Nr. 144. 35. Jahrg. Bezugsvreis: Slertoliäljti. 4.60 3*11. monatl 1.60 Mi. frei ins Haus. vorauszaiilSar.Einzeln« Nummern 10 Psg. Poitdezug i Monat- !ich 1.60 Ml. Unter Kreuzdand i'Sr Deutichiand uns Oeiierre>ch- Ungarn M!. iür das übrige Ausland 4.60 MI. monatlich Verlans ins ilelb bei direlier Beiiellung monali. I.hu Ml. Postbesiellungen nebmen an?Sne» marl. Holland. Luxemburg, Achmeden und die Schwei/t. Eingetragen in dt» idoit-�eitungs-Lreisiisl«. (irfdieini täglich, rsiegramm. Adrefle: »Sozialdemokrat Oeillu* Z* f. Vevltnev VolKsblnkt. ( 10 Pfennig) AnzetgenpreiS: DieNebengeivaUeneKolonelzeilekoslet 80 Pig..Kleine Üinzeigen". das settgedruckie Wort 30 Pfg.(zulässig 2 fellgedruckie Worte). ledes weitere Wori>6 Psg Stellengesuche und Echlalltellenanzeigen das erste Wort 20 Psg.. ledes weitere Wort lO Pfg. Worte über 16 Buchstaben zählen für zwei Worte Teucrungsznschlag 20»/» Familien-Anzeigen. volilische und gewerkschaftliche Pereins» Anzeigen 60 Pfg die Zeile. Anzeigen für die nächste Nummer müssen bis Z Uhr nachmitiags im Haurtgeschäfi Berlin EW 68. Lindenstratze 8, ab iegeben «erden.«Beöffnei von 6 Uhr früh bis 7 Uhr abends. Zentralorgan der fozialdcmokratifcben Parte» Deutfchlande. Redoftion: SW. 6$, Linöenstroße 3. idern'>reciier: Bmi Mortdvlas. Nr. 151 90— 151 97. Dienstag, den 28. Mai 1918. Expedition: EW. dS. ZindenJltojje 3. aernsprerde«: Amt Moritiplals, Nr. 151 SV— 15» S7. Der Vsmeniveg in ganzer Breite erftürmt. Krim und Kaukasus. Stockholm, 25. Mai. Nach einer Meldung der Petersburger Telearapben-Agenlur aus Moskau bat das Kommissarial für aus- wärtiae Angelegenheiten dem Minister des Auswärligen in Tiflis durch Funkspruch leine Befriedigung darüber ausgesprochen, durch den deuilchen Bolichaiter Grafen Mirbach gehörl zu haben, dag die transkaukasische Regierung in Tschekeli durch ihren Vertreter M a t s ch a b e l i über die Trennung Transkaukasiens von Rußland und keine Selbständigkeit zu verbandeln wünsche� und schlägt, ohne damit die Unabbängigkeil Transkaukasiens ichon anerkennen zu wollen, die von der Mehrheit der Iranskaukasi chen Bevölkerunsz nicht gewünscht werde, als Ort der Verband« l u n g e n die Stadl Wladikawkas vor. da Kiew nicht günstig gelegen sei; sie teilt den Wnnsch der deutschen Negieri>n>i, dast die Verhandlungen möglichst, bald aufgenommen und zu Ende geführt werden möchten. Zugleich hat das Volkskommissariat für auswärtige Angelegen« heilen am 23. Mai dem deutschen Botschafter Grafen Mirbach eine Note überreicht, aus deren Wort« laut sich folgender Verlauf der Dinge ergibt: Am 13 Mai halte das Volkskommissariat da? Angebot des Grasen Mirbach angenommen, BezieHnngen zwischen der russischen Regierung und der.angeblichen* transkaukasischen Regierung zu Vermilleln. Am 14. Mai balle der deutsche Botschafter vor« geichlagen, die niist'che Regierung möchte ihm ihre Wünsche in dieier Beziehung schriftlich milleilen, und dieie hatte geantwortet, dasz ihrer Meinung nach ein Bevollmächiigter Nuszlands an den Verhandlungen in Batum zwischen Deuischland und der Türkei einerseits und Transkaukasten andererieilS teilnehmen müZte, da Rußland anderenkalls einen dort zustande kommenden Verlrag nicht würde anerkennen können. Am 22. Mai bat der deutsche Botschafter dem Volkskommissariat mitgeteilt, daß die liaiiskaukasikche Regierung den Bürger M a l! ch a b e 1 i zu ihrem Vertreter bei den Verhandlungen über die Unabhängigkeit TranS- kaukastens ernannt habe. Der Botschafter hat zugleich Kiew alS Ort der Verhandlungen vorgeschlagen und eine schnelle Einigung empfohlen. Diesen Borschlag nimmt die russische Regierung au. Die tatarische Republik in der Krim betrifft folgende Meldung deS Berliner Ukrainischen Pressebureaus aus Kijew: Die Talarenregierung in der Krim soll auf einer Koalilionsgrundlaze unter Teilnahme bestimmter Nationalitäten organisiert werden. Das tatarische Parlament erklärt sich zum Landesparlament und trifft Maßnahmen, um durch Vertreter anderer Nationalitäten aus Grundlage gesetzmäßiger Wahlen ergänzt zu werden. Das Haupt der Regierung wird duich ein Parlament ge- ttäslt das durch den Ministerpräsidenten zusammengestellte Kabinett erhält die Bestätigung des Parlaments durch Verllaiiensvotum. Bis zur Bildung eines allgemeinen Parlaments ist die Regierung vor dem Tatarenparlainenl verantwortlich. Die offiziellen Sprachen der neugebüdelen Regierung sind russiich und tatarisch. Die Regierung bestehl aus dem Ministerpräsidenten und 5 Ministern. Im Zusammenhang mit den bevoi stehenden russilch-ukrainischen Friedensverhandlungen wurde im ukrainischen Minlsterium die Frage der Beziehungen zwi'chen Ukraine und Weißrußland besprochen. Die ukrainische Regierung wird das Prinzip des Selbst« bestimmungsrechis der Völker unterstützen und daher der Bildung eines ethnographischen lebenssähigen weiß. russischen Reiches entgegenkommen. Da aber eine weiß- russische Regierung noch nicht konstnuierl und ein we'ßruisiicher Sraal erst in Emslebring begriffen ist, so kann er 6ei Frredensverhandlungeir mit Rußland nur schwer offiziell berülN'chtigr werden. Jedock wird die ukrai« ni'che Regrerung die Lebensinteresseu Weißrußlands bei den Friedens« Verhandlungen berücksichiigen. Cntweöer-Göer im Kernen Osten. „Für den Lluße,, blick kein Eingreifen". £ o n b o n, 26. Mai.(Reuter.) Tie Blätter melden auS Washington: Die Alliierten und die Vereinigten Staaten habe» sich über eine Politik ds Niff'tcingrcisenS in Rußland geeinigt. Gleichzeitig bieten sie Rußland Zufuhren und jede mögliche Hilfe an. Für den Augenblick wird also kein Eingreifen stattfinden. England und die Vcr- einigten Staaten haben der japanischen Regierung mitgeteilt, daß ihr neuer Kurs nicht von einem Verdacht gegen Japan eingegeben sei, sondern daß es sich dabei nur um eine politische Frage handele. Dieie„Politik des Nichteingreifens" soll also, wie aus« drücüich erklärt wird, nur vorübergehende Bedeutung haben. feindliche Artillerietätigkeit im Kemmel- gebiet— Truppentransporter im Mittelmeer und bei den Azoren versenkt. Berlin, 27. Mai t9l8, abends. Amtlich. In den Kampfabschnitten in Flandern und an der L y s, auf dem Schlachtfelde zu beiden Seiten der S o m in e und an der A v r e haben sidi die Artilleriekämpfe verschärft. Südlich vv« L a o n ist seit heute früh die Schlacht nm den C h e m i n d e s D a m e s im Gange. Die Truppen des deutschen Krön- grinzen haben den Bergrücken in seiner ganzen Ausdehnung erstürmt und stehen im K am P f an der Aisne. Amtlich. GrojjeS Hauptquartier, 27. Mai 1918.(©. T. B.» Westlicher Kriegsschauplatz. Südwestlich von Meteren wurden bei erfolgreicher Unter« nehmung Engländer gefangen. Die Artillerietätigkeit lebte an den Kampffronten erst in den Nachmittagkiundeu auf. Die feindliche Artillerie war vor allem im K e in in e l g e b i e t, auf dem N o r d u f e r der Lys, zwischen Arras und Albert und auf dem Westuser der A v r e tätig. Die Erknndungstätigkeit blieb rege. Der Erste Generalanartiermeister. _ Ludendorfs. Berlin/ 26. Mai. Neue Nnterseebootserfolge im Sperr- gebiet um Italien: 5 Dampfer von zusammen 2 7 0 9 v Br-Reg.-Tonnen. Hiervon versenkte da? von Kapitäuleutnant Heinrich XXXVII. Prinz Reuß befehligte N-Boot drei wertvolle große Dampfer von zusammen rund l9 OlX) Br.-Reg.-To., unter ihpen den französische» Truppentransporter Sankt Anna(9359 Br.-Reg.-To.). Im Anschluß an die am 8. d. MtS. veröffentlichten Erfolge eine« U-Krenzers im Syrrrgebiet nm die Azoren ist nachträglich festzustellen, daß ein von ihm ariS großem gesichertem Geleitzug auf dem Wege Gibraltar— En stand durch Torpedo versenkter Damvfer, der ans etwa 4599 Br.-Reg.-To. geschätzt wurde, inzwischen als der e n g l i s ch e T r u p p e n- transportdampfer Nirpura von 7649 Br.-Reg.-To. mit einer englische» Kavallerieabteilung an Bord, ermittelt worden ist. Der Chef deS Admiralstabes der Marine. Der österreichische Bericht. Wien, 27. Mai 1918. Amtlich wird oerlautbart: Im Anschluß an die Erkundungsunternehmiingen deS 25. Mai griffe» die Italiener gestern mit mehreren Alpinibataillonen, unterstützt durch schwerstes Artillerie- und Minenfener, unsere Stellungen südlich des T o n a l e p a s s e s an. Ein kleiner Teil unserer Linien wurde etwas zurstckgedrückt; sodann wurde das weitere Vordringen deS Gegners verhindert. Der Chef des Generalstabes. In Anknüpfung an kürzlich Verlautendes ist die Vermutung gerechtfertigt, daß die Alliierten der Sowjetregierung eine letzte Frist gönnen wollen, sich ihren Wünschen anszu- liefern, was die Bereitschaft der Sowjetregierung bedeuten würde, freiwillig mit dem Strick um den Hals ihre Herr- schaft zu liquidieren. Beachtenswert ist. daß die Washingtoner Negierung von einer kinigung der Alliierten spricht und gleichzeitig durch die beruhigende Mitteilung an Japan den Schluß aufnötiat, daß vsn einer abssluten Einigkeit eben nicht die Rede sein k«nn. Der Abschluß deS japanitch-chinesisckien Militärver- tr«ges vom 16. kfkai war gwisscrmaßen eine letzte vorberei- tende Maßnahme für den Angriff Japans in großem Stile. Wie die Bereinigten Staaten diesen Vertrag nicht hindern konnten, s» werden sie«nch den Angriff Japans auf Ost- sibirien nicht ernsthaft aufhalten können. Bei dem„neuen Kurs", der die europäische Entente abgesondert von Japan an Amerikas Seite sieht, handelt es sich kaum um mehr als den Versuch. Japans imperialistischer Entschlossenheit noch in zwölfter Stunde ein paar Minuten abzugewinnen. Und dieser Versuch ist geglückt. Aber nur „für den Augenblick". Daß die weitere Entwicklung der ostastatischen Frage eine schwere Krise des Weltkriegs, die schwerste vielleicht, aus der Schale sprengen kann, ist eine längst vorhandene An- nah nie. Rußland wünscht i neue Verhandlungen! Moskau, 25. Mai. Nach einer Meldung der Petersburger Telegraphen-Agentur hat das Volkskommissariat für auswärtige Angelegenheiten am 22. Mai dem deutscheu Botschafter Grafen Mirbach eine Note überreicht, in welcher es M» s k a u als Sitz eines Sonderausschusses zur Regelung einiger sich aus dem Friedensvertrag von Brest-Litowsk ergebender Punkte und folgende Fragen als Verhandlungsgegen- stände vorschlägt: Erstens: die Lage im Kaukasus, zweitens: die Lage in der Krim, drittens: die im Artikel drei des Friedens- Vertrages vorbehaltene Grenzführung und die Fragen des zeitweiligen Besetzungsrechts Deutschlands, viertens: die politische Lage Estland.' und Livlands, fünftens: Kriegsgesangenenfrngrn, sechstens: Grundfragen der wirtschaftlichen Beziehungen zwischen Deutschland und Rußland. Zwischen einem Krieg, der nicht sterben, und einem Frieden, der nicht leben kann, verbringt das deutsche Volk unfrohe Tage. Der Reichskanzler hat im Mai die Hoffnung ausgesprochen, daß der Krieg noch in diesem Jahre zu Ende gehen werde, und hat sich deshalb selber einen Optimisten genannt: Optimist ist als» heule schon, wer hofft, daß das Vöikergemetzel nur noch sieben Monate dauern wird. Herr v. Kühlmann aber hat dieser Hoffnung gleich wieder einen Dämpfer aufgesetzt, indem er in seinem Vortrag über den Frieden v»n Bukarest die Möglichkeit in Erwägung zog, daß der Krieg auch noch im nach st en Jahre fortdauern könnte. Mit Jubel hatte das deutsche Volk im Februar die Nach- richt begrüßt, daß im Osten Frieden geschlossen werden sollte. Was ist aus dieser Freude geworden? Der„Brotfrieden" mit der Ukraine wurde durch eine neue Kürzung der Brot- ration bekräftigt. Denen, die als Sieger— nicht aus Ruß- land heimkehrten, sondern entweder dortblieben oder durch Deutschland in einen neuen Krieg zogen, wurde die Kunde, daß das gleiche Wahlrecht in Preußen abgelehnt fei. Daß Deutschland in den Kampf gegen den Zarismus gezogen war, hatte man als Vorspiel zur Befreiung Europas begrüßt. Heute regiert in der Ukraine Sloropadski, in Preußen noch immer Heydebrand, während man für andere„befreite" Staaten nach neuen Kronenträgern Umschau hält. Dieser Frieden, der keiner ist, hat auch im Innern Unfrieden gebracht. Man käistpft für und gegen pol- nische Annexionen. Die Vorgänge in der Ukraine haben im Hauptausschuß deS Reichstags zn einer Art Vor- krisc geführt, die nur durch die Nücktrittsdrohung der leitenden Männer bis auf weiteres beschwichtigt wurde. Ueber die Zukunft Estlands und Livlands tobt in der Presse der heftigste Streit. In dieser Situation hat die nrssische Regierung der deut« scheu den Vorschlag gemacht, zur Klärung wichtiger, im Friedensvertrag von Brest-Litowsk offengebliebener Fragen zu neuen Verhandlungen zusammenzutreten. Als VerHand- lungsort schlagt sie Moskau vor, wahrscheinlich um zu zeigen, daß sie sich in dieser alten und wieder neuen Haupt- stadt Groß-Rußlands zu Hause und sicher fühlt. Die sechs Punkte die sie als Verhandlungsgegenstand vorschlägt, sind so gewählt, daß man von keinem sagen kann, daß er weiterer ' Klärung nicht bedürftig wäre, es sind ebensoviel offene Wunden wie offene Fragen, ohne deren Lösung und Heilung der kranke Frieden des Ostens nicht gesund werden kann. Die deutsche Regierung sollte die ihr gebotene Gelegenheit mit Freuden ergreifen und sie zu dem Versuch ausnützen, im Osten wirklich Frieden zu machen. Bei diesem Versuch wird man sich darüber nicht täuschen dürfen, daß die K an fereuzein lo dun g der russischen Regierung ebenso wie die gestern von uns wieder gegebene Aeußernng des Botschafters Joffe zur baltischen Frage Aeußernng eines wiedererwachenden Selb st bewußt s eins ist. Wir sehen, um dies gleich� zu sogen, keine Gefahr und keinen Schaden darin, daß die bolschewistische Regierung Rußlands sich anschickt, die Zukunft des ihr anvertrauten Landes in realpotftischem Sinne sicherzutstellen. Denn der Gedanke, Rußland s» zu schwächen, daß es für alle Zeit auf- hört eine Gefahr zu sein, ist eine Utopie, roalpliftsch nur der Gedanke, ein lebensfähigeSRußland neben ein lebensfähiges Deutschland zu stellen und beide zu gemeinsamer Arbeit zu verbinden. Das Wiedererwachen des russischen Selbstbewußtseins hat aber, das möge man nicht verkennen, seine sehr ernsten Gründe. Vor zwei Monaten noch war Rußland ein krieg- ! sichre uder Staat, der am Ende seiner Kraft angelangt war, I heute ist es ein neutraler Staat, und es bsgimt langsam bcn Vorteil der Neutralität zu c�euießen, der darin besteht, dost sich beide kriegsiihrenden Lager i>m die Sympathie des nichtbctcilicstcn Tritten bewerben. Wir aber tragen gegen- über dem neutralen Rußland den Nachteil jedes triegführen- den Staates, daß wir nämlich seine Frenndschast ebenso leb- hast begehren, wie wir bestrebt sein niüssen, rein Ab- schwenken in das Lager der Gegner zu verhindern. DaL Verhältnis der Kriegführenden zu den Neutralen in diesem Kriege ist sehr eigenartig. Es schwankt zwischen kriecherischer Schmeichelei, zu der sich ichon mancher Großstaat vor dem Kleinsten hat ernicidern müssen, und ver- 'weifeltcr Brutalität. Wie dos Erlköniglied beginnt es mit lockenden Versprechungen, die gelegentlich in die Drohung umschlagen:„Und bist du nicht willig, so brauch ich Gewalt!" Mit dem einst kriegerischen, jetzt ncntralen Rußland steht es aber so. daß wir die Mittel der Gewalt ihm gegen- übejr schon erschöpft haben. Der Gedanke, daß der K r i e g s z n st a n d mit Rußland wieder auf- leben könnte, ist für das ganze deutsche Volk— vielleicht von ein paar Verversen um Kurd von Strantz cibge- sehen— eine seelische Unmöglichkeit, der Wuuich, wenigstens mit einem Teil der Woltkriegsgcgner in ein dauerndes tragsähiges AriedenSverhältniS zu gelangen, entspringt einem brennenden Bedürfnis. Inzwischen fängt aber Rußland wieder an, eine Hoff- n l! n g der Entente zu werden. Vergessen sind die Bannflüche gegen die Regierung des Umsturzes und des Staatsbankcrotts, keine 3iede ist mehr von militärischen Intcrpcnnoncm Japan wird zurückgepfiffen, den Russen wird bedingungslos Hilfe und Zufuhr vqjprochen. Es ist klug von den Gegnern, daß sie in Rußland eine nur im Augenblick gelähmte, aber immer noch vorhandene Kraft erblicken, es wäre sehr rmklug, wenn wir in Rußland weiter nichts sehen wollten als ein Häuflein sich immer weiter »uflösender Ohnmacht. Gute Nachrichten, die wir alle will- kommen heißen, dürfen die dwtsch-e Politik nicht zu Ucber- niut verleiten, schon zu oft hat man sich über die politische Tragweite solcher Nachrichten getäuscht, zu sehr hat man sich van Angenblicksbildern und Stimmungen becinslusscn lassen. Letzten Endes wird doch der gewinnen, der am weitesten sieht. Politische Weitsicht verlangt von uns, daß wir Ruß- fand, unter welcher Ncgicnma und in welchem Zustand es sich arig-mblicklich immer befinden mag. als einen dauernden Faktor der europäischen Politik betrachten, den rn Frieden, wenn schon nicht in Frenndschast zu erhalten, unser eigenes Interesse gebietet. Ten Frieden, den wir im Osten wollen, haben wir noch nicht, wenn sich ein Weg bietet, ihn zu er» langen, soll man nickt zögern, ihn zu beschreiten I »* * In den Abendausgaben der Berliner reaktionären Presse wird der Versuch gemacht, den Vorschlag der russischen Regierung so auszudeuten, als sei es sein Zweck, den Brest- Litowsker Frieden umzustoßen. Damit beweist diese Presse von neuem, daß den reaktionär-annexionistischen Kreisen jedes Mittel zur Erreichung ihrer besonderen Ziele gut genug ist. Denn in Wirklichkeit bedeutet der neue Vorschlag Rußlands nichts anderes, als daß die bolschewistische Regierung ernstlich bestrebt ist, die von der deutschen Ost- Politik aufgehäuften lind die Verwirk- iichung des Friedensvertrags ungemein er- schwärenden Fragen im Verhandlungswege aus der Welt zu schaffen. Keine der Fragen, die die Note auszählt, wurde von ihr willkürlich aufgegriffen. Die Punkte t und 2 betreffen die Lage im Kaukasus und in der Krim. Nußland hat die Bestimmung des Frie- denSvertrags wegen Räumung der besetzten türkischen Ge- biete und des eigenen Territoriums einschließlich der Stadt Votum ausgeführt, doch haben die einheimischen Volks- Uli m nie sich inzwischen für unabhängig erklärt und dem Einmarsch der Türken militästschen Widerstand geleistet. Die Türken setzten den Feldzug fort, weshalb sich im weiteren Verlaufe die Notwendigkeit der Friedensverhandlungen mit der kaukasischn Republik ergab, an denen außer den Nächst- beteiligten auch deutsche Vertreter teilnehmen. Die Bolsche- iviki beanspruchen auch ihrerseits zu den Verhandlungen hin- zugezogen zu werden, und niemand wird behaupten können, daß diese Forderung etwas mit ihrer Stellungnahme zum Brestcr Frieden zu tun hat. Ahcr auch die K r i m f r a g e ist nur dadurch entstanden, daß die Deutschen in die Halbinsel eingedrungen waren, nachdem der Brestcr Frieden abge- schlössen war. Auf die Krim aber hatten selbst die extremsten ukrainischen Nationalistcü niemals Anspruch erhoben I Bezüglich des dritten Punktes der bolschewistischen Note sei hier ans dem Artikel 3 des Brestcr Vertrages der folgende Satz zitiort:„Die genaue Festlegung der Linie wird durch eine deutsch-russische Kommission erfolgen." Es handelt sich mithin bei diesem Punkt um bloße Durchfüh- rung einer Vertragsbestimmung, und es ist nur erstaunlich, daß die bciitichc Regierung aus eigener Initiative, trotzdem zwei volle Monate uns von der Siatifikation bereits trennen, nichts unternommen hat, um Endgültiges zu schaffen. Aller- dings etwas ist niittlerwcile doch geschel>cn, man hat sehr eifrig die Lostrennung Estlands«tch Livlands betrieben, und sogar der„Berliner Lokal anzoiger" muß ge- stehen, daß diese Frage„durch die Ueberniittelung der Unab- bpngigkcitserklärung der beiden Provinzen von feiten des Auswärtigen Amtes an die russische Regierung von hier a u s zur Diskussion gestellt wurde". Ter Punkt 5 betr. KriegSgefangencnfragen und der Punst 6 betr. die w i r t s ch a f t l i ch e n Fragen sind ebenfalls von dem mit Rußland abgeschlossenen Zusatzvertrag zum Friedensvertrag nicht nur vorgesehen, sondern drängen darauf, in irccndeiner Weise einer Lösung entgegengeführt zu werden. Aufgabe der deutschen Presse wäre es, für diese Löinng, da der Friede nun einmal geschlossen, zu wirken und nicht ihr konsequent entgegenzuarbeiten. Doch was kümmert es diese sorglosen Kreise, wenn dem deutschen Volke durch ihi c waghalsige Politik imme-r neue und neue Komplikationen erwachsen!_______ Die nkrawisch-ruMchen verhanölungen. Tie Regelung der Landwirtschaft in der llkraine. Kiew, 2G. Mai. Der Ministerrat genebmigte den Entwurf des LandunruchaslsininisterS beuesfend die Nealisiening der diesjährigen Ernte, die iogeuaimten?llissiihrilngöbesiiiil»iungcn zum Erlaß Eich- Horn. Tie Teilungen veröffeiiiliä'en beule den Entwurf eine« pro- vronichen Gesetzes über die Regelung des Landverkauss innerhalb des «irainiilden Staatsgebiets. ES ist vorgesehen, datz die staatliche Land- baut Land und Forsten unbeschränlt erwerben darf Einzelpersonen aber nicht mehr als 25 Tetzjatmen: Landwirte und Genossenschaften dürfen größere Flächen erwerben unter der Bedingung, daß der Anteil des einzelnen 25 D e tz j a t> n e n nickt übersteigt und daß diese Einzelgrnndstücke vor der Registereintragung bereits vermessen sind, Ueberlchüssia gekauftes Land verfällt kostenfrei dem Staat Die Kontrolle und Durchführung obliegt den neuen Landtonimiifionen. Bei den nkrainisch-nissischen Verhandlungen wurde in der gestrigen Abendnyung d»e Etiüternng der Wirffeir- stillstandsbedrngiingen nickt beendet. N a k o w s k i erhob Ein- spruch gegerr die vorgei'cktaaene DemarkarronS- Ii nie, die den augenblicklichen miliiätifdie» Jtelln ngen nickt entspreche und angeblich Dutzende von neuen Laiidkreisen»tfofse. In der Debatte warr RakowSkr die Frage ans, welche Rolle die deutschen Truppen spielten. Der ukrainische Aorsiyende ZckeNltckm lebnte die Beainworinng ab, da er nicht bevollmächtigt sei, für die deutsche Kommandogetvalt zu sprechen. Deutschland sei Verbündeter der Ukraine, Gerüchtweise verlautet, Baron S t t i n h-e i l, Mitglied der ersten Duma für Kiew, sei zum ukrainischen Gesandten in Berlin ernannt. Die neue Delegation der Donregierung ist in Kiew elngetrossen. weswegen die von der Donbevölkmrng gewäblte bisherige Delegation abreiten wird. ,K>ewökaja Mqsl" unleritretcht hierbei, daß die abreisende Delegation gegen die Einmischung einer a n s tv ä r t i g e n M a ch t in die Donangelegenheileir war, Nack einem Rostolver Telegramm in der„Raborickaja Schrill* rst das Don Ministerium gebildet: Minisierpräfident rst General- major Bogajewski. Gerüchtweise verlautet, daß Trotzki und der Kommissar für NationalitäUnstagen Stall» demnächst in Kiew eintreffen werde». « Der zum Verweser de« ulrainischen Minlsterinms des Aeußeren ernannte Dmhtro Doroschenko schied auS der ukrainischen Sozialföderoltstevpariei aus, weil der Parteikongreß verbot, in dos gegenwärtige Kabinett einzutreten. Die Gegenrevolution öes rutschen Süöostbunües. Kiew, 25. Mai. Die Zeitungen veröffentlichen eine Note der Don-Negierung an die ukrainische Regierung. Die Don-Regierung als bedeutendster Be- standteil des neuen Bundesstaates des südöstlichen Bundes, der die Don-, Kuban-, Ter- und Astrachan-Kosaken, die Bergvölker des nördlichen Kaukasus und der Schwarzmecr- küste und die freien Steppenvölker des südöstlichen Ruß- laudS umfaßt, dem sich ferner das Gouvernement Stawro- pol, die Schwarzmeer-GouvernemcntS mit dem Südostbund verbunden anschließen, hat die Interessenvertretung des Bundes übernommen und ersucht bei den Friedens der- Handlungen mit Großrußland folgendes zu bc- achten: Der Südostbund ist kein Bestandteil der russischen Sowjet-Republik. Er befindet sich mit der nicht anerkannten Regierung der russischen Sowjet» Republit im Kriegszustände. Die Völker und die Regierung des Bundes werden die Unantastbarkcit des Bundes mit allen Mitteln verteidigen. Die Don-Regicrung hat in den soeben verkündeten Staatsgrundgesctzen alle seit der Februar-Revolution 1917 erlassenen Ge- setze der russischen Regierung wieder aufgehoben und hat das alte Wappen und Siegel der Donischen Kosaken wieder eingeführt. .Kiewskaja Mysl' bebt hervor, daß durch diese Restanration alle Nationalitälenbeschränkungen im Don- kosakenland wieder aufleben und somit die Inden dort das Wohnrecht wieder verlieren. Dos Agrar- geietz am Don. das binnen zwei Monaten veröffentlicht werden soll, sieht die Zwangsenleignung des Großgrundbesitzes vor. der be- stimmie Normen überschreitet. Die Landverteilung soll spätestens im Oltober erfolgen. Ein Hinweis auf die Entschädigungen der früheren Besitzer fehlt. In einem Aufruf an die Kosaken werden diese zu guten Bc- Ziehungen mit den deutsche» Truppen aufgefordert. Sie sollen diese wie eigene Truppenteile ansehen. Nach.Stimme Kiews" wird die Regierung des Don- gebietS Ende M a i endgültig formiert, wenn in Nowoticherkask die Vollversammlung der Kosaken de« Dongebiete» zusammentritt. In die jetzige Regierung ist als Vertreter der nicht kosakiichcn Bevölkerung des TongebieteS der Politiker Swietosarow eingetreten,'fre Beziehungen der Donregierung zur freiwilligen Armee des Generals illexejews sind noch nicht end- gültig geklärt. Es steht fest, daß gemeinsame Arbeit mit ihr gegen die Bolichewiki für die Kosaken sehr wünschenswert ist, aber in wessen Händen die Oberste Heeresleitung ruhen wird, ist vorläufig noch nicht entschieden._ Mexiko und Kuba. Tie Bedeutung deS Abbruchs der diplomatische« Beziehungen. Der Abbruch der diplomatischen Beziehungen zwischen Kuba und Mexiko wird, nach einer Genfer T.-U.-Meld»ng, mit dem Eintritt KubaS in den Weltkrieg begründet. Die mexikanische Regierung erklärt, daß alle Vorstellungen, die Mexiko bei der kubanischen Regierung unternehme, wirkungs- los seien und die schwierige Lage der kubanischen Regierung nur noch kritischer machen würden. Pariser politische Kreise erblicken hierin einen mexikanischen Protest gegen die tatsächliche Bevormundung Kubas durch die Vereinigten Staaten. Mexiko erachtet Kuba nicht mehr als unabhängigen Staat. lieber die Vorgeschichte des Abbruchs der diplomatischen Beziehungen wird dein Wolff-Burcan von„gut unterrichteter privater Seite" mitgeteilt: Carranza.dcr Präsident des neuen Mexiko, hat sich bisher allen Treibereien Wilsons gegenüber als ein fester Hort gerechter und wahrer Unpartei- lichkeit bewährt; er hat mit Kraft und Mut allen Ein- schüchterungSversuchen der Jankees Stand gehalten. Bon diesem Geiste zeugt mich die n e u e Verfügung, die seine Regierung unlängst in betreff der.Schwarzen L i st e n" ertasten hat, um den Wühlereien der amerikanischen Konsulatsvertrcter behufs Ausschaltung des deutschen Handels einen wirksamen Damm entgegenzusetzen. Die mexikanische Regierung betont eingangs dieser Verfügung ausdrücklich, daß das Verhalten der Amerikaner, wenn ihnen freie Hand gelassen würde, nicht nur eine V c r- letzung der mexikanischen Neutralität, sondern auch einen Eingriff in die Oberhoheit der mexikaniscßen Regierung im eigenen Lande bedeuten würde. Daher iolltr n. nach dem G e i e tz vom dl M ä r z, die Kapitäne sämtlicher Schiffe, welche amerikanische Häsen anlaufen, verpflichtet sein, alle Waren für Empfänger, die auf der nordamerikanischen Sc! würzen Liste stehen, an diese aus- zuliesern, auch wenn ibnen dies von den nordav'erikaniicheii Koniulatsvertretern unterlagt wird, widrigeniall; Kapitän eine Gelbst!-ne von 59 Pesos für jedes nicht ausgeliefette- Kollo zu gewärtigen hat und ihm die Weiterreise aus Mexiko verweigert Iverden würde. Diese Auflchlüsse über den gegenwärtigen Stand des Verhältnisses zwischen Mexiko und den Vereinigten S'(taten sind bemerkenswert gciuig. Immer»och hängt der brennende Spoil über der mexikaniichen Pylversielle, und wenn man nun in Rechnung setzt, daß nach dem Einiriti Kubas in den Weltkrieg nacheinander Guatemala, Nicaragua und Costarica sich ebenfalls dem Verlangen der großen Union gefügt und auf den Kriegspsad gegen Teutschland gemacht habe», so läßt sich ickon sagen, daß jetzt ein ganzer Kranz von Bränden um den mexckanischcn Exvlosionshei d lodert. So verdient der Konflikt wegen der Schwarzen Listen besondere Beachtung. der öeutfche Angriff cm Damenweg. Französischer Bericht vom 27. Mai, nachmit- tags. In der zweiten Hälfte der Nacht richteten die Deutschen sehr heftigesGeschützfeuergegendieganze Gegend zwischen dem Walde von Pinon und Reims. Heute morgen erfolgte der feindliche Angriff auf sehr breiter Front zwischen diesen beiden Punkten. Die franzdsisch-engüschen Truppen leisten mit der gewöhnlichen Tapferkeit dem deutschen Stoß Widerstand. Tie Schlacht ist noch im Gange. In der Champagne, auf dem rechten Maasufer, im Walde von Apremont und in der Woevre war die Artillerietätigkcrt nachts lebhaft. Die Deutschen machten mehrere örtliche Angriffe. Im Walde von Apremont wurde der Angriff nach einem Kampf, der den Deutschen Verluste kostete, abgeschlagen. Zwei andere Angriffsversuche in der Gegend von Limeh und nordöstlich von BadonvillierS scheiterten ebenfalls. Gefangene blieben in der Hand der Franzosen. Englischer Bericht vom 27. Mai, morgens. Starke feindliche Angriffe mit vorhergehendem Ge- schützfeuer von großer Heftigkeit entwickelten sich heute in der Frühe in breiter Front gegen die englischen und französischen Truppen in der Linie zwischen Reims und Soissons und gegen die französischen Truppen zwischen Loker und Vorme- zee le. Beträchtliche feindliche Artillerietätigkeit gestern und letzte Nucht an der britischen Front. Deutsch-englisches Gefangenenabkommen. London, 24. Mai. Das Reutersche Bureau erfährt, daß die englische Regierung beschlossen habe, Verhandlungen mit der deutschen Regierung mis dein Wege über Holland einzu- leiten, um das jetzt bestehende Uebereinkommen wegen Heiinschaffung oder Intern ierung von Kriegs- und Zivilgefatigenen zu erweitern. DaS Kriegskabinett hat heute einen Beschluß in dieser Nich- tung gefaßt. Der Zeitpunkt der Verhandlungen steht noch nicht fest._ Die Verhaftungen und der Wahlkampf in Jrlanü- Die Spekulation der irischen Nationalisten. Amsterdam, 27. Mai. Die in Bailieborough abgehaltene Konferenz der irischen nationalistischen Partei beschloß, bei den Ersatzwahlen gegen alle Kandidaten der Sinnfeiner- Partei zu stimmen. D i l l o n, der Führer der' Nationalisten, sagte: Er mißbillige die Ver- Haftung Grisfiths, des Kandidaten von Eastcavon. aber er tvürde es für ein Zeichen der Schwäche halten, wenn der Kandidat der Nationalisten bei der Ersatzwahl zurückgezogen würde. Dillon lehnte es ab. die gegen die Sinnfeiner gerichtete Erklärung der Regierung als beweis- kräftig anzusehen. Die irische» Ncilioualisten können nicht wagen, den Gewaltstreich der Regierung zu billigen, aber sie sind bereit, die Vorteile einzu- streichen, die er ihnen im Wablkampse vermitteln kann und nach der offen ausgesprochenen Hoffnung der englischen Regierung ver« Mitteln soll._ Neue Judenpogrome in Galizien. Das Jüdische Pvessebuweau in Stockholm berichtet: Die Prvgwomseuche in Galizien greift immer weiter um sich. Fn Wielieka, unweit Krakau, ereignete sich am 15. Mai em regelrechter Judeupvogrom. Zahlreiche jüdische Geschäft«laden wurden vollständig ausgeplündert, in den jüdischen Häusern wurden die Fensierscheiiben eingeschlagen, viele Personen wurden verprit» gelt. Der materielle Schaben des Progrvms wird auf eine Millwn Kronen geschätzt. Die lokale Polizei verhielt sich während der Exzesse ganz passiv, so daß militärischer Beilstand aus Krakau herangezogen werden mußte. Auch in Dobczhca bei Wieliczka fandeu juden feindliche Ausschreitungen statt. Au üen Vorgängen in Prag. Italiener und Tschechen. Der italienische LaiideShauvtmaniistellvertreter von Tirol, Dr. Eon er. bat a» den Prager Tlckeckenveriämmlungen, die oifit'öS als hochverräienich bezeichnet werden, teilgenommen. Der Tiroler Sandesausichuß, der kaiserlich und deutsch ist, hat ibm dabei seine Entrüstung ausgesprochen, und auch die österreichisch gesinnterr Italiener baben gegen sein Verhalten protestiert. Die Wiener Berichterstattung beeifert sick, diese Kundgebungen der Loyalität zu verbreiten, wodurch aber wiederum aui die Ur» lachen, denen sie eniiprange», die öffcntlicke Aukmerkiamkeit ge- lenkt wird. Es ist nicht erfreulich iür einen Staat, ent be- weilen zu müssen, daß es in leinen Grenzen auch loyale Staats« bürger gibt. Deutscher Bolksrat für Oesterreich. Die deutschen Volksräte der verschiedenen Kronläuder haben sich nach gemeinsamer Beratung am 25. und 26. d. Mts. zu einem Deutschen Volksrat für Oe st erreich zusammenge- schloffen. Sie nahmen einen Beschluß an, der die d e u t l ch e Staatssprache fordert iuid die Einrichtung der Kreishaupt- nuinnftf flfttn in iPcbiren nur dann für annehmbar erklärt, lv�nn' sie ven Wiinschen der Teurschen entspreche. Die Sicherung de» Vegcs jur Adria für das gesamt« Deutschtum sei eine unbedingte Sroalsnottrendigkeit Alle Bestrebungen nach einer tschechisch- slowakischen Autcnomie müßten auf das allerinlfchiedenste be- käinpft werden Tie Lmiefung des Bündnisses mit Teutschland m:c> begrüßt. Tiesem Bündnis ist aber nicht damit gedient, wenn nur diejenigen, die die schärfste Bekämpfung des Slawentums auf ibre idadne geschrieben haben, sich zu ilnn bekennen dii BesÄieünng de? Pariser Bezirks durch das weittra- g e n d e Geschütz ist Wut Habasmeldung gestern früh wieder auegenommen worden. Die Beschirsinng Laons bat m den letzten Tagen wieder er- beblich zugenommen. Durchlchnitllich fielen in den letzten Tagen seit dem 20. Ma: 900 GronMen auf Samt rrob in soine Vorstädte. Besonders lcharf mar. trotz vogner! sehen Wetters, die Be-schießung am 2i Mai. Die V o r st ä d t e find nur noch Trümmer. die Oberstadt verfällt immer mehr, die verängstigten Bctnobntzr, nnter denen die Beschießung täglich Opfer fordert, kSnnon sich a.'.rS ihren Kellern nicht mehr berauSwvgen. Es ist, wenn dee Br'chießung andauert, nur eine sfrwge der Zeit, wann die. roch erbali-enon Teile von Laon mit allen Kirchen und Bau- denkmälevn ein Nnud der flammen werden Das in Santander internierte Unterseeboot wind laut Madrider KaoaSmeldainig dort bleiben unter lbeiberwachnnq durch das Ka- nenenboot Meroues de Molin», welches zu diesem Zweck mt» Ferro! ansgewufeii ist. Die deutsche Besatzung wird in der Um- geburg von Madrid untergebracht werden. Der Nachfolger de? Senators Stone. Aus Washington wind gemeldet: L>i ich rock, der demokratisch? Senator für Nebraska, ist Mrm Vorsitzenden der Senatskommission für auswärtige An- geleaenbeiten der Vereinigten Staaten als Nachfolger de? per» storbenen Senators Stone gewäblt worden. Die englische Nationalühuld. Ein englisches Weißbuch gibt be- kanm. daß die englische NationÄschuld im Jechve 1913/17 um fast 2!»»«" muie»»n re akt onelleu Ter! vcrökkeiti» tchi eiiipfichli en, Berliner N nern.timer Fritz W. Plunibosf ein Panll-nvräparal ui Vernichtung von Mäusen und Nauen, dem der Raine.Pogrom" ge-eb'i! in. Das Nnternebme» tze'eichnel sich elbst als, P o a r o m» a b i> k Unier Pogroms veiüebt>nan ekannilich die crauenbaiien Iiidenbetzen, die in, zaristiichen Ruß- Innd üblich geweien sind und bei denen unoezäblte Men chen, auch Greise, Frauen n»d K'nder. unier den eiiiietzlichsien Martern ge» lötet winden. Her? Plnmboff düril ein Ve> obrer des Dre'chzraien Pückler gewestn ienr. der Aebnl>ch-s aiiil,>nr Tent'chlnnd provo» gier:« und er verwendet setz? Pncklersche Ideen»wecke» der Ge'chästsreklame. Zum mlnd-sten vandelt es sich um eine grobe Beschmocktpstgseil, Industrie»nö kanöel. Auö dem Berliner Wirtschaftsleben. Recht ipäi kommt die Deutsche Erdöl A.Ei, mit ihiem Abschluß daaus, um da? alle deuliche Svnchwoir zu betzältgen daß. niaö lange währt, nick» immer gut geiät Das der Tis'onlogesell- ichast nahsstebende Nnlernebmen bat ost iibar deshalb ko lange gebraucht, weil es die Bilanz zu verschleiern und den Gewinn b e r a b» u d r ii ck e ii galt, um bei den Ve, Handlungen mit der Re- gterung über die weueie Te Inabm? an der rnmänischen E>dölerzen> oung!» e». er lecht bekiogenswerien Werse darnsleben. Der Robgew'nn beträgt 19 M'll. Mark geg. n 48 7 M>ll. Mar t im Vorjahr— weil die KriraSrücklagen vo'.N'eg abgesetzt n ni den.Eb. n'osind dieBbschrcibiingkN ans die elsäisirchen Leignellen nick! aeionderl ausgewtest», sondern den Betriebskosten ziigrichlage» worden. Mii dreien Mitteln ist es glücklich gelungen, den Neuig?w>un von 14,3 iDJ ll onen Mari au' 11 1 Millionen Mark zu vermindern; die Dividende beträgt wieser 25 Prozent. Das Aktienkapital wird durch Nenmisgabe von 4,25 Millionen Mark junger Akiien auf 35 Millionen Mark gebracht. Aus dem Geichäitsbericht, der von dem Forlichrilt der Dchnik und und von den Aiiiprüche» der Geiellschakl an die Regierung in der rumänischen Finge inlerenanl erzählt, ici aiigeiiihrl: Tie seit KrtegSbeginn melnnials gekäbrdcle Mineralölverlargiinr Deutschlands bat sicki durckareiiend verbessert. Die inländische Produktion blieb ztvar im ganzen noch anr ihren, vorsäbrigen Stand. Infolge der Einführung neuer Gewinnungsvei fahren (Schachtbaubetriebs und der Schaffung neuer Erzengungs« stütlen kann in nächster Zeil mit ibrer Verdoppelung und weiterhin mit noch erheblich größeren Mengen gerechnet werden. Der bisberige Bergwerksbetrieb im Elsaß bat die An- nahm« der Gesellschaft bestätigt, daß mittels Tief mbrungen nür der geringere Teil des Erdöls seiner natürlichen Loger- itätte entzogen werden kann, der größere dagegen allein durch bergwerksmätzigen Abbau zu erfassen sei. Die An- ivendung der intensiveren bergmäßigen AuSbeuiuiig eröffnet dem- nach den Ausblick einer enttprechend verlängerten Lebensdauer der Gerechtsame. Auch in Hannover soll der Schachibau- betrieb ausgenommen werden. Ausführliche Mitteckimgeir werden über die Verhältnisse in Rumänren gemacht. Die Geiellichafi hat die Produktion der rumänischen ToebterqesellsOasten jetzt ungefähr wieder auf die Höbe des letzten FriedensfiandeS gebracht. Eine noch bessere Eigsnpro»uktio» hätte sich vomlssichtlich erzielen Infi en, wenn nicht ein iianihafler Teil der Bohrapparate der Gefell- schast der Wilitärverivaltniig ans staatliche» Terrains zur Vorsüguiig gestellt worden wäre. Die hierdurch iür die beiden dentichon Bctroleumkonzerne nach ihrer Auffassung begründete Anwartschaft aus Znlcilung der von ihnen bearbeiteten Staatslerrainshai beimFrisdens» tckluß mit Rumänien keine Berücksichtigung gefunden. Die Gesell- schasr erwartet aber, daß ibrer Pionierarbeit bei der bevorstehenden endgültigen Regelung noch in niigsniesscner Weise Nechnung gelragen lvcrdcn wird. In dem Bestreben, den rumänischen Betrieb»» eine Iveitere Nohvlarnudlage zu geben, hat die Geiellschatl sich im lanstuden Geschäiisjahre die Veriügung über nahezu daS gesamte Aklientapital der.Internationalen Rnmeenschen Veirolenm- Matschappij" in Amsterdam gesichert. Zur Tilgung des Kaufpreises sollen 4,25 Millionen Mark»euer Aktien dei Erdöl-Akt>en-Gessllichaft dienen, deren Ausgabe der ordentlichen Generalversammlung vor- geschlagen wird, und die ein Bankenkonsortium unter Führung der Diskonto-Geicllichaft übernehmen t'oll. Die österreichische Unter- »ebmung. die �Austria Petroleum Industrie Akr.-ssjesellich." hat in 1917 eine Dividende von insgesamt 30 Proz. für die letzten vier Gelchättsjahre ausgeschüttet. Die zur Verarbeitung bituminöser Braunkohle errichteten Mineralölwerke sind soweit vollendet, daß der gegenwärtige Teilbetrieb sich binnen weniger Monate zum Voll- betrieb entwickelt haben wird. Soziales. Prüft die RcnteuanwartSbcschcide der LandeSversichenings- austalt! Die RentenH-rechnung gab bisher im großen und ganzen keinen Anlaß zu Beanstandungen, Aber folgender Fall soll allen Renten- bewerbern zur Warnung dienen. Der Mtersrentenemvfänaer Tischler Pl. erhält am 28. September 1017 durch Bcschelv seine Altersrente in Höhe von 114 M. jährlich zugebilligt. Bei der Be- rechnung der Rente werden rbm 1042 Marken in d?r ersten Lohncklasse und>58 Marken in der zweiten Lobnklasse zugrunde gelegt. Das waren die niedrigsten Lohnklassen. Er konnte aber durch scuie Bescheinigungen den Nachweis liefern, daß er in dem letzten Jahr- zchnt nur Marken in den beiden höchsten Lohnklassen verwendet hatte. Die Berechnung der LandeSveisicherungSanstalt konnte nicht stimmen. ES wurde gegen den erteilten Bescheid Berufung eingelegt. Die LandesversicherungSanstalt erteilte nun ein«, neucu Bescheid, wonach nunmehr die Marken in der höheren Lohnklasse b-reckmet wurden. Die Altersrente betrögt jetzt 2 0 4 M. M i t h i n 9 0 M. mehr im Jahre. Die Monatsrente war zuerst mit 9,50 M. berechnet, jetzt er- hält der alte Mann 17 M. pro Monat. Würde der Bescheid rechts- kräftig geworden sein, so wäre dem Manire ein g«va4tigcr Wirt» schaftttcher Nachteil entstünden. Man fragt sich, wie kann das be: der LandeSversichernngSanstalt Schlesien nur vorkcuufnen? Da sind doch genügend Leute beschäftigt, die mit Ruhe die einfache AddierungSarbeit verrichten können. Wenn auch der Krieg uu- geübte Arbeitskräfte zur Einstellung zwingt, solche Fehler durften bei der Behörde auf keinen Fall vorkommen. Deshalb ihr Rentenempfänger, prüft die zugestellten Bescheide vor Zlblaus der Berufungsfrist an der Hand der Nufrechnungs- bescheinigungen auf ihre"Richtigkeit hin. Förderung der Begabten. Eine Erweiterung erfuhren die Berliner Pläne zur Förde- rnng hock'besäbigter Polksschinler. Die bisher getrofftnen Ein- richiungen hattcn den Nachteil, daß sie ausschließlich für intellek» tuell Hochbegabte bestimmt waren und anders gerichtete, nicht minder wertvolle Bcgabungkn, besonders die künstlerische und technische, uirberücksichtigt lietzem In einer Sitzung des Deutschen Ausschusses für Erziehung und Unterricht teilte der Berliner Stadt- schulrat Dr. Rciinann mit, daß jetzt auch für chese B»gabui?gen in entsprechender Weise gesorgt wird. Im März d. Jz. fönten die ersten Prüfungen für die zeichnerisch besonders bigabten Knaben und Mädchen statt. Aus den Gemeindeschulen erschienen zu diesen Prüfungen die besten Zeichner unter den abgehenden Schii- lern und Schülerinnen, 132 Knaben und 7g Madchen, aus den Mittelschulen 10 Mädchen, aus den höheren Lehranstalten die- jenigen Zöglinge, die im Zeichnen Hervorragendes, aber in den D?nkfiichem nicht Entsprechendes leisteten, 124 Schüler und 73 Schülerinnen- hier wa- die Altersgrenze nicht beschränkt. Die Kommission hatte über den künstlerischen und zeichnerischen Wert der von den Kindern mttg-brachten früheren Arbeiten, wie auch der von ihnen in der Prüfung angefertigten Zeichnungen zu ent- scheiden. Die Prüfung erstreckte sich an drei aufeinander folgenden Tagen in je 2 Äunden auf Ratur». Gedächtnis- and Phantasie- zeichnen. Von den geprüft»» 256 Knaben erwiesen sich 18 als hochbesähifft; von khnen waren 9 Giweindeschüler im Alter van 13—1 4 Jahren, die anderen 9 gehören höhere» Schicken an und waren 1814 bis 17 Jabre alt. Unter den 139 Mädchen, die nch der Prüfung unterzogen, fanden sich nur 7 Hochbcfpmgle. darunier 2 Schülerinnen ans einem Lyzeum im Alter von 15 und 17 Jan- ren und 5 Grmeindeschülertnnen Die städtische Schlttverwaltung erachtet diese begabten Knaben und Madchen einer besonderen Förderung als durchaus würdig und ist mit den in Betracht kein- menden Stellen in Verbindung getreten, um sie einem ihrer te- sonbinen Verrmlaigung entsprechenden Benutze zuzuführen; nn dürftigkeitsfalie werden auch Bciibilsen gewährt, die entweder den Eltern ausgezahlt werden oder den HaudwerkSmeistern a.S Zu- schuß gewKhrt»»erden sollen, um die Lehre lim«im Ja.rr aonr» kürzen. Be! der zweiten Gruppe, der der Gutbesch-'ch en. stellt« sich heraus, daß 4« Knaben und 11 Mädchen, darunter 23 und» aus Gsmeindeschuilsn. sich auch zur Auk-bildung für ein Handw»r! eignen, das sich nach der kiinstgewe-.Hli'chen Seite an lnuien laßt. Bei weiteren 31 Ktwchen und einem Madchen, darunter 18 und 0 aus Ge-mei ndefchül e n, trat die Begabung zuai techr, chhen Zeinnien so ausfallend bervar, daß mich von ibmurn späte»bin tüchtige Le istnu- gen zu erwartan sind. Bei dem Rest, 161 Knaden und Iii Mc�- chen. erschien die künstlerische Begabung nicht groß genug, mn N- bei der Bevusswahl als entschoidend mibi.prechen m lmsen;»e wiw aber hängend helfen können, um innerhalb handwerklicher Vetatr» gung dieser Kinder später besonders Gutes leisten zu können. Für die Zukunft plant die stödti i-be Sch'M'erwättung. vor jedem Schule n tlass un as l ormin. also haMäHrli». drei Prmungen Hochbegabter vorMmchmen: eine rein wißemschaftliche. eine.'w.- lerische und eine technische. Die EntWoidn.nig wird bei der kunz.te- rtschen Pnüsting auf Gvund iekbstänidig gefertigter Arbeiten, lonst aber auf Grund psychologischer BcgabungS-t'rüfun'gen getrorsen. Auf diese Woßke wird es möglich sein, jede tüchtige Begaavng im der beranwachfenden Jugend rechtzeitiig zu erkennen und sie an die Stelle zu bringen, wo sie zun vollen Reise kommt. Saugl'nigSPflege in Kasseler Mädchenschulen. Kassel hat 1016 als erste unter den deutschen Städten den Unterricht in SänglingSpflege obliaatorisch in ihren M.idchcnmtüel- und MädckienvolkSschulen eingeführt. Sie hildet einen Teil des »«turkundlichen Unterrichts in der Oberklasse der Mckdchcrtvsl.s- schulen. Die Stadtschulvcrwaltnng legte von Anfang an Gewicht darauf, sie nicht als Anhängsel an die Schule erscheinen zu lassen. an dem teiizunellmen in das Belieben der Kimder und ihre Eltern zu stellen sei. Das hätte den Wert der Sache in den Augen der Kinder und dsS Publikums herabgesetzt und die Erreichung des Zweckes gehindert. So wurde der Lehrplan für Naturkuiche den .genannten Klassen abgeändert und mit dem für die Säuglinge-« Pfluge aufgestellten Unterrichtsplane derart verbunden, daß beide zusammen als einheitliches Ganze erscheinen. Man legt weiter Wert daraus, daß d»r gesamte Schulunterricht auf die sur unser Volk so überaus wichtige BevöSerungsfrage Rücksicht nimmt,>0- weit das in Volksschulen überhaupt möglich ist. EL ist natürlich, daß ein solcher Unterrichtsgegenstand nur ur der Hand einer Lehrerin liegen darf, die auch den naturkundlichcn Unterricht für die betreffende Klasse erteilt. DaS ist in Kasscl der Fall. Die Unterrichtsstunden fallen in die letzten Wachen vor Ostern, so daß die Schülerinnen bei ihrem Austritt auS der Schule noch unter dem frischen Eindruck der Sache stehen. Jeder Unter- richtseinbeit schließen sich praktische Unterweisungen an einer Mo- dellpuppe an leine Säuglingsausstattung steht jeder schule zur Verfügung). Außerdem worden die Schülerinnen in das Saug- lingsbeim und in die Krippe geführt. Im engen Zusammenhang mit den geschilderten theoretischen und praktischen Unterweisungen stehen solche für Hersicll'.ing tun- SäuglinaSwafche im Handarbeitöuntsrrichte und der SättglinaSkzst in der Haushaltungsstunde. Die Stadtsckulvcnvaltung läßt seder an dem Unterricht in der Säuglingspflege teilnehmenden Schäle- nn die Säuglingsfibel von Zerwer-Langftein»»entgeltlich»ber- reichen und hofft, auch dadurch aufklärend über die wichtige kluge- lsgenhcit in weiten Kreisen der Bevölkerung zu wirken.— Zur Weiterbikdung der Lehrerinnen für Säuglingspflege werden icdts Jahr kürzere Kurse zwischen Herbst und Neujahr abgehalten, in denen namentlich auch die im Unterricht gewonnenen Ersahen!, gen Verwendung finden..... Man hat gegen den neuen Unterrichf eingewandt.� er sei eine Verfrühung, die Mädchen wären noch zu jung und brächten daher der Sache nicht den nötigen Ernst entgegen. Demgegenüber muß betont werden, daß alle Schülerinnen, die an ihm teilnahnre:,, schon in der Säuglingspflege tätig waren und tätig sind, indem sie kleine Geschwister oder Säuglinge aus Vcrwandicnkrcisen pflegten und noch pflegen. Einzelne dieser kleinen Pfleglinge wer- den hier und da in den Unterricht mitgebracht. In Kassel hat zu- d«n die Erfahrung im ersten Jahre gezeigh daß die Schülerinnen an dem Unterrichte mit großem Ernste, gleichem Eifer und gutem Erfolge teilnahmen. Selbstverständlich ist es, dag der Unterricht in Säuglingspflege in die allgemeine M ä d ch e n f o r t b i l d u n g s s ch u l e �verlegt wird, so- bald wir diese dringend nötige Schule haben werden. Bis heute haben wir sie aber noch nicht, und darum muß man im Jnwefle unseres Volkes nur wünschen, daß Säug- lingöpflege so schnell wie möglich in allen städtischen und laud- tichen Mädchenschulen eingeführt werde. Benutzung der öffentliche« NrSeitsnochwrise durch die Behörden. Das bayerische Staatsminifiierium für Verkehrsangelegen- hciiton hat durch Veroudnung dde ihm nochgeordneteri Stellen auge- wiesen,„ihren Bedarf cm Arvoite«, lgslernten und uwM' ernten) grundsätzlich durch die Vevm-ittlung der gemcmdckichen Ar- bettSäinfer zu decken."— Hoffentlich werden die ülbrsgen Bumdes- stoeten diesen, Beispiel« bald folgen. Aber mich die Gemeinden sollten sich diesen Grundsatz zu eigen macherr. Dir fünfte Generalversammlung der Volksfürsorge wird am Montag, den 24. Juni, in Hamburg abgehailtcn werden. Das ihr vorzuiegeirbe Geschäftsergebnis des Jnbres t0l7 ist trotz der langen Kriegsdauer ein enfrenlich gümstiljcS. Die Zahl der abgeschllessenen Policen stieg von 101689 Ende 1916 auf 227 183 und die Höbe der dadurch versicherten Snimme von 28-'",3 029 M. auf 37 156 660 M. Davon stiegen die abgefchkossenen Kapitalver- stchernngen von 123 715 mit 26 362 841 M. Versichern ngSftlNi.me auf 167 056 Vo/iec« mit 34 582 821 M Vensichsrungss u mme. Der erzielte Uelberschuß beträgt 389 335.53 M., bei einer Gesamte innahme von 9 704 618,09 M. Die JahneSprämseneinnabme betrug 3 182 187.57 M., die Einnahme aus Zinsen 319 2-57.70 M. Der sichergestellte Prämienne-servsfonds betrug Ende 1917 6 201 705.71 Mark, dv Gewinnreserve der Versicherten 848 406.23 M. und die stimtigen Reserven und RückSazen 883 626,76 M. Die Verweltüng wird der Genertckbersammiung die Uebsvweisnnz von 10 Prvz. der ciirgezabltcn Fahresvränrien. das sind 272 91408 M.. an die G?» winnoeservs der Versicherten lim Vorjahr« 7 Praq.) vorschlagen; daniebcn sollen noch je 5 Proz. des erzielten UeberschnsseS, das sind fe 19 466.78 M., dem gessblichen RefervesendS, dem Organ ifations» fonds, dem Krisgövessvvefolld» und dem Fonds für besondere Re- fervai überwiesen werden. GewerkschllflsbewElmg llohaerhö'hung für die Straßendahn- �anÄVZrker lmü-Arbeiter. Die in den Wsikstärten und Krailwerken der Grofzen Berliner Strahsnbcihn beiciiä'riglen Arbeiter und Handwerker batten be-> scblosicn, eine Lohnerhödun� von 3t1 Pi. iür die Stunde jtu iordern. Eine �mnrniision der Arbeiter in Gemeinsckiast mit einem Vertreter des Tran-portarbeiterverbandes bat deswegen mit der Direktion derbandell, es war aber nicht mö.ilicb, die Direktion zur An- rrkennuiigder fsorderung in voller Höhe zu bewegen. Mebr tvie eine Zulage von 10 Pi. pro Stunde will die Direktion nicht bewilligen. Die Kommission hat dann noch ver- sucht, hinsichtlich des Urlaubs und der Dieniialterszulagen Werbcsserungen für die Arbeiter herauszuholen. Das ist auch ge- Iringsn. Bisher wurde nach einer Beschäfligungsdauer von sünt Jahren 3 Tage und nach 1l) I ihren 6 Tage Urlaub gewährt. Die Direktion hat bewilligt, daß es nach drei Jahren 4 Tage, nach sechs Jahren 6 Tage und nach zehn Jahren 8 Tage Urlaub gibt Die Vorarbeiter erhalten in drei Stufen einen um zwei Tage längeren Urlaub. Bisher erhielten die Arbeiter, welche länger als fünf Jahre beschäftigt waren, eine tägliche Zulage von 1 M. Jetzt hat die Direktion bewilligt, daß nach einer Beichäfti» gungsdauer von 3 Jahren eine Zulage von 50 Pf. täglich gewährt wird und es im übrigen bei der Zulage von 1 M. nach einer Beschäfligungsdauer von 5 Jabren bleibt. Hinsichtlich der all' gemeinen Lohnauibesserung ivar die Direktion zu keinem weiteren Zugeständnis als einer Zulage von 10 Pf. pro Stunde zu bewegen. Einschließlich dieser Zulage betragen die Anfangslöhne für Arbeiter 1 M., für Schlosser 1,20 M.. für Oberichiosser 1,30 M. Sie steigen nach einer Beschäfligungsdauer von einem halben Jahr um 5 Pi. und nach vier Jahren wieder um 5 Pi. In den Nachtschichten sind die Stundenlöhne durchweg um 30 Pi. höber. Die Arbeiterinnen halten bisber einen Stundenlohn von 45 Pf. Sie erhalten eben- falls die allgemeine Zulage von 10 Pf. Die Kommiision legte diese Ergebnisse ihrer Verhandlung einer gut besuchten Betriebsversammlung vor. Die'e war durch das sehr geringe Entgegen ommen der Direktion recht unbefriedigt, erklärte sich aber mit den Zugeständnissen ein- verstanden in dem Sinne, daß dieselben nur als Abschlagszahlung aui die gestellten Forderungen betrachtet und zu geeigneter Zeil neue Anträge aus Lohnerhöhung gestellt werde». Das Weinhans Kempinsk! und die Zechpreller. Das Perionalbureau der Firma Kcmpinski in der Leipziger Straße gab vor kurzem den bei ihr angestellten Kellnern iolgendeS bekannt: Der Kellner haftet persönlich für die Bareinlöiung der auf Bons und ohne Bons für die Gäste entnommenen Speisen, Getränke und Genußmittel, auch bei Verlusten durch Zechpreller. In dem Zirkular war beigefügt, daß diese Einfügungen in die Arbeitsordnung der Behörde eingereicht seien und daß sie mit dem 15 Mai in Kraft treten. Wir lassen dahingestellt, ob das- die ri�utge Form ist, eine Aendsrung der Arbeitsordnung vorzunehmen. Nach§ 1346. der Gewerbeordnung ist vor dem Erlaß der Arbeits- ordnung oder eines Nachtrags zu derselben den im Betriebe be- schästigien Arbeitern Gelegenheit zu geben, sich über den Inhalt derselben zu äußern. Hierzu halten die Angestellten nach Lage der Sache kaum Zeit. Aber den gewünschlen Zweck. die Verluste, die durch Zechprellereien einstehen könnten,«uf die Kellner abzuwälzen, wirb die Firma damit nicht erreichen. Die Gerichte haben nämlich schon wiederholt über derartige Fälle ent- schieden und auch in höheren Instanzen übereinstimmend den Stand- Punkt vertreten, daß die Kellner lediglich Beauiiraate de? Unter- nehmerS find, die den Verkehr bezw. den Kauf und Verkauf von Waren(Speisen und Getränkei zwi'chcn Wirt und Gast vermitteln. In allen Fällen wurde der Wirt für den Schaden durch Zechpreller haftbar aemacht. ES sei denn, daß der Wirt nachweisen kann, der Angestellte Hobe leichtfertig gehandelt, d. h. entgegen den aus- drücklichen Anordnung des Wirtes einem bestimmten Gast größere Zechen gestundet, ohne sofortige Bezahlung zu fordern. Wir glauben gern, daß bei den jetzigen Lebensmittelnötcn und bei den hohen Gasthauspreiien ein besonderer Anreiz für Zech- Prellereien gegeben ist und wir würden eine Anweisung an das Personal zu erhöhter Vorsicht durchaus verstehen, aber es geht nicht an, das Risiko auf die Augestellleu abwälzen zu wollen. Die LohilSewegttnz der Bauanschlagcr. Im März hatten die Berliner Bauanschläger bei der Arbeit- gebeiorganiiation beantragt, zu der irfihn bewilligten 50protentigen Erhöhung der Akkordlöhne eine nochmalige Erhöhung von 50 Prozent, im ganzen also 100 Prozent, zu gewähren und den Sllindenlohn auf 2 M. zu erhöhen. Tie Vi'rhandlun rcn zogen sich iehr in die Länge. Sie kamen erst in Gang, als vor einigen Wochen die An- ichläacr bei einer Firma die Arbeit einsielllen und dadurch be- kündeten, daß es ihnen ernit mit ihren Foiderungen war. Seit- dem haben mehrmals Verhandlungen mir der Arbeitgeber- oraaniialion stailgeiunden und kürzlich zu dem Ergebnis ge- führt, daß die Arbeitgeber sich bereit erklärten, auf die Äkkordpreiie eine» Zuichiag von 80 Pcoz. und einen Stundenlohn von 1.80 M. zu bewilligen. Die Venreter der Arbeiter erklärten sich schließlich mit einer Zulage von 80 Proz. begnügen zu wollen unicr der Bor- auSsetzung, daß der Sinnderilohn von 1.80 M. als Mindestl»hn im- zusehen und bei Akkordarbeiten zu garantieren ist. Das letztere gilt als besonders wichtig, weil jetzt oft kleine Arbeiten in Akkord ausgesührt werden, bei denen die Anschläger nicht aus ihren Lohn kommen würden. Deshalb soll ihnen der Stundenlohn sichergestellt werden. Die Arbeitgeber haben auch diese Forderung bewilligt. Am Sonnlag hat auch die Versammlung der Bauanschläger diesem Abkommen zugestimmt, womit die Lohnbewegung beendet ist. ErlzoltrnIsurlauli für Nugcstclkte. Die Angestcllleiiveibände Groß-Berlins haben sich kürzlich in einer Bei smnmlung. an der die iänillichen Groß- Berliner An- gestelllenausschüsse teilnahmen, mit der ll-laubsfrage befaßt und dabei unter Berücksichtigung der Kriegsverhällnisse folgende Grund- sätze aufgestellt: Allen Angestellten, die ihre Stellung bis zum 1. April 1818 antiatcn. sind mindsstens 7 Tage, allen Angesiellien, die bis zum 1. April 1817 eingetreten sind, 14 Tage, nach öjähriaer Dienstzeit 18 Tage und nach wjäbrig-r Dienstzeit 21 Tage ununterbrochener Somnierurlaub zu gewähren. Angesichts der autzergewöhrilichen Leistungen, die von den An- gestellten jetzt gefordert weiden, sind dieie Forderunaen als durchaus bescheiden anzuerkenireii, zumal wenn man berücksichtigt, daß in vielen Firmen der in Fliedenszeiten übliche Urlaub während der ersten Kriegsjabre zum großen Teil in Forlfall gekommen ist. Erfreulicherweise Hot auch eine große Anzahl Groß-Berliner Firmen Urlaub in diesem Rahmen berr.ts zugestanden. Auch der Berliner SchlichlungSausl'chuß bat sich kürzlich mit der Frage: �.Gewährung von Urlaub an Angestellte� befaßt und dabei folgenden Schiedsspruch ".Der SchlichtungSausschuß bält einen Urlaub für dre An- gestellten in nachstehender Höhe iür angemessen: bis 2 Jabre: L Arbeilslage. bis 5 Jabre: 6 Arbeitstage, bis 10 Jahre: 12 Arbeitstage. Eine Abhängigmachung von vereinbarten perio- diich eintretenden Gehallserböbungen wird als nicht gerechlserligl er klärt und muß milSlbletbeu." Der SchlichtungSausschuß konnte i» diesem Schiedsspruch nicht über die Forderungen der klagenden Angestellren hinausgehen, denn in dem fraglichen Fall hallen die beteiligten Angestellten selbst so außerordentlich bescheidene Wünsche vorgebracht. Es unterliegt aber nicht dem geringsten Zweiiel, daß der Schlichtungsausschuß auch wesentlich wettergehenden Forderungen seine Zustimmung gegeben haben würde, da man auch in Arbeugebertreiieu durchaus einsieht, daß die UrlaubSfroge im sünsten Kriegsjabre anders behandelt werden muß, als in der vorangegangenen Knegszeit. Kürzung der Lehrzeit für die zum Heeresdienst ein- gezogenen Lehrlinge. Nicht selten werden Lehrlinge, die eine Lehrzeit von über drei Jahre zurückzulegen haben, zum Heeresdienst eingezogen und da- mit zum vorzeitigen Abbruch ihres Lebrverbällnisies gezwungen. Das hat unter Umständen für die jungen Leute mancherlei Nach- teile>m Gefolge. Bor einiger Zeil hatte nun die Bezirksleitung vom 8. Bezirk des Deutschen Melallarbeilerverbandes sich an das Württembergische Kriegsministcrium gewandt, mit der Bitte, die jungen Leute— es handelte sich um den Jahrgang 1800— derer Lehrzeit noch nicht beendet war. vom Heeresdienst bis zur Be- endigung der Lehrzeit zurückzustellen. Gleichzeitig wandte sich die Bezirksleitung an den Verband der Würtlenibergrschen Metall- industriellen mit dem Ersuchen, in gleicher Weise beim Kriegs- Ministerium Schrille zu unternehmen Der Metallintustriellen- verband unterstützte die Anregung der Bezirksleitung. In einer hieraus stattaebablen gemeiniamen Sitzung mit einem Verlieier des Kriegs« Ministeriums wiirde zum Ausdruck gebracht, daß dem Wunsche ans allgemeinen Gründen leider nicht Rechnung getragen werden könne. da ein Ausnahmefall geschaffen würde, dessen Rückwirkung aui andere Beruisklassen nicht ohne eibeblichen Einfluß bleiben würde. Gleichwohl setzte sich daS Kriegsministerium dann weiter mit den Melallindustricllen in Verbindung, um eine einheitliche Behandlung der Sache im Interesse der Lehrlinge zu erreichen. Letzteres ist geicheben, wie aus nachstehender, vom Wllrttembergi'chen Kriegsministerium veröffentlichten Bekanntmachung hervorgeht: .Die frühzeitige Einberufung der iandiirirmpflichtigen Rekruten zum Heeresdienst bringt es mit sich, daß ältere Lehrlinge, oder solche. welche eine längere als drnjähngs Lehrzeit haben, nicht selten vor Beendigung ihrer vollen Lehrzeit eingezogen und damit zum vor- zeitigen Abbruch ihres Lehrverbältnisies gezwungen werden. Es ist nun aber, wenn nicht dringende berusliche Bedenken dagegen iprechen, nicht erwünscht, daß solche Lehrlinge, wenn sie nach erfolgter mili- läri'cher Autbildung im Felde gestanden und sich erprobt haben, vielleicht erst nach geraumer Zeil wieder eine kürzere Spanne als Lehrlinge eintreten sollen, um nicht der Vorteile des ausgelernlen Arbeiters verlustig zu werden. Eine Zurückstelluna der jungen Leute zwecks Vollendung ihrer Ausbildung ist mit Rücksicht aus die Eriog- läge und zur Vermeidung von Vorgängen grundiätzlich nicht durch- fübrbar. Es sollte deshalb nach Möglichkeit daiür gesorgt werden. daß entweder, wie beispielsweise bei den Schülern höherer Lehr- anstallen, der Zeitpunkt der Lehrlingsprüfung unter Bcrückncbtiaung der Einberufungen festgelegt oder daß den Lehrlingen der restliche Teil der Lehrzeit erlaffen wird. Im J.rteresse der Billigkeit sollten die möglichen Erleichterungen auch den schon einberufeneu Lehrlingen nachträglich gewährt werden. Da die berührte Frage für die Metall- und Maschinenindustrie wohl am brennendsten ist. hat sich das Kriegsministerium Abteilung Weka, Hierwegen mit dem Verband Würlt. Melallindustrieller, E. V., ins Benehmen gesetzt. Dieser hat sich grundsätzlich damit einver- standen erklärt, daß denjenigen Lehrlingen, die vor Beendigung der vertraglichen Lehrzeit zum Heeresdienst einberu'en werden, der Rest der Lehrzeit erlassen und das durch§ l27o der Gewerbeordnung vor- aeschriebene ZerrgniS ausgestellt wird, sofern sie den erforderlichen Grad der Ausbildung erreicht haben. Enlstnechend soll auch bei den icbon ernberuienen Lehrlingen verfahren werden. Es muß die Hoffnung ausgesprochen werden, daß die Frage überall da, wo nicht unüberwindliche Hindernisse entgegenstehen. innerhalb der gesetzlichen Bestimmungen in derselben entgegen- kommenden Weiie geregell wird, wie es durch den genannten Ver- band geschehen ist.* v. Tognarelli. Wie in der.Melallarbeiter-Zeitung* mitgeteilt wird, ffnd viele Fälle bekannt, wo Firmen ihren zum Heere eingezogenen Lehrlingen entweder kein Abgangszeugnis gaben, oder wenn sie ein solches aushändigten, dies nur unter der Bedinßling taten, daß die zum Heere Einrückenden sich veriraglrch verpflichteten, so lange noch ihrer Entlasiung vorn Heere als Arbeiter mindestens wieder bei der Firma zu arbeiten, als ihnen an der Beendigung ihrer Lehrzeil fehlte._ parteinackmckten. AuS de» Organisatisnen. Der SozKt&enwkratische Verein für den 10. sächsischen Reichs- taKswechlkreis Ehcmuitz nahen in einer Hauptversammlung Stel- lung zur BsitragserhöhunH unH zu der am S. Juni in Dresden stattfindenden LandcS»ersammlun> der sächsischen Sozialdemokratie. D«S einleitende Referat über die LandeSversammlung hielt der Vorsitzende des Kreises Genosse Max Rull er, der besonders die Wahlrechts-, Steuer- und UebergangSwirtschaftsfragen besprach. Folgender Antrag soll an die ZandeSversammlurrg gestellt werden: Die Dan de Soers«««ilung wolle erneut beschließen: .Die Dandesversainnilung der sazialdemoiralischen Partei des Königreichs Sachsen erbl'ckt in den Steuervarschlägen der Reichs- regicrunz eine abermalige ungeheure Schröpfung der ohnedies durch den Krieg rn ihrer Lebensführung tief heruntergebrachten Masse des«erktäffgen Volkes. Sie erwartet daher in Konsequenz des Htarteitagsbeschlusses vom Jahre 1813(Resolution Wurm) von den maßgebenden Jnstanzcn— aar allem der ReichStagsfraktion— entschiedene Bekämpfung und Ablehnung dieser Vorschläge.* Zur Beitragsfrage wurde einstirrnnl, entsprechend dem Antrage des Vorstandes beschlossen, die Beiträge durchweg um 50 Proz. zu erhöhen. Der Beitrag beträgt also vom 1 Juli 1913 ab für mann- liche Mitglieder wöchentlich 15 Pf. und für weibliche monatlich 30 Pf.; das Eintrittsgeld wurde allgemein auf 30 Pf. erhöht. Der Sozialdemokratische Verein für den 20. Wahlkreis Zschrmau- Marirnbcrg hielt in Zschopau selne Jahresversammlung ab. Nach dem Geschäftsbericht des Sekretärs Genossen Jungnickel ist die Lr- ganisation unter den Wirkungen de» Krieges arg zusammen- geschmolzen, Mc Krisis scheine aber doch zum größten Teile über- wunden zu sein, denn das Parteilebcn und das Interesse an der Organisation sei wieder reger geworden. Der Abgeordnete des Kreises Genosse Göhre sprach über die �politische Lage im allge- meinen und die Politik der Partei im besonderen. Er betonte, daß die Entmicklung der Taktik der Partei recht a-ben werde. An der Haltung der.Volksstimme" wurden wesentliche Ausstellungen nicht gemacht. I»»ergangenen Berichtsjahre sind für den Verein Breslau 2844 neue Mitglieder gewonnen«ardcn. 617 Mitglieder mußten infolge Verzuges, Tod, freiwilligen Austritts und Nichtbezahiens der Beiträge gestrichen«erden. Ein kleiner Teil ging, weil mit dem jetzigen Verhalten der Reichstagsfraktion unzufrieden, zu den .Unabhängigen" und bildete auch in Breslau einen eigenen Verein. Der größte Teil der neugewonnenen Mitglieder waren Frauen und Mädchen. GS muß anerkennend hervorgehoben werden, daß die Frauen, je mehr sie durch die Verhältnisse gezwungen wenden, in Rüstungsbetrivben, Werkstätten usw. ihre Beschäftigung zu luchen, auch zur Erkenntnis gelangen, daß sie sich polilisch betätigen nurss�n. Die Zahl der neu erngetretenen Mitglieder übersteigt die Zss'st � neu eingetretenen manchen Jahres vor dem Kriegs. Die Antrags- leistungen der Mitglieder haben sich gegen das Vorjahr erheblich gehoben. Der Aufforderung des Vorstandes, den BczirkSkanrerern durch Abnahme mehrerer Monatsbeilräge die Arbeit zu erleichtern, sind erfreulicherweis« sehr viel Genossen und Ge- nvjjinuen nachgekommen. Die Generalversammlung für den 3. sächsischen Reichstags- Wahlkreis Bautzen mußte konstatieren, daß die Verhältnisse im Kreise augenblicklich keine guten seien, der Krieg habe auch hier ver- heerend gewirkt. Große Störungen im Parteileben wegen der Hal« tung des Parteivorstanves und der Reichstagsfraktion sind nicht vor« gekommen; dort wo Anzeichen dieser Art vorhanden waren, wie in Kamenz, sind wieder geordnete Verhältnisse eingetreten. Die Zahl der Mitglieder rm Kreise beträgt 274 männliche und 41 weibliche. In der Diskussion, an der sich fast sämtliche Vertreter beteiligten, kam allgemein zum Ausdruck, daß dort, wo augenblicklich die Ver- hältnisse viel zu wünschen übrig lassen, alles getan werden muß, um wieder geordnete Verhältnisse herbeizuführen. Einstimmig wurden die Beiträge auf wöchentlich l5 Pf. für männliche und auf monatlich 10 Pf. für weibliche Mitglieder festgesetzt. Ein Vortrag des Genossen Uhlig über die politische Situation fand großes Interesse. Der Sozialdemokratische Verein Frankfnrt a. M. setzte die Autivrackie über die Borscbläge der erweiterten Parteileitung für die Vorstandswahl fort. Von Mitgliedern des erweiterten Vor» standes wurde bervorgehoben, daß für die Vorschläge zur Vorstands- Wahl rein iackiliche Gesiitilspunkle geltend gewesen sind. Die Pailei« leunng müsse so zusammengesetzt lein, daß eine gedeihliche Arbeit möglich sei. Die abweichende Meinung in parteipoliiischen Fragen der beiden nicht mehr vorgeschlagenen Vorstandsmilglreder habe dabei keine Rolle gespielt. Dem wurde jedoch entgegerrgehalren, daß der Richlungsstrert in der Parrer die Ilr'ache der Differenzen im Vorstand sei. Anträge, die den Zweck verfolgten, zur Erhärtung dieier Bebaupiung dre Protokolle der Vorstairdssitzungen zu ver- lesen, wurden von der Versammlung wiederholt abgelehnt. Kurz nach 11 Uhr trat Schluß der Debatte ein. Bei der durch Slimmzetrel vorgenommenen Wabl wurden 187 Strmmen abgegeben. Zu Vorsitzenden wurden Gg Maier mil 188 und Gg Ulrich nrn 187 Stimmen wiedergewählt. Als erster Schnsr- iübrer belam Herdemann 112 Stimmen. 77 Stimmen enistelen ans Kirchner. Als Beisitzer enifielen auf Wutich 186. aus Lebmann 125 Stimmen. Mit 50—53 Summen blieben Kauer und Wutruch in der Minderbeil. Ulrich dankte für das ihm durck die eiirstimmige Wabl zum 2. Vorsitzenden bewiesene Vertrauen. Moralüch sei er jedoch verpflichtet, sich mit den beiden rrchi wiedergewäblten Vor- itandsmiiglieSern Kirchner und Wiunrch solidariich zu erlären und seinen Posten niederzulegen. ES muß de?balb eine Ergäiunngs« wähl des Vorstandes in" der nächsten Versammlung voigenommen werden. Gencktszeitung. Der klapprige Justizrat als Aushängcschildi. In die recht merkwürdigen Geheimnisse eines H e r- ratsbureaus leuchtete eine Verhandlung hinein, welche die 3. Strafkammer des Landgerichts II beschäftigte. Aus der Unter» suchungShaft wurde die Heiratsvermittlerin g-rau Luise Schall aus Friedenau vorgeführt. Das Schöffengericht Berlin-Schöne- bcrg hatte die Angeklagte wegen wiederholten versuchtcn und voll- endeten Betruges zu L Jahren Gefängnis bei sofortiger Verhaftung verurteilt, und zwar auf Grund folgenden Sachver- Halts: Die wegen gleichen Vergehens schon mit Gefängnis vorbe» strafte Angeklagte betrieb zuerst in der Lesebrestraße und. daiur später in einer vornehmen Sechszimmerwohnung in der Kaiser- Allee zu Friedenau ein Heiratsvermittlungsbureau. Um der gan- zen Sache ein besseres Mäntelehen umzuhängen, schloß die ge- schäftstüchkige Angeklagte mit einer armen adligen Klavierlehrerin von D. einen Vertrag, nach welchem diese monatlich 30 M. von der S. erhielt und dafür ihren Namen für das Heiratsburemu hergab. Der Geschäftsbetrieb selbst gestaltete sich in der Weise, daß die Angeklagte selbst die bekannten Inserate.Junggeselle in guten Vermögensverhältnisscn" usw. oder„Dame mit größeren Ersparnissen" usw. erließ und dann in aller lltuhe der Dinge harrte, die da kommen sollten. Wie geschickt die Angeklagte bei der ganzen Aufmachung der Sache zu Werke ging, zeigte folgender Fall. Sie erließ folgendes Inserat:„Weltgewandter Herr? reprä« sentable Erscheinung für leichte Beschäftigung gesucht." Auf diese Anzeige hin meldet« sich ein Herr P., dem die Angeklagte folgen- den Vorschle»g machte. Er solle in ihr Bureau eintreten und dort die Rolle des„Heiratskandidaten auf Lager" spielen, d. h. er sollte sich den helratslustigen Damen stets als der„Jung- geselle in guten Vermögensverhältnissen" vorstellen. Als P. aus Sckrerz auf die Sache einging und fragte, welches Gehalt denn für diese anstrengende und aufregende Tätigkeit gezahlt würde, erklärte ihm die Angeklagte, daß er für jede Vorstellung ausnahmsweise, da er eine so gute Figur habe, zwei Mark erhalte. Sie habe bis jetzt eine» alten Justizrat als Aushängeschild und HeiratLkandidat auf Lager gehabt, der eine Mark für jede Vorstellung erhalte, dieser sei ihr aber schon zu klapprig und mache ans die weibliche Kundschaft keinen Eindruck melir. Na- türlich bedankte sich P. für das glänzende Angebot. Die Haupt- fache bei dem ganzen Betriebe ivar für die Angeklagte die Erlau- gung der Einschreibgebühren, Anmeldungsgebühren, Vorschüsse usw., welche zwischen 5 und 20 Mark schwankten. Eine Zeugin Llgathe B., die auch auf den„sympathischen Junggesellen mit hohem Einkommen" reslektiert hatte wußte sofort Bescheid, was die Glocke geschlagen l>a!te, als sie zufällig im Nebenzimmer die Stimme der Ängeklag-tcn hörte, die sagte:„Seien Sie unbesorgt, wir wer- den die Karre schon schiebe n". Ihr wurde dann als Ver- treter des justizrätlichen Heiratsrandidaten der— Pförtner des Hauses vorgestellt. Ein anderer Zeuge mußte erst mit der An- geklagten einen richtigen Ringkeunp-r vornehmen, weil sie ihm seine Briesschastcn weggerissen hatte. Ms die Angeklagte um �Hilse schrie, öffneten sich mehrere Türen und aus jeder kam ein Pärchen zum Vorschein. In der Berufungsinstanz bat der Verteidiger um eine erhebliche Herabsetzung der Strafe, da es sich doch tatsächlich um ganz geringfügige Beträge handole. Das� Gericht schloß sich auch dieser Bitte an und erkannt« unter Aushebung des ersten Urteils auf 8 Monate Gefängnis unter Anrechnung von 4 Monaten der erlittenen Untersuchungshaft. Die Strcikunnihcn vom Januar ziehen noch immer böse Folgen für daran beieuigl gewe'ene Personen naev sieb. Vor dem Schöffen« geruht Berlin-Milte standen wieder tünf Arberter unter der Anklage des Landfriedensbruchs. Sie besanden sieb in dem durch All-Moabit marrchierendcn Zuge, der am Kleinen Tiergarten das Erngreiten der Polizer veruriachte. Bckannllrch hat Ver Zusammen« stoß einem Wachtmeister das Leben gekostet. Die Angellagteir ver» sicherten, daß sie in keuicr Weiie daraus ausgegangen sererr. Rübe» srörungen zu veranlassen, viclmebr seien sie aus dem Wege zu einer angeiagrcn Versammlung nnrer freiem Himmel gewesen und in den Zug hineingeraten. Der Äeiichisbof hielt es aber für feslgesielll, daß die Angeklagten wohl gewußt haben, daß es um einen dem Sladliiinern zustrebenden Terrronstrarionszrrg sich gebandelt babe und das Bewußiieur haben mußten, daß es zu Gewaltiäugleuen kommen konnte. Sie wurden daher des Landfriedensbruchs schuldig berunden. Doch hrell es der Gerichtshof nicht für erforderlich, über das geringste Strafmaß von je drei Monaten Gefängnis hinauszugehen. EingLflsnyene Druckschriften. Ter Ginflus-»es«rieacS aus schwebend� Licfcrocrtrage im Sichte der Rechtsprechung. Von Rechtsanwalt Plum. 1,50 M.(zuzüglich 36 Proz. Z ulcblag). W. Mocser, Biicirvanduing, Berlin 3 14. Tie Vermögens ab gab« und Konjunkturgewmnsteuer im sozialen ZukunstSslaaie. Von Dr.' Markus Eltinger. ö M. Deutsch-Ssterreichilcher Verlag Wien und Leipzig._ SicranlroortluS für Politik: Erich Kuttncr, Berlin: für den übrigen Teil des Blaile� Alsrcd Scholz. Nenfolln: für Anzeigen Theodor Klockr, Berlin. Vertag: Vorwärts'.erlag si. nr b. H.. Berlin �.rn-f. VoewärlS-Buchdru�crci und Berlaaäanfiali Paul Singer u. Co. in Berlin. Llndenftrahe 3. HUrzu l Betrage und Unuttzaimusstitau. Nr. 144 ❖ ZS. Jahrgang ImCtC Dienstag, 2S. Mai 1 Hl S ujjwi»iffiWiKiMjfc8«%a�r�a8iaaacgs Volksspeisungszugaben. Neber die Berliner Bolksspeiiung wird immer wieder geNaxt, da? mcin in den Speisen allerlei sehr unerwünickile Zuciaben finden könne. Wir haben schon einige Male eine Auswahl der seil» kamen Dinge veiöffentlickt, die aus dem Esten berausgefiickt worden waren. Heule wollen wir errreul daraus hinweisen, daß besonders die Klage der Sandbei in engungen nickl verstummen will. Ein Parteigenosse, der lange zu den Gästen einer und derselben Küthe gehöne, aber setz! sein Essen au§ einer anderen Küche erbäli, berichler uns über seine Eriahrungen. Leider ist er bei dieiem Wechsel, von dem er sich eine Besserung versprochen hatte, aus dem Liegen in die Drauie gekommen. Mit der neuen Kücke bat er eine gründliche Enttäuschung erlebt: hier schmeckt ihm das Essen jetzt noch viel weniger. Wiederholt seien die Speisen, schreibt er uns, geradezu ungenießbar gewesen. Das berühmte Dörr- gemüse sei hier noch viel mehr mit Sand durch'etzt, und in der vergangenen Woche habe er deshalb sein Esten wegschütten müssen. Diese Zugaben von Sand habe er aber nicht nur im Dörrgemü'e gesundeir. sondern auch in anderen Ge- richten, z. B. in Krieß und Reis. Der Beschwerdeführer erklärt da» aus dem Kartoffelmehl, mit dem bei der Volksspeisung die meisten Gerichte gestreckt werden. In Grwß und NeiS habe er Klumpen v»n Knrtoffelmehl gefunden, die sich stark mit Sand durch- setzt erwiesen. Er meint, daß dieses Kartoffelmehl den Rückständen entnommen war, die bei dem Schälen und Wässern der Kartoffeln fich in den Bottichen niederschlagen. In den Rückständen seien neben Kartoffelmehl wahrscheinlich auch Sandresle enthalten, die von den Karioffeln herrühren. Nun ist allerdings der Zuintz von Kartoffelmehl so reicklich, daß er nicht nur aus die'e Weise beschaff! werden kann. Bei der Lebenkmiitelknappbeit muß das Kartoffel- mehl in großen Mengen zur Streckung aller möglichen Gerichte dienen, in denen es dann manchmal zum Hauptbestandteil wird. Dabei wird auch nock viel Kartoffelmehl dazu gekauft, das gleichfalls in die Speisenkessel wandert. Glaubhaft erscheint aber, daß die in Grieß und Reis gefundenen Soudbeimengen talsächlich auf das im Eigenbetrieb gewonnene Kariosfelmebl zurückzuführen sind. Der unzufriedene Volksküchengast wandle sich mit seinen Klagen an den Stadtrat Doslein als den Leiter des Berliner Volksspeisungswesens. der von fich ge>aßt Hot, daß er alle Beschwerden selber liest. Aus frühere dem Eiadirat übersandle Klagen war ihm ein Bescheid zu- gegangen. dieSmgl ober hat der Beichwerdesührer bisher vergeblich aus eine solche gewortet. Daß der Leiter des VollSspeisungSwesenS alle Beschwerde» beantworten soll, ist vielleicht wirklich zuviel verlangt. Wohrscheinlich laufen bei ihm so viele Be- fckwerden ein, daß er schon genug zu tun hat, wenn er sie sämtlich nur lesen will._ Wie die GaSwerke selber— Gas„verschweuden"! Die Notwendigkeit, mit dem GaS sparsam zu wirtschailen, wird der Bevölkeiunz immer wieder eingeichärsl. Nicht mehr als neun Zehntel deS Derbrauchs der einzelnen Vierteljahre von 1916 sind unS für die'elben Vierteljahre von 191.3 erlaubt, abgesehen von dem unter Umständen zugelassenen Mindestverbrauch. und für jedes etwa zuviel verbrauchte Kubikmeter droht dem.Verschwender' ein Straf- geld von 59 Pi. Selbstverständlich gilt die Pflicht zur GaSeriparung auch— das hebt die GoSverordnunq des ReichSkommissarS hervor— für öffentliche Gebäude, in denen Gas verbraucht wird. Und auch daS kann nicht ziveifelhait sein, daß die Anwendung von Fivangs- Mitteln gegen zu hohe» Berdrauch gegebenenfalls vor Behörden nicht Halt machen darf. Gloubr man. daß bei Behörden eine Ver- schwendung von GaS überhaupt nicht vorkommen könnte? Sogar die Gaswerke der Stadl Berlin, die für ihre Grund- stücke und Gebäude von ihrem eigenen Gas verbrauchen, wollen fich des Frevels der.GaSverichiocadiing" schuldig machen. In dem Voranschlag kür dos verwaltirngsjahr 1ll13916 bis 31. März 13171 der sich au' rund 4 7»? lXO Kubikmeter stellte. Wenn aber die Gaswerke in 1918 nur neun Zehntel des eigenen Verbrauchs von llllO haben dürfen, so zeh«t sie mit ihrem Boranschlag sehr beträchlich über die ihnen erlaubte Verirauchsmenge hinaus. Neun Zehntel der im Verwaltunzijobr ISlS verbrauchten 4 75S000 Kubikmeter sind nur rund 4 J£L 000 Kubikmeter, um 417 000 weniger als die für das BerwoilungSjahr 1913 angesetzten 4 700 000 Kubikmeter. Die Sparvorschiist der Gasverordnung deS Reichs- kommissorS legt das Kaleoderjahr vom 1. Januar bis zuin 31. Dezember zugrunde, während daS BerwaltungSjahr immer vom 1. April bis zum 31. März des folgenden Jahres reicht. Aber auch wenn für den Verbrauch der Gaswerke nicht die Berwaltungijabre, sondern die Kalenderjahre mit einander verglichen würden, ergäben fich in 191» bedeutend mehr als neun Zehntel des Verbranch« von 1916. Die Gaswerksverwaltuug wird ihre offen beknndeie Absicht, die ihr erlaubte Vei-brauchsmenge zu überschreiten, nicht damit be- gründen können, daß infolge van Betriebserweuerungen der Gasverbrauch ibrer Grundstücke und Gebäude zugenommen habe. Bon nennenswerten Erweiterungen, die eine so bedeutende Ver- brauchssteigerun, rechlfertigen lönnten, ist aus der letzten Zeit nichts bekannt geworden. Sollen nun die Gaswerke, wenn es bei ihnen wirNich zu dem geplanten, gegen llll» viel zn hohen Verbrauch kommt, gleichfalls rn Strafe genommen»erde«? Sie wären da in einer sehr viel angenehmeren Lage«lS andere Gasverbrnucher, die sich erlauben, zuNiel Gas z« herbrauchen. Die Gazwerksverwalenng würde ja selber von fich die verwirkie Strafe einziehen und schmunzelnd ihr Geld wieder in die eigene Kasse tun! Wie arg auch bei ihr die .Verschwendung' sei und wie hoch die Strafe ausfallen möge— ihr.kann keiner', und sie hat niemals einen Schaden davon. Be- denklicker wird aber die Sache bei.Rückiälligkeit', denn da ist Absperrung der Gaszufuhr angedroht, zu der dann die Gaswerks- direklion doch wohl pflichtgemäß auch gegen die eigenen Ansialien schreiten müßte. Ganz.llnverbesseiliche' sollen sogar vor den Stra'richter geschleppt werden, der Geldstrafen bis zu 10 000 M. und GefängniSstrasen bis zu einem Jahr über sie verhängen kann. Müssen am Ende noch die Veiantwortlichen der Gaswerke selber inS Kittchen spazieren�—?_ �_ Die Umlage deS Verbandes Graß-LZerli« für 1S1G, die die einzelne« Gemeinden und Kreise«nfzubringen hgben, ist jetzt festgesetzt worden und betrögt 831 91. von ihr tragen die einzelnen VerbandSglieder folgende Teilbeträge: Berlin 210 658 M.. Charlonenburg 40 672 M.. Schöneberq 16 388 M., Neukölln 12 221 Mark. Wilmersdorf 15 810 M.. Lichtenberg- 7409 M.. Spandau 5843 M. Cöpenick 1222 M.. Steglitz 4850 M.. Lichierkelde 3934 M., Friedenau 9823 M.. Pankow 8590 M.. Weißeniee 2363 M.. Neinicken- dorf 275» M.. Kreis Teltow 32 863 VI. und Kreis Niederbornim 17 811 WL__ Gehört Spandau zu Groß Berlin? Dieke schon früher von einzelnen Berliner Gerichten in ab- lehnendem Sinne entschiedene Frage bat jetzt auch das Kammer- g e r i ch t in einer neueren Entscheidung verneint. In dem über eine Vormundichaslssacke ergangenen Beschluß heißt es: Spandau ist n i ch t zu Gr»ß.?eilin zu rechnen. Unter diesem Begriff sind tau die Nachbarorte vo« Berlin zu versteheo, die mit Berlin in einem engen baulichen Zusammenhang stehen. Für Spandau trifft dies Merkmal nicht zu. Außerdem gehört Spandau weder zum gemeinschaftlichen Firmenbezirk, noch zum gemeinichaft- lichen Schuldnerverzeichnis, noch endlich zum Bezirk der Testaments- ausknnslsstelle bei dem Amlsgerichl Berlin-Mitte. Ebensowenig ist Spandau hinsichtlich der Ortsbliestaxe mil Berlin zu einem Nach- barortsaeb'.et vereinigt. Man siebt, das Kammergericht legt den Begriff„Groß-Bsrlin" im engsten Sinne aus. Wir haben also ein kommunalpoluisches Groß-Berlin im weitesten Sinne und Umfange: das de« Verbandes Gioß-Berliir, ein verkehrspolitisches, das sich mit dem Borort- und Straßenbahnnetz deckt, ein landespolizeiliches, ein Postaitsches und ein gerichtliches Groß-Berlin, das aber mit seinen Amtsgerichts- bezirken, wie z. B. Beriin-Temvelbos. durchaus verickieden von dein juristischen.baulich zusammenhängenden Groß-Berlin' des Kammer- gerichts ist._ Berteilring von Stärke an Wäschereien. Der MehlverteilungS- stelle Groß-Berlin ist durch die Rerchsgetreidcfielle eine beichränkte Menge Stärke überwiesen worden. Die Verteilung der Slärke erfolgt durch den Deutschen Wäsckereiperband e.V.. Cuvrystr. 1. und durch die Einkaussgenossenschasl der Waich- und Plättanstaltsbesitzer. Boppstr. 7, an die Mitglieder dieser Vereinigungen. Gewerbe- betriebe, die weder dem verband noch der Genossenschaft angehören. müssen sich unverzüglich an die.Genoffenschast' wenden, die ibre Belieserung übernommen bat. Es wird«uSdrücklich darauf aus- merkkam gemacht, daß lediglich g e w e i b l i ch e Wäschereien und Plätlercino, nicht Privatpersonen, Berücksichtigung finden können. und auch nur dann, wenn der Betrieb im Bezirk der Mehlver- reilungSstelle Groß-Berlin, d. h. in einer der sechs Städte Berlin. Charlotienburg, Neukölln, Lichleiiberg, Schöneberg. Wrlnrersdori liegt. Die Menge der zur Persügung stehenden Stärke ist leider sehr beschränlt, so daß auf die eiiizelnen Betriebe nur ganz geringe Posten entfallen können. SchifsSpeirdelverkehr Berlin— Spandan. Zur Entlastung der Eisenbahn ist wegen der starken Lreterunaen der Groß-Berliner Industrie für die Svandauer militärischen Ansialten von der Sch'ffabrtsabteilung beim Cbef des Feldeisenbahnwesens ein Schiffs� Pendelverkehr zwischen Grsß-Berlin und Spandau eingerichtet worden. Mindestens alle zwei Tage soll ein Dampser abgefertigt werde». Einen guten Fang machte in der verzaugenMt Nacht eine P»li- zespatr»utlle in der K»tz»«nstr«ße. AIS sie dart z»e! Aänner, die sich mit schweren Paketen schleppt»«, anhalten wallte, warfen die Verdachligen ihre Last den Schutzleuten par dte Füße und eni- flohen. ES Gelang jedoch,«inen»an ihnen, einen russifch-palnischen Arbeiter, namens Stanislaus Seuchen,«inzrchalen und festgu- nehmen. Er kaen, wie die Mitteilungen bald erzaöen. mit zwei SpießAesellen gerade»an ein»m Einö-ruch in Heinersdarf. Die drei »aren spät abends hinausgefahren und hatt-en einem Lehr»r einen nächtlichen Besuch«wacht. Paw Jiirchlhaf au? gelaugten sie auf das Schularundstück, stiegen auf einer Sri»er durch das Giebelfenster, erbrachen auf dem Baden die»erschlassene Räucherkaanmer und erbeuteten daraus 6 Speckseiten, 8 Lchinken und 15 Schlackwürste. In einer Laube im Garten fanden sie eine graue Tisch- decke, in die sie die kostbaren Lebensmittel zum Mitnehmen ein- wickelten. Unterwegs teilten sie sich die Beute. Einer der Ein- brccher schlug dann einen anderen Weg ein, wlihrcnd Seuchen und der eine Helfershelfer in der Koppenstraße gestellt wurden. Drei Speckseiten und sechs Würste wurden durch die Verhaftung des Russen für den Lehrer n«ch gerettet. Der Feflpen»«>.mene war mit einer scharfgeladenen Pnrahelluwpistale bewaffnet, wurde aber»an den Beamten s» schnell überwältigt, daß er von ihr keinen Ge- brauch mehr machen k,nnte. Seine beiden entkcmmenen Spießgesellen will Seuchen nicht kennen. Eharlattenbnrg. Lcben'nuttel. Vom DinneAstsg, den 8». M«i, bis Son>»»b«nid, den 8. Juni,»evden»era»f»!zr:% Pfun» Kuwst- hanig, Paketware 188 Pf.)»der?(mft;ch»a«(87 Pf.)»der Vz Pfund Marmelade 1 46 Pf.)«aAvaeife je nach P»»r«t auf lSchchonsc 96 der Grvß-BmKmer Selben»« i tteGawt e«it dem?tuf-drnck Schar- lottenbarg; ferner Iii Grawm©wru-»««uf Albfchwitt?».— Brnn Man tanz, den J7. Mai, bi?«,« schließlich Ssnutax, den 2. Pnnh wird auf die GraffPkerliner Nährwiwelgzisatzkarte für Jmzendl-chs«us- gegeben: auf die Hälfte»es Mittelstückes der Kaate, die mit der lmtsewden Auw«« versehen cht, 1 Flasche(etwa% Lider) fteri- lifierte v»i?milch»der l Büchse kondensierte Sall milch«»er MngSr- millch oder 180 Granvm MiEhpr»kder, je nach Bwerat. Die Prei.se sind folgende: Inlandsware: kinbensterie Vsllmilch mit Zucker 1,25 M., Magermilch mit Zucker 1,18 M. für 1 Büchse. AuStamdS- wäre: sterilisierte Vollmilch 1,26 M. für 1 Flasche, 100 Gramm Mikchpulver 70 Pf. Die Entnahme kann in dem Kalantwlwarenge- schäft erfodzen. in de« der HanshaA des Jugenichichen in die Kum- denliste für Grieß und Gswupen«„getragen cht. Nenkölln. Die städtische KriegSbeschädigtenfürsorge. Bemerkens- werte Mstieilungen über die Arbeit und die Erfolge der städtischen Flhs»rgefte>e für Kriegsbeschädigte i» Neukölln gehen uns v»n städtischer Seite zu. Die Neuköllner Fnrs»rg-ftells ist bis zum 31. Dezember 1817 v,n inggeiamt 44i» KriegSbe- schädigten in Anspruch genommen Wieden. Von diesen schieden bisher 1181 duich Tod. Wegzug»on Neukölln und infolge anderer Gründe aus»er städliübei, Fürsorge ans. s» daß am Schluß deS Jahres noch 8318 KriezsSeschidigie der Fürsorge unlerstanden. Dem Familienstand nach wäre« unberheiratet lläl KriegSbe« schädigte,»erheiratet ohne Kinder it4?. verheiratet mit Kindern 1020. Bei den«erheirateten mit Kindern ist eine erhetliche Sleigerung gegenüber dem«arsahre zu verzeichnen. Dieser Um- stand ist aiißer durch die vermehrten Einziehungen der älteren Jahrgänge zum Heeresdienst durch die inzwischen errolgten Geburten in den während des Krieges geschlossenen Ehen zn erklären. Der Grad der Erwerbsbeschränkung betrug sast in der Hälfte aller Fälle nur bis zu 33 Vp Prozent. Seit dem Bestehen der Für- sorgestelle wurde bei der Berufsberatung besonderer Wert darauf gelegt, daß die Kriegsbeichädigien möglichst wieder ihrem früheren Berufe oder' einem ähnlichen Erwerbszweige zu- gestihrt werden. Dem Zwecke des Beruiswechjels dienlen in vielen Fällen Schulunlerricht oder eine andere Ausbildung. Wie bisher, Valien die Kriegsbeschädigten auch im verflossenen Jahre bei Wiederaufnahme eines Erwerbes im allgemeinen keine Schwierig- keilen zu Überwinden. Die Vermittlung des K-iegssüriorgeamtS kannte fich daher meist auf sehr schwer Beswädigie, vor allem Amputierte, Lunge«- u«d Nervenkranke beschrS«r«n.«an den Kriegs- bei'chädiflien wäre» mehr a t« drei Viertel wieder i« ihren früheren oder ähnliche» Berufen titig. Seit Jnkrafurelen deS Gesetzes über die Kapitalsabfindung zu NnsiedlungS.z«'ecken sind in Neukölln bisher?! Anträge auf KapiialSabfindmig entgegengenoinme» worden, von denen das Kriegsministerium bisher 28 Anträge genehmigt hat. Das Bestreben der Neuköllner Füriorgestelle ging dahin, andere für Fürsorgemaßnahmen in Betracht kämmende Elnrichiungen, wie die Heeresverwaltung«nd die Träger der A»zi«l»erfichenmg, in zulässigem Umfange in Anspruch j« nehure«. Nach dieser Richtung hin wurden besanderS bei«»twendiger ärztlicher oder An- stalt'versorguug Schritte unternommen. Ferner wurden die Kriegs, beschädigten belehrt. Anträge an die zuständigen Mililärbehörden auf Renten. Zusatzrenien und Heilverfahren durch Vennütelung der städtischen RechlsauSlunslSstelle zu stellen. — Vermietung von städtischen Handwagen. Der Magistrat bat auf dem Grundstück der Hauplseueiwacke. Erksiraße 22—25, eine Vermietungsstelle für Handwagen eingerichtet. Der Betrieb wird am 28. Mai zunächst mit 13 zweirädrigen und 1 vierrädrigen Wagen eröffnet. Für die Vermietung wird eine mäßig? Gebühr erhoben. Die Mieter haben als Sicherheit für die Rückgabe der Wagen eine Bürgschaft in Höhe von 10 und 20 Mark, die Hausbaltungs- karte und die WarenbezugSkarte sür alle Familienangehörige zu hinterlegen._ Steglitz. Die Gemeindevertretung genehmigte in ihrer letzten Sitzung eine Vorlage des Geinemdevorsiaudes, nach der vom >. April ab die Teuerungszulagen für untere Bemme von 640 ans 900 M., für mittlere Beamte von 720 auf 1080 M., sür obere Beamte von 900 aus 1200 M. und sür die obersten Beamten von 1000 aus 1300 M., der Kinderzuicklag von 10 auf 15 Proz. dieser Beträge erhöhl werden. Die Zulagen der Ledigen wurden auf 70 Proz. der Grundbeträge, die Kriegsbeih'Ifen und Kriegs- leiierungSzulagen der Pensionäre und Hinterbliebenen von Beamien und Lehrern auf 50 Proz. sestgesetzr. Für die Lehrpersonen an den Gemeindeichulen werden � die Unterschiedsbeträge zwischen den staatlichen und gemeindlichen Zulagen als außerordentliche. Unterstützungen gezahlt. Die Arbeiter glaubte der Gemelndevorstand nüt einem Zuschlag von 10 Ps. sür die Stunde abspeisen zu können, trotzdem sie schon bei der letzten Ausbesserung der Beamten leer ausgegangen waren. Den Bemühungen der Genosten A ß m a n n und Leim- dach gelang es schließlich, die Versammlung von � der Notwendigkeit einer Erweiterung der Vorlage zu über- zeugen. Es wurde beschlossen: Vom 1. April ab erhalten nebe« den laufenden Kriegsbeihiln-n die männlichen Arbeiter einen Kriegszuschlag von 45(bisher 25) Pst pro Arbeitsstunde, dw weiblichen 10(bisher 22,5) Pf. Außerdem werden Ueberstunden mir 25 Proz.. Sonntags- und Nachtarbeit mil 50 Proz. Aufschlag(bisher ohne jeden Ausschlag) bezahlt. Weiter wird der bisher nur den Männern gezahlte Krankenzuichuß von 1 M. pro Tag von jetzt ab auch den Frauen gewährt. Für die Fragen der Urbergangswirlschaft und die Einrichtung eines Hypolhekenamles für zweite Hhppolheken wurden je ein Ausschuß eingesetzt, in denen die jozialdemotratische Fraktion durch Genossen Aßmann vertreten ist. In der geheimen Sitzung erfolgte die Neuwahl der sämtlichen Verwaltungsausschüste und schließlich wurde Heirn Bürgermeister Buhrow aus seinen Antrag unter bestimmten Bedingungen die Genehmigung zur Uebernahme einer Auffichlsralsstelle bei der Deutschen GaSgesellschast erteilt. Friedrichsjelde. Lebensmittel. In nächster Zeit gelangt Zwieback zur Verteilung. Davon sollen erhallen Kinder bis zum vollendeten 6. Lebensjahre je Vz Piund gegen Abgabe der Anmeldeabschniite der neuen Vollmilchkarten für Monat Jiiiü.� Die Kinder mit �-Liter-Milchflmen erhalten den Zwieback auf den Bezugschein, welcher der Milchkarte beigegeben wird. Die Abgabe ersolzt durch die nachstehenden Bäckereien: Bewersdorf, Schloßsti. 10, Leidel, Luisenstr. 23, Meyer, Berliner Str. 2, Bertram, Doroibea- striße 25, Ardelt, Kaiser-Wilhelm-Sir. 24, Schmalstieg, TreSkow- «llee 182, Schröter. Auguste-Viktoria-Str. 54. Ferner wird Apfel- mus verteilt. Es erhalten Kinder auf �-Liter-Vollniilchkarten (blau) je 1 Pfund Apselmits gegen Abgabe des an der neuen Milch- karte für Monat Juni befindlichen Anmeldeabschniites. Das Apsel- mus ist in I-Kilograinm-Dosen gefüllt und sind zur Empfangnahme einer Originaldose zwei Anmeldeabschnitte von Milchkarien abzugeben. F r n ch t s i r u p erhallen alle Kranken, welche im Besitze emer Vollmilchkarte sind, ferner alle Kinder aus 3li' und �Z-Liter-Karten je 8/4 Pfund gegen Abgabe des Nestmittelstückes der setzt gülligen Voll- mtlchkarle sür Monat Mai. Die mit einem„IL' versehenen, sür Kranke ausgesielllen Milchkarten von weniger als � Liter müssen außerdem gestempelt sein. Die Abgabe der beiden Näbrmiuel zu b und c erfolgt durch die nachstehenden Ge- ichäite für Friedrichsfelde: Frehland. Luisenstr. 5(Frucht- sinip und Apfelmus), Kunick, Berliner Str. 47(nur Apfelmus), tür Karlshorst: Saar, Auguste-Viktoria-Str. 2l, Scheffzyk, Treskowollce 86, Kämrick, Dönboffstr. 10.— Der Preis für t/z Pfd. Zwieback beträgt 80 Pst, sür zirka 1 Pfd. Apielmus 1 M., »nd sür/ j Pfd. Fruchtsirup 1,88 M.— Gleichzeitig weist der Ge- meindevsrsiand noch besonders darauf hin, daß genügend Ware zur Verfügung sieht, ein Anstehen und Drängen also vollständig uu- nötig ist._ Lichtcrfclde. Wa? sich unsere Hausbesitzer wünschen. Uns wird geschrieben: Auch hier sind, einer behördlichen Anordnung zufolge, die Hnuswirte«ufgesorder! worden, die vorhandenen Keller- und Dachwohnungen sowie die Räume, die eventuell sich für solche um- bnuen lafien.«stzumelden. Der Vorstand des hiesigen Haus« und Grundbesitzervereins hat nun dem Gemeiildevorstaud kurz und 1 bündig mitteilen lassen, daß er es für s e i n e P l l i ch t h a l t e, 1 seinen Aitgliedern abzuraten, Keller- und Dachwohnungen einzn- richten. Die Herstellung von Dach- und Kcllcrioohnungen kann die WoiinnngSnot. die fortwährend im Sieigen ist, kaum mildern, und außerdein bestehen gegen diele Wohnräume schwere Bedenken in so- zialer und hygienischer Beziehung. Aber das sind natürlich nicht die Gründe zur Opposition unserer hiesigen Hausbesitzer. Solch elpische Beklemmungen sind in diesen Kreisen selten anzuireffen. »ie haben durchblicken lassen, daß sie sich erweichen lassen und die ge- wünschten Wohnräume errichten wollen, wenn ihnen eine finanzielle Veibil so zugesichert werden könnte. — Das ist«lso des Pudels Kern: Herstellung der Wohnungen auf Temeii,»ek»st-n. unbeschränkte Verfügung und Festsetzung der Mielen durch die Hauswirte. Mehr kann man im vaterländilchen Interesse doch kaum bei laugen. Eine abgehaltene Besprechung des GemeindevorslandeS mit Mitgliedern der Haus- und Grundbesitzer- «ereinißunp über diese Punkte war ergebnislos.— In deren Ver- snnrnlun«! wurde auch ausgeführt, daß bei Wohnungen niit Zentral- Heizung die Miele mindestens um 35 Prozent gesteigert werden müffe. Daß bei allen übrigen die Mietssteigerung kaum niedriger ausfallen wird, kann kaum zweiselhan sein. Ganz treffend wurde diese Maßnahme damit begründet, daß die Hausbesitzer ja schließ- /irbeiter und Mnestdite die auf Wahrung ihrer Bmiss.intCTcfscn bedacht sind, können in Berlin kein anderes Blatt halten und empfehlen als den „V o r w ä r t s". Sagen Sie das Ihren Kollegen und Kolleginnen, die den„Vorwärts" noch nicht halten und f»rdern Sie si» auf, den folgenden Zettel ausgefüllt an die Expedition des„Vorwärts", Berlin SW. 68, Lindenstr. 3, zu senden. Name Beruf W»h»ort Straße?. .Stock. bestellt den„Vorwärts" zum Preise von 1,30 M. per Monat frei ins Kems. [t® auifi nichts weiter seien als Gewerbetreibende. Von so�ialdemokraiischer Seite wurde von jeher bei alten Wvt.»r>nasdebalien teiont, dar, das Beinncien von Wohnungen em (Äkschätl iet. wie jedes andere auch. Aber dos N sito dieses Ge- scbailS nibchten die Herren Hauswirte auf die Allalemeinhcu ab- wäl-cn und darüber hinaus die ihn-n un befreist icher weite �ultehen- ii t o in in u n a l? o 1 1 l i i ch e n Vorrechte nichi nur behauen, wildern sie«och erweitern. ?a egen müssen alle übricien Kreise ihre czanre Kraft daran ketzen, d.cje gcratezu widersinnigen Privilegien zu Fall zu bringen. üsr R?Sa?twn. M. 7t. 1. Die Unterstüdung mühte ahnen für die kurze Zeil, imrnllich bei dem au iüienen niedrigeren Verdienst weiter gezahlt r, den, ch sta.— at. ip. 70. 1. ssa. 2. sie gasten Dem Kunden gegen- cv.— B. B. IÜ0 Leun er nicht Handluugzaeirlie t>l. du er keinen wruch auf chodn während der jdrai-.iicil.— O'fizicros.ellvlertreter. s besteht darauf l in ülu vruch.~<5 7ä. 42. l. Das wissen wir nicht iian. erkun gen sie sich beim Grundbuch, imt. 2. Wen« der VvhnwZrlcr .cht feil angestellt war, beucht sc.« Ansvruch aus PenUan.— HL E. SO. :e Polizei m befugt zum Einschreiten, sie kann den Fortzug derjenigen 'ertön, die r.rii Ä-etcr ist, veranlassen.— P. Zt. 2!) lS»<4. Site müssen ,r Leiden dem Militärarzt vorira gm und Fl> e Zurückziehung aus der low vertanen.— ff». G. 15)15. Abfindung wird nur bei btenlen b o zu i-0 Prozent gewährt, in Ihrem Falle also nicht, :ci,,i wesentliche Besserung des Znsland s euilrnt, kann eine . er, nkiw.in-! reck mr.is eijoigen.— Jichäubaiiscr Allee. Nein '-euiollu. Die Veiimimungen über ein s« i �geschriebenes Testament - Ä no-t> die(iltiujcn. De Ebemaini kann eine solche Be>li?"m«»g ui Tehauieut trcjjen. Der schulde, Hein in flempcipftichtig.— X, A. Ja, •;vetieriii:"n:1m-ii nir das lüitrlert-?lorMieuMrtna«B> die Mittwoch ii.inaf. Vielfach heiler, aber veränderlich ohne erhebliche .rederichläge, am Tage tnäjjiz warm, in de» Jlacht zu Mittwoch, wieder eer tühl. fizewwttanszng der Ii. ZfreuKil'ch- Siiddetttsche» (klS7. Königl ch xreuMchrn) K lassen l-tteri- S. Klasse IS, ZiehungStag 27. Mai 1918 (Ohne Gewähr A Ot.-A, f. Z.)(Nachdruck verboten) In der VorinittagS-Ziehnng wurden Gewinne über 240 Mk. gezogen: 2 Gewinne zu IS ovo Mk. 1L72S7 2 Gewinne z» 10 000 Nif. 38460 2 Gewinne zu 5000 Pik. 87068 90 Gewinne zu 3000 Mk. 1316 2708 7836 7927 9241 21775 27349 31767 41611 48056 61651 56689 68081 59688 60096 63972 65443 67202 68034 70353 71548 72142 75288 75708 63482 92236 94602 114350 120394 120864 122463 123499 128444 131405 143737 143981 151944 157703 160709 174594 194133 207622 211056 216679 218S89 142 Gewinne zu 1000 Mt. 6496 11834 14592 17843 18967 19973 26201 26674 29950 30387 34674 42825 43862 44767 46154 46774 48140 49170 50667 52829 64672 65387 69407 70310 72238 75038 77066 79625 82019 8668! 91286 92452 93322 99287 104145 112496 117602 123673 127652 136350 1386S3 141314 162016 154950 162594 163385 164998 165098 165566 172244 174500 175325 176951 178427 179273 180246 184219 186455 187436 187637 188757 193290 193793 197892 200921 217114 217173 218510 219155 222259 229671 1S4 Gewinne zu 500 Mk. 4648 5026 5086 5686 8518 11046 17335 23838 24878 26274 28117 28967 29743 32915 35781 39871 41067 47036 49592 49646 52513 53370 53526 54567 66303 56860 57694 58198 60885 61451 64517 68824 69056 70699 72179 78789 85232 87064 88440 89207 90481 95975 98408 98549 99708 109283 115320 115426 116259 120236 124572 132824 134719 139622 142248 144619 146042 156,i77 156079 156113 158998 159337 169398 164901 166863 167540 172181 173181 174864 175268 176645 177220 180259 181119 181550 181991 187483 199192 200876 200909 202445 207640 213143 213153 215253 220727 222408 223 101"., 223279 226453 228126 229077 229579 230296 230863 233217 In der Nachmittags-Ziehung wurden Gewinne über 24'38 63864 72007 73394 75595 75801 79136 79150 81406 88087 90245 93270 98638 99530 103515 110859 111599 112203 112323 113461 122204 122393 124927 124944 125225 131567 133063 134511 136176 137341 149634 151791 156406 159253 160473 16 893 161496 164683 164764 168549 170909 173578 ä 76507 176924 177412 180244 181758 184108 185704 187388 185365 189436 193368 193596 195859 196079 200875 200877 201119 20)599 202225 204432 210709 210953 211071 212653 213071 216766 222094 223899 227548 227719 231608 232413 232922 üircktion üJax.Reinhardt. SZcMtKChe« Tlseawr. i'/ai Toi, las Bunts« hRh. Kanu:, erspiele. sUhr: Sumsirun. Theatsr mn EBiowplafe. 'ntoi'frrundb. BchcnH. Tor. Xatban«ier Welse. IheaieF iss Wesleas Ällabendlicb 71/, Uhr; Sjopcldine Konstaoün w Die Tänzerin. ir d. KösiigrltzsFstr. ii!« ■■jSUlir: B Je Sclawestcrn und der t'peimlc. Komödieistiaus s/48 Uhr: Nie Karin. B erlinerTheater i15U,: Riltablaiies Blut. Woiial-Thsaier. Cdponiekcr Str. 68. Tägl.'/,S. Glü' miecher Hsiterkeitsertolg! Mäiasciaeai. Musik: Walter Bromme. Wer m FtäSiä; Kcko Friodricli- u. Lioienstr.' Nurd. 8650. Täglich 73J4: FamiMe Hanno nimm, Hsns Junkornsann, v, Mcilondorff Kiice Tornitig, Bichard Goorg. Theater:ör D2enistag, 28. Mai. Ccatral-The»e er ?'/, mm, ois Osarfesfürsi. BeßtsoSies Opernhaus 7 uhr. DieteleflÄupn Priedrich-Wiiheimst. rhesier 7i/2 Uhr: M Kleines Iheater 7'/4Uhr; ßäHse. Momlsche©per 7V-: Sehwarzw?1� Metropol-Theater uhr-, ile Sßse 70!i StamliüL Neyes Oporattenhaus 7>/.tihx;0£r Soldat ßarMafie. Ktistspiethanii 7"/4 Uhr: Bie blonden SäOelst.Linöenliol iieHidenz- Theater 7',4uhr: Der junge Zar SSchÜler-Tlheater O 7iit ühr: Kaliaie üüiI Liek Mchlller-lh. Chart. L Uhr &'l. M. 7V2 Uhr I Das Gnadenbrot I Die Dienstboten. Thalia Theater uä BßteriterlifilieinlenLiniJe Tbcater am Noilendorfplatz 7 Uhr: Wintergarten Gastspiel der Komiseben Oper Ab 1..funi täglich 8 Uhr: Ohne Männer kein Vergnügen. Hiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiimiiiiiiiniiii �ar 1 .TS ein feldgraues Spiel Clrru*«N» iiS-'l Täglich T'/j Uhr: Bas gs-o s Olreos-Fronramm und zum Schluß: mit den lustigen WasssF-Szeuen. Täglich 7lU Uhr abend« Horben Mittwoch, nachm. 31/* Uhr: FamiäiÄR-M. ScKüier-VorsfieSBang za kleinen Preisen Palast-Theater am Zoo Trianon-Theater Bhf. Frledrichstr.Ztr 4927.2391 •/48 Zum 268. Male: Der Sebensscköier. W üst, Kaiser-Tite.Bildt, Klink Berliner PraWösaler Kastanienallee 7— 9. M h lölkentaxametep. MrotzePosjcii-Revue in 6 Bildern Dazu die groBart. Spezialitaten. 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Mai; Lette Neumann in der ergreifenden Tragödie || Hl® Hache des Hvenarius. i Dazu das große Filiuschauspiel ßlcht mü fir&stsrnis und das entzückende Lustspiel IKZ teushad. WalhaÜa-Theater. vi, Uhr: Donanliebchen. Rose-Theater. 7-/.uhr: HMjffelzHeu. Karienbühne 7 Uhr: Gr. keeue. LctiiulZ lien Lxietzcit 21. Nsi. errrm M p: II i! 1 IMW WttMuU'M "''* J"5/« Theater 7*1, k.'.i; Fr j e«1 r j ch« t. L 1 W s. Nur noch 4 Tage! t, Beckers Betitschirands f'■-.ii bester Eioniker sowie 1�2 erste Varl ete-Ä ttre k tion en /;,| Sonntags 31 Uhr jeder YH Erwachs. 1 Kind frei! iW OLismo=Theäter Lothringer Str. 37. Tagt. 3/48 U. Heute bis inklusive Jountag aus victsachen Wunsch die Berliner Lokalposse KaraswrZ'rite. 7äur wenige ülutfii hrungen. Bor her ersttt. Spe�ialitäteu. «ZM7- rr.' ,y~;'X�K:jJrv7:''-f�ySS --.. m m, siniS».-MWA■»4M aSSL.'. Uebcr 25 Jsihre einzig bewahrt! Uciciiels Spsziaimilie! in unveränderter enormer Starke wirken mit vernichtender Kraft. 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Bon«ich Diiwefl. ftciji.�'sriditfrdattn t: itVil � � lLer» nnb 1 i7a4c Herzen im Kriege v. fr- Di,de»ich.?VN»dc. ,ed üic- .(chttfunL«ilSaew�hU icLfr f. Nch nbtcIdiloKfn As ZwchHendeHeVüro nach SWamerila Zeder Band 2� Mark Der mswes'tra1' Zn sen Tod getrieben 1dS0M«tAMnMM I Quo gutitoia Dom Kaifenhe.iö zur Fabrik «otchicht- riaer«roletonrnnaend von Dilreiier aji Silt Sioinatl an» de««tolrlarterle»« von n.«er Der Gotteslästerer birafGrn»nld.ikbfil-r von Vi. fflft verbrecherseschichten hon.rranz t'rtrrtA_ Iltu etner • Gtnleilung VuchhsndlungZreiepresse Elberseld, Zlobertsiraß«» Irsuer-.ztsgs�iii' gegründet 1896 Lruunenslr. 56/57. Grolle Auswahl in schwarzer Konfektion. Auf Wunsch Maganserti. fiung in 8 Stunden. Aenderungcn sofort und ! gratis. Ausmahlsendgn. bcreilwtlligsl. Kernsp. Amt Korden 8540. Cigaretten 1000 I E 85— 88 M. 1000 I P 115—120, Versand durch Nachnahme oder Vorhereinsendung. Einzelverkauf von 100 Stück an. 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Den Mitgliedern ferner j zur Nachricht, daß unfcr Kollege der Schlosser Raupachsw. 1 am 18. d. Mts. gestorben ist.! Den Mitgliedern ferner l | zur Nachricht, daß unser| j llollegc, der Rundschleifer Suüo Zehdenick ! am 21. d. Mts. gestorben ist. Den Mitgliedern serner I ! zur Nachricht. daß unser! \ Kollege, der Gürtler WiMlm Läülsr Prinzenstr. 106 | am 23. d. Mts. gestorben ist. j Ehre ihrem Andenken! 1112/11 Die Ortsverwaltung, i WMiaiailllWUBJMULWagWBWMWM I n«..,-«...«iisa SleykOiettovseiGM durch Verf. m. f. gangb. reizend. Edelstein- Glimmcrkarten, auch als Nebenbesch, i. jcderm. gceign. Muster 1 M. Eins. od. Nachn.! 1'. Oeterzaann. Berlin- Teltow. Havelstraße. ackVHt. kennen Lio gf die Wohltat Tj. W' einer Oelbbinde? Sämtliche Systeme am Lag. resp. nach Maß anfertig, sowie Bruchhandagea l1" Aptlkelz. Gerandheits- und Kraukcupitegc. Pollmann, Bandagist, Berlin N., Lothringer Str. 60.' Lieferant für Krankojikass. 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Ferner starb unser Kollege, ! der Bühnenarbeiter Peter Kmser 3 am 16. Ma: im Slltcr von } 52 Jahren. 61/19 Ehre ihrem Andenken! Die Bezirksve: wallung. 1 nr?-~ y H. Pfau, Baniapi Zahngebisse, »«»«DireksenstF. 20 zwisch. Babnb. Alexanderplatz u Bolizeivräsid.— Ami Kst. 3208 5Sr Damen ssrauen-Beilienung. AejeranOüralleKraiikeukaii. Platin, Gr. 7,60, Ketten, Ringe. Besteeke kauft Frau Wasner, Kaiserftr. 18 I(Alexandervlatz). Sg«z!aSs?zl T Dr med. Uahmann fürf- | Gesciiiechtskrankheiinn, I Haut-, Harn-, Frauenleiden, t j nervös. Schwäche, Bein- j kranke. Behandlung J schnell, sicher u.schraerz- Jlos ohne Berufsstörung| | in Dr. Homcyer& Co. I konz.Labor. f]31atuntors, Fäden im Harn usw. |Friei{rie!istP.6Uaefoeptik;l .„jDiBstrJIWÄl | Spr. 10-1 u 5-8. Sonnt. 10-1. | Honorar mäßig, a. Teilzahl.( Separates Dainenzimmer. Am Donnerstag, den ! 23. Mai, verstarb unser ! langjähriges Mitglied Berta Krause. . Die Einäscherung findet / am Dienstag, den 28. Mai. 1 riormittags 11 Uhr, Jai KrcniatoriumBirlin.Gencht» stiajjc 57/38, statt.[500/8 j Friede ihrer Asche! Für die große Beteiligung und zahlreichen Kranzipcn. den bei der Beerdigung meines lieben Raiines, j unseres guten Baters hier- mit allen herzlichsten Dank.. Insbesondere danke ich auch aus diesem Wege Herrn Meister Franke jowie Kol- legen und Kolleginnen der Firma Kuorrbremse A.-G. Tito luiia Havemaniii und Kinder.[198A I Nr. 144— I�IS BTKUttaW Unterhaltunasblatt des Vorwärts Dienstag, 25. Mai Curkifthe Tppen. Der Bauer. Was mau so die schwüle Slmoi'phäre de« Orients nennt, das existier! in der Türkei heule nicht mehr. Die romantliche Märchen- wetr, das mystische Rauschen der orientalischen Rillerzeit, die Zeil de: Machtblüte gewaltiger Dere-Bejs leben nur noch in Gesängen uns Erzäbiungen sort. Die rücksichtslose Zeil hat auch über den vorderen Onem eine viel nüchlernere, rauhere Luit gefegt. Heute gedvrl viel Phantasie und irankhaite Romantik dazu, im Lande den Geist von lOOl Nach! zu entdecken. Davon spürt man nichlS mehr. Die uiiverichlelerle, nackte, natürliche Wahrheit sieht im allgemeinen sehr unromanliich aus und setzt sich aus ganz anderen Dingen zu- sammen, als die Märchendichler uns erzählt haben. Die türkischen Döifer haben meist ein recht nüchternes Aus- sehen. Und in ihrem Bilde findet der Lebensinhalt ihrer Bewohner seinen Ausdruck. Ein'vimig, ohne höheres Interesse, reihen sich, wie die Glieder einer Kette, die Tage dieser incist deS Lesens und Schreibens unkundigen Menschen aneinander, Das Bauernvolk ist an sich ein von Natur aus konservativer Schlag. Der orientalische Bauer schleppt aber zäher als jeder euro- päiiche das jeden Höberen Flug verhindernde Gewicht der Tradition mit sich, Ter Mangel an Bildung, an guter fortlauiender An- regung, am Eingang neuer, für iein Fassungsvermögen bearbeiteter Idee» bindern die Emsaltung seiner besseren Kräfte. Er klebt am Allen, Hergebrachten und liebt es mit der Inbrunst, die ihn mit seiner Scholle v-rbinder. Die türkischen Dvrier entbehren der Schönheit. Das praktische Bedürfnis einer festen Behausung wird mit den billigsten Mitteln und nur mit dem rohen Ziele, ein Dach über dem Kopfe zu haben, befriedigt. So hat man es schon vor Jabrtausenden gehalten und die Urväter würden sich noch heute in diesen Dörfen heiinisch fühlen können. Gehoben wird daö äufiere Bild dieser Dörfer durch die Gepflogenheit, die Siedlungen an Berghingen zu bauen. So sind mancherorts ganz nette Fernbilder entstanden. Leider verblafit diese in die Ferne winkende Freundlichkeit im gleichen Tempo mit der Annäherung, um mit dem Eintritt ins Dorf selbst dem Eindruck der Ocde, Leere und sehr übler Ursprüglichkeit Platz zu machen. Dort wohnen die Bauern. Ein Bauerngeböft im europäischen Sinne darf man nicht suchen. Die niedrigen einstöckigen, aus Lebm gebauieu und mit Lehm bedeckten Hüuen umschließen nichts von Bedeutung, Nach dem Wege sieht man iiichts als die armseligen gclbgrauen Rücken der feiiilerlosen Lehmmauern. Die Fensterchen gehen zum«cbutze der Frauen vor den Blicken Unberuiencr nach dem Hose zu. Die Häuser sind innen so kahl wie außen. Tische, Schränke, Stühle, Betten und was man so bei uns als Wohnungseinrichtung anspricht, gibt es nicht. Der Fußboden ist die festgestampfte rohe Erde. Dort schläft man nachts. Dort setzt sich die Familie auch auf untergeschlagenen Beinen um die gemeinsame Schüssel zum schlichten Mahle nieder; dort wird der Säugling ge« boren, dort stirbt der Greis, und dort sitzen Generationen ihre un- romantische Lebensgeschichte in den Lehmboden ein. In den in fernen Einöden liegenden Bergdörfern ist häufig Stall und Wohn« räum eines. Der Wohnraum ist etwas erhöht und nur durch einen Querbalken vom Stalle getrennt, sodaß für die Tiere immerhin ein gewisser Familirnanschluß gesichert ist. Die Kleider der Bauern sind durchweg? in leuchtenden Farben zusammengestellt. Und wenn man so eine ganze Dorfbewobneischaft auf einen Haufen versammeln würde, so könnte man das schönste Teppichmustcr aus ihnen bilden. Die Füße stecken in Stücken von roher Ziegen« oder Rinderbaut, die nach Opankenart zusammen- geicknürt sind, darüber folgen dann wollene Strümpfe oder um- wickelte Lumpen bis zum Knie, wo dann die weite, faltige, typi'che Türlenhose beginnt. Der Leib ist mit einer knallroten und häufig zehn bis zwanzig Meter langen Leibbinde umwickelt. Die Brust endlich ist mit einem— oder im Winter auch mit deren fünf oder sechs— baumwollenen Leibchen im schreiendsten Bunt be- kleidet. Auf dem Kopfe thront der rote, tuchumwundene Fes. Die Weiber haben die Beine in groben Pumphosen stecken und sonst sind sie bis auf eine freie Oeffnung für die Äugen mit den buntesten Suchern sSchalwar) bedeckt. An der Spitze des Dorfes steht, als da? der Regierung verant- wörtliche Oberhaupt, der Muchtar, dem auch die Nepräfentalions» pflichte» obliegea. Dazu gehört vor allein der Unterhalt der öffent- lichen Herberge, des„Han*. die jedem durchreisenden Fremden un- entgelttich zur Veriügung steht. Hat mau irgend eine wertvolle Empfehlung oder scheint man eine Reipektperion, dann wird man vom Muchlar persönlich feierlich und höflich im Hau bewirtet. Die orientalische Gastfreiheit entfaltet sich dann mit ihrer ganzen groß- herzigen Freigebigkeit und nichts mangelt dem Gaste, was nur er- schwinglich und erbältlich ist. Die generöie Gastlichkeil versöhnt mit manchem Zuge, den unsere europäischen Augen nicht ohne kritische Geringschätzung wahr- nehmen, Sie ist ein leuchtendes Blatt in den Beirachtungen über die türkische Landbevölkerung, ein Licht, dessen Kraft manches andere Dunkle überstrahlt und zur Nachsicht reizt. Primitiv und einfach wie sein Charakter ist alles, was der Bauer tut. Nichts— weder Schule, noch Belehrung, noch tätige Anregung bat seinem Innern zu jener festen Basis oerholsen, auf der allem Höheres gegründet werden kann. Er zehrt noch von der Tradtrion der Erzväter, und die sataliittich gewordene Religion Mohammeds bildet die erzene, Luft und Licht abschließende Kaviel, in der diese lleberlieierungen treulich auf die Nachkommen weitervererbt werden. Der Fanatismus und der Fatalismus, zu denen seine Religion er- zieht, fesielt die Kräfte, die nach lichtwärts und höher gelegenen Zielen streben. Das hindert sein Vertrauen, sich Neuem zu nähern und bricht seinen Mut und bringt ihn zu völliger Hoffnungsloflg- keit, wenn ein Eingehen auf eine mangelhaft verstandene Neuerung nicht rasch den erwarieren glänzenden Erfolg bringt. Er iälll dann enttäuscht ins alte und womöglich noch schärfere Mißtrauen gegen alle neumodischen Neiormabsichien zurück. Darum bleiben die erz- väterlichen, unbeholfenen Ackergeräte, die lraftvergeudenden, quietschenden Karren, die längst überholten Ackerbestellungs- und ErnieverarbeitnngSmethoden noch immer allgemein im Gebrauch. Was den Arbeilsgeräten an Leistungsfähigkeit abgeht, fügt der Bauer ihnen unverdrossen an eigener Zeit und Kraft dinzu. Die menschliche Arbeitskraft ist ettvas Urioüchsiges, NaiürlicheS, Er- probte. Sie steht nicht im Verdachte der Neuerung. Und die Zeit kostet ihm erst recht nichts. Wozu braucht er alio schneller zum Ziele führende Neuheiten? Ein altes türkisches Sprichwort sagt: sottejckauäan xslir!* Die Eile kommt vom Teufel! Alto..javesxost" I Langsam! Er bleibt bei seiner vorsintflutlichen Brachfelderwirtschaft und bearbeitet eben soviel Feld, als seine primitiven Mittel ihm gestalten. WaS er mit modernen Geräten leicht in der gleichen Zeit»och bearbeiten könnte, läßt er ruhig brach liegen. Tie Eile kommt vom Teufel... . Bei aller Langsamleit dieser Bewegungen, die schließlich durch daS Klima eine Entschuldigung finden mag, ist er kein schlechter Arbeiter. Er ist arbeitsam, stetig und von einer göttlichen Geduld. AuS seiner Arbeit stammt alle Kraft des Staates und der Wohl- stand zahlreicher Kreise. Und was unter seinem heißen südlichen Himmel an Frucht gedeiht, weiß seine arbeitsame Hand zu loben. Er selbst ist das Gegenteil von wohlhabend und begnügt sich damit. Er ist nicht verbittert, nicht verstockt— sondern vielmehr gleichmütig, freundlich, höflich, bescheiden. Seine Religion hilft ihm über alles weg. Für all seine Armut und Bedrücktheit hat er den ein- fachen Trost:„Kisrnstim jok.' Ich habe kein Glück. Kein Zeichen von Staatsverdrosienbeit habe ich bei diesem einfachen Menschen gemerkt. Sie sind alle stolz auf ihr Osmanentum und auf ihr Land. Lediglich ein grenzenloses Mißtrauen gegen die Regierung hastet bei ihnen als eine Art kritisches Unterbewußtsein. Seinen böchsten Ausdruck findet es in ihrer Verachtung für das Papiergeld. Sie betrachten es nicht als Geld, sondern als Papier. Und wer zu ihnen kommt, um Getreide oder Vieh zu kaufen, niuß Gold in der Tasche haben, das denn auch einen Kurs hat, der selbst einen ziem« ltch lebhaften Goldschmuggel von Deutschland her angereizt hat. die krähe. Eine Krähe taumelt mit irrem Schwung über meinen Weg. .Biest," denke ich,.elende Kreatur! Erbärmliches Vieh!" So oder ähnlich denkt ja ein jeder, der eine Krähe sieht. Eine stille Verwünschung schicke ich dem schwarzen Krächzer nach, der mir am funkelnden Lichtmorgen de§ Maitages sein graues Schattennetz über die Sinne ziehen will. Aver da geschieht etwas Eigenes mit dem Vieh. Mit allzu kühnem Scbwung wirft es sich empor und läßt sich nun aus der so gewonnenen Höhe herabgleiten. Ein Flügeldruck: das Tier wiegt sich sanft federnd in schmieg- samer Kurve. Ein Flügel ab: es steigt um eines Herzschlags Höhe. Ein Flügclhub: der Aether läßt es wie in einer weit hin- schwingenden Schaukel erdwärts streichen. Ein Flügelwippen: die schwarze Brust beut sich noch einmal in schwacher Neigung der schon verlassenen Höhe. Aber die Erde lockt zu stark. Und nun stechen die Flügel wie zwei schwarze Wegweiser in unbeirrter Geradheit gen Osten und gen Westen, gen Norden und gen Süden: in tellerflachen Spiralen, mit der unüber- trefflichen Eleganz eines sein Können genießenden Schlittschuh- läufers, federt das schwarze Tier in geschnittener Kontur zur Erde nieder. Ich aber gwg dahin, aufgefrohten Sinne?:.Du Biest! du Regenwurm der Galgenhügel I Wie uniäglich schön kannst du durch die Lüfte tanzen, Totenvogel und Schönheilskünder zugleich." V!e Sackpfdfe aus dem jenseits. In einem Nachruf, den George de la Fcmchardiäre im„Oeudre" der vor einiz-n Tagen verstorbenen, in alle» Alademieii und bsi allen Höfen sehr bekannten italientschen Spiritistin Eusapia Paladino widmet, wird ein hübsches Vorkommnis erwähnt, das geeignet ist, die der vierten Dimension Unkundigen über die Ge- heintnisse der Geiste'.beichwörung ein wenig auszukläten.Eusapia Paladino zeichnete sich nicht nur durch die Gcschickiichleit aus, mit der sie sich in Szene zu setze» wußte, sondern ihre Eigenheit bestand im Besonderen darin, daß die von ihr gerufenen Geister stets eine mustergültige Höflichkeit an den Tag legten und so stilvoll auftraten, daß niemand an ihnen zu zweifeln wagte. So halte Eusapia Pala- dino Jahre hindurch die Freude, die Fürsten der Politik und der Wisienschaft in anmutigster Weise und mit viel klingendem Ergebnis zum Besten zu hallen. Einmal wohnte ich aber einer Sitzung bei, in deren Verlauf das Unwahrscheinliche passierte, daß nämlich die ante Eniapla selbst an das Eingreifen eines echten Geistes glaubte. Die Sache ereignet? sich vor ungefähr 29 Jahren in einem Pariser Salon. Unter den Antvesenden befanden sich ein berühmter Chirurg, ein nicht minder berühmter Schauspieler und mehrere Professoren verschiedener Fainltälen, alle sebr anständige und wohlerzogene Leute. Aber außerdem war da noch ein dicker Herr mit einem Orden, der sich wie ein Flegel benahm. Es gibt in verschiedenen Lebenslagen verschiedene HöflichkcitSsormen, an die man sich hallen muß: in einer Synagoge muß man den Hut aufbehalten, in der Kirche muß man ihn abnehmen; bevor man eine Moilbee betritt, muß man die Schuhe ablegen. Bei den Spiritisten muß man ehrliche» Glauben und iesteS Vertrauen an den Tag legen. Der dicke, lärmende, ordengescbmückle Herr aber zeigte unhöflicher- weite das größte Mißtrauen. Er verlangte, daß Eusapia an ihrem Stuhl festgebundeu würde,. und dann sorderte er die Geister höhnisch heraus, ihm in der Dunkelheit eine Backpfeife zu geben. Man löschte das Licht, Euiahia begann die Beschwörung, Und da— erhielt der dicke Herr die erwünschte Backpfeife, und zwar ein so schallendes Exemplar, daß er von da ab fest an die Geisterwclt glaubte. Ich allein wußte aus guten Gründen ganz genau, wie diese Backpfeife aus der vierten Dimension zustande gekommen war. Aber Eusapia wußte es nicht, und darum glaubte sie ein einziges Mal in ihrem Leben wenigsten? eine Sekunde lang an einen wirk- lichen Geist. Und sie brach sofort die Sitzung ab, denn schließlich wollte sie sich nicht in die Gefahr begeben, selbst mit Geistern i» so .innige Berührung" zu kommen." Notizen. — Sommertheater. Im Deutsche n Theater er- öffnet Direktor Sladek am Sonnabend seine Spielzeit mit dem Schwank.Familie Schimek". Der Bezirkstag und Wahl der Delegierten. 4. Vortrag des Genossen tcuttoer:„Das neue Ziktious» pragramm der G»zi«ldeni»kratische» Partei". d. Antrüge und Verschiedenes. Mitgliedsbuch legitimiert."Uksss ltv»' 4 ZpeiisIsM ldr.>»««!. fsjölis!et!5t.'.3gS°adtba�b. Behandt. vonSiiPbilts. Haut- Harn-, Frauenleiden, spez.: chron. Fälle. Echmerziose. tnrzcslc Behandlg. ohne Berussstörung. Blutuntcrjuchung. Maß. Preise Teilzahlung. Sprechstunden l. bis 1 und ö— 8, Somit. 11—1 Speziaiarzt Du. uietl. Laabs beh. schnei, gründl., mögl. schmerzlos u. ohne Berussstör. Lsooliloontoicranlideit., geheime Haut-, Harn-, Frauenleiden, Schwäche. Erprobteste Methoden Harn- und Bhituntersuehung. WM. ZW.«Welpl Spr. ll>— lu. i— 8, Sonnt. 10— 1 BerwaltungSstelle Perlt«. 54, Vinienstraste 83—85 Gelchästszeit von 9— 1 Uhr und von 4—7 Uhr. Telephon: Amt Norden 185. l»Zg. im, 9714. Donnerstag, den 30. Mai 1918, abend? 8 Uhr: WllW-ZMllSÜtW tot litkllmnilkM mi mn SlÄ'NM im Lokale von Kleinent. Tophienstrafte K. TageZordnunz: 1. Neuwahl des Branchenvertreters. 2. Branchen- und Verbandsangetegenheiien. Z. Verschiedenes. Kollegen I Ja Aiihetr«cht der wichtigen Tagesordnung ist voizähtiges und pünttliche« Erscheine» unbedingt erforderlich. ISir" Ohne Mitgliedsbuch kein Zutritt!"sSäT 112/12 Oie Ortsverwaltang;. Spczialarst Dr. med. Wockeii(üO Friedric&str.lESsprechsui-iy" fÄrSy|ihilis,Harn-u. Frauenleiden Biutuitersuchungen. Schnell«, sichere, sehraarzlcso Heilung ohie Berufsstdruni.Tallzahluni Speslasassi Dr. med. Reinliardt, Pötsteierstf.llIvla.lTio Sydkilis, Hera-, Frauenleiden, klutualersuchungev. Modernstes. ersolgreichst. Heiiaersabren. Teilz. Tiehe48 Seit, stark. Brolch.O.SVA., n«dz«ußerhath»erschlossen 1 III vor der Ehe von der Ehe Von K. Gerling.— 81. Tausend. Das Erwachen der Liebe und Wesen der Ehe.— Abstammung und Vererbung.— Die Entstehung des.Menschen.— Das Vorleben.— Die Vergangenheit des Mädchens,— Geschlechtskrankheiten.— Dolgen in der Ehe.— Erziehung zur Ehe.— Wie soll die Frau be-chaffon<• sein?— Wie lernt mau das Mädchen kennen?— Brautnacht und Flitterwochen.— Das Benehmen dos. jungen Gatten.— Kindersegen.— Vertrauliche Worte, b „Wiensr Montagszeituag-: Gerling hat es meisterhaft j verstanden, den Ton zu finden, der zum Herzen geht.' Freimütig und offen, wie im vertraulichen Zwiegespräch spricht der Mann zum Manne. Dank für alle die Lehren, die Sie in ihrem trefflichen Buche in so hingebender und idealer Weise ausgesprochen haben. In den meisten Funkten habe g ich erst durch Ihre lichtvollen Ausführungen Klarheit gewonnen. C. B., Lehrer.— Preis 2.60 M., Porta 20 Pf jv Orania-Veriai, ßraiiienbüfo iwißerlin?!. v H.& P. Uder, eÄ'I: Tabak-(]iroßhaii7, Engros- Export. 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