Nr. 147. 38. Jahrg. BezttgsvreiSt VterteliZhu.».so M!. Monats 1,50 MI. kei insHauS, voraus ,ahlbar.ElnzeIn« Nummern 10 Psg. Postbezug: Monai- lich IL0 Ml. Unter Kreuzband für Deullchtand und Oesterreich-Ungarn L,— Mi, für das übrige AuSIand <50 Ml. monatlich Leriand ms Feld bei direlter Bestellung monatt. t,ktt MI. Boslbestellungen nebmen an Däne- marl. Holland. Luxemburg, Schweden «ab die Schweiz. Eingetragen in di« Post-.j eitungs- Breiziisl«. Erscheint täglich. Telegramm. Adreff«: .Sozialdemokrat Berlin». Vevlinev VolKsblnkk. ( 10 pfannlg) Anzeigenpreis: DlesiebengcsvaltsneKolonelzeilelosiei KV Psg.„Kleine Anzeigen", das fettgedruckte Wort 30 Pig. izullisjig 2 seltgedruckle Worte), lebes weitere Wort 15 Pjg. Stellengesuche und Echiasstellenanzeigen das erste Wort 20 Psg.. lebes weitere Wort lv Pig. Worte über>5 Buchstabe» zahlen für zwei Worte. Teuerungszuichlag 20°/» Fanliiien-Anzeigen, voliiiiche und gewerlschaslltche Vereins- Anzeigen 50 Big die Zeile. Anzeigen für die nächste Nummer müssen bis 5 Udr nachmittags im Hauvtgeschäst Berlin EW. 58. Lindenstratze 3, ablegeben werden. Gcöfsnei von 8 Uhr früh bis 1 Uhr abends. Zcntratorgan der roztaldcmokratifcben Partei Deutrcblanda. Neüaktion: Ew. 68, Lwöenstraße Z. ssrrn>nreeber: Ami Morivdlair, Nr. l.�l S«— 15197. Freitag, den 31. Mai 1�18. «kxpeöition: EW. 68, �inüenstratze Z. Zhernipreeber: Am» Morittvla«» Rr. 15199—15197. dampfen«! der Neue Proteste Tsthitscherins an Joffe. Kiew, 29. Mai. Die öffentlichen großrussischen Friedens- Verhandlungen sind noch nicht wieder ausgenommen lvorden, da die Kommissionsverhandlungen wegen der Demarkations- linie noch nicht abgeschlossen sind.„Kiewskaja Mysl" der- öffentlicht ein Protesttelegramm Tschitscherins an Joffe wegen einer bedeutenden Grenzverschiebung auf der Donaufront nach Osten, desgleichen wegen der Garantie, welche die deutsche Regie- rung für die Unanta st barkeit der russischen Delegation während des Ausenthalts in Kiew und der Hin- und Rückreise übernommen habe. die lettische§rage. Ein lettischer Genosse schreibt uns: Selten wohl ist eine nati» nale Frage so einfach gewesen wie die lettische. Daß aber diese Frage in den Zusammenhängen der ganzen Politik der Ostprobleme eine unklare Stellung erhalten hat, läßt sich nur dadurch erklären, daß Interessen bei dieser Frage im Spiele sind, die geradezu auf eine Verdrehung und Mißgestaltung dieser wichtigen Teilfrage des Ostseeproblems hindrängen, linier diesen Interessen stehen an erster Stelle diejenigen des deutsch-baltischen Groß g r u n d b e s i tz e s, für den es natürlich von Wichtigkeit ist, eine möglichst enge Angliederung des ganzen baltischen Landes a n Preußen zu erreichen. Aus diesen Kreisen sind denn auch die eifrigsten Versuche gemach! worden, die Verhältnisse des lettischen Landes so darzustellen, als ob das lettische Volk ganzunmündig wäre und für eine eigene Staatspolitik gar nicht in Frage komme. Man hat wiederholt in alldeutschen Auslassungen lesen können, daß die Leiten ein Volk von Analphabeten seien. Wenn etwas sehr leicht zu widerlegen ist, so sind eS derartige Behauptungen. Man braucht nur einige Vergleichszahlen anzuführen, um eines anderen überzeugt zu werden. Nicht weniger als Sä Proz. sind selbst in den Landkreisen lesekundig. Im Jahre 1910 hatte Lettland nicht weniger als 98 Mittelschulen mit 22 000 Schülern. In derselben Zeit gab es!n Bulgarien bloß 2ö Mittel- schulen, in Rumänien 75, in Griechenland 40. Die Zahl der letti- scheu Studenten an verschiedenen Hochschulen betrug im Jahre l9t3 nicht weniger als 1850, während Schweden in derselben Zeit nur 1200 zählte, Norwegen 1400, Dänemark t460. Diese Zahlen sprechen eine sehr deutliche Sprache. Ein Volk das bereits über eine gute Elementarbildung verfügt, in einigen Jahrzehnten es vermocht hat, eine starke Intelligenz zu entwickeln— deren. Vertreter in ganz Rußland Beschäftigung finden—, kann wohl nicht weniger reif zur staatlichen Tätigkeit sein als jedes andere Volk. Soweit also die lettische Frage bzw. die Frage der Bildung eines lettischen Staates von der kulturellen Vorbereitung dieses Volkes abhängig gemacht werden darf, kann wohl kein logischer Einspruch gegen eine derartige Entwicklung zu einem lettischen Nationalstaat erhoben werden. Nicht selten hört man auch, ein staatlich organisierte? Lettland wäre ein undenkbarer Kleinstaat. Auch das trifft gleichfalls nicht zu. Denn Lettland umfaßt im ganzen 63 070 Quadratkilometer, Belgien 29 454, Holland 34 186, Dänemark 38 969. Von den deut- schen Bundesstaaten sind lediglich Bayern und Preußen größer als das lettische Land. Auf dem Territorium dieses Landes lebt eine kompakte lettische Nationalität, Auf dem Lande über- steigt sie sogar 95 Proz. Die deutsche Bevölkerung bildet in diesem Gebiet einen sehr geringen Prozentsatz: im ganzen sind es es nickst mehr als etwas über 120 000, von denen gegen 100 000 in den Städten Riga, Libau und Mitau leben. Bezeichnend ist es. daß in den letzten Jahrzehnten die Zahl der Deutschen sowohl absolut als relativ abgenommen hat. Will man also bei der Neuordnung der bckNischen Verhältnisse staatlich und völkisch ein- heitliche Gebilde schassen, so ist es für die staatswissenschaftliche Auffassung wohl ohne weiteres klar daß das lettische Land sehr wohl zu einer staatlichen Ausgestaltung die nötige Grundlage bietet. In sozialer Hinsicht und insbesondere in der Besitzverteilung spaltet sich aber Lettland in zwei scharf geschieoene Gruppen: auf der einen Seite die Letten mit dem lettischen Kleingrundbesitz, dem lettischen Bürgertum und der lettischen Arbeiterschaft, auf der an- deren der noch stark extensiv wirtschaftende Großgrundbesitz, mit Gütern, die die Größe der ostelbischen weit übersteigen. Dieser Latifundienbesitz ist das wirtschaftliche Fund rment der heißen An- gliederungSbeftrebungen. die durch falsche Vorspiegelungen auf die Verpreußung Lettlands und Estlands hinarbeiten. Gegen diese Bestrebungen treten die beiden Völkerschaften— sowohl Letten als auch Esten— geschlossen auf. Ihr Standpunkt wird klar in ver- schiedencn Beschlußfassungen der größten Parteien dargelegt und es ist kein Geheimnis auch in Deutschland mehr, daß die Letten und Esten mit nur geringen, kaum in Betracht kommenden Ausnahmen für die handelspolitische und völkerrechtliche Neu- trali>ieraug Lettlands und Estlands eintreten. Dem Reichs- 1 Einnahme von Soisfons— Nnanfhalt- sames Vordringen südlich der Vesle über Villemontoire und Vrauseourt— Die Nordwestforts von Neims genommen— 35 000 Gefangene! Berlin, 39. Mai 1918, abend S. Amtlich. Südlich von F-öre-en-Tardenois nähern wir uns kämpfend der M a r n e. Amtlich. Großes Hauptquartier, 30. Mai 1918.(W. T. B.» Westlicher Kriegsschauplatz. An den Kampffronten zwischen Pier und O i s e nahm die Gefechtsiätigkeit vielfach zu, Ocrtliche Jnsantcrtcgescchte. Der Angriff der Kampfarmeen des Deutschen Krön- Prinzen schreitet siegreich vorwärts. Nördlich der Aisne wurde in hartem Kampf bei Crscy-au-Mont, Juviguy und C u f f i e s Gelände genommen. Brandenbnrgische Truppen habe« S o i s s o n s genommen. Südlich der Vesle brach die in der Bildung begriffene neue Front der Franzosen in den unaufhaltsamen Angriffen unserer Divisionen zusammen. Wir warfen dcu Feind nach hartnäckigem Widerstand bis über die Linie Villemontoire— Föee-en-Tar- denois— Conlouges— Bronillet— Braus- court zurück. Die Forts der Nordwestfront von Reims sind gefallen. Der Nordteil von La Nenvillette und B s t h e u y wurden genommen. Die G e f a n g e o e n z a h l ist auf über 35 999 ge- stiegen. Die Beute au Artillerie und Kriegsmaterial ist gewaltig. Geschütze aller Art bis zu Eisenbahn- geschützen schwersten Kalibers wurden erobert. Das stür- mische Vordringen unserer Angriffstrnppen verwehrte dem Feinde, die im eroberten Gebiete aufgestapelten reichen Kriegsvorräte zurückzuführen. Große Bestände fielen in Soiffons, Braisne und FiSmeS in nnscre Hand.. Aus- gedehnte Munitionslager, Eisenbahnzüge, Lazarettanlagen mit zahlreichen SauitätSausrüstungen kamen in unseren Besitz. Flughäfen mit starlbercitcn Maschinen und Flng- zeugmaterial wurden erbeutet. Bei den Heeresgruppen Gallwitz und Herzog Albrecht lebte die Gefechlstätigkeit nur zeitweilig auf. Unsere Flieger schössen in den letzten drei Tagen 38 feind- lichc Flugzeuge ab. Oberleutnant Verthold errang seinen 29. Luft- sieg. Leutnant Rocth brachte in einem Flug von Dlksmuide bis südlich von Apcrn fünf feindliche Fesselballone brennend zum Absturz. Der Erste Generalquartiermeistcr. Ludcndorff, Der österreichische Bericht. Wien, 39. Mai 1918. Amtlich wird oerlautbart: Die Kämpfe im Tonale-Gebiet dauern an. Auch im Adamrllo-Gebict steigerte sich daS feind'iche Ariillcricfcucr. Mehrere feindliche Angriffe auf unsere Stellungen südlich des P r e s r n a- G l e t s ch e r s wurde» abgeschlagen. Ein feind- lichcr Erkundungsvcrsuch über die P i a v e nördlich St. Dona mißlang.» Der Ehcf des GeneralssabeS. kanzler ist vor kurzem eine Denkschrift der Exekutive des lettischen Nationalrats, der die Vertretung aller lett schen Parteien bildet, übersandt worden, in welcher der bezeichnete Standpunkt eine aus- führliche Begründung findet. Es dürfte sehr zu wünschen sein, daß man die wahren Volksbestrebungen des lettischen Landes in Deutschland kennen lernt und sie vorurteilslos prüft Man würde fehlgehen, wenn Versuche gemacht werden sollten, das baltische Problem anders zu lösen, als wie es die baltischen Völker selbst wünschen. Eine Lösung, die das baltische Land zu einem Anhängsel ostelbischen Junkertums machen wollte, dürfte nur weitere Verwicklungen und Reibungen erzielen und in keiner Weise das baltische Problem aus der Welt schassen. Ein Fehler wäre es auch zu meinen, daß es sich bei diesem Problem um den Schutz des Deutschtums in den baltischen Provinzen handelt. Der Schutz der Minorität in einem Lande kann durch staatliche Rechts- garantien geschaffen werden, und auch das lettische Staatsvoli würde gegen eine derartige staats- rechtliche Garantie nichts einzuwenden haben. Das neue Aktionsprogramm. Voal Friedrich Stampfer. In der Einleitung zum Entwurf des sozioldemolrn tischen Aktionsprogramms(siehe Nr. 139 des„Vorwärts") ist ge- sagt, daß mit ihni dasErfurterProgramm nicht aufgehoben, sondern ergänzt werden soll. Damit wird wohl weniger eine Bestätigun.g des Erfurter Programms in all seinen Einzelheiten ausgesprochen, als der Erkenntnis Rech- nung getragen, daß wir„noch mitten NN reißenden Strom der Entwicklung stehen". Dieser Strom der Entwicklung hat auch das Erfurter Programm nicht unberührt gelassen, nur ist es noch nickt an der Zeit, letzte Schlußfolgerungen zu ziehen. Soviel läßt sich immerhin heute schon sagen, daß die Er- fahrungen der vier Jahre cm den Willens zielen der Arbeiterbewegung wicht das geringste geändert haben. Was sich ändert, ist die Art, die Dinge zu betrachten, und vielleicht auch die Ausovderung, die man an ein Parteiprogramni stellt. Das Erfurter Programm ist in seinem ersten grundsätzlichen Teil Bekenntnis schrift, es will die wissenschaftlichen Ueberzcugnngen formulieren, auf denen Gemeinsamkeit der Zusammenhalt der Partei gegründet ist. In wissenschaftlichen Ueberzeugungen gibt es aber keinen Gleichschritt des Marsches, der ist nur zu erzielen in gemeinsamen Bestrebungen. Für die junge Partei bor bald dreißig Jahren war es ein erzieherisches Moment von größter Bedeutung, daß sie sich ihrer Rolle als Faktor einer notwendigen Entnücklung bewußt wurde, und diese Erziehung geleistet zu haben, ist das historische Verdienst des Erfurter Programms. Fehler dieses Vorzugs aber war, daß Erkenntnisse, mochten sie nun falsch oder richtig sein, zur Grundlage der Genieinsamkeit gemacht wurden. Selbstverständlich winden diese Erkenntnisse mit der Zeit vielfach angezweifelt, MeimmgSVerschiedenheiten wur- den zur Ursache lebhafter Parteikämpfe, die das geistige Leben der Partei befruchtet haben mögen, sicher aber vielfach die Aktionskraft der Bewegung lähmten. Darum ist allen, denen die Tat wichtiger ist als die bloße Meinung, schon das Wort „Aktionsprogranim" Musik in den Ohren. Das Aktionsprogramm sagt uns, wie wir für den Sozialismus kämpfen und arbeiten sollen. Lohnende Aufgabe wäre es, in einer wiffenfchaftlichen Arbeit, die auf den Erfahrungen der Kriegswirtschaft beruht, nachzuweisen, daß wir diesen Kampf im Bunde mit einer„notwendigen Entwicklung" führen. War doch keine Zeit besser geeignet, Sozialisten zu machen, als die gegenwärtige! Aber ganz rickftig hat die Kommission erkannt, daß eine solche Beweis- führnng nicht in ein Aktionsprogranrm gehört, daß es nicht ihre Aufgabe war. Lehrsätze zu formen, die leicht zu Glaubens- sähen und als solche zum Gegenstand spitzfindiger Streitig- ketten werden, sondern Forderungen aufzustellen, auf die sich— vielleicht mit kleinen Vorbehalten einzelner im einzelnen— die ganze Partei einigen kann. Urb erblickt man diese Forderungen und stellt man sie sich als. verwirklicht vor. so bemerkt man, daß damit ein ge- waltiger Schritt in der Richtung zur s o z i a I i st i s ch e n Gesellschaftsordnung vollzogen wäre. Noch ist die Vergefellsclaftung nickt allenihalben durckigeführt. aber die Herrschaft des Volks st a a t s über die Volks Wirtschaft ist ans allen Gebieten aufgerichtet. Man sieht das Ziel und man sieht den Weg. Tic alte Frage„Reform bder Revolution" wird zum bloßen Wortspiel vergangener Zeit, uniwälzende Reformtätigkeit an allen Ecken imd Enden des Staats und der Gesellschaft ist die Forderung des Tages. Tie Sozialdemo- kratie muß„in zielbewußter Mitarbeit die N e u g e- st a l t u ng der politischen und wirtschaftlichen Lebensver- hältnisse unseres Volkes in eine zum Sozialismus führende Bahn zu lenken suchen".— Vielleicht hätte die Einleitung, der dieser Satz entnommen ist, einen etwas höheren Anssichtstunn errichten können, von dem aus. das G a n z e zu übersehen ist! Aber sie sagt ja auch, daß das Er- furter Programm nicht aufgehoben ist. Was an Zu ver- ficht und Kraftbewußtsein in ihm lebt, das wollen wir unbeschadet miserer Meinung über einzelne seiner Be- Häuptlingen lebendig erhalten! In einer Beziehung bedeutet aber das Aktionsprogramm eher einen Rückschritt gegenüber Erfurt als einen Fortschritt, j denn der Fehler des Erfurter Programms, zu industrie- ' proletarisch, städtisch gedacht zu sein, kehrt im Aktionspro- gramm in verstärktem Maße wieder. Da liest man nämlich bei Punkt IX Jlvmmunalpolitik" die sehr schöne Forderung: „Versorgung der Bevölkerung mit gesunden und preiswerten Nahrungsmittel n". Nah- rungsmittel wachsen aber nicht im Rathans, sondern auf dem Acker, und die beste kommunale Lebensmittelpolitik bleibt in der Luft hängen ohne Sicherung ihrer agrarischen Grundlage. Ein Aktionsprogramm, das zeigen will, wie dle Neu- gestalwng der wirtschaftlichen Lebensverhältnisse auf die Dahn dcs Sozialismus zu lenken ift durfte an der brcnnon- den Agrarfrage nicht Vorbeigehen. Es lnii'che den Mut haben, auch aus diesoin Gebiet Lösungen vorzuschlagen. Tiefe Arbeit wird noch naci�aeholt werden müssen, und es wäre am besten, den Entwurf zu diesem Zweck an d i e K o m- m issionzurückz ii verweisen, die vielleicht noch durch Spezi alsachversmnd ige zu verstärken wäre. Die Lage der Landwirtschait, wie sie sich während dcs Krieges entwickelt hat und auch nach seinem Abschluß noch lange bleiben Nnrd, läßt sich in liirzcster Zorm vielleicht so darstellen: Tie Londwirt-kchaft ist durch Krwgsgcwmn ent» schuldet, durch Ueberwiegen der Welt nachfrage Uber da? Weltangebot in ihren Crtrerbsvcrhaltnissrn gesichert, aber durch Arbeitermangel aufs schwerste gefährdet. Das bedeutet in den beiden ersten Punkten einen vollkommenen Umschwung gegenüber der Vorkriegszeit, im letzten eine außerordentliche Verstärkung schon vordem vorhandener Schwierigkeiten. Da» mit ist aber dem Großgrundbesitz das Todes- urteil g e s p r o ch c n. Wenn einmal der letzte Kriegsgefangene sein Bündel schnürt und geht, wird es öde werden auf den Gutshöfen. Zuzug aus dem Ssleu ist in größerem Umfange nicht zu er- warten, eine Vermehrung des deutschen Landarbeiterprole- tariats weder wünschenswert noch möglich. T i c Z u k u n f t a n f 0 e m Lande gehört dem Mann, der seine Scholle selber b c b a ri t! Auch das ist eine Entwicklungsnotwendigkeit, und es hätte keinen Sinn, sich ihr mit utopistischem Eigensinn zu widersetzen. Darum Platz für den deutschen Banernsozia- lismns der ZukunftI Anfgeräunit muß werden mit dem Irrglauben, daß der arbeitende Mensch in der Fabrik dem arbeitenden Menseben auf deni Felde den Verdienst nicht gönnt. Soll abor die Arbeit von Stadt und Land zusammen- wachsen, so muß eines verschwinden, was sie trennt: der Größgrundbesitz. Der Großgrundbesitz bat Stadt gegen Land gehetzt, Wirt- 'baftlich und politisch. Wirtschaftlich, weil sich jedes soziale Empfinden gegen die Vorstellung empört, daß ans dem Hun- per des Volkes der Glanz nicht arbeitender Familien bestritten werden soll, politisch, weil der Großgrundbesitz aus dem ihm natürlichen patriarchalischen Herrenstandpunkt heraus Feind aller freiheitlichen Bestrebungen ist. Solange sich die um Dl- denburg-Aannsckan der Stadt als die Vertreter des Landes vrasentieren dürfen, ist ein Verstehen zwischen Stack?! und Land ansaeschlossm. Dieses Verstehen wird erst möglich, wenn der Städter den Preis, den er für landwirtschaftliche Erzeugnisse bezahlt, im wesentlichen als eine Summe von Arbeitslöhnen be- greift und wenn er sich nicht mehr durch die llebsrhebung und den Herrenstolz der nichtarbeitenden Großbesitzer heraus- aefordert fühlt. Mit den Bauern wird sich der städtische Arbeiter und Angestellte verstehen lernen, mit den Großbe- jitzern niemals! Für die Landwirtschaft ist es aber eine Existenzfrage, daß ihr Verhältnis zur Stadt nicht ans Kampf gestellt bleibt. Denn der Fortschritt der Demokratie'st nicht aufzuhalten, der Ein- istist des Staates ans die Wirtschaft wächst, der Gctreidepreis wird in der nächsten Zukunft das wichtigste Politikum sein. Ter Landwirtschast, zuletzt freilich auch dem Ganzen der Volks- "nrllchaft war? schlecht gedient, wenn eine rabiat gewordene Verbraucher Mehrheit ihre Mehrheitsrechte gegenüber der landwirtschaftlichen Erzeuger Minderheit rücksichtslos zur Geltung brächte. � Darum darf ein sozialistisches Aktionsprogramm, wenn es seinen Namen verdienen will, an der Forderung der En t- c i g n n n g des Grundbesitzes nicht vorübergehen. Was einst im Osten ans Gründen der nationalen Machtpolitik begonnen wurde, das muß jetzt aus Gründen der Volkswirt- ühaft und Volkswohlfahrt allgemein durchgeführt wer- den: die Verwandlung des Großgrundbesitzes in Ansiedler- lind. Ein anderer Weg bietet sich überhaupt nicht mehr, wenn der deutsche Boden unter dem Pflug gehalten werden und nickst in wesentlichen Teilen infolge von Arbeitermangel zu Seiden und Aagdgriindcn verwandelt werden soll. Diesen "ug der Entwicklung sollen wir erkennen und uns als Sozia- lstien zu freudiger Mitarbeit bereit erklären. Sehr richtig erkennt das Aktionsprogramm, daß es kein Schema F gibt, '-ach dem sich die Sozialisiening der Gesellschaft vollziehen kann, sondern daß es aus den verschiedenen Gebieten die ver- •ckuedensten Wege gibt, die alle zu einem Ziel führen. Der Weg zur Vergesellschaftung ans dem Lande geht über die Ent- emniinn des Grostgn'ndbesiües und die landwirtschaftliche Ge- nossenschaft. Das Ziel bleibt: die sozialistische Organisation Vr gesamten werteschgffcnden Arbeit, die Aushebung der Klassengegensätze und dgmit auch die Ueberwindung des un- hcüvollcn Gegensatzes zwischen Stadt und Land. Dss Einüruck öce Msitefchlocht. Französische und englische Nrteile. Vcrn, 29. Mai.„Eibo be Paris« bcricktct. ban Clrmcnccaii mstcux in bcii SSonbrloiii'iKit ber staiainer ben Drputierlen E>»zel- eriic» über bie eii-lieichiacul gegeben babe; er betrachte bie Schlacht a!S D i v e r i i o ii, nicht als H a» p t a n g r i f f. e Purster Zeitungen beinslen sich beinnbe Lnsichlietzlich mil ber ? clstackl nnb aeben bie Erialge ber'Denn'chcn z» AnkangSe» folge 'e'cn unvermeiblich, borÄ die wmi sich nicht verleiten lassen dürfe. :ie lllcicrven �n zer'plitiern. NeimS und Costions seien bis zur rsticberberüellnng ber Lage gejübrbet. Tie Teulichen hätten bie französische Front in ber Nähe ber H a n p l st n b t e s tt a e b e II l i.>nan bürse sich aber nicht brunrnhigen lassen, Tie Schlacht i'ci ja schließlich nicht bnrch den ersten Tag entichieben. „Ioninal bn Penple« sieht bie Lage wesentlich nüchterner an nnb nennt ne e r n st. Bald werbe man leben, ob baS E i n g r e i i e n v o n R e i e r v e n den Feinb anbglten könne, in an hoste es immer- hin. lü-iubeir bie französischcu Linien iistolge ber Antbnchtungen des dent'chcn Vorsivßcs hcrlchligt werde» innsscn, io sei dies schmerz- lich. aber back bmch bie elcmeiuotfte Bor ficht geboten: Dörfer, svaar S t ä b t e haue» jeiu keinen a r o s> e n Wert m e b r. � Geist, 30. Mai. Die S t i m nr u n g in Paris ist nach ben baute von ber Agenee HavaS mitgeteilten Telegrammen sehr ängstlich. Die Zeitungen bereiten ans weiteren Gelände- Verlust vor. Cleiticnccau hat sich dem„Echo de Paris" zufolge geaenüver?bbge ordneten über die Lage ausgesprochen. Er sagte: Bis zu in Eintreffen starker amerikanischer Kon- t i n g c n t e seien die Alliierten dazu gezwungen, das Vor- bringen der Deut s ch e n a u f z n h a l t e n. Diese Aufgabe falle'iiSbesonbere den französischen Truppe-n zu. Deshalb sei eS aber auch die Pflicht ber Franzosen, ihre Reserven zu schonen und den Feind solange im Schach zu hatten, wie möglich. So miß- lich es sei, so werde man doch ans diesem Grunde mitder Auf» gäbe von Gelände rechnen müssen. Nmsterdam, 39. Mai. Die Pariser Prcffe betont in ihren Be- sprcchungen dcr deutschen Offensive, daß der Oberbefehlshaber hoffe, jdcm deuischcn Vormarsch mit Hilfe dcr Reserven einen Damm entgegenzusetzen. In der„Heurc" bespricht S e in b a t den Bor- marsch der deutschen Truppe in einem Artikel unter der Heber- ichrift„Ungefähr 25 Kilometer in 2 Tagen". Er stellt fest, daß den Alliierten an der AiSne und der VeSle schwerer Schaden beigebracht worden fei. Immerhin fei dstser jedoch nicht so ernst, wie der an der Sommc. wo die Deutschen am 23. März einen Durchbruch ver- zeichnen konnten. Das sei»un nicht der Fall. Der„Fntraistigeant" berichtet, daß im Laufe des 27. Mai ISO" Granaten auf S o i s s o n s niederfielen. Tie Hospitäler und die..Notc-Kreuz-Wagen" wurden � geräumt. Die Zivilbevölkerung wurde gezwungen, die Stadt zuvcrlassen. Ein Verwundeter erzählte, daß die vor- derstcn französischen Linien vollständig von den deutschen Granaten vernichtet wurden. Die Beschießung dauerte nur zwei Stunden, war aber von cntsctzlichcr Heftigkeit. Die Aufrechterhaltung der Perbindnngswcge war unmöglich. Alle Tclephonlcitungen waren von den Deutschen zerstört. Bern, 29. Mai. Ueber die Beschießung von Paris dark die Press? nichts inest bekanntgeben. Selbst knize Berichte ohne Angabe von Namen nuv ohne Zabl der Otster dürfen nicht mehr veiöffcw- lichu werden. Eine aiii'brbe Nene au die Pi sie beiaat, der Feind dürfe nicht den grnigsten Anhaltspunkt erhalten, um fein Feuer regeln zu können, deshalb sei es verboten, Einzelheiten zu ver- öfsen'lichen. Rotterdam, 29 Mai. Wie..Nieuwe Notterdanstche Eourant" ans London erfähit, schreckst Oberst Nevington über die Offensive: Es besteht keine HP lache, mibctct Meinnna zu sein als dw„Times", die eriäb-t. daß der Annrisf ziemlich un- erwartet kam, oder als der„Dailv Ebroistcle«. der sag«, daß einige niedergelämpfte englische Divisionen nach dieser bisher ruhigen Front geschickt worden wie». Tie letztere Beimstung wird durch die Nennung der englischen D'visionen durch Haig bestätigt. Oberst sikepi" ston erl är» weiter, datz die Deutschen es in der Kunst, ibre Pläne gebeimziil alten, >ebr weit gebracht haben. Der von ihnen eirmigene Erfolg läßt sich nicht wegleugnen. Aber solche Erfolge sind allen A r in e e n möglich, die den unschätzbaren Vorteil der Initiative ans ibrer Seile haben. Und dieie Fisttiaiive wieder ist die Folae der erzielten Erlolge oder der besseren Führung oder beider Faktoren. Drei Jabro lang bei atzen wir in Frankreich die Initiative. Wir haben iie, teils ans Ursachen, die autzerhalb unserer Macht liegen, teils an? anderen Gründen ver- loren. Tie Aufgabe, die Foch gestellt wurde, war d-sbalb von Anfang an schwer, und er verdient unsere volle Unterstützung und unser volles Vertrauen. Die Schlackt an dcr Aisne ist die größte Opernt'on. die der Feind gegen uns unternommen bat, seil Fock zum Oberbefehlshaber ernannt wurde. Wenn es den Deutschen gelingt, südlich der AiSne Fuß zu. s a ss e n, wird die Front, an der die Große Schlackt sich ab- spielt, dadurch verlängert werden. Ob dies an den Plänen, die man dem Feinde zuschreibt, etwas ändern wird, ist eine Frage, die nicht beantwortet werden kann, ehe wir die Stäike der an der A'snefiont verwendeten Truppen kennen. Aber der Verlust der Anhöhen an der Risne und der Fluhlinie ist. wenn er bestätigt ivird. eine ernste Sache, und ivir müsse» nur hoffen, daß Foch durch energisches Vorgehen zu dem von ibm für rich'ig ge- hallenen Zeitpunkt die Lag? wieder korriaieren wird, „Manchester Guardian" ist der Ansicht, daß die L a g e a n der Front je vi viel weniger er» it sei als in der letzten M ä r z w o ch e. Das Blatt alanbt. daß die Deutschen noch andere Angriffe an»»deren mehr östlich gelegene» Stellen der sranzösische» Fron: ver'uchen werden. Ukrainische HefürchtunKen wegen Srest- Litowsk. Eine bernkiiqeiidc Erklärung Küsilmnnns. Wien, 29. Mai. T-as Präsidium der ukrainischen Parlamentär!- scheu Vertretung, Obmann Pctruszewycz und Obmann-Stellver- treter Dr. Eugen Lewwisky, veröffentlicht in der Korrespondenz Austria einen Bericht irb�r den Empfang desselben durch Staats- sckrelär v. Kühlmann in Berlin am 24. Mai. Das Präsidium war beim Staatssekretär erschienen, um sich darüber zu informie- ren, welche Haltung die deutsche Regierung zur Neugestaltung der Dinge in dcr Ukraine einnimmt. In der ukrainischen Bevölkerung sei die Befürchtung aufgetaucht, datz der Vertrag von Brest-Litowsk, an dessen restloser und konsequenter Einhal- tung auch die österreichischen Ukrainer unmittelbar interessiert sind, in Frage gestellt werden könnte. Staatssekretär Dr. v. Kühlmann gab hierauf die Erklärung ab, daß Deutschland an dem in Brest-Litowsk geschlossenen Friedens- vertrag unverrückbar fe st halte und datz die Bestimmung dieses Vertrages restlos durchzesührt, werde. Die Befürchtung daher, datz die staatliche Selbständigkeit dcr Ukraine nach deren nun- mehr erfolgten gänzlichen Loslösung von Groh-Rußland wieder aufgehoben werden würde, sei ganz unbegründet. Zwangsarbeitsgesetze als Krlegsertrag. Numänische Sozialpolitik. Bukarest, 29. Mai. Das Regierungsorgan„Steagul" schreibt. daß M a r g h' l o m a n in einem in Jositi abgehauenen Ministerrat folgende Gesetze in Vorichlag brachte, die auch au- genommen wurden. Das Gesundheitsamt Ivird ermäckligh A e r z t e und zivile Krankenpfleger z Wangs- weise zur Dienstleistung in Beßarabien heran zu- ziehen, um die dort verbreiteten Seuchen zu bekämpten und die zahl- reichen Kranken zu pflege». Es soll ferner der Arbeitszwnng für landwirtschaftliche Arbeiteu eingeführt werden, da heute die Land- Wirtschaft das Haupimittel zur Rettung und Wiederherstellung Rumäniens darstelle. Die Regierung wolle durch weil? Maßnahmen, die sowohl für den Großarmidbesitzer, als auch für den tleinen Landwirt gelten sollen, darüber wachen, daß der Ackerbau möglichst erfolgreich betrieben wird. Es wird eine Arbeitsvermittlungsstelle ins Leben gerufen werden, die es ermöglichen soll, rasch Ar- beitskräfre zu finden und sie d a h i n zu dirigiere nl. wo die E r n t e a r b e i t e u sie erfordern. Alle rumäuischeii Syndikate haben sich für die Einführung dieser Gesetze aus- gesprochen._ �usiösung öes ersten polnischen Korps. Aus Warschau meldet Wolffs Bureau: Am 2l. Mai wurde in Minsk zwischen Vertretern der d e u l s ch e n O b e r st e n Heeres- l e i t u n g und dem Generalgouvernement Warschau einerseits und dem Generalmajor v. Carnicki als bevoll- mächtigtem iomnrandiercndcir General des ersten polnischen Korps D o w b o r- M u S n i c l i andererseits eine neue Verein- baruug obgeichloiien. Tie Februarverrinbarungen vo» Barms entsprachen den durch den FriedeiiS'chluß mit Rußland veränderten taliächlicheii Verhältnissen nicht mehr, auch batie sich die Lage beim ersten polnischen Korps derartig gestaltet, daß ihre schnelle KlSruirg, ähnlich wie bei den ruisisch-polmschen Truppen in der Ulraine, dringend notwendig wurde. Das erste polnische Korps wird aufgelöst. Die Offiziere und Maunschasleu lönnen als freie Bürger in die Heimat znrnckkehren. Die Anflösiing wird baldigst beginnen, so daß nun auch an dem bisher von diesem Korps besetzten Froirtlcil gegen Grotzrutzland Ruhe und friedlicher Verkehr eintreten wird. 45 sozialiftzsche FeZtungen in /Zmorikn verdoten. Die Vereinigung zum Sä ritze der bürgerlichen Freibeil in New Dork veröff iiiltckt, wie dein Kopenhogener.Socialdemocral" ge- meldet wird, estre Este über d,e Zenturverbole, die die arnerrta- nischen Poslbr Hörden bisher verhängt haben. Nichr weniger als SO Zeitschriften itrid Tagesblätier sind der Zensur zum Ovier gefalle», darunter nicht weniger de»» 45 sozialistische Blätter. 4 ionalisiliche Zeitungen sind von der Postbeslellung aus- retchlosien, darunter ein russisches. Zwei große sozialistliche Tages- Zeitungen rn englischer Sprache,„New Aork Call" und . M i l w a» l e e Lea der" sind glcichsall» der Zeniur verfallen. Unter den verbotenen Wochen- und MonalSzeil'chi inen ist besonders das grore knnslleck niiche«ozialistiiche„MonaiSmagazin" bervoizi,- heben. Tie große jlldi'che New Uolker Zeitung„Vorwärts" ist mit dem gleichen Verbot bcdrvgi und entgeht dem angeblich nur. weil es sich verpflichtet bat. nichts über ten Krieg z» schreiben. Wie die ,I. K." mitteilt, wurde Genosse Louis Werner, der ieil igst 40 Jabreir Cbefredakielir des sozialistischen„Philadelphia Tageblattes" ist. Ende vor! en Jahres mit dem gesamten Redallions- perional wegen„Ticaion"«Hoch- und Landesverrat) v e r b a s l e t. Jetzt ist er mit seinen Genossen vom Schtvurgeiicht lrei- gesprochen worden. Der mzs ösn Meeren. Berlin, 29. Mai. Unseren U-Booten sind im Sperrgebiet um England wiederum 39 999 Br.-Zl.-T. feindlichen Handelsschiffs- raum.S zum Opfer gefallen. Davon entfallen allein 27 000 Br.-R.-T. auf Rechriung dcs von Oberleutnant z. S. Patzig befehligten Bootes, das an der West- k ü st e Englands, vorwiegend in der Irischen See und deren Zufahrtsstratzcn 7 Dampfer und 2 Segler versenkt hat. Die Schiffe waren in dcr großen Mehrzahl englischer Natio- nalität, darunter vier ticfbeladene Dampfer von 5000 Br.-R.-T. Größe und darüber. An Ladungen hatten die Schiffe Vieh. Erz, Grubenholz für England, Stückgut für Amerika an Bord. Ein tief betadener englischer Dampfer wurde aus großem, stark gesicherten einlaufenden Gelcitzug herausgeschossen. Namentlich festgestellt wurd« der englische bewaffnete Dampfer Nedora sSISS Br,-R.-T.). Der Chef des Admiralstabcs der Marine. Englischer Teansportdampfe? vs?lx>nkt. London, 30. Mai. Die Admiralität meldet: Der Transport- dampfer L e a s o w e c a st t e(9737 Tonnen) ist im Mittelmeer am 26. Mai durch ein feindliches Unterseeboot torp»diert und ge- funken. Neun Angestellten der Gesellschaft werden vermißt. Man nimmt an, daß sie ertrunken sind, einschließlich de? Kapitäns und zweier Funkenielegraphisten; weiter werden ferner 13 Militärs.m Offizicrsrang und 79 anderer Grade vermißt. Da? vergaste Dpern. Der„Progres de Lyon" meldet von der britischen Front: In Fpern ist die Besatzung gezwungen, ständig in unterirdischem Zufluchtstätten zu leben. Die giftigen Gase haben die Stadt in einer solchen Menge durchzogen, daß ihre Verteidiger dauernd Gasmasken tragen müssen. Ein FriedenSprofeffor. Der norwegische Friedcnsverein hat in einem an das Storthing gerichteten Schreiben die Errichtung einer Professur für zwischenstaatliche Rechtsorganisation und Bö!» kerrccht beantragt. Tie Führer sämtlicher Stvrthinggrutwen und� eine Reihe anderer hervorragender' Persönlichkeiten haben das Schreiben mitunterzeichnet, in dem Dr. Michael Lie als für diesen Posten besonders geeignet in Vorschlag gebracht wird. Reichsftäötebunö. Detmold, den 29. Mai 1918. Der Roichsverbwnd deutscher Städte, der zu kurzer Tagung heute in Detmold zusamin«»getreten ist und dem rund 1000 deutsche Mittel- und Kleinstädte angehören, hat seinen Namen in„Reichs- städtebund" geändert und naue Satzungen angenommen, die von den alten aber nicht wesenKich abweichen. Die Tagung des Bundes fällt mit der Einwechung einer Akademie für Verwal- tungswissenschaften zusamsnen, die der Fürst zur Lippe gesviftet bat. Ungefähr 500 Bürgermeister, besoldete Magtstvatsmitgliader, Stadeverordnete nnd sonstige Gemeindevertveter haben sich zu dieser Tagung eingesunden. Ter neue Vorsitzende des Bundes, erster Bürgermeister Dr. B e l i a n aus Egenburg, führte in l'wucn einleitenden Worten aus, daß es mckhr als je gelte, die Selbst- Verwaltung der Gemeinden im Stein-Hardcnbergiichen Sinn? auszubauen, und daß dazu die in Angriff genommene Perwaltur.gsrcform in Preußen eine Vorzügliche Gelegenheit biete. Bon dieser VerwältiingSreforin in Preußen könnten die andern Bundesstaaten mn Nutzen haben. Der Bund sehe es daher als ,«me Aujgaüe an auf Regierung und Parlament in ensiprechender Weeie einzu- wirken und mit dem Pfunde zu wuchern, das O'�hr. v. Stein vor hundert Jabron gegeben habe. � � Prof. Dr. Schreiber von der Detmoüder Mademi« küi VerwaltungSwisseiiichaften hielt einen Vortrag über„Neue Weg« in der V o r b i l d u n g s f r a g e dcr besoldeten Magiskatöm: v gliedcr kleinerer und mittlerer Städte". Eine besondere Ausbiß dung dieser Beamten sei nötig, sie weide aber auch bei verkürzrcw Studium eine wisscnschaffliche fein können. Die kommunale Bevölkerungspolitik behandelt« Oberbürgermeister RocSler(Sebnialkglden). Der Redner ver dämmte die lleberkultur unserer Tage, die die Kind er ick er hervorgerufen habe. Er frage sich, wie die össentützb-n Gelvm-et der üblen Erscheimmg begegnen könnten. In eingehenden t,ao legungen besprach der Redner die Möglichkeiten, die sich siir da Staat und die Gemeinden ergeben. Er weist nmnentlich den eei- neren Gemeinden wichtige Aufaaben zu. Vor allem verlangt er dl, Gründung von Frauenschülen, denen entsprechende erzrebs rifroc C?:nTrir?iir.l>cn zu �uwei'sien ifleTL Unter feiwen fcmcrci Bcsscrmie;«Vorschlägen finden sich Erzieh ungsbeihilfen die Ansgcswldung dcs Sporkassenbuchs, wie es sckon ,eht einig, Städte an kinderreiche Familien gegeben bal>en, und ein grosiziigiger Ausbau des Bcsteuerungswesens auf der Grundlage, daß die kinderreichen Familien womög licki steuerfrei zu machen seien. Für die„andern" soll d:> Ledigen st euer beilsanre Lehren veranüchaulichen. Ferner ver langt Roesler: Umfassende Wobnu-ngsfürsorge. Sicherstellang da Unterrichtsmittel für die Kinderreichen, Ausbau der Gehaltsorb nungen für Gcmeindcbeamte, AuSmerzung der gesellschaftlich« Unsitten, die in den gebildeten Schichten die Frübheirat umnögli«! machen. Damit eine gute Fürsorge ermöglicht werde, fei d? Meldepflicht f ü r d i e Empfängnis� für den Beginn ds Schwangerschaft zu erstreben. Das Ideal jeder Gemeinde werb Die Kämpfe um und Reims. Berlin, 30. Mai. W. T. B. Unaufhörlich, einander fast über-! ftii: icud, gingen auch am dritten Schlachttage die Truppen- mcldüüz.n von neuen Erfolgen ein. S o i s s o n S wurde genommen! Vranbenburzifche Bio- niere stürmten die Stadt, verhinderten die Zerstörung der Brücken durch den Tvcinb und erbeuteten jtrfjlrcichc unversehrte Verrüte. Wci-\ tcr oberhalb wurde der A iöncübcrgang erkämpft und das Plateau südlich S o i s s o n s erreicht. Bei C i r» muhte ein geschlosfencI französisches Bataillon die Waffen strecken. N a m v- t c u i l und B r a n g c s wurden nach hartem Kampf genommen.| L o u p c i g c, M a r e u i l, D r a v e g n h durchschritten. Bei Jon-' ch c r>, wurde die BcSle überwunden, T h i c r y besetzt. Im Lause dcS Tages wurde mehrfach hartnäckiger Widerstand an stark verdrahteten alten rückwärtigen Stellungen gebrochen nnd der Jeiiid bis über die Linie Billemontoir c— F e r e- en-Tardcnois zurückgeworfen und damit ein großer Teil der Straße Ehatcau-Thicrh— Soissons besetzt. Ein starker französischer Gegen angriff, von Tanks und Schlackitflikgern unterstützt, scheiterte unter Hollen Feindverlusten. Sofort nachstoßende Infanterie entriß dem Feind weiteres Gelände. Auf dem östlichen Teil des Kampsfcldcs sielen die F o r t S d e r Nord Westfront von Licims. Feindliche Auto- und Jnsuntoriekslonneu wurden von den beut Südlich La Fille-au-VoiS fielen allein 38 Feldgeschütze, von denen 8 durch Boütrrffer beschädigt waren, in unsere Hand. Nördlich Brcuilsur B eSle wurden zwei unversehrte Eisenbahngeschütze mit Lokomotiven erbeutet. Im Bisnetol blieben zahlreiche schwere und leichte Geschütze stehen. Bei P i n o n eroberten die Deutschen eine voll vcrweudnngSfnhlge französische 14,3 Zentinreter-Batterie samt Munition und zuzehSrigen Kraftwagen. Westlich RoimS fielen mehrere Eisenbahnzüge mit Lokomotive» und Geschützen in deutsche Hand, Die Einwohner der«nzerstörte« Dörfer sind ans wilder Flucht irtS Innere. Wut auf die schrieben wird. detcn. Berlin, 30. Mai. Bei der nußerordentlichen Schnelligkeit, mit der der Einbruch der deutschen Heere in die feindlichen Stellungen zwischen Soissons und Reims erfolgte, erwuchs den N a ch r i ch t c n t r u p p c n die schweifte A-'gabe, die Berbiabung der vorrückenden Verbände untereinander sowie mit den nachrückenden Stäben aufrechtzuerhalten. Heber Berg, Täler, Schluchten und Flüsse hinweg durch daZ umgepflügte Gelände alter chlachtfclder legten die Fernsprcchabteilungen in gleichem Tempo s wurden alle PluralwahlrechtSaniräge abgelehnt. Im Haufe ! und auch in der Oeffentlichkeit herrschte die Auffassung, daß 1 damit ein Vakuum, eine Lücke im Gesetz geblieben sei, und die Negierung erhob feierlich Protest. Herines stellt nun fest, das; in Wirklichkeit gar kein Vakuum geblieben ist. Der 8 3 war im Grunde mir auSdrücktich, Wenn nämlich angenommenen 2ö. Lebensjahr was das das Gesetz § 1_ vollendet sich von hat, so- vorschreibt. wurde, so scheu Fliegern angegriffen und von der Artillerie zusa-nmeuge- mit dem Bormarsch ihre Leitungen in schwerem feindlichen Feuer schössen. Tie B e n t e a n Gefangenen, an Artillerie- und Kriegsmaterial w ä ch st st ä n d i g. Das rasche Bordrin- gen der deutschen Sturmtruppen ließ dem Feinde keine Zeit, die«w geheuren Vorräte und Werte aus dem bedrohten Gelände zurück� zuführen. und gewährleisteten den Stäben die Sicherheit der Nachrichtenübcr ! mittlung. Ebenso haben die Funkcnstationcn, die den Kampf- ' trappen zugeteilt waren, im Sorem mit Blinkern und Brieftauben ! Hervorragendes geleistet und zum Erfolge beigetragen. Fraiizöftscher Bericht vom L'1. M n> n a cki in 1 1 1 a n s. In der Nackt v e r it ä r k I e sin der durch die Ankunsl frischer Divisionen im Fluh gebaliene deulscheStoh besonders auf bei- den Flügeln in der Richtung von Soissons und llleims. Äuf dein linlen Ftüael gingen die fran« zössichen Truppen kämpfend schriliweiie bis zum Wald» raube östlich von SoisionS zurück, wo die Schlachi mit Erbitterung anhält. Auf dem rechten Flügel zogen sich die französisch- eng» lisch n Ti Uppen nach lrüf» tiger Verteidigung des Bt a s i i v s von St. Tuierry südlich und sndölll'ch von dieien Höben zurück; sie stehen zwischen der V.Sic und dein Äisnc- Kanal. Andere Kämvie svielieii sich mir wechselnden Erfolge» ans dein südlichen ll'cr der Vesle ad. dessen Höben ansero Truppen mit bewundevu-Swevter Tapferkeit der- tcidigen. Westlich von Montdidier brachen die Amerllan.er nacheinander zwei gegen Cantigny gerichleiie deutsche Angriffe.■ Der Artillerickamvs bleibt arrf beidem Maasufern, in der AÄevre, an der lothringischen Front und im Abschnitt von Embermenil i lebhaft. Eine Reihe deutscher Handstreiche nördlich von Bezon-! vaux, in der Gegend von Badanvillsrs und in der Gegend des i Nhone-Rhein-Kanats scheiterten im französischen Feuer. ii b c r s l ü ss i q. Er bekräftigt i Gesetz auch ohne ihn enthält. «sagt,— und dies steht im , das; seder Preuße, der daS ! hat usw., wahlberechtigt ist, so versteht i selbst, daß jeder Wähler eine Stimme setz etwas anderes nicht angenommen ohne ausdrückliche Hervorhebung dieses llmstandes jeder Wähler eine Stimme haben muß. Das Vakuum ist also kein sachliches, sondern nur ein formales, dem Gesetz fehlt nicht eine Bestimmung über das Wahlrecht, sondern nur ein 8 3. Das ist aber ganz belanglos, da nirgends geschrieben steht, daß Gesetze durch- aus einen§ 3 enthalten müssen. Mit Recht schreibt Hermes: Jedenwlls entbehrt bei allem Ernst der Sache und der Zeil» läge diese Seite des endlichen ÄbstunnumgsergebnisseS nicht eines gewissen Humors: Em Haus, das sich in monatelangein beißen Kampf gegen die Einsührung d e S gleichen Wahlrechts wehrt, und das dann durch die Fiitälligkeilen der Schlußabstimiiniiig gegen die Absicht seiner Mehrheit ein Gesetz im ganzen annimmt, das dies gleiche Wahlrecht im- zweideung enthält I Und eine Slaatsregierung, die in demselb.n monatelangen Kampfe das gleiche Wahlrecht diirchjiüetzen mir allem Nachdruck sich bemüht bat nnd sich schließlich genöilgl sieht, gegen ein Abstimmintgsergebnis zu protestieren, das ihr in- halllich das gleiche Wahlrecht in aller Form gewährleistet! Juristisch ist gegen die Darlegung des Regiernngsrats Hermes kaum etwas einzuwenden. Politisch liegt die Sache natürlich anders, denn die Regierung dürfte kaum von dem Mittel, das ihr die Ungeschicklichkeit der wahlrechtsfeindlichen Dreiklassenhausniehrheit in die Hand gibt, Gebranch machen. Außerdem steht ja auch noch die vierte Lesung und die Be° ratung im Herrenhause bevor. an der Linie Brouillet, Auf dem rechten Flügel wur- decken, hinter den der Stadt z u r ü ck g e- Französischer Heeresbericht vom 29. Mai abends. Die Schlacht nahm besondere Heftigkeit an. Auf unserem linken Flu- gel in der Gegend von Soissons haben unsere Truppen nach erbittertem Widerstände und Straße.nkümpfsn, die die An- stilenguiigen des FemdeS während mehrerer Strunden aufhielten, die Ttedt geräumt, von welcher sie noch die Westausgänge besetzt hakten. I m Süden nnd Osten von Soissons spielte sich die Schlacht auf den Hochflächen ab, welche von Bellicru, Sept-Mons, Ambrisf und Charcise begrenzt wurden, während wir unter dem Druck des Fein- des in der Gogend von Loup eigne im Norden von Fere en Tardinvis Boden verloren. Weiter östlich gelang es franzö- ein S ä u g l i n g s b e! m sein, mindestens sei an jedem Orte die Einrichtung einer„Krippe' möglich. Starken Befall fand in der Versammlung der Bodenrcformer A. V o h l in a n- Detmold mit seinen AuSsichrungsn über die steuerpolitische Sonderstellung der Grundwert- abgaben als Neallasten. Es gelte, den Grundsatz: die Steuerlast auf di.e tragfähtgen Schultern zu legen, durchzuführen. ES komme ailrer sehr wesentlich darauf an, w i e man die Stenern auflege nicht nur. daß man sie auf die hohen Einkommen und Ver- möaen verteile. Die Bedeutung der Realsteuern wer.de wieder mehr in den Vordergrund geschoben werden müssen. Hier könnten, obne den Verpflichteten wirtfchafisich zu schädigen, ganz andere Beträge herausge wirtschaftet werden als durch irgendeine andere Steucrart. und das zu bedenken hätten gerade jetzt bei dem Widerstände des Bundesrais gegen direkte Steuern vor allem die Gemeinden besonderen Anlaß. Allerdings dürften die SondcrbÄrenernngen nur den Boden betreffen, nicht die B a u l i ch ke i t e n, weil sich sonst die günstigen Wirkungen verflüöbdigten. Zu fordern sei, daß bei jeder Neuauflage von Stenern die Erböhung der Neallasten nicht unterlassen werde, daß keine Bevorzugung stattsrnde, wie es fetzt wieder von der NeichSregierung bechstchtigt sei, die zwar alle möglichen Steuern auf den Verkehr ufw. vorschlage, aber die Erhöhung der Steuern vom Grund und Boden in keiner Weise anrege Der Reichstag sei femer'.eit sehr kurzsichtig gewesen, als er die alte Wertzuwachssteuer beseitigte— sie bebe verbessert werd-'n müssen. Haute seren Sprünge von 90, 80, 100 P r o z. Wertzuwachs bei ländlichen Liegenschaften leine ?! n s n u b m e, sondern die Regel. Der Wertzuwachs fei hier allein auf mindestelTs 20 bis SO Milliarden zu schätzen. An ballender Beifall folgte diesem Vortrag, und der Vor- sitzende vemerkte, daß zwar der Bund keine Stellung nehmen könne, saß aber in Zukunft keine Gr weindevertretung denkbar sein werde, die nicht mit einem„Tropfen bodenreformerischen Oels" versehen sei._ �Kompromiß mir unbekannt". Eine Erklärung Lohmanns. Die„Tägliche Rundschau" verbreitete jüngst die Meldung, daß zwischen den Konservativen, Freikonfervativen und Nationalliberalen in der preußischen WahlrcchtSsrage ein Kompromiß zustande- gekommen sei, das auf der Einführung von zwei Z u s a h- stimmen, einer Stimme für Alter und einer für wirtschaftliche Selbständigkeit, basieren sollte. Die„Nationalliberale Korrespon- denz" hat sich nun an den Abg. Dr. Lohmann um Auskunft gewand; und eryielt von ihm die telegrapbiiche Antwort:„K o m- p r o m i ß m i r u n b e k a n nt. L o h m a n n." AuS dieser Antwort gehe hervor, daß die Nachricht der.Täglichen Rundschau s sisch-englischen Truppen, ihre Stellungen i Sarvigny und Tilloy zu behaupten. Ä ; den die Truppen, die Neims ! Aisne-Kanal nordwestlich von nommen. Englischer Bericht vom 20. Mai morgens. Wir führten 'in der letzten Stachst ein erfolgreiches Unternehmen südöstlich i von A r r a s durch, wobei wir Gefangene machton und ein Ma- schmengew�ehr erbeuteten. Wäh»en.d der Rächt wurden westlich ' Merville einige Gefangene von uns gemacht. Ein Unternehmen, i daS der Feind bei G i v e n ch y, L e n s, La Bassee versuchte, wurde vereitek. Ebenso wurde nach kurzem Kamps ein feindlicher Angriff gegen einen unserer Posten südlich vom Dpern EommeS- Karnck zurückgeschlagen Die fdröttchc Artillerie war tätig növd- sich von Albert, in der Nähe von A v e t te, östlich von lll o b e c q und nordwestlich von Merville; sie zeigte auch»twas erhöhte örllichc Tädi>.g»it östgch von ArraS und südlich von Leas. Englischer Heeresbericht vom 20. Mai abends. Eine feindliche Streisirbtvilung wurde während der Nacht bei Beau- mont Hömel vertrieben. Ein örtlicher feindlicher Angriff nördlich vom Kemme! wurde von den Franzosen vollkommen arbgeschlagen. Sonst ist von der britischen Front nichts zu berichten. die nationalliberale Landtagsfraktion in Frage komme, vollkommen unbegründet sei. Die„Nationalliberale Korrespondenz" nnnmt aber auch fach- l i ch gegen den angeblichen Konchromisstiorschlag ziemlich scharf Stellung. Die Meldung der„Täglichen giundschau" ziele nur darauf ab, die in peinliche Isolierung geraiene konservative Fraktion wieder in das parlamentarische Räderwerk einzuschalten: „Tie Hauptsache ist nicht, das Vakuum in der Vorlage zu füllen, sondern an die Stelle des gefallenen Btehrstimmcnrechts der Konnnission eine Wahlrechtsvestimmung zu setzen die unter Wahrung drS gleichen Wahlrechts für die Regierung und für eine Parlamentsmehrheit gleich annehmbar ist. Mit der Zusatzstimme für wirtschaftliche Selbständigkeit ist das aber nicht zu er- reichen. Sie ist für die Anhänger des gleichen Wahlrechts unannehmbar, da sie von dem Vermögens merk mal untrennbar ist. Auch t»e Regierung wi»d deshalb n i e- in als die Hand zur Einführung einer derartigen Zusatzstimme bieten. Sollten also Mitglieder der nationalliberalen Landtags- fraktion das oben erwähnte Wahlrcchtskompromiß gefördert haben, so würden sie lediglich wieder den Anschluß an die Konservativen finden, ebne doch der Lösung der Wahlrechtsfrage einen Dienst z u erweisen. Wer wirklich zur Verständ'.wina mit der Regierung trmm-n will, davs nicht einen Schritt rückwärts zu den gcschwervnvn Fiindc« des gleichen Wahlrechts iu»." j Diese Sätze scheinen fast eine Linksschwenkung der jGruppeLohmann anzukündigen, von der man aber nicht recht ! siebt, wie weit sie gehen soll. Tag Herr Lohmann sich vorbehaltlos i auf den Boden des gleichen Wahlrechts stellen wird, ist leider � ebensowenig anzunehmen, wie daß cr etwa seine Worte„Kompromiß mir unbekannt" zum. künftigen Leitmotiv seines politischen HandelnS crhvben wird. das gleiche Wahlrecht öech angenommen N Ein Treppenwitz der Weltgeschichte. Eine Entdeckung, die eigentlich so naheliegend ist. daß man kaum begreift, wie sie bisher der ganzen Welt entgehen konnte, macht der Geh. Oberregierungsrat Hermes im ..Tag". Er stellt fest, daß das gleiche Wahlrecht in der 3. Lesung des Preußische» Abgeordnetenhauses trotz des gegenteiligen Willens der Mehrheit tatsächlich angenommen worden ist. Die Mehrheit- hat bekanntlich den§ 3 der Regierungsvorlage abgelehnt, der� die fünf Worte enthielt:„Jeder Sächsisch-preußische? Erbfs!gsk?!eA. Die„Sächsische Vollszeitung", das Organ der Sächsischen Zeu- trumSpartei, hatte sich vor einigen Tagen für eine P c r s o n a l- union zwischen Sachsen und Litauen mächtig ins Zeug gelegt und bereits im einze-tnen arusgemeÄt, wie es sich die Sache praktisch vorstellte. Die Hauptjorge dcS ZentruinSsrgans war darauf gerichtet, daß nicht etwa ein sächsischer protestantischer Minister auf die Verwaltung des katholischen Volkes von Litauen Einfluß gewinne. Dies vorausgesetzt, war aber das sächsische Zentrumsblatr für die Aufnahme der Traditionen aus der Zeit August des Starken Feuer und Flamme. Aber in preußischen Kreisen ist man mit diesem Projekt gar nicht zufrieden. Die sreikonservative„Post" raunzt das das biedere Zentrumsblatt höchst unwillig folgender- maßen an: «Demgegenüber ist nach wie vor zu erklären, daß der Weg einer sächsisch-litauischen Personalunion eine feste, sichere Ent- Wicklung im Osten so gut wie unmöglich macht. Diese ver- langt vielmehr, um u. a. auch für die sicher einsetzende starke polnische Wühlarbeit in Litauen ein genügend kräftiges Gegen- gewicht zu schaffen, unbedingt den festen Anschluß Litauens an die Krone des preußischen Königs bzw. des dvntschen Kaisers." Da es sich hier um einen Streit zwischen Annexionisten, also Gegnern friedlicher Verständigung handelt, sehen wir einen Krieg zwischen Preußen und Sachsen um die litauische Thronfolge mit gräßlicher Notwendigkeit heraufziehen. Wäre es da am Ende nicht doch am gescheitesten, das litauische Volk darüber entscheiden zu lassen, von wem es rrgiM werden will?! mit zum dem ber- v. Lmsiligen GberbefehlshKösr m ösn Marken. Der Kaiser hat den Generaloberst v. Linsingen, bisher Oberbefehlshaber der Heeresgruppe Linsingen 1. Juni d. I. sür die fernere Dauer des Krieges besehlshaber in den Marken ernannt. Ein RöcktrM Dernburxs. Wie gemeldet wird, ist der Staatösekreiär v. Dembnrg. der als Leiter der nach dem Friedensschluß mit der Ukraine für den Handel:- Verkehr von Staat zu Staat geschasfenen Außenhandelsstelle diese schwierigen, weckselvollen Fragen bmbeiiete. vom Reichskanzler auf seinen Antrag von dem ehrenamtlich übenrommeuen Posten entbunden worden.___ p«rtrin«chrichten. Maßregelungserscr der Unabhängigen. Nach dem„Halleschen Volksblatt" haben die Funktionäre des unalchÄngigen Vereins für Halle und dvn Saa Kreis nach einem Bericht d»S Abg. Alb recht den Beschluß gefaßt, den bisherigen Ge- schäftsführver cheerm Wilhelm Herzig am 80. Juni zum 30. September d. I. zu kündigen und seines PofteuS am Verlag BoSSölatt sofort zu entheben. Bei Weigerung Hcrzigs, der Entlassung nach- zukommen, ist eine gerichtliche Verfügung zu erwirken, t i m m e". rr■" i Ca dann Wähler hat eine � halb der Mehrheit-n einer E migiing Über ein an Stelle des soweit gleichen Wahlrechte zu setzendes anderes Wahlrecht nicht kam, aber inner» hf Lekts tlackeicktZK. Verhaftung von Arbeiterführern in Paris. Bern, 30. Mai. Die Verhaftungen in den Pariser Ge- wrrkschaften und Arbeiterführerkreifen nehmen. Parier Zeitungen zufolge, einen immer größeren Umfang an. I o u h a n.r, der Führer der Eonfederation Generale du Travail, beschwert sich in der„Bataille" über die Gvuwltpolstil ElemenceauS. Auch R c- n a n d e l greift in der„Humanitc" Elcinenccau an. Er sagt, die gestern gemeldeten Gerücht» über eine Nmänderung des Kabinetts feien nicht von den Feinden, sondern den Freunden ElemenceauS ausgestreut worden. Die Gewaltpolitik Elemenceanö könne nicht fortdauern. Man habe nicht einmal der Preise erlaubt, die Wahrheit über die Gründe des kürzlichen Bus- standes der Arbeiterschaft zu sage«. Die Vrntalität, mit der gegen die Arbeiterschaft vorgegaug?« werde, sowie gewisse biplo- mallsche Handlungen Tleniencea-us hätten zum Ausstand ge jährt. Tie Seuche in Spanien. Bern, 30. Mai. Lhoner Blätter berichten ans Madrid, daß die Epidemie weitere Fortschritte macht. In Madrid sind über 190 000 Personen erkrankt. Die Epidemie greift auch auf sie Tiers über. Aus der Provinz wird gleichfalls»in Umsichgreifen der Seuche gcmelöst. MZeroröeMiche Generalversammlung öer Guchömckee. W ü r z b u r g. 29� Mai. ?m drittk» VcrTandlungstage wurde die Debaite über die Tariffraae zu Ende geführt und in einer einstimmig angenommenen Reiolulion zu den Anträgen auf Kündigung reip. Revision des Tarifs, sowie auf Erhöhung der Teuerungs- zulagen Stellung genommen. In der Entschlienimg wird zunächst beront, dag eine Kündigung deS Tarifs nicht gewünscht wird, vielmehr ioll der Fortbestand der Tarifgemeinschaft gefördert und geiestrgt, die Tarifgemeinschafl selbst werter ausgebaut werden. Dagegen wird be- schlössen, eine Revision des Tarifs für I9l8 zu beantragen, bei der vor allein eine den Fcitverhällnisfen emsprecheiide Erhöbung des Mini- mums sowie eine tarifliche Regelung des Lehrveihältnisses der Lehrlinge durch Ausbau des betreffenden Paiagraphcn des TariiS gefordert weiden ioll.— Zur Frage der Teuerungszulagen wird der Veibandsvorsland beauftragt, das Tari'amt der deutschen Buch- drlicker zu ersuchen, eine Berhandlung des Tniifansichusses herbei- zuführen und in dieser zu fordern: 1. angemessene Erhöhung der im November 1917 gewährten Zulage, zahlbar spätestens am 2. Zahltag im Monat Juli an alle Gehilfen; 2. Bemessung des Stundenlohnes nach dem Gesamtwochenverdienst, also einschließlich der Teuerungs- zulage". Gelingt es, über diese Wünsche der Gehilfe» im Tarif- ausschuß zu einer Verständigung zu gelangen, so ist der Antrag aus Revision des Tarifs gegenstandslos geworden: andernfalls wird der Verbandsvorstand beauftragt, die erforderlichen Maßnahmen'zu treffen Die zur Tariirevision gestellten Houptanträge sollen auf jeden Fall in der nächsten TarrfauSschußsitziing beraten und dann so deni Tarifoml zur weiteren Bearbeitung übergeben werden. Außer« dem soll der Tnrifausschuß noch eine Aussprache herbeffübren über Schaffung voii Soiiderbestimmiuigen für das AnstellungsverbälimS der Faktoren; Angliederung dieser Bestimmungen an den Buchdrucker- taris und ferner übe: die Ueberuahme der.Allgemeinen Bestimmungen" für die Arbeitsleistung der männlichen und weiblichen Buchdruckerei- Hilfsarbeiter als Sonderbestimmungcn in den Buchdruckerlarif. Auf Eiuiid berschiedencr Mitteilungen in der Debatte, gab die Generalversammlung ferner in einer Resolution ihrer Entrüstung darüber Ausdruck, daß einzelne Siaais- und Sladtbehörden de» Prinzipalen im Buchdrucknewerbe die Zahlung der vom Tarif- ausschuß einstimmig beschlossene» Ausschläge auf den Friedenspreis bei Herstellung amilicher Tuick'achen vorenthalten und nur Druck- »reite bewilligen wollen, für welche die Herstellung von Druck- fachen zurzeil nicht möglich ist. Die Gcbilfenichasl erklärt sich be- reir, der Prinzipalität bei Abwehr solcher Maßnahmen der Behörden mit allen Kcäfien zurseite zu stehen. Der Verband deS deutschen BerkrhrspersonalS, der vom 27. bis 29. Bkai feine Generalversammlung in Slultgait abhielt, Hai einstimmig den Beschluß ge'aßl, der Houptvciwoliung den Auftrag zu erteilen, unter Beibebaliung der seitherigen Tollik und unter Anfrechterballnng der bisherigen Selbsländigkeil der einzelnen Gaue. jede mögliche C» Weiterung bezw. Verichmelzung zur völligen Zen« rralorganisaiion deS gesamten VerkehrsperionalS zur Durchführung zu bringen. Die Generalver'ammluiig erwartet, daß eine eventuelle Anregung des Deutschen Elienbahuerverbandes zum Zusammen- schluß in eutaegenkommender Weise in Vollzug gebracht wird. Die Entichcidung ist für die Organisation der im Eiienbabn- betrieb Beschniligten von großer Bedeutung, weil aller Voraussicht noch mit dieiem Beschluß die Bahn frei wird für die Ver>chmeltl»ig der beiden bisberigen Verbände, die in letzter Zeit eine» nicht gerade angenehm empfundenen Streit um ihre Organifatioiisbestlebungen führten._ Auslvciskartcn für mit Heeresnaharbekten Beschäftigte. Wie wir bereits berichteten, hat das Oberkommando eine neue V-roiduung erlasie», ivoiiach on Stelle der Ausweisbücher Aus- weiskarten für die mit HecrcsnäKaibciien Befchäfiiglen treten. Mit dieser Verordnung soll bezweckt werden, daß diejenigen Arbeit?- kräfle, die sich für andere Arbeiten eignen, lünslig nicht mehr mit Hscrcsnäbarbeilen beschäsligl werden, sofern ihnen andere Arbeit nachgewiesen werde» kann. Die Ausweiskaiicn sollten bis zum 1. Jinii ausgestellt sein. Da fich eine erbeb- liche Verzögerung herausstellte, so ist die Verordnung dabin abgeändert worden, daß die Beschäsiigung zu den alten ÄuSweisbüchern noch bis zum 1. Juli erfolgen kann. ES ist alio ver ganze Monat Juni nun für die Ausstellung der Karlen zur Verfügung. Bisher haben sich in vielen Polizeirevieren Unstimmigkeiten er- geben, so daß eine Neide Beschwerden an das Polizeipräsidium gerichtet wurden. Von den Polizcibeamren ist vielfach angenommen worden, daß eine erbebliche Verminderung der im Schneidergewerbe mit Hecresnäharbeiten Beschäftigten herbeigeführt werden solle und ■eS ist daher in vielen Fällen die Ausstellung dei Ausweiskaiie der- weigert worden. Ter Ziveck der Verordnung ist jedoch nickt, daß infolge der Verweigerung der AusweiSkarten eine Arbeitslosigkeit eintritt. Nack der Verordnung sind die Polizeireviere verpflichtet, festzustellen, ob die Antragsteller für Arbeiten in der Munitions- induflrie oder Landwir tschast geeignet sind. In diesem Falle sind sie verpflichtet, die auf dem Pollzeirevier besindffche Stammkarle des Antragstellers an den zuständigen Arbeits- Nachweis einzusenden. Der Arbeitsnachweis muß dann dem Polizei- «vier mitteilen, ob er überbaupt in der Lage ist. dem Antragsteller andere Arbeit zu vermitteln. Die Vermittlung anderer Arbeit an solche Personen, die von der Polizei als für andere Arbeit geeignet beiunden werden, soll jedoch nicht vorweg erfolgen, sondern zu- nächst sollen diejenigen Arbeitskräfte, die sich bereits auf dem Arbeilsnachiveis gemeldet haben, mit Arbeil versorgt werden. Erst wenn sich auf dem Arbeitsnachweis keine Arbeitslosen melden, kann auf die mit HeereSnäharbeit beschäftigten und für andere Arbeit geeignet befundenen Personen zurückgegriffen werden. Es muß ihnen aber eine Auswerskarle ausgehändigt werden. Sofern das Pollzeirevier den Antragsteller als für äußere Arbeit geeignet befindet, kann dagegen beim Polizeipräsidenten Beschwerde erhoben werden. I» diesem Falle ist vor der Ent- ichcidung über die Beschwerde ern Vertreter der Arbeit- nebmer und des Arbeitsnachweises zu hören. Dagegen ist der Arbeitsnachweis nicht berechtigt, wie das bisher schon versucht wurde, in Gemeinichast mit dem Polizeirevier festzu- stellen, ob sich der Antragsteller für andere Arbeit eignet. Es ist auch nicht zulässig, daß die Polizeireviere den Antragsteller zueist nach dem Arbeitsnachweis schicken, danrit derselbe sich dort um andere Arbeit bcmübt. vielmehr ist das Polizeirevier verpflichtet, unter Beifügung der Arbertnehmer-Stammkarte, eine diesbezügliche Frage selbst an den Arbeitsnachweis zu richten. Im Falle das Polizeirevier einen Antragsteller für andere Arbeit geeignet findet, und der Antragsteller deshalb beim Polizei- Präsidenten Beschwerde tübrt. io muß er bis zur Erledigung seiner Beschwerde mit Heeresnäharbeiten weiter beschäftigt werden. Auch darf dem Aulragsteller in diesem Falle iein Ausweisbuch nicht ab- genommen werden. Es kann ihm auch während dieser Zeit durch den Arbeitsnachweis eine andere Arbeit gegen seinen Willen nicht zugewiesen werden. Einer Aufforderung des Arbeitsnachweises, zwecks Rücksprache wegen der Vermittlung einer anderen Arbeitsgelegenheit nach dem Arbeitsnachweis zu kommen, ist jedoch Folge zu leisten. Sofern der Antragsteller gegen die Entscheidung des Polizeireviers Einspruch erhoben hat, ist dies bei der Rücksprache mitzuieilen, damit bis zur Erledigung der Beschwerde»eine weitere Aufforderung zur Ueber- nähme anderer Arbeit nickt mehr erfolgt. Da die Beiordnung nickt beabsichtigt, künstliche Arbeiislosigkeit hervorzurusen, andererseits aber, soweit die im Schneidergewerbe Beichästigren für andere Arbeit geeignet sind, dielen die Heeres- Näharbeit entziehen will, so kommen bierbei natürlich auch die- jenigcn in Frage, die als Nichtgelernte Berussangehörige im Besitze blauer Ausweisbücher sind. Die Entziehung der Ausweiskarte darf erst dann erfolgen, wenn dem Inhaber andere Arbeit nachgewiesen ist. Damit ist nicht gesagt.� daß der Jnbasidr nun in der Kriegs- indiistrie oder Landwiitschaft arbeiten muß, sondern er kann Be- ickästigung in der Zioilichnelderei annehmen. Nur mit Heeres- Näharbeiten darf er nicht mehr beschäftigt werden. Da die Vertreter der Organisationen bei der Entscheidimg von Beschwerden über die Polizeireviere gmacktlick zu bören sind, so empfiehlt es sich, daß die Beschwerdeführer dem Schneidcrverband von ihrer Beschwerde Kenntnis geben. 14 622 Neuaufnahmen. Der Bergarbeiterverband kann als Ergebnis fleißiger Agitation für die Organisation im ersten Quartal 1918 1s 622 Neuaufnahmen bücken. Die.Bergarbeiter-Zeilnng' mahnt zu noch größerer Krast- onitrengung für die Erstarkung der Organisation in allen Berg- revieren. Denn wenn alle organisierten Bergarbeiter in der Agi- lalion ihre Pflicht getan hätten, wäre es möglich gewesen, noch be« deutend mehr zu erreichen. Industrie unö kanSe!. Aus dem Berliner Wirtschaftsleben. Eine AuffichtsratSsitzung der Großen Berliner Straßenbahn hat neulich die Frag« einer völligen Verschmelzung mit den Tochter- Unternehmungen behandelt. Grundsätzlich ist beschlossen worden, an eine möglichst baldige Durchführung dieses Planes heranzu- gehen, was besonders leicht ist, da die Große Berliner den weitaus größten Teil der Aktien ihrer Tocht-ergestllschaften besitzt. Hin- sichtlich der Einführung von Reilamen herrschte in der gestrigen Aufsichtsratssitzung völlige Einmütigkeit. Es handelt sich hierbei sowohl um die Einführung einer Scheibenreklamc, als auch vor allem um die Schaffung von Außenreklame, namentlich ober- halib der Wagen an den Seitenwänden. Es bedarf hierzu noch der Zustimmung der Au ffichtZbe Hörden, mit denen gegenwärtig Vcr- Handlungen schweben. Es sollen sich hieraus für die Straßenbahn und gleichzeitig für den Verband Groß-Berlin wertvolle Einnahme- quellen ergeben. Wahrscheinlich wird die Straßenbahn dieses Re- klamegeschäft selbst betreiben und nicht verpachten. In bezug auf die Einnahmeverhältnisse im Mai, nach Einführung des neuen Tarifs, werden bereits die nächsten Tage ziffernmäßige Auf- schlüsse geben können. Die Direktion wird die monatliehen Ein« nahmen weiter veröffenilichen. Allerdings werden die Ziffern in Zukunft nicht mehr den Anspruch aus Genauigkeit wie bisher haKen,' da man berücksichtigen muß, daß sich die Straßenbahn durch den Fahrscheinverkauf, namentlich der Achterkarten, bei dem Publikum sozusagen im Vorschuh befindet. Immerhin kann heute bereiis gesagt werden, der Absatz der neuen Fahrscheine hat sich wie folgt im Mai gestaltet: Doppelfahrscheme 45 Proz., Achterfahrscheine 43 Proz. und lö-Pf.-Fahrscheine 12 Proz. Bemerkenswert ist, daß die in den Vormonaten beobachtete starke Verbehrszunahme auch rm Mai nach der Einführung der Tariferhöhung keineswegs nachge- lassen hat. Aus alledem ergibt sich, daß die Erwartungen, die die Große Berliner Straßenbahn an die Tariferhöhung geknüpft bat, in Erfüllung zu gehen scheinen, aus der anderen Seite hat die Straßenbahn jetzt monatlich rund 400 006 M. Verkehrssteuer zu entrichten und den gleichen Betrag etwa für erhöhte Löhne aufzu- wenden._ �ezvtnnausxng der 11. Preußisch- Süddeutsche» ('*$7. Königlich Preußischen) K'asie»Istterie 5. Klasse 19 ZiebungStag 30 T�ai 1918 Qfuf jede«ezogeue Nvu.u er zwei elctfs) tzvde Vewinne gefallen, und stvav je eiuer ans die ifvfc stleichcr iu de« beiden Älbreiluzigeu i und II (Ohne GeuSW A Ct.-A s. Z.i«ivoa druck verl'vtni) In der VormittagS-Ziehiing wurden Gewimie über 240 Mk. gezogen: 2 Gewinne zu 16 000 Mk 168127 4 Gewinne zu 10 000 Ml. 6251 201827 4 Gewinne zu 5000 Mk. 219493 227107 62 Gewinne zu 3000 Mk. 12845 13501 14010 19537 21296 21486 37991 38503 39493 47521 58462 85978 87995 89160 96917 102119 128142 131044 138020 143368 150081 150903 163583 163596 166722 175711 181136 184639 190691 219554 223871 158 Gewinne zu 1000 Mk. 32 7613 11151 12400 12807 15831 26500 30674 30860 3)038 32558 32616 41051 42823 45375 48544 48904 56781 64248 64710 66603 73894 77025 77683 78008 79310 80749 93816 100672 101543 106786 107025 114891 117416 120149 124462 126644 132419 132878 133183 135172 135306 140448 140856 142901 148742 148936 149780 152571 156331 159799 159889 162425 162921 163392 165125 168947 169638 176334 176349 180020 182745 186355 187925 194428 196319 197323 200855 201560 203400 204413 205906 210365 212800 218739 222062 225360 229939 229952 256 Gewinne zu 500 Ml. 46 447 2334 6436 8043 8312 9317 10655 11065 13092 15730 15954 17383 18097 18526 20496 21259 29069 29672 34207 3439! 35989 37971 41097 44712 48064 49714 50038 50173 53662 56853 58933 59815 61249 62578«3051 63534 70589 71598 76010 76269 80935 84908 87059 88066 89151 90008 91047 91835 92206 94408 96305 97623 101577 103785 105673 112884 113327 116842 118553 119036 119754 119939 122500 123090 125072 125560 126691 126809 127676 127837 128770 130353 132267 132506 133556 136055 136222 142265 142528 142892 144760 146542 146943 147132 148184 152772 154546 154588 156856 157288 157873 160026 162057 164077 165323 170419 172427 178589 179500 180160 183980 190453 190864 197026 198051 198596 200264 206434 207830 211449 212546 214228 215793 217266 2)9076 220459 223126 223260 224456 225059 225343 230154 230383 230539 231722 231781 233419 In der Nachmittags-Ziebling wurden Gewinne über 240 Mk. gezogen: 2 Getv tiue zu 30 000 Mk. 171266 2 Gewinne zu 15 000 Mk 23992 2 Gewinne z»>0 000 Mk 63347 ö Gewinne zu 6000 Mk. 9746 96679 179785 204161 70 Gewinne zu 3000 Mk 6276 27617 31742 37726 44433 47822 72356 74719 75152 76413 86054 92041 94221 97079 98834 103713 107417 107900 111116 113107 119544 123482 136344 142858 148493 151908 156208 160094. 164368 186065 216207 219033 229066 230467 231625 138«ewiiiiie zu 1000 Mb 1853 7829 9071 9331 13440 14148 17039 22332 44280 46570 47508 49733 53424 54342 69533 62760 63960 72312 75790 77890 81561 91061 93987 95009 99623 104375 107900 108032 108424 108832 111057 112433 112526 112653 113861 114071 114372 114930 I I 8944 120605>21727 126385 128322 135654 141315>42460 144104 147515>47516 163145 156211 159937 163428 165648 178545 179335 180042 181804 182917 183519 191856 196144 198790 199606 213290 214147 217996 230850 230916 184 Kewi'-ne zu 500 M'. 1679 2518 4391 9038 10565 11274 14844 16311 21897 25751 26143 8422 31029 33663 35181 40443 42318 46587 54460 59532 603)3 62527 64118 66196 67540 73532 74328 83083 83834 88151 92056 95487 95814 99229 99774 100855>01127 101471 104336 109083 169455 111420 I 1 I 637 112695 118316 118403 118662 118844 119847 120744 122256 123757 124436 127946 131182 131604 133529 134019 134751 139747 141821 143920 144013 USO'.S 146199 147373 148413 154253 155615 168866 159169 164764 166685 167577 174097 17446' 175347 175387 175858 185200 187271 199972 203531 208859 210848 214706 219982 220527 224102 226765 231627 232945 Verantwerllilv für Volitiv ffricli Snitncr,? erlin i für den übrigen Teil de» i'Ialics Alfred Scliotz, Neukölln, für Anzeigen Theodor Glocke, ver Im. Bering: Vorwärw-Vertng G. m b. H.. Berlin. Druck Porwäris-Bucddruckerei und VertagSanflatt Paul Singer u. Co. in Bertin Linpenftrabe 3. Hieran> B-ilmie und Itniirhalinnneoini!. Direition Max Reinhardt Ucutr-che* Theater. 7'/, Uhr: Der eingebildete Kranke. Vorher: Ballett Kananterspieie. 8 Uhr: Smunrim. Tolksbü'ino Theater am Biiiowpiatz. Untergrundb. Schönh. Tor. 7s-, Uhr: KUnls I.ear. IheatsF des Westens Allabendlich 7'/, Uhr: Leopoldins Konstantin Bie Tänzerin. Theater � Königgräfzerstr. "j.S Uhr zum 25. M ale: Die Schv/estern und der Fremde. Komödienhaus '/,8 Uhr: Die Karin. BerJinerTheater 7UU.: itUizhlnaes Uiat. Mona!-Theater. Oöpenicker Str. 68. Tägl. Slß.-mi scher Keiterkeitserfolg I Maus clien. Musik: Walter Bromme. Tttsater tier mcuncü Ecke Friedrich- u. UiDienstr. ti4 Jattiüle 7,'4 JCMam Sonntag S1� kioine Preise: jPfag�nd von MaxHaiUo« Theater iür Freitag, 31. Mai. Central-Tlioatcr mw-. Die CsariiasIßrstlD. Deutsches Opernhaas 7 Uhr: Zar Ei ZlMSBll Friedrich-Wilhelmst. Tbcater t'i* Uhr: ßas SreisMaiis. Kleines Theater 8 Uhr: LSefe3l8l. fcomlsche Oper 7 V.: SeöwanwalilÄl. Sonnt. S'l, U.: Die Kinokomgln. Metropol-Theater � Bie Hose von SianM Neuss Operettenhaus 7'/4uhr:ierSotöatMariB. I.nstsplelhnns 7'/. Uhr: PiehlonilED Wels i. Linitenlüil Hesidenc- Theater 7'/4uhr: ßerjunßeZap. Schlllcr-Theatep O ?>„ Uhr: Siehilter I h. Chart. yit u.: Oer fellelieöter. Tha! Ja-Theater �BotepöerlWenLiiiile Theater am Nollendoriplatz 7 Uhr: Wintergarten Gastspiel der Komiseben Oper Ab 1. Juni täglich 8 Uhr: Ohne Männer kein Vergnügen Rose-Theater. 71/, Uhr: MMMü. ®caten65t)iie 7 Übt: Gr. Revue. Casino-Theater 'lothringer Str. 37. Tagt. ft,8 U. Heute vis inklusive Tonntag au! victiachen Wunsch die Berliner Lolalposse IfaitdStsirfntse. Nur wenige Aussübrungen. Vorher erjtll. SpeztalitSte». Walhalla-Theater. 7'/. Ahr: DßHHtMdjeil. Gartenü.: Die lieben süßen Mädel Aamiralspalasi iDiePfinzessin vonTraguil Sajdab Deutsche Tänze ?>/. Uhr. 2, 3. 4. 5, 6 M. Öilcli, Täglich 71/, Uhr: Das gro e Cireus-FFogramm und zum Schluß; imsspieli! mit den lustigen Wasser-Szenen. Letzter Tag der Spielzeit! Paul Göbel der Urkomische Chester Dieck Exotischer Eadfahrakt sowie der große Mal-Spisipien! ü! T'ft Theater 7',! J Friedriehst. S Ih; j r.ctztcr i'ag! ffauSieotei S DoutschlnndH | bester Kotniher I sow, 12 erste Attrakt. Ur | Sonnabend u. Sonntag 3 1. und 2. Juni � die letzt. Vorstellungen Schluß der Spielzeit! Trianon-Theater 3lil. Frledrichstr.Ztr 4927.2391 'l48 Zum 271. Male; Der fekiissdiler. Wüst,Kaiser-Titz.BiIdt.Khnk Spargelfupbe..... 0,30 Junge Kohlrabi... Schlei blau.... Lcbci knödel mit Kraut Sonntag B! t t t a g: Ziegenbraten... itunger Gänsebraten Kompott, Salat Sveiie 1.50 8,00 3.00 n» :e> Gcwcrkkliaftstiaus. Sonnraq, den L. Juni lKIK: im grosse« Saale hält der Verband der€isenbal)ner sein Friihlingsfest ab unter Mitwirkung eriiklaifiger KSuftler und Künstleriunc«. Kouzcr» des Berliner Sinfonie-Orche'iers. NckurAn": Kaffes-promenaclen-Kon�ert. Äbcnds im Pavillon das beliebte Damcu-Trio. 4.00 6,00 Oer Mim* täglich 7'/, Dhr abend* 1 Rfesenerfolg Palast- T heater am Zo o Berlin Prir-Wer StailonieraUce 7— 9. NB Im ffolkentaxameter. iBroge Possen-Revue in 6 Bildern Dazu die groß ort Spezialitäten. Cabakpflanzen mit Slulluranro u.»cbanbL d Tabaks u Anteil, z. Zigarren- machen. 50 Stck. Z,—, 100 Stck. bchvM. E.Hecht»BUu»Schönholi iach«« lz!crx:»rtcu Am Königstor Slm Jricdrichslinin Lg-ZL. Gräzt r und fchönitcr Natur. garten Berlins. Ueber 5000 Titz. platze,«aal sür 1000 Personen Täglich: Konzert, Theater. SvezialitäteiivorsteUnng. Ansang Wochentags 4 Uhr. Sonntags 3 Uhr. rtailMglien- Tliöstös. Allabendlich Vi, Uhr: SKeichshnUen-Baal 71/, U.: Großes Bliithgen-Konzert. Universal- Briessteller 4,— Mark. Biickbandliing Vorwärts. Lurdenjtlase S(Laden). Kostüme, Regenmäntel imprllg'iicrt. 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Wir können, versicherte er, der Zukunft mit einigem Vertrauen entgegensehen. Man hat der Bevölkerung so oft erzählt, sie dürfe Vertrauen haben, daß solche Erklärungen längst keinen besonderen Eindruck mehr machen. Ein Antrag der sozialdemokratischen Fraktion forderte den Magistrat auf, erneut Schritte zu tun, gegen dieschießerei beimTransportvon Militär- gefangenen, die Leib und Leben von Unbeteiligten ge- fährdet. Auf Anfrage des Magistrats hat, wie der Oberbür- germeister mitteilte, das Kriegsministerium bereits geant- wortet, es habe schon vor längerer Zeit Anweisung gegeben, solche Vorkommnisse unbedingt zu verhüten. Das hat nicht zu hindern vermocht, daß wir jetzt wieder die Schießerei auf dem Bahnhof Aleranderplatz erlebten. Die anschließende Erörte- rring der bitterernsten Angelegenheit erhielt einen fast heiteren Einschlag durch den Stadtverordneten Sonnenfeld, der befrie- digt feststellen zu sollen glaubte, daß der Bescheid des Kriegs- Ministeriums„entgegenkommender" sei als früher der des Berliner Polizeipräsidenten über seinen Schießerlaß von 19l t. Der Antrag der sozialdemokratischen Fraktion wurde einstim- mig angenommen, abgelehnt dagegen ein formell protestieren- der Antrag der„Unabhängigen". Für diesen stimmten nur die„Unabhängigen" und die sozialdemokratische Fraktion. ★ Eröffnung durch den Vorsteber-Stellvertreter Cassel mit einem ehrenden Nachruf für den verstorbenen Stadtv. Reichstagspräsidentcn Dr. Kaempf. Die neugewählien Mitglieder Kaufmann Max Borthen(N. Soz.), Bankler S> e b e r und Vorsitzender des Ver- bandes Deutscher Gowerkvereine Gustav H a r t m a n n(Fr. Fr.) werden eingeführt und auf die Stäoteordnung verpflichtet. Auch dem jüngst verstorbenen Professor Dr. Adolf B a g i n s k h, dem Schöpfer des ersten modernen Kinderkrankenhauses, widmet der Borsteher Worte des Nachrufs. Eine am 2Z. April eingebrachte Anfrage der Stadtvv. Barenthin u. Gen.(U. Soz.) geht dahin: „Welche Matznahmen hat der Magistrat getroffen, um eine ausreichende Versorgung der Berliner Bevölkerung mit Obst und Gemüse in die Wege zu leiten?" Stadtv. Wurm erinnert an die Verkürzung der Brotration, die trotz des„Brotfriedens" mit der Ukraine eingetreten sei. Der offiziöse Apparat weise zur Deckung des Ausfalls an Brot auf Ersatz durch Gemüse und Obst hin. Dabei stehe auch noch eine weitere Einschränkung der Fleischration in ziemlich sicherer Aus- ficht.(Hört! hört!) Frühgemüse könne den Nährwert des Brotes nicht annähernd ersetzen, ebensowenig Obst; dazu kämen die un- erschwinglichen Wucherpreise für beides. Die Jnnehaltung der Lieferungsverträge zu erzwingen, seien die Gemeinden ohnmächtig. Zum Schluß gehf Redner auf den Antrag Rösicke ein, der die alten Pläne des IanuschauerS wieder aufnehme und eine akute Gefahr für die ärmere Bevölkerung bedeute, indem er den wucherischen Schleichhandel legalisiere.— Stadtrat Runge: Wir haben gegen das Borjahr das sechsfache Quantum abgeschlossen. Von einer weiteren Einschränkung der Fleischration ist dem Magistrat nichts bekannt. Frühgemüse haben die städtischen Güter bereits recht ansehnlich geliefert. Die Erfüllung der Lieferungsverträge kann durchaus als gesichert gellen. Gegen die überraschende Sperrung einiger Gebiete durch die Reichsstelle zugunsten der Heeresverwaltung hat der Ober- bürgermeister sofort eingegriffen und für uns die Freigabe erreicht. Auch das Werdersche Obst ist für Berlin gesichert; es wird am Urbanbafen den Kleinhändlern zugeführt werden. Die Verfügung des Landrats von Belzig, wonach die Werderschen über 2ö Proz. frei sollten vernigen dürfen, wird nicht zur Ausführung gelangen. Den freien Handel können wir nicht ausschalten, wir brauchen ihn. Rationierung ist beim Frühgemüse ausgeschlossen; wie weit sie beim Herbstgemüse Platz greifen soll, wird erwogen.— Damit ist der Gegenstand erledigt. -v c �"J�tM'chen Supernumeraren, die mindestens ein �a.fr beschäftigt find, wird di-e monatliche Krieas�ulaae von 22 M. ab 1. April 1918 um 18 M. erhöhb' Die sozialdemokratische Fraktion hat am 25. Mai folgenden Antrag BarkowSki eingebracht: „den Magistrat zu ersuchen, auf Grund des Vorganges am Bahnbos Alexanderplatz erneut und schleunigst alle geeigneten Schritte zu tun, um zu verhüten, daß beim Transport von Mili- tärgefangcnen innerhalb Berlins Leib und Leben llnbeteiligter gefährdet werden." Stadtv. Pfannkuch begründet den Antrag. Di« frühere Ver- fügung des KriegSministerS habe bei den nachgeordneten Militär- behörden nicht die gebührend« Beachtung gefunden; wäre sie beach- tet worden, so hätte die Anwendung von Schußwaffen überhaupt nicht in Frage kommen können. Das Vorkommnis auf Bahnhof Alexanderplatz beweise, daß die Berliner Bürgerschaft solchen Ge- fabren für Leib und L<-ben nach wie vor ausgesetzt sei.— Oberbürgermeister Mermuth: Heute morgen habe ich auf erneute An- frage beim Kriegsministeri'um die Antwort erhalten, daß die stell- vertretenden Gencralkommandos schon vor längerer Zeit angewiesen worden sind, Vorkehrungen zu treffen, daß derartige Vorkommnisse unbedingt vermieden werden. Vor Abschluß der gerichtlichen Un- tersuchung könne eine Erklärung über den bedauerlichen Vorfall nicht abgegeben werden. Ich nehme an. daß uns über das Ergebnis der Untersuchung Mitteilung gemacht werden wird. Der Magistrat wird selbswerstandl.ch �er weiteren Entwicklung der Angelegenheit die ihr gebührende ernste Aufmerksamkeit widmen.— In derlei- teren Erörterung hait Stadtv. Dr. Wcyl(U. Soz.) den Antrag für unzureichend und will um durch einen formulierten Protest erwei- tern.— Dtadw. Rosenow(Fr. Fr.) stimmt dem Antrag BarkowSki zu. lehnt aber den Zusatzantrag Wevl ab. Stadtv Sonnenfeld (Linke) hätte auch den Antrag BarkowSki nicht mebr für erforderlich gehalren, will ibm aber nicht entgegen sein.— Schließlich wird der Antrag BarkowSki fast einstimmig angenommen; der Antrag Wehl bleibt nach der Konstatierung des Bureaus in der Minderheit.__ GroßsDerlln Litauen wirü sächsisch. Es schalld ä Ruf vun Börne bis nach Benig: Des Sachsenlandes heeßgcliebder Kernig ward nächsdens Herzog im Liddauerlande, im lätzdeu Zibbel vu« s'r Wajjerkande I Zwar schmeckt das Fleesch ä kleenes bisscl flächsich, doch nur Geduld, bald ward d'r Russe sächsisch. Frißt er mit uns aus eener Diede Kerschen, so wärd'r bald das weeche Bee beherrschen, kooft seinen Kindern weiß und griene Fähnchen, schbrischd alle Wärder mit besondrem Dahncksen und fiehld sich glicklich und bedreierbrodeld— so warn bei uns de Belker umgemodeld. _ B au Ich e n aus Dräsden. Ter Dauermarsch zum Kohlenhändler. Als vor einiger Zeit mitgeteilt wurde, daß diejenigen Kohken- beziehe«, denen es nicht gelungen sei, sich in eine Kundenliste ein- zutragen, von amiswegcn an bestimmte Koblenhändler überwieien werden würden, sprachen wir die Hoffnung auS. die Behörden würden bei diesen Ueberweisungen in jedem Falle auf eine mög- onmttlllllj »inrni uiiiniiiiiiiiniiuitiiiiKiiiiiiiitiiiiiiiiiiiiiiitiiiiiiuiiiiiiiiiitiiiuiitiiiuiiiiiiiiiiiiiiiiiiiisitiiiiiiiiiiiii Kannst Du arbeiten? Lebst Du von Deiner Hände Werk? Ihnen verdankst Du es, die ihre Gesundheit in den Schlachten ließen! Hilf ihnen! Es ist nur ein geringer Dank! Llnterstühe die Ludendorff-Spende, sie bringt den Besten, den Tapfersten Glück und neues Leben! «"imuiiiui 'llilililillllilillj IIIIII! lilllill liehst nahe und bequeme Lage der betreffenden Handlungen Bedacht nehmen. Unsere Hoffnung ist leider nicht in Erfüllung gegangen. Wie uns einige Leserinnen mitteilen, die in der T u r i n e r Straße nabe der Seestraße wohnen, ist ihnen ausgerechnet eine in der P a u l st r a ß e gelegene Kohlenbandlung als Bezngstelle angewiesen worden. Die Entfernung der Wobnung vom Kohlenplatz beträgt, in der Luftlinie gemessen, reichlich 3�2 Kilometer, auf dem Hin- und Rückmarsch niüßte also jedesmal mindestens eine Meile zurück- gelegt werden! Mit Recht fragen die Betreffenden, wie sie als Kriegerfrauen, die den ganzen Tag in Betrieben beschäftigt sind, dieses fertig bringen sollen. Auch wir wären begierig, von der Obrigkeit zu erfahren, wie sie sich die Bewerkstelligung eines solchen Dauermarsches eigentlich vorgestellt hat. Vielleicht nehmen die verantwortlichen Stellen Ge- legenheit, sich zu dem Fall zu äußern. Neue Gemüse- und Obstpreise. Die für Gemüie und Obst bei der staatlichen Berteikungsslelle und bei der PreiSpiiifungsstelle Groß-Berlin gebildeten Preis- kommissionen haben für das Gebiet der staatlichen Verteilungsstelle Groß-Berlin folgende Erzeuger-, Groß- und Kleinhandels- Höchstpreise festgesetzt: Erzeuger- Großhandels- Kleinhandels- preise preise preise M. M. M. Spargel I(wenn höchstens 14 Stangen bis 22 cm Länge 1 Pid. wiegen) 0,70 0,90 1,15 Spargel II, III und un- sorlieit(wenn böchstens 30 Stangen bis 22 cm Länge 1 Pfd. wiegen) 0,45 0,65 0,85 Suppen- u. Bruchspargel 0,20 0,27 0,33 Erbsen(Schoten)... 0,40 0,52 0,70 Mairüben ohne Kraut. 0.11 015 0,22 Kohlrabi m. Kr. b 9. Juni 0,40 0,60 0,63 ,,. ab 10. Juni 0,33 0 43 0.60 Frübzwiebeln mit Kraut 0,33 0,43 0.60 Süße Frübtirsckicn... 0,43 0.62 0,85 Unreife Siachetbceren» 0,35 0.43 0,60 Die Rhabarber- und Spinatvreise Kleiben unverändert. Samt- liche Preise vcrsteben sich je Pmud. Kohlrabi und F w i e- beln dürfen auf Anordnung der Reichs st elle nicht mebr stückweiie gebändelt werden. Die Gioß- und Kleinhandelshöchsipreise haben Gültigkeit für die gesamte inländische Ware, auch wenn sie aus anderen inländischen Erzeugergebieten herrührt. Ueberichreitungen der festgesetzten Höchstpreise werden mit Ge- fängnisstrafe bis zu einem Jabre oder mit Geldstrafe bis zu 10 000 Mark bestraft. Die Großhändler setzen sich außerdem der Gefahr der sofortigen KonzeisioiiSentziehung, die Kleinhändler der Eni ziehung ihrer Kausberechtigungskarten aus. Die neuen Preise treten mit den« 1. Juni in Kraft. Berliner Lebensmittel. Auf Abschnitt 31 und 32 der allgemeinen Lebensmittelkarte der Stadt Berlin entfalle» 200 Gramm Teigwaren und zwei Suppen tafeln. Tie Abschnitte sind von heute bis einschließlich Montag, den 3. Juni, in den durch besondere Verkanfsschilder ge- kenn w'.chneten KleinbandelSgeschästen abzugeben. Infolge der Pfingstfeierloge hoben sich die Zufuhren von Eiern so erheblich verzögert, daß die Händler nicht duichweg in der Lage gewesen sind, den Kunden ihre Ware auf Abschnitt 43 in der feslgesetzien Zeit zu verabfolgen. Diejenigen Inhaber von Karten, welche»ocd nicht beliefert worden sind, werden in kurzer Frist beliefert werden. Aui Abschnitt 33 der Süßstoffkarte EI dürfen im Juni zwei Päckchen Süßstoff II zu je 25 Pf. entnommen werden. Die Ab- schnitte 1—32 haben ihre Gültigkeit ab 1. Juni verloren. Ter bestrafte Rechtlichkeitssinn. Ein Berliner Schriftsteller war Zeuge eines Vorgänge? gewesen, der sich Ende April auf einer Station der Slettiner Bahn zutrug'. Ein dem Zuge entsteigender Gendarm mißbandelte dort einen schwächlichen Knaben, nachdem er ihm einen Rucksack, der Saubohnen und Gerste entbielt. entrissen hatte. Der Schriftsteller war, ebenio wie die anderen Augenzeugen, über dieie Handlungsweise entrüstet und richtete an das Generalkommando des III. Armeekorps eine Anzeige gegen den Gendarm. In dem betreffenden Schreiben hieß es u. a:„Wenn der Mann sich durchaus als Hüter des Gesetzes betätigen wollte, hätte sich ihm in dem Zuge manche lohnendere Gelegenheit dazu geboten. Räch memer Feststellung waren die meisten Jnsaffen des Abteils 4. Klasse, das ich benutzte, mit Gepäck- stücken und Bündeln versehen, die der Beschlagnabme unterliegende Lebensmittel enthielten. Ich verschweige aus Rechllichkerls- sinn auch nicht, daß ich selbst mit„gehamsterten" Waren nach Berlin zunicktehrte, nicht aus Freude an einer Gesetzesüberschreitung, sondern um mich und meine Frau vor der bittersten Not zu schützen." Die Antwort auf obiges Schriftstück erfolgte in Form einer— Strafanzeige gegen den Schriftsteller wegen H a m st e r e i" I Er bat inzwischen bereits einer Aufforderung des Pottzeipräsidiums bebufs Vernehmung in der Sache„General- kommando gegen X(Name des Schriftstellers)" Folge geleistet und ist nun neugierig zu erfahren, ob sich wirklich ein Staatsanwalt zur Vertretung der Anklage finden wird. Wir werden nicht versäumen, über den Fortgang der Angelegen« heit zu berichten, falls sie sich so interessant welterentwickeln sollte, wie sie begonnen hat. Obstmus nicht in verzinkten Eiscnkesscln einkochen! Die Reichs« stelle für Gemüse und Obst veröffentlicht folgende Warnung: Es ist vielfach beobachtet worden, daß beim Einlochen van Obst in ver- zinkten Eiienkesseln, vornebmlich in schadhasten, dnich die Oxydation des Zinkübergusses die Bildung von Obstkäuren und Zinkialzen her- vorgerufen wird. Durch diese Zinksalze wird das Obstmus vergiftet und für die menschliche Ernäbrung(übrigens auch für die lierische) unbrauchbar. Da in vielen Gegenden Deurichlands die Bevölkerung nach der Beschlagnabme der Kupfer- und Melsingkesset zu der Ver- Wendung verzinkter Eisenkeffel beim Einkochen deS Obstmuies übergegangen ist, sei hiermit erneut auf die großen Gefahren hin- geiviesen. Der Lesesaal der Berliner Stadtbiblrothck, Zimmerstraße 90/91, wird vom 1. Juni ab bis ans weiteres statt um 10 Uhr bereits um 9 Uhr abends geschlossen werden. In zwei„Kolonnen" arbeiteten jugendliche Gnterdiebe. die jetzt von der Krinnnalpolizei unschädlich gemacht wurden, durchweg Knaben von 13 bis 14 Jahren, der älteste ein t6jähriger Die „Kolonnen lungerten meistens an den Güterbahnhöien im Norden und Nordwesten der Stadl umher und hatten es besonders auf Lebensmittel oller Art abgesehen. Wenn sie aui den Bahnhöfen ietbst keine Gelegenheit fanden, so lauerten sie aui den Zu- und Abfahrlstrayen den Rollwagen aui. Die Hauptaönehmerm der Jungen war eine Frau aus dem Norden der Stadt. Wenn ihnen jedoch diese Frau nicht genügend gab. fanden sie auch Absatz in Grünkram» und Delikateßwarengeichästen jener Gegend. Bei einem solchen Verkauf wurde der Führer erwischt und ins Gebet ge« nommcn. So kam das ganze Treiben an den Tag und die jungen Sünder wurden nach und nach eimiltetl und vor den Jugendrichter gebracht. Schöneberg. Der städtische Ausschusi für IlebergangSwirtschaft hat sich in seiner letzten Sitzung mit dem Antrag des Stadtv. Zobel beschäftigt, worin der Magistrat ersucht wird, unter Wahrung des Interesses der Stadtgemeinde in der städtischen Verwaltung Be- Werbungen und Angeboten von Kriegsteilnehmern, Kriegsbeschädig- ten, Kriegerwitwcn und-Waisen den Vorzug zu geben. Der An- trag wurde nach kurzer Beratung angenommen, ebenso eln Zusah- antrag, worin der Magistrat weiter ersucht wird, in Erwägungen darüber einzutreten, welche Erleichterungen den zum Heeresdienst eingezogenen jungen Beamten bei der Rückkehr aus dem Felde und ihrem Wiedereintritt in den städtischen Dienst gewährt werden können. Dagegen wurde der Antrag des Stadtv. Jatzow auf Re- gelung der Müllabfuhr nach Friedensschluß durch die Schöneberger Hausbesitzervcreinignngen, wobei sich die Stadt einen gewissen Einfluß sichern solle, nach eingebender Erörterung abgc- lehnt. Ter Ausschuß stellte sich in seiner Mehrheit auf den Boden des Beschlusses der Stadtverordnetenversammlung vom 12. Fe- bruar 1917, worin der Magistrat ersucht wurde, die Müllabfuhr aller Schöneberger Grundstücke in eigenen Betrieb zu übernehmen und zu erwägen, inwieweit die Müllverbrennung für die Stadt von Vorteil sei. Inzwischen hat sich bereits die Schöneberger städtische Straßenreinigungsdeputation mit der Frage der Müllbeseitigung durch die Stadt beschäftigt._ Ncinickcndors. Tcigwarenverteilung. Auf Abschnitt 31 der Lebensmittelkarte Groß-Berlin werden je 100 Gramm Teigwaren I. Sorte abgegeben. Die Anmeldung bei den Kleinhändlern und den amtlichen Verkaufsstellen hat bis einschließlich 3. Juni zu er- folgen. Verkaufsprels für 1 Pfllnd Teigwaren 86 Pf., für 150 Gramm 26 Pf. — Verleihung von Handwagen. Für die erleichterte Kohlen- beschaffnng hat das Ernährungsam! eine Anzahl Handwagen an- gekauft, welche der Einwohnerschaft zur ausgiebigen Benutzung zur Verfügung gestellt werden sollen. Die Handwagen sind aufgestellt für den östlichen Ortsteil auf dem Dcpothof, Kopenhagener Straße, für den w e st l i ch e n Ortsteil bei dem Eigentümer Hein- rich Bachmann, Eichbornstr. 83. Die Entleihung findet werktäglich im Bureau der Herren Kubc bzw. Backimann statt. � Die Leihgebühr beträgt für jede angefangene Stunde 30 Pf. Bei jeder Entleihung ist eine Sicherheit von 20 M. zu hinterlegen, welche bei ordnungs- mäßiger Rücklieferung des Wagens zurückgezahlt wird. Für Be- schädignngen haftet der Entleiher. Handwagen werden nur an solche Einwohner abgegeben, welche sich ausreichend legitimieren oder persönlich bekannt sind. Die grüne Ausweiskarte ist bis zur Rückgabe des Wagens zu hinterlegen. Niederschönewcide. Mahl des Gemeindevorstehers. In der Sitzung der Gemeindevertretung wurde zum Gemeindevorsteher deb 1. Bürgermeister W i l l i g m a n n aus Ilmenau gewählt. Hericktszcitung. LandeSvcrratSProzcß vor dem Reichsgericht. Der vereinigte 2. und 3. Strasi'enat des ReicksgerichtS ver- handelte gegen den am 28. April 1900 geborene» Mai klhetier Bruno Apitz aus Leipzig-VolkmarSdorff welcher der verbotswidrigen Ver- breitimg von Druckschriften und des versuchten LanoeevenateS angetlagt war. Der Angeklagte betätigte sich als Anbänger der unabhängigen Sozialdemokratie und in der von dieier geleiteten Jugendbewegung. Er hat am 9. Auaust t9!7 zehn Eremplare der Julinummer des„Stürmer".Kampfzeitung für die Jugend Deutschlands, in Emv'ang genommen in der Absicht, sie zu verbreiten. Dieie Driickichrisl trug eine falsche Angabe des Druckers und Verleaers. Ob der Angellagte die fraglichen Schritten wirklich verbreitet bat, kann nach Ansicht des Gerichtshofes dahingestellt bleiben, da die Stratbarkeit ickon gegeben ist, weil er bei der Entgegen- nähme der Schriften die Absicht hatte, sie zu verbreitend Für dieses Vergehen wurde eine Einsatzstraie von 6 Wochen Gefängnis ausgeworfen. Ferner ist der Angellagte des versuchten Landes- Verrats für schuldig befunden worden, weil er am Vormittag des 16. August 1917 in Stötteritz und am Nachmittag desselben Tages im Volksbause in Leipzig je eine Ansprache gehalten bat, in welcher er die Anwesenden aufforderte, in einen allgemeinen Streik einzutreten und zu versuchen, den Ausstand auf weitere Kreise auszudehnen. Für das Verbrechen wurde eine Eius.ztzitratc von 1 Jahr 6 Monaien Gefängnis ausgeworfen. Diese wurde mit der vorerwäbnten sechs- wöchigen Ge'äiignissirafe zu einer Geiamfftra'e von ein I a b r sieben Monaten vereinigt. Da der Anaeklagte im weientlichen geständig gewesen ist. wurde ihm von der seit dem 13. August!9t7 erlittenen Untersiichungshast 7 Monate angerechnet, so daß er noch ein Jahr zu verbüßen hat. Ms Ms? Weit. Brandkatastrophe in Rustland. Moskau, 29. Mai. Ein unaebeurer Brand in der Näbe des Vabnhoies der Eisenbahn Kasan-Moekau am 26. Mai verursachte starte Explosionen von Artillerie-Munilion in mehreren Dutzend Eisenbahnwagen. 3SV Wagen mit Sprengstoffen, Brennstoffen. Lebensmmeln und Vorräten sind verbrannt. Dutzende von Menschen sind vermutlich umgekommen. «SetteranSsiciite» tür daS mittlere Norddentscltland vis Sonnabend»littaa. Mähig loarm, im östlichen Küsten gehiete vielsach wolkig, etwas Regen, in den anderen Gegenden noch grötztenteils heiter und trocken. Smfkßsten öer ReZaktkon. S- P. D. I. 1. Ja. 2. Wenn öesserung ihres ssultandes nicht ein- getreten ist, sollten Sie unter Hinweis ans Ihre Paizbesiimmung dagegen Einspruch erbeben.— A. G. tltl. t. Ja. 2. Es würde sich cinpsehten, einen iteibvertrag festzuletzen, sonst könnte Ihnen der Anspruch aus die Möbel strittig gemacht werden. Einen Teil der zum Leben nollvezidigen Möbel müssen Sic übrigens der Frau lassen.— Charlotte 81. 1. Wenn der Sohn insolge der Kriegsverletzung verstorben ist, können Sic Anspruch auf Witwen- und Waisenrente erheben, der Antrag i>l bei der städtischen Fürsorgestelle einzilrelchen. Sie können sich an die Nationalslisrung für die knitterbliebencli der im Kriege Gefallenen, Allenstr. 14, menddcn.— Rudi, Ädlrrohof. Sie haben die Hälite des Erbteils zu beanspruchen Die Unterstützung an die Mutter dürfte in Rücksicht aus Ihre Familien- Verhältnisse als angemessen crachlet werden. Bei der Stcuerver- anlagung wird sie nicht m Abrechnung gestellt. Die Gemeinde ist nicht zur Unterstützung verpflichtet, wenn Sie in der Lage find, für den Unterhalt der Mutter sorge» zu können.— — H. B. 67. Bei vorliegender Bedürftigkeit wlrd� eine Abfindungssumme bis zu 1000 M. gezahlt.— Stamreg R. 160. Sie können Schadenersatz nicht verlangen, eine Klage �väre zwecklos. Nur. wenn es sich um einen austergewöhtilich begabten Schüler handelt, würden Sie ein Stipendium für Ihren Sohn erhalten.— M. 1883. Schadenersatzanspriich können Sic dafür nicht geltend machen.— St. Breust. 30. sie können zur Zahlung der Mletesteigerung verpflichtet werden. Sie müsiien sich an das Mieieinlgungsamt wenden, es erscheint uns aber in Ihrem Falle zwecklos. — K. S. 200. Die Rente ist richtig bemessen, sie beträgt iür die Witwe eines Gemeinen 400 M.— E. P. 152. Das ist zulässig.— R. 3. Zeitig zurückgestellt. Leiden der Harnorgane.— BJ. Sch. 18. Ja. Lottche». i. Nach der Zählung vom!. Dezember 1910— öl 925 993, davon 32 040100 männlich, 32 885 827 weiblich 4. Verbeiralet waren 11 008 028 männliche Perionen. 5. Nach bei Bcruiszählung vom Jahre 1907 gab es 14 250 982 Lohnarbeiter. Die weiteren Fragen können wir nicht beantworten. SsutiÄer Isletsllsibeikes- yettavl Verwaltungsstelle Berlin. Den Mitgliedern zur Nach- richt, dag unser Kollege, der Schlosser Hu\ lapke Mcndclstr. 34 in Pankow am 28. Mai gestorben ist. Die Beerdigung sindct am Freitag, de» 3t. Mai, nach- mittags 5 Uhr, von der Leichen alle des Hedwigs- Kirchhofes in Reinickendorf. Berliner Straße, ans statt. Den Mitgliedern serner zm 1 Nachricht, daß unser Kollege.\ der Metalldreher Frilz Follizky Jnsterburger Str. 18, am 27 Mal gestorben ist. Die Beerdigung findet am Freitag, den 31. Mai, nachmiilngs bst, Uhr, von der Leichenhalle des Aus- erslchungs- Kirchboscs in Weißensee, Lichtcnbergcr Straße 110, au- statt. Rege Beteüigung wird er> wartet. Mdil-uk. Den Mitgliedern ferner zur Nachricht, daß unser Kollege, der Mctalldrücker M Gielchfeld Adlershof, Bismarcksir. 30, am 24. Mai gefto.beit ist. Ehre ihrem Andenken! i 12/15 vie Crtsverwaltung. Verband clor aaft- und Sdillnstullrte BcutStijiands. Zahlstelle Berlin. Den Mitgliedern zur Nachricht, daß die Kollegin Hane Sclmeiöer geb. fijehmann, Manteuffelstr. 88, Bez. 4, am 28. Mai verstorben ist. Die Beerdigung sindct am Sonnabend, den 1. Juni, nachmittags 4 Uhr, auf dem Einmaiis-Kirchbof in Neu- tölln, Hermamistraße, statt. Ferner verstarb am 20. Mai | die Frau des zuin Heeres- � dienst einberufenen Kollegen Klepzig, Pauline geb. t'anllie, Dorckstr. 37, Bezirk 5. Die Beerdigung findet am Dicnsiag, den 4. Juni, nach- miliags 5 Ubr, ans dem Zwöls-Apostel-Kirchhos, Ko- tonnensrlai.e, statt. 73/0 Elire ihrem Andenken! Um rege Veiciiigung ersucht Tie Ortsvcrwaltting. WWWWW k Verband der Kemelnde- und\ Staatsarbeiter. Filiale Groll-Berlin. Den Mitgliedern geben I wir hiermit Nachricht vom j Tode des Kollegen Ulikeim Helske vom Lichtenbctger Gaswerk. � Beerdigung am Sonn- abend, den 1. Juni, nach- mittags 3 Uhr, von der, Leichenhalle des Gemeinde- Friedhofes in Marzahn aus; � der Kollegin Luise Sauer vom CharloUcnb. Gaswerk Beerdigung am Freitag,| den 31. Mai, nachmittags j i Uhr, von der Leichen- Halle des Gemcindc-Fricd- � Hofes in Stahnsdorf aus. Ehre ihrem Andenke« l! Um rege Beteiligung bei der Bestattung ersucht 32/7 Oie Orlsverwaltung. rill lHlwwifcUJ aaaBammammBamBammm i'cuiUbcr i Cranspertarbeitervcrband. | BezirkSverwalt. Groß-Berltn Sfncliriaf I | Ten Mitgliedern zur Nach- 1} richt, daß unser Kollege, der » Kohienarbeitcr 01/n0' l Herniann Boll! Kam 4. April im Aller von s g 52 Jahren verstorben ist. g Ehre f»tncm Andenke»!� u nie Itesei'.svllrwaltung. Verband dcfKupfertcömiedc f Dcuticbiands. Jitialc Berlin. Am 28 Mai verstarb nach j kurzem Krankenlager unser j lieber Kollege Frilz Siorasl im Aller von 54 Jahren an Lungenichwindsncht. Elire feincin Andenken! Die Beerdigung findet am Montag, den 3. Juni, nach- mittags 5 Ubr, van der Halle des Bartbolomäns- Kirchhofes in Weißersee. Falkenberger Str., aus statt Rege Beteiligung erwarlcl Vor Füialvorstant! 3 Alig. Krank- u. Sterüekasse s der Deutschen Drechsler :u. der Berufsgen, Ersatzk ■ Verwaltungssieüe Berlin B 1 Den Mitgliedern zur Nach- !''cht, daß unier Mitglied ! FriLliriLk Lange Britz, Wcrderstr. 27, ! am 20. d. Mts.geslorben ist. � Die Beerdigung findet am 1 Freiing, den 3t. Mai. nach. l mittags 4'/, Uhr, von der 1 Leichenhalle des Gemeinde- l Friedhofes in Britz, Chaussee- � ilraße, ans statt. 39/3 Treues Gedenken zum 32. Geburtstage. Schwer und unerwartet s I Iva! uns die traurige Nach- ! richt, daß mein inniggeiiebler k i Mann, in ser herzensguter j j Vater, lieber Sohn, Bruder, > Schwager und Onkel, der! i Obergesreite 09A> i üzs! fcHiiöl am 3. Mai insolge seiner am 1 1. Mai elhalteuen schwere» l Verwimdung durch Granat- hpiiiicr in einem Feidiazarell i im Westen gestorben ist. I Dies zeigen in unsag- i barem schmerz an Deine tiesbetrübte Gaitin ßiga FöÜner nebst Kindern Gertrud und Kurti sowie alle Verwandte. Lichtcnbera, Frankfurter Allee 93. 1 Hab tausend Dank für Deine Lieb' und Müh, - In unscrm Herzen stirbst Du nie. I Wi�i Dich geiannt, kann - meinen Schmerz ermessen. > Lieber Vater, schlaf in Ruh, ] unsere Liebe deckt Dich zu. TinfioM d$Jv»Snv* Allen Freunden und Bc- ! iannteii die traurige Nach- ! richt, daß meine liebe. Frau,| ; unsere guie Mutter, Schmie- ; ger- und Großmutter Klara Seimiidt gcb Müller, i im 54. Lebensjahre, nach I langer, schwerer Krankheit, i am28 Mai, abend- 10�/, Uhr, I sanft entschlaseit ist. Dies zeigt tiesbeirübt an der trauernde Latte ncbit Kindern. Berlin, Deulsch-Kroncr-Str.O Die Beerdigung findet am Sonnabend, den 1. Juni, nachiniitags ö'l, Uhr, von der Halle des Martus-Kilch- Hofes in Wilheimsberg aus stall. 179A MäbeMabrlk Hob. Seelisch BERLIN 0 112, Rigaer Str. 71— 73a empfiehlt srnte preiswerte TSObel. Einrichtungen in jeder Preislage. Ganz bexondera grroßo Auswahl in SeWal-, Speise-, Wenn- und ßerFcGZüiunern jedem Geschmack entsprechend. 154 Musterräume. Lagerräume; 6696 □-Mtr. groß Versand nach allen Plätzen Deutschlands.— Besichtigung lohnend, ohne Kaufzwang i Wochentags von 8—7, Sonntag von 8— 10 Uhr geöffnet. Telephon-Fabrik Aeliengesellschaft vormals J. Berliner. In der außerordentlichen Generalversammlung vom 8. April 1918 ist die Erhöhung des Grundkapitals unserer Gesellschaft auf nom. 7 500 000 M. durch Ausg-abe von 2500 auf don Inhaber lautenden Aktion über je nom. 1000 51., die vom I. Januar 1918 ab dividendenbereohtigt sind, beschlossen worden. Die neuen Aktien sind von einem Bankenkonsortium mit der Verpflichtung üben- nommen worden, den Aktionären der Gesellschaft ein Angebot zu machen derart, daß mit einer Ausschlußfrist von mindestens zwei Wochen auf je zwei alte Aktien eine neue Aktie von nom. 1000 M. bezogen werden kann. Nachdom der Erhöhungsbeschluß und gleichzeitig die erfolgte Durchführung der Kapitalserhöhung am 17. Mai 1918 in das Handelsregister eingetragen worden sind, fordern wir namens des Bankenkonsortiums die Besitzer unserer alten Aktien auf, das Bezugsreoht auf die neuen Aktien unter folgenden Bedingungen auszuüben: 1. Die Geltendmachung des Bezugsrechtes hat bei Vermeidung des Ausschlusses vom 28. Mai I9!8 bis 12. Juni 1918 einschließlich bei der Commerz- und Disconto- Itanb in SScrlln, Hamburg, Hannover, l-clpzig: und Stettlu innerhalb der bei jeder Stelle üblichen Geschäftsstunden zu erfolgen und zwar provisionsfrei, sofern die alten Aktien, auf welche das Bezugsreoht geltend gemacht werden soll, ohne Dividenden- scheinbogen, unter Beifügung von zwei gleichlautenden, mit nach der Nummernfolge geordnetem Nummernverzeiohnis versehenen Anmeldescheinen zur Abstempelung am Schalter eingereicht werden. Soweit die Ausübung des Bezugsrechts im Wege der Korrespondenz erfolgt, werden die Bezugsstellen die übliche Bezugsprovision in Anrechnung bringen. Die erforderlichen Formulare sind bei den vorgenannten Stellen kostenfrei erhältlich. Die alten Aktien werden abgestempelt zurückgegeben. 2. Der Bezugspreis von 195•/. zuzüglich 5*/„ p. a. Zinsen auf den Gegenwert der bezogenen neuen Aktien vom 1. Januar 1918 ab bis zum Bczugstago und zuzüglich Sehlußscheinstempel ist bei der Anmeldung in bar zn entrichten. 3. Die Aushändigung der bezogenen neuen Aktien erfolgt nach Ablauf der Bezugsfrist bei derjenigen Stelle, bei welcher die Anmeldung erfolgt ist Hannover, den 28. Mai 1918. Telephon-Fabrik fietienpsellschan formals J. Berliner. Hax Hahn. Manu Stern. SanfffliüBg. Für die vielen Kranzspen- ! den und die zahlreiche Teil- !»ahme jagen wir allen Ver- ' waudien. Freundinnen und ! Vekannieil sowie den Kol- i leginuen der Firma Elsner und dem Deutschen Buch- i binderverband, seiner Herrn iSgidt für die lroftreichen Worte am Sarge unserer s neben, sanst enischiasen-n Tochter, Schwester und Tante Frieda Fiebig geb, Keruche» j iowie den Sängern hiermit ! unsera innigsten Dank. � ällbert KernchetN„ Marie Keruche«� geb. 31 cid in g J u,Mn � Hedwig Mütze geb. Kern- che» als Schwester s1L2A Rudi Dltütze als Nesse. Forei. Pros. A.. Tie sexuelle Frage. Volksausgabc 5,00 M. 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Neue Mitglieder können noch aufgenommen werden. Nur Seibstverbrauchcr. Iwisehou- haadel ausgeschlossen. Näheres in de» Nor- teilnugsstellen, auch soimtag- 10— 12. und im Verwaltnngs- bureau der Rorddciitfcheu Gemüsebau- Genoffenschast, Burgftraffr 27, 11 l. Stock, Zimmer?<;(beim Zirkus Busch), täglich von 13—7. Bekmsntmachzsng. I. Es entfallen aus Abschnitt 31 und 32 der allgemeinen Lebensmitteltartc der Stadt Bei lin kW Gl. WWMll uns 2 S8W!«sell II. Unter Ausschluß naa liäglirher Annahme find die An- meldeabschnitte vom 31. Mai bis 3. Juni 1318 bei den Kleinhändlern und von diesen am 4. Juni 1318 bei den Kroßhändlern abzuliesern. ID. Nicki abgeholte Ware»ersällt mit dem 5. Juli 1913. Berlin, den 30. Mai 1918. Maglßrat bfr Königl. Haupt- und Ktfideuzstadt. Abteiluug für Nährmittel. J.-Nr. 1013 Nä. Allgemeine Ortskrankenkafle Nisderbarnim. Bekanntmachung. Unsere Meldeftelle in Lanke (Bezirk Potsdam) haben wir infolge Verzugs des bisherigen Verwalters ausgehoben. Tic Meldungen sind von den Arbestgebern bis aus weiteres unmittelbar an unsere Haupt- Meldestelle in Berlin, Friedrich- Karl-User 0, einzusenden. Berlin, den 30. Mai 1918. Allgemeine OrtSkrankcnkasse Nieder- darnim. Kühn. 208/8 Bilanz per 31. Dezember 1917. Debet An Inventar-Konto.. 87,— , Spar-Konio... 30,— „ Waren-Konto... 127,71 . Kassa-Konio... 1291,57 „ Kaullons-Koiito.. 000,— , Gewinn- u.Vcrlust-K. 30,32 2100,00 Credit Per Geschäft-- Anteil-K. 823,92 , Darleh s-Konlo. 900,— , Reservejoiid--Konto 442.08 "ziOOM 104/10 Der Mitglkederbestand betrug am 31. 12. 1910.... 30 Eingetreten sind t J. 1917— Ausgeschievcn find t. I. 1917— Der Mitgliederbestand betrug ain 31. 12. 1917. 30 Das Mitgliederguthaben betrug am 31. 12. 1916.. 773,75 Die Einzahlungen betrugen im Jahre 1917 50,17 Die Auszahlungen de- trugen im Jahre 1917—,— Das Mitgliederguihabc» betrug am 31. 12. 17 823,98 Die Hastsumme von 1800 M. Hai sich im Jahre 1917 nicht vermehrt und nicht vermindert. Nculölln, d. 20. Februar 1918. Her V«!-!stnn«l: Konrad Holland, August Tilze. Her Anfslchtsrat: Reinhold Puhimann. Rohfloff- u. Spa'-gcnoffcnfcffaft der Schühmzcher für ficuHölln und llMgegend. (Eingetragene Gendsseiilchast mit besdiränller Hasipsticht.) Lme gAwlMe ÄwO wird allen erblühen, die die deichen der Zeit richtig zu deuten verstehen u. rechtzeitig ihre Vorbereitungen treffen, um teilzunehmen an dem großen wirtschaftlichen Aufschwung, der die sichere Folge dieses Völkerringens sein wird. Es werden überall gebildete und leistungsfähige Kitarbeiter...... sein. Beamte, Lehrer, Angestellte des Handels u. d. Industrie sollten nicht versäumen, jetzt ihre Vorbereitungen zu treffen. Das beste Mittel, rasch u. gründlich, ohne Lehrer, durch einfachen Selbstunterricht auk ein Examen vorzubereiten, die Einj.-Freiw.-Prüfung u. das Abitur.-Examen nachzuholen od. die fohlenden kauf- mann. 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Todestage von William Penn. «William Penn ist eher eine mythische als eine geschiKtliKe Person,' sagt Macaulah in seiner Geschichte Englands.«Eiter- sücklige Nationen und feindliche«eklen haben sich in seiner Heilig- sprechung geeinigt; England ist stolz aus seinen Namen, und die givsze Republik jeweils des allantischen Weltmeeres betrachtet ihn mit einer Ehrerbietung, der ähnlich, die die Athener für Theseus und die Römer für Quirinus empfanden. Die Ouäker, denen er angehörte, ehren ihn als ihren Apostel. Gleichzeitig haben Be> wunderer einer ganz anderen Art seinen Ruhm verkündet; die fran- zösischen Philosophen des 18. Jahrhunderls vergaben ihm, was sie seine abergläubischen Hirngespinste nannten, wegen seiner Verachtung gegen Priester und seiner Toleranz, mit der er unparteiisch alle Völker und Bekenntnisse umfing. Sein Name bedeutet also in allen zivilisierten Ländern Nechlschaffenheit und Menichenliebe.� Die Anschuldigungen, die Macaulah in einer völlig unbegründeten Antipathie gegen Penn an diese Worte knüpft, sind längst entkräftet und in nichts zerronnen. Die eirenartige Bedeutung des seltenen Mannes innerhalb seiner Zeit aber, die hier angedeuiet ist, bleibt bestehen und rechtfertigt die Erinnerung an sein Wirken an seinem 200. Todestage. Sein Vater, ein berühmter englischer Admiral, der Eroberer von Jamaika, stand Karl II. und seinem üppigen Hof nahe und balle nicht das mindeste Verständnis sür das«innere Licht" religiösen Glaubens, das dem Sohne bereits mit 12 Jahren ausgegangen war und seinem ganzen Leben als Wegweiser vorausleuchtete. Der junge Penn wandte sich bald mit Feuereifer der Sekte der Ouäker zu, die nichr lange vorher der Schusterlehrling George Fox gegründet halte und die eine Vermneriichuiig des religiösen Lebens ohrte jeden Gegensatz zu anderen christlichen Gemeinden erstrebte. Die Jugend und das erste ManneLalter Penns der flössen in einer beständigen Berfolgung und Bestrafung wegen dieses Glaubens. Als er das erstemal wegen Predigen» ins Gefängnis geworfen wurde, ließ man ihn durch Ver- mittlung feines Vaters wieder frei. Er sollte aber sich verpflichten. aur die äiiberen Haupimelkmale deS OuäkertumS, den Gebrauch des Wortes.Du" ltirvus in der Rede und die Weigerung des Hut- abnehmens zu verzichten. Der junge Penn aber hielt an diesen Gewohnheiten so fest, dah er nicht einmal seinem Vater zugestand, wenigsten» vor dem«önig, dem Herzog von Dork und dem Vater selbst den Hur zu lüften. So ward er denn immer wieder ins Geiängnis geworfen, bald wegen Predigens in Versammlungen, bald wegen seiner Schriften, bald wegen NichtabnebmenS des Hutes. Als man ihn eiiimal zu sechs Monaten Gefängnis verurteilt halte, wollte ihn der Richter durch einen Unterosfizier und ein paar Sol- baten ab'ühren lauen.«Nein, nein," sagte Penn,«ich brauch keine Begleitung, ich finde den Weg nach Newgate ganz allein". Als feuriger und redebegabter Apostel des OuäkertumS unternahm er Miisionsreiien für die Ausbreitung dieser Lehre in verschiedene Länder und ist auch mebrmals in Deutschland gewesen, wo er in Hannover, Brandenburg und anderwärts Ouäkergemeinden ins Leben rief. Das wichtigste Erbe, daS ihm sein Bater hinterlieh, war«ine Schnlvforderung von 1b 000 Pfund Sterling an die britische Krone, eine«umme, die.sein Vater einst dem verbannten Karl II. gelieben hatte. Mit dieser Summe erwarb er einen Landstrich am Fluh Delaware in Nordamerika, um seinen in England verfolgten GlaubenSbrüdern und anderen verfolgten Religioiisparteien in der neuen Welt eine Freistatt zu eröffnen. Dem Gebiet gab er selbst wegen seines groyen Waldreichtmns den Namen Sylvanien(Wald- land). Kjinig Karl IL soll dann nach PennS eigener Angabe dem Lande zu Ehren seines Vaters den Namen Pennsvlvanien verliehen haben. Heute freilich verbindet man mit diesem Namen nur noch die Erinnerung an den Gründer deS Staate?, der 1682 als Hauptort des Landes Philadelphia in» Leben rief, did Stadt der«Bruderliebe". Die Verfassung, die Penn dem jungen Staate in 24 Artikeln ggb, ist maßgebend für viele anderen Staaten Amerikas gewesen und hat auch noch auf die spätere Verfassung der Vereinigten Staaten eingewirkt. Der erste Grundsatz war die Gewährung all- gemetner und unbedingter Religionsfreiheit. Diese? Verfaffungswerk Penns stellt, wie Weingarten in seiner Geschichte der Ouäker hervor« hebt,«den ersten Versuch dar, das Ideal der Glaubensfreiheit und einer auf wahrhafter Religiosität beruhenden politischen Freiheit in das moderne Staats- und Völkerleben einzuführen. Di« Begrün» düng dieser Freiheit ist die gröfite Tat des OuäkertumS, die Bewährung eines weltgeschichtlichen Berufes." Keine nordamerikanische Zkolonie blühte so rasch auf und bevölkerte sich so rasch wie Penm'ylvanien. Die weise Regierung ihre« Begründers, die Freundschaft, die er mit den Eingeborenen hielt, verhinderten religiöse-Stceltigkeiken und sie anderwärts üblichen Jndianerkriege. Als er am 30. Mai 1713 starb, war sein Eigentumsrecht an Penniylvanien bereits an die englische Krone übergegangen, aber der Geist, den er dem Staat eingeflößt, dauerte zu seinem Segen fort. vom Denkmal zur Kanone. Die jetzt vorbereitete Einschmelzung von Bronzedenkmälern wird von der deutschen Kunslwelt eher mit einer gewissen Beiriedi- gung als mit Bedauern begrüßt: sie wird unsere Städte von so manchem Mittelgute befreien, das ihnen nicht zur Zierde gereichte, während Gewähr dafür gegeben ist. daß alle Denkmäler von wahr- hast künstlerischem oder geschichtlichem Wert« geschont bleiben. Die Kunstgeschichte kennt jedoch auch Fälle, wo wullich bedeutende und schätzenswerte Erzdenkmäler den Notwendigkeiten oder den Wechsel- fällen des Krieges zum Opfer gefallen sind. Der größte Verlust, den die Menschheit auf diese Weise erlitten hat. ist der eines Denk- mals Michelangelos, das eingeschmolzen und so für immer vernicklet worden ist. Dies war sein Denkmal des Papstes Julius II. Es war kurz nach der berühmten, von Vasari so drastisch geschilderten Veriöhnunosszeue zwischen dem Papste und dem Meister, als Julius II. dem Künstler den Auftrag gab, ein Bronzedenlinai größten Maßstabes von ihm anzufertigen, das er sich in dem über« wundenen Bologna setzen wollte— oder vielmehr vom«Volke von Bologna" setzen lassen wollte. Der Meister nahm den Auftrag an, freilich nicht ganz ohne Bedenken, weil der Bronzeguß nicht seine Arbeit war. Alsbald machte er sich an daS Modell seines Werkes und bereits im Januar 1S07 konnte der Papst in Michelangelos Werkstatl des Modell besichtigen. Es war ein Werk größten Wurfe«: JuliuS war in mehr als dreifacher Lebensgröße sitzend dargestellt, die Rechte war erhoben. Im weiteren Verlaufe desselben JahreS ward dos Werl bereits zum Gusse gegeben. Erst beim zweiten Male gelang die Gußarbeit. Reichlich ein Jahr, nachdem JuliuS dem Künstler den Austrag erteilt hatte, erfolgte die Enthüllung des mächtigen Werkes. Michel- angelos Werk fand über dem Hauptportale deS berühmten DomeS San Petronio seinen Platz; und die nach Wesen und Maßen mächtige Papsigestalt, die dort von der Domiür herab dem Volke mit der Rechten den Segen erteilte, muß wohl von gewaltiger Wirkung ge- wescn sein. Aber nur wenige Jahre hat das Denkmal an diesem Platz« stehen lönnen. Im Jahre löll begannen die Kämpfe um Bologna aufs neue. Jetzt waren die Bentivogli die Herren der Stadr, und Julius' Name tief verhaßt. Es war am 30. Dezember de« Jahres 1511, als die Gewalthaber von Bologna an dem Stand- bilde ihr Mütchen kühlten. Sie stürzten es herab. Es wurde in Stücke zerschlagen und rollte über den Platz hin. Das Erz bekam der Herzog von Ferrara zum Austausche gegen die Kanonen, die er lieferte. Der Kopf allein, der 600 Pfund wog, blieb erhalten und war noch lange Zeit in Ferrara zu sehen. Das Uebrige wurde eingeschmolzen. Das war daS Schicksal dieses Werkes, das eine Bologneser Chronik«die schönste Statue Italiens" nennt. RaupenbeftZalität. Wer Im zeitigen Frühjahr die ersten Schmetterlinge in der warmen Soniie gaukeln sieht, wer den unendlichen Falterreichtum de« SommerS beachtet und sich der blaffen und wenig zahlreichen Spätlinge des Herbstes erinnert— der wetz meist von dem wunderlichen und oft höchst komplizierten Leben ihrer Larvenstadien nichts oder doch nur wenig. Vor allem denkt er aber sicher nicht daran, daß sich auch unter ihnen feindliche und freundliche Brüder befinden. Es ist etwas sehr Seltsames um das Lebrn eines Schmetterlings. Seine Larve, die träge oder lebhafte Raupe, weiß nicht, daß ihr Vorfahre Schwingen trug, die Puppe begreift nicht mehr die Zeit, da sie tagaus, tagein Blätter und Blüten fraß, um Kräfte zu sam- mein, und der Falter hat ganz sicher beides vergeffen über der Not- wendigkeit der Fortpflanzung. So weiß auch wahrscheinlich die rofabraune Mmeneule, oder die kaffeefarbene Mordeule nicht mehr, was sie als Raupe für Un- toten begangen hat. Wir aber, die wir ihre Entwicklung im Raupen« kästen oder im Freien beobachtet haben, erinnern uns noch sehr wohl daran. Die Ulmeneule überraschten wir, als sie soeben den Stamm einer Linde bestieg, von der der Juniwind sie herabgeweht hatte. In einer Rindenspalle traf sie eine Kameradin der gleichen Raffe, nicht viel kleiner als sie selber und ebenso geldlich grün und mit weicher, getüpfelter Haut. Noch ehe die andere es sich versah, hatte die erste sie mit ihren scharfen Kieferzangen an der Seite gefaßt und riß ihr mit kurzen, heftigen Bissen die Haut auf. Trotzdem die Angefallene wie ratend um sich schlug und sie beide in Gefahr brachte, von neuem ins Gras zu stürzen, wühlte sie sich in die hervorquellenden Eingeweide ein und zehrte die lang- sam ermattende Gegnerin bis auf den Cbuinkopf auf. Und als wir sie in Gefangenschaft setzten, mußten wir ilir von zwei zu zwei Tagen trotz reichlichster Bläuernabrnng ein lebendes Opfer liefern, hätten wir nicht ihren Verlust beklagen wollen. Im Prinzip nicht viel anders treibt es die M o r d e u l e. Aber ihr sieht man die Bösarligleit schon von weitem an, Schwarz- braun ist ihre Raupe, mit drei weißen Malen am Hal§ und einem glänzenden, mit starken Kiesern bewehrten Kopf. Sie baust ganz allein in einem Hause, das sie sich aus einem Blatt zusammen- spinnt und lauert auf die harmlosen Passanten, die ihr Unglück vorbeiführt. Wie ein wirkliches Raubtier stürzt sie sich auf die Ueberraichten, frißt sie an Ort und Stelle oder schleppt die sich Wehrenden in ihre Zelle. Auch sie muß in der Gefangenschaft lebende Nahrung erhalten, sonst verhungert sie trotz der schönsten und gern gefressenen Biälter. Woher nun solcher Trieb, Artfremde und Artgenossen zu morden? Gibt es Verbrecher auch unter jener zarten, geflügelten und schein- bar so harmlosen Welt, und was ist die Ursache davvn? Nein, es sind nicht Verbrecher, die Erklärung lautet ganz anders. Alls fleischfressenden Raupen gehören zu Ueberbleibseln aus jenen Tagen der Erdentwicklung, da die Not ihnen gebot, was heute nur noch Gewohnheil für sie ist. Aus der Eiszeit stammen sie, aus der Periode ständigen Futtermangels, ständigen Kampfes ums Dasein. Sie konnten ihre Art nur erhalten, indem sie fraßen, waS ihnen Eiweiß. Fett und Stärke bot, gleichviel in welcher Form. Der Selbsterhaltiingstrieb aber ist das eherne Gesetz alles Lebenden und alles Werdenden, Ihr Körper gewöhnte sich im Lauf der Jahrlausende an einen Ueberschntz von Nahrung, der sich freilich nicht in abnorme Größe, sondern in erhebliche Fort- pflanzungskraft und Anpaffungösähigkeit umsetzte. Ans der Not wurde ein notwendiger Reichtum und heute können sie die tierische Beimischung zum rein pflanzlichen Futter nickt mehr entbehren. So entspringt alles, auch das scheinbar Eutatletste, aus einmal vorhandenem Zwang und ist letzten Endes nichlS anderes als die pasiendste Rcaltion auf den Reiz, den die Umweit auf das Geschöpf ausübt._ N. ä. Nottzen. — Theaterchronik, Max Halbes«In g e n d" gelangt am Sonntag, den 2. Juni, nachmittags Uhr, im Theater der Frie- drichstcrdt neuieinshtdiert zur Aufführung. — Indische Dramen für die Volksbühne, Friedrich Kayßler hat für die Volköbahue zwei Werke de? Nobel-Preisträgers Rabindranath Tagore zur Aufführung erworben:�„Chitra", ein Spiel in einem Aufzuge, und„Im Postamt", ein Akt, — K l i n g e r s W a n d g e m ä l d e„Arbeit, Wohlstand, Schönheit" ist vom Freitag an in der Freien Sezession ausgestellt. — DaS Goethe- und Schiller-Archiv in Weimar, die vorbildliche Sammlung von Manuskripten. Briefen, Büchern der beiden Klassiker, hat in Professor Rudolf Schlösser(bisher in Jena) einen neuen Direktor erhalten. — Der Nachlaß WilhelmTrübnersistvon Freitag bis Montag von 10—2 Uhr in LcpkeS Kunstauktionshaus(Potsdamer Str. 122a,'b ausgestellt. Er enthält außer ein paar wunder« vollen Bildern Leibis, älteren Gemälden(besonders Cranack), eine große Anzahl von TrübnerS Arbeiten. Aus all seinen Epochen t Frühbilder, akademische Sachen aus der meisterhaften mittleren Zeit und die lichtvollen Sinfonien in Grün aus der Spätzeit. — Eine neue deutsche Briefmarke? Sie ist ein dringendes und längst bestehendes Bedürfnis. Es sind auch schon verschiedene Versuche« u. a. vom Dürerbimde unternommen worden, bessere Muster zu schaffen. Aber vorläufig bedroht die gepanzerte Germania den Geschmack weiter.... Jetzt erläßt das Landes- gewerbemnseum in Stuttgart ein Preisausschreiben mit 3000 M. Preisen für künstlerische Briefmarkenentwürfe. Die Bedingungen versendet das Museum. Dem Preisgericht gehören u. a. Olaf Gulbranffon, Dr. Peter Jeffen, Max Klinger, HanS Thoma und Peter Bruckmann(vom deutschen Werkbunde) an. — Die Umfrage. Wir hatten bei uns sehr viele Rüben gebaut, deshalb wurde angeordnet, daß Rüben auch an Pferde ver« füttert werden sollten. Einige Tage später meldet unser Rittnteister der Division:«Die Pferde fressen die Rüben nicht,"— Daraufhin kommt die Umfrage:«Warum freffen die Pferde die Rüben nicht?" — Und umgehend folgt die Antwort:«Eine Umfrage bei jien Pferden ergab keine nähere Ausklärung."(«Fugend". Vater unö Sohn. Skizze von Erna Löwenwacter. Mittert durch das Graubraun der Stoppelfelder und die trostlose Oede der Fabritvorstadt läuft m kräftigem Vogen die alte Lindenallee, die zur Stadt führt. Mit dem schönen Goldfchimmer ihres herbstlichen Laubes bringt sie einen freu- digen Ton in die fast erdrückende Langeweile der Landschaft. Am klaren Himmel, der sich in eintönigem, hartem Blau über die Erde spannt, hängt gross und satt die müde September- sonne. Ihr kraftloses Licht fängt sich in den Kupfer drähten der Telegraphenstangen, huscht über die Schienenstränge des hochgelegenen Bahndammes und zuckt rn den Fenstern eng- brüstiger Arbeiterhäuser auf, wie Blinzeln matter Augen. Vor einer dieser nüchternen Hütten sitzt Nikolaus Hoch- reuter, raucht nach alter Gewohnheit seine Pfeife und starrt über die blauen Tampiwölkchen hinaus ins Leere. Obgleich er weit über die Fünfzig ist. macht seine grobknorrige Gc- stalt, sein gesundes wettergebräuntes Gesicht, vom leicht- ergrauten Vollbart eindrucksvoll umrahmt, einen durchaus jugendlich kräftigen Eindruck. Wer ihn so dasitzen ficht, ahnt schwerlich, daß dieses. Mann schon nahezu deeissig Jahre ge- lähmt ist und zweier Armkrücken bedarf. Breitbeinrg, das Urbild eines Patriarchen, sitzt er vor der Schwelle seines Hauses, wie einer, der fein Eigentum zu hüten weiss. Hoch über die Baumwivfel ragt allmächtig die Fabrik. Wie düstere Wächter starren die Schlote zum Himmel. Qualmend schwarze Tänipfe! Pfeifen schreien, Hämmer pochen I Der Lahme fühlt den wilden Pulsschlag der Arbeit. Die gelben Ziegelmauern erzählen ihm seine Jugend. Er sieht sich als jungen Arbeiter. Er kommt vom Lande in die Stadt, — Er lernte Marie kennen. Das übersprudelnde, rheinische Mädel titt's ihm an. Sie wird fein Weib und die Freude zieht in sein Leben. Wie ber Fliederbufch vor der Tür ihres kleinen Häus- chens im Rauch und Ruß seine Dolden treibt und die trübe Wand mit tief violettem Blütenschmim überspritzt, so blüht ihr junges Glück. Hell und reich ist das Heini. Toppelt warm, wenn Stürme heulend ums Dach fegen, doppelt traut die kleine, grüne Lampe, wenn drauKgu blutrot, gespenstig, die Feuer der Hochöfen lodern. Zwei nebe Schreihälfe lafjeu die junge Mutter Tag und Nacht nicht zu Ruhe. Nun hat er für Viere zu sorgen. Doch was tut's! Wenn man von früh bis spät rastlos in dumpfem Fabrikraum schafft, ist der Feierabend bei den Seinen erst köstlich. Er fragt überdies wenig nach Ruhe; er will voran, arbeitet wie ein Toller. Sem Fleiß wird anerkannt.— Schöne Genugtuung, sich eines Tages auf den: Posten des Auftehers zu finden.— Aber dos Schicksal neidet sein felbsternmgenes Glück.— Wie kam das alles mir über ihn?— Ah, der Unglückstag, jene furchtbare Szene mit Jörgens I Der Betrunkene rennt, das blanke Messer in der hocherhobenen Rechten fttchtolnd und brüllend auf ihn los. Der Kreis gaffender Arbeiter schließt sich um sie zusammen und hindert ihn am Zitrückweichetr. Mit den Fäusten schafft er sich Bahn; haut blindlings drein, taumelt zur Seite und stürzt der wütenden Maschine in den Rachen. Rotznckende Brände durchschießen fein Hirn. Ihm ist, als ob ein Flammenmeer ihn verschlinge. Alarmglocken! Schnelle Hilfe hält den Tod zurück. Blutüberströmt, ohne Bewtißtsein, bringt man ihn auf einer Bohre fort. Marie ist fasstmgslos vor Schmerz.— Bange, schwere Wochen im Krankenbette.— Sobald es sein Zustand erlaubt, wird er aus dem Hospital entlassen. Marie pflegt ihn nun selber zu Hause. Längsam, langsam gesundet er; aber er bleibt fortan ein Krüppel._— Dumpfes Grübeln und Grollen. Stumpfer, bleierner Müßig. gang... Marie sucht mit Waschen und Scheuern bei sran- den Leuten die kärgliche Rente mtszubessern. Doch ihm ist's ein Unerträgliches, ganz von ihr abzuhängen. Es peinigt und demütigt ihn als Matm, einer Frau alles zu vordanken. Tann komint die Eifersucht hinzu, die lauernd in allen Ecken und Winkeln des Hauses nistet. Wenn Marie ihn ver- läßt, argwöhnt er Schlimmes; er belauscht ihre Schritte. Oft bereut er seine Barschheit, die sie scheu und wortkarg macht. Aber sieht er, wie ein junger Bursch seiner hübschen Frau freundlich zulacht, kocht sein Blut. Sie schilt ihn undankbar und hart und arbeitet lieber gegen Wochenlohn draußen in der Stadt als daheim seine Launen zu ertragen. Er fühlt sich vernachlässigt. Sein verbissener Groll weckt nur die Schadenfreude seiner Nachbarn.„Nikla, der lahme, kollernde Puter, Marie, das lose Täubchen" hört er sie reden. Immer roher und offener dringt der Schimpf ihm zu Ohren. Herr im Himmel, zum Gassenspott ist sein ehrlicher Name denn doch zu gut.— Er emvört sich, rast vor Witt.— Jenen furchtbaren Abend— nie wird er ihn vergessen.— Er sitzt auf der Lauer; wartet, wartet eine Ewigkeit. Da endlich, schlürfende Tritte vom Hose her.— Marie kommt todmüde von der Ar- boit heim. Schon im Flur macht er seinem Zorne Luft; wirft ihr die gröbsten Schimpiwocte an den Kopf. Marie duckt sich zitternd in den äußersten Winkel, in ihrer Angst bringt sie kein Wort heraus. Die stumme Furcht reizt ihn; er tobt, schreit, bedroht sie mit Schlägen, bis sie unter Schluchzen ein- willigt, den Dienst in der Stodt zu kündigen und bei ihm und den Kindern zu Hause zu bleiben. Jetzt hat er sie wieder ganz in seiner Gewalt; ha, und den lieben Nachbarn ist das Schand- maul gestopft. Nur eins vergißt er, früh genug soll er daran erinnert werden. Denn da der Verdienst der Fran ausbleibt, klopft die Not gebieterisch ans Fenster. Was tun? Wilhelm und Lisa, die Kinder, sind noch zu klein, um Geld zu ver- dienen. Da kommt Marie der Gedanke einen Kostgänger ins Haus zu nehmen. Entrüstet verwirst er erst den Vorschlag; doch da kein anderer Ausweg bleibt, setzt er am Ende selbst die Anzeige in die Zeitung, indes Marie die helle geräumige Bodenkammer herrichtet. Der gesuchte Mieter meldet sich; ein armer, angehender Techniker, der in der Nähe der Fabrik zn praktischem Studium Wohnung sucht.— Der Pakt kommt zustande: auch ist der erste Eindruck von Oskar Strässer, dem neuen Mieter, ein günsttger. In dem ruhigen, strebsamen Manne fürchtet er keinen Rivalen. Es tut ihm wohl, über seine frühere Tätigkeit zu reden. Als alter Arbeiter vermag er Strässer manch praktischen Wink zu geben; ja, er ist stolz, dem seingebildeten Manne nützlich zu sein. Dagegen hört er Neues, Ungeahntes aus der Welt der Technik. Damals war er selber nur ein kleines. Rad im Riesengetriebe imd sah nicht über Nächstliegendes hinaus..Staunend faßt er mm die Zusamnienhänge. Die eintönigen Tage haben von neuem Inhalt gewonnen. Tagsüber beschäftigt das Gespräch seinen Sinn; immer wieder freut er sich auf die friedlichen Abend" stunden. Milder Feierabend! Im runden.Lichtkreis der Lampe sitzen sie zu Dritt am großen Tisch. Ringsum ist die Welt fortgesrmken.— Nur zu wissen, daß in der Kammer die Kinder mit roten Bäckchen schlmnmern; daß die blühende Frau, die mit zärtlicher Liebe Jäckchen und Hemdchen näht. ein junges Leben unter dem Herzen trägt. Zu wissen, daß der dunkelhaarige, feine Mann, der über das Reißbrett ge- beugt eifrig zeichnet, ihn, den einfachen Arbeiter, wertschätzt und achtet! � Er wähnt das Glück neu zu halten.— Gegen Ostern verläßt sie Strässer, um das Polytechnikum auszusuchen. Nur ungern sieht er den Gast scheiden. (Schluß folgt.). W Männer und Frauen von Groß-Berlin! Inmitten des Krieges genießt Ihr den Segen Curer Arbeit! Ihr genießt das Glück der Jeierabendsiille, die Such Erholung gibt! Denkt an Euer friedliches Heim, das Euch Schuh gewährt gegen die Stürme der Zeit! Denkt an das große Glück, das Euch zu Haus im Kreise Eurer hieben taglich erwartet! Denkt an die rauchenden Trümmer zerstörter Wohnsiätten im Kampfgebiet! Da gedeiht keine Arbeit, da krönt kein froher Feierabend des Tages Mühe! Denkt an das Llnmaß von Trauer und �eid der aus ihrem Heim Vertriebenen! Denkt an den Jammer irrender Frauen und Kinderl Oenki daran und danki denen, die Eurer Heimai Schutz und Wehr ssWeftn sind! 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