Neöaktion: SW. 68, Linöenftraße Z. xkernivre-tier: Amt Morttzpla«. Str. ISI SV— 151 97. Freitag, de» 3. Mai ISJL8. ExpLüttion: SW. 68» Linöenstraße Z» iserusprecher: Amt Morttzvlaq. Str. ISI SV— 1S1S7. Ar.lTI. SS. Jahrg. Pfennigs Vevlinev VolKsbwtt. äee fo2ialäemokratifck?en Partei Veutfcdlanäs. SlnzetgenpreiS: DicstelSengclPallcneKowiiclzclltkoNet bv Pfg.„Ztlciu« Sluzctgcu", da? fettncdruckte Wort W Pig.(zulksfig L fcitgedruckte Worte), jede? weitere Kort 16 Pfg. Stellengefu�e mrd kchlaffiellenaiizeiocu da? erste Wort SO Psg.. jede? weitere Wort 10 Psg. Worte über 16 Buchstaben zählen sür zwei Worte. Teuerungszuschlag SC0/» Faurilien.Auzeigeu, volitlsche und gewcrlschaftlschc Verein?- Anzeigen KV Psg. die Keile. Anzeigen sür die nächste Nrunmer müssen bi? 3 Uhr nachmUtaq? im Hauptg eschäst. Berlin kW. SS. Äudeuslras!- Z, abiegebe,! werden. Eröffnet do» S Uhr ftüh bi? 1 Uhr adcnd-, vezugSp reiSt Biertelfähri.<60 Ml. nwnatl. l�ZaMi. frei in? Hau?. dorauszablbar.EinzeInc Siummern 10Psg. 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Es ist nicht unsere Absicht, Oel ins Feuer zu gießen. Wir schädigen Deutschland in seinem Existenzkampf nicht, trotz aller Herausforderungen der Gegenseite. Aber kein anderer als der stell v e r t re te n d e Ministerprä- sident in Preußen hat die schädlichen Wirkungen, die eine Ablehnung des gleichen Wahlrechts auf die innere Wider- standskraft des deutschen Volkes ausüben würde, voraus- gesagt. Wenn diese Folgen jetzt eintreten, so tragen dafür die Verantwortung allein die, die gestern unbekümmert um alle Warnungen das gleiche Wahlrecht nicdergestinimt und als die gestrengen Herren dieses Frühjahrs die Hoffnungen auf eine freiheitliche Neugeburt Deutschlands geknickt und zu Boden geschlagen, haben. Mögen sie sehen, wie sie vor der Geschichte mit dieser Verantivortuug fertig werden. Die Mehrheit gegen das gleiche Wahlrecht ist größer ge- tvcscn, als man erwartet hatte. Nicht nur die Konservativen und Freikonservativen mit vcrscbwinÄenden Ausnahmen, nicht nur die Hälfte der Notionalliberalen, sondern auch ein recht erheblicher Teil der Z e n t r u m s f r a k t i o n hat da- gegen gestimmt. Die Mehrheit von über 60 Stimmen zugunsten des Pluralwahlrechts ist ein tatsächlicher, kein niora lisch er Erfolg der Wahlrechtsgegner. Muß doch immer wieder daran erinnert werden, daß das abstimmende Parlament aus einem Wahlversahren hervorgegangen ist, das von keiner einzigen Seite mehr als gerecht oder maß- gebend anerkannt wird. Selbst der Abgeordnete v. H c y d e- b r a n d hat zugestanden, daß das Dreiklassenwahlrecht in ungerechtfertigter und einseitiger Weise lediglich das Vermögen bewerte. Abgestimmt hat also gestern keine irgendwie geartete Volksvertretung, sondern eine lediglich als Vertreterin des Geldsacks an- zusprechende Körperschaft. Wenn eine solche das gleiche Wahlrecht ablehnt, um so höhere Ehre für dieses. Moralisch bedeutet also die Abstimmung des Dreiklaffen. Hauses nichts. Tatsächlich aber ist sie ein Ereignis von unübersehbarer_ Tragweite. Denn dieses Parlament des GeldsackS hat die faktische Macht in Händen und ist gewillt, sie rücksichtslos auszunutzen, obwohl sie selbst ihren Ursprung für ungerecht erklärt. Für die Regierang, die gehofft hatte, mit diesem Parlament zu einer Einigung zu kommen, bedeutet der gestrige Tag eine schwere Niederlage. Er hätte es freilich nicht zu sein brauchen. Die Ablehnung als solche war diese Niederlage nicht. Den Trotz eines Parlaments, das lediglich noch ein juristisches Dasein führt, brauchte keine Regierung tragisch zu nehmen. Sie hätte nur darauf erwidern müssen:„Nun werden wir euch einmal zeigen, daß ihr ja im Grunde gar nichts weiter seid als 443 unmaßgebliche Herren, die nichts hinter sich haben als ein antiquiertes papiernes Recht. Gegen dieses Recht aber haben wir ein G e g e n r e ch t, das Recht der Auflösung. Und wenn wir von diesem Gegenrecht Gebrauch machen, dann fällt eure Scheiumacht in Nichts zusammen, dann enthüllt sich die schwache Grundlage eurer Macht und mit ihr zerbricht euer Widerstand. W i r lösen das Abgeordnetenbaus auf." Das mußte die Antwort dar Regierung sein. Wenn je von einem bösen Feind, so galt von diesem der Satz:„Ein Wörtlein kann ihn fälle n." Die Regierung hat dieses Wort nicht gesprochen, und deshalb war der gestrige Tag ihre Niederlage. Ob die Regierung ihren letzten und besten Trumpf über- Haupt ausspielen wird, das läßt sich nach der gestrigen Er- klärung Friedbergs immer noch nicht sagen, aber jedenfalls will sie bis zur dritten Lesung warten. Bis dahin sollen die Verhandlungen hinter den Kulissen immer noch wcitcrge- führt werden, und durch Angebote abermaliger Sicherungen zu den schon gegebenen hofft man, noch einige Dutzend spröder Herzen zu erweichen. _ Aber durch die gestrige Abstimmung ist der Regierung diese Aufgabe nicht erleichtert worden. Die Mehrheit von über 50 Stimmen wird den Wahlrechtsgegnern den Kamm schwellen lassen. Falls sie sich� überhaupt auf das Sicherungsangebot der Regierung einlassen, werden sie wahrscheinlich Bedingungen solchen Kolibers stellen, daß mit ihrer Hinzufügung die Wahlrechtsvorlage das Interesse der ehrliche» WahlrechtKfxeuude vexliexsu wird. Das Wählen ist kein Selbstzweck, an einem Parlament des gleichen Wahlrechts, das nur reden, aber nichts beschließen darf, kann der Demokratie nichts g e- legen sein. Natürlich wird die Sozialdemokratie die Resultate der Verhandlungen bis zur dritten Lesimg erst abwarte n, ehe sie endgültig zu ihnen Stellung nimmt. Aber unser Vertrauen zu einer annehmbaren und günstigen Entwicklung der Dinge ist ä u ß e r st gering. Wir glauben nicht, daß die Regierung einen Weg finden wird, der die Aussichten der Wahlreform bis zur dritten Lesung bessert, es sei denn, daß sie ihren bisherigen Versicherungen imtreu wird. Durch ihre abwartende Haltung gewinnt die Regierung also nur sehr unbestimmte und zweifelhafte Aussichten. Da- gegen trägt sie ihr heute schon einen zwe i fe l s f r eien Verlust ein: das Vertrauen des Volkes zu ihrer Aufrichtigkeit in der Wahlrechtsfrage mindert s i ch in dem Maße, wie sie die Auflösung des. Abgeordnetenhauses hinausschiebt. Auch die deutsche Sache wird durch das Zögern der Regierung nicht gefördert. Wäre die Auflösung der Ableh- nung gefolgt wie der Donner dem Blitz, so wäre das Gefühl der Unlust über diese Abstimmung im ganzen Volke ver- drängt worden durch das der Befreiung. Man hätte sich gesagt, daß diese Abstimmung den Fall einer unbelehrbaren Reaktion und den Sieg der deutschen Freiheit nur b e sch l eu- n i g t. Mit Recht ist die Negierung von vielen Seiten darauf hingewiesen worden, daß niemand sagen könne, sme lange dieser Krieg noch dauern und welche Prüfungen er dem Volke noch auferlegen wird. Ein paar Wochen rosa- roten Optimismus haben die Einsichfigen nicht blenden können. Selbst im Osten beginnt der eben entwölkte Horizont sich von neuem bedrohlich zu umziehen. Im eigensten Interesse muß die Regierung sich sagen, daß sie die Stimmung des Volkes braucht, die ein Redner des gestrigen Tages mit den Worten kennzeichnete:„Der einzelne muß auch wiffen, daß er wirklich für sein Land kämpft." Jeder Tag, um den die Regierung die Auflösung des Dreiklassenhauses verzögert, hilft diese Stimmung er- schlagen. Noch hat die Regierung es in der Hand, das Versäumte nachzuholen. Unterläßt sie es, so ladet sie eine schwere Verantwortung auf sich. Für die Arbeiterschaft aber heißt es, ganz gleich was die Regierung tun wird, für kommendeschwereKämpfe bereit zu sein, für Kämpfe um Deutschland? Glück und Zukunft. AuZ dem Abgeordnetenbaüse wird uns geschrieben: Da? Ergebnis der Abstimmung über den enlscheidenden§ 3 de» Wahlgesetzentwurfs kam nicht überraschend. Daß das gieiche Wahl- recht abgelehnt werden würd� stand nach dem Verlauf der Debatte fest. Gespannt war man nur auf die Stimmenzahl und auf die Haltung de? Zentrum?. Herr Dr. Porsch hatte erklärt, daß nur ein kleiner Teil seiner Freunde gegen das gleiche Wahlrecht stimmen würden. Wenn man bedenkt, daß nicht weniger als IS ZentrumSobgeordnete offen dagegen votiert. daß weitere 4 sichder Stimm« enthalten und etwa ein halbes Dutzend gefehlt haben, so wird man sich sagen müssen, daß es sich bei den Gegnern des gleichen Wahlrechts in der Zentrumsfcaktion des Abgeordnetenhauses nicht um einen kleinen Teil, sondern ur.i ein Fünftel bis ein Viertel der Fcak- tion handelt. Die Aussichten aus ein« Verständigung bi! zur dritten Lesung find dadurch nicht gerade günstiger geworden. Und doch hat die Regierung noch nicht jede Hoffnung aufze- gedeu; sie zieht zwar, wie au? der Erklärung FriedbergS hervorgeht. die Auflösung in den Bereich der Möglichkeiten, cinfito eilen aber will sie noch VerftändigungSvecsuche unternehmen. Mit welchem Er- folge, bleibe dahingestellt. Nach der Antwort, die der Konservative v. d. Osten dem ehemals Freikonservaten v. Kardorf auf seine von seinem Standpunkte(mZ zweifellos sehr klug« und politisch bedeutsame Rede erteilte, kann man sich von solchen Versuchen nickst allzuviel versprechen. Wir halten eS für nötig, diejenigen Mitglieder der Zentrums- ftaktion, die den Gegnern deS gleichen Wahlrechts mit zum Siege verholfen haben, öffentlich bekanntzugeben. Gegen da? gleiche Wahlreckt haben folgende ZentrumZabgeordnetc gestimmt: Graf Droste zu Vischering, Eicke-Tschammendorf, Fleuster. v. d. Hagen. Graf Henckel v. Donnersmarck, Freiherr v. Loe, Lorenz. Reinhard, Freiherr v. Reitzenflein-Pilgramsdorf, Graf Strachwitz- Bertelsdorf, Graf Strachwitz-Paschwitz, Freiherr v. Wolff-Metternich, Graf Ziethen, Brockmann. Der Abstimmung enthalten haben sich vom Zentrum die Ab- geordneten Fritzen, Underbe rg, Dr. Boenisch und Blum. Von den Freikonservativen stimmt« mit Ja außer dem Abg. v. Kardorff nur die Abgg. Dr. Wagner, Dr. Arendt, Dr. Vradi. während Freiherr v. Zedlitz, der bekanntlich auch für da? gleiche Wahlrecht ist, am Erscheinen verhindert war. Die Spezialberatinig geht am Freitag weiter. Gegenrevolution in öer Ukraine. Kiew, 1. Min. Die Banerudeputatiou rige Radaregieruug ist eine neue Regierung in Die aus Anlaß des Falles ukrainischeu Beamte» sind freigelassen worden. hier eingetroffene hat die b i« h e- gestürzt, und eS Bildung begriffen. Dobry verhafteten inzwischen wieder In der Ukraine schießt die Weltgeschichte Purzelbäume. Gestern Meldung, daß Mitglieder der ukrainischen Regie- ning„i in Einvernehmen mit d e m d e u t s ch e n Gesandten" eingesperrt worden sind, heute Nachricht: Sie sind wieder freigelassen worden, aber sie haben aufgehört Minister zu sein. Die Rada-Regiernng ist gestürzt, eine Regierung von „Bauerndeputierten" eingesetzt. Beide Ereignisse, die Ver- Haftung und die Konterrevolution, stehen in gar keinem Zu- sammenhang miteinander, und die Deutschen haben sich in den inneren Kampf nicht eingemischt. Das Militärische in dieser Angelegenheit kann ruhig bei- seite gelassen werden, es handelt sich um eine Polstische Sache, für die die Regierung verantwortlich ist. Zunächst der Ge- sandte des Deutschen Reiches bei der ukrainischen Regierung, Herr Mumm von Schwarzenstein. Wie kommt dieser Mann dazu, sein„Einvernehmen" damit zu erklären, daß der ukra- mische Kriegsminister verhaftet wird? Das steht ihm ebenso- wenig an, wie es z. B. Herrn Joffe anstünde, sein„Einver- nehmen" damit zu erklären, daß der preußische Kriegs- minister verhaftet werden sollte. Die Verhaftung eines Mi- nisters durch seine eigenen Landsleute ist ein innerpolitischer Akt, seine Verhaftung durch Angehörige einer fremden Macht ist eine feindliche Handlung. Der Gesandte ist aber dazu da, die friedlichen und freundschaftlichen Beziehungen zu der Regierung zu Pflegen, bei der er akkredifiert ist, nicht aber dazu, ihre Verhaftung mit zu veranlassen. Eher hat er seine Pässe zu fordern. Das Verhältnis zwisöben der deutschen und der ukraini- scheu Regierung war nun nicht nur ein auf frischen feierlichen Verträgen begründetes Friedensverhältnis, sondern es war mehr. Ein Bündnisverhältnis, um die bestehende Regierung vor eine« Veit« nach ünks gelendea Umsturz zu schützen. Diese Regierung nannte sich selbst sozialdemokratisch, wir ge- stehen aber, daß wir für ihr etwas künstliches Gebilde nie be- sondere Sympachien hatten und daß wir eine deutsche Ein- Mischung in die inneren Verhältnisse der Ukraine zu ihren Gunsten nicht wünschten. Die deutsche Rcgiermtg hat ihrem ukrainischen Schützling oder Bundesgenossen den Kampf gegen den Bo Ische- w i s m u s führen geholfen, hat sich aber mit ihm alsbald aus noch nicht ganz geklärten Gründen wieder entzweit und hat jetzt nicht die Hand gerührt, um ihre gewaltsame Ersetzung durch eine neue Regierung zu verhindern. Diese neue Regierung wird man nun bis auf weiteres als die„deutsch- sreundtiche" zu betrachten haben, nachdem die frühere aufge- hört hat, dies zu sein, und man wird sich nicht wundern, wenn sie sich demnächst ans freiem eigenstem Entschluß, wie das in solchen Fällen selbstverständlich ist, sür die konstitutionell- monarchische Staotsfonu mit einer gehörigen Anlehnung an die Mittelmächte entschließen sollte. Und was ist's werter? Ein Projekt! Ernst gesprochen, die Dinge im Osten sind trostlos. Der Frieden, der dort geschlossen wurde, ist ein wahrer Ab- schrcckungsfiicden sür die Gegner geworden, die mit uns noch im Kampfe stehen. Mit Rußland vereinbart man, daß E st- l a n d und L i v l a n d unter seiner Oberbohcit bleiben sollen, und drei Wochen darauf will man eine Personalunion dieser Länder mit Preußen wohlwollend prüfen. Der ukrainischen Regierung verspricht man Unterstützung und läßt sie, nachdem einige ihrer Mitglieder sür einen Tag eingesperrt wurden, gewaltsam stürzen, ohne mit der Winiper zu zucken. War es wirklich eine deutsche Aufgabe, die aus den Fugen gegangene Welt im Osten nach preußischen Rezepten wieder einzurich- ten— eine Aufgabe, in der man sich bisher mit tragikomi- schein Mißerfolg betätigt hat— oder gab es sür uns vielleichr doch Wichtigeres zu tun? Gewiß möchten wir alle gerne Brot aus der Ukra- i n e haben, aber die Kunststücke, die nian macht, um es zu er- langen, sind doch sehr bedenklicher Natur. Wir sehen einst- weilen nur den ungeheuren politischen Schaden, der da au- gerichtet wird,-über noch kein Stück Brot, das durch sie be- schafft werden soll. Wir sehen desto deutlich«, daß& fiVuifdfjie Politik in der Ukraine die Revoiukion bekämpf! und die /ironterrevolution unterstützt. Am Sonnabend soll die Recnerunc? im tymiptausschuß über diese Vorgänge befragt werden. Möglich, daß sie er- klärt, sie könnte für dies alles nichts. Man kann dann nur sagen: Desto schlimmer! Die Vorgänge in der Ukraine vor dem Reichstage. Im HaushaltsauSschuß brachte am Donnsrstag Gen. Ebert vor Eintritt in die Tagesordnung die Vorgänge in der Ukraine zur Sprache. Die amtlichen Berichte über das Borgehen des Generals v. Eichhorn stehen, so führte er auS, nicht im Einklang mit Nach- richten, die von anderer Seite gekommen sind und deren Berösfenr- lichuug von der Zensur unterdrückt wird. Diese Vorkommnisse sind um so befremdlicher, als wir nach dem Wortlaut des FriedenSber- träges mit der Ukraine in Frieden und Freundschaft leben wollen. Ebert ersuchte schließlich den Vorsitzenden, den Reichskanzler zu veranlassen, baldmöglichst Auskunft zu geben. Der Ausschuß erklärte sich mit diesem Vorschlag ein der- standen. Am Schlüsse der Sitzung teilte dann der Vorsitzende mit, daß der Kriegsminister med der Unterstaatssekretär im Auswärtigen Amt bereit sind, am Sonnabend im Ausschuß zu erschei- neu, um über die besagten Vorgänge sich zu äußern. Die Abgg. Erznerger und Ebert forderten ganz energisch, daß der Reichskanzler s e l b st e r s ch e i n e n möge, denn weder der Kricgsmimster noch der Unterstaatssekretär trügen eine staatsrechtliche Verantwortung. Dieses Verlangen, dem auch von anderer Seite beigetreten wurde, wurde dem Kanzler sofort über- mittelt. Er oder sein Stellvertreter, Herr v. Paycr, wird am Svnn- abend im Ausschuß erscheinen. -i-er Ukraine für die Aufbringung und den Abtransport geschaffene Organisation beginnt, wie wir hören, bereits zu arbeiten. Räch telegraphischen Meldungen aus Kiew sind in den letzten Tagen etiva 2 Millionen Zentner Getreide und Futtermittel zur Verfügung der Mittelmächte ge- stellt worden. Sticht unerhebliche Mengen haben bereits die Grenze possierti in den letzten Tagen sind etwa 1200 Waggons Lebensmittel aller Art über die sogenannte trockene Grenze zu den Mittelmächten hcreingelommen. Von den ersten Liefe- rn ngen wird mit Rücksicht auf die zurzeit in Oesterreich bestehen- den Ernährungsschwierigkciten der größere Teil Oester- reich belassen werden. Denn da die ungarische Ernte erheb- lich. früher hereingebracht wird als die deutsche, somit Oesterreicki- Ungarn schon in einigen Wochen sich selbst helfen kann, haben sich die Mittelmächte untereinander dahin geeinigt, die ersten Ankünfte zuni größeren Teile Oestermch-Ungarn zu überlassen, während dafür im Juni und Juli der größere Teil nach Deutschland kommt. Aber auch von den ersten Lieferungen sind bereits Sen- düngen über die Landgrenze nach Deutschland unterwegs. Jnsbe- sondere werden die überdas Schwarze Meer in Braila eintreffe ii de n Ladungen von Getreide und anderen Lebensmitteln bis auf weiteres ausschließlich Deutschland zugeführt werden. Inzwischen sind in Braila bereits 10 000 Zentner Getreide eingetroffen, die mit der Eisenbahn nach Teutschland unterwegs sind. Es zeigt sich also, daß die von den Mittelmächten für die Ver- sorgniig ans der Ukrianc getroffenen Einrichtungen anfangen zu arbeiten. Es ist zu hoffe n, daß aus dieser Quelle b a ld größere M c ng e n von Lebensmitteln in Deutschland eintreffen werden. Ob diese Hoffnung sich erfüllt, hängt in erster Linie davon ab, wie sich die politischen Berhältuisse in der Ukraine gestalten und ob es gelingt, die äußerst schwierigen Fragen der Finanzierung unserer Ankäufe und des Transportes der großen Warenmengen befriedigend zu lösen. D i e in diesen Richtungen mög- lichcn Schritte sind getan. Sie Lage an öer westlichen Schlachtfront. Berlin, 2. Mai.irauf hin, daß das VerwundetenabzMchcn nicht mir für KrtegStstlnehmer bestimmt ist, die durch feindliche Einwirkung verwundet wurden; es wird auch allen ehemaligen Angehörigen mobiler Verbände verliehen, wenn sie imfolge der Strapazen dieses Krieges Schaden an ihrer Gesundheit erlitten haben und infolgedessen aus dem Heeresdienst ausgeschieden sind. Anträge der ehemaligen Kriegsteilnehmer auf Berfctbung des Abzeichens sind an das zuständige Bezirkslommando zu richten unter Angabe des letzten Truppenteils. Letzte Nackrickten. Japanische Bernhiguugscrklärung.— Die Sehnsucht der Loyaiisten in Sibirien. Tokio, 2. Mai. Baron Goto, der neue Minister der auswar« tigen Angelegenheiten, sagte in einer Unterredung mit einem Ver- treter des Sieuterscheu Bureaus, er begrüße die Gelegenheit, durch Reuter zu erklären, daß die Annahme vollkommen uirbegründet ist, unsere Regierung habe ihre Politik geändert oder fei ihren Ver- pflichtungen minder treu, Iveil einzig infolge der beklagenteverten Erkrankung des früheren Ministers des Aeußeren ein Personen» Wechsel stattgefunden hat. Japan ist seinen Verpslich- tun gen und seinen Freunden immer treu, was der leitende Grundsatz unserer auswärtigen Politik ist. Zunächst haben wir den Angelpunkt des cnglisch-japanischcu Bündnisses, sodann unsere Bcrpflichtiingcn mit den Bereinigten Staaten und and«- r e n, hauptsächlich die im Oktober in Wafhingwn zwischen 2 an fing und I s h i i ausgetauschten Noten, unsere langwährenden Freundschaften mit den verbündeten Mächten und auch den auftichtigen Wunsch nach guten Beziehungen zu unseren Nachbarn Rußland und China. Wir suchen die volle Zu- sammcnarbeit mit China zum Borteil beider. Was die Landung weniger britischer und japanischer Seeleute in Wladiwostok anbetrifft, so ist ihre Bedeutung maß l o» übertrieben worden. Japan hat nicht einen Augenblick die Ausbreitung feindlicher Einflüsse in Ostsibirien aus den Augen verloren noch auch die Tatsache» daß Rußland eine Macht ist, die sich bemüht, die zeitweilig aus der Ordnung ge» ratene Staatsmaschine wieder in Gang zu bringen. Japan muß dieses Werk der Reorganisation ermutigen und u n t e r st ü tz e ii. Amsterdam, 2. Rtoi. Aus Shanghai wird der.Times" gemel- det: Die.North China Daily News" veröffentlicht eine Reihe Ar- tikel, in denen nachdrücklich ein« kräftige Aktion der Al- liierten in Sibirien gefordert wird. Alle Berichte aus Sibirien geben zu erkennen, daß die Loyali st en in Sibirien die Hilfe der Alliierten herbeisehnen, da sie sonst den Roten Garden nicht widerstehen könnten. Ein neuer Straßenraub. Um 46 000 Mark in Papiergeld beraubt wurde gestern ivachmittag der Postschaffner Roman Demi, der auf dem PostamÄ am Arnswakder Platz beschäftigt ist. Derni erhielt den Auftrag 46 000 M. in einer schlixirzen Aktenmappe von seinem Amt nach dem Postamt in der Marienburger Straße zu bringen. Er trug die A tappe fest unter dem Arm. An der Ecke der Allensteiner und Pasteurstratz« warf ihm plötzlich ein junger Mann Pfeffer in die Augen, riß ihn, bevor er zu Besinnung kam, hinterrücks zu Boden» raubte ihm die Aktentasche, schwang sich mit der Beute auf sein Fahrrad, entfloh durch die Pafteur- und Greif slvalder Straß« nach Weißcnsee zu und entkam, obgleich auf di« Hilferufe des Beraub- ten seine Verfolgung sofort aufgenommen wurde. Stech den Be- schreibungen, die Augenzeugen von dem Räuber geben, steht er etwa im Anfang der zwanziger Jahre. Er ist etwa 1,75 Meter groß und schlank, bat einen Anflug von schwarzem Schnurrbart und trug einen geknifften weichen grauen Filzhut, eine grüne Joppe, eine schwarze Hose und schwarze Stiefel. An der linken Backe hat er in der Nähe des Ohres eine taubeneigroße Geschwulst, Der Polizeipräsident hat auf die Ergreifung de§ Flüchtigen eine Belohnung von 500 M. ausgesetzt, die Postverwaltung sichert für die Miede rbeschaffnirg des geraubten Geldes eine hohe Belohnung zu. Die Erinittelungen leitet Kriminalkommissar Liebermanu v. Sonne be rg, der im Zimmer 105 des Polizeipräsidiums zweckdienliche Angaben entgegennimmt. Die geraubte Tasche ist eine große schwarze lederne Aktentasche. nr.121•> Z5. Jahrgang Reichstag. ISS> Sitzung. Tonner!tag, den 2. Mai, nachmitiag- 1 Uhr. Am BundesratStisch: Äommissaee. Die Beratung des �ebektskammeegesstzes wird fortgesetzt. Abg. Brandes(U. Soz.): Wer geglaubt hat, die Negierung werde im Hinblick auf die ungeheuren Blutopker der Arbeiter ihnen in sozialer Hinsicht ent- gcgenkommen, hat sich schwer getäuscht. Statt reiner Arbeiter- kam nier n bietet man ihnen Arbeitskammern, tn denen die Arbeitgeber herrschen. Tie berufliche Gliederung der .Kammern ist ganz unangebracht und u n z w e ck m ä ß i g, in solchen Organisationen soll das G e g e n i n t e r e s s e der Arbeiter wahr- genommen werden.(Sehr richtig! bei den U. Soz.) Die Arbeits- kommern sollen dem sozialen Frieden dienen, sagt man. Nach dem Kriege werden oie Kämpfe zwischen Unternehmern und Arbeitern noch viel schärfer werden. Zu ihrer Milderung könnten vernünftig euigerichtete Organisationen der Art, wie sie u»z jetzt beschäftigen, beirragen. Sie müfjfcn dann aber ganz anders eingerichtet wer« den.(Bravo! bei den U. Sog.) Abg. Nowicki(Pole): Tie Vorlage ist zu begrüße», doch mutz sie in einer Reihe von Punkten abgeändert werden. Die territoriale Gliederung statt der beruflichen ist zu der- langen, die Kosten der Arbeitskammern mutz daS Reich tragen, vor allem müssen die L a n d a r b e i t e r in das Gesetz einbezogen werden. Abg. Giebel(Sog.): soll die Vorlage wirklich dem sozialen Frieden dienen, so bedarf da» Einigungswesen einer gründlichen Umarbeitung. Die Frage der AnzcstclUrn- und Arbcitcrausschüsse mutz schon in d'eseS Gesetz hineingearbeitet werden. Ter Staatssekretär erklärte, über diese Frage schweben Erwägungen. DaS heitzt doch nur, datz starke Einflüsse gegen sie arbeiten, und wir wissen ja, datz die Unternehmer mit aller Macht sich gegen Ange- s! e ll t e n a u s sch ü s se wenden. Um so mehr hat der Reichstag Veranlassung, die Frage jetzt schon bei diesem Gesetz endgültig zu regeln.(Sehr rchtigl bei den Sozialdemokraten.) Auch daö Versprechen der Schaffung von A n g e st e l l t e n ka m m e r n be- ruhigt die Angestellten nicht; sie fürchten, sie könnten alt werden, wie Methusalem, ehe die Vorlage kommt. Und wenn sie wicklich kommt, wie wird sie aussehen? Die Vorlage behauptet, die Angestellten stellen eine Zwischenstufe zwischen Arbeiter und Unternehmer dar. Für die grosse Masse der Angestellten trifft das zweifellos nicht zu. (Sehr rciitig! bei den Sozialdemokraten.) W Proz. der Angestellten befinden sich in der gleichen Klassenlagc wie die Arbeiter(Sehr rich- tigl bei den Sozialdemokraten); haben doch 71 Proz. aller Privat» angestslUen ein J)fl&ccSciiifommcu von weniger als 2000 M.(Hört l bort! bei den Sozialdemokraten.) Wie das.Mittelglied" zwischen Unternehmer und Arbeiter behandelt wird, zeigen die Vorgänge bei der Firma Löwe u. llo., die trotz ihrer phantastischen Kriegsgewinne den Angestellten weder ausreichende Gchälicr, noch angemessene TeurungSzulagen zahlt, uns dem angerufenen SchlichtungSauSfchutz erklärte, alle unzu- fnedenen Angestellten könnten den Abiehrfchein erhalten; dabei hatte die Firma mit allen andern für diese Angestellten in Grotz-Berlin in Betracht kommenden Firmen ern Abkommen ge- säiloflen, keinen Angrstclltcn auch mit Abkehrschein einzustellen, obne Einwilligung der Firma, von der der Angestellte kommt.(Hör:, hörtl bei den SoizalSemokraien.) Zu ihrem eigenen Schutz darf man alio die Aiigcstclllen nicht aus dem Nahmen der Allgemeinen Arbeilötammern herausnehmen. Auch aus dem Gesichtspunkt der Sparsamkeit, ferner wegen der Vereinfachung des Wahlverfahrens empfjzhit c» sich, hier keine künstlich« Trennung zwi- fchcn Ange st eilten und Arbeitern zu schaffen.(Beifall bei den Sozialdemokraten.) Abg. Kuckhoff(Z.>: Die Angcstclltenschast, die sich immer stär- ker entwickelt, hat ganz andere Aufgaben im Wirtschaftsprozctz als die Arbeiterschaft und sollte daher nicht mit dein Arbeitsrstande zusammengelegt werden, man würde ihre selbständige Entwicklung dadurch erschweren Abg. Marquardt(natl.): Entgegen den Aussührunge» bei Abg. Giebel bemerke ich. datz die Arbeitsgemeinschaft der kaufmännischen Verbände, die grötzt« Organisation der Handelsangestellten, die 000 000 Handlungsgehilfe» umsaht, sich für besondere Angesrelltenkammera ausgesprochen hat. Die Debatte schließt. Der Entwurf wird einem AaS schütz vo n 26 Mitgliedern überwiesen. Es folgt die zweite Beratung des Haushalts des Neichswirtschaftsamts. Abg Dr. Mcher-Kaufbouren(Z.): Wir sind dwn Vizekanzler dankbar, datz er so kräftig für die freie Wirtschaft nach d e m Kriege eingetreten ist. Wenn wir unsere Stellung in der Weltwirtschaft wieder erringen wollen, mutz unsere Industrie kon- kurrerizfähig sei». Notwendig ist nach dem Kriege ein besonderer Schutz des Mittel st andes, den schleunigst wieder aufzu- richten e:ne Hauptaufgabe deS ReichSwirtschaftSamtS sein muh. Glänzend bewährt hat sich im Kriege unsere Landwirtschast, und die Politik, d'e in ihrem Schutz eine Lebensaufgabe sah, hat sich glänzend bewährt.(Sehr wahr! rechts und im Zentrum.) Auch nach dem Kriege mutz die deutsche Landwirtschaft zu dauernd H ö ch st l e i st u n g e n wt den Stand gesetzt werden. Glänzend de- wäbrt hat sich auch im Kriege unsere Sozialpolitik, und sie nintz unbedingt fortgeführt werden. W:r werden die Forderungen vcr chr i st l i ch e n Gewerkschaften mit grötztem Wohlwollen prüfen.(Zustimmung im Zentrum.) Die wichtigste Aufgabe des ReickiswirtschaflSamts ist die Ueberleitung� unserer Wirstchaft in die Friedenswirtschaft. Für diesen llebergang ist das Ermächtigungsgesetz vom 4. August 1014 eine ganz nage- riznctc Olriindlagc. 15» liegt dem Reichstag eine Resolution vor. d.e für diese Uebergangswirtschaft ein Ermächtigungsgesetz auf anderer Grundlage fordert; hoffentlich nimmt der Reichstag diese Resolution einstimmig an.(Bravo! im Zentrum.) � Abg. Dr. Südckum(Soz.): ■on den vrer Krirgsjahren ist die Welt aus den Fuge» gsgan- gen, zu einem Chaos geworden. Und nur undeutlich zeigen sich hie Umrisse einer neuen Gestalt. Wir wissen nicht, wie lange der Krieg noch dauern wird, und kennen seinen Ausgang nicht. Aber siazer Hai er nicht nur volitische Perschiebunge» im Gefolge, son- 2�rn er bedeutet bereits in sich ullgelicure wirtschaftliche Umwälzungen. Was der Millioncnvcrlust an Meiifcticn tn ihrer Slütekraft be- deutet, kann sich noch niemand klar machen. Und doch ist der Werl des Menschenlebens un« noch nie so klar vor Augen ge- treien. wie ni dieser Zeit. Unsere Hoffnung auf Sieg kann sich ja nur gründen auf der Uoberzeugung, datz in unseren Massen mehr Persönlichkeits wert eingesetzt wird, wie in den weit grösseren Massen der jyemhe. Der Anspruch auf die Opfer der Bürger ist aber nur berechtigt, wenn die Bürger wissen, datz ihr Staat es ist, der sie fordert. Dieses Wissen vom Staate kann nur entstehen, wenn alle Bürger gleichberechtigt sind. Wenn man vas heute in Preußen noch nicht erkannt hat, so wird man es lernen müssen. Der Ansprach auf staatsbürgerliche Gleichheit ist nirtit mehr abzuwenden, auch nicht durch die SO Aufrechten, die heute glaubten. duktio» ein.(Sehr richtig!) Die auf uns fallenden Lasten werden wir nurdurch unsere Arbeit aufdringen können, und so er- fordert die Zeit Organisierung der Arbeit, um die HLdjst- möglich- Produktion zu erreichen. Der Krieg wirkt wie euie ungeheure Krise. Und noch bei keiner hat es soviel wirt- lchaftllche Leichen gegeben, der Prozeß der Vernichtung der Kleinen durch dieGroßen ist noch nie so schnell vor sich ge- gangen. Die Frage steht nicht: gebundene Wirtschaft oder freie Wirtschaft, sondern: gebundene Wirtschaft unter der unbe« schrankten Herrschaft der Kapitals Magnaten oder geleitet und gezähmt im Interesse der Allgemein. heit durch eine starke staatliche Macht.(Sehr richtig! bei den Sozialdemokraten.) Deshalb brauchen wir für da» ReichZwirt- schaftsamt ein klar umrissenes Programm. Ich weiß nicht, warum der Staatssekretär es nicht bereits ausgeführt und sich in viel- sagendes Sch lv eigen gehüllt hat.(Zuruf bei den Sozial- demokraten: Er wird kein Programm haben!) Selbst Dr. Meier ivollie ja für die UebergaNgszeit starke Eingriffe des Staates. Auf die Uebergangszeit kann man aber solche Regelung nur beschränken, wenn man sich die Uebergangszeit aufIahrzehn te er st reckt denkt. Als» für unsere gnnze Zukunft. Auch die A n s ch l ä g e d e r Feinde gegen unser Wirischaftsleben nötigen uns zu solchen Matznahmen. Früher hielt man den Krieg �für eine rein mili- tucsiche Sache, und auch heule ist die wirtschaftliche Bedeutung deS Krieges n u r wenigen klar geworden. Die wenig beachteten Pläne der Pariser Wirtschaftskonferenz bedeuten eine weit ernstlichere wirtschaftliche Bedrohung für un», als�die lächer- liehen Drohungen de» Zchnverbande» auf Zerstückelung Deutschlands. Diese Bedrohung bleibt>0 lansje eine Gefahr, als es nicht gelingt.' sie durch Sieg oder Verständigung ans der Welt zu schaffen. Wir müssen uns aber auch so rüsten, datz wir ihr trotzen können, und das kann nur geschehen bei writgrhrnder Durchstaallichung unseres WirtschaftSlcbeas. Dazu kommt weiter die veränderte Stellung der Ar- b e i t» r s ch a f t. Denn diesec Krieg ist recht eigentlich ein Krieg der Arbeiterschaft; sie hat diese Zeit mit lebendiger Teil- nähme durchlebt und au» ihr etwas gelernt. Die Geschichte wird uns und unseren Auffassungen recht geben. Sache d e S Neichswirtschaftsamts mutz es sein, die Entwick- lungörichtung zu bestimmen. Die politischen und geiverk- schaftlichen Vertretungen der Arbeiter werden jedenfalls ihre Pflicht tun, um am Ausbau mitzuarbeiten.(Lebhafter Beifall bei den Sozialdemokraten.) Das HauS vertagt die weitere Debatke auf Frcilag 2 Uhr. (Vorher Anfragen.) Schluß: 0� Uhr._ Steuerberatung im tzauptausschuß. Nachdem der UnberauSschutz über fein« Arbeiten Bevicht erstattet hatte, erklärte der StaatSsokoetär, datz die Ausprägu-ng eines Zweieinhalbpfennigstückes in die Wege geleitet fei. Der sozialdemokratische Antrag, da» Porto für O r i s p o st k ar t« n herabzusetzen, nmrde abgelehnt, darauf der Tarif angenom- mm. Angenommen wurde ein Antrag Dove, der sich mit den so- rtldsmokraiischen Anträgen deckt und die Portofreiheit der ürsten beseitige« will. Der Ausschutz beviet sodann die weiteren Stcuervor- lagen. Die ErhöhuiNg des Wechselstempels fand nach kurzer Aussprache Annahme. Eine lebhafte Aussprache entspann sich über die Umsatzsteuer. Diese soll bekanntlich nicht nur Lieferungen, sondern künftig auch Leistungen, z. B.>der Aerzte, Rechtsanwälte usw. treffen. Die Fortschrittler beantragen, die Steuer auf Lieferungen zu beschränkm. Die Steuer soll abgewälzt werden, aber eine Garantie dafür, daß diese Abwälzung auch durch- geführt werden kann, erklärte der UnterstaatSsekvetär Schiffer für unmöglich. Gegen den Antrag der Fortschrittler wandte sich der Staatssekretär Graf Roedern, der boi Annahme des Antrages einen Ausfall von hundert Millionen Mark befürchtet. Von feiten der Sozialdemokratie unterzog Genosse Keil die ganze Finanz- Politik, wie sie jetzt getrieben wird, einer scharfen Kvittk. Ehe man nicht gehört habe, wie hoch Einkommen und Vermögen hcrangc- zogen werden sollen, könne man niicht ermessen, wie wert aus anderen Quellen geschöpft werden mutz. Die vorliegende Steuer ist in ihrem Aufbau denkbar roh, sie wird in der Uebergangs- zeit die Rückbildung der Preise erheblich erschweren. Tie Be- stmertma der Leistungen ist nicht berechtigt, weil sie keine Rücksicht auf die Leistungsfähigkeit nimmt. Soll diese Besteuerung aber aufrechterhalten werden, dann ist nicht einzusehen, weshalb die besser bezahlten Beamten frei bleiben sollen. Staatssekretär Graf Roedern wendete sich gegen die Heretnziehung der Festbefoldeten in das Gesetz, weil diese die Steuer nicht abwälzen können und dadurch in ih rem Ein- kommen getroffen würden. Die Beratungen werden am Freitag fortgesetzt. das gleiche Wahlrecht in Preutzcu niederstimme« u können. Das Zeitalter der freien Produktion ist(je- l o f) c n und wir treten in das ZrftaUer der organisierte» Pro- GroMerlw. Sinhcitlichc Krankenhilfe in Gros; Berlin. Der die Oeffentlichkeit mit Recht erregende tragische Fall der Abweisung eines nicht ortsanyehörigen Bürgers in einem Groß- Berliner Koankenhause hat den B ü rgerau sschutz� G roß- Berlin in der letzten Sitzung seines Fachausschusses für öffentliche Gesundheitspflege eingehend beschäftigt. Die Erörterung führte zur einmütigen Annahme der nachstehenden Entschließung: 1. Im Interesse der öffentlichen Gesundheit ist die Einführung eine» einheitlichen ärztlichen RettiUngSdtenstcs und Kranken- tremsportivesen» in allen Gemeinden Gross--Berlins erforderlich,-der- geslalt, datz Rettungswachen mit ständig vorhandenem ärztlichen Personal in ausreichender Zahl und zweckmäßiger Verteilung der Bürgerschaft zur Verfügung stehen und für aasrcidveride Beförderungsmittel Vorsorge getroffen wird. Diele Forderung ist im Prinzip seit längerer Zeit auch bei allen beteiligten Gemeinden als berechtigt anerkannt iocwdcn. Ihre Durchführung leidet keinen Aufschub— auch nicht durch den Krieg. Es ist dringend zu wün- scheu, datz die S-tadt Berlin die von ihr eingeleiteten Verhandlungen baldigst wieder aufnimmt. 2. Hinsichtlich der Aufnahme Kranker und Gebähreirder in-die öffentlichen Krankenhäuser Groß-Berlins besteht bisher infolge der Zersplitterung der Grotz-Berlincr Gemeindeverfassung die Bcftian- mung datz nur solche Personen ausgenommen werden, die in dem betreffenden�Kommunal-verbarid, der Träger des Krankenhauses ist. ihren Wohnsitz haben. Von diesem Grundsatz wird allerding» wohl überall enu-c Ausnahme dahin gemacht, daß bei Fällen von lebens- gcfäbrlichcr Er.kvankung(sogenannter Unabweisbarkeit) auch dein Ortsfremden die Aufnahme nicht versagt werden soll. Des« Aus- nahln-ebestinimung bringt jedrch naturgemäß die Gefahr mit sich, daß der Begriff der Unabweisbarkeit mit Rücksicht auf Bereit» Haltung von Betten für die Ortsangehörigen und mit Rücksicht auf die finanziellen Folgen in der Praxis zu eng ausgelegt wird.(Die armenrechtliche Kostenerstattung deckt nur einen Bruchteil der tat- sächlichen Kosten.) Da nun im Einzelfalle über das Vorliegen einer lebensgefährlichen Erkrankung mir zu leicht ein Irrtum möglich ist, kann die Verweigerung der Aufnahme zu schwerer Schö- digung, unter Umständen zum Tode des Erkrankten führen. Zur Vermeidung dieser Mißstände �ift eine Vereinheitlichung der Auf- nahmebestimmungen in den öffentlichen Krankenhäusern dringend erkordcLlch. so datz in Zukunft� die Aufnähme von der Feststellung des Wohnsitzes in dem betreffenden örtbicheal Kommune loerbande Zreitag, Z.Mai 1918 nicht mehr abhängig gemacht werden darf, vielmehr die Zuständig- ksit zu irgendeiner Gemeinde von Grotz-Berlin für die Auf- nähme genügt. Eine solche Reform bedingt freilich'bei der jetzige» Berschie-denheft der Vorsorge für Krankenhausbetten durch die ein- zelnen Kommunalverbände und bei der Verschiedenheit der Kranken- baustarife die Vereinheitlichung des Krankenhauswefens in Gross- Berlin überhaupt. Der Fachausschuß für öffentliche Gesundheitspflege fordert demgemäß: s) die Gemeinden Grotz-Berlins auf, sich schleunigst auf eine gemcftisame Organisation de» ärztlichen Rettungsdienstes, des KrankentranSportwesens und der Bedingungen zur Aufnahme nicht ortsangehöriger Kranken zu einigen, b) die gesetzgebenden Körperschaften PreutzenS aus, die Gemeindeverfass-ung Groß- Berlins dakst« zu ändern, daß ein einheitlicher Träger für das K rankenhauSwefen Gross-Berli-ns eingesetzt wird. Tie Einsammlung von Kleider» für Nüstungsarbeiter soll in Berlin am 6. M a i beginnen. Eine darauf bezügliche Bekcinniinachung deS Magistrat« wird am ö. Mai veröffenllicht werden. Den Bedarf, der durch die Sammlung gedeckt iverden mutz, bat man für da« ganze Deutsche Reich auf 1 Million Stück veranschlaat. Wieviel davon Berlin liefern toll, ist noch nicht be- stimmt. Der Magistrat wird zunächst drei Annahmestellen für die freiwillige Hergäbe von Kleidung einrichten, je eine in der Kam- mandantenstratze, in der Jägerstratze und i» der Potsdamer Strasse. Reicht zur Deckung der den Berlinern auferlegien Menge der Ertrag der freiwilligen Hergabe nicht auZ, so will man zu dem Mittel einer«freundlichen Nötigung* greisen. Für jeden Einwohner, der nach seinem Berus und seinem Einkommen den Verdacht weckt, Kleider drüber zu haben, wird eine Personenkarte angefertigt. Aus Grund dieser Stcckbrieke gehen Beauftragte den betreffenden Personen in die Wohnung»nd suchen sie zu überreden. daß sie Kleidung abgeben. Was geschehen soll, wenn auch das noch nicht genug bringt, darüber weiss man noch nicht Gewisses. Nationierung der Mische. Je knapper die Lebensmittel werden, desto höher steigt die Flut der Lebensmittelkarten. Nun soll uns auch noch eine Fisch- karte beschert werden, auf die wir Fische kaufen können— wenn welche zu haben sind. Sie wird nichr für Personell, sondern für ganze Haushallungen gelten. Schwierigkeiten sieht der Berliner Magistrat darin, dass die G a st h ö f e und G a st w i r t s ch a f t c n wieder eine SonderberücksiÄiigrmg fordern werden, weil für sie bisher die Fische eine besonders wirblige Rolle in der Bclöstigung ihrer Gaste gespielt hoben. Im allgemeinen steht der Magistrat auf dem Standpunkt, dass nicht durch Erfüllung solcher Sonder- wünsche die übrige Bevölkerung benachteiligt werden darf. Anderer« seitS fei aber zu bedenken, dass Berlin eine Fremdenstadt ist und datz Frenrde nicht nur zum Vergnügen, sondern auch in Geschäften hierher kämen. DaS Verlangen, besondere Nahrungsmittel für die Fremden zugewiesen zu erhalten, sei nicht nnberechligt. Diese ganze Angelegenheit wird wahrscheinlich jetzt im Zusammenhang mit den Beratungen und Beschlüssen über die Einführung der Fischkarle ge- regelt und zum Abschluß gebracht werden. Die Jagd nach Kohle«. Schlimmer als im Winter ist jetzt der Ansturm auf die Kohlen- Verkaufsstellen. Jeder, der noch Kohlen auf seine alte Karte zu beanspruchen hat, möchte sich die ihm zugebilligte Nation mög- tickst noch sichern. ES sollen noch so viele sein, daß auf eine Be- lleferung aller bis zum IS. Mai schwerlich gerechnet werden kann. Wir erfahren, datz erwogen wird, ob es nicht besser wäre, für die alten Karten die Gültigkeitsdauer bis zum 1. Juni zu verlängern. Man könne diese Maßregel, die ein? ruhigere Abwicklung deS Kohlenverkaufs ermöglichen würde, nur mit Freude begrüßen. Die Angelegenheit ist noch nicht entschieden, sie ist im Kohlenverband noch gar nicht zur Erörterung gekommen, aber daS wird nächstens geschehen. Kommt eS z» der gewünschten Verlängerung der Gültigkeitsdauer, so müßte das eine Hinaus- schiebung der Belieferung auf neue Karlen zur Folge haben. Für die Resibelieferung auf alte Karten gilt noch nicht die Kohlen« kundenltste. Berliner Lebensmittel. Auf Abschnitt 21 und 22 der Lebensmittelkarte entfällt je 1 Pfund Marmelade. Die Voranmeldung findet in den durch Aushängeschild:.Verkauf von Marmelade auf Lebensmirrelkarten der Stadt Berlin* gekenn- zeichneten Geschäften am 8., 4. und 6. Mai statt. Sobald die Ware dem Kleinhändler zugerollt ist. wird er mit dem Verkauf beginnen. Auf Abschnitt 48 der neuen Eierkarle können vom 6. biS 15. Mai zwei Eier entnommen werden. Nach der Mitteilung einer Lokalkorresponbenz verteilt die Fett- stelle Grotz-Berlin in der nächsten Woche auf die Speisefctttarte 70 Gramm Butter. Margarine wird nicht abgegeben. Der Preis beträgt für 70 Gramm Butter 03 Pf. Zur Abwehr der Wohnungsnot, die nach dem Kriege über uns hereinbrechen wird, haben die Ge- mcinden Grotz-BerlinS im März d. I. eine Konferenz ver- anstaltet. Eine Kommission, die eingesetzt wurde, führt die Be- ratungen weiter. Sie erörtert unter ondcrm die Matzregel der Bereit st ellung vorläufiger Wohnungen, die bei dem Mangel an Neubauten nötig werden wird. Baracken sollen gebaut werden, doch sürcktet man Holzlnapphcit. Außer den Keller- und Dachquartiere». die als»Wobnungsersay* gedacht find, kommen noch andere zurzeit unbenutzte Räume ur Frage. Wie wir erfahren, wird beabsichtigt, öffentliche Gebäude herzugeben und vorläufige Wohnungen darin einzurichten. In Berlin dürste die WohinrngSnachfrage besonders statt werden, weil hier ein Heer von Arbeitsuchenden zusammenströmen wird. Aus der kürzlich ab« gehaltenen Hauptversammlung des Grotz-Berlincr KleinwvhimngS- Vereins schlug Minister a. D. v. Pvsadowsltz eine Zwangsmatzregel vor, die aus dem WohnungSmarkt das Glerchgewicbt zwischen An- gebot und Nachfrage herstellen soll. Niemand sollte, meinte er, nach einem Orr zuziehen dürfen, wenn nicht zuvor für ihn die Möglichkeit des Unterkommens gesichert ist und nachgewiesen werden kann. Wir hören, daß der Berliner Magistrat erfreulicherweise ein solche» ZuzugSverbor oder eine ähnliche Matzregel nicht befürworten wird.__ Die Berliner sozialdemokratische Stadtvcrordnctcufraktion hat zur nächsten Stadlverordnelensitzung folgenden Antrag eingebracht: ZeiiungSmeldungen zufolge soll der Magistrat im Plänterwald zu Treptow einen Häuserblock zum Zwecke der Erricknung eines PalmenhauieS angekauft und die dorr wohnenden 62 Mieler zum 1. Oktober 1918 reip. 1- April 1010 gekündigt haben. Die Ber« sammlung eriuwt den Magistrat, diese Kündigungen, sofern fi« wirklich erfolgt sind, wieder rückgängig zu machen. Pakete für die Westfront. Die Annahmesperre für Privat» pakcte und Privaifrachrstücke über die Militär-Paketämter nach der Westfront ist aufgehoben. Nur der Versand von Päckchen(von mehr als SO bis 550 Gramm) bleibt bis auf weiteres noch gesperrt. Zirtuö Busch. DaS neue Mai7 für eine Wiener Singspielhalle geschriebene Einakter„Der volilische Laternenanzünder", wurde von der Zensur verboten, und entsprechet. d diesem nicht ermutigenden Anfang erwie? sich die Zensur zur Zeit dieses großen östcrretchischeit Volksdichters immer wieder als sein Feind, so daß er zwanzig Jabre späler in ciuir.t Brief erklärte:„Fragen Sie sich, wie mir und jedem Dramatiker zu Mut sein muß, wenn ihm die ergreifezidsien tmd ein» lchncideudstcn Problem« kurzweg von der Zensur konfisziert werden wenn er von Staats wegen das Publikum sahmuS, jahrein laden soll, um sich die alte Geschichte, wie Hau? die Grete kriegt rfter nicht kriegt, vorleiern zu lassen. Unsere Zeit, wenn je eine Zell zuvor keine Bühne gehabt hat. hat aber schon gar keine. Pfui Teufel" Die beste Erklärung für dieses harte Urteil liefern die;- Anton Betlelheim in der„Oeslerreichischcn Rundschau" veröffeiü- lichten Untersuchungen der Akten des Archivs für Niederösterrcich. Die Zahl der Werke, die ohne besondere Striche zugelassen wurden, ist äußerst gering, es handelt sich dabei eigentlich nur um einige kurze, hauptsächlich der Unterhaltung dienende Einalicr. Hingegen wurde bereits Anzsngrubers Faschingspoffe„Der sisiiette Reformtürk" übel mitgespielt, indem die Zensur fast ans jedcr Seite„Zoten und politische Aitzügltchkciten" tilgte. Schließlich waren von den 40 Seiten deS BuckieS nicht weniger als 23 gestrichen. Die Haltung der Zensur wechselte je nach der politischen Strömung, und mar so konnte es geschehen, daß„Der Pfarrer von Kirchfeld" von der Zensurbeborde günstig beurteilt wurde:„Die Tendenz dieses Voll!- stückeS, dessen gewandter Verfechter durch Witz, glänzende Diktion und eine blendende Sophisiik das Jiitcresis zu erregen und zu t'.ffclit versteht, ist dahin gerichtet, durch Glorifizierung eines aufgeklärten liberalen lalholischen Priesters die cntgegengchnltcncit l:.- gewaltigenden Bestrebungen der Ultramontanen in ein unvortci!- Haftes Licht zu stellen... Da eine direkte Beleidigung der Religion oder eine Herabwürdigung einer anerkannten Kirche nicht vorliegt, so dürfte die Anfsührtmg dieses Bolksslückcs bewilligt werden. K. k. Polizeidirektion Wien." Die Statthaltcrei schloß sich diesen AuSfübrungen an, nachdem sie verschiedene Stellen auf 12 Geitat gestrichen und die Verwendung von Kirchenfahncn verboten hatte. Den schärfsten Gegensatz bierztr bildete aber die Haltung der Zensur gegenüber dem„Vierten Gebot", das nicht nur von der Polizeidircktion, sondern auch von der Statthaltcrei verboten wur e. Die Polizei erklärte t„Abgesehen von der bedenklichen Tendenz. welche das MißvcrbältniS zwischen den Pflichten der Eltern und den Handlungen derselben mit einer iiabenifciten.Kritik de? in seinem wahren und wirklichen Sinn unanfechtbarsten oller Gebote verquickt, muß ganz besonders betont werden, daß die int letzten Akt beri. v- getretene Reue de? Priesters über seine Unüberlegtheit m.s Uebereilung in der Verkündigung des Wortes Gottes, d. h. vtelmohr über seine entschieden falsche Jiitsrprctalton desselben, den Priester- stand diskreditiert." Erst nach unsäglichen Mühen konnte der Du-.. des Theaters in der Jesefstadt trotzdem am 2S. Dezember 1877 d- Aufführimg durchsetzen, wobei das Stück allerdings völlig cntueltt war. lieber zwei Dutzend Stellen waren gesincheit, so daß da! Stück vollkommen seinen Sinn und seine Bedeutung verlor, und auf dem Theaterzettel durfte nur stehen:„Ein Volksstück. Lebensbild in vier Akten von L. Anzenpruber." 26) Pioniere. Roman aus dem Norden von Ernst Didring. Neuntes Kapitel. Kleine, frühlingshaftc Baumwollfetzcn segelten sacht über den sonnenblauen Himmel, als Gcrell am Sonnabendmittag aufbrach. Die Schneeschuhe pfiffen auf der prächtigen Bahn, und als Gercll an Algrens Behausung vorbeikam, stand dieser vor der Baracke und sonnte sich, während Hansson und ein paar Arbeiter einige Kisten den Abhang hin- aufschoben. „Glückauf, Ingenieur— au. Donnerwetter, das darf man ja nicht sagen I" rief Hansson ihm zu.„Aber wir könnten zur Abwechselung wohl ein bißchen frisches Bären- fleisch brauchen." Gcrell lachte und winkte Algren mit der Hand, der den Gruß ebenso zurückgab.„Leg Meister Petz nur in den Schlafsack," schrie Älgren ihm nach, als er gerade um die Ecke verschwand. Gcrell lief flott weiter und war schon ganz warm. Aber er hatte auch eine schöne Last zu tragen. Der Schlafsack, den er ini letzten Augenblick aufgeschnallt hatte, drückte be- denklich. Er lvar aber nötig. Allerdings gedachte er nur bis zum Sonntagabend fortzubleiben, aber Gedanken und Wirklichkeit stimmen selten überein, und in einer Fels- spalte zu liegen und zu schlafen, wie cs ihm schon ein paarmal passiert lvar. gehörte nicht zu den Annehmlichkeiten. Er schlug seine alte Bahn, dcn Kärsajokk hinauf, ein. und hier ging eS wie im Tauz. Er lvar erst ein paar Miauten gelaufen, als er schon mit dem Stock einige Schneehühner totgeschlagen hatte, die ihm direkt vor den Füßen lagen. Er stopfte sie in die Jagdtasche. Es war, wenn er den Bären nicht bekam, immerhin eine Aufbesserung der Speise- karte. Ten Bären hoffte er auf dem Korsajokk. etliche Meter oberhalb des Falles, anzutreffen, lvcuu nicht die Arbeiter beim Schncehuhnfang ihn aufgeschreckt hatten. Dann lag der Gc- danke nahe, daß er schon davongesockt war. In diesem Gedanken beschleunigte Gercll seinen Lauf noch mehr. Es war eine herrliche Bahn. Alle Unebenheiten waren unter dem metertiefen Schnee begraben. Das einzige, waS ihm passieren konnte, war, daß er mit den Schneeschuhen sich in den frostzerzansten Zwergbirken festfahren konnte, die sich wie heimtückische Fallen ganz in die Schncekruste hinein- bogen. Aber Gercll kam gut durch. So im Sonnenschein und Aprilschnce über die Hänge zwischen den Bäumen hinzusausen lvar Leben für ihn. Er bekam guten Wind, so daß es ihm um die Ohren pfiff. Hei! jauchzte er vor Freude. Hei, wie das ging! Das war wie ein Liebesabenteuer, nur noch frischer und—- reiner, sagte er sich selbst und pumpte sich die herrliche Lust in die Lungen. Und dann diese schöne Stille, die Stille der Wildnis in Sonne und Schnee, nüt den kreideweißen Birken und dem marmornen Gebirge, das sich scharf gegen das Himmelsblau abzeichnete. Er war von einem stolzen, niännlichen Gefühl crfiillk. und er glaubte intimer als irgendein anderer durch eine geheime Wahlverwandtschaft mit der Natur zusammen- zugehören. Er näherte sich dem Karsajokk und erkannte da? Terrain wieder. Er lud die Flinte und begann langsamer abwärts zu laufen, wobei er vorsichtig um sich schaute. Wenn der Bär bergauf gegangen lvar, konnte es sehr ungemütlich werden, ihm gerade in die Arme zu rennen. Man konnte nie wissen, in welcher Laune er war. Gcrell nahm die Flinte in die linke Hand. Dann setzte er vorsichtig seinen Weg nach unten fort, indem er den Ski- stab in der rechten Hand uachschlcifen ließ. Der Blick suchte spähend zwischen den Felsblöcken, aber überall lag der Schnee eben irnd ohne Spuren. Gcrell blieb stehen. Da war die Höhle. Keine fünfzehn Meter von ihm. Er erkannte sie genau. Direkt unter dem großen Felsblock. Keine Spur war zu sehen. Meister Petz war also nicht den Berg hinauf gegangen. Er war sicher in der Höhle und lag vielleicht jetzt und lauschte aus Leibes- knfftcn. Vielleicht sah er auch gar Gerells Füße und grübelte, ob er sich Wohl hinausbcgcben und einen Angriff wagen solle.- Gcrell ließ den Stock fallen, spannte die Hähne und jodelte. Kein Laut zur Antwort. Gercll bekam zwei rote Flecke auf den Backen. Er beugte sich etwas vor, indem er unwillkürlich die Büchse ein wenig hob. Er starrte in das schwarze Loch unter dem Felsblock hinein. Dann jodelte er noch einmal lauter. Es blieb immer noch still unter dem FclZblock, eine intensive Stille, die nach dem Ruf noch stärker wirkte. Gcrell lief einige Schritte rückwärts, brach eine halb- morsche Birke ab, schleppte sie nach vorn und schleuderte sie gegen das dunkle Loch. Im selben Augenblick erklang ein Brummen, und in einem Wirbel von Schnee kam ein brauner Klumpen heransgetaumelt und schwenkte um den nächsten Fels- vorsprulig. Gerell, der sich mit knapper Not hatte zur Seite biegen und die- Flinte ans Auge reißen können, gab schnell einen Schuß auf den Klumpen ab, als er hinter dem Felsblock verschwand. An dem Brummen merkte er, daß er getroffen hatte. Er drehte schnell um und sauste in die Klippen hin- ein. Er sah Meister Petz, der im Schutz der FclsblLcke aiff die Klippen hinausgesprnngen war, und er lief weiter, um ihn in Schußweite zu bekommen, blieb aber mit den Spitzen der Schneeschuhe in einer Bukenfalle hängen und stand mit dem Kopf im Schnee. Ehe. er wieder auf die Füße gekommen war und seine Sachen wieder in Ordnung hatte, war der Bär schon eiit großes Stück auf den Berg hinaufgekommen und sprang jetzt wie eine groteske Silhouette weit außer Schuß- weite auf den Felsblöcken entlang. Gerell setzte sich in Trab, aber da es nun bergan ging und das Terrain schwieriger und immer schwieriger wurde, blieb er unweigerlich weit zurück, und bald lvar die hüpfende Silhouette weit oben auf dem Karsagletscher verschwunden. Da fing für Gerell eine neue Arbeit an: die Spur von Klippe zu Klippe zu verfolgen, und gleichzeitig mußte er gut auf- passen, um dem Bären nicht direkt in die Arme zu laufen und einen Denkzettel zu bekommen. Ein wenig halfen anfangs die Blutstropfen, aber es wurde Gerell bald klar, daß er Meister Petz nicht schwer verwundet hatie. Tie Spur der großen Bärentatzen war bald wieder völlig sauber. tLorts. folgst) Seatfßfr ffitisliarfcjiJcr• �rSand. Verwaltungssteüo Berlin. Den Mitgliedern zur Nach- richt, dag un'er idollege, dci| Hein rieh Feißel Aeulölli!, lliitfjavtific. 7,8 {im SO. Apeil gestorben ist. Tie Beerdigung findet am! Freitag, den'!. d. Mlö nackmittagg i! Uhr. vo» der! Leichenballe d.-S Neuköllner s ljemc! ndc-, Friedhofes. Ma« lieudorier Weg, aus slait. Ncae Beteiligung wird er | wartet. Xischsruf. Den Mitgliedern ferner I D rur Nachricht, da!! nnjei! K rdollcze, der Lchioffer ei Imi lindner g! nnUhiner Sir. LS D cm LO. April gestorben ist. i x-« ihrem Zludenke»!! -'s t ll.'w 0!« 0rts»»Nk»!w»x. I Ls- jüssLl! 8ikp.0!ZZliKk;, ZttvriU-JtinMt.i'. lÄS. ict vom ö.— ÜO. iliii von ii bic 10 tuid o— 4 zu»prsclxen.[* Zntiralverband der CSpfer u. Berufjgcnoftcn Leutichl. Fillitla QroS-Qeriin. Ten Mitgliedern zur Nach- | richt. dag unser Kollege, der Töpfer Eduard Eapputan Bezirk Gefundbr.'Wtddiitg) j um SO. April inl Atter von 73 Sollte» an Herziühittung j verstorbru ist. (f-Iirc seinem Zindcnken Tic Beerdigung findet anr Solnrabend, den i. Mai, � nachmittags 5 Uhr. von der cicheilticrUe deZ Friedhosö I der iKotgalhir�Äetnriude in j der SarfuZfirasze aus siait. Um rege Bctelliguüg er- > facht ISU/S Der Vorstand. Danhfagung. Allen BerWaNdtc», FrenNdetr und Bekanlriett sowie tnZbesoir« dere der Firma HosbUchdrUilerii Siitenfrld, dem rLesangverein .Frühling IllOb' und allen tioUege» jür die üuhtrst zabl- rcichrri Beweise herzitchcr Teil- nähme anistfjlich der Beifehung inktueS licdeu Mannes, itlrlercS guten Vaters, des Setzers Llto Herrman» berziniiigen Dank. Dir Hinterbliebene«. Anm Sterbetage j mrineS lieben Mau ins«nd I guten Vaters, des Bäcker- \ meisters Wiüietoi Lesfiner aeftorben am lt. Mai tSl?. llnler Zränen. unter Barigen, Ist ein schweres Jahr ver- gangen, Teil dem Du Teurer uns verliesieit. SSir reichten NN» die Hände, Als sei's ilir immerdar, Doch plötzüch war's Zu Ende, Ich weist nicht wic's mir ivar. Der biliere Tod kennt kein E'.bnrMeN, lir rlst Dich hart aus unseren binnen. Ttitl ergeben, ohne zu klagen, Gingst Du zum ewigen Frieden ei» Dir Hcistgeliebrer war das Leben kurz bemessen. liiitrirrernuchr werden wir Dein vergessen, Drum schlummere sallsi nui! in der tühien Gtde, Dag Dir die wohlverdiente Ruhe werde. Gewidurel von Sijemer Gattin und Tochter. «ll» Oxs-r diese» Weib kriegeS fiel am 4. April !£U8 unser einziger, geliebter, hoffnungsvoilerZohn durch jeindlicheS Artillerie- geschoß, nachdem er vierzig Monate lang schwere Kämpfe nrrd Dlrapazen ducchmachie, der Mus teuer Erich Sander Im 24. Lebensjahre. Die zeigen an die ties- betrübte» Eiter» Ist SA Karl Aandrr, Martha TaUdcr geb. Stalin. Elargarder Ltraste S1. � � Du warst unser Connerr- icheiu und Glück, lehrst nicht mehr in d!» Heiutai zurück. Du bist so früh von uns geschieden, das hat der böse Krieg getan. Siehst nicht das gebroch'ne Mutter- herz, merkst nicht des Vaters stillen Schmerz. Wir werden Dich nicht ver- gissen, d!S einst»ach unsere Auge» brechen. Ruhe saust in Feindesland, Dein Grab schmückt keine treue Hand. Nach lurzern, schwerem I Leiden entschlief sonst anr J 1. Mai, früh 61/, Uhr, mein lieber guter Mann, Bruder, Schwager und Onkel Beriasum Kceh im 48. Lebenssahr., Dies zeigt llci betrübt an i die trauernde Witwe üsttwiz; tlavd. Die Beerdiguuz findet am! Sonntag, den 3. Mat, nach- i mittags 3 Uhr, Boll der j Leichenhalle Schulzendorf bei Eichwaide ans statt. s2L0Lb I LungZn- nnd Halskrankr. Berlangc» Tie losttusrei belehrende Broschüre über Heilmethode ohne Berussslürung. Aerztl. Heilanstalt.Sanavlda�, vonn Sanilüisral Dr. �mbul., Berlin 117, Foieöamsr Str. ILZii». Großes Lager in gut erhaltenen Schreib- Maschinen säst aller Shfieme, fachmännisch giprüst, sosort versandsähig. Gröstt Aus« ivahl itt Schrcrönraschincii- Post, sangsähigen Kohle-, sowie Durchschlag?- und Wachspapieren, Fardbän- dcrn, schreibinaschrnerillrö- beirr, Oel. 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Wenn wir die Vorlage ablehnen, kann sie immer»och zurückgezogen und der für sie verantwortliche Minister kann entlasse» werden.(Heiterkeit links.) Außerdem kann die Regierung den Landtag a u f l ö s en. � Weitere Mittel hat sie nach der Verfassung nicht. Ein Druck auf die freie feste Ueberzeugung der Abgeord- netcn und auf das Haus entspricht nicht der Berfässuirg. Davor warne ich.(Lebhafte Zustimmung rechts.) Eine Auflösung'im gegen- wältigen Zeitpunkt würde eine unmögliche Maßregel sein. In der Begründung der letzthin von uns angenommenen Regierungsvorlage über die Verlängerung der Legislaturperiode wird ausdrücklich gesagt, daß allgemeine Neuwahlen ausgeschlossen sind, solange Millionen von Wählern draußen im Felde stehen. Unterzeichnet: DrewS!(Hört! hört! rechts.) Wie wollte die Staatsregierung es verantworten, diesen Millionen Bürgern in der wichtigsten Frage unseres Staatslebens die Aeußerung ihrer Meinung unmöglich zu machen.(Sehr wahr! rechts.) Trotz alledem will man die Vorlage durchdrücken mit dem Schlag- Wort der Staalsnotwendigkeit. Ich kenne nur eine Staatsnot- wendigkeit(Zuruf links: Die Herrschaft der Konservativen!>, das ist die Erhaltung und Fortbildung unseres preußischen Staats. Wie soll es dem Ansehen der Krone dienen, wenn mit A ch u n d Krach diese Vorlage durchgedrückt wird unter dem An- trieb der Sozialdemokratie. Wir lehnen die Vorlage auch als über- zeugte Monarchisten ab, denn sie würde die Grundlage der deutschen Monarchie in der Versenkung verschwinden lassen. Vizepräsident des StaatsministeriumS Dr. Fricdberg: In dankenswerter Weise hat Dr. Rewoldt sich mit dem Ge- danken auseinandergesetzt, was zu geschehen habe, wenn die Re- gierungsvorlage nicht angenommen wird. Er hat einige Wege als möglich bezeichnet. Ich kann ihm die bestimmte Versicherung geben, daß die Regierung einen dieser Wege beschreiten wird.(Heilerkeit.) Er hat den Weg der Auflösung alS einen ganz besonders ungangbaren bezeichnet. Auch ich würde es nicht als im Interesse des Landes ge- legen erachten, wenn in der jetzigen Zeit zur Auslösung ge- schritten werden müßte. Zum Zeugnis dafür, daß dieser Weg un- gangbar sei, hat sich Dr. Rewoldt auf eine Rede berufen, die ich seinerzeit in Hannover gehalten habe. Ich kann dem Abgeordneten Dr. Rewoldt versichern, daß ick, das. was ich damals in' Hannover gesagt habe, vollständig aufrecht erhalte. Wenn ich in dieser Rede Kritik geübt habe an der damaligen Staatsregierung, so muß ich heute erklären, daß ich von dieser Kritik nichts zurück- n e h m e n kann, aber meine jetzige Stellung mir verbietet, auf diese Frage näher einzugehen.(Sehr gut! Hört I hört! und Bewegung.) Der Vorredner hat auch weiter die Begründung der Vorlage über der Verlängerung der Legislaturperiode als einen Beweis gegen die Vornahme von Reuwahlen herangezogen. Der Minister des Innern hat aber schon darauf hingewiesen, daß dieser Gesichtspunkt allerdings maßgebend sei bei normalen Wahlen, daß aber in einer bestimmten Notlage die königliche Staatsregierung natürlich auch das Recht der Auflösung habe. Uebrigens hätte» mich solche Ausführungen weniger überrascht, wenn sie von feiten eines Abgeordneten gekommen wären, die diese für uns alle unerwünschte Eventualität z u vermeiden bestrebt ist. Zu diesen gehört Dr. Rewoldt nicht, er ist einer derjenigen gewesen, die am schroff st en der Regierung entgegengetreten sind, in der Kommission wie hier im Hause.(Abg. Dr. Rewoldt: Ich bin gar nicht in der Kommission gewesen!— Hört! hört! und anhaltende Heiterkeit rechts.) Jeden- falls hat er Gelegenheit gehabt, seine Stellung sehr markant dar- zulegen, und es genügt auch, wenn ich auf die scharfe Kritik in seiner heutigen Rede verweise.(Sehr richtig! links.) Mit seinen ganzen Ausführungen halte er wohl nur die Absicht, die Rc- gierung zu der Erklärung zu provozieren, ob sie diesen Weg be- schreiten wolle oder nicht. Ich kann nur erklären, daß die Staats- regierung endgültig erst bei der dritte« Lesung Stellung nehme» wird.(Hört I hört I— Zuruf b. d. ll. Soz.: Kuhhandel!), denn es kann zwischen der zweiten und dritten Lesung doch wohl eine Verständigung möglich sein, wie bereits der Ministerpräsident ange- deutet hat. Daß Dr. Rewoldt diesen Bericht schon von vornherein für aussichtslos erklärt, wird die Regierung nicht beirren können. Der Vorredner hat ziemlich scharf auf die llnwilligkeit hingewiesen, daß bei eventuellen Neuwahlen die i in Felde b e- fi n d l i ch e n W ä h l e r nicht mitwählen können. Das ist gewiß außerordentlich unerwünscht. Aber auch über diese Schwierigkeit mutz mau im Notfall hinwegkommen. Um so mehr, als Sie mit guten Gründen nicht annehmen können, daß die Mehrzahl der draußen stehenden Wähler es übel nehmen wurde, wen» ihnen eine Erweiterung ihrer Rechte zuteil wurde(Lebhafte Zustimmung links); vielmehr würden sie es übelnehmen, wenn ihnen statt dcS von der Regierung vorgeschlagenen Wahlrechts ein Pluralwahlrecht aufgedrängt würde.(Erneute Zustimmung links.) Dr. Rewoldt ist auch darauf eingegangen, daß die Staats- regierung erklärt hat, für die künftige Behandlung der Polen- frage werde es nicht allzuviel ausmachen, ob ein Plural- oder das gleiche Wahlrecht eingeführt werde: also könne sich die Regie- rung auch rnit dein Pluralwahlrecht begnügen. Diesen Scherz hat in der ersten Lesung Dr. Schifferer gemacht, durch die Wieder- holung wird er nicht besser.(Heiterkeit.) Man darf nicht übersehen, daß die Regierungsvorlage auf einem ganz bestimmten formalen Prinzip beruht, dessen Boden verlassen wird, wenn man das Pluralwahlrecht annimmt.(Beifall links.) Abg. v. Kardorff(b. k. P.): Zunächst einige Worte über den Grund meines A u S- cherdens aus der freikonservativen Fraktion. Meine Freunde waren wohl bereit, mich in der Einzel- beratung sprechen zu lassen. Nachdem die§§ 1—3 verbunden worden waren, siel eine Einzelberatung weg. Nun glaubte es die Fraktion nicht mehr wagen zu dürfen, daß ich von der Tribüne herab als Freikonservativer� in der Generaldebatte meine 'iiründe vortrüge. Als freier, seiner Verantwortung bewußter Abgeordneter, habe ich daraus die Kon- iequenzen gezogen, da ich das Bedürfnis habe, meine Ab slimmung vor dem Hause und dem Lande zu begründen. Ich bin ein unbedingter, grundsätzlicher Gegner des gleichen Wahlrechts.(Hört! hört! links.) Ich bin aber trotzdem, unter der Voraussetzung der Einschaltung wirksamer Kautelen be- reit, auf den Boden des gleichen Wahlrechts zu treten. Nach! meiner innersten politischen Ueberzeugung halte ich 1 das gleiche Wahlrecht für unabwendbar. (Sehr richtig I links.) Für mich handelt es sich nur darum, ob es mit den Konservativen oder gegen uns kommt, ob es ohne Konflikt oder ob es nach und mit Konflikten kommt von einer Tragweite, die gar nicht zu übersehen ist.(Zu- stimmung links.) An der Spitze aller Gründe steht für mich der Juli erlaß des Königs von Preußen vom 11. Juli v. I., dem ich eine außerordentlich große und hohe Bedeutung beimesse. Der konser- vative Politiker hat die Pflichfl-einem solchen Erlaß einehohe Bedeutung beizumessen und sich zu überlegen, welches die Konsequenzen sind und welche Wirkungen eintreten, wenn diese WillenSineinung nicht i n s praktische Leben ü berge- führt werden kann. Nach meiner festen Ueberzeugung würden die Wirkungen für die Monarchie geradezu verhängnisvoll sein. (Sehr wahr! links.) Man hat auf die Ablehnung der auch von der Krone gewollten Zuchthausvorlage hingewiesen. Es fällt mir außerordentlich schwer zu glauben, daß es wirklich jemanden geben könnte, der den Julicrlaß innerlich mit einer xbeliebigen Thron- rede gleichstellte. Nun ist gesagt worden: Einbringen� ist nicht Durchbringen. Das ist ein g e f ä h r H ch e s Spiel.(Sehr wahr! links.) Wenn man hinter den Kulissen sagt, daß es der Krone nicht mehr ernst sei. Damit begehen Sie ein sehr großes Unrecht am Träger der Krone.(Sehr richtig! links.) Mag das jetzige Ministerium bleiben oder ein anderes kommen, die Krone ka n n ga r n ich t a ndcr s, als an seine Stelle Männer zu setzen, die gewillt und bereit sind, die gegebene Zusage einzulösen. Darin liezzt die Bek-utnng des Julierlasses, die weit über den Tag hmausgeht. Was geschieht, wenn die Vorlage abgelehnt wird? Es versteht sich ganz von selbst, daß die Regierung gezwungen ist, aufzulösen. Die Frage ist, wann die Regierung auflösen will. Wahrscheinlich wird die Auflösung erst nach dem Kriege zu erfolgen haben. Glauben Sie dann wirklich, daß das Haus mit dieser Mehr- heit wiederkehren wird? Wenn die Autorität der Regie- rung mit den gottgewollten Abhängigkeiten auf die Seite des Zen- trums und der Linksparteien tritt, dann wird es ganz unweigerlich zu einer anderen Machtvcrtcilung führen.(Zustimmung links.) Die nationalliberalc Partei ist ja heute nahezu in zwei Hälften gespalten. Sie wird dann bis zu einem gewissen Grade einhcii- lich, geschlossen, als eine Fraktion hier einziehen, die nahezu bis auf den letzten Mann auf den Boden des gleichen Wahlrechts tritt. Wenn das der Erfolg der Auflösung ist, dann wind es v-ic victis (webe den Besiegten) heißen, dann sind wir die Besiegten und haben nicht mehr mitzureden. Dann sind wir nicht mehr in der Lage, diejenigen Kautelen in derjenigen wirksamen Form ein- zuführen und einzuschalten, wie wir das nach meinen: Dafürhalten noch heute können. Für einen schwere:: politischen Fehler würde ich es halten, wenn die Regierung die Vorlage nicht ins Herren- hauS gäbe. Wie mir gesagt worden ist, sitzen im Hcrrenhause an- gesehene Anhänger des Herrn von Hehdebrand, die gewillt und bereit sind, im wesentlichen auf den Boden des gleichen Wahlrechts zu treten.(Hört, hört!) Ja. Herr von Hehdebrand, das wisse:: Sie! J�Zuruf des Abg. von Hehdebrand.) Wenn Sie das noch nicht wissen sollten, dann— nun ich will keine boshafte Bemerkung machen, dann möchte ich Sie bitten, mit Ihren Freun- den im anderen Hause Fühlung zu nehmen. Wenn ein großer Teil der konservativen Partei des Herrenhauses gewillt ist, auf den Boden des gleichen Wachrechts zu treten, glauben Sic wirklich, daß Sie dann wirklich bei den kommenden Wahlkauftffen alle wiedergewählt werden? Nehmen wir aber einmal an, die Heroen ziehen in alter Stärke wieder in dieses Haus ein. Glauben Sie wirklick, daß dann das letzte Wort gesprochen ist, daß Sie dann bei den nächsten Reichs- tags Wahlen in alter Stärke wieder in den Deutschen Reichstag einziehen werden? Dann würde eine Entttncklung eintreten, die ich nur für das allerschwerstc Verhängnis halten könnte. Die Verhältnisse werden stärker scinals die Men- scheu. Weiter bestimmt mich zu meiner Haltung die Tatsache, daß die Frage des preußischen Wahlrechts auf die weitesten Arbeiter- kreise den denkbar größten Eindruck macht. Wir müssen durch- halten. Wir ahnen nicht, wielanged er Kriegnoch dauert, wir ahnen nicht, welches Maß von Not und Entbehr»::- gen das Volk noch tragen muß.(Sehr richtig! links.) Wir alle wissen, daß die große Masse der Bevölkerung in den großen Städten unter Not und Entbehrungen sehr schwer leidet.(Sehr wahr!) Daß Not und Entbehrungen sie viel härter anfaßt als uns anf dem Lande. Wie sollen Not und Entbehrungen weiter von der großen Masse getragen werden im vierten und bis ins fünfte Kriegsjahr hincin, wenn eine politische Atmosphäre herrscht, die mit Haß geschwängert ist? (Sehr wahr links.) Diese uncrfrenlicke, bedenkliche und bcdaucr- liche Situation wird in der großen Masse vern gewissenlosen Agitatoren ausgeschlachtet werden können.(Sehr richtig! links.) Wir steljen dock) nach dein Kriege vordcispiellosschwerenAuf- gaben. Sic können und werden nur gelöst werden, wenn ein Geist der Verträglichkeit und der Znsawlnenarbeit herrscht. Ern derartiges Verständnis unter den bürgerlichen Parteien wird aber nicht zu erzielen sein, wenn nicht iiijjct Frage des gleichen Wohl- rechts glatter Tisch gemacht wird.(Sehr richtig! links.) Die Po- litik, die Sic jetzt treiben, muß von verhängnisvollen Folgen be- gleitet sein. Wo kommen wir denn hin, wenn wir im Reichs- tag immer schwächer werden? Wenn es den kon- servativen Parteien nicht gelingt, auch ihrerseits den großen Massen nahezutretcn, wenn nicht auch sie eine Volks- Partei in des Wortes wahrster und bester Bedeutung werden, dann sehe ich schwarz für die Zukunft der beiden konservativen Parteien. Wenn Sie ein Pluralwahlrecht annehmen, so ist das nur der Weg zum g l e: ch e n Wahlrecht. Das Pluralwahl- recht an sich würde nach diesem Kriege als�eine außerordentlich große Nngerechtigkeik empfunden werden.(Sehr richtig! links.) Wenn der Kriegsteilnehmer, der gezwungen ist, von semer Rente zu leben, nur eine Stimme hat, und wenn der Kricgswucherer, der hinter der Front gesessen hat, drei oder vier oder fünf Stimmen hat, so wird das eine ungeheure Erbitte- rung hervorrufen.(Sehr richtig!) Die Herreu von der Sozial- demokralie brauchen dann nur in die Wahlversammlungen zu gehen und zu sagen: das dankbare Baterland den Kriegsteilnehmern! Es würde ein Gefühl des Awsatmens durch das Land gehen, wenn eine Verständigung über die preußische Wahlreforn: nicht nur unter den Parteien, sondern auch mit der Staatsregierung möglich wäre. Große Unruh« und große Gefahren würden damit ein fiir allemal beseitigt werden.(Lebhafter Beifall.) Abg. Dr. Otto(natl.): Im Namen eines Teiles meiner Fraktion kann ich erklären, daß Ivir uns auf den Boden der Regierungsvorlage stellen. Die Gründe, die uns zu unserer Stellungnahme bewogen haben, liegen zunächst in der Wirkung, die die königliche Botschaft in dem Rechtsbcwußtscin unserers Volkes ausgeübt hat. Wenn der König von Preußen in der ernstesten Situation seines Reiches, die es vielleicht je gegebne hat, selber erklärt, daß das allgemeine gle:che Wahlrecht kommen soll, dann wäre eine schwere Erschütterung des monarchischen Gefühls in unserem Volke unvermeidlich, wenn dieses Königswort nicht eingelöst würde. Es ist unmöglich, gegen Den Sinn der Weltgeschichte anfzu- treten. Wir wünschen den deutschen Frieden nach außen in dem Sinne, daß unser Volk Gewinn davon trägt. Wir würden aber nickts gewinnen für unser Volk und seine Sicherheit, wenn es uns Nicht gelingt, mit dem deutschen Frieden nach außen zugleich den deutschen Friede« nach innen zu erreichen.(Beifall.) Wofür kämpfen wir denn c i g c n t- lich? Für ciu deutsches Volk, in dem jeder einzelne ein ivahres Glied der deutschen Volksgemeinschaft ist, die nicht belastet ist mit Sprengstoffen, wie z. B. das P l u- ralwahlrecht. Verfehlen wir diese inneren Kriegsziele, diese Versöhnung der Klassen Deutschlands, dann können wir sicher sein, daß wir kein anderes Ziel der nationalen Sicherungen erreichen werden. Wir wollen ein wirkliches Volk sein im wahren Sinne des Wortes. Der Kampf um unsere nationale Sicherheit wird mit dem Kriege nicht zu Ende sein, sondern erst dam: richtig anfangen. Er kann nicht geführt werden, wenn wir nicht die geschlossene innere Front haben.(Sehr richtig! links.) Alle Staats- bürger müssen veranlaßt werden, aus den Boden des Staatsgefühls zu treten. Aus diesen Gründen sind ivir genötigt, gegen den Antrag Lohmann, gegen das Zweistimmenrccht zu stimmen. Ter Antrag würde daS Odium einer Halbcntrechtung haben. Für uns steht im Vordergründe das wahrhast königliche Motiv des Vertrauens. Wir sind willens, dieses Vertrauen zu teilen, auch wenn wir als Optimisten gescholten werden. Ich glaube keinesfalls, daß diese Königliche Botschaft nur erlassen wurde, tocil ein schtoaukender Minister sich von seinem Minister- sesscl nicht trennen wollte. Das ist durchaus unrichttg. D i e Hauptsache war das Vertrauen zum Volke.(Sehr richtig!) Das zeitgemäß Notwendige muß man im richtigen Augenblick und in genügendem Maße tun. Dann wird Beruhigung eintreten. Wie kann den Ultras der Wind aus den Segeln ge- nommen werden. Rechtzeitig gegebene Konstituio» neu haben noch immer konservativ gewirkt. Darum sind wir für das gleiche Wahlrecht, jetzt und innnerdar.(Beifall lniks.) Wir dürfen das um so mehr wagen, als starke Siche» rungen vorgesehen sind: eine kraftvolle Monarchie, die verankert ist in der Treue, im Gewissen und Gefühl des Volkes; das verbreiterte Verantwrotlichkeitsgefühl und die alte historische Wahlkreiseinteilung. Wenn(vir uns auf den Boden der Regierungsvorlage stellen, so tun wir es nicht in müder Resignation (Sehr gut! links); wir sagen nicht, es geht ja gar nicht anders, sondern die meisten von uns treten infolge ihrer Erfahrungen im Laufe der Entwicklung freudig und frei auf den Boden der jcknig- lichen Botsckaft. Wir tun es in der unerschütterlichen Gewißheit, daß aus diese Weise Preußens Größe nicht aehemint, sondern ge- fördert lvird, und ivir tun es in dem Glücks- und Swlzgefülfl, daß jetzt von der Regierung eine Vorlage eingebracht worden ist, die hervorgebracht und getragen ist von den: Geist des nationalen Liberalismus, der Ursprung. Geschichte, Größe und Vergangenheit unserer Parte: bestimmt hat. und, wie ich zuversichtlich hoffe, ihre Zukunft bestimme» wird.(Lebhafter Beifall nick Händeklatschen links.) Abg. v. d. Ostcu-Warniß(k.): Der Eurdruck der Vcrhalrdlmrgen in den letzte:: Tagen war kein erhebender. Man bat den ans innerster, ernster Ueberzeugung geborenen Antrag des Grafen Spee als Sathrspiel bezeichnet. (Lebhaftes Sehr»vahr! rechts.— Zwischenrufe der Volkspartoi.) Wenn der freisinnige Redner uns vorgeworfen hat, daß unsere Haltung bestimmt sei durch Furcht vor dem Verlust unserer Machtstellung, so wird unter meinen Parteifreunden als Ehrverletzuug entpftnidon, wenn unserer Partei in dieser ernstesten Not des Vater lmrdcs derartige selbstsüchtige Motive unterstellt werden. Lohak ist da? mcht.(Stürmische Zustimmung rechts.) Entgegen einem langjährigen Brauch des Hauses hat Dr. Pachnicke meine im Ausschuß getane Aeußerung, das Volk sei politisch nicht reif, unter Namensnennmrg. des Redners nnd ans den: Zusammenhang gerissen, hier wiedergegeben. Der Julierlatz ist gedeckt durch den damaligen Ministcvpräst- denten, und wenn wir ans sachlichen Bodenken zu einer aickcrcu Entscheidung gelangt sind, so verstoßen wir damit keineswegs gegen die Ehrfurcht der Krone, somdent erfüllen lediglich unsere beschwo- reue Pflicht. Nach sicherer Information irrt Herr v. Kardorff, wenn er meint, daß der Erbe der Krone vor dem Julierlaß über dessen Art und Weise informiert getvesen sei(Hört! hört!), er Izat erst nachher von diesem Erlaß K e n n t u is erlangt.(Hört! hört!) Wir sind überzeugt, daß die Ablehnung der Vorlage eine sehr viel gevmgere Wirkung für die Monarchie haben wird als ihre Annahme hätte. Deshalb halben wir eS für derrchauS angebracht, au den besser unterrichteten König zu appellieren. Unter dem Schlagwort„Vertrauen zum Volke" kann man sich alles Mögliche denken. Das gleiche Wahlrecht wäre ein Goschenk für unser Volk, das noch nicht genug politisch geschult ist. Der hochfliegeicke Idealismus unseres Volkes, oer von der Mimstecbank bis zum einfachen Manne reicht, ist eine glänzeicke Tugend, aber auch eine furchtbare Gefahr. Der Idealist fällt leicht auf die Nase. Man sagt, das gleiche Wahlrecht entspreche dem Wunsche des allgemeinen Volkswillcns. Der Volkswille kam: auch irren, namentlich wenn er agitato- risch aufgepeitscht wird. Eurer sehr geschickt geleiteten Presse ist es gelungen, eine scheinbare Volksströmung zu erregen. Unsere:: Fronttrnppcn stehen wirtschaftliche Dinge vielfach höher als das gleiche Wahlreckt. Nach dem Kampf wollen sie Frieden mrd ein Heim haben. Durch das gleiche Wahlrecht würden wir nach den: Kriege ehre derartige Ucberflntung mit der Sozialdemokratie bekommen, daß wir eine absolute Mehrheit von Sozialdemokraten, Polen, Dänen und Welsen hätten. Das gleiche Wahlrecht wird als Mittel zum Zweck benutzt, um die politische Macht zu erlangen und weil es den Klassenkampf der Arbeiter zu fördern geeignet ist. Die Annahme der Vorlage würde nicht Ruhe im Inner:: schaffen. Der Auffassung, das gleiche Wahlrecht sei eine innere Notwendigkeit, gegen die jeder Widerstand ver- geblich wäre, muß ich ans das cutschiedenste widersprechen. Eine andere Entwicklung ist sehr wohl denkbar, wenn sich ein entschlossener Staats mannn findet, der thr die Wege weist. Der Minister des Innern irrt, wenn er meinte, ein Scheiternlassen der Vorlage bedeute die beste Förderung der Sozialdemokratie. Tatsächlich erblickt die Sozialdemokratie die beste Fördern: n; in: gleichen Wahlrecht, sonst würde sie nicht so dafür eintreten. Ueber die Wirkung deS Antrags Lohmann sind sich meine Freu:ü>e noch nicht recht klar. Interessant war jeden» falls, daß auch dieses Entgegenkommen von der Regierung mit einem glatten Unannehmbar beantwortet worden ist. Die Re- gierung steht scheinbar aus dem Standpunkt: Friß, Vogel, oder stirb!(Heiterkeit.) Man spricht immer von den voegnun- gen der Demokratie. Frankreich ist durch die Demokratie vernichtet worden; die christlichen Mächte der Nächstenliebe sind unterdrückt worden durck die Erziehung zum Haß. Und anch bei uns vertrete:: die Sozialdemokraten den Klassenkampf, d. h. den Klassenhaß.(Lachen bei den Sozialdemokraten.) Und demokratische B lätter, wie das„Berliner Tage- blatt", tragen die schwere Schuld, daß sie durch ihre Haltung im Ausland völlige Unkenntnis über die ivtrklichen deutschen Ber- bältnisse und damit im Auslände dies Maß von Haß großgezogen haben, durch das der Krieg ins Ungemessene verlängert wird. (Große Unruhe links.) In den schwersten Zeiten des Kriege? ist uns die demokratische Presse in den Rücken gefallen.(Heftiger Widerspruch links.— Zurufe:„Alldeutsche Blätter"!) Mir ist e? nicht angenehm, in dieser Zeit scharfe Worte zu sprechen. (Lachen links.) Ader sollen wir etwa st i l l h a l t e n und alle? über uns ergehen lassen?(Heiterkeit links.) Unser Heer besteht aus alle:: Ständen, auch unsere Söhne opfern ihr Alles für das Wohl des Vaterlandes. Auch sie verdienen einigen Dank und mägfi MckfiHk bn poMschen SeScn.'fStÄvmiffcher fteffaff r«chS, Arsch« lraks.) Ein Antrag auf Schluß der Aussprache wird gege« die Linke angenommen. Als Redner waren noch gemeldet die Adgg. Dr. Porsch(Z.), Traub(wild), Kanzow(Vp.) und Hue(Soz.) ES folgen persönliche Vemerkungen. Abg. Dr. Pachnicke(Vp.) stellt aus dem AuSschnßbericht fest, daß der Abg. v. d. Osten ini Ausschuß erklärt habe, daß das Volk noch nicht politisch reif sei. Jeder sollte zu seinen Worten stehen. Abg. Hue(Soz.): Herr v. d. Osten hat als letzter das Wort ergriffen, damit wir ihm nicht mehr antworten können. DaS kennzeichnet seine Kampfesweise. Abg. V. d. Osten(!.): Man hat meine Worte aus dem Ausam menhang gerissen. Ich weise es entschieden zurück, als ob ich nicht zu meinen Worten stehe. Die Abstimmung. Um 3 Uhr nachmittags soll dann zur Abstimmung geschritten werden. Zunächst soll über die§8 1 bis 3 abgestimmt werden. Abg. Brcdt(st.) beantragt, die Abstimmung über die§8 1 bis S auszusetzen, bis sein Antrag, wonach zur Aendecung der Der- fassung und der Wahlrechtsbesiimmungen, sowie der Bestimmungen über das Gemeindewahlrecht eine Mehrheit von zwei Dritteln er- forderlich sein soll, verhandelt worden ist. Abg. Hirsch(Soz.) bittet um Ablehnung dieses Antrages. Abg. v. Heydebrand(k.): Auch wir sind nicht für diesen Antrag. Dafür ist eö jetzt zu spät. Der Antrag kann ja noch bei der dritten Lesung vorgebracht werden. Jetzt müssen wir zur Entscheidung kommen. Abg. Dr. Pachnicke(Vp.): In dieser Frage bin ich mit Herrn V. Hehdebrand ganz einig.(Heiterkeit.) Abg. Adolf Hoffmann(N. Soz.): Auch ich befinde mich mit Herrn v. Heydebrand in vollkommener Uebereinstimmung.(Große Heiterkeit.) Abg. Schröder-Kassel(natl.) erklärt sich ebenfalls gegen den Antrag. Abg. Lüdicke(fk.): Die große Mehrheit meiner Freunde wird gegen den Antrag Dr. Trcdt stimmen.(Große Heiterkeit.) Abg. Dr. Vredt zieht daraus seinen Antrag zurück.� Es wird zur Abstinwiung geschritten. Auch Dr. Friedberg begibt sich auf seinen Abgeordnetenplatz. 8 1 bestimmt, daß wahlberechtigt jeder Preuße ist.� der 25 Jahre alt und seit wenigstens drei Jahren staalsangehörig ist. Ein sozialdemokratischer Antrag aus Einführung des Francnstimmrcchts und Herabsetzung des Wvhlalters auf 24 Jahre wird abgelehnt. Für das Frauenstimmrecht stimmen mit den Antragstellern einige Forlschrittler. Ein fortschrittlicher An- trag, der die Erlangung des Wahlrechts durch Fortfall der Frist für die Staatsangehörigkeit erle-chtern will, wird abgelehnt. ZI wird unverändert angenommen. Z 2, der seststellt, wer von der Wahlberechngung ausgeschlossen ist, wird angenommen. DaS gleiche Wahlrecht. Der entscheidende§ 3 bringt in der AuS'chußfassung die Mög- lichleit von sechs Z u s a tz st> m m e n. Dazu liegt der Antrag Lohmann(natl.) vor, der ein Z w e i st i m m e n r e ch t vorss.ebl. Ein Antrag Braun(Soz.) fordert Wiederherstellung der Regierungsvorlage, die im 8 3 lautete: Jeder Wähler hat eine Stimme. Die Abstimmung über das gleiche Wahlrecht ist namentlich. Zunächst wird abgestimmt über den Antrag L o h m a n n. Er wird�mit allen gegen etwa 3V Stimmen abgelehnt. Dafür stimmten mit dem Antragsteller ein Teil der Nationalliberalen, 8 Zentrums- abgeordnele, uiüer ihnen der Abg. Graf S p e e, ferner 2 Frei- konservative und der Abg. v. Kardorff. Die namentliche Abstimmung über den§ 8 der Regierungs- Vorlage(gleiches Wahlrecht) ergab die Ablehnung des gleichen Wahlrechts. Es wurden im ganzen 422 Stimmen abgegeben. Mit Ja stimmten 183 Abgeordnete, mit Nein 235. Der Abstimmung enthielten sich 4 Abgeordnete. Der Präsident Graf Schwerin-Löwitz erklärte darauf: Z 8 der R-giernngsvorlage ist also abgelehnt!(Abgeordneter Hoffmanu(U.S.): Feldgraue und Munitionsarbeiter hört!— Unruhe.) Gegen das gleiche Wahlrecht stimmen die Konser- Dativen nahezu geschlossen. Nur ihre beiden H o s p i t a n r e n W a l l b a u m(chnstl. Soz.) und G a l g a l st(Lit.) stimmlen dafür. Auch die große Mehrheit der Freilonservativen stimmlc dagegen. Die Hälfte der Nationalliberalen unter Führung des Abgeordneten Lohmann stimmte ebenfalls dagegen. Zu den Gegnern traten noch 15 ZcntrumSabgeordnete. Für das gleiche Wahlrecht stimmten geschlossr« dir Fortschrittler, ferner die Sozialdemokraten, auch die Unabhängigen Sozialdemokraten, ferner die Polen, die große Mehrheit des Zentrums und die Hälfte der Nationalliberalen. Für das gleiche Wahlrecht stimmen von den Nationalliberale»: Andres. Blankenburg. Bouchsein, Bnchting, von Bülow. Dümltng, Dumrath, Fink. Dr. Friedberg, Fritzs». Dr. Görck, Gottschalk, Dr. Grund, Hagemeister, Herwig, Heyne, Keil, Knobloch, von Krause, Krüger. Lieber, Liepmann. Lukas. Ludewig. Meyer-Diepholz. Meyer zu Jernerdorf, Otto, Freiherr von Richlhosen, Schiffer, Dr. Schröder, Cassel. Wachhorst de Wente, Dr. Wendland; von den Freikonservativen: Dr. Arendt. Dr. Bredt, von Kardorff. (Frhr. v. Zedlitz fehlte bei der Abstimmung.) Gegen das gleiche Wahlrecht stimmien von den National- liberalen: Allhoff. Backmeister, Bartling. Beumer. Boisly, Dr. Cremer. Flathmann, Fuhrmann, Fürbringec. Harrmann. Hirsch- Essen, Kandier, Knupe. Künzer, Dr. Lcvy. Dr. Loh- m a ii n. Macco. MathieS. Menzel. Röchling. Schisferer, Schwcckendieck. Schweighoeser. Wcstermann, Wiersdorff. Wohl- fahrlb: vom Zentrum: Dr. Brockmann. Graf Droste-Vischering, Ecke-Tschammendorf. Fl-uster, Graw. von dem Hagen, Graf Henkcll v. Donncrsmark. Frhr. v. Los, Lorenz, Reinhard, Frhr. b. Reitzen- stein. Graf Strachwitz, Graf Spee, Frhr. v. Wolff-Metternich, Graf Zielhen. Der Stimme ruthalte« haben sich vom Zentrum: Fritzen, Underberg, Dr. Bönisch, Blum. Unter allgemeiner großer Erregung schritt man dann zur Ab- stimmung des 8« in der Ausschußfassung, die das Pluralwahlrccht verleiht. Auch diese Abstimmung ist namentlich. Das Pluralwahlrecht wurde mit 232 Stimmen gegen 183 bei 2 Enthaltungen angenommen. Die Parteien stimmten in derselben Weise wie beim gleichen Wahlrecht. Darauf vertagte sich das Haus. Freitag 11 Udr Weiterberatung. Schluß 1>.ß Uhr.__ GeMkkschssisbeNWW Schwarze Listen für Arbeiterinnen der Kriegsindustrie. Unglaublich ist es geradezu, wie heute die Unternehmer der Kriegsindustrie gegen jeden Arbeitswechsel geschlossen auftreten, um oic zumeist damit verbundene Besserstellung von Ar- beiterrr und Arbeiterinnen zu unterbinden. Bisher waren uns nur derartige Listen �gegen unliebsam gewordene männliche Beschäftigte bekannt, jedoch schrecken die Unternehmer nicht davor zurück, nun- mehr diese ungesetzlichen Zwangsmaßnahmen auch auf die weiblichen Arbeitskräfte auszudehnen. Wie uns aus Krefeld berichtet wird, erschienen in der dortigen Redaktion unseres Parteiblattes zwei Ilrbeiterinnen und erklärten folgendes:..Wir waren seii fast einem Jahre in der Maschinen- sabrik Sistig, Gladbacher Straße, beim Granatendrehen beschäs- tigt. Da uns die Nachtschicht wegen Krankheit nicht mehr zusagte sogar einer der beiden dieselbe ärztlich verboten war—, kündigten wir unser Arbeitsverhältnis mit 8 Tagen auf. Wir erhielten von de: Firma eine Bescheinigung, daß wir bei ihr gearbeitet hätten und regelrecht ausgetreten seien. Nach dem Austritt des Sams- tags singen wir bereits am folgenden Montag bei der Firma Hnch Maschinenfabrik, erat Oberplatz, an zu arbeiten. Da war die Ar- beit viel leichter, weil wir da nur an Zündern beschäftigt wurden, die uns mit Rücksicht aus unseren Ernährungszustand auch besser zusagte. Wir waren erst einige Stunden beschäftigt, als der Ge- schäftsmhabcr Herr Huck kam und uns erklärte, wir müßten bctS Arbeitsverhältnis aufgeben, da er uns laut eines Rundschreibens nicht beschäftigen dürfe. Die Firma S i st i g habe sich mit ihm tele- phänisch in Verbindung gesetzt. Lluch würden wir in einem anderen Betrieb keine?lrbeit erhallen, weil der Wechsel der Arbeitsstellen verboten sei. Wohl oder übel mußten wir den Betrieb Huck wieder vrlassen, und sind somit außer Arbeit und können unsere noch vor- handenen Arbeitskräfte dem Vaterland nicht mehr zur Verfügung stellen." Das hie? gefchikoerte Vorgehen der Unternehmer bedeutet eine Provokation der Arbeiterschaft. Nicht allein, daß den männlichen Arbeitskräften durch Verweigerung des Abkehrscheins jeder Steh- lungswechsel und damit eine Verbesserung ihres Arbeitsvcrhält- nifles unmöglich gemacht wird, sucht das Unternehmertum das System der schwarzen Listen nunmehr gegen weibliche Arbeitskräfte anzuwenden. Mit welchem Recht unterbinoen die Unternehmer den freien Arbeftswechsel der Arbeiterinnen? Gegen diese Unir- nehmerwilltür mit den entscheidensten Maßnahmen vorzugehen, ist schon im Jntresse des geregelten Fortganges der Kriegsindustrie erforderlich. Sache des SchlichtungsauSschusseS wird es sein müssen. diesem nachgerade gemeingefährlichen Vorgehen der Unternehmer Einhalt zu gebieten. Parteinachrickten. Stillstand der Unabhängigen. Während die kampferprobten Organisationen und Blätter der sozialdemokratischen Partei aus allen Teilen ein« allmähliche Ueber- Windung der Kriegswirkungen, an einigen Orten sogar ein sprung- hasteS Wachstum melden, kommen die sogenannten Unabhängigen immer tiefer in den organisatorischen Stillstand. Selbst in der Hauptversammlung des Wahlvereins ihrer stolzesten Hochburg (13. sächsischer RcichStagSwahlkreis) fehlten alle Jubeltöne. Kein einziges Zeugnis einer besonderen organisatorischen Werbekraft wurde vorgetragen. Der Vorsitzende Schelk führte aus: .Zum viertenmal während des Weltkrieges und zum ersten- mal seit der Gründung der Unabhängigen Sozialdemokratie be- schäftigt unS heute der Jahresbericht deS Vereins. Wir baben schon im vorigen Halbjahre berichtet, daß wir die nichtzahleitden Mitglieder aus der Liste gestrichen haben, dadurch ist ein Rück- gang in dem Mitgliederbestand eingetreten. Ein Teil des Mitgliederrnckgangs ist zurückzuführen auf die schwie- rigcn Lebensmittelverhältnisse. Dazu kommt, daß der Krieg im allgemeinen abstumpft. Unsere Aufgabe wird eS sein, dieser Gleichgültigkeit entgegenzuarbeiten, zumal die Arbeiterschaft schwere politische und wirtschaftliche Kämpfe zu erwarten hat." lieber die.Leipziger VolkSzeitung" wurden keine genauen Auf- lageztffern gegeben: .Der Abonnentenstand der.Leipziger SolkSzeitung" hat eine erfreuliche Zunahme erfahren, dadurch wird bewiesen, daß die Un- abhängige Sozialdemokratie wächst. Auch das finanzielle Er- gebnis der Zeitung ist gut, trotzdem das Jnseratengeschäft zurück- gegangen ist." Wie andere Erfolge können der.Vorwärts", die.Rheinische Zeitung", die.Breslauer Vol'swacht", die schlesische.Berg- wacht" ausweisen! Hier stolze Ziffern etneS unaufhaltsamen Fortschritts. dort verlegene Allgemeinheiten. Auch im achten sächsischen Kreis leiden die Unabhängigen an galoppierender Schwindsucht. Am vergangenen Sonnabend fand für die stärkste unabhängige Gruppe des Kreises, Mügeln- Heidenau, die Jahreshauptversammlung statt. Trotz eifrigster Agitation waren nur 14 Personen erschienen. In Friedenszeiten zählte der 8. Kreis rund 4000 Parteimitglieder. Die Beitrags- leistung war eine ausgezeichnete. Heute zählt dieser Kreis nur noch einige Hundert unabhängige Mitglieder: die Gesamteinnahme deS Kreises beträgt 1100 M. Von Parteileben kann keine Rede mehr sein, trotzdem sich die unabhängige.Ptrnacr Volksieilung" die erdenklichste Mühe gibt, die Sache der Unabhängigen hochzuhalten. Auch bezüglich des Abgeordneten Rühle ist nunmehr das eingetreten, was man der dortigen Arbeiterschaft bereits vor Jahren prophezeit hat. Rühle, der früher einen jeden, der nicht unbedingt auf feine Theorie schwor, als Verräter an der heiligen Sache der Arbeiterschaft bezeichnete und mit dema- gogischen Kniffen lächerlich jtt machen versuchte, wurde zu obiger Gruppenversammlung eingeladen, erschien aber nicht. Statt dessen ließ er der Kreisleitung eine Mitteilung zugehen, wonach er.die Parteigenossen zwar nicht in ihrer Arbeit stören wolle, es aber ab- lehne, persönlich in seinen Wahlkreis zu kommen, da er sich mit Politik nicht mehr beschäftigen wolle". Daß diese Mitteilung Rühles wie ein kalter Wasserstrahl auf seine Schildhalter wirkte, ist wohl nur zu verständlich. ES gab eine Zeit, wo die .Pirnaer Volkszeitung" große Erklärungen des Kreisvorstandes brachte, wonach dieser unbedingt auf Rühle schwor und gelobte. unter allen Umständen der Führung Rühles Gefolgschaft zu leisten. Und heute? Der 3. Kreis ist ein einziger Trümmerhaufen, sein Abgeordneter steht auf seinem Anwesen in der Muldaer Sommer- frische und überläßt die Arbeiterschaft in der schwersten Zeil einfach ihrem Swickial. Die Wahlversammlungen der Unabhängigen im Zwkckauer(18. ReichstagswahlkreiS find durchweg schlecht besucht. Die.Volksver- sammlung", die sie am Sonntag in Zwickau abhielten und in der Seger-Leipzig sprach, war, genau gezählt, von 73 Personen bc- sucht. Für den unabhängigen Abgeordneten Henke, der am gleichen Tage in W c r d a u in einem großen Saale sprach, interessierten sich knapp 100 Personen. In Königs walde lockte Herr Dr. Kurt Geyer ein reichliches Dutzend Zuhörer an, in Trünzig konnte die unabhängige Versammlung nicht abgehalten werden, weil einfach niemand erschienen war. Das ist an einem Tage reichlich hicl Pech und zeigt schlagend, daß die Masse der Arbeiter keine große Neigung hat, sich die Redner einer Partei anzuhören, die die Einheit der deutschen Arbeiter in der schweren Zeit gc- sprengt hat, wo diese Einheit und Geschlossenheit im lebenS« notwendigen Kampfe gegen die Volksfeinde doppelt notwendig ist. Tödlicher Unfall deS Genossen Schortgen. Der Vorsitzende der luxemburgischen Sozialdemokrane, Genosse Schortgen, Bergarbeiter von Beruf, ist am 1. Mai durch Arbeitsunfall tödlich der- unglückt. Lily BraunS Sohn gefallen. Der einzige Sobn der im Jahre 1316 verstorbeneti Genossin Lily Braun aus ihrer Ehe mit Dr. Heinrich Braun, Otto B r a u n. ist am 29. April als zwanzig- jähriger Leutnant auf einem Schlachtfeld des Westens gefallen. Er war im August 1914 freiwillig ins Feld gegangen, wurde ver- wundei und kehrte nach seiner Genesung wieder an die Front zurück. Er bat trotz seiner Jugend zahlreiche prosaische und poetische Schriften hinterlassen, die seine außerordentliche Begabung erkennen lassen. Mit ihm sinkt wieder eine Hoffnung in die Massengräber des Krieges! Industrie und tzondel. Die englische Steuerkrast. L o u d o tt, 1. Mai. Die ganze im diesmaligen Staats- Haushalt enthaltene Summe beträgt 842 Millionen Pfund (16,84 Milliarden Mark). Das Unterhans nahm alle er- forderlichen Entschließungen nach kurzer nnd ruhiger Diskussion an. Die Zuckerstener wurde mit 141 gegen 56 Stimmen an- genommen. Auch den anderen Steuererhähnngen wurde«ach kurzer Debatte zugestimmt. Die„Frankfurter Zeitung" veröffentlicht eine sehr über- sichtliche Darstellung des Entwicklungsganges der englischeit Kricgsfinanzen. Da das Reichsschatzamt mit der Lorlage des vergleichenden Materials über die Steuergesetzgebung der kriegführenden Länder zögert, so kommen diese Ziffern sehr zu recht: in Mill. Pfd. St. 1. 8. 1914 I, 6i5 31.3.1915) i915' 161 171,76 404,99 576,75 886,77 1916/17 573,43 1917/181 2ns. in 44 1917/101 �jeg-mon. 707,23) 1164,521 1625,55 1988,58 1789,19 5178.63 1601,23 2198,97; 2690,82 6067,82 teuereinnahm. Darlehen.. Zusammen.. davon an: Kolonien. 88,00 59,00! 83,00 180,00 Verbündete. 288,00 533,00; 437,00; 1264,00 Von den 7 Milliarden Pfund(140 Milliarden Mark) Kriegskostcn ist also mehr als ein Viertel durch Steuern gedeckt worden, die deutsche Kriegsfinanzierung tut sich nicht ohne Recht viel darauf zugute, daß ihr die Auf- briugung großer Beträge langfristiger ktriegsanleihe gelungen ist; aber die Engländer haben durch Anleihen und Steuern einen ähnlich hohen Betrag aufgebracht, ohne aber die Zu- kunft in gleicher Weise vorzubelasten. Wenn die englischen Kriegskosten mit 140 Milliarden Mark höher als in Deutschland scheinen, wo die bewilligten Kredite 124 Milliarden ausmachen, so darf nicht vergessen iverden, daß der englische Staatshaushalt Ausgaben einschließt, die in Deutschland den B u n d e s si a a t o n zufallen und in den Anleihen an Kolonien und Verbündete gewisse Aktiven hat, deren»innerer" Wert freilich weit unter ihrem Nenn- tvert liegt._ Soziales. Stellungnahme der„Deutschen Staats-Handwerkcr- und .Arbeitcr-Gemeinschaft" zum Arbeitskammergesetz. Die der„Deutschen Staats-Handwerkcr- und-Arbciter-Gemein» schaff" anaeschlossenen Verbände der Eisenbahn- und Militärbetricbe haben in einer gemeinsamen Konserenz beschlossen, sich an die Vor- stände der Reichstagsfraktionen zu wenden, um die restlose Gleichstel- lunfl aller StaatsarÄeiter in das Arbeitskammergesetz zu erwirken. Nachfolgende Entschließung fand einmütige Annahme: .Die am 1. Mai tagende Vorständekonferenz der der„Deutschen Staats-Handiverker- und-Arbeiter-Genieinschaft" angeschlossenen Verbände begrüßt den vorliegeüden Entwurf des Arbeitskanuner- gesetzeS insofern, als der 8 6 die Einbeziehung der gesamten Reichs- und Staaisarbcitcrschaft vorsteht. Andererseits mutz aber ausgesprochen werden, daß der vorlic- gende Entwurf zugleich eine große Enttäuschung für genannte Kreise bedeutet, indem der 8 13 geeignet ist, einen erheblichen Teil der sich aus§ 6 ergebenden Vorteile wieder aufzuheben. Tie vorgesehene Umbildung der AvbeitcrauSschüsse in den Staatsbetriebe» zu Arbeitskammern kann keineswegs als im Jnter- esse der Staasarbeiterschaft liegend angeschen werden, weil eine Reihe sehr wesentlicher Rechte in der Zusmnmensetzung der Ver- tretung von vornherein ausgeschaltet würden. Wir fichlen uns deshalb veranlaßt, mit allem Nachdruck und mit allen uns zu Gebote stehenden Mitteln für besondere Staats- arbeiterkammern, in den: Nahmen, sowie auf gleicher Grundlage wie für die Privaiarbeiterschaft vorgesehen, einzutreten." Die vorstehende Forderung nach besonderen StaatSarbeiter- kamment würde insofern der Tendenz des vorliegenden NegierungS- cntwurfs entsprechen, als sie auch eine besondere berufliche Vertre- tung der Staatsarbeltcr schassen würde. Wie wir schon in unserem Leitartikel in Nr. 113 des„Vorwärts" betonten, ist die rein beruf- liche Vertretung der Arbeiter überholt. Auch die Staatsarbeiter müssen in rein territorial gegliederte Arbeitskammern eingereiht werden. Reine Staatsarbeiterkammern würden den Interessen der fraglichen Arbcitcrgruppen nicht so wirksam dienen können wie das in allgemeinen Arbeiterkammern der Fall sein würde�_ Verantwortlich für Politil: Erich Snttnrr, Berlin: sür den übrigen Teil deZ BlatteS: Alfred Scholz, Neutollitt sür Anzeigen: Tvcodor Glocke, Berlin. B-rlag: Lorwürts-Berlag G. m v. Berlin. Druck: Vorwürls-Buchdruckerei und Verlagsanitalt Paul Singer u. Co. in Berlin, Lindenstrabe 2. Hierzu 1 Beilage und UntcrSaltungSdlatt. Vis Wissensehaft der ganzen Welt � 5 Pfennig „SBelt und Wissen" ist ein großes Universalwerk, welches in leichwetständlicher wtetesianler Weise sämtliche Wissenschaften der ganzen Welt in.Wort und Bild" behandelt. Damit dieses wertvolle Werk von jedermann angeschafft werden kann, bedarf es nur eine tägliche Rücklage von 5 Ps. Jeder, der „Welt und Wissen" noch nicht kennt, verlange eut Pr-dehest gratis. 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Verlag„Welt und Wissen" Berlin-Schöneberg, Am Park 11, sich ersuche hiermit um Zu- stevung ewes Brobehestes von „Welt und Wissen". Name Ort:.