Ztr. 112. S5. Jahrg. Bez«gsyr«iSi «t«rttqührt. 4L0 MI. moMta. UBStt frei WS Haus, vorauszabibirr.EinHrinr R Ummern 10 Pfg, PostbeM.: Mona«- iich 1�0 Mi. Unter ftretußonb für Deutlchland und Oeilerreich. Unoarn 8,— Ml, für das übrige LuZland ij>0 Ml. monatlkb. Serland ins Kcid bei direkter Bestellung monall. 1�0 MI. Postbestellungen nehmen an Düne- marl. Holland. Luzemburg, Schweden und die Schwei,. Eingetragen in die Poft-Zeitungs-Preisliste, Erscheint tagftch. Deiegeauun- Rdre�A .Tozialdemnbra» Berits, Vevlinev VolKsblsK. BnzeigeupretS: DtestebengesballeneKoIonelzeiI«?os!et W Pfg. �Kleine Aiieeige»", d»s fettgedruSte Wort Sll Pfg. szulässtg 2 fettgedrucite Äonrs, icdes weitere Wort tb Pfg. Stellengesuche und Lchlafstellenunzeigen da� erste Wort 20 Pfg.. jedes weitere Wort 10 Pfg. Worte über ib Buchstaben zählen für zwei Worte. Teuerungszulchlag 80% izamilien-Anzeigen, t'ostnsch« und gewerkschaftliche Kereins- Anzeigen 00 Pfg. die Zeile. Anzeigen für die nächste Rümmer müssen bis ki Uhr nachniitrags im Sauvtgeschäft.»erlin EW.OS, Lindcnslraste S, abtegeden werden. Gebffnet bon S Uhr früh bis 7 Uhr abends. Zcntralorga« der fozialdetnokrati fcben Partei Deutfcblands. HBgKaaMSMa—B Neüaktiolu EW. HS» Änöeustraße Z. ffernst-recher:«tu» Morttzvlatr, Vtt. 15190— 151»7. Vit Märzbeute öes U-öoot- Krieges. Amtlich. L e r l i», W. Aynl. Im Momtt März sind insgesamt des für unsere Feinde»utzdaren HaodelsschiffSraumS vernichtet worden. Der unsere» Aeinve» zur verfiignng fiehenv« Welt- HaodclsschiffSranm ist somit allein durch kriegerische Maß- nahmen seit KriegSbegiun«m runö 9r.-R.-To. verringert worden. Der Chef des AdmiralstabS de? Marin«. Wölfls Bureau bemerkt z» dem Sigebnit: Ein Monatsverlust von 089 000 Br.-R.-T. bedeutet S'/j Proz�, auf da» Jahr um- gerechnet 42 Proz. de« gesamte« den Westmächten für ibre«nilitän- ichen und bürgerlichen Zwecke zur Verfügung stehenden Schiffsraumes, der nach amtlicher deutscher Berechnung am 1. Januar d. I. keine 20 Millionen Br.-R.-T. mehr betrug. der Kampf um Kühlmann. Der Strafantrag des Neichskanzlees. Berlin, Z3. vpril. Amtlich. Wege» der beleidi senden Angriffe gege» de« DtaatSfekretLr drS AuSwürtigr» Amte» i» dem heutigen Artikel„Alldeutsche Sittenrichter- i« Rr. LNt der „Deutschen Zeitung" hat der Herr Reichska»zler Strafantrng ge- stellt. « Der Kampf_ der Wdeutschen pepen ihnen unbequeme Staatsmänner nimmt immer widerlichere Formen an. Wir sind gewiß die letzten, die eS jemandem verargen, wenn er an der Regierung Kritrf übt und einen ihm für das Volks- wohl schädlich erscheinenden Swatsmann zu befeitigen sucht. Aber solch ein Kampf muß auf dem Boden der fach- lichen Gegensätze ausgefochten werden, nicht mit schmutzigem Lakaienklatsch und Hnrtertreppen- und Unter- rockgeschichten. Dies aber sind die Waffen der Mdeuffchen im Kampf gegen den ihnen verhaßten Staatssekretär v. K ü h l m a n n. Wir haben bereits ausgesiihrt, daß wir nach dem Frieden von Brest-Litowsk keine Ursache haben, uns für Herrn v. Kühl- mann ins Zeug zu legen. Aber die akldeuffche Kampfmethode muß doch fsstgenggelt werden, damit nicht unser ge- saintes politisches Leben auf dieses niedrige und schmutzige Niveau herabgezogen wird. Schon seit Wochen rumoren in der alldeutschen Presse allerhand dunKe Andeutungen über sittliche Ber- fehlungen, die sich Herr v. Kühlmann habe zuschulden kommen lassen. Was gemeint ist, wird nicht gesagt. Absicht- lich begnügt man sich mit halben und vieldeutigen Redensarten, damit die Phantasie des Lesers möglichst weiten Spielraum nach der schlechten Seite hin habe. Den Höhepunkt dieses Treibens erreicht jetzt die„Deutsche Ztg.", die mit solchen Anspielungen einen ganzen Leitartikel füllt. Heim v. Kuhlmann wird nachgesagt, er habe„ein die Würde des Deutschen Reiches unter beson- ders erschwerenden Umstanden herab- setzendes Verhalten" an den Tag gelegt, es sei not- wendig,«daß die Abgeordneten der Parteien, die ein sauberes öffentliches Leben als die Grundlage völkischen Gedeihens ansehen. die Vorgesetzten des Herrn v. Kühlmann ent- sprechend aufzuklären". Ja, die„Deutsche Ztg." wirst sogar Herrn V. Kühlmonn vor, daß er„den deutschen Namen im feindlichen Ausland durch sein Verhalten entehrt habe". Der Leser muß danach den Eindruck haben, daß eS sich um schreckliche Taten des deutschon Staatssekretärs handele, die ihn mindestens mst dem Strafgesetzbuch in Konflikt bringen. Da die Klatschereien über Herrn v. Ksthstncmn sowieso seit Wochen in allen politischen Jirksln bekannt sind, so wollen wir dem stmimmden Pubnkum erzählen, um was es sich handelt: Die Alldeutschen werfen Herr v. Ktihlmann vor, daß er sich in Bukarest nach getaner diplomatischer Ar- beit in menschlicher Weise amüsiert habe. Man soll ihn sogar— hafte dich am Stuhl fest, Leser— m Gosellschast einer Dame der Lebewöst gssehen habgn! Mr wolle« nicht ins D steil der Klatschsreis« gehen, aber sie sind sehr harmlos jene Szenen, von donsn sich jeder Berliner abends durch Augen schwi überzeugen k«m. wenn etwa in Bsrttn der Bund der Landwirte einmal seine Tagung abhält. Nun wissen die Alldeutschen, von denen natürlich fein« jemals oußerluilb d»s ekeltck«, Bettes gezeugt hat, aanz gut, daß sie mit dies«« Material bei jedem dirrMchnsqtp.ch Don- kendsn nur Gel ö.ch t e r bqrvorgernsan hBten. Doshoß» haben sie sich mit ihren Beschwerden über Herrn v. Kühl- Englische JnfanterkeaMone« zwischen Lens«nd Albert. Berlt«, 23. Nprfl 1918, a h e« v S. Amtlich. Keine besonderen Ereizniffe. Amtlich.«r,ße» H»«?tq««rtirr, SS. April 1918.(W. T.».) Westlicher Kriegsschauplatz. Auf de« Schlachtfronte« blieb die GefechtStätigkett eus zeit- weilig oaflebeniit« Artilleriekampf Mtd örtliche Jufa«terir«ntrr- n hmung«« beschrSnlt. Die englische Jnf««t«te war«««mtNch zwlsche» L««» und Albert sehr tötig. ErkundungSabteilunge», die m» zahl- reichen Punkte» gegen unsere Linie« vorstießen, wurde» überall znrückgeschlaze». Bergeblich versuchte der Feind mit starken Kräften, das am 21. 4. a m Walde»»« Aveluy verlorene Gelände wiedcrgnaehme» u«d beiderseits der Straße Bouzi»- conrt— Bvrlng dir Bahn nördlich»«« Albert gu ge- tntna«. In«ehrfache« verlustreiche» A«st«ir« büßte er Ge« jange«« ei» La der tbrizeu Frort»kchts vo» Bedentm». I» de« teide» letzte« Tagen wurds» M feindliche Flug- zeuge abgeschossen. Leutnant Buckler errang seine» 3&, Leutnant Wenkhoss seine» 25. Luftsieg. Mazedonische fsrout. Zwischen O h r i d«-»od PreSpa-See sowie«ordwrst- lich von M o n« p i r Artillerie-«ud Minenkampf. Deutsche Ad- teilnnge» stieße» westlich vou Mako»» in französische Stel- lange«»or, bulgarische Truppe»«ehrten südlich vom D o j r a»- See raglische TeUangriff««». Einig« Franzosen«nd Enz- l ander wurden gefangen. Der Erste Generalquartirrutelster. _ Lndenborff. Der österreichische Bericht. Wir», 23. April 1918. Amtlich wir» oerlautvart: Von de« Zktziegsschauplätzeu nichts Neues. mcmns„KnfittRchkeit" m eine sehr hoch gestellte, wegen ihrer Sittenstrenge bekannte Dame gewandt, bei der sie mehr Eindruck zu erzielen und von deren Einfluß sie das Weitere erhofften. Das Ganze mutet an wie eine Intrige vom Hofe Ludwigs XIV., der Humor der Sache ist, daß es„trendeutsche"»nd von ihrem biderben Germanen« tum durchdrungene alldeutsche Stecken sind, die in dieser Weise operieren. In dem Drama, in dem Schiller die von Frankreich nach Deutschland verpflanzten absolutistischen Methoden geißelt, in„Kabale und Liebe", will jemand den Leuten erzählen, wie man Minister wird. Heute muß man der Oeffentlichkeit erzählen, wie mau im Deutschen Reiche von 1918 Mnister stürzt._ Guatemala gegen Deutfthlanö. Neu» Dork, 23. April.(Reuter). Guatemal«, da« vor einem Jahre die Beziehungen zu Deutschland abgebrocheu hat, erklärt, eS«ehme dieselbe Haltung wie die Bereinigte« Staaten gegenüber den enropäischeu Kriegführende« ei». Mau hält dies für gleichbedenteud mit einer KriegSerklä- ruug an die Mittelmächte. Der neugewählte öänische Reichstaa. Kopenhagen, 23. April. Nach den Neuwahlen hat der Folkething folgende Zusammensetzung: 71 Anhänger des jetzigen Ministeriums(82 Radikale und 89 Sozialdemokraten), 68 Gegner des Ministeriums(darunter 22 Konservative und 15 Anhänger der Linken). Das Ergebnis von den Färoerinseln ist noch unbekannt. Sn MßtrauensZezchen für �lemenceau. Genf, 23. April, Die.Kammer hat Clemenceau ein Zeichen des Mißtrauens gegeben, indem sie die vom Vorsitzenden Deschanel vorgeschlagene Vertagung auf den 7. Mai mit 359 gegen 158 Stimmen verwarf und Vertagung bis 3 0. April beschloß. Tie französische Kricgsmonarchie. Bern, 22. April.„Populaire du Centre" erklärt zu der AuZ- einandersetzung zwischen C z e r n i n und Clemenceau, die in der französischen Presse innner noch lebhaft erörtert wird, aus den ganzen Borgängen könne m,n jedenfaSs ersehen, welche furchtbaren Folgen es habe, datz die französische Republik jetzt eine Kriegs- mvnarchie geworden sei. Land und Parlament dürften nicht ge« statten, daß diese Kriegsmonarchie ihre verderblichen Einflüsse weiter suSübe. Die Ausschüfle hätten beschlossen, P ai n I e v ä und .Ribot zu vernehmen,«nd dann müsse in öffentlicher Kammer i sttzung die Moral aus der Geschichte gezogen werde». ExpeSition: EW. öS» Linüenstraße 2. KeralPrecher: Amt Moritzpla«, Nr. 15139—15197. die Eröffnung öer Steuer- öedatte. Teutschland und England. Fünf Tage nach Veröffentlichimg der Steuervorlag« hat ihre erste Lesung begonnen. Die Debatte brachte eine angenehme Neberraschmtg: der Sprecher des. Zentrums, der Abg. Mayer- Kaufbeuren, er- klärte sich in einer gedrungenen rmd wirkungsvollen Rede für eine Ergänzung der vorgeschlagenen indirekten Steuern durch direkte Steuern, nm über die vom Neichsschatzamt angestrebte scheinbare hinaus mich eine tatsächliche Deckung des Fehlbetrags zu erreichen. Er verlangte den A u s ba n der Erbschaftssteuer und die sofortige Er- ledigung der Kriegsgewinnsteuer für Phy- fische Personen, die das Reichsschatzamt am liebsten auf den nächsten Herbst schieben möchte. Wird sie aber jetzt erledigt, so können die Einkommenssteuererklärungen für 1917 als Grimdlage für die steuerliche Erfassung des Mehret nkom mens verwendet werden. Damit wird der in der ausschließlichen Besteuerimg des Vermögens- Zuwachses liegenden Tendenz zur Vermögensverschleuderung die Spitze abgebrochen. Im übrigen ließ sich aber Abg. Mayer auf konkrete Vorschläge nicht ein, die zu machen Auf- gäbe der Kommisston sei. ES. zeugt von der Klugheit des Zentrums, daß es sich bereit erklärt,„die Wünsche verschie- dener Parteien zu prüfen", nm eine geschlossene Front des Reichstags zu bilden. Hoffentlich bleibt es auch f e st, wen» der Bundesrat gegen die ergiebigen Steuern sich sträubt, die ihm der Reichstag darbiete« wird. Aber schließlich kann das Zentrum als Mittelstandspartei in die den Mittelstand so stark gefährdende Erhöhung und Ausdehnung der Umsutz- steuer willigen»nd die steuerlich Leistungsfähigsten par- donnieren. Eröffnet wurde die Debatte durch eine einleitende Rede des Grasen N o e d e r n, die trotz des Mangels großer Ge- sichtspnnkte und. klarer Perspektiven bewies, daß sich der Schatzsekretär über die Finanzlage des Reiches klar ist. Nur zieht er daraus leider nicht sofort die nottorndigen Folgerungen. Er bezeichnete die Besteuerung der jetzt attackierten Ob- jekte mit den diesjährigen Vorlagen als abgeschlossen, verhieß für die Zukunft den Ausbau der Erbschaftssteuer, verlangte von den Bundesstaaten recht energisch Ver- «inheitlichung ihrer Einkommensteuern und deutete zwischen den Zeilen die Notwendigkeit einer Vermögens- abgäbe als Mittel gegen Geldüberfluß und Geldent- Wertung an. Aber so schön diese Zukunftsaussichten sind, niemand bürgt für ihre Erfüllung, wenn erst die in- direkten Stenern unter Dach und Fach sind oder Graf Racdern einen Nachfolger gesunden hat. der sich an seine Worte nicht gdnmden Kein wirksames Argument fand Gras Roedern gegen den Vorwurf der unsoliden Finanzwirtschaft und der Anffiellnng von falschen Etats. Der Reichstag wird die«in leuchtenden Grundsätze geschäftlicher und politischer ZuverMssigteft hochhalten und die zur Deckung des Jahres- fehkbetrages unzureichenden indirekten Steuern durch eine ergiebige Belastung von Besitz und Einkommen ergänzen müssen. In glülfficher Weise behandefte der Sprecher der sozial- demokratischen Fraktion, Genosse Keil, die komplizierte und Weit schichtige Materie. Er wies den R eichs schc, tz s e kretä r auf die sofort hochergiebigen Einnahmen hm,„an denen er stolz wie ein Spanier vorübergegangen ist": ans die Dividenden- steuer, die Wiedererbeb, mg des Wehrbeitrages, den Ausbau der Erbschafts- im d Besitzsteuer. Die Budgetrede Bonar Laws gab eine erwünschte Gelegenheit, vom Neichsschatzamt die Vorlage einer Ucbersicht der englischen Kriegsfinanzen zu fordern. Besonders wirkungsvoll war in der Keilschen Rede die Brandmarkung der.Kriegstreiber, die, selbst in sicherem Port, den Krieg emsr Knegsentschädngnng willen verlängern irni dafür— von den andern Opfer an Gut und Blut ver- langen. Fortsetzung der Debatte Mittwoch ein Uhr. * Im Unterhause brachte Bonar Law das Budget ein. Er hielt dabei eine Rede, die scharfe Schlaglichter auf die be- Wunderun gAvürdige Stenerfrendigkeit Englands wirst und gerade recht kommt, um als Beispiel zu wirken. Bonar Law führte aus: Die Kredit« für da« laufende Jahr werden auf 2550 Mil- lionen Pfund Sterling(em Pfund— 20 Mark) geschätzt. Sie ftzpleu eine tägliche Ausgabe von k 980 000 Pfund dar. Die An- lechen an die Alf Herten werden auf 300 Millionen und die a« die Dominions auf 50 Millionen geschätzt. Die Gesamtausgaben werden mit 2 972 197 000 Pfund, die Gesamt- einnahmen mit»12 050 000 Pfund angesetzt. Die neue« Steuern werden voecmSfichMch ein Erträgnis' von 67 860 000 Pfund bringen. Die gesamten am Ende des vergangenen Jahres erhobenen KmegSst»i,»rn betragen 1044 Milliunen, diejenigen. Deutschlands 365 Millionen. Das gesamte Kriegssteuererträgnis am Ende deZ laufenden Jahres wird mit 1656 Millioue» (34 Milliarde«! Marti angefotzt. Die neue Portsabgabe ist für Briefe von 1 Penny auf 114 Penee und für Postkarten von% Pennt) auf 1 Penni, erhöht worden und wird 3 400 000 Pfund embringen. Die Echähnng der S.ch eck stein p es von T atrf 2 Venee soll 750 000 Pfun8 in diesem Jahr einLrinqen. Die Einkommensteuer ist erhöht worden von b Schilling auf 6 Schilling für das Pfund bei Einkommen über 500 Pfund jährlich und soll 11250 000 Pfund einbringen. Die Ergänzungs. steuer ist von 3 Schilling 0 Pence auf 4 Schilling 6 Pence für das Pfund bei Einkommen über 2200 Pfund erhöht worden und soll 8 750 000 Pfund einbringen. sPersonen mit einem Ein- kommen von mehr als 50 000 M. zahlen also für je 20 M. nicht weniger als 10.50 M. Einkommensteuer, wozu evenl noch die • 80 prozentige Kriegsabgabe kommt.) Das neue Einkommen- steuersystsm für Farmer soll 2 500 000 Pfund in diesem Jahre einbringen. Die S p i r i t u o s e n a b g a b e ist erhöht von 1-1 Schilling 8 Pence auf 30 Schilling für die Gallone und wird 10 500 000 Pfund in diesem Jahre bringen. Die Biersteuer ist verdoppelt worden und wird in diesem Jabre ein Erträgnis von 8 700 000 Pfund haben. Die Tabaksteuer ist von 6 Schilling 5 Pence auf 8 Schilling 2 Pence für das Pfund er. höht und wird dieses Jahr 7 500 000 Pfund einbringen. Die Sufatzsteuer für Zucker wird im laufenden Jahre ein Er- rrägnis von 12 400 000 Pfund haben. Die Luxus st euer wird auf 2 Pence für den Schilling kommen. Im letzten Finanzjahre betrugen die englischen Vorschüsse an die Verbündeten 505 Millionen, während die Vorschüsse Amerikas an alle Verbündeten sich auf 950 000 000 Pfund be- liefen. Von dieser Summe werden England ungefähr 500 Millionen vorgeschossen und 450 den anderen Verbündeten. Die englischen Vorschüsse an die Verbündeten betrugen also ungefähr ebensoviel wie die amerikanischen an England. Die neuen Steuervorschläge fanden im Unterhaus keinen Widerspruch, mit Ausnahme der Einkommensteuer, d i e m a n nicht hoch genug fand. Auch die Zeitungen sprechen sich zustimniend zu den neuen Vorlagen aus. Z!isger Richthofen gefallen. Am 21. April ist Rittmeister Manfred Freiherr von Richt- Hofen von einem Jagdflug an der Somme nicht zurück- gekehrt. Dazu wird mitgeteilt: Nach den übereinstimmenden Wahrnehmungen seiner Begleiter und verschiedener Erd- beobachter stieß Richthofen einem feindlichen Jagdflugzeug in der Verfolgung bis in geringe Höhe nach, als ihn anscheinend eine Motorstörung zur Landung hinter den feindlichen Linien zwang. Da die Landung glatt verlief, bestand die Hoffnung, daß NichtHofen unversehrt gefangen sei. Eine Reuter- ni e l d u il g vom 23. April aber läßt keinen Zweifel mehr, daß Rittmeister Freiherr von Richthofen den Tod g e- funden hat. Da NichtHofen als Verfolger von seinem Gegner in der Luft nicht gut getroffen sein kann, so scheint er einen: Zufallstreffer von der Erde zum Opfer gefallen zu sein. Nach der englischen Meldung ist NichtHofen auf einem Kirchhofs in der Nähe seines Landungsplatzes am 22. April unter militärischen Ehren bestattet worden. • Gerade als man meinte, daß der Krieg nur noch die Blut- arbeit namenloser Massen gegenoinander sei, in der jede Person- liehe Tat und Leistung spurlos verschwindet, da entwickelte sich auf Einzelgebieten wieder jene ganz persönliche Hrldenle istung, die man mit dem Rittertum begraben und auf Nimmerwiederkehr ver- schwu-nden geglaubt hatte. Freilich ist die Zeit dem Heldenruhm der Flieger trotz aller äußeren Ehren nicht günstig. Der Begriff des Heldentums ist feiner, differenzierter geworden, als er der schlichten Denkweise früherer Jahrhunderte erschien. Wir feiern heute neben dem physischen den Charakterhelden, den Mann, den Verfolgung, Hohn und Mißerfolg nicht von der Bahn des Ideals abbringen können. Skameutlich der Arbeiterklasse, die in ihren Reihen viele hundert solcher Charakterhelden aufgewiesen hat, liegt jene Art des HÄden- tiums menschlich näher. Aber das physische Heldentum wird daneben immer feinen Glanz und Zauber bewahren, zumal je idealer und uneigennütziger der Zweck ist, zu dem es geübt ist. Es ist und bleibt etwas Großes. wie ein Richthofen hundertmal für sein Vaterland den Kampf Mann gegen Mann gewagt zu haben, ein Heldentum, das menschlich und um seiner selbst willen«mnsr Ehrfurcht erwecken wird. Die Leistung ist nicht denkbar ohne Größe und Festigkeit des Charakters. Auch die Arbeiterklasse, die ihr Land verteidigt, mür- digt einen Mann, der ein so hohes Beifpial persönlichen Mutes und unerschrockener Opferfremdigkeit gegeben ljai. Freilich, vergessen wollen wir darüber nicht die vielen Namen- losen, deren Heldenmut in der Masse verschwand und die nicht üinjeln in Generalstabsberichteu verzeichnet und hervorgehoben wurden. Mancher Held ist gesunken, dessen Namen niemand nennt, als«in schlichtes und opferfreudiges Glied der Masse, llnvermeß- lich ist die Zahl dieser namenlosen Kriegshelden. Und sie ihrem Verdienste entsprechend zu ehren soll das Land sich ansnrssen, nicht durch Worte— durch Taten! Richthosens Tod und Bestattung. London, 22. April. ReuterS Berichterstatter bei der britischen Armee telegraphiert vom 22. April: Die Deutschen setzen ihr« Versuche, über das weite wüste Gebiet südlich und westlich Passchendael« vorzustoßen, fort. Der Feind streut weiterhin seine Geschosse und ArnienS wurde heftig beschossen. Außer einem Volltreffer auf die Kathedrale, der vor einigen Tagen gemeldet wurde, entstellen jetzt drei weitere Granateinschlüge das ehrwürdige Gebäude. Im Laufe de? gestrigen TageS wurde der berühmt« deutsch« Flieger Frhr. v. Richthofen im Sommetal abg«. schössen. Sein Leichnam wurde geborgen und wird heute mit urilitärischen Ehren bestattet. Amsterdam, 23. April. Ter Korrespondent der.Daily Chro- nicle" bei der'englischen Armee in Frankreich teilt mit: Das Gr- schwader des Rittmeisters v. Richthofen, das ungefähr au? 30 Flug- zeugen bestand, überflog am Sonntag die englischen Linien an der Somme. Nachdem Richthofeu dort mit feinem Jagdgeschwader ein paar englische Flugzeuge vertriebe» hatte, schwenkte er mit seiner Abteilung in nördlicher Richtung ab. In kurzer Zeit waren ungefähr 50 Flugzeuge mit- einander in ein Gefecht verwickelt, an dem sich Flug- 'zeuge beteiligten, die aus meilenweiter Entfernung herbeigeeilt waren. Es tvar ein erbitterter Luftkampf, bei dem es unmöglich war, Freund oder Feind zu unterscheiden. Plötzlich sah man lliichthofcns Maschine aus einer Höhe von ungefähr 158 Fuss in die Tiefe stürzen.?llZ später feine Leiche aufgefunden wurde, stellte sich heraus, daß er einen Schuß in die Seite dicht neben dem Herzen davongetragen hatte. Amsterdam, 23. April. ReuicrS Berichterstattec an der Front telegraphiert: Die Beisetzung des Barons v. Richthofen war sehr eindrucksvoll. Der gefallene Flieger wurde auf einem hübschen kleinen Kirchhof, nicht weit von der Stelle, an der er niedergebracht worden war, beerdigt. Eine Abteilung der königlichen Luftstreit- kräfte erwies ihm die Ehren. Der Berichterstatter fügt hinzu: Wenn es auch nicht unsere Aufgabe ist, der übrigen Welt Kultur aufzu- zwingen, so werden wir doch nicht aufhören, uns un- scren Feinden gegenüber ritterlich zu erweisen DM Lchtgefagte ist die Hauptsache,____ ,:i____. Vahlrechtsstreik in öuöapeft. Budapest, 23. April.(Meldung des Ungarischen Tele- graphen-Korvesp.-Bureaus.) Die Bndapcster organisierte Arbeiterschaft veranstaltete gestern nachmittag einen dreistündigen Demsnstrationsftreik zugunsten des allgemeinen Wahlrechts. In sämtlichen Betrieben ruhte die Arbeit. Die elektrischen Straßen- bahnen stellten den Verkehr ein. Die Kaffeehäuser und die Restaurants sowie die meisten Gefchäftsläden waren ge- schlössen. Im Stadtwäldchen fand eine Arbeiterversammlung statt. Ungefähr 100000 Arbeiter zogen ins Stadt- Wäldchen. Die Parteiführer hielten Reden. Die Versamm- lung nahm eine Resolution an, in der das allge- meine Wahlrecht gefordert wird. Um 5 Uhr nach- mittags war die Versammlung beendet und die Teilnehmer zerstreuten sich. Es kam nirgends zu Ruhestörungen. Der neue ungarische Ministerpräsident. Budapest, 23. April. Der neue Ministerpräsident, de: bisherige Handelsminister Josef Szterenyi, hat heute bereits mit den politischen Parteien Verhandlungen ge- pflogen. Sein Plan in der W a h l r e f o r m geht dahin, eine Einigung der Gegensätze zwischen rechts und links zu erzielem Er wird sich mit der sozialdemokrati- scheu Partei in Verbindung setzen, damit diese ,ihre M immalforderungen über die Ausdehnung der Wahlberechtigung genau festgelegt. Dissen Wahlrechtsentwurf wird Szterenyi der Nationalarbeitspartei vorlegen und vor- suchen, ein Kompromiß zu bewerkstelligen. In w i r t s ch a f t- lichen und sozialen Fragen übernimmt Szte- renyi das Programm Wekerles. Oesterreich gegenüber wünscht er die wirtschaftlichen Jntereffen Ungarns bei aller Wahrung eines guten Verhältnisses vollständig zur Geltung zu bringen. Was die Beziehungen zu Deutschland anbelangt, so steht er auf der Basis innigsten BündniZoer- hältnisses. In politischen Kreisen hat die Ernennimg Sztereny'.s nach Meldung der Telearaphenunion sehr überrascht. Man glaubt nicht, daß seine Person die für die Bewältigung sinss so schwierigen Arbeitsprogramms unerläßlich notwendigKAn- ziehungskrast besitzt.______________,::3. /lmerikanisihe Megsrhilfe. (Telegramm unseres Kriegsberichterstatters.) West front, 24. April. In beiden deutschen An gri ffsfchkachten haben die Engländer bekanntlich durch Masseneinsatz von Fliegern den Nachschubverkehr auf den deutschen Kolonnen straßen rücksichtslos zu stören versucht. Der Grund dafür ist keineswegs etwa eine gewaltige zahlenmäßige Ueberlegenheii des Gegners, sondern lediglich die bittere Notwendig- keit, die Feuerwirkung seiner auf dem Rückzug abtransportierten oder verlorenen Artillerie durch Fliegerangriffe zu ersetzen. Während das Gros der englischen Flieger gegen die Hinteren Ver- bindungen operierte, konnten deutsche Aufklärungsflugzeuge zeit- weife fast ungehindert bis zur Küste wertvollste Arbeit verrichten. Durch verstärkte Abwehr längs der Nachschubstraßen ist übrigens die Wirkung der englischen Luftangriffe stark eingedämmt. lleber den Umfang der bisherigen amerikank- schen Flieger Hilfe wurde mir folgendes mitgeteilt: Es ist bisher im Westen kein einziges zusammenhängendes amerikanisches Geschwader aufgetaucht. Selbst die vor einiger Zeit noch be- stehende Eskadron Lafahette ist verschwunden und wird anscheinend als Kern der künftigen amerikanischen Fliegerarmee verwandt. Ebenso haben die Amerikaner bisher kein einziges brauchbares Flugzeug, keinen einzigen krtegsverwendungsfähigen Motor her- ausgebracht. Die Mehrzahl ihrer Typen sind, wenn sie erscheinen, schon veraltet. Die einzige Hilfe Amerikas im Flugwesen der Entente besteht bisher in der Lieferung von Rohstoffen und zahlreichen Ingenieuren, Monteuren, Arbeitskräften. Amerikanische Flieger, die in englische und französffche Verbände«ingereiht wur- den, spielen keine Rolle. Das deutsch« Flugwesen hat aber auch künftige stärker werdende amerikantfche Hilfe nicht zu fürchten. Unsere Flieger werden selbst bei zahlenmäßiger Unterlegenheit ihre Aufgaben durch den qualitativen Ausgleich vollständig Efeu können. Dr.Ad. Köster, Kriegsberichterstatter. Gefanöte? RiZsw gestorben. Berlin, 23. April.(W. T. B.) Der bulgarische Gesandte, Herr Dimiter Rizow, ist heute abend nach kurzer Er- krankung an einem Herzleiden plötzlich verstorben. tzomerule unü Amerika. Bern, 23. April. In einer Rede zur dritten Lesung der Wehrvorlage gab Lloyd George offen zu, daß das Versprechen von Homerule notwendig gewesen, um Amerikas volle Unterstüstung in der Krieg- führung zu erhalten. Amerika billige die Wehrvor- läge, aber nur unter der Bedingung, daß Irland Homerule gegeben werde. Daß der Weg, den die englische Regierung in dieser Sache zu schreiten gedenkt, alle? Mißtrauen verdient, daS jetzt in Irland aufflammt, wird durch folgende Meldung der»Köln. Zeitung" be- stätigt: Die englische Regierung versucht, den Zorn der Jrländer über die Einführung der Wehrpflicht dadurch zu beschwichtigen, daß sie ihnen verspricht, eine Vorlage über Homerule einzubringen, wenn die Wehrpflicht praktisch zur Anwendung gekomme» sei. weigert sich aber, wie der Arbeitervertreter Samuel w der Sitzung des Unterhauses vom 12. April ausdrücklich ssststellte, z u versprechen, daß die Zwangserhebung verschoben werde, bis tatsächlich eine Homerule-VorlageGesetz geworden sei. Inzwischen wird aber die Aushebung in Irland vor. sich gehen und wenn nicht— wie durch ein Wun- der— die Stimmung plötzlich umschlägt, so ist blutiger Widerstand zu erwarten. Die rusilsch-ukrainischen Zeteöens- verbanüiungen. K i e w, 21. April. Nach einer Meldung des Ukrainischen Pressebureaus Uta hat die ukrainische Regierung in csiier Note an die russische Regierung für die Friedeusverhand- lungen die Stadt Kursk vorgeschlagen und das Eintreffe» der ukrainischen Delegation für den 21. April in Aussicht gestellt. In der Note wird gleichzeitig gebeten, die unrechtmäsiige Verfolgung der aus großrussischem Gebiet befindlichen Ukrainer einzustellen und die von ukrainischen Kolonien gewählten Vertrauensleute bis auf weiteres als Vertreter der Ukrainischen Volksrepublik I unter Einräumung konsularischer Besugmsse anzuerkcmiHll, ukrainische Bürger an ihrer Heimreise nicht zu hindern tntS ukrainische Bücher und Zeitschriften frei erscheinen zu lassen« D!e ßinanzschwierigkeiten öer rujsifthea Republik. Amsterdam, 23. April. Wie Reuter aus Petersburg meldet, veranschlagt die Bolschewiki-Regierung die Staatsaus- gaben für die ersten 6 Monate 1918 auf 24ftz Milliarden Rubel. Der Finanzkommiffar bemerkte in einer äußerst pessimistischen Rede, daß die Deckung einer solchen Summe unmöglich sei. Riesige Beträge gingen durch die Hände der örtlichen Sowjets, aber, fügte er hinzu, nie- mand wiffe, wo das Geld hingehe. Die Neuordnung des russischen Staatswesens vollzieht sich auf der Basis einer starken Ausgestaltung der Kommunal- gebiets-Orgamsation. Wie sich aber aus der Rede des Finanz- Ministers schiießen läßt, ist die Festigung der Verhältnisse in dieser Sphäre des Staates noch nicht so weit gediehen, daß ein Ausgleich zwischen den Zielen der Dezentralisation und Zentralisation spürbar zutage träte. Seegefecht nörülich Terschelling. Berlin, 23. April. Amtlich. Eine unserer Patrouillen stieß am 28. April, nachmittags, im Grenzgebiet der Deutschen Bucht, nördlich Terschelling, auf leichte feindliche Streitkräfte, die sich nach burzm Feucrgefecht mit höchster Fahrt zurückzogen. Der Feind hat mehrere Treffer erhalten. Unsere Streitkräfte haben keine Beschädigungen und keine Verluste. Der Chef des AdmiralstabeS der Marine.. Amsterdam, 23. April. Die englische Admiralität teilt mit: Eng- lische leicht« Seestreitkräfte, die am 28. April in der Ducht von Helgoland operierten, gerieten in Fühlung mit leichten Streit- kräften des Feindes, die sich hinter die Minen- felder zurückzogen. Auf sehr großer Entfernung wurden einzelne Schüsse gewechselt; einer der feindlichen Torpedojäger wurde nach unseren Wahrnehmungen getrostem Wir erlitten keine Verluste, alle unsere Schiffe find, zurückgekehrt, Der siebente internationale Friedenskongreß wird, laut.Petit Parisien* in Santander zuiammeulreten. Wer König�von Spanien Hat dem Kongreß, der zweifeilo-Z nur ein Rumpfgeschöpf sein wird, Temen Palast zur Verfügung gestellt. �bgeorönetenhaus. Bevorstehende Entscheidung. Nach längerer Osterpause ist das Abgeordnetenhaus am Dienstag wieder zusammengetreten, um zunächst in noch- maliger Beratung den Gesetzentwurf über die Verlänge- rnng der Legislaturperiode zu erledigen. Möglich, daß dieser Entwurf niemals praktische Bedeutung er- langt, sondern daß der Landtag schon bald eines unnatür- lichen Todes stirbt. In eingeweihten Kreisen rechnet man damit, daß die Regierung im Falle der Ablehnung des gleichen Wahlrechts sofort zur Auflösung des Abge- ordnetsnhausgs schreitet. Die Entschetming über das gleiche Wahlrecht kann mög- licherweise schon in wenigen Tagen fallen. Der Ael- testencmsschuß hat beschlosssn, daß die zweite Lesung der Ver- sassnngsvorlagen am Dienstag, den 30. April, beginnt, und zwar soll sofort das Wahlgesetz zum Ab�eordnetenhauie in Angriff genommen werden. Da die Parteren sich darüber einig sind, daß es jetzt keinen Zweck mehr hat, lange Reden zu halten, ist damit zu rechnen, daß die Abstimmung über den grundlegenden§ 3 der Vorlage schon am Dienstag oder Mittwoch nächster Woche erfolgt. Was die Regierung tun wird, wenn das gleiche Wahlrecht abgelehnt wird, wissen wir natürlich nicht. Entgegen der Anschauung, daß sie dann das Haus auslöst, sind andere Kreise der Meinung, daß sie den Verhandlungen ruhig ihren Fort- gang käht und zwischen der zweiten und dritten Lesung eine Verständigung zu finden sucht. We dem aber auch sei, jedenfalls wird man gut tun, sich auf den Wahlkampf bei- zeiten vorzuberetten. Im übkMu beriet das Haus am Dienstag den Etat der landwirtstho-fdlschen Verwaltung, wobei die Agrarier unter Führung oes Wg. R o e s i ck e wieder darüber klagten, daß die Preise fti? Nahrungsmittel noch nicht hoch genug sind und daß sie zu große Opfer bringen. Die Dxbgtte wird am Mittwoch fortgesetzt._ kCexMnöch�ie mö UebersaaKSMirtsthast. Die Kommission für Hanhel und Gewerbe beschäftigte sich in einer GeneralauSsprache mit der Organisierung der llebergangS- Wirtschaft für die Textilindustrie. Me Grundlage der Aussprache bildete ein Entwurf des RetchswirsichaftSamtes. Der Entwurf sieht die Organisierrmg von Verwaltungsstellen für die einzelnen Fafsrfloffaruppen vor, über denen eine Reichs stelle für Textikindustste stehen soll. Aufgabe dieser Verwalttingsstellen soll es sein, die Beschaffung, Verteilung, Verarbeitung, Sa g eru n g, den A b s a tz, den Verbrauch mW die Preise textiler Rohstoffe sowie von Halb- und Ganzfabrikaten zu regeln. Die BerwaltungS« stellen sollen dem Vetorecht des Reichskanzlers unter« stellt sein. Die Interessentenkreise sollen für die Besetzung der Stellen Vorschläge machen können, aber nicht das Recht der Wahl haben, da dem Reichskanzler vorbehalten bkeibcu soll, die Mitglieder in die Stolle« zu bernfon. 'Die Vorlage fand starke Anfechtung in der Kommission; teils weil man keine, oder doch eine recht lose Bindung der Fndustrie und deS HandslS will, teits lveil die Vorschläge in mancher Beziehung zu lückenhaft geürnden wurden. Von sozialdemokratischer Seite wurde betont, daß die Zweck- Mäßigkeit dieser Organisation anerkannt werden müsse. Aber die Zusammensstzung der Reichsstelle und der Ausschüsse bei den Sieichswirtschasissteven für die einzelnen Gruppen müsse so sein, daß auch Arbeiter mit eittscheiden. Es genüge nicht, die Arbeiter nur in der Bertretervemmmlung wirken zu lassen. Genosse Krätzig zeigte an den schlimmen Erfahrungen, welche die Textilarbeiter mit der Kriegswirtschaft gemacht haben, daß die Vertreter der Arbeiter gleich von vornherein mitwirken müßten, mn auf die Folgen von Maßnahmen für die Arbeiter rechtzeitig hinzu- weisen. Hingewiesen wurde bei der Auseinandersetzung auch darauf, daß die Vorlage nicht erkennen lasse, wie sich denn bei der Kontingen- tiertmg ergcrrtWch die Vermittlung des Rohstoffes vom Händler zum Verbraucher technisch abwickebn solle. Es wurde gesagt, daß e-s sich beiden Tertklrokiftoffen messt um international Mhandelte Waren hairkne. bei dsfisu geschüftkWwr Erfassung fehnelle Entsänftßungs« nötig find. Das fei, wenn die SheichSwitttchastSstellen in Berlin seien, eine Nnmögligkeit. Eine Kontingentierung deS Rohstoffbezuges ohne vorherige Verständigung mit dem Handel sei undenkbar, sie würde zum Ruin der Industrie führen. Die RegierungSverweier sicherten zu, daß den geäußerte» Wüu» schen Rechnung geirgasn wenden solle. Die Debatte geht Sl der nächsten Sitzung weit«. Hr. 112 ❖ SS. Jahrgang 9ei!age öes vorwärts Mittwoch, 24.flprNl�lS Die Steueröebatte im Reichstag. 151. Sitzung. Dienstag. 23. April 1918, nachmittags 1 Uhr. Auf der Tagesordnung stehen zunächst Anfragen. Abg. Leubc lBp.) fragt au, was der Reichskanzler zu tun gc- deult, um den Bestrebungen der tt r i e g S g e s e I l s ch a f t c u, sich noch lange Zeit nach dem JUiege zum Schaden deS freien Ber» ! c h r S zu betätigen, entgegenzutreten. Ein RegicrungSvertreter erwidert, über derartige Bestrebungen der KriegSgeseßichasten sei nichrS bekannt. Abg. Hoff(Vp.) fragt, was der Reichskanzler zu tun gedenkt, um der ungleichinästigen Belieferung der Landwirte mit st i ck st o f f> h a l t i g e n Düngemitteln entgegenzutreten. Uulerstaatssekretör Dr. Müller erwidert, daß eine Bcnachteili» gung der früher vom Handel belieferten Betriebe gegenüber den von Genossenschaften belieferten nicht beabsichtigt sei. Abg. Noske(Soz.): Den Zeitungen ist folgende Zensur- Verfügung zugegangen:»Alle Veröffentlichungen über eine bei den Mannes nr a»in- Waffen- und Munitionswerken Westhofen und in Verbindung damit bei anderen Firmen eingeleitete Untersuchung wegen Steuerhinterziehung und Bestechung von HeereSangehörigcn find verboten." Ist der Reichskanzler in der Lage, Mitteilungen über die vorgekommenen Uugehörigkeilen zu mache» und ist er gewillt, jedem BertuschungSvcrsuch über die vorgekommenen Unregelmäßigkeiten entgegenzuwirken? Oberst Maitz: Gegen die Leitung der Manncsmann« Waffen- und MunitionSwecke Westhofen war eine Untersuchung wegen Steuer- Hinterziehung eingeleitet worden, und dabei ist der Verdacht ent- standen, daß Bestechungen von Heeresangehörigen vorgekommen feien. Dieser Verdacht hat sich nur insofern bestätigt, als ein b e- reitS entlassener Heeres angehöriger sich hat bc- stechen lassen. Nähere Angaben können nicht gemacht werden, da das Verfahren noch schwebt. Von einem Vers chlererungS» versuch kann keine Rede sein. Das gensurverbot wurde erlassen, mn zu verhindern, daß etwaige Täter gewarnt würden. Nachdem eS seinen Zweck erfüllt hat, wurde cS, noch bevor die Sache im Reichstag zur Sprache kam, aufgehoben. Abg. Wcinhauscn(Vp.j: In weiten Kreisen der jüngeren Kriegs- teilnebmer herrscht Beunruhigung über die Nachricht, daß während des Krieges freiwillig eingetretene oder eingestellte Kriegsteilnehmer, bevor sie das 29. Lebensjahr vollendet hatten, nach der Demobili- sierung ihre ganze aktive Dienstzeit nachdienen müßten. Ein RegicrungSvertreter erklärt, diese Beunruhigung sei nicht berechtigt. Die jungen Leute hätten lediglich ihre gesetzliche Dienstpflicht zu erfüllen und müßten dann nach den gesetzlichen Bestimmungen enilaffen werden. Abg. Wcinhauscnvir noch gar nicht übersehen können, waS für eine Fülle von Aufgaben die Einzelftaaten nach dem Kriege zu lösen haben werden.~ Freilich sagt man, wenn man jetzt nicht auch an die direkten Stenern herangeht, so werden sie zuungunsten der indirekten Steuern geschont. Nun, die im Kriege bewilligten und die jetzt im Kriege vorgeschlagenen indirekten Steuern würden in den sünf Kriegsjahren im ganzen bestenfalls noch nicht 4'/, Milliarden einbringen; die direkten Besitzsleucrn dagegen, die in den fünf Kriegsjahren einschließlich der in diesem Jahre zu erbebenden er- hoben worden sind, betragen 7�/, Milliarden, wozu noch die erHöhlen direklen Steuern in den Bundesstaaten und Gemeinden kommen. Wenn man sagt, die Besigsteuern sind nur einmalige, so meine ick, es siebt noch nicht fest, daß wir nickt auch wieder neue B e s i tz st e u e r n braucken. Um ein« Erbschastsstcuer werde» wir jedenialls nicht herumkommen. Bei der endgültigen Auseinander- setzung zwischen Reick und Einzelstaaten, bei der endgültigen Steuer- rerorm werden auch die direkten Sleucni eine Vermehrung er- fahren müsien. Aber für diese endgültige Reform ist jetzt nicht die Zeit. Jedoch die Steuern, die wir sicherlich dem Reich überlasten werden, sollten wir jetzt gleich gründlich erledigen, um auf diesen Gebieten nicht Flickwcrk zu schaffen, das gleich wieder der Ausbesicrung durch Steuererhöhung bedarf. Deshalb sollen die Gelränkesteuern neu geregelt werden mit einem Mehrertrag von 1299, init einem Gesamtertrag von 1699 Millionen Mark, ebenso die U m s a tz st e u e r mit einem Gesamtertrag von einer Milliarde. Da kann man doch wohl nicht von Flickwerk reden, sondern von einer abschließenden Regelung dieser Steuergebiete. Man zeige doch einmal den kriegführenden oder neutralen Staat, der eine organlichere Reform des SteuerwesenS während deS Krieges vorgenommen hat. als eS mit dein hier vorgelegten Komplex ge« schiebt-, dann will ich daS Schlagwort vom steuerlichen Flickwerk anerkennen. Der Reichstag muß diesen Stcucrkomplex natürlich gründlich beraten, ich bttte aber doch, ihn möglichst rasch zu ver- abschieden. Hierauf ging der Redner kurz ans die einzelnen Steuervor- lagen ein. Abg. Mayer-Kaufbenre«(Z.): ES handelt sich um die größte Steuervorlage.die uns je vorgelegt ist. Die gesamten im Krieg beschlostenen Steuern mit diesen neuen Steuern bedeuten eine einmalige Belastung mit g Milliarden und eine dauernde Belastung mit 4Vz Milliarden. J}u- ammen mit den Anleihen bedeuten diese Steuern ein unvergäng- lichcö Wahrzeichen unverwüstlicher Kraft und unseres SiegeswillenS. Um so mehr ist aber größte Sparsamkeit bei allen Ressorts am Platze. Wichtig ist vor allem ein sichere? Verhältnis der steuerlichen Belastung von Besitz und Konsum. Der Besitz allein kann natürlich die einzelnen Lasten nicht tragen. Aber das vorgelegte Steuerbouquet enthält nur einige Versuche zur Heranziehung des Besitzes, der Rest sind reine Konsumsteucrn. Wir werden in der Kommiision unS bemühen, eine vermehrte Belastung des Besitzes in die Stenern hineinzuarbeiten. Die verschiedenen Möglichkeiten jetzt zu erörtern, halte ich für unzwcckbar. Wir sind bereit, die Wünsche der verschiedenen Parteien in dieser Richtung zu prüfen zur Herbeisührung einer möglichst geschlossenenHaltung des Reichstags. Wir werden auch die Frage zu prüfen haben, ob nickt die angekündigte Erbschaftssteuer schon jetzt in die Vorlagen hereinzuarbeiten ist. und ebenso die KtiegSgewinnsteucr. Diese bedarf dringend der Aenderung. In ihrer jetzigen Form hat sie zu ungeheuerlichen Permögensverschleie- rungen geführt.— In die LuzuZsteuer werden noch andere LuxuSloaren einzubeziehen sein. Den Erhöhungen der Postgebühren stimmen wir zu. Ihr ganzer Betrag ist schon jetzt auf- gebraucht durch die Erhöhung der Betriebskosten der Posi, durch die Teuerungszulagen usw. Die Kriegssteuern der Gesellschaften könnew-imr einen verschwindenden Teil besten hereinbringen, waS die Behörden zu viel ausgegeben haben. Sie»rüsten bester aus- gebaut werden. Namens meiner Freund« stelle ich den Antrag, die Steuern dem ersten Ausschuß zu überweisen. Abg. Keil(Soz.): Die neuen Stsucrn bilden für uns keine Neberrafchung. Die Einnahmen zur Balancierung de» Etats muffen geschaffen werben, wir wollen nicht die Zinsen der Kviegkschulderr mit neuen Schul- den zahlen, sondern hätten es für richtig gehalten, wen» auch wir wie England einen wesentlichen Teil der Kriegskosten durch laufende Einnahmen gedeckt hätlcm In England werden die Kriegssteuern in diesem Jahre ans 34 Milliarden Mark gebracht. Es wäre wünschenswert, daß das Reichsschatzamt eine Uebersicht der englischen Finanzpolitik während des Krieges anfertigte und dem Ausschuh zugänglich macht«. Der Besitz wird in England in einer Weise belastet, die in Deutschland Heulen und ZShnrklapper» hervorrufen würde. Dr. Helfferich hat uns vor zwei Jahren ver- sichert, das Bleigewicht der Milliarden für den Krieg würden unsere Gegner mittragen. Aber er hat auch gleichzeitig auf neue Steuern in großem Ilmfang« hingewiesen. Angesichts der ganzen Entwicklung unserem Volke vorreden zu wollen, wir brauchen später keine neuen Steuern, weil wir entsprechende Kriegs- entschädigungen erhalten werden, wäre ganz nnverant- wortlich. Selbst der alldeutsche»Schwäbische Merkur" gibt zu, daß selbst ein völlig zerschmetterter Gegner eine erhebliche KriegSsnt- schädigung gar nicht leisten könnte. Wir brauchen Roh- stoff und Nahrungsmittel nach dem Kriege, und diese könnten Eng- lano und Amerika uns um so weniger geben, je mehr sie Kriegs- entschädigung zahlen müßten. Sie würde auch die Weltkoalition gegen uns verewigen und un» dadurch ein« Rüstungslast aufer- legen, die eine KriegSentschädiguing mehrfach aufwiegen müßte. Das deutsch« Volk hat andere Interesse» und Ideale und will den Krieg einer höchst zweifelhaften Kriegsentschädigung wegen auch nicht einen Augenblick weiterführen, wenn er seinen Bestand und seine Zukunftsentwicklung sichernder Friede erreichbar ist.(Sehr richtigl b. d. Soz.) Jeder Monat, de» das Volk den Krieg um des Einsatzes einer zweifelhaften Kriegsentschädigung willen fort- setzen muß, kostet uns selbst 4 Milliarden. Niemand darf unseren Truppen orautzen zumuten, daß sie um schnöden Mammons willen den Kampf fortsetzen.(Sehr gutl b. d. Soz.— Zuruf rechts: Wer tut denn das?) Wer sagt, daß wir den Kampf fort- setzen müssen, bis die Gegner zahlen, daß sie schwarz«erden! (Sehr wahr!) Das kann man vielleicht draußen im Schlacht- getümmel sagen, aber nicht von der Tribüne deS Herrenhauses! (Sehr gut! b. d. Soz.) WaS die Vorlage selbst anlangt, hat sie unsere Erwartungen, wie sie der Staatssekretär rn seiner EtatSrede erweckt hatte, sehr enttäuscht Einen ersten Schritt zur G e. samtsteuerreform kömien wir m diesen Steuern nicht erblicke». Von einem systematischen Aufbau der Steuern ist kein« Rede. Nach den heutigen Erklärungen des Staatssekretärs handelt es sich auch diesmal nur um ein« neue Zwischen- reform. Hat d«r Staatssekretär schon überhaupt euren großen Zukunftsplan? Diesmal find die Steuor» wieder ohne einheitlich schöpferische Idee aus allen Ecken und Winkeln zusammengesucht Diese Zu- s-nnmenstellung ohne leitend« Idee ist ein F l i ck w e r k, das nichts UeberzeugendeS und Achtunggebietende» hat.(Sehr wahr! b. d. Sozialdemokraten.) Die Psychologie der breiten Massen, der Einfluß auf die Minderbemittelten ist nicht berück- s i ch t i g t. ES wird hier wieder das zeestöri, was durch soziale und bevölkerungspolitische Maßnahmen erreicht worden ist Von den drei Milliarden werden etwa Milliarden fortlaufend« und wrederkehrcnde Steuern sein, die den verbrauch der breiten Massen belasten; nur eine einzige Steuer, die auf den KriegSgewinn der Gesellschafte», ist eine direkte, und diese wird nur einmal erhoben. Wie ist die Ein- bringung eines solchen Steuerkomplexes zu erklären? Nur dar- au», daß im Bundesrat nicht Männer entscheiden, die im flutenden Leben stehen, sondern verknöcherte Bureaukraten. Mit Zähnen und Klauen halten die bundesstaatlichen Finanzminister an dem Dogma fest, daß die direkten Steuern Domäne der Bunde» st aaten seien; sie fürchten, man will ihnen die direkten Steuern ganz entzvehen. Wir denken gar nicht daran, ihnen ihre Einnahmen zu beschränken, sie soll«, ihre Kulturauf- gaben lösen. Wenn aber nach dem Kriege die Steuerbedürfnisse ungeheuer steige« und drei Viertel oder sieben Achtel dieser Stri- gerung aus Bedürfnisse des Reich» entfallen, so könne» nur politische Petrcfakten dem Reich den. Zugang zur ergiebig- sten und gerechten Stcuerquclle verwehren wollen. Durch dies Festhalten an dem Grundsatz, die direkten Steuer» ge- hörten den Einzelstaaten, ist die ganze Steuerpolitik de» Reiches von Anfang an verpfuscht und eine großzügige Steuergesetzgebung verhindert worden. Ein Brechen mit oieser versteinerten Doktrin ist notwen- dig, sonst kommt daS Reich aus der llnfreiheit in den Steijerfragen nicht heraus.(Sehr richtig! bei den Sozialdemokraten.) Der Staatssekretär beugt sich zu willig dem Diktat der einzelstaatbichen Finanzburoaukratcu. In dieser Zeit, in der alle Bürgerrechte jus- pendiert siird, in der Millionen ihr Leben hmgeben, damiit daS Deutsche Reich bestehe, in der jeder srinon Spargroschen hingibt für daS Reich, bestehen die bundesstaatliche» Finanzminister wie Shy- lock auf ihren Schein, daß dem Reich mchts von den direkten Ein- kommensteuern zukommt. Ist der Staatssekretär rn diesem Kampfe unterbUen. vielleicht, weil er nur ei« Scheingefecht führte. so muß der Reichstag ihm zu Hilfe kommen. In dieser Mischung darf der Reichstag die Steuern keinesfalls annehme», soll nicht der schwerste Schaden im Gefühlsleben und Reichs» empfinden des Volkes entstehen. Die bösartigste und rohestr Steuer ist die Umsatzsteuer, die eine Masscnverbrauchssteuer großen Stils bedeutet. Sie bc- deutet für viele nicht nur eine Belastung, sondern auch eine Bc- lästiaung. Nicht ausgenommen davon sind die Kohlen,� die schon die Kohlensteuer zu tragen haben. Dabei ist die Kohle�für die In- dustrie und die Bevölkerung so notwendig, wie das tägliche Broi; darum sollte man eS ba ihrer einmakgen Besteuerung belassen. Auch die Luxussteuer kann un» die Umsatzsteuer nicht schmack- h a f t c r machen. Ihr Gedanke ist gewiß diskutabel, aber cS mutz eine sorgfältige Abmessung der Gegenstände erfolgen, die als Luxus. gegenstände gelten und da muß auf die Existenzfähigkeit der betr. Industrie Rücksicht genommen werden.(Sehr richtigl bei den Sozialdemokraten.) Die beste LuxuLsteucr ist die nach oben auS- gebaute Einkommensteuer. Auf keinen Fall kömien sich die Besitzen- den durch eine Luxussteuer von der Pflicht loskaufen, durch eine progressive Einkommensteuer dem Reiche zu geben, was des Reiches ist.(Sehr wahr! bei den Sozialdemokraten.) Bis aufs Milligramm hat das ReichSschatzamt abgewogen, was an Umsatzsteuer die Volks- Wirtschaft ertragen kann, nämlrch 6 pro Mille. Wie sie zu dieser Zahl kommt, sagt die Begründung nicht. Bei volkswirtschaftlichen Interessen scheint die Regierung stets nur an Kapita linier- e s s e n zu denken. Ueber die Wirkung der Steuern auf die Lebens- Haltung, die Arbeitszeit, den Kultnrznstand der Massen sagt die Regierung nichts. Wehe unS, wenn in der Kapitalbildung und-anhäufung allein die Triebkraft des wirtschaftlichen Fortschritts erblickt wird. Das Urelement des wirtschaftlichen Le- bcnZ bleibt die Arbeitskraft und die M e n s ch e nk r a f t. (Sehr richtig! bei den Sozialdemokraten.) Lassen wir diese ver- kümmern so nützt uns alle Kapitalbildung nichts. Nun ist gerade die beste Menschenkrast durch den Krieg außerordentlich geschwächt und wir brauchen nach dem Kriege soziale Hebung der Massen. Diese wird verhindert im höchsten Maße durch die Um- satzsteuer, die gerade die Acrmsten im Verhältnis zu ihrem Ein- kommen am stärksten belastet. Das gleiche gilt auch von der Postabgabe, die nach der vor zwei Jahren bewilligten Abgabe eine Ueberraschuug bildet.— Etwas anders zu beurteilen ist dre B ö r s e n st e u e r. Sie bildet eine cinseiftge Belastung �des mo- bilen Kapitals nnd läßt das rmnrobile frei, da? im Krieg sehr gute Geschäfte gemacht hat und«ich bei den neuen Stenern sehr� gut wegkommt. Deshalb muß nach einer Belastung auch de» immobilen Kapitals gesucht werden, keineswegs aber ist die Börsen st euer abzulehnen; sie ist vielmebr nocb z u gering und kann erheblich vergrößert werden. Insbesondere können die Leute, die Kunde ritousende aus KufsichtZratS- Posten schöpfen— oft sind 59 solcher Posten in einer Person ver- einigt— sehr wohl höhere Opfer bringen, alZ die Vorlage vorsieht. lSehr wahrt bei den Sozialdemokraten.) Auch wäre jetzt wohl Zoit, ein« allgemeine Dividendrnfleuer einzuführen.(Sehr richtig! bei den Soz.). Die himmelschreiende Aufsaugung des allgemeinen VolkSvermögenS durch große Jttdu lrie- Unternehmungen fordert geradezu dazu heraus. Sind doch Divi- denden von 59 Proz. keine Seltenheit mehr. An diesen Einnahmen, die auf der Straße liegen, geht der Staatssekretär stolz wie«in Spanier vorbei. Eine solche Bevorzugung deS Besitzes ist unerhört. Der Einwand der Doppelbesteuerung ist hinfällig in einer Zeit, wo von einem Veodienst de» einzelnen Aktionär» an dem Prosperieren de» Betriebes keine Rede mehr sein kann. Ein« kräftig gestaffelte Dividendensteuer könnte ganz andere Erträgnisse bringen als die armselige, kleinliche, gehässige Limonadensteuec.(Sehr wahr! b. d. Sooz.) Der Kriegs- gewinnsteuer de« Gesellschaften stimmen wir zu. verlangen aber, wie der Vorredner, einen Lusba» und eine Umänderung der jetzigen KriegSgewinnsteuer. Jetzt wird all da», WaS verschwendet wird, von der Steuer nicht erfaßt. Vor allem mutz die Steuer überall gleich- mäßig scharf erfaßt werden. In Preußen ist die Veranlagung durch die Landräte noch viel zu lax, während sie in Süddeutschland sehr scharf ist. Nötig ist daher eine einheitliche Reichskontrolle über die Veranlagung. Ucberhaupt wäre die Schaffung einheitlicher Grund- lagen von Reichs wegen für alle direkten Steuern geboten.(Sehr wahr! b. d. Soz.) Wie steht«» mit der Erbschaftssteuer? Der Staatssekretär hat verkündet, sie würde später nicht zu lmigehen sein, jetzt komme es darauf an, bestehende Steuern abzuschließen. Angesichts der Erfahrungen mit der Poftsteuer traue ich dem uicht recht. Aber ist nicht auch die bestehende Erbschaftssteuer uur sehr dürstig erschlösse« und erweiterungsfähig?(Sehr wahr! b. d. Soz.) Der Ausbau der Erbschaftssteuer hätte der erste Vorschlag sein müssen. Hmie gewinnen wir auS ihr nur 60 Millionen, während wir, wie in Eng- fand, eine Milliarde daraus ziehen könnten. Neben der Erbschaftssteuer käme die Erneuerung de» Wehr- beitrage» in Betracht. Die Gründe, die seinerzeit im Friede» für seine Einführung sprachen, gelten heute mit verzehnfachter Wucht. Damals brachte er eine Milliarde, heute muß er erheb- l i ch mehr bringen. Wenn der Reichstag ihn ernstlich will, werden die einzelstaatlichcn Finanzminister ihn nicht, wie vor zwei Jahren, abwürgen können. Der gegenwärtige Vizekanzler machte vor zwei Fahren die Zustimmung seiner Fraktion zu den neuen in- direkten Steuern von einer dem Vermögen de? einzelnen angepaßten Besitz st euer abhängig. Heute wird ein erhebliches Mehr an indirekten Steuern gefordert, also muß auch die vcsttzsteuer viel höher sei». Aber die Wehrsteuec darf nicht ein Ersatz few für eine starke Abgabe au» der Vermögenssubstanz. Diese wird nach dem Krieg« notwendig sein, weil unsere Wirtschast einen erheblichen Test der Lasten mit einem Male abschütteln muß, um sich zu er- holen. Durchaus zu billigen ist auch der Grundgedanke de» Gesetze» gegen die Steuerflucht, und e» ist rrchtig, daß der Steuer- flüchtige mit dem Fahnenflüchtigen auf«in« Stufe gestellt wird. Diesen Musterpatrioten muß jede Möglichkeit entzogen werden, sich der Steuervflicht zu entziehen. Aber wir müssen die Vorlage doch daraufhin prüfen, daß der ehrliche Mensch, der sich im Ausland betätigen will, nicht in seiner Feizügigkeit gehemmt wird. Aber jetzt handelt«S sich darum, die nötigen Summen don 1918 zu de- schaffen, so daß schwere soziale Schäden vermieden, dem Gerrchtig- keitSgefühl des Volkes Rechnung getragen und keine unsinnige Be- lastungSprobe gemacht wird. Einmal wird ja dieser lange Reichs- tag sein Ende erleben, und dann werden wir alle Rechenschaft ab- legen müssen für die inhaltsschweren Entscheidungen, die wir in den langen und schweren Jahren getroffen haben. An diesem Tage werden ungeheure Zukunftsaufgaben von unS stehen, und e» wäre ein Unglück, wenn die geistigen Kräfte sich dcmn in rückblickenden Anklagen und Vorwürfen erschöpften. Dem beugen wir vor, wenn wir uns der großen sozialen Verpflichtung bewußt sind, die die Zeit an uns stellt. Dann werden wir im Wahlkamps alle unsere .Kräfte einsetzen khnnen, um die Schäden zu heilen, die der Krieg unS geschlagen hat.(Lebhafter Beisall bei den Soz.) Abg. Graf v. PosadowSky(Dt. Fr.): Iii der kurzen Zeit, die uns seit Eingang der Vorlage» zur Verfii-gung stand, war ein« gründliche Kenntnisnahme dieser umfangreichen kompltzterteu vorlagen ganz ausgeschlossen. DaS ist ein Bild dafür, welcher Gefahr der PaclamentariSmu» entgegengeht, immer mehr zu verflachen. Nur noch Beruf». Parlamentarier, die in Berlin leben, können die Aufgabe wirklich leisten, von einer wirklichen Volksvertretung rann keine Rede mehr sein. DaS Branntweinmonopol habe ich stets bekämpft. Aber ich gebe zu, daß man bei dieser uuge- Neuerlichen B e l a st u.1 g d e S Reich» msnche Grundsätze aufgeben mutz, die man früher vertreten hat. OH e» ertragreich sein wird, hängt von der Art seiner Verwaltung ab. Bei den alkoholfreien Getränken wäre eine Bestimmung notwendig, dah ber ihrer Herstellung die gesundheitspolizeilichen Borschriften zu beachten sind. Das Brennen von Getreide»u Spiritus wird man in Zukunft nicht mehr verantworte« können bei dem Zteiaen der Bevölkerung, und da der kür die Landwirtschaft zur Verfügung stehende Boden immer geringer wird. Daher müssen wir äutzerst sparsam mit dem Boden umgehen.— Für die Waren- umsatzsteuer� ist jetzt der günstigste Zeitpunkt.— Die Post bringt noch nicht die Einnahmen, die sie bringen könnte. Die Einkommen- i'cuergesetzgebung sollte auf eine einheitliche Grundlage gestellt, ihre Veranlagung wesentlich verbessert werden. Dazu sind besondere selbständige fiskalische Behörden notwendig. Das Gesetz gegen die steuerpflichtigen Steuerflüchtigen begrütz« ich. Persönlich wird man ia� auf da? Verbleiben solcher Leute im Lande weniger Wert legen. iSehr wahr!).Eine Kriegsentschädigung in verstän. digen Grenzen werden wir von gewissen Staaten bei glück- lichem Ausgang des Krieges angesichts der Faustpfänder, die wir in Händen haben, wohl erreichen können. Wir werden die vorgelegten Steuern nach Kräften unterstützen, vorbehaltlich der Ab- ändcrungen im einzelnen.(Bravo I) Die Weiterberatunz wird auf Mittwoch 1 Uhr vertagt. Schlutz 6 Uhr. Der �lrbettsplan ües Reichstags. Die«n Frorwg eintretende Pause soll sich bis zmn 80. April erstrecken, so daß die Plenarsitzungen am 1. Mai wieder anfge» uommen werden. Künftig soll alle zwei Wochen ein« Parse von vier Doyen, den Sonntag singeschlossen, eintreten. Die©teuer- vorlagen werden an verschioden« Komam ssionen Überwesen, und zwar- die Berckehrssteuern und direkten Steuern an l«e Budget- kom Mission, das Branntweinmonopol und die Getränkesteuern an je eine besondere Kommission, so daß also drei Kommissionen sich mit den Steuerplänen zu befasse« haben. Der Morö in öer MiSenNalöer Straße. De beiden jugendlichen Verbrecher die im Mai ISN den lS jährigen Mechantkerlehrling Ernst Schell in im Hause Mittenwalder Str. 7 erschlagen haben, wurden gestern der 3. Strafkammer des Lqndgerichts II vorgeführt. Angeklagt find der .zur Zeit der Tat noch nicht 18 Jahr« alt gewesene Barbiergehilfe Otto Rösch wegen Mordes und wegen Einbruchdiebstahls und der 14 jährige Gemeindeschüler Harry Hasse wegen Beihilfe zum Morde. Die Bluttat hat feinerzect berechtigtes Aufsehen erregt. Der erschlagene Ernst Schellin war ein Fveuns und Spiel- kmnerad der beiden Angeklagten. Hasse hatte eine» Tages feinem Vater aus einem Schranke eine Browniny-Pistole entwendet und machte mit dieser in Gegenwart der beiden anderen wiederholt auf einem Kohlenplatz« Schietzübungen nach einer Scheibe. Dadurch wurde Rösch, der auch gern eine solche Pistole haben wollte, zu dem ihm zur Last gelegten Einbruchsviebstahl angeregt. Mittels eines Glasschneiders durchschnitt er am Tempelhofer Ufer 10 eine Schaufensterscheibe in dem Geschäft des Waffenhändlers Hell- fritzsch und stahl drei Pistolen und 50 Patronen. Eine der Pistolen ver laufte er für 3 Mark an Schellin und alle drei jungen Burschen machten nun Schießübungen auf dem Kohlenplatz. Ernst Schellin .versteckte seine Pistole, sie wurde aber von seinem Bruder Willi vorgefunden und dieser nahm sie an sich, um sie auf seiner Arbeits- stelle zu verkaufen. Hierbei wurde er beobachtet und die Pistole von der Polizei beschlagnahmt. Daraus entwickelte sich ein Per- fahrein das sich auch auf Ernst Schellin erstreckte, der schließlich befürchtete, in Verdacht zu komme», den Einbruchsdiebstahl bei Hellsritzsch begangen zu haben. Er teilte- dem Rösch seine Be- fürchtungen, unschulvig ins Gefängnis zu kommen, mit und sagte ihm, daß er ihn ak» Täter angeben werde. Rösch beriet sich darauf mit Hasse und dieser schlug vor. Schellin in den Wald zu locken und dort zu erschießen. Sie gaben diesen Plan aber auf, weil der Knall des Schusses si« hätte verraten können, und Hasse riet nun, Schellin im Keller durch Hammerschläge auf den Kopf zn töten. Dieser Vorschlag fand den Beifall des Rösch. Als beide am 17. Mai 1317 sich im Keller des Hauses Mittenwalder Str. 7 befanden, wo Rösch seinen Kcminchenstall reinigen wollte, bespnacheu ste die Ausführung des Mordes im einzelnen. Rösch hatte bereits zwei Hammer in den Keller gebvacht, serner Watt«, um«waige Llutspuren zu beseitigen, ebenso hatte er eine Schippe bereit- gestellt, um die Leiche des Schellin an einer schon vorher cuSge» züchten Stelle im Keller zu verscharren. Zu seinem Unglück er. schien sann Schellin im Keller, um sich mit Rösch, mit dem er sich für den Nachmittag verabredet hatte, zu besprechen. Hierbei fragte Rösch den Schellin, ob er noch die Absicht habe, ihn zn verraten, was Schellin bejahte und dann den Keller verließ. Rösch erklärte jetzt dem Hasse, er sei fest entschlossen, den Schellin zu töten. Auf sein Geheitz rief Hasse diesen noch einmal zurück und wartete selbst auf dem Flur, bis die Mordtat verübt fein würde. Als Schellin wieder im Keller erschien, schlug ihn Rösch mit dem Haimner mehrmals so wuchtig auf den Kopf, daß die Schädeldecke zertrümmert wurde und der Tod eintrat. Nach vollbrachter Tat rief Rösch den Hasse herbei, dieser war jedoch von Grausen gepackt und eilte nach Hause. Rösch schaufelte dann im Keller e ne Grube aus, und verscharrte den Leichnam des Getöteten. Das Ver. schwinden des letzteren blieb mehrere Tage unausge klärt, man gelangte erst auf die Spur des Röfch. als unter dessen Mitschülern das Gerücht sich verbreitete, daß ein Friseur in der Mittenwalder Siratze den Schellin erschossen laben soll«. Dort besitzt nur der Stiefvater Röschs ein Barbiengeschäft, und do dieser im Felde steht, kam lediglich der funge Rösch in Frage, und sie nach dieser Rich- tung hin angestellten weiteren(Jrmihclmv.en haben dann den Tatbestand aufgeklärt.— De Verhandlung leitet Landgerichts, at Langer als Vorsitzender, die Anklage vertritt Amtsrichter Dr. Hank«, die Verteidigung führen die Rechtsanwälte Bah» rnd Heine. Unter den Zeuge» befindet sich Kriminalkommissar Dr. Kopp, der die ersten Vernehmungen der Angeklagten vor- genommen hat. Als medizinische Sachverständige sind Geh. Medi- zinalrat Dr. Stratzmann, Medizaialrat Dr. Störmer, Dr. S e e l e r t von der psychiatrischen Klinik der Charitö und von der Verteidigung Nervenarzt Dr. B u r ch a r d geladen. Rösch war Schissler der 220. Gemeindeschule in der Barnther Straße, hat dann bei seinem jetzt im Felde stehenden Stiefvater als Friseur gelernt und mit seiner Mutter das Geschäft de? Stief« vaters weiter geführt. Er behauptet, daß der kleine Hasse schon mancherlei Dummheiten gemacht habe. So habe er zum Spatz mehrere Mal« Patronen in Stnatzenbahnschienen gelegt, manchmal habe er sich Flitzbogen aus Regenschirmstangen gemacht und Kinder in die Waden geschossen, oft habe er auch beim Indianer- spiel Mitspielende gefesselt und manchmal.um sie zu skalpieren" stark gemartert. Den Diebstahl an den Rovolvern gibt der Angeklagte Rösch ohne weiteres zu. Der Gedanke, den Schellin zu töten, fei von Hasse ausgegangen, er habe ihm auch speziell geraten, sich in eine Kellerecke zu stellen und wenn Schellin käme, um sich die Kaninchen anzusehen, ihn mit einem Hammer totzuschlagen. Am Himmelfahrtstage habe er sich out Ernst Schellin für den Nachmittag verabredet gehabt, noch dem„Cafe Dalles" zu gehen und dort Brotmarken zu kaufen. Vor- mittags sei dann Schellin im Keller erschienen, habe kurz zuge- sehen, wie der Kaninchenstall gereinigt wurde, und sich dam, wieder entfernt. Da habe Hasse, auf den Rösch die Hauptschuld zu schieben trachtet, gesagt, er woll« de» Schellin zurückrufen, und dann sei letzterer nochmals im Stalle erschienen, ohne sich lange aufzuhalten. Als er weg war, habe Hasse ihm Vorwürfe gemacht, daß er doch nicht mit dem Hanimer geschlagen habe, und ihm gesagt, er würde Schellin noch einmal zurückrufen und tvenn er dann den Schlag mit dem Hammer nicht ausführen würde, würde er ihn wegen des Diebstahls anzeigen. Als dann Schellin nochmals in den Keller kam, habe er dann wirklich mit dem Hammer auf den Schädel des Schellin losgeschlagen; dieser habe entfliehen wollen und da habe er noch einen Schlag gegen ihn geführt, der ihn zu Boden streckte. Da er blutete, habe er die Wunde mit der mitgenommenen Watte be- deckt. Dann sei Hasse in den Keller zurückgekehrt und habe unt- geholfen, den Schellin einzubuddeln. Zu diesem Zweck hätten sie einige Steine herausgenommen � eine Gruft gegraben und de« Leichnam hineingezwängt. Die Steine seien dann wieder an Ort und Stelle eingefügt worden. Als sie den Keller verließen, hätten sie gesehen, daß Schellins Rad draußen stand, und da sei beiden der Gedanke gekommen, das Rad zu nehmen, zu verkaufen und das Geld zu teilen. Rösch zog es aber vor, mit dem Rad am nächsten Tage nach dem Tempelhofer Felde zu fahren und es dort stehen zu lassen. Nach der Tat sei er in den BacAerladen zurückgegangen, habe Kaffee getrunken, aber er sei doch von großer Reue gepackt worden, habe dann die ganze Nacht geweint und auf Befragen seiner Mutter er- klärt, daß er Zahnschmerzen habe. Der Angeklagte Ha s s e macht seine Aussage in«nem knabenhaften Ton und so sorglos, als ob er eine schön« Geschichte erzähle. Auf Befragen de? Vorsitzenden bekundet er, daß er Schüler der ersten Klasse der 217. Gemeinde- schule gewesen sei und viele Schmöker gelesen habe, namentlich auch Jndianergeschichten und Räubrrzeschichten. In sehr wcchlgiesetzter Rede erzählt er, wie er m,it den Junyen auf der Straß«„Trapper und Indianer" gespielt habe, wie er kletne "jiurgen gefangen gena-mrnen" und sie an-einem Laternenpfahl ge- bürden hebe er bestritt aber, daß a selbst gemartert habe, vielmehr habe er die Rolle des BeiehlShovers gespielt und manchmal vor einem Zuviel die Jungen behütet. Ohne Besinnen gibt Hasse zu, daß, als Rösch ihm gesagt, Schellin wolle ihm anzeigen, er ihm den Ra>t gegeben habe, den Schellin gu töten...Ich wußte keinen andern Rat, als ihm zu sagen: lock« ihn in den Wald und schieße ihn tot, denn wenn er tot ist, kannst Du nicht mehr in» Gefängnis kommen. Da Rösch fürchtete, daß eS ,u sehr knallen würde, bin ich darauf ge- komanen. den Schelfen n den Keller zn locken und totzuschlagen." Vorsitzender: Wie bist Dl denn bloß auf einen so furchtbaren Gedanken gekommen?— Angeklagter: Ich habe eine Ge- schichte von einsamen Menschen gelesen, die ans eine Insel verschlagen worden waren und dort die Wilden einfach totgeschlagen haben. So war mir der Gedanke gekommen und ich rtet dem Rösch, sich in die Nische zn stellen und den Schellin totzuschlagen, wenn ich ihn in den Keller gelockt haben würde. Rösch erklärte sich auch damit einverstanden und wir berieten nocb, wie man die Leiche verbergen könne. Da er mir eine Pistole in Aussicht stell>', sagte.ch ihm an- fangS zu, ihm bei der Tat zu helfen unter der VoranSsetzuny, daß er den Leichnam verdeckt, denn ich kann keine Leiche sehen. Am HimmeÄsahrtstage traf ich Rösch, als er den Laden zmnachte, nick ick ftagte ihn, ob er heute Zeit habe, die Sache zu toachen und dann ist eS geschehen. Es ist aber nicht wahr, daß ich bei dem Tat- schlagen Mtpeholfien Hab«. Richtig st, daß ich Schellin mehrmals in den Keller gelockt habe, aber ich habe aus den Wunsch Schellins draußen auf dessen Rad aufgepaßt und habe nicht die Leiche mit eingebuddelt, denn mich hat ein Schauer ergriffen und ich habe nicht mityk Halfan.— Rösch: Schwindle doch nicht!— Hasse: Es ist docz wahr! Ich bin nach Haufe gegangen und habe bei meiner Mutter Kaffee getrunken.— Borsetzender: Hast Du Dr denn nun gar keine Gedanken gentackst darüber, was ihr ange- stellt habt, laß ihr einen Spielkamerad kalten Blutes getötet habt? — Hasse: Die Tante, die zu Hause war, hatte etwas erzählt und da Hab«-ich auf die Erzählung aufgepaßt und nicht mehr an die Tötung des Schellin gedacht. Ich habe dann aber des Nachts wicht mehr geschlafen und da ich die Sache doch nicht bei mir behalten konnte, habe ch den Mitschüler Ernst S tieft» erzählt, daß ich Schellin zusammen mit Rösch totgeschlagen habe.— Vorsitzender: Wie kamst Di dew oazu, zunächst zu er zähen, Di habest mit Rö'ch die Tat begatigtu?— Hasse: Ich wollte Rösch nicht so few in die Schuld hineinschieben.— Vorsitzender: Hast Du gar nicht daran gedacht, welche schweoe Sünde Dt begingst und daß Dch schwere Strafe trefien muß?— Angeklagter: In meinen: j-ugendlichen Leichtsinn habe ich daran nicht gedacht. Smhbenstl ndtger Geh. MÄxiqrnalrat Dr. Straßmann und Medizinolvac Dr Störmer stimmen darin über ein, daß die Schlay». die dem Getöteten mit dem schweren Hammer versetzt wor- den snck. sehr wuchtig gewesen feien urd sehr schwere Schädelver- letzungen he dorgerufen haben. Rösch j.i wettzger strtelliyswr als nach seinem Alter zu erwarten sei. Geh Rat D. Straßmanr hat bei der Ungeheuerlichkeit des Falle? seine zeit den Antrag auf Be- obachruua des Geistesz-ustandes der Ange klarsten nach§ 81 des Straf» gesetzlbuches gestellt. Kr» rninalkommissar Dr. Kopp bekundet aus den Vornehmut- gen de? Angeklagten u. a.: Hasse gefiel sich zuerst außerordentlich in der Rolle des Teilhabers an dem Morde und brüstet« sich damit, .Schmiere" gestanden zu hckben. Hasse sei einer der seltsamsten Menschen, die ihm je vorgekommen sind. Ganz auffallend fei seine affektierte Sprechweise, feine wohl sKfi- fievte Redeweife und er babe den iEnlruck gemacht, daß er ein ganz verioü stetes Gehirn habe und in Schauer- romantiksich wohl fühle. Wenn mit ihm von der Pistole gesprochen wurde, hafte er alles andere vergessen, und wenn nach dem MoG-v der Tat bei ihm gef rscht würbe, kam immer nur die brennende Sehnsucht nach den: Besitz der Pistole herau? Rösch ha* anr Dr. Kopp den Enidruck eines ganz infantilen Bursc'- n gemacht, d. n bezug auf Intelligenz sich nickst im entfernte en mit Hasse messen kann. Der Plan zu der Tat ist dem Kopf..s Hasse entsv ungen und von Rösch ausgeführt. Haffe selbst war wie Wichs und ex hätte bezüglich der Täterichaft aus ihm alles mögliche herausholen können, nenn er gewollt hätte. So kam can alle Fragen nniner nur die Antwort:.Ich wollte die Pistole haben." Der Zeuge hat auch das Mitleid des Hasse anregen wollen. Als dieser ihm erzöblte, daß er ein Meerschweinchen gehabt und geweint habe, als es gestorben sei, hat der Zeuge ihn gefragt:.Was hak Dir denn mehr leid getan: das Meerschweinchen oder der Schellin?" Darauf erfolgte die Antwort: „Da? Meerschweinchen!" Stach der Darstellung des Hasse habe er zunächst-dem Rösch aller- dings versprochen gehabt, ihm beim Einbuddeln der Leich« zu helfen, v habe es aber doch nicht getan, weil er schließlich keinen Mut hatte, und sei weggerannt. Charakterisftsch sei eS auch, wie Hasse dann unter dem Siegel der Berfchwiegenheit von der Mord- tat feinem Mitschüler Mifteiwng gemacht hat. Der Lehrer des Hasse hat sich über ihn geradezu mit Wärme ausgesprochen. Die Mutter des Rösch, Frau Brase, geschiedene Brösch, be- kündet auf Befragen, daß sie sich von dem Vater des Jungen habe scheiden lassen, weil er der Trunffucht in hohem Maße verfallen war. Der Sohn sei aus der Schule und in seiner ganzen Entwick- ftrng sebr zurüchgeblieben, habe auch an Krämpfen gelitten. Er sei stets ein guter Junge gewesen, der abends nie aus- gegangen fei. sondern ihr bis in die Nackt bei ihrer Kriegsarbeit an der Nähmaschine geholfen habe. Er habe immer mit Vorliebe mit kleineren Jungen berkehrt und n 0 cb a l s 1 7 j ä b r i g e r Mensch mit Kinderspielzeug, z. B. einer Kinde reisen- bahn, einem Bären und dergleichen, sich be- schäftigt. Sachverständiger Dr. S e e I e r t derneint das Vorliegen des § 51 des Strafgesetzbuches. Rösch sei zweifellos in seiner intellcl» tuellen Entwicklung zurückgeblieben und ein psychopathisch vercrn- lagter Mensch, mau müsse auch daran denken, daß er die Straftat unter der Einwirkung des ihm intellektuell überlegenen Hasse und aus Angst vor einer Anzeige begangen, aber man könne nicht zu- geben, daß die Tat unter die Voraussetzungen des§ öl falle. Sachverständiger Dr. B n r ch a r d war nicht derselben Meinung, sondern hatte Zweifel cm der Zurechnungsfähigkeit der Angeklagten zur Zeit der Tat. Staatsanwalt D, Hanke: Tiefe Tat ist geradezu sin Schul- beispiel für einen wohlüberlegten und planvoll ausgeführten Mord. Er ist gut vorbereitet und kalten Mutes verübt worden. Haffe ist die Seele der Untat und der böse Geist des Rösch gewesen. Es ist gar kein Zweifel, daß beide Angeklagte zurechnungsfähig sind. Das Gesetz gestattet leider nicht, daß solche Menschen dauernd für die Menschheit unschädlich gemacht werden können. Der Staatsanwalt beantragt schließlich gegen Rösch wegen des Diebstahls 0 Monate. wegen des Mordes 14 Jahre 6 Monate und eine Gesamtstrafe von 14 Jahren und 9 Monate Gefängnis, gegen Hasse 14 Jahre Gefängnis. Rechtsanwalt Heine, als Verteidiger de? Hasse, beantragt die Einziehung eines Obergutachtens des Medizinalkollegiums. Es handle sich doch hier um den ganz abnormen, ungeheuerlichen Fall, daß zwei junge Menschen, die von Charakter gut, aber irre- geleitet durch Lektüre und pshchische Momente, einer Kinderei wegen � eine so furchtbare Tat vollbringen konnten. Hasse, der kaum über das strafmündige Alter hinausgekommen, sei von einem krankhaften Sehnen nach dem Besitz eines Revolvers erfüllt, er lebte und webte in indianerhaften Vorstellungen und man muß doch zu der Meinung kommen, daß er geistig nicht normal ist, Auf alle Fälle würde er eine weit geringere Strafe verdienen, als der Staatsanwalt beantragte.— Rechtsanwalt Bahn schloß sich dem Antrage au? Einholung eines Obergutachtens an und hält dies nach längeren Ausführungen über den rückständigen Entwicklungs- gang und die Pfpchc- des Rösch für durchaus geboten. In recht- licher Beziehung ist er der Meinung, daß es sich um eine Tat des Effekts handle, mithin Totschlag vorläge und den Tugeklagtcu mildernde Umstände zuzubilligen seien. Der Gerichtshof erwog, daß es sich einerseits um eine Tat von so beispiellofer Roheit bandelt, daß es im Interesse der Menichheit nur-u wünschen gewesen wäre, daß die Sachverständigen zur An- wendborkstt des§ 51 gekom-men wären. Der GenichtShof ist aber mit dem Sach-verst än-digsn Dr. Sovlert der Anficht, daß§ 51 nicht anwendbar ist, und hat deshalb den Antrag auf Einholung eines Obergurachtens abgelehnt. Andererseits ist erwogen, daß die An. geklagten geistig etwas minderwertig find. Das Urteil lautet gegen Rösch auf 10 Jabre 3 Monate Gefängnis, gegen Hasse aus 6 Jahre Gefängnis. Sechs Monate Unter. suchungshaft wurden angerechnet: GroMerlw Verhinöeete VahlrechtsversammluNgen. Die für gestern abend nach dem GeweclstqaftshanS»«d dr» Gernaniasälen einberufene» W ah lrechtsvcrsam«l»»geu der sozialdemokratischen Partei konnten iufvlge von Schwierigkeiten, die im Kriegszustand ihre Ursache haben, nicht abgehalten werde». Leider waren wir nicht in der Lage, unsere Lese? davon recht- zeitig verständigen zu können, da sich die Unmöglichkeit, die Ler- samwlungen stattfinden zu lassen, erst im Lause de? gestrige» TageS herausstellte. ES besteht jedoch Aussicht, daß die Bersomv-lm-ge» z» einem späteren Termin instante kommen, und dann wird fich die alte Erfahrung bestätigen, da'z in solchen Fällen Berjammlungea daS zwcUe- »ml noch viel stärker besucht find als das erstemal. Frische?uft für die Jn.iend. Mitglieder des Magistrats und der Stadtvei ordnetenversairun- lung, des Jugenda ntes und der Parkverwaltung w trrv arn Montag abend einer Einlatung des städtischen Medizinalantes gefolgt, um einen Vortrag des Slabsarztes Dr. Hamburger über Grünflächen in Groß-Berlin, Spielplätze und damit zusammenhängende zeit» gemäße Probleme zu hören. Der Vortragende trat für die Ver- mehrung der öffentlichen Spielplätze, für die Aufstellung von sogen. Sandkästen auf Plätzen und in Straßen, für die Errichtung von Dachgärten, für die Freigabe von Promenaden, Vorgärten usw. für die Jugend zum Spielen ctn. In der lebhaften Erörlernng wurde für die Dachgärten inS Feld geführt, daß dort die Jugend gesichert vor den Gefahren des städtischen Verkehrs in frischer Lust ohne Aufsicht spielen, turnen und arbeiten iöune. Die Mütter hätten eine begueme Gelegenheit zur Erholung. Wie der Vortragende erwähnte, sollen namhafte Architekten bekundet haben, daß die An- läge von Dackgürteu sich keineswegs teurer stellen würde als die Herstellung der jetzt beliebten äußerst jeuergsfährlichen Dachstühle. Errichtung einer Kleinwohnun�sfiedlnng bei Spandau. Zufolge einer Anregung von staatlicher Seite aus ist die Gründung einer Baugenoffenschaft im Gange, die beabsichtigt, im Spandauer StaMwald an der landschaftlich schönsten Stelle eine umsangreiche Wohnbausanlage zu errichten. Dem Vernehmen nach ist in dem Vorstand der Ballgesellschaft sowohl die Militärverwaltung wie auch die Stadt Spandau vertreten. Das Baugeld will die LandesverficherungSanstalt der Provinz Brandenburg hergeben. Das Wohnrecht in der geplanten Ansiedlung oder das Recht auf Erwerb eines WohnbauseS soll nur Personen zustehen, die einen versicherungS- Pflichtigen Beruf ausüben, also im Besitz einer Jnoaliditätskarte sind. Die Weiterveräußerung eineS erworbenen Wohnhauses an dritte Personen ist nicht zulässig, der Eigenlümer darf es immer nur Wied« an die Gesellschaft verkaufen. Weiterer AnsSa» des Berliner Hilfsschulweseus. Die schwer schwachsinnigen Kinder werden in Berlin künftig auS den Hilfsschulen für Schwrcbbesähigte auSge- 'ondert und besonderen Sammelklassen überwiesen. Diese Schwächstbesähigten kommen selbst in den Hilfsstznlen nichr mit und wirken da nur als Hemmnis für die anderen, die noch leidlich bildungsfähig sind. Sie wären in einer Jdiotenanstalt am besten aufgeboben, doch hiergegen wehren sich meist die Eltern wegen der möglicven Heranziehung zu Kostenbeiträgen und auch au» irregeleiteter Elternliebe. In den letzten fünf Jahren mußten aus den Hilssschulen Berlins 92 Kinder wegen schweren Schwachsinns noch vor Bollendung der Schulpflicht entlassen werden, aber nur 44 davon gingen in Anstalten über oder erhielten Privatunterricht. Die übrigen 48 blieben im Elternhaus, wo es ihnen in der Regel an einer zweckmäßig bildenden Beeinflussung gekehlt haben dürfte. Diesen Zuständen soll ein Ende gemacht werden durch die einstweilen � als Versuch gedachte � Einrichtung von Sammelklassen für Schwächstbcfähigte. Gewöhnlich wird nach zweijährigem ergebnislosen Besuch der Hilfsschulunterstuje die Zuweisung an eine Sammelklafle erfolgen, doch nur auf Grund der Gutachten von Lehrccc und Aerzten. Erst nach ergebnislosem Besuch auch der Sammelklasse soll vorzeitige Entlassung aus der Schulpflicht bewilligt und auf Ueberweisung an eine Jdiotenanstalt hingewirkt werden. Im voiigen Jahre saßen in den 50 Hilfsschulen Berlins 80 Kinder, die über die Hilfsschul- Unterstufe nicht hinauszukommen vermochten. Hiernach hofft die Schulverwaltung, daß für ganz Berlin 6—8 Sammelklassen ouS. reichen werden. Auch� die schon vor Vollendung der Schulpflicht entlassenen Schwächstbesähigten, die im Elternhaus weilen, können bis zum 14. Lebensjahr noch in eine Sammelklafle aufgenommen werden, wenn die Tliern das wünschen. Die Sammelklaffen werden die Entwicklung und Ausbildung der lörperlicken Gesckncklichkeit als das Hauptziel ihreS erziehenden Unlerrichls ansehen und daher noch mehr als die Hilfsschulen den Handarbeitsunierricht und das Turnen und die Spiele pflegen. Schon seit dem vorigen Sommer wurde mit drei Sammclklassen ein Versuch gemacht,- der nach Ansicht der Schuloertvaltung sich bewährt hat. Weitere drei Sammelllassen sind mit Beginn dieses Sommerhalbjahrs eingerichtet worden. Berliner Lebensmittel. Da? Nachrichtenamt schreibt: Ein Teil der Kleinhändler ist bei d-w gegenwärtig schwebenden Marineladeiiverleilung durch Grofl- Händler bereits vor dem von uns vorgesehenen Termin in den Bc- sitz der auf Abschiiut 19 und 20 der ttebensmittellarte entfallenden Marmelade gelangt. Da das gegenwärtig verwendete Verpackungs- Material für eine längere Ausbewahrung der Marmelade nicht ge« eignet ist, gestallet der Viagistrat den Kleinhandelsgeschäften den Berkauf der Marmelade an den Verbraucher bereits vom 2s. d. M. ab. Vom Donnerstag, den 20., bis Sonntag, den 23. April, Wird in den in der Gegend der Grassestrahe und des Kottbuier Tores gelegenen Bezirken der 29. und 33. Broikommission pro Kopf 12S Gram ni Pommer scher Weichläse verteilt. Zur Milchversorgmig. Bis auf weiteres werden auf die roten ,.A'»Karten 1 Liter, auf die grünen ,An"-Karten 1 Liter, auf die blauen„B'-Karten V, Liter und auf die braunen»O'-Karten � Liter Vollmilch ausgegeben. Auf Krankenkarlen und Sonderkarten ist die aufgedruckte Menge voll zu verabfolgen. Tie Preise in den Theaterrestaurants. Die Preisprüfungsstelle gibt bekannt, daß nach eingehender Prüfung aller in Betracht kommenden Fragen den Theaterrestaurants eine Ausnahme in bezug auf die Preise nicht eingeräumt werden kann, da sie bei der sich auf nur kurze Zeit erstreckenden Geschäfts- zei» als Nebenbetriebe angesehen werden müssen, aus denen ein zur balligen Deckung der Lebenshaltung deS Inhabers ausreichender Verdienst rucht beanspruch: werden kann. Die städtische Baupolizeiverwaltung hat gestern ihre Geschäfte in dem Dienstgebäude Nohstraste 21/25 ausgenommen. Sie hat die Fensprechanschlüsie Amt Zentrum 5310, 5311, 5820, 5321, 5381, 5385. Eine n-ue städtische Kiaderlesehall« wird am Areitag, de« 88., nachmittags 3 Uhr, im Gemeindeschulhause LLamtrahe 18 eröffnet werden und fortan an jedem Wochenlage von 3—8 Uhr nachmittags sÄulpflichrigsn Kindern vom 6. bis zum 11. Lebensjahre unentgelt- lich zugängig sein. „Nehmt Nücksicht auf die Kriegsbeschädigte»!" lautet die beherzigenswerte Inschrift eines Plakats, das neuerdings in den Wagen der Großen Berliner Straßenbahn angebracht ist. Klaviere und Arzneimittel— Gegenstände deS tägliche» Bedarfs. Die volkswirtschaftliche Abteilung des KriegsernäbrungSamtS hat die örtlichen Preisprüfungsstellen darauf hingewiesen, daß unge- rechtfertigte Preissteigerungen für gebrauchte Klaviere unzulässig sind, da Klaviere zu den Gegenständen deS täglichen Bedarfs ge- kören, und auf sie die Preissteigerungsverordnung anzuwenden ist. Dasselbe trifft für Arzeneien zu, soweit diese nicht als reine Luxus- gegenstände anzusehen sind oder zu den Waren gehören, für die durch die deutsche Arzneitaxe Preise festgesetzt find. Kaffcegrund und Alteisen sind»icht mehr z» ftmmel». DaS bisher Gesammelte wird aber noch abgenommen und vergütet, sofern es umgehend abgeliefert wird. Liebesgaben für heimkehrende Gefangene. DaS Kriegsministerium und der Militärinspekteur der freiwilligen Krankenpflege haben mit Unterstützung des Roten Kreuzes und des Vaterländischen Frauen- Vereins, sowie mit Hilfe freiwilliger Spenden dafür Sorge getragen, daß die zurückkehrenden Kriegs- und Zivilgesangenen an den Ueber- nahm ationen mit Liebesgaben bedacht werdend In den Ouaran- länelagern ist die Versorgung der ehemaligen Gefangene» in der Weise geregelt, daß ihnen Gutscheine ausgehändigt werden, die fie in den Stand setzen, nach eigener Wahl an Liebesgaben zu ent- nehmen, was sie gerade am notwendigsten gebrauchen. Unbekannte Tote. DaS Polizeipräsidium teilt mit: Am 16. wurde die Leiche einer Frau an der Weidendammer Brücke auS der Spree gelandet. Die Frau, welche anscheinend dem Arbeiterstande an- gehörte, ist etwa 17 bis 25 Jahre alt, 1,83 Zentimeter groß, hat bbondes Haar, geneigte Stirn, etwas aufgeworfene Lippen und voll- ständige Zähne. Bekleidet war sie mir graubraungestreifter und punktierter Bluse, schwarzem Oberrock, schwarzer mit roten Rosen geblümter und mit schwarzem Band besetzter Schürze, hellbraun gestreiftem Unterrock, Korsett mit bellgelben Streifen und schwarzen Schnürschuhen. Sie trug einen Alluminiumring, an welchem sich anstatt des Steines eine blühende Rose befindet. Personen, welche über die Persönlichkeit der Toten Auskunft geben können, werden gebeten, der Kriminalpolizei Berlin XU. ßrim.-Bezirk zu den Akten 1325 IV. 55. 18 Nachricht geben zu wollen, auch nimmt jedes Polizei- revier sachdienliche Angaben entgegen. Schöneberg. Die Stadtverordaetenversaunulung beschäftigte sich am Montag mit der von allen Fraktionen gemeinsam gestellten An- frage an den Magistrat: .Ist es zutreffend, daß ein Friedenauer Bürger im Schöne- berger Krankenhause keine Aufnahme gefunden hat, wodurch vsr- muilich der Tod herbeigeführt worden iit. Wir bitten um Auskunft, ob alle Maßnahmen getroffen worden find, um die Wiederholung derartiger Fälle zu vermeiden." Stadtrat Dr. Rubenow erklärt« hierzu, daß der Magistrat den Vorgang tief bedauert. Es treffe jedoch weder den Arzt noch die Verwaltung die geringste Schuld. Woran der Patient gestorben sei, stehe bis heute noch nicht fest. Das Schöneberger Krankenhaus sei in erster Linie für Schöneberger Bürger errichtet und von den vielen auswärtigen Kranken mußten leider mehrere abgewiesen werden, da sonst die Aufnahme hiesiger Patienten wegen Ueber- füllung nicht vollzogen werden konnte. Um diese Gefabr zu der- hüten, hat der Arzt zu entscheiden, ob bei dem Erkrankten Lebensgefahr vorliegt und die Ausnahm« erforderlich ist. In dem Fall des Fondsmaklers Garfolke aus Friedenau mußte Abweisung er- folgen, da der Patient wohl krank, aber nicht in Lebensgefahr war Der untersuchende Arzt ist bereits seit zweinhalb Jahren Assistent des Direkiors der chirurgischen Abteilung Profeffor Kausch und hat sich als sehr tüchtig erwiesen. Der sechzig Jahre alte Kranke ist sehr eingehend untersucht worden. Der PulS sei 66 und regelmäßig, die rechte Mandel etwas ge- schwollen gewesen, so daß wohl ärztliche Behandlung erforderlich, aber eine augenblickliche Operation nicht notwendig war. Die An- gehörigen haben den Fall stark aufgetragen, was man verstehen könne. Genoffe Dr. C h a j e s betonte, daß die Frage so zu stellen sei: Hat die Verwaltung ihre Pflicht erfüllt, oder sind Bestimmungen vorhanden, die hemmend wirken? Das erstere sei geschehen, und an letzterem trage Groß-Berlin mit_ seiner Kirchturmpolitik in der sonderbaren Grenzfestsetzung viel Schuld. Unter den Aerzten ist jetzt keine große Auswahl, und unter den Asfistettzärzlen noch weniger. Der untersuchende Arzt des Krankenhauses bat keine Schuld, ebensowenig die Verwaltung.' Für das Eintreten des Todes liegen so viel Möglichkeiten vor, daß es schwer falle, das Richtige zu treffen. Es ist dringend notwendig, daß die Gemeinden gemein- same Einrichtungen schaffen, um die erste Hilfe zu bewirken. Die Aufnahmebedingungen in den Krankenhäusern seien einheitlich zu gestalten, ebenso das Nettuugswcsen und der Krankentransport zu organisieren. Der Obeibürgttmeifkcr Dominikus brkIZrte sich Eereff, dem nachzukommen. Sodann wurde beschloffen, die K r Z e g s»te n e r un g s z u« lagen abzuändern. Vom 1. April ab soll geftahlt werden! an linderloS Verheiratete in den Klassen I 900 SDl, II 1080 M., III 1200 M., IV 1300 M. Verheiratete mit Kindern, erhalten außerdem: je 15 Proz. für das 1. und 2. Kind, se 20 Prt'z. für das 8. und 1. Kind, je 25 Proz. für das 5. und 6. Kind und je 25 Proz. für jedes weitere Kind. Ledige mit eigenem Haushalt erhalten in den Klaffen I 720. II 810, Ili 960, IV 1080 M. Ledige ohne eigenen Haushalt 501. 583, 672, 756 M. Die Zulagen für Kinder werden wie bei den Verheirateten berechnet. Die städtischen Arüetter erhalten für jeden Arbeitstag an Kriegslohnzulagen: Verheiratete 3 M. und für jede? Kind 50 Pft Ledige mit sigenem Haushalt 2.40 M. und für sedeS Kind 10 Pf. Ledige ohne eigenen Haushalt 1,80 M. und für jedes Kind 40 Pf., außerdem werden die Kinder» Unterstützungen weiter gewährt. Tie Reininacheftauen erkalten 70 Proz. ihres im Frieden bezogenen Lohnes. Im Falle des TodeS sind die Kriegsbeihilfen, TenerungZ- oc>er Lobmmkagen und Kriegs- teuerungSunierstützungen auch während des Gnadenvierteljahres zu gewähren. Die KriegshiliSkrätte erhalten monatlich 10 M. mehr. Die sozialdemokratische Fraktion hatte in allen Fällen, erheblich höhere Sätze beantragt, die vom Genoffen Mobs eingebend be- gründet wurden. Die liberalen Mehrheiten lehnten diese Sätze, die vom Magisftatsvertreter bekämpft worden warsm, ab, worauf die Magistratsvorlage angenommen wurde. Die Verschickung von Schulkindeirn aufs Land soll auch in diesem Jabrs wieder stattfinden. Die Änzahl der Stellen ist erheblich zurückgegangen, während die Anmeldungen erheblich gestiegen find. Die Versammlung stimmte d-en vorgelegten Be- dingnngen zu. Ebenfalls angenommen trrnrde der Vertrug mit der Großen Berliner Straßenbahn, wonach die Abgaben bezw. Entschädigungen an die Stadt bestehen bleiben und die Gewinnalfteile der Gemeinden an den Zweckoerband u. a. übergehen. Kreis Teltv». Der neue Kreistag. Nach dm Beschlüffen deS letzten Kreistages ist die Zahl der Abgeordueten von 61 auf 73 er- höht worden. Davon entfallen an? den Wahlverband der Städte 36 Abgeordnete. Von den restlichen 37 entfallen 19 auf den Wahl- verband der größeren Grundbesitzer und Großgewerbetreibenden und 18 auf den verband der ländlichen Gemeinden. Die 36 städtischen Abgeordneten verteilen fich wie folgt: Steglitz 7, Lichterftlde und Friedenau s« 1� Eöpenick, Rowawes und Treptow je 3, Tempelhof, Zchlendors und Mariendorf se 3. Britz, AdlerShof und Lankwitz je 1 und die letzten drei Abgeordnet« werden gemein- ftnn von Zoffen, Teltow. Trebbin, Mittenwalde, Teupitz, Schmargendorf und Niederichönsweide gewählt. Reinickendorf.«»» de» Geweindevertretnirz. Die im März vollzogenen Gemeindeverrmerwahlen wurden t on der Gemeindevertretung in ihrer letzten Sitzung für gültig erklärt imd die neugewählten Mitglieder eingeführt. Dem Verband der große- ren Landgemeinden wurde ein einmaliger Kriegsbeitrag von 135 M., d. h. 3 M. auf je 1000 Einwohner bewilligt. Den Lehrern an der P f li ch t f o rtb i l d u n g S s ch n I e wurde die Entschädigung von 2 M. pro Stund« zunächst auf 2,50 M. erhöht. Zu einer eingehenden Aussprache führte da? Begehren der .Großen Berliner Strarenbahn* auf Berzichtleistung von Sonder- rechten, die der Gemeinde aus dem mit ihr geschlossenen Straßen- bahn-Vertrage zustehen, insbesondere auf den bis zum Jahre 1987 vertraglich vereinbarten 10-Psennig-Tarif. Die bürgerliche Fraktion beantragte, den Verzicht nur auszusprechen, wenn sich die Straßenbahn bereit erkläre, die vor dem Kriege vereinbarte .O st- West*- Straßenbahnverbiridung späresteus ein Jahr nach dem Kriege zu den seinerzeit offerierten Bedingungen <150 000 M. Gemeindezuschuß) herzustellen. Diese Linie ist nach den Verhandlungen mit der Straßenbah« unter diejenige!! rubriziert worden, über die.zurzeit" verhandelt wird und deren Verhandlungen.nach Möglichkeit" aus der bisherigen Grundlage weitergeführt werden sollen. Ein Teil unserer Genoffen erklärte, unter Betonung des »Groß-Berliner" Gedankens, und Hinweis auf die Berzichtleistung anderer Gemeinden, insbesondere Berlins, die Vereinbarung für eine genügende Abgeltung des Reservatrechts der Gemeinde Reinicken- darf. Der Antrag der bürgerlichen Fraktion fand die Mehrheit der Mitglieder der Gemeindevertretung. — Lebensmittel. Vom 1. Mai ah gelangen an Stelle der sogenannten Haferflockenscheine Nährmittel karten für Kinder zur Ausgabe. Diese Karten haben für jeden Monat einen Abschnitt und neben diesem MonalSabschnitt, welcher nur zum Bezng der vom Lebens- mittelverband festgesetzten Kinder-Nährmittel dient, einen dazu ge- hörigen Sonderabschnitt mit Nummeraufdruck. Die Nummer- abschnitte dienen zur Empfangnahme von Sonderzuweisungen (z. B. Zwieback usw.). ES gibt Kotten(A) für Kinder innerhalb des ersten und zweiten Lebensjahres. Auf diese Kattcn gewährt der Lehensmittelverband zurzeit monatlich 500 Gramm Nährmittel. Ferner sind Karten lB) für Kinder innerhalb des dtttten und vierten Lebensjahres hergestellt Hierauf ist zurzeit eine regelmäßig« Nähr- mittelzuteilung nicht bewilligt worden. Es wird sich also mir um Sonderzuweisungen handeln und find dann Monats« und Nummer« abschnitt zugleich abzutrennen. Dann gibt es»ach Karten(C) für Kinder innerhalb des siebenten Lebensjahres. Hierauf entfallen ebenfalls keine regelmäßigen Belieserungen, jedoch sollen, soweit die Möglichkeit es irgendwie zuläßt, Sonderzuweisungen gemocht werden. Bei Belieferungen sind dann ebenfalls beide Abschnitte abzutrennen. Sämtliche Karten werden nur auf Verlangen und gegen GcbuttS- ausweiS durch die Brotkommisstonen ausgefertigt. Karten ohne Stempel der Brotkommission und ohne Name des betreffenden Kindes sind ungültig. Die Belieferung der Karten erfolgt nur durch die amtlichen Verkaussstelle»._ Treptow. Eine Stiefel-Lesohlanstakt läßt die Gemeinde- Verwaltung in Treplow-Nvrd, Graetzstr. 20, Ecke der Bouchostraße, einrichten. Es wird dort Schuhwerk aller Art zu bestimmten Pmsen wieder instand gesetzt. Zur Verarbeitung gelangen Gummi- sohlen und aus Kernlederslücken zusammengesetzt« Ersatzsohlen. Die Preise für Reparaturen werden jedesmal dem Besteller bei Ab- lieferung deS Schuhwerts mitgeteilt. Eine gleiche Einrichtung ist auch für den OrlSteii Trepiow-Süd geplant. Nowawes. LeienSmittcl. ES werden ausgegeben bei den Klein- Händlern: 500 Gramm Kunsthonig<75 Pf.) auf Abschnitt 40 der allgemeinen Lebensmittelkarte, 125 Gramm Nudeln<21 Pf.) auf Abschnitt 11. Die Karteninhaber müssen noch heute die Ab- schnitte beim Kleinhändler abgeben. Die Waren sind vom Sonn- abend, den 27., bis Montag, den 29. d. M. in Empfang zu nehmen. — Auf Abschnitt 37 der Zuckerkarte und auf Abschnitt 17 der Zucker- zusatzkatte findet die Ausgabe von Zucker statt. Die Karlen- inbaver haben bis Freitag, den 26. d. M., diese Abschnitte bei dem Kleinhändler abzugeben, in dessen Kundenverzeichnis sie eingetragen find. Der Zucker kann vom 29. ab in Empfang genommen werden. Heute findet in den Verkaufsstellen der Gemeinde auf folgende Nummern des Ausweises der Verkauf von Heringen statt: Winkel Nr. 3135—1631. Frommert 1201—2589 und 1001—1111. Müller 1001—1395 und 2001—3105, Ziegen« 1201—2689 und 3001—3011, Rudow 1201—1898 und 3001—3802.— Bon heute ab findet der weitere Berkauf von Saatkartoffeln statt. Der Verlaus«tolgt in der Goethestr. 11 in der Zeit vdn 8—12 und 3—6 Uhr. Bezugs- scheine find im Rathaus, Zimmer 11, in Empfang zu nehmen. WetteraiiSückte« für das mittlere Storddeuttchlond bis Donnerstag mittag. Mäßig warm; im östlichen Küstengebiet trocken und vielfach heiter, in den anderen Gegenden überwiegend bewölkt mit leichten, mir im Südosten etwas stärkeren Regensällen. Grsß-Serllner PüNtelnachrlchSsn. Berlin IV. Morgen von nachmittags 5 Uhr ab treffen sich die Mitglieder bei Franz«chuckert, Nüdcrödorfer Str. 8, zur Flugblatt- Verbreitung. Am Freitag und Sonnabend, abend? do« 5 Uhr ab, Wahlarbeit im gleichen Lokal. Sonntag, 2 6. April, morgens 3 Uhr, dortselbst Treffpunkt zur Wahlhilse. Wir erwarten von de» Genossen die Erfüllung ihr« Patteipflicht. Das Wahlkaniitee. Lichtenberg. Die bevorstehende Stadtverordneten-Ersatzwahl im 2. Bezirk der 2. Abteilung findet am 29. April im Lokal von Leimert, Jnngsir. 32. statt. Kandidat der sozialdetnokratischen Partei ist der Genoffe Franz Scheffel, Gewerkschastsbeamter. Die Parteigenoffen, die es irgendwie ermöglichen können, am Wahltage, insbesondere in der Zeit von 1—6 Uhr Hiffe zu leisten, werden dringend er- sucht, fich im Lokal vou Heinrich Slöber, Jungstr. 29, einzufinden Serichtszeitung. Eine Kluge aus Anlasz deS RüstungSarbeiterstrelks. Im Dezember vorigen Jahres mußte die Vuchdruckerei von Büttner wegen Kohlenmangets zwei Wochen feiern. Die Arbeiter erhielten zwar den Lohn für die beiden Wochen, vsr- pflichteten sich aber aut Verlangen des Arbeitgebers, diese Zeit durch unbezahlte Usberstunden nachzuholen. Bis Ende Januar waren diese Ueberstunden soweit abgeleistet, daß noch ein Rest von 21 Stunden blieb. Dann brach der Streik in der Rüstungsindustrie aus, dem sich auch die in der Bütluerschen Druckerei beschäftigten Buchbinder anschlössen. Sie wurde» bald nach ihrer Arbeitsniederlegung entlassen und dadurch verhindert, die restlichen 21 Neberstunden abzuleisten, die fit nach Wiederaufnahme der Arbeit selbstvsrftanol'ch geleistet haben würden. Von dem Lohn, den sie beim Eintritt in den Streik zu fordern hatten, wurden den Buchbindern 21 Stunden abgezogen. Das heißt also: Der Arbeitgeber wollte die Teilnahme am Streik dadurch bestrafen, daß er den Arbeitern einen Teil deS Lohnes, den sie für die unfreiwillige Feierzeit im Dezember erhalten hatten, nachträg- lich wieder abzog. DaS Tarift'chiedsgericht, welches die Buchbinder anriefen, erklärte das Verfahren Bültners für unberechtigt und der- urteilte ihn. die abgezogenen 21 Stunden zu bezahlen. Nun versuchte Büttner, auf einem anderen Wege sei» Fie! p» erreichen. Er verklagte die Buchbinder beim Gewerbegettcht auf Schadenersatz in Höhe deS Lohnes für 21 Stunden. Den Schaden will er durch die Arbeilsniederlegung der Buchbinder erlitten haben. Aber auch beim Gewerbegcncht hatte Büttner kein Glück. In der Verhandlung vor der Kammer 3 wurde ibm klar gemacht, daß seine Forderung rechtlich nicht begründet ist. Der Klag« nahm deshalb die Klage zurück._' ?ugenAveranfta!tungen. NrSeitersngend Neukölln. Morgen, Donnerstag, abends 8 Mr. im Jdealkafiuo, Äcichselstt. 8, Vortrag über: Erziehungsstagen. Re« sereutin: Frau B o h m- S ch u ch. Srwfko.sten.Se? Redaktion. Max in: Osten. Beschwerde müßte nachdem beim zuständigen Re« gicrrmgspräsidenlcn eingereicht werden.— W. K. 500. 1. Die Kapitalabfindung richtet fich nach dem Aller; da fie das nicht angegeben haben; können wir Ihnen die Höbe nicht berechnen. 2. Wenn der Sohn vor Ein- Ziehung zum Militär die Mutter nachweislich unterstützt bat, kann fie An- trag aus Gewährung des KrirgSeitemgeldes bei der Gemeindeverwaltung einreichen.— 23; 379.' Gekdst'rase kann nicht verhängt werden, Sie können dageaeu Bcschioerde.führen, werden aber sicher mit Ärrest bestrast werden. — Gefreite? Wolff. Das' bleibt fich Loch schließlich gleich, die Sache lohnte doch'wirtlich mcht der Anfrage:'.— P. H. 27. 1. Dt- Todes- erilärung kann nach einem Jahre durch Antrag der Ehestau vollzogen werden. 2. Der zweite Ehemann. 8. Die Ehe wird auch aus Antrag des ersten Ehemannes tncht geschieden. 4. Ja, Gememdeeinkommeniteuer; Slaatseinkornmcnfteuer zahlen Sie mrr an einem Otte.— G. F. Kl 858. Selbstverständlich sind Sie dazu verpflichtet, dagegen gibt es keine Vc- schwcrde, das bestimmt die Heeresverwaltung.— Zl. Z. 38. Eine Klage wegen Beleidigung wird in dem Falle zwecklos sein.— E. B. 81. In. — Bomst. Die Aufwandsentschädigung müßte gezahlt werden. EZ könnte daher noch einmal beim Kriegstnuiisterinm um Erledigung der Beschwerde ersucht werden. Wegen der polnischen Arbeiter würden wir empfehlen, sich an das KriegSarbciisamt, Berlin, Friedrichstr. 100, zu wende». Ausländische Arbeiter dürfen ohne Geiiehmigimg dex Polizeibehörde den Ort nicht verlassen. Deshalb tritt die Bestrafung ein.— Pankow 17. Der Wirt kann von dem Miewachlaß zurücktreten, die Frau könnte fich aber an das Micteinigungsamt wenden.— A. H. 602. Sie haben für diese Zeil nur inimobile Löhnung zu verlangen. Die Adresse der Abdeckerrtzcllung ist uns nicht bekannt.— Bohnsdorf H. B. 1. Vom Tage der Aus- lassung. 2. 5 bis 6 Proz. 3. Kriegsanleihe muß vom Verkäuser nicht angenommen werden, sonst aber zum ZeichnmrgSpreise. i. Die Kosten trägt der Käuser. 5. Ja.— 77 F. 8, Darüber ist noch nichts Genaues bestimmt, die von Ihnen genannten Jährgänge werden aber nach Kriegs- beendigung nicht mehr altiv dienen brauchen.— H. C. Bei monatlicher Atzctezahlung ist Kündigung zum 15. zulässig. Ob Sie einen Teil der Gasrechnung zahlen müssen, können wir nicht entscheiden. Nach Ihrer Darstellung find Sie dazu nicht verpflichtet.— Lichtenberg. New. — Jennst. Sie haben leinen Anspruch auf Verstümmelungszulage— B. H. 100. Die Lraul hat keinerlei Anspruch aus Kriegsrente.— K. G. 9. Die eine Mark müssen Sie zahlen.— Olga R., ST. W. 31, Stellen Sie bei der Steueriajse Antrag aus Zurückzahlung der Steuer für die Zeit. Die Eltern könnten, da der Sohn sie nachweislich unterstützt hat, Antrag«ms Gewährung deS Kriegselterngeldes stellen. Für Berlin sind besondere Fürsorgeftcllcn eingerichtet, die zuständig« wnnen wir Ihnen nicht angeben, da Sie uns die Adresse nicht mitgeteilt haben.— 91, G. L. 113. 1. Der Antrag ist an die Gemeindeverwaltung in Niederschöne» weide zu stelle». 2. Die Finna ist verpflichtet, Ihnen eine Quittung dar- über auszustellen. 3. Ja.— F. S. Fingerkneifer bequem mit e>ner5)and richtig aufsetzen, wie kleidsam, wie unauffällig und dabei wie wohltuend für Ihre Augen ist das. Eine Persönlichkeit, die auf sich hcilh darf feine» anderen als den Ruhnke-Fingerkneifer tragen, nicht nur weil er modern ist, sondern well er Sie von allem Aerger befreit und Sie bei dem Genuß Ihrer Lektüre nicht stört und so Ihre Arbeit Ihnen erleichtern Hilst. Er ist ein guter Diener Ihrer Augen und wir garantieren Ihnen Zufriedenheit. Optiker Ruknke CSpMrfmarft. » ast tstu-eit. Oranlen-Slc. 44, ,«»h» 0r«»I«l,-!pla» MW/ Medrich-Str. lso. l-t W. est Dtttttttt-vk, W.'Ä.kiy,!* N. Ci»f'5p. med. i/saba beh. schnell, grünoll, miaL schmerzlos u. ohne Serus!ftSr. GeschlecbtekrankhelL, geheime Raul-, Harn-, Frauenleiden, Schwache. 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Sonntag- groößnet 12—2 Uhr. e: i: =. i: jßjät «oefdea 5i ti tiedi&ftftfv Ü TVlodelUzn auisye�ihrtii �llKgsttpcefsbcrcchflang ff i�FlaasAen; ; OrtUTliZn�tr. 1 63l JDgtp5l9jea5lr.�2:| MMGkc!MNMllM«M0NNl»NWNvMNMlM»M«f«UU»U,NtM!«Mt««NtiWI«Ä Ii FL1 in Ii ü1 •«1 Qhvis tiH.il f" JKobel-Gross �«mowte«: Gr. FnttlklllFler sinke 141■ im.Worden: IHYalidenStraße 6, Ackerewleem« W Ullbel.nf Teilzahlung and B&r bnbaBBt bllllsen Preisen bei kleinster An* n. Abzahlung. W || Einzel- Möbel jeder irt. Z D Bunte Küchen. � � l-D.S-Sluben-EinrielilUDgefl'Ä,: g m Sflobel Feuer■ Km beschädigt, zu enorm billigen Preisen, n Krloewanlcibo wird la Zahlung ®\ fVr Krleg»be«ch5dlgt» erhalten Rabatt. t Sonntags 12— 2 geöffnet. ■ BHHBHBHM MW! Herzbeklemmungen, Angst» und SchwöcheznstSnde. I Verlangen Sie ausführliche Gratis-Broschüre. vr. Gebhard>t Gie., Berlin IS», Roisdamer Str. 104a. Wel-Kolin im o.teai: Große FFankfurler Str. 58 u. forden: LadslFSke 4748 Htöbel-ml Kredit an j edermann. 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Nicht aus Vorein- genommenheit, sondern um-der Wahrheit willen, die leidet. Ilm so beschämter und voll Empörung kommen wir eben vom Friedhof der Stadt Nesle zurück. Wir haben ein Denkmal französischer schände gesehen— mit eigenen Augen. Hier gibt es keine Verdrehung, keine Schönfärberei— keine Polemik. Was die Frau- zosen in NeSle verübt haben, wird immer ihren Namen beschmutzen. Auf dem Friedhof dieser zwischen Saint Quentin und Moni- didier gelegenen Stadt waren Hunderte von deutschen Soldaten be- graben— im Lazarett verstorbene wie in der Umgegend gefallen? — in der langen Zeit von 1914 bis zu unserm Rückzug im vergan- genen Frühjahr. Die Gräber dieser Soldaten waren mit Holz- und Steinkrenzen geschmückt, die unter dem Eisernen Kreuz Namen, Ge- burts- und Todesdaten der Gefallenen, oft einen religiösen Spruch, niemals ein die französische Nationaleitelkeit irgendwie verletzendes Wort enthielten. Die deutschen Soldaten waren in zwei, drei Fried- Hofsabschnitten beieinander begraben. Von einigen Regimentern waren Magengräber angelegt, zu deren Häupten ein größerer Denk- stein stand. Dieser Friedhof mutzte im Frühjahr 1917 mit der Stadt und dem ganzen umliegenden Gc'biet den Franzosen übergeben werden— kampflos. Wir haben ihn jetzt im Gefolge der grotzen Schlacht wieder gewonnen— wieder ohne Kampf. Der Friedhof, den ich gestern besuchte, befand sich in folgendem Zustand. Um die deutschen Abschnitte hatten die Franzosen ein« Wand von schwarzer Teerpappe gezogen. UebermannShoch, so datz der Besucher von diesen Gräbern rnchrs sehen konnte als nur die schwarze Scheidewand. Unsere Toten waren also abgeschlossen worden von den übrigen Toten. Gleichsam als wären sie ein an- dercs Geschlecht, ein Geschlecht von Pestkranken, die noch im Tode zu meiden sind, waren sie den Blicken und der Berührung der gan- zen Welt entzogen. Man pflanzte keine Hecken von Lebensbäumen, um Griinm und Trotz auch über den Tod hinaus zu dokumentieren. Man zog eine schwarze Pappivand um sie— eine Wand des Hasses. der Verachtung, des Ekels— um diese unschuldigen Toten, die'das bvennende Schicksal verzehrt hatte wie tausend andere auf allen Seiten, in allen Völkern. Aber dies war nur der Anfang. Wir betraten die Grabstätten, die uns teuer sind. Datz die Gräber ver- wahrlost waren, wunderte uns nicht mehr. Aber von allen Steinen waren die Eisernen Kreuze abgemeitzelt. Die Namen von vielen waren mit dem Hammer berausgeschlagen. Die schwarzen Mar- morplatten zertrümmert. Die Kreuze abgehauen. Di« Kruzifixe entfernt. Die rührend einfachen Holzschikde der Aermsten ausge- rissen und auf den Hügel geworfen. Grabsteine umgehauen. Die Denkmäler über den Massengräbern in Schutthaufen verwandelt. So sah der deutsche Friedhof aus: schwarz eingepfercht wie ein Hen- tersplatz— und innerhalb der schwarzen Umrahmung ein teuflisches Theaier der Schändung an dem einzig Heiligen, was über allen Nationen steht— der Ruhe der Toten. Wer hat dies Verbrechen begangen? Nicht die Engländer, die erst kürzlich diesen Frontabschnitt übernahmen, sondern die Fran- zosen. Und nicht im Rausch des Augenblicks ist es begangen, mchr -.in Kampf auf Leben und Tod. Sondern Nesle lag ein Jahr lang weit hinter der Front. Die Einwohner lebten in der Stadt und be- stellen drautzen ihre Aecker. Die französischen Behörden schalteten uneingeschränkt im ganzen Departement. Ein Jahr lang hat diese Säicmde unter ihren Augen gelegen. Sie haben sie geduldet, ge- billigt, wenn nicht gefördert. Tausende von Fremden aus ganz Frankreich Izabcn während dieses Jahres das„befreite" Nesle be- sucht. Alle haben sie gesehen— diese Schande— sie wurde nicht ''«deckt, nicht wieder gut gemacht. Sie kann nicht das Werk eines Einzelnen sein. Die Schande von Nesle klebt an dem grnzen fran- zösischen Namen. . Die wcltgeschicktlichen Tage, in denen zwischen Paris und dem Meere um die Ruhe Europas dlutig gerungen wird, find zu grotz für Beschimpfungen von Volk zu Volk. Eins aber muß nun auch � hier gesagt werden. Die französische Nation hatte vor allen an- i dern den Ruf der Ritterlichkeit. Niemand in Deutschland hat an\ diesen Ruf mehr geglaubt als die deutsche Arbeiterschaft. Dieser Ruf ist im Laufe des Krieges durch Hunderte von Fällen nichts- würdiger Entehrung wehrloser Gefangener durchlöchert. Weder Serben noch Russen, Italiener und Engländer haben sich ausgeführt wie die bürgerlichen Männer und Frauen Frankreichs— weit hinter der Front. Mit dem erblichen Skeptizismus der Deutschen haben wir viele dieser Fälle achselzuckend bezweifelt. Der geschän- dete Friedhof von Nesle ist kein Achselzucken. Wir müssen um- lernen in bezug auf die Franzosen— gänzlich umlernen. Dr. Ad. Köster, Kriegsberichterstatter. Erinnerungen an �lexanöer Giraröi. Alexander Girardi gehörte zu den Schauspielern, die fich im Leben von allem Tbeaterbaften frciniholten wissen, nur bei sebr genauer Bekanntschail war es möglich, diesen großen Darsteller huck als Menschen ricktig zu beurteile», und daher beanipruckt in den Erinnerungen an sein Wirken auch die rein menickliche Seite ernsihanefte Beachtung. Girardi besaß eine so urwüchsige Kraft- natur, daß er im Leben alles, was am Schauspielerberuf haftet, abstieß und daher auch den genauesten Kenner seiner Bühnen- gestalten im Privatverkebr immer wieder überraschte. Der Bühne hatte ibn ursprünglich merkwürdigerweise sein Jugendberuf als Scklosserlehrling uäber gebracht. Er selbst erzählte einmal hierüber:„Ins Theater bin ich schon als Schlosserbursche sehr fleißig gegangen. Im Landes- theater habe ich mit meinem Meister am Schnürboden gearbeitet, und dort bin ich auch während der Vorstellung geblieben und habe, übers Geländer gebeugt, zugehört. Und einmal, wie der Lewinskl? als Richard HI. gastiert hat, bin ich bei irgend so einem langen Monolog eingeschlafen und hinuntergeflogen, gerade in den Monolog hinein. Na. da hat man mich natürlich binausgcworfen... Auf einmal babe ich selber mit dem Theaterspielen angefangen. Durch einen Freund bin ich darauf gekommen, der durch- aus zur Bühne gehen wollte und keine Ruhe gab, bis wir ein Haustheater gegründet haben. Er hat mir zu- geredet, datz ich auch mitspielen soll. Aber ich habe zu Hause nichts sagen dürfen, weil mein Stiefvater sehr dagegen war. Unter der Woche haben wir gelernt, und am Sonntag baben wir gespielt.... Das erstemal bin ich in einem Stück»Wem gehört die Frau?" aufgetreten, und von dem Moment war ich nicht mehr zu halten. Ich wäre schon gern zum wirklichen Theater gegangen, aber mein Stief- Vater bat davon absolut nichts wissen wollen, und auch meine Mutter war anfangs dagegen. Aber dann ist mein Stiekvater ge- starben, und meine Mutter ist ohne Mittel zurückgeblieben. Zu der nämlichen Zeit bat mich der Tbeaterdirektor Böhm aus Rohitsch- Sauerbrunnen in dem Verein spielen leben und hat mir sofort einen glänzenden Antrag gemacht. Dreißig Gulden monatlich und freie Fahrt III. Klasse.... Debütiert babe ich am 18. Juni 1869 als Tritsch- Tratsch in der Posse„Tratschmirl* von Nestroy. Es ist sehr gut gegangen, und es ivar ein sehr schöner Erfolg.... In Rohitsch- Sauerbrunnen habe ich auch die Liebhaberrollen spielen müssen, und da sind mir schreckliche Sachen passiert. Die Schminke war mir zu teuer, und so Hab ich mich mit angebrannten Streichhölzern an- gestrichen. Und wie ich dann so in die Leidenschaften hineinkomme und zu schwitzen anfange, Hab ich auf einmal wie ein Zebra aus- geschaut, ja, da ist nicht schlecht gelacht worden. Mein erstes Benefiz ist für mich eine schmerzliche Erinnerung. Ich Hab da- malS das Erträgnis der Vorstellung schon vorher dem Direktor um einen Kaiserschmarren verkauft. Und ihm hat die Vor- stellimg vierzig Gulden eingeiragen. Das war der teuerste Kaiserschmarren, den ick in meinem ganzen Leben gegessen habe. Es ist vielfach behauptet worden, Girardi sei der letzte»echte' Wiener gewesen, aber man könnte mit mehr Recht sagen, datz er in erster Linie Oesterreicher und erst dann Wiener war, da es ja gerade zum Besten seiner Kunst gehörte, daß er die Schwächen des typischen echten Wieners kritisch betrachtete. Daher hat er auch den Wiener äußerst scharf zu charakterisieren gewußt:»Der Wiener kommt mir vor wie ein Märckenprinz, bei dessen Geburt die mächtigsten Feen Pate gestcnrdcn baben. Sie haben ihn beschenkt mit Geist, Witz, Schöirheitsstnn, Lebenslust, Grazie und enormer Kunstliebs. Ganz zuletzt aber ist eine etwas boshafte alte Fee dahergekommen und hat dem Prinzen auch eine Gabe gebracht, sie hat ihm das Wörtchen.aber' in die Wiege gelegt. Durch dieses ichreckkiche Anhängsel, ohne das der Wiener keinen noch so enthusia- stilchen Satz fertig sprechen kann, und das immer nachhinkt wie ein Pferdefuß, verkleinert er alles, wofür er sonst schwärmen würde.' hundert �ahre Tiefseemeffung. Wohl die meisten aller Besucher unseres Museums für Meeres- künde durcheilen flüchligen Fußes den spärlichen Raum, der die In- strumenle für Tiefseeforschung birgt, um desto länger in den an- grenzenden Sälen zu verweilen, die ihrem staunenden Blick die Wunder des Weltmeeres weisen. Aber wohl mancher von ihnen wird seine Schritte zu jenen nüchternen Apparaten zurücklcnkcn, wenn er erfährt, datz die zweck« und sinngemäße Anwendung eben jener Apparate dem Ange des Menschen gestaltet, einen Blick in die Tiefen des Ozeans zu tun. In der Tal bildet die Tiefenmessung die Grundlage aller Meeresforschung. Den allen Griechen und Römern fehlte jedes Mittel die Tiefe des Meeres zu ergründen. Sie mutzien sich mit Schätzungen be- gnügen und nahmen an, datz die größten MeereSticfen den höchsten Erbebungen der Gebirge entsprächen. Im Miltelalier unternahm man dann Tiefenmessungen mit der sogenannien Lotleine, die in einer Scknur bestand, an deren unlerem Ende ein Gewicht befestigt war. Aber auch damit gelangte man nur bis zu einer Tiefe von einigen hundert Metern, denn um weiter in den Schoß des Well- meeres einzudringen, mutzte man das Gewicht soweit erhöhen, datz die Leine ritz. Im Jahre 1621 veriuchjp der berühmte portugiesische Erdumsegler Magelhacns im offenen Weltmeer Tiefseemessungen vorzunehmen, die aber, wie alle vorhergehenden, an der Unzulänglichkeit der Lotlcine icheiterten. Erst der englische Seefahrer John Rotz überwand im Jahre 1818 diese Schwierigkeit so weit, datz für die Tiefenmessung eine sichere Grundlage gegeben war und wir daher in unseren Tagen den hundertsten Geburtstag nicht nur der Tiefseemessung, sondern der Ozeanographie überhaupt zu leiern in der Lage sind. John Rotz, am 24. Juni 1777 in Schottland geboren, lrat frühzoing (1786) in die englische Marine ein und zeichnete sich im Kriege gegen Frankreich so aus, datz seine Ernennung zum Kommandeur erfolgte. Im August des Jahres 1856 beschlotz der als Forscher wie Seefahrer gleich Verdienstvolle sein tatenreiches Leben in London. Im Jahre 1818 wurde er mit der Aufgabe(die er übrigens nicht zu lösen vermocht?) betraut, eine nordwestliche Durchfahrt durch die Baffinöbai zu finden. Einen notgedrungenen Nuienthalt seiner Schiffe in dieser Bai verwandte er dazu, Tiefseenressungen vorzunehmen. Er benutzte hierzu eine Tiefseezange aus Metall von sechs Zentnern Gewicht und erreichte damit in der Baffinsbai als erster den Meeresgrund bei einer Tiefe von 1979 Meter. Hiermit war der Tiefseemessung und der Ozeanographie überhaupt der Weg geebnet, aus dem sie von nun an mit immer größerem Erfolge weiterschreiten sollte, bis mau kurz vor Ausbruch des Weltkrieges in den Wässern Ost-AfienS zur Tiefe von 19 090 Meter gelcmgtc. _ Dr. M. K. Notizen. — Einen Popper- Abend veranstaltet der Monisten- bund Donnerstag, den 25. April, im Pschorrhaus, Tauentzien- siratze 18. — Eine SondervortragSreihe über bedeutende Kulturfragen der Gegenwart veranstaltet die Huniboldt- Akademie Freie Hochschule. Prof. Cauer spricht Sonnabend 8 Uhr im Bürgerioal des Rathauses über»Die Betrachtungsweise der deutschen Wissenschaft als Grundlage der Völkerverständigung". — Ein Theaterkulturverein auch in Oester-) reich. In Wien ivurde ein„Verein zur Förderung deutschep Theaterkultur in Oesterreich' gegründet, der ähnliche Ziele verfolgt wie der reichsdemsche Verband. — Krapotkins Enttäuschung. Die»Daily Chronicle' gibt einen Brief des berühmten russischen Anarchisten Fürsten Krapot'in wieder, der, seit er London vor wenigen Monaten ver- lassen hat, ununterbrochen in Moskau weilt. In dem Schreiben erklärt er, datz die Ereignisse in Rutzland einander so rasch ablösten, und datz sie so betrüblich seien, datz mair alle Lust verliere, sich über das auszusprechen, was man fühle. — T u r ge n i e w s Gut zerstört. Das alte Erbgut des Dichters Iwan Turgeniew rm Gouvernement Tula wurde von Bauern zerstört. Die Bibliothek sowie der ganze noch unveröffentlichte Briefwechsel und Manuskripte des grotzen Dichters sind vernichtet worden. Eine Ironie der Geschichte, datz dies einem Dichter passierte, der für die Befreiung der russischen Bauern sein bestem getan. i8j pionisre. Roman aus dem Norden von Ernst Didring. Kuinona ging sofort mit dem Sohn in sein Zelt. Wir warteten drautzen. Die Abendsonne stand über den Bergen, unheimlich, rot wie Renntierblut, und Renntierblut rann in dem Flusse. Die Nacht verging. und wir warteten vor seinem Zelt. Niemand sprach. Sogar die Renntier- kälber hörten auf zu krächzen. Die Schatten wälzten sich von den Bergen heran und nahmen Wald und Wasser und alles fort. Die Nebel senkten sich und schieden uns voneinander. Jeder von uns wurde von der feuchten, schleimigen Nacht- kühle des Bösen umgeben, und dann sahen wir einander nicht mehr. Wir standen still �und blickten auf Kumonas Zelt, aus dessen Rauchfang die Funken sprühten. Rings um uns her hörten wir den wohlbekannten Ton von den Renn- tieren, die umfielen und starben. Wenn wir uns nieder- beugten, um-den Renntieren neben uns in die Augen zu blicken, zitterten sie in einer geheimnisvollen Angst, die nicht Todesangst war. Am Morgen, als die Nebel sich hoben, kam Kumona heraus. Er rief seinen Vertrauten zu sich und fragte ihn, was loir getan hätten. Wir hatten alles versucht, nur das Opfer nicht. Das hatten wir über dem Schrecken vergessen. Den ganzen Tag brachten wir damit hin, alles Silber von Gürtel, Brustlatz und Wams hinzustrcuen. Die Frauen weinten, weil die Schmucksachen geopfert werden mutzten, aber sie hätten nicht gewagt, sich Kumona zu wider- setzen. Das Silber füllte ein paar Säcke, als wir am Abend aufhörten. Kumona nahm die Zaittjertrommel und das Silber mit sich und fuhr hierher zum Stein, wo mir so lange geopfert hatten, um das Glück zu behalten, den wir aber vergessen hatten, als das Unglück so plötzlich gekommen war. Einen Tag und eine Nacht lang lag Kumona auf den Knien und ichlug unaufhörlich die Zaubertrommel, � schlug, datz es in den Bergen dröhnte und die Rennticre zu sterben vergatzcn. Sie standen mit gespitzten Ohren und lauschten. Kumona ah nicht, trank nicht, er schlug nur immer, bis er umfiel. Wir ruderten hin zu ihm. Er spie Schaum, und es stand wie Schnee um seinen Mund. Dann war er wie tot und lag still da mit weitoffenen Augen und geballten Händen. Bevor er noch erwachte, fingen die Renntiere wieder in grotzen Massen zu sterben an. Der ganze Berg lag voll von ihnen. Ihre Augen sehnten sich fort, aber die Tiere hatten keine Kraft. Sie wankten, als wären sie von Branntwein trunken. Etwas Hilfloseres hatten wir nie gesehen. Da befiel uns eine Lähmung, die Lähmung des Ent- setzens. Die Mächte dcL Bösen waren stärker, stärker sogar als Kumona. Als wir mit Kumona heimruderten, sprach er nicht. Er saß und blickte starr in den Himmel, an dem die Sterne zitterten. Hast du gesehen, daß die Sterne vor Entsetzen zittern können? Datz sie am meisten zittern, ehe sie hinunterfallen? Nein? Ach nein, du hast zu wenig iu den Bergen gelebt. In dieser Stacht fielen die Sterne so dicht, daß wir zwischen jedem Fall nicht einmal blinzeln konnten. Das ist die Sternpest. Aber Kumona blinzelte nicht. Er sah still im Boot und blickte auf die Sterne. Der Schaum hing ihm um den Mund, hing im Bart, als sei er gefroren, aber die Augen waren blank von Leben. � Er blickte auf die Sterne. Ab und zu fragte er einen dort oben, den er, aber nicht wir sahen: Was willst du'4 Was willst du? Als wir am Strande anlegten, stand er auf und watete selbst an Land zu dem wartenden Sohn. Er umarmte ihn und stützte sich schwer aus ihn. Wir mutzten auf die Renntiere treten, um zu den Zelten zu kommen, so dicht lagen sie. Aber sie jammerten nicht. denn sie fühlten nichts. Sie lagen aus dem Rücken, die Beine au den Bauch gezogen. Die Hörncr aber hatten die grotzen, starken Tiere tief in die Erde gebohrt, als wollten sie sich festhalten in einem Sturm der Vernichtung, den niemand sah und niemand mehr empfand als sie. Das Leben war im Absterben. Alles war still um die Zelte, autzer dem Gemurmel der alten Weiber, die im Kreise am See sahen und glaubten, sie könnten das Böse durch Feuer und Zaubersprüche fernhalten. Als Kumona an ihnen vorbeiging, verstummten sie be- schämt und bliesen das Feuer an, um ihni ius Gesicht zu sehen. Er blieb stehen und blickte in die Flammen. Der eisgraue Bart brannte wie Feuer. Dann schüttelte er den Kopf und ging in sein Zelt. Im Morgendämmcrn brachen wir von den Zelten auf. Es gelang den Hunden, ein paar tausend Renn- tiere zu sammeln, betrunkene, taumelnde, die das Fieber der Pest im Leibe und Blei in allen Knochen hatten. Sie schlebpten sich in dem feuchten Herbstregen vorwärts, den Berg hinauf. Wir jagten vorwärts, um den Wald zu erreichen, aber nichts hals. Ein Rcnntier nach dem andern blieb am Wege liegen. Der Tag verging. Der Wald war noch immer nicht da, und das Böse folgte uns. Der Tod folgte uns. Da blieb Kumona stehen, der voranging. In den zwei Tagen war er krummer als eine Birke geworden. Zwei Tage lang hatte er den besten Renntierpfad geführt, den es gab. Zwei Tage lang hatte er alles zusammengehalten, Tiere und Lappen. Aber unausgesetzt folgte uns das Böse. Die Kälte packte uns an. Schnee und Regen wechselten. Die Jüngsten weinten, aber die Tränen gefroren auf den Backen. Da blieb Kumona stehen und ordnete eine Rast an. Hinter uns her jagten die Wolken, bleischwer von Tod und Unheil. Der Todesspuk des Karsavagge war losgelassen. Durch das Tal kam es wie böse Geister gefahren, ritz und zerrte an den Weiden, peitschte das Buschholz. Die Weide brannte nicht, das Reisig erlosch, und das Busch- holz zischte nur. Und der Kaffee ivurde nicht warm,>v:e lange wir auch um das Feuer saßen, das nicht brennen wollte. Kumona satz allein mit dem Sohn und sprach. Er sprach mit einer milden, seltsamen Stimme, die wir vorher nie ge- hört hatten, die wir aber jetzt vernahmen, wenn der Sturm des Bösen zuweilen einmal nachließ. Der Sohn zitterte vor Frost, und auf seinen Backen kanten und gingen Röte und Blässe. Er antwortete nicht auf Kumouas Worte, aber seine Augen durchforschten die schivarzen, bleiernen Wolken hinter uns. Ein Renntierkalb. von der Pest befallen, zitternd in den schleimigen Nebeln. entsetzt, datz all die grotzen Tiere umfielen, kroch an seine Fütze und starb, die Schnauze gegen seine Knie gedrückt. Da stand der Sohn auf und ging in die Bleiwolke hin- ein. Und Kumona folgte ihm ohne ein Wort. Lange saßen wir Männer gelähmt von Schreck, von Entsetzen, von Verzweiflung da. Alles wurde so geheimnis- voll, so still, nachdem sie gegangen waren. Keiner lvagtc zu sprechen. Selbst der Sturm hörte auf, als hätte er bekommen, was er wollte. (Forts, folgt.; t) Irektion Max Heinhardt. Oentscfeer» Xhenter. 'i1!,: Oer Bürger als Eilslmann, Si-Jimm« rapide. 8 Uhr: Ssinntruit. Vollrahühnc. Theater am Bülowplatz. 0 n torgrundb, ßohönh. Tor. 7'/. U.: Die Hermannssehlaciii. Theafsr�KöniggrätzerSlr. 8 Uhr: Straße nach Steinsych. Komödleohasss Uhr; Zum 25. ilaio; öle Zrrriu. Berliner Theater 7� Uhr: üiitxblaiic«) lZiiit. Rose-Theater. ?'/. lIHr: Uns«ll iai»iL Walhalla-Theater. SV- Uhr: Derfliesenile Holländer 7/-UH:: Gas MütanleuM Kaffee Luitpold TSotzstruße 15. Kalsasrettr Frauk Bergmaun Popi S'leäller llai-iiii tiöive und das große KPnl- Programm, Theater fflr Mittwoch, 24, April, Ccntral-Theatur Koramandantenstraßs 57. Die CsardaisfUrHtln Dentsches Opernhann uhr: Fipros Hcelizeil Friedrich-Wühtlrast. Thealer 7i/.Fhr: ks DreiaiFJeri�aBS. Kleines Theater 'Vj Uhr: Kante. Homiaclie©»er 7% u-:ScbmmMiä {.ustspielhaiiä 7'/4 Uhr: Die teilen Mäiieis v, Linileoiis! Met ropol-Theater Zum£00. Mala: uhr: M Hose m StamöBl. Schlllcr-Thcator O uhr. Gespenster. Schiüer-Th. Charl. 7',, Uhr: iaQsSonneDStöSersIlöIießlalirt Thalia-Theater t�ßfitenlerlilieiiileiiLiiiile Nsnes Operettenhans SclüSbd. 4a, Kassent.Xd. 281 Tv.uhx�BfSolilatiierMariB. RcaldetiE Theater 7'/.ühr:i;2F junge Zar. Theater am NoHendorlpIaiz 3'/. Uhr: Deutsche Kleinstädter. 7 Uhr: föifiüfi m Theater des Westens VJ, Uhr: LOtlWlg XI?. mit düaido Thielscher. Vorh.: Der Regimentszauberer. Seriioer Konzerthaus Mauerstraße 32 Zimmerstraße 90/31. Heute: Oroiles KoEizeri HATIOHAL-THEATER T'/j Ueutseh-Amerik.Th. 7'/. Die Ist richtig I Musik: Walter Brorame. Sonntag1 31/, U.: Johannisfeuer. MMM, Tägl. 7% Stg. 3-/, n. VU IlDgehenre ÜBlterkeitsstilrnie erzeugen täglich die et. Wasser-Szenen i. der Pracht- Ausstatt.-Pantom. „Fröbllngsspiele" in 4 Akten. Strumszene mit Woiker- bruch!— Kahnrutsch aus 30 Meter H5he! Vorher das große Zirkus- Programm. Tägl."Vs Sonnt. 3V, u. 71/j Erna Ofleoey u.Walter Steiner. d. neue April-Programm. foigl-TSiealer. Sadstr. 58. Bads'.r. 58 Heute 71/; Uhr: Staffcncvöffn. O1/� Anfang 71/2 U. des Berliner Konzcrthans-Orchcsters, Leiter: Komponist Franz von Blon. Aniang T'(, Uhr. Eintritt 30 PL Anfang 7Va Uhr. Freitag, den£6. April: Großes Konsert Chormerster-Verhandes Berlin und Umgegend, ten des Groß-Berliner SHnger- des geführt, von der Gruppe Os blindes, Leitung: Grupp Berlin und Umgegend, kos- • 88 mppenohormeister Paul Nückel. Ballett CM Künstl. Leitg. u. Kostüm- Entiv. Ludwig Kainer Choreograph. Leitung; Eric Carsil sowie der große farli-Spiplas! Trianon-Theater '/.S am Bhf. Friodrlohstr.'1,8 Tel.: Zentrum 4927 und 2391. Der Lebensschüler Komödie von Ludwig Fulda. Ida Wust, Erich Kaiser-Titz, v.Möllendorff, Flink, Kettner. Stg. 4 U. kl. Pr.: Johennisfeuor. Das nene selbsttätige Saiierstofiwaschniittel Ö.EON zur Wäsche in allen einschlägigen Geschäften zu haben. — Günstigste Verkaufsbedingungen für Detaillisten.— General-Vertreter für Berlin und Brandenburg: Hubert Sternberg, Telephon: Lützow 6090. 155L* Casino-Theater ttethringer Sir. 37. Tägl.'1,8 U. DaSVolksftück von Ad. L'jlrronoe Annans Traum. Ein heiteres Familienbild. Vorher daZ neue Zlpni-Progr. 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Meldezeit von 11 bis l1/, Uhr und 4'/, bis 7 Uhr. GiHm AiiDhl SiHmikiie und Schirruiciftcr aui eiusache Hufcisenarbeiten sosort und späicr verlangt 121L» üiex. Kermaim t Hm; Berlin H 20, Pankstf. 29. BÖ Hontanre 50 Arbeiter stellt sofort ein JJ. Q, OietFICll, Rohrleitungsbau, SSL* Bittcrfeid. Fernruf 478/479. Meiler M Arbeiterinnen für Zement- und Gtpsplatteufabrtkatiou per sofort gesucht. Meldung bei xgiL* Arthur Müller Land- und Judustnebauteu A.-G., Berliit-Johannisthal, Grostberliner Damm. die neuen fszialpolitijchen Hefetzentwürfe. Aufhebung öes§ 153 Die angekündigten sozialpolitischen Gesetzentwürfe über Aufhebung des Z 153 und der Enttvurf eineS Arbeitskammer- gesetzes. sind soeben dem Reichstage zugegangen. Der erfle Entwurf hat nur einen sehr kurzen Text, dieser lautet: Ter Z 133 der Gewerbeordnung wird aufgehoben. Tie Begründung deS Entwurfs sagt nach einem Ueberblick über die Entstehungsgeschichte des Gesetzes u. a. folgendes: Seit dem Erlasse der Gewerbeordnung vom 2t. Juni 18C9 ist der§ 153 nicht geändert worden. Er ist aber dauernd Gegenstand von Angriffen aus entgegengesetzten Lager» ge- blieben; nach der Meinung der einen sollte er die Koalitionsfreiheit ungebührlich einschränken, nach der Ansicht der anderen sollte der Schutz durchaus ungenügend sein, den er gegen eine» Mißbrauch der Koaliticmsfrecheit, insbesondere gegen KoalitionS- zwang, bietet. Die verbündeten Regierungen haben früher bekanntlich der letzteren Auffassung zugeneigt und wiederholt Gesetzentwürfe ein- gebracht, die einen besseren Schutz der Arbeitswilligen bei Streiks gegen Belästigungen und Verunglimpfungen seitens der Streikenden sowie auch sonst schärfere Maßnahmen gegen ungehörigen KoalitionS- zioang herbeifübren sollten. Keine dieser Vorlage» hat die Zustimmung des Reichstags gefunden. Im Laufe der Zeit haben sich die Verhältnisse mehr und mehr dahin entwickelt, daß der§ 153 der Gewerbeordnung in seiner An- wendbarkeit beschränkt ist und zum großen Teil Fälle trifft, in denen eine Bestrafung nach dem allgemeinen Rechtsempfinden nicht mehr einem Bedürfnis entspricht. DaS Hauptanwen- dungsgebiet dieser Strafvorschrift bildeten bisher, wie die Erfahrung gelehrt hat, die Fälle, in denen Beleidigungen oder leichte Körperverletzungen im Sinne des Strafgesetzbuchs vorlagen, aber ein Antrag auf Strafverfolgung nicht gestellt oder zurückgenommen war. Besonders bestätigt hat dies ein« im Reichsamt des Innern vorgenommene Durchsicht fast sämtlicher Gerichtsakten über die wegen Ausschreitungen bei dem Berg- arbeiterftreik im Ruhrgebiet von 1912 ergangenen Verurteilungen. Danach betrug die Zahl der Fälle, in denen ans solchem Anlaß ans Grund des§ 153 der Gewerbeordnung gestraft worden war, etwa«in Sechstel aller Straftaten, die zu einer Verurteilung geführt haben, und in diesen Fällen handelte es sich zu einem großen Teile um Beleidigungen, wegen deren ein Straf- antrag nicht gestellt war. Es wird nicht für unbedingt erforderlich zu erachten sein, daß in solchen Fällen eine Bestrafung eintritt, wenn der Verletzte selbst sie nicht herbeigeführt wissen will, mag auch nicht selten der Strafantrag aus Furcht vor ärgeren Verfolgungen unterlassen werden. Aehnlich liegt eS bezüglich der leichten Körperverletzungen. Die allgemeinen Vorschriften des Strafgesetzbuchs, insbesondere die Strafbestimmungen gegen Beleidigung, Körperverletzung, FreiheitS- beranbung, Nötigung, Bedrohung und Erpressung, bieten Handhaben, um strafwürdige Fälle zu treffen. Auch die Frage nach der Straf- barkeit von Verrufserklärungen würde in Zukunft lediglich nach den allgemeinen strafrechtliche» Vorschriften zu be- urteilen sein. Diese Umstände sprechen für die Aufhebung des Z 153 der Ge- Werbeordnung, wobei noch folgende Erwägungen in Betracht kommen: Der A 153 trifft, wenn er sich auch i» der Form gleichmStzig gegen Arbeitgeber wie gegen Arbeiter richtet, tatsächlich fast ausschließlich die Arbeiter, da den Arbeitgebern andere Zwangs- mit-tel zur Verfügung stehen, um widerstrebende Berufsgenossen zur Gefolgschaft zu bestimmen, so daß sie im allgemeinen keinen Anlaß haben, von einem der durch Z 153 der Gewerbeordnung verbotenen Mittel Gebrauch zu machen. Dieses nicht beabsichtigte Ergebnis hat in der organisierten Arbeiterschaft die Auffassung ent- stehe» lassen, daß die Strafvorschrift eine gegc» sie und ihre Organisationen sich richtende Ausnahme- bestimmung fei. Die Anwendung des§ 153 wirkt aber um so mehr der- b i t t e r n d, weil die Arbeiter nur bei ihren Kämpfen um eine bessere Lebenshaltung oder bei ihrem Wirken zur Stärkung der Organisation, der sie angehören und die zu fördern sie sich verpflichtet halten, in die Lage kommen, gegen die darin ausgesprochenen Verbote z» ver» stoßen. Den einzelnen trifft diese Vorschrift nicht selten des- halb besonders hart, weil sie nur Gefäagnisstrafe zuläßt, und eine solche Strafe daher auch in Fällen verhängt werden mutz, die nicht schwerer liegen als Fälle, in denen nach dem Strafgesetzbuch ans eine Geld- oder Haftstrafe erkannt worden ist. Durch die Auf- Hebung des Z 153 der Gewerbeordnung würde ferner die Ungleich- heit beseitigt werden, die darin liegt, daß dies« Strafbsstimmung nicht für alle Gruppen von Arbsitgibern und Arbeitnehmer« gilt, und es würde erreicht werden, daß alle Arbeitgeber und Arbeit- nehmer hinsichtlich der bei der Ausübung des Koalitionsrechts vor- kommenden Ausschreitungen nur dem Strafgesetz unter- stellt sind, dem sämtliche Staatsbürger unterstehen. Erheblich nnvfangreicher ist der Entwurf des ArbertskammergesetzeS, ber nicht weniger als 53 Paragraphen umfaßt. § 1 des Entwurfs stellt die Arbeitskammer auf fachliche Grundlage. Die von den Gewerkschaften gewünschte territoriale Grundlage ist also nicht verwirklicht. Der Paragraph lautet: Für die Arbeitgeber und die Arbeiter eines GewerbezweigeS- oder mehrerer veuvandter Gewerbezweige sind, soweit nach dem Staude der gewerblichen Entwicklung ein Bedürfnis besteht, auf fachlicher Grundletge Arbeitskammern zu errichten. Di« Ar- beiiSkammewn sind rechtsfähig. Die folgenden Paragraphen legen den Zweck der Arbeits- iammern dar. Nach§ 2 sind die Arbeitskammern berufen, den wirtschaftlichen Frieden zu pflegen, nach Z 3 gehört ins- desondere zu ihren Aufgaben, ein gedeihliches Verhält- nis zwischen Arbeitgebern und Arbeitnehmern zu fördern sowie die Staats- und Genreindebehörden durch tatsäch- liche Mitteilung«» und Erstattung vo» Gutachten zu unterstütze», beim Abschluß von Tarifverträgen mitzuwirken, nicht ge- werbsmäßig« Arbeitsnachweis« zu fördern, bei der Ar- beitsbeschaffung für Kriegsbeschädigte nntzu- wirken u. a. m. Die Arbeitskammern können Umfragen über die Arbeitsverhältnisse nnid soziale Einrichtungen veranstalten und innerhalb ihres Wirkungskreises Anträge an Behörden und gefetz- gebende Körperschaften sichten. Als Arbeiter im Sinne des Gesetzes gelten gemäß Z 6 die gewerblichen Arbeiter(Titel 7 der Gewerbeordnung). Für Be. triebsbsamte, Werkmeister, Techniker, für Handlungsgehilfen und Handlungs lehr lange und für deren Arbeitgeber werden Angestellten- kammern durch Reichsgesetz errichtet. Jedoch gelten auch als Ar- beiter und Arbeitgeber im Sinne dieses Gesetzes die Arbeiter und Arbkitgcbcr der Eifeabahnuntcruchmunge», ferner auch die Ar» — �ftrbektskammergesetz. beiter und Arbeitgeber derjenigen Betriebe des Reiches, eineS Bnn- dcSstaatcs, einer Gemeinde und eineS Kommunalverbandes, die als gewerbliche Betriebe im Sinne der Gewerbeordnung engcfche« wer. den, wen» sie mit der Absicht auf Gcwinnerzielnng geführt würden. — Wenn auch die Eruichtung besonderer Angestelltenkam- m e r n nicht im Sinne der organisierton Arbeiterschaft liegt, so ist doch tnit der Unterstellung der Staatsarbeiter unter das Arbeitskammergesetz eine ihrer Haupt fordervngen erfüllt. An dem Widerstand der Rogtieoung gegen diese war bisher das Ar- beitskammergesetz stets gescheitert. Nach Z 8 werden die Arbeitskcmrmicrn durch Beschluß deS Bundesrats errichtet. Vor der Errichtung sind die Berufs- vereine der Arbeiter und Arbeitgeber aus de» be- doMgten Gewerbezweigen gutachtlich zu hören. Die Mitglieder der Arbeitsianrmern und der Abtei bungen so- wie ihre Stellvertreter müssen nach§ 11 zur Hälfte ans den Arbeitgeber», zur Hälfte aus den Arberter» ent- nommen werden. Die Vertreter der Arbeitgeber werden mittels W-chl der Arbeitgeber, die Vertreter der Arbeiter mittels Wahl der Arbeiter bestellt. Die Mitgliederzahl einer Arbeitskammer, die nicht unter zwanzig betragen soll, wird durch Verfügung der TuMchtsbchörde bestimmt. Die Mitglieder und die Stellvertreter erhalten Vergütung der Fahrboften und Tagsgelder. Die für den gleichen Gewerbezweig gebildeten Arbeftskammern find nach§ 12 befugt, miteinander in Verbindung zu treten und gemeinschaftliche Einigungsämter zu errichten. Nach § 13 können bei den VcrkchrSanstaltc» des Reich? und der Bundes- stallten durch Beschluß des Bundesrats ArbeiterauSschüsse zu Arboitskammern erklärt werden, wenn sie gewissen Miu- Äestforderungen entsprechen.— Dies« Bestimmung erscheint bedenklich und geeignet, die Errnnge nschaften deS§ S teilweise wieder aufzuheben. Die 88 ls bis 17 bandeln von der Wahlberechtigung und Wähl- barkeit. Wahlberechtigt sind Deutsche beiderlei Geschlechts(also auch Frauen), die das 21. Lebensjahr vollendet haben, im Bezirk der Arbeitskammer tätig find und dem betreffenden Gewerbezweig an- gehören. Für die Arbeitgeber wird das Stimmrecht unter Berücksichtigung der Zahl der beschäftigten Arbeiter abgestuft. Wählbar sind diejenigen Wahlberechtigten, die das 25. Lc- bensjabr vollendet haben, seit mindestens einem Fahr dem be- treffenden Gewevbezwsig angehören und m dem der Wohl voraus- gegangenen Jahre kein« Avmenunterstütznng aus öffentlichen Mitteln empfangen haben. Wählbar sind aber auch solche Per- fönen, die wenigstens drei Jahre hindurch dem Gewerbe- zweige, für welche die Arbsitskaurmern errichtet sind, als Arbeit- gebor oder Arbeiter angehört Habs» und seit mindestens einem Jahre im Bezirk der zuständigen Arbeits kammer wohnen, aber zur Zeit der Wahl nicht mehr beruflich tälfig find. Damit ist die Wählbarkeit der Arbeitersekvetäre zugestanden und eine wertere wichtige Forderang der Ar- bei« schaff erfüllt. Als Arbeitgeber sind auch solche Personen wähl- bar, die mindestens ein Jahr als Vorsitzende oder Beamte beruflicher Vereine der Arbeitgeber in dem entsprechenden Gewerbezweig tätig find. Doch darf die Zahl der Arbeitersekretäre und Untsrnehmersyndieie nicht mehr als je ein Viertel der Vertreter der Arbeitgeber und Arbeiter betoageu. Di« weiteren Teile des Entwurfes haben weniger öffentliches Interesse insofern, als die darin bchandolten Fragen bisher nicht so sehr im Brennpunkte des Streites gestanden haben. Die 88 18 bis 22 osgcln Wahlverfahrea und Wahlzeit, di« §8 23 bis 27 den Kostenaufwand, die 88 28 bis 41 die Geschäftsführung. Die Ardsitervertreter haben gemäß§ 30, so off sie zur Wahrnehmung ihrer Obliegenheiten berufen werden, ihre Arbeitgeber hiervon in Kenntnis zu setzen. Ist diese Mitteilung er- folgt, so ist die Wahrnehmung jener Obffegenhsiten nicht als ein Grund anzusehen, der zur Kündigung des Arbeits ver- bältnisseS ohne Einhaltung einer KündignngS- ff r i st berechtigt.— Diese Schutzvorschrift geht u. E. nicht weit genug. Beschlüsse werden durch Stimmenmehrheit gefaßt. Bei Stimmengleichheit entscheidet die Stimme deS Vorsitzenden. Jedoch müssen bei jeder Beschlußfassung gemäß 8 38 Arbeitgeber und Arbeiter in gleicher Zahl mitwirken. Sud auf der einen Seite weniger Vertreter erschienen als auf der anderen, so scheidet auf dieser Seite die erforderliche Zahl von Mitgliedern, mit den an Lebensalter jüngsteff be- ginnend, aus. Die 88 42 bis 48 behandeln das Einigungswesen. Die Arbeitskammern haben für chren Bezirk ein EinignngSamt zu errichten. Auf das Verfahren vor den Einigungsämtern finden die entsprechenden Bestimmungen des Gewer begeri cht Zgesetzes in etwas abgeänderter Fassung Anwendung. Die Arbeitskammern und die von ihnen gebildeten EinigrmgS- ämter unterliegen nach 8 49 der Aufsicht derjenigen höheren Ver- waltungSbehörd«, in deren Bezirk sie chren Wohnsitz habe», Iragen öer Kriegführung vor üem l)aupt- ausfchuß. Vor der Beratung des MiWäretats trat der Haupiausschuß am Dienstag in eine Erörterung von Fragen der Kriegfüh- r u zi g ein. Der Kviegsminister leitete die Erörterungen mit folgen- den Ausführungen ein: Kriegs minist er v. Stein: Die Welt steht unter dem Mndumkder große» Erfolge im Weste». Diele Erfolge waren nur möglich durch den jahrelangen opfer- vollen Kampf mffsrer Truppen im Wösten gegen feindliche lieber- macht an Menschen und Material. Die Verluste find durchaus normal, an einzelnen Stellen auffallend gering. Sie sind meist durch Infanterie- und Maschin g-ngewehrfeu« hervorge- rufen und dementsprechend leicht. Ein großer Teil der Verwunde- ten ksnnte der Front schon wieder zugsftihrt werden, dank der auf- opfernden Tätigkeit der SanitätSowigi««. Die Erfolge im Westen sind als großer Sieg anzusehen. Bcm südwestlich Arras bis La Ferc find wir bis zu einer Tiefe von 60 Kilameier durch die englischen Stellungen durchgebrochen. Etwa 100 000 Gefangene und 1500 Ge- schütze waren dort die Beute. Danach warfen wir die Franzosen aus starken Stellungen über den Oife-AiSne-Kanal zurück, schlugen die Engländer aufs neue in der Schlacht bei Armentieres, machten über 20 000 Gefangene und erbeuteten mehr als 250 Geschütze. Parts wird seit Veginn dar Offensive von unseren weittrogeu- den Geschützen beschämen. Der Km-imSsvinistsr schilderte so- dann die Mbwieiligieiten des Nachschubs für die schnell vordwn'gende Armee. ErHorfünfte find in den zerstören Ortschaften nicht mehr voochanden, Wege und Strassen find unpassierbar. Ten- noch ist es gelungen, die Verpfbegung stcherzusteSen, was erleichtert wurde durch die großen Vorräte der Engländer, die in unsere Hände fielen. Durch die stattgehabten Kämpfe sind im all- gemeinen jene Linien erreicht, an denen der Feind früher stand; � er fand da wieder StötzpwnÄe, die er sich zu Nutze machte. Am j diese zu Msvwindo», ist Fvtffdtzugg der Kämpft noÄvsndia: denn 'die SKachi wuÄ ftwtKeprM. 2» Mtawianh«ach iu der Ukraine nehmen die Operationen den geplanten Verlauf. AU d« itaiie«ischen und mazedonischen Frcm-t ist die Kampflage unverändert; beträchtliche Teile werden dort in Schach gehalten. An der Kau kasusfront find unsere türkischen Bundesgenossen in die ihnen im Frieden Svertrag zugesprochenen Gebiete eingerückt. In Palästina ist der englische Vorstoß, der die Verbindungen der türkischen Heeresgruppe bedrphte, aufgehalten, die Eiegländer sind über den Jordan zurückgeivorfen� worden. Auf Anfrage des Abgeordneten Dr. Müller-Meiningen betonte KriegSminister v. Stein: Die Zahl der Amerikaner in Frankreich ist nicht bekamst, die der gefangenen Amerikaner ist gering, daraus ist zu schließen, daß vorläufig noch wenig Auwrikaner im vorderster Linie eingesetzt sind. Die hohen Preise in der Ukraine sind leider Tatsache, doch ist durch Gewährung von Zuschüssen und Schaffung von gemeinsamen Küchen Borsorge getroffen, daß die Mannschaften weiter amSrsichend und billig verpflegt werden. Als die Nachricht von Greueln in rumänischen Lagern bekamst wurde. reiste eine neutrale Rote-Kreuz-Kommission dorthin, die Greuel lagen jedoch schon weit zurück, der Schuldige war der tschechische Kommandant, der aber zu jener Zeit nicht mehr im Stellung war. daher sind bei dem Besuch Klagen nicht mehr vorgebracht worden. Ueber unsere Tanks kann gesagt werden, daß sie den foindlichen, besonders an Geschwindigkeit, überlegen sind. General v. WriSberg macht dann ver trauliche Ausführungen über den Gaskampf.— Abg. Nobke fragt, ob eS richtig sei, daß bei den Kämpfen am Jstmzo die deutschen Truppen durch das eigene Gas erhebliche Verluste erKticn haben. Der KriegSminister hat es leider unterlassen, über die militärischen Maßnahmen auf den ver- schiedenen Kriegsschauplätzen und besonders in den besetzten Gebieten Auskünste zu geben. Man muß insbesondere wissen, ob unsereVerbündeten in ihren Anstrengungen nicht hinter uns zurückstehen. Die Fürsorge für die deutschen Soldaten in Palästina und in Mesopotamien hat sich als sehr niangelhaft «wiesen. Es ist auch nicht angenehm, zn wissen, daß i n Finnland unsere Truppen Schulter an Schulter mit der weißen Garde kämpfen. Welche Ziele hat man sich eigen-- ßch in Estland und L i v l a n d gesteckt? Die amerikanische Hilfe im Westen soll man rvicht etwa unter ichätzen. Wie denke man sicb das Ziel unserer Operationen in der Ukraine? Ganz offenbar gelte dort der Kampf den ukrainischen Bauern, die man ans diese Weise uns nicht günstig stimmst. General v. WriSberg macht dann verirauRche Angaben �über unsere Verluste.— General v. Osch mann schildert in einem länge- ren Vortrag die Entwicklung des Flugwesens. Auch diese Aus- ffchrungen waren vertraulich.— Di« Abgg. Müller-Mciningen und Gothein bedauerten die Knappheit der Ausführungen des KviegS- Ministers. Abg. Gothein zeigte insbesondere, wie werstg das Aus- treten militärischer Stellen i m O st e n geeignet ist, die l�Werung ustt der Neugestaltung der Dinge auszusöhnen. Die Skxatungen werden am Mittwoch fortgesetzt. Das mecklenburgische prügeliöpll. Ein milder Staatsanwalt. Der ausführliche Bericht der Verhandlungen gegen den Junker von Oertzen-Roggow vor der Rostocker Strafkammer liegt jetzt vor. AuS ihm verdienen noch einige Details wiedergegeben zu w-erden. Die Sirasanzsige gegen v. Oertzen ist nicht etwa von dem an den Baum gebundenen und ausgepeitschten Schnitter erstattet worden — der hätte sich das nicht getraut—, sondern von einem GutSnach- bar des prügellusiiigen Junkers. Der Arzt Dr. D eg e r- Neubukow. zu dem sich der Mißhandelte begeben hatte, hat diesem noch aus- drücklich von einer Anzeige abgeraten! Trotzdem verwandslie sich das Plaidoyer des Anklagevertreters von Herrn Staatsanwalt Dr. Schütze mehr in eine Anklagerede gegen den Mißhandelten als gegen de» angeklagten Junker. Weil der Mißhandelte den Vorfall in einigen Punkten anders dargestellt hatte, als der Angeklagte und der in«st« Instanz mit- verurteilte Jäger, erklärte der Staatsanwalt: der Schnitter habe .einem zweifellosen Meineid geleistet"'. Als glaubwürdig erschien ihm nur, was der Angeklagte, nicht was der Zeuge üb« den Vorfall ausgesagt hatte. Für das Vorgehen des Herrn d. Oertzen fand er als herbstes verurteilendes Wort mir das, daß eS eine „außerordentliche Geschmacklosigkeit und Unerquick- l i ch k e i t" gewesen sei. Dagegen führte der Herr SiaatSonwalt beredte Klage darüber, daß eS„Elemente" gäbe, die fo etwas in die Zeitung bringe« und die schmutzige Wäsche vor dem Aus- lande wüschen. Obwohl Herr v. Oertzen iu der ersten Instanz bereits za einem Monat Gefängnis veruvieilt worden war und die Staatsanwalt- schaft gegen dieses Urteil Berufung eingelegt hatte, gewann es der Staatsanwalt nicht einmal üb« sich, auf Gefängnisstrafe zu plädieren, sondern stellte es im Ermessen des Gerichts, od auf Frei- hestsstrafe oder eine hohe Geldstrafe erkannt werden müsse. So blieb denn denr Verteidiger kaum noch etwas übrig, als Gimgang seines Plaidoysrs dem Stoatsanwaff für die objektive Art s«W«« Darstellung zu danken, und man muß dem G«icht Anerkeummg zollen, daß eS sich in seinem Urteil durch diese Anklagerede nicht boirrsn ließ. Wir ab« wünschen allen Arbeitern, die einmal wegen Siraßen- anfläusen usw. vor Geeicht kommen, einen ähnlich uvildeu Anklagevertreter! Ret mar Hobblng. Die„Nordd. Allg. Ztg." bezeichnet die Aus- führungen des Abg. Ha»ß mann, der anläßlich der Beratung des Eisenbahnetats den Ministerialrat v. Berg er mit d« Firma Reimar Hodbing in Verbindung gebracht batte, als durchweg unzutreffend. Gehcimrat v. Berger sei an den Geschäften der Fn-ma Reimar Hobbing nicht im mindesten beteiligt. Der Wiederbeginn deS Schwarzen Meer-Handeks. Sofia' 23. April. Meldung der Billgarischen Tolegraphen-Agonwr. Der bulgarische Dampfer Vulgaris ist vorgestern aus Odessa in Warna eingetroffen. Der Dampier Warna wird in den all«- nächsten Tagen erwartet. Die Schiffahrts Verbindungen zwischen Rußland und Bulgarien sind somit wieder vollständig hergestellt. Von ukrainischen Bauern überfallen. Der Lemberg«.Kurjer Lwowski* meidet aus Ninmirow(Podolien): Die hier stationierten drei Eskadronen des ö. polnischen Ulanen- regiments wurden von ukrainischen Bauern überfallen und gänzlich aufgerieben. Als sie gegen Geld Reguirierungen vor- nehmen wollten, wurden sie umzingelt und mit Maschinengewehren und Minenwersern angegriffen. Nach Erschöpfung der eigenen Schießmunition ergaben sich die Ulanen. Letzte Nackrichten. 60 Oesterreicher bei Ancona gelandet. Amsterdam, 23. April. Amtlich wird auS Rom gemeldet: Eine Truppe von 60 Oestcrreicheen ist in der Nacht zum 4. April nördlich von Ancona am Adriaiischen Meer gelandet. Sir wurden sämtlich gefangen genommen. Naucherkarte in Oesterreich. Wien, 23. April. Nach einer heute erschienenen Verordnung des Finanzministers soll in Oesterreich die amlliche Raucherkarte eingeführt werden. Danach bstommt jeder Raucher 6 Zigarren. 18 Zigaretten od« ein halbes Päckchen Tabak pro Woche. Die Ver- ordmrng tritt in 8 Woche« in Kraft. GewerkschofizbcuWuag Im Zeitspiegel des Herr« Dr. lhih. Allwöchentlich behandelt Herr Dr. Kuh in der.Deutschen Arbeit� geberzeitung* unter dein Titel: ,WaS lehrt die Zeit?� aktuelle Vorgänge deS wirtschaftlichen und politischen Lebend. Und wenn der Spiegel des Herrn Dr. Kuh nicht alle bedeutenden Er- eignisse, insoweit dieselben das geistige und politische Leben beein flussen. reflektiert, so mag daS weniger an seinem guten Willen liegen als vielmehr an dem Umstände, dah er als erster Schrift» leiter der.Arbeitgeber�eitung� eben seinen Herren und Auftrag- gebern ein gerüttelt Mah Nückficht schuldet. So erregten zum Bei- spiel die Daimler-Vorgänge unlängst in weiten Kreisen ungeheuere? Aufsehen, bei Herrn Dr. Kuh gingen fie spurlos vorüber. Wenigsten» hat diese Zeit— nichts gelehrt! Solche aufpeitschende Bor- kommnifle erzeugen merkwürdigerweise in den Spalten d«S Arbeit« geberorganS KirchhofSruhe. Dagegen beginnt eS sofort überlaut zu werden, wenn sich daS öffentliche Leben mit Reformen beschäftigt, durch die daS geistige und materielle Wohl der arbeitenden Schichten gehoben werden soll. Die große Berliner Kundgebung für eine umfaffende Sozial- Politik nach dem Kriege, an der hervorragende Goztalreformer und Arbeiterführer teilnahmen, hat den Leiter deS Unternehmerorgans ganz aus dem Häuschen gebracht. Der.philosophische Geists deS Herrn Dr. Kuh schemt indessen diesmal nicht scharf genug gewesen zu sein, um die dort gehaltenen Reden sowie die an Bundesrat und Reichstag gerichtete Kundgebung ihrem inneren Werte entsprechend zu würdigen. Obwohl die Veranstaltung der Zeit deS Krieges ent- spricht und die gefaßie Entschließung die zu erwartenden völlig ver- änderten ökonomischen verhältniffe der Zeit nach dem Krieg« zur Grundlage der aufgestellten Forderungen an Staat und Gesellschaft auf den verschiedensten Gebieten des sozialen Lebend nimmt, erkühnt sich Herr Kuh. davon zu sprechen, daß immer nur da» alte Lied, immer die gleichen Formeln und Gedanken vorgetragen werden. Wahrhaftig, auch große, in da» soziale und kulturelle Sein eine» Volkes tief eingreifende Resorme» übersteigen zuweilen die FaflungS- kraft einzelner Männer. Auf fie trifft da» Boethesche Wort zu: .Du gleichst dem Geist, den da begreifst, nicht mirl� Ein Herr Dr. Kuh, deffen Lebensaufgabe e« zu sein scheint, alles, was die nackten Unternehmerintereffen gefährdet, zu be- kämpfen, mag allerdings nichts anzufangen wissen mit Ideen, die wie leuchtende Sterne da» Wohl und Glück der Menschheit an- künden. Nur wer frei ist von der heute herrschendeu Selbstsucht mag sich berufen fühlen, au Ideen und sozialen Forderungen die kritische Sonde anzulegen. Daher muß eS recht sonderbar anmuten, wenn Herr Dr. Kuh gegenüber.der abgeleierte» Melodie dieser Sozial- reformer' darauf verweist, daß Freiheit, Selbständigkeit, Vertrauen, Disziplin, SrbettSfteude als Tugenden zu betrachten seien, auf deren Erweckung und Erhaltung jede wahrhast erfolgreiche Sozialpolitik ihr Augenmerk richten müssen. Diese Tugend«» find— dank der segensreichen Tätigkeit der Arbeiterbewegung»ud der ihr sympathisch gegenüberstehenden Sozial- reformer— erst geweckt und gepflegt worden. Die Tugenden aber allein vermögen ein Volk zu dem Wiederaufbau de» durch den Krieg zerstörten wirtschaftlichen Leben» nicht zu befähigen, wenn ihm nicht in weitestem Maße Slbutz und Hilfe auf den verschiedensten Gebieten deS sozialen und geistigen Lebens zu teil wird. Daher fordert die Entschließung der Kundgebung für Sozialpolitik die die Zeichen der Zeit verstehende Staatspolitik auf, dt« Macht de» Reiche» in den Dienst sittlicher Gedanken zu stelle» und de» Willen zum freudigen Dienst für das Wohl de» Volke» und Staates in allen Schichten der Bevölkerung lebendig zu erhalten. An solchen Worten sollte nach vierjähriger Kriegsdauer selbst ein Dr. Kuh nicht mehr herumreden und schreibe». Da» heißt sonst deu menschliche» Le- griffen Gewalt anw»._ Die LShue der städtische« BureauhilfSarbeiter. Au» dem Kreise der Bureauangestellte» wird un« geschrieben: Bekanntlich hat der Berliner Magistrat der Stadtverordneten« Versammlung eine Vorlage unterbreitet, wonach die Teuerungszulage der Beamten und dauernd Angestellten um 2S M. pro Msnat bei den Verheirateten, um S— 8 M. für jedes Kind und um 17, öl) bis 40 M. für die Ledigen erhöht werden soll. Gleichzeitig unterbreitet er der Stadtverordnetenversammlung eine Vorlage zur K e n n t n i»- nähme, wonach den Hilfsarbeitern und HilsSarbeiterinnen ein« Erhöhung der Tagegelder um IS M. pro Monat oder SV Pf. pro Tag gewährt wird. Diese Vorlage hat in den Kreisen der städtischen Hilfsarbeiter große Enttäuschung und lebhafteste Unzufriedenheit hervorgerufen. Seit längerer Zeit streben diese schlechtbezahlten Hilfsangestellten nach einer angemessenen Erhöhung ihrer Besoldung. Bis zum vergangenen Jahre erhielten fie zum großen Teil noch die Friedenslohnsätze und nur ein Teil war in ganz geringfügiger Weise ausgebessert. Die einzige durchgängige Erhöhung war die al- gemein« Kriegszulage von 35 M. pro Monat für die verheirateten und 22 M. für die ledigen Hilfsarbeiter(diese KriegSbeihtlfe wird aber auch den Beamten neben der TeuerimgSzulage gezahlt). Gleichzeitig mit der Durchführung der Teuerungszulage ab 1. Juli v. I. wurden auch die Diäten der HilsSarbeitcr erhöht. Während aber in Würdigung der ungeheuren Teuerung die Beamten eine Ausbesserung von SS M. sür die Ledigen und mindestens SV M. für die Verheirateten erhielten, wurden die Hilfsarbeiter nur mit IS bis 24 M. pro Monat aufgebessert. Im Dezember wurde dann den Beamten und Angestellten eine einmalige Teuerungszulage von 200 M. für die Verheiratelen und ISO M. für die Ledige« bewilligt. Auch hiervon wurden die Hilfsarbeiter ausgeschlossen. Auf ein Jahr berechnet würde der einenaUgen Teuerungszulage eine Diätenerhöhung von SO Pf. pro Tag entsprochen haben. Die jetzige Ausbesserung soll wieder in demselben ungünstigen Ver- hältniS erfolgen. Wenn man berücksichtigt, daß ein großer Test der Hilfskräfte die Stellen von eingezogenen oder sonst fehlen- den Beamten voll versehen, daß fie durchweg dieselbe Arbeits- zeit wie jene zu leisten haben, so muß diese ungleichmäßige Berücksichtigung der Teuerung Lei der Lohnaufbesserung unge- recht und erbitternd wirken. Dabei werden vielfach von den HilfS- kräflen unbezahlte lleberstunden verlangt und eS ist ihnen sogar schon mit Entlassung gedroht worden, wenn fie Bezahlung ver- langen. Der Verband der Bureau-Ang esst eilten(0 27, Dirckienstr. 4 I), dem ein großer Teil der BureauhilfSarbeiter und -Hilfsarbeiterinnen angeschlossen ist. fordert unter Darlegung dieser Verbältnisse in einer Eingabe an die Stadtverordnetenversammlung, daß den Hilfskrästen jetzt mit Rücksicht auf ihre bisherige geringe Be-ablnng und die andauernde Teuerung eine Aufbesserung von mindestens 1,SO M. pro Tag oder 45 M. pro Monat gewährt werden soll. Hoffentlich gelingt es, die bürgerliche Mehrheit der Stadt- verordneienversammlung und den Magistrat von der Berechtigung dieser Forderung zu überzeugen. Kn8 dem KriegSavSschust für die MetaMetriede Grost-Berlins. Der Schmied Oskar Sch. klagt gegen die Finna Sch. in Wildau auf Ausstellung des Abkchrfcheins. Die beklagte Firma lehnt die Verhandlung vor dem KriegSauSschuß ab, weil Sch. als Pole nicht dem Hilfsdienstgefetz untersteht. Derartige Fälle können nur dann zur Verhandlung kommen, wenn die Firma auSdrückssch sich bereit erklärt hat, vor dem KriegSauSschuß zu verhandeln. Durch die»blebnung der Firma stt eS leider nicht möglich gewesen, in der Sache selbst etwas zu tun. Gerade in diesem Falle wäre eine Verhandlung vor dem KriegSauSschuß dringend nötig gewesen, weil Kläger behauptet, von dem Msifler mißhandelt worden zu sein, so daß er arbeitsunfähig ist. ES lag auch«in ärztliches Attest vor, in dem der Arzt die Mißhandlung bestätigt. vi Dreher und A Makchmenarbefter der Firma A. E. G. Hutten- streße verlangen von dem SchlichtungSauSichutz eine prinzipielle Entscheidung, ob die Firma berechtigt sei, Abzüge von den Preisen zu machen. Die Firma verlangt eine prinzipielle Entscheidung darüber, ob sie nicht daS Recht habe. Akkordpreise, die nach ihrer Anficht zu hoch find, herabzusetzen. Der KriegSauSschuß stellt sich getreu seiner bisherigen Gepflogenheit aus den Elandpuntt. daß Abzüge in der gegenwärtigen Zeit von den Arbeitern nicht an- genommen werden brauchen. Sine Herabsetzung kann nur eintreten, wenn die Arbeiter sich damit einverstanden erklären; der Ausschuß empfiehlt aber im übrigen eine Verständigung im Betriebe. Neun Gußputzer derselben Firma rufen den Schlichtung»- mtSschuh an, weil die Firma fich weigerte, den Abkebrschein zu er- teilen, trotzdem er vorher den Arbeitern zugesprochen war. ES wird festgestellt, daß diese Zusage bereits vor sechs Wochen erkolgt war, demgemäß also bei diesem Streittall nicht mehr in Frage kommen kann. Da die Arbeiter nachweisen, daß fie bei anderen Firmen wesentlich höhere. Verdienste erzielen können, erfolgt ein« Zusage dahtn, daß den Gußputzern»ine Zulage von 10 Pf. für die Stunde zu geben ist. Bisher betrug der Verdienst 1,S0 M. für die Stande. Sechs Kranschloffer derselbe« Firma verlange« eine Verdienst- erhöhung. Die Firma hatte drei Schlossern je S Pf. Zulage gegeben. die übrigen drei aber abgewiesen. ES ergeht ein Schied?- sprach dabin, daß alle Schlosser S Pf. Zulage erhalten sollen. Drei Dreher und IS Schlosser der Ä. E. G.. Brunnenstraße, verlangen Entscheidnng in einer Lohnstreitsache. Bei einer früheren Entscheidung waren die Lohnverhärtniss« der Werkzeugdreher und Werkzeugmacher geregelt. Der KriegSauSschuß entscheidet dahin, daß die drei Dreher unter die frühere Vereinbarung fallen, dem- gemäß also 10 Pf. Zulage erhalten sollen. Für die Schlosser wird die Sache zurückgestellt, da e« nach Anficht des Kriegsausschusses bester ist, wenn für die Schlosser allgemein im Werk eine Regelung erfolgt und nicht nur für eine verhältnismäßig kleine Gruppe. Eine weitere Streitsache betrifft die Firma B., Seestraße. Für den Sireitfall kommen 00 Arbeiter und v Arbeiterinnen des Werk- zeugbaus w Frage. Die Firma hat bereits Zulagen gewährt, die jedoch von den Arbeitnehmern, weil sie ungenügend erschienen, ab« gelehnt wurden. Nach längeren Verhandlungen erklärte fich die Firma bereit, de« gelernten und angelernten Arbeitern unter Nachzahlung vom 2. April ab 7lU Pf., den Arbeiterinnen S Pf. für die Stunde zu »währen. Außerdem soll den gelernten Arbeitern eine nochmalige »lag« vom 1. Mai ab um 2'/, Pf. für die Stunde gegeben werden. ?nöllstrie und Kandel. Au« htm Berliner WirtschaftSlebe». Die Vergma»» ElektrizftätSwerke A.-G. verteilt für das abgelaufene Geschäftsjahr, das daS LS. der Gesellschaft ist, 12 Proz. Dividende gegen 10 Proz. im Vorjahr. Auf Gebäude wurde eine Sonderabschreibung von 2,K Millionen Mark vorgenommen, die Maschinen stehen mit 2 Mark zu Buch, daS Bankguthaben beträgt 20 Millionen Mark. Im Geschäftsbericht wird u. a. ausgeführt: Der Krieg nahm die Tätigkeit des Unternehmens noch mehr als die vorangegangenen drei Krie gSjohre für die Erledigung der Kriegs- Wirtschaft in Anspruch, und die vielfach neu an die Gesellschaft herantretenden Aufgaben machten nicht nur häufige Veränderungen in den verschiedenen Betrieben erfoeberttch. sondern bedingten auch die Neuaufnahme von Fabrikaten. ES waren daher die Werke in stettg zunehmendem Umfange auf allen Gebieten bis zur äußerste» AuSnützung beschäftigt. vo» dem Ge- samtumsatz«ntf SUt etwa die Hälfte auf elettrotechnische Erzeugnisse. Such in den letzteren Fabrikaten traten neue Anregungen und Er« sordernisse an die Gesellschaft heran. Auf elektrometallurgischem und elettrochermschcm Gebiet find die Umsätze gegenüber den Vor- jähren erheblich gestiegen. Weiter kommen in Betracht die Liefe- rangen für die StaatSeisenbahnbetriebe und für die Privatindustrie, insbesondere sür die Montanindustrie. Die Mitwirkung der Ge- sell'chaft bei den staatlichen EleftrifierungSarbeiten bat in einigen Bundesstaaten beeeitS zu namhaften«irfträgen geführt, welche fich in Ausführung befinden. Die Zahl der Arbeiter und Anzestellten war im BenchtSsahe« schwankend; fie ging oft im Laufe deS Jahres über dt« Zuht von 12 000 hinaus, je nachdem eS die Erfordernisse durch einzulegend« Nachtschichten mit fich brachte«. Die SuSfichten find weiter günstig. Neue Millioueukoiizerne m der Filmiudustrie. Seit der Gründung der Universum-Film-A.-G., der einige Millionengründungen in Oesterreich-llngarn folgten, hat die Kon« zentrationsbewegung in der Filmindustrie weitere Fortschritte ge- macht. Wie die.Lichtbild-Bühne' mitteilt, ist jetzt mit Unterstützung des Barmer Bankvereins in Köln die Gründung einer Rheinischen Lichtbild-Akt.-Ges. mit einem Kapital von ö1/s Millionen Mark erfolgt, die die Fortführung de? Biofkop-Konzerns übernehmen wird. Dessen Direktor Heuser behält die technische Leitung, während die kaufmännische Kommerzienrat Sichler nine haben wird. Die neue Gesellschaft umfaßt vier Filmfabriken, sieben Verleihgeschäfie und rund dreißig Theater, von denen die meisten in Rheinland und Westfalen liegen, sie hat in Skandinavien und Oesterreich« Ungarn Zweigunternehnnlngen in die Wege geleitet, die sie auch in der Schweiz und Rußland vorbereilet. Außer der neuen Aktien- geiellichaft und der Ufa befinden stch zwei weitere Konzerne in Mntel- und Süddeutschland in der Gründung.— Auch in Schweden beginnt fich eine Konzentratton der Uturmdusttre anzubahnen: in Göteborg wurde unter dem Titel.Fifcwndustrie A. B. Sfandio* eine Akliengesellichast gegründet; das Aktienkapital beträgt vier Millionen Kronen, soll aber auf 12 Millionen erhöht werden. Außer den führenden �chtoediswen Filmfabriken ist mit der Filiale von Palhä auch franzöiffches Kapital an der Gründung beteiligt. Soziales. Metrrschutz. W>-e lpir schon gxftern nvittieitten, hat ber Genosse Mssell an den Reichskanzler die Frage gerichtet, was«r zu tun gedenke, um den Zweck der Verordnung zum Schutz« der Mieter vom 26. Juli 1S17 zu sichern. Der dwfer Frage zuueund« siegende Sachverhalt berührt die Interessen der Mieter aufs lebhafteste, die unter dem gegenwärtigen TmvriSnrnS der H auswerte zu leiden haben. Durch die DirndeSratSveeovdnuna vom 26. Juki 1017.zum Schutze der Mieter"'(SteichSgefetzblatt 1017, Seite 659) ist den Lanoes- zentrakbehörben das Recht erteilt worden, die im Beachk einer Gemeindebehörde errichteten Einigungsämter za ermämtigen, außer anderem auch auf Alnrnf eines Nieters über die Wirksamkeit einer nach dem 1. JuK 1017 erfolgten Kündigung des Vermieters, über die Fortsetzung deS getzfindigten MietverhattraHeS und ibre Dauer sowie über ein« ErhShung des Mietzinses im Falle der Fortsetzung zu bestimmen. Die Verordnung ist der Tatsache entsprungen, daß namentlich seit Anfang vorigen Jahres in vielen Fällen die Hau?» Wirte verfncht haben,«in« oft ganz wesentkich« Steigerung des Miet- Preises durch ausgesprochen« Kündigurig zu erreichen. Bei der großen Wohnuugsknapphett und den Schwierigkeiten eines lftnzuges in der Kriegszeit hat die Verordnung den Mietern einen Schutz ge- währen sollen. DaS Landgericht II, Berlin, hat sich als Bernsungs- instanz und damit endgültig in einem llrteil vom 14. November 1917 auf den Standpunkt gestellt, daß dies« Verordnung nicht in jedevl Falle einer Kündigung zulässig sei, insbesondere dann nicht, wenn oi« Kündigung nicht zum Zwecke einer Mietsteigerung ggfchchen sei, und weiter auch nicht, wenn im Wege der Klage die Aufhebung eine» schwebenden Mietvertrages gefordert werde. Die Folge dieses Urteils ist nun nicht nur gewesen und wird auch in Zukunft sein, daß der Vermieter nicht mit dem Verlangen einer Mietsteigerimg an die Mieter herantritt, sondern«nfach eventuell im Wege der Klage kündigt, und dann es dem Nieter überläßt, zur Abwendung der ihm aus der drohenden Näjummg der Wohnung erwachsenden Nachteile mit einem Angebot höherer Miete zu ihm zu kommen. Eine solche Umgehung der Verordnung entspricht nicht den zum Er- laß derselben fahrenden Tendenzen, insbcfojibere auch nicht der weiteren Tendenz der Verordnung, in Streiffällen dieser Art rasch und endgültig zu entscheiden. Es ist ausdrücklich in der das Ver- fahren vor dem MieteinigungSamt regelnden Anordnung ausge- daß die MieteinignngSämter endgültig entscheiden sollen. ist die Tatsache zu verzeichnen, daß fast nur noch die Ent- idung eines MiebeinigungsamteS über die Frage einer Miet- g respektiert wird. Sonst werden alle anderen bei einer solchen Entscheidung mit anftanchenden Fragen der Nachprüfung unterzogen. Damit wird anstatt einer schnellen Erledigung der Streitsache est« große Verzögerung herbsigesührt. Denn nun ist Mieteinigungsamt als neue Instanz zu den bisher schon be- rdeu in deu bürgerlichen Gerichten gegebenen hinzugetreten. Cs ist ganz unverständlich, wie daS Landgericht aus den oben- erwähnten Standpunft sich hat stellen können. Eine solche dem Leben geradezu abgewandte Rechtsprechung bewirkt, wie im vor- liegenden Falle, gerade daS Gegenteil von dem, waS der Gesetz- geber mit der obenerwähnten Verordnung hat erreichen wollen. Die E-zialversichernug in den künftige« Friede«»-»ud HaudelSverträgcn. DaS Deutsche Komitee für internationale Sozialversicherung ist iu einer Eingab« an den Reichskanzler dafür eingetreten, daß in verpflichten, die aus dem Gebier der Sozialversicherung und des Arbeitsausschusses gelrossenen oder noch zu treffenden Ver- günstigungen iunlichfi«inander gleichwertig und ihren Arbeitern und Angestellten gegenseftrg zugänglich zu machen. In der bei- gefügten Begrimdemg wird daraus hingewiesen, daß die jährlichen Auftvenbuugen für die deusftbe Sozialversicherung zurzeit schon die so gewalftze Summe von rund einer Milliarde Mark betragen und eine weitere nicht unerhebliche Steigerung unvermeidlich sein wird. Bei so starker Borbelastung deS deutschen Wirtschaftslebens wird defien Wiederaufbau nach dem Kriege fich um so schwieriger gestalten, je größer der Abstand zwischen den sozial- polttischen Aufwendrmgen DenischlandS und denen des Auslandes sich gestaltet. Dabei kommt foeuer i» Betracht, baß es ebenso sehr im Jnterefie deS allgemeinen KultursovtfchrittS, wie im Interesse Dernichlonds kisgt, rechrzettig Borsorge dahin zu wessen, daß in der ernschlligsHsn Gesetzgebung der verschiedenen Staaten tunlichst Gleichwertige« und d-Mist die B«»bedi»anng für ein Gegenseitig« ieitsverhAiintö gebaten wird. Die Deutsche GrieOicbeft für soziale Reform und die GeneraNommtifion der Getveristhaften Deutsch- latrdS haben gleichartige fiimbgebernge« veranitattet. rantwortN» Kit PoUU: Erich OtHtnrr,»«! jatstS: arftrt~ �.! K'rc den übrigen Teil des tieS: atrfrO) sauü», N-utNÜN! JtfCi-Iiir Slioik«, üerlin. Verlag: wüns-i-eclao K. m t. ä.,««iitt. ttvi. AorwÄetS�fuchdruckcret und Ver!ug.?..-»iialt Vau! Sing« ll. Eo. in Vreiin. ti»d«aprich« s. ettn 1 Sttlagr ntd NnUrhalwagSbiaU. sMöbeliKredit an Jedermann. t Kleinste Anzahlung.> ■ Größte ROcksicht.» Bequemste Abzahlung. Relchlialtiges Lager in ganzen Einriebtangen and einzelnen Stöcken. 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