Ar. 181. 33. Jahrg. -vezugSvretS, SwaeilSbru t/ß MI. monaL I.SC1IK, frei inS Hau», vorauszi:bll>ar.TinzeIn« Kummern 10 Pfa, Voilbejug: SKonai* Nch 1,50 SKI Unter Kreuzband für Deulichtand und Oesterreich- Ungarn S,— MI. fflt das übrige AuSiand «,Z0 MI. manallich, Cetfani ms Fels Bei bitelict Sefteüunq monatt. 130 Mi. Boiibestellungen ncbmen an Tüne- maii, Holland, Luxemburg, Schweden und die Schweiz, Singerragen m die jjoii-5!eitungS- Preislist«. Srlcheiut täglich. letegramm. Adresse: »Sozialdemokrat®er!i**. Nevlinev Volksblttkt. ( 10 Pfe�rEig") AnzcigenprciS: SicsicbcitgosdaUetieJlolencIzeilefoslei 80 Pig,„«leine Anzeige»", da» fettgednickie tLort 00 Psg,(zulässig 2 seligedruiile iSnrlci, jede# tueilere Wort iö Psg, iSteücnqeiuchc und Schlafsiellenanzeigeii das erste Wort 20 Pig., sedes wettere Wort 10 Pig, Worte über Iö Buchttaben zähten tür Iiuet Worte, TeuenttigSzuschlag 20°, o, Famiiien-Anzeigen, votttische und gewerlschaittinie Bereins- tllnzeigeit 50 Psg die Zeile. Anzeigen für die nächste Nuttimer müssen bis ,> Ubr nachmittags im Hatirtgcichiifi, öertm EW. 58. Sinbenflrafic 3, ob tegeben tDcrbcn.(Seärsnet oon 8 Uhr früh bis 7 Uhr abends. �cntralorgan der fosialdemokratifchcn Parte? Deutfchlanda. IteSaktion: ctD. öS, Linöenftraßo 5. |fernf)j?cttier: Amt Moribvlav, Nr. lSZ SV— 151 S7. Dienstag, den 4. Juni 1918. Expeültion: EW. HS, l!?nöenstrahe Z. irsrttsvrecher: Antt Mortttplatz. Rr. 151 SV— 151 S7. Parlamentsbeginn Der heute zusammentreteude Reichstag steht vor der Neuwahl des Präsidenten, die durch den völligen Wechsel in der politischen Stellung der Parteien kompliziert wird. Alle bisher verbreiteten Meldungen sind müstige Koni- binationen oder vorsichtige Fühler. Tie Parteien haben sich mit der Neuwahl noch nicht offiziell beschäftigt. Die sozial- demokratische Fraktion wird sich wahrscheinlich am Schluh der heutigen Plenarsitzung init der Besetzung des Präsidiums befassen. Des Reichstags harrt in der Sommertagung ein ge- waltigcs Stück Arbeit: die Erörterung des Hauptausschusses über die unerquicklichen Vorgänge und die verfahrene Politik im Osten wird im Plenum fortgesetzt werden. Ter Frie- den von Bukarest gibt der Debatte neuen Stoff. Der Aufbau des Arbeitskammergesetzes ist umstritten. Die Vermehrung der Zahl der Abgeordneten durch stärkere Vertretung der Riesmwahlkreife und die teilweise Einführimg des Verhältniswahlrechts dürfen als sicher gelten. Im Vordergrund steht aber die Sanierung der Finanzen des Reiches, deren bisherige Entwicklung sich zu denen Englands unigekehrt verhält wie die militari- schen Erfolge. Die zarte Schonung der besitzenden Klas- s e n wirft gerade jetzt ihre tiefen Schatten über die ganze Volkswirtschaft. Die gestiegene Kaufkraft dieser Kreise treibt die Preise aller Lebensmittel gewaltig in die Höhe, sprengt mit lautem Krach die Schranken per behördlichen Prcisbindun- gen und entlädt sich in einer wüstem Spekulation am Aktien- markt, die das gelinde Entsetzen aller nüchternen, in eine schwere Zukunft sehenden Beurteiler ist. So absonderlich es klingt: alle diese Tinge stehen in einem tiefen Zusammen- hang und sind die typischen Erscheimingen der Geldentwer- tung und Banknotenwirti'chaft. Ein Bankier hatte ganz recht, ' der einmal in dieser großen Zeit sagte:„Mein Lieber, wenn ich wöchentlich für die Butter fünfzig Pfennig mehr zahlen muß. warum soll ich nicht jede Wache eine Bochumer Guß- stahl-Aktie ein Prozent höher bewerten?" Diese Erscheinungen werden nicht mit Polizeimitteln aus- gerottet, weder an der Börse noch am Lebensmittelmarkt. Sie können nur durch Eindämmung der überquellen- den Kaufkraft der besitzenden Klassen— „Geld spielt keine Rolle!"— beseitigt oder wenigstens ein- geschränkt werden. Das Mittel zu diesem Ziele sind scharfe direkte Steuern, und in dieser Zielsetzung tritt ihre augenblickliche Dringlichkeit am augenfälligsten lzervor. Man sagt ihnen nach, daß sie den Spartrieb töten. Wir haben eine weit bessere Meinung von den deutschen Kapitalisten, deren Großteil sich sicherlich lieber persönlich etwa? einschränkt, als das Geschäft zum Teufel geben läßt oder auch nur auf seine Erlveiterung verzichtet. Und eben diese Einschränkung des persönlichen Bedarfs ist heute— von der sittlichen Notwendig- keit abgesehen— für die Preisbildung und damit für die ganze Volkswirtschaft von äußerster Wichtigkeit. Leider haben sich Reichsschatzsekretär imd bimdesstaatliche Finanzminister dieser Einsicht bisher entzogen oder sie haben, entgegen ihrer Einsicht, zu den alten„bewährten" indirekten Steuern gegriffen, in der Hoffnung, so aus der Linie des geringsten Widerstandes zu siegen. Diese Absicht ist um 10 verwerflicher, als sie nicht nur nicht die ungeheuerliche Preis- revolution bekämpft, sondern anH sie in der Erwartung spekuliert, daß die breiten Massen gerade jetzt die neuen steuerlichen Lasten am wenigsten spüren. Der Reichstag ist aus die Zumutung der Verbündeten Regierungen nicht ohne weiteres eingegangen, ilmen aus diesem Pfad des Lasters zu folgen. Zwar werden, wenn mich pielleicht nicht alle, so doch mindestens die meisten indirekten. Stenern geschluckt werden. Aber mit Rücksicht daraus, daß diese vorgeschlagene Steuern während des Krieges nichts oder nur wenig tragen, haben Sozialdemokraten. Fort- schrittler. Zentrum und Nationalliberale Anträge aus Er- Hebung einer außerordentlichen Abgabe von dem Einkommen, Mehrcinkommen und dem Vermögen gestellt. Der Zentrums- mann Gröber sagte in der Begründung, die bisherige Steuerpolitik loirke� r e v 0 l n t i 0 n i 0 r c n d. Das er- strebenswcrte Ziel sei die Vereinheitlichung der direkten Steuern und die Neuverteilung der Stenergewalten zwischen Reich. Staaten und Gemeinden. Der Fortschrittler L i e ich i n g wieg die bimdesstaatlichen Finanzminister darauf hin, daß die Staaten zur Deckung der Fehlbeträge im Reichshanshalt herangezogen werden können und daß diese Beiträge, die auf den Kopf per Bevölkerung berechnet werden, als eine Art Kopfsteuer die in ihrer wirtschaftlichen Schichtung und Lei- stungsfähisskeit höchst ungleichartigen Bundesstaaten sehr vcr- schieden treffen. Die bundesstaatlichen Finanzminister wollen sich aber' mir allerhöchstens dazu verstehen, die Besteuerung des Mehr einkommens dem Reich zu überlassen. Der Reichs-■ tag darf sich damit nicht begnügen. Er darf nicht dulden,! Chaudun südwestlich Soiffons genommen — Vorstost über den Seltneres Grund— Einnahme der Höhen westlich Chateau- Thicrry. Berli«, 3. Inn! 1918, abends. Amtlich. S ü d w c st l i ch v 0 n S 0 i s s 0 n s neue Fort- schritte. Französischc Gegenangriffe beiderseits der O u r c q. Amtlich. Große? Hauptquartier, Z. Juni 19!«.(W. T.».) Westlicher KriegSschanplatz. Heeresgruppe Kronprinz Rnvprccht. Zeitweilig auflebender Artillcrickampf, feindliche Seil» angriffe westlich von? a i l l c 11 l und nSrdlich der L y-? wurden abgewiesen. Heeresgruppe Deutscher Kroaprtuz. Zum Ersatz der durch uusereu Angriff zerschlagenen j französischen nnd englische» Armeekorps und zur Stützung ! der bisher von den Nachbararmeen eiligst auf de? Schlachtfeld herangeführten nnd stark gelichteten Divisionen sind neue französische Verbände weit abgc- legeoer Fronten in den Kampf getreten. Nördlich der A i s u e versuchten sie vergeblich die ihnen angewiesenen Stellungen zu halteu. Wir schlugen sie in hartem Grabenkampf auf M 0 u l i n- s 0 n S- T 0 n- vent— S t. Christophe— B i n g r e zurück. Südwestlich von Soiffons wurde Chaudun genommen. Wir stießen im Angriff über den SavidreS-Gruud bis an den Ostrand der Wälder von Villers-CotterLtS vor. Südlich der O u r c q führte der Feind heftige Gegenangriffe. Sie wurden blutig abgewiesen, lieber CourchampS und M 0 n t h i e r S hinaus gewannen wir Bode» und nahmen die Höhen westlich von C h a t e a u- Thicrry. An der Marne, zwischen Marne nnd Reim? ist die Lage unverändert. Die ans das Schlachtfeld führenden mit Truppen- bcwegnugen stark belegten Bahnen wurden durch unsere Bombengeschwader erfolgreich angegriffen. Wir schaffen 31 feindliche Flngzenge ab. Leutnant Mcnkhoff errang seinen 29. nnd 30., die Lentnants Löwenhardt und Udet ihren 25. Lnftsieg. Der Erste Generalquartiermeister. Ludendorfs. Spiel noch getrieben werden, wie lange wird es sich die Ne- gierung gefallen lassen?! Ein Trost bleibt bei der Geschichte: in seiner Unfähigkeit, eine Reform des Wahlrechts zustande zu bringen, zeigt das preußische Parlament am besten die sachliche M i n d e r- wertigkeit der auf Grund von K I a s s e n w a h l» rechten z u st a n d c g c k 0 m m e n e n Porta m c n t e. Es ist kein Zufall, daß das gleiche Schauspiel, wie wir es in Preußen erleben, auch in einer ganzen Reihe kleinerer Bun- | desstaaten wie Brannschweig und Sachsen-Koburg aufgeführt wird: eine Regierung, die reformieren will, ein Klaffen- Parlament, das die Reform verhindert. Klassenparlamente können eben auch da, wo die Zeit mit äußerster Notwendigkeit Reformen fordert, nicht die sittliche Kraft zu einer Neugestal- tung finden. Denn die Mehrzahl ihrer Mitglieder sitzt eben auf dem Ast der verrotteten Wahlprivilegien, den es abzusägen gilt. Das preußisch-braunschweigisch-koburgische Beispiel ist eine warnende Lehre: jedes K l a s s e n v 0 r r e cht v e r- rammelt die Z u k 11 n f t s e n t w i ck l n n g. Als die preußische Regierung in der Reaktionszeit das Dreiklossen- Wahlrecht oktroyierte, glaubte sie, etwas sehr Gescheites zu tun. sie glaubte— in ihren Gedanken gesprochen—, dem in den„Abgrund der Demokratie" sausenden Staatswagen eine Bremse anzulegen. Aber sie vergaß, daß diese Bremse so stark war, daß die Regierung selber sie nicht mehr b e s e i- t i g c u konnte: und setzt, wo die Regierung selber ein leb- Haftes Interesse hat, den Staatswagen vorwärts zu bringen, bleibt er dank der famosen Bremse angenagelt stehen: War- nung genug für sie, sich durch irgendein Kompromiß aber- mals eine Bremse anlegen zu lassen, die den Staatswagen im kritischsten Moment zum Stillstehen verurteilt! Ter österreichische Bericht. Wien, 3. Juni 1918. Amtlich wird»criautbart: Bei F 0 s s a l t a an der unteren P i a V e vereitelten wir einen italienischen Uebcrgangsversuch durch Geschütz- nnd Mincitwerferfeuer. An vielen Stellen der Südwest- front wurden feindliche Erkunduttgsabtciliingcit zurückgewiesen; eine derselben wurde bciBezzecca abgefangen. Die Artillerie war überall sehr lebhaft. Der Chef des GeneralstabeS. daß die Bundesstaaten durch Anziehung der Einkommen- steuer feststehende Tatsachen schaffen, ihre Kassen bis zum Zerspringen füllen, das Reich elend dahin vegetieren �lassen und von der wichtigsten ergiebigen u n 0 beweglichen Steuer ausschließen. Hinter dieser Aufgabe treten alle anderen Steuerprobleme weit zurück. *« ♦ Das Preußische Abgeordnetenhaus tritt wieder zu- stimmen, um— außer einigen weniger belangreichen Vor- lagen— in vierter Lesung"die Tortur des gleichen Wahl- rechts mit Kompromißdaumenschrauben, mit den spanischen Stiefeln der Sicherungen und mit der eisernen Jungfrau der Mehrstimmen zu steigern. Es ergeht der Vorlage wie dem armen Sünder im Mittelalter: wenn er das Brennen, Quetschen, Gliedabhacken, Knochenbrechen überlebt, so wird eben ein höherer Grad der Folterung angewendet, bis man ihn dorthin hat, wo man ihn haben will. Wir wagen nicht zu prophezeien, daß die Tortur der vierten Lesung die letzte sein wird. Da man sich bemühen wird, das Vakuum der dritten Lesung irgendwie auszufüllen, so usird— vorausgesetzt, daß dies gelingt— zwischen den Beschlüssen der vierten und der dritten Lemng keine Uebereinsrimniung bestehen, was verfassungsrechtlich eine fünfteLesuug nötig macht. Wie lange wird dieses Die �ntwortMLigerung Ckmencsazzs. Unter der Ueberichrift„Dunkle Tage" stellt Ncnaudel in der„Hiimanits" fest, das; die französischen Heeres- berichte nicht vollständig der Wahrheit c n 1« sprechen. Er nimmt sopann Stellung zu der Erklärung, datz die Negierung leine Mitteilungen machen wolle, die zu verlangen da-Z Parlament das Necht habe, und sagt, datz selbst für den Fall der Wiederhersiellttng der Lage die Re- gierung nicht von der Pflicht zur Beantwortung der Interpellationen entbunden sei. Wenn es lein müsse, werde man eben eine Geheim sitzung abhalten. Auf jeden slall seien Iehler begangen worden, die abgestellt werden müßten. Nenaudel wundert sich vor allem, daß bei allen Offensiven der Entente das U eberrasch 11 ngs moment nie eine Rolle gespielt habe, während bei der jetzigen Offensive die lieber- raschung wieder vollständig geglückt sei. Er fragt, ob die Kriegsräte in Versailles und Paris zweckmäßig seien, da durch sie die Entscheidung bei schnell sich entwickelnden s Ereignissen fast immer verzögert werde. Das Parlament müsse über alle diese Fragen Bescheid loissen, denn sie ständen mit dem Heil und der Zukunft des Lande? in unmitielbarcm Zusammenhang. Nenaudel ist bemüht, zu retten,-was im Jahre 19lö nach langen Kämpfen gegen Millsrand und Viviani gewonnen winde. Schließlich ertrotzte die parlameiiiarische Opposition die Zusage, in Gchciinsitzitngcn über Fragen der Kriegstührnng unterrichtet zu werden. Clemenceau hat zunächst den Weg be- schritten, gegen die interpellierende Opposition anzutrotzen. Er scheint den Versuch machen zu wollen, mit einer Erklärung, die für heute angekündigt iit, über die Besvrechung der Interpellationen hin- wegzukommen. Dieser Versuch ivird verständlich, wenn man Gewicht aus die Anspielung Nenaudel? auf die Kriegsräte legt. Ein neuer Sturm gegen jene immerhin noch neue KriegSratSeinrichtung droht, die Foch zum GeueraliistmuS der Alliierten erhob und die ins- besondere die Sache ClemenceauS ist. Sie ist gewissermaßen die letzte große Hoffnung Frankreichs und Englands und stellt die Einleitung zu den Zeilen dar. wa der amerikanische MassensukkurS seine Erlösungen bringen soll. Eine Kritik dieier Einrichtung, die einstweilen noch keine Sicac buchen kann, muß Clemenceau scheuen. Sie kann ihm weder in öffentlicher, noch in geheimer Sitzung will- kommen sein. Aber die Geheimsitzung ist der einzige Ausweg, der Ele- mcnecau bleibt, wenn er die schwere Unruhe über die Kriegslage nicht noch durch ein Unwetter wegen diktaturfarbeuer Vergewaltigung des Parlaments gefährlich steigern will. Der Artikel SiniandelS läßt erkennen, dag die sozialistische Opposition Clemenceau vor eine Entscheidung drängen wird, die seine Art, die Regierung zu Hand- haben, an der Hcrzstellc treffen muß. « Gens, lH Juni.(T.-U) Neben der militärischen Diskussion geht in der politischen Welt die Auseinandersetzung über die Schuld an der Niederlage mit immer wachsender Heiligkeit Ivcilcr. Gegen Clemenceau und seinen Vertrauensinatm, den G e 1: c r a l Foch, werden in der Presse der äußersten Litikcn immer deutlicher die An- klagen erhoben, daß sie die Front an der AiSne von Kampftruppen und Artillerie emblößt und dadurch den Verlust per vordersten SieSuilgen am Tainenwege bsrschuldsi haben. Andere sozialistische Blätter verlangen die Einberufung der Nationalver- iammlung nach Versailles. Nlaliirlich läßt die Zensur nur im- bestimmte Slndeuinngcn über diese TiSkusstonen in der Presse zu. Bezeichnend ist eS, daß sicki plötzlich nach dem Marschall Joffre Heimweh gellend macht, dem besonders Hervv in seiner„Victoire" den nötigen Eindruck verleiht. Clemen cea n selbst versteift sich im jetzigen Augenblick natürlich erst recht daraus, seine selbstherrliche Politik fortzusetzen. Er hat es rundweg abgelehnt, über die gegen die Gewer schastsführcr im Loirebecken aus- gesprochenen Verhaftungen milden Sozialisten zu konferieren und die verhafteten Gewerkschaftler in Freiheit zu setzen. Er hat im Gegenteil am 1. Juni in seiner Eigenschaft als Kriegsminister be- > anders strenge Bersügniig erlassen, aur Grund deren die Polizei ohne weiteres jeden zu verhaften hat, der Panik sät durch Verbreitung tendenziöser Nachrichten über die militärische Lage. Rujsisch-sinmsches In'sZensabkommen. Mnrmangebiet an Finnland. Der russische Volkskommissar des Auswärtigen, Tschi- ischeriii, stellte/ wie dm W. T. B. aus Stockholm gedrahtet wird, dem Vertreter der deutschen Regierung, Grasen Mir- dach, folgende Rote zu: Die russische Regierung vereinigt sich mit der deutschen Regierung in dem Wunsche eines baldigen vollständigen lieber- emkommens mit der finnischen Regierung und nimmt für d i e O r d n n n g der Beziehungen mit der finnischen Regierung jene Basis an. die durch den Grafen Mirbach v o n d e r d e u t s ch e n R e g i c r n n g dem russischen Volkskommissariat für auswärtige Angelegenheiten vorgeschlagen wurde imd die seitens Finnland die Ab- iretung der Fesümg Ino und des Grenzortes Raivola an die russische Republik enthält. Die russische Republik verzichtet dafür auf die Befestigungen dieser Ortschaften und tritt an Finnland den w e st I i ch e n Murmanteil mit dem Zutritt z u nr Meere ab. Tschitsckerin ist überzeugt, daß auf diese Weise ein be- deutender Fortschritt gemacht wird, bewaffnete Konflikte und Blutvergießen zu verhindern. Die deutsche Regierung hat es der russischen diesmal leicht gemacht, auf ihren Vorschlag ein- zugehen. Denn in den Hauptpunkten wiederholt der Vorschlag den Inhalt des Abkommens, das zu Beginn des finnischen Bürgerkrieges zwischen der russischen und der roten finnischen Regierung getroffen wurde. Das; Ino geschleift werden solle, war in dem damaligen Abkommen allerdings nicht vor- gesehen._ /Anerkennung öe? hetmansremsrung. Kiew, 2. Juni. Der Deutsche Botschafter, Freiherr von M!l-II m, und der österrsichisch-ungarischc Botschafter, Graf F o r- .zach, überreichten Heute dem Hetnran Skoropadski im Aus- rrage ihrer Regierungen Schreiben, durch die sie die derzeitige ukrainische Regierung anerkennen und in cnnt- liehen Berkehr mit ihr treten zu wollen erklärten. Der Hetman Skoropadski dankte in deutscher Sprache und schloß daran die Ver- sicherung, daß es nach wie vor sein Bestreben sein werde, die von ihm übernommene Regierung der Ukraine in engster Anlehnung cm die Mittelmächte zu führen. kiewcr IrieöensperhauKlungen. Weistruthcnen und andere Delegationen. Dem Ukrainischen Presse burean Berlin wird unterm Zl. Mai ans Kiew gemeldet: Tie Verzögerung der Vollversammlung wurde hervorgerufen: 1. dadurch, daß bezüglich der Demarkationslinie ein Einvernehmen nicht erzielt wurde, 2. weil die eingetroffene Don- gesandtschaft den Wunsch geäußert hat, bei Bestimmung der Grenzen mit dem ukrainischen Staat in Berührung zu stehen und .!. weil die Sowjetdelegation Schriftstücke von großer Wichtigkeit aus Moskau erhalten hat. Die ukrainische Delegation hat sieben Unterkommissionen für Verhandlungen gebildet. Tie Vollversammlung der Friedenskonferenz wurde dann am M. Mai vom Vorsitzenden der ukrainischen Delegation durch Rück- gäbe der geprüften und in Ordnung befundenen Vollmachten der russischen Delegation an Rakowski eröffnet. Dieser erklärte auch die ukrainischen Bollmachten für geprüft und ordnungsmäßig. Am 3a. Mai besuchte eine Abordnung der Weißruthenischen Volksrepublik imier Führung der Mitglieder der weißruthenischen Rada Ztoikewitsch und Professor Townar Sa- polsti den ukrainischen Minister des Aeußern und hatte mit ihm eine längere Besprechung über die Beteiligung der weiß- ruthenischen Delegation an den Friedensverhand- lungen mit Rußland und die Wiederaufnahme der Be- iprechungen über die ukrainttch-weißrn ibenischen Grenzen. Tarauf desuchte die loeißruthenische Delegation die russische Friedensdele- gation und üerreichte dem Borsitzenden Rakowski eine schriftliche Rote mit der Erklärung der Unabhängigkeit der weißruthenischen. Volksrepublik und der Notwendig- keit der Anerkennung Weißrutheniens durch die Regierung der russischen Sowjetrepublik. Die Note enthält den Borschlag an die Sowjetregierung, mit der weißruthenischen Delegation in Ber- Handlungen über Grenzsragcn, Handelsbeziehungen usw. einzu- treten. Da der Vorsitzende der russischen Delegation sich als nicht bevollmächtigt erklärte, aus die an ihn gestellten Fragen zu ant- >vorten, so hat er beim Rate der Volkskommissare um Instruktionen nachgesucht. Das Ukrainische Pressebureau berichtet weiter von dem Ein- treffen von Abordnungen der D o n- R e g i e r u n g und der K u b a n- Ld e g i e r n n g. Beide habcni die Aufgabe, offizielle Beziehungen zur Ukraine anzuknüpfen. Das Pressebureau bemerkt dazu, die Politik der Ukraine finde dadurch eine außerordentlich wcseittliche moralische Unterstützung Großrußlands gegenüber und auch für die innerpoliti scheu Verhältnisse in der Ukraine werde diese .Anerkennung der ukrainischen Stellung nicht ohne günstige Rück- Wirkung bleiben. Daß die Sowjetregiernng den werdenden ukrai- nischen Staat noch nickt als ein vollkommenes staatsgebilde an- sieht, haben wir vor einigen Tagen mit den von Rakoloski in der Vollversammlung in ftuw gemachten Ausführungen dargetan. Da- gegen helfen solche Detcgations-Temonsirationen vermutlich nichts. Das Ukrainische Bureau berichtet ferner, der Vorsitzende der ukrai- irischen Friedensdelegation Scheljuchin habe eine Reihe von Abordnungen aus den Gouvernements Kursk, W o r o n e s ch und Tschernigow empfangen, die die Bitte aussprechen, daß diese Gegenden nicht unter der Regierung der Sowjets bleiben sollten. Welcher Art die Abordnungen sind, wer sie gewählt und beauftragt hat, wird von dem Ukrainischen Bureau nicht mitgeteilt. Die Sozialisten injwr Ukraine. Kiew, 1. Juni. Die ukrainischen Parteien der Sozialisten, Föderalisten und Trudowiki be- absichtigeu eine P e r s ch m e l z u n g.— In T a g a n r o g haben die Neuwahlen für die Stadtduma etwa die gleiche Anzahl Sozialisten und Nichtsozialisten ergeben. Schwedens Tonnenopfe? an Amerika. Basel, 3. Juni. Havas meldet aus Washington: Das Staatsdepartement teilt mit, daß mehr als 400 00 0 Tonnen schwedischen Schiffsraums zur Verfügung der Vereinigten Staaten und der Alliierten auf Grund de? zwischen den Vereinigten Staaten und Schweden abgefchlossc- neu Handelsabkommens gestellt wurden. Die volköKbskimmung in öer Schweiz. Ablehnung des Volksbegehrens nach direkter Vundcssteucr Bern, 2. Juni. lMeldung der Schweizerischen Deveschen-Agcniur.) Heuie fand die Volksabstimmung über da? von 115 000 Bürgern unterzeichnete, von der sozialdemokratischen Partei gestellte und von einem Teil der linksstehenden bürgerlichen Parleien unlerstützte Volksbegehren aur Einführung einer direkten Bundesstener auf Einkommen von 5000 Franken an und Vermögen von 20 000 Franken an, siait. Das Volksbegehren wurde mit einer Mehrheit von rund 40 000 Stimmen abgelehnt. Bierzehneinhalb Kantone stimmten für, gegen das Volksbegehren. Die industriellen Zentren der deulschen Schweiz stimmten für. während ländliche Kreise, vor allem die romanische Schiveiz, gegen das Begehre» stimmten, hauptsächlich weil eine dauernde direkte Bundesslelicr als Gefahr für das selb- ständige polnische Leben der Kamone betrachtet wird, da direkte Steuern bisher ausschließlich den Kantonen als Haupteinnabmeguelle vorbehalten waren, während der Bund seine Ausgaben aus in- direkien Abgaben shaupliächlich Zolleinnahmen) bestritt. Nach Ablehnung des Volksbegehrens wird der B u n d e s r a i unverzüglich mit der Verwirklichung seines zur Deckung der MobilisationSschu lden vorgesehenen Finanz- Programms beginnen. Da? Programm sieht unter anderem eine mindestens zweimalige Wiederholung der KriegSstcuer auf Besitz und die größeren Einkommen sowie Ausbau der Kriegsgewinnsteuer und Erhebung einer Tabak- st e u e r vor. Dle Wahlen in Rumänien. Bukarest, 3. Juni. Die Wahlen zum rumänischen Parlament, dem Senat und der Deputtertenkammer finden in der Zett vom 1. bis 9. Juni statt. Tie Parteien Bratianus und Take Jonescus, die einen großen Teil ihrer Anhänger, unter ihnen viele bisherige Abgeordnete, verloren haben und gewissermaßen in Auflösung begriffen sind, haben in Voraussicht einer zu erwarten- den niederschmetternde» Niederlage keine Kandidaten auf- gestellt und Wahlenthaltung als Parole ausgegeben. Außer deu Mitgliedern der Partei Marghilomans kandidieren die Anhänger Corps, Steres, des Generals Averescu und einige aus de» Parteien Bratianus und Take Jonescus ausgetretene Mit- glieder, die sich als Unabhängige haben ausstellen lassen. Unter ihnen besinnet sich der ehemalige Minister Orleanu. Gestern am ersten Wahltage fanden die Wahlen für da? e r st e Kollegium, des Senats, statt. Gewählt tv-urden u. a. Ministerpräsident Marghiloman in Turnu Magurele, der jetzige Justizminister Dobrescu in Bukarest und der Mi- nister für öffentliche Arbeiten Ghica Comanesti in Bacau. In Jassy haben Jakob Negruzzi und der ehemalige Minister B a d a r a u, der bereits vor dem Kriege von Take Jonescu ab- geschwenkt und für ein Zusammengohen mit den Mittelmächten ein- getreten war, gesiegt. General Averescu, der den Präliminar- frieden unterzeichnete, ist in Bacau, wo er dem Regrerungskandi- daten gegenüberstand, unterlegen. Dagegen wurde er in Baslui und Tecnei gewählt. Das Parlament, dessen erste Aufgabe die Ratifizierung des Friedens ist, tritt bereits am 17. Juni in Jassy zusammen. Die Tfchecho-Slowaten in Rußlanö meutern. Moskau, 29. Mai.(Meldung der Petersburger Telegvaphen- Agentur.) Eine Erhebung der tschechisch-flowakischen Truppen, die in der Richtung auf Wladiwostok ziehen, um von dort »ach der französischen Front übergesühvt zu werden, führte zu heftigen Zuisammenstößen mit Sowjettruppen in Pens«. Tie Tschecho-Slowaken leisteten den Entwaffunngsversnchen seitens der Noten Armee erbitterten Widerstand. Der Volksbeaiuftragte für den Krieg T r o tz k i schickte an alle Eise n'bahncrng est cllt enderb ti„de des Ostens einen telegraphischen Rnnderlaß, in dem er die Beförderung der erwähnten Truppen auf den sibirischen Eisenbahnen verbietet. Alle Tschecho-Slowaken, die bewaffnet in die Gewalt der Roten Armee fallen, sollen nach dem neuen Befehl Trotzkis auf der Stelle erschossen werden. Um die Meuterei zu isolieren und sie mn Vorrücken nach Osten zu hindern, haben mehrere Eisenbahnlinien ihren gesamten Verkehr eingestellt, so die Linien Pensa— Rusajewka— Ufa— Tscheljabinsk— Omsk. Die Meuterer leisten kräftigen Wiederstand und haben in mehreren Kämpfen die Ober- Hand über die Regierungstruppen gewonnen. Der U-Boot-Krieg. Berlin, 2. Juni. Nach Meldungen aus See durch unsere Unterseeboote im Mittelmcer versenkter Schiffs- räum: 26 000 Br.-R.-T. Der Chef des Admiralstabes der Marine. Kein englischer Einmarsch im Kaukasus. Nach einer Kiewer Meldung aus Baku sollen englische Truppen von Mesopotamien aus das Gebiet des Kaukasus betreten haben. Wie die russische Botschaft dem„B. T." mitteilt, ist an dieser Nachricht kein wahres Wort. Tie versiegelte russische Gesandtschaft. Aus Bern wird der „Franks. Ztg." mitgeteilt: Als die hier weilende maximalistische Delegation aus der Gesandtschaft vorsprach, um eine amtliche Mit- leilung ihrer Regierung zu übergeben, wurde die Entgegeuwahme mit der Begründung verweigert, die hiesigen Herren seien Vertreter der chenialigen kaiserlich-russischen Regierung, von einer maxima- listischen diplomatischen Mission wollten sie nichts wissen. Tie M a r i in a l i st e n tvandten sich dann um Beistand an das schweizerische Polizeidepartement mit dem Wunsche, die Gesandt- schast möge versiegelt werden. Dicsein Wunsche ist alsdann entsprochen worden. Gras Richard Bienerth, der ehemalige Ministerpräsident und Statthalter von Niedcrösterrcich, ist im 56. Lebensjahre gestorben. Er hat als Nachfolger Baron Becks mit Hilfe der Dentschbürger- lichen und Polen regiert und damit die Parteikoustellation be- gründet, die in Oesterreich»och heute besteht. Das Abgeordneten- bauz verlor während seiner Regierung viel von dem Ansehen, das ihm die Einführung des gleichen Wahlrechts gegeben hatte. Scrbisch-Ssterrcichischer Gefangenenaustausch. Pom 28. Mai bis 1. Juni tagte in B e r n c i n e K o n f e r e n z von Vertretern der österreichisch-ungarischen und der serbischen Regierung zur Be- Handlung von Fragen betreffend die Opfer des Krieges. Tic Konferenz leitete Minister Paul Dinichert. Die Arbeiten führten zu einem befriedigenden Ergebnis. Es wurde eine Vercinbarnng unterzeichnet, die insbesondere die Heimschassung von invaliden Kriegsgefangenen und den Austausch von invaliden Kriegsgefangenen regelt. D'e Vereinbarung untersteht noch der Genehmigung der beiderseitigen Regierungen, Die„neutralen� Kriegervereme unö öas �unparteiische" W. T. L». Der Deutsche K r i e g e r b u n d, die Znsammenfassnug der Kriegervereiire, versendet an die Presse einen wüsten Schimpf- a r t i ke I, der sich gegen die Sozialdemokratie, den Reichsbund der Kriegsbeschädigte» und ehemaligen Kriegsteilnehmer, den Reichstagsabgeordneten Gen. Davidsohn und den„Vorwärts"-�- dakteur Gen. Kuttner richtet. Die Verbreitung dieses Hetzproöukts «ber übernimmt merkwürdigerweise das Wolfs s che Tele- graphenbnreau, das damit recht auffällig von seinem sonst betonten Prinzip, den Zoitungen lediglich objektives Nachrichten- Material zur VerfÜMNg zu stellen, abweich:. Der Deutsche Kriege vbund geht aus von einer Entschließung, die der Verwaltirngsrat des„Hamburger Bund deutscher Kriegs- böschädigter" gesaßt hat. Diese Enrschließnng lehnt eine-Ver- schmelzung mit dem Reichsbund ab, weil dieser auch Kr:egsteil< nobmer organisiert, während der Hamburger Bund seine Tätigkeit lediglich auf rentenempsangende Kriegsbeschädigte beschränken will. Die Entschließung steht nebenbei in direktem Widerspruch zu dem Verhalten der Delegierten des Hamburger Bundes auf dem ge- mcinichafilichen Bundestag beider Organisationen in Weimar, auf dem jene die schriftliche Erklärung abgaben, bah sie die Aufnahme von Kriegsteilnehmern nichtals absolutes Hin- dernis einer Verschmelzung bettachteten. Jedenfalls bandelt es sich bei dem Ganzkn um eine reinorganisations- -technische Differenz der beiden Organisationen. Der Dont. sche Kriegerbund«ber, dessen eingestandenes Bestrsben es ja ist, die Organisationen der Kriegsbeschädigten mit Hilfe der Behörden totzumachen, will aus di eser Disfe- renz Horng saugen und knüpft an den Beschluß des Hamburger Bundes folgende Bemerkung: Diese Entscheidung kann als bed-eulungsvoll angesehen wer- den, da sie in der Oefsentlichkeit aufklärend zu wirken geeignet ist über die wahren Ziele des vom Borwärts-Redaktrilr Kuttncr und vom Abgeordneten Davidsobn unter dem Deckmantel einer parteilosen Interessenvertretung begründeten sozialdemokratischen Parteifiliale, deren Entstehuugsgrnnd einigermaßen die Furcht war, nach Kriegsende könnten die hsimkebrsnden Krieger sich der auf �vaterländischem Boden stehenden, auf eine großzügige, langbewährte Wohlfahrtspflege gestützten politisch parteilosen Kriegervereinsbeivegung anschließen. Die Behauptung ist einmal objektiv unwahr. Die sozialdemo-. kratische Partei bat mit dem Reichsbund der Kriegslbeschädigten nichts zu tun und dieser hat oft genug öffentlich erklärt, daß er die Interessen der Kriegsbeschädigten und Kriegsteilnehmer aus der Grundlage parteipolitischer Neutralität vertreten will. Wenn sich aber weiter der Deutsche Kriegerbund daran stößt, daß in der Leitung des Neichsbundes auch Sozialdemokraten tätig sind, so wirft das ein sehr bezeichnendes Licht auf den jüngst gefaßten Beschlus! des Deutschen KriegerbundcS, wonach angeblich die Kriegcrvercine in Zukunft selber Sozialdemokraten aufnehme» wollen! Dieser Beschluß entpuppt sich danach als reines Bauern- fangmanöver! das Rettungshaus zu Tiefenort. Erkrankung nach geistigem Tiefstand! Wir teilten vor kurzem die Anfrage des Abg. Genossen Leber im Weimarischen Landtag mit, die ans die Zustände im RettungS- Hanse zu Tiesenort hinwies, wo sechs Fürsorgezöglinge infolge Unterernährung gestorben seien. Auf diese Aufrage"'■* in der letzten Landtagssitzung Geheimer Staatsrat Dr. Unteutsch geantwortet. Er führte aus, daß die im ällge- meinen bestehenden Ernährungsschwierigkeiten natür- lich auch die Fürsorgeanstalten im Lande betroffen hätten. Man habe infolgedessen vielfach damit zusammenhängende Krankheiten, besonders Tuberkulose, feststellen müssen; die geistig am tiefsten Stehenden fe-ien in den Anstalten vornehmlich davon befallen worden. Aerztlicherfeits sei aber festgestellt worden, daß die Ernährung in den Anstalten im allgemeinen nicht schlechter sei als sonst und nicht als Ursache dieser Krankheiten bezeichnet werden könne. Abgeordneter Leber sei daher im Irrtum, wenn er behauptet habe, ein Assistenzarzt der Jenaer Klinik habe ihm dieses mitgeteilt, mindestens habe er den Arzt falsch verstanden. Unrichtig auch sei es. daß die mangelhafte Ernährung durch die örtlichen Qrgane des Rettungshauses m-itverschuldet sei. Die Regierung habe ihren Medizinalreserenten in die Anstalt gesandt, und dieser habe den Zustand der Zöglinge als durchaus befriedigend erklärt, vor allem habe er keine beträchtliche Unter- ernährung im allgemeinen(!) feststellen können. Die Regierung sähe daher keinen Anlaß, weitere Maß- Ii ahme n zu ergreifen. Abgeordneter Leber machte nach dieser Erklärung den Zwischenruf:„Tann sind die Jenaer Acrzte Lügner!", und erhielt dafür vom Präsidenten eine Rüge. Die Tuberkulose, welche die geistig am ttessten Stehenden be- fällt, ist jedenfalls die wunderbarste Krankheit, die sich seit Menschengedenken in Deutschland ereignet hat. An geheimnis- vollen Charakter übertrifft sie selbst die spanische Seuche. WleZsr eine!Vahlrechtsvo?lafle abgelehnt. Tie Reaktionäre triumphieren jetzt auch in Koburg-Gotha. Sie haben über die Regierung gesiegt, die den jahrelang er- hobenen Forderungen des werktätigen Volkes nach einem gerechte- ren Landtagswahlrecht durch Gesetzesänderung gerecht werden wollte. Am Freitag lehnte der Ecmrinschatliche Landtag in Koburg die Regierungsvorlage ab. Würde die Regierung den Landtag auflösen, dann würde eine Neuwahl den Wablrechtsseinden alsbald die Quittung ftir ihr Verhalten erteilen! Aber statt dessen erklärte der Minister nur im Grabeston, daß dem Landtag i n dieser Z n s a m m e n s e tz u n g die Vorlage nicht mehr zngehe-n werde. Eine ffirchterliche Strafe. Niederschlagung von Untersuchungen gegen Kriegsteilnehmer. Dem ReickStag ist der Eniwurf eines Gesetzes über' die Nieder« ichlagnng� von Untersuchungen gegen KriegSleilnehmer zugeoangeu. Danach tönnen ni Sachen, in denen dem Kaiser das Vegnadigiings- recht zustebt. Untersilchungen oegen Teilnehmer an dem gegen« wärligen Kriege wegen Handlungen, die vor oder während der Einberustmg zu den Fabnen und vor der Beendigung des Krieges begangen worden find, im Wege der Gnade niedergeschlagen werden. Ersatz- Kaempf. Ueber die Neuwahl in Kaemvfs Wablkreiie beriSlel die fonichritiliche Presse. die Fonschrittliche Volks- vartei babe in den letzten Tagen mit einer Reihe führender Persönlichkeiten des volnischen und wirlichaftliche» Lebens wegen der Kandidatur Fühlung genommen. In der Absicht.' wieder einen hervorragenden Verirelcr der Berliner Kaufmannichast in den Reichstag zu eni'enden, sei die Partei neuerdings an Dr. James S i m o n heranoetreten. Die endgültige Entscheidung werde aber ivohl erst im Lause der nächsten Wochen erfolgen. Mißlungene Annexion von Birkciifcld. Birkenfeld ist eine kleine Enklave von etwa 500 Ouadraikilomeier in der preußischen Rbein» Provinz die zum Herzogtum Oldenburg gehört. Jüngst hieß ti, Das Ringen an Oys Telegramm unseres Kriegsberichterstatters Dr. Adolf Köster. Westfront, 2. Jum, mittags. Als H a n p t w i d e r st n n d s h c r d e des Gegners scheinen allmählich die Gegenden südwestlich S o i s s o n s und südwestlich Reims hervorzutreten. � Das.bedeutet eine Wiederholung des frochschen Versuchs im April, das deutsche Einbruchsloch durch Stöße in beide Flanken zu er- schütter». Tie in dieser Absicht geführten Gegenangriffe gegen die deutsche Südostflanke beiderseits des Ardre» Flusses, die nebenher die bedrohte Veslcfestnng Reims retten sollten, wurden mit starken Krusten, aber ohne den erstrebten Erfolg geführt. Tie gleichzeitigen deutschen Borstoße von lediglich taktischer Bedeutung östlich Reims zwangen den Gegner vielmehr zu neuer Gegcnanstrengnng an der andern Front. Wie anderswo, spielen sich auch auf dem Reimscr Schlachtslügcl die Bewegungen genau in der gc- Planten Reihenfolge ab. Auf der rechten Flanke des deutschen Einbruch Koches haben die zum Schutze v o n P a r i s b e st i m m t e n Hauptreserven F o ch s die glänzenden weiteren Kooperationen der Flügelarmeen v. Boehn und Huticr nsi"t hindern können. Tnrch Schluchten und über Plateaus, die ans den beiderseits verdrahteten asten deutschen und ueoverstarkten Stellungen von den Franzosen zäh der- teidigt werden, geht die Säuberung des Höhen- dreicckszwischcnOiseundAisne rücksichtslos vor- wor-s. Rördlich des Waldes von Billers Cotterets hält die französische Widerstandslinie noch bis 5 Km. süd- westlich Soiffons. Toch stehen mit der heute gemeldeten Neberwindnng des Savit-res- Abschnitts deutsche Kräfi? westlich Eorcy und Trocsnes dem vorspringenden französischen Soissonsbogen tief in der südöstlichen Flanke. Ans der ganzen Front zwischen Nohons nnd Reims ist die Schlacht auch am 7. Tage nickst abgeflaut, sondern tobt bei allmählich eintretender Ausgleichung der numerischen Kräfte weiteren wichtigen Resultaten entgegen. t>k deutsche Defensivfianke ßn Zer Marne. stur Kumpflage cm der Westfront, wie sie sich au? dem letzten amtlichen Berichte der deutschen Obersten HecreZleiiung ergibt, schreibt der militärische dlpr. Mitarbeiter: Was sich jetzt an unserer Kampffront im Westen vollzieht, muß als der zweite Akt der mit dem 27. Mai neu begonnenen deutschen Offensive gelten. Tic Durchs-ostung der feindlichen Linien ist in einer Tiefe von mehr als M Kilometern in der Richtung auf die Marne hin erfolgt. Nun- mehr handelte es sich darum, den erzielten Durchbruch strategisch auszuwirken, d. h. ihn nach den Flanken hin so zu erweitern, daß dem Gegner jede Möglichkeit genommen wird, durch stark massierte Angriffe gegen die Schenkel des vorgetriebenen Keils den erzielten Raumgewinn des Angreifers zu gefährden. Wann der Zeitpunkt gegeben ist, wo die Vorwärtsbewegung ein- zuhalten ist, um die Verbreiterung des Operationsraumes frontal zu den Schenkeln durchzuführen, hängt je von den Umständen, von den örtlichen Verhältnissen, der Stärke und dem Angriffspunkte der feindlichen Eegenoffcnsive sowie natürlich auch von allgemein strategischen Erwägungen ab. Man darf nämlich dabei nicht ausser acht lassen, dass durch die Vortragung des Angriffes in so steiler Form, wie dies aus der Richtung von Laon geschehen ist, sich auto- matisch die Kampffront über ein ganz Beträchtliches verlängert: während die Basis, von der aus unsere Offen- sive begann, nur etwa 40 Kilomrtrr betrug, ist sie jetzt auf etwa 12lZ Kilometer angewach s e n. Die elementare Oekonomie der Kräfte verlangt aber, dass die auf diese Weise elastisch ausein- andergezogene Front, wenn nicht wieder gekürzt, so doch min- destens nicht einer weiteren Spannung ausge- ste tz t wird. Aber auch andere Momente können bei einer Angriffsändming eine bestimmende Rolle spielen, so besonders der sich versteifende Widerstand auf einem der 5hcilschenkcl und die dadurch bedingte Gefahr einer Flankierung der an der Keilspitze operierenden Gruppen. Die Notwendigkeit der Schaffung eines hin- reichenden FlankenfchutzeZ unserer bis an die Marne vorgestof-enen Korps ergab sich zunächst auf unserem w e st> l i ch e n Flügel, wo General P e t a i n alle ihm in den Nachbar- abschnitten zur Verfügung stehenden Kampfmittel zusammenraffte, dass die Angliederung diese? Ländchen? an Preussen stvabstchtigt sei. Dieses Gerücht wird jedoch von der Birlenfelder«Landes- zeitung*_ dementiert. Talsächlich hat die Oldenburgifche Siaaisreaierimg mit den Mitgliedern dcS Landtag? und einigen weiteren Stellen Fühlung genommen, um die Frage einer grundlegen- den Reorganisation der durch den Wiener Kongreß geichassenen Verhältnisse unverbindlich zu erörtern. Entscheidende Entschlüsse seien aber noch nicht gefaßt, insbesondere schwebten auch mit Preußen bicrüber kein- Verhandlungen.— Em Glück für unsere Annexionisten. daß ihnen noch außerhalb Teutschlands ein so großes Täligkeits- gebiet winir. Tie Behandlung der deutschen Kriegsgefangenen in England haben zwei kleine Anfragen der Abgg. Dr. Heckscher und Dr. Bell zun, Gegenstand. Beide Anfragen geben davon aus. daß ans Grund zuverlässiger Nachrichten die Zustände in den englischen Gefangenen- lagern zusehends härter und unerträglicher werden. Insbesondere wird die Ernährung immer unzureichender, aber auch die sonstige Behandlung läßt zu wünschen übrig. Lenötag mzK Wahlrsform. Der„Volksbund für Freiheit und Vaterland" hielt gestern abend in den„Germ�ziasälen" eine Versammlung ab, die von Pros. Francke mit dem Wunsche eröffnet wurde, dass der unHalt- bore schwebende Zustand der Wahlrechtsfrage das Ende der En!- fcheidung finden möge.. Als erster Redner sprach der�nationalllberale ReichStagSabge- ordnete Dr. Blankenburg. Er glaubt, dass die vierte Lesung der Vorlage auch kein anderes Resultat liefern könnte, als die vor- b r gebenden. Selbst mit dem Zweisttmmenwahlrrcht ist es den Kon- fervativen nicht ernst, denen es nur darauf ankommt, dass..alles verunjcniert wird". Die Znsatznimme für Seßhaftigkeit würde eine Prämie für das breite Gesäß bedeuten. Es gibt kein' andere Lösung als das gleiche Wahlrecht, sollte seine Einüchning nicht anders als durch Auflösung zu erreichen s-m. so würde ich darüber nicht schreien, wenn auch ein Wahl- kämpf während des Krieges nickt zu den Annehmlichkeiten gehört. W-.r müssen Respekt haben vor der namenlosen Masse, sie bildet den Grundstock der Zukunft Deutschlands, zu dem wir Ver- trauen haben können. Geben wir dem Volke das gleiche Wahlrecht. es wird stcb deren würdig zeigen! s Beifall.) Der zweite Redner, der VcrbandSvorsitzendc Hartmann der Hirich-Tunckerfchen Gewerkvereine, führte aus, dass es einen stich- Halligen Grund gegen das gleiche Wahlrecht nicht gibt. Wird das cq- und Marzlsfront. um sie,«nisprechend dem Operationsplane des Generalissimus Foch, zum Gegenangriff im Räume von Soiffons einzusetzen. Ob sich dieses naheliegende Mittel, dem deutschen Vor- wärtskommen Schwierigkeiten zu bereiten, als strategisch richtig erweisen wird, muß abgewartet werden, bis sich die Folgen unseres Vormasch es zu beiden Seiten des Ourcq übersehen lassen werden. Einstweilen kann Foch der Gegenstoß bei Soissons höchstens eine gewisse taktische Erleichterung bringen. In dem Maße, wie die Armee Hutier an der Oise an Boden ge- winnt und unsere an der Ourcq operierenden Truppen in West- licher Richtung vorstoßen, gerät der Franzose bei SoissonS in eine gewisse Sackgasse. Durch die Umbildung des Marne-Abschnittes Chateau-Thierr y— D o r m a n s zu einer Defensiv- flanke ist unsere Heeresleitung in der Lage, ohne Schwierig- keit eine Aenderung der Angriffsrichtung eintreten zu lassen, und der zunehmende Rainngewinn auf dem westlichen Schenkel, wo wir bis an den Ostrand des Wäldes von Villers-Cotterets vorgestoßen sind, während südlich der Oise bei Charlepont und Moulin-sous-le- Touvent der letzte Rest unserer Linie vor der großen Räumung des Frontbogens Arras— SoissonS erreicht wurde, ein Beweis für die völlige Operationsfreiheit, die wir durch unsere Festsetzung aus den Höhen des Marneufers gewonnen haben. Zwischen Gise unö Marne. ffranzSsischer Heeresbericht vom 2. Juni nachmittags. Der deutsche Druck dauert« mit großer Stärke an der Front zwischen Oise und Marne an. Di« äußerst hesiigsn Versuche am Nordvand des Waldes von Charlepont und Moulins-sous-Tou- p e n t wurden aufgehalten. Die französischen Truppen haben den Feind nördlich von diesen Orten zurückgeevorfen. Mont de C h o i sth, viermal von den Deutschen angegriffen und von ihnen genommen, wurde von neuem durch die Bajonette der französischen Soldaten zurückerobert, welche es behaupteten. Zwischew V i e z y nnd Q u r c q bemächtigten sich die Deutschen der Dörfer Longpont, Courcv, Faverolles und Tranes, aber durch einen ener- gischen Gegenangriff eroberten die französischen Truppen diese Ort- schaften neuerdings zurück. An der Diarne haben die Deutschen die Höhen westlich von Chateau-Thierry erreicht. Die Franzosen ha'lton den am linken Ufer gelegenen Teil der Stadt. Heftige Kämpfe fanden an der Strasse DormanL— Reims statt, welche die Deutschen südlich von Olissy, Violanes nnd Bitte en Tardenois ein wenig überschritten. An der Front von Reims keine Verände- rrnig. Französischer Heeresbericht vom Ä. I n n i nacht». Die Schlacht geht weiter. Während des ganzen Tages haben unsere Truppen namentlich von der Gegend der Ourcq bis zur Marne, wohin der Feind seine Hauptanstrengungen richtete, den Stoß der deutschen Truppen mit zäher Tapferkeit ausgehalten. Die Deutschen haben sich von neuem FaverolleS bemäch- t i g t, aber alle ihre Angriffe auf C o r c y und Troesnes sind gescheitert. Im Westen von Neuillh-Saint Front warfen unsere Gegenangriffe den Feind auf Passh e n V a lo i s zurück. Die Höhe lö 3 unmittelbar westlich von diesem Ort wurde nach erbitterten Kämpfen von unseren Truppen zurückerobert. Weiter südlich an der Front Torcy— Bouosches wurden zwei feind- liche Angriffe hintereinander gebrochen. Auf unserem rechten Flügel haben wir C h a m p l a t zurückgenommen und in der Rlch- tung Ville-en-Tardenois Boden gewonnen. Sonst ist die Lage überall unverändert. Französischer Bericht vom Z. Juni nachmittags. Die französischen Truppen setzten gestern abend ihre Gegenangriffe an der ganzen Front einschließlich der Strecke zwischen Ourcq und Marne fort, wobei sie an mehreren Stellen Fortschritte machten. Heftige deutsche Angriffe beiderseits der Strasse Chateau- Thierry— Paris zerschellten im französischen Feuer südöstlich von Bouresches. Ueberall sonst wurden die französischen Stettungen gehalten. Die Verluste, die der Feind bei diesen Gefechten erlitt, waren schwer. Die Franzosen machten etwa 1l)l> Gefangene. Paris, 2. Juni.(Havas.)„Matiu" meldet: Ueber der Bannmeile entspann sich heute nacht ein hcisser Kampf gegen deutsche Fluggcschwader. Einem einzigen Flugzeug gelang eS, durchzubrechen; es warf eiligst seine Bomben ab. Vier Personen wurden schwer verletzt.- Wahlrecht wieder abgelehnt, so gibt es keine andere Möglichkeit für die Regierung, als das Abgeordnetenhaus aufzulösen. Der christliche Berbandssekretär Streiter schloß sich den Ausführungen des Vorredners an. Vor einer Neuwahl während des Krieges brauchten wir uns nicht zu fürchten, es hat bei den letzten Reichstagsnachmahlen weder Tote noch Verwundete gegeben, also werden wir auch bei den Landtagswahlen keine Ver- lustlisten zu erwarten haben. Generalsekretär R e m m e r S erklärte für die Interessengemeinschaft der deutschen Beamten, dass die Mehrzahl der deut- scheu Beamten auf dem Boden der Regierungsvorlage stehen. Er wies mit Entrüstung die Verdächtigung Heydebrands zurück, der vom gleichen Wahlrecht die Auflösung der Pflichterfüllung der Be- amten erwartet.(Lebhafter Beifall.) Zuletzt sprach Genosse Hirsch; wegen der vorgeschritte- ncn Zeit sasste er sich ziemlich kurz. Deutschland wird im Aus- lande mit Preußen und dieses wieder mit seinen Junkern idcntifi- ziert. Der Zusammenbruch des Junkertums in Preussen wird viel dazu beitragen, die Meinung des Auslandes über uns zu unseren Gunsten zu wandeln. Sollte die Reaktion noch einmal einen Pyrrhussieg feiern, so wird sie daran keine lange Freude haben. Es wird für die Regierung nichts mehr übrig bleiben, als die nochmalige Ablehnung der Vorlage mit der so- f o r t i g e n Auflösung zu beantworten. Sie darf sich nicht darüber täuschen, daß das Vertrauen zu ihr i m S ch w i n o c n b e- ll ri ssen i st. � So zäh wie die Reaktion an ihren Vorrechten festhält, so zäh kämpfen wir um die Erreichung unseres Zieles: das gleiche Wahlrecht!(Lebhafter Beifall.) Zum Schlüsse wurde einstimmig folgende Resolution ange- nominen: Die seitherige zögernde Behandlung der Wahlrechtsvorlage durch Regierung und Abgcordnekenhaus hat im Volke eine starke und berechtigte politische Erregung her- vorgerufen. Sie ttnin nur durch eine klare Entscheidung für das gleiche von jeder Einschränkung freie Wahlrecht behoben werden. Deshalb ist die Wiederherstellung des 8 3 der Regierungsvorlage, nach der jeder Wähler eine Stimme haben soll. Er- füllung einer dringeliden vaterländischen Pflicht, den siegreichen Kämpfern an der Front und den Wählern in der Heimat da? vor einem Jahr feierlich versprochene neue Staats- bürgerrecht nicht länger vorzuenthalten, sondern es schleunigst zur Durchführung zu bringen. Wir erwarten, dass die Regierung ibren Entschluß, das Wahlrecht nötigenfalls durch eine Auf- lösung zu erzwingen, ausführt und daß dann für den Wahlkamps alle Freunde des gleichen Wahlrechts ein« geschlossene Front bilden werden. partewachrichtsn. Die Denkschrift de?„Interalliierten Sozialistenkouferenz". Die Denkichrift der Interalliierten Sozialtstenkonferenz. die der Genosse Branting zusammen mit einem vom 13. März datierten Schreiben von Huysman und Vandervelde am 29. April in Stock- Holm absandte, ist dem Parteivorstand am 3. Juni zugestellt worden. Wie bereits in der letzten Sitzung des Parteiausswusses mitgeteilt wurde, hatte der Paneivorstaud vor lurzem den Text von auderer Seite bereits erhalten. DaS gleiche Wahlrecht ist da? Zeichen! In LiegnitZ wurde dieser Tage eine von rund 1003 Per- tonen besuchte öffentliche Volksversammlung abgehalten, in der Genosse D i e t r i ch-B-eslau über daS Tbema„Die Zukunft Deitliiblands" sprach und mit den Friedens- und Wublreckitsgegnerii wirksam abreckmete. Die Versammlung gab ihrer Stimmung durch einstimmige Annahme einer Entsck>l>eßung Ausdruck. Schon vor einiger Zeit balle in Liegnitz eine Versammlung getagt, die sich mit einem gleichen Tbema beseluijtigte. Der Andrang zu dieser Bersamminng war so stark, daß nur etwa ein Drittel der Erschienenen im Versammlungslokal Platz fanden. Im Wahlkreis Liegnitz-Goldberg-Haynatl sind in letzter Zeit drei weitere gut besuchte Volksversammlungen abge« halten worden(in Haynan. Goldbera und Harpersdorf), in denen ebenfalls unser Reichsiagskandidat Genosse Dietrich über die Friedens- und Wablrechtsfrage redete. Eine Resolution, die sich für den Berständigungsfrieden sowie für daS allgemeine, gleiche, geheime und direkte Wahlrecht einsetzt, fand auch in diesen Ver- iammlunqen einstimmige Annahme. In Lübbenau fand am Sonnabend eine Versammlung siait, in der der Reichstagsabgeordnete Hermann Müller über „Volk— Krieg— Wahlrecht" sprach. Die Versammelten spendeten dem Redner, der die sofortige Auflösung d e Z A b g e« ordneten haus es verlangte, lebhasten Beifall. Inöustrie unö Kandel. Aus dem Berliner Wirtschaftsleben. Die Filter- und Brautechnische Maschinenfabrik Akt.-Ges. vorm. L. A. Enzinger, Berlin und Worms wird nach reichlichen Wschrei- düngen und Rückstellungen die Verteilung von 8 Proz. Dividende (im Vorjahre 6 Proz.) verteilen. Einführung des Franken als Münzeinheit in Rußland. Der Petersburger„Djen" teilt mit, daß der Finanzausschutz beschlossen hat, den Franken als Münzeinheit zu empfehlen, wo- durch der Nennwert des Rubels auf einen Franken herabgesetzt wird. Gleichzeitig soll das Dezimalsystem eingeführt werden. Englischer Gummihandel und U-Boot-Krieg. Ein von der rauhen Faust des U-Boot-Krieges erfaßter Er- werbSzweig ist auch der englische Gummihandel. Der gewaltig ge« stiegen« feindliche Bedarf an Nohgnmmi für die Fabrikation von Autobereifungen, Zeltbahnen, Militärmänteln und Stiefeln m a, hat mit der Schiffsraumnot als marktbeherrschendem Faktor nicht genügend gerechnet. So vollzog sich ans diesem Gebiet eine ähnliche Entwicklung, wie wir sie bereits beim überseeischen Handel mit Getreide, Fleisch. Wolle, Fett erlebten. Wertvolle Rohstoffvorräte häuften sich jenseits des Weltmeeres in den Gummierzeugungs- ländcrn an unv können aus Mangel an Transportgelegenheit nicht in der erforderlichen Menge nach Europa gebracht werden. Um die Ucbcrproduktion und die Entwertung ihrer Plantagen zu bekämp- fen, versuchten die englischen Pflanzerverbände im Einvernehmen mit der britischen Regierung, die Gummi erzeugunq fnr_ 1918 um 20 v. H. einzuschränken. Diese Massregel schlug fehl, weil die hol- ländischen Kolonien mit Hilfe amerikanischer Händler- das Ab- kommen durchbrachen und unter Umgehung dcS einst beherrschen- den Londoner Gummimarktes direkte Geschäftsverbindungen mft den Vereinigten Staaten, dem Hauptverbrauchsland für Gummi, anknüpften. Londons Anteil am Wcltgummihandel, J>er 1014 rund 55 v. H. betrug, ging infolgedessen 1913 auf 44 v. H.� und seitdem erheblich weiter zurück. Andererseits stieg der Gummiverbrauch in den Vereinigten Staaten im Jahre 1917 auf nicht weniger 68 v. H. der Welterzeugung, ans 175 000 Tonnen, gegen 50 v. H. im Jahre 1914, obwohl er bereits damals um 20 v. H. gegen das Vorjahr ge- stiegen war. Die Gummi erzeugenden Kolonien sind eben bestreb!» das Risiko der Schiffahrt im Sperrgebiet zu meiden und direkt nach nordamerikanischen Häfen zu liefern. Auch die Japaner wollen sich von London unabhängig niachen und haben in Holländisch-Jndien große Gnmmipflanzungcn erworben. Die Furcht vor der deutscheu Petrolcnmkonkurrenz. „Wall Street Journal" scbrcibt: Vor einem Jabre erlangte Deutschland die Kontrolle über die rumänischen Petroleum-Felder; durch die kürzlichen Ereignisse in Ost-Europa bat es die lussiichcn Petrolennt-Ouellen in seine Gewalt gebracht. Die nächste Folge ist, daß das Europa des Verbandes nur auf Amerika als Petroleum- abgeber angeimesen ist. Allerdings war die? schon seit Absperrung der Dardanellen der Fall, aber trotzdem hossle man bisher immer noch, von Rußland wieder Petroleum zu erbaltcn. Im letzten Jahre 1917 war Amerika mit 6? Pro», an der Weliprodnktion beteiligt; im Jahre vorher mit 65 Proz. Wenn man von Mexiko, welches die englische Flotte mit Petroleum versorgt, absieht, so beherrscht Amerika jetzt den Petroleummarkt. Sollte Deutschland Mittel und Wege finden, Schweden und Norwegen, denen die Vereinigten Staaten im Jahre 1916 11 bezw. 34 Millionen Faß Leuchtöl lieferten, mit Pelroleuin zu versorgen, so wäre das ein beträchtlicher Ausfall für die Verenrigien Siaalen.___ fefcte Nechrßckte«. N-Boot-An griff auf eine Fischcrflotte. London, 3. Juni. Reuier. Aus Belfast wird telegvaphrert, daß ein deutsches U-Boot am Donnerstagabend an der Küste der Grafschaft Down eine Flotte von kleinen Fischerfahrzeugen angriff. Den Besatzungen wurde der Befehl gegeben, in ihre Boote zu gehen. Daraus ging ein Regen von Geschossen auf die Fischer- fahrzeuge nieder. Von der aus 39 bis 40 Schiffen bestehenden Flotte wurden 12 versenkt. Ter Rest verdankte seine Rettung dem Umstände, daß das U- B o o t b e i seiner Arbeit gestört wurde und rasch tauchte.____ Tic spanische Epidemie. London, 3. Juni. Das Reutcrsche Bureau meldet aus Madrid vom 2. Juni: Die unbekannte Epidemie, die vor etwa 14 Tagen in Madrid auftauchte, hat sich mit riesiger Schnelligkeit ausgebreitet. In Madrid allein sind über 100 000 Personen daran er« krankt, und die Zahl der Kranken nimmt noch täglich z u. Die Epidemie hat bereits nach den meisten Provinzhaupt. st ä d t e n und nach Marokko übergegriffen, ivo sie die spanische Garnison ergriff. Sie hat sich namentlich in den dicht- bevölkerten Distrikten so rasch verbreitet, daß die öffentlichen Dienste dadurch ernstlich in Frage gestellt werden. Gestern st a r b e n an der Krankheit III Menschen, während der letzten Tage ungefähr 70 0. In allen Fällen mit tödlichem Ausgang handelt es sich um Komplikationen. Gesunde Personen genese» in vier bis fünf Tagen. Für Menschen mit schwacher Gesundheit, vor allem für Kehlkopf- und Lungenleidende, ist die Krankheit gefährlich. GewerWWewMng MZCTsrZsz?üichL Generawersammlung öer Ol!chöxuckec. Würzburg, 1. Juni. In der Frage der Arbeii'sosenunterstüi.'ling wurde gemäß einem iknirage der am Donnersiag enigeietzien Kommi'sion folgender Lc- sckluß gefaßt: Sallie der.iiriegdende von der vtegrerung bzw� von den Kommunen leine Vorsorge für die Unlersttttzung der Arbeitslosen gel! offen weiden, so ist der Verbandsvorstand berechtigt, die NrbeitSlosriiuiiterslüung bis zu 50 Pf. pro Tag zu erhöben unler gleichzeitiger Erhebung eines erhöhten VerbondsbeiiragS. Es ist dorm sofort eine Gauvorstehet konferenz einzuberufen, welcher die weitere Eiledigriiig der Frage überwiesen wird. Nach Beendigung deS Krieges soll der Verbandsvorstand eine Aufstellung über das Verhältnis der kriegSbeichädigten Kollegen zur Organiialion machen. Auf Grund des einlitielten Materials toll dann eine Gauvorstcher- konferenz prüfen, inwieweit den m bezi-g auf die Kriegsteilnehmer vorliegenden Anträgen Rechnung getragen werden kann. Den wichtigsten VeratungSgegeristand des letzten Vcrhandlungs' tageS bildete die Neuwahl der VerdandZlciwng. Handelte eS sich doch darum, für'den verstorbenen Vorsitzenden Döbli», der fast Lv Jahre an der Svitze des Verbandes ge- standen hatte, Ersatz zu finden. Aus Grund der Vorschläge der zur Vorberatung dieser Materie eingesetzten Kommisfion wählte die Generalversammlung emmültg durch Zuruf den Kollegen Seitz, seit 25 Jahren Gauleiter Ii! München, zum ersten Verbands- Vorsitzenden; G r a ß m a n n-Berlin behält den Posten als zweiler Volsitzender. Im übrige» wurde der bisherige Vorstand, ebenso die Iledaktcure wiedergewählt. Den vom Verbände angestellten Beamten wurde eine erneute Teuerungszulage bewilligt. Die Diäten für die Delegierten weiden aus 2b M. iestgesetzt. Allgemein wurde die vorzügliche Verpflegung der Delegierten i» Wüczburg daiilbar anerlannt. Zunl Schluß der Verhandlungen wurde folgender Fall zur Sprache gebracht: Der Polizei- Unteroffizier, Buchdruckereibcsitzer Grafsmanu im Meidericher Neservelazarett verseiidet Karten an Kriegsbeschädigte n>it dem Beifprechen des Nachweises einer guten Stellung, falls die Bewerber einen Revers unterschreiben, daß sie seil elf Monaten keiner Orgaiilialion angehören. Die General- Versammlung vertrat demgegenüber die Ausfafiung, daß dieser Arbeitsnachweis die Not der Kriegsbeschädigten ausnützt und sie veranlaßt,»llr das Angebot einer sehr zweifelhaften Arbeitsstelle das Recht der Koaliiionssreiheit zu optern. Da alle Beschwerden des Tarifamts beim Stellvertretenden Generalkommando des VIl. ArmeeloipS zu Münster ergebnislos geblieben sind, auch eine Beschwerde beim Kriegsministerium an der unverständlichen Stellung- nähme des Generalkommandos nichts ändern konnte, erhebt der Verband der Deutschen Buchdrucker gegen diese Stellungnahme des GenerallommandoS des VII. Armeekorps öffentlich Prorest. DaS Aktenmaterial soll der Gsneralkonimisfion der Gewerkschaften, sowie Mitgliedern des Reichstags zur tveileren Veranlassung zur Ver» fügung gestellt werden. In seinem Schlußwort hob Graßmann als besonders charakleristtsch die große Eunnüiigkeil hervor, mit der alle weient- lichen Beschlüsse die'er bedeutungsvollen Tagung des Buchdrucker- Parlaments gefaßt worden sind. Der IahrsAbencht des Verbandes der Kenreiude- n»d Ltüstsardciter über INI? legt Zeugnis ab von einer regen Tätigkeit und dem ernsten Bestreben der OrganitaiionSleUungen, der unter den Kriegswirkungen ge- sunkenen Lebenshaltung der Mitglieder durch entwrechende Lohn« erhöhungen zu steuern So>si es denn im Berichtsjahre gelungen, bei den Lohnbewegungen Lohnerböbunaei! im Gesamtbeträge von 43 075 1H,4>8 M zu erzielen. Für 7540 Personen wurde außerdem eine bescheidene ArbeilSzeilverkürzung von 27 ö00 Siimden pro Woche erreicht Wenn hinsichtlich der Verkürzung der Aibeitszerl vlch! größere Eisolge zu erringen waren, so daif nicht außer acht bleiben, daß der durch den Krieg hervorgerufene Mangel an Arbeits- krätlen ein natürliches Hemmnis bterber bildere. Das Kapitel»Finanz» und Kaiienweisri" zeigt, wie notwendig die vom Berdandsvorstand in Grme nschafi mit dem Ansichnß uns den Gauleiiein c:n Ende des Beiichlsjahres den Mitgliedern emp- fohlenc BerlragSerhöbririg war. Halle doch die Haupikasie in den KrregSjahren einen Rückgang des Kassenbestandes zu verzeichnen. der die Schlagkraft der Organlialion im Lauie der Zeit zu gs- fährdeu drohte. �Di- Mitglieder zeigten durch ihr Eintreten für die Vorstands- Vorschläge mir überwältigender Majorität, ftne sehr ihnen eine widerstandsfähige und fluanziell gerüstete Organiialion am Herzen liegt. Der Verbandsvorstnnd gibt denn auch ini Bericht der Er- Wartung Ausdruck, daß nach der mit dem 1. Apnl 1913 in Kraft tretenden Neiigestalinng der Vernandsbeiträge etwaige Rückichläge, welche der Kriegszustaiid noch nnr sich brinzen könnte, die sichere Existenz des Verbandes nicht mehr zu erschüllern vermöchten. Der SandarheiterverSewd hat im Jahre 1917 seine Mitglieder» zahl gcgenübn dem Jahre 1916 um 2525, darunter 1827 weibliche Mitglieder gesteigert. Während am Schluß des JabreS 1916 6249 Milgiicver vorhanden waien, konnlen am Ende 1917 8774 Mit« glieder gezählt werden. Seit KnepSbeginn find als zum Kriegs- dienst eingezogen 11 864 Mitglieder genzeidet worden. Die Ein- nahmen an ordentlichen Beulögen sind gegen das Vorjahr um 11141 M. gestiegen._ Gerichtszeitung. UtN eine Gcfangenenmißhandlung, die sich zum Teil im grünen Wagen abgcivlell haben sollte, handelte es sich bei der Anklage wegen kötperverletznnq im Amte, die gegen die Gefangenenaufseher Otto K o s b a b und Stanislaus P a r a d o w S k i vor der zweiten trafkammer des Landgerichts III zur Verhandlung gelanglc. Als ein Gefangener vom Moabiler Untetsuchungsgefängnis nach Plötzensee im grünen Wagen durch die beiden An- geilagren nach einein gerichtlichen Termin zurückgebracht werden tollte, machte er im Hofe des llnletsuchungsgeiängnisses einen Flnchtverslich. Er wurde jedoch eingeholt und in den Wagen gebracht, wobei ihm Paradowsli zunächst eine Ohrfeige gegeben baben soll. Daun toll er ihn im Wagest, indem er ihm mit der Kette der Fessel mehrmals über den Kopf schlug, damit bearbeitet und ihm auch wiederholt Fanstschläge versetzt haben, nachdem er ibn gefesselt hatte. Schließlich wurde er noch beschuldigt, daß er ihn mit einein Gummiknüppel euvaS unsanft Bekanntichail machen ließ, als der Gefangene in Plötzensee nicht ganz freiwillig den Wagen verließ. Kosdab sollte ihm hierbei noch etneOmfeige vclsetzi haben. Die Angeklagten bestritten jedoch dieieVorgänge ganz eiilichiedcn und erklärten, sie bätten nur fest zuvack n müssen, da der Gefangene ein Heil« mcsier, das er sich heimlich bei der Arbeit zugeeignet hatte, hervor- gezogen habe, um sich seiner Festnahme zu entziehen. Da jedoch die Muiniafien des grünen Wagens sie im Sinne der Anklage be- lasteten, bcantiagle der Staatsanwalt 3 Monat 2 Wochen Ge- fängnls bezw. 166 M, Geldstrafe. Diete Zeugen waien aber etwas unsichere Kantonisten. Das Gerich! sah deshalb auch nur elnen Fall 'ür erwicien an und verutleilte P. zu 50 Marl Gelbst rate. Kosbab wurde s r e> g e s p r o ck e n. „Nnteroffizicrsmanicren" als mildernder Umstand. Vom Land- gerichl D a n z l g ist am 12. Dezember v. I der Schutzmann Max Aßmus wegen Beleidigung und Kö-perverletznng nn Amte zu 156 M. Geldstrafe verurteilt Waiden. Er ist seit dem 1. Oktober 1912 beim Boiizeiplöfidium in Tanzig angeilell! und batie am ersten Pnngsttage inl? auf dem Babnbof Dienst Er iollie dafür sorgen, daß sich Nicht zu biel Publikum aur den Bürgertleigen vor rem Bahnboie ansammle Als er-u mehreren Gyinnasiaslen»agle: »Schert euch hier weg!", verbat sich der Sekiindane! K. ein solches Benehmen. Der Angeklagte rief:»Sie wollen wohl eins in die Fresie haben, Sie Tullas K. beme:kie numneür, er tverde sich beschweren, und grng auf die Wache. Der Angeklagte, der idm ge- folgt war, frogie ihn da:»Was wollen Sie hier?" und schlug Ilm mehimals mit seinem Noli«buche und stieß ihn gegen die Wand. Hierin ist die Körperverletzung im Amte erblickt worden, während in der Benutzung des Wortes»Fresie" und»Tullas"< verkommener junger Men'chs eine Beleidigung gefunden wurde. Das Gericht bat dem Angeklagten zugute gehalten, daß er früher Unteroffizier geweien ist und die beim Rc» kruren drillen angenommenen Manieren sich noch nicht abgewöhnt bat Die Revision des An- geklagten wurde vom Reichsgericht als unbegründet verworfen. Mus aller Welt. Ter Brand in Ttambul. Konstantinopiß 2. Juni. Nach ergänzenden Meldungen der Blätter hat der große Bland in Stambul den ganzen östlichen Teil des Sulran-Selim- Stadtviertels verheert. Die Gebäude zu beiden Seiten der Faiich-Mo chee sind zerstört. Die Mo'chee selbst jedoch und die dam gehörigen Baulichkeiten blieben unversehrt. Die meisten der abgebrannten Holzhäuser waren nicht versichert. Der Ge'ami'chadeii beträgt 46 606 bis 56 006 Pfund. Unter dem Borsitz des GroßwcsirS hat sich ein HiliSausschuß gebildet. Schadenfener in einem italienischen KriegSdepot. Aus Lugano wird gemeldet: Ein ungeheures Schadenfeuer zerstörte die iralie» Nischen KnegsdepoiS in Mirabello, im Bezirk Pavia. Der LuSiruch deS Vesuvs nimmt täglich größere Ausdehnung an. Ter Nachthimmel ist von einem gewaltigen Feuerfchetn er- leuchtet. Eine inncrikanischc Millionärin zn zehn Jas?rrn GcjängniS ver« urteilt. Aus Wasbingion wird gemeidel: Tie Frau des bekannten Ncwyorler Publizisten I. G. Philips Eiokes wurde aus Grunb des SpionageoeietzeS zu 16 Jahren Gefängnis verurteilt. Sie war seit längerer Zeit als rege sozialistische Rednenn bekannt. Gegen das Urteil ist Berufung eingelegt worden. verantwortlich für Bolittk: Erich Kiuwcr, Berlin: für den lldrissn Teil des Vlatles: Nlsrcd Lcholj, Neukölln: für Anzeizen Th-odor gileitc, tierlin. Verlan: BorwärtS-verlag G. m b. H.. Berlin. Druck BorwürtS-Buchdrnckorei und Verlagsanstalt vnul Singer u. To. in Berlin. L-ndcnstratze S. Hierzu l Scilage und Unterdaliuniissiatl. ist dÄ.s KÄKto de? LudsKbsxff-Spsnbs fÄ? Kriegsösschädigte beim PostscheckaMt VorZin NW 7. SpeMen klHznsn entgegen alle Sparkassen» die Stadthauptkassen, die Banken und smNt- lichs Depssitenkassen, fvWie die durch bessndere Plakate kenntlich gemachten Bankhiiufes. FÄer davke««seren tzerrkche« Zr«ppev für die kkNS» Seldsstste» im Westm md gÄe isiNM Bsitrsg fchaeWWS der LsdWdsrg> Stzesde fßr Kriegsbeschädigte. Am Freitag:, den 01. Mai, früh ö1/, lihr, entschlief 1 sanft nach lungern, mit großer Geduld ertragenen Leiden, mein innig geliebter Mann, unser treu- sorgondor Vater, Bruder, Onkel and Schwager Mei*msmn llargold im 57. Lebensjahre. 23896 In tiefem Schraem Harle Bnrsrold. geb. Scholz«, nebst Kinaom.> Die Beerdigung findet am Dienstag, den 4. Juni, nachmittags 4'/, Uhr, von der Hallo des Eramaus- Kirchhofes in Neukölln, Hermannätniße. ans statt. «WWW«- 1'------------------ ioz.h'cr. f. Ceitow-SccsHowj j Bezirii Wildau. Allen P.nlcigcnossen und, freunden die traurige Nach- l lichi. daß am 19. Mai tStS i lin Westen unser treuer und I cisliger Parleigeriosse, derj Wickler IM i alZ Opscr des WelllrlegeS j ! gefallen ist. l Wir werden demselben stets ein ehrendes Andenfen< j bclvahrcn. 194/2 z Der Vorstand. Zabnyebisse, Vlarin, Gr. 7,60, Kette». vtiuge, Bestecke taust Vs-rgnor. Kaiserstr. 18 I sAierandervIab). I vrrruTwmtmKimmi wim mmusxnr*, Allen Verwandten, irreun- ! den und© tannten hiermil die traurige Nachricht, daß i mein lieber Mann, unser j guter Vater, der Tischler iFssmI Ehrich| am 1. Juni an schwerer Lungenentzündung im Kranfenhause©etbanien j verstorben ist.'2390b Die Beerdigimz findet am l Donnerstag, den 6. Juni, ! nachmiltags 3'/, Uhr. von der | Kapelle des neuen Kirch. aojes m©aumichulenweg. Klesdolzstrahe, aus statt. Im liesilen Schmer, Witwe Minna Ghrich und Kinder. Treptow, den 3. Juni 1918. Vcermannstr. 4. Das wichtigste Dokument unserer Zeit 5m Austrsg« des Tsuersistsdss des Feldheeres.»Der große Ivrieg in EinzeldarstcUungon». Unter Benutzung amtlicher Quellen. Dan e r«! e?»' e n e ra! m t:j h s-,v s-»'!<. Etwa 38 starke Hefte, jedes abgeschlossen eine große Schlacht, viel amtliches Kartenraaterial enthaltend. Die Ausgabe erfolgt je nach Fertigstellung außerhalb der Nummei nreihe. Zuerst werden versandt: Heft 1 LSUich-Namur, Heft 19 Die Schlacht hei Lodz, Heft 20 Die Wintarschlachl in Masuren. Voj geschriebener Preis für diese 3 Hefte zasaiumen nur 4.35 M. Die Lieferung erfolgt sofort und portofrei, aber nur gegen Voreinsendung des Betrages(anch per Brief). Die ungehener große Nachfrage, die spesenfreie Lieferung, der niedrige Preis machen Nachnahmosendangon unmöglich. Hingehende Äbsondnng erforderlich. EHe en-te Rie»enauf läge war in wenigen Wochen ver arrifTen! Carl Efersnann I.Jitlvilg, Breslau 23/147. 267/19 cfas tmfehWare * Timadiemitlel In Qco&en-, CtbensmiWä-. Obst-utul SemäsuJumähwßaz erivJllidi Tßaega-SeseUsdiafi m.b.Q., Beclla- Canpeliief Spezmlarzt Dr. raeii. 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Die Preiie genügen den Händlern nicht und deswegen hallen in erster Linie die Grostdändler die Ware vom Markt zurück. Ware die wegen ihrer Eniivicklung oder Verderblichkeit sich nicht zurückhalten lästl, wird an die Kleinhändler nur zum höheren Preis abgegeben. Der Kleinhändlsr, der den höheren Preis zahlen muhte, um überhaupt nur Ware zu erhalten, will natürlich auch kein Geld zugeben und mutz insolgedessen ebenfalls über den Höchstpreis verkaufen. Um sich dabei nicht fassen zu lassen, bewahrt er dann die Ware an weniger sichtbarer Zlellen aus und gibt sie nur an bekannte und bevorzugte Kunden ab, von denen angenommen wird, datz fie über die gezahlten Preiie den Mund halten. Immerhin liegt in diesem Jahre die Sache etwas ungünstiger für die Händler, da nach der neuen Höchstpreisordnung ein Käufer, der einen Händler anzeigt, sich nicht mehr selber der Strafbar keit bezichtigt, sondern straffrei bleibt. Trotz dieser Verordnung wird es aber nickt allzuviel? Käufer geben, die die Beböiden energisch in ihrem Kampf gegen die Höchstpreisüberschreilungen unter stützen, der einzelne Käufer t'ürchiel leider nur z» lehr, datz er sich dadurch die Gunst seines Händlers verscherz: und dann zunächst auf die begehrten Produlle üderbaup! verzichlen mutz. Mit ihrer Taktik der Zurückhaltung hoffen die Händler da? Publikum mobil-u machen, das sich natürlich mit Recht über diese Zustände beklagt. Aber es wäre dock grundiolich, wenn diese Jnlsienentenforderungen wieder daz» führten, den Ruf zu erheben. datz in erster Linie Gemüse berangeschaffl werden müsse und der Breis nebensächlich sei, da daS Publi« kum sedcn Preis zahle. Wer einigermatzen zahlbare Höchstpreise will, darf in diesen Ruf nickt einstimmen und mutz sich zunächst mit der Tatsache ab« finden, datz bei jeder Einführung von Höchstpreisen immer eine Zeit der Stockung eintritt, weil die verichiedenen Jnterefienien sich mit der durch die Festsetzung der Höchstpreise eingetretenen Preisreduk- tion noch nicht abfinde» wollen und zunächst alle? versuchen, nm höhere Preiie herauszugnetschen. Aber auf die Dauer lätzl sich diese Händlertaktik, noch dazu bei so verderblichen Waren wie Obst und Gemüte, nicht durchführen. Immerhin kann darüber einige Zeit ver- gehen, da die Ware ja überhaupt in der ersten Zeit nur tpärlich aus den Markt kommt. In dieser Uebergangszeit wird eS Aufgabe der K o mmunalbebörden ssin, scharfe Kontr'llmatzregeln zu ergreifen, um die eingeiretenen Mitzstände so schnell wie möglich zu beseitigen. Wir wollen hoffen, datz die aussichlführenden Kommunal- bebörden auch aus den Erfahrungen dcS vorigen Jahres elwaS ge» lerni haben und sich die damals vielfach bemerkte Saumseligkeit diesmal nicht lvieder zuschulden kommen lassen. Dann wird es auch gelingen, die Händler zur Jnnehallung der Höchstpreise zu er- ziehen._ Ter Vertrieb des Werderschen ObsteS. Die Verordnung über den Absatz von Frühobst im Havel- obstgau wird jetzt von der Reicksst-lle für Gemüse und Obst ver« vffeiiilichi. Danach darf Frühobst jeder Art, das ans den Ort- schatten Werder. Caputh, Ferch und den anderen zum Havelobstgau gehörenden, in der Verordnung namentlich ousgesührlsn Gemeinden der Kreise Zauch-Belzig und Osthavelland herrührt, von den Er- zeugern nur abgesetzt werden: an die Havelobstgau- Wirt- schatlsgenosfenschaft in Werder a. H., an den Lebensmittel- verband Grotz-Berlin, an Kleinhändler oder Verbraucher auf den vom LebenSmiitelveiband Grotz-Berlin bezeichneten öffentlichen Märkten in Grotz-Berlin und an Händler, die sich durch eine von der Bezirksstelle für Gemüse und Obst des Potsdamer RegierungS- bezirls ausgestellte AusweiSkarte ausweisen können; ferner nur an Einwohner der in der Verordnung benannten Ortschaften zum per« söntichen Verbrauch, sofern sie sich durch Vorlegung der örtlichen Lebensmittelkarte oder durch besondere Bescheinigung des Orts- Vorstandes auszuweisen vermögen, und schlietzlich an auswärtige Verbraucher durch die Post in Ei nzelsen düngen je blS zu ö Kilogramm. Die Versendung von Obst jeder Art von den Eisenbahnstaiionen des Havelobstgaue? und den SchiffSanlege- stellen in Werder. BiSmarckhöhe. FriedrichShöhe, Baumgartenbrück, Ferch. Capuld, Templin, Potsdam ist nur mit Genehmigung der Havelobstgau-WittschastSgenossenschaft in Werder zulässig. Höchstpreise für Erdbeere«. Da die Erdbeerenernte zeitiger als erwartet wurde, eingesetzt hat, so sind durch die Reichssielle für Gemüse und Obst für Erd- beeren erster Wahl Höchstpreise bestimmt worden, die sofort nach Bekanntmachung durch die Preisprüfungsstelle in Kraft treten. Für Grotz-Berlin gelten bis V. Juni folgende Höchstpreise je Pfund: ErzchigerböchsipreiS 0,90 M., GrotzhandelShöchstpreis 1,20 M., K le i n han de l s höchst p re i s 1,50 M. Ab 1 0. I u n i: Er- Festsetzung nommen. Aussicht gc- Tas Qberkommandr' gegen die LehrlingSnot im Handwerk. Am 10 April v I. hatte das Obeikommando in den Marken eine Verordnung erlassen, wonach in Lanbgemeinden und Guts- bezirken jugednliche Personen, die in e'nem ArbtilSverhaltniS bisher überhaupt noch nicht gestanden haben, ohne schriftliche Genehmigung deS AnriSoorsteher« eine ansere als land- und forstwirlschattliche Beichäfiiguiig nickt annehmen dürfen. Diese Bestimmung ist, ivie das Oberkommando jey! in einer neuere» Anordnung vom 23. Mai d. I. hervorhebt geeignet, dem Handwerk den Ersatz an Lehrlingen zu er- schweren. Zur Bescitiguiig dieses MitzstandeS sind die Amtsvorsteher an- gewiesen worden, die Genehmigung dann nickt zu versagen, wenn nach sorgfältiger Piüsiing und insbesondere durch eine schriftliche Er- klärung des bclresienden Meisters keststcht, datz der Jugendliche tat- sächlich>n ein LebrvcrhältniS auf eine angemessene Lehrzeit eintreten wird. Der Amtsvorsieber hat aiff der Gcnehmigug zu vermerken, datz diese nur zum Zwecke des Eiii'.rills in ein LehrlingsverhältniS bei dem nack N.nue und Wohnort zu bezeichnenden Meister erteikl lsl. Stellen sich die Angaben später als unzutreffend heraus, so ist die Genehmigung zmiickzunehmen und die Ueberführung des Jugend- lichcn in die Landwirtschaft zu veranlassen. Jt.de Aendcrung auf Bezugscheinen ist Urkunden- fälschnng. Man weitz vielfach immer nock nicht, datz der Bezugschein eine Urkunde darstellt und deinenlspreckend jede Veränderung, die aus demielben vorgcnomnren wird, als Urkunden sälsckung be» straft wird. Immer wieder kommt es vor, datz Leute auf bereits abgestempelte» Bezugscheinen selbständige Ein'ragungen. Aenderungen oder Zusätze vornehmen. z.B. auf einem Bezugschein, der über eine Hoie ausgestellt ist. das Wort„Hoie" ausradieren und dafür einen andeicn Gegenstand einsetzen. Viele tun dies ans reiner Bequem- lichkei:. nur, weil sie den nochmsligen Gang zur Beziigschewstelle scheuen. Jeder, der eine Aenderung an einem Bezugschein vornimmt. kann jedoch sicher sein, sich wegen seiner gesetzwidrigen Handlungs- weise vor Gericht verantworten zu müssen. Denn die Scheine werden späterhin von den Geichüsteii den Bezügsckcinstelleii zurückgereicht und dort loiiirolliert. so datz jede solche Aenderung entdeckt wird und zur Anzeige gelangt. Familiengemeinschast für KriegSnntkrftütznng nicht erforderlich. DaS Bundesamt für Heimatwesen, der höchste deutsche Gerichts- bof für Fragen deS UnteistützungSweienS, hat in einer nelicren Enticheidung dahin erlannt, datz Familiengemetnschaft für de» An- ipruch von Angehörigen aui KriegSulnerstütznng nickt ersoiderlich ist. Im vorliegenden Falle, den die.Deutsche Juristcnzcitung" mitteilt, gehört die Witwe D. als Schwiegeimuiter des zum Heeresdienst Eingezogenen zu den Personen, denen der Lieserungsverbnnd eine Kriegsunterstüyung zubilligen kann, nickt mutz. Das Geietz knüpft aber den Anspruch der Angehörigen von Kriegsteilnehmein nirgend an die Voraussetzung, datz sie die Familiengemeinsckas: haben. Insbesondere genügt für den An- ipruch der Schwiegermiitter des Eivberufenen, dotz sie von ihm unterhalten ist oder ihr Unterhaiiungsbedürsnis erst nach er- folgtem Dienstantritt hervorgetreten ist. Datz die Unterstützungs- bedüritigkeit der Witwe D. mit dem Uebertritt in den Haushalt ihres anderen Schwiegersohnes fortgefallen wäre, trifft nicht zu. Denn es erhellt nirgends, datz dieser bereit gewesen wäre, ihr den vollen Unterhalt unentgeltlich zu gewähren. Ebenso ist eS unerheblich, datz der Schwiegersohn P. gefallen ist und ieine Frau und Kinder nicht mehr Kriegsunterstützung, sondern Hinterbliebenenrenie bezlehen._ Die Mehreinnahmen der Großen Bersiner Straßenbahn infolge der Tariferhöhung übertreffen alle Erwartungen, Man hatte mit einer monatlichen Mehreinnahme von höchstens 2si, Millionen Marl gereckrnei. Jetzt stellt sich heraus, datz sie sogar üder Millionen Mark betrogen, d. h. etwa 50 Proz. der früheren Monatseinnahmen, die schon erheblich höher als i»! Frieden waren. Personalausweise für Jnlandreisrn. Das Polizeipräsidium teilt mit: Ter Polizeipräsident von Berlin hat die Polizeireviere im Landespolizeibezirk Berlin angewiesen, fortan für Reffen innerkalb Deutichlands mit Ausschlutz von Elsatz-Lothrmgen, den Nordsee- strand und den Nordseeinieln stempelfrele Personalausweise, wie sie zu den Reisen nach den Ostseebädern erteilt werden, an unbestrafte und unverdächtige Denische, die minde'tens zuletzt drei Monate in Berlin nnunter brachen gemeldet sind, zu erieilen. Diese Ausweise find aui die Zeil und den Ort der Reffe zu beschränken; Höchstdauer der Gültigkeit beträgt drei Monate. Bersügungen, die nn Gegensatz hierzu einen Jnlandspatz vorschreiben, treten autzer Kraft. Ab- gelmiisne Ausweise sind einzuziehen. Beurkundung von Sterbefällen. Die standesamtliche Beurkundung der bei den mobilen Tiuppcn einirelenden Sicrbefälle erfolgt mit möglichster Beschleunigung. Wenn einzelne länger zurückliegende Fälle, besonders ans der ersten Zeit des Krieges, aus ungcwöhn- tichen Gründen noch nicht zur Beurkundung gekommen sind, so liegt es im Interesse der Angehörigen der aus dem Felde der Ebre Gr- fallenen, datz sie schon jetzt dem Zentralnackweisbureau des Kriegs- Ministeriums, Berlin ITW. 7, Dorotheenstr. 48, von dem Unterbleiben der Beurkundung Nachricht geben. Dann wird von dort aus alsbald alles Nötige veranlaßt werden. Eine unangenehme Neberraschuug wurde dem Besitzer eines kleinen Kuhstalles in Bohnsdorf bei Grünau. Da fein Grundstück nur ungefähr 200 Meter von der siskatffchen Forst. entfernt liegt, so hatte er vom dortigen Förster die Erlaubnis, seine Kühe dort weiden zu lasten. Während sonst jemand die Kühe hütete, lieh er sie am Sonnabend im Stall. Stur ein einjähriges Kalb band er dicht am Waldrande an einen Strick und ließ es dort am Plumpen- graben weiden. Wie die Leute das Kalb zurückholen wollten, fanden sie zu ihrer Ueberrasckung statt des KalbeS nur eine große Blutlache. Nach den vorhandenen Spuren ist dort ein Auto ge- Wesen, deren Jiffasten das Kalb etwas tiefer in den Wald gezogen haben und gleich an Ort und Stelle schlachteten. Charlottcndurg. Ledensmittel. Vom Montag, den 8. Iiini, bis Sonntag, den V. Frini, wird auf die Grotz-Berliner Nährmittel- zusatzlan« für Jugendliche mit Aufdruck Charlosienburg aus- gegeben: aus Abschnitt 12 150 Gramm Teigwaren, und zwar Sorte I 0.25 M. und Sorte II 0, 18 M. Die Entnahme kann in dem Kolonialwarengeschätt ekiolgen, in dem der Haushalt der Jugend- lichen in die Kundenliste für Griefe, Graupen usw. eingetragen ist. Vom Donnerstag, den 6. Juni, bis Sonnabend, den 15. Juni, werden verabfolgt: 150 Gramm Teigwaren zu den oben angegebenen Preiken auf Abschnitt 3t der Grotz-Berliner Lebensmittelkarte mit dem Aufdruck Charloitenburg. Neukölln. Lebensmittel, vom Montag, den 8., bis Sonntag. den 16. Juni, dürfen ouk Abschnitt 40 der Neuiöllner Eierkarte zwei Eier entnommen werden. Bis Sonnlag. den S. Juni, wird an diejenigen Einwohner, welche in die Speiseiettkiindenlisten der in dem Bezirk der 3. und S. Broikommffsion gelegenen Geschösie ein- getragen sind, pro Kopf 125 Gram ni pommerscher Weich- käse verteilt — Arbeitsnachweis für Kriegsbeschädigte. Eine besondere Ver- mittlungsstelle für Kriegsbeschädigte bat der Maaistrat im Eid- geschotz des Hauses Jsarstr. 12 eingerichtet, die am 15. Juni eröffnet werden wird.__ Lichtenberg. Lebensmittel. Gegen Vorzeigung der Lichtenbergcr Lebensmittelkarte werden in dieser Woche ailsgeaebe»: Fniches in» tändisches und ausländisches Gemüie. Je> 2 Pfund inländisches Weitzkoblsauerkranl zum Preise von 0,25 M. pro Pfund in den Kolonialwaren- und Gemkisegeichästen. Sodann gelangen zur Ver- leilung gegen Voranmeldung: Am Abichiffit 81 der gemeinsamen Leb-nsmittelkarte: 150 Gramm Weizengrietz O.iom.- Abschnitt Slffj wird zurzeit nicht beliefert; auf Abschnitt 13 ff der Lebensmittelkarte für Jugendliche 250 Gramm Morgentran! 0 45 M.: in den Kon-! silürengcickäkten auf Abschnitt 224 ff. R und 8 der Lichtenbergerl Lebensmittelkarle je t/2 Pfund Keks iHoniggcbäckl zum Preiie von! 1,75 M. In den städtischen Fischballen und bei den Fischhändlern' und Räuchenvarengeichäften werden abacgcben: Aus Abschnitt 216E, ff, G, K ffz Psund Heringe sHennge sind auch in den Kolonial- warengcschäsicn zu haben); ohne Abtrennung von Marlen, aber gegen Voneigung der Llchlenbekger Lebensmittelkarte frische Fluß- und Seefische; auf Abschnfft 222 B. ff, G, K Ve Piund Räucher- warcn, auf Abschnitt 223 B, ff, G, IL eine Dose Marinaden. Wilmersdorf. Lebensmittel. Bis einschließlich Sonnabend, de» 8. Juni, gelangen zur Ausgabe: aui Abschnitt 2g der allgemeinen Grotz-Beriiner LebenSmiltelkarie 150 Gramm Weizengrietz.— Bis Sonntag, den 9. Juni, werden an diejenigen Einwohner, welche in die Speiieiett- Kundenlisten der in den Bezirken der Brot- komnnssionen 0a und 7 gelegenen Geschäfte eingetragen sind, je 125 Gramm Fausikäse verteilt._ Friedrichshagen. Käseverteilung. Bis Donnerstag gelangt auf Abickiiitl»8 der gelben Lebensmitlelkarte Tilsiter Käie zur Ausgabe. Auf jede Karte entfallen 200 Gramm zum Preise von 72 Pfennigen. Erkner. Ter erste Hecht. Tie Gemeinseverirelersitzung be- schäfligte sich in ihrer letzten Sitzung am Freitag mit de: Gültig- keil der Genieindevertrcterwahlen 1918. Da keinerlei Einspruch er- hoben worden ist, wurden dieselben für gültig erklärt und die neu- gewählten Gemeindeverireter, worunter Genosse Oftertag als einziger Sozialdemokrat i» das Dorkpailament einzieht, in ihr Amt eingeführt. Einer Vorlage, der neu zu gründenden SiedlungSgesellschafl Niederbarnim G. m. b. H. als Geiellichafier beizutreten, wurde nach lebbatler Debatte zugestimmt, und zwar soll die Gemeinde zunächst mit dem niedrigsten Anteil von 10 000 M. der Gesellichait beitreten: der Gemeindevoisteher wurde eimächligt, d'e dazu»öligen Schrille zu unternehmen. Genosse Oftertag regte dann an. den Beginn der Gemeindevertreler- sitzungen von 4 Uhr nachmittags auf 5 oder 0 Uhr zu verlegen, damil es jedem Gemeindemitglied ohne besondere Arbeitsvertänmnis möglich wäre, deit Sitzungen beizuwohnen. Da dem Gemeinde- Vorsteher nach der Landgemeindeordnung allein da? Recht zustebt, den Termin der Sitzungen zu bestimmen, stellte sich der'elbe gleich aus einen ablehnenden Standpunkt, ließ jedoch die Diskuision darüber zu. Nach errcgrer Debatte ließ er abstiuimen. aber nickt über den Voiichlag de« Genossen Osteriag, sondern über ieineu Vorschlag, die Sitzunaen um 4 Uhr stallfinden zu lasten. ES ist dies die allbekannte Taktik, die Mniderbeit zu vergewaktigen, der Vorschlag des Genoffen Osteriag wurde dann auch gegen 5 Stimmen abgelehnt. Smfkasten Ssr NeAaktwn. Die iuristisck? Sprechstunde findet für ASomienten Lindenstr. 3, 1. Hof links, varlerre, am Montag bis yreitag von 4 b!S 7 Uhr. am Sonnabend von•> bis 6 Uhr statt. Jede; für den it r i s f k a st e n bestimmte» Anfrage ist ein Buchstabs und eine Lahl ai»Z Merkzeichen beizufügen. Briefliche Ant- Wort wird nicht erteilt. Anfragen, denen feine Abonnementsaulltung b!> gefügt ist, werden nicht beantwortet. Eilige Fragen trage man in der Sprech- stunde vor. Verträge, Schriftftllcke und dergleichen dringe man in die Sprech- stunde ml». Streit. Tin Patz ist dazu erforderlich.— 959. S. 42. In Ihrem Jalle mutzte die Unteistützung aezablt werden. Ihre Frau Mützte eine Be- schwerde an den RegierüngSpräfidellte» in Potsdam richten.— F. 5-. I 20. Wir kennen diesen Jugendhort auch nicht. Näheres darüber zn e>- sahren ist doch leicht, wenn sich die Mutter bei der Juaendjürsorqe danach erkundigt. Der Antrag ans Todeserklärung mühte beim Amtsgericht eingereicht werden.— Kanviliev BK. 100. DaS ist jetzt kein Scheidungsgrund. da Versöhnung wieder eingetreten ist. — Z. 44..1. Ja. 2. Sie müsse» zunächst beini zuständigen Amtsgericht die Anberaumung eines Sühncteimins beantragen.— in. F. fit. 1. In. 2. Nein. 3. Ja.— 31. ff. 243. 1. Mit dem 14. Lebensjabre. 2. Sw bezweckt die mündliche Erklärung vor einer Zlmtsperson. 3. Nein.— F. (*. B. ,ft. Es kann ein Wkiuch um Zurückziehnnq aus der Front bciin tNeiiernlkommando eingereicht werden.-- Z>.<9. 3.!!. Ja, in dem Falle steht Ihnen Putzgeld zu.— Obrrfckiinciveide 15. Invalidenrente wird Ihnen kauni gewährt werden, da Sie be! Ihrer Kriegs beschädlgung noch über'/, erwerbsfähig erachtet werden.— I.»0. 1, Landslurmpstichtm, Ueberzahl von Fingern/ 2. Wir glauben kaum, datz Sie damit Erfolg haben. 3. Das Schreiben eignet sich nicht zur VeröffenkktchnNg. Vielleicht winde eS sich empfehlen, wenn Sie den letzten Teil dem Tmifamt Ihre? Gewerbes mittcllcn. 4. Nein. — O. K. 1100. t. In dieicm Falle kann weder der Vermögen?- Verwalter noch das PaimundschollSgericht ballbar gemacht werden. 2. Die Zinsen werden der DarlehnSkuss« zufallen. El kundigen Sie sich doch danach. — M. G. 100. Darüber ist uns nicht? Näheres bekannt.— Kreuz!!. Zeitig untauglich, herzkrank, lanl sturmpslichlig berzkrank. neroenlcidend, dlenstsShig. Während der Ferien besteht lein Anspruch aus die Zulatzbrot. karte.— 99,10. 1. und 2. DaS wissen wir nicht, es kommt darauf an. ob bei der betreffenden Truppe Wanmchastsmangel ist. 3. Tie Mutter Kälte Anspruch aus Unterstützung für den Sohn, der sie nachlveiSIich oor Einziehung zum Heeresdienst untertlützt hat. i. Nein. 5, Anspruch besteht daraus überhaupt nicht. Es soll mindestens einmal alle Jahr klrlanb gewährt werden. 6. Da? ist zwecklos. 7. Das kommt auf die am Orte be. stehenden llnterstützungslätze an. 8. Das können wir nicht wissen, jedensalls verdient die Frau ausreichend.— Stroiteude Kameraden 75. Der Betreffende kann wieder zum Frontdienst verwendet werden, nur nicht gegen denselben Feind. BSetterauSstchte« fftr das mittlere fstorddeurfckland vi» MiNvoch mittag. Zeitweise heiter, aber noch kühl und veränderlich, öster leichte Regensälle.___ Tewwnanstng der 11. PrtltlUfch- SAddentsche» ('-iL?. KLntgtich UiLttfiischcu) K:astettiotteri- 5. Klasse 22 Ziebungstag 3 Juni ISIS Stuf jede gezogene Slnmwer sind zwei gleich bode L-eN'ini e gefallen, nnd zwar j» einer ans die 2ose otcicher oinmmcr>u den beiden 3Ibtcili»ige»! und II (Ohne Gewähr A Et.-A. f. Z.)«Nachlru-t verboten) In der VormittagS-Ziehnng wurden Gelpsiiltk über 240 Ml. gezogen: 2 Gelvinnc zu 30 S00 Mk. 2017SS 2 Gewinne zu 5V00 Äk. OögSS 72 Gewinne zu 3000 Mk. SS39 22042 22731 24209 27393 34334 4SS73 4SI37 53330 6330» 83955 S5U07 31083 34137 95783 101432 105344 111371 122616 131934 133351 141427 144533 147125 149950 151629 170345 173070 175244 206102 209017 209439 212737 218447 221733 231033 136 Gewinne zu 1000 Mk. 513 1723 2734 779" 10439 10559 12345 12405 12860 27515 33390 34166 34792 3829) 38449 39380 41905 46993 50461. 56882 58572 64121 69443 69986 71570 72010 72905 7640) 78602 81998 82395 91230 91473 97676 98209 100203 102786 305805 11.1433 114412 115642 129442 130738 135207 133232 229679 148964 157314 159208 160053 160832 165577 16H394 171660 172797 174241 177968 181617 182757 188608 132140 198655 198748 200900 203403 209321. 218232 231839 200 Gewinne zu 500 Alk 1399 4052 8722 10-341 10809 12760 14618 16939 17399 20377 21621 23018 24145 31744 32114 35461 36695 37597 40872 41741 43401 45987 47743 49217 57989 67776 60525 62942 63879 65290 66136 67161 69609 70057 70256 70580 74773 82113 101996 1021-41 108642 108752 116072 117948 120027 120887 122814 124631 12544) 123668 130441 136735 137875 139823 144830 146047 146656 152126 154726 155220 155822 162888 163945 167513 168406 169728 170362 171242 175082 175722 177559 178023 178238 178278 178350 179852 181641 181915 186939 189150 192021 192346 197781 188801 198930 198850 200266 208260 206975 209280 209633 214337 215487 216027 221799 228245 228324 231183 231530 232014 Ju der Nachmittag s-Ziehmic wurden Gewinne iilrer 240 Mk. gezogen: 2 Gewinne zu 1000 Mk. und Prämie von 300 000 Mk. 159319 2 Gewinne zu 10 000 M?. 70172 32 Gewinne zu 3000 Mk. 16609 32454 49357 53159 68136 86262 86432 109707 117833 118660 150313 155183 157346 185808 192181 230375 52 Gewinne zu 1000 Mk. 1133 2530 14164 16791 37070 47893 51314 62552 57454 56732 94949 97295 103308 129569 134116 139947 165895 187429 189465 19 ,113 193218 202694 205597 215525 219182 229185 126 Gewinne zu 500 Mk 16126 20428 35387 36085 38740 41955 43733 48317 52728 54950 57851 60437 63102 64680 65651 70037 71903 72548 73553 73537 86345 87188 90232 94166 95667 110309 119022 121168 122038 123344 127014 128223 129049 129510 132000 132449 133788 137920 138253 144029 153976 154960 157062 157381 158006 159594 160020 161534 162258 167627 169881 173093 178369 179986 184736 187199 197793 206960 200065 211489 213239 221375 231187 44» Aichimg d-? 1.«läge dtl 124233. priiMch-»üddiutjchiii«tagiu-Loturli find« «> 3. Uli» Ib. Zui! 1313 statt. Zweiter Nachtrag zur Satzung dcrlMMMMD Zlttgemeinen Ortskrankenkasse snr Zehlendorf und Umgegend vom LI. Mai/SS. Oktober ISIS, beschlossen in der Sitznng des AnsjchusseS vom 25. lvknrz 1S18. Aus Grund der BundesratSverordnung vom �— 17 1. 12. 17 fPefanntmadjung betreffend Rrankenver-sichernng mid Wochen. ditie während des Krieges, RcichSgesetzbiatt 1917 Nr. 210 Seite IU35 ff.) ivird joigcndc Satzungsündernng beschlossen: ff 19 Abf. 1 bis 4 werden gestrichen, an deren Stelle tritt folgende Fassung: Die baren Leistungen der Kasse werden nach einem Gnmd- lobu bemefien. Als solcher giil der nach der verschiedenen Lohn» bähe stufenweise scslgcsetzte durchschnittliche TageSentgeit der Kassenmitglieder bis 10 Mark für den Arbeitstag. Z>:r Fest- fctzung des Grundlohns weiden die Kassenmitglieder in 11 Stilscn eingeteilt: 1. In Stufe A gehören alle ohne Tntgelt beschäftigte» Lehr- iingc. 2. In Stute I gebären Kassenmitglieder mit einem Tntgelt bis 1 M. für den Arbeitstag. 3. In Stufe I l gehören Kassennütglieder mit einem täglichen Entaclt von 1,01 M. bis 2 M. 4. In Stufe III gehören Kassenmitglieder mit einem täg» iichcn Entgelt von 2.01 M. bis 3 M. ö> In Stufe IV gebären Kafseninitglieder mit einem täg» Iichcn Entgelt von 3,01 M. bis 4 M. 6. In Stufe geboren Kassenmitglieder»rit einem täg» lichen Entgelt von 4,01 M. bis ö M. 7. In Stute VI gehören Kassenmitglieder mit einem tag- lichen Tnigelt von 5,01 M. bis B M. 8. In Siusc VII gehören Kassenmitglieder mil einem tag- lichen Entgelt von B,0l M. bis 7 M. 2. In Sinfc VIII geböten Kcstenlnitolieder mit einem täg- tichen Entgelt von 7,0t M. bis 8 M. 10. An Stufe IX gehören Kassenmitglieder mit einem täg lichen� Entgelt von 8,01 M. bis 9 M. lt. In Stufe X gehören Kassenmitglieder mit einem täg� Iichcn Entgelt von mehr als 9 M. Hiernach wird der Grundlohn bis aus weiteres festgesetzt: für die für die A Stufe auf 0,80 M. �1. Stufe auf M. Jedes Mitglied .. III.. IV., V.. „ VI., .. Vis. .. VIII.. » ix., „ x., wird aus „ 3 .. 4 .. 5 6 . 7 „ 8 .. 9 .. 10 Grund feiner Anmeldung iür Personen, die SonnlagS nicht arbeiten, der Wocheniohn durch B, der Wonatsentgclt durch 25 geteilt. Bei Kassen- Mitgliedern, die an allen Wochentagen und Sonntags oer- lichcrungspstichlig tätig find, wird der Wochcnlobn durch 7, der MonatSentgelt durch 30 geteilt. Ferner wird im vorletzten Absatz letzter Satz die Zahl 6 ge- strichen und dafür 10 gesetzt. ff 20 Abs. 1 Nr. 2 wird aufgehoben und erhält folgende neue Fassung: Krankengeld in Höhe des halben Grundlohnes für jeden Arbeitstag, wenn die Krankheit den Versicherten arbeitsunfähig maivt: es wird vom vierten Kranlheitstaac, wenn aber die Arbeilsunfähigkeit erst später cinirill, vom Tage ihres Eintritts an gewährt. Das Krankengeld beträgt: ? 33 Abf. 1 und 2 werden gestrichen und erhält Abf. 1 folgende Fassung: Als Sterbegeld wird beim Tode eines Dersi» ersten das Zwanzigfalbe des Grundlohns(ff t9) gewährt. Nach drei- mouatiger Wartezeit erhöht sich das Sterbegeld auf das Dreißig- fache des Grundlohns, uriudestens aber auf 50 Marl. ff 48 wird ausgehoben und erhält folgende Fassung: Die Kasseiibciträgs werden für alle Versicherten auf fünf von Hundert des im ff 19 fcfigcfctzicn Grundlohnes bemessen. Äie betragen für jeden lalfächtichen Arbeitstag: in Stufe A....... 3 Pf. v» I.--»--. ü» .. u....... 10, .. III....... 15. .. IV....... 20, .. V....... 25. .. VI....... 30. .. VII....... 35. .. VIII....... 40, .. IX....... 45. .• X....... 50, Die Beiträge werden wöchentlich berechnet und betragen für Bcriicherle. d'.c regelmäßig nur wochentags beschäftigt werden, dao Bfache des iäglichen Betrages, für Versicherte, die an allen Wochentagen und Sonntags arbeiten, das 7fachc des täglichen Betrages. Für Mitglieder die regelmäßig mir an bestimmten Tagen in der Woche oder nur an einem Tage wbeiten. werden die Beiträge nur für die tatsächlichen Arbeitstage erhoben. ff 72 Nr. 1 erhält joigende Fassung: T:c Beiträge für„Unständig Beschäitiatc" werden aus vier und ewdalb von Hundert dcS LrtslohnS(ff 143—152 ZWO.) festgcjclit und je für eine Woche(7 Arbeitslage) berechnet: in Klasse 1 für männliche Versicherie unter 1B Jahren 0,57 M. „ 2, weibliche, IS OIl„' „ 3„»rärinliche, von 16—21, 0,95 , 4„ weibliche., 16—21, 0j-2„ 5, männliche, über 21, 1,2s„ „ B, weibliche..21. 0,79. Dieser Nachtrag triit zwei Wochen nach dem Tage der Ge. nehrnizung durch das Königliche ObcrversicherungSamI Groß- Berlin in Krast. Zehlendors, den 24. Mai 1918. Ter Borstand. N. Richter, Aiberl Fischer, H. Knh.l Genehmigt. Charlottcnburg, den 28. Mar 1918. Königliches OberverflcherungSanit Groß-Berlln. il,. S.) gez. v. Gostlows ti. TT. B. IC. 234. IS, Vorstehender Nachtrag tritt am Dienstag, den II. Juni 1918, Kraft. Z c h I e n d o r f, den 31. Mai 1918. Ter Vorstand tr Allgemeinen Ortskrankcukasse für Zehlendorf und Umgegend. ü. Klcbtcr, Vorsitzender. 263(91 Holzräder! aller Großen, Leiterwagen, eigenes Fabrikat, dillig. Weidlich, Brunnen- straßc 9G.______ IDTL* Äbcssinier, Ersatzteile nnl Zubehör. Köchlin, Alte Jakob- straffe 20/22._____ 184«* Pelzgarniinren aller Art, jetzt zu herobgefetzteii Preisen! Uhrcnvcrkanf. Silbcrlaschcn. Leihhaus, Warfchauerstr. 7»* Pfandleihhaus, Hermann- platz ö. Massenauswahl! Pelz- fachen! Skunkskragen, Skunks- müssen, Alaskafüchse, Rolfüchfe, neue Hrrrenpalctots, Herrenanzüge, Tcppichvcrkarif, Uhren- verkauf. Passende Fcstgcsäienke! ______ 101K* Teppiche, Bettvorleger, Di- wandecken, Tischdecken, Tüll- stores. Potsdamcrstraffe 109, Fischer. 116«* 1 Lesterhandwagen, Kastenhand, ' ivagcu, cxirastabil und dauer- hast, Auswahl Holzräder. 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Jede freie Stunde, die beule dern Laubenkolonisien i>ur Verfügung steht, must durch eitriges Gießen ausgenützt werden. Ern Nachlassen seiner sorgenden Täligkeit für seine Pflanzen darf nickt vorkommen, sonst ist der ganze Ertolg in Frage gestellt. War der Mai schon io auhergcwöhnlich trocken, der Juni wird uns schwer- lich anderes Weiter bringen. Also müssen wir die Gießkanne schwingen zu jeder freien Stunde, sei eS am Abend, sei eS am Morgen. Da ja gewöhnlich in Reiben gesät und gepflanzt wird, kann die Wirkung des Gießens durch eine ein- sacke und leichte Täligkeit gesteigert werden, stu diesem Zweck werden zwischen den Reiben der Gemüsepflanzen mit einer Hacke entsprechend tiefe Rillen gezogen, diese tnebrmals mir Wasser qesüllt und dann wieder geschlosien. Dadurch gebt kein Tropfen Wasser verloren, alles kommt restlos dem Wurzel- wert zugute, da das Erdreich seitlich und nnlerbalb der Rillen aus- gicbig getränkt wird. Die lockere, mebr trockene Erdschicht, die dann wieder die Rille süllr und das ganze Beet abdeckt, gleicht einer gut bewährten Jsolierichichl zwischen dem unteren feuchten Erdreich und der beißen, trockenen Lust. Aus diese Weise zehrt die Pflanze in ganz anderer Weise von der ihr gegebenen Feuchtigkeir, wie man bald bemerken wird. Ein schnelles Verdunsten des Gieß- Wassers ist so ganz unmöglich, zudem wird noch die schädliche Krustcnbildung an der Erdoberfläche verhindert. Wie immer von oben gegossen wird, und io die Erde bald fest und geschlossen wird, ist ein öfteres flaches Hacken durchaus nötig, besonders im schweren, lehmigen Erdboden. Was der Juni an Aussaaten mit fich bringt, ist eigentlich gering. Bis erwa zum letzten Drittel des Monats lege man noch Buschbohnen, schnell wachsende und früh tragende Sorten, wie die gute„Saxa* oder die alte, doch stets bewährte.Schwarze Neger". Diele Aussaaten bringen im Anschluß an die zuerst ausgesäten fort- laufende Ermen bis zum Eintritt des Frostes. Auch Pahlerbsen werden noch im Juni ansgesär, ebenfalls nur Sorten, die ein schnelles Wachstum haben uns bald ihre Früchte bringen. Zu diesen gehör: vor allen Dingen die vorzügliche„Saxa" und die gut erprobte»Allerfrüheste Mai". Nickt minder empfehlenswert ist eine Aussaat von frühen 5iarot:en, wie.Pariser Treib",.Duwicker" oder.Nantes" Sie bilden sich bis zum Herbst noch gut aus und geben dann ein junges, ganz vorzüglich schmeckendes Gericht. Wer Radieschen mag, kann diese noch aussäen, in Zwischenräumen von etwa 14 Tagen, kleine Pallien, die dann für diese Zeil genügen. E:n leicht schattiger Platz und recht frischer Erdboden sind für die Sommeraussaalen des Radieschens auszusuchen. Zur lautenden Anpflanzung sind auch noch Kohlrabi und Kopisalat, sowie Grün- kohl auszusäen. Im übrigen ist die Aussaatzeit vorüber. Zur Anpflanzung kommen im Juni alle späten Koblarten, dazu auch der Rosenkohl zu rechnen ist. Dieser wird noch zu wenig angebaut, ist er doch eines der wohlschmeckendsten Wintergemüse. Sodann wird Sellerie, Porree und zun: Schluß der letzte Rest der Tomaten gepflanzl. Letztere müssen aber baldmöglichst am Monats- ansang an Ort und Stelle kommen. Ja, wer versäumt hat, Gurken und Kürbis an Orr und Stelle schon im Mai ouszüsäcn, mag sich jetzt noch kräftige Pflanzen davon verschaffen und diese sorgsam, mir gutem Ballen auspflanzen. Aber gleich wie für die Tomate, ist auch für die Gurke der sonnigste und wärmste Platz auszusuchen, besonders soll er vor kalten Winden geschützt sein. Jetzt rn dieser trockenen, heißen Zeil ist es ratsam, die eben aepflanz'.en Tomaten, Gurken und Kürbisse durch kleine Laubzweige vor den sengenden Sonnenstrahlen zu schützen, um ein zu starkes Welken zu verhülen. Tie Zweige werden auf der Sonnen- feite so vor die Pflanzen in die Erde gesteckt, daß sie seitlich und von oben guten Schalten spenden. Auch das Ueberslüipen leerer, größerer Blumentöpfe während der heißen Tagesstunden tut gute Dienste. Dabei muß natürlich durch Gießen und mehrmaliges S>'.itzcn für gute Feuchtigkeit gesorgt werden, um das Anwachsen zu fördern. An sonstigen laufenden Arbeiten bleibt wie im Mai das Gießen und Hacken die Haupttätigkcit. Heranwachsende Kohlartcn werden zurzeit bebäuselr, desgleichen auch Busch- und Stangenbohnen, sowie die spälen Kartoffeln. Was das Gießen der Bohnen betrifft, muß noch daran? hingewiesen werden, daß diese tolles Wasser nicht gu: verlragen. Man gieße daher mit abgestandenem, erwärmten Wafler, sofern das irgend möglich ist. Uebrigens ist es auch besser, nicht init der Brause zu gießen und das Wasser auf die ganze Pflanze zu bringen. Viel vorteilhafter ist das Gießen mit dem Rohr in gezogene Rillen, wo schon behäufelt, in die Furchen. So wird einmal das Wasser bester ausgenützt, dann> ober auch wird das Erkälten der Pflanzen vermieden, das durch � Ueverbrauscn� mir kaltem Wafler so leicht vorkommt. Abgestoßene Knospen, Blüten und junge Früchte ist das Zeichen der schädlichen Einwirkung des kalten Wassers. T o m a r e n sind, sobald sie in � guten Wuchs kommen, an einen zirka meterhohen Pfahl zu binden. Sie sind nur einrricbig zu ziehen, alle ericheinenden Nebentriebe sind bald auszubrechen. Die heranwachsenden Erbsen sind nril stützenden Reisern zu versehen, nicht zu spät, damit sie vom Winde nichl umgeworfen werden. Erdbcerbeete, die jetzt in vollem Fruchibehang stehen, sind stark zu gießen, damit sich alle Früchte gut entwickeln. Ein Jauchen ist setzt zu unterlassen, da dadurch der Ge- schmack der Früchte verichlechrert loird. Wo junge Pflanzen nicht gewünscht werden, sind alle erscheinenden Ranken bald abzuschneiden. Der Rhabarber mutz gut gepflegt werden, ihm muß durch starkes Gießen und öfteres Jauchen das Wachstum begünstigt werden. Bei der Ernte der Stiele sind stets nur höchstens ein Drittel der vorbandenen Blätter zu brechen, um die Pflanze nickt zu sehr zu schwächen. Int allgemeinen ist im Gemüsegarten jegliches Unkraul zu vertilgen und jegliches Ungeziefer. Im Juni macht sich der o h I w e i ß l i n g unangenehm bemerkbar. Ihm gilt restloser Kampi. Es wäre' verfehlt, damit zu warten, bis die jungen Raup- dien herumkriechen, die Vernichtung muß vielmehr schon dann de- ginnen, sobald die ersten Eiergel'ege zu sehen sind. Ter Kohl- Weißling selbst macht uns das ja so bequem. Er legt die hochgelben. länglichen Tierchen, hübsch in größere Häufchen geordnet, dicht ans die Kohlbläiicr, woselbst sie ein Fingerdruck vernichtet. Nur oft- maligcS, sorgsames Nachsehen ist nötig. Die Obstbäume lechzen gleichfalls nach Wafler. Ihnen ist dieses reichlich zu geben. Um Baum und Strauch sind tiefe Gieß- ränder herzustellen und die so entstandenen Becken mehrmals mit Wasser zu füllen. Ein kleinerer Baum kann 4— ö, auch 6 und mehr große Kannen Wasser erhalten. Ist dieses alles eittgezogen, dann wird der Gießrand wieder geebnet. So hat der Baum � für acht Tage genug. Lieber einmal seltener, aber recht kräitig gießen als oft aber wenig. Denn ffonst kommt das Wasser gar nicht bis zu den Wurzeln. Besonders sorgsam sind in dieser Weise frisch gepflanzle Obstbäume und Beerensträucher zu pflegen. Haben Apfel- und Birnbäume sehr reichlich Früchte an- gesetzt, so wird ein Ausdünnen nötig werden. Dabei werden alle kleinen und krüppligen Früchtchen ausgebrochen. � Es ist besser, daß der Baum nur ein Drittel der Früchte behält, die er gut ausbildet, als daß er alles weilerträgt und nur zu mangelhafter Entwicklung bringt, ja später selbst zum größten Teil abwirft. Die heranreifenden Früchte der Erdbeeren, Kirschen und später der Himbeeren sind gegen Spatzen und Amseln zu schützen. Besonders den Spatzen gelle der Kampf. Er ist ein ganz gefährlicher Schädling und sollte aus das schärfste vertilgt werden. Der von ihm angerichtete Schaden läßt sich in Zahlen gar nicht ausrechnen. Reichtrctgende Bäume und Büsche sind durch Jauchen zu. stärken. Die gute Ausbildung der Früchte wird dadurch gefördert. Langsam beginnt nun auch der Sommerschnttt der Obstgehölze, besonders bei dem Formobst. Lange, üppige Triebe werden bis auf Vs— V4 ihrer Länge gekürzt, zu dickt stehende werden gelichtet, schwache dagegen weniger oder gar nicht beschnitten. Die Leittriebe, also� die Ver- längcrung der Aestc, werden— besonders beim Formobst— lang gelassen," höchstens entipitzt. Schwachwachiende binde man möglichst senkrecht, siarkwachsende aber wagerecht. So wird da-Z Wachstum des Baumes geregelt und in Grenzen gehalten. Weinreben sind so zu schneiden, daß alle tragenden Ruten bis auf da® 2. Blatt über der obersten Traube gekürzt sind. Schwache Reben bis auf zwei Blatt auf die Basis zurücknehmen. Die sich bald entwickelnden Nebeutriebe der diesjährigen Nuten sind bald bis auf ein Blatt zu kürzen. Im übrigen ist auch beim Obstbaum rege Aufmerksamkeit auf die Bekämpfung des Hit- geziefers zu richten. Sie ist heute so viel schwieriger, da beinahe alle Bekämpfungsmittel ausgegangen sind. Die Hauptsache bleibt da die Vorbeugung; man bestrebe sich vor allem, den Baum stets in freudigem, gesundem Wachstum zu erhalten. Er widersteht so Ungeziefer und Krankheiten viel bester, als wenn er krllppelt. Und zum guten Gedeihen gehört wie überall gute, reichliche Nahrung und Wasser. B l u m e n p f l« g e. Dem Fliederbusch nehmen wir alle braunen, verblühten Blütcnstände, worauf sich die jungen Triebe besser ent- wickeln und gute Bliitenknospen treiben. Verblühte Staudenblumen müssen etwas zurückgeschnitten werden. Die Rosen kommen nun alle in Flor. Die abgeblühten Triebe werden bald um ein Drittel bis um die Hälfte gekürzt, um die Pflanze zu neuem Trieb an- zureizen und ihn möglichst niedrig und buschig zu halten. Auch aus den Blumenbeeten ist peinlichste Sauberkeit notwendig. Und erst durch reichliche Wässerung wird auch hier ein gesunde» Wachstum und ein reiches Blühen gewährleistet. I» 0 b. Trübners Nachlaß. In dem AukiionAhaus von Sepie(Potsdamer Str. 122a u. b) ist der Nachlaß Wilhelm Trübners zu besichtigen: Bilder, die er gemalt, andere, die gr als sich verwandt geliebt, und mancherlei Möbel und seidene Swsße, wie er sie durch Jahrzehnte hindurch gesammelt bat. Man kann einen Blick tun in die abgeschlossene Welt eines seines Sonderdaseins sich bewußten Menschen. Man erlebt den Kunstler. Das ist das Ergreifonde an solch einem Nach- laß. Alles, was nunmehr hier verlassen steht, auch das Geringste, hat einmal dazu beigetragen, den Künstler, der es täglich airsah dienstag, 4. �urJ uww MW i-.miurwüif IM■smrTvri'crTTTra und mit ihm zusammen atmete, aufzubauen. Des Künstlers eigene Werke waren durch die Ganzheit dieser jetzt auseinanderfalleüden Sammlung schöner und seltener Dinge hindurchgegangen. Alle diese Dinge verraten etwas von des Künstlers suchender Leidenschast: so wie sie sind, war er. Dunkle Samte, rote Damaste, schwere Schränke, dazu Cranach und andere mannhafte Deutsche, auch Holländer. Stets: reifes Handwerk und gehaltene Würde. Ein wenig Neigung zum Repräsentativen und Pompösen. Nicht gattz ohne Erinnerung an das geschichtliche Wissen der Akademie und an den Hakbdämmer des Ateliers von ehedem. Kein Japan, kein frühes Griechentitm, keine Primitiven, keine Exoten. Keine Franzosen. Deutlicher kann man gar nicht bestätigt bekommen, was Wilhelm Trilbner, trotz aller seiner lebhaften Experimente, schließlich doch von den jüngeren Generationen getrennt und zu einem Meister früherer Tage gemacht hat. Er hatte noch Empfin- dungsfäden, die ihn an die Renaissance und den Barock knüpften. Gennoch hat er sich von Paris, von Courbet u. Mcmet, beflügeln lassen. Zu den reizvollsten seiner Jugendarbeiten gehören die kecken Anbetungen liegender, ganz in Grau gebetteter, mit ein wenig rosa lustig gemachter Frauenakte. Von dem einen sind nur die Beine zu sehen. Ein anderer zeigt, welch Vergnügen der Ising- ling an Strümpfen nahm. Wer dann ist er langsam doch Pro- fessor geworden. Er bat sogar richtige, der höheren Götterlehre genügende Kompositionen, Prometheus und dergleichen, hergestellt. Diese Stücke werden sehr schnell vergessen sein. Schon heute wirken sie als Fremdkörper. Der früheste und der letzte Trübiter, der ganz dunkle und der schmetternd grüne, das waren wahrhaft Maler. Der Nachlaß bestätigt das. Es hat beinahe etwas Geniales, wie dieser allerletzte, farbig auifbrennende Trübner Vergangenheit und Herkunft verleugnet, überwindet, fast möchte man sagen, nieder- schlägt. Einer, der sich selbst heimatlos macht. In diesen Jahren nruß es ibm miturvter zwischen seinen Damasten und Samten ganz fe; flenn, beinahe etwas titanenhaft vorgekommen sein. _. R. Br. ehatecm-'Thzerrp. Der Hauptort des Teiles des Marne-Tales, den der Vormarsch der deutschen Truppen erreicht hat, ist Chllteau- Thiertp. Er Hot seinen Namen von dem berühmten Schlosse, das Karl Martcil im Jahre 720 für den König Thierry IXst erbaut hat und das im Lauie von elf Jahrhunderten schier unzählige Male belagert und erobert. zerstört und neii aufgedant worden ist. Roch heute beherrscht es von seinem Hügel die Stadt, noch heute bildet es die größte Sehens- Würdigkeit— aber da« einst so mächtige tind feste Adelsichloß ist setzt nur noch eine Trümmerstätte, tichtiecr vielleicht qeiagt: ein Park mit Ruinen. Die Nscrpromenade und die Haupi- und Geschäftsstraße von Chllteau-Thierry: das sind die beiden Verkehrsadern und der Lieb- lingsaufenthalt der Bürger der stillen Stadt. Denn still ist Chllteau- Thierry, obgleich es an einer der wichtigsten französischen Bahn- strecken und einem vcrkehrspolitiich sehr bedeutenden Waflerlauie liegt. Es umfaßt nur gegen 8000 Menschen, es nährt sich allein als der natürliche Mittelpunkt des Handels der umliegenden Land- schasten. Aber die Stadt hat nicht nur ihr Schloß und ihre reichbewegtr militärische Geschichte, sondern sie hat auch ihren literarischen Ruhm. Und der heißt Lafontaine. Frankreichs großer Fabeldichter� ist in ChStean-Thierry geboren, wo scin Vater„Meister der Forsten und der Gewässer" war. Noch zeigt man scin Geburtshaus; es ist ein kleines Gebäude von vornehmer Haltung, dessen Hof durch ein Gitrer von der Straße abgeschlossen ist. Im Hintergründe dieses Hofe» besindet sich LasontaineS Eltornheim, das man jetzt zu einem kleinen Museum eingerichtet hat. Als er hier seine Jugend ver- lebte, trug C&lltcari-Thicrry freilich noch ein ganz anderes Gepräge als heut, und vor allem stand danmls noch das mächtige Schloß mit seinen zahllosen Gängen. Hallen und Sälen in der ganzen Kraft seiner Mauern und Türme. — Berliner NsNzen. lheaterfreudi gleit. Arn Sonnabend gab es in Berlin zwei Ur- und eine Erstaufführung— außerdem zwei Neueinstudierungen. Eine Operettenpremiere wurde über- die» verschoben. Im Schi l le r t h e a t« r O. erfreute Lothar Schmidts schon angejahrte Komödie-Der Leib alte" durch die burschikose Fidelität des prächtigen alten Hauses, den Heinz Senger vorzüglich traf. Die„Fünf F r a n k f u r t e r", Rößlers erfolg- reichste, aber keineswegs wertvollste Schöpfung, erfreute Jud und Ehrist:m K ö n i g g r ä tz e r st r a ß c 11- T h e a t e r trotz oder wegen seiner Sentimentalität. Pallenberg, der übrigens in einer besonderen Schrift als Entdeck r einer neuen Jdeen-Schau- spielkunst gefeiert wird, gewann mit seinem böhmischen Unikum Zawadil(„Familie S ch i m e ck" im.Deutschen Theater") neue Lacher, aber man würde ihn gern auch mal in einer neuen Sommcrrolle sehen. — 11 11 sei letzter Roman.Pioniere" von E. Didring der durch seine Naturfrische viel Beifall gefunden hat, ist als Buch im Verlage von Kiepeuhetter in Weimar erschienen. tz Lodz. Das gelobte Laaö. Roman von 23. St. N c h m 0 n t. E r st e S Buch. I. Lodz erwachte. Der erste schrille Pfiff einer Fabrik zerriß die Stille des frühen Morgens. Aus allen Enden der Stadt begannen andere immer greller sich loszurcitzen und gellten niit ihren heiseren, ungebündigten Stimmen wie ein Chor von nn- gchcuerlichen Hähnen, aus deren metallenen Kehlen sich der Ruf zur Arbeit losringt. Die langen, schwarzen Rümpfe und die schlanken Hälse der Riesenfabriken— die Schornsteine sahen bei Nacht, im Nebel und Regen gan� gespenstisch aus— erwachten langsam; sie spien Fcuergarben. atmeten Rauchschwaden aus, begannen zu leben und sich in der Duntelheiff in die die Erde noch gehüllt war. zu bewegen. Ein dünner Sprühregen, ein richtiger Märzregen, vermischt mit Schnee, fiel ununterbrochen hernieder und umgab Lodz mit einem schweren, klebrigen Dunst. Er trommelte auf den Blechdächern und floß von ihnen herunter direkt auf den Bürgersieig, auf die schwarzen und mit schlüpfrigem Kot bedeckten Straßen, auf die nackten, an lange Mauern sich anschmiegenden Bäume, die vom Wind gezaust vor Kälte erzitterten. Ter Wind löste sich irgendwo von den aufgeweichten Feldern los und»välzte sich schwer durch die schmutzigen Straßen der Stadt. rüttelte an den Zäunen und Dächern, verwehte in den Pfützen, heulte in den Baumzweigen und peitschte sie gegen die Scheiben eines niedrigen Parterrehaufrs, in dem plötzlich ein Licht auf- flammte. Barowieeki erwachte, zündete eine Kerze an. und gleich- zeitig begann ein Wecker schrill zu läuten. Der Zeiger stand auf stinf Uhr. »Matthias, den Tee!" schrie er dem eintretenden Diener zu. .Alles steht bereit." .Schlafen die Herren noch?" .Ich werde gleich wecken gehen, wenn Herr Direktor es befehlen, denn Herr Moritz sagte mir gestern abend, daß er heute länger schlafen will." „Geh wecken." .Sind die Schlüffel schon abgeholt f „Schwarz war selbst da." „Hat jemand nachts telephonicrt?" „Kunke hatte Nachtdienst, hat mir aber beim Weggehen nichts gesagt." „Was hört man in der Stadt?" fragte er rasch, sich schnell anziehend. „Ja, nichts, bloß auf dem Gajer Markt, da haben sie einen Arbeiter erstochen." „Genug, scher dich weg." „Ja, da ist noch die Goldbcrgsche Fabrik in der Ziegel- stratze abgebrannt. Ilnsere Feuerwehr fuhr hin, aber alles ist gut abgelaufen. Nur die Mauern sind übriggeblieben. In der Darre brach das Feuer aus." .Noch etwas?" „Nein, nichts mehr, alles ist fein abgelaufen— wie ge- wichst." Matthias lachte glucksend. „Schenk mir Tee ein, ich werde selbst Herrn Moritz wecken.", Er zog sich an und ging durch die anstoßenden Zimmer, Im Eßzimmer warf eine von der Decke herabhängende Lampe ihr scharfes, weißes Licht auf einen runden Tisch, der mit einem Tischtuch bedeckt war, aus dem Tassen und ein glänzender Samowar standen. „Max. fünf Uhr. aufstehen." rief er. die Tür zu einem finsteren Zimmer öffnend, aus dem muffiger Veilchengeruch quoll. Mar rührte sich nicht, bloß das Veit begann zu krachen und zu knarren. .Moritz!" ries er ins andere Zimmer. „Bin wach. Habe die ganze Nacht nicht geschlafen." „Warum?" „Ich dacht' an unser Geschäft und rechnete mir so einiges aus, und so verging die Zeit." „Weißt du, Goldberg ist heute nacht abgebrannt, und zwar, .wie gewichst', sagt Matthias..." „Das ist doch keine Neuigkeit," antwortctte Moritz gähnend. „Woher hast du es gewußt?' „Schon seit einem Monat wüßt' ich, er hat gebraucht abzubrennen. Gewundert habe ich mich sogar, daß er es so- lange hinauszieht, von der Versicherung kriegt er doch keine Prozente." „Hat er viel Waren gehabt?" „Er hat viel versichert gehabt." „Die Bilanz hat er sich' ausgeglichen." Beide lachten herzlich. Borowiecki kehrte in da" Eßzimmer zurück und trank seinen Tee. Moritz suchte wie gewöhnlich im ganzen Zimmer nach seinen Sachen herum und� schimpfte auf Matthias. „Tu kriegst eins ins die Schnauze. Ich werde sie dir zu rotem Barchent zerbläuen, wenn du mir nicht wirst meine Sachen anständig zusammenlegen." „Morgen!" rief der endlich erwachte Max. „Stehst nicht auf? Es ist schon nach fünf." Seine Antwort übertönte die Pfeifen, die jetzt wieder losschrillten und mehrere Sekunden mit solcher Wucht dröhnten, daß alle Fensterscheiben erzitterten. Moritz setzte sich unangezogen, mit einem Paletot über dem Arm, an den Ofen, in dem lustig Holz knisterte. „Gehst du nicht aus?" „Nein, ich sollt' nach Tomaszoiv fahren. Weiß schrieb mir. ich mächt' ihm neue Krempel kommen lassen, aber jetzt fahr' ich nicht hin. Kalt ist's und ich Hab' auch keine Lust." „Bleibst du auch zu Hause, Mar?" „Was soll ich mich beeilen? In diese ekelhafte Bude? Uebrigens habe ich mich gestern mit meinem Vater ver- kracht."(Forts, folgt.) EmailZe 1 Sjieisetsliei1......... 1 Topfdeclfel.......... 1 Opatnfanne.......... irl® Belle-filllancs-Strcsse Gr.FraRHfurterStes Bninnen-Strasxe Kottar Bann Wiinißrsäorfer Strasss p- KirischaUartilel Papierwaren !I iliZmpoiizvIiäietjLl! 9Z �3 LikörkelcSie Diamant in u«t. mit Gold rand 6 Kleiderbügel............ 95 pt 1 l/orraisdose............ 95 pt 1 Absläuber.............. 95 pt 1 Essiresser.............. 85 1 Essnabel 95, 1 Esslöffcl 95 pl 1 Gianzfejrsle............ 85 pl I Rsiiieisen............... 95 n 1{ile88:rputzbank....... 95?-. zasammen 25 Brieteogen... 25 Umschläge mdrnnncrj � PL 10 Oieistifte schon« 95 pt 10 Tintenstilte.......... 95?>. 25 Kartenhriefe �tte E.!n; 95 pu 100 Felupcs' karten..... 85 n lor.PißiloIoilettepfpiert�pt 95 pl i PieftäSChS mit Notirbach 9 j PL 1 Flasche Mundwasser. 85 pl 1 Fl. Franzbranntwein... 9 pl 1 Flasche Bay Bum..... 80 pl 1 Fi. 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Theater Tv.ühr: ßas BreiÄrte. Kleines Theater uhr: ÄrisiiiBtl seine Fete Komische Oper 71z v.- SeiiwarzwaldinEdeL Dustspiel haus 7'/, Uhr: Die Iilonden Mädels s.UndeM HcMidcnz-Tlscater Nt Flimmerklärchen Thalia Theater -7V<ßntEFiierl!i8i!ilenLl0i!e Uhr; Metropol-Theater Gie P.ßse fou SlanibiiL TI, Uhr: Neoes Operettenhacs T�tntrtDerSoSdatder Marie. Schiller-Theater O ti, uhr: Der Leibalts. Schiller Th. Charl. t,, uhr: Alt-Heidellierg. Theater am Nollendorfplafi TI, Uhr: wmc Wintergarten Gastspiel der Komischen Oper 8 Uhr: Ohne Slänner kein Verjrnügren. Sonntag 3'/« kleino Preise: Jaecnd von Max Halbe. Rose=Theater. '■/.in.: ZsWchZk». ©nitcr.Bßfme 7 Uhr; Gr. Revue. Walhalla-Theater. Tl.mr: DOBÜBllFÖdieil. Gm ionB.: ßie lieben süßen Mädel. Idmlralspalast | Die Prliizessifl van Tragant j Sajdab Deutsche Tänze 73U Uhr, 2. 3, 4, 5, 6 M. - Trianon-Theater Bhf. Frledrichstr. Ztr. 4927�391 •/4S Zum 277. Male: Der gebenssehüler. Sonnabend 1, A kleine Preise: (Schneewittchen. 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