Nr. 137. 35. Jahrg. BezugSpretS» SierteyShrl. 4�0 Ml. monatl. I.WVN. frei ins Haus, voriluszahlbar,Einze>i>e �imnmern 10 Pf,,, Postbezug: Monatlich 1�0 Dil. Unter Kreuzband für Deutichland und Oesterreich- Ungarn 3.— Ml, für das übrige Ausland OboMl. monatlich, Perland ins Feld bei dkeller Leslellung monall. IFV Ml. Postbestellungen nebmen an Däne- inarl.Holland, Luxemburg, Schweden und die Schweiz, Eingetragen in die Post-Ieitungs-Preislist«. Erschein» täglich, relegranun- Adreff« »Sozialdemokrat Berli»"« 1V pkSNNSZ A«zeige«preiSt 7�* Vevlinev VolKsbwtt. DlestebengespalteneKolonelzeilekostei so Pfg,»Kleine Anzeigru", das fetigednulte Lsort 30 Pfg, izuISfftg S fetlgedruclte Worte), jedes weitere Wort 1b Pfg, Etellengemche und Echlatstellenanzesgen das erste Wort 20 Pfg,, jedes wertere Wort 10 Pig, Worte übet 1B Buchstaben zählen jflt zwei Worte. Teuerungszusch.'ag 20°/». Familien-Anzeigen, potiiifche und gewcrlschasttiche Pereins- Anzeigen S0 Pfg, die Zeile. Anzeigen für die nächste Nummer müssen bis 5 Uhr nachmittags im Hauplgeschäst. Perl!!! Sffi.68, Lindenstratzc S, abtegcben werden.(SeOffnel don 8 Uhr früh bis ? Uhr abends. �sntvalorgan der fozialdemokratircbcn Partei Deutfcblands. Neöaktion: EW. SS, Linöensteaße Z. Sernsvrecher: Zlmr Moritzpla«, Str. ISI SV— 151 97. Lebhaste Artilleriekampfe am Kemmel.— Englischer Angriff südlich der Ancre.— Ville-snr-Anere verloren.— Luftangriff ans London und Dover. Berlin, 20. Mai 1918, abends. Amtlich. Starke französische Angriffe gegen den Kemmel sind unter schweren Nerlusten gescheitert. Amtlich,(ü* Otzes Hauptquartier, 20. Mai 1918. m. T.!8.) WefKicher KriegKfchauplak. Im Kemmrlgrblrt nahm die Fcuertätigkcit am Abend und gegen Mitternacht erheblich an Stärke zn. Heute früh haben sich dort heftige Artilleriekämpfe entwickelt. Auch an den übrigen Kampffronten lebte die Gcfechtstätigkeit viel- fach auf. Auf dem Südufer der Ancre griff der Engländer am frühen Morgen mit starten Kräften an. In Ville für Ancre drang er ein. Versuche des Feindes, im Zlncrctalc weiter vor- zudringen, scheiterten. Mehrfacher gegen Morlancourt ge- richtcter Ansturm brach vor dem Dorfe blutig zusammen. An vielen Stellen der Front wurden englische und fran- zttfische ErkundungSvorstößc abgewiesen. In Vsrfrldlämpfen und bei erfolgreicher Untarnehmung nördlich von St. Mihiel machten wir Gefangene. In letzter Nacht wurden London, Dover und andere eng- lische Küstenortc erfolgreich mit Bomben angegriffen. Der Erste Gcneralquartiermeister. Lndcndorff. Ter österreichische Bericht. t Wien, 20. Mai. Amtlich wird verlaubart: An der Südwestfront beiderseits Erkundungstrupprn und Flieger nach wie vor in regster Tätigkeit. Der Chef des Generalstabes. Englische Angriffe bei Hnlluch und auf dem Südufer der Anere gescheitert.— Lebhafte Tätigkeit an der Tiroler West- front.— 100 Gefangene in Albanien. Berlin, 19. Mai 1918, abends. Amtlich. Ans dem Südufcr der Ancre brachen englische Teilangriffc vor Morlancourt blutig zusammen. Amtlich. Großes Hauptquartier, 19. Mai 1918.(W. T. B.) Westlicher 5?o«agK?cha»vlatz. Westlich von Onllach gvtff bor Engländer mit mehrere«» Kompagnien an. Unter schweren Verlusten wurde er zurück- qefchlageu. Im übrigen beschränkte sich die Jnfantrrietätig- keit auf Erkundungen. Die an den Kampffronten bis zum frühen Morgen an- haltende lebhafte Fenertätigkeit lieh in den Bormittags- stunden nach und lebte erst gegen Abend wieder auf. Zwischen Arras und Albert war der Feind besonders rege; unsere Batterien lagen hier vielfach unter heftigem Feuer. Der Erste Generalquartiermeister. _ Ludeudorff. Der österreichische Bericht. Wien, 19. Mai 1918. Amtlich wird»erlautbart: Die beiderseits entfaltete Erkunduugstätigkeit führte an der Tiroler Westfront und in de« Biecntinischen Gebirgen zu günstig verlaufenden Gefechten., .Oestlich vom Monte Pcrtica wurde der Feind zweimal im Nahkampf zurückgeschlagen. In Albanien flauten die Kämpfe ab. Wir haben den An. greifern etwa 100 Gefangene und einige Maschinengewehre abgenommen. De» Chef des Generalstabes. Voröringen üer Solschewiki im Kaukafusgebiet. K o« st a n t i n v p e l, 19. Mai. Der Telegrnphcn-Agentur Milli wird aus Bakum gemeldet: Den letzten Meldungen zufolge haben die Bvlschrwiki Oerentkapöund Petrowskbesetzt. Dir Bolschewiki bemühen sich, den Engpatz von Dartan, der zwischen Wladikawkas nnd Tiflis liegt, z« nehmen. Dank der heldenhaften Bertcidigung der Muselmanen ist es ihnen biS jetzt nicht gelungen. Konstantinoprl, 19. Mai. Die Telegraphen-Agentur Milli mel- det: Nach hier eingetroffenen Meldungen haben die Kuban- Kosaken einen Angriff auf die Muselmanen unternommen. Tag- lich kommt es zu blutigen Zusammen st ätzen. v. walöoW in Kiew. Verlotterung der ukrainischen Eisenbahneu. Kiew, 18. Mai. Staatsmimster don Waldow ist mit meh- reren Beamten zu Besprechungen mit der deutschen Ukrainedelega- tion heute aus Berlin hier eiiigetroffcn. Auf dem Handelstag entrollte� der Vorsitzende des Kiewer Rayonkomitecs folgendes Bild von der Lage der ukrainischen Eisen» bahnen: Die Arbeitsleistung der Arbeiter ist auf ein Drittel, die der Bureauangestellten sogar ans ein Sechstel zurückgegangen. Auf der Norddonetzbahn sind 2380 überflüssige Angestellte mit 0% Millionen Rubel Iahresgehalt, auf den Südwestbahnen 10 OVO mit 40 Millionen Rubel Gehalt. Die Gesamtausgaben der ukrai- nischen Bahnen für überflüssiges Personal betragen 200 Millionen Rubel, wofür 1000 Werst neue Bahnen gebaut wer- den könnten. Die AngestelllenauSschüffe erfordern jährlich 24 Mil- lionen. Die Bruttoeinnahmen der Bohnen 1918 waren dreimal so hoch wie 1910, die Ausgaben aber fünfmal so groß, so daß der Ver- tust auf 16 221 Werst ukrainischer Bahnen 800 Millionen Rubel betrug, also soviel, wie vor dem Kriege der Gesamtunterhalt sän»t- licher russischen Bahnen erforderte. Tschechische Demonstratlonen in Prag. Verbot der„Narodni Lisch". Prag, 18. Mai. Anitlich wird verlautbart: Vorsälle skaatL f c i n d lichen hochverräterischen Charakters, die sich wählend der dreitägigen Feier des BOfährigen Bestandssubiläumv des tschechischen National- t h e at e r s abspielten, veranlagten die Behörden zu ent- sprechenden Gegenmaßnahmen. Die Polizeidirektion erließ eine Kundmachimg, in der es heißt: Die kulturelle Feier des JubiläumS des tschechischen Nationaltheaters artete viel- fach in politischeDemon strationen aus und zeitigte schließlich eine Reihe hochverräterischer Vor- fäll-c, die die schärfsten Gegenmaßregeln erforderlich machen. Jede weitere Duldung ist deshalb und auch mit Rücksicht auf den Ernst der Zeit a u S g e s ch I o f s e n. Ansammlungen und Aufzüge werden von nun an ohne weiteres rücksichtslos, und wenn nötig, mitGewalt zerstreut werden. Heber- fchreitungen des Verbotes, das Tragen von Abzeichen und Kokarden in Farben feindlicher Staaten werden bestraft. Die jugendlichen südslawischenGäste werden zum Verlassen Prags veranlaßt. Die Intendanz des tschechischen Nationaltheaters wurde auf gewisse bedauer- liche Vorfälle aufmerksam gemacht und um Veranlassung ihrer Abstellung bei sonstiger Schließung des Theaters ersucht. Der„Narodni Listy" wurde von der Polizei- direktion zu Händen des Chefredakteurs der folgende Bescheid zugestellt: In der Schreibweise der von Ihnen redigierten „Narodni Listy" tritt trotz der mit dem amtlichen Bescheid vom 14. Februar 1918 ausgesprochenen strenge� Verwarnung immer unverhohlener das Bestreben zutage, planmäßig Sympathie für die Entente st aatenzu erwecken und so die Interessen unserer Feinde zu fördern. Da alle bisher gegen diese offensichtlich staatsfeindliche S ch r ei b w e i s e ergriffenen Maßnahmen der Prcßbehörden fruchtlos waren, wird die Einstellung des Erschei- nens der Druckschrift„Narodni Listy" vom 19. Mai an- fangend, verfügt. Wien, 18. Mai. Die»Neue Freie Presse" meldet zu der Teil- nähme polnischer Abgeordneter an den politischen Beratung e»), die im Zusammenhange mit der Theaterjubiläums- feier in Prag stattfanden: In den Kreisen der polnischen Abgeordneten wird hervorgehoben, d»tz jene Abgeordneten von keiner begloubigtcn Seite einen Auftrag bekommen hätten, der sie zu einer solchen Kundgebung berechtigt hätte. Es bestehe keinerlei Solidarität mit den jetzigen tschechischen Führern und deren Bc- strcbungen und Zielen. Die Reden und Handlungen dieser polni- schen Abgeordneten in Prag hätten daher keinen wie immer gearteten Zusammenhang mit der Politik des polnischen Volke? in Galizien und mit den Anschau- ungen der parlamentarischen Vertreter dieser Nation., Wahlsieg öer Republikaner in Portugal. Lissabon, 18. Mai.(HavaS.) Nach dem nunmehr festgestellten Wahlergebnis sind 108 Republikaner, 8# Mvnarchisten und 8 Katholiken zu Deputierten, 07 Republikaner, 7 Mvnarchisten und 3 Katholiken zu Senatoren gewählt. ?st verftänöigung möglich- Es wirb Z-eit für die Völker, zu überlegen, ob sie noch einen fünften Kriegs Winter über sich ergehen lassen wollen. Nie freilich schien der Weg zum Frieden mit stärkeren Hindernissen verbarrikadiert als in diesem Augenblick, Mehr penn je scheint man auf beiden Seiten bereit, das erste Wvrt, das von der anderen Seite für den Frieden gesprochen wird, als Zeichen der Sckiwache zu deuten un» als Arguments für weitere Kriegsverlängerung auszunutzen. Aber ver-' gebcns fragt man sich, wie die Welt aus dem blutigen Uehler- zirkel herauskommen soll, wenn nur den Kriegspredigern freies Wort gegönnt ist, während sich die Friedensfreunde aus Furcht vor Mißdeutung z» schweigender Zurückhaltung ver- urteilen lassen. Die Gegner des Friedens im Ententelager haben sehr gut vorgearbeitet, um jedes Wort, das gerade im„V o r w ä r t s" für den Frieden' geschrieben ioird, ihren Zwecken nutzbar zu machen. Hat nicht— so will es die Ententelegende— der „Vorwärts" erst kürzlich„den Sieg der Gewalt" gepredigt? Wenn nun dieses selbe Blatt für den Frieden eintritt, ist das nicht ein klarer Beweis, daß dem deutschen Fuchs die Trauben zu hoch hängen und daß es nur noch der berühmten„Viertel- stunde" bedarf, um ihn zur Strecke zu bringen? Ist ferner nicht der„Vorwärts"„Regierungsorgan", sein Eintreten für den Frieden also nicht ein Beweis dafür, daß die offiziellen Kreise Deutschlands das Versiegen ihre? Kräfte fühlen und um ein rasches Ende vor dem Eintritt der sonst irnausbleib- lichen Katastrophe besorgt sind? Es wird bis zum letzten Tage des Krieges Leute geben, die sich in eine falsche Vorstellungswclt einspinnen und die darum nie imstande sein werden, nüchterne Tatsachen mich- tern p beurteilen, lieber den Blödsinn, daß der„Vorwärts" „Regierungsorgan" sei, wird man im Inland kein Wort zu verlieren brauchen, was freilich nichts daran ändert, daß er draußen immer von neuem behauptet und geglaubt wird. Aber hat der„Vvrtvärts" nicht den„Sieg der Gewalt" ge- predigt? Allerdings, der„Vorwärts" hat den Wunsch nach einer raschen Entscheidung durch die Waffen aus- gesprochen, der ihm um so näher liegt, als sich die Aussichten auf einen nahen VerstänoigungSfrieden— nicht ohne Schuld der Machthaber auch von drüben— immer ungünstiger zu stellen scheinen. Es läßt sich vsm Standpunkt der Gegner aus begreifen, daß� sie selbst einen noch langen Krieg einem raschen deutschen Sieg vorziehen: von deutschem Standpunkt aus wäre aber eine solche Auffassung ganz un- verständlich Und so haben wir von dem, was wir bei früherer Gelegenheit sagten, nicht das Geringste zurückzunehmen. Denn das Ziel, der Frieden, bleibt uns die Haupt- fach, und wir verzichten auf kein Mittel, ihn herbeizu- führen, ausgenommen diejenigen, die den Krieg mit einer Niederlage unseres eigenen Volkes enden ließen. Es gibt aber mrr zwei Mittel der Kriegsbeendigung: seine Austragung bis zur letzten Entscheidung oder die Her- beiführung des Friedens durch Verständigung zwischen zwei Parteien, deren keine den vollen endgültigem Sieg für sich in Anspruch nehmen kann. Die deutsche Sozialdemokratie hat in keinem Augenblick die Verständigung grundsätzlich abge- lehnt, obivohl sie oft nahe genug daran war, an ihrer Mög- lichkeit verzweifeln zu müssen. Jetzt aber stehen die Völker abermals ver der Frage, ob sie sich mit dem Gedanken an einen voraussichtlich noch langen Krieg abfinden ivollen oder ob sie nicht trotz der nicht zu verkennenden ungeheuren Schwierigkeiten nach einem Weg suchen sollen, der zirr Abkürzung ihrer Leiden führt. Die Antwort bleibt hoffnungslos, solange nicht die Arbeiter wenigstens einiger der wichtigsten Länder eine gemeinsame Operationslinie gesunden lxiben, von der sie sich freilich im Verlaus des Krieges unter dem Druck der nativnalistischen Arbeit auf beiden Seiten eher immer mehr zu entfernen schienen, als daß sie sich ihr näherten. Das schlimmste Hindernis für die Verständigung der Arbeiter ist die Vorstellung, daß der Sieg der einen oder der anderen Gruppe zugleich auch den Sieg der Arbeiter- ideale verwirkliche. Notwendig ist auf beiden Seiten die Erkenntnis, daß die lange Dauer des.Krieges auf beiden Seiten der Sache der Demokratie und des SozivliSmus mebr Schaden als Nutzen bringt. Lauger Krieg bedeutet Gewöhnung an den reaktionären Ausnahmezustand, der mit ihm in allen Ländern verbunden ist, er bedeutet aber auch Verarmung der Welt und darum nicht Annäherung, sondern Abkehr bon dem sozialistischen Ziel einer ihre selbst- geschaffenen Reichtümer durch gerechte Verteilungsordnung genießenden Menschheit. Es ist darmn ein Irrwahn, demokratische oder sozialistische Ziele durch den Krieg verwirklichen jn wollen: je rascher der KrrSg zu Ende ist, desto weniger« im- .günstig werden die Ali suchten für den Aufbau einer neuen Staats, imd Gesellschaftsordnung sein. Darum haben wir nie die Auffassung vertreten, baß der Krieg bis zur Erreichung bestinimter idealer Ziele fortzu- führen sei, sondern wir halten es für die Aufgabe der Ar- beiter aller Länder, auf seinen Abschluß hinzuwirken, sobald er in einer für beide Teile e r t r ä g l i che n Weise mög- lich ist. Wenn die Sozialisten der Entente. auf einem Frieden bestehen, der nur einem besiegten Deutschland auferlegt werden kann, so müssen sie sich noch auf einen sehr langen Krieg gefaßt machen und auf die Wahrscheinlichkeit, daß das Ende ihren Wünschen doch nicht entspricht. Ihre Vorwürfe mögen sie aber dann nicht an die Adresse der deutschen Sozia- listen richten, sondern an die Adresse ihrer Generale, die trotz ihrer zeitweiligen Uebermacht an Menschen und Ma- terial nicht zu siegen verstanden haben. Wenn dagegen die Sozialisten der Entente für einen Frieden arbeiten wollen, der ihre eigenen Völker als nicht be- siegt anerkennt, ihnen ihren alten Besitz sichert, die Möglich- keih inner» politischen und wirtschaftlichen Wiederaufbaus erschließt, denn besteht kein Hindernis dafür, daß sie ibre Anstrengungen mit den unteren vereinen. Mögen sie. solange der Lürieg dauert, für den Sieg der eigenen Waffen eintreten, wie wir es tun, inögen sie aber auch in Erkenntnis der Tat- fache, daß dieser Sieg fern, wenn nicht unerreichbar ist, einen greifbaren, auf Realitäten gegründeten Frieden einem utopischen Idealfrieden vorziehen! Die militärischen Tatsachen des Krieges sind z. V. für die Zukunft Belgiens wichtiger als die— auch von uns hochgehaltene--- Idee des Selbstbestimmungsrechts der Völker. Die Ententesozialisten mögen überlegen, daß die materielle Kraft ihrer Staaten bisher noch ausgereicht hat, einen entscheidenden Sieg des deutschen Imperialismus im Westen zu verhindern, daß sie aher,�trotz aller Trost- reden über die zu erwartende amerikanische Hilfe, nicht im . Wachsen begriffen ist. Wenn sie von dieser Tatsache ausgehend, ihre Stellnna zum Friedensproblem gewinnen, ,.'10 werden sie auch der Sache der Demokratie und dem Sozialismus ihren Ländern und in der ganzen Welt einen besseren Dienst erweisen, als durch eine Politik im luftleeren Raum, die von allen Wirklichkeiten absieht. Sie werben aber sich selbst und ihren Völkern den schlechtesten Dienst erweisen, wenn sie unsere Arbeit für den Frieden verdächtigen und 'uns verfemen, weil wir in manchem anders fühlen und manches auch anders sehen als sie! EKtsntsfsJikliste» über Krieg unö JsstieSen. Für ttnd gegen einen internationalen Kongrest. Das Austreten der amerikanischen Arbeiterdepu- tatlon in Paris unl) London hat zu weitgehenden Auseinandersetzungen in der Presse geführt. Wir geben darum noch nachträglich einen Bericht der „Humaniw" vom 6. d. M. wieder über eine Kon- serenz in Paris, die französische, englische und amen- konische Arbeitervertreter zu gemeinsamer Aussprache vereinigte. Siehe dazu auch die Ausführun- gen unseres heutigen Leitariskels. *. Red. b.„Vorwärts". Nach ihrem Ausenthalt in London hatten sich die ameri- kanischen Arbeitervertreter nach Paris begeben und waren dort von der Regierung, dem Parteivorstand und der GeWerk- schaftsseitung auf dem Bahnhos begrüßt worden. Am nächsten Tage stattete der„Humanits" zufolge die amerikanische Ar- beiterdelegation in voller Zahl zunächst dem Marschall Jossre einen Besuch ab und traf sich dann mit den französischen Ar- beitervertretern in der Arbeitsbörse. Die stecht der Reden eröffnete der Parteisekretär Dubreuilh. Nach freundlichen Begrüßungsworten erklärte er, daß, wenn der Krieg mit dem Siege. des deutschen Militarismus enden sollte, er den Zusammenbruch der Weltdemokratie und den Riükgang der menschlichen Zivilisation bedeuten würde. Nach ............................ ,»>......... Keröitmnö tzsöler gestorben. Genf, 19. Mai. Heute starb im Lg. Lebensjahr an den Folgen eines Herzleidens der Schweizer Maler Ferdinand Hodler. In Hodler ist ein Maler von ausgeprägter Eigenart de? Schaffens dahinzeizanzen. Obwohl seine Kurrst in gewissem Zusammenhang mit dem französischen Impreffionismus steht, bedeutet sie doch zum Deik eine bewußte Abkehr von ihm und eine Reaktion namentlich gegen die Theorie, die das.Bild aus einem Nebenein- aUder verschiedenfarbiger Flächen entstehen läßt. Hodlers Kunst ist der Sieg der Linie, in die er allen Rhythmus, alle Energie des Ausdrucks legi. Die pathetisch geschwungene Linie— bisweilen die Grenze der Maiririertheit erreichend— gibt den Menschen der Hodlerfchen Bilder ihr charakreristisches Gepräge, sie hat Figuren von der einprägsamen Wucht, des„Holzfällers" entstehen lassen, der jetzt sogar schweizerische Briefmarken ziert. Den gleichen Geist des Pathos— persinnöildlicht durch die Wucht der Linienführung— atmen auch HodlerS Gruppenbilder; es sei erinnert an den Rück- zug der Schweizer bei Marignano und den Auszug der Jenenser Studenten zu dm Freiheitskriegen. Dieses Bild— als Fresko für die Sstitens« Ui«»ersität gemalt— hat bekanntlich ein eigentüm- liches Geschick x�aot. Eist trachte es Hodler, dem bis dahin der- dächtizKN tsexen dsö targestellten Gegenstandes die ShmpaiP»!«ch s»lch«r Kreis» in Deutschland ein, die von mo- deiner Kirnst sensli wenig wissen wollen. Als aber Hodler zu Be- ginn de? KriageS gegen Deutschland Partei ergriff, setzte ein ge- waltiger Prateststnrm gegen die weitere Ausstellung des Werkes in einem öffentZich»n Gebäude ein und die Fresken wurden verhängt. Wer Kunst und Politik, wie es sich gehört, zu scheiden weiß, wird den Verfi»ebenen als Maler von hohen Qualitäten betrauern — sicher überragt« er seinen zeitweise gewaltig überschätzten Lands- mann Arnold Böckktn um ein Bedeutendes. Dem Berliner Publikum ist Hodler durch zach eri che Ausstellungen der„Sezession" nahegs- bracht w»xd?n._____ Ssmm?rsp!e!Zeit im FeMg-Cheats?. Mozartsche Musik und modernste Tanzakrobatik war auSersehen, um den Uebergang von überwiegend ernsterer zu leichter ge- schürzter Kunst zu markieren. Und Louis Schneider, weiland Theatermann und hofrätlicher Chronist, gebührst die zweifelhafte Ehre, der erste gewesen zu sein, dem die Geschmacklofigkeit: große Musiker(siehe Schubert:„DreimädlerhauS", Schumann von heute!) auß die. Bühne zu verpflanzen, zu verdanken ist. In seinem Sing- einem Frieden, der auf dem Selb st be stimmungsrecht der Völker beruhe, werde daZ Zusammenarbeiten der amerikanischen Gewerkschaften mit den Vertretern der englischen, französischen und belgischen Arbeiterklasse dauernd reiche Früchte tragen. Dann ging I o u h a u x auf die Meinungsverschiedenheit der europäischen und amerikanischen Sozialisten ein. Der Gedanke der Teilnahme an einer internationalen Konferenz bleibe doch erwägenswert als ein Mittel, das Gewissen der Arbeiterschaft der Zontralmächte zu wecken. Die Völker müßten mit vereinten Kräf- ten gegen jeden Militarismus Front machen. Sachlich sei das Friedensprogramm des amerikanischen ArbeiterbundeS durchaus zu billigen. Hier unterbrach der Vorsitzende d?S Gesamtverbandes der eng- tischen Gewerkschatten O' G r a d y mit der Bemerkung, jeder Arbett für die Wiederherstellung der Internationale müsse vorangehen, daß die deutschen Organisationen die Verpflichtung übernähmen, das Zusammenarbeiten der Völ- ker zu respektieren. .Der Vorsitzende der amerikanischen Delega- kion James A. Wilson dankte und begrüßte die sachliche Uebereinstimniung. Nur Fragen der Taktik trennten die amerika- wischen und französischen Gewerkschaftsvertreter. Der Streit drehe sich um die Frage, ob man die deutschen Sozialdemokraten emp- fangen dürfe, bevor sie chren Irrtum öffentlich bekannt und ihrer Regierung jede Unterstützung verweigert hätten. Die amerikanischen Arbeiter würden mit ihnen erst zusammenkommen, trenn sie bewiesen hätten, daß sie für den Frieden der Gerechtigkeit seien und die dadurch zwischen den Arbeitern errichteten Schranken nieder- rissen. L v n g u e t, der dann sprach, gab seiner Freude über den De- such der Amerikaner Ausdruck, stellte aber ihren Ausführungen seine Anschauungsweise deutlich entgegen. Nach seiner Auffassung ist die Idee der Internationale während des Krieges erstarkt. Die Negierungen seien unfähig, den Krieg durch einen Frieden zu be- enden, wie ihn die Völker brauchten. Kein Franzose wolle einen Frieden um jeden Preis. Keiner werde einen russischen Frieden annehmen, keiner wolle einen Frieden auf den Knien vor dem deutschen Militarismus. Aber man dürfe den Krieg nicht über den Zeitpunkt hinaus verlängern, in dem ein erträglicher Friede möglich sei. Darauf müsse das Proletariat mit seiner ganzen Kraft hinarbeiten. Die Friedensg rundlagen habe Präsident Wilson ausgezeichnet dargestellt. Der Sekretär der amerikanischen Delegation Frey entgegnete, man dürfe die Meinungsverschiedenheiten nicht übertreiben. Die amerikanischen Arbeiter gingen mit der Regie- rnng zusammen, weil sie ihre Krtegsziele und ihre Stellungnahme in den Arbeiterftagen billigten. Nach Europa seien sie ge- kommen, um die Meinung der Arbeiter zu hören, um ihnen zu Helsen und ihre industrielle Organisation zu fördern. Merrheim dankte im Namen der französisch/n Ge- werkschaften den Amerikanern für ihren Eintritt in den Krieg. Sie dürften aber nicht vergessen, dasi die arbeitenden Klassen Euro- paö schon seit vier Jabren alle Schrecken eines furchtbaren Krieges ertragen, in dessen Schlund nach und nach ihre sämtlichen Frei- heilen verschwanden. Frankreich lebe unter dem Regime der Der- dächtigungen. Nur den Feinden des Rechtes und der Freiheit sei die Redefreiheit erhalten geblieben. Die Regierungsvertreter hätten ihnen erklärt, daß die Arbeiter in den Fabriken für einen mili- tärischen Sieg kämpften. In Wahrheit gehe die Sehnsucht der ftan- zösischen Arbeiter dahin, die Internationale wieder- herzustellen und Frieden zu schließen. Die Führer müßten ihren Eifer dämpfen, damit ihr Friedenswille nicht zu einem Frieden nach Art des in Brest-Litowsk geschlossenen führe. Ein militärischer Friede, der durch Waffengewalt diktiert sei, sei kein Friede für die Völker. Wie französische und amerikanische Arbeiter sich zu verständigen suchten, müsse man auch die Ar- beiter Fvn der anderen Seite hören, die ein Opfer ihrer falschen Führer seien. Auf die Regierungen könnten sich die Arbeiter nicht verlassen, da sie unfähig seien, einen echten Völker- frieden herbeizuführen. Nur durch die Anstrengungen der Jnter- nationale könne ein Frieden der Gerechtigkeit erreicht werden. O' G r a d y schloß sich dann vollständig dem Standpunkt der amerikanischen Gewerkschaftsoertreter an. Zwischen den englischen und amerikanischen Arbeitern gäbe es keinerlei Mei» nungsverschiedenheit. Die Deutschen hätten ihre Versprechungen von den internationalen Tagungen gebrochen und sich im Dienst des preußischen Militarismus in den Krieg gestürzt. Ihre einzige spiel„Der S ch a u s p i e l d i r e k t o r" handelt es sich nämlich um keinen geringeren als Mozart und seinen Textdichter wie gerissenen Kunstunternehmer Schitaneder. Diese beiden, die ibrem Verhältnis zueinander wie zu den jeweiligen Primadonnin, stehen hier Parade. Gleichzeitig kommt einet der dazumal üblichen und nicht selten äußerst gehässigen Nivalitätskämpfe zwischen zwei Sängerinnen, die sich gegenseitig den Rang abzulaufen trachten, zum Ausirag. Na- türlich kann letzterer nur versöhnlich enden, wo ein Mozart ver- mitte«. Und seine Melodien sind es auch, die selbst den derstocktesten Kunstrichter euiwasfn.n, zumal wenn sie von berufenen Gesangs- lippen ertönen. Lola Ariöi de Padilla, der allerdings ein Rudel ekstatisch sich geberdender Backfische und Singeschlllerinnen allzu geräuschige Ovationen brachten, stand dem gewiß geschmackvollen Tenor Gustav Bergmann(Mozart) sowie Karin Gilbert-Eade und Julius Lid au(Schitaneder) weitaus voran. Das keriöse Orchester wurde von Friedrich Beermann ortig geleitet. Ten Beschluß machten solistische und szenische Tanzleistungen des Balletts Charell. Sicherlich ossenbarte sich da manch achtbares Talent, sowohl in tanzkünstlerischer als pantomimischer Hinsicht. Rassigkeit, doch auch beschwingte Grazie und Humor traten insbesondere bei Tora Kasan, Ellen Vollan und Marie Warhat ts zutage. Getanzt wurde tm wechselvolbtn bunten Reigen. Musik von Chopin, Moszkowski, Stieg und—» Jap Kool. Dies wohl ein neuer Spezialkomponist, dem es nicht gerade an fruchtbaren Ein- fällen zu fehlen scheint. Daß einige Sachen wiederholt werden mußten, spricht jedenfalls für die Beifallslust des Publikums— die freilich zuweilen jeglicher Begründung ermangelt. ek. vie GrunöMge eines„öeutschen Volkssports Die Umrisse zu einem„deutscben Volkssport", der zum großen Znkunssprogramm des Wiederansboues und der Seiterentwicklung nach dem Kiiege gehören soll, legt Fritz Loew in der im Verlage Engen DiederichS in Jena eriweinenden Ieitlchriit„D'e Tat" dar. Für die Heranbildnng der zukünftigen deutschen Menschheit, so er- klärt er, wird vor allem die Erziehung maßgebend sein. Einer ihrer wesentiichsten Bestandieile aber ist der Sport, der dem- einsprechend auf neue, großzügige und einbeiiliche Grundlagen gestellt werden soll. Die Uebcrnohme des klaisisch-bellcmschen Sports könnte im ersten Augenblick verlockend er'cheinen, ist aber abzulehnen, da sie unserem Klima und unserem Eharakier nicht entspricht. Als grundlegend für den Volkssport müßte fest- stehen: Ausrollung aller lebendige» Kräfte und Fähigkeiten sämtlicher Individuen ohne Ansehen de? Standes, Berufs, Ge- ichiechts, der Religion, unter dem Szepter der Harmonie zum Zwecke dauernder Veredelung des Volksganzen im Interesse der Menschheit." Unwichtig.seien jene Arten von Svori, die nur dem zahlnngskrämgen Teil des Publikums zugänglich sind, wie Golf, Polo, zum Teil auch Tennis. Abzulehnen vom Sland- Antwort aus das Londoner Memorandum, das Branting dem deutschen Parteivorstand übermittelt habe, sei die jetzige Offensive. Die englischen Gewerkschaften verieidigten Nicht eilte Regierung, sonder alle Rechte der freien Länder. Er sei bereit, sich auch mit deutschen Arbeitern auf einem Internationalen Kon- gieß zu treffen, aber es müßten wirkliche Internationalisten sein. Wenn die Deutschen ihr Idol, den Gott, den sie seit 50 Jahren anbeteten, zertrümmerten, werde aus den Trümmern des deutschen Militarismus die Verbrüderung der Völker neu erblühen. Die Reihe der Redner schloß R e n a u d e t ab, der die prinzi- pielle Einmütigkeit der Versammelten feststellte. Diese Einigkeit sei alten Datums. Schon 1316 hätten die französischen Arbeiter Wilsons Friedensvorschlag begeistert zugestimmt. Jaures habe sich am Tage seiner Ermordung angeschickt, sich an den Präsidenten Wilson mit der Bitte zu wenden, den europäischen Völkern ein Schiedsgericht vorzuschlagen.„Wir sind mit Begeisterung in den Krieg hineingegangen, um die Freiheit zu verteidigen," schloß Re- naudel.„Aber wir haben Eile. Schon Jaures hat in seinem Buche„Die neue Armee" dem Gedanken Ausdruck gegebe«, daß wir die Sache der Landesverteidigung gleichzeitig mit einer Aktion für den Frieden betreiben müssen. Wir rechnen auf eure Militärische Hilfe, die bis zur vollkommenen Verschmelzung gehen muß, um wirksam zu sein. Nur dadurch könnten unsere Opser a« Menschen- leben geringer werden. Tie Völker wollen einen Frieden des Rechts. aber manche Regierungen lassen sich in andere Bahnen treiben. Deshalb müssen die Soziakisten und Gewerkschaftler aufpassen, und das haben sie auch in dem durch die Umstände erlaubten Maße ge- tan. Wilsons Friede ist der unsere. Wir unterscheiden nicht zwi- schen Machtsrieden und Verständigungsfrieden, sondern wir er- streben den Frieden des Rechts und der Gerech- t i g k e i t. Will das deutsche Volk einen solchen Frieden, dann soll es dafür Beweise bringen. Andernfalls bleiben wir bei unserer Losung: in Freiheit leben oder sterben. Wir wollen die deutschen Sozialisten zwingen, eine klare Sprache zu führen. Wenn wir aber darauf hoffen, daß daZ deutsche Volk sein Idol umstürzen wird, müssen wir ihm dazu helfen und uns nicht in eine- Formel einschlie- ßen. Wir müssen cS verstehen, die Umstände in eine bestimmte Rich- tung zu lenken." Mit einer nochmaligen Unterstreichung der völ- ligen sachlichen Einmütigkeit der amerikanischen und französischen Arbeiter schloß Rcnaudcl. Die Bemerkung O'Gradys. die emzige Antwort der Deutschen auf das Londoner Memorandum sei die deutsche Offensive, ruht aus falschen Voraussetzungen. Das Londoner Memorandum ist bisher nur aus der Presse be- kannt und ist dementsprechend auch in der deutschen sozial- demokratischen Presse ausführlich gewürdigt worden. Eine II Übermittlung des Memorandums durch Branting an den Parteivorstand ist aber bisher nicht erfolgt! Wie groß die Schwierigkeiten der internationalen Verständigung sind, zeigt sieh an diesem Versagen ihrer ersten technischen Voraussetzungen. Die französischen Gewerkschaften vor der Spaltung? Bern, 18. Mai. Laut„Matin" hat die C o n f6t> e ra ti o n Generale du Travail den Landeskongreß zum 16. bis 18. Juli einberufen. Gleichzeitig warnt sie vor dem zurzeit tagenden Koirgrrs, der Syndikalisten in St. Etiennc und der Politik und den Bestrebungen des Allgemeinen Arbeiter- Verbandes unter Leitung des Gewerkschaftlers Pericart. Nach der„DePeche de Lyon" spitzt sich die Lage innerhalb des Arbeiter- Verbandes immer mehr zu, s« daß mit einer Spaltunz zu rech- neu sei. Neue Wirtschaftsabkommen zum Rumänen- frieöen. Eisenbahnen und Schiffswerften. Wien, 19. Mai. Heute werden zwei Eisenbahnkonven- t i o n e n zwischen Oe st erreich und Rumänien beziehungs- weise Ungarn und Rumänien zum österreichisch-ungarisch- rumänischen Zusatzvertrag« vom 7. Mai verösfcnitichi; ferner ein zwischen Oesterreich-Ungarn und Rumänien abgeschlossener Per- trag wegen Pachtung einer Werft in Thuru-Seve- r i n, nach welchem gegen einen jährlichen AnerkennungLzins von 1000 Lei Rumänien vorläufig auf 30 Jahre die Werst verpachtet. puukt de-s VoilSsporlS aber sei jene Kategorie von Wetikämvfen, bei denen es nicht so sehr aus den Kamvf wie ani das Wetten aniommt Abzulehnen seien auch jene Ratschläge, die eine Organisation des Sports zwangSmäßig mit Rücksicht aus die militärische Jugend- erziehung fordern. Der Wesenszug deS deutschen Volkssports der Zukmift müsse durch Unabhängigkeit, Selbiländigkeit, UnbeichniUen- Yen und Freiheit charakterisiert werden. In diesem Sinne sei der Spott der Kunst zu vergleichen, beide müßten gleichmäßig frei sein. Die Propaganda solle sich für eine rein sportliche, nicht militärische Jugenderziehung einsetzen. ES wird vor allem an die Gründung einer Anstalt gedacht, die Sportlehrer heranzubilden, sportliche Anregungen zu geben, em'angene zu prüreu und zu verwirktichen, Auskünfte und Bctehrungen zu erteilen hat. Diese Anstalt ist gewissirmaßen als ein„Zeniralgymiiasion" gedacht, alle Fäden der großen Sportuniernehnien sollen hier zusammen- laufen. Bei geeigneter Jabtesgelegenheit, etwa an einem National- ieiertag. müßte die Entwicklung durch Schaniporl und Schau« spiele voigeiührt weiden. Von dieser Zentralstelle aus sollten nene Lei eine ins Leben gerusrn und die bestehenden reformiert werden. Man müßte ihr mich eine Abteilung für Sporthygiene angliedern, tn der van sportlich geschulten Aerzten eine praktische Ueberwachung des gesamten Betriebes und eine„iportwissensckcist» licke Tätigkeit" ausgeübt wird. Eine der Hauptforderungen endlich bestände auch darin, daß im Interesse einer möglichst starken Ver- brcitung des Sportlebcns die Erlernung und Au-üdnng des Svoris völlig kostdulos oder unter Beisteuernng ganz niedriger Einzet- beitrüge erfolgen könnte. Hier crösinel sich auch eines der dank- barsten und Erfoig versprechendsten Gebiete für gemeiniiützige Stiftungen._ Notizen. —„Neue Buhn e". Unter diesem Namen wird der Theater- saal in der Kgl. Hochschule für Musik in der Hardenbergstraße im Herbst in ein ständiges Theater verwandelt, das dem feinen Unter- haltungSstück dienen soll. Die Leitung hat Emil Berisch vom Zcn- traltheater. — Der Verband zur Förderung deutscher Theaterkultur. Ortsverein Groß-Berlin, hielt am Diepstag, den 14. Mai. eine Mitgliederversammlung ab, in der der Ausschuß und Verwali'.ii'gsrat gelvählt wurde. Vorsitzender deS Verwal- tungsrats ist Gen. Heinrich Schulz.— In den Vororten wird der Verband die hier öiterz rühmend besprochenen„Musikalischen Haus- komödien" von Dr. Erich Fischer zur Aufführung vermitteln. Sie bewiesen in einer Ausführung vor geladenen Gästen ihre alte Zug- kraft und verbreiteten Frohsinn und Behagen. — Der Retieschriftsteller Ernst von Hesse-Wartegg ist in Luzern 67 Jahre alt gestorben. , Endlich-w-ird ein HedereinJomnten zwischen Oesterreich-Ungarn und Deutschland veröffentlicht, nach wel- cheni Oesterreich-Ungarn oberhalb der Thurn-Severiner Schiffs- werft innerhalb des von Oesterreich-Ungarn von Rumänien gepach- teten Gebietsstreifens Deutschland ein gleich großer Gebietsteil, wie ihn der jetzige deutsche Sonderwerftbetrreb einnimmt, zur Errichtung einer neuen deutschen Werft gegen einen jährlichen Anerkennungszins von 100 Lei überlassen wird. Außer- dem verpflichtet sich die deutsche Regierung, Lesterretch-Ungarn eine lUprozentige Kapitalbeteiligung an der deutschen Schiffswerft in Giurgiu anzubieten. MaffsnverhüftuNger! m?r!anü. Gegen die„deutsche Verschwörung". London, 18. Mai. Amtlich verlautet, daß alle Parka- m e» t s m i t g l i e d e r, die zu den Sinn- Fernern gebären, verhaftet worden sind. Die Zahl der in Dublin Berhafteten beträgt über 1 l) l>. Unter den Verhafteten befinden sich unter anderen Artur Griffith, de Valera, Darrel Figgis, ein bekannter Literarhistoriker, Gräfin Markiewiez, Herbert Fellows, Dr. Haies und der Abge- ordnete Ookgrove. . London, 19. Mai. Nach Blättermeldungen ist gcstern abend der Abgeordnete Graf P l u n! e t t, der Führer der Sinn-Feiner, verhaftet worden. Amsterdam, 19. Mai. Reuter meldet aus London: Die von der Regierung Irlands getrofßnen Maßnahmen zur Unterdrückung * der deutschen Verschwörung sowie die plötzlich« Verhaftung von Personen, welche verdächtigt werden, in die Verschwörung ver- wickelt zu sein, haben unter der Sinn-Feiner-Partei in Dublin große Bestürzung h-.rvorgerujen. Die Regierung ist, wie es scheint, im Besitze ausführlicher Informationen über den Plan, Einheitlichkeit in die irische Befreiung zugun- st e n Teutschlands(?) zu bringen. Weitere Enthül- I u n g e n sind nicht wahrscheinlich. Allgemein nimmt man an, daß die Anzahl der in die Bewegung Verwickelten klein ist und daß das irische Volk in seiner Gesamtheit mit dieser Verschwörung nichts zu tun hat. Die Verhaftungen erfolgten in den ersten Morgenstunden, während alles noch im Schlafe lag Es haben sich infolge der Ver- hastungen jedoch keine ernsten Unruhen ereignet. London, 18. Mai.(Reuter.) Der Staatssekretär von Irland Short veröffentlicht folgende Proklamation: „Es ist zu unserer Kenntnis gekommen, daß einige Untertanen Seiner Majestät in Irland sich dadurch kompromittiert haben, daß sie in verräterischer Verbindung mit Deutschland stehen. Da ein solcher Verrat eine Bedrohung des gute n,N a m e n s Irland und seiner glänzenden militärischen Leistungen darstellt, auf die das Land mit Recht stolz ist, weil die irischen Soldaten sich mit Helden- mut auszeichnen und jetzt wieder in diesem Kriege zu Tausenden ihre Treue an den Tag legen, ist es notwendig, kräftige Maßregeln zu ergreifen, dieser deutschen Verschwörung den Kopf einzudrücken. Die Pflicht aller lohalen Untertanen Seiner Majestät ist eS daher, die irische Regierung bei der Durchführung der Maßregeln gegen diese verräterische Verschwörung zu unterstützen, die bezweckt, die Ehre Irlands zum Vorteile Deutschlands anzugreifen. Wir appellieren deshalb an alle treuen Untertanen Seiner Majestät in Irland, um uns bei der Ausrortung der Verschwörung behilflich zu sein und uns ihre Unterstützung für eine zweckmäßige Fortsetzung des Krieges zur Verteidigung der Ehre des Landes zu ver- leihen. Wir werden zu diesem Zwecke weitere Schritte unternehmen, um den freiwilligen Dienst bei den königlichen Armeen zu fördern und dazu zu ermutigen, in der Hoffnung, daß die irische Streitmacht auf die gewünschte und verpflichtete Stärke gebracht werden'kann, ohne daß man seine Zuflucht zur Dienstpflicht zu nehmen braucht." vom Witsch asiskrwg um Kks Schweiz» Ter französische Standpunkt. Paris, 19. Mai(Havas.) Folgende Note wird veröffentlicht: Da d'e französische Regierung wußte, daß die Schwei- z e r Regierung in den Verhandlungen, die Deutschland ihr in der Frage der Kohlenlieferung aufnötigte, ohne Unterstützung war, bot sie ihr im Einverständiiis mit ihren Alliierten und ohne irgendwelche Entschädigung mehr als die Hälfte der Kohle, welche sie braucht, näml'ch 88 999 Tonnen monatlich an, und zwar zu einem Preise von 139 Fres. für die Tonne, während die Deutschen 189 Frcs. forderten. Wenn die Schweiz das Ab- kommen angenommen hätte, wäre sie von den deutschen Forde- rungen befreit gewesen, während die Berliner Regierung ver- pflichtet gewesen wäre, entsprechend den Bestimmungen eines früheren Vertrages der Schweiz 73 999 Tonnen monatlich zu liefern, als Entschädigung für elektrischen Strom, der Deutsch saud aus Schweizer Wasserkraftwerten geliefert wird. Der Bundesrat, der daö Angebot Frankreichs und der alliierten Mächte anfangs mit lebhafte st er Befriedigung aufgenommen hatte, wich vor der Unzufriedenheit der deutschen Regierung, deren Berechnungen getawcht waren, zurück und fand sich mit dem neuen Vertrag mit Deutschland ab, dessen Bedingungen nur teilweise bekannt sind, der aber in oer Hauptsache auf eine ziemlich vollständige Auf- vechterhaltung der Forderungen hinausläuft, denen zu entgehen wir die Mittel geliefert hatten. Wir haben uns nicht in die Abmachun- gen des zlmschen der Schweiz und Deutschland abgeschlossenen Ab- konimenS einzumischen, daher sind wir andererseits auch sehr über- rajcht gewesen, zu erfahren, daß ein Artikel deS vor dem Abschluß stehenden Abkommens zwischen den beiden beteiligten Regierungen ausdrücklich unsere Vorschläge erwähnt, die nur die Schweiz und die alliierten Länder angehen. Wir können nur aus dem Standpunkt bleiben, auf dem wir seit Beginn deser Angelegenheit unveränderlich stehen, nämlich » unser Angebot von 85 999 Tonnen monatlich ohne Entschädigung irgendeiner Art aufrechtzuerhalten und, wenn es nicht angenommen wird, die Bundesregierung u>i!c die deutsche Regierung untereinander die Sache regeln zu lassen. Deutsche Telegramme behaupten, wir hätten bei dieser Ge- kegenheit der Schweiz vm dem Wirtschaftskrieg gedroht. Die Deutschen verwechseln die Schweizer mit sich selbst. Niemals, es ist überflüssig dies zu sagen, war von einem Wirtschaftskrieg Frank- reichs gegen die Schweiz die Rede, aber wir ließen sie nicht in lln� kenn tri? darüber, daß, wenn Teutschland seine Stellung gegenüber der Schweizer Republi? mißbrauchen sollte, um bei der letzteren ein System'n Anwendung zu bringen, das ihre Souveräni- tat antasten und unvermeidlich eine Rückwirkung auf uns selbst haben widrde. wir dann die Maßregeln ergreifen müßten, die uns die Sorge um unsere Jn'eressen vorschreibt. Diese Maßregeln werden nicht die Bevölkerung der Schweizer Rc- publik, sondern die Deutschen und ihre Interessen in den Län- dern. die sie auszubeuten suchen, treffen. Wenn übrigens der Bundesrat darauf besteht, das Abkommen abzuschließen, dessen Unter-. Zeichnung als bevorstehend hingestellt wird, so wüvden wir um nichts weniger seine Freunde und die des Schweizer Volkes bleiben Um dafür einen neuen Beweis zu geben, wären wir bereit, den in der Schweiz für uns und die alliierten Mächte arbeitenden Be- trieben die nötige Kohle zu senden, um unsere Feinde daran zu hindern, daß sie dort Arbeitslosigkeit, Elend und Unordnung her- vorrufen, die sie nicht ungern erregen würden. Anmerkung des W. T. B.: Die Lieferung der 85 999 Tonnen ist der Entente bekanntlich so gut wie unmöglich, ebenso der Schweiz das Abholen dieser Menge in emem französischen Hafen. Der Geleitzug im Orkan. Kopenhagen, 29. Mai. „Ekstrabladet" meldet aus Kristiania: Ein Handelsgeleit- zug aus 27 Schiffen, der letzten Dienstag England auf der Reise nach Norwegen verließ, wurde in der Nordsee von einem Orkan überfallen und zerstreut. Von den 27 Schiffen sind bisher nur 29 in Bergen eingetroffen. Ein Dampfer stieß an der norwegischen Küste mit den begleitenden englischen Torpedo- booten zusammen und sank einige Minuten darauf. Die Be- srchung wurde von Torpedobooten aufgenommen. Kühlmann über öen JVaffenbimö*. Aus Wien txird vom 19. Mai gemeldet: Staatssekretär v. Kühlmann bestätigte dem Berliner Bericht- erstatter des„Neuen Wiener Tagblattes" den überaus günstigen Verlaus der Besprechungen im deutschen Hauptquartier. Der Staatssekretär drückte die zuversichtliche Erwartung auS, daß die grundlegenden Entschließungen in demnächstigen Verhandlungen zu einem baldigen günstigen Abschluß führen wür- den. Man könne hoffen, daß dieser Abschluß eine neue Epoche im Verhältnis beider Reiche zu einander einleiten und den Zusammen- schluh der beiden Reiche vertiefen und weiter befestigen werde. Vertiefung und Ausbau des Bündnisses dürsten keineswegs so auf- gefaßt werden, als ob nunmehr eine Teilung der Welt in zwei feindliche Hälften eingeleitet werden solle, wie einzelne Stimmen aus dem Feindeslager es bereits jetzt hinzu- stellen versuchten. Ebenso wie das Bündnis von 1879 ein Hort des europäischen Friedens war, so solle das erneuerte und vertiefte Bündnis den Grundstein legen zu einem dauernden Frieden der Völker der Welt. In ähnlicher Weis« äußerte sich in einem Prager ZeitungS- gespräch auch der deutsche Botschafter in Wien. Graf Wedel. Wiener Blätter veröffentlichen eine längere Erklärung, in der gesagt wird, der Waffenbund solle auf vollster Parität, d. h. Gleich- berechtigung beruhen. Die überlieferten Eigentümlichkeiten der Heere sollten aufrechterhalten werden.„Nach der Natur der Tinge handelt es sich in den-in Rede stehenden militärischen Verein- barungen im Wesen durchweg um jene Gebiete der militärischen Exekutive, die sowohl nach österreichischem als auch nach ungarischem Gesetze verfassungsmäßig den Herrscherrechten des Kai- fers und König» als obersten Befehlshabers vorbehalten sind." Em Zentrumsmagnat für Stänöewahlrecht. Lassalle oder Hohenzollern? Unter der schreienden Ueberschrift„Sollen die Hohen- zollern in Preußen regieren oder die Erben Lassallrs?" ver- öffentlicht der Abg. Graf Strock) Witz-Bertelsdorf in der„Deutschen Tageszeitung" einen längeren Auffatz, in dem für die Einführung eines ständischen Wahlrechts Stimmung gemacht wird, da das gleiche Wahlrecht-unfehlbar zur Be- seitigung der Hohenzollern führen müsse: Diese Wahlrrchtsvorlage allerdings muß verschwinden. Herren- haus wie Abgeordnetenhaus müssen auf andere Grundlage autgebaut werben. Von den: gegebenen ist aber das berufSsländlsche Wahlrecht nur für die Wahlen zum Abgeordnetenhause brauchbar. Nachdom die Staatsregierung trotz des Krieges sich mit der Aende- rung des Wahlrechts eingelassen hat, ist es ihre Pflicht, Wege dazu ausfindig zu machen, von denen nicht wie bei der jetzigen Vorlage von vornherein feststeht, daß sie zum Untergang Preußens und der Hohenzollern führen. Es gilt zurzeit noch die Frage: für oder gegen das gleiche Wahl- recht. Das ist eine Irreführung des Volkes. Die wirkliche Frage lautet: für oder gegen die Hoheryollern, für oder gegen die inter- nationale Tomokratie.... Deshalb ist Preußens, ist jetzt der Hohnznllern Schicksalsstunde. Alle, welche das alte ruhmreiche Preußen, alle, welche die Hohenzollern erhalten wollen, müssen sich — in welcher Partei sie auch stehen— zusammentun, müssen standhalten wie im Schützengraben dem anderen Feind, der internatio- nalen Demokratie gegenüber, in der Abwehr des gleichen Wahlrechts. Wer soll in Preußen regieren? DieErbe«LassalleSoderdieErbenderKrone? Die Krone hat sich in diesem Kampfe bekanntlich schon „für die Erben Lassalles" entschieden, sie hätte also in diesem Fall keineswegs„pcmr le roi de Pmsse", für den König von. Preußen, gearbeitet. Und so kommt es, daß jetzt die Hohenzollern vor sich selber g e r e t t e t werden müssen. Spaß oder Ernst? Glauben die Thronrettcr durch ein solches Schauspiel wirklich„das monarchische Gefühl" stärken zu können? Lekts Nachrichten. Ukrainische Flitterwochen. Kiew, 29. Mai. Der H e t m a n wohnte gestern gemeinsam mit dem deutschen, österreichisch-ungarischen und bulgarischen Ver- treter der Eröffnung des neuen Hauses des ukrainischen Klubs bei. In einer bemerkenswerten mit starkem Beifall aufgenom- menen Rede in ukrainischer Sprache bezeichnete General Skoro- padski als sein Hauptziel. Hand in Hand mit dem ukrainischen Volke eine starke unabhängige Ukraine aus demokratischer Grund- läge zu schaffen. Andere Redner feierten, zum Teil in deutscher Sprache, Dewlschland, dem das Wiedererstehen der Ukraine zu ver- danken sei und wünschten engsten Anschluß an das Deutsche Reich, dem die Ukraine in kultureller, Wissenschaft- sicher und technischer Beziehung so unendlich viel Dank schulde. Die Erwiderungsrede des Botschafters Freihrnn von M u m m klang in ein Vivat, CreScal, F'oreat für den Klub und Staat aus, die sich beide ein neue« dauerndes Heim gezimmert hätten, dessen Grundlage für die junge Republik eine schleunigst in Angriff zu nehmende ukrainische Kulturpolirik, bor allen Dingen durch den Aufbau eines n a t i o n a'. n ukrainischen Schulwesens sei, worin das sicherste Unterpfand liege für das Erstarken auch der wirtschaftlichen und politischen Selbständigkeit des jüngsten Mitglie- des der europäischen Völkergemeinschaft. Kiew, 29. Mai. Ter Sozialsöderalist Schelugin, Justiz- minister in dem Kabinett Halabowitsch, wurde zum Vorsitzenden der ukrainischen Delegation für Friedensverhandlungen mit Groß-Rußland bestimmt. GroßSerQn Sonnige Pfingsten. Das Pfingstwetter war dieses Jahr mehr zum Vergnügen der Ausflügler und Gastwirte als der Landwirte berechnet. Wohl war am Morgen des Pfingstsonntags der Himmel bedeckt. Strichweise fiel Regen, der von den Landleuten sehr begrüßt wurde, und stellen- weise traten Gewittererscheinnngen hinzu. Aber mehr und mehr venzog sich der Dunst, um strahlendem Blau platzzumachen. Der Pfingstmontag stand ganz und gar im Zeichen sommerlicher Hitze. Die Groß-Berliner blieben ohne Rücksicht auf das Wetter und die Garderobe, die Verkehrsverhältnisse nicht daheim. Mit und ohne „Gepäck" ging es früh und nachmittags hinaus. Dar Andrang aus den Bahnhöfen, an den Haltestellen der Straßenbahnen war zeit- weise größer, denn je zuvor. Tie Beamten und die Schutzleute ließen schließlich von ihren Bemühungen, den Verkehr in streng ge- regelten Bahnen zu lerien, ab. Sie standen dem Ansturm machtlos gegenüber. Auch an den Haltestellen der Dampfer herrschte ein Gedränge, wie nie zuvor. Keiner wollte zurückbleiben. Selbst aus den Nebenbahnen, wie der„Haidekrautbahn", der Wriezener Bahn, der stillen Pauline mit ihrem eingeschränkten Zugverkehr, konnte man nur mit Lebensgefahr auf' ein Mitkommen rechnen. Die „Viehwagen" ohne Sitzplätze dienten in größerer Zahl als Per- sonenwagen. Mit offenen Türen an beiden Seiten verkehrten diese kaum zu besteigenden Wagen ohne Trittbretter als„Salonwagen". Mit echtem Berliner Humor kam man über alle Schwierigkeiten hinweg, weil— die Beamten das Publikum sich selbst überließen. Auf den Trittbrettern. Puffern und auf den Verdecks der Platt- formen, auf diesen und in den Bremserhäuschen der Wagen machte» sich jüngere Fahrgäste unbekümmert um alle Warnungen der Be- amten es recht— bequein. Auf der Anhalter Bahn stürzte ein Bursche von seinem Sitz und versehwand nnecr dem fahrenden Zuge. Angeblich soll der Sturz aber glimpflich verlausen sein. Auf der Görlitzer Bahn spielten sich besonders abends bei der Rückfahrt unbeschreibliche Szenen ab. Manche Psingstgarderobe Herl dabei ihren Rest bekommen. Um 199 M. erstochen. Im Streite erstochen wurde am 1. Feier- tag der 43 Jabre alte aus Warschau gebürtige Schmied Adam Mickialowski. Dieser war früher in seiner Heimat mit einem 43 Jahre alten Schacktmeister Wladislaus Wisniewski tätig. Am Sonnabend voriger Woche kam auch WiSniewski von Warschau nach Berlin, um hier Arbeit zu suchen. Mickialowski holte ihn vom Bahnhof ab und nahm ihn nach seiner Wohnung mit. um ihn wäh- rend der Feiertage zu beherbergeri. Wisniewski übergab in der Wohnung seinem Gastgeber 199 M. und seine Uhr, damit er sie ihm einstweilen verwahre. Gleich am nächsten Tage verlangte er beides zurück. Jetzt bestritt Mickalowsri, etwas bekommen zu haben. Darüber kam es schon in der Wohnung zu einer Auseinandersetzung, bei der der Sckaebtmeister seinem Gegner mit dem Revolver drohte. Trotzdem gingen' l»e>de am 1. Feiertage zusammen aus und be- suchten mehrere Sckankwirtickasten. Auch auf dieser Bierreise kam es wiederholt zu Streit. Wisniewski merkte wiederholt, daß der Schmied ihn versetzen wollte. Ter Sebacktmdster ließ ihn aber nicht aus den Augen.'Abends endlich spitzte sich der Streit in der Schankwirtschaft von Bogdanskt in der Lange Straße 77 zu, und setzte sich ans der Straße fort. Jetzt zog, wie der Sckiaeht- meister behauptet, der Schmied seinen Revolver. Da griff Wis- niewski zum Messer und stieß es jenem mit solcher Wucht in den Hals, daß er sterbend zusammenbrach. Wisniewski versuchte zu cntsliehen, wurde aber verfolgt, von einem Schutzmemn des 24. Reviers festgenommen. Todessturz einer Trapezkünstlerin. Ein Unglücksfall, der mit dem Tode einer bekannten Artistitf endete, hat sich am Pfingstsonntag abend vor den Augen des Publikums auf der Sommerbühne eines hiesigen Theaters im Osten der Stadt zugetragen. Dort stürzte infolge Seilbruches die- Trapezkünstlerin Frau Eddy- Müller-Varena von der Decke der Sommerbühne des Dern- havd-Rose-Theaters in der Großen Frankfurter Straße ab und er- litt so schwere Verletzungen, daß sie kurz darauf starb. Die Verun- glückte, die im 39 Lebensjabre stand und früher dem Künstler- personal des Zirkus Schumann angehörte, wollte am Psingstsonn- tag zum ersten Male auf der Sommerbühne des Rose-Theaiers in einem ganz neuen Artistentrtck„Der weibliche Propeller" auftreten. Zu diesem Zweck war das Trapez unmittelbar unter der Decke der Bühne angebrekchsi Die Künstlerin trat gegen 7 Uhr abends aus und wurde an einem Drahtseisi zum Trapez emporgezogen. Als Frau Müller-Varena sich noch einen halben Meter eiiffernt von dem Trapezzzestell befand, riß das Drahtseil und die Artistin stürzte aus die Bühne, wo sie tot siegen blieb. Die Polizei besehlagnahmle die Leiche und ließ dieselbe nach dem Schau- Hause überführen. Die Schuldfrage ist noch nicht geklärt worden. Bon der Spielgefährtin in Brand gesteckt. Ein entsetzliches Brandunglück. dem ein neunjähriges Mädchen durch hie Schuld der eigenen Spielgefährtin zum Opfer ftel, hat sich am gestrigen Pfingstmontag am Nachmittag in der Geisbergstraße abgespielt. Dort spielten auf dem Straßeudamm der Geisbergstraße eine Anzahl festlich gekleideter Kinder. Unter ihnen befand sich auch die neunjährige Tochter Frida des Installateurs K., Gcssbergjtr. 21. Das Kind geriet wäheen-d des SpielenS mit der sechssährigen Ursula G., deren Eltern gleichfalls in dieser Straße wohilen, in Streit, der schließlich in Testtichleiien ausartete. Die kleine G. entfernte sich daraus uno kam nach einer Viertelstunde zurück. Sie trat dicht an die kleine K. heran und warf plötzlich ein brennendes S t r e i eh h o l z aus da» leichte Gewand ihrer Spielgefährtin. Im nächsten?lugenbsick bereits stand Frida Ä. in Flamme n und warf sich schreiend auf das Straßenpflaster. Mehrere Passanten eilten hinzu und es gelang ihnen schließlich, die Flammen mit einer Decke zu ersticken. Doch hatte das Kind bereits so schwere Brand» wunden erlitten, daß es in hoffnungslosem Zustande nach dem Achenbach-Sanatorium geschafft werden mußte. Im Nnterftlchungsgs�Lngnis erhängt hat sich ein Sckwerver- brecher, ein 27 Jahre alter Kutscher Otto Polte aus d.'p Esisabeth- strafte. Polte stand an der Ssiitze der Bande, die End« Februar d. I. auf dem Schlesischen Güterbahnhof einen Wächter der Firma Bartz u. Co. übersiel, fesselte, knebelte und sck>wer mißhandelte, und dann für 39 999 M. Zigarren, Stoffe usw. raubte. Tic Psingstrvdrcnnen in Treptow hakten sich an beiden Feier- lagen eine» nur knapp mittelmäßigen, Besuches zu erfreuen. Am ersten Feiertage kam im Großen PsingstpreiS für Flieger, einem Prämienfcchren über eine Stunde, ein hochdotiertes Flie-zerrennen zur Entscheidung, deis von R ü t t mit einer Länge leicht vor Lorenz gewonnen wurde. Die Einzelresultate dieses sportlich recht be- deutsamen Rennens geben wir nachstehend ausführlich wieder. Der Kleine Psingstpreis für Steher dagegen war eine überaus zahme Affäre; er wurde von dem nach der Papiersor.n schwächsten Fahrer im Rennen, Schütz, gewonnen. Der zweite Feiertag brachte schließlich Rennen mit nur zweit- und drittklassiger Besetzung zur Entscheidung. Abgesehen vor einem Mannschaftsfahren, das wiederholt recht spannende Kämpfe zeitigte, läßt sich das Ergebnis der weheren Rennen kurz zusammenfassen neben den unvermeidlichen Siegern in zerbrochenen Rädern und leichteren Hautabschürfungen der an ihnen beteiligten Fahrer. Resultate. Pfingstsonntag: Großer PsingstpreiS für Flieger, Prämienfahren über 1 Stunde, 509, 499, 3M, 200, 100 Mk.: 1. Rütt 36 Kilomeler 380 Meter, 2. Lorenz 3. Rudel, 4. Tadewald, 5. Abrabam. Prämien gewannen bei 5 Min.(20. Ig, 5 M.): Rütt, Freiwald, Lorenz; 19 Min.<39. 15. 19 M.l: Rütt, Lorenz. Rudel; 15 Min.(49. 29. 10 M.): Nadlitz, Hiepcl. Tetzlaff; 20 Min.(50, 25, 15 M.): Abraham, Rudel. Lorenz; SS Min.(SO, SO, SO M.): Neinaß, Abraham, Tadewald; 30 Min.(70, 35, 25 M.k Abraham, Freiwald, Tadewald; SS Min.(SO, 40, 25 M.>: Rütt, Häusler. Nadlitz; 40 Min.(SO, 50, 30 M,): Nütt. Rudel, Häusler; 45 Min.(100. 50. SO M.): Ruit. Lorenz, Rudel; 50 Min.(110, S0, 30 M.): Ruit. Nudel. Lorenz; SS Min.(ILO, 60. 80 M.): Nütt, Muller, Lorenz.,— Kleiner Pfing st preis, 1 Lauf, 10 Kilo- meter.� 1. Rudel 8 Min. 58 Sek. 2. Appelhans 80, 3. Schütz 800, 4. Naujokot 1030 Meter zurück. 2. Lauf, 15 Kilometer: 1. Appelhans 13 Min. 55 Sek., 2. Naufokat 440, 3. Schütz 620, 4. Nudel 1000 Meter zurück, 3. Lauf, 20 Kilometer: 1. Schütz 18 Min. 40 Sek., 2. Naufokat 160, 3. Rudel 520, 4. Appelhans 580 Meter zurück. Gesamtresultat: 1. Schütz 7. 2. Appelhans 7, 3. Rudel 8, 4. Naufokat 8 Punkte.— Zweisitzer-Vorgabefahren, 2100 Meter- 1. Rabe-Rädlitz 2 Min. 53 Sek., 2. Häusler-Abraham(20), 3. Tetz- laff-Sawall 2(100), 4. Schulz-Bethge(120 Meter Vorgabe). Pfingstmontag: Malfahren für Klasse 3, 1200 Meter: 1. Freiwald 1 Min. 50 Sek.. 2. Neinah, 3. Schulz, 4. Petri.— Pfingstpreis, 15 Kilometer: 1. Techmer 13 Min. 36 Sek., 2. Rudel 260, 3. Naufokat 1880 Meter zurück, Hoffmann aufgegeben.— Erstfahren: 900 Meter: 1. Voike 1 Min. 32 Sek., 2. K. Donath, 3. Brekow, 4. W. Donath.— Prämienfahren, 3600 Meter: 1.'Schulz 5 Min. 11 Sek., 2. Neinatz, 3. Nischalke. 4. Sawall 2.— Mannschaftsfahren, 50 Kilometer: l\ Rudel-Techmcr HS Min. 50 Sek., 2. Appclhans-Schütz 20, 3. Hoffmann-Naufokat 3100 Meter zurück. Knochen, Auf Abschnitt 1 bis 4 der Kinderkarte: 100 Gramm Schlacht- viehfleisch mit Knochen oder 80 Gramm Schlachtviehfleisch ohne Knochen. In den durch Aushang kenntlich gemachten Fleischver- kauisstellen darf ausserdem entnommen werden: Auf Abschnitt 0 der Vollkarte. 50 Gramm Blut- oder Leberwurst. Auf Abschnitt 1 bis 10 der Vollkarte: 500 Gramm Wildbret. Auf Abschnitl 1 bis 5 der Kinderkartc: 250 Gramm Wildbret. Anspruch auf lieber- Weisung von Wildbret besteht nicht. Spandau. Lebensmittel. Ein« Anzahl Geschäfte ist winder mit inländischem Weißkohls auerkraut beliefert worden. Dasselbe gelangt von Montag, den 20. d. M. ab gegen Abtrennung von Feld 75 der alten Lebensmittelkarte zum Preise von 25 Pf. pro Pfund zum Verkauf. Auf jede Lebensmittelkarte darr nur ein Pfund abgegeben werden.— In der Woche vom 20. bis 26. d. M. dürfen auf die R e i ch S f l e i s ch k a r t e entnommen werden: Auf Abschnitt 1 bis 8 der Vollkarte: 200 Gramm Schlacht-_._..... � viehfleisch mit Knochen oder 160 Gramm Schlachtviehfleisch ohne' bor der Strafkammer 10 Personen zur Aburteilung. Die Kriminal. flus aller Welt. Massengeheiinschlachtungen. Wegen umfangreicher Geheim» schlachtungen, unerlaubten Handels mit Mehl usw. standen in Aachen Polizei hatte Wind davon bekommen, daß in einer Scheune IN Krum- merück umfangreiche Geheimschlachiungen vor sich gingen. Es ge- lang auch, die Täter auf frischer Tat zu ertappen. In der Nacht zum 23. November 1017 wurden drei Personen beim Abschlachten einer Kuh gefaßt Die Scheune war zu einer regelrechten Schlächterei eingerichtet. In welchem Maßstab die Abs.b'acb- tungen betrieben wurden, zeigt oa? Ergebnis der Ilnwrsuc'-'ng, wonach 50 bis 60 Schweine und 15 Stück Großvieh(Stiere, Kühe, Rinder) doriselbst abgeschlachtet worden waren. Ferner kam Hera»?, daß einige der Beteiligten noch außerdem umtangreicke Geheim- schlachtungen vorgenommen hatten, unter anderem direkt be: den Lairdwirten. wo sie das Vieh kauften. Das Fleisch wurde an Privatpersonen, zumeist aber an einen Mitangeklagten Hotelbc- sitzer zum Preise vou 3,50 bis 5.50 Mk das Pfund verkauft. Wie ergiebig das Geschäft war, geht daraus hervor, daß zwei der An- geklagten ihren Gewinn selbst auf je 10 000 Mk. anaabcn. JTaS Urteil lautete: ein beteiligter Kutscher erhielt 3 Monaie Gefängnis und 5000 Mk. Geldstrafe, ein Mctzgergescllc 3 Monaie Gefängnis und 3000 M Geldstrafe, ein Netzgermeister 1 Monat Gefängnis und 1500 M. Geldstrafe, ein Milchhändler 3 Monaie Gefängnis und 6000 M. Geldstrafe, ein Hüttenarbeiter 5060 M. Geldstrafe, ein früherer Müller 1 Monat Gefängnis und 800 M. Geldstrafe, eine Ehefrau 30 M Geldstrafe, der Hotelbesitzer 2000 Mark Geldstrafe, ein Verwalter 2000 M. Geldstrafe, eine Berg- mannSfrau 200 M. Geldstrafe— Und wie ist es mit den Landwirten, die den Geheimschlächtern und Schleichhändlern das Vieh lieferten? WetterauSfichien für das mittlere Nerddentschl.nid bis Mittwoch mittag. Sehr warm, trocken und vorwiegend heiter, nur im Süden strichweise Gewitter.* Lerantwortllch fllr Dolitil: Erich Knttner, Berlin: für den üüriaen Teil des Blattes: Alfred Sckiolz, Neukölln: für Anzeigen: THcodoe g>loge. Berlin Verlag: BorwSrtS-Verlag G. in. b. H.. Berlin. Druck. Borwür!s--?lick>druckerei und Jerlagsanstalt Paul Cinger u. Co. in Berlin, Lindenltrabe 3. Wanzen undMotten mit Brut werden radikal vernichtet durch Wanzentod Pfeifferol in Flaschen zu 4,50 M., 3,— M., 1,75 M. und 1,— M. und Mottentod Pfeifferol(50 Pf.) überall zu haben. Herr Paul Rades, Drogerie, Turmftraße 48, schreibt:„Ihr Wanzentod Pfeifferol ist vorzüglich, ein Kunde empfiehlt Ihr Präparat immer dem anderen". Kopf- und Haarwasser Pfeifferol gegen Ungeziefer für Kinder. 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