Nr. 81. 35. Jahrg. Bezugspreis» vierten Ihrt.<ü0 MI. monatl. frei InS Hau«. vorauSzahliar.Einzeln- Nummern lv Pia Poslbezug; Monatlich IM Ml. Unter ttreuzdand für Deullchland und Oesterreich- Unoarn 3,— Ml. für da« übrige Ausland «.so MI. monatlich Lerland in« zzeid bei direller«estelluna monali. 1�0 Wl. Postdestellungen ncfimcn an Düne» Marl. Holland. Luxemburg. Schweden und die Schweiz. Singeiragen in die Post» Big., t'oiiiiiche u. ariverklchastüche vsreius- dlnzeigen«n Bfg die geile. Anzeigen für die nächste Rulilmer miisten u>« Ii Uhr nach Min. im Haudigeichäst. Berlin SW.SS, lündenstroste l>. ab» gegeben werden. SeSffnei von Z Ugr früh bis 7 Uhr abends. Keöaktion: EW. öS, Linöenstraße Z. Aernivrecker: Amt MoriApli»«, vir. lSI SV— iSl S?. Freitag, de« 2£. März 1918. Expedition: Ew. öS, Liuüenftraße 3. peruiprecher- Amt Morttzplatz, Str. lS! Si>— i51 V7. l>ie Schlacht Im Mekten. Der Schiffsraub öer Alliierten. Beschlagnahme der holländische» Schiffe. Washington, 20. MSrz.(Rentenneldung.) Der Präsident hat eine Erklärung erlassen, in der er die Ermächtigung zur Beschlagnadme der holländischen Schiffe in amerikanischen Häfen Mittwoch nacht erteilt. Der Schritt wurde getan, nachdem das Kriegshandelsamt erfahren hatte, daß Holland das amerikanische Ultimatum, die Schisse anSzuliefern, abgelehnt habe. Schweizer Grenze, 2t. März.„L.> A." Ans London wird gemeldet: Die Beschlagnahme der holländischen Schiffe in den englische» Häfen erfolgt am 23. März früh durch Königliche Order. Die Alliierten halten sich an da» Wort der holländischen Regierung, die wiederholt erklärt hat, sie gehe auf keinen s�all weiter, als sie in ihren Bedingungen ausgesprochen habe' Da diese Bedingungen ihnen die Hände binden würden, der- zichten die Alliierten kurz entschlossen auf weitere Ver- Handlungen und nehmen mit Gewalt, was sie durch sogenannte Vereinbarung nicht erschleichen und er- klemmen können. Der große Phrasendrescher der Völkergerechtigkeit tanzt vor; über die Neutralität der Kleinen geht sein Schritt, und die anderen Alliierten schicken sich an. schleunigst an seine Seite zu springen. Die Parole, die Bonar Law einmal zu Beginn des Krieges aussprach: m diesem Weltringen könne es keine Neutralität geben, wird abermals um ein tüchtiges Stück ihrer radikalen Verwirk- lichung zugeführt. Der Präsident der Bereinigten Staaten beeilt sich, auch dafür die Garantie zu übernehmen. * Amsterdam, 20. März. Der Amsterdamer Vertreter des Wolffschen Bureaus erfährt aus Haager parlamentarischen � Kreisen, daß aus Grund der heutigen Loudonschen Rede Einvernehmen darüber herrscht, daß die in Holland befindlichen Schiffe durch das Ulti- matum der Entente unberührt bleiben und nur der im Ausland befindliche Schiffsraum in die Forderungen der alliierten Regierungen eingegriffen ist. Haag, 21. März. Dem Korrcspondenz-Burrau zufolge kann mit Bestimmtheit mitgeteilt werden, daß heute mittag um 1 Uhr beim Ministerium des Auswärtigen noch keine Mitteilung der Alliierten über die Schiffs- frage eingetroffen war. Der Krieöen mit Rußland. Uebcrreichung der Ratifikationsurkunde. Berlin, 21. Mörz. Die„Norddeutsche Allgemeine Zeitung" meldet: Im Auftrage des Volkskommissariats für auswärtige Angelegenheiten überreichte heute im Auswärtige» Amte Herr P e t r o w. Vorsitzender des Komitees für aus- wärtige Angelegenheiten im Sowjet, eine offizielle schriftliche Mitteilung darüber, daß der Friedensvertrag von Brest- LitowSk am 1k. d. M. von der außreordentfichen allrussisch«« Versammlung der Räte der Arbeiter, Soldaten, Bauern und Kosakendeputierten in Moskau ratifiziert worden ist. §ür üas Selbftbeftimmungsrecht. Die Mehrheitsparteien des Reichstags bringen zur dritten Lesung des deutsch-russischen Friedensvertrages folgende Resolution ein: „Der �Reichstag spricht bei Derabschiodung deS deutsch- russischen Friedensvertrages die Erwirkung aus, daß gemäß der Erklärung des Reichskanzlers vom 29. No- vember 1917 und den Erklärungen deS deutschen Friedens- Unterhändlers in Brest-LitowSk dem Selb st best im- mungsrecht von Polen, L�kauen und Kurland Rechnung getragen wird, dvß sofort Schritte getan werden, um den staatlichen Aufbau mit einheimischer Livilverwaltung in die Wege zu leiten. daß die bisherigen Volksvertretungen auf eine breitere Grundlage gestellt werden, daß die von den bisherigen Volksvertretungen mit dem Deutschen Reich gewünschte Vereinbarung tunlichst bald geschlossen wird," Artillerieschlacht in breiten Abschnitten der Westfront— Eingreifen österreichischungarischer Artillerie— Deutscher Stnrm- vorstost bei Ornes. Amtlich. G r» 1; r S Hauptquartirr, 21. März lg!8.(W. T. B.> Westlicher Kriegsschauplatz. Heeresgruppe Kronprinz Rnpprecht, Zwischen D i k s m u i d r und La B a s s 6 r blies auch gestern die Erkundungstätigkeit rege. Der Artilleriekampf nahm am Abend bei anftlirendem Wetter att Stärke zu. An der übrigen Front lebte die GefechtStätigkeit nur vorübergehend auf. Heeresgruppe Deutscher Kronprt»». Aus sem Südnfer der Oise, nördlich von R e i«.s und in der Champagne«er das Artilleriefener vielfach ge- strigrrt. Heeresgruppe Gallwitz. Der Artillerietampf vor Berdun nah« am Abend große Heftigkeit an. Bayerische Kompagnien überrannten südwestlich von OrneS in überraschendem Angriff die ersten feindlichen Linie» Tie stieße« bis zvr v r» l e- T ch l u ch t durch and nahmen 1 BatailloaSstab und mehr als 240 Franzosen(darunter 20 Offizirrej gefangen Westlich von A p r e m o« t drang rheinische und nirdersächflsche Landwehr in die französischen Gräben ei» und brachte 78 Gefangene zurück. Heeresgruppe Herzog Albrecht. Auf dem Ostufer der Mosel und bei N»«e»y führten wir erfolgreiche Unternehmungen durch. Das Zer- stSrnngSfeuer französischer Artillerie am Parroy-Walde hielt an. In breit»» Abschnitten der Westfront ist heute früh die Artillerieschlacht mit voller Wucht rnlbranut. Oesterreichisch. ungarische Artillerie Hat sich am Kampf gegen Engländer und Franzosen beteiligt. Osten. Heeresgruppe Mackensen. Truppen de» Generals der Infanterie Kosch habe» in der Ukraine die Handels- und Hafenstadt Chrrsson genommen. Der Erste Generalquartiermeister. Lubendorff. verlln, LI. März.(w. T. V.) An der Westfront wurden vom 1.— 20. März 2S00 Mann, darunter über 70 Oifiziere und 2 BataillonSstSbe, gefangen genommen. Nach bisherigen Meldungen find 102 Flugzeuge und 21 Fesselballon« der Gegner abgefchosien. Gegen 40 Maschinengewehre und 20 Schnelladegewehre wurden erbeutet. Abendbericht. Berli«, 21. März 1318. abendS. Amtlich. In Belgisch, und Französisch-Flaudern, nördlich von Ncimö, in der Champagne, vor Lcrdn» nnd in Lothringen laben sich die Artilleriekämpfe verschärft. Zwischen Cambrni nnd La FKre find wir in Teile der englische» Stetl»»ge«»tngedrnuge». Der österreichische Bericht. Wie». 21. März 1918.« m« I i a> wird»erlautbaet: Oefterreichisch- ungarische Artillerie hat aus de« westlichen Kriegsschauplatz luden Kampf gegen Franzosen und Engländer ringegriffcn. In Benetien lebte dir Gesechistätigkeit mehrfach betricht- lich auf. Das neue Dolen. Sefcler Oberkommandant deS polnischen HeereS. Waeschau, 20. März. Aus der Konferenz SteczkowSbis mit dem Interparteilichen Klub teilt die Warschauer»Gazeta Po- rcima" u- a mit: In l;er ÖecreSfrage erklärte sich Steezkowkbi für eine möglichst schnelle Bildung des Heeres, wobei er grundsätzlich den Tntwurf des General Barth anmmmt. Für die Kriegszeet würde Generalgouverneur». B e s e l e r das Oder- tommando über da« polnische Heer führen, während die übrig- gen leitenden Stellungen von Polen besetzt würden. Die Eidesformel wäre dieselbe, welche vorher beim polnischen HilfSkorps gebräuchlich war. Die Chol m er Frage dürfte nach den Informationen SleczkowSkiö eine Revision erfahren, doch hängt die Hmchtent- sthoidung von der östmvcichischen Regieruwg ab. vor öer Schlacht. Von Richard Gädke. Wer würde sich nicht freuen, wann das Blutvergießen ies kommenden Frühjahrs und Sommers der Menschheit er- spart werden könnte I Wenn man sich bemüht, die militärische Lage sv unbefangen zu prüfen, wie das jemand möglich ist. der auf der Seite der einen Partei steht und dem mir die öffentlichen bekannten Nachrichten zugänglich sind, so sollte man meinen, daß die Dinge durchaus reif zum Fric- d c n S s ch l u ß sind. Man begreift nicht recht, worauf die Gegenseite noch ihre Hoffnungen stützt, Deutschland militärisch niederzuringeu. Nachdem sie drei und ein halbes Jahr hindurch vcrgcbenZ versucht hat, mit allen ungeheuren weit überlegenen Kräften irgendwo einen durchschlagenden Erfolg zu erreichen, müßten sich die Generale, durch die ihre Heere geleitet werden, bei ruhiger, von Leidenschaft freier Beurteilung doch sagen, daß der große Wurf ihnen endgültig mißlungen ist, daß die Würfel gegen sie entschieden haben. Ws entscheidender KriegLschäuplatz bleibt der westliche. Niemand von unS wird sich der Täuschung hingeben, als ob dort nicht gegenwärtig mit höchster An spannung, mit fieberhafter Entschlossenheit gearbeitet würde, nicht die letzten Kräfte herangezogen würden, um den kommenden Waffengang bestehen zu können. Aber welcher Zu schüfe an Strertermassen kann ihnen nach den ungelienrcn Blutopfern der Jahre 1916 und 1917 noch zur Verfügung stehen? Daß ihre vergeblichen, mit tapferem Ungestüm durch- geführten Angriffe auf unsere befestigten Stellungen Fran- zosen und Engländern zusammengenommen weit höhere Verluste gekosttet haben als uns unsere Verteidigung, ist über jedem Zweifel erhaben. Alle Angaben, die von drüben zu uns durchgesickert sind, alle Beobachtungen unserer tzigenen Truppen an der Front bestätigen es. Man wird kaum fehlgehen, wenn man ihren Ab- gang auf das Doppelte des unserigen be- mißt. Die größere Heilkraft unserer sorgfältigeren La- zarettbehandlung will ich hierbei nicht noch einmal in An- schlag bringen: dann sänke die Wage noch mehr zu ihren Un- gunsten. Es bleibt ihnen also nur die amerikanische Waffen hilfcl Die Angaben über deren zahlenmäßige Stärke sind verschieden und unsicher, sind darauf berechnet, zu verblüffen und zu täuschen. Aber selbst wenn man die höchsten Angaben der Gegner zugrunde leat und dabei berücksichtigt. daß ein erheblicher Teil der Mannschaften nach ihren eigenen Mittelllmgen nur in Arbeit struppen Verwendung gefunden hat, so können sie in diesem Zufluß eine aus- schlaggebende Unterstützung nicht erblicken. Dazu tritt der geringere militärische Wert des neugebildeten und mit großer Ucbereilung nach Europa gesandten HeereS. Ich lege noch viel weniger Wert auf die sehr kurze Ausbildungszeit der Münnsckwsten als vielmehr darauf, daß den Amerikanern die durchgebildeten Stämme, das Lehrpersonal an Offizieren und Unteroffizieren so gut wie völlig fehlte. Rekruten können, besonders im Stellungskriege, in festen, kriegerisch geschulten Rahmen ohne wesontlichen Nachteil in ziemlicher Zahl ein- gestellt werden. Wo diese aber fehlen— nnd durch die Zu- tmlung französischer Offiziere und UnteroMziore, die der Sprache framd waren und mir in gering» Menge abgegeben werden konnten, ist diesem Mangel nur in ganz unzureichen- dem Grade abgeholfen worden—, da bandelt es sich um lockere Aufgebote, die unseren kriegserfahrenen Truppen -gegenüber minderwertig sind. Nun rechnen die Gegner noch immer auf ein Uebergewicht an Kriegsgerät UAld Schießbedarf. Das gehört zu jenen Strohhalmen, an die fich der Ertrinkende klammert. Tie amerikanischen Lieserungen sind sicher nicht größer ge- worden, teils infolge ihres eigenen Bedarfes, teils infolge der Versenkungen durch unsere U-Boote, teils infolge Ar- beitermangels. In Italien und Frankreich fehlt es an Kohle, Arbeitern und Rohstoffen: England allein muß für sie alle mit aufkommen. Ich zweifle nicht daran, daß das Kriegs- gerät der Gegner noch immer ungeheuer groß ist, aber ich zweifle, daß sie eS noch wesentlich steigern konnten. Dagegen hat sich das unserige gewaltig vermehrt, nachdem alle industriellen Kräfte Deutschlands seit anderthalb Jahren sich für dies eine Ziel angespannt haben, nachdem das im Osten verwandte Gerät größtenteils für den Westen frei geworden und nachdem uns in Rußland riesige Beute in die Hände gefallen ist. Aehnlich steht es mit den S t r e i t m a s i e n. Unsere Divisionen können in unabweisbarer Folge gegen Westen rollen, fast die ganze kriegerische Kraft Deutschlands wendet sich jenen Räumen m Belgien und Nordfrcrnkreich zu, wo Sir dreieinhalb Jahre hindurch mit einein Teile unseres Heeres allen feindlichen Angriffen siegreich widerstanden Kaden. WollendieGeg n er unsnoch niederwerfen, so müssen sie ihrerseits angreifen. ES gibt kein anderes Mittel, ihre Kriegszielc zu erreichen, nachdem der Hungcrkrieg ihnen mißlungen ist und ihre eigene wirt- s-t-ftliche Lage iracti einer Beschleunigung der Entscheidung schreit. In dieser Beziehung spricht der Raub deS holländi- schen Schiffsraumes, die Erzwingung von 400 000 schwedischen Tonnen Bände. Und doch ist es klar, daß es nur eine Galgenfrist für' jene bedeute!, wenn es wirklich auf die Ter- Wendung dieser IV2 Millionen Tonnen ankommen sollte. Darum liegt ja die Verniutung nahe, daß diese Gewalttat noch Nebenzwecke verfolgt, die vielleicht sogar der Hauptzweck sind. Wenn die Fortsetzung des Krieges also nur dann noch einen erkennbaren Sinn hat, wem: jene wirklich glauben, im Angriff uns niederwarfen zu können, dann würde dos Unter- lassen dieses in der zwingenden Vernunft der Lage liegenden Angriffes ein dunkles Mißtrauen m die eigene Kraft, ein inneres Gefühl der Schwäche bedeuten, in der allein bereits der halbe Mißerfolg liegt. Nur wer an seine Kraft glaubt, kann auf Sieg rechnen. Mag sein, daß sie glauben, bis zum Ablauf des Sommers einem deutschen Angriffe widerstehen und bis dahin weitere MO 000 Amerikaner auf französischem Boden landen zir können. Aber es liegt ein schwerer Selbst- betrug darin, von diesen nur tropfenweise cintreffeuden Verstärkungen einen allgemeinen Umschwung der Gesarntlage noch erwarten zu wollen. Und wo ist noch weiterer Schiffs- rauin zu holen, wenn auch jene holländischen und schwedischen Tonneil ans dem Grunde der See ruhen? Aber da unsere Gegner schlecht beraten sind, da sie sich von Haß, Verblendung und Furcht zu gleicher Zeit anstatt von der ruhigen Beurteilung der Dinge leiten lassen, wie sie wirklich sind, so wird dao Blutvergicßcrl deS Frühjahrs und Sommers der Welt leider nicht erspart bleiben! Und das ist, so paradox es klingt, der Grund, warum der Monat März bis zum heutigen Tage äußerlich so ruhig der- laufen ist wie kein einziger März in den drei früheren Kriegs- jähren. Die großen AngrifsSuntprnehmungen, die Bewegung der Fronten fehlen diesmal völlig, und nur die unaufhörlichen Erknndigimgen verraten die furchtbare Spannung, in der sich die Riesenbeerc befinden, die gelvaltigsten, die die Welt je auf einem Fleck versammelt gesehen bat. Die Er- cignisse spielten sich bisher hinter der Front ab, aber wahrscheinlich liegt hi ihnen bereits die Entscheidung des Weltkrieges im Kenne beschlossen, während die Schlachten selbst nur noch das Ergebnis ziehen werden aus deni Rechen- crempel, das gegenwärtig aufgestellt wird. Rußlanö. Ei» Unterredung mit dem Abgesandte» der rusfischen Republik. Mittloock abend ist als Abgeordneter des rusfischen Rate? der LolkStomminare P e t r 0 w in Berlin eingetroffen, um den ratist- zierten F-rledensoerlrag der ReichSrcgierung zu überbringe». Der 2b- gesandte deS revolutionären NuhlandS ist eine bekannte Persönlickkeit. Er ivurde 1000 von der zaristischen Regierung ins Gefängnis geworfen und ging dann später landflüchtig nnd verbannt überOesterrrich-Ungarn nach der Schweiz, Frankreich und England, wo er während des Krieges mit Tschuscherin und seiner Frau, in» übrigen einer DeiNscheu, ver- bail« wurde. Petrow kehrte erst im Januar dieses Jahres nach SBeiersburg zurück, um sich hier ber bolschewistischen Regierung zur Verfügung zu stellen. Einer unserer Mitarbeiter wurde gestern rnittag von ihm im Hotel ESplanade zu einer längeren Unterredung «mpfaugeu. Unser Mitarbeiter befragte Petrow über die Organisation der russischen Regierung..Die Regierung," fing Petrow an zu erzählen,„wird von den Sowjets ausgeübt. Jeder Sowjet wählt einen Delegierten für daS Zentralerekntivkomitec, das dem Deutschen Reichstag vergleichbar ist. Jeder Delegierte mutz mindestens 2500 Wähler haben. Das Landesexekutivkomitee be- besteht aus über 1(100 Delegierten und tagt zurzeit in Moskau. ES befindet sich in Permanenz und entscheidet endgültig über die Be- ichlüffe. die der Rat der VolkSkomnnsiare. also das Ministerium, fatzt. 2iiS dem Exekutivkomitee wurde der Rat der BolkSkonmnssare gewählt. DaS Bürgertum bat keine ausgesprochene Partei im Exekutiv« komiiee, aber jeder Mann, jeder Sowjet kann ja wählen wen er will." «So hat also das Bürgertum und das Kapital gar keine Rechte in Stutzland?" fragte unser Mitarbeiter. .Jeder Mensch in Rutzland hat die gleichen Rechts." erwiderte Genosse Petrow. .Ist es wahr, datz das Kapital beschlagnahmt worden ist?" ..Das Kapital ist in Ruhland nicht beschlagnahmt worden," erwiderte Gen. Petrow.„Aber um zu verhindern, datz die Reichen ihre Kapitalien an-Z den Banken ziehen, hat die Regierung bestimmt, datz derjenige, der Kapital auf der Bank hat. wöchentlich nicht mehr als 260 Rudel abheben darf. Außerdem ist es verboten, mehr als 600 Rubel ins Ausland mitzunehmen."„Und die Schulden, die die zaristische Regierung bei Frankreich und England gehabt hat?" .Dieie Staatsschulden sind von der bolschewistischen Regierung annulliert worden, und das mit gutem Recht: denn schon im Jahre 1006 haben die bäuerlichen und sozialistischen Parteien Rutzlands. nebenbei bemerkt auch die Kadetten, erklärt, datz da? Land sür die Schulden der zaristischen Regierung nicht auskomm«. Du« rnaiS ha» man dielleicht über diese Erllänmg gelacht. Hente ist sie zur Rettung Rutzlands geworden," „Wie stellt sich denn nun daS Kapital zur bolschewistischen Regierung?" „Das Kapital hat versucht zu streiken. Die Fobrikhcrren ent- liehen ihre Arbeiter und die Banken wotUeu ich liehen. Da bat dann die Regierung zum Sckutz der Arbeiter«ine Kontrolle über die Fabriken und Banken gesetzt, Sie mutzten unter dieser Kontrolle im Jnterejie der Arbeiter und deZ Landes arbeiten. Und so ist eS«och deute. Heute arbeiten die Fabriken und schaffe u Friedenswerte. Es verkehren Eisenbahnzüge und die bringen die Maschinen und das Material, das zur Ackerbestelluug uiw. not« wendig ist, an Ort und Stelle, um Getreide wiederum dafür in die Slädis zu sühren. Die Verbindung zwischen Agri- k u t t u r und Industrie, die daS Wichtigste für ein jedes Land ist, ist wieder berge st ellt". „Wie stellt sich nun die russische Regierung zu der Bbtren« n u n g der Randvölker, Finnland. Ulraine, Livland, Kur« land usw.?" „Wir haben den Grundsatz, daß jedes Volk tun kann, w a c e will Was ober die Ukraine anbetrifft, so haben die ukrainischen Abgeordneten, die seinerzeit auf der Friedenskonferenz waren, ohne die Ermächtigung ihres Volkes gehandelt. Sie haben, als die Zentralrada ausgelbst war, die Bevölkerung Sowjets ge- bildet hatte, die sich mit dem allrussischen Zentralexekutivkomiwe in Verbindung gesetzt hatten, allein einen Frieden mit den Zentral- mächten geschloffen und dann, ohne eine Volksversammlung hinter sich gl haben, dir sie befragen konnten, die Hilfe der Deutschen und Oesterrvcheri gegen die bolschewistischen Truppen angerufen. DaS Land' wurde von den Truppen der Zentral mächte besetzt, obgleich ci- sich Groß-Rutzland anschließen wollt«, und es wurde eine ukrainische Regierung««gesetzt, obgleich die utrast.ische Bevölke- ritng die Regierung in Petersburg anerkennen wollte. Mr Zebruarergebnis öes U-Soot-Krieges. Berlin, 20. März. Im Monat Februar find durch kriegerische Maßnahmen der Mittelmächte unter Hinzurech- u u n g des i« den bisherige» Monatsveröffcntlichuuge»«och nicht verrechneten Teils der vom Hilfskreuzer Wolf erzielten Erfolge insgesamt 680000 Sr.-Reg.-To. des für unsere Feinde nutzbare» HandrlsschiffsraumeS ver- uichtet worden. Damit beläuft sich das Gesamtergebnis der Vernichtung seit Beginn des uneinge schränk- te» U-Boot-Krieges ans insgesamt 10270000 ör.-Reg.-To. Durch die kriegerischen Maßnahmen der Mittelmächte ist der unseren Feinden znr Verfügung stehende Welt-Haudels- schiffsraum seit Kriegs beginn bis zum 31. Januar 1918 um rund 75100000 Sr.-Reg.-To. verringert worden. Hiervon entfalleu rund H40SH60 Sr.-Neg.-To. auf die englische Handelsflotte. Der Chef des Admiralstabs der Marine. werden jetzt mcbtS gegen derartige Schritte tun können. Wir wollen den Frieden mit allen Nachbarn, auch den Frieden mit Deutschland und Oesterrei ch." «Darf ich fragen, wie die Kriegsgefangenen der Zen- tralmächte in Rußland leben?" „Die Kriegsgefangenen Deutschlands und Oesterreichs find frei. Sie find aus Sibivi sn zum größten Teil nach dem europä- ischen Rußland geströmt. Sie leben in den Städten, ar- betten in den Fabriken und iverden ebenso bezahlt wie die russischen Arbeiter. Sie besuchen ebenso wie die ruffischen Arbeiter die politischen Versammlungen. Als ich neulich in Moskau den Kreml besuchte, traf ich eine Reihe junger Leute. Ich dachte zuerst, es seien Russen. Ich sprach sie cm. Es waren Deutsche und Oestcrreicher, die in der Stadt lebten und dort arositeten. Wir hoffen, daß der Austausch der Kriegsgefangenen bald vor sich gehen wird. Unsere Regierung hat alles vorbereitet. Wir könnten heute mit dem Austausch beginnen." «Und die Sorge für die Hinterbliebenen der im Kriege Gefalle- wen nnd für die ZhiegSkrüppei?" ..Wir haben bei uns ein eigenes RegierungSkomnrissaviat ein- gerichtet, das Frau Alexandra Kolon tat verwaltet. De Pflege für diese Aevmsten ist sehr gut organisiert bei un?." „In den deutschen Zeitungen liest man viel von ungeheu- reu Lebensmittelpreisen in Rußland." „Die Lebensmittelfrage hat sich sehr gebessert. Auch hier hat die 3 te gierung ein« Kommission gegen den Schleich- Handel eingesetzt. De Regierung hat Höchstpreise eingeführt. Ein Kartensystem existiert bei uns nicht. Dafür babcn wir ein System von K 0 n l u ril g e n 0 f s e n s ch a f t e n. das sich sehr gut bewährt. Schleichhandel wird mit hohen Strafen bebegt." Unser Mtarbeitcr fragte dann noch nach der Lage in Si- b i r i e n. Genosse Petrow sagte:„Wir beurteilen die Lage in Sibirien einigermaßen optimistisch. Wir glauben nicht, daß die Intervention der Alliierten zustande kommen wird, da die Jnter- essen Amerikas und die Japans in Sibirien einander allzu stark zuwiderlaufen. Amerika hat, wie ich kurz vor meiner Abreise er- fuhr, die russische Regierung anerkannt und das dürfte einen be- stimmten Einfluß auf die beabsichtigte Intervention ausüben!" Genosse Petrow sprach dann unserem Mitarbeiter gegenüber den Wunsch aus. den Genossen Scheidemann kennen zu lernen. Es ermöglichte sich sofort eine teleHhonische Verständigung und Petrow was bald danach mit dem Genossen Scheidemann zusam- men. Ilm 5 Uhr hatte er dann die erste Besprechung im Aus- wärtizen Amt.__ Der ßrieöen mit der Ukraine. Kiew, 18. März. Die kleine Roda hat gestern der Ratifikation des Friedensvertrages zwischen Deutschland und der Ukraine mit großer Mehrheit zugestimmt. Amerika in Rußlanö. Moskau, 19. März.(Meldung der Petersburger Telegraphen- Agentur.) Auf eine Frage, ob infolg« der Ratifizierung des Friedens mit Deutschland durch den Kongreß der Sowjets die amerikanisckje diplomatische Vertretung Rußland verlassen werde, gab der Bot- s ch a f t e r Francis folgende Erklärung ab:Jch werde Ruß- land nicht verlassen, bis ich durch Gewalt dazu gezwungen werde. Die amerikanische Regierung und das amerikanische Volk haben zu tiefe Teilnahme für das Wohlergehen des russische» SolkcS, als datz sie Rußland den Deutschen ausliefern würden. Amerika interessiert sich aufrichtig sür die Freiheit des russischen Volke« und wird sein Möglichstes tun, um die wahren Interessen des Landes zu schützen. Wenn daS tapfere und vaterlandsliebende russische Volk für den Augenblick politische Streitigkeiten beiseite läßt und entschlossen und tatkräftig handelt, wird es den Feind aus seinem Gebiet vertreiben und bis Ende 1313 einen dauerhaften Frieden für sich und die ganze Welt sichern können. Meine Regierung betrachtet noch immer Amerika als den Verbündete» de? russischen Volkes, und wir find bereit,«ine jede Regierung zn nnter st ätzen, die aufrichtig einen k r ä f- tigen Widerstand gege« den deutschen Einfall einrichten wird.__ Reichstagsauflösung und Neuwahlen in Dänemark. Kopenhagen, 20. März.(Ritzau.) Der Reichstag ist gestern geschlossen und durch Königlichen Erlaß zum 20. April auf- gelöst worden. Die Neuwahlen zum Folkething finden am"22. April statt. Torpeöoschiffe beschießen Dünkirchen. Seegefecht mit feindliche« Zerstörer«. Berlin, 21. März. Amtlich. Torpodobootstreitkräftc Flandern haben a« 21. März früh in drei Gruppen die Festung Dünkirchen sowie militärische Anlagen bei Brav Dunes und De Panne nachhaltig unter Feuer genommen. Tie Aufschläge lagen überall gut; in dem umfangreichen Barackenlager bei De Panne, daS mit $00 Schuß belegt wurde, brache« zwei große Brände aus. Die Küstenbatterien erwiderten das Feuer heftig, aber ergebnislos. Auf dem Rückmarsch kam rS zu einem Feuergefecht mit einigeu feindlichen Zerstörern, die sich jedoch zurückzogen, nachdem sie mehrere Treffer erhalten hatten. Die am Vorstoß beteiligten Streitkräfte sind ohne Beschädigungen«der Verluste eingelaufen. Zwei unserer kleine n Vorposteuboote sind heute Siacht von einer Fahrt westlich Lsiende nicht zurückgekehrt und müsse» alz vermißt gelte«. j« Der(Ehef des AdmiralstabeS der Marine. Devolkerungspolitik unö Gefthlechts- krankheiten. Die 16. ReichStagskommission für Bevölkerungspolitik trat bei der Fortsetzung ihrer Beratungen in die Diskussion über§ 5 der Regierungsvorlage zur Bekämpfung der Geschlechtskrcmkhelteu ein. Dieser Paragraph lautet: „Weibliche Personen, die gewerbsmäßig Unzucht treiben, müssen einer gesundheitlichen Beobachtung unterworfen und zwangsweise auf das Vorhandensein von Geschlechtskrankheiten ärztlich untersucht werden. Leiden sie an einer Geschlechtskrankheit, so können sie zwangsweise einem Heilversahren unterworfen, insbesondere in ein Krankenhaus überführt werden, wenn dies zur wirksamen Verhütung der Ausbreitung der Krankheit erforderlich erscheint." Zu diesem Entwurf lagen zwei Anträge der S 0 z i a Id e m 0« k r a t e 11 und der F r e i s i 11 n i g e n vor, die beide von der Absicht ausgehen, ans dieser Heilvorschrift für bloße Prostituierte eine Heilvorschrift für die gesamte Bevölkerung zu macheu. Die Sozialdemokraten beantragen, das erste Wort „weibliche" zu streichen und statt der Worte«gewerbsmäßig Unzucht treiben" zu setzen«dringend verdächtig sind, geschlechtskran! zu sein". De Fortschrittler wollen die Heilbehandlung noch von einer wei- teren Bedingung abhängig machen und beantragen, die Eingangs- Worte wie folgt zu fassen:„Personen, die dringend verdächtig sind, geschlechtstrank zu sein nnd ihre Erkrankung weiter zu verbreiten." De Regierung wendet sich wiederum, wie bei den früheren Para- graphen, durch drei ihrer Vertreter, vor allem durch Geh. Medizi- nalrat Dr. Kirchner, sehr lebhaft gegen die Ausgestaltung dieser Vorschrift für die Gesamtbevölkerung. Sie steht auf dem altpolizci. licben Standpunkt, daß man solche Maßnahmen nur gegen Prostituierte vornehmen könne und macht hunderterlei Beden- ken geltend.— Tagegen weist'Abg. Davidsolm iSoz.) ausführlich nach, daß die Wirkungen aller bisherigen Beschlüsse davon abhängig seien, ob man hier Ernst mache. Abg. Dr. Quarck-Frankfurt a. Main(Soz.) bezieht sich zur Begründung aus die neuesten Ziffern aus der Arbeit über die Verbreitung der Geschlechtskrankheiten in Berlin von Prof. Dr. Blaschko. Danach wären die Männer viel stärker an den Geschlechtskrankheiten beteiligt als die Frauen. Ein Viertel aller frischen SyphiliSertrankungen beträfe Verheiratete; der weitaus' größte Test der Ehemänner steckt sich außerhalb der Ehe an, und der größte Teil der Ehefrauen werde in der Ehe von ihren Ehemännern angesteckt. � Geh. Medizinalrat Tr. Kirchner � bemängelt einen Teil der Blaschkoschen Statistik, geht aber auf die Hauptzisfern nicht ein. Smderbarerweise erklärt nch der Vertreter der Unabhängigen Sozialdemokratie. Abg. Tr. Erdmann, für den weniger weitgehenden freisinnigen Antrag. Bei der Abstimmung wird einstimmig das Wort„weibliche" in der Regierungsvorlage gestrichen und ebenso die Worte,„die getverbSmäßig Unzucht treiben", so datz sich also nach der einstwi- mign Meinung der Kommission der neue Paragraph ohne Vor- behalt auf die Gesamtbevölkerung bezieht. Bei der weiteren Abstimmung wird der einschränkend� Antrag der Fort- schrittler mit 13 gegen 8 Stimmen der Sozialdemokraten und einiger Zentrumsleute und deS Vorsitzenden angenommen. In ihrer Donnerstagsitznng ging die Kommission znr Beratung des Z 6 über. In feiner Ziffer 1 mildert dieser Paragraph die Be- stimmungen des Kuppelparagraphen zu dem Zwecke ab, daZ anständigeWobnen der Prostituierten zu erleichtern. Er bestimmt, daß keine Kuppelei-Bestrafung eintritt, wenn ein bloßes Mietverhältnis stattfindet und kein Anhalten oder Antreiben znr Unzucht Platz greift. Diese Bestimmung wird von sämtlichen Parteien begrüßt, auch von den Sozial- demokraten, im Interesse der Prostituierten. Nur der Abg. Mumm (Christlichsozial) hat eine Reihe Verschlechterungsanträge gestellt, die sämtlich abgelehnt werden, woraus der 8 0 gegen seine Stimme Annahme findet. Die Ziffer 2' de» 8' 6 regelt die gesundheitliche und polizeiliche Ueberwachnng der Prostituierten ans Grund des 8 List de? Straf- gesetzbuches. Der-Bundesrat hat einheitliche Richtlinien für ganz Deutschllmd zur Regelung dieser Angelegenheit entworfen nnd nach Mitteilung der Regierungsvertreter haben sich sämtliche Regierungen zur Jnnehaltung dieser Richtlinien bereit erklärt.— Abg. Dr. Qunrck(Soz.) begrüßt die Einheitlichleit der Gesetzgebung, die dadurch herbeigeführt'werden soll, bemängelt ober, daß einige Punkt« der Richtlinien wieder die alte demütigende und versklavende Reglementierung im Sinne der Sittenkontrolle ausgenommen habe». Der Redner erklärt, daß seine Partei diesen Rückfall in die schlimmstni Reglementierungszeiten nicht mitmachen könne. Der Regierungsvertrrter, Ministerialdirektor Dr. Damann meint, man könne ohne eine gewisse Abschreckung, die nur durch die D r 0 h u n g mit der alten Sittenkontrolle erreicht werde, nicht ans. kommen. Tie Verhandlungen wurden abgebrochen und die Abstim- mung und Entscheidung auf Freitag vertagt. Verhaftungen in Leipzig. Am Mittwoch wurde der Vorsitzende der Leitung der Nn- abhängigen sozialdemokratischen Partei in Leipzig. Richard Lipinski, verhaftet. Er steht unter dem Verdacht der Teilnahme an der Verbreitung der Streikflugblätter, wegen deren bereits eine Anzahl Mitglieder der Unabhängigen Partei, unter ihnen die Stadtverordneten Windsch. Dietze und Kurtze, in Haft genommen worden sind. Niederbarnim. Die Fortschrittliche Volksportei hat einen Auf- ruf nn ,hre Wähler erlassen, in der Stichwahl sür W i s s e 1 1 zu stimmen. Letzte Nackrichten. Schweden und der Cstfncdcn. Stockholm, 21. März. Winisterpräfident Eden wendet sich in seiner Kaurmerrede gegen die Behauptungen der Opposition, daß die Verhandlungeu mit den Westmächten unneutral seien und erklärte, daß nie davon die Rede sein könne die Erz- ausfuhr nach Deutschland einzustellen, daß es aber Schwedens volles Recht sei, auch etwas von seinem Erz nach dem Westen zu schicken. Zusammenfassend schloß der Miinsterpräsideni: Die gewaltige Machtverschiebung au der Ostsee konnten wir nicht abwenden, wir müssen uns danach einrichten. Wir wünschen und werden ernst danach streben, das bestmöglichste Ver- hältms zu der Macht, die dieses Meer jetzt be- herrscht, nämlich Deutschland, aufrechtzuerhalten, aber wir müssen und werden dies unter Aufrechterhaltung unserer Selb- ständigkeit tun. Der enge Anschluß zwischen Schweden, Norwegen und Dänemark, der durch die Kriegsjahre geschaffen worden ist, er» hält in dieser neuen Lage größere Bedeutung denn je. Wir werden einen Anschluß der auch zwischen Finnland und den älteren skandi- navischen Reichen möglich ist. nachstreben und die Möglichkeiten,»ie durch die betreffenden neuen Staatsbildungen Polen, Litauen, Estland und Livland hervortreten können, dürfen nicht versäumt werdent Schweden kann sich doch incht nur auf die Ostsecinter- essen beschränken; es war nie notwendiger, die Wege auch gen Westen offen zu halten. Nur wenn das geschieht, können wir und unsere Nachbarn gemsinschafrlich die freie und unabhängige Stellung des skandinavischen Nordens bchauptan. Nr.$1 ♦ 55. Jahrgang Seilage öes Vorwärts Freitag, 22. März 1�15 Staötverorönetenverfammlung. Der Magistrat hat eine„Neuwertung" der Bureaube- amten st eilen vorgenommen, die eine Verminderung der höher gcwerteten zugunsten der nachgeordneten stellen ergeben hat. Er schlägt vor, die freitverdenden Bureauanwärterstcllen mit ständigen Bureaugehilfen zu besetzen und zunächst 100 Assistenten in ge- Hoheiten Stellen mit einer Funktionszulage von je 300 M. zu bedenken. Die Versammlung stimmt zu. Zum Stadtschulrat tvird Dr. Fischer mit 73 von 74 Stimmen tviedcrgewählt, 1 Stimme erhält Adolf Hoff- mann(Heiterkeit). Am 5. März haben die Stadtvu. Cassel, Momtnsen und Gen. l Linke und Freie Fraktion) und die Unabhängigen Sozialdemo- kraten(Barenthin und Gen.), am 6. März die Stadtvv. Barkowski und Gen.(Soz.) Anträge eingebracht, die den Magistrat um ferne Intervention bei den Militärbehörden ersuchen, um für die Zukunft beim Transport von Militärgefangencn durch die Straßen die Gefährdung von Leib und Leben Unbeteiligter zu verhüten.— Oberbürgermeister Mermuth verliest die dem Magistrat am 8. und 10. März von der .Kommandantur und vom KricgSministerium zugegangenen Schrei- den, aus denen sich ergibt, daß der Transport in Berlin nur noch zu Wagen erfolgen darf und die Begleitmannschaften Schußtuaften in die Wagen nicht mitzunehmen haben.— Die Antragsteller Stadtvv. Cassel, Dr. Wehl und Heimann ziehen hierauf die Anträge zurück. Von Wehl und Heimann werden aller- dings noch Vorkommnisse zur Sprache gebracht, die sich nach dem 14. März. bzw. erst vor drei Tagen ereignet haben und den Schluß zulassen, daß die neue Verordnung noch nicht in Kraft getreten ist; der Oberbürgermeister tritt indessen dieser Auffassung ent. gegen. Mit dem 1. April 1018 geht die bisher vom Polizeipräsidium wahrgenommene Baupolizei an die Stadt über. Die Bureaus des neuen. Ztveiges der städtischen Verloaltung sollen in den Grundstücken Roßstr. 21/30 untergebracht werden. Für die erste Einrichtung und Ausstattung sind 140 000 M. erforderltch.— Nachdem die Stadtv. Düring(Fr. Fr.) und Cassel(Linke) ihre Genugtuung über die Uebertragung ausgesprochen und dem Magistrat für die dafür eingesetzten energischen Bemühungen gedankt haben, wird die Mietung gutgeheißen und erfolgt die Bewilligung der ange- forderten Summe. Auch die persönlichen Kosten der Verwaltung toerden bewilligt. Darauf beginnt die Spezialberatung dez Ltadthaushaltsplans für 1918 auf Grund der Antrage de» Etatsausschusses. Beim Etat für die Schulvcrwalwng geht Stadtv. Rosrnfeld (U. Soz.) auf das Gemeindeschulwefen und auf die Frage näher ein, ob die Verwahrlosung der Berliner Schuljugend wtrklich so hochgradig sei. wie hier und da behauptet werde. Diese Behaup- tung habe sich als übertrieben erwiesen, die berechtigten Klaget? träfen mehr die.höheren Tochter*. Die öffenfTiche Werbetätigkeit auf den Straßen, die mit schuld an der Erscheinung sei, sollte beseitigt werden. Redner plädiert für erhebliche Herabsetzung der Klassenfrequenz. Gegen die Art der Versendung der Schulkinder aufs Land äußert er unter besonderer Bezugnahme auf Ostpreußen lebhafte Bedenken.— Stadtv. Cassel und Stadtschulvat Fischer treten dem Vorredner entgegen, der hinsichtlich Ostpreußens schwarz in schwarz gemalt habe. Stadtv. Gronewaldt(Linke) stellt fest, daß man in Ostpreußen durchweg im kommenden Sommer die .Berliner Iungens* nueder dorthin haben wolle.— Der Unterrichtsetat wird bewilligt. Zu den Ausgaben für die offene Armenpflege beantragt der Haushaltsausschuß, den Magistrat zu ersuchen: 1. dafür Sorge zu tragen, daß die Unterbringung von Hilfsbedürftigen in Heil- statten usw. schneller als bisher durchgeführt wird; 2. eine Ueber- Weisung der Unterbringung von hilfsbedürftigen Kindern an da» Jugendamt m Erwägung zu ziehen.— Beide Anträge werden an- genommen. Im übrigen verabschiedet die Versammlung die Etats für die Armen- und Waisenpslcge, Fürsorgeerziehung, für Hospitäler, Arbeitshaus, Obdach ohne Erörterung. Zum Etat für die GesundheitS- und Krankenpflege hat der Ausschuß einen Antrag, die völlig unzulängliche Entlohnung und die Teuerungszulage der Irre»Pfleger angemessen zu er- höhen, abgelehnt; heut« nimmt Stadtv. Ritter(Soz.) diese Anregung wieder auf und gibt eine ausführliche Begründung. Bürger- meister Reick« teilt mit, daß die zuftättdige Deputation mit der Prüfung der Frage befaßt ist. Stadtv. Dr. Zadel(U. Soz.) unter- stützt lebhaft die von Ritter gegebene Anregung. Ueber die Ausgaben für Polizei kosten(jetzt inkl. Bau- Polizei), Gewerbe- und Kauf mann Sa ericht, Standesämter. Arbeitsnachweis referiert Stadtv. Ritter. Gm Antrag, zur Herausgabe einer Festschrift zur Feier des Lbjähvigen Bestehens des GewerbegcrichtS die Mittel zu bewilligen, wird abgelehnt; dagegen beschlossen, den Magistrai zu ersuchen, die jetzt 6 M. betragende Entschädigung für die Beisitzer des Gewerde- und KauftnannsgerichtS aitgernessen zu erhöhen. Bei den Ausgaben für Stratzenreinigung übt Stadtv. Dr. Wehl au der.Berdreckung" der Straßen Berlins in der Zeit der Schneefälle schärfste Kritik. Stadtrat Mieletitz nimmt die Verwaltung, die an stärkstem Personalmangel geliuen habe, in Schutz. Stadtv. De. Wehl: Arbeitskräfte wareit vmu Nachweis genügend zu haben, aber die Stadt wollte nicht ausreichende Löhne zahlen. Stadtrat Fischbeck: Tie Frauen, die dort zu haben waren, tonnten die schwere Arbeit nicht leisten, besaßen auch nicht geeig- ueteS Schubzeug. Stadtv. Mommsen iFr. Fr.) verwahrt die städtische Massenspeisung gegen die abfällige Kritik, die Dr. Werl bei dieser Gelegeuheii an ihr geübt hat. Siadtv. Rostbach rühmt die Vorzüge der Speisung, die er sei: ihrer Einrichtung benutze. Zum Etat der Gaewetke war im Ausschuß beantragt wmden, das Gehalt der weiblichen HilfSarbeiteritinen den AeitperhälWssdkt entsprechend zu. erhöhen und ihnen 11 Tage Ferien zu gewähren, wenn sie länger als S Jahre beschäftigt sind: ferner daL Endgehalt der GaSmeister auf 4700 M. festzusetzen. Beide Anträge Hai der Ausschuß abgelehnt Das gleiche Schicksal hat ein Antrag erfahren, wonach dem Magistrat der Abschluß eines korporativen ArbettS» Vertrages mit allen im Dienst der Stadt beschäftigtet! Arbeitern und Arbeiterinnen empfohlen werden sollte. Dagegen ist der Antrag zur Annahme gelangt, der Satzung über die Tätigkeit der Arbeiter- ausschüsse folgende Bestimmung hinzuzufügen:„Zu Verhandlungen über Lohnfragen uiii» Regelung der Arbeitszeit sind auf Antrag des Ausschusses Vertreter der gewerkschaftlichen Organisationen der Arbeiter hinzuzuziehen. Diese nehmen an den Verhckndlungen mit beratender Stimme tefl.*_ Stadtv. Ritter(Sog.) befürwortet den Antrag, davon Kenntnis zu nehmen, daß der Verband der Gemeinde- und Staatiarbeiter den Antrag auf Abschluß sineS korporativen Arbeitsvertrages beim Magistrat gestellt hat und den Abschluß eines solchen mit allen Arbeiterorganisationen zu empfehlen. Nach längerer Debatte. in der Stadtv. Dr. Levy II(Linke) auch den vom Ausschuß emp- fohlenen Antrag abzulehnen ersucht, und Stadtv. Hintze(U. Soz.) für den Antrag Ritter sich einlegt und zugleich Erhöhung der Grundlöhne für die Arbeiter fordert, während Bürgermeister Reicke ans die daneben laufenden stetig erhöhten Zulagen verweift. ziebt Stadtv. Ritter für heute seinen Antrag zurück, um ihn dem- nächst als Initiativantrag wieder einzubringen. Die Abstimmung üver den Ausschußanirag wird ausgesetzt. Die Etats für die städtischen Werke usw. werden bewilligt-; damit ist die Etatderatung für heute erledigt, GrofrBerlln v. Hebr-Pinnow.• „Ich tue Gutes und verdiene gut. Die Rechte weiß nicht, waS die Linke tut. Die Rechte zahlt der armen Kricgerfrau Vier Groschen Lohn pro Arbeitsstück genau. Die Linke macht derweil die Finger lang Und nimmt vom Staat acht Groschen in Empfang. Ich halt es umgekehrt wie Jesus Christ: Ich nehm' vom Staate,>vas des Staates ist.* * Der„Krcuzzeitung� ist ziemlich mieß. Allein verständlich war ihr dieS, Wenn er Beer& Pin�er hieß. Strick Rauht. Der Stadthaushaltsausschust hat seine Beratungen beendet und beschlossen, der Stadtverordneten- Versammlung statt der vom Magisttat beantragten 190 Prozent Ge« meindceintommensteuer einen Z u s ch l a g von nur 17SPtoz. zur StaatSewkommensteuer, also eine Erhöhung von IV Proz. vor- Post Abonnenten! �amit Sie regelmäßige Zustellung öes »vorwärts* im nächsten Monat keine unliebsame Unterbrechung erleidet, ersuchen wir unsere post-slbonnenten, das slbonne- ment für das zweite vierteljahrlHIS bei öem zuständigen Postamt schon jetzt zu bestellen. vorwärts-Verlag G. m. b. H. zuschlagen. Der gesamte Haushaltsplan wurde dann mit geringen Aenderungett angenommen. Von allgemeinem Interesse ist folgender Beschluß: Einige besonders in Anspruch genommene höhere Beamte, die bisher keine Teuerungszulagen erhalten haben, darunter auch MagisttalSniitglteder, Bureaudirektoren und Bureauvorsteher, sollen solche Zulagen oder Funktionszulagen erhalten. D>e beiden Bürger« meister wurden ausgenommen. Außerdem wurden unter anderem noch folgende Anträge angenonimeit:„Die Stadiverotdnelen« vclsammlung beschließi, den Magistrat zuerfuchen, seine Zustimmiutg zu erteilen, daß bei der Einstellung von Kriegsbeschädigten die Altersgrenze überschrittet� werden darf.*.Die Stadtverordneten« versanunluiig beschließt, den Magisttat zu erstichen. die Löhne der städtischen Gutsarbeiier und Rteselarbeiter bezw.-Wärter den Zeit- Verhältnissen entsprechend angemessen zu erhöhen.*.Wir beanttagen, die Kriegszulagen für die Magisttatsmitglieder für verheiratete auf 2000 M. und für unberheiratete auf 1öV0 M. zu erhöhen.* Vollversammlung der Handwerkskammer. Die Handwerkskammer zu Berlin hielt unier dem Vorsitz des Obermeisters R a h a r d t ihre 38. Bollversammlung ab. Als Ver- treter des Oberpräsidenten wies der Staarskommissar RegierungS- rat Dr. Housselle auf die bedeutungsvollen Fragen hin, die die Handwerkskammer zu lösen habe. Darauf wurde beschlossen, einen Bettag für die 8. Kriegsanleihe zu zeichnen, an den Kaiser und an Hindenburg Huldigungstelegramme abzusenden und darauf hin- zuwirken, daß ein gleiches und allgemeines Wahlrecht für die Handwerkskammer nicht eingeführt werde. Im übrigen nahm man mit Befriedigung davon KennlniS, daß der Ausschuß de§ Abgeordnetenhauses beschlossen habe, die Zahl der Sitze deL Hand» werks im Herrenhause von 12 anf 18 zu erhöhen. Die RiiSgabe der Zusatzbrotlarten verzögert sich ein wenig. Sie kann erst am Mittwoch, den 27. und Donnerstag, den 28. März, stattfinden. DaS Bureau der Arbeiislosenfürsorge ist vom 21. an dem Bureau der Deputation für den Arbeitsnachweis dergestalt angegliedert, daß die Oberleiinng des Bureaus der Arbeitslosenfüriorge dem Bor- steher des GewcrbebureauS, welches bis auf weiteres auch dir Bureaugeschäfte der Deputation für den Arbeitsnachweis mit- erledigt, übertragen wird. Die Diensträume> des Bureaus der Arbeitslosenfürsorge befinden sich vom gleichen Tage. an Kaiser- Wilhelm-Straße 45, IT. Stock. Die Tiefbangksetlschnft JulinS Bergrr, deren Treiben im HilfS. dienstauSschiiß des Reichstags vom Genossen Stücklen geschildert wurde(Berich! in Nr. 78 d. Bl.), hat bekanntlich auch den Inseraten- teil des„Vorwärts* zur Anwerbung von Arbeitskräften be- nntzl.- Unser Verlag ha: nunmehr der Firma mitgeteilt, daß er nicht mehr in derLage fte-i, Anzeigen v qm ihr zu verSfierrllichen. ialamze die bei ihr bestehenden ungeheue»- lichen Mißstände nicht aogeschÄffl wären. Der Verlag glaubte in diesem Ausnahmefall so handeln zu müssen, iveiler nicht verantworten kann, daß auch nur ein Arbeiler, durch ein Inserat im„Vorwärts* angelockt, in die geschilderten menschenunwürdigen Zustände hineingerät. Im allgemeinen kann natürlich kein Blatt dre Angebote, die in seinem Inseratenteil ver« öffenllicht werden, aus ihren Wert prüfen und für ihre Ersüllrmg die Verantwortung übernehmen. Lichtspiele Tanentzien-Palitst. Ein Detektivfilm„DaS amerika- nische Duell* von Harry Piel iomml beute zur Uraufführung. Em lustiger Münchener Film„Der Hauvimann Stellvertreter* und Aul- nahmen vom Kgl. Bild- und Filmaml.Lloyd George in Bertin* ergänzen den Spielplan. Dir Lichtspiele„Neue Philharmonie", Cövenickn Straße 96/97, bringen vom 22. bis zum 28. März wiederum zwei Urauttührtingen und zwar„Sckncksals Wirrnisse* und.Der Erdsttommeier* milHugo. Flink als Sherlock HolmS in der Hauptrolle. Die Geiangsemlage j läuft diesmal unter dem Titel„Geb mach Dein Fensterl aus* i und wird von dem königlichen Opernsänger Rinald Gore gesungen. Das AdmiralStheater im SdmiralSpalast am Bahnhof Friedrich« strafte bringt von heule an die Kinovorführungen.DaS Bildnis des Dorian Gray* und»Berner Modeschau*. Charlottenburg. Die Stadtverordnetenversaitynlung erledigte am Mittwoch nur kleine Lorlagen, darunter verschiedene Vorlagen be- treffend Rachbewilligungen. Die Mittel zur Verabreichung von Mittagessen an Schullmder wurde» mit Aückstcht darauf, daß der tägliche Verpflegungssatz von 28 auf 38 Ps. gestiegen ist, um 12 450 M. erhöht, die Mittel der Anitenverwaltung erfuhren baupt« sächlich infolge deS Anwachsens der Ausgaben für laufende Unter« siützunaen eine Erhöhung um 137000 M. Zur Annahme gelangte ferner da« OrtSsiatut über die Einführung der vollen Sonntags- ruhe im Handelsgewerbe. Genosse Gebert kritisierte es, daß dgs OrtSstatut nur für die Dauer des Kriegszustandes gelten soll, also nur als Kriegsmaßnahme gedacht ist, er fand aber mit seinem Vorschlage, es darüber hinaus auch für den Frieden gelten zu lassen, keine Zustimmung. In gemeinsamer Sitzung zwischen Magistrat und Stadtverordneten erfolgten die EcgänzungS« wählen zur Verbandsversammlung Groß-Berlin. Die bisherigen Mitglieder des ZweckverbandeS Siadtbaurat Brettschneider sowie die Stadlverordneten Dr. Frentzel, Hirsch. Kauf« mann, Meyer wurden wiedergewählt, ebenso die Ersatzmänner Stadttat C a s s i e r e r und die Stadlverordneten Johlenberg, Dr. Borchardt, Bollmann und I a st r o w. Neukölln. 180 Proz. Einkommensteuer. Der HauSbaltSauSschuß hat seine Arbeiten beendet und schlägt der Stadtverordneten- Versammlung vor, den Zuschlag zur StaatSeinkommensteuer auf 180 Proz. festzusetzen. Die in Aussicht genommene Gasprei»- crböbung wurde auf Wunsch der sozialdemokratischen Fraktion noch zurückgestellt. Eine Erhöhung der KrankenhauSpflegesätze und der Bäderpreise ließ sich nicht vermeiden. � — Ter Neubau drr Städtischen Sparkasse, der mit seiner stattlichen Sandsteinfassade an der Ecke der Richard- und Ganghofersttaße ein« neue Sehenswürdigkeit Neuköllns bildet, ist jetzt im wesentlichen fertiggestellt. Die Städtische Sparkasse wird den Betrieb 41t ihrem neuen Heim am Montag, den 25. März, aufnehmen. Wegen des Umzugs bleibt die jetzt im RatSause untergebrachte Hauptstelle der Neuköllner Sparkasse am Sonnabend geschlossen. — Lebensmittel. Um ein Autbewahren der Resibestältde an Marmelade zu verbäten, hat der Magistrat angeordnet, daß auS den den Händlern verbliebenen Rest beständen an Marmelade bereit« auf Abschnitt 18 der allgemeinen Lebensmittelkarte je Person 250 Gramm Marmelade an die bei dem betreffenden Kleinhändler zum Bezüge von Kolonialwaren eingetragenen Kunden abgegeben werden dürfen. Wilmersdorf. Nährmittel für Kinder. Auf die durch die Brot« kommissioiten ausgegebenen Bezugscheine für Kinder im 1. bis 4. Lebensjahre über 1 Pfund Nährmittel für Monat März gelangen bis einschließlich Sonntag, den 31. März zur Ausgabe: iiir Kinder im 1. und 3. Lebensjahre(gelbe Bezugscheine) 1 P�uitd Weizengrieß, für Kinder im 8. und 4. Lebensjahre(graue Bezugscheine) 1 Pmnd Haferflocken zum Preise von 0,63 M. oder zirka 1 Pfund Zwieback, und zwar entweder 5 Päckchen von etwa je 100 Gramm zum Preise von 1,50 M. oder 4 Päckchen von etwa je 125 Gramm zum Preise von 1,60 M._ Reinickendorf. Lebensmittel. Gegen Vorlegung der Vz-Liier- Milchkarirn lur Marz(braune Streifen) können, soweit der Vorrat reicht, in einem der nachstehenden Geschäfte je Vj Pfund Kä'e zum Preise von 1 M. entnommen werden: Busse. Klixstr. 10; Ludwig, Scharnweberstr. 65; Rädel, Hansafit. 12; Weinhold, Eichbornstr. 73. Tegel. LeirnSmittel. Von Sonnabend, den 23., ab können in den bezüglichen Geschäflen auf Bbschniit 13 der neuen LebenSmitiel« karte 100 Gramm Grieß<7 Pf.). V, Pfund Marmelade(40 Pf.) und V, Pfund Suppenmehl(14 Pf.) entnommen werden. DaS Mehl kann nur in den Geschäften angemeldet werden, die zum Klein« Handel mit Mehl zugelassen sind. Außerdem wird in der Gemeinde- Verkaufsstelle auf Abschnitt 4 der SonderlebenSmittelkarte für Kinder im Alter von 1—4 Jahren:/z Pfund Kindergerstemnehl zum Preise von 38 Pf. abgegeben werden. Groß-Serliner parteinacheichten. Petersburger Viertel. Die Flugblattverteilung findet Sonnabend nachmittag von 4 Uhr und Sonntag vormittag von 8 Uhr ab statt. Die Genossen de« vierten Kreise? tteffen sich bei Kühn, Schreinerstr. 58. Tempelhof. Heute Mitgliederversammlung bei Pfeiffer. Ecke Dorfstraße. Die verteilten EtnladungSzcttel dienen als L e g i t i m a t i 0 n. Friedrichsfelde. Die Genossen werden ersucht, sich am Sonntag, morgens 8 Uhr, zur Wahlarbcit bei Hermann, Caprivi« allee 4L, einzufinden. Bernau. Sonntag, den 24. März, nachmittags 4 Ubr, im Lokale von Modisch(.GcsellschaftShauS*), Kaisersttatze 79: Oeffentliche WSHlerversammlung. Tagesordnung: »Auf zur Stichwahl!* Referent: ReichStagSkandidak Rudolf Wissel!. Freie AuSftrache.— Hierzu sind alle Wähler von Bernan und Umgegend eingeladen. Gerichtszeitung. Der Betrug gegen Neukölln. In der Schwurgericht sverliandlung wegen des Neulclluer �rachtbr-iefschwindelö kam gestern das abgetrennte Ver- fahren gegen den Angeklagten Rösuer zu Ende.'Staatsanwalt Orthmnnn faßte das Ergebnis der BeweiSaufnahine dahin zu- stimm rrt, daß Rosn«, der mit dem Angekiagten Rindfleisch ge- uwm.Aafthch ctitSgeftifojlen Fälschung öffenMcher Urkunden und . ftl Tateinheit vxrAten Betruges schukdsg stzi. Bon Aus' ".feßujig Öft froren WillegSbeKimtmu� ffijjic nach dem Gut» achttn 6& bernvrmnen« ärztlichen Ga�verstanlügen keine'Rebe sonn odgärich man bei Wsner geistig-! Minderwertigkeit annehmen müsse. Der Staatsanwalt ging auf di» Frage ein, welche Nolle bei dem Geschäft der Neuköllner Magistrat und fein Ein- käufer Boigs gespielt haben. ES habe Aufsehen erregt, daß der Magistrat hier ein Geschäft machen wollte, das doch verboten war. AuSlandSware dürfe fa nur durch die Zenttal-EinkaufS- Gesellschaft eingeführt werden, und auf Militärfrachtbriefe werde nur Militärgnt befördert. Wäre ein solches Geschäft zustaude ae- kommen, so hätten BoigS und seine auftraggebende Behörde sich einer strafbaren Handlung schuldig gemacht." Dem Magistrat sei der Vorwurf nicht zu ersparen, daß er daibet keine Bedenken gehabt habe. Er habe überhaupt in ErnährungSfragon„zu großzugta gedacht*.� Staatsanwalt Orthmann ist, wie er erwähnte, aneh mit der Prüfung der vom Neuköllner Magistrat in seiner bekannten Denkschrift dargelegten Ledensmittelgcschäfte betraut. Er wisse, daß der Magistrat zu gunsten der ärmeren Bevöl!?- r u n g darauf ausgegangen sei, ihr Lebensmittel auf jede möglich« Weise zu verschaffen Der Magistrat haltt aas für nicht straf- bar, und so sei er dazu gelangt, auch diescs Geschäft zu billigen, als BoigS(9 ihm vorschlug. Daß BuigS 10 000 M. Provision erhalten habe, s« durch fem« eidliche Aussage widerlegt. An ihrer Richtigkeit dürfe man nicht zweifeln. Für den Angeklagten RöSner machte der Staatsanwalt als" mildernde Umstände geltend, daß e-r noch unbestraft ist und im Felde eine Beschädigung erlitten Hai. Auch sei für die Stadt Neukölln der Schaden aus dem raff:« matten Schwindel dadurch verringert worden, daß sie da» bei Rösner gefunden« Geld zurückerhielt. Die Verteidiger, Rechtsanwalt Wgfter Bah» tmd Rechtsanwalt. Wiegert, bo> müßtet sich, Mi gdiftfen Teil der Schuld dem Mtcmyeklayien Rind- fleisch zuzuschieben. Bezweifeln müsse man, ob Rösner derjenige sei, der die Fälschung ausführte. Auch fei zu bestreiten, daß eS sich bei den Frachtbriefen um öffentliche Urkunden handelte. Nach halbstündiger Beratung der Geschworenen verkündete ihr Obmann: RöSner ist nichtschuldig der Fälschung öffentlicher Urkunden, schuldig der Fälschung prwater UrKtndsn in Tateinheit mit Betrug: mildernde Umstände sind zugebilligt. Hiernach beantragte der Staatsanwalt 2 Jahre Gefängnis. Rechtsanwalt Bahn bat für den Angeklagten um Milde und Anrechnung von Unterfuchungsbait. Bei der Strafzumessung erkannte das Gericht an, daß Rindfleisth der Haupttütcr gewesen sei und Rösner ein Geständnis abgelegt habe. Rösner habe aber den gseneingefähr- liehen Streich nnt ausgeheckt und unterstützt, darum sei Milde nicht gerechtfertigt. Der Angeklagte wurde verurteilt zu 2 Jahren (> Monaten Gefängnis, wovon 4 Monate auf die Unter- suchungShaft anzurechnen sind, und außerdem, zu 3000 Mark Geldstrafe. Er erklärte, sich bei dem Urteil zu beruhigen. Die Verhandlung gegen Rindfleisch und seine Mitangeklagte Mutter ist, wie schon gemeldet, vertagt worden. Mus aller Welt. Luftverbind»«g zwischen Oesterreich und Rustland. In den nächsten Tagen wird eine Luiwerbindung zwischen Wien und Kiew mit Etappenstationen in Krakau und Lemberg, ferner ein Luftverkehr von Budapest über Bukarest nach Odessa, vielleicht noch Konstantinopel, eingerichtet werden. Vorerst soll die neue Luft- Verbindung der dienstlichen Berpiittelung von Post zwischen den Zentralstellen nnb der auf die Erfassung und Neberwessung der flir Oesterreich-Ungarn in Betracht kommenden Geireidevorräte in der Ukraine gerichteten Mission des Grafen Forgach dienen. Nach kurzer Zeit der Erprobung soll die Luftpost, zunächst auf einer Strecke, für den öffentlichen Postverkehr freigegeben werden. Flecktyphus in Konstantinopel. Der Vorsiaud des Ausschusses zur Bekämpfung epidemischer Krankheiten meldet amtlich, daß in den letzten 24 Stunden einige Fälle von Fleckihphus in Konstantinopel und seiner Bannmeile angemeldet worden sind. �ugenüveranftaltungen. Arbeiter- Jugendheim Berlin. Lindenstr. 3. Morgen, Sonn- abend, abends 7 Uhr, Lichtbildervortrag: Streiszügc eines Eisenbahners durch Ajrika. Vortragender: Herr Ingenieur Ligoski. Em- laßtarte 20 Pf. Alle jugendlichen Arbeiter und Arbeiterinnen sind mit Freunden und Bekannten zu diesem interessanten Vortrag eingeladen. Bilgemeine Familienfterbekasse. Sonntag, den 24. März. Zahl- und Aufnahmctag von 3— 5 Uhr in den Restaurants Gerichtjtraße 12/ 13 und Buckower Str. 14._ öriefkaften der Redaktion. Die brieflichen Anfragen mehren sich in letzter Zeit ungeheuer Wir mache» darauf aufmerksam, daß briefliche Antworteu nicht er- teilt werden könne». Die Beantnwrtmig der Anfragen kann nur durch den Briefkaflen unter angegebener Chiffre erfolgen. — A. St. 99. Ein Teil der Unterstützung, wahrscheinlich die staatliche, wird Ihrer Frau zugebilligt werden, kommunale und Mietsunterstützung Ivahrschemllch nicht. Der Antrag ist an die zuständige �Steuerkaffe zu richten.— Feldgrau 199. Die Post leistet dafür keinen Schadenersatz.— Tegel 333. Steigerung und Kündigung können zwar erfolgen, die Frau kann dann aber das Mietseinigungsamt wegen einer Einigung anrufen. Der Wirt kann von dem Mietsnachlag zurücktreten.— Kolberg. Die Lohnpfändung wird ungefähr stimmen, genau können wir das nicht an- geben, weil bei der Pfändung noch in Frage kommt, ob und wieviel der Betreffende Kinder hat, zu deren Unterhalt er verpflichiet ist.— M. R. 23. 1. Der 38,65 Mark übersteigende Lohn kann Ihnen ge- pfändet werden. 2. Ja.— E. H. 49. Da der Sohn verbältnismäsiig reichlichen Verdienst hat. so kann die Unterstützung für ihn schon vor dem lö. Lebensjahrr eingestellt werden. Beschwerde dagegen ist zwecklos.— <3. R. 12«. Die Jahrgänge der älteren Maimschaften sollen aus Antrag Heimatsurlaub von längerer Dauer erhalten, wenn sie mehrere unmündige Kinder haben. Ein E es ach, das an daS Generalkommando zu richten ist, würde also in Ihrem Falle Erfolg haben.— Luckenwalde 10. Dienst- unfähig, Narben, welche die für den Militärdienst notwendige Gebrauchs- fäbigkeit eines Körperteils wesentlich beeinträchtigen. ArbeitsverwendungS- sähig für die Heimat als MMärarbciter. Einziehung kann erfolgen. L>ie worden jedenfalls vorläusig für Zwilarbeit freigestellt, können aber auch zum Heeresdienste eingezogen werden.— Bres 1899. 1. Der Wirt kann nicht mit Erfolg auf Räuunmg klagen. 2. Es könnte eventuell gegen Ihren Mann gerichtlich verhandelt werden, indem ihm vom Gericht aus ein Prozcstbevollmächtigter gestellt wird.— P. F. 199. Da« werden Sie sicher in der Stadtbibliothet sowie auch in der öffentlichen Bibliothek und Lesehalle, Adalbertstr. 4l, finden.— Liba«. Die Methode.Rnslur' dürfte wohl zu emvsehlen sein. Freilich gehört zum Selbstunterricht eine gehörige Portion Geduld und Ausdauer.— Anna 9V. 1. Solang- Sie noch nicht verheiratet sind, müssen sie Ihren Namen weiter führen. 2. Der Kirchenaustritt kostet 4 M. kSetrerauSffchten inr da» mittlere Nordventicblnne dt« Sonnabend mittag. Langsame vom Welten nach Osten fortschreitend« Aufheiterung, nur noch östlich der Oder gcrnige Niederschläge, am Tage überall elwas milder: in der Nacht zum Sonnabend vielfach Frost. Dirostdion Max Reinhardt Ibentnches ITioat&r. 7 Uhr: Don 0«p1ob. Kammernpieie. 7'!, Uhr: Klnfer der Freud«. Volksblitine. Theater am Bölovifplatz. Untergmndh. Schöni. Tor. 7l/3XJhi: Die Hermannsschlacht Dir. C. Meinhard— B. Barnauer. Theater Koniggratzerstr. 'Iß Uhr: Brdirelot. Komödienhaus 6 Uhr: Bie beiden Seehunde. Berliner Theater 7 Uhr: Blltublauiea Blut. Gastspiel: Frieda Hess Solohänzerin Jan Trpovski Hofbailotonoister vom Ballett des KgL Boftbeatcrs Dresden sowie der groCa Mirz-Varietd-Splelplan. Theater für Freitage 22. März. Central-Tbeater Kommandantonstraße 57. 71/,; Die Coardnsftlratln Sonntag S1/, Uhr: Jugend. Deutsches Opernhaus 7 uhr: Lirtesketten. Frledrich-Wilhelfflst. Theater Tss.uhr: ggs Iraaäilerlhaiis. Kleines Theater 7'/, Uhr: Limte. l-nstsplelhaus 7*1, Uhr: DlehtondenMäieisf.LiRiienhol Metropol-Theater Uhr: � Die Bese tod Miil. Heoto 3'/, Uhr: FaMe MiisWen. Neues Operetteishaus Schiffbd. 4a. Hassent. Nd. 281 7'i.uhr: Der SohWfcr Marie. Komische Oper 1% u.: Sehwarawaldmädel. Sbd. 8'/,: Schwarzwaidmadel. Sonnt 3'/, U,: Die Kinokdaiflln. Kcsidenz-Theator Tf.uhr: DerjongeZar. Schiller-Theater O 7»/. uhr: Die Ehre. Schiller-Tb. Charl. 7*1, Uhr: OthellO. Thalia-Theater Honte geschlossen. xTii-önter der hü. Linde Theater am Nollendorlplatz 7 Uhr: Theater des Westens 7% Uhr: EiUdwig XIV. mit Onldo Thielscher. Vorst; Der Reptmenlszauberer. 31/, Uhr; Am Geldeeen Horn. JjU Berliner Konzerthaus Mauerstraße 82. Zimmerstraße 90/91. »- Heute: Großes Konzert des Berliner Konzerthaus-Orchesters. Leiter: Komponist Franz von Blon. wg?."" w�henüg�BaChittags-KiHSzert bei freiem Eintritt. u.»ofler Orchesterbesetzunp Mus tttn! Bhl. Friedrkshstr. Anf. 71/,\ 31. März unwiderruflich letzte Vor- steUnngen. Da» grabe Sportprogramm I n. a: TMly»eh6 dressierte(nsbftren.| Entltteiiteags-SzeflE In der Liuft. Frl. Zoe,! u. die übrig. Kuostkräfte.| MexikoÄAXe:i Rose-Theater. 71/, Uhr: Zum 50. Mal«: Eine Waise. Walhalla-Theater. 7*1, Uhr: M Msolendütf. Tilgt. T'/j, Sonnt. 3*1, u. Tl, Nur noch bis 31. Mfirz! Pers. Auftr. Paul HeWemaM in d. Film-Op.„Peolobsns Bade- abenteuef"» d. Mära-Prgr. Sclmr Kiftr Friedriohstr. 168. Ecke Behrenstraße. Ciaire Waidoft Milda Mizzi Präger Breiten Dressl u. das hervorragende März-Pregromm. Voigt-Theater. Bedstr 5t Saoctr. 58, Täglich TV, Uvr: Nil KMf SB Msff. Sonnlag, 34. 3., nachm. 3 Uhr: 38 uttor seevn. AdendS 7 Ichr; Von Stufe zu Stufe. Triaaoii-Theater *lfi am Bhf. Friedriohstr.»LS Tel.: Zentrum 4927 und 2391. Der Lebensschüler Komödie von Ludwig Fulda. Ida Wüst, Erich Kaiser-Titz, v.MöMamiorif, FUnk, Kettner. Stg. 4 ü.H.Px.r JMHwnMeoer. N ATION AL.THEATER Otuis Berlin spricht von: Die ist richti j|! s■ s T Lichtspiel-Palast SeböDhaiiser Ällee 148 (früher Puhlmann) Heute Eröffnung! i | Fnedrichstr, 218. 75|4 1 Der Flieger von Tain gf an I sowie die verblüffenden j J Varietb-Attraktionen. | Theaterkasse ab 10U. nnunterbr. geöflfnet. Spezialarzt Dr. med. 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Allabendlich VI, und Sonntag ja,, nachmittag 3 Uhr jStÄrSäw l#%ssp»u*w8Vt tfwWujuW JmY Zorn SohlnÄ; M Mein Weih- U�M naEkfeffami jy Nachmittags n ermlfiigte ms«Iitzi«äM- Preise! Kaffee Luitpold Slotasstraße 15. Kabarett. Paul König Elsa Hofer, Kort Heising. Hella Bella und der Fürst der Beheme Danny Gürtler II bei der MMM, Tlgl. 7*1, Llg. 3*1, a. VI, U Bas mediiiiiiseia Eätsel Schlangentänze— Feuerspeiende Menschen— Die schöne Creolin— Karl Reinscfa— 2 Dubskis— Rappos parod. Neuheiten usw. Zum Schluß: Mondfahrt. Ädmiralspalast. Heute 7*1, Uhr | Abrakadabra) | Deutsche Tänze v. Schubert| Vorzügliche Küche. Casino-Theater Lothringer Str. 37. Tögst'(,8 U. Unwiderruslich bis 27. Marz: Hamsterfritze. Ostersonntag zum ersten Male: Amuss Traum. Lustspiel von Adolf L'Arronge. Sonntag 4 Uhr: Bajazzo. SeiWi tMNZelWryW ZLÄ AlßK-SeMW I» MI» eingehst L749L' Neuzeitliche Bediugungen. Niedrige Prämien. Kostenlose Berechnungen und AuSkunst durch die Direktion, Bertin VTV 4, Kronpriuzenufer 18. J. F. 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Aus den Verhandlungen: Bericht des PartelTorstandes, der Kontrollkommission und der Reichslaasfraktlon.— Die nächsten Aufgaben der Partei: Demokratisierung. — Die nächsten Autgaben der Wirtschaftspolitik.— Di« kQnltiee Finanzpolitik des Deutschen Reiches,— Unsere sozlalpMilischcn Aufgaben. Preiset Einfache Ausgabe broschiert 3 Mk.| Gute Ausgabe broschiert 6 Mk. Einfache Ausgabe gebunden 5 Mk.| Gute Ausgabe gebunden 9 Mk. n> Sottet Höbelfabrik Hob. Seelisch BERLIN 0 112, Rigaer Str. 71— 73a esapftehlt gmte preiswerte fflftbel. Einrichtungen In Jeder Preislage. €>anz besonders große Auswahl in SeMaf-, SpEisE-, Woim- ünd fisFPEnziinnierö jedem Geschmack entsprechend. 15-I Musterräame. Lagerräume: 6696 O-Hlr. groB Versand nach allen Plätzen Deutschlands.— Besichtigung lohnend, ohne Kaufzwang. Woehentoc* vom 8—7, Soantajfe von IS— S ccöilnot. Spezial-irzt Dr. med. HanchA, Frlsirtcfcstr.aflÄÄ, Sehandl von Ipphilis, Haut- Horn-, Frauenleiden, spez.: chron. Fälle. Schmerzlose, kürzeste Behandig. ohne Berussstörung. Bluwmerjuchung. Mäß. Preise. Teilzahlung. Sprechstunden 19 bis 1 und 5— 8. Sonnst 1 1— 1. Beiftn KelMMKn-SertM. »erwaltnngsftelle«erlin. V 54, Sintenstrasie N3—«5. Geschäftszeit von 9—1 Uhr und von 4—7 Uhr. Telephon: Amt Norden 185, 1239, 1987, 9714. Sonntag, den 24. März 1918, vormittags 9'/, Uhr: ßraiDdben-Vgreamfntung aller in Den immim tOHrte MkfW'»«ttRe BRD SM in den Musiter-Aestsüle». Kaiser-Wilhelm-Str 31. Tagesordnung� 1.?abresbericht und Diskussion.— 2. Neuwahl der Agita- üonslommiMon.— 3. Vortrag des Kollegen«. LAnschick über: .Unsere«nfgabeu in der Kriegsbeschädigten fürsorae.-— 4. Disluffion. Zahlreiches mid pünktliches Erscheluen ist notwendig. Achtung! Achtung! Tonntag, de» S4 März 1918, vormittags 9'/, Uhr: Brancbcn»Versammlung Det Miöinra-, laterea-. Ms- u. mitmmi im Gewerkschaftshans» Engeiuser 15(großer Saal). Tagesordnung: 1. Branchenangelegenheitrn und Kwffmbericht.— 2. Vortrag über:»Uebergangswirtschait-. Reserent: Reichstaasabg. Wurm.— 3. Diskussion und Verschiedenes. Es ist unbedingt« Pflicht aller Kollegen pünktlich zu er- scheinen. Sonntag, den 24. März 1918, vorm. pünktlich 19 Uhr: Kraneken»Versammlung Der Mrlem««D im Gewerkschaftehaus, Engeiuser 15, Saal 1. Tagesordnung: L Bericht der Schlich iungskommisfion über unsere Ab- machungen.— 2. Verbandsangelegenheilen.— 3. Verschiedenes. Kollegen I ES ist an der Zeit, daß jeder organisierte Kollege zum Wohle der Branche m dieser Versammlung erlcheint. Sonntag, den 24. März 1918, vormittags 19 Uhr: Branchen-Versammlung Der Mit- m«evoivMM fistte SrehntMea im Lokal von Schulz, Adalbertstr. 4. Tagesordnung: 1. Bericht der Branchen kommission.— 2. Neuwahl deS Branchenleiters und dir Oranchenkotnmission.— 3. Verschied enes. Zahlreiches mid pünttiiches Erscheinen ist notwendig. Sonntag, de« 24. März 19 l 8. vormittags 19 Uhr: Hk'andKN-Versammlung Der MMemDetlec«vD AÄMMeg w den Germania- Prachtsälcn, Chausscestr. 119(weißer Saal). Tagesordnung: 1. Jahresberichl der Branchenlestung.— 2. Diskussion.— 3. Neuwahl der gesomicn Branchcnleitung.— 4. Verbands- angelegenheiten und Verschiedenes. Zu dieser Versammlung sind alle Hobler, Bohrer, Slosier, Fräser. Stanzer, Schnittarbciter, alle Arbeiterinnen vorstehender Berussgruppcn, sowie die Einrichter in TOaschincnarbeiter- abtcilunge» eingeladen. Mitgliedsbuch legittmiert. Montag, den 25. März 1918: veÄTkZ-vetsawwIuogei» für die gesamte Verwaltungsstelle Berlin in soigenden Lokalen: Verde«: Pbmmssäle. Müllerstr. 142, abends B1!, Uhr. Korden; BülwerS Feslfäie, Schwedter Sir. 23, abds. 8*1, Uhr. Zierden: Viltoiia-Garten sFritich). Badstr. IL, abends 8 Uhr. Zlendlt: Sands Festjäle. Beusi-istr. 9, abends 8*1, Übt. Chsriottenbnrg;: fSoKSHauS Rosinenftr. 4, abds. 8'/. Uhr. VI es>ten, 8el>Snel»erzx und tttexllt»: Kaiser-Wtlhclnt- Garten. Friedenau, Rheinslr. 65, abends 8*1, Uhr. Neuwahl zur Bezirksleitung. Daten und Verdösten: Comeninssäle, Mcmeler Str. 67, abends 8*1, Uhr. lilchtenberg; und Stralnn-Rammelnbari;; Blume, Ait-Boxhagen 56, abends 81;. Uhr. Welßensee: Restaurant Masche, Berliner Allee 251, abends 8 Uhr. Sttdenbenlrke: Gewerkschastshaus, Engeiuser 15� abend« 8*1, Uhr. Vrnktt.'ln: Lideal-Feftsäle, Weichsclstr 8, abends 7'/. Uhr. Tcgel-Sieinlckendotf- West; Lehnhardi, Tegel, Berliner Stratze 84, abends 6*/, Uhr. OberschönOweide, SliederschiStieweldo, Jo- hanaittthnl n. lusgcjffnd: Zie'laurant Waruecke, Oberjchö»»n>«7>e, Wühestninanhosür. 18, abends 8'U Uhr. Spandau; Dertz' Restaur., Spandau, Kurstr. 24, abds. 5 Nhr. Sonnabend, den 22. März 1918: USpenleh-irriedrleltnltasen: Lindengarten, Friedrich«- Hagen, Fnedrichstr. 74, abends 8 Uhr. Tagesordnung in allen Versammlungen: Stellungnahme zu der am 7. April 1918 stattfindcnbe» Geucralversammluug der Verwaltungsstelle Berti«. Ohne Mitgliedsbuch kein Antritt: Zahlreiches«nd Pünkwch-S Erscheinen wird ermattet. '.J33J U Die Drtwrerwaltanj:. Nr. 81— 7H?S Unterhaltungsblatt öes Vorwärts Freitag, 22. März Die lchweinerne Himmelfahrt. Ich mutz voran bemerken, datz der Anfang von der Geschichte etwas unklar ist. Es kann nämlich nicht erklärt werden, wieso in der Hinlerstube des„Goldenen Hirschen' in Dingsda echtes Braunbier derM'fl werden konnte und zwei Stunden danach das Gemeinderaismitglied David Obermoser unter Hilfeleistung seiner beiden Spezies, des Sleuerrendanten Hirl und des Bäckermeisters Guldenickläger, unweit der Strotze nach Hippeldingen seine Gedärme umkrempeln mutzte, weil er zuviel Schweinernes gegessen hatte. Im vierten Jahre des Weltkrieges! Doch wir wollen in dieses Mysterium nicht weiter eindringen, wollen auch diskret über die Umständlichkeiten der Heimkehr wie über die eindrucksvolle Be- grützungsansprache seiner Gemahlin hinweggehen; denn dies alles ist schlietzlich nichts Autzergewöhnliches. Merkwürdig ist nur, datz, als Obermosers Seele aus leckeren Tranmgebilden in ihre schwere Hülle zurückkehren wollte, diese das Zeitliche gesegnet hatte. David Obermoser sah fich auf einer Bahre liegen, beweint von seiner Gattin und seiner Verwandtschaft. Nebe» ihm stand der Tod und sprach:„Wir müssen uns beeilen, David Obermoser, sonst verpassen wir den Anschlug an die Selig- keil!' Sie gingen durch die Strotzen von Dingsda, wo die Einwohner in Gruppen beieinander standen und den traurigen Fall eifrig be- sprachen. Vorbei an der Tischlerei, wo der Meister eben einen jiostenentwurf ausstellte. Vorbei an der Schule, wo eben der Lehrer den Hieronymus Deppenbacher durchwichste, weil er das Sterbelied: »Wir find alle nur ein Gast.. hartnäckig falsch sang. Vorbei auch am.Goldenen Hirschen', wo seine beiden Spezies wehmütig auf den dritten Mann zum Skat warteten. Ganz am Ende des Dorfes stand noch eine Seele und wartete aus den Tod. Das war der Gausenheimer Schorch, ein Häusler, der 7 Kinder mühsam durchs Leben gefrettet halte. Er machte einen tiefen Diener und sagte:.Grütz Gott, Herr Gemeinderat I' Obermoier gab ihm keine Antwort, denn der Schorch war im ganzen Dorfe bekannt, datz er Mein und Dein nicht unterscheiden konnte; mit dem Flohstetter Gefängniswärter stand er fich schon auf Du. Nack einiger Zeit kamen sie auf einen Berg, wo fie schon eine Anzahl Seelen versammelt fanden. Diese schrien Hosiannah und Halleluja; Obermoser aber tat nicht mit, er fand das albern und mir der Würde eines Gemeinderates unvereinbar. Es dauerte nicht lange, da kam eine rosenrote Wolke, und alle? stieg ein. Mit raiender Geschwindigkeit ging eS los, Obermoser fand das Hofianna- geickrei nackgerade unanständig, da noch dazu dieser Gauienheimer Eckorch fick am wildesten gebärdet«. Sie fuhren rechts an der Sonne vorbei und kamen gegen Abend an der Himmelsgrenze an. Sie wurde« in das Vorzimmer der ewigen Seligkeit geführt, von dem der eigentliche Himmel durch einen langwallenden Sternenvorhang abgetrennt war, durch den ein überirdischer Glanz schimmerte. Auch das zarte Rauschen himmlischer Geigen war zu höre». Die Menge schrie wieder Halleluja, wurde aber vom Himmelpförtner sowie von einem Erzengel mit goldenem Säbel'zur Ruhe verwiesen. Denn der Herrgott erschien, begleitet von einigen Engeln als Vrotokollsührern. nahm auf einem erhöhten Sesiel Platz und be- � um mit dem Verhör. In alphabetischer Reihenfolge mutzte jede Seele ihren Namen rufen, der dann vom Protokollengel im Sünden- register nachgeschlagen wurde. Hierauf fällte der Herrgott seinen Richteripruck Denen Gnade zuteil wurde, öffnete der Pförtner rechts ein Türlein, durch das die Seelen jauchzend in die Seligkeit schlüpften. Die Verdammten aber wurden links durch ein Fenster in die grauS- liche Tiefe des Weltalls gestotzen. Obermoser rnteressierte fich nicht weiter für das Schicksal seiner Fahrtgenoffen, das seine stand ihm ja auher Zweifel. Er hatte regelmätzig seine Steuern bezahlt, nie die Kirche versäumt, und das Armesünderbänklein nur vom Schöffentisch aus gesehen Nur einmal hörte er hin, als der Gausenheimer Schorch an der Reibe war. Sprach der Herrgott:.Zwölfmal vorbestraft. Schorch, wegen Felddiebstahls, und dreitzigmal nicht erwischt worden. Das ist schlimm!'— Der Gausenheimer Schorch krümmte sich wie ein Wurm; .Gottvater,' schrie er,.i bin a arms Hascherl, sieben Kinder Hab i. und die fressen wie die LöuS'!'—.Woran bist Du gestorben?' fragte der Herrgott schon milder. .Pkerderüben,' schrie der Schorch,»alleweil Pferderüben l Das ging auf guterletzt durch wie nix...' Der Herrgon winkte lächelnd ab:.Ihm fei vergeben!'— Der Gausenhetmer Schorsch fauste durch die HimmelStuke, als wären sämtlich? Ortsbültel der Welt hinter ihm der. Nach einer Weile kam der Obermoser dran, er schob fich be- häbig in den Vordergrund. Der Protokollengel las:.David Ober- moser hat sich dreihundertfünfundzwanzigmal gegen 34 Bundesrats- Verordnungen vergangen und ist niemals erwischt worden—' Obermoier schnappte nach Luft. „Und ist gestorben, weil er sich an Schweinernem überfressen hat 1*-- Gottvater runzelte die Stirn, rollte mit den Augen und zeigte schweigend nach dem Fenster. Obermoser ächzte und stöhnte. Doch der Erzengel hatte ihn schon beim Kragen und schleifte ihn an das Gesims, haute ihm obendrein mit der stachen Säbelklinge derart auf die empfindlichste Stelle des Körpers, datz Obermoser im weiten Bogen in die Tiefe sauste. Er schlotz im Fallen die Augen und glaubte schon in der Hölle zu sein; denn er vernahm auf einmal einen lauten Knall und die Stimme feiner— Gattin, die sich an ihm wohlbekannten Redensarten erprobte.„Rindvieh, damisches!' war davon noch das zarteste. Obermoser rieb sich die Augen— und fand sich in seinen wohlbekannten vier Wänden wieder. Er war durch den Bettboden gebrochen. In seinem Schädel rumorte noch der Weltenäther, dessen Jndentität mit Braunbierdunst damit wohl für alle Zeiten einwandfrei festgestellt sein dürfte. Seine Freunde im.Goldnen Hirschen" sahen schon wieder im Hinterstübchen. Sie merkten wobl, als sich Obermoier kleinlaut an den Tisch setzte, datz er etwas auf dem Herzen hatte. Obermoser errählte ihnen seinen schweren Traum. Da wurden auch sie ernst und zogen nachdenklich an ihren Pfeifen. Bis plötzlich dem Steuer- rendanten Hirl ein Gedanke kam. Er nahm seine Pfeife aus dem Munde und sagte:— ,J glaub gar net, datz dös der Herrgott gewesen ist,— dös war— Seine Spezerln starrten ihm auf den Mund. .— dös war a verkleideter— Bolschewik!!" Da ging ihnen allen ein Licht auf. David Obermoser wurde es sichtlich leichter zumute; er nahm sich aber doch vor, künftig nicht soviel Schweinernes auf einmal zu essen. P a u l ch e». Kritifther Spaziergang. Man möchte wieder einmal etwas Lustiges sehen. Freilich weitz man von vornherein, datz, so sehr man fich auch bemüht, ihn nieder- zuhalten, der Krittler, der nun einmal in einem drin fitzt und sein Unwesen treibt, nicht ganz stillzuhalten sein wird. Immerhin, man macht sich aus den Weg, im Gemüt so harmlos wie irgend möglich. in den Augen einen manierlichen Hunger. In der Sammlung des Herrn Wilhelm Gumprecht, die demnächst getreu dem Schicksal, das nun einmal Sammlungen bestimmt ist, versteigert werden soll, gibt es eine Kuriosität zu beschauen, ein Rendez-vouS von porzellanen Zwergen. Anfang des 18. Jahrhunderls; meist Meißen und Venedig. ES find Püppchen, nur wenige Zoll hoch. Der Ein- druck ist nicht so grotesk, wie man ihn erwartet hat. Eigentlich verblüffend wirkt nur einer dieser kleinen Kerle: er ist im Brand mitzraten und ganz in sich zusammengesunken. Nur noch ein Orna- ment, ein Gebuckel, aus dem angedeutet eine Nase, ein Schopf, ein Nückenhöcker hervorstotzen. Die Uebrigen der verwachsenen Burschen sind zu fertig, zu säuberlich� zu sehr durchmodelliert. Der Mitzratene, der Zerflossene wirkt wcsenhaft stärker, sowohl als Plastik wie im besonderen als Keramik. Das ist keine Laune des Beschauers, ist vielmehr ein entschiedener Beweis, datz genau ge- nommen Europa mit dem Porzellan wie überhaupt mit den kera- mischen Stoffen nichts anzufangen weitz. Selbstverständlich, es gibt ausgezeichnete Manufakturen, die vortreffliche Stücke, schlichtes und lostbares Gebrauchsgesätz. pompöse Basen und auch allerlei Figuren zu verfertigen wissen.b Aer eben wissen. Viel Technik, guter Ge- schmack und autzerordentliche Kenntnisse in Allegorie und Mythologie. Aber zumeist mangelt es an der naiven Sinnlichkeit, die dem ge- ringsten keramischen Scherben, der durch eines Asiaten Hand ge- gangen ist, monumentale Grötze sichert. Es fitzt da bei Gumprecht ein kleiner Buddha in einem gelben Thronmantel, rund wie ein Gefätz, der Kopf ist kahl und das Geficht lacht in breiten, behaglichen Wellen. Vor unfern Angen wächst dieser Kerl ins Riesenhafte. Die europäischen Figuren bleiben immer Miniaturen, Spiel für Kavaliere. Sie find nervös und für den Augenblick geschaffen, ein Gefunk, ein Fingerspitzengefühl. In allem, was Asien gemacht hat, lebt die Wucht des Harmlosen, daS Matz'des Unbegrenzten, die Selbstverständlichkeit des Rätselhaften. Es ist da ein chinesischer Hund zu sehen; man fühlt das Räumliche, die Rippen umspannen eine Höhle. Das ist Töpferarbeit und zu- gleich herrlicher Götzendienst. Ein Gefätz ist da, irgendein Tier, ganz Bauch; man mutz notwendig mit dem Knöchel daran klopfen und auf das Gebrumm dieses Trommelleibes hören. Dazu ist diese Bestie mit einer Glaiur Übergossen, schwimmend zwischen Grün und reisa» Blau; niemals hat ein Europäer ähnliches geleistet. Am ehesten nähern sich solcher Vollkommenheit noch die harmlosen Hainer, die ohne Ergeiz auf den Dörfern wohnen oder irgendwo in einer primilive» Werkstatt an der Stadtmauer. Zwei solcher Gefäße find hier zu sehen, tönern; Tulipanen blühen daraui, aus Liebe gepflanzt und zu Märiens Ehre bestinimt. Diese Näpfe haben gewiß einst nur wenige Groschen gelostet; heute ist das Stück mit 2500 3K. geschätzt. Schade. Ich bin dann noch ein wenig über den Kurfürstendamm spaziert. Da gibt es jetzt mancherlei Läden, in denen moderrrcs Kunstgewerbe zu sehen ist. Aber lvenig Erfreuliches. Die Bewegung, die einst hoffnungs- voll eingesetzt hat, scheint steckengeblieben zu sein. ES fehlt uns letzten EndeS wohl doch der Sinn oder richtiger die Sinnlichkeit, um dem Porzellan, der Fayence, dem Silber und den verschiedeneu Faser» das eingeborene Leben zu entlocken. Nur selten, ach, gar so selten wird man vor solch einem Stück innerlich froh. Meist meint man, datz das Material, wenn es unbearbeitet geblieben wäre, stärker wirken würde. Und dann die Mode; alles wird bei uns zur Mode. Jetzt gibt es deutsche Batiks. Das ist etwas geradezu Fürchterliches. Abgesehen davon, datz all dies Zeug auch verlogen ist. Batik, das kommt von Javg. Dort sitzen die Ein- geborenen und lassen aus einem kupfernen Pfeifchen heißes Wachs auf Leinwand oder Baumwolle fließen. Unter ihren flinken Händen erblühen Blumen, wächst Urwaldrausch. Die ivachsgezeichneten Tücher tauchen sie in Farbe, sie vergrah-n sie in die Erde imd verschaffen ihnen so durch Gerbung und Oxidierung eine Patina, die in tiefen Tönen orgelt. Was aber macht aus solcher tropischen Herrlichkeit der deutsche Konfektionär? Um es rund heraus zu sagen: eine Schweinerei. Ein grelles, formloses Gekreisch von giftigen Mißtönen. Und daraus nun Blusen und Lampenschirme, Vorhänge und Tischdecken. Die Barbaren kaufen es. Wir andere» aber beneiden die Insulaner. Ich bin dann nach Hause gegangen und habe im Gauguin gelesen._ R. Breuer. Notizen. — L i ch n o w s k y über auswärtige Politik. Der frühere Botschafter Lichnowsky hat seine Ansicht vom Wesen der auswärtigen Politik im vergangenen Fahre dahin zusammengesatzt: „Auswärtige Politik ist Liebe und Hätz für nationalistische Schwärmer, Traditio» und Satisfaktion für ignorantc Romantiker. Treue und Verrat für naive Philister, Aktensport für krausköpfige Berater, amüsanter Zeitvertreib für gelcmgioeilte Höfe, ihre Karriere für viele Diplomaten, kür ungeduldige Generäle der Weg zum Ruhme und für deutsche Gelehrte ein unbekanntes Land. In Wahrheit die Geschäfte der eigenen Firma mit fremden Firmen.' In dieser Sammlung von Begriffsbestimmungen fehlt jede demokratische und sozialistische, die sich noch etwas Höheres als Geschäftsvertretung unter auswärtiger Pslink vorstellen kann. — Theaterdirektor und Kritiker sind in Berlin wielder einmal aneinander geraten: Der Direktor des Lessing- thcat�rs, Barnowsli, beschwerte sich über eine. Theaterkritik des „Kleinen Journals" bei der Redaktion. Theaterkritiker»nd Redaktion weisen diesen Eingriff energisch zurück, Kollegen des An- gegriffenen bezeugen ihm seine Stubenreinheit und Moriz Seeler bricht eine Lanze„für Ketzheit, Kerr und Kunst",(Gott bewahre Kerr vor ähnlichem.) Dieser Fall scheint uns keiner werden zu wollen. — Vorlesung. Catherina G o d wi n wird Sonnabend in der Berliner Sezession, Kursürstendamm 232, aus eigenen neuen Werken vorlesen. — Die größte drahtlose Anlage der Welt soll dieser Tage dem Betriebe übergeben werden. Sie befindet sich nicht in der Neuen Welt, sondern in Norwegen, und zwar in Stavcmger. Von Stavanger soll hauptkächlich der Verkehr mit einer anderen neu eingerichteten Riesenttation, der in Boston, unterhalten werden. — Ein neues Stratzenpflaster. Nach der langen Dauer des Krieges wird die Wichtigkeit eines dauerhaften Straße»- Pflasters wegen der Erschwerung der Ausbesserungsarbeitcn be- sonders fühlbar. Daher könnte eS von hoher Bedeutung werden. wenn noch bessere Mittel zur Stratzenpflasterung dargeboten würden� Nach einer Mitteilung der„Tonindustiezeitung" sind in Oesterreich- Ungarn künstliche Pflastersteine in Gebrauch genommen worden, deren Eigenschaften nach den gemachten Angaben fast als ideal be- zeichnet werden müssen. Sie bestehen aus einem Gemisch von Ton und Kalk, daS bei hoher Temperatur gebrannt wird. Es soll zehn mal widerstandsfähiger sein als Baialt, vollkommen beständig gegen Frost und Säuren und würde daher emer sehr geringen Abnutzung unterliegen, also auch wenig Staub erzeugen. Ausserdem wird ihnen Geräukchlofigkeil nachgerühmt. BifSs 64] Töchter öer yekuba. Ein Roman aus unserer Zeit von Clara Viebig. Die Stana und die Kasia und die Minka steckten die Köpfe zusammen, sie hatten immer etwas zu bereden; mit den beiden hatte die Dombrowski doch mehr Gemeinsames als mit der Hieselhahn. Die sah sie gar nicht mehr. Sonn- tags fuhren die drei zusammen nach Berlin. Dann waren sie Montags so müde, datz ihnen die Augen fast zufielen bei der Arbeit. Der Aufseher schimpfte mit den Mädels: hatte das keine Knochen im Leib? Bei der Dombrowski traute er sich nicht so. die hatte ein doppeltgcschliffenes Mundwerk. Aber nach solchen Sonntagen konnte es doch oft sein, datz die Dombrowski, wie in tiefe Gedanken versunken, auf ihrer Hacke lehnte und schier schwermütig einem Zug nach- sah, der an ihr vorübersauste. Soldaten drin, Soldaten, lauter Soldaten. Die sangen: „Im Feld des Morgens früh, Wenn noch die Nebel sanken,' Die Halme fallen und wanken, Da denkt die junge Mähderin An ihren Schatz mit frohem Sinn, Im Feld des Morgens früh.' Sie konnte an keinen denken mit frohem Sinn, und das reute sie. Es war doch eigentlich gar nichts, datz sie blotz mit den Mädels ausging, im Laffee Vaterland' satz oder in einem Kino. War das wohl ein Leben? Die Soldaten, die vorüberfuhren, winkten, schrien ihr zu: Scherze, Liebesworte, begehrliche Redensarten; dann fuhr sie auf. ritz das rote Tüchelchen, mit dem sie sich die kecke Mütze fest aufs Haar gebunden hatte, ab und winkte ihnen. Lachend, ungestüm. Winkte, datz Haare und Röcke flogen, sah den nickenden Köpfen, den ausgestreckten Armen nach, als wollten ihr die Augen aus dem Kopfe springen.-- Es kamen noch ein paar goldene Herbsttage. Heute am Montag war die Dombrowski ausnahmsweise vergnügt; sonst war sie gerade dann immer verdrossen; aber der gestrige Sonntag, der war es wert gewesen, datz sie nach Berlin ge- fahren war. Einen so schönen Sonntag hatte sie lange nicht verlebt. Ob der hübsche Unteroffizier, der sich im Kaffee zu ihnen an den Tisch gesetzt hatte, wohl heute an sie dachte s Sicherlich! Ein Glücksgefühl durchschoß sie Plötz- lich: sie war doch noch die schöne Minka. Wo sie wohnte? hatte er sie leise gefragt— und Augen dabei gemacht, Augen l, Sie hatte es ihm gesagt, ganz genau. Oh, er würde kommen, er hatte es ja versprochen, und dann— und dann— »Patz auf I' schrie die Kasia, packte sie am Arm und ritz sie aufs Nebengleis. Sie hatte das Warnungssignal des Aufsehers gar nicht gehört. In langer Reihe standen die Weiber nun und lietzen den Zug passieren. Es war ein Güterzug. Wie im Traum sah die Frau die hochbefrachteten Wagen— ein unendlich langer Zug— schwarz, schwer, rauchig, schnaubend stampfte er. Nun traten sie wieder aufs Gleise zurück; sie zerkleinerten Schotter. Was kümmerte es die Dombrowski, datz der Aufseher jetzt auf sie losfuhr: konnte sie nicht besser aufpassen? Er war wütend vor lauter Schrecken: stand das Weib da und duselte! Er hatte laut genug gepfiffen; hatte sie denn keine Ohren mehr, keine Augen? Oh ja, die hatte sie. Ganz träumerisch lächelte sie den Aufseher an: Augen hatte er gemacht, Augen— und kommen wollte er, kommen — wann er wohl kam? Ob morgen, ob vielleicht heute schon?! Schon wieder ein Zug. War das ein Gefahre! Es gingen heute wieder große Truppentransporte an die Front. Es flog an den Weibern vorüber, donnernd, sausend, winkend,' singend, juchzend; lauter brausendes Getöse. Und mitten im Brausen und Vorübersausen— war das nicht, war das nicht—?! Minka starrte und staunte: ihr Unteroffizier! Da fuhr er hin. Er fuhr fort, konnte nicht kommen? War er's denn, war er's denn wirklich? Nein, er war's nicht I Dock, doch, er war's! Sie sprang in die Höhe, sie schrie gellend auf— er sah nach ihr hin— eine flüchtige Sekunde, ein Augenblitz, eine winkende Hand, ein wildeS Begehren, ein lähmendes Bedauern-- „Zurück!" Von entgegengesetzter Seite rast noch ein Zug heran. Sie sind alle auf die rettende Böschung gesprungen. Nur Minka nicht. Und Räder rasseln wieder, und rasseln weiter und begraben unter sich. Tag und Nacht hörte auch'Gertrud Hieselhahn die Trans- Porte bei sich vorüberrasen. Ihr Ohr wqr schon geübt; sie konnte ganz genau unterscheiden, ob Menschen verladen waren odet nur lebloses Material. ES versetzte sie in eine krank- hafte Unruhe, wenn sie wußte: da werden wieder so und so viele hinausgefahren, um zu verbluten. Man hörte an der Arbeitsstätte zuviel erzählen von den Schrecknissen der Front — jede wußte etwas anderes. Fürchterliches— und hier im Lande, war es hier nicht auch fürchterlich? War es wohl eine Art, datz die einen sich eingesckleppt hatten wie die Hamster? Denen sollte man einmal die Nester ausräumen. Nun kamen sie auch noch und holten auf ihre Karten und bekamen genau soviel wie die, die gar nichts, in Vorrat hatte«. Eine schreiende Ungerechtigkeit! Bei dein Lebensmittelverkauf der Gemeinde war es ein Paarmal schon erregt zugegangen. Frau Richter, die für Ger- trud das Wenige mitbrachte, erzählte zwar nichts, ihr war eS schon zuviel, den Mimd aufzumachen; aber sie warf am heutt- gen Abend Gertruds Lebensmittelkarte vor sie hm:»Da, Fräu- lein, holen Se sich's man jetzt alleene, ich bin müde und alt. Ich leg mer hin, ich niag nu nich mehr. Zum Verrecken zuviel, zum Leben zu wenig!" Der Blöde jammerte:„'ne Stulle, Mutter,'ne Stulle!" Der kleine Knabe bettelte auch, er wollte gern etwas essen, und Gertrud selber empfand einen quälenden Hunger. Aber schlimmer als das Hungergefühl war die Schwäche, die sie beschlich. Die hatte sie schon seit Tagen empfunden, sich aber immer dagegen gewehrt: nur nicht nachgeben. Sie hatte sich auch immer wieder zusammengerafft, die Augen, die ihr oftmals bei der geisttötenden Eintönigkeit ihrer Arbeit zuzufallen drohten, immer wieder aufgerissen. Verzagtheit und Mutlosigkeit immer wieder abgeschüttelt. Nun war dies zu viel. Dies einfache Hinwerfen der Karte, dieses gleichgültige: .Ich mag nich mehr!' der Frau, löste verwandte Gefühle in ihr selber. Sie brach in Tränen aus. Auch sie mochte nicht mehr. Wozu sich noch quälen? Von früh bis spät dieses Hungern und Frieren, dieses Darben' an Leib und Seele— wozu, wozu? Wozu all der furchtbare Kampf? Es gab ja doch keinen Sieg. Verloren, verloren! Sie hörte nicht das Lallen des armen Alten mehr, nicht das bittende Stimnichen ihres Kindes. Mit starren Augen sah sie ins Leere, während Träne auf Träne ihr in den Schoß tropfte.(Forts, folgt.) Täglich Mark 30-30 kann jedermann ftarhianatt durch ZZerkauj eine; neuen auch im Nebenberuf lvlklllll ajeibegehrten Büroarlikels� VerLsoödsvZ ällo. lSsrllgrAlevZlr.lg, Wv. 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Direktor Johannes betont, daß die bolschewistischen Vertreter nicht von der Meinung abzubringen waren, daß Rußland durch den Handelsvertrag benachteiligt worden ist. Immerhin enthalten die getroffenen Abmachungen doch auch eine Reihe erheb- licher Verbesserungen. Die Meistbegünstigung ist gesichert bis 1925. Abg. Erzbcrger: So ungünstig, wie Abg. Gotbcin meint, ist der Vertrag nicht, denn es ist ii. a. die Zv l I f re i h e i t für Erze zugesichert. Auf keinen Fall darf etwa deutscherseits� der Versuck gemacht werden, die Einfuhr von Fleisch zu unterbinden. Das Bolk wird froh sein, wenn cS Fleisch bekommt. Abg. Haas>'Vp.): Zu einem wirtschastlichc« Verhältnis mit Rußland konutr man mir unter dem Verzicht a'tff den Handelsvertrag kommen. Man ist in Rußland allgemein der Ansicht, durch den Handelsvertrag benachteiligt zu sein. Der jetzige Zustand schafft eine gewisse Beweglichkeit, die für den deutschen Handel nur von Vorteil sein kann. Abg. Graf Westarp: Mit.der Ratifikation des Vertrages ist die Zollgrenze bisziiderimFriedensvertraggezogenen Linie verlegt. Man müsse nun aber wissen, was aus den TranS- por tun te r n ih mungen an der alten Grenze werden soll, die auf den Grenzverkebr eingerichtet find. Direktor JohnnncS: An unserer Zollgrenze wird nichts ge- ändert, denn für Polen und das Gebiet von Ober-Ost ist ein b c- sonderer Zolltarif eingeführt worden. Eine endgültige Regelung bleibt vorbehalten, bis entschieden ist, ob Kurland in daS deutsche Zollgebiet einbezogen wird. Abg. Gothein gibt seiner Freude darüber Ausdruck, daß jetzt auch das Zentrum für die freie Einfuhr von Fleisch ein- tritt. Der Wirtschaftsvertrag wird genehmigt, ebenso daS Schluß- Protokoll. Bei der Beratung des deutsch-russischen Zusatzvertrages wird folgender Antrag W a l d st e i n den Herrn Reichskanzler zu ersuchen, bei den weiteren Verhand- lungen mit der großrussischen Republik auf eure Sicherung der bestehenden, durch daS langjährige Zahlungsverbot entwerteten deutschen Forderungen' durch Uebernahme einer Ausfallbürgschaft hinzuwirken gegen Zusicherung der Gegenseitigkeit seitens des Deutschen Reiches angenommen. Artikel 17 bezieht sich auf den Austausch der Kriegsgesangenea und der Zivilinternierten. Geheimrat SimonS sagt auf Anregung zu, daß alle? geschehen soll, um die Gefangenen so rasch als möglich aus Rußland herauszubekommen. Die nach Rußland gehenden deutschen Koni- Missionen werden sich diese Aufgabe besonders angelegen fem lassen. Artikel 18 bestimmt, daß die beiderseitigen internierten oder verschickten Zivilangehörigen innlichst bald unentgeltlich heim- befördert werden.— Abg. v. TrampczinSki fordert die Freilassung der in Deutschland festgehaltenen polnischen Arbeiter.—. Abg. Roste bezeichnet es als unerträglich, daß in Deutschland noch immer Angehörige von Staaten interniert find, mit denen wir uns nicht mehr im Kriege befanden. Selbst Ukrainer werden noch festgehalten; vielfach sind diese Leute auf Denunziation ihrer Konkurrenten hin interniert worden.— Geheim rat Simons erklärt, daß sich die Abmachungen mit Rußland nicht auf Polen, Litauen und Kurland beziehen.— Abg. Haase: Die Angehörigen deS polnischen Staates werden noch heute m Havel- berg festgehalten. So lehnt man eS ab, den Schriftsteller Dr. M a ch l e w L k y. der sich mit wissenschaftlichen Arbeiten beschäftigt, auch nur einmal in seine Wohnung zu lassen.— Abg. Gröber billigt den Standpunkt des Auswärtigen Amtes nicht. Auch die polnischen Zivilinternicrten müssen jetzt entlassen werden.— Abg. Dr. Südekum: Die Bewohner der von Rußland losgelösten Gebiete müssen nach dem Vertrag entlassen werden, wenn sie z. D. nach Rußland auswandern wollen. Der Skandal, daß Leute einfach interniert werden, erinnert an daS z a r i st i s ch e System der administrativen Verschickung.— Abg Gothein: Die Polen, Kurländer usw. sind nach der Auffassung der Regierung eigentlich Staatenlose Auch nicht mit einem Schein von Recht dürfen diese Leute noch zurückbehalten werden.— Abg. Ledebour: Die Anirechterhaltnng der Jntermerung ist eine rein Person- liche Drangsaliernng.— Unterstaatssekretär Lewald: Es findet fortgesetzt eine eingehende Prüfung darüber statt, welche Personen entlassen werden können. Dagegen müssen Personen zurückbehalten werden, die der Oftupationsverwaltung in War- schau als für dm Crimmg sefahrlich erschein«. In der weiteren Aussprache stellten sich die meisten Redner auf den Standpunkt der Sozialdemokraten. Zu einer kurzen Aussprache kam es noch bei der Frage der Amnestie. Die Mehrheitsparteien beantragten: den Herrn Reichskanzler zu ersuchen, bei Austausch der RaU- fikatiousurkmiden über den deutsch-russischen Friedensvertrag eine Uelbercinftiinmung zwischen den Vertragschließenden darüber herbeizuführen, daß Meinungsverschiedenheiten über die Aus- legung einem Schiedsgericht uitterbreitel werden und daß in entsprechender Weise in die künftigen Friedensverträge die Schiedsgerichtsklausel aufgeiwmmen wird. Der Antrag wurde einstimmig angenommen. Der finnische Friedensvertrag wurde ohne De- hatte erledigt. Abg. Ebert begründet dann den folaeicken Antrag: den Herrn Reichskanzler zn ersuchen, beim Abschluß der kllnf- tigen Friedensverträge dahin zn wirken, daß Vereinbarungen über eine Mindestforderung auf dem Gebiete des Arbeit erschutzrs und der Sozialversicherung zwischen den vertrau«ntteßenden Staaten herbeigeführt werden und fiir die Ausgestaltung eines internationalen Arbeiterschntzes und der Sozialversicherung die Grundlage einer weiteren Enrwicktung geschaffen wird. Unterstaatssekretär v. d. Bussche erklärt, daß die Regierung dem Antrag sympathisch gegenüberstehe.— Die einzelnen Parteien erklären rtzre Zustimmung zu dem Antrag, der daraufhin einstimmig angenommen wird. Abg. Graf Carmrr(k.) begründet dann folgenden Antrag: den Herrn Reichskanzler zu ersuchen, dabin zu wirken, daß bei den künftigen Friedensverträgen die Zahlung von Kriegsrnt- schädigungen ausbedungen wird, um reichliche Mittel dafür zn schaffen, daß die Fürsorge für die heimkehrenden Krieger auf eine neue Grundlage gestellt, das Rentenwesen für die Kriegs- beschädigten und Hinterbliebenen ausreichend ausgestattet, den entlassenen Kriegern für den Uebergang in die Friedenswirt- schaft und zum Ersatz der ihnen erwachsenen wirtschaftlichen Schaden Beihilfen gewährt und im großen Umfange Heim bitten und Ansiedelungen" für Kriegsteilnehmer geschaffen werden können. Mit seiner„volkstümlichen" Begründung suchte der Redner feine Forderung auf Kriegsentschädigung schmackhaft zu machen. Abg. Dr. Stresemann findet die Formulierung des Antrages un- glücklich.— Abg. Graf Garnier zieht den Antrag zurück und kün- digt seine Wiederein bring« ii g im Plenum an, nachdem der Antrag keine Aussicht aus Annahme im Ausschuß l?atte. Damit war die Tagesordnung erledigt. Das Mühls«- DskuMent. Nachdem die Denkschrift Lichnowslys allgemein bekannt geworden. Wird nunmehr auch der von Herrn v. Payec erwähnte .Brief des Kruppdircktors Dr. M ü h l o n ver« öffentlicht. Mühlon erzählt in diesem Brief, er sei Mitte Juli 1914 in die Deutsche Bank zu Helfferich gekommen, und oieser habe ihm das österreichische Ultimatum und seinen Inhalt damals schon angekündigt. Helfferich habe hinzu- gefügt, daß sich der Kaiser mit Entschiedenheit f ü r dieses Vorgeben Oesterreich-Ungarns ausgesprochen habe. Er habe gesagt, daß er einen Konflikt mit Serbien als eine in- terne Angelegenheit zwischen diesen beiden Ländern betrachte» in die er keinem anderen Staat eine Einmischung erlauben werde. Wenn Rußland mobil mache» bann mache er auch mobil. Bei ihm aber bedeute Mobilmachung den sofortigen Krieg. Diesmal gäbe es kein Schwanken. Nach Essen zurückgekehrt habe er über Hclsferichs Mit- teflungen mit K r up.p.v.B o.h la n gesprochen» der ihm ans eigener Kenntnis alles bestätig'.?. Krupp-v. Bohlen habe ihm'gesagh„.. Er sei. selbst beim Kaiser dieser Tage geweien. Der Kager habe auch zu ihm von der Besprechung mit den OestLvre-iche.ru und deren Ergebnis gesprochen, jedoch die Sache als so geheim bezeichnet, daß er Nicht einmal gewagt haben würde, seruein Di- rcktorium davon Mitteilung zu machen. Da ich aber ein mal Bescheid misse, könne er mir sogen, die Angaben Helfferichs fciat richtig. Dieser scheine freÄich noch mehr Dstails zu wissen ai« er, Bohlen, selbst. Die Lage sei in der T-tt sehr ernst. Der Kaiser habe ihm erklärt, er werde sofort den Krieg erklären, wenn Rußland mobil mache. Diesmal würde man sehen, daß er nicht umfalle. Die wiederholie kaiserliche Betonung, in dnuem Falle werde ihm kein Mensch wieder Unschlüssigleit vorwersen können, habe sogar fast komisch gewirkt. Zur Zeit des Ultimatums an Serbien war Mühlon wieder bei Helfferich. Dieser sagte ihm, der Kaiser sei nur zmn Schein auf die Nordlandreise gegangen und halte sich stets in erreichbarer Nähe. Die Deutsche Bank habe schon in aller Stille ihre Vorkehrungen getroffen. Dr. Mühlon nennt dann die deutsche Erklärung, daß Oesterreiech ohne Vorwissen Deutschlands sein Ultimatum ge- stellt habe,«wenigstens der Wirkm.g nach lügnerisch" und versichert, daß Herr v. Krupp der gleichen Meinung ge- Wesen sei. Dieser habe dann mit dem Staatssekretär v. I a g o w gesprochen, der dabei blieb, daß er an dem Wort- laut des österreichisch-ungarischen Ultimatums nicht mitgewirkt habe, und daß eine solche Forderung von Deutschland überhaupt nickst erhoben worden sei. Auf den Einwand, das sei doch unbegreiflich, habe Herr v. Jagow erwidert, daß er als Diplomat natürlich auch daran gedacht habe, ein sokheS Verlangen zu stellen. Der Kaiser habe sich aber in dem Zeit- pmrkl, in dem �verr v. Jagow mit der Angelegenheit befaßt und hinzugezogen wurde, schon so festgelegt gehabt, daß es sür ein Vorgehen noch diplomatischem Brauch sckpi� zu spät und nichts mehr zu machen gewesen wäre. Die Situation sei so gewesen, daß man nirt Verklausulierungen gar nicht mehr habe kommen können. Schließlich habe er, Jagow, sich gedacht, die Unterlassung werde auch ein Gutes haben, näni- lich den guten Eindruck, den man in ssZetersburg und Paris deutscherseits mit der Erklärung machen könne, daß man an dem Wiener Ultimatum nicht mitgearbeitet habe. Soweit Dr. Mühlon, dessen Angaben von Helfferich und Krupp bekanntlich entschieden bestritten werden. Dr. Mühlon soll total nervenkrank und deshalb ganz unzuverlässig sein. Das Auswärtige Amt hat ihn aber auch nach seinem Abschied von Krupp noch beschäftigt._ Lanütagsferien. Das preußische Abgeordnetenhaus hat sich am Donners- tag nach Erledigung einiger kleiner Vorlagen bis zum 23. April vertagt. Auf diesen Tag ist die verfassungsmäßig notwendige nochmalite Abstimmung über die Verlängerung der Legislaturperiode angesetzt. Doch svlen vorher Hon die größeren Kommissionen zusammentreten, und zwar wird der V e i f a s s u n g s a u s s ch u ß seine nächste Sitzung am 11. April abhalten. Es soll dann mit der zweiten Lesung der Vorlagen begonnen werden. Am 12. April wird die ver- stärkte StaatshaushaUskommission zur Erörterung der Er- nährungsfragan zusammentreten, GewerkschaflsbewEUNg Was ei» Unternehmer an Lehrlingen verdiente. Die Lust und Lieds zur Erlernung eines Handwerks wäre auch heute in Niel gröhenem Alatze vorhanden, wenn den Lehrlingen während der Lehrzeit eine angemessene Entschädigung gezahlt würde. Hiergegen wird allerdings der Einwand erhoben, datz die Ausbildung eines Lehrlings im Handwerk meist ein unrentables Geschäft sei und nur deshalb geschehe, damit für Nachwuchs im Beruf gesorgt werde. Daß es indessen Meister gibt, die an Lehrlingen ganz ansehnlich verdienen, beweist eine Zuschrift, die wir von Arbeitern der ReinsdorferSprcng st offwerke bei Wittenberg a. d. Elbe erhalten. Dort beschäftigt ein Manrernveister, Vorsitzender des Ar- beitgeberbundes der Bauhandwerker des Bezirks Wittenberg, zirka IVO Personen. Die Bau Handwerker erhalten einen Stundenlohn von 1 Ast, die HilfSarbeiteir einen solchen von öv Pf. und die Le bestveiden Auch in den Fällen, wo die Arbeiter ein« Vergütung für die Zutaten bekommen, reicht diese nicht ans, um die tatsäch- lachen Ausgaben der Arbeiter zu bestreiten. Dazu kommt noch die ' Schwierigkeit der Beschaffung von Nähmaterial. Es soll deshalb in allen Fällen verlangt werden, daß die Arbeitgeber das Näh- Material in nnturn liefern. Diese Forderung soll noch im Laufe dieser Woche in allen Geschäften gestellt und mit vollem Nachdruck durchgeführt werden. ling« lS— 20 Pf. Laut einem Urteil des SchlichtungSausschusses zu Bitter frid wurde sämtlichen Arbeitern eine monatliche Teue- rmiizszulage von 22.20 M. zugesprochen. Di« Lehrlinge des Meisters wurden jedoch von der Teuerungszulage nicht berührt. Trotz totederholten Borstelligwerdens bei ihvem Meister wurde den Lehrlingen die erbetene Teuerungszulage rrbgelehnt. Darauf wandten sich die jungen Leute an den Arbeiterausschuß, um diesen für ihr Anltegen zu intereffieren. Derselbe erkundigte sich nun beim Bauamt deS Werkes nach der Höhe der Eptschädigung, die der Baumeister für die Lehrlinge erhalte. Der Ausschuß erhielt die Auskunft, daß der Meistor für seine Lehrlinge 46 P f. S t u n- deulohn und 20 Pf. K r i e g s te u e r u n g S z u I a g e, mit- hin 62 Pf. bekäme. Somit hatte der Meister an einen Lehrling 47 bzw. 45 Pf. Verdienst pro Stunde, das macht wöchentlich 28,20 bezw. 27 M. Berechnet man den Gewinn des Unternehmers auf 40 ArboitSwocheu im Jahre, so ergibt daS pro Lehrling eine Smmne von 1128 bzw. 1080 M. Und da der Herr zurzeit 6 Lehrlinge hat, so bringen ihm dieselben rund 2200 M. Die Werksleitung ist mit dieser Art Lehrlingsausbeutung natürlich auch nicht cinveritanden, deain der Arbeiterausschuß erhielt den Bescheid, daß der gegenwärtige Zustand geändert werden solle. Welche Mrkung muß es aber auf die jungen Leute haben, wenn sie wissen, datz sich ihr Lehrherr an ihnen so ungemein zu bereichern sucht. Ganz zu 'chweigon von der Verärgerung, die bei den Eltern der Lehrlrnge . latz greifen muß, weil ihnen die llnterhalltuna ihrer Kinder bat der gegenwärtigen Teuerung sowieso schon Mühsal genug bereitet. Eine Gaukonfrenz der Textilarbeiter Brandenburgs fand am 16. und 17. März in So-rau N.-L. statt. Aus 28 Orten waren 46 Vertreter erschienen. Zur Beitragszahlung wurde beschlossen, daß ab 1. Juli d. I. nur noch die höheren Betiragsklaffen zu zahlen find und in allen Verwaltungen Lokalzuschläge eingeführt werden müssen. Zur Umterstützungsfrage wurde beschlossen, die Sderbeunterstützung zu erhöhen und den aus dem Heeresdienst entlassenen Mitgliedern ihre alten erworbenen Rechte zu ge- währen, vorbehaltlich der Zustimmung des Hauptvorstandes. Die kommenden Lohnbewegungen sollen möglichit auf tariflicher Grund- läge geschahen; hierzu soll eine Verständigung mit den Arbeit- geberverbänden versucht werdem. In allen Orten sind Tarifkom- Missionen zu wählen und ein ständiger Austausch des Lohn- Materials hat zwischen diesen Orten startzufiuden. Die hierdurch entstehende Mehrarbeit der Gauleitung soll durch eine anzustellende Hilfskraft bewältigt werden. Weil die Textilindustrie am schwersten während der KriegSzeit leiden muß, wird auch der ......._ ürd auch 1 U«b ergang zur Friedenswirtschaft hier die meistern Schwierigkeiten verursachen. Die Arboitarschast erwartet, daß ihre Vertreter zu allen Beratungen in dieser Frage von den Behörden hinzugezogen werden. In allen Texdilorten sollen Versammlungen einberufen werden, zu denen die Unternehiner, die Ortsbehörden und die Ge- Werberäte einzuladen sind, um über die wichtige Frage der Ueber- gangSwirtschast gemeinschaftlich zu bcratein. Die durchgehende Arbeitszeit kommt auch in der Textilindustrie zur Gtnfiihrung, die Konferenz beschloß, Einwendungen dagegen nicht zu erheben. Fer- raer wurde beschlossen, bei dem Hauptvorstand e-ine Erhöhung der Teuerungszulage der Verbandsangestellten zu beantragen. Einen würdigen Abschluß der Konferenz machte die Besichtigung der Lsinenweberei I. G. Frenzel in Sorau N.-L. In der Friedens- zeit beschäftigte diese Firma 700 Personen, jetzt nur noch 300. Es wird Papiergarn zu allen möglichen Artikeln verarbeitet. Am Eingang zu den ArboitSräumen prangte ein mit Tannenreisern umkränzteZ Plakat mit folgender Denkschrift: Ihr teilt unsere Freude am Wirken und Streben, unser Wohl habt stets Ihr treu- lich bedacht, drum sei, wo die Arbeit schuf vsgeS Leben, ein herzlich Willkommen Euch dargebracht. Asordernngen der Maftschnekder. Der Verband der Schneider hat beim Arbeitgebevverband eine neue Erhöhung der Teuerungszulage beantragt. Die Bertr-etor beider Parteien werden Anfang Apvil über diese Forderung ver- handeln.— Eine Versammlung der Berliner Heroenmaßschneider sZivil-! und Uniformbranche) beschloß, bei den Ter Handlungen eine Erhöhung der Teuerungszulage um 20 Proz. zu fordern. Eine besonder« Bewegung soll geführt werden wogen der ~ jutaten. Dies-~* Die Urabstimmung im Tabakarbeiterverband ergab dir An- nähme der Vorschläge des Vorstands zwecks Neuregelung der Bei- träge und des Unterstützungswesens mit 12 829 gegen 2968 Stim- men. 27 Mitglieder hatten sich der Stimme enthalten. «» « Im Verband der Hut- und Filzwarenarbeite, und-arbeite- rinnen erklärt« sich gleichfalls die übergroße Mehrheit der Mit- glieder für eine" vorn Borstand und Ausschuß vorgeschlagene Bei- iragserhöhung._ Aus der Schltchtimgskommisfion für die Damen« konfettion. ?in der letzten Sitzung war u. a. auch der Zwischenmeister i von dem Verband der Schneider auf Nachzahlung von 140,40 M. an zwei Heimarbeiterinnen verklagt. Beklagter sollle die 22 Proz. die den Arbeiterinnen seit dem 4. Juni 1917 zustehen, nicht bezahlt haben. Außerdem wurde für eine Anzahl Mäntel, die für die ReichsbekteidungSstelle angefertigl wurden, pro Stück 80 Pf. nachgefordert; Beklagter hatte nur 2.20 M. gezahlt, während hierfür S M. Plus 10 Proz. gleich 3,30 M. zu zahlen waren. Ferner wurde noch für Garn eine Rückvergütung von 72 Pf. pro Rolle verlangt, da der Beklagte den Frauen für eine Rolle Barn 1,20 M. anrechnete, für die er nur 72 Pf. bezahlt hatte. Die letzten beiden Forderungen erkannte der Beklagte an, weil er angeblich nicht gewußt hat, daß ein Tarif für Bekleidungsgegen- stände der ReichsbekleidungSstelle besteht. Ein Zuschlag von 22 Proz. für die Konfektionsmäntel will Beklagler schon bei der Festsetzung des Stücklohnes mit berücksichtigl haben. Die vorliegenden Lohn- bücher weisen fedoch nach, daß der Beklagte in den Monaten Juli, August usw. dieselben Löhne bezahlt hat wie in den Monaten Februar, März und April, wo an die 25 Proz. Zuschlag noch nicht zu denken war. Des weiteren stellte sich aus den Geschäftsbüchern deS Beklagten heraus, daß er von den Geschäften, für die er arbeitet, für Mäntel 8, 9 und 10 M. erhielt, den Heimarbeiterinnen aber nur 2.20, 2,75 bis 3 M. zahlte. Nach Feststellung dieser Tatsachen wurde dem Beklagten ein- dringlich geraten, die geforderte Nachzahlung anzuerkennen, zumal der Vertreter des Schneiderverbandes jeden Vergleich ablehnte. Der Beklagte mußte sich sogar von seinen eigenen Kollegen sagen lassen, daß die Bezahlung solcher Löhne geradezu an Ausbeutung grenze. Prasäl erkannte die Schuld an und verpflichtete sich, innerhalb drei Tagen die geforderte Summe an den Schneide, verband zu zahlen. Dieser Fall von vielen, sollte endlich die Heimardeuerinnen auf den Weg zur Organisation verweisen. Lieferung von Nähzutaten. sse Angelegenheit ist gegenwärtig Der Allgemeine Lerband der Deutsche« Bankbeamte« veran- Deutschen Hof, Luckauer Straße 12 Versammlung der Berliner Fräulein Elfe Landau, Wien, Vorstands rm-tglied deS RoichSveoeiirs der Bank- und Sparkassen- bhamten Oesterreich». parteinachrichten. Homo-Grumbach. Der Parteidorstand schreibt unS: Homo-Grumbach, der während des Krieges schon so oft die französischen Sozialisten gegen die deutschen Sozialisten aufzuhetzen versucht hat, tritt wieder einmal in der Pose des Anklägers gegen die deutsche Sozialdemokratie auf. Ja der Nummer der.Hu- mauste' vom 12. März d. I. schreibt er u. a.: .Ich klage die Führer der alten sozialdemokratischen Partei in Deutschland an, daß sie seit Monaten Dokumente von der höchsten Wichtigkeit in Händen haben, die in noch entscheidende- rer Weise als die Enthüllung Pichon« die Schuld Deutschlanv-S an diesem Kriege absolut beweisen. Ich klage sie an, daß sie sie behalten, ohne sie zu verwenden und ohne den Versuch zu machen, sie zur Kenntnis des deutschen Volles zu bringen oder auf der Tribüne deS Reichtags vorzulesen.' Dies« Sensationsnachricht Homo? wird von der� gesamten Bourgeoispresse Frankreichs, mit dem.TempS' an der Spitze, leb- hast konrmentiert. An den Behauptungen HomoS ist kein wahres Wort! Die Dokumente sind lediglich Produkte der üppigen Phantasie Grumbachs, der leider in Frankreich noch immer ernster genommen wird. al» er es verdient. am AnS dem Wahlkreis Ascherslebe«. Der Sozialdemokratische Verein Kalbe-Aschersleben hat Sonntag eine außerordentliche Generalversammlung abgehalten, die hauptsächlich der Aufstellung eines neuen Reichstagskandidaten an Stelle des zu den Unabhängigen abgeschwenkten Albrecht(Halle) galt. � Darüber sagte der Vorsitzende, Genosse Wizorowfti, in seinem Jahresbericht: Zu den Unabhängigen übergetreten sind insgesamt — sechs Mitglieder. Wenn der Reichstagsabgeordnete geglaubt Hai. einen großen Teil der Mitglieder hinter sich zu haben, hat er sich sehr getäuscht. Zur Aufstellung eines ReichStagskandidaten selbst führte dann Genosse Greiner�an, daß der Vorstand die Aufstellung schon jetzt für notwendig hält. Würde damit bis nach Beendigung deS Kric- geS gewartet, wenn die Neuwahlen erfolgen, ist viel versäumt. Auch der Einwand, datz die im Felde stehenden Genossen nicht dabei mitwirken können, darf nicht ausschlaggebend sein. Es ist von großem Werte, wenn der Kandidat jetzt schon im Kreise tätig sein kann. Genosse Lindenberg schlägt vor, den Genossen BeimS zu wählen. Bei der Abstimmung, bei der nur die Delegierten Stimmrecht hoben, wurde 83 ei ms mit 12 Stimmen gewählt. Beims dankte für das ihm geschenkte Vertrauen Und hofft auf die freudige- Mi:- arbeit aller Genossen und Genossinnen. Soziales. Krankengeld und Wochenhilfe. Wiederholt sind wir auf die Verordnung deS Bundesrats vom 22. November 1917 zu sprechen gekommen, wonach den Kranke.,- küssen durch Erhöhung deS Grundlohnes die Möglichkeit gegeben worden ist, das Krankengeld zu erhöhen. Nach dem Gesetz müßte d,ei durch eine Satzungsänderung, zu der eine Generalverfamm- lung notwendig war, geschehen. Dieses bei Anbetracht der Sach- läge ziemlich umständliche Verfahren wird durch eine Bekm'-i'.- machung de? Bundesrats vom 17. März d. I., die der„Reichs- anzeiger" am 20. März veröffentlicht, wesentlich verein�-�t. Die Aenderungen können durch VorstandSbeschluß herbeigeführt und brauchen nicht in' die Satzung aufgenommen zu werden. Der Beschlutz bedarf der Zustimmung des Oberversicherungsamts, dessen Entscheidung endgültig ist. Dieselbe Bekanntmachung setzt auch den§ 322 der ReichSvec- sicherungSordnuna außer Kraft, welcher vorschreibt, daß jedes Mit- glied unentgeltlich einen Abdruck der Kassensatzungen erhält. Wäh- rend der Dauer des Krieges erhalten die Mitglieder die Sabun- gen nur auf Antrag, im übrigen genügen Mitteilungen von Aus- zügem die die Bestimmungen über Mitgliedschaft, Leistungen und Beiträge nebst der Krankenor-dnung, sowie die Aenderungen dieser Bestimmungen enthalten. Die Mitglieder sind aber berecktigt, wäh- rend der üblichen GeschäftSstunden in den Geschäftsräumen der Kasse Einsicht in die Satzung zu verlangen. Auch die Vorschriften über die Wochenhilfe während des Kriege? werden durch dl« Bekanntmachung abgeändert.§ 420 der ReichSversicherungsordnung sieht vor, datz aus Antrag des Arbeil- gebcrs unter Wegfall des Anspruchs der Versicherten auf Kranken- geld die Kaffenbeiträge entsprechend ermäßigt werden können, wenn mindestens 1. der Arbeitsvertrag auf ein Jahr abgeschlossen ist, 2. die Versicherten entweder für das Jahr Sachleistungen im dreibunbertfachen Werte des satzungsmäßigen täglichen Krankengeldes oder für den Arbeitstag einen Entgelt im Werte dieses KrankengeQes beziehen, 3. ihnen ein Rechtsanspruch auf diese Lei- stungen für die Geltungsdauer des Vertrages zusteht. Die Bei- träge werden in diesen Fällen gekürzt. Der F 421 bestimmt, daß in sten Fällen, in denen den Versicherten geringere als die im 8 420 vorgesehenen Leistungen zustehen, die Satzung geringere Leistungen bei entsprechend ermäßigten Beiträgen zubilligen kann. Nun sab§ 8 der Verordnung des Bundesrats vom 3. Dezember 1914 vor, daß gegen Krankheit versicherten Wöchnerinnen, denen ein Anspruch auf KriegSwochenhilfe nicht zusteht, die Kasse die KriegSwochenhilfe doch, und zwar aus eigenen Mitteln zu gewähren hotte. Dabei haben die Kassen öfter die Wochenhilfe den nach 88 420 und 421 geringeren Beiträgen entsprechend gekürzt. Die neu« Bekanntmachung erklärt dies für unzulässig. Der Anspruch der Wöchnerin besteht in vollem Umfange. Um die Kassen für die dadurch entstehenden Leistungen zu entschädigen, können die ge- kürzten Bcit:äge erhöht werden. Auch dies kann durch VorstandSbeschluß geschehin Während die neuen Vorschriften über die Möglichkeit, die Grundlöhne durch VorstandSbeschluß zu erhöhen, mit dem 20. März d. I. in Kraft treten, haben die Vorschriften über die Wochenbilfe rückwirkend- Kraft erhalten. Sie gelten vom 3. Dezember t914 ab. In den Fällen, die schon rechlskräftig zu Ungunsten der Wöch- nerin entschieden sind, die Wöchnerinnen also geschädigt wurden. muß auf Antrag der Berechtigten die Kasse einen neuen De scheu) erteilen. Verantwortlich sllr Volilik! Erich Kultner, Berlin: für den übrigen Teil d-S Blattes:«llfred Scholz. Neukölln: für Anzeigen: Theodor Blocke, Berlin. Verlag: Vorwärts.Verlag®. rn. b.£>., Berlin. Druck: vorwärlS-Buch- druckerer und BeriagSanstall Paul Singer u. Co. in Berlin, Lindenslraße 3. vier»» 1 veiloae nvh NnirrbaliunaSbi-ti. Deutsch» ffletallarbelter- Verband. Verwaltungssteil« Berlin. Den Mitgliedern zur Nach- richl, dag unser Kollege, der Klempner Eduard Dreyer Groß görsche«-Stroh e 41. am 17. Marz gestorben ist. Die verrdiguug s ii Sonuadeno, den ' r«! UrchboseS in Mäoz, nun der. Luther-Kirch Witz aus statt. findet !3. Den Mitgliedern ferner zur Nachricht, daß unser Kollege. der Former VVnkelmrsüwit? Neukölln, Wescrstrahe 215, am 10. März gestorben Ist. Die Beerdigung findei am Sonnabend. 23. März, nachmillag« I Ubr, von der Leiwen alle deS Jerusalem»- Nirchkoses, Hermannstrahe aus statt. Ehre ihrem Andenken: Rege Beteiligung wird er- maitet 233nS Die Ortsverweltung. Kranhen» und Sterbekallk der Metallarbeiter. Den Mitgliedern zur Nach- richl, dah unier erst« Bcvoll- mächtigter, Herr 1«S2d EM NM von der Filiale XI am 17. März»erstorben ist Sb» feinem Andenken! Die Hzfrdlguug findet >en Sonnabend, den nochmiNags 3 Uhr, von der Leichenhalle m Lankwitz an-S statt. Die Orisverwaltnng. Spezialarzt Dr. med. BoekenluS FrieilriE».ffis»ÄÜ!:,3" (ürSyphilis.Ham-u. Frauenleiden Blutuntersuehungen. Schnelle, »Ichere, schmerzlose Heilung _�ohne BerufssUrung. TellzahUmg Verband der Galt- and Schankwirte Deutschlands. Zahlstelle Benin. Den Mitgliedern zur Nach- »icht. dah uns« Mitglied im. IM Dm Fatckenfteinftr. 40, Bez. 4 verstorben ist. Ehre Ihrem Andenken l Die Beerdigung findet heule Freitag, 22 März, nachm. 2% Uhr, aus dem Thomas- «irchhos tu Neukölln, Her- monnstr., statt. lbl/lS Dt« Vrtsverwallnng «m Montag, abend» VI, Ubr, verlchied nach kurzem, schwerem Leiden uni« lieber Bat« und Batte, der Tiichl« 99A im 40. Lebensjahre. Wer ihn kannle,»erflehl unseren Schmerz. Um stille Teilnahm« bitten die trauernden Hinter- bliebene«. DK Beerdigung findet am Sonntag, den 24. März. vom Trauerhausr, W-Glie- nicke, Friedrichstr. 50, au» statt. . DanhCagung. Für die Beweise herzlicher Teilnahme bei der Einäscherung meiner llcben Frau, unserer lieben, guten Mutter 18 tA Wiltlslfflins Neumann geb. B artet sagen wir hiermit allen Der- wandten und Bekannten unseren innigsten Dank. Utian Neumann nebst Kindern. z ur Mdsoldaken! Veuisch-Poluisch. ISPs. Veutsch.Irasqösisch1Sps. 9#cimdil0a Bcrthi Landwirtschaft. Gcbättde massiv, Land beim Hause, 1 Pferd, 4 Slstck Rind- vieh. 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