Nr. 120. 35. Jahrg. Bezugspreis: SintertäStHjasa. monaU. IJtoWO. ftet ins HauS, vor Scunmiern 10 Bfg »ch l.b0 m. 11 Deutlchlimd und O«sterr-�ch- Ungarn S,— MI, fflt da< übrige HujfonS 4.50 SDK. monallich. L erfand ws Feld bei dtrelter Bestellung monatl. 1,60 SDK. Posibesiellungen nehmen an Düne- marl, Holland, Luxemburg, Schweden und ine Schweiz. Eingetragen in die Pofi.Zeitung».Breisitst». «rfchetni tSgltch. reiegraonn-«driG» .S»zi»ld»»okr«t vrrtt»». Verlinev VollrsblAkk. ( 10 Pfennig) «u�tgeupret»! «or, lft Bfg. Si" « Sorte'), jedes weitere Sielleng efnche nnd 90»fg.. jedes Karte über 15 Buchstaben ,en das erste Kort Korr 10»fg. . ien zühlen für zwei»ort«. TeuerungS,«schlag 30'ir. Famllle».«nzeigen, politische and gewerkschaftliche Verein»>«nzeioet! W»Ig. M« Zeil»,«n, eigen für W« nichste ZUnwner müssen big 5 liste nachmittag» im vauvtgeichSft. Settin «ffl-flä, Lindenstr-ch»&,-deegSe« Werden. Gebstnet Po»»Uhr früh ii» ZentraXorgan der rozialdcmohrati feben Partei Deutfchlanda. Reöakttov: SN). 68, LinöeastraA« 3* chernivrecher: Amt Moristpla», Str. IS1 g0— 151 17. Donnerstag, den Ä. Mai ISIS.\ CxptdKfon: Sw. 68, Snöenstraßs 3. Hern spreche,: Hm« Vt»ri«svl«tz, Str. 1S1 90-131 17. Die l�lnke fordert Huflöftingl Verhaftung der uftralnifdyen Regierung durch deutsches jVIilitär. Sie haben wohl Kngst! Nwistrr Dr. Dr«w»: Sem, da» gleiche S>chl«cht Aichs jetzt kommt, besteht die Gefahr, von der der Her, Geich». lanzler sprach, datz dann da» Wahlrecht, da» Sie bekommen, viel radikaler sein wird.(Höhnische» Gelächter«nd stürmischer Widerspruch recht». Ruf: Sie hebe»»»hl kl»»st? Trohe Unruhe link».) Ich tu« hier mein« verflucht« Pflicht mw Schuldigkeit und trete mit meiner Person für meine Uederzeugung ein. Lolche Zumutu»» daß ich durch Äugst und Feigheit»ich leite» lasse,«»cht« ich mir»an»»ergisch verbitte».(Tosender Lärm recht».— stürmischer Lei fall link», erneuter Lärm recht».) Sitzung de» Sbgeordaeimchauft» dum 1. Not. Da hätten wir also endlich die Siegtenma, die das Fürchten nicht gelernt hat! Wie männlich und tapfer klingt die Ant- wort, di« Herr DrewS, der Wahlrechtsminister, dem höhni- schen Zwischenrufer von rechts erteilt. Die Regierung hat keine Angst. Wirklich nicht? Der Reichskanzler und Minifierprästdent, Graf Hertling, Hefe neulich die Mitteilung, er werde im Reichstag eine Rede über die auswärtige Politik halten, dementieren mit der Be» gründung. daß jetzt die Zeit nicht zn Worten, sonder» zu T a t e n sei. AehnlicheS gilt aber jetzt, so will unS wenigsten« icheinen, auch für die innere Politik. Und mehr als die Schlagfertigkeit des Wort«, mit der ein Minister einen kv»- letvativen Zwischenrufer abfertigt, isteresstert»nS die Schlagfertigkeit der Tat, mit der die Ziegierung die vorauszusehende Ablehnung des gleichen Wahlrechts zu beantworten gedenkt. Die Regierung aber, helfet«L, will nicht auflösen, wenig» stenS jetzt noch nicht. Warum nicht? Weil sie Angst hat? Das ganze Verhalten der Konservative«, der RechtSlweralea und der Zentrumsmagnaten ist werter nichts als eine Spe» kulation auf die Angst der Regierung, die»Angst vor der eigenen Courage", wie Herr Rießer einmal gesogt hat. Ei» Spiel der gegenseitigen Einschüchterungen wird ge- spielt. Die Regierung droht, noch Ablehnung des gleichen Wahlrechts von allen verfassungSmäfeigen Mitteln Gebrauch zu machen. Die Rechte achtet dieser Drohung nicht, glaubt nicht an ihre Ausführung und versucht mm ihrerseits die Re- gierung einzuschüchtern— aber nicht durch bloße Reden, fem. der» durch die Tat. indem sie den Ministern ihren Gesetz- rntwurf zerrissen und verstümmelt vor die Füße wirft. Da- durch soll di« Regierung, der man den Mut zur Tat nicht zu- traut, gezwungen werden, klein beizugeben. Herr Lohma«» hat das auf dem nationalliberalen Preußentag so offen auS- gesprochen, daß man eS offener gar nicht sagen fann. Selbst Herr v. Heydebrand hat in seiner Rede vom DienS- tag zugeben müssen, daß daS Dreiklassenwahlrecht, weil nur auf der Steuerleistung beruhend, nicht haltbar sei. Aber mit Hilfe einer kleinen Mehrheit, die sie mir diesem unhaltbaren Wahlrecht verdanken, getraue» sich die Herren von der Rechten, den gemeinsamen Wille» de« Volkes, der Regierung und der Krone unter den ihren zu Mingen. WaS sie da tun, ist vom politischen Standpunkt aus ein Verbrechen, wahrschein- lich sogar eine selbstmörderische Dummhett. Aber WaS de» Mut betrifft, der aus einem solchen Derhoiteu hervorleuchtet, so kann man nur sagen:»All« AckwugN Di« habe» keine Angst! Warum aber will die Zkgierung noch der Ablehnung deS gleichen Wahlrechts nicht ans lösen? Hot fie Angst vor dem Sieg, der ihr in diesem Falle sicher ist? Oder wovor hat fie Angst? Kennt sie das preußische Boll so schlecht, daß sie glaubt, bei Neuwahlen würden die Parteien mit Knüppeln und Pistolen aufeinander losgehen? Wir übernehmen jede Garantie dafür, daß dabei nicht ein einzige« Bierglas zerschlagen wird, daß sich vielmehr alles mit jener Sachlichkeit, Ordnung und Nüchternheit abspielen wirb, die andere Völker am deutschen Boll— nicht verstehen. Während des Krieges haben wir ein« ganze Menge von Ersatzwahlen zum Abgeordnetenhaus erlebt— sie find kaum bemerkt worden. In drei Vierteln der Wahlkreise würden sich die Neuwahlen mit genau derselben Gemächlichkeit ab- spielen, weil der gegenwärtige Mandatsinhaber ohne jede Be. streitung einfach wiedergewählt werden würde.„Kampf" würde es höchstens in einem Viertel der Wahlkreise geben. wo die Wahlrechtsfreunde mit überraschender SchmerAosig- keit die bisher von Wohlrechtsgegnern gehaltenen Sitze mit ihren eigenen Anhängern besetzen könnten. Wohl würden einige scharfe Flugblätter verfaßt, manche kräftige Reden ae- halten werden, aber so ängstlich braucht wirklich niemand zu sein, sich davor zu lüpchteu. B e r I i», 1. Mal. Amtlich. Zu letzte? Feit«achte sich in Kiew ein« scharfe Agitation bemerkbar, die sich an- scheiaenb auch gegen be« deutsche» Einfluß in der Ukraine richtete. Unsere vemühnnge», Ordnung z« schaf» st», erfuhren von der Regierung eine billig«»- genügende Unterstützung, die außerdem keinerlei Maßregel» traf, mn die Frühjahrsaussaat»nd die dadurch be- dingte Erfüllung ihre» vertragliche» Verpflichtungen zu sicher«. Feldmarschall von Eichhorn sah sich deshalb nach Einvernehme» mit de« kaiserliche« Botschafter Freiherr» von Mumm genitigt, eine» Erlast über die Ausführung der flfrühjahrsbefleklungeu zu veröffentliche«, der von de»»trainische» Presse entstellt wiedergegeben wurde, was Anfregung im Lande und in der Rad« einen Protest hervorrief. Es ergaben sich sogar Anzeichen, daß Mitglieder der Regierung selbst sich an de» Agitation gegen nn» beteiligten. Unter diese» B erhalt» i ff r» gewann di« willkürliche Verhaftung des Direktor? der rnssische« Bank für auswärtigen Handel, D» b r tz, eine besondere Bedeutung. Dieser wurde ohne nähere Erklärungen im Namen des„Bun. des zur Lefreinng der Ukraine" in seinem Quartier überfalleu und weggeschleppt. Zur Hilfe gerufene Soldaten der Regie- ruugSmiliz weigerte, sich, ihn zu schütze». Sei« Aufenthalt ist zurzeit noch«nbekanut. Dobrh Wae als«krainifcher Fi- nauzsachverständiger mit de« deutschen Mitgliedern der Wirt- schaftskommissiou in enge Fühlung getreten»nd hatte sich große Verdienste»» sachgemäße Zusammenarbeit mit der deutschen«nb österreichischen Delegation erwoebe». Außer- dem liefe» Nachrichte» ei», baß weitere Verhaftungen folge» sollten; zugleich«ehrte» sich die Anzeiche» für den Verdacht, baß die Verhaftung bin Mitgliedern der Regiernng selbst anSgega». gen war. Diese» Entwkcklnng der Ding» konnte da, dentscheOberkommanbonichtrnhigznsehen. Der Gewaltakt bedeutete de» Wiedertegin» de» Anarchie und dl« Regiernng hatte sich als z» schwach erwiese«, die Rechtssicherheit in Kiew z« schützen. Feldmarschall bin Eichhorn»erfügt, daher im Einverständnis mit de» kaiserliche» Botschafter Freiherr» von Mumm zur Sicherung der Stadt Kiew besondere Maßnahme», di« im wesentliche» auf dir Einsetzung von Militärgerichte», die strenge Bestrafung allgemeiner Verbreche»»nd Androhung schwererer Strafe» gegen jede Stirnng de, Ordnung abzielten. Inzwischen war die Untersachaag deS Falles D ob r y bereits einem dentschru M i l i t ä r g e. r i ch t übertrage«. Sie führte unter anderem zur V e r h a f- tungdesKriegkmiaistersShnkowSki, deSAb. teilungSchef, im Ministtrin» des Innern D a j« w S k i, der Fra» des Ministers des Zuner» T k n t- schenk», de, Kommandanten der Stadtmiliz Bogazki«nd des AbteilungSchefs im Ministerium des Leußer» Ljnbinski. Die gerichtliche Uatersnchnng wird fortgesetzt. (Wir erfahre», daß sich der Reichstag mit tiefer Auge- legsihott befafte» wird. Red. d..Vorwärt»".) Die Folgen eine» passiven Verhakten» der Regierung sehen wir dagegen viel ernster. Der letzte Respekt vor der Regierung, das letzte Vertrauen zu ihr müßte geschwind zum Teufel gehen. Von der Rechten berannt, von der Linken der- lassen, wie wird die Regierung dastehen? Und wenn fie sich damit tröstet, daß sie ja gehen kann— welche Erbschaft würde fie ihrer Nachfolgerin überlassen? Hier eröffnen sich AuS- sichten, vor denen wohl auch einen tapfere» Mann eine gewisse Angst beschleichen kann, zumal wenn er annimmt, daß dar Krieg nicht sobald zu End« fein wird. Wir befinden uns in einer inneren Krise, aus der wir schon aus Gründen der äußere« Politik so rasch w« möglich heraus müssen. Nur die Tat kann helfen. Herr Minister Dr. Drews, bedenken Sie, daß Sie Gegnern gegenikborstehen, die viel zu kästig sind, als daß man iHneu»Ü Wart« im- panieren könnte! Sie haben gesagt, daß Sie kein? Angst haben. Zeigen Sie eßl » O O Nachdem die Wut der Wahlrechtsfeinde etwas abgekühlt ist. hat die Debatte am Mittwoch wenigstens der äußere« Form nach«inen Verlauf genommen, wie er eines Parlaments würdig ist. Nur einmal noch kam es zu einer m der Rechten und dem n Entschiedenheit gegen verwahrte, daß er nur aus A n g st für das gleiche Wahlrecht eintrete. Darüber Näheres oben! Wie später durch«in« Erklärung des Abg. v. Heydebrand festgestellt wurde, hatte der Minister einen Zwischen- ruf eines konservativen Abgeordneten.falsch verstanden". Damit war der Zwischenfall erledigt. Immerhin zeugt dieses welterschütternde Ereignis davon, wie geladen «nd wie es nur eines kleinen Anlasses be- an sich nicht di« Atmosphäre rv darf, damit ein schweres Gewitter losbricht. ES ist eine alte Unsitte im Dreiklastenparkament, daß die Rechte, sobald einer ihrer Anhänger gesprochen hat und ei» Vertreter der Linien das Wort erhält, demonstrativ den Saal verläßt. Diese Praxi» übten fie auch jetzt wieder. Komm hatte Herr Loh mann vom rechten Flügel der National- der der liberalen, dessen Siede sich in nichts von Konservativen unterschied, geendet»nd der Minister deS Innern ihm er- widert, als sich der Saal blitzartig leerte. Herr P o ch» i ck s mußt« vor fast leeren Bänken sprechen, und nicht viel anders erging es den Rednern der sozivldemokratfschen Parteien Hirsch«nd S t r ö b« I. Der Fortschrittler und der Vertreter der alten Sozialdemokrat:« forderten als Antwort«if die Loh- mannsche Anregung zu einer Verständigung die sofortig; Auflösung de» Hause» und Neuwechlen noch während des Krieges. Wie die Regierung sich dazu stellt, darüber herrscht mich jetzt noch kein, Klarheit. Der Redner der Unabhängigen, Ströbel. erklärt« den Regierun gsentwurf für unannehmbar. Käme eS also auf die Unabhängigen an. so könnte das gleiche Wahlrecht in der Fastung der RegieomgSvorloge durch ihre Stimmen fallen! •• • 18».«itznng. Mittwoch, ten l. Rai tStt, vormittag» 11 Uhr. Mm Mlnistertifche: Dr. DrewS. Fünf neu Angetreten« Mitglieder leiste» de» derfaffungZ- mäßigen Eid. Zweite Lefmtg üer Wahlrechtsvorlage. Zweiter T»». Die oBgernein«»«»spräche wird bei de» tzß 1—3 sortgesetzt. Abg. Dr. Lohwan» fnatl.): Ich spreche nur für die Hälfte meiner Fraktion.(Heitei- ieit.) Unser Standpunkt ist ja bekannt. Diejenigen meiner Freunde, die hinter mir stehen, halten«« ihre» Widerst«, de gegen die Vorlage»er Regierung fest.(Lebhafter«eifo« recht«, ironischer Zuruf links: Brado rechts I) Wir befürchten bei einer Gefetzwerdung der Berlage»in sehr starke» Anwachsen der sozialdemokratischen Partei.(Lebhafte Zustim- muno rechts.) Da» ReichStogSwatzlrecht würde in Preußen r adualer wirken oM im Reichstage. Dazu kommt der Einfluß der Polen als einer absoluten Opposition?- Partei in Preußen. Wenn die s ozioldemo kra tifcheu Stimmen in Preußen in dem Matze anwachsen, wie sie nach den letzten ReichStagSwahlen angewachsen waren, dann wird die Zahl der sozialdemokratischen Mandate derart anschwellen, daß fie in ab« iehbarer Zeit mit den Polen und Welsen die Mehrheit im Abgeordneeenbause haben wird.(Zustimmung recht«.) Wir«erden dann etwa IIS Sozialdemokraten. SO Polen, 8 Weifen und 2 Dänen haben, zusammen 1V7 Stimmen. Mit den fortschrittlichen Abgeordneten kommen wir ans 102. was der absoluten Mehrheit von 228 außerordentlich nobe kommt. Mr stehen vor einem allgemeinen StichwahlbLndni» der Fort- chrittler mit der Sozialdemotrati«.(Zustimmung rech««nd bei den Raiionall.) Ich glaube, daß vir mit der Möglichkeit rechnen müssen, dahin absehbarer Kit eine sozialdemokratisch-polnisch- fortschrittliche Mehrheit im Lbgeorbnelenhans« sein wird. Die Regierimg verkennt zwar nichh daß ein« gewisse Radikalisierung eintreten werde, aber fie bat mit dem Optimismus, der fie bei der Vertretung der Vorlage ausgezeichnet hat. immer wieder erklärt, dieser RadikalWnnrS würde nicht mehr f» gefährlich fein wie vor dem Sriog«. Such meine Fraktion hofft, daß ein großer Tetl der fozialbemokratifchen Wähkormassen sich in bezog aus die nationalen Forderungen de» Staates anders verhalten wird als vor dem stkriege»nd daß fie nicht die Wege der ofsmaem und Genoffen wandeln wird. DaS wird aber weder dem ZachStmn der EoziaGemokratie Abbrach tun, noch die Gefährlichkeit einer sozialdemokratischen Mehrheit mindem. Je weniger die S&'iäl» demokatie die monarchijchon, national« und tvltgiöjoa Gefshlüd« staats freundlich gefinnien Arvettermafsen verletzt, v» so stZrke? wird ihre Anziehungskraft auf die Arbeiter sein. Ich befürchte daher ei» sehr starkes Amvachfe» der sozialdemokratische« Stimme« uach dem Kriege. Sie behaupte», daß das Gemeindewahlrecht auf anderen Grund« sätzen beruht als das Staatswahlrecht. Die Regierung ist im Irr- tum, wenn sie den Kampf um das Gemeindewahlrecht für eine Prinzipien« und nicht für eine Machtfrage hält. Ein sehr lehrreicher Porgang hat sich in Baden abgespielt. Dort hat fich die national« liberale Partei zuerst dem gleichen Wahlrecht widersetzt. Sie hat schließlich nachgeben müssen. Nun fordern die drei maß- gebenden Parteien in Baden: Zentrum, Nationalliberale, Sozial« demokraten, einmütig auch für die Gemeinden das gleiche Wahl» recht. Und an dessen unmittelbarer Einführung ist nicht mehr zu zweifeln.(HörtI hört! rechts.) Wird die preußische Staats« regieruug mehr Widerstandskraft haben? Dann die Pofenfrage. Schon bei der fetzigen Mehrheit war die Mbeit schwierig. Die polnischen Kassen find gefüllt. Schon bei der jetzigen AasiedelungSpolitik war der lieber« gang von Grund und Boden von deutscher Hand in polnische immer etwas st ä r k e r als umgekehrt. Wir stehen vor einem neuen starken Ansturm der Polen. Was will die Regierung gegen diese Gefahr tun? Der Redner äußert Befürchtungen für die An- fiddlungSpolitik bei einer anderen Zusammensetzung des Hauses. Er befürchtet weiter als Folge deS gleichen Wahlrechts eine radikale Umwälzung auf dem Gebiete der Schul« und Kirchenpolitik. Seine Freunde hätten fich gesagt, daß das Mehrstimmenrecht des Aus« schusseS nicht allzuviel Ausficht auf Annahme hat. Das Un« annehmbar der Regierung ist allerdings noch nicht aus- d r ü c? l i ch ausgesprochen.(Widerspruch links.) Wir haben daher einen Antrag auf Einführung des Zweistimmeurechts eingebracht, der, wie fast die ganze Presse zugibt, eine fachlich« An« Näherung a» die Regierungsvorlage bedeutet. Ein Antrag gegen die Freizügigkeit ist er nicht. Kein Arbeitgeber wird einen tüchtigen Arbeiter nach ö'/a Jahren entlassen, bloß damit er keine Zusatz« stimme erhält. Ich hoffe, daß in Erwägung der furchtbaren Erregung, die ein Wahlkampf im Volke hervorrufen würde, die Regierung zu Verhandlungen bereit sein wird! Dieser Krieg muß dauernde Lehren zeitigen. Wir verlangen eine allgemeine Äp beitspflicht gegenüber dem Staate. Neberhaupt ist auf sozialem Gebiets noch viel Arbeit zu leisten. Die B i l d u n g s- Möglichkeiten müßten erleichtert werden. Es wird stets eins große Meng« des Volkes hier geben, die fich nur eine knappe Lebenshaltung leisten kann. ES ist natürlich. wenn diese große Schicht stärkere Ansprüche an das Leben stellt als fie befriedigt werden können. EiwaS anders ist eS aber. d�ß man diejenigen politischen Parteien zur Herrschast bringen will, dus bisher ihre Lebensaufgabe darin gesehen hat, ll n e r f ü l l- turres zu V er sp re ch e ii.(Widerspruch bei den Sozialdemo- k raten). Zum Schluß sprach der Redner die Bitte aus, den schweren Politischen Kamps, in dem man augenblicklich stünde, nur auf loyale Weise zu führen. Preußen wird auch unter dem gleichen Wahlrecht nicht uutergeheu. /Hört! hört! links). Wir möchten aber, so schloß Abg. Lohmann, daß es Preußen nicht unmöglich gemacht wird, eine weithin fichtbare Stätte von Zucht und Kultur und wirklicher Frei- heit, die nicht durch die Demokratie gewährleistet wird, zu sein. i Slürmiiche Zustimmung auf der Rechte» und bei einem Teil der Nationalliberalen.) Minister des Innern Dr. Drews: Wir müssen darauf halten, daß der Kampf der politischen Meiunngsverschiedenheiten in loyalen Formen geführt wird und daß die Ileberzeugmig des andern als die eines Mannes geachtet und gewertet wird, der auf seinem Wege bestrebt ist, dem Wohle des Vaterlandes nach besten Kräften zu dienen. Wenn wir das in die FriedenSzeiten hinübernehmen, so ist das ein un- geheurer Gewinn für unser ganzes Volk. Der Vorredner hat die Antwort des Vizepräsidenten auf die Frage deS Abg. v. Heydebrand, ob der König bei Erlaß der Botschaft vorn 11. Juli v. I. davon unterrichtet gewesen wäre, daß zwischen der überwiegenden Mehrheit deS Abgeordneten- hbuses eine Vereinbarung über ein Pluralwahlrecht zustande gekommen sei, das Ausficht auf Annahme hatte. etwas unklar gefunden. Der Vizepräsident hat ganz kurz und präzis geantwortet: Ja.(Zustimmung links.) Klarer and de«t- lichcr konnte die Antwort«icht fei«.(Erneute Zustimmung links.) Auch über die Stellung der Regierung zur Botschaft ist gestern vom Vizepräsidenten deö Staatsministeriums bereits eine kurze und b und ig e Er kl ä run g abgegeben worden. Als wir vor die Frage der Annahme eines MmisteramteS gestellt wurden, mußten wir uns darüber schlüssig werden, was wir als nächste und wichtigste Aufgaben der inneren Politik— und das war in Preußen die Wahl« vichisfragc— betrachteten. Wir sahen uns der Lage gegenüber, daß die Allerhöchste Botschaft ergangen war. Wir alle, die wir bereit ge- wesen find, ein Ministeramt zu übernehmen, waren der Ueber- zeugung, daß die Lage der Dinge unbedingt erfordere, daß nicht nur eine Vorlage des gleichen Wahlrechts gemacht werde, sondern auch, daß die Regierung mit aller Energie und mit allen unS zu Gebote stehende» Mitteln dafür eintrete, daß sie auck Gesetz würde. Es war nicht bloß eine formelle Wendung, weil die Bot- schait da war, die uns dazu nötigte, dafür einzutreten, sondern es ist bei der Gesamtheit deS Ministeriums die Ueberzeugung, daß, wie die politische Lage einmal war, das gleiche Wahlrecht nicht nur vorgelegt, sondern auch durchgebracht wecden mußte(Beifall links), damit die Spannung, die in den allerwe-itesten Teilen unseres Volkes besteht und die unser pokiti- sches Leben belastet und unserer Meinung nach nach Fvtedensschwß, wenn fie dann nicht gelöst wäre, unerträgliich belasten würde, ans- Woben werde. Das ist unsere Ueberzeugung, als die ehrlicher Männer. Ein leiser Zweifel schien aus den Ausführungen des Vorredners darüber hervorzuleuchten, ob der Mmifterpräsideut gestern richtig und wirklich den Antrag Lohmann als für die Regierung unannehmbar bezeichnet habe. Sollte darüber noch ein Zweifel obwalten, so möchte ich ihn dahin beheben, daß der Antrag Lohman» für die Regierung unannehmbar ist.(Lebhaxter Beifall Miks.) Es ist darin auch ein Plutokra- tifföes Moment, da? damit zum Ausdruck kommt, daß durch- gängig dem selbständigen Unternimm auf alle Fälle eine Mehr- stivime gewahrt werden soll. Selbständiges Unternehmertum ist nun einmal, wie unsere wirtschaftlichen Verhältnisse liegen, in über Li) Proz. aller Fälle von einem gewissen Ver- mogensbesitz abhängig. Ein pekuniäres Moment können wir ganz unmöglich als Grund für ein Mshrstimmenvecht zulassen. Auch bei den anderen Momenten, die hierfür für eine Plural- stimme maßgebend sein sollen, kommt selbst da, wo das weitest- gehende Entgegenkommen gezeigt wird, nämlich wo den Arbeitern eine Stimme gegeben werden soll, eine gewisse Erschwerung in Betracht, da er zehn Jahre in einem Arbeitsverhältnis stehen soll, und da da? Moment nicht in dem Willen des Be- treffenden liegt und deshalb niemals feststeht, ob der Ein- zelne jemals in feinem Leben eine Mehrstimme bekommen kann. Bezüglich der Wirkung auf die Ostmarkenpolitik hat der Vorredner bezweifelt, daß die Ausführungen dsS Herrn Vizepräsidenten richtig seien, wonach auch bei dem von der Kommission vorgeschlagenen Pluralstimmrecht eine Mehrheit für die bisherige Ost- «mckenpolÄik nicht vorhanden sein werde. Ich weiß nicht, wie der Vorredirer zu den Zahlengrundkagen feiner Bsrechnuug gekommen ist. Statistische Berechnungen sind immer außerordentlich schwierig, und namentlich bei diesen Wahlsachen, wo man immer einen ge- wissen Wahrscheinlichkoitsfaktor ansetzen muß. Wir sind aus Grund unieWv Rechnung zu anderen Resultaten gekommen. Da- nach würde bei Annahme deS Antrags Lohmanu auf keinen Fall ZlüHD dschanden eise Mdstcheft im Stmre der bisherige» Heftiger Feuerkampf im Räume Loker und Dranoeter— Durchbruchsvcrfuch der finnischen Roten Garden— Wiborg genommen— Die deutschen Truppen in der Krim. verli«, I.Mai 1918, abeudS. Amtlich. Bo« den Kriegsschauplätzen nichts Neues. Amtlich. Großes Hauptquartier, I.Mai 1918.(W.?. B.) Westlicher Kriegsschauplatz. I« Flandern lebte der Feuerkampf in den Abschnitten von L o k e r»nd Dranoeter z« größerer Heftigkeit aaf. Frisch in den Kampf geworfene französische Kräfte versuchten vergeblich gegen Dranoeter vorzudringen. Ihr mehrfacher Anstur» brach in rniserem Feuer zusammen. Auf dem Schlachtfeld« beiderseits der Samme stihrten wir erfolgreiche Erknndimgea durch. Vorstöße in die feindliche» Linien südwestlich von Roy»« «nd über de« Oise— Aisne-Kanal bei VareSneS brachten mehr als SO Gefangene ei». A» der übrige» Frout nichts»im Bedeutung. Osten. Fi»«la«d« I«»erzwekfekte« Kämpfe»»ersuchte der Feind,«asere Linien nordöstlich von TavastehnS»nd bei L a h t i zu durchbreche». ldeter schwerste» Verluste» wurde er znrückgeschlage». Fimtliindisch« Truppen habe« dir Festnng WiSorg ge- rnnrnnea. Ukrai»«. In der Krim habe» wir F e» d o s-i a kampflos besetzt. Der Erste Generalauartiermeifler. Ludendorff. Stockhol», 1. Mai. Wie.Astonbladet" auS Abo erfährt, ist der Ehef der Roten Gardisten Kullervo M a n n e r bei der Einnahme von Wiborg i« Gefangen- f ch a f t geraten._ Der österreichische Bericht« Wie», 1. Mai 1918. Amtlich wird»erlautbart: Die regere Kampstätigkeit an der Eüdwestftout hielt auch gester» tagsüber a«. An viele» Stelle» umrde» italienische Er- kandunge» vereitelt. De» Chef des Geueralstabes. Ostmarkenpolibi? zusammen zu bekommen. Die Regierung hat in dieser Frage den Standpunkt eingenommen, daß es darauf ankäme, die positiven Maßnahmen zur Unterstützung des Deutschtums auf- rechtzuerhalten und daß man allenfalls auf die repressiven Aus- nahmemaßregel» gegen die Polen verzichten könne, die als AuS- «ahmegesetze empfunden würben. Das hat man in der Kommission nicht nur von freisinniger, sondern auch von Zentrums- seit« als einen Boden erklärt, auf den man in Zukunft wohl treten könnte. Die Notwendigkeit der Erhaltung eines starke» Deutschtums in der Ostmark Hai sich gerade während des Krieges vertieft, auch bei den Parteien, die einer weiiergehenbsn Polenpoltt-ik bisher nicht zustimmten. Fe mehr die Polen alles abweisen, was getan werden könnte, damit sie sich als unabhängige Glieder des preußischen Staates fühlen, desto stärker wird bei allen Parteien die Ueberzeugung werden, daß das Deutschtum in der Ostmark durch positive Maßregeln gefördert werden müsse, auch bei denen, die die schärft« Polenpolitik bisher nicht mitmachen zu können glaubten. Die Zukunft wird anders auZjshen, aber jchw.arz sehe ich sie »j�t.„,-_____-:-r � �...... ES ist schon gesag! worden, daß Gemerndewahkrechk und Sraatswahlrecht zwei verschiedene Dinge sind, die nach ver- schiedenen Gesichtspunkten gelöst weroen müssen. Das wird auch ein Parlament des gleichen Wahlrechts anerkennen müssen. Ter Vorredner hat als schweres Bedenken gegen das gleiche Wahl- recht geltend gemacht, daß wir damit einer Ueberwucherung mit der Sozialdemokratie sehenden Auges entgegengehen, aber gleichzeitig gemeint, daß die Sozialdemokratie aus dem Krieg die Lehre gezogen haben müsse, daß sie nur dann einen größeren Einfluß aus die Arbeiter und Massen haben würde, wenn sie sich auf nationalen Boden stelle. Wenn diese seine Auffassung richtig ist, würden seine eigenen Be» denken hinfällig werden. Wenn Sie ein Anwachsen der Sozial- demokratie in Preußen haben wollen, gibt es kein sichereres Mittel, als das gleiche Wahlrecht abzulehnen. Die Sozialdemokratie ist als Reservoir aller Unzufriedenen groß geworden. Bei einer Wlekjnung des gleichen Wahlrechts wird man der großen Masse'"agen können: in Deutschland gilt einer, was der andere grltz in Preußen ist das nicht der Fall. Damit geben Sie der Sozialdemokratie den schönsten und sichersten A g i- tationsstoff, den sie haben könnte.(Lebhafte Zustimmung links.) Sie können sicher sein, daß dann die Zahl der sozialdcmv- kratifchen Anhänger in Preußen ganz ungeheuer anschwellen wird. Deshalb wäre das gewissermaßen eine Vogel-Strauß-Politi,. Den Anteil der Sozialdemokrat te an der Volksvertretung in Preußen können Sie nur durch das gleiche Wahlrecht zurück- zwingen. Wenn'das gleiche Wahlrecht nicht jetzt kommt, besteht die Gefahr, von der der Herr Reichskanzler sprach, daß dann das Wahlrecht, das Sie bekommen, viel radikaler sein wird.(H ö b n i- sches Gelächter und stürmischer Widerspruch rechts.— Ruf: Sie wollen ans Angst das gleiche Wahlrecht!— Große Unruhe links.) Ich tue hier meine verfluchte Pflicht und Schuldigkeit und trete mit meiner Person für meine Ueberzeugung ein. Solche Zu- mutmig, daß ich durch Angst und Feigheit mich leiten ließe, möchte ich mir ganz energisch verbitten.(Tosender Lärm rechts.— Stürmischer Beifall links, erneuter Lärm rechts, dauernde Rufe links: Ruhe!) Es ist meine Pflicht, darauf bestehen zu bleiben, daß das gleiche Wahlrecht nur das Wahlrecht sein rann, das bei der Aenderung des jetzigen Zostandes eingeführt wird. (Stürmtscher anhaltender Beifall links.— Widerspruch und Zischen rechts.), (Schluß i» der Beiloge.) die feindlichen Gegensturme auf Kemme! und vrancoeter. Berlin, I.Mai.(W. T. B.) Ans dem Schlachtfeldc in Flandern unternahm der Feind starke Angriffe gegen unsere Stellungen bei Langemarck, nördlich des Dorfes Kemmcl und vor allem sechsmal hintereinander gegen unsere Linien westlich Dranceter, die jedesmal unter ungeheuren blutigen Opfern rcst- los zusammenbrachen. Insonderheit mußte« frisch in den Kamps ge- worfene französische Kräfte bei Drancoeter im Kampf um Englands Prestige anfs schwerste bluten. Die rücksichtslos durchgeführten Angriffe, die beweisen, wie wichtig für den Gegner die dort verlorenen Stellungen find, trugen durch die Ergebnislosigkeit der kostspieligen Anstürme lediglich dazu bei, die von der deutsche» Führung beabsichtigte Zertrümmerung der feindliche« Heeresmacht z« beschleunigen. Nachdem bereits in der Nacht vom 29.»nm 30. und am Morgen de? 3V. April drei starke feindliche Angriffe gegen Dranceter zum Tril im Gegenstoß abgewiesen waren, brach um 10 Uhr 3V vor« mittags ein neuer starker feindlicher Angriff gegen unsere Linien West- lich Dranceter vor, der in frontalem und flankierendem Vernichtungsfeuer schon vor den deutschen Jnfanteriestellungrn zerschellte. 4 Uhr 30 nachmittag« setzte schlagartig aufs neue starkes Artillericfcucr zwischen B r n l c e z e nnd westlich Dranceter ei«. Dem starke« Feuer folgte 5 Uhr 15 nachmittags ein tiefgegliedertcr feindlicher Angriff, der ebenfalls unter schwere« feindlichen Verlusten abgeschlagen wurde. Trotz der wiederholten Mißerfolge gab der Franzose seine verzweiseltcn AngriffSversuchc nicht auf und trat au der gleichen Stelle gegen 10 Uhr abends nochmals mit starken Kräften zum Sturm au. Wiederum brach dieser nach schwere« Blutopseru deS Feindes vor den» deutschen Linien zusammen. Der 30. April brach» damit deu frisch eingesetzten Divisionen deS Generals Foch eine schwer« Niederlage. « Berlin, 1. Mai. Der Bahnhof Hazedrouck lag am 29. April unter zusammengefaßtem deutschen Feuer. Einwandftei wurde starke Wirkung festgestellt. Mehrere Brände sind beobachtet. Berlin, I.Mai. An der Frout zwischen Oise»nd Avre setze» die Franzosen ihre fieberhafte Schanztäligkeit fort. Diese Arbeiten sind infolge des deutschen Feuers, daS mit gleicher Hefiigkeit auf Anmarschwegen, Ortschaften und Unterkünften, Infanterie- und Artilleriestellungen liegt, für die Franzose» mit außerordentlichen Bcr- lusten verbunden. Die Franzose» erwidern vor allem das Feuer auf die Ortschaften und habe« bereits die Städte Montdidier, N o y o n und R o y e sowie zahlreiche Dörfer in w ü st c Trümmer- häufe« verwandelt. Die französische Infanterie dagegen zeigt sich außerordentlich wenig rege. Ihre Vorposten weichen den häufigrii deutschen Patrouillenvorstößen mit Vorliebe aus. Eigene Patrouille» schicken die Franzosen nur in erheblicher Stärke vor, so in der Nacht vom 28. zum 29. einen Stoßtrupp in Stärke von hundert Mann, der bei C h a u n y sich den deutsche» Linien zu nähern versuchte. Er wurde blutig abgewiesen und ließ mehrere Tote vor den deutschen Gräben liege». Englischer Bericht vom SO. April abends. Bei dem erfolgreickien Gegenangriff, den die französischen Truppen in der letzten Nacht bei Loker ausführten, wurden 95 Gefangene gemacht. Abgesehen von örtlichen Kämpfen an verschiedenen Punkten fand tagsüber Infanterie- tätigleit nicht statt. Weitere Meldungen bestängten, daß die feind« lichen Verluste bei dem ergebnislosen Angriff am gestrigen Tage sehr schwer waren. Südlich der Somme wurden einige Geiangen« durch unsere Patrouillen eingebracht. Außer der ge- wöhnlichen Artillerieiärigkeit auf beiden Seiten ist weiteres nicht zu melden. Englischer Heeresbericht vom 1. Mai morgens. Gestern wurde ein örtlicher Angriff des Feindes auf einen unserer Posten in der Nähe von St. Julien durch Maschinengewehrseuer ao- geschlagen. Vom Feinde im Abschnitt von Meteren gehaltene Posten wurden während der Nacht von unseren Truppen überfallen und von uns einige Gefangene eingebracht. Eine erfolgreiche kleinere Unternehmung, die in der letzten Nacht von ftanzäsischen Truppen ausgeführt wurde, verbefferte die von ihnen in der Nähe von Loker gehaltenen Stellungen. Französischer Heeresbericht vom 30. April abends. Tagsüber heftiges Geichützituer in der Gegend von Hangard. Im Abschnitt von N o y o n rief ein deutscher Angriff ein lebhaftes Gefecht bcr« vor. Unsere Truppen warfen den Feind aus den vorgeschobenen Gräben, wo er zuerst Fuß gefaßt halle, hinaus und stellten ihre Linie wieder her. Palrouillenzusammenstöße auf dem linken O i s e u f e r. Von der übrigen Front ist nichts zu melden. Französischer Heeresbericht vom 1. Mai nachmittags. Ziemlich heftige Artillerietätigkeit in der Gegend von Villers- Vretonneux und auf beiden Avreufern. In Lothringen machten ftanzösische Patrouillen Gefangsne. Ruhige Nacht auf ' der ühwigen F ront. �., > fit. 120 ♦ 35. Jahrgang Heilage des Vorwärts Donnerstag, 2. Mail 91 S Zweiter Tag üer wahlrechtsöebatte. (Schluß a«« dem HmrpSblatt.) Abg. Dr. Pachnicke(Vf.): Der Ministerpräsident hat eint Verständigung über die Wahlrechtsvorlage für möglich gehalten. Ich verstehe das von seinem Standpunkt aus und in diesem Stadium der Vera- timg. Auf der Rechten freilich finden wir nur den alten Starrsinn. Wir wollen abwarten, ob eS zur Verständigung kommt. Jeden- falls gibt es für uns eine Grenze der Verständigung, cir« Grenze dessen, was uns an Sicherungen zugemutet werden tann.(Lebhafte Zustimmung links.) Herr von Heydebrand hat zur Rechtfertigung des alten Wahlrechts auf die starke Vertretung des Mittelstandes im Abgeordnetenhause hingewiesen. Wo ist aber der Mittelstand in der Partei der Konservative««nd in der Partei des Herrn L-hmann? Wir haben doch das gleiche Wabl- recht in ganz Süddeutschland, in den mitteldeutschen Staaten, haben ee tm»««lande, in Monarchien und Republiken; habe« diese Staaten irgendwelche Nachteile dadurch gehabt? Hat denn die De. mokratie etwa in England gehindert, eine planmäßige» kluge Politik zu führen? Sehen wir nicht auch einen glän- zendcn Aufschwung vor allem im Deutschen Reich« selbst und zwar unter der Herrschaft des gleichen Wahlrechts. (Lebhafte Zustimmung links.) Herr von Heydebrand meint, das Heer sei auch gegliedert und darum müßten auch die Wähler gegliedert werden. Selbstverständlich muß das Heer straff organisiert sein; cS ist doch aber kein Beweis für die Frage des Wahlrechts. Wir wollen es doch den Männern nicht antun, die das Baterland gerettet haben, das; sie bei ihrer RüRehr sortiert«nd klassifiziert werden.(Stürmische Zustimmung link».) Unsere Truppe» verch-n uns Dank wissen, wenn wir ihnen ei» freieres Baterland bei ihrer Rückkehr verschafft haben. Wir wollen eine staatsrechtliche Form schaffen, die der Helden wert ist.(Bravo! links.) Wir dürfen die Stimmung, wie sie beim Empfang derstlr- beitervertreter durch den Reichskanzler zum Ausdruck ge- tommne ist, nicht verderben. Wenn aus diesem Kriege keine an. deren Früchte als schwere neue Stenern hervorgehen sollten, wenn keine innere Wandlung erfolgen sollte, dann muß eiue�tiefe Enttäuschung, eine gefährliche Verbitterung eintreten. Wollen Sie von den Konservativen und dem rechten Flügel der Rationalliberalen die Geschäfte der Unabhängigen führen? Durch nichts wird die Krone mit dem Volke enger ver. bunden, als dadurch, daß das Volk bei der Krone Verständnis und Vertrauen findet.(Sehr richtig! links.) Es schädigt das Ansehen der Monarchie, wenn der ungekrönte König einflußreicher akS de, gekrönt, ist.(Lebhafte Zustimmung links.) Wenn es in der Politik nicht nach dem Willen der Rechten geht, dann läßt fte die Minister nicht c i n m a l z u Worte kommen. So kann es nicht weitergehen. Geben Sie der neuen Zeit ihr Recht. Die Krone darf in diesem .Kampf umS Wahlrcht keine Niederlage erleiden. Es steht viel auf dem Sviel. Was geschehen mutz, muß bald geschehen. Graf Hert. Ii ng steht und fällt mit dem gleichen Wahlrecht. Auch di« anderen Minister. Tie Erregung, die ein Ministerstnrz hervorrufen würde, wäre ebenso groß wie die eines Wahlkampfcs. Präsident Graf Schwerin-Löwitz erklärt gegenüber Borschlägen des Vorredners, daß über die Reihenfolge der Abstim. muug erst nach Schluß der Aussprache entsibieden werden soll. Abg. von Heydebrand(k.): Der Minister des Innern hat sich mit großer Entrüstung gegen einen Vorwurf gewandt, der aus den Reihen� meiner Freunde gekommen fei, und ihm Angst«nd Schwäche vorgeworfen haben soll. Ick habe festgestellt, daß ein solcher Vorwurf von meine Freunden nicht erhoben wurde. Abg. Lndicke(fk.): Wir sind völlig einig darin, daß die WahlrecktSvorlagc in dieser Zeit nicht kommen durfte. Wir find überzeugt, daß das gleiche Wahlrecht nicht zum Segen Preußens sein wird. Ti� große Mehrheit meiner Freunde wird nicht dafür eintreten. Wir können die Verantwortung dafür nicht tragen, weil das gleiche Wahlrecht den Bestand des preußischen Staate? ge- f ä h r d e t. Wir bedauern den Konflikt im Interesse Preußens, aber wir wissen uns frei von jeder Schuld. Wir find zum Wa hl» kämpf bereit, wir zweifeln aber, ob die Regierung gewillt ist, einen Wahlkampf zu entfesseln, wie ihn Preußen noch nickt erlebt bat. Das gleiche Wahlvecht ist einSprung in s Dunkle. Wir wollen nicht dazu behilflich sein, in Preußen den Parlamentarismus und ein Scheinkönigtum aufzurichten. Die Zustände unter dem Rcichstagswahlrecht sind durchaus nicht so glänzend, es könnte manches besser fein. Ich zweifle, ob der Rückschlag an d c r M a r n e eingetreten wäre, wenn di« allgemeine Wehr» Pflicht damals restlos durchgeführt gewesen wäre. Bayern kann das gleiche Wahlrecht ertragen, da dort das Zentrum eine feste Mehrheit Hot. Abg. Hirfch-BerNn(Soz.): Ter Ausschuß hat sick mit einem Fleiß, der einer besseren Sache würdig gewesen wäre, bemüht, die Borlage so zu v e r s ck l e ch t e r n, daß sie für alle wirtlichen Wahlrechtsfrennde ebenso unannehmbar geworden ist, wie für die Regierung. Das gleiche Wahlrecht soll durch ein völlig plutokratisches Mehr st immcnwahl recht ersetzt werden. Im Krieg« hat gerade der einfachste Man» die schwerste« Opfer gebracht; diejenigen aber, die Gut und Blut auf dem Mtar de» Vaterlandes geopfert haben, sollen weniger Stimmen erhalt« als die, die in der Heimat ihrem Geschäft nachgehen konnten oder gar auf Kosten ihrer Mitmenschen KriegSgewinne er- zielt haben.(Hort! hört! bei den Sozialdemokraten.) Ich stelle öffentlich fest, daß an der Behauptung, auch Vertreter der sozialdemokratischen Reichstagsfraktio» hätten sich im Juli v. I. für das Pluralwahlrecht ausgesprochen, nicht ein Wort wahr ist. Auch in dem„V o r w ä r t s". A r t i k e I über die Ostcrbotschaft steht kein Wort, das sich mit einem Mehrstimmenwahl. rech» einverstanden erklärt. Wie konnte der Vorredner ein Sechs- stnirmenwablrecht als demokratisch bezeichnen? Die große Mehrzahl der Wähler würde nach wie vor entrechtet bleiben. Abg. Lohmann hat ausdrücklich die Aufstiegmöglichkeit der breiten Masse des Proletomt« in den Mittelftanld verneint; w« fatm man aber dann dem plutokratifchen Mchrstimmenwahlrecht zustim- men? Es ist unrichtig, daß jeder Aufwärtsstrebende Zusatzstimmen bekommen kann. Die Zusatzstimine für Alter und Kinderzahl wird der großen Mehrzahl von Arbeitern, die in gesundheitsgefährlichen Berufen beschäftigt sind, nicht zuteil werden. Wenn im Ausschuß gesagt wurde, jeder Arbeiter könne mit Leichtigkeit 6000 M. spar« und dadurch di« Zusatzstimm« für Vermögen erwerben, so trifft da» einmal nur für einen ganz geringen Teck der Arbeiterschaft zu, aber selbst da nur deshalb, weil infolge de? Rohstoffmangels d i e notwendigen Anschaffungen nicht gemacht werden lonnten. Auch zur Ausübung selbständiger ErwcrbStätigkcit ist ein gewisses Vermögen erforderlich und in den allermeisten Fällen auch zur Erlangung höherer Schulbildung. Ter neue Antrag Lohmann ist ein Ausnahmegesetz gegen die Arbeiterklasse und gegen die Kriegs- beschädigten sowie gegen die Kriegstetlnrhmrr überhaupt. Die SeL>» ständigen und Beamten in leitender Stellung sollen die Znsatz- stimmen nach einjähriger Tätigkeit erhalten, die Angestellten und Arbeiter erst nach sechsjähriger. Alle Saisonarbeiter würden hier- bei ausgeschlossen sein. Aber auch die Kriegsbeschädigten. denn diese werden natürlich bei wirtschaftlichen Krisen zuerst entlassen werden. Wie kann da» gleiche Wahlrecht ein Sprung ins Dunkle fein, wenn wir es im Reiche schon seit Jahrzehnten haben und ebenso in vielen Bundesstaaten. In seiner Besorgnis vor einer Gefährdung Preußens komnrt nur die Angst vor einer andere« Zusammensetznng des Hause» zum Ausdruck, bei der die freikonservative Fraktion zum größten Teil verschwinden würde. ParlamentariSnins und gleiches Wahlrecht haben miteinander nichts zu tun. In Ländern mit durchaus freiheitlichem Wahlrecht ist von Parlamentarismus nicht die Rede, und umgekehrt gibt«S parlamentarisch regierte Länder mit einem Mehrstimmen- oder noch schlimmerem Wahlrecht. Abg. Lohmann sprach von einer Ueberflutung de» öffent- lichen Lebens durch die Sozialdemokratie und einer Unterdrückung anderer Parteien nach dem gleichen Wahlrecht. Heut« ist eS umgekehrt. Die Sozialdemokratie wird nntevdrückl und die Konservativen überfluten daS ganze öffentliche Leben in Preußen, obwohl sie sich nicht auf die große Masse der Wähler stützen können. Wollen Sie eine Unterdrückung anderer Parteien verhindern, so müssen Sie das Verhältniswahl- s y st e m einführen in Verbindung mit dem geheimen und direkten Wahlrecht. Die jetzige Polenpolitik, deren Aenderung beim gleichen Wahlrecht Abg. Lohmann befürchtete, haben wir stets bekämpft. Auch die Polen müssen als gleichberechtigte StaatSbür- ger beb-rndclt werden. Uebrigens sind die Polen keineswegs (MnejOppositionSpartei. In allen Fragen der Kirche und Schule, in den?lgrarfragen gehen sie mit der Mehrheit diese? HaufeS zusammen. Die Gefahr, die angeblich Preußen beim gleichen Wahlreckt drohen soll, besteht nur in der Phantasie der Herren, die keine besseren Gründe haben. Wenn Abg. Loh- mann meinte, daß die Leute nur dadurch, daß man ihre Unzufrie- denheit erregt nrck durch Versprechungen für die Sozialdemokratie gewonnen werden, so irrt er. Ein großer Teil unserer Anhänger wird nn» durch die Tat« der reaktionär« Partei« zugeführt, vor allem auch wieder durch dre Tat der Kommission, die da» gleiche Wahlrecht unter so nichtigen Vorwänden verworfen unid durch ein plutokratisches Wahlrecht ersetzt hat. Den Sieg des Sozialismus können Sie nicht hindern, wenn Sie noch soviel Sicherungen dagegen aufrichten.(Sehr wahr! bei den So- zialdemokraten.) Was die Rückwirkung auf das Gcmeindewahlrecht betrifft, so sind wir stets für da§ gleiche Wahlrecht auch in den Genieindevertretungen eingetreten. Wir wollen eben ein in allen Gliedern demokratisches Preußen haben. Erst dann kommt der Wille des Volkes, der uns noch immer als der höchste Wille gilt, wirklich zur Gellung. In der Kommission hat man sich nun nicht gescheut, von der cmyehlüchen Unreife de? deutschen Vol- k« s zu sprechen.(Hört! hört! d. d. Sozialdem.) DaS bietet man dem Volke, durch dessen Einsicht es überhaupt erst möglich geworden ist, diesen Krieg nach außen siegreich zu führe» und im Innern durch- zuhalten.(Sehr wahr! bei den Sozialdemokraten.) Sie mögen da» gleiche Wahlrecht jetzt z« Fall bringen, die Macht haben Sie. Aber glauben Sie nicht, daß der Wahlkampf dann z n r Ruhe kommt. Keine Macht der Welt wird imstande sein, dem Volke seinen Anteil an Gejebgebung und Verwaltung auf die Dauer strittig zu machen.(Sehr wahr! bei den Sozial- demokratem) Graf Svce sprach von der Stimmung an der Front. Ich bezweifle, daß er die wirkliche Stimmung kennt. Komm! denn ein Major im DivisionS st ab« in Berührung mit den gewöhnlicken Soldaten? Was er vorgetragen hat, mag die Stimmung i« gewissen Offizierskrei. s e n sein, aber nicht die Stimmung der großen Blasse an der Front. Und wie di« Stimmung der Arbciterkreis« im Innern ist» das beweist die Aeußerung au» dem.Zentralblatt der Christlichen Ge- werkschaften":.All« Schickten de» dsutschen Volke» und die unteren am meisten, f-rben ihre Muitopfer in dtessem Kriege geffmufit und haben damit Anspruch darailf, über die Gesckicke de? VaterlanSeS in voller Gleichberechtigung mitzubestimmen. Die deutsche Arbeiterschaft wird es unter keinen Umständen zugeben, daß sie «« den Preis ihrer Opfertaten betröge« werde.'(Hört, hört! bei den Sozialdemokraten.) So denken akso die Gewerkschaften, die in der ZentrnmSpartei ihr« Paria- men tarische Vertretung erblicken. Wen» ein Teil des Zentrums jetzt gegen das gleiche Wahlreckt stimmt, so setzt es sich damit nicht nur mit der Stimmung dieser seiner Arbeiterschaft in Widerspruch, sondern auch mit dem, was von jeher das Zentrum durch seinen hervorragendsten Führer programmatisch in diesem Hause vertreten bat.(Hört, hart! bei den Sozialdemokraten.) Aber auch theoretische Gegner des gleichen WablrechtS könne» sich heute der Erkenntnis von der Notwendigkeit feiner Einführung nicht mehr verschließen, so z. B. der bekannte Prof. Stier-Somlo. Wir stehen auf dem Standpunkt, daß das Wahlrecht nnabhan- gig von den Steuern fein soll, und daß eS nicht nur den Männern, sondern auch den Frauen eingeräumt werden muß. Der Krieg hat diese Forderungen glänzend gerechtfertigt.(Sehr wahr! bei den So- zialdemokraten.) England ist znm Frauenwahlrecht übergegangen, eS weih genau, daß e» zum Wiederaufbau nach dem Kriege auf die Mitarbeit und Mithtlfeder Frauen angewiesen ist. Auch Norwegen, Finnland, Holland und andere Staaten haben im Kriege da? Frauenwahlrecht eingeführt. Im übrigen haben wir unser« grundsätzlichen Wahlrechtsfordernngen wieder als Antrag eingebracht. Schließlich deantragen wir di« Streichung der Ausnahmebestimmungsur Berlin, wonach für die Ortsansässigkeit in Berlin der Wahlbezirk an die Stelle der Gemeinde tritt. Durch diese Bestimmung wurden viele Berlin« Wähl« chreS Wahlrechts beraubt werden. Für den Fall der Ablehnung de? gleichen Wahlrecht? scheint die Regierung nicht nn eine sofortige oder baldige Anflösung de» HaufeS zu denke». Ter Ministerpräsident sprach von neuen Siche- rnngsanträgen. Aber entweder die Sicherungen find so, daß ein großer Teil der Rationalliberalen oder Freikonservativen ihnen zustiiumai, dann müsse die Linke sich fragen, ob um den Preis solcher Sicheinngcn das gleiche Wahlrecht nicht zu teuer bezahlt sei; oder die Sicherung genügt den WahlrcchtSgegnern doch nicht, dann würde alles so bleiben wie bisher. Da eine Ver- ftändigungsmöglichkeit nicht zu erblicken ist. halten mir es für das Richtigste daß die Regierung iu zweiter Lesung, wenn sie eine Mehrheit nicht findet, da? Hau? aufiöst. Zeigt die Regierung, daß sie nicht mit sich handeln läßt, dann leistet sie dem Volle den besten Dienst und so wird sie am ehesten die neue Wahlrechtsvorlage durchbringen. Die Erschütterungen, die der Vorredner vom Wahlkampf bc- fürchtet, sie sind da. Beim Wahlkampf würden die Parteien i n A n. Hänger und Gegner des gleichen Wahlrecht? zer- fallen. Auf der einen Seite würde die uugclieure Zahl der Ar- Vetter, Angestellten, Beamten und Mäiliicr der Wissenschaft, auf der anderen Seite die kleine Zahl der Agrarier und der Sihwcrindu- strielle» stehen. Ta müßte es mit dem Teufel zugehen, wenn die Mehrheit sich nicht auS Anhänger» des gleichen Wahlrechts zusaiu. mcnfebeu iolllc. Tie Feldgrauen sind von der Entscheidung auch ausgeschlossen, wenn wir u a ch Beendigung des K r i e- ges zu neuen Wahlen schreite», denn unter dein Dreiklassenwahl- recht würden alle Feldgrauen, da sie wirtschaftlich ruiniert sind, i n die dritte Abteilung geraten, also von Kriegsgewinuern und dergleichrn überstimmt werden. Die Feldgrauen würden dann ebensowenig zu reden haben wie jetzt: aber sie wurden all denen Dank wissen, die mit uns für das gleiche Wahlrecht kämpfen, wenn wir es ihnen möglich machen, in ein Vaterland zurnckzukom- man. in dem sie sich wirklich hei misch fühlen könne n. (Sehr wahr! bei den«ozialdemotraten.) Freilich dürfte nicht durch die Militärdiktatur die Agitation für das gleiche Wahlrecht unmöglich gemacht werden, wie daS heut« immer wieder geschieht.(Hört! hört! links.) Wenn die iinverantwortlichen Einftüsse aushören, dann wird schon unter dem Dreiklassenwahlrecht eine Mehrheit für das gleiche Wahlrecht zustande kommen. Nicht durch die Ein- führung. sondern durch die Ablehnung des gleichen JSahlrechiS würde dxr SiegeSwillegelähmt werden. Das hat auch Dr. Friedberg erklärt. Die Gegner wollen mit Gewalt der Entwicklung Einhalt tun. Aber das gleiche Wahlrecht wird kommen, den» es mutz sich durchsetzen als eine geschichtliche Notwendigkeit. Noch haben Sie es in der Hand, zu entscheiden, ob die Entwicklung sich friedlich oder in anderen Bahnen, die wohl keiner von uns wünschl, vollziehen wird. Es handelt sich nicht um eine preußische, sondern um eine deutsche Frage. Das„preußische Regiment" ist mit eine Ursache dafür, daß wir so wenig Freunde in der Welt haben. Und immer wieder werden von der Rechten Aeußerunarn in solchem Sinne gemacht, wie noch letzthin vom Abg. v. Woyna, der erklärte, die Belgier könnten gar nicht genug Gott dafür danken, daß man rndlick Ordnung in ihr verrottetes Land ge- bracht habe. Wir wollen nicht, daß dem Haß gegen Preußen und gegen Deutschland neue Nahrung gegeben wird durch das Gebaren einer kleinen Cligne. die ihre Herrschaft nur noch einem überlebten Wahlsystem verdankt. Die Schicksalsstnnde Preußen» hat geschlagen. DaS alte Preußen wird stürzen, aber c t it neues, besseres Preußen sich ans seinen Trümmern erheben. Beweisen Sie, daß die große Zeit kein kleines Geschlecht finde. Lassen Sie die Gelegenheit, die sich jetzt fiir Sie bietet, nicht ungenützt vorübergehen. (Bravo! bei den Sozialdemokraten.) Abg. Ströbcl(U. Soz.): Di« Konftwtxifivcn wollen eS offenbar ans die rücksichtsloseste Machtprobe, aus den Kampf knS aufs Messer, mit dem Volke an- kommen lassen, das ihnen wohl gut genug ist als Kanonen- s utt er, dein sie aber gleiche Bürgerrechte borenthalten wollen. Dagegen nrrbd das aicheitondc Volk den schärfsten Kampf führen müssen, aber mich gegen die Regierung, die gestern schon erkennen ließ, daß st« Jirtt sich reden lassen werde. Bei einer Auflösuiig des Hauses allerdings würden die Konservativen mchtS zu gewinnen, aber viel zu verlreren haben. Doch eS hat nicht den Anschein, als ob die Regierung eS darauf ankommen lassen will. Die Rede des Mmisterpräfidenten war eine einzige Einladung� zum re- aklionären Kuhhandel anf Kosten lder Vokks-rechte. Durch allerhand„Sicherungen" will man das gleiche Wahlrecht wieder aufheben und das künftige Abgeordnetenhaus zu poliitischer Ohnmacht verurteilen. Mehr als zwei Millionen Wähler gehen mich der Fassung der KommissionSüeschlüsse de« Wahlrechts verlustig. So danken Sie den Kriegsteilnehmern! Man vertraut eben aus die Langmütigkeit des deutschen Volks, aber man täusche sich nicht über die Stimmung. Die Besfimmnng über den Wohnsitz bedeutet ebne neue Verschlechterung des bestehenden Wahlrechts, eine Ausnahmebestiimmung für die großen Massen der Arbeiter. Der Entwurf ist also lediglich«in« Vorspiegc- lnng de? gleichen Wahlrechts, vor allem auch durch die Vorenthaltung des Wahlrechts an die Frauen. Auch die Fou- fchriHicr erweisen sich als lediglich platonische Freunde des Frauen- Wahlrechts. In England haben bereits sechs Millionen Frauen da? Wahlrecht ziim Parlament. Leider fordert die große Diasse der Fvauen bei un? durch ihre stumpf« Gleichgültigkeit in politischen Fragen die Machtpolitik der Rechten geradezu beranS.— Das Pluralwahlrecht der Kommission läßt sich mit Vernunft- gründen überhaupt nicht rechtfertigen. Aber die Absicht geht überall Aar dahin, die großen Massen des Proletariats zu benachteiligen. Der Abg. Hirsch hat diese ganzen Bestimmmiigon und auch den An- trag Lohmann mit Recht eine Berhöhminy der Arbeiter genannt. Doch auch ohne diese Verschlechterung ist, wie gesagt, die Borlage so undeuivkraiisch, tms? jeder wirkliche Freund der Demokratie die Borlage ablehnen muß.(Bvavo! l«i den N. Soz.) Die Regierunq hat ja selbst erklärt, daß, wenn diese Vorlage fällt, ein viel radikaleres Wahlrecht kommen wird. In der Tat: dann wird das Volk in der Heimat und im Felde sich eine bessere Wahl- reform erzwingen. Das Vol? wird sein Reckt erobern, es ist ja gerade jetzt nicht wehrlos. Mögen auch die RegieoungSso�iafiften sich jetzt auf die Seit« des Volkes stellen. Fürchten Sie stch wicht bor dem Vorwurf des„.Landesverrats". Das Volk weiß, wo die wahren Landesverräter crm Volke sitzen. Der Wahlrechtskampf der Zukunft wird alle Widerstände hinwegfegen.(Lebhafter Beifall bei den U. Soz.) Die Wetterberaiwwg irfrd ans Donnerstag, 11 Uhr, vertagt. Reichstag. 166. Sitzung. Mittwoch, 1. Mai 191», nachmittags 1 Uhr. Am BundeSratstisch: Frhr. b. Stein, Scheuch. Auf der Tagesordnung steht die erste Beratung des Entwurf» betreffend Aufhebung deS ß If»? der Gewerbeorduuug. Abg. Bccker-Arnöberg(Z.): Bei der Aufhebung des§ 16» der Gewerbeordnung handelt es sich um eine alte Forderung des Zentrums, denn zweifellos bedeutet dieser Paragraph ein Aus- n ah m e g e f e tz. das unbedingt iallen muß. Allerdings bedarf das Koalitionsrecht nicht nur der hier vorgesehenen negaliden, sondern auch einer positiven Regelung. Dem eingebrachten Eni- Wurf stimmen wir ohne Ausschußberarunz z«. Abg. Ebert(Soz.): s 15S ist ganz zweifellos ein Ausnahmegesetz, denn gegen Arbeitgeber ist er nicht anwendbar, sie haben genügend wirtschaftliche Möglichkeiten, um dem Paragraphen au» dem Wege gehen zn können. DuS gibt ganz unumwunden jetzt auch die R e- g i e r u n g in ihrer Begründung zu. Der Paragraph bat einen so vieldeutigen und gehässigen Eharatter, daß selbst bei den Harm- lose st en Zusammenstößen in wirtschaftlichen Kämpfe» ans harte Gefängnisstrafen für Arbeiter erkannt worden ist. Dem allgemeinen Rechtsempfinden wird mit diesem Paragraphen geradezu ins Gesicht geschlagen. Kein Wunder, daß seine Handhabung gu dtia ständige« Quelle ffeflter CiBTBeumg fit Me WWIec teert«««ß. STte*e»et!< schaftliche» Arbeiterorganisationen ohne jede Rücksicht auf die politische und religiöse Stellung ihrer Mitglieder stimmen in der Beurteilung dieses Paragraphen üb«rein. Seine Handhabung bildet rt» recht düstere« Kapitel. das bei der innerpolitischen Entwicklung de« Reiche« eine der« hängniSvolle Nolle gespielt hat und hoffentlich mit dem heungen Tage seinen Abschluß findet. Wir verkennen keineswegs, daß auch nach der Annahme der Vorlage noch ernste Gefahreu für die Ausübung des Koalitionsrechts bestehen. Sind doch Arbeiter, die im wirtschaftlichen TageSkampf lediglich die Interessen ihrer Kameraden vertreten, auf Grund des Erpressungsparagraphen zu schweren Gefängnisstrafen verurteilt worden. Auch ist mit der An- nähme der Vorlage leider noch nicht allen Arbeitern da« Koalitionsrecht gesichert. Der Gesetzgebung bleibt hier noch eine große und dringende Aufgabe, doch wäre eS verfehlt, die heutig« Vorlage damit zu belasten. Sie bildet einen erfreulichen Fortschritt, und diesen gilt es zunächst sicherzustellen. Wir sind deshalb mit der glatten Erledigung ohne Kommisfionsberatung ein- verstanden und werden der Vorlage z u st i m m e n.(Bravo! bei den Sozialdemokraten.) Abg. Dove(Vp.): Wir stimmen der Vorlage zu. Der Libera- liSmuS hat seinerzeit den Anstoß dazu gegeben, statt der Einzelver- träge Kollektivverträge von Organisation zu Organisation zu schaffen. Hier liegt eine Ausnahmebestimmung vor, die beseitigt werden muß. Abg. Dr. Junck(natl.): Eine Minderheit meiner Kreunde hat Bedenken gegen die Borlage, die Mehrheit meiner Freunde dagegen stimmt ihr ohne KommisfionS- beratung zu. Abg. Schiele(!.): E« handelte sich hier nicht nur um eine soziale, sondern auch um eine politische Frage. Fällt der§ 1B3 der G.-O., so werden die wirtschaftlichen Kämpfe eine»och größere Erbitterung annehmen. Man kann hier nicht von einem Aus« nahmegesetz sprechen, sondern der Paragraph soll Schutz gegen den Terrorismus der Streikenden geben. Wir können seine Aufhebung daher nicht billigen.(Beifall bei den Konservativen.) Abg. Behren«(D. Fraft.): Die Gewerkschaften haben alle« ge- tan, um das Durchhalten in der schweren KriegSzeit zu er« möglichen. Ihrer einmütigen Forderung muß mau also Rech- uung tragen. Abg. Jockel(tl. 6.): Auch meine politischen Freunde begrüßen die Regierungsvorlage und erblicke« in ihr eine» Fortschritt. Gerade der Abg. Schiele ist am wenigsten befugt, über Terroris- muS zu sprechen— gehört er doch jenen Kreisen an. die den schlimmsten TerroriSmuS gegen nichtwillige Unternehmer ausgeübt haben. Abg, Nowitzki(Pole) erklärt da« Einverständnis seiner Freunde mit der Vorlage. Me Debatte schließt. Die Mette Lesuug teirt im Plenmn er- folgen. Es folgt die erste Beratung de« Entwurf« eine» �rbektskammergefetzes. Staatssekretär des ReichswirtschastScmrtS Frhr. v. Stein: Wir müssen die Kräfte für den wirtfchaftlicheuKampf, den uns die Feinde für die Zeit nach Beendigung de« Krieges auf das ernstlichste androhen, zusammenhalten. Eines der wichtigsten Probleme ist dann die Regelung deS Arbeits- Verhältnisses. Die Millionen, die de» Waffenrock ausziehen und den Arbeitskittel anziehen werden, werden dann den Arbeits- markt sehr verändert wiederfinden, daß dann keine schweren Er- schütterungen eintreten, muß eine unserer Hauptsorgen sein, und dazu soll auch das Arbeitskammergesetz dienen. Auf dem Gebiet der Regelung des Arbeitsnachweises bietet sich der ein- sichtigen Zusammenarbeit von Arbeitgebern und Arbeitnehmern ein weites Feld der Tätigkeit. Ein dauerndes Zusammenarbeiten ist aber nur denkbar bei genauer KenutniS der einschlä- gigen Verhältnisse, und deshalb halten wir an dem sachlichen Aufbau der ArbeitSkammrr» feit. Auch die Bedenken gegen die Einbeziehung der Eisenbahn- a r b e i t e r in das Gesetz, die bei der Vorlage von Illli bestanden, glaubte die Regierung jetzt zurückstellen zu solle». DaS Gesetz soll die nach dem Kriege kommende Entwicklung fördern und schwer- Erschütterungen verhüten. Abg. Schiffer-Borkem(Z.): Wir begrüße» die Borlage, jedoch bedarf sie in wesentlich�, Punkte» noch der Verbesse- r u n g. So wird die Frage ernstlich zu prüfen sein, ob der Aufbau der ArbeitSkammern eine räumliche oder fachliche Grund- läge haben soll. Weiter wären besondere Arbeiterab- t e i l u n g e n bei den Arbeitskammern zu wünschen. Das Ver- trauen der Arbeiterschaft zu de» Kammern würde denm erheblich größer sein. Wir beantragen die Ueberweisung der Vorlage an einen Ausschuß von 2S Mitgliedern. Abg. Legren(Soz.)': Die Vorlage ist beseelt von dem Geist, den wir in der Arbeiter- gesetzgebung stets hatten, nämlich dem Geist des Mißtrauens gegen die Arbeiter. Die Arbeitskammern sollen ja nicht für die Unternehmer, sondern für die Arbeiter geschaffen werden, wie auch die Regierung in der Begründung hervorhebt. Dann hätte man aber die Wünsche der Arbeiterorganisatio- neu berücksichtigen sollen. Als der erst« Staatssekretär deS Neichswirtschaftsamts Schwander aus dem Amte schied, er- klärte er unserem Kollegen Bauer, alle soziale» Gesetze würden einer aus Arbeitgebern und Arbeitnehmer» z t- sam mengesetzte» sozialen Kommission znr Be- gutachtung vorgelegt werden. Bisher haben wir von ticser Kommission nichts gehört.(Hört, hört.' bei de« Sozialdemo- kraten.) Und auch diese Vorlage hat einer solchen Kommission nicht vorgelegen. Die Organisationen der Arbeiter und An- gestellten haben seinerzeit einen eingehenden Arbeitskammergesetz- cntwurf ausgearbeitet. Die dort niedergelegten Wünsche �sind m dem vorliegenden Entwurf aber übergangen. Dabei hätte doch die Regierung gerade hier Gelegenheit gehabt, ingrotzzügiger Weise zu zeigen, daß sie für die Arbeiter nicht nur Worte, son- der i, auch Taten hat. Aber trotz der vier Kriegsjahre zeigt fich in dem Entwurf ein kleinlicher Geist des Mißtrauens gegen die Arbeiter. Deutlich zeigt sich das bei den Bestimmungen über die Einbeziehung der Eisenbahnbetrieb«. Im Eni- wurf von 1910 waren nach dem Beschluß deS Reichstages nur)ie Fabriken und Werkstätten einbezogen. Jetzt ist in der Vorloge statt des Wortes.Arbeitnehmer" durchweg das Wort.Arbeiter" gesetzt, Die Einbeziehung der Eisenbahnarbeiter hat also nur die unwesent- liche Bedeutung, daß nur die Streckenarbeiter hinzukam. men. Dazu aber wird für die Eisenbahnnrbeiter et« AnSnnhmerecht geschaffen, denn sie sollen nur dnrch den Arbeiter«»«- s ch u ß in indirektem Verfahren Mitglieder zur Arbottskammer wählen. Dann wird noch der Versuch gemacht, in diese« Gesetz ein kleine« Streikverbot für die Eisenbahner und Postbeamten hm- einzubringen, denn im§ 45 Absatz 2 heißt eS in einem Nebensatz, daß in diesen Betrieben wedereineBetriebSeinstellnng noch eine Arbeitsniederlegung zulässig ist. In der Weise läßt sich diese umstrittene Frage nicht lösen.(Sehr richtig! bei den Sozialdemokraten.) D« Regierung hält an der beruflichen Gliederung der Arbeitskammern fest. Für thre berufliche Vertretung bedürfen die Arbeiter der Arbeits- kammern nicht, aber alle die Berufsgruppen, in denen starke Or- ganisationen nicht vorhanden sind, werden dadurch von den Ar- beitskammern ausgeschlossen. Wir müssen die territoriale Gliederung verlangen. 1866 wollte die preußische Regierung da§ KoaLitumSverbot für Landarbeiter auf- heben, Mcht an« FlveckuiäßßchM, sondern amB Werechttgkekk. Der jetzige Entwurf schließt die Landarbeiter aus, wtt müssen sie auS Gerechtigkeit in die Arbeitskammeon einbeziehen.(Leb- hafteS Sehr richtig!) Der Aufbau diese« Gesetze? hätte der Re- gierung Gelegeuhsit zu einem einheitlichen Ansdan der gesantten Vertretungen der Arbeiterschaft geben können. In der Kommission werden wir bemüht sein, einen solchen einheitlichen Aufbau herbeizuführen. Unseren Wünschen entspricht oer Entwurf nicht im entferntesten. Die Kommission wird gründliche Arbeit machen müssen. Wenn der Arbeiterschaft nicht sehr schwere Enttäuschung bevettst werden soll, wird der Entwurf wicht nur in seinen einzelnen Teilen, sondern in seinen Grund zügen umgestaltet werden müssen.(Lebhafter Beifall bei den Sozial- demokraten.) Abg. Weinhansrn(vp.): Der Vorredner hat nur Schatten- fetten in dem Entwurf gesehen. Er ist aber doch der erste Schritt dazu, den Arbeitern eine gesetzliche Vertretung zu geben. Und deswegen begrüßen wir ihn mit Freuden. Zu bedauern ist, daß die Landarbeiter von ihm ausgenommen find. In der Kam- Mission werden wir uns bemühen, diesem Mangel abzuhelfen. Abg. Jckler(natl.) bedauert die Ausnahmebestimmungen für die Sisen-bahnarbeiter. die die Kommission beseitige« möge. Abg. Dr. Wildgrube(k.) bestreitet, daß Mischen den Srbett- gebern und Arbeitnehmern starke Interessengegensätze bestehen müssen und verlangt die Aufrechterhaltung des§ 153. Abg. Behren«(D. Frkt.) tritt für die Einbeziehung der Land- arbeiter in das Gesetz ein; andernfalls müßte der Entwurf abge- lehnt werden. Hierauf vertagt da» Hau» die Weiterberattmg auf �on» nerstag, 1 Uhr. Schluß: 6)4 Uhr._ parteinachrichten. Nm das gleiche Wahlrecht. Gegen die Provokation der breiten VolkSlnasse» durch die Reaktionäre des poeuhlschen DreiflassenparlamentS protestierten von den sozialdemokratischen Organisationen berufene Bersamm- lungen in Guben, wo ebenso wie in Vetschau und Finster- w a l d« Reichstagsabgeordneter Wels über:.Deutsche Frei- heit und preußisches Wahlrecht" referierte. In Bei- schau, dem kleinen Spreewaldstädtche«, waren über 400, in F i n- st erwald« mehr als 1000 Personen anwesend. Beitragserhöhung. Eine Konferenz der Ortsvereinsvorsitzende» der KreiSovgani- sation EottbuS-Spremberg beschäftigt« sich eingehend mit der vom ParteiauSschuß und vom Bezirksvorstand empfohlenen Einführung des Woche nbei trag» von 15 Pf. für männliche und 10 Pfennig für weibliche Mitglisder ab 1. Juli. Di« Genossen er- kannten einmütig die Notwendigkeit an, die Parteikasse zur Durch- führung der bevorstehen dem politischen Kämpfe durch eine« um 5 Pf. erhöhten Wochenbeittag zu stärken. Durch rsgelmäßige vi«:- zehntägige Kassierung soll vi« Beitragszahlung den Mitgliedern leichter gemacht werden.— Als Delegierter zu der am 2. Juni tti Berlin tagenden P rmnwzialkon ferenz wurde Genosse Zappah ge- wählt. Genosse Alois Mühlbaner ist in München TB Jahne oft gestorben. Wer fich der schweren Zeit?» erinnert, weiß, ein wie tapferer und scharfsinniger, der Polizei wegen feiner Verschlagen- heit, den Parteigenossen wegen seiner Opferbcreiischaft bekannter Parteigenosse Alois Mühlbauer war. Seiner habhast zu werden und ihn in einen GehehnbundSprozeß zu verstricken, war dos leb- hafte Bemühen der Münchener Polizei. Später hat Mühlbauer in der Partei und in den Gewerkschaften Hervorragendes geleistet. Zehntausenden hatte er durch seine rastlose und zähe Arbeit im Ar- beiterfekretariat München ihre Recht verschafft. Fortschritte m der oberrheinische« Parteibewegvng. � An« fast allen Kreisen des oberrheinischen Agitation«bezickS wird ein ungemein lebhaftes Vorcmschreiten unserer Organisationen berichtet. In einer Konserenz des Wahlkreises Vonn-Rheinbach wurde festgestellt, daß Mitgliederstand und Markennmsatz nm mehr als 150 Proz. gegen das Vorjahr gestiegen sind. Als ReichStagS- kandidat wurde der Bezirksparteisekretär Genosse Zörgiebel einstimmig aufgestellt. In einer Parteikonferenz für den Wahl- kreis Bergheim. Euskirchen wurde gleichfalls über erfreuliche Er- folge berichtet. Bezeichnenderweffe ist hier der Zugang an neuen Parteimitgliedern in den Orten am stärksten, in denen von der Geistlichkeit auf der Kanzel und im Beichtstuhl gegen die Sozial- dcmokratie mobil gemacht wird. Wir konnten in Orten Fuß fassen, die sich früher uns gegenüber streng ablehnend verhielten, und wo irnste Flugblattverteiler wiederholt Belästigungen ausgesetzt waren. Lebhast wurde üder die Abtreibung von Versainrmlungs- lokalen geklagt, wobei sich die Geistlichkett besonders hervortue. IWanches läßt darauf schließen, daß dabei noch einer bestimmten an einer Zentralstelle ausgegebenen Parole gehandelt wird. Als Reichstagskandidat für den Wahlkreis wurde einstimmig Genosse Tri m born(Köln) gewählt. Marxheft der„Sozialistischen Monatshefte". Da« 10. und 11. Heft der„Sozialistischen Monatshefte" ist fast vollständig dem An- denken von Karl M a r r gewidmet. Es enthält wertvolle Beiträge von Conrad Schmidt. Wilhelm Bios, Wally Z e p l e r, Gustav Mayer n. a. Besonders bemerkenswert erscheint uns ein Aufsatz von Hugo Lindemann über.Die ethische Triebkraft in Marx", in dem verschiedenes zurechtgerückt wird, was von mißverstehenden Anti-Ethikern de» Marxismus verschoben worden ist..Das Ln- krezsche Wort von dem großen Meister, der die Menschen gelehrt habe, aufrecht zu stehen und ihr Gesicht zu den Sternen zu erheben, gilt in seinem höchsten sittlichen Sinn von Marx, der den Menschen nicht nur durch seine Lehre die Erkenntnis gebracht hat, sondern auch in seinem Leben Vorbild gewesen ist. Der Mann, der sein ganze? Leben, die vollste Kraft seines Geistes und seines Willens für die andern dahingegeben, konnte eS sich sparen, Moral zu pre- digen. Er lebte sie."— Sehnlich wertvolle Gedankengänge verfolgt ein Auffatz.Marx und die Jungen" von Otto Koester, der den Ruf»Zurück zu Marx!" erhebt in dem Aeichen Sinne, in dem früher der Ruf„Zurück zu Kant!" zum Nutzen unseres geistigen Lebens erhoben worden ist.— In einzelnen anderen Aufsätzen stört der zu sehr auf das Ze i tlich- Po le m: sche eingestellte Ton. Das Heft ist mit einer expressionistischen Porträtflizze, gezeichnet von John Hoexter, geschmückt und enthält einen Neudruck deS Marx- schen Artikels„Wie kann Rußland zum Sozialismus kommen". In seiner Fülle bietet er den Lesern wertvolle Anregungen.(Der Preis dieses Doppelheftes beträgt 1,20 M.) Soziales. Aendervng der Verfallfristen i» der Angestellte». Versicherung. Eme für die versicherten Angestellten und ihre Arbettgeber ungemein wichtige Verordnung ist kürzlich durch den Bundesrat er- lassen worden. Nach dem Versicherungsgesetz für Angestellte erlischt jeder Anspruch an die Versicherung für solche Angestellten, die durch Berufswechsel infolge von Acbeitslostgkett und anderem aus der Versicherungspflicht ausscheiden, wenn sie nicht in jedem Kalenderjahre mindestens 8 freiwillige Beiträge zahlen, oder bei der Reichsversicherungsanstalt iür Angestellte vor Ablauf des der Fäl- ligkeit folgenden Jahres um Stundung dieser Beiträge einkommen. Diese an sich schon recht scharfe Bestimmung hat im Kriege �beson- der? häufig zu Härten geführt, weil ein Berufswechsel ungewöhnlich hänstg erfolgt ist. Me neue Bundesrat sveeottmnng bestimmt nun- mehr, daß die Nachzahlungderrückständigen Beiträge bzw. die Einreichung eines Stundungsantcages noch Gülttgkeit haben, wenn sie bis zum Ablauf des Kalender- j ah res erfolgen, das dem Jahre des Kriegsschlusses folgt. Ferner ist für alle diejenigen Fälle, in denen Arbeitgeber irrtümlich oder widerrechtlich die Beitragszahlung für ihre versicherungspflichtigen Ange st eilten unter- lassen haben, die Verjährungsfrist, die nach dem Gesetz 2 Jahre beträgt, derart verlängert worden, daß die Kriegszsit für diese Frist vollständig außer Anrechnung bleibt. Nähere Auskunft über die Be- stimmungen erteilt das Arbeitersekretariat. SO. 16, Engelufer 15, und der Ortsausschuß Berlin der Angeftelltenver- sicherung, W, 35, F l o t t w el l str. 4. Mustergültiger Bauvertrag mit einer Heimstätten- grsellschaft. Di« große Wohnungsnot in Lübeck macht— wie überall— die sofortige Herstellung von Kleinwohnungen notwendig. Infolgedessen ist mit einer Heimstättengesellschaft ein Vertrag abgeschlossen'worden, der folgende Bestimmungen enthält. Die Gesellschaft erwirbt vom Staate ein 3250 Geviertmeter großes Gelände zum Preise von 5 M. für den Geviertmeter und verpflichtet sich, darauf l2 Einfamilien- Häuser zu errichten, die bereits am 1. Oktober 1918 bezogen werden können. Der Staat zahlt der Gesellschaft eine Bauprämic von 49 Proz. der Baukosten, die aus 56 480 M. berechnet worden sind. Die Gesellschaft verpflichtet sich, die Wohnungen bis zum 15. August 1918 nur an Familien mit wenigstens 4 Kindern zu vermieten und auch später bei Vermietungen oder Verkauf kinderreiche Familien, besonders solche von Kriegsteilnehmern, zu bevorzugen. Sie trifft ferner Vorkehrungen, daß eine Spekulation mit diesen Grundstücken, auch wenn sie verkauft werden, ausgeschlossen bleibt. In dem Ver- trag« find dann noch Besttmmnngen über Ausstattungen und Ein- vichtungcn der Wohnungen getroffen worden, sowie über Bestellung von Hypotheken. Deutscher Jugendfürsorgetag. Der Deutsche Verein für Armen- pflege und Wohltätigkeit hat beschlossen, gemeinsam mit anderen auf dem � Gebiets der Jugendfürsorge arbeitenden Organisationen einen deutschen Jngendfürsorgetag in Berlin zu veranstalten. Einziger Gegenstand der Verhandlungen ist die Frage:.Jugendämter als Träger der öffentliche,! Jugendfürsorge im R e i ch". Die hierzu zu erstattenden Einzelberichte sollen die Not- wendigkest des Ausbaues der öffentlichen Jugendfürsorge betonen, Forderungen für sin Reichsgesetz über Jugendämter aufstellen. Richt- linien für die Organisation der Jugendämter in Stadt und Land geben und die Zusammenarbeit der freien Liebestätigkeit mit den Jugendämtern zur Darstellung bringen. Als Referenten sind unter anderen Prof. Dr. Klumker(Frankfurt a. M.), Direktor Dr. Blaum (Straßburg), Frl. Dr. Marie Kröhne(Düsseldorf) und Lic. Sieg- mund-Schultze(Berlin) bestimmt worden. Die Verhandlungen find auf den 20. und 21. September fest- gefetzt GroßSerMl Ade Groschenfahrt! Welche Macht ist die Gewohnheit! Viermal bin ich am gestrigen Tage kurze Strecken mit der»Großen Berliner" ge- fahren und konnte wohl zwei Dutzend Fälle beobachten, in denen die Fahrgäste der Schaffnerin' den altgewohnten Fahr- groschen hinhielten. Doch die Opferspende wurde streng zurückgewiesen. „Kostet jetzt fünfzehn oder--" und dann folgten Beleh- rungen über Doppelfahrscheine, die 25 Pf., und Ächt-Fahrten- Scheine, die 1 M. kosten. Liest das Publikum Zeitung? Ich glaube nicht. Denn ein großer Teil zeigte sich glänzend uninsormiert über den Umsturz der Straße nbahngesellschaftsord- n u n g. den nnS der 1. Mai diesmal in Ermangelung eines anderen Umsturzes der Gesellschaftsordnung gebracht hat. „Kann ich damit auch auf anderen Linien fahren? Und morgen auch noch?" Ein Schwärm ängstlicher Fragen um- schwirrt die Schaffnerin, die heute außer der gewohnten Funktion des Stoßtrupps(zur Durchbrechung dichter feind- licher Linien) auch noch die eines wandernden Auskunits- bureaus übernehmen mutz. Ein paar helle Berliner, die sich zum Glück überall finden, stehen ihr bei und beruhigen einige ältere Tanten, denen es doch sehr riskant erscheint, gleich eine ganze Mark auf einmal für ein Straßenba hnbillet aufzu- wenden. Denn möglicherweise verliert man das Ding, oder die.Große Berliner" stellt den geringen Betrieb inzwischen gänzlich ein.. man kann nie wissen. Nur eines weiß man genau: die Fahrt ist teurer ge- worden, die schönen Zeiten des Groschentarifs sind vorbei. Ob sie wohl jemals wiederkehren und mit ihnen der Vierzehntel- Topp, das belegte Groschenbrötchen, die Llutomatenschokolade für 10 Pf., das Zehnpfennigporto für Briefe?— Von all den unermeßlichen Herrlichkeiten, die früher jedermann für einen Groschen feil waren, ist nun auch' die letzte cnt- schwunden. Nein, halt, eine ist geblieben— aber von der redet man nicht. »lrick Raudi. Die rote 5?ahne. Maifeiern haben am gestrigen Tage in Berlin bekanntlich nicht stattgesunden und der Behörde, deren Händen die Sorge für die Sicherheit des Staates anvertraut ist, war dadurch die Gelegenheit zu mancherlei Taten und Triumphen genommen. Wenn die Polizei aber gehofft hatte, dafür den ersten Mai diesmal in ungestörter Seelenruhe verleben zu dürfen, so sah sie fich bitter getäuscht. Ein Ereignis, wie eS die Well noch nicht erlebt hatte, seit eS eilt Deutsches Reich und eine deutsche Sozialdemokralie gibt, bestürmte, ängstigend und verwirrend, die Herzen der Sicherheitsbeamten vom biederen Schutzmann bis hinaus zum Chef der politischen Abteilung: Auf dem Dache eines Palastes Unter den Linden wehte eine rote Fahne! Eine rote Fahne mitten auf der historischen Triumphstraße der deutschen Kaiserstadt! Der gutgesinnte Bürger blieb entsetzt stehen und wartete auf das Naben der Feuerwehr. Er wartete eine Stunde, aber sie kam nicht. Und der Bürger fragte sich, ob er oder die Welt wahn- finnig geworden, oder gar die Wahlrechtsvorlage angenommen und der preußische Zukunftsstaat definitiv eingeführt worden sei. Er wandte fich schließlich an einen Schutzmann, aber dieser verharrte schweigend in einem bitter-webmütigen Lächeln. Der Polizei waren die Hände gebunden, sie wollte schon, aber sie konnte nicht. Denn da? Dach, auf dem das rote Aergernis im Winde flatterte, war ein exterritoriales Dach, zu dem selbst preußische Polizeimacht nicht hinaufteicht: eS war das Dach der russischen Gesandt- schaftl llebertriebene Sympathie� für die Berliner Polizei siegen uns fern. Aber schließlich find wir alle doch Menschen und angesichts der Seelenqualen, die der gestrige erste Mai ihr gebracht hat, können wir nicht umhin, unserer Sicherheitsbehörde unser aufrichtiges, herz- liches Mitgefühl auszusprechen. Wer hat da Lust, zu tauschen? Die für den Wirtschaftsbezirk Groß-Berlin destehende Kleider- V e r w e r t u n g S- G e s e I l s ch a f t(K. V. G.) hat eine neue Ein- richtung gef&affen, die der DcbiMenmA die Schahversorgung' erleichtern soll. Wer bei der K. V. G. ein Paar noch gebrauchs- fähiger Stiefel abliefert, erhält von ihr eine Bescheinigung, die ihn ohne Bezugschein ,um sofortigen Kauf von einem Paar gebrauchter Stiefel aus dem Vorrat der K. V. G. berechtigt. Das läuft eigent« lich auf einen Tausch mit Zuzahlung hinaus, aber eS bietet den Vorteil, dag man für auSbesierungsbsdürftiges und sonst noch ge« brauchsfähioes Schuhwerk ein ausgebessert bereit liegende? Schuhwerk eintauschen kann und nicht erst Tage oder Wochen hindurch auf Ausbesserung zu warten braucht. Voraussetzung für den.so- forligen" Kauf bei der K. V. G. ist natürlich, dag Schub- werk, wie der Kauflustige es wünscht, gerade vorhanden ist. Wenn nicht, so muß er sich gedulden, bis ein anderer mit demselben Fußmatz sein Schuhwerk abliefert, und die K. V. G eS zurecktflirken läßt, was immerhin noch recht lange dauern kann. Sonderbar ist nun, daß der für die K. V. G. geltende, auf eins Bundesralsverordnung sich stützende Brauch, a b g e- lieferte Sachen dem Äblieferer nicht zurückzu- geben, wenn wegen der geringen Höhe des erst nachher bekanni werdenden Uebernahmepreises ihm die Ablieferung leid wird, auch für diele Tauschgeschäfte gelten soll. Daß dabei ein Tauschlustiger in eine sehr üble Lage kommen kann, lehrt ein Fall, den die Frau eines Kriegsteilnehmers in der vorigen Woche erlebt hat. Als ihr wegen Rheumatismus im Lazarett behandelter Mann auf ein paar Wochen nach Hauie beurlaubt wurde, wollte sie es ihm ersparen, an den empfindlichen Füßen die schweren Mililtärstiefel schleppen zu müsien. Sie nahm das einzige Paar eigener Stiefel, die er noch hatte, und trug sie, weil sie ausbesierungsbedürftig waren, zur K. V. G., um dafür sogleich ein Paar ausgebdsierter Stiesel gegen entsprechende Bezahlung erhalten zu können. Vorsichtshalber ftagte sie, ob auch die betreffende Größe da sei, worauf man ihr unter Hin- weis auf das reichhaltige Lager die beruhigende Versicherung gab. daß es daran nicht fehlen werde. Sie mußte dann die Stiesel ihres Mannes hingeben, empfing eine Bescheinigung und durfte erst da- nach versuchen, ob sie Stiefel der gewünschten Größe erhalten würde. E§� ergab sich, daß diese Größe zurzeit nicht vorhanden war. Selbstverständlich wollte die Frau jetzt die abgelieferren Stiefel wieder mitnehmen, aber da wurde ihr erklärt, das gehe nicht, sie müsie am nächsten Tage und vielleicht auch noch an den folgenden Tagen wiederkommen und versuchen, paffende Stiefel zu erhallen. Das war ihr denn doch ein zu starkes Stück. Man versetze sich in die Lage der Frau, die ihrem leidenden Mann? eine Erleichterung verschaffen wollte und vielleicht auf den Sliefeltausch zu warten gehabt hätte, bis der Urlaub läng st vorüber war! Sie bestand auf ihrer Forderung sofortiger Rückgabe der Stiefel und lehnte den Hinweis aur die in den Räumen der St. V. G. durch Wandanschläge bekannt gegebenen, aber von ihr nicht beachteten Vorschriften als nicht stich- Hallig ab. Sie erklärte, daß sie bei einem gemeinnützigen Unter- nehmen ein derartiges Verfahren weder anerkennen könne, noch überhaupt erwartet und für möglich gehalten hätte. Nach längerem Hin und Her erreichte sie, daß man sich schließlich doch bequemte, ihr die Stiefel ihres Mannes herauszugeben. Hoffentlich zieht die K. V. G. aus diesem Vorkommnis die Lehre, daß noch vor der Ablieferung von Slieieln festgestellt werden muß, ob die daiür ge» wünschten anderen Stiefel vorhanden find. Sonst wird wohl nicht so leicht jemand Lust haben, bei der K. B. G. zu tauschen. Kohkenmangel»nd Gasstrafe». Die Einschränkung des Gasverbrauchs wird verlangt, weil die Kohlenknappheit dazu zwingt. Je weniger Gas die Bevölkerung verbraucht, mit desto weniger Kohlen kommen die Gaswerke aus. Doch unter der Kohlenknappheit leiden nicht nur die Gaswerke, sondern auch die Haushaltungen. Was sollen Familien tun, die nicht genug Kohlen erhallen können? Bietet sich ihnen ein anderer Weg als der, für die Küche sich mit Gas zu helfen? Groß ist in Berlin und Vororlen die Zahl derjenigen, die erst in-der Kriegszeit wegen Mangel an Kohlen und auch an Petroleum zur Benutzung von GaS übergingen. So manche Hausfrau dürfte selbst in den kältesten Monaten dieses Winters auf GaS gekocht haben, weil « sie— Kohlen sparen wollte. Weil die Kohlen knapp sind, soll weniger GaS derbraucht werden. Aber gerade die Kohlenknappheit kann dazu nötigen, mehr Gas zu verbrauchen. Der bedauernS- werte Gasverbraucher, der zwischen die Mühlsteine dieser beiden Notwendigkeiten gerät! Einer, der zwischen ihnen zermalmt zu werden fürchtet, klagt uns sein Leid. Wegen Mangel an Kohlen mußte seine Frau im letzten Winter allzureichlich den Gaskocher be- nutzen, so daß der Verbrauch von Gas weil über die durch die GaS- Verordnung bewilligte Menge hinausging. Für die einzelnen Vierteljahre find neun Zehntel des Verbrauches je desselben Viertel- jahreS von ISIS snicht von 1917) erlaubt, abgesehen von den Be- stimmungen über den unter allen Umständen zulässigen Mindest- verbrauch; diese Haushaltung aber brauchte im Vierteljahr Januar bis März 1918 noch um fast ein Viertel mehr als in demselben Zeitraum von 1916. Die Frau sollte täglich für die Familie von sieben Personen daS Effen zubereilen, mutzte große Töpfe voll Kartoffeln und Gemüse auf dem Feuer haben und war gezwungen, auch die Wäschereinigung in der Küche vorzunehmen. Weil sie Wochen hindurch nur für die Stubenheizung die nötigsten Kohlen halte, die ihr von anderen Leuten geborgt worden waren, blieb ihr für die Zubereitung des EffenS und für die besonders viel Feuerung fordernde Reinigung der Wäsche nur die Benutzung des Gaskochers übrig. Nun sieht der Familienvater mit Bangen dem Tag entgegen, wo man ihm die Rechnung über die sehr be« trächtliche G a s st r a s e bringen wird, die durch die weitgehende Ueberschreitung deS ihm bewilligten Gasverbrauchs verwirkt ist. Er fragt, warum man jetzt ihn dafür bestrafen will, daß ihm nicht genug Kohlen geliefert werde« konnten. Wir find ge- spannt darauf, ob die»Milde", die für die demnächst beginnende Strafgeldereinziehung versprochen worden ist. diesem Manrie zuteil werden wird. Handwageu für de« Kohlentransport. Der Magistrat wendet sich im Jntereffe der Kohlenzufubr an die Haushaltungen in einem öffentlichen Aufruf an die Besitzer von Handwagen. In dem Aufruf heißt es: Wer einen zum Transport von 3—6 Zentner Kohlen fBrikells, Koks) geeigneten Handwagen besitzt, stelle ihn unverzüglich in den Dienst der allgemeuien Sache 1 Die Handwagen werden erst unmittelbar vor dem Gebrauch durch Schulknabcn abgeholt und sofort nach Gebrauch wieder zurückgestellt und bleiben unter ständiger Aussicht. Beschädigungen und Verluste werden vom Magistrat ersetzt. Für jede Verleihung wird vom Magistrat eine Vergütung sl M.) gezahlt. Freiwillige schriftliche und mündliche Meldungen sind zu richten an die Deputation für die Kohlenversorgung, Spandauer Str. 16. Dabei find anzugeben: die Tragfähigkeit des Wagens, die Zeiten, für welche der Wagen zur Verfügung steht, der Standort des Wagens. Das Ende der Englischen Gasgesellschaft. Die vor kurzem gegründete Deutsche Gasgesellschaft(A.-G.) mit dem Sitz in T e m p e l h o f hat aus der Liguidationsmasie die in Berlin, Schöneberg und Mariendorf belegenen Gaswerke der Im- perial Continental GaS Affociation(Englischen Gesellschaft) mit Wirkung vom 1. Mai ab erworben und den Betrieb dieser Werke und aller dazu gehörigen Anlagen der gleichfalls vor kurzem ge- gründeten Gas-Betriebsgeiellschaft A.-G. in Mariendorf übertragen. Ferner hat die aus der Gaswerk Grünau G.-G. hervorgegangene Deutsche Gasgesellschaft den Betrieb dieses Gaswerks gleichfalls der Gasbetriebsgesellichaft in Mariendorf übertragen. Leiter der Gas- betriebsgesellschaft ist der bisherige Generaldirektor der Englischen Gasgesellschafl in Berlin, E. Körting. Vorstand der Deutschen Gas- gesellschaft ist Regierungsbaumeister a. D. Landsberg von der Tel- tower Kreisverwaltung. Der von der Deutschen Gasgesellschakr auf« gestellte Normal-Gasveriorgungsvertrag steht jetzt in den Vorort- gemeinden des Kreises Teltow zur Beratung. Wie uns von zu- ständiger Gefte«ttgetestt wird, Hab«« iwCrn einer größeren Zakil von kleineren Gemeinden darunter Lichtenrade und Nikolassee auch als erste von den größeren Gemeinden bereilS Tempelhof, Schmargen- dorf und Grunewald dem Vertrage zugestimmt. Nene Anordnung für Zentralheizungödetriede. Der Kohlenoerband Groß-Berlin hat eine neue Anordnung er- lasien, wonach in der Zeit vom 1. Mai bis IL. Oktober der Betrieb der ZentralheizungSanlagen zu unterbleiben hat. Für den Wieder- beginn der Heizung im Okiober kann jedoch die Koblenstelle Groß- Berlin einen anderen Zeitpunkt festsetzen.— Die Bestimmungen über Mietsminderung für den Fall, daß die Leistungen des Vermieters hinsichtlich des Heiz- und Warmwasierbetricbes auf Grund der be- hördlichen Bestimmungen hinter den vertraglich vereinbarten Leistungen zurückbleiben, laufen darauf hinaus, daß der Mieter in solchen Fällen für beides S vom Hundert der JahreSmiere in Abzug bringen darf. Die Durchführung der allgemeiiien Anordnung bleibt nach wie vor den örtlichen Schiedsstelle» der einzelnen Gemeinden überlaffea._ Von der Muffenfpeifunz. Man schreibt uns: In der letz reu Zeit gibt es bei der BerNner Maffenipeisung an der Mehrzahl der Tage nur noch Rübengerichte. llin diese.schmackhaft" zu machen, hat man zu einem Mittel ge- griffen, das schnellstens beiseite gelegt werden sollte. Man würzt die Rübengerichte zumeist säuerlich, und zwar aller Wahrscheinlich- keit nach mit Essigeffenz oder— Esstgeffenz-Eriatz. Jedenfalls handelt es sich um eine Zutat, die in einer Reihe zu unserer Kenntnis gekommener Fall« zu bedenklicher Beeinträchtigung de« Wohlbefindens der.Genießer" geführt hat. m einem Falle zu stundenlangen Schwindelanfällen; in allen Fällen aber waren Magenbeschwerden die Folge, wobei wir festgestellt haben, daß keiner der Betroffenen etwa magenschwach ist. Das Gewürz macht sich auch durch nachträgliches andauerndes dursterzeugendes Brennen im Mund« bemerkbar. Wir wisien nicht, od bei der städtische« Maffenspeisung ein Ernährungsphpsiologe oder-Chemiker täfig ist. Wir hal«-n es sür selbstverständlich angesichts der gewaltigen Men- gen. die dort konsumiert werden, und angesichts der großen Bedeutung, die die Masienipeifung für die Ernährung Weiler Bevölkerungskreife hat. Daß die Maffenipeife gewürzt werde, ist nalürlich erwünscht. Jedoch sind die Gewürze bekannt- lich stets mit Vorsicht zu verwenden. Der Essig und sein Ersatz sollten, da sie einen Teil des Nahrungswertes der Speise wieder aufheben, bei der Maiienspeisunq nur ausnahmsweise verwendet werden. Daß dies aber jetzt sogar sehr häufig geschieht, wirft ein grelles Licht auf die Befähigung der Verantwortlichen. Ein städtisches PalnienhanS im PlSnterlvard. Die Stadlgemeinde Berlin bat vor eimgcn Jahren die am Plänlerwaid in der Neuen Krugallee, schräg gegenüber dem Treptower Nalhause gelegenen bebauten Grundstücke zur Abrundung oti städtischen Waldbefitzes erworben. Den LS Mietern dieserGrundsiücke ist nunmehr zum 1. Oklober1918 bezw. 1. April 1919 die W o b n un g gekündigt worden. Die Häuser werden abgebrochen. An ihrer Stelle wird ein großes PalmcnhauS erbaut. In der Zeil der Wohnungsnot dürfte diese Maffentündigung ein wenig überrasch««». Verband der Freie« Solksbühiie«. Für die AuMhrrmg von MahlerS 2. Sinfonie und Frieds Ernielied, die Sonntag, den 6., mittags 12 Uhr, in der Phitharrnonie stattfindet, find Eintritts- karten noch in beschränkter Anzahl bei Breilkopf u. Härtel. Pols- damer Straße 21. in den Warenhäusern von Hermann Tietz und in der Gelchäflsstelle, Linienstr. 227, zu habe». Lichtspiele rauentzien- Palast. Morge« Freitag findet die Urans. sührung eines Wiener Künstlcrfllms.Beethoven und' die Frauen' ftait. Die letzten KSinpie von der Westfront oiurde» im Bilde von amtlicher Seite sestgehalten mid werden gleichfalls gezeigt. Zwei weibliche Tinbrechcr wurden gester« vo« der Kriminal- Polizei verhaftet. Eine 20 Jahre alte Charlotte Knack und eine ISfährige Emilie Brockmann gerieten in die Hände eines Einbrecher« Willi Lorenz. Dieser lernte sie au, nahm sie bald darauf aus seinen Beutezügen mit und unterwies sie auch praktisch. Als Lorenz bei einem WohnungSeinbruch ertappt und festgenommen worden war, arbeiteten die mit der Beule entkommenen Mädchen auf eigene Faust weiter. Eine ganze Reihe von WohnuugS-, Boden« und Kellereinbrücken verübten sie besonders in der Brunnenstraße, der Schillingstraße und ihrer Umgebung. Als sie jetzt in der Keibelstraße beim Umzug auch ihren eigenen Wirt bestahlen, wurde» die Etn- brecherinnen entlarvt._ Wenliü«. Ungenkigend« Teaennizsz-lirg««. Wir werde» am Aufnahm« nachstehenden Berichtes gebeten: Die während des Krieges beim Ntagistral Neukölln eingestellten männlichen und weib- lichen Hilfsarbeiter halten sich am 26. Januar d. I. zu einem .Berein der Hilfsarbeiter der Stadt Neukölln" zusammengeschloffen, um den Versuch zu machen, aus diesem Wege die angesichts der herrschenden Teuerung ganz unzulänglichen Gehälter und Tage- gelder aufgebeffert zu erhallen. In einer Biltjchrift hallen sie um Bewilligung einer Zvprozentigen Erhöhung der Gebäller sowie um Gewährung einer einmaligen Teuerungszulage ersucht. Daraufhin stnd ihnen jetzt ab 1. Februar Zulagen bewilligt worden, die aber noch nicht ganze S Proz. beiragen. Die erbetene Teuerungszulage soll seitens des Magistrats abgelehnt worden sein, weil eui zu Anfang des Krieges gefaßter Beschluß dem entgegenstünde. Irgendeinen Bescheid zu erteilen, hielt der Magistrat im übrigen nicht für nötig, handelt eS fich doch" nur um Hilfsarbeiter. � Am Freitag abend hatte» fich die Mit- glieder sehr zahlreich im großen Saale der Kindl-Brauerei ver- sammelt, um zu der so geschaffenen Lage Stellung zu nehmen. Der Unmut über die ganz unzulängliche Zulage, die noch dazu, wie ver- schiedene Mitglieder betonten, ganz nach Gunst gewährt worden ist— einzelne Abteilungen hatten zudem überhaupt noch keine Zu- läge erhallen—, war so groß, daß es der ganzen Umsicht des Vorstandes bedurfte, um die Verhandlungen nicht scheitern zu lassen: wurde doch sogar dem Vorstand vorgeworfen, er sei>n der ganzen Frage zu lau und zu nachgiebig auigelreien. Diesen Vorivurf konnte der Vorstand an der Hand der Talsachen wider« legen; er habe durchaus seine Pflicht getan: es sei nun an den Mitgliedern, zu beschließen, was weiter in der Sache zu geschehen habe. Zwei sehr scharfe Resolutionen standen zur Beschlutzsaiiung: als dann aber ein Mitglied aussührte, daß nach seiner Meinung alle solche Resolutionen doch zu nichts führten und der einzig richtige Weg der des AnichlusieS an den Verband der Burcauangestelllen sei, fand es allgemeinen Beifall. Bei der Abstimmung über diesen weitgehendsten Anirag erhoben sich alle Anwesenden sür denselben: der Vorstand wurde beauftragt, fich sofort mit dem Vorstand des Verbandes in Verbindung zu setzen und ihn zu bitten, in einer demnächst einzuberufenden Versammlung, zu der alle Hilfsarbeiter persönlich einzuladen seien, Vertreter zu entsenden, um den Ueber- tritt perfekt zu machen._ Wilmersdorf. LebenSmitttel. Auf die rote HauShaltungS- Bezugskarte(Abschnitt 2) werden demnächst 4 Stück Knochenbrüh- Würfel und L6 Gramm Knoch-nbrühwürseimasie oder L6 Gramm deutscher bezw. dänischer Änochenbrühexirakl abgegeben. Die An- Meldung zum Bezug erfolgt von jetzt ab bis einschl. Sonnabend, den 4. Mai, durch Abgabe des Abschnittes 1.— Auf Abschnitt L der Bezugskarte sür Einzelpersonen werden demnächst 50 Gramm Nährhefe abgegeben. Die Anmeldung erfolgt ebenfalls bis 4. Mai durch Abgabe des Abschnittes A. Wer an der ordnungsmäßigen Anmeldung zu der am 24. April abgeschlossenen Kundenliste iür den Kartoffelbezug verbindert war, kann sich in die bei 26 öffentlich bekanntgegebenen Firmen aufge« legten Nachtragsluudenlisten eintragen lasjen. Hierzu bedarf er einer«eschefifiMmst, die««ch Dnrteylms der SrSnd« Gfitdfi- schen Lebensmittelamt, Wilhelms«»« 114/1 IL Emg. II, erteilt wird. Dem Lebensmittelamr sind dabei fs viel Anmeldeabschnitte abzu- geben, als Personen sür die nachlrägltche Eintragung w Betracht kommen. Zum Ausgleich der Milchkürzung wird demnächst für Kinder im L.«nd 6. Lebensjahre(geboren zwischen dem 1. April 1912 und dem 31. März 1914> 1 Piund Nährmittel abgegeben. Die Ausgabe erfolgt auf Grund von Bezugscheinen, die heute»nd morgen durch die Brotkommiffionen an die beteiligten Haushaltungsvorstände verteilt werden. Weißens». Ffirforgetätixtefi im Fahre 1917.«m i. April betrug die Zahl der kleinen Kranken im SäuglingSkrankenhause 64. Der Zugang bis Ende Februar d. I. belief sich auf 321 Kinder. Die Inanspruchnahme der Säuglingsiürsorgestelle war eine rege. Die dreimal wöchentlich statlfindenden Sprechstunden wurden von durchschnittiich 26 Müllern besucht. Aerzilichr Untersuchungen fanden 1396 statt. Neu aufgenommen wurden 337 Mütter. Dle Zahl der Beiuchc der Fürsoraeschwester in den Wohnungen beirug 991. An Vollmilch wurden 3bl Liter, an trinlferligen Portionen 31 auS- gegeben. Auch die Kinderfürsorgesielle balle einen guten Besuch aukruweisen. Beratungen fanden 173 statt. Es wurden 327 Kinder aufgenommen. Die Wohnungsbesuche der Schwester beliefen sich auf 698. In der Säuglingskrippe am Mirbachplatz waren durchschnittlich 26 Kinder von Frauen, die tagsüber einer Arbeit nachgehen. In der Kinderbewahranstalt des Baleriändtschen Frauenvereins waren 36 und in dem Kinderhort der Frauenhiife 126 Kinder untergebracht und gespeist. In der L u n g e n süriorgeslelle fanden 248 Beraiungcn statt. Untergebracht wurden in Heilstätten L3, in Krankenhäuiern S und in Pflegeheimen 3 Personen. Die Zahl der Besuche in Wohnungen durch die Für- orgeschwester beirug 413. Die Täligleit der Trinkerfürsorge- stelle war infolge der zahlreichen Einziehungen zum Heeresdienst gering. Die Räume der Ferienkolonie Birkholz waren im Jahre 1917 geschloffen. Dafür wurden 78ö Kinder, Knaben und Mädchen, nach Westpreußen geschickt und in den Kreisen Marienburg, Dirschau und Schwetz unlergcbracht. Alle Kinder kehrten nach einem Land- auienthalt von 13 Wochen gekräftigt zurück. 16 sehr schwächliche Kinder wurden aus acht Wochen in Bukow pul verpflegt. Neun Knaben und 19 Mädchen erhielten einen achtwöchtgen Aufenthalt ui der Schweiz. — Lebensmittel. Auf Abschnitt S der Lebensmittelkarte für Jugendliche entfallen zweiPäckchenPuddingpnlver und aus Abschnitt 8 der vorbezeichneten Karte ein Pfund Sirup oder Marmelade. Die Entnahm« der Ware muß vom Donnerstag, den 2., bis Sonnabend, den 4. Mai in dem Ge- schäfte stattfinden, in welchem der Inhaber der Lebensmittelkarte sich zum Bezüge von Nährmitteln angemeldet hat. GesfcHerlte Partewachrichten. Marxfeier. Am Tonntag, den b. Mai. mittags Punkt 12 Uhr, findet im großen Saate des GewertschaitshauseS eine Gedenkfeier zur Er- innerung an die 166. Wiederkehr des GeburlstageS unsere« großen Vorkämpfers Karl Marx statt. DaS Programm ist folgendes: Fe st Vortrag, gehalten vom RcichStagSabgeordneten Wilhelm BloS; Rezitationen, gesprochen von Ed. v. Winter» stein, vom Deutschen Theater; Männerchöre, gesungen von der Typographia, unter Leirung ihres ChormeisterS. Emtritlspreis: 66 Pf. Einlaß von Ii Uhr an. Beginn Punkt 12 Uhr. Ende 2 Uhr. EintliUskarten find von allen Parteifunftionären, dem Bezirke- sekrriaiial, Lindenstraße S, 2. Hos 8 Tr., und den Parleispeditionen zu beziehen...-._ Gerichtszeitung. Der Einfall der Russe» i« Ostpreußc» spielte eine Rolle in dem Prozeß gegen den Maschmenfabnianten Karl K a p i tz k i in Kowahlen und zwei Mitangeklagte. Das Landgericht L y ck hat ste am 13. November v. I. wegen versuchten Betruges verurteilt und zwar Kapitzki zu 1866 M. und die Mitangeklagten Georg Kr itkat und die Ncchncrin O s a r c z h k. beide Angestellte des VorschußverernS Scharehken-Kowahlen, wegen Beihilfe zu geringen Geldstrafen. Das Fabritglundstück des Angeklagten K. war ein Opfer des Russen- emfalles geworden und er Halle seine Ansprüche auf Entschädigung bei Sem Kriegshilssausichuß angemeldet, bezifferte aber seine Ge- iamioerluste auf 26L 666 M., wobei er den Wert vernichteter Gegen- stände zu hoch angab und Eigentum als vernichtet bezeichnete, was er gar nicht besessen Halle. Räch den Feststellungen deS Gerichts betrug sein Gcsamtvermögen nur 66 666 M.; er hat also den Ber- such gemach:, mehr al« das Dreifache vom Staate ersetzt zu erhalten. Die beiden Mitangeklagten haben ihn dadurch bei seinem betrügerischen Unternehmen unterstützt, daß sie seine Einnahmen aus der Durlehnslasse als höher angaben als ste in Wirklichkeit waren. Die Revision der Angeklagten Ä. und O. wurde vom Reichsgericht als unbegründet verworfen. HBtKiiuisrtsrh« Gemeinde Perl tu!S. 7). Am Sonntag, de« 5. Mai, iiichmtttagS 6 Uhr, findet in der Aula der Friedrich-Werder- scheu Oderiealschuie, Niederwallftr, 12, ein Vortrag des Herrn Dr. Rudolf P e n z t g über:.Die stlUiche Bedeutung der WcchlrechtSjrage" statt. Gäste, Damen und Herren, willlommeu. Einßeganyene VruckfchrMea. vesterrcich'Itngarns wirtschaftliche Beziehungen zur Schweiz. Von Dr. Max SniolenSky. 2,50 Kr.— Soztal.Beiirucruug. Bon Dr, Ernst Ruzicka 4 Kr, Beide im Verlag Manzjche K. u. K. Hos-Ver- lagS» und UnwersitStS-Buchhandlung, Wien, Die Politik des LebeuS. Von Georg Seiech. Anzennrubcr-Beriag Wien, 5 M, Allgemeine ReligionSgeschichte. Bon Alfted Jeremias, Zk, Piper u. Co., München. Geh. 8 M., geb. 12 M. Sriefkasten Ser Keön?t!on. Friedrichöfclde SS. l. bis 4. ES steht Ihnen ftei, als Selbst oersicherler jede Woche eine Matte zu kicken. Auch die Beitragsllafse steh (ihnen ftei. ES bestehen also gegen die fteiwillige Versicherung in der von Ihnen angegebenen Art leine. lci Ledenten, S. Politisaie Selbständigkeit, — Neukölln M. 166. Alle über 42 Jähre alten � Mamischasleu sollen, soweit sie schon länger als S Monate bei den Kampjtmppen sind, der Reihe nach ausgelauscht werden,— H, M. B. 8611. 1, ES' wird Ihnen bei Ihrer Einziehung aus Antrag ein Mietszuschutz gewährt, 2. Ja. X Nach Verletzungen oder Kranlhestcn zurückgcdli dene Schwäche eineS Gliedes. Verlust des Zeigefingers, Steisheil oder Krümmung eines Fingers, land- sturinpflichtig, 4. Die Zeichen beziehen fich on! die VorstellungSliste. — Ölj. 2V. 106. 1. Ja, 2. Eine solche Zusage ist nicht gegeben worden. — W.». S88S. Sie müssen in zwei Jahren mindestens 20 Marken kleben. Die Klasse ist Ihnen fidg-stcllt.— 3. 8. 38. Das richtet sich nicht nach dem Alier, sondern danach, ob das Eiiitommcn mindestens 900 Marl, delrägt.—«L. S. 18. Sie rönnen für einen der söhne, der Sie nachweislich oor Einziehung zum Heere unterstützt hat, bei der zuständigen Sleuertasse Antrag aui Unterstützung stellen.— I. Th. 1. Die Frau wird grotzsähiig sein und bedars daher nichi mehr ver Zustimmung des Pflegers, die Ehe ist gültig. 2, Beim Amtsgericht Leriin-Mitte.— St. Ingbert. Klage kann eingereicht werden beim zuständigen Landgericht.— G. Üi. Ja. — 91. BS. 106. Da die E, tranlung schon vor Ansang 1914 war, werden Sie eine Zubufic uichl bekommen. Versuche« Ste eS aber mit einem Antrag bei der KriegSwohljahrtSpflege.— Sergeant P. 100. Eine solche Verpflichtung besteht nicht. 2r>e,lerauSsteVtcn tür bat mittlere Aorddeutsitiland bis Freitag»iltiag. Zunächst noch kühl, vorwiegend trübe und besonders östlich der Oder leichle lllcgensälle, später von Nordwesten nach Südwesten jortichreitende lauglame Aufheiterung und etwas wärmer. « v mkht 5M te der innner SÄ-*■->' c V» swm«gfiffiff«n m« wÄ«»"rflmf- ÄM�r�KÄ. ».'Sr jf&<>«"(• ZW»�/ e�t tfciM«* <0«t«ISOT®4W|�°,f,n» o*. ZNÄ». G .<> » £'*�'■2* Jf orten, /„ J* �obtniea X°"'°«""-As l%?Sr � «ch ft2fy»er6ra.'"J" »';«■ A' jL°°»»4? ,aM �«Äs&' »f «V •- �?ü? S«»«|,3W «n�üC' Fa praaes Splol Be. En. Herr Oeaarsloberat ▼. Kamel Erstaufffihrung hooto 7\ Uhr abends lan Palast-Theateia>Zoo TSgl. T*U 8tg. Z'/. n. TV, Das neue Mai-Programm n. a. rDie lebende Brflefce" anagef. ▼. 9 DOllea. Prot. Hawkias m. seiner dressierten Hundemeste. Helene Fischer, Sohnlreit. Zum Schloß; Di« große Pracht- Ansßtfttfc,- Pantomime »» FrQhlingssplele'* in 4 Akten. Bosond. her vonrah eben; StarmezeM oH d. Pclkm- ich!— Kabarotaeb am SO Meter KShe w den GraaawaldsM. Walhalla-Theater. TV. Ohr: Donauliebchen. National-Tbeater?'!» Zorn 107. Male: Sie ist richtig! Mnsik: Waltor Brommo, Sonntag Ä1/, Uhr: Sohamilsfeiier. Theater der Friedriehstadt Koka Friedrich- o. Linianstr. Nord. 8C50. TSglich 7«/.: Familie Hannemann. Schwank in 3 Akten von Max Keimann u. O. Schwärs. Haae Juakermaan,». Mdllendorff Alto« Taralag, Richard ReicbshalleD- Tlieater. Atlabeodttob TV, Ohr: Stettiner Sänger. Retohshallen-Saal 7V,U.: Grates BIOthgen-Kenzert. S.vow, fremd« QeMeertaeu Rmwcbede.«ad Oatksbea bei Kotes- aad Abraobnaaga- bankon...»......... Wechsel a. acTendiurt. Sobateanweliniagen a) Wechsel and cnrerslnal. Sabatzanweia dm Rdeba and der Bondmataatoa.. b) ateene Akrnprn......... e> eisern Ziehocaen......... d) Solawechsel der Kaadea aa dta Order der Baak............ Koetrogathabea bat Sackas a Bankflrmon tteport» a. iiombarde gegen bOrsesglsgtgc Wertpapiere........... YonetaOsa« aaf Waren a. WareaTetaektff., daroa an Bllaastace gedeckt a) daroh Waren, Kracht- od. Li b) dnreh andere Sicherheltee Eigene Wertpapiere......... a) Anleihen n.Tetslnat.SebatzairwBlemgaB dm Belebe und der Bandes.iaatea., bj renstlce hei der Reichsbaok a. anderen Zentralnotenbanken bei elhh.Wertpapteie el sonstige bOteensAngiga Wertpapiere. d) sonstige Wertpapiere....... Koneortlaibet eingangen....... Danernde Bcteiligangea bei anderen Baaken nnd Bankflrmee......... Bcbaldner In lanteader Beebnaag.... a) gedeckte............ b) an gedeckte........... rwaaerdem Aval- aad BOrgeebans- sebaldaer..... X. 198 201 973.75 BankgebAode............ Sonstige ImmobtHea Kobtllen-Konte.......»»». l'eaalam Poads-RHeklaa-Koate. 4.. Bftefcteo Konto d. Ktalg-Prledrleb-Aagnat- Bttakkao�aota der Öearg-Amttaedt-Stm. Saldo dar Zsatrmla a. aaavArt. Abteflangsa mit aaarrnr KMeriaaaang Im London M Sl. Di 11 ml 11«17. K. Bat 8718506 «8 VI «799(89 TOM ««»57, ewK-s? 72168957 15,90» T«? SSI) 80 70 8091609t l«0 198713 »•<«<01 mmeoe 18*7 7a »cm»k> 70 15 Mteisce 687919» 1 176 8 Ii 142 4190» 8 61655» 496 423 4890250 «0O9I 146 850 19«8 40< 540» SOS 113 8« 90 95 65 96 96 Aktles-Kapftal-Knete.,,.. SCteklage A....... Rücklage B......». Talonsleacr-Eaoktago-KoBle.. (xlAnblger a> NostrorerpfUektangea.,. b> aeltens der Kaadaehatt bat Dritten benotste Kredits.. e> Gotha ben deutscher Banken and Bankflrmea..... d) Einlagen aal prertsluastraier Kecbnnag........ 1. Innerhalb alebea Tagen Milte........ K darüber binar» bis sa diel Monaten Milte..... K nach diel Monatea tAUig. e) sonstige Gläubiger.... 1. innerhalb slebea Tagaa ttll. 2. darüber hinaas Ua sa Are, Monaten tAllig..... 8. nach drei Monatea Uli lg. Aksepte nnd Schecks..,,. ai Aksepte......... b) noch nicht elngelOete Sehecks Ansserdeni Aval- n. Bürg shbattsverpfl. M. 198«B 978,75 Eigene Ziehung.— daren(Ar Rechnung Dritter.-e Welterbegeben. Solawechsel 4. Knoden as d. Order d. Bank— Dl ridon den- Kont«...... 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Die meisten Aussaaten sind ja schon im April getan, wozu das prächtige Wetter so allen Grund gab. Was jetzt noch zur Aussaat kommt, sind einige Wicderbolungeii. wie etwa bei Erbsen und Karotten und dann als erstmalige Saat die Busck- und Stangenbohnen. Wo Land und Saatgut zur Verfügung steht, ist eine zeitweilige Aussaat von Erbsen und Karotten sehr dankbar, da einmal grüne Schoten stets gern gegessen werden, wie auch junge Karotten stets besser schlnerken als alte, ansgewacksene. Doch das sind schließlich Gc- swiiiackssachen. Ich würde für dieses Jahr raten, recht loenig un- reite Erbsen zu essen, vielmehr sie soviel wie möglich ausreifen zu lassen, um für den Winter reise Erbten für die Küche zu baben. Der Nährwert des reiten Kornes ist doch ein vielmals höherer als der des unreifen. Aus demselben Grunde rate ich auch dringend zu einem recht ausgedehnten Anbau von Busch-, auch Stangen« bahnen, wo Stangen und Saatgut vorhanden sind. Besonders die Sorten mit weißem Korn, schließlich noch solche mit gelbem, sollen so viel wie irgend möglich angebaut werden. Und zwar soll das geschehen, um auch alles mögliche ausreifen zu lasien. Es kann für den Winter nicht genug gesorgt werden, und Erbsen und Bohnen sind ja zurzeit unsere weitaus nahrhaftesten Nährmittel. Ihres viel reicheren Ertrages wegen, ist der Anbau der Bohne dem der Erbse durchaus vorzuziehen. Da weder Erbse noch Bohne einen ge- düngten Boden benötigen, obgleich sie ibn sehr gut vertragen, steht nach dieser Richtung hin dem Anbau nichts im Wege. So frosthart »der einerseits die Erbse ist, so cmpsiudlich ist dagegen die Bohne. Ans diejem Grunde ist ein frühes Aussäen durchaus zu verwerfen. da wir ja bis Mille Mai noch mit oftmals starken Nachtfrösten zu rechnen haben. Ich rate daber. nicht vor dem Ist. Mai die Saat zu legen, es sei denn, daß es sich um einen sehr geschützten, warmen Standort handelt, oder um ganz kleine Flächen, die man bei eintretendem Frost schließlich decken kann. Ein Wagnis bleibt aber auch das auf alle Fälle. Sparsamkeit bei der Aussaat der Bobnen muß diesmal mehr als je walten. ES wird ja fast viel zu dick gesät, fast alles. Die Bohnen legte man bisher iu Reiben, in sogenannte Swfensaat, das heißt, immer einige Korn zniammen, in gowisien Abständen. Neihenabstände mögen 40 bis L0 Zelthmerer»ein, die Abstände der einzelnen Stufen etwa 40 Zentimeter und in jede Stufe nur 3—4 Korn. Ein zu tiefes Legen ist salsw. denn die Bobns ist ein Kind der Wärme, und je näher der Samen an der Erdoberfläche liegt, desto wärmer liegt er, desto eher und wücksiger ist sein Keimen und Aufgehen. Gute Sorten, auch zum Ausreisen find l Weiße Flageolet, Kaiser Wilhelm und Weiße Jl'enburger. Fast zu gleicher Zeit wie die Bohne, sät man im Freien auch Gurke und Kürbis aus. Beide verlangen den sonnigsten Platz, rc.vl nahrhasten, gedüngten Boden und die Gurke liebt zudem einen recht durchlässigen, humosen und milden Erdboden. Auch hier dnrscu die Kerne nur ganz flach gelegt werden, doch müssen sie gleichmäßig feucht gehalten werden. Die Gurken legt man gewöhn- lich in eine Reihe entlang der Beetmitte, während die Ränder des Beetes mit salat oder Kohlrabi bepflanzt werden, die dann ab- geernict sind, sobald die Gurken den Platz einnehmen. Bei den Kürbissen gibt es neben den rankenden noch rankenlose, die ohne Ranken zu machen, nur einen mächtigen Blätterbusch bilden und für jede Pflanze nur einen Quadratmeter Land beanspruche». Es find Sorten mir länglichen Früchten, die sich in frosifreien, kühlen Räumen bis zum Frühjahr aufbewahren lassen. Gute Sorten find von letzteren Kokozclle von Tripolis und Englischer Schmeerkürbis.— Und nun die T Ornate. Auch sie soll diesmal reichlich angebaut werden. Lossen sich doch ihre Früchte so vielfältig verwenden, sei es roh. sei es gekocht. Die Tomate verlangt aber viel zum guten Gedeihen. Erstens den wärmsten, sonnigsten Platz, gleich der Gnrke. Dann einen recht gut gedüngte« Boden und dann viel Wasser, auch Jauche. Kann ihr das alles gegeben werden, dann lobnt sie die Mühen sehr reichlich. ES ist ratsam, fich sehr starke, in Töpfen vor- kultivierte Pflanzen zu kaufen, auch wenn sie etwas teuer find. Die eigene Anzucht ist sehr umständlich und gelingt selten gut. Das Ausflanzen sollte nie vor dem IS. Mai, besser erst nach dem SO. geschehen. Bon sonstigen Arbeiten ist zu erwähne«, daß Ansang Mai die letzten späten Kartoffeln in die Erde müssen. Kohlrabi, Kopssalat und alle anderen Kohlarten find noch zu pflanzen. Besonders soll jedes Fleckchen mit Kopfsalat bestellt werden, da die fertigen Köpfe, wie Spsnal zubkreitet, ein wohlschmeckendes Gemüse abgeben. Kohlrabi soll alle 14 Tage in kleinen Mengen gepflanzt werden, damit inmier junge, zarte Knollen geerntet werden zönnen.— Von laufenden, allgemeinen Arbeiten ist viel zu beachten und zu tun. Junge Pflanzungen sind öfters zu gießen, um ein gutes An- und Weiierwachsen zu erreichen. Sind die Pflanzen gut im Wuchs, bilden sie die ersten neuen Blätter, dann ist es Zeil, mit der Hucke zwischen sie zu gehen und den inzwischen fest gc- ivordenen Boden aufzulockern. Auch alle ansgchenden Saaten müssen gebackt werden, sobald die? ohne Sckmdigung der jungen Sämlinge geschehe» kann. Es ist natürlich notwendig, daß alles in Reihen gesät wird. Das Hacken kann nie oft genug wiederholt werden, denn es tst von großem Einfluß auf das Wachstum und Gedeihen der Pflanzen. Das Unkraut wird dadurch schon im jüngsten Stadium unterdrückt, so daß es gar nicht erst hoch kommt! das Lockern des Erdreichs'orgt aber auch für eine gute Durchlüftung, die zum Gedeihen der Pflanzcir durchaus nollvendig ist. Dann aber ver- hütet eine lockere Erdoberfläche ein zu schnelles Austrocknen des lieferen Erdbodens. Das Gießen muß sich der Witterung anschließen. Es wird selten richtig ausgeführt. Meistens wird zu wenig gegossen, trotzdem sehr oft gegossen wird. Wenn gegossen toird, dann soll das Beet so viel Wasser erhalten, daß eS völlig von ihm durchtränkt ist, dann hat cS kür 8 Tage genug und die Pflanze bekommt doch etwas von ihm ab. DaS häufige Ueber- brausen deS Beetes, wodurch nur die Oberfläche sür kurze Zeit feucht wird, hat gar keinen Zweck. Sind Erdbeeren und Rhabarber vorhanden, so ist diesen reichlich Wasser zu geben, bei trüben, reg- nerischem Wetter können sie auch Jauche erhalten. Wenn Frost droht, find empfindliche Pflanzen, wie Erdbeeren, eben hochgekommene Kartoffeln, schon aufgegangene Bohnen durch Bedecken zu schützen. Irgend ein Deckmaterial muß dafür vorrätig gehalten werden. � Obstbäume müssen bei Trockenheit auch hin und wieder be- wässert werden. Besonders gilt das von denen, die erst gepflanzt wurden und von jenen, die reichlich geblüht und angesetzt haben. Gerade � jetzt, wo die jungen Früchte anfangen sich zu bilden, ist Feuchtigkeit im Wurzelwerk unbedingt notwendig, so nicht die Früchte verkrüppeln und abfallen sollen. Ein Gießen muß hier schon ein wörtlich ausgeführtes Wässern sein, mit dem der Baum für mindestens 14 Tagen genug bat. Dasselbe gilt für Beerensträucher. Nur daß diese eine öftere Wässe- rung nötig haben, da ja ihr Wnrzelwerk nicht so tief geht. Ganz besonders verlangen die Himbeeren reichlich iPasier. Gegen Raupen und sonstiges Nngeziefer muß dauernd gekämpft werden. Es gibt dessen zuviel, und ist man da nicht andauernd auf der Hut. ver- Nichten sie Blatt und Frucht. Geht man dem Nngeziefer von vorn- herein auf den Leib, dann wird der Schaden meist nicht nennenS- wert. Da? gleiche gilt auch für auftretende Krankheiten. All diesen Plagen fallen natürlich die schwächeren, schlecht ernährten Bäume und Sträucher zuerst zun, Opfer. Einige Blumen will gewiß jeder gern in seinem Gärtchen haben. Wer nicht in der Lage ist, sich ein Rosenbeet anlegen zu können, oder ein Staudenbect, die den ganzen Sommer hindurch reichlich Blüten hervorbringen, der versuche e? mit einigen Sommer- blumen. Sie werden teils an Ort und Stelle ausgesät, teils kaust man sich in guten Gärtnereien junge Pflanzen. Einige Astern, Levkojen, Reseda, Tagetes, Zinnien und andere mehr könnten, ja sollten in jedem kleinen Gärtchen vorhanden sein, schmücken sie dieses doch in oft ungeahnter Weise und geben sie ihrem Pfleger doch viel Freude. Sehr dankbar, besonders für den Spätsommer und Frühherbst, sind die Edeldahlien, die jetzt gepflanzt werden können. kell. i örvno Jronf:„Die Schwestern unö öe? �emöe." sTheater in der Königgrätzer Straße.) Der junge Dichter, der durch seine klang- und stimmungsvollen Verse im»SimplizissimuS" auch einem weiteren Leserkreis bekannt geworden, bereitete den Hörern seines Schauspiels eine fteudige Ueberraschnng. Es war gewiß noch lange kein Meisterstück. Indes ein Werk, aus dem einem endlich wieder einmal der Ton eines innerlich Durchlebten und Durchsühlten cntgegenschlug. Die beide» � Schwestern, die, ganz erfüllt von der Enipfindung, daß eine große LicbeSlcidcnschast das Höchste im Leben sei, bereit find, dieseni Glücke alle anderen Rücksichten zu opfern, hat der Autor in sicherer Zeichnung hingestellt. Wenn ihm das auch in der Figur des Fremden, dem Angclpunlt de? Stückes, nicht in gleichem Maße gelungen, und ViclcZ da in schloebender Uiibcslimnitheil verharrt, ist doch der wesentlichste Zug, auf den es dem Dichter ankam, in einer innerlich geichlosiencn und an seelisch erregenden Momenten reichen Szenen- folge durckigeführt. In diesem jungen Menjchen, einem verwöhnten Liebling des Glücks, dessen Energien nie vom Existenzkämpfe und strenger Berufsarbeit in Zucht genommen lvorden. bat sich der oft dem JünglingSattcr eigene Hang zu skeptisch bohrender Selbst» bcobachtung hemmungslos entfalten können. Er sieht sich selber gleichsam in dem Licht von Stirners„Einzigen", dem jede Hingabe und jede Neigung nur als spielerisch zufällige Laune des eigenen aus Selbstgennß erpichten Ich gilt. Doch dieser Denkart stellt sich dem reizbar zarten Gewissen des Frankschen Helden als schuld- volles Verhängnis dar, als Fluch, der schwer auf seiner Seele lastet. In einem schonungslosen Geständnis deckt er seine allem Leben entfremdete Natur auf. Eigenartig bereitet die Figur des„alten Herrn" im Vorspiel darauf vor. Bei einer Münchener Nedoulc, auf der Cordula, die jüngere Schwester, dem vornehmen elterlichen Haus auf eine Nacht entflohen. den schönen Fremden zum ersten Male sieht, bat er das junge Paar belauscht. Er wittert in dem Jüngling einen Menschen ihm verwandten Schlages, dem die Gunst der Frauen zufliegt und der, iin Herzen immer kühl, voraus bestimmt ist, wie er selber als Einsamer den Lebensweg zu Ende zu gehen. Dem durch die originelle Plauderei des allen Don Juan mit der auf dem Gebiete gleich erfahrenen alten Scheuerfrau belebtem Vorspiel folgen die stark und weckiselboll bewegten Szenen deS ersten Aktes. Der Fremde hat im Hause von Cordulas Mutter, der klugen Generalin, Besuch gemacht, und auch die Herzen dieser und der älteren schon verlobten Schwester siäi erobert. DaZ Gespräch der drei, die mit dein Bräutigam zusammen den Fremden erwarten, spiegelt die verschlungenen seelischen Reflexe in intim lebendiger Weise wieder. Der Bräutigam, ein nüchterner Dutzendmensch, dem es mit seiner Liebe aber wirklich Ernst ist, hegt eine baßerfüllte Eisersucht wider die neue glänzende Erscheinung,«ein Groll cnt- lädt fich in kleinlich philiströsen Ausfällen. Die Kleine aber, �dic. inmitten des strahlenden Frühlingsglückes ihrer Liebe von böiem Lungenleiden überfallen ist, glaubt unerschütterlich an den Geliebte». Er kommt zurück von einem Gang zum Doktor, den er um Aus- kunft über die Natur von Cordnlas Krankheit fragen sollte, beruhigt die Gesellschaft und bittet endlich um die Hand des Mädchens. Seine gefaßte Güte hält unenchütteri auch den beleidigenden Heraus- forderungen des Eifersüchtigen gegenüber stand. 'Der Schlußakt spielt einige Monate später, nach des Mädchens Verscheiden. Der Fremde bot getan, was er �vermochte, bis zudem letzien Augenblicke gelang es ihm, in ihrer Seele einen Schimmer reinen LiebeSglückeS wachzuhalten. Aber die Oual, die jeder wirk- lich Liebende beim Sterben der Geliebten empfunden haben würde. ist ihm zu seinem eigenen Entsetzen fern geblieben. Nicht aus Liebe, aus Mitleid hat er, als er ihr Todesurteil aus des Arztes Mund vernahm, um ihre Hand gebeten. Die Dankbarkeit der Mutter und der Schwester drücken ihn. Er will nicht nochmals sich in eine Lage bringen, in der er lügen müßle, und stößt die glühende Leidenschaft der älteren Schwester mit einem offenen Bekenntnisse, wie es um ihn bestellt sei, ab. Die Ausführung kam den ungewöhnlich hohen Anforderungen, die der Dichter an seelische Kleinmalerei stellt, aufs glücklichste entgegen. Prächtig war Erika Glaeßner in ihrem jungen sonnen« hellen Liebesjubel, sehr gut auch Hanna Ralph als Schwester. Vortrefflich kam in Abel S Fremden das siegreich Liebenswürdige und das gütig Weiche zur Erscheinung. Olga Engl und Werner H o I l m a n n repräsentierten in seiner Abtönung die Generalin und den Bräutigam. Erstaunlich gelang Herrn Reinhold Schänzel, dem in Frieda Richards Scheuerfrau eine farbige Kontrastfigur zur Seile stand, die schwierige symbolische Figur des alten Herrn. Starker Beifall rief die Schonst» eler und den Autor oftmals vor den Vorhang. ät. Notizen. — Theaterchronik. In der Volksbühne geht in Ab- änderung des Spielplan? am Freitag„HmmclcS Himmelfahrt" und am Sonnabend„Nathan der Weise" in Szene. — D i e deutsche Einheitsschule behandelt in der Humboldt-Akadcmie Freie Hochschule Dr. Max Apel am Sonnabend, 8 Uhr, ia der Aula Dorotheenstt. 12.(Diskussion.) Der Eintritt ist frei. — Die Gesellschaft für Erdkunde veranstalte� an- läßlich ihre? 90 jährigen Bestehens Montag, 19. Mai. im Zoologischen Garten eine Festsitzung, in der Sven H e d i n über„Tibet, unsere Kenntnis des Lande? im Wechsel der Zeiten"(mir Licht« bildcrn) sprechen wird. — Eine Livland-Estland-AuSsi eilung wird vom Berein für das Deutschtum im Ausland in Gemeinschaft mit liv- ländischen»nd estländischen Kreisen veranstaltet. Sie wird von Mitte Juni bis IS. Juli in Berlin in den Räumen der Akademie der Künste zu sehen sein. — Die Universität Dorpat wird wieder in der Art, wie sie vor ihrer Verrussung bestand, aufgenomuren wcrdcu. Der Geschichtsschreiber Osteuropa?, Prof. Theodor Schiemann, ist zu ihrem Kurator ernannt. — Drahtlos e Telcphonic zwischen Washington nnd Paris ist, nne die„Unsschou" englischen Quellen enttiimmt, erzielt worden. 25J Pioniere. Roman aus dem Norden von Ernst Didring. „TaS wallen wir dach mal sehen." schrie der Ober- ingeyieur, warf die Pelze von sich, wälzte sich auö dem Schlitten heraus und lief nach vorn. Hjort folgte ihm. nichr um zu sehen, wie es gehen würde, als ans einem anderen Grunde. Es war nichts Ungewöhnliches, daß man im Winter nur mit großen Schwierigkeiten aneinander vorbeikam, besonders bevor der Echncepflltg gefahren war. Man konnte nichts Wetter tun als warten. „Was steht ihr und gafft?" schrie der Obenngcnienr, ehe er bei den Arbeitern angelangt war. Von den Arbeitern antwortete niemand, aber der eine deutete auf das erste Pferd. Der Obcringenieur blickte einen?lugcnblick auf den Ar- beiter. dann beugte er sich zu dem Pferde nieder, um ihm in die Angcn zu sehen. Er zog den einen Handschuh aus und legte die Hand auf den Hals des Pferdes. Er nahm sie schnell wieder weg. dann ging er von Pferd zu Pferd und befühlte sie alle. ..Diese Schufte!" schrie er.„Wo sind sie?" Hjort, der spürte, wie ihm ein Blutstrom nach dem andern ins Gesicht schlug, deutete auf die Spur, die nach der Erdhütte führte. Mit dem Oberingenienr an der Spitze stürmten sie dort- bin und fließen die Tür auf. In einem Haufen beieinander lagen die'�uhrftrechte nnd schnarchten in ihren Pelzen. Das Feuer im Herd war schon lange niedergebrannt, und Glas- sckicrben glänzten daneben. Ter Oberingenienr sprang mitten in den Hausen hinein und fluchte und teilte Fußtritte aus.„Berdamtcs AaS! Satanshnnde! Teufel!" schrie er und stieß und puffte sie. Ehe die Schlafenden richtig wach geworden waren, hatten Hjort und die Arbeiter sie in den Schnee hinausgeworfen, Ivo sie übereinander purzelten, ohne zu wissen, wie das zu- gegangen war. Schließlich kriegten sie die Augen auf und krabbelten schlaftrunken durcheinander. Einer von ihnen stürzte auf Hjort zu, der ihm am nächsten stand, und wollte ihn ins Gesicht schlagen. Das hätte er nicht tun sollen, denn che der Schlag traf, hatte Hjort ihn pariert und mit furcht- barem Schwung dem Bauern einen Schlag an die Ohren versetzt, daß er hilflos den Schneehang eine weite Strecke hinunter trollte. Das beruhigte die anderen Fuhrknechte, etwas, besonders als sie die beiden Arbeiter bemerkten, die ihre Spaten in der Hand hatten und Lust zu haben schienen, das Strafgericht fortzusetzen. Die Bauern standen schwankend im Schnee nnd glotzten von einein zum andern, während einige von ihnen etwas Rotes von der Rase sortwischten. Endlich ermannte einer sich so weit, daß er fragte, was sie denn Böses getan hätten, daß mau sie auf diese Weise mißhandle. Da würde der Amtmann ein Wort mitzureden haben. Da kanr eine Sttirzsec von dem Oberingenieur. „Ihr verdammten Schufte!" schrie er.„Ihr luollt vom Amtmann reden, ihr Bichzeug? Aufgehängt müßtet ihr werden, aufgehängt an der höchsten Birke, die es hier oben gibt. Ämtmann! Fa, wirklich, der Amtmann sollte euch vor- nehmen, ihr besanft euch dermaßen, daß ihr die armen Gäule draußen stehen nnd erfrieren laßt. Ja, jetzt glotzt ihr. Vielleicht habt ihr jetzt die Angcn ordentlich ausgekriegt, ihr Lümmel! Und nun steht nicht da und gafft uns an, sondern macht kehrt nnd seht euch die Gäule an, die die ganze Nacht gestanden und auf euch gewartet haben, während ihr euren Rausch ausgeschlafen habt, ihr Hunde! Nun. seht ihr? Die Bauern hatten sich allmählich umgedreht und starrten erblaßt zum Wege hinunter, während die Arbeiter die Hände fester um den Spatengriff ballten. Hjort hals dem Bauern auf die Beine, der bei dem Schlage umgefallen war. Er tvar noch ganz schwindlig, und Hjort mußte ihn zum Wege hinunter geleiten. Erst als er da angekommen war, kam ihm ein Schimmer von Vernunft zurück, er stolperte auf daS erste Pferd zu, raffte die Zügel auf, kroch auf den Schlitten hinaus und schnalzte, um das Pferd in Gang zu bringen. Er riß und zerrte an den Zügeln, bis es ihni dämmerte, daß mit dem Pferde etwas Besonderes los sein mußte. Er kroch wieder vom Schlitten herunter und auf das Pferd zu. Er tastete lange an dem tief niedergebeugten Kopf herum und versuchte, ihn hochzulieben. Dann plötzlich begriff er, stieß ein �entsetz- lichcs Gebrüll auZ und warf sich heulend in den Schnee. Ein anderer der Bauern sprach allerhand schöne Worte zu seinem Pferde und streichelte eS zärtlich am Maul, während die anderen drei Fuhrknechte nur dastanden und gafften, während ihre Gesichter vor Kälte und Aufregung immer weißer und weißer wurden. „Wir haben keine Zeit, hier länger zu stehen und zu glotzen. Fhr müßt euch dranmachen und ausspannen, damit »vir vorwärts können!" kommandierte der Oberingenienr. Tie. Fnhrknechte gehorchten mechanisch, waren aber so un- geschickt, daß die Arbeiter und Hjort helfen mußten. Schließ- lich gelang cS ihren vereinten Anstrengungen, die Fuhr- werke beiseiie zu schaffen. Aber als die Pferde umgeworfen werden sollten, um sie aus dem Wege zu bekommen, mußten die Bauern das selbst tun. Tie großen schweren Tiere fielen mit dumpfem Gepolter in den Schnee. Der Weg war frei. Die Ingenieure krochen wieder in den Schlitten, nach- dem Hjort den Bauern gesagt hatte, sie müßten nach der nächsten Baracke gehen, um sich Hilfe zur Weitcrschaffung der Proviantsuhren zu holen. Dann fuhren die Ingenieure weiter. Keiner von ihnen sagte ein Wort. Sic hatten zuviel zu denken, und sie schienen beide unter den Pelzen und Fellen vor Kälte zu zitterw Und hinter ihnen her trabten die beiden Arbeiter, vor Frost in der Sonne zitternd, die Spaten auf den Schultern. Alles umher war schön, rein und weiß. Das Marmor- schloß der Berge leuchtete, der Schnee glitzerte wie Katzen- gold, und über allem wölbte sich eisblau, klar, unendlich der Himmel. Hoch oben an der Bahn sah man die Silhouetten der Arbeitenden wunderlich klein und zusammengeschrumpft, aber kurz nnd klar klangen die Laute der Hacken und Meißel von oben her, ganz wie ein gut aufgezogenes Uhrwerk, das um Kleinigkeiten nicht stehen blieb. Hjort schloß die Augen, aber er sah noch lange die fünf Pferde vor sich.(Forts, folgt.) SeukkchLZ' • 5etS»nd. VcrwaltunijsstBÜe Borlin. Den Mitgliedern sur Nachsicht, dah unser Kollege, der Maschinenarbciter WUli Spiller, Lichtenberg, Ircncnstr. 19, am 29. April gestorben Ist.! Ehre seinem Andenken!» Die Beerdigung findet I am Freitag, den 3. Mai.[ nachmittags 21/, Uhr, von j der Leichenhalle des@e« ineindc-Friedhoscs in Mar- I zahn ans statt. Stege Beteiligung wird er- I wartet. 111/9 Die Ortsverwaitung. Seiten günstige Kausgelcgenhrit. .Ist V-rrzesten in Bernau, s�sZi. von IL M. an, gutes Ackerland. verlaust Hudig. GJfar- ! lottenbulg, Königsweg 8. Piünc lostcntos. rkSkkpoktZkbtitckaerSASil. BezirkSverwalt. Grotz-Berini Den Mitgliedern zur Nach» richt. daß unser Kollege, der Angestellte Franz Hoff am 27. April im Alter von 60 Jahren verstorben ist. Ehr« seinem Andenken! Die Einäscherung findet am Freitag, den S. Mai, nachmittags 4 Uhr, im Krc- inatoriuw Berlin, Gericht- straße 37/38, statt. 61/12 Um rege Beteiligung ersucht lüv Bezirksverwaltung. Spezialarzt Dr. med. WockeotuS WfitMt.itSsÄSdÄ fCrSyphilis.Harn-u.Frausnieidqn Blutuntersuchungsn. Schnelle, sichere, schmerzlose Heilung ohne Berufsslbrung. Teilzahlung Für die irteien veweisc herrischer Teilnahme und Kriniz- spenden bei der Beerdigung meiner Leben Frau und guten Mutter 159 A Berta Sctiisfsrdecler sagen wir allen, welche ihr die letzte Ehre erwiese», unseren herzlichster! Dank. Der trauerte Gatte und Kinder. IPeziswrZt FDr med. D ah mann für I Geschlechtskrankheitnn, i Haut-, Harn-, Frausnleiden, norvSs. Schwäche, Beim j kranke. Behandlung ! 3chnelI,sioher n.schmerz- I(ob ohne Berofsstörung j in Dr. Homciver A Co. i konz-Labor. 1. ßlntunterB.. Fäden im Harn msw. Ifrieiiriclistr.lll. iroüiplf.8Sj§],Ä�r j 3pr. 10-1 u. 5-8, Sonnt. 10-1. I Honorar mSBIg, a. TeilzahL Separates Damenzimmer. anoptik. GkffknWn lüftnf an die Akfiher neu HsydUsze»! Handwagen-Besitzer, helft euren Mit- bürgern bei der Kohlenznfuhr! Wer eiueu zum Trausport von Kohlen sBriketts, Koks) geeigneten Haudwageu bis K Zentner dwagcu befitzt, unverzüglich tu den Dienst der allgemeinen stelle ihn Sache 1 Die Handwagen werden erst unmittelbar vor dem Gebrauch durch Schulknaden abgeholt und sosori nach Gebrauch wieder zurückgestcM und bleiben unter ständiger Aufficht. Vc> fchäbigungen und Berlnste werden vom Magistrat ersetzt. Für jede Verleihung wird vom Magistrat eine Vergütung (1 Mary gezahlt. Fretwilltge schriftliche und mündlich« Melduugeu find zu richten: An die Teputntion für die Kohlenversorgnng, Spandauer Str. 10. Dabei sind anzugeben: die Xragfähigteit des SBagenS, die Zeiten, für welche der Wage» zur Verfügung steht, der Standort des Wagens. Berlin, den 27. April 1918. Magistrat der KSuiglichcn Haupt« nud Residenzstadt Deputatioa für die Kohlenversorgung. L o e h n i n g. 8ökf Iiolis Bsioiinung erhält derjenige, der nachweist, wo das am 30. 4. 18 in der Bleibtteustraße, Nähe deS SavignyptatzeS, gestohlene Gespann der Brauerei Königstadt, Berlin, Schönhauser Allee 10/11, verblieben iit. ES handelt sich um den Wagen Nr. 15, bespannt mit dunkler FuchSstuic mit Blcfie, hinten weist gefesselt, und dunkelbraunem Wasach mit Stesse. Beide Pscrdc find zirka 14 Jahre alt, 1,70 grast und tiagen Kummet» geschirre. Der Wagen war beladen mit Btcrtonnen, dar- unter 9 Stück volle Fässer Meldung nimmt jede? Polizeirevier, die Kriminal- pollzei, Zimmer 83, towi« die oben genannte Firma, Telephon-Nr. Norden 676, entgegen. 51/6 «■■■■■«■■■XOk. •■kKfaa««*«»»»»»»»»»««»e» i I Kamleiden-Seliandltmg Heilanstalt Berlin W, l Bülowstr. 12, pt. : ToL Lflteow 9604, Prospekt H. Seaes erprobtes Verlabrea Ohne Berufsstörung Schnellste Erfolge, auch bei hartnäckigen Fällen. Sprochst. 12-2,6-8, Sonnt. 11-1» Sanitälsrat l>r. Pank WolH g Wntdparzcllen, nahe Bahnhof Basdorf, Quadratrute 19 Mark, Anzahlung 50 Mark, verkauft Hüften, Sieglitz, Vion- villestraße 11. Telephon Steg- Iii! 2891______19üJk* Pelzgariiiture« aller Art, jetzt zu herabgesetzten Preisen! Uhreuverkauf, Silbertaschen. Leihhaus, Warschauerstr. 7.* Psandleihhans, Hermannplatz 6. Massen auswählt Pclz- sachcn! Skunkskragen, Skunks- niufsen, Alaskafüchse, Rotfüchse, neue Herrenpaletots. Herren- anzüge, Tcppichvcrkaus, Uhren- verkauf. Passende Festgeschenke! 101 K* Abesfinier, Ersatzteile und Zubehör. 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Klempner und Scliweißer| verlangt sofort Berliner MntoMI-IIentroie AtlieogeseWM SrhlffdlrvttdWM 35. Mecbaniker, Schlosser, Werkzeug- macher, Dreher iiRd Automaieneinrichter für Krirgsliefern„gen stellt ein 21675 Emil leulnep, Berlin N, Sce,30�pt�Be6' Sprechzctt: Nachmittags 6-8 Uhr. Sonntags 10—12 Uhr vorm. Das Dlenftpflichtgefetz für??!anö verschoben. Ankündigung von Homerule. London,!. Mai.(Rentcr.) Es ist eine kZnigliche Verordnung erschienen, durch die das Inkrafttreten des Dicnstpflichtgesetzes für Irland verschoben wird. „Daily News" melden dazu, daß die Regierung sich ent- schloffen hat, bezüglich der Einführung der Dienstpflicht in Irland in den nächsten Wochen eine abwartende Haltung einzunehmen, bis sie beurteilen kann, welchen Erfolg die HomsrulebiU haben wird. Die Regie» rung hofft, die Homerulebill nach st e Woche einbrin» gen zu können. Es ist also gelungen, die Widerstände, die in der Regierung gegen diese Taktik vorhanden sind, zurückzudrängen. Der Druck wichtiger Faktoren hat gewirkt: Das entschiedene Verlangen der Arbeiterpartei, die gefährlich aufflammende irische Bewegung gegen die Dienstpflicht, deutliche Homerule-Forderungen der Bereinigten Staaten und schließlich als stärkste Kraft die englische Mannschasts- not und die Bedrängung und schlimme Lage der slandrisch-ftan- zöiischsn Front. Daß aber die Einbringung von Homerule die Flammen in Irland nicht ohne weiteres löschen wird, ergibt sich aus den folgenden Mitteilungen, in denen der UlstschäupÄmg C a r- son eine Rolle spielt. Bern, 30. April. Während die Nationalisten und Sinnfeiner zu Hmiderttausenden den Scbwur unterschreiben, der Durchsührung der Wehrpflicht in Irland mit allen zu Gebote stehenden Mitteln Widerstand zu leisten, liegen Anzeichen vor, daß Ulster im geheimen gegen die Einführung der Homerule Wider- stand vorbereitet. C a r s o n sandte der Presie ein langes Schreiben, worin er die einzelnen Phase» de- HomerulestreiteS seit Mai 1914 darlegt und nachweist, daß. wenn die Regierung die bevorstehende Homerulebill Ulster aufzwingt, sie die feierlichsten Versprechungen bricht. Die versteckte Drohung des Schreibens ist weniger verhüllt in dem Briefe EarsonS an den Sekretär des UnionistenrateS in Ulster, worin er eine schleunige Wiederaufnahme der seit Kriegsausbruch eingestellten Organisation in der ganzen Provinz anempfiehlt. Wie der Dubliner Berichterstatter des„Manchester Guardian" meldet, wird der Brief von den Nationalisten als eine Art vor» läufigen MobilisationsbefehIS an die Ulster-Freiwilligen angesehen, von der Nationalistenpresie bitter verurteilt. Dabei herrscht angeb- lich große Besorgnis wegen der Tatsache, daß die Regierung, welche daS katholische Irland entwaffnete, den Nlster-Arsenalen Waffen beließ auf die Versicherung der Ulsterführer hin, daß von ihnen während deS Krieges kein Gebrauch gemacht werden würde. C-Z sollen sich in Ulster 60(XX), in den Händen der Sinnfeinen höchstens 8000 Gewehre befinden. Man fürchtet, daß falls die Re« gierung die Ulster gegebenen Versprechungen bricht, die Ulster- führer sich als von ihrer Zusicherung entbunden ansehen werden und daß während Ulster der Einführung der Homerule bewaffneten Widerstand entgegensetzt, das übrige Irland gegen die Durchführung der Wehrpflicht kämpfen werde. Vorläufig, versichert der Korrespondent, sei allerdings bei den Nationalisten von aktivem Widerstand wenig die Rede. Die Bischöfe träten für einen passiven Widerstand ein, welcher fraglos eine ausreichende wirksame Waffe sein werde, schon weil eS der Regierung unmöglich sein werde, die Aus- hebungs-Kommissionen zufammen zubringen. Deutschlanö unö �oüanö. Eine beiderseits befriedigende Regelung erzielt. Rotterdam,!. Mai. Wie der„Nienwe Rottcr- damsche Courant" erfährt, find die Verhandlungen mit Deutsch- land, die in den letzten Wochen zu einiger Spannung Anlaß gegeben haben, so weit vorgeschritten, daß eine für beide Parteien befriedigende Regelung erzielt wurde und eine Mitteilung darüber in sehr kurzer Zeit erwartet werde» kann. Uebergabe von Sebaftopol? Basel, 1. Mai. Nach einem Bericht des Ukrainischen Tclegraphischen Bureaus aus Kiew haben sich die K o m- i!l)an danken der fünf Kriegsschiffe Swobodnaja Rosnsa, Pampai Merkuria, Sw. Eustapliai, Tri Stosatnalja und Bercza Snobodna, die in Sebastopol vor Anker liegen, sowie einiger Kreuzer und Unterseeboote be- reit erklärt, die Stadt ohne Kampf den ukrainischen Truppen zu übergeben. Die engiisch-amerikanische /lrbeiterkonferenz. Das negative Ergebnis der Versuche der englischen Arbeiterführer, die amerikanischen Arbeiterdelegierten für ihre .Kriegstaktik zu gewinnen, wurde bereits mitgeteilt. Dazu liegt noch folgende Meldung vor: London, 1. Mai.(Reuter.) Auf der Konferenz der Ab- geordneten der amerikanischen Labour-Federation und des Parlamentsausschusses der Trades Union und der Labour Party wurde über die internationale Konferenz eine Einigung nicht erzielt. Nach Darlegung der Anschauungen der Teilnehmer wurde die Konferenz bis zur Rückkehr der amerikanischen Abgeordneten von dem Besuch der Westfront, wohin sie alsbald abreifen, verschoben. Die Besprechung wird wahrscheinlich am 8. Mai wieder aufgenommen werden. Lanösthingwahlen in Dänemark. Kopenhagen, 30. April. Bei den heutigen Wahlen von Wahlmännern zum Landsthing wurden gewählt: R e- gierungs an Hänger(Sozialdemokraten und Radikale) 1390, Opposition(Konservative, linke kirchliche Listen und Erwerbspartei) 1577. Die Wahlmänner treten nächste Woche zusammen, um 5-1 Mitglieder des Landsthings zu wählen. Das Landsting besteht aus 72 Mitgliedern, wovon 18 im voraus vom früheren Landsthing gewählt sind. Reichstag. Z 15Z.— Arbeitskammergesetz. Die neuen sozialpolitischen Gesetzentwürfe haben am Mittwoch den Reichstag in erster Lesung passiert. Die Auf- Hebung des Z 153 der Gewerbeordnung fand nur geringen Widerstand,— bei den Konservativen, die während des gesamten Krieges keiner einzigen Reformvor- läge zugestimmt haben, und bei dem ichwerftrdustpiellen Flügel der Nationalliberalen. Genosse Ebert wies in seinen Ausführungen darauf hin, daß mit der Aufhebung des Z 153 noch lange nicht alle� Fallstricke gegen das Koaliftonsrecht be- seitigt seien, bestrafe man doch immer noch in gewissen Fällen streikende Arbeiter als Erpresser. Von einer Kom- missionsberawng der kurzen Vorlage wurde Abstand ge- nommen. Bei der Beratung des Arbeitskammergesetzes beklagte Genosse Legten, daß die Regierungsvorlage immer noch den Geist des Mißtrauens gegen die Arbeiter- schaft atme. Die Vorschläge der Gewerkschaften sind in dem Entwurf unbeachtet geblieben, ebenso die seinerzeit von Dr. Schwander bezüglich der Vorberatung gegebenen Zu- sicherungen nicht innegehalten worden. Die Mittelparteien, Zentrum, Nationalliberale, Fortschrittler, sind mit der Re- gierungsvorlage mehr zufrieden. Der konservative Fabrikant W i l d g r u b e weinte auch hier dem Z 153 bittere Tränen nach..._ Postgebühren unö fürstliche Portofreiheit. Der Haushaltsausschuß befaßte sich i-n der Berrrdmrg der Steuervorloye am Mittwoch zunächst mit der Erhöhung der Postgebühren. Vor Eintritt in die Tagesordnung wünschte Abg. Ebert(Soz.) eine allgemeine Besprechung darüber, wie«in Teil der vorliegenden indirekten Steuern durch direkte Steuern ersetzt werden könnte. Gegen diesen Vorschlag wurde geltend gemacht, daß sich die Fraktionen erst über konkrete Vorschläge verständi- gen müßten. Der Abg. Dr. Jnnck(natl.) verlangte ein schleuni- ges S i ch e r u n g s g e s e tz, weil zur Umgehung der Luxusstener momentan«in ungem«in schwunghafter Handel mit Goldwaren und Juwelen ftartfinde. Diesem Vorschlag traten alle Parteien bei. In der Debatte über die Postgebühre« sprach Abg. Dr. Südekum(Soz.) schwerwiegende Bedenken gegen die vor- geschlagene Gebührenerhöhung aus. Vor allem müsse aber die Portofreiheit der Fürsten beseitigt werden. Während des Krieges seien die Fürsten steuerlich in einer Weise geschont worden, die nicht mehr zn verantworte« ist.— Die Be- ssitigung der fürstlichen Portofceiiheit wurde dann noch von einer ganzen Reihe von Rednern verlangt,©in Konservativer hoffte freilich, daß die Fürsten selber auf die Portofreiheit ver- zichten würden. Ihm wurde aber von fortschrittlicher Seite ent- gegengehalten, daß man den Fürsten seit zwei Fahren die I n i- t i a t i v e gelassen habe, aber sie haben sie nicht ergri ffen. Abg. N o s k e(Soz.) stellte fest, daß Staatssekretär Dr. Helfferich schon 1916 verkündet habe, die Fürsten würden auf ihre Pordofrciheit verzichten, das sei aber bisher nicht geschehen. Auch den Wehr- b e i t r a g haben die Fürsten keineswegs aus freier Ent- Schließung geleistet, und man sollte doch endlich einmal bekannt- geben, w as die freiwillige Mehrabgabe der Fürsten eingebracht habe. Staatssekretär Rüdlin mußte zuge- stehen, daß einzelne fürstliche Verwaltungen mit der Portofreiheit Mißbrauch getrieben haben, das fei aber beseitigt. Ei« Gesetzentwurf zur Beseitigung der Portofrei» h e i t der Fürsten sei in Vorbereitung. Aus eine Anfrage des Abg. Dr. Südekum, mit welchem Recht man den Fürsten auch die Gebührensreiheit für den Fernsprechverkehr einge- räumt habe— denn bei Gewährung der Portosreiheit kannte man de« Fernsprecher noch gar nicht—, erklärt« der Staatssekretär, daß dies auf dem Wege der Verordnung er- folgt sei. Abg. Gothsin stellte fest, daß sich damit die Postver- waltung einer Beihilfe zur Hinterziehung von Ge- b ü h r e n schuldig gemacht habe, denn. ein« solche Verordnung durste sie gar nicht erlassen. Die Ausdehnung der Gebührenftciheit war nur ans dem Wege des Gesetzes möglich. Gin Vertreter des Reichsposdamtes suchte die Rechtmäßigkeit des eingeschlagenen Versahrens zu verteidigen, aber Abg. Dr. David(Soz.) widerlegte seine Ausführungen bündig. Schließlich wurden samt- liche Anträge einem llnterausfchntz überwiesen. Die Beratung wird am Donnerstag fortgesetzt. �erabfehung öe? RatkoNLN? Eier und Butter zur �-erkelaufzucht! Der vom Reichstag eingesetzte Ausschuß für Ernäh- rungsf ragen hat am 1. Mai seine Beratungen begonnen. Staatssekretär v. Waldow wies in der Ueberficht, die er über den Stand der Lebensmitielversorgung gab, darauf hin. daß wir die Brotration nur aufrechterbalten können, wenn aaS der Ukraine die in Ansatz gebrachte Einfuhr tatsächlich erfolgt. Einige Transporte seien eingetroffen, man müsse abwarten, wie sich die Anfuhr weiter gestaltet. In der Kartoffelversorgung besteht die Hoffnung, daß wir auskommen. Wahrscheinlich werde man mit einer Herabsetzung der Fleischratio« rechnen müssen, sobald wir wieder mehr Zeralien haben. Die Butterversorgung weise großen Rückzug auf und wir hätten eine Feitration von 70 Gramm nicht ganz geben können, wenn nicht die Margarinefabrikatiou auf das Doppelte gestiegen wäre. In der Besprechung Nagte der Abg. Held(natl.) über die Folge» der umiangreichen Viehabschlachtungen: Unzweckmäßige Anordnungen haben dazu geführt, daß die Magermilch nicht zur Aufzucht der Ferkel benutzt werden konnte. Jetzt verwende man in der Provinz Hannover Eier und Butter zur Ferkelaufzucht. Diese Mitteilung erregte berechtigte« Aussehen. Abg. S t u b b e(Soz.) erklärte diese Zustände in Hannover für einen Beweis, daß die Kontrolle auf dem Lande ungenügend ist. Weiter kriti- sierte der Redner den Unfug, daß Offiziere große Mengen Lebens- mittel aus den Etappengebieten heimschleppen lassen um ihre Familien reichlich damit zu versorgen. Die Soldaten bekommen nur Urlaub, wenn sie die Pakete der Offiziere mitschleppen, während sie selbst nichts erlangen können. Mit diesein Unfug inüsse die Militärverwaliung endlich ausräumen. Rednee befürchtet, daß die Kürzung der Brotration nicht zu umgehen sei. Wie die Bevölkerung dies ertragen werde, sei schwer zu sagen. Graf Spee. Nach der Rede, die der Zentrumsabg. Graf Spee am ersten Tage der Wahlrechtsdebatte gehalten hat, muß man meinen, einen Patrioten vor sich zu haben, der gerade noch im letzien Augenblick atemlos und staubbedeckt aus dem Westen eintrifft, um da? Parla- ment zu beschwören, doch um deS Himmels willen die Wahlreform nicht ohne die Helden an der Front zu machen, sondern sie bis nach Kriegsickluß zu vertagen. In Wirklichkeit haben wir gerade in dem Grafen Spee einen alten, eingefleischten Wahlrcchtsfcinb vor uns, der auch nach dem Kriege dem Volke, das seit Jahren dem Vater- lande ungeheure Opfer an Blut und Gesundheit bringt, das gleiche Recht verweigern will. Im Jahre 1997 hat Graf Spee mit noch 16 anderen Fraktionsmitgliedern dem Zentrumsanirag auf Ersetzung des DreikiassensystemZ durch das Reichotagswahlrecht die twtcrjchrist verweigert. Im Jahre 1912 gehörte Graf Spee zu den SS Zentrums- abgeordneten, die sich vor der Abstimmung über den von den Frei- sinnigen gestellten Antrag ans dem Saale entfernte», so daß statt der erwarteten Mehrheit für die geheime und direkte Wahl(es handelte sich also nicht mal um das gleiche Wahlrecht!) eine Mehrheit von 36 Stimmen dagegen sich ergab. In seiner vorgestrigen Rede sagte Graf Spee auch:„Ich habe mich im Februar wieder an die Front gemeldet, weil ich das politische Durcheinander hier nicht mehr ertragen konnte: politischer Ehrgeiz und Machtgelüste gehen im Innern ihre verderblichen Wege.. Es sind noch nicht fünf Monate her, da stand der nämliche Graf Spee in Berlin im Zirkus Busch in einer großen Hausbesitzerv ersammlung und hielt eine Rede, die wie folgt schloß: „Für das Hausdesitzcrprivilcg bedürfen wir starker Garantien, um zu verhindern, daß es umgangen wird. Wenn der städtische mit dem ländlichen Haus- und Grundbesitz, der bei der Neu- ordnung schwere Kämpfe um die Erhaltung wohl- erworbener(?) Rechte zu bestehen haben wird, zusammenhält, mit ihm gemeinsam kämpft, so wird der Erfolg nicht ausbleiben, zum Wohle der Grundbesitzer wie des Vaterlandes(?)." Dem Berliner ZentrumSblatt, der„Germania", war die? Auf- treten ihres Parteifreundes so peinlich, daß sie seine Rede in dem fiebzigzeiligen Bericht im Gegensatz zu allen anderen Sprechern m i t einer einzige» Zeile abtat. Noch viel peinlicher muß den Freunden des Grafen die von uns hier vorgenommene Gegenüber- stellung der Rede aus dem Parlament mit der im ZirluS sein. Karöorff tritt aus öe? feeikonfervativen Partei aus. Der SandtagSabgeordnele». Kardorff hat am Mittwoch seinen Austritt aus der freikonservativen Fraktion des preußischen Abgeordnetenhauses erklärt. Kardorff war, wie Freiherr von Zedlitz, Anhänger des gleichen Wahlrechts und sah sich aus diesem Grunde seit längerer Zeit in der Fraktion kaltgestellt. verbot öe? Wiener Arbeiterzeitung". Anfrage im Reichstag. Die Genossen Ebert u-nd Wendel haben folgende Anftage gestellt: Ist dem Hemm Reichskanzler bekannt, daß seit vierzehn Tagen dem angesehensten politischen Blatte Oesterreichs, der Wiener„Ar- beiter-Zeitung", die Einfuhr nach Deutschland ans die Dauer versagt wird, und wie gedenkt er diese Matzregel zu erklä- ren, da der Presse des neutralen und auch des feindlichen Aus- landes unbeschadet ihrer Stellung die Einfuhr gestattet fft? Letzte Nackrichten. deutsch-französifther Gefangenenaustausch. Am 26. April 1918 find in Bern die seit mehreren Wochen zwischen Vertretern der deutschen und der französischen Regierung über GefanMnensvagen geführten Verhandlungen zu einem be- friedigenden Mschibuß gelangt. Die getroffenen Vereinbarungen sind nunmehr den beiden Regierungen zu Genchmiguwg vorgelegt worden. Da? wtchdigste Ergebnis wtzrb die Entlaffnns einer grossen Anzahl deutscher und ftanjllftfchci Kriegsgefangener sein; bei einer Mindestdauer der Gefangenschaft von 18 Monaten sollen kriegsgefangen« Offiziere i n der Schweiz interniert, Unteroffiziere und Mannschaften unnritteDar in die Heimat entlasse« werden, und zwar ist für die Neihe-nfolge der Dag der Gefangennahme entscheidend. Austausch und Jnterrrierung sollen sich grundsätzlich Kopf um Kopf vollziehen; nur für die an Zahl verhältnismäßig geringen Klassen der mehr als 4b Jahre alte» Kriegsgefangenen und der mehr als 49 Jahre alten FanrKienvätec mit mindestens drei Kindern konnte aus Gründen der Menschlichkeit von dem Austausch Kopf um Kopf abgesehen werden. An deutschen Kriegsgefangenen, die sich 18 Monate in französischer Gefangenschaft befinden, kommen zurzeit etwa 2999 Offiziere und 129 9999 Mann in Betracht. Selbstverständlich wird der Abtransport so großer Zahlen von Kriegsgefangenen viele Monate in Anspruch nehmen, zumal bei ihrer Loslöfirng aus dem Wirtschaftsleben bei- der Völker aus ihren rechtzeitigen Ersatz Bsdacht genommen werden muß. jkriegSgefcmgeue, die am IS. AprÄ 1918 in der Schweiz krankheitshalber interniert waren, werden, sofern sie vor dem 1. November 1916 in FeindeShand geraten sind, unverzüglich i n die Heimat entlassen. Die ftühercn Vereinbarungen über die Entlassung und Jnternierung kranker und verwundeter Kriegs- gefangener werden durch das neue'Abkommen nicht berührt. DaS zweite wesentliche Ergebnis der Berner Vsrhandlun- gen sind Bestimungen über die Entlassung derjenige« Zivilpersonen, die znrzeft in einem der beiden Länder interniert find, oder semals während des Krieges interniert waren. Solche Personen können aus ihren Wunsch ohne Rücksicht aus Alter und Geschlecht dos Land, in dem sie zurückgehalten werden, verlassen und an ihren früheren Wohnfitz zurückkehren. Ties Ergebnis ist um so erfteulicher, als damit auch den noch in Frankreich befindlichen Elsaß-Loth- r i n g e r n die Möglichkeit der Heimkehr geboten wird.' Anßepdem enthalten die Vereinbarungen u. a. noch eine Reihe von wichtigen Bestimmungen über die Einrichtung und den Dienst- betrieb in den Gefangenenlagern, über die Ernährung der Kriegsgefangenen, insbesondere ihre Brotration, über die Vollstreckirng gerichtlicher und disziplinarischer Strafen, sowie über die Behandlung der Bevölkerung in den besetzten Gebieten. Nach Bestätigung der Vereinbarungen durch die beiden Regierungen werden nähere Einzelheiten bekanntgegeben werden. Besonderen Tnterl an dem günsiigen Verlauf und dem Erfolg der Berner Verhandlungen hat die schweizerische Regie- rung, unter deren Leitung die Beratungen stattfanden. Die AltFIeidersdnimlunfl. Verlin, 1. Mai. Die durch die Presse verbreitete Nachricht, daß die Reichsbekleidungsstell« die Sammlung von einer Million getragener Anzüge für die Arbeiter in kviegs- wichtigen Betrieben auf unbestimmte Zeit verschoben habe, entspricht nicht den Tatsachen. Die Kommunalverbände sind verpflichtet, die ihnen auferlegten Mengen von getragenen Anzügen unverzüglich zu beschaffen. Petfotw« bedoNgt. Erveicht ttmixn pro Woche e M 120 K. Soi�iMuftiffTeniHum, Oerfü-cjinw »428©eWRgt« 10 938 Ghmfev rcbfrwW GewerkschoflsbewMng Der Verband der Hntarbetter t« Jahre 1911, Die Hut- und WM«rr«r»mdrrfwie ist im oievte»»rii-ySi itande» der Wollhittfobriken und der schwachen Hutonrftrhr die Haarhutinduswie aenonunen. Hier ist feit 1018 die Srbeiter«hl Don 1600«ruf 3000 gestiegen. Txrnk dem Mleingreiftn de» Hut- arbeit ert-erb-lnde» gelang e», da« verbot der(SVnecht»ei,chchr ju milde vn und die unentbehrlichste» Rohstofft(Hasenfelle) für di« Haarhutmachevei ft» zu bekommen und so den Arbeitern und Ar- dsitermnen Arbeit und verdienst zu erhalten. Die Beschäftigung uxrr«ine gleichmäßige und die Arbolttlofigkeit gegen ftüher gering. Die Mialiederzahl ist von 8000«ruf 8700(2260 männliche und 6450 weibliche) gestiegen. Zum Kriegsdienst find 2000 ZKstgtteder embevuftn. Die Geswmtestrnohme de» verbände» belSnst stch«f 1« 000 di« verhältmdmäftig geringe Ginmrbme erklärt sich an» de« Ueber- wiegen der weiblichen Mitglieder mit wiediiigeu Beiträgen, ver- ausgabt wurden 202 000 M. Gescrmtvermägen blieb«rm Fahre»- schlusse 818 765 M. van den Anügaden entfielen ewschl:>ch!-ch 21 000 M. für Streik 104 000 M. für Hnte-�siyungSgDecI«. In der KvieySzoit ereichten die Ausgabe« für Unterstü fingen die Sähe von 400 000 M. Aue Gtärkung der verbandshasft find die Berband S beiträge erhäht worden. An Lohnbewegungen, davon«ine«ist OtoeB, waren Mref! >md mdrrekt 21 000 Person«, beteSigt. für 14 000 Betei-Kgte 94 120 M.' � der Arbeitszeit für 2428 wurden für 176 Beteiligte 708 M. Lohnkürzungen. Sonstig« Lohn» dorteil«, SntfchSbiguny für Neberarbeit. Lieferung de« Nabigoirn» zu ffrieden�reifen bzw. Wegfall der SxtrabezaSlvny de» Zwirn», die hohe Summen darstellen, wurden für 4000 Beteiligte erreicht. Trotz aller Krieg« skhwiertgfciten. unter denen die Hutnwustvft nrtb der Hutarbeiterverbcmd zu koibvn habe», fit e» im dierte» Krftg». jähre doch gelungen, den verband««»zukweiten»od zu festige» und die beruflichen Interesse« seiner Mtgfieber«rftlgreich gn wahren, ffür die Nichtmi-tglieder, die«rn den Erfolge» parti zipie ien, ein« aufmunternde Mahnung, sich ihrer Vevustorgoinilsaftrm an- zuschkiehen._ ««» dem KrfegSaaSschuh für die«WaMeirtede Groft-BerltnS. Der KmsttrnKene R. den der yirnm V. i» Segel fmtoat den Abkehrsthoin, weit er fich wesentlich verbesser« kann. Da» Vi»- nerige Gehalt beträgt 810 St, während We neue Kimna sofort 890 M und bei Vinarbeitung ein« Erhöhung di» auf 5V0 SR. für den Monat zugestanden hol. Di« Kirmo hatte verlangt, daß St. angeben solle, bei welcher Firma er(stnttrllung finden tonne. Die» r f t, n>-x.__ r■T i i■» v.;. ewj Ott?-».... w«-.-e �- 'allTe aogvveynz, u??rl crc tymno«o. vrn ju Den fyfmnn gcycru die ein« Vereinbarung bezüglich der Ernftellu-ng von Angestelllen getroffen haben. In Abwesenbeit der Frawa gibt er die newe Firma an. Nachdem sich tne Firma beveiterklart hat, entweder cin«, Abkehrschein zu erteilen, oder aber über die Fortsetzung de« tlebeitSverhältnisse« mit St. eine Verständigung zu erziele», wirb di e Sache«rls erledigt omgefthen. Der Schlosser Sch von der Firma L.«. C- Kön>g«wustev. '' l ulen, verlangt den Abkehrsrhern, weil die Firma ihm senmn Lohn, r jetzt 1,10 M. für die Stund« beträgt, ni«ht um 15 Pf. erhöhen ;ll. Die Firma erklärt fich auch vor dem KriegSuuSfehutz nicht bereit, die Zulage zu gewähren, da ihre älteren, verheirateten Ar» beiter auch nicht mehr Lohn haben. Deshalb wird Sch. der LH- kehrfchvin zugesprochen. Die Gesamtordetterschaft der Mrmg f. P. Friedenau, rief den Krieg»au»schutz nach§ 18 an, weit«ine ver» stänbtgung über«ine Streitfache mit der Firma nicht zu«ziel«« war. Die Arbeiter und Arbeiterinnen verlangen beim Beginn der Arbeitszeit ein« K