Nr. 108. 35. Jahrg. BezugSprei»: «i«t-riShrU4�0Mt.-iwn-Ul. frei WS Haus. dorauSzahlliar.Einzelne Nummern>0 Pfg. Postbe,ua: Monat- Uch IM MI. Unter Kreuzband für Deuttchtand und Oesterreich- Ungarn b,— Ml, für das übriflc Ausland 4,50 MI. monatlich,«erfand in« ffeld bei dtreller Bestellung monall. IM Mi. Posrbesiellungen nebmen an Düne- Marl. Holland. Luxemburg, Schweden und die Schwerz. Emgerragen in die Bost-Zeitungs-PreiSIisre. Ertchemi täglich. Xitigramm- Adresse: .Sostaldemokrat Berlw-, Verlinev VolkeSblskt. (jö�eräig J LlnzetgenvretS: DtestebengespalieneKowne.jeilelaflit 80 Psg.„Kleine Anzeigeu". du« setlgedrriiNe Wort W Pjg. tzulässig L serigedrurtle Wmlel. ledee weitere Wort 15 Pse Stellengeiilche und Echlafstellenanzetgeu das erfle Bort 20 Pfg.. iedes wertere Äorr irr Pia. Worte über lö Buchstaben rählen tüc zwei Worte TeueriuigstlU'chlag 20%. Familien-Anzeigen, BoiUijttie und gewerkschaftliche Vereins- i.uzeigeir 80 Psg die Zeile. Anzeigen für die nächste Nummer müsse» bis 5 Ufte nachmittags im Haupigeschäfi Berlin SÄ. 88. Uiuderrsirnsle'■ ab reaeben werden. Geöffnet dorr 8 Uhr früh bis 7 Uhr abends. Zcntratorgati der fozialdcmohratircbeii Partei Deutfcblands. Iteöaftion: ctD. 68, �inüenstraße 3. sfernrvrecher- Ami Mortvvla«, Rr. lSI SV— 151 37 expeSitio«: SW. 68, Linöenstrahe 3. Neruivreeder: Amt Mrsrtisvla«, Nr. ISl L sie nicht wenigstens jetzt schon zum Teil in direkten Rcichssteuern eine Ergänzung erfahren sollen. Von den Entwürfen im ganzen kann man nur sagen, daß sie also wiederum keine organische Ausgestaltung des ReichSsinanzwesenS, sondern nur ein durch die einseitig« Betonung der indirekten Steuern vielfachen Einwürfen anögesetztes Flickwerk darstellen. Die notwendigen neuen Gesichtspunkte, die den berechtigten Wünschen der VolkSstimmung und der verstärkten sozialen Gesinnung der Kriegszeit Rechnung tragen würden: Gleichmäßigere Heranziehung direkter und in- direkter Steuerquellen und Erleichterung statt Erhöhung der Berkehrsgebühren, vermißt man in den Entwürfen. Ob die HinauSfchiebung ihrer Berücksichtigung nicht eine unnötige Be» lastungspcobe der VolkSstimmung darstellt, ist im Parlament ernstlich zu erwägen. Die großen finanzpolitischen Auf- gaben des Reiches sollen anscheinend, wenn dee Verlauf der Ver- Handlungen im Reichstag das Bild nicht erheblich ändert, vor- läufig wieder mit den unzulänglichen Mitteln der Vergangen- heit gelöst werden. Ein Steuersystem aus einem Gusse scheint noch nicht fertiggestellt zu sein. Wenn seiner Ausstellung auch zweifellos große Schwierigkeiten erloachsen würden, so dürfte ihre baldig« Ueberwindung für den Wert der Leistung sprechen. Und diese Leistung darf das deutsche Volt von Regierung und Parla- ment angesichts seiner grosiartigen Leistungen im Wittschafts- kämpfe fordern. Denn sie wird erst die dauernde Festigung des wirtschaftlichen Ansehens des Reichs nach innen und außen nach diesem Kriege endgültig sicherstellen. Nun gibt es aber eine direkte Steuer, die sehr hohe Er- träge bringt, ohne in das Gehege des einzekslaatlichen Finanzminiskers zu kommen: die auszubauende Erb- s ch a f t s st e u e r, die noch dadurch erweitert werden kann, daß dein Reiche das Pflichtteil eines Kindes eingeräumt wird, lvenn ein vermögender Erblasser nicht wenigstens drei Kinder oder Nachkommen von wenigstens drei Kindern hinterläßt. Dr. R. Kuczynski schätzt den Ertrag aus dem Ausbau der R e i ch s v e r m ö g e n s z u w a ch s st e u e r und Erb- schaftssteuer auf zusammen 950 Millionen Mark. Der bisherige Ertrag brachte die lächerliche Stimme von 100 Mil- lionen M»rk. Die englische Erbschafts ftsuer trug dagegen bereits iin Jahre 1908/09 366 Millionen Mark ein und war an allen Einnahmen auf Steuern und Zöllen mit 14,6 Proz. beteiligt. Seither ist die englische Erbschaftsstener bereits im Frieden und auch im Kriege kräftig erhöht worden. Sogar im kleinbürgerlichen Frankreich, dessen Finanzsystem von trauriger Rückständigkeit ist brachte die Erbschastssieuer fierettS vor chtem Jahrzehnt 200 Millionen Frank und ist seither wesentlich erhöht worden. Wird dein Reiche, wie Kuezynskl vorschlagt, unter den genannten Bedingungen der Pflichtteil einest&indes eingeräumt, so ergibt' sich eine weitere Einnahme von mindestens 650 Millionen Mark. Daß die geltende Reichserbschaftsstimer die Erbschaften nur höchst un. volllomiiien erfaßt, beweist nichts klarer, als dag bereits vor zehn Jahren Fürst Bülow den Versuch einer Erweiterung dieser Steuer, die sehr Wohl die besonderen Verhältnisse des Krieges mit berücksichtigen kann, gemacht bat. Das Reichs- schayamt aber bringt auch heute diese Steuer noch nicht. Es j will, che eL die großen Erbichaften, und mögen sie selbst aus dem Kriegswucher stammen, für die Reickszwecke nuhbar macht, Vorsorge treffen, daß in der Zukunft, wenn wieder einmal Kaffee, Tee, Schokolade in unser Land kommen, keine arme Kriegerwitwe, kein Kriegsinvalide eine Tasse dieser Getränke genießt, ohne dem Reich ausgiebig zu zollen. Eilig hat es das Reichsscholzamt mit der sehr energischen Besteuc- rung der Mineralwässer und des gefärbten Wassers, das man Bier oder Limonade nennt, sehr viel Zeit aber läßt es sich mit der schärferen Erfassung der Erbanfälle, die in die Hände entfernt verwandter reicher Vettern und Basen übergehen. Damit der reale Besch und das die Leistungsfähigkeit wider- spiegelnde Einkommen des reklamierten Kriegsqeschäste- machers geschont werde, soll der Umlcch, den Frau und Kind des armen Schühengrabeiniiauues mit der dürftigen Kriegs- Unterstützung bewirken, in Form einer Brot-, einer Kartoffelsteuer zu den Kriegskosten beitragen.� Da darf man wohl fragen! Wo bleibt die soziale Gerechtigkeit? Neben der Neichserbschaftssteuer und einer etwaigen Er- hohung des Stempels auf Gründungvon Aktien- g e s e I l s ck a f t e n, der die bei dieser Gelegenheit meist er- zielten hohen Grüirdcrgewinne sehr Wohl treffen könnte, drängt sich der Gedanke einer Dividenden st euer aufv Die Steigerung der Kriegsdividenden hat allgemeinen Unmut erregt. Nichts natürlicher, als daß dem allgemeinen Volks- eimftinden Rechnung getragen wird, besonders da von einer Gefährdung volkswirtschaftlicher Interessen gar keine Rede sein kann. Die Aktionäre werden sich zwar sicherlich über Dop- VeDesteueruna beklagen. Sie werden ins Feld führen, daß bereit? die Einnahmen der Aktiengesellschaften von der Ein- kommensteuer, und zwar in Preußen sogar etwas höher als die der physischen Steuerträger getrossen werden und daß außerdem die EouponzaHlungen nochmals als Einnahme der Einzelpersonen versteuert werden. Auch die Aktiengesell- [chaftcn selbst werden sich dagegen wehren, schlechter behandelt zu werden als der E i n z k I u n t e r n e b m c r. Tagegen ist darauf zu verweisen, daß das Risiko und die Arbeit des Ak- tionärs sehr viel geringer ist. als die des Unlernehmers. Der Aktionär kann seinen Besitz ständig veräußern und bat selbst bei verlustreichem Verkauf den Vorteil, sein Geld sofort in neue Geschäfte stecken und sein Glück versuchen zu können. Der Einzelnnternehmer ist in viel stärkerem Maße an seinen Besitz gebunden und eben diele ungünstige Lage zwingt ihn, unter schlechteren Bedingungen abzustoßen. Auch ist allge- mein bekannt, daß die Aktiengesellschaft weit leichter arbeitet und groß wird, als das Werk eines Einzclunternehmers, auf dessen Klugheit und Energie— vorausgesetzt, daß er noch das Unternehmen persönlich leitet— das Gedeihen des Betriebes beruht. Unter den setzigen Zeitumständen erscheint eine Dividen- densteuer ganz besonders gerechtfertigt. Die Abschlüsse für das Geschäftsjahr 1917 zeigen vielfach eine ganz außerordent- liche Erhöhung der Dividenden. Das beweist ein Doppeltes: Daß die Kriegssteucr, für die die Rücklage meist vor AuS- Weisung des Rohgeivinnes abgesetzt ist. durchaus ungenügend wirkt und daß die Gesellschaften bestrebt sind, möglich st vielanihre?lktionärezu verteilen, ii in einen späteren Rückgriff des Reiches auf i h r P c r m ö g e n unmöglich zu machen. Eine höchst erwünschte Nebenfolgc der Dividendenstener wird sein, daß sich die Kapitalisten in erhöhtem Maße dem Markte der festverzinslichen Werte zuwenden, die schon vor dem Kriege sehr stark unter dem Wettbewerb der gut ren- tierenden Aktien gelitten haben. Es ist ein grundlegendes finanzielles und soziales Interesse, daß der Anlagemarkt mög- liehst gekräftigt wird. Wenn die Kurse der Anleihen sinken, io sind Reich, Staat und Gemeinden gezwungen, neue An- lagen zu noch schlechteren Bedingungen aufzulegen, will sagen, zu uiedrigcreii Kursen und zu höherer Verzinsung. Das- selb? gilt von dem Absatz von Pfandbriefen. Wenn diese koni- mcnöen Schuldverschrechungsausgaben zu einem Zcichnungs- vreise von 86 Proz. und einem Zinsfuß von'>12 Proz. erfolgen. statt zu einem Zeichnungspreis von 96 Proz. und einem Zinsfuß von 5 Proz., so bedeutet das eine Verteuerung des Kredites von 5 auf 6 Proz. oder um 20 Proz. der ausmachenden Zinsonsicmme. Es braucht keine Worte, um zu beweisen, wie sehr dadurch alle öffentlichen Körperschaften in der Kreditaufnahme für soziale Zwecke gehemmt sind, wie sehr sich auch durch die Steigerung der Zinssummen die Steuerlast erhöht und wie empfindlich im besonderen die jdre- ditbesckvtnung für den so driniglichen Neubau von Wohnungen erschwert wird. Das Reichsschatzamt ist also nickt auf Gesetzentwürfe an- gewiesen, die zum Teil für die nächste Zeit überhaupt nichts bringen, zum Teil die lebenswichtigsten Waren am empfind- lichsten treftcn. Der Reichstag wird sein Ansehen im ganzen Volke kräftigen, wenn er alle Vcrlcgenhcitsprodukte einer u n- soliden Finanzvoklftk von vornherein ablehnt und die Leistungsfähigen zu Opfern an Geld für das Barer- land heranzieht, für das die steuerlich am wenigsten leistungsfähigen Volksklassen mit ihrem Blute genugsam ge- zinst haben. festige Kämpfe an Zyß und �vre. Berlin, 10. Bxrll.(953. T. B.) An de? flandrischen Front «rrstürktc üch der frinMichr Widerstand von Stunde zu Stunde. In dein sich immer mehr»erengenden Nperntiogen gewann der deutsche Angriff gegenüber Engländern und Belgiern Raum. Hin- ler dem Sternbach leisteten die vereinigten anglo-bclgischcn Twipsrn starken Widerstand. Nachdem Haigö Armer den blutig erkämpften ltzcläntze gewinn der Flandcrnschlacht gröhtenteiw ha» wieder ausgeben müssen, erfordert es nicht nur die stratagesche Lage, sondern auch der Nest militärischen Ansehens, der England dank der Aufvvferuilg und Tapferkeit seiner Soldaten noch geblieben ist, wenigstens den Befitz von Y p r r n zu sichern. Diese Ansicht wird durch Gefangene bestätigt. Bei W» t s ch a c t e versuchte der Eng- länder mit Hilfe franziisischcr Divisionen, den verlorenen Höhenrücken wicdcrzucrobcrn. Ten am Bormittag des 18. geplanten Sturm vereitelte das dcuftchc BernichtungLfcucr. Eine zum Angriff bereit gestellte eng- lischc Kompagnie wurde durch den kühnen Borstofi unter Führung eines in vorderer Linie erkundenden GcncralstabsoffizicrS zersprengt. Die schwache deutsche ErkundungSabteilung, die nur aus ll Offizieren und einigen Begleitmannschaste» bestand, nahm Ätanu gefangen und verjagte den Nest. Uni Mittag versuchte der Gegner einen neuen Angriff, der im deutschen Feuer völlig zusammenbrach. Auch von der frisch eiugctroffcncn s8. französischen Division machte» wir einige Gefangene. Aus den Kämpfen um W» t f ch a c t c wird nachträglich noch die Erbeut nng mehrerer schwerer Geschütze gemeldet, darunter ein ttz�-Aenti meter- und zwei ll8-Zcntimrtcr- Mörser. Nördlich pnb nordwestlich Whtschaete wurde» um 10 Uhr 15 Min. vormittags feindliche Bercitstellunge» zum Angriff erkannt. Sosort nahm die deutsche Artillerie die dicht massierten feindlichen Kolonnen unter BrrnichtungSfcucr, so dah der geplante feindliche Angriff erst Itzh Stunden später ciufciicn konnte. Dann wurde er r e st l o S abgeschlagen. Die Bcrlustc des Feindes sind hier ausicrgrwöhnlick schwer. Während auf unseren Stellungen von Bailleul bis L a Basse lebhaftes, feindliches Arlillrriefcucr lag, das besonders westlich Merville sich er- heblich steigerte und zeitweise gröhte Heftigkeit annahm, brachen deutsche Stohtruppcn bei R i e z- d u- B i n a g c in die feindliche Stellung ein und brachten als Beute vier Geschütze und 40 Ge- fangene ein. Außer den llllll Gcfangcucn aus den Ortskämpfcn in Gegend F e st h u b e r t und Givenchu wurden 10 Offiziere eingebracht und eine größere Anzahl Maschiueugcwchre erbeutet. Englischer Heeresbericht vom 18. April nachmittags. Auf dem größeren Teil der Kampffront an der Lys fanden heute' heftige Kämpfe statt. Vom La Vasföc-Kanal bei Givenchy bis an die Lys östlich von St. Venant folgten dem heute morgen ge- meldeten Gejchüyfeuer heftige feindliche Angriffe, die alle ab« gewiesen wurden. Die bei dem Angriff der deutschen Infanterie durch unser Feuer beigebrachten Verlusti waren wieder, wie ge- meldet, außergewöhnlich schwer und eS wurden durch unsere Truppen über 200 Gefangene gemacht. Der Kampf war besonders heftig in der Gegend von Elvcnchp, der Feind machte entschloffeue, doch erfolglose Anstrengungen, die erlittenen Fehlschläge wieder gutzumachen. Der Kampf an dieser Stelle ist noch nicht beendet und die feindliche Artillerietätigkeit bält an dieser ganzen Front an. Später am Vormittag entwickelten sich weitere Angriffe, begleitet von schwerem Granalfeuer gegen unsere StelluuKen südlich K e m m e l, sie wurden abgewiesen. Außer beträchnicher Artillerictäiigkeil in verschiedenen Abschnitten, besonders südlich und nördlich der Eomme ist nichts von beson- derem Belang von der britischen Front zu melden. Französischer Heeresbericht vom 18. April nachmittags. Heute morgen gsiffen unsere Truppen die feindlichen Stellungen auf beiden Seiten der Avre auf einer Front von vier Kilometer zwischen ThenneS und Mailly Renneval an. Oestlich von der Avre machten wir merlliche Forts chritie, westlich davon nahmen unsere Truppen den größten Teil des Senecat- Walde? und rückten ihre Linien bi« zum Rande von C a st« l vor. Weiter südlich erreichten wir die Westabhänge der Höhen, die die Avre beherrschen. Die Zahl der Gefangenen übersteigt augenblick- lich etwa 100. Wir erbeuteten mehrere Maschinengewehre. In doc Geerend von Corbeny nahmen die Franzosen eine starte deuische Adteilung, die sich den französischen Linien zu nähern versucht«, unier gleuer und zerstreuten sie. Nach Artillerievorbereitung sübrten die Deutschen mrbrere Handstreiche in der Champagne aus dein rechten llfer der Maas östlich vom CauriöreS-Walde aus, namentlich in der Richtung auf D a m l o n p e. Alle Angriffs- versuche wurden abgewiesen. Gefangene blieben in französischer Hand. Auf fronzösischer Seite glückten nordwestlich von Reim«. in Lothringen mehrere Einbrüche in die deutschen Linien. ES wurden Gefangene gemacht. Fraozösischcr Heeresbericht vom 18. April adeudS. Unsere Truppen haben heute früh die feindlichen Stellungen auf beiden Seiten der Avre auf einer Front von 4 Kilometer zwischen ThenneS und Mailly— Renneval angegriffen. Im Osten der Avre haben wir merkliche Fortschritte gemacht, rni Westen haben unsere Truppen den größten Teil de« Senecat-WaldeS an sich gcriffen und ihre Linien bis an den Saum von Ca siel vor- getragen. Weiter im Süden haben wir die Westabhänge der Höben, die die Avre beherrschen, erreicht. Die Zahl der eingebrachten Ge- fangenen übersteigt bisher 500— darunter 15 Offiziere. Wir haben mehreie Maschinengewehre erbeutet. ES bestätigt sich, daß der Handstreich, den der Feind letzte Nacht östlich vom CauriöreS-Walde unternommen halte, sehr ver» lustreich für den Angreifer gewesen ist. Wir haben einige 40 Leichen auf dem Gelände gesunden. An anderer Sielle baben wir 20 Ge- fangene«ingebracht, darunter 1 Offizier. An der übrigen Front zeitweilig Artilleriefeuer._ Das engüMe Mannschastserfatzgefetz endgültig angenommen. London, 19. April.(Reuter.) Oberhaus. DaS Mann- schaftsersatzoofetz wurde in allen feinen Teilen angenommen und erhielt gestern abend die königliche Genehmigung._ Snowden fordert Regierungswechsel. Amsterdam, 13. April. An einem Schreiben, das der englische Abgeordnete Siwisdcn in setoicr Eigenschaft als Präsident an die Unabhängige ArbK-terpartS!■Dichtete, verwerft er zunächst auf die Tatsache, dstz die Mitgtkederzahl der Partei von März 1017 bis März 1918 um 90 Po»«, gestiegen ist. Der goöhte Teil des Schrei- bens brfchäsSlWt stch cibsr mit der rnkMirtschen Laar an der West» ftont. Dieselbe hätte für jetzt einem die Lust zu einer lr irische» SteNungnahme genomren. Der beste Dienst, den man heute leisten könne, ssi der, den einzig möglichen Ausweg aus dieser furchtbaren Lage zu zeigen. Ein Krieg von dem Umfange, wie der heutige zwischen gut gerüftsten Mächten. könne nur mit dem Ruin beider Parteien endigen. Er könne keinen Gonnd finden, der die Fortsetzung des Krieges durch die Alliierten und das weitere ablehnende Verhalten der Ententemächte, abgosohs« von dem Hinwsrs auf ihre geheimen KriegSziele, die nur einem völlig geschlagenen Feinde diktiert werden könnten, rechtfertige. Eine Kampfbedingung für einen möglichen Frieden sei ein Regierungswechsel, sowohl in England wie in Frank- reich. Snuwden prophezeit, daß ein neuer Stillstand der Kampfe an der Westfront eintreten werde, welcher Umstand die Zwecklosig- keit der nngeheuren Opfer des Krieges ergeben müffe. Er sei überzeugt, daß eine solche Lage nur dann von den Berbandsregie- onngen a«üG««»tzc wevden rönne, wenn sie das Verlangen der Völker nach eumm demoSratischen Frieden ohne lerritcwiafe Ausbreitung bsvüo�ichtigsn wrltsn. England Hobe eine Regierung n ötig, die Lord Lands downeS Politik sich z u eigen mache, d. h. eine Ncgimmg, die jeden Weg zum Frieden suche. Er sei b e r e i t, j e d e Regierung zu unterstützen, die speziell zu dem Zweck ernann t werde, selbst wenn an der Spitze einer solchen Regierung ein Staatsmann mit aristo- kratischcr und Tory-Vergangcuheit stehe. Die Ukraine protestiert wegen Seßarabiev. Kiew, 17. April. Fade» 00 2 Stck. M 8 50 4 Stck. nur 10.— | versendet unter Nachn.. i Porto u. Verpackung frei. ! Ins Feld mir gegen Vor. 1 emscndimg des Betrages tiuqickKSSS. Saargcmüiider Str. 40., �imNo2�L: invalidensirane 5, AÄnlflc� PI KlSisel aui Teilzahlung y au lickannt billigen fi" reisen � d i kleinster An= u. 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Das allere Mädcken links bat sich an- fchtuienb aufs Knurren eingerichlet; sie ist so empfindlich, sich so« gar über meine Knie zu ärgein, die ab und zu ihr Kleid berühren. Nicht durch meine Schuld— davor schützt sie ihr Alter.... Neben mir sitzl ein Dicker, der froh sein kann, dasi nicht nach gewicht gezahlt zu werden brauch!. Eine Menge Gepäck hat er verstaul, als wolle er eine Reise um die Welt machen. Die Dame gegenüber fragt mich:.Geht der Zug direkt nach Neustadt?"—.Ja.'—.Brauch' ich da nicht uinzusleigen?'— sNein.'—.Kann ich sitzen bleiben bis Neustadl?''—.Ja.' Im Sang geht schon ein paarmal die Slbaffnerin auf und ab. Bald iehe ich auch den Mann mir der rolen Tasche und einem Ge« sichl, so stolz, als ob der Zug auf seine Rechnung fährt. Er spricht aufgeregt mit dem Wageuwärler. Im gleichen Augenblick hören wir von irgendwoher den Ruf: »Der Wagen ist beisigelauien...* Dies Wort, kaum verklungen, wirkt in unserem Abteil wie eine Stichflamme. .Um Gottes willen, der Wagen brennt l' ruft es fchon von wo anders her. Die Milreisenden weiblichen GeichlechtS stellen sich jetzt wie besessen. Aber auch zwei männliche Weiber bekommen eS mit der Angst zn tun. Wie ein aufgeregter Ameisenhaufen läufl es durch- ernander. Jeder hal zwei bis drei Koffer mr Netz. Nun stürzen sie alle ziigleich drauf loS. „Mein mein Gott, Helsen Sie mir!" ruft meine Ruch- darin, die sich über meine Knie geärgert Hai. .Aber beherrschen Sie sich doch, es ist wirklich keine Gefahr." Umsonst. Sie haden sich schon so»r ihren Taschen, Sllnrchleln und Koffern verfilzr, daß die Leipziger Messe im llemen um uns herum liegt. Inzwischen ist es auch in den anderen Abteilen lebendig ge« worden. Die Ersten, die besonders um ihr Leben bangen, ver« rammeln bereits drauhen das Durchkommen Einer, der anscheine.!d in Kriegser iatzmöbeln reist, bat zwei Musterkosier guer in dre Durw- gangSlür geklemilil, so dah sich alles staut. Er schnaubt lvie ein Nilpferd, bat aber keinen Erfolg. Fluchen und Drängen der Nächsten. die sich schon in Flammen aufgeben sehen. .Machen S'e dalll da vorne!" .Können vor Lachen; ich sitze fcsi." Stimme von hinten:.Zum Donnerwelter. ich trete dir vor den Podex! Du Affe, du glaubst wohl, wir sollen deinetwegen zu Rauchfleisch werden?* .Ich gebe dir gleich Affe, du dreckiger Bengel!" „Was biite denn sonst? Gib doch deine Särge als Gepäck auf, alle Biillen'chlange. Nu man los, los. los!" Einer zerrt an seinen Koffern vergebens. Sie sitzen fest. Der Zugtühter ichreil:.Meine Herr'chaitcn, der Wagen wird bemi nächsten Hallen abgehängt. Brite, verteilen sie sich nach vorn." .Wie sollen wir denn da? machen?! Es kann doch lein Mensch vor und zurück. Sägen Sie mal dein liummeu Luder da vorne die Koffer durch." „Ich hau' Ihnen gleich ein paar hinter die Bartbinde, wenn Sie noch..." .Au, meine Beene. zum Donnerwetter I Altes Duiel..." Endlich ist der HaiidiungSbefl.sscne mit seinen BundeSladen losgeeist. Bon irgendwoher schreit gerade eine schrille Tllmme:„Die Achien glühen schon l" Jetzt wird die Aufregung allgemein. Ber uns im Abteil sieht es aus wie in einem Madealopf; alles quirlt duichemander..Run, sind Sie endlich soweit, das wir auch einmal an uniere Sacke können," sage ich zu den Damen. „Sind Sie nickt so rücksichtslos," lautet die Antwort.—„Run erlauben Sie." schimpft ein Herr mit goldener Brille,.Sre verbauen schon seit einer Biertelstunde den Play; wegen Ihnen könnten wir andern rüsten. Ich bin sowieso für Feuerbestallung. ich kann warten" Jetzt meldet sich auch der Dicke:.Man keene Uffregung z da kriegt man wenigstens mal warme Haxen, trotz Koblennor z del kaiin eenrr schon vettragen. Schließlich bei die Preise will man ooch wat erua haben." ■„Täten die ooch ihre Gulfchen richtig schmicr'n. dann gönnte so was wenerhole«ich vorgomm." winselt einer ans Leipzig,„da hat SoWabenö, 20. f!prl! ma ,iu e gemitliches Eckchen, nu gann man sich de Beene in'» Leib nein steh'n. Da genr.te man doch glei bicben." „Et jehl de Wagens ch!« de Menschen", sagt eil, anderer.„Der Fe« is knapp, gerade die, wo's brauchen, die kriegen's»ich. Dp Räder loosim sich oecij un de Menschen kriege'.«'s Fieber!'s is aber sanz Wurscht, wenn mer nu immerzu siegen. Dct jehl solange, bis uns allen de Puste ausbleibt." Endlich machen die Weibsleute Luft. Aber nun ist draußen der Gang zur Nudelktste geworden. Fünfzig Menschen wollen zu gleicher Zeil mit hrindert Koffern durch. Dabei schupfen die von links nach rechts, die von recht» nach links. Fluchen, Schreien. Ein� Kind heult, als ob es schon geschmort werde. Langsam verbreitet sich ein scharfer, unertröalicher Brandgeruch. der in den Menschen die Angst aufpeitscht. Rücksichtslos geht nun das Schiebe» los, da auch die Mitfahrenden in den anderen Wazen nervös geworden sind. Schirme fallen, ein Koffer öffnjel sich, fein Inhalt kugelt unter die Füs.e der aufgeregten Flüqsrlinge. Ans Zusammeusuchen tsi nicht zu denken. Immer weiter stampft der Zug durch die Nacht. Mit Menschen, die Furcht und Entsetzen peinigt, mit vor Angst verzehrten Gesichtern. In den wenigen Minuten babcn sie alle vergessen, /daß man seinen Nächsten lieben soll wie sich selbst.„Wenn nur ich durchkomme", denken die meisten und— handeln danach. Die aus der ersten und zweiten Klaffe gebärden sich am schlimmsten. Die Hknterschiede sind ausgehoben, jeder rast um sein Leben, alles kämpft um den Durchgang.... Die Meuschenschlange hat sich nun so verhutzelt, dj-.iß sie einen einziacn Körper mit vielen Köpfen b'.kder, über dem sich Koffer und Taichen schwingen. Am Durchgang aber steht wie«n Standbild von Meunier der Wäiler. Er beobachtet die Achsen. Draußen an dem Blockhäuschen winlr eine rote Laterne: daS AuS�thrtssignal ist gesperrt.... Langsam fährt der Zug in die Station ein. Er- steht still. Die Türen werden aufgerissen. Die Menschen, immer- noch von der Angst g-trieben, drängen, schubsen, stoßen, stürzeg/lsinaitS. Koffer fliegen durch die Fenster, ünbeholien wie simM Katzen stehen die Nöedelsien nachtblind out dem dunklen Baluibof- lanaiam nerleili-u Bort eisten nackibilnd auf dem dunklen Bahnhof-; langsam verteilen sie fi.b in die vorderen Wagen. Der stark rauchende Wagen wird entfernt. An den Holzteilen -üngeln blaue Flammen empor. Das hat noch gut gegangen. Daun sahrcn mir weiter, um einen Wagen gekiftzl. .Berflwbte Schweinerei!" stöhnt mein dicker Nachbar, der nun an meiner Seite lm zugigen Durchgang steht. Er zählt seine Koffer. „Wie nur die Leute so roh icfln können", Kckimpkt einer, den ich beobachtete, wie er rücksichtslos alles über den»Haufen rannte. Weiler windet sich der Zug durch die AusterniS. Die Mit- fahreuden sind wieder Merr cben geworden. In mir z-ttern die durchtebien Minuten nach. Die tN'-ch vorhin einen rüSsickssksien Menschen nannte, spricht eben schon wieder über dse Eieapreis?. A bizig Bi-.nuig hätte sie für eines geben müssen; dafür haste mau fiilher et» Huhn bekommen.... Da weiß ich. daß die Gefahr voiüber ist.... v!s uktakKkfche t'L.'onalhpnme nach der lleberjetzung von Konrad Guenther. Noch nicht starbst du. Ukraina, Sieh, dein Ruhm lebt weiter, Knd der Himmel, junge Brüder, Wird uns wieder heiter! Schtvinden werden unsre Feinde, Tau vor Sonnenslrahien. Hc--. ren werden wir daheim sei» Mit diii Brüdern allen! Leet' und Leib, wir gebeickö fteabig, Soll's die Freiheit gelten. Brüder, denkt, wir sind die Enkel Bon Kosakenhelden I Än /ZtMyzeNge über dzn Yulkanansbruch auf San Sawaös?. Es vergeht fetzt zuweilen recht viel Zeit bis zum Empfang ge- nauer Nachrichten über den Verlaus von Naturereigiuffen, die sonst sofort den Telegraphen in Bewegung setzen und längere Zeit in Atem halten würden. So kommt erst jetzt aus England ein einiger- maßen auSfühiltcher Bcr-.cht über daS Erdbeben und den Vulkan- ausbrnch auf der Insel San Salvador vom 7. Juni 1917, der nicht viel weniger heftig und folgenschwer gewesen zu sein scheint, aiS die berüchtigte Katastrophe von Martinique. Ein Augenzeuge dieses gewaltigen Naturereigntssss berichtet!»Schwache Erdstöße wurden schon mehrere Tage dor dem FronleichnamSiefl verspürt, aber da sie in dieser geringe» Stärke zu den gewöhnlichen Erscheinungen ge- hörten, Wurde ihnen keine Bedeutung beigemessen. Am Tage des Festes wiederholten sie sich mehrfaep doch wurden die hergebcachlen rcligiöscn Ptozeisionen veranstaltet, und nichts deutete auf den Eintritt einer nahen Katastrophe. Vor 7 Uhr abends erfolgte ein Stoß von mehr als gewöhnlicher Heftigkeit und mimittelbar darauf /:in weiterer von fürchterlicher Gewalt, der alle Hstpfer 'bis auf meins, das aus Holz gebaut ist, zum Enisturz brachte. Der Siaub der sallenden Häuser war im AbenM-cht einer ungeheuren Rauchwolke zu vergleichen, und überall war das Ge- töse von zusammenkrachenden Mauern und niederstürzenden Ziegel- steinen zu vernehmen. Fetzt folgte in Abständen vou tosnigen Minuten Stoß auf Stoß. Etwa fist vor 8 trat ein schrecksichcs Rankchen ei». Es war zunächst unmöglich festzustellen, was es sein könnte. Plötzlich vermischte sich mit diesem Geräusch das Getöse schwerer Detonaiionen, und gleichzeitig erfolgte ein Ausbruch von Flammen bls hoch am Himmel hinaus. Nu» wurde es klar, daß einer der benachbarten Vulkane in heftigen Ausbruch geraten war. Die ganze Nacht und den nächsten Tag ließen uns Erdbeben. Detoiiationen, Rauch und Flammen nicht einen Augenblick in Ruhe. und erst fünf Tage nach dem Eintritt der Katastrophe begannen s::> die Zustände etwas zu mildern. Am folgenden Morgen nach eilt sc angstvoll verbrachte» Nacht, konnten wir Umichau halten und den angerichteten Schaden abschätzen. Die Häuser in Ruinen. die schwersten Maschineit fortgeschleudert, und jede Verbindung mit der Außenwelt abgeschnitten. Am Abend erklomm ich einen Hügel, um das Saiauipiel teS Ausbruchs zu überschauen. Der Bullan war eine dichte Rauchmasse, die aus mehrere» neuen Kratenr hervordrang, und auch das darunter gelegene Z-ck erschien wie ein Fluß von Rauch und Flammen," die aus dem Strom brennender Lava und heißem Schlamm hervor- gingen. Die drei Städte in diesem Tal halten aufgehört ni bestehen. Eine Wolle heißer Asche wurde durch den Wind über den Kamm des Gebirges bis zur Stadt Sara- gosia fortgelriebe». Die herrlichen Kaffee- und Zuckerpflanzungen waren versengt und wenigstens 85 000 Zentner Kaffee und 70 000 Zentner Zuch t verloren. Tie Stadt Armcuis, die schon isilö durch e il Erdbeu stark gelitten halte, ist jetzt völlig zerstört. In der Hauptstadt Sa>l Salvador ist kaum ein Haus undeschäd-gt geblieben, der Schade» ivird auf V0 Millionen Peso» geschätzt." Notizen« — Ein neue? AnSstattungStheater. Das Palast- Theater am Zoo wird mit der kommenden Spielzeit nicht mehr als Appzial-itöten-Tckeater fl>i»igeiübr» werden. Die Direktion gebt in aiide-re Hände iider. Der Spielplan soll literarische Werke solcher Art umsasse», die geriz besondere Ansprüche an Inszenierung, Ans» st-atlung und nmfikalische Illustration stellen. Reinhardt Ivird also hoffentlich ernsthaften Wettbewerb bekommen. — Die Chemnitzer Theater werden mit Beginn der neuen Spielzeit von der Stadl in eigene Verwaltung übernommen, sowohl die der Stadl eigenen wie die von ihr gepachteten. — In Freien Stunden. Von dieser illustrierten Wochen- ichrift(Verlag der Buchhandlung„Vorwärts") liegt wieder ein sertrger Band, der zweite des Jahres 1917, vor. ES ist ein statt- licheS Buch von über 000 Seiten, reich an Text und Bildern. An eisier Stelle sind zwei Romane zu nennen:„Aus eigener Kraft" von Valentin Traudl, der un-S den Einbruch der Industrie in cur armes Bergbanerndorf in dramarisch belveglen Szenen veranschaulicht, und.Die Kohlenbrenner" von dem Dänen Zacharias Nielsen, der aus kulturhistorischem Hintergründe eine packende Liebesaffäre schildert. Ein gute« Dutzend kie-.nerer Erzählungen, zum Teil humoristtuher NjUii-, schließt sich an. und mehr als zwanzig zumeist illustrierte Aufsätze dcrichicdenster Art sorgen für Belehrung. Daneben finden sich zahlreiche Gedichte und eine Fülle Notizen aus allen Wissens- gebieten, ferner Arieldoten, Sinnsprüche, Zitate, Rätsel und die immer wiederkehrende Rubrik„Scherz und Satire". — G e r ä u ck e r r e s M u s ch e I f l e i! ch scheint die zweck- mäßigste Berweiidung der Mießmukchel zu sein, wenn man sie nicht irisch genießen kann. Es scheint nach den holländischen Etfahningcn, über die.Prometheus" berichtet, schmackhafter als gepökelte Muschelu oder Muichelwurst. Die geräucherte Muschel enthält 50 Proz. Wasser, 27 Proz. Eiweiß 6 Proz. Fett unti 13 Proz. Mcblstoffe. ist also an Nährwert mindestens dem Rindfleisch gleich iverr ig: Das Pfund dieses Muichclfleisches kostet in den Niederlanden etwa 1,25 bis 1,40 M. 15] Pioniere. Roman aus dem Norden von Ernst Didring. Es war nahe an Mitternacht, als sie die Zivergbirken und die Hochebene verließen und ins waldlose Hochgebirge hinauf kamen. Hier lag noch Schnee, und sie halten Mühe, einen einigermaßen trockenen Platz zu finden, auf dem sie ein paar Stunden rasten konnten. Neben ihnen stand die gelbe Schneeranunkel in dem rinnenden Eiswasser, und ganze Büschel von hellroten Azaleen schwammen dazwischen. Der Wind wehte kalt hier oben, von Schnee und Eis abgekühlt, aber Algrcn empfand es nicht, und er war höchst erstaunt, als Gerell wieder aufbrechen wollte. Algren konnte sich nur schwer von der Aussicht losreißen. Unter ihnen lag der Birkenwald in blaßgrünem Halbschabten. hier und da leuchtete gelb eine Wasseransammlung. Noch weiter unten fing das Moor an in geam-ötlitbem Ton, und dahinter wieder lag der sieben Meilen lange Tornejaur wie ein bianker Schtid, der jeden Augenblick die Farbe änderte und alle Härtegrade von gelb über dunkelgelb, rot. violett, blau und grau wieder und wieder durchmachte, dis über den Bergen im Norden die Mitternachtssonne aufging und ihn in einem Nu in Gold tauchte. Da gingen die Schallen der nördlichen Berge aus Tiesblau in Rubinrot über, nrid durch das ganze Bardotal rollte Woge uni Woge aus rauch- gemischten Blutwolken, und ein Berggipfel nach dem andern lohte im Feuer auf. Wenn Algren ganz intensiv hinsah, konnte er die Baracken unten an der Bahn erkennen, klein wie Vogelnester, und als er von Gerell das Fernglas entlieh, sah er sogar, daß aus einigen Rauch aufstieg. Auf einer Schneescholle oben am Süöhang des Niiolja lag eine große Renntierherde, und er machte den Versuch, mit dem Fernsiecher die Tiere zu zählen, gab es aber aus, als er über hundert gezählt hatte. Sarri faßte feinen Arm und deutete nach Westen. Da kreiste ein Adler hoch über den bluttriefenden Gipfeln, segelte in weiten Kreisen und zog nach Norden, bis er hinter den Bergen verschwand. Das war ein König, der in dieses Reich hineinpatzte. Sarri hatte schon eingepackt, ehe Algren dcu-an dachte, seine Habseligkeiten zusamnienzuraffen. Als er«arri fertig dastehen und warten sah in dunkelblauem Wams und blauer Zipfelmütze mit feuerrotem Troddel, kam ihm zum Bewußtsein,"wie ähnlich die Lappcittracht den Bergen war, wenigstens in der Nacht. Daraus ergab sich ihm eine Theorie, wie die Lappeutracht entstanden sein mochte. Er wollte sie Gerell mitteilen, als er merkte, dah dieser hinter den großen FelsKlöcken verschwunden war, die ihnen den Weg versperrten. Er lud den Rucksack auf de» Buckel und wolliekfolgen, als kurz hintereinander zwei Schüsse knallten. Sarri Irlßf i» großen Sprüngen hinter Gerell her. Sie nudeckien ihn beiö. Er hatte einen Fuchs geschossen und hatte schon die Flinte hßigeiegt, um das Fell abzuzieiien, als Sarri, der zwischen den Fclsblöcken umherstöberte, ihnen zirjohlte. Gerell griff nach der'Flinte, aber der Lappe machte erst eine abwehrende Handbewegung und begann dann zu winken. AiS sie zu ihm kamen, stand Sarri und stocherte mit dem Stock verwttierte Kleiderfetzeu und Knochen hervor, die unter einem Stein lagen. Sarri sah sehr nachdenklich aus, ehe er eine Erklärung abgab. Es war sicher ein Lappe gewesen, da? sah man ckn den Kleidersetzcn— das Messer lag auch da. Er war tvohl in den Schneesturm hineingeraten oder vom Bären erschlagen, denn der pflegte Vinter den Felsblöcken zu lquern und zuzulangen, tvenn man vorbeikam. Dann schleppte er den Erschlagenen fort, grub ihn im Schnee ein und ivälzie zur Sicherheit ein paar stattliche Steine daraus. Im vorigen Jahr hatten die Lappen die Hälfte von einem alten Lappenstrolch jenseits des Tornejaur unter einem Stein vergraben gesunden. Dieser hier aber hatte sicher viele Jahre dagelegen, da nur noch so ivenig übrig ivar. Sarri grab qie Kleiderfetzen und die Knochen wieder ein und legte einige Steine darauf. „Ja, so geht es mit uns allen," sagte Gerell und stand da und sah zu. Algren, der diese Reflexion nicht sehr an- genehm fand, drehte sich um und ging. Ties in seinem Herzen tat etwas weh. Ueberall stieß man auf dies Wilde, Brutale. Ueberall Kampf ans Leben und Tod. Die Welt war eine einzige große Mördergrube. Im Laufe des Vormittags kamen sie au den Rautasjärvi. Der lag rvie ein großer Smaragd in der Einfassung der blauen Berge. Mit dem Boot, daS am Strande lag, fuhren sie über den Smaragd hinüber und landeten unter dem wütenden Gekläff der Lappenhunde bei den aschgrauen Zelten. Algren tvar befanden und scheu, als aber Sarri und Gerell ohne weitere Vorbereitungen das größte der Zelte i betraten, folgte er ihnen. Eine Lappenfran hockte am Boden und rührte langsam in dem Kessel auf dem Herd, während ein paar Kinder zwischen den Rennticrfellen umher- krabbelten. Der Frau gegenüber lag ein alter Lappe, der hoch in den Neunzigern sein mochte, und rauchte, während er in gleichmäßigen Zwischenräilmen einen braunen Sirahl immer genau auf den gleichen Siein am Herd spuckte, daß es zischte. Den Rücken den Eintretenden zugekehrt, saß eine Frau und webte Band mit einem Gegenstände, der wie ein Kamm aussah. Gerell, der sofort konstatierte, daß sie jung und rot- backig war, kroch zu ihr hin und streckte sich zu ihren Füßen ans. Algren, der neben dem Eingang blieb, bekam einen Holzschemel zum Sitzen. Sarri unterhielt sich mit der Wirtin, während er die Schuhe aufschnürte und das Schuhheu aus den Steinen ausbreitete, wo es nachher lag und stank. Der Kessel wurde abgenommen, und statt dessen kam der Kaffeetopf aufs Feuer, ein Beginnen, bei dem Sarri sich leb- hast betätigte. Das junge Mädchen, daS ganz wunderschöne blaue Angen hatte und eine blühende Haut, half die Kaffeenäpfe abtrocknen Gerell verschlang sie mit den Airgen und betörte sie inF Mimik und Gesten, über die alle lachten. Die Wirtin, big der Meinung war, Algren säße unbequem, brachte ihm ein paar Reiiutierfello, während Sarri erzähtte, daß sie auch mir einem Sarri verheiratet sei. der viertausend Neuuiiere besäße und zwei Knechte hätte, daß sie aber alle oben in den Bergen seien, um die Kälber zu zeichnen. Algren streckte sich aus den Häuten auch die Hände unter dem Kops, und sah sich alles genau an. Es war ein großes, prächtiges Zelt. Durch das Zelt- tuch sickerte ans der Sonnenseite ein getbgraues Licht herein, und man sah biswciten den Schatten eines Lappen sich ab- zeichnen. Die andere Seite war dunkel und verschwand in Häuten und Bettdecken. Dem Eingang gerade gegenüber lagen Kupfer- Pfannen und Hausgerät auö geschnitztem Holz, alles zierlich und sauber. Das Zelt ruhte auf kräftigen, gebogenen Pfählen, die, rußschwarz von Rauch, sich oben in der Mitte trafen, um den riesigen Rauchfang zu bilden, durch den ein Stück Blau zwischen dem Rauch, der vom Herde dort hinaufzog. hindurchschimmerte. Quer über den Herd lief ein starker Balken, von dein die Eisenkette für den Kaffeekessel herunter- hing. Die Wirtin, die noch imnier am Herde hockte, trug ein leuchtendes Brusttuch in rot-gelb-grün, das aussah, als sei es tu aller Eile umgebunden.(Forts, folgt.) Aügcmeins Grts kranke« Kasse Kerlin-Krih. Moutng, de» SS. �Slpril ISIS, adeuds« Ilhr, jindet nn Lokal von O. Kiippcli, Bvrliii-Brih. Wilvelmstr. 1, die ordentliche AuSschust- !it>i:ni statt, zu welcher die Vertreter der Arbe.tgeber und die der Versicherten eingeladen werden,'LiZö/�g Tagesordnung: l. Abnahme der Rechnung dl�i Vorjahres und Bericht der RchMorerr 2. Vcr'chiedeueS, Anfragen, welche Einsicht- nähme in die Bücher er- forde»!?, müssen 3 Tage vor der SitzeiBg im Kasse rrlotal schriftlich emgereicht werden. Der Borstand. I. A. i 3t. Straati, 1. Vors. SfeilalarEt ?e med. Dahmann fürf Gcschlsclitskranktieiinn, j Haut-, Harn-, Frauenleiden, I nervös. Schwäche, Bein- i kranke. Behandlung j solmeU, sicher u. schmerz- 1 los ohne Berufsstörung| in Dr äjomc.ver& Co. f konz. Labor, f. Blutunters., Fäden im Harn usw. IFrleWstrilffiptik;! gegenüber! Rathaus. | Spr. rO-l u. 5-8, Sonnt. 10-1. j | Honorar mäßig, a. Teilzahl.| Separates Qamcnzimmcr. Grtskrauke« h n fCc der Zuchdinder «,«erw. GeWerde zu Keriin. IZk. Abänderunq zur Satzung der Ort-Z- traukcukasse der Buchbiuder und verwandter Gewerbe zu Berlin. Artikel l:?!m ß 73 sollen die Worte„und wenigstens ein Drittel derselben erschienen ist* gestrichen werden. Hierzu angesägt soll werden: Die Ausschusinutglieder erhalten sür dieTeilnahme an der Sitzung eine Entschädigung von 2 M. Artikel II: Vorstehende Satzungsänderung tritt am Tage der satznngsgemägen Ver- össentlichung in Krajt. �267/2 Berlin, 27. November 1S17. Der Borstand. gez. Karl Goliesmann, Vorsitzend. gez. Fritz Keesc, Schristsührer. Genehmigt: Charlottcnburg, lt. April 1918. Kbnigl. Oderverstcherungs- amt tSrost-Berlin. (iL. 8.)». Gvstkowski. ?slmgsbi88?. Platin, Gr. 7,60, Ketten, Ringe, Bestecke kauft Crun Wagner, Kaiserstr. 18 I(Alexanderplatz) Llll-zeinckne GriskrankeukassL Alisderkarnim. Einladung zur OrdcntZichcu AWsWÄWiZ am Montag, den 29. April 1918, nachm. 9 Uhr, imKrkWhause itl Berlin, Friedrich Karl- Ufcr5,KrcislagsfitzuugssaaI Tagesordnung: 1. Geschäftsbericht. 2. Abnahme der JnhreSrech- nung 1917. Tie Herren Ausschußmitglieder weiden zur Teiinuhme an dieser Sitzung ergrbeusl ein- geladen.' 2ö0i>8» Berlin, den 17. Apri, 19-8. Allgemeine Ortstraniru- kaffe Ziiederdariliui. Kühn. A!lgems!«K Grtokx«ttkenkass? fürAdlrrshsfund Umgegend. B c! a n n t ui a ch u n g. Zu der am Dienstag, de» 30. April d. I., abends 7 Uhr, im Restaurant Lehin- grübner zu Adlershof- am Bahnhof, statisindenden o�gzülÄsiz wedüßÄZüsg lade ich hiermit die Vertreter der Arbeitnehmer und der Arbeitgeber ein. 267/3 Tagesordnung: 1. Annahme der Rechnung des Vorjahres. 2. Sonstige Kassen- angclegenheiten. Adlershos. den 18. April 1918. Dr. Auerbach, Vorsitzender. Speziaiant l>r. med. Jlasche, Friedrlclistr.SOÄS. Behandl vonSiiPhilis, Haut- Harn-, Jtrl»ic»!eideu, spez.: chron. Fälle, iscgmerzloie.türzcste Bebandlg. ohne Lcruisstörung. Blütnnterjuchung. Atätz. Preise. Teilzahlung. Sprechstunden 10 bis 1 und ö— 8. Sonnt. 11— 1. ; Verkauf von Rosen snd Oiisioeiioizen aus dem Einschlag findet jetzt statt. 225L* L. Späül, Baumschule, Berlin-Baumschulenweg. 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Ferner täglich im Berwaltungsbureau: Burg-. strafte 27 IIS, Zimmer 76 (gegenüber Zirkus Busch). Werk- tagS 10—7, SouutagS 10—1.* IIIMßßMIlMßIMIillMIMMMAMdMilitlMMIWMIIMMNIMIIMIMIIllllMIIMMIV jtlnAdiliecöUdri Wie g&j&i eJl�jtenxfdxid�a. •«Dftednge(Jebühren, SKodzrüo&Q CLbhöiuncj cR* cM7. Omnienah. 1Ä5. Seleforwuf: ÄDrüzpiah 1066Ö-65. im. iJÖ Xzip�ecdtc. Selejmcuf: cSzrdmrn. t29ifO-H hfcj. Leihhaus Rosenthaler T»r, Linienstragc 203/1, Ecke Rosen- ihalerslrafie, nur 1 Treppe, kaufen Sic Pelzkragen, Müssen, Skunks, Nerz, Alaska, Blau- süchso und alle anderen Pelz- arten, Wanduhren, Taschen- Uhren, Brillanten, Silber- taschen, neue Hcrrengardcrobe. Sonntags gebssuet. 181K* Waldparzellcn, nahe Bahn- hos Basdors, Quadratruw 10 Mark, Anzahlung 50 Mark, verkauft Hülsen, Steglitz, Vion- villestrafic 11. Telephon Steg- litz 2891._ 195.«* Leiterhaudwagen, größte Auswahl. Landsbergerstr. 19. Psandleihhaus, Hermann- Platz 6. Masscnauswahl! Pelz- lachen! 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Heuligen«chifsepreiien erheblich größer ist, sondern eS gehen nil einem derartigen Dampfer auch betiSchtliche Werte gugrunde, ns er in seinem Räume birgt. Vertraut man doch gerade den «tmcllen Passagierdampfern die kostbarsten und eiligsten Gstter an. 'ie man bei der großen U-Äoot-Gefahr auf solchen Schiffen icirerer tvähnt, als auf gewöhnlichen Frachtdanipfern. Die Nrllioneuladung an Äold der von dem Hilfskreuzer Möwe auf- gebrachten Äppam und die tiberanS wertvolle von S. M. S. Wolf nach ?er Heimat gebrachte Ladung des PaffagierdampferS Hitachi Maru iud sprechende Beweise sür"diefe Tatsache. Aus Trümtirern und Rettungsbooten ließ sich der Name des versenlten 18 0 Tonnen-Tampfers nicht feststellen, weil die Engländer� an den Sckiffen und deren AuSrüstungsgegenständen ert langer Zeit alles beseitigt haben, was auf den Namen und den Heimalsort des Fahrzeuges schließen lasten könnte. | Wilhelm Koib| Eine schnrerzliche Nrberraschnnz bedeutet für die ganze Partei die aus Karlsruhe kommende Kunde, daß Wilhelm Kolb ge» ir o r b e n ist. Außerhalb deL Verwandten- und engeren Freund-S- kreifes des Genossen Kolb ahnte niemand, daß er vom Tode ge- zeichnet sei. Er war am 21. August 1870 geboren, stand also erst im 43. Lebensjahr, und galt in den Augen der Parteigenoffen, die ihn von früheren Parteitagen und ähnlichen gelegentlichen Zusammenkünften her kannten, als ein körperlich kräftiger, in der Vollkraft der Jahre stehender Mann, Wer dauernd enger mit ihm verkehrte, konnte allerdings schon feit Jahren bemerken, daß er mit einer Schwächung der Lebenskräfte xu kämpfen hatte. Der Wille zur Arbeit überwand dt« verichtedensten Gesundheitsstörungen, denen Kolb im Laufe der Zciit ausgesetzt war. Fetzt hat rhu ein lückische« Blaseuleiden niedergestreckt. Im politischen Leben Badens und in unserem deutschen Par- teileben war Wilhelm Kolb eine charakteristische Erscheinung, viel- leicht der ausgeprägteste Typ des sozialdemokratischen Nealpolrtikers. Seit m«br als zwei Jahrzehnten trug er das Banner der praklischen Resormpolitik voran und erwarb sich mii seinem freien Bekennermuie die Achtung seiner Gegner nicht minder wie die seiner Frsnnde. Man mochte sich zu feinen Anschauungen stellen wie man wollte, das Zeugnis, daß man in ihm einen auftschten. willensstarken Mann mit kritischem Blick und selb- ständigem Urteil vör sich hatt«. konnte ihm niemand versagen. Was ftofb aber war, das ist er aus sich selbst heraus geworden. Als Arbeiterkind in Karlsruhs geboren, stand ihm nur die Volksschule offen. Er erlernte den Malerberuf und kehrte von der Wanderschaft nach seiner Vaterstadt zurück, in der wir ihn bereits Anfangs der ö4 bis 31. Dezember 1017 ermittelt. In dieser Zeit sind ins- samt an Unterstützungen ausgezahlt 119434 914 Mark. Allein 1353 229 Mark wurden an die Familienangehörigen er zum Heere Eingezogenen verausgabt. Gewist ein esfllcher Beweis, wie die Mitglieder denjenigen hilfsbereit zur >eile standen, die unter der Last des Krieges am schwersten zu ei den haben. 25187215 Mark sind an Arbeitslose gezahlt. Hier kommt vor allem der Anspruch zur Geltung, der zu Beginn des Krieges, infolge der großen Arbeitslosigkeit in die Erscheinung trat. Aber auch in der späteren Zeit hatten wir einige Industrien, die ihren Betrieb zu einem erheblichen Teil einschränkten, eine große Zahl Arbeitsloser den Gewerkschaften zur Unterstützung überwiesen. Wenn auch in solchen Fällen aus Staatsmitteln für die Arbeitslosen Unter- slützungen gewährt wurden, so wird doch der Zuschuß der Gcwcrk- schaslcn willkommen gewesen sein. Es ist heute an der Zeit, daß die Gleichgültigen einmal darüber nachdenken, wie es bei Beendigung des Krieges in der Uebergangs- zeit werden wird. Der Arbeitslose, der keiner Berufsorganisation angehört, verliert den Halt, den der Organisierte an seiner GeWerk- schast hat. Der Nest der UiilerstützungSsumme 68 954 499 M. ist für Lranle, Invaliden, Nolfalluntcrstützungen und andere Hilfs- leistungen aufgewandt. Der gewerkschaftlichen Tätigkeit gebührt für diese Leistung volle Anerlennung; noch erheblich mehr hätten die Gewerkschaften zu leisten vermo cht, wenn die H u n d e r t t a u s e n d e der Abseits stehenden rechtzeitig den Weg zur Organisation gefunden hätten. Viele von ihnen bleiben leider ihrer Berufsorganisation nur der Zahlung der Bei« träge willen noch fern. Wie verdammenswcrt ein solches Verhalten ist, da« lehren mehr als viele Worte gerade diese angeführten Unterstützungs- summen der Gewerkschaften. Tcucrungszulajie und Nähzutatenlieferung für die Hcrren-Ma�schneider. Am 11. und 13. April fanden zwischen den Zentralvorständen der Arbeitgeber und Arbeitnehmer in Nürnberg zentrale Vcr- Handlungen in bezug aus die Lieferung der Nähzutaten und Ge- Währung einer weiteren Teuerungszulage sür das Schneidergcwerbe statt. Seit vielen Jahren ist im Schneidergcwerbe die Forderung er- hoben worden, daß die Arbeitgeber die Nähzutaten an die Arbeitrr zu liefern haben. Statt der verlangten Lieferung der Nähzutatcn wurde aber in den meisten Fällen eine Geldentschädigung gewährt. Als jetzt während des Krieges neben der Teuerung der Nähzntaten auch eine außerordentliche Knappheit eintrat, wurde von der Arbeiter» schast wiederholt die Lieferung verlangt. Im Laufe des vorigen Jahres lehnten die Berliner Arbeitgeber noch die Lieferung der Näh- zutaten ab und gewährten eine Eulschädigung, wobei auch scstgesctzt wurde, zu welchem Preise sie die Nähzutaten an die Arbeiter ver- kaufen mußten und zwar ohne Rücksicht darauf, welche Preise sie selbst zahlten. Auch diese Vereinbarung hat auf die Dauer nicht befriedigt, es wurde daher erneut die Forderung auf Lieferung der Nähzutaten erhoben. Auch bei den jetzigen Verhandlungen in Nürn- bcrg lehnten die Arbeitgeber die Lieferung ab. Daraufhin wurde das Abkommen wegen der Entschädigung für die Nähzutaten mit sofortiger Wirkung gekündigt. Hierauf nahmen die Arbeitgeber zu der Angelegenheit erneut Stellung und erklärten sich bereit, in Zn- kunft und zwar vom 1. Mai ab die Nähzutatcn unent- geltlich zu liefern. Mit Rücksicht auf die gegenwärtige Teurung war eine weitere Teurungszulage von 35 Proz. sowie die Erhöhung der Stunden- löhne der Arbeiter um 39 und der Arbeiterinnen um 29 Pf. pro Stunde verlangt worden. Die Verhandlungen über die Terirungs- zulage fanden vor den Unparteiischen statt; an Stelle des Herrn MagistratSrals v. Schulz, Berlin, war Herr Oberbürgermeister Dr. Geßler als Unparteiischer eingetreten. Schwierigkeiten bot ins- besondere der Umstand, daß neben einer prozentualen Lohnerhöhung eine Teurungszulage in bestimmten Sätzen gewährt worden war. Die Unparteiischen machten zunächst den Vorschlag, neben den bereits gewährten Lohnzuschlägen eine durcksttmittliche Zulage von 29 Proz. zu gewähren und dann eine Einteilung der einzelnen Orte in Klassen vorzunehmen. Dieser Vorschlag wurde von den Arbeitgebern rundweg abgelehnt. So kam denn am späten Abend folgender Schiedsspruch der Unparteiischen zustande: .Unter Einrechnung der im November gewährten TcuerungS- zulage wird neben der Löprozentigen Lohnerhöhung eine weitere Zulage von 35 Proz., für Berlin 49 Proz. gewährt, so daß die Geiamtzulage 69 bezw. 65 Proz. zu den Tariflöhnen beträgt. Diese neue Teuerungszulage erfolgt unter den gleichen Voraussetzungen, wie die letzt gewährte und wird ab 1. Mai ge- zahlt, gleichgültig, zu welchem Zeitpunkt die Arbeit in Angriff genommen wurde.' Dieser Lorschlag bedarf der Zustimmung der Parteien, die in den nächsten Wochen erfolgen muß. Vom Zentralverband der Steinarbciter Deutschlands befinden sich zurzeit 7 3 Prozent der gesamten Mkkglieder im Felde. Wie .Der Stemarbeiler' mitteilt, nehmen die Kollegen im Felde regsten Anteil am Verbandsleben. An die Daheimgebliebenen ergebt daher die Aufforderung, die Frühjahrswochen zu fleißiger Agitation für den Verband auszunützen. An Unterstützungen har die Organisation m den Jahren 1914 bis 1317 insgesamt 717 998 M. verausgabt, davon allein 3 5 1 4 9 7 M. für F a m i l i e n u n t e r st n tz u n g. Das Verbandsvermögen beträgt trotz dieser erheblichen Ausgaben Unabhängige und Gewerkschaften. Die Zeniralleitung der Unabhängigen erläßt folgenden Aufruft .Die Gewerkschaftsbureaukralie hat dadurch, daß sie sich poli- tisch als Hclfcrshclferin der RegierungSpolitik betätigt, eine starke Mißstimmung tn GewerkschaflSkrcisen hervorgerufen. Vielfach wird darüber geklagt, daß Gewcrkschaftssührer selbstherrlich auftreten und die Selbständigkeit der Mitglieder mißachten. Die dadurch erzeugte Unzufriedenheit der Mitglieder darf aber nicht dazu führen, den Gewerkschaften dsn Rücken zu kehren und neue Gewerkichasten zu bilden. Die Mitglieder haben viel- mehr innerhalb der bestchenven Gewcrlscha'ten dafür zu iorgen, daß die Gewerkschaften aus eine gesunde Grundlage gestellt und mit sozialrstischem Geist erfüllt werden.' Dieser Aufruf läßt auf eine gewiße Ernüchterung schließen. Nachdem sich die Unabhängigen bei der von ihnen betriebenen Spaltung der politischen Organisation Niederlage auf Niederlage geholt haben, ist ihnen die Lust vergangen, bei den Gewcrkscbafien das gleiche Experiment zu wiederholen. Jnnerhald der Gcwerk- swaflen Kritik zu üben und auf Aenderungen zu dringen, sieht den Gewcrkichafismilgkiedern natürlich frei. Auf Spaltungstendenzen, die eiu Unsinn und ein Unglück find, wird man aber nach wie vor ein wachsames Auge haben müssen. Hälien die Unabhängigen die Logik, die sie in ihrem Eeweik- schastSausrus entwickeln, auch gegenüber der politischen Organiiahon betätigt, so wären dieser die schweren Schädigungen der Spaltung erspart geblieben. psrteinaÄrichtcn. Nnabhängiizc WahlrcchtSarbcit. In Braunschweig wurden dieser Tage die unverbindlichen Be« sprechnngen der verschiedenen politischen Parteien über die Wahl- rcform in Braimichweig wieder aufgenommen. In dielen stellten sich auch die Unabhängigsif ein. Sie ballen auf Verlangen der sozial- demokratischen Verfreier Sepp Oerter, Stegmann und Grenzen ent« sandl. Oerter beschränkte sich auf die Erklärung, daß er nicht nc- willt sei, an einer Verbesserung des vorliegenden Ge« setzeiuwurss mitzuwirken, und entfernte sich hierauf. Die Gründe dieses Verhaltens wurden von den beiden anderen unabhängigen Vertretern noch etwas näher erläutert, die aussührlen, daß durch jede noch so geringe Verbesserung der Regierungsvorlage.der Wahlrechfskamvf auf Jabrzebme gelähmt' werden würde. Stegmann gebrauchte direkt die Worte:.Wenn Verbesserungen vorgenommen werden, so schadet das der Wahlrechtsbewegung.' Dieses Verhallen zeigt einmal wieder deutlich, daß die Politik der Unabhängigen rem auf das Agitatorische eingestellt ist. Sie wollen keine Verbesserungen, um mebr Stoff zur Agitafion zu haben. Diese Taktik haben sie ja auw im Reichstag zur Genüge angewendet, als sie die Berbefferungen des Vereinsgesetzes, die Kriegsgewinnsteucr. die Erweiterung der ErbschaflSstcuer uf'w. ablehnten, und die Wähler haben ihnen in Niederbarnim hierfür die Quittung ausgestellt._ Industrie und Kandel. DaS vorausstchtliche Ergebnis der neuen Kriegsanleihe. In Bankkrcisen wird, wie die.Franks. Ztg.' berichtet, an« genommen, daß das Gesamtergebnis der neuen Kriegsanleihe mindestens zwölf ein halb Milliarden erreichen wird. Die Beteiligung der Industrie, namentlich der Rüstungsindustrie, war recht lebhaft. Dagegen haben die Zeichnungen des privaferr Publikums etwas nachgelassen. Dieie Krciie haben sich an den früheren Anleihen in so umfangreichem Maße beteiligt, daß sie bei ihrer immerhin beschränkten Vermögenslage nicht mehr so stark zeichnen konnten. Die Landwirtschaft bat nach bisherigen Bc- obachlungen mehr gezeichnet. Sie wird die Summe der durch kleine und mittlere Zeichnungen aufgebrachten Beträge wahrschciir« lich nach oben drücken. Jedenfalls kann schon jetzt gesagt werden, daß uns auch die achte Anleihe einen glänzenden Erfolg gebracht Hai. Sie reiht sich würdig den früheren Anleihen an und ist das beste Zeugnis sür die außerordentliche Wutschaslskftrst Deutschlands. LeranrwoNIich für Politik: Eriit! Kiittncr, Berlin! sür den übrigen Teil dc-Z Blatic-.: Atfrcd TÄolz, Neukölln: für Anzeigen: Tlfnibor Glocke, Berlin. Bering: Borwürts-Verlng G, in, b. St., Berlin. Druck, Boewärts-Buchdruclerci iilld BeringSanswIt Paul Singer u. Co, in Berlin, Lmdcultrnpe 3. Hierzu l Beilnnc tinü Untcrlialiuunc-lnalr. mmn MMMM'MM. SZerwaltiingSsielle Berlin. X 54, Liniciisiral-e 83—85 Gelchäjrszeit von 9—1 Uhr unü von 4—7 11h r. Telephon: Amt Norden 185, 1239, 1987, 9714. Montag, den 22. April 1918, abends 6 Uhr: iilpmeme Versaramiung der Metalldrücker Groß- Bertius im EewcrkschaftShauS, Engclufcr 15(Saal 1). 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Assistenten des Magistrats Berlin, ausgeführt von der Kapelle des Ersatz-Batls. Königin-Augusta-Garde-Sres.-Ttogts. Nr. 4. Oranien-ftriasf Oranienst. 40—41.(OraniEnbrüoke) K o n z e r t- K a f f e, e- K a 1» a r e 1 1 7llt Uhr. Paul Comifini. öonnt. 4 Uhr. Lotte Hanc— JlnU-Amon— Lissi Gehrie. Herta Goston. Dirk van Erp. WZ?- L Kapellen."MSU T Stock: �Veink lause. Pnln. Schrammcl-Trio öngeheore EeitEriroilssffirins erzeugen täglich die gr. Wasser-Szenen i der Pracht-Ausstatt.-Pantom. „FrüliSloosspide" in 4 Akten Strumszene m. dem Wolken- bruch I— Kahnrutsch aus SO Meter höhe! Vorher das grobe Zirkus- Progtamm. Lustige Artillerie, vorgef. v. U. Williams. Oer singende Clown Peierseit! Kakadus auf dem Drahtseil! 2 Wodiaws{ Bogade Comp. K. Rein sch auf Czardasfiirsi! usw. usw. Stg. 3 Vorst, Zst, u. 7st, U. Auch nra. Frübliaosspiele. i�iftindÄtrei. Rose-Theater. 3st, Uhr: Der fliegende Holländer. v/. �r: ßas Glki IM Walhaüa-Theater. vi, Uhr: As MjiilllileliSgrs. Casino-Theater Lothringer Str. 37. Tägll st, 8 II. DasVolksftück von Ad. L'Arrcngc Traum. Ein heiteres Familicndlld. Voicher des neue Apeil-Progr. EmÄ Merkel, Brune Rügen usw. Sonntag 4 lldr: Dajazzo. Rsiciishaiien- Theater, j [Täglich 7ll, Uhr. Sonntags| 3 und' 7ll, Uhr: Cf.iftinnp Nachmittags ermäßigte Pr.![ Voigt-Theater. Ssdstr. 5g. Saustr. 53. Heute VI, Übe: Komteß Paula. Sonntag nachmitlgg 3 Uhr: Nuhin und Liebe. Abends 7 Uhr: Das fünfzigjähr. Jubiläum. Triauoii-Ttieater 4/48 am Bhf. Frledrichstr. 8/48 Tel.; Zenti'um 4927 und 2391. Der Lebensschüler Komödie von Ludwig Fulda. Ida Wüst, Erich Kaiser-Titz, v.Möllendorff, Flink, Kettner Stg. 4 U. kl. Pr.: Johannisf cter Kaffee Luitpold XlotzstraUe 15. iCabarettw Frank Bergmann Pepi Pfeif ier Tiartin CAwe und das große April- Programm.