Nr.M. 35. Jahrg. Bezugspreis t ÜiertcljShrl. Mi. monair l.SOSH. frei WSHauZ. vorauSzaHwar.Einzewe Siummern IVPsg. Postbezug: Monai- lich IM Mi. Unter Kreuzband, für Deutscht and und Oesterreich' Ungarn 8,— Ml. für das übrige Ausland 4,50 Ml. monatlich. Lertand ins Feld bei direlter Bestellung monati. t.50MI. Postdestellungen nehmen an DSne- muri, Holland. Luxemburg, Schweden tttld die Schweiz. Euigetrage» w die Poft-isestungS. Preisliste. Erschein« täglich. leiegranmi- Adreffe: .Sozialdeinvkrat Perliu», Devlinev Volktsblcekk. ( 10 Pfennig) Anzeigenpreis: Tie fiedeilgesd attene Kolonelzeile lostet M Psg„stlciue Anzeigen", da! seiigedruche Wort 20 Psg.(zuliisfig 2 tettflcti rüttle Sorte), icdeS weitere Wort lv Psg. Stellengesuche und Schlasstellenanzeigen das erste Wort 10 Psg.. ledeS weitere Wort 5 Psg. Worte über 16 Buchstabe» zählen sür zwei Worte. TeuerungSzuschlag 20«/» Familien- Anzeigen 5» Psg.. posttische u. gewcrlichastliche Bereitts- Anzeigen 40 Psg die Zeile, sin zeigen sür die nächste ilhunrner müsse» bis 5 Uhr nach mit:, im Hauptgeichäsl. Berlin TW.t>8, Sindenstraste?,, ad, gegeben werden. Geösfnet von 8 Uhr stich bis 7 Uhr abends. Zentralorgan der rozialdernokrati fchen Partei Dcutfcblands. Neüaktioa: Ew. SS, Linüenstraße 2. ffernivrecher: Amt Mortuvlau,«r. l»I SV— ti»l 97. Donnerstag, de» 21. März 1918. Cxpedftion: EW. SS» Linüenftraße 2. Fernivrechrr: Amt Mortlzplal», Nr: 1S1 90—151 97. Das Ultimatum an tzvllanö. Ablehnung öer kollänüischen öeüingungen) London, 19. März. Reuter erfährt, daß der englischen Regierung bis heute uachmittag noch keine Autwort der Regierung der Niederlande auf die Note der Alliierten zugegangen war. Es lag auch weder eine Bestäti- gung des britischen Gesandten im Haag noch eine des nieder- ländischcn Gesandten in London vor, daß die niederländische Regierung den ihr vorgeschlagenen Bedingungen zugestimmt habe. Infolgedessen ist eine neue Notifikation ch dem Haag gesandt worden, wonach die Alliierten mangels einer unzweideutigen Annahme der Note der Alliierten zn chzer sofortigen Beschlagnahme der Schiffe schreiten müßten. Da Telegramme aus Holland den Anschein erwecken, als habe die Regierung der Niederlande die Note der Alliierten angenommen, so sollte von neuem be- tont werden, daß der bloße Versuch einer zögern- de» Annahme des modus vivendi vom vergangenen Januar seitens Hollands der Sachlage nicht gerecht wird, da sich die Situation seitdem von Grund aus ge- ändert hat. Diese von Reuter verbreitete Ansicht dürfte alZ halb- amtlicbe Kundgebung anzusehen sein. Die Antwort»der holländischen Regierung mißfällt den englischen Staattzlenkern offenbar. Die Entente will unbeschränkt freies Verfügungs- recht über den holländischen Schlffsraum, sonst kommt sie nicht ans Ziel. Es gibt aber auch Srimnien in England. die nicht dafür eintreten, die Sache biutal übers Knie zu brechen.„Daily News* schreibt, die Erklärung des nieder- ländlichen.Ministers des Auslvärtigen sei nicht unvernünftig. Die Bedingungen, die er stelle, könnten zwar mit sehr guten Gründen kritisiert lverden, aber sie sollten einer freundschaft« lichen Regelung nicht hinderlich sein. Man will tuso Holland Zeit gönnen, sich dem Verlangen der Alliierten an- zugliedern. In der im Anschluß an die Erklärung des Ministers Loudon in der Zweiten holländischen Ka m m e r stattgehabten Debatte äußerte T r o e l st r a: Man habe das Gesiihl gehabt, die Regierung sei der Gewali gewichen. Die letzten Milleilungen des MlnisterS hauen diesen Eindruck bestäligi, aber es sei das Los der kleinen Völker, der Gewalt zu welche». Die traurige Wirklichkeil zwinge die Niederlande, sich zu beugen. Der Redner ist ober unangenehm berührt, weil die R e- g i e r u n g sich habe verleiten lassen, den Forderungen, die den Niederlanden auferlegt worden seien, durch positive Mitwirkung nachzukommen. Bisher Höllen die Nieder» lande sich geweigert, an der Ungerechttgkeil mitichuldig zu sein, und ihre Neulrolitäl im strengsten Sinne aufrechlerbatlen Der Redner zögert, ouszuiprechen, daß die Reaierung jetzt ihre Neutralilät auf» gegeben habe. Er behält sich sein Urteil bis nach der Antwort der Regierung vor. Nichts würde schwieriger für daö niederländische Boll'ein. als jemals zwischen den Krtegsührenden wähle» zu müssen. Der Minister habe die Interessen hervorgehoben, die niederländischen Kolonien zu schützen. In den Kolonien, sagte Troelstra, haben wir nur Interessen, während in den Rtederlanden unser Herz schlägt. Sodann fragte der Redner, wie sich die A e n d e r u n g in der Haltung der Alliierten erlläre. Eine neutrale Regierung müsse in jedem Falle die Freiheit haben, sich»ach beiden Seilen zu informieren. Wenn die vorgeschlagene Beieinbaiung keinen Hmder- nissen begegnen werde, wie werde dann die Haltung der Mittel- mächie gegenüber der Verelnbarung mit den Aflsierten sein? Was Deutschland betreffe, so gehe da« Abkommen zwi'chen diesem Lande und den Niederlanven am 3l. März zu End«. W i e- w e i l seien die Verhandlungen sür ein neues Ab- kommen? Der Redner schließt sich der Meinung Lohmanns an, daß die Bedingung, die man Drntschland gestellt habe, den Niederlanden 100 000 Tonnen Weizen innerhalb zweier Monate zu liefern, eine zu bestimm le gewesen sei. Wenn die Niederlande noch bis zum August Getreide hätten, so sei es nicht notwendig, eine solche Bedingung zu stellen. Der Redner fragt, ob die Regierung nicht früher mit Deutschland verhandelt habe, um Getreide zu bekommen. UebrigenS sei es dem Redner sehr zwelielhaft, ob die Niederlande die 100000 Tonnen Weizen von den Alliierten bekommen würden. ES sei ihm sogar zweifelhaft, ob die Alliierten die Bedingungen der niederlniidischen Regierungs annebmen würden. DaS hokkänvische Volk dürfe affo in der Frage der Lebensmitlciversorgung nicht seuie ganze Hoffnung auf die Alliierten setzen, sondern müsse veriuchen. Getreide aus der Utrai ne zu erkalten. Die Regierung muß daher, meinte Redner, in dieser Richtung weiter verbandeln. Die Interessen i Deutichlands wider precken einer wohlwollenden Umerstützung der j Riedeilande nicht, deswegen müssen wir Schritte tun. um! Getreide von Deuliwland zu erhalten. Der Redner! ist der Ansicht, daß Deutichland in seinem Rechi fein würde, die' Saltun« der Niederlande gegenüber den Alliierten als eine tatiächiiche »terftStzung i» der Kriegführung zu betrachten. In der weiteren Debatte wurde von verschiedenen, Rednern gxrügt, daß die Regierung nicht in Fühlung mit der Kammer gehandelt habe. Der liberale Unionist B a n D o o r n fragte, was nach dem 15. März, als die Rc- gierung noch eine ablehnende Antwort geben wollte, passiert sei? Warum sei die Kammer vor eine voll- zogene Tatsache gestellt worden? Die Niederlande würden zu einem Griechenland, wenn mau weiter ginge. Verlängerung des WaffenstMstandeS mit Rumänien— Heftiger Feuerkampf bei Verdun— Rege Erkundungstätigkeit in Flandern. >» t M ch. Gr» h e S Hanplgaartier. 20. März l9l8.(28. T. S.) N Westlicher Kriegsschauplatz. HrrreSgruppen Kronprinz Ruppreiht und Deutscher Kronprinz. Zwischen der Küste und dem La Bassse-Kanal dauerte die reg« ErkundungStStigkeit fort. Das in diesen Abschnitten nm Morgen abflauende Artillericfeuer nahm am Nachmittage wieder an Stärke zu. An der übrigen Front lebte die Gefechts- tätigkeit nur in den Abendstunden südwestlich von C a m b r a i, zwischen O i s e und A i l e t t r nördlich von Berry-au-Bae und an einzelnen Stelle» in der Champagne ans. Heeresgruppen Gallwitz und Herzog Albrecht. Der Fcuerkampf bei B e r d u u ging heftig weiter. Die beiderscitliien Artillerien betäwpften sich vielfach mit größcrem MnnitionSeinsatz. Nordöstlich von BureS brachte ei» eigenes Unternehmen Gefangene und Maschinengewehre ein. Starke Tätig- keit entwickelte der Feind am P a r r» y> W a l d e. Das vom irühen Morgen an gesteigerte Feuer hielt fast ohne Unterbrechung bis zur Dunkclhcit an. Auch in den.Abschnitten von B l a m o n t und Badouviller war die französische Artillerie rege. Osten. In der Ukraine haben«ärttembrrgffche, zur Säuberung der von Olwiopol«ach Nordoste» führenden Bahn vorgehende Truppen, bei Now» Ulraiata stärkere Banden im Kampfe vertricdcu. Der vertragsgemäß am 19. März aigelanfene Waffen- stillstand mit Rumänien wurde bis zum 22, März Mitternacht verlängert. Von den anderen Kriegsschauplätzen nichts Reue«. Der Erste Gencralanartiermcister. Ludcndorff Abeudbericht. Berlin, 20. März 1918, abends. Amtlich. Von den Kriegsschauplätzen nichts Neues. Auch vor Verdun ließ der Artillericrampf bei Regen nnd Nebel an Heftigkeit nach. Der österreichische Bericht. Wir», 20. März 1918. Amtlich wird oerlautbart: Keine besondere» Kamphandlnuge». Der Waffenstillstand mit Rumänien wurde bis SS. März verlängert« Der Chrf beS GrneralstabrS. Gestern antwortete Minister Loudon auf die Debattereden. Er sagte, er freue sich, daß die Forderungen der Alliierten so viel Empörung im Lande verursachten, da auf diese Weise die Kriegführenden die wahre Ansicht des holländischen Volkes kennen lernen. Dann bemerkte er: Wenn man zwei oder drei Monate später kein Getreide mehr in Holland habe, würden dieselben Herren, die heute gegen das Ententeangebot waren, wohl anders sprechen. Weiter erklärte er: Die natio nalen Interessen hätten nicht d i e A n- nähme der Forderung beding!. Dazu kamen Deutsch- lands Antwort und die Zutuns! unserer Flotte und unserer Kolonie«, die dabei aus dem Spiele standen. Gegen den Vor- wurf, daß er die ganze Affäre nicht nii! der Zweiten Kammer be» handelt habe, sei die einzige Antwort, daß die Regierung in solchen noch zu verhandelnden Affären selbst da» beste Ur- teil babe. alle Verantworiung lrage und sich in derartigen Fällen nicht erst mit der Zweilen Kammer besprechen könne. In Z u k u n f r werde er eine vertraulich« Rücksprache.mit der Kammer herbeiführen. Auf die Frage, warum der Minister wohl mit den Reedern, nicht aber mit der Kammer b e r a r e n habe, erklärte der Minister, daß er einen fachmännischen Rat in dieser Situation brauchte. Bon Deutschland sei nicht zu viel verlangt worden. Auf der einen Seile hätte die holländische Re- gierung das Antwortversprechen erhalten, daß Nordamerika am 15. April und Südamerika am 15. Mai mit der Verschiffung und Absendung des Gelreides beginnen würden. Das zugesagte Quantum von 100 000 Tonnen wäre also Holland für die nächsten Monate sicher, aber mit weniger könnte das Land nicht reichen. Deshalb mußte für die Frist von zwei Monaten das Quantum Bon Deutsch« land verlangt werden. Auf den Vorwurf des Abgeordneten Troelstra, baß Holland seine N c u t r a l i t ä t preisgegeben habe, lautete Londons Antwort: Wir haben unsere Neutralität nicht preisgegeben. Das Fahreulasscu von Schiffcu für die Kriegführende« ist reiuc uuueutrale Handlung. Die Regierung ist überzeugt, daß sie getau hat, was sie tu« mußte. Sie kann nicht weitergehen und geht auch ganz bestimmt keineruSchritt werter. Nach dieser Erklärung kam es zu einer kurzen Debatte. Der Abgeordnete van Doorn erklärte, er habe keine Ursache, der Regierung sein Vertrauen zu versagen. T r o e l st r a sagte, die Haltung der Regierung bilde keinen Widerspruch zur Neutralität Hollands: Hierauf wurde die Debatte geschlossen. Ueber den Umfang der Forderungen der Entente hat de� stellvertretende Chef des deutschen Admiralstabes, Admiral Koch, einem Vertreter von W. T. B. gegenüber geäußert: „Wir haben Grund zu dep sicheren Annahme, daß das unter gewaltsamem Druck der Entente zlvischen ihr und Holland zustande gekommene Schiffsraumabkommcn sich lediglich auf denjenigen Teil der holländischen Handelsflotte bezieht, der außerrhalb Hollands liegt, also sich bereits in der VersügungL- gewalt der Verbandsmächte befindet, aber nicht auf den- jcnigen Teil, über den die Holländer noch in ihren eigenen Häfen verfügen, das sind etwa 320000 B.-R.-T- Dieser Holland verbliebene Schiffsraum wird auf gleicher Höhe gehalten werden." Die„Norddeutsche Allgemeine Zeitung schreibt: Die Mel- dung. daß die deutsche Kohlen ausfuhr nach Holland eingestellt worden sei, ist, wie uns bestätigt wird, unri ch ti g. » Washington, 20. März.(Reuter.) Mit der B e- fch lagnah in ederholländischenSchiff e in amcri- kanischcir Gewässern wird noch gewartet, bis eine Nachricht von London eintrifft. Amtlich wird be- kanntgegrben, daß die bevorstehende Beschlagnahme nicht eher beginnen werde, als bis Hollands Antwort in Washington eingetroffen(ei. Tie Vorbereitungen seien abge- schlössen, die Beschlagnahme im Augenblick des Ein- treffens der Nachricht zu beginnen. Wilson hat gestern einen Erlaß unterzeichnet, der dir Beschlagnahme und die Gründe dafür bekannt gibt. Der Erlaß ist.zur H c r a n s g a b c fertig._ die Wahrheit über Daimler. Die gestrigen Reichstagsverhandlungcn haben jene Klar- heit und Wahrheit über den das ganze deutsche Volk erregenden Daimlerskandal gebracht, die bitter not tat. Die Ausschuß- berichte waren unvollkommen und prägten die Hauptpunkte nicht deutlich aus. Die Gesellschaft selbst erschien bald mit einer Erklärung auf dem Plan, die, wenn sie auch offensichtlich nicht alle Anklagen entkräftete, auf harmlose Seelen nicht ohne jeden Einfluß blieb, was um so leichter war, als die im Hauptausschuß erhobenen Anklagen in den Einzelheiten nicht scharf umschrieben waren. Den Tatbestand hat General v. WriSberg umschrieben. Er erklärte, daß die Daimlerwcrke der Heeresverivaltung ein Ultimatum gestellt hatten: Entweder höhere Preise oder BetriebSeiuschräwkung. Die Entschuldigungen, die die au- geklagte Gesellschaft in ihrer Erklärung vorträgt, werden mit wenigen Worten als fauler Zauber enthüllt. Die Staats- anwältschaft hat den Drohbrief des Herrn Berge dem Oberreichsanwalt zur Prüfung vorgelegt, ob versuchter Landesverrat vorliege: bei streikenden Arbeitern gab cö für die Auklagebehördcn viel weniger Skrupel, obwohl die Aus- ständigen offensichtlich aus idealen Motiven handelten und für ihre Ueberzcugung, mag sie falsch oder richtig gewesen sein, ihre Existenz und die ihrer Familie aufs Sptcl setzten. Herr v. Berge, der kaufmännische Leiter eines der blühendsten Kriegsunternchmcn, hat dagegen mit BetriebSeinschränknngen gedroht, weil ihm die erzielten Ricsengcwinnc noch immer nicht groß genug waren; er hat sich von selbstischen, ja von geizigen Bctveggründen leiten lassen. Auch über die Preisfordcrungen von Taimler wurde Klarheit geschaffen, wenn es auch selbstverständlich Aufgabe des Gerichtes sein wird, zu prüfen', ob die bisher be- willigten Preise angemessen waren oder wucherische Ausbeutung deS Reiches darstellen. Nach der von General von Wrisberg gegebenen Darstellung haben die Daimler-Werke tatsächlich, wie sie in ihrer Erklärung, behaupten, nur eiiien Preisaufschlag von 10 Proz, gefordert, aber sie haben, was sie klüglich verschwiegen, bisher bereits einen Prcisauf- schlag von 50 Proz. auf die Friedensware erhalten, obwohl ihre Gestehungskosten infolge des großen Umsatzes, der Verringerung der Reklame und alrderer Unkosten, insbesondere aber infolge der Typisierung der Erzeugung verhältnismäßig gering sino. Mit vollem Rechte verwies General v. Wrisberg darauf, daß die besondere Leistungsfähigkeit der Daimler- Werke nicht ein Verdienst des Herrn Berge, sondern der technischen Leitung und-der Arbeiterschaft sei. General v. Wrisberg teilte mit, daß Konkurrenzwerke von Daimler einen um 50 Proz. höheren Preis erhalten. Diese Mitteilung führt zu dein schwierigsten Problem der- staatlichen Preispolitik im Kriege. Bisher wurde ein Einheitspreis angestrebt, der ganz natürlich bestimmt war durch die Gestehungskosten der am schlechtesten arbeitenden Werke. Es ist flüttä klar, daß die beste» Werke bei dieser Preis- gefialkunK gÄvaWgfle Gewinne erzielen muffken � weü fi« tnS ganz anderen Unkosten zn rechnen haben als Unternehmen, welche sich auf die Kriegsproduktion umstellen mutzten oder ihre volle Leistungsfähigkeit erst während des Krieges ent- falten konnten. Ruf der anderen Seite beklagen sich die am billigsten arbeitenden Werke, wenn sie niedrigere Preise halten Äs die teurer arbeitenden Konkurrenten, über eine ungerechtfertigte Zurücksetzung. Sie erklären, datz sie nicht deshalb jahrelang eine vorsichtige Finanzpolitik betrieben und die Augenblicksinteressen der Aktionäre hinter den Dauer- interessen des Unternehmens zurückgesetzt haben, um dann für ihre besondere technische und kommerzielle Leistungsfähigkeit durch niedrigere Preise bestraft zu werden. Hier mutz der goldene Mittelweg beschritten und eine gewisse T a r i f i e- r u n g der P r eise vorgenommen werden, die natürlich auch nur sehr wenige Klassen umfassen kann und die Ge- fahren der Schematisierung in sich schließt, aber noch besser Äs der bestehende Zustand ist, der entweder völlige Regel- losigkeit darstellt oder auf dem Einheitspreise basiert. Ganz klar aber ist, datz diese Methode der Preiserstellung, die ii? ihren Wirkungen noch durch die Kriegssteuern zu kor- rigieren ist, viel schlechter ist als das englische System. Der englische Staat hat die kriegsnotwendigen Betriebe über- iiommeu, gewährt den Aktionären eine der Friedensdividende angemessene Rente, führt aber im übrigen die Produktion auf eigene Kosten und eigenes Risiko. Dadurch ist der Anlag zu großen Kriegsgewinnen und eine Ursache für Ungerechtig- leiten in der Preisgewährimg von vornherein beseitigt. Mit anderen Worten: in dem auf sein Organisationstalent so stolzen Deutschland ist der Kapitalismus viel weniger ge- bunden und gedrosselt, als in dem manchesterlichen England. Der Kriegssozialismus � ist in' Verruf geraten; aber der Daimler-Skandal beweist mit einleuchtender Klarheit, datz ivir viel zri wenig'Kriegssozialismus und .viel zu viel kapital! st ischen Liberalismus haben. Ein wahres Verdienst hat sich der Abgeordnete G o t h e in erworben, der darauf verwies, datz die technisch besonders vorgebildeten Offiziere zum Teil dem Jnteressenkreis der Grotzindnstrie entnommen, zum Teil von der Grotzindustrie bereits für außerordentlich gut-bezahlte Friedensstellungeu gechartert sind. Er hat nur vergessen hinzuzufügen, datz die Industrie schon längst die strafrechtlich unfaßbare Bestechungs- Methode gebraucht hat, hohe Staatsbeamte zu sich hinüber- zuziehen. Es ist gar nicht so selten, datz ein Unterstaats- fekretär, der, sagen wir, die staatlichen Interessen gegenüber der Kaliindustrie wahrzunehmen hatte, nach seinem Uebertritt in den Ruhestand von der Kali- oder einer anderen Industrie in eine außerordentlich gut bezahlte Stellung berufen Wird, in der er die Interessen gegen den Staat zu vertreten hat. Es wird sehr schwer sein, diesem Beamten nachzuweisen, datz er während seiner Amtszeit bereits mit seiner zukünftigen Stellung in der Industrie geliebäugelt hat; aber der Ver- dacht besteht und wird mit tausend schönen Worten nicht aus der Welt geredet. Unsere österreichischen Genossen haben vor Jahren einmal den Antrag eingebracht, daß ein Staats- beamtcr s-inf Jahre nach seinem Uebertritt in den Ruhestand keinen Posten in der Industrie ohne ausdrückliche Genehmi- gung annehmen dürfe. Es dürfte sich empfehlen, auch in Deutschland ans diese Anregung zurückzukommen und daneben das öffentliche Gewissen gegen diese Fälle strafrechtlich un- anfechtbarer Korruption zu schärfen.. Der Chef des Kriegsamts. General Scheuch, klagte, daß ihm der Reichstag vor ein Dilemma stelle; früher habe man van der Heeresverwaltung kaufmännischen Geist gefordert und jetzt, nach der Berufung von Kaufleuten, sei es wieder nicht recbt. ES wäre töricht, dieses Dilemma mit Worten hinweginterpretieren zu wollen. Solange der Kapitalismus besteht, werden seine Interessenten höchst unvollkommene und einseitig"? Berater der Staatsbehörden sein. Wieder erweist sich, was sich vorhin bei der Betrachtung der Preisgestaltung ergab, datz die Lösung aller Schwierigkeiten und Probleme nicht in der freien Wirtschaft, sondern in der Sozialisierung der Wirtschaft liegt._ Die Verzögerung öer japanischen Intervention. Kabinettskrise i» Tokio? Amsterdam, 19. März.„Times" erfährt aus Tokio: In dem heutigen Kronrat, dem vermutlch der Kaiser beigewohnt hat, wurde es für unwahrscheinlich gehalten, datz man zu einer militärischen Aktion übergehen würde, ehe das Parlament am Ende dieses Monats verragt worden sei. Heute wurde in einem Artikel des Oppositionsblattes„Asahit" die Meinung ausgesprochen, datz Motouo wahrscheinlich abtreten werde, weil er nicht imstande sei, sich die Zustimmung seiner Kollegen zu einer Intervention zu versichern, firr die Motouo bereits im November stärker eingetreten ist, als er Charbin oder Wladi- lvostok besetzen wollte. Nach dem Abschluß des Sonderfriedens zwischen Deutschland und Rußland hielt Motono die Zeit für eine I n t e r V e n ti o n für gekommen und überlegte sie gemeinsam mit den Alliierten. Insbesondere stimmte.Pichou ihm zu. Aber obwohl England. Frankreich und Italien Motonos Vorschlag billigten, waren seine Kollegen weniger geneigt. ilin anzunehmen. Die Folge davon war, daß Motono die sy ii h I u n g m it den Alliierten verlor, so datz nach der Ansicht des Blattes sein Rücktritt der einzige Ausweg ist. Auch aus dieser Meldung ist zu ersehen, datz die Abneigung der Vereinigten Staaten gegen die Intervention Japans seine Wirkung gcran hat. Aus anderen Meldungen der letzten Tage ist zu schließen, datz auch die fortdauernden Kämpfe zwischen Nord- und Sndchina ein Hemmnis der ostasiatischen Pläne sind. Es ist gesährlich, die ostafiatische Beute übereilt an einer Stelle anzuschneiden. Die Folgen sind unberechenbar und dämpfen den Eifer der Alliierten. Denn ihre Allianz, die auf die europäischen Auseinandersetzungen, auf die Ausschaltung Deutschlands aus drr imperialistischeu Weltneuteilung, zugeschnitten ist. könnte durch diesen Schnitt in Gefahr geraten. Die Sowjetbehöröen in Sibirien sind laut Meldung Reuters zu einer Einigung mit der chi n e s i- scheu Regierung über die Regelung der Grenz- fragen gelangt.___ Der Surgerkrieg in ßianlanö. Stockholm, 19. März. Wie„Aftonbladet" aus Wasa erfährt, ist das Hauptguarticr der Weißen Gardisten heute nach Haapanäki verlegt worden. Nach den gleichen Ouellen ist an drr ganzen Front eine große Schlacht im Gange. Bei Vilppuula gingen die Weißen Gardisten zur Offensive über. Orivesi und einige andere Orte sind bereits von ihnen eingenommen. Das Mweöisch-ententiftistHe Abkommen. London, 20. März. Reuters Bureau erfährt, datz zuversichtlich zu hoffen sei, datz zwischen den Alliierten und Schweden in naher Ankunft ein allgemeines Abkommen werde geschlossen werden. Im Zivammenhang damit würden Vereinbarungen getroffen werden, die Schweden endgültig Erleichterungen für die Erlangung von 100 000 Tonnen Weizen, 100 M0 Tonnen Mais und SO 000 Tonnen Hafer sicherten. Die Wcizenverschiffungen würden im April und Mai vor sich gehen, die von Mais und Haser später. Es versiehe sich, datz dies nicht die Gesamtmenge der von den Alliierten gelieferten Vorräte sei und datz Schweden weitere Vorräte an Lebensmitteln nach einiger Zeit werde.erwerben können. Sofort nach Abschluß des Abkommens würden diese Vereinbarungen in Kraft treten. Sn neues Wahlgesetz für Italien« Lugano, 20. März. Im„Corriere della Sera" verlangt Antonio Salandra eine Verlängerung der Legislaturperiode. Damit soll gleichzeitig eine Abänderung des Wahlgesetzes verbunden sein. Jeder Jtaliener ohne Unterschied deS Alters, der wenigstens sechs Monate aktiven Kriegsdienst geleistet hat, soll wahlberechtigt sein. Das Alter für die Wählbarkeit von Abgeordneten soll auf 25 Jahre herabgesetzt werden. Rücktritt Garcia prietss. Madrid, 20. März. Wie das Reutersche Bureau erfährt, teilte Ministerpräsident Garcia Prieto der Kammer mit, datz das Kabinett zurücktrete. In der spanischen Kammer wird versichert, La C i e r V a habe seinen Rücktritt und zwar dieses Mal unwiderruflich erklärt. Der Krieg auf öen Meeren. Berlin, IS. März. U-Boot-Ersolge auf dem nördlichen Kriegs- schauplatz: 18 000 Br.-Reg-To. Ein tiefbeladener bewaffneter Danipfer wurde an der englischen O st! ü st e auS stark ge« sichertem Geleitzug herausgeschossen. Ein anderer Dampfer, wahr- scheinlich mit Munitionsladnng, versank augenblicklich nach der Torpedodetvnation. Der Chef deS AdmiralstabeS der Marine. Keine Internierung öer Seeaüler» Mannschaft in Chile. Die.Norddeutsche Allgemeine Zeitung" meldet: Wie wir aus zuverlässiger Quelle hören, ist die von feindlichen Nachrichten- agenturen verbreitete Meldung, datz die in Chile gelandeten Mann- schaften des Hilfskreuzers Seeadler von der chilenischen Regierung interniert worden seien, unzutreffend. Die Mannschaften befinden sich vielmehr auf freiem Fuße und sind nur bis zur Klärung der mit ihrer weiteren Behandlung zusammenhängenden Rechtsfragen unter behördliche Aufsicht gestellt. RbgesrönetenHaus. Im Abgeordnctenhause lenkte am Mittwoch bei Be- ratung des Etats der Bauverwaltung Genosse L e i n e r t die Aufmerksamkeit auf die Zustände im.Wohnnngs- Wesen. In Uebereinstimmung mit allen Kennern der Ver- Hältnisse wies er auf das Fehlen der Baustoffe und mif die unheilvollen Folgen eines weiteren Darnieder- liegens der Barltätigkeit hin. Leider ohne Erfolg. Der Regiernngsvertreter bezeichnete es als unmöglich, bei Kriegsende allen Leuten Wohnungen zu verschaffen. So wird man denn die bisher unbewohnbaren Dach- und Keller- tvohnungen frei geben, und wenn es sich hierbei auch nur um eine vorübergehende Maßnahme handeln soll, so wird doch die Volksgesundheit dadurch aufs schwerste ge- schädigt, die Tuberkulose, die ja zum guten Teil durch das Wohnungselend bedingt ist, wird eine weitere Aus- breitung erfahren, und die Bemühungen zur Bekämpfung dieser Ltrankheit werden vergebens gewesen sein. Die kurze Aussprache, an der sich übrigen» charakteristi- scherweise die Vertreter der übrigen Parteien nicht beteiligten. eröffnet wenig tröstliche Ausblicke in die Zukunft. Um so mehr aber wird es Pflicht aller WohnungSreformer, gleichviel aus welchem Lager, sein, doch noch in letzter Stunde alles zu versuche», um wenigstens die schwersten Gefahren abzuwenden. Und auch die Gemeinden dürfen nicht untätig sein, sie müssen das am 1. April m Kraft tretende Wohnungsgesetz dazu benutzen, dem drohenden Rückgang der Kultur entgegenzutreten und zu ver- hindern, daß unsere heimkehrenden Krieger zur Befriedigung ihres WohnungSbedürfniffes mit menschenunwürdigen Behausungen ftirlieb nehmen müssen. Das R!ftko öes Krieges. Stimmen zur Denkschrift Lichnowskhs. Die Stimmen der bürgerlichen Presse über den Fall Lichnowsky verdienen zumeist kaum der Erwähnung. Ein Teil von ihr glaubt, man könnte den Schaden ver- ringern, indem man den Botschafter auf Grund des Landesverrats- oder Arnimparagraphen einsperrt, ein anderer meint jedoch, datz dies nicht in Betracht komme, da der Fürst ein Psychopath und ein vollkommen hoffnungsloser Trottel sei. Das ist ein sehr merkwürdiger Versuch» die deutsche Politik von 1914 zu retten, indem man einen ihrer wichtigsten offiziellen Vertreter als absolut verblödet hinstellt. Daß dieses Verfahren nicht gerade nobel ist. kommt in diesem Fall vielleicht weniger in Betracht, als datz es daS Gegenteil von klug ist. Wohltuend gegenüber der journalistischen Mache einiger Blätter vom Schlage der„B. Z." wirkt eine sachlichere Aus- einandersetzung der„Kreuz-Zeitung", die in folgender Dar- legung gipfelt: Wenn Fürst Lichnowsky die Aeutzerung des Staatssekretär» V. I a g o w auS den kritischen Tagen erwähnt: Rußland sei nicht bereit, etwas Gepolter würde es wohl geben, aber je fester wir zu Oesterreich ständen, ua s» mehr würde Rußland zurückweichen, so berichtet er in diesem. Falle zutreffend. Mn ähnlichen Wendungen bat sich Herr v. Jagow am Tage der Veröffentlichung des Wiener Ultimatums an Serbien auch uns gegenüber ausgesprochen. Er glaubte nicht an den Krieg, und das beweist auch gegen den Fürsten Licbnvwsly. Daß aber unsere Diplomatie daS Risiko des Krieges aus sich«ahm, ist ihr nicht zum Vorwurf zn machen, ebensowenig wie im Jahre 1909 dem Fürsten Bülow. Denn ein Friede, der nur durch Nachgiebigkeit er- halten ivird, ist eil» Unglück, daS nie ein Ende nimmt. Deshalb mutzten wir hindurch durch dies Meer von Blut und Elend. vswekt die„Krmzzettnug" Taksachen darstellt, ist ihre Darstellung auch nach unserer Kenntnis der Dinge durchaus zutreffend. Die leitenden Männer Deutschlands glaubten, Oesterreich nicht zu geringerer Unnachgiebigkeit gegen Serbien veranlassen zu können, weil sie Oesterreichs Abfall und die völlige Isolierung fürchteten. Deshalb.nahmen sie„das Risiko des Krieges" auf sich. Dieses Risiko mag von den einzelnen höher oder niedriger eingeschätzt und, je nach ihrer Veranlagung, mit leichterem oder schwererem Herzen getragen worden sein. In der Schlußfolgerung weichen wir allerdings von der „Kreuzzeitung" ab. Wir hätten es für kein Unglück gehalten, wenn durch Mäßigung der österreichischen Ansprüche an Serbien dies Meer von Blut und Elend vermieden worden wäre. Darum hat auch die Sozialdemokratie im Jahre 1914 die österreichische Serbenpolitik und ihre Unterstützung durch Deutschland aufs entschiedenste bekämpft. Sie zog' damit die Konseguenzcn auS ihrem sozialdemokratischen Standpunkt, wie die„Kreuzzeitung" jetzt die Konsequenzen aus ihrem konser- vativ-militärischen Standpunkt zieht, indem sie meint, datz es ans einen Weltkrieg mehr oder weniger nicht ankommt. In dem gestrigen Bericht über die AuSschutzverhandlung ist versehentlich eine Erklärung Haases ausgefallen. Wir lrageü sie hiermit nach: Abg. Haas« bemerkte, die Debatten, die hier gepflogen worden seien, erreichten den Zweck der Aufklärung nicht, wenn der Herr Reichskanzler nicht zum mindesten den Depeschenwechsel zwischen der Regierung und dem Fürsten LichnowSly und die sämttichen Noten vorlege, die die deuliche Regierung mit dem Botschafter in Wien und mit der österreichischen Regierung gewechselt hat. Er be- antragte die Vorlegung deS gesamten Materials, wie er eS wiederholt im Reichstag verlangt und auch dem Vize- kanzler gegenüber angeregt habe. So lange dies nicht geschehe, hätten alle Erörterungen nur einen apologetischen Zweck. Die Kurlänöer im Reichstag. Auf©inkidutig des Abg. Mumm fand sich gestern abend im Sitztmgssaalc des Reichstages eine Versammlung, meistens aus Ab- geordneten bestehend, zusammen, der sich die in Berlin befindliche Delegation des kurländischen Landesrats vorstellte. Der Vizepräsi- dent des Reichstags, Dr. Paasche, begrüßte sie. C Als erster dar Kurländer sprach der Baron Rahden- Maihof. Er gab einen kurzen llebcrblick über die geschichtliche Entwicklung der baltischen Provinzen, die bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts eine rein agrarische war. Dos Deutschtum hatte sich schwer gegen das Rnssentum zu behaupten. Einen schweren Schlag erlitt das Balten tum durch die Revolution von 1905, wo es für den Ausbruch der Revolution von Rußland verantwortlich gemacht wurde. Das ist aber nicht wahr, schuld war vielmehr— die deutsch« Sozialdemokratie, die erw.iesenermaßeu der fi- nanzielle Träger dieser Revolution war.— Der kurlämdische Landesrat ist erwählt von der LamdeSver- sammlung, die schon im September 1917 für eine Personal- umion mit Deutschland eingetreten ist, unter Zustimmung lettischer Grundbesitzer. Gewiß, die Dsutschen in Kurland bilden nur 10 Prozent der Bevölkerung— aber sie find die Träger der Kultur«nd der Wirtschaft deS Landes. Der zweite Sprecher der Delegation, Generalsuperintendent B e r n e w i tz, sagte, die Balten hätten ihr Deutschtum rein gehal- ten. In Würdigung ihrer Führerschaft im Land« können ihre Stimmen so wenig„gezählt" werden, wie die eines Goethe oder Bismarck(!), sie müssen gewogen werden. Kurland schreit nach Menschen, wie hier dm Menschen nach Land. Ein drittes Mitglied der Delegation, RechtScmwalit Melville, stellte sich als Vertreter beS kurländischen Bürgertums vor, und wies tiefgekrÄtkt die in gewissen Äeivtfcheu Kreisen herrschende Mei- mmg zurück, nur die baltischen Junker wünschten die engste Au- lehnung an Deutschland. Zuletzt bestätigte Herr Dr. Paasche den Rednern, daß echt deutsches Blut in ihren Adern rolle. LeSte Nachrichten. tzolkanös verhanölungen mit öen Alliierten. Haag. 29. März. Kvrrespondenzbureiu». In der Zweiten Kammer gab Minister deS Auswärtigen London von neuem einen U e b e r b l i ck über die Berlmndliinge» mit den Alliirrtcn »nd sagte». datz an demselben Tage, an dem die B e. dingungeo der Alliierten für die Liefernng von 109 000 Tonnen Weizen bekanntgegeben worden seien, auS London nnd Washington die Mitteilung gekommen sei, datz die im Austausch angebotene Tonnage infolge der seit den letzten zwei Monaten veränderte« SchisfahrtSverhältnifie nicht mehr ausschließlich außerhalb des gefährlichen Gebietes verwendet werde» könne. Z» gleicher Zeit er. hielt die Regierung durch offiziöse Informationen in der Presse die Nachricht, daß im Falle einer Weige- r u n g eine Million Tonne» von den Alliierte» beschlagnahmt iverdrn würden. Die Regier« ng sei bereit gewesen, 500 000 Tonnen zur Verwendung außerhalb deS gefährlichen Gebiets abzutreten. ES sei sicher gewesen, daß im Falle einer Weigerung eine Million Tonnen requiriert«nd im gefährlichen Gebiet verwendet worden wären. AuS diesem Grunde habe die Regierung ihren Widerstand nicht länger aufrechterhalten, obwohl der von feiten der Alliierten angewendete Zwang eS für die Re- giernug sehr verletzend machte, in eiuem Punkte nachzugeben, dem alle atideren neutralen Staaten bereits zugestimmt haben. Auf die Frage Savorni« Loh manns, welche Ber» fion die richtige sei, die von Renter gegebene ober die der Regierung, antwortete der Minister, datz die Regierung die Wahrheit gesprochen habe. Schon im Februar habe der Landwirtschaftsminister darauf hingetviesen, datz es wünschenswert sei, Teutschland um IVO 000 Tonnen Weizen zu ersuchen. Verhaftmlg in Sachen Humbert. Lugano,-20. März. Nach einer Drahtung„Corriere della Sera" ans Paris ist dort der ehemalige Chef der sranzö- fischen Gegenspionage, der H a u p t ni a n n L a d o u x, wegen Hochverrats verhaftet worden. Ladoux soll in den Hunibertprozeß verwickelt sein. Die Explosion von Courhcnvc. Gens, 90. März. Nachdem der M i n i st e r r a t gestern früh einen Gesetzentivnrf gebilligt hatte über die Entschädigung für die durch die Explosion. der Äriegswerkstätte entstandenen Zerstörungen, verlangte der Minister des Innern am Nachmittag in der Kammer einen dringlichen Kredit von 5 Willrsnen für die Opfer der letzten Explosionen von Conrheuve, Moulin und Merville. Der Sozialist L a v a l hielt diese Forderung für ganz ungenügend angesichts der Zahl der Opfer und verlangte 20 Millionen. Die Kammer lehnte diesen Antrag mit 380 gegen 135 Stimmen ab und nahm die Ziffer von 5 Millionen an, nachdem der Fi-nanzmiinister Klotz erklärt hatte, daß es sich zu» nächst nur um das dringlichste Hilfswerk handle. Die' Kammer nahm schließlich mit 388 gegen � 06 Stimmen eine Tagesordnung an, die das Vertrauen ausspricht, daß. die Regierung die Rückkehr ähnlicher Katastrophen vsrbüten wird und. alle Schuldigen, bestraft. Die Interpellation über die Ve rgev tu ngs be schieß unge n durch chic Flieget würde mit 386 gegen 126- Ststilmen vertagt. Nr. SS ♦ AS. Jahrgang Seilage öes Vorwärts donnerstags 21. NtSrz 1 S Der GstfrieSen vor de« Hauptausschuß. Der Ausschuß verhandelte zunächst über die Forderung von 8 Millionen Mark zum Erwerb eines Grundstücks für die Reichs- schuldenverwaltung. Nach langer Aussprache stimmte der Ausschuß der Vorlage zu.— Der Ausschuß trat dann ein in die Beratung des russischen Friedensvertrages. Bei dieser Gelegenheit bittet Abg. Erzbergcr um Auskunft über Holland.— IlnterstaatSsekretär v. d. Busschc niacht darüber vertrauliche Mitteilungen. Die daran anschließende Aussprache war ebenfalls vertraultcb.— Bei Artikel 3 des russischen Friedensvertrages wirft Abg. v. Calker die Frage aus. wie die rechtliche Lage des Staatseigentums in den von Rußland losgelösten Gebieten sich gestalten wird.— Gehchmrat Simons teilt nmt. daß über das Eigentumsrecht im Einverständnis mit der Be- volkerung dieser Gebiete entschieden trixd.— Abg. Erzbergcr fordert, daß die Russen die Kunstschätze zurückgeben müssen, die sie aus den besetzten Gebieten fortgeschleppt haben.— Geheimrat Simons teilt mit, daß.die Vorarbeiten dafür bereits getroffen sind. — UnterstaatsseZretär v. d. Busschc erklärt auf Anfrage, daß die litauische Deputation am 22) März in Berlin eintreffen wird.— Abg. Junik vertritt die Auffassung, daß die russischen Staatsgüter in Kurland in den Besitz des neuen Staates übergehen und von diesem zur A n s i e d l u n g deutscher Rückwanderer verwendet werden müssen.— Geheimrat Simons: Es besteht freie Hand in der Verwendung der einst russischen Krongüter.— Abg. Ledebour: Die Fassung des Ar- titelö 3 scheine absichtlich unklar gehalten zu sein, um die Bevölkerung der abgetretenen Gebiete ihres EelbstbestimmungS- rechts zu entkleiden. Die Krongüter müssen in das Eigentum der neuen Staaten übergehen.— Abg. Gothein beklagt ebenfalls die Unklarheiten im Absatz 3, die schließlich alle möglichen Kombinationen gestuften könnten. Der Verkehr in Riga ist völlig eingestellt auf den russischen Markt, weshalb der Ge- danke zu erwägen sei, aus Riga einen Freihafen zu machen.— Abg. Frhr. v. Rcchrnberg bedauert,' daß man dem Sieichstag die Linienführung der neuen russischen Gren- zen uicht früher unterbreitet hat. Der Vertrag müsse genau nach seinem Wyrtlaut ausgelegt werden. Wenn in Est- land und Livland die Ordnung wieder hergestellt ist, dann hat die deutsche Militärmacht abzuziehen. In den von Rußland ab- getrennten Gebieten müssen mit tunlichster Beschleunigung die Voraussetzungen selbständigen staatlichen Lebens ge- schassen Warden, und zwar unter voller Achtung des Selbstbe- stiunnungsvechts dieser Völker. Dann erst können diese Staaten in ein staatsrechtliches Verhältnis zu Deutschland treten.- Abg. David: Es scheiet festzustehen, daß.Est land und Liv- land nach dem Wortlaut des Vertrages noch zu Rußland gehören. Im Friedensvertrag steht nicht, daß diese Völker sich von Rußland loslösen können, dieses Zugeständnis war nur ein« Auslassung der bolschewistischen Vertreter. Wie lange die bolschewistische Regierung noch am Ruder ist. kann man nicht sagen, aber die folgende Regierung dürste auf keinen Fall bereit sein, anzuerkennen, daß Estland und Livland sich ab- trennen dürfen. Abg. v. Goßler hat die Mitglieder der kur- ländischen Vertvetung geradezu dazu gepreßt, sich in einem der deutschen Militärpartei genehmen Siniee zu äußern. Deutlich hat nwm erkennen lassen, daß man sich an den Berftajj nicht halten wolle. Die Litauer trefssn nun am 22. März in Berlin«im Der Brief, den sie an den Reichskanzler gerichtet hatten, ist vom Militär befehlshaber Ober-Ost nicht nur zurückgehastru, sondern auch lu antwortet worden. Der ilieichstag kann den Vertrag nicht erledigen, ehe feststeht, daß die U n a b- Bangigkeit Litauens anerkannt wird. Di« Litauer wollen nicht, daß sde durch eine Personalunion mit Deutschland verbunden werden. Dies« Weigerung wurde mit der Drohung be- antwortet, daß man dann Litauen teilen werde. Die Mi- litärpartei hält fest an ihren An n e x i o n sp lä n« n gegenüber Polen und die Nanonalliberalen sind jetzt bereit, gemeinsam mit den Konservativen dies« Politik zu unterstützen.— Abg. v. Goßler Nimmt Ledebour darin zu. dich die jetzt gezogen« Grenze praktisch unmöglich sei. Mit dieser Grenze lassen sich lebensfähige Staaten nicht bilden. Die Bevölkerung jenseits der gezogenen Linie muß man die Entscheidung überlassen. Der Ver» trag sei unklar, er, Redner, stehe«ms dein Standpunkt, daß Est- land und Livland bereits von Rußland sich abge- trennt haben. Redner versucht nunmehr, die Legitimation der Vertretungstöuperschaften in den bereglen Gebieten nachzuweisen und schilderte inSbelomdere das Wahlrecht in Kurland. Der dorti? geil Arbeiterschaft köime man«in Wahlrecht nicht geben, weil sie lediglich revolutionäre Tendenzen verfolge. Eine selbständige Republik könne man dort nicht zu- lassen, sonst sei das Deutschtum verloren. Redner er- klärt dann, daß es nicht zutreffe, daß er in seiner Gigenschast als Landeschef i« Kurland einen unzulässigen Einfluß auf die Mitglieder des LandesratS ausgeübt Hab«. Abg. Junck: De Frage der Krongüter steht nach der Erklärung der ReichSleitung noch offen. Im Plenum muß aber unter allen Umständen Auskunft gegeben werden, wie sich die Reichsleitung die Rogelung dieser Angelegenheit denkt.— Abg. Erzbergcr: Herrn v. Goßlers Ansichten über die baltischen Gebiet« steht im Wider- s p r u ch mit dem Vertrag und würde in der nächsten Zeit z» einem neuen Krieg mit Rußland führen. Zugegeben sei, daß die Grenze, wie sie jetzt gezogen ist, unhaltbar wäre. Zu einer r'lbänderung aber sei ein neues Ab- kommen mit Rußland notnwndig. Der Beschluß des litauischen Landesrats könne nur als vorläufig maßgebend angesehen werden, er bedarf der Bestätigung des litauischen Volkes, die auf breite-rer Grundlage hergestellt ward. Daö preußische Staatsmi- nisterium habe sich einstim mig dagegen ausgesprochen, daß polnische Gebiete in größerem Umfange Preußen angegliedert werden sollen.— Unterstaatsfekvetär v. Radowitz: Ein solcher Be- schluß ist im preußischen Staatsministerium nicht gefaßt worden.— Abg. Freiherr v. Rechenberg: Die' vorgelegte Karte und der Text deS Vertrage» stehen in einem Widerspruch zuein- ander. Des SekbskbestimmungSrecht der Völker muß unter allen Umständen restlos durchgeführt werden.— Mg. Ledebour bestätigt. daß dl« vorgelegte Karte unrichtig sei.— Abg. David weist noch, baß Herr v Goßler einen überaus scharfen Druck auf die Mitglieder deS kurländifchen LandeSratS aus- geübt bat. Nur unter diesem starken Druck haben die Kurländer den Vorschlägen zugestimmt Die Ausführungen Goßlers hätten j auch bestätigt, daß auch für Litauen eine Personalunion mit dem Kaiser an der Spitze angestrebt wird. In einer persönlichen Bemerkung erklärt Mg. Erzbergcr, einen Beschluß habe in der pol- wischen Sache das preußische Staatsrninisterium allerdings nicht gefaßt, aber alle preußischen Minister haben sich gegen die Absichten ausgesprochen.— Wg. v. Goßler erklart, jede Beeinflussung habe ihm vollkommen ferngelegen. Die Verhandlungen wurden abgebrochen und auf Donnerstag vor- mittag vertagt. GroMeelw Zur kkohlenversorgung Grotz-Berlins im nächsten Jahre. Zu unserem Artikel in Nr. 76 sendet uns die Kohlenstelle Groß- Berlin eine.Richtigstellung", in der sie darauf hinweist, daß die Verbraucher neben der Ofenkarte auch noch eine K o ch k a r t e er- balten sollen. Auf Grund dieser entfallen auf einen Haushalt von l— 2 Personen 12 Zentner, auf einen Haushalt von 8— 6 Personen 16 Zentner. Zählt man diese Mengen den für die Ofenheizung be- stimmten zu, io ergibt sich natürlich ein anderer Durchschnitt als derjenige, den wir berechnet haben. Trotzdem sind wir nicht in der Lag«, an unserer Kritik auch nur ein I-Tüpfelchen zu ändern. Denn eS bleibt die skandalöse Tatsach« bestsbeir, daß abgesehen von den Kochkohlen, deren Menge für alle Wohnungen gleich»st. die großen Wohnungen hinsichtlich der Heizlohlen vor den kleiireren Wohnungen eine Bevorzugung genießen sollen, die gänzlich ungerechtfertigt und durchaus geeignet ist, bei der großen Masse der Bevölkerung Erbitterung und Enftüslung hervorzurufen. Wir können der Kohlenstelle Groß- Berlin nur nochmals den wohlgemeinten dringenden Rat geben, diese ungeheuerliche Bestimmung unter keinen Um- ständen in Kraft treten zu lassen. An unsere Inserenten! täglich steigende Auflage des. Vorwärts" und die andauernde Preissteigerung aller notwen- digenRohmaterialien zwingen uns, vom l.Aprill 918 an die Grundpreise für Inserate zu erhöhen. Vom 1. April 1918 an beträgt der InsertionspreiS für die ? gespaltene Ksloncheile so Pf. Kleine Anzeige«: DaS fettgedruckte Wort 30 Pf., jedes weitere Wort 16 Pf., Stellengesuche und Schlafstellen- anzeigen das erste Wort 20 Pf., jedes weitere Wott 10 Pf., Worte über 15 Buchstaben zähle« für zwei Worte. Teuerungszuschlag 20 Proz. Familienanzeigen, politische«nd gewerkschaftliche Vereinsanzeige« 60 Pf. die Zeile. „Vorwärts"- Vertag G.m.b.H. Der Kampf um die besondere Gemeindegewerbestener ' in Grotz-Berlin ist mit der mitgeteilten Entscheidung des Oberverwaltungsgerichts in Sachen der Charlottenburger Wasserwerke gegen Siböneberg noch nicht abgeschlossen. Im Verwaltungsstrcitvelfahren ist zwar eine Steuerordnung für rechtsgültig erklärt worden, wonach die Ge meinden diejenigen Unternehmungen, denen sie gegen Zahlung von bestimmten Abgaben die Benutzung der Straßen zum Legen von Rohrleitungen, Schienen usw. erteilt haben, auf der anderen Seite nach einer besonderen Gemeindegewerbesteuer mit verhältnismäßig hohen Sätzen heranzuziehen. Daneben haben aber die betreffenden Gesellschaften, zunächst die Charlottenburger Wafferwerke Aktien- gesellschast, die ordentlichen Gerichte angerufen mit dem Antrag auf Rückzahlung der veranlagten Steuerbelräge, da nach ibrer Meinung der Erlaß einer solchen Steuerordnung dem Grundsatz von Treu und Glaube» widerspreche. Die erste dieser Klagen schwebt in Sachen der Charlottenburger Wasserwerke gegen den Magistrat Neukölln beim Landgericht Berlin II. m Vom Schutz der Gesundheit des KindeS sprach Dr. Tugendreich an dem letzten der drei Vortrags- abende, die von der Je ntralko in Mission der Kranken- k a ss e n in diesem Winter veranstaltet wurden. Er warnte vor einer Unterschätznng derFLrivrge für da» gesunde Kind, vordem in weiten Kreisen der unbemittelten Bevölkerung Verbreilelen Irrtum, daß ein Kind erst in der Krankheit einen Arzt braucht. Beim Säugling beginnen viele Erkrankungen ganz unscheinbar, aber nur zu oft hat die Nichlbeachtuilg die verhängnisvollsten Folgen, die der zu spät hinzugezogene Arzt nicht mehr abwenden kann. Den Minder- bemittelten Müttern bieten die S ä u g l i n g S f ü r s o r g e- stellen eine Möglichkeit, ihre Kleinen regelmäßig von einem Arzt beobachten zu lasten, damit beginnende Erkrankungen rechtzeitig er- kannt und bekämpft werden können. Es kommen da nicht nur die sogenannten Kinderkrankheiten in Betracht, sondern z. B. auch die Tuberkulose, von der die neuere Forschung nachgewiesen hat, daß der Keim zu ibr bereits in frühester Kindheit gelegt wird. Tugend- reich, der selber eine der SäuglingSsttrsorgestellen Berlins leitet. bezeichnete es als dringend nötig, daß die Mütter diese Einrichlung so zeitig wie möglich, am besten schon in den ersten Lebensjahren des Ziindes, in Anspruch nehmen. Er erörterte sodann die Hörigen Einrichtungen zum Schutz der Gesundheit des Kindes, die FIKsorge für die Kleinkinder, für die Schulkinder, für die Schnkentlasscnen, ferner die Fürsorge fsir kranke Kinder, die erst durch die F a- milienversichcrung der Krankenkassen eine feste Grundlage erhalten kann. Den Schutz der Mutter erwähnte Tugendreich ru seinem Vortrage nur mit wenigen Worten. Znr Verschickung von Berliner Schulkindern ausS Land will der Magistrat in diesem Jahre 1 Million Mark auswenden, deren Bewilligung er jetzt bei der Stadtverordnetenversammlung be- antragt. In der Begründung sogt er, daß die Anmeldungen von Kindern sckion jetzt doppelt so zahlreich wie im Vorjahre sind, wo Berlin 68(MX) Kinder verschickte. Das Jugendamt hat bereits um« 'ästende Vorbereitungen für die diesjährige Verschickung getroffen. In erster Linie werden Kinder ausgewählt, die im vorigen Jahre wegen Mangel an Pflegeslellen nicht verichickt werden konnten, oder deren Väter im Felde stehen, oder deren Wlederciilsendung die Pflegeelrern deS vorigen Jähr es wünschen. Nur geirnide Knaben und Mädchen von 6—14 Jahren werden berücksichtigt, doch ist auch Verschickung von noch nicht schulpflichtigen Kindern dann möglich, wenn ältere Geschwister mitgeschickt werden könne«. Ausgeichiosseu werde« jtinder, ür deren Familien kurz vor der beabsichtigt«« Entsendung Diphtberie, Scharlach oder Masern vorkommen, die olS Bazillenlräger dem Unterricht fernbleiben müffen, die mit ansteckenden Krankheiten behaftet sind, die an Bettnässen leiden, ferner solche Kinder, für die Fürsorgeerziehung beaiilragt ist, deren Belrageu iu der Schule zu erheblichem Tadel Anlaß gegeben hat, die im vorigen Jahr durch! eigene Schuld vaczemg vom Landaufenthalt zurückkehren mußten, l die auf Veranlassung der Eltern ohne ausreichenden Grund den Landaufenthalt unterbrachen. Einige dieser Bestimmungen klingen. wie wenn die Verschickung aufs Land nicht eine durch die ErnährungSschwierigleiten gebo-tene Maßregel der Gesundheitspflege, sondern eine Belohnung für Wohlverhalten sein soll. Von solchen Erwägungen möge man sich sernhallen, wenn darüber zu entscheiden ist, ob ein Kind des Landausenthaltes bedarf. Aus den weiteren Bestimmungen sei hervorgehoben, daß die Kinder zu leichten Landarbeiten ihren Kräften entsprechend herangezogen, aber nicht über- anstrengt werden dürfen. Besuche von Angehörigen sollen unter' allen Umständen unterbleiben, bei Erkrankungen der Kinder ist zu Besuchen die Erlaubnis deS Jugendamts einzuholen. Bei unerlaubten Besuchen werden die Kinder den Eltern soforr zu- riickgegeben. Ob solche Härte nötig ist, erscheint uns sehr zweifel« hast. Ohne Rücksicht darauf, ob ein Kind in entgeltliche oder unentgeltliche Pflege kommt, wird zur Deckung der allgemeinen Unkosten ein Betrag von bt) Pfennig für den Tag erboben. Ausgaben für Reise, für Arzt und Apotbeker trägt die Stadt, gegen Unfälle sind die Kmder versichert. DaS Jugendamt bemüht sich auch um Unterbringung von Kindern höberer Schulen. Für sie sucht eS neben den bv-Ps.-Pflegestellen auch solche, die mehr kosten._ Betrifft Zusatzbrotkarten l Wegen der Osterfeiertage werden die Zusatzbrotkarten für die Wochen vom 36. März btS 6. April»nd 6. April bis 12. April bereits Dienstag, den 26, März oder Mitt- woch, den 27. März ausgegeben. Sonst findet die Verteilung der Karten wöchentlich statt. Zum Aprilumzng. Der Magistrat macht bekannt, daß alle Berliner Einwohner oder Geschäftsinhaber, die ihre Wubnung oder ihre Geschäftsräume wechseln oder ganz aufgeben, verpflichtet find. dies dem Magistrat. Deputation für die Koblenversoigung, 0 2, Spaiidauer Str. 10, anzuzeigen. Vordrucke hierzu sind auf den Berliner Vrotkommissionen erhältlich. Die Unterlastung dieser An- zeige kann das Ausbleiben der neuen Kohlenkartc zur Folge haben. Ausweise für die Kohlenkundenlisten. Für die demnächst zur Auslegung gelangenden Kundenlisten für Braunkohlen« b r i k e t t s erhält jeder Bezugsberechtigte einen besonderen A u S- weis. Die Ausweite werden wie üblich durch den Hauswirt zu- gestellt. Die Austeilung durch den Hauswirt soll spätestens am Sonnabend, de» 23., bzw. am Sonntag, den 24. d. M t s., erfolge». Die städtische Kochschule, Dunckerstr. 65—66(in der Nähe der Ringbahnböfe Schönhauser Alle« und Prenzlauer Allee und der Hochbahnhaltestelle Danziger Straße) hält TageS- und Abendkurse ab. DaS Sommerhalbjahr beginnt am 8. April. Der Unterricht wird vormittags von 8 Uhr bis 12 Uhr und abends von 6 Uhr bis 9 Uhr erteilt. Das Schulgeld beträgt für ein halbes Jahr bei ein- maligem wöchentlichen Besuche 6 M.. bei zweimaligem 12 M. DaS Schulgeld berechtigt zur unentgeltlichen Teilnahme an einenr, Schneider- und PlättkursuS in einer städtischen Fortbildungsschule. Auswärtige zahlen doppeltes Schulgeld.— Nähere AuSIunft wird mündlich und schriftlich erteilt. Anmeldungen werden in der städtischen Kochschule, Dunckerstr. 65—66, Montags, Donnerstags von 8— ö Uhr abends, ausschließlich der Ferien, entgegengenommen. Rechtzeitige schriftliche Meldungen werden berücksichtigt. Die nächsten BolkSkonzerte deS Philharmonischen Orchesters finden am Donnerstag, den 23. März, in den Germania-Prachtiälen, Chaussecstraße 110, und am Sonnabend, den 30. März, im Stadt» tbeater Moabit, Alt-Moabit 47/43. statt. Beginn der Konzerle 8 Uyr. Eintrittspreis 30 Pf. Kasseneröffnung 7 Uhr. Zwei Jranenmorde. Dienstag mittag ist die öljährige Hausbesitzerin Frau Frida Friedenthal in ihrer Wohnung M ü n ch e n e r Str. 35 in Schvncberg ermordet aufgefunden worden. Der Kopf der Leicke wies fünf schwere Stichwunden auf, die das Gesicht fast ganz zerfleischt hatten. Die sofort angestellten Nachforschungen führten noch am selben Tage zur Ermittlung und Verhaftung des mut« maßlichen Täters. Von dem Zimmer, in dem das Verbrechen geschehen war, führte nämlich eine B l u t s p u r»ach der im dritten Stockwerk desselben HauseS gelegenen Wohnung der Schneiderin Richter. Der Sohn derselben, ein 21 Jahre alter Kellner AdolfRichter, der bereits dreimal fahnenflüchtig geworden ist und sich in der mütterlichen Wohnung aushielt, wurde hier von der Polizei unter einem Bette versteckt auf- gesunden. Er behauptete, an der Tat unschuldig zu sein und sich nur deshalb verborgen zu haben, loeit er als Fahneuflllchtlger nichl den haussuchenden Beamten in die Hände fallen wollte. Die Ursache des Mordeö ist noch nicht ausgeklärt. Die Polizei nimmt an, daß vielleicht ein Racheakt vorliegen könne, weil der Kellner Richter von seiner Hauswirtin, der ermordeten Frau Friedenthal, als Fahnenflüchtiger denunziert worden war. Im übrigen verfolgt die Kriminalpolizei noch.zlvei weitere Spuren. Zu dem Schöneberger Mord wird mitgeteilt, daß nach den wei- teren Ermiftelungen der Kriminalpolizei der als verdächtig vorläufig in Gewahrsam genommene fahnenflüchtige Soldat Rich- t e r anscheinend dach nicht der Täter ist. Im Laufe des gestri- gen Tages sind auf Grund der weiteres Spuren, von denen wir i'chon sprachen,«inige neue Verhaftungen erfolgt. Die Nachprüfung dieser neuen Verdachtsgründe ist ober noch nicht beendet. Von einem Raubmord ist keine Rede. Der Geldschrank der Er- mordeten war ganz unbeschädigt und ist erst gestern von der Polizei geöffnet worden. Ein zweiter Franenmord wurde gestern vormittag in L i ch t e n« berg entdeckt. In der B o x h a g e n e r Chaussee 21 betneb eine Frau Katharina Müller geb. Heimann im Erdgeschoß ein Konstlürengeschäst. Dieses wurde gestern nicht geöffnet. Als man nachsah, fand man Frau Müller in ihrer Küche erhängt auf. Die Leiche wies außerdem eine schwere klaffende Kopfwunde auf. Es konnte festgestellt werden, daß der Tod durch Erdrosseln eingetreten fit. Allem Anschein nach hat der Täter Eintritt in die Küche ge- »nden und hat die vor ihm Stehende mit einem wucktigen Hieb durch ein stumpfes Instrument betäubt. Dann hat der Mörder den Tod der Müller durch Erdrosseln herbeigeführt. Nach der Tal hat der Verbrecher, der wahrscheinlich mit Blut bespritzt war, sich die Hände an einem in der Küche hängenden Handtuch abgetrocknet, ist dann in den Laden gegange» und hat dort geraubt, was er mit» nehmen wollte. Ter Täter hat sodann allem Anschein nach den Laden zugeschlossen und ist wieder durch die Küche entkommen. Neukölln. Grüidung einer Fleischer-WirtschoftSgenossrnschast. Die hiesigen Fleischei meister haben kürzlich in erner Versammiimg im Deutschen Wirlshauie sich mit der Schaffung einer WirtichaslS- genosse»sch-ist beschäftigt. Ais Zweck der Genoffenschaft ist der ge- iiieinsame Einkauf von Fleisch und oller iür den Gewerbebetrieb ersorderliche» Maleriaucn sowie die gemeinichaftliche Verwertung der Schlachtabkälle in Aussichi genommen. Nach eingebender Er- örterung wurde einstimmig beichiossen, eine Wirtichaftsgenossenichast für da« Fleischergewerbe ins Leben zn rufen. In der' Gründung«- Versammlung wurden sofort 53 500 M. Geschäftsanteile gezeichnet. Lichtenberg. Lebensmittel. Zum Ausgleich kür die Kürzung der Milchportion erhalten die Kinder bis zum 4. Lebensjahre außer den aus die Ledeiismiltellarte gewährten Lebensmineln einmalig als Ersatznährmittel 1 Pfund K i n d e r g e r st« n«l e h l zun- Preise von 76 Pj. DaS' Nährmittel ist in den städtischen VertausShalleu und in den hiesigen Filialen der Konsumgenossenschast gegen«or< zeigung der März-Vollmilchkarten erhältlich. Weißensee. Ans der Gcmrindevcrtretnng. vor Eintritt in die Tagesordnung macht der Bürgermeister den Borschlag, bei der Re- gierung eine Verfügung zu erwirken, wonach der Amtsiiorsteher berechtigt sein soll, die einwandfreien Dach» und Kellerwohnungen zur Benutzung für Wohnzwecke freizugeben. Die Gemeindevertreter Taubmann, Schlemminger und Fechner sprachen sich gegen diesen Vorschlag aus und verlangten durchgreifendere Maßnahmen. Vor allem aber sollen die einmal für Wohnzwecke nicht geeigneten Räume unier keinen Umständen wieder frei gegeben werden. Darauf zog der Bürgermeister seinen Vorschlag zurück. Die ttanaliiationSgebühr wurde für das laufende Etatsjahr von 2�/z Proz. auf 4 Proz. des Nutzertrages erhöht. Aus Hausbesitzerkreisen wurde über diese Erhöhung dadurch quittiert, daß man ein« be- deutende Mietserhöhung in Aussicht stellte. Leider sprach auch hier» bei der Bürgermeister den Hausbesitzern Mut zu, denn nach seinen Erfahrungen find die Mieten im Orte viel zu niedrig, und er zitierte den schon oft genaunten Herrn Haberland, der vor einer Mietserhöhung um 50 Proz. nicht zurückschreckt. Zum Schluß der Sitzung kam es noch zu einer regen Aussprache über die Mangel- basle Lebensmittelversorgung, die für die meisten Herren kein Interesse zu haben schien. Weißcnsee. Lebensmittel. Auf Abschnitt B der allgemeinen Lebensmittelkarte entfallen 250 Gramm und aus Abschnitt 6 50V Gramm, insgesamt 750 Gramm Marmelade. Die Ent- nähme der Marmelade muß von heute bis Sonnabend in dem Ge- schüft ftatlsinden, wo der Karteninhaber zum Bezüge von Röhr» Mitteln eingetragen ist._ FriedrichSselde. Lebensmittel. Für Kinder vom vollendeten zweiten Lebensjahre bis zum vollendeten achten Lebensjahre, sowie für stillende Mütter und schwangere Frauen vom sechsten Monat ab werden auf besondere Bezugscheine, welche im Einwohnermeldeamt, Donnerstag, den 21. März, von 5 Uhr nachmittags, für die Buch- staben A— L und Freitag, den 22. März, in derselben Zeit für die Buchstaben M—Z unter Vorlegung der HaushalwngSliste auSge- geben werden,>/, Pfund Haferflocken und V, Pfund Zwieback verabfolgt. Es wird besonders darauf hingewiesen, daß nur Kinder in Betracht kommen, welche daS zweite Lebensjahr vollendet haben und noch nicht acht Jahre alt sind. Stillende Mütter und Schwangere können die Bezugscheine schon am Donnerstag und Freitag in den Dienststunden von 8~2>/z Uhr gegen Vorlegung der HauS- Haltungsliste und emer glaubwürdigen Bescheinigung m Smpfang nehmen. Die Ausgabe der Waren erfolgt von Dienstag, den 28. März. ab unter Abgabe der Bezugscheine und zwar: in Friedrichs» fe l de, bei Dornhauer, Frehland und Krinick, in Karlshorst bei Busch, Schulze, BeamlenwirtschaflSverein und Zachert. Zehlendorf. 190 Proz. Zuschlag. Der vom Gemeindevorfland aufgestellte Entwurf zum Haushaltsplan 1918 steht eine Erhöhung des Zuschlages do» 180 auf 190 Proz. vor. ES ist aber wahrschein- lich, daß, wie in anderen Gemeinden, auch in Zehlendorf von der Gemeindevertretung eine Herabsetzung der Steuererhöhung beschlossen Werde» wird._ Friednchsfekde. Torfverkauf. Ilm die Versorgung der Ein- wohncrschafl mit Brennstoffen für den nächsten Winter bester zu ge- stalten, will die Gemeinde Torf beschaffen, der im kommenden Sommer geliefert werden soll. Zu diesem Zweck hat der Gemeinde« vorstand zunächst eine Probesendung kommen lassen, von der kleinere Mengen zu Versuchszwecken an die diesige Einwohnerschaft ab- gegeben werden sollen. Ter Verkauf ist auf morgen, vormittags 9 Uhr, auf dem Grundstück Dönhoffstr. 31 festgesetzt. Zunächst soll an einen Haushalt nicht mehr als Zentner abgegeben werden, und beträgt der Preis hierfür 2 M., der vor der Entnahme des Torfes nit Einwohnermeldeamt zu erlegen ist. Nach den bestehenden Bestimmungen wird Torf auf die Kohlenkarte weder jetzt noch im kommenden Jahr angerechnet werden. Der Gemeindeborstand knüpft daran die Bitte, die Probeversuche sofort anzustellen, damit er alö- bald in den Besitz vqzi Urteilen über die Gebranchsiöhigkeit gelangt. Denn davon wird eS abhängen, ob größere Bestellungen getätigt werden sollen._ Reinickendorf. DK Gemeindevertreterwahle« haben da« Ge« samnesultat gebracht, daß die Parteien ihren alten Besitzstand ge- wahrt haben. Daß eS nicht gelungen ist, trotz günstigster Aussichten, die bürgerlichen Vertreter aus der 2. Klaffe zu verdrängen, verdankt die Arbeiterichaft den.Unabhängigen�. Das von der sozialdemo- krattichcn Gemeindevertreterfraktion, zu der bisher auch die Un- abhängigen gehörten, erstrebte gememsame Vorgehen bei der Wahl wurde von ihnen, pochend auf die angeblich hinter ihnen stehenden Massen, brüsk abgelehnt. Dieses Angebot wurde von unseren Genoffen, als am Sonntag ihr Führer Seile gegenüber nnfersm Genossen Schönberg unterlegen war, für die bevorstehende Wahl der 2. Klaffe wiederholt. Sie wollten dazu beitragen, den Arbeitern die bisherige für sie wertvolle Vertretung zu erhalten. Auch dieses Angebot wurde abgelehnt. Und das obwohl unsere Genoffen den Vertreter der Unabhängigen darauf aufmerksam machten, daß nur durch ein gemeinsames Vorgehen ein Erfolg zu erwarten sei. Die Antwort der.Unabhängigen" verdient festgenagelt zu werden. Sie lautet:.Da« wissen wir. Bürgerliche Vertreter sind uns aber lieber als Anbänger der Schönberg-Gruppe" <- llöbel in ollen Prelalacen I-, 2- n. 3-Ziram.-Wohnungen empf. in med. Ansführg. Jtll. Apeit. Tischlermstr. Berlin SO, Adalbertstr. 6, Hoohbahnst. Kottb. Tor. Parzellen, Vorort. Görl. Bahn, landschastlich schöner Kolonie. Wald u. Wasser, Parzellen v. 1200 M. an, II. Anz. Schleuer. S8crI.,Jtotl6. Damm 39. MichttAe Mitteilung für alle Kesrr des Alle Leser des.Vorwärts" erhalten gegen Ein- sendung des nebenstehenden Gutscheins ein Gratis- Probeheft der rühmlichst bekannten illustrierten Zeit- schrift„Welt und Wiffen". Dieselbe bringt von ersten Schriftstellern aenteint'erständliche Abhandlungen au» allen Wisienschoften. Jede» Heft enthält zirka 20 Artikel, z.&; Der Mensch« der Pstchlbauzrit. — Wenn die Erde erzittert.— Wie erhalte ich mich gesund.— Der Wille und dessen Gymnastik.— DaS Leben unter Wasser.— Fernpholographie.— Liebe und Ehe bei den Naturvölkern.— Der Mensch und die Geisterwett.— Flüssige Luft.— Einfluß der Lebensweise aus da» Menschenalter.— Verschwundene Städte «8 der Sahara.<•» Sine Fahrt im Unterseeboot usw. „Uorwärts" Außerdem erhält jeder Abonnent SmWWkk gratis illustrierte und zwar zu jedem Jahrgang drei Werte. Damit jeder Leier darauf abonniereu kann, Preis auf nur 20 Pf. pro Heft festgesetzt. ist der GuWtili V An den iverlag„Welt und Wissen« Berlin-Schöneberg, Am Park 11. Ich bestelle hiermit ein Probehest kostenlos Name:. Ort:,. Pom vorzeitigen Altern. Die ersten Anzeichen find Runzein und Krähen- süße. Diese aber kommen weniger oft von Kummer und Sorge als don veberanstrengung der Sehkraft. Selbst kleine Fehler der Augen führen zu einem ständigen unbewußten Anspannen der Augenmuskeln und Nerven, wobei man unwillkürlich die Augen zu- sammenkneift. Dadurch aber bilden sich Furchen und Rimzeln auf der Stirn und um den Augen, die stch mit der Zeit tief einprägen. Da aber trotz der Anstrengung der Augen das Sehen nicht dollkammen wird, so find Kopstchmerzen, Augenbeschwerden und Nervosität die Folge. Bald tritt jene nervöse Abgespanniheit der Gesichtszüge ein, die ganz besonders vorzeitig alt erscheinen läßt. Wollen Sie recht lange jung und frisch erscheinen, Wollen Sie lesen und arbeiten können ohne schnell müde zu werden, wollen SieJhreNerven schonenund stch bor Kopfschmerzen, soweit solche von den Augen herrühren, bewahren, so kommen Sie zu unS und lassen Sie sich genau passende Gläser anfertigen. Optiker MuS�siIce CSpiKelmorff, •«cke CO Oraaien-Stc. 44, O, n»h« vr»ute>!. Platz MW Sriedrich-Sir. 1S0. •l* VV» g»rottz«e»-Ttl. W Leipziger Sfr.113, fyj«Haufiee-Str. 72, . 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Den Mitgliedern die trau- rige Nachricht, daß unser f Kollege Äugusie EeHer I ÄSöert Bemnann im Aller von LI Jahren. Ehre ihrem Andenken k Die Beerdigung findet am Freitag, den 22. März, nachmittags 2H', Uhr, von der Halle deZ zweiten Schö- neberger städtischen Fried- hoscs, Eyihstraße, aus statt. Ilm rege Beteiligung ersucht ZI/1 Der Bo>.stMd. WiWWMNZWWZW Allen Berwandten, Freun- den und Bekannten die traurige Nachricht, daß nach langem, schwerem Leiden meine liebe Frau ivguslL Bsttei' im 61. Lebensjahre»er- iiorbcn ist. Dies zeigt ticsbctrübt an der Ehemann Dsdvrevlit llei-t«r-, Gruncwaldstr. 39. Die Beerdigimg findei am Freitag, den 22. März. nachmitiagS 2p, Uhr, aus dem zweiten Schöncberger itädtiichen Fricdhoj w der Egthh�oße' veusscher rrantpoi'tii'btltekvei'bsiia. Bezirksoerwalt. Groß-Berlin Den Mitgliedern zur Nach- richt, daß unsere Kollegin, die Botenfrau Äagoste Herter am 19. d. M. im Aller von LI Jahren verstorben ist. Ehre ihrem Andenken k Die Beerdigung findet am Freitag, den 22. d. M., nach- mittags 2'/, Uhr, von der Leichenhalle des zweiten Achönebergek Gemeinde- sriedhoseS(Blanke Hölle) aus statt. Rege Beteiligung erwartet I9/L Die Bezjpfcsleltunfl. Allen Freunden und Bc-> tonnten die traurige Nach-I richt, daß am 17. März nach langem, schwerem Leiden I mein lieber Mann, Sohn,I Schlviegcrsobn, Bruder, f Schwager und Onkel eöllafl! Dreier im Alter von 4L Jahren sanst entschlasen ist. 1873b Berlin,(üroggörschenslr. 41. vis ttir.Ierdüebenen. D.ie Beerdigung findet am Sonnabend, den 23. März, nachmittags 3 Uhr. in Lant- witz, Lutder-Gcmcinde, statt. Spezialarz! Dr. med. WockenluB FrMntteff.ffiSa!:,?! fürSyphilis,Hani-u Krauenleitlen Blutuntersuchungcn. Schnelle, sichere, schmerzlose Heilung ebne Berulsstörung. Teilzahlung Gewinne 50000 30000 20000 «0000 Mark Lose sn OM Por Z Hl. 45 PJ. mehr. IQ gemischL GlilckstosoUni mit Porto und liste nur Sll! vei-senden(auch gegen Nachnahme) EmilHaase&Go. 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Direktion Max Kainhardt. OeatHchcH Theater. 7 Uhr; Macht der Finsternis. Kamnierspiele, 7Vt Uhr: Snnmran. Volkehühne. Theater am BOlawplatz. UntergTundb. Bonönh. Tor. 8 Uhr: Hannelos Himmeltahrf. Dir. C. Meinhard— R. Bernauer. Ttieater l,-. Königgrätzerstr. 7": Die Helden auf Helseland. Komödienhaus 71,;Derlini»estechIlciic. BerlinerTheater 7 Uhr:»litzblaae*»Int Gastspiel; Fpieda Im Solotänzeriu Jan Trojanowski Hofballettmeister vom Ballett des Kgl. Hoitbcatcrs Dresden sowie der große März-Varictd-Spieiplan, Shf. Fried riehst;. M'.-.V1' 31.• März tiewider- 1 tnflioli letzte Tor- 1 ._ stellangen.| las groüe Saortprcgramm u. Tilly B6be] Iressiorte Hiebllren. EütKlelrtüiigs-SzEne In der T ntt Frl. Zoe,| x die übrig. KunsfkrSfte. FJoviirn Orig.Anast.- Eil vAIIa v« Pantomime. I Theater für Donnerstag, 21. März. Oentral-Theater Koiumandanteustraße BT. 7'/,: DieCenrdaatttrstln Ueatmehea Opern hana 7 uhr: Carmen. Frtedrlcb-Wllhelmst. Theater 7.;,uhr: Das DremMeriliaiis. kieines Theater 7«/. uhr: Nante. I a»t«plelban» 7'/, Uhi: Die Wonilen»ädels vliadenhol Metropol-Theater tjhr: Die Rose m MM. Heute S*/. Uhr: Ppeolle DsikzM. Neues Operettenhaus Schiffbd. 4n. KasseniNd-SSl 7v.mr-.Der Soldat derMarie. ■Komische Oper 7% u.: SeliwarzwaldiiiEiiel. Sbd. Z'/,: Schwarzwaldmädel. Sonnt 3'/, U.: Die KinokSnlgin. Kosidcnn- Theater '•/«uhr: Der junge Zar. BchUler-Theator O 7v. uhr: fiopfeoratlis Erliefl. Behtller-Th. Oharl. 'v.uhr: Tranmulus. Thallo-Theater Theater am Nollendorfplatz 31/« Uhr; Kolbere». 7 Uhr: Theater des Westens 7»/, Uhr: I-udwig XIV. mit dünldo Thielscher. Vorh.: Der Reglmenfszauberer. 3V. Uhr: Am Goldenen Horn. HATIONÄHHEATER. ßröjiter jCacherfolg! Vis ist richtig!! Sonntag 3'/, Uhr: Btudentenilebchen. Feiertage:»le Ist richtig! Vorverk. ab hente. Rose-Theater. Uhr: Dag GM im Makel. Casino-Theater Lothringer Str. 37. Tägi."f.S ll. Unwiderrtlsiich biä 27. Marz: Hamsterfritze. Dstalonntng zum ersten Mole: �.»nas Tmniu. Luftspiel von Adolf L'Arronge. Senntag 4 Uhr: Bajazzo. ÄpoBlol | Friedrichstr. 218. 78/« Der Fliejcer von Tsinstnu 1 sowia die verbüiftenden| I Variete-Attraktionen. | Theaterkasse ab 10Ü. nnunterbr geöffnet MÄÄA. Tagl. 7V» Slg.J'/.e.TV.U Das medizioiseiie Rätsel Schlantenlänze— Feuerspeiende Menscbeo— Die schöne Creolin— Karl Reinscb— 2 Dubskls— Rappos parod. Nenheiten usw. Zum Schloß: Mondfabrt. URANIA. S.Uhr: Oberstabsarzt Dr. Meißner: Die Well Des Films. Walhalla-Theater. 7V. Uhr: Das mBlifopteadotl. Ädmiralspaiast. Heute 7'/« Uhr | Abrakadabra) i Deutsche T&nze». Schubert| Vorzügliche Küche. M Berliner Konzerthaus Mauerstraße 82. Zimmerstraße 90/91. Heilte: Großes Konzert des Berliner Konzerthaus-Orchesters. Leiter: Komponist Franz von Blon, AwfM»- 7V. Uhr. Eintritt 80 PI Anfang 7'/. Uhr. An a il•■ Innbislttiiw Vnnrnst M freiem Eintritt. i WaiHMIfllP'li mim n. Viälsr Orciliitnriwitofnitg Lichtspiel-Palast SebBnhauser Ällee 148 (früher Puhlmann) ab •% Freitag, den 22. März Das große XägI.7V„ Sonnt. S'/jU. 7'/, Pen. Auftr. Paul Heidemann in der Film-Operette „Paulchans Badeabenteuer'' jL�OB�neu�MürrU�g� Voigl-Thealer. Badstr. 68. Bodetr. 58. Täglich 7'/, Uhr: Von Stufe zu Stufe. Trlanoa-Theater '/,8 am Bht. Friedrichstr.'I,H Tel.: Zentrum 4927 und 2391. Der Lebensschöler Komödie von Ludwig Fulda. Ida Wüat, Erich Kaiser-Titz, v.MöUendorS, Flink, Kettner. Stg. 4 D. kl. Pr.: Johannisteuer. Friedrichstr. 165. Ecke Bebreustraße. ßlaire Waidoff WilH Prager Milda Breiten Mizzi Oressl u. das hervorragende MAn- Programm. Kaffee Luitpold Hotzatraße 15. Kabarett. Paul König Elsa Uofer, Kart Reinlag. Hella Bella tmd der Fürst der Boheme Danny Gürtler II Relchsballen-Ttieater. AKahendlleh 7'/, end Sonntag nachmittag 3 Uhr Mein Weih- oaehtstraura Nachmittags ermSBigte Preise! Spezial-Arzt Dr. med. Uaoehe, Friedrichstr, 90 SebanBL vonSNPhilis, Hnut- Haru-, ihrauenleihen. fpez.: chron. Fälle. Schuterzloie.lürzestc Behandig. ohne Bernssslörung. Blnlunlersuchmlg. Mag. Preise. TsUzahimrn. Sprechunnden 10 d»» mld 5-8. Sonnt. 11— L trheiler-�ugem!. Sonnabend, den 2li. März, Im Jngendheim, Llndenstr. 8, 2. Hvf 3 Treppen Eiehldüllei'-sorli'sg Strollzüge«Inns Eisenbahners durch Atrika. 70 Lichtbilder. Bortragender: Herr Ingenieur I. Ligockl. Oeffnung 7 Uhr. Ans. 7V, Uhr. EtntrlllSkarte 20 Pi. Zn zahlreichem Bestich ladet ein 18715 Die Helmleltung. JFlafen eignen erlernt man oljne'Bufgaße detS'üemfd, otjne IPecfifel öeäDufcntpaltä und opne <£infc6ränfung der fonfli' gen'pfrngten natf) tmferem neuartigen, erfolgreichen und glängend degutady teten ifefyrfgflem.'Xroßbem perfönndj ein CeOrer oder Jiünfiler nidjt In Hn/pcud) genommen werden ßraudft. unterliegen die anjufetti' genden Studienarßeiten, die im eigenen fieim wäfy rend der freien �elt erlebigt werben tonnen, bennad) einer Händigen Aorreltur durch Aünfttcr. Ol ad) er» folgtem Studium ßellehen guteSutißchten aufgewinn' dringende Ibefdäftigung. U er langen Sie toflenlod au6führrid)en lllu/trierten 'Profpeft�s�S)�>�s�s�9 37laf' unb�tlt�cii' llnterüdji. 7-hU. Oer ioetUH WM Nr. SS—-m* §rovtfiieger einst unö jetzt. Bon F. Hausen. Wenn je eine Waffe auZ kleinen Anfänge» heraus Bis zur vollen technische» Durchbildung im Laufe dieses Weltkrieges ent- wickelt werden konnte, so gilt dieses ganz besonders von der Flieger- Waffe. Nicht»mr in ihrer rein technischen ständigen Umarbeitung als Luftfahrzeug, nicht nur m der fortschreitenden Steuausrüstung mit Schliffwaffen, fondern ganz besonders in der Heranziehung der Lustwaffe zu den verschiedensten Betätigungen haben sich ständig Neuerungen gezeigt, die in keiner Weise mehr den, entsprechen, waS man sich zu Beginn des Krieges von der Mitbenutzung des Flugwesens zu den 5kriegSwaffen vorgestellt hatte. Einst« mal?— es klingt so fern und liegt doch nur wenige Jahre zurück— glaubte man dos Flugzeug in erster Linie niir für den Beobachtungsdienst verwenden zu können, eine Erleichterung für die Kavalleriewäffe, die in stüberen Kriegen in erster Linie die AulklärungstStigkeir zu übemehinen hatte. Und doch, was ist heute daraus'geworden! Eine Lielgestalligkeit und Spezialisierung sondergleichen hat gerade die Flugwoffe erfahren. Wissen wir doch heute, daß Flugzeug« je für ihre einzelnen Zwecke auch dem- entsprechende besondere technische Ausgestaltung erfahren, daff sie sowohl als Land- wie auch als Secflugzeuz« in ihrer Konstruktion und Bewaffnung ganz besondere Eigenheiten aufweisen, die sie erst in recht zu Photographier«, Einfchieff-, Fernaufklärungs-, Jagd», Infanterie-, Schlacht-, Bombenflieger, und was dergleichen mehr sind, befähigen. In der rein äufferlichen Gestaltung der Flugzeuge ist die einst- malige Taube vollständig aus der Reihe der Kriegs flug zeuge der- fchwundcn; auch der zu Anfang erfolgreiche Folker-Eindecker ist wegen seiner technischen Mängel schon seit langem an der Front ilichl mehr zu sehen. Sowohl für den Arbeitsflieger, als auch für den Jagdflieger ist der Zweidecker als das entwicklungsreichfte und zuverlässigste System im Verlauf dieses Krieges ausprobiert worden: Keiwrungsil in Gestalt von Treideckern, wie die von gegnerischer Seite und auch vo» uuS seit kurzem benutzt werden, befinden sich noch im Bersuchsstadmm, während das(jegjfcrischcrseüs vereinzelt benutzte System des Bierdeckers Wohl kaum Aussicht hak. allgemein eingeführt zu werden. Maßgebend für die Einführung neuerer Type» ist und bleibt für uns nicht nur die gesteigerte Schnelligkeit und Steigfähigkeit der Maschine, sondern weit noch mehr deren Betriebssicherheit; es ist ja auch in den Fachkreisen be- kannt, daß die Unfälle des Gegners durch das ungenügende Betonen gerade dieses letzteren NmstondeS bedeutend zahlreicher sind als bei uns, Tie Anforderungen unserer miltläriichen Versuchs- und Ab- nabmekommandoS au die neuen Ma'chinen werden gerade nach dieser Richtung hin ganz besonders betont: und die Erfahrungen der letzten Jahre laffen erkennen, daff man nicht nur mit einer iorgfälstgieu Durchprüfung der neuen Typen vor ihrer Einführung, sondern auch mit der ständigen Beobachtung auf Bewährung und BetriebSstcherheit während der längeren Benutzung durchaus vor» fichtig ist. Während zu Beginn dcS Krieges Flugzeuge vo« IVO PS mit einer Stundengeschwindigkeit von 80—100 Kilometer als die leistungS- fähigsten für die Front angesehen wurde», sind heute Stunden- geichwindigkeiten von 180—200 Kilometer und mehr die Regel; dementsprechend ist auch die Stärke der Motorenkraft inzwischen ge» steigert worden. Aus de».Dreistieligen" ist heute die.einstielige' Maschine geworden, die eine Steigfähigkeit und Geschwindigkeit auf- weist, wie sie für de» Jagdflieger als Borbedingung zum Erfolg notwendig ist Für die Arbeitsmaschine benutzen wir heute fast durchgängig.zweistielige' Flugzeuge mit geschlossenem Rumpf und haben dabei die zuversichtliche Beobachtung gemacht, daff auch der Gegner immer mehr zu unseren» System übergegangen ist und seine .Eittcrrümpse' aus dem Frontgebiet nach und nach sogar wie ver- schwunden ist. Die.Veteranen' unserer Frontflieger erzählen vielfach noch Ge'chichteu, die fast wie Märchen klingen. Zu Beginn des Krieges folleu die gegneiischen Flugzeuge aneinander vorübergeflogen sein, ohne sich gegenseitig ein Leid anzutun; ja vereinzelte Fälle soll es sogar gegeben haben, wobei sich die Insassen der gegnerischen Flug« zeuge freundlich zuwinkten, während sie nach den entgegengesetzten Richtungen zur Durchführung ihrer AusklärungSaufgaben davon- flogen. Aus dem euistigen Pistolengewchr, das durch sein unsicheres Zielen dem Gegner wohl kaum einen Treffer beibrachte, ist man gar bald zum Maschinengewehr übergegangen. Und dieses wieder ha: erst seine wirkliche Kricgsgeeignetheit im Flugzeug erwiesen. seitdem es starr eingebaut werden konnte oder, wie der VolkSmund sagt, mit demselben.durch den Propeller geschossen' werden konnte; in Wirklichkeit ist das Maschinengewehr mit dem Motor ge- kuppelt und ermöglicht ein Auslösen des Schusses nur dann, wenn Wj Töchter öer hekuba. Em Roman aus unserer Zeit von Clara Viebig. Als Hedwig Bertholdi durch die Felder nach Hause ging, war ihr lange nicht mehr so schwer zumut wie auf dem Hin- weg. Die herbstlichen Felder dufteten ihr nicht mehr nach Sterben, sie dufteten nach Leben. Muffte ihr Heinz denn stürzen-- Mufften sie denn alle hingehen wie nach ehernem Gesetz? ES starben die einen, die anderen wurden geboren— tagtäglich neue. Sie dachte an die zwei kleinen Knaben, an ihres Rudolf und an der Emilie Kind. Und ihr Heinz, der würde fliegen und siegen und glücklich landen! Jetzt glaubte sie auf einmal ganz fest daran. Zu Hause fand sie Annemarie glückstrahlend; die hatte sich ihren Knaben geben lassen und hielt ihn an der Brust. Sie sang ihn ein, mit ihrer selbst bei diesem leisen Summen vollen und tönenden Stimme. Es war das alte Soldaten- lied: .Musketier sein lustige Brüder, Haben guten Mut--- Fidera, sidera, fiderallalla.' .Großmutter.' rief sie lachend, als Frau Bertholdi zu ihr trat..Großmutter, sieben Söhne möcht' ich haben. Lauter schöne, gesunde, muntere Jungen?, sieben Söhne für den Kaiser— was meinst du dazu?' Es war gut, daff Kinder geboren wurden. ZZo sollte sonst wohl Ersatz herkommen für die vielen Leben, die Deutsch. land verlieren muffte? An den Baum fast jeder Familie griff der Krieg mit semer Faust und riß Blätter ab. Eine unendliche Bangigkeit lastete auf der Welt. Dazu der graue herbstliche Himmel, der nur um Mittag Sonne scheinen ließ. In den Stuben keine mollige Wärme. Wenn jetzt schon K mit Feuerung gespart werden sollte, wie würde es dann erst im Winter werden, wenn der Frost knackt? Es wollte keine rechte Zuversicht mehr aufkommen und auch kein Vertrauen zu denen, die zu regieren hatten. Die Kartoffelernte war schlecht gewesen, der nasse Novem- ber hatte auch diese Hoffnung zerstört. Die Kartoffeln, die nicht schon beim Ausbuddeln kranke Stellen zeigten, faulten im Keller. Wenn man nun nicht Kartoffeln' genug hatte. was sollte mau dann essen?! die Schußrichtung von dem in 1400 Touren hernmwirbelnden Pro- peller stei ist. Daß es Flugzeuge mit drei und vier Maschinen- gewehren gibt, ist bei den großen Bombenmaschinen eine selbstver- ständliche Erscheinung; ja, neuerdings sollen vereinzelt auch klein- kalibrige Revolverkanonen im Flugzeug zur Bekämpfung des Gegners aufgetreten sein. Und wie die Schußwaffe, hat auch die MunitionS- ausrüstung eine für die Flugzeuge»und ihre verschiedenartige Be« stimmung besondere Ausgestaltung erfahren. Ilm nur ein Beispiel anzuführen, sei an die Vernichtung der Fesselballone erinnert, ist» nur mit den Geschossen möglich ist, welche eine sofortige Entzündung des Gases mit sich bringen. Ein ganz besonderes Gewicht ist auf die Verständigung vom Flugzeugbaus zu den Erdbeobachtungsstellen gelegt worden. Anfangs suchte man dieses durch Abfeuern verschiedenfarbiger Signal- rakeien vom Flugzeug aus zu erreichen. Eine Zeitlang war auch das System der Morsepfeifen benutzt worden, die durch Ton oder sichtbare Rauchwolken kurze VerständtgnngSzeichen nach unten gaben. Alle diese Hilfsmittal sind durch die Funkentelegrapfiie abgelöst wo» den, die im Flugzeug in voller Sicherheit von der Erdbeobach- hing aufgenommen werden kann, selbst wenn der Gegner durch seine Störungsstationen unter Benutzung von Starkstrom das Auffangen der Signale zu beeinträchtigen sucht. Und nicht nur als Geber von von solchen funkentelegraphiichen Meldungen, sondern auch als Hörer kann beute der Fluqzeugbeobachter wirken. Mit der technischen Bollendung des Flugzeuge« und der Aus- gestaltung in seiner verschiedenartigen Arbeitsweise ist begreiflicher- weise auch die Ausbildung der Flieger und Beobachter eine ganz andere geworden, wie zu Anfang des Krieges; heute handelt es sich nicht nur um die SportSfreude dcS fliegerischen Könnens, die einst der Belängung des Frontflieger« als Vorbedingung galt, son« dern einer vielseitigen und speziellen Durchbildung jedes einzelnen nach den verschiedensten Richtungen hin bedarf eS, um einen Flieger und Beobachter der heutigen Entwicklung entsprechend erst so recht frontfähig zu machen. Unsere Erfolge haben immer aufs neue erkennen lassen, daß wir gerade mit dieser besonders sorg- fälligen Durchbildung und Erprobung vor der Fronttäligkeit eines jungen Angehörigen der Flugwaffe das Rechte getroffen haben, gegenüber der vom Gegner selbst zugegebenen vielfach oberflächlichen und kurzen Ausbildung seiner eigenen Flieger. Im letzten Grade ist nicht nur die technische Bollendung deS Flugzeuges und die be- sonders durchgreifende Vorbildung seiner Führer und Beobachter ausschlaggebend für den Erfolg des Ganzen, sondern die moralische Ueberzeugung und das Pflichtgefühl, das einen jeden der Unsrigen mit besonderer Eindringlichkeit immer aufs neue zur Erfüllung der ihm gestellten bedeutsamen Aufgaden anspornt. Krbeiter-hochschule: volksuntechttltungen. ES ist uuS ein Bedürfnis, auf die mannigsachsn Bestrebungen deS Vereins.Arbeiter-Hochschule' für die Verbreitung und Ber- tiefung der Bildung des Volkes durch wissenschaftliche wie künstle« rische Vorträge hinzuweisen. Dahin gehören vor allem auch die Konzerte. Wie tief man von der Tendenz: Für das Volk vom Besten das Beste durchdiungen zu sein scheint, bewies mir ein Kammerkonzert des. K n i e st ä d t» T r i o S' in der Aula des Dorotbeenstädtischen Gymnasiums. Der BortragSzettel wies kleinere und größers Jnstrumenralwerke vou klassischer wie moderner Prägung auf. Neben Haydn, Beethoven, Schubert, Schu- mann, um nur einen der bedeutendsten Tonsetzer unserer Zeit zu nennen: Max Bruch, dessen zwar schwieriges, aber äußerst dankbares Violinkonzert in G-rnoll mit dem reizvollen Vorspiel, dem empstndungSgesättigten Adagio und kapriziösen Fmale man zu hören bekam. Es ist ein Genuß, dem temperamentvollen Mufizirren dieses jungen sympathischen Künstlettrias: Georg Kniestädt (Geige). Walter Schulz- Düster(Kniegeige) und Julius Dahlke zu lauichen. Im Zusammen- wie im Einzelspiel offen- barte sich allenthalben eine meisterliche Beherrschung deS Instruments und volles Durchdringen der Tonschöpfungen, womit ja die beste Gewähr für echt künstlerische Wiedergabc geboten wird. eh. die Schäülichkeit öer Sauerstoffwaschmtttel. In neuester Zeit haben zur Erleichterung der Wäschereinigung Waschpulver große Verbreitung gefunden, die außer Seifenpülver und Soda Substanzen enthalten, welche bei ihrer Anwendung beim Waschen leicht Sauerstoff abgeben. Da der beim Waschen ent- stehende Sauerstoff hervorragend bleichend auf die Faser wirkt, wird damit eine blendend weiße Wäsche erzielt und die besonders in Großstädten so schwierig ausführbare und auch sonst sehr zeit- raubende Rasenbleiche eri'part. Die von maßgebenden Stellen bis vor kurzem über diese Wasch- mittel abgegebene» Urteile lauteten günstig und ihrer Ausbreitung Die Dombrowski hatte beim Kartoffelausmachen ge-! Holsen; ungern zwat hatte sie sich zu der Arbeit angeschickt, aber die Sorge ums tägliche Brot hatte sie dazu getrieben. D'e Kinder schlangen wie die jungen Wölfe, sie selber hatte auch immer mehr Äp Petit, als Vorrat im Schranke war. Nun ruhten Spaten und Hacke wieder; sie hatte das alte Arbeitsgerät ihres Mannes mitgebracht in die neue Wohnung, und nun fiel es ihr ein, sie könnte es ja machen wie der Stanislaus. Streckenarbeiter, das war noch nicht das Schlechteste, der Wochenlohn war jetzt doppelt so hoch, und wenn mal etwas zu kriegen war, konnte man es sich doch wenigstens kaufen. Und besser war's iinmcrhin als in der Munitionsfabrik, man hatte ivenigstens gute Luft, den Himmel frei über sich, und man sah, wie die Züge vorbeisausten. Unter den Sachen ihres Mannes kramte sie seine Mütze vor; wenn sie denn nicht Schaffnertn spielen sollte, eine Dienstmütze Ivenigstens hatte sie doch auch. Sic Probierte vorm Spiegel: wenn sie die so aufs eine Ohr schob, sah sie noch immer zum Verlieben aus. Ihr Spiegelbild lachte sie an. Es waren nicht genug Hände da, um alle Arbesi zu be- wältigen, überall fehlten Kräfte, besonders im' Bahnbetrieb. Die jüngeren Beamten waren sämtlich eingezogen, waS vor einem halben Jahr für unabkömmlich" gegolten hatte, mußte jetzt auch heraus; wer nur eine Flinte schleppen konnte und einen Tornister auf dem Buckel. Reklamationen wurden nicht mehr berücksichtigt. Nur ein paar alte Knacker waren noch da, aber die waren langsam und griesgrämig: ihre Söhne im Feld, zum Teil tot, verwunder—. und zu essen hatte man auch nicht satt. Als die Dombrowski sich meldete zur Arbeit auf der Sttecke, erhellte sich das Gesicht des Inspektors: eine stramme Person. Zu anderen Zeiten hätte er sie wohl in die bräun- liche Wange gekniffen, jetzt hatte er nur ein befriedigtes Kopf- nicken. Sie wurde einem Trupp von Frauen zugeteilt, die ein früherer Weichensteller beaufsichtigte. Der war ein alter Be- kannter ihres Mannes, fragte sie gleich nach Dombrowski. Puh, das fing schlecht an! Es fuhr ihr ordentlich in die Knochen. War es nicht scheußlich? Nun wollte sie vor den Gedanken fliehen, und nun waren die gleich wieder hinter ihr her. Ob sie wohl jemals Ruhe vor denen kriegte? Sie lachte, als der Mann sie fragte; oh, es ging Dombrowski ganz gut. '|f lU Ö 40 donnerstag, 21. März stand daher nichts im Wege. Diese Urteile gründeten sich auf Ver- suche, bei denen man, wie meist üblich, die Sauerstoffmittel in ver- i'cbiedener Weise aber stets ans reine Wäschestücke zur Einwirkung brachte. Neuere Versuche an schmutziger Wäsche ergaben vielfach starke Beschädigung. Jetzt ist es durch ausgedehntere Untersuchungen Professor Heer- manns gelungen. Licht in die Angelegenheit zu bringen. Es hat sich herausgestellt, daß der an der Faser haftende Schmutz als Sauerstoff- Überträger wirkt, daß dadurch die beschmutzte« Fasern von dem aktiven Sauerstoff wesentlich stärker angegriffen werden als reine Fasern und daß sich auch verschiedene Schmutzparlikel in dieser Beziehung verschieden verhalten. Insbesondere wirken in dieser Beziehung die im Schmutz enthaltenen Salze gewisser Metalle als so starke Sauer- stoffüberträger, daß eine sofortige Zerstörung der mit ihnen be- hafteten Stellen beim Waschen mit den Sauerstoffmitteln eintritt. Geradezu überraschend wirken in dieser Beziehung Spuren von Knpfersalzen. Es wurde von Professor Heermann, wie dieser in der .Chemikerzeiiung" mitteilt, festgestellt, daß die»nit einem Tropfen einer Lösung von 1 Gramm Kupfersulfat auf 80000 Teile Wasser befeuchteten Stellen von Baumwolle- und insbesondere von Leinen.- geweben beim Erwärmen auf 80 Grad in einer lprozentigen Per- boratlöiung schon»ach einigen Stunden ausfielen und auf diese Weise Löcher in dem Zeugstück enistanden. Jnsbeioudere wirkt Eisen und Kupfer zusammen sehr heftig, wogegen Eifen allem nicht wirksam ist. Da so geringe Mengen von Metallsalzen durch Berührung der Wäsche»nit Metallen, die meist durch Angriff der Atmosphärilien an ihrer Oberfläche Spuren von Metoll'alzen enthalten, leicht in die Wäsche hineingelangen, sind die unserer Wäsche beim Waschen mit diesen Waschmitteln drohenden Gcfahien sehr groß. ES dürste sich daraus auch in vielen Fällen die auffallende Erscheinung erklären, daß manchmal die in Waschanstalten gegebene Wäsche nach der Rei- nigung ausfallend viele kleine Löcher auswies, die man in der Wirkung von festen Eblorkallstückchen suchte. Solche Chlorlalkstückchen vermögen' zwar die Wäsche»»ach längerem Gebrauch zu schädigen, können aber ein so plötzliches Ausfallen von Sloffstücken bis zur Lochbildung nicht verursachen. Es möge aber damit dem Chlorkalk nicht das Wort geredet werden, denn die Wirkung der Meiallialre ist, wie Heermann zufügt, ähnlich bei Anwendung des Chlorkalls wie bei dem der Superoxyde. ES wird daher von dern genannten Forscher in der gegenwärtigen Zeit, in der es»»»bedingt notwendig »st.»nit aller» Faserstoffen in» höchsten Maße sparsam umzugeheir, vor der Nstwendung dieser Zusatzmittel und der diese enthaltenden Waschpulver eindringlichst gcivarnt. Kottze». — S»S der Welt des FilmS. Toglich erfreuen sich .Tausende der Wunderwell des Films. Aber wie wenige wissen da- von, wie sie zustande kommt, wie lange daran gearbeitet ist, bis diese bewundernswerte techniiche(nicht immer ästhetisch und kulturell einwandfreie) Leistung möglich wurde. Herr Dr. Meißner, der in der Urania dieses Thema behandelte und Donnerstag daraus zurück- kommt, hat sich den Dank vieler verdient, daß er genaueren Einblick in die Geschichte und Technik des Films gewährte. Er ertlärte, wie überhaupt der Film erst möglich wird durch die Fähigkeit unseres Sehorgans, Lichieindrücke Vz Sekunde festzuhalten, so daff die ge« trennten Einzelbilder zum Eindruck der Bewegung verschmelzen. Die Borläufer des Films(Lebensrad, Wundertrommek, der Taschen- photoskop) führte er im Modell vor. Die Wichtigkeit der Projektion wurde deutlich. Schritt für Schritt wurde dann die Photographie durch die Reihenaufnahmen, die photographische Flinte, die Erfindung des" Negativpapiers reif für das Aufnahmeverfahren, das 14 Aufnahmen m der Sekunde verlanaü Die Methoden, die das Band ruckweise bewegen und die Beleuchtung durch die Blende unterbrechen, wurden anichanlich vorgeführt. Die Wiedergabe ist nur die Ilmkelirung der Aufnahme. Die Kunst des Bildaus ichnilteS, die hohen Ansprüche, die �»n einen Operateur gestellt werden, wurden gebührend betont. lind dann kam das Reizvollste: die Vorführung der Filmdarstellung »in Atelier— durch den Film, das Leben und Treiben auf der Film- bühne. Die vielbewunderten Filmtricks(die zu langsame oder zu schnelle Bewegung, die Ueberblendung zur Herstellwig der Illusionen) wurden vor dem Film erläutert. Der Film muff— so schloß der Vortragende— den Makel der Minderwertigkeit überwinden und zu einem wahren Kulturfaktor werden durch die Mithilfe eines k r i» tischen Publikums. — Bor träge. Neber.Die Geburt deS neuen K u n st i b e a l s' spricht Sonnabend 8 Uhr Dr. Phil. E. Cohn- Wiener im Bürgersaal des Rathauses für die Humboldt-Akademie Freie Hochschule.— In der Berliner Sezession(Kurfürstendamm 232) spricht am 21., 28. März und 4. April Dr. E. Burchard über die Kunst der Geisteskranken und geisteskranke Künstler. Wo war er denn? I, wenn sie das wüßte! Schreiben durften sie es ja nicht, die armen Kerle. Sic loz sich heraus. Aber den ganzen Tag war sie verstimmt deswegen: kam ihr der Dombrowski schon wieder in die Quere! Sonst wäre es ganz nett gewesen und nach ihrem Ge- fallen. Ueb»rarbeiten brauchte man sich gerade nicht. Alle paar Augenblicke kam ein Zug. Dann pfiff der Aufseher, der aufzupassen und auf die Signale zu achten hatte. Dann hieß es: schnell aufs Nebengolvise. Da stand man denn, die Hände auf den Stiel der Hacke gestützt, das Kinn darauf- gelegt, und sah mit offenem Mulid dem vorbeirasenden Zuge nach. WaS da alles vorbeisagte: Truppen, Kanonen, Pferde, Geschütze aller Art, Flugapparate, Maschinen, Fässer. Bretter, Kupfer, Eisen, Schienen, ganze Gerüste. Kartoffeln, Stroh. Heu— alles zur Front; Kohlen und Kohlrüben— Kohlrüben für hier. Da lernte man nun essen. Kohlrüben, Kohlrüben, 5kohlrüben. 5iartoffeln waren zu knapp. Die übrigen Weiber, die mit der Dombrowski auf der Strecke arbeiteten, beklagten sich oft darüber; aber Minka lachte: das focht sie eigentlich am wenigsten an,«nenn sie nichts weiter zu beklagen hätte!. Ein paar pollnscho Mädel von der Grenze waren unter den Arbeiterinnen, die sagten, sie seien so weit hergekommen, um viel zu verdienen, hätten sie aber gewußt, wie hungrig es hier sei, kein Mensch hätte sie hergebracht. Mit der Stasia und derKasia schloff Minka bald Freund- fchaft, und nun erfuhr sie, nicht der Verdienst war's, der die beiden hergelockt: zwei preußische Soldaten waren es, die cinquarrierr gelegen hatten in ihres Vaters Bauernhaus. „Waren sehr schöne Soldat, liebe Soldat!" sagte die schwarze Kasia, und die Äugen der noch schwärzeren Stasia glänzten. Die hofften sie nun hier wiederzufinden:»wenn sich Krieg zu End ist." Ihre Hoffnung hinderte sie aber nicht, auch nach anderen Soldaten zu sehen. Und Minka sah mit. Wozu nutzte das, sich Vorwürfe zu machen und den Kopf hängen zu lassen?! Sie begriff sich jetzt manchmal selber nicht, warum sie sich einmal so hatte schrecken lassen. Ach, der Stanislaus würde schon wieder gut werden, wenn er wieder- kam! Wer weiß, o b er wiederkam? An diesen Zweifel hängte sich eine Hoffnung; eine ganz leise, deren sie sich selber nicht recht bewußt war. Es war ihr nur so, als wäre es vielleicht besser, er käme nicht; für sie und für ihn. Manchmal preßte es ihr freilich ein Tränchen aus, wenn sie dachte: ,Du siehst ihn nicht mehr.' Aber nur manchmal. (Fort!, folgt) Verein zur Abwehr des Antisemitismus Die einmülifle begeisterte Hingabe, mit der ganz Demschland in den ihm aufgezwungenen Krieg trat, baue die Hoffnung erweckt, dah es für immer vorbei sei rnit der Bewertung der einzelnen Bolksteile nach Glanben und Abstammung; hatte dieie doch dem deutschen Namen im Ausland un- endlich geschadet, im Inneren unnötige Berbitte- rung geschaffen, die Gegensätze verschärft. Diese hochgemute Ausfassung, die eine Beendigung unserer Arbeit in naber Frist ins Auge fassen zu können glaubte, hat sich nicht verwirklicht. Schon wieder hat ein neuer antisemitischer Feldzug begonnen; alle Anzeichen lassen erkennen, daß er nach Be- endigung des Krieges in schärfster Form sortgesetzt werden soll; umfangreiche Borbereitungen sind dazu getroffen, gewaltige Geldmittel dafür ge- sammelt. Unter Verleugnung der Tatsache, daß leider mitten im schweren Kampf Habsucht und Wucher in allen Kreisen des deutschen Volkes Platz gegriffen haben, sollen Verfehlungen ein- zelner jüdischer Volksgenossen verallgemeinert und zur Grundlage eines Kampfes gegen die deut- schen Juden gemacht werden; gegen unsere jüdischen Mitbürger, die im Kriege genau so ihre Pflicht getan haben, wie die anderer Konfessionen, die auf zahllosen Schlachtfeldern geblutet, die lausende ihrer Söhne dem Vaterlande zum Opfer gebracht haben. Die Absicht der Judenfeinde zielt aber tiefer. Sie wollen den Judenhaß als Mittel benutzen, um die stark gefährdete unberechtigte Vormacht- pellung einer kleinen Kaste noch einmal gegen die doch nicht aufzuhaltende Neuordnung der inneren Verbältnisse Deutschlands zu befestigen. Demgegenüber ist es Pflicht aller vaterländisch Gesinnten, den Ansturm der rückschrittlichen Par- teien zu belämpfen. Das Baterland bedarf bei seinem Wiederausbau der Kräfte eines jeden, der sich freudig zu ihm bekennt, unbeschadet seines Glaubens und seiner Abstammung. ES gilt, die in ihrem tiefsten Grunde unsittlichen Ideen des Antisemitismus niederzuwerfen. Alle, die eine freie und friedliche Zukunft des deutschen Volkes erstreben— Christen wie Juden—, rufen wir auf zu diesem hoffentlich letzten Kampf um die wahrhafte Gleichberechtigung aller Demscheu ohne Unterschied des Glaubens. Die Höhe des Beitrags ist satzungsgemäß in das Belieben der Mitglieder gestellt. Der Durch- schnittsbeitrag betrug bisher Mk.? bis Mk. 6. doch hat ein großer Teil unserer Mitglieder in den letzten Jahren aus freien Stücken diesen Beitrag erhöht. Die gegneü'chen Organisationeu bähen ihre Beiträge durch offiziellen Beschluß ihrer Generalversammlungen verdoppelt und verdreifacht. Durch Zahlung eines Beitrages von M!. 800 kann die lebenslängliche Mitgliedschaft erworben werden. Auch einmalige größere Spenden ohne fortlaufende Verpflichtung sind' erwünicht. Mit- gliedsanmeldungen und Beiträge bitten wir zu sen- den an die Adresse unseres Bureaus in Berlin W3ö. Flottwellstr. 7 sPosticheckionto 9506) bezw. Frankfurt a. M., Feldbergstr. 21(Postscheckkonto 4936). Der Vorstand des Vereins zur Abwehr des Antisemitismus Bergrat Gothcrn, M. d. 9t, 1. Vorsitzender. Geh. Reg.»Rat Prof. Wilhelm Forrfter, Stellv. Vorsitzender. Geh. Justizrat LandgeiicbtSdirektor Kouzow, M. d. A., Schatzmeister. Justizrat Dr. Bollert, M. d. R. Rechtsanwalt Dr. Baerwald, Frankfurt a. M. Justizrat Dr. Gehrke, Stadtverordneter, Frankfurt a. M. Bankier Aby S. Marburg, Hamburg. Dr. A. Südekum, M. d. R., Zehlendorf bei Berlin. ; Verkante Ekunlsstolas, Muffen, Marder, Nerz, Alaska-, Mau- und Werßsüchse, Pelerinen. 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Bedingungen einjähriger Besuch der Oberllasse. 32/10 Meldungen mtt Schulzeugnissen A Co., vellealliancestr. 7—10. Der Kall Daimler im Reichstag. 144. Sitzung, Mittwoch, den 20. März, nachmittags 3 Uhr. Am Bundesratstische: Rüdlin, v. Wrisberg, Schiffer. Auf der Tagesordnung steht zunächst die zweite Lesung des Gesetzentwurfs betr. Aeudermilf des Poftscheckgesetzes, das den Verkehr der Postscheckämter mit den Kontoinhabern Porto- frei mrchl, ferner die G s b ü h r bei der Einzahlung dem Ein- zahl er auferlegt. Abg. Dr. Siidekum(Soz.)t DaS Gesetz begrüßen wir als einen Fortschritt auf dem Wege des bargeldlosen Verkehrs, wenn wir auch die Bestimmung bedauern, daß fortan der Einzahler eine Ge- bühr zahlen soll. Gerade die Portofreiheit der Einzahlung bildete die beste Propaganda für den bargeldlosen Verkehr. Das Gesetz wird in zweiter und sofort auch debattekoS in dritter Lesung angenommen. Der 5all Daimler. Es folgt der Bericht des Ausschusses über Anträge auf Erlaß einer BundeSratsuerordnung bcir. Uebcrwachung der für den Heeresbedarf arbeitenden Betriebe. Ter Ausschuß empfiehlt, den NeichSkanzler zu ersuchen: l. für eine BundesratSverordnung zu sorgen, die ihn er- mächtigt, die Geschäftsbücher und andere Unterlagen der Preis- bcrcchnung aller für den HcereSbedarf arbeitenden Beiriebc zu überwachen; 2. PreisprüfungSstelle« für die Bedürfnisse deS Heeres und der Marine einzurichten; 8. eine ZentralprüfungSftelb» der KriegSlicferungen zu schaffen, die die Tätigkeit aller einzelnen Prüfungsstellen zu über- wachen hat. Generalmajor d. Wrisbcrg: Die Veranlassung zu den vorliegenden Anträgen ist die D a i m- ler- Angelegenheit. Von der Stuttgarter Staatsanwalt- schaft ist das Verfahren wegen Betruges und KriczswncherS singc- leüct worden. Das Schreiben der Firma, das die Drohung der Detriebscinschränkuag enthält, ist von der Staatsanwaltschaft der Oberreichsanwaltschaft eingereicht worden zur Prüfung, ob darin versuchter Landesverrat zu erbticken ist.- Die Heeresverwaltung muß eS fich versagen, über die strafrechtliche Seite der Angelegenheit zu urteilen, solange das Verfahren schwebt. Bezüglich der Erklärung der Firma vom 11. März erklärt die Heeresverwaltung: Wenn dort die Drohung mit einer Einstellung des Betriebes in Abrede gestellt wird, so wehrt man sich gegen eine Anklage, die gar nicht erhoben worden ist. Der Wortlaut deS den Gerichten übcrgebenen Schreibens läßt gar keinen Zweifel darüber zu. daß es sich um ein Ultimatum bandle, in welchem die Einschränkung des VetriebeS ange droht wird, falls die geforderte Preiserhöhung nicht in Kürze eintritt. Es ist stets anerkannt worden, daß die Daimler-Werke hohe Leistungen aufzuweisen haben. Diese hohen Leistungen sind aber weniger der kaufmännischen Leitung als der technischen Leitung und der Arbetterschaft zu danken.(Zustimmung.) Gerade wegen der hohen Leistungen der Werke lag es im öffent- lichcn Interesse, daß eine Einschränkung des Betriebes nicht er- folgte. So wurde dieses Schreiben der äußere Anlaß zum Einschreiten Wenn die Firma weiter erklärt, daß sie einige Tage später die Drohung ausdrücklich zurückgenommen hat. so war das nur erfolgt unter dem Druck der Brstimmungcn deS Belage- rungszustands-Geschrs, um der Militarisierung des Betriebes vor- zubeugen. Die bald Saraus erfolgte Militarisierung erfolgte nicht auf die Angabe eines ehemaligen Beamten der Firma hin, sondern auf Grund der ganzen Vorgänge in Verbindung mit dieser Anzeige. Es trifft also auch nicht zu, daß der Unter- und Kauptausschuß des Reichstages sich bei ihrem Vorgehen gegen die Firma allein aus d!« Angaben eines ehemaligen Beam- t c n gestützt hätten. Die Daimler-Gesellschaft wendet fich ferner gegen die in den Zeitungen wiedergegebne Anficht der HeereNver- waltung. Daimler habe 5« Proz. Preiserhöhung gefordert. Die Firma behauptet, nur 10 Prozent gefordert zu haben. Dies war allerdings ihre letzte Forderung. Der Kommissar der Heeresver- waltung im HauptauSschuß hat aber nicht von 50 Proz. Aufschlag aus die letzten Preise gesprochen, sondern von etwa 50 Proz. auf die zu Beginn des Krieges tatsächlich gezahlten Friedenspreise. Dies zur Richtigstellung. Im übrigen erhalten Konkurrenzwerke von Daimler zum Teil sogar noch um 50 Proz. höhere Preise als Daimler jetzt erhält. Di« Ablehnung der Preiszuschläge durch di« Heeresverwaltung erfolgte aber mcht deshalb, weil die Fabrikare von Daimler im Verhältnis zu anderen Erzeugnissen nicht unter Umständen den höheren Preis wert gewesen waren, fondern weil die Firma infolge ihres uugrheurcn Umsatzes auch bei ihren billi- geren Preisen offenbar emen übermäßigen Gewinn zu er- zielen vermochte, und weil die Berweigerung der KalkulationSunterlaze« es der PreisprüfungSstelle unmöglich machte, pflichtgemäß di« richtige Angemessenheit der Preise zu beurteilen.— Man hat der Heeresverwaltung den Vorwurf gemacht, daß sie nicht früh genug eingegriffen hat. Die Heeresverwaltung hatte jedoch erst Veranlassung und Recht zum Einschreiten, als die kriegswichtigen Lieferungen der Firma in Frage gestellt waren. Die Preise gaben ausreichenden Grund zum Einschreiten nicht, Sa sie nach der Berechnung der PreisprüfungSstelle, soweit dies ohne genaue Unterlage möglich war, n;cht zu hoch waren. Ob die Preise tatsächlich zu hoch waren, kann erst die e« n y e» leitete Untersuchung ergeben, und die Heeresverwaltung bittet dringend, deren Ergebnis abzuwarten, bevor hier- über e:n Urteil gefällt wird.(Sehr richtig?) Die hohen Ge- Winne der Gesellichaft können auch aus ihrem sonstigen Geschäft herrühren.— Es ist serner die Frage aufgeworfen worden, warum die Heeresverwaltung, um sich Einsicht in die Bücher zu verschaffen, nicht von der Verfügung vom 14. Juli 1917 Gebrauch gemacht hat. Die betreffenden Stellen standen jedoch mit Rück- ficht auf die Entstehungsgeschichte dieser Verfügung auf dem Standpunkt, daß sie nicht dazu ermächtige, mit Rücksicht aus künstige Bestellungen, die Bücher einer Firma nachzu- prüfen. Wie sich jetzt gezeigt hat. läßt sich indessen auch eine an- dere Anfsassung vertreten. Die Heeresverwaliung trägt deshalb auch kein Bedenken, in künftigen Fällen sich auf diese Verfügung zu stützen. Letzten Ende? wird über die Richtigkeit der einen oder der anderen Auffassung lediglich der Richter zu ent- scheiden haben. Auch die Anwendung des§ öd des BelagerungS- zustandSgesetzes konnte für die Heeresverwaltung erst in Frage kommen. a!S nach dein Verhalten der Firma anzunehmen war. daß das Borgchen gegen sie im Interesse der öffentliche» Sicherheit lag. Demgemäß schritt die Hesresverwaltung ein, als die L e i st u n g s- Fähigkeit der Firma herunterzugehen drohte. Sie � übergab die Anzeige deS enfaffenen Beamten der Staatsanwalt-! schaft. leitete das Schreiben der Firma vom 12. Februar dem � Reichsauwalt zu und stellte den Betrieb unter militärische Auf- stckt. Die Heeresoerwaltun' hat getan, was im Interesse der öffentlichen Sicherheit nötig war. Sie hat nichts zu vertuschen und will nichts vertuschen.(Bravo!) Wie in allen Fällen, so wird auch in diesem Klarheit geschaffen werden und es mutz Klarheit geschaffen werden. Nkan lasse aber den Richter sprechen und greife ihm nicht vor. Abg. Erzbergcr(Z.): Gewiß kommt es vor allem darauf an, den Bedarf der Heeres- 1 Verwaltung zu decken. Aber es hat doch vielfach an der notwendigen Voraussicht auf Seiten der Heeresverwaltung gefehlt. Ist es doch dazu gekommen, daß Teile derJndustrie selbst Front gemacht haben gegen die zu hohen Preise, die die Heeresverwaltung zahlte, ohne das, sie gefordert worden wären.(Hört, hört!) Daß die Datmler-Angelegenheit den Reichstag überhaupt und die Oeffent- lichkeit in so hohem Maße beschäftigt, ist sehr bedauerlich. Aach der eben gehörten Erklärung des Kviegsministeriums steht fest, daß die Firma in Inseraten irreführende Angaben gemacht hat, daß sie sich geweigert hat, die Unterlagen der Kalkulation vorzulegen; die Krone setzt aber allem auf die Streikandrohung, und daß deswegen rücksichtslos gegen die Gesellschaft vorgegangen wird, verlangt das dringendste Interesse des deutschen Volkes. Die Kalkulation vom 23. März, die die Firma schleetzlich eingereicht hat, ist eine direkte Verhöhnung des Kriegsministeriums, und daß diese Kalkulation auch dem Reichstage von der Gesellschaft zugestellt wurde, läßt sich nur so erklären, daß die Gesellschaft meinte„dieser Patriotengesellschaft kann man alles bieten".(Heiterkeit.) Ist doch in dieser Kalkulation auch der Posten enthalten:„Amortisation 30 Proz. auf Lohn".(Hört, hört!) Leider gibt es, was Preisforderungen anlangt, mehr als einen Daimler in Deutschland.(Sehr wahr!) Ich brauche nur an den Fall Behr-Pinnow zu erinnern. Man kann das Kriegs- Ministerium nicht von jeder Schuld freisprechen, drei Jahre lang streitet eS sich mit einer Firma herum, um schließlich die Kol- kulation nicht zu erhalten. Notwendig ist eine zentrale PreisprüfungSstelle, die aber nicht dem Kriegsminlsterium zu unterstellen ist, sondern der schon bewährten PreisprüfungSstelle der Wumba. Weiter ist aber notwendig der Erlaß einer BundesratSverordnung, die den Militärbehörde n eine schärfere Kontroll« aller für den Labensbedarf deS Heeres arbeitenden Betrieb? mnöglicht. Di« Zurückforderung der Wuchcrgewinur, falls fich solche im Falle Daimler herausstellen, muß alsbald in die Wege gele-itet werden. (Sehr richtig?) Ein« gewisse Schuld hat auch der Reichstag, er hat der Militärverwaltung zu großes Vertrauen ge- schenkt. Das Kontrollrecht des Reichstages muh weiter ausgebaut werden.(Bravo!) Generalleutnant v. Eonpette erläutert die Tätigkeit der Wumba. Abg. NoSke(Soz.): Di« zu erwartende BundesratSverordnung wird im Volke als Lex Daimler bezoichnet werden. In der Tat handelt es sich hier um schamlose Erpressung und Auswucherung, und meine Freunde verlangen, daß nicht nur Daimler, sondern alle ähnlich arbeitende» Kapitalisten getroffen werden. Man sprächt davon, daß das Voll! nach dem Kriege ein Drittel seines Ein- k o m m e n S an Steuern wird zahlen müssen. Aber eine_ dünne Schicht schwimmt in Gold. Milliardengewinne in nicht zu verantwortender Zahl find in die Taschen einer dünnen Schicht ge- flössen. Wir haben eine wahr« Orgie kapitalistischer Gewin»« erlebt; neben Riesendividenden wurden beut Aktion ären noch besondere Zuwendungen gomacht, daneben wurden Riesenreservon aufgespart und kolossale Abschreibungen gemacht. So find Millio- nen und Milliarden von Oteichsgeldern verwendet worden gut Bereicherung weniger Einzelner. Es darf nun nicht bei einer schärf«- ren Prsispoliti? fei» Bewenden haben, sondern di« unrechtmäßig gemachten Gewinne müssen für das Reich zurückgenommen werde». Darüber wird noch bei den Steuergesetzen zu reden sein. Ich muß auch daraus hinweisen, daß gerade die Kreise, die diese glänzenden Gewinne gemacht haben, die wütendsten Kriegstreiber der Vaterlandspartei sind. Die großen Kriegsgewinnler wollen den Kvleg gern weiterführen, der nicht mit ihrem eigenen Blut geführt wird.(Sehr richtig?) Als Patrioten gebärden sie»fich. wenn sie Kriegsanleihe zeichne»; aber selbst da drohen fte zu versagen, wenn nicht alles nach ihrem Willen geht. Zur Schande der Daimler-Werke will ich nach dem im Ausschuß Ver- handelten nur noch wenig sagen. Jeder Rechtfertignngsvcrluch ist vergeblich. DaS Volk würde fich sehr wundern, wenn die Leiter der Daimler-Werke nicht für daS Zuchthaus reif erachtet würden, in das doch«ine Reihe von Arbeitern für Handlungen geschickt wurden, die weit geringer zu erachten sind. Bei den KoiegÄieferungen hat fiel, überhaupt in weitem Maß« Unkenntnis und Mangel an Voraussicht bei der HeeveSverwaltung gezeigt. Gin schwerer Fehler war, daß man die im Beschaffungswesen erf-choenen Offiziere� gleich zu Beginn des .Krieges ins Feld gehen ließ, so daß an ihre Stelle weniger er- fahren« Heveen treten mußten. Das Halen fich gerissene Kapita- listen zunutze gemacht. ES wurden von Fabriken ungeheure Schmiergelder gezahlt, um Lieferungen zu bekommen, persön- licheBeziehungen wurden ausgenutzt, wie im Falle B« h r- Pinnow, dieses harmlosen Gemüts, der erstrebte, fich für 10 000 Mark 5 Proz. Verzinsung zu verschaffen und fich dann nri/i einmal als Anteilhaber von i'A Millionen Mark Gewinn sah.(Hört! hört!) Auf allen Gebieten ist da» Reich bewuchert worden. Das Reich zu schröpfen, galt von jeher nach kapitalistischer Moral nicht als unehrenhaft. Es ist Wucher getvieben z. B. mit Sandsäcken, bei Tierarznei mittel», bei Arzneimittel» zur Hmlung Verwundeter. AnS Profits»cht sind in verbreche- ri scher Wei se von einer ganzen Reihe von Unternehmern Geschosse geflickt worden, um Fehler zu verdecken.(Hört, hört!) Die S ach der ständigen, die die Heeres Verwaltung zugezogen hat, stammten aus den KreisenderJudustrie und Handel. Diese Herren konnten natürlich auS ihrer Haut nicht bermis und haben hohe Ge Winne der Industrie für ganz selbstverständlich geleiten. In allen Aemtern sitzen Schwerindustriille oder von diesen abhän gige, refp. mit ihnen verwandte Herr«: cm den entscheidenden Stellen. Da wäre ein Gegengewicht im RvichSinteressa notwendig: man hätte auch Sachverständige aus den Arbei- terkreisen hinzuziehen müssen.(Sehr wahr!) Viele Millionen wären dem Reiche erspart worden, wenn man diese Forderung, die ich bereits vor Jahr und Tag erhoben habe, erfüllt hätte. Die Heeresverwaltung hat ihrer Answncherung durch die Industrie gegenüber viel zu viel Langmut gezeigt. Besonders an die ganz Großen hat sie sich offenbar nichtherangewagt. Die summarische Kalkulation, die sie sich hat vorlegen lassen, bedeutet ge- radezu eine Verhöhnung der Heeresverwaltung.(Sehr wahr!) Viele der zutage getretenen Mißstände sind in der kapitalistischen Wirt- schaftsweise begründet und werden erst mit ihr verschwinden. Jeder neue Krieg nach längerer Friedenszeit hat noch immer ganz neue Anforderungen gestellt, weil inzwischen ein« Reihe neuer Erfindun- gen gemachi worden sind. Das wird auch in Zukunft so sein. Des- halb muß mit Nachdruck auch bei dieser Gelegenheit betont werden, daß die Kriege überhaupt unmöglich gemacht werden sollen und daß wir dazu einen Frieden der Verständigung brauchen.(Sehr wahr! bei den Sozialdemokraten.) Die geringen Fesseln, die dem Kapitalismus im Kriege angelegt worden sind, sollen nach dem Wunsche der Kapitalisten nach Friedensschluß wieder fallen. Dem- gegenüber betonen wir, daß diese Fesseln auch im Frieden not- wendig sind, daß der Käpltalismus überhaupt verschwinden muß, daß er Platz machen muß dem Sozialismus, der die dauernde Ver- ständigung der Völker, den dauernden Frieden bringen wird.(Beifall bei den Sozialdemokraten.) Abg. Gothein(Vp.): Die Beratung des Kriegsministeriums durch Judilsrrielle ist notwendig. Geradezu an Bestechung grenzt es aber, wen« solche Jndustviellc, wie das jetzt häufig vor-. 'kommen soll, Beamte der Kriegsgesellschaften«der Kriegsämter schon jetzt mit hohen Gehältern für de« Frieden engagieren.(Hört, hürtl) Auch die Kcnnmerherren sollten sich nach den Erfahrungen des Herrn von Behr-Pinnow größere Zurückhal- tung auferlegen. Das gilt auch von vielen Offizieren. Es ist ge- radezu widerlich, wie Offiziere vielfach Hausierhandel treiben im Interesse sogenannte Wohlfahrtsveranstaltungen. Bei den im Ausschuß verbandelten Fällen hat die Heeresverwaltung eine gewisse Entschuldigung; dc-nn zu Beginn des Krieges war die An- regung der Industrie nötig, und es gilt Bebels Wort:„Ohne Profit raucht kein Schornstein". Auf der einen Seite ist d a s Geld mit Scheffeln herausgeworfen worden, auf der anderen Seils loird Knauserei, getrieben. So bei den Entschädigungen in Belgien. Belgier sind besser enrschädigt worden als Deutsche.(Hört, hört!) Ehef des Kriegsamts General Scheuch: Früher hat man die Heeresverwaltung immer aufgefordert, sie möge sich vom kauf- m ä n n i s ch e n G e i st in ihren Betrieben leiten lassen. Nun haben wir mal den kaufmännischen Geist Einzug halten lassen und haben Vertreter der Industrie hinzugezogen, aber nun ist das wieder nicht recht.(Heiterkeit.) Die Weiterberaiung wird vertagt auf Freitag 12 Uhr.(Außer, dem dritte Lesung der KriegSkredite.) Schluß: VA Uhr._ Die Wohnungsfrage. Der WohnuugsauSschuß deS NelchStagrS faßte am Mittwoch in zweiter Lesung einstimmig folgenöen Beschluß: 1. Die Leitung einer planmäßigen und umfassenden Wohnungserstellung nach Sem Kriege sowie die Orgamfierung aller hierfür im Reiche vorhandenen öffentlichen und privaten Kräfte hat das R e i ch ö w i r t s ch a f t S a m t zu üb-r- nehmen. Alle Vorbereitungen und Maßnahmen dafür find von ihm in Einverständnis und Gemeinschaft mit den Bundesstaaten zu treffen und schon jetzt in die Wege zu leiten. 2. Da eine Neubautätigkeit allein auf Privatwirtschaft« licher Grundlage wegen der Baulostenverteuermig und der ander- weitigcn starken Inanspruchnahme des Kapitalmarktes während der Uebcrgangszeit unmöglich erscheint, find 500 Millionen Mark aus ReichSmittcln zwecks Gewährung von Bauzuschüffe» und billigen Darlehen sowie zur Bildung eines Bürgschaftsionds bereitzustellen. Gleichzeitig ist zu erwirken, daß auch die Bundesstaaten und Gemeinden sich mindestens in gleichem Umfange wie das Reich an der Ausbringung von Mitteln für die Neubautätigkeit beteiligen. Die Verficherungs- träger(Krankenkassen, Landesversicherungsanstalten, Reichs- Versicherungsanstalt für Angestellte, BerufSgenossenschafien) sowie die öffentlichen Sparkassen sollen ihre verfügbaren Bestände möglichst in Darlehen auf Kleinwohnungsbau tcn zu mäßigem Zinsfuß anlegen. 3. Bei dem Maugel an Baustoffe« aller Art ist die baldige Wieder! nbelriebsepung der Baustoffindustrie durch rechtzeitige Entlassung von Arbeitskräften aus dem Heere und Bereitstellung ausreichender K o h l e n me n g e n dringend er- forderlich. Die bei der Heeresverwaltung ireiwerdenden Baumaterialien sind zur Weitergabe an Gemeinden, in denen Wohnuiigsmangel herrjcht, zu billigen Preisen abzugeben. 4. Da trotzdem die Menge der so erstellten Baustoffe in der ersten Zeit nach dem Kriege aller Voraussicht nach dem vor- handenen Bedürfnis nicht genügen wird, so ist dafür Sorge zu tragen, daß alle Bauten nur in der Reihenfolge ihrer Dringlichkeit zur Ausführung komme». Insbesondere sind Luxus bauten bis auf weiteres ganz zurückzustellen. 5. Zur Unterbringung Wohnungsloser find zweck- entsprechende Familienwohiiharackm zu errichten und zu mäßigen Preisen zu vermieten. Das Baumaterial für sie ist möglichst noch während desKrieges bereitzustellen. Es empfiehlt sich, so' Barackenfiedelungen vorwiegend innerhalb der Vorortzone» in der Nähe von Bahnhöfen, und zwar so anzulegen, daß zu jeder Wohnung ein Gemüsegarten und nach Bedarf auch Stallung für Klein« vieh gegeben wird. 6. Sofort nach Friedensschluß ist zugleich mit einer planmäßigen und umfassenden Erstellung gesunder, zweckmäßig eingerichteter Dauerklei nioohnnngen möglichst im Flachbau zu beginnen. In Vorbereitung dieser Aufgabe find un« verzüglich a) Erhebungen über den Stand und vorausfichtlichen B e- d a r f an Wohnungen zu veranstalten; b) an allen Orten, wo der Eintritt eines Wohnungsmangels zu erwarten ist. die Beschaffung und Ausschließung ge- eignete» billigen Baulandes zu veranlassen und diese insbesondere auch durch lleberlassung fiskalischen Grund und Bodens zu erleichtern; c) Baupläne bereitzu stelle» für alle wichtigeren Typen des Kleinwohnungsbaues(Miet- und Eigenhäuser, Ein-, Zwei- und Mehrfamilienhäuser, Wohnungen für kinderreiche Familien, Einzelbauten, Reihenbauten und SiedlungSbauten, Wohnungen mit Garte« und Stallung), entsprechend den Wohnfitten in den einzelnen Bundesstaaten und Provinzen. Die Bauordnungen für den Klein- und Flachbau sollen, soweit das noch nicht geschehen ist, von allen unnötig verteuenidcn Vorschriften(Straßenbrelte, Bau- stoffe, Mauerstärke, Zimmerhöhe, Treppen, Feuerficherheit usw.) be- freit werden; d) in die Liste der mit Kriegsende in erster Linie auS den, Heere zu entlassenden Mannschaften auch die zur Herstellung von Wohnungen nötigen Angestellten und Arbeiter aus- zunehmen. 7. AuSfuhrmrgS« und VermittlungSorgane für die künftige Wohnnngsherstellung sind die Gemeinden bezw. Gemeinde- verbände. Sie verwenden die von Reich und Einzelstaaten her« gegebenen Kapitalien zum Eigenbau oder begebe» sie uutcr Bürgschaft an gemeinnützige Baugesellschaftc», nötigenfalls auch an private Bauunternehmer. Dabei ist die gemeinnützige Verwendung durch Ortsstatut oder grund- bnchliche Eintragung zu sichern. Die Rückzahlung der Darlehen ist durch eine sachgemäß ausgestattete Tilgungshypothe!(siehe Be- schluß des Reichstags vom 24. Mai 1916) anzustreben. In größeren Gemeinden bezw. Gemeindevecbänden sind Wohnungsämter zu errichten._ Zur Einstellung der Fliegerangriffe auf offene Stäüte. Abg. Geck-Mannheim(Ssz.) hat folgende kleine Anfrage ein- gebracht: Verläßlichen Zeitungsnachrichten zufolge haben sich sowohl in der französischen Kammer als ganz besonders auch im G e- meinderat der Stadr Paris im Laufe der letzten Tage ernste und eindringliche Stimmen erhoben, die einer Ver- ständigung der kriegsührendc» Parteien über die Einstellung der Fliegerangriffe auf offene Städte außerhalb der Kriegszone das Wort reden. Und nach einer Basler Nachricht des„Berk Lok.-Anz." vom 16. d. MiS. meldet der dem Baiilan nahestehende„Corricre d'Jtalia", der Papst prüfe zurzeit Mittel und Wege, um unier den Kriegführenden ein A b ko min en über den Luftkrieg herbei- zuführen. Sind diese Nachrichten zur Kenntnis der Reichsregierung gekommen? Und ist der Herr Reichskanzler zu einer Erklärung darüber bereit, ivelche Stellung die Reichsregierung den»bige» Bestrebungen gegenüber cmuimmt! GewerkschafizbewVlmg Tie Erhöhung des Einkommens vom Standpunkt der Gewerkschaften. Uaöer dieses Tlienia sprach in einer vom Aentralverband der Haichlungsgehilsen, Bezirk Grotz-Berlin für die kaufmännischen An- gestellten der Großindustrie nach der Bötzow-Brauerei einberufe- neu Versammlung Genosse Ad. Cohen: Der Referent untersuchte die Frage, warum brauchen wir Ge- werkschafien und was ist ihr Zweck? Der Einzelne vermag gegenüber der großen Macht des UntevnehniertumS nichts aus- zurichten; erst das Zusammenfassen der Einzelnen, das gemein- same streben zu einem gemeinsamen Ziel ergibt eine Macht, mit der es möglich ist, den gemeinsamen Interessen aller Berufs- ailgchörigeu zu dienen; je vollkommener dieser Zusammen- schluß. je g r ü ß e r die Macht. Die Grund forderungen der Ge- werkschaften sind: Verkürzung der Arbeitszeit, Erhöhung der Löhne, Schutz für Leben und Gesundheit. Am weitaus wichtigsten ist die Verkürzung der Arbeitszeit, und darum müssen die schwersten Kämpfe Um dieses Ziel geführt werden. Denn erst die verkürzte Arbeitszeit ermöglicht es dem Angestellten und Arbeiter. Mensch zu sein, seine Bildung zu fördern und seiner Familie zu leben und daraus ergibt sich dann mit Naturnotwendigkeit die Forderung wach höheren! Einkommen. Welche LScge sind nun möglich, diese Grundforderungen der Geioertschaften möglichst vollkommen zur Anwendung zu bringe«. Vom guten Willen der Unternehmer ist vielleicht in der Theorie— kaum aber in der Praxis— etwas zu erwarten. Nur. wo tS gelingt, hinter die aufgestellten Forderungen den notwendigen Druck zu setzen, zeigt sich das Unternehmertum zu einem Entgegenkam. wen bereit. Obwohl die kaufmännischen Angestellten auf einem höheren Bildungsniveau stehen wie die Arbeiter, werden ihre Forderungen mit viel größerer Geringschätzung behan- delt, wie die der Arbeiter, nicht etwa, weil ihre Arbeitskraft we- nigcr gebraucht wird, sondern weil der Unternehmer weiß, hinter der Forderung der Arbeiter stebt die Gewerkschaft, die gewillt ist. auch das letzte dranzusetzen, um diese Forderungen zur Anerkennung zu bringen. Die kaufmännischen Angestellten haben ssch sehr lange besonnen, bis sie begriffen haben, daß sie sich selbst rühren müssen und nicht darauf warten dürfen, bis die Unternehmer das not- weudige soziale Empfinden für ihre Lage haben. Das letzte Mittel, das jede Gewerkschaft hat, ist die ArbeitZsperr«. Dieses Mittel kann und darf nur zur Anwendung kommen, wenn alle andoren erschöpft sind, aber das Unternehmertum muß wissen, daß eS dann auch zur Anwendung kommt. Auch für die kaufmännischen Ange- stellten muß es heißen, selbst Hand ans Werk zw legen, daS Aeußerste für die Durchführung der aufgestellten Forderungen zu wagen, im Interesse aller Berufsangehörigen und wenn eS nicht anders geht, dann eben duröj� Sperre der Arbeitskraft dem Unternehmer das not. wendige soziale Verständnis beizubringen. Nur so werden auch die kaufmännischen Angestellten eS möglich machen können, ihre soziale Lage zu heben. In der Diskussion wird die von uns bereit» veröffentlichte ge« Heime Vereinbarung von 19 Firmen der Berliner Metallindustrie besprochen. Von zwei Diskussionsrednern wurde bedauert, daß der Zentralverband der.Handlungsgehilfen in dieser Frage allein etwas unternehme. Warum die übrigen Airgestelltenverbände mit ihm nickt gemeinsame Sache machen? Kollege Schmidt bedauert-die Zerrissenheit in der Angestellten. Bewegung. Die Mittel, die die Verbände bisher angewandt haben, führen nicht zum Ziel. Man habe am 14. Februar«ine Eingabe an das Oberkommando gerichtet, worin«■ a. gefordert war, daß das Oberkommando dem Geheimerlaß der ttniernehmer„durchgrei- send entgegenwirken möge." Von einem Erfolg sei bisher nichts bckaiiiit. Im Schlußwort weist der Referent auf die interessante Tat- fache hin. daß der KriegSausschuß zu Berlin brauchbare Arbeit leiste. Die übrigen im deutschen Reich nach dem Hilfsdienstgesetz eingesetzten KriegSaukschüsse zeigen mit wenigen Ausnahmen bei ihren Entscheidungen viel niehr den Einfluß der Unternehmer. Daraus gehe hervor, daß, wie bei allen Fragen, so auch beim Kriegs- ausschuß nur dann Ersprießliches für die Arbeitnehmer zu erwarlen ist, wenn dahinter die starke gewerkschaftliche Organisation steht, und die Arbeitgeber von vornherein wissen, daß eS auch ohne Kriegs. ausschuß gehen würde. Gegen einzelne Stimmen wurde nachfolgende Entschließung von über 1009 Personen angenommen: „Tie Versammlung protestiert gegen die Geheimabmachnng der 19 Berliner Firmen der Großindustrie als eine ungesetzliche Maß. nähme und verlangt die Bestrafung derjenigen Unternehmer, die nach dieser oder ähnlichen Abmachungen verfahren. Die Versammelten erklären als besten Schutz gegen solche Maß. nahmen der Unternehmer die gewerkschaftliche Organisation und die Anwendung gewerkschaftlicher Mittel." Generalversammlung der Transportarbeiter. Die am Dienstag abgehaltene Generalversammlung für den Bezirk Groß-Berlin des Transportarbeiterverbandes beschäftigte sich mir der Frage der Beitragserhöhung, die mit Rücksicht auf die der- zeitigen Kassenverhältnisse erforderlich ist. In der Diskussion wur- den verschiedene Vorschläge befprocheu und schließlich beschlossen, den Ortszuschlag, der gegenwärtig in allen BeitragSklaflen S Vf. beträgt, vom 1. Mai ab um 1t) Pf. in der ersten und zweiten und um 5 Pf. in der dnitten und vierten Klasse zu erhöhen.— Der aus freiwilligen Beiträgen aufgebrachte NotstaudSfonds soll in der bis- herigen Weise' zu Unterstützungen verwendet werden, aber Sa man- lungen zu dem Fonds sollen nicht mehr stattfinden. Ferner lag eine Anfrage über da? Verhältnis des Hauptvor» standsmitgliedes P a'u l Müller zur Eeeberufsgenosseuschaft vor. Müller, der Leiter der SeeinannSseftion des Verbandes, ist bekannt- lich vom Vorstand der Seeberufsgenossenschaft als Beirat angestellt worden mit der Aufgabe, bei allen Maßnahmen, welche die Geno'stn- schaft bezüglich der Arbeiter auszuführen bat, den Standpunkt sex Arbeiter zu vertreten. Die Änstellung Müllers ist von gegnerischer Seite, besonders von den Unabhängigen zum Gegenstand der Kritik und der Verdächtigung gemacht worden. Die gestellte Anfrage be- zweckte eine authentische Erklärung des Vorstandes zu der Äuge- legenheit Müller. Der Verbandsvorsitzende Schumann beantwortete die Anftage dahin: Müller sei durch seine Anstellung nicht in ein Abhängigkeits- Verhältnis zur Seeberufsgenossenschast getreten. Es seien Garan- tien dafür gegeben, daß Müller in seiner politischen und gewerk- schaftlichen Tätigkeit in keiner Weise behindert oder beeinflußt werde. Auch das Verhältnis des Verbandes zu den Reedern werde durch die Anstellung Müllers in keiner Hinsicht geändert. Die Mit- Wirkung von Arbehervertretern in den Berufsgenossenschaften sei ja eine gewerkschaftliche Forderung, deren Verwirklichung durch die Gesetzgebung gefordert werden müsse. Es liege kein Grund vor für die Befürchtung, daß durch die Anstellung Müllers die Interessen der Arbeiter geschädigt werden könnten. Im Gegenteil. Man der- spreche sich von der Tätigkeit Müllers in der Berufsgenossenschaft eine Förderung der seemännischen Arbeiter. parteinachrichten. Dft Parteipresse«nd der Ostfriedcn. Das„Hamburger Echo" kommt noch einmal auf die von Wendel, Sinzheimer und Kampffmeher geführte Opposition zurück, die den russischen.Gewaltfrieden" als Anlaß zu einer Revision der Partei- icltik behandelt. Es führt unter anderem aus: «Ein mangelhafter Friede ist immer noch besser als eine Fort- - setzung des greulichen Mcnschenmordcns an zwei Fronten. Bei der Entscheidung„Für oder gegen?" darf aber keine ihrer hohen politischen Verantwortung sich bewußte Partei sich etwa von dem Gedanken leiten lassen: Wir können.zur Wahrung unserer Grundsätze" den Vertrag ablehnen, weil wir sicher sind, die an- deren Parteien werden ihn schon annehmen. Nein, hier heißt cZ, ehrlich Farbe bekennen und Antwort auf die Frage zu geben: Was würdet Ihr tun, wenn von Euren Stimmen die Entscheidung abhinge? Würdet Ihr die Verantwortung auf Euch nehmen, den Frieden abzulehnen auf die Gefahr hin, den Krieg im Osten von neuem auflodern zu sehen? Wir glauben, über die Antwort nicht im Zweifel sein zu brauchen." Diese Auffassung von Verantwortlichkeit ist dem Gen. Wendel fremd, der in der„Frankfurter Volksstimme" noch einmal das Wort ergreift und sich zu trösten weiß: „Wenn die Sozialdemokraten dem Oftfrieden nicht zustimmen, beginnt deshalb der Krieg mit Rußland keineswegs wieder aufs neue, denn die Mehrheit des Reichstags nimm: den Vertrag ja an." Paul Kampffmeher polemisiert in der„Fränkischen Tagespost" gegen einen Artikel Stampfers:„Konsequenzen". Die Re- daktion der„Fränkischen Tagespost" gibt einleitend folgende Er- klärung dafür, daß Paul Kampffmeher nicht in der„Münchener Post", sondern in der„Fränkischen Tagespost" polemisiert:„Die Stellung- nähme der ReichstagLsraktion zum russischen Friedensvertrag be- schäftigt die ganze Partei. Auch Genossen, die bisher die Politik der Mehrheit in jeder Hinsicht vertreten haben, wie der Reichstagsabgeordnete Wendel und wie Genosse Paul Kampffmeher, der in Abwesenheit des Genossen Adolf Müller leitender Redakteur der ..Münchener Post" ist, forden, von der ReichstagSftaktion die unbedingte Ablehnung des Friedensvertrages mit Rußland. Kampffmeher hatte für seinsn Standpunkt nicht die Zustimmung seiner Kollegen in der Redaktton gefunden. Er hat deshalb nach alter journalistischer Hebung den Artikel, in dem er seine Meinung in polemischen Ausführungen gegen den Chefredakteur des»Vor» wärss". Genossen Stampfer, zum Ausdruck brachte, mit seinem Namen gezeichnet. Die übrigen in München anwesenden Redakteure des dortigen Parteiblattes haben sich gegen Kampinnehers Aus- sührungen erklärt. Bis diese Differenzen in der Redaktion ent- schieden sind, ist Kampffmeher auf Urlaub gegangen. Er wünscht nickit. bis ein Ausgleich in der Redaktion gefunden ist, in dem Blatte seine Meinung als Redakteur zum Ausdruck zu bringen." Aus dem Wahlkreis Salzwedel-Gardelegen. In Gardelegeu fand am Sonntag eine außerordentliche Generalversammlung der KreiSorgonisation statt. Parteisekretär Branden- bürg referierte über die politische Lage Eine schwer zu lösende Frage sei für die Sozialdemokratie nach dem russischen Frieden die weitere Kreditbewilligtmg geworden. Auf innerpolitiiche Verhält- ttisse übergehend, schildert Redner den vaterländischen Sinn gewisser konservativer Großgrundbesitzer, die zwar streikende Rüstungsarbeiter Landesverräter nennen, aber selbst dem Lande notwendige Nahrung«- und Futtermittel vorenthalten. In der Diskussion beschäftigte man sich haupffächlich mit der Frage der weiteren Kieditbewilliqutig. Es wurde auf die Schwierig- keit'der Entscheidung in dieser Frage hingewiesen. Zum Ausdruck kam aber, daß man zur RcichSiagSfraktion das Vertrauen haben könne, daß sie im Sinne politischer Notwendigkeiten und des Volks- interesses auch jetzt zu handeln weiß. Als ReichsioaSkandidat wird hierauf einstimmig Genosse Berge mann(Magdeburg) wieder ausgestellt. Beschlossen wurde eine Beitragserhöhung für männliche Mit- qkieder von 19 auf IS Pf, für werbliche von S auf 19 Pf wöchentlich. Ucber den Stand der Organisation macht sodann der Sekretär Mitteilungen. Als ein Erfolg könnte eS schon bezeichnet werden wenn es nur gelungen iväre. die Organisation in der KriegSzeit auf ihrem bisherigen Stande zu erhalten. ES ist aber gelungen, die Mitgliedcrzahl noch erheblich über den Friedens- stand hinaus zu steigern. Neben der rührigen AgitationSarbeit habe die Hilfeleistung für die Angehörigen der Krieger in allen Lebensfragen und-nölen diesen schönen Erfolg für die Oraaniiaiion g-bracht. Vom Sekretär wurden in einem Jahr allein über 1799 schriftliche Anträge und Gesuche für Hilfsbedürftige angefertigt. Redner fordert zu weiterer eifriger Werbearbeit auf Genosse Fabian(Magdeburg) konnte über den Stand der Presse auch nur Günstiges berichten. Die.Volksstimme" hat in den altmärkischen Kreisen bedeutend gewonnen, wie sie im allgemeinen ihren Abonnentenstand in sehr erfreulicher Weise gesteigert hat. Vorwärts auf allen Wege»! Bei der„Magdeburger Volks stimme' ging bei LuS- bruch des Krieges die Bezieberzahl von 28 153 auf 26' 928 zurück. Dann aber kam ein starker Aufstieg. Heute zählr das Blatt 38 243 feste Bezieher, so daß seit KrtegSbegtnn ein Zuwachs von 12 2lö zu verzeichnen ist, woran das letztverflossene Jahr mit einer Steigerung um 4149 beteiligt ist. Der Straßburger„Freien Presse' hatten die letzten Monate rund 2999 neue Abonnenten gebracht. ssnöustrie unö kanöel. Aus dem Berliner Wirtschaftsleben. Tie Deutschen Kabelwerke L.-G. in Berlin-Lichtenberg schlagen 19 Proz. gegen 3, 6, 6. 8 Proz. in den Vorjahren vor. Di« Bilanz ftir daS Jahr 1917 ergibt nach Abfchreibtmgen und Rückstellungen. die als reichlich bezeichnet werden, einen Bruttogewinn von 2 928 289 (i. V. 316 842) Mark. Unkosten, Stetrern und Abschreibungen er- fordern 1149 596(719 566) M. Ter Reingewinn beträgt 917 751 (635 863) M. Davon: 159 999 M. für den Kriegsreservefonds(i. V. 100 009 M), 99 900 M. für den Delkrederefonds(0). 543 759 M. gleich 19 Proz. Dividende(i. V. 420 000 M. gleich 8 Proz.), 94 110 Mark Tairti-emen(85 845), 39 991 M. Vortrag auf neue Rechnung (30 018). Das Werk ist auch im neuen Jahr gut beschäftigt. In der Hauptversammlung der Groß-Lichterfclder Bauverein A.-G. bemerkte Direktor O l t o zur Ergänzung des Geschäftsberichts, daß im vergangenen Jahre in Lichterfelde Baugrund st ücke in- folge der völlig daniederliegenden Bautätigkeit überhaupt nicht der- kauft worden sind. In Haus- bzw. Villengrund st ücken sind für etwa 8 Millionen Mark umgesetzt worden. Abgesehen von Grundstücken, die zur Arrondierung dienten, ist nicht ein einziges Grundstück veräußert tvorden. Die Gesellschaft sei daher nicht allein leidtragend. Im neuen Jahre scheine indessen ein gewisser Um- schwrmg in den Verhältnissen eingetreten zu sein. Die Gesellschaft habe bereits ein Grundstück im Betrage von 16 000 M verkaufen können utrd ein weiteres Geschäft, das hoffentlich zum Abschluß gelange, sei in der Schwebe. Auch diese Grundstücke wevden aus- schließlich zur Arrondierung gebraucht. Im neuen Fahre werden indessen voranssichtlich die Verhältnisse im ganzen keine wesentliche Besserung erfahren. Die Reichelt Metallschrauben A.-G. in Finsterwalb« weist, ob- wohl sie bei ihrer VorjahrSdividcnde von 2S Proz. verbleibt, eine Steigerung des RobgewinneS von 2 Millionen Mark auf 7,8 Will. Mark, und ihres Reingewinns von IL Millionen auf 3,8 Millionen Mark aus. Der Geschäftsbericht führt u. a. auS:„Wir schließen das l8. Geschäftsjahr der Gesellschaft zwar mit einem ungewöhnlich hohen Gewinn ab, indes bedingen die lange Dauer de» Krieges und die mangelhaften Roh- und Betriebsmaterialien sowie die ungelernten Arbeitskräfte eine Erneuerung des größten Teils der im Ge- brauch befindlichen Acbeitömaschiuen. Wir sehen unS deshalb ge- nötigt, besonder« große Rücklagen für den Uebergang zur Friedens- Wirtschaft und für diese Erneuerungen vorzuschlagen." Die CT. Müller Gummiwarenfabrik, Sl-G. in Berlin» schlägt 9 Prog.(9, 7. 7, 7 Proz. in den Jahren 1916— 1913) nach reichlichen Abschreibungen(i V. 32 536 M.) vor. Es wird glänzend weiter verdient. Die Oberschlesische Eisenbahn-Bedarfß-A.-G. verteilt von dem nach Abschreibungen von rund 15(i. V. 9,43) Millionen Mark und 4)h Millionen Mark Rückstellung für die Ueberführung der Werke in Sie fftiedenSwirffchaft verbleibenden Gewinn 15 Prozent(wie i. V.) Dividende und aus dem Verkaufserlös der Beteiligung an der Salangens BergverkS Aktieselskabet eine einmalige Zuwendung von 5 Prozent: sie stiftet rund 3 Millionen Mark für die Ludendorfs- Stiftung, die Nationalst! ftung und andere Wohlfahrts- und Kriegs- fürsorgezwecke.__ Die 8. Kriegsanleihe. In der am Mittwoch abgehaltenen Sitzung des Zcntralaus- schusseS der Reichsbank machte ReichSbankpräsident tzavenstem Mitteilungen über die- Aussichten, die sich für daS Resultat der achten Kriegsanleihe eröffnen, die als äußerst günstig bezeichnet wurden. Schon jetzt seien an gebundenen Schatzanweisungen für die achte Kriegsanleihe rund 1 Milliarde Mark mehr abgefetzt als zur cn!- iprecheuden Zeit bei der siebenten Anleihe. Keine Preiserhöhung für Halbzeug und Formeisen! In der letzten Mitgliederversammlung des StahlwerkSvcrbandes ist auch die Frage der Berka u-f»preise für das zweit« Vierteljahr 1918 behandelt worden. Eine Aenderung der Notierungen ist weder für Halbzeug noch für Formeisen zu erwarten, da die amt- liehen Stellen sich gegen eine derartige Maßnahme ausgesprochen haben. Verantwortlich für Politik: Erich Knttner, Berlin; für den übrigen Teil de» Blatte»: Alfred Schblz, Neilkolln; für Anzeigen: Theodor(Blocke, Berlin. Verlag: BorwärtS-Verlag(i. m. 6. H., Berlin. Druck: VorwärtS-Buch- druckerei und VerlagSanstalt Paul Singer u. lio in Berlin, Liirdenitratze 3. Hierzu> Beilage und UaterdaltunaSdlatt. �.weirnilmM Am na von 1— ehsien Sonntag 6 Uhr geöffnet. Herfen- Artikel Oberhemden aus farbig. 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