Ur. 127a. 35. Jahrg. Bezugspreis: »intelia�rl. 4,50 SKI. monall. l,50SSt. frei inS HauS, dorauSzablbar, Einzelne Nummern lO Pfg, Postbezug: Monat- lich ILO MI. Unter Kreuzband für Deutschland und Oesterreich- Ungarn 3,— Ml, für daß übrige Ausland 4,50 Ml. monatlich. S erfand ins Feld ieidirelter Bestellung monatl. IFVMI. Postbestellungen nehmen an Däne- marl, Holland, Luxemburg, Schweden und die Schweiz. Eingetragen in die Post-geitungs-Breislisle, Erscheint täglich. Telegramm- Adresse: »Sozialdemokrat Berlin�, r i V. 10 Pfennig*) Verlmev VolksblQlt. Zcntralorgan der foztaldemokratSfcbcrs Partei Deutfchtands. Anzeigenpreis: DiesscbengespaltencKolonelMlelostet 60 Pfg.„Kleine älutofsrn", das fettgedruckte Wort SO(zulässig 2 fettgedruckte Worte), jodeS weitere Wort lb Pfg. Stellen» estichc und Echlafstellenanzeigen das erste Wort A> Pfg., fedes weitere Wort 10 Pf«. Worte über IS Buchstaben zählen für zwei Wort«. TeuerungZzuichlag 20°/» Familicn-Anzeige», dolitischc und gewerlschaftitche BereinS- Anzeigen 30 Pfg. die Zeil». Anzeigen für die nächste Nummer müssen bis ä Uhr nachmittags im Hauvtgeschäsl, Berlin 628.68, Lmdenstratze 8, ab, cg eben werden. Ecöffnct von 8 Utzi jrüh bis 1«Jt abends. Neüaktion: EW. 68» Linüenstraße 3. Fernsprecher: Amt Moristplan- Nr. 151 00—151 37. Voller Erfolg am Dikkebnfch-See— Feind- liche Linien in Ä Kilometer Breite geuom- men— 675 Gefangene— 37 Flugzeuge allgeschoffen— Rostow an der Don- Mündung besetzt— Fortsetzung einer Demarkationslinie geplant. Amtlich. Großes Hauptquartier, den 3. Mai 1318. Westlicher Kriegsschauplatz. Zwischen Aper» und Baillcul hielt tagSübcr lebhafte Ar- tillcrietätigkeit an. Ocrtliche eigene Angriffe südlich vom Tikkc- buscher See hatten vollen Erfolg, gsheinische und badischc Truppen erstürmten in 2 Kilometer Breite stark ausgebaute feindliche Linie« auf dem Oswfer des Vyver-Baches. Sie stießen hier anscheinend in einen französisch-englifchen Angriff hinein und zersplitterten seine Kraft. Nur zu beiden Seiten der Straße Reninghclst— Kemme! kam der feindliche Angriff zu voller Entwicklung. Er wurde ebenso zurückgeschlagen wie Gegenangriffe gegen unsere neu gewonnene Stellung. Wir machten K7S Gefangene von 6 französischen und 2 englischen Divisionen, die schwere blutige Berluste erlitten. Bei Abwehr englischer Vorstöße am Südufcr der Lys, bei Bucquop und südlich von Albert machten wir Gefangene. Bei dem gestrigen erfolglose» Angriff australischer Truppen an der Straße Eorbie— Bray blieben 45 Gefangene, darunter 4 Lffi- ziere in unserer Hand. Nördlich vom Lucc-Bach und auf dem Wcstufer der Avre blieb der Feucrkampf gesteigert. Erfolgreiche ErkundungSvorstößc an mehreren Stellen der übrigen Front. In den letzten drei Tagen verlor der Gegner im Luft- kämpf und durch Abschuß von der Erde aus 37 Flugzeuge. Ober- leutnant Schleich schoß gestern 3 feindliche Flugzeuge ab und errang damit seinen 26., 27. und 28. Luftsieg. Osten. Ukraine. An der Nordküste des Asowschen Meeres stießen wir bis zur Don-Mündung vor und haben giostow besetzt. Die Wer- Handlungen über die Festsetzung einer Demarkationslinie werden demnächst beginnen. Der Erste Grneralquartiermcistcr. Ludendorff. Unter Demarkationslinie ist eine Linie zu verstehen, welche den Raum der militärischen Operationen begrenzt. Bisher fehlte bekanntlich eine anerkannte Grenzlinie zwischen der östlichen Ukraine und Großrußland._ Abendbericht. 9. Mai 1918, abends. Von de» Kriegsschauplätzen nichts Neues. Der österreichische Bericht. Wien, 3. Mai. Amtlich wird verlautbart: An der Piave war das Geschützfeuer auch gestern beider- seits lebhaft. An der Gebirgsfront wurden an mehreren. Stellen ttalienische Erkundungen vereitelt. Der Chef des Generalstabes� Expedition: EW. 68, Linöenstraße 3. Fernivrecher: Bmt Moritzplatz, Nr. 15130—15137. Die Krise des Ministeriums Zhyd George. Die durch den Brief des General Maurice geschaffene Lage ist noch immer ungeklärt. Doch mehren sich anscheinend nach der ersten Erregung die Stimmen, die vor einem Ministersturz in der jetzigen Lage Englands tvarncn. Ss erklärte bei Besprechung des Propagandawcsens in England Lord Haldane im Oberhause, daß es nicht in seiner Ab- ficht liege, bald etwas zu untexnehmen, was die Regie- rung schwächen könne, wenn sie dieses auch d u r ch ihre Taten verdient haben sollte.„Wir stehen auf dem kritischsten Punkte in unserer Geschichte und es müsse immer bedacht werden, welche Folgen der plötzliche Sturz der Regierung haben, würde."— Wegen der Debatten, die am Donnerstag im Untcrhause stattfinden, mißt man diesen Worten eine besondere Bedeutung bei. Der Londoner Korrespondent des„Rieuwe Rotterdamsche Cmrwtnt" meldet: ES sei schwierig, vorher zu sagen, zu welchem Ergebnis die morgige Debatte führen wird. Ohne Zweifel ist eine starke Gruppe im Hause mit dem Plan einer richterlichen Untersuchung nicht einverstanden, wobei sie den Nachdruck darauf legt, daß es sich um eine Meinungsverschiedenheit zwischen den Ministern und dem Parlament handelt, da die Regierung der Irreführung des Parlaments beschuldigt werde. Anderer- seits ist es zweifelhaft, ob der Großteil der Unionisten sich dazu hergeben wird, unter der Führung von A s qu i t h die Regierung zu stürzen. Außerdem sind die irischen Nationalisten, auf deren Mitwirkung die Opposition rechnen könnte, abwesend. Eine andere über Holland kommende Meldung vom 9. Mai besagt: In einer gestern abend abgehaltenen Versammlung dcS unionistischen Kriegskomitees wurde nach Besprechung der Mauricc-Angclegenheit beschlossen, die Regierung heute bei jeder Abstimmung zu unterstützen. Wie man meint, hat das liberale Kriegskomitee einen ähnlichen Beschluß getroffen. Die Haltung der Arbeiterpartei würde von dem Verlaufe dcr Debatten abhängen. Man erwarte nicht, daß die irischen Ratio- nalisten sich an den Debatten beteiligen würden. Ob die Liberalen wirklich die gleiche Haltung einnehmen werden wie die Unionisten, muß bezweifelt werden, da als treibende Kraft dcr ganzen Bewegung gegen Lloyd George kein anderer als das Haupt der liberalen Partei, Lloyd Georges Vorgänger im Amte, A s q u i t h, erscheint. Auffällig ist die Haltung der„Time des konservativen Nsrthcliffeblsttes, das bisher Llsyd George durch dick und dünn unterstützte. Das Blatt hält»s für fraglich, ob Lloyd Georges Erklärungen im Unterhause die Regierung retten könnten. ES ist einerseits gegen die Pestellung einer Uistersuchpmgskonimifsion, glaubt aüar anderersefts auch nicht, daß die Angelegenheit durch eine«nseiftge Erklärung dos Preinierministers endgültig erledigt werden kann, auch wenn sie noch so überzeugend sei. Das Blatt schreibt: Lloyd George würde sich in«diesen Beziehungen keinen Illusionen hingeben. Der Zwischenfall könne nur durch eine Untersuchung durch Personen, die daran nicht interessiert sind, aus der Welt geschafft werden. Diese Bemerkung dcr„Times" beweist, daß die Regierung nicht unter allen Umständen auf ihre Unterstützung rechnen kann. Neuwahlen in Rumänien. Tie rumänische Regieruug zum FriedenSschlnft. B u k a r c st, 9. Mai. Durch königliche Verordnung sind die beiden Kammern des rumänischen Parlaments a u f g e- löst worden. Tie Neuwahlen sind für die Zeit vom 1. bis 9. Juni ausgeschrieben. Das Parlament soll am 17. Juni zusammentreten. Bukarest, 8. Mai. Die rumänische Regierung erließ aus Anlaß des Friedensschlusses an die Bevölkerung im besetzten und unbesetzten Gebiet folgende Kundgebung: Der Friede wurde heute 12 Uhr mittags geschlossen und trägt den Namen„Friede von Bukarest". Alle Fragen, die zwischen Rumänien und einem der Staaten, mit denen es sich im Kriege befand, streitig waren, sind erledigt. Die normalen Beziehungen mit diesen Staaten werden Wiederaus- genommen und das Land tritt wieder in N e u t r a I i- tat ein. Hindernisse, die einer ftiedlichen inneren Entwick- lung im Wege standen, sind endgüllig beseiftgt, und Rumä- nien kann nun im Schutze seiner vom Kriege un- angeta st etgebliebenenverfassungs mäßigen Einrichtungen ans Werk gehen, irm die Spuren des Krieges zu beseitigen und den durch den Frieden geschaffenen Zustand zu befestigen. Die Kämpfe öes$. Mai. Berlin, 9. Mai. Die Kämpfe des gestrigen Tages spielten sich wiederum auf den Hauptkampfplätzen in Flandern und an dcr Somme ab. Größeren Umfang nahmen sie in Flandern in Gegend süd- westlich Voormezeele und östlich des Vyver-Daches an. Hier brachte un» ein Stoß zur Verbesserung unserer Stellungen vollen Er- folg. Außer«n 670 Gefangenen wurden ein Feldgeschütz, große Bestände an Drtillerie-Munition, sowie zahlreich« Maschinengewehre erbeutet. Unter den Ge- fangenen befanden sich ein englischer und ein französischer Batail- lonSsührer. Die blutigen Verluste deS Feindes waren äußerst schwer. Gegen die neugewonnenen deutschen Stellungen steigerte sich das feindliche Artillerieseuer im Laufe des Nachmittags zu immer größerer Stärke. Nach heftigstem Trommelfeuer setzte der Feind um L und um 11 Uhr abends zwei Gegenangriffe an, die trotz rücksichtslosen Einsatzes starker Kräfte, teils in unserem Ab- wehrfeuer, teils im Nahkampfe und Gegenstoß blutig schei- t e r t e n. Während hier der deutsche Borstoß voll gelang, hatte der Feind nach ausgiebiger Fencrvorbereitung abermals seinen g r o ß a n- gelegten Angriff gegen da» Kemmelgelände an- gesetzt. Dieser französische Angriff, der anscheinend durch unseren Barststz aus de» Raum beiderseits der Straße R«ni-»gbelst— Semmel beschränkt wurde, scheiterte, fawrk er«i«A barei«« Misere« Her- nichwngsfeuer zusammenbrach, rvftles im Rahkampf. Auch hier waren die Berluste des Feindes außerardentlich schwer. Eusslischcr Heeresbericht vom ß. Mai abends. Heute früh unternahm der Feind einen heftigen örtlichen Angriff gegen die französischen und die englischen Truppen zwischen Lacltztte und Voormezeele. Im Mittelpunkt dieser AngriffSbewegung gelang eS ihm nach schwerem Kampfe, an einigen Punkte» in die Frontlinie dcr alliierten Stellungen einzudringen. Der Kampf um diese Oert- lichkeilen wird fortgesetzt. An allen anderen Punften wurden die Angriffe des Feindes zurückgeschlagen. Durch eine erfolgreiche ört- liche Unternehmung schoben die Franzosen ihre Linien während der Nacht südlich von Laclytte vor und machten eine Anzahl Gefangene. Sonst ist von der britischen Front nichts Besonderes zu melden. Der Stand des Wsktkriegss. Von Richard G ä d k e. Auf dein westlichen Kriegsschauplatz«dauert der Stillstand an, und zwar östlich AinienS feit Wochen. in Flandern seit dem 25. April, an dem wir den wichtigen Kemmelberg nahmen. Tie Gegner halten mit großer Zähig- feit ihre Stellungen fest, um sich ihr ohnehin schmales Hinter- land bis zur Küste nicht noch mehr einengen zu lassen. Denn das eine darf man nicht übersehen, daß sie sich strategisch keineswegs in besonders günstiger Lage befinden. Jeder neue, größere Raumverlust würde die Stellung des englischen Heeres in Frankreich zu einer bedrohten gestalten und ein zweites Vordringen dcr deutschen Streitkräfte um LO Kilometer würde den Feldzug zu seinem Nachteil entscheiden. 60 Kilometer, das sind aber nur drei mittlere Tagesmärsche unter gewöhnlichen Umständen, sie gleichen der Entfernung von Amiens bis zur Sommomündung oder von Hqzebrouk bis Calais. Natürlich müssen wir uns bewußt bleiben, daß die gewaltige Verteidigungskraft der hier eingesetzten Massen mit ihrem zahllosen und wirksamen Kriegsgerät aller Art einen Vormarsch mit solcher Schnelligkeit ansichlisßt. Immer- hin hat ein Teil unserer Truppen während unseres März- angriffes die Entfernung von 60 Kilometer unserer täglichen Kämpfe in 8 Tagen hinter sich gebracht. Wenn die Gegner trotz des Verlustes van Bailleul und des Kemmelbcrges ihre in der rechten Flanke tief umfaßte Apern- und Aserstellung f e st h a l t e n. so mögen dafür nicht nur rein sachliche Erwägungen maßgebend sein. Sie scheuen wohl den Eindruck, den der Verlust des in dreiundeinhalb- jährigen Kämpfen gehaltenen Upern und den die Räumung deS letzten Stückchen belgischen Bödens auf ihre Völker und auf die Welt hervorrufen würde. Außerdem ist es wohl möglich, daß sie rückwärts dieser Linie eine neue Berteidi- gungsstellung vorbereiten, deren Widerstands- fähigkeit sich erhöhen muß, je längere Zeit ihnen zur Arbeit verbleibt. Aehnliche Erwägungen mögen auch dahin geführt hoben. daß sie in der letzten Zeit ihrerseits zuscharfen Angriffen gegen die deutschen Linien übergegangen sind und dafür eine erhebliche Zahl frischer Divisionen, besonders französischer, eingesetzt haben. Gegen unsere Stellunzen am Kemmelgebieie sind sie am 26., 29. und 80. April, am 4. und 5. Mai mit schwächeren oder auch stärkeren Massen, einmal mit 9 Divisionen gleichzeitig, angerannt, und auch südlich dcr Somme suchten sie uns zwischen dem 23. April und 2. Mai an 4 Tagen wieder zurückzudrängen. Einen Erfolg haben sie nur am 29. April nördlich Bailleul erreicht, indem sie uns daS Dorf Loker wieder abnahmen. Man hat gemeint, daß die Franzosen sich hier zugunsten der Engländer aufopferten, deren zusammengeschossene Reihen sie bis nach Flandern hin- ein verstärken und zum Angriff mit sich fortreißen mußten. Indessen ist das doch keine richtige Auffassung der wirKichen Lage. Die französische Heeresleitung weiß vielmehr ganz ge- nau, daß der Feldzug überhaupt verloren ist, wenn das englische Heer eine Niederlage erleidet, und daß sich dann in erster Linie daS Geschick Frankreichs erfüllt. Fach opfert daher seine Divisionen für Frankreich und nicht für England. Wenn man allerdings bedenkt, welche ausgedehnte Front die Franzosen sonst noch halten müssen, so ist der Einsatz von 44 frischen Divisionen zur Unterstützung der Engländer ein beträchtlicher. Daher ist es kein Wunder, daß unsere Truppen allmählich an immer zahlreicheren Stellen der Front auch amerikanischen Bataillonen begegnen. Diese müssen ihrerseits die Kräfte verfügbar machen, die Foch für seine Angriffe und zur Bildung neuer Reserven nötig hat. Wir werden an- nehmen müssen, daß fortdauernd Amerika- n er die Fahrt über den Atlantischen Ozean antreten.umdieschwindendeKraftvonEng- I ä n d e r n und F r a n z o.s c n zu st ä r k e n. Während im Westen diesergestalt der Stellungskrieg er- neut in seine Rechte eingetreten ist, sehen wir, daß die Fron- ten im Südwesten, in Italien, immer imruhiger werden, ohne daß doch von der einen oder der anderen Seite bisher Angriffsbewegungen großen Stils� in Erscheinung getreten sind. In ausländischen Blättern wird gelegentlich behauptet. daß daß italienische Heer einen Angriff vorbereite. Wahr- scheinlich ist das gerade nicht, weil die itolienisch? Heeresleitung selbst ein solches Uuternehnren kaum für sehr aus- sichtsvekl halten kau». Aber man darf auch nicht jagen, daß es»nmögkich sei: denn im Kriege ist nichts unmöglich. Glaubhafter ist es immerhi«, daß salchc Ausstrru««ge» einen TöuschungSversuch gezen die Rittelmächte bedaute». Schreien bach die Italiener andererseits sehnsüchtig nach«nerikanffcher .Hilfe, die ihnen gnädigst in Anssicht gestellt NÜrd, sabald das Bedürfnis in Frankreich gedeckt sei.. Aber die SCmenkancr haben immer sehr viel mehr versprachen, als sie zu halten je in der Lage waren. In Mazedonien haben sich die Berhältnisse, nian kann schon so sagen, seit Jahren nicht geändert. Keiner der beiden sich gegen überstehenben Gegner scheint die?Ksicht zu haben, eine Entscheidung so oder so herbeizuführen. Das bunt zusammengewürfelte Heer des Vierperbandes traut feiner Stärke nicht, und dw Busgaren fühlen sich auch so ganz fiffldglid),- da" ihr Land' mit' AüFisähme des unbeÄlltendeik Ztreifenö um Monastir frei vorn Feinde ist, und da selbst ein großer Sieg ihrerseits in Griechenland den Krieg nicht ent- ichcwen würde. Was dort gelegentlich an Gefechtstätigkeit ut spüren ist, darf nicht höher eingeschätzt werden, als die ge- k'gentlichen Zuckungen oder Finten zweier Kämpfer, die das Schwert ab und zu erheben, ohne jedoch die Absicht zu haben, zuzuschlagey. Dagegen verfolgen die Engländer in Palästina mit großer Zähigkeit ihren Plan, sich in Syrien einen Außen- rosten für die Versteidigun g Aegyptens zu er- obern und zugleich die Verbindung der Türkei niit Arabien zu unterbrechen, indem. che die Hedschasbahn östlich des Jordan mitten durchschneiden. Gelänge ihnen dies Unternehmen, so wäre wahrscheinlich Tre Breit für die Türkei ver- i o r cit. Man muß alto den Kämpfen in Palästina eine be- ? nächtliche politische Bedeutung zuerkennen. Dom englischen • tandpnnkt auS hat Lljsyd George recht, wenn er sich durch die bissigen Ausfälle Rppmgtons nickt irremachen läßt. Glücklicherweise hat bisher der Erfolg den heißen Be- müfmngen des General Allenby nicht entsprochen. Schon am L. April scheiterte ein Versuch, mit beträchtlichen Kräften ober ES Salt gegen die Bahnstation Annan vorzudringen.' Tie Engländer mußten mit schweren Verlusten über den Pordan zurück, nachdem die Türken durch deutsche Truppen verstärkt worden waren. Allenby hat dann beträchtliche neue schifte herangezogen, große Vorbereitungen getroffen und ist --gen Ende April erneut über den Jordan gerückt, um gegen '. Salt vorzustoßen. Er warf eine berittene Division gegen "qrdcn vor, um den feindlichen Kräften in rechte Flanke und schicken zu fallen. Aber diese Nmfassungstruppe wurde von türkischen und deutschen Scharen ihrerseits unvermutet an- o'griffen und umgangen. Sic wurde geschlagen und mußte shr ganzes Geschüy in den Händen unserer Verbündeten f: ficit, deren Hauptsteklnng inzwischen vergebens bestürmt omrden war. Ii? fünstägigen Kämpfen vom 30. April bis . Mai erlitten die Engländer eine volle Niederlage und >- iteten erschüttert gegen den Jordan zurück. Sie haben bis- u- keinen Bericht darüber veröffentlicht: daraus darf man schließen, daß der Schlag sie empfindlich getroffen hat. Erfolgreicher war ihr Feldzug in Mesopotamien, 'o sie nach langer Pause im April ihren Vormarsch gegen "coful wieder aufnahmen, anscheinend zugleich am Tigris c'ntlangziehend und seinen Nebenfluß Adhem als. Zufuhr- �aste verwendend. Vom 27. bis 23. April und dann wieder ni 2. Mai hoben sie die Türken anscheinend zum Rückzüge genötigt. Soweit man sehen kann, stehen sie noch etwa !"0 Kilometer von Mosul entfernt. EurZo?? übse KrieKensmöglichkeiten. Ein Vergleichsfriedc» jetzt eine Chimäre.— Curzon korrigiert Cccil. London, 8. Mai.(Renter.) Bei der �berhauSbebatte über die > ülidüchs Veapagpn-da und die Mittel, sie zu bekämpfen, sagte Lord eurzou, 2«s Herz des Volkes sei im grohm und ganzen vollkommen j:(und. Der Einfluß der pazifistischen Faktoren werde leicht überschätzt. Seit Beginn des Krieges Hätten die Alliierten stets die ::Ji ö g l rch'kett e i u er ehrenvollen, erfolgreichen B e- eNd tgtzttg des Art eg e s. d u rch.Unter Hand lung.en im.. iHe Mail, und keine Regierung der Alliierten habe derartige 'ärMdMvorsMze..Don ctie sie bekannt waren, zurückgewiesen. ... sei' unter, den AMerl'eu Wlich,'FriÄensouoermneü von vevant- .7 et! icher S-ckte frei zu untersuchen und die.anderen Wi- .-tru ins Vertrauen zu ziehen, sobald.dabei etwas her- auskomme. Derartige Vorschläge seien gemacht worden und hätten •j: deshalb zu mich tS geführt, weil die, von denen die Aktiv- neu ausgingen, davon wieder Abstand nahmen, oder .vdl die Vorschläge mit Rücksicht auf die Ehre und die Sicherheit 7. udi S ku tieräa r waren. Was die jetzige Lage betreffe, kz ein BergleichSsriedr, wie jeder wisse, augenblicklich unmöglch, da >a6 Land der größten Krise gegenüberstehe, die in seiner Geschichte .'.stals vorz. taimnen sei. Tie Idee, das; jetzt ein BergleichungSfriede erreicht werden tonnte, sei eine Chimäre. Ter Friede von Brest- ■'tu in s£ und der mit R«znänien sei nicht«rmutligend. üslange der mk.Ltärischi Geist in Deutschland nicht nachlasse, könne 'ngland nicht hoffen, einen ehrenvollen dauernden F rieb e n durch Verhandlungen zu erreichen. Lord Curzon wendet sich zwar sehr scharf gegen die Idee Eues jetzt möglichen Vergleichungsfriedens, trotzdem bedentet Sie Rede sacklich eine Zurücknahme der Worte seines Minister- wllegen Tecil, der kürzlich eine neue„deutsche Friedensoffen- iive" vorausgesagt und schon im vorrnis abgelehnt hatte. €im öenkWÜrölge Selageryng. Aus der Geschichte Sebastopols. Zu dcn'interessanreiien und merkwürdigsten BÄageaingen der Wel'geMchie gebärt die der russischen Schwarze-Meer-Festung Sewastopol während des Keimkrieges. Nachdeni durch die Kamps- »ndkunge« der mit der Türkei gegen die russischen Uebemnacht- .üüste verbündeten Westmächte sowohl zu Sande wie auch zur See wenig ober wicksis ausgerichtet worden war. beschlossen Frankreich und England, die Halbinsel Krim zum entscheidenden Kviegsschau- .Eatz-u"machen und' die Einnahme Sebastopols zu erzwingen, weil a. hossien, dadurch dar russischen Schwarze-Meer-Flobte die Lebens- säuigkeit zu nehmen. Gin'volles F-abr dauerte die Bslayerung, die der Einnahme voransäing. Am 13. September 1834 erschienen 300 ! ürKsche, ffanysstsche"und englische Schiffe mit einer Gesamtbe- üavnng Von 6!)YY0 Mann vnrer der Leitung von Canrovert und Lord Sdaiilan vor Eitpaiaria, der der Festung Sebastopol vorge- .agerten Hafenstadt. Ter Verteidigungszustand der Krim war zu -.i-ier Zeit alles andere als kriegSfertig, und ein Handstreich der 'Verbündeten Hätte gleich zu Anfang vermutlich ohne allzu große Opfer den Fall des«ckMgen Platzes mit sich geführt. Da erkrankte OSerSefÄlZhaver St. Arnand. und die Entschlußkraft der Ver- oundsten wurde dadurch wesentlich beeinträchtigt. In der Zwischen- -rit aber erhielten die Russen bedeutende Verstärkungen durch die rn'mchs Feldarmee, wie sie jederzeit ungehindert von Storden und Esten herangeschoÄen werden konnten, und zudem wurden, unter Leitung des' geiri'aüen Jugenieurgenerals.Totkeben die Festmr�S- "nlageii in solchem Umsanze ausgebaut, daß sich der Platz zwölf '.Skonale lanq«?ze!! Flotte und Landarmes der Verbündeten zu halten vermochw. Ein zweimaliger Versuch der Russen, die West- inächte durch den Angriff aus die SnzKnder bei Bal«klawa am rö. Oktober und durch die Schlecht mvf dem Pketean von Jnbermnn am 5. Rodencher vom Reer« abziuschnsiden, mißglückte zwar und otchete Mit ihrer Niederlage; doch wurde dadurch keine Entscheidung heiÄeigeführt. Der strenge.russische Winter, der mittlerweile her- eingebrochen war, begann den des rauhen Klimas ungewohnten Truppen der Westmächte hart zuzusetzen, und diese, insbesondere die Engländer, erlitten ungeheure Verluste infolge von Krank- besten und Seuchen aller Art. Aber trotz allem ließen sich die Verbündeten ebensowenig zum. Rückzug bewegen, wie die Russen zur Kapitulation der SM, in der Kwankheit und Tod gleichfalls EüT�ssn betont denIgegensibÄ, Laß die Entente ketns' Friedens- antrüge zurückweise, ehe sie gestellt seien.' Amsterdam, 9. Mai. Auf der„Sindoro" traf der frühere Kriegsminister Eolyn ein, der aus England zurückkehrte und so- fort nach seiner Ankunft in Holland nach dem Haag reifte. Eolyn teilte einem Vertreter des„Nieuwe Rotterdamschen Courant" mit, daß er als Direktor der Batavischen Petroleum-Gesellschaft zur Beherzigung der Interessen der Gesellschaft in England gewesen sei. Was das Nennen seines Namens im Zu- samvrenhang mit den Friedensgerüchten angehe, so schließe er sich ganz dem an, was Minister Balfour am Montag im englischen Parlament erklärt habe. Luftangriff auf Zeebrü'gge. Berlin, 9. Mai. Amtlich. Am 8. Mai mittags und abends griffen starke feindliche Fliegergeschwader die Mole und das Tors Zeebrügge mit Bomben an, ohne militärischen Schaden anzurichten. Durch Fliegerbomben aus die Kirche von Zecbrügge wurden dm Belgier und zwei Kinder getötet, zwei schwer und mehrere leicht verletzt. An der Landfront des MannekorpS wurden von unseren Jagdfliegern zwei feindliche Flugzeuge, über See ein drittes ab- geschossen. Der Chef des Admiralstabes der Marine. PorSrat unserer Schützlinge. Ueber das neue ukrainische Hetmans-Kabmett ickmbt Paul R o h r b a ch, deutscher Imperialist und daher sicher tinoei: Süchtiger Zeuge, in der„Hilfe" folgendes: Skoropadski stammt ans einem alten akrainischen Geschlecht, dem schon ein früherer Hctman im 18. Jahrhundert angehörte. Er hat aber bisher mit der Ukraine und der ukrainischen Be- wegung nichts zu tun gehabt, sondern war Peters- burger Gardeossizier und zaristischer General. Vor der Auslösung des russischen Heeres führte er gegen uns eine Kavallcriedivision. Er ist eine ähnliche Figur wie der finn- ländische General Manncrheim, der gleichfalls ein hoher Offizier von russischer Tradition ans der Zeit des Zarismus ist. Die Minister Loskhj. Prokopowicz, Teschtschenko und Nikowskyj wer- den als ukrainische F ö d e r a l? ft e n bezeichnet, das heißt, sie sind Anhänger des Zusammenschlusses zwischen der Ukraine und Großrutzland zu einem gei-icinsamen Bundesstaat oder Staatenbund. Wassilenko» Buicnko, Kijanizyn, Ljubiuskhj, Stetkewicz sind Kadetten, das heißt bürgerlich-liberalc, die von Ansang an zu der gesamtrussischen Kadetten- Partei gehörten. Dieser kadettischen Züchtung gehört uamcnt- lich Wassilenko an, statt dessen von anderer Seite als Minister- Präsident auch Lyzohub genannt wird. Der Postminister B u- tenko ist Kadett mit ausgesprochen grosirussifchcm Stand- Punkt. Der Justizministcr Scheluchin hat sich einen Namen als Verfasser einer extrem feindseligen Schrift gegen die deutschen Kolonisten in der Ukraine gemacht. Ter Kriegsminister Slitvinski ist Pole, was besonders angemerkt werden muß, weil er die bewasffrete Macht des ukrainischen Staates zur Verfügung hat und es nahe genug � liegt, daß er sich bemüht, sie zum Schutze seiner Landslcute, der polnischen Großgrundbesitzer, zu brauchen. Die seltsamste Gestalt im ukrainischen Ministerium ist der A d m i r a I K o l t s ch a?, ein Theatcrhcld unange- nehmen Genres, und als solcher schon zur zarischen Zeit bekannt. Während der Revolution war er noch unter den Bolschewisten Befehlshaber der Schwarzen Mecr-Flottc. Allerdings hatte er dort keine Autorität bei der Mannschaft, wie niemand von dgn bisherigen Offizieren der Marine../Von ihm stammt das Wort, wenn es nicht mehr ginge» in Rußland gegen die TetUschcn zu kämpfen, fö. werde er sich den Amerikanern zur Verfügung stellen I So Rohrbach. Das Gros unserer AlldeutsHen ist ober über den Sturz der bisherigen sozialistischen Regierung aus i n n er p o l itis ch c n Gründen so hocherfreut, daß sie— echt alldeutsch— den siegreichen Reaktionären a bisserl Deutsch- feindlichkeit gern nachsehen. Denn die„höchsten dölkisckien Belange" erfordern in erster Linie Niederhaltung der Demo- kratic, erst in zweiter den Sieg Deutschlands. Diesen Leuten wäre wohl auch heute noch Großrußland mit Zar und Krieg hundertmal lieber als mit B o l s ch e w i! i und Frieden. Polnische Scham über öen Krakauer Vogrom. Wien, 8. Mai. Tie„Polnischen Nachrichten" melden: In der heutigen Sitzung des P o l e n k l u b s wurde über die Krakauer Ausschreitungen ein Antrag Groß angenommen, daß der Polenklub mit Bedauern feststellt, daß die Krakauer Po I i z e i durch ihre Passivität und Unfähigkeit es dazu brachte, daß die a n t i- semitischen Unruhen, welche zu Beginn von einer kleinen Schar halbwüchsiger Jungen gemacht wurden, bedrohlichere verheerend wüteten. Indes Tottebon seine Befestigungsarbeiten unermüdlich weiter betrieb, bersuchte Mentschikow im Februar 1833»loch einmal, Eaipatavia von den Truppen Omer Paschas zu entsetzen. Doch auch dieser Versuch nüßlaug. Mit ungebrochener Heftigkeit tobt« der Krieg fort. ' Da starb Zar Nikolaus I., der Urheber des Krieges, am 2. März 1833 nach kurzem Kranksein an den Folgen einer Unpäßlichkeit, die er in seiner eisernen Strenge auch gegen sich selbst nicht be- achtet hatte. Sein Nachfolger Alexander II., der den Frieden für sein Volk ersehnte, bot den Weftmächtcn an, in Verhandlungen ein- zutreten. Davon wollten diese aber nichts wissen, che die Ein- nähme von Sebastopol gelungen wäre; beirn sie wollten nicht den Schein auf sich laden, besiegt worden zu sein. So wurde die Be- lagerung fortgesetzt. Ohne Unterbrechung, unter Aufbietung aller kriegstechnischen Mittel der damaligen Zeit wurde der erbitterte Kanipf weitergeführt, der sich infolge der häufigen Russenausfälle oft zu förmlichen Schlachten steigerte. Nachdem verschiedene andere Angriff« fehlgeschlagen waren, riet der französische General Niel den Alliierten, die Hauptbastion auf der Südseite der Festung, den Malakow, zum Ziel zu nehmen. Mit erbitterter Energie setzte sich der neue Befehlshaber Pelissicr, der später als Anerkennung für seine Erfolge zum Herzog von Malakow ernannt wurde, für dieses Ziel ein, aber ebenso gäh waren die Russen in der Verteidigung. Was die Feinde im Lause des Tages zerstört hatten, bauten sie in der Nacht wieder auf. So gelang es ihnen, noch am 18. Juni 1833 einen Sturm der Westmächte aus den Malakow und den benach- barten Redair abzuschlagen. Doch gleichwohl vermochten sie sich nicht lange mehr zu halten. Der Anfang vom Ende war die Nieder- läge, die sie am 14. August unter Gortschäkow an der in die Reede von Sebastopol mündenden Tschernaja erlitten. Ihr folgte am 8. September die Eroberung des Malakow durch die Franzosen, während«S den Engländern versagt blieb, den gleichzeitig unter- nommenen Sturm auf den Redan zu gleichem Erfolg zu führen. Trotzdem sah Gortschäkow e- für den einzigen Ausweg an, die süd- lichen Festungswerke in die Lust zu sprengen, den Rest der Flotte zu versenken urtd sich auf die Nordfeite der Bucht von Sebastopol zurückzuziehen, die er zu hartnäckiger Verteidigung einrichtete. Dieser eine Kampftag hatte die Russen 13 999. die Alliierten 19 999 Manu gekostet. Da nun die Verbündeten, nachdem sie am 19. Sep- tember in die rauchende Seestadt eingezogen waren, ihrer Kriegs- ehre Genüge getan zu haben glaubten, zeigten sie sich endlich ge- neigt, in Friedensverhandlungen einzutreten. Am 16. Januar Formen annahmen, so daß Militär einschreiten mußte. Der Poienklub fordert Bevölkerung und Presse auf, alles aufzubieten� damit sich derartige Fälle künftig nicht wiederholen. Surirni auf öec ßn'söenslauer. Nach einer Meldung der„Frkst. Ztg." äußerte der ösler- reichisch-ungarifche Außenminister, Baron Burian, aus eine Anfrage des Budapester Bürgermeisters Borczy über den Bukarestcr Frieden u. a. folgendes: „llnscr König hat bisher jede Friedensmöglichkeit ausgenützt, und auch heute ist sein entschiedener Wille, jede Gelegenheit zu suchen, um mit unseren Gegnern einen womöglich ehrlichen, verständigen, dauerhaften Frieden zu schließen. Wir stehen so- zusagen auf der Friedenölaucr, ohne uns an gewisse Ein- fchränkungsfor-meln binden zu wollen. Unsere ent- schlossene Ausdauer hat uns die bisherigen Erfolge ge- bracht. Auch weiterhin wollen wir in der einen Hand das Schwert, in der anderen den Oelzweig halten." ' Obwohl Baron Bureian Vorsichtsgerweise erklärt hat, such an„gewisse Einschränkungssormeln" nicht binden zu wollen, wird er doch nicht dem Zorn der Alldeutschen entgehen. Wir sehen im Geiste schon ganzseitige Inserate. in der„Deutschen Zeitung": Lieber Ezernin, kehre zurück, es ist alles vergeben... Die Andrassv-Partei, die im ungarischen Abgeordnetenhaus etwa 49 Mitglieder zählt, bat ihren Austritt aus dem Verbände der Rc- gierungsparteien erklärt. der Geist öe? Eroberrmgen. Eine interessante Ausgrabung macht Albert Thomas in vrt Zeitschrift„Le Fait du Semäine". Da schreibt jemand: „Die Regierung wird nicht sagen: Auf zur Eroberung der Welt! Sie wind von der nationalen Unabhängigkeit, der nationalen Ehre sprechen, von Grenzberichtigungen, Wintschaftsürisressen, Vor- sichtsmaßregeln, die von staatsm ä nnischer Voraussicht geboten sind — was weiß ich noch! Denn das Völkenbuch der Heuchelei und der Ungerechtigkeit ist unerschöpflich."„Das Recht des Volkes wird zu xinem Kodex der Enteignungen und der Barbarei werden... Wenn gewisse Reyi'erungen ihre Heere von einem Pol des Erdballs zum andern schicken, sprechen sie immer noch von der Verteidigung des heimischen Herds. Man könnte sagen, als ihren Herd bezeichnen sie jeden Ort, an dem sie Feuer gelegt baben." So schrieb der französische Liberale Benjamin Constant gegen Napoleon I. Kleine Kriegsnachelchten. Beschlagnahme der spanischen Handelsflotte. Madrid, 8. Mai.(Havas.). Die Blätter melden, daß die Regierung dem- nächst die gesamte Handelsflotte mit Beschlag belegen werde. Weibliche Maulhelden. Lugano, 9. Mai. Ein in Rom ab- gehaltener Kongreß weiblicher Deutschenfeinde be- schloß unter großer Begeisterung, weiter zu kämpfen und den nächsten Kongreß in Udine(das bekanntlich in Hand wr Mittelmächte ist!) abzubalten. Tie Präsidentin nannte die Teil- nehmcr am Kongreß Vestalinnen des Heiligen Feuers, der Vater- landsliebe und des siegreickien Widerstandes.— Wollen die Vestalinncn persönlich weiterkämpfen und Udine zurück- erobern? Handstreich eines U-Bootes. Amsterdam, 9. Mai. An die englische Presse wird aus Rom der folgende amtliche Bericht ge- meldet: Am 29. April beschoß ein feindliches U-Boot Carlo- .f.orl-e auf. der In s e l Sa n..Pä etr.o westlich.von Sardinien, wo eine Anzahl Schisse auf der Reede lagen. Das U-Boot to r» p e d i e r t e unh beschoß zugleich ein e n g l i s ch e s D a m p s s ch i f f. Wäbi�nd' des Gefechts" zwischen''den Küstenbatterien und dem U-Boot sielen zwei Granaten in die Stadt, wo zwei Per- soncn getötet wurden. Deutsche und englische Verluste bei Zcebrüggc. Berlin, '9. Mai. Entgegen den unwahren Reurcrmcldungen, die die dcut- sehen Verluste bei dem Blockierungsversuch von Zecbrügge. un- sinnig übertreiben, wird erneut auf die Meldung, vom 4. Mai verwiesen, wonach unsere Gcsamtverlnstc 8 Tote und 16 Verwundete betrugen, also in gar keinem Verhältnis zu den Bor- lüften der Engländer<388 Tote, Verwundete und Vermißte) stehen. Auch England schränkt den Reiseverkehr ein. London, 8. Mai.(Reuter.) Im Unterhause teilte der Präsident des Handels- amtes Stanley mit, daß die Ausgabe von Saison karten stark eingeschränkt wird. Die Regierung beabsichtigt, dos Reisen um 49 Proz. zu vermindern. Das Grauen d-S Schlachtfeldes. Berlin, 9. Mai. Bei ihrem Vordringen im Dpcrnbogen fanden die deutschen Truppen noch jetzt zahlreiche unbegrabene Engländerleichen aus den Kämpfen des vorigen Jahres. Bis weit hinter den bisherigen englischen Stellungen lagen zahllose Tote herum, oft noch in voller Ausrüstung, wie sie gefallen waren. Namentlich Poelkapelle und seine Umgebung bieten durch die vielen unbeitatteten englischen Leichen aus dem Jahre 1917 ein grauenhaftes Bild. 1836 nahm Rußland auf Vorschlag Ociterreichs am 22. Juli die bor der Kriegserklärung 1834 von den Westmächien als Zweck des Krieges und Grundlage des Friedens ausgeführten vier Punkte au, und fünf Wochen später trat in Paris der Friedenskongreß zusam- nren, auf dem am 39. März der Friede von Paris unterzeichnet wurde. „König Lear." '(In der Volksbühne.) Die erste Vorstellung zog sich ungebührlich in die Länge; der technische Apparat versagte noch, und so kaut es, daß der Vorhang erst nach vier Stunden heruntergeben konnte. In der Gewitter- szeue aus der Heide wollte es noch nicht recht klappen, wodurch natürlich die Stimmung beeinträchtigt wurde. Wenn beispielsweise kein Regenapparat in Wirksamkeit gesetzt ist, wird alles Reden von strömenden Wassergüssen zur Komödie. Inzwischen dürste ja manches besser geworden sein— auch die Darstellung. Von den drei Königstöchtern gab eigentlich nur Maria Fein eine charakteristische Leistung. Werner K rauß in der Gestalt des Hofnarren, dessen Reden Unter töne von Bitterkeit und sarkastischer Schärfe äußcrten, Eduard v. W i n t e r st c i n, wieder ein biderbcr Keni, Konrad Veidt(Edgar) und Friedrich Kühne als Haus- Hofmeister Oswald: das waren alles in allem gesehen schauspicle- rische Darbietungen, die sich in mÄtÄ- oder unmittelbarer Nähe des Titel rollenge stalters zu behaupten vermochten. Und das will einem Ludwig W ü l I n e r als Lear gegenüber viel sagen. Elementare Wildheit wird man von diesem gern auf der Linie künstlerischer Schönheit verharrenden Darsteller wohl nicht er- warten. Aber sobald dieser Lcar, die Bühne betretend, die Hand- lung an sich riß, wußte man, er ist und werde fein: Zeder Zoll ein König, ganz so, wie ihn der Dichter gewollt. In lichten Geist- niomeitten, doch auch, wenn ihn Wahnsinn schüttelt: ein König bis«r wieder zum hilflosen Kinde wird. Gerade hier, in den Situationen kompletter Sinne-Umnachtung, schien mir Wüllner wunderbare Echtheit zu beweisen. Kurz: er ist ein König Lear von großer Pracht und wird immer hinreißend wirken, wie am ersten Abend.. ell. Regierung und Parteien. Cm Borstoh gegen Hertliug? , Wie aus unserem gestrigen ÜBcridit hervorgeht, hat der Abg. Erzder�cr in der Mittwochsitzung des Hauptaus- ichusses Richtlinien für die Ostpolitik aufgestellt, wonach(?nt- schcidungen im Osten nur nach vorheriger ausdrücklicher Zu- stimm ung des Reichskanzlers getroffen werden sollen, die Ver- träge von Bresi-Litowsk in Wortlaut und Sinn aufrechtzuer- halten sind rmd jede Einmischung in die inneren Verhältnisse der Ukraine zu vermeiden ist. Zu diesen Richtlinien hat suh weder die Regierung geäußert, noch ist über sie abgestimmt worden. Oer„Verl. Lvkalanzeiger" will nun erfahren haben, daß Traf Hertling diese Richtlinien für unannehmbar erklärt und daß Herr v. P a y e r den Fortschrittlern angekün- digt habe, er werde iofort seinen Äbschred nehmen, wenn sie idre Unterschriften nicht zurückzögen. Die Fortschrittler hätten daraufhin auch wirklich ibre Unterschriften zurückgezogen. Die„Rationalliberale Korrespondenz" kennzeichnet die parlamentarische Lage sei Herr von Payer erslstter Äerilk-t iwer die RegÄuug der Osftrcrgeri. Er wird dar:» de» mltWrisehs» Fordsrvng««» die dir SiaQc an uns stell:, dollkonrme» gsrecht, weist aber auch«lach, daß bis Sceichslsstuny fiv� iHve»olle pokWfihe SclbstänÄgkert ge-- waärr und daß niemand versucht Sat. ihr nahe zu treten. Trotzdem muß er mit sanfter Ironie die Zumumug zurülkvetftn, daß die Regierung längst a!S Protest gegen dr? Militärgewalt ihnen Ab- schied hätte nehmen müssen. Er protestiert als« schon mehr gegen die parlamentarlsche Mehrheit, die ihn auf den Schild gehoben hat. Um ab« alles zu. tränen, erklärt de? Abgeordnete Goihein seinem ehemaligen Fraktimisgenossc» ins Gesicht, daß der Vizekanz- ler als O ff iziat Verteidiger eines Systems auf- g e t r c t e n sei, mit dem die Mehrheit des Volkes n i ch'.t einverstanden sein könne. So behandelt man jetzt den Vertrauensmann der parlauientarischen Mehrheit. Es bleibt also nur der Schluß übrig, daß die Mehrhett Herrn von Bayer das V eri? a ti c n Sv er- h ä l t n t s kündigt und daraus die Folgerungen ziehen wird. Es bedarf allerdings keines besonderen Scharfblicks, um zu erkennen, daß es zwischen der Regierung und der Juli- Mehrheit nicht mehr stimmt. Was insbesondere die Sozial- demokratie betrifft, so bat sie die Brest-Litowsker Verträge und die gesamte Ostpolitik von Anfang an bekämpft, sie be- kämpft jetzt die Steuervorlagen im Reick«, das Sicherungs- koinpromiß und die binhastend- Regierungstaktik in Preußen, «:e hat ferner ihre tiete Enttäuschung über die Gestalt der Ar- bcitskammervorlage keinen Augenblick verborgen. Durch diese Tatsachen ist das sachliche Verhältnis der Sozialdemokratie zuni gegenwärtigen Siiuise Wohl hinreichend gekennzeichnet. Tie„Vosslsche Zeitung" stellt die Vorgänge im Haupt- auSschutz folgendermaßen dar: Herr Erzberger hat«ick bei soiusm Vorgehen, bei dem et aus- drücki'ich an die Parallekaktig ausgeschaltet. Der freigewerkschaft- lichc und christliche Landarbeiterverband haben gemeinsam ein Landarbettervrogramm aufgestellt, das im„Vorwärts" vom llL. ilstärz d. H. besprochen wurde. Darin wird unter anderem durch die Reichsgesetzgebung gefordert: Erlaß oincS Gesetzes zwecks Errichtuitg von ländlichen Schieds- gerichten für Streit tgksiten aus dem Arbeits- und Dienftvertuag der lond- und forstwirischnMcheu Arbeiter noch Art der Gewerbege- richte. . ErLaß eine? A rbeitshamnterge sc tzeS mit Sesondeven Abteilung«: für Lgiw- urrd Forstwirtschofl. Schaffung von Schlichrung-fttellen und Ginigungsänriern zur BorbeugMig und Beilegung von wirtschaftlichen«Streitigkeiten zwischen Arbei-tgobern und Arbeitern der Land- und Forstwirtschcrft. Errichtung von gewählten Ärbeiterausschüssen für alle land- und forstwirtsistaftllchcn«Betriebe mit mindesten- üv«Arboiiern«und Arbeite Vinnen. AuSdchmtng der Aufgaben der La icharboi berauSfchüff« tu solcven Gntsüezirken, für«welche keine ge- wählte Gemeindevertretung besteht, mÄ entsprechenden Aufgaben einer Gomeindeverwetung. Tic Regierung wird diesen Forderungen gegenüber er- kläre,:, die eigenartigen Verhälwftse in der Landwirtschast oriarderten eine gesonderte Regelung. Man will nach dem Willen der Agrarier anscheinend eine gesonderte Vertretung bei den La:rdwi rE cna ftskam morn schaffen. Im Abgeordneten- bans hat kürzlich der Landwirtschaftsministcr schon derartige Zusagen gemacht. Nach den: Plane der Agrarier kann es sich bei dieser Vertretung von L.andarbeilerfragen bei den Land- wirtfchastskmnmern, die eine reine Interessenvertretung der Großgrundbesitzer sind, nur um eine Scheinvertretung der Landarbeiter handeln. .Ans den Gedanken, �ie Landarbeiter zu den Landwirt- schaftskammern hinzuzuziehen, find die Agrarier übrigens erst nach der Betätigimg des Landarbeiterverbandes gekommen. Im Monat Februar dieses IahrcS tagte der Deutsche Land- Wirtschaftsrat. Dabei machte v. Wangenheim ein wert- volles Eingeständnis. Er safte:„Dia Landwirtfchaftskam- mer in Pommern hat mit Rücksicht auf die sozialdemokra- tischen Eindrängungsversuche in die ländliche Arbeiterschaft den Vorschlag gemacht, Landarbeiter durch Wahlrecht in die Landwirtschaftskamnier zu nehmen. Wir selber in Pommern haben den Versuch gemacht und die Arbeiter in Ausschüsse berufen." Da in der Agrariersprache mit„sozialdemokra- tischen Eindrängungsverfuchen" der Deutsche Landarbeiter- verband gemeint ist wird hier wieder die alte Wahrheit be- stätiift, daß sich die Arbeitgeber erst dann aufraffen und sich mft Arbeiterfragen beschästigen, wenn die Arberter sich or- ganisieren, um ihre Lage zu verbessern. Dieser Hinweis zeigt deutlich, was mit der Zuziehung der Landarbeiter zu den LandwirtschaftSkammern geplant ist. Auch eine andere wichtige Berufsgruppe, nämlich die Gärt- nereiarbeiter, würden damit getrosfen werden und aus den Arbestskammern jedenfalls ausschalten. Weil für die Gärtuereiarbeiter die Rechtsfrage, ob es sich hier um gewerb- liche oder landwirtschaftliche Arbeiter handelt, noch ringe- klärt ist. Möge der Reichstag bei der Beratung des Entwurfes dafür sorgen, daß die Landarbeiter zu ihrem Recht kommen. das Schicksal eines Lanörsts. Der für den verstorbenen Abgeordneten Dr. Diederich Hahn als konservativer Kandidat im Landtagswahlkreise HamÄn-Neu- Haus aurgestellte dortige Landrat Naumann ist als Regierungs- rat nach Arnsberg versetzt worden. Tie„Deutsche Tageszeitung" behaupcei nun» daß der Landrat ge maßregelt worden sei, denn die Versetzung hänge damit zusammen, daß Landrat Naumann neue Lebens mittellieferungen, die seinem Kreise auferlegt werden sollten, für nicht mehr angängig hielt und seinen Stand- Punkt nachträglich zur Geltung drachte. Der Landrat hat nun- mehr seinen Abschied aus dem Staatsdienst eingereicht. Wie die „Deutsche TageSzeiurng" versichert, geht ein Schrei der Entrüstung über die«Abberufung des Landrats durch den Kreis. Steuerhinterziehung. Die„Konftanzer Nachrichten" machten in den letzten April- tagen MÜteilting davon, daß gegen den Kommerzienrat Ludwig Strohmeyer, den Inhaber einer bedeutenden Segeltuch- Weberei, ein Strafberfabrcn wegen Steuerhinterziebung im Gange sei. Nicht mehr und nicht weniger als 0,8 Millionen Mark solle Strohmeyer nackzahlen.«Darob großes Auftehem Die Presse hielt mit ihrem Urteil zur tief, zumal von anderer Seite Versuche gemacht wurde::, die Meldung der„Kvnstanzer Nachrichten" als unglaubwürdig hinzustellen. Jetzt ist die Sache aber auch in der Budgctkommissron der Zweiten badischen Kammer zur Sprache ge- kommen. Die Vertreter sämtlicher Parteien haben ihre Genug- tuung darüber ausgedrückt, daß es gelang, eine so große Steuer- Hinterziehung zu fassen. Unter keiner Bedingung dürfe etwa ein Nachlatz stattfinden: im Volke würde ein auch uur teilweises Zu- rücktveichen große Erbitterung auslösen. Es müsse unbedingt ein Exempe! statuiert werden. Hanüelsneiö als Kriegsursache. In den letzten Jahren vor dem Kriege steigerte sich der Usber- schütz der deutschen Ausfuhr nach Frankreich über die Einfuhr aus Frankreich nach Deutschland immer mehr. Im Jahre 1313 betrug der Saldo des Handelsverkehrs über 233 Millionen Mark zu- gunsten Deutschlands. Große Unruhe in den Interessentenkreisen des französischen Handels und der Industrie,«Agitation gegen das Ueberbandnehmen der deutschen Einsuhr, Drängen auf die Regierung zur Herbeiführung von Abwehrmaßnabmen— das waren die Folge::. Die ZollpraxiZ der französischen Grenzbehörden wurden unerträglich schikanös. Diplomatische Vorstellungen und Interventionen waren an der Tagesordnung, und sie konnten nur wenig Abhilfe schaffen. Auch im Osten erhitzten sich die Geister. Die Einfuhr aus Teutschland wuchs lawinenartig an; im Jahre 1313 führte Deutschland nach Rußland mehr als 83 Proz, der gesamten russi- schen Wareneinfuhr ein! Das Wort wunde in Rußland geprägt: «Rußland sei volkAvirtschastlich nichts anderes als Deutschlands 5kolonie. Ein Unsinn, aber charakteristisch für die Stimmung der in Betracht kommenden Kreise. Frankreich und Rußland geben in ihrer Art klassische Beispiele dafür ab, was«Handelsneid", Angst vor der Uebermacht einer frem- den Konkurrenz heißt. Dagegen war von einer derartigen S:im- mung in England vor dem Kriege— nach übereinstimmender Bekundung aller Autoren, auch dcntsch-imperialistischer Schriftsteller wie z. B. in den letzten Tagen Georg Bernhards im ..Plutus", Artur Dir in der„Nordd. Allg. Ztg." usw.— nichts zu merken. Die Ironie der Geschichte will eS aber, daß man nichts von Frankreichs oder Rußlands, wohl aber von Englands„Handels- neid" spricht und behauptet, dieser Handelsneid sei die eigentliche Kriegsursachc. Wie erwähnt, sind olle Autoren darüber einig, daß in den Kreisen deS englischen Handels keine feindselige Stimmung Deutschlaitd gegenüber Platz gegriffen hat. TaS hindert sie aber nicht, im gleichen Atemzuge aus die große Steigerung der deutschen Ausfuhr und Konkurrenz hinzuweisen, als die tiefer liegende Be- gründung des englischen Eingreisens in den Krieg. Neuerdings sehen sich die Anhänger dieser Zwecktheoric gezwungen, ihre Behaup- tung etwas einzuschränken, indem sie den„Handelsneid" nicht als Neid des Handels, sondern des Industrie kapitals bezeichnen. Gegen diese vagen Argumente wendet sich die im Vorwärts-Verlage erschienene Studie des Genossen Dr. A. Hofrichter:„Krieg und Handelsrivalität. Ein kritischer Beitrag zur deutsch-englischen Po- litik." Die Widerlegung der These vom remen Handelsneid Eng- lands Deutschland gegenüber gelingt dem Verfasser dadurch, daß er die sehr beschränkte Bedeutung der Außenhandels sta- tistik bei der Beurteilung des wirtschaftlichen Wettbewerbs und den Rückgang deS Einflusses des Exportkapitals überha«upt nachweist. Die Industrie Englands hat aber im letzten Jahrzehnt vor dem Kriege wiederum einen überaus kräftigen Anlauf genommen. Durch ausgiebiges statistisches Material belegt Hofrichter diese Tatsachen. Mächtig pulsierte das wirtschaftliche Leben Englands gerade in den letzten Friedensjahren, wobei sich der Aufftieg:n allen In- dustriezweigen ziemlich gleichmäßig offenbarte. Wenngleich sehr gedrängt geschrieben, enthält die Broschüre wertvolles Material, das:n dieser Form sonst nicht zugänglich fft. Sie sei daher der Aufmerksamkeit aller, die sich fiir die einschlägi- gen Fragen interessieren, empfohlen. Insbesondere dürfte sie Gewerkschaftlern, die in ökonomischen Fragen bewandert siud, will- kommen sein. Gründung eines deutschen Tuchsynbikats. Am 3. Mai fand in«Berlin eine Versaonnliung von Tuchsabrikanlen statt. Die«Ver- Handlungen iörderten die einmütige Erkenntnis zutag?., daß der Ziffammenschlntz im Tuchgewerbe behnfs gemeinsamer«Be- w i r t s ch a f t u n g der Erzeugnisse eine volkstvirtschafiliche Not- wendigteit ge«.vordei: sei. Es Wierde ein D e u i s ch e s T u ch- s y n d i k a t gegründet, dem alle amvescnden 42 Tuchfabrikanten beitraten. Zum Vorsitzenden des«AussichtSrats wurde Kommerzienrat Rcchberg gewählt. Korsanty kommt in den Reichstag. Für die NoichsiagSersatzwahl in Gleiwitz-Lublinitz ist der preußische Landtagsabgeordnete Korsanty von den Polen als RetchStagskandidat aufgestellt worden. Seine Wahl darf aks sicher gelten. Das Mieteinigungsamt als Preistreiber! Eine eigenartige Snffcheidung fällte, wie uns mitgeteilt wird, kürzlich das Mist- emigungsamt von Bcrlin-WilmerZdorf. Dem Mieter, einem 'Kammergerichtsrat, war die bisher von ihm mit M: bezahlte Wohnung unter Steigerung auf 2333 M. gekündigt worden. Er rief das Einigungsamt an, da er nur 1933 M. bewilligen wollte. Das zum Schutze der Mieter eingesetzte« Emigungsamt ging aber sogar über die Preisforderung des Hans- Wirts hinaus und setzte die Miete auf 2100 M. fest. Auf «Vorhalt erklärte der«Vorsitzende, er halte das Amt, wie alle Vor- sitzenden des Einägungsamts Wilmersdorf, zu einer Vebevschrertung der Forderung des Vermieters für berechtigt. Wenn es sich in diesem Fall auch um emen besser situtierten Mieter handelt, so bestehen doch vom allgemeinen sozialen Stand- Punkt aus gegen das hier aufgestellte«Prinzip die schwersten«Be- denken. Die Entscheidung gefährdet Sinn und Zweck der Meter- fchtttzverordnung auf das schwerste. Die Hauswirte nehmen gewiß ihre Interessen schon genügeich in der«Bemessung der Mieissorde- rung wahr, so daß ihnen nickst seitens des Eirngungsamtes noch über ihre eigenen Wünsche hinaus geholfen zn werden braucht. Juristisch ist die Entscheidung schon deswegen nicht zu halten, iveil der Fundamen ialsatz des deutschen Prozeßrechtes, daß der Richter nicht über die«Anträge der Parteien hinauszugehen bat, verletzt ist. Daß aber eine solche Entscheidung dem billigen Ermessen nicht entspricht, das nach der Verordnung den Eni- scheidungen der Einigungkainter zugrunde zu legen ist»« lieg! auf der Hand. parteinachrichten. Gegen das dentsch-öftcrreichlschc Bündnis. Im letzten Hefte des„Kampf" findet sich ein Artikek von Kart Mann über das deutsch-österreichisch-ungarische Bündnis, der für ist demokratischen Kreisen Oesterreichs offenbar ziemlich verbreitete Stimmungen bezeichnend ist. In einem geschichtlichen Rückblicke wird ausgeführt, daß das deuffch-österreichische Bündnis, das ur- sprünglich einer inhaltlich eng umgrenzten«Verteidigung gegen Ruß- lond gegolten habe, seit der Änneximiskrisc im Jahre 1338 infolge der»eftpolitischen Isolierung Deutschlands zu einem überaus engen politischen und wirtschaftlichen Zweckverbande geworden sei. Teutschland habe, um nicht auch den letzten verläßlichen Bundes- genossen zn verlieren, die österreichischen Bestrebungen auf dem «Balkan bedingungslos unterstützt, was Bismarck bekanntlich sehr energisch abgelehnt hat. Dadurch wurde, der Gegensatz sowohl gegen Rußland wie gegen die flämischen Völker Oesterreich-ttngarnS schärfer betont. Während des Krieges habe das«Bündnis durch die erhöhte militärische, wirffchaftliche und geldliche«Abhängigkeit Oesterreich-Ungarns von Deutschland eine enorme Festigung et- fahren. Die deuffch-österreichische Bourgeoisie und der ungarische Ade!— zwei Klassen, auf deren Mithilfe die Dynastie nicht ver- zichten könne— halten aus nationalen und sozialen Gründen an dem Bündnisse fest.„Diese Interessen geben dem Bündnis trotz aller Verschiedenheiten der Stimmungen, Meinungen und Jnter- essen überaus große Kraft und Festigkeit. Die Stärke dieser Jnter- essen mögen erwägen, wer in dem Wahn defangen ist, daß es auch ohne eine völlige«Veränderung der Machtverhältnisse möglich wäre, das Bündnis zu zerreißen." Erstaunlicherweise kommt Karl Mann nach dieser Versicherung mit einem verwegene«.: Gedankensprung dazu, nach?khlehnung Mitteleuropas den groß-deutschen Gedanken aufzunehmen und aus dem Stegreif die Zertrümmerung Oesterreichs zu verlangen:- „Die Deutschen in Oesterreich und im Reich sind ein Volk; sie können aus ihre enge«Verbindung nie verzichten. Aber die Demokratie kann die Ideale nicht verwirklichen wollen, in einem Herrschasissystem, das vierzehn fremde«Völker der deutschen Oberhoheit unterwirft, sondern nur in einer demokratischen Oft- nung Europas, die die Deutschen der Alpen- und Sudetenländer mit den Deutschen des Reiches vereint, aber zugleich in vierzehn anderen Völkern, die heute mittelbar oder unmittelbar unter deutscher Herrschast stehen, chr Selbstbestimmungsrecht gibt. Das «Bündnis in seiner heutigen Gestalt ist nicht ein Mittel, sondetn ein Hindernis, dieses Ziel zu erreichen." Mir dieser Ablehnung des deutsch-österreichischen Bündnisses vorbindet Karl Mann eine scharfe Polemik gegen Mittel- e u r o p a, das politisch die Teilung Europas in zwei feindlich: Heerlager verewige, Oesterreich-Ungarn ungeheure militärische Lasten auferlege, die österreichisch-ungarische Industrie dem dem- schen Wettbewerb preisgebe und Oesterreich-Ungarn in alle weit- politischen Händel Deutschlands ziehe. Deutschland fei im Gegen- satz zu den Cntenteswaten nicht imstande. Oesterreich-Ungarn Aus- landkredite und Rohstoffe zur«Verfügung zu stellen. In der Tat weift Karl Mann hier auf manchen beachtenswerte:: Punkt hin, der von den deutschen Befürwortern Mitteleuropas wegen ihrer einseitigen Festlegung auf reindeutsche Ge- sichtspukte vernachlässigt wird. So ist es, von dem politischen und anderen wirtschaftlichen«Bedenken ganz abgesehen, in Deutschland recht unbekannt, daß Oesterreich-Ungarn die Aussperrung von den billigen Geldmärkten der Weststaaten und der Vereinigten Staaten sehr unangenehm empfindet. Aber auf der anderen Seite kann doch nicht verschwiegen werden, daß der«Auffatz Karl MannS flüchtig geschrieben und nur mangelhaft durchdacht ist. Wir weisen nur auf zwei verblüffende Widersprüche hin, die harmlos aneinander- gereiht werden: Einmal werden die Gefahren Mitteleuropas für die öfterveichische Industrie geschildert, in dem nächsten Atemzuge wird der völlige, auch politische Anschluß des hochindustriellen Dmtsch-Oesterreich an Deutschland gefordert. So bedingungslose Freihändler innerfyrib Mitteleuropas sind nicht einmal Naumann, Renner oder Stolper. Der krasseste Widerspruch aber liegt wohl darin, daß i-n demselben Atemzuge, die Stärke des Bündnisses her- vorgchoben und die Zerreißung Oesterreichs gefordert wird. Dieses widerspruchsvolle Verhalte:: läßt nur den Schluß zu, daß sich der Verfasser über Wege und Ziele feiner«-Politik noch recht wenig in: Klaren befindet. Leiste Nachrichten. Der deutsch-französischc Gefangenenaustausch. Berlin, 8. Mai. Die auf Grund der Berner Konferenz zwischen deutschen«und französischen Delegierten am 26. Aprfl d. I. geschlossenen«Vereinbarungen über Kriegsgefangene und Zivilpersonen sind von beiden Regierungen genehmigt worden. Tie Verein- barungen werde» am 15. Mai in Kraft trete». Das Selbstbestimmungsrecht der Dobrudfcha. Sofia, 8. Mai. Staatssekretär v. Kühlmann empfing in der kafferlichen Gesandtschast drei«Vertreter der Vereinigung der Dobrudfcha, die ihm flire Unruhe darüber ausdrückien, daß der in«Bukarest geschlossene Friede den Bewohnern der Dobrudfcha nicht die sew artete«Vereinigung der gesamten Dobrudscha mft Bulgarien gebracht habe. Sie hegten trotzdem noch die Hoffnung, daß das mächtige verbündete Deutsche Reich den innigen Wunsch der«Be- wohner der Tobrudschq �nach Vereinigung mit Bulgarien umer- stützen würde. Staatssekretär v. Kühlmann erwiderte, der Friede von Bukarest habe die Verwirklichung eines großen Teils der bukga- tischen Bestrebungen mit sich gebracht. ES bestehe die berechtigte Hoffnung, daß der noch verbleibende Test dieser Be- strebungen in kurzer Frist gleichfalls verwirklicht werde. Die Kaiser- liche Regierung habe bisher stets diesen Wünschen vollkommene Sympathie entgegengebracht, GroßSerlw Hroßfeuer im ftäötifchen Getreidespeicher. 2.�0 Tonnen Getreide verbrannt. In dem Getreidespeicher des städtischen Gute? Groß- beeren ist in der letzten Nacht um 2 Uhr ein Brand ausgebrochen. Von den dort lagernden 500 Tonnen Getreide, das seiiens ver- schiedener Kominunalverbände zur Vermahlung in der mit dem Speicher verbundenen Mühle angeliefert war, ist etwa die Holste verbrannt, während die übrigen Menge» ebenso wie die im Speicher lagernden Mchlvorräte gerettet werden konnte«. Die Ursache des Brandes ist noch nicht sicher aufgeklärt, ist aber wahrscheinlich Selbstentzündung. Der Speicher war Tag und Nacht be- wacht. Die Wache war zuletzt um 1 Uhr nachts revidiert worden. So bedauerlich auch die Vernichtung eines größeren Ge- treidevorrats ist, so spielt die verloren gegangene Menge für die Ernährung Berlins doch keine allzu erhebliche Rolle, da sie nur einen Bruchteil dessen beträgt, was in Groß-Berlin an einem Tage an Brot verzehrt wird. Schuhe. Man schreibt uns: In den Scbublädsn prangen heute nur noch Holzpantinen aller»ivglichen oder besser unmöglichen Formen und Farben. Das merkwürdige ist nur, daß trotzdem ein Bürger oder gar eine Bürgerin, die hölzern beschuht ihre Pfade pilgern, zu den größlen Seltenheiten gehören. Das ist einerseits ein Beweis für das Funktionieren eines gewisicn Handels, der darum nicht schlechter klappt, weil er nicht legitim ist. Andererseits offenbart fich die Angst jedes Einzelnen vor der öffentlichen Annahme, keine Be- ziehungcu zu besitzen oder fich nicht rechtzeitig eingedeckt zu haben. Doch halt, nein— es gibt noch Stiefel, richtiggehende Leisetreter. Siebt man wo eine Ziviltsicnloinpagnie Männer angestellt, so handelt es sich um Zigarren, gleichartige Frauen- forinationeil aber sieben um Schuhe. Der Unlerichied ist nur der, daß das weibliche Bestreben, die Lederknappheit zu tgilorieren, un- gleich hartnäckiger ist. als die männliche Sehnsucht, das Lebcnsichifflcin mit Damps zu treiben. Nehmen wir an, eine Filiale von Tack oder Salamander hat Aussicht, zu unbestimmter Zeit am Mittwoch ein Dutzend Paar Schuhe hereinzubekommen. Eine offizielle Bekanntmachung dieser wichtigen Talsache erfolgt nicht. Trotzdem erscheinen schon am Dienstag abend um ö Ubr einige Frauen, durch Mäntel oder Umhängelücher gegen den Nachtfrost geschützt. Meist sühren sie noch einen Schemel mit sich und pflanzen sich vor dem Schuhladen auf. lim 10 Uhr erscheint wieder ein Trupp, um Mitternacht ein dritter. So geht das weiter bis zur Moroendämmerung. Um b Uhr ist das Viertelhundert schon wen überschritten. Frierend und mit vor Müdigkeit gläsernen Augen hocken die Frauen und warten. Die Bormiltagsionne kommt auf die Siraße und wärmt das fröstelnde Menschenbiindel etwas auf. Dia Aussichten werden ent- wickelt, es werden Tabellen aufgestellt, wann und wieviel Schuhe es gestern oder vorige Woche gegeben hat. Die landläufige», ver- bürgt richtigen Anstandsgeschichten werden erzählt, von der Kom- nierzienrätin, die ein Paar Stiefel für ein Dutzend Eier soder ein Schock) bekommen hat, oder umgekehrt von dem Schuhfräulein, daS Limburger State zentnerweise in ihrer Kommode liegen hat. Vormittags 10 Uhr. Zwei Damen in Seide rauschen an. Ein ehrfürchtiges Raunen geht in der Runde. ,Det sin de Schuhfrolleins!" Mittag. Ein Postwagen fährt vor. Zwei, drei Kartons werden in den Laden getragen. Eine Kundige rechne!:.In jedem Karton find acht Paar. Macht vierundzwanzig Paar. Wer nicht gleich zuerst rankommt. kriegt keine; wenigstens keine passenden.' Allgemeine Unruhe entsteht. Stimmen werden laut, keifend und nnliebeiiswürdig..Jcstatten Se jesälligst, ick war vor Ihnen da.' .Ach wat, quatschen Se nich...!' Schließlich schwebt der Geist schlichtender Obrigkeit über den schäumenden Wassern der Erregung. Unter dem Geheul der Zurück- bleibenden wird eine Gruppe Frauen in den Laden ge- lassen, darunter eine Hochichwangere mit dem VorzugSichein. Der unverschämte Zuruf einer noch ziemlich grünen Göhre läßt fie tief erröten. Hitziger und immer unerguicklicher wird die Stimmung, bis schließlich die Schuhe olle sind. Unier allgemeinem Schimpfen löst sich die Giuppe der Zurückgebliebenen aus! ,Wa sind zu spül jekoinmcn,' jagt eine,.heut abend bin ick um achte hier...' Der Versand von Fekbpoflpäckchen im Gewicht von 50— 550 s Gramm an die Westfront ist wieder freigegeben. 91 Millionen Mark Kricgslasten in Reukölln. Die Ausgaben! der Stadt Neukölln für Kriegsunterstützungen betrugen im Monat April 1018 2 886 355 M. und seit Kriegsbeginn bis jetzt 66 073 448 M. Die Mietbeihilfen erforderten bisher 13 227 578 M., während für Zwecke der freiwilligen Kriegswohlfahrtspflege 827 241 M. aufgewendet wur- den. Zur Besolirnng der während des Krieges neu eingestellten Hilfskräfte und zur Gewährung von Teuerungszulagen wurden bis jetzt 4 016 551 M. verbraucht. Die öffentliche Massen speisung erforderte seit ihrer Einrichtung einen Zu- schuß von 1 093 000 M. Di« Gesamtaufwendungen für Kriegs- ausgaben haben nunmehr die Höhe von 94 420 533 M. erreicht. Grostfcticr in Reinickendorf. Großfeuer kam am Mittwoch aus noch nicht ermittelter Ursache in Reinickendorf-Ost zum Ausbruch und machte den Feuerwehren von Ost- und Wcst-Reinickenborf so viel zu schaffen, daß auch die Berliner Feuerwehr um Hilfe gebeten wurde. Der Dachstuhl des großen modernen Mietshauses Hansa- stcaße 13 stand mit dem oberen Geschoß in Flammen. Es konnte bei dem herrschenden starken Winde nicht mehr verhütet werden, daß ver Dachstuhl total niederbrannte. Die oberen Stockwerke haben etwas gelitten. Mit den Kindern in den Tod. Aus unbekannt gebliebener Ursache hat sich Himmelfahrt früh um 5 Uhr die 30jährige Witwe Martha Lade in ihrer Wohnung, Böckhstr. 8, mit ihren Kindern durch Oeffnen der Gashähne vergiftet. Die herbeigerufene Feuerwehr stellte sofort Wiederbelebungsversuche an, die indes nur bei der Mutter von Erfolg waren, zwei Knaben im Alter von 5 und 7 Jahren waren schon tot. Gefährliche Kinderfreundr. Ein dunkles Treiben erregte seit einiger Zeit Verdacht in der Nachbarschaft eines Uhrmacherladens in Wolliner Straße. Es fiel auf, daß in dem Laden, der von einem angeblichen Otto Klein gefuhrt wurde, zu jeder Tageszeit kleine Mädchen zu treffen waren. Beobachtungen zeigten, daß sich diese auch längere Zeil in den Hinterräumen aufzuhallen pflegten und dann wieder verschwanden. Zu den ständigen Gästen im Laden gehörte auch ein gelvisier Paul Schulz, der wegen Sitt- lichkeitsverbrechcn wiederholt bestraft ist, sich aber, um über seine Person zu täuschen, den Namen �seines unbescholtenen Bruders Johannes beilegte. Ruch andere Männer, die Verdacht erregten, gingen in dem Laden aus und ein. Endlich erzählte ein Kind, das hineingclockt worden war, der Mutter, was ihm in einem Hinter- zimmer geschehen sei. Die Kriminalpolizei beobachtete nun den verdächtigen Verkehr. Es ergab sich, daß der angebliche Klein, der als ein Soldat Karl Heck entlarvt wurde, und Schulz im H u m- b o l d t h a i n Mädchen an sich lockten und die Kleinen durch alle möglichen Versprechtingen und Vorspiegelungen veranlaßt«, zu ihnen zu kommen. Sie selbst und auch andere Männer, mit denen sie in Verbindung standen, vergingen sich dann fortgesetzt an den Mädchen, bis jetzt das scheußliche Treiben aufgedeckt wurde. Die beiden Unholde wurden verhaftet und den zuständigen Gerichten übergeben. Auf dem Dach verhaftet wurden zwei jugendliche Klingelfahrer, die sich als gewandte Klctterkünstler betätigten. Während eine Frau aus der Schöntvalder Straße auf ihrer Arbeitsstelle war, drangen Einbrecher in ihre Wohnung ein, packten alles, was mitnehmenSwert war, zusammen, beschmutz- t e n nach Art der gewerbsmäßigen Verbrecher die Räume und standen eben im Begriff, sich mit der Beute zu entfernen, als Haus- bewohner auf sie aufmerksam wurden. Die Eindringlinge, die sich jetzt überrascht sahen, schlossenjmsch von innen ab und kletter- ten aus dem zweiten Stock an einem Mauersims entlang auf das Dach desNebenhauses. Einem ge- lang es noch, von dort zu entkommen. Die beiden anderen wurden auf dem Dach ergriff en und derPolizei über- geben. Sie wurden festgestellt als ein Arbeitsbursche Emil Stanelski und ein Schmied August Förste. Alle drei waren von Spandau herüber gekommen, um in Berlin auf die Klingclfahrt zu gehen. Reinickendorf. Lebensmittel. Die«wf Grund der Nähr- mittelkarte A— D für Kinder bereitgestellten Waren ge- langen wie folgt in den amtlichen Verkaufsstellen zur Verteilung: Auf Nährmittelkarte A berechtigt der Mai-Abschnitt zum Empfang von 2 Paketen(1 Pfd.) K i n d e r g e r st e n m e h l und Ab- schnitt 1 A zum Bezüge von 3 Paketen Zwieback. Ausgabe am 14. Mai d. I. Auf Nährmittelkartsn L— D berechtigt der Abschnitt Mai zum Empfang von je 3 Paketen Zwieback. Ausgabezeit für Karte B am 15., Karte C am 16. und Karte D am 17. Mai d. I. Die Ausgabetage sind unbedingt innezuhalten. Gegen Abstempelung des Abschnittes 7 der grünen AusweiSkarte wird 1 Dose londenfiertc Milch ver- abfolgt. Ausgabetage: Familienanfangsbuchstaben A— E am 14. bis 16. Dcai, F— H am 17.— 18. Mai. I— N am 20.-23. Mai, O— Z am 24.-25. Mai. Können diese Tage nicht innegehalten werden, dann erfolgt die weitere Ausgabe ab 27 Mai d. I. Es ist genügend Vorrat vorhanden und jeder Zudrang zu den Verkaufsstellen ist zu vermeiden. Ferner haben wir einen kleinen Vorrat an Nährmitteln für schwacbe Säuglinge, den wir gegen im Zimmer 23 des Ernährungsamtes auszufertigende Bezugscheine abgeben wollen. Es handelt sich um Kindermehle und Ntalzpräparate. Nahnrnttel- karte und Geburtsausweis sind mitzubringen. Wilmersdorf. Lebensmittel. Von Donnerstag, den 9., bis Mittwoch, den 15. Mai, werden an diejenigen Wilmersdorfer Ein- wohner, die in die Spcisefettkundenlisten der in den Bezirken der Brotkommissionen 4a 4b und 6b in Berlin-Wilmersdorf gelegenen Geschäfte eingetragen sind, je 125 Gramm Käse gegen Vorzeigung und t'lbstcmpelung der zurzeit gültigen Speisefettkarte verteilt. Zur Verteilung kommt: pommerscher Weichkäse zum Pfundpreise von 1,34 M. oder Landkäse zum Pfundpreise von 1,29 M. Die Geschäfte sind durch ein Aushängeschild:.Verkauf von Käse der Fettstelle Groß-Berlin' gekennzeichnet.— Von Mittwoch, den 8., bis einschließlich Mittwoch, den 15. Mai, worden auf Abschnitt V der Bezugskarte für Einzelpersonen(5. Ausgabe, blau) 125 Gramm Dörr-Steckrüben für 0,34 M. und 75 Gramm Dörr- Weißkohl zum Preise von 0,33 M. abgegeben. Tie Entnahme der Ware hat in dem Geschäft zu erfolgen, wo die Voranmeldung durch Abgabe des Abschnittes T bewirkt worden ist. Im Sportpark Treptow kamen gestern boi prächtigem Sonnen- schein und einem Rekordbesuch durchweg erstklassige Radrennkon- kurrenzen zur Entschoidung. Das reichhaltige, gut zusammengesetzte Programm umfaßte zwei Dauerrennen i&er je 31 Vi Kilometer (je 5 Meilen), in denen unter anderen unsere besten Dauerfahrer Stellbvink, Bauer, Kvupkat und Pawke um die hohen Diegespreife rangen; außerdem den Maien preis für Flieger mit Rütt, Lorenz und Schräge am Start, und ein Prämien- und Zweisttzcr-Haupt- fahren für Flieger. Abgesehen von einigen Mowr- und Rad- schäden, wodurch die davon betrossuien Fahrer stark benachteiligt wunden, nahmen die Rennen einen glatten und überaus spannenden Verlauf, so daß die erschienenen Liadsporrbebhaber vollauf auf ihre Kosten gekommen sein dürften. Resultate: Maienprois für Flieger, 900 Meter: 1. Rütt, 1 Min- 54 Sek., 2. Lorenz, 3. Wegener, 4. Rudel. Schräge, der sich in den Vorläufen ebenfalls für den Endlauf plaziert hatte, konnte an diesem infolge Radschadens jedoch nicht toilnehmen.— Preis von Lankwitz, 87H Kilometer: 1. Pawke, 34 Min. 6 Sek., 2. Wiewerall 1140, 3. Stellbrink(Nadschaden) 3060 Meter zurück, Przyrembel aufgegeben— Prämienfahren, 12 Bahnrunden: 1. Rütt, 6 Min. 44 Sek., 2. Wegener, 3. Sawall 1, 4. Tennigkeii.— Zwei sitzer-Haupt- fahren, 2400 Meter: 1. Häuieler-Zlbraham. 4 Min 22 Sek., 2. Tetz- laff-Tenniigkstt, 3. Rabe-Rädlitz, 4. Schulz-Bedhke.— Preis von Döberitz, SlVe Kilometer: 1. Krupkat, 33 Min. 1 Sek., 2. Wittig 940, 3. Bauer(Radschaden) 1060 Meter zurück. Hoffmann sah sich ge- zwungen. das Nennen infolge Motorschadens und in Ermangelung eines Ersatzmotors aufzugeben. Allgemeine Kranken- und Sterbekassc der Metallarbeiter B.a.G. Hamburg. Filiale Baumschulenweg. Den Mitgliedern, welche in Treptow wohnen, zur Kenntnis, daß am Sonnabend, den 11. Mai. abends von 8lh— 10 Uhr, im Lokal von Boche, Elsenstr. 101, Ecke Kiefholzstraße, kasiiert wird. Freireligiöse Gemeinde. Sonntag, den 12. Mai, vorm. 9 Uhr, Pappelallee 15— 17, Neukölln, Jdealtasino, Weichselstr. 8, Ober- schöncweide, Wilhelminenhofstr. 43 bei O. Pomp: Freireligiöse Vor- lcsungcn. IQsh Uhr, Kleine Frankfurter Str. 6: Vortrag von Frau Marie Krische:„Was muß der moderne Mensch bei der Ehe- schließung berücksichtigen?' Gäste willkommen. WetterauSfichten für das mittlere Norddeutfchland bis Sonn- abendmittag. Im Osten größtenteils heiter und trocken, in der Nacht zu Sonnabend kühl, in den Tagesstunden überall ziemlich warm, im Westen vorübergehend bewölkt und strichweise leichte Gewitterrsgen. Verantwortlich siir Botitil: Erich fluttner, Verlin: für den übrigen Teil des VlatteS- Alfred Scholz, Neulältn: für Anzeigen: Thcodar Glocke, Verlin. Verlag: Vorwärts-Verlag G. ur b. Berlin. Druck, Vorwärts-Buchdruckerei und Berla�anstalt Paul Singer u. Co. in Berlin. Lindeiistrabe 3. veuticher liietailarbelter- Oerband. Vorwaltungsstelle Berlin. Den Mitgliedern zur Nach- richt, daß unjer Kollege, der Gürtler frsni Yizenz Neukölln, Prlnz-H andjery-Straße 8 am ö. d. Alis, gestarbeu ist. Die Beerdigung studet am Soimabcud, den 11. d. MtS., uachmiitagZ 3 Uhr. von der Leichenbaile des Gemeiudc- sr iedhoses.MaricndorscrWcg. aus stall. Rege Beteiligung wird er. wartet. Kacbrnl. Den Mitgliedern serner zur Nachricht, daß unscr Kollege, der Schlosser BerMkum Knoll Schöneberg, Sedanstraße 50 am 27. April gestorben ist. Ehre ihrem Andenken! Die Ortsverwaltung. Oerband der Gait- und | Schankwirte Dcui[chland$.| Zahlstelle Berlin. Den Mitgliedern zur Nach- j richt, daß der Kollege Ärnoiü Krusche! j Swinemünder Str. fl, Bez. 2,| verstorben ist. Ehre seinem Andenken l Die Einäscherung findet I am Sonnabend, den lt. Mai, j nachmittags 4 Uhr. im Kre- malorium. Gcrichtstr., statt | Um rege Beteiligung ersucht � Die Ortöderwaltung. Verband der Schneider, Schneiderinnen u. ASiche- arbeiter Beutichlands. Filiale Berlin. Unseren Ttsttgliedern hiermit zur KenuklnS, daß der Hcrreumaßfchneider, Kollage Fani Hoffmann geb. 13. 4. 1885 am 6. Mai verstorben ist. Ehre seinem Andenke»! Die Beerdigung findet ani Sonnabend, den 11. Mai. nachmittags 3 Uhr, von der Leichenhalle des St. Simon- und Lucaskirchhojes in Britz, Teoipelboscr Weg, aus statt. Die Drisverwalwng. Am Sonntag, den 5. Mai, morgens ff, 6 Uhr, verschied unser treues Mitglied �nzo'lü Kruschsl Swinemünder Str. 109. Die Emäfchcrung finde» am Sonnabend, den II.Mai, nachmittags 4 Uhr, im Kre- matornim Berlin, Gericht- siraße S7/38, statt. Am Sonnabend, den 4.Mm, verschied unser treues Mit- giied Marie Schmidt Lichtenberg, Riitcrgutstr. 25. Die Einäscherung findet am Montag, den 13. Mai nachmittags 5 Uhr, im Kre- malorium Verlin, Gericht- irraße 37/38, statt. Friede ihrer Asche! Variete und Lichtspiel-Theater Sehloßbrauerei Schöneberg üaaptstr. 122-123, Direktion: Grnst Krämer and James Heyer. Jeden Freitag vollständig: neues Programm! Heute das große Programm. ISeglnn Sonntas.s 41 Chr. Wochentag» O Uhr. Konzert O yars@t@ O UchispieBe Täglich Vor» teil mi�cn im neu renovierten Theater- PrachtHaal, bei üchöncm Wetter im ca. QOOO' Personen fassenden herrlichen Katurz-arten. Möbelfabrik Bob. Seelisch BERLIN 0 112, Rigaer Str. 71-73a »mpfiehlt grate preiswerte.TlUbcl. Einrichtungen in jeder Preislage. 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