Ar.SA. 35« Jahrg. Bezugspreis» BierterMru ijbO Mt. monafl. l.BOSJH. frei ins HauS. norauSzahlbar-Einzelne Summern l0Pfg. Postbezug; Monai- lich 1.60 MI. Unter Kreuzband für Deuischland und Oesterreich- Ungarn ij.— Ml. für das übrige Ausland «.5V Ml. monatlich. Len'and ins Fei» bei direlier Bestellung monatl. 1,50 Ml. Postbestellungen nehmen an Däne- marl, Holland. Luxemburg, Schweden und die Schwei». Eingetragen in die Post-?, ellungs- Preisliste. Erschein« täglich, Telegramm» Adresse: .Sozialdemokrat Berlim Vevlinev VolksblAtk. ZcntraXorqzn der fozialdcmokrati fehen Partei Deutfchlands. ( 10 Pfennig) Anzeigenpreis: DiefiebengelpalleneKolonelzeilekostet 60-Big.„Klein» Anzeigen", das letlgedrurkle Wort 20-Big.(zulässig 2 fettgedruckte Worte), jedes weitere Kort.10 Psg. Stellengesuche und Lchlafstellenanzeigeu das erste Wort 10 Psg. led-s weitere Wort 5 P'g. Worte über 15 Buchstaben zählen sur zwei Worte. Teuenrngszuschlag 20°> tfitmilien- Anzeiqen.><> Pf,'.. politische u. gewerlschaitliche Bereius- Sinzeigen«0 Psg. die Zeile,»uzeigeu für die liüchsie Slimniet müssen bis » Uhr nachluitt. im Hauvigeschüsi. Berlin SW.'iS. Lindenflratze a!>, gegeben werde.-,. Kebfliiei ütlhr jrüh bis 7 Uhr abend-, Neöaktion:«W. SS, Linüeastcaße?. Fsruwrecher: Amt Mortvvla«, Str. 1S1 SV— 151 97. Sonnabend, de« A3 März 1A18. ExpeSttion: SW. öS» Linüenstraße 2. Ziern, vrecher: Am» Mnrittvlaq. Str. ISI LV— 1S1 97. Der LtoK in die englikebe London, 21. März. Der Vertreter des Rruterschen Lurcaus an der britischen Front drahtet abends: Die Deutscheu scheinen dadurch, daß sie, von starker Artillerie unterstützt, große Massen in de« Kampf warsen, in die Frontlinie zwischen Searpe und Bendeuil ein« gedrungen zu sein. Wenn wir nicht die not« wendigen Gegenmaßregeln ergreifen, scheint die gesamte Lage für den Augenblick er- f ch ü t t e r t. * Berlin, 22. März. Jlm 21. März hat die deutsche Offeu- sive an der Westfront eingesetzt. Sie richtet sich zunächst srge» die Engländer. Die Artillcrieschlacht entbrannte im Morgengraue«. Schon nach wenig Stunden äußerst ergiebiger Feuerwirkung trat die deutsche Infanterie um Ist Uhr vor- mittags zwischen der Searpe und Oise in einer Aus- dehnung von rund 80 Kilometer zum S t u r m au. In harten, für den Feind äußerst blutigen Kämpfen nahm sie in breiten Abschnitte» überall die euglischen Linien. Ter den Engländern völlig überraschend kommende An- griff e n t r i s? ihnen wichtige Abschnitte ihre? sorgsam vor- bereitete» und stark ausgebauten KampfgeländeS. Obwohl ein dichter Nebel, der erst später der Sonne wich, die Kampf- tätigkcit anfänglich behinderte, war doch der Erfolg über Er- warten groß. Tie Einbußen der tapfer und zäh sich wehrenden Engländer an Toten, Verwundeten und Gefangene« sind sehr schwer, die deutschen Verluste überraschend gering. Dieser erste Großkautpf- tag endete verheißungsvoll für die deutschen Waffen. Der Geist der Truppe ist von freudiger Siegeszuversicht getragen. Die Beute an Gefangenen, Geschützen und sonstigem Kriegsmaterial kounte noch nicht endgültig festgestellt werden. Bis jetzt sind 16000 Gefangene und 200 Geschütze gemeldet. Amsterdam» 22. März.(T. U.) Nach Melbnngen aus London an baö„Handelsblad" teilte B o na r Law im Unterhause mit, daß die Deutschen heute morgen über eine Front von 50 Meilen zwischen Scarpe und Oise einen Jnfanterieangriff unternahmen, einen Angriff iu einem größeren Maßstabe, als wie während deö Krieges auf irgend einem Teile der Front. Es wäre nicht die ge- ringste Ueberraschung hierbei, denn der Angriff sei gerade dort ge- schehen, wo er nach den englischen Informationen stattfinde« sollte. „Vor drei Tagen erhielten mit," so sagte Bonar Law,„com Hauptquartier den Bericht, daß der Feind defimtw den Angriff beschlossen habe. Der Kampf dauert fort." Der Korrespondent des„Daily Chronicle" an der englischen Front meldet: In diesem Augenblicke liegen nur unzusammen- hängende, nicht bestätigte Nachrichten und zweifelhaft« Meldungen von unseren Truppen vor, welche einem heftigen Angriff ausgesetzt sind. Es muß noch einige Zeit vergehen, bevor man sage» kann, was der Feind gewonnen hat und was er auf diesem ersten Sturm- angriff nicht erreichen konnte. Unsere Truppen kämpfen nun nicht nur für ihr eigenes Leben, sondern auch für das Leben Englands und unserer ganzen Rasse. Dieser Kampf ist kein Bluff, son- dern eine furchtbare brutale Wirklichkeit. Der Sonderkorrespondent der„Morning Post" an der englischen Front meldet, daß die deutsch« Arme« südlich von der Scarpe den ersten Schlag ausgeführt zu haben scheine, insbesondere in dem Dreieck A r r a s— C a m b r a i— B a pa u me und an den Straßen nach Cambrai, während die deutsche Arme« im Süden von Cambrat die engtischen Laufgräben und die Gegend westlich vom Scheldekanat stürmt. Der Sonderkorrespondent der„Times" bei der englischen Armee in Frankreich meldet, daß die Deutschen, nachdem sie zuerst ihr Artilleriefeuer hauptsächlich aus den nördlichen Abschnitt der Front konzentriert hatten, gestern früh ein heftiges Artillerieseuer aus einen großen Teil des südlichen Ab- s ch n t t t e S von ArraS bis südlich von St. Quentin richteten. Die Beschießung begann bei Anbruch des Tages und währte den ganzen Morgen. Im Laufe des Vormittags liefen Berichte über vielsagende Bewegungen der feindlichen Infanterie längs einer gleichmäßig eingeteilten Frontlinie ein. Diese Berichte gehen von Punkten aus, welche sehr weit auseinander begen. nämlich von CroifilleS, Bullecourt, Lagnicourt, Rvusseiy und H a rg i. c o u r L Diese Offensivbewegung scheint sehr viel umfangreicher und kräftiger zu sein, als irgend eine andere Kriegsoperation. welche in diesem Jahre unternommen wurde. TaS Wetter ist sehr schön, aber das Barometer zeigt auf Unbe- stand igteit. Es weht ein leichter Wind, meist'Nordwest. Ein großer Teil von NmÄsrankreich ist in einen weißen Nebel gehüllt, wodurch die Beobachtung erschwert wird. Die ersten englischen Linien von südöst- lich Areas bis La Före erstürmt; 13 000 Gefangene, 200 Geschütze erbeutet— Fenerkampf gegen Verdun— Beschießung von Ostende. Amtlich. GrvßeS Haupttzuartier, 22. März 1918. Mehrfach drangen Erlunduugsabtrilunge» in die semdlicht» Linie» ei». Bon südöstlich Arras bis La Före griffe« mir englische Stellungen an. Nach starker Feuerwirkung von Artillerie und Minenwerfer stürmte unsere Infanterie in breiten Abschnitten vor und»ah« überall die ersten feindlichen Linien. Zwischen La F b r e und Soissons, zu beide« Seiten von ReimS und in der Champagne»ahm der Fenerkampf an Stärke zu. Stnnnabtcilunze» brachten in»irlen Abschnitten Gefangene ein. HeereSgrnppe» S allmitz«ab Herzog»lbrecht. Unsere Artillerie setzte dir Zerstörung der feindlichen In- fantrrir- Stellunge» und Batterie» vor Berdun fort. Auch an der lothringischen Front war die ArtillerietStigtrtt vielfach gesteigert._ von de» anderen Kriegsschauplätzen nichts Nene«. Der Erste Generalquartttrmeistcr. Ludrndorff. Abendbericht. Serli», 22. März 1918, abeudS. Amtlich. Tie Erfolge deS gestrigen TageS in de» Kämpfen zwischen Arras und La Fdre wnrden in Fortführung unseres Angriffs erweitert. K«l>vv Gefangene, 200 Geschütze wnrden gemeldet. Vor V e r d«« blieb der Fenerkampf gesteigert. Von den anderen Kriegsschauplätzen nichts Neues. Der österreichische Bericht. « i«». 22. Mir, 1S1 8. Amtlich wird oerlautbart: Nichts Bcsondrrcs zu melden. Der Chef deS Generalstate». Der Gewaltstreich gegen öle hollänüisthen Schiffe. Ter Anfang in Amerika. Washington, 21. März.(Reuter.) Marinefekretär Daniels hat mitgeteilt, daß der Befehl, die holländischen Schiffe zn übernehme«, gestern abend nm 7 Uhr in Kraft getreten ist. Ein Teil der holländischen Mann- s ch a f t e n wird auf de« Schiffen beschättigt werden, andere werden, wen» sie es wünschen, in Amerika behalten werden und von der amerikanischen Regierung ihren Lohn aus- bezahlt bekomme«. Die Seeleute, die nach Holland zurück- znkehren wünschen, werden so rasch wie möglich dorthin be- fördert werden. New Jork, 21. März.(Renter.) Reservemannschaft e u der Kriegsmarine haben auf Befehl der Washingtoner Regierung gester» abend 38 holländische Schisse übernommen. Die holländischen Kapitäne haben, da sie seit mehreren Tagen auf ein solches Borgeheo vorbereitet waren, nicht protestiert. Beschlagnahmen in de« Ententehäfen. London, 21. März. Im Uuterhause gab �Lord Robert Cetil die Erklärung ab, daß die b r i t i s ch e n und die alliierten Regiernagen beschlossen hätte«, die holländischen Schiffe, die in ihre« Häfen liege«, in Besitz zu nehmen. Cccil erklärte, die Regierungen Ivürdcn versuchen, mit den Reedern zn einer Vereinbarung der Zahlungen und Ver- stchenmgen zu kommen: ste würden am Ende deS Kriege» die Schiffe zurstckgebe« oder die der- lorenen ersehen; sie würden die Eigentümer für diese Anleihe, die durch das Vorgehen des Feindes verursacht sei. entschädigen.� Sie würden sich serner verpflichten, das; holländische Schiffe, die von heute ab holländische Häsen ver- lassen, nicht ohne Vereinbarung der Verbündeteu in den Dienst gestellt würden und sie würden endlich 50 000 Tonnen Weizen oder die entsprechende Menge mehr in einem nordamerikanisch enHafen und die g l e i ch e Menge in einem südamerikanischen Hafen so- bald wie möglich für Holland bereit stellen. Washington, 20. März.(Meldung des Neuterschen Bureaus.) Ein heute veröffentlichter Erlasz des P r ä s i- d e n t e n der Vereinigten Staaten ermächtigt daZ Marine- Departement, Schiffe auS dem niederländischen Schiffsregister in den amerikanischen Territorialgewäsieni zum Gebrauch wäbrend des Krieges zu übernehmen und alle diejenige, Schiffe zu benutzen, die für wichtige Zivecke im Kriege gegen die Deutschen notwendig sind. Den SchiMeigentümern soll durch das Marinedepartement der Vereinigten Staaten in Uebereinstimmung mit den Grundsätzen deS Völkerrechts volle Entschädigung geleistet werden. Die Schiffe sollen durch die Admiralität.oder das amerikanische Schiffahrtsamt so be- mannt, ausgerüstet und verwandt werden, wie dies zweck- dienlich erscheint. In Verbindung mit der Uebernahme dieser Schiffe erlies; Präsident Wilson eine Verlautbarung über den Hergang der Verhandlung mit Holland. Washington, 22. März.(Renter.) Die Kapitäne der gester» b« sch l a g» a h m t e n niederländische« Schiffe verfolgten allgemein dieselbe Art-des Vorgehens. Sie machten dir Offiziere, die die Beschlagnahme vornahmen, ans den Eintrag im Logbuch aufmerksam, daß sie den Befehl über ihr Schiff unter Protest aufgäben. Die Beschlagnahme der Schiffe ging ohne Störung vor sich. « Haag, 22. März. Das Korrespondenz-Bureau erfährt: In der Ersten Kammer teilte Minister Loudon mit, daß er heute morgen auch vpn dem Gesandten aus Washington Bericht erhal- t t n habe, daß die amerikanische Regierung die Beschlagnahme der holländischen Schiffe beschlossen und diesen Beschluß bereite. zur Ausführung gebracht habe. Der genaue Text der Pro- klamation von Wilson ist dem Minister noch nicht bekannt. Ohne einen Schein von Recht ist man zu dieser Maßregel über- gegangen. Ein energischer Protest der Regierung gegen dieses Vor- gehen wird in beiden Kammern und im ganzen Lande Widerhall finden. Wenn das Volk die Prüfungen, die un- zweifelhaft die Folgen dieses Ereignisses sein werden, überstanden haben wird, wird es der Regierung rocht vorwerfen können, daß sie nicht alles getan habe, dem Voll diese Prüfung zu ersparen. Ver- schiedene Redner schlössen sich dem Protest der Regierung an. kriegskreöite unö GstftieSen. Der Reichstag hat am Freitag zwei Beschlüsse von be- sonderer Wichtigkeit gesaßt: er hat einen neuen Kredit in der Höhe von 15 Milliarden bewilligt und dem Frieden mit Großrußland und Finnland seine Zustim- mung erteilt. Die sozialdemokratische Partei hat für die Bewilligung der Kriegskredite gestimmt und damit ihre seit Kriogsboginn eingenommene Haltung von neuem bestätigt. Diese Haltung entspringt allein sachlichen Erwägungen. Die Unabhängigen wollen in ihr eine besondere Vertrauenskundgebung für die Regierung sehen, in der Agitation behaupten sie sogar, daß die Sozialdemokratie durch die Bewilligung der Kriegskredite die Verantwortung für den Krieg übernehme. Sie schlagen sich damit nur selbst ins Gesicht, denn sie selber haben alle ein- bis zweimal, zum Teil sogar drei- bis fünfmal für die Kriegskredite gestimmt und, wie dies der Abg. Dittmann vordem außerordentlichen Kriegsgericht betonte, nicht aus Fraktionsdisziplin, fondern aus voller innerer Ueberzeugung. Sie hätten dann selber also auch die Verantwortung für den Krieg übernommen und zum mindesten der Regierung Beth- mann besonderes Vertrauen entgegengebracht, die doch wohl in nichts fortschrittlicher oder demokratischer war als die Ne- gierung Hertling-Payer. Die Gründe, welche die Sozialdemokratie in Wirklichkeit veranlaßt haben, die Kredite anzunehmen, hat Genosse Ebert in seiner Erklärung klar und überzeugend dargelegt: Das Friedensgespräch Wilson-Hertling hatte wohl einen Augenblick die Hoffnungen auf Verständigung erweckt, als aber Hertling die 4 Punkte Wilsons annahm unö auch bezüg lich DelaienS»ine weitgehende Erklärung abgab, hüllte sich Wilson in Scksireigea. Statt dessen hörte die Welt von neuem die wilden Drohreden cms dem Munde derLIoydGeorge und(5 l e nr e n c e a u, die selbst von den Blättern der Unab- hänginen als„Krieg swüteriche" bezeichnet werden. Lloyd (Yeorgc bat das Eroberungsprogramm der West- E n t"e nte in vollem Umfange aufrechterhalten, dcmgegen- über befindet sich das deutsche Volk immer noch im Zustande der Verteidigung, und die Sozialdemokratie erkennt diese an, indem sie die Mittel dieser Verteidigung bewilligt. Eine andere Haltung wäre wohl auch gerade im jchigm Augen- blick, wo die Dinge nu Westen auf des Messers Schneide stehen und Hunderttausende bluten, von den Volksmassen nicht verstanden worden.__ Davon unabhängig führt die Sozialdemoantie im ig n- nein Deutsch l a n d s den Kampf für Freiheit und Demokratie weiten. Wie unbequem imd gefährlich dieser den Rcgktionären wird, davon zeugt der Umstand, dost jetzt die K onse r v ativen im Wahlkreis N i e d e r b a r n i in ans- drücklich St mnienthaltung beschlossen haben. Wir buhlen ganz geiviß nickt um die Stimmen dieser Herrschaften und sind für den Sieg des sozialdemokratischen Kandidaten nicht im mindesten ans sie angewiesen. Aber für die konservative Denkweise ist dieser Beschluß hochcharakteristisch: er dokn- ineutiert, daß ihnen ein Sieg des Unabhängigen viel er- ivünschter wäre, als der des sozialdemokratischen MehrheitS- kandidaten. Schwieriger al? die Frage der Kreditbewilkigung war für die Frottum die Stellungnahme zum Ost- frieden. Daß der Frieden init Großrußland� keineswegs unseren Wünschen entspricht, ist schon oft hier dargelegt worden. Andererseits wäre eine Abstimmung gegen den Frieden gleichbedeutend gewesen mit der Aufforderung, die Waffen wieder anszunahmen und den Krieg von neuem entbrennen zu lassen. Für die Fortsetzung des Krieges kanu ein« sozia- listische Partei natürlich miter keinen Umständen stimmen, i venu dies auch die Unabhängigen sertigbekommen, unter dein Schutz des UiustandeS. daß ihre Abstimmung ja sowieso auf den Gang der Ereignisse einflußlos ist. Die Sozialdemokratie sah sich also vor einen Zwiespalt gestellt, sie konnte nickt gegen den Frieden stimmen, aber auch nicht für einen Frieden, der den demokratischen Grund- sähen so wenig Rechnung trägt wie der Friede mit Großruß- land. Dieser Zwiespalt hat die Fraktion dahin geführt, Stimmenthaltung zu üben. Diese Haltung war auch deswegen angebracht, als der t o t s ä ch l i ch e Inhalt des Friedens noch keineswegs definiti v festliegt. Der Friedensvertrag bildet zum Teil mir einen Rabmen, der seinen Inhalt erst bekommt durch die noch zu bestimmende Behandlung, die Deutschland den von Rußland abgetrennten Völkern zuteil werden läßt. Gerade hierum wird zurzeit ein heftiger Kampf geführt, und die Sozialdemokratie kann sich nicht von der Einwirkung auf die künftige Gestaltung dieser Dinge ausschalten lassen durch den Vorwurf, daß sie ja gegen den gesamten Frieden gestimmt Üabe..„. Ein Teil diese? Kampfes ist bereits rn der gestrigen Reichstagssi zung zum Austrag gekommen.' Die Mehrheits- Parteien ha.ten die schon gestern von uns im Wortlaut Wiedergegebeue Resolution eingebracht, welche für die abgetreimten Völker die Durchführung des Selbstbestim- mungsrechts und Volksvertretungen aus breiter Grundlage fordert. Kein Zweifel, wenn die Regierung gezwungen wird, den Weg dieser Resolution zu gehen, daß dann der Ostsriede wenigstens teilweise ein besseresAussehen erhält, als er heute hat. Wie weit die Regierung bei diesem Programm festgehalten wird, das hängt wieder wesentlich von der Energie und Geschlossenheit der Neichstagsmehr- lieit ap Diese aber kann nirr die notwendige Energie entfalten, wenn die Sozio ldeniokratie als der am meisten treibende Teil der Mehrheit sich nicht ausschaltet, sondern ihr Schwergewicht in die Wagschale wirft, um den von Ruß- land abgetrennten Völkern zn dem denkbar größten Maß an Freiheit und S e I b st b e st i ni m u n g s- recht zu verhelfen. Damit Handell sie viel mehr im Jnter- eise des deutschen Volkes wie jener Völker, als Wenn sie den Friedensvertrag ablehnte imd sich schmollend auf die Seite stellte. Wie verkehrt trns gewesen wäre, das hat gerade gestern deutlich die Haltung der Unabhängigen ge- zeigt. Sie standen beiseite, stimmten gegen die Mehrheits- rcsolution und gerieten damit wieder einmal— zum wie- v selten Male nun schon während des Krieges?!— in die Waffengefolgschaft der Konservativen! Die .Konservativen stimmten natürlich geschlossen gegen die von ilmcn aufs heftigste bekämpfte Mehrheitsresolution, weil diese Gewaltvolitiker keine Freiheit der Oswölker wollen, sondern sie in ein sklavisches Abhängigkeitsver- h ä l t n i s von Deutschland zu bringen trachten. Deshalb waren sie die Gegner der Mchrhcitsresolution, die Unab- hängigeu aber waren ihre treuen Schildknappen! Was hilfWutjen die Beteuerung, daß sie aus anderen Grün- den als dft Konservativen dagegen gestimmt haben. Praktisch haben sie dem unersättlichsten Wdeutjchtunl die Steig- b ü g e l g eh a l t e n und genau wieder dasselbe Schildbürger- stück begangen tvie am Ii). Juli 1917, als sie gegen die F r i c d e n s r e s o l u t i o n des Reichstags in Gemeinschaft mit den Alldeutschen stimmten. Niemand kann von der Sozialdemokratie verlangen, daß sie die Torheiten dieser unentwegten Neinsager mitmache. Der gestrige Tag hat aber auch gezeigt, daß die Partei nicht auf dem unbedingten Jasage-Skaudpuukt steht, daß sie in jedem Falle ihre Entscheidung nach sachlichen Gesichts- punkten trifft- unbekümmert, ob mau sich rechts oder links darüber entrüste. Und so wird es auch bleiben. Schwedens Beziehungen zu den Alliierten und zu Deutschland. Stockholm, 22. März, l Eigener Drahtbcricht des„Bor- wärts".) Brnnting verteidigt im„Sozialdemokraten" das schwedische Tonnageabkommcn mit den Alliierten. Es sei zur Tcckung des Getreidcbcdarfs unentbehrlich. Zu Edens gestriger Rede schreibt Branting, die von der Presse der Rechten vorgebrachte Aussicht auf die Ernteausder Ukraine sei ein Lustschloß. Uebcrdics benötige die schwedische I n d u- st r i e Artikel, welche die Ukraine nicht bieten könne und bezüglich deren man ans Bedingungen Deutschlands ange- wiesen wäre. Branting schließt: Wir unsererseits haben keine Lust, uns in die Stellung Finnlands einzureihen. Für die schwc- dischr Selbständigkeit ist es Lebensbedingung, das Fe». sie r a»l ch>u c st iv ä r t s v f s c n z u h a l t e». Die liberale„Stockholms Tidningcn" nimmt dagegen in der T o» ir a g e f r a g e eine demonstrativ kühle Hal- tun» gegen England an. Au dir Rrntermcldung anknüp- send, wonach daS Abkommen in nächster Zukunft bevorstehen nnd schon eine endgültige Abmachung vorliegen soll, welche Schweden lllllMst Tonnen Weizen, ebensoviel Tonnen Mais und alillOO Tonnen Hafer zu erhalten ermögliche, sowie daß Schweden«ach einiger Zeit Weiteres erhalten werde, bemerkt„Stockholms Tid- ningen" ironisch, daß die schwedische Orffentlichkeit wieder au? London Dinge erfahre, worüber in Schweden nichts bekanntgegeben sei. Abgesehen davon, daß die A n g a b c über Aufteilung der 23» lWO Tonnen nicht stimme, seien die Grundlinien des Abkommens einstweilen den schwedischen Reedern zur Begnt- achtung unterbreitet nnd hierauf unterlägen sie der Ucberpröfnng durch die staatliche Handelskommission. Auch werde die Regierung bezüglich des Teiles des Abkommens, der die Erz ausfuhr bc- treffe» auf Deutschland Rücksicht nehmen müssen. Die Zeitung beruft sich auch ans EdcnS Erklärung, daß über die Aussichten»nd den Inhalt deS Abkommens im gegenwärtigen Stadium nicht? gesagt werden könne. Der zitierte Artikel sowie sonstige Anzeichen deuten darauf hin, daß die schwedische B o l k s m c i n u n g, die in lchter Zeit unter dem Eindruck des Brestcr Friedens und der daran an- schließenden Vorgänge der Ostsccpolitik sowie der Alandvorgänge stand, von der Hollandpolitik der Entente nicht unbeeinflußt geblic b e n i st. Die Schiffsraumfrage im Unterhaus. Im englischen Unterhause gab der Erste Lord der Admiralität <1! cd des wieder eine Erklärung über den Bau von Handelsschiffen ab. Es werde beabsichtigt, die Ziffern der Neu- bauten regelmähig bekanntzugeben, und zwar so schnell als möglich. Ueber die Schiffsverluste soll eine S t a t i st i k des versenkten Tonnageraums veröffentlicht werden. Ich will niich aber noch nicht bestimmt hierauf fest« legen. Meiner Meinung nach müßte man die Statistik viertel« jährlich herausgeben. Geddcs erklärte im Verlauf seiner Rede wieder die deutschen Berichte über die Versenkung von Schiffsraum für übertrieben und sagte, der zeitweilige Rückgang im Schiffs- bau im Januar und Februar werde allmählich über- wunden. Auch Lloyd George beteiligte sich an der Debatte. Er gab an, es sei kein Mangel an Stahl oder Stahlplatten. Schwierigkeiten veruriachlen nur die Arbeiterfragen. Es sei vorgeschlagen, LOlXIO Mann aus dem Heere einzustellen. Bon den im Julande stehenden Truppen würde jeder im Schiffsbau erfahrene Mann herausgezogen; es sei jedoch eine andere Sache, solche Leute von der Front hinweqzunehmen. Man könne nicht die Gefahr übernehmen, die Wirksamkeit der Front- armcen in einem so überaus Iritischen Augenblick zn zer« stören. Die Regierung glaube, daß durch besondere An- strengung der Fehlbelrag von monatlich 120 000 Tonnen britischen Schiffsraums behoben werden könne. Soweit die Marine in Betracht käme, lägen erfrenliche Tatsachen vor; es sei ein allmähliches Sinken dch: durch die U-Boote zugefügten Verluste eingetreten; wenn das so weiter gehe und die Schiffswerften im- stände wären, ihre Produktion auf 100000 bis 120 000 Tonnen Handelsschiffsraum im Monat zu erhöhen, so würde das Defizit beseitigt werden. Das würde mehr zur Beseitigung des Krieges beitragen, als durch jede andere Einzelanstrengung Englands ge« schehen könnte. Denn dann würde dem Feinde nicht nur eine Niederlage beigebrocht, sondern ihm würde auch klargemacht werden, daß er, wie lange er auch mit dem Kriege fortführe, doch niemals imstande wäre, England zu besiegen. Auch A s g u i t h schlug einen optimischen Ton an. » Eine durch Wolffs Bureau verbreitete Nachricht macht darauf aufmerksam, daß das englische»Daily Freight-Register", eine täglich erscheinende Fachzeitung für den Schiffsfrachtenmarkl, jüngst eine Jahresübcrficht über das Jahr tS17 veröffentlichte, die auch eins Zuiammenstelluna über Kriegsverluste der Schiffahrt enihält. Die Ilebcrsickt stützt sich nach Angabe des Blattes auf di* beiden Bände von»Lloyds Register� 1014il0 und 1917/18 und um'aßr allen zerstörlen Schiffsraum der Vcr- bündeten sowohl wie der Neutralen seit Beginn des Krieges(August 1914) unter Ausschluß der durch Seeuniälle verlorenen Schiffe, der Dampftrowlcr und der Scknffe von weniger als 100 R.-T. netto Größe. Der Schlußtermin der Zusammenslellung ist nicht genannt. da aber das als Quelle bezeichnete Lloyds Register Anfang Juli jeden Jabres erscheint, so muß man annehmen, daß die Rechnung bis zu diesem Datnm geführt ist. Der versenkte Schiffsraum ist, wie ausdrücklich be- merkt wird, in Retto-Registertonnen gegeben. ES wirkt nun höchst überraschend, daß, soviel wir sehen, zum erstenmal — die englischen Angaben, wenn man sie in B r u t t o umrechnet, fast genau mit denen deS Deutscksen Ad- m i r a I st a b c s ü b e r e i n st i in m e n. Nach dem genannten Blatte beliesen sich die Verluste insgesamt auf Dampfer.... 6553580 Netto-Reg.-To. Segler..... 285 802,,» zusammen ö 844 282»»» Rechnet man Netto in Brutto um nnd zwar indem man für die Dampfer das übliche Berhällnis von Netto: Brutto 62: 100, für Segler 25:100 zugrunde legt, so ergibt sich folgender Brutto- Naumgeholt: Dampfer.... 8 961 000 Brntto-Reg.-To. Segler..... 300 000,». z u s a M m e u V 264 000,., Nach Angabe deS Deutschen Admiralsrabes sind ilinr seit Kriegsbeginn bis 30. Juni 19t7.- 9 700 000 Brntto-Rcg.-To. Schiffsraum versenkt worden. Die verhältnismäßig geringe Differenz von 436 000B.-Reg.-To. erklärt sich leicht dadurch, daß Lloyds Register 1917/18, da es bc- reitS zwei Monate vor seinen« Erscheinen in Druck gegeben wird, eine Anzahl bereits versenkter Schiffe noch als. schwimmend aus- geführt.__ Zur Denkschrift Lichnowskps. Nochmals der Potsdamer Kronrat. Wien, 21. März.(Meldung des Wiener K. K. Telegr.- Korresp.-Bureaus.) In der Denkschrift des ehemaligen deutschen Botschafters in London Fürsten Lichnowsky ist die Behauptung enthalten, daß dem damaligen k. u. k. Botschafter in London Grafen Mensdorff ein österreichisches Protokoll über eine entscheidende Besprechung in Potsdani am 5. Juli zugegangen sei. Diese Behauptung des Fürsten Lichnomsky ist durchaus falsch. Tic bereits bor längerer Zeil in der Entcntcpresse verbreitete Nachricht von einer am 3. Juli in Potsdam abgehaltenen gemeinsamen Besprechung zwischen Staatsmännern Oesterreich-Ungarns und Deutschlands— diese Besprechung wurde vielfach auch als Kronrat bezeichnet — ist unrichtig. Graf Mensdorff koimte demnach auch fein österreichisches Protokoll über diese Beratung erhalten haben. Die Kabinettskrise in Spanien. Madrid,'20. März.(Havas.) Zum Präsidenten der Kammer wurde V i ll a n u e v a mit 218 Stimmen gewählt. Die Republikaner, die Reformisten und die R c- gionalisten enthielten. sich der Abstimmung. Nach der Wahl der Vizepräsidenten und der Schriftführer hielt Villanucva eine Rede, in der er Einigkeit empfahl. G a rcia P r i e t o kündigte die Demission des Kabinetts an. Nach Schluß der Sitzung verließ Garcia Prieto das CorteS- gebäude, um dem König die Demission des Kabinetts zu überreichen. Mau glaubt, daß die Krise schwer zu lösen sein wird. Madrid, 20. März.(Reuter.) M a ura ist mit der Kabinetts- bildung bctvaut worden. Madrid, 21. März.(Meldung der Agence HavaS.) Die Presse bespricht den gestern morgen auSgebrochencn Ausstand der dem Finanzministerium unterstehenden Beamten. Es handelt sich um eine Niederlegung der Arbeit ohne Vcrlaffen des Postens. Die Prcffe betont den Ernst der Lage. Madrid, 22. März,(Reuter.) Maura weigerte. sich. die Kabinettsbildung borzunehmen. Die Weigerung Mauras hat in politischen Kreisen großes Aufsehen erregt. L a C i e r v a hat sich geweigert, in ein Kabinett Maura einzu- treten, da er den Posten des KriegsministcrS behalten wollte, den ihm Maura nicht geben wollte. Maura hat eine Note veröffentlicht, in der er mit- teilte, daß die Bildung eines KonzentratiouskabinettS gegen seine Ueber zeu an ng sei, daß ihm zur Bit- dimg eines völlig gleichartigen Kabinetts die notwendige Mit- Wirkung verweigert wurde und daß er deshalb den?luftrag zur Kabinettsbildung abweise, weil er eS für ungesetzlich halte, das Parlament aufzulösen. Dato und B e s a d a hatten Besprechungen mit dem König. Besada erklärte sich außerstande, ein Konzentrations- kabinett zu»bilden. Auch La Cierva wurde zum König gerufen. Bern, 22. März.(»Franks. Ztg.') Infolge der unsicheren politischen Lage in Spanien hat sich die Ratifikation der Handels- abkommen zwischen Spanien und den Alliierten aufs neue hinausgezogen. Besonders scheint sich das spanische Finanzkonsortium, das zur Wahrung eines Kredites an Frankreich dienen sollte, mit Bedenken zu tragen. Die Bank von Spanien hat sich bis jetzt der Miiwirkung an diesem Konsortium offen widersetzt._ Dänemark und die Mittelmächte. Kopenhagen, 22. März.(„Köln.Ztg.') Wie die Blätter nieldcn, haben die seit einiger Zeit zwischen den Vertretern Dänemarks einerseits und den Vertretern Deutschlands und Oesterreich-Ungarns andererseits gepflogenen Unterhandlungen über den gegenseitigen Warenaustausch in den kommenden vier Monaten zu einem günstigen Abschluß geführt. Das Ergebnis war die Fortsetzung des Waren- austauschs zwischen den genannten Ländern in unverändertem Umfange. Deusscherseits soll namentlich Kohle, Eisen und Stahl geliefert werden._ Kriegsminifterwechsel in Italien. Rom, 22. März.(Stefani.) Da Kriegsminifter A l s i e r i den Wunsch geäußert hat. ein Kommando an der Front zu übernehmen. und dringend auf seinem Wunsch bestand, hat der Ministerpiäsident dem König vorgeschlagen, das von Alfieri eingereichte Ent» lassungsgesuch anzunehmen. Durch Erlaß vom 20. März wird Senator General Vattrio Zuppelli zum Kriegs« minister ernannt. Rußland unter bolschewiftischer Herrschaft. Weitere Erklärungen Petrows. Genosse Petrow, der Abgesandte der ruffischen Republik, besuchte uns gestern in unserer Redaktion und gab uns über die Entwicklung in Rußland eine Reihe weiterer mteressanter Aufklä- nriigen. Er beklagte sich darüber, daß die bürgerliche Presse über Unterredungen mit ihm viel Unrichtiges berichtet habe und stellte dabei auch einen Irrtum unseres gestrigen Berichts richtig. Danach wird der Sowjetkongreß von den einzelnen Sow- jcts von Fall zu Fall gewählt, und zivar in der Weise, daß auf je 25 000(nicht 2500) Sowjetwähler ein Kongreßmitglted entfällt. Der Moskauer Sowjetkongreß, der den Frieden ratifizierte, war der vierte seiner Art. Jeder neu zusammentretende Sowjetkongreß wählt auch das aus 200 Mitgli edern bestehende Zentralexe- kntivkomitee neu. Die atte Gerichtsbarkeit best cht nicht mehr, das bürgerliche Ge- setzbuch ist- außer Kraft, gewühlte Revolutionstribunale sprechen Recht ans Grund erlassener Dekrete. Die Fabriken werden von den Arbeitern selbst verwaltet. Der Verkehr zwischen Industrie- und Agrarprodukten erfolgt viel- fach, so im Ural, auf dem Wege des direkten Austausches. Kräfte zur technischen Leitung der Industrie stehen in genügendem Maße zur Verfügung. Die sozialen Reformen finden den allgemeinen Beifall der Bet'ölkerung. Auch die deutschen und österreichischen Kriegs- gefangenen, die. wie schon berichtet, vollständig frei sind, haben für sie vielfach Verständnis. Viele dieser Kriegsgefangenen haben in der Ukraine gegen dlc Rada und die Konterrevolutionäre mit- gekämpft. Zur Lage in Finnland erklärt Genosse Petrow die Rote Garde sei zahlenumßig viel stärker als die Weiße, diese aber werde von Deutschland und Schweden aus durch Offiziere und Krieg»» Material unterstützt. Ueber den Frieden sagte Genosse Petrow: Wir in Rußland sind der Meinung, daß wir, indem wir diesen Frieden annahmen, nicht gegen unsere deutschen und österreichi- schon Genossen handelten. Einverstanden mit diesen Friedensbcdin- guiigen ist in Rußland kein Mensch, und nur eine starke Re- g i e r u n g, die sich durch soziale Reformen das Vertrauen des Volkes gewonnen hatte, konnte diesen Frieden, der notwendig ge- worden war, durchsetzen. Eine Abänderung der Friedensbedingun- gen erwarten wir jedoch nicht von kriegerischer Gewalt. Wir sind vielmehr davon überzeugt, daß die radikal« Beränderung aller Verhältnisse, die dieser Krieg mit sich bringen muß, es uns ermöglichen wird, die P:obleme, die durch diesen Friedensvertrag entstanden sind, mit unseren Genossen tu Deutschland und in den anderen Ländern zu lösen. Genosse Petrow versprach, uns das ganze Material zum Verständnis der in Rußland vollzogenen politischen und Wirtschaft- lichen Umwälzungen zur Verfügung zu stellen. Er sieht darin e-.n Mittel, die Sozialisten der ganzen Welt zu den bolschewistischen Auf- fassungen zu bekehren. Mit großer Entschiedenheit vertrat Genosse Petrow die Ansicht, daß da» System oer Towjetregierung einen Fortschritt über die bürgerlichen Formen der Demokratie hinaus bedeute. Er rechtfertigt die Beseitigung der K o n st i» tuante, da nicht diese, sondern der Sowjetkongreß die wirklich« Volksvertretung darstelle. Darüber entwickelte sich naturgemäß c-in aufgeregte Unterhaltung, die aber, trotz der vorhandene« Reumngs- >/.• Nr. S2 ♦ 35. Jahrgang 1. Seilage öes vorwärts SonnabenS, 23. März 1 Hl s Ostfrieöen unö Kreöite im Reichstag. ISS. Sitzung. Freitag, den 22. März isi», 12 Uhr mittags. Am BundeSratStisch: v. P a y er, Graf Roedern, W a l l r a f. Anfrage«. Abg. Dr. Doormana tVp.) fragt anläßlich der Flucht der fran« zösischen Fliegerosfiziere Garro« und M a r ch a l l nach den Bor- sichtsmafzregeln gegen ähnliche Vorkommnisie. Ein Vertreter des SriegSministerS schildert diese. Im vor- liegenden Falle ist den Gefangenen verbrecherische Beihilfe geleistet worden. Abg. Büchner sU. Toz.) fragt wegen des dauernden Verbots der Versammlungen der unabhängigen Sozialdemokraten in Danzig und wegen der Abfangung eines an ihn gerichteten Briefs durch die dortige Kommandantur. General v. WriSderg: Ueber den Abg. Büchner ist ein« zeit- weile Briefüberwachung angeordnet worden, weil eine Persönlichkeit fich seiner Deckadresse bediente, um eine verbotene Werbetätigkeit im Heere fortzusetzen. Abg. Dr. Miiller-Meiningen(Vp.j verlangt in einer Anfrage die sofortige Entlassung bezw. Nichteinstellung der in der Zeit vom 2. August bis 4. Dezember 18Sg geborenen Landsturmleute. General v. WriSderg: Der Jahrgang 186S wird im Laufe deS Monats April enilassen werden. Ueber die Entlassung des Jahrgangs 1870 kann eine Entscheidung noch nicht getroffen werden. Abg. Ryffel lU. Soz.): Das Garnisonkommando in Leipzig verbietet das Auslegen und Versenden der»Leipziger VolkSzeitnng', gibt aber die»Leipziger Neuesten Nachrichten* für monatlich 60 Pf. statt 1,45 M. ab. Ein Vertreter deS KrirgSministerS: Die Anfrage kann noch nicht beaniwortel werden, da die Erhebungen noch im Gang« find. Abg. Dr. Herzfcld iU. Soz.) beschwert sich über Versammlung?- verböte in Braunschweig gegen seine Partei. General v. WriSberg: Oeffentliche Versammlungen find nicht gestaltet, Mitgliederversammlungen wurden nicht verhindert. Wäh rend des Streiks waren alle Versammlungen verboten. Ter Notetat. Der Gesetzentwurf über die vorläufige Feststellung de« Reiche Haushaltsplans wird gegen die Stimmen der Unabhängigen Sozial demokrateu verabschiedet. ES folgt die Kreöitvorlage. Abg. Ebert(Soz): Die großen politischen Fragen find in den letzten Wochen sehr eingebend diskutiert worden. Deshalb will ich bei Besprechung der Stellung meiner Fraktion zu der neuen KriegSkredilfarderung nicht darauf eingehen. Ueber unsere Beurteilung deS Dil frie denS haben wir keinen Zweifel gelassen. Wie wir unS endgültig dazu stellen, wird nachher bei der dritten Lesung des russischen Friedensvertrages dargelegt werden. Ich mutz aber schon hier entschieden zum Ausdruck bringen, datz die Reichsleitung in be- stimmten Erklärungen den Völkern in Polen, Litauen und Kurland das Recht zugesichert hat, die künftige Gestaltung ihres Schicksals selbst zu b e st i m m« n. Die ReichSregierung hat sich mit diesen Erklärungen vor der Welt und der Geschichte verpflichtet. Von der tatiächlichenDurchsührung dieser Zusicherungen wird eS abhängen, wie künftig die Welt die Politik des Reiches beurteilt. Auch die Mehrheit de« Reichstages hat sich für gerechte Ausführung eingesetzt. Wir müssen deshalb vom Reichskanzler auf das bc- siimmtesie erwarten, datz er sich durch keinerlei Widerstände von der restlosen Erfüllung dieser übernommenen Pflichten abhalten lätzt. Im Westen find leider immer noch keine Aussichten auf Frieden. Wir haben unser Möglichstes getan, um auch dort wei- rerem Bluivergietzen ein Ende zu bereiten. Reue Friedens- Hoffnungen lietz die Diskussion zwischen dem ReiSS« kanzler und dem Präsidenten Wilson aufkommen. Wilson hat in seiner Botschaft vom 11. Februar dargelegt, auf welcher Grundlage man zu allgemeinen Friedensverhandlungen kommen lönne. Der Reichskanzler hat daraus am LS. Februar erklärt, er stimme den vier Leitsätzen Wilsons grundsätzlich zu, auf dieser Grundlage könne der allgemeine Frieden erörtert werden. Weiter hat sich der Reichskanzler bereit erklärt, mit der belgischen Regierung über die Regelung der belgischen Frage in eine unverbindliche Aussprache einzutreten. Diese Erklärungen haben wir als eine» ernste« Schritt zur Verständigung begrützt. Eine Antwort ist aber weder von Wilson noch von der belgischen Regierung gegeben worden. Dagegen haben die Staatsmänner von England. Frankreich und Italien keinen Zweifel gelassen, datz sie nach wie vor an ihrem Standpunkt festhalten, wie er in dem Beschlutz von Versailles festgelegt ist. Das heitzt also Forlsetzung deS Krieges bis zur Er- reichmig der sattsam bekannten Kriegsziele der Entente, von denen Llotzd George sagte, die Regierung könne davon nicht im geringsten abgehen. ÄuS England haben wir kürzlich gehört, datz die von der Regierung geforderten KriegSkredile im Unterhaus einstimmig be- willigt worden sind, und au« Frankreich, datz sie mit allen gegen 5 Stimmen bewilligt find. So befindet fich unser Land nach dem Westen immer noch in der Verteidigung gegen Feinde, die uns an Zahl weit überlegen sind und die die Lebensinteressen unseres Volkes bedrohen. Wir werden deshalb den geforderten KriegSkreditc» zustimmen.(Bravo!) Bei der Bewilligung neuer Kredite müssen wir von der Reichs- lcitung aber nachdrücklichst fordern, datz der bisherigen Ver- schwendung von Reichsmitteln bei Beschaffung von Kriegsmaterial endlich Einhalt geboten wird. Die Ausplünderung deS Reiches durch HeereSliefcranten ist dieser Tage hier gründlich be- sprachen worden. Die Schuld an diesem unerhörten Skandal liegt nicht nur bei den Militärbehörden, die Verantwortung dafür trägt in vollem Matze d>e R e i ch S le i t u n g. Besonders wäre es längst Pflicht der ReichSichatzverwaltung gewesen, hiermit eisernem Besen dazwischen zu fahren. An rechtzeitigen Beschwerden nnd Mahnungen bat es im Reichstag nickt gefehlt. Wir müssen vom Reichskanzler fordern, schnellstens eine ausreichende Ueberwachung der für den HeereSbedarf arbeitenden Betriebe zu schaffen und eine sorgsäliigere Prüfung der Preise für alle Bedürfnisse des HeereS und der Marine durchzuführen. Ein unerträglicher Zustand ist die Handhabung de« Belagerungszustandes. Die Uebergnffe auf diesem Gebiet find hier und im HauptauSschutz vieliach besprochen, eine wesenilich« Befierung ist jedoch nicht eingetreten. Vielfach handelt eS fich bei den Einschränkungen der Pretzfreiheit und bei Beschränkungen de« Versammlungsrechts um offenbaren Mißbrauch deS KriegSzustandsgefctzeS Vi! politischen Zwecken. Das Generalkommando in Breslau drangsaliert unsere Partei und die Gewcrkschoslen mit einer wahren Wollust. Der einzige Erfolg dieser finnlosen Raserei iftz datz gesunder vi»» und g»ter Will« der Arbeite systematisch vernichtet werden.(Lebhaftes Sehr richtig!) Die Be- schwerden gegen das Generalkommando in Breslau beschäftigen seit Monaten den Reichslag und das Kriegsministerium, aber ohne jeglichen Erfolg. Es ist höchste Zeit, datz dem unerhörten Mißbrauch der Militärgcwalt endlich durch gesetzliche Matznabmen ein Niegel vorgeschoben wird. Unser Volk irägl mit unermüdlicher Ausdauer die Lasten des Krieges. Will man diesen gewaltigen Leistungen gerecht werden, dann mutz unser Boll verschont bleiben von häßlichen politischen Schikanen. (Lebbakte Zustiminiing links.) Die wirtschaftlichen Wirkungen des Krieges, die lleberführung unserer Volkswirtschaft in die Friedenszeit, erfordern durchgrei- sende sozialpoliiische Mahnabmen. Ich weise hin auf die dringlich« Besserstellung der Kriegsbeschädigten und der Kriegshinterbliebenen. Im November v. I. erklärte General Langermann, eine Novelle zu den Versorgungsgesetzen sei im Kriegsministerium fertiggestellt. Ith bitte dringend, sie baldigst dem Reichstage vorzulegen. Auch die längst in Ausficht gestellten Entwürfe wegen Schaffung vou Arbeitskammern und Aufhebung deS§ 153 der G O. liegen immer noch nicht vor. Wir erwarten, datz sie beim Wiederzusammentritt des Reichstags vor- gelegt werden. Unerläßlich ist die rechtzeitige reichsgesetzliche Re- gelung der Arbeitsvermittlung. Aber selbst mit der best- organisierten Arbeitsvermittlung wird e» nicht möglich sein, allen aus dem Felde heimkehrenden Arbeitern und Angestellten Erwerb zu sichern. Unsere heimkehrenden Krieger dürfen aber nicht dem Elend der Arbeitslosigkeit preisgegeben werdmu Deshalb mutz schon setzt die reichsgesetzliche Regelung der Arbeitslose nversiche- rung in Angriff genommen wenden. Besondere Aufmerksamkeit verlangt die Wohnungsfrage. Das Reich mutz grundlegende gesetzliche Matznahmen ergreifen für die planmäßige Wohnungsherstellung nach dem Kriege. Die pri- vate Bautätigkeit bann den großen Anforderungen nicht gerecht werden, Bundesstaaten und Gemeinden werden tatkräftig zugreifen müssen. Ohne erhebliche finanziell« Beihilfe des Reiches werden aber auch sie den großen Aufgaben nicht gerecht werden können. Das sind eine Reihe wichtiger, durchaus berechtigter und prak. tisch sehr wohl möglicher Forderungen, deren baldige Durchführung dringend geboten ist. Wir stehen vor einem neuen blutige» Zusammenstoß im Westen, vielleicht dein furchtbarsten während d-Z ganzen Kriege», den wir, wie ich nochmals betone, leider nicht verhindern konnten. Dennoch ist eS unseres ErachtenS unabweisbare Pflicht der Reichsregierung, sobald sich im Westen ein« VerständigungSmöglichke't zeigt, die den LebenSinteressen unseres Lande» gerecht wird, alle» zu tun, um der gequälten Menschheit endlich den langersehnte« all- gemeinen Frieden z«»eben.(Lebhafter Beifall bei den Sozial- demokrateu.) Abg. Graf Westarp(k.): Manchen Ausführungen de« vorrK» nerS hätten wir Anlatz zu widersprechen. Aber die Bewilli- gung der ÄriegSkredite wäre in dieser Stund« unseres Erachtens von politischen Erörterungen freizuhalten. DeS» halb werden wir auf Einzelheiten bei anderen Punkten der TageS- ordnung eingehen, und jetzt lediglich der Vorlage zustimmen.(Bei- fall.) Äbg. Beritstet»(U. Soz.): Die neue Kreditforderung bringt dir für den Krieg bewilligten Summen auf 124 Milliarden Mark, deren Verzinsung und Amor- tisadwn ungehoulve Summen erfordern. Jede Verlängerung de» Kriege? führt zu unabsehbarer Vermehrung de» E�rdS. Die ReichSregierung ist mit verantwortlich für die Verlängerung deS Krieges. Sie hat den Friedenswillen des revolutionären Ruß- land dazu benutzt. Rußland Bedingungen aufzuerlegen, denen selbst die leidenschafttichsten Kriegsgegner in Rußland sich nur unter Zwang und Protest beugen konnten. Mit der Bourgeoisie der be- setzten Gebiete hat sie gemeinsame Sache gemacht, um den Volks- willen niederzuhalten und Annexionen vorzubereiten. Die Politik der deutschen Regierung ist das Gegenteil einer aufrichtige» FriebenspoNtik und macht daher jede BersöhnungSpolitik unmöglich. Solange Deutschlands Politik in diesen Bahnen geführt wird, ist die Be- endigung de» Kriege? nicht zu erhoffen. Wir reichen den Prole- tarier« aller Länder die Hand, die bei sich gegen die Kriegs» Hetzer kämpfen, und wir versichern, datz wir auch hier in Deutschland nicht nachlassen werden, diesen Kampf weiterzuführen. Ohne dieses Handinhandarbeiten der Arbeiter aller Länder werden wir das Kriegsende nicht erreichen. Nur vom Gegendruck der Völ- ker gegen die Politik der Regierungen erwarten wir den Frieden. Von diesem Gedanken beseelt verweigern wir der Regierung die geforderten Kredite(Beifall bei den U. Soz.) Mir ist es un- faßbar, daß die Mehrheitssozialisten sich noch immer nicht ent- schließen können, ihr« Haltung zu ändern. Sagt Ihnen denn nicht die Bildung des flandrischen Rats genug, den unsere Re- gierung ins Wer? gesetzt hat und den man dort den„flandrischen Verrat" nennt? Belgisch? Partoigenossen von uns hat man als Spione zum To d e verurteilt! Wir fordern eine unzweideutige Erklärung der deutschen Regierung, datz sie die Wiederherstellung Belgiens, die politische und wirtschaftlich« Wieder- Herstellung, als eine Ehrenpflicht des deutschen Volkes aner» kennt und daß sie Belgien nicht als ein Pfand betrachtet. Das wäre die klügste Politik und sie würde uns Hunderttausende von Menschenopfern und Milliarden von Kosten ersparen.(Sehr wahr! bei den Unabhängigen Sozialdemokraten.) In den besetzten Gebieten fallen, wie in Warschau, Lodz, hunderte vor Hiuiger auf der Straße um. Gegen daS Völkerrecht wird der Krieg mit giftigen Gasen geführt. Für all daS wollen wir keine Verantwortung tragen. Wir lehnen vereint mit den Sozialisten aller Länder den militaristischen Fvieden ab und fordern den wahren demokratischen Frieden, der un» wirklich die Abrüstung bringt.(Bravo I bei den 11. Soz.) Di« Kredite werden hierauf in der Gesamtabstimmung gegen die Unabhängigen Sozialdemokraten bewilligt. DaS Dienstgebäude für die ReichSschuldenver- w a l t u ng wird in zweiter und dritter Lesung bewilligt. DaS Gesetz über die K r i e g S z u s ch l S g e zu den Gericht?- kosten sowie zu den Gebühren der Rechtsanwälie und Gerichtsvoll- zieher wird gleichfalls ohne Debatte mit einigen Aenderungen in zweiter und dritter Lesung angenommen. ES folgt die zweite Beratung der 5rieüensverträge mit Rußland. Hierzu liegt eine Resolution der Mehrheitspar- tei en vor. worin erwartet wird, datz dem Selbstbestimmungsrecht von Polen, Litauen und Kurland Rechnung getragen wird, datz so- fort Schritte getan werden, um den staatlichen Ausbau mit emheimischcr Ztvilverwaltung in die Wege zu leiten, datz die bis- herigen Volkövertreiungen auf eine breite Grundlage gestellt werden, daß die von den bisherigen Volksvertretungen mit dem deutscheu Reich gewünschten Vereinbarungen tunlichst bald abgeschlossen weide». Abg. Scheidemann(Soz.): Im Namen meiner Fraktion habe ich folgende Erkläning abzu- geben: DaS Ziel der sozialdemokratischen Politik ist, den Krieg nach erfolgreicher Verteidigung deS Landes durch einen wahrhaften Bölkerfrieden zu beenden, der— auf Verständigung gegründet— für die Zukunft die Anwendung kriegerischer Gewalt ausschließt. Diese? Ziel ist mit dem vorliegenden Friedensvertrag nicht gefördert worden. Die Mittelmächte hatten versprochen, eine Ver- st ä n d i g u n g mit Rußland über daS SelbstbesiimmungSrecht der Randvölker herbeizuführen. Im Widerspruch damit haben sie den Verzicht Rußlands auf Polen, Litauen und Kurland vou vornherein verlangt. Diese im Osten betriebene Machtpolitik wird den Jnter- essen deS Deutschen Reiches, die eine dauernde Beruhigung der Verhältnisse und eine enge Freundschaft zwischen dem deutsche?! und dem russischen Volke erfordern, nicht gerecht. Wir müssen fordern, daß das wirkliche demokratische Selbstbe- stimmungsrecht Polens, Litauens und Kurlands gesichert wird, da- mit ein dauerndes Freundschaftsverhältnis Deutschlands mit ihnen sowie mit dem russischen Volke nicht unmöglich gemacht wird. Wir können unS mit der Art des Zustandekommen? des Vertrages, bei dem der Reichstag ausgeschlossen war, und mit w e s e n t- lichen Teilen seines Inhalts nicht einverstanden erklären. Da aber durch diesen Vertrag der Kriegszustand im Osten tat- sächlich beendet wird, Wullen wir ihn auch u i ch t ablehnen. AuS diesen Erwägungen werden wir uns der Abstimmung enthalten. Dem Berttag mit Finnland stimmen wir zu.(Bravo! bei den Sozialdemokraten.) Abg. Gröber(Z.): Der Vertrag hat lebhafte Kritik ausgelöst, die ihren Niederschlag in der eben gehörten Erklärung gefunden hat. Man sagt, es ist kein Verständigung S f r i e d e n, aber es kommt für uns darauf an, datz auf andere Weife ein Friedensvertrag überhauptnicht zu erreichen war. Deshalb stimmen wir dem Vertrage z». Trotzki hat in Brest-Litowsk nicht einmal die Er- klärung abgebe?, wollen, datz die russische Regierung in Zukunft in Frieden und Freundschaft mit unS leben wolle. Die deutschen Ver- tretcr haben sich mit wahrer Lammesgeduld bemüht(Sehr wahr!), die Verhandlungen zu einem Abfchlutz zu bringen. Offen- bar hat Trotzki immer noch gehofft, datz es ihm gelingen werde, die ganze Welt in Revolution zu bringen. Schlietz- lich haben nicht die Deutschen, sondern die Russen die VerHand- lungen abgebrochen und haben so Deutschland geradezu gezwungen, den Kampf wieder aufzunehmen. Dann stellte eS sich heraus, datz die russische Armee völlig zermürbt war. ES war klar, datz nun die deutsche Regierung bei erneuten Friedensverhandlungen klare Bedingungen zur sofortigen Annahme oder Ablehnung aufstelle� mutzte. Friedensverhandlungen nach einem solchen schweren Kriege sind keine akademischen Doktordissertationen, wo man über philosophische Begriffsbestimmungen redet. Daß der Friedensvertrag gut ist, beweist uns vor allem der Wutfchrci Eng- landS.(Sehr richtig!) Da» ewige Ankünden der litauischen Ab- ordnung und ihr Nichtkommen berührt peinlich. Mit den Polen haben die Verhandlungen ja einen günstigen Ausgang genommeu. Aber auch in Preußen mutz die unglückselige Gesetz- gebung aushören, die von dem Mißtrauen gegen die Polen ausgeht. Die AuSnahrnegesetzgebung ist Deutschlands nicht würdig. Erst rückblickend gewahren wir den Abgrund, vor dem wir gestanden haben.(Bei still.) Vizekanzler V. Payer: Die ReichÄeitung kann mit der Resolution de» Ausschusses im wesentlichen eine Bekräftigung ihrer Politik er- blicken. Der Reichskanzler hat schon am 2g. November hier au*. gesprochen, was Polen, Litauen. Kurland anlangt, so achten wir ihr SelbstbestimmungSvecht und erwarten, datz st« sich selbst die staatliche Gestalt geben werden, die ihren Verhältnissen und der Richtung ihrer Kultur entspricht. Er fügte damals hinzu, alle meie Dinge find noch in d-r Schwebe. Inzwischen'st die Selb- ständigkeit Kurlands anerkannt worden. Die Verha.t- msse in Litauen sind soweit geklärt, datz eine Deputation des dorti- gen LaudeSratS mit den nötigen Vollmachten unterwegs ist und morgen hier eintreffen wird.(Lachem) ES wird dann auch die Selbständigkeit dieses Landes ohne Schivierigketteu anerkannt werden können. Was Polen betrifft, so haben"euer- dings breite angesehene Kreise dieses Landes begonnen, an den Vorbereitungen für die künftige Gestaltung mitzuarbeiten. Di« deutsche Roichslolwng wie die von Oesterreich-Ungarn begrüßen jede Tätigkeit, die fich in derselben Richtlin.? bewegt Vi« die eigen«, über die erst vor womgen Tagen der Reichskanzler gesagt hat. daß sie unter Sicherstellung der eigenen Interessen auf dauernde nach- barlich gute Beziehungen zu den neuentstandenen Staaten ge- richtet ist Auch die RsichSleitung meint, datz die Voraussetzung der stattlichen Entwicklung der drei genannten Länder fem mutz, daß ihre künftige Volksvertretung auf breiter Basis aufgebaut fein mutz. Nur dann kann sie die nötige Autorität haben. Auch das Verlangen nach Einführung einer e,nhel- mischen Zivilverwaltung erkennt die Reichsleitung-nS berechtigt an. Sie verkennt nicht die Schwierigkeiten der Durch- führung dieses Gedankens, hält sie aber nicht für iinübcrwmdlich. und ist bereit, mitzuwirken, daß die erforderlichen Vereinbarungen zwischen den Beteiligten sobald als möglich zum Abschluß gebracht werden. Es wäre geradezu als eine Erlösung der sämtlichen Beteiligten anzusehen, wenn nach dem jahrelangen Ringen und der Unsicherheit endlich mit Brief und Siegel bestätigt werden könnte, datz die hartgeprüften Völker wenigstens in diesem Teile dei Welt sich der ungeteilten bürgerlichen Arbeit und der Ruhe des Friedens erfreuen können. Abg». Gohler(k.): Wir können der Resolution David nicht zustimmen, denn sie trägt nicht den Interessen de? Deutschen Reiches Rechnung, die vor allem Grenzsicherungen für uns sowohl wie für unsere Verbündeien verlangen. Zustimmen werden wir dagegen der Resolution der Nationalliberalen. daß den be- rufenen Bertreiungen von Livland und Estland baldmöglichst Ge- legenheit gegeben wird, über die künftige Gestaltung ihrer staat- lichen Verhältnisse Beschluß zu fasse«. Abg. Hanse(U. Soz.): Unsere Empfindungen gegenüber diesen Friedensverträgen sind keine„gemischlen", sondecn lvir sind nur von dem einen Gefühl er- füllt, dem Gefühl der Schande(Große Unryhe), datz trotz aller Be- teueruogen nuserem östliche» Rachbarvolke ei» Schwertjriede» aufgezwungen ist. Herr Gröber hat heute wieder mit großem Aufwand von Rabulistik(Unruhe) es so darzustellen versucht, als werde hier keine Annexion vorgenommen! Aber die Herren Scheide- mann, Ebert und David pflanzen noch am Grabe die Hoffnung auf. (Große Heiterkeit.— Zurufs: Niederbarnim!) Geben Sie uns Preß- und Versammkungs�eiheit, dann werden Sie erleben, wie das Voll in Wahrheit denkt.(Sehr richtig! bei den U. Soz.) Sie geben sich der Erivartung hin, daß sich Rußland aussöhnen werde. Aber auf dem Moskauer Kongreß hat man bereits die jetzige Zeit als Atempause bezeichnet, und hat hingewiesen auf den Til- siter Frieden. Niemals ist die � Abneigung grgen Deutschland so in die Halme geschossen wie jetzt. Auch die Resolution der Kom. Mission enthält nicht ein Körnchen demokratischen Geistes. Werden doch darin die bisherigen Vertretungen bei den Randvölkern als Volksvertretungen anerkannt!(Hört, hört! bei den U. Soz.). Be- drückung der Gewerkschaften und Genossenschaften, Unterdrückung der sozialdemokratischen Arbeiter— das ist die Freiheit, die das Deutsche Reich den Randvölkern gebracht hat. Auch der Türkei wer- den weite Gebiete ohne Befragen der Bevölkerung ausgeliefert. Diese denken garnicht daran, sich freiwillig an die Türkei crnzu- schließen. Aber alle Hilferufe der Armenier stnd hier wir. kungslos verhallt.(Sehr wahr!) Auch der Friedensvertrag mit Finnland ist nur ein Scheinvertrag. Denn die tatsächliche Regierung ist dort in den Händen der Bolschewisten.' Aber man mischt sich dort in die inneren Verhältnisse ein und zwar gegen die B o l s ch e w i st e n. Auch dort wird bei der großen Masse der Be. völkerung e'n dauernder Haß dadurch erregt. Di« sozialbemc». kratische Fraktion dürfte sich nicht der Abstimmung enthalten, son« der» sie hätte gegen den Vertrag stimmen müssen. Die deutsche R«. gierung versucht mit Hilfe ihrer Bajonette die revolutionäre Bewegung aufzuhalten. Das wird ihr reicht gelingen. Sie sät Wind und wird Swrm ernten.(Beifall bei den U. Soz.) Abg. Dr Stresemann(natl.): Die Art, wie der Vorredner hier von den uns blutsverwandten Balten gesprochen hat, die er für politisch vogelfrei zn halten scheint, wäre in keinem anderen Parlament der Welt möglich.(Lebh. Widerspruch bei den ll. Soz., Lebhafter Beifall bei den bürgerlichen Parteien.) Di« U. Soz. sprechen immer von deutscher Gewaliherrschaft; von englischer Ge- Waltherrschaft haben sie offenbar nichts gehört.(Sehr gut!) Das beweist ihre Unfähigkeit, auch dem eigenen Lande gcgenübm: objektiv zu sein. In der Arinenierfrage können wir nichts wn, als in b u n. desbrüderlicher Weise auf die Türkei einzuwirken, und das ist geschehen. Der Resolution der Kommission stimmen wir zn und bitten, unseren Ergänzungsantrag anzunehmen. Abg. Haas(Vp.): Imperialistische Kreise in Rußland mögen diesen Vertrag als eirte Art Tilsiter Verlrag empfinden. Warum muß sich aber ge- rade Abg. Haas« zum Sprecher dieser russischen Imperialisten machen. Die Resolution der Mehrheit bringt zum Aus- druck, in welchem Geiste der Friedensvertiag ausgeführt werden soll. Der Protest des Abg. v. Goßler beweist, daß es Ilch bier nicht um einen Sieg der Annexionisten handelt.(Sehr gut!) Es wird alles darauf ankommen, in welchem Geiste dieser Vertrag ausgeführt werden wird Niemand kann wissen, wie die russische Zukunft sich gestaltet. Wir wollen auf jeden Fall zu den Gebieten im Osten in Frieden und Freundschaft leben. Je selbständiger und freier die Naiidstaaten werden, desto freier bleiben auch wir. Der Kriegsentschädigungsantrag ist rein agitatorisch.(Sehr richtig! links.) All die Fragen der Fürsorge für die Feldgrauen, für die Witwen und Waisen, für die Wohnungsfürsorg«, für die Kriegsbeschädigten haben mit der Kriegsentschödizung nicht? zu tun. Diese Aufgaben müssen als Ehrenschuld des Deutschen Reiches gelöst werden, auch wenn wir keine» Pfennig Kriegsent- schädigung bekommen. Es haben genug Leute in diesem Kriege stark und viel verdient, man lasse sie das bezahlen.(Sehr gut!) Abg. Frchr.». Gnmp(Rp.) tritt für die Kriegs entschäbigung»- resolution ein und stimmt den Verträgen zu. Abg. Dr. David(Soz.): Der Resolution, die das Reich haftbar machen will für anS- fallende Forderungen Dsutscher an russische Staatsangehörige, können wir nicht zustimmen. Dagegen begrüßen wir eS, daß Stre-i- tigkeiten aus solchen Verträgen durch schiedsgerichtliches Verfahren erledigt werden sollen und daß in alle künftigen Verträge von vornherein solch« SchiedsgericHlskknisel aufgenommen werden soll. Ebenso notwendig ist, daß in die Friedensver- träge Vereinbarungen über Arbeiterschuy, Sozialpolitik uf», aufgenommen werden. Gegenüber dem Antrag, der bei künftigen Friedensverträgen Kriegsentschädigungen verlangt, schließen wir uns den Ausführungen des Abg. Dr. Haas an. Für die Kriegs- beschädigten zu sorgen ist Ehrcnvflicht des Reiches.(Sehp wahr! bei den Soz.) Der Antrag iAresemann ist kein« Ergänzung der Resolution der Mehrheit, sondern steht im Gegensatz zu ihr. Estland und Livlared find noch russisches Gebiet. Zu der Rege- lung dieser Verhältnisse gehört eine neue Vereinbarung mit Nußtand. Selbstverständlich ist, daß alle noch in Deutschland zurückgehaltenen Angehörige» ehemals russischer Gebiete, also auch die Polen und Litauer usw. jetzt in Freiheit gesetzt werden müssen. Run zu den Angriffen des Abg. Haase. Wir haben auch scharfe Kritik geübt an der Art, wie der Vertrag zustande ge- kommen ist. Aber wir kö«nen den Vertrag nicht ablehnen, weil das bedeuten würde, daß wir die militärische Leitung aufsordern, die Waffen wieder anfzunehmcn. Der Frieden mit der Ukraine war sicher ein Frieden ohne Kontributionen und Annexionen, es war ein Friede mit einer sozialdemokratischen Regierung, den diese Regierung mit Freuden eingegangen ist. Aber dr« Herren Haas« und Genoffen haben auch diesen Frieden abgZehnt.(Hört, hört!) Nach dem Ausfall der Wahl iu Niederbarnim r hörte wirklich ei» bewund erswerter Mut des Herrn aase dazu, uns vorzuhalten, unsere Politik sei znsam menge- brachen. Wie oft haben wir von den Uiiabhäregigen gehört: Ja. hier im Haus« sind wir nur wenige, aber draußen im Lande steht die große Masse der sozialdeuwkratischen Wähler von 1912 hinter uns. Wollen Sie anch das noch jetzt behaupten? Nieder barn im war Ihr sicherster Turm; ein Wahlkreise der schon durch seine Zusanrmenletzung von vornherein eine Hochburg der Sozial- demokratie ist In einem solchen Waksslreise bricht vor dem Volks- Votum Ihre Politik jämmerlich zusammen.(Sehr wahr! bei den Sozialdemokraten.) Welchen Kreis habere Sie nach im ganzen Reich, wo Sie hoffen können, besser abzuschneiden! In Niederbarnim stand gerade die Frage des russischen Friedensver- träges mit zur Eretsibridung. Der Ausfall der Wahl hat gezeigt, das? dir Masse will, das,, solange»»scr Land in Gefahr ist, wir auch die Mittel-betvillkgen. um die Verteidigung des Landes durch- zuführe».(Sehr wahr! bei den Sozialdemokraten.) Wären wir der Postti» des Abg. Haas« gefolgt, die dieser schon am 4. August 1914 empfahl, so hätte der Krieg wahrscheinlich einen anderen Verlaus qenomineil, Das innerlich uneinige Volk wäre wahr- scheinlich a i ch t i m st o n d e gewesen, dem Ansturm der Uebermacht von Oft und West standzuhalten. Der russische Zar wäre an deriSpitze seiner Kosaken iu Berlin eingezogen. Was das für die Demokratische Entwicklung Deutschlands und Europas be- deutet hätte, ist klar. Es hätte auch keine russische Revolution und Demokratie gegeben. Die Folgen der Politik des Abg. Haas« wäre also die A u f i c ch t e r h a l t u n g der z a r i s ch c n Despotie gewesen,(«ehr wahr! der de» Sozialdemokraten.) Wir. hätten hier Friedensverträge bekominen, in denen Deutschland die Rolle zu spielen gehabt hätte, die jetzt Rußland übernehmen mutz. So wonig uns der russische Vertrag gefällt, freuen wir uns doch, daß ein solcher Vertrag nicht Deutschland anfgezwungen worden ist. lSehr gnk! bei den TozicAdemokrcrten.V Da« wäre JAe Folge der Politik des Abg. Haas« gewesen und darüber haben die Wähler in Niederbarnim neulich abgestimmt. Gehen Sie(zu den U. Soz.) diesen Weg weiter, so wird bei den nächsten Wahlen das Volk ein gewaltiges Volksgericht über Ihre Politik ab- halten. Wir gehen einem solchen Votum nrit Vertrauen entgegen. Wir wissen, daß wir das Vertrauen des Volkes habe», denn die Politik der alten Sozialdemokratie ist die einzige, die bestehen kann vor den Interessen der deutsche» Arbeiterschaft und den Jnter- essen deS deutschen Volkes!(Bvavql bei den Sozialdemokrcrdc».) Abg. Haas«(v. Soz.): Wenn die Konservativen und wir zusammen gegen die Res». lutiou des Ausschusses stimmen, so aus ganz verschiedenen Gründen; jene, weil sie gegen jeden Verständigungsfrieden find, wir, weil wir in der Resolution einen Schritt zum Verständigunsfrieden nicht er- blicken können(Sehr richtig! bei de» U. Soz.) Bei der Wahl von Niederbarnim haben wir keine Tageszeitung zur Verftigung gehabt. denn den.Vorwärts" hat man uns genommen.— Dieser Friede ist ein Bruch gegen alle Versicherungen und Versprechungen, Schall und Rauch war die sogenannte Friedensresolution des Reichstages, bestimmt, die Massen zu verwirren und zu betören und Dr. David will zur Betörung der Massen von neuem Rauch ausgehen lassen. Wer die Masse» werde» ihm die Antwort gebe».(Schallend« Heiterkeit und Zuruf: Niederbarnim!) Die Mass«, werden schließlich doch zu den alten sozialdemokratischen Grundsätze» zurückkehren. Abg. Schekdemau«(Soz.): W fft«+w«gemrrtige Methode de» Wg. Hause, nachdem er de» ganzen Reichstag provoziert und Antwort erhalten hat, fortdauernd von seinen Angreifer» z» sprechen. Ich will fest- stellen, daß die Art und Weise, selbst die bedeutsamsten politischen Zum Umzugstermin! j�rnntt Sie Zvsteklang Se»»vorwärts' keine Unterbrechung erleiüet, ersuchen wir unsere sidonnenten, öle am 1. sipril ihre Vohnung wechseln, ihrem Spediteur oder der Haoptexpeültion, Llnöenstraße Z, jetzt schon die neue Wohnung mitzuteilen. vorwärts-Verlag m. b. H. Debatten in eine Katzbalgerei an»gehe» zn lassen(Lebhaftes Bravo! und Zustimmung im ganzen Hause bis aus die U. Soz.), meiner gesamten Fraktion zuwider ist. Gestatten Sie mir den einen Satz: Nachdem was wir gestern und heute gelesen haben, wissen wir, baß draußen Hvndertwnsende blute« und m diesem Augenblick macht man den Reichstag zu einem Unabhängigen- Zahl- abend.(Lebhafte Zustimmung im ganzen Hause, Schlußrufe!) Abg. Graf Westarp(k.) wendet sich gegen die Ausführungen de» Abg. Haas. Abg. Ledebour(kl. Sog.): Die Auseinandersetzungen Wer die Wahl in Niederbarnim ist provoziert worden durch Zurufe der Sozialdemokraten während der ersten Rede des Abg. Haas«. Es ist aso ein plumper demagogischer Trick, wenn Abg. Scheidemann jetzt in dem Zusammenhang von den blutigen Kämpfen im Westen spricht.(Unruhe.) Bei der Besprechung der einzelnen Paragraphen entspinnt sich erne längere Debatte über die staatsrechtliche Stellung Estlands und Livlands. Schließlich erklärt Unterstaats. sekretär des Auswärtigen Amts v. d. Bussche, daß diese Gebiete noch der staatlichen Oberhoheit Rußland unterstehen. Damit schließt die Debatte über den Artikel 1 deS Vertrages. Angenommen wird die Resolution der Mehrheitspartcie«, die ande- reu Anträge werde» an den Ausschuß zurückverwiesen. Im übrigen werden die Verträge in zweiter und hierauf in dritter Lesung angenommen: ebenso in der Gesamtabstimmung gegen die Stimmen der U. Soz.; die Sozialdemokraten enthalten sich der Abstimmung. Das Haus vertagt sich— Vizepräsident Dr. Paasch« gibt in einer kurzen Schlußansprache vor den Ferien der Hoffnung Aus- druck, daß die gegenwärtigen Kämpfe zu einem siegreichen End« und allgemeinen Frieden fiihren werden.(Beifall.) Nächste Sitzung: Dienstag, den 16. April, 3 Uhr.(Anfrage, Daimler-Ange. legenheit, Postetat.)_ 9951 Tote, 103184 Schwerverwunöete. DaS ist kurz zusammengefaßt der Sireckenrapport vom Schlacht- selbe der Arbeit für das Jahr 1916. Nach der vom Reichsversiche« rungsomt jetzt veröffentlicklen Nackweisung über die Rechnungsergebnisse der Träger der Unfallversicherung für da? Jahr 1916 bat die Zahl der Unfälle sowohl absolut als auch relativ eine sehr beträchtliche Steigerung erfahren. Ueber die Zahl der Versicherten lassen sich bestimmte Angaben nicht machen, weil in den land« und for st wirtschaftlichen Berufsgenossenschaften mit der Zahl von 17 493 000 versicheiten Per- sonen, die durch Schätzung auf Grund der Ergebnisse der landwirtschaftlichen Beiriebsstntistik vom Jahre 1907 gewonnen ivurde, seither unverändert weiter gerechnet wird. Die 66 gewerb Ii chen Berufsgenossenschafic» bringen genaue Nachweisungen über die Zahl der beschätligten Personen und der Vollarbeiter(zu 300 Arbeirstagent Hiernach Hai sich die Zahl der versicherten Personen von 7 647 338 im Jahre 1916 auf 7 442 618 im Jahre l9l6 vermindert, dagegen ist die Zahl der Vollarbeiter von 6 692 104 aui 6 702 618 gestiegen. Diese Inkongruenz läßt daraus schließen, daß bei verniinderier Arbeiterzabl mit größerer Jnlensiläi gearbeitet wurde. Zu diesen Trägern der Unfallversicherung kommen noch die AnSsühr ungs- bebörden mit 1 231 052(1915— 1 194 243; versicherten Personen (973 060) Bollarbeirern, Ber allen Trägern der Unsallversichernng zusammen winden im Jahre 1916 erstmalig entschädigt 103>84 Uusälle gegen 96 227 im Jahre 1916. Von den Verletzten wurden 99 6 1<1916 8969) g e t ölet und 6 8 1(644) wurden als dauernd völlig erwerbsunfähig befunden. Enlschädigt werden bekannilich nur die Uniälle, die eine Arbeitsunfähigkeit von mehr als 13 Wochen zur Folge hatten, das ist nur ein kleiner Teil der gemeldeten. JnS- gesamt wurden im Jahre 1916 606066 Unfälle gemeldet gegen 691 604 im Jahre 1916. Auf 1000 Aollarbeiter bezogen, betrug bei den gewerblichen Berufsgenossenichaften die Zahl der gemeldeten Unfälle 66,67(1916 63,96), der entschädigten Unfälle 8,29(7,49), der Getöteten 0,96 (0.86). Jahr Sehr stark ist die Zunahme der verletzten Arbeiterinnen un d jugendlichen Arbeiter. In welchem Maße sich die Zahl der Beschädigten dieser Kategorien vermehr! hat, ist aus den Berichten der Berufsgenossenichaften nicht ersichtlich, weil wohl die Verletzten, nicht aber die Beschäftigten nach Alter und Geschlecht geschieden werden. Die nachstehende Zusammenstellung läßt die während des Krieges eingetretene Verschiebung deutlich erkennen. Zahl, Alter und Geschlecht der Verletzten bei de« 68 gewerbliche» Berufsgeiiosscnschaften Erwachsene Jugendliche «.wachsene j6 ga£)en männlich weiblich männlich weiblich 1913... 69 130 2 749 2 560 301 1914... 61 316 2 727 2 266 273 1016... 44127 3 098 2 663 231 1916... 46 717 6 930 3 612 379 Wenn man in Betracht zieht, daß diese Zahlen sich nur auf die entschädigten Unfälle, also nur aui die schweren Verletzungen bezieben, dann wirkt die im Jahre 1916 eingetretene Steigerung wahrhaft erschreckend. Die Zahl der verletzlere Männer ist im Ver- gleich zum Vorjahr gestiegen, weit stärker rst aber die Sleigeiung der Zahl der verletzten Flauen und Kinder. Bei den land- wirtschaftlichen Beruisgenvssenschaflen ist die Zahl der ver« letzten Frauen und Kinder absolut weit größer, doch'st wählend des Krieges eine solche Stelgerung wie bei den gewerblichen Be« rufSgenosienschaften nicht eingetreten. Zahl, Alter und Geschlecht der Verletzten bei den 4? landwirt- schaftlichcn Bernfsgcnosscnschasten. Jahr Erwachsen- un?°r"l?J?b. en männlich weibUch männlich weiblich 1913... 38 839 17 126 1 742 646 1914... 34 346 16 346 1 603 687 1915... 26 867 12 726 1 492 617 1916... 24 980 14 324 1 863 673 Die Ursachen für die Steigerung der Unsallhänfigkeit liegen auf der Hand. Nicht nur daß Frauen und jugendliche Arbeiter in weit stärkerem Maße zur Erwerbstätigkeit herangezogen weiden, sie werden auch bei recht gefährlichen Verrichtungen verwendet. Für die Steigerung der Unfallhäufigkeit kommt auch die oft weit aus- gedehnte Arbeitszeit wesentlich in Betracht, Alle Vc« mühungen auf unbeschränkte Wiedereinführung der Schutzbestimmun» gen der Gewerbeordnung für weibliche und jugendliche Arbeilen waren bisher eifolglos. Die wiederbollen Rundschreiben des Reichskanzlers an � die Bundesregierungen, die diesen Gegen- stand betreffen, können im günstigsten Falle eine un- zureichende Besserung der Zustände herbeiführen. Ein wunder Punkt ist auch die Beaufsichtigung der Betriebe. Die Zahl der technischen Aussichisbeamtcn zeigt nach den Nachweisungen nur einen unbedeutenden Rückgang, das!ommt aber daher, daß die durch Heeresdienst ihrem Wirkungskreis ent- zogen-n Beamten mitgezählt werden. Tatsächlich lägt die Revision der Betriebe alles zu wünschen übrig. Tie Berichte der VerufSgeirosscnschaften wessen ans die er- schreckende Zunahme der Unfälle besonders der weiblichen und jugendlichen Arbeiter, bin. Sie find ein weiteres Argument für unsere Forderung auf Ausbau des Arbeiter l'ckutzes und und Wiederinkraftsetzung der Ärbeiterschutzbestimmungen. Die Steigerung!�r Unfallbäufigkeit ist eine schwere Anklage gegen die Organe, denetz die Uebcrwachiing dcS Unfallschutzes obliegt. Hossent- lich fühlt sich auch die RcichSregierung endlich veranlaßt, diesen Dingen daS notwendige Interesse eulgegenzubrmgen. D!e Daimler-Geseljschast in Narienfelöe unter militärische Aufsicht geftellt. Der Oberbefehlshaber in den Marken hat folgende Be- kanntmachung erlassen: Im Hinblick darauf, daß die Daimler Motoren-Gesellschaft Zweigniederlassung iu Berlin-Marieu- felde mit der Daimler Motoren-Gesellschaft iu Untertürkheim (Württemberg) wirtschaftlich und finanziell eng zusammen- hängt und daß die Befugnisse der vom Stellvertretenden Generalkommando XIII,(K, W.) Armeekorps über die Daimler Motoien-Gesellickmft in Ilntertürklieini angeordnete militärische Aufsicht nicht über den Befehlsbereich des XIII, Armeekorps hinausgehen, wird hiermit auf Grund des§ Ob des Gesetzes über den Belagerungsznstand die Daimler Brotoren-Gesell- schaft, Zweigniederlassung in Berlin-Marienselde, ebenfalls unter militärische Aufsicht gestellt. Ter Betrieb der Dainiler Motoren-Gesellschaft in Berlin- Marienfelde ist unverändert fortzuführen; jedoch haben die Organe und die Angestellten der Firma den Anordnungen der militärischen Aufsicht, soweit solche in Beziehung aus die Produktion und die Offenlegung der kaufmännischen und technischen Vorgänge für erforderlich erachtet werden, Folge zu leisten._ Um die Sonntagsruhe. Nicht nur Handelsangestelltc, sondern selbst Geschäftsinhaber verlangen immer dringender nach mehr Sonntagsruhe im Handels- gowerbe. In dieser Frage hat Berlin wieder mal nicht die Füh- rung haben wollen, sondern Neukölln den Vortritt überlassen. Erst vor kurzem hat der Berliner Magistrat den Stadtverordneten einen Arttrag vorgelegt, die Sonntagsruhe zu erweitern und das Orts- statut entsprechend abzuändern, worüber demnächst beschlossen werden soll. Das Ergebnis seiner Vorbesprechungen mit den Gemeindever- loalwngen von Nachbarorten ist, daß er für die offenen Per- kaufs stellen, jedoch mit Slusnghme derjenigen des NahrungS- mittel-, des Genußmittel-, des Blumen- und des Zeitungshandels, endlich die volle Sonntagsruhe einfiihren will. Zunächst soll aber diese Erweiterung der Sonntagsruhe nur für die Dauer des Krieges gelten, weil— wie der Magisttal in der Begründung seines Antrages sagt— die Anforderungen des Wieder- aufbaues der Friedenswirtschaft noch nicht zu übersehen seien. Auch glaubt er, abwarten zü sollen, wie weit die in Aussicht stehende reichsgesetzliche Regelung der Sonntagsruhe ortsswtutarischen Bestimmungen noch Raum lassen werde. Nach Zustimmung der Stadt- verordneten will er nochmals mit den Nackibargemernden verhandeln, um vor Inkrafttreten des abgeänderten Ortsstatuts die ftir Groß- Berlin einheitliche Durchführung der Som tagruhe zu sichern. T m- gegenüber weist jetzt eine Eingaoe des Zcntralvccbandes der Handlungsge Hilfen den Magistrat>md die Stadtverord» neten darmls hin, daß die für Berlin gsvlarite R«Kel»ng sich sehr zu ihrem Nachteil von der in Neuslill» eingetOtnten u»He»ich»ib«t würde. Der Verband hatte sich im vcnngin Jahr an die Gein»»id«,er- waltungen Groß-Berlins gswondet und dargelegt, dstz eine Cnweitc- cung der Sonntagsruhe nötig ist. Nack den NeukiÄner Beschlüssen ersuchte er den Berliner Magistrat, sich Neukölln zum M u st c r zu nehmen. Zu dem nun vom Magistrat vorgelegten Entwurf des neuen Ortsstaiuts für Berlin hat der Verband iwch folgende For- derungen aufgestellt: Ausdehnung der völligen Sonntagsruhe auch auf Engroshandel, Fabrik-, Bank-, Agentur- und Speditions- geschäste; Einschränkung der Verkaufszeit für die am Sonntag offen bleibenden Verlanfsstellen deZ Handels mit Lebensmitteln usw. auf di? Varmittasisstunden von 8 bis 1t> Uhr; keine Festlegung der Wicht,-das neue �)rtsstatut nach dem Kriege wieder aufzuheben. Der Verband betont, daß in den Vorbesprechungen zwischen den Ge- ineiudeverwaUungen die Vertreter von'Charlottenburg, Schöneberg, Lichtenberg und Wilmersdorf ihre grundsätzliche Geneigtheit zur Einführung der Sonntagsruhe in dem von Neukölln beschlostenen Umfange erklärt haben. Er bedauert, daß Berlin die Gleich- Mäßigkeit der Verordnungen über die Sonntags- rnhew erhindern will._ Der Burgerausschust Grvtz-Berlin bat sich nunmehr mit der Einsetzung seiner Fachausschüste den Apparat zur Durchführung seines Programms geschaffen. Elf ver- sckiedene Fachausschüsse arbeiten jetzt an der Herstellung eines Vor- schlages zur Neuordnung der Groß- Berliner Gemeindeverfassung. Ter xrste und wichtigste Fachausschuß ist der zur.Neu- Ordnung der Groß- Berliner Gemeindever- f a ss u n g Seine Aufgabe ist, auf Grund der BeratungS- ergebnifle aller übrigen Fachausschüste einen Vorschlag für die Neu- Ordnung der Groß-Berliner Gemeindeverfassnng auszuarbeiten. Vorsitzender dieses ersten, insgeiamt 12 Mitglieder starken Fach- ausfchusses ist Oberbürgermeister Dominien s. Ein zufriedener Bolksspeisungsgast. Merkt's euch, ihr Unzufriedenen! Ihr dürft daS Esten der Berliner Volksspeisung nicht mehr tadeln! Ihr wollt behaupten, daß eZ nicht besonders schineckt und nicht viel wert ist? Gegen solche Verunglimpfung der Vollsspeisungsgenüsse hat in der letzten Stadtverordnctensitzung der Bankdirektor Mommse» sehr entschieden Einspruch erhoben. Er selber hat wohl noch nicht versucht, sich aus der Volrsspeisnng zu beköstigen. Wenigstens sagte er davon nichts, und er hat es auch gewiß nicht nötig, Kostgänger der Volksspeisung zu sein. Doch das hinderte ihn nicht, sich zu ihrem Verteidiger ans- zuWersen. Ihm sekundierte dann einer, der von sich behaupten konnte, sie sogar am eigenen Gaumen und Magen kennen gelernt zu haben. Der Stadtverordnete Rechtsanwalt Roßbach war's. Der versicherte, er esse bei der Berliner Volksspeisung schon seit ibrem Bestehen bis auf den heutigen Tag mit. Man erfuhr allerdings nicht, ob er Tag für Tag zu Mittag wester nichts als seine Portion aus der Volksspeisung zu sich nimmt. Und wie ist es ihm bekommen? Er könne die Speisen als nahrhaft und schmack- hast empfehlen, sagte er. Nun wißt ihr» genau, ihr Unzufriedenen! Nehmt euch ein Beispiel an diesem Unerschrockenen und schluckt, was man euch vorsetzt!_ Zum Ruhm des Karnickels. Die Bemühungen, in Deutschland dem Kaninchenfletsch die ge- bührende Zlnerkennung zu verschaffen und die Kaninchenzucht zu für- dern, reichen um Jahrzehnte zurück. Sie hatten lange keinen rechtem Erfolg, bis der Krieg kam und auch ans diesem Gebiet vielem zum .Anreger" wurde. So mancher äße jetzt mit Freuden alle Tage Kärmckel, wenn erS nur hätte. Im diesem Punkt ist heute wohl kaum iwch die uoerbende Beetnfluffmng nötig, di« der„Gemoinnützige Verein zur Förderung der Kaninchenzucht" sich vom vimem K a- n i n ch e n � i l m vorspricht. Er will allerdings nicht mm das vom Kennern langst geschätzte Kaninchenfleisch empfehlen, sondern auch über die sonstige Bedeutung der Kaninchenzucht und über ihreki Nutzen für die Volkswirtschaft aufklären. Veranschaulichen will er, welche ansehnlichen Werte aus Fleisch, Pelz, Leder und Wolle des Kaninchens herauszuholen sind..Schlummernde W e r t c" ist der Titel dieses vom Bild- und FUmamt hergestelltem Werbefilms, den wir in einer Sondcrvo-rsührn-ng der Kammerltcht- spiele sahen. Er bietet hübsche Bilder aus der Kaninchenzucht, die dem Freund des drolligen.Nuckelchens" Vergnügen machen und dem noch unerfahrenen Zuchtanfänger manchen dankenswerten Finger- zeig geben. Der Film belehrt aber vor allem auch über die Ka- ninchenvcrwertung, gewährt Gstchlicke im die Fellzurichtereien und in ihre Arboiitswcise und zeigt, schließlich die Benutzung des Ka- ninchemfells zur Moidnng der Frau wte zur Ausrüstung des Sol- daken. GefaiMttSlt werdÄi jetzt die KaninchenfÄle durch di« Kriegs- fellgesellschaft, aus deren Betrieb der Film gleichfalls«mnge Bilder bringt._ Berliner Lebensmittelnachrichten. Die Kartoffelration bleibt die gleiche wie in der vergangenen Woche. Die 6 Pfund Kartoffeln können jedoch schon von heute Eonnabend, den 23. März ab in den Kleinhandelsgeschäften ent- nomine» werden, Die Dienststunden der Brotkommissionen find während de» Osterfestes folgendermaßen geregelt: Karfreitag von 9— 10 Uhr vornrntags. 1. Feierlag: Geschloffen. L.Feiertag: Die üblichen Sonntags-Dienststunden. Die öffentliche Bewirtschaftung der Obsternte 1918 darf, was die Hauptsorten deS Massenverbrauchs anlangt, als sicher angencminen werden. Die Reichs stelle für Gemüse und Obst hat ihre Vorbereitungen in dieser Richtung in die Wege ge- leitet. Dazu gehört auch die Bestimmung, welcher Gruppe eine bestimmte Obstsorte zuzuweisen ist. In einem Rundschreiben an die Landcc.bsistellen weist nun die Reichsstelle darauf hin, daß sich im vor, Jahre auf dem städtischen Großmarkt für Gemüse und Obst in„ anzig eine Einrichtung außerordentlich bewährt habe, durch di das Obst sofort beim Eintreffen auf dem Markte durch einen Sa, verständigen der Lamdwirtschaftskammcr in die von der Reichsstelle vorgeschriebenen Gruppen eingeteilt wurde. DieS Verfahren hat aus den freien Handel die erwartete Mrkung gehabt und auch zur Zufriedenheit der Verbraucher gearbeitet. Di« Reichs. stelle für Gemüse und Obst empfiehlt jetzt dies Verfahren für die diesjährige Obstbewirtschaftung zur allgemeinen Anwendung. Die Reichsstelle wird, wie sie mitteilt, in diesem Jahre mit Nach- druck auf die geeignete Ueberwachung des Marktverkehrs hinwirken. Die Landesobststellen sollen sich schon jetzt mit den Gemeinde. verbänden und Großmärkten in Verbindung setzen, damit bei dem Beginn der Obsternte die erforderlichen Einrichtungen zur Grup- peneinteilutzg des Obstes schon geschaffen sind. Lebensuiittelkarten stellen einen Vermögenswert dar— diesen Grundsatz hat das Kammergericht in einem Urteil auigeslelll, durch das die Revision einer wegen unrechtmäßigen Be» zNges von Lebensmittelkarten verurteilten Frau zurückgewiesen wuide. Die Angeklagle habe, wie es in der Begründung heißt, die Absiwl gehabt, sich einen rechtswidrigen Vermögensvorteil zu verschaffen, Die Lebensmittelkarten stellen einen Vermögenswert dar; denn nii: ihrem Besitz ist die Anwarlschait auf rationierte Waren verknüpft. Der Karteninhaber hat die Möglichkeit, sich auf die Karlen Waren zu verschaffen, deren Gebrauchswert den jeweiligen Höchstpreis übersteigt, weil rationierte Waren auch bei Zahlung des Höchstpreises ohne Karten nicht zu haben sind. Wer sich ihm nicht gistehende Leoensmitteikailen verschafft, um sich selbst daraus Waren zu verschaffen oder anderen die Möglichkeit zur Beschaffung rationierter Waren zu geben, handelt danach in der Absicht, den M e h r w e gl, um den der Gebrauchswert der Waren den Höchstpreis übersteigt,>ür sich oder andere zu erlangen, erstrebt al'o einen Ver- rnö cnsvorteil. Daß dieier Bermögensvorteil ein bewußt rechtswidriger ist, bedarf leiner Ausführung. Verlängerte Polizeistunde an den Öfter» und Pfingstfeiertagen, Der Regie» ünaspräside»» tn Poisdam hat allen Gast-, Speise- und Schankwirt irtiaften und Efl'es. für die die Schlußstiuide auf 19 Uhr festgesetzt ist, gestattet, an den Osterfeiertagen, am Himmelfahrts- tage und an den Pfingstfeiertagen ihren Betrieb bis 11 Uhr offen zu halten, Zum Aprilumzug macht das Polizeipräsidium bekannt: 1. Kleine, aus höchstens 2 Wohmzimmevn nebst Zubehör bestehende Wohnungen 'sind bis zum 8. April abmbZ, 8. rnftklete, aus 5— 4 Wohnzimmern usbst Zubehör bestehende Wohnungen bis 13. April abends, 3. grö- ßcre aus mehr als 4 Wohnzimmern bestehend? Wohnungen bis zum 20. April, abends, zu rärimen. Di« Inhaber der aus 1, 2 oder 3 Wohnzimmern nebst Zubehör bestehenden Wohnungen müssen je- doch ein Wohnzimmer und die Mieter größerer Wohnungen zwei Wohnzimmer schon am Dienstag, den 2. April, vollständig geräumt dem künftigen Wohitungsinhaber auf dessen Wunsch zur Verfügung stellen. Der VolkSbund für Freiheit und Vaterland weist nochmals auf den am Sonntag, den 24., Mitttags 12 Uhr, im Bankettsaal des „RHeingold" stattfindenden Bootvag des Reiebswgsabgeordneten Dr. Paul Lenfch hin. Karten an den Theaterkassen von A. Wert- heim, in der Hauptgeschäftsstelle des Vollsbundes, Berlin W. 62, Klsiststr. 36(Fernspr. Lützow, 5072), und, soweit noch verfügbar, am Sonntag am Saateingang. Reue Markenhcftchen. Eine neue Art von Briefmarkenbestchen bat die Reichspost ausgegeben. Sie euihallen vier verschiedene Arten von Freimarken, je 5 Stück zu 5 und zu 10 Pf., sowie je 10 Stück zu 7'/z und zu 15 Pf, Der Gesamtwert der 30 Marken ergibt so wiederum 3 M. Die oberbaherische Truppe„Die Tegernsees- gibt am Sonntag, den 24., und Montag, den 25., zwei Gastspiele im L-chrenwereiriS- Haus. Schließung des Delikatessengeschäftes von Wron». Die Kauf- leirte E m a n n e l und Franz Wrona, Inhaber der Firma Gebrüder Wrona, Charlottenbnrg, Joachimsthaler Straße 9, sind vom Koiegswuchsramt des Schleichhandels und der Ueberschreitung der Höchstpreise überführt worden. Beiden wurde der Handel mit Gegenständen des täglichen Bedarfs unter- sagt; sie haben innerhalb 14 Tagen das Geschäft zu schließen. Als Schleichhändler, von denen Gebrüder Wrona ihre Waren bezogen, wurden ermittelt: der Händler M, Fonrobert, Helen« Stienetz, Maria Stieneß und Fran Z. Szulczewski aus Löbau in Westpreußen. Die Genannten werden sich vor dem Stvaftichtev zu verantworten haben. Ueberfall im GerichtSgebäude. Eine schwere Ausschreitung Keß sich der Filmhändler H e d i n g e r im©eibäude des Kaufmanns- gerichts in der Zimmerstraße zuschulden kommen, H. nahm einen Termin in einem Prozesse wahr, den seine Buchhalterin Dora D. gegen ihn angestrengt hatte. Das junge Mädchen hatte in der Stellung ganz ohne eigenes Verschulden unter der Eifersucht der Eheftau des Chefs zu leiden, dieser bildete sich aber ein, die Buch- halterin sei an dem häuslichen Unfvieden schuld und entließ sie. Das Kaufmannsgevich: sah indessen die Entlassung als unberechtigt an und verurteilte H. zur Zahlung von 282 M. Gehalt. Gleich nach Urteilsfällnng verfiel die Klägerin in einen Weinkrampf, der sich erst nach einer Viertelstunde legte. Der Verurteilte hatte aber die ganze Zeit im Flur hinter einem Pfeiler der Buchhalterin aufge- lauert, und als diese, von einer Freundin geführt, dem Ausgang zuschritt, überfiel er die Ahnungslose und mißhandelte sie schwer. Als dann ein Schutzmann auf der Bildfläche erschien, war H. bereits geflohen, während die Ueberfalleue einen Nerven- chock erlitt und sofort in ein Sanatorium übergeführt werden mußte. Eine furchtbare Tat beging gestern morgen, wahrscheinlich in einem Anfalle von Geistesgestörttieit, der Bücker Paul B. ftt der Bergstraße 58 zu Neukölln. Der Mann war als Militärbäcker zum Heeresidienst eingezogen und in Danzig beschäftigt. Er wurde dann bis zur Entlassung beurlaubt. Gestern morgen ging�er mit seinen beiden Krndcrn, einem 3jährigen Sohn und einer 5jährigen Tochter, die Treppe hinauf bis zum fünften Stock und warf hier beide aus dem Bodenfenster auf den Hof hinab. Dann sprang er selbst noch. Alle drei blieben auf der Stelle tot liegen. AuS dem RSnberlande Groß-Berlin. Man schreibt irrU: Die berschiedenen Kleiderranbrrnfälle der letzten Zeit erfüllen die in der Nähe des Grunewaldes, der Wnhlheide usw. wohnenden Mütter miit einiger Sorge. AÄe sollen sie �ihre Kiuder im kommenden Frühjahr und Sommer an diese Stätten der Echolung bringen, wenn sie. fürchten müssen, kleiderlos zurückkehren zu müssen? Man sollte sich zuständigen Orts die Frage vorlegen, wie die Waldspazier- gänge der Familien zu sichern wären. Da Groß-Berlin trotz d?m Belagerungszustand ein Räuberland geworden ist, wird woU nichts anderes übrig bleiben, als die Ausflüge zukünftig karawanenweise nach Art der Geleitznge unter militärischer Be- d e ck» n g zu orgawisosren._ Der Schöneberger Raubmord anfgeklärt. Der Kriminalpolizei ist es gelungen, den Raubmord cm der Hausbesitzerin Franziska Frieden chal in der Münchener Straße aufzuklären und die Täter hinter Schloß und Riegel und zu einem Geständnis zu bringen. Es sind dies das 24 Jahre alte Dienstmädchen Klara Klaschcrwski und ihre Freundin, eine 17 Jahre alte Agnes ElSler. Klara Klaschcrwski war bei Frau Friedentbal im Dienst und hatte zu ihr noch immer Beziehungen. Bei der Kla- schawski wohnte ihre Freundin Elsler, ein entwichener Fürsorge- zügliug, die schon wegen Einbruchs bestraft ist. Beide Mädchen gaben nach ihrer Verhaftung zu. an Frau Friedenthal einen Raubmord begangen zu haben, den sie mit einem Hammer ausführten. Nach dem Geständnis sucht eine die andere als die Haupttäterln darzustellen._ Lichtenberg. Wahlen zum Zweckverband. Magistrat und Stadtverordnetenversamullung nahmen am Donnerstags Stellung zur Neuwahl der ausscheidenden Vertreter und Ersatzmänner des Zweckverbandes. Nach dem Ergebnis der Per s oneustaridsa u fna 1 mc stellt Lichtenberg nunmehr fünf Vertreter statt der bisherigen� vier. Es sind demnach drei Vsrtveter und drei Ersatzmänner zu wählen. Die Körperschaften einigten sich dahin, daß die Wahl für unseren ausscheidenden Genossen John ausgesetzt wird, um eine zweckmäßige Verschiebung der Mandate zu ermöglichen, wonach der Magistrat sowohl als auch die Rechte und die Linke Bertveter und Ersatzmänner aus ihrer Mitte wählen. Als Berblinidsvertreter werden vorgesch tagen und gewählt: Oberbürgermeister Ziethen, Justizrat Sehachtel und Stadtiverordnetenvorfieher Danneberg mit 56, 55 und 54 Stimmen. Als Ersatzmänner erhielten Stadtver- ordnetet Hirsch 48 Stimmen, Genosse Minus 52 Stimmen und Pro- fessor Mgte 7 Stimmen. Letzterer hatte im Namen seiner Fraktion Anspruch auf Stellung eines Ersatzmannes erhoben, was von den Bürgerlichen abgelehnt wurde. Kreis Niederb arnim. Der Haushaltsplan für 1918. Auch der Niederbarnimer Kreistag tritt zu seiner diesjährigen Haushalts- sitzung am Mittwoch, den 27. d. M., zusammen. Auf der Tages- ordnung stehen u. a.: Ausübung des Vorschlagsrechtes für die Be- setzung des durch die Berufung des Geheimrals Dr. Busch als Unterstaatssekretär ins Finanzministerium erledigten Landratsamtes, das gegenwärtig durch den Landrat v, Bredow kommissarisch verwaltet wird, und die Feststellung des Kreishanshaltsplans sowie des Verwaltnngsplanes sür die Kreissparkasse. Der Voranschlag der Niederbarnimer Kreisverwaltuna schließ! in Einnabmemit 6 189 544 war? ab, was gegen 1917 ein Mehr von 1,3 Millionen bedeutet, Die dadurch enlstebende MebrauSgab? von 9000 M. ist aus den Beständen früherer Jahre gedeckt. Infolge der Kriegsteuerung sind die Ausgaben der Kreisvecwaliung vielfach gestiegen; dazu kommt die Erböhung der Provinzialsteuer um 4 Proz,, so daß sich auch die Niederbarnimer Kreisverwaltung zu einer Erböhung der Kieissteucr »m 4 Proz. von 34 auf 38 Pro,,, hat entschließen müssen. Die direkten Kreissteuern sollen 3 697 787 M. oder 1 182 283 M, mehr als im Vorjahre biingen. Hiervon gehen an die Provinz 1 780 755 M,. während für allgenieine Kreis- bedürfnisse 1 917 022 M. verwendet werden sollen. Insgesamt ist an Kriegssteuern ein Ertrag von 3 977 787 M. in den Boranschlag eingestellt. Für Kriegsteuerungszulagcn an Beamle und Angestellte nach den staatlichen Sätzen sind 130000 M. ein- gefieM, während für die Berzinsung der KriegSfamMemmter» stützungen 745 482 M. erforderlich find. Neu ist ein Posten von vorläusig 100 000 M. zur Deckung weiterer Kosten der Unterhaltung von Krankenhäusern für die im Laute des Jahres auf den Kreis zu übernehmenden Gemeindekraukenbäuier im Kreise. — Gründung einer Siedlungsgesellschaft. Zur Behebung der Klcinwohnungsnot ist sür den Kreis Niederbarnim eine Siedlungs- gesellichast in der Gründung begriffen. Der KreiSauSschuß be- aniragt bei dem am 27. d. M. zusammentretenden Kreistag, sich an dieser' gemeinnützigen Gesellschaft mit einer Einlage von 1 M i l l i o n Mark zu beteiligen. In der dem Kreistage hierüber unterbreiteten Vorlage be- tont der KreisauZichuß zunächst, daß die private Bautätig- keit zwar stets, berufen sein wird, Angebor und Nach- frage auf dem' Wohnungsmarkt auszugleichen, es sei aber nicht zu verkennen, daß die vorhandenen Verhältnisse es nicht gestatten, die Schaffung der dringend nötigen Wohnungen allein privater Tätigkeit zu überlassen, sondern daß diese der llnter« stützung durch die Körperschaften des öffentlichen Rechts bedarf. Die von der Staatsregierung zur Bekämpsung der Wohnungsnot in Aus- ficht genommenen Gesetzentwürfe sehen als örtliche Einrichtungen zur Durchführung der dahingehenden Pläne SiedlungSgesell- schatten vor, die berufen sind, die Vermittlung der staatlichen Maßnahmen zu übernehmen. Die Verhältnisse des Kreises Mederbarriim erfordern auf diesem Gebiete ein schnelles und plan- volle« Handeln. In einer Besprechung, die am 21. Februar dieses Jahres zwischen Vertretern der Kreisverwaltung, der Gemein- den, der Industrie und des Privatkapita cs stattfand, wurde die Not- wendigkeit und Zweckmäßigkeit der Gründung einer Siedlungs- gesellschast für den Kreis Niederbarnim �-allseitig anerkannt. Ein Ausschuß von neun Mitgliedern wurde gewählt,' um die Satzimgeti der Gesellschaft auszuarbeiten und deren Gründung vorzubereiten. Der Kreisausschuß ist der Ansicht, daß die Kreisverwaltung vor allem berufen ist, auf dem Gebiete der Besiedlung des Kreises und der Schaffung von Kleinwohnungen tätig zu sein und sich an der Verwaltung und Finanzierung der Siedlungsgesellschaft für den Kreis Niederbarnim zu beteiligen. Pank»«. ErhShnnz her TeoernngSzulagen. In der letzten Gemeindevertretersitzung wurde einem Gesuch der Gemeindebeamten um Erböhung der Teuerungszulagen in der Weise entiprochen, daß ihnen die von der Stadt Berlln gezahlten Sätze mit Rückwirkung vom 1. Oktober v. F. gewährt werden. Ferner erhalten die Lehr- versonen an den höheren und Mittelschulen vom 1. April ab Kriegs- beihilfen und Teuerungszulagen nach den neuen staatlichen Sätzen und außerdem eine einmalige Zulage in Höhe des Differenzbetrages zwischen den jetzigen und den neuen staatlichen Sätzen, auf ein Vierteljahr berechnet. Weiter wird hilssbedürftigen VolkSschullehrerit und-Lehrerinnen eine einmalige Unterstützung bis zur Höhe des Differenzbetrages zwischen den bisherigen und den jetzigen staallichen Teuerungszulagen sür ein Vierteljahr gewährt. Ein Gesuch der Gemeindearbeiler um Lohnerhöhung wurde in der Weise berücksichtigt, daß derGemeindevorstand ermächtigt wird, den ständigen Arbeitern nach Anhörung der zuständigen Kommissionen entsprechende Lohnerhöhung oder Teuerungszulage mit Wirkung vom 1. Januar ab zu gewähren. — In derselben Sitzung erteilte die Verlretung einem Ortsstatut ihre Zustimmung, nach welchem in Zukunft zu den Kosten der ge- werblichen Fortbildungsschule Beiträge erhoben werden. Bisher war der Unterricht unentgeltlich. Die Regierung macht jedoch die weitere Zahlung ihres Beitrages zu den Kosten der Schnlunterhaltung von der künftigen Erhebung eines Schulgeldes abhängig. In Zukunft werden deshalb vierteljährlich Beiträge er- hoben, welche sür die Schüler der gewerblichen Klassen, soweit sie Lehrlinge, Gesellen oder Gehilfen sind, je 2,50 M,, sür die übrigen Schüler je 1,50 M. betragen._ Tegel. Aus der Gemeindevertretung. Die Schwierigkeiten bei der Müllabfuhr führten in der letzten Sitzung zu dem Beschluß, die Wfuihr vom 1. April ab in eigene Regie zu übernehmen. Der Frei- willigen Feuerwehr soll statt 1 Mk. Entschädigung pro Sttinde, 1,50 und bei entgangenem Arbeitsverdienst nochmas dasselbe vergütet werden. Die Dampsergesellschaft„Stern" hat einen neuen Fahrplan- herausgegeben, toelcher eine bessere Verbindung mit der Straßen- bahn, aber auch PveiSerhöhungen von 6— 15 Pfg. vorsieht. Die voll der Gesellschaft an die Gemeinde zu zahlende Pacht für Benutzung der Anlogestelten und Brücken wird von 4 500 auf 6 000 Mk. erhöht. Gleichzeitig werden Bündelfahrscheine herausgegeben, welche auch Sonntags gülttg sind und die bisherigen Preise nickt erhöhen. Mit der Märkischen Haftpflicht-Bersicherunzs-Gesellschaft soll ein Vertrag auf 10 Jahre für, Diebstahl von Kindergarderobe abgeschlossen tver- -den. Der Preis beträgt pro Kopf und Jahr 5 Pfg. Den im Ge- meindehilftdienst beschäftigten Personen wird eine Entschädigung in Höhe eines Monatsgehalts gewährt. An Zuschüssen zum Ver- bandskrankenhauS hat Tegel noch zu zahlen für 1913 42 000 Mk.; 1919 30 000 Mk.; 1920 21000 Mk.; 1921. 10 000 Mk. Friedrichsfeld«. Verkauf von Kerzen. Zur Linderung der Be- leuchtumgsawt ist der Gemeinde ein Posten Stearin- und Paraffin- kerzen zur Bertsilung überwiesen worden, welche zum Preist von 35 Pf, für das Stück im Einwohnermeldeamt käuflich zu haben sind. Beftigsbevech toft sind nur Haushaltungen, die weder Gas noch ElektvizitätSaNs ch ftrß haben und die bereits zum Bezüge von Petrokeummarken im Sinwohuermeldeamt vorgemerkt sind. Hrsß-Serlkner partewachrichten. Reichstagswahl in Nieöerbarm'm. Der Beschluß der.Unabhängigen' vom 26. März, sich an der Stichwahl nicht zu beteiligen, stößt, wie wir schon mitteilten, in den Reihen ihrer Anhänger auf Widerspruch. Auch das.Mittet- Die /irbeiterfthast bringt dem„Vorwärts" andauenid ein steigendes Interesse entgegen. Einen öffentlichen Beweis liefert das rapiöe Wachsen üer �bonnentenZahl. Seine außerordentliche Velieblheit verdankt der„Vor- wärts" der Zuverlässigkeit und Schnelligkeit seiner Berichterstattung, seinen», reichen und gediegenen Zuhält. Es ist die beste Masse im Kampf um Rechsund Freiheit. Man adressiere: Expedition des„Vorwärts", Berlin SW, Linden straße 3.___ Name______ Beruf______ Wohnort____ Stock_ 1 bei wem?_________ bestellt ab l. April den„Vorwärts" zum Preise von 1,50 M. per Monat frei ins Äaus. -_______ lllugSLlatt' schreibt in seiner neuest«» Skmnmer, daß tt ihn nicht billigen könne. Sichere« Bernehme« nach findet a« 22. Mörz i« Taft Vellrtme in Rnmmelsburg eine ueve KrciSkonfrrenz der„NnabhSngigeu" statt, an der anch Breitfchrid teilnehmen wird, der wahrscheinlich die Ab- dankungSur unde seiner Wähler nicht nuterschreiben will. ES ist zu erwarten, daß die„Unabhängigen" ihren Beschluß ab- ändern»ud doch zur offenen Wahlbeteiligung kommen werden. Diese Sachlage vcranlaßr unS, den dringenden Mahnruf an die Wähler zu richten, am 2S. März bei der Stichwahl auf dem Posten zu sein und ihre Stimme fnr den Kandidaten der alten Tozialdcmo- Iratischen Partei, den Arbeitersekretär Rndolf Wissel! abzugeben. Einen Ruf von gleicher Dringlichkeit richten wir aber auch an alle tätigen Genosse». Bei manchem von ihnen hat der frühere Beschluß der„Unabhäugigen*, sich an der Wahl nicht zu beteiligen, die Meinung ausgelöst, daß wir keine besonderen Anstrengungen zu machen brauchten. DaS ist ein großer Irrtum. Schon der Um- stand, daß nach der Stichwahl die Agitationsmöglichkeit wieder auf geraume Zeit unterbunden sein wird, muß unS zwingen, die jetzige Bewegungsfreiheit noch nach Kräften auszunutzen und unsere Ideen in die Masse zu tragen. Zu reger Arbeit zwingt uns aber der weitere Umstand, daß allein Anschein nach der erste Beschlutz der .Unabhängigen', die sichZ damit selbst zu Abgedankten machten. nichts anderes als ein plumpes Wahlmanöver war. Es gilt noch einmal, alle Kräfte anzuspornen, um am 26. März eine möglichst grobe Stimmcnzahl aus unseren Kandidaten Rudolf Wissell za vereinigen und so die Wahl zugleich zu einer imposanten Demonstration für einen gerechten Berstündigungsfrieden zu machen. Ehrenpflicht aller Genossen, die cS ermöglichen können, ist es. sich am Sonntag und am Stichwahltage an den Wahlarbeiten zu beteiligen. Jeder Mann ist notwendig! Damit auch den Genossen, die sich bisher noch nicht gemeldet hoben, die Mitarbeit möglich ist, geben wir hiermit die Stellen be- kaunt, von wo an? am Sonntag die FIngblattvcrbreitung statt- findet. Jeder Genosse ist znr Mitarbeit verpflichtet! Da« sozialdemokratische Wahlkomitee. « Berlin(Petersburger Viertel), Restaurant Kühn, Schrcinerstr. öS. Lichtenberg, Restaurant Ritter, Schillerfir. 2«; Kurkowski, Pfarr- üraße 74; Hamann, Krosiener St. SS; Fleischer, Jrenenstratze. Ecke Wilhelmstraße. Weißens«, Restaurant Stärke, Charlottenburger Str. 5. Pankow bei Sillier. Tiroler Str. 42; Meitzner, Schulstr. 26; Schulz, Schmidtstr. 22. Niederschänhausen, Restaurant Greth, Bismarckstr. 87. Reiaickcndorf-West, Restaurant Schiller, Antonienstr. 10. Oderschöaeweide, Restaurant Ladewig. Laufener Str. 5. Genossen und Genossinnen, die am Stichwahltage, Dienstag, den 86. März, sich betätigen können, melden sich nngesäumt telephonisch oder schriftlich beim Zeutralwahlkomitee(Th. Fischer, Berlin SW, Lindenstr. 3, Telephon Amt Moribplatz 364 oder 101 70). Vählerversammlungen. Friedrichshagen. Heute abend 8 Uhr im Branerei-AuSschank. Referent: Reichstagsabgeordneter Robert Schmidt. Rachher freie Aussprache. Klostersekde. Heut« abend 8 kkhr im Gasthause des Herrn Ben st er in Klosterfelde. Referent: Reichstags- kandidat Arbeitersekretär Rudolf Wissell. Freie Aussprache. Bernau. Morgen nachmittag 4 Uhr im Lokal« von Modisch („Geiellschastshaus'), Kaiserstr. 72:»Bus zur Stichwahl!" Referent: ReichstagSknndidat Rudolf Wissell. Freie Aussprache. Oberschöneweibe. Morgen abend 8 Uhr bei Drake,.Zum Zand- sturnimann", Wilhelminenhofstr. 44». Redner: ReichStagSabgeordn. Georg Schöpflin. Zühlsdorf, Wensickendorf und BaSdorf. Morgen nachmittag 3'/z Uhr im Schützenhause in Zühlsdorf. Referent: Arbeitersekretär Hermann Müller. Freie Aussprache. Stralau. Montag abend 8 llbr im Lokale von Otto Steinicke. Alt-Stralau V. Referent: Reichstags- kandidat Arbeitersekretär Rndalf Wissell. Freie Aussprache. Reinickenborf-Schönholz. Montag abend 8 lkhr spricht im Restauranl Ramlow, Schönholz Rr. 14, ReichStazSabg. Georg Schöpflin. Freie Aussprache. Niederschönhanfen. Montag im.Schwarze« Adler", Blankenburger Str. 4. Referent: ReichStagZabgeordneter Heinrich Schulz. ' u•• Niederfchönhanse«. Morgen findet eine außerordentliche Flug- blaiiverbreitung für den Ort sowie für den Landbezirk statt. Treff- Punkt pünktlich 8 Uhr früh bei Greth. Lindenstraße. Ecke Bismarck- straße. Da der Zug früh 8 Uhr öl Min. fährt, ist pünktliches Er» scheinen Pflicht. Weißensee. Die Genoffen werden ersucht, sich heute von ö Uhr ab und morgen vormittag S Uhr zur Erledigung von Wahl- arbeiten recht zahlreich bei Stärke, Charlottenburger Straße 8, ein« zufinden. Treptow-Vamnsch'.'.lenweg. Die mn Dienstag fällige Mitgliederversammlung fällt wegen der Mitarbeit bei der am gleichen Tage stattfindenden Siichwahl für Niederbarnim aus. Die Mit- glieder werden ersucht, sich am Sonntag und am Tage der Wahl in den im»Vorwärts' angegebenen Stellen zur Verfügung zu stellen. Lankwitz. Sonntag, den 24. März, abends 7 Uhr, findet bei L. Dohn, Kaiser-Mlhelm-Str. 34. Sitzung statt. Parteifreunde Und.,Vorwärts"beser find herzlich eingeladen. Mus aller Welt. Brandkatastrophe in Ungarn. In Resiconay brannte ein großes Fabrikgebäude der Oesterreichisch-ungarischen StaatSeisenbahngesell. schart vollständig nieder. Das Feuer entstand durch Kurzschluß. 300 Arbeiter konnten glücklicherweise aus der brennenden Fabrik noch befreit werden. Der Schaden wird auf vier Millionen Kronen ge- schätzt._ Snefkaften der Redaktion. Die brieflichen Anfragen mehren sich in letzter Zeit ungeheuer Wir machen darauf aufmerksam, daß briefliche Antworte» nicht er- teilt werden können. Tie Beantwortung der Anfragen kann nur durch den Brirfkasien unter angegebener Chiffre erfolgen. P. S. 68. Ob eine solche AuSbUdmiz jetzt zulässig ist, können wir Ihnen nicht sagen, wenden Sie fich mit einem Gesuch an das General- kommando.—r. med. Laabs fiel), schnell, gründl., mögl. schmerzlos u. ohne.Berussstör. Lesobleebtslrranltkielt., geheime Haut-, Harn-, Frauenleiden, Schwäche. Erprobteste Methoden Harn- und Blutuntersuchung. KöDiBStr.Ml, ÄÄ. Spr. 10— lu. b— s. Sonnt. 10— l Bezässsqueiisn-iierzBicnnls Barlln-Oaten Ziuaretteu la. Nur an Selbstverbraucher. 300 Stck. 0.2... 18.60 M. 300. 8,8... 24,75. 200. 12,0... 22,40. Verpackung 0.25, Versand-Nachnahme üö.uu äK. Julius Leäf Bertln W«0,�Pm|tr Straß«: 0 Suttor« feier, ravo an LIWeiMiFiMäl o _ Mehlhandlung HnätiiÄr » Photearuph. fiteiiers» .(Inh-O Z.uM.'.lJfrJM-f litraä�Aitret�iinjj aia.�'wp; arenliiiuaer jcnca r WutiouHu KtsBüia jW Vir*-Lei. eetr>"vH Tel.: 27SS. Spezialarzt Dr. med. Wockenfüß S¥Ä1SiÄ"ÄiT« (urSyphilit,Harn-u. Frauenleiden Blutuntersuchung en. Sohnelle, Siehe re, schmerzlote Heilung ebM BtraftsUrH«. TaRnhhni BezassQueiien-uerzoicnnfs ______£.!n P3* Drogan, Farbaa Fleicoh- u. Hfuretw."a VldwvB .1». III.JJ KolonSalufBren i. SaeiMItt6»" Li küre Magenbitter Kümmel Ptetterminz alkoholfrei,•/«•LH.-FIaacho 2.00 h. Vorzügl. im Geschmack H. Sröraer, Berlin Oranientaurger Str. 66 Reinickendorfer Str. 109 AndreasstraBe 78 NeukSlln, Berliner Str. 76 Versand nnr in Korbfl.von Sliit. an pr. Lit 2,66 M. Mäbelmagoxina � Ulidti t fn Biislikulutntll Wie« 0 lU. Tiiiblerm.ilt.r Wegen Tedcssalls mit Materialw.- ,1(10119 Geschäft sofort verkäuflich. 102A Schulze. Buch. Moltkcltr. 4. ii»r.>->..>> ta->9 alean Holze M ESUIRO. X .MA Für Slottertt empfohlen! önWiiUSeilug Des Slollmis. «tner, derseldst geheilt ist. s»Il- dert seine Ersah rungen.Dic Sin- leituag über �ttmiue. Sprache und Sprechstörungen, und 5 Abdildungen erläutern dteDar» legungeu. 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Golleta• Sdariannenstr. 3. tel. Mpl. 10303 vugli scheu Hnitrtlcht für Ansänaei und Fortgeschrittene, sowie deutsche und trauzösische Stunden erteilt G. Swienty, Charkoltendurg, Stuttgarter- 9� QflVtl nr.__ � Lungen und Hatstranke. Verlange» Sie teftenjrel belehrende Broschüre über Heilolethod«»hue UernsSstörnng. SanikäkSrat Dr. �V«tli»v'>» ümdnt., l Sertw tU, Petsdamaf Str. U3i» Nr. 82—1�1$ Unterhaltungsblatt öes vorwärts Die Hebamme hat öas Wort. Wenn die weife Frau im Haufe erschien und der lieben Mutier oder einer anderen Frau einen uns noch unbekannten Dienst leistete, sahen wir Kinder der Vorstadl�inskaierne mit gemischwn Gefühlen zu ihr auf. Ein neues Kind'olgte ihrem Besuche, das wußten wir bestimmt. Denn in dem Hause mit 23 Parteien und mit 73 Kindern bildete der Beiuch der Hebamme keine Seltenheit, wohl aber brachte er uns oder Gespielen eine Mehrarbeit. Der Begriff Kindsmädchen lebte in uns nur vom Hörensagen, es befand sich keines im Hause. lind da von den vielen Ehepaaren(es wohnten so manche auch als Äsierinieter in Küchen und Kammern) die jungen Frauen meist in eine Lohnarbeit gingen, ein Teil der älteren aber fremde Wäsche wuschen oder Bedienerinnendienste leisteten, so bildete die Betreuung der Kinder eine drückende und die Spielzeit beschränkende Ausgabe der älteren Geschwister. Ebenso beschränkle der Zuwachs anfangs die Einnahmen der Mütter— und dadurch die Nahrung der sicher nicht üppig lebenden Kinder. Die Kinder sind ehrliche Egoisten, ihnen ist die Heuchelei noch fremd, die ihnen später die.Schule' des Lebens einbläut. Deshalb loar unser Gedankenaustausch beim Erscheinen der Hebamme meist von melancholischer Art, oft auch erregt. Noch heute sehe ich im Geiste die alte Frau mit ihrer schwarzen Ledertasche durch das Hans eilen, das graue Ilmhängeiuch um die ichmalen Schultern, eine schwarze Wilwcnmasche auf dem ergrauten Haar, auf den ksiunzelzügeii aber das tröstende zuversichtliche Lächeln, mit dem die Mutter dem klagenden Kinde zuruft:„Ich bin schon da, gleich wird alles gut sein. So!' So seltsam es ist, aber ich kann mich nicht erinnern, je eine andere Hebamme im Hause gesehen zu haben. Sie war die Helferin bei� den meisten Kindern im Hause(später auch bei manchen Kindern dieser Kinder) und trug sicherlich nicht leicht an dem Beistand in Verhältnissen, die in ihrer furchtbaren Armseligkeit oftmals Ver- wünschungeu statt der Freude beim„Begrüßen" des Familien- Zuwachses veniabmen. Vor einiger Zeit— ich las einige Tage vorher besonders viel über Bevölkerungspolitik, die die im Völkergemctzel zugrunde ge- gangenen Millionen rasch ersetzen soll— besuchte ich wieder mein Geburtsbaus. In einem Anfall von Flucht in die Kinderzeit aus dem Wahnsinn unserer Tage ging ich durch das Haus. So lebhaft trat mir die Jugendzeit vor die Seele, daß ich unwillkürlich schon von der Ferne das geschwätzige Mm-rneln, das klingende Kinder- lachcn, das Singen nud Lärmen vernahm, mit dem wir einst jedem Winkel des Hauses Leben einflößlen. llnd ich erschrak. qlS ich ein- trat. Eine bedrückende Stille, kein Laut, kein Kindeclache», kein Jubeln einer jungen Freude, die den Duft der Rosen einer von blühendem Hoffen durchwirkien Zukunft zu atmen vermeinte. Auf den Gängen die Türen verschlossen. Einst standen sie offen und wir wohnten zur Hälfte am Gange. Ausgestorbe», verödet. Mich fröstelte, trotz des warmen sonnenlachenden Spälherbsttages. Mich dunkle, durch einen Friedhof zu wandern. Dann löste sich teikweise das Rälsel. Nach wie vor wohnten 23 Parteien in meinem Geourts- bause. Aber sie hatien zustimmen nur 11 schulpflichtige Kinder und 3 der Slbulc entwachsene. Die Hebamme von eiüst lebte nicht mehr. Eine andere war ieit ungefähr vier Jahren nicht mehr im Hause gewesen. Da dachte ich an die Propheten der BcvötkerungSpolilik— und verließ gedankenschwer das stille HauS. Einige Zeil später sprach ich mit drei Hebammen(ich dachte, dielleicht nicht unrichtig, daß sie mir bessere Auskünfte zu geben im- stände seien otS ein Zeitungsartikel). Was sie mir sagten, möge im Suszuge hier Platz finden. Eine alte Hebamme, die durch 33 Jahre.Dienst' machte. sagte: „Wir leben sa jetzt in einer neuen Zeit, nicht in einer besseren. Schon vor dem Kriege wurden die Geburten rapid weniger. Das mit dem Gummi— Sie verstehen mich. Na, und da« andere erst. Nein, da lat ich nicht mehr mit. Ich verlor nach und nach alle Frauen. Was sollte ich dagegen machen? Sie kamen alle zu mir, ich sollte ihnen raten, Mittel geben. Sie fürchteten sich vor den Kindern. Ja, ist das christlich? Dann lachten sie mich aus. Ja weiß, die jungen Hebammen, die kennen sich darin aus. Sollen fie. Psui, eine Zeit, in der die Frauen nicht mehr Mütter sein wollen. Aieilick, manchesmal. Heilige Maria, dieses Elend. Meist unverschuldet, Herr, Und srüber, da waren halt auch noch die Menschen anders. Wcmi wir so bei der Taufe beisammen gewesen find! Da« ist alles vor- bei. Laßt sich ja keine was sagen. Das Leben wollen sie genießen. Hudribukb! Das ivollte ich nicht mehr. Was ich jetzt mache? Meinem Neffen führe ich die Wirtschaft. Und ich bin froh, daß ich schon so alt bin. Der Krieg ist eine Strafe Gottes, ich sage es immer. Ich kenne die Menschen.' Eine jüngere Hebamme lachte, als ich fie nach dem monatlichen durchschnittlichen Beistand frug: „Ah. Sie meinen wegen der Geburten? Nun ja, so eine bis zwei. Vor zehn Jahren habe ich einmal 31 gehabt. Jetzt kommen die Frauen nur niii Rar und wegen de? Schutzes. Soll ich sie fortschicken? Von was soll man leben? Bitte, ich tue nichts gegen das Gesetz. So wie viele andere. Ich bitte, ich kenne Kolleginnen—"(Nun folgt eine Beschreibung, die sich hier nicht wiedergeben läßt.)„UebrigenS läßt auch das Schutz- suchen nach. Die Frauen und Mädeln sind heutzutage gescheit. Ich verarge es Ihnen nicht. Wer kann sich heute noch Kinder leisten? Lachen Sie mich nicht aus. Aber sogar in dieser Beziehung können nur mehr Kriegsgewinner mittun. Ich bitte die paar Häubchen. Jackerln und Hemdchen, cS ist ja ein kleines Vermögen. Und die armen Leuie wollen doch auch ihr K'.nd menschlich bekleiden. Uebrigens, was sollen sich die jungen Leute nach Kindern sehnen, wo sie nickt einmal ein Heini haben, sich keines einrichten können. Alle sind ja nicht Kriegsgewinner. Und so dumm sind die armen Leute doch nimmer, ivie gewisse Leute glauben.� Aber was geht das mich alles an? Nichts. Ich bin fertig. Sckade, da glaubte man, viel mehr lernen zu inüsscu, als uns der Kurs vorschrieb. Man wollte sich ja recht modern aus- bilden. Und jetzt? Jetzt mache ich ein Zuckergeschäft auf und lege das Diplom zurück. Wenn ich noch dran deute, lvie unser Professor am Ende des Kurses eine Ansprache hielt. Der gute alte Herr! Der halle eine Ahnung vom Leben. Aber das muß schon so sein bei den alten Herren." Eine alte Hebamme, die bisher in einem ländlichen Be- zirka lebte, blickte mich mit prüfenden Augen an, ehe sie erklärte: „Die letzten Jahre gingen schlecht. Grad die Subvention hielt mich noch. Die Geburten hörten aus. Sie glauben es nicht? Ach so. Sie meinen die Religion, die Beschränkung. Haha! Tie Naivi- tat. Ich möchte nur den tausendsten Teil haben, was die Bauern- mävel in der Stadt zahle» für— Auslachen tun sie einen, wenn man vom Kindersegen spricht.' Dann sprach ich noch mit einem Frauenarzt, llnd das Rätsel meines stillen, sterbenden Geburtshauses ward vollconimen gelöst. Bevöltcruilgspol'tikern, seiner solchen, die mir Bibel, Patriotis- muS und Ethik die Neomallhusianer bekämpfen wollen, rate ich an, vor einem Vortrag oder einem Zeitungsartikel meine Wege zu gehen und mit Hebammen zu sprechen. Aber nickt mit den achtzig von hundert, die keine mehr sind und nur in„Hygiene machen". Ferner sollen sie mit einem Frauenarzt sprechen, aber nicht mit einem Professor, der von der hohen Warte des Aanatoriumbcistandes oder von der Präsidentenspitze eines Verbandes zur Geburienforzieruug — bei den anderen— den Blick für Ca? wahre Leben eingebüßt hat. Nein, mit einem Arzt der Maffenbezirke, der zugleich m der wahnsinnigen Zeit sich das hohe, heiligende Bewußtsein seines Be- ruses wahrte und ein bißchen Soziologe ist. Nachher sollen diese Prediger in eine der alten Ziiiskaiernen treten. Aber nicht nur auf die alten Gänge und die totenstillen entvölkerten Stiegen, sondern auch eintreten in die Wohnungen, in das Elend der Masse, die ver- dorrt und auf das köstlichste Geschenk der Natur verzichten muß: aus das Kind. Und fie werden gewahr werden, daß eS nur eine BevölkerungS- Politik gibt: Bror, Rechte, Menschenwürde. _____ I oh. Ferch- Wien. Der Mhlin? km Vasser. Bei der Wiederkehr dcZ Frühlings wendet sich stets die Aas- merksamkeit dem-Erwachen der Name aus der Erde zu, während des Ausblühens und Gedeihens neuen Lebens in der Tiefe des Wassers merlwürdigerwetse höchst selten gedacht wird. Stets haben die Dichter das junge Grün und die nesterbauenden Vögel in Prosa und Versen verherrlicht, von den Schwärmen der Fische aber, die zum Laichen ausziehen, wurde kaum etwas berichtet. Und doch ent- wickelt zur Frühlingszeit das Leben im Wasser sich in märchenhast reger Weise. Von Februar bis Ende Mai ziehen die Fische zum Laichen aus, und alle, die uns von der Speisekarie her gut bekannt sind, die Schellfische, Schollen, Steinbutten. Weißlinge usw. legen jetzt in der Tiefe des Wassers Millionen von Eiern ab. Nur wenige Fische «Sj Töchter öer hekubc;. Ein Roman aus unserer Zeit von Clara Viebig. In dieser Nacht raste ein furchtbarer Sturm. Es war, als empöre sich die ganze Natur, wolle den Himmel herab auf die Erde reißen. Wehe den Booten, die auf dem Meere waren I Den Lustschiffen, die nach England fuhren! Mit einer Art von wollüstigem Grimm hörte Gertrud das Toben. Wie die Ziegel vom Dach prasselten, wie es oben am Bahndamm in den Telegraphendrähten sauste! Es stöhnte, kreischte, pfiff. krachte, heulte, jammerte, alles, was nicht fest war, stürzte, Bäume entwurzelten— mochte die Welt untergehen, ihr sollte eS recht sein l Daun brauchte sie nie mehr aufzu- stehen. Und doch mußte Gertrud auffiehen; die Händchen ihres Kleinem die ihr streichelnd übers�Gesicht fuhren, weckten sie aus einem kurzen Morgenschlaf. Eben hatte sie von Frau Krüger geträumt, von seiner Mutter. Unwillig schüttelte sie den Trauni ab. Das fehlte auch noch, wie kam sie denn auf die? Zwischen sie und ihn hatte die sich gedrängt, sie sollte sich nicht auch noch in ihren Traum drängen. Gertrud war böse auf sich selber: warum kehrten ihre Gedanken doch immer wieder zu jener zurück? Die Krüger litt gewiß noch nicht Not. Gustav hatte ihr oft erzählt, was seine Mutter alles besaß in Garten und Keller. Und die würde sicher zu denen gehören, die sich vorgesorgt hatten. Da hätte der Kleine nicht zu weinen gebraucht vor Hunger. Aufgefordert hatte die Krüger sie ja— sie könnte jetzt ruhig hingehen— vielleicht würde düt sich sogar freuen— der Ilinge war jetzt so lieb, so niedlich, und er sah Gustav so ähnlich. Aber nein! Dctl Gedanken, der sie in ihrer Verzagtheit beschlichen hatte wie eine Versuchung, stieß Gertrud von sich. War sie schon so heruntergekommen, so gesunken durch ihre Armselig- keit? Durch die mangelhafte Ernährung so schwach geworden am Willen wie am Leib, daß sie auch mir einen Augenblick daran denken konnte, an jene Tür zu klopfen? Wie eine Bettlerin. Stein, sie ivar keine Bettlerin. Stolz richtete sie sich aus. Zu ihr müßte jene kommen, sie hundertmal, tausend- mal bitten, dann vielleicht. Aber auch dann nur.vielleicht'. Sie entzog sich den streichelnden Händchen ihres Müdes, gebot ihm so streng, ruhig zu sein, daß sein Schmeicheln erschrocken verstummte. In einem finsteren Brüten kleidete sie sich an. Als sie vorm Spiegel ihre Zöpfe aufsteckte, war sie betroffen über das eigene Aussehen. Als hätte sie keinen Tropfen Blut mehr in sich; und die Augen ganz glanzlos. Eier, Milch! Die täten ihr not. Aber es gab nur für die kleinen Kinder noch Milch. Es mußte eben s o gehen. Sie biß sich auf die blutleeren Lippen. Wenn nur nicht immer die weite Ent- fcrnung zur Arbeitsstelle wäre! Es half nichts, sie würde wohl daran denken müssen, nächsten Monat hier zu kündigen, nach Berlin hereinzuziehen. Dann hatte sie wenigstens nicht die lange Fahrt. WaS hielt sie denn auch hier? Eine Blut- welle schoß in das durchsichtige Blaß ihrer Haut: Erinnc- rungen? Ja, die waren mächtig. Sie fühlte ihr Herz sich zusammenkrampfen. All die heimlichen Wege, die sie an glücklichen Abenden gegangen war, würde sie dann nicht mehr gehen. Es war vielleicht gut so, gerade gut. dann war end- lich Schluß gemacht. Daß sie so hier am Orte hing! DaS hatte sie bis jetzt gar nicht gewußt. Plötzlich schwäch werdend, setzte sie sich nieder am Tisch und legte den Kops auf die Arme; loieder wie gestern abend mußte sie weinen. Ach ja, lieber würde sie doch hier bleiben. Es war auch soviel besser für das Kind, das wuchs dann wenigstens in Luft und Sonne auf und nicht im' Häuser- meer. Wenn sie doch hrer am Ort Beschäftigung finden könnte, die sie und den Kleinen ernährte! Daß auch hier keine Munitionsfabrik war! Sie hatte einmal mit der Dom- browski darüber gesprochen, die grauste sich davor..Puh, das war ja gefährlich, da konnte man ja sein Leben ein- büßen!' Ihr machten deren Bedenken nichts aus: Munition — man wurde gut bezahlt, und man tat mit eigenen Mästen auch etwas dazu, daß der Krieg eher aufhörte. Dieser furcht- bare Krieg! Heut konnte Gertrud nicht nach der Stadt zur Arbeit fahren, mit erschrockenen Augen hatte sie in ihren leeren Schrank gesehen: nicht e i n Krümchen ivar mehr darin. Die Ricister lag noch zu Bett: die wollte also wirklich nicht mehr V So mußte sie selber zur Gemeinde gehen, sich etwas holen. Der Alte saß stumpffinnig auf dein Stuhl vor seiner Tür, dahin schlorrte er von selber. Das böse Wetter hatte nach- gelassen, eine noch schier warme Sonne war vorgekrochen, Gertrud ließ das Kind bei dem Alten zurück; sie würde ja bald wiederkoinmen. Aber nun stand sie und stand. Vor ihr schon eine lange Reihe von Menschen, hinter ihr ebenso viele. Es gab heute Eier, Heringe, Grieß, allerlei, darum das Gedränge Und doch war niemand zufrieden. „Det bißken! Dafor so lange stehn!" machte eine ge- ringschätzig, die eben, ihr Körbchen gefüllt, sich zum Abgehen durchdrängte. SonnabsnS, 2Z.März haben ihre Brutzeit in den Hochsommer verlegt, zu diesen Ausnahmen gehört zum Beispiel die Seezunge. Die üoerwiegeude Mehrzahl aber geht, wie die Vögel, beim Nahen deS Frühlingsauf die Wanderschaft. Bekannt sind die weiten und durchaus nicht gefahr« losen Reisen, die der Lachs stromaufwärts unternimmt, um seine Eicr in Süßwasser zu legen. Auch die kleinen jungen Aale verlassen im Frühling in Schwärmen das Meer, um im Süßwasser zu leben, im Ok:ober aber reisen sie wieder dem Meere zu, sie bleiben dann meist bis zu ihrem Ende, so daß sie die Ufer des Heimatflusses keineswegs wiedersehen. Bei der ungeheuren Eiermenge, die ein einziger Fisch zu legen vermag, müßte eS fast erstaunlich scheinen, daß�daS Meer nicht überall von einem dichten Fischgewimmel erfüll: ist. Die V:nt der Quappe z. B. schätzt man bei einem einzigen Tier im Jahre durch- ichnittlich aus die ungeheuerliche Menge von 11 Millionen Eiern. die.Steinbutte mach: ihre lange Brutwanderung mit Zl/z Millionen Eiern, daneben erscheint der Kabeljau mit seinen IVg Millionen Eiern schon bescheiden, und beim Hering sinkt die Durchschnittszahl auf 30 000 herab. Merkwürdig ist, daß der ausgewachsene Roche, der verhältnismäßig wenig Eier produziert, viel häufiger ist, als die Steinbutte. Hier spielen die Geiahren, denen die Fische mit ihren Eiern ausgesetzt sind, eine ausschlaggebende Rolle. Von dem ganzi?» Schwärm des SteinbutteulaicheS z. gedeihen gewöhnlich nur zwei Tiere. Die meisten kleinen Steinbutten sterben vor Hunger, da sie von anderen Fischen leben, und eS nicht genügend Fische gibt, die winzig genug find, um den neugeborenen Sieinbuiten als Nah-' rung zu dienen. So geht sehr viel von dem, was der Frühling im Wasser an neuem Lehen hervorbringt, sehr schnell wieder zugrunde. oft noch ehe die Eier ausgebrütet wurden. Die meisten Fische sind ja auch, im Gegensatz zu den Vögeln, nichts weniger als sehr zäri- liche Eltern. Eine besondere Ausnahme bildet der Lachs, d-r für die Eier mit seinem Maul ein Loch in den Sand gräbt. Wirklich gnlc Väter unier den Fischen sind die Stichlinge, die für ihre Jungen ein Nest aus Gras bauen und die Eier wütend gegen das Weibchen verteidigen, das sie meist auffressen möchte, und die Seehasen oder Lunhfische, die vor dem Loch, in welchem sie die Eier verheizen, Wache zu halten pflegen._ meekrvürölger planet. Zu den merkwürdigsten Himmelskörpern zählt sicherlich der am 3. Januar d. I. ans der KönigSstuhi-Slernwarte von Prof. Max Wolf entdeckle, später von mehreren Siernforschern beobachtete Planet, der zunächst irrtümlich für einen Kometen gehalten wurde. Er erschien zuerst— so berichten die. Naturwissenschaften'— al§ Stern elfter bis zwölfier Größe: am 3. Januar stand er rm Stern- büde des Orion und wanderte dann rechlläufig zu den Zwillingen hinüber. C. Hoffmeister von der Bamberger Sternwarte stellte eine Bahnberechnung an, nach der das neue Gestirn als Komet anzit- sprechen war; die Berechnungen in Lcrlin-Dahlem ergaben jedoch sicher, daß es sich um einen kleinen Planeten handele, dessen Bah» allerdings die Exzentrizität eines Kometen zeigr. Die UmlausSzeir beträgt etwa vier Jahre. Zur Zeil seiner Entdeckung befand sich der Planet nahe bei der Erde, indem sein Abstand schätzungsweise nur den fünsren Teil des Erdbahnhalbmcssers betrug. Die Helligkeit entsprach trotzdem nur der elsien Slerngröße. ES muß sich offo um einen sehr kleinen Wcltkörpcr handeln; sein Durchmesser dürsie 10 Kilometer nickt übersteigen. Das Merkwürdigste an diesem, zu den Asteroiden gehörigen Planeten ist nun. daß er vielleicht emen Begleiter, einen Mond hat. Wolf hat nämlich einen solchen Be« glciier von der Helligkeit eines Sternes 14. Größe am 5. Februar beobachtet. Wäre seine Umlaufsbahn kreisförmig, so betrüge die Umlaufszeit etwas über einen Tag. Schätzungsweise müßt« die Masse diese« MondcS der seines Planeten etwa gleich sein. Andere Astronomen glauben jedoch nicht, daß dieses Gestirn wirklich eiis Mond sei, sondern nehmen an, ein anderer, sehr kleiner Planet sei in der Nähe des neuen Gestirns entlang gewandert. Bon anderen -Sternwarten ist bisher eine Bestätigung des Begleiters nicht be- richtet worden._ Notizen. — Die Porzellanzwerge der Sammlung Gumprecht, von denen R. Breuer hier gestern erzählte, haben zu ihrer sonstigen Ergötzlichleit auch noch die närrischste Preiseinschätzung erfahren. Die Dingerchen, deren Kunstwert höchst unbeträchtlich ist, wurden mit 5000 bis 10 00 M. bezahlt. Weiter kann wohl die Verrücktheit der AultionSprcise nicht getrieben werden. ■W „Sind ooch wieder Maden in'n Jrieß?' fragte jemand. »Na, denn ha'm wer ja ooch jleich Fleisch, bei die fleisch- losen Zeiten," sagte eine höhnische Stimme. Es tvaren nur wenige, die darüber lachten; bloß ein paar Halbwüchsige fanden es witzig, stießen sich und kicherten. In dumpfem Schweigen wartete die Menge. Frau von Voigt war voll beschäftigt, sie teilte aus, gab auch hier und da ein freundliches Wort. Aber ihre Hände waren unruhig; der feste klare Blick ihrer Augen hatte heule etwas Unstetes. Es lvarcn nur wenig Heringe da und die Leute waren ganz wild danach. Wenn diese Tonne zu Ende war, gab es keine mehr. Man mußte ihnen etwas anderes zum Ersatz dafür verabfolgen. Aber was? Nichts anderes würde daS für sie ausgleichen. Sie überlegte. Merkwürdig, daß sie heute ein so unsicheres Gefühl hatte! Die Leute drängten gegen die trennende Schranke. „Bitte, zurücktreten! Immer der Reihe nach Aber da war kein Hören. Als ob sich das Gerücht schon verbreitet hätte: es sind nicht genug Heringe da, so drängte jetzt jeder nach vorn. Gertrud wollte incht drängen, aber sie mußte, ohne den eigenen Willen; von hinten wurde sie gestoßen, gedrückt, immer weiter vor, sie wurde gepreßt, daß ihr der Atem aus- ging, sie steckte mitten drin in einem Knäuel. Angstschweiß brach ihr aus. Wenn sie sich doch hätte setzen könucn, nur einen- Augenblick! Es begann ihr schwindelig zu werden, die Köpfe vor ihr wurden zu erdrückenden Rieseuhäuptern— heraus, wieder heraus.! Sie wollte gern weg, zurücktreten. aber sie war eingekeilt in der furchtbaren Masse. Angstvoll riß sie die Augen auf. Da neigte sich ein Gesicht gegen sie, ein gütiges Gesicht— wo hatte sie das doch schon gesehen?! «Ist Ihnen nicht wohl?" «Platz, lassen Sie sie hier doch mal raus—'n Momaiig— die wird's ja schlecht!" Der furchtbare Druck lockerte sich etwa?, eine' Gasse tat sich auf vor Gertrud. Luft, mehr Lust. DaS fühlte sie noch. Als sie wieder zu sich kam, saß sie auf einem Stuhl am geöffneten Fenster. Noch konnte sie nicht klar sehen, noch nicht recht denken, aber sie hörte wieder:„Hunger hat sei" Nun fühlte sie aus einmal das krampsige Hungergefühl, die entsetzliche Leere. Gestern abend nichts gegessen/ heute morgen nichts gegeffen. Es war nichts zu essen dagewesen. Ihre Lippen waren weiß wie Schnee. Ja, Hunger hatten sie alle. Ein dumpfes Murmeln erhob sich. Sorts. folgt.) Reichstagswähler von Lichtenberg, Petersburger Viertel nnd Stralau! CftMtiig, de« 25. März, abends 8 Uhr. in den. Pracht- taten de» Lftrns, gvantfurl« Allee 48; Wählerverfammlung. Tagesordnung: 1. Tie bevorstehende Stichwahl in Ntederbarntm. Reiereut: Schriftsteller Genosse Ernst HeUmann. i. Aussprache. Alle Wähler find ctugelabe».? 14/17 Der Einberuser: R. Peterhanfel. 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MMmliW aus S6er Geschoßkörbe verlangt. 1» Material reichlich vorhanden. E, Schlesinger& Co., Rarlus straße 18. 27582* per sofort gesucht. Borstellung zwischen 8—12 Uhr vormittags. Tempelhot, Friedrich- Wilhel»-Atr.52 54 Schlosser verlangt Mtlitärsahrzeugfabrik Emil Hahileka AtrtiengeMlIsohalt Berlm-Mariendorf, Großbeerenftr. 18. Schlosser anclifc 2786L* ikl.-Ges. Freoml. ÄSSKSÄ"*: Eisendreher »uaht 2736L* Ikl-Ges. Freoml, Werkzeugmacher aus Schnitte«. Stanzen Verl Berliner Türschitesterfabrtk Rndolpb Werth. Kleine Alexanderftraße 28. Kesselschmiede oaeht 2787L* ikt.-Ces. Frennd, Arbeitsbursche für sofort gesucht. 37152* Fritz Mensiug, Bülowstr. 5S, 2. Hos. Ausg. 8, Pott E. 9-1, 3-6. Wie WW für leichte Arbeiten verlangt Arbeitszeit 9-5»/,. Tischzeit. DeDtscManii ühree-üanulakui? Leo Frank. 27562 Haa»dlener(in); e&ent KriegSbeichädizter, für leichte Arbeit getucht. sl7«A Kaufhaus Gebr. Preust, veusset-. Ecke Huttenftratze. Arbeilerinnen für Zurichterei gesucht. Erich Bleckmar. 213,'8 Spandauer Str. 19. SSochterfinnea) LZ/16 für Reviere u. Einzelposten, nn« bestraft, kleine Kaution, sucht «ach. u« Schliest-Geiellsch.. Taomtzienstr. 1, Eing. AnSb. St. Lehrmädcheu für Lager u. Verkauf per sofort oder 1. Apri! gesucht. Bedin- gung: ewjähriger Besuch der Oberklassv. Meldung mit Schul- zeugnissen. donac»* Co., 83/18 Belle-Allianrestr. 7—10. Meisterscliraiieii.'ÄL* Schreibmalchwe fündig, z Unter- d. Betriebsleiter» f. sofort Paul Marcus. Schöne« g, Monumenienssr. 3i. 38/8 gesucht Sero, M Üt.$2 ♦ SS. Jahrgang 2. Seilage öes vorwärts GouuabenS, 23. März WS Industrie und Kandel. Aus dem Berliner Wirtschaftsleben. T«e H. Berthold Messinglinirn- und Schriftgießerei-V.-G. ver� teilt aus einem Reingewinn von tSS 000 M. auf 4 Millionen Mark Aktienkapital wieder 4 Proz. Dividend?. In dem Geschäftsbericht wird ausgeführt:„Die drückenden Verhältnisse, unter denen unser Unternehmen seit Kriegsausbruch zu leiden hat. haben auch im Be- nichtsfahre eine Aenderung nicht erfahren. Die schwierige und kostspielige Beschaffung der Rohstoffe, die Einschränkung in der Versorgung mit Kohle, Gas und Elektrizität, die steigenden Ar- beiler- und Verkehrsnöte verhinderten ein zweckmäßiges Arbeiten und die wirtschaftliche Ausnuhmig der Betriebe. Der von den Schriftgießereien eingeführte Teuerungsznschlag konnte einen vollen Ausgleich nicht bieten. Die schwache Kauflust unserer Abnehmer wurde auch dadurch beeinträchtigt, daß sich in der Druckpapier-Be- '(Haftung recht große Erschwernisse herausstellten. Unsere PeterS- burger Niederlassung ist unversehrt im Gange. Bei Bewertung der dortigen Vorräte, Forderungen und Außenstände waren wir wieder— ebenso wie in den Moratormms-Ländern— ausschließlich auf Schätzung angewiesen. Unsere Zweigniederlassungen in Stuttgart und Wien haben ein entsprechendes Erträgnis geliefert. Um die großen Schädigungen, die nnserm umfangreichen Auslands- geschäst« durch den Krieg erwachsen find, allmählich auszugleichen und unsere Stellung auf dem Jnlandsmarkve zu kräftigen, haben wir im Herbst die altangesehene Berliner Schriftgießerei Emil G u r s ch erworben. Tie gesamte Fabrikeinrichrung geht zum Preise von aMähernd 500 000 M., die im Lause dieses Jahres ge- zahlt werden, in unfern Besitz über. Für den Wert des Lagers und der Außenstände, für deren Eingang die Vorbesitzer Gewähr leisten, sind langfristig« Abtragungen vereinbart worden. Gleichzeitig er- warben wir das dazu gehörige Fabrikgrundstück Gneisenaustr. 27 zum Preise von 1050 000 M.» dessen Auslassung und Uebernahme innerhalb der nächsten fünf Jahre nach unserer Wahl erfolgen wird. Da die Wirksamkeit der Verträge erst mit dem 1. Jan»ar ISIS begonnen hat, kommen die Zugänge auf die einzelnen Konten erst in der nächsten Bilanz zur Erscheinung. Wir erhoffen von diesem Zusammenschluß wesentliche Vorteile und Ersparnisse, die sich in ihrem vollen Umfange allerdings erst nach Friedensschluß bemerkbar machen werden. Außerdem laben wir zwei kleinere Berliner Metzereien erworben, deren Angliedening uns zur Verringerung des Wettbewerbes am hiesigen Platz« vorteilhaft er- schien." Die Steffens«. NSlle A.-G. in Berlin weist nach Abschreibun- gen von 872 044 M.(i. V. 698 523) einen Reingewinn von 1 076 238 M.(1035 052) aus; hieraus soll eine Dividende von 10 Proz.(7, 5, 5, 7% Proz. in den vier Vorjahren) verteilt werden. Der Neu- Vortrag beziffert sich auf 87 818 M.(112 052). Das Vorstandsmit- glied der Gesellschaft Wolter Mühlinghaus wurde zum General- direktor ernannt._ Es wird glänzend weiter verdient! Die Hast- er EisengieHerei vorm. Freptag«. Co. A.-G. beantragt eine Dwidende von 30 Proz.(15 Proz.) bei erhöhtem Abschreibungen. serner die Erhöhung deS Aktienkapitals um 200 000 M. auf 300 000 Mark._ I« Daimlers Nachbarschaft. Die Bremer Jute'pinnerei und-Weberei weist ihren Aktionären als Ueberschuß auS dem verflossenen Geschäftsjahr 22 Proz. Dividend«(im Vorjahr 30 Proz.) und 900 000 M. in Form von Kriegsanleihe zu DaS ganze Aktienkapital beträgt 2 100 000 M., im Vorjahr 1800000 M. Außer dem sogenannten WohlfahrtSfondS bettagen die Reserven 2 810 910 M., also 210 000 M. mehr als die Aktien. Die Aktionäre haben in zwei Jahren profitiert 1 002 000 M. Dividende, 900 000 M. Zuwendungen außer der Dividende, 300 000 M. neue Aktien. Geiamtprofit also 2 202 000 M.! Diese Gesellschaft hat sicherlich besonder» günstige Lieferungen für doS Heer. Siegt hier keine Ausnutzung der KriegSnot des Reiches vor? Die«rbeiterlöhne find gerade bei dieser Gesellschaft sehr niedrig!— Die Vorbereitung aus den Rohstoffkrieg. Die britische und ägvptische Regierung haben gemeinsam he- schloffen, die ägyptische Baumwollernte vom 1. August zu erwerben. Eine Baumwollkontrollkommlssion ist ernannt worden, der Ver- treter der Importeure, Pflanzer und Banken beratend zur Seite stehen sollen. Die Kommission wird sowohl die nächste Baumwoll- ernte als auch den Rest der diesmaligen Ernte zu festen Preisen kaufen. Die Ernte wird nach Alexandria abgeliefert werden. Aus- fuhrer laubnis wird nach dem 1. August außer für die von der Kom- Mission verkaufte Lauinwolle nickt mehr erteilt werden. Alle bereits bewilligten Ausfuhrerlaubnisscheine, außer soweit es sich um im Hasen zurückgehaltene und vor dem 1. August verkaufte Baumwolle bandelt, werden ungültig. Die Kommission wird er- mächtigt werden, alle Baumwolle in Alexandria ihren Eigentümern, die im Besitz von Erlaubnisscheinen sind, zu genau festgesetzten Bedingungen zu beschlagnahmen. Die Kommission wird die Baum- breiten. Kewe neuerliche Erhöhung der Ersenpreise? Wie dem„Verl. Tagebl." aus Düsseldorf gemeldet wird, ist oui Grund der bisher zwischen den Eilenverbänden und den Kriegs- robstossstellen geführten Berbandlungcn damit zu rechnen, daß die Eisenpreise für die am 1. April beginnende neue LieserungSperiode auf der ganzen Linie unverändert bleiben- werden. Die letzten generellen Prerserhöbuilgen wurden Anfang Juli 1917 vorgenommen, und zwar erfolgten die damaligen Erhöhungen in ziemlick erheblichem Ausmaße." Die Eisenwerke haben inzwischen keine Ausbesserung erfahren, um die sie die Werk« selbst durch eine tendenziös« Bilanzierung bemüht hatten. Die Ab'chlLsse der Gelsen- kirckener Bergwerksgesellschaft und der Oberichlesischen Eisenbahngesellschaft zeigen auch, daß eZ den Werken glänzend geht. Zentralisation deS NnSfuhrhaudels in Oesterreich. Der österreichische Exporthandel war niemals von außerordent- licher Bedeutung, der Hamburger und Bremer Exporteur arbeiteten häufig für den österreichischen Fabrikanten soweit dieser überhaupt einer Vermittlung bedurfte, was bei den meist sehr nahe gelegenen Absatzgebieten durchaus nicht allzu häufig der Fall war. Soweit aber Exportfirmen bestehen, haben sie sich jetzt unter Teil- nähme führender Banden zu einer„Internationalen Export« und Import- Aktien- Gesellschaft" in Wien mit 15 Millionen Kronen Kapital zusammengeschlossen. Die dieicS Unternehmen bildenden drei größten Exportfirmen werden sich out dle Liquidation ihrer früheren Geschäfte beschränken und neue Abschlüsse ausschließlich der Akliengeiellschast überlassen, der die fusioiriercnden Unter- nehmungen ihre Arbeitskraft, Erfahrung und inländischen Apparat einbringen. Eine entsprechende Organisation ist auch in B u d a- v e st mit 10 Millionen Kronen Kapital gegründet worden, die den bisher ganz brach liegenden oder in fremde» Händen befindlichen Export Ungarns neu orfianifieren will. Der österreichische Aussuhr- Handel wird auch für dre Ukraine syndiziert, zu welchem Zweck eine Gesellschaft mit beschränkter Haftung mit 2 Millionen Kronen Kapital gegründet worden ist._ Deutsch'dävisch-österreichischeS Abkommen. Born 15. bis 19. März wurden in Kopenhagen die DelegationS- Verhandlungen mit Deutschland und Oesterreich-Ungorn über den Warenaustausch DänomarlS mit diesen Ländern in den vier Monaten vom 1. 4 bis 31. 7. 1918 geführt. Die Verhandlungen nahmen einen für die dänischen Interessen zufriedenstellenden Verlauf. DaS Ergebnis war die Fortsetzung deS Warenaustausches mit Deutsch- land und Oesterreich-Ungarn in wesentlich gleichem Umfange wie früher. Betreffs der dänischen Ausfuhrwaren wurden Abmachungen über die Preise für die nächsten vier Monate getroffen. Die Kohlen- zufuhr erwartet man in unverändertem Umfange und zu unver- änderten Preisen aufrechterhalten zu können, während eine oiwaS erhöhte Zufuhr von Eisen und Stahl unter anderem für den Schiffs- bau erwartet wird. Gericktszeitimg. Ter kußlustigc Herr Trotzki. Ein« sonderblire„Kußordnung" hatte sich ein Herr Trotzki, Inhaber einer Druckerei, zurech:- gelegt, gegen den vor der 3. Kammer des Berliner K a u f m a n n s- gerichts verhandelt wurde. Besagter Herr beschäftigte die !6jährige Klägerin Gertrud U, in seinem Kontor und hatte sich wiederholt Zudringlichkeiten gegenüber dem jungen Mädchen er» laubt. Als dies die LiebkosungSversucke des Chefs energisch ad- wehrte, entließ er es unter einem nichtigen Vorwaude und drobte ihm, er werde, wenn weitere GehaltS-msprück»« geltend gemacht würden, dafür sorgen, daß eS keine Stellung mehr finde. Auf eine telephonisch! Bitte um Auskunft erwiderte T. dem Anfragend.'.», er könne nur mündlich Auskunft geben,.„die Sache sei zu heikel, nm durch den Fernsprecher erledigt zu werden". Es ist dem jungen Mädchen dadurch tatsächlich bis jetzt nicht gelungen, eine neue Stellung zu finden.— Die Kußattacken gab de: Beklagte zu. er ließ nur durch seine Vertreterin einwenden, die Klägerin könne das nicht mehr geltend machen, denn sie habe eS sich von ihm vo:- her öfter gefallen lassen. Das Kaufmannsgericht war aber der An- ficht, daß e» ein Gewohnheitsrecht des Prinzipals seinen weiblichen Angestellten»regenüber auf diesem Estbiete nicht gebe und ver. urteilte den Beklagten zur Zahlung des Gehalts vis Ende diese? Monats. Die der Klägerin zum Vorwurf gemachte Vernichtung de? Briefes einer Mitangestellten an ihren Bräutigam sei eine jugendliche Dummheit. Bei derartigen Anlässen müsse immer dos eigene Berhalien des Chefs mit berücksichtigt werden. Wenn dieser selber sich nicht einwandfrei benehme, dann dürfe er sich nickt wun» der«, wenn die Gehilfin aus falsche Wege gerate. Durch Verwen» duttg des Vorsitzenden bei einem zufällig im Gerichtssgal anwesend gewesenen Personalleiter eines großen Warenhauses wird das existenzlose junge Mädchen jetzt in dem betreffenden.Hause An- stellung finden.___ CwgeßtmgSNe Druckschriften. Um Tripolis von End er Pascha. Vcilez Hugo Vntckmattn, Tlünchen. 4, 20 M. Zentralismus und FuderaZiSmiiS in der Schweiz von Fuz Flein er. Roscher u. Co., Zürich. 1,10 M DaS Recht der Oeganisatione-i im neuen Tentschland. IV. und Y. Hest. 0,90 und 0.60 M. Gustav Fischer, Fcno. Von deuticher-Zalkslrast. F. i>l. Pnibc-Z, Goibo 1918. 1 M. Im Gericht von Johannes Lubahn. Zieulaud- Verlag, Hamburg U0. 1.60 M. Tie Meistbegiinsligung in den künftigr».tlandclsvcririigen von Dr. Noum. Reichesberg. A. Franckc, Bern. 1.80 M. Teniichrift über die Aufgaben der liebe» gmigswirtichasi»on Richard Riedel, ffiemiche Buchbandlung. Wien. 2.40 Kr. Nu Rumänieu dreieinhalb Monate interniert von Dr. W. Zekelh. F. Volkmar, Lelveig. Fachblatt für Holzarbeiter, beiausgegelin vom Deutschen Holz- arbeiteivcrbaud. 6 M. jährlich. Berlin. Seaiivnale Ktiioresorm von Dr. Konrad Lai»ae. 8,20 M,— Gin« »ührnnq in da» Militärrecht, 1 und 2, je 45 Ps. VolkSvereinsveriaa M�EIadbach. Teutschland im unbefangen«« Urteil des feindlichen und neutralen Auslandes während der KrteaSzeit von Dr. Paul Hcrre. Otto Spamer, Leipzig. 1.20 M. Wahlrecht und Zukunft der nationallibcralen Partei von Dr. Robert Fricdberg. Herrn. Kalkoff, Berlin-Zehlendorf-Welt, 80 Pf. lieber Mist stände der städtischen HhvothekenverhSltnisse von Georg Kembs. W. Moeier, Buchhandlung, Berlin. 1.25 M, und 25 Proz. Die Vertreibung des König» Konstantin von Griechenland. I. F, Lehmanns Verlag, München. An» Vergangenheit und Gegenwart der Würzburger Arbeiter. bewegung von Robert Kern. M. Dellher u. Co., E. m. v, H., Warzburg, 50 Vi. BaterlandSPolttik do« Martin Hobohm. S.50 M.— Ter Welt- friede und feine Hindernisse von Gustos F. Steffen. 6 M. C. Diede- richS, Jena. Das Hau» im süßen Winket von S. A. Grecvcn. Egon Flei'chcl u. Co. Berlin. I M. Religion und Lebe« von H. Thomas. 7,80 M. Verlag„Natur- wiffenschaiten", Leipzig, «tue Frau vom Laude von Richard Voß, 1,5.5 M. Rndolf Moste, Berlin. Damen- Konlektionsstaus M. Kraust Co. Sellin 0. FrmMr w üi, Ii§s ?wKi,hpn Hier- VMm U Kostüme*........ 89,- 95,- 129,- ms,- 175,- Seiden-Kostüme»'Mr....'«.-m-m-W,-.-. Seiden-Met ma».ssr— ra.- 98,- 129,- 139,- ms,- Kostümroeke Sl 19.1522,»28,»36,-45,-56,-68,-79,-85,-98,- � Trauer»Abteilung marine, ÄS 89,- 79,- 85,- 98,- 105,- 112,- Seiden-Kostümrücke Seiden-Kleider nMr2•■ m- 139,- ms,- i65,- 1?8.- Seiden-Binsen 25,5« 28.» 36,- 3?.« 39,- 58,- 63,--... Voile-Binsen"X'•■ 9,75 12,75>6,?- 19,75 22,50 26,51 29,5« Beachtenswerte Ausstellung in unseren 16 Schaufenstern und Schaukästen cisamMermtii f.&sst ionlijcrilo. < Aikoholt».. 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J-, während der üblichen GeschästSünnden ui Berlin bei nnserer tiied-rlagung, bei der Bau? des Verliner napeno-r-inj suur für MilKlieber des Giro-Efselten-Dsswl»): in Knmloeg. Llton«, Hannaoe-, ltiil, Leixzlx, iilienburg L.-S., Binndenbnrg a. H., ltatidnö, Ferst i. 2. nnd Stettin, bei uns eee« Riederlalsunge!!; in tlhewni» beim Chemniger Bnnk-Berem; in Dresden bei der BÖttelreustbze» Peinnt-Bant S.>G.: in Frlmkfnet». M. bei den Herren z. Deezsn»».« ck a. P i l K« r. WKIWA ,,ltt»i!II!!IU Emgelragene Gcnoffillschos! mit beschränkter HastpflichL Berlin, Krnulstrafzc 52. Bilanz am Sf.Tczmbr.iG17 Alüiva. 27. Kassenbestanh... 19,68 Waren..... 17 MO,— älatorialicn.... 21 021,— Maschinen.... 10000,— Werkzeuge.... 5 OOO,— Utensilien.... 1 200.— Pferd und Wagen.' 650,— Effekten..... OSO,— Debitoren.... 1 371,28 Bank...... 25 782,85 Dostscheck.... 70,11 Muster und Modelle 1,— istonto Dubio... I,-- Summa 88 489.09 Passiva. 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Der Feind eröffnete heute früh kurz vor Tagesanbruch eine schwere Beschickung gegen unsere ganze Front von der Nachbarschaft von Bendeuil südlich von St. Onentin bis zur Scarpe. Erfolgreiche Vorstöße wurden von uns heute nacht in der Nähe von St. Ouentin ausgeführt. 13 Gefangene und drei Maschinengewehre wurden von unseren Truppen eingebracht. Weitere Gefangene machten wir bei Palrouillenzusaminenstößen südöstlich M e s s i n e s und bei ein ein weitereu erfolgreichen Vorstoß, den wir südlich des Houthoulster Waldes unternahmen. Ein vom Feinde in der Nachbarschaft von Armentiörcs versuchter Ueberfall wurde abgewiesen. Französischer Heeresbericht vom 21. März nach- mittags. Nördlich der A i l e t t e gelang den Franzosen ein Vorstoß gegen die deutschen Linien. Am Rande von Vouconville brachten sie clwa 10 Gefangene ein. Gegen Morgen wurde eine rege Be« schießung unterhalten in den Abschnitten nördlich und südöstlich Zlcinis, wie an verschiedenen Stellen der C h a m p a g n e- front. In dieser Gegend unternahmen die Deutschen mehrere erfolglose Versuche, namentlich im Abschnitt von Hnrlus in der Gegend von Souain und an der Straße nach St. Souplet. Auf dem rechten Ufer der Maas nahm gestern die Beschießung der sranzöfischen Stellungen große Heftigkeit an. Gegen Abend erfolgte ein starker Angriff zwischen dem Walde von Courrieres und Bezonvaux. Nach einen, Handgemenge drängten die französischen Truppen den Feind an einigen Stellen, in die er zuerst eingedrungen war. zurück. Gefangene blieben in französischer Hand. In Lothringen erliilen die Deutschen einen vollstäirdigen Mißerfolg; in der Gegend von Nomeny griffen Abteilungen gegen 1 Uhr 30 nach lebhafter Artillerievorbereitung an, wurden jedoch im Feuer zurückgeworfen. Den Franzosen gelang ein Vorstoß gegen Armaiicourt,- wobei Ge- saugene gemacht wurden. Französischer Bericht vom 21. März abends. Die Tätigkeit der , demschen Artillerie blieb im Laufe de-Z Tages sehr heftig zwischen M i e t t e und A i s n e, in der ganzen Gegend von Reims, au der Front in der Champagne, besonders zwischen der Gegend von Monts und Ville sur Tourbe. Unsere Batterien ant- worietcn überall eutichieden. Im Abschnitt von les HurluS machte der Feind nacheinander drei Angriffe, die durch unser Feuer gebrochen oder durch unsere Gegenangriffe zurück- geicblagen wurden. Oestlich von S u i p p e s erlitten Handstreiche einen völligen Fehlschlag.— Uniere Artillerie nahm in der Gegend südlich von Monthnis(Monthois?) vorgehende deutsche Kolonnen unter Feuer und zerstreute sie. Aus dem rechten Ufer der M o a« und an einigen Stellen in der W o e v r e wurden unsere ersten Linien ziemlich stark beschossen. Innerer Kampf in üer Ukraine. Rc-zierung gegen Volksbewaffnung. Berlin, 22. März.(2S. T. 23.) Aus der llkrmn-e wird ge- meldet: Der Kommissar des Gouvernements Kiew beantragte beim ukrainischen Ministerium des Innern die schleunige Ent- w a f f n u n g der Bauern, da sonst der Kampf gegen die An- archie ausfichtSlos sei. Di« Bauern, bi» z« den Zähnen be- >v a f f n e t, haben lWaffeu aller Art, sogar Artillerie. Der Kommissar lehnt für die Tätigkeit des Gouvernements-Komman- bauten die Verantwortung ab. Zum Kommandanten der Stadt- miliz wird Bogazki, bisher Journalist, ernannt.— Für die nächsten Tage wird Eröffnung der Schiffarht auf dem Dnjepr angekündigt. — Ein Befehl des KriegsminifterwmS ordnet völlige Demobili- sser-ung der Schwarzmeerflotte an.— Das System der Borge- setzten wähl wird abgeschafft, sämtliche Komi- tees aufgelöst. Im Handelsministerium ausgearbeitete Natzungen ftir die Landkomitees sehen eine vermehrte Hinzuziehung von kulturellen und agrarischen Kräften, Lehrer usw., in die Ko- mitees vor. Ihre Bäahl soll auf breitere Grundlage gestellt werden. Hauptaufgabe ist die Durchführung der Bodenreform. Der Leit- artikel der Zeitung„Arbeiterleben" schreibt über die Minister- krisis: Die neue Zusammensetzung des ukrainischen Kabinetts bringt keinen wesentlichen Programmwechsel. Durch den Eintritt des früheren..Unabhängigen" Soz.-Föderalisten Feluchin, sowie die Uebernahme des Ministeriums des Innern durch den ukrainischen Sozialdemokraten Tkatschenko hat sich jedoch der nationalistische Kurs gefesttigt. Die Nachrichten des W. T. 25. dürften auf die Radaregierung zurückzuführen fein, die, wie man sieht, mit sehr starken inne- r e n Widerstände« zu kämpfen hat. Rod. d.„V.". Der Krieg auf den Meeren. Berlin, 20. März. Im Sperrgebiet dcS MittelmrereS wurden 7 bcladciie Dampfer, die sämtlich gesichert und zum größten Teil bewaffnet waren, sowie 0 Segler, zusammen etwa 23 000 Br.-Reg.- To., versenkt. Der Chef des AdmirolstabeZ der Marine. Gegen Mitteleuropa— für öen völkerbunü. TaS Memorandum des Prof. Lammasch. Wien, 21. März. Die„Zeit" veröffentlicht eine Zuschrift Pro- wssor Lammaschs, worin er erklärt, er habe gestern den Brief des Pnvatdozeuten Dr. L. M. Hartmann erhalten, worin sich dieser als Informator Friedjungs zu erkennen gibt. Jenes Memorandum, auf das Friedjung und seine Hintermänner ihre Angriffe gründen, war an einen weiteren Kreis von Persönlichkeiten gerichtet. Es ist eine Polemik gegen Naumanns„Mitteleuropa" und sucht zu beweisen, daß„Mitteleuropa" einen dauernden Frieden un- inöglich machen, den Bund unserer derzeitigen Feinde verewigen, Europa in zbei feindliche Heerlager spalten und einen neuen Krieg unvermeidlich machen würde. Der Idee„Mitteleuropa" stellte er die eines allgemeinen Verbandes der Staaten zur Sicherung des Friedens gegenüber, m't Organen zu friedlicher Schlichtung von Differenzen und mit Gcmcinbürgschaft aller Staaten für den Frie- dm. Ein solcher allgemeiner Slaatenverband, wie er auch Wilson dorschwebt, würde alle Sonderbündnisse hüben und drüben über- flüssig machen und das Ziel, Europa Ruhe zu verschaffen, sicherer erreichen, als die Politik deS Gleichgewichtes, die 1014 vollständig versagte. Oesterreich-Ungarn solle sick in einer öffentlichen Cr- Uäruug an die Spitze der Bewegung in diesem Sinne stellen, dadurch die Feinde über die vielleichl mehr eingebildeten als wirklichen Ge- fahren Mitteleuropas beruhigen und damit den Friedensschluß er» leichtern...',. Ter schweizerische Nntionalrat hat den Autrag auf P e r m e h- rung der Bundesräte von sieben auf neun mit 73 gegen 52 Stimmen abgelehnt. /ws üem �ilfsüienftausschuß. Die Generalkommission der Gewerkschaften hat Beschwerde geführt gegen eine Verfügung des General- k o m m a n d o? in Poien, ivonach Personen von 14—17 Fahren ihre Arbeitsstellen nicht ohne Erlaubnis verlassen dürfen. DaS gleiche Generalkommando hat dann eine weitere Verfügung erlassen, die den in der Landwirtschaft tätigen Personen verbleiet, ohne Genehmigung deS Landrats in einem anderen Beruf Arbeit anzunehmen. Weiter hat dieses General- konimando den Arbcitszwang in der Landwirtschaft gegen Gewährung des ortsüblichen Tageslohnes angeordnet. Dieser Arbeitszwang bezieht sich auch auf Frauen. Ter Referent, Abg. Schiele skst vertrat die Auffassung, daß die Beschränkung der Jugendlichen von 14 bis 17 Fahren durch den Belagerungszustand gerechtfertigt sei. Die anderen Verordnungen seien rechtlich bedenklich.— Abg. Giebel lSoz.) tritt � dem Referenten entgegen. Das BelagerungSzustandSgesetz rechtfertigt daS Vorgehen des Poiener Generalkommandos nicht, erst recht nicht, seitdem dos.Hilfsdienstgesetz besteht. Die 2lusdehiin>!g des HilfsdiciistgesetzeS auf Fraiien ist sogar von allen maßgebenden Faktoren strikte abgelehnt worden. Es handelt sich hier um eine reine Rechtsfrage, die nur durch Gesetz geregelt werden kann, sonst stellt man den Generälen einen Freibrief ans, tun zu düifen, was sie wollen. Ilm diesen Zustand zu beseitigen, stellen die Abgeordneten Bauer(Breslau), Giebel und S t ü ck l e n folgenden Antrag: Die verbündeten Regierungen zu ersuchen, dem Gesetz über den vaterländischen Hilfsdienst vom 5. Dezember 1916 folgenden Zusatz zu geben: Z 2l. Eine Ausdehnung der Hilfsdienstpflicht oder einzelner Bsstimimmgen dieses Gesetzes auf jugendliche Personen unter 17 Jahren oder auf Frauen, kann nur im Wege der Gesetz- gebnng, nicht durch Vera rdnung erfolgen. Auf Grund des§ 9b des Gesetzes über den Belagerungs- zustand vom 4. Fniii 1821 in Verbindung mit dnn Reichs- gcietz vom 11. Dezember 1912 erlassene Verordnungen, die mit den Bestimmungen dieses Gesetzes in Widerspruch stehen, sind ungültig. In der ausgedehnten Debatte versuchten Rcgicrunasdertreter die Vezordnung als zeitlich begrenzte Notstandsmaßnahme zu rechtfertigen, gaben aber zu. daß die Verordnung nicht mit den Geboten volilischer Klugkeit vereinbart sei. Abg. Bauer(Soz.) trat der Auffassung entgegen, daß bei monatelangen landwirtichaft- lichen Arbeilen Von einem akuten Notstand geredet werden könne. In der Abstimmung wurde der Antrag der Sozialdldemokraten angenommen._ de? Ausschuß für Handel unö Gewerbe verhandelte am 21. März weiter über die Frage der Stillegung von Betrieben. Für den Unterausschuß, dem alle die Still- logung betreffenden Eingaben und Fragen überwiesen worden waren, berichteten die Abgg. Müller- Fulda und Schumann (Soz.). Den Anträgen des Unterausschusses stimmte der Ausschuß in allen vorgelegten Fällen ohne Debatte zu. Räch der Ojterpause sollen die vom slieichswirtschaftsamt aus- gearbeiteten Richtlinien und Grundlagen für die Uebergangs- Wirtschaft zur Verhandlung gelangen. Zu einer vertraulichen Besprechung in Fragen der Handelsschiffahrt findet zwischen der Regierung, den Mitgliedern des Ausschusses und Vertretern ans den Kreisen der Schiffahrt am Sonnabend, den 23. März,«ine Zusammenkunft im Re-chswirtschaftsamt statt. Eine offiziöse Erklärung zum Mühlon-Dokument. Unter dem TiiÄ„Entstellungen und Taffachen" bringt die „Mordd. Allst. Ztg." folgende Darstellung des Sachverhalts, die sich auf schriftliche Aeußernngen der Herren Helffcrich und Krupp V. Bohlen-Halbach stützt: „Dr. Mühlon, damals Mitglied des Direktoriums der Firma Fri.edriich Krupp, A ktienge soll scha st, hatte ran Jutt 1914 eine Be- sprechnng mit Dr. Helfferich,'damals Direktor der Deuff'chen Bank, in der ihm der letztere mitteilt«, daß sich die Deutsche Bank genötigt sähe, einige große Geschäfte, über dre sie mit der Firma Krupp seit längerem in Unlerhandlungen stände, angesichts der in- folge des Mordes in Serajewo bedrohlich gewordenen poli- tischen Lage dilatorisch zu behandeln. Ebenso hat Herr Krupp v. Bohlen und Hakbach Anfang Juli gegenüber den Mitgliedern seines Diriektoriums, die für die Versorgung der Firma mit Roh- stoffen und Lebensmitteln zuständig waren, sich dahin ausge- sprochen, er halte nach der Ermordung des Thronfolgerpaares die ganze politische Lage dock für ernst genug, daß es ihm geboten er- scheine, Vorsorge für alle Fälle zu treffen. Die Erzählungen, mit denen Dr. Mühlon in seinem Brief diesen Sachverhalt ausschmückt, und deren Tendenz'dahin geht, Deuff'chlstnd die Schuld des Kriegsausbruchs zuzuschieben, werden sowohl von Herrn Dr. Helfferich als auch von Herrn Krupp v. Bohlen und Halbach als unzutreffend und phantastisch zurückgewiesen. Der Stellvertreter de? Reichskanzlers hat im Haupiausschuß des Reichstages hinzugefügt, daß eine Prüfung der Behauptungen der beiden Herren, soiveit sie objektiv kontrollierbar gewesen seien, ergeben hat, daß die behaupteten Aeußerungen nicht gefallen sein könnten, da sie mit den Tatsachen in unlösbarem Widerspruch ständen. Zur Sacke selbst stellen wir folgendes fest: 1. lieber einen angeblichen Kriegsrat oder Kronrat oder eine Konferenz unter Vorsitz Seiner Majestät des Kaffers und unter. iSeteibiguiig österreichisch-ungarischer Vertreter am Sonntag, des: 5. Juli, scheinen schon vor Kriegsausbruch Gerüchte im Umlauf gewesen zu sein. Diese Gerüchte entbehren der Be- gründun g. Weder am 5. Juli noch an einem andern Tage in lener Zeit hat ein solcher Rat stattgesunden. 2. Die Verhandlungen mit Oesterreich-Ungarn über die durch den Mord von Serajewo geschaffene schwierige Lage sind aus- schließlich vom Reichskanzler und dem Auswar ti- gen Am t geführt worden. Die verfassungsmäßig zuständigen Instanzen tragen für den Gang dieser Verhandlungen formell und materiell allein die Verantwortung. 3. Die Politik der Kaiserlicken Regierung war in vollem Ein- klang mit den Intentionen Seiner Majestät des Kaisers von An- sang an auf die Erhaltung des Friedens gerichtet. Aller- ding» konnte und durste der Friede nickt durch die Preisgabe des verbündeten Oesterreich-Ungarn erkauft werden. In der Ueberzeugung. daß Klarheit und Offenheit in verwickelten Lagen die beste Politik ist, hat die Kaiserliche Regierung nach keiner Seite einen Zweifel darüber aufkommen lassen._ 4. Ebensowenig hat die Kaiserliche Regierung speziell die russische Regierung darüber im Unklaren gelassen, daß eine r u s s' s ck e Mobilmachung nicht nur eine sofortige deutsche Mobilmachung, sondern aus zwingenden Gründen den Krieg b e- deutet. 2. Innerhalb dieser durch Bündnis, Pflicht und Sclbsterhaltung gegebenen Grenzen ist. wie oft genug dargelegt worden ist, von Seiner Majestät dem Kaiser und seiner Regierung bi» zum letzten Augenblick das Menschenmögliche geschehen, um die Katastrophe a b- z u w e h r e n. Wo die an dem LLeltenbrand Schuldigen sitzen, hat der Suchomlinow-Prozeß auch für Zweifler, denen deutsche Aus- sagen und Dokumente allein nicht gsnügen, unumstößlich erwiesen," Die Srotration öer Selbstversorger. Der Bundesrat hat durch Verordnung vom 21. März 1913 die Menge« an Brotgetreide, die die Selbstversorger zu ihrer Er- nährung verwenden dürfen, für den Kopf auf 614 Kilogramm monatlich festgesetzt. Während sie bisher S'A Kilogramm betrugen, entsprechen sie nunmehr der der versorgungsberechtigten Be- väfkenxng für den Kopf zustehenden Menge. Diese Maßnahme war notwendig, um die ReichSgetreidestelle in den Besitz genügender Getreidcinengcn zu bringen und die Gesamtbevölkecung aus den Vorräten alter Ernte bis zum Eingang genügender Zufuhren aus den besetzten Gedteten und aus der Ukraine sowie bis zum Ein- fetzen des Frühdrnschs zu versorgen. Sie ist als eine vorüber- gehende gedacht. Um zu vermeiden, daß schwcrarbcitcmdc Landwirte gegenüber den städtischen Schwerarbeitern durch die Herabsetzung der Selbstversopgerraiion zurückgesetzt werden, hat die Reichsge- treidc stelle Vorsorge getroffen, daß der schwerarbeitenden Laickbevöllerusrg während der Bestellzeit und während der Ernte Zulagen gewährt werden können. Die Erinnerungen yammanns. Die Erinnerungen Otto H a in mann s, die soeben unter dein Titel„Der neue 5turZ" bei Reiinar Hobbing, Berlin(in zwei.Atisgaben zu 8 M. und zu 4 M.) erschienen sind, er- strecken sich auf die Zeit unter dew Kanzlern Caprivi und Hohenlohe bis zum Tode des Fürsten Bismarck und enthalten eine Reihe neuer tatsächlicher Mitteilungen, die das Urteil über auswärtige Fragen und über die schweren inneren Kämpfe jener Epoche berichtigen und ergänzen. Das Buch, das auch sonst viel Interessantes enthält, schließt mit einein Kapitel über die Sozialdeinokratie, dem wir folgendes ent- nehmen: Die Gegensätze unter den Menschen menschlich überwinden— das war es, was in jener Zeit(vor dem Kriege Red. d.„V.") ganz fehlte. Für den Verkehr zwischen Regierungsvertretern und sozialdemokratischen Abgeordneten waren im Reichstag überall Schoidewände gezogen. Ließ sich doch einmal eine persönliche Berührung in irgend oiner besonderen Sache nicht umgehen, so vollzog sie sich möglichst in einer verschwiege- neu Ecke. Ein Gespräch über die Haltung der Partei in großen politischen Fragen war so gut wie ausgeschlossen. Die praktische Erfahrung und Tüchtigkeit von Arbeitervertretern blieb für die Re- gicrung fast ungenutzt.... Di« Prophezeiung Bebels vor fünfundzwanzig Jahren, baß sich nach' Aufhören des Men- schenmordens im unvermeidlichen Weltkriege gute Aussichten für den Sozialismus bieten würden, ist eingetroffen, aber anders, als er sichs dachte, und schon währeick des Weltkrieges. Wird sich die sozialdcinokratifche Arbeiterpartei von der Herrschaft allgemeiner Begriffe befreien und das geschichtliche Denken ebenso pflegen, wie vordem das logische Denken der Marxschen Schule? Wird sie der Phantasie Grenzen ziehen, die am Ende des vorigen Jahrhunderts das Heil von einem gewaltsamen Sprunge in ein von Grund aus neues Zukunftsgebilde unter der Diktatur des Proletariats erwartete, oder wird sie trotz aller Erfahrungen mit den GesinnanlgSgenosscn der feindlichen Länder dem internationalen Verbürderungstraum das Opfer ihrer Hei- matlieibe bringen? Auch sie verliert nichts als das Uebermaß, wenn sie die Pflege internationaler Gedanken und Verbindungen dauernd den Bedürfnissen uationaler Arbeiterpolitik unterstellt und im Kampfe mit der bestehenden Ordnung«wen Vcrständigungsfricden schließt. Die neue alldeutsche Partei, die sich Deuffche Arbeiter- und Angestelltenparbei nennt, erscheint mit einem Aufruf auf dem Plan, den die„Dsuische Zeitung" an ihrer Spitze abdruckt. Wir haben diesen neuen alldeutschen Maskierungsversuch schon eimnal gekenn- zeichnet und sind im übrigen von seiner völligen Erfolglosigkeit so fest überzeugt, daß wir ein nochmaliges Eingehen auf die Sache nur für eine unverdiente Ehre halten, die dem obskuren Bäcker» dutzcnd der Llufrufsuntcrzeichner damit angetan würde. Letzte Nachrichten. Hollands Protest. Haag, 22. März. In der Zweiten Kammer erklärte der erste Minister Cort van der Linden, daß die Regierung bestrebt gewesen sei, die vitalen Interessen Hollands zu berücksichtigen. Ein Ultimatum sei nicht gestellt worden, ebensowenig habe die Regio rung unter deutschem Drucke gehandelt, sie habe sich lediglich durch den Notzustand beeinflussen lassen und versucht, die beste Lösung zu finden. Jetzt sei das alles vorbei. Es gebe Augen- blicke im Leben eines Staatsmannes, in denen er den Gefühlen seines Herzens freien Lauf lassen müsse. Der Minister fuhr fort: Das niederländische Volk ist einig ohne Unterschied von Rang. Partei oder Religion. Noch nie sind wir so einig gewesen wie jetzt. Er hoffe, daß seine Stimme weit über die Grenze gehört werde, wenn er gegen daS Unrecht und den Zwang einen flammen- den Protest einlege. Unsere Selbständigkeit und unser Recht sind uns lieber als Brot. Wir werden bis an den Bettelstab getreulich daran festhalten. (Lebhafter Beifall und Bravorufe.) Tie Kadetten protestieren gegen de» Friedensvertrag. Genf, 22. März. Die Agenee Havas teilt der französischen Presse im Wortlaut eine Erklärung mit, welche die russische Partei der VolkZfreiheit, die ehemaligen Kadetten, in Moskau überreichte, um gegen den Frieden mit Deutschland zu pro- testieren, den das russische Volk niemals ratifizieren werde. Marghilomans Fricdcnsprogramm. Bukarest, 22. März. Der neue Ministerpräsident MargHi- l o m a n hat eine Kundgebung veröffentlicht, in der es heißt: Die erste Aufgabe wird die sein, innerhalbderunsgegebenen Frist Frieden zu schließen, dessen Grundlagen durch den am 2. März neuen Stils unterzeichneten Präliminarfrieden fest» gelegt wurden. Die zweite Aufgabe, die wir zu erfüllen haben, ist das doppelte Werk der moralischen Wiedergeburt und der Reorga- nisatiou auf allen Gebieten des Staats:oesens. In diesem Sinne macht die Regckrnug aus einer vollständigen und klugen Lösung der Agrarfrage wie auch aus Berufung breiter M a sts e n des Volkes zum politischen Lebcn zwei wesentliche Punkte ihres Ar- beitsprogramms. Das Wahlrecht für die Frauen iu Kanada. Amsterdam, 22. März. Nach einer DimesmÄdiung aus Ottawa vom 21. hat der kanadische Ministerpräsident einen Gesetzen t- wurs eingebracht, laut dessen allen Frauen unter den gleichen Bedingungen wie den Männern das Wahlrecht verliehen wird. Pur die mit Untertanen feindlich«: Staate» der- hdralefcv Frauen wachst audgeMpssen. GewerkschlIzbewEung Erhöhung der Teuerungszulagen i« städtischen Betrieben Berlins. Am 13. Januar d. I. hatte eine Versammlung der Wasserwerks- arbeiter Berlins an den Magistrat den Antrag gerichtet, eine Erhöhung der Stundenlöhne um 20 Pf, vorzunehmen. Am 80. Januar verhandelte die Direktion mit den Arbeiteransschüssen der der- schiedenen Werke im Beisein eines Vertreters des Gemeindearbeiler- Verbandes über die Lohnforderungen. Wie uns mitgeteilt wird, hat der Magistrat nunmehr beschlossen, daß mit rückwirkender Kraft ab 1. Januar eine Lohnzulage von 10 Pi. pro Stunde zur Auszahlung gelangt. Außerdem werden für außerdienstplanmäßige Neberstunden und SonntagSarbeit neben dem üblichen Aufschlage noch 40 Pf. pro Stunde besonders gewährt. Den im Akkord arbeitenden Hand« werkern wurden die Akkordiäv« erhöht, so daß der Durchschnitts- verdienst 1.30 M. pro Stunde beträgt. Im städtischen Schlacht- und Viehhofe hat gleichfalls eine Lohn- bewcgung stattgefunden. Die Forderungen der Arbeiter lauteten: für Arbeiter und Handwerker ab 1. Januar 10 und ab 1. März weitere 5 Pf., für Arbeiterinnen an beiden Terminen je ö Pf. pro Stunde Zulage. Für Wagenwäscher Erhöhung der Akkordsätze um 30 Proz. Der Mogistrat hat den Forderungen nunmehr im vollen Umfange zugestimmt. Nur die Erhöhung der Akkordsätze der Wagen- Wäscher wurde' auf nur 15 Proz. bemessen. Lohnerhöhungen im städtischen Osthafen LerlinS. Im Dezember vorigen Jahres beantragten die Kranführer Gleichstellung im Lohne mit den Speicherarbeitern. Die Arbeitermnen beantragten Er- böhung der Stundenlöhne um 10 Pf. Ferner wurde gefordert, daß der Tagesverdienst Winter und Sommer der gleiche sein solle. Der Osthafen ist einer der wenigen städtischen Betriebe, die tm Sommer noch eine 10 stündige Arbeitszeit baden. Der Magistrat hat die Lohnforderungen bewilligt und befchloffen, daß alle Arbeiter und Arbeiterinnen de» Osthafens nach einjähriger Dienstzeit Tage- löhne, d. h. den 10 fachen Stundenlohn, und damit Sommer und Winter den gleichen Lohn erhalten sollen. Die Auszahlung der erhöhten Sätze hat erstmalig in dieser Woche stattgesunden. — Erhöhung der Teuerungszulagen in de» städtischen Betrirtr« Sleukällns. Neukölln befand sich mit seinen Teuerungszulagen gegenüber den anderen größeren Gemeinden Groß-BerlinS sehr im Rückstände. Bereits im Dezember vorigen Jahres richtete daher eine stark besuchte Versammlung der städtischen Arbeiter an die Stadtverwaltung das Ersuchen, die Teuerungszulagen um 1,150 M. pro Tag icu erhöben. Verhandlungen zwischen dem Magistrat imd den Arbeiterausschüssen unter Hinzuziehung des Bevollmächtigten vom Gemeindearbeiterverband führten zu dem gleichen Ergebnis. Wie uns mitgeteilt wird, soll nunmehr die Konjunkiurzulage um 1,50 Marl pro Tag erhöht und ab 1. März zur Auszahlung ge- langen._ Leistungen deS Buchdruckerverbandes währeud der Kriegszeit. Wie wir dem„Korrespondent" für Deutschlands Buchdrucker und Schdftgicßcr entnehme n. wurden von der Organifatwn für sämtliche Nttterstützungöztocige auS allen Kassen(Verband, Gaue und örtlich) die enorme Summe von 11 158 48k M. verausgabt, darunter für die nichtstatutarische Familienunterstützung allein 2 703 576 M. Mit diesem Betrage wird nun schon die aus der Verbandskasse wa irrend der KvicgSzeit an Arbeitslose gezahlte Summe(2 056 638 M.) überschritten. Die Verbandskasse hat mit ihren Zuweisungen, die 8 und 2 M. zu den einzelnen Zeitpunkten pro Kopf der vor KriegSauS- hruch vorhandenen Mitglieder betragen, allerdings über die Hälfte der Gesamtsumme bestritten. Bei den Ausgaben der Gaue und örtlichen Kassen silr die Familienunterstützung sind also diese Zu- schösse als eingeschlossen zu betrachten. Die größte Leistung hat mit 687 030 M. insgesamt gezahlter Familienuntenstützung der Gau Berlin aufzuweisen. Das liegt aber nicht allein in seiner Größe begründet, sondern auch in besonderen Anstrengungen auf diesem Gebiete. Weiter« Gaue(nebst örtlichen Kassen) mit über 100 000 M. Leistung sind: Bayern 210 464, Rheinland-Westfalen 208 086, Württemberg 107 515, Hannover 150 033, Schlesien 151 204, Mittelrhein 133 808, Leipzig 112 515, Oder 102 218 M. Während bei KviegSauSbruch 70 452 Mitglieder vorhanden waren, ist diese Zahl bis zum Jahresschluß 1017 auf 28 848 ge- funken. 60,60 Proz. sind mit der Zeit zum Heere einberufen worden, außerdem befinden sich 064 Mann in anderen Berufen. Der„Korrespondent bemerkt mit Recht, daß die Organisation nach dem Ende des Krieges um so größer dastehen wird, weil sie durch ihre Leistungen den 29 415 verheirateten Kollegen während ihrer Einziehung eine schöne Solidarität bekundet habe. Bezirkskonfevenz der Schuhmacher. Am Sonntag tagte im Berliner� GcwerkichaftShause— zum erstenmal während der KricgSzeit— die Konferenz für den secksten Bezirk de» Zentralverbandes der Scknbmalber. Der Verlauf der Verhandlungen bewies, daß die Organisation trotz der infolge der Zeitverhältnisle zurückgegangenen Mitgliederzahl mit Erfolg für die Interessen der BerufSangehörigen gearbeitet hat. Der Bezirk umfaßt außer Berlin die Provinzen Brandenburg. Posen, Preußen, Pommern und die Herzogtümer Mecklenburg. Ver- trete» waren 12 Zahlstellen. Dem Geschäftsbericht, den der BezirkSleiter HamaSer erstattete, entnehmen wir folgendes: Am Schluß des Jahres 1018 hatte der Bezirk in 12 Zahlstellen 4027 Mitglieder. Schon damals machte sich infolge schlechter wirtschaftlicher Verhältnisse eine rück«. läufiae Bewegung der Mitgliederzabl bemerkbar. Mit dem Ausbruch des Krieges fetzte ein weilerer Rückgang ein. 4 Zahlstellen gingen so- gleich ein und weitere 7 Zahlstellen mußten im Laufe der Kriegs- zeit geschlossen werden. Ende 1017 hatte der Bezirk nur noch 1714 Mitglieder. Unter den noch vorhandenen Zahlstellen sind zehn, von denen jede weniger als 10 Mitglieder hat. In den betreffenden Orten kommen fast nur Handwertsbetriebe in Frage, deren Gehilfen zum großen Teil ihrer Heerespflicht genügen,'o daß diese Zahlstellen von den wenigen älteren Gehilfen aufrechterhalten werden. In der letzten Hälfte des vorigen Jahres machte sich in der Mitglicderzahl des Bezirks eine geringe Aufwärtsbewegung be- merkbar. Sie ist zurückzuführen auf das Jnkeafttrettn de» Reichs- tarifs für Militärschuhwerl und wird voraussichtlich weiter zunehmen, wenn auch in bescheidenen Grenzen.— In ver ersten Zeit des Krieges sind die von den Arbeitern geforderten Teuerungszulagen ohne weitere« bewilligt worden, ohne daß sich ein Eingreifen deS Verbandes nötig machte. Dagegen haben die Arbeitgeber>n der letzten Zeit den geforderten Erhöhungen der Teuerungszulagen Widerstand cntgegenge'etzt, weshalb es öfter zu Differenzen kam. Im allgemeinen hat die Bewegung Lobnaufbeffeningen von 20 bis 80 Prozent gebracht. Die höchste Zulage haben die Maßschuhmacher in Berlin erreicht. Ihr Tariilobn ist um 100 Proz. erhöh« worden. — In 20 Orlen deö Bezirks sind 57 Schubfabriken still gelegt, während 57 Fabriken in 30 Orten weiter arbeiten. In Berlin be- standen etwa 00 Fabriken, von denen nur 25 weiter arbeiten. Die.Einsübiuiig des Tarifs für Mitiläralbeiten ging nickt ohne Schwierigkeiten und Differenzen vonstailen. Die Fabrikanien in den lleineren Orten waren nicht gutwillig zur Zahlung der Tarifsätze zu bewegen. Schließlich mußten sie aber doch den Tari' anerkennen. Der Erkola davon ist, daß in dieien Orten der vordem allerdings ziemlich geringe Lohn»m 80 bis 50 Proz. aufgebessert wurde, während in Berlin und RowaweS, wo die Löhne höher standen als in den Provlnzvrten, eine Aufbefferung von 10 Pro- zent erfolgte. Einige Fabrikanten mußten wegen Nichtanerkennung de» Tarifs vor die Schlicklungskommisfiou gcsorden werden, die noch n'cht alle Fälle entschieden hat.— DaS BekleidungSaim de» III Armeekorps beschäftigt in verschiedenen Städten Arbeiter mit der Herstellung von neuem und Instandsetzung von alte» Schuhwerk, weigert sich aber, die Sätze des Tarifs zu bezahlen. Die Gewerkschaften, deren Angehörige beim Bctlcidungsamt arbeiten(Hutmacher, Textilarbeiter. Schneider, Sattler und Schuhmacher) haben deshalb eine gemeinsame Eingabe beim KriegSamt in den Marken eingereicht. Eine Entscheidung deS KriegsamtS ist noch nicht erfolgt. Ferner nahm die Konferenz Stellung zu dem zwischen den beiderseitigen Organisationsvertretern vereinbarten R e i ck S r a r i s für Zivil schuhfabrikation.(Die wesentlichsten Be« stimmungen dieses Entwurfs find in Nr. 76 des„Vorwärts" mit- geteilt.) Die Konferenz stimmte dem Entwurf mit allen gegen die vier Stimmen der Berliner Delegierren zu. Einen weiteren Punkt der Tagesordnung bildete die Stellung- nähme zum Verbandstag. Em Antrag des Verbandsvorstandes, der die Neuregelung der Beitrags- und Unter st ützungS- s ä tz e bezweckt, steht an Stelle der bisherigen drei Beitragsklassen vier Klaffen vor mit Wochenbeiträgen von 40. 60, 80 Pf. und 1 M. DaS ist eine Erhöhung von 5, 10 und 15 Pf. in den drei ersten Klassen, während die vierte neu eingeführt wird. Die Konferenz be- schloß, daß sich die BeilragSklasse nicht(wie es der Vorstands- antrag will) nach der Lohnhöhe richtet, sondern daß die Mitglieder noch eigenem Ermessen die Beitragsklasse wählen, in der sie zahlen wollen. Ferner wurde ein Berliner Antrag angenommen. der die bisherigen Beiträge in jeder Klasse um 10 Pf. erhöht, so daß in den erste» drei Klassen 45, 60. 75 Pf. und in der neueingesührten vierten Klasse 90 Pf. zu zahlen wären. Die Unter- stützungSsätze, die nach der Beitragshöhe und noch der Dauer der Mitgliedschaft abgestuft sind, stimmen nach dem angenommenen Berliner Antrag nur in der ersten Klasse mit dem BorstandSantrag Lberein, während sie in den anderen drei Klassen gegenüber dem An- trage des Vorstandes etwas herabgesetzt werden. A«S dem ZdriegSavSschust für die Metallbetriebe Groh- Berlins. Der Betriebs ingenieur W. von der Firma G.. Tempelhof, ver- langt den Ablehrichein, weil er als selbständiger Betriebsingenieur in einer Lolomolivsabrik in Beschäftigung treten kann. Die neue Firma sichert ein Gehalt von mindestens 9000 M. zu. Der Kriegs- auSsckuß stellt sich auf den Standpunkt, daß dem Kläger der Ab« kehrschein zu e»teilen ist, wenn die Firma neben dem Gehalt nicht wenigsten« 1250 M. Prämien zahlen will. 69 Kraniührer. Anbinder, Packer und Arbeiter und W Arbeiterinnen der Firma A. E. G., Huttenstraße, rufen den Schlichtungs« auSickuß nach§ 13 qji. Die Arbeiter haben eine Lohnforderung gestellt, die dahin ging, die Stundenlöhne für Männer um 10 Pf., für Arbeiterinnen um 5 Pf. zu erhöhen und den im Wocheiilohn Beschäftigten eine Zulage von 5 M. zu gewähren. Die Firma hat die Forderungen sämtlich abgelehnt. Nack längerer Verhandlung erfolgt ein Schiedsspruch in der Weise, daß die EinstellungSlöbne beziehungsweise Mindestverdienste für Männer nicht unter 90 Pfennig für die Stunde und, soweit sie im Wockenlohn beschäftigt find, nickt unter 63 M. für die Woche betragen sollen. Für die Frauen wird ein Mindest-Ein- stellungslohn von 60 Pf. festgesetzt. Ferner soll an die Kläger unter Einreclmung der in den letzten zwei Wochen gewährten Zulage, so« weit sie in Stundenlohn beschäftigt sind, für Männer eine solche von 6 Pi. und für Frauen 8 Pf, pro Stunde gezahlt werden. So- weit die Männer in Wochenlohn beschäftigt sind, sollen sie 8 M. Zulage pro Woche erhalten. 20 Schlosser der Firma G., Tempelhof, rufen den Kriegs auSsckutz als SchlichtungsauSschuß an. Die Firma hat im August vorigen JahreS eine bestimmte Arbeit, die vorher zukommen angefertigt wurde, geteilt. Bei der Teilung wurde den Arbeitern ein Lohnsatz festgesetzt, mit dem Bemerken, daß die Arbeiter so viel verdienen können, wie sie wollen. Der WkkordprciS betrug 8.50 M. und wurde nun um 10 Pf. gekürzt. Diese 10 Pf. wurden der anderen Gruppe zugelegt. Die Firma glaubte sich hierzu berechtigt, weil der Ver- dienst dieser Abteilung wesentlich günstiger sich gestellt habe wie in der anderen Abteilung. Die Arbeiter sind mit diesem Abzug nicht einverstanden und alle Bemühungen des KriegsausichusseS. eine Verständigung herbeiziiführen. hatten keinen Erfolg. Der Schlich- lungSauSichuß stellt sich aus den Standpunkt, daß der Abzug un- berechtigt ist. Mindestens wäre es Pflicht der Betriebsleitung ge- wefen, sich mit den Arbeitern beider Abteilungen über einen neuen AkkordprelS zu verständigen. In diesem Sinne ergehl ein Schiedsspruch. 70 Arbeiter und 15 Arbeiterinnen. einer Abteilung der Firma M. u. G. i» Scköneberg rufen den SchlichtungSauSichuß an, weil die Firma auf ihre Forderungen keine ausreichenden Zugeständnisse ge- macht hatte. In der Verhandlung wird festgestellt, daß die von der Firma gewährten Verdienste nicht als sehr günstig anzusprechen seien und deshalb kommt nach längerer Verhandlung folgender Ver- gleich zustande: Die ungelernten Arbeiter und Arbeiterinnen, die rm Januar keine Zulage bekommen haben, erhallen sofort 4 Pf., die gelernten 6 Pf,: diejenigen, die im Februar»ichtS bekommen haben, erhallen 4 Pf. bezw. 6 Pf. eine Woche später. Diejenigen. die im März nichts bekommen haben, erhalten nach 4 Wochen seit der letzten Erhöbung 4 bezw. 6 Pf. Ferner erhält dann die erste Gruppe nach weiteren 4 Wochen nochmals 2 Pf. Zulage. Diesen, Vergleichsvorschlag wird die Wirkung eines Schiedsspruchs zu- gestanden. Former. Kernmacher und Putzer der Firma W., Marienfelde, rufen den SchlichtungSauSichuß wegen Entschädigung von Feierschichten an. Es wird festgestellt, daß in der Gießerei vom 23, Januar ab nicht gearbeitet wurde und daß die Firma durch Anschlag bekanntgegeben hat. daß der Wiederbeginn der Arbeits- tätigkeit den in Frage kommenden Arbeilern durch Postkarte mit- geteilt werden soll. Deshalb wird den Arbeitern für diese Zeit eine Entschädigung zugeiprochen. Strittig ist nur. ob die BundeSratsbestimmungen über die Entschädigung bei Kohlenmangel in Frage kommen oder nickt. Nach Ansicht der Arbeiter liegt Kohlenmangel vor, während die Firma erklärt, daß sie mit dem Roheisen in Verzug gekommen sei. und daß die zu liefernde Firma die Verzögerung auf den WagenmangeD zurückgeführt habe. Da die Frage strittig, werden die»rbeiier ersuch:, sich an daS KriegSamt zu wenden,»m durch letzteres eine Eni- icheidung darüber herbeizuführen, ob miltelbarer Kohlenmarigel vor- liege oder nicht._ Frauenarbeit in der Lcder- und Lederhandschuh- industrie. Nach«in« von der Leitung d«S Leder arbeiterve-rbandes veron- starteten Umfva« waren 1017 in der Leder- und Lederhandschuh- industrie rund 6500 Arbeiterinnen beschäftigt. Die Umfrage er- streckte sich jedoch nur aus daS AuSbrelimigsgebiet des Verbandes, so daß das Resultat auf Vollständigkeit keinen Anspruch machen kann. Organisiert waren von den in Betracht kommenden Frauen 1960. Tarifvereinbarnng der Mahschnbmacher. Di« Vertretung der Berliner Maßschuhmachergehilsen verhan- dekte kürzlich mit den Vertretern der Arbeitgebsr uber� die Forde- rung. den Tariflohn um den Betrag der bisher bewilligten Teuerungszulagen(100 Proz. für Akkord-, 75 Proz. für Zeitlohnar- beiter) zv erhöhen Und eine weitere Teuerungszulage von 30 Proz. der so festgesetzten Grundlöhne zu bewilligen.� Di« Arbeitgeber weigern sich, die Grundlöhne des Tarifs zu erhöhen; sie find aber bereit, auf diese eine weitere Teuerungszulage von 50 Proz. für Lohn- und Akkordarbeiber zu gewähren, so daß die erste ren einen Aufschlag von 125, die letzteren einen solchen von 1S0 Proz. aus den tarifliche« Grundlohn erhalten. Einen Tans für längere Zeit wollten die Arbeitgeber wegen der unsicleren Geschäfts« er hältuisse nicht wieder abschließen, sie erklärten sich aber bereit, das Ab- komme« für ein Vierteljahr feftnulegen und, falls eS wicht sechs Woche« vor Ablauf getündigt wird, es immer«in weitere» Viertel- jähr gelt» zu Hagen. Die Versammlung der Maßschuhmache-rgesiilfen stimmte am Mittwoch diesen Vereinbarungen zu, wodurch die Tarifbewegung erledigt ist._ Die Arbeitszeit bei Krupp. Eine Riesenversammlung Kruppscher Arbeiter nahm am Sonntag in Esien Stellung zu der Verkürzung der Arbeitszeit. Ge« fordert wurde eine Verkürzung der Arbeitszeit am Sonnabend um 2 Stunden. Die Firma Krupp soll einer Verkürzung der Arbeits- zeit grundsätzlich sympathisch gegenüberstehen, nur sei sie momentan wegen deS zu erwartenden ProduktionSauSfalleS und der Unmög- lichkeit, weitere Zehntausend« von Arbeitern und Arbeiterinnen in Essen unterzubringen, nicht durchführbar. � Im Verband der Maler tritt am 31. März d. I. in allen drei Beilragsklassen eine Erhöhung des Wochenbeitrags um 10 Pf. in Krait. Diese Maßnahme ist unter Zustimmung nahezu samt- licher Filialen getroffen worden, um den Vermögensbestand des Verbands aufrechtzuerhalten, damit derselbe den zu erwartenden großen Ausgaben während der ferneren Dauer des Krieges und nach Friedensschluß gewachsen ist. parteinachrichten. Die„Belgische Arbeitrrstimme" auf dem Pfad der Tugend. Die.Bergische Arbeiterstimme" hatte anläßlich der beschämen- den Niederlage der Unabhängigen in Niederbarnim den Mut zu «inigen wahren Worten gefunden. Jetzt schwenkt sie in einer Pole- mik gegen die„Rheinische Zeitung" auf den ihr offenbar von den »Instanzen" gewiesenen Pfad der Tugend ein und erklärt rühm- red ig: „Wir Unabhängige Sozialdemokraten können in dem Ergeb- niS von Niederbarnim schlimmstenfalls eine nicht erfüllie Hoff- nung erblicken. Eine Enttäuschung aber kann es f ü r u n S n i ch t s e i n. 19 000 sind den widrigen Einflüssen nicht erlegen! 19 000 stehen— trotz allödem I— unerschütterlich zu unseren Idealen. Diese Zahl bürgt dafür, daß, wenn künftig alle auf dem glerchen Boden kämpfen, . der Sieg unser ist." Aber wieMel Kläglichkeit steckt hinter diesem felsenfcsien Gott- vertrauen! Wie jämmerlich ist dieser Stolz auf die letzten 19 000! Vor kurzem hatte die„Vcrgische Arbciterstimme" freilich noch die Sinne für Tatsachen offen, damals schrieb sie:„Es ist traurig, es fft zum Heulen..."_ Wahlsieg! Bei der Ersatzwahl sin 47. sächsischen Landtagswahlkreise wurden von etwa 1000 Wählern 1652 Stimmen abgegeben. Davon ent- fielen aus den sozialdemokratischen Kandidaten, Redakteur Alfred Fellisch in Chemnitz, rund 1500 Stimmen, während 70—80 Stimmen aus den nationalliberalen Kandidaten Eberl lauteten. Die übrigen Stimmen waren ungültig oder zersplittert. Fellisch ist somit gewählt. Bezirkskonferenz für Ostsachsen. Am Sonntag, den 17. März fand in Dresden eine Bezirks« konferenz statt. Der BezirkSvoriitzende Eggert gab einen aus« flihrlichen Bericht über die Landeösiyungen seit der letzten Konserenz. Besonders erläuterte er den Zweck der neugeschaffenen Exlramarken, die Stellung der Landesinstanzen zur säckstichen Wahlrecdtsirage, die anläßlich de» letzten Streiks im Interesse der Ausständigen ge- troffenen Maßnahmen und die engere Verbindung mit dem Ge- werkschaflsauöichuß bei besonderen beide Teile berührenden Fragen. Eine Debalte hierzu fand nicht statt. Hierauf berichtete der Bezirksiekretär K ii h n über den ersten Teil der Verhandlungen im Parleiausichuß, die Finanzen der Partei betreffend. Wenn die Genossen auS dem Felde zurückkämen, häilen die Organisationen eine solcbe Fülle von Arbeiten zu erledigen, daß für die finanzielle Rüstung bereits vorgesorgt sein müsse. Erfreu- licherwene haben die Krciie. in denen bereiis eine Beitragserhöhung durchgeführt ist. keinen Mitgliederrückgang, ja zum Teil noch eine Zunahme an Partei Mitgliedern zu ver« zeichnen. Nachdem bereits vor der Tagung des Parteiausichusies die Dresdner Parteileitung die Notwendigkeil einer 50prozeni»gen Er- höhung einstimmig anerkaimt und den demnächst tagenden Kreis- Versammlungen empfohlen habe, sei es nötig, daß sich auch die übrigen Kreise im Bezirk mit dleler Frage befassen. Die Bautzener Wahl habe insbesondere gezeigt, daß alle Kreise die ersten Wahlen nach dem Kriege möglichst finanziell selbständig führen müßten. Aus diesem Grunde erwächst auch denjenigen Kreise«, die auf den Bezirks wahlfonds augewieien find, die Pflicht, diesem regelmäßige Beiträge zuzuführen. Die Kreis- leilungen müssen sich ferner ständig über die OrganisationS- nnd Kosienvethällnisie in den Ortsgruppen auf dem lausenden holten. DaS geschehe am sichersten bei einer regelmäßigen viertel- jährlichen Abrechnung mit dem Parleivorstande. wie sie vor dem Kriege geübt wurde. Bei einer Abrechnung nur am Jahres- schluß, die zurzeit in einzelnen Kreisen stallfinde, erhält die KreiS- und Bczirksleiluiig nicht den wünscheiiSwerlen restlosen Ueberblick. Ebenso müßten es sich die finanziell leistungsfähigen Genosien zur Pflicht machen, der Partei Mittel durch Enlnaome ver Exuamaiken zuzuführen. Bezüglich der Neu- und Wiedergewinnung von Mit- gliedern werden die im Parieiausschuß gegebenen Anreguiigen den Kreisvoiständen zur ioiorligen Duich'ührung empsohlen. Die Kassenboten werden, nachdem die Kreisversainmlnngen die Bei- rragSerhöhung bcichlosien haben, ein Handsiugblart für die Mit- glieder erhalten, dessen Auflage für jeden Kreis im Sekretariat zu bestellen ist. In der dem Bericht folgenden Aussprache traten sämtliche Redner für eine finanzielle Kräftigung der Partei ein. Nur aus einem Kreis wurden Zweifel laiil. ob die Muglicder einer solchen Erhöhung zustimmen lvürden. während andere Redner den Stand- ounkt vertraten, den Vorschlag des ParteiausschnsseS, die Beiträge für männliche Mitglieder auf 15 Pf. und für weibliche auf 10 Pf. pro Woche zu erhöhen, nur als das Mindestmaß zu betrachten. Man beschloß jedoch einstimmig, den Kreisen die oben vorgeschlagene Bei- rragSerhöhung ab 1. April zu empfehlen. Im Anschluß an diese Debailen gab Genosse Kühn noch einen eingehenden Ueberblick über die Stellung deS ParteiailS'chusscS zur potililchcn Lage. Nachdem der Berichterstatter die verschiedenen zu- tage gcrictenen Aufiasiungen zu dieser Frage in ilbersichUicher Weise wiedergegeben hatte, kam er zu iolgcnvem Schluß: Bei allen Mu- gliedern des ParleianSichusses habe die Meinung vorgebe! richt, daß die Re.chSiagSsroilion bei ihrer Enischließung die Jnter« essen de» geiumien Volke? im Auge haben und ihre Ab- slimmung so einrichien müsse, als wenn sie hierbei den Ausschlag geben würde. Man dürre sich nicht von AugenblickSstimmimgen leiten lassen, sondern müsse als Politiker handeln. Was beule die Partei tue, habe sie in kvminendcn Zeilen vor der Geschichte zu veraiitwoiten. Genosse Eggerl gab� zum Sckluß noch bekannt, daß im Juni die Landesversammlung in Dresden stattfindet. Nreirrlraiöie«irmenide. Sonniao, den 24 März. vormittag» llp/< Uhr. im Festsaal de«„Berliner StadtbauseS", Eingang Kloiierstratze: sicici der Aua endweihe Festvorlrag des Herrn Dr. Bruno Wille. Eintritt 30 Pf. Kinder 15 Pj. Nächste Kindervortesuna am 7. Zldrik. Berunlwortlich für Politlli Erich Kullner, Verlin; jur den übrigen Teil de» VlatteS: LUsred Scholz. Neukölln: für Anzeige»: Theodor Glocke. Berlin. Verlag: VorwärtZ-Vcrlag G. in. b. H., Berlin. Druck: VorwärtS-Buck- druckerei und BerlagSanstalt Baut Singer u. Co in Berlin, Lindenstratze 3. Hirez- 2 Settcira**» Urrtrw-lNursSdl-N.