazu bei- tragen wird, das wirtschaftliche Durchhalten im Kriege zu er- leichtern. lVravo!) Abg. Taubadel(Soz.) kritisiert die Neuerung, daß der Ein- zahle r in Zukunft die Einzahlungsgebühr tragen solle. Die Ansicht der kaufmännischen Korporalionen über die Wirkung einer solchen Maßnahme ist durchaus geteil. Ich glaube, daß sie ein Hemmnis der Llusbreitung des Postscheckverkehrs sein wird. Wünschenswert wäre eine vermehrte Reklame für den Postscheckverkchr und die Schaffung weiterer Erleichterungen.(Bravo! b. d. Soz.) Nach weiterer kurzer Debatte geht die Vorlage an den Haupt- ausschuß. Ein Gesetz über Kriegsabgaben der Reichsbauk wird ohne Debatte an dieselbe Kommission verwiesen. Nächste Sitzung: Mittwoch, 2 Uhr: MittelstandSiuterpellation des Zentrums. Schluß vi? Uhr. * Ergänzung zum Reichstagsbericht vom 9. Februar. Abg. Dr. Herzfcld(Unabh. Soz.): Der Obertonrmaudic rende in den Marken hat die außerordentlichen Kriegsgerichte angewiesen, alle durch diese Gerichte eilva Freigesprochenen dem Ber- kiner Polizeipräsidium wieder vorzuführen, damit die Schutzhaft über sie verhängt wird. Die Freigesprochenen sind auch i m „grünen Wagen" nach dem Polizeipräsidium gebracht und fast ausnahmslos in Schutzhaft genommen worden. Gedenkt der Reichskanzler gegen dieses hcmmungs- und wahllose Schalten mit der Freiheit der Staatsbürger einzuschreiten?. Generalmajor v. Wrisbcrg: Das Oberkommando in den Marken hat den in Frage kommenden Befehl an die außerordentlichen Kriegsgerichte nicht erlassen. Vielmehr hat das Polizei- Präsidium in Berlin das Ersuchen nach Vorführung der Freigesprochenen an die Kriegsgerichte gestellt; diesem Ersuchen ist in verschiedenen Fällen nachgekommen worden. Jedoch sind die betreffenden Personen stets sofort durch das Kgl. Polizei- Präsidium entlassen worden. �:j (Bei der Unruhe im Hause blieb die Anfrage und ihre Beant-...j Wartung auf der Tribüne unverständlich.) Wirtschastsfragen vor öem �bgeorönetenhause. Eine Rede Hues. Die wieder sehr ausgedehnte Dienstagsitzung des Ab- ordnetenhauses brachte in der'Debatte über den Handels- ilnd Gewerbeetat zwei interessante Momente. Das erste war die Jungfernrede des erst ganz kürzlich in das Dreiklassen- Parlament eingetretenen Herrn Dr. R ö t t g e r, des früheren Landrats und späteren Generaldirektors der Kruppschen Werke. Dieser in den letzten Jähren so viel genannte Wort- führer der Alldeutschen und Annexionisten inachtc dein Rufe, der ihm vorausging, alle Ehre: er trat ganz im Stile der „Deutschen Zeitung" lebhaft für einen„starken deutschen Frieden" ein und polemisierte sehr temperamentvoll gegen die Politik vom 19. Juli 1917. Auch nach i n n e n will Herr Röttgcr, der auf den Bänken der Konservativen Platz genommen hat, einen„star- ken" Frieden. Er will die Arbeiter und Angestellten, wie er sagt,„durchaus nicht vergessen", zunächst aber will et erst einmal die Aushebung des 153 der Rcichsgewerbeordniing hintertreiben und einen wirksamen„Tchntz der Arbeitswilligen" schaffen. Im Rainen„der Freiheit und des Selbst- bestimmungsrechts"! Mit Wehnint erinnerte Herr Dr. Rott- ger an die„inimer noch imeingelösten" 5iaiserworte vom Bielefelder Sparenberge und von Oeynhausen.. Für das d i c W a h l r e f o r m verheißende Konigswort hat Herr Dr. Röttger erheblich weniger Interesse... Das zweite interessante Moment der Sitzung war die überans wirksame Antwort Jüe unser Genosse H u e dem konservativ-schwcrindustriellen Scharfmacher erteilte, den er in dieses interessanten Herrn Essener Zeit in nächster Nähe kennen zu lernen Gelegenheit gehabt hat. Wir geben die Rede weiter unten so ausführlich ivieder, wie es die beschränk! en Raumverhältnisse zurzeit erlauben. Sie war auch, abgesehen von dieser Abrechnnng mit Herrn Dr. Röttger, eine ans- gezeichnete Leistung: gab sie doch ein umfassendes und er- schüttelndes Bild von den sozialpolitischen Ziiständen, wie sie sich ini vierten Kriegsjahr allmählich in Deutschland ent- wickelt haben____ Reben diesen beiden Reden trat alles andere an Inter- esse weit zurück, so wichtig die Erörterungen über Rohstoff- Versorgung, Uebergangswirtschast, Arbeitsbeschaffung nach beiii Kriege usw. vielfach auch waren. Es beteiligten sich an ihnen noch der Zentrumsmann Dr. Bell, der Freikonser- vative von W o y n a nnd der Nationalliberale Dr. W e n d- l a:: d t. * Genosse Hnc sagte in seiner Rede u. a.: Das ganze Schimpfen auf den ,.K r i c g s s o z i a l i S m u 5" ist eine Irreführung der öffentlichen Meinung. In Wahrheit sind die Kriegsgesellschaften usw. privatkapitalistische Ber- tretungen mit einer gewissen staatlichen Aufsicht!(Sehr wahr! b. d. Soz.) Mit Sozialismus hat diese ganze Preis- lreiberei und P o l k s a u s w u ch c r u ri g nicht das Mindeste zu tun, es ist reinster Kapitalismus. Was ist der Fall Daimler anderes als eine Folge der von uns oft gekennzeichneten Profit- sucht, die über Leichen geht? Arbeiter und Arbeiterinnen sitzen wegen unbesonnener Worte hinter Schloß und Riegel, aber die Heeresverwaltung ist nicht imstande, diese Generaldircktionen zur Befolgung der gemeinschaftlichen Gebote zu zwingen und die vor- gekommenen betrügerischen und landesverräterischcn Manöver wer- den gar noch von einem Teil der deutschen Presse, so der„Deutschen Zeitung" verteidigt!(Lebhaftes Hört! hört! links.) Mit Daimler sind die Deutschen Waffen- und Munitionswerke, die Firmen Löwe, Köln-Rottioeil u. v. a. eng verbunden, die Kenntnis von den Daimler-Borgängen gehabt haben. Wenn man die immer weiter steigenden ungeheuren Gewinne der Sprengstofswerke sieht, begreift man den nationalliberal-en Ausruf:„Wo sind unsere Millionen geblieben?" Und der Fall des Wohltäters v. Behr-Pinnow: das alles ist der Gegenwartsstaat, nicht der sozialistische. General Gröner, der eine Denkschrift über den LiefcrungAschwindel ausgearbeitet hatte, wurde gegangen!(Hört! hört!) In der Liste der Maßgebenden des Daimler-Konzerns findet man bekannte Wahlrechtsfeinde. Wenn wir rasch wieder in die Weltwirtschaft hineinlvachsen wollen, kann es nur durch den Verständigungsfrieden geschehen. Ich sehe kein baldiges Ende des Krieges, w e u n nicht der Gewaltfriede von Brest-Litowsk durch eine s ch i e d l i ch- f r i c d l i ch e N e r c i n b a r u n g mit Ruß. l a n d ersetzt wird.(Sehr wahr! lr d. Soz.) Das arbeiterfeindliche terrocistisch-unteriiehmerliche Aus- nahmerecht des 8 153 will Herr Rvetger natürlich nicht'aufheben lassen. Wer übt den Terror? Wie arbeitet der Slahlwertsverband gegen die ihm nicht beitretenden Werke? RegterungSrat Äestncr hat in seinem Buch über„OrgnnisationSzwang" genug Material über den Unlernehmerlcrror beigebracht. Ich bedaure nur, daß Herr Roetger für das freie Selbstbcstimmungsrecht der Arbeiter nicht schon schwärmte, als ee noch Kruppdirektor war und jeder Arbeiter, der nur verdächtigt wurde, organisiert zu sein, ans die Straße flog, unter Zurückbehaltung selbst seiner jahrelang gezahlten Beiträge für die Wohlsahrtskassc.(Hört! hört! b. d. Soz.) Gegen die von mir schon vor eineinhalb Jahren im Ausschuß geschilderte furchtbare Uebcrarbeit von Frauen, selbst von schwangeren, in der Schwerindustrie, was man damals als Uebertreibung bezeichnete hat der Reichskanzler im November 1917 ein Einschreiten angeordnet. Aber da werden wieder alle möglichen AnZnahiyen zugelassen und im Nachsatz wird das auf- gehoben, was im Vordersatz angeordnet wird. Wenn diese Leute schließlich verzweifelt aus die Straße gehen und manche gor ins Zuchthaus kommen, so sind es wahrlich nicht Hetzer und Schürer» die sie hineingetrieben haben, sondern die Nachlässigkeit des Gesetz- gebers. Statt in Nußland auf„Ordnung" zu sehen, sollte man sie erst bei uns machen! Ilebrigeus machen sich die Diebe und Räuber auch nur die Konjunktur zunutze, sie sagen sich: Wenn olles raubt und stiehlt!—... Wie lange, Herr Roctgcr, soll den» ber Krieg noch dauern, bis Ihr deutscher Gcwaltfricdc erreicht ist, wie viele Hunderttausende sollen dafür noch fallen, wie viele Milliarden Kricgskostcn noch erwachsen? Freilich, in Ihren Kreisen, Herr Roetger, mögen noch recht viele K. V. sein. Sie sprechen von Ausfuhr? Sollen uns die- jenigen unsere Waren abkaufen, die wir erst mit einem deutschen Gcwaltfricden aus den Kops hauen, wie wir es Rußland getan haben! GewerkschHsbewVuag 2. verbanöstag öes Deutfthen Sau- arbeiterverbandes. Ztürnberg, 11. März. Die Delegierten zum 2. Verbnndstag des Deutschen Bau- arbeiterverbandcs versamnielten sich heute vormittag 10 Uhr im festlich geschmückten Saale des Nürnberger Lehrerheims. Im Namen des Zweigvereins Nürnberg begrüßt Merkel die Dcle- gierten aufs herzlichste, Hauptvorsitzender P a e p l o w heißt sie im Namen des Deutschen Bauarbeiterverbandes willkommen und seilt mit, daß als Gäste anwesend sind Rechtsrat Wagner und Land- gcrichtsrat Heerdegen als Vertreter der Stadtverwaltung Nürnbergs, ferner von anderen Verbänden Schräder lZimmercr), Thomas (Dachdecker),' Knoll(Steinsetzer). Angemeldet, aber noch nicht er- schienen sind Vertreter des niederländischen, dänischen und öfter- reichischen Briiderverbandcs, während die Vorstände des schweize- tischen und des ungarischen Bauarbeiterverbandes mitgeteilt haben, daß sie wegen der Paßschwierigkeiten wahrscheinlich nicht kommen können. Rechtsrat Wagner-Nürnberg übermittelt dem Verbandstag die Grüße der Stadt Nürnberg, die die Beratungen als besonders be- deutungsboll und wichtig betrachtet und ihnen den besten Erfolg wünscht. Es folgt dann die Konstituierung des Verbandstages. Uebcr vinen Protest des Aweigvereins Pirna gegen die Abhaltung des Perbandstages vor Abschluß des Krieges wird zur Tagesordnung übergegangen. Die bisher bei den Verbandstagen beachtete Ge- schäktsordmmg wird unter Ablveisung einiger Anträge von Paul Hoffmann-Berlin von neuem genehmigt. Sodann wird in die Tagesordnung emgetreten. Der erste Punkt ist: Berichterstattung des Vorstandes. Paeplow gibt in längerem Vortrage Erläuterungen zu dem gedruckt vorliegenden Bericht und leat zunächst die Gründe dar. die den Vorstand bewogen haben, den Verbandstag vier Jahre nicht zusammenzubeenfen. Eingehend verweilt er bei den vom Vor- stand nach Ausbruch des Krieges getrofsencn Maßnahmen, die nicht dos Ergebnis abgeschlossener Erwägungen ivaren, sondern der Ausfluß einer Zwangslage, die in keinem Ialle eine Wahl zuließ. Im Anschluß au eine von der Generalversammlung sogleich nach Kriegsausbruch einberufene Vorständekonsermz ordnete der Ver- bandsvorstand die- sofortige Aufhebung aller Streiks und Sperren und den vorläufigen Verzicht auf dw Einleitung neuer Lohnbcwe- gungen an. Ierner wurde die zeitweilige Außerkraftsetzung der Arbeitslosenunterstützung beschlossen. An ihre Stelle trat bie Rot- ftandsuntcrstütznng. Es wurde auch versucht, zur Sickenina ber Lohn- und Arbeitsbedingungen eine Arbeitsgemeinschaft mit den Unternehmern zu errichten, an der wir sedock toenig I-reude er- lebt haben. Es wurde auch sehr viel mit anderen Gewerkschaften und mit der Generalkommission zusammengearbeitet, um Fragen, die schon vor'dem Kriege in Fluß waren, weiter zu beeinflussen und zu einem Abschluß zu bringen. Zu einer laufenden Unter- stüsung der Angehörigen der Kriegsteilnehmer konnte man stch nicht entschließen, dafür wurden zu dem Zweck bestimmte Summen ausgeworfen. Dagegen wird die gesamte Kriegsdienstzeit auf die Mitgliedschaft»nd Beiiragszeit voll angerechnet. Damit steht der Bauarbeiterverband unter allen übrigen Verbänden allein da. Den einberufenen Angestellten des Verbandes wurde die K>älfte deS Gehalts gewährt; man war der Ansicht, daß sie nicht als Mitglieder, sonder» wie Angestellte eines Betriebes zu behandeln seien. Der uicht zum Heeresdienst eingezogenen Angestellten mußte ebenfalls gedacht werden durck Gewäbrnna von Teuerungszulagen. Redner widmet der Gcwerkschastsvolitik eine kurze Besprechung und erklärt, daß er für die Politik der Generalkom- Mission, die Politik, die allgemein als Politik de? 4. August bezeichnet wird, einstehe und sie überall vertrete. Er habe stets in diesem Sinne mitgewirkt und zu den Beschlüssen der Generalkommission gestanden und hofft, daß der Vcrbandstag ihm hierzu seine Zustimmung geben wird. ' Zu dem viel angefochtenen Hilfsdienstgesetz bemerkt er. daß man nur zu wählen hatte zwischen einer Militarisierung aller wich- tigeu Berufsarten und dein Arbeitszwanq mit gewissen Beschrän- kungen der Freizügigkeit. Es empfahl sich daher, an dem Gesetz mitzuwirken und zu versuchen, ihm die schlimmsten Fußangeln zu nehmen, was zum Teil auch gelungen sei. Der Verband hat sich weiter überall betätigt, wo eS sich darum handelt, vorbereitende Maßnahmen für den Uebergang in die Friedenswirtschast zu treffen. In einer besonderen Eingabe des Verbandes an das Reichswirtschaftsamt werden die besonderen Verhältnisse deS Baugewerbes geschildert und gefordert, Vorsorge zu trezien. daß zu der schon vorbanden en großen Wohnungs- not nicht auch noch eine groß« Arbeitslosigkeit komme. Weiter ivar der Vorstand beteiligt an verschiedene» internationalen Verstäitdigungsversuchen. Außerdem wurde auch ein sehr guter Weg beschritten, indem versucht wurde, mit den Polieren des Baugewerbes in ein engeres PerbältniS zu kommen und Perein- barungen für einen Gegenfeitigkeitsvertrag mit dem Polierbund zu treffen. Im Vorstandsbericht legte Winnig weiter dar. daß es gar nicht möglich gewesen sei, am 4. August eine andere Politik einzuschlagen. Die Verbandsinstanzen halten auch jetzt nur eine Realpolitik für möglich. Gewiß möge der eine oder der andere in der ersten Kriegszeit etwas überschwänglich geredet haben, vielleicht auch bei den Gewerkschaften. Aber darauf komme es nicht an; entscheidend � sei die Tat, und in dieser Beziehung habe die Gcneraffoimmsfion durchweg das Richtige getroffen. Bei einer anderen Politik wäre es wahrscheinlich gar nicht möglich, die gewerkschaftlichen Tagungen abzuhalten. Mit revolutionären Redensarten und Resolutionen sei nichts getan. Die Arboiterschast fei nicht imstai�de gewesen, den Ausbruch des Krieges zu verhindern. Dazu wäre eine i n t e r- nationale Revolution gleichzeitig in allen Län- der» erforderlich gewesen. Ter Krieg habe viele Schmie- r ig keilen und Unannehmlichkeiten mit sich gebracht, darunter auch das Hilfsdienstgesetz. Aber bei allen seinen Mängeln sei es doch der Militarisierung der Betriebe vorzuziehen, und seine grundsätz- lichen Fortschritte würden auch nach Kriegsschluß aufrechterhalten bleiben,, dafür werde die Arbeiterklasse kämpfen. Die anschließende Besprechung des Vorstaiid�berichtS drchie sich ausschließlich um die Politik deS 4. August. Mit wenigen Aus- nahinen billigten die Redner vollständig die Haltung des Vorstandes und der Redaktion des„Grundstein". Die Opposition vertraten u. a. Gauleiter Jakob-Leipzig, Reicbsjagsabgeordneter Hüttmann und einige Berliner Unabhängige. Ein Berliner Antrag forderte ein T a d e l s v o t u m gegen den Verbandsvorstand und die Re- daktion des„Grundstein", weil sie'den Boden des Klassenkampfes verlassen hätten. Auch der Generalkommission, mit der der Verbandsvorstand konform gehe, solle schärfste Mißbilligung ausgesprochen werden. Die Arbeiterklasse lönne sich von wirtschaftlicher und politischer Unterdrückung nicht durch die er- schlichene Gunst der Regierung und der bürgerlichen Parteien bc- froien, sondern nur einzig und allein durch die eigene Kraft auf dem Boden des Klassenkampfes. Nicht der Wille des Vorstandes und der Instanzen, sondern der Wille der Mitglieder müsse oberstes Gesetz sein. Der VcrbandStag solle mit der Politik deS 4. August brechen— die Berliner Delegierten seien ver- pflichtet, in diesem Sinne zu wirken. Die Rode, in der Landtagsabgeordneter Paul Hoffmann diesen Standpunkt entwickelte, rief wiederholt Gelächter hervor. Starken Eindruck»lachte die Erklärung von Fröhlich-Köln, daß er nicht weniges von der Kritik der Opposition unterschreibe, aber doch nicht mit ihr gehen könne, weil ihre Taktik auf die bewußte Zerreißung der Arbeiterbewegung hinauslaufe. Auch eine halbstündige Rede von Winnig, die den Unterschied in der Stellungnahme der Regierung und der herrschenden Kreise zu den Gewerkschaften vor und während des Krieges darstellte und das Interesse der deutschen Arbeiterklasse an der unversehrten Ec- Haltung des Reiches nachwies, wurde stark beachtet.— Die Debatte soll noch heute zu Ende geführt werden. Es unterliegt nicht dem mindesten Zweifel, daß die übergroß« Mehrbcit des BcrbandstageS den Standpunkt des Vorstandes und der Redaktion deS„Grundstein" billigen wird._ parteinachn'chten. Die Krise im Polenklnb. Der österreichische Polenklub hak sich trotz seiner Entrüstung über Cholm dazu bereikfindcn lassen, durch Stimmenthaltung die Annahme des viermonatigen Budgetpro visori u ms zu sichern. Die polnischen Sozialdemokraten sind aus dem Klnb überhaupt aus- getreten; sie begründen das mit'folgender Erklärung: Mit seinem Beschluß vom 7. März d. I. hat der Polenklub seine Mitglieder zur Abstinenz bei der Abstimmung über das Budgckprovisorium und die Kriegskredite verpflichtet. Dieser Beschlutz des Polenklubs verschafft der Regierung das provisorische Budget und die Kriegskrcdite. Im Sinne ausschließlich der Interessen des polnischen Volkes vorgehend, beschloß der Klub der polnischen sozialdemokratischen Abgeordneten, aus dem Polenklub auszutreten und gegen das Budgetprovisorium und die Kriegskredite zu stimmen. Dr. Bobrowski, Daszynski, Schriftführer, Obmann. Es sind also die Abgeordneten Bobrowski, Daszynski, Diamond, Klemensieivicz, Liebermann, Marek, MoraczetvSki, Reger aus dem Polenklub ausgeschieden. Die Nationaldemokraten, die Anhänger Glombinskis, haben dem Klub vorläufig mitgeteilt, ihre Mitwirkung an den Beratungen des Klnbs bis zur Entschei- dung ihres Partoivorstandes darüber auszusetzen, ob die Gruppe dem Polenklub weiter angehören soll. Dazu kommen noch die zwei Bcmernabgeordneten, die sich schon in offener Klubsitzung getrennt Hadem_ Für Friede und Freiheit, lautete das Thema, über das'der ReichStagsabg. Genosse H e r m. Müller am Mittwoch und Donnerstag in zwei stark besuchten Per s am m hrngen in Planitz und Zwickau unter lebhaftem Beifall sprach. In beiden Versammlungen war freie Aussprache zugesagt. Trotz mehrfacher Aufforderung meldeten sich Gegner jedoch nicht zum Wort. ?nöustrie und Handel. Der Kampf um die VermSgensabgade. Im Reichstage hat sich Graf P o s a d o w s k h mit Leidenschaft gegen die Tilgung eines größeren Betrages der Reichsschuld durch Erhebung einer Vermögensabgabc aus- gesprochen. Freiherr von Zedlitz und Neukirch sekundiert ihm eifrig im«Tag" und verweist darauf, daß die Staatshaus- Haltskommission des Preuß. Abgeordnetenhauses die Neber- nähme eines Teils der Kriegslasten durch die Bundesstaaten ins Auge gefaßt habe, um jeden Eingriff deS Reichs in die Einkommen- und Vermögenssteuern und besonders auch in deren Quellen zu verhindern. Ein Eingriff in die Quellen der Einkommens- und Vermögenssteuer wäre natürlich eine einmalige hohe Abgabe vom Vermögen. Das beliebte Argument der Posadowski) und Genossen ist, daß die werbende Kraft des deutschen Nationalvermögens in der Zeit nach dem Kriege nicht geschwächt werden darf. Diese Sorge ist gewiß nicht von der Hand zu weisen. Aber es fragt sich sehr, ob nicht gerade ein einmaliger tiefer Schnitt in die Volkswirtschaft eine raschere Gesundung herbeiführt, als ein jahrzehntelanges Herumdoktern. Vergessen wir nicht, daß die Erhebung einer hohen Vermögensabgabe mindestens für den tätigen Kapitalisten, wenn auch vielleicht nicht für den Rentner, erhebliche Vorteile in sich schließt! Es ist allgemein bekannt, daß die Kriegsanleihen nicht ausgereicht haben, um die hohen, schweren Schulden des Reiches, der Staaten und der Gemeinden zu konsolidieren. Wenn nach dem Kriege noch ein oder zwei große Anleihen aufgenommen werden, so bleibt doch ein erheblicher Rest von schwebenden Schulden sicherlich zurück. Die Reichs-, Staats- und Gemcindewechsel, welche nicht in langiristigc Anleihen um- gewandelt sind, werden in dem Maße, als die Banken für die Befriedigung des privaten Geldbedarfs in Anspruch genomnien werden, zur Reichsbank fluten. Auch darf nicht übersehen werden, daß die öffentlichen Körperschaften noch während der lieber- gangszeit schwere Schulden aufnehmen werden, die ebenfalls die Reichsbank belasten werden. Unter diesen Umständen lvird es schwer sein, billigen Kredit in reichlichem Ausmaße zu gewinnen. Billiger Kredit in reichlichem Ausmaße ist aber die Voraussetzung einer blühenden Volkswirtschaft und der Wettbewerbsfähigkeit des deutschen Industriellen und Kaufmanns auf deni Weltmarkt. Wird nun ein sehr erheblicher Teil dieser schwebenden Schulden durch eine einmalige Vermögensabgabe getilgt, so werden die Vermögen aller tätigen Kapitalisten gewissermaßen höher verwertbar, ivcil ffe die Grundlage zu einem billigeren und reichlicheren Kredit abgeben. Was also der Kapitalist durch die Vermögensabgabe auf der einen Seite verliert, das ge- wimit er auf der anderen Seite. Der produktive Kapitalist gewinnt aber nicht nur auf dem inneren, sondern auch auf dem äußeren Geldmarkte durch eine Vermögensabgabe. Je energischer und rücksichtsloser die Finanzrefvrm durchgeführt wird, desto rascher wird das Ans- land zu den deutschen Finanzen wieder volles Vertrauen schöpfen. Der Kurs der Reichsmark wird sich heben und vor allem, er wird sich stabilisieren und dadurch den allzu spekulativen Charakter des Export- und Importgeschäftes mildern. Dadurch wird die Kalkulation auf eine sichere Grundlage gestellt, der Kaufmann wird von dem Risiko der Valutaschwankungen entlastet. So bedeutet die Erhebung einer hohen Vermögensabgabc keineswegs eine Schwächung, sondern viel eher eine Stärkung der deutschen Volkswirtschaft. Die Börse mid der Daimler-Skandal. Die Börse nimmt das Vorgehen gegen die Daimler-Wcrke nicht recht ernst und hat sich bereits vom ersten Schreck gut erholt. Insbesondere Daimler-Aktien selbst sind gestern kräftig in die Höhe gesetzt worden, wenn sie auch noch ein halbes hundert Prozenl niedriger als Mitte Februar sind. Auch Thal«, L. Loewc. D. Waffen. Hirsch Kupfer und wie sie alle, alle heißen— wer zählt die Sterne, nennt die Namen?— sind einigermaßen ins Gleichgewicht gekommen. Ukruine-ZufuHren. Die„Kölnische Zeitung" meldet au� Berlin vom 1l. März: Die Art der Verteilung der aus der Ukraine zu erwartenden Getreidevorräte zwischen Deutschland und Oestcr- ve ich- Ungarn ist nunmehr dahin festgesetzt, daß bis zum 81. Juli Deutschland und Oesterreich-Ungarn gleichviel erhalten, und zwar wird in der ersten Hälfte dieses Abschnitts Oesterreich-Ungarn doppelt soviel beziehen wie Deutschland, wäh» rend danach bis zum 31. Juli die Verteilung umgekehrt erfolgt, so daß also dann Deutschland die doppelte Menge erhält. Gericktszeitung. Revision im Breslaucr„Kupfer-Prozeß". Fr�au G o h l a und ihr Ehemann haben gegen da« Urteil der dritten Strafkammer in Breslau Revision eingelegt. Die Angelegenheit wird also nunmehr das Reichsgericht beschäftigen. Humanistische Gemeinde Berlin(E. B.>. Am Sonntag, den 17. März, nachmittags S Uhr, findet in der Aula der Friedrich-Werder- schon Oberrealschule, Niederwallslr. 12, ein Vortrag deS Herrn Dr. Rudolf P e n z t g über:„KriegSwucher- statt. Gäste, Damen und Herren, milllommen._ zseereeanSsichten für 60« mittlere 72orbbcutfrt)lan6 618 Donnerstag mittag. Zeitweis« neblig, Im Westen sonst trocken und vielfach heiter, östlich der Oder vorwiegend wolkig, mit geringen Nieder- schlügen, am Tage mild, in der Nacht zu Donnerstag stellenweise leichter Frost. Verantwortlich für Politik: Erich Kuttner, Berlin; sür den übrigen TeU deS Blattes: Alsred Scholz, Neukölln; sür Anzeigen: Theodor Glocke, Berlin. Verlag: Vorwärts-Berlag G. m. b. H., Berlin. Druck: VorwärtS-Buch- druckerei und VerlagSanstalt Paul Singer u. Co. in Berlin, LIndenstratze 8. Hierzu 1 Beilage und UnterhaltnngSblatt. Leipziger StraBe A\hS CT O T LJ UT 1 E\i| KönigstraBe II. u. III. stock M. ¥¥ Cll 1 n C. I lYI OranienstraBe MÖBEL-ABTEILUNG Ständige Ausstellung vollständiger Wohnräume Wohnzimmer, Speise-, Herren-, Schlafzimmer in großer Auswahl, verschiedenen Holzarten Reichaltlges Lager In Ergänzungsmöbel und Kleinmöbel. 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