Dr. 153. gS.Z-hrz. Bezugspreis» «iert-liShrI.«L0Mk. monoil.!.56K� frei in3 Haus, v oraus Ungar» S,— Wl, für das übrige MtSland 1,50 AU. monatlich. Lersand ins Feid bei direlter Beftcllung nionaii. 1,80 Ml. Postbeltellungen nehmen an Däne- mark, Holland, Luxemburg, Schweden und die Schweiz, Singetragen in die Poft-Zeirunzs-Breisliile. Ericheiut täglich. Telegramm- Abrege: »Sozialdemokrat BerlteV ( 10 Pfennig Vevlinev VolKsblnkt. Auzeigettpreis: DI- llebengesdaNciie Kolonelzeile lostet M Plg,„ttlctue Anzeige»", das fettgednnlls Wort Sg Pjg, izuläsfig 2 feltgedruekie Sorte), irdes weitere Wort>5 Psg, Slellengeiuche und Echiaiitellenanzeige» das erj!,- Wort S0 Pfg., jedes weitere Wort 10 Pig. Sorte über 15 Buchstaben zählen iür zwei Worte. Teucrungszuichiag 20°.». Familien-Aiizeige», voliiüche und gewerlschaftliche Vereins- Anzeigen KU Psg, die Zeile, Anzeigen iür die nächste Nummer»lüffen vis 5 Uhr nachmittags im Hauhtgeichäfl Berlin SS.OS, Lindenstrahe 3, ad teaeben werden. Geöffnet von S UH, irüh bis 7 Uhr abends. �cntralorgan der rosialdemokratifd�cn Partei Deutfchlands. Reöaktion: SW. öS, Linöenstraße Z. Uernivrecher: Amt MoriSplaL- Skr. 1S1 S0— 15197. Donnerstag, den<5. Inn! 1918. Expeöition: EW. öS, Linöenstraße Z. aernivrecher: Nmt Msrivviats- Nr. 151 90—151 97. erweiterte erfolge fildlicl) der Mae. Die Lebensmitteikrife in Nußlanö Gewalt gegen Gewalt. Ein ausfiihrlichcs Dekret des Rates der Volkskommissare schildert die verzweifelte Lage der Lebensmittelversorgung Ruß- lands und hebt hervor, das; konterrevolutionäre Machenschaften dahin arbeiten, durch Desorganisierung der Belieferung des Landes und Zurückhaltung der Vorräte die Macht der Sowjets zu untergraben. Tie besitzenden Schichten der ländlichen Be- völkerung scheuen nickt davor zurück, durch Anwendung der in ihrer Macht befindlichen Mittel eine gewaltsame Katastrophe herbeizuführen.„Auf die Gewaittaktik der Bourgeosie muß die Gewaltpolitik der Sowjets die Antwort sein"— ruft das Dekret aus und verfügt folgende Maßnahme: Wer Getreide zurückhält oder es zum Brennen von Trink- spiritns verwendet, wird zimi Feinde des Volkes prokla- miert. Ueverall sind Durchsuchungen vorzunehmen. Das nicht an festgesetzte Abnahmestellen abgelieferte Getreide wird konfis- ziert. Die Besitzer sind zu Gefängnisstrafen von min- de st e n s 1 0 I a H r e n zu verurteilen. Wer versteckte Vorräte den örtlichen Behörden anzeigt, erhält die Hälfte des Preises der gesamten beschlagnahmten Getreidemenge, während die andere Hälfte der Gemeinde zufällt. Eine Reihe weiterer Bestimmungen ordnet weitere orgam- satorische Maßnahmen, deren Gesamtheit durchaus den Eindruck erweckt, daß die S�i t n a t i o n aufs ä u ß e r st e zugespitzt ist. Bezeichnend ist, daß in Moskau ein Befehl veröffentlicht ist,der den zuständigen Bczirkskoinmissaren zur Pflicht macht, die vor Hunger gestorbenen Kinder sofort anzumelden. Noch per- zweifclter ist die Lage in Petersburg. Auch aus der Provinz treffen drahtliche Nachrichten ein, die schauderhafte Einzelheiten nielden. Während so in Städten und strichweise auf dem Lande der Hunger erbarmungslos wütet, ist in verschiedenen anderen LandeSteilcn zweifellos die Lage nicht so beängstigend. vertrauensyotum für LkMmceazz. Vertagung der Interpellationen auf uubeftimnite Zeit. Paris, 4. Juni.(Havas.) Deputiertenkammer. Vor voll- besetztem Hause erklärte Clemenceau, die Interpellation über die uiilitärische Lage nicht beantworten zu können. Er habe sich vor der Heercskommiision ausgesprochen, könne aber gegenwärtig öffentlich nicht mehr sagen. Außerdem wider- setze er sich dem, daß die 5t a m m e r s i ch als Ge- Heimkomitee konstituiere. Im Namen der S o z i a l i st e n bat C a ch i n Clcmen- ceau. Erklärungeu abzugeben, und verwahrte sich gleichzeitig. gegen jeden Gedanken von Feindseligkeit, denn es handle sich um das Wohl des Vaterlandes. Clemenceau wiederholte, daß es ihm u n- möglich sei, nach Verlauf von sechs Tagen der Schlacht Erklärungen über die militärische Lage abzugeben. Eine Untersuchung über die Verantwortlichkeiten sei im Gange, er werde aber nicht die Feigheit begehen, Maßregeln gegen Führer zu ergreifen, die sich um das Vater- land verdient gemacht hätten. Clemenceau fuhr fort: Der Abfall Rußlands er- laubte den Deutschen, Löst Divisionen gegen uns zu werfen. Der Augenblick i st furchtbar, aber der Helden- uiut der Soldaten ist der Lage gewachsen. Unsere Soldaten kämpften einer gegen fünf. Clemenceau be- lobte dann die militärischen Führer, besondeis F o ch und Potain. Ich versichere, sagte Clemenceau weiter, Fach be- sitzt das Vertrauen tztr Verbündeten. Der Kriegsrat von Ver- sailles beschloß außerdem, ihm öffentlich seine Anerkennung auszudrücken. Die Deutschen stürzten sich in Abenteuer, wir weichen zurück, allerdings, aber werden niemals kapitulieren. Wenn Sie entschlossen sind. bis zum Ende zu gehen, ist der Sieg unser. Die deutsche Taktik versucht, uns zu schrecken. Es wird�ihr nicht gelingen. Die Amerikaner ko mm e n. Tic Streitkräfte der Franzosen und Engländer erschöpfen sich, diejenigen der Deutschen übri- gens auch. Das Spiel geht mit Hilfe der Amerikaner weiter. Unsere Verbündeten sind entschloffcn, den Krieg bis zum Ende zu führen. Wir werden den Sieg erringen, wenn die öffentlichen Gewalten auf der Höhe sind. Clemenceau schloß: Wenn ich meine Pflicht nicht" getan habe, so jagen Sie mich davon! Wenn Sic mir Ihr' Vertrauen schenken, so lassen Sie mich das Werk der Toten pollenden. Am Schluß der Kammersitzung bestanden mehrere Ab- geordnete aus Festsetzung eines" nahen Termins zur Erörte- rung der Interpellationen über die militärische Lage. C l e- Zurückwerfen der Franzosen westlich von Soisfons. Berlin, 5. Juni 1918, abend S. Amtlich. An der Schlachtfront ist die Lage nnver« ändert. Amtlich. GraßeS Hauptquartier, 5. Juni 1918.(SB, T. B.) Westlicher Kriegsschauplatz. Heeresgruppe Kronprinz Rnpprecht. Erfolgreiche BorstSße in Flandern brachten Gefangene ein. Ter Artillcriekampf lebte vorübergehend ans. Heeresgruppe Deutsche» Kronprinz. In Erweiterung unserer Erfolge auf dem S ü d u f e r der A i S n e warfen wir den Feind auf A m b l e» y— C u try zurück und nahmen seine Stellungen nördlich von D o m m i e r s. Oertliche Kampfhandlungen beiderseits des Oureq-Flusfes. Im übrigen ist die Lage nnver- ändert._ Lentnaut Löwenhardt errang seine« 28. Luftfieg. Der Erste Generalquartiermeister. Ludendvrff. Berlin, 4. Juni. Durch die Tätigkeit unserer U-Boot« wurde» im Sperrgebiet um England wiederum 12 900 B r.- R e g.- T o. versenkt. Unter de» verscukte» Dampfer» befanden sich zwei mittelgroße bewaffnete Dampfer, einer davon englischer Nationalität. Der Chef deS AdmiralstabeS der Marine. Der österreichische Bericht« Wien, 5. Juni 1918. Amtlich wird verlautbart: Außer Artillerietätigkeit keine Kampfhandlung von Belang. Der Chef des Gcneralstabes. m e n c e a u verweigerte jede Festsetzung der Debatte und stellte die LertranenSfrage. Man schritt zur Abstimmung, und die Vertagung auf unbestimmte Zeit, welche die Regierung forderte, wurde mit 377 gegen 110 Stimmen angenommen. Kunögebung ües französischen obersten Kriegsrats. Amsterdam, 5. Juni. Reuter meldet anrtlich aus VerfailleZ: Der oberste Kciegsrat hielt seine sechste Sitzung unter Um- ständen ab, die für den Verband der freien Völker sehr e r n st sind. Der Feind, der von jedem Druck an seiner Ostfront infolge de- Zusammenbruchs der russischen Armeen befreit ist, hat alle seine Kräfte im Westen konzentriert und versucht nun noch eine Reihe von Angriffen auf die alliierten Armeen, ehe die Vereinigten Staaten ihre volle Kraft entfalten können, um die Entscheidung über Europa herbeizuführen. Die Vorteile, die der Gegner in seiner strategischen Lage und seinen besseren Bedingungen bezüglich der Eisenbahnen hat, haben ihn in den Stand gesetzt, einige anfängliche Erfolge zu erzielen. Er wird zweifellos den Angriff wiederholen, und die Alliierten werden noch kritische Tage durchzumachen haben. Nach Erwägung der Gesa-mtlage ist der oberste Kriegsvat überzeugt, daß die Alliierten die Prüstmgen des heutigen Feldzuges mit der gleichen Geisteskraft tragen werden, die sie allezeit bei der Verteidigung des Rechtes gezeigt haben. Alles Mögliche wird getan, um die Armeen im Felde zu unterstützen. Die Regelung hinsichtlich der Einheit im Oberbefehl hat die Lage der alliierten Armeen verbessert. Der oberste Kriegsrat setzt voll- kommcncs Vertrauen in General Foch und sieht mit Stolz und Be- muudcruug die Tapferkeit der alliierten Truppen. Der oberste Kriegsrat ist voll Vertrauen auf das Endergebnis. Die alliierten Völker sind entschlossen, keine einzige der freien Weltnationen dem Despotismus Berlins zum Opfer zu bringen. Ihre Armeen zeigen einen entschlossenen Mut, der sie bei früheren Gelegenheiten schon befähigte, die deutschen Angriffe abzuschlagen. Wir haben nur treu und geduldig durchzuhalten bis zum Ende, dann wird der Sieg der Freiheit errungen werden können. Die freien Völker und ihre Soldaten werden die K u l- tur retten. �' die Schlacht von Soijsons. Von Richard Gädke. Der überraschende Stoß, den die Heeresgruppe Deutscher Kronprinz am 27. Mai gegen den Tamenweg ansetzte, hat schnell eine große Ausdehnung gewonnen und bedeutet in seinem bisherigen Ergebnis eine schwere Niederlage der Frau- zoseu und der Engländer. Der Verlaus der drei ersten Schlachttage beweist, daß der Gegner von diesem Angriff völlig unvorbereitet getroffen worden ist. Nicht nur die Truppe selbst, die zum erheblichen Teile aus abgekämpften Divisionen besteht und erst kürzlich mit jungen, vielfach wenig geübten Ersatz ausgefüllt war. Sie hat nicht den Widerstand geleistet, den unsere Leute in den ersten drei Tagen des Märzangriffes zu überwinden hatten, Obwohl sie gleichfalls in sehr starken, sorgfältig ausgebauten Stallungen stand. Auch ihre Artillerie ist dupch den plötzlichen und gewaltigen Feuerüberfall der deutschen Batterien in kurzer Frist gelähmt worden und konnte den Schwung des im Morgen- grauen losbrechenden deutschen Sturmes nicht hemmen. Unser Fußvolk stieß so rasch bis zu ihr durch, daß ein erheb- sicher Teil weder abfahren, noch auch von ihrer Bedienung vernichtet werden konnte. Die französisch-englischen Divi- sionen, die nnsern Angriff in der vordersten Linie aushalten mußten, sind alle schwer geschädigt, einzelne n a h e z u vernichtet worden, sie haben Verluste von 40 und VO, selbst bis zu 70 vom Hundert erlitten. Auch die oberste Hcercssührung de? Gegners, auf deren überragendes Können man in England und Frankreich so stolzes Vertrauen gesetzt hatte, ist durch Hindenburgs Feld- Herrnkunst wiederum gründlich überrascht worden. Das kommt davon, wenn ein Führer sich in einen einzigen Gedanken einspinnt und nur auf das Loch in einer einzigen Richtung starrt, selbst wenn seine Erwägungen an sich weder töricht noch auch nur unzutreffend sind. Ein Feldherr muß einen Geist von höchster Beweglichkeit und eine Ahnungsver- mögen besitzen, das durch den Nebel der Ungewißheit hindurchdringt, der im Kriege alle Pläne des Feindes verhüllt. Dieses höchste Maß an Fcldherrnkiinst befaß Moltke im Feldzuge 70/7 1 und hat darin vielleicht alle Feldherren vor ihm überragt. Räu- men wir Foch aber als Milderungsgrund ein, daß in diesem Bereitsein die große Schwierigkeit jeder Verteidigung siegt. Auch unsere Bundesgenossen haben es im Sommer 1910 bei Brussilows Angriff gegen den Styr erfahren. Wenn wir selbst zu jener Zeit durch den Stoß an der Sommc nicht überrascht wurden, so kam uns dock nach dem Zugeständnis des Großen Hanptguartiers die ungeheure Massenbafsigkeit des Angrisfs- gcrätes unerwartet, das der Gegner für seinen Durchbruchs- versuch aufgebäuft hatte. Jedenfalls hat Foch in den ersten Tagen der A i s n e- schlackst keine wirksamen Gegenmaßnahmen gegen unser stürmisches Vordringen zu treffen gewußt. Um so weniger, als er immer noch zögerte, seine an der Küsten- front angesammelten Massen zu schwächen, denn er hielt an- sangs den Stoß Hindenburgs an der Aisne für einen Täu- s ch ii n g S v e r such, ans den er nicht hineinfallen wollte. So sehr hatten sich ihm unsere Erfolge des März nick des April aus Brust und Herzen gelegt. Die seelischen Wirkungen großer Siege sind meist bedeutender als die tatsächlichen Erfolge. Auf diese Weise gelang eS uns bereits am vierten Tage, mit unseren Spitzen die Marne zu erreichen. Ein großer Schrecken fuhr den Feinden in die Glieder. Die Erinnerung an die ersten S e p t e m b? r t a g e des Jahres 1914 wurde wach. Kein Zweifel, daß sie der weiteren Entwicklung der Dinge mit banger Sorge entgegensehen, sogar Lloyd George und Clemenceau sind schweigsam geworden. Von nun an hat Foch allerdings in größter Eile und mit unleugbarer Tatkraft dem weiteren Vordringen der Deutschen einen Riegel vorzuschieben versucht. Von allen Gegenden und mit allen Beförderungsmitteln, selbst von den entferntesten Fronten, wurden Divisionen auf Divi- sionen herangeführt und unseren siegreichen Trup- Pen cntgegengeworsen.. Allerdings gelangt der Feind auch jetzt nicht zu einem großen, einheitlichen Gegenunternchmen, die schwungvollen Gegenstöße der Franzosen entbehrten des Zusammenhanges und wurden meist von den Deutschen ein- zeln zerschlagen, wie sie angesetzt wurden. Aber an gewissen Stellen ballten sie sich doch zu größeren Massen zu- sanunen, versteiften ihren Widerstand und versuchten die dcut- scheu Reihen wieder zurückzuwerfen. Im Sinne unserer Heeresleitung Tonnte es nicht liegen, den glücklich begonnenen schlag in ein ziel- und n s e r- loses Vorwärts stürmen ausarten zu lassen. Sie be- gnügte sich mit der Erreichung des starken Abschnittes der Marne und nahm nur Bedacht, ihre Abwehrfront hier von westlich Chateau-Thierry bis östlich Verneuil auf eincAus- dehnung von gut 25 Kilometern zu bringen. Ter Tiefenstoß von der Ailette bis dorthin betrug ohnehin gegen 50 Kilometer. In diesem Falle gewann der Raumgewinn an sich eine st r a te g i s cb e Bedeutung neben der iveitergebenden ZermÄrbüng der feindlichen Streitkräfte, wie in späterer Zeit auseinandergesetzt werden kann. Auch auf dem linken Flügel begnügte sich die Heeresleitung, N c t in 3 eng auf drei Seiten zu umschließen und die um die Stadt geballten Ncgertruppen unter das pereinigtc Feuer ihrer Batterien zu nehmen. Das Schwergewicht der Kämpfe wurde seit dem 30. Mai mehr und mehr nach Westen verlegt. Es ent° wickelte sich hier eine neue Schlacht mit S o i s s o n s als Mittelpunkt. Aus erklärlichen Gründen mußten die Franzosen darauf bedacht sein, ein weiteres Vordringen der Deutschen über Soissons hinaus, das sie a.m M. Mai genommen hatten, zu ver- hindern. Es galt ihnen, Compiegne zu behaupten, das nur Oö Kilometer von Paris entfernt liegt, und überlraupt jede weitere Annäherung an die Hauptstadt zu unterbinden. Waren doch ohnehin schon wichtige Eisenbahnen, die den Westen mit dem Osten Frankreichs oerknüpfen, dnrch das Vordringen der Deutschen der Benutzung entzogen worden, dazu kam die Rück- ficht auf die Stimnmng der Hauptstadt und des ganzen Landes. So warfen die Franzosen hierher Massen auf Massen und richteten di? wütendsten Angriffe gegen die westlichen Ausgänge' Soissons. In der Tat gelang es ihnen, den Vormarsch der Deutschen an dieser stelle tagelang aufzuhalten. Aber auch deren Westfront verbreiterte sich zusehends. In dem Winkel zwischen Oise und Aisne trat der rechte Flügel der Armee van Boehn, und vom 31. Mai an der linke Flügel der Armee von Hutier in Tätigkeit. Ten vereinten Anstrengungen der hier fechtenden Korps gelang es, die Franzosen, die ihnen i m in e r neue Ver st ärk un gen entgcgenführten, allmählich auf die Aisne und in Richtung auf Compiegne zurückzudrücken. Doch halten sie hier noch den großen Wald von Charle- v o n t- Im allgenieioen haben die Deutschen die Linie wieder erreicht und teilweise räberschritten, die sie bis zum Februar 1917 innc hatten. Südlich der Aisne-und südlich Soissons schwenkten immer mehr Korps der Armee von Boehn gegen W e st e n ein, sie überschritten in harten Kämpfen die Straße Soissons— Chateau- Thierry und schlugen bis zum 2. Juni eine starke Beule in die neue französische Schlachtlinie zu beiden Seiten des Onrcg. Rördlich des Flusses drangen sie bis über den Saviere-Bach hinaus und nahmen nach wechsclvollem Ringen Favereles, süd- lich erstürmten sie die Höhen von Passy, Courchamps, Bourcs- ches, und westlich Chatean-Thierrp. Ihre gesamte Westfront ist nunniehr zwischen Oise und Marne etwa 70 Kilonieter lang und von Compiegne 20 Kilometer, von Paris etwa 70 Kilometer entfernt. Tie Schlacht geht weiter? Aber auch sie ist natürlich nur ein Zug in dem strategischen Schachspiel, das am 21. März zwischen Hindenburg und Foch begonnen wurde. Ihre Bedeutung fiir den Verlauf des ganzen Feldzuges kann erst später gewürdigt werden. Daß dieser Erfolg nicht mit ein oder zwei, sondern nur mit einer Reihe'großer Schlachten und weit-tragender Siege gewonnen werden kann, versteht sich von selbst. /towirfomgsZz öss �isne-Durchbruchs. (Telegramm unseres Kriegsberichterstatters.) W e st f r o n t, 4. Jnni. Das strategische Ringen zwischen der deutschen nnd feind- lichen Heeresleitung geht schweigend weiter. Tie u» h e i ui- lichc Ruhe a n der Marne nnd an der R e i m s e r Front stellt neue Rätsel. Die Wucht der feindlichen Gegen- angriffe in diesen Tagen ist mit den gleichen llnternehmuugen im März und April bei Amieiw nicht zu vergleiche». General Foch, der besser als die französischen BeruhiguugSuoten weist, daß die deutsche Angriffskraft durch die Ereignisse der letzten acht Tage numerisch kaum vermindert» technisch aber auf das höchste gesteigert ist, schwebt offenbar noch immer in berechtigter Sorge vor neuen U e b c r r a s ch u n g e n. Seit gestern hat der französische Gegendruck im Süden nnd Osten des deutsche» EiubruchSlochs nachgelassen, dafür aber sich mit der steigenden Energie neu hereingctroffencr Divisionen auf die westliche deutsche Einbrnchsslante gelegt. Ohne Zusammenhang mit diesen restlos abgeschlagenen Gegenstöße« hat die Armee v. Boehn an zwei wichtigen Stellen die neue frau- zösische Schlachtfront durchbrochen und den Feind bis i Kilometer tief in einer Breite von 13 Kilometer erneut geworfen. Zunächst ist der französische tief in die deutsche Front ein- keilende Soissons-Bogen seit gestern restlos v e r s ch w n n S e n. Mit der rechten Flanke am Aisne-Kaual, mit der linken au der Straße Soiffons— Paris vorgehend, haben wir die Dörfer und gleichnamigen Schluchten Sacomir und Peruant überwunden. Wir stehen in uordsüdlicher Linie auf der Hochstäche zwischen Soulier und Dounniers. Um Sonlier wird heute morgen gekämpft. Der neue deutsche Eiscnbahnpunkt Soissons liegt damit 10 Kilometer hinter der Kampffront. Wir nähern nnS der N o r d- ostspitze des Waldes von Villers Cotterets, dessen Ostrand wir in seiner ganzen Länge erreicht haben. Südlich Chory, da wo die neue Front nach Osten in Richtung auf ChSteau Thierry abbricht, sprang bis gestern in die deutsche Linie ebenfalls ein starker frau- zösischer Boge« ein, der die Marnestadt Chllteau Thierry im Westen� staukierte. Durch einen glänzenden Borstoß von 10 Kilometer Breite, der von dem ungebrochenen deutschen Angriffskönne« zeugt, ist der Vogen auSgeglättet und in die französische Linie hineingeschoben worden. Damit rückt die deutsche Front bei der Ortschaft Veuilly 05 Kilometer nahe an den Fortsqürtel von P a r i S. Die taktische Bedeutung der gestrigen Kämpfe dürfte darin ruhen, daß allen französischen Stoßversnchen in die deutsche Flanke zum Trotz wir eine bcträchrliche Verbreiterung nnd Ab- ruuduug, damit zugleich die größte Sicherung unseres ganzen Eindbruchsloches erkämpft haben. Dr. Ad. Köster, Kriegsberichterstatter. Die SoWjetregierung mobilisiert gegen öie Segenrepslutisn. Moskau, 2. Juni.(Meldung der Petersburger Tele- graPheu-Ageutur.) In Verbindung mit der Erklärung des K r i e g s z u st a u d e s in Moskau und der B e- rufung von zwölf niobilisierten Jahres- klaffen unter die Fahnen hat Lenin einen Aufruf au die revolutionäre Bevölkerung gerichtet, in dem er den Ernst der politischen Lage auseinandersetzt nnd auf die un- niittelbaren Gefahren hinweist, die der Revolution seitens reaktionärer Elemente drohen. Die PelerSburger Telegraphen-Agentur meldete am 31. Mai: Ter Russischen Sowjetregierung war eS seit einiger Zeit bekannt, daß Mtgkkeder reaktionärer Partelm verschiedener Stichtimaen ver» suchen, die Macht und das Ansehen der SoWjetregierung zu unter« graben. Es ist jetzt gelungen, die Verschwörung aufzu« decken und die Rädelsführer zu verhaften. Dabei wurde fest- gestellt, daß die Leiter der Bewegung in London sitzen, von wo aus sie zu verschiedenen Agenten der Ententemächte in Moskau rege Beziehungen unterhallen haben. Der Aus- stand der lschecho-slowakischen Abteilungen in Ticheljabinsk, Pensa, Omsk und Ufa und bereits uiiterdräckle Aufstände in Saratow standen in ur- sächlichem Zusammenhang mit der nunmehr aufgedeckten Ver- schwörung. Die SoWjetregierung hat es mit Rücksicht auf diese gegenrevolutionäre Bewegung für notwendig geHallen, über Moskau den Kriegszustand zu verhängen. Die realtionären Zeitungen wurden wegen Verbreitung falscher und provokatorischer Nachrichten ver- boten. Unter anderem war von. diesen Blättern die blödsinnige Nachricht verbreitet worden, die Sowjelregierung übergebe gegen- wärtig die sibirische Eisenbahn mit allen Anlagen und allem Material an Teutschland. » Ncber die Strahenkämpfe in Saratow berichtet einiz autonome sibirische Republik. Kiew, 2. Jnni. Moskauer Zeitungen melden, daß die neue Regierung der autonomen sibirischen Republik in C h a r b i n ihre Tätigkeit begonnen hat. In der ersten Kabinetts- sitzung wurde über Maßnahmen zur Liquidation der Sowjet- Regierung in? fernen Osten beraten. Admiral Koltschok wies darauf hin, daß die neue Regierung Sibiriens auf die volle Unterstützung Amerikas rechnen dürfe, da die neue Regierung auf Anregung Amerikas gebildet wurde. U st r o g o w als Innenminister erklärte, daß auch Japan die neue Regierung unterstützen wolle. Die neue sibirische Regierung bat be- schlössen, Nordamerika um Unterstützung zu bitten. • London, 4. Juni. Reuter erfährt aus Peking vom 28. Mai: Semenows Artillerie wurde durch die Vernichtung einer Brücke über den Onon aufgehalten, so daß er nur imstande war, kleine'Kavallerieabteilungen auszusenden, um die Eisenbahn, die an Karinskaja vorüberführt, zu besetzen. Da die Bolschewiki in Chita so wenig Widerstand fanden, nahmen sie Jngoda und warfen Semenows Abteilungen auf das rechte Ufer des Onon zu- rück. Eine Kavallerieabteilung ist aus dem Amucgebiet in das Ge- biet zwischen Silka und Argoon vorgerückt und bedroht Seme- uows Verbindungen. DsröeuLsch-sinnlänöischeIrieöensverteag Hclsingfors, 3. Juni. Ter deutsch-finnländische Friedens- vertrag und das Handels- und Schiffahrtsabkommen wurden heute vom Landtag ohne Abstimmung in dritter Lesung angenommen._ Die Schweizerische volkssbftimmung über öie SunKessieuer. Wie telegraphisch schon gemeldet, ist die von der Sozial- demokratie gestellte Initiative zur Erhebung einer direkten Bundes st euer mit einer Mehrheit von 40 000 Stimmen abgelehnt worden. Die geradezu überraschend geringfügige Mehrheit beweist, daß der Antrag doch stark populär war, denn alle bürgerlichen Parteien hatten sehr stark gegen ihn agitiert; keineswegs war er, wie jetzt die Meldung der Schweizerischen Depeschenagentur besagt, .von einem Teil der linksstehenden bürgerlichen Parteien unterstützt." Sie mußten nur in letzter Stunde, einem offenbar starken Druck aus ihren Reihen nachgebend, die Stimmen freigeben. Guten Eindruck machte eine von einer Reihe protestantischer Geist- licher veröffentlichte Erklärung gegen den mammonistischen und un- sozialen Geist, der sich in der Bekämpfung des Antrags offenbare. Der Bundesrat wird wohl in seinem jetzt angekündigten neuen Finanzprogramm einem nur so knapp an der Annahme vorbei ge- langten Stcuerprogramm irgendwie entgegenkommen müssen. D!e Verschärfung öer preußischen Einkommensteuer. Die„Tägliche Rundschau" hatte dieser Tage mit der Meldung Alarm geschlagen, daß der Preußische Finanzminister im Herbst dem Landtage eine Novelle zur Einkommensteuer vorlegen werde und auf einen Mehrertrag von einer Milliarde rechne. Die„Nordd. Allg. Ztg." denientiert diese Nachricht und gibt zugleich ein Finanzprogramm der preußischen Regierung, vielleicht um die Befürchtung zu zerstreuen, daß Preußen, der führende Bundesstaat, die Einkommensteuer nur deshalb so hoch anziehe, damit das Reich unwiderruflich auf ewige Zeiten von dieser besten aller Steuern abgedrängt werde. Die„Nordd. Allg. Ztg." führt aus: .Der preußische Finanzminister hat, wenn er von der kom- Menden Neuregelung der preußischeu Sleuerverhältnisse sprach, nie von einer einmaligen Steuer gesprochen, sondern stets von einer lausenden. Er hat im HaushaitsauSichuß diese laufende Steuererböhung damit begründet, daß die längst geplante o r g a- nische Neuregelung der Sleuerverhältnisse nicht hinaus- geschoben werden könne, und namentlich auch die andere A u S- gestaltung der Veranlagung zwecks größerer Intensität dringlich sei, die überhaupt auch mit Rücksicht aus die Reichssteuern erwünscht erscheine, die ja von den Bundesstaaten mit verantagt tverden müßten. Ferner sei die Steuernovelle nolwenvig, auch lvegen des L a st e n a u s g l e i ch s der K o m m u n e n, der das Steuersystem wesentlich berühre. Aus alledem läßt sich schließen, daß, wenn jetzt eine Neuregelung der Steuern in Frage kommt. es sich nur um eine dauernde Mehr st euer handeln kann, die den von dem Finanzminister erwähnten Äniorderungen Rechnung trägt, die sich aber auf eine sehr viel geringere Summe belaufen wird, als die.Tägliche Rundschau" sie nennt. Wir schätze» das Auikommeu, das als nötig erachtet wird, auf höchstens 200 Millionen Mark, wenn nicht noch! niedriger. Der prcußijche Finanzminister hat in der HauL-I haliZkommisflon berborgekioben, daß nach der setzt für den Herbst in Aussicht genommenen Steuernovelle noch eine Schlußnovells kommen müsse, die den endgültigen Bedarf, der sich zumal aus den Mehrlasten der Besoldung ergeben dürfte, zu decken benimmt ist. Um so mcbr ist anzunehmen, daß die bevorstehende Winter« Novelle nicht ohne Not zu b o Ä gehen wird, sondern in ihren Forderungen nur das Allernotwendigste zu berücksichtigen sich anschickt. Selbstverständlich wird aber auch eine in solchen Grenzen gehaltene Mehrbesteuening eine völlige Acndcrimg im Ausbau des SteuertarifS und. insbesondere eine stärkere Progreision in der Belastung der höheren Einkommen zur Folge haben müsscm Ter heulige preußiicbe Sleuertarif ist bctanntlich degressiv in der Weise gestaltet, daß von Einkommen von 100 000 Mar! abwärts die Sätze nach unten geringer werden. Wir glauben, annehmen zu können, daß in Zukirnfl die Gesetzgebung bei dem Einkommen von 100 000 M. nicht hallmachen, sondern auch die höheren Einkommen progressiv höher belegen wird. Im übrigen Wirdes unausbleiblich sein, daß im Vergleich mit der beute geltenden Progreision eine erheblich größere Steigerung in�den«teuer« sähen eintreten muß. Aus andere Weite würden ja auch d e Ausfälle an Sleueraufkommen nicht eingebracht werden können, die durch Maßnahmen sich ergeben werden, wie man sie in der bevorstehenden Steuernovelle in Rücksicht auf unsere BevötkerungS« Politik(Kinderprivileg und andere) plant." Der preußische Finanzminister kann sich schon deshalb im Augenblick leicht bescheiden, weil die Steigerung der Gewinne, Gehälter und Löhne den Ertrag der Einkommensteuer auch bei den jetzigen Sätzen erhöht. Die Ausgestaltung des Veranlagungsverfahrens, die dringend notwendig ist, wird weiter in derselben Richtung wirken. Es wird sich aber, da die Steuern mehr denn je zu einem der wichtig- sten Gcschäftsfaktorcn werden, auch ein Einvernehmen� der Bundesstaaten über die Vereinheitlichung der Ein- k o m m e n st e u c r n empfehlen, um den Charakter des Deut- scheu Reiches als eines einheitlichen Wirtschafts- g e b i e t s zu wahren. Um Kaempfs Nanüat. Nach den Mitteilungen einer Lokalkorrespondenz soll JameS Simon, wie vor ihm Exzellenz Dernburg die angetragene Kandidatur für die Fortschribtter im ersten Kreise mit Rücksicht auf die Sachlage abgelehnt haben. In der Bankwelt scheint danach keine rechte Neigung fiir diese Kandidatur zu bestehen. Die Unabhängigen haben nach einer Meldung derselben Korrespondenz D ü w e l l aufgestellt, der schon mehrfach im ersten Kreis kaadidiert hall Tüwell war zu Anfang des Krieges Kriegs- berichlerstatter für die Partoipreffe. Seine Berichte zeichneten sich dadurch aus. daß er unter dem Eindruck der von ihm selbst geschauteu Benvüstungen des Krieges, namentlich der Verwüstungen des Ruffeneinsalls in Ostpreußen, die Arbeiterschaft unermüdlich zur Anspannung aller Kräfte für die Landesvertei- digu ng ermahnte. Tann schwenkte er plötzlich, ging zu den Un- abhängigen, erhielt von diesen die Redaktion des„Gothaer General- Anzeigers" übertragen und schimpft nun in diesem tagaus, tagein auf jeden, der in ruhiger und nüchterner Weise dasselbe sagt, was Düwell in den ersten Kriegsjcchren mit überschäumender Begeiste- rung geschrieben hat._ Der neue NeichSkommissar für Kurland und Litauen. Zum Reichskommissar für Kurland und Litauen ist an Stelle des aus- geschiedenen Ministerialdirektors z. D. Dr. Grafen v. Keyserling! der BerwaltungSchef beim Oberbefehlshaber Ost, UnterstaatSsekrelär Freiherr von Falkenhausen, ernannt worden. Ter Reichskommissar untersteht dem Staatssekretär de? Innern. Sein Bureau befindet sich vom 12. Juli 1318 ab im Dienstgebäude des ReichSamts de? Innern, Wilhelmstr. 74. Dem bayrischen Landtag ist von der Staatsregiernng ein Ge- fetzenrwurs zugegangen, wonach die laufend«Landtag»- Wahlzeit um weitere zwei Jahre verlängert wer- den soll. Heranziehung von HeereSunfähigen zum militärischen Arbeits- dienst. Der angekündigte Gesetzentwurf ist dem Reichsbag zuge- gangen. Seinen wesentlichen Inhalt haben wir bereits wieder- gegeben, ebenso den der angehängten Begründung, die sich mit der mitgeteilten amtlichen Auslassung inhaltlich deckt. Lekte Nackrickten. Das Ergebnis öer Msneoffejisive. Telegramm unseres Kriegsberichterstatters. W e st f r- n t, den 5. Juni. Auch der gestrige Tag brachte de» deutschen Teilangrisfen südwestlich Soissons ein mehrere Kilometer tiefes Gelände. Doch dürfte den augenblicklichen Kämp- f e n. wie schon gestern gemeldet, kaum noch grössere opc- rative Bedeutung zukommen. Vielmehr ist damit zu rech- ncn, daß die deutsche Heeresleitung baS Ziel ihrer AiSne- offcnsive im ganze» erreicht zu habe» glaubt. WaS für' militärische Folgerungen Hindenburg und Ludendorff aus den bisherigen drei Einbruchslöchcr» wie aus dem Stande und der Schwächung der feindlichen Reserven zn ziehen gedenken, bleibt abzuwarten. Das zehn Wochen lange strategische Ringen hat fast sämtliche Trümpfe in die deutsche Hand gespielt. Tie O f f e n s i v e, über deren eigentlicher Methode und letztem Ziele noch immer dunkle Schleier liegen, geht weiter. Ein wichtiges Moment für die Beurteilung der weiteren deut- schen Angriffe dürfte die Tatsache sein, daß der letzte Durch- b r u ch mit minimalsten Verlusten erkämpft ist. Daraus darf die feste Hoffnung geschöpft werden, daß die deutsche Führung die Initiative weiter in der Hand und den Feind solange zu schlagen die Kraft behält, bis das Endziel erreicht ist. Dr. Adolf Köster, Kriegsberichterstatter. Zwonqsanshebunq von Russen für englischen Heeresdienst. Stockholm, 8. Juni. Nach Blättermeldungcn aus Moskau richtete T s ch i t s ch e r i n an L o ck h a r t, den diplomatischen Vertreter Großbritanniens in Petersburg, einen scharfen Protest gegen die neuerdings wieder aufgenommene Zw a n g s a u s h c b n n g russischer Untertanen für die eng- tische Armee. Die Protestnote betont, daß die britische Re- gierung bei dieser Ividerrechtlichen Maßnahme im Einver- st ä n d n i s mit den Vertretern der alten russi« schen Regierun gehandelt, welche schon lange nicht mehr besteht und heute nur noch die Triebkraft der gegeurevolutio« nären Bewegung ist. Tie Grundsätze und die politische Lage der russischen Sowjetrepublik verlangen absolute Neutralität im Weltkriege. Maffenopscr der MnnitionSarbeit. Marscille, 5. Juni.(Reuter.) Bei einer Explosion in den Munitionsfabriken von Seaussons am 3. Juni wurde» 100 Personen getötet und 20 verwundet. die Jenfuröebatte im Reichstag. 1L7. Sitzuug, Mittwoch, S. Juni, 1 Uhr. ?ltn Ministertisch: v. Pah er. W a l l r a f. Zur Beratung gelangt der Entwurf belreffend die Erhöhung der Abgeordnetenbezüge. Abg. Tsve(Vp.) tritt für eine Aufwandsentschädigung an den Präsidenten ein.— Graf Westarp(lons.s wendet sich gegen diesen Vorschlag. Dem Präsidenten stehen besondere Repräsentations- Pflichten nicht zu.(Lachen links.)— Staatssekretär Wallras sagt Beachtung des Wunsches zu. Das Gesetz wird ssgleich in zweiter und dritter Lesung einstimmig angenommen. Die Debatte über Zensur unö öslazerungszuftanö wird fortgesetzt. Abg. Gothein(Vp.): Die Pressezensur wird zu engherzig und scharf gehandhabt, besonders auch vonseiten der Zensurinstanzen der Admiralität. Mit dem dauernden Hinweis auf die Wirkung im Ausland kann man schlechthin alles verbieten. Eine ein- seitige politische Handhabung der Zensur kann nicht geleugnet werden. Der Redner führt eine Reihe von Bei- spielen an. Selbstveröffentlichungen eines Kapitäns zur See, der doch sicher den Feinden kein Material liefern wird, wurden von der Zensur verboten. Im Gegensatz zu dieser Strenge wird nach einer anderen Seite hin eine liebevolle Duldsamkeit bewiesen. Ter Redner bringt Auszüge aus der.Deutschen Tageszeitung"' und anderen wahlrechtsfeindlichen Zeitungen, die nicht nur beispicl- lose Beschiinpfungen� weiter Volkskreise, sondern auch persönliche Beleidigungen der Staatsmänner enthalten, die die Vorlage ein- gebracht haben.— Noch heute haben wir den verschärften Kriegs- zustand in Festungen wie K ö n i g s b e r g. die vom Feinde nicht mehr im geringsten bedroht sind. In allen diesen Städten herrschen die Kriegsgerichte mit ihrer summarischen Justiz und der absoluten Präventivzensur. Es ist nicht zuviel gesagt, daß die Zensur nur ein Mittel darstellt, die Mehrheit des Volkes gegen die Schmähungen einer Minderheit wehrlos zu machen! Die Zustände im Vereins- und Versammlungsrecht sind geradezu unerträglich geworden. Hätte man zu Anfang des Krieges gewußt, daß wir vier Jahre laug unter dem Belagerungszusland würden leben müssen, wären Regierung und Reichstag zweifellos für Aenderung des BelagerungszustandSgesetzes gewesen. Inzwischen ist aber die Gewöhnung an das Scheußliche eingeireten. Ganz besonders schroff ist die Bekämpfung der Pazifisten Alle Milde und Sachlichkeit, mit der friedens- freundliche Bestrebungen auftreten, alle Unantastbarkeit der vater- ländlichen Gesinnung ihrer Träger schützen nicht davor, daß ihre Willens- und Meinungsäußerungen unterbunden werden.(Redner führt auch hier viele Einzelfälle an.) Ich habe so ausführlich über diese gcnzen Dinge gesprochen, weil seinerzeit der Kriegsminister wegwerfend meinte, die paar Fälle beweisen nichts, und weil der Staatssekretär gestern auch wieder gesagt hat, die Handhabung der Zensur sei inzwischen viel hesser geworden. DasdeutscheVolk kann diese Verhältnisse nicht weiter dulden. Die Bestellung der Aufsicht durch den Militäroberbefehlshaber hat sich als ein Schlag ins Wasser erwiesen. Er hat gar nicht die Zeit, sich diesen Dingen zu widmen, sondern muh ihre Erledigung unter. geordneten Instanzen überlassen. Das verbittert aber das Verhältnis zwischen Reichstag und Kriegs- ministe r. Es handelt sich hier uni die hochwichtige Frage, daß eine Einheitlichkeit in der Politik bestehen muß. Daher müssen wir verlangen, daß die Oberaufsicht einer anderen Stelle übergebe« wird. Der Reichstag hat beschlossen, sie dem Reichskanzler zu übergeben. Es läßt sich darüber reden, ob das das Zweck- mäßigste»st. Hält der Bundesrat diesen Weg nicht für richtig. so hat er die Pflicht, einen anderen gangbaren Weg zu zeigen. (Lebbaftcr Beifall links.) General v. WriSbcrz: Aus den Ausführungen der Vorredner mußte man den Eindruck gewinnen, als wenn von den militärischen Stell-n jeder VersammlungStätigkeit entgegengearbeitet w'rd. Davon ist aber keine Rede. In den Monaten Dezember läl7 und Januar llllg haben in Preußen insgesamt 8011 Versammlungen stattgefunden, verboten wurden 99. Die Vaterlandsparte l hat 84!) Versammlungen einberufen, verboten wurden 14, die Gewerkschaften 2749 Versammlungen, oerboten our- den>9. Diese Zahlen sprechen für sich. Ich werde diese interessante Statistik weiter führen lassen. Ungerechtigkeiten kommen selbstvcr- ständlich vor. aber das Bestreben geht dahin, sie zu beseitigen. Bei der Beurteilung der Einzelfälle muß man auch die andere Seite hören, sonst kommt man zu einseitigen Schlüssen. Ucber manche Einzelfälle kann ich keine Auskunft geben, weil mir das Material fehlt; über viele Fälle ist schon im Ausschuß gesprochen worden. Was den von dem Abg. Bauer vorgebrachten Fall der Auskunft des deutschen FeldpostamtS 727 anlangt, so ist ein all- gemeines Verbot seitens der Heeresverwaltung oder einer Heercsstelle in bezug auf die NichtauLhändigung»va Zciwnge« nicht ergangen. Wenn also ein Einzelfall gegenüber dem .Vorwärts' vorgekommen ist, so kann daS nur aus einer fehlerhaften Vorschrift einer Unterstelle beruhen oder es können die Verhältnis seplötzlicheinen sol- chcn Befehl veranlaßt haben.— Herr Scheidemann hat im Ausschuß wegen des Verbots des„Vorwärts"' in Rumänien angefragt Ich habe inzwischen festgestellt, daß von einem solchen Verbot nicht die Rede ist.(Abg. E b e r t: Es handelt sich um eine beionvere Zensur, die dort ausgeübt wird!) Dann bat der Abg. Bauer einen Erlaß kriti- siert, in dem es heiß: Die Versammlungen, in denen Hetzer sprechen sollen soll man verbieten. Gewiß, das ist der Standpunk» der Heeresverwaltung. Jbre Aufgabe ist es ja. für Ruhe und Ordnung zu sorgen, wie kann sie da notorische Hetzer sprechen lassen.(Lachen bei den Sozialdemokraten.) Man sagt, der Begriff Hetzer sei sehr weitgehend.(Sehr wahr! bei den Sozialdemokraten.— Abg. B a u>- r' Oldenburg-Janu schau!) Wie weit der Begriff von dem betreffenden Generaliommando gefaßt wird, be- weist die Tatsache, daß nicht eine Ver>ammlung mit dieser Begrün- düng verboten worden ist. Die Versammlung, in der über den Würzburger Parteitag berichtet werden sollte, ist nicht, wie Herr Bauer anführte, verboten�worden. weil politische Tinge dabei zur Spracke kommen könnten, sondern weil öffentlichen politischen Ver- sammlungen. die in dem Bezirk ocrbokcn sind, auch solche Mit- aliedcrversanimlungen gleichgestellt werden, die wegen der unberechenbaren Zahl der Teilnehmer den Ein- druck von öffentlichen Versammlungen machen. (Lachen be! den Sozialdemokraten— Zuruf: Damit kann man alles verbieten!) Was das vielangegriffene Stellver- tr-tende Generalkommando des 6. Armeekorps anlangt, so sind durch fre neuesten Bestimmungen bie Klagen abgestellt. Die Genehmigung zu Versammlungen wird jetzt so zeitig erteilt, daß sie vorbereitet werden können. Anträge, die bedenkenfrei sind, werden'owrt genehmigt und den Antragstellern davon Mitteilung gemacht. Die andern Anträge werden dem zuständigen Landrat oder Polizeibeamten zur Stellung- nähme überwiesen, die umgehend Berichte einzuienden haben. Das Stellvertretende Gcneralkommanvo ist auch jeden Augenblick tele- phonisch erreichbar und wird, wenn bei einem Streik ein Arbeiter- fckretär die Bitte ausspricht, zur Beruhigung der Arbeiter�cine Versammlung einberufen zu können, dies nach Prüfung der«achc nicht derlliftnk. Im übrigen verweise ich darauf, daß der Ober- militärbefehlshaber mit der neuesten Bestimmung vom 30. Mai 1918 ausdrücklich darauf hingewiesen hat, daß keine unnötigen Erschwerungen der VersammlungStätigkeit erfolgen dürfen. Dazu gehöre auch die Forderung langfristiger Anmeldung vor Abhaltung einer Versammlung.— Was die Person des Herrn Scho- l i ch anlangt, so habe ich mich persönlich für ihn sehr warm ein- gesetzt. Das Generalkommando hat aber die Verwendung des Herrn Scholich in der bisherigen Tätigkeit abgelehnt, und zwar weil Herr Scholich doch in seinen Ausführungen manchmal solche KrastavSdrücke braucht, die manchmal nicht geduldet werden können.(Lachen b. d. Soz.) Wenn solche Kraftausvrücke noch bejubelt werden, so können Sie es keinem Stellvertreienden Generalkommando verübeln, wenn es das nicht duldet. UebrigenS sind die Verhandlungen noch nicht abgebrochen, und es ist noch möglich, Herrn Scholich anders zu ver- werten.(Zuruf b d. Soz: WaS für Krastausdrücke?) Zum Bei- spiel: Tie ganzen Verfügungen sollte man den Organen des Bundesrats um die Ohren schlagen I(Große Heiterkeit b. d. Soz.) Sie lachen, aber ebenso lacht das Volk, und das füll das Stellvertretende Generalkommando dulden!(Erneute Heiter- keit b. d. Soz.) Auf die Beschwerden über das Vorgehen gegen den Pazifismus kann ich Herrn Gothein heute nicht ant- Worten, weil ich das Material zum Teil nicht kenne. Und teilweise habe ich auch schon im Ausschuß darauf geantwortet. Der Stand- Punkt der Heeresverwaltung hinsichtlich der Verwaltungstätigkeit ist in der Verfügung vom 17. Januar 1917 vom Kriegs- Ministerium niedergelegt. Da heißt es:.Der Zweck aller Be- schränkungen auf Grund des Gesetzes über den Belagerungszustemv ergibt sich aus dem Interesse der öffentlichen Sicherheit. Es soll oerhindert werden, daß bei der V e r s a m m I u n g s- t ä t! g k e i t aller Art durch verhetzendeAgitationdiezu- ver sichtliche siegesfrohe Stimmung beeinträch- t i g t und gestört wird. Auch darf nicht geduldet werden, daß Ver- sammlungen Anlaß zu Ausschreitungen und Unruhen geben. Alle über dies Maß hinausgehende Beschränkungen sind schädlich."" Der Erlaß vom 25. September 1917 sagt:»Die Möglichkeit, die wirtschaftlichen Interessen der von ihnen vertretenen Berufsgruppen wahrzunehmen, muß den Gewerkschaften gewährleistet werden.' (Abg. Bauer: Was nützen die schönen Redensarten, wenn nicht danach gehandelt wird!) Die Heeresverwaltung ist bereit, bei normaler Lage alles zu hin, um der VersammlungStätigkeit den weitesten Spielraum zu lasse».(Erneuter Zuruf b. d. Soz.: Redensarten!) Ehef des Presseamts im Kriegsministerium va» de» vergh er- teilt Antwort auf die von den Abgg. Dauer, Rechenberg und Gothein vorgebrachten Einzelbcfchwerden. Abg. Graefe(kons.): Das Interesse deZ deutschen Volkes an den Redeschlachten des Reichstags ist nur ein geringes.(Lachen und Widerspruch links.) Die Feldgrauen werden auf das Lachen und Spötteln der Herren von links die Antwort nicht schuldig bleiben. (Lärm links und Zwischenrufe.) Mit der Zensur ist es zweifellos besser geworden. Die größere Freiheit beanspruchen Sie(nach links) nur für sich, an Gehässigkeiten ist die P r e s s e d e r L i n? e n ganz und gar nicht arm. Im übrigen wollen auch wir Preßfreiheit haben, weil wir an der Erhaltung des künstlichen Burgsriedens schon lange nicht mehr interessiert sind. Der Antrag, der den Reichskanzler zum Zensor machen will, ist wider- sinnig, das militärische Interesse kann nur von den Militärs richtig vertreten werden.(Beifall rechts.) lieber einen Vcrtagungsantrag wird durch Hammel- s p r u n g abgestimmt. Es ergibt sich die Beschlußunfähig- keit des Hauses. Nächste Sitzung: Donnerstag 1 Ahr(Wahl des Präfidenten, Fortsetzung der Debatte). Schluß: 6H Ahr._ Dss Reichsftempelsesetz. Der HanShaltSausschuß trat am Mittwoch in die Beratung des Keichsstempelgesetzes ein. Berichterstatter über diesen Gesetzentwurf ist Abg. Keil. Aus den Börsengeschäften sollen 210 Millionen Mari mehr herausgeholt werden. Der Berichterstatter bedauert, daß man von einer Dividenden st euer abgesehen hat. Tie Kriegsindustrie verteilt trotz der Kriegsgewinnsteuer immer noch steigende Dividenden. Die Erhöhung deS Stempels auf GesellschaftSverträge ist mäßig und entspricht kaum der Entwertung des Geldes. Dagegen liegt eine Härte darin, daß der Stempel für K o n s u m g e n o s s c n- s ch a f t e n von ein Zehntel auf vier Zehntel vom Hundert erhöht werden soll. Aus dem Stempel auf Staatspapiere gedenkt man 150 Millionen mehr herauszuholen. Die Bezüge der Aufsicht-- r ä t e(Tantiemen usw.) sollen mit 20 v. H. belastet werden. Die Abgabe ermäßigt sich auf die Hälfte, wenn die Vergütungen an sämtliche Mitglieder des Aufsichtsrats 5000 M. nicht übersteigen. Der Berichterstatter empfiehlt eine Erhöhung der Tantirmenstcuer auf 50 v. H. Neu ist die Besteuerung der Geldumsätze. Hier dürfe sich eine Bevorzugung der Sparkassen gegenüber den Banken emp- fehlen, vielleicht in der Weise, daß für die Sparkassen ein EinHeits- fetz festgestellt wird.— Abg. Dove findet, daß man davon abge- kommen sei, der Börse gegenüber einen Stcuer-Sadismus zu treiben. Immerhin sei die B e l a st u n g der Börse sehr fühl- bar, denn die Steuer werde verzehnfacht. In der Assoziation des n? tpnq stpin uvm nvq'0 n ß a a ip] i; v a j o m a q nid allaij ZMictvU hohe Steuern eindämmen dürfe. Statt die Tantiemen besonders hoch zu fassen, wäre eS besser, hohen Staatsbeamten zu verbieten, innerhalb einer gewissen Frist nach ihrem Ausscheiden aus dem Amte, in Erwerbsgesellschafteit einzutreten.— Abg. Müller-Fulda: Daß sich die Groschanken mit dem höheren Umsatz einver- standen erklärt haben sei bemerkenswert und lasse erkennen, daß gerade diese Institute nichts fürchten. Die kleinen Tantiemen könnte man völlig steuerfrei lassen, denn die Tantiemen der Aufsichtsratsmitglieder von kleinen V o r s ch u tz- vereinen stehen in keinem Verhältnis zu der gebotenen Arbeits- leistung.— Abg. v. TrampczinSki fordert eine Reform der Tantiemensteuer.— Abg. Bernstein: Demokratische Einrichtungen seien die Aktiengesellschaften nicht, denn der Aktionär sei ein Schmarotzer, der von der Arbeit anderer lebt.— Abg. Richter trägt eine Reihe Bedenken gegen die Börsensteuer vor.— Staatssekretär Graf Reedern ist der Ueberzeugung, daß der Börsenumsatz auch in der Zeit nach dem Kriege keinen Rückgang erfahren werde. Man könnte sogar zu einem noch höheren Satz kommen, um die Spekulation etwas einzudämmen.— Abg. v. Brockhausen wünscht einen steuerlichen Unterschied zwischen den Kapitalgesellschaften und den Genossenschaften. Letztere seien zu stark belastet.— Abg. Wd Idstein glaubt, daß eine Herabsetzung der Börsensteuer die Einnahmen steigern würde, weil eine Verminderung der Umsätze verhütet würde.— Abg. Keil: ES sei bemerkenswert, daß gegen diese Vorlage, die das Kapital treffe, so zahlreiche Einwände erhoben werden, während die Verbrauchssteuern glatt genehmigt wurden. Er habe die Bödenken gegen die Verzehnfachung des A k t i e n st e m p c l s für normale Zeiten als beachtlich be° zeichnet, in der Kriegszeit aber hätten diese Einwände weniger zu bedeuten. Daher wiederhole er den Vorschlag, den für die Dauer bestimmten Siempelsatz niedriger zu bemessen als in der Vorlage und dazu einen K r i e g S z u s ch l a g zu erheben. Die Doppelbesteuerung der Geldumsätze der Sparkassen unv Genossen- scharten müsse vermieden, bxi den Reichs- und Staatsanleihen ein Mindestbctrag des Umsatzes frei gelassen werden. Als Komven- sation für Einnahmeausfälle rege er einen recht kräftigen Stempel auf Titel und Orden an. der event. alljährlich wiederholt werden könne.(Heiterkeit.)— Reichsbankpräsident v. Havenstcin wendet sich gegen eine weitere Erhöhung des Börsenstempels, die das solide Börsengeschäft unterbinden würde. Tie Beratungen werden am Donnerstag fortgesetzt. �cbeitskammergeseh. Zu der Auseinandersetzung, ob Fach- oder Territorialkammern, lag der Mittwochsitzung deS 84. RcichstagsauSschusses eai Antrag Triinborn(Z.) vor; er verlangt, unter Beibehaltung der Fach- kammcrn nach§ 1 des Entwurfes, daß„für die Arbeitgeber und Arbeiter des Bezirks einer höheren Verwaltungsbehörde, die Gewerbezweigen angehören, für welche eins fachliche Arbeits- kammer nicht errichtet ist, gemeinsame Arbeitskammern zu errichten' sind. Bezirksabteilungen dieser Kammern sollen „tunlichst in Anlehnung an die Bezirke der öffentlich-rechtlichen Ver- tretung von Handel und Industrie gebildet werden" und schließlich sollen deren Beisitzer aus den Bertvetern der sachlichen Arbeits- kammern berufen werden.— Schirmer(Z.) verteidigt den ierri- torialen Aufbau, ebenso Vchrcns(Dtsche. Fr.), der im Antrag Trimborn ein grundsätzliches, aber unzureichendes Entgegenkommen erkennt.— Staatssekretär v. Stein erklärte, für die Regierung sei die fachliche Kammer BorauSfebung und Grundlage; namentlich im Einigungsverfahren könne der„soziale Frieden' nur auf fachlicher Grundlage gedeihen. Da allerdings die Fach- kammern nicht sämtliche Arbeiter umfassen können, hält er eine Ergänzung der Regierungsvorlage durch den Antrag Tri.m- dorn für möglich.— Giebel(Soz.) hält diese Stellung der Regie- rung für leicht erklärlich, weil für ihre Fachkammern der Antrag Trimborn völlig gefahrlos sei. Die Trimbornschen lerri- torialen Kammern sind nur hier und da schwindsüchtige Gebilde. Sehr bedenklich sei aber der Zustand, daß Fach- und Territorial- kammern unbeschränkt denselben Aufgabenkreis hätten, was e i n Durch- und Gegeneinander in Beschluß und Aus- führung befürchten läßt. Was der Antrag bezwecke, werde besser durch den Gewerkschaftsvorschlag erreicht, der auf Terri- torialkammern aufbaut und in denselben Fachabteilungen zuläßt. — Dr. Wildgrubc(kons.) steht dem Anttag Trimborn freundlich gegenüber.— Wiffell(Soz.) betont, daß diese Fachkammer u nie eine geeignete Interessenvertretung der Ar- beiterschaft werden können; sei das nicht beabsichtigt, dann müsse ihven Wünschen Rechnung getragen werden. Er kritisiert vor allem das Planlose � der Regierung beim Aufbau der sozialen Gesetz- gebung.— Staatssekretär v. Stein hob hervor, daß die Regierung allerdings keine einseitige Arbeitervertretung an- strebe._ Getränkesteuern. In feroct Sitzung am Mittwoch trat der 32. Ausschuß in die Dclailberatung des Gesetzentwurfes betr. Besteuerung von Mineralwässern usw. ein.§ 1 wird gegen die Stimmen der Sozialdemokraten' angenommen, damit grundsätzlich der Besteuerung von alkoholfreien Getränken zugestimmt. Ein sozialdemokratischer Antrag, welcher Wasser und Limonaden, die von staatlichen, gemeindlichen, gewerblichen oder landwirtschaftlichen Unternehmungen an die in den betr. Be- trieben beschäftigten Personen unentgeltlich oder zum Selb st kostenpreise abgegeben wird, steuerfrei zu lasse u, wurde abgelehnt. Die Sozialdemokraten hatten weiter beantragt, die N a ch v e r- steuerung von Vorräten bei Winen, Händlern, Konsumvereinen, Kasinos usw. zu unterlassen. Dieser Antrag wurde mit 13 gegen 11 Stimmen abgelehnt. Eine weitere lebhafte Diskussion rief der sozialdemokratische Antrag, den§ 39 des Entwurfs zu streichen, hervor. Dieser Pari- graph sieht eine Erhöhung der jetzt geltenden Zollsätze für Kaffee, Tee, Kakao, Schokolade zum Deik von über 100 Proz. vor. Ter sozialdemokratische Redner bekämpft den auch bei diesem Entwurf gemachten Versuch, eine allgemeine Erhöhung der Zollsätze vorzubereiten, als Volkswirt- schaftlich durchaus verfehlt und industriefeindlich. Von Reaierungs- feite wird bestritten, daß K a k a o ein N a h r u n g s m i t t e l sei; die Abstimmung ergibt Annahme der Erhöhung der Zölle für Kaffee und Tee, während die für Kakao und Schokolade vorgesehene Zollerhöhung abgelehnt wird. Die Gettänkcsteuern sind in erster Lesung im wesentlichen nach den Regierungsentwürfen angenom- men, die zweite Lesung beginnt am 10. Juni. Hsyö'lkerungspolltik tmö Wahlreform. Gieöbcrts gegen das gleiche Wahlrecht. In dein roten.Tag' vom Mittwoch triit der ZentrumSabg. GiesbcrtS abermals ein für die Gewährung einer zweiten Wahl« stimme„an Familienväter mit mehr als drei Kindern und an solche Wähler, die das 45. Lebensjahr vollendet haben'. Tie Alters- stimme scheine ja Aussicht aus Verwirklichung, auch bei der Regie« rung, zu haben; lebhas: zu bedauern aber sei,„daß gerade jetzt im Zeitalter der Bevölkerungspolitik das Familicnwahlrecht keine größere Beachtung findet'. Der G eburtenrückgang habe in unserem Vaterlande ein höchst bedenkliches Maß ange- nommen, und nach dem Kriege werde das wohl auch uichi besser weiden. In der gleichen Ausgabe des„Tag' befürwortet auch der Tübinger UniverstiätSprosessor Dr. FuchS die Familienstimme „unter dem Gesichtspunkte der B e v ö l k c r u n g S p o l i t i k"; die Zusatzstimme sei wegen der„heute allgemein als nottvendig an- erkannten Erhöbung unserer schon vor dem Krieg so beängsti« gcnd gesunkenen Geburtenziffer als voraussichtlich erfolg« reiches Mittel sehr zu begrüßen'. Den beiden Herren schwebt also der Gedanke vor, daß man die Ehepaare bewegen könne, nach einem zweiten und dritten Kinde noch ein viertes ins Leben zu setzen, nur damit der Mann einer zweiten Wahlstimme teilhaftig werde. Einem Professor kann man solche.Ideen' allenfalls zulrauen, dem guren GieSberlS aber, der doch seit drei Jahrzehnten proltischer Ehemann ist, hätten wir, weiß Gott, nicht für so weliftcmd gehalten. Wenn der Gatte wirklich der staatsbürgerliche Streber sein sollte, den Herr GiesbertS hinter ihm sucht, die Frau aber, die doch die Last und Pein bei der An« gelegenheit hinterker auf sich zu nehmen bat, nicht zustimmt. waS dann? Ein Kompromiß ist in diesem Falle wohl nicht möglich. Wenn der Gatte alio auf seinem Plan besteht, die Frau aber danlr, sind die Ichwersten Konflikte und Ebelragödien die notwendige Folge — Gicsberls zerstört die Familie! Warum die„Kinderstimme' beim vierten Kinde gewährt werden soll, ist uns zunächst nicht recht klar gewesen. Warum soll sie nicht.schon' beim dritten oder.erst' beim fünften eintreten. Degenerö Handbuch unserer Zeilgenossen klärt uns darüber auf: Herr Johann Gissberts ist Vater von vier Kindern. So ein Schlauberger! Wer hätte soviel List hinter der biederen Erscheinung gesucht! Die Giesberlsschen Sprößlinge sind— nach Degener— 89, 93, 95 und 01 geboren. Bei der letzten Geburt war GiesbertS— immer nach Degener— 36 Jahre alt, und seitdem sind 17 Jahre verstrichen. Auch scheint unS ver Abstand zwischen 89 und 93 und zwischen 95 und 01 zu groß. Warum sollen nun s o I ck> e„Be- völkerungspotiliker' mit einer Zusatzstimnie belohnt werden? Der Herr Professor gibt im.Degener' gar nichts über seine Familien- Verhältnisse bekannt. Am Ende ist dieser„Bevölkerungspolittkcr', wie so mancher andere, selber ein Funggeielle. In der Warschauer Stadtverordnetenversammlung wurde laut „Dziennik Wspolich" bei der Erörterung der städtischen Finanzlage festgestellt, daß für das Rechnungsjahr 1918 ein Fehlbetrag von 6714 Millionen zu erwarten ist. der in Anbetracht der unvorhergesehenen Ausgaben auf achtzig Millionen steigen dürfte. t'ife Angestellten and öas)?rbeits?ammergesetz. Die ArbeitZeemeinschaflcn der freien An�efielltenverbände und der technischen Verbände sowie der Kaufmännische Verband für weibliche Angestellte lzusammen 20 Organisationen) veranstalteten am Dienstag abend im großen Saale des Lehmvereinshauses eine sebr stark besuchte Versammlung. Ihr Zweck war— wie der Ver- sammlungSleiter Franz Krüger vom Verband der Bureau angestellten sagte— Protest zu erheben gegen ein sozialpolmsebeS Unrecht, welches den Angestellten durch Ausschluß von den Arbeits� kammern zugefügt werden soll. Der Versammlung wohnte der Reichstagsabgeordnete Silber« schmidt als Vertreter der Sozialdemokralischen Fraktion und der konservative Abgeordnete Wild grübe bei. Der eingeladene Minister für Handel und Gewerbe sowie der Staatssekretär des NeichSwirtschaflSamts hatten ihr Ausbleiben entschuldigt. Der erste Referent Karl Sohlich vom Bund der technische industriellen Veaniten trat gegen die fachliche Gliederung der Arbeits� kammern ein, weil sie dem Zweck deZ Gesetzes nicht entspreche und forderte die territoriale Gliederung. Das zweite Referat hielt Fritz Schmidt vom Zentralverband der Handlungsgehilfen. Er verlangte gemeinsame Kammern für Arbeiter und Angestellte und betonte, daß die große Mehrheit der Angestellten hinter dieser Forderung stehe. ES liege kein Grund vor, Arbeiter und Angestellte in der Vertretung ihrer Interessen zu trennen. Wir folgen nicht der Idee der Abtrennung der Ange- stellten, sondern der Idee der Zusammengehörigkeit aller Arbeil« nehmcr Deutschlands. sLebhafler Beifall und Zustimmung.) Fräulein Klara Mleinel vom Kaufmännischen Verband für weibliche Angestellte schloß sich den Vorrednern an und betonte, daß auch den weiblichen Angestellten Gelegenheit gegeben werden müsse, mit voller Gleichberechtigung ihre Interessen in den Kammern zu vertreten. Kroll, der als vierter Referent sprach, trat insbesondere dem aus gewissen HandlungSgehilfenkretsea erhobenen Verlangen nach Kaufmannskammern entgegen. Reichstagsabgcordneter Silberschmidt erklärte unter all- gemeinem Beifall, daß die Sozialdemokratische Fraktion fich den hier ausgesprochenen Forderungen anschließen kann und sie mit vollem Nachdruck vertreten wird. Soll das Gesetz eine Wohltat für die ganze Bevölkerung werden, dann muß es einheitliche Arbeits- kammern ohne Unterschied des Berufs bringen. Hoffentlich werde diese Kundgebung dazu beitragen, die Forderungen der Angestellten zu verwirklichen. Tie Vertanimlunz nahm einstimmig eine Resolution an, welche die Schaffung von Arbeitskammern begrüßt, an Stelle der sachlichen aber die territoriale Gliederung fordert und scharf da« gegen protestiert, daß die Angestellten von den Arbeitskammern ausgeschlossen und ans die spätere Errichtung von Angestellten- kammern vertröstet werden. Die Resolution verurteilt das Verlangen gewisser HandlungSgehilfenführer nach Einführung be- sonderer Kansmannskammern. Weiter heißt eS, jede organisa- torische Zersvlitterung der Arbeirskammern würde eine un- nötige Mehrbelastung mit Verwaltungsarbeiten und Ausgaben mit sich bringen. Bei den hauptsächlich auf wirtschaftlichem und sozial- politischem Gebiet liegenden Ausgaben der Arbeitskammern können die Angestellleninteresfe!» nur durch daS Zusammengehen aller An- gestellten, in vielen Fällen nur durch daS Zusammengehen aller Arbeitnehmer, gewahrt werden. Die besonderen Interessen der An« gestellten gegenüber den Arbeitern können durch besondere Angestellten- abteilungcn in den Arbeitskammern zur Beratung von Spezial- fragen gesickert werden. Ferner wird gefordert, daß auch die An- gestellten der nichtgcwerblichen Betriebe sReichS-, Staats- und Gcineindebctriebe) den Arbeitskammern unterstellt werden. Die Versammelten erivarten, daß der Reichstag den Arbeitskammer- gesetzeutwurf im Sinne dieser Forderungen umgestalten wird. Tie Nnztifriedenhekt beim Personal der Grosteu Berliner Straßenbahn. Die bei der letzten Lohnbewegung im Betriebe der Großen Berliner Straßenbahn erzielte Lohnerhöhung hat das Personal keineswegs zufriedengestellt. Und bereits in der Versammlung, die über die Annahme der zwischen dem Deutschen Transportarbeiter- verband und der Direktion der Großen Berliner Straßenbahn ge« troffenen Abmachungen Beschluß zu fassen halte, kamen Summen des Unwillens Über die von der Direklion des genannten Betriebes pcmachlen Zugeständnisse zum Ausdruck. Wie der„Courier", das Orgau des Transportarbeilerverbandes. nunmehr mitieilt, seien zahlreiche iÄnflliche und mündliche Proteste gegen die erzielte Lohn- erhöbung eingetroffen. Der zuin AuSvruck kommenden Auffassung der männlichen und weiblichen Beschwerdeführer, als ob für sie nichts oder so gut wie uich'.S bei den Neuregelungen herausgekommen wäre, tritt der . Courier' mit einschlägigen! Beweismaterial entgegen. Danach batlen z. B. die Schaffiierinnen früher 12.40 M. Teuerungszulage und 5,60 M. Zuschlag für zwei freie Tage, bei 23 Arbeitslagen und zehnstündiger Dicnstdauer ein Einkommen von 153 M. im Monat. Jetzt erhalten sie bei neunstündiger Disnstdauer 157,95 M. vro Monat. Gewinn ist dabei 37 Stunden weniger Arbeitszeit im Monat. Tin Teil der Frauen bat indessen erklärt, daß ihnen weniger an der Berkürznng der Arbeitszeit liege, sondern an höherem Verdienst und höherer Bezahlung der Ueberstunden. Dieser Wunsch ist aber nur der Straßenbahnvcrwaltung übermittcll worden und stammt ans den Kreisen der u n o r g a n i s i e r t e n Angestelltinnen. Dieses Verlangen mußte bei den Verhandlungen mit in den Bereich der Beraiungen gezogen werden. DaS Einkommen gestaltet sich daher bei denjenigen, welche nach wie vor 23 Tage a 10 Stunden im Monat arbeiten, wie folgt: Lohn 27 Tage a 5,85 M.. 157.95 M. /z Uhr im Einwohnermeldeamt ausgegeben. Als Ausweis find von den An- tragstellern die Haushaltungslisten vorzulegen. Friedrichshagen. Eierverteiluug. Ms morgen kommen auf Ab' schnitt 10 der Eierkarte je 3 Eier zum Älückpreise von 33 Pf. zur Verteilung. Fleckeier müsseir innerhalb drei Tagen im ganzen Zu- stände zurückgegeben werden. — Brennholzabgabe. In der Kohlenstelle der Gemeinde, Friedrichstr. 97, tonnen Bestellungen auf Kloben und Knüppel auf- gegeben werden. Die Anfuhr kann durch die Gemeinde sofort aus- geführt werden._ §rauen- Lefeabenöe. SchSueverg. Heute bei Obst, Martin-Luther.Str. 69: Vortrag des Herrn Prof. Dr. P r n t u s über:»Die Krebslran kheit und ihre Behandlung'._ Iugenöyeranftaltungen. MenköNn. Jugendheim, Berliner Str. 86/87. Freitag, den 7. Juni, abends L�UHr: Vortrag des Herrn H e i l m a n n: Weltgeschichte. Zlrbeitsr-Amnariterbund. Kolonne Groh-Nerlin. Montag, den 10. Juni, abends pünitlich 8>/z Uhr, in Sckulzes Festsälen, Am Königs- graben Nr. 2: Vortrag. Nach dem Bortrage praktische Verbandübungen. Gäste haben einmaligen freien Zutritt, Grojze öffentliche Hebung in Pichelswerder. Sonntag, de» 16, Juni, nachmittags 2 Uhr, Tresspuntl im Restaurant Freund, Abmarsch vormittags 10>/, Uhr'vorn Bahnhos Grunewald, für Nachzügler ab Bahnhof Charlotten- bürg um 12.15, 1.12, 1.55 bis Pichetsberge, von da rechts schräg durch den Waid über Heerstragenbrücte zirka 25 Minuten. Die Turnübungeu des Tchöneberger Arbeiter-TurnvereiuS finden jetzt jeden Donnerstag in der Turnhalle der 14. Aemeindeschule, Berchtesgadener Strafie, von 6—10 Uhr statt; außerdem Dienstags und Sonntags aus dem Turnplatz an der Rubensstraße im Friedenauer Orts- teil. Besonders machen wir die Arbeiter aus unsere Kmderabteilung auf- mertsaul. Sriefkaften üer Neüaktioa«* — G. F. 100. Sie können dort ansragen. Uns ist über die Entlassung »och nichts bekannt.— II. D. U. Das beziebt sich nur aui aktive Unter» osfiziere.— K.®. 1. Nein.— H. St. 74. Es ist fraglich, ob die betreffenden Zahlen sich aus die Kranlheiien beziehen, sie würden bedeuten: nervenkrank und starkes Stottern. Bei welchen Krankheiten jemand selb- dienstfähig ist, können wir Ihnen nicht sagen, das entscheidet der Militärarzt.— E. T. 51, Der Bescheid aus Ihre Reklamation wird Ihnen schon noch zugeben. Sie muffen sich gedulden.— M. B. Uslar 313. 1. Der Verdienst hat damit nichts zu tun, es handelt sich darum, wie boch die Erwerbseinbuße ärztlich bemessen wird, 2. Ja. 3. Fclddien,'-fähig wird der Mann unter diesen Umständen nicht sein, auch ist mit seiner Einziehung wohl kaum zu rechnen. Er kann aber aus Grund des tzilssdienstgesctzcs zu iriegswichliger Arbeil verpflichiet werden.— P. L. 1. Nein. 2. Ja. 3. Guttentagsche Sammlung erbalten Sie in jeder größeren Buchhandlung. — R. I. 100. Von einer Lieferung der Firma B. von 300 Liter sahne nach dem töniglichen Schloß ist uns nichts bekannt. Sollten Sie genauere Zwhaltspunkte dafür haben, so übermitteln Sie die Angelegenheit der Feit- stelle Groß-Berlin.— B. 17. Da an der Berwailung der Ludendorss- Spcnde auch die Vertreter der Arbeiterorganisationen beteiligt sind, so be« steht kein Grund zu den von Ihnen befürchteten Mißständen bei der Ver- teilung.— M. G. 97. Wenn keine Aenderung in den Erwerbsoerbält- Nissen nach Eingehung der Ehe eingetreten ist, so wird Unierstiitzung nicht gezahlt.— Kriegsbeschädigter Ö. 35. 1. Wenn Bedürftigkeit vorliegt, kann Ihnen bei Wiederoerheiratung eine Abfindungssumme bis zu 1000 M. gezahlt werden. 2. Wenn es sich um Steuerrückstände Ihres verstorbenen Mannes handelt, ja. 3, Fa.— G. H. 18. Eine Retlamation erscheint uns aussichtslos, übrigens ist mit solcher Sicherheit mii der Enilassung des Jahrgangs 1870 noch nicht zu rechnen.— 31. B. 382. Ihre Frau hat keinen Anspruch aus die Teuerungszulage, die sür sie als Beamter in Frage käme.— Vi. I. 548. 1. Ja 2. Nein.— R. P. 1. Die Kündigung kann erfolgen, aber nur zu dem im Vertrage seftgesetzten Tcrmw. 2. Darüber ist nichts Bcstimmics festgesetzt. rSenerauSiichte» für das mittlere Storddeucictuanv vis Freitag mittag. Wieisach heiter, aber veränderlich, besonders östlich der Oder öfter leichte Regensälle, in der Nacht zu Freitag kühl, in den Mittags. stunden ziemlich warm. ivsrit» olls-i Tdeirter. Allabendl. 8: Max Pallenbarg in Familio ScMmek. liam m erspiel o. AUabendlioh 71/2 Uhr: Iiikosaito.(Operette.) Tolksbkihne.Th.a, Bülowpl. Untergrundb. Schönh. Tor. Allabendlich Tl, Uhr: General Yorck.(Vaterland.) Tlieater öesWeslens Allabendlich 7l/i Uhr: Isopoldine Konstantin m Lie Tänzerin. Theater Königgrätzerstr. 'I48 Uhr zum 500. Male: Die iüni tfraakfurter. Komödäenhaus 'US Uhr: Die Zaria. BerlinerTheater 7UU.: Blitzbianes Blut. lSatlonal-Theater si48 Mäaiscliesi. Theater iler Fpieörielistaöt Ecke Eriedrlch- n. Linienstr. tu Jarailie � Kaansntann. Sonntag 3'/, kleine Preise; Jagend von Max Halbe, Cfma ßffF' Nur noch kurze Zeit 1 Täglich 7'l, Uhr: Das grolle Ähsshieds-Programm und zum Schluß: Fflilssssile mit den lustigen Wasser-Szenen. Theater für Donnerstag, 6* Juni. r raier-i Kastanienallee 7— 9. M tni Wolkentaianieter. Große Vossen°Revue in 6 Bildern Dazu die grollart Spezialitäten BeichsiiaÜen- Theater. Allabendlich 71/, Uhr: Sielüner Sänger. | Ileichshallen-Saal 71/!. ü.: Grolles Biüthgen-Konzert bKm SSchwelsergartcn Am KönigStor Am Jriedrlchsliain LS— SS. Größter und schönster Natur« garten Berlins, lieber 5000 Sitz. Plätze. Saal für 1000 Personen. Täglich: Konzert, Theater. Spezialltäteiivorktellung. Ansang Wochentags 4 Nhr. Sonntags 3 Uhr. itlmiralspalasl. |8i0 Prinzessin von Tragant j Sajdah Dcatsche Tänze 7'U Uhr. 2, 8, 4. 5, 6 M, Centrai-Theater ti. uhr- Die CsaräasIWii. Dentsehes Opernhans lUhrBerlroubadonF Frledrich-Wilhelmst. Theater 7'/,uhp: DäSöreiniäWaDS. 8 Uhr Kleines Theater Iristill ustl seine Fehler. Komische Oper 7V.: SchwarzwalÄlel Sonnt 12 U.: Die goldene Eva. Sonnt 3'/, U.: Die Kinokönigin. Metropol-Theater Die dose von Siaiißl. Tl, Uhr: Neues Operettenhaus 7v4uhr:DerSo!iJatil8Pfflarie. Linstspielhans 7*/< Uhr; DiebMsnMMelsy.LtBilggbct Itesldenz-Theater u1': FllramerkläFehen Schiller-Theater O vi, uhr: Der Leibalte. Sehlller-Th. Chari. tu uhr: Ein Erfolg. Thalia-Theater �Doterierllenöenliiiile Theater am Nollendorfplatz 3'b: Postillion von Lonjumeau. TU Wn: Wintergarten Qastspiel der Komischen Oper 8 Uhr: Ohne Männer kein Terjjnägen. WalhaiSa-Theater. Maiiima Gartenb.: Die lieben siiSen Mädel. Rose-Theater. TU Uhr: MgWMlI. Gartenbühne 7 Uhr: Gr. Revue. Trianon-Theater Bhf. Friedrichstr. Ztr. 4927. 2391 'IfS Zum 279. Male: Der Sefecttssclmlsr. Sonnabend 5,4 kloine Preise: Schneewittchen. Sonntag 12 U.: Johannisfouer. Sonntag 4 Uhr: Gespensler. Sonntag, 9. Juni, vorm. 10 Uhr findet eine Besichtigung des Krematoriums in Baumschulenweg statt Mitglieder, Freunde und Gönner sind We freundlichst eingeladen. 300/10 Der Vorstand. Zar Aitssehctdoni? aller scharf en und krankeu Stoffe aas Blut und Säften, gegrea Biutrerdickang Blutandrang, rotea Gosiohr. Qaatunrelnigrkeiten iti mein Blatreinlgunffspalver Saüäarla seit über 25 Jahren wirksam erprobt. Schachtel M. ÄeOO, übL 3 Sch. 5,50. Otto Reichel, Berlin 43, Eisenbahnst 4 Spezialarzt Dr. med. Wockenlaß fürS]rphilis,Harn-u. Frauenleiden Blutuntersuchungen. Schnelle, sichere, schmerzlose Hellung ohne Berufssidrung. Teilzahlung Rennen zu ileH3n-Gs*uuewcs3cl Donnerstag, 6. Juni 1918, nachmittags ZVa Uhr: 8 Kennen l. Werte von 05000 Jl., darunter: 27 000 M. u. Ehrenpreis Ä« 18009 II o. Ehrenpreis(süheroes Pferi) 15 000 SSfl. n. Ehrenpreis(goll PeilseliE) Stadtbahn. Untergrundbahn bis ReichSKanzlerplatz, Straßenbahn D und U bis Bahnhof Hoerstralle, R und P bis Spandauer Bock. Der moderne Metallarbeiter. Ratgeber für Dreher. Zchlosier«.Maschinenbauer. 4.Nufl 340 Seiten mit 135 Abbild. Von Dtie Sohwonn. Dieses Werk hat es sich zur Ausgabe gemacht, jed. Metallarbeiter in den Stand zu setzen, schnell u. sicher die vorkommenden Berechnungen der Rüder an Drehbänken z. Gewindeschneiden vornehmen zu können. ES enthält jerner Festigkeitslehre. Stahl u. seine Verwendung. Berechnung der Tourenzahl, um konisch zu drehen, Zahlen m Faktoren zerlegen. Prozentrechnen, Umrechnung von �oll in Mim- meter, Tabellen der Kreisumfänge, Potenzen, Wurzeln, Ver- zahnun«, Flächen-, Mantel-, Kubikinhalt- u. Gewichtsberechnuna, Schrauben, u.(Äewindetabellen, Fräsen von Zahnrädern, Krirven u. Spiralen, Bestimm, der Psärdestärken u. vieles and. Wistens- werte. Das Werl ist in einfacher, klarer Weise von einem Kol- legen geschrieben u. daher bestens zu empschlen. Gegen Ein'end. von 5.ÄDM. oder Nachn. 5.50 M. JEdm. Hernnann, Abt. 2, Berlin, Fruchtstr. 51. Geschäftszeit 8— 6.(Postscheck 798.) Bekanntmachung. agermilch. Zahngebisse, Platin, Gr. 7,60, Ketten, Ringe. Bestecke ta nft Frau Wagner, Kaiserstr. 18 I(Alexanderplatz). Spezialarzt Dr. med. Kochen für" Geschlechtskrankheiten, Haut-, Harn-, Frauenleiden, nervös. Schwäche, Beinkranke. Behandlung schnelbsicher u.sohmerz- los ohne Berufsstörung in Dr. Homeyer dt Co. konz.Labor. f Blutunters., Fäden im Harn usw. Frieilriehstr.81,|aefoepuk: KöoipstP.SSISte�r | Spr. 10-1 u. 5-8, Sonnt. 10-1. Honorar mäßig, a. Teilzahl. | Separates Damenzimmer. 100 Schreibmaschinen erstklass. Systeme m.Ga- rant. Farbband., Kohlo- u. Durchschi asgpapiere. S Rechenmaschinen g I VeFiriellältipgs-Apparate? o Wachspapiere n. Farben L Büromöbel Reparaturwerkstatt für alle Büromas chinen. Wilh. Dreusicke vorm. 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Umlneidungen während der Eüitigke-ISdauer der Karten sind nur bei einem Wohnungswechsel gestattet. Die Inhaber der Magermilchkavten haben die Karte» späte- stenS bis zum 16. Juni 1918 emschließlich dem Mtlchhündker vor- zulegen. Der Mllwhändler hat die Kontrollabschnitt« abzuschneiden. der Abschnitt(links unten) ist von ihm mlszubewahren, den Ab- ichiiitt.jtontrolladjchnilt sür die Fettstelle(rechls unten) hat er bis zum 21. Juni ds. IS. einschließlich der Feststelle Groß- Berlin(Milch), Äbteilung Magermilch. Poststraste 13, ein» zusenden. loird beabsichligt, Bullennilch aus die Magermilchkarten zu ver- absolgen. Der Milhändler hat aus jede ihm vorgelegte Magermilch» karte zu vermerken, zu welchem Bezirk und Unterbezirf der Stunde gehört und an welchem Wochentage er Magermilch oder Buttermilch erhält. Die Magermilchkarten dürfen von dem.Händler nicht in Gewahrsam genommen werden, sondern verbleiben in Händen der Bezugsberechtigten. Die Milchlarten find allwöchentlich beim Bezug von Magermilch vorzulegeii; beim jedesmalige» Bezüge hat der Milchhändler den gülligen Wochenabschniit abzutrennen und an sich zu nehmen. Berlin, den 1. Juni 1918. Fettstelle Grost-Berli«(Milch). Die Magermilchkarten sür die Monate Juli, August und September 1918 sind in Berlin i« der Zeit vom Freitag, de» 7. bis Dienstag, den II. Juni 1918 einschließlich von den Brotkommissionen abzuholen. Das Alter des sür den Be- zug in Betracht kommenden Kindes ist ersorderlichensalls durch Vorlegung einer amstichen lirfnnde nachzuweisen. Berlin, den 1. Juni 1918. Uwißrai der König!. Haupt- und ReßdenMdt. Tgb. IV, 11. F. Mi. L Allgomeine Ortskrankenkafle für örln.-Tcmpelhsf. Bekanntmachung betr. Ausschustwahl. Da zu der auf den 16. Juni 1918 anberaumten Wahl nur ein Wahlvorschlag eingegangen ist, so geilen die Vorgeschlage- nen als Ausschußmitglieder ge« wählt. Die Liste enthält 16 Vertreter, beginnend mit dem Namen Karl Braun und endigend mit Hermann Grund und 40 Ersatz- leute, beginnend mit dem Namen Max Zemke und endigend mit Paul Ulbrich. Die sür den 16. Juni 1918 anberaumte Wahl findet daher nicht statt. Anfechtungen gegen die Gül- ligkeit der Wahl sind innerhalb einer Woche bei dem unier- zeichneten Vorstand anzubringen. Bln.-Tempclhos, 4. Juni 1918. Der Borstand der Allgemeinen Ortskranken- kasse für Berlin- Tcmpelhos. gez. I>i>«t liricgicr, 1. Vorsitzender. 268)11 SszsaldemoKratllchZentr.- aiastlverfleltow-BcesHow. Bezirk COpenick. Den Mitgliedern zur Nachricht, daß unser Parteigenosse Karl Möhrke verstorben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigimg findet heute Donnerstag, den 6. d. MiS.. nachmittags i'U Uhr, von der Leichen- Halle des hiefigen Kirchhofes aus statt. 194/3 Um rege Beteiligung erlucht Die Bezirksleitung. veutscher Crantportafbeltereekdantl. Bezirksverwalt. Groß-Berlin Den Mitgliedern zur Nach- richt, daß unser Kollege, der Platzarbeiter Ludwig Sclionfeld am 29. Mai im Alter von 66 Jahren verstorben ist. Ehre seinem Anvenkcn k Die Beerdigung findet am Donnerstag, den 6. d. M., nachmiltags 3ll, Uhr, von der Leichenhalle des Neu- töllncr Gemeinde-Friedhoss, Mariendorscr Weg. aus statt. 62,2 Die Bezirksverivaltung. öeuUclfcr nietallarbcitcf- Verband. Verwaltungsslelle Berlin. Den Mitgliedern zur Nach- richt, daß unier Kollege, der\ Maschinenarbester Frisilrieh Kfsssow am 2 Juni an Tuberluloje j gestorben ist. Die Beerdigung findet an- z Freitag, den 7. Juni, nach- mittags 3 Uhr, von ders Leichenvalle des Knchhoses in Ahrensfelde aus statt. Abfahrt des Zuges 2 Uhr! 6 Minuten. Rege Betcüigirog wird er- wartet. Xaebrate. Den Mitgliedern ferner! l-ur Nachricht, daß unser j | Kollege, der Metalldreher Hcdolf Reiibaum I am 1. Juni an Lriströh'.en- | leiden gestorben ist., Den Mitgliedern ferner i zur Nachricht, daß unser f Kollege, der Former Georg Helmke am 31. Mai an Lungen- leide» gestorben ist. Den Mitgliedern serner zur Nachricht, daß unsere Kollegin, die Arbeiterin Eiise fieumaen | am 1. Juni an Bruftsell- | entzüudung gestorben ist. Den Mitgliedern ferner zur ! Nachricht, daß unser Kollege, j der Heizungsmonteur Ludwig Rochier 1 am 29. Mai an Langen- | leiden gestorben ist. Ehre ihrem Audeufcnl 1 113/1 Die Ortsverwaltung. ■ Tics betrübt erhiciicn wir i j die traurige Nachricht, daß i I unser treuer FreuiiS und t < Wanderg enoffc, der Mus-! I fetter Brost Bubner |j..N. 113, 1. Bat., 3. Komp. ) sein junges blühendes Leben I im Atter von 20 Jahren im I Westen geopfert hal. i Sein steter Humor und 5 sein edier, guter Charalter» I sollen uns ein bieibendcs! j Vorbild fein. 167A j Seine Freunde Bruno Hände, z. Z. Feld. ! Familie Hauckc. - Otto Tkrodczkn, z. Z. Feld. j Walter E, igelte, z Z. Laz. | Erich Göhlich, z. Z. Garn. Allen Freunden und Be- kannten die traurige Nach- richt, daß mein lieber Mann und guter Sohn, der Schlosser Mmes SkSSei Voltastr. 36, Dienstag früh nach kurzem Kamps sanft entschlasen ist. Die trauernde Witwe Ida Tchröder nebst Schwiegermutter. Die Einäscherung finde! Sonnabend 2 Uhr Krema- g loilumGerichtstraß�ttatl��I 100l)0« Tavak-* Pflanzen, üppigwach!.(Sorte. Beste Pflanzzeit bis Ani. Jnli, nach Frübiari.-Ernte. 00 000 Tomate», frühe, oolllragende, fabele. Ertrag. Gonuenblume, -uff. Ricscu-, sür Speiseöl, statt Mänd., Gcflügelsu-ter. immer- , währ. Tvinat, Hochs, Preise bill i tiooih üehlendortzLtchterseiderstr , Am Montag, den 3. Luni, b k früh Tl. Uhr, entichlicf sanst ßl 3 nach langem, mit groger r ! Geduld ertragenem Leidens j meine wniggelicbte Frau, 1 unsere treusorgend« Mutter, l schwester.Tantc und schwä- I gerin �aaa �ittke . geb. ZlliiZIee [ im 56. Lebensjahre. In tiefem schmerz Karl Witfke und Kinder. Berlin 0 27, den 5. Juni 191 8. Blumcnstr. 47. Die Beerdigung findet ant Freitag, den 7. Juni, nachmitiags 31/, Ubr, von i der Halle des St. Markus- > Kirchhofes, WUhettusbera.! i aus statt. 188A j Rc. 153— 191$ Cine Großtat öer Wißenfthast. Von Dr. Ludwig Stabh. Fn Visp, dem bekannten Bahnknotenpunkt der Südschweiz, von wo alljährlich viele Tausende von Fremden nach Zermalt in das Gebiet des Matterhorns gelangen, gehl jetzt ein Werk seiner Voll- endung entgegen, das zwar in erster Linie für die Schweiz von allergrößter Wichtigkeit ist, aber darüber hinaus für die ganze Kulturwelt große Bedeutung hat, denn die Inbetriebnahme dieses Werkes bildet einen Markstein in der chemischen Industrie und ist ein Triumph der Wissenschaft, desien der Menschheit nützliche Folgen heute noch gar nicht ermessen werden können. Die Lonza- Eleklrizirätsgesellschaft erbaut dort nämlich die erste Fabrik, die den für Gewerbe und Industrie so notwendigen Spiritus auf einem neuen chemischen, sozusagen künstlichen Wege, nämlich auS Kohle, gewinnen will. Damit ist das bisher allgemein für unmög- lich gehaltene Problem gelöst, anorganische Stoffe in organische umzuwandnln, eine Errungenschaft der Wissenschaft, die ohne Zweiscl zu den Großtaten der Chemie gezählt werden muß. Die Schweiz geht in der Ausnutzung dieser Entdeckung allen Staaten voran, sie hat ja auch besonders großen Vorteil davon, denn während sie bis« ber genöltgt war, jährlich 4 Millionen Franken für den Bezug von Spiritus aus dem Auslande auszugeben, wird die Fabrik in ViSp den ganzen Bedarf der Schweiz, das find ungefähr 100 000 Zentner Spiritus, herstellen, wozu sie außer den Maschinen und Arbeits» kräflen in der Hauptsache nur für zirka 70000 Franken Kohle ge- braucht. Die Schweiz erzielt also nicht nur eine enorme Ersparnis, sondern sie hat, und das ist auf jeden Fall die Hauptsache, die ihr nötige Spiritusmenge immer zur Verfügung und ist in dieser Hin- ficht— vom Kohlenmaterial abgesehen— völlig unabhängig vom Auslande. Es ist nun für jedermann von Jnteresie, diese gewaltige Groß- tat der Chemie in kurzen Zügen näher kennen zu lernen. Es ist seit langer Zeit eine der größten Aufgaben der Chemie, die Frage zu lösen, ob aus anorganischen Stoffen oder Elementen Ver- bindungen oder Stoffe herzustellen sind, die bisher nur unter Zuhilfenahme lebender Organismen gewonnen werden konnten. Die Pflanzen allein haben die Fähigkeit, aus den anorgani- scheu Bestandteilen des Erdbodens und der Luft organische Stoffe zu bilden, die zum Leben und Aufbau der Pflanze notwendig find, auf denen aber auch das Leben der ge- samten Pflanzen- und Tierwelt, den Menschen inbegriffen, beruht, das sich nur durch Einverleibung organischer Stoffs über- Haupt ermöglicht, dieses Kunststück, die Umwandlung anorganischer Substanz in organische, war nur der Pflanze möglich, und alle Ver- suche der Chemie, diesen Vorgang auf künstlichem Wege ebenfalls zu verwirklichen, scheiterten, so daß man ihn überhaupt für unmög- lich und undurchführbar hielt. In neuerer Zeit hat aber die chemische Wisienschast diesen Weg gefunden, der einen gewaltigen Fortschritt von unübersehbaren Folgen darstellt; eS ist der Chemie gelungen, aus zweifellos zur toten Natur gehörenden Stoffen, aus der Kohle und dem Kalk, organische Verbindungen, und zwar den Essig und den Spiritus in folgender Weise herzustellen: Durch Erhitzung eine? Gemisches von Kohle und Kalkstein in einem gewöhnlichen Ofen erhält man bekanntlich den gebrannten Kalk, der schon seit Jahrtausenden zur Mörtelbereitung dient. Wirkt aber eine weit höhere Temperatur, die nur im elektrischen Ofen erzielt werden kann, auf ein solches Gemisch, so geht der Kalk mit der Kohle eine Verbindung ein, die den Namen Kalziumkarbid oder kurzweg Karbid führt. Wird dieses Karbid mit kaltem Wasser über- gössen, so entsteht ein Gas. das entweicht, das Azetylengas, das be- kanntlich schon seit einer Reihe von Jahren zu Beleuchtungszwecken und als Schweißmittel in so großer Menge verwendet wird, daß zahlreiche Fabriken sich mit seiner Herstellung befassen. Dieses Azetylengas hat nun einige merkwürdige Eigenschaften, besonders die. ein Molekül Wasser in sich aufzunehmen, wenn man es durch angesäuertes Wasser leitet; das Azetylen verwandelt sich dabei in Azetaldehyd. Dieses Azetaldehyd kann nun auf elektrischem Wege in vielfacher Beziehung umgewandelt werden, woraus sehr wichtige und wertvolle Verbindungen entstehen. Wird ihm nach einem be- sonderen Verfahren Sauerstoff zugefügt, dann entsteht aus ihm die Essigsäure, aus der der Essigäther und der Speiseessig mit Leichtig- keit gewonnen wird, also organische Verbindungen, die bis dahin nur unter Mitwirkung von Organismen erhalten werden konnten. Die Eisigsäure wurde bekanntlich aus dem Kartoffelspiritus, und die konzentrierte Essigsäure oder Essigessenz aus dem Holzessig ge- Wonnen. Loöz. S] Das gelobte Land. Roman von W. S t. R e y m o n t. „Machen tmr's?" wiederholte Borowiecki, blieb stehen und versenkte seine Blicke in das Chaos der Schornsteine, die in der Dunkelheit sich ganz verschwommen abzeichneten, in die schwarzen, unbeweglichen, in ihrer steinernen Ruhe furcht- baren Fabrikmassen, die an allen Enden und Ecken sich er- hoben. Von allen Seiten schienen sie mit ihren roten, ge- tvaltigen Mauern vor ihm aus der Erde zu wachsen. „Morgen!" warf ihm ein Vorbeieilender zu. „Morgen...!" flüsterte er und ging langsam Wetter. Zweifel nagten an ihm. Tausend Gedanken, Ziffern, Möglichkeiten und Kombinationen durchflogen sein Gehirn. Fast vergaß er, wo er war und wohin er ging. Tausende von Arbeitern krochen plötzlich wie sttHe, schwarze Schwärme aus den Seitenstraßen hervor, die wie mit Kot angefüllte Kanäle aussahen, und aus den Häusern, die am Ende der Stadt wie Kehrichthaufen herumlagen. Das Geräusch der Schritte, das Geklirr der Blechnäpfe, die im fahlen Licht der Laternen erglänzten, das harte Geklapper der Holzschuhe erfüllten die Piotrkower Straße mit unheim- lichen Lauten, mit einem schläfrigen Gemurmel und dem Aufklatschen des Schmutzes unter den Füßen. Sie überflutcten-die ganze Straße. Von allen Seiten kamen sie und drängten sich auf den Bürgersteigen. Mitten auf dem Straßendamm liefen sie und wateten durch Pfützen und Kot. Die einen stellten sich in ungeordneten Haufen vor den Fabriktoren auf, die anderen verschwanden in langen Reihen hintereinander in den Toren, von den aus dem Inneren hervorquellenden Lichtmassen wie verschlungen. Aus den dunklen Tiefen begannen Lichter aufzuflackern. In dem schwarzen, schweigsamen Fabrikviereck entflammten plötzlich Hunderte von Fenstern und leuchteten wie mächtige Feueraugen. Elektrische Sonnen tauchten in den Schatten auf und funkelten in dem leeren Raum. Aus den Schornsteinen stieg weißer Rauch auf und der- hüllte den ganzen gewaltigen, steinernen Wald, der sich auf tausend Säulen zu stützen schien und vom Zucken des elektri- schen Lichts erzitterte. Die Straßen wurden leer, die Laternen wurden gelöscht, die letzten Pfeifen verstummten. Nur der Regen und das immer leisere Heulen des Windes unterbrach die Stille, in der die Straße versank. me—aawaa—— Wird aber dem Aldehyd, das-die chemische Formel OH, COH bat, anstatt des Sauerstoffs Wasserstoff zugeführt, dann wandelt es sich in Aethylalkohol oder Spiritus um, und das ist wohl die ge- waltigsie und folgenschwerste Errungenschast dieser chemhchen Groß- tat. Wir haben hier also eine direkte Umwandlung von Kohle und Kalk, also anorganischer Stoffe in organische, als welche Essig und Alkohol unbedingt anzusehen sind. Die Tragweite dieser Erfindung können wir erst ermeffen, wenn wir bedenken, daß zur Gewinnung des Spiritus bisher ganz un- geheure Mengen von organischen Stoffen, also Getreide und vor allen Dingen Kartoffeln gebraucht werden mußten. Millionen von Zentnern Kartoffeln wanderten jährlich in die Brennereien, um den nötigen Spiritus zu erzeugen, diese Millionen wurden dadurch aber ihrem eigentlichen Zwecke, den Menschen und Tieren als Nahrung zu dienen, entzogen. Wenn diele gewaltigen Mengen in Zukunft ohne Abzug der Ernährung zur Verfügung gestellt werden können, dann ist jedes Land, das Getreide und Kartoffeln baut, in viel größerem Maße von der Einfuhr aus anderen Ländern unabhängig gemacht, dann wird die Knappheit an diesen Nahrungsmitteln in der Weise, wie sie der Weltkrieg in den kriegführenden wie den neutralen Ländern hervorgerucen hat, nicht mehr vorkommen können. Und je unabhängiger ein Land in seiner Versorgung dasteht, desto besser ist eS zum Kriege und zum Durchhalten gerüstet und desto leichter kann es seine Neutralität bewahren, wie unS der Weltkrieg hinreichend gelehrt hat. Manches Land kann heute seinen Spiritus aus eigenem Material nicht erzeugen, da ihm dazu die nötigen Anbauflächen für Kartoffeln vollständig fehlen; nach der neuen Methode der Spiritusgewinnung fällt aber diese Bedingung vollständig weg, da handelt eS sich nur um verhältnismäßig geringe Mengen von Kohle, die sich jedes Land, wenn es auch selbst keine Bergwerke befitzt, leicht beschaffen kann. Denn die Kohle ist sehr ergiebig, da aus 1000 Kilo Karbid 500 Liter reiner Spiritus gewonnen werden können. Von ganz besonderem Vorteil wird das neue Verfahren nach dem Kriege für unser deutsches Vaterland fein, das in der Kartoffelerzeugung an erster Stelle steht, es werden sich daraus volkswirtschaftliche Folgen ergeben, die heute noch ganz unübersehbar sind. Kammerspiele: idperette«.Inkognito�. In den heiligen Hallen der Kammerspiele, in denen es sonst so gedampft und gemessen zugeht, herrschte am Dienstaga betid fröh- iiches Gelächter und lauter Beifall bei offener Szene. Die unver- »leidliche Operette, die vor ihrem nahenden Tode noch manchmal blühendes Leben vortäuscht, bat als Sommerunternehmung des betriebsamen Direktors Gladek hier ihren Einzug gehalten. Man muß gestehen: dieser Nachzögling ist ausnahmsweise keine der üb- lichen Enttäuschungen. Beim erprobten Scribe ist die Handlung entliehen. Sein„Franenkampft, diese Mischung von Spannung und Ueberraschiing im Kampf zweier Frauen um einen als Mener verkleideten politischen Verfolgten u?i,d gegen die Nachstellungen und Intrigen der Obrigkeit, ist geschickt genug zur Operette verarbeitet. Nur im ersten Akt zerflattert die Handlung in zuviele Stückchen. Auch die Musik Rudolf Nelsons steht über dein Durchschnitt. Sie ist sogar recht sangbar-melodiös, zumeist lyrisch- sentimental: wo sie Aufstiege ins Dramatische und Pathetische nimmt, wirkt sie etwas übertrieben. De feine Instrumentierung und die sparsame Verwendung von Tänzern sei besonders angemerkt. So war denn der Erfolg dank auch der Ausstattung und stimmlich wie schauspielerisch vortrefflichen Aufführung wohl verdient. Besonders Phila W o l f f und Margarethe Christians entzückten durch anmutiges Spiel imd kultivierten Gesang. Karl G r ü n w a l d (der Verfolgte) war in beidem der gewachsene Pariner, der manch- mal nur zu starken Gebrauch von seinem Organ macht. W a ß- mann ergötzte auf seine eigene Art als komischer Liebhaber mit zwei Seelen in der Brust._— r. Resiöenz-Theater: ,5llttmer-Klörcheti'. Nach den jeweiligen Aklschlüssen dieses.musikalischen Schwanks* machten sechs Prosa- und VerStext-Ersteller, Tanzmeister usw. an der Rampe ihre mehr oder minder talentvollen Anstandsllbungen. Dabei wurde, trotz Höchstpreissetzung, auffällig reichlich„Grünzeug" aufgeboten. Soviel Eigentümer an einer Art sommerkunstlichem Wolkenkratzer haben etwas Bänglich-Beklemmliches. Von Inhalt kann bei derlei Schwank(enden)-Stücken nur vorsichtig die Rede sein, weil die Situationskomik, mittels der bereits seit Urväter Zeiten feststehende Typen unaufhörlich durcheinander gewirbelt werden, Anfang und Wirtshäuser und Bäckereien wurden aufgemacht. Hier und da, in einem kleinen Dachfenster oder in den Souter- rains, in die der Straßenkot heretndrang, flackerte ein Licht auf. Bloß in den unzähligen Fabriken schäumte ein er- schöpfendes, fieberndes Leben; das dumpfe Getöse der Ma- schinen zitterte in der nebligen Luft und drang bis zu Borowiecki, der immer noch in der Straße auf und ab ging und in die Fabrikfenster blickte, hinter denen sich die schwarzen Silhouetten der Arbeiter und die riesenhaften Konturen der Maschinen abzeichneten. Er hatte keine Lust, an die Arbeit zu gehen. Es war ihm ein angenehmes Gefühl, so herumzuschlendern und an seine zukünftige Fabrik zu denken, sie einzurichten, in Betrieb zu setzen, zu überwachen. Er vertiefte sich so in seine träume- rischen Gedanken, daß er manchmal genau die zukünftige Fabrik um sich herum hörte und fühlte. Ganze Stöße von Waren sah er, er sah das Kontor, die Käufer, den wahn- sinnigen Betrieb, er sah, wie eine mächtige Welle von Reich- tümern auf ihn zuströmte. Er lächelte unbewußt, ein feuchter Schimmer glänzte in seinen Augen. Das blasse, schöne Ge- ficht erglühte vor tiefer Freude. Nervös strich er sich durch den vom Regen nassen Bart und erwachte. „Es ist zu dumm", flüsterte er unwillig und schaute sich um, fürchtend, daß jemand seine momentane Schwäche hätte sehen können. Es war niemand da, aber eS tagte schon. NuS dem schwachen, nebligen Morgengrauen begannen allmählich die Konturen der Bäume, der Fabriken und Häuser aufzu- tauchen. Am Ende der Piotrkower Straße bog Borowiecki nach links ab in eine kleine, nicht gepflasterte Gasse, die von ein paar an Schnüren hängenden Laternen und von einer riesigen Fabrik erhellt wurde. Alle Fenster deS langen, vierstöckigen Gebäudes leuchteten hell. Rasch zog er eine mit Farbflecken beschmutzte Bluse an und lief nach seiner Abteilung. H. „Morgen, Murray!" rief Borowiecki. Hinter den Reihen beweglicher Kessel, in denen Farben gekocht und gemischt wurden, erschien Murray in eine lange, blaue Schürze eingehüllt. In dem fahlen, von den farbigen Dämpfen durchsättigten elektrischen Licht machte sein langes. sorgiältig rasiertes knochiges Gesicht mit den glänzenden, hell- blauen und wie verblaßten Augen den Eindruck einer Kari- katur aus dem ,Punch'. donnerstag, 6. Ende ist. Logik oder halbwegs motivierte Vorgänge lasten als überflüssig bestens grüßen; und die Gesangstexte sind— kurzgesägtes Knüppelholz. Gleichzeitig präsentierte sich ein funkelnagelneuer Kompositeur für leichtröckige Musik. Was gäbe man drum, so er aus Genie- land käme. Fritz Fischer hat den Vorzug der Jugend für sich. Und wer bloß vom Schwank- oder Operettensingsang erwartet, daß alles wohlgefällig klinge, der wird schon gewaltige trigonometriscve Gleichungen machen. Zweifellos gibt sich Fischer recht frisch und forsch. Allenthalben aber stößt man auf abgebrauchte Schablonen. Wer mit dem bislang gebräuchlich gewesenen satztechnischcn Kon- struktionSkram schon so sicher wirtschaftet, soll erst einmal, falls er den Mut hat, ihn resolut abzutun, nachher beweisen, ob er ein Eigner sein kann. Vis dahin wollen wir hoffen. Von der Herrichtung und Darstellung der Neuheit ist zu sagen, daß Henry Bender sich in unerschöpflich komischer Laune erging und mit ihm die übrigen Hauptpossenmacher, von denen einige mit llanghellen Tenor- und Sopranstimmen auswattelen. ek. ver Vater öer w!ssen)chaft!ichen Lustschiffahrt. Zwei Großtaten des soeben im Alter von 73 Jahren in Gießen verstorbenen Profesiors Richard Aß mann werden in den Annale» nicht nur der deutschen Wisienschast fortleben: die Einrichtung der öffentlichen Wetterkarten und die Erforschung des Luftmeers. Be- reits während seiner Tätigkeit als praktischer Arzt hatte Aßmann stets ein reges Interesse für die Meteorologie gezeigt. Im Jahre 1580 richtete er eine vorzüglich ausgestattete Wetlei warte in Magdeburg ein. Das Institut, das er von 1881 bis 1885 persönlich leitete, gab zum ersten Male öffentliche Wetterkarten heraus, die die tägliche allgemeine Wetterlage zeigten und dadurch eine zuverlässige Vorhersage ermöglichen. Im Jahre 1885 ging Aßmann an die Universität Halle, die er jedoch bereits im nächsten Jahre wieder verließ, um an der Berliner Universität zu lesen. In demselben Fahr wurde er zum Abteilungsvorsteher des Königlichen Preußischen Meteorologischen Instituts ernannt und nunmehr wandte er sich vor allem der Erforschung der freien Atmosphäre zu. Auch auf diesem Gebiet ist ihm die Gründung eines neuen wissenschaftlichen Instituts zu verdanken, die des Aeronautischen Observatoriums in Berlin-Reinickendorf, das später nach Lindenberg verlegt wurde. Von 1904 bis 1914 stand Aßmann� dem Observatorium vor, und während der Zeit dieser seiner Tätigkeit betätigte er sich nicht nur als Herausgeber der Zeitschrift„Das Wetter", sondern er konstruierte auch wertvolle Instrumente zur Erforschung der Atmo« sphäre, serner die Sondierballons mit selbitauizeichnenden Jnstru- menten. Nicht zuletzt die deutsche Luftschiffahrt ist Aßmann Dank schuldig. Hat er doch einen weitreichenden meteorologischen Warnung?- dieust für Flugzeuge eingerichtet und eine umfaffcnde Statistik aller in Deutschland herrschenden Winde eingerichtet. Notizen. — Die Versteigerung Trübner brachte insgesamt 3 Millionen. Der größte Teil der Ankäufe ging an die Kunst- Händler, die offenbar noch mit weiteren Steigerungen der Kunst- werte rechnen.— Unter den alten Meistern erzielte Lukas Cranachs Dana(Akt im Freien) 27 000 M. Bemerkenswert hoch wurden auch die Gobelins und Teppiche bezahlt. Ein gothischer Gobelin brachte es auf 27 000, ein alter persischer Teppich auf 17 200 M. — Die deutsche Kriegsgefangenenfürsorge in Bern erläßt zwei Preisausschreiben, an denen sich jedermann beteiligen kann. Gewünscht werden Buchzeichen für Gefangenen- und Jnternierten-BiblioU>eken sowie Verschlußmarkcn für Briefe, die zugunsten der Kriegsgefangenen verkauft werden sollen. Schluß der Einsendung �31. Juli. Alles weitere durch die genannte Für- sorgestelle. — So i s so n S und F i S m e S. Wer die Namen der beiden letzthin von unseren Truppen eroberten Städte nebeneinander liifft, ahnt wohl kaum, daß beide Städtenamen aus einer ähnliche» Wurzel stammen. Beide Städte leiten ihren Namen ab von dem gallischen Volksstanun der Suessioncn, der zu Casars Zeiten in dieser Gegend hauste. Soissons hieß bei den � Römern Augnsta Suessionurn(Hauptstadt der Suessionen), Fismes hieß Fincs Suessionurn(Grenzstadt der Suessionen). Aus der Umbildung dieser Worte sind die heutigen Städtcitamen entstanden. Obwohl also die Geschichte beider Städte bis in die Wmerzeit zurückreicht, sind sie doch heute nur unbedeutend: Soiffons zählt wenig über 10 000, Fismes gar nur 3000 Einwohner. „Ah, Borowiecki! Ich wollte Sie mal sehen. Gcster" abend war ich bei euch. Habe bloß Moritz angetroffen und ging gleich. Den kann ich nicht ausstehen." „Ein guter Kerl." „Was schert mich seine Güte! Ich kann seine Raffe nicht ausstehen." „Wird die siebeundfünfzigste Nummer schon gedruckt?' „Ja, schon, ich habe die Farbe ausgeteilt." „Nimmt sie an?" „Bei den ersten Metern hat sie etwa? lackiert. Von der Zentrale kam eine Bestellung für fünfhundert Stück von Ihrem Lahn." .Ach so, Nr. 24, der meergrüne." „Und die Filiale Bcch hat angerufen und dasselbe der- langt. Werden wi's machen?" „Heute nicht mehr, wir haben noch andere eilige Sachen zu drucken." „Man hat wegen dem Barchent Nr. 7 angerufen." „Ist in der Appretur. Ich muß da gleich hin." „Ich wollte Ihnen noch was sagen.. „Bitte, bitte," sagte Borowiecki höflich, aber mit einer gewissen Unlust. Murray faßte ihn unter und führte ihn in eine Ecke, hinter große Fässer, aus denen andauernd Farben geschöpft wurden. Die, Küche', so nannte man diesen Saal, war ganz düster. Unter den niedrig herabhängenden Traufen drehten sich, wie unter Stahlschirmen, langsam und automatisch, breite 5tiipfcrquirlc, die die Farben in den großen Kesseln umrührten. Das ganze Gebäude zitterte vom Gang der Maschinen. Leise huschten die Silhouetten der Arbeiter in den mit Färb- flecken beschmutzten Hemden vorbei und verschwanden wie Schatten in der Dämmerung. Polternd kamen Wägelchen heraufgefahren und fuhren schwer beladen mit fertigen Farben, die für die Druckerei und die Färberei bestimmt waren, wieder weg. Ueberall war die Luft von einem schreck- lich scharfen Schwefelgeruch durchsättigt. „Möbel Hab' ich gestern gekauft," sagte Murrah leise Borowiecki ins Ohr.„Verstehen Sie, für das Wohnzimmer gelbseidenc Empire. Fürs Eßzimmer habe ich Eichenmöbel bestellt, im Stile Heinrichs IV. Fürs Boudoir..." „Wann heiraten Sie?" fragte ihn Borowiecki ziemlich ungeduldig. „Ja, daS weiß ich noch nicht. Ich möchte freilich so bald wie möglich." (Forts, jolflt.) I llllllllllllllllllllllllllllillllllll IUI Iii IIIIIIIIIIIWHII Nr. 3�537 ist das Konto dsr LndendoLff- Spende für Kriegsbeschädigte beim Postscheckamt Verlin NW 7. Spenden nehmen entgegen aAe Sparkassen, die Stadthauptkassen, die Banken und sömt- liche Depositenkassen, sowie die durch besondere Plakate kenntlich gemachten Bankhäuser. Zeder danle ukseren herrlichen Truppen Kr die nenev Heldentaten im Westen und gebe seinen Veitrag schnellstens der Ludendorsf> Spende Kr Kriegsbeschädigte. 1-swsWsm» msUr 2- cur mit Kammerjäger Berg's Hicodaal 1 und II zu erzielen. Jetzt beste /.eit zur Itrntvernichtun�. Erfolg verblüffend. Kinderleicht anzuwend. Ges. gesoh. Eoppolpat. Irl. 2.—. Aasreich, für 1—3 Zimmer u. Betten. Alleinverkauf: Sämtliche Warenhäuser A. Wertheim. Bei Einsendung von M. 2.40, a. Postscheckkonto Berlin 31286. Portofr. Zusend. n. ausw. d. Gen.-Vertr. Herrn. A. Groesel, Berlin, Königgrätzer Str. 49. Tel. Kurf. 4741.[202/17* Speziaiarzl Dr. med. 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KriegSbeschä- digter, der Fahrstuhl bedienen kann, per sofort gesucht.[7388 lini'I-lansermann, Zigaretlensabrik, Schwedter Strafte IS. siiilomölen- Einrichter sucht 5768' L. L Sielzner, Metallschranbenfabrik und Fa�ondreherei, »Qi-Iin D 17, |(6r. Frankfurter Str. Ist (ieübte Vla8ehjvev§eh!o88er Verkieagmacher Lohrerivoe» suchen sofort 7428 Hixtiorler Mascfiiöeöfaljrft vorm. Sthlickeysen, Nepkttlln, Harzerstr. 83. Jüngeren Arbeiter für Ti'chlkrei verlangt[7398* H. Aischner, SW, Hagelveraer Straße 52, Fabrikgebäude 2 2r. ('") aus Gas- und U/UU!tl Wasier-Armat. Verl. Schwidlinsky ACo..Prinäenftr.95 Für unser Fabrikgrundstück Franisurier Allee 284 suchen wir per 1. Juli einen tüchtigen, umsichtigen Portier, der mit Heizung und Fahrstuhl vertraut ist und kleine Reparaturen selbst aussühren kann. Schriftliche Bewerbungen mit Zeugnisabschristen an 239kb Ge-br-. l'rcndenhelm. mi MMSmm sürtinematograPhischeAppn� rate, Heeresarbeit, per sosort gesucht. 6308 Kart Geher, Maschinen n. 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