|lr+100« 35. galpf* VezugSprrl?» !>i«!eIji!hrl.0 Pig. lzulässtg ll settgedrutlie Ltorlel, irdes weitere Wort 15 Psg. Stellengesndhe»nd Schsasslellenanzeiaen da? erste Wort 20 Psg., jede» weitere Wort 10 Pia. Worte über 15 Buchstaben zählen für zwei Worte. Teuerungszulchlag 20»/» Familien-Anzeigen, politische und aewerlschaMsche Vereins- Anzeigen «0 Psg. die Zeile. Anzeigen ffit die „Achste Mummet müssen bis 5 Ütir nachmittags im Hanvtgeschüst. Berlin SN.«8, Lindenstraße«. ib ieaeben werden. Geöllnet bon 8 Uhr srüh bis 7 Uhr abend». «3« Neöaktion: SW. 6$, Linöenstraße 3. JHernfiircrficr; 9lmt Moritzpla«. Nr. 15190—15197. Freitag, de» 1%. April 1918. ExpeSitiKn: SM. öS. �inöenstraße 3. Fertisprecher: Amt DtgriPPlatz. Nr. 15190-15197. vss gleiche Aahlrecht- iviecler abgelehnt! Turcky den Beschluß der Verfassungskommission de? Preußischen Abgeordnetenhauses, die am Donnerstag auch in zweiter Lesung das gleiche Wahlrecht abgelehnt bat, hat die innerpotitische Lage eine solche Verschärfung erfahren, daß man, Menn sich die Wahlrechtsfeinde nicht noch in letzter Stunde eines Besseren besinnen, mit einer Auf- lösung des Abgeordnetenhauses und der Ans- s ch r e i b u n g von Neuwahlen rechnen muß. Tie Hoffnung, die Freikonservativen und National- liberalen würden an Stelle der Gegner Anhänger des gleichen Wahlrechts in die Kommission entsenden, hat sich als trügerisch erwiesen,� die Konimission zeigte fast die gleiche Znsammen- setzung wie bei der ersten Lesung. So erklärt es sich denn auch, daß auf keiner Seite Steigung zum Debattieren bestand, alles drängte darauf, die Entscheidung, die von vornherein feststand, auch formell herbeizuführen. Jeder sagte sich, daß das Reden keinen Zweck mehr hat, denn daran, daß man sich gegenseitig überzeugen könnte, war nicht zu denken, und zu bloßen theo- retischen Erörterungen schien die Zeit zu kostbar. Die wenigen Acnderungen, die die Lorlage gegenüber den Beschlüssen erster Lesung erfahren hat, sind teils Ver- s ch l e ch t e r n n g e n, teils sind sie völlig belanglos. Jeden- falls steht es fest— und die Regierung hat das aufs neue durchblicken lassen—, daß in dieser Form der Entwurf nicht Gesetz werden wird. Es gibt nur zwei Möglichkeiten: ent- weder die Mehrheit stellt sich im Plenum auf den Boden des gleichen Wahlrechts oder die Regierung macht von ihren verfassungsmäßigen Mitteln Gebrauch. Dann haben die Herren, die sich heute Volksvertreter nennen, zu schweigen, das Wort hat dann die Masse der Wähler, die dem Dreiklassen- Wahlsystem zum Trotz der jetzigen wahlrechtsfeindlichen Mehrheit den Garaus bereiten und ihr so die gebührende Antwort aus ihre dreiste Herausforderung erteilen wird. Will also die Regierung dem gleichen Wahlrecht in Preußen zum Durchbruch verhelfen, dann steht ihre Sache gut, und sie hat es keineswegs notwendig, sich gegenüber den Wahlrechtsweigerern auf irgendwelche Zugeständnisse einzu- lassen. Eine schwere Verantwortung würde sie aber dann treffen, wenn sie, um den Schein des gleichen Wahlrechts zu retten, Zusagen machen wollte, welche die Reform ihres Wertes berauben. Sie ist auf diesem Wege, durch Wohnsitz- klausel und Erweiterung des Etatrechts des Herrenhauses, ohnedies zu weit gegangen, jeder Schritt weiter müßte sie in schärfsten Gegensatz zu den Volksinassen bringen. Tie„Nationalliberale Korrespondenz" hatte vor der Sitzung gemeldet: In der nahonaklibtralen Fraktion de» Preußischen Abgeord- iieteichcruses fanden am Dienstag und Mittivoch eingehend« Beratungen über di« Stellung der Fraktion zur Wahlrechts- vorläge statt. Nach ihrem Ergebnis ist anzunehmen, daß sich das Stimmenverhältnis innerhalb der Frak- tion etwas verschoben hat. Infolgedessen ist«ine Aeuderung in der Zusammensetzung der für die �Lahlrechtskommission auSersehenen Mitglieder insofern erfolgt, als die national liberale Fraktion jetzt drei Gegner und drei Anhänger der Wahlrechtsvorlage in die Kommis. fton entsendet. Als neues Mitglied tritt der Abgeordnete Grund in die WahlrcchtSkommission dcS Preußischen Abgeordnetenhauses ein. Dementsprechend haben diesrrnil drei Nationalliberale in der Kommission für daS gleiche Wahlrecht und drei dagegen gestimmt, was eine vollständige Selbstnusschaltuug der natio- ualliberalcu Partei bedeutet. Für die künftige Abstimmung im Plenum werden verschiedene Berechnungen augestellt. Tie „Kreuzzcitung" nimmt an, daß die Hälfte der Nationallibe- raleu für das gleiche Wahlrecht sei. In diesem Fall müßten von den Lck Freikouservativen 40 gegen das gleiche Wahlrecht stimmen, wenn es zu Fall kommen sollte. Danach ständen die Aussichten nicht so ungünstig. Ilmgekehrt meinen die„Berl. Neuesten Nachrichten", in der nationalliberalen Fraktion be- stehe noch immer eine, wenn auch kleine Mehrheit gegen dos gleiche Wahlrecht, für das Plenum sei somit eine Mehrheit vorhanden, die en t s ch I o s s e n sei, das gleiche Wahlrecht durch das Mchrstimmenrecht zu ersetzen. Das bedeutet aber Auflösung und Neuwahlen! Für diesen Fall muß sich die Sozialdcniokratie jetzt schon bereit machen. Wer sich noch au unsere Wahlrechts- kämpfe vor dem Kriege erinnert, weiß, was die bevor- stehende Entscheidung bedeutet. Im Hinblick aus sie muß alles getan werden, was unter den Schimerigkeiten des Kriegs- zustaudes getan werden kann, um die s o z i a l d e m o k r a- tischeOrganisationuudPressezustärkenI , �» Der VerfossirngSauSschuß dcS Abgeordneter, hrruse? Hot am Donnerstag in einer einzig«! Sitzung die Wahlrechtsvorlage in zweiter Lesung erledigt. Größere Debatten fanden nicht mehr siart, da das Schicksal des Gesetzentwurfes von voricherein feststand. Obwohl die Rationalbiberalen einen Gegner gegen einen Auhlingcr zugunsten des gleichen Wlchlrechte ausgetauscht hatten, stand es doch fest, daß den tv entschiedenen Gegnern nur 1? Anhänger deß gleichen Wahlrecht? gegenüberstanden. Als über das gleiche Wahlrecht besonders abgestimmt wurde, ergab sich, daß gegen da» gleiche Wahlrecht geschlossen die 12 Konservativen, 4 Freikonser- vative und 3 Nationalliberale stimmten, während die übrigen drei Nationalliberalen und geschlossen da» Zentrum, die Fortschrittler, der Pole und der Sozialdemokrat, im ganzen also 19 gt$tn 16 für da» zleiche Wahlrecht stimmten. Im§ l der Porlage blieb entgegen e-inem Antrag der Fortschrittlichen Bolkspartei und de» Sozialdemokraten die Ausnahme- bcstimmung gegen Berlin aufrecht erhalten, wonach in Gemeinden, die in mehrere Wahlbezirke geteilt sind, der Wahlbezirk an die Stelle der Gemeinde tritt. Im 8 2 wurde ein Antrag der Konservatiben angenommen, wonach auch Personen vom Wahlrecht ausgeschlossen sind, welche wegen eine? Verbrechens oder eines Vergehens, da» die Nberken- nung der bürgerlichen Ehrenrechte zur Folge haben kann, zu einer Gefängnisstrafe von mindestens 6 Monaten rechtskräftig verurteilt worden sind, für die Daner von 5 Jahren von dem Tage an ge- rechnet, an welchem die Strafe verbüßt, verjährt oder erlassen ist, sofern nicht der Perlust der bürgerlichen Ehrenrechte auf eine län- gere Dauer ausgesprochen ist. Ferner diejenigen Personen, welckzc bei Abschluß der Wählerliste mit den für die letzten beiden Rech- nungSjahre fälligen Staats steuern oder Gemeindeabgaben trotz rechtzeitiger Mahnung und ohne Stundung erhalten zu haben. ganz oder teilweise im Rückstände sind. Z 3, der da? gleiche Wahlrecht der Regierungsvorlage durch ein Plnralwahlrecht ersetzt, erhielt auf Antrag von 3 National- liberalen einen Zusatz, wonach eine Zusatzstimme auch erhält, der mehr als 6 Jahre als gewählter oder ehrenamtlicher Vertreter oder im Ehrenamte einer deutschen Körperschaft des öffentlichen Rechts tätig gewesen ist oder der mehr als 12 Jahre dem aktiven Heere oder der aktiven Marine angehört hat, oder im Reichs- oder Staats- dienste eines solchen Bundesstaates hauptamtlich angestellt ge- Wesen ist. Endlich wurde noch auf nationallibe raleu Antrag ein neuer§ 25ii geschaffen. Hiernach findet auf die Kriegs teilnehmer für die erstmalige Wahl auf Grund diese? Gesetzes die Voraussetzung des ei»jäh- rigen Wohnsitzes oder Aufenthaltes in der Ge- meinde oder dem Wahlbezirke keine Anwendung. Weitere Abänderungen wurden an der Vorlage nicht vorgenommen. Am Freitag wird die Herrenhausvorlage beraten. Einöringen in Minentims. Vordringen zwischen EstaireS nnd Be- thnnc.— Die Lawe erreicht.— Neber- schreitung der Lawe. Verlin,»1. Slpril abdS. Amtlich. Die Schlacht bei ArmentiöreS nimmt weiter- hin einen günstigen Verlauf. Wir sind in die Vorstädte vonArmentiöreS ein- gedrungen. Südlich von EstaireS wurde die Law an einigen Stellen überschritten. Amtlich. Gr» s-e» H«npt»»»rtier, 11. April 1918. T. Bö! Westlicher KriegSschauPlaA. Dir Schlacht bei Armrntitrr» ist srit dem 9. April in vollem Gange. Die Armee de» Generals von Quast hat zwifchrn Armentlirr» nnp Fcstubrrt die englischen«nd portugiesischen Stellungen avf dem Südnfer der LyS«nd dem O st« fer der Lawe genommen. Nach Eestürmnng von B»iS Grenirr nnd N e«» r Chaprlle überwand sie im ersten Anlaaf über da« verschlammte Trichterfeld hinweg die z» zührr Berteidignng ein- gerichtatc weite Ebene mit ihren zahllosen in jahrelanger Arbeit z» starken Stützpunkten ausgebauten Gehöften, Hänfer- nnb Banm- gruppcn. Nnter tatkrSftiger Führung drS Generalmajor» Horfer wurde noch am Abend de» 9. April der N e b e r g a u g über die LyS bei B a c St. M a n r durch schneidiges Zufassen de« Leutnants Drebing vom Jnfanteric-Rcgiment Nr. 370 erzwungen. Gestern wurde der Angriff auf noch breiterer Front fort- gesetzt. Truppen de» Generals Sixt von Arnim nahmen Solle- b e k e nnd die südlich anschließenden ersten englischen Linien. Sie erstürmten die Höhr von Meesrn jMesssneS) nnd be- hauptetcn sie gegen starke feindliche Gegenangriffe. Südlich von W aasten(W arneton) stießen sie bis an den Ploegsteert- Wald vor nnd erreichten die Straße Ploegsteert— Ar- mrntiöreS, Die Armee des Generals von Quast überschritt an mehreren Stellen zwischen ArmentidreS nnb EstaireS die L y« und steht im Kampf niit neu herangeführten englischen Truppen auf dem Nordnfer de« FlnsipS. Südlich von EstaireS haben wir kämpfend die Lawe»nd dir Gegend nordöstlich von B r t h u n e erreicht. Die Gcfangencnzahl ist auf weit über 10 000 gestiegen, darunter ri» portngirsischcr General. An der Schlachtfront z» beiden drr Somme«nd auf dem Süd» fer der Oise blieb die GefechtStätigkeit auf Ariilleriekampf und kleinere Jnfantcrieunternehmiingcn beschräntr. Der Erste Genrralqnartiermcister. _ Ludendorff. Ter österreichische Bericht. Wien, 11. April 1918. Amtlich wird oerlautdart: Westlich dcS G a r d a f e e S und im B r e a t a t a l erfolg- reiche eigene Sturm»iiternchmuagrn. Sonst leine besonderen Ereignisse. Ter Chef des Generalstabcs. 3um Einbruch zwijchen �rmentiöres unö öem La-Haffse-Kanal. Dir deutsche Jnsanteeie, begleitet von den Feucrwellcn der eigenen Artillerie, brach jeden Widerstand«nd drang unaufhaltfam bis an den breiten sumpfigen L y S- A b s ch n i t t vor. Hier trat der erste Halt ein. Die Brücken waren gesprengt, die Wege ungangbar geworden nnd in den jahrelangen Kämpfen förmlich in der Tiefe versunken. Geschoßtrichter an Geschoßtrichter schiene» jede? Bordringen von Geschützen anSziischließen. Die BrückentrainS drohten von dem morastartige» Boden elngrsangt zu werden. Dennoch ging e? vorwärt?. Taufende von Pionieren, ArbeitSsoldate»»nd Infanteristen schafften mit aller Macht biS zur körperlichen Erschöpfnilg an der Herstellnng von BehelfSwegen aller Art anS jedem nnr denkbaren Material, nm den Nachschub der Kampftruppen zu fichern. Tie feindlichen Stellimgen wurden nieder- gelegt, Flnßlänfr, Wassergräben, tiefe Granattrichter überbrückt und «da» Nnglanblichr geschah. Schon bei einbrechender Dämmerung standen Artillerie nnd BrückentrninS zur weiteren Berwendniig»m Süd» fer der LyZ bereit, und noch in dergleichen Nacht ge lang e? der unermüdlichen und nnvergleichlichen drntschrn Jnfaiitceic mit Helfmaterial aller Art einzeln nnd in Gruppen, später i» Zügen nnd Kompagnirn, trotz heftiger feindlicher Gegenwirkung daS N o r d• ufer de» FlnsseS zn gewinnen. Eine magische Gewalt trieb jeden einzelnen vorwärts. WaS menschlicher Wille nnd mensch liche Körperkraft zn überwinden überhaupt imstande sind, wurde geleislet. NWsche Sotschaster als finnische Geiseln. Ein völkerrechtliches Monstrum. Stockholm, 19. April. sCrig. Drahtber. de?.Vorlv.*) Die finnische Regierung teilt offiziell mit, daß sie die diplomatischen Vertreter Rußlands, W o r o w S k i nnd K a ni e n e iv, als Geiseln festhalten werde, bis die russische Negiernng die Unteistiitzung der finnischen Roten Garden aukgibt. Hierdurch wird KamencwS Amtsantritt verhindert und die Wiener Botschaft bleibt cinslweileii im- besetzt, da die Moskauer Regierung an der Ernennung Kaniciicws festhält. Völkerrechtlich ergib! sich daran? eine noch nicht dagewesene Situation. Die dem Deutschen Reiche verbiindsis Finnenregierung erkennt die Ilnverletzlichkeit der diplomatckchen Vertreter Rußlands nicht an. Sie befindet sich dabei ebensowenig im Kriege mit Ruß- land wie— nach dem Friedensschluß— Deutschland und Oester- reich-llngarn. Der Botschafter Kamenew soll»ach Wien fahren, nm die im Friedensvertrag verheißenen freundschaftlichen Be- Ziehungen zu pflege«— die dein Deutschen Reich verbündete finnische Regierung verweigert ihm aber das freie Geleit und nimnit ihn gefangen. Der Fall scheint demnach im höchsten Grade zu einer deutschen I n t e r v e n l i o n geeigne! mit dem Zweck, die Ilnvcrletzlichkcii der diplomatischen Vertreter Rußlands wieder her« zustellen und ihnen freies Geleir zu erwirken. Ein deutsches Ultimatum an Rufilanö. Abrüstung der Fkotte. Räch einer Meldung der Agence Havas an? Petersburg hat da? Bolkstommissarial gegen die Landung in Finnland, die im Wider- Ipruch zu Art. 6 des Frieden» von Brest- LilowSk stehe, Protest ein- gelegt. Die deutsche Regierung habe darauf mit der Aufforderung an Rußland geantwortet, entweder alle Schiffe in der Ostsee zu entwaffne« oder die in finnischen Gewässern befindlichen von dort naib niffi-tfitfi; TafTcn. Dieser STaffetbcruug, ;ic bis �iini 12. Slprtl befristet war, sei daS Volkskommissariat I! a cki g e k o IN m e II. Die Meldung wird, soweit sie die dartscke Fordevwng betrifft, auch von W. T. B. bestätigt. Dieses gibt eine Note des Auswrrrti- aen Ämtfs wieder, in der sich die /deutsche Regierung, falls Ruß- md der Forderung nicht bis zum 12. April nachkommt, das Recht vorbehält,„Maßnahmen imit Finnland zu ergreifen." Von einem Eingehen Rußlands auf die deutsche Forderung weiß W. T. V. noch nichts. Die Ukrame will Seslarabien behalten. Dar Präsident der LüüSmiiiister der Ukraine bat an die lvniglich rumänische Regierung eine Rote gerichtet, in der erklärt wird: Tie Ukrainische Regierung hat lebhafte? Interesse an dem Schicksal BessarabienS, des Grenzgebiete? der lUrainische» Volksrepublik. Oluvohl die Gebiete der beiden dominierenden Völker, des ukroiüscheu und dr? moldauischen, miteinander verflochten sind, unterliegt es keinem Zweifel, daß in dem nördlichen Teile d c S bcss arabische u Tcrrilorium? größtenteils Ukrainer leben und in dem südlichen Teile(ztvischen der Donau und der Dujestermündung am Schwarzmeer-Ufer) i- Ukrainer die relative Mehrheit beätzen und auf Me''s Ä'ciic Vefiarabieu angesichts seiner cthnographlsch-ökonomischen und »vlitlschen Lage ein iiiitcilbarcs Ganzes mit dem Grundterritonum der Ukrainischen Volksrepublik bildet. Tie Ukrainische Negierimg, die einen bedeutenden Teil des Schwarz meernferS beherrscht, in dessen westlichem Teile ein w wichtiges Handelszentrum wie Odessa liegt, mit dem daS '.'uze Siidbcsiarabien verbunden ist, stellt sich auf den Standpunkt, daß jede Aenderung der ehemaligen rumänisch-russischsn Grenze, �'-.-besondere in ihrem nördlichen nnd südlichen Teile, die politischen und ökonomischen Juterestcn der Ukrainischen Volksrepublik stark berührt. Mit Rücksicht darauf, daß zurzeit ein bedeutender Teil Bessarabiens von rumänischen Truppen besetzt ist und daß die Frage über die weitere Zugehörigkeit Bessarabiens zum Gegenstand wn Besprechungen bei den Bukarest er Friedens« > erhandl ungeu gemacht werden könnte, hält die Ukrainische Regierung die Beratung und die Entscheidung dieser Frage nur unter Beteiligung und mit Einverständnis der Bertrctrr der Nkrnini- scheu Volksrepublik für möglich. Inzwischen ist die Entscheidung in der Frage der Zu- -ehöngkeit Bessarabiens in einer Weise gefallen, die es höchst .uciselhaft erscheinen läßt, daß die Frage bei den Äukarester Friedensverhandlungen noch eine Rolle spielen wird. Diese Zei Handlungen haben sich so zögernd vollzogen, daß es möglich inurde. über Bessarabien vorweg einen Abschluß zu erzielen. Tie Ukraine gerät durch den Beschluß der bessarabischen torporation in gewissen! Sinne in eine ähnliche Lage, wie ßolen durch die Choliner Zuteilung an die Ukraine. Wird iescs junge Staatswesen jetzt ähnliche unangenehme Räch- nnrknngen zu verdauen haben wie sein westlicher Nachbar- k Die besfarabische Entscheidung hat zur Entknäuelung des initteleiiropäischen Grenzfrageinvirrsals den immerhin bc- mcrlcwi werten Fall beigesteuert, daß eins der kleinen Land- .ir biete das Recht der Selbstbestimmung ausübt, um gegen öen Zusammenschluß national zusammengehöriger Gebiete zu andeln. Der nationale Gesichtspunkt hat eben nicht die berste Entscheidung, auch dort nicht, Ivo er sie nach Rede nnd Entschluß zu haben scheint.__ die euMch-tlkramische ßrieöensfrage. Deutsche F-nnksPruchniahnung nnd russische Antwort. Moskau, 9. April. iMeldung der Petersburger Tele« .-ravhen-Agentur.) Funkspruch der deutschen Negierimg an daS Kommissariat der auswärtigen Angelegenheiten: .Gemäß Artikel VI bc-3 Friedensvertrages hat sich die russische Regierung verpflichtet, mit der ukraiuischsn Republik biuueu kurzer ' ritt Frieden zu schließen. Nach Mitteilung der ukrainischen Rc- aernug bat die russische Regierung keinen Schritt unternommen, um die Herbeiführung des Friedens zu beschleunigen, trotz der Anregung und Versuche der Ukraine. In der Voraussetzulig, eas, der rujsiüch-ulraiuiscke Friedensvertrag unter anderem alle veiseibafleu Frage» hinsichtlich der Ausdehnung des ukrainischen Gelnetes lllisu soll, gibt die deutsche Negierung der Hoff- u u n g Ausdruck, daß die russische Regierung ohne Vcr- r ö g e r u» g in Verhandlungen mit der Regierung dck üaiuijcheii Republik eiutreten wird, nnd ersucht, sie von dem Be- ginn dieser Verhandlungen in Kenntnis zu setzen. Auswärtiges Amt. von dem VuSsche/ Das Kommissariat der Auswärtigen Angelegenheiten hat an Dentschlaud folgende Antwort über die Verhandlungen uist der Kiewer Rada gerichtet: In Beaniwortimg des Funkspruches des deutschen Auswärtigen Aints vom ö. April, worin die deutsche Regierung die russische Rc- irrung an ihre nichterfüllie Verpflichtung crinncrl, FriedenSver- !m:id!u!igcu mit der Kiewer ütada aufzunehmen, teilt das Kom» rnsjarui! der Auswärtigen Angelegenheiten den Wortlaut seines u och am 4. April nach Kiew gesandten Funkspruchs unt, mit dem Borschlag, die Verhandlungen am ä. April in S m o l e n S k zu beginnen. Da vvn der Kicwcr Rada noch ieüie Antwort cingegangen ist, ersucht das Kommissariat der Auswärtigen Angelegenheiten die deutsche Regierung, en Wortlaut dcS erwähnten FnntspnichS, worin als BcrhandlungS- .nt SmolcnSk verg-'plazcn wird, der Rada mit ncncm Datum zur Kcmunis zu brinzcn." Das; für diese Verhandlungen in Smolcnsk die befsarabischc Abtrennung in ganz besonderem Maße ein Thema von Wichtigkeit sein müßte und ein schwieriges Thema wäre, ist klar. Vielleicht hängt die Verzögerung der ukraini- icheu Antwort an das russische Konimissariat dcS Aus- wärtigen mit dieser Natur der Angelegenheit zusammen. Arvischen Lawe unö Lps. Telcgraphi scher Bericht unseres Kriegsbericht- e r st a t t e r s. Westfront.?. April. Dwiitc, avi Jahrestage der blutigen Schlacht östliäi von Arre.s im»origcn Jahre, zeigt der neue Einbruch in die englische Front nördlich»im La Bassce symbolisch d i r g e w»! t i g r A e n d e r>, n g der Lage in r i n e m Jahre a» der Westfront. Tavials wurden große Teile der deutschen Front notgedrungen in die Sieg- iriedsstellnng znriickxenonimen— an der rechten Flanke bei Area-.., r.n der linken Flanke an der AiSne erfolgten wochenlang wütende Anstürme de? überlegenen Gegners. Heute ist alle.? in die siegreiche > Gegenrichtung gezwängt. Ein breite? Mittelst««! der deutsche» -ran, rag, weit vorgeprellt in srauzösllchc? Neuland hinein, an der iirdcu Flanle ist seit einige» Togen ein glücklicher Einbruch in die srenzSsischr Südsrovt in der Richtung SoissonS w, Gange, während sich an 5cr rechten Flanke seil gestern k« SV SikS- mcter Breite die deutschen Linien im Bormarsch g e g e n d i e L y s b e f i n d e n. Niemand weist, ob nicht morgen an dritter Stelle in Frankreich oder Italien ein neuer Sturm losbricht. So bat trov endlicher Einheit des gegnerischen Oberbefehls Hindenburg die Initiative absolut, ja jeden Tag mehr in der Hand. Tic gcstrige Riederzwingung der englischen Linie» westlich von Lille führt die groste Schlacht gcwissermasten auf ihren Kerngedankc» zurück: auf dos Entscheidungsringen zwischen Teutschland und Eng- land. Tas Erscheinen der Fochschen Reseniearmee von Süden und die Notwendigkeit, diese Armee z» werfen, z» binden oder abzn- riegeln, hat zu Kämpfe» gefishrt, die eine Zeitlang den weltgefchicht- lichrn Sinn dieser Schlacht verdunkelten. Heute ist Frankreich an der linken Flanke wieder in die Rolle eines stündlich mehr und mehr bedrohten Zuschauers gedrängt. Zwischen Teutschland und England allein rollen die blutigen Würfel. Sieben Kilometer tief sind schon am ersten Tage Bayern, Saäiscn, Rheinländer und Lothringer, kurz alle deutschen Stämme zwischen dem La-Bassäe-Kanal und der belgischen Grenze in das englische Graben system ein- gebrochen. Tamit ist ein deutscher Frontabschnitt ins Rollen gebracht, der seit dreieinhalb Jahren reich au schweren Kämpfen war. Givenchn, Festobert, Richebourg, Neuve-Ehapelle, Aubers, Fromrllcs— alles Orte alter englischer Angrifssschlachtcn und deutscher Abwehrsiege. Wie der Rani» von Montdidier im Süden, so gehört auch das gestern eroberte Land im Norden zu bisher nie von deutschen Truvpen besetzt gewesenem Gebiet. W i e d r r u nr ist ein französisch er Land strich an einem Tage er- »bert worden, der gröster ist als vieles, was der Gegner früher nach langen blutigen Kampf- woäien hinter sich brachte. Tas Kampfgebiet zn beiden Seiten der Lvs ist das schwierigste der ganzen Westfront. Der Boden ist so versumpft, daß jeder Granattrichter nnäi einer halbe» Stunde voll Wasser steht: alle Straßen sind wie Teiche gebaut und die Schützengräben sind alle auf die Erde ausgesetzt, daher sind sie leicht durch die Artillerie weg- zublascn. Alle Gräben stehen voll Grundwasser, da? dauernd ans- gepumpt werden muß: die Gräben sind überhaupt nur ans Holz- rosten zn passiere». Der gestrige Augriff ging wie km'21. März nnter Nebel vor sick, der das überraschende Erscheinen der Infanterie begünstigte und ermöglicht. Der Angriff stieß in die gerade statt- findende Ablösung portugiesi icher durch englische Truppen hinein. Die artilleristische Gegenwirkung umr anfänglich schwach und lebte erst gegen Nachmittag auf. Tic Engländer wehrten sich zähe, die Pvrtiigiesc» dagegen schwächlich. Unsere Verluste am ersten Tage waren ebenso gering, wie ine vor einigen Tagen südlich der Oise. Ter Angriff lehnte sich mit der linken Flanke an den La- Bnssöe-Kanat, mit der rechten Flanke an die Lvs, die am Abend des ersten Tages erreicht wurde. Damit war überall die zweite englische Stellung zur Linken der An- griffsfront auch schon zerbrochen. Am späten Abend waren die deutschen Regimenter noch über- all im Bormarsch begriffe». Unsere Artillerie legte den Bahnhof H a z e b r o» k, drr für diesen Frontteil dieselbe Be- drntung hat wie Ami enS für den Süden, schon von Nachmittags an unter schweres Feuer. Dr. Adolf Köster, Kriegsberichterstatter. Englischer Bericht vom Ist. April nachmittags. An der Kampf- front nördlich von La-Bassee-Kanal hielt der heftige Kampf gestern abend und während der Nacht an; unsere Truppen halten die Linie an den Flüssen Lawe und L YS und sind in einen schweren.Kampf mit dem Feind an den Fluß Übergängen bei DstaireZ und B a c S t. Maur verwickelt. An der südlichen Angriffs- flanke wurde Givenchy, in welches der Feind vorübergehend ein- gedrungen war, später am Tage durch einen erfolgreichen Gegen- angriff, der 67-. und der 55. Division, welche bei den Gefechten in diesem Gebiet 750 Gefangene machten, zurückgewonnen. Heute früh eröffnete der Feind schwere Beschießung, unserer Stellungen östlich und nördlich von ÄrmentiereS Bis zun, Nvern-Comines-Kanal..Wie gemeldet wird, haben die Kämpfe auf dem südlichen Teil dieser. Front begonnen. An der britischen Front südlich von der Sommc fanden gestern abeiw an gewissen Punkien örtliche Kämpfe statt, die jedoch eine Aeiidenng der Lage nicht herbeiführten. Englischer Bericht vom Ist. April abends. Nach der bereits gemeldeten Beschießung unternahm der Feind heute morgen einen neuen starken Angriff gegen unsere Stellungen zwischen der L y S bei Armenticrcs und dem Kanal Nper n— C o m i n c S. Ein schwerer Kampf fand in diesem Abschnitt den ganzen Tag über statt, ebenso au der gesamten Front des gestrigen Angriffs nördlich des La-Ba ffee-Kanals. Nördlich von Armenticrcs drückten schwere feindliche Angriffe unsere Truppen ans die Linie W Y t s ch a e t c— M e s f i n e s h ü g et— P l o c g- st ccr t zurück. Deutsche Infanterieabteilungcn, die sich den Weg nach Messincs hinein erzwungen hatten, wurden hcuic früh von unseren Truppen durch einen Gegenangriff wieder hinan?- geworfen. Südlich Armrnticres gelang es dem Feind nach länge- rem.Kampf, sich am linken Lysufer an gewissen Punkten östlich E st a i r c s und in der Umgebung von Bar St. Maur festzusetzen. Heute morgen überschritt der Feind ferner die Lawe beiLestrem, wurde jedoch durch einen Gegen- angriff unserer Truppen aus dem Torfe nnd über den Fluß znrückgeworren. Zwischen E st a i r e s und G» v e n ch>> wurden unsere Stellungen gehalten. An den übrigen Teilen der britischen Front verlief der Tag verhältnismäßig ruhig. die bmftichen|UußerimgLN Kaiser Karls Ein Telegramm Kaiser Karls.— Czernin gcgeu Clcmeuceau. Folgendes, am Mittwoch vom österreichische n Kaiser a n den deutscheu Kaiser gerichtetes Tele- g r a ni ni wird veröffentlicht: „Der französische Ministerpräsident, in die Enge getrieben, sucht dem Lügenney, in das er sich selbst verstrickt hat, zu eutrinnen, indem er immer mehr und mehr Unwahrheiten anhäuft und sich nicht scheu:. ninimehr auch die völlig falsche und unwahre B c- bauplnng aufzustellen, daß ich irgendwelche gerechte Rückcr Werbung Sansprüche Frankreichs a u r E l l a ß- Lothringen an erkannt hätte. Ich weise diese Behauptung mit Entrüstung zurück. In einem Augenblick, in lvclchcm die östcr- reichisch-ungarischen Kanonen gemeiusam mit de» deutschen an der Westfront donnern, bedarf eS wohl kaum eines Beweises dafür, daß ich für Deine Provinzen genau so kämpfe und auch ferner zu käinpfen bereit bin. als gelie eS, meine eigenen Länder zu verteidigen. Obwohl ich es angesichts dieses sprechenden Beweises einer völligen Gemeinschaft in d e n Z i e l e n, für welche wir seit nunmehr fast vier Jahren den Krieg foctsiihren, für überflüssig halte, aucki nur ein Wort über die erlogene Behauptung Elemen- ccauö zu verlieren, liegt mir doch daran. Dich bei dieser Gelegen- heit erneuert der vollständigen Solidarität zu versichern, die zwischen Dir und mir, zwischen Deinem und meinen Reichen be- steht. Keine Intrige und keine Versuche, von wem immer sie ausgehen mögen, werden unsere treue Waffenbrüder- schafr gefährden. Gemeinsam werden wir den ehrenvollen Frieden erzwingen.' Fernar wirb«ms Wen amtktch gemeldet: Herr Clemeuceau sucht fich durch fortgesetzte Ver- drehnngen der Tatsachen aus der peinlichen Lage heraus« zuWinden, in die er durch das Ableugnen der in der Rede des Graten Czernin vom 2. April euthaltenen Feststellungen geraten ist. Wir halten es für überflüssig, die Unwahrheit jeder einzelnen seiner Behauptungen besonders nachzuweisen, denn wir würden uns damit nur in den Dienst seines offcnlundigsu Bestrebens stellen, durch eine Erörterung über die Borgeschichte der Frei- bürge r Zusammenkunft die Aufmerksamkeit von jenen zwei Tatsachen abzulenken, aufwelcheeS in der Rede des Grafen Czernin allein ankommt, daß nämlich Herr Clemenesau noch kurz vor Beginn der letzten Offensive im Westen erst eine Annäherung an Oesterreich-Nngarn gc- sncht und ihm sodann zu wissen gegeben hat, daß Frankreich zu einem Frieden obne Annexion Elsatz-Lothringcns nicht z n haben sei. Nun sucht Herr Clemenceau die Aufmerksawkeit von diesen zwei Punkten dadurch abzulenken, daß er angeblich politische A e u ß e r u n g e n in die Diskussion wirft, welch- Kaiser Karl brieflich getan haben soll, und welche, wie er behauptet, besagen, daß.er den gerechten Wünschen Frankreichs auf eine Rückerwer- buug Elsaß-Lothringens zustimme', daß ferner sein Minister des Aeußern ebenso denke wie er. Die Unsinnigkeit dieser Behauptungen liegt ans der Hand; sie steht in krassestem Widerspruch mit allen öffentlichen Reden, welche der verantwortliche Minister dcS Aeußern stets gehalten bat und welche auch in Frankreich bekamrt find. Insbesondere be- weist die nicht einmal von Clemenceau abzuleugnende Tat- lache, daß k. und k. Truppen für Elsaß-Lothringen an der Westfront kämpfen, klarer als alle Argumente die über jeden Ziveifel erhabene bundeStreue Gesinnung unseres Monarchen. Zmn Ueberfluß sei anSdrücklich festgestellt, daß die Angaben Herrn Clemeneeaus über die b c i e f« lichen Aenßerungen Kaiser Karls von Anfang vis z« Ende erlogen sind. Deutlich geht ans all den Asußerimgen Clemenceau? nw die von ihm offen eingestandene Tarsache hervor, daß der Krieg an der Westfront andauert, weil Frankreich Elsaß- Lothringen erobern will. Einen besseren Beweis, daß die Mittelmächte zur Verteidigung ihres Besitzstandes kämpfen, hätte Herr Clemenceau der Welt nicht liefern können. Paris, 11. April. lAgcncc HadaS.) Der Kummer- a u S s ch u ß für auslvärtige Angelegenheiten beschloß, Clemenceau über du: Aeußerungcn d eS Grafen Czernin am 17. April zu hören. Die Ausschüsse für Armee- und Marineangclegenheiten sollen zur Teilnahme an der Sitzung eingeladen werden, in der die Er- klärung stattfinden wird. In einer von Mittwoch datierten Mitteilung der Agcncc Habas über die Stimmung in den Wandelgängen der fran- zösischen Kammer heißt es. die übereinstimmende Auffassung der Deputierten'ei, daß die offiziellen �Mitteilungen genügend klar gewesen seien, so daß man mit Geduld den neuerlichen Erklärungen Clemeneeaus und Pichons entgegensehen könne. Die§?age öer irischen Dienstpflicht. 3in6tritts«ltii»at»:m der englischen Regierung. Amsterdam, lt. April...Algeinaen Hanl>elsblad' erfährt aus London: 206 eS am späten Abend zur Abstimmung über die neue Dienstpflicht kam, war die Minderheit auf 100 Stimmen gestiegen. Sie umfaßte außer den Iren den äußersten linken Flügel der Arbeiterpartei. Die Liberale u waren nicht in der Oppo- s i t i o n, obwohl Asquith in der Debatte an allen Regierung.?- Vorschlägen eingehend Kritik geübt hatte. Asquith bedanerie, daß die Iren die Vorschläge der Regierung nickst annehmen zu können glaubten.?lllcrdings hätte die Dienstpflickst vor zwei Jahren bequemer eingeführt werden können als jetzt. Tic Gründe gegen die Einführung der Dienstpflicht in Irland feien seit jener Zeit nicht schwächer geworden, sondern stärker. Diese Aeußerung be- grüßten die Nationalisten mit Beifall. ASquitb stellte die Frage. ob die. Einführung der Dienstpflickst in Irland so lohnend sein würde, daß sie die Schwierigkeiten- rechtfertige. Bonar Law antwortete, daß, wenn der Entwurf nickit Gesetz würde,.die Regierung zurücktreten würde. Der Minister sagte, dies Ultimatum fei keine D r o b u» g. Die gegenwärtige Regierung würde ihr Beste? tun, um ihren Nachfolger bei der Durchführung des Krieges zu unterstützen. Der Staatssekretär fiir innere Angelegenheiten Sir G eo r g c s C a v« sagte bei der zweie in Lesung des Enuvurre. daß, wevm man der? RegierungSvorschlag verwirtliche, nickst weniger als zebn Divis ionenaus Irland zu erwarten seien. Aber auch wenn eS nur fünf wären, würde der- Gesetzentwurf der Mühe wert sein. Diese Einschränkung beeilte er sich als Aal- wort auf die Proteste der Nationalisten hinzuzufügen. London, 10. April.(Reuter.) Nachdem ein Zusatz, dahin- aeheild, daß die Bill die Seemackst und die wirtschaftliche Macht der klation vermindere, ohne ein? entsprechende miliiärffchc Stärke zu schaffen, mit 321 gegen 106 Stimmen abgelehnt Warden war, wurde der Mannschaftsgcsetzenttvurf in. 2. Lesung mit 323 gegen 100 Stimmen angeuomnwn. Tie Haltung der Arbeiterpartei. Rotterdam, 11. April. Dem„Nieuwe Rotterdamsche Courant' zinolgc erfährt„Daily Telegraph*, auf einer Versammlung der parlamentarischen Gruppe der Zlrbeitcrpartei, des VollzngskomiteeS der Arbeiterpartei und des parlamentarischen Komitees de? Gewert- schastskongressrs wurde nach einer mehr als fünftnindigen Sitzung befchlofien, daß die Mitglieder der Arbcilcrparstci gegenüber dem Dienstpflichtentwnrf«inen be- sonderen Standpunkt einnehmen sollten. Tboma? er- klärte, er wolle gegen die zweite Lesung des Gesetzentwurfes stimmen. Tic Mehrheit der Partei wird die zweite Lesung unter- stützen, doch werden wahrscheinlich eine 3! ei he sich ihrer Stimme enthalten. D'e pazifistische Gruppe wird dagegen stimmen. Der Vollzugsausschuß wird eine Anzahl Berbrssernngen vorschlagen. Davon sind die wichtigsten, die Herab- sctzung der Dienstaltersgrenze auf das 48. Jahr, sowie die Ab- lehnung der Einführung der Dienstpflicht in Irland, e? sei denn, daß sie gleichzeitig mit Homcrule in Wirksamkeit trete. Dieser Vorschlag wird die Mitglieder der Arbeiterpartei in enge Fühlung mit der irisch-nationalistischen Politik bringen, die von einigen Miiglicdcrn der Partei vertreten wird. Deutsche Erklärung über Sie schweKjsche Tonnage. Kriegsverlängernde Wirkung. Wolfs? Bureau meldet: In Schweden ist die Nachricht verbreite!, daß Teutschland die Abgabe schwedischen Schiffsraumes tu gewissen Grenzen an Eng- land nicht bekämpfe, w«l Deutschland keine Lebens- mittel an Schweden liefern könne. Sine foTdöe Tuffaffnng öeißt die tatsächliche Lage verkennen. So sehr in Deutschland be- dauert wird, daß in Sch-veden durch die Matznahmen der Entente. bficmfccts Englands und der Vereinigten Staaten. Ernährungs- sckuvierigkeiten entstanden sind, und so gerne Deutschland bereit sein würde, dem beiceundeten neutralen Lande-u helfen, so i?t es doch ein falscher Schluß, wenn man glaubt, daß auZ diesem Grunde Deutschland die Abgabe schwedischen TcmnenraumeZ gewinermatzen als Kompensation gegen Nichtbelieserung mit Lebensmitteln ohne weiteres dulden könne. Hierin liegt zweifellos eine falsche Einschätzung der«nnrficuer schwere» Schädigung, die für Deutsch- land in der Abgabe schwedischen Schiffsraumes infolge ihrer kriegs- nerlängernden Wirkung liegt. Davon, daß De:rtschland sich mit dieser Tatsache ohne weitere? abfindet, kann also leine Aede fern. Mbert Thomas au üie öeutsihe Soz!a!Zsmo?ratie. Antwort an de«„Vorwärts". In zwei Leitartikeln der„Zu tn a n i t e* von: 2. und 4. April setzt sich Thomas mit der Antwort auZcinander, die »vir ihm und Mistral erteilt hatten. Wir hatten damals gesagt, daß die deutsche Sozialdemokratie nach tvie vor für einen Frieden der demokratischen Gerechtigkeit eintrete, daß aber der Kampf gegen einen siegreich gebliebenen Imperia- lisnlits sehr schwer sei, und wir hasten bezweifelt, ob die französischen Sozialisten im Fall eines Sieges der Entente imstande wären, einen Gewaltfrieden gegen Deutschland zu verhindern. Der Einfluß der französischen Sozialdemokratie unter Clemenceau sei auch gewiß nicht größer als der der deutschen Sozialdemokratie unter Hertliug soder richtiger: unter Hindenburg und Lndendorff). Thomas gibt in seiner Antwort z«, daß der Einfluß der Sozialisten in Frankreich beschränkt sei. Er gibt weiter zu. daß manche schritte der Entente, so ihre KricgSziclcrklärung an Wilson, geeignet gewesen seien, bei mrS den Eindruck zu erwecken, daß Teutschland um seine Existenz kämvie. Er gibt auch weiter zu, daß die deutschen Sozialisten, indem sie die Gc- walt und die Verblendung der Alldeutschen bekämpfen, nicht der Getvalt und Verblendung von der andern Seite den Weg frei machen dürfen. Trotzdom meint er, daß wir uns für den Fall eines Ententesiegs um Deutschland keine esorge zu machen brauchten. Er zitiert französische Parteitagsl eschlnsse, die sich gegen eine Zcrtrsimmenmg des Deutschen Reiches aussprechen, und schließt: Die deutschen Sozialisten haben nickt da? Aecht, an unserem ??orr zu zweifeln. Wir baben da? Bewutzisem, unsere Verpflichtungen gegenüber dem internationalen Sozialismus erfüllt zu haben. Die deutschen Mehrheit Zsozialisten können an* unserer Macht zweifeln. Fv glaube, daß sie sich täuschen, sie können offendac die Aktion einer sozialistischen Part«: unter domokraluchem Regime und Varia» men.i arischer Kontrolle nicht begreifen. Aber wie inrmer sie unsere Anstrengung einschätzen, sie tun nicht ihre Pflicht und hemmen die FriedenSaktion des internationalen Sozialismus, wenn sie es unter- lassen, die Bedingungen eines gerechten Friedens zu proklamieren, so daß sie von den Demokratien angenommen werden können, mid wenn sie sich weigern, in den Ertlärungen des Präsidenten Wilson sund trotz angeublicklicher Irrtümer auch in denen der anderen Regierungen) sowie in den Proklamationen der alliierten -Sozialisten eine Politik der Mäßigung imd Gerechtigkeit zu erieimen. die. cineni befreiten Deutschland sichere Garantien bietet. Was uns Thontas vorwirft, das ist im Grunde unser Mißtrauen in die Absicht der Entente, uns im Falle ihres Sieges nichts zuleide zu tun. Es gehört aber schon mehr als ein beraen? netzender Glaube dazu.' anzunebmen, daß sich das deutsche Volk in einem solchen Fall nur auf Annehmlich- leiten gefaßt machen dürfte. Halten es doch selbst die fnut- zösischen Sozialisten für ein Gebot der demokratischen Gerechtigkeit. daß Elsaß-Lothringen an Frankreich abgetreten wird. Was baden wir dann erst von den anderen zu erwarten? Wir könnten ans Vorwürfe mit Vorwürfen antworten und sagen: Tie hartnäckige Versteifung der französischen Sozialisten auf Elsaß»Lot bringen stsi das größte Hindernis für eine internationale sozialistische Friedensaktion. Offenbar aber. stehen die französischen Sozialisten unter dem Druck einer übermächtigen Stnnmnng. wenn sie nickt zu sagen wagen, daß man auck obnc Elsaß-Lothringen Frieden macken kann, wie man sa zuvor, trotz Elsaß-Lothringen, 43 Jahre Frieden gehalten hat. Wir hatten uns seinerzeit bemüht, den Franzosen klar- zumacken, daß ein Friedensprogramm, das von Deutschland Laudabtretungen verlangt, bei den tatsächlich gegebenen Ver- bältnissen keine Aussicht auf Verwirklichung Hot. Würden aber Frankreich und England erklären, sie seien bereit, einen Frieden zu schließen, der sedoeb den Stand von vorder für feindch der beiden Teile verschlechtern dürfe, dann, glauben wir. würde die große Mehrheit des deutschen Volkes verlangen. daß ein solcher Frieden geschlossen wird. Wir glauben das noch immer annehmen zu dürfen trotz der Unzulänglichkeit der französisch-engli'chen Kriegführung und trotz dem deutschen- fressenden Ententechauvinrsmus, die fa in ihrem Zusammen- wirken die besten BundeSgenosien des deutschen Fmpcrialis- mus sind.__ der Krieg auf öen Meeren. Versenkung eines Gclcitzugö im Mittelmccr.— Torpedo- bootsaktion an der F-landeruküste. Verlni, 10. April. Amtlich. In zäh durchgeführten Angriffen '.'ornickteten»nfcre kt-Boote ün Mittelmeer einen Geleitzug von vier Dampfern resilo? und verrenkten vier weitere 'Dampfer, zusammen über 30 EX' Vr-R.'-D. Unsere TorpkdiivootSstrritkräftc in Flandern lvrden am 0. April olv-rdv unter Führung de? Korvettenkapitäns A Unecht die militärischen Anlagen bei La Panne ausgiebig unter Fencr genommen. Die.Küstenbatterien erwiderten das Feuer ergebnislos. Feindliche Seestreitkräfte wurden nicht gesichtet. Der Chef des AdmiralstabeS der Marine. Perlust eines britischen Zerstörer.?. Amsterdam, tl>. April. Reuter meldet amtlich: Bei einem Zusammenstoß am 4. April ist ein britischer Z c r st ö r e r gesunken. Alle Mann sind mutmaßlich e r tr n n k e n. EinfiUirung der Fleischkarte in England. Tic Flcischkarte ist vom Sonntag an für ganz Großbritannien z Wangs weise r;" geführt worden. Hilfsdienstpilicht in Holland. Wie das Haager Korrespondenz- burcau meldet, ist die Einbringung eines Gesetzentwurfes über den bürgerlichen Hilfsdienst zu erwarten. Vesuch sranzösi-ichrr Geiangcnenlagcr. Einer Hava? Meldung zufolge werden die mit deutschen Kriegsgefangenen belegten Lager von Lecazeville gegenwärttg von einer schweizer Mission in Be- gleitung emcS Mere» jrauzösischa» Offiziers besucht.. NriegSdiptomatssche StaakVkrflchenfreflerek. Die Bukarefker „Lumina" erzählt einiges über die oiplomatischen Missionen, die der rumänische Minist« des Aeußern Urion kürzlich aufgelöst hat. Alle diese Missionen waren mit Parla- mentariern besetzt, die neben ihren besonderen Gehältern als Missionäre noch die Diäten bezogen, die beikpielsweise für einen Abgeordneten 3000 Lei monatlich betrugen. In Paris hielten. sich allein gegen 40 Parlamentarier auf. Den Bogel schoß die Mission des gewesenen Ministers Dr. Anghelescu in Washington ab. Jbre ganze Däiigkesi bestarch in der Reise nack Amerika, in Absendung von vier Telegrammen, in Rückreise nackt Paris uns in einem fünften Telegramm, worin die Kosten der Mission mit 150 000 Franken angegeben wurden. Bei dieser(übrigens nicht nur in rumänischen Ländern ins Kraut geschossenen: Sorte von Kriegs Interessenten handelt es sich um liberale Parteigänger. Virü Z)o!en neu aufgeteilt� Em Rätselratspiel: Mutz oder kann! Zur Frage der neuen Abgrenzung des Königreicks Polen nach Westen und zu den Erklärungen, die der.Landwirtschaitsminister v. Eifenhart-Roths im Herrenhaus abgegeben hat, wird halbamtlich erklärt, der Reichskanzler sehe durchaus keinen Widerspruch zwischen den Aeußermigen des L andwir t schaftsmini stsrs und seinen eigoten in dieser Angelegenheit. Dieser selbst habe ebenfalls beiont, daß alle Grenzbcrichi igungen vorgenommen werden würden und müßten, die das militärische Interesse«fordere, frei- lich nicht darüber hinaus. Ter LandivirtschaftSmiwlster sei im Herrenhaus nur eiwaS deutlich« geworden. Bon ein« neuen Teilung Polens könne keine Rede sein. Was die Erklärung des Ministers üb« die Nichteinmischung von Parlamentariern in die Friedensverhandlungen angehe, so entspreche auch das dem Stand- Punkt, den der Reichskanzlcr selber, wie der Vizekanzler v. Pah« eingenommen hätte. Die Meinung sverschiedenheiten zwischen Polen»nd der Ukraine üb« das Cbolm« Land werden im Laufe von Ver- Handlungen entschieden werden, die zwischen Deutschland und Oester- reich-llngarn in allernächster Zeit beginnen werden. Das Verhält- nis des n enen polnischen Reiches zu Deutschland schließlich sei in erster Linie abhängig von dem Verhältnis zwischen Oesterreich- llugarn und uns. Die Art der Vereinigung dieses Fragenkomplexes sei aber in erster Linie abhängig von dem rumänischen Frieden, in dem das letzte Wort ja noch nickst gesprochen sei. Erst nach der Unterzeichnung dieses Friedens werde die Möglichkeit vorhanden sein, m it Oesterreich alle diese Frage» zu klären. Zugleich ergibt sich folgendes. Tie Berichterstatter wollen ge- hört haben, daß Herr v. Eisenhart gesagt habe:„Preußen muß verlangen, daß das militärische Interesse usw." Im halbamtlichen Bericht heißt es dagegen:„Preußen kann verlangen usw." Können kann man verschiedenes! Evgednis: es scheint, Herr v. Eisenbart hat dem Beifall d« Herren zuliebe, die feinen Kollegen Drews auspfiffen, mehr gesagt, als er verantworten kann, und der Reichskanzler hat Mühe, die halbamtlich stets gebotene„Uebereinstimmung" herzustellen. Die Sache ist noch nicht entschieden, nur die Absichten sind klar. �nöuftrieverforgungsftellen. Einpichtuugen zur Berdrängutlg des Schleichhandels. Das KriegSernährungsamt hat Richtlinien ausgearbeitet zur Verhinderung des Schleichhandels mit Nahrungsmitteln in der ll Rüstungsindustrie. An die Stelle der unzulässigen Sonderversorgung auf dem Wega des Schleichhandels soll eine behördlich geregelte Zusatzernährung rreten. Diese soll von Jndusirieversorgungsstellen vermittelt werden, die als eine den Äommunalverdänden übergeordnete Provinzialinstanz zu schaffen sind. Daneben ist ein Beirat gedacht, in Form eines kleinen Arbeitsausschusses aus In- dustriellen und RüstnngSarbeitern paritätisch zusammengesetzt. Die Verteilungsausschüsse in den einzelnen Betrieben bleiben bestehen. Die gespannte Gesamtlage der VolkScnrährung zieht der küustigcn Zn'atzeruährung engste Grenzen. Werke, die nicht ats anerkannte Rüstungsbetricbe gelten, sind künftig grundsätzlich auf die Versorgung auf kommunalem Wege zu venveisen, soll anders überhaupt eine nennenswerte Belieferung erfolgen können. Von vornherein weist das KriegSernährnngsamt darauf hin, daß nur in wirklich ernst gefährdeten Jndustriebezirken ein einigermaßen wirksames Eingreifen möglich sein wird. Die ersten Maßnahmen sollen sich auf die L e b e n S m i t t e l bestände stützen, die die Werke auf nicht legalem Wege angesammelt haben. Sie sollen auf Grund einer BestandSermuteliuig«faßt, den Werken ab« zur Versorgung ihrer Arbeiter nach besonderen Grundsätzen belassen werden. Zur Bedarfsdeckung dienen den Landeszentralbehörden folgende Richtlinien: 1. Innerhalb des Landes find alle etwa frei werdenden Mengen an Lebensmitteln, sei es, daß es sich um sogenannte Spitzen handelt, die für die Allgemeinheit ungenügend sind, sei es, daß Notstands- fonds verfügbar bleiben oder werden, zur Verfügung der Industrie- versorgnngsstellen zu halten. ü. Dasselbe gilt von allen beschlagnahmten oder eingezogenen Waren von einigermaßen nennenswertem Umfang, ins- besondere aus dem Schleichhandel od« sonst streitbarem Tun. 3. Fm übrigen sollen vom Kri�egsernährniuzSaint Z u w c i- fangen ans die ungedeckten Fehlmengen«folgen, für die z-t- wachst gewisse Einfuhren, wie sie bisher schon der Nüsiungsinduftrie überwiesen wurden, oder etwaige Teile vom Notstand ssondS ober kraft besonder« Umlage aufgebrachte Ltchensmiiiel bcrettgsstellt werden. Da solche Zu tue, sunt gen nicht regelmäßig, sondern mehr floß- weise«folgen töimen, ist den Werken eine vvrsichiig« Vor- ratspvlitik anzuraten. Betband In ngen darüber, daß auch andere Stellen, z. B. die Eiscnbahnverwalttmg und militärische Tienstttellen, nicht mehr nach eigener Etiifchließung, sondern trirt nach Weisung der Jndustncversorgnmg-stellcit, ihre Betriebe beliefern, sind im Gange. Für die Nnterverteilung in den Werken sollen folgende Nicht- litiien maßgebetid sein: Soweit Einrichtungen vorhanden oder zu schaffen sind, empfiehlt sich die Ausgabe der Sondcrzulagcii in Form besonderer Wertspeisungeu, den sogenannten Z u s a tz s u p p c tt. Aus eigenen Vorräten sollen die Werke hierfür nicht mehr ver- brauchen als höchstens auf den Kopf und die Woche im Durchschnitt gerechnet t20 Grami» Fleisch mit Knochen, 2.» Gramm Fett, IW Gramm Bindemittel und 200 Gramm Nährmittel. Der Ver- brauch von Gemüse richtet sich nach den Vorräten, die auf Liefe- rungsverträge bezogen werden. Sonderzuweismtgen an Gemüse kommen auch später nicht in Frage. Werke, die offensichtlich mehr verbrauchen, können auf Nachlieferung nicht rechnen. Kar- tofseln dürfen höchstens Ish P fund auf den Kopf und die Woche über die Rationierung hinaus verbraucht werden. Sollte später«.ine Kgtttojfelschwerarixtt«zuiiage emgefübri werden, so ist htt Mebt-berbrauck ans sitz zn decken. Werke, die keine Küchen haben, können die Waren nach gleichen Grundsätzen ihren Arbeitern direkt aushändigen. Neben diesen Zuweisungen bleiben die von den Kommunalverbände« verteilten Schwer- und Schwer st ar.beiterznlagen bestehe n. Was die Preisfrage betrifft, so bleibt zurzeit nur der Weg offen, daß die Einfuhrstellen die infolge der Valutedifferenz über die inländischen Höchstpreise stehenden Waren zum Ewftaichsprr.se abgeben. Den Werken wird aber dringend nahegelegt, die Preis- unterschiede zu tragen und die Waren zu I n I a n d S h ö ch sl- preisen abzugeben. Das sind in groß?» Umrissen die Grundzüge der geplanten Organisation zur Versorgung der Jndustriearbeiterschaft. Man wird nun zunächst abwart en�müssen, wie sie arbeitet, ob es ihr tatsächlich gelingt, den Schleichhandel entbehrlich zn machen. Allzu große Hoffnungen wird man nickst hegen dürfen. weil die eine große Fehlerquelle, nämlich die Möglichkeit zum Schleichhandel, d. h. also die mangelhafte Erfassung der Er- Zeugnisse, im wesentlichen bestehen bleibt. Gelingt es nicht, diese Möglichkeit der eigensüchtigen Versorgung zu beseitigen und in den Strom der allgemeinen Versorgung überzuleiten, so wird entweder nach kurzem das alte llebel in der Rüstungsindustrie wieder ausleben oder die Versorgung der Jndustriearbeiterschaft wird aus dem Fonds der allgemeinen Rationierimg mit versorgt werden müssen zum Nachteil der übrigen Bevölkerung. Die Konsequenz der neuen Regelung ofrdert in erster Linie straffere Erfassung! wichtige ßeagen im Sunöesrat. In der gestrigen Sitzung des Bundesrats wurden an- genommen: 1. Der Antrag Preußens wegen Einsetzung einer Fach- kommission zur Prüfung der voraussichtlichen wirtschaftlichen und finanziellen Wirkungen einer Vereinheitlichung der Staats eisenbahnen. 2. Der Entwurf einer Verordnung über Maßnahmen zur Beschränkung des Fremdenverkehrs. 3. Der Entwurf einer Bekanntmachung über die Ein- Wirkung kriegswirtschaftlicher Maßnahmen auf Reallasten, Hypotheken, Grundschulden und Rentenschulden. Die Deutschen in öer Weltwirtichast. Ueber dieses Thema spvacki im Abgeordnetenhanss d« Heideü- bergex Professor Hermann L e v Y. Er scheidet die im Aars lande tätigen Deutschen in Führertypen, die im fremden Getviebe «ine leitende Stellung einnehmen, und in die Masse, die lediglich als Objekt eine Rolle im ausländischen Produktionsprozeß spielt. Für beide Kategorien schaltet sich das Nationale als irgend eine Wesenheit aus, sie gehen einfach im neuen Asyl auf. Ab« cS gihi noch eine dritte Art Auswandever, die Proft Levh als Mittelstandstypus bezeichnen möchte. Dieser fühlt sich als Trüg« national« Eigenheiten und fetzt diese bewußt in ihrem Wirken durch. Der Rcdn« führte eine Reihe von Schulbeispielen auS dem Wirtschaftsleben der Bereinigten Staaten an. Die Union hat durch einen gewissen deutschen Mittelstand eine wesentliche Be- ftnchbung ihr« wirtschaftlichen Lsisdungssähigksit erfahren, und zwar auf allen Gebieten. Die deutsche Vorherrschaft im internationalen Hotelgewerbe ist bekannt, darin liegt aber zugleich der Hinweis auf die Schattenseiten des deuffchen Charakters, vor allem die Unterwürfigkeit. Das Ausland kennt den Deutschen fast üb«hatlpt nur als Spießbürger imd als solch« ist« allgemein und gründlich Mtbeliebt. Durch feine Arbeitswut! gke! t, Sparsamkeit und«Besch eidenhsit' schafft er, wo« hinkommt, für die Konkinwenz eine unangenehme Atmosphäre. Die Stärke des Engländers im Auslände ober liegt in der Fähigkeit, zu koloni- si e reu. D« Zukunft des deutschen Elements in der WeUwirtfchaft liegt als schweres Hindernis das englische Prestige im Wege. Einen Wirtschaftskrieg hält der Redner für unwahrscheinlich, wenn auch schwere dauernde Lähmungen des ungehinderten Austausches möglich sind. Er kann's bezahlen! Ein«Kunstliebhaber' sticht durch ein In- serai iu d« Tagc-presse«für eine Million erstklassige Oelgemälee' von nur bedeutenden Künstlern gegen Barzahlung und nebenher auch«ein Schloß in ruhiger Lage, loniplett eingerichtet, mit Jagd nud Fischwasier" zu kauten.— Das ist der Typ, der jüngst von einem Satiriker mir geringer Uebertreivung so geschildert wurde: „Er will seine Frau von Rcmbrandt malen lasten und sich für seinen Wintergarten einen zahmen Murillo kaufen*. 72000 Mark am hellen Tage geraubt. Um 72 000 M. beraubt wurde gestern nachmittag in der fünften Sttmde die Kontoristin Frau Elfe Meier aus der Kur« ftraße 22, die bei ein« hrefigen Großfirma angestellt ist. Frau Meier hatte das Geld im Lanie des Nachmittags einkassiert und trug es, fast alles Tatttendmarkschetue, in ein« Ätavve bei sich, die sie mtter den Arm geklommt hatte. Auf dem Heimwege war sie begleitet von einem 16 Jahre alten Kassenboten. Als beide den Hegelplatz überschritten, kam ein Radfahrer,>der seine Maschine an der Hand führte, langsam an die Seite der Frau Meier heran. Als er sie«reicht hatte, r i ß er ihr plötzlich die Mappe mit dem Gelde unter dem Arme weg. Tie Uederfallene setzte sich zur Wehr und rief um Hilfe. Es gelang aber dem Räuber, mit feiner Beute sich auf sein Rad zu schwingen und davon zu fahren. Von der Beraubttu und dem Kassenboten ver- folgt, rannte« gegen ein Haus und kam zu Fall. Jetzt ver- suchte der junge Kasseubobe, ihm die Mappe wieder zu entwinden. D« Räuber schüttelte ihn jedoch ab mid entkam setzt mit der Mappe. Wie die Ermittelungen der Kriminalpolizei cr- gaben, hatte er sich schon längere Zeit am Hegelplatze aufgehalten und den Uebcrfall olme Zweifel von langer Hand geplant. Er ist ein Mann von etwa 25 Jahren, ettva 1,70 Meter groß, hat schwarzes Haar und ettr bartloses Gesicht von gesunder Farbe und dunkelbraune Augen und trug einen hellgrauen Jackettanzug und einen bellen weichen Hut. Auf die Ermittelung des Räubers und die W iederb efcb a ffung feiner Beute hat die geschädigte Finna eine Belohnung von 5000 Mark ausgesetzt. Znieckdieitliche Mitteilungen nimmt Kriminalkommissar von Liebcriuann int Zimmer 105 dcS Polizeipräsidiums entgegen. Sekte Nachrichten. Russische Unterhandlungen mit Deutschland wegen Aufschub der Dcmodilmnchnng? Amsterdam, 11. Avil. Die in Moskau erscheinende „Jdvcstia" meldet, daß die Regierung im Hinblick ans dir Truppen- landungen in Wladiwostok Unterhandlungen mit Berlin eröffnet habe,»m einen vorlänsigrn Aufschub der Ausführung des Artikels aus dem Friedens- vertrage von Brcst-LitolvSk über die De mobil- m a ch u n g Rußlands zu erlangen, da eS möglich fei, daß Rußland in die Zwangslage komme, das russische Gebiet gegen fremde Ein- fälle verteidigen zn müssen.„Jsvcstia" teilt weiter mit, daß der Rat der Sowjets einen Aufruf vorbereite, in welchem das japanische Proletariat ermahnt wird, die Besetzung Sibiriens durch Japan und die Alliierten zu verhindern. GewerkschaMwVUNg An die Gewerkschaftsmitglieder. Die letzten UiiterKaltunttZnkiende— J?ro6cn Abende— finden beute 5?rcita(t, um 71/, llfjr abends, im Lokal.Scbtvarzer Adler', SlbZneberg, Hauptstr. Hi; Sonnabend, den 13. April, abend? 7i/zllbr, .Zum Schultheis', Hasenbeide 22/31, statt. Die Einlaßkarten a 26 Pf., und Familienkarten(3— 5 Personen) a 6» Pf,, einschließlich Kleiderablage, sind im Bureau der Berliner KewerkschastZkonrmission, Engelufer 16. 1 Treppe, Zimmer 16, zu entnehmen. Die bereits gelösten Karten für den 13. April, auf das LehrervereinShauS lautend, berechtigen zum Eintritt im Lokal.Schultheiß', Hasenheide. Ein ganz Schlauer. In der letzten Sitzung der SchlichtungSkommisfion wurde eine Klage verhandelt, wonach ein Arbeitgeber einer Büglerin, soweit sie die Koblerr und da? Holz nicht selbst lieferte, hierfür wöchent- lich erhebliche Beträge vom Lohn in Abzng gebracht hatte. Die Büglerin klagte aus Rnckrablnng von 314 M,, die sie im Zeitraum von 1>/o Fahren für Biigelheizung ausgegeben bade. Bor der SchlichlungSkommission sind zwar schon kuriose Streitfälle der- handelt worden, mit einer solchen Auffassung ist jedoch der Gipfel erreicht. Das Ansinnen des Arbeitgebers an die Büglerin ist umso bezeichnender, als in den Tarisen des BekleidungSamteS auSdrück- li-ii gesagt wird, daß.Klebstoff, Seife, Bügellappen und Bügel- decken vom Arbeitgeber zu stellen sind'. Wie er dem- gegenüber den Mut bat, die Kohlen für die Heizung in Anrechnung zu bringen, ist schlechterdings unbe- greiflich. So ctgennützig aber auch das Verhalten deS Arbeitgebers ist. kann doch nicht gesagt werden, daß die Dummheit der Arbeiterin in diesem Falle zu entschuldigen wäre. In einem anderen Falle wurde gegen einen Zwischenmeister verhandelt, der mit einer Anzahl Arbeiterinnen für neun Mitglieder der Schöneberger Schneiderinnnng gearbeitet hatte und diesen ent- gegen den tariflichen Bestimmungen zum Teil Wochenlöbne und zum Teil niedrigere Stücklöhne zablte. Hier wurde festgestellt, daß die Schöneberger Schneiderinnung wegen der richtigen Zahlung der Löhne leine Kontrolle ausübte, obwohl ihr bekannt war, daß eS sich hier um einen Zwischenmeister handelte, dem von dem Arbeit- geber nur der Lohn bezahlt wurde, den er den Arbeiterinnen zahlen soll. Nach diesen Feststellungen kann die Schöneberger Schneider- iunung damit rechnen, daß sie vom BekleidungSamt in Strafe ge- nominell wird. In einem anderen Falle handelt es sich um einen Zwischen- mcister, der einen größeren Posten Fliegerpelze angefertigt und hieriür auch nicht den richtigen Lohn erhalten hatte. Da er vor einiger Zeit von einer Arbeiterin verklagt worden war, so hatte er inzwischen sämtlichen Arbeiterinnen die tariflichen Löhne'richtig nachgezahlt und erhob nun Klage auf Nachzahlung deS Differenzbetrages. Im BcrgleichSwege wurde ihm der Betrag von 600 M. nachbezahlt, Eine Zwischenmeiflerin aus Neukölln arbeitete für zwei Berliner Firmen und erhielt dort auch nur den Lohn der Arbeiter ohne Auf« schlag deS Zwischenmeisteranteils. Sie zablte indessen auch weniger, als tariflich vorgeschrieben ist. Auch in diesem Falle zeigte sich, daß die Firmen sich sehr gerne der Zwischenmeister bedienem jedoch j die Unkosten hiersür nicht tragen wollen. Die Zwischenmeister leben in � einer ständigen Sorge, daß, wenn sie den ihnen zustehenden Lohn verlangen, sie keine Arbeit erhalten und die Arbeiterinnen find ein- fältig genug, bei den Zwiichenmeistern zu arbeiten, obwohl sie wissen, daß sie nicht die tariflichen Löhne erhalten. Einige Lieieranten des Spandauer BekleidungSamt« hatten die Arbeit in Berlin anfertigen lassen und bei der großen Differenz. die bis 1. April zwischen den Löhnen deS Spandauer und Berliner BekleidungSamtS bestanden, auch zu niedrige Löhne gezahlt. Ohne daß es zu einer Berhandlung vor der SchichtungSkommissson kam, zahlten sie im Bergleichswege V00 M. nach. verdien! aber um so mehr Beachtung, al? gerade dieser Verband mit Schickialsschlägen in der Kriegszeii zu kämpfen hatte, wie kaum ein anderer Berband. Kann doch die Beitragserhöhung noch nicht einmal zur vollen Durchführung der statutarischen UnterstützungS- 'ätze benutzt werden. Nur die gewerkschaftlichen Ilnterstützungssätze sollet, auf ibre volle Höhe gebracht werden. Das Nessiltat zeigt, daß trotz aller Widerwärtigkeiten die Gehilfen in diesem Beruß der nichts von KriegSkonjunkinr verspürte, immer noch treu zum Verbände kalten und dem VerbandSvorstand für seine ausbauende Arbeit berechtsglc? Vertrauen entgegenbringen. Lohn- nnd?arifbcwcgtt,igcn im GasttvirtSgetverbe 1917. Das GastwirtSgewerbe hat durch allerhand behördliche Be- schränknngen iowie infolge von Bier-, Licht- und Nahrungsmangel ganz erheblich gelitten. Viele Betriebe, wie z.B. die Saalgsichätte, Gartenlokale niw find gänzlich geschlossen bezw. von der Mililär- bebördc niit Beschlag belegt worden. Konnte doch kürzlich berichtet werden, daß allein in Berlin 23 Hotels zu militärischen Ztoecken Verwendung finden. Den vorjährigen 23 AngrifkSbe- w e g u n g e n stehen kür 1317 deren 43 gegenüber, die an neun Orten in 193 Betrieben mit 2362 Beschäftigten obne Arbeits- einstellnng sich bollrogen. Beteiligt waren daran 1286 Personen, von denen 1634 Personen organisiert waren. An Lohnerhöhungen sind für 1218 Perlonen 4588,16 M. pro Woche erreicht worden, was einem jährlichen Mehrverdienst von 238 583,86 M, entspricht. Verkürzung der Arbeitszeit konnte in drei Betrieben mit 46 Personen mit zusanrmen 169 Stunden wöckientlich erreicht werden. Sonstige Verbesserungen im ArbeitSverbältniS hatten die Bewegungen für 366 Personen im Gefolge. Die Anerkennung eine? paritätischen bezw. städiischen Arbeitsnachweises konnte in zahl- reiche» Fällen als Erfolg mit verbucht werden. Zur Abwehr von Verschlechterungen im Arbeitsverhältnis ist nur eine Bewegung in einem Betriebe mit 26 Beschäftigten eingeleitet worden, wodurch eine monatliche Lohnrcduzierung von je 12 M. rückgängig ge- macht wurde. Die Zahl der bestehenden T a r i f d e r 1 r ä g« Hai stch nach Abzug der„erledigten' von 133 auf 136 erhöbt. Die Anzahl der daran beteiligten Beiriebe dagegen ist zurückgegangen, nämlich von 1613 auf 366. ES ist daS eine Folae von.Stillegungen' einzelner Beiriebe, Filialen usw., die die Wirlnugen des Krieges notwendig machten.___ parteinachrichten. NcichStagSkandidatnr. Eine in Burg am Sonntag abgehaltene Wahlkreiskonferenz deS Kreises Jerichow stellte den Genossen Magnus Gebhardt zum ReichStagSkandidaten auf. Jerichow wird in laufender Periode im Reichstag durch den zu den.Unabhängigen' übergegangenen H. Haupt vertreten. Die Urabstimmung im Verbände der Lithographen und Stcindrucker ergab mit überwältigender Mehrheit dir Annahme deS Antrages des Vcrbandsvorstandes, der vom 1. April ab eine Beitragserhöhung von 26 Pf. die Woche vorsah. Nach Abzug aller eingezogenen und vom Beruf abgegangenen Kollegen gehören dem Verbände noch rund 6666 Mitglieder an. Von diesen beteiligten sich an der Ab- stimmung insgesamt 2793. Davon stimmten 2528 mit ja, 247 mit nein, 16 gaben weiße Zettel ab und 2 Stimmen waren ungültig. Wenn sich an der Abstimmung nur 65,6 Prozent der Mitglieder be- tciligten, sv'crktärt sich da? auS der Bestimmung des Statuts, wo- nach die Urabstimmung in der Versammlung stattfinden muß. Damit ist aber unter den jetzigen Verhätlnissen die Abstimmung so manchen eifrigen Milgliedes nnmoglich geworden. Die große Mehr- beit für den Antrag des Vcrbandsvorstandes auf Bettragserhöbung AuS dem Wahlkreis Eifcnach-Dermbach. Zu unserem Bericht über Eisenach-Dermbach sei noch hinzugefügt: Die MonalSbeiträge für die Stadt Eisenach Nmrden erhöbt von 46 auf 56 Pf,, für das Land von 36 auf 46 Pf. und die Frauenbeiträge wurden von 15 aus 25 Pf. erhöht._ ?nöustrie unö Handel. Aus dem Berliner Wirtschaftsleben. Die Meierei G. Bolle A. G. nieist bei einem Aktienkapital von 4 Millionen Mark einschließlich Abschreibungen(266 666 Mk.) einen Verlust von 728 841,26 Mk. mrS, der nach Abdeckung aus den Re- serven in Höhe von 223 663,48 Mk. als ungedeckter Verlust in Höhe von 563 171,18 Mk. bleibt. Im Geschäftsbericht werben der Berliner Fettstelle leibhafte Vorwürfe gemacht, weil sie— offenbar im gemeindlichen Interesse— den Schwei zerhof zu eigener Betriebs- führung beschlagnahmt und die Gesellschaft übergangen hat: „Es besteht bei der Fettstelle angeblich die Absicht,■ von weither Milch zu beziehen, um sie im Schweizerhof zu verarbeiten und eine Aufnahmestclle zu schaffen für plötzlich eintretenden Milch- zuflutz und die dadurch notwendige Verarbeitung der Milch. Wir sind dagegen der festen Ueberzeugung, daß der Milchversorgung Berlins und den Wünschen der militärischen Stellen besser ge- dient wäre, wenn man den Schweizerhofbetrieb nicht gewaltsam enteignet hätte, sondern vielmehr unseren Betrieb Bolle voll ausnutzen würde. Es ist ohne weiteres klar, daß der in städtische Verwaltung übernommene Säßveizerhof viel schwer- fülliger und unwirtschaftlicher arbeitet, wie unser Betried, der einen Hochstleistungtbetrieb darstellt. ES müßte daher unser Betrieb erst voll ausgenutzt werden, ehe man an anderer Stelle einen neuen Betrieb eröffnet und dadurch zum Schaden der All- gerne inhcit unnötig Menschenkräftze, Kohlen und andere Be- tricbSmitM festlegt. Die gesetzlichen Bestimmungen geben dem Kommunalverha:tt> die Möglichkeit, ja schreiben sogar vor, den Mollereien die Unkosten für molkerelmäßige Bearbeitung zu ersetzen. Ans unseren Antrag hat die staatliche Behörde durch ihre� amtlichen Sachverständigen festgestellt, daß die Unkosten der Br- li-nor Molkereien für die Be- und Verarbeitung der Milch wen höhere sind, als sie von der Feststelle Groß-Berlin bezahlt wcrdc � Trotzdem hat die Fettstelle bisher keine Aenderung eintrecen lassen." Es ist durchaus nicht ohne weiteres klar, daß der gemeindliche Betrieb viel schwerfälliger und unwirtschaftlicher als die Meierei Bolle arbeitet, die es auf Daube«den abgesehen hat. Aich:? verpflichtet den Magistrat, der sich zu diesen Vorwürscn wo;?! noch äußern wird, nur mit de* Meierei C. Bolle A. G. zu paktieren. In der Aufsichtsratssitzung der G. Lorenz Aktiengesellschaft wurde beschlossen, der demnächst einzuberufenden Gcncralversamm! u n a die Verteilung einer Dividende von 35 Proz., wie im Vorjahre, be wiederum reichlichen Abschreibungen, vorzuschlagen. Da eine Verstärkung der Betriebsmittel der Gesellschaft erforderlich ist, soll der Generalversammlung außerdem vorgeschlagen werden, d.n- Aktienkapital durch Ausgabe von 2s4 Millionen Mark Ak.nen. die den Aktionären im Verhältnis von 2: 1 angeboten werden soll, auf 6% Millionen Mark zu erhöhen. Die behördliche Genehm gung für die Kapitalserhöhung und deren Bedingungen wird alsbald eingeholt werden, Die Ludw. Lorwe n. Go. A.-G. in Berlin schlägt die Ausschüttung von 32 Proz. Dividende(wie im Vorjahr) vor. Die Akt.-Ges. Mix u. Genest, Telephon- und Tele raphcnwcrle Berlin-Schöneberg, erzielte nach Abschreibungen in Höbe von 265 711 M. einen Reingewinn von 1 523 6t2 M. gegen 1.7Millionei Mark im Vorjahr, wobei aber bereits die KriegSsteucrrücklage. die für 1316 M. 517 666 betrug, vorweg abgezogen irbeuil. Der Generalversammlung wird die Ausickiütiung einer Dividende von 15 Prozent neben Zuweisung von 266666 M. an den Unterstützungs- sondS für Beamte nnd Arbeiter, sowie die Dikdung einer Kriegs- reserve von 466 666 M. vorgeschlagen werden. Erhebliche Besserung deS BahnfrachtvcrkchrS. In der Generalversammlung der G e l s e n k i r ch n e r Berg- Werts«A.-G. bestäiigte Geheimrat Kirdorf, der sonst not machtig gegen die Kontrolle der Industrie durch den Reichstag zi Felde zog. der Eisenbahnvsrwaltung, daß sich ihre Verheißung einer besieren Wagengcstellung erfüllte: Eine Hebung des Eisenbahnverkehrs hat bereits stattgesunden. Das ergibt sich aus der Vcr Minderung der Kohlenbestände. Zur Illustration führt- Kirdorf an daß sich Ende März in ganz Deutschland 6 Millionen Tonnen und im Bezirk der Gesellschaft etiva ll'/z Millionen Tonnen auf Lager befunden haben. Bei der Gesellschaft Hai sich jetzt der Märzbestand von 655 666 Tonnen auf 637 666 Tonnen vermnideri Diese Verminderung läßt die Hoffnung ans geregelte Verkehrs« verhältnisie bei den Eisenbahnen als berechtigt erscheinen. Zu- sammenfaffend erllärte Kirdorf, daß also bei der ausreichenden Beschäftigung auch für da? laufende Jahr wieder ein befriedigende c Ergebnis zu erhoffen sei. Während des Krieges feien die Abia! Verhältnisse mehr als günstig und auch im Frieden sei in, l guter Beschäftigung zu rechnen. Glänzende Konjnuktnr in der Porzellanindtistric. Die Porzella nfabrik PH. Nosenthal u, To, A,- G in Selb hat im Jahre 13l7 einen Gewinn von 5.37 Millionen Mark(i. V. 2,45) erzielt. Es ergibt sich ein R e i n g e w i n n von 1,69 Millionen Mark(772 838:. woraus eine Dividende von 36 Pu- (16) verteilt wird. Die Gesellschaft war im Berichtsjahre stärker als in den vorhergehenden Jahren beschäftigt, wobei es ihr zustatten kam, daß eine Anzahl von Gegenständen des täglichen Bedarfs. welche bisher auS Metall angefertigt wurden, der jetzigen Zeit cm- ipreckend in Porzellan lebhaft begehrt war. Der Bestand der an Ende deS Berichtsjahrs vorhandenen Aufträge ist ein bedeuteuder so daß zu hoffe» steht, daß auch im laufenden Jahr mit eine»! günstigen Ergebnis gerechnet werden darf. Auch die Porzellanindustrie arbeitete, mittelbar oder nnmitkel- bar, vorzüglich für die Befriedigung des Kriegsbedarfs. Angesicht-: solcher grotesker Dividendenspriinge wie bei Nosenthal crichein« eine Preiskontrolle durch die Prüfungsstelle der Wumba wohl am Platze!'__ Die Jndustrialistcruitg BahernS. Die von Bayern sehr gc- wünschte Ausiedlung von Industrien macht schöne Fortschritte. Ja den beiden letzten Kciegsjahren wurden industrielle Neugründmigeu und Kapitalserhöhungen von Aktiengesellschaften im Betrage von 266 Millionen Mark vorgenommen. Verantwortlich für Pelitik: Dr. Fr. Dlidcrlch, Bcrlin-Fricdcnou, für de» übngei! Teil des Blattes: Alfred Scholz, Neukölln; für Anzeiger:: T.ftsdoc Glocke, Berlin. Verlag: vorwärts-Vcrlag G. in. l>. H., Berlin. Drintt Borwarts-Buchdruckerei und Verlagsanstalt Paul Singer u. Co. in Berlin, Lindenstrnsze 3. Hierzu 1 v-ilagc niid llnterHartungsblatt, veullchee sflelaliai'deltei'- Verband. Verwaltungsstelle Berlin. Den Mitgliedern zur Nach- richt, daß unser Kollege, der Schleifer ülbert 8ek8ll Wörthcr Str.<5 am 6. April gestorben ist. Die Beerdigung findet am Freitag, den 12. April, nachmittags 3 Uhr, von dcr Leichcnhalle des Zions- Kirchhofes in Nordend aus statt. Rege BctcMgung wird er- wartet. Sozialdeniolirat. verein Berlin b(S. P. D.). Am 24. März verstarb j unser Mitglied 224/1 jBernhardHassel wohnhast BarsuZslraße 2. > Ehre seinem Andenken! vor Vorstanck. Kaclirnfo. Den Mitgliedein serner zur Nachricht, daß unser Kollege, der Monteur Julius Rammelt Pankow, Aimsstr. 16, am C. April gestorben ist. Den Mitgliedern serner zur Nachricht, daß unser Kollege, der Schlosser ?au! Schwarz Thacrstr. 37 am 30. März gestorben ist. Den Mitgliedeni ferner zur Nachricht, daß unser Kollege, der Gürtler Emil Winter Steglitz, Fregestr. 386, am 26. März gestorben ist. Ehre ihrem Zliidcukc»! 110/3 Die Ortsverwaltung. feJsil Als Opser des Welt. tricgcs starb am 3, April d. I. im Rc. scrvc.Jazarclt Mattcndors inlolge Kranlhcit unser lieber, guter Sohn, Bruder. Schwager, Onlcl, Ncfie und Vetter, der Ncjcrvist Wilhelm Schone Jnh. deS Eisernen Kreuzes im 27. Lebensjahre. Nachdem er seit 3. August 1914 viele schwere und parle Kämpft mitgemacht, folgt er nun seinen beiden Brüdern, Max, gefallen am 26. Juli 1915, und llndoif, gestorben am 2. Nov. 1917. Dies zeigen Ilesbctrübt an Schone und Frau, Berlin 0, Nichthosenstr. 26. Die Beerdigung findet am Sonnabend,>3. April, nach- miitagS 3 Uhr. von der Leichenhalle des St.Georgcn- Kirchhoss, Landsberger Allee, aus statt. 2075b Zlldogebisze, Platin, Gr. 7,60, Ketten, giingr, Bcftcltc kauft Vrau Wagner, Kalserstr. 18 1(Atexandelplatz) Deutfiber Cransportarbeilerverband. j BezirkSverwalt. Groß-Berlin j Den Mitgliedern zur Nachricht. daß unser Kollege, der J- Droschkensührer Paul Kuhrau am 6. slprtl im Alter von j 63 Jahren verstorben ist. Ehre seinem Andenken!� Die Beerdigung findet am Sonnabend, den 13. April, nachmittags l1/, Uhr, von der Leichenhalle des Markus- Kirchboses in Wilhelmsbcrg auö statt. Um rege vetestigung er. sucht 61/4 Ble Bezlrksve rwallung. •?: Tst"" , Als Opser dieses Welt- lriegcs fiel nach beinahe vicr Jadren voll schwerer Kämpfe am LI. März mein lieber. guter, unvergeßlicher Mann, herzensguter Baier, Sohn, Bruder und Schwager, der Sergeant 2074b Heinric!] Schweikiiaitit Znh.des EisernKrenzeS 2, Sil. im blühenden Alter von 39 Jahren. Diesen schweren Verlust zeigen tlcsbctrübt an Emma Schweikharpt geb. K n ö s l e r nebst Töchterchen Johanna. flo 1/ Li r Aeldsoldaten! Veutsch'Polnisch. ISPs. Oeutsch-AranzösischläPj. Suchpulldiang vorwärts» vertrs Nach kurzem Krankenlager entschlief sanft am 9. April. abends 7 Uhr. mein lieber Mann, unser gulcr Vater, Schwiegervater und Schwa- ger, der Restauratenr �uxust Pusdiet im 55. Lebensjahre. 20766 Dies zeigen licsbetrübt an Tie trauernden Hinterbliebenen. Die Beerdigung findet am Sonnabend, den 13. April. nachmittags 3 Uhr, von der Kapelle des neuen St. Jo> haiiiiis-KirchpojcS Plützcnfe«, Jungsernheide, auS statt. Monopolsrage und Arbeiter- llass« von Heinrich Cunvw u. a. Dürste bald im Vordergrund der politischen Erörterungen stehen. Preis gebunden d,—, brcsch. 4,— M. Vorwärts» Sortiments-Buchhandlung, Lin- denstraße 3, Laden._* * Bocbtaaadlang Vorwärts Berlin SW. CS Elsas-Lothringen I und die Sozieldemokratiej Ssntsdtei Von Hermann Wendel. ♦ Inhalt: EIsaB-Lothrlnffen als " itli Krieasziel.— Qeschichtlichfs. — Die deutsche Soziaidemo- J kratie und Elsaß-Lothripg-ii. —Nach vierundvierzig Jahren. — Die wirtschattiiche Ver- < knüpfung.""hisaa- Lotli-| ringen nnd Frankreich. Preis 75 Pfennig L 4� llmverlal.Bricsiteller 8,50 Mark, Buchhandlung Vorwärts, Lindenstraße 3 tLadenl_ Bekanntmachung. Die Brikettkundenliste wird am 13. April geschlossen. Verbraucher, die bis zu diesem Zeitpunkt in die Kundenliste eines Kohlenhändlers trotz Bemühungen nicht eingetragen worden sind, haben die ihnen von der Gemeinde ausgestellte, ans Grundkartc und Zlusweis zusammengesetzte grüne Bescheinigung in ihrem eigenen Jnlcrcffe so schnell wie möglich persönlich oder durch Einschreibebttes zurückzugeben, und zwar: a) in Berlin an die sür sie zuständige Brotkommisfion. h) in den übrigen Städten und Gemeinden des Kohlciioerbandsgebiclcs der Abteilung sür Kohlen. Versorgung ihres Magistrats oder Gemeinde- Vorstandes. �, BiS spätestens 15. Mai wird die Kohlnistelle Mroß-Berlm den genannten Verbrauchern einen Koblcnhändler nachweisen. Die envvrechcnde Benachrichtigung werden die Verbraucher gemag 8 11 der Bekanntmachung über die Einrichtung von Kunden- (ist cii vom lt. März 1918'von dem Kohlenhäudler erhalten. Berlin, den tO. Llprll 1918. Kohlcnstclle Groß Berlin. dis ffibig; sind», an dem großen wirtschaftlichen Wettstreit teilzunehmen, der eine unbedingte Folge des Weltkrieges sein muß und eine tiefgreifende Aenderung unseres gesaraten wirtschaftlichen Lebens herbeiführen wird. Ueberau werden gebildete und leistungsfähige Jfttarbeiter sein. Beamte, Lehrer, Angestellte des Handels und der Industrie sollten nicht vor- siiumon, jetzt ihre Vorborei- tungeu zu troffen. Bas beste Mittel rasch und gründlich. ohne Lehrer, durch einfachen Selbstunterricht auf ein Examen vorzubereiten. die Einj.-Freiw.- Prüfung u. das Abitur.-Exnmen nachzuholen oder die fehlenden kaufmänn. Kenntnisse zu ergänzen sowie eine vortreffliche Allgemeinbildung sich anzueignen, bietet die £eIbslun'.err.-Mel!iGdB,.Rualin". Ausfflhrl. 60 S. starke Broschüre kostenlos. (tonneas& HacbtcM, * Potsdam. Postfach 224. Lungen GmM» EemsseÄiiisl vergrößert ihre. P'taiiznngrn zum Frühjahr am das rrpeite.. und nimmt jevl lociiac Mitglieder als » MlKiWkl mit Anteile» zu 466 Ak., z„ 266>»t., zu 366 M. und bis zu 1666 M. an?..Kriegs- anloiho wird zum vollen Nenu- wert in Zahlung genomuicn. Das Gemüse ivird in unicrcn SerieilmgsUsieli an die INitgticdcr villig abge- geben, bei völliger Ausichal- tung des Groii- uud Klei». Zwischenhandels. Der Ge- tvinnüberschns» wird als Div:- dendc an die Mitglieder verleitt Die alten Mitglieder s.nd mit Wintergemüse reichlich versorgt worden. Die jetzt neu vci tretenden Mitglieder find be rechtigt, schon an der ersten Verteilung von Frühgemüir teilzunebmen.— Aufnahme neuer Mitglieder findet statt im Laden PrterSbnrgerftr. 4a.- Montags, Mittwochs, Freitags 9—12 und 4— 7, außerdem Sonntags 11— 1. Ferner im Laden Kopenhageueritr. 4: Dienstags. Donnerstags, Soini- abendsS-lL u. 4—7 ui:» Soinr- tags 8— lO. Ferner täglich im Pcrwaltungsbureau: Burg- sti-nfic 27 III. Zimmer 76 (gegenüber Zirkus Buich,. Werl tags 16—7, Sonntags 10—1.' und Halskranke. Verlangen Si- kosteiijre: belehrende Broschüre über � Heilmethode ohne Berufsstörung. Sanitätsrat Dr. hVo!!««>'»ümduI, öettia 117, Polsdamer Ltr. 12Zd li. Kt.lOO ❖ 35. Jahrgang Heilage öes Vorwärts 5reitag,12.�pr!!lH1S Erhöhung öes Grtslohnes. Stadtverordnetenversammlung. In der gestrigen Versammlung wurde zunächst der neugewählte Stadtv. Redakteur Emil Dittm er eingeführt und auf die Städte- orduung verpflichtet. Von den Siadtvv. Barkewski u. Een.(Soz.) ist der am 8. März eingebrachte Antrag in folgender veränderter Form am L. April vorgelegt worden: „Den Magistrat zu ersuchen, a) beim Oberversicherungsamt Grotz-Verlin dahin vorstellig zu werden, dos; dasselbe den Ortslohn für Berliir bereits jetzt erhöht; b) das Versicherungsamt Berlin zu ersuchen, den Wert der Sachbezüge einer Neuregelung zu unter- ziehen." Stadtv. Brückner(Soz.): Es gilt, hier ungerechte, veraltete Be- stimmungen zu beseitigen. Der Kriegsausbruch hat verhindert, das; die Ende 1914 fällige neue Festsetzung des OrtSlohns vorgenommen wurde; inzwischen haben sich die Verhältnisse total verschoben. Die immer noch geltenden Sätze geben auch nicht annähernd mehr ein Spiegelbild der Wirklichkeit. Dasselbe gilt von den Sätzen des Eiugelts in Naturalbezügen, für freie Stalion, Wohnung usw. Für alle versicherten Arbeiter spielt aber die Höhe des OrtSlohns eine große Rolle; sie beeinflußt eventuell die Höbe der Unfallrente. toirlt auf die Feststellung der Invalidität zurück und kommt unter andern auch bei der Bemessung der Entschädigung der Arbeiter bei Aussetzen der Arbeit in Betracht. Diese Erwägungen recht- fertigen das Verlangen einer Neufestsetzung durchaus. StadtsyndikuS Hirsekorn: Die Frage ist bereits durch die zu« ständigen Minister un August v. I. in Fluß gebracht worden. DaS VersicherungSamt der Stadt Berlin hielt eine Erhöhung der OrtSlöhne zurzeit nicht für angebracht, da die Frage für die Krankenversicherung anderweit geordnet ist und eigentlich nur für die unständigen Arbeiter in Betracht käme. Im Januar d. I. hat sich das Oberversicherungsamt dem angeschlossen. Der Frage der Neuregelung des Wertes der Sach- b e zü ge ist ebenfalls näher getreten worden. Doch wird auch hier vom Amt Berlin eine Erhöhung für noch nicht erforder- lich gehalten, es sollten vielmehr geordnetere Verhältnisse ab» gewartet werden. Der Kreis Teltow hat allerdings eine Erhöhung für angebracht erklärt. Der Magistrat hat zu der Frage noch keine Stellung genommen. Stadtv. Galland(Linke) befürwortet AuSschußberatung deS Antrages. Stadtv. Hin he(U. Soz.) tritt für den Antrag Barkowski ein. Bürgermeister Dr. Reicke: Der Oberbürgermeister ist zu einer Nachprüfung der Frage nach beidenRichtungen bereit. Stadtv. Brückner: Die Stellungnahme des Versicherung«- und des OberstcherungsamtS geht doch von nicht ganz zutreffenden Voraussetzungen auS; schon in Friedenszeiten haben die Ortslöhne der Wirklichkeil nicht entsprochen. Nach der eben erfolgten Erklärung ist ja auf Erfüllung unserer Wünsche zu hoffen. Der Antrag geht an einen Ausschuß. Die übrigen Verhandlungsgegenstände sind ohne allgemeineres Interesse._ GroßSerlm Die Kohlenkuudcnliste. Der Kampf der Große» gege» die Kleine». WaS wir schon in der Sonntagnummer ausführten, daß die Einführung der Kundenliste in ihrer gegenwärtigen Gestalt u. a. auch einen besondere» Borteil der Kohlengroßhändler gegenüber den Kleinhändlern bedeutet, findet jetzt seine Bestätigung. Während die Kleinhändler schon am ersten Tag ihre Listen schließen mußten, fordern Großhändler in den Borortzeitungen sogar in Inseraten von annähernd einer halben Seite die Kundschaft auf. sich bei ihnen eintragen zu lassen. Das Publikum mutz natürlich, um überhaupt Kohlen zu bekommen, auf die beguemere Lieferungsart beim Klein- Händler verzichten und wird fich nun beim Großhändler eintragen lassen. Schon dieses Resultat beweist, daß das gewählte System falsch ist. Damit ist jedoch selbstverständlich nicht gesagt, daß das Prinzip der Kundenlisten überhaupt falsch ist. Wir sind immer Anhänger der Kundenliste gewesen und haben ihre Einführung beim Kohlen- Handel mit am lebhaftesten befürwortet. Wenn freilich jüngst in einer Konserenz beim Oberkommando erklärt wurde,.daß diejenigen, die am lautesten danach gerufen haben, plötzlich erklären, sie sei sehr unzweckmäßig, weil die gleichmäßige Belieferung nicht erfüllt werde", so ist das durchaus richtig. Falsch ist eS jedoch, die Presse für dieses unzweckmäßige System verantwortlich zu machen: als Verantwortliche können vielmehr nur die Behörden bezeichnet werden, die dieses halbe System zur Einführung bringen wollen. Heute hat es sich doch jeder Wirtschaftspolitiker an den Schuhsohlen abgelaufen, daß eine gleichmäßige Warenverteilung auf Kundenliste nur bei Erfassung der Ware möglich i st. Bei jeder Ware, die wir auf Kartenabschnitte verteilen� wird der Händler entsprechend seiner Anmeldeabschnitte beliefert. Nur bei den Kohlen soll es umgekehrt gemacht werden. Kein Händler weiß, wieviel Kohlen und wann er sie bekommt. Um diesen unhaltbaren Zustand zu beseitigen, halten wir die Erfassung der Ware für notwendig. Wir haben die Einführung der Kunden- liste auch für den Kohlenhandel freudig begrüßt, find jedoch von der selbstverständlichen Voraussetzung ausgegangen, daß die Kundenliste nur segensreich wirken wird, wenn ihr die Erfassung der Ware vorausgehl. Diese unsere Voraussetzung ist bis jetzt nicht erfüllt, aber wir hegen trotzdem noch immer die Hoffnung, daß das Ver- säumte nachgeholt werden wird. Wohin mit den Kinder«? Kinder haben ein natürliches Bedürfnis, sich zu tummeln, aber zu den dichtbevölkerten Mleiökasernen unserer Großstädte paßt da-s schlecht. Die Frage.Wohin mit den Kindern?" bietet mancher Familie schwere Sorge, weil der Hauswirt ihnen den Aufenthalt im Hausflur und auf dem Hofe verbietet und sie auf die gefahr- bringende Straße hinausjagt. Eine Bevölkerungspolitik, die den Rückgang der Geburtenzahl eindämmen will, müßte auch darauf Bedachr nehmen, daß in der Großstadt den Kindern tagsüber eine angemessene Unterbringung gesichert wäre. In Neukölln bat der Eigentümer des Grundstöcks Z i e t e n st r a ß e 11, ein Herr Borrmann, viele Familien seines Hauses durch eine Zuschrift unter Hinweis auf„verschiedene Vorkommnisse" ersucht, dafür zu sorgen, daß keiires ihrer Kinder sich auf den Hof, in den Hausfluren oder vor den Haustüren aufhält. Er erinnert an die diesbezügliche Bestimmung des Mietsvertrages und kündigt an, daß er bei Nicktbefolgung sein„Recht" gebrauchen und die Familie.ihres Vertrages entbinden bezw. eine Räumungs- klage anstrengen" werde. Der Hof des Grundstückes ist ein ge° pflastertes, kahles, sonnenloses Viereck, dessen„Schmuck" ein Müll- lasten und ein Pissoir bilden. Da ein solcher Hof sich zum Spiel- platz nicht eignet, so verlieren die Kinder an ihm ebenso wenig wie an den halbdunklen Hausfluren. Daß aber dieser Hauswirt, der übrigens Schutzmann ist, sogar den Aufenthalt vor den Haustüren nicht dulden will, ist ein starkes Stück. Die Zistenstraße bat schmale Bürgersteige, so daß die von den HauSiüren weggewiesenen Kinder in die Nähe des FahrdammeS geraien, der infolge des Straßenbahn- Verkehrs gefährlich für sie ist. Vielleicht läßt der'Schutzmann sich mal darüber belehren, daß die ihm als Hauseigentümer zustehenden Macht- befuqnisse nicht über die HauSgrenze hinausreichen und er daher höchstens noch über die Türnische zu kommandieren hat. Auch sollte seine Dienstbehörde ihm klar machen, daß gegenüber dem immer lauter und dringender ertönenden Ruf nach mehr Nachwuchs es sehr eigenartig wirken muß, wenn ein Hauswirt bei Verbots- widrigem Aufenthalt von Kindern auf dem Hofe usw. die gegen diesen Frevel im Vertrage angedrohte Räumungsklage in Aussicht stellt. Für die Gemeinden ergibt sich aus solchem Vorgehen gegen spielende Kinder die unabweisbare Pflicht, mehr Kinderhorte und mehr Spielplätze zu schaffen, damit die Kinder angemessen untergebracht werden können, was auch ruhebedürftigen Hausbewohnern nur erwünscht wäre. Die Zeiten, in denen über die Forderungen der Kinderfürsorge und des Kinderschutzes gehöhnt werden durfte, daß„die Arbeiter nur noch Kinder in die Welt zu setzen brauchen und dann nicht mal»danke" sagen", sind ja wohl vorbei._ Die Kleiderabgabe. Um die Arbeiter der Rüstungsindusirie, der Verkehrsbetriebe und der Landwirtschaft mit Arbeitskleidung versorgen zu können, muß die Reichsbekleidungsstelle in kurzer Zeit drei Millionen Männeranzüge beschaffen. Nachdem die Verbände der Großkonfeklion und des Schneiderhandwerks, die Kriegsrohstoffabteilung und die Bekleidungsabteilung deS KriegSministeriums zirka 2 Millionen Anzüge bzw. die Sioffe dazu in Aussicht gestellt hatte, blieb noch die Beschaffung von rund einer Million übrig, die den Beständen an Altkleidern entnommen werden müssen. Zu diesem Zweck wird die Reichsbekleidungsstelle jetzt eine Ver- sügung an die GemeindeverbSnde erlassen, die diese Beschaffung regelt. Danach ist eine Sammlung von getragener Männerkleidung im ganzen Reiche vorgesehen. Für jeden Gemeindeverband wird durch die Landeszentralbehörde die Zahl der zu beschaffenden Anzüge festgestellt, wobei als Anzug auch jede hochgeschlossene Joppe und Hose gilt, während Fracks, Smokings und Uniformen von der Sammlung ausgeschlossen sind. Die Reichsbekleidungsstelle erwartet, daß die Kleidungsstücke durch die Sammlung freiwillig aufgebracht werden und daß dadurch eine Einforderung auf anderer Grundlage vermieden wird. Die Ge« meindeverbände sind von der Reichsbekleidungsstelle ermächtigt worden, von den wirtschaftlich besser gestellten Personen die Anzeige ibreS Besitzstandes an Obcrkleidung einzufordern, wenn diese den Aufruf zur freiwilligen Abgabe unbeachtet lassen. Wer freiwillig auS seinen Beständen mindestens einen Anzug liefert ist von der Verpflichmng zur Bestandsanzeige seiner Oberbekleidung befreit. Bei der Abgabe der Oberkleidungsstücke wird eine Bescheinigung mit der amtlichen Zusicherung erteilt, daß bei einer im weiteren Verlauf des Krieges etwa notwendigen Einforderung getragener Oberkleidung die jetzt ab- genommenen Stücke mit in Anrechnung kommen. Diese Bescheini- gung wird nur dann nicht erteilt, wenn die Abgabe von dem Ab- liefernden an die Bedingung der Ausstellung einer Abgabebescheini- gung zur prüfungsloien Ausstellung eines Bezugscheines geknüpft wird. Die abgelieferten Anzüge werden nach einem geordneten Schätzungsverfahren angemessen bezahlt. Zur Anregung einer beschleunigten Abgabe hat die Reichsbekleidungsstelle ferner bestimmt, daß die Annahmestellen für die getragenen Kleider, die innerhalb drei Wochen abgeliefert werden, lOProz. Zuschlag zu den regelmäßigen Schätzungsbeträgen zahlen. gelangt jetzt bis einschl. Mittwoch, den 17. April aus Abschnitt 12 l/z Pfund Kunsthonig zur Ausgabe. Kleine Anfrage«. Eine vorschriftsmäßig mit 10 Pf. frankierte GeschästSpapier- sendung aus Köln lief am 9. d. M. bei einem unserer Leser in Berlin ein. Man verlangte vom Adressaten 25 Pf. Strafporto, deren Zahlung er verweigerte. Darauf erhielt er die Sendung vom zustellenden Postamt LO 33 wieder zurück mir dem Bemerken, das Strafporto sei fällig geworden, weil die Ten- dung bereits im Jahre 1910 zur Aufgabe gelangt s e i. Der Briefumschlag trägt in der Tat den Stempelaufdruck „Cöln 7, 8. 4. 10." Es entsteht nun die Frage, ob diese 25 Pf. als L a g e r g e I d sür eine Sendung erhoben werden sollen, die so lange Zeit in der sicheren Obhut der deutschen ReichSpost befindlich gewesen ist, oder ob die Post für eine Arbeitsleistung, deren Bewältigung nicht weniger als acht Jahre und einen Tag in Anspruch genommen hat, eine Extraprämre in Höhe von 25 Pf. verlangt. U. A. w. g. Der Berein„Landaufenthalt für Stadtkinder" teilt uns in bezug auf unfern Arükel»Lasset die Kindlein nicht zur mir kommen" (Nr. 97) mit. daß er nicht beschlossen habe, in erster Linie Schüler und Schülerinnen der Miltelichuleu zu berücksichrigen, sondern daß er solche Kinder nur mehr als im Vorjahre berücksichtigen wolle. Lichtspiele. Die Wahrung der Bestände an Wäsche im Haushalt und Wirtschajisbctrieb bat die NeichSbelleidungsstelle veranlaß!, einen Vartrag: . W i e s ch o n e ich meine Wäsche?- mit Lichtbildern am Montag, den 15., nachmittags 3 Uhr, im llalastiheater am Zoo hallen zu lassen. Der Eintritt ist jedermaan kostenfrei gestattet.— Die Lichtspiele Neue Philharmonie, Cöpenicker Str. 93/97, bringen vom 12. bis 18. in Uraufsübrung das Drama„Die Buchhalterin" nach dem Roman von Max Kretzer mit Lotte Neumann, Bruno Kästner und Karl Beckcrsachs in den Hauptrolleu.— Im Admiraltheatcr, Friedrich Itr. 191/102, wird vom 12. an der Film„Wogendes Schicksal" mit Mia May" gezeigt Wilmersdorf. Abgabe von Kunsthonig. Auf Grund der in der Zeit vom 14. bis einschl. 13. März d. I. bewirkten Voranmeldung Reinickendorf. Lebensmittel. Vom 18. d. M. ab werden in den amtlichen Berkaufsstellen für Kinder im ersten, zweiten, dritten und vierten Lebensjahre je vier Pakete und für Kinder im fünften und sechsten Lebensjahre je zwei Pakete Zwieback a 40 Pf. abaegeben. Kinder, die in der Zeit vom 10. April 1913 bis 31. Dezember 1913 ge- boren find, erhalten je eine Tafel Schokolade zum Preise bon 1,30 M. ebenda. Für Kinder im fünften und sechsten Lebensjahre und für den Bezug der Schokolade werden vom 11. d. M. Bezugscheine bei den zuständigen Brolkommissionen ausgegeben. Kinder im ersten bis vierten Lebensjahre erhalten den Zwieback auf die Kinder- milchkarten 1 und 2 gegen Abstempelung. Lichterfelde. 190 Prozent Einkommensteuer. Der Entwurf des neuen Gemeindehaushaltsplans lag in der letzicn Sitzung der Ge- meindevertretung zur Beratung vor. Er schließt insgesamt mit 5 472 329 M. ab. Nach Mitteilung des Bürgermeisters Böhm rechnet der Voranschlag damit, daß der Krieg noch während des ganzen Rechnnngsjabres dauert; es mußte daher überall das Gebot größter Sparsamkeit beobachtet werden. Die allgemeine Verwaltung erfordert einen Mehrzuichuß von 327000 M., der insbesondere durch die Gewährung von Teuerungszulagen an die Beamten notwendig wird. Für die Armenverwaltung sind 18 000 M. weniger ein- gesetzt als im Vorjahr infolge des Umstandes, daß ein neuer Titel mit der Bezeichnung.Fürsorgeamt" gebildet worden ist. Die Kosten dieses neuen Titels sind früher der Armenverwaltung zu Lasten gelegt worden und haben deren Ausgabensumme beträchtlich erhöht. DaS ließ nach außen den Anschein erwecken, als habe Lichterfelde eine erhebliche Anzahl Arme zu unterstützen oder sei in der Fürsorge für die Armen besonders nobel. Das erste ist nicht richtig, das zweite noch weniger. Wir haben deshalb schon in früheren Jahren an dieser Stelle verlangt, daß für alle Posten, die nicht direkt mit der Armenpflege zusammen- hängen, im Boranschlajf besonders aufgeführt werden sollten. Die Kreis st euern sind um 150 000 M. höher eingestellt worden, hauptsächlich infolge des beschlossenen Lasienausgleichs. Die in- direkten Steuern sind mit einem Minus von 46 000 M. angesetzt. In der Diskussion ergab sich Einstimmigkeit darüber, daß der bisherige Einkommensteuersatz von 160 P r o z. bei den steigenden Anforderungen nicht aufrecht erhalten werden könne. Nur darüber waren die Meinungen geteilt, ob 190 Proz. nicht zu hoch gegriffen seien. Der Voranschlag wurde an den verstärkten HaushattauSschuß überwiesen._ NowawcS. Verkauf von Salzheringen. Heute findet in den Verkaufsstellen der Gemeinde� der Verkauf von Salzheringen auf folgende Nummern des Ausweises statt: Winkel 5354—5567, Rudow 4669—4896, Krommert 2381—2505 und 5873— 6000, Ziegener 5741 bis 6008, Müller 3208—3348. Bei der Abholung sind geeignete Gefäße mitzubringen.____ Hroß-Serliner parteinachrichten. Berlin 4. Morgen nachmittag von 2 Uhr ab und am Sonntag von früh 8 Uhr ab Flugblattverbreitung zur Stadl- V e r o nd n e t e n w a h l im 16. Kommunalwahlbezirk. Treffpunkt im Lokal deS Genossen Franz Schuckert, Rüdersdorfer Sir. 3. nahe am Küstriner Platz. Die Genossen werden dringend ersucht, sich an dieser Flugblattverbreitung rege beteiligen zu wollen. DaS Wahlkomitee: Fr. Schiienz, Simplonstr. 37 IV. Lichtenberg. In der am Mittwoch abgehaltenen General- Versammlung deS Sozialdemokralischen Vereins gab der Bezirks- leiler Genosse Peterhansel den Bericht über das verflossene Geschäftsjahr. Die Entwicklung hier am Orte zeigt ein durchaus erfreuliches Bild. Die Mitgliederzahl ist stetig gestiegen, und auch der Kassenbcstand ist, wie der Bericht des Genossen B ö r ck e l er- gab, verhältnismäßig günstig. Die Stadtverordnetcnwahl im November vorigen Jahres brachte einen schönen Erfolg, und auch daS Resultat der Reichstagsersatzwahl für Nieder- barnim wirkte um so erfreulicher, als die Wahlarbeiten unter den denkbar schwierigsten Verhältnissen erledigt werden mußten. Auch in Lichtenberg mußten die Unabhängigen erkennen, daß die Massen nicht hinter ihnen stehen. Bei der hierauf vorgenommenen Neu- Wahl der Bezirksleitung wurden die bisherigen Funktionäre wieder und Genosse Selchow neugewählt. Im übrigen wurden die Ge- nossen Peterhansel und Trinis als Bezirksleiter und B ö r ck e l zum Kassierer gewählt. Nunmehr nahm die General- Versammlung zu der demnächst siatifindenden Kreisgeneralversammlung Stellung und wurden die Gen. Radlke, Hapke und Oswald Müller als Delegierte gewählt. Ende April finden in Lichtenberg wiederum Stadtverordnetenwahlen statt. In dem 2. Bezirk der 2. Abteilung ist für den als Opfer des Weltkrieges verstorbenen Stadtderordnelen Jaffke eine Neuwahl vorzunehmen. Die Ver- sammlung erklärte sich mit der von der Bezirksleitung vorgeschlagenen Kandidatur des Genossen Scheffel einverstanden. Als letzten Punkt hörte die Versammlung einen Bortrag des Kreisvorsitzendcir Genossen Hermann Müller, über.Organisationsfragen". Redner erörterte in längeren Darlegungen das jetzige Groß-Bcrliner Organisationssystem, das er durchaus für kein glückliches hält, weil es im wesentlichen auf die Schablone zu- geschnitten sei und ein geistig bewegliches Parleileben. das jeden Genossen individuell zu seinem Rechte kommen läßt, nicht auskommen lasse. Der beifällig aufgenommene interessante Vortrag rief eine ganze Anzahl Redner auf den Plan, von denen zunächst nur die Genossen W u s ch i k und Trinis zu Wort kamen, die� sich überwiegend zustimmend äußerten. Da inzwischen die Polizeistunde herangekommen war, mußte Vertagung der an- regenden Versammlung erfolgen und wird die Aussprache in der nächsten Versammlung weitergeführt werden. Lichterfelde. In der letzten Mitgliederversammlung hielt Ge- nossin Hanna eine» instruktiven Uiorirag liöer die wirls-dafilichc» Aussichten der Frauen in der Uebergangszeit. In der anschließen- den Diskussion wurde besonders auch die Bedeutung der Konsum- genossenschaften hingewiesen, die zweifellos geeignet seien, der Arbeiterschaft erhebliche wirtschaftliche Borteile zu verschaffen. Der Kamps um die politische Macht müsse jedoch im Vordergrunds stehen. Den Bericht des Vorstandes gab Genosse Wenzel. Er ging von der Spaltung der Partei und der Zertrümmerung der Organisation durch die Unabhängigen aus, bei der bekamulich gerade Lichterfelde eine hervorragende, aber traurige Rolle gespielt habe. Die Genossen, die auf dem Boden der Gesamipartci standen, müßten gesammelt und die Organisation von neuem ausgebaut werden. Der jetzige Mitgliederbestand betrage bereits 62, darunter 30 Frauen; 11 Mit- glieder stehen im Felde. Von einer Neuwahl des Vorstandes wurde Abstand genommen. Oer Erfolg der siebenien Kriegsanleihe Hai uns zum Oer Frieden im Westen Frieden im Osten verhoffen. muß durch die, /Sichle" erzwungen werden- zeichne! Soziales. Beschaffuug von Baustoffe». Ter deutsche Verein für WoifmingSrefioml und die krägärairt- schcistsiche Bereinigung!M>:n eine eilige Eingabe an Bundvsnät und Reichstag gerichtet, in der die sofortige Anbetriebsetznng der Ziegeleien gefordert wird. Es heißt da:»Rennenswerte Vorräte an fertigen ÄiegÄn dürften im Augenblicke des Friedensschlusses nicht mehr vorhanden sein, andermts braucht es aber zur Neuherstellimg von Ziegeln längere Zeit. Werben daher die nötigen Borkebvungen für eine größere Ziegelerzeugung nicht rechtzeitig getroffen, so kann aus Mangel an Ziegeln erst im Frühjahr 1919 die eigentliche Bau- veriodc beginnen und eine größere Zahl von Wohnungen erst im Herbst 1919 auf den Markt gebracht werden. Die Folgen einer solchen Verzögerung brauchen nicht näher dargelegt zu werden. Sie könnten geradezu unabsehbar werden. Gegenwärtig arbeiten von den rund 19 999 deutschen Ziegeleien nur noch etwa 7 vom Hundert — 93 vom Hundert sind geschlosien, ungerechnet die 8000 kleinen ländlichen Ziegeleien, die ebenfalls nicht mehr arbeiten. Die Bei- haimsifc werden dadurch noch ungünstiger, daß unror den wenigen noch im Gange befindlichen Ziegeleien eine größere Anzahl Zechen- ziegeieien sind, die nur für bestimmte Betriebe, nicht aber für den chfeneu Markt arbeiten. Nach alledem muß die dringende Forde- rung erhoben werden, unverzüglich die notwendigen Vorkehrungen zu treffen, um die Lieferung eitler ausreichenden Menge von Ziegeln alsbald nach Friedensschluß zu sichern. Hier sei nur be- lotir, baß notwendig sind: 1. die sofortige Beveititellung von Ar- beitsikäften, namentlich auch von Gefangenen, für die Instand- setztUig und den Betrieb der Ziegeleien; 2. die Zuweisung von Kohle:> an die Ziegeleien für den Zeitpunkt, wo das Brennen der Ziegeln wieder beginnt(etwa Mitte Mai). In Ergänzung möchten low hierzu noch bemerken, daß auch eine sofortige Zuwersung von Kohlen cm diejenigen Ziegelbrennöfen, die bereits zum Brennen fertige Ziegeln bereitstehen haben, erforderlich erscheint. Unserer Kenntnis nach handelt es sich hierbei um nicht unbeträchtliche Mengen. Endlich dürfen wir noch darauf hinweisen, daß für die Herftevung von Kalksandsteinen, die einen zwar der Menge nach bei ivertem nicht ausreichenden, aber doch immerhin stark ins Ge- wicht fallenden Ersatz für Ziegeln bilden, ebenfalls die Zutveisung von Arbeitskräften und von Kohlen erforoeslich ist." Händler uad Kundschaft. Es ist«ins aklyemeins Klage, daß die Händler heutzutage mit den Käufern und Käuferinnen fchr unfreundlich umgehen. Sie fühlen sich eben als die Herren'der Lage und wissen,� daß die Kund- schast ihnen kommen muß. Manche Händler, die früher die Kund- fchaft umschmeichelten, um sie festzuhalten, glauben jetzt, sie hätten bie-S. nicht mehr nötig weil sie sich ar.ner dem Einflüsse der ver- änderten wirtschaftlichen Verhältnisse die Meinung gebiZdet haben, die Kundm seien ihnen ans Gnade und Ungnade ausgeliefert und Höflichkeit fei deswegen ein überflüssiger Luxus geworden. Ob das klug gehandelt ist, so fragen büvgovliche Zeitungen, die es mit dem Haiwels stände gut meinen, und sie antworten darauf: Gewiß, für den Augenblick verschlägt es nicht viel. Aber in den Tagen nach dem Kriege? Da wird manche Ast o ander ung aus dem Kunden- kr-' i ist stattfinden. Man merk! sich den Händler, der die Konjunktur allzu kratz durch Unfreundlichkeit zu erläutern verstand. Sehr viel? Hausfrauen ziehen, wie mau uns wiederholt an Beispielen nach- wies, die Konsequenzen aus den Unarten«inzelner Händler. Sie gehen jetzt oder später zu den Konsumvereinen oder zu ähnliche« Großuntemehmungen über. Damit sind sie dann für den Klein- Händler verloren. Es kommen oucb nach dem Kriege für den jetzt so üftwer getroffenen Mittelstanid noch schmale Jahre.»Seine Freunde müßten es doppelt schwer emvfmden, wenn unklug«, kürzlich tiae Zurückstoßung derer, die dem bedrängten Stand gru.udsätz- !ich gern linterstutzen, die Lage künstig noch verschlimmern würde. Eigene Schuld wird am scbwersven empfunden. � Die Tatsache ist wolst unbestreitbar, daß nach Deerstiigung des KrstgeS ein Abströmen zahlreicher Käufer vom Privathandel zu den Külisümwereinen startfinden wird. Neben der unfreundlichen Be» Handlung, gegen die die Behörden bereits öffentliche Verwarnungen erlassen lzäbcui, ist es besonders die übermäßige Preissteigerung! und die Bevorzugung der kaufträstigen Kundlchatt, die die Haus-- sc amen verschnupft und zu den Koroinnpereiiien treibt. Di«.Kon- 1 sumvorcine befolgen den Grundsatz, den fi« auch unter den schwie- rigen Kriegsverhältnissen aufrechierhakten, daß die rationierte« Waren zu den festgesetzten Preisen und nach den bestehenden Vor- schriften an jeden Käufer ohne Ansehen der Person geliefert werden. Die Befolgung dieses' Grundsatzes gewinnt ihnen naturgemäß die Shmvathie aller rechtlich denkenden Hausfrauen. Die Händler wollen das nicht einfehe-n, sie schieben die Schuld an der wachsenden Mitgliederzahl der Äonfumve reine auf alle möglichen Ursachen, ver- gehen aber, daß sie im Grunde genommen daran selbst die meiste -schuld tragen. Gerichtszeitung. Einbrüche im Hamsterlager. Wegen schweren Diebstahls in mehreren Fällen waren sechs 18- bis 17 jährige ArbeilSburschen angeklagt, die längere Zeit hin- durch der.Hamsterschreck" für die Anwohner deß Kaiserdamms, der Pariser Straße u. a. gebildet hatten. So erbrachen sie in der Nacht zum 11. Juli v. I. in dem Hause Pariser Straße 27 den Keller des Kaufmanns Arnold Huld schiner und entwendeten daraus etwa 289 Eier, zwei Töpfe mit 29 Pfund Schweine- schmalz und 15 Flaschen Wein. Mit schlauer Berechnung warteten sie dann genau 11 Tage, bis der Hamster sein Lager wieder aufgefüllt hatte, und entwendeten dann aus demselben Keller' noch- inalS III Eier und eine ganze Speckseite. Mit einer unglaublichen Frechheit erschienen sie in der nächsten Nacht zum dritten Male und erbeuteten 49 Flaschen Wein. Als sie zum vierten Male dort erschienen und schon 87 Flaschen Wein ein- gepackt hatten, wurden sie auf frischer Tat abgefaßt.— Vor Gericht beantragte der Staatsanwalt Gefängnisstrafen von zwei bis vier Jahren, während Rechtsanwalt Kurt P i n c u§ um mildere Strafen bat mit dem Bemerken, daß es höchst bedauer- lich sei. daß für solckie Tunichtgute nickt noch die Prügelstrafe be- stehe; manche Kriegerfrau, welche die Gewalt über ihren Sproß- ling verloren habe, würde dieser Forderung gern zustimmen.(?D.Red.) TaS Gerickt kam zu einer milderen Auffassung und erkannte auf Gefängnisstrafen von l�.st Jahren bis herunter zu vier Monaten unter Anrechnung von je drei Monaten Unter- fuchungShaft._ Manko in der Lohntüte. Da» rätselhaste verschwinden eineS HunbertmarkscheinS gab Anlaß zu einer Klage vor der Kammer 8 des GelverbegericktS. Der Kläger, der angab, er habe bei der Lohnzahlung 199 M. zu wenig erhalten, forderte von seinem Arbeit- geber, dem Metallwarenfabrikanten Frühling, Nachzahlung dieses Betrages. Die Beweisausnahme ergab, daß die Lohnzahlung in folgender Weise erfolgt. Im Kontor wird der fällige Lohnbetrag eines jeden Arbeiters in eine Tüte gesteckt. Diese Tüten werden offen dem Meister übergeben, der sie im Fabrikraum den Ar- beitern übergibt, die einzeln an seinen Tisck treten, die Tüten in Empfang nehmen und diesem quittieren ohne daß ihnen der Inhalt der Tüte vorgezählt worden ist. Der Kläger hat kurz nach dem Empfang seiner Tiile dem Meister mitgeteilt, daß er 199 Mark zu wenig erkalten habe. Die Firma weigerte sich aber, den Betrag nachzuzahlen, denn nach ihrer Angabe soll ein Irrtum aus ihrer Seite ausgeschlossen sein. auch habe eine sofortige Prüfung der Kasse und der Lohnberechnung ergeben, daß keine Differenz vorhanden war. Vor Gericht behauptete der Vertreter der Finna, der Kläger habe das angebliche Manko nicht sofort nach dem Empfang seines Lohnes gemeldet, sondern etwa zehn Minuten später. In der Zwischenzeit soll der Kläger in der Garderobe gewesen sein, es könne also mit der Möglichkeit gerech- net werden, daß der Kläger den Hundertmarlschein bei Seite ge- bracht und dann versucht habe, den Betrag zum zweitenmal zu be« kommen.— Dagegen führte der Kläger durch zwei Zeugen den Nachweis, daß er unmittelbar nach Empfang der Tüte vom Tisch zu« rückgetreten ist, den Juhalr der Tüte nachgezählt und das Manko sofort beim Meister gemeldet hat.— Durch diese Zeuyenangaben hielt das Gericht für elnioandfrei nachgewiesen, daß der Kläger tat- sächlich 199 M. zu wenig bekommen hat. Der Beklagte wurde des- halb zur Zahlung von 199 M. verurteilt. »etterauSstckite«»Nr das»nittlere«orddenttchland dt« Tonnabend mittag. ElwaS kühler, veränderlich, vorwiegend voMg, strichweise Gewitter, sonst keine wesentlichen Niederschläge. Mus aller Welt. Das Schiffsunglück auf der Dona«. Budapest, 11. April. In der Angelegenheit des Schiffsunglücks auf der Donau wurden heute der Kapitän und die beiden Steuerleute vom Schiffe Sophie verhaftet. Budopest, 19. April. Nach einer Mitteilung der Donaudampj« schissahrtsgefellschafl sind aus dem Wrack des infolge eines Zusammen- stoßes gescheiterten Schiffes Drina bisher 22 Leichen ge- borgen worden. Im ganzen werden 33 Personen ver- mißt._ Die Frau mit dm zwei Männern. Der Krieg hat einer Bürgers« frau rn der Mark zwei lebende Ehemänner beschert. Kurz nach Ausbruch des Krieges wurde der Landwehrmann Hermann L. aus der Kolonie Brügge, Kreis Soldin, der gegen die Russen focht, als vermißt gemeldet. Da bis Ende des Jahres 1916 keine Nachricht von L. bei seiner Frau anlangte, so mußte angenommen werden. daß der Ehemann gefallen sei. Infolgedessen ging die Frau eine zweite Ehe mit dem dortigen Besitzer B. ein. Dieser Tage jedoch erhielt die Frau von ihrem ersten Gatten einen zärtlichen Brief, in welchem er ihr mitteilte, daß er von den Rüsten in Sibirien inter- niert gewesen sei. Es sei ihm gelungen, infolge der russischen Wirren nach Kurland durchzuschleichen und sich dort bei dem nächsten deutschen Kommando zu melden. Nun hat Frau B. zwei Ehe- männer, die sie amtlich und gesetzlich durch das Standesamt er« worden hat._ Allgemeine Kranke«, und Tterbekassc der Metallarbeiter B. u. G. Hamburg. Filiale Baumschulenweq. Den SJi it- gliedern, welche in Treptow wobnen, zur Kenntnis, dag aui Zonnabend, den 13., abends von 8'/,— 10 Uhr, im Lokal von Boich, Eisemtr. 101, Ecke Kiesholzstratze, kalsiert wird. Allgemeine Familtenftcrbekaffe. Donnlag. den 14. April. Zahl- und Ausnahmetag von 8— 6 Ubr im Restaurant Gerichtstrage IT 13. am Sonnabend, den 20. April, in Wildau(Wlldaner Hos), von 3— t1/, Uhr. Srkefkasten der Redaktion. JnvaNbenrente. Der Antrag ist beim BerficherungSamt unter Einreichung der AusrechnungSbescheinigung, der letzten Quittungslarte und der Bescheinigung eines Arztes zu stellen.— D. F. im Felde. Eine soime Rctlamalion ist auSnchlsloS.— 191 Feldgrau. Für die Witwe eines Gemeinen 400 M., für die Witwe eines Sergeanten, Untcrossiziers 509 M., für die Witwe eines Feldwebels 600 M, für die Witwe eines Houp!- mannes, Oberleutnants und Leutnants 1200 M— I. 319 R. Auch wenn kein ichristlicher Bertrag gemacht ist, haben Sie Anspruch auf die Wohnung. Es würde sich ernpsehlen, da? MieteiiiigungSaint desweqen anzurufen.— G. P. 1«. Sie haben Anspruch aus Uuterslützung voin nächsten Zahltage an aus einen halben Monat.— W. E. 12. Soweit wir aus Ihrem Schreiben ersehen können, handelt es sich wohl um ein Sparguthaben für einen Jugendlichen, der bei einer Berliner Firma Be- schästiguna hatte. Der Antrag aus Auszahlung inügtc an das Vormund- schastsamt Berlin, Landsberger Str. 43/47, gerichtet werden.— Ehelich 32. Der Vater mutz den Antrag auf Ehelichkeit-Zerklärung an das Amtsgericht stellen. — Feldwebel 888. Die vorschrlslsmägige Ehrenbezeugung lann oersangt werden.— 4. P. 18. Seit 6. 12. 16.— H. 91. 53. Wenn der erste Teil des Testaments von Ihnen eigenhändig geschrieben ist. ebenio der zweite Teil von der Ehefrau, so ist das Testament rechtsgültig.— Z. D. 99. Da fein Anspruch aus Urlaub besteht. lann er Ihnen auch in diesem Falle verweigert werden.— C. R. Krankmeldung ist nicht nötig, wohl aber die Einreichimg eineS ärztlichen Attestes, worin die Jnvalidstät bescheinigt wird.— St. 500. Die Kosten gehen zu lkhlen Lasten. Wenn Sie den Ofsenbarungscid nicht leisten, wird der Gläubiger Sie in Zwangs- Haft nehmen lassen und event. den Lobn pfänden.— B». B.. Lichtenberg. Die Kündigung ist an jedem Wochentage zulässig, wenn nichts Be- iondereS vereinbaN ist.— Z. M. S'i. Wenden Sie sich mit einer Bc- schwerde an daS Militärbureau des Magistrats, Kloileritr. 68.- — Ea. II. 1. Bei Mangel an Verpflegunasmitteln werde» Sie sich damit zufrieden geben muffen. 2. Bestimmte Lerordnungen bestehen darüber nichl. Wenn die settballigen Lebensmittel nicht herankommen können, memnsic■ mit dem Ersatz vorlieb nehmen müsteu.- S. St. 11. Ja—.3. Sie haben jetzt Anspruch aus Unterstützung sür das Kind. Da aber die Vater-. schast bisher nicht anerkannt wurde, so werden Sie Nachbezahlung nicht verlangen können.— H. G. 1887. 1. Ja. 2. Wenn in dem Miels» vertrag auch der Bertrag über die Wohnung mit eingeschlossen ist, so müssen Sie jedenfalls mit Ausbebung des DienitvertrageS auch die Wohnung räumen.— Schweiz. Die Schübe können Sie sich obne weiteres schicken lassen, da sie Ihr Eigentum sind und schon in Ihrem Gebrauch waren.— Direktion Xax Keiniiardt. js>octsches Theater. V Utr: l»«n Carlos. bonnab.; Macht der Finstemss. Kammerwpiele. ''/jtThr: Snmiirn n. Volksbitlino. Theater am Biilowplatz. 7;u tJJir: Was ihr wollt. Sounab.i 75. 1. 11. i Die Richtige. T heater�KöniggrützerSlr. 8 Utr: StraBe a. Stehiaych. Komödienhaus 7,/< Uhr: Die SSarl«. BerlinerTheater 7 Uhr: Blltr, blaue« Blut. Theater iür Freitags, 12. April. Her hpub große Mtö-Splelplan! Ranehen gestaltet=-= Centrai-Theater Kommandantenstraßo 57. 7'/,; DlcCsartlasftlrstln feonntagg'.a Uhr: Jagend, stg. 12 Uhr: Die goldene Eya. Demtsclies Opernhan« St». 3*/, Uhr: Die KinokSnigin.| Komische Oper 7� njeliwarzwaliimäilsl. ; D. r?. Uhm___ Friedrlch-WHhelntst. Theater 7«/, Uhr: Kleines Theater iv. ohr: Hanie. Liaatsplelhan« 7*/, Uhr Die hionfett Mädels T.LinilenliGt Metropol-Theater ?'/. Uhr: Die Rose m Mui. Neues Operettenhaus SchiUbcL 4a. Kassen:. Nd. 281 7v.inw:BerSoIi!atiMarie. Hcaldonr-Theator 7./.uhr: Der junge Zar. Sehlller-Theator O 7v.uhx: Der MeiteerJ TAXATION AL»THEATER| i CSpenieker t.■ 71/ Deutsoh-Amerik- StraBe 68 9*' 2 Theater I tlrCßter Cacberfols! Die ist richtig! Sonntag nachmittag 8U;„ Joliannisfeuer". Yorverk.v. IQlT.pnaiiterbr. fa.Tiet«.. Raden u. Scherer) I Seblller-Th. Charl. Zum 1. Male: 7V. Uhr: Thalia-Theater T�interilerWienileiiltt Theater am Nollendorfplatz 7 Uhr: Theater de« Westen« TV, Uhr: lUllWig IIV. mit Ontdo Thielscher. Vorh.: Der Begimentszauberer Concordia-Liclitspiele Andreasstraße 64. Wieder Rose-Theater. IV, Uhr: Eine Waise. �Vaihsiia-Theater. Uhr: m MM»te»rs. Xiigl. 7V, Sonnt. 3V, n. 7'/, Karzes Gastspiel £ rn a O t f o k e t als Universal- Künstlerin und mit ihrem er. Ballett Dazu: Walter Steiner u. d. neuen April-Sper.ialität. I Schönhauser Allee 1481 Lichtspiel-Palast früher Pnhlmann Das greße Schlager-Programm vr Detektiv Story"*e Vierakter u- �rte Paul Beckers spielt ckie llanpt rolle in DerFliegentOtenheinrich Anfang 5 n. 7V, Uhr. Eintrittspreis von 54 Pf. an. üonntac nachmittag 3 l'hr: Große Jugend-Vorstellung. t»»J.- � - i.... 3 Schlager Lotte Heumann... Die Ehe der Charlotte van Brake. PersiBücli mmi:}j|[ in dem Schlager-Eostspiel: Baronin Kammerjungfer. Mia Mai Der schwarze Chauffeur. Kassenöfknung O Uhr. Berliner Konzerthaus. Manerstraße 82 Zinnnerstraße 90/91. Hente: ____ Großes Konzert d. Berliner JSängrervereinsE.V.(CüciiiaJIelodla) gegr. 1856, während der Kriegs/.eit unter Anschluß vom Berliner Sängerkranz 1861. Chormeister: Kgl. Musikdirektor Max Eschke. unt. Mitwirk. d.es Berl. Konzerthaus-Orchesters, Leiter; IComponist Franz von Blon. Anfang TU Uhr. Eintritt 30 Pt Anfang?>/, Uhr. Karton im Vorverkauf 50 Pf. bei Karl Schössler,\tallstr. 85, ! Loeser& Wolft, Spittel markt und Leipziger Straße, Ecke | rriodrichstr., Ernst Walther, Charlottenburg, Kaiserin- ' Äugusta-Allee 38, Oskar Schwien, Pankow, Broitestr. 39. ' Alle Vergünstigungen aufgehoben. Freitag keine Zlrkas-Voret Tägl. 7V, Sfg. ZV,». 7ll, U. Die neue Ausstatt.-Pantom. FrQhlingssplele. Zum Schiaß: Der grolle Wasscrabt. Sturmszene m. d. Wolken- brucii.— Kahnrutsch in den Enmewaldsce a«t SO Meter H9He. Vorher: l>a« n e n e April-Programm. ünolio | Fnedriehstr. 218. 7Blt Der S-'Ilegcr von Tsingtan | sowie die verblütfendsn Varietb- Attraktionen. | Theaterbasse ab 10U. ununterbr. geöffnet. Casino-Theater Lothringer Str. 37. Tägl. V«8 U. DasVolksstück von Ad. LÄrronge Auna�s Traum. Em heiteres Familienbild. Vorder da» neue April-Prvgr. Emil Merkel, Bruno RBgen usw. Sonntag 4 Ubr: Bajar.ao. leBBgaääaBaaäa Admiraispalast. Novität 1 Die Prinzessin von Tragant| | Sajdah• DentscbeTänze| VU Uhr. 2, 3, 4, 5, 6 M, Kaffee Luitpold lIotzetraBe 15. Kabarett. Frank Bergmann Pepi Pfeiller Martin l.iiwc und das große April- Programm. ttoigt-Tlieater. Badstr. 58. Badstr. 38. »ägk'ch 7»/, Itltr: RnhmnndLiebc. Sonntag, den 14. April 1318: Nachm.3U.:F!n»erlorenestebsn. Abends 7 Ubr: Ruhm und Liebe. Reichshallen-Ttieater. Allabendlich 7llt« Sonntag| nachmittag 3 Uhr; sr saaier. Nachmittags ermSSigte Pr.! I Trianou-Theater 's, 8 am Bhf. Frledrichstr.'/.H Tel.: Zentrum 4927 und 2391. Der Lebensschüler Komödie von Ludwig Fulda. Ida Wüst, Erich Kaiser-Titr, v.Möliondorfk, Elink. Kettner. Stg. 4 ü. kl. Pr.: Johannisleuer Erfinder wahrend dos Krieges grosse Erfolge k Rat zur Verwertung von Erfindungen kost en! os Norddeutsches Patentbüro, Aeltestes Bureau Berlins, Berlin. Friedriohstr. 9 9— 5, Sonntags 11— 1. 81L* HHBSESSTG�SESgRckSkRi�l Pracht-Lichtspieie Äckerstr. 38(Pappelplatz) Der Antiquar von Strasburg. Grotzer bramatischer Film n S Akten mit Gefoag. Ur.lOO— 191S Unterhaltungsblatt des Vorwärts 5rkitag,12.�prll Zrühlings-Trsum. Bon Hans Natonek. Jedes Jahr kommt der gleiche Trost, mit holder Zuberficht, den lieöen Blunie» und oll den kleinen unschuldigen Dingen. In den häßlichen Verlauf einer Welt, die sich selber martert und es nickt bzeitz, klingt der belle Ton der ewigen Natur, die grünend auf- bricht. Die erste Schwarzdrossel, die in den lauen Abend ihre Bruit ergießt, kann den mir diesem entarteten Leben Zerfallenen bersvbnen. Und das stumme Läuten der Schneeglöckchen überdröhnt den Ton der großen Glocken, die nicht mehr sind. Der Anblick des Kingebauchten Grüns über Bäume und Sträucher dringt wie die Botschaft einer ganz anderen Welt in die schmerzliche Brust. Ja, es muß im Kreise unseres Daseins doch noch andere Dinge geben, als großartige Staatsaktionen, blutige Fehde, schlimme Affären der Mächtigen und das bißchen lumpigen Kampf um Brot und Kleidung— zarte, kleine, gute, ewige Dinge; Dinge, die als unverbrüchliches Zeugnis einer waltenden Gottheit kommen und verzweifelnden Menschen zeigen, daß dieie arge Welt doch nicht völlig ausgestoßen ist aus dem ruhig atmenden Leben, in dessen göttlichem Dunstkreis diese Welt, trotz allem, gebettet liegt.— Und ringS um die mühselige Stadt atmen die Wiesen blau... • Ein Traum: mir war. als ob der Weltrevolutionär Trotzki, der seine Funksprüche.an alle" vergeblich in die Welt hinaus- gesandt halte, um die Menschen zu Aufruhr und Empörung anzu- stacheln, zu Nichts zerschmolz' vor dem Weltrevolutionär Frühling. Auch der funkle.an alle", mir den ersten warmen goldigen Sonnen- strahlen, die abendlich mild das vergrämte Leben streicheln, mit dem lieblichen Schimmer eines Blumenauges,— funkte tief in die csehnsuckt der Menschen hinein, bis sie großmächtig und urgewaltig, wie ein Föhn, ausbrach und über die Welt wehte. Und da stiegen die Menschen aus Erdböhlen und Gräben hervor, wie Auferstandene, und es waren keine Deutschen, Engländer und Franzosen mehr, sondern nur: Menschen. Und als die ersten Kövfe, Brüste, Leiber über dem Erdrand austauchten, da brach kein Morden los, sondern Augen, von Seligkeit des Lebens überstrahlt, grüßten den Himmel, in dem die ersten Lerchen jubelten. Hüben war es wie drüben. Der Mensch war erwacht und die Waffen sanken hin. Manche schmückten das Mordgerät mit Grün und Blumen, wie einst, als es hinaus- getragen wurde und noch ganz unschuldig war. Die Drahtverhaue rissen auseinander. Geschütze starrten mit großem runden Mund stumm in die blaue Luft. Ein Tank lag im Lehm auf dem Rücken wie eine umgedrehte Schildkröte. Flieger warfen Blumen auf die Städte. Gaswellen blieben ungeblasen in ihren eisernen Zylindern. In den großen Städten ruhte die Arbeit, ober es war kein Streik, sondern eine wahrhafte Feier. In großen Prozessionen wallten die Menschen und erlebten ihre Auferstehung. Plötz» lich war wieder ungemefienes Brot da, weißes Brot, lote durch ein Geschenk des Himmels, alles war da, denn die Welt ist unendlich reich, wenn der Mensch nur will und sie nicht freventlich verwüstet. In den Lüsten brauste ein Gesang wie von tausend Dankesstimmen. Und die Menschheit flutete brüderlich ineinander, wie ein innerst auf- gewühltes Meer. Jeder einzelne war außer sich, war irgendwie er- höht, von einem überirdischen Glanz gestreift, war ganz, ganz anders als sonst. Es war eine Revolution, bei der kein Tropfen Blut floß, kein Tbron wankte; kein gewaltiamer Umsturz und keine Zer- störung. ES war eine Revolution deS Anfbaus, der Erneuerung; eine Revolution des inneren Menschen, eine Wandlung von innen heranS. Und siehe, die genügte, um die Welt völlig zu revolutionieren, ohne daß jemandem Leid geschah. Vom Ilmichwung deS Meni chen kam das Heil, von nichts anderem sonst. Der Rausch des Frühlings brauste über die Völker und da wurden sie wach und erkannten daS wahrhaftige Leben, das sie getreten, gepeinigt, gemorder hatten nm eingebildeter Ziele und Röte willen. Da brach ein Frühling an. so voller Süße und Glückseligkeit, wie ihn die Welt seit ihrem Schöpfungstage nicht erlebt hatte. Solches träumte ich; und weinte, als ich erwacht war..' Regen zur Erde herniedcrrieselt oder wenigstens Wolken die Strahlen der Sonne abschwächen. Licht und Wärme find es zwar. die das Knospen und Keimen auslösen, allein die Rolle beider wird gewöhnlich stark überschätzt: die Pflanzen brauchen gar nicht so viel .wärmende Fcühlingssonne" und die große»Fülle blendenden Lichtes", wie mancher glaubt. Im Gegenteil, Kuosven und Keime wie auch die jungen Blätter vertragen ziemlich viel Kälte und kommen mit so wenig Licht aus — wenigstens zuerst—, daß sie sich gegen ein Zuviel schützen. Biel« Knospen und junge Blätter— ebenso übrigens zahlreiche andere Pflanzenteile— sind nämlich im Befitze einer Heizung, und diese Heizung ist das Anlhozyan, ein merkwürdiger ro:er Farbstoff, der beispielsweise die starke Rotfärbung der Blutbuchenblätter bewirkt. Das Authozhon ist imstande, Licht in Wärme um« zusetzen, was zuerst Kitt) nachgewiesen und später ein anderer Pflanzenforicher, Stahl, durch einen sehr hübschen Versuch verdeutlicht hat: er bestrich nämlich rote und grüne Blärter mit Kakaobutter, ernem Stoffe, der einen ziemlich niedrigen Schmelzpunkt hat; dann setzte er die Blätter dem Sonnenschein aus, und dabei ergab sich, daß trotz sonst gleicher Bedingungen auf den anthozyanrciche» roten Bläuen, die Kakaobutter jedesmal früher schmolz! Daß wirklich verhältnismäßig geringe Lichtmengen für die Entwicklung der jungen Blätter genügen, können aufmerksame Beobachter feststellen, indem sie die Blatientwicklung eines bestimmten Baumes oder Strauches wirklich verfolgen; anfänglich find die Blätter durch braungeiärble Schuppen auch gegen ein Uebermaß von Licht geschützt; ursprünglich sind sie gerollt oder gesällelt; zuerst bilden sich disRipven kräftig aus, und dann erst entwickeln sich die zarteren Teile. Immer ist ihre Lage so, daß sie nicht zu stark der Sonnenbestrahlung ausgesetzt sind, was man beispielsweise bei der Entwicklung der Kastanien- blätter ausgezeichnet sehen kann. Die zusammengefalteten Blätter brechen in aufrechter Stellung aus den Knospen hervor; dann schlagen sie sich herab, so daß die Spitzen der Erde zugewendet sind, und erst, wenn sie eine genügend starke Oberhaut haben, richten sie sich soweit auf, daß sie fast parallel zum Erdboden stehen und das Licht voll auffangen. Im Schutze bereits vorhandener Blätter, also im Schalten, entwickeln sich dann weitere Blätter. Wenn das Laubkleid des Baumes vollendet ist, steht kaum ein Blatt im Schatten eines anderen; im Geoenteil, die Blattverteilung und Blattstcllung ist nun so, daß jedes Blatt möglichst viel Lickr empfängt, und wenn mau unter einem vollbelaubten Baume steht, kann man den Himmel kaum au einer Srelle durch die Blätter sehen; die Krane wirkt wirklich wie ein lückenloser Schirm. Wie bringen die Blätter da-Z zuwege? Es gibt verschiedene Lösungen dieser Aufgabe, die man mit dem Schlagworte Blattmosaik zu- sammenfassen kann. Betrachtet man den Zweig einer Buche(Not- oder Weißbuche) mir eirlsalteteu Blättern, so sieht man, daß die Bläiter verschieden groß find und so steheu, daß die kleinereu sich in die Lücken der größeren einfügen; außerdem sind die Blätter nicht symmetrisch. sondern schief; die innere, dem Zweig zugekehrte Seite ist etwas schmaler, außerdem ist sie nahe dem Grunde verflacht und ein- gezogen, wodurch c? möglich ist, die unter spitzen Winkeln nach poru stehenden Blätter an beiden Seiten des Zweiges in eine ivagerechie Ebene zu ordnen, ohne daß der größere Teil der Blatiflächen zur Deckung kommt. Aehnliche schiefe Blätter haben unsere Ulmen und Linden. Eine andere Art de? Blalimosaiks haben alle deutschen Ahornarten; auch bei ihnen sind die Bläuer verschieden groß, aber die Hauptsache ist, daß auch die Blattstiele verschieden lang sind. So ist eS möglich, daß kleine, kurzgestielte Blätter in den Lücken zwischen den größeren, langgesiieltcn stehen. fragt wurde, meldete er sich, um mit'Bangen zu erklären: Er wisse noch nichts. Ms dann der Lehrer ihm zuredete, daß inan in der Schule«mit Ehren als unbeschriebenes Blatt sitzen" Imme, blieb er freudig da. Ludwig Ret lsta b erzählt von seinem ersten Gang in die Schule:„Ich weiß nicht, wie es Eom, daß mir unter allen ängstigenden Vorstellungen, die ich nnterwsgs den dem neu«: LebenSlos hatte, die vorläufig die beängstiflende war, daß der Lehrer mir wohl gar einen Kuß geben oder avsorder:: könne, llrch richtig, dieser mich erschreckende Fall trat, bei der Freundlichkeit des so wohilgesinnten Wauues, den ich wach Jahren«och'öfters die Hand gedrückt, ein. Der Kuß aber betäubte mich förmlich, ich erstaunte beinahe, mich noch lebendig und wohlauf zu finden, als der furchtbare Augenblick vorüber war." Ost ist es«der nur die Empfimdung von dem Verlust der Freiheit, die sie Angst vor der Schule hervorruft. G. G. Gervinns zeigte sich in den ersten Lebensjahren zu Hause bei großem JJqnn zum Sp-icklen, fo lenwegabt, daß seine Lerngeschicklcchtei: den Schall- gang Ms gegen sein achtes iguhr vorschob. Dann aber selbst sträubte er sich mit so eigeusiumgen Tränen dagegen, daß Drohwort«md Schläge ihn auf den ersten Schillgong begleiteten. E ruft W schert, der„Richter und Dichter", wurde zu seinem Entsetzen in eine Mädchenschule gebracht und hatte Angst, er rönne dort selbst als Mädchen angesehen worden, zumal er w Ermangelung der nicht fertig gewordenen Schulmappe einen Pouivadc-ur für. Tafel und Fibel nehmen mußte.„Heulend", so bevichiet er,»wurde ick nach der Schule mehr geschleppt als geführt, und dort machte ich soviel störenden Lärm, daß zuletzt nur übrig blieb, mich urit esltem anderen Knaben(er hieß D-iestel und ist Schuldirektor in Dresden geworden) in ei:« zu besonderem Zwecke eingerichtete Kammer zu schicken, in der ich mich denn auch beruhigte." B o g u m i l Goltz erzählt, daß seine Schwester und bisherige Lehrsrin ihn in die Schule brachte.«Und so tongc ich mich in ihrer Nähe iv-ußse, war. icb unverzagt und gefaßt; als sie aber nach einer burMc Ermahnung für inehre tfetite Person sich der Fmu Direktorin empfahl, da füäflle ich mich zum ersten Mal in der Fremd: und verlassen, dem Weatan viel näher als dem Lachen." Junges Laub. Wenige warme Frühlingstage baben genügt. Büsche und Bäume in das erste grüne Laubkleid zu hüllen. Geißblatt, Stachelbcer- uiid Johannisbeersträucher haben bei der Blarreniwicklung den Reigen eröffnet, die übrigen Laubhölzer folgen jetzt, und Luiden Eichen und Platanen bilden den Beschluß. Und wenn das richtige Frühlingswetter nicht durch einen Kältorückschlag unterbrochen wird. werden bald die grünen Laubklcider fertig sein. Was aber ist richtiges Frühlingswetter, wie es daS junge Laub verlangt? Für die Pflanzenwelt sind richtige Frühlingstage die, in denen lauer Der erste Schultag. Di« m«sien Reinen Schul rekruten, die jetzt wieder zum ersten Male den Weg zur Schule amtveten, werden dies litcht ohne Bangen tun, denn das Unbekannte wird sie schrecken. Sie werben es viel- leicht erst wach vielen Jahren, wenn sie am Schlüsse ihres Lebens Erinnerungen niederschreiben, singeste bem. Und wenn wir in solchen LchcMsemnnemrngen nachlesen, so gab es«nter den nachmals borühnrden Mäwnern nur sehr wenige, die sich zur Schule drängten und hingezogen fühlten. Zu ihnen gehörte Laube, der im fünften Jcchre borsits diesen Weg antrat, vn einer Wesre, die ihm die Mutter aus ihrem Brautkleide gemacht hatte, und ans die er sehr ftokz war. Aber der Lelwet nahm zu des kleinem Laube Aevger kerne Nvtiz von diesem Schmuckstück, und der Lehrer fand sogar, dag der Knabe zu dumm sei für die Schule. Als Gutzkow. siebenjährig, de» ersten Schultag erlebte, war er sehr schwer nur in die Schirl« zu bringen. Er erhob ein Zstermordio«ruf der Straße, und die Leute mußten ihm gut zureden, daß er der Schwester, die ihn in die Schute bringen sollte, folge. Er hatte sich eingeredet, daß man bereits lesen und schreiben können müßte, fo- bald man in die Schule komme. Bevor er noch in der Schule ge- Notkzen. — Der Verband der Freie« Volksbühnen ver- anstecktet am 5. und 6, Matt in der Philharmouie Anftiihrnngen von Möhlers II. Symphoulie unter Leitung von Oskar Fried mit dem Philhcrrmcmlischen Orchester irnd dem Dackinst Volkschor. — Berliner Premierenpreise. Das Deutsche Theater muß die don der Kritik einhellig abgelehnte Beroperuicg uns Ver- pantomimung Moliöres s-hr hock einschätzen oder die Koniunktur sehr rücksicktslos ausnützen: die bessereu Plätze kosteten am Dienstag llü und die hintersten Parkettplätze noch 20 M. Da die hochgespannten Erwartungen bei der dekorativen Schon nicht auf ihre Rechnung kam, herrschte Flanstitnmung. Einige noch nicht moliörisch erzogene Bürger gerieten sogar in lebhaften Wotrwecksel, weil si: sich beim gezahlten Preis(von Zwi'chen- händlcrn?) übervorteilt glaubten.— Nachträglich kündig: das Deutsche Theater au, daß der Mchrerlrag für die Pflege des Kkeistgrabes am Wannsee verwendet werden soll. — Di« Führu erg durch die Nativnalgalerie, Lichtbildervortvaig von Dr. Mag; Derii, wird Dienstag, der: 23., 8 Uhr, wi«der'«lt. — Hebet eitt neu«s radioaktives Element be- richtete i-n der Tamuig der Deutschen Buttsengeütllichast Fr!. Dt. Life Meitner. ES konnte die bisher nur hypothetisch angenommene Muflerstibstanz de» Llfrtnikrniä' nachgewiesen...und in. rgdioaMv reinem Zustande dargestellt rverden.. Die Le&etiZdaner der neuen Substanz ist sicher größer als 1000 Jahre. Für die neue Substanz wird der Name Protattiniienm vorgeschlagen. — D a S a lte B i ld. Es ist kein alter Holländer, kein Objekt für steuersch-ueri Kunstsinn von KriegSgewiunern. Es ist bloß eint Photographie, und sie ist gar erst sieben Jahre alt. Aber als ick sie letzthin hervochoile und betrachtete, bewegte sie mich doch seit- fnm. Sie stellt nichts weiter dar als den Parteitag, den die deutsch- österreichische Sozialdemokratie 1311 in Innsbruck abhielt. Man steht als Vorsitzenden in kraftvoller Haltung Pernerstorfer, der nun tot ist, man sieht im Halbdunkel au der Seite Friedrich Adler, der im Kerker sitzt, und an einem Tisch unweit von dem zeitunglejcuden KautSkh den Trotzki, der damals noch als ausländischer„Schnorrer und Verschwörer" seine Zeit verbrachte. Auf den Tischen flehen Kaffeetassen. Tiroler„Viertele" flaschen und— gefüllte Streichholz- ständer. Die Delegierten sehen meistens ernst drein, aber weder düster schwer, noch mit eingefallenen Wangen. Und man sieht unter i all den Hunderten Menschen keine einzige Uniform. Sj Pioniere. Roman ans dem Norden von Ernst Didring. Aber es kamen auch lange, ruhige Strecken, wo die Jzahrt sehr friedlich war und der Schlitten fast unmerklich durch all das Weiße dahinglitt. Da stellte Ljung sich vor, er läge in einem großen, feinen Bett mit weichen Polstern und hätte eine dicke, weiße Decke über sich. Schließlich schien ihm. er sei in eine warme Wolldecke gewickelt, und der Ge- danke gab ihm das Schlafgefühl wieder. Er schloß die Augen und meinte zu sterben. Er hörte die Glocken läuten. Das be- stärkte ihn in dem Glauben, daß er tot sei. Und die Flocken deckten ihn immer besser zu. Pikfein war das! Ter Schlitten glitt still und leise in eine weiße Traum- Welt hinein. Er wachte davon auf, daß er sich im Schnee herum- wälzte. Es>var schon dämmerig, und es dauerte eine Weile, bis er sich klar gemacht hatte, daß er vom Schlitten gefallen war. Er versuchte sich aufzurichten, sank aber bis zu den Hüften in den Schnee ein. Er schlug wild um sich und rief ein paarmal. Dann lauschte er. Zunächst hörte er keinen Laut. Aber dann meint« er die Pserdcschellen fern, sehr fern zu hören. Dann war auch dieser Laut erloschen.„Banernkanaille!" murmelte Ljung. Bei seinem Nmherkrabbeln gelang es ihm endlich, wieder auf den Weg zu kommen. Dort war es nicht viel besser. Freilich fühlte er Boden unter den Füßen, aber der Schnee reichte bis zu den Knien, und es war ermüdend, vor- ivärts zu patschen. Er zog die Mütze bis an die Augen und trottete los. Anfang ging alles gut, wenn er auch ab und zu zur Seite taumelte und gegen die Pfähle aui Wege rannte. Die Müdigkeit forderte doch ihr Recht. Er ging lange und über- legte bei sich selbst, wie schön es sein würde, wenn er eine Weile schlafen könne, nur eine kleine Weile, nur eine Zeit- lang am Wege sitzen und ein Schläfchen machen. Er wackelte mit dem Kopf und schluckte, während er müde die Beine nach- schleifte. Er wußte nicht, ob er vorwärts oder rückwärts ging. Alles um ihn her war eine wollige, weißgraue Dämmerung. Seine halboffenen Augen unterschieden nur noch mit knapper Rot die Pfähle. Dann und wann kitzelte ein roter Fetzen Zeug den Sehnerv einen Augenblick, und dann raffte er sich auf, aber nur, uin sofort in desto tiefere Stumpfheit zu sinken. Wie er so ging, stolperte er und siel neben einem Pfahl nieder, an den er sich anklammerte. Er lag eine gute Weile willenlos da. dann jedoch über- kam ihn eine Art Galgenhumor. Erfahren sollten sie aber doch, wo er lag! Jawohl! Damit sie später einmal das Gerippe nach Hause schleppen konnten! Er legte sich auf die Knie, richtete sich m!t Hilfe des Pfahls auf und brach das obere Ende ab. Dann nahm er das Taschenmesser und machte einen Einschnitt in den Pfahl. Lange stand er so still und hielt sich am Pfahl fest, ohne zu wiffen, was er wollte. Sein Verstand war im Stillstehen, aber da tauchte in den Tiefen seines Hirns ein kleiner Funke auf und wuchs und wuchs. „Jawohl!" sagte er halblaut. Er knöpfte die Joppe auf und wßhlts tn der Innentasche, bis er das Arbeitsbuch gefunden hatte. Aus der Hülse holte er den Bleistift hervor und kritzelte mit unendlicher Mühe auf eins der Blätter: Hier ruht Lsnng. Er riß es heraus und klemmte eS oben in den Einschnitt des Pfahls, den er mit dem Messer ertveiterte. Nach dieser Riesenanstrcngung war seine ganze Energie verbraucht. Er stand da und grinste idiotisch vor sich hin, dann entfiel ihm das ArSeitsbuch, und er sank wie ein leerer Sack neben dem Wege im Schnee zusammen. Es schneite noch immer ganz sacht. Große, mächtige Flocken. Der Fuhrknecht wachte erst ordentlich auf als jemand ihn unsanft am Arm faßte. Der Schlitten stand vor den Baracken in Tornehamn, wohin das Pferd zu gehen gewohnt war. Am Fenster war Licht. „Wie lange willst du hier noch sitzen und schlafen?" brüllte ihm eine Stimme in die Ohren. „Halt's Maul!" antwortete der Bauer und stieg ab. Er ging zum Pferd hin und spannte es aus. Dann stellte er es in den Schuppen und legle ihm�eine Decke über. Als er zurückkam, knieten fünf Kerle auf dem Schlitten und durchstöberten ihn. Er sah sie wütend an. „Zum Teufel, wo ist denn Efraim Ljung?" brüllte er. »Das mußt du doch wissen", antwortete einer. »Ist er nicht hier?" »Nein!" „Das ist doch nicht möglich. Er lag doch auf dem Schlitten, al? ich am Vassijaur vorbeikam. Dann muß er runtergepurzell sein", sagte er. Die fünf hielten im Suchen inne. Eine Sturzwelle von Fragen entfuhr ihnen. Wann er den Vassijaur Passtert habe? Ob er den ganzen Weg besoffen gewesen sei? Ob er den richtigen Weg genommen habe? Der Fuhrknecht antwortete so gut er konnte. „So ein Aas! Sieben Stunde« langt" schrien sie und wollten ihn verprügeln. Aber der Bauer kannte die KerkS. Er entkorkte eine Flasche, die er unterm Schlitiensttz hatte, und ließ sie herum- gehen. Das beruhigte die Gemüter für eine Weile, aber dann begann der Spektakel von neuem. In diesem kritischen Augenblick kamen Landström und Gerell ans der Kantine und gingen an dem Schlitten vorbei. „Was ist denn hier loL?" fragte Landström. Alle fünf Arbeiter redeten durcheinander. „Einer allein!" schrie Landström. In wenigen Minuten war ihm die Situation klar. „Du spannst das Pferd wieder ein", befahl er dem Fuhr- knccht. Als dieser Schwierigkeiten machte und jammerte und daS Pferd bedauerte, wurde Landström wütend. „Ihr schont die Pferde wohl immer so sehr? Und dabei laßt ihr sie stehen und erfrieren, wenn ihr besoffen seid! Schade um das Pferd? Und Ljung? Js es um ihn nick t schade? Und es ist ja nicht weit von hier, wie du sagst. Er war noch da, als du am Vassijaur warst, sagst du. Mar du lügst Wölfl, denn du warst besoffen als es Pokerte, und toeißt von nichis. Spannt das Pferd vor!" sagte er zu einem der Arbeiter. „cschaufefn und Laternen," befahl er den andern. „Kommst du mit?" fragte er Gerell.„Du Äst ja Jäger und kannst im Dunkeln sehen wie eine Katze!" „Natürlich komme ich mit. Es macht ja Spaß!' ant- tvortete Gerell. Fünf Minuten später war die Nettungsexvedition fertig und zog zum Vassijaur hinauf.(Forts, folgt.) MWl WüMkeiker-VllSM. ? crwnllnngssteve verltn. Zi S4, Linirnstrasze«3- ti'r'chsstSzrit von v— 1 U6t und von 4— 7 Uhr. Telephon: Amt Norden ISS, 1239, 1987, 9714. 85 Klmaufchlager.- Nchtung I 0ijnafng, dcn 14. April ct., vormittus« 10 Uhr, i» Lokal vop kl nrn'ft«»!. Sophienstr. 5: M�ansSfen-Vetz'Kammlung der Banauschlüger« Tagesordnung: 1 ScihqndscmgclegrnMkn und vranchenangelegeubeiten. 2� Dislülsion. 3. BcrWedcneS. 110/10 (S-J ist dringende Pflicht der Kollege», zahlreich und pllnlt. 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