Nr. 132. 33. Jahrg. Bezugspreis: Liorteliährl. 4,50 Mi. monatl. frei ins Haus, vorausiah lbar-Einzelnc Nummern 10 Psg. Postbezua: Monal- Iich IM Ml. Unter Kreuzband für Deutschland und Oesterreich- Ungarn L," Mi, für das übriAe Ausland 4,50 Mi. monatlich. Versand ins Feld bei direkter Bosiellunh monail. ILO Mi. Poitbeilellungen nehmen an Däne- mark. Holland. Luxemburg. Schweden und die Schweiz. Etngetragen in die Post-ZeituugS- Preisliste. Erscheint täglich. Telegramm- Adreffe: »Toxialdemokrat Berlin". (_10 Pfennig d Vevlinev VolksblAtl. ZcntvaXovgnn der fozialdcm ohrati fd>en parte» Deutfcblands. Anzeigenpreis: TiesiebengesballeneKolonelzeilekoslet 80 Psg.„Kleine Anzeigen", das setiaedniiiie iSor, 30 Psg. szulässig 2 fetlgedruckte Äorlel. tedes weilere Bort 15 Psg. Siellengeiuche und EchlassteEeuaitzeigen das erste Bon 20 Psg., tedes weitere Wort>0 Ptg. Vörie über 15 Bmhitaben zählen tii: zwet Vörie. Tetterungsztiichlag 200io. Familien-Anzeigen, oolilische und pewerkschaiilithe Pereins- Anzeigen 00 Psg. die djeile. Anzeigen jiit die nächste Nummer müssen bis 5 lllir nachmittags im Hanvtgeschäkl Perlin SV. 08, Lindenslrage 8. abteaeben werden. Geöstnet von 8 Uhr srüh bis 7 Uhr abend!. ror: Reöaktiou: SW. HS, Linüenstraße 2. Fernsprecher: Amt Mortdpla». Rr. 181 ÜO— 15197. Mittwoch, de« 15. Mai 1318. Expeüttioa: EW. öS, LmSenstraße 2. Fernsprecher: Amt Moriltpsap. Str. 1S1SV— 15197. vT, Tille Cffablrechtsanträge abgelehnt! Tas Abgeordnetenhaus lehnte gestern in namentlicher Ab- stimmnng mit 236 gegen 185 Stimmen die Wiederherstellung des gleiche» Wahlrechts nach der Regierungsvorlage ab. Darauf wurde der Antrag L o h m a u n mit 336 gegen 73 gleichfalls abgelehnt. Der Ansschnßbeschluß verfiel ebenfalls mit 226 gegen 161 Stimmen der Ablehnung. Ein Beschlnfi über die künftige Gestalt des Wahlrechts ist also überhaupt nicht zustande gekommen! Daraufhin gab Vizepräsident des Staats mini st eriums Dr. Friedberg nameuS der Regierung folgende Erklärung ab: Die Staatsregierung hält nach wie vor an dem gleichen Wahlrecht unverrückbar sc st und ist cnt- schloisc», zu seiner Durchführung alle vrrfassungS» mäßigen Mittel in Anwendung zu bringe».(Leb- haftcr Beifall links und im Zentrum.) Sie ist jedoch ebenso der Ailffassung. daß das Herrenhaus als gleichberechtigter Faktor der Gesetzgebung zu dieser für unser ganzes Staats- und Bcrfassungs- leben grundlegenden Frage Stellung nchmcu muß, zumal auch die Neuordnung drS Herrenhauses selbst einen wesentlichen Teil dcS gr- planten RcformwcrkcS bildet. Demgemäß wird auch daS H crrenh aus mit der Borlage befaßt werben. Sollte dieses dem geordneten Gange der Gesetz- gebung entsprechende Bcrfahrcii, entgegen der Erwartung der Staats- rcgicruiig, innerhalb gemessener Frist nicht zur endgültigen Annahme des gleichen Wahlrechts führen, so wird die Auflösung des Hauses zu dem ersten Zeitpunkt erfolge», zu dem dicS nach pflichtmäßigcm Ermessen der Staatsregicrung mit der Kriegslage vcrträg- l i ch i st. sLcbhaftcr Beifall links und im Zentrum.) ** * Hätte der Beschlutz oder Nichtbeschlutz des hohen Hauses einen Sinn, so würde er bedeuten, datz überhaupt keine Acnderung eintreten soll und datz es beim Drei- klasscu Wahlrecht fem Bewenden hat. Das wäre natürlich der Mehrheit die bei weitem angenehmste Lösung. Da aber das Dretklassenivahlrecht nicht bleiben kann, so ist der Beschlutz überhaupt sinnlos, sinnvoll nur als öffentliche Erklärung der gesetzgeberischen Impotenz. Mit dem Besen mützte man diese Gesellschaft nach Hause jagen! Wäre da Herr Friedbcrg aufgesprungen, um diese not- wendige Exekution schleunigst zu vollziehen, drei Viertel oder neun Zehntel des deutschen Volkes hätten aufgejubelt. Aber ach, auf dem Weg zur frischen Tat liegt für das Königlich Preutzische Staatsministerium das„pflichtmätzigc Ermessen..." Darum wird fortgewurstelt! Statt an d»s Volk appelliert die Regierung— an das preutzische Herrenhaus! Es lätzt sich schwer sagen, mit welchem Matz von Vertrauen die grotzen Massen den Fortgang dieser Prozedur verfolgen, das preutzische Herrenhaus ist ihnen ja seit je als Hort der Freiheit und des Fortschritts bekannt. Die werden es schon schaffen! Wenn es aber auch dort nichts wird, dann— was dann? Dann wird die Regierung auflösen— sofort � Nein? So- bald dies nach ihrem pflichtmätzigen Ermessen mit der Kriegslage verträglich ist! Aber ist denn das, lvas wir jetzt erleben und was unr noch droht, mit der Kriegslage verträglich V Man will des Volksseele Aufregungen fernhalten, sie ins Krankenzimmer sperren, in das kein rauher Laut dringt, schafft ihr aber durch dieses Verfahren immer nur neue Ausregungen. Auflösung wäre setzt Erlösung. Fortsetzung des Spiels, das im Preutzi- schcn Landtag getrieben wird, heitzt Fortsetzung des Druckes, der Spannung, Vertiefung des allgemeinen Mitzbehagens bis zu einem noch unerreichten und unbekannten Punkt. Das soll mit der Kriegslage verträglich sein? Und die Auflösung nicht? Es ist klar, datz die Regierung auf ein Komproniitz zu- steuert. Sie hat vor den angeblichen Gefahren der Neu- wählen, die sich jetzt noch ruhig abspielen würden wie in der Kirche, eine unbeschreibliche Angst. Sic ist geneigt, um die Auflösung zu vermeiden-�sver weitz>vas für Zugeständnisse zu machen. Alle Sicherungen, durch die statt der Wähler die Gewählten rechtlos gemacht, nnt Zweidrittelniehrheit-Klauselu gebunden und geknebelt werdeil sollen, sind ihr recht. Und schon hat. am Montag. Herr Friedberg die Entdeckung gc- macht, datz auch die Mehrheitsstimmen für das Alter mit dem Prinzip des gleichen Wahlrechts vereinbar sind. Was kann da alles noch kommen? Frage ist nur. ob die Rechte bei der vierten Lesung oder im Herrenhaus das Geschäft niackst, zu dem ihr die Verständigungsgeheimräte zureden wie einem kranken Pferde. Sie sagen ihr, hier sei für sie die unwiderruflich letzte Gelegenheit gegeben, ihr Schäfchen ins Trockene zu bringen. Wenn ein Teil der Rechten schlietzlich doch für ein gleiches Wahlrecht stimmt, das keines mehr ist, so tut er es nur aus Hätz gegen das wirkliche, unverfälschte gleiche Recht, aus Furcht vor einer Vergebliche englische Angriffe bei Giveuchy — Deutscher Vorstoß zwischen Somme und Ancre. Berlin, 14. Mai 1918, abends. Amtlich. Erfolgreicher örtlicher Vorstoß in die eng- tischen Linien auf dem Nordufer der Somme an der Straße Bray— Corbie. Heftige Gegenangriffe des Feindes scheiterten. Sonst nichts Neues. Amtlich. Große? H a u p t q u a r t i e r, 14. Mai 1918.(W. T. B.) Westlicher Kriegsschauplatz. An den Kampffronten ließ die in den frühen Morzenstunden gesteigerte Fcnertätigkcit im Laufe des Bormittags nach. Am Abend lebte sie wieder vielfach auf. Nach heftiger Feuerwirkung nördlich vom La-Bassöe-Kanal versuchten die Engländer am Abcild starke Tcilangriffe gegen unsere Stellungen nördlich und südlich von G i v c n ch y. Sic wnrdcn verlustreich zurück- geschlagen. Die ErkuudnngStätigkcit blieb rege. Bon den anderen Kriegsschauplätzen nichts Neues. Der Erste Generalqnortiermeister. ______ Ludendorff. Der österreichische Bericht. Wien, 14. Mai 1918. Amtlich wird verlautbart: Die Gefechtstätigkeit an der italienischen Gcbirgsfront gleicht der der letzten Tage. Der Chef des General st abeS. tiefer greifenden Demokratisierung, aus schlauer Berechnung, datz hier die letzte Gelegenheit gegeben sei, den Volkswünschen einen Strick zu drehen. Die Matadorc dieser Verständigung buchen den gestrigen Tag als einen Gewinn. Denn erstens ist die Mehrheit, die sich an das Kompromitz des Vorjuli klammerte, zerschlagen, durch den Abfall der Rcchtslibcralen zur Minderheit gemacht. Zweitens sind für die Brücke, die ans rechte Ufer führt, schon einige Pfeiler eingerammt durch die halbe Zustimmung der Regierung zum Mchrstimmcnrecht des Alters, durch die Annahme des Zentrumsantrags auf V e r- e w i g u n g der Wahlkrciscinteilung, durch An- nahnie des iveitcrcn Zentrumsantrags. künftige V e r- sassungsänderungen von Zweidrittel-Mchr- heitsbeschlüssen abhängig zu machen. Jetzt handelt es sich nur noch darum, alle möglichen Gesetze für Bestandteile der Verfassung zu erklären, dann sind die „Sicherungen" fertig. Viag also die Regierung ihr Glück versuchen, nur da- rüber soll sie sich nicht täuschen, datz der erhoffte moralische Gewinn für sie auf diesem Wege bis auf den letzten Rest zum Teuiel geht. Wird die Wahlrechtsvorlagc verstümmelt, nun ivohl, das Volk wird auch mit diesem zerbrochenen Schwert kämpfen, es»vird das �abcr in ganz andere m Geiste und in ganz anderer Stimmung tun. als wenn ge- gebcne Versprechungen loyal erfüllt worden wären. Es wird eine preutzische Verfassung, der in jedem Zug die Kenn- zeichen eines gequälten Schachergeschäfts anhaften, nicht als ein Geschenk von oben betrachten, sondern als eine Abschlags- zahlung, die einem zähen Schuldner mit Hängen und Würgen entrissen worden ist, und weit davon entfernt, sich über das Erreichte zu freuen, wird es au dem Fehlenden den harten Geiz eines Gegners erkennen, gegen den der letzte Kampf noch lange nicht ausgefochten ist. Ganz vertieft in die Kniffe und Pfiffe deL parlamentarischen Kulissenspiels, scheint die Regierung den letzten Zu- sammcnhang mit den Empfindungen der breiten Massen vcr- licrcn zu sollen. Die haben für die Vorgänge in der Prinz- Albrechl-Stratze längst kein Verständnis niehr. sie blicken mit Biitztrauen und Entrüstung auf das unwürdige Spiel, das dort mit Volksrcchten gespielt wird, sie wünschen, datz endlich, endlich einmal reiner Tisch gemacht wird. Die Regierung freilich denkt ganz anders. Im Anblick der breiten Lücke, die die dritte Lesung ihrer Wahlrechts- vorläge geschlagen hat, erinnert sie sich vielleicht des alten Scherzworts:„Wie macht man eine Kanane?"„Man nimmt ein Loch und gietzt Metall herum!" Das„Vakuum" schafft freien Raum für das Stückwerk und Flickwcrk eines mühsam erkünstelten Kompromisses. Wir haben vor der Erfahrung der regierenden Herren in parlamentarischen Kuhhändeln alle mögliche Hochachtung. denken aber an das Wort Lassallcs, datz es vergeblich ist, in grotzen Dingen schlau zu sein. Die Verachtung des Volkes wird diese skrupellose ParlamcntSmchrheit begraben, aber die Regierung wird sich kein Vertrauen gewinnen, die nnt dieser Mehrheit immer wieder zu paktieren versucht, die statt zu handeln verhandelt und über pflichtmätzigen Erwägungen nicht zu pflichtmätzigen E nt sch lü ss e n kommt, wenigstens nicht zu d e m Entschlutz, der längst nottut. Während das hohe Haus der Abgeordneten nach soviel leerem Theater zur nüchternen Tagesordnung der Geschäfte. Punkt Gestütsordnimg, übergeht, bleibt die Frage eines freien P r c u tz e n der Zukunft auf der Tagesordnung des Volkes, um nie wieder von ihr zu verschwinden. Kommt es dennoch zur Auflösung: wir sind bereit! Kommt es zu oiucm Kompromitz, ivir bleiben erst recht bereit! So oder so. es wird uns nichts geschenkt, alles müssen wir erst erkämpfen!___ Die politische Konferenz im Hauptquartier. Der österreichische Kaiser ist schon am Dienstag wieder in Wien eingetroffen, die Besprechung war also nur kurz, und der Bayernkönig scheint nur nachträglich dazu gekommen zu sein, um den Schaden zu- besehen. W. T. B. gibt einen Wiener Blätterkommentar»viedcr. auS dem man nicht viel klüger tvird. Mitteleuropa und VölkerbundSgedanke werden dort in folgender Weise zusammengeschmolzen:„Dieses Verteidigungsbündnis hat im Rahmen des Völkerbundes, wie ihn die Entente angeblich anstrebt, vollen Platz. Ter Völkerbund will Schutz gegen künftige Kriege. Der Z w e i b u n d will nichts anderes, als sich gleichfalls gegen künftige Kriege schützen: sein Grundgedanke ist der- selbe wie der des Völkerbundes. Es ist klar, datz bei der Erörterung der Bündniserneuerung auch eine Reihe von Fragen politischer, militärischer und wirtschaftlicher Natur, die im engeren Zusammenhang hiermit stehen, besprochen werden mutzten." W. T. B. gibt weiter eine Reihe mehr oder minder offiziöser deutsch-österreichiseyer und magyarischer Presse- stimmen. Es sind immer dieselben Blätter, die zitiert wer- den, slawische Stimmen fehlen. Die wirtschaftlichen Abkommen zwischen Deutschland und Rumänien. Auf Grund des Artikels XXIX des FrzedeuSvertrageS if zwischen Deutschland und Rumänien unier dem 7. d. Mts. ein l>e. sondereS Abkommen über die künftige Siegelung der wirtschastlicheii Beziehungen, des Eisenbahnverkehrs. dcS Post- und Telegraphen- Verkehrs sowie über eine Werftanlagc in Giurgiu geschlossen worden- Die verlragschlietzenden Teile verpflichten sich, weder direkt noch indirekt an Maßnahmen t e i l z u- n c h m e», die auf die W e i t e r s ü h r u n g der Feindseligkeiten aus wirtschaftlichem oder finanzicllem Gedicte abzielen und innerhalb ihres Staatsgebietes solche lviaßnahmen um allen ihnen zu Gebote stehenden Mitteln zu verhindern. Die während des Krieges feil- gesetzten Zollbefreiungen sollen nach länger ausrecht er- hallen und weiter ausgedehnt, Bevorzugungen dritter Länder wieder ausgehoben oder ans den anderen Teil ausgedehnt werden, wobei jedoch keiner Anspruch erbeben wird ans die Be- günstigungen, die an zollverbündete Länder gestaltet werden- D i e A ii>v c r b u ii g von ländlichen Arbeitern und Handarbeitern soll gestattet sein. Die Angehöiigen dcS Deutschen Reiches, sowie Gesellschaften sollen bewegliches Vermögen jeder Art. sowie unbewegliches Vermögen in den läud- lichcn Städten erwerben, unbewegliches Vermögen in den länd- liehen Gemeinden pachten diirscn und im Betriebe von Handel, Gewerbe usw. leinen weiteren Veschiänkiingen oder Lasten unter« worfen sein, als die am besten gestellte Klasse der Einheimi- scheu. Die d e u t s ch e n B c f ö r d e r u n g S u n t e r n e h m u n g e n sollen hiusichilich deS AuSlvanderungögesetzcS die gleichen Rechte geiiiegen wie die Rumäniens oder eines anderen Landes. Der Handels-, Zoll- und SchiffayrtSvertrag von 189Z soll wieder in Kraft treten und bis zum 31. Dezember 1930 in Geltung bleiben. Es werden ihm eine Anzahl neuer Artikel eingefügt. Das Abkommen über die Eisenhahufragen regelt die Zahlungsvetpflichluiigeii auS der Zeit vor dem Kriege, die'Rückgabe oder Ersetzung deS EisenbahmnaterialS, das bei Ausbruch dcS Krieges auf dem Gebiete deS anderen Teils sich befand, die Förderung des gegenseitigen Verkehrs auch durch Ilittersiiitziing der rumänischen Eisenbahnen beim Wicdcraufdan ihics Be- tricbeS, die Frachtsätze für die Einfuhr und Durchfuhr deutscher Waren usw. Mit Bezug aus das Post- und Tclcgraphcnwcscn ist vereinbart. daß Rumänien auf Grund des Artikels 21 deS WellpostvcitrageS mit Deutschland ein S o n d e r a b t o m m e n für den Post- verkehr schließen ivird, wonach Deutschland nicht ungünstiger ge- stellt wird, als ein an Rumänien nicht unmittelbar angieuzeudcö Land. Weitere Bestimmungen beziehen sich auf den Bau der dritten «»mittelbaren Telegraphenleitung zwischen Berlin und Bukarest, auf die Einrichtung des F e rn sp r e ch v e r k e h r S zwischen Deutschland und Rumänien, auf den Funispruchverkehr, auf die rumänische Teilstrecke des Kabels K o n st a n t i n o p e l— K o n st a n z a— B u k a r e st— B e r I i n, auf etwaige weitere Kabel nach Kon- stantinopel, und erteilen der deutschen Regierung das Alleinrecht, bis Ende ISSO an der rumänischen K ü st e Kabel landen zu lassen. Für den Bau einer Wcrstanlage verpachtet die rumänische Regierung einer vom Deutschen Reich zu bezeichnenden Gesell- schaft ein am Winterhafen von Giurgiu gelegenes Staatsgelände zunächst auf die Dauer von 40 Jahren vom Tage der Ratifikation des Friedensvertrages ab. Der rumäni- scheu Regierung wird eine Kapitalbeteiligung von mindestens 30 Proz. zugesichert. Süüköukajzens AnübhängigkeitserklaruKg« K o n st a u t i n o p c l, 13. Mai. Die Agentur Mitti meldet: Cisknukasicn hat seine Nnabhttngigkeit erklärt. Seine Abgesandten in Koustautinopel haben diesen Beschluß der Kaiserliche» Regiernug bekanntgegeben und den verbündeten und neutralen Staaten telegraphisch mitgeteilt. Es handelt sich bei dieser Unabhüngigkeitscrklärung vor allem um das von georgischer Bevölkerung bewohnte Gebiet, dessen Hauptstadt Tislis ist. Die türkische Presse wies nach der Besetzung von Bakum mit lebbnsten Wünschen ans das nun eingetretene Ereignis hin, das für die Sicherung des von den Türken wiedergewonnenen armenischen Gebiets und dann vornehmlich für die feste Verbindung von Batum und Baku, also von Schwarzem Meer und Kaspisee, unbedingte politische und wirtschaftliche Notwendigkeit ist. Damit ist aber auch seine Bedeutung für die werdenden mitteleuropäisch-mittelasiatischen Beziehungen gekennzeichnet. ßimüfmö und Rußland. Woffs Vurrau teilt mit: Nach verschiedenen Prcsscmcldmizen lollten Abteilungen der weißen finnischen Garde an mehreren Stellen die russisch-finnische Grenze überschritten s'abcn und bis Sestrorieck und Pargolowo vorgedrungen sein. Wir sind zu der Feststellung ermächtigt, daß diese Nachricht jeder Begründung entbehrt. Ein Ueberschreiten der russischen Grenze in der Richtung auf Petersburg hat nicht stattgefunden. * Wie„Svenska Dagbladet" aus Helsingfors erfährt, wurde am Sonntag die finnische Flagge über Svcaborg gehißt. Präsident Svinhufvud betonte in einer kurzen Ansprache, daß vor hun- turtzefm Jahren die schwedische Fahne der russischen habe weichen müssen, während jetzt zum erstenmal die finnische Fahne über der Stadt wehe. Außerdem teilte Svinhufvud mit, Sveaborg solle zu- künftig S u o v e n l i a n a, das heißt Finnlandsburg, heißen. Das finnische Notizbureau teilt offiziös mit, daß diplomatische Beziehungen zwischen Rußland und Finnland noch nicht beständen. Äon solchen könne keine Rede sein, solange die F e st u n g I n o noch nicht ausgeliefert sei, russische Kriegsmannschaft sich noch in finni- 'chcn Gewässern befinde, die finnischen Aufrührer in Petersburg beherbergt würden und dort neue Feindseligkeiten planen könnten und die Behörden in Ostkarelien feindliche Maßnahmen unter- stützten. Nach der Niederlage der roten Truppen in Finnland flüchteten mehrere Mitglieder der retiolutionären Regie- nng nach Petersburg. Sie sollen nnmnehr bei der Regie- ning Lenins um Zuweisung einer Landstrecke in Sibirien zur Gründung einer finnischen Kolonie eingekommen sein. Partei und Gewerkschaften Norwegens fordern in einem Auf- ruf zu Geldspenden für die finnische Arbeiter- 'lasse auf..Die Sammlung soll von den Partei- und Gewerk- schaftsvereinen des ganzen Landes sorgfältig organisiert werden. » Basel, 14. Mai. Wie Havas aus Moskau meldet, wurde Ka- nenew von den Weißen Garden als Geisel zurückbehalte«, rt die russische Regierung der gegenwärtigen finnischen Regierung Bcrtrcter der revolutionären Regierung, besonders den Ber- .rrter Manners übergeben haben wird. Die GegenrevoZuLwn in Oftsibirien. > Ter bolschewistische Widerstand schwindet. Amsterdam, 14. Mai.„Tirnes" meldet aus Peking: Nach meh- reren Gcscchtcu ist der Widerstand der Bolschewiki gegen die Seme- nswschen Kosaken abgeflaut. S c m e n o w steht jetzt auf dem rechten Ufer des Flusses Jngoda, drei Meilen von dem Eifenbahnknoten- Punkt K a r i n s k a j a. Kleine Abteilungen sind über den Fluß ge- 'engen und haben die Bahn zu beiden Seiten des Knotenpunktes »esctzt. Die Hauptmacht der Kosaken wartet mit dem Vormarsch, bis die Brücken über die Flüsse Oron und Jngoda wieder- hergestellt sind. Sie haben sich nach China zurückgezogen. Es sind noch drei Züge mit Bolschewiki von Chaborowsky unterwegs. Vermutlich wurden sie von Kosaken, die Scmenow unterstützen, an- gehalten. Basel, 14. Mai. Wie Havas ans Schanghai meldet, hat Ge- ncral Scmenow nach der»North China Daily News" den Hon-Fluß erreicht.� Die Roten Garden gehen bis Kacimakaya zurück, wo sie Verstärkungen erwarten. Der untere Arm wird bald schiffbar sein, und deü von Nikolajewsk her erwarteten Verstärkungen erlauben, die Amur-Häfen zu schützen. Ter Handel in Sibirien wird bald wieder ausgenommen werden. Tie Bo l s ch c w i st c n in W l a- d iwo stock versuchen, den Geschäftsleuten eine sehr drückende E i n k o m in e n st c u e r aufzuerlegen. Diesel werden also ihr Geschrei nach Intervention bis zur Wild- hat steigern.._. wsrtet Sslsour auf em deutsches Zrieöess- angebet? Rotterdam, 14. Mai. Wie dem„Nieuwen RoUerdamschen Courant" aus London gemeldet wird, sagte Balfour in Be- nntwortung einer Anfrage Ponsonbys, er übernehme die volle Verantwortung für die Erklärung Lord Robert C e c i l s über das Bevorstehe» einer deutschen FricdciiSosscusivc. Gleichzeitig stellte Balfour in Abrede, daß Cecil eine Mitteilung über die Anwesenheit eines geheimen deutschen Abgesandten in Gestalt einer angesehenen neutralen Person in England gemacht habe. Ponsonby habe die Erklärung Eccils offenbar so vei standen, daß deutsche Friedensangebote, welcher Art sie auch sein niögen, abgewiesen werden würden. Balfour sagte, er verstehe nicht, wie Poiisvliby zu diesem Schluß habe gelangen können. Die teilweise Verhältniswahl vom Unter- \ haus abgelehnt. London, 13. Mai. In der Schlußabstimmung hat das Unkerhaus den Vorschlag, den Grundsatz der Verhältnis- Wahl in hundert Wahlkreisen anzuwenden, m i t 166 gegen 116 Stimmen abgelehnt. Der Vorschlag sollte ein Kompromiß zuwege bringen, um wenigstens ein Brnckstück von dem Proporzsystem zu retten. Eine zenwetlige Probe sollte angestellt werden, um danach später die Frage allgemein zu entscheiden. Aber die Gegner des dcmo- kratischeu Wahlrechts hüten sicki, den kleinen Finger zu reichen. Sie stemmen sich gegen, solange sie noch lönncn. Die Gewalt besonderer Umstände wird sie werfen müssen. Englands Vormarsch Zum SchutzZoll» Bevorstehende Kündigung aller Meistbegünstigungs- vertrage. London, 14. Mai.(Reutermclduug.)„Times" schreibt: BonarLaw machte am 13. Mai im Unterhause eine wich- tige Mitteilung. Er sagte in Beantwortung einer An- frage Earsons, daß die britische Regierung die Ab- ficht habe, ähnlich vorzugchen wie die franzö- fische und alle Meistbcgünstigungsverträgc zu kündigen. Dem Londoner Mitarheitcr des„Handelsblad" zufolge fragte C a r s o n, ob der französische Ministerrat sämtliche Handelsverträge gekündigt habe, in denen die allgemeine Be- stimmnng der begünstigten Nationen vorkäme. Ob der Zweck der Kündigung sei, das Land vor dem Friedensschlüsse davon zu befreien und ob eS in der Absicht der englischen Regierung liege, um einer derartigen Richtschnur im Anschluß an die der- mutliche Knappheit an Rohstoffen nach dem Kriege und die Notwendigkeit, den Bedarf des englischen Reiches und seiner Bundesgenossen zu versehen, zu folgen. Die Antwort von B o n a r Law auf alle Unterteile dieser Frage lautete be- jahcnd. In einem Kommentar dazu sagt die„Times", Großbri- tannien werde damit freie Hand für seine Wirt- s ch a f ts p o l i t i k erhalten. Bisher sei es durch Handels- Verträge mit alliierten und neutralen Ländern gebunden ge- Wesen. � Solange die bestehenden Handelsverträge noch in Kraft seien, sei es für Großbritannien unmöglich, den To- minions und den Alliierten eine besondere bevorzugte Be- Handlung für ihre Einfuhr einzuräumen oder einen Unterschied zwischen Ländern, nach denen Waren ans Großbritannien ans- geführt werden, zu machen. Tie Kündigung der Verträge brauche nicht notwendig zur Folge zu haben, daß i n d e r b r'i- ti scheu Wirt schaftspolitikeinerad ikaleAe ri- de r u n g eintrete, aber es werde dadurch doch eine solche A c n d e r u n g e r in ö g I i ch t. Gvrdon Venctt, der Inhaber des„New Dork Herald" ist in Beaulieu gestorben. Lord Courtnry of Penwith, ein Friedensfreund und Vorkämpfer des Verhältniswahlrechts, ist am Sonnabend, 84 Fahre alt, g e st o r b c n. Im Oberhaus hat er mehrfach— schon 1915— Reden zugunsten einer Beendigung des Krieges gc- halten, die in Deutschland lebhaften Widerhall fanden. Bei den Friedensvorstößen im Reichstag wurde auf sie hingewiesen. Im letzten Herbst trat er in einem offenen Briefe abermals für einen Verständigungs frieden cut, den er von einer Verzichtleistung Teutschlands auf jeden Einfluß über Belgien erhoffte. Daß er mit der imperialistischen Politik nichts gemeinhatte, bewies er schon in der Zeit des Burcnkriegcs durch scharfe öffentliche Urteile. Verstaatlichung der Kriegsindustrien in Spanien. Havas meldet aus Madrid: Der Ministerrat hat dem Entwurf betreffend Verstaatlichung der Industrien, die für die nationale Verteidigung erforderlich sind, zugestimmt. Ksiserreds. „Tie Sache wird gemacht". Der Kaiser hat noch offiziöser Meldung dieser Tage in Aachen eine Rede gehalten, in der er u. a. sagte: Hart werden die Gegner mitgenommen. Sie Habens auch nicht besser verdient. Die Sache im Westen wird gemacht, aber!vic müssen Geduld üben. Millionenhecre können nicht an einem Tage erledigt worden. Wir werben unser Ziel erreichen. Schwere Arbeit ist zu leisten, aber dafür haben mir ja auch tüch- tige Schmiede. Den Osten haben wir geöffnet. In der Krim geht eS auch vorwärts. Ans der Ukraine sind die ersten Lebens- mittclzüge in Berlin eingctresfen. Dadurch wird unsere Lebens- Mittelversorgung gebessert. Nun meine ich, ist es auch Zeit, alles Fremdländische abzustreifen. Alles französisch parlieren muß aufhören, sprechen wir lieber unser deutsches Platt. Im Gespräch mit dem Oberbürgermeister erinnerte Wilhelm II. an ein früheres F e st m a h l. Das Stadtober- Haupt erwiderte: Wenn Ew. Majestät nach siegreichem Frie- densschluß wiederum in die alte Kaiserstadt konimen, dann werden wir hier in diesem Raum das h e r r l i ch st e F e st- mahl halten. Hierauf erwiderte der Kaiser: Ja, das tv o I l e n wir! GjsiZiö'se Erklärung zur Wahlrechtsfrage. Hoffnung auf das Herrenhaus- Die„Nordd. Allg. Ztg." bespricht den Abschluß der dritten Lesung der Wahlreformgefetze. Sic verweist darauf, baß die Ab- stimmnng gezeigt habe, daß die Phalanx der Gegner des gleichen Wahlrechts ni cht mehr in der gleichen Geschlossenheit wie in der zweiten Lesung besteht, und führt aus, daß bei der Verhandlung der Wunsch nach Verständigung in erheblichem Maße sich gezeigt habe. Im Anschluß an die Erklärung des Vizepräsidenten des Staatsministeriums bemerkt das Blatt sodann: »Mit dieser Erklärung hat die StaatSrcgierung erneut den festen Entschluß bekundet, die Wahlrcform gemäß dem Allerhöchsten Erlaß vom 11. Juli durchzuführen. Tie Richtigkeit ihres Stand- Punktes, daß dabei alle verfassungsmäßigen Mittel zu erschöpfen sind, hat gerade der Verlauf der heutigen Sitzung erwiesen. Es wird dem Herrenhaus nicht verwehrt werden dürfen, den Ver- such zur Herstellung einer geeigneten Basis zu machen. Das Mittel der Auslösung bleibt ungekürzt in der Hand der Regierung. Wenn in der Erklärung der Regierung von der Kriegs- läge die Rede ist, so ist damit lediglich der prägnanteste Ausdruck gewählt worden, wie dies in einer programmatischen Erklärung notwendig ist. Selbstverständlich sollen damit alle während des Krieges sich geltend urachensen Momente gemeint sein, militärische wie po- litischc und wirtschaftliche, die für die Entschließung der Staats- regiernug maßgebend werden können. Taraus ergibt sich mit Not- wendigkcit, daß die Wahl des Zeitpunktes für eine eventuelle Auf- löjung ausschließlich von der königlichen Staats- regierung unter Berücksichtigung aller in Betracht kommenden Verhältnisse getroffen werden kann. Die„Nordd. Allg. Ztg." meint schließlich, die weitere Eni- Wicklung liege im Dunklen. Dunkel ist ein mit treffender Stil- kunst geprägtes Wort. vis Wahl m AWickau-Erimmitschau. Aus Zwickau meldet W. T. B. vom 13. Mai: Bei der heutigen ReichStagsersatzwahl im Zwickauer Wahlkreise wurden nach dem bisher vorliegenden Ergebnis abgegeben: Für Klug fNat. Arbeiter) 6096 Stimmen, für Meier sSoz.) 12 438 Stimmen, sür Heckert sllnabh. Soz.) 5936 Stimmen, für B r a u n sMittl. Stände) 102 Stimmen. Die Wahl Meiers dürfte ohne Stichwahl gesichert sein,' da nur noch einige kleinere Orte fehlen. die Tiefbau-UlZterftzchungen im Operationsgebiet. Inspektionsreise von Llbgeordnetcn. Man erinnert sich noch der Aufsehen erregenden Enthüllungen. die Genosse S t n ck l e n im Hauptausschuß deS Reichstags über die Arbeitsverhältnisse in Tiesbau-Untersuchungen der Operationsgebiete gemacht hat. In der Dienstagsitzung dieses Ausschusses erstattete er nun weiteren Bericht über die Ergebnisse der Vernehmungen, die über die Klagen der Arbeiter vorgenommen sind. Im Auftrag des Ausschusses reisen die Abgeordneten Slücklen, Schiele und Schirmcr in diese Gebiete; dann soll auf diese Dinge im Ausschutz näher ein- gegangen werden. Seltsamer Kampf gegen den Lebensmittel- wucher. „Vigikanten" gegen ehrliche Leute. Wiederholt sind uns Mitteilungen zugegangen, die auf geradezu ungeheuerliche Vorgänge auf dem Gebiet der Bekämpfung des Lebensmittelwuchers hinweisen. Es wird darin behauptet daß vielfach vorbestrafte Personen als „Polizeivigilanten" ihr Unwesen treiben, was um so pein- licher wirkt, da sich der Kampf der Behörden oft nicht so sehr gegen die Wucherer wie gegen die Bewucherten richtet, die unter dem Zwang der Not im Interesse der ihrem Schutz anvertrauten Personen höhere Preise als die Höchst- preise bezahlt haben. Eine Bestätigung dieser fast unglaublich klingenden Be- richte liegt uns jetzt in einem Tagesbericht des Königlichen Polizeipräsidiums vom 23. April d. I. vor, der folgendes besagt: Es ist bekannt geworden, daß mehrere ehemalige Vigilanten des Kriegswucheramts mit gefälschten Ausweisen Durch- suchungen und Beschlagnahmen von Lebensmitteln und dergl. vor- genommen haben und noch vornehmen sollen. Vielfach haben die- selben die Waren wieder freigegeben, nachdem sie eine cntsprcchcnse Summe Geldes erpreßt hatten. Zwecks Überführung der verdächtigen Personen wird gebeten. die über die bekannt gewordenen Vorfälle entstandenen Borgänge auf kurze Zeit dem Kriminalkommissar Hermann bei dem Kriegs- wucheramt in Berlin-Schönebcrg zu überlassen; gegebenenfalls wird um Mitteilung der Tagebuchnummcrn der Akten gebeten. mclche derartige Vorfälle behandeln und bereits an die StaatSan- waltjchaft abgegeben worden sind. Aus diesem Tagesbericht geht wenigstens soviel hervor, daß die Polizei früher Vigilanten beschäftigt hat, die jetzt als Urkundenfälscher und Erpresser arbeiten. Daraus läßt sich zum mindesten der Schluß ziehen, daß die Polizei in der Ans- Wahl ihrer Hilfsorgane nicht immer die nötige Vorsicht mal' ließ._ Dk Getranksfteuer. Mineralwässer, Tee, Kakao usw. Der Getränkeausschuß des Reichstags trat am Dienstag in die Generaldiskussion deS Entwurfs eines Gesetzes betreffend die Be- Iterierung von Mineralwässern und k ü n st l i ch bereiteten Getränken, sowie die Erhöhung der Zölle für Kaffee, Tee, Kakao und Schokolade ein. Nach dem Entwurf soll alles natürlich und künstliche Mineral- Wasser in Gefäßen bis zu einem halben Liter mit 2'/» Pf., in Gc- säßen bis zu einem Liter mit 5 Pf., Limonade Hiit 6 resp. 12 Pf. besteuert werden, Kaffee. Tee, Kakao und Schokolade werden mit Zöllen belegt, die die bisherigen Zollsätze zum Teil um 150 Proz. übersteigen. Von sozialdemokratischer Seite wird bemerkt, da der Versuch dieser Besteuerung ein Versuch am unpassendsten Objekt sei. bei Bier beträgt nach den bisherigen Beschlüssen die Steuer- belastung zirka 25 Proz., beim Wein 10 Proz. und die Wässer und Limonaden sollen mit einer 50— bOprozcntigcn Steuer belegt werden. Die beabsichtigte Zollerhöhung für Kakao, Kaffee und Tee wird als volkswirtschaftlich unverantwortlich und als gesundheitsschädigend bezeichnet. Bei der Minderung unseres Milchvichbestandes muß der Import von Ersatznahrungs- und Genußmitteln erleichtert, nicht er- 'chwert werden. Obwohl von verschiedenen anderen Rednern die Bedenklichkeit dieser Steuerart anerkannt wurde, stellen alle Parteien mit Ausnahme der Sozialdemokraten und Unabhängigen Zustimmung in Aussicht, wenn an Stelle der Flaschenbesteuernug Literbesteuerung zugrunde gelegt wird. Ein Ntegiernngsvertreter betont, daß bei Litcrberechnung der Steuersatz IN»'Pf. für Wasser und 18 Pf. für Limonade betragen muß, wenn der erhoffte Betrag von 51 Millionen ausgebracht werden soll. Die Erhöhung des Kaffcezolles soll erst zu einem späteren Termin in Kraft treten, nicht während deS Krieges. Die Svezialdiskusfion des aus 40 Paragraphen bestehenden Entwurfs findet nach der Pssngstpause statt, anschließend zweite Lesungen aller Gcträiikcsteuervortagen. Die freikoiiserbative Partei des Abgeordnetenhauses hat an Stelle des Frciherrn V. Z e d l i tz den Abg. L ü d i ck e- Spandau zum Vor- iden gewählt. Kugellager oder Granatlagcr? Zu diesem Thema schreibt uns Geh. Komm.-Rat A r n h o l d, bei dem Geschäft der Deutschen Waffen- und Munitionsfabriken mit einer amerikanischen Firma habe es sich in dpr Tat um eine Kugellager fabrik, Haß, Brigh: n. Cie. in Philadelphia gehandelt. Der Ausdruck ,,W äffen fabrik" sei durch einen Hör- oder Schreibfehler der Berichterstattung cnt- Hafer die Tonne 600 Mk.! Das Kriegsernährungsamt hat die Heeresverwaltung ermächtigt, für.Hafer bis Mitte Juni 1918 600 Mark pro Tonne zu zahlen. Der Schritt wird mit der Notwendig- keit beschleunigter Lieferung und der Höhe der Erzeugungskosten begründet. Nr.1Z2 ❖ 35. Jahrgang Seilage öes Vorwärts Mittwoch, 15.!Nai 19? S GroßSerlln Auch ein„Kolilenvcrband"— aber einer mit Kohlen. Der„Kohlenverband Grob-Berlin", der seit dem vorigen Jahr bestehr, will Abgabe, Entnahme und Verbrauck von Brennstoffen regeln. Voraussctzuug sür seine„regelnde" Täligleil ist, dasz die nbiugcbenden, zu entnehmenden und zu verbrauchenden Kohlen usw. vorhanden sind. Lieber wäre uns ja ein Verband, der es fertig brächte, uns Kohlen in nötiger Menge zu verscdaffcn. Die Kohlen- not hat in Berlin einem Mann den Gedanken eingegeben, eine Art „Kohlenverband" sür den eigenen Gebrauch ins Leben zu rufen, der ihm zu den begehrten Kohlen verhelfen sollte. Da er als kleiner Verbraucher oft genug bei Händlern„um Kohlen gestanden" hatte, so wollte er versuchen, sich und anderen kleinen Leute» durch gemeinsamen Bezug von Kohlen die Vorteile des großen Verbrauchers zu sichern. Der große Verbraucher, sagte er sich, findet bei Händlern williges Entgegenkommen, hat mehr Aussicht, von ih»e» mit Kohlen beliefert zu werden, und darf auch daraus rechnen, bflB_ sie ihm die Kohlen bis zum Hause befördern. Aus den Einfall des gemeinsamen KohlenbezugeS kam der Mann, nachdem er eines Tages zur Heranschaffung des eigenen kleinen Kohlen- bedarfS sich von seiner in der Nähe des Nosenthaler Tores gelegenen Wohnung mit einem geliehenen Handwagen bis nach Moabit hinaus- geioagl baite, um dort bei einem Großhändler sein Heil zu ver- suchen. Ohne Kohlen mußte er wieder heimfahren, aber weil er hörte, daß der Händler ihm Kohlen von SV Zentner ab liefern und sogar bis zum Hause befördern würde, beschloß er, zu diesem Zweck sich einen eigenen.Kohlenverband" zu schaffen. Raich brachte er aus der Mietskaserne, in der er wohnt, mehr als die zu 50 Zentnern nötige Zahl Teilnehmer zusammen: denn beute ist jeder froh, irgendwie zu seinen Kohlen gelangen zu können. Er ließ sich die Kohlenkarten geben, sammelte im voraus das Geld ein, weil ihm selber die Mittel fehlen, für eine so bedeutende Kohlenmenge den Kaufpreis auszulegen, und fand dann bei dem Großhändler das erwartete Entgegenkommen. Schon am nächsten Tage fuhr vor dem Hause ein reichlich beladener Kohlenwagen vor, init Jubel begrüßt von den vereinigten Hausbewohnern, sür die er bestimmt war, und sofort ging es an die Verteilung na ch Maßgabe der geleisteten Kostenbeiträge. Als die Nachricht von der erfolgreichen Durchführung des gemeinsamen Koblcnbezugcs sich schnell umhersprach, wandten sich andere Be- wohner des Hauses und später auch Bewohner der Nachbarhäuser an den„Vater des GcdankenS" mit der Bitte, die Sache zu wiederholen und auch ihnen eine Beteiligung zu ermöglichen. Das geschah, und so erlebte man denn ein paar Wochen hindurch noch mehrere Male das Schauspiel, daß ein großer Händler sanfangS noch der aus Moabit, später einer aus der Gegend des Stralauer Tores) eine Wagenladung Kohlen den kleinen Verbrauchern von weit her vors HauS schickte. EincS Tages tauchte neben dem eben wieder eingetroffenen Kohlenwagen ein Unbekannter auf. der dem beginnenden Geschäft der Kohlenverteilung teilnahmsvoll zusah, ein Papier aus der Tasche zog und zu schreiben anhob. Was wollte der fremde Herr? Da die Versuche, sein„Inkognito" zu lüften. mißlangen, so lud ihn schließlich ein ganz Neugieriger zu einem Gang nach dem Polizeibureau ein. Mit wem er eS zu tun hotte, erfuhr er auch dort nicht, aber bald kehrte der Fremde zurück in Begleitung eines Schutzmanns, und nun wurde der Leiter dieser durch Selbsthilfe� der Kleinverbraucher geschaffenen Kohlenver- lorgung— aufgeschrieben. Er hatte zur Deckung seiner besonderen Unkosten(z. B. Trinkgelder für Kutscher) und zur Vergütung seiner nicht geringen Mühen von den Kohlenbezichern mit ihrer Einwilligung mehr als den Kleinhandelspreis genommen, den die Groß» Händler ihm selber für den Zentner Kohlen einschließlich Anfuhr schon mit 2,75 M. abforderten. Weil er jetzt mit einer Anklage wegen zu hoben Preises bedroht wurde, stellte er seine Tätigkeit ein, und der gemeinsame Kohlenbezug fand ein plötzliches Ende. Die dabei gemachten Enahrungen sind immerhin ein lehrreicher Beitrag zur Beleuchtung des Lorzuges, den der große Kohlen- Verbraucher gegenüber dem kleinen genießt. Dem angekündigten Nachspiel vor Gericht darf man mit Spannung enl- gegensehen. Käsevcrtciliing. In der Zeit vom Donnerstag, den t6. bis Mittwoch, den 22. wird in den Bezirken der 54.. 55.. 56.. 76., 77., 78., 73., 83.. 84., 87., 88., 178., 132., 212. und 222. Broliommission — am Friedrichshain— auf das Miltelstück der zurzeit gültigen Speisefhlkarteii pro Kopf 125 Gramm Käse verteilt. Tie Ersaftmittelstelle Groß-Bcrlin hat bereits vor Inkrafttreten der Verordnung vom 1. Mai ihre Geschäftsstelle Neue Friedrich- Nraße 3/10 eröffnet. Bei dieser Gelegenheit sei daraus hingewiesen, daß die Gcnehmigungspflicht zunächst auf Ersatz l e b e n s mittel be- schränkt ist, so daß andere Ersatzmittel vorderhand weiter frei her- gestellt und gehandelt werden dürfen, soiern nicht besondere gesetz- liche Bestimmungen diesem entgegenstehen. Hundcspcrre. Da? Polizespräsidinm teilt mit: Im nördlichen Teile des Stadtkreises Berlin, der begrenzt wird im Süden durch die Stadtbahn auf der Linie von Bahnhof Stralau-Rummelsburg über Alexanderplatz nach Bahnhof Tiergarten: im Westen, Norden und Osten durch die Weichbildgrcnze einschließlich der an der obigen Linie belegenen Bahnhöfe, müssen sämtliche Hunde bis zum 3. August festgelegt langekettet oder eingesperrt) werden. Der Fest- legung ist das Führen der mit einem sicheren Maulkorbs ver- schenen Hunde an der Leine gleich zu erachten. Die Ausfuhr von Hunden aus dem Sperrgebiete ist nur mit ortspolizeilicher Ge- »ehmigung nach vorheriger tierärztlicher Untersuchung gestattet. Die Benutzung der Hunde zum Ziehen wird unter der Bedingung ge- stattet, daß sie dabei fest angeschirrt und mit einem sicheren Maulkorbe versehen sind. Lichtspiele Tauentiicn-Polast. Der Roman Alexander Puschkins „Pique Dame" ist versilmt worden und gelangt Freitag zur Uraufführung. Alexander Äioissi und Johanna Termin spielen die Hauptrollen. Eine Komödie„Frauchen in Nöten" wird die Ergänzung des Spielplans bilden. Tie Mozart-Lichtspicle bringen am 17. die Uraufführung de« Luft- spiel«„Sein letzter Seitensprung" mit Viggo Larsc» in der Hauptrolle. Ein Schaukwirt als Einbrecher. In der vergangenen Nacht wurden Bewohner des Grundstücks Jnnstraße 44 durch ein ver- dächngeS Geräusch auf die Räume der Fabnl von Hellmuth, in denen große Mengen Zucker lagern, ausmerkiani. Weil iir diese Släume schon in der Nacht zum 1. Mai eingebrochen worden war, io schöpflen sie Verdach: und eilten hin. Ihre Vermutung, daß wieder Einbrecher da seien, bestätigte sich. Zwei Männer waren gerade dabei. Zucker zu stehlen. Während einer der Ueberraschten eulkam, wurde der andere festgenommen und der Polizei übergeben. Diese entlarvte ihn als den Schankwirt Ernst R e i m e r aus der Schlegelstraße und führte ihn dem Untersuchungsrichter vor. Reimer bat ohne Zweifel auch schon bei dem ersten Einbruch, bei dem den Tälern eine große Menge Zucker in die Hände fiel, seine Hand im Spiels gehabt.__ Schöneberg. Vau von Klemwohnungeu. Am Montag ver- handelte die Stadtverordnetenversammlung folgenden sozial- demokratischen Antrag: „Der Magistrat wird ersucht, schleunigst eine Vorlage einzu- bringen, durch w»lche der Bau von kleinen Wohnungen für finder- reiche Familien vorbereitet und der Bau baldigst in Angriff ge- nommen wild." Tie Liberale Fraktion hatte dazu nochstehenden Zusatz- antrag eingebracht: „Für sämtliche Schöneberger Familien mit mebr als drei Kindern unter 16 Jahren eine besondere WohnungSrnrsorg« einzurichten, und zur Verhütung drohender Obdachlosigkeit städtische Mittel in Form von uverziuSlicheir Mietevorichüsseu oder Miete» Beihilfen bereuzustelleu." Genosse M o h s ging in seiner Begründung aus die bestehende Wohnungsnot ein. Die Wohnungszählung von 1017 hat ergeben, daß von 24 000 Kleinwohnungen nur 1,5 Proz., und von den 26 000 größeren Wohnungen 2,6 Proz. leerftanden. In- zwischen hat sich dieses Prozeniverbältnis noch verringert. Die heimkehrenden Krieger werden wenig erbaut sein, wenn sie anstatt in bereitstehende Wohnungen in Baracken einziehen sollen. Der BevölkernngsnachwuchS hat nachgelassen, dagegen ist der Zuzug stärker geworden, beiouders vom Lande. Es steh! ferncr fest, daß in Groß-Berlin an 60 000 Wohnungen fehlen und auf Schöneberg ein großer Teil davon entfällt. Wenn darum nicht beizeiten vor- D er Feldpostbezua des„Vorwärts" kostet monatlich 1,89 Marl iiiiiiiiiiiiiiii gebeugt wird, werden scharfe Kämpfe um die Wohiigelegeiiheir die Folge sein. Schon jetzt werde» Prämien für die Beschaffung von Wohnungen ausgesetzt. Minderbemitlelte kinderreiche Mieler werden später überhaupt keine Wohnungen bekommen. Auch werden die Hauswirte derarligen Mietern schnell kündigen. Die Wohnungsfrage muß darum in der tlebergangswirischaft mit an erster Stelle stehen. Nur der Bau von Kleinwohnungen kann die eintretenden Schäden mildern. Die von der Regierung frei- gegebeneii Dach- und Kellerwohnungen sollten gemieden werden, ebenfalls Massenquarliere. Die Regierung muß billiges Bauland abgeben sowie rechtzeitig Arbeitskräfte und Rohstoffe freigeben. Auch das erforderliche Baugeld muß zur Verfügung gestellt werden. Damit könnte der größten Not gesteuert werden. Schmedes lLib. Frakt.) erklärie sicb mit dem Autrage ein- verstanden und besürworlet, hauptsächlich sür kinderreiche Familien zu sorge». Der Magistrat muß alles tun, um diese Familien vor Obdachlosigkeit zu schützen. Ten Hausbesitzern muß Entgegen- kommen durch besondere Mietszuschüsie gewährt werden und der Mietsnachlaß in Fortfall kommen. Auch muß festgestellt werden, wie viel Wohniingen notwendig sind, um den Bedarf zu decken. Stadtral K a tz gibt zu. daß eine Wohnungsnot vorbanden ist und will in kürzester Zeit der Versammlung deinenlsprechende Pro- jekie vorlegen. Dach- und Kellerwohnungen sollen dabei ausscheiden und der Neubau bevorzugt werden. P e t e r s o n(U. S.) meinte, es sei beschämend, daß erst die Versammlung mit einenr derarligen Anlrag kommen muß. anstatt daß der Magistrat eine fertige Vorlage einbringt. Die Zustände früherer Kriege sollten nicht wieder in die Erscheinung treten. Große Wohnungen seien genügend vorhanden, an kleinen Woh- nungen aber großer Mangel. Abhilfe könne nur geschaffen werden, wenn sofort mit dem Bau begonnen wird. I a tz o wmd auf Alttrag werden auch die erforderlichen Arbeitskräfte nachgewiesen. Auch Bau- rat Uhlig wies darauf hin, daß bereils in umfassendem Maße Vorsorge getroffen sei. um eine ordiiungsgemäße Er- ledigung zu ermöglichen. Oberbürgermeister Ziethen wandle sich gegen die Aussühriingen des Genossen Elias, mit dem er sich in bezug auf die Denkinäler, die doch zum großen Teil einen bedeurendcir Kunstwert besitzen, allerdings kaum würde verständigen können. Der Magistrat legte eine erneute Vorlage über Tenerungs- z u l a g e n für Beamten vor, die wiederum für die höheren Ge- Hölter höhere Zulagen vorsieht. Geiiosse John Beantragte, die Zulagen durchschnittlich auf 1200 M. zu bemessen. Witzle von den Unabhängigen schließr sich diesem Antrage an, der aber ohne weitere Debatte abgelehnt wird. Eine weitere Vorlage behandelte die erwcitettc Sonntags- ruhe während des Krieges. Die Unabhängigen beantragen dluch Witzle die daucrnde Einführung der SomiiagSrubc. zumal Neulölln diese schon ohne Einschränkuiig beschlossen habe. Oberbürgermeister Ziethen empfahl die Aunahnle der MagistraiSvorlage. Er ist der Auffassung, daß nach dem Kriege die vorübergehende Maßnahme eine daiiernde werden wird, aber aus rein praklischen Gründen solle man sich dem Berliner Beschluß anpassen. Nach Ablehnung des Antrages Witzle, für den auch unsere Genoffen stimme», gelangre die MagistraiSvorlage zur Annahme. Reinickendorf. Zur Eierversorgilllg. In de» amilichen Verkaufs- stellen gelangen von heute ab. soweit Vorrat reicht, Eier au Kinder und an üb« 70 Lahre alle Personen zur Ausgabe. Schluß den Ausgabe am 13. Mai. Es werden auf Abschnitte I. L, I. 0. nild I. v. der Nähriililtelkarien B., C. und D. je ein Ei und auf Bezug- scheine der Brotkommiision sür die alten Leute ebenfalls je ein Ei zum Preise von 38 Pf. aiiSgegeben. Hühnerhaller intt einem Bestände von höchstens drei Hühiienr sind von beule ab von der Ablieferung der Eier befreit. Alle anderen Hühncrhalter haben dagegen die Verpflichtung, Eier ab- zulieferu._ Gerichtszeitung. Die unregelnräffige Mchllieferung seitens des MagistraiS, über die in den Berliner Bäckerkreifen viel geklagt wird, ist angeblich die Beranlasiung zu einer Reihe von 5iriegSvcrgeheii gewesen, welche der Bäckermeister Neserke vor daS Schöffengericht Bcrlin-Weddiiig führte. Der Angeklagte halte einen sog. a in t S r i ch t e r l r ch e» Strafbefehl über 4 Monate Gefängnis erhalten, weil er von Verschiedellen Bäckermeistern und Kondiloreibesitzern in einer großen Anzahl von Fällen Mehl ohne Karten entnommen und ver- backen und serner auch dieses Mehl nicht in die Bestandslisten ein- getragen hatte. Gegen diesen ganz außergewöhnlich bohen Strafbefehl legte N. Berufung ein, während sich die übrigen Bäckermeister, die in kleinere Geldstrafen geilominen worden waren, bei diesen Strafen beruhigten. Bor den, Schöffengericht machte Rechtsanwalt Dr. G r o ß m a n n für den Angeklaglen geltend, daß es sich keines- falls um eine die Allgemeinheit schädigende Mehlschiebung handle. sondern einfach darum, daß N. durch unpünktliche Mehllieferuilq seitens der Verteilungsstelle wiederholt in die unaiigenehme Lage gekommen sei, seinen Kunden nicht rechtzeitig Brot liefern zu können. Er habe sich deshalb von anderen Bäckermeistern, welche ihr Mehl auf Wochen voraus erhallen hatten, einige Sack Mehl geliehen und das gleiche Quantum dann später, nachdem er selbst erhalte» hatte, zurückgegeben.— Das Gericht erblickte jedoch auch in der leihweiien Eittgegennahnre von Mehl einen Vorstoß gegen das Gesetz, erkannte aber unter Aushebung des Strafbesehls nur auf 50 Mark G e l d st r a f e- öriefkasten üer Reüaktion. M. K. 33. Es empfiehlt sich in Ihrem Falle, das Testament zu ver- siegeln. Zeugen sind nichl nötig.— F. L. N. 102. 1. Ja. 2. Das kann geschehen. Wenn Sie aber leill Verschulden trifft, so fähren Sie dagegen Beschwerde.— E. S. 27. 1. In kinderloser Ehe erben die Eltern mit Ausnahme der Wirtschaft die Hälitc des Nachlasses. 2. Nein.— P. 1057. Die Frau hat Anivriich aus Unterstützung noch bis zum lö. er.— H. I. 100. Nach Ihrem Einlomnien hätten Sie miisscn zu jährlich 36 Vi. Plus 1,80 ItaalScinkommenftelier und 175 0/0 Gemcindccinkommcu- steuer veranlagt werden,— M. 31. 1. Ja. 2. Nein.— KriegSbefchädigt. 1. Gehirn- oder Rückcnmorkle!dcn, Gcwcbs- Verluste oder schwere Schäden an den Schädelknochen, Plattsuß, 2. Dauernd nibeltsvertveii duugssähig, Etappe. 3. Betonung aus der zweiten Silbe. Sko. 000. Gefr. Winkler. Eine Zurückstellung aus der Fcuerlinie wild in diesem Falle nicht eriolgen.— Husar. Nein.— M. B. 100. Wc>, sich in Ihren Erwerbsvcrhältnissen nach Eingehung der Ebe nichu geändert hat. habe» Sie lciiicu Anspruch.— Renk. 1005. Für Berlin beträgt jetzt die Alimentation 40 bis 50 M.— X.?). Ja. WctreraliSiickiten fiir das mittlere Siorddeilttititand vis Tonnerstag mittag. Ocstlich der Oder trocken, viclsach heiter, in den TageSstilnden überall ziemlich warm, im Westen vorübergehend stärker bc< wölkt, strichweise Gewitterregen. Gewin, tauszitg der II. Prensusch- Kiiddentfchru 0i37. Königlich Uiensnschcn) Klaffenlotteeie 5. Klasse 6. ZiehungStag 14. Mai 1318 3!uf jede aezogeu« Siliuituer Pud iwct glcich Hope«tetvtliiie qefaltcii, 3 mil) lume jf einer auf die Lose gleichrr piuuiuier tu den betdeu 1 Abtctluiiacn 1 uu» Ii j (Chile Gewähr A. St.-A. f. Z.)(Nachdruck verboten) In der VormittagS-Ziehimg wurden Gewinne über 240 M.'. gezogen: 2 Gewinne zu 10 000 Mk. 107347 6 Gewinne zu 5000 Pik. 55006 134913 230739 70 Gewinne zu 3000 Mk. 5228 10433 19357 22459 25896 35478 42582 52302 62179 76297 91513 102029 110382 111156 125317 126297 141321 147066 158016 163510 163516 169384 169690 173185 180099 182897 193682 196875 202965 207339 208462 220274 222941 224255 227801 132 Gewinne zu 1000 Mk. 2870 4968 13678 21307 22824 24007 28327 30265 38162 38827 45914 47317 52313 53967 54565 56290 56907 57326 59602 64293 64382 65102 69520 74683 75536 76840 80658 83408 84906 85286 90755 97327 98640 99660 101685 107195 119877 131843 133636 135062 140851 148180 150756 151587 154959 155623 159074 163303 164335 179214 180166 181336 185654 187749 190113 191418 194986 195968 204143 204734 216939 218041 221751 223609 231491 233075 206 Gewinne zu 500 Mk. 235 1149 1620 4408 6249 8441 10962 19322 19416 23259 24924 28578 30458 32297 39881 40480 42349 41451 45079 45100 46834 48592 49215 49624 63010 63516 65413 72091 72438 73403 75112 75554 77233 78433 79499 80383 80901 81447 81554 86613 88775 90756 92617 108244 109354 111306 112304 112878 114952 118182 118517 120946 122225 122808 123722 1273)3 127974 129790 130116 130543 137125 140673 141889 142779 143013 146435 147485 147796 150679 151198 151215 154009 354226 161370 162599 162848 164958 174887 174941 177811 178370 180631 186472 186585 187586 192539 195221 196283 200653 202463 211589 213658 214992 215381 220315 220406 221330 222085 229229 230339 231351 231837 233277 In der Nachmittags-Ziehung wurde» Gewinne über 210 Mk- gezogen: 2 Gewinne zu 30 000 Mk. 21989 2 Gewinne zu 10 000 Ml. 196225 6 Gewinne zu 5000 Mk. 92983 97092 226427 90 Gewinne zu 3000 Mk. 6)35 6924 14893 29875 31896 32659 24828 38205 60953 59022 61030 66923 68222 69560 73802 76500 78026 81653 86356 86928 08726 93372 122215 124880 127936 131922 133407 137901 151289 159026 161855 170651 174643 183218 183379 187322 188480 100575 195104 207466 209213 210614 213073 221764 225834 154 Gewinne zu 1000 M. 11419 13552 16675 20638 216�9 25335 26847 28800 31817 35449 35788 33795 39220 42450 46296 47492 48671 49645 55515 55757 57183 63057 64859 63171 71384 72245 75240 79228 79695 80464 81664 86790 90623 93826 102496 103848 109658 110080 111404 112006 120842 129518 133093 135109 140230 142631 144723]459r0 148101 148687 150630 153262 360492 167133 169413 178954 177832 178853 184737 190606 190705 192722 193002 201685 '202350 203419 206882 207539 207840 213123 213870 218420 221305 226017 228780 228993 232830 204 Gewinne zu 500 Mk. 1936 2979 4447 5611 114 85 13078 13561 14560 22857 24511 29448 29797 33353 36081 40628 41323 43175 43908 44309 50682 52505 62510 55505 56837 59946 63522 64764 68319 70023 72093 74350 75074 75088 75924 82586 82980 84060 86091 86735 87737 90391 91350 92449 94454 96667 97084 97643 106428 107020 108394 111807 113364 114079 114920 117560 119940 121172 121198 129865 130919 133200 134321 141637 144330 146293 147841 150441 151744 152990 155889 156299 157900 159790 162842 163246 165249 173765 177915 179193 179324 181306 186684 187992 190259 191935 192373 194993 195374 199115 203604 207750 210919 215513 215627 217771 225506 226213 226409 226071 228245 291426 231804 Me arbeitet Ihr Gedächtnis? Ist es noch wie früher oder fällt Ihnen trotz Nachdenkens manchmal dies od?r jenes nicht mehr ein. Wisse» Sie, welchen Einfluß Ermüdung darauf hat und wie häufig diese durch schwache Augen vorzeitig veranlaßt wird? Doch auch jeder Gegenstand, der Sie interessiert, jede Zeile, die Sie lesen, jede Arbeit, die Sie vorhaben, prägt sich Ihrem Gedächtnis schärfer und dauerhafter ein, wenn Sie klar und deutlich sehen können. Wie unangenehm aber ist es, wenn man sich lange vergeblich auf etwas Wichtiges besinnt und dennoch nicht darauf kommt. «sie werden schneller und besser arbeiten und mehr Freuds von Ihrer Tätigkeit emfinden und der Kopf bleibt klarer, wenn Ihre Augen Ihnen keinerlei Beschwerden mehr verursachen. Tragen Sie richtig an- gepaßle Sanoskop-Gläser, und Sie werden fühlen, daß Ihre Augen Ihnen das wieder leisten, was Sie diesen vielleicht seit Iahren nicht mehr zutrauen konnten. Sie werden in normalen Grenzen lesen, schreiben und arbeiten kännen, ohne Ermüdung zu spüren, kein lästiges Brennen der Augen, kein vor- zeitiges Ermüdungsgefühl wird Sie befallen. Sie bleiben frisch und arbeitsfreudig, werden als Folge davon wahrscheinlich auch mit Genugtuung seststellcn können, daß Ihr Ge- dachtnis noch nicht gelitten hat, sondern daß nur der Zustand Ihrer Augen oder schlechte Gläser Sie dies glauben machten. CSpillelmarkt. - EU- Wall- Str. Alexanderpletz. neben Afching! er) Ctaniea-Slr. 44, * aah« Oran ie»'Platz W Leipziger Str., lZ. M Chaussee-Slr. 7?. . Ecke'MautfStc. IN. Lmk-Str.k,«.pol-dameeSlr. Friedrich-Str. lS0. Eck, Tanb-a-Ste, Jnoaliden-Str. 164. Ecke Bruunen-StL. 5riedrich-Str. 106. Ecke Ztegel-Ste. XIX?/ Friedrich. Str. 150. W• Ecke Dorotheen»Stc. Schöneberg: tzaupt-Strafie 21 INN Sailec-Wichetn-PlaK Friedenau: Rhein-Str. 18. eck-»leb sn. geg enüber Oer Katjer- Elchä Wilmersdorf: verlloer Str. lZZ-Z, Jcrlanzm Sie nach außerhalb kostenlos unfern Optometer zum SelMeftimmen paff n- oer S""' Släser ncdst Jersandlisie. Lharlottenvurg: Tauenßien-Str. 15, Ecke Marburger Stc. Zoachimsthaler Str. Z Als Opfer dieses Welt- kricgeS jicl am 10. April lÜtL mein iimigflgeliebter, unvergegllchcr�Mann, unser lieber Sobn, Schwiegersohn, Bruder und Schwager, der Sergeant Estfiii Üsaei Inhaber des Eis. 5ircuzes II. Klasse j im Alter von l>5 Jahren. Im tiefsten Schmerz im s Namen aller Hinterbliebenen Asael, geh. Woisclt. | Berlin O 17, Goßlerftr. 14. Weinet nicht, Ihr meine llicbcn, wie gern lvär' ich I bei Euch geblieben, doch ach, es sollte ja nicht sein. Lagt j mich ruben, lagt mich schla- ien, o ivic sriedlich schlummre I ich, harte Kämpfe drückten irnch. Ihr aber faßtet Trost in Xicid und Schmerz. ES ichlägt nicht mehr mein I treüeS Herz. USA Im April d. I. jicl im Westen unser lieber Kollege und Mitarbeiter, ecr Schrift- scher Aaciiruf. Am 24. März 1918 starb als Opfer dieses Weltkrieges in einem Feldlazarett in Frankreich unser lieber Bru- der und Schwager, der Gefreite Karl Sonnenstuhi. Er wird uns unvergeßlich bleiben. tttto Sonn enatnlil, zurzeit im Felde, nebst grau. 198A IM Max Wolff (Kanonier in einem Feld- rlrlillcrie-Regimcnt) dem gewaltigenVölkcrringen zum Lpjer. 22p3b Ehrend gedenkt seiner Bas Personal der Firma Otto v Holten. Berlin. I I II II II I I III!■■■■■ Am 13. Mai enlichlief nach I langen Itciden meine iniiigst- . gel lebte Fiau, unlcic hcrzcns- (Uitc Mutter, Schwieger- und I Großmutter I Qertrude Weber im all. Lebensjahre. 191A Dies zeigen ticjbetrübt an Johann Weber, Neichen- bergee Straße III, Frau Bauinalili geb. Weber nebst Sohn, Hermann Weber nebst Frau, tiZertrud Weber, Fsricda Weber, Otto Weber, Margarete Weber als Kinder. Die Beerdigung findet am f Freilag, 4'/, Uhr. von der Heichenhalle des Thomas- tzcirchhoseS, Hermannstraße, lauS statt. Danksagung. Für die rege Anteilnahme beim Begräbnis meines innig- gcticbtcn.unvcrgeßtichcnManncs Karl(lebbarclt sage ich allen Beteiligten, insbesondere den Mitgliedern des Verbandes der Kupferschmiede und den Kollegen der Rumple»- Werke incincii herzlichsten Dank. Witwe Marg. Gebhardt. Speziaiarzt Dr. med. Hasch6, Friedrichslr, 90 Beoandl. von ZtlPhiliS, Haut- Harn-, spraueuleideil, spez,: chron. Fälle,«chmerzloic. lürzesle Behandlg. odne BeruiSslörung. Bluiuntersuchung. Mäß. Preise Teilzahlung. Sprechstunden 1. bis 1 und Z— 8. Sonnt. 11— 1 üchfung! Mitglieder! Achtung!; Am 13. Mai 1918 verschied nach langem, schwerem Leiden meine inniggeliebtc Frau, unsere liebe Mutter, Tochter und Schwester Zmma Mette geb. Zubcil, im Alter von 43 Jahren. Dies zeigen iicsbctrübt an Otto Mette, Fril», zurzeit im Ausland, Else und Kurt Mette als Kinder, Fritz Zubeil und Frau als Eltern, Franziska Lüdke geb. Zubeil als Schweiler. Die Beerdigung findet am Freitag, den 17. Mai, nach- mittags pünktlich ö Uhr, von der Halle des Frei- religiösen Friedhofs, Pappel- Allee 19/17, aus stall. L Helft unseren Tterw««beten k Rote=KreuzsGeld* 292/11* Lotterie 17851 MgeiDiw in bar ohne Abzug zahlbar Hauptgewinn 300090 M. Ziehung am«11. Juni d. F Amtlich sestgef. Preis eines Loses S M. 30 Pf. Mit Porto u. Liste 3.75 M. zu beziehen gegen Einsendung des Betrages oder Nachnabmc von der Hauptversanditelle Georg Thomas. Altona bei .szanibnrg, Gr. Nergitr. 235. 5pezjalarzl vi-, med. Isaake, beb. schnell, gründl., mögl. schmerzios u. ohne Bcrussslör. Leseblecktskranlikeit.. geheime Haut-, Harn-, Frauenleiden, Zcbwäcke. Erprobteste Methoden Harn- und Blutuntersuchung. Königstr. 3436, ÄÄl Svr. 10— tu. 9— 8. Soiint.10— 1 Die Eeschü sie stelle befindet sich vei-M»> 39, Schon- Wälder Slrnfic III bei Artnr Uupke. Postichecklonlo 39361. Sämtliche Lliifragen betreffs Sterbefällen, Ei», und Auszabluiigeu, Lcrcinsmatrrialicl» usw. sind dorthin zu richten. In Anaclegcnheiten, welche aus unser Vereinsorgan.Die Polls-Feuerbestatlung", Versammlungen, Agitation usw. bczug baben, wird gebcien, sich dlrelt an den Vorsitzenden lVaa» Plctzonka, XO 55, Rykestr. 7, zu wenden. In folgenden Zahlstelle» werden jederzeit Beiträge entgegengenouinien und Auskunft erteilt. Auch werde» dort neue Mitglieder aufgeiioniinc». Berlin X: Schwarz, Ackersir. 31. , Eichhorn, �Danziger Str. 93. , Schulz, Stettincr Str. 92. , Hasenbank. Tristslr. 2. , Senkel, Ulrcchter Slr. 10. , C: Glane, Kommandantenftr. 88. , NW." Hagedorn. All-Moabit 77. , SW: Reim, Urbanstr. 29. , SO: GeiSIer, Skalitzer Str. 59. . O: Urban. Mögliner Str. 2. NO: Zicckcrt, Kniprodcstr. 4a. Berlin-Lichtenberg: Reumann, Frankfurter Allee 252. Verlin-Tegel: Lehuhardt, Berliner Str. 84. Berlin-Hobenschönbausen i Heischleb, Berliner Str. 93. Berlin-Bilmersdors: Schilling. Laucnburger Str. 24. Bcrlin-Niederschönhauscn: Grclh, Bisumrckstr. 37, Eövenick: Müller, Atter Markt 8. Grünau: Köbn, Friedrichstr. 27a. Berlin-Lberschöneweide: Warnekc, Wilhelminenhosst. 18. ZldlerShos: Posewitz. Bisinarckslr. 20. Bcrlin-Weißensee: Masche, Berliner Allee 251. Berlin-Reiuickendors: Lüning, Scharnwcberstr. 37. , Dölchncr, Rcsidcnzstr, 50. Charlottenburg: Hartsiel, Kirchilr. 10. Berlin-Schöneberg: Wandle, Bahnstr. 25. Berlin-Stcgiitz: Meyer, Forstslr. II. Berlin-Tempeihos: llstüller, Ringbahnstr. 41/42. Bcrlin-Trcptow: Scholze, G:actzstr. 49. Neukölln: Föhst, Steinmetzstr. 98. Ter monatliche Beitrag beträgt bei einem Auf- nahmealter bis zu 20 Jahren 25 Pj. bis zu 50 Jahren 70 Ps. ., 30. 35,.. 55, 85. .. 40. 45... 60. 110. 300/4' Der Torstand. WWWWMMUKW Jmpr. Qloriamäntel.......110, 124 usw. Großkarierte Impr. Mäntel,..105, 116 usw. 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Für die in Beschästigung stehenden Mitglieder erfolgt die Aushändigung des Nachtrages durch den Arbeitgeber. Frei- willig versicherte Mitglieder er- Hilten den Nachtrag im Kassen- total. Oer Torstand. Max Rost, Vorsitzender. H. Hertz, Schrifisührer. Speziaiarzt Dr. med. Wockenluli Fräilrielislr.l25s0p,":l,ÄlT": türS/philis.Harn-u Frauenleiden Blutuntersuchungen. Schnelle, sichere, schmerzlose Heilung ohne Berufsstörung. Teilzahluns werden aanz gemacht(Fuß). Seit 1. Mäiz 1918 ganz neues Äersahrcn, übertrissl alles Da- gewesene. Auch für Halbschuhe. Keine Flickcrei od. slörcnde Rühle. ReparatiiP a Paar 0,60-1,25 IÄ. Kunde muß Strumpsmaterial liefern. Palentamtlich geschützt. Nachahmung strafbar. Lizenzen und Annahmestellen werden oergeben. 42lL- Annahmestellen werden tele- phonisch bekanntgegeben. F. Pick, I. Struinpfreparat.-Fabrit, Berlin, Meherbeerstraste v. Tel. Alex. 2183. antTeilzahBung W nnd Bar zn bekannt billigen Preisen bei kleinster Ana u. 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Nr. 132— 191$ Unterhaltungsblatt öes Vsewarts M!AWoch,15.!NL! wenn man arbeitslss ist» Man muf; schon arbeitslos sein und sich lüglich auf der Suche nach neuem Brot befinden, wenn man etwas erleben will. Man lomint. wenn man sast den ganzen Tag auf der Slrafie liegt, da und dorthin, irgendwo und irgendwann trägt sich in einer großen Stadt immer etwas zu, und wenn man„Glnck� hat. wird man leicht Augenzeuge von diesem oder jeneni. Man kommt unter „Menschen", sieht und erlebt etwas. Und das könnte einem viel besser gesallen als daS Arbeiten in der Fabrik; immer vom Morgen bis zum Abend: Tag für Tag. Man müßte sich's leisten können, das Baronisiere». Behagen und gut be- kommen würde es einem schon. Es ist so schön jetzt draußen. Der Flieder und die Kastanien blühen und die Maiensonne wärmt und liebkost alles. Auf dem Weg nach Friedrichsfelde, wo ich aus dem Magcrviehhof bei einer Kciegegeselljchasr wegen Arbeit vorsprechen soll, stalle ich dein Lichlenberger Siadlpark einen kurzen Besuch ab. Er in leer. Ich setze mich, aus ein Weilchen nur, auf eine Bank, blicke in die Kronen der Bäume, die saust im Morgen winde rauschen, und fluche der Welt und den Menschen. Immer arbeiten sie. Arbeiten, verdienen, darben und embehreu. Leben, um sich zu röten, töten sich, um zu leben. Es ist keine Ehre und keine Be- friediqnng, in diesen Zeiiläufle» zu alöeiten. »■* Es ist so ländlich in Friedria, sielde. Kleinstadimäßig mit berlinischem Einschlag. Man mufi seine Arbeit verlieren, um Gelegen- heil zu finden, eine andere„Welt" leimen zu lernen. Man müßte es so haben, so wohne» können wie der Piarrer von Friedrichs» selbe. In der Seele des Arbeitslosen keimt Neid. Es ist gar nicht so leicht für einen Man», Beschäftigung zu fitiden.. Ueberall sitz: ein Haufen Weiblichkeit und man hat so das Geiühl, als werde man wie ein Eindringling behandelt und— abgewiesen. Ein Mann, der Stellung sucht! So sang noch und nicht im Felde. Noch hier. Noch am Leben. Der bar eigeutiich Glück und ist zu beneiden. Hat er auch keine Arbeil und ieiu Geld, so ist er doch sein heraus. «* -i- Im Rinnstein liegt in einer Blutlache ein toter Hund. Er ist von einein Straßenbahnwagen angefahren mib getötet worden. Es stehen einige Menschen um ihn herum, meist Frauen, und blicken aus mitleidigen Augen. Eine, die ein. Hündchen aus dem Arm bälr, klagt:„Armes Viecherl, daß du so hast enden müssen. Das Herz tut einem weh, wenn man so etwas sieht." »Enden setzt viele noch chlimmer und sind Menschen," sagte ein Mann. Ein buckliger Postaushilfsbote.«Das Gescheiteste wäre. man vergiftete alle Hunde,'s gibt ja doch nischl zu fressen for sie." «Meiner wird noch alle Tage satt." „Na ist das noch'n Hund k Der ist ja nicht ville größer als'n Flohbock. Den ißt eener alleene zum zweiten Früh- stück aus." «DaS könnte Ihnen so passen, da-Z möchten Sie wohl."— Ich werte, ehe ich gehe, noch einen Blick auf den Hund und sein Blut. Es ist so rot wie das, daS in meinen Adern" stießt, und war ge- wiß nicht schlechter. Es ist nur das Blut eines Hundes und gemahnt doch an den Krieg und der Menschheit namenlosen Jammer. ** » Schon wieder ein Auflauf. So zwischen zwölf und Mittag. An der Ecke der Linden- und der Kommandanlensträße. Ich habe »ich: viel Zeit, soll mich zwischen elf und zwölf llhr in einem Buch- drnckkonlor in der Krausenstraße nielden, bleibe aber dennoch steh». Was ist passiert? „Hier, a>t diesem Lalenieninast wollte sich vor Minuten ein Mann aufbammeln. Hier liegt noch der Draht." Und einer hebt ein Ende Draht aus anS dem Rinnsteiu und befühlt es auf seine Stärke. «Und wo steckt der Mann „In das Haus hier ist er ringerannt. Mau müßte einen Schutz- mann holen oder ihn nach der Unfallstation schaffen. Der scheint verrückt zu sein." „Oder man müßte die Feuerwehr rauskloppen. Die ist ja nicht weitab." Ich gehe in das Haus, in daS der„Verrückte" geflüchtet ist. Der Torweg ist schon voll von Normalen.' Bon geistig Gesunden. Sie drängen und schieben— jeder will das Unikum sehen, das nch in der Mittagszeit auf offener Straße erhängen null. Da sitzt es. Auf dem Treppenpodest. Lerbirgt das Gesicht und schluchzt. «Seien Sie doch gescheit," bittet eine Dam'e in Schwarz die Noripalen und nur ein wenig Neugierigen. Laßt mich allein mit dem Menschen. Und jetzt erhebt sich der Mensch, schwingt drohend einen Stock und belli etwas. Menschliche Laute sind das nicht, die über seine Lippen stürzen. Er ist ein noch junger Mann und kräftig ge- baut. Er sieht einem Bohemien ähnlich. Er will die Treppe höher hinaus, aber die Dame hält ihn fest. „Beruhigen Sie sich doch," sagt sie.„ich werde Ihnen Geld und Arbeit verichaffen." Und dann bittet sie wieder die Leute, gescheit zu sein nnd zu gebii. Ich gehe. „Ich werde Jhiicu Geld und Arbeit verschaffen." So müßte jemand zu mir sprechen.«T. A. �Mtualmorö in Ungarn." Im Anfang de? neunten Jahrzehnts des vergangenen Jahr- hliiiderls war der Ritualmord von Tii'za Eßlar die große Sache des Antisemitismus. Ein junges Mädchen, sechszehnjährig, war verschwunden. Wo konnte es geblieben sein? Aberglaube und Fanatismus waren auf dem Sprunge, und bald spukte das alte Blntmärchen in den Köpfen der Dorfbewohner von den Usern der Theiß; die Juden haben die Esther ermordet. Die Antisemiten er- kannten die Gelegenheit, einen Fall zu schaffen, lieber ein Jahr lang stand Tisza Eßlar im Brennpunkt europäischen Interesses. Wer die Brozetzgeschichte liest, die mit einem Zusammenbruch der Anklage endete, war erstalint über die Skrnpellosigkeil, mit der gegen die Juden gearbeitet wurde. Diese Vorgänge sind die Unterlage der jüdischen Tragödie „Ritualmord in Ungarn", die am Montagabend der Dresdener Hofschauipieler Arnold Marlö in einer, aus Zeniür- gründen nicht öffentlichen Veranstaltung der„Zionistischen Vcr- einigung" im Klindworth-Scharwenka-Sanl vorlas. Der Dichter, Arnold Zweig, hält sich im wesentlichen an die geschichtlichen Linien. Aber er gibt den Vorgängen eine unendliche Ansstrahlung, verknüpft sie mit den Sehnsüchten und den Schmerzen des zionistischen Judentum?, und macht das Werk io zu der großen, überaeschichtlichen Tragödie. Aus der Geschichte des Ritualmordes wird ein Mrffterium. Es bewegt sich aus dem Reich Satans, aus Gs-Hinom lder Höllei über die Erde zum Sitz Gottes, iziid zwischen den Sphären weben die Geister nnd Dämonen. Aber der ganze Inhalt ist mystisch. Gott und Satan kämvfen um die„Kloris", um die Seele Israels. Aus Leid»ud Verfolgung baut sich dos neue Zion auf, daS nicht machtpolitiich gemeint ist, sondern als eine Wiedergeburt aus dem Geiste, aus der Religion. ES ist künstlerisch bewundernswert, wie Zweig die Idee ge- staltet. Die realen Vorgänge sind mit Bewußtsein in einem Primi- liven Stil gehalten. Aber darum ist, wie ein großes Kreisrund, die unendliche Almospähre. Das Mystische ist da als eine lebendige Verbindung, als schließender Kreis und hüllendes Licht. Es gibt Szenen, wie die nächtliche Begegnung der beiden Wanderer, des Propheten Elijohu und des Dämons Pfefferkorn, des Renegalen, oder der Tod des Knaben Moritz in der verwüsteten Synagoae, die ein unendlicher Schauer durchweht, und die bei aller Symbolik doch ganz unmittelbar seiend empfunden werden. Eine große Kunst der Seele ist hier am Werk. Herr, Maria durchglühte bei allem guten Können das Werk nicht lies genug, traf auch die charakteristische Linie des Stils nicht ganz. Dennoch schul er starke, nachhaltige Eindrücke. Die Dichtung Zweigs ist im Hyperion-Verlag in Berlin er- schienen._" P. H. Hans Thoma übe? KnnftschÄffen. Als� Antwort auf seine Ernennung zum Ebrenmitgliede der Freien Sezession in Berlin hat HanS Thoma an diese einen Brief gerichtet, der wegen seines Geholtes auch iii weitercu Kreisen Beachtung verdient. Der Brief wird im Maiheft der Zeitschrift„Kunst und Künstler" veröffentlicht: „Ein bald Achtzigjähriger darf Wohl solche Ehrungen nn- bedenklich annehmen, wenn sie auch von oft sich entgegengesetzt scheinenden Bei einigungen an kommen. In meinem Alier kennt man keine Befehdungeii mehr, die aus Meinungen und. oft recht grauen Theorien enlspringen, man kennt nur noch die irei gewordene Kunst, die ihr Recht bat, weil sie ein Spiegelbild der schaffenden Menschenseele sein will; die Zeit des Kampfes hat aufgehört und ich sehe in allen Zweckvereinigungen der Künstler nur die Sorge uni das Gedeihen der Kunst und ihrer Entwicklung, die nur in der Freiheit gedeihen kann. Als eine Art Rechtfertigung, daß ich bei vielen Vereinigungen Ehrenmitglied bin, erlaube ich mir es auszusprechen, daß, wenn ich ja ein Kämpfer war, ich nur damit zu tun hatte, in stiller Art meine eigene Freiheit des Schaffens zu behaupten; wenn ich da- durch ungewollt auch zu einem Kämpfer für die Kunst im all- gemeinen wurde, io kommt das von der Ausdauer, mit der ich gegen vielsactie Gegnerschaft durch mein langes Leben hindurch mich behauptet habe. Künstler können sa doch � nur gedeihlich ihrem Wesen nach schaffen, wenn sie sich frei, frisch, fromm und froh fühlen— vor .solcuem Schaffen kann keine Dogmakunst schädlich ivirlen. Wir müssen zu dein Vertrauen kommen, daß alle Bcstrebiingen in der Kunst aus dem ernsten Willen hervorgehen, das zu suchen nnd zum Ausdruck bringen zu wollen, wa-Z in der Seele meist unbewußt verborgen liegt und nach Gestaltung verlangt; wie die sich formt, können wir nicht überwachen, weiß es der Künstler meist vorher selber nicht.— � Mit gegenseitigem Vertrauen ist es möglich, über alle iniftanfendeu Irrtümer hinweg- zur gulen Kunst zu gelangen. Mit deutschem Gruß ergeben st Haus Thoma. Vorsthiö'gT AM SekämpfunZ SL?-Sa?tsischtenep:öeNis. Im Hinblick aus die gegenwärtig stärker als sonst austretende, z. T. epidemische Barlflechrentrankheir— iverden vom Stabsarzt Dr. Meirowsly beachtenswerte Vorschläge in der„Münchener Medizinischen Wochenschrift" gemacht. Es wird oabei festgestellt, daß selbst beim cpisemiicheii Auftreten der Ptlzflechte bisher niemals ein solches An- schwellet: der Zahlen beobachtet wurde wie jetzt. Es handelt sich also darum, daß alle in Frage kommenden Stellen energliche Maß- regeln gegen die Weiterverbreitung der Flechreneptdemie innerhalb des Mililiirs und der Zivilbevölkerung ergreifen. Unier den Maß- nahmen, welche die Aerzte betreffen, wird besonders empfohlen, daß daS�Reichsgesundheilsamt zur Belehrung der Aerzle eine aufklärende Schuft über Ursachen, Verlauf und Behandlung der ansteckenden Bariflechten ausarbeiten möge, wie dies in gleicher Weise für die anderen überlragbaren Krankheiten üblich ist. Als unbedingt er- forderlich wird die Einführung einer Anzeigepflicht mir Angabe der Jnfeltionsquelle verzeichnet. Schon diese Maßnahme würde bewirken. daß z. B. die Friseure viel mebr Vorsicht üben, wodurch die Zahl der Uebertragungcn erheblich verkleinert werden loiuitc. Denn die Haupluriache für die Weiierverbreilimg der Epidemie in der Zivilbevölkerung liegt in den Rasierstuben. Schließlich sollen die prak- lischeu Aerfte auch dadureg unterstützt werden, daß die Kassen in er- sordcrltchcn Fällen die Genehmigung zur Behandlung mit Röntgen- strahlen" geben. Für die Barlflechtenkraulen selbst sollte ein Merk- blait herausgegeben werden. Ans diesem ist ihnen mitzuteilen, daß die Erkrankung hauptsächlich beim Rasieren durch ilnsaubere Wäsche, durch beschmutzte Häude und durch infizierte Rasierpinsel, häusit» aber auch durch kranke Katzen. Hunge. Pferde usw. übertragen wirk. Jeder Kranke sollte seinen eigenen Rasierpinsel veinichten. Auch über das Baden, über Halsbinden, Kragen usw. sollten bestimmte Anjklärungen verbreitet werden. Aus jeden Fall ist oer von Dr. Meirowsly geäußerten Meinung zuzustimmen, daß einer weiteren Verbreitung der Bariflechlenepidemie nur durch iystematijche, de- hördlich geregelte Maßnahmen gesteuert werden kamt. Nstizen. — In der Gesell s ch a s t für Erdkunde sprach zur Frier ihres OGfährigcri Bestehens der schwedische Forschung!- reisende Sven Hedin über die Kenntnis des inner- asiatischen Tkibet'im Wechsel der Zeiten. Er führte in breitgelehrter Weise vor, was die antike Welt, was die arabische Kultur und die neueren Zeiten von dem Lande wüßten oder fabelten. Erstaunlich war es besonders zu sehen, wie bis in die letzten Jahrhunderte auf Grund der Angaben des antiken Gro- graphcn Ptolemäus falsche Vorstellungen von dem Flußsystcm Ti- bets und Indiens sich erhielten. Hedin selber hat in seiner letzten Reise, deren Ergebnisse er jetzt in großen Werken verarbeitet, die letzten Probleme Tibsts lösen helfen. Die nicht gelehrte Zuhörer- schaff atmete dann auch aus. als er von den alten' Karten zu eigenen Eindrücken überging. Tibet, daS hochgelegene, durch die höchsten Gebirge ringsum verbarrikadierte und bis in die neueste Zeit dem Fremden verschlossene Land ist vom Weltkrieg nicht berührt wor- den. Im s Gegenteil, es hat vor den raubgierigen Nachbarn— den Russen wie den Engländern— Ruhe bekommen. — Theatcr in der Frankfurter Allee nennt sich eine neuaeg rundete Gartenbühne, die am Mittwoch, den IS., abends 7 Uhr mit der Uraufführung des dreiaktigen musikalischen.Schwan- kcs„Was man aus Liebe tut" von Lipschitz und F. Glaser, Musik von Eduard Mayer, eröffnet wird. — K u» st ch r o n i I. Die Kunsthandlung Fritz Gurlitt, Potsdamer Sir. ItV, eröffnet am Dienstag eine Ausstelllllig der graphi- scheu Aibeiion von Hubert Wilm aus tRünchen. —7 G o e l he s Urs au st, die geniale erste Fassung des Faust- Problems aus seiner Sturm- und Drangzeit, die ein günstiges Ge- schick lange Zeil nach Goethes Tode wieder in einer geheimen Ab- schrift ans Licht führte, wurde im Frankfurter Schauspielhaus mit großem Erfolge auf die Bühne gcbrachr. — Z u ni 50.'Geburtslage des Berliner Psychiaters Dr. Magnus H i r s ch f c l d ist eine F e st s ch r i p des wisienschafilich-bumanilären Komitees im Verlage von M. Spohr (Leipzig) erschienen mit Beiträgen von Ernst Haeckel. August Forel, Paul Kammerer, Friedrich S. Krauß, Dr. Iwan Bloch. Dr. Lip- schütz. Dr. Baege u. a. Sämtliche Arbeilen beschäftigen sich mit der Bedeutung Hirschfesds für das der Naturforschung neu erschlossene Gebiet der Sexualwissenschaft. — Dänemarks Millionäre. DaS durchschnittliche Ein« kommen in Dänemark ist, wie an.S RaaeS Bureau aus Kopenhagen gemeldet wird, nm 88 Proz. gestiegen. Im Jahre 1910 gab es in Dänemark 500 Millionäre gegen 227 im Jahre 1908. Von diesen 500 hatten 460 ein Vermögen von 1 bis 5 Millionen Mark. 32 besaßen 5 bis 10 Millionen, 7 andere 10 bis 20 Millionen und einer mehr als 20 Millionen. 3Sj PiornerZ. Roman aus dem Norden von Ernst D i d r i n g. Er war auf drin Nückmcge tzon Narvik und fuhr mit drm Fuhrknecht bis au die Grenze. ES war sonnig und warm und schön. Als er die Schwarze. Bärin sehr schläfrig am Wegrand sitzcil sah, hob er sie auf die Branntweinfässcr. Alle Menschen sollten es an so einem Tage gut haben, dachte Hansson, auch wenn sie sich manchmal schlecht betragen hatten, wie zum Beispiel die Schwarze Bärin, die die Geschichte von der Bergschlucht nicht für sich behalten konnte. Die Schwarze Bärin Ivar für Hanssons Aufmerksamkeit, sie zum Mitfahren aufzufordern, nicht undankbar. Sie sang die gemeinsten Lieder, die sie wußte, auf dem ganzen Wege bis an die Grenze, so daß selbst die Polareinsamkeit erbebte und die Schneeberge erröteten. Alle Lieder schlössen regel- mäßig mit dem schönen Kehrreim:„Willst du einen Platz bei mir?" in einer traurigen Molltonart, die Hansson aufs tiefste rührte und ihn insgeheim sinnreiche Pläne schmieden ließ, wie er gelegentlich einmal Maja durchbrennen könne. Schon sah nian zur Seite des Wegs das Haus des Amtmanns. Hansson ivar gespannt, ivie es wohl mit der Fuhre werden würde, da der Oboringcnieur die Bestimmungen über die Alkoholaussuhr iu der letzten Zeit"verschärft hatte, aber' er verließ sich auf Hjorts Versprechen und sein gutes Glück. Atls dem Hause stie� Rauch auf. Vielleicht saßen sie da oben gerade beim Essen, so daß sie das Fuhrwerk nicht ge- wahr würden. Die Schwarze Bärin hatte er glücklich zum Schweigen gebracht. Sie saß still und kopfnickend mir dem Rücken gegen die Fässer neben ihm im Wagen. Hansson gab dem Fuhrknecht einen Rippenstoß und deutete auf das Haus. Der Mann verstand und antwortete mit einem schlauen Grinsen. Er zügclte das Pferd und leise kroch der Wagen näher an die Grenze heran. Wenn sie erst an dem großen Stein rechts vorbei waren, konnten sie sich eiligst aus dem Staube machen. Aber noch war es besser,' so unhörbar wie niöglich zu fahren. Hansjon schien es, als hätte nie ein Wagen so nieder- trächtig geknirscht. Er pfiff und schrie förmlich nach dem Amt- mann. „Der Wolf schläft", flüsterte der Fnhrknccht. Hansson lachte, schüttelte aber den Kopf. Im selben Augenblick er- hoben sich hinter dem großen Stein drei Männer. Es ivar der Wolf mit seinen Knechten. „Prrr!" sagte der Wolf und trat auf den Steg. Der �Fuhrkuccht hielt sogleich das Pferd an. Die Schwarze Bärin wachte bei dem Ruck auf. erblickte den Mann auf den: Wege und begann sofort zu singen: „Willst du einen Platz bei mir?" Hansson hieß sie schweigen. „Ach so, du liegst und sonnst dich", sagte er zu dem Amtmann. „Was hast du in den Fässern?" fragte dieser. „Konfekt," antlvortcte Hansson und kraute sich hinterm Ohr. „Kanu ich mir denken. Das möchte ich mal probieren," grinste der Wolf und gab seinen Knechten ein Zeichen, die bereitwillig herankamen. „Hjort hat mir versprochen, ich dürfe soviel Alkohol mit- nehmen, wie ich will," sagte Hansson trotzig.„Wir haben den Nuolja untergekriegt," fügte er erklärend hinzu. „Sehr nett für euch, aber mich kriegst du keinesfalls unter." Der Wolf deutete auf die Fässer.„Ladet das Konfekt ab," befahl er den Knechten. Da begann die Schwarze Bärtn zu toben und zu schreien. „Wir nehmen sie auch, wenn sie Lärm macht," bestimmte der Wolf. Die Knechte packten sie energisch bei den Beinen, holten sie vom- Wage» herunter und trugen die Zappelnde und Schreiende zum Hause hinauf. „Hörst du nicht, was ich sage?" beharrtc Hansson.„Hjort hat es mir versprochen."'. „Hast du das schriftlich?" fragte der Wolf. Hansson schüttelte den Kopf.„Glaubst du mir nicht auf mein ehrliches Gesicht?" versuchte er zu scherzen, um den Amtmann milde zu stimmen. „Ehrlich, sagst du?" wiederholte der Wolf.„Was stehst du hier und glotzt?" fuhr er den Fuhrknecht an, der vom Wagen hernntergeklettcrt war nnd nun gaffend dastand. „Mach, daß du wegkommst, sonst geht's dir auch schlecht. Von Pferd und Wagen siehst dir nie mehr eine Spur." Der Wolf packte den Mann am Arm, drehte ihn um und beförderte ihn mit einem Fußtritt aus den Weg. ..Tie Schmuggelei soll ein Ende haben!"■ schrie er Hansson an. „Das ist gelogen," antlvortcte dicier tief verletzt.„Ich bin kein Schmuggler. Ich babe Vollmacht von allen Kameraden." Er suchte in der Tasche. „Bemühe dich nickt," sagte der Wolf.„Eine Vollmacht von Hjort wäre mir lieber gewesen." Hansson stand und überlegte, ob er die Gelegenheit wahrnehmen und alle alten Differenzen mit dem Amtmann jetzt aus. einmal erledigen sollte, während sie allein waren. Es kribbelte ihm richtig in den Fingern, und wären nicht die beiden Knechte wieder aufgetaucht, so hotte es auf dem Wege ivohl eine Keilerei gegeben. Der Wolf, der die ganze Zeit dastand und seine Pfeife rauchte, stellte sich noch breitbeiniger hin, als ivolle er damit zeigen, wer hier der Herr war. Als die Knechte sich auf den Wagen schwangen und dem Hause zufuhren, grinste er nur und trottete hinterdrein. „Twi!" spuckte Hansson hinter ihm aus.„Das sollst du büßen." Hansson war tief gekränkt. Er schmiedete alle möglichen Rachepläne gegen den Amtmann. Die ganze Schicht werde hergehen und dem Wolf das Haus anstecken und die ganze Sippe totschlagen. Dreißig Flaschen Kognak und fünfzig Lirer Schnaps! Ja, das ivar eine feine Sache! Da iviirde der Wolf eine fidele Woche haben, denn er trank gern. Uno dann obendrein seinem Wort nicht glauben. DaS sollte Hjort nur wissen, dann kam es anders. Dumm, daß er sich das Versprechen nicht schriftlich hatte geben lassen, dann brauchte er jetzt nicht wie ein Idiot ohne einen Tropfen auf der Land- straße zu stehen. Was würden seine Jungens sagen? Ihm wurden die Ohren ganz heiß. (Lortf. folgte Direttion Max Reinhardt. I>eutschcs Tlieater. 7'/z: Tobias Buntschah. i£. aisiRü ers piele. 8 Ulir: SSramaran. Volksbühne. Theater am BUiowplatz. üntergrundb. Schönh. Tor. 8 Uhr; Hanneies Himmelfahrt. ItaigF des Westens Allabendlich T1/» Uhr: Lsopoldinß Konstantin Die Tänierin. Theater für Mittwoch, 15. Mai. Central-Tlieatcr KommandantenstraHe 57. lll,: l»ie Csardasf Urstin Ocutsohes Opcruhaus 7 Uhr: Rigotello. Tlicatsr�KöniggratzerStr. l'l4 Uhr: I>ie Schwestern und der Fremde. Komödienhaus T/t Uhr: lUe Zarin. Berliner Theater 71/4 U.: Blitzblaucs Blut. Tiiaater der FrieWstaill JCoko Friedrich- u. Linienstr. Xord. 8050. Täglich 7'j.: Familie Hannemann. Hans Junkermann. v. Möllendorff Alioo Torning, Richard Georg. Walhalla-Theater. 7':, Uhr: D ottauliebchen. Friedrich-Wilhclmst. Theater T'/i Uhr: M Hl'WäliSI'IjjM. Kleines Theater s uhr: Die Hausdame. Komische Oper T'U.: SehwarzwalitoHileL Liastspiclhans V/t Uhr: Die blonden Mädels y.Llniienlini Bcsidenz-Theater 7'/.uhr: Der junge Zar. Metropol-Theater Die Rose von Stambul. 7'/, Uhr: ISATIONAIa Cöpenioker Str. 68 Neues Operettenhaus 7v<ühr:DerSoig!attierMarie. Schiller-Theater O 71/2 Uhr; (früher Doutsch-Amerikanisches Theater) Mittwoch, den 15. Mai, 7'� Uhr: Uraufführung! Mäus'chen. THEATER Göpenioker Str. 68. 1 Schiller Th. Charl. TU Uhr: Der letzte Funke. Militär schwank von Müller- Malberg, Texte von Willi Steinberg, j Musik Walter Bromme. Kekmt Rübstiel: Karl Wressel« Tänze: Ballettmeister Ufang�elsdorff. Tlsalia-Theater u�löter der blentlfifl Linde Theater am Nollendorfplatz U Uhx: Othello. 7 Uhr: Der Ufas ein feld- 55 E3 � 83 v&sS ssS? graues Spiel Tiislich 7 lU Uhr abends Heute nachm. S'/a Uhr: Farainäen- u. SchüEer-Vsrsteälung zu kleinen Preisen PaSasfi-Theat®? mm Zoo SMWMH_____ Blähmassiiirien gebraucht, einzeln sowie in Posten zn höchsten Preisen z» kaufen gesucht. Angebote unter V. 1170 an Haascnstoin& Voller, Berlin. Paul Göbel der Urkomische Chester Dieck Exotischer Kadfahrakt „Durga" das fliegende Piano sowie der große Mai-Spielplan! BBHnanMBHBXEaiMwaBHq Casino-Theater Lothringer Str. 37. Tägl.'1,8 U. Nur noch kurze Zeit das heitere Familienbild Zlnna�s Traum. Porher erstkl. Spezialitäten. An allen Feiertagen 4 Uhr: Maienzauber. Theater > Friedriehst. 3181 faul I Seckers Hentschlands 1 bester Komiker I sowie 13 erste | Varietd- Attraktionen 1 I Sonntag 31/1 Uhr jeder I | Erwachs. 1 Kind frei! 1 MlÄLK, ' Tägl. 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Sä. 5212 Die dritte Lesung der Wahlrechtsvorlage geschlosien. 140. Sitzung b c 3 Abgeordnetenhauses. Dienstag, den 14. Mai, vormittags 11 Uhr. Am Ministertische: Dr. Friedbcrg, Dr. DrewS, Hergt. Die Aussprache wird bei dem gestern zurückgestellten Artikeln fortgesetzt. Danach ivird u. a. ein Berständigungsausschuk aus Mitgliedern beider Häuser gebildet, wenn die Erste Kammer einem Be- schlusz des Abgeordnetenhauses zum Haushaltsplan nichr beitritt. Dazu liegt ettt Antrag Dr. P o r i ch(Z.) vor. Er verlangt die Durch zählung beider Häuser, wenn eines der beiden Häuser den Haushaltsplan im ganzen ablehnt, nach dem Zusammen- mit des Verständigungsausschusses. Bei diesen Durchzählungen sollen nur so viel Mitglieder der Ersten Kammer stimmberechtigt sein, als die Mitglicderzabl des Abgeordnetenhauses beträgt. Die Herabsetzung der Stimmenzahl der Mitglieder der Ersten Kammer criolgt durch Ausscheidung der erforderlichen Zahl der zuletzt be- rujene» Mitglieder. Abg. Dr. Ludcwig(natl.): Wir haben große Bedenken und lehnen den Sinti og ab. Abg. Bell(Z.s: Wir sind von nationalliberaler Seite ausdrück- lich aufgefordert worden, diese Lücke auszufüllen und wir nehmen das Gute auch von anderen Parteien. Finaitzmiitifter Dr. Hergt: Die Durchzählung würde das Budget- recht des Slbgeordnetenhauses nicht wesentlich beschränken. Die Re- giernng könnte dem Slntrage zustimmen. Abg. Boisly snatl.s t Die überwiegende Mehrheit meiner Freunde wird für den Antrag stimmen. Slbg. Mcycr-Franksurl(Vp.): Wir sind gegen den Antrag. Das Budgetrecht des Slbgeordnetenhauses darf nicht noch verschlechtert werden. Abg. Adolf Hoffmann Verhältniswahl die Fortführung der Ostmarkenpolitik sichert. Slbg. Küntzer(natl.): Wir legen den größten Wert auf die Ver- hältniswnhl im Osten. Der Antrag über die Sicherung der WahlkreiScinteilung wird angenommen. Die Proporzanträge der Fortschritiler und Nationalliberalen für Berlin und eine Sl n z a h l Gr o ß st ä d t e werden a d gelehnt. Darauf wird über die Einführung des Proporzes ii den gemischtsprachigen Landesteilen namentlich abgestimmt. Sluch die Verhältniswahl für die gemischtsprachlichen Bezirke wird mit 203 gegen 113 Stimmen abgelehnt. Der Rest des Gesetzes über die Wahlen zum Ab g e o r d n e t e n h a u s e wird angenommen. Dann werden die letzten Slrtikel des Verfassungsgesetzcs be raten. Nach Art. 7 entscheidet über die Gültigkeitder Wahler zum Abgeordnetenhause das Obcrverwaltungsgcricht Ein Zentrumsantrag will die bisherigen Zustände bestehen lassen wonach das Slbgeordnetenhaus diese Prüfung der Wahlen selbst vor nimmt. Nach einem konservativen Antrage entscheidet das Oikrver waltungsgericht im Beschlußverfahren. Ist ein Einspruch rech: zeitig erhoben, so können alle Einspruchsberechtigten sich bis zu Entscheidung des Einspruchs anschließen oder Gegengründe gelten! machen. Nach kurzer Erörterung durcb die Abgg. Ludewig(natl.), pm Kries(f.). Bell(Z.) und Lüdicke(fk.) wird der Slrt. 7 mit dem kow scrvaiiven Antrag angenommen. Ein Z e n t r u m s a n t r u g fordert einen neuen Artikel 9s der folgendermaßen lautet: Die Verfassung kann auf dem ordentlichen Wege der Gesetz gebung geändert werden, wobei in jeder Kammer eine Stim m e n m r h r h c i t v o n z w c i D r i t t c l n bei zwei Slbstimrnuti gen, zwischen denen ein Zeitraum von wenigstens drei Tage: liegen muß, erforderlich ist. Slbg. Dr. Ludewig(natl.): Wir lehnen den Zentrumscmlrag ab Der Antrag wird darauf angenommen. Ebenso die letzten Ar tikel des VerfassungsgesctzeS. Darauf werden die drei Ber fassungsgesetze in einer Gesamtabstimmung mi großer Mehrheit a»g e n o m m e n. Dagegen stimmen die Fortichrittliche Volkspartei, d i e b e ij) e r sozialdemokratischen Gruppen, die Polen und Dänen sowie einige Nationalliberale und Ircikonfervative. Das Haus vertagt sich. Di.enstag, den 4. Juni, 2 Uhr: G c st ü t v e r w a l t u n g, Au träge.>. Schluß: 5% Uhr.•_ Die SelWemm im Haupt- ausschuß. Am Dienstag wurde die Beratung über die Besitzsteuern fori gesetzt. Die Fmanzminister der Einzelstaaten sind zum Teil wicde anwesend. Liesching(Vp.): Skach den bisherigen Bestimmusngen ist eil etwaiges Rcichsdcfizit im Wege der Umlage durch Matr i k nlar beitrüge der Einzelstaaten aufzuibringen; die letzten Finanz rcformeu der Friedenszeit haben Ws überflüssig gemacht, aber da Wiederbetreteu dieses Weges schein? ohne eine grümllliche!>! eicht besitzsteucr unumgänglich Er müsse dringend davor war neu, ans politischen Gründen, sich gegen direkt» Reichssteuer. hartnäckig zu sträuben; die schlimme» Wirkungen«ruf die Volts massen könnten nicht ansblriben. Die ErbschcrstBsteueranträg können der Regierung als Material überwiesen wc/rdcn. Bayerischer Finanzminister v. Breunig: Vor.«wenigen Taget habe ich»och im bayerischen Finanzausschuß dar, gelegt, daß da llicich gewisse Besitz st cucrn wie Wehrbeitrag usw. sehr woh erheben dürfe, und daß darüber eine Einigung stets möglich sisi Direkte R c i ch s st c u c r n im engeren S invs e aber sin für die Bundesstaaten undislutabel. Das Reich wirst fortschreitet müssen aus dem Wege der Nutzbarmachung isn direkte S t e u e rg u e kl e n. Tie sozialdemokratische Theorie,.von der Vc lastung der Masse» durch die Kansumstenern ist durch; die Entwick lnng überholt, weil die Massen heute imstande sind, stezavf die Be sitzenden abzuwälzen.(Lachen bei den Soz.) Der Krieg'hat gezc-ig' daß viel größere Lasten getragen werden können, als..«mir frühe für möglich gehalten hat. Es muß allerdings mit Slbfdjtpa erfüllet' wenn in dieser Zeit Luxus und Verschwendung getrst. ben werden doch durch Vorlagen wie die über die Bcsitzsteuer kann? solchen Er scheinungen nicht entgegengewirkt werden. Bernstein(U. Soz.): Die Darlegungen des Herrn v. Breuni; sind in keinem Punkte überzeugend; das ganze System is� irratio ncll. Ter gemeinsame Slntrag Gröber geht uns nicht weit genug wir müssen schärfer zufassen und wir haben darum einen ws eiter gehenden Antrag gestellt. Sächsischer Finaiizininister v. Scydcwitz: Das vorgelegt» Steuer bukett der Regierung steht keineswegs so ausschließlich. auf den Papier, wie es hier behauptet wurde. Tic direkten Stenern sind in Deutschland mehr herangezogen als wie die indirekten Steuern. Voi einer Slotlage des Reiches kann schon deshalb keine Siede iein, w c i noch immer auf eine Kriegsentschädigung z u rechßnen sei Dem Reiche direkie Stenerquellen zu überlassen, könnt je zu eine Katastrophe führen. Sachsen ist genötigt, seine direkte in Steuert von 87 auf 100 Millionen zu erhöhen. Sachsen ist dcsha!> gegen du vorgeschlagenen Besits steuern. Wenn man erst den Sltifang mi einer Reichseinkommcnsteuer macht, dann gibt es auf diese' Bahn kein Halten m c h r. Slbg. Graf Westarp(k.): Wir müssen verlangend' daß wu eine Kriegsentschädigung b e ko in m e n, erst dann wird dar Be darf des Reiches zu übersehen sein. Zur Deckung de� setzkigim Be' darfs reichen die von der Regierung vorgeschlagenen Ätewerit, vollst aus. Sluch die Konservativen sind gewillt, dem ReftJudie Mög lichkeit zu geben, den Besitz zu erfassen, was sich zrciüchst abei nicht auf das E i n k o m m e» und auf daö V e r n t ö g c n er strecken darf. Die Einwmmcusteuer muß den Emzc Staaten er halten bleiben, ebenso die Besteuerung des Vermögens..Tie vvrge- schlageiic Abänderung der Erbschaftssteuer ist unannehmbar. Da gegen kann man einen Ausbau der Kriegssteuer bornehui.m, wen i die Landwirtschaft entsprechend g e s ch o eu t wird Sluch mit einer steuerlichen Erfassung des Mehreiukomm»«s würde, sich die Konservativen abfinden, das aber sei das äuHeieste Zuge. ständnis, das die Konservativen' machen könnten. D Ueicr tne borgeschlagenen neuen Steuern findet noch eilne vcrtraul-iche Erörterung statt. Die Bo-stungen werden bid dMN ausgesetzt." Der Ausschuß befaßte sich dann mit einem Antrag des Zentrums, den Achg. Gröber begründete, einen Stcuergerichtshtf für das Deutsche Reich zu schaffen.� Staatssekretär Graf v. Äoedcr» erklärt sich mit der Tendenz des Antrags einverstanden, doch könne er nur für seine Person sprechen. Nach kurzer Debatte wird Wer Antrag einstimmig angenommen.' Widerstand ocgcn die AriqgOabgaben. Tie vertraulichsn Amhaiidlungen am Nachmittag hatten nicht den gewünschten Erfolg. Als der Ausschuß abends um 7 Uhr wieder zusammentrat, teilte Abg. Gröber mit. daß d? Vorschlag, das Mehreinkommen zu besteuern, bei den eingetpcmtüch« Fincmzmi-iistern Anklang gefunden habe. Da- gegen waren die �Bedenken gegen die Vermögens- steuer und gegen die einmalige Besteuerung des Ein- kam mens nicht zu überwinden. Ter Staatssekretär habe dar- «vif hingewiesen, daß man aus der Besteuerung des Mehr ein- komm aus, wenn man kräftig zusaffe, 1203 Millionen Mark her- cuMole» könne, und damit sei der finanzielle Bedarf befriedigt. Ter Staatssekretär soll nunmehr statistisches Material vorlegen, aus welchem sich ersehen läßt, ob seine Angaben zutreffend sind. Tie Abstimmung über alle Anträge wurde ausgesetzt. Graf Westarp brachte dann noch einen Antrag ein, der den Reichskanzler ersucht, schon jetzt einen Gesetzentwurs über eine Be- stcuerung der Kriegsgewinne der natürlichen Personen vorzulegen, dabei aber mäßige Ersparnisse zu schonen und für die anteilige Deckung eines weiteren Bedarfs durch erhöhte Le i st u n g e n der Einzel st aateu in Erwägung zu ziehen. Der Ausschuß vertagte sich sodann bis zum 5. Juni. Fortsetzung See Iustizöebatte im Reichstag. Dienstag, den 14. Wbi 1818, nachmittags 2 Uhr. Am BunSesrat-tisch: von Krause. Das Haus erledigt zunächst einige Aufrage«. Abg. Gcbhart ff.) beschwert sich über die Zwangsmaßnahmen gegen Landwirte zur Aiblieserung von Hühnereiern; es sei iogar Soldaten der Urlaub verweigert ivorden, wenn ihre An- gehörigen nicht genügend Eier abgelicscrt hätten. Die getroffenen Zwangsmaßnahnlen entbehren der gesetzlichen Unterlage. Unlcrstaatssekrerär Dr. Müller: Zwangsmaßnahincn zur Er- lassung der Eier sind zulässig und rechtsgültig. Eine Zwangs- liestrung von Eiern vorzuschreiben, ist nach den gemachlen Er- soürungen noiwendla. Bon einer Urlaubsverweigerung aus dein genannten Grunde ist weder dem Reichskanzler noch dem Krieg?- minister etwas bedonnt. Abg. Dr. Betlzer lZ.) wü»scht, daß die Blitzableiter erst nach dem Ende der Gewitterzeit abgenommen werden und daß die Militärvewvaltuing für Ersatz sorge. Hauplwann«. Kraft: Kupferne Blitzableiter brauchen erst ab- genommen zu werde«, wenn das eiserne Ersatzmatmal vollständig zur Stelle ist. Hierauf wiijd die Beratung des j?ff»(IX. S.): In bezug auf die steigende K r i m i n a- ität der J»gendlichen darf man nicht vom Strafrichter Besserung er»>«.'len; wir brauchen cm neues Jugendrecht. Vor ollem muß man. uvi. der Kriminalilär zu begegnen, den Kampf gegen den Krieg führen, ber alle Kulturgüter und alle Sittlichkeit zerstört. (Veiiall b. d. ük- S.) Unter dem gesetzlichc» Belagerungszustand werden die Böltrebungen der unabhängigen Sozialdemokraten zu landesverräterzschen gestempelt, die Bestrebungen, die gelragen sind von de« glühendste« Vaterlandsliebe, von der Liebe zum Vaterland der grvßen Massen, von der Liebe zn allen Kultur» idealen.(Beifäll. b. d. U. Sä Die unabhängige SozuUdemokrmie wird außerhällb ldeS lliechts stehend erklärt, das beweist das Vor- gehen gegen Wr<»u Zretz. Das Reichsgericht spricht Recht nach die- »cm Rezept oeS früheren Reichskanzlers Michaelis. So hat es auch die Mätgtcder des JugcndbildungsvercinS Dresden wegen Lundesaerrcr�. zu Zuchthausstrafen verurteilt. Durch diese Art d sr K-la s s e n j u st i z tut das ReichSgertcht alles, um d' s M'n-ch t der Militärdiktatur zu stärken.(Bei- fall bei iUa lU Soz.— Stürmische Unterbrechungen und Pfuirufe! — Rufe-ü>ei! der Mehrheit.— Der Vizepräsident Dr. Paasche ruft den Abg. Arzfeld zur Ordnung.) St rwiflselvetär v. Krause: Aufs entschiedenste weise ich diese Art der Zfcitlk an der Rechtsprechung des Reichsgerichts zurück. (Beifall Edß.'der Mehrheit.) Das Reichsgericht hat noch nie An tag dazu gegnben. daß man ihm nachsagt, daß eS gegen leine Auf- fussung von mvcht entschieden hat. Daß die Unabhängigen Sozia- listen»licht jviffeits des Rechts stehen, beweist gerade der Fall Zieh, dea n foi diesem Fall hat daS Reichsgericht entschieden, daß die ermitteltlm Tatsachen nicht ausreichen, um eine Verfolgung zu rechtfertXzen nnd hat die Frau außer Verfolgung gesetzt. Abg. LawdSberg(Sozi): Mit der Absage des Staatssekretärs gegen ff» ireaukratische Engherzigkeit vertrögt es fich nicht, daß A-irn Bei viel die StaatSanwalrlchast in Frankfurt a. M. gegen urEeren. i Zarteifreund Wendel Slnklage im öffentlichen Jnter- effe»(Jgal Beleidigung eines Oesterreichers erhoben bat. dessen Buch t�dsb-Serbien Wendel in einer österreichischen Zeitung be- sprachen h»t. Die Staatsanwaltschaft ,n Frankfurt Halle es so eilig, daß sie nicht einmal vom Reichstag die Ermächtigung zur Strasvcffbfevng nachsuchte.(Hört! hört! bei den Sozialdemo- kraten.) Ter Eiser. der sich dort äußerte, könnte sich besser an der Die Abgg. Dr. Heckschcr(Vp.) und Stubmaim(natl.) wünschen, daß der Staatssekretär Soff bald wieder seines Amtes walten würde. Beide heben die Bedeutung der Kolonien für die deutsche Zukunft hervor. Abg. v. Böhlendorfs(k.) feiert den General v. Lettow, glaubt, � daß in der Kolonialpolitik nunmehr alle Parteien einig seien und die politischen Gegensätze aus diesem Kapitel verschwunden wären, und erklärt zum Schluß eine wirkliche deutsche Kolonialpolitik ohne den Besitz der flandrischen Küste für unmöglich. Abg. Dr. Arendt(D. Fr.) begrüßt als einer der ältesten beut- scheu Äolonialpolitiker die Uebereinstimmung des Reichstags in Kolonialsragen. f Abg. Henke(U. Soz.): Wir machen alle diese Phantastereien nicht mit.(Vizepräsident Paasche rügt den Ausdruck.— Unruhe bei den U. Soz.) Wir lehnen die kapitalistische Kolonialpolitik grundsätzlich ab und sehen in den kolonialen Plänen die eigentliche Ursache und den Zweck de? Krieges. Hinter uns steht das Volk. (Rufe: Zwickau.— Gelächter.) Leider findet die Kolonial- Politik auch die Unterstützung eines Teils der Sozialdemokraten, die ins Fahrwasser des Imperialismus geraten sind.(Zustimmung bei den U. Soz.) Abg. Nosle(Soz.): Bei der vorgerückten Stunde lasse ich mich auf eine Debatte über Ursachen und Kriegsziele nicht ein. Tie Bemerkung des Abg. v. Böhlendorfs über die belgische Küste ge- hörte wirklich nicht zur Sozialpolitik. Ich begnüge mich damit, er- neut festzustellen, daß auch nach Auffassung der sozialdemokratischen Partei, hinter der die ZNasse der deutschen Arbeiter, wie der gestrige Tag wieder bewiesen hat. unerschütterlich steht(Lebhafte Zustim- mung bei den Sozialdemokraten), unsere Gegner mit der Wieder- Herstellung des deutschen Kolonialbesitzes zu'rechnen haben.(Er- ncute Zustimmung bei den Sozialdemokraten.) Damit schließt die Debatte. Abg. Lcdebonr(U. Soz.) beantragt, morgen eine Sitzung mit der Tagesordnung„Der Osts rieben" abzuhalten. Eine' Ver- tuschungspolitit sei nicht länger am Platze, die Vorgänge in der Ukraine, in Finnland, Estland usw. müßten besprochen werden. Vizepräsident Dr. Paasche: Eine solche Erörterung ist morgen schon aus dem Grunde unmöglich, weil Staatssekretär v. Kühlmann im Hauptquartier ist. Der Antrag wird gegen die Stimmen der U. Soz. abgelehnt. Nächste Sitzung: Dienstag, den 4. Juni, 2 Uhr. Kleine Anfragen, Belagerungszustand, Rcichsamt des Innern. Schluß: 7 Uhr. abfetzung und Diskreditierung der Geueralkommission der Gcwcrk- schatten Deutschlands nicht trüben ließen— und das ist glückiichcr- weise die erdtückcnde Mehrheit der Arbeiterschaft— werden bei der Durchsicht dessen, was diese Körperschosl getan und zu tun ver- sucht bat. nur darin bestärit, daß die Wahrnehmung der Lrbencr- intcresien in gnten Händen liegt. Tie Anerkennung sür diese im Interesse der geiamicn Arbcilerschasr liegeiidcn Täliglcit krinm! wesentlich zum Ausdruck in dem cniniicn Mitglieder a u I si i e g der deutschen Getoerlichasten im Jahre l817. Dieser Auislieg war nubt mehr und nichts weniger als die E r k c n n t n i s der N i ch i- organisierten, die in den Gewerkschaften die Vertreter ihrer Intcresien erblickten und zwar aus Grund des stchtbarcn Ersolzes der von dieien bcliicüencii Politik. Die Tatsache, daß die führenden Aiätuicr der Gewctkichaiien von Anbeginn de? Krieges planmäßig und energisch sich der Intcresien der werktätigen Schichten annahmen und ein Zusammenwirken mir den Zentralstellen der anderen Gewerkschaflsgruppen auf den ver- schiedensien Gebieten wesentliche Ersoige erzielten, konnte aus die Dauer auch in dieser trostlosen KriegSzeit nicht unbeachtet bleiben. Dieser Gedanke drängt sich dem unbefangenen Beurteiler tin- willkürlich aus, wenn er in zusammengedrängter Form von den: Wirken der Generalksmmiffion im abgelaufenen Jahre Kenntnis erhält. Ihre Bemühnngen um die Handbabung und im Interesse der werktätigen Schichten liegende Dnrchsührung des HilssdienstgesryeS, der Schlichlungsausschüsse, das Eingreifen der Gencralkommission in zahlreichen Fragen wirischaflSpolitischer Natur, sowie die Ver- suche auf Herbeiführung einer Verständigung unter den Getverk- schatten aller Länder über die gewerkschaftlichen Forderungen zum Friedensvertrage sind Handlungen im Sinne und Geiste echter Arbeiterpolilik. Vorwürfe wurden gegen die Gencralkommission ans vereinzelten Organisationen erhoben, daß sie sich dem Bolksbund sür Freiheit und Baterland angeschlossen habe. Demgegenüber verweist sie darauf hin, daß die Vcreiniglliig aller Kräfte, die eine Berstäudi- guiig mit den anderen Völkern und den Ausbau des Staates auf der Grundlage des Rechts wollen, notwendig ist. Eine solche Ver- einigung sei schon um deswillen erforderlich, weil in der sogenannten Vatcrlandsvartci der Mittelpunkt der kriegsverlängernden Strömung zu erblicken ici. Der Gewalt nach außen solle auch die Gewalt- anwcuduiig im Innern folgen. Mit aller Klarheit und Entschiedenheit wendet sich die General- kommission gegen diejenigen Kreise ans der Arbeiterschaft, die den Versuch machen, die Gewerkschaitcu zu einer von den gegebenen wirtschaftlichen Machtfakiaren unabhängigen Politik zn drängen. Zu einer Sprengung der Gcwcrffchaslen werde es trotz aller Herab- Würdigungen und Verlennidungen der leitenden Kräfte der Gewsrk- schaften auch in der letzten Phase des Krieges nicht kommen. Am wenigsten nach Kriegsschluß, wenn die Notwendigkeit des gcwerk- schastlichcn Zusammenschlusses den Arbeitern und Arbeiterinnen von de» während des Krieges zu gewaltiger Machtstellung gelangten Unternehmerorganisati.'nen eingepaukt werde. Wicderciustcllnng der Kriegsteiltlehincr im Gaflwirtsgcvcrbc. Der Vorsitzende des Verbandes der Holelbesitzervercine Dculich- landS bittet uns mitzuteilen, daß der Verband der Hotelbesitzer- vereine bei der Besprechung über die Aufstellung von RichUinien sür die Wiedereinstellung der Ktiegsleilnehmer nicht vertreten war. In der uns von der Arbeitsgcmeinichaft der gastwirtichaftlichen An- gestellteiiverbäude gemachten Mitteilung, die wir in der Nummer des„Vorwärts" vom L. Mai veröffenllicklen, war der Verband der Hotelbesitzervereine als an den vereinbarte» Richtlinien beteiligt angegeben.__ parteinackmchten. Eingestelltes Verfahren. Die„Leipziger VolkSzeitung" meldete, daß das gegen Frau Zietz schwebende Verfabicn wegen versuchten Landesverrats ein- gestellt worden ist. Frau Zietz war auf Grund eines Haftbefehls vom 10. Oktober 1917 verhaftet und erst im Eöpenicker und dann im Moabiter Geiängnis scstgchalteii Warden. Nur mit Mühe ge- lang es, Frau Zietz um ihres leidenden Znstandes willen gegen eine hohe Kaution auf freien Fnß zn setzen. Die Justizallion er- folgte im Zusammenhange mit den bekannten Vorgängen bei der Marine. Politische Verhaftungen in Kol». In den jüngsten Wachen sind in Köln mebrere Mitglieder der U. S. P. verhaftet worden. Ferner haben Haussuchungen stattgefunden. Einem der Veihaflelen, einem siebzehnjährigen jungen Arbeiter, der sich bis vor kurzem in der neuen Jugendbewegung betätigt hat, werden„landeSverrälerischc Umtriebe" zur Last gelegt. Geweeffchasisbel Tie Tätigkeit der Generalkommission wird in dem den Verbandsvorsländen unterbreiteten, 46 Druckseiten umfassenden Bericht für daS Jahr 1817 beleuchtet, von dem das „Korreipondenzblatt" einen Auszug gibt. Diejenigen, die sich bis- her ihr Urteil durch eine sattsam bekannte Methode der Herab- Industrie und Handel. Aus dem Berliner Wirtschaftsleben. Die Neue Photographische Gesellschaft A.-G. in Berlin- Steglitz war 1817 durchweg gut beichästigt; die Nachtraoe nach ihren Et- Zeugnissen war ununterbrochen lebbast und der Umsatz criubr eine weitere Steigerung. Es ergibt sich für das Geschäftsjahr ein Brutto- gewinn von 311,876 M.(i. B. 121 310 M.). Noch Vornahme der Abschreibungen in Höbe von 104 264 M(90 870) verbleibt ein Reingewinn von 207 612 M.<30 439). um den sich der Verlnstvorlraz aus 1316 van 694 909 M. auf 487 297 M. ermäßigt. Die Julius Pintsch A.-G. in Berlin schlägt die Ausschüttung von 14 Proz. Dividende(i. B. 10 Proz) aus einem Neingewinn von 2631364 M.»»«vs»tvtn<& Voller, Berlin. .___,. mit echte in ZAHNE F�f.-Kcl,ult von 3 dl. au. SpeisiaUtttt: ZÖne ofackae Gaumonplatte."Vollgoldkronen v. 20 M. an! '_ sohlechtsitzender eparaturen sofort, dxn (ItovnnnrAioo I Umarbeit". sohlechtsitzender >6l!lß)!«XllSpr6IS&! Gebisse. 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