Nr. 10S. 38. Jahrg. «ezugSprets: »i-rtryShrl.4L0MI. monatl�FOiM. srei mS Haus. vorauszahIbar.Einz�n« Nummern 10 PIg. Loilbezug: Monat- lich 1�0 MI. Unter Kreuzband für Deutichland und Oesterreich- Ungarn S,— Ml, für das übrige Ausland s.so Ml. monatlich. Serland ins Feld bei direlter Bestellung monatl. l�o MI. Postbestellungen nehmen an Düne- marl, Holland. Luxemburg, Schweden und die Schweiz. Eingetragen in die Post-Feitungs-PretSlis». Erscheint täglich. Tetegramm- Adreffe: »Eozialdemokrat Berlin', Verlinev VolksblAkk. Anzeigenpreis: DiefiebengeiballencKoloneizeUclostet 80 Pfg.„Kleine ülnze'geu", dos fettgedruckte Wort 30 Pfg.(zulllssig 2 fettgedruckte Ä-ortcl, ledes weitere Wort>5 Pfg. Stellengesuche und Schlafstellenanzeigen das erste Wort SO Pfg, icdes weitere Wort tv Pfg. Worte über l5 Buchslaben zählen für zwei Worte. Teuorungszuschlag 20%. Familien-Anzeigen, oalitiichc und gewerkschaftliche Vereins- Anzeigen so Pfg. die Zeile. Anzeigen für die nächste Siummer müssen bis» Uhr nachmittags im Hauvtgeschüst. Berlin TW. 68, Lindenstrasze 3, ab'eg eben werden. Geöifnei von 8 Uhr früh bis 7 Uhr abends. ZcntraXorqan der rozialdemokratifchen parte? Dcutfcblands. Neöaktjon: SW. 6$, Lknüenstraße 3. Mernivrecher:»mr Mortvpla»- Str. IS1 S«— 151 97. Mittwoch, de« 17 April 1918. Expedition: Stv. HS, �inöenftraße 3. Uernfprecher: Amt Morthplatt- Str. 151 90—151 97. BaiUeut ift genommen. Angriffserfolge au der Lys.— Weg- nähme der Wytschaete-Trichter.— Eroberung der Höhen zwischen Nieuwekerke und Bailleul.— Vergebliche englischfranzösische Angriffe am Luee-Bach.— Vorstoß bei der Tammerfors— Wiborger Bahn. S erlitt, IS. April 1918, abe«d«. Amtlich. Die Höhen von Wytschaete wurden gestürmt. Baillenl ift genommen. Amtlich. Gr, je» H»»»t,»«riirr, 1«. April 1V1».(W. T.».) Westlicher Kriegsschauplatz. Auffriffe auf de« Schlachtfeld«»» der Ly< fihrten zu vollem Erfolge. Di« große» Spreagtrichter aus der Wytschaete» Schlacht 1.917 wurde» im Handstreich geaomme». Nach karze« Feuer- schlag erstürmte» wir m überraschende« Angriff Wulvergem und die feindlichen Stellungen beiderseits des OrteS. Gegen- stöße englischer Kompagnie» brachen völlig zusammen. Bon der Ebene heraus erstiegen mrsere Truppen im Angriff die Höhen zwische» Nienweterle»nd Baillenl nnd entrissen st« i« heftigen Rahtampf de» Feinde. Englische Angriffe gegen L» e»« scheiterte». Au der Schlachtfront zu beide» Seite« der So««« nah« der Artillerirlampf nur am L» c e- v a ch, in d� Gegend von Morenil nnd Montdidier größer« Stört« an. Bei Ab- wehr eines von Engländern nnd Franzosen gemeinsam durch- geführten Angriffs nördlich vom Lnee-Bach machten wir Ge» fangene. Am Oise»Ai»«e-Saaal»nd aus de» W e st» f e r der Mosel führte» wir erfolgreiche Nntrrnehmunge» durch. Osten. Finnland. I» Lovisa köstlich von HelsingforSI nach yeberwindung schwieriger EiSverhöltniffe gelandete Truppen stießen über LapptrarSk nach Norden vor, brachen mehrfach feindliche» Widerstand nnd habe» die von Tammerfors nach W i t» r g führende Bahn östlich von L a h t i erreicht. Der Erste Generalauarticrmcister. Ludendorff. Der österreichische Bericht. Wien, 16. April ISIS. A m t l i ch wird verlautbart: An der itaNrnischcu Front nichts von Belang. Der llhef des GcneralstadeS. der stampf an öer Lpsfront. Berlin, 16. April. Bri den Kämpfen an der Lawe wnrdc festgestellt, daß die Engländer infolge des neuen deutschen Angriffs beiderseits Armentieres in größter Hast alle entbehrlichen Mann- fchaften, Ordonnanzen, Burschen»nd Tankbcsavungen aus den rückwärtigen Orten verladen und sofort nach Ankunft in der Kampf- front als Infanterie eingesetzt habe«. Englischer Heeresbericht vom IS. April morgens. Die heftige Schlacht dauerte gestern den ganzen Tag über»m Neuvc- eglrsr herum an. Nachdem unsere Truppen zahlreiche Angriffe ab- geschlagen hatten, wurden sie schließlich zum zweitenmal gezwungen, sich aus dem Dorfe zurückzuziehen. Starke Angriffe tourden gestern nachmittag vom Feinde an einer Anzahl anderer Punkte der Schlacht- front unternommen. Nordwestlich von Merville fand ein wütender Kampf statt mit dem Ergebnis, daß die deutsche Infanterie unter großem Verlust zurückgetrieben wurde. Die feindliche Infanterie, die längs des N o rd u f e r s des L y s- K a n a l s vorrückte, wurde von unserem Artilleriefeuer empfangen und konnte ihren Angriff mcht entwickeln. Im Laufe des Tages unternahm der Feind nicht weniger als sieben Angriffe im Abschnitt von Merville, die alle mit schweren Verlusten für seine Truppen abgewiesen wur- den. In einem Falle rückte der Feind in fünf Wellen zum Sturme vor. Unter der Wucht dieses Angriffs wurde unsere Linie leicht zu- rückgebogen, jedoch durch unseren Gegenangriff vollkommen wieder- hergestellt. Südwestlich von Bailleul gelang es Teilen des Feindes, in unsere Stellung einzudringen; sie wurden aber durch unseren Gegenangriff vertrieben und unsere Linie wiederhergestellt. Eine gelungene kleinere Operation wurde per- gangene Nacht von uns bei Kobcoq(?) ausgeführt und mehrere Ma- schinengewehre und 156 Gefangene zurückgebracht. Heute morgen wurde der Kampf auch südlich der Somme in der Nähe von Hcmgard aufgenommen, Unsere Stellung wurde in diesem Abschnitt ver- bessert und eine Anzahl Gefangene von uns gemächt. Letzte Nacht war die feindliche Artillerie in der Nähe von B u c q u o y tätig. Englischer Heeresbericht vom IS. April. Ein Gefecht fand heute nachmittag in der Nähe von Bailleul uiud Wulverghem statt und dauert an. Von der weiteren Schlacktfront an der Lys ist nichts Besonderes zn melden. Feindliche Artillerie zeigt sich rührig an einigen Absckfnitlen, besonders zwischen Givenchy und R o b e r q. Deutsche Jnfanterieabteilungen, die sich längs der Straß: La Bassee— Estaires bewegten, wurden von unserer Artillerie wirk- sam beschossen� Von den übrigen Teilen der britischen Front ist kein Ereignis von Bedeutung zu melden. Englischer Heeresbericht vom 16. April morgen». Gestern abend unternahm der Feind nach vorangegangener starker Beschie- tzung einen sehr heftigen Angriff gegen unsere Stellungen zwischen Baill eul und Neuv« Eglise. Der Sturm wurde von 3 Di. Visionen deutscher Kerntruppen unternommen.(Die nächsten Worte find verstümmelt.) Unsere Truppen an dieser Front haben sich auf die nächsten Stellungen nördlich von Bailleul und W u l- v e r g e m z u r ü ck g e z o g e n. Baillenl ist in die Hände des Heindes gefalle». Heute früh entwickelten sich neue deutsche Angriffe in der Nähe von W h t s ch a e te. Heute, am frühen Morgen, griff der Feind auch südwestlich von Vieux B er q u i n unter schwerem Artillerie- und Grabenmörserfeuer an, wurde aber zurückgeschlagen. Eine An- zahl Gefangene wurde von uns während der Nacht bei einer er- folgccichen kleineren Unternehmung südöstlich Kobecqo eingebracht. Von der übrigen britischen Fnwt ist nichts von besonderem Jnter- esse zu melden. Die neuen Steuern. Berlin, 16. April. Der Bundesrat hat den nach- folgenden St cuergesetzent würfen seine Zustim-. mung erteilt: 1. Entwurf eines Gesetzes üder das Lra»ntwritt- Monopol, 2. Entwurf eines Biersteuergesetzes, 3. Entwurf eines Weinsteuergesetzes, 4. Entwurf eines Gesetzes zur Aendcrung drS S ch a» m- Weinsteuergesetzes, 5. Entwurf eines Gesetzes, betreffend dir Bestcnernng von Mineralwasser« und künstlich bereiteten Getränken, 6. Entwurf eines Gesetzes, betreffend Aendcrung des Ge. fetzes, betreffend eine mit den Post- und Tele- graphen gebühren zu erhebende außerordent- liche Rcichsabgabc, vom 21. Juli 1916(Reichö-Gesetz. blatt 0. 577), 7. Entwurf eines Gesetzes über die Kriegsstener der Gesellschaften für das vierte Kriegsge- schäftssahr, 8. Entwurf eines Gesetzes zur Aendernng des Reichs- ft e m p e l ff e f e tz c s, 9. Entwurf eines Gesetzes z«r Aendcrung des Wechsel- stempelgesetzrs, 19. Entivurf eines Umsatz st euergesetzes, 11. Entwurf eines Gesetzes gegen die Stener- flucht. Die Gesetzentwürfe werden dem Reichstag noch im Laufe des heutigen Tages zugehen. Satum in türkij�en tzänöen. Konstautiuopel, IS. Apiil. Amtlicher Bericht. KaiikasuSfront: Die Festung Batum ist gefallen. Nachdem der hartnäckig sich verteidigende Feind Schritt um Schritt auf dem Gürtel der Festung zurückgedrückt worden war. begann am 13, April abends der Angriff auf die Werke der Südostfront. In erbillertcm Ringen gelang linieren tapferen, von frischem Angriffsgeist beseelten Truppen der Einbruch in die stark verdrahleten und ausgebauten Werke dieser Front. Während im weiteren Verlauf des Angriffs einige Nachbar- werke die weiße Flagge hißten, leisteten andere bis zum letzte» Augenblick zähen Widerstand. Die Besetzung der Stadt und des Hafens vollzog sich ohne Kampf. Eine Abordnung der Bürger begrüßte unsere Truppen. In der Stadt herrschte Ruhe.— Die Zahl der Gefangenen und die Beute sind nach nicht seftgestellt. Die blutigen Verluste des Gegners sind schwer. O e st l» ch des W a n» S e e s ist S e r a i von uns besetzt.— Auf den übrigen Fronten keine Ereignisse von Bedeutung. Bat n ms Handels ivirtschaftliche Bedeutung fft groß. Hier mündet die südliche Linie der Kaukasusbahn, die von Baku am Kaipisee herüberführt. Da Odessa und die Donau- Mündungen von den Mittelmächten beherrsciit werden, ist init der Besetzung BatumS der wichtigste Play für die Verkehrs- Verbindung mit Zentralasien freigemacht worden. Es wird allerdings noch einiges zu tun bleiben, die Bahnlinie in ganzer Erstreckung endgültig zu sichern. Die Aussichten eines Wahl- kampfes in Preußen. Mehrfach hat die preußische Regierung feierlich der- sprachen, zur Durchführung ihrer Wahlvorlage auch die schärfsten ihr zu Gebote stehenden verfassungsmäßigen Mittel anzuwenden. Das bedeutet die Ankündigung der Auflösung des Abgeordnetenhauses für den Fall einer Ablehnung des gleichen Wahlrechts. Wie die Dinge stehen, muß nach den zweimaligen Kommissions- beschlüssen mit einer solchen Ablehnung ernsthast gerechnet werden, und da die Regierung bisher keinen Anlaß geboten hat, an der Ernstlichkeit ihres Willens und der Aufrichtigkeit ihrer Erklärungen zu zweifeln, so rückt ein Wahlrechts-Wahl- kämpf in immer greifbarere Aussicht. Da dieser Wahlrechtskampf noch unter dem gelten« den Dreiklassenwahlrecht geführt werden muß, so sind Sonne und Wind sehr ungleichmäßig bei ihm verteilt, die Anhänger des gleichen Wahlrechts fechten von vornherein in zehnfach ungünstigerer Position. Wäre das nicht, so könnte gar kein Zweifel bestehen, daß die Wahlrechtsfeinde in diesem Wahlkampf so entsetzlich zusammengehauen werden, daß man kaum eine Parallelerscheinung in der Geschichte der Wahl- kämpfe finden würde. Andererseits besteht aber auch kein Zweifel, daß die Stimmung für das gleiche Wahlrecht nicht nur in den Arbeiter- kreisen, sondern auch in weiten Kreisen des Bürgertums so gewachsen ist, daß sich ihr Einfluß selbst in dem Zerrbild, daS die Dreiklassenwahl von der Volksstimninng gibt, widerspiegeln muß. Der Ausdruck solcher Massenstimmungen kann durch ungerechte Wahlsysteme wohl abgeschwächt, aber doch nicht gänzlich beseitigt werden. Nun ist allerdings in letzter Zeit mehrfach ein Bedenken, laut geworden, daß sich dahin zusanimenfassen läßt, ob nicht doch gerade die Eigentümlichkeiten des Dreiklassenwahlrechts die wahre Wählerstimmung völlig unterdrücken würden. Man argumentiert folgendermaßen: Die besten und meisten Wähler für das gleiche Wahlrecht stehen im Felde. Unter den Daheim- gebliebenen aber befindet sich der ganzeHausen der Kriegs- g e w i n n l e r und Kriegswucherer. Bei gleichen Wahlen könnten diese freilich keinen Schaden anrichten. Aber das Dreiklassenwahlrecht konzentriert ja allen Einfluß auf den Geldsack, ans den Besitz. Bei einem Wahlkampfe während des Krieges hätten also die Kriegsgewinnler das Heft in den den Händen. Sie müssen jedoch ihrer Natur nach Gegner des gleichen Wahlrechts sein. Denn ein abgestuftes Wahl- recht in Preußen, das den Besitz ausgiebig berücksichtigt, er- scheint ihnen als das sicherste Bollwerk gegen hohe Besitz« und Vermögenssteuern. Solange noch der Satz gilt, daß die direkten Steuern nicht vom Reiche, sondern von den Bundes- stauten erhoben werden, haben jene Kreise das größte Jnter- esse daran, um mit den, Januschauer zu reden,„das Porte- monnaie der Besitzenden" nicht an ein Parlament des gleiche» Wahlrechts auszuliefern. Es ist zweifellos richtig, daß bei jetzt erfolgenden Neu- Wahlen unendlich viel Freunde des gleichen Wahlrechts von der Wahl ausgeschaltet und der Gnfluß der Kriegsgewinnler durch das Dreiklassenunrecht sehr erhöht sein wird. Dies Moment wird bei der Beurteilung des Wahlergebnisses sicher zu beachten sein. Aber man soll es nicht überschätzen. Nichtig- ist auch, daß bei einer Auflösung des Abgeordnetenhauses die Neuwahlen noch währenddes Krieges erfolgen müssen, denn nach Artikel 51 der Preußischen Verfassung haben sie binnen 60 Tagen nach der Auslösung zu erfolgen. Die 9ie- gierung könnte allerdings Neuwahlen während dcL Krieges vermeiden, indem sie das Abgeordnetenhaus nicht auflöst, sondern schließt und die Auflösung erst nach Friedensschluß ausspricht. Aber eine solche Auflösung würde weit weniger Eindruck machen als eine, die unmittelbar ini Anschluß an die Ablehnung der Regierungsvorlage ausgesprochen würde. Außerdem würde diese Taktik die Erledigung der Wahlreform wieder aus unbestimmte Zeit verzögern, ein Zustand, der doch gerade vermieden werden sollte. Also wird um die Neuwahlen während deS Krieges nicht herumzukommen fein. Und hier liegen die Aussichren doch weit günstiger als die übertriebene Furcht vor dem Wider- stand der Kriegsgewinnler es erscheinen läßt. Voraussichtlich wird die Entscheidung über die Wahl- reform nur an wenigen Stimmen hängen. Setzen wir die Ablehnung voraus, so wird sich zeigen, daß eine Vcrnwhrung der Anhänger des gleichen Wahlrechts uyi auch nur zehn oder fünfzehn Mandate schon vollauf genügen würde, um der Regierungsvorlage in dem neuen Hause eine Mehrheit zu sichern. So sehr auch vom moralischen Stand- punkte ein überwältigender Sieg der Wahlrechtsfreunde zu wünschen ist, so genügt doch vom taktischen Standpunkte aus das ganz geringfügige Verschiebung deS gegenwärtigen Mandat- besitzes. Der entscheidende Gewinn kann möglicherweise schon vor der eigentlichenWahl erzielt werden, nämlich bei der A u f st e l l u n g der Kandidaten. Es ist ja hin- länglich bekannt, daß die große Mehrheit der nationallibe- ralen Partei für das gleiche Wahlrecht eintritt im Gegensatz zu der nationalliberalen Landtagsfraktion, deren Mehrheit wahlrechtsfeindlich ist. Hat doch die„Nationalliberale Kor- respondenz" ganz offen dagegen Protestiert, daß die Land- tagsfraktwn in einer entscheidenden Politischen Frage die Meinung der Partei vergewaltige. Ist es den National- liberalen mit ihrem Eintreten für das gleiche Wahlrecht ernst, so brauchen sie nur diejenigen Ab- geordneten, die gegen das gleiche Wahlrecht ge- stimmt haben, bei der kommenden Wahl nicht wieder aufzu- stellen... Schon in der Kandidatenaufstellung der National- liberalen könnte möglicherweise die Entscheidung des ge- samten Wahlkampfes liegen. Denn wenn die künftige nationalliberale Fraktion nur noch aus Anhängern des gleichen Wahlrechts besteht, so ist dessen Annahme gesichert, wenn die Wahlrechtsfreunde nur Verluste im Wahlkampf vermeiden, von Gewinnen braucht noch nicht einmal die Rede zu sein. Aber da die? eine Sache ist, über die allein die National- liberalen zu entscheiden haben, so soll man sich hierauf nicht Verlasien, zumal man nicht weiß, wie weit sich die national- liberalen Wähler gegenüber gewisien einflußreichen Elementen innerhalb der Partei zur Geltung bringen können. Nm so mehr aber sollten die Freunde deS gleichen Wahlrechts den Wahlkampf ausschließlich unter dem Gesichtspunkt führen, daß dies letzte zu wählende Drciklassenhaus nur noch den Zweck hat, das gleiche Wahlrecht anzu- nehmen, um dann einem auf Grun� des gleichen Wahlrechts gewählten Parlamente Platz zu machen. Das heißt: der ganze Wahlkampf muß ausschließlich unter dem Gesichtspunkte des gleichen Wahlrechts geführt werden. Die Parole darf nur lauten: Freund oder Feind, Anhänger oder Gegner des gleichen Wahlrechts? Die Nachteile, die das Dreiklasienwahlrecht den Wahl- rechtsfleunden auferlegt, müssen diese durch ein absolut g e» schlossenes Vorgehen ausgleichen. Es mär z. B. fol- geudes möglich: die Abgeordneten, die im alten Parlament für das gleiche Wahlrecht gestimmt haben, werden sämtlich aufgestellt, und zwar als gemeinsame Kandidaten samt- licker wahlrechtsfreundlichen Parteien. Kommt ein solches Mkommen zustande— und bei gutem Willen aller Beteiligten muß es sich erzielen lasien—, so erscheint die Wiederwahl aller bisherigen Anhänger deS gleichen Wahlrechts ge- sichert. Die Wählrechtsfreunde werden alsdann so gut wie gar keine Verluste im Wahlkampf zu verzeichnen haben. Es handelt sich dann lediglich) noch dämm, den Wahl- rechtSfeindcn die nötige Anzahl Mandate zv entreißen. Auch hier empfiehlt sich geschlossenes Vor- gehen. D. h. in den Kreisen, die bisher wahlrechtsfeindlich vcjtrcten waren, wird den bisherigen Mandatsinhabern mög- lichfi nur ein wahlrechtsfleundlicher Kandidat gegenüber- «Pellt. Auch über diese Gegenkandidaturen ließe sich Wohl em Abkommen erzielen. Bei einem solchen Vorgehen müßte c| mit dem Teufel zugehen, wenn den Wahlrechtsfeindcn nickst mindestens an die 50 bis 100 Mandate entrissen werden, jedenfalls fünfmal so viel, als nötig sein werden, um eine Mehrheit für das gleiche Wahlrecht zu erzielen! Trotz des Einslusies der Kriegsgewinnler, trotz der Tatsache, daß Millionen Wähler für das gleiche Wahlrecht im Felde stehen! Ungewöhnliche Situationen erfordern ungewöhnliche Mittel. Diese Wahl läßt sich, wenn sie zur Tatsache wird, mit anderen Wahlen gar nicht vergleichen. Es handelt sich nicht um die Wich! eines Parlamentes, von dem man im voraus noch gar nicht genau weiß, über welche Fragen es zu entscheiden haben wird, sondern um ein Parlament, das allein und aus- schließlich zur Entscheidung einer einzigen Frage gewählt wird, und zwar einer Frage, an der Deutschlands ganze Zu- kunft hängt. Es kommt hinzu, daß diese Wahl sich unter einem Wahlrecht vollzieht, das den Willen der Wähler- fchart in gröbster Weise verfälscht. In dieser Situation nnnsen hinter der Erreichung des positiven Zieles, des Lerchen Wahlrechts, alle anderen Rücksichten zurücktreten. Daß die Sozialdemokratie aus eigener Kraft unter dem Drei- klasjenwahlrecht eine Mehrheit siir das gleiche Wahlrecht er- rsügen kann, ist ausgeschlossen, selbst wenn sie die große Mehr- hell der Urwählerstimmen auf sich vereinigt. Gegenüber einem Feind, der hinter deiy Dreiklasienwahlrecht verschanzt sitzt, ist nur eine Regel die höchste: die Regel, die ihn schlägt. Diese Regel gilt es, bei kommenden Neuwahlen unbedingt z« stnden. Erfolgt die Vernichtung der Wahlrechtsfeinde unter dem Dreiklasienwahlrecht, dann sind sie ein für allemal ver- nichtet. Denn wo das schlechteste Wahlrecht nicht mehr schützt, da gibt es keinen Schutz mehr, Die franAvlWen Atmifter-Erklarungen zur Kaiser-Snefaffäre. Sasel, 16. April. Wie Havas au« Paris meldet, schreibt.Petit Parisien*:»Wir stehen erst am Beginn der notwendigen Auf- Mrungen über die Angelegenheit Czernin-Tlemencemt. Alle? läßt voraussehen, daß Clemenceau vor den Kommissionen für äußere Angelegenheiten und Krieg die Sache vollständig aufklären wlrd, wie er«S in der Affäre B o l o getan hat. Die politischen Persönlichkeiten und besonders Ribot werden Erklärungen dazu abgeben. Auf diese Art wird der Boden für eine öffentliche Diskussion geebnet sein._ Kein Rücktritt öer enslifthen Arbeiter- minister. Amsterdam. 16. April.(Reuter.) Die Arbeiterminister hatten gestern morgen im Unterhause mit Lloyd George eine Unterredung über die Hom erule- Frage und die Anwendung der Dienstpflicht in Irlands Wie verlautet, setzten sich diese Minister nach Kräften dafür ein, daß Irland die Selbstverwaltung gewährt werde, bevor die Dienstpflicht, der sie übrigens nicht entgegentreten, dort ein- graHjrt wird. London, 16. April.(Reuter.) Wie verlautet, hat die Unterredung, die heute nacht zwischen Lloyd George und den Mbeiterministern stattfand, ein zufriedenstellendes 5« g e b n i s gehabt. Von einer Krisis ist keine Rede. Das Amsterdanra:.Allgsm een Hondeksblad" erfährt gestern «wL London: Bei den Bescha-ubluingen über das neue DbenschMcht- gafch sin» von der Regieruns cmsge fit&ie LugeständutJe gcnvacht worden. Hinsichtlich ArlandS sind noch keine Zngefiänd- nisie gemacht worden. Inzwischen vereinigen sich die bisher sich geymüberstshendon Parteien in Irland zu dem Zwecke, sich einstweilen der Dienstpflicht zu wider- setzen. Für Sonnabend ist eine außerordentliche Ver- sammlnng der Gewerkschaftsmitglieder zustrm- menberufen und die Sirrnfeiner haben eingewilligt, mit den Natio- na listen zu beraten. Die katholischen Priester, auch der Kardinal- erzbischof von Irland, halten Reden gegen das Gesetz. Die Schwierigkeiten, die dem Ministerium Lloyd Georges zu drohen scheinen und die nach den obigen Reutermeldungen schnell be« hoben worden find, dürften auch sonst beseitigt sein. Aber keineswegs ist daraus zu schließen, daß die Geschlossenheit des Ministeriums auf der Basis der beschleunigten Einführung von Homerule beruhe. DaS Gegenteil scheint der Fall. Aus dem Haag wird der.Frank- furter Zeitung' gemeldet: Schon während der Behandlung des Gesetzentwurfes zur Einführung der Dienstpflicht in Irland zeigte es sich, daß innerhalb der englischen Regierung verschiedene Strömungen vorhanden waren, daß aber offenbar die k o n s e r v a ti v e Richtung innerhalb der Regie» rung gesiegt hatte, die von keiner Konzesfion etwas wisse» will, die sogar soweit geht, Ulster von der Wirkung der Homerule aus» zuschließen. Die Erklärungen des Ministers für Irland, Duke, die im versöhnlichen Sinne gehalten waren, und die auch eine wohl« tätige Wirkung ausgeübt hatten, scheinen von den konservativen Mit- gliedern der Regierung nicht geteilt zu werden. Namentlich ist es, wie .Daily Chroniclc' mitteilt, B o n a r Law, der die Absicht hat, bis aufs äußerste die Wünsche der extremsten Ulsterleut« zu unter« stützen, so daß die Aussicht, möglichst rasch Homerule einzuführen, um die Erregung in Irland zu beschwichtigen. ziemlich ausgelöscht zu sein scheint. Die liberalen Blätter»Manchester Guardian',»Daily RewZ' und»Daily Throniele' melden einheitlich, daß innerhalb der Regie- rung die konservative Strömung die Oberhand ge- w in nt. Gleichwohl soll also Lloyd George e« fertig gebracht haben, seine Unterhaltung mit den Arbeiterministern, die schleunig Homerule fordern, zustiedenstellend abzuschließen. Kampf gegen ö!e Seenüignng öes Krieges. Das Zhffegsziel amerikanischer Arbeiterdcrtreter. Bei einem Frühstück, das im englischen Unter häufe einer Ab- ortmung von Amerikanern gegeben wurde, betonte der aLbeiterpar- teiliche Minister Barnes in einer Begrüßungsansprache: Wir haben niemals an Krieg mit irgend jemand gedacht, aber jetzt sind wir entschlossen, den Krieg bis zum Ende fortzusetzen. AllSdann aber gab in einer Erwiderung der Vorsitzende des Bundes dc/t amerikanische» Modellarbeiter, JameS Wilson, eine Probe, wie man im Lager der von Samuel GomperZ ge- leiteten amerikanischen»Federation of Ladour' über den Krieg denkt. GompcrS hat sich der Politik und den KriegSschlagworten des imperialistischen Chauvinismus der Vereinigten Staaten mit Haut und Haar verschrieben, und James Wilson sagte jetzt nach diesem Programm: Die amerikanische Ardetterdewegung tritt für die Freiheit und Gerechtigkeit ein und bekämpft die Methoden derkaiserlichdeutschen Regierung. Die amerikanischen Arbeiter hohen eingesehen, daß Amerika über kurz oder lang in den großen Weltkrieg hiiveingezogeu werden würde, und sie hatten am IL. März 1917 ein ausführliches Programm aufgestellt. Hierdurch verpflichteten sie die amerikanische Arbeiterbewegung, alle Be- schlusse des Kongresses und des Landes vollauf zu unterstützen. ES ist beschlossen worden, daß kein amerikanischer Ar- ü e i t e r p er t r e t er an einer ÄouserrnzmitVertretern der feindlichen Länder teilnehmen darf, und. daß die Arbeiterschaft chren Kampf gegen die Beendigung des Krieges fortletzen wird. Die Arheiterfchaft stellt sich auf den Boden der Kriegszieledes Präsidenten Wilson. Hier gibt es kein Kompromiß. Man hat sich für Freiheit der Menschheit oder für die preußische Autokratie zu entscheiden. Ich glaube, daß wir die Feinde bald aus Frankreich vertreiben werden. Der Tag ist nicht fern, wo die Fahnen der Verbündeten auf deutschem Boden wehen werden, die Zukunft der Völker gesichert und die Welt reif für die Demokratie geworden ist. Mniister B al fvur, der die besondere Ausgabe hat, das gemeinsame Fühlen der Engländer und Amerikaner fort und fort zu betonen, nahm natürlich sofort Gelegenheit, mit James Wilsons Worten dm brüderlichen Kontakt herzustellen. Er feuerte mit Grobgeschütz, sagte, Deutschland stehe jetzt in aller Nacktheit als der R ä u b e r st a a t da, legte dann dar, daß Deutschland sich im Laufe des Krieges wiederholt verrechnet habe, und wenn er zu Beginn seiner Antwort auf den gegenwärtigen„Augenblick höchsten Jnter- esseS' Bezug nahm, so sag-te er zum Schluß, er habe das Vertrauen, daß Wilson imstande sei, alle Versprechungen zu erfüllen. Das englische Drängen um Hilfe steigert sich bemerkenswert. Was die Haltung des Gompersschen Emissärs JameS Wilson anbetrifft, so ist es von nicht geringem Interesse, eben jetzt in der Presse der Ententesoziakisten den Beweis zu finden, daß, wie Cachin in der„Humonite' vom 8. April schreibt, „zwischen der American Federatiou of Labour und dem französischen und englischen Proletariat Mißverständnisse, ja sogar wesentliche Diffe- renzen obwalten'. Cachin sogt, daß es bei der antisozialisti- scheu Haftung der Fsdevation nicht zu verwundern sei, daß dieser Bund es abgelehnt habe, die Resolutionen der kürzlich in London abgehaltenen Konferenz der Enten tesozialisten gutzuheißen,� und dann führt er die„ne u e Tatsache' ins Feld, daß unföngst aus dem Kreise von politischen Freunden der Präsident Wilson die Taktik GompsrS öffentlich abfällig kritisiert und für die auswärtige Po- Ktik Wilsons als bedenklich bezeichnet worden ist. In der„New Republik' vom 2. März hieß es«. a.: „In einem Augenblick, wo der Präsident Wilson zur Durchführung seiner Politik den Versuch macht, öffentliche Er- Aärungen anzuregen und das Vertrauen der deutschen So- gialisten zu geivinnen, verwirst Herr Gompers jede öffcnt- st che DMussion gegen die Kriegsziele und ergeht sich in Grob- heiten gegen die deutschen Sozialisten. Wenn ein Amerikaner in der Arbeiterbewegung eine sinsichhgr und umsichtige Unterstützung der Politik seiner Regierung wünschen will, so muß er seine Blicke nach Frankreich und England wenden.' Marcel C a ch l n gehört einer Abordnung der ftanzöstschen Arbeiterschaft an, die sich jetzt auf den Weg macht, um auf Gompers im Sinne der Wünsche der Ententesozialisten und des Präfidenten Wilson Einfluß zu üben. Gompers' ganz unverhüllt austretende Kriegstreiberschaft soll also veranlaßt werden, sich an Formen zu beguemen, die der Taktik Wilsons angepaßt find. Daß dieS Verlangen für Gompers auf einen Maskenzwang hinausläuft, ist nach Lage der Dinge ganz klar. Die deutschnationalen für Czernin. Wien, 15. April. Der VerbandSausschuß der deutsch- nationalen Parteien nahm einstimmig eine Entschließung an, die namens des gesamten deutschen Volkes Oesterreichs dem tiefe» Beb-»er« über de» Rücktritt deS Ministers des Aeußer», Trafen Tzernin, Ausdruck gibt und dem Grafen Czernin für seine Verdienste um die Festigung und Vertiefung deS österreichisch- deutschen Bündnisses imd für die Herbeiführung eines ge- sicherten Friedens Dank ausspricht und erklärt, daß auf keinen Fall die Richtung unserer unter der vollen Wahrung konstitutioneller Verantwortlichkeit zu führenden auswärtigen Politik, welche von dem starken Willen aller staatstreuen Elemente in beiden Teilen der Monarchie gettagen wird, einer Aenderung oder Schwen- kung unterzogen werden darf. Die ungarische Wahlrechtsvorlage. Budapest, 16. April. Die Wahlreckitskommission trat gestern wieder zusammen, um eine ausführlicbe Beratung der Gesetzvorlage vorzunehmen. Der Ministerpräsident Weierle erklärte auf eine Bemerkung des Abgeordneten Geza Polonyi, daß die Regierung die Verständigung wünsche. DicS erheische sowohl die innere wie die auswärtige Lage. Wenn die Verhandlungen bisher zu keinem Resultat geführt hätten, so beweist dies immer noch nichr, daß die Versuche zur Herbeiführung der Verständigung gänzlich ge- scheitert find. Nach dem Ministerpräsidenten nahm Wilhelm Vaszonyi das Wort. Er erklärte, daß er nur die ur- sprüngliche Vorlage vertreten könne. Sollten an der Vor« läge wesentliche Aenderungen vorgenommen werden, so wäre er genötigt, hieraus d i e K o n s e q u e n z e n für sich zu ziehen. Mit dieser Erklärung des Fustizministers ist die Mög- lichkcit einer ungarischen Kabinettskrise in den Vordergrund ge- treten. .Pester Lloyd' berichtet: Die morgige Sitzung de? Wahlrechts- ausschuffeS unterbleibt, da die Regierung mit den Führern der nationalen Arbeitspartei neue Beratungen im Interesse deS Zu- standekommenS eine« Kompromisses führen will. Nach Blättermeldungen ist der Plan einer Auflösung des Abgeordnetenhauses fallen gclaffen worden, der den Zweck gehabt hätte, eine der Wahlvorlage günstige Mehrheit zu schaffen, die derzeit im Abgeordnetenhause nichl vorhanden ist. Wie ver« lautet, ist die Regierung nunmehr bemüht, ein Kompromiß mit dem Grafen Tisza und seiner Partei zu treffen. Gestern abend hat Ministerpräsident Wekerle den Grafen Tisza aufgesucht und mit ihm verhandelt. Zwischen den Mitgliedern deS Kabinetts find jedoch bezüglich des Maßes der Konzessionen Meinungs- Verschiedenheiten vorhanden. ES ist möglich, daß infolge dieser Differenzen daS Kabinett feine Demission überreicht, worauf nach allgemeiner Vermutung eine Neubetrauung WekerleS erfolgen wird. Dieser wird das jetzige Kabinett umbilden, da die einem Kompromiß bezüglich der Wahlreform abgeneigten Mitglieder aus scheid e» werden. Deute üer Mittelmächte. Berlin, 16. April.(W. T. B.) Me Beute der Mittelmächte cm Kpiegsmaterml und Vorräten während des letzten Halbjahres beläuft sich auf viele Milliarden. Allein an Geschützen und Artillericnrunition wurde für weit über eine Milliarde Marl erbeutet. Auf genommene Ma- schinengewehre entfallen über 60, auf rollendes Eisenbahn- Material rund 250, auf abgeschossene Flugzeuge und Ballone rund 60 Millionen Mark. Zu diesen 1� Milliarden kommt die ungezählte wertvolle Beute an Kriegsmaterial jeder Art, Pioniergerät, Handfeuerwaffen, Gasmasken. Die gewaltigen Vorräte der Bekleidungs- und Verpflegungsdepots in Nuß- land, Italien und Nordfrankrcich lassen sich überhaupt nicht abschätzen. Ihr Wert beträgt das Vielfache jener 1� Mil- liarden. Die Beute an Gummi und Kupfer allein in Nordsrankreich deckt den deutschen Heeresbedarf auf ein Jahr, Die Gesamtbeute hat die materielle Kriegführung der Mittel mächte außerordentlich gestärkt und die Heimat um den Betrag einer vollen Kriegsanleihe von ihrer Beitragspflicht zu den Kriegskosten entlastet. Lustangriffe aufüas öeutsche tzeimatsgebiet im März 1 91 S. Der Gegner benutzte die im März besonders günstige Wetter- läge zu 12 größeren Angriffen auf daS lothringisch- luxemburgische Industriegebiet und 11 Angriffen gegen die Städte Mainz, Untertürkheim und Ca n statt, Co- blenz, Freiburg i. B r.— Z wezbrücken, Kaiserslautern, Mannheim— Ludwigshafen, Köln sowie einige Städtchen in der Pfalz und im Rheinland. Trotz des Ein- satzes stärkerer Geschwader erzielten die Angriffe keinerlei militüri» schon Erfolg. Bei den Angriffen auf das Industriegebiet an der Saar und an der Mosel fanden Betriebsstörungen von irgendwclchcur Belang nicht statt: auch der in der Nacht vom 24./2ö, 8. mit einem Auf- gebot von 50— 60 Flugzeugen unternommene Angriff blieb völlig wirkungslos. Ebenso ergebnislos war der Angriff auf die badiiche Anilin- und Sodafabrik bei Mannheim- Ludwtgs- Hafen am 18. 3. Der einzige militärische Schaden, den die An- griffe anrichteten, war das Inbrandsetzen einiger Wagen mit Ben- zol. An nichtmilitärischen Gebäuden wurde überall einiger Sach- schaden angerichtet. Bei dem Angriff auf Freiburg am 13. 3. wurden außer mehreren Privachäufcrn die Martinskirche und ein Kranken- Haus erheblich beschädigt. Den Angriffen auf das Saargeb i ct fielen ö Tote, 4 Schwer- und 11 Seichwerletzte zum Opfer. Die Wer- luste bei den Angriffen auf die oben genannten offenen Städte waren, hauptsächlich infolge des unvorsichtigen Verhaltens eines Teils der Bevölkerung höher als in den Vormonaten; sie betrugen insgesamt 32 Tote, 22 Schwer- und 86 Leichtverwundete. Der Feind büßte diese Angriffe mit einem Verlust von 3 Flugzeugen. Der Krieg auf öeu Meeren. Berlin, 16. April. Im Sperrgebiet des mittlere» MittelmeereS versenkten deutsche und östcrteichisch-ungarische U-Boote sechs Dampfer, die in gesicherten Geleitzügen fuhren, und zwei Segler. Zusammen mindestens 25 000 B..R.-T. Der Chef des AdmiralstabeS der Marine. Senator Stone, der Vorsitzende der amerikanischen Senats- kam Mission für auswärtige Angelegenheiten, fft gestorben. Er war Wilsons energischer Widersacher gegen den Gmtrttt in den Krieg gegen Deutschland. Im letzten Augenblick ließ freilich auch er den Widerstand fallen. General Korniloff hat, wie HavaS ans Petersburg meldet, Blättern zufolge der Regierung mitgeteilt, daß die Kofaken nr Nowoffcherkask gewNt feien, die Sowjetregierung anzu- erkennen und die Feindseligkeiten einzustellen, wenn dies auch seitens der Regierung geschehe. Korniloff sei bereit die Füh- rung der Sowjettruppen gegen die Deutschen zu übernehmen. Nach der Eroberung von Charkow haben die deutschen und ukrainischen Truppen nach einem 36 stündigen Kampf die Offen- !»ve in oflsicher Rtchtuug atchgenommen. Die interalliierten Sozialisten an öie Sozialisten Ser Mittelmächte Die jetzt eingetroffene„Hmnanit�" vom 7. April der- öffentlicht ein Schreiben des Internationalen Sozialistifchen Bureaus an Branting vom 11. März, worin dieser ersucht wird, das von der interalliierten Sozialistenikonferenz in London am 23. Februar angenommene Memorandum den Sozialisten Deutschlands, Oestcrreich-Ungarns und Bul- gariens zu Übermittelm Dem Begleitschreiben ist folgende Botschaft des Internationalen Bureaus beigegeben: London und Le Havre, 1. März INT. .An die Sozialistischen Parteien Deutschlands, Oestervoich-Hngarns und Bulgariens. Genossen! Die dritte interalliierte Sozialistenkonferenz, die rn London dom 20. bis 23. Februar tagte, hat den Vorsitzenden und den Sekre- :är des Vollzugsausschusses des internalem et len SozialistenbureauZ beauftragt. Euch den authentischen Text des Memorandums zu über- Mitteln, das von der Delegiertenversammlung der Arbeiter- und sozialistischen Organisationen Groß-Britanniens, Frankreichs, Jta- liens und Belgiens angenommen ist. Die leitenden Gedanken dieses Dokuments haben oder hatten schon im voraus die Billigung der Parteien von Serbien, Portugal, Griechenland, Kanada, Südafrika, Australien und Reu-Seeland gesunden. Eine Sondergesandtschaft, bestehend aus Stuart, Bunning (England), Jotlhaux und Cachin(Frankreich), einen belgischen, einen italienischen Delegierten und den Sekretär des international-sozia- listischen Bureaus Camille Huysmans ist nach den Vereinigten Staaten gereist, um den Anschluß der amerikanischen Arbeiterklasse an dieses Memorandum zu erzielen, da? den Standpunkt des orga- rtisierien Proletariats dec Ententeländer hinsichtlich der notwendigen Grundlagen eines demokratischen Friedens sowie die hauptsächlich- iten Bedingungen eines allgemeine» internationalen Arbeiter- und Sozialistenlongresies ousemandersetzt, der nach einem neutralen Lande einzuberufen ist durch.ein Komitee, das alle Garantien der Unparteilichkeit gegenüber den verschiedenen Elementen bietet, die zur Teilnahme berufen sind." Indem wir Euch dies« Mitteilung machen, halten die Unter- Zeichner dieses Schreibens es für nützlich, objektiv an die Gründe zu erinnern, die für die Annahme des von der Londoner Konferenz eingeschlagenen Verfahrens maßgebend gewesen find. Die Konferenz war der Ansicht, daß es keine» Zweck hätte, einen allgemeinen Kongreß zu ver- einige», wenn fei» Ziel nicht im Prinzip gesichert wäre. Sie war der Meinung, daß„die hauptsächlichste Bedingung für die Abhaltung einer Vollversammlung der Internationalen, in der Versicherung seiner Organisatoren liege, daß alle teilnehmenden Or- ganisationen in bestimmten Ausdrücken und in öffentlicher Erklä- rung ihre Fmdcnsbedingungen formulieren auf Grund der Prin- zipie»: Frieden ohne Annexionen und ohne Entschädigungen, die einen Strascharakder tragen(Indemnit€ penale), Recht der Völker, über sich selbst zu verfügen; ferner daß diese Organisationen mit aller Kraft dahin arbeiten werden, von ihren Regierungen die not- wendigen Garantien dafür zu erhalten, daß diese Prinzipien bei der Regelung aller auf der offiziellen Friedenskonferenz gestellten Fra- gen in ehrenhafter Weife und ohne Hintergedanken zur Ausführung gebracht werden sollen." Um selber diesen Bedingungen zu entsprechen, hat die Lon- doner Konserenz es für notwendig gehalten, ihre Ansichten und ihre Aktion in dem Memorandum, das wir Euch zu übermitteln beauftragt sind, genau darzulegen. Sie rechnet darauf, daß Eure Partei, derselben Auffassu-ng folgend, beschließen wird, eine öffentliche Erklärung gleicher Art zu erlassen, sei es allein, sei es gemeinsam mit den Arbeiter- und sozialistischen Organisationen Mitteleuropas. Nach der Meinung der Teilnehmer der Londoner Konserenz wird der Vergleich dieser Dokumente von größter Wichtigkeit sein. Er wird ein hauptsächliches Mittel sein, festzustellen, ob zwischen den Prolctariaten der beiden kriegführenden Gruppen eine ge- nügcnde Uebereinstimmung der Auffassungen besteht, um eine ge- meinsame Aktion gegen den Imperialismus und für einen demo- tratischen Frieden möglich zu machen. Diese vorläufige Prüfung ist um so notwendiger, da offenbar keine bedeutende ihrer Veraartivortmig bewußte Partei Gefahr laufen will, daß ihr die Beschlüsse eines internationalen.Kongresses durch Mehrheitswillen auferlegt würden. Nur Beschlüsse, die der Ausdruck eines allge- meinen und gemeinsamen Willens wären, hätten moralische Auto- rität und praktische Wrkung. Ausammenfassend sei gesagt: die Sozialiston der Ententeländer ersuchen Euch in dieser ernsten Stunde, in der es zu wissen gilt, ob die Welt von der Demokratie befreit oder dem Jmperialis- mns überliefert werden soll, vor Euren Gewissen Euch zu fragen, ob eine wirkliche, aufrichtige, wirksame Nebereinstimmung der pro- lctarischea Wille» möglich ist, um dem Recht der Gewalt ein Ende gu machen, um dem Grund nicht eines Frieden, sondern des Friedens zu legen, um den Völkern zu helfen, sich von der end- losen Kette zu befreien des militärischen Krieges, der zu Wirt- schaftskriegen führt und der Wirtschaftskriege, die wiederum mili- tärische Kriege erzeugen werden. Wir fügen ihrer Botschaft nur«ine Bemerkung bei. Seit der Londoner Konferenz haben sich schwerwiegende Ereignisse zugetragen, die für die Arbeiter aller Länder die ernsteste Bedrohung bedeuten. Die Grundsätze, auf die sie sich berufen, sind schmählich verletzt worden. Das Recht der Völler, über sich selbst zu verfügen, ist offen außer acht gelassen worden. In Oesterreich, in Deutschland selbst haben Sozialisten die Sorge ausgesprochen, daß Rußland, entwaffnet, für den Augenblick ohnmächtig, ein Kampf- platz werden könnte, auf dem die rivalisierenden Imperialismen mit ihren Ansprüchen aufeinanderstoßen würden, um sich schließlich gemeinsam auf Kosten der besiegten Revolution zu be- friedigen. Die Arbeiterklassen haben ein gemeinsames Interesse, gegen solche Vorgänge zu protestieren und zu verhindern, daß Solche Projekte verwirklicht werden. Das ist der Wunsch der Verfasser und Unterzeichner de? Memo- randums. In demselben Geiste bitten wir Euch, dieses Schriftstück einer gewissenhaften und gründlichen Prüfung zu unterziehen. Indem wir Euch diese Bitte übermitteln, richten wir an Euch, Genossen, unsere sozialistischen Grüße. Für das Internationale Sozialistische Bureau. Der Vorsitzende: Emile Vandervclde. Der Schriftführer: Camille HuhSmans. Der Kaiser an üen livlänöischen Lanöesrat. Der Kaiser hat an den Vorsitzenden des gemeinsamen Landes- ratS, Landesinarschall Pilar aus Riga, folgendes Schreiben gerichtet: »Der Mir i» so herzlicher Weise dargebrachte Dank des Landes- rates von Livland, Estland, Riga und Oesel für die Befrerung der alten Ordenslande von ihrer Bedrängnis hat Mich tief gerührt. Ich danke Gott von Herzen, daß er Mich und Meine Armeen das Werk- zeug für diese Befteiung hat sein lassen und Mir die Möglichkeit ge- geben hat, die Zukunft der alten, durch deutsche Arbeit geschaffenen Lande aus eine sichere Grundlage zu stellen. Die Bitte des Landesrats um Anschluß an das Deutsche Reich unter Meinem Zepter wird mit Wohlwollen geprüft werden. Ich nehme sie als ein Zeichen des Vertrauens zu Meiner Person und Meinem Hause und Deutschlands Zukunft und spreche dem Lcmdesrat Meinen kaiserlichen Druck dafür aus." Marinefragen vsr öem tzauptausfchuß. Der Hauptausschuß nahm seine Arbeiten am Dtenstagvor- mittag wieder auf, um zunächst Marineftagen � zu erörtern. Für. die Verwaltung der Marine werden eine große Zahl neu et" Stellen angefordert. Das Kriegsmarineauck hat eine Detich schrist über die Beamtenverhältnisse ausgearbeitet, die mit zur Be- ratung gestellt wird.— Abg. Noske(Soz.) bringt zum Ausdruck, daß die Neusorderungen nicht erfreulich sind, die Verwaltung müsse sich aus Sparsamkeit einrichten. Di« Wünsche der mittleren und unteren Beamten sind zweifellos berechtigt, soweit irgend möglich muß ihnen Rchemmg getragen werden.— Staatssekretär v. Capelle begründet die Vermehrung der Beamtenstellen, die sich auf das Notwendigste beschränken.— Abg. Frhr. v. Gamp(D. F.) tritt den Ausführungen des Abg. Noske be:, die Marineverwaltung muß ge- halten werden, in großem Umfange Kriegsinvaliden aufzunehmen.— Abg. Dr. Struve(Vp.) ist der gleichen Meinung. Eine Menge MißHelligkeiten ließen sich beseitigen, wenn man endlich dazu übergehen würde, Beamten-Ausschüsse einzurichten.— Staatssekretär v. Capelle: Nach dem Kriege wird das Beamtenrecht geändert werden müssen. Die Marineverwaltung könne für sich allein keine Beamtenausschüsse ein- setzen. Ans die K r i e g s i n v a l i d e n soll Rückficht genommen werden, aber die vorhandenen Anwärter dürfen- darunter nicht leiden.— Abg. Giebel(Soz:): Die Gründe des Staatssekretärs gegen Beamtenansschüsse sind nicht st i ch h a l t i g. Man dürfe sich nicht auf den Standpunkt stellen, daß alle Weisheit nur von oben komme. In Ostende ist der Vorsitzende des Angestelltenausschusses mit 8 M Geldstrafe belegt worden, weil er während der Arbeitszeit eine Sitzung anberaumt hat. Die Klagen aus den Reihen der Beamten sind zahllos. Die Marineverwaltung ging sogar so weit, daß sie es ablehnte, mit den Vertretern der Angestellten in den be- setzten Gebieten zu verhandeln, wiewohl bekannt sein mutz, daß die Tagegelder in Flandern und in Zhtrland absolut unzureichend sind. Ans Eingaben der Beamten ist nichteinma.l ge- antwortet worden. Daß. das Reichsmarineamt sich immer wie- der von Angestellten verklagen läßt und dann diese Prozesse stets bis zu der höchsten Instanz treibt, ist jedenfalls recht bezeichnend; meist wird das Reichsmarineamt verurteilt. Redner fragt, ob es richtig sei, daß die Abficht bestehe, die Marinebetriebe, rns besondere die Wer ftibe trieb? zu militarisieren.— Abg. Dr. Struve er- gänzt die Angaben des Vorredners noch durch eine Reihe von Bei- spielen.— Abg. Gröber(Z.) hält die Einwendungen gegen die Er- richhrng von Beamten ausschüssen für ganz nnzutreffend. Eine Behörde müsse einmal den Ansang damit machen.— Staatssekretär v. Capelle geht auf die Ausführungen des Abg. Giebel ein und ver- sucht das Verhallen der Mar inebe Hörden zu rechffertigen. Daß im Reichsmarineamt eine Prozeßsucht herrsche, sei unzutreffeud. Die Vertreter der Arbeiter in Flandern konnten, nicht empfangen wer- den, weil sie zum Operationsgebiet gehören, für das nur der dortige Admiral zuständig ist. Die Militarisierung der Werften ist bis jetzt nicht beabsichtigt.. Der Staatssekretär des Reichs- marineamts ist nicht berechtigt, Beamtenausschüge einzurichten, zu- ständig dafür ist der Reichskanzler utcki das Reichsamt des Innern. — Ein mittlerweile eingelaufener Antrag ßrudert die St r e i ch u n g von fünf Jntendanturräten und zehn Jntendan- tursekretären. Gegen diesen Antrag wendet sich der Staais- sekretär, der darin vom Abg. Bollert inatl.) lebhaft unterstützt wird. — Abg. Gothein(Vp.) empsiehll den Antrag, well diese©teilen nur für die Uebergangszell gebraucht werden.— Abg. Giebel bedauert die ablehnende Haltung des Staatssekretärs zu den ArbeiterauS- schüssen; der Reichstag müsse in dieser Frage den schärfsten Druck ausüben. Die Verhältnisse der Angestellten in den besetzten Gebieten sind einfach unerträglich. Die Verhandlungen werden Mittwoch fortgesetzt. Schlechte Aussichten öes gleichen Wahlrechts Eiu freikonservativ-nationalliberaler Gegenblock. Zur Wahlrechtsvorlage bringt die„Kölnische Volksztg." folgende Meldung: Eine Woche vor Beginn der zweiten Lesung der Wahlrechts- Vorlage im Plenum wird das Zentrum zusammentreten. Kenner der parlamentarischen Verhältnisse beurteilen die Lage ernst. Die Freikonservativen in übergroßer Mehrheit und die Nationalliberalen in ansehnlicher Stärke haben sich augenscheinlich zu einem festen Kartell vereinigt, um,«n- bekümmert um die Folgen, die Wahlrechtsvorlagc abzulehnen. Jedenfalls wird bei der zweiten Lesung die Vorlage ab- gelehnt werden. Es wird, falls die Regierung es zur Ab» stimmung in der dritten Lesung kommen läßt, nun darauf ankommen, ob sie in Verhandlungen mit den Parteien eine Einigung, die ihr annehmbar erscheint, erzielt, oder ob die Dinge so weiter treiben wie bisher. Alsdann dürste die Vorlage amh in dritter Lesung abgelehnt und ein Wahlkampf herauf« beschworen werden, wie ihn Preußen noch nicht gesehen hat. Dabei läßt die„Kölnische Volkszeitimg" die Erwartung "durchblicken, daß die Negierung sofort nach der zwecken Lesung ihre bisherige passive Haltung aufgeben und zu„vollbewußten klaren Verhandlungen mit den einzelnen Parteien" schreiten werde. In diesem Zusammenhang erinnert die„Kölnische Volkszsitung" an die vom Zentrum geforderten„kulturellen Sicherungen". Sie hofft also, bei diesen Verhandlungen noch etwas für die klerikale Volksschule usw. herauszuschlagen. Das Zentrum würde danach, wie es scheint, eine. Ab- lchnung der Wahlrechtsvorlage in zweiter Lesung gar nicht ungern sehen, um zlmschen zweiter und dritter Lesung noch ein kleines Kuh Handelsgeschäft herauszuschinden. Wir meinen allerdings, daß die Sache hierzu zu e r n st ist und daß die Regierung nach einer Ablehnung des gleichen Wahlrechts i» der zweiten Lesung verpflichtet i st, zur Auflösung des Abgeordnetenhauses zu schreiten. Die Ver- antwortung für den„Wahlkampf, wie ihn Preußen noch nicht gesehen hat", tragen dann die, welche die Einlösung des dem Volke gegebenen Versprechens ver- hindert haben. Soziales. Frauenarbeit in der Uebergangswirtschaft. Mit der Frauenarbeit in der Uebergangswirtschaft befaßt sich eine Eingabe der Gesellschaft für Soziale Reform. Sie sielst die Lage der Frauenarbeit nach dem Kriege als sehr ernst an. Mit Beginn der Friedensverhandlungen im Westen wird der Be- schäftignngsgrcrd der meisten KriegÄndnstrien sehr erheblich abnehmen, während ein großer Teil der FriedenSindusfrien, und zwar gerade derjenigen, die hauptsächlich Frauen beschäftigen(Textil-, Be- kleidungs-, Reinigung-, Tabakgewerbe), ans Rohstoffmangel noch längere Zeck nach Friedensschluß brachliegen wird. Zahlreiche! Frauen, die von Anfang an nur als Vertretung der eingezogenen Männer eingestellt sind, werden nach deren Rückkehr sofort entlassen. Das trifft namentlich ans die Angestellten der Reichs-, Staats- und Gemeindebehörden, der Eisenbahn, Post, Telegraphen, Straßenbahnen, sowie des Handelsgewerbes zu. Die Nachfrage der Frauen nach Arbeit wird sich zwar infolge der Rückkehr des Er- nährerS etwas verringern, aber es werden auch in. Zukunft wessnt- lich mehr Frauen auf Erwerb angewiesen sein als bisher. Es ist -deshalb:n der Uebcrgangszeit, und zwar schon vor Beginn der De- Mobilisation der Männer, mit einer umfangreichen Erwerbslosigkeit der Frauen zu rechnen, die um so ernster zu nehmen ist, als sie zahlreiche von Heimat und Familie losgelöste, mitunter schon brüchige Existenzen trifft. Die massenhafte Arbeitslosigkeit der Frauen droht zu einer ernsten Desorganisation des gesamten Ar- lieitsmarktes, zur Unterbietung der Männer durch die Frauen und in ihrem Gefolge zu Arbeckslosigkeit der Männer und Herabdrücknng der Arbeitsbedingungen der gesamten Arbeiterschaft und z-u schwc- ren sittlichen und sozialhygcknischen Schädigungen zu sichren. Aus diesen Gründen fordert die Eingabe Wiederherstellung des Arbeiterinnenschutzes und vor allem Ausbau des öffentlichen Arbeitsnachweises, unter besonderer Be- rücksichtigung der Aufgaben, die sich ans der Arbeitsvermittlung für Frauen in der Uebergangszeit ergeben. Die Entlassung von Arbeiterinnen soll so weit wie möglich unter sozialen Gesichtspunkten erfolgen. Empfohlen wird bei Arbeitslosigkeck Streckung der Arbeit, insbesondere in den Gewerben, die in enger Beziehung zu einer staatlich kontrollierten Rohstoffversorgumg stehen. � Zum Zweck der Arbeitsbeschaffung sind geeignete öffentliche Aufträge; nament- lich an Näh- und Jnstandsetzungsarbecken, planmäßig an die Orte und Personenkreise zu leiten, die ihrer bedürfen. Die� Verteilung der Heeresnäharbeiten durch das Kriegsmi-nifterium gibt einen gute:: Anhalt für System und Organisatton„ die im Interesse der Ein- hecklichkeit der Maßnahme möglichst zentralisiert sein sollten. Trotz dieser vielseittgon Ilbwehrmaßnahmen wird mit einer größeren Ar- beitslosigkeck der Frauen zu rechnen sein. Deshalb muß die Er- werbslosenfürsorge für Frauen als unentbehrliche Ergän- zung zu den oben dargelegten Maßnahmen treten und mutz, sowon vollberuftich tätige Frauen in Frage kommen, generell geregelt wer- den. Vor allem darf sie nicht wie bisher in den freien Willen der Gemeinden gestellt bleiben, sondern muß zu. einer bindenden Ver- pslichtung ausgestaltet werden mit dem Zweck, den Erwerbslosen den notwendigen Lebensbedarf zu sichern. Einheitlicher Regelung für das ganze Reich-bedarf die Trägersckwft, die Ausbringung der Mittel, der Kreis der Unterstützten, die Dauer und die Höhe der Unter- stützung, bemessen in Hunderffätzen des Ortslohnes, sowie die Pflicht zur Arbeit. Hoffentlich gelingt eS den in Frage kommenden Instanzen, d:e in der Eingabe gegebenen wertvollen Anregungen zu � verwerten, damit es mit vereinten Kräften gelingt, die Frauen, die während des Krieges ihr Bestes dem Vaterland gegeben haben, während der Zeck der Uebergangswirtschaft vor äußerster Not zu bewahren. Die Erstürmung von Wulvcrghem. Berlin, 1K. April.en, und wenn Bersehlun- gen im Falle Daimler nachgewiesen werden, mutz unnachsichtlich eingeschritten werden. Wir wollen aber der deutschen Industrie, die so GrotzeS im Kriege geleistet hat. nicht unnötige Fesseln anlegen zuliebe einer kollektivistisch-sozialistischen Weltan- s ch a u u n g.(Beifall bei den Konservativen.) Abg. Mm»«(Dtsch. Frakt.): vor dem Kaufmannsstand haben wir volle Achtung aber nicht vor jenem Krämergeist, der sei- nerzeit den Reichtum der RotschildS begründet hat und der auch txrn Kri�Sbeginn an den Krieg nur unter dem Gesichtspunkt be- trachtet hat, Reichtümer zu erwerben. Hoffen wir, datz das Blitz- licht der Reichstagsverhandlungen diejenigen, die eS angeht, schreckt. Abg. Hencke(U. Soz.): Für eine Militarisierung der Betriebe find mein« Freunde unter keinen�Um ständen jtt haben. Die Heeresverwaltung hat gegen da» RüstnngSkap-ital erne wahre Schafvgeduld an den Tag gelegt. Die Langmur der Heeresverwaltung gegen die Daimler-Werke erklärt sich durch den engen Zusammenhang zwischen Kapitalismus und Militarismus. Nicht nur die Daimler-Werke stehen hier mrter Anklage, sondern auch die Heeresverwal- t u n g, die ungeheure Langmut gegenüber dem RüftungSkapital ge- zeigt hat.(Sehr wahr! bei den U. Soz.) Die Ftrma Dürkopp soll den Arbeitern bei Reparaturen nur 7V Pf. pro Stunde gezahlt haben während sie der Heeresverwaltung 2,50 M. Arberterlohn pro Stunde in Rechnung gestellt hat. Ich hoffe, datz die Heeresverwal- tung dies« Behauptung nochprüfen ivird.— Fm AufsichtSrat der Daimler-Werke fitzt Herr G o n t a r d in Stuttgart, der sich damit brüstet, datz er Widerstände zu überwinden in der Lage fei. Sein Bruder ist Generaladjutant des Kaiser». Ist der Mili- tärverwaltung bekannt, datz auch die Gewehrfabrik in Oberndorf in Württemberg mit Einstellung der Gewehrfabrkkati»» gedroht bat, wenn ihr nicht höhere Preis« bewilligt würben?(Hört, hört!) Di« Daimler-Werke haben wiederholt Forderungen ihrer Arbeiter abgelehnt.(Hört, hörtl) Wenn es sich um solche Arbeiters« rderungen handelt, kann die Heeresverwaltung auch sehr schnell handeln. So zog in den Daimler- Werken in Marienfelde bei einem Streik sofort ein Hauptmann mit einer Kompagnie m die Fabrik ein und drohte bei NichtWiederaufnahme der Avbeit mit der Militarisierung.(Hört, hört!) Der Hauptmann entlietz auch sofort einige Vertrauensleute.(Hört, hört!) Dergleichen Sie damit die Langmut der Heeresverwaltung gegen- über den Kapitalisten der Rüstungsindustrie! Hier handelt eS sich nicht um Einzelfälle, sondern um das System des KapitaltsmuZ. ?ür die Kapitalisten ist der Krieg die beste Verdienstgelegen. ei t. Dabei ist eS nur menschlich, wenn sie den Krieg verlängern. ja, ihn hervorrufen wollen. Wo kern verdienst winkt, hört für sie der Patriotismus auf. Deshalb ist der Fall Daimler kein verein- zelter Fall; diese Korruption zieht ihre Kreise in die weitesten und höchsten Kreise. Die Für st in Bismarck verkauft Holz, das im Frieden 6— 7 Mark gekostet hat, fiir 46 Mark, und dieses Holz ist sicherlich seinerzeit dem Fürsten Bismarck geschenkt wardeu. So bereichert sich alle» am Kriege, und natürlich sind dann diese Ka- prtalisten die schlintAisten Friedensfeinde. Mit Recht sagen daher die Arbeiter zu de« herrschenden Klasse«: Ihr habt un» in den Krieg geführt, umguteGeschäftezu machen.(Beifall bei den Unabhängigen Sozialdemokraten.) General Scheuch: Der Abg. Erzberger hat behauptet, der Rücktritt meines Amts- Vorgängers, des Generals Grone r, hänge mit einer von ihm verfatzten Denkschrift über di« Preisentwicklung zu- sammen. Dies« Behauptung ist unzutreffend, ein« solche Denkschrift besteht nicht. Der Abg. Hencke fragt«, ob es zu» treffend ist, daß die Gewehrfabrik Mauser in Oberndorf auch Preis- forderungen mit der gleichzeitigen Androhung der Arbeits- einstellung erhoben hat. Das letztere trifft nicht zu, da- gegen hat die Gewehrfabrik Preisiorderungen gestellt, die äugen- blicklich der Prüfung unterliegen. Herr Hencke klagte über ein ver- schiedenartigeS Vorgehen gegenüber der ArbeitSeinftellung seitens der Arbeiter und gegenüber solchen Preisforderungen. Solche Preisfragen haben Zeit, die Arbeit aber hat nicht Zeit. Und in einem Falle der Gefährdun gder Kriegsarbeit haben wir schnell eingegriffen und werden das auch in Zukunft tum.(Beifall.) Unsere Industrie hat große Verdienst« und unsere Krieg- führung braucht sich durch den Vorwurf der Jnternattonalität gerade von jener Seite(zu den U. Soz.) nicht verletzt zu fühlen. Abg. NoSke(Soz.): Herr Schiele und Herr Hencke haben sich in der Znrü ck- Weisung der Miliiarisierung der RüstungS betriebe zusammengefunden. Im Falle Tätml« hat eS sich darum nicht gehandelt, und ich bekenn« gern, datz ich in diesem Falle Matzregeln verlangt habe, die dos Reich vor Bewucherung schützen und die Interessen der Landesverteidigung wahrnehmen sollen. Die Notwendigkeit, den Kapitalismus zu bekämpfen, entbindet uns nicht von der Verpflichtung, dafür zu sorgen, daß unser Volk und Land nicht auch noch von feindlichen Heeren geplündert wird. Herr Schiele mag sich gesagt sei» lassen, datz joder Versuch, die Dastuler-Werke reinzuwaschen, mißlingen mutz. Schon heute kann man in gewissem Grade ein abschließen»»?? Urteil ab- geben, nämlich über die Stellung der Werke zur Einschränkung der Produktio«. Hier ist vi« geradezu unerhörtes Verfahren versucht worden, das durch kein Wort beschömyt und noch durch so lange Darlegungen nicht abgemildert weiden kann. Die Jon- servative Presse hat«ine weitgehende Hetze gegen streikend« Arbeiter getriebe». Da ist es charakteristisch, datz gerade Herr Schiel« geglaubt hat, EntschuldigungSgründe für die Deimler-Werke finden z» müssen. Dauernd werden große Kriegs« gewin« der Besteuern ng entzogen. Ader selbst wen« sie restlos van der Steuer ersaßt werden können, wäre es doch noch richtiger, das Geld des Reiches nicht erst in KoiegSgnvinne Pri- Vater zu verwandeln, sondern in der RoichSkass« zu behalten. Aber unsere Verwaltung ist im Kriege stark kapitalistisch durchtränkt worden; in allen Aemtern sitzen Herren, die mit dem Kapi- taliSmuS versippt und verschwägert sind, durchaus ehrenhaft« Herren, die aber naturgemäß in hohen Gewinnen etwas ganz Selbstverständliches sehen. Herr Schiele warf mir Ueber- treibungen vor. Dabo! habe ich lediglich das wörtlich wieder- gegeben, wo« Offiziere de» Kriegsministeriums uns in der Kom- Mission vorgetragen haben und was Herr Schiele dort selbst mit angehört hock.(Hört! hört!) Leiber wird die Erörterung von Mißständen von der Militärzensur noch fimner unter- Kunden. Da» «e»rste Zensnrverbot ist geradezu«in Skandal. Danach werben alle VeröfsenMchnn- gm, über eine bei de» ManneSmann-Wafien- und MunifionS- werke»(Hört! hörtl)«nh bei andere» rheinischen Firmen schwe- benbe Vntersvchung wegen Steuerhinterziehung(Hörtl hört) und Bestechung van HrereSangehörigcn(Hört! hört!) verboten. W>c kommt die Heeresverwaltung dazu, die Erörterung einer folchcn AuSwuchevung des Reich? zu unterbinden! Die tollste Jron.e ist, datz auf demselben Blatt auch das verbot deS„BorwörtS-ArtikelS über den Wahlrrchtskanrpf stand.(Hörtl hört!) Ich habe heute früh die Anfrage an den Kanzler gerichtet, was mit einer solche» Berschleierungstaktik be- zweckt werde. Im Volk herrscht größter Unwille über Jsiefe Bewucherung de» Reicks. Die Heeresverwaltung muh rücksichtslos dafür sorgen, datz saubere Wirtschaft im Reich geschaffen wird. (Lebhafte Zustimmung bei den Sozialdemokraten.) Abg. Hautzmann(Vp.): Mißstände in der Industrie find scharf M rügen, ab« solche Mißstände dürfen uns nicht hindern, wenn wir nicht den Vorwurf blinder Urteilslosigkeit auf uns laden wpllen, anzuerkennen, daß die deutsche Industrie einer der wich- tigsten Faktoren im ganzen Weltkrieg geworden ist und Sta-unenerregendeS zum Heil« unseres Vaterlandes geleistet hat. (Lebhaftes Bravo! bei der Volkspartei.) Abg Schiele(I.) verwahrt sich gegenüber dem Abg. NvSke gegen dr« Gleichstellung mit dem Abg. Henke. Die Debatte schließt. Die Resolutionen der Kvmmrffion, die eine schärfer« Kontrolle der für den HeereSbedarf arbeitenden Be- triebe sowie die Schaffirng von Preisprüfungsstellen bei den zen- traien Beschaffungsstellen und die Ginrichtung einer Zentral- Prüfungsstelle der Kriegslieferungeu verlangen, werden ongc- nvmmen. Hie rauf vertagt sich da» Haus. Nächste Sitzung: Mittwoch, 3 Uhr.(Postetat.) Schluß:%7 Uhr.__ Der Arbeitsplan ües Neichstags. Am nächsten Freitag fällt die Plenarsitzung aus, um den Frak« tionen Zeit zu lassen, die neuen Steuervorlagen zu beraten. Aus demselben Grunde beginnen am Sonnabend und am Montag die Plenarsitznngen erst um 2 und 8 Uhr. Für Dienstag ist dann die erste Lesung der Steuervorlagen vorgesehen. Der 27. und 28. April bleibt fitzimgsfrei.__ GroßSerlln Die Straftenbnhnen der Stadt Berlin haben in der KriegSzeit eine VerkehrSentwicklunq gehabt, die sich neben derjenigen der privaten Stratzenbahngesellschaflen durchaus sehen lassen kann Sie beförderten vom 1. Januar bis 31. Dezember 1816 noch nicht 38�/� Millionen Personen, dagegen vom 1. Januar bis 31. Dezember 1817 über 37«/� Millionen Personen. �DaS Mehr für da» letzte Jahr beträgt über 6%, Millionen, annähernd ein Viertel der Gesamtzahl des vorhergehenden Jahres. Dementsprechend stiegen die Betriebseinnahmen: sie stellten sich für 1816 auf noch nicht 2°/,, Millionen Mark, für 1817 aber auf mehr als 3ft,g Millionen Mark. Die Steigerungen des Verkehrs und der Einnahmen er- klären sich nur zum Teil aus der Linienerweiterung, die gegen Ende 1816 bei Eröffnung de? LindcntunnelS möglich wurde. Die Benutzung der Straßenbahnen hat überhaupt zugenommen, und die Linien der Stadt hätten auch ohne Erweiterung eine ähnliche Verkehrs- steigernng gehabt. Im ganzen ist bei den Straßenbahnen der Stadt — ebenso, wie bei denen der privaten Gesellschaften— der Betrieb sogar eingeschränkt worden. Während sie in 1816 ziemlich B%a Millionen Wagenkilometer leisteten, belief sich in 1817 ihre Gesamt- leistung auf nicht mehr 6%, Millionen Wagenkilometer. Bis zu welchem Grad die Z u s a m m e n p f e r ch u n g d e r F a h r g ä st e auch auf den Straßenbahnlinien der Stadt gediehen ist, weiß jeder, der sie benutzen mutz. Die Zunahme der Benutzung und die dabei durchgeführte Einschränkung des Betriebe? haben bewirkt, datz der E i n n a h m e d u r ch s ch n i t t pro Wagenkilometer be- trächtlich st eigen konnte. Er betrug in 1816 knapp 61'/« Pf, in 1817 aber reichlich 63'/, Pf, da» ist ein volles Drittel mehr._ Nur„kriegSrelu"! Auf Veranlassung der ReichSbekleidungSstelle fand km Palast- Theater ein Vortrag statt, der die Frage:»Wie schone ich meine Wäsche?' beantwortete. WaS die Vortragende, Frau Dr. Heutz, da empfahl, war wohl für kundige HauSftauen nicht Ken. Aber in dieser Zeck deS Mangels an Wäsche und an guten Wasch- Mitteln kann auch doS Alte nicht oft genug wiederholt werden. Be- achtenswert ist vor allem der Hinweis, datz die jetzt in den Handel kommenden Waschmittel, die Pulver und Laugen, viel schärfer als sonst sind. Sie müssen dementsprechend schwächer als sonst an- gesetzt werden, damit fie nicht die Wäsche zerfressen. Auch gegen- über dem K.-A.-Seifenpulder ist Vorsicht geboten, weil e» Soda in bedeutender Menge, 68 Prozent, enthält. Pulver, Soda usw, solle» nie trocken auf die Wäsche gestreut werden, sondern find immer vor- her in Wasser aufzulösen und so zuzusetzen. Beim Kochen im Kessel ist die Wäsche dauernd unter der Waschlauge zu halten. DaS beste Waschmittel ist ja bekanntlich Seife, aber wir wissen alle, wie sehr eS an ihr fehlt. Die viel angepriesenen Tonwaschmittel haben, sagte die Vortragende, sehr wenig Waschwert, verschmieren die Wäsche und machen sie unansehnlich. Der Rat, durch Auffangen von Regenwasser sich ein besonders weiches Waschwasser zu schaffen, da« Seife spart, ist in Berlin schwer zu befolgen. Daß man zur Ersparung von Waschmittel» und Feuerung gut vorweichen mutz, zur Schonung der Wäsche scharfe Walch- und Bleichmittel wie Aetz- lauge und Chlorkalk vermeiden muß. ist Wohl allgemein bekannt. Den Versammlungsteilnehmerinnen wurde eine Zusammenstellung kurzgefaßter Regeln überreicht, von denen einige sehr.kriegSzeit- gemäß' klingen. Gemahut wird unter anderem:.Wasch nicht nach gewohnter Frist, sondern nur wen's nötig ist!' und:.KriegSrein, das genüge heut', schneeweiß bleibt für FriedenSzeit l' Teuerungszulagen für städtische Beamte und AngesteWe. Nachdem durch Beschlutz der Gemeindebehörden im Herbst V. I für die Beamten und Angestellten Teuerungszulagen festgesetzt wor- den sind, hat die Kriegskommijsion deS Magistrats erneut erne Er- höhung der Sätze der Teuerungszulagen beschloffen. Während die TeuernngSzuschläge nach den vier sestgesetzten Einkommensklassen. zurzeit 688 M., 788 M, 988 M. und 1888 M. betragen, sind für diese Klassen jetzt Teuerungszuschläge von 888 M, 1888 M., 1288 M. Schluß dtrJMmmgauf nnb tSOO M. vorgesehen. Die Lebigen sollen kvnstig 70 Proz dieser Sötze erhalten. Die bisherigen Kinderzusckläge von 10 Pro,. sollen auf IS Proz. erhöht werde». Hand in Ha»d mit dieser Er- höhung der Teuerungszulage soll eine Erhöhung der Bezüge der nichl fest angestellten Hilfskräfte, der Pensionäre und der Ruhegeld- empfänger sowie der Witwenbeihilfen erfolgen. Zwei schwere Zusammenstöße von Straßcnbahnzügen trugen sich am Dienstag nachmittag um 3 und 2 Nchr am Königs t o r und am Trefftninkt der Acker- und Invaliden st raße KU. Am Königstor wurden mehrere Fahrgäste leicht, sieben schwer verlefct und einig« erlitten Nervenschoks. Bei dem zweiten sollen vier ldicht verletzt und eine Frau(TL Oppermann schwer getroffen worden sein. Der Zusammenstoß am KönigStor soll durch Per- sagen der Bremse verursacht worden sein. Augenzeugen teil- ten uns mit: Um 3% Uhr kam ein Zug des Wefirmgs über den Berg in der Frieden strahe, nm in der Richtung nach dem Fri edrichshain zu fahren den Berg herab. Die Straßenbahn fuhrerin winkte, schrie und winkte schon von weitem,-daß sie den Zug nicht halten könne. Sie und ein junger Mann aus Zehlendorf, namens Fröhlich. bemühten sich mit allen Kräften vergeblich, die Bremse anzuziehen. Der Zug rollte mit wachsender Geschwindigkeit den steilen Berg der Friede nstraße herab und traf an der Haltestelle am KönigStor einen Wagen der(2-Bahnlinie in die Flanke. Der Zusammenstoß war fürchterlich. Beide Züge wurden stark beschädigt, mebr als ein Dutzend Personen verletzt, darunter ein verwundeter Feldgrauer. de? nach fernem Revolver greifen wellte, und der tapfere junge Fröhlich auS Aehfendorf, dem beide Bein« abgefahren waren. Er hätte sich noch durch Abspringen retten können, blieb aber bis zuletzt der Führerin in dem Bemühen die Breuls« anzuziehen zur Seite. Die Feuerwehr bracht« diese und einen Rohrleger W. Schanz auS der Holzmarktstr. 20 nach dem Kronkenhaus am Friedrichshain. Mit Militärautos wurden noch vier Perfonen dahin befördert. Die übrigen Verletzten erhielten von Samaritern der Wehr und Aerzten die erste Hilfe._ Kleine Anfragen. Man schreibt uns:«Ich arbeite in einer kleinen Malibinen- fabrik. Der Kantinenwirt kauft und verkausi iür eigene Reckmnng Lebensmittel aller Art. Die Preise find meist über dem Hö-bst- preis, die Oualiiät ist unter seder Kritik Trotzdem ließ icki mich am Sonnabend verleiten, 2 Pfund Zwiebeln zu kaufen. Das Pfund kostete 1 M.. die Hälfte war faul und unbrauckibor. Da die Be- börden immer wieder verfichern, es sei die Pflicht jedes Bürger», solche Fälle zur Anzeige zu bringen, machte ich mich am Montagvormittag auf den Weg. Ich ging zum Nabrungsmiltelamt im Polizeipräsidium. Hier wurde ich mit meinen Bollen abgewiesen, da dort nur Fleisch untersucht wird. Man wies mich an die LebenSmittelunteriuchungSsielle der Zentralmarktballe. Ich begab mich dortbin und erbielt den Bescheid, ich solle mit den Zwiebeln zu einem Chemiker geben und mir eine Bescheinigung holen Ich dachte, nun wird's klappen, und wandte mich an ein« Apotheke in der Spandauer Straße, von der mir bekannt war, daß fie Lebensmitteluntersuchungen ausführt. Doch auch hier war es wieder nichts: Der Herr Apotheker wies mich an dt« Medizinal» a b t e i l u n g An der Fiicherbrücke. Do eS jedoch bald Mitlag war und ich nicht auch den Nachmittaa noch verlieren wollte, mir über- die? der Versuch, meine Bürgerpflicht zu erfüllen, schon obne die Zwiebeln ll M. gekostet haite, und Bedenken in mir aufstiegen, ob dies die richtige Stelle sein werde, io machte ich mich mit meinen Bollen wieder auf den Heimweg. Wo wende ich mich nun hin?* Nach den Erfahrungen, die der Einsender bereit? gemacht hat. tragen wir Bedenken, ihm einen Rat zu geben, und richten unsererseits an die maßgebenden Stellen die Frage: Wohin hätte er sich wenden sollen? kl.«.». z. Ei» Lunapark im Plänterwald? Die völlige'Umgestalt mg der samilichen städtischen EierhauSIokale in Treptow, mit Ausne hme des „alten Eierbäuschens'. ist nunmehr beschlossene Sache. A'le Pächter und Unterpö.chter der Eierhäuser 2 und 3 müssen zum 1. Oktober das Gelände räumen, nachdem Verhandlungen mit ihne'i wegen er- böhter Pachtzahlung ergebnislos verlaufen find und mit einem Generalpächtsr. einem Treptower Bauunternebmer. abgeschlofien worden ist. Eine städtische Baulommilflon hat kürzl'ch daS Gelände. defien Einrichtungen allerdings sehr veraltet sind, defichtigt. An der Porkstraße sollen große Nnterkunf'S- nnd Tanzräume geschaffen werden. Auch ein.vornehmer Nininnel' nach denl Muster deS Luna- parkS soll beabfichtigt seK ToS sichert zwar die AnziehunoSkiast rind die Pachtzahlung, wird aber de» Charakter jener beiden Eier- hauslokale zerstören. Städtische NnteriichtSkurse fSr Schwerhörige. Die Deputation für die städtischen Fach» und Fortbildungsschulen hat beschloffen, an den FonbildungS'chulen iür Schwerhörige und Taube besondere Kurie einzurichten, itl denen ältere Schwerhörige oder im nachschul- Pflichtigen Alter Er.aubte da» Absehe., der Sprach« vom Mund durch einen von 5fachleuten erteilten Unterricht erlernen können. Dabei soll gleichzeitig auf die Erbaltung einer reinen und deut- lichen Aussprache, die bei starker Gehörberabsetzung vielfach Not leidet, Bedacht genommen werden. Außerdem sollen in besonderen Kursen doppelte Buchführung und kaufmännische» Rechnen in einer die Schwerhörigkeit berückstchtigenden Weise gelehrt werden. Die Anmeldung muß sogleich bei Direktor Schorjch, MarkuSstr. 4g, er» folgen. Die Mozartfaal. Lichtspiele«n Zlollendorfpkiitz zeigen vom Frei- tag an daS vicraktige Drama.DaS Geschlecht derer von Ringwall", aus dem Zyklus.Seltsame Mensche»� von Robert Wiene, mit Henny Porlenin der Hauptrolle. Seltene Tropfen. Zirka 7000 Flaschen stanzöstscher Kognak, Marke Bi unier u. Co.. waren von einer Breslau«! Lebensmittel» firma nach Berlin in die Hände einer.Kette* geraten, der unter anderem ein.Syndikus�, ein Kapellmeister, eine Künstlerin und eine Speditionsfirma angehörten. Das Kriegswucheraml erhielt von der Sache Wmd, ermittelte die Verstecke der einzelnen Posten und beschlagnahmt- die Ware im Betrage von 170 000 M.— Angebole von 300 000 Flaschen.Asbach uralt* brachten in hiefige Weinhändler» kreise eine große Beunruhigung. Beamte deS KriegSwucheromreS verfolgten die Kettenbändler, unter denen fich Angehörige der der- schiedensten Berufe befanden, von denen aber keiner die Erlaubnis zum Handel mit Wein und Spirituosen hatte. Die Ermittelungen gehen nach Leipzig und lasten noch nicht erkennen, ob ein»Leer» angebot* zum Zwecke betrügerischer Handlungen vorliegt. Gefälschte SO-Mark-Ban knoten. Seit kurzen find Nachbildungen der Reichsbanknolen zu fünfzig Mark mit dem Datum des 21. April 1310 und mit verschiedenen Nummern zum Borschein gekommen. Die Nachbildungen find hauptsächlich daran zu erkennen, daß fie keine Fasern haben, sondern daß die Fasern durch einen gelb- braunen Aufdruck erletzt find. Hält man eine echte Note gegen das Licht, so treten die Fasern deutlich hervor. Hält man eine Nach- bildung gegen das Licht, so ist die Faserung nicht oder nur vndeut- lich zu sehen. Das Reichsbankdireklorium verspricht demjenigen. der Zuerst einem Veriertiger oder wiffentlichen Verbreiter dieser Nacki ldungen bei einer OrtS» oder Polizeibehötde oder einem Ger iu dergestalt anzeigt, daß die Täter zur Untersuchung ge« zogen und bestraft werden können, eine Belohnung von 3000 M. die es fich vorbehält, unter besonderen Umständen noch»u erhöhen. Drei Einbrecher auS Warschau wurden von der Kriminalpolizei festgenommen. Ein Hausmädchen. daS in einer Wirtschaft in der Gontardstratze beschäftigt ist, fand eines TageS bei der Heimkehr seine Wohnung in der Georgenkirckstraße ausgeräumt. Einbrecher hatten alles mitgenommen, was sie besaß, im ganzen für über 3000 M. Der Verdacht siel bald aus einen Bäcker Robert T e i g r o t, einen Schloffer Aron Topinski und-inen Arbeiter S ch muh l Kind, die alle drei au- Warschau hierher gekommen find. Sie verkehrten früher in dem Hause, in dem da» Mädchen wobnt, ließen sich aber nach dem Einbruch nicht mehr sehen. Alle drei wurden ermittelt und festgenommen, und in der Tat waren fie die Einbrecher. Sie hatten die Gelegenheit ausgekundschaftet, dann dem Mädchen auf seiner Arbeilsstelle die Schlüssel gestohlen und sich so auf das bequemste Einlaß verschafft. Zu dem Mordgrrücht in der Wallstraße wird mitgeteilt: Eine aründliche Durchsuchung, die die Kriminalpolizei gestern noch in der Wobnunq der tot aufgefundenen Anna Kaschke vornahm, förderte fast alles zutage, was zunächst vermißt wurde. Da? Geld, im ganzen 1300 M.. fand man in mehreren Päckchen Papiergeld, an verschiedenen Stellen versteckt, in Kästen, in der Nähmaschine, im Bett uiw Die Tasche mit den Schlüsseln lag zwischen anderen Sachen. Gestohlen worden ist die Wäsche, ohne Zweifel von einer Bekannten der Toten, die mit den Räumen vertraut war, und eine Pelzgarnitur. Chirrlvttcnburq. Fürsorge für Kleinkinder. In seder Charlotten- burosr Säuglingsfürsorgestelle werden besondere Wochcnsvrechstunden iür Kinder vom l. bi? zum vollendeten 8. Lebensjahre abgehalten. Diele Kleinkindersprechstimden finden an folgenden Tagen statt: Sänalingsfüriorgestelle l, Berliner Str. 137: Mittwoch 2— 3 Uhr: II, WilmerSdo'ker Slr. III; Dienstag 2—3 Uhr: Hl. Kirchvlatz S»: Freitag 1— 2 Ubr: TV, Nchrinastr. 11: Dienstag 21'?— 3ft, Uhr; V, Kaiserin-Anguste-Allee 102: Dienstag 2—3 Ubr:"VT, Kaiserin- Auguste-Viktoria-Haus, Mollwitzstraße: Mittwoch 2— 3 Uhr: VII, Horstwea 28; Donnerstag 2—3 Ubr. Die Mütter und Pflegemütter. die zugleich einen Säugling und ein größeres Kind der Fürlorge- stelle vorstellen wollen, können ausnahmsweise auch die größeren Kinder in der Säuglingssprechstunde mit vorstellen. — Im Fürsorgeamt für Lungenkranke, Berliner Straße 187 fanden bisher Sprechstunden für Kinder Mittwochs und Sonn« abends vormittags von 10�— 1 Uhr statt. Um eine schnellere Ab» sertigung zu ermöglichen, find auch noch Sprechstunden am Dienstag» und Donnerstagnachmitlag festgesetzt worden. Sie finden von 4 bis 8 Uhr statt. Neukölln. Lebensmittel. Jeder Einwohner erhält bis zum 20. d. M. bei demjenigen Kleinhändler, bei welchem er in die Kundsnliste zum Bezüge von Kartoffeln eingetragen ist. auf Ab» schnitt 100 der Neuköllner Warenbezugskarte 200 Gramm Sauer» kohl. Diejenigen Einwohner, welche in eine Kartoffelkundenliste nicht eingetragen find oder von ihrem zuständigen Händler keinen Sauerkohl erhalten, können denselben in den nachstehend auf- qeführten städtistben Verkaufsstellen in Empfang nehmen: Kirchhof- straße 45. Knesebeckstr. 24. Donaufir. 181, Pflügerstr. 7, Bodd'n- straße 42. Wildenbruchstr. 87. Wer bis zum 20. d. M. einschließlich die ihm zustehende Menge nicht abgeholt hat. verliert den An- spruch auf Belieferung. Der Verkaufspreis beträgt 25 Pfennig je Pfund. Lichtenberg. Ein städtisches Wohnungsamt. Die städttschrn Be- Hörden haben im Rahmen der letzten HauSbaltsberatung auch be» schlofien, so schnell wie möglich der Stadtverordnetenversammlung eine Borlage zu unterbreiten, wonach ein städtisches Wohnungsamt mit den Aufgaben der Wohnungsstatistik, Wohnungsvermittelung, Wobnuugsauifickit und Wobnungspflege baldmögtichst eingerichtet wird.— Ferner haben die Stadtverordneten den Magistrat ersucht. eiligst zu erwägen, in welche Ausicküffe und Deputattonen Frauen, sei es als gleichberechtigte Mitglieder, sei eS mit beratender Stimme, gewählt werden können. — Lebensmittel. E» wird weiter bekanntgegeben, daß außer dem Vz Pfund DörrgemLie auch getrockneter Grünkohl iPfund 2,30 M.s. Rotkobl(2,30 M.l Weißkohl(1,97 M.s. und Möhren(2.50 M.) abgegeben werden dürfen. Die Abgabe erfolgt in den Kolonial- und Gemüsegefchäfren sowie in den städttschen Verkaufshallen ohne vorherige Anmeldung. Friedrichshage». Lebensmittel. Aul Sbfchnftt 3 der grstnen Leöensmiliettarte für Jugendlich? gelangt je'/, Pfund Nudeln zum Preise von 80 Pf. zur Ausgabe.— Ferner gelangen auf Ab- choitt 11 der grauen Leben-mittelkar» Heringe zum Verkauf. D:r'elbe findet in der Durchiabr? des Rathauses von 8—12 und von 2— 6 Uhr statt Es lammen beute die Nummern 1— 2400 zur Abfertigung. Morgen wird der Verkauf fortgesetzt. Weißense«. Die veautzung der Speiseanstalte». In der Speise- anstalt in der Göbensttaße wurden im vergangenen Jahre an Knegerfrauen und Erwerbslose 19 908 Portionen und an andere Personen 113 S20 Portionen ausgegeben. In der Speiseanstalt aus dem Schloßgrundstück wurden 220 080 Portionen ausgegeben. Die Sveiiu ig der Schulku er fand während des ganzen JahreS statt. ES wurden in der Göwnsttaße durchschnittlich 140 Schulkinder, in der Schullüche täglich 70 Kinder gespeist. Im ganzen wurden in den beiden Speiseanstalten mithin 354 308 Portionen an Erwachsene und 50 054 Portionen an Schulkinder verabfolgt. Außer diesen Sveii'eanstalten wurden in den beiden Mitte. ilondSküchen 433 234 Portionen ausgegeben. Der Verkauf von Milch in den von der Gemeinde eingerichteten beiden Milchhäuschen mußte wegen der Schwierigketten der Milchbeschaffung eingestellt werden. Groß-Serliner partelnaMchten. Johannisthal. Eine neue Niederlage der Unabhängigen. Bei der Gemeindevertreterwahl der III. Klaffe am Sonntag, den 14. April, standen sich wieder zwei ioztaldemokrattiche Kandidaten gegenüber. Die.Unabhängigen* bofften dem Kaudioaten der Soztaldemoftatt» schen Partei, dem langiäoriqen Gemeindevertreter D ü h r i n g, den Sieg streitig zu machen. Ihre rege Propaganda, die mft den be- kannten Mitteln der Entstellung und Verdächtigung betrieben wurde, hatte nur den Erfolg, daß ihr Kandidat schmählich unterlag. Genoffe Dühring siegte mit 113 Stimmen gegen 05, die auf den Kan» didaten der.Nnabhängigrn* entfielen. Neukölln. Ein Kro!>er Abend ist dieFrühlingSseiert die der Bildungsausschuß der Neuköllner Arbeiterschaft Sonn» abend, den 20. April, in den Paffage-Festsälen, Bergstr. 151/152, veronstalt-t. Einzellieder zur Laute, Zwiegesänge und heitere Re» zitationeu werden zum Vortrag gelangen. Eintrittskarten find zu haben in den Parteispeditionen Neckarstr. 2 und Siegfried» straße 28/29. Der Eintrittspreis beträgt 50 Pf. Gerichts Zeitung. Au» dem dunkelste« Berli». In das heutige Kriegsverbrechertum leuchtete eine Verhandlung hinein, welche das Schwurgericht des Landgerichts I be- schästtgie. Wegen Körperverletzung mit tödlichem Ausgange war der Revolverdreher Karl A f fei d t angeklagt. welche- aus d:m Strafgefärignis Plötzensee vorgeführt wurde, in dem e: eiw t iermooatige Gefängnisstrafe wegen Körperverletzung v:rbüßt. Als Verteidiger des Angeklagten fungierte Rechtsanwalt Dr. Schwindt.— Der Sachverhalt, welcher der Anklage zugrunde liegt, könnte ausreichendes Mater al für einen Verbr-cher- roman oder einen Deteftiofilm liefern. Der Geti trte, ein Musiker Paul C i esie ls ky, betrieb in drm sog, nannten alten Scheu, en- viertel eine richtiggehende Brotkart onfabrit, die tgm häufig in einer einzigen Woche einen Verdienst von 20 000 bis 80 000 Mark einbrachte. Die Brotkarttn bezog er teils von einem ungetreuen Angestellten der Firma Faßbender, bei der die Brotkarten gedruckt werden, teils erwarb er für Beträge bis zu 10 000 M. BrotkartenilischeeS und ließ damit die Karten selbst drucken. Diese gefälschten Karten wanderten zumeist in die»jüdische S ch w e i z*. wie die Gegend Grenadier-, Hirienstraße uiw. genannt wird. Während die Frau des Ciefielskt vornehme Badereisen u. a. nach Triberg unternehmen konnte, mußte fich C. selbst verborgen hallm, da er von der Staats- 'anwaltschaft und auch von der Militärbehörde steckbrieflich verfolgt wurde. Da seine eigene Wohnung ständig von der Kriminalpolizei beobachtet wurde, trieb er fich in allen möglichen Kneipen urnber, insbesondere in dem Lokal von Markgraf in der Schillingstrabe, wohin ihm seine Frau auch das Esten bringen mußte. Zwischen ihm und dem Angeklagten Affeldt, der an dem Brolkartenverlrieb beteiligt war. war es schon häusig wegen der Teilung des Erlöses zu Streitigkeiten und Schlägereien gekommen, wobei Ciesielsky einmal den sogenannten»Nipper-Stibb* ge- brauchte, indem er dem Angeklagten mit dem auSge- streckten Zeige- und Mittelfinaer in die Augen stieß, um ihn zu blenden. Außerdem trug Ciesielsky stets ein 30 Zentimeter langes Dolchmeffec mit sich, während 3ch der Angeklagte»für alle Fälle* mit einer scharfgeladenen Browningpistole bewaffnet hatte. In der Nackt zum 9. November will der Angeklagte in einem heim» lichen Spielklub im Scheunenviertel oder, wie er sich ausdrückte »zum Kommers* gegangen sein und dort 2000 M. gewonnen haben. Diese Summe, welche wahrscheinlich aus einem Brotkarten- verkauf berrübrte, war die Veranlasiung zu einem neuen Streit zwischen Ciesielsky und dem Angeklagten und der jetziaeu Straftat. In dem Lokal von Markgraf ging Ciesielsky auf Affeldt los. er wurde jedoch auf einen Stuhl niedergedrückt und man nahm ihn: erst einmal das Dolchmesser ab. Er ging nun in die Küche und bewaffnete fich mit zwei Küchenmessern, die ibm ebenfalls abgenommen wurden. Schließlich ging er mit einer Gabel aus den Angeklagten loS und brachte ibm einen Stich in die Wange bei. Nachdem er von den anderen Gästen zurückgerissen worden war und schon in mehreren Metern Entfernung von dem Angeklagten stand, zog dieser plötzlich die Browningvistole hervor und ieuene auf C.. der von der Kugel in die Wirbelsäule getroffen, zusammenbrach und am nächsten Tag« verstarb.— Recktsnnwatt Schwindt bat die Geschworenen, dem Angeklagten mildernde Umstände zuzubilligen, da die Tat sehr an Nolwebr grenze. Die Ge'chworenen bejahten die Schuldftage unter Zubilligung mildernder Umstände. Der Ver« treter der Anklage beantragte mit Rücksicht darauf, daß der An- geklagte schon biermal wegen Körperverletzung vorbestraft ist, vier Jahre und drei Monate Gefängnis. Das Urteil lautete auf ein Jabr und sieben Monate Gefängnis unter Anrechnung von zwei Monaten der Untersuchungshaft. Buo aller weit. Kriegsgewinnler als Burgherren. Der Kreis Belzig will die Burg Eisenhardt in Beizig ankaufen, um sie nicht in die Hände von Kriegsgewinnlern fallen zu lassen, die einen horrenden Preis dafür geboten haben. Der FissuS fordert nur einen angemessenen Preis, den die Kreise aus vorhandenen Neberschüssen der Kriegswirtschaft decken werden. Wenn im feudalen Zeitalter die Raubritter, Wegelagerer und Buschklepper in stolzen Edelfitzen hausten, so ist nicht recht ein zusehen, weshalb im Zeitalter des Kapitalismus die Kriegsgewinnler, Wucherer und Schleichhändler nicht dasselbe Domizil wählen sollen. Gekchilftliche Notizen. Die.Heinzelmännchen-Kochkiste' kocht nicht imr ohne Feuer und Ausstcht. sondern fie brät und backt auch und leiste! Eislchrankdienste. Wenn nicht erbältlich, wende uum fich an die Heinzel- männchen-AUiengesellschast. Berlin Hl? 40. öriefkaften der Redaktion. Mosenftock 25. Der gefangene Soldat hat überhaupt keinen Anspruch auf Löhnung. Sie kann nur den Angehörigen gewährt worden.— Oldenburg 1910. 1. Wenden Sie fich an das BestrkSlommando Schöneberg. 2. Arbeitsverwendungsfähig für die Heimat. Formveränoerung der Brust und Steifheit oder Krümmung eines FingerS. Sie können zu militärischen Arbeiten eingezogen werden. 3. Wenden Sie fich an die Kleider- Verwertungsstelle, Kommandantenstr. 80/81.— Th. B. 5. Die Auskunft der Krankenkasse ist richtig, Sie haben keinen Anspruch aus höhere? Krankengeld.— F. R. 90. 1. Eine 2ö wöchige Krankheitsdauer braucht nicht voranzugehen. Die vom Militär angesetzte Erwerbsbeschränkung ist aber nicht be,» mmend bei der Gewährung der Jnoalidemente durch die LandeSversichermigSanitalt. 2. Wenn Arbeitsfähigkeit eingetreten ist, wird Ihnen die Krankenrente nicht gewährt werden.— R. St. 5. Die Eltern machen fich nicht sttasbar. Sie find zum Bezüge der Unterstützung be. rechtigt, auch wenn die Frau Unterstützung bekommt.— S. 825. Deshalb können Sie eine Aenderrnig des Vornamens nicht verlangen.— Tie». 1. Germge Verkü-zung de» Beines. 2./, Uhr. aus| | dem aiten Thomas-Kirchhos, ) Neukölln. Hermannstr., statt.) Tie Lrtsverwalrung. 3 kuder.ereln„VorwZrts" Oberschöuewctdc. Hierdurch machen wir) unseren Mitgliedern die) traurige Mitteilung, dag) Ende vorigen Monats unser| Sportgenosje Georg Jaddatz gefallen ist, Wir verlleren in ihm I einen lieben Sportgenossen,) dessen Andenken wir stets in Ehren hallen werden. 235/5 Der Vorstand. An den Strapazen des Krieges starb am 14. April 1918 mein lieber Mann, unser treusorgender Vater, mein guter Sohn, unser Bruder und Schwager, der Unteroffizier der Landwehr vildelm Volincn} im Atter von 35 Jahren. Er folgte seinem Im Au- gust 1915 gefallenen Bruder Otto. 2107b Mit ihm ging ein treues, gutes Her, von uns, das wir nie vergessen können. Bertha Volmerg und Kinder Withetm, Frieda und Georg. Wstwe Luise Volmerg als Mutler und Geschwisten Lieber Vater, schlaf in Ruh', Unj'r« Liebe deckt Dich zu. Deine drei Lieblinge. Die Beerdigung findet am Donnerstag, den 18. April, 2 Uhr, aus dem Garnison- Friedhof, Hasenheide, statt. Allen Freunden. Sekmm- len und Verwandten die traurige Nachricht, dag unser lieber, guter Bater und Schwiegervater, der Schlosser Karl Mayer am 15. April im Alter von 43 Jahren im Virchow- g Krankenbause an Lungen- schwstidsucht gestorben ist. ! Die? zeigen in tiefer Trauer an als Kinder: Aptnr Mnyer Helene Hayer geb. Krinetzki Ella Jlayer Karl Jlayer Kitte Mayer. Die Beerdigung findet am Donnerstag, den 18. April, nachmittags 4 Uhr, von der Leichenhalle des Friedhofes der St. Johannis- Gemeinde )in Plötzensee aus statt. Am 15. April starb im 1 städt. Krantcnhause unsere) liebe Mutter, Schwieger- und) s Grotzmutter) Äaguste Rohr geb. NiedergesäB im 77. Lebensjahre. DieS zeigt tiefbetritbt an im Namen d. Hinterbliebenen Karl Hohr. Di« Beerdigung findet am Freitag, den 19. d. Mts., nachmittags 4 Uhr, von der Leichenhalle deS Thomas- Kirchhofes w der Hermann. ilraße aus statt. S3A OrtSkrankeukaffe f. d. Gewerde der Tischler und Pianoforte- arbeiter zu Berlin. Am Donnerstag, den SS. April 1918, abends 8 Uhr. findet im Gewerkschastshauö, Engelufer IS, Saal S, die ordentliche AuSschußsitzuug statt, zu welcher die Vertreter der Arbettgeber und der Ver- ficherteu hierdurch eingeladen sind. 268/17 Tagesordnung: L Abnahme der JahreSrech- nung für das Geschäftsjahr 1917 und Bericht des Rechnungsaus- (chuffcs. 2. Die Neuregelung der Grundsätze der ärztlichen Verträge. 3. Verichiedcnes. Der Vorstand: Emil BoeSke. itzrin Zinke, Vorfitzender. Schriftführer. r Mäbel-Gross n H OBten- Cr. Frankfurter Straße 141 1 im Vörden: Invallßenslraße 5, AokerStraSe» ___ bekannt billigen Preisen m Hgfoei gq bei kleinster An» u, Abzahlung. M Einzei-SiSibel jeder Irl. Li! Bunte Kuchen. � l-u. S-Slaben-Einriehlnngen gegen Barzahlung: zu besonders billigen Preisen. r j�iggsbeschädigte erhallen Rabatt. Sonntags 12— 2 geöffnet. ät amwm 1®®i* 3FsS.©di® Äa wo so gul aeKochl"vira •vie mit der oHbewähiten und behänntesfen oller KochhTsten.der IleiiAzelmäxmdseiiModtilfilste. sie kodn rüthl nur.sondeai bidiei und b gewiiM wskoulle in Johie laclniriaddlgfBe'SlaiiSiiggiMi _.. t irdl Tffijtfcn in �rrilffchen ilhLüiit tudTengsfd'idSea fcva'Lhren- p yusaywcrailio.Fbfisrtdi.wstöejdtSaMch, nleißnaseismiäETalicfrieit- 5 LÄA.??». KfW. HeidestnSS Akgemsw» Grtskrankenkalfe Kin.-Kchten!»erg. VürnsdtäMiQsnl tuerder\ r| Ij noch den nezüi&sn:s Z: l�ladÄUcn auo�eführtil 1; Billigste Pceisbetcchoung jl llOrnnlßnrJtp. 1 65. simuj*! vüNVwwkMli unul nnmuDöTu* ü j'mTnmun üttiu!»««av«innmoaiMSimK f>a9 neue Sauerstoffwascfamittel OZON zur WäSChe Vornehmo und preisY/erla Ei-irkiitun�en finden Sie n»eh wie%qi In grofier Aue wähl bei B. 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Absatz folgender Zusatz eingefügt: Als Entschädigung für Tell- nähme an den Ausschich- sttzungen erhalten die Aus- schuszutttzlicder fiir jede Sitzung: a) für Zeitverlust 2,50 M. d), Fahrgeld 0,50, Vorstehende Acnderung tritt »Iii dem Tage der Verössevt- lichung in Kraft. 266/18 Berlim-Schchtenberg, den 12. März 1918. Der Laficnvorstinch der Allgemeinen Ortskranken- rässe Berliu-Licktteuderg. n ax Uedloff, 2. Varfitzcnder. G. Budde, Schriftführer. Genehmigt: Tbarlottcnburg, 30. März 1918. KSnigl. OberversicherungS- «mt«Srost-Berliu. (L. B.)*. Gosttiowsk!. �»Lßiiollrwepte- loioo zd Berlin. Bekanntmachuug. Am ftzrcitag, den 2K. Atziril 1318, abends 7 Uhr, findet im »Prlllate»«, Dtrcksevstratze, Stadtbahnbog«» ö, die stawteumäfitge NMWdkSSMw- ASSWUS statt. 266/15 Wahlberechtigt find die bei ewem Jnnungsrnttgliede be- ichästtgien volljährigen Gehilfen, ioelche sich im Besitz der bürzer- lichen Ehrenrechte befinden. Wählbar ist jeder wahlberech- tigte Gehilfe, weicher zum Amte eincS Schössen säbig ist. Legi- timation: Bcschewigrmg des Junungssuhrherrü, J. A: A. Rohuke, _ Obermeister. Spezialarzt Dr. med. WocMuß FfieirlthskltSsJrÄÄ für3yphilis1Harn-u. Frauenleiden Blutuntersuchungen, Sehnelle, sichere, schmerzlose Hellung ohne Serufsstarung. Teilzahlung M.ort. Postkarten I M. 50 Kriegt: karten 1.50 M. Je 50 Rlnm Kunat-, Liedes. Kopf-, Landochafte- und Pfingstkarten 2.50 M., alle 400 Stück iosammen 15 M. P. Wagenknecht Vortag, Leipaig. 45/2 tmpr. retuMid. AtlaamSatrt,»,., KS, 146 Sehlnnselda tmpr. M&utal 126, 192 Oorarcoat, ISlataraige(ininmlüAntai ,89. 85 l .IIb. 142 HoiWIllse.'äi 229,250 Praobt-KosiODt.»»»»»». M8 KB aaw. Seides-Kosthma 186, 290 eetr. Paataade-KoetlhM,•, Baidan-Keck*.,,, nsw. . 188. 174 am», . ÖQ. 85 BS*. und Peliminlsl! SaatpÄBotrmnntcl..., Astiaobaum&atal 14-,va-. 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Schlaebtmesser 2.95 1' Schrubber............ 2.95 1 Glanzbürste__________ 2.95 1 Scheuerdürste______ 2.95 1 Äbstäuber......... 2.95 1 Kopf börste_________ 2.95 1 Eierschrank............. 2.95 1 Schlüsselbrett 2.95 1 IlMnlnnlra 1 Kugelkamm 1 Ö.mftonechtif-ncl 1 Butterdose Lx. schweres Pressrnnster 2.95 1 Springform 1 Schmortopf A If affooi'aooeii 4 Tassen � Ooldrer- rlernng, dOnooi Porzellan 1 Obstkorb 9 reiches Pressmwtor.«>.95 1 Salatschüssel hflbseh.PrachtTerzier fc.95 6 Kaffeebecher hont bemalt, sortiert 1 Milch- topf Porsellan, mit hübscher breiter Rosenkante 2.95 Blumenkübel 0 ne Majolika.........« 95 1 Milchkanne 1 Knohenteller mit Ohren. 2.95 Pirektion Max Reinhardt. Deutsches Theater. 8X7.: DerBDrgerals Edelmann. Donnert: OerBDrgeralsEdelm. Sonnabend mittags 13 Uhr: Bobert und Bertram. Bammersplele. 7 Uhr; Sumnrnn. Donnerstag: Mumnrum. Volksbühne. Theater- am BQIowplatz. üntergrundb. Schönh. Tor. Vlt: Die Blchtlzxe. Donnerst. 8: Hanneies Himmott. Dir. C. Meinhard— R. Bern»»er. Theater tKönlggrützerStr, 7": Me Heide» asf Helgetand. Komddienhaus Vi, Uhr: Die Zarin. Berliner Theater 7 Uhr: BUtebla Blut. Theater für Mittwoch, 17. April. Centrai-Theater KommandantenstraBe 57. VI,: Die CsardasfOrstln Deutsches Opernhaus 7 1 ü.t Frledrlcb-Wllhclmst. Theater •P/.Uhr; Kleines Theater 71, Uhr; Nante. Bustaplelbansi 7*/, Uhr f. Metropol-Theater Oie Kose m Stambül. Uhr: Neues Operettenhaus Bchiflbd. 4a. Kassent. Nd. 381 7«i.uhr:gErS8lilatilerMa!le. Besldcnz-Theator TisUto: Der junge Zar. Kamlsehe Oper n SehBler Theater O V\, Uhr: DlC LttN. Seiall ler-Th. Charl. Der fellchenlreswr. 71. Uhr: Thalla-T h eater Theater am NolUndortplatz PU Uhr: Wilhelm Teil. 7 Uhr: Hiermnl: Das Ist der Sieg. Theater des Westens vj, Uhr: Ludwig II?. mit Bnldo Thielscher. Vorh.: Dei- Regimentszauberer. Rose-Theater. D/. Uhr: m WS iA Ml. Walhalla-Theater. 3*1, Uhr: Bethdppehen. NMMMlMM. Berliner Konzerthaus. Mauers traße 82 Zünmorstrafle 90/21, Gr. Konzert des Berliner Konzerthaus-Orchester Leiter: Komponist Franz tg V), Uhr. Kntrit* 80 Pf. Anfang 71, Uhr. KPreltae, ien 1». er.,-MG . IZvppvl»Xon-vi'ff'ME Resten der Wohllahrtepflege eine« Garde-Regimente. MMG NATION AL-THEATER 7»i,:| 1 lad« f richtig! Mnsfk Walter Bromme. Concordia-Liclitspiele Andreasstraße 64. TSgl. VI, Sonnt. 3'/, u. Vj, Erna Offeney ■.Walter Steiaer. d. eeue AgHI-Prograam. Yöigt-Theater. Bedstr. 58. Baditr. SS. »Sgilq V/, Uhr: Das SOjührigs Jubiläum. Freitag, den 19. 4.: Benefiz(Br Q. Witte: Komteß Panla. Reichshallen- Theater, Tlglleh 7'/, Ohr, Seealage 9»nd VI, Ohr: Steier Singer. Nachmittage ermäßigte Pr.! Kaffee Luitpold BotsstraSe 15. Kabarett. Frank Bergmann Pepl Pfeiffer Hantln Löwe and da» große April- Programm. idmlralspalasl KoritAt BhftteesstafonTragintl Sajdah• DeatscheTinze| 7»/. Uhr. 2. 3. 4. 5. 8 M. Tägl.r/, 8tg. 3'/,». r/,0. Bcllonls Wunder- Kakadus. Der kleinste Kunstradfahrer der Welt auf dem Drahtseil. 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Ein brodelnde« Meer von Scherben— ein Grab, das fich erbricht— das ist Bapaume. Auf den Straßen, die von allen Seiten in diesem Häuser« friedhof zusammenlaufen, schieben sich die Kolonnen in endlosem Zuge hin und her. Frisch« Regimenter, singend, kräftig aus- marschierend, junge, ganz junge Leute strömen nach vorn. Sie kreuzen die Maroden, die Humpelnden, die lberwundeten. die müde, gelb, bleich am Rande der Straßen im Gänsemarsch nach rückwärts verschwinden. An den Beton-Telegraphenstangen kleben die Strippen- 'eger— die Schipper wühlen im Straßendreck— seitwärts auf einer Wiese 40 rauchend«, dustende Bäckerwagen— verletzte Ka- nonen, die in die Werkstatt— englische Beutemörser, die schon in Feuerstellung fahren, doppelt wertvoll, weil ihre Munition in Massen vorn liegt!— Meldereiter in Stahlhelm und Gas- maske— knatternde Motorräder— ein undurchdringliches Wirrwarr— und doch alles einem großen inneren Gesetze gehorchend— und plötzlich über dem Ganzen: e n g l i s ch e r Flieger. Man bört kein Flakseuer— sieht nicht«— hört dicht über seinem Kopfe ein Flugzeug surren. Huiii— bäng— gleich dem Schlußgesang einer Granate. Eine Bombe kracht mitten auf die Straße. Drei Kraftfahrer, die rauchend neben ihrem Wagen standen, liegen tot in ihrem Blut. Ehe fich die anderen gerettet haben, ist der surrende Flieger in den niedrigen Wolken verschwunden. So gehr es jeden Tag— Huben bei uns— aber auch drüben beim Gegner. Der Lustkrieg wird intensiver. Früher blieben die Flieger bei Wolkenwetter zu Hauie. Heute ist e« ihr größter Vorteil. Unsichtbar über den Wolken ichioebend— lautlos im Gleitflug schleichen fie herab, stoßen durch die nasse Wollenschicht hindurch— und verschwinden, ehe daS Sperrscuer der Maschinengewehre sie fasien kann. Niemals haben die Engländer ihre Fliegermaschinen in solchen Mafien hinter unsere Front geworfen, wie bei ihrem jetzigen Rückzüge. Kanonen und Truppen haben sie mit anerkennenswerter Energie zu retten gesucht. Ihre Flieger aber haben fie geopfert. Zu Hunderten liegen ihre zerschellten Apparate auf den verlafiencn Schlachtfeldern. Aber bei dem notwetidigen Massenbetrieb auf unseren Zugangsstraßen hat auch manch deutscher Fahrer, Sanitäter und Schipper weit hinter der Front den Tod gefunden. Von der großen Straße Bapaume— Cambrai ab biegen wir links ins Kampfgebiet des Bapaume-Riegel ein. Hier liegen zwischen MorchieS und Vraux-Vaucourt— auf den graugrünen Wiesen und um die Straßenkreuzung— 14 tote Tanks. Es liegen auch zahlreiche tote Briten da— in den Unterständen am Hohlweg ivestlich Morchies— in den verlafienen Baltcriestellungen auf der Straße nach Beugny. Alle diese Unterstände sind verschüttet— die Toten liegen übereinander geworfen— einige von ihncii verwundet mit geschientem Bein, verhülltem Kopf. Ueber das alles ist am zweiten Tage der Scklacht die deutsche Feuerwalze mitleidslos hin- iveggeschritlen. 16 Tanks waren bestimmt, die Wellen deutschen Fußvolkes zu brechen, die von Morchies her über kahle Wiesen auf die gewaltige Drahistellung deS ersten Bapaume-Riegels sich stürzten. Das war am 22. März. Unsere Schützenlinien lagen westlich Morchies. Die Feuerwalze hämmerte schon drüben auf dem ersten Riegel, der von BehagnieS im Bogen über Beugny sich zieht. Im fnmpftgen Grunde westlich der Straße Beugny-Braux-Vaucourt bauten nach Fliegermeldungen feindliche Batterien gegen Bapaume ab. Ilm'ere Infanterie halte mit ihrem rechten Flügel gerade die Straßen- kreuzung südlich Maricourt-Gehölz überschritten, als neue Flieger« Meldungen kamen: unten links von der großen Straße her aus Beugny heraus— dieSieilS unserer Feuerwalze— nahten sechzehn englische Tanks. Da kamen sie an. Sie fuhren über die kahlen Hügel mit Höchstgeschwindigkeit, in Abständen gegliedert, gerade auf unsere linle Flanke los— schwenkten plötzlich halblinks und begannen ein rasendes Schnellfeuer m den Rücken unserer vorgeprellten Schützen- lmie. Sobald die Tanks gemeldet, war unsere Begleitartillerie alarmiert. Aber bis sie kam, einen Augenblick, war die Situation kritisch. Maschinengewehre ratterten gegen die Eisenbiester loSl Handgranaten flogen in weitem Bogen aus fie nieder. Sie bekamen zahlreiche Treffer, aber sie schössen weiter. Die Tanks zogen sich in ein« lange Reihe auseinander und lagen nun wie eine lebendige Sperrkette zwischen unS und den abbauenden Batterien. Eine Viertel- stunde verging. Plötzlich mischten fich in das Klackern unserer Maschinen- gewehre die hellen Abschüffe unserer Batterien. Feldkanonen waren im Hohlweg westlich MorchieS in Stellung gefahren. Matrosen- infanterie mit drei Batterien kleiner Bootskanonen stürzte aus dem Dorse, rollte ihre kleinen LandungSgcsthütze hinter sich her auf die Wiese südlich des Hohlweges und begann fich auf die Tanks einzu» schießen. Die Matrosen schoffen direkt. Immer in die Eingeweide der Tanks, in die empfindlichen Stellen, da. wo die Raupen mit dem Motor verzahnt find. Der erste Tank blieb stehen. Ein zweiter brannte. Aber schnell hatten die Ungetüme den neuen Feind erkannt. Sie drehten auf der Stell« und fünf von ihnen warfen fich schnaubend, feuernd ans die klemen vorgezogenen Boots- kaonnen nach hinten. Die Kanonen lagen offen auf freier Wiese ohne Deckung. M. G.- und Geschützfeuer praffelte aut sie los. Sie feuerten. Ihr Führer fiel. Sie feuerten weiter. Die Tanks kamen näher— wie ein großer Dampfer auf ein klemeS Fischer- Schmack. Einen Augenblick, als fie ganz dicht waren, kam Ver- wirrung über die Matrosen. Aber plötzlich schoflen fie wieder. Die Ungeheuer boten ein breites Schußfeld. Ein spitzes Geschoß nach dem andern schlug in ihren gestählten Bauch. Ein Tank nach dem andern blieb stehen. Aus einem flohen die Leute. Ei» anderer lag auf der Seite, aber die Mannschaft schoß. Schließlich gab es ein Handgemenge, ein Durcheinander, in dem von MorchieS aus nichts mehr zu erkennen war. Eine Landungskanone hatte sich verschofien. Da sprang ein Matrose in einen leeren Tank und feuerte mit dem englischen Geschütz auf den letzten, der sich noch bewegte. Am Schluß lagen iüni Tanklcichen— rauchend, stinkend, mit Löchern— mit verbogenem Geschütz auf der Wiese umher. Die übrigen waren durch die Feldkanonen erledigt. Der Weg für die Infanterie war frei. Die Tanks liegen unberührt wie am 2. Angriffstag. Einige find völlig ausgebrannt. Ein geschwärzter Stahlhelm innen am Boden zwischen verkohlten Resten— vielleicht das letzte Ueberbleibsel eine? englischen Tankhelden. Ein Manu von der Bedienung eines andern ist brennend herauSgestürz:— er liegt angekohlt 6 Meter von seinem Posten. Auf der Wiese verstreut gesüllle Munitions-Rahmen— zer- splitterte M.-G.-Rohre, ein toter englischer Sanitäter. Im Erdboden zahllose kleine braune Trichter von den tapferen LandungSkanonen. AlleS so verlassen— so still— so ganz Geschichte, als wäre eS nicht erst ein paar Tage her. Als kämpften die Matrosen nicht heute nur 10 Kilometer nach vorn— denselben Kampf. Bon Beugny aus— zunächst vorbei an den englischen Batte- rien, deren Lafetten dastehen, deren Rohre abtransportiert sind wandern wir südwärts in den ersten Bapaume-Riegel hinein. Man hat viel Draht gesehen in diesem Kriege. Die deutschen Draht- hindernifie vor der Siegfciedstellung waren 14 Meter breit. Aber sie sind schmale Bänder gegen das,' was hier nach rechts und links wie hohes braunes Heidekraut sich hinzieht. Dieser Draht scheint nicht gezogen, sondern gewachsen. Wie ein Wald wächst— breiter und breiter werdend. Zuerst haben den Baupaume Riegel die Deutschen gebaut— vor dem großen Rückzug— drei Reiben Gräben— jeden mit breitem Draht nach Westen davor. Dann kamen die Engländer. Sie ließen die Gräben umbauen und legten nach Osten noch einmal Draht davor— breiter als vorher So entstanden die Drahlwälder von Bapaume. Und dabei ist dies nur der erste Riegel. Dicht vor und dicht hinter der Stadt liegt der zweite und dritte. Die ganze Bapaumeschlacht ist nichts als der Kampf um diesen Draht. Ihn artilleristisch oder durch schwere Minen zu zerstöen, hätte Wochen gedauert— eine Arbeit für den Stellungskrieg. Jetzt aber mußten wir ihn im Bormarsch bsrennen — ohne Mörser, ohne schweren Minen— über diese kahlen Hügel hinweg. Und in den Drähten verborgen saßen zu Hunderten die kleinen englischen LewiS-Gewehre. Da? mar die Schlacht von Bapaume. Ein. zwei blutige Stürme vergebens— aber der dritte gelang. In weniger als 40 Stunden hat auf der ganzen Linie von Behagni-s bis Lognigny das deutsche Fußvolk diese Riegel gebrochen. Nun liegen fie da— stumpfsinnig— tot— Millionen stachlige» Eisen band— leblose Werte— geronnene Arbeit von tausend Menschen� Händen. Zweimal türmten sie fich trennend zwischen feindliche Leiberketten. Werden sie nicht noch einmal lebendig werden und einem neuen Sturm vom Westen trotzen? Abends stehen wir wieder bor der Ruinenstadt. Aber ist Bapaume noch eine Stadt zu nennen? Alle diese Dörfer und Städte der toten Zone find ja nur noch Symbole»md militärische Abkürzungen. Was ist eine Stadt? Ein Sozialbegriff— ein Wirtschaft- licher, ein administrativer, ein GemütSbegriff. Bapaume ist— nichts von allem mehr. ES ist ausgelöscht aus dem Gedächtnis der Menschen und lebt vielleicht noch in den Träumen evakuierter Kinder, die vor 4 Jahren diese kleine behäbige Landstadt im blühenden Sommer verließen— und die jetzt nichts davon wissen wollen, daß eine ganze Stadt so sterben kann. Was ist Bapaume? Eine verschüttete Straßenkreuzung— ein furchtbarer Warnruf für die Heimat— für die Satten und Frechen, die nicht wissen, was Krieg ist— für die Weinerlichen und Feigen, die nicht ahnen, wie gut sie es haben. Alles sollte wieder aufgebaut werden in Europa. von Flandern bis Podolien, aber diese eine Stadt, dieser Riesen« scheide, sollte bleiben— zum Schauer und zur Erkenntnis. Dr. Adolf Köster, Kriegsberichterstatter. Helfingfors. Die inmitten der malerisch-fchönen Schärenwelt des Finnischen Meerbusen» gelegene' Hauptstadt des früheren Großfürstentums Finnland ist, mit mehr als 100 000 Einwohnern, trotzdem sie auf ein Alter von mehr als dreieinhalb Jahrhunderte zurückblicken kann, doch ihrem ganzen Wesen nach eine völlig moderne Stadt, die erst im Laufe des 19. Jahrhunderts ihre rasche und lebhafte Entwicklung genommen hat. Auf gut gepflegten, breiten und geraden Siratzen, die vielfach alleeartigen Charakter tragen, und schmucken Plätzen entrollt sich ein lebhafter Straßenverkehr, dessen Hauptader die prächtige, mit einer vierfachen Reihe von Ahorn- bäumen geschmückte Esplanade ist, die schönste Straße der Stadt, an der zugleich die bemerkenswertesten Geschäfts- Häuser und Läden liegen. Auch das neue Theater, in dem schwedisch gespielt wird— zwei andere Bühnen sind russisch und finnisch— liegt an der Esplanade, in deren Mitte das Bronze« standbild Runebergs, des Dichters des»Landes der Tausend Seen* steht. Ein anderes Denlinal, dem Andenken Kaiser Alexanders II. gewidmet, erhebt oder erhob sich in der Mitte des Senatsplatzes, der an jeder Seite von einem monumentalen Gebäude eingefaßt wird': im Norden von der im klasfiziftischen Stile erbauten Nikolai- kirche, im Westen von der palastähnlichen schwedisch-finnischen Alexander-Univerfität, im Osten vom Senatsgebäude und un Süden vomRathause. An sonstigen bedeutenden Gebäuden sind noch zu nennen das Athenäum mit seiner nicht unbedeutenden Galerie finnischer und anderer Kunst, das Staatsarchiv, das frühere kaiserliche Palais, das im italienischen Stil erbaute Ritterbaus, und das Sländebans �o- wie die griechisch-katholische Manä-Himmeliahrts-Kathedrole. die mit ihren weißen Dächern und goldenen Kuppeln welthin sichtbar fit. Den Lebensnerv der Stadt Helsingfors bildet ihr Hafen, der in drei Teile zerfällt, den durch die aus einer Halbinsel gelegene Vorstadt Skadudden abgeschlossenen Nordhasen(für Kriegsschrffe) uno> cn Südhafen(für Handelsschiffe) iowie den westlich von Helsingsors gelegenen Sandvikshaien. Der Stadt vorgelagert ist die aus sieben durch Brücken verbundene Inseln verteilte Seefestung Svcavorg, deren Anlagt 1749 von den Schweden begonnen und von den Russen fortgeführt wurde. 1812 wurde HelfingfvrS zur Hauptstadt Finnlands, 1819 zum Sitz der Regierung und gewann bald, besonder? nachdem auch 182? die Universität von Abo hierher verlegt war, ständig an Bedeutung. Nicht nur in politischer und geistiger Beziehung, sondern auch inr Handels- und Verkehrsleben des Landes nimmt es die erste Stelle ein. Bereits um die Jahrhundertwende besaß eS an 600 industrielle Betriede. Der Ueberseehandel wie« in der Hauptsache eine Aus- fuhr von Holzwaren, Papier und Pappe auf. während die Haupt- sächlichen Einfuhrartikel in Gslreide, Eisen, Maschinen, Manufakturwaren, Zucker und Steinkohlen bestanden. Notizen. — Vorträge über nutzbare Gewächse werden auch in diesem Sommer im Dahlemer Boranischen Muieum uachm. 6 Uhr unentgeltlich stattfinden. Zmrächst find vorgesehen: Mittwoch, 17. April, Prof. Gräbner über Gemüsepflanzen; 1. Mai Prof. Gilg über Oelpflanzen; 15. Mai Prof. Loesener über Kaffee, Tee, Kakao und Ersatzstoffe. — Kunsichronik. Die Buchhandlung des Graphischen Kabinetts I. B. Neu mann wurde nach Kurfürstendamm 232 in das Vorderhaus der Berliner Sezession verlegr. Als EröffnungS- ausstellung wird»Moderne Graphik Berliner Künstler in den letzten zehn Jahren' gezeigt. Die MelzerauSstcllung in den oberen Räumen bleibt brS Ende April geöffnet. — W i en e r Krie g S ko st. Die Zeiten haben fich stark ver- ändert seitdem Schiller und Goethe die Donau in Oesterreich sagen ließen:»Mich umwohnt mit glänzendem Aug' das Volk der Phäaien, immer ist Sonntag, es dreht immer am Herd fich der Spieß". Das war die Backbendlzeit. Im Jahre 1917 dagegen verwendete der Wiener Volksküchenverein durchschnittlich 1,3 Gramm Fett auf eins Portion Essen und ein Ei auf 17 000— sprich fiebzehntausend— Portionen, llud da? wird noch nicht der Gipfel kriegsköstlicher Möglichkeiten sein. Im ganzen wurden in diesem gesegneten Jahr 28 Millionen Portionen abgegeben, um 7 Millionen mehr als im Jahr zuvor. 12] Pioniere. Roman aus dem Norden von Ernst Didriug. ?llgrens gutes Lächeln erlosch allmählich, und hastig zog ein anderes Bild aus seiner Heimat Wärmlaud vorüber— ein schönes, sauberes Zimmer mit weißen Musselingardinen, ein blauer Kachelofen, ein gelbgestrichener Fußboden, und dann all die blankpoliertcn Birkenmöbel mit der schönen Maserung, in denen man sich spiegeln konnte, das Bett und der Schreibtisch und der Schrank und die Stühle— und dann auf dem Ofensims die alte große weißblaue Vase mit dem Büschel riesengroßer Primeln. Algrcn fröstelte. Es war auch scheußlich kalt hier drinnen. Er ging hin und fühlte den Kamin an. Kalt, eiskalt. Er ging in den großen Raum hinüber, um sich etwas zum Feueranmachen zu holen. Als er die Tür öffnete, saß eine Frau bei einem Mann auf dem Schoß und küßte ihn. Algren suhlte sich geniert und wollte sich ohne ein Wort zurückziehen, aber der Mann stand auf und kam mit ausgestreckter Hand und einem breiten Grinsen auf ihn zu. Es fiel Algren sofort auf. wie kahlköpfig der Mann war und wie zahllose Runzeln die hohe rstirn aufwies. „Sie sind ioohl der neue Ingenieur?— Hab ich mir ge- dacht. Ich bin Hansson, der Vormann hier, und dies ist die lange Maja," erklärte er und zeigte auf die Frau.»Ist sie nicht hübsch?" Er lachte entzückt. Algren tat, als sähe er sie nicht, stimmte aber innerlich Hanssons Acußerung zu. „Ich möchte gern etwas zum Feueranmachen haben", sagte Algren und strich sich durch das Haar.»Draußen ist es ja warm, aber hier drin könnte ein bißchen Feuer nicht schaden. Die Kälte muß noch in den Wänden sitzen. Habt ihr keine Kohlen?" „Ter Tausend! Hast du denn heut da drin nicht ein- Msilfizt. Maja?" fragte Hansson. Vkaja murmelte etwas Unhörbares und ging an ihnen vorbei zur Tür hinaus. Gleich darauf hörten sie sie drinnen bei Algren am Kamin hantieren. Inzwischen fragte Hansson Algren aus, wie Hjort ge- launt sei, ob der Weg beschwerlich gewesen, ob an vielen Stellen an der Bahn gearbeitet werde, bis Algren endlich einsah, daß das Verhältnis etwas verkehrt war, und daß er statt dessen selbst sich nach allen Dingen hier erkundigen mußte. Die Antwort, die er bekam, floß ohne Stocken. Die Verhältnisse waren fiirchterlich. einen Tag Sonne, daß man braten konnte, am andern Kälte, daß man aus- einanderfror; der Herbst finster wie eine Höhle, und dann der Winter, dieser verdammte lange Winter mit Schnee und Eis und dem Teufel und seiner Großmutter, wo man nicht vor- und nicht rückwärts konnte und wo man vierzehn Tage hinter- einander still liegen mußte wegen der Stürme und all der losgelassenen Höllenkräfte. Heute war draußen ein Himmel- reich, freilich, aber»vir ivollen nur bis morgen warten, dann pfeift's aus einem anderen Loch! Und dann die Sonne! Sonne, Tag und Nacht, so daß man nicht schlafen konnte. Sehen Sie, Herr Ingenieur, das juckt," fuhr er fort, „juckt am ganzen Körper wie Millionen kleine Läuse. Das sind natürlich die Nerven, wird uns gesagt. Aber sogar die Lappen werden närrisch davon. Und was sollen wir da erst machen, die wir aus ganz Schweden zusammengekratzt sind. unten von Astad her bis hinauf nach Haparanda. Und dann die Mücken! Warten Sie nur, wenn die erst kommen. Dann wird es wirklich fein! Wenn sie einem in die Ohre» und in die Nase kriechen und an den Augenlidern Tiefbohrungen machen, wenn man eben einschlafen will. Sehen Sie, Herr Ingenieur, es gibt Tage, wo man förmlich Mücken einatmet, wo man fie als Zubiß zur Mahlzeit hat." Hier unterbrach Algren seine Suada mit der Frage, ob ein Koffer hier angekommen sei. O gewiß. Schon vor einer Woche. Er stände auf der Diele. Ein mächttger Kerl, in dem sicher viele gute Sachen wären. Hansion betonte die guten Sachen sehr nachdrückUch und legte ein augenfälliges Interesse an den Tag. Algren den Koffer in das Zimmer hineinbringen zu helfen. Er ließ sich denn auch auf dem Bettrand nieder, während Algren auspackte. Inzwischen blieb sein Mundwerk ununterbrochen in Be- wegung. Ob Algren Ingenieur Gerell schon kenne? Noch nicht! Nun, das machte nichts, denn es war nicht schwer, mit dem bekannt zu werden. Das war ein richtiger Spaßmacher und ein gewaltiger Jäger. Er hatte oben auf der Talsohle mehrere Bären geschosicn. Ob Algren auch Landström nicht kenne? Ach so, auch nicht! Ja, ja, das war ein Kerl. einer, der saufen und arbeiten konnte. Und er bezahlte auch, wenn's drauf ankam! Gerell war auch nicht geizig. Voriges Jahr hatte Gerell mit dem Abstechen der Bahn zu tun und ließ zur Markierung solche Eiscnzapfen, Algrcn wisse Wohl, in den Berg einschlagen. Da kam er eines Abends hier in unsere Baracken, um zu essen. Wir hatten damals als Haustier noch nicht Maja, sondern eine andere, eine noch hübschere Norwegerin, nach der man verrückt wurde, wenn man sie nur ansah. Sie hieß Elisabeth, wir nannten sie aber nie anders als Schönlisa. Gerell wurde auch verrückt, genau wie wir. Man wird hungrig, wenn man den ganzen Sommer durch die Berge läuft und Zapfen einschlagen läßt, Herr Ingenieur. Er fragte mich, ob er bei ihr schlafen könne. Das konnte ich nicht ver- sprechen I Na, eines Abends kam er wieder hierher zur Baracke, und ich sagte natürlich zu Schönlisa, es sei ein neuer in unserer Schicht. Er hatte gebeten, ich solle nicht sagen, wer er sei. Und es ist nicht leicht, hier oben in den Bergen Herrn und Knecht zu unterscheiden, so wie man angezogen ist. Wir hatten kein Bett für ihn übrig, so daß ich Schönlisa sagte, er müsse bei ihr liegen. Sie lachte nur. Denn er war ein hübscher Kerl, der Gerell, und das ist er noch. Jedenfalls blieb er drei Nächte hier und befand sich sehr ruohl. Dann schrieb er die Rechnung auL für uns über zwanzig Tage Arbeit, und die ganze Schicht zusammen bekam zweihundert Kronen für das Zapseneinschlagen, verstehen Sie. Die Arbeit hat uns mal Spaß gemacht. Und daß der Staat es bezahlen mußte." Algren mußte trotz allem lachen. „Ja, sehen Sie, die Maja, mit der gibt's solche Spaße nicht, denn das ist mein Mädchen, und versucht es einer, dann schlag ich ihm Arme und Beine ab", sagte Hansson. Algren blickte Hansson an. Es lag etwas wie Drohung in diesem Ton, da aber Algren die Voraussetzung in bezug auf sich selber absolut lächerlich fand, hielt er es aber für über- flüssig, Hansson seiner Ritterlichkeit in diesem Punkte zu ver- sichern. Er begnügte sich mit der Frage, ob Maja ihm sein Zimmer in Ordnung halten und sein Bett macheu könne.(Fortj. folgt.) an« fitzt Ihr«ind? e'Z bedn Sitzen die aufrechte kräftig« Srutmöiampr und 6te allein eine krä volle kräftig« Entwicklung de» Brustkasten»«r- inöglicht. oder pflegt e» trotz oller Ermahnungen krumm, zusammengeduckt und schief zu sitzen? Ast«S nervös? Leidet«» klagt«« oft über häufig« an Kopfschmerz« Müdigkest? Kommt e« in der Schul« gut mit. od« scheint eS nach einig« Zeit unaufmerksam zu werden? Wenn Ere in dieser Hinficht irgend einen Grund zur Unzufriedenheit haben, so sollten Sie. ehe Ei« dem Kind« die Schuld geben, bei unS seine Auge» prüfen lassen. Die Aunenuniersuchung ist kostenlos. vir Hab« in solch« Fäll« oft feststen« können, baß da» alle» nur tum einem Febler'de: Augen herrührte und daß geeigente Augengläser. dt« nicht in all« ffällen dauernd gelragen zu werden brauchen. Abhilfe schafften. Je eher da» geschieht, desto bester, desto ficher« vermeiden Sie eine dauernde Schädigung der Körptthaltung und der Gesundheit im allgemein« und unge« rechte Zurücksetzungen. Ein« Brille für Kind« liefe« wir von M. K— an. Gute punktuell abbildende Punktorik- Gläser kosten M. S.— das Paar und aus Sanoskop- Gla» M S.— Besonder« Wert leg« wir aus ew sorgfälti- geö Aufpassen de? Gestelles. 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