fßx* 91> 55» Bez«gS»eriSl «erteyahru UO aül. mmaä. UBBBö, frei ins Hau». vorauSzahwar-Nnzeln« Stummern 10 Lsg. Postbezug: Monat- lich IM Ml. Unter Kreuzband für Deutichtand und Oesterreich. Unaarn L,— Ml, für das übrige Ausland 4.50 Ml. monatltcb. Lerfand ins Feld b ei dir elter Bestellung monall. 1,50 Ml. Postbestellungen nehmen an Däne- marl, Holland. Luxemburg, Schweden und die Schwei», iiingetragen in die Post-Zettungs-PreiSIist«. Erscheint täglich. Xetegrainm- Adresse! »Tojialdcmokrat Berit»', ( 10 Pfennig i Verlinev Volk�blAkk. Zentralorgati der fozialdcm okrati fehen Partei Deutfchlande. Anzeigenpreis: DlestebengespalteneKolonelzeile lostet SO Pfg.„Kleine stlnzetgcu", dos settgedniSIe Wort Lv Pjg.(zulässig l> seltgedrmlte Worte), sede» weitere Wort 15 Psg. Stellengesuche und Echlafstellennnzeigen das erste Wort 2l> Pig., jedes weitere Wort lst Piq. Worte über 15 Buchstaben zähle» jiir zwei Worte. Teuerungszuschlag Familien-Anzeige», politische und gewerlschaftlirlie Lereins- Auzeiaen BO Psg. die Beile. Sinzeigen siit die nächste Nummer müssen bis Z Nlir uachmitlags im Haiivlgeschäst Berlin SW.Sd. Lindensiraste li. nb leaebe» werden. Eedstnet bon 81lhi iriih bis 1 Uhr abend-. Neöaktion: SV). HS, �inöenftraße Z. Ueensprecher: Amt Moritzplatz. Str. ISl SV— 151 97. Mittwoch, den 3. April 1S18. : SV). HS, LWSenstraße 3. - Amt Morttzvlats, Str. 121 SV— 121 S7. Feindliche Gegenangriffe bei Hebuterne gescheitert— Fortgesetzte Beschießung von Laon— SÄ Flugzeuge, 5 Feffcl- ballone abgeschossen. Amtlich. G r» ß e« Hauptquartier, 2. AprU ISIS.(W. T. SS.) Westlicher Kriegsschauplatz. An der Echlachtfront blieb die Lage uuverSudert. Gegen- angriffe, die der Feind bei Hebuterne und mit besonderer Zähigkeit gegen die von uns genommenen Höhen zwischen dem Luce-Bach und der Avre führte, brachen unter schweren Berlustca zusammen. Kleinere Jnfanterickäuipfe zwischen Slvrr und Oise. Die Franzosen setzten die Beschießung von Laon surt. Zahl« reiche Einwohner fiele» ihr zum Opfer. Erklindungsgefcchte auf dem Oflufer der MaaS bei Hanbiau- «out und südöstlich von Thann brachten Gefangene ein. Gester»»urde« 22 feindliche Flugzeug««ud 5 Fesselballone abgeschossen. Leutnant Kroll errang seinen 23. Lnftsieg. Bei tatkräftiger Durchführung der Fernaufklärung von der Küste bis südlich von der Somme hat die Flicgerabteilung 3 unter Führung des Oberleutnants Fricke Außergewöhnliches geleistet.' Bon den anderen Kriegsschauplätze» nichts Neue». Der Erste Generalquartiermeifirr. _ Ludrudorfs. Abendbericht. Berli», 2. April 1918, abeud».«»tlich. Vou de» Schlachtfclde in Frankreich nichts Neue». Der österreichische Bericht. Wie», 2. April ISIS. Amtlich wird»erlaut»«tt Nicht? zu melde«. Der Thef de» Generalstiche». vier Kanonen gegen Paris? Rotterdam, L.April.„Nieuwe Notteedamsche Eoanret" zufolge erfahren„Daily News" aus Paris, daß die Untersuchung der Geschoßsplitter den Behörden die Vcrmutnng nahegelegt habe, daß vier Kanonen Paris bombardieren, von denen jr zwei einen um den anderen Tag schießen. Paris, 2. April.(HavaS.) Bei der Beschieß»«» am NU». tag wurden in Paris< Personen getötet und S verwundet. Genf, 2. April. Die Pariser Blätter besprechen weiter die Wirkungen deS FembombardemcntS,.Hamme libre' verlangt, daß die Theaterdirekloren zum Weiterspielen von der Negierung aufgefordert werden. Eventuell soll ihnen eine Entschädigung zugebilligt werden. Der Gemeinderat nahm einen Antrag D e V i l I e an, der tatsächlich auf die teilweise Räumung der Stadt hinausläuft. Allen Frauen. Kindern und Greisen soll die Möglichkeit gegeben werden, die Stadt zu verlassen. Unbemitteltelten soll die Reise aus öffentlichen Mitteln vergütet werden. Wer hat Kamenew verhastet? Moskau, 1. April.(Meldung der Petersburger Telegr.- Agentur.) Das Volkskommissariat für auswärtige Angelegenheiten erhob bei der deutschen Regierung Einspruch gegen die Verhaftung des russischen Bevollmächtigten bei der Friedcnskommission, K a m e n e>v. durch die deutschen Behörden auf den Alandsinscln. Die deutsche Regierung hat darauf, wie wir erfahren, geantwortet, daß sie mit der Verhaftung nichts zu tun habe. Kämpfe in öer Ukraine. Pultawa genommen, Sebastopol bedroht. Moskau, 1. April.(Meldung der Petersburger Telcgr.-Agentur.) Der Oberbefehlshaber der Sowjetstreitkräste in der Ukraine meldet unter dem 29. März: Unsere Hauptstreitkräfte zogen sich auf den Fluß Workse zurück. Die Stadt Pultawa ist durch Truppen der Rada, unterstützt durch Deutsche, welche schwere Artillerie zur Verfügung habe», besetzt worden. Brücken und Bor- ratsspeicher sind durch uns zerstört worden. Wir halten den Bahn- hos von Pnltatoa besetzt. Nach einer Meldung der.Franks. Ztg.' kämpfen in der Gegend von Sebastopol seit dem 2l. März bolschewisti- sch e Truppen gegen deutsch-österreichische Truppen. Man befürchtet in Petersburg de« Fall von Sebastopol. Die Schwarz- meerfloite erhielt angeblich Befehl, sich nach Noworossijsk zurückzuziehen. Einer Havasmcldung zufolge protestierte das Moskauer Lolkskommigariat in Berlin gegen die Besetzung von Odessa. Die deutsche Regierrmg habe geantwortet, daß Odessa zur Ukraine und nicht zu Großrußland gehöre. Stockholm, 2. Aprrl. Die ukrainische Regierung soll nach Havai im Gebiet der gesamten Ukraine de» Gebrauch der russischen Sprache verboten haben._�1. Die antibolschewistische Kosakenbewegung erloschen. Rotterda«, 2. April..Nieuwe Rotterdamsche Coitranl* zufolge erfahren die»Daily NewS* ouS Petersburg vom 29. Marz, daß der Kosakcn-Hetmann B o g a w s k i sich ergeben habe. von. der früheren antibolschewistischen Bewegung unter den Kosaken ist nicht? übrig geblieben, als ein paar kleine berittene Banden. Die bürger- liche Presse in Rußland veröffentlicht die deutschen Heere«- berichte in Sperrdruck, während die sozialistischen Blätter die Berichte der alliierten Truppen veröffentlichen und in entschiede» alliiertcnfreundlichem Tone schreiben. Die russische Zentralregierunsi hat ein Gesetz angenommen, durch das allen politischen Flüchtlingen aus imperialistischen Ländern Ashlrecht in Rußland gewährt wird. Der Zweck de? Gesetzes ist, den Aevolutionären die Flucht aus den vou Deutschland besetzten Gebieten zu er- ieichtern._ slmerktanisthes Kanonenfutter. Zur Belebung de» Mutes der Ententevöller wird in London jetzt amtlich das Ergebnis des Meinungsaustausches zwischen Lloyd George und Wilson sowie dem KriegSsekretär Baker mitgeteilt. In der Meldung heißt eS: Die Regierung unsere« große» Alliierten im Weste» wird während der kommenden gefährlichen Monate nicht nnr eine große Anzahl amerikanischer Bataillone nach Europa senden, sondern hat auch darein gewilligt, daß amerikanisch« Regimenter, welche nicht in amerikanischen Divisionen verwendet werden können, mit französischen und englischen Truppen- teilen zu Brigaden vereinigt werden können, solange die dringende Notwendigkeit dazu besteht. Auf diese Weise können Truppen, die noch nicht genügend auS- gebildet sind, um als Divisionen und Armeekorps zu kämpfen, einen Teil von vollauSgebildeten Divisionen bilden, solange, bis sie ihre KriegSanSbildung vollendet haben und General Pershing sie zum Aufbau einer amerikanischen Armee heranzuziehen wünscht. Die Vorkehrungen für die Ueberführung dieser hinzukommenden Streitkräfte werden jetzt vollendet. Man will also die unanSgebildeten amerikanischen Truppen zur Schließung der entstandenen Lücken verwenden. Die amtliche Kund- gebung schließt mit der Ermahnung, daß die amerikanische Hilfe keineswegs die Notwendigkeit weiterer Maßnahmen zur Aus- Hebung frischer Truppen in der Heimat vermindere. Diplomatische Vorgeschichte öer Offensive. Rede des Grafen Gzernin. An anderer Stelle veröffentlichen wir den Text einer Rede, die der österreichisch-ungarische Außenminister Graf Czernin gestern in Wien gehalten hat. Sie enthält wichtige Mitteilungen über den Frieden mit Rmnänien und über die diplomatische Vorgeschichte der neuen Offensive im Westen. Was Graf Czernin darüber zu erzählen weiß, klingt so oben- teuerlich, daß man erst die Ansivort ans Paris abwarten nnlß, bevor man einen festen Standpunkt dazu einnehmen kann. Ist es aber wahr, daß Clemenceau vor der Offensive eine Fricdcnsanfrage nach Wien gerichtet hat, daß ihm von dort im Einverständnis mit Berlin erklärt wurde, nichts hindere den Frieden als der französische Anspruch aus E l s a ß- L o t h r i n g e n, und daß er daraufhin d i e Verhandlungen abbrach, dann gibt es kein Wort, das stark genug ist, um die Verblendung der französischen Regiernngspolitik zu verurteilen. Graf Czernin glaubt diese Verblendung aus den Streikvorgü ngcn in Wien und Berlin erklären zu können. Durch sie soll bei den Franzosen die Vorstellung geweckt worden sein, daß die Mittelmächte dem inneren Ver- fall entgegengingen und sich dadurch der Sieg der Entente näherte. Diese ettstas gekünstelte Beweisführung verfolgt jedenfalls den gutgemeinten Zweck, die Arbeiterschaft vor der Wiederholung ähnlicher Versuche zu warnen, aber durch- schlagend ist sie nicht. Sic beweist nur, daß über die beste Art, den Frieden rasch herbeizuführen, die Meinungen sehr weit auseinandergehen. Nach einer Meldung des„Az Est" erhält sich in Budapest hartnäckig das Gerücht, daß Graf Czernin nach dem Abschluß des Friedens mit Rumänien seine Entlassung nehmen weite. V. ) von Paris. die lanöwirtsihasiliche Arbeiterfrage. Bon Franz Krüger. Tie Versorgung der deutschen Landwirtschaft mit den nötigen Arbeitskräften ist ein immer schwierigeres Problem geworden, dessen befriedigende Lösung im dringenden Interesse des ganzen deutschen Volkes liegt. Seit Jahrzehnten vollzieht sich in immer stärkerem Maße die A b wände- rung der Arbciterbcvölkerung vom Lande in oie Städte. In den Jahren 1693—1900 sind in Preußen durchschnütlich jährlich 20000, in den Jahren 1900—1903 aber bereits jähr- lich 100 000 Personen vom platten Lande abgewandert, und seitdem ist diese Zahl nicht geringer geworden. Infolgedessen ist die Zahl der ausländischen Ar- beiter, die für die Landwirtschaft herangeholt ivnrden, immer mehr gewachsen. Im Jahre 1902 wurden in Preußen 424 348 ausländische Arbeiter beschäftigt. Diese Zahl war bis zum Jahre 1911. auf 820 831 gestiegen, wovon etwa vier Fünftel auf die Landwirtschaft entfielen. Im Jahre 1912 erhöhte sich die Zahl um weitere 83 000, wovon 70 720 der Landwirtschaft zugeführt wurden und nur 12 222 der In- dustrie. Unendlich viel ist in den letzten Jahrzehnten über Mittel und Wege geredet und geschrieben worden, die Land- flucht einzudämmen und Arbeitskräfte aus den Städten aufs Land zurückzuführen. Die gemachten Vor- schlage waren natürlich sehr unterschiedlich, je nachdem, von wclckicn Gesichtspunkten und Interessen aus die Frage betrachtet und behandelt wurde. Die Agrarier und bie ihnen nabestehenden Kreise sehen die Ursachen der Landflucht Haupt- sächlich in der wachsenden„Genußsucht" und der„unberech- tigten Begehrlichkeit" der ländlichen Arbeiterbevölkerinig. ?!ach ihnen ist auf dem Lande alles in schönster Ordnung, und sie vertreten daher mit wenigen weitsichtigeren Ausnahmen den Standpunkt, daß der Landflucht durch Zwongsniittel entgegengearbeitet tverden müsse. Beschränkung der Frei- zügigkeit, insbesondere der jüngeren Arbeitskräfte, Erschwe- rung des Reiseverkehrs, Verweigerung des KoalitionsrechtA an die Landarbeiter, Anfrechtcrhaltnng der aus einer längst vergangenen Zeit stammenden, zum Teil über 100 Jahre alten Gesindeordnungen, Kontraktbrnchgesetze, Unterdrückung jeder freiheitlichen politischen Aufklärung usw. sind die Mittel, mit denen sie die Arbeiter ans Land fesseln wollen. Daneben verbietet man der Eisenbahn und staatlichen Bauten(.Tamile, Straßen usw.), Landarbeiter anzunehmen. Aber auch mit „Sozialpolitik" versucht man eS. Dazu gehört insbesondere die Schaffung von Landarbeiteransiedlungen, besonders im Osten, wobei das Stückchen Land so klein bemessen ivird, daß der Ansiedler bei den umliegenden(Grundbesitzern arbeiten m u ß. Also Sozialpolitik zuguusten der Agrarier. Für uns, die wir etwas mehr Verständnis haben für die Leiden, die Wünsche und Beschwerden der Landarbeiter, be- weist die Landflucht etwas ganz anderes. Auch der Land» arbeitcr hängt durchaus an der Scholle, auf der er geboren jonrde: nur schwer entschließt er sich zum Fortgehen. Es ist sicherlich nicht genußsüchtiges Streben nach dem Großstadt- leben, welches die Landarbeiter in die Städte und zur In- dustrie treibt, denn auch hier erwartet sie Mühsa!, Arbeit und Not: es tun dies vielmehr die elenden Lohn» und Wohnverhältnisse, ihre völlige Rechtlosigkeit und die vielfach un- iviirdige und unmenschliche Behmidlimg. Trotz allem Elend ist der Arbeiter in Stadt und Industrie doch ein Mensch. In welch elenden, allen gesundheitlichen und kulturellen An- forderungen hohnsprechenden Löchern die Landarbeiter viel- fach Hausen und ihre Kinder aufwachsen lassen müssen, ist ja schon unzählige Male in der Presse an Beispielen bewiesen. Die Vieh- und Pferdeställe sind häufig Paläste im Vergleich zu den ArbeiterwoHnungen und selbst zu den Schulen. Auf letzterem Gebiet ist durch Neubauten in den letzten Jahren viel gebessert. Dasselbe ist durch Heigabe gemeinnütziger Baugelder(LandesverficherimgSanstalten usw.) auch bei den ArbeiterwoHnungen angebahnt. Aber von allgemein menschen- würdigen Verhältnissen sind wir noch weit entfernt. Dasselbe gilt von den L o h n v e r h ä l t n i s s c n. In Ostelbien werden meistens Natural- und Barlölme gezahlt. Vielfach sind es nicht daS beste Getreide und nicht die besten Kartoffeln, die die Arbeiter erhalten. Wenn sie dann neben ihrem Deputat noch durchschnittlich 12 bis 22 M. Barlohn pro Monat erhalten, wovon Kleidung, Stenern, Schulbücher für die Kinder usw. bestritten werden sollen, so beweist das zur Genüge die Unzulänglichkeit der Löhne. Dazu werden auch die Kinder vom frühesten arbeitsfähige» Alter an(min- bestens gleich nach der Schulentlassung) als sogenannte „Scharmerker" gegen Tagclöhne von 0,40 bis 1 M. und De- .putat zur Arbeit verpflichtet. Geht ein Kind anderweitig -- � Ajr-......■ Seiten, fo ist Sef Arbeitgeber.nach den astelkischeil Ver- ägeir berechtigt, die ganze Atfinil*: auf die Ktratze zu setzen, und nicht selten geschieht daS. Iv den westlichen Provinzen reußens. sind die rechtlichen und uuch die Lohnverhältnisse uilweise etwas besser. Wre man auf dem Lande den Menschen im Landarbeiter nßachtet, danir Nxic wohl einer der krassesten Beweise der nrzlich veröffentlichte ijnll in Mecklenburg, wo ein adliger slutsbesttzer einen Arbeiter an einen Baunr gebunden und nwsr misthandelt hatte. Tas„Tri" gegen alte Arbeiter, e'chirnpfworle als tägliche Umgangssprache, Misthandlungen und amtsvorsteherliche Strafbefchle bei den geringsten an geh- scheu Verfehlungen gegen die Autorität des Gutsherrn sind as Kennzeichen der Arbeiterbehandlimg, dazu loirmit das ehlcn jedes Arbeiterschutzes und die mangelhafte Arbeiter mfichernng fiir Landarbeiter.. Kann man sich nnter diesen Umständen noch ubcr�die 'rndflucht wundern, und kann jemand im Ernst glauben, ■15 die oben geschilderten Zwangsmittel etwas anderes als ue Verschärfung dieser Zustände herbeiführen können? Durch die zahlreichen Einberufungen aus der uMichen Arbeiterbevölkerung ist nawrgemäst während des "ieges die Arbeiterfrage für die Landwirtschaft noch schwie- gcr geworden. Da hat man ihr geholfen, indem die bei .riegsausbrnch in Deutschland befindlichen auslandl- h e u Landarbeiter, die hier für die.Kriegsdmnw fest- 'halten wurden, ihr zugewiesen sind. Ebenso arbeiten in -r Landwirtschaft Kriegsgefangene in groster Zahl. l.rotzdem besteht andauernd Arbeitermwagel und nran ist da-« u übergegangen, eine Iteibe von Ausnahm ebestininrnngen ugunsten der Landwirtschaft zu schaffen. In zahlreichen ällen sind Kriegerfrauen aies dem Lande bei angedrohter md auch durchgeführter Entziehung der Kriegsunterstützung ur Annahme von Arbeiten in der Landwirtschast ohne Ruck- icht auf ihre Gesundheit und ihre Kindcrzahl gezwungen morden, und ohne dast man sich darum kilnimerte, welche löhne ihnen geboten wurden. Das Hilfsdienstgesetz hat be- andere Bestimmungen getroffen, mn der Landwirtschast ihre üsberigen Arbeitskräfte zu erhalten. Durch Verfügungen inzelner stellvertretenden Generalkommandos ist darüber isinaus unter gewissen tlmstäirdcn die Erzwingung landwirt- chaftlichcr Arbeitsleistungen auch t>ei städtischer Bevölkerung nmoqlicht und in weitgehendem A taste ist freiivilligc ArbertS- und Enitehilfe durch Schüler ustv. organisiert. Neue graste Schwierigkeiten stehen aber in nächster Zeit bevor. Nach dem Frieden mit Nutzland sollen d i e K r i c g S- gefa ngenen baldigst ausgetauscht werden. Auch >en bischer zurückgehaltenen russischen mW polnischen Ar- ydlccn wird man jetzt die Rückkehr in ihre Heimat gestritten uiüsscii. Wenn auch die Abwicklung dieses Austausches schon infolge der TranÄporlschwierigkeiten gewisse Zeit in Anspruch lvird, so kann fragtiä) fein, ob ons biefcm ?Jflciif(�ciirefcröoic zur diesjährigen Ernte noch genügend Ar' beittck rüste zur Verfügung stehen werden. Fm höchsten Matze mutz es aber zweirelhaft win, ob nach dem Kriege bei der dann zu erlvartenden wirtschaftliche» Eickwicklung der ehcnmls oder noch russischen Länder der Z u- !t r o ui v o n Arbeitskräften aus diesen Gebieten für sie deutsche Landwirtschaft auch nur annähernd in dem Um- fange vorhan-den sein wird wie früher, da sie jetzt wahrscheinlich in ihrem cigewn Vaterlands lohnende Beschäftigung unter frei Ältlichen Verhältnissen finden werden. Ändere iländer stehen aber fiir die.Heranziehung von Arbeitskräften in diesem Matze karnu zur Verfügung, da es zweifelhaft sein um 15, ob selbst die chinesischen Kulis noch Verlm:gen tragen werden, unter die Fuchiel der ostclbischeii Junker zu treten. Rechnen wir auch nur mit dem Ausfall der Hälfte der vor dem Kriege vorhandenen ausländischen Landarbeiter(m Preutzcn ein Ausfall von zirka 500 000), rechnen wir iveiler mit einem ähnlichen Abgang infolge der Kriegsver- lustc, so ergibt sich ein Fehlbetrag an Arbeits.- cräften. der die Lebensfähigkeit der Land- Wirtschaft gefährlich bedroht. Tie Frage der Eindämmung der Landslucht und der Zurücksiihrung vs»� Arbeitskräften aus der Stadt aufs Land wird daher von er- böhtcr und allgemeiner Bedeutung. Glaubt aber noch ein vernünftiger Mensch, dost in Zukunft dieses Ziel durch Zwangsiinttel zu erreichen ist und daß man die Landarbeiter- ichost noch weiterhin in halber Leibeigenschaft erhalten kann? Ein freier Zug mutz auch in diese Verhältnisse hinein, sie müssen auf einer ganz anderen rechtlichen, materiellen und moralischcil Grundlage aufgebaut werden. Dann wird es be- sonders auch in der Uebergangszeit zur FriedenOloirtschast möglich sein, zahlreiche zurückkehrende Kriegsteilnehmer aufs Land zu führen. Von dem freiwilligen Entgegenkommen der landwirtschaftlichen Arbeitgeber, insbesondere der Grotzgruud- b e s i tz e r, ist nach dieser Züchtung aber s e h r w e n i g zu er- lvarten. Der Standpunkt des„Herrn im Hause" wird von iiMen mit rücksichtsloser Brutalität vertreten, sie werden den Landarbeiter freiwillig nicht als gleichberechiigten Kontra- deuten im Arbeitsverhältnis auerkennen, sie werden nach wie vor bestrebt sein, alle Machtmittel ihrer Vorherrschaft auf dem Laube anzuwenden. Wie an alle fßomchte, klwnmern |re sich auch mt diese mit Nägeln nnd Zähiren«nd geben nichts. vreis. Am deutlichsten wird dies ja illustriert durch die Tat- fache, dast die Landwirtschaft trotz ihrer riesigen Kriegs- gewinne die Löhne ihrer Arbeiter im Kriege nur unwssent- lich aufgebessert bat. Soll eine fühlbare Besserung der Land- arbeiterverhältnisse eintreten, so must die Gesetzgebung ein- greifen, schnell und gründlich. Ter Weg dazu ist durch das gemeinsa»« Pro- granim der La u d ar b e i t e r ver bä n d e gewiesen, das der.Vorwärts" in seil'. er Nummer 88 vom 29. März veröffentlicht hat. Will man die deutsche Landwirtschaft leistungsfähig er- halten, so braucht sie vor allen Dingen eine ausreichende und leistungsfähige Arbeiterschaft. Unsere Unabhängigkeit vom Auslände in der Ernährungsfrage hängt wesentlich hiervon ab. Dieser Arbeiterstamm darf aber nicht auf Zwang, Go locckt und Leibeigenschaft, sondern nmst auf Recht und Frei- beit gegründet sein. Mögen Reichstag und Regierung ihre Pflicht'tun! Eile tut not! Liopö George über öie Kriegslage. Erhöhung des Dienstalters i» England. London, 80. März.(Reuter.) Lloyd George hat eine Erklärung veröffentlicht, in der er sagt„ datz die Ver- Hältnisse nach den äußerst kritischen AnfangLtagen sich jetzt gebessert hätten, der Kampf sei jedoch noch in seinem 'Anfangsstadium, es könne noch nicht gesagt Iverden, wie er ausgehen werde. Das Kabinett sei vom ersten Tage an in Verbindung mit dem Hauptquartier und mit der französischen und der amerikanischen Regierung gewesen Um den unberechenbaren Vorteil einheit. l i ch e r Führung beim Feinde auszugleichen, sei General F o ch in Uebereinstimmung mit dem englischen und dem französischen Oberbefehlshaber von der englischen, fran zösischen und amerikanischen Regierung mit der Leitung aller Armeen an der Westfront betraut worden. Außer den Schritten, die geschehen seien, um den unmittelbaren Interessen des Augenblicks entgegenzukoinmcn,»verde noch eine gewisse Maßnahme notwendig sein, die bereits seit län- gerer Zeit für den Fall bedacht worden sei, daß Verhältnisse wie die jetzigen eintreten würden. Wie auch der Aus- gang der Schlacht sein möge, das Land müsse z u ferneren Opfern bereit sein, um den Endsieg zu sichern. Die erforderlichen Pläne würden vom Kabinett sorg- fältig vorbereitet und beim Zusammentritt dcS Parlaments bekanntgegeben werden. Amsterdam, 2. April..Times" teilt mit, datz da? Kabinett davon abgesehen hat, das Unterhaus vor dem l>. April zlifammen'iuberufen. Inzwischen wird die neue Kriegsdienst- bill vorbereitet, welche die DicnstaltcrSgrcnzc vom 43. auf das 150. Jahr erhöht. Runö um öie große Schlacht. Bombardement von Boulogne— Tic Bahn Elcrmont- Slmiens unter deutschem ßfcuer— Abrami„bürgt"— Mieder eine zerstörte Kathedrale— Granaten in den Leichenzug. Berlin, 2. April. Die Festung Boulogne wurde von deutschen Fluggeschwadern ausgiebig mit Bomben belegt. In der Gegend von ArraS brachte ein deutscher Jagdflieger fünf feindliche Fesselballone innerhalb 10 Minuten brennend zum Absturz. Berlin, 2. April. Die Bahnhöfe Compiögne SoissonS sowie Unterlünfie in dortiger Gegend wurden auSgiebig mit Bomben belegt. Ter Bahnhof Compiegnc selbst und die Bahn lslcrmont —Amiens liegen dauernd unter schwerem drntschcn Fcrnfcuer. Paris, 1. April.(Reuter.) Unterstaat-sekretär Abrami teilte in den Wandelgängen der Kammer mit, Foch habe erklärt, es sei jetzt wegen Amicns nichts mehr zu fürchten. Er sei bereit für Amiens zu bürgen.(Und wer bürgt für Abrami?!) Berlin, 2. Avril. Die Kathedrale von Noyon, von den Franzosen in Brand geschoisen, steht in hellen Flammen. Nach der Zerstörung der Kathedrale von St. Ouenlin und der im französischen Feuer dauernd zunehmenden Beschädigung der Martins« kirche von Itaon wird nun auch diese alt-ehrwürdige Kirche ein Opfer französischer Granaten. Berlin, 2. April. Die Franzosen wüten gegen ibre eigenen Städte. Die Beschietzung Laons seitens der Franzosen hält an. Seit 31. März abends bis zum 1. April vormittags erhielt die Stadt allein weit über 800 Schutz schwerer Kaliber. Die MartinSkirche ist bereits stark beschädigt. Eine französische Granate schlug am Oster- montag in einen französischen Lerche nzug, wobei elf der Leidtragenden getötet und außerdem vier Zivilpersonen verwundet wurden. Die Stimmung der französischen Einwohnerschaft, die täglich durch die Geschosse ihrer Landsleutc schwer zu leiden hat, ist verzwctfelr. die Berichte öer Gegner. London, 2. April. Das Kriegsamt teilt mit: Nördlich von der Somme keine Aeudsrung der Lage. Südlich von der Somme haben harte Kämvfe beiMoreuil stattgefunden. Zwischen Morcuil und Haugard hat englische Kavallerie in glänzen- dem Gegenangriff einen Wald zurückerobert, der vorher verloren gegangen tvar. An der französischen Front ist südlich von Moreuil ein feindlicher Angriff abgeschlagen worden. Sonst ist derLagoer- hältnis mätzig rubig Verla rrfen. Französischer Heeresbericht vom l. Apnil aben-dS. Di« Echlachl bält cm der ganzen Front nördlich von Mo-ntdÄ-ier air, wo die fsindliche ArMme sich besonders tätig zeigt«. Der Feind nrackie neue Angriffe grgeir GvivesneS, alle Anstürme rwtrdnr mit erheblichen Verlusten für den Feind abgewiesen. Bei den lebhaften Kämpfen gelang es den svanzösisch-eugli schon Truppen, cm verschiedenen Stellen zwischen der Somme und Denurin erheblich südwärts vorzurücken. Von der übrigen Front est nichts zu nrÄden._ Nieöerbonmg öer Zrieöensftimmung in Frankreich. Bafel, 2. April. Nach einer HavaSmeldung verurteilte das Kriegsgericht die Lehrerin Helene Brion wegen Propaganda zugunsten des Feindes und zur nachteiligen Beein- flufsnng der Armee zu drei Jahre« Gefängnis mit be- dingtcm Strafvollzug. Als Mittäter wurde Mouffetard zu sechs Monaten Gefängnis mit bedingtem Strafvollzug verurteilt._ der Krieg auf öen Meeren. Berlin, 1. April. Eines unserer Unterseeboote, Kommandant Kapitünleutnaut Wenniu ger, hat im westlichenTül des Aermel- lanalS 6 Dampfer and 1 Segler mit zusammen über 32000 Br.-Reg.-To. vernichtet. Fflttf der versenkten Dampfer wurden anS stark gcfichertcu Geleitzügeu herauSgeschosien. Unter de« versenkten Schiffen befanden fich der englisch« be- waffnete Dampfer Lady Eory-LSright(2öI0 Br.-Reg.-?o.) mit Kohlen- ladung. ei» englischer bewaffneter Dampfer vom EinheitStyp von etwa 6500 Br.-Reg.-To., ein mindestens 7000 Br.-Reg.-To. großer bewaffneter Dampfer und ein Tankdampfcr. Ter Segler war der französische Raaschuncr Fileur. Der Chef dcZ AdmiralstabcS der Marine. Küste entfernt, mit Torpedo» beschofsen Word«:. Einer davon traf den norwegischen Dampfer Vafoß, der sofort unter heftiger Explosion sank, wobei vier Heizer getötet wurden; 14 Mann wurden von einem norwegischen Torpedoboot aufgenommen. Auch ein englischer Hilfskreuzer wurde versenkt, von dessen Besatzung viele umkamen. Von den IS Schiffen deS Geleil- zugcS waren fünf aus Norwegen, die übrigen aus Schweben. Gnglifthes Schulschiff unö englischer Hilfskreuzer versenkt. Amsterdam, 2. April. Rentcr berichtet aus London:.Die Admiralität teilt mit, datz da? bewaffnete englische Schulschiff Titonns von einem deutschen Untcrseebot versenkt worden ist. Ein Unteroffizier nnd drei Mann sind umgekommen. Kopenhagen, 1. April. Nach einer Meldung der„BerlinSke Tidende' ans Kistiania ist ein Handelsgeleitzug von 19 Schiffen auf der Reise von England nach Norwegen von deutslben U-Booten angegriffen und, obgleich er von Torpedojägern und Torpedobooten begleitet war, 8 Seemeilen von der norwegischen Der Schiffsraub an tzollanö. Hongkong, 29. März.(Rcutcrmcldung.) Die Regierung hat fünf holländische Dampfer mit einem Gesamttonncn» gehalt von 28000 Tonnen übernommen. Landesverrat aus Gewinnsucht. Durch Urtcll des autzeror- ordentlichen Kriegsgerichts in Bremen vom 20. März d. I. wurde der Schlosser Gerhard B u n k in Bremen wegen voll- endeten Landesverrates zu 15 Japrcn Zuchthaus und 10 Jahren Ehrverlust verurteilt. Buuk war durch cinen Agenten eines berüchtigten englischen Spionagebureans in Hol- land zum Verrat an seinem eigenen Vaterland verführt worden. T«s Motiv zu seiner Tat war lediglich Gewinnsucht. Der Mittäter sieht ebenfalls strenger Strafe entgegen.— Dieser Vorfall beweist aufs neue, datz die feindliche Spionage nach wie vor eifrig tätig ist und datz sie nicht ohne Erfolg arbeitet. A c u- f; e r st e s Mißtrauen gegen alle Unbekannten, die in harmlos scheinender Weise nach militärisch wichtigen Dingen fragen, ist drin- gend erforderlich, sofortige Anzeige bei der Polizei oder Militärbehörde bei jedem begründeten Verdacht der Spionage nicht nur moralische, sondern auch rechtliche Pflicht jedes Deutschen. Lanöesvecsammlung öer württembergischen Soziaiöemokratie. Nach beinahe vierjähriger durch den Äriog bedingter Pause fand am Ostersamötag sind Sonntag in Stuttgart erstmals wieder eine oodcntlicbe Lande svarsammlinig der Sozialdenwtroten Württembergs statt, die von 186 Toilnelnnern Iwsucht war. Dar vom Vorsitzenden Genossen Fischer erstattete Gcschästsbevicht des LandeSvorstandcS gad ein Bild von den heftigen inneren Kämpfen, denen bekanntlich die Partei in Württemberg im ersten KviegSjahr. ausln der Woche betragen soll. Die Beitrags« erhöhung soll am 1. Oktober d. I. in Kraft treten. Gin weiterer Beschluß zielt auf die intensive Förderung der Frauenbewegung ab. Außerdem wurden Wünsche geäußert, den Ausbau der Parteipresse und die Sammlung von landcspolitischem Agitations- Material betreffend. Auch der Kreis der Geuoss«c, die zur Auf- stellung der Kandidalem für die LandeSproporzwabl bevufcn find, v>urde"durch sine neue Sdatudon-bcstiimnrung klar abgegrenzt. Die P refflommi ffurn, die in den fiühercn Parisikämvfeli eingesetzt wurde und fortgesetzt nvit dem L-indesworstand in Konflikt geliet, nnrrde durch nahezu einstimmigen Beschluß toieder aufgehoben. Die Funktionen der Preßkommisiion gehen Wiedel' auf den Landes- ausschuß über, der sie auch früher ausübte. Der Landesvorstaud wurde von 7 auf 9 Mitglieder oerstärkt. Mit Ausnahme zweier auf ihren Wunsch ausscheidenden Mitglieder wurde der Landes- vonstand einstimmig wieder- nnd vier Mitglieder, davmrtrr die Genossin Mos, nongewählt. lieber die politische Lage referierte Genosse Hilden- b r a n d. Er gab ein knapp ummsscnes Bild von der Politik der Partei in der gangen Kviegszeit, rechtfertigte die Haltung der Fraktion bei Bildung der Reichstags nrehrheit, wandte sich scharf fümlers im Hinblick auf das Streben noch der Herrschaft seitens der Militärpartei.— In der Diskussion vertraten zwei Redner die Aifficht, daß die Fraktion angesichts der Ostfviedenspolitik und der Militälchcrrfchast im Innern ohne Rücksick)! auf die Mehrheit die schärfste.Kampfstellung einuehnien und Kvieyskvedite abtebuen müsse. Eine in diesem Sinne gehaltene Resolution wurde jedoch gegen drei Stimmen abgelehnt und mit großer Mchrhait der Fraktion da? Vcrtvanm ausgesprochen. Genosse Dr. Li n bemann sprach über die nächste» Au f. gaben der La ndcs p o li ti k und begnindete die Forderung des parlamentavischon Rcgiernngssvstems. Der Inhalt seines mit ernunütiger Zustimmung aufgenommenen Vortrags ist in folgen- der Eutschtneßung zufaucmengcfaßt: „Die Laude sversaurmlurrz spricht aus, daß der Wirtschaft- Vche und soziale Aufbau nach dem Kriege die Trmokratisiernu« nnsercr Staat?-»nv Gemeinveverkassung vorrmssitzj. Sie for- fnng der Ersten Kammer und den Ersatz des buvean- kratifckwn Regierungssystems durch da? p a r l a m e n t a r i s cb c. Sie fordert weiter eine Reform der Gemeinde- und Bezirks- Verfassung im Wahlrecht, in der Organisation der»ernwlt enden Körpcrschaslcn nnd in der Stellung von Geuceinde nnd Bezirk zu dem Staat. Dabei müssen die Gedanken der Tczentrali- sotion, der Schaffung lcistungsfäbiger Selbstverwaltungsver- bände und der Befreiung der Selbstvenvaltung� von einer oft kleinlichen, meist uberftüsisigen Aufsicht leidend sein. Mit der Reforan der Staats- und Gemelicdeverfassmrq muß die Aus- fchalhmg veralteten VeNvaltnngSrechts. die Beveinfvchung und Konzcntrierung des Verwaltungsbelricües verbunden fein. Die fchivercn Scbäden, die der Krieg der Gesundheit nnd der Sittlich- keit des Volkes gebvacht'flrt, können nur durch planvolle und umfassende Maßnahmen der Hygiene und Sozial- Politik, durch die Neugestaltung unseres Schulsystems mit dem Ziel, es von den Einflüssen jeder Klassenherrschaft zu defreien und in ihm die freie Entwicklung aller Begabten zu sichern, durch die Fortbildung uifferer Wirtschaftsorganisation nach gemoimvirtschaftlichen Zieten und durch die sorgsame Pflege der moralischen Faktoren beseitigt werden." Die L andesver sammln> cg nahm im ganzen eine» ruhigen La» lauf, der fruchtvvingend zu Wirten verspricht. Rede des Grafen Czerm'n. RntVort an Wilson— Semenceaus Iriedensanfrage— die Gebietsabtretungen Rumäniens— internationale Mrüftung? Wien, 2. April. Unter Fükrung des Bürgermeisters von Wien sind h eure die Mitglieder der Obmännerkomercrtz des Wiener Ge- nieinderates beim Minister des Aeuizern erschienen. Bürgermeister Dr. Weistkirchner richtete an den Grafen Czernin eine Ansprache, worauf Graf Czernin wie folgt antwortete: Ich bin sehr gerne bereit, auf die mir von seiner Exzellenz dem Herrn Bürgermeister gestellten Fragen zu antworten und damit einen genauen Einblick in die politischen Verhältnisse, so wie ich sie im Augenblick sehe, zu gewähren. Mit dem rumänischen FriedeiiS'chlust ist der Krieg im Osten beendet. Drei Frieden wurden geschlossen: mit Petersburg. mit der Ukraine und mit Kumänicn. Ein Kapitel des Krieges ist erledigt. Bevor ich mich den einzelnen geschlossenen Frieden zuwende und des genaueren über deren Details spreche, möchte ich auf jene Ausführungen des Herrn Präsidenten der Bereinigten Staaten zurückkommen, in welchen er meine am 24. Januar d. I. im österreichischen Telegationsausschui; für Aeusteres gehaltene Rede beanl- wartet hat. In manchen Teilen der Welt werden die Reden Herrn Wilsons als der Versuch ausgefastt, einen Keil zwischen Wien und Berlin zu treiben. Ich glaube das nicht. Ich glaube das nicht, weil ich eine viel zu hohe Meinung von de in st aatSmänni scheu Blick deS Herrn Präsi- d a n t e n der Vereinigten Staaten habe, um zu glauben, daß er eines solchen Gedankenganges fähig wäre. Herr Wilson ist ebensowenig imstande, uns ein unehrliches Vorgehen zuzumuten, wie wir ibm ein solches zumuten könnten: Herr Wilson will Wien von Berlin nicht trennen. Er will es nicht und weiß auch, dast das unmöglich ist. Herr Wilson sagt sich aber vielleicht, dast Wien ein günstiger Boden ist, um dort das Samenkorn des allgemeinen Friedens b mein zulegen. Er sagt sich vielleicht, daß die österreichisch- ungarische Monarchie das Glück hat, einen Herrscher zu besitzen, der aufrichtig und ehrlich den allge nieinen Frieden will, daß dieser Monarch aber niemals einen Treubruch begehen, niemals euren schimpflichen Frieden schließen wird, und daß hinter dem Kaiser und König 55 Millionen stehen. Und Herr Wilson sagt sich vielleicht, daß diese geschlossene Masse eine Kraft darstellt, die nicht gering einzuschätzen ist, daß dieser ehrliche und starke Friedenswille, welcher den Monarchen, die Regierungen und die Völker der beiden Staaten verbindet, imstande ist, der Träger jener großen Gedanken zu sein, in deren Dienst sich Herr Wilson gc- . stellt ha!. Bevor ich auf die letzleu Ausführungen Herrn Wilsons eingehe, muß ich ein Mißverständnis ausklären: Ich habe in meiner letzten im österreichischen Delegationsausschntz gehaltene» Rede auf eine einschlägige Anfrage erklärt, daß Herr Wilson bereits im Bc- fitze meiner Ausführungen sein dürfte. Herr Wilson hat dies später richtig gestellt und hervorgehoben, daß cS sich hier nur um ein Mißverständnis handeln könne; denn ein direkter Kontakt zwischen mir und ihm bestehe nicht. Herr Wilson hat voll- st ä lt d i g r e ch t. Es handelt sich hier um ein Mißverständnis. Ich iiäbe vor meiner damaligenRedc Sorge dafür getragen, daß deren Wort- !au: von einer nicht offiziellen Stelle aus dem neutrale» Auslände nach Washington telegraphiert wurde, um dergestalt eventuellen Mißverständnissen oder Entstellung vorzubeugen. Ich dachie, daß dieser Text in dem Augenblick als ich meine Rede hielt, bereits in Washington angelangt sein dürste: er scheint jedoch erst einige Tage später dort eingetroffen zu sein. Au der Sacke ändert dies gar nichts. Der Zweck, den ich verfolgt habe, daß der Herr Präsident der Vereinigten Staaten den genauen Wortlaut meiner Ausführungon kennen lerne, ist er« reicht worden, und die kleine Verzögerung von einigen Tagen war vollständig nebensächlich. Zu der Antwort des Herrn Präsidenten kann ich nur sage«, daß ich es für sehr wertvoll halle, daß der deutsche Reichs- k a» z l c r in seiner ausgezeichneten Rede vom 25. Februar mir die Antwort aus dem Munde gcnommr» und erklärt hat, die vier von Herrn Wilson in seiner Rede am 11. Februar entwickelten Grundsätze seien„eine Basis, auf welcher der allgemeine Frieden erörtert werden kann*. I ch stimme dem voll- kommen bei. Die vier Punkte des Herrn Präsidenten sind rine geeignete Grundlage für de» Eintritt in die Diskussion zu einem allgemeine» Frieden. Eb der Herr Präsident in seinen Bestrebungen seine Verbündeten aur dieser Basis zu ralln-rcn Erfolg haben wird oder nicht, steht dahin. Gott ist mein Zeuge, daß wir alles versucht haben, was möglich mar, um die»cur Offensive zu vermeiden. Die Entente hat cS nicht gewollt. Eine französische �rieüensanfrage. Herr Clcmcncrau hat cinigc Zeit vor Beginn der West- ossenfive bei mir angefragt, ob ich zu Verhandlungen bereit sei»nd ans welcher Basis. Ich habe sofort im Einvernehmen mit Berlin geantwortet, daß ich hierzu bereit sei und gegen- über Frankreich kein Fricdenshindernis erblicken könne, als den Wunsch Frankreichs nach Elsaß-�othringcn. Es wurde ans Paris erwidert, auf dieser Basis sei nicht zu verhandeln. Taraufhin gab es keine Wühl mehr. gewaltige Ringen im Westen ist bereits entbrannt. Oestsr- reichisth-ungarische und deutsche Truppen kämpfen Schulter an Schulter, wie sie zusammen in Rußland, Serbien, in Rumä- nie» und in Italien gekämpft haben. Wir kämpfen vereint zur Verteidigung Oe st erreich- Ungarns und Deutsch- lands. Unsere Armern werden der Entente beweisen, daß die französischen und die italienischen Aspirationen auf unsere Gebiete Utopien sind, die sich furchtbar rächen werde». Die Er» llärung aber für dieses an Wahnsinn zmizende Vorgehe» der Entcnlcinächtc liegt zum großen Teile in gewissen Vorgängen in un- sarem Hinterland c, ans welche ich noch zurückkommen werde. WaS immer auch komme, wir gebe» Dcntschlands Interesse nicht preis, wie es unö nicht im Stiche lassen wird. Die Treue an der Donau ist nicht geringer als die deutsch« Treue. Wir kämpfen nicht für imperialistische, auncxionistische Ziele, weder für eigene v-xh für deutsche, wohl aber werden wir gemeinsam bis zum Schlüsse gehen für unsere Verteidigung, für unser staatliches Leben und �für unsere Zukunft. Durch die Friedensverhandlungen mit Rußland wurde die erste Bresche in den Kriegswillen unserer Feinde geschlagen. Es war der Durchbruch des Frie- deuSgedankcns. Es ist der Beweis eines kindischen Dilet- t a n t i s m u s, zu übersehen, in welch engem inneren Kon- t a k t die verschiedenen Fmedcnsichlüsse miteinander stehen. Die Konstellation der uns feindlichen Ostmächt« glich einem Netz. Met dem Durchschneiden einer Masche lösten sich die anderen von selbst. Wir haben vorerst die im Innern Rußlands vollzogene Trennung der Ukrainer vom russischen Reiche international anerkannt und die daraus entstandene günstige Situation für unsere Zwecke aus- genützt, indem wir mit der Ukraine den von ihr angestrebten Frie- den schlössen. Dies führte den Frieden mit Petersburg herbei, Ivodurch Rumänien derart isoliert wurde, daß es gleichfalls den Frieden schließen mußte. So zog ein Frieden den andern nach sich und brachte den gewollten Erfolg der Beendigung des Krieges im Osten. Mit der Ukraine mutzten wir be- ginnen aus technischen und materiellen Gründen. Die Blockade imißie durchbrochen werden und die Zukunft wird beweisen, daß der ukrainische Friedensschluß ein Stoß ins Herz unse- rer noch erübrigenden Feinde war. Mit Rumänien ist ein Friede geschlossen worden, welcher den Ausgangspunkt freund- nachbarlicher Beziehungen bilden dürfte. Die geringfügigen Grcnzrektifikationen, die wir erhalten, sind keine Annexionen. Fast un bewohn- t e s Gebiet, dienen sie a u s s ch l i e ß I i ck> militärischen Sicherungszwecken. Jenen aber, welche darauf beharren wollen, daß diese Rektifikationen unter den Begriff von Annexionen fallen, und die mir Jnkonseguenz vorwerfen, kann ich nur ant- Worten, daß ich mich unzählige Male und in den beiden Del-- gationen öffentlich dagegen verwahrt habe, unseren Gegnern einen Freibrief auszustellen, welcher dieselben gegen die Ge- fahren weiterer kriegerischer Abenteuer assekurieren würde. Es ist nicht meine Schuld, daß sich Rumänien nicht gleichzeitig mit Rußland an den Frieden* tisch gesetzt hat. Bon Rußland habe ich keinen Quadratmeter verlangt und Rumänien bat die günstige Konstellation versäumt. Schutz und Förderung der eminent wichtigen Handelsschiffahrt auf der un- teren Donau sowie Sicherung deS Eiserne» Tores weiden gewähr- leistet durch Verschiebung der Grenze biS auf die Höhe» von Turnsevrri». Durch die gegen einen Pachtschilling jährlicher 1000 Lei auf dreißig Jahre erfolgte Pachtung der wertvollen Wcrftan lagen bei dieser Stadt samt dem zwischen Werft und neuer Grenze gelegenen Uferstroifcn. Endlich durch Erlangung des P a ch t r e ch t e s auf die Inseln O st r o v u, Marc, Corbu, und Sineanu mit der im Räume der Petroscnyer Kohlengruben um mehrere Kilometer gegen Süd erfolgten Grenzverlegung, welche am Sznrduk-Passe auch den beherrschen de-n Punkt Lainix in unseren Besitz bringt, erscheint das Kohlen- revier besser gesichert. MaghSzeben und Fogaras erhalten eine im Durchschnitt 15 biS 18 Kilometer breite neue EicherungSgrenzc. An allen Pässen von Bedeutung, so bei Predeal, Bodza, CyimeS, BekaS und Toelgyes, ist die neue Grenze so weit auf rumä- nifchen Boden verlegt, als es militärische Gründe er- fordern. Die Dreilnndcrccke fällt uns zur Gänze zu, womit die Möglichkeit gesicherter Verbindung zwischen Un garn und der Bukowina gegeben ist. Die Verschiebung der Grenze östlich von Czcrnowitz soll die feindlichen Angriffen bis- her preisgegebene Lcrudeshauptstadt der Bukowina gegen lieber- fälle wirksam schützen. Ich will in einem Moment wo wir mit Erfolg bestrebt sind, neue freundschaftliche Beziehungen mit Ru mänien anzuknüpfen, nicht alte Wunden aufreißen, aber jeder von Ihnen kennt die Geschichte des rumänischen Kriegsausbruches und wird zugeben, daß es eine Pflicht war, die Völker der Monarch'« gegen Ueberfälle ähnlicher Art in Zukunft zu schützen. Ich habe wiederholt gesagt, die sicherste Garantie sähe ich in zukünftige» internationale» Abmachungen, welche den Krieg verhinbcr». Ich hätte in solchen Abmachungen, wenn sie in bindender Form ge- faßt worden wären, weit stärkere Sicherheiten gegen nachbarlich» kleberfälle gesehen, als in Grcnzrektifikationen. Aber ich habe außer beim Herrn Präsidenten der Vereinigten Staaten noch bei keinem unserer Gegner den ernsten Willen gefunden, auf diesen Gedanken einzugehen. Trotz des geringer! Ver ständnisses, dem dieser Gedanke vorerst noch begegnet, glaube ich dennoch, daß er sich durchsetzen wird. Ich nehme den Bleistist zur Hand und rechne nach, mit welch furchtbaren Laste« die Staate» der Erde auS diesem Kriege hervorgehen werden, und ich frage mich vergcl'ens, wie sie bei weiterer freier Rüstungskonkur renz die militärischen Auslagen werden decken können. Ich glaube nicht, daß irgendein Staat in der Lage sein wird, nach diesem Kriege jährlich mehrere Milliarden für die durch den Krieg so bedeutend erhöhten militärischen Bcdürfuisse auszugeben. Ich glaube vielmehr daß die finanzielle vis major(höhere Gewalt) die Welt zu einem internationalen Kompromiß über die Herabsetzung der Rüstungen zwingen wird. Meine Hoffnung ist weder idealistisch noch phan tastisch— sie ist realpolitisch in des Wortes wahrster Bedeutung. Ich hielte es für ein großes Unglück, wenn es nicht schließlich ge- lingen sollte, zu allgemeine« Vereinbarungen über die Verminderung der militärischen Rüstungen zu gelangen. Es ist solbstverständlich, daß wir bei dem Friedensschlüsse mit Rumänien dafür sorgen werden, daß unsere Interessen in der Frage der Getreide- und Lebensmittelversorgung und des Rohöls voll berücksichtigt werden. Wir werden ferner Vorsorge treffen, daß die katholische Kirche und unsere Schulen den staatlichen Schutz erhalten, dessen sie bedürfen. Die Inden wenden fortan gleichberechtigte Staats- bürger in Rumänien sein. Der irredeutistischen Propaganda, welche soviel Böses in Ungarn erzeugt hat, werden Riegel vorge- schoben werden, und endlich wird Vorsorge getroffen werden, daß die vielen Landsleute siir das durch den Krieg ruischuldig erlittene Unrecht entschädigt werden. Schließlich sind wir bemüht, durch Vereinbarung eines neue» Handelsvertrages und durch eine zweck- mäßige Regelung der Eisenbahn- und Schifsahrtsfragen unsere wirtschaftlichen Interessen in Rumänien entsprechend zu schützen. Die gesamten Friedensverträge werden nach ihrem endgültigen tldschluß veröffentlicht werden. Rumäniens Zukunft liegt im Osten. Weite Gebiete Bessarebieus sind von rumänischer Bevölkerung bewohnt, und manche Anzeichen deuten darauf hin, daß diese mmämsche Bevölkerung einen engen Anschluß an Rumänien wünscht. Wenn sich Rumänien auf einen offenen, ehrlichen und freundschaftlichen Fuß mit uns stellen will, so werden wir nichts dagegen haben, jenen aus Bessarabien kommenden Tendenzen enkgegenzukommen. Rumänien kann in Bessarabien viel mehr gewinnen, als es in diesem Krieg verloren hat. Ich war ängstlich bemüht, bei den Grenzrektifikationen Ru- mänien nichts zu nehmen. WaS einen dauernden Stachel in der ru- manischen Psyche hinterlassen könnte. Ich will, daß die Wunden, die dieser Krieg Rumänien geschlagen hak, wieder heilen und vor- narben. Ich glaube, daß Rumänien in seinem wohlverstandenen Interesse auf die Zentralmächde augewiesen ist, und meine Politik geht dahin,»in Zukunft ein f r e u u d u a ch b a r l i ch e s Vor- h ä l t n i S neu zu begründen. Das gegenwärtige rumänische Ministerium, welches immer für einen Anschluß an die Zentral mächre ivar, hat seine Anschauung nicht geändert. Von Rumäniens zukünftiger Politik allein wird es abhängen, wie sich sein Los gestalten wird. Die Kommission, welche berufen ist, mit der Nkrauia den Warenaustausch zu organisieren, ist in Kiew bereits zusammengo- treten und in voller Arbeit. Sobald die Verhandlungen mit der ukrainischen Regierung über diesen Punkt abgeschlossen sind und ich hoffe, es wird dies bald der Fall sein— werden die Zuschübe aus der Ukraina in größerem Umfange einsetzen können. Wir haben mit der ukrainischen Regierung vereinbart, daß die den Vierbund- nächten vertragsmäßig zu liefernden Getreidcquantitäten uiin- dcstcnS rine Million Tonnen betragen werden, und wir hoffen, daß die einzurichtende Organisation der Aufbringung und des Abschubes es gestatten werden, diese Menge innerhalb einer angemessenen Frist abzutransportieren. Die Daimler-Schutzgaröe. Der Kriegsausschutz der deutschen Industrie macht gegen die vom Reichstag geforderte Ueberwachung der knegSindustricllen Unternehmen mobil. Er verlangt, daß etwaige Untersuchungen nicht von Personen geführt werden/die irgendein außerhalb des Untersuchungszweckes liegendes Interesse an ihren Wahrnehmungen haben. Vor- nünftig angctvcndct, läßt sich das Verlangen hören. Würde eS aber in seinen letzten Konsequenzen befolgt, so bedeutet es von Anfang an, daß jede Untersuchung unmöglich gemacht wird. Denn wenn auch selbstverständlich Personen auszuschließen sind, die entweder selbst Wettbewerber des kontrollierten Unternehmens sind oder die den Wettbewerbern ihre Erfahrungen zutragen könnten, so würde es doch sehr schwer sein, zu verhindern, daß die Kontrollorgane ihre bei ihren Untersuchungen erworbenen Erkenntnisse etwa zu persönlichen Börsenoperationen ausnützen, was schließlich ebenfalls eines der verpönten.außerhalb des Untersuchungszwcckrs liegenden Interessen" ist. Der Versuch, passive Resistenz zu treiben, wird noch deutlicher aus dem Verlangen, die Vorlage von Kalkulationen und Geschäfts- büchern nur dann für einforderbar zu erklären, wenn ein degrün- deter Verdacht wegen mit der Kriegswirtschaft nicht zu vereinbaren- den Unregelmäßigkeiten vorliegt. Tarauf ist zu erwidern, daß der Verdacht durch die Einsicht in die Geschästsl'üchcr erst begründet werden soll, weil die Kriegsbilanzen schlechthin den Verdacht gegen jedes Kriegsunternehmen rechtfertigen, daß es den Staat auswuchert. Außerdem ist der Ausdruck.Unregelmäßigkeiten" mit Absicht höchst verschwommen gewählt. Unter Unregelmäßigkeiten können vielleicht nur strafrechtliche Delikte zu verstehen sein; in den meisten Fällen wird aber nachzuweisen sein, daß der Unternehmer einen im Per-- hältniS zu dem mächtia gestiegenen Umsätze zu großen Gewinn ge- nommen hat, was vielleicht nicht strafrechtlich faßbar, aber für die Finanzen deS Reiches ruinös ist. Verhaftungen in Tüsseldorf. Der Geschäftsführer der„Düsseldorfer VolkSzeikung" Heinrich Pfeiffer, der zugleich Vorsitzender des Düsseldorfer„un- abbängigen Parteivereins ist, und Frau Lore Agnes, die weib- lichc Vcrtvauensperson der.Unabhängigen", sind verhaftet wordcn. Je mehr Rote fallen.... Vor einiger Zeit berichteten wir über die Aeußerung. die ein.Dr. Adler- Salzwcdel in.einer kon- scrvativcn Versammlung zu Garbelegen getan haben soll:'„Je mehr Rote in diesem Kriege fielen, d e st o g r y ß x r w e c d c d i e s? o f s- nung, daß endlich einmal eine endete Gesinnung ul die Welt komme." Durch seinen Rechtsbeistand hat Dr. Adler uns darauf eine Be- nchtigung zugehen lasse», die wir abdruckten. Demgegenüber er- klärt unser Gewährsmann, daß er seine Darstellung vollkom- men aufrecht erhalte und ihre Richtigkeit zu beeiden bc« reit sei. Geldscndmigrn für Kriegsgefangene iu SiVirie» kann die Deutsch- Astatische Bank, wie sie mitteilt, zurzeit nicht mehr� vermitteln. Ein neuer Ucberweisungsverlehr wird von der demnächst nacb Ruß- land abreisenden Kommission eingerichtet und das Nötige darüber seinerzeit bekannt gegeben werden. Rationierung der Beredsamkeit. Der Berner„Bund"(vom 81. März, nicht vom I.April) berichtet: In parlamentarischen Kreisen verlautet, Herr Nationalrat Dr. B. Bertoni werde nach dem Wiederzusammentritt der eidgenössischen Räte am 22. April im Einverständnis mit RatSmitglicdern aller Gruppen folgende Motion einreichen:»Um einen Höchsterirag der parlamentarischen Arbeiten zu sichern, wird der Bundesrat eingeladen, die Frage zu prüfen ob es nicht angezeigt sei, die parlamentarische Beredsamkeit in dem Sinne zu rationieren, daß jeder politischen Gruppe ein ihrer Stärke entsprechendes oratorisches Kontingent zugewiesen würde, das sie mittels Redekarten unter ihre Mitglieder zu verteilen hätte." Letzte Nachrichten. Panik in Paris. Berlin, 2. April. In der Festung Paris herrscht infolge der fortgesetzte« Beschießung durch da? weittragende Geschütz h e i l- lose Verwirrung, die einer Panik gleichkommt. Tie Bahn- Höfe und TranSportanstaltcn werden von Menschen bestürmt, die die Stadt verlassen wollen. Die Regierung will und kann jedoch de« Wünschen des Publikums nicht entspreche», da es an de» nötigen Transportmitteln fehlt.. Lugano, 2. April.(T. kl.) Die Fernbeschießung von Paris hat, italienischen Zeitungen zufolge, gestern während des gauzen Tages angedauert. Todesurteile der Entente. Lugano, S. April. Das Kriegsgericht in Genua verurteilte die ehemaligen Direktoren der elektrischen Gesell- s ch a f t, Königshetm, Ampi, Martell, Heß, zum Tode des Er- schießen s. Der Direktor Liebenthal wurde zu 20, Locher zu 15, Saameli Hubert zu 10 Jahren Zwangsarbeit vecurieilt; Mar« tin wurde freigesprochen. Flucht BratianuS und Take Jonescus. Berlin, 2. April. Nach suvcrlässigen Mitteilungen haben Boa- tianu und Tale Joncscu mit der französischen Militärnussion I a s sy verlassen und sich nach Frankreich begeben. Stras-enkampf in Tammerfors. Stockholm, 2. April. Nach den letzten Nachrichten au? Finn- land ist Tammerfors noch nicht genommen. Wie„Svenska Dag- bladet" erfährt, haben sich die weißen Gardisten wegen des bcson- ders zähen Widerstandes der roten Gardisten dazu entschlossen, die Stadt zu beschießen. Infolgedessen gelang es ihnen, einen Teil von Tammerfors zu besetzen; hierbei zeichnete sich besonders die schwedische Brigade aus, die trotz starker Verluste in die von den roten Gardisten besetzten Kaserne» ! eindrang. Der Straßenkamps innerhalb Tammerfors dauert I weiter. Un» Gewerkschaflsbewegung Bezirkstag des Dachdeckerverbandes. Nm zweiten Ostertag taqte in Berlin der Gaulag deS Dacki- deckcrverbandes. Vom Zentralvontand war T h o m a«. Frank- furt a. anwesend von der Gonleitung S(6 o n a k- Bcrliw der auch den Bericht des Gaues erstattete Er konnte mitteilen, daß sich der Bezirk trotz der zahlreichen Einberufungen feit zwei Jahren auf dem gleichen Mitgliederstand gehalten bat. Eingebend berichtete Schonak über die Bewegungen um die Teuerungszulagen, die durch die zentrale Zllegeliing wesentlich erleichtert wurden. BeionderS verbreitete er sich über dre Berliner Bewegung, die durch daS Ein- greifen des Kriegsamtes ihren Abschluß fand. Dann besprach der Redner die Agitation im Gan, die Aus- fichteii für die Uebcrgangswirtschast und zum Schluß die innereit Vorgänge in der Gauverwaltung. Daran anschließend fand eine sehr lebhafte Aussprache statt. Hierauf aab Thomas den Bericht von der Zcutralleitung; er besprach die Tätigkeit um Erhöhung der Teuerungszulagen, ferner die Vorarbeiten in sozialpolitischer Be- ziehring und Fragen der Uebergangswirtschaft. Weiter berührte der Redner eingehend die Haltung der.Dachdcckcr-Zcitung' und andere Fragen, die mit der Gewcrkschaftspolitik zusammenhängen. Das Referat gab Veranlassung zu einer lehr anregenden DiS- kussion, in deren Verlauf von allen Rednern die Haltung der .Dachdeckcr-Zeitung" und auck die weitere Tätigkeit zur Schaffung eines Reichslarises gebilligt wurde.. Besonders erklärten sich die Vertreter der Filialen mit der allgemeinen Hallung des Haupt- Vorstandes einverstanden. Die Abhaltung eineS Verbandstages wurde einstimmig abgelehnt. Bei dem Punkt Arbeitslosenunter st ützung erklärten sich sämtliche Anwesende für die Ausarbeitung einer Vorlage für den ersten Friedensverbandstag. Die Erhöhung der Beiträge In der wirklichen Höhe deS StlindenverdiensteS einschließlich der Teuerungszulage entfesselte ein lebhaftes Für und Wider. Der Hauptvorstand verlritt den Grund- satz: Für den Verband wöchentlich einen Stundenlohn. Stolzen- h a i n- Berlin, A l t h a u s- Berlin. Wunderlich- Brandenburg und Schönebeck- Stettin erklärten sich für die Erhöhung, sie betonten allerdings, daß dieser Beschluß zum Teil ganz enorme Beitragserhöhungen bringe, da aber der Zentrolvorstand auch Unterstützungserhöhungen dafür leiste, so könne man doch dafür stimmen. Bei der namentlichen Abstimmung erklärten sich ISS Stimmen für die Beitragserhöhung, gegen sie niemand. Die Vorlagen, die sich mit den inneren Reformen befaffen, wurden gleichfalls nach kurzer Debatte angenommen. AlleS in allem war der Gautag von dem Geiste und dem Wunsche beseelt, die Gewerkschaftsbewegung über die schwere Zeit geschlossen hinweg zu bringen. Die Neuwahl fiel wieder auf S ch o n a ck- Berlin, der den Gautag mit herzlichen Worten des DaukeS schloß. Die Vereinigung deS ZentralvercinS der Gießerei« arbeiten Oesterreichs. mit dem österreichischen Metallarbeiterderband wurde auf dem Ende März stattgefundcncn Metallarbeitervcr- bandstag zum Beschluß erhoben. Damit hat sich eine orgamsatv- rische Verschmelzung des Proletariats der österreichischen Metall- irebustrie von großer Bedeutung vollzogen. Thcaterstreik in Ttockhol«. Die Statisten am Kgl. Theater zu Stockholm— zirka acht, ig an der Zahl— haben wegen Lohndiffercnzen die Arbeit eingestellt. /ibkehrschein unö Gewerbe- gericht. Die in der ReichSgcwerbeordnung den Arbeitern gesetzlich ge- währleisicte Freizügigkeit, die darin besieht, die Arbeitsstelle wechseln zu dürfen, ohne Gründe anzugeben, ist. wie bekannt, durch das HllfSdiensigesetz beichtänkl worden. Nach§ 9 des genannten Gesetzes kann der Arbeiter seine Stellung nur aufgeben, wenn der Arbeit- geber damit einverstanden ist. Dieses Einverständnis des Arbeit- pebers bedarf einer urkundlichen Bcicheinigung, des sogenannten Abkehrscheines. Es war vorauszusehen, daß ebenso wie bei venveigerter oder unrichtiger Ausstellung eines Zeugnisses gemäß§ 113 der Gewerbeordnung seitens des Arbeitgebers zwischen solchen und den Arbeitnehmern auch Streit über das Recht der Weigerung bei Ausstellung eines Abkebischeins entstellen würden. Insbesondere sind in den letzte» Monaten eine Reihe von Klagen gegen Unternehmer erhoben worden, weil diese es unierlassen hatten, Arüeiiern den Abkehrschein rechizeilig aus- zuslellen. Da letzlere ohne einen solchen Schein von anderen Unternehmern nicht cingestelll wurden, hallen sie AnSsall an Arbeitsverdienst. Diesen Schaden machten Arbeiter im Wege der Erhebung der Klage vor dem Gewerbegerichlen geltend, mir dem Antrage, den Unternehmer zum Schadenersatz zu verurteilen. Da eine solche Schadenersntzforde- rung aus dem Arbeitsverhältnis beider Vertragsparteien stammt. weil der eine der Unternehmer in einer dem Gesetz enlgcgcnsiehen- den Weise gegenüber dem andern, dem Arbeitiiebmer. gebändelt, ebenso als ob es sich um ein gewöhnliches Arbeilszeugnis handelt, so haben die meisten deutschen Gewerbegerichle zulreffenden Falles den oder die Unternebstrer verurzeilt, Schadenersatz zu leisten. Sie sind damit dem Rechtsbcwußisein der Arbeiter, daß solche Streit fachen möglichst schnell und nicht im komplizierten Gerichisvcrsgbren zu erledigen sind, durchaus gefolgt. Andere Gewerbcgerichte haben die»graue Theorie" juristischer Silbcnstechcrei verfolgt und der staunenden Mitwelt wissen lassen, daß iür Schadenersatzklagen ans Streitigkeiien über den Abkehrschein nickt die Gewerbe-, sondern die ordentlichen Gerichte zuständig sind. Dieser juristischen WeUfiemd- hcit des praktischen Lebens hat sich in einer Beruiungsklage gegen ein Urleil des Gcwcrbegerichts Berlin, auch das Landgericht I Berlin bedauerlicherweise angeschlossen. Vor dem Berliner Gc- werbegerichl klagte ein Dreher wegen zu spät erfolgter Aushändi- gnng deS Abkehrscheins auf Zahlung einer Schadenersatzsumme von 114 M. Das Gewerbegerickl kam zur Vcrurleilung des Unler- nebmers. Aus die von dem Unternehmer erhobene BerufungSlloge kam das Landgericht wegen Unzuständigkeit deS Gewcrbegerichts zur Klageabwciiung. Das Landgericht sagt in seiner Enlscheidung. die Ausstellung eines Abkehrscheins durch den Unternehmer rnt- springe einem öffentlich-rechtlichen Interesse und ist daher nicht auf Grund, sondein lediglich aus Anlaß eines Arbeitsverhältnisses zu erteilen. Da die Verpflichtung zur Ausstellung des Ablchrschciiis sonach nur in mittelbarem Ziisanimeiihaiige urit dem Arbeitsverhältnis steht, fallen diese Streitigkeiten nicht unler die Zuständigkeit des Gcwerbegerichtsgcietzes. Dieses Urteil erregte in Arbeilnebmer- als auch in Arbeilgeberkreisen Kopsschütleln. Der nicht mit Juristen- verstau!) ausgestattete Laie fragt sich, welcher Unlerichied eigentlich zwischen dem gewöhnlichen Arbeltszeugnis nach§ 113 der Gewerbe- ordnung und dem§ 9 des HilsSdienstpflichtgeietzes. soweit es sich um eine Beurkundung handelt, eigentlich besteht? Jedenfalls nur der, der eingangs schon hervorgehoben ist, daß zur Erreichung des Zweckes für de» das HilsSdienstgesetz geschaffen ist, eine Beschrän- iung der Freizügigkeit als notwendig anetkonnt wurde. Wollte nian den juristischen Spuren des Landgerichts I Berlin folgen, so ließe sich auch jeder beliebige Streit über ein Zeugnis nach Z 113 der Gewerbeordnung dahin auslegen, daß es mit dem Arbeitsverhältnis nur in mittelbarem Zusammenhange steht. Diele den Arbeitern wesentlich schadende Auslegung de? Land- gerichis I Berlin, halte der ReichstagSabgeordnelc Genosie Körsten zum Anlaß genommen, an den Rcichslanzlcr die»Kleine Anfrage" zu richten, was er zu tun gedenkt, diesem Uebclstande abzuhelfen, indem darauf hingewiesen wurde, daß damit einem großen Teil der Arbeiter der Rechtsboden entzogen sei. Der Stellvertreter des Reichskanzlers hat darauf zunächst ganz allgemein dahin geantwortet, daß einige Gewerbegerichte ebenso wie das der Anfrage zugrunde liegende Urteil des Landgerichts I Berlin cnlichicden habe, daß für Streitigkeiten über Schadenersatzansplüche wegen Voreiilhatiung oder nicht reckt- zeiliger Aushändigung des Abkehlscheins nicht die Gewerbegerichle zuständig seien. In der Antwort wird aber ausd-iicklich bemerlt, daß die weit überwiegende Mehrzabl der G werbegerichle auf dem gegenteiligen Stnndpiinlt sieben; ebenso fei in wisienschafilichen Untersuchungen die Zusländigleit der Gewerbegerichle bejahr worden. Eine grundsätzliche Sicllling, wie die Reichsregiernng über diese für die Arbeiter in heuliger Zeit so wichtige Frage denlt. ist in der Antwort nicht enthalten. Man lonn aber sehr wobl aus Form und Inhalt der Antwort an den Genossen Körsten solgei», daß auch die Reichsregiernng auf dem Standpunkt steht, daß der Buchstabe tot ist und nur der Geist lebendig macht. Der Geist nämlich, der im GewerbegericklSgesetz verkörpert ist: dem aus Begebenheiten ans seinem ArbeiisverlrngS« Verhältnis klagenden Arbeiter eine möglichst schnelle und billige Rechtsprechung zu verschaffen. Die Antwort der Reichsregicrung an den Genossen Körsten klingt schließlich noch dahin aus, daß dem Arbeiter sein Recht, zu llagen, nicht verloren geht, falls dieie Aul'assung vorbanden sein sollte. Dieser Umstand ist dem Fragesteller natürlich durchaus nicht im« beiannt. Wenn indessen in der»Kleinen Anfrage" von dem„Ent- ziehen des Rechtsbodens für die Arbeiter" gesprochen wird, so in dem Sinne, daß es einen in der Rechtsprechung unhaltbaren Zu- stand bedeutet, wenn gelehrte Richter entgegen der Spruchpraxis der meisten deuischen Gewerbegerichle, den Arbeitern durch gekünstelte Auslegung des Hilfsdienstgesetzcs ihre Rechte verkümmern, die sie »och den Bestimmungen des Gewerbegerichlsgeietzes zu haben glauben. Dieier Zustand kann für die Dauer im Interesse der Rechtsprechung und der beteiligten VoliSkreise nicht aufrecht erhalten bleiben. Es ist oeshalb zu begrüßen, daß der Verbandsvorstand deS Verbandes Deutscher Gewerbe- und Kaufmannsgerichlc bereits im August 1917 eine Eingabe an die Rechisableilung des Kriegsamts gerichiet hat, worin die Klärung der Frage, ob bei Schadenerintz- ansprächen wegen veripäieler Erteilung des Abkehrscheins die Gc- werbe- oder ordentlichen Gerichte zuständig sind, als dringend ge- fordert wird. Bei der Wichtigkeit der für weite Arbeiterkreise Bedeutung habenden Angelegenheit wäre es auch Aufgabe der sozialdemo« lratiichen Partei im Reichstage, dahin zu wirken, daß dem uiier» wünschten und für die Arbeiter nachleiligeu Rcchtszustand recht bald ein Ende gemacht würde. Soziales. Angestellte und Krankenversicherung. Während Arbeiter, Gesellen, Dienstboten ohne Rücksicht auf ihren Verdienst der Krunkenverficherungspflicht unterliegen, sofern sie gegen Eirtgelt beschäftigt werden, ist bei den BetoiebSbeamten, Werkmeistern und anderen Angestellten, be>l den Hairdlungsgehilsen und-gehilfinnen die Bersicherungspflicht nur insoweit gegeben, als ihr Gehalt 2509 M. n-icht übersteigt. Bei der Jnval-idenversiche- rungspfkicht 2000 M. s siehe Nr. 78 dieses Blattes vom 19. März). Ein großer Teil der Angestellten hat die Gehaltsgrenze von 2500 M. überschritten. Ihre Bersicherungspflicht ist damit erloschen. All diesen Angestellten ist zu raten, ihre Mitgliedschaft bei der zustän- digen Krankenkasse aufrecht zu erkalten. Nach§ 313 der R-stchS- versicherungsordnung haben die Mitgl-ieder, die aus versiche- rungspflichtiger Beschäftigung ausscheiden, das Recht, ihre Mitgliedschaft bei der Krankenlasse freiwillig fortzusetzen. Dre Mitgliedschaft kann in einer niedrigen Beitragsklasse fortgesetzt werden. Da sich nach der Beitragszahlung die Leistungen der Kasse richten, empfdehlt es sich, die Mitgliedschaft in der bisherigen Klasse fortzusetzen. Die Meldung zur freiwilligen Mitgliedschaft erfolgt am besten sofort. Sie Hot spätestens innerhalb drei Wochen nach dem Ausscheiden zu erfolgen; für Erkrankungen, die innerhalb der zweiten oder dritten Wock« eintreten, besteht nur ein Anspruch auf die Regelleistungen der Kasse und dieser nur dann, wenn der Er- krankte im letzten Jahre vor dem Ausscheiden mindestens sechsund- zwanzig Wochen oder unmittelbar vorher mindestens sechs Wochen versichert war. Bei der großen Bedeutung der Krankenversicherung sollte man nicht jahrelang ertoorbene Rechte preisgeben, sondern sich dieselben durch die freiwillige Mitgliedschaft zu erhalten suchen. (Wiederholt, weil nur in einem Teil der gestrigen Auflage.) Gcrichtszcitung. Haftet die Eisenbahn auch für Nnfälle vor dem Bahnhofs- gedände? Durch Lösung einer Fahrkarte schließt der Reisende mit der Eilenbabn einen BesörderungSveraag, kraft dessen die Bahn dem Reisenden einen ge'ahrlosen Zu- und Ab- gang nach und von dem Zuge zu gewähren hat. Diese Vertrags- Pflicht bezieht sich nickt nur auf die Zugänge innerhalb de» Bahnhofsgebäudes; vielmehr ist die Bahn verpflichtet, den Reisenden auch einen sicheren AuSgaug aus dem Dahnhof zu geiväkren. Deshalb haltet die Bahn vertragsr-chtlich, wenn ein Rei'ender vor dem Bahnhofsgebäude auf einem der Bahn ge- Köngen Wege, den das ans dem Bahnhof kommende Publikum be- nutzen muß, um zur öffenilichen Straße zu gelangen, infolge ge- 'ährlicher Beschaffenheit dieses Abgangsweges einen Unfall erleidet. Diesen Grundsatz hat das Reichsgericht in einer jetzt vor» liegenden Enlickeidung anerkannt. ttcrantworilich für Politik: Erich Küitncr, Berlin: für den übrigen Teil des BlatleZ: Alfred Scholz, Ncul-'lln: für Anzeigen: Tlieodar Wlocke, Berlin. Verlag! Vorwärts-Verllig G. m. b. H.. Berlin. Truck: Vorwäris-Buchdruckerei und Verlagsanslalt Paul Einger u. Co. in Berlin. Lindcnitrabe 3. Hierzu l Beilage und UnterlnUluugSblait. die wir iu reichlichem Maße aufgewendet Haben, um unser Geschäft auf seine jetzige Höhe zu bringen, sind reichlich be« loHnt durch dsn grc-hen Kreis unserer Kundschaft, der treu xu uns hält, und immer größeren llmfang annimmt. Konigstr. 33 lUm Dolmhsf McrcmSerplotz LHausseestr. 113 MMW v i nur i j.m Osten: Gr. fi'sMiii'tei' Straße 14!| I in. Norden: IllVSliileNZll'M S, AeKak| Möbel auf Teilzahlung und Ijlll** eu btlllcron Preisen. Oroßo. Ansirahl. KrlcsNbcschiidlgte erhalten Rabatt. Inserat mitbringen. Wert 5 Mark. Sonntags 12— 3t cebünet. cigapreni.flPflBBPfluswam F. Emst Ecfiö. Biflla, E1""cr' 4 ftfhohoffr. 6? Str. St. ri k! Frsuiz Abraham Eawb. Messina-a.Römertrank-K�n. C.26 Birtslilr. 8», Fcrnsp. Kgst.lSTOS 4 Bardamen, Öummaw.> R. Bsnko, Straiauer Str. 6ö. A. EU Lautre, Brunaenstr. 168 4 Barteer- u. Koodhoreion � Otto Wolff, Treptow, kruilst. 16 �Bierbranerel., nt9rhdapdip:> iraiiereiBOizü apfieblt miaümsre •rstea Ranges iL Nr. 91 ❖ Z5. Jahrgang Seilage öes Vorwärts Mittwoch, Z.�prill 91 S GroßSerlln Eine gemeinsame Gcmüseprciskommissio» für Brandenburg. Die ReichZstelle für©emflfe und Obst hat mit Wirkung vom 1. April ab für die Gebieie der BezirkZstellen Grob«Berlin, Pols dam und Frankfurt a. O. eine gemeinsame Kommission zur Festsetzung der Erzeugerpreise von Gemüse und Obst gebildet. Der Vorsitzende der Bezirksslelle Grob-Berlin, Geheimer viegierungSral Hagedorn, ist ermächtigt worden, den Vorsitzen- den der Preiskommission zu ernennen und 12 Beisitzer zu berufen, von denen je sechs aus den Kreisen der Erzeuger und Verbraucher zu entnehmen sind. Von den Vertretern der Erzeuger sollen je zwei auS den genannten Gebieten, von den Vertretern der Verbraucher je einer au? den Gebieten der Bezirksstellen Potsdam und Frankfurt a. O. und vier aus dem Gebiete der Bezirksstelle Grob-Berlin entnouimen werden. Ferner sind die Kommunal- verbände in den Gebieten der Bezirlsstellen Potsdam und Frank- surr a. O. zwecks einheitlicher Bestimmiing der Grob- und Klein« Handelspreise iür Gemüse, Obst uns Südfrüchte zusammengefabt worden. Der Regierungspräsident in Potsdam ist zugleich ermächtigt worden, im Beuebmen mit dem Regicrungspräsidenten in Frank« surt a. O. den Vorsitzenden der PreiSIommission zu ernennen und 6 Beisitzer zu beruicn, von denen je zwei aus den Kreisen der Grobbnndlcr, der Kleinhändler und der Verbraucher der RegierungS« bezirke Potsdam und Frankfurt a. O. zu entnehmen sind. Die Brikcttkttndenliste liegt in den Kohlenhandlungen zur Eintragung auf. Die Tin- traguiig muh in der Zeit vom 2. bis 13. April und darf nur in die Kundenliste eincS einzigen Kohlenhändlers erfolgen. Die Verbraucher sind örtlich in der Wahl des Kohlenhändlers nicht be- schränkt. Einwohner der Vororte können sich bei einem Kohlen« Händler des Nachbarorts eintragen lasien usw. Die Eintragung darf nur gegen Aushändigung der von der Wohnsitzaemeinde ausgestellten. aus Grundkarte und Ausweis zusammengesetzten Beschei- nigung bewirkt werden. Der Kohlenhändler ist verpflichtet, die Ein- tragung in die Kundenliste abzulehnen, falls er die zulässiae Höchst- zahl von Verbrauchern bereits in seine Kundenliste eingetragen dal. Nach der Eintragung hat der Kohlenhändler von der Be« scheinigung den Ausweis abzutrennen und diesen dem Verbraucher zurückzugeben. Der Verbraucher hat den Ausweis sorgfältig auf- zubewahien. Die Eintragung in die Kundenliste hat die Wirkung, dah der Verbraucher vom 15. Mai ab Brikett? nur noch bei demjenigen Kohlenhändler entnehnren darf, in dessen Kunde nli st e er eingetragen ist.— Die Brikcttkundenlifle gilt nicht für den Kohlenbedars der Zentral- Heizungen, Gewerbebetriebe. Behörden, Kirchen, öffentlichen Schulen und Anstalten der öffentlichen Wohlfahrtspflege. Neue Polizeiverordnnnflen zur Wohnungsnot»md zur LcbcnsmittclkartcnauSgabc. Eine vom Potsdamer Regierungspräsidenten veröffentlichte Polizewerordnung verpflichtet die Hausbesitzer oder die Hausverwalter im Stadtkreis Spandau, in den zum Grosi- Berliner Vororrbezirk gehörigen Amtsbezirken der Kreise Teltow und Nicdcrbarnim sowie in den Gemeinden Staaken und HennigS« darf alle freiwerdenden und zur Benutzung fertiggestellten Woh« nungen binnen 6 Tagen nach der Räumung oder Fertigstellung an« zumelden. Bezogene und vermietete Wohnungen sind binnen sechs Tagen nach der Ingebrauchnahme oder nach Abschluß deS Mietsvertrages abzumelden, Wird eine Wohnung unmittelbar nach der Räumung wieder bezogen oder vermietet, so bedarf es der An« oder Abmeldung nicht. Bis zum 2 0. April d. I. sind zum ersten Male alle am 15. April d. I. leerstehenden, unvermieteten baupolizeilich zugelasienen Wohnungen, anzumelden. AlS Wohnungen gelten auch Läden und einzelne Zimmer, die zum Wohnen verwendbar sind. Während diese Verordnung eine vorbereitende Maßnahme zur Bekämpfung der Wohnungsnot darstellt, bezweckt eine vom Ber« liner Polizeipräsidenten für den LandeSpolizerbezirk Berlin erlassene Polizeiverordnung eine schnellere polizeiliche An- und Abineldung der umziehenden Personen im Hinblick auf eine bessere Ueberwachung der Brotkarten- und Lebensmittelkarten« ausgäbe. Die Hauseigentümer und Verwalter haben spätestens an dem n ä ch st e n auf den Ab- oder Zugang folgenden Wochentage von jeder im Hause eintretenden WobnungSveräuderung' auf drei Vordrucken der vorgeschriebenen Meldezettel dem zuständigen Polizeirevier vor Schluß der Dienststundcn Anzeige zu erstallen. Diese Polizeiverordnung tritt mit dem Tage außer Kraft, an dem tu Berlin die AuSjpbe von Brotkarten aufhört. Zkleine Anfrage«. Man schreibt uns:.Anfang dieses Winter? befaß ich zwei Wintermäntel. Einen tadellosen und einen schon getragenen. In dem Gedanken, daß es wahrscheinlich in dieser Zeit viele Menschen gibr, die nicht einmal einen Mantel besitzen, entschloß ich mich, den weniger guten an die städtische Kleiderankaufs st ello zu verkaufen. Ich erhielt für den, einen einzigen Winter ge- tragenen, auf Seide gefütterten Mantel den Betrag von sechs Mark ausgezahlt i— Einige Tage später wurde mir in einem Restaurant mein Mantel gestohlen. Ich ging nun zur AnkausSstelle. um event. meinen eigenen Mantel zurückzukaufen. Nach langem Suchen fand man ihn unter einem Stapel noch nicht aussortierter BekleidungS« stücke. Als ich nach dem Preis iragle, erklärte man mir, daß der Mantel— W M. kostete! Alle Vorstellungen halfen nichts— der Mantel war mit 60 M. ausgezeichnet— und wenn ich ihn nicht haben wollte, kaufte ihn ein nnderer! Es blieb mir also nichts weiter übrig als zu zahlen.' Da uns von den verschiedensten Seiten Klagen über die hoben Preise, die vie Städtische Kleiderverkaufsstelle sür die notwendigsten Beileidungsstücke fordert, zu Ohren gekommen sind, möchten wir uns zu fragen gestalten t Wobleiben eigentlich dieGe« Winne, die diese.AohlfahrtSeinrichtung* erzielt? n.«. w. g. Ncbcrnahme der Baupolizei durch die Stadt. In den Räumen de? Berliner Polizeipräsidiums. Abteilung iür Bauvolizer, in der Magazinstraße, fand gestern die Uebernahme der Baupolizei durch Oberbürgermeister Wermutb statt. Die Uebersiedelung nach den neuen Räumen in der Roßstr. 21,25 wird am 10. erfolgen. Petroleumkarteninhaber, die ans Abschnitt 27 der abgelaufenen Petroleumkarie Petroleum nicht erhalten haben, sind berechtigt, auf diesen Abschnitt noch in der laufenden Woche bis einschließlich Sonntag, den 7., Petroleum zu entnehmen. Auf die Köpfe der Petroleumkarie darf keinesfalls Petroleum abgegeben und entnommen werden. Fortbildungsschule für Schwerhörige und Ertaubte. Beginn des Sommerhalbjahres am Montag, den 8. A. Für Jünglinge! Unterricht im Sprechen, im Absehen und Hören, in Deutich(Lebens- und Berufskunde, Lektüre), Rechnen und Raumlehre, Buchführung und Fachzeichnen. B. ftiic Mädchen: Unterricht im Sprechen, im Absehen und Hören, Deutsch(Lebens- und Berusskunde, Lektüre), Rechnen und Buchführung. Handarbeit. Kochen und Plätten. C. F ü r ältere Schwerhörige und Ertaubte: Besondere Kurse kür 1. das Absehen der Sprache vom Munde und Erhaltung einer deutlichen und reinen Aussprache, 2. doppelte Buchführung und kaufmännisches Rechnen. Das Schulgeld beträgt für die Kurse unter 0 1,25 M. für das Halbjahr und die Wochchrsiunde. An- Meldung beim Direktor, MarkuSstr. sS, Dien-lagS und Freitags von 5-7 Uhr. Kinderreiche Familien, die keine Wohnung erhalten, werden er- sucht, sich an den Mietcrblmd Groß-Berlin zu wenden, und zwar an Herrn Hermann Kölschke, SW 47, Lichterfelder Str. 28. Der Admiralspalast-bietet ein neue? Ballett und eine neue Pantomime und bewahrt seine hohe Leistungsfähigkeit in Au?- stattung und Musik wie in Einzel- und Griippenschlittschubkünsten aus? neue. Das Tanz'piel.Die Prinzessin von Tra- g a u t* von H. Regel, das eine zierlich-anmutige Rokokowelt mit allerlei parodistiichem Beiioerk heraufbeschwört, gibt dem Komponisten — Oskar Strauß— Gelegenheit zu einer charalterischen, schmelzen- den und einschmeichelnden Musik und gewährt andererseits die reichsten Möglichkeiten zu farbenfreudigen Kostümen und schönen Beleuchtungswirkungen. Wie große exotische Blumen huschen die Damen in ihren Reifröcken über die Ei?« arena und in den Figuren des Eistanzes entfaltet sich jene leichte Beweglichkeit, die dieser Art de? Ballett? eigentüm- lich ist. Tie Mischung von Fußspitzenianz und freibcschwingtem Lauf ist in der graziösen Dora zu höchster Vollendung geführt. AlleS Materielle scheint überwunden: sie schwebt von unsichtbaren Flügeln gerragen.... Den weitausholenden Schwung über die Kreiseldrebung bandhabt Paul Kreckow virtuos. Ein hübiches orientalisches Motiv, das allerdings weniger auf große Prachientfaltung ausgeht, ist von Leo Bartnschek in der Balleitpautoniime.S a j d a h" gestaltet und von I. Einödsbofer zart musikalisch untermalt; phantastische Kostüme, die goldstrahlende indische Göttin, die zu den Sterblichen herabsteigt, berückende Vaja- derentänze, ein LicbeSduelt ans Schlittschuhen, ein Wogen prächtiger Fnrbenaklorde machen den Reiz der Pantomime aus. Eine Baude internationaler Falschmünzer wurde in Neukölln un« schädlich gemacht. Dort fielen in der Wanzlickstraße zwei Männer auf, die von Schenke zu Schenke zogen, überall zwei Glas Bier tranken und jedesmal mit einem Zweimarkschein bezahlten. Bei der Beschaffenheit des heutigen Bieres hielten sie diese Reise ziem lich lange aus. ES ergab sich, daß alle Scheine, mit denen sie ge- zahlt hatten, gefälscht ivaren. Die beiden Männer wurden fest- gestellt als russische Polen namen? Kawicki und KaminSki, die in der Erlstr. 20 bei Philippi in Schlafstelle wohnten. Beide wurden festgenommen, bei Kawicki fand man noch 120 falsche Scheine. In der Wohnung entdeckte man nichts. Sie wurde aber beobachtet und so stellte man fest, daß zu der Baude auch ein Mechaniker Adolf Hensel gehörte, der in der Kirchhofstraße 32 eine kleine AuZbesserungSwerksiatt für Schreibmaschinen betrieb. Auch Heusel wurde verhaftet. In seiner Behausung enideckten und beschlagnahmten die Beamten für 1200 M. falsche Zweimarlscheine. die er sorgfältig versteckt hatte. Als viertes Mitglied der Bande wurde noch ein Schlosser Obeölaw Aodgorsli verhaftet, der eben' falls bei Philippi in Schlafstelle wohnte. Zwanzig falsche Scheine, die man bei ihm fand, will er von KaminSki bekommen haben. Angefertigt sind die Fälschungen wahrscheinlich in der Reparatur Werlstatt von Hensel. ES ist aber auch«icht ausgeschlossen, daß sie auS Warschau oder Lodz stammen..Zentralen" sür Fälschungen aller Art, und von LandSleuten der verhafteten hierher gebracht. und ihnen zum Vertrieb übergeben worden. Die Festgenommenen selbst verweigern über die Herkunst jede Milteilung. Für 70 000 Mark Seide nnd fertige Blusen erbeuteten Ein brccher in dem Konfektionsgeschäft von Beck u. Bult in der Zimmerstr. 48.____ Eharlottcnbueg. LedcnZmittrl. Vom Donnerstag, den 4. bis Sonnabend, den 13. April werden verabfolgt: 100 Gramm Teig waren zum Pfundpreise von 60 Pi. sür II. Sorte bezw. 83 Pf. sür I. Sorte ans Abschnitt 17 der Groß-Berliiiec LebenSmitlelkarle, 1 Pfund Marmelade<02 Pf.) auf Abschnitt IS, 100 Gramm K ii o ch e n b r ü h m a s s e<33 Pi.) auf Abschnitt T der HauS« haliungsbezugSkarte, große und kleine Haushaltungen, außerdem an große Hauslialtungen, einmal gestreifte Karten, 4 Knochenbrüh- ivürsel(10 Pf.).— Auf die Groß-Berliner Nährmittelzniatzkarte für Jugendliche(Charlottenburg) 100 Gramm Sago auf Abschnitt 6 bis 7. April(Pfund 1,20 M.)._ Neukölln. LcbciiSinittcl. Am Donnerstag, den 4. bis Sonn abend, den 6. April dürfen in den städtischen Verkaufsstellen am die in der Zeit voni 1. bis 30. April geltende Vollmilchkarte A (rote Farbe) und All(grüne Farbe) je 1 Kilogramm Hohenlohesche Kindernahrung(Kindergerstenmehl) eiitiiomnieii werden. Bei Eni nähme ist die Milchkarle vorzulegen. Bis Sonntag, den 7. April, wird an die Einwohner pro Kopf 125 Gramm Faust käse verteilt, welche in die Speiscfcllkundenlistcn der in dem Bezirk der 15. Brotkominiision gelegenen Geschäfte eingetragen sind. Die Ge schäfte sind durch Aushängeschild gekennzeichnet. Lichtenberg. Lebensmittel. ES werden verteilt: Auf Abschnitt 17 der gemeinsamen Lebensmittelkarte gegen vorherige Anmeldung je 100 Gramm Haferflocken<0,14 M-). Abschnitt 17 J sür Jugendliivc wird zurzeit nicht beliefert. Auf Abschnitt 3(1 für Jugendliche 250 Gramm Kunsthonig<0.38 M.). Aus Abschnitt 193 dürfen bis zu 2 Pfund noch eintreffendes frisches ausländisches Gemüse, Weiß- kohl und Mohrrüben, entnommen werden. In den städtischen Fiich- hallen und bei den hiesigen Fiichhändsern und Räucherwaren geschäiten werden abgegeben: Auf Abschnitt 192 B. J, G, K'/j Pfund Heringe, auch in den Kolonialwarengeichäften. Abschnitt 196 B, J, G, K 1 Psiind frisch« Fluß« und Seefische, Abschnitt 195B, J, G, K ftz Pfund Räucherwaren, Abschnitt 197 B, J, G, K 1 Dose Mari uadcii. Steglitz. HauShaltSberatung. Die diesjährige Beratung des WirtschailSlebeus wurde vom Kämmerer Jochem eingeleitet. Seine Ausführungen boten nichts ErsreulicheZ. Die ordentliche Verwaltimg (eine außerordeiilliche gibt es nicht) balanciert mit>1328 800 M. Ein entstandenes Defizit von 120 000 M. soll au?.Kriegs krediten' gedeckt werden. Die Gemeindeschulden sind in den letzten vier Jahren von 30 auf 47 Millionen Mark gewachsen, loa? eine Steige- ruiig von 56 Proz. ausmacht. Der Schuldendienst erfordert 1918 rund 2'/z Millionen Mark, trotzdem die Tilgung verschiedener Anleihen herabgesetzt worden ist. Die Grundstücksverwallung hat wieder ein Defizit von 625000 M., das aus nicht vorhandenem Kapitalbestand gedeckt werden soll. Für KriegSwirtichaftsmaßnahmen wurden bisher 7 Millionen Mark ausgegeben. Dabei bleiben 31 Millionen Mari für Lebensmittel, die durch Einnahmen wieder gedeckt werden, außer Betracht, ebenso die Unterstützung der Kriegerfrauen, die der Kreis trägt. Mit den gesteigerten Ausgaben haben die Einnahmen nicht Schritt gehalten; fast sämtliche Steuererträge sind zurückgegangen. DieKanaliiationSverwaltungweist auch eineuFehlbelrag von54000 M. aus, den die Allgemeinheit tragen soll, weil nach Ansicht deS Ge« meindcvorstandcS.mit Rücksicht auf die zurzeit schwierige Lage des HausbesitzeS von der eigentlich notwendigen Erhöhung der KaiialiiationSgebührcn abgesehen werdeir muß". Der Gemeindevorstand schlug vor, die Eiiikommenstcuer von 175 aus 195 Proz. zu erhöhen, alle übrigen Steuersätze aber unverändert zu lassen. L e i m b a ch lSoz.) wandte sich n. a. dagegen, Fehlbeträge in der ordentlichen Verwaltung ans.KriegSkrediien" zu decken und verurteilt weiier die Steuerpolitik des Gemeiudevorstandes, die auf eine Vegünstigung des Grundbesitze? hinauslaufe; er beantragr Erhöhung der Kanalisaiionsgebühren, um das Defizit von 54000 M. zu decken. Der Antrag wurde jedoch abgelehnt. Weiter unter- zog Redner die Verwaltung des Rieselgutes Klein-Zielen und die Tätigleit deS Administrators einer scharfen Kritik. Es werde dort mit Zahlen gearbeilet, die der Wirklichkeit widersprechen; der nachaewicieiie Ueberschuß von 41 000 M. sei künstlich errechnet. In Wirklichleit arbeite das Gut seit Jahren mir erheblichem Defizit. Der Ad- miiiisiralor sei der Leiiung des Gutes offenbar nicht gewachsen; um ein völliges Herunterwirtschaften zu verhüte», müsse derselbe zwangsweise pensioniert werden. Nur der Bürger- meister nahm den Administrator in Schutz, während die Redner. aller Parteien mit Leirtibach übereinstimmten. Durch ausdrücklichen Beschluß wird schließlich der GutsauSsckiuß be- auftragt, den gesamten Betrieb des RieselguteS unter Hinzuziehung von Sachverständigen einer eingehenden Prüfung zu unterziehen und demnäckist der Gemeindevertretung zu berichten.— Die vorgeschlagene Erhöhung der Gemeindeeinkommensteuer aus 195 Proz. und Belastung der übrigen Steuersätze in bisheriger Höhe wurde augenommen._ Groß-Serliner partemachrkchten. Nvwawes. In der letzten Mitgliederverslimmlung des hiesigen Bezirks sprach Genoffe O s m e r über.Neue soziale Ausgaben der Geineinden." Besonders eingehend behandelte er die von der Ge- meinde während des Krieges geschaffenen Wohlfahrlseiiirichtuiigen, die sich auf die Mütter». Säuglings-, Jugend- sowie aus die Kriegs- hinlerbliebenen- und KriegSverletziemürsorge erstrecken.— Bei Bekanntgabe des Gemeindewahlergebnisses verlas der Borsitzende eine Notiz iin.Mitteilungsblalr" der Unabhängigen, in der diese ihre Wahl- Niederlage mit der unwahren Behauptung zu erklären suchen, daß wir mit dem Bürgertum gemeinsame Sache gemacht und nur dadurch gesiegt hätten, daß Kommunal- und Eisenbahndeamle. die zur Stimm« abgäbe für uns.kommandiert" worden seien, sowie Pfarrer. In- dustrielle und Kriegsgewinnler für unZ gestimmt hätten. Bei ge- »auer Durchsicht der Wählerlisten ist festgestellt worden, daß sich die .bürgerlichen" Stimmen zu gleichen Teilen auf uns und die Unab- hängigerr verteilen. Nus aller Welt. Nach 15 Jahren Kerker begnadigt. Wien, 2. Aprft. Der i'einerzeil wegen angeblichen Ritualmordes an der Agnes Hruza zum Tode verurteilte und zu lebenslänglichem Kerker begnadigte Leopold Hülsner ist jetzt, nachdem er 15 Jahre seiner Slrase verbüßt hat, vollständig begnadigt und aus der Haft entlassen worden._ Arbeiter Turnvereln ZldlerShof. Der Verein nimmt am Freilag den Tiirnbctricb wieder auf. NebungSstundeii DlenStagZ und Freitags von 8—10 Uhr in der Gcmciiidc-Turiihalle. Die schuleullassciu Jugend wird besonders daraus ausmerksam gemacht. Sriefkaften üer NeAaktion. Die brieflichen Anfragen mehren sich in letzter Zeit ungcbcuer Wir machen darauf aufmerksam, daß briefliche Antworte» nicht er- teilt werden können. Die Beantwortung der Anfrage» kann nur durch den Brirskastcn unter angegebener Chiffre erfolgen. Flandern. An sämtliche Verwundeten.— Kriegsinv. 1000. 1. Dein Wirt steht die Steigerung zu. 2. Sie hätten sich wegen Steigcriiug oder Kündigung an das MieleinigllngSaiiit wenden müssen. 8. Der cnolgi cichiie Weg iil tvohl durch daS LandratSamt. 4..Die Versorgung der Kriegs» tellnehnier, ihrer Familien und ihrer Hinlcrblicbciien." Porwärts-Buch» haiidlung, 40 Ps. 5. Der ZtegicrungSpräsidenh 6. Die vielen Fragen künncii wir Ihnen im Vrieskasleii nicht bcautworten. Sie ersehen das auS dein angeführten Buch. 7. Auf die Löhnung besteht kein Anspruch. Nach- zaliluiig wird auch in dem Falle nichl ersolgcu, wie c? überhaupt zwciscl- dast ist, ob sie gemährt wird. Der Antrag ist an daS Ersahdataillou deS TruPpeniellS zu richten, zu dem der Gesailaeue eingezogen wurde. 8. Fa. F. L. Nr. 40». 1. Nein. 2. Stein.— I. Sch. 39. Durch die Ad- licseiuug Ihrer Sachen ist cm Verwahrungsvertrag zustande gekommen und muß die betreffende Firma sür etwaigen Diebstahl hasten.— Sri. L. 100. Es muß dazu die Zustimiiiung de? Vormundes sowie de» Vaters des Kindes und deS Vormundschn'lsgcrichlS eingeholt werden. Der An- trag ist dann beim BormiindschaflSaericht zu st llcu.— B. 9k. 400. Die Gelder sind dadurch im Jiitcrcffe der Mannschast verwendet worden. Es wird sich dagegen nichts tun lassen.— F. D. 400. Die Post leistet sür verloren gegangene Pakete aus dem Felde a» Piivatpersoneu teineii Ersatz.— H. O.» Ntazcdvnie». 1. Auch diese Mannschaiten erhallen die Anszcichirung. 2. Gedulden Sie sich, bis die Auszeichnung verlichen wird, wir keimc» sie bis jetzt auch noch nicht.— 400. O. K, Au das Köllig!. Preußische Fuslizmiiiisterium. —(9. P. in Str. Sic können jetzt noch Auiprüchc aus Gewädrung ber Mililärmvalidcurcille stellen.— H. 01. 43. Nein.— SO. SO. 43. Sie haben keinen Anspruch auf NeichSwochcnhilse.— F. S. S1. Die Aus. grabung der Leiche wird nach so langer Zeit nicht mehr zugclaffc«.— rOerlerauSsiehte« für das mittlere vtorvdentftdia«« l>tS Donnerstag mittag. Vielfach heiter, aber veränderlich, öfter etwas Regen, in der Nacht zu Donnerstag kühl, mittags mild. mm ifi die Kriegsanleihe. Das ganze dsuffchs Volk mit seine? Arbeits- und Wirtschaftskrast bürgt für ihre Sicherheit. Tlirettion Jfax ITeinliaTät. deutsches Theater. 7 Uhr: l>on Carlos. Im Zirkus Schumann hents 71/,: Manfred. Kamiuerspiele. T'/j ULr: 8umorun. Volksbühne. Theater am BUlowpiatz. UuCeroTundb. Sohöuh. Tor. T'/j Uhr: Cespenster. Dir. C. Meinhard— ß Bernauer. Theater �KöniggrätzerStr, £ U.: Die Straße nach Steinaych. Komödienhaus T'/j Uhr:»le Zarin. BerllnerTheater 7 Uhr; Ulitsb laues Blut. Casino-Theater Lothringer Str. 37. Tägl.'Iß U. DaeVoltsstückvon Ad.L'Arronge Annans Traum. Ein heiteres FamilienbUd. Vorher Erstklassige Sezialiläten. Sonntag nachm. 4 Uhr: liaja�zio. Trianon-Theater 'US Tel.: am Bhf. Friedrichstr."/j® Zentrum 4927 und 2391. Der Lebensschüler Komödie von Ludwig Fulda. Ida Wüst, Erich Kaiser-Titz, v.MöllendorfE, ITint, Kettner. Stg. 4 D, kl. Pr.: Johannisfeuer. Theater lür Mittwoch, 3. April. Central Theater Komrnandantenstraße 57. V.; Die Csarüasfürstln Jlentschcs Opernhans 'Vr Uhr: W SvgLWttiüI. Friedrich-Wilhelmst. Theater 7 uhr- Das Drsimäilei'ltiaiis. Kleines Theater ''/»mir: Manie. T/nHtspielliaus 7'/. Uhr DistiiünitenMäilelsv.LinEleiibo! Schlller-Th. Charl. 7'?. Uhr: OHiellO. Thalia-Theater vhx: Dater Der blüh. Liaöe. Metropol-Theater N'ackmittags-Vorstellung ß'/. Uhr: Fahrende Musikanten. & Oie itee m Slartyl. Theater am Nollendorfplafz Z1/. Uhr: Im Forsthause. 7 Uhr: Neues Operettenhaus Schiifbd. 4a. Kassenfc.Nd.281 7v.uiiT:DerSolflatöerMari8. Theater des Westen« 7% Uhr: lind wie XIV. mit Onido Thielscher. Yorh.; Der Regimentszauberor. sfK öS. NATI0NJL-THE4TER 4lSÄ,| Tägl. 7'tt Wiederauftreten Anni Wenkhaus Tägh 7,;:! Die ist richtig! WaNik von Walter Bromme. Rose-Theater. 7'/» Uhr: Eine Waise. « ustl u. Pepl Ganzer Kants c h uk- Akt JBeluu t. Postema Soubrette Marjrareto Laube Eadfahreriu neue Vorträge 2 Burgbals Akrobat. Neuheit Krnst Thorr» neue Illusionen Ernesta Sebönborg Kgl. Hof opernsängerin Johann Bar Wurikünstler Lore Meissner in ihren Tänzen K Bennos Excentrik K Incni al oeraph Kurzes Gastspiel der UniversalkQnstlerln als Zaaberkdns tierin Vogelslimmenirnitatorm S chatt en silh o uettistin JCunstmalerin Afeistersohützin Klavi orvirtuosin ilimilcerin und als lanzkünstlerin mit ihrem großen Ballett (SO Personen). Dazu: Waller Steiner und die neuen April•Spezialitäten (Irßber Poblm) Nur 2 Tage: Der Dieb. Schauspiel in 4 Akten mit Wanda Trentnaim. Snrehlaueht Hpehonder Lustspiel in 4 Akten. Hauptrolle: £isa Weise. Anfangszeit; 5 u. 7'/, IThr. Voigt-Thealer. Badstr. 58. Badstr. 58. Walhalla-Theater. 37, Uhr: Tausend u. eine Nacht, 77. uhr: Das Miitantendorf. Täglich 7»/, Uhr: M Mlolms cesen! Montag, den 8. April: Benefiz für Lina Moeller: Rnhm nnd Liebe. Kaffee Luitpold Motzstrafie 15. Kabarett. Frank Bergmann Pepl Pfelfter Martin Lüwe und das große April- Programm. Jk Berliner Konzerthaus. ilauerstraße£2. Zimmerstraße 90/91. Ilcnte: Großes Konzert des Berliner Konzerthans-Orchesters, Leiter: Komponist Franz von Blon. Anlang Vi, Uhr. Eintritt 30 Pf. Anfang 77, Uhr. Freitag, den 5. April: Vaterländisches Doppel-Konzert veranstaltet von den Voreinen vom Inf.-Regt, von Alvena- leben(6. Brandenb.) Nr. 52 in Berlin u. Neukölln u. vom Verein ehem. 12er von-Arnim-Dragonor in Berlin, aasgof, von der verstärkten Kapelle des Ersatz-Bat. Augusth-Regts., Kgh Obennusikmeiäter R&f Diana Baarz. � 'aserstoft zeigt Erzengnisse aus einheimischen Faserstoilen und Papiergeweben. Aussieilungsliallen am Zoo. Tägiicii geölinet m 10-7 Dhr Eintrittspreis 1 Mark. Kinder, Militär 50 Pfennig. Komische Oper T\2 �SebwarzwaWDeL Sbd. Z1!,: Schwarzwaldmädel. Kcsidcnz-Thetttcr 774uhr: Der junge Zar. Schiller-Theater O 77, Uhr: Andreasstraße 64 Nur noch 3 Tage DerRlessnspielplan [Das Jlätsel von; Bangalor. 5 Akte. frinz Waldemar Walderaar frinz Lustspiel in 3 Akten. l>tt 55 1 MMz, Tägl. 77. Stg. 37, b. 77, U. Die mit gr. Beifall aufgenommene neue Ans- statin ngs-Panto miiu e Frübiingsspiele. Zum Schluß: Der große Wasserakt. Sturmszene m. d. Wdken- bruch.— Kahnrutsch in den Grunewaldsee aus 30 Meter Höhe. Vorher: Das neue April Programm. MpoSlol | Friedrichstr. 218. 77, j Der Flieger von Tsingtan 1 sowie die verblüffenden! Varicte-Attrakiionen. | Theaterkasse ab 10U. j unnnterbr. geöffnet. ttiihef1 Friedrichstr. 165. Ecke Behrenstraße. Glaire Waldoff Willi Prager „Trilby" und das groBe April-Programm. Ädmiraispalast. Die Novitäten | Die Prinzessin von Tragant � und Saj'dah. Anfang?7. Uhr. Vorzügliche Küche. iReiciishallen- Theater, I Allabondlich 77, Uhr und Sonntag nachmittags S.Uhr: , Mir Säuger. | Nachmittags ermäßigte Pr.! ».-WHeilM SenMM- MMaft «ergrSßeri ihre Pflanzungen zum Frühjahr auf das Doppelte, und nimmt jetzt weitere Mitglieder als sMe leMmei mit'Anteilen zu 100 M., zu SOO St.. zu 300 M. und bis zu 1000 M. aus. Kriegs« aiitethc wird zum vollen Nenn- wert in Zahlung genommen. DaS Gemüse wird in unseren Verleiiungsslellel! an die Mitglieder billig abgege- ben, bei völliger AnSschnltiing des Gros«, und Klein- Zwtschenhandels. Der Ge- winnüberschus! wird als Divi- dende an die Mitglieder verteilt. Die allen Mitglieder sind mit Winlergemiise reichlich versorgt worden. Die jetzt neu bei- tretenden Mitglieder sind be- rechtigt, jchon an der ersten Verteilung von Frühgemüse teilzunehmen.— Aufnahme neuer Mitglieder findet statt im Laden Perersburgerfir. 4a: Montags, Mittwochs, Freitags 9—12 und 4— 7, außerdem Sonntags 11— 1. Ferner im Laden Kopenhagcnerstr. 4: Dienstags. Donnerstags, Sonn- abends 9— 12 u. 3—6 und Sonn- tags 8— 10. Ferner täglich im Berwaltungcfburean: Burg- itrntze 27 141, Zimmer 76 (gegmüher ZirluS Busch).• Bant, Bstrn, Blasen-, Nierenleiden, Herz-, Nerven! Gicht, Rheuma, Arterien- verk., Frauenleiden in derlOOV errichteten BeriTolks-Liehthefl-iiistalt Invalidenstr, 130 II (Stettiner Bahnhof). Tolkstüml. Preise. Aerztllche Sprechzeit: täglich 4—8— außer Donnerstag— Sonntag 10— 11. 276/20* Prospekte durch die Direktion OskarTUlker, Tel. Norden 4493. Umsonst als praktisches Geschenk, kein Luxus, passend für jede Dame und ausführliche Anweisung erhalten Sie ohne jegliche Verbindlichkeit. Deutliche Adresse erbeten. Rückporto beizufügen steht jeder Dame frei. Bin neues Gesicht ohne Massage, ohne ApparaL Veredelung der Gesichtszüge sowie Beseitigung von Mitessern, Falten und welker Haut nach wissenschaftl.System mit „Orion". Preis'M. 6,— u. M. 8,—, mit Toilette- Essenz M. 3,50 mehr. 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März 1913 an den Folgen des Krieges ver- florbcn ist. � Dies zeigen im tiejsten Schmerz an Max Faber, Gastwirt, u. An- gehörige, Stephanstr. 11. Die Einäscherung findcl Donnerstag, nachm. 7' Uhr, i.Krem-ito>..G?rich>>!r.. statt. Am 31. März verstarb nach kurzem Krankenlager mm lieber, langjähriger Kollege, der Schrislsetzer Karl Qruno� im 44. Lebensjahre. Em ehrendes Andenken bewahren ihm 1909b Die Verbandskvllegen der Firma Julius Sittcnfeld, Hofbuchdrucker Die Einäscherung findet am Donnerstag, den 4 April. abends 7 Uhr, im Krematorium Gerichtstratze statt Nach kurzem abcrschwcrcm Leiden verstarb mein innig- geliebter Mann, unser guter Vater, Schwieger- und Sroh- oatcr, der Gastwirt und Reisende 1970b Ott« KAKSsi» im Alier von 59 Jahren. Berlin N, Sprengelftr. 17. Dies zeigt tiefbetrübt an Frau Ida Khhler nebst Kinder n u. Enkeltin dern. Die Einäscherung findet anr Sonnabend, den 6.Zlprit, nachm. 3 Uhr, im Krcma- torium GcrichtstraRc statt. Sanst ruhe seine Zische. Kranzspende» dankend verbeten. Fußsohlenoerhärtiina Hornhantbild. entf. m. absolut. Sicherb. Reichels� Bosoo". Einz. Naditalmittcl s. cingewurz. ruU> schmerzb. Leiden. Seit 25 I. beto. 1 M. Otto kleiohel, Bcrüu 43, Eisenbahtlstr. 4. 1 Wichtig jür dieHerren ksuckei'. w Offeriere als bestes Sireckmittel des Tabats gelchn. Hopfenblüte. Herr Höhne Ichreibt: Ihre Hopfenbtüten eignen sich ausgezeichnet zumSt recken von Tabak. Ich nahm aus gesandte 5 Pjund nur- 7'. Tabak und die Mischung schmeckt ausgezeichnet. Ge- ruch und Brand ist gut. Auch sand ich. dah meine Nervofiiät nachliest und ich kann jetzt wieder gut schta- jen. seitdem ich meine Hopfenpseite rauche. 5,Psd.Postl-UiM.10.y0 Grostes Muster gegen Ein- sendung von 1 M. franko. � Roch& Co., Dresden 26,a -Jfl5b8i-> In allen Preislagen 1-, 2- u. 3-Zimm.-Wohnungen empf. in mod. Ausführg. Jui. Apelt. Tischlermstr. BerllihSO, Adalbertstr. 6, Hochbahnst, Kottb. Tor. 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Gerade wollte der gestrenge Herr Magnus Hokmann fein säuberlich hinter das letzte Wort seines Briefes den Schlnstpnnkt setzen, als ein furchtbarer Schlag das ganze Gebäude erzittern und den zierlichen Punkt zu einem schwarzen schwellenden Ungeheuer auSwachseu liest. In der ersten Sekunde zuckle des Bureau- tyrannen Hand noch Fritz, dem Lehrling. Im gleichen Augenblick aber schost Herrn Hohmann wie ein Blitz der Gedanke Krieg— Flieger durch den kahlen Kopf, und ohne auch nur d:e nasse Feder mit dem Wischläppchen abgetrockner zu haben— eine Sünde. die er seit jenem Gründonnerstag seines ersten Lehrjahres nicht wieder begangen hatte— springt der Chef vom Stuhl, rennt ein Schreibmaschinenfräulein und den Papier- korb über den Haufen und stürzt die Treppe hinunter, entgegen allen Gewohnheiten seines wiegenden, ehrfurchtgebietenden majestäti- scheu Ganges. Im Bureau ist es totenstill geworden. Friedlich liegen die gröstten Feinde nebeneinander aus der Kopiermaschine. Erne Rechnung sür Kaufhaus Rastelbinder Sohne und eine für Modebazar.Siegfried", Inhaber Wolf Stern Witwe Nachfolger. Als wäre nichts geschehen, als hätte kein Kanonenschlag die ganze Stadt erbeben lassen, ruhig seinen alten Gang pendelt der Uhr- zeiger im Ticktack weiter. Links— rechts, rechts— links, als schüttelte die Uhr verwundert den Kops, dast zum erstenmal in den zweinnd- zwanzig Jahren, die sie da hing, die Geschäftsräume am hellen, lichten Werktag, zehn Minuten vor der Mittagspause leer waren, lee— leer. Es ist aber auch der erste Wellkrieg, den die alte Uhr erlebt, und zum erstenmal sind feindliche Flieger am hellen, lichten Tage, zehn Minuten vor Eins-über die Stadt gekommen. Unten im Keller sitzt Herr Hohmann knie- schlotternd und iäi'ebleich aus einer Waschbütte, und ein Stost- gebet stiestt ihm über die blutleeren Lippen. Alle Mrontberichte von Flandern, von Verdun, von Gallipolst von Riga, aus der Champagne und selbst von Südostafrika ziehen an ihm vorüber, und�r schmiegt sich ganz dicht und platt an die Wand, so wie es die Soldaten in den Unterständen tun, wie er es von einem Ge« freiten in der Elektrischen gehört hat. Vergefien ist seine schöne Rede, die er so gut auswendig gelernt und die er anläßlich der Be- setzung von Odessa heute abend im Nebenzimmer seines Stamm- lokals halten wollte. Vergessen ist Baterlandspartei und Durchhalte- telegramm an Exzellenz Tirpitz, nachdem auf ein gleiches an Hinden- bürg schon seit vierzehn Tagen die Antwort ausgeblieben ist. Belgien und Kurland können jetzt chinesisch werden, und hätte Hohmann nicht seinem Vorgesetzten den Vorrang lassen wollen— er war schonjimmer ein guter Gedankenleser— dann wäre der Wackere am liebsten noch unter die Bütte gekrochen, seinen Schutz durch die zwei Zentimeter dicke Holzwand vermehrend. Oben im Torbogen stehen die Lehrbuben, in kurzen, durch- löcherten Rockärmeln, mit den Federhaltern hinter den Ohren. Furchtsam und neugierig strecken einige Kontoristinnen die spitzen Nasen aus die Straße. Gegenüber rasselt ein Nolladen herunter, und einige Ladenmädchen stürzen vorüber. Ein Radfahrer fährt in vollem Saus mitten in die Toröstnung. Die Mädchen kreischen auf und machen eilig Platz. Ein Bäckerjunge im weißen Schurz kommt atemlos hinzu, ein Droschkenführer mit der Peitsche, eine Dame mit Stelzenabsätzen und Pelzmantel, ein Dienstmann und ein Herr im Zylinder. Jetzt noch drei schwarzbefrackte Kellner, Schulbuben, zwei Dienstmädchen, immer mehr Zulauf, man drückt sich, ruft, schätzt. schimpft, noch ein Radfahrer, noch eine Dame, noch, noch, die Volks- Versammlung ist fertig. Kurze Reden werden gehalten, Beifall, Widerspruch. Englands Rußland, Hertling, Scheidemann— da, ein Schlag und alles ist stumm, Surren in der Luft, jetzt- sprechen von ferne die Geschütze. Die Straße ist tot wie nach einem Barrikadenkampf. Verlassen stehen die herrenlosen Fuhrwerke, leer und einsam die Trambahn- wagen auf den toten Geleisen, einer hinter dem anderen, als hätte sie eine unsichtbare Hand festgebannt. Unbewacht steht der Zeitungs- stand, und verwundert gucken die Blätter in die auf einmal zeitlose Welt. Der Bahnhof, das freieste und demokratischste Lokal, ist ge- sperrt. Kein Gedränge sieht man tvie sonst, kein Lokomotivenpfiff schrillt. Einzig die alte Blumverkäuferin fitzt ruhig wie immer neben ihren Rosen, als ginge sie alle? nichts an, als begriffe fie die Welt nicht mehr. Nach einiger Zeit öffnen fich wieder überall Fenster. Köpfe werden sichtbar. Aus den Ladentüren treten Menschen, Kinder springen in die Straßenbahn, hinein und heraus. Die Straßen füllen fich. In Gruppen stehen die Leute an den Ecken, deuten zum Himmel und reckten die Hälse. Die Elektrische klingelt, brummt und fährt. Der Torbogen wird rasch leer, und das zusammengewürfelte Volk geht leine Wege, jeder nach einer anderen Seite, als hätte einer den anderen nie gesehen, und als hätten fie nie in Angst und Furcht treu beieinander gestanden. Herr Magnus Hohmann springt von der Waschbülte, steigt ruhig und majesiülisch die Treppen hinauf und haut oben dem Lehrbuben hinter die Obren, weil er ihn erwischt, wie er auf dem Sessel thront und den Chef nachahmt. Ganz weil dumpfen noch einige Kanonen, und ein Flieger zieht heim, mannigfaltigen Tod in seinem Flugzeug und selber känwfend um sein armes bißchen Leben, das er vielleicht heute noch, vielleicht morgen über den flandrischen Schützengräben verliert. Timm Kröger. Der holsteinische Heimatdichter Timm Kröger ist im 74. Lebensjahre in Kiel gestorben. »Ich bin Heintatdichter, weil mir die Sehnsucht nach Jugend und Heimat die stärksten Impulse gab"— so hat fich Timm Kröger selbst charakterisiert. Ja, er war Heimatdichter des mittleren Holsteins mit seinen Wiesen, Feldern und Mooren, seinen Knicks und Heiden, dem wechselnden Spiel des Himmels darüber und mit seinen träumenden, stillen, tiefen Menschen. Im Grunde ist es nur sein Heimatdorf Haale, das mit seiner Umgebung der Schauplatz all seiner Erzählungen ist. Wie seine Lcmdsleute Groth und Storm die Lyriker ihrer niederdeutschen Heimat, ist Kröger ihr Epiker. Als Bauernsohn war er auf die Welt gekommen, und Bauer war er bis nahe an die Zwanzig. Dann ließ er Egge und Pflug. ging nach Kiel, von einem dunklen Drang getrieben, studierte hier und später in Zürich und Berlin Juristerei. Lange Jahre ist er als Amtsrichter im Osten tätig, später als Rechtsanwalt und Notar in seiner Heimat, bis er sich 1903�3 von allen Berufsgeschäftsn ganz frei machte. 44 Jahre war er alt, als er seine erste Novelle— von Liliencron empfohlen— in der„Gesellschaft" veröffentlichen konnte. Seine reiffien Werke fallen erst in die letzten zehn Fahre.(Mit einigen der schönsten wie„Die alte Truhe",„Der Einzige und seine Liebe",.Gr« ff",„ Erhaltung der Kraft" find unsere Leser vertraut geworden.) Die zu seinem 70. Geburtslage geplante und dann mit Verspätung bei Alfred Jansien in Hamburg herausgekommene schöne Gesamtausgabe umfaßt sechs Bände. Das Lebenswerk Timm Krögers�ist kein große?, fich jedermann aufdrängendes. Man muß sich den Sinn für das Stille und Fein«, für das Beschauliche und Absonderliche bewährt oder wieder er- warben haben, um ganz in seinen Spuren wandeln zu können. Seine Kunst ist auS seiner großen Liebe zur Heimat geboren. Er ist der Klein- und Fsinmaler ihrer zarten, anspruchslosen Schönheit, er ist der intime Darsteller niederdeutschen Fühlens und Denkens, der Recrlist deS Alltäglichen, der Dichter des Bauernlebens. Seit Auerbach hat der Bauer in der modernen Literatur wechselnde Schicksale erfahren: vom Träger philosophischer Ideen war er herab- gesunken zu emem bloßen Triebwesen, in dem nur noch rohe Gier und fast tierische Brutalität zu herrschen schienen. Krögers Bauern und Taglöhner sind nicht von diesem Stamm. Sein Seclenblick dring: tiefer, er findet tn ihnen Nachdenkliches, ja Mystisches. Seine eigenen Fragen nach woher und wohin verankert er m ihre schlichte Natur, fie sind träumerisch und grüblerisch wie er selber. Mit Religion in der Swule überfüttert, hat Timm Kröger sich von allem Dogmatischen befreit und in einer seiner letzten Novellen(„dem unbekannten Gott") fich mit diesen Problemen auseinandergesetzt. Der Heimatdichter begann als LandschastZschilderer und Stimmungsmaler. Aber vom Stilleben entwickelte er sich zur Mcnschengestaltung._ Er gibt Typen und Einzigartiges,"er findet den allgemeinen Charakter und betont das Wsonder- liche(„Leute eigener Art" u. a.) Er kommt von der Idylle, der Aunekdote zum Lebensbilde mid steigt schließlich bis zur tiefen Tragik auf(„Der Schulmeister von Handewitl",.Ilm den Wegzoll'). Aber im Grunde ist er fröhlichen Herzens, ein Optimist, der mit seinem Lächeln dem Treiben seiner eigenen Gescköpie zuschaut. Der Humor blickt über seine Welt mit stillem Leuchten. Seine lllnstlerische Gabe ist die Kunst der breiten behaglichen Erzählung, die ihnLnst erfüllt. Er erzählt wie das Volk, da» unter fich immer wieder geborene Erzähler hervorbringt. Aber hochdeutsch— nur mit plattdeutschem Anklang. So findet er, geschult an Storm, Tolstoi und— Mau- pasianl, die Form, die nun daS Gefäß seiner unverfiegltchen Heimatsliebe wurde. Die bäuerliche Welt, die Timm Kröger anS der Jugenderinnerung heraus innig liebte, ist längst im Versinken. ES war ihr noch einmal schön erglühendes Abendrot. K. EL D. Tabakanbau für den eigenen Seöarf. Da nach Ansicht des St. Hubertus bei längerer Fortdauer des Krieges die Freuden der Raucher noch mehr gefährdet werden würden, weil die Vorräte sich immer mehr verringern, andererseits der Heeresbcdarf außerordentlich groß ist, wird allen Rauchern, die über ein noch so kleines Stück Land oder Gärlchen perfügen, an- geraten, ihren Bedarf durch eigenen Tabakanbau zu decken. Zum Anbau sind gutentwickelte Pflanzen nötig, die von Mitte Mai bis Ende Nim ausgepflanzt werden müssen, doch können auch Steck- linge im Mistbeer gezogen werde«, getvnt so wie jeder Kohl- steckt ing. Für Nichtfach iente kommen nur zwei Arten von Tabal- pflanzen in Berracht, nämlich der Marylandtabak und der Bauern» oder Veilchen-TabaL Der Maryland ist zur Herstellung von Rauchtabak und von Zigarren geeignet, er gedeiht besonders gm in heißen Sommern und zeichnet sich dann durch außerordentlich schnelles Wachstum aus. Der Bauern-Tabak erreicht eine geringere Höhe, seine Blätter find auch bedeutend kürzer, dafür kann er aber auch in kälteren Gegendmi erfolgreich gezogen werden. Für das Auspflanzen kommt am besten gartenmäßig bearbeiteter Boden in Betracht, als Düngsr ist Stallmist am vorteilhastesteil. Bei feldmaßigem Anbau find Abstände von ungefähr 40 Zentimeter mit einer Rs-chcnbreile von by— 60 Zentimeter zu beachten. In der 3. Woche soll der Boden behackt werden, was mit Vorsicht geschehen muß. damit eine Verletzung der nicht tief im..Boden liegenden Wurzeln verhütet wird. Nach starken Regengüssen soll die Erde gelockert werden. Wenn die Blüten so weit entwickelt sind, daß sie fich öffnev, dann werden die Pflanzen geköpft, damit die Blätter sich üppiger entwickeln. Die beginnende Reife der Tabak- blätter ist an den hellgrünen und später hellgelben Stellen zwischen den Seitenitpven leicht zu erkennen. Die Blätter sollen an trockenen Tagen, möglichst vormittags gebrochen werden, man reiht sie auf lanjjs Schnüre und muß dafür sorgen, daß sie fich nicht gegenseitig berühren. Diese Schnüre hängt man cm einem lustigen Orte ans. bis nicht nur die Blätter, sondern auch die Rippen vollständig susgetrocknet find. Die fertig getrockneten Blätter werden an- gefeuchtet, glattgestrichen, nufemandergelegt, beschwert und in eine Kiste gepackt, die man geschlossen an einem trockenen warmen Ort unterbringt. Dies hat man mehrmals alle drei bis vier Wochen zu wiederholen. Die notwendige Fermentation ist dann bis Ende Januar fertig. Zu beachten ist. daß die Tabakpflanzen bei der Steuerbehörde angemeldet werden müssen. Tabakpflanz-n. die im Garten auf Rabatten gepflanzt werden, sind bis zu 50 Stück steuer- frei. Im übrigen beträgt die Steuer für Grundstücke bis zu 4 Ar 5,7 Pf. für einen Ouadrarmeter. Notizen. — Kunstabend. Am Freitag 8 llhr findet im Steglitzer Logensaal, Albrschtstr. 112a, ein Conrad Ferdinand Meyer« Abend statt. — Ein deutsches Forschungsinstitut für Textil- ersahst offe wurde aus den kkreiien der Industriellen ander technischen Hochschule in Karlsruhe begründet. — Der„Deutsche Ausschuß für Licht spiel- reform" veranstaltete in Stettin eine Besprechung, aus der die Gründung eines„BilderbühnenbundeS", der zugleich Träger des „SchulfilnmrchwL" sein soll, beraten wurde. Der Bund wird jähr- lich für etwa 1,8 Millionen M. Films nötig haben. Von den Städten erwartet man, daß sie entweder selbst Bilderbühnen errichten oder vorhandene Kinos für ihre Zwecke pachten. — Plattdeutsch in der Schule. Der»Allgemeiile Plattdeutsche Verband E. V.", der 106 Vereine vertritt� hat namens dieser bei den Unterrichtsbehörden des niederdeutschen Sprachgebiets beantragt: I. in den Volksschulen, sowie in den mittleren und höheren Lehranstalten die nioderdeutsche Sprache als pflichtmäßigen Unterrichtsstoff aufzunehmen, EL durch Errichtung von Lehrstühlen odbr Fassung der Lehraufträge zu bewirten, daß au.den Ilniversi- täten künftig Vorlesungen und v.ebnngen über die nen- und- mittel- niederdeutsche Sprache und Literatur gehalten werden, Ell. beiden Prüfungen im Deutschen einige Kenntnisse über das Niederdeutsche zu verlangen. — Ein neues Blutstillungsmittel. Wieviel uu« bekannte biologische Kräfte«och im Organismus ichlnunusrn, be- weisen neue Forschungsergebnisse, die der Prager Professor Rudolf Fischl im„Archiv für Kinderheilkunde" veröffentlicht. Er stellte einen neuen, seiner Natur nach unbekannten chemischen Körper im Lnngengewebe fest, der menschliches und tierisches Blut in bisher nie beobachteter kurzer Zeit zum Gerinnen bringt. Während ge- wöbiiliches tierisches und menschliches Blut zum Gerinncn etwa 4 Minuten braucht, gerinnt es aus Zusatz dieses von Fiickil entdeckten Körpers in wenigen Sekunden. Diese Feststellung ist praktisch von großem Wert, weil die Blnistillung dadurch zustand c kommt, daß die entstehenden Gerinsel die verletzte Eefäßstelle vet- schließen. n Pioniere. Koma« aus dem Norden von Ernst Didriug. Erstes Kapitel. Es war bitterkalt. Selbst die Schnee-Eule erschauerte, wie fie in der Fels- spalte saß und über das Schneemeer hmglotzte. Es fror sie bis in die Augen hinein, und von Zeit zu Zeit mußte sie sie rollen, um festzustellen, ob sie noch nicht ganz erstarrt waren. Es half nichts, daß sie den Körper unmerklich zu- sammcnzog und sacht die Federn aufplusterte. die Kälte fraß sich doch ein. Sie merkte wohl, wie die Krallen und die Beine unter ihr steif wurden, aber sie wagte sich nicht zu rühren. Unten in dem schwarzen Weidengestrüpp auf dem Ab- hang gerade gegenüber, von dem der Sturm den Schnee weg- gefegt hatte, lagen die beiden Schneehühner und duckten sich iti Angst um ihr Leben, das wußte sie. Das tröstete die Schnee-Eule gewissermaßen. Es gab für eine Weile so eine Art schöner Wärme im Körper, wenn man davon träumen konnte, daß die Schneehühner schließlich einmal aufstiegen mußten. Dann würde es eine Kleinigkeit sein. Ein Paar weiche, leise Flügelschläge bis dort himmter, und sie konnte sich an dem warmen Fleisch sättigen. Sie blähte sich vor Wohlbehagen auf ihrem Posten, so daß sie die Kälte vergaß, und öffnete den Schnabel in stummer Wollust. Sie hatte es zu bereuen. Die Kälte kniff sie in die Zunge, und sie machte den Schnabel schnell wieder zu. Es blieb nichts übrig als stillsitzen und warten und dort zur Weide hinunterzuftarren. Kälter lind grüner wurde der Himmel. Die Sterne zitterten. Kein Lailt war zu hören. Der große Gespenstervogel saß totenstill und wartete. Ein Stern fiell_ Da knirschte es plötzlich im Schnee weit unterhalb der Schnee-Eule, und gleich danach glitt ein Schatten auf dem hartgefrorenen Schnee vorbei, sauste um die nächste Berg- spitze und verschwand. Die Schneehühner hatten sich nicht von ihrem Platz ge- rührt. Die Eule lachte auf ihrem sicheren Platz oben in ihrer Felsspalte m sich hinein über die Dummheit des Wolfes. Sie hatte immer diese armen Kreaturen verachtet, die auf dem Erdboden bleiben mußten�imd einem nicht nahe kommen konnten, sowie mau nur die Schwingen hob. Hielt man sich nur an die Felsspalten, so konnten diese schwer- fälligen Klötze nichts machen. Man mußte aber vorsichtig sein, wenn man auf Schneehühner und Lämmer fahndete, und gut Umschau halten, sonst konnte so ein Scheusal über einen kommen, wenn man gerade ein Schneehuhn gepackt hatte, und dann nmßte man froh sein, wenn man mit heilen Federn davonkam. Krach— klang eS wieder von unten her. Was war das nun wieder? War eS am Ende doch bester, fortzufliegen? Sie hob leise die Flügel ganz wenig, während sie die gistgelben Augen nach unten drehte. Ein zweiter dunkler Schatten glitt dort unten über den Schnee, einer von denen, die auf dem Erdboden Wohnstätten bauten, aus denen es immer rauchte, und die bisweilen die Eier aus den Felsspalten holten. Auch sie konnten ge- fährlich sein. Aber dieser da war für sie durchaus nicht gefährlich. Er hatte es zu eilig, um an Schnee-Eulen zu denken. Nun glitt er mit den langen Füßen aus,— nein, er fiel nicht,— er verschwand um dieselbe Bergspitze wie der Wolf und war fort. Die Schnee-Eule lachte wieder ganz, ganz leise in fich hinein. Sie verstand. Der mit den langen Füßen war hinter dem andern Scheusal her. Hoho I lachte sie tief unten im Magen. Soviel Beschwerlichkeiten um das Futter! Da war es bester, still zu sitzen und zu warten, wenn man auch fror. Einen Augenblick überlegte sie, ob sie um die Bergspitze herumfliegen und sich die Jagd ansehen sollte, aber sie ivagtc es nicht. Sie hatte auf ihre eigenen Nngclegenhcitcn"zu achten. Auf der andern Seite der Bergspitze rannte Sarri weiter hinter dem Wolf her. Ein paar Sekunden blieb er stehen, stützte sich auf den Stab und verschnaufte. Die letzte Steigung hatte die Kräfte sehr mitgenommen. Das Herz klopfte ihm, und der Schweiß tropfte. Er hotte Lust, sich in ds« Schnee zu werfen und auszuruhen, aber der Gedanke an den Erb- feind vor ihm hielt ihn aufrecht. Er beugte sich nieder, nahm eine Handvoll Schnee und stopfte sie in den Mund. Mit einem neuen Schneeklumpen rieb er sich den Schweiß vom Gesicht und raunte wieder der Spur nach. Die Schneeschuhe glitten auf der losen Schneeschicht über dem gefrorenen Eise schnell vorwärts. Die Spur vor ihm lag so klar da, wie es in der Nacht nur, möglich war. Plötzlich dörte sie auf. Im selben Augenblick merkte Sarri, daß die Schneeschuhe schneller zu lausen beganncii als er selbst. Er erkannte die Gefahr, konnte aber nicht zurück. Der Abhang war glatt wie Eis. Er versuchte mit den Spitzen der Schneeschuhe zu bremsen und stieß den eisen- beschlagenen Stab neben sich ins Eis, aber es war zu spät. So ließ er es auf gut Glück gehen, duckte sich auf den Schneeschuhen, als er merkte, daß sie von dem Abhang fortglitten und fiel wie eine Katze durch die Luft. Als er wieder Boden unter sich hatte, stieß er den■ Stock von neuem in den Schnee, und jetzt glückte es. Er siel zwar um und rutschte ein Stück settwärts, aber er hatte die Fahrt doch gehemmt. Er konnte eS nicht lasten, sich umzusehen. Er war ein gutes Stück gefallen und schüttelte bedenklich den Kaps. Nur gut, daß es so abgegangen war. Nila, der junge Bursch, war im vorigen Winter ailf diese Art umgekommen. Aber wo war der Wolf geblieben? Der„Geschwänzte" war verschwiindeü. Sarri stand langsam auf, etwa? steif von dem Fall, blickte mißmutig umher und stieß ein schallemdes Eeläckicr aus. Dirett vor ihm war eine tiefe Spur im Schnee. Der Wolf hatte zweifellos denselben Weg gemacht! Hier hatte er sich rund herumgewälzt. Sarri sah, wie er ein langes Stück durch den Schnee gerutscht war und dann ein paar mächtige Sprünge zur Seite gemacht hatte. Sarri spähte über die Schneeflächc hin, die sich meilen- weit dehnte. Ganz in der Feme gewahrte er wirklich einen scbwarzsn Punkt, der nnt dem-nächttichen Dunkel fast per- schmolz. Sarri lachte. Jetzt hatte er den Racker! Da draußen war der Schnee loser. Kein Wolf der Welt sollte vor Sarri den Borg auf der andere« Seite der Schneeebene erreichen. Jetzt hieß es rernien! In aller Elle riß er ein paar Sachen aus dar Brusttasche, zog den Rock aus, ioiclelte ihn um Sc Sachen und legte� das Bündel neben einen großen Stein. Dann zog er�die Hosen in die Höhe, fühlte, ob das Messer noch in der Scheide steckte, und dachte ein paar Sekunden nach, wo er war, aber er konnte sich nicht zurechtfinde, l. Er lief in der Spur weiter. Hui. war das eine Fahrt!(Forts, folgt.) Wz ü8 fer ii vor der Ehe von der Ehe Von E. Gorling.— 81. Taaseni Das Erwachen der Liebe nnd Wesen der Ehe.— Abstammung und Vererbung.— Die Entstehung des Menschen.— Das Vorleben.— Die Vergangenheit des Mädchens,— Geschlechtskrankheiten.— Folgen in der Ehe.— Erziehung zur Ehe.— Wie soll die Frau beschaffen sein?— Wie lernt man das Mädchen kennen?— Brautnacht und Flitterwochen.— Das Benehmen des jungen Gatten.— Kindersegen.— Vertrauliche Worte. „Wiener iiionlagszeitung1': Gerling hat es meisterhalt verstanden, den Ton r.u finden, der zum Herzen geht Freimütig und offen, wie im vertraulichen Zwiegespräch spricht der Mann zum Manne. Dank für alle die Lehren, die Sie in ihrem trefflichen Buche in so hingebender und idealer Weise ausgesprochen haben. In den meisten Punkte* habe ich erst durch Ihre lichtvollen Ausführungen Klarheit gewonnen. 0. B., Lehrer.— Preis 2.60 H., Porto 20 Pf I Orama-Yeriag, Oranienburg iiei Berlin 92. an jederrnann. i Kleinste Anzahlung, s » Größte Rücksicht, u Bequemste Abzahlung. 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