Neöaktion: SW. öS, Ltnöenstraße Z. fsern'vrcch-r: Amt Moritzvla«, Rr. IKI SV— 151 97. Freitag, de» 7. Juni 1918. Expeöktion: SW. SS, Linüenftraße 3. Zyernsvrecher: Amt Morikplatz, Str. 131 SO—UU 97. Ur. 134. 35. Jahrg. Bezugspreis: Biert-IiShrl. 4/j0 MI. monall.tSOBM, frei in® HnuS. vorauszahlbar. Einzelne Nummern l0 Big. Postbezug! Monat- lich, vom Posischalter abzuholen 1,60 MI, vom Brsesträgcr ins Haus ge- bracht l.St Ml. Unter Kreuzband lllr Deutschland und Oesterreich. Ungarn it.— MI. sür SaS übrige Ausland s,SV Ml. monatlich. Versand ins Feld bei direkter Bestellung monall. 1,80 MI. Postbestellungen nehmen au Düne- marl, Holland. Luxemburg, Schweden und die Schweiz. Eingetragen in dt« Post-Zeitungs-Vreisliste. Erscheint täglich. Telegramm- Ndresse: »Sozialdcmolrat Vcr-ru.. (l0pf«nnig� AuzetgsnpvsiS: Dieliedengesv(ili«'»�»l»»a%»t!ek»sset 80 Psg..Kleine Auzeigen", das settgednukte Wert S$ ijf*- szulüistg 2 scttgedruilte Önhl l«»» weitere Wort 16 Ps,.«trl-eeesilche und Echlasstellenanzeige» de# erste Wort 20 Psg., jede« weite» Wert 10 Psg. Worte über IZ Luchssase» zählen sür zwei Worte. Tenenrng#sirftS!ag llv»/» Familien-Anzeige»,»eliiifche und gewerlschasUiche Zereins- Anzeigen 60 Psg die Zeile. Anzeigen für die nächste Nurmner müssen bis 5 Ubr nachmittags im Hauptgischüit. Berlin EW. 68, Lindenslrasse it. ab-egeben werden. Geofsncr von 8 Uhr früh bis 7 Uhr abends. Zentralorgan der fozialdemokratifcben parte» Dcutfcblands. Deutsche U-Boote an der Külte Amerikas. Kämpfe westlich und südwestlich Soissons — Französisches Zerftörnngsfeuer gegen Chateau-Thierry— Seit Ä7. Mai über 55 090 Gefangene, über K5O Geschütze. Berti», 6. Juni 1913, abeudö. Amtlich. An der Schlachtfront örtliche Kämpfe nord- westlich von Ch atcau-Thierry und au der Ardre. Amtlich. G r» ß e» H«»»t,»»r«ier,«. Jmli 1918.(W. T. B.> Westlicher Kriegsschauplatz. Heeresgruppe Kronpriuz Rupprtcht. Artillerietätigkeit wechselnder TtSrtr. Mehrfach brachte» ErkuudungSgefechte Gefangene ein. Heeresgruppe Deutscher Kr»»prt»». An der Schlachtfront ist die Lage unverändert. OerMche Kampfhandlungen westlich von Pontois«, nördlich der AiSu« und am SavidreS-Grunde brachte» uns in de» Besitz feindlicher Erdwcrlr und Gräben. Der Artillerickampf war viel- fach lebhaft. Chateau-Thierry lag unter anhaltrndeut ZcrslöruugS. feuer der Franzosen. Die Beute der Heeresgruppe drntscher Kronprinz fett de« 27. Mai beträgt nach bisherigen Feststellungen: wehr als 55 099 Gefangeu«, darunter über 1599 Offiziere, mehr als 650 Geschütze und weit über 2090 Maschine»- gewchre._ In de» beiden letzte» Tage» wurde» 46 feindlich« Flug- zeuge und 4 Feselballoue zum Abstur, gebracht. Jagdgeschwader Richthofen schoß gester» 15 feindliche Kl»g» zeuge ab. Hauptmann Berthold und Leutnant Menkhoff errangen ihre» 31., Leutnant Läwenhardt seinen 27., Leutnant Udet seine« 26., Leutnant Kirstcin seinen 21.«nd 22. Luftsicg. Der Erste Gencralquarti ermeister. Ludendorff. Der österreichische Bericht. Wien, 6. Juni 1918. Amtlich wird verlautiart: Au der Tiroler« und Piavefroat andauernde Artillcriekämpfe. Der Chef des Generakstabe». Deutsche U-Soote torpedieren an der amerikanischen Küste. Etwa fünfzehn amerikanische Schiffe versenkt. W a s h i u g t o», 5. Juni.(Reuter.) Das Flotten- dcpartcment hat die amtliche Nachricht erhalte», daß an der amerikanischen Küste eiu Dampfer und drei ameri- kanische Schuner von llnterseebooteu versenkt worden sind. Berichte aus New Uork besagen, daß bei de» Versen- kungen zwei Unterseeboote beteiligt gewesen und die Schiffe wahrscheinlich an der Küste von New England und New Jersey verlorengegangen sind. Amsterdam, 6. Juni. Nach einer Reutermeldnug ans New?)vrk wird angenommen, daß etwa fünfzehn amerikanische Schisse, darunter zwei Dampfer, von Unterseebooten an der Nordatlautischeu Küste seit dem 25. Mai versenkt worden sind. Der größte Dampfer, das Passagicrschiff Carolina, der Porto-Rico-Linie wurde 25 Meile« südwestlich von Sandy- Hook angegriffen. Die Carolina meldete am Abend des 2. Juni durch Funkspruch, daß sie von einem Unterseeboot angegriffen wurde. Eiu zweiter Funkspruch besagte, daß sie beschossen wurde und daß die Passagiere in die Boote gingen. Die Carolina hatte 220 Fahrgäste und 120 Manu Besatzung au Bord, von denen 58 Personen vermißt werden, einschlieölich von 16 Personen, die durch das Kentern eines Bootes ertranken; die übrigen sind gelandet. Ter Kapitän des Schunerö Edward H. Cole be- richtet, daß sein Schiff am Sonntagabend von einem etwa 200 Fnft langen Unterseeboot, welches zwei große und eiu kleines Geschütz führte, angegriffen wurde. Er habe deutlich dasSehrohreineszweiten Unterseebootes wahrgenommen, welches eine» heran- kommenden amerikanischen Dampfer verfolgte. Der Dampfer habe sich mit Volldampf davongemacht. Die Besatzung der Cole wurde von einem amerikanischen Hilfsschiff aufgenommen, welches von einem Unterseeboot verfolgt wnrde, dem es aber gelang, eine» Hafen zu erreichen. Die T e x e l mit einer Ladung von Portorico nach New York wurde am Souutag 60 Meile» von der Küste versenkt. Das Unterseeboot gab drei Schüsse ab. Der deutsche Kommandant kam an Bord und befahl der Besatzung. das Schiff zu verlassen. Dann legte er eine Bombe auf dem Schiff nied er,, wodurch es in die Lust gesprengt wurde. Die 36 Mann starke Besatzung wnrde ihren eigenen Hilfsmitteln ohne Nahrung und Waffer überlassen. Sic wurde später von einem Küftenwachschiff aufgenommen und i» Atlantic City gelandet. Nicht zum erstenmal tauchen deutsche U-Boote an der amerikanischen Küste auf. Das erstemal liegt fast zwei Jahr zurück, aber es hatte noch keinen kriegerischen Zweck. Nach- dem im Sommer 1916 das Handelstauchboot Deutschland die Fahrt ausgeführt und somit die Deutlichkeit einer encr- gischen Tat bewiesen hatte, daß der englische Blockakrieg gegen Deutschland durchaus nicht vollkommen war, erreichte Anfang Oktober auch ein Kriegs-U-Boot den Ozean— in 17 Tagen— und brachte dem deutschen Botschafter Bernstorff ein politisches Schreiben für den Präsidenten Wilson. Später näherten andere U-Boote sich der amerikanischen Küste in Er- füllung ihrer Kriegsaufgabe. Das war noch vor dem Ein- tritt Amerikas in den Krieg. Die Aktionswcite der U-Boote war erheblich gewachsen. Nun wiederholt sich, was damals als möglich erwiesen wurde, in einer regelrechten Offensive. um den gewaltigen, täglich in großen Ziffern in die Welt gedrahteten Anstrengungen der Vereinigten Staaten in puncto alliierter Kriegshilfe ein Echo zu geben. Daß dieses Echo in den Vereinigten Staaten einiger- maßen Erregung bewirkt, wird man aus der plötzlich heran- drängenden Woge von Nachrichten schließen dürfen. Die amt- lichen Stellen haben alsbald die üblichen Kriegssicherungen der Küste veranlaßt. Die Küste muß verdunkelt bleiben, die Feuer auf Coney Island und anderen Küsten- stationen sind gelöscht worden, was natürlich für die Schiffahrt eine erhebliche Hemmung bedeutet, und nach den Londoner Blättern ist der New Uorker Hafen geschlossen worden. Im Zusammenhang mit der Küsten- Verdunkelung sind auch die Lichtreklamen auf dem NewAorker Broadway verboten worden. Die Gebäude, in denen Licht gebrannt wird, müssen nach außen abgeblendet werden. Gründe sür diese Maßnahmen sind nicht angegeben worden, aber wahrscheinlich haben sie,»vis Reuter meldet, den Zweck, mögliche Luftaugriffe der Deutschen zu verhindern. Wenn diese Maßnahmen die ausbrechende Unruhe in der Bevölkerung selbstredend steigern werden, wird nun von den amtlichen Stellen allerlei Beruhignngsarbeit geleistet werden. Darauf deuten folgende Meldungen hin: Washington, 6. Juni. lRcnter.) Die Unterseeboots- angriffe in amerikanischen Gewässern standen in der hentigen Sitzung des W i l s o n s ch e u K r i e g s k a b i n e t t S zar Be- sprechuug. Hoover teilte später mit, daß die Lebens- mittelversorgnng des HeereS über See durch die feindlichen Angriffe nicht gefährdet werde. Die Zeitungskorrespondenten aus Washington berichten nach New Uorker Reutermeldung vom Mittwoch, daß nach allgemeiner Ansicht der amtlichen Kreise U-Bootfahrten nach der amerikanischen Küste den Zweck haben, die Zurückberufung eines Teiles der amerikanischen Flotte von anderswo zu veranlassen. Wenn dem so sei, werde Deutschland sich irren. Wie verlautet, hat der Marincsckretär Daniels der Flottenkommission des Repräsentantenhauses mit- geteilt, daß die Verteidigungsanlagen an der Atlantischen Küste voll- ständig ausreichend seien und man keine Schiffe aus der Kriegszone zurückzuberufen brauche. Die Blätter find darüber einig, daß die Angriffe die geregelte Truppenbeförderung und die Schiffahrt über den Atlantischen Ozean nicht behindern werden..New Jork Time-' schreibt, die Deutschen hätten keinen sichereren Weg wählen können, die Kriegs st immung der Amerikaner anzufachen. Zwischen kNarne unü Reims. Berlin, 6. Juni.(SB. T. B.) An der Front zwischen der Marne und Reims setzten die Franzosen ihre fieberhaften An- strengungrn fort, das waldige Höhengeländc z» sichern. Während sie im Zentrum, wo die Deutschen am weitesten vorgedrungen sind, daran arbeiten, das Boisde Cohelle z» verdrahten, versuchte» sie an dem an die Marne angelehnte» Flügel, ihre Linien vorzu- schieben. Ihr handstreichartigcr Ucbcrfall ain Morgen des 5. Juni scheiterte jedoch ebenso, wie ein Angriff auf die deutschen P o st i e- rnngen von Berneuil. Das französische Artilleriefcucr, das mit weittragenden Batterien bis über die BeSle langt und bereits angefangen hat, die»och»nzerstörtrn Orte in Trümmer zu schießen, liest am 5. infolge der Bekämpfung durch die deutschen Batterie» wesentlich an Heftigkeit nach. Deutscherseits wurde Bahn- und Straßenverkehr hinter der französischen Front gestört. Der Bahnhof Jony wurde in Brand gcschosien. Am südlichen Teil von Reims konntcu mehrere grpße Explosionen und Brände be- obachtct werden. In den Fliegcrschuppen nördlich Boujacourt wur- de« noch zwei onzerstörte sranzösische Flugzeuge festgestellt. Zur Kritik der neuen Steuer- vorlagen. Bei Beurteilung der Aussprache des Deutschen Reichs- tages über die Steuervorlageii muß man berücksichtigen, daß die Abgeordneten die Vorlage fünf Tage vor Eintritt in die erste Lesung zugestellt bekommen haben. Umsomchr aber, als es der Regierung gelungen ist, die sachverständige Kiitil in dem hohen Hause sür die erste Lesung zu beschränken, tut es not, dieser Kritik außerhalb des Reichstags zum Wort zu verhelfen. Als einer der berufensten Kritiker verdient in diesem Falle der Direktor des Statistischen Amtes der Stadt Berlin- Schöneberg, Dr. Kuczynski, genannt zu werden. KuczynSki hat bereits im Juli 1917 in der„Deutschen Gesellschaft 1914" ein Finanzprogramm aufgestellt, das zu- nächst 45 Milliarden durch eine Vermögensabgabe, und au laufenden Einnahmen jährlich— 250 Millionen Vermögens- zuwachssteuer, 700 Millionen Erbschaftssteuer, 050 Millionen Reichspflichtteil, 3650 Millionen Einkommensteuer, insgesamt: 5�/« Milliarden erbringen könnte. Hierzu käme eine zehn Jahre nach der ersten Erhebung der Vermögensabgabe in Kraft tretende Vermögenssteuer, deren Ertrag Kuczynski auf Va Milliarde jährlich schätzt. Der.Unterausschutz für Finanzen" von der „Kriegswirtschaftlichen Vereinigung", dessen Vorsitzender Kuczynski ist, hat auf Grund der vorerwäl?uten Vorschläge KuczynSkis ein Finanzprogramm ausgearbeitet und die„Kriegswirtschaftliche Vereinigung" hat im März d. I. eine Eingabe betreffs Beschleunigung der RoichSfinauz- rcform an Negierung und Reichstag gerichtet, die ans diesem Finanzprogramm fußt. Die„Kriegswirtschaftliche Bereinigung" ist im Oktober 1917 auf Anregung von Prof. Rod. W i l- b r a n d t gegründet worden. Zahlreiche führende Politiker sitzen in ihrem Zentralansschuß. Ihr sind korporativ an- geschlossen: die Generalkommission der Gewerkschaften sowie fast alle sonstigen Arbeitnehmer- und Angcstclltenverbäyde, die Zentralstelle für Volkswohlfahrt, die Gesellschaft für Soziale Reform, Großindustrielle und Großkanfleute, jedoch keine Ar- beitgeberverbände. Vorsitzender ist Prof. Dr. E- F r a n ck e. Somit steht eine der sozialpolitisch bedeutungsvollsten Organi- sationen auf dem Loden Kuczynskischen Vorschläge. Die „Kriegswirtschaftliche Vereinigung" hat diese Vorschläge in der Form eines Programms ihre? Unter- ausschusses für Finanzen der" Regierung und dem Reichstage zugestellt. Daß auch die rechtsstehende Presse den Ernst dieses Programms nicht verkennt, zeigt ihr Gesichi. Die Steuervorlagen der Regierung beweisen, daß sie sich über die Eingabe der„Kriegswirtschaftlichen Vereinigung"— hinter der, wie gesagt, alle großen Hrbeitnehmerorganisationen stehen— wie über ein Nichts hinweggesetzt hat. Die„Kriegswirtschaftliche Vereinigung" forderte in ihrer Eingabe, daß bei der Reichssinanzreform vor allem Rücksicht genommen werden solle aus: 1. die Wiedergesundung des Volkskörpcrs, 2. den Wiederaufbau unserer Volkswirtschaft. Dazu sei erforderlich: 1. Belastung nach der Leistungsfähigkeit, 2. Vermeidung von Produktion und Absatz hemmenden Steuern. Die Rücksicht auf die Wicdergesuudilng des VolkskötperS und den Wiederaufbau unserer Volkswirtschaft stehen aber bei den neuen Steuervorlagen der Regierung ganz iin Hinter- gründe. Im Vordergründe stehen die R ii ck s i ch t e n auf die Wünsche der einzelstaatlichen Finanz- minister und auf die Stimmung der B c- s i tz c n d e n. Das Reich hat mit den Bundesstaaten kein Kompromiß geschlossen, sondern es ist auf der ganzen Linie zurückgewichen und hat auf Personalstcucrn von Besitz und Einkommen völlig verzichtet. Es hat aber auch darüber hin- ; aus von dem Ausbau der e i ch s e r b s ch a f t s sr e u c r abgesehen. obwohl die Bundesstaaten dem nicht widersprochen Hütten, obwohl die t c ch- nischen Schwierigkeiten weit geringer wären, als bei den jetzigen vorgeschlagenen Steuern, und obwohl der tatsächliche Ertrag in Verbindung mit d e>u P f l i ch t t e i l d e S Reiches weit größer wäre, als die Erträge aus der Waren Umsatzsteuer, oder«us all' den Steuern auf Getränke, Post verkehr usw. in absehbarer Zeit sein können. Die Freunde der neuen Steuervorlagen sind denn auch von dem Finanzprogramm der K. V. entsetzt und suchen es mit allen Mitteln in der öffentlichen Meinung herabzusetzen. Hierfür nur d» Beispiel. In dem Finanzprogramm der K. V. heißt es wörtlich:„Einkommensteuer: Steuerfrei bei jedem Steuerzahler 900 M., für jeden untcrhaltungs- berechtigten Angehörtgen weitere 300 M.s besteuert ffür Slcicf], Staat und Gemeinde zusammen) die folgenden ersten-ZOO M. mit 24 M., die nächsten 300 M. mir 20 M.. die nächsten 300 M. mit 28 M. usw. bis zu einem Höchstbetrag von 120 M. für die neunnndvierzigficn und alle weiteren 300 M." Die„Deutsche Tageszeitung"(Nr. 139) aber überschreibt eine Sfritif dieses Finanzprogramms„Steuerliche Absurditäten" und bchauptcr, es werde darin„eine Einkommensteuer vor- geschlagen, die bereits bei 1200 M. 8 Prozent beträgt und für jede weiteren 300 M. um Prozent steigt, bis bei einer Quote von 40 Prozent der Beharrungszustaird erreicht wird. Das sind, wohl verstanden, die Borschläge für die Reichsfinanzrefonn. Wovon bei Wegsteuerung von bis zu 40 Prozent Einkommen... die Staats- und Gemeinde-, Kreis- und Kirchensteuern bezahlt iverden sollen, darüber hat man sich nicht erst lange den Kopf zer- brechen". So schreibt dieser Kritiker, trotzdem er genau weih, das; bei einem Einkommen von 1200 M. überhaupt nur einzelstehende Personen und diese nur mit 24 M. d. I. mit 2 Proz., nicht mit 8 Proz., herangezogen werden sollen, und ' bah hierin bereits die Stenern von Staat und Gemeinde eingeschlossen sind. Die freundliche Aufnahme, die die neuen Steuervorlagen der Regierung in der rechtsstehenden Presse finden, sollte die Regierung nachdenklich stimmen. Sie dürste sich doch darüber keiner Täuschung mehr hingeben, dah diese Auslassungen nicht von der Mehrheit des Volkes getragen sind. Das; die Regierung es sich leistet, einen so wohl überlegten und von bewährten Kreisen gutgcheistencn Willensausdruck, wie die Eingabe der „Kriegswirtschaftlichen Vereinigung" einfach zu ignorieren, dürfte in manchem Vaterlandssreunde die Sorge aufkommen lassen, daß die veranuvortlichen Stellen auck die schwersten Zeichen der Zeit zu leicht nehmen könnten. Noch bleibt aber die Hoffnung, daß das Neichsschatzamt mit den für den Herbst in Aussicht gestellten neuen Vorlagen den steuerpolitischen Grundsätzen der„Kriegsimrtschastlichen Vereinigung" etwas näher kommen werde.___ Sie Kiewer verhanölungen. Der Streit um die Demarkationslinie. Aus Kiew wird dem Ukrainischen Pressebureau gedrahtet: Am 1. Juni fand eine geschlossene Sitzung der militärischen Kommissionen zur Festlegung der Demarkationslinie für den Waffenstillstand zwischen Rußland und der Ukraine statt. Da die Plenarversarrnnlung keine Ergebnisse hinsichtlich der Basis für diese Besprechungen ergab, entwickelte sich erneut eine heftige Polemik. Als Resultat wird festgestellt, daß beide Linien als nicht mehr bestehend für die iv eitere Besprechung betrachtet werden sollen. Es wird nach einem Punkts gesucht, von welchem die VerHand- lungen ausgehen könnten. Tie ukrainische Delegation schlägt die Grenze des Gouvernements Tschernigow als Teildeniarkationslinie vor. Die Sowjetdelegation kann diese Grenze für den Anfang der Demarkationslinie nicht annehmen. Nach Kompromissen von beiden Seiten erwägt man darauf, von der Linie Donmündung— AsowscheS Meer bis zur Einmündung des Donez in den Ton zu beginnen. Tie beiden Linien der Parteien werden besprochen und die so erhaltenen Demarkationslinien auf der Karte eingezeichnet.. Die Kommissionssitzung wird abge- brochen und die weitere Beratung auf den 2. Juni vertagt. Kiew, 5. Juni. In den ulrainisch-russischen Ausschuß- v e r h a u d lungen wegen Rückgabe des rollenden Eisenbahn Materials erklären die ukrainischen Bcvoll- rnächligten, daß von einem Auswusch keine Rede sein könne, nur von bedingungsloser Rückgabe de» sorigeschafflen Materials. Der russische Vertreter Mannilsk entgegnete, in diesem Falle auf Rück- gäbe sämtlicher auf russischem Gebiet von den ukrainisch-deutschen Truppen erbeuteten Güter bestehen zu müssen, andernfalls sei als Ausgleich für den Wagenpark die Auslieferung entsprechender Mengen Getreide und Kohle, die seinerzeit von der ukrainischen Regierung zurückgehalten wurden, erforderlich. Eine Einigung wurde nicht erzielt. » Die Gegenrevolution im Dongebiet. Rotterdam, 5. Juni. Nach dem„Nicuwe Rotterdamsche Courant" wird der„Daily News" auS Moskau vom 29. Mai gemeldet: Im Tongebiet ist eine neue Negierung entstanden, ähnlich wie die SkoropodSkis in der Ukraine. Sie behauptet, auf Grund eines im Oktober 1917 geschlossenen Ver- trageS die Bevölkerung des DongebietS, vom Kuban, von Terek, Astrachan und Nordkaukasus zu vertreten. Sie ist mit anderen Worten Anhängcrin der anti- bolschewikischen gegenrevolutionären Bewegung; an ihrer Spitze steht General K r a s n o w, der die Truppen KerenSkis bis zu dessen Verschwinden aus Gatschina nach dem Ausbruch der Tktoberuniwälzuug geführt hat. lieber Wie« wird eine Meldung Kiewer Blätter verbreitet, wo- nach die Sowjetregierung des Kuban-Stawropol- Schwarzmcergc- vietcs eine schwere Niederlage durch Kosaken erlitten habe. Einige Mitglieder der bolschewistischen Regierung sollten sogar aufgehängt worden sein. Die Nachricht ist nach Mitteilung des Berliner Bureaus der P. T. A. völlig unzutreffend. Dasselbe Bureau teilt weiter mit: Gegenwärtig tagt derdritteKongretzder Kuban- Schwarzmeersowjets, z« dem auch Vertreter der verschiedenen nordkaukasischen Völkerschaften erschienen find. Neun Zehntel der Bevölkerung der angegebenen Gebiete haben an den Delegiertenwahlen zn diesem Sowsetkongreß teilgenommen, ein Beweis für die Machtfülle, über die die Regierung verfügt.— Der Kongreß Hai übrigen« eine Resolution angenommen, die die früheren Beschlüsse, in einen unlösbaren Bund mit der Russi» scheu Föderativ- Sowjetrepublik einzutreten, bestätigt und die Personen, die da beabsichtigen, die Unabhängigkeit des Nord- kaukasus zu proklamieren, als Usurpatoren und Staatsverbrecher . erklärt, die der Regierung völlig unbekannt uiid von niemandem � beauftragt sind, über die Anerkennung der Unabhängigkeit mit fremden Mächten zu verhandeln. Welche Bedeutung danach der i n K i e w e i n g e t r o f f e n e n„Delegation" de? Kuban-. Schwarzmecrgebiets zukommt, liegt wohl auf der Hand. Minierarbsit üer Alliierten. Em Pariser Telegramm von gestern teilt folgende amt- l ich e Kundgebung mit: Bei einer am Z. Juni in Versailles abgehaltenen 3 u- s a m m r n k u n f t der M i n i n e r p r n s i d e n t e n der drei alliierten Länder Frankreich, Grosibritannien und Italien wurde Einverständnis über die Abgabe folgender Erklärungen erzielt: Polen: Tic Schaffung eines einigen und unabhängigen polnischen Staates mit freiem Zugang zum Meer stellt eine der Bedingungen für einen dauernden und gerechte» Friede»»«d die Herrschaft des Rechts ia Europa dar. e Tschccho-Slowaken und Süd-Slawen: Tic t alliierten Regierungen haben mit Genugtuung Kenntnis von der � von dem Staatssekretär der Vcrcirigtcn Staaten abgegebenen Er- klärung genommen und wünschen, sich ihe anzuschlicstcn, wobei sie ihre lebhafte Sympathie für die freiheitliche« n a t i o- nalcn Bestrebungen der tschecho-slowakischcu und süd- - slawischen Völker ausdrücken. Welchen Zweck diese„lebhasten Sympathien" haben, braucht ' man nicht weiter auszuführen. - Usigarg für öle Vertiefung öes GündnUes ! mit Deutfchwnö.- i Unter dem Vorbehalt voller Souveränität. Während das zerrüttete österreichische Parlament noch zum � Schweigest verurteilt ist, beeilt sich das ungarische Abgeordneten- ' haus mit einer Kundgebung zu der beabsichtigten Vertiefung ' des deutsch-österreichisch-ungarischen Bündnisses, eine Mahnung � an den Deutschen Reichstag, sich gelegentlich wieder mit ' der hohen Politik zu beschäftigen! Dem Bericht über die Sitzung des imgarischen Abgcord- : netcnhauscs entnehmen wir: Vor dem Eintritt in die Tagesordnung sprach Graf TiSza, um über die Vertiefung des Bündnisses mit dem Deutschen Reiche d i e ö f f c n t l i ch e Meinung Ungarns im Abgeordneten- Hause zum Ausdruck zu bringen. Er sagte, dies sei um so not- loerediger, als auf der äußersten Linken einzelne Aeuße- rungcn erfolgt seien, die Bedenken gegen eine Vertiefung dieses Bündnisses aussprachen. Das Bündnis mit dem Deutschen Reiche habe sich vom Gesichtspunkt der Sicherung der Lebensinteressen der Monarchie bewährt und auch die Kraftprobe im Krieg bestanden. Er sagte weiter: Wenn behauptet wird, daß das Bündnis uns zur Fortsetzung de? Kampfes im Interesse unseres Verbündeten ver- pflichtet, so muß demgegenüber festgestellt iverden, daß der un- mittelbare Ursprung des Weltkrieges ein eben auf die Zer- Stückelung der Monarchie und insbesondere Un» garns gerichteter Anschlag war. Daß wir diesen zurück- weisen konnten und dadurch unsere Integrität und Zukunft sicher- stellten, verdanken wir der kraftvollen Unterstützung seitens unseres Verbündeten. Daher können wir die Vertiefung des Bündnisses nur mit Befriedi- gung aufnehmen. Diese Vertiefung kann jedoch nur die inter- national übliche Form haben. Natürlich kann, meinte Tisza, solange die gegenwärtige Teue- rang anhält, nicht an Schutzzolle geduckt werden. Aber'bei der ge- planten langen Dauer des Bündnisses kann sich die Konjunktur ändern, und demnach müssen für die ungarische Landwirtschaft die Schutzzölle sichergestellt werden, die rnis die Sicherheit bieten, daß wir im Lande unseres Aerbündeten weiter unsere Roherzeugnisse zu rentablen Preisen absetzen können. Dies wäre kein einseitiger Vorteil für die Land- Wirtschaft, da die Industrie, durch Kartelle geschützt, sich leicht schad- loS hallen kann, und keine einseitige Begünstigung der Landloirt- schast Ungarns, da sie auch derjenigen Deutschlands und Oester- reicks zugute kommt. Die Frage erheischt mit Rücksicht auf Ru- mänien und Russisch-Polen, d:e eine stark entwicklungsfähige Land- Wirtschaft haben, eine behutsame Behandlung, aber ein Wirtschasts- bnnd hat ftir uns nur Vorteil, wenn unsere Land- Wirtschaft durch den Anschluß solcher großen Ge- biete nicht ausgebeutet wird und ihm zum Opfer fällt. Aus diesen Gründen müßte den beiden Staaten der Monarchie hinsichtlich des Anschlusses anderer Staaten an das Bündnis ein Vetorecht gesichert werden. Wir dürfen nicht den Glanben auf- kommen lassen, daß da? Bündnis die Berschmelzng solcher Gebiete mit sich bringe, welche in erster Linie för Handel- und Gewerbe- treibende, Städte und deren verbrauchende Bevölkerung billige Roh- crzeugnisse sichern. Ministerpräsident Dr. Wekerle begrüßte die Aeußerung des Grafen TiSza, daß die öffentliche Mei- nung Ungarns hinter dem Bündnis mir Deutschland stehe, mit Freuden. Der Charakter des Bündnisses bleibt defensiv. Eben deshalb ist es im Interesse der Verstärkung und Steigerung der Ver- teidigung natürlich, daß wir Verteidigungsmittel, die in der Wehr» k-gst bestehen, auch zu verstärken und zu steigern suchen. Bei den w"i r t s ch a f t l i ch e n Vereinlmrangen legen wir besonderes Ge- wicht darauf, daß unsere eigene Produktion nicht ver. r i n g e r t werde. Wir müssen unsere landwirtschaftlichen Inter- essen auf alle Fälle wahren. Ich glaube, daß hohe landwirt- schaftliche Zölle nicht ausrecht zu erhalten sind. Sie werden auf lange Zeit nicht solche Bedeutung haben, daß sie auf die Preisbildung einen gesteigerten Einfluß ausüben könnten. Aber wir müssen unsere Produktionsfähigkeit unbedingt sichern. Be- züglich de? Anschlusses anderer Staaten mühten wir uns den freien Entschluß sichern. Unsere Souveränität muß unter allen Umständen gewahrt werden, weshalh wir nur einen Vertrag schließen können, der den Eharafler der internationalen Verträge besitzt. Aber wir müssen auch unser Berfügungsrccht sichern. Ferner müssen wir unter allen Umständen unsere Interessen wahren und uns vor Augen halten, daß die Entwicklung unserer anderweitigen Interessen und die Er- Haltung anderweitiger Verbindungen keinen Abbruch erleiden. Wenn wir nun mit Deuffchland eine politische Konvention schließen, so sorgen wir in Verbindung damit natürlick auch ffür die einveraehmlichc Regelung unserer defensiven Verhältnisse und wir schließen auch eine wirtschaftliche Vereinbarung. Dabei sollen wir uns auch die einerseits vom Abgeordneten Grasen Stefan Tisza erwähnten finanziellen Vorteile sichern, die indessen nur darin zum Ausdruck gelangen, daß sie die Grundlage für eine engere Verbindung bilden werden, damit dann die wirtschaftliche Betätigung die vollständig gemeinsamen finanziellen Beziehungen auch zur Beftiedignng unserer eigenen Bedürfnisse und Interessen benützen kann. Andererseits wollen wir jene wirtschaftlichen Vor- teile fördern, die unter Währung der ErzeugungSbedingungen unsere Interessen durch ein größeres Absatzgebiet und durch die Herstellung eines engeren Verhältnisses sicherstellen können. Graf Tisza hat als Hochschutzzöllner von altem Korn und Schrot gesprochen. Und sein Wort hat— er ist der Führer der geschlossenen, ihm ergebenen Parlamentsmehrheit— starkes Gewicht. Er will das geplante Wirtsckaftsbündnls benützen, um auf Kosten der deutschen Verbraucher die ungarischen Großgrundbesitzer, die im Kriege durch unverschämte Preisforderungen schon die österreichische Bevölkerung gcbrandschatzt haben, noch reicher machen, als sie ohnehin sind!__ Die Präsiöentenfrage. Ter Antrag der Mehrhritsparteien. � Der vsn den Mehrheitsparteien zur Zlbänderung der Geschäftsordnung gestellte Antrag hat folgenden Wortlaut: Der Reichstag wolle beschließe»: l. Die Geschäftsordnung für den Reichstag dahin abzu» ändern:' Der§ S Absatz 2 und§ 13 Mfatz 2 erhivcn stKgende Fassung: § 9 Absatz 2: DK Wahl i»S Prafldsnten. sod«nn der drc, Lizeprüsident-e» ersotgen je i-n besonderer Wahlhandlung durch Stimmzettel nach absoluter Stimmen- mehrheit. 8 13 Absatz 2: Ter Präsident vereinbart mit den Bizc- präsidcntc» die Reihenfolge der Vertretung im Falle seiner Verhinderung und ordnet den Wechsel im Vorsitz. 2. Auf Grund des vorstehenden§ 9 Absatz 2 der Geschäfts- ordnung den zwei im Amt befindlichen Vizepräsidenten einen weiteren Vizepräsidenten hinzuzuwählen. Der Antrag ist unterzeichnet von den Abgeordneten Gröber (Z.), Antrick(Soz.), Brey(Soz.), Dr. Toornianu(Vp.), Eberl (Soz.), Fischbeck(Vp.). Haußniann(Vp.). Hildenbrand kSoz.), Hoff(Vp.), LandSberg(Soz.), Dr. Matzinger(Z.), Dr. Müller- Mciningen(Vp.), Sivkovich(Vp.), Tr. Stresemann(natl.), Dr. Struve(Vp.). -k Wie die„Germania" wissen will, ist es in der Sitzung des AeltestenauSschusses, die der gestrigen Verhandlung voranging, zu e r r e g i e n L u S e i n a n d er i e tz u n g e n gekommen, liebet diese Verhandlungen berichtet das Blatt: Die Sozialdemokraten wollen den ersten Vizepräsi« denicn stellen, ohne höfische Pflichten zu übernchmeii. Die Konservativen sind bereit, den Anspruch Zentrums auf den eisten Präsidentensitz anzuerkennen, wollen selbst aber nicht einen Vizepräsidenten stellen. Damit ist die Anregung auf Schaffung von vier Vizcpräfidenteu hinfällig. Ncrkwüröige Gntsthäöigungsberechnung. Verpstegnngsgcbührcn für unschuldig erlittene Schutzhaft! In das Schutzhaftgesctz hat der Reickstag ausdrücklich eine Bestimmung aufgeiwmmen. wonach für unschuldig erlittene Schutzhast Entschädigung zu zahlen ist. lieber die Anwendung dieser Bestimmung macht der unabhängige sozialdemokratische ZeitungS- dienst in der Nummer vom 1. Juni Mitteilungen, deren Bekannt- werden im Reichstag zweffeKos allgemeinen Unwillen hervorrufen wird. Im August 1917 wurden in Brauuschweig die Unabhängigen Rodakteur Sepp Oerter und Gewerkschastsangestelller G e n ze n in Schutzhaft genommen. Uober ihre Beschwerde gegen die Ver- hängung der Haft entschied das Roichs-militärgericht erst nach drei Monaten am IL. November 1917. Es stellte fest, daß die Schutz- hast zu Unrecht verhängt sei, daß Genzen und Oerter sofort aus der Haft zu entlassen seien und Anspruch auf Ent- schädigung hätten. Die Möglichkeit einer solchen Beschwerde und Entscheidung ist ein dnrch das Schutzhaftgesetz erreichter Fort- schritt, aber natürlich verliert dieses einen wesentlichen Teil seiner Bedeutung, wenn über die Beschwerden' erst nach drei Monaten entschieden wird, d. h. nach der Hälfte der Zeit, über welche die Schutzhast überhaupt auSgedohnt werden soll. Genzen forderte dann als Enischädigung für die dreimonatige Haft einschließlich Verteidigungsgebühren, Reisekosten wnd Zehr- gelder 1359,99 Mark. Zugesprochen wurden ihm, nachdem die Ent- schädigungsan spräche beim Kriegsministerinm über 6 Monate lang geprüft worden waren, für dreimonatige Haft 191,(59 Mark, von denen ö7,kö Mark für Berpflegungsgelder während der Schutzhaft gekürzt worden, so daß ihm die Auszahlung von 43, vö Mark angc- boten wurde. Eine wahrhaft vornehme Entschädigung für eine zu Unrecht erlittene dreimonatig« Haft. Geradezu grotesk muß es anmuten, wenn gemand daffür, daß er zu Unrecht eingesperrt wird, noch VerpflegungZgelbüihren zahlen soll, gleich als ob das Gefängnis eine Sommerfrische sei! Das norwegische Stört hing hat jüngst einem Manne, der zu Unrecht verurteilt 8 Jahre Zuchthaus verbüßt hatte, eine Eutfchädiguug von 199 999 Kronen mit der Begründung znge- sprachen, ein materieller Schade sei freilich nicht entfernt in dieser Höhe nachgewiesen, und eine Enffchädigung für die geraubten 8 Jahre der Freiheit gäbe es überhaupt nicht, aber wenn der Staat schon Unrecht tue, müsse er wenigstens bei Zumessnng der mate» viellen Entschädigung vornehm verfahren. Von diieser Groß- zügigkeit scheint man im preußischen Kriegsministerium recht weit entfernt zu sein. Der Reichstag wird sich energisch ver- bitten müssen, daß mit dem von ihm durchgesetzten Schutz- Haftgesetz in dieser klein! i che nundsinnwidrigenWeise umgesprungen wird. Der„Tabar öer Solöaten. Im Reichstag hat der Abg. Müller-Meiningcn folgende Anftage eingebracht: In jüngster Zeit est als„Kriegs-Taba�Mischung" an unser Heer Tabak in großen Mengen verkanft worden, der ganz oder zum grösiten Teile Laub, insbesondere Buchen- laub enthält und von den Trappen weggeworfen werden muß, obwohl er der Militärverwaltung viel Geld kostet. Was gedenkt der Herr Reichskanzler zu tun, um diesem Vorgehen einzelner Lieferanten im Interesse des Heeres mit aller Schärfe und raschcstens zu begegnen? Letzte NsÄrickten. Schließung amerikanischer tzäfen. Amsterdam, 6. Juni.„Central News" meldet aus Washington, daß der Marinesekretär auch die Schließung von Boston, Philadelphia und der anderen an der atlantischen Küste gelegenen Häfen angeordnet hat. Versenkte amerikanische Segler. Amsterdam, 0. Juni. In Meldungen des Reuterschen Bureaus aus New Dork werden die vier amerikanischen Segelschiffe H a t ti e Dun, Huppauge, Cole und E d n a als versenkt genannt. Zusammenkunft von neutralen und Ententesozialistcn. London, L. Juni. �Das Reutersche Bureau erfährt: Hjalmar Branting, der Vorsitzende der schwedischen sozialdemokratischen Partei, und Troelstra, der Vorsitzende der holländischen sozial» demokratischen Partei, erhielten eine Einladung, der jährlichen Besprechung der englischen Labour Party am 26. Juni und den beiden folgenden Tagen beizuwohnen. Eine besondere Er- örterung wird den internationalen Angelegenheiten gewidmet sein. Nach der Besprechung werden AlbertThomaöundV an- d e r v e l d e, die ebenfalls eingeladen worden sind, wahrscheinlich in Begleitung von Draniing, Troelstra. Arthur Hen- de r s o n und Eamille H u h S m a» S nach Paris zurückkchren, um Maßnahmen zur Veranstaltung einer etwaigen internationale» sozialistische» Konferenz zu besprechen. Schutzleute als Einbrecher. Hamburg, 6. Juni. Wegen gemeinschaftlichen schworen und «infach-n Diebstahls verurteilte da- Hamburger Landgericht de» Schutzmann Suchow zu 5 Jahren Zuchthaus, den T ch u y» mann Metken zu 4 Jahren Zuchthaus und den Möbeltranöpon- arbeite: Lindigkcit zu 1» Monaten Gefängnis. Das Kleeblatt hat im Bezirk Hohenfelde, in dem Sie Schutzleute tzedienftet waren, nachgewiesenermaßen 19 EinbruchÄaebjrähIe ausgeführt. Reichstag. , 16S. Sitzung, Donnerstag, den 6. Juni, nachmittags 1 ühr. f Sfm BundcSrarstifch: v. Payer, Walloaf. Auf der Tagesordnung steht zunächst die Wahl deS Präfidenten. Der Beginn der Sitzung verzögert sich bis gegen 9i2 Uhr infolge einer Sitzung des Seniorenkonvents. Erster Bizepräsioent Dr. Pausche eröffnet die Sitzung mit folgeirver Mitteilung: Ich habe Ihnen im Auftrage des Aeltesten- ausschusfeZ den Borschlag zu machen heute die Wahl des Präsidenten auszusetzen» mit Rücksicht auf eine Neuregelung, auch der Frage der Wahl der Bizcvräfidcnten. ES handelt sich um einen einstimmigen Be- f ch l u tz des Aeltestenausschusies. ES wird noch heute von der Mehrheit des Reichstags ein Antrag zur Geschäftsord- n u n g eingebracht werden. Ich würde vorschlagen, diesen Antrag der verstärkten Geschäftsordnungskommission zu überweisen, so daß dann die Wahl erst stattsinden würde, nachdem diese Geschäfts- ordniingskommission ihren Bericht erstattet haben wird. Das Haus stimmt diesem Vorschlag zu. Hierauf wird die Debatte über ZensNT unü Selagerungszuftanö. fortgesetzt. Kapitän zur See Boh-Ed wendet sich gegen einige Bchauptun- gen Gothcms in seiner gestrigen Rede. Abg. Hcrzfeld(U. Soz.): Der Belagerungszustand besteht zu Unrecht, er stellt einen Bruch der Verfassung dar. Aber der Reichstag denkt nicht daran, digezen aufzuireien� weil er den Belagerungszustand für notwendig zur Bedrohung der Arbeiterklasse hält. Liebknecht, der die bürgerlichen Rechie des Reichstags nachdrücklich vertreien wollte, wurde der Militärdiktatur ausgeliefert. Der Druck der militärischen Gewalt ist'mit der Zeit nur noch stärkcr gewor- den. Fast alle Mitglieder meiner Fraktion stehen unter Redeverbot. Mir selbst ist es unmöglich gemacht worden, mit den Wählern meines Wahlkreises in Fühlung zu treten. Auf eine Beschwerde an das zustandige Generalkommando ist mir gar keine Ant- wort zuteil geworden. In Treptow an der Tollense wurde einer meiner Parteifrennide durch einen Poüzeibcainten mit Gewalt aus der Stadtverordneten sitz ii ng entfernt. Aus einen Strafantrag unseres Genossen hin wurde der Beamte freize- sprachen, weil er nicht das Bewußtsein einer strafbaren Hand- lung gehabt habe. Es liegt ein Antrag vor, den Reichskanzler als ZivilbÄchrde über die Militärbehörde zu stellen. Herr Wallraf bezeichnete das als unannehmbar, auch ivir finden diese Idee u n- praktisch Der einzige Weg nach auswärts ist die Aufhebung des Belagerungszustandes. General WriSberg behauptete gestern, daß in den Monaten Dezember töl? und Januar dieses Jahres in gan� Dsutschland nur SS Versammlungen verboten worden seien. Dem stelle ich gegenüber, daß allein in den Tagen des Streiks Ende Januar in Deutichland nicht nur hunderte, sondern tausendc von Versammlungen allein meiner Partei verboten wor- den siiid.(Abg. Albrecht sU. Soz.}: Di« ganze Statistik ist Schwindel! Ordnungsruf des Präsidenten!) Wie einem Ge- werkschaftler von einem Vertreter des Generalkommandos zuge- geben wurde, desteh! em L i st e n s y st e m, in dem über verdächtige Personen auf das genaueste Buch geführt wird. Auch das Spitzclwescn steht in voller Blüte. So wurde in Gclienkirchen ein Arbeiter zum Polizeirat bestellt, der ibn mit allen Mitteln zu bewegen suchte, eine„Vertrauensftz. llung" in Polizeidiensten anzunehmen. Sogar Geld wurde ihm angeboten. Als der Arbeiter sich weigerte, wurden Haussuchungen be: ihm veranstaltet, auch wurde versucht, ihn an feiner Arbeitsstelle unmöglich zu machen.— Das Generalkommando in Münster hat in Gemeinschaft mit Redakteuren der regierungs- sozialistischen Presse eine Broschüre herausgegeben, in der die Ar- bciter zum Durchhalten ausgesordert und vor den Bestrebungen des Auslandes, im Innern Uni üben anzuzetteln, gewarnt werden. Ich kann nickt umhin, dcc Angestellten der Sozialdemokratie, die sich an dieser Broschüre beteilig: haben, als Verräter an der Arbeiterklaffe zu bezeichnen(Ordnungsruf des Präsidenten.— Stürmisch? Un- ruhe bei den Sozialdemokraten.— Zuruf des Abg. Noske: Hans- wurscht!) Die Vorzensur geht daraus aus, unsere wenigen Blätter zu ruinieren. Seil heule steht die„Le-oziger VolkSzeituna' wiedm Miter Vorzensur. Das Wort:.Ich kenne nur noch Deutsche!" muß heute lauten:„Ich kenne nur noch Alldeutsche und eine Partei, die außerhalb des Gesetzes steht, das ist die Unabhängige Soziasdemokratie!"(Sehr gut! bei den Unabhängigen Sozialdemo. traten.) Agb Wemer-Gießen(Dt.Fr.): Der Alldeutsche Vnchand-st Hern, GoiHcin dankbar für die Reklame, die er für ihn gemacht hat. Die Papiecverteilung ist eine ungerechte. Abg. Pospiech(Pole) protestiert gegen die Unterdrückung der polnischen Vereinstätigkeit. Abg. Meerfcld(Soz.): � Zunächst einige Worte zu den Angriffen des Abg. Herzfeld. Ich möchte die Tribüne dieses Hauses nicht herabwürdigen und will des. halb nur fvlgcndes erklären. Zu der Konferenz des 7. Armeekorps waren auch Unabhängige geladen, haben sich aber a u S g e- schwiege». Das Protokoll war lediglich ein Manschetten. erzeugnis inieresfierter Freunde der Unabhängigen. Unsere Redakteure, die daran teilgenommen haben, haben in der Oefsent- licbkeit die Behauptungen der unabhängigen Presse über diese Kon. screnz als Verleumdung bezeichnet. Eine Erwiderung ist daraus nicht erfolgt.(Hört! hört! b. d. Soz.) Gegen die unerhört maßlosen Beschimpfungen der beteiligten Arbeitervertreter durch den Abg. Herzfeld brauche ich die Angegriffenen nicht in Schutz zu nehmen. Solche polemischen Ausschreitungen gegen verdiente Arbeiterführer von einem Manne wie Herzfeld richten sich von selbst. lSehr wahr! bei den Sozialdemokraten. Unrube bei den Unabh. Soz.) Die Art. wie die Regierung unsere Forden, na. die GeneratkommandoS einer Zwilgewalt zu unter- stellen, ablehnt, verrät wenig politischen Geist. Die Me- thoden der Generalkommandos erinnern zu sehr an das Wort jenes italienischen Staatsmannes, daß mit dem Belagerungszustand jeder Esel regieren kann.(Sehr wahr! bei den Svzialdemo- kraten.« Der Reichskanzler hat zugesagt, der freien Meinungs- äußerung freien Raum zu gewähren. Zwischen diesen entgegen. kommenden Worten und der tatsächlichen Praxis klafft ein großer W'derü'riich. Einen be,'anderen Kampf gegen die Zensur Hot die .„Mülhcmser Volks-Ztg" durchzukämpfen. Die Bevormimdung geht soweit, daß der Zeitung verboten wird, schweizerische Blätter ein- zuführen. TaS erinnep an das Verbot der„Wiener Ar- b e i t e r z e i t u n g", d:e nicht einmal hier im Haufe von den ReichS'tgsabgeordneten gelesen werden darf. Die „VolkSstimme" in Mannheim wurde wegen eines Artikels über die O'tiiaaen aus drei Tage verboten, der in vielen anderen Zeitungen anitandslcs erschienen war. Wie die Vorzensur gebandbabt wird. heineiit das Beispiel, daß unser Kölner Parterblatt über einen krassen Erpressungsfall zweier Pol.izeibeamier nicht eine sachgemäße Darstellung geben durfte. Alle Artikel des Brök Förster sind megen ierner Friedenspropaganda unter Vor- Zensur gestclli. Der Kamps sür hrn Fristen ist den Herren vom Militär ebens» veniz gkneÄm für>ie Freiheit. Gener«!*»rt�erj.st falsch unterrichtet,»enn er nichts weiß von der Untordrückutig deS„Vorwärts" beim Militär. Bei einem Stmdstmmdowillon wurden 10 Bezieher des„Vorwärts" aufgefordert, die Zeitung abzubestellen. Als einer sich weigerte, wurde er mit harter Strafe bedroht.(Hört! hört! bei den Sozi«!»elv»kr,ten.) Di? Reichst«, Sm-brheit darf unter den Augen der Zensur aoi das Snsldtigjte betstatpst werden. Scheidcman» wird hefchukdtgt, mit den Bokschew!?iS planmäßig zufammenzu-' arbeiten. Die Zensur merkt davon nichts. Durch die Oberaufsicht der ObermilitärbefehlShaber ist der Rechtsschutz für die Presse ledig- lich zu einem Schutz für die Zensur geworden. Die angebliche Er- rungenschaft, daß Zeitungen zunächst nur auf drei Tag/ verboten werden können, wird von der Militärbehörde dahin ausgelegt, daß das Verbot nur dann aufgehoben wird, wenn der Redakteur palet peccavi sagt. Das ist eine Vcrlzöhnung des ReichStagSbeschlusses, ein glatter Bruch des gegebene» Versprechens. Der Begrifs des militärischen Interesses wird maßlos erweitert. Ein Flugblatt der Guttempler gegen die Verwendung von Gerste zur Bierbereitung wurde verboten. Das Drama Walter HasenclcverS„Der Sohn" darf in Berlin nur in geschlossener Ge- sellschaft vorgeführt werden, und zwar mit der Begründung, daß sich bei den Ausschreitungen des letzten Streiks die Arbeiterjugend in hervorragendem Maße beteilig! habe. Die unerträgliche Schulmeisterei der Zensur geht sogar so weit, sich in die Auffüb- riing des Dramas„Seeschlacht" von Reinhardt G ö h r i n g einzumischen Der Verfasser soll wahrscheinlich dafür bestraft werden, daß er sich nicht mit Kriegsdichtungen vom Schlage der Leistungen Max Vewers beschäftigt. Herr Wallraf machte uns kürzlich auf die scharfe Zensur l» Frankreich, England und den Vereinigten Staaten aufmerksam; dazu ist nur zu bemerken, daß wir die französischen und englischen Zustände gern mit dem eisernen Ring der deutschen Nnfretheit vertauschen möchten. Ter Belagerungszustand ist ungesetzlich. Er ist nur zulässig für Gebiete, die unmittelbar vom Feinde bedroht sind, käme also nich für ganz Dettschland, sondern nur sür einen kleinen Teil Elsaß-tzothringenS'n Frage. Der jetzige Zustand krasser Willkür läßt sich nicht mebr aufrechterhalten. Er führt zu geistiger Versumpfung, Abstumpsuug und Schematisierung. Durch die Kurzsichtigkcit der obersten Bebörden wird ein großer Fonds von Staatsgcsüh! verwirtschaftet. Gerade weil wir wissen, daß unsere Soldaten'm Fe'de für d e äußere Freiheit des Reiches kämpfen, fühlen wir uns heiß verpflichtet, dafür zu sorgen, daß die Heimat nicht im ödesten Militarismus v e r s k! a v t. Hände weg von der Freiheit des deutschen Staatsbürgers und ein Ende gemach, mit der vonnärzlichea Bevormundung eine» mündigen Volkes!(Lebhafter Beifall bei den Sozialdemokraten.) Abg. Dr. Müller- Memingen(Vp.): Man schämt sich wirklich bald, rm Reichstag über diese Dinge noch zu sprechen.(Sehr wahr!) Was helfen all die schönen Worte über das Vertrauen zum Volke, wenn die Taten das Gegenteil beweisen? Die meisten Kommandierenden Gene- räle Pfeifen auf die Gesetze, die wir hier beschließen.(Sehr wahr!) Die Statistik des Generals v. Wriesberg ist keinen Schuß Pulver wert. Was soll der Vergleich zwischen der famosen Vaterlandspartei und der Riesenbewegung der deutschen Gewerkschaften?(Sehr wahr! links.) Mit den militärischen Interessen haben V92 der Zensurschikancn überhaupt nichts zu tun.(Sehr richtig! links.) Was uns so kränkt, ist der Mißbrauch der militärischen Gewalt z» einseitig konservativen Zwecken. (Lebhafte Zustimmung links) Die VaterlaudSpartei ist nichts als eineKulisseder konservativen Partei.(Sehr wahr! links.) Die„Liberale Korrespondenz" hat einen Brief veröffentlicht, woraus klar hervorgeht, daß die K o n s e r v a t i v e n die ganze Ge- .schichte mit der VaterlaudSpartei nur ins Werk gesetzt haben, um nachher bessere Wahlen zu erzielen. Darauf wurde gegen sie vorgegangen— wegen BcrratS militärischer Interessen.(Stür- misches Hört! hört!- links.) Die Leute, die am Ende des vierten Kriegesjahres die öffentliche Meinung des deutschen Volkes so be- handeln wie die kommandierenden Generäle, versündigen sich an der Stimmung des Volkes. Die Führung der Armee ist angewiesen auf freudige entsagungsvolle Mitarbeit des ganzen deutschen Vol- kes und vor allem der Vertreter der öffentlichen Meinung. Darr>m: fort mit der Zensur!(Lebhafter Beifall links.) Staatssekretär Wallraf: Ich habe die Zensur durchaus nicht gelobt, wt« Herr Gotbein sagte, sondern sie nur als Kriegsnotwendigkeit bezeichnet. Die pazifistische Literatur geht gewiß ans von idealem Streben. Aber sie kann setzt nicht-n Massen verbreitet werben„ wo der Kriegswille der Feinde uns zu äußerster Anstrengung der- pflichtet. Die Zensur besteht auch in allen anderen Ländern, auch die Bolschewiki kommen nicht ohne sie aus.— Dem Abg. Meerfeld gebe ich zu, daß in der Redakiion der„Rheinischen Zeitung" sehr klua« Leute sitzen und daß sie in der Lebensmittelversorgung den Behörden in Köln gute Dienste geleistet bat. Aber manchmal kom- .men in ihr doch so elementare Ausbrüche des Klassen. Hasses vor, die in dieser Zeit Anstoß erregen müssen. Ich be. tone, daß, wenn ich die Zensur z« handhaben hätte, ich keine dieser Stellen beanstandet hätte. Die vom Abg..Nküller-Meiningen ange- führten Fälle werden geprüft werden.— Ich würde aber wünschen, daß wir einen Weg der Verständigung finden, denn diese Zensurdebatten sind"der Reichsleitung gewiß nicht erwünscht. Die Reichsleitung wird gern soweit entgegenkommen, wie ihr Verant- wortlichkeitsgefühl und die Lage des-Vaterlandes zuläßt. Oberst von dem Bergh legt dar. daß Beschwerden über Militär. besehlshaber, z B Generalkommandos, dem Obern, ilitärbefehls- Haber durch den Militärbefehlshaber vorgelegt werden müssen. Abg. Haas-(U. Soz.): Von der Regierung ist keine Abhilfe in den Zensursragen zu erwarten.(Sehr wahr! b. d. 11 Soz.) Es offenbart sich hier die ganze Ohnmacht des Reichstags. Die Mißstände werden weiter bestehen, solange der Reichstag nicht von seinen Machtmitteln Gebrauch macht. Wir verlangen nach wie vor die Aufhebung des Belagerungszustandes. Es existiert ein schwarzes Kabinett» das ein« geheime Briefkontroll« ausübt. Ich bebau Pt?, daß nicht nur Briefe von Mitglieder» dieses HauseS geöffnet r.nd wieder ge- schloffen worden sind, die den beiden sozialdemokratischen Parteien angehören, sondern auch von Herren anderer Parteien.(Hört! höri!) Das Briefgeheimnis, das verfassungsrechtlich g e- schützt ist, wird täglich in vielen Fällen verletzt. Die Oeffnung der Briefe von Reichstagsabgeordneten stellt obendrein einen Bruch des Artikels 31 der Reichsverfassung dar. Auch bei W a h l e n ist die Ve rsa mmlungSgel ege-nheit von den Miliiärbeliörden abhängig. Ein geheimer Erlaß, der die aus Feindesland zurückkehrenden Kriegsgefangenen betrifft» teilt diese in zuverlässig« und unzuverlässig« Elemente ein, die voneinander getrennt werden sollen. Die Namen der „unzuverlässigen" Elemente sollen den heimischen Polizeibehörden mitgeteilt werden. Das ist der Dank an diejenigen, die das Schwerste geduldet und geopfert haben.(Beifall b. d. 11 Soz.) General v. WriSberg: Den vaterländischen Unterricht über die aus Rußland zurückkehrenden Kriegsgefangenen hält die Militär- Verwaltung sür ihre Pflicht, nachdem die Leute vier Jahre lang von der Entente beeinflußt worden sind. Damit schließt die Debatte. Abg. Spiegel(Soz.) spersönlichj weist die Behaupttinge-n des Abg. Herzfeld über die Konferenz im 7. Armeekorps als Berdächti- gungen zurück. Die an der Konferenz teilnehmenden Gewerk- schaftSbeamten haben sich frei und»ffen über die Broschüre aus- gesprochen. Ick erwarte, baß der Ab». Herzseld den unerhörten Borwurf des Verrats efamtorcie* Männern gegenüber nicht aufrechterhält. Abg. Herzseld(U. Ssz.): Ich habe nicht behauptet, daß Gewerk- schaftsbeamte an der Braschüre»»itge«rb«tet haben, sondern daß Redakteure sich dazu bereit erklärt hätten. Die Anträge der Kommission zu den Fragen der Zensur und des Belagerungszustandes werden angenommen. Auf Antrag des Abg. Hanstmann(Vp.) wird dsr im Beginn der Sitzung angekündigte Antrag auf Abänderung d« Geschäfts- ordnung i» der Frage der Vizepräsidenten noch ans die Tagesordnung gesetzt und ohne Debatte an dir Tesch äftsortzmrngS» kom Mission verwiesen. Hierauf vertagt sich das HauS auf Freitag 1 Uhr.(Kleine Au- fragen. Besprechung der Fragen der Schutzhaft.) Schluß 7?h Uhr.__ flbgeorönetenhmzs. Ku'tusctat. Nur keine Neuordnung in Preußen, weder auf allgemein politischem, noch auf kirchen- und schulpolitischem Gebiete! Diese Forderung zog sich wie ein roter Faden durch die von den Vertretern der konservativ-Aerikalen Mehrheit des Ab- geordnetenbauses in der Generaldebatte zum Kultusetat ge- haltenen Reden. Es soll alles so bleiben, wie es zu Zeiten des seligen Trott zu Solz gewesen ist, der den Wort- führern des Dreiklassenparlaments als Muster eines Ministers des Geistes vorschwebt und dessen Scheiden vom Amte sie garnicht genug bedauern könneu. Vor allem Witt man die konfessionelle Fachschule auf ewige Zeiten fest- legen und Sicherungen gegen e t w a i g e R e s o r in e n in einem freiheitlicher zusammengesetzten Parlament schassen. Wie bei der Wahlrechtsvorlage so hat auch hier das Zentrum die Führung übernommen, dessen Vertreter Abg. Kaufmann aufs schärfste gegen die Trennung von Staat und Kirche wetterte. Leider schwächte Abg. Adolf H o f f m a n n von den Unabhängigen, der der Reaktion entgegentreten zu können nieinte,- die Wirkung seiner Ausführungen selbst ab dadurch, daß er einen großen Teil seiner Rede einer ebenso über- flüssigen wie törichten Polemik gegen die Soziaideiiiokratie widmete. Diese Angriffe nehmen wir nicht tragisch,� sie gehören nun einmal zum ständigen Repertoir der Unabhängigen. Uns ärgern sie daniit nicht, den bürgerlichen Parteien aber bereiten sie große Freude. Im übrigen ist aus der Debatte nur hervorzuheben die Forderung des Nationalliberalen Dr. Blankenburg auf sttegelung des Religionsunterrichts der Dissidenten- linder und das Eintreten des ehemaligen Fortschrittlers T r a u b nicht gegen die Trennung von Kirche und Staat, sondern auch für den Kamps gegen kirchliche Sektierer, in denen er lediglich Agenten des feindlichen Auslandes zu er- blicken scheint. Die Generaldebatte endete mit einer Rede des neuen Kultusministers Dr. Schmidt, die sich auf eine Reihe von Einzelfragen erstreckte, aber alles andere eher als ein Pro- gramm war. Am Freitag beginnt die Spezialberatung. Dis Luöenösrff-SpZnöe. LnS Metallarbeiterkreiien wird uns geschrieben: „In der Nummer vom Sonnabend, den 1. Juni, bringt der „Vorwärts" eine Notiz aus Bielcsetd, wonach die dortigen Arbeiter- organisarionen es abgelehnt haben, sich an der Ludcndorff-Spcude zu beteiligen und zwar mit Nücksickt ans die gesamte Situation, in der wir uns befinden. Die Redaktion des„Vorwärts" zeigt durch die lleberschrift dieser Notiz, daß sie sich im Zweifel darüber ist, ob das wohl die richtige Taktik sei. Hierzu möchten wir bemerken, daß auch die Berliner Metallarberter in ihrer Verwaltungssitzung erklärt haben. daß sie mit der Beteiligung an der Ludend orff-Spendo wie auch mit der Unterschrift der Generalkommiision sür den Aufruf zur Ludendorff-Spende nicht einverstanden sind. Die Gründe für diese Haltung sind nicht etwa Abgcneiglhcit dagegen, daß sür die Kriegsbeschädigten etwas getan werden soll, i in Gegenteil Die Veiwaktung der Metallarbeiter hält es sür dringend erforderlich, daß in weitgehend st em Maße für die Kriegsbeichädigteu gesorgt wird. Die Meinung der Ver- waltung geht dahin, daß die Arbeiter selbst auch materiell und moralisch den Kriegsbeichädigtcn beispringen, soweit es irgend an« gängig ist. Woran Anstoß genommen wird, ist vielmehr die Form, in der hier für die Kriegsbeschädigten gesorgt werden soll. Schon die Ausbringung freiwilliger Mittel zur Unterstützung derKriegsbeschädigie,! entspricht nicht dem, was alle Arbeiiervertreter bislang erklär, haben, daß nämlich die weitgehendste Hilfe durch Mittel des Reiches erfolgen soll. Sodann wird diese Sammlung mit einem Namen verbunden, der infolge des Mißbrauchs, den die reaklionären Kreise mit ihm treiben, durchaus keinen an« ziehenden Klang in der Arbeiterschaft hat. Auch protestiert die Verwaltung dagegen, daß die Generalkommisflon der Gewerlschasten Deutschlands gemeinsam init solchen Personen einen Aufruf unterzeichnet, die gerade jetzt wieder am Werke sind, um ihrer allen Gewohnheit emsprechend, die Behörden scharf zu machen gegen die Arbeiter, und die unablässig darauf aus sind, die wenigen Rechte, die dem Arbeiter während des Krieges noch geblieben sind, durch Maßregelung und Denunzialioi'. illusorisch zu machen. Auch die gesamte Situation auf politischem Gebiet hat stark zu dieser Stellungnahme bei- gelragen. Ein entsprechender Protest ist auch der General- lommisston zugegangen. Wenn noch etwas fehlt, um die Abneigung gegen diese Tamm- lung vollkommen zu machen, dann ist es die Art, in der die meisten Arbeitgeber mit de» Sammellisten an die Arbeiter heran- irrten." « N a ch s ch rrft der Redaktion: Die von der Leitung der Ludendorff- spende begangenen groben Fehler sind auch von uns rückhaltlos kritisiert worden. Bezüglich der Stellungnahme der Ge- welkschatten aber darf etneS nicht übersehe» werden: Hätten die Vertreter der Arbeilerschast die Mitarbeit vorweigert, so hätte ausschließlich das llniernehmertum über die Ver- Wendung und Verteilung der gesaminellen Gelder zu bestimmen gehabt. Wa-Z daraus entstanden wäre— es handelt sich um einen Fonds, der bald 100 Millionen überschrciien wird—, kann sich jeder leicht ausmalen. Daß eS haupliächlich die verfehlte Aufmachung der Sache ist, die die Arbeiter mit Abneigung er- füllt, erhellt daraus, daß au der Miteuberr der Gewerkschaften im „Reichsausschuß für KriegsbesÄädtZtensÜriorge" kern Mensch Anstoß nimmt. Alldeutsche und Reichstag.� Die.Deutsche Zeitung", das Schinrpsorgnn der Altdeutschen, spricht ihren Unmut darüber aus, daß keiner unserer Minister dem Reichstag mit den Worten Thiers entgegentrete:„Meine Herren.( Das Laerd befindet sich allemal dann am wohtsten, wenn Sic nicht beisammen sin d." Weiter erklärt-das Dlait, das dautsche B«l? hacke die Furcht vor der ÜeckerzaP der Feinde gegen die stet« Zinzfl vardem Reichs- tag ern,«tauscht, der nie ein RH» a»f chen laste. Ja: dich er Tonart wir» j/m-si Spalten stmg«ruf im Roichöd», x« schöpft.— Die Mß- «chttmj gegenüber der Vertretung des deutschen Balles ist ein Symptom dafür, wie viel Achtung die Alldeutschen vor dem deutschen Volk selber haben. Denn die Behauptung der „Deutschen Zeitung", die Mehrheit des Volles stehe nicht hinter der Mdbrboit des Reichstages, ist ja duech die sozial demokra. tischen Wahlsiege bei den Nsn w ählen zur Genüge alz Schwindel geisnnxoichnet. Vcrsiösje gegen den Reichstarif der Militärsattler. In einer am Dienstag af�chaltenen ftat! besuchten Versammlung der MililärsaNler sühne Schulze eine Reihe von Fällen an, wo Arbeitgeber— leider ohne Widerstand bei den Arbeitern gesunden zu haben— bedeutend niedrigere Akkordlöhne zahlen, als der icit 3''� Jahren bestehende Relcbsrarif vorschreibt. Die Firma Falken fleck in der Marlin-Luther-Strohe beichäfrigt eine grohe Zahl von Heimarbeitern, denen sie für das Besetzen von Mantelsäcken einen Stücklohn von öt) Pf. zahlte, während der Tarif- lohn einschließlich der tariflichen Zuschläge 1.13 M. beträgt. Für eine andere Arbeil an Broibeuieln,' welche die Firma mit öl Pf. bezahile, ist nach dem Tarif ein Arbeitslohn von 47 Pf. und 2v Pro,. Kricas,»schlag zu zahlen. Da weder der Arbeitgeber noch seine Arbeiter ihren Bcruf-organisaliouen an- gehören, so kann ein direticr Einfluß der Organisation zur Zahlung der Tarislvbne nicht ausgeübt werde». Die SchlichiungSkommiision ist deshalb übereingekommen, beim Obelkominando die Schließung des Betriebes der Firma Falkenflcck zu beantragen. Die Firma Paul B a r I c l in der Scbastiansiraße zahlte 81 Pf. und 20 Proz. Teuerungszulage für eine Arbeit, die im Tarif nicht vorgesehen ist, aber nach Feststellung der Schlichtungs« kommission außer den tariflichen Zuschlägen äiil 1,25 M. bezahlt Iverdcn müßte. Als die VerbandSieitung von der zu niedrigen Entlohnung Kenntnis erhielt und die Schl'chtiingSkommi'sion an- gerufen wurde, da war die' betreffende Arbeit, die einen sehr gießen Posten nimaßte, bereits scrtig, so daß die Lohnfestsetzung der SchlichtungSlommission eine pralnsche Bedeutung nicht mehr hatte. Die Firmen Erfurt, Zander und Schneider lasicn Konfcktionearbeiten anfertigen. Die vo» den Arbeiterinnen benutzten Käbniaichiiien werden elekirisch angetrieben. Der Tarif gestaltet, daß für elektrischen Nähmaichinenanlrieb 10 Proz. vom Kriegs- zuichlag abgezogen werden können. Die Firmen zahlen aber weder Kriegszuschlag noch Teuciungszulage, sondern nur den einfache» Lohn und von diejcni ziehen sie die 10 Prozent ab, was natürlich unzulässig ist. Der von der Firma S w o b o d a beschästigie Zwischenmeister Lock. Bernauer Straße, zahlte für eine Arbeit 50 Pf. statt 80 Pf. und für eme andere Arbeit 1 M. statt 1,40 VI. Infolge des Bor- gehen? der VerbandSleitung hat Lock an eine Arbeiterin 1600 M. zu wenig bezahlten Lohne« nachzahlen müssen. Zwischemneister Block. Planufer, der von der Firma Eoban beschäftigt wird, ließ Fernsprcchersutierale in einer Reihe von Teil- albeilen herstellen. Die Summe aller Teilarbeitstöhne erreichte zwar den Tarifsatz von 3.90 M., aber trotzdem bekamen die Arbeiter zu wenig, weil nämlich Block die Teilarbeit, die er ielbst ausführte, viel zu hoch bewenet bat Er rechnete sich für Fadenabfchneiden und Nähte glätten 40 Pf. und für Nieten 82 Pf., zusammen also 1.22 M. Tie SchlichtnngSkommission entschied, daß für Faden- abschneiden und Nähieglätien nichts zu berechnen ist nnd das Nieten mir mit 13 Pf. beweltet werden darf. Der Zwifchenmeister hat alio für das S'.ück 1.04 M. zu wenig gezahlt und mußte nach dem Urteil der Schlichtungtkommisston 230 M. nachzahlen. Dieie Verstöße stehen, wie Schulze belonie. nicht etwa der- einzeit da, sondern sie bilden eine Anzahl von Fällen, die sich erst in letzter Zeit abgespielt haben. Wenn auch an dem Reichstaris manches auszusetzen sei, so biete er doch die Möglichkeit, in der- artigen Fällen den Arbeitern und Arbeiterinnen zu ihrem recht- mäßigen Lohn zu verhelfen. Bon der Tärigkeit der Schlichtungskommission berichtete S chulze, daß eS auch in der letzten Sitzung noch nicht gelungen ist, einen angemessenen Preis für die neuen Geschoßlörbe festzusetzen. Weil diese Arbeit fast ausschließlich von Frauen gemacht wird, glauben die Arbeitgeber, bei dieser Gelegenheit die Preise drücken zu können. Zu der nächsten Sitzung sollen Sachverständige au» den Kreisen der beteiligten Arbeiter und Arbeitgeber geladen worden, um endgültig Beschluß zu fasien.— Einen Antrag der Arbeiter, für Groß-Berlin einheitliche Nietpreis« festzusetzen, haben die Arbeitgeber abgelehnt, obgleich ein dringendes Bedürfnis für einheitliche Preisfestsetzung vorliegt. Es bleibt nun nichrS weiter übrig, als daß die Nieter in den Betrieben, die nachweiSlrch sehr schlecht zahlen, selbst Lohn- oufbesserungen verlangen. Zu diesem Zweck werden die VerlrauenS- leute eine Aufstellung der als angemessen geltenden Nielpreise von der Organisation erhallen._ Massevkundkgung der Angestellte» bei Oreasteiit u. Koph»cl. Wir haben vor einiger Zeit über die Differenzen berichtet, die zwischen den Angestellten von Orenstein u. Koppel und der Firmen- leitung entstanden sind und die sich auf die Ansprüche der An- gestellten, Sommerurlaub zu erhallen, gründeten. Der Berliner SchlichtungSauSschuß halte sich vor kurzer Zeit auf Beschwerde der Angestellten mit dieser Frage befaßt und dabei einen Schiedsspruch gefällt, der den Anspruch der Angestellren in vollem Um- fange anerleiml. Obwohl nun die von den Angcstelllen geforderten Urlaubssätze so gering sind, daß es kaum eine Berliner Firma geden wird, die nicht schon jetzt wesentlich bester« Urlaubs- bedinguugen einzeführt hat, so hat sich trotzdem Herr Benno Oren- stein nicht bereit gesunden, den Schiedsspruch anzuerkennen. ES scheint beinahe so. als wenn er mit Gewalt einen Konflikt heraus- beschwören möchte. In der Zwischenzeit haben sich die Angestellten vergeblich be- müht, einen Ausgleich zu schaffen. Im Drewitzer Wert haben sie den Gewerberat zur Vermiulung angerufen, um die paar Tage Urlaub, die ihnen nun amtlich zugestanden sind, auch wiiklich zu er- halten. Alles war vergebens. In einer persönlichen Rücksprache, die der Drewitzer Ausschuß mit Herrn Orenstein balle, lehnte dieser, der eben frisch und erholt von einem mehrwöchigen Urlaub aus Kissingen zurückkehrte, es rundweg ab, den Angestellten einen über seine früheren Zugeständniffs hinausgehenden Urlaub zu bewilligen. Eine imgeheucre Erregung hat sich infolge besten der gesamten Beamtenscha-t bemächtigt. In einer übermrs gut besuchten Versammlung deS Drewitzer WerlcS wurde.zcstern folgende Entschließung angenommen: »Die am Mittwoch, den 6. Juni, in Nowawes versammelten männlichen und weiblichen Angestellten der Drewitzer Fabnl von Orenstein u. Koppel bedauern, daß die Fumenleitung die bescheidenen Foreeruugeir der Angestellten aus Gewährung von Sommerurlaub nicht bewilligt hat. Obwohl der nach§ 9 des HilsSdienstgeietzes eingesetzic SchlichtungSauSschuß die Berechtigung der Forderung«» voll und ganz anerkennt und jede Verbindung . zwischen GehaliSerböisnng und Urlaub als unzuläßig erklärt hat, sollen in Zukunst bei Orenstein u. Koppel neben schlechtem Urlaub auch noch größere Pausen bei den Geoaltsznlazen eintreten. Die Angesrelllen sind nicht gewillt, nrnh länger lediglich von der Willkür eiiier Firmenleitung abhängig zu bleiben, die allen fortschrittlichen sozialen Sirvinungcn der jetzigen Zeit unzugäng- lich bleibt. Sie hätten eS gern gesehen, wenn aus dieser UilaubS- frage kein ernstlicher Streit entstanden wäre und waren daher bereit, jederzeit die Hand zum Frieden zu bieten. Sie bedauern. daß durch die Schuld der Firma eine i«!ch« verschärsung der La-e eliizetreien ist, und erklären, daß ffe anieficht« der beharr- lieben Ablehnung der Firma, den SchiedSstnuch anzuerkennen. gewillt sind, zum nächsten gesetzlichen Termin ihre Stellung bei der Firma zu kündigen." Die Span da u er Beamtenschaft wird am beutigen Freilag, den 7. Juni, gleichfalls zusammentreten, auch dort sind, wenn man die derzeitig- Stimmung innerhalb der Beamlenschaft beurteilen darf, ähnliche Deicht äffe zu ttwaclea. Die BcrNner TraitSportsrbctter km I. Qnartns üStS. Die Transportarbeiter nahmen in ihrer Genera lversannnlu-ng rm Gewertscha stshanse den Bericht vom verflossenen O-uanal entgegen und erledigten verschiedene Anträge. Der Bezirkslviter Werner teilte zunächst mit, daß der Kartelloertvag mit dem Deutschen Portier-Verband zum Abschluß gebracht und anerkannt worden ist. Die Beiträge dieser Mitglieder werden durch die Einkassierer der Transportarbeiter eingeholt. Ans dein Onartalsdericht ist zu entnehmen, daß in 72 Be- trieben mit 10 709 Veschäftigten eine wöchentliche Lohn- bzw. Teuerungszulage von 104 578 M. durch gegeuseltige Verständigung er- zielt wurde Im Vordergrund der Bewegungen stand die der Straßesrbahner, die vor mehreren Monaten bereits eingeleitet, oder erst jetzt zum Abschluß gelangte. Auch mit dem Verband der Kohlengroßhändler ist ein« Eiinigung erzielt worden, so daß der Lohn für Kutscher 78 M., für Arbeiter 72 M. und für Frauen 03 M. pro Wocke beträgt. Die agitatorische Tätigkeit brachte 1572 Neu- aufnahmen, so daß der Mitgliederbestand inkl. der weikblichen und jugendlichen 16102 beträgt. Bezüglich des Arbeitsnachweis- berichtL wurde bemerkt» daß die Arbeitslosigkeit im Verhältnis minimal ist, es gelang mit ganz wenigen Ausnahmen, Arbeitslose sofort anderweitig unterzubringen. Der für das Handels-, Trans- Port- uni_ VerkeHrsgciverbe paritätische Nachweis hatte 12 635 ge- meldete stellen, wovon 97S3 besetzt werden konnten. Die Kassen- verhällnisse zeigen eine Ge samtei nnahme von 202 078,28 M., denen an Ausgcvben 104 814,59 M. gegen ich er stehen, der Kassenbestand beträgt 37 263,69 M. Die vom 1. Mai erhobenen erhöhten Orts- zuschlage haben sich vor teilhast durchgeführt. Einen breiten?!aum in der Diskussion nahmen die Anträge ein. Ein Antrag der besagt, daß Beitragserhöhungen vesp. Er- höhungen von OrtSzuschlägen vorher die Sektionen beschäftigen soll und alsdann eine Urabstimniuing an einem Sonntag vorzu- nehmen ist, wurde, da das Reglement bestimmte Richtlinien bereits vorschreibt, nach längerer AßSemandersetzung zurückgezogen.— Die Vertrauensleute der Gsschäftskutscher und Lagerarbeiter verlangen, daß alle Bekanntmachungen und Mitteilungsn außer im»Vorwärts" auch im Mii!-ÄIung>sb!att der Wahlveroine Groß-Berlins bebannt gemacht werden.— Ein im Sinne gleichlautender Antrag von einem Funktionär gestellt, wurde gemeinsam mit bchandelt und nach ein» gekhender Aussprache beide Anträge abgelehnt. Dagegen wurde der Vorschlag der erweiterlen Verwaltung, für die Zukunft die Gene- rawersamMtegkÄnseiscn im„Vorwärts" wegfallen zu lassen, an- genommeir.— Ein weiterer Antrag: 1000 M. aus der Ortskasse zur Unterstützung der Familien aus der letzten großen Bewegung zu bewilligen, wird abgelehnt. Lohnzulage der Eisenkoustrnktionsarbelter. Vor einigen Wölben hallen die in den Eisenkoustruktions« betrieben beschäftigten Arbeiter die Forderung gestellt, die Teuerungs- zulage für HauSballuiiqsvorslände um 15 Pf., für die übrigen Ar- beiter und Arbeiterinnen uin 10 Pf. pro Stunde zu erhöhen. Kürzlich haben zwischen den beiderieingen Berlretern Vei bandlnugen stattgefunden, über deren Ergebnis Siering am Mittwoch in einer stark besuchten Versammlung der Eisen- konstrukii»n«arbeiter berichtete. Die Verhandlungen waren sebr schwierig, weil die Unternehmer zunächst erklärten, sie könnten nichts bewilligen, denn die Konjunktur in ihrem Geschäfts- zweige sei durchaus nicht günstig. Später machlen sie ein sehr kleines Zugeständnis, nämlich 5 Pfennig pro Stunde für alle Arbeiter und Aibeileimnen ohne Äusnadme. Das lehnten die Vertreter der Aibciter ganz entschieden ab und erklärten, ihr letztes Wort sei: Entweder 10 Pf. für Haushaltungsvorständc und 6 Pf. für die übrigen Arbeiter oder für alle ohne Rücksicht auf den Familienstand 8 Pf. Nach längeren Beratungen erklärten sich die Unternehmer bereit. 8 Pf. für alle Arbeiter ohne Ausnahme zu bewilligen und zwar von der Lohnwoche ab, die nach dem 3. I ii n i begonnen hat. Die VerhandlungSkomimssion und die VertrauenSmänner- lonierenz empfahlen die Annahme der Vereinbarung, da nach Lage der BerbSlinisie nicht mehr erreicht werden lönne.— In der Per« sammlung sprachen mehrere Redner gegen den Vorschlag des Reie- renren. Schließlich wurde die Bercinbarung gegen eine erhebliche Minderheit angenommen._ Eine Beratung der Antröge aus den flödtischen Krankcnanftnltcn auf Erhöhung der Konjunkturzulagen fand am Donnerstag im Bei- liner Rathaus unter Leitung des Herrn Stadtrats Selberg, des Vor- sitzenden der Deputation, siatr. Erschienen waren zu dieser Sitzung unter anderem die PeiwaltungSdircklorcn der städtlichcn Kranken- anstalren, die Vorsitzenden der Albeiterausschüsse, die Stadt- verordneten Dr. Wehl und Koblenzer und die Leiterin der Sektion Kranken- und Pflcgeanstalten des Verbandes der Gemeinde« und SlaatSarbeilcr. Beantragt waren Erhöhungen der Kon- junkturzulagen für die gelernten und ungeleruten Arbeiter, die nichl in den Anstalten wohnen und beköstigt werden, um 50 M. pro Monat; für die Wärter um 20 M. pro Monat unter Weiterzahlung der KriegSzulage von 35 M. an die verheirateten Wärter; 75 Pf. pro Tag an die Reinigungsirauen; 20 M. pro Monat für die Näherinnen und 15 M. pro Monat für die Warte- rinnen, die Slations-, Haus-, Küchen- und Waichmädchew Die Verhandlung gab wieder ein buntes Bild von dem Durcheinander der jetzt in den städtischen Anstallen gewährten Kriegs-, Kon- unkiur-, einmaligen und laufenden Teuerungszulagen, daß eS elbst für die Eingemeihten leiiwelse recht schwer war, sich darin zurechtzufinden.— Die Foroerung der HandwerkerZ, die jetzt neben der Kriegszulage eine Konjunkturzulage von 72 M. pro Monat beziehen, erschien den Vertretern der Deputation und der Anstallen als zu weitgehend. Die Notwendigkeit einer Aus- besserung der Bezüge der ungeternten Aibeuer. die lediglich 6 Mark pro M o n a t Konjunkiurziilage erhalten, ivurde allseitig anerkannt. Stark umstritten war die Gewährung einer Zulage an die Wärter und Wärterinnen und an das Haus- und Küchenpersonal. Es kam der Deputation nach der Versicherung des Vorsitzenden vor allem daraus au, die Neuregelung so vorzunehmen, daß das Personal da- durch zutriedengeslelll wird, um nicht sofort wieder neue Annage herauiznbcschwörcn. Die Vertreter der Arbeiterschaft landen sich schließlich bereit, um überhaupt zu einer Einigung zu gelangen, ihre Forderungen etwas zu reduzieren, und die Vertreter der De- pulalion und der Anstalten erllärten, folgende Anträge beim Magistrat unterstützen zu«ollen: 1. Gelernle und ungelernte Arbeiter 40 M. pro Monat. 2. Ledige Wärter 14 M. Kriegszulage, verheiratete 40 M. Kon« junkturzulage pro Monat. 3. Reinigungsfrauen 7ö Pf. pro Tag. 4. Näherinnen 20 M. pro Monat. 5. Wärterinnen, Stalions-, Haus- und Kilchenmädchen 10 M. pro Monat._ Partemachrichten. Gcgcu Kriegshetzer und Wnhlrcchtsfcrnde. Eine für vorigen Sonntag von uns einberufene Vers«r»iit!uni in Köln war riesig besudsi. Schon lange vor Beginn der Der- sammlung drängten sich weit über 2000 Menschen im Räume; nach der polizeilichen Absperrung mutzten mindestens ebens« viele wieder umkehren. ReichötagSabgeordneter Mecrfeld kennzeichnete, »ft von ZustinnnungSkundgebungen unterbrochen, daS verderbliche alldeutsche Treiben, das nicht nur den Krieg verlängere, sondern uns bereits mit der Gefahr neuer Kriege bedrohe, in denen sich Europa zerfteischen müsse. In der Aussprache bekannte sich ein Unabhängiger unter star- ker Zustimmung unserer Genossen zur sozialt st ischen Ein- heitsfront im kommenden WahlrechtSrampf. AlS ein anderer Redner sich dagegen wandte, daß man in sozialistischen Versammlungen, wie eS auch hier wieder geschehen sei, kein« Sol- i baten hineinlasse, während fte zu den Versamwlttngen der Vater- 1 s kandspartei ungehindert Zutritt hätten, ließ der überwachende Kommissar den Redner durch den Vorsitzenden unterbrechen: „Kritik an militärischen Maßregeln könne nicht geduldet werden." Dabei kam eS zu erregten Szenen. Der Vorsitzende mußte sich schließlich dem polizeilichen Willen fügen, fügte aber unter stür- mischen Beifallskundgebungen hinzu:„In unserm Urteil darüber sind wir alle vollständig einig". In einer Entschließung-um jpreußischen Wahlrecht? kämpf wurde nachdrücklichster ' Einspruch gegen daS bisherig: Gaukelspiel mit den Vollsinteressen erhoben und von der Regierung Auflösung des Landtags gefordert. Aus den Organisationen. Während in dem Geschäftsjahr 1916/17 die Partei wie im gan- zen Reiche, so auch im BezirkSserband Dresden durch die bschzehen- den McinungSdifferenzen erheblich von ihren ernsten Ausgaben ab- gelenkt wurd:, hat daS abgelaufene Jahr 1 017/18 nach der Loslösung der Unabhängigen wieder Zeit zu organisatorischer Arbeit und zur Betätigung im Interesse der wcrklätigen Bevölkerung gegeben. Im 8. KreiS haben sich, nachdem die frühere Krcisorganisatisn durch Beschluß ihres Vorstandes anS der Gesamtpartei ausgeschieden war, unsere treugebliebenen Genossen organisatorisch zusammenge- ! schlössen. Der 7. Kreis, infolge seiner guterhaltencn und aktions- i fähigen Organisation ein heißumstrittenes Gebiet, lehnte auf seiner | vorjährigen KreiSkonferenz den Ucbertrilt ab. Ter Kreis ist auch heute noch, wie sein damaliger Jahresabschluß erkennen läßt, von der im Laufe des vergangenen Jahres von unabhängiger Seite nr.t Gewalt versuchten Zerreißung vollständig unberührt geblieben. Im 9. KreiS hat sich die vorjährige Generalioersammlung einstimmig siir die Einheit der Organisation unter Wahrung vollster Meinung?- freiheit ausgesprochen, und die diesjährige Generalversammlung hat diese Entschließung erneut bestätigt. In den übrigen Kreisen des Dresdener Bezirks wurde die Parteibewcgung von den Zer- reißungsbestrebungcn wenig oder gar nicht beeinflußt. Infolge der andauernden Einperufungen ist die Zahl der Mitglieder in den neun ostsächsischen Kreisen von 1910/17 bis 1917/18 von 14 613 auf 12 037 gesunken._' ie und Der Klingelbeutel geht um. „Ein Fonds zur Bekämpfung der staats- sozialistischen Richtung." Obwohl die Regierung selbstverständlich fest auf dem Boden der von uns bekämpften gegenwärtigen Gesellschaftsordnung steht, darf sie das Gemeinwohl nicht uin der Gruirdsatzc des ManchestertumZ willen ganz vernachlässigen. Sie sieht sich zu Bindungen deS Wirtschaftslebens gezwungen, sehr zum Acrgcr der Interessenten, die unter dem Schlagwort„Für den freien Handel" alle jene zu mobilisieren versuchen, die die besonders unangenehmen Kriegswirkungen den staatlichen oder Halbstaat- lichen KriegSwirtschaftsoraanisationen zur Last legen. Jnter- essant ist aber, daß der Hansabund den Klingelbeutel für die im- beschränkte Freiheit de» wirtschaftlichen Handelns umgehen läßt. Die Ortsgruppe Posen des Hansabundes versendet ein Werbeblatt und knüpft daran folgende Bitte: Gleichzeitig bitten wir Sie. uns, nnd zwar vorläufig für drei Jahre, einen möglichst nicht zu gering bemessenen Jahres- beitrug für den Fonds zur Bekämpfung der staatsfgzialistifchcn Richtung zuzusagen und den ersten Beitrag für un? bei der Bant für Handel und Industrie, Berlin W, 56, Schinkelplatz 1/4, mit dem Vermerk „Separatkonto StaatSsozialismuS" einzuzahlen. Für gAßje Benachrichtigung an nnS wären wir Ihnen zu Dank verpfliKet. In vorzüglicher Hochachtung ergeben st Ortsgruppe des HanfabnndeS Posen. Wir fürchten, daß die edlen Spender eine Enttäuschung er- leben und daß sich die Verhältnisse mächtiger erweisen als die Wirkungen, die von dem„Separatkonto Staatssozialismus" ausgehen._ Die Gewinne der chemischen Großindustrie— die unzulängliche KricgSgcwinnsteuer. Die fürrf großen chemischen Unterucchmen, zu denen noch die Kaffeller u. Comp. G. m. b. H. in Frankfurt a. M. kornnH,%»»cn stets zu den bostreritierende« deutschen Aktiengesellschaften gehört. Durch die Aufnahme neuer FabrikationSzweize, besonders der StichstoffgSomnung, haben sie ühren alten Ruf auch im Kriege neu bekrästtzk. Die fünf Aktiengesellschaften, Höchster ssovvw rke, Bad. Anilin, Farbwerke vorm. Fr. Bayer, A.-G. für Anil-infabrikation, Griesho�n-EIektron, Weiler.tet Meer, haben im Jahre 1917 ihr Kapital um 132,00 Millionen Matt auf 388,40 Millionen erhöht und den Aktionären die jungen Aktien zu dem Preis von 107 Proz. geliefert, wobei den jungen Aktien noch die Dividendercherechngung für das Jahr 1917 anheftete, obwohl das neue Geld am Ertrage dieses Jahres noch nicht mitgearbeitet hatte. Die AuSgabe dieser mit einem so wertvollen Bezugsrechte verknüpften Aktien bedeutet nichts anderes als ein« großzügige Verwässernng des Aktienkapitals zur künstlichen Hevabdrückung der Dividende. Aus den Gewinn- zahlen geht dies deutlich hervor. Die genannten fünf Unternehmen haben zusammen ihren Bruttogewinn um 41,4 auf 194,9 Millionen Mark erhöht, was nahezu 60 Proz. des vermehrten AkttenkapitalS aufmacht. Der Gewinn ist fast so groß, als das Aktienkapital vor der AuSgah« der jungen Aktien gewesen ist! Da- bei ist zu bemerken, daß die Kriegsgewi»S st euer, ver- schi e d e n e Abschreibungen und Rückstellung be- r e i t s vorweg in Abzug gebracht sind! Die Unkosten sind um 7.7 Möllienen Mark ans 52 Millionen Mark, die sichtbaren Atsch t»«bui«Hen sind um l8,3 Millionen auf 83.4 Millionen ge- stiegen, der Re in gewinn hat sich um 14 Millionen Mark«uf 110 Millionen Ract erhöht. Di« Gesellschaften konnten infolge der grsHen KapitxckSvermehrung die Dividende kürzen, ohne den Aktio- nären weniger zukommen zu lassen. Der zur Ausschütwng cr- forderliche Betrag bat sich um 9,03 Millionen Mark auf 03.10 Millionen Mark erhöht. Wenn auch mit Recht darauf verwiesen werden kann, daß die chemische Großindustrie seit langen Jahren starke Rückstellungen vornimmt, f» daß das werbende Kapital bedeutend größer ist als das Aktie« kvsntei, so muß demgegenüber auch immer wieder be- tont mende«. daß die veröfsentlichten Gewinnziffern nur einen Berich teil deS tcktsächlich erzielten Gewinnes darstellen, wie sich auS der Vvrweßnachme von Abschreibungen und Rückstellungen und der ganzen KriegSsteuerrücklag« ergibt." Aus diesen Gründen � dürfen «ohi die Abschlüsse der chemischen Großindustrie als ein besonders beweiskräftiges Beispiel für die ganz unzureichende AuS- gesteltnng der Kriegs st euer und für die Notwendigkeit ihrer ErhSlsti«g«»geführt»erden. ZlNgemrine Familtensiervekasie. Sonniaa. dm S. Juni: ZaM- nnd Ausnahmelag von S— 6 Nbr Im Rcsiauranl M-nchtftralze am Sonnabend, den 22. Juni, in Wildau, Wildauer Hos. von 3—4-1, Mr. «crantwortNS für Politik: Erich Kuttner, Perlin: für den übrigen Teil de» Platte»' Alfred Scholz. NenkWn: kür Anzeigen Zchcodor eNcSc. Perlin. Verlag: VorNiärt�-Perla»«4 w i> H.. Perlt». Pnick VorwSrlö.Vuchdruckcrei und iSecIueean't.att?»»! Sinter n. So. in Perlin. Lindenltr-so 3. Httrzu 1»ettaze und«ntertzatnrnsSdtar«. Nr. 154 ❖ ZS. Jahrgang puivjm rim*vj3rr~.rri*'-!** Heilage öes Vorwärts §reitas,7.�uni14Z8 Quittung. Zur Förderung des Kampfes für Frieden und Freiheit gingen in der Zeit vom 1. bis 31. Mai nachstehende Beiträge beim Unter> zeichneten ein: Bez. Magdeburg a konto Listensammlung 2Y1S.S0: Bezirk Pommern a konto Listensammlung 329,40; Bez. Gr.'Berlin a konto Listensammlung 4l3,3S: Bez. Hessen a konto Listensammlung 9,—; Bez. Oberlangenbielau a konto Listensammlung 123,92' Bez. Zwickau, Beitiag zum Friedens- und Freiheitskampf 400.—; B.-Memel 2,—; Singest, d..Vorw."-Exp. 6,—;*— ,40; Bez. Görlitz a konto Listen- sammlung 400.—;*31.—;*3,—; Bez. Brandenburg a konto Liften- sammlung 1348,90; Bez. Chemnitz a konto Listensammlung 42 92; Bez. Polen a konto Listensammlung 24.04; Bez. Hannover a konto Listeniammlung 363.92;*3,02; R. G.-Horka 10,—; Bez. West» preugen o konto Linenlammlung 108,60; Bez. Hamburg a konio Listensammlung 2123,70; Bez. Westl. Westfalen a konto Listen- sammlung 189,23; von einem Kleinbauern 2,—; Bez. Hannover a konto Listensammlung 367,—;*— ,40;*2.—; Bez. Braunschweig a konto Listensammlung 40,—; Bez. Nordbayern a konto Listen- sammlung 114,73. Berlin, den 4. Juni 1918. Der Parteivorstand. Die mit* versehenen Beträge können wir aus bestimmte» Gründen nicht näher bezeichnen. Mit dieser Quittung schließen wir mit Dank an alle Spender die Sammlung ab. 1 Firma versucht, sie habe es aber nicht gekonnt. Dieser zufällige Mangel sei zwar kein Verschulden der Firma, aber ein Verschulden I sei auch nicht erforderlich, um in Verzug zu kommen. Tie Kläger seien zu fortlausender Arbeitsleistung verpflichtet und der Arbeits- vertrag nicht gelöst gewesen. Sre seien zur Arbeitsleistung bereit gewesen, die Firma habe aber, wenn auch durch die Umstände ge- zwungen, die Leistung nicht angenommen. Sie sei dadurch in Bei- zug gekommen und habe den VerdienstauSsall zu ersetzen. Entschäöigung für Zeierfthichten. Die vorübergehende Stillegung ganzer Betriebe im letzten Winter wegen unzureichender Koblenbelieferung hat, abgesehen von der Unlerbrechung der Ploduktion, für die Ärbeiierschaft zahlreiche un- freiwillige Feierschichten zur Folge gehabt. Es entstand die Frage, ob bei solchen unfreiwilligen Feierschichten die Arbeiter Anspruch out den entgangenen Verdienst haben. Die Rechtslage war um so mehr strittig, als der Arbeitgeber durch die Beschlagnahme und Rationierung der Kohlen gar nicht in der Lage war, aus eigenen Bemühungen heraus den Notstand zu lindern. Die Regelung der Streitfrage von Fall zu Fall durch die Rechtsprechung hat daher auch zu abweichenden Entscheidungen geführt. ES haben schließlich Verhandlungen zwischen dem Kriegsamt und dem Kriegswirlschaftsamt und Vertretern der Arbeit- g e b e r und Arbeitnehmer stattgefunden, die zu einer Ver- sländigung tührten. Mit Rücksicht darauf, daß das Reich die Ver- teilung der Köhlen übernommen hatte, wollte sich auch dieses an einer von den Arbeitgebern zu gewährenden Entschädigung beteiligen. Tie Entschädigung sollte unter folgenden Bedingungen gewährt werden: ES mußte sich um Einstellung und Beschränkung der Ar- bcit im Gebiet der Rüstungs- und Ernährungsindustrie handeln, die fii die Zeit vom 2. Januar bis 31. März 1913 fielen. In Zweifels- iällen sollte das KriegSamt entscheiden, ob eine Arbeits- cinstellung auf den Kohlenmangel zurückzuiühren sei. Die Entschädigung wurde, auf 70 Proz. des durchschnittlichen Arbeits- Verdienstes bemessen, lim jedoch den verschiedenartigen Lebens- und Verdienstverhältnifien in einzelnen Teilen deS Reiches ge- recht zu werden, wurde als untere Grenze der Entschädigung das Doppelte, als obere das Vierfache des OrtSlohneS für den Tag feitgeintzr. Sich dann noch ergebende ungerechtfertigte Verschieden- Heitel, sollte das Kriegsamt ausgleichen. Die Entschädigung für soviel auSgeiallene Arbeitsstunden, wie in dem betreffenden Betriebe auf fünf Arbeitstage ohne Ueberarbeit regelmäßig entfallen, sollte der Arbeilgeber ollem tragen und für die einen weiteren Arbeits- tag entsprechende Zahl von Arbeitsstunden eine Entschädigung nicht gewährt werden. Von der für weitere ausgefallene Arbeits- stunden gezahlten Entschädigung wollte das Reich dem Unternehmer fünf Siebentel zurückvergüten. Diese Grundsätze sind im Näheren dann durch Bestimmungen des Bundes« rats vom 31. Januar 1918 festgesetzt worden. Trotz- dem sind eine Reihe von Streitigkeiten entstanden, weil Arbeitgeber sich weigerten, die vereinbarte Entschädigung zu gewähren. Sie stützen sich darauf, daß die Bundesratsverordnung keine gesetzliche Verpflichtung, die Entschädigung zu zahlen, voraussähe und daß sie keiner yrganisation von Arbeitgebern angehörten und damit auch der Zwang der Versicherung für sie wegfiele, und schließlich auch ihre eignen Arbeits- ordiiungen Bestimmungen über die Lohnrege- l un gen bei SlrbeitsauSfällen enthielte ir. Durch einen Erlaß des KriegSamtS, der in Nr. 21 der amtlichen Mittel- lungen und Nachrichten des KriegSamtS veröffentlicht ivird, wird nun besonders betont, daß es sich bei der fraglichen Vereinbarung um Ausnahmezustände gehandelt habe, denen nur durch Ausnahme« »laßnahincn habe begegnet werden können. Daraus ergebe fich, daß die Arbeitsordnungen für die Entschägigung der Feierschichten nicht in Frage kommen könnten. da fi« immer nur Arbeits- Unterbrechungen im Auge gehabt hätten, wie sie sich im Frieden ereigneten, nicht aber Ausnahme« Unterbrechungen von einer solchen Dauer, wie sie durch die Feier- schichlen notwendig geworden seien. Gerade weil ja die bisherigen Bestimmungen nicht ausreichten, sei zu den Sonderbestimmungen gegriffen worden. Der gesetzliche Zwang sei ab- sichtlich zunächst� nicht angewandt worden. un, nicht unnötig die dringe ir de Erledi- gung der Frage zu verzögern. Weiter aber auch habe man bei allen beteiligten Kreisen das nötige soziale Verständnis für diese von Slrbeitnehinern und-gebern beantragte und vereinbarte unbedingt notwendige Maß« nähme in einem solchen Maße vorausgesetzt, daß die m o r a l i s ch e K r a f l der Vereinbarung und des guten Beispiels als genügend erachtet worden sei, ohne den Zwang gesetzlicher Bestimmungen. AuS dieier Auffassung heraus habe man angenommen, daß sich auch die nicht Organisationen angehörenden Arbeilgeber der Bundesrats- Verordnung anschließen würden. Das Kriegsamt hofft nunmehr. daß dieser Appell aut*eichen werde, um auch diejenigen Arbeitgeber. die sich bisher noch geweigert haben, zu veranlassen, nunmehr die Entschädigung nachträglich zu zahlen. Sollte das nicht zutreffen. so würde das Kriegsamt sich genötigt sehen, tv eitergehende Maßnahmen zu ergreifen. Sofern nunmehr auch die beteiligten Organisationen zu einer Bezahlung der Feierstunden für ihre Mitglieder nicht kommen können, wird es sich empfehlen, daß sie erneut das Kriegsamt unter Dar- legung der Sachlage anrufen. Es ist oder dabei immer zu beachten, daß es sich um Betriebe der Rüstungs- unb ErnährungSiiidustrie handeln muß, wenn die Verordnung des Bundesrats vom 31. Januar 1913 Anwendung finde» soll. Für sonstige Industrien bleibt, wie früher, das alte Recht bestehend. Dieses ist vom Landgericht Dresden dahin aus« gelegt worden, daß der Arbeitgeber für den Schaden haftet. In dem in Streit stehenden Fall waren die Arbeiter auch infolge Kohlen- mangels zum Aussetzen gezwungen gewesen. Sie hatten sich aber dem Betrieb zur Verfügung gestellt. Das Land- gerickt ging davon aus. daß nach dem Wesen des Arbeits- Vertrags nicht der Arbeiter, sondern der Unternehmer für die Arbeitsmöglichkeit zu sorgen habe, und daß ihm deshalb auch die Verpflichtung obliege, die Kohlen zu beschaffen. Dies habe die 1 Die Stempelsteuern. Der HauShaltscrusschuß trat am Donnerstag in die Einzel- beratung der Stempelsteuern ein. Der Errichtungsstempel für Aktiengesellschaften soll betragen 2 v. H., für Gefellschaften mit beschränkter Haftung bei einem Sdammlapital bis 300 000 M. 3 v. H.. über 300 000 M. 5 v. H. l Bisher Aktiengesellschaften 414 v. H., Gesellschaften mit beschränkter Haftung 3 v. H.) Der Entwurf will die G. m. b. H., die sich nrii dem Erwerb und der Verwertung von Grundstücken befassen, mit einem Stempel von 7 v. H.(bisher 2 v. H.) belasten. Die Fortschrittler beantragen, es bei dem Stempel von 5 v. H. zu belassen. Dem wurde entgegen- gehalten, daß von Terraingesellschaften die Form der G. m. b. H. vielfach gewählt wird, um sich dem Goundstücksstempel zu ent- ziehen.— Das Zentrum will alle G. m 6. H. mit einem Stempel von 2 v. H. belaften. Dieser Antrag des Zentrums wurde mit Stimmengleichheit abgelehnt. Ein Antrag Keil, statt 800 000 M. zu fetzen 500 000 M. als die bber« Grenze für den Stempel von 3 v. H., wurde angenommen. Der Antrag der Fortschrittler, die Terrain-G. m. b. H. nur mit 2 v. H. zu belasten, wurde abgelehnt. Für die Kolonialgesellschaften wurde der Steuersatz auf 3 V. H., statt der vorgeschlagenen 3)4 v. H. feftgesetzit.— Bei den Gesell- schaftsverträgen wird der Stempel ans vier Zehntel v. H.(bisher ein Zehntel v. H.) festgesetzt. Die Sozialdemokraten beantragten, einzuftigen:.Im Genossenschaftsregister eingetragene Erwerbs- und. Wirtschaftsgenossenschaften, deren Geschäftsbetrieb über den Kreis ihrer Mitglieder hinausgeht, ein Zehntel v. H." Der Antrag wird angenonrmen. Ferner soll nach einem Antrag des Berichterstatters bestimmt werden:.Wird ein« Erhöhung der Einlagen zur Beseitigung oder Verhütung einer Unterbilanz vereinbart oder beschlossen, so ist der hierauf gerichtete Vertrag oder Beschluß von der vorgeschriebenen Abgabe befreit." Nach einer kurzen Begründung durch den Abg. Keil wurde der An- trag angenommen. Bei den im Gesetz vorgesehenen Beftehrngen vom Stempel werden auf Antrag de? Abg. Keil auch die Siede- lungSimternchmungen in dem Sinne einbezogen, daß der Bundes- rat zur Befreiung ermächtigt wird. . Ausländische Aktien werden stempelpflichtig, wenn sie im In- lande veräußert werden, und zwar mit 5 v. H.(bisher 3 v. H.). Bei dem Stempel für Schuld- und Rentonverschreibungen regt Abg. Erzberger an, auch den Stempel auf Obligationen und Schuld- vcrschreibungen zu erhöhen, und Zwar auf 3 v. H., statt der vor- geschlagenen 2)4 v. H. ihisher 2 v. H.), ferner den Stempel aus ausländische Cchuldverfchreibungen ebenfalls entsprechend zu er- höhen.— Die Unabhängigen Sozialdemokraten beantragen im Gegensatz dazu, den Stempel auf ausländische Schuldverscbreibun- gen auf)4 v. H. herabzusetzen.— Untersiavtssekretär Schiffer: Dem Antrag des Abg. Erzberger. den Stempel für die Schuld- versch-reilbungen sonstiger inländischer Schuldner(Jndustrieobli- gationen) ans 3)4 v. H. zu setzen, kann unbedenklich zugestimmt werden. Dagegen gebieten wirtschaftspolftische Erwägungen, den Stempel auf Schuldverschreibungen ausländischer Staaten nicht über 1)4 v. H. zu erhöhen.— Der Antrag der Unabhängigen wird abgelehnt, der Antrag Erzberger angenommen. Der Steuerfah für ZinSbogen wird nach eiuenr Antrag Erzberger von 1)4 auf 2 v. H.(bisher 1 v. H.) erhöht. Eine Reihe weiterer Ziffern des Tarifs wurden ohne wesentliche Aenderung angenommen und die Beratung dann auf Freitag vertagt. �rdeitskammern. Die Beratung über die Qrganisationsart der Kammern kam in der DonnerStagSsitzung des 34. Reichstagsausschusses zum Abschluß. Ein Antrag der Rationalliberalen verlangt grundsätzlich T e r rr- torialkammern und will Fachkammern nach dem Bedürfnis zulassen, Di« Regierung lehnt ihn entschieden ab und wiederholt, daß sie nur den Antrag Trimborn, soweit er für diejenigen A rb eitergruppen, die einer fachlichen Arbeitskammer nicht angehören, gemeinsame Kammern herbeiführen will, akzep- ti eren könnte. Anscheinend war dies« Zustimmung dem Antrage Trimborn im voraus sicher, entspricht er doch fast wörtlich einer früheren Auffassung des Reichs rvirtschastsamts. Am Freitag erfolgen die Slbstimmungerr. Silberschmidt(Soz.) hält die für die Haltung der Regierung angeführten Gründe nicht für die entscheidenden; offenibar sollen durch Fachkammern zahlreiche, wirt. schaftlich schwache Anbei tergvuppen ausgeschlossen werden. Crnährungsfraaen. In der Sitzung des Ernährungsausschusses wurde die Debatte über die Preisregelung fortgesetzt. Von Fegter(Bp.) wird die Ansicht vertreten, daß bei der Preisfestsetzung der Arbeits- lohn alS Grundlage dienen müßte. Albrecht(U. Soz.) hält die Druschprämien für unmoralisch und ungerecht. Matzinger (Z.): Die Druschprämie ist nur«ine Entschädigung für größere Aufwendungen. Auch Weilnbück(f.)»erwirft die Druschprämien, weil sie nicht einheitlich wirken. Stubbe(Soz.): Die Drusch, und LreferungSprämien bedeuten� für die Produzenten eine indirekte Erhöhung der Preise. Diese käme nur den größeren Grundbesitzern zugute, der kleinere Grundbesitzer habe während der Ernte keine Zeit zum Ausdreschen des Getreides. Die Erhöhung der Gemüse- und Obstpreise sei in Anbetracht der voraussichtlichen Ernte unverantwortlich. Di« hohen Gemüsepreise haben einzelne Landwirte im Dithmarschen veranlaßt, ihre Fettweiden umzubrechen und mit Kohl zu be- bauen. Unterstaalssekretär Dr. Müller weist es zurück, daß vom Kriegsernährungsamt ein VertuschuugSmanöver betrieben werde, wie es der Abg. Fegter behauptet habe. Er habe schon im Januar in einer Versammlung auf die Kürzung der Brotratron hingewiesen� Das KriegscrnährungSamt macht den weitgehendsten Gebrauch, die Bevölkerung aufzuklären. Die Brotration sei durch die Getreideordnung nicht festgesetzt. Sobald über die Ernte eine Ueberfickt vorliegt, wird die Brotvakion von neuem geregelt. Nach pflichtgemäßem Ermessen werde auch in diesem Jahre wieder eine Druschprämie zu gewähren sein, um das Getreide rechtzeitig in die Hand zu bekommen. Die Preise für Obst und Gemüse seien nur Richtpreise. Eine Er- höhung war notwendig, um die Städte mit Ware zu versorgen. Groß-Jkrlln TLcnn die Zange des Strahenbahnschaffners vorbei- greift. Die neuen Straßenbahnfahrscheine, die mit dem neuen Straßen« bahniahrpreis eingeführt wurden, sind schon für viele Fahrgäste und für die Angestellten der Straßenbahn zu einer Quelle des Verdrusses geworden. Andauernd wird geklagt, daß bei den Scheinen für zwei und denen für acht Fahrten die der Kontrolle dienende besondere Art der Lochung leicht zu Irrtümern der Schaffner und zu Schädr- gangen der Fahrgäste führt. Als uns in den ersten Tagen und Woche» verschiedene Beschwerden hierüber zugingen, waren wir geneigt, die Mängel aus der Neuheit dieser Einrichtung zu erklären. Aber die Hoffnung, daß die Sache allmählich doch klappen würde, hat sich bisher nicht erfüllt, und die Klagen haben noch zugenommen. Aus unseren eigenen Bs- obachtungen bei Straßendabniahrten können wir bestäirgen, daß S'.reiiereien zwischen Fahrgästen und Arigestellren wegen angeblich oder tarsächlich falscher Lochnng der Fahrscheine leider nicht'slten find. Aus den Scheinen zu zwei Fahrten muß bei der ersten Fahrt das Datum durch Lochung des Tages und des Monats gekenn- zeichnet werden, damit bei der zweiten Fahrt die Gültigkeitsdauer des Scheines festzustellen ist. Bei der zweiten Fahrt soll dann die Lochung eines bestimmten Buchstabens, der dem Schaffner zu- gewiesen ist, die Kontrolle ermöglichen. Auch aus den Scheinen zu acht Fahrten dient die Buchstabenlochung als Mittel zur Kontrolle darüber, ob der Fahrgast seinen Schein für die beireffende Fahrt dem Schaffner schon zur Lochung überreicht bat oder nicht. Es ist aber ein wahres Kunststück, bei den Erichütierungen des fahrenden Wagens oder zur Abendzeit bei mangelbafier Beleuchtung immer richtig zu lochen. Wenn auf dem Fahrschein die Zange des Schaffners versehentlich und unbemerlt an eine falsche Stelle gerät, dann kann das für den Fahrgast verdrießliche Folgen haben. Kommt ein Kontrolleur oder kontrolliert der Schaffner selber, dann muß der vermeinrliche Fahrgeld- hinterzieher damit rechnen, daß bei Ermangelung von Zeugen ihm alle Beteuerungen nichts nützen. Welcher Schaffner soll denn bei der tollen Wagenüberfüllung»m Drang seiner hastenden Arbeit immer so sicher im Kopf behalten, ob er einem Fahrgast den Schein schon gelocht hat oder nicht! Bei den Doppelicheiiren fehlt nach falscher Lochnng des Datums vollends jede Möglichkeit, am nächsten Tage einem anderen Schaffner den vorgekommenen Irrtum glaubhaft zu machen. Der Fahrgast»st da sein Geld los und muß den Fahrpreis nochmals opfern— oder et muß absteige». Vielleicht blüht mal einem sogar eine Anzeige wegen BetrugsversucheS, den man ihm zur Last legen zu müssen glaubt. Eine der neueste» unS zugegangenen Beschwerden richtet heftige Angriffs gegen die Straßenbahngesellschait und spricht die Vermutung aus, daß solche sich häufenden Irrtümer den Aktionäre» noch einen beträchtlichen Gewinn auf Kosten der Bc- völkerung zuführen werden. Der Einsender erzählt uns. daß seine elfjährige Tochter einen Doppelickein löien und daß bei der eine Stunde später angetretenen Llück'ahrt dieser Schein als.schon abgelaufen' zurückgewiesen wurde. Bei der ersten Fahrt war dein ahnungslosen Kind entgangen, daß die Schaffnerin irrtümlich ein schon um zwei Tage zurückliegendes Talmn gelocht halte. Das Mädchen wurde bei der zweiten Fahrt, weil es kein Geld weiter bei sich hatte, ohne Gnade vom Wagen gewiesen und mutzte den reichlich cinstündigen Weg zu Fuß zurücklegen. Der Einsender fordert, daß wie auf den städtischen Slraßcnbohneir auch auf den Linien der Siraßenbahngesellichafr die Doppelscheine unbeschränkie Gültigkeit haben müßten. Denselben Borschlag macht ein anderer Beschwerdesührer, der schon zweimal mit Doppelscheiaeir hineinfiel, weil sie falsch gelocht waren und dann als.abgelaufen* zurückgewiesen wurden..Man kommt sich da vor wie enr Verbrecher!* ichreibt er uns. Wir halten das Verlangen unbeschränkter Gültigkeit der Doppelscheiue für sehr berechtigt; dabei würde wenigsrens der Verdruß fal'cher Lochung des Datums aus der Weil geschafft. Schwerer mag die Frage zu löse» sein, was gegen die ialichen Buchstabenlockungen geschehen soll. Wir glauben aber, daß die Straßenbabndircklio» bei gutem Willen auch hier ein Abbilie- mittel finden wird. Zu wünichen wär'S nicht nur für die Fahr- gaste, die vor Schaden bewahrt bleiben möchten, sondern auw iür die mit Arbeitslast ohnedies hinreichend geplagten Angestellten, über die sich der Grimm geschädigter Fahrgäste entlädt. Ter Einheitsvertrag mit den Memensbahnen. Der VerbandSausschuß Groß-Berlin hat dem Entwurf zu einem »ach dem Vorbild deS Vertrages mit der.Großen Berliner* ab- geschlossenen EinheitSvertrageS mit den Berliner Eleklri'chen Straßen- bahnen(Siemensbahnen) ohne Aenderungen zugestimmt. Der gleiche Tarif wie bei der Große» Berliner Straßenbahn tritt a»t den Linie» der Siemensbahnen am 1. Juli in Kraft; nur die Monatskarten und Arbeiierwochenkarie», die schon bisher bei der Gesellschaft niedrigere Preist hatten, werden billiger sein unv zwar sollen kosten die Monatskarten für eine Linie 8,20 M. und 10 M. für alle Linien der Gesellschaft, während der Preis siu Arkstiierlarien zu 12 Fahrten 1,20 M. und zu 20 Fahnen 2,20 M., sowie für Schüler« karten 4 M. beträgt. Als Gegenleistung für die Zustimmung des Verbandes zur Tariferhöhung verpstichtet sich die Gesellschaft in dem Vertrage zur Herstellung neuer Slrcckcn in Treptoiv und Buchholz; ferner iolleir die gegenwärtigen eingleisigen Linien zweigleisig ausgebaut werden. Ebenso wie die Große Berliner haben sich auch die Siemensbahueu verpflichtet, Warteräume zu errichten. Fahrplantafeln und Linien- schiider anzubringen; alich der Betrieb soll durch weitere Ver- pflichtunge» der Gesellschaft und durch die Einrichimig eines Anschlußbetriebes mit der Großen Berliner Straßenbahn von Buch- holz über Pankow nach Berlin verbessert werden. Dem Verbände Groß-Berlin werden zwei Sitze im Aussichlsrat eingeräumt. Weiter wird das EcwerbSrecht durch Festsetzung des Mindest- Preises auf 120 statt IOO�/z Proz. im bisberigen Vertrage verbessert und die Abgabe der Geiellichasl an den Verband erhöht. ES ist eine einheitliche Neingewinnabgabe schon über 2 Proz. Dividende hinaus vereinbart worden. Statt der bis- berigen Abgaben in den Verträgen der einzelnen Vorortgementd.'!, ist eine feste Abgabe von jährlich 10 000 M. in dem Verlrage fest- geletzt worden. Auch bei den Sicmensbahnen hat sich die Stadt Berlin bereit erklärt, dem Verbände Groß-Berlin 2 Proz. der Brulioabgabe bei Erhöhung von 3 auf 10 Proz. und die Abgabe vom Reingewinn zu überlassen. Von den B e b a u u n g s p I ä n e ir, die dem VerbandSausschuß vorlagen, wurden die Pläne für Neukölln, Buckow, Fredersdorf, Altlandsberg und Wollersdorf durch Zustimmung erledigt; der Ge« sanltbebauungsplan iür Spandau östlich der Havel wurde vertagt. Nichts für arme Leute! Als„Ersatz für Fleiich* wurde schon in Friedenszeiten immer lviedcr der Fr Ich empfohlen. In der Kriegszeit bedarf es dieser Empfehlung nicht, aber leider fehlt es jetzt zur Befriedigung der Nachfrage an der nötigen Menge Fische. � Auch sind die Preise für Fisch zu einer Höhe gestiegen, die man früher nie iür möglich ge- ballen halle. Den Unbemittelten wird es noch durch eine» anderen Umstand erschwert, sich mal etwas Fisch zu leisten. Ein Kriegs- beschädigter, der mit seiner knappen Rente auskommen soll, schreibt uns, welche Erfahrungen er letzthin bei einen, Fiichkaufverluch gemacht hat. In der Zentral-Marklhalle und auch in der Markthalle an der Andreasstratze sah er, daß Händler den sehr begehrten Kabliau nur im ganzen verkauite». Er klagt, daß es hierdurch einer kleinen Familie von vornherein unmöglich gemacht wird, diesen Fiich zu taufen. Einen Kabliau kann mau im «ommer nicbt lange aufbewahren— und eine so bedeutende Menge Fisch im Gewicht von 3 Pfund und darüber rasch wegzuessen, dazu langte bei dem Kriegsbeschädigten das Geld nicht. In dieser Zeil der Knappheit aller Lebensmiliel glaubt so mancher Händler,"auf Wünsche von Käufern nicht Rücksicht nehmen zu müssen, denn er wird die Ware unter den Umständen reißend IoS. Vorschriite» darüber, ob Kabliau auch im Ausschnitt verkauft werden mnß. gibt es ja nicht. Unser Kriegsbeschädigter klagt feiner, daß beim Ter- kauf von Fischen im Ausschnitt der Preis so sehr viel höher als bekm Yerfanf ganzer Fische Dadurch wird NndemstteNen der Fiscdkauf selbst da erschwert, wo ein Händler sich zum Berkauf im Ausjchmrt herbeiläßt. Em solcher»Ecsag für Fleisch" ist wirklich nichts für arme Leute. Verkauf vo» Heringen. Aus die Abschnirte A und G der Berliner Bezugkarte wird bis auf weiteres zusammen V. Pfund Heringe in den durch Aushang kennllicii gemachien Geschäfien verabfolgt.' 12. Juni und wird so lange fortgesetzt, Vz Pfund Heringen versorgt ist. Der Verkauf beginnt am bis annähernd jeder mir PreiZavShiing in Obst- und GrniüsrlSden. Die Obst- und Ge- nrüsekleinhäiidlsr werden vom Kriegswucderamt daran erinnert, daß sie oerpfliwlel sind, einen von außen gut leserlichen Aushang im Verkaufsraum oder am Belciebsstande anzubringen, aus dem der genaue Verkaufspreis der Waren im einzelnen ersichtlich ist. Aus die Durchführung dieser Maßnahme wird durch häufige polizeiliche Kontrolle geachtet werden. Geradezu makronenhast! Die ReichSstclle für Gemüse und Obst hat auf ihrem Lehrgang in Bonn eine epochale Entdeckung ans Tageslicht fördern Helsen. Nach ihrer Miiteilung bereitet man dort »Kuchenbrot aus Wildäpseln". Der Leser braucht aber nicht zu erschrecken, denn die Wildäpfel entsprechen beileibe nichl den: gleichbenannlen Produkt uliserer Pserdc, es sind keine Aepiel deS Wildes, sondern wildwachsende Aepfel gemeint. Und damit soll sich— immer nach Ansicht der ReichSstelle für Obst und Ge- müse— ein.geradezu an Makronenkuchen rrinnernder Geschmack" erzielen lassen, waS natürlich mit A-pfeln des Wildes nicht mög- lich wäre. Zur Betrieb.?versalnmlung der Firma Ludwig Löwe werden wir gebeten richligzuslellcn, daß die am Emgang deS Berichts er« wähnten Vorschläge sSammellisten. Abzug eines TagelohnS) nicht von der FirniaLöwe, sondern vom Ausschuß der Ludendorff-Spende ausgingen. Nach Finnland werden fortan auch eingeschriebene offen« Briese, Posttarten und Warenproben befördert. Ein Volkskonzert des Philharmsnischen Orchesters findet heute in der Pbildarmonie, Bernburger Str. 22/23, statt. Beginn des Konzerts 3 Uhr. EintriltzprerS 80 Pf. Kasieneröffnung 7 Uhr. „Torpedo los!", ein Mafsenschaustück des Zirkus Sarrakflni, wird vom 29. Juni ab im Zirkus Busch- Gebäude zur Aufführung ge« laugen. Das Schaustück verherrlicht in zehn Brlderu die Taten unserer U-Boot-Helden. Der Sportpark Treptow veranstaltet am Tonntag wieder ein größeres Rennen. Sechs Dauerfahrer weiden sich in zwei Läufen über je 30 Kilomeier begegnen. Einige Fliegerrennen ergänzen das Programm. Die Rennen beginnen um s Uhr. Was alles gestohlen wird. Im Hause Groß« Frankfurter Slr. 10 wurde das elekirische Hauskabel, daZ zurzeit einen Wert von 2000 M. hat, über Nacht geiiohlen. DaS in drei Stockwerken untcrgebrachle Jugendheim deS Ostens und eine größere Fabrik sind uifolgedeffen ohne Beleuchtung. Charlottendneg. LcHenSmittel. Mit Beginn der neuen Fleisch- karhiiperiode wird erneut der Umtausch der Fleischkarten stattfinden, und zwar werden auf eine Vollfleischkarle für je 250 Gramm Fleisch 250 Gramm mehlhaliige Nährmittel, für eine Kinderfleischkarle die Hälfte gewährt. Der Umtausch der Fleisckikarten finde! nur vom 10. bis 15. Juni buchstaben- und tageweise geordnet von L'/z bis 3 Uhr in den amtlich bekanntgegebenen Geschäftsstellen gegen Vorlage der Familien-Ausweiskarts statt. Die Nährmittel lonnen, soweit Grieß, Graupen und Teigwaren in Frage kommen, in allen städtischen Kolonialwarengeschäften, in denen Kundentisten geführt werden, die übrigen Nährmittel in den 30. in verschiedenen Stadlteilen gelegenen, durch einen Aushang lenntlich gemachten städtischen Verkaufsstellen entnommen werden. Da sich unter Umständen im Laufe der nächsten Wochen vor« übergehend eine Kürzung der Milchvortionen der drei- bis sechsjährigen Kinder nicht vermeiden lassen wird, wird an diejenigen Kinder, welche eine B- oder G-Milchkarte besitzen, im Monat Juni einmalig 1 Pfund Grieß ausgegeben. Die Berechtigungskarten hierfür können in der Zeit vom l2. bis 20. Juni von 10 bis 4 Uhr in den zuständigen Brotkommiisionen gegen Vorlage eines amtlichen Ausweises über das Alter des Kindes abgeholt werden. Die Ware kann vom 13. Juni ab in den bekannten 30 städtischen Verkaufs- stellen entnommen werden. Diese Zuweisung soll eine Reserve für den Fall deS Ausfallens der Milch darstellen. Lichtenberg. Lebensmittel. In den städtischen Verkaufs hallen Kronprinzen- und Marklstraße kann ohne vorherige Anmeldung gegen Ablrennung der beiden- gleichlautenden Abschnitte 221 X der Liwtenberger Lebensmittelkarte soweit Vorrat vorhanden eine Flasche dänische sterilisierte Vollmilch zum Preise von 1,40 M. ent« Bommen werden._ Wilmersdorf. Lebensmittel, von Mittwoch, den ö., vis ein« schließlich Sonnabeud. den 8. Juni, ist die Voranmeldung für den Bezug von Nährmitteln und Vrotaufstrichmiiteln auf Sie Abschnitte 30 bis einschließlich 42 der dritten allgemeinen Groß-Berliner LebenSmittelkarle, sowie auf die Abschnitte 15 und 10 der Lebens- mitkekkarte für FagendNch« zu bewirken. Die Voramnekdnng hat anläßlich der Elilnahme von Marmelade auf Abschnitt 34 bei dem- selben Kleinhändler auf alle genanitten Abschnitte zugleich zu ge« scheben, bei dem der Karteninhaber die Voranmeldung für den Warenbezug auf Abschnitt 34 vorgenommen hatte. Die auf die einzelnen Abschiiitte abzugebenden Waren und die Abgabetage werden noch veröffentlicht. Auf Grund besonderer, durch die Brotkommissionen zn der- teilender Ausweise werden bekanntlich demnächst 2 Pfund Einmache- zucker oder 8 Pfund Kunsthonig auf den Kopf der Bevölkerung ab- gegeben. Entsprechend den vom Beirat der Staatlichen Verteilungs- stelle gefaßten Beichlüffen kann auch in diesem Jahre eine weitere Verteilung von Einmachezucker an Gartenbesitzer nicht vorgenommen werden. Spandim. Lebensmittel. Eierabschnitt 81 der Lebensmittel- karte verliert mit Ablauf von Freitag, den 7. d. Mts., feine Gültig- keit. Von Sonnabend ab kann gegen Abtrennung von Eierabschnitt 33 ein Ei bezogen werden. Eierabschnitt 82 ist ungültig. In der städtischen Gärtnerei in der Göielstraße können wachen- täglich noch sämtliche Gemüsepflanzen bezogen werden. Ferner sind in der Berkaufsstelle im Raibaufe noch Saatbohnen erhältlich Reinickendorf. Lebensmittel. Auf Abschnitt 32 der Lebensmittel- karte Groß-Berlin werden 150 Gramm Grieß und auf Aofchnttt 13 für Jugendliche 100 Gramm lose Supven abgegeben. Die An- Meldung bei den Kleinhändlern und den amtlichen Verkaufsstellen hat bis einschließlich den 9. d. M. zu erfolgen. Auf Abschnitt 154 der Lebensmittelkarte für die Gemeinde wird eine Dose a 1 Pfd. Blutkonserven zum Preise von 2,75 M. abgegeben. Die Anmeldung bei den Kleinhändlern und den amtlichen Berkaufsstellen hat eben- falls bis einschließlich den 9. d. M. zn erfolgen. Weißensee. Lebensmittel. Auf Abschnitt 28 der allgemeinen LeöenSmiiielkarte und aus Abschnitt 14 für Jugendliche entfallen je 1 Pfund Gemüsekonserven, auf daS Mittelsiück der alte» allgemeinen LebenSmitttelkarte Vs Pfund K n n st- Honig. Die Eninahnie der Konserven und deS Kunsthonigs muß in dem Geschäft stattfinden, in welchem die alten allgemeinen Leben smiitelkarten und die alten Karten für In- g e n d l i ch e zum Bezüge von Nährmitteln angemeldet worden sind. Die Einnahme der vorbezeichneten Waren kann vom Freitag. 7. d MtS., ab erfolgen. Es wird ausdrücklich darauf hingewiesen, daß ein llnterichied zwischen einzelnen Konserven nicht gemacht werden kann. Alle Sorten find als gleictwerttg anzusehen. Bei der AuSliesening der Konserven find die vorbezeichneten Abschnitte der genannten Karten abzutrennen und bei der Abgabe von Kunsthonig die Mittel« stücke der alten allgemeinen Lebensmittelkarlen einzuziehen. Nach dem bisherigen Ergebnis der unterm 30. v. M. zn- gelasienen Voranmeldung auf Äbichnitl 29 der neuen allgemeinen Lebensmittelkarten ist anzunehmen, daß eine Anzahl Verbraucher sich noch nicht gemeldet bat. Mit Rücksicht darauf, daß die jetzige Voranmeldung auch zum Be-uge von Nährmitteln auf die nächsten Abschnitte der allgemeinen Lebensmittelkarr« und auch zur Ent- nähme von je 2 Schachteln Streichhölzern berechtigen soll, wird die Frist zur Voranmeldung ausnahmsweise noch bis zum Sonnabend, den 8. d. M., verlängeit. Nach Ablauf dieser Frist können Säumige unter keinen Umständen mehr berücksichtigt werden. NowaweS. Ausgabe vo» Eimnachezncker oder Kussthoniz. Auf Abschnitt 02 der Lebensmittelkarte soll die Ausgabe von Einmache» zucker oder Kunsthonig stattfinden. Ans den Karlenabschnitt werden 2 Pfund Einmachezucker oder 3 Pfund Kunsthonig oerteilt. Die Karteninhaber haben heute und morgen den Karlenabschnitt bei dem Kleinhändler abzugeben. Der Tag der Ausgabe wird noch bekannt gegeben._ K 3 n t gStmi fterhans cn. Forderung der Daniätigkrtt. Nachdem die Gemeiiidevertrewng eine Sonderkoiittnission mit der Ermächtigung eingesetzt hatte, zur Förderung der Bautätigkeit die Gründrmrg einer gemeinuiitzigen Baugonoffeuschast in die Wege zu leiten, find die Verhandlungen bereits soweit gefördert worden, daß die Kom- Mission m ichrcr erstem S-itzung die Statu twibevcttung �beendeu konnte. Sie wird die Bildung eines Gemeinnützigen Bauvereins, Königs wüster Hausen, Ak t.- G e s., mit einem Ginindkapikrl von 150 000 M. empfehlen. Di« Einzelanteile sollen auf 800 M. bemessen werden, wovon 50 M. beim Eintritt zu entrichten sind. Als Gefellfehaftsfvrm wurde die gemeinnützige Aktiengesellschaft getvählt, um der Gemeinde, den industriellen llnternehmungen, den Bahn- und Poswerwalwngen einen der Höhe ihrer Beteiligung entsprechenden Einfluß auf die Tätigkeit des Bauvereins zu sichern. Di« öffentliche GründungSversammlnng dürfte in etwa 14 Tagen erfolgen.— Durch) Erwerbung eines Anteils von 800 M., von dem zunächst nur 50 M. einzuzahlen sind, kann sich joder die Anwartschaft auf eine seinen Berhältniffen ent- fprechoude Wohnung sichern. Groß-Serlwer yartswschrichten. NowaweS. Sonnabend, den 3. Juni, abends pünktlich 3Vz Ahr, im Lokal von Max Singer. Priesterstraße 31: Mitglieder« Versammlung. Tagesordnung: Die Friedensschlüffe im Osten und ihre Folgerungen. Referent: Reichstagsabg. Dr. Lensch. Geschäftliches. Stellungnahme zur Kreis-Generalversammlung und Wahl der Delegierten.— Gäste haben Zutritt. GerlSks?!ektung. „Drückebergerei" sollte ein Bankprokurist Alfred Katzenstein versucht haben, der im Februar 1915 zum Heeresdienste eingezogen wurde und dem Ersatzbataillon des 2. Garderegiments z. F. angehört. Er war garnisondienstfähig in der Heimal befunden worden und arbeitete dann bei der Kassenverwaltung des Regiments, wurde aber ent- gegen den Ergebnissen der wiederholteit früheren Untersuchungen im November 1917 von der Generalmusterungskommission nach er- neuter Untersuchung für kriegsvcrwendungsfahig erklärt. Als man ihn zum Ausrücken ins Feld ansetzte, hatte er auf der Straße einen Ohnmachtsanfall mit völliger Bewußtlosigkeit, so daß er in ein Krankenhaus gebracht werden mußte. Dort traf noch an demselben Abend die telephonische Mitteilung vom Regiment ein, der Mann sei Simulant und wolle nicht ins Feld. Jetzt mußte Katzenstein sich vor dem Militärgericht verantworten. Ihm wurde zur Last gelegt, er habe aus Feigheit seine Dienstpflicht verletzt, indem er durch Anwendung eines auf Täuschung be- rechneten Mittels sich ihr zu entziehen versucht habe, und habe durch abfällige Aeutzerungen über jene Enffcheidung der Generalmuste- rungslommission unter seinen Kameraden Mißvergnügen in bezug auf den Dienst zu erregen unternommen. Die Anrlagebehörde meinte, daß der Ohnmachtsanfall zwar echt gewesen, aber von K. selber durch irgendein Mittel herbeigeführt worden sei. Dieser Verdacht stützte sich auf Angaben einer bei der Kasscnverwaliung des Regiments beschäftigten Schreiberin, die einem Oberleutnant gemeldet hatte, K. habe auf die Generalmusterungskommission ge- schimpft und erklärt, er werde schon einen Trick anwenden, um nicht kriegsverwendungsfähig zu bleiben. Der Angeklagle versicherte vor Gericht, er habe nur davon geredet, daß er seinen Hauptmann bitten wollte, auf nochmalige Untersuchung hinzuwirken, weil er sich nicht kriegsvertvendungsfähig fühle. Die Zeugin hielt unter Eid ihre Beschuldigungen aufrecht. Ueber Katzensteins Krankheitszustano wurden fünf Aerzte als Sachverständige vernommen, neben zwei Aerzton des Bataillons auch Geheimrat Leppmann und sein Assistent, die ihn nach dem Ohnmachtsansall sahen und untersuchten, und Pros. Umber vom Charlottenburger Krankenhaus Westend, der als Fachbeirat des Gardekorps ihn schon im August 1917 zu unter- suchen hatte. Alle Sachverständigen bekundeten, K. habe ein H e r z- leiden auf neuropathischer Grundlage, das jenen Ohnmachtsanfall erklärlich mache, so daß man nicht künstliche Herbeiführung anzunehmen brauche. Infolgedessen ließ der An- klagevertreter selber diesen Teil der Anklage fallen und beantragte hierzu die Freisprechung. Als erwiesen galt ihm dagegen der Ver- such, Mißvergnügen zu erregen, wofür K. mit zwei Monaten Ge- fängnis zu bestrafen sei. Der Verteidiger beantragte Freisprechung auch" von vielem Teil der Aiiflage, weil die Belastungszeugin keinen Glauben verdiene. Ihre Aussage sei durch diejenige anderer Zeugen nicht bestätigt worden, überdies habe sie gedroht, daß sie»dem Inden eins auswischen" würde. Das Gericht erkannte aus volle Freisprechung. Durch die Sachverständigen sei glaubbast ge- macht, daß 5k. den Ohmnachtsanfall nicht selber herbeigeführt habe. Mißvergnügen zu erregen, seien seine Aeußenrngen über die Generalmustcrungskominission geeignet gewesen. Er habe sie aber nicht vor Kameraden, sondern vor einer Frau getan, mithin müsse er straffrei bleiben._ Mus affer We't. Hebe? den Charakter der spanischen Epidemie widersprechen sich die Meldungen fortgesetzt. In der Schweiz liegen aus Frankreich Mitteilungen vor, wonach man dort außerordentliche Sorge weoen der Ausbreitung der Seucke in Südirankreick äußert. An sich sind dort die sanitären Einrichtungen bei der Ueberfüllung der Städte sehr mangelhast. Die Sterbesälle sollen sich auch an der Grenze Frankreichs jetzt außerordentlich vermehrt haben. Freigegebene rnsfische Eisenbahnstrecken. Wie die»Baltisch- Litauischen Mitteilungen" berichten, sind die Eisenbahnstrecken Nowo« SwenSjanh— Dünaburg, Wileika— Molodeiichno und Podbrodzie— Koirslcmttnow für den öffentlichen Privatpersonen«. Geväck-, Expreß« gut-, Güter- und Tierverkebr freigegeben worden. Ferner ist für den Bezirk der Militäreisenbahndirektion 11 in Dorpat lEstland« Livlandj und im Verkehr über Riga der öffentliche Güterverkehr freigegeben. Für die Abfertigung gelten die für die besetzten Ge- biete des Ostens eingeführten privaten Güteltarife. JugenöveranftaltuNgeA. USPeoick. Sonnabend, den S» und Gomnag, den S. Juni: Nacht- und Tageswanderung nach Potsdam— Wildpark— Werder. Abjahrt: Svnn- abend, abends 7.41 vom Bahnhos Cöpenick. Tresspuntt am Bahnhof. S?ief?asten üer Neöaktion. der St. 10. Sie müssen Erbihnng beim Bezilkskommando I, Berlin. jetzt nichl mehr Einspruch erheben, Rente beantragen und zwar R. H. 401. Sie können da die Frist verstrichen ist. BSetreranSsichte» Hkr das mittlere Wortidcntlrtiiant Tonnabend mittag. Mäßig warm, vlelsach heiter, aber veränderlich. MS IJetitsoSies Theater. Ailabendl. E: V.ax Paüenbcrg in Skajailäe 94chluiek. Kammersiglel©. Allabondlieh Ist, ühr: Inkognito.(Operette.) "Volksbühne, Th.a. BCIowpl. Untorgrundb. Schönh, Tor. Allabendlich 71/, Uhr: General Yorck.(Vaterland.) Theater des Westens Allabendlich T'/i Uhr: Lsspoidlns Konstantin � Bis Tänzerin. Thaater z. Köniogrätzersfr. •�8 Uhr: 45 ic Schwestern aud der Fremde. Kom5diesihaus 2/48 Uhr: Die Zarin. BerllnerTheater 7'5Ü.: ISlitzblanes Blat. fiieater ier FrieilrieMt. Ecke Friedrich- tu Linienatr. ZUFMÄ von Max Halbe. Sonntag 31/.. kleine Preise: TaiiiiSia Katraeraaan. sriür Kauanienallce 7— 9. ZW Im loWaxameter. Große Possen-Revue in 6 Bildern Dazu vis gxslisrt. Speziaiitfiten Theater für Freitag, Oentral-Theater vi, utm ßie Csaritasiilrstis. Deataehes Opernhaas 7 uhr: Zar onii ZiniEennanii Kleines Theater uhr: Ärisiiiinnl seine Feii'er. Dnstsplelhans 7'/, Uhr: Diehlontlen Mädels y.Linilenlifll MetropoJ-Theater Die Hose m StasM VI, Uhr: Mm Operettsnhaus 7'/4 tntt! Oer Soldat der Marie. Eesädene-Theotcr N Filfflmerkiärchen 7. Juni. Komisebe Oper 1 12 ti.: Se&warzwalilMiteL Sonnt. 12 U.: Dia goldene Eva. Sonnt 31), U.: Die Kinokönigin. ru Schiller-Theater© � Der letzte Fanke. Schllier-Th. Cfaarl. 71/, Das Gnadenbrot, Uhr: Die Dienstboten. ■ Thalia-Theater �'MeröerlWenlM Theater am Noilendorfplatz 7'/, Uhr: Wintergarten Gastspiel der Komischen Oper 8 Uhr: Ohne Slünner kein Vergnügen. Vnlional-Theatcr �8 Mänselaeii. JBÜdl, gvEy- Hur noch kurze Zeit! Täglich TI, Uhr: Da» groiSc ÄlJSGliieds-Progranrai end zum Schiaß: II mit den lustigen Wasser-Szenen. Rose-Theater. l'/a Ihr: WWW. Oaitenbuhne 7 Uhr: Gr. Sevue. Sehweizergarten Am KönigStor Am FriedrtchsvaiN SS— Z2. Größter und schönster Natur- garlcn Berlins, lieber'>009 Sitzplätze. Saal für 1000 Personen Täglich: Konzert, Tbeater. SpezialitatenvorslcLung. Ansang Wochenlags 4 Uhr. Sonnlazs i! Uhr. Walhalla-Theater. .''.NSr: ZLyÄ». Gartenb.: Die lieben süßen Mädel. �ksmiFalspalasi. � |Die Prinzessin von TFapij Sajdab Dentsche Tänze */. Uhr. 2. 3. 4. 5. 6 M. ---- vg» Trianon-Theater SM. FHedrlchstr.Ztr. 4927,2391 'l4S Zum 2.80 Male: Der Sebensschüler. Sonnabend h,4 kleine Preise: Schnee vs'ittchen. Sonntag 12 U.; Johannisfeiler. Konntag 4 Uhr: Gespenster. Nutzhühnerzucht. Ein Brich für Anfänger. Mit zahlreichen Illustrationen. 1 Mark. Buch. Handlung Vorwärts. Linden» sttaße 3(Laden). IllUlillgs- Krankendalfe der Verkinigteu Fadütm- Innung\n Kttlin. Bekanntmach»» g. Die auf Arund der Bundes- ratsverordnung vom SS. No« vcmbcr 1917 vom Vorstand und Ausschuß beschlossene erst- Satzungsänderung ist am 1. Juni 1913 vom Königlichen OberoerstchcrungSamt Groß- Beriin genehmigt worden und tra! am Montag, den Z.Juni d.J. in Krast. Die verficherungSpstichtig en Mitglieder erhalten die Abände- rung durch ibren Arbeitgeber, die veriichcrungsbttechligten Mitgüedcr dagegen im Kassen- lokal. 268/12 Der Borstand. F. A.: Otto«»ch. Borsitzender. üsivkskzüen- Mösles. »ilabendliob 7'/, vhr: Troedaliäf Troedahl ist die neue von den Berliner StSdt. Gaswerken geprüfte, gesetxlich geschützte GassparForriclilüag für Slelillcbl! M Troedahl spart 30—401, bei tadeüosem licht! Troedahl ist spielend leicht, ohne den Brenner zn ändern, anzubringen. Troedahl reduziert die monatl. Gasrechnung ganz erheblich! Gasstrafen auspesohlossen!! Preis 3 Stück M. 1.50 gegen Voreinsendung des Betrages per Nachnahme. Porto extra. W1 ederverha af er hohen flnbatt. 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Heute gibr es andere Tränenhäuser, und der Jammer und die Tränen, von denen sie erfüllt sind, sind unendlich trauriger, als alles was je an Jammer und Tränen geschildert worden ist. Fast jeder größere Ort hat jetzt solch ein Tränenhaus. ES ist das Haus, wo alle die aus- und eingehen seit Kriegsausbruch, die zu allem Leid, das sie tragen, noch die bitlere Nor erleiden, daß mit der Trennung von dem Galten, dem Vater, dem Bruder die Sorge um das tägliche Brot über sie gekommen ist. Wer seit Kriegsbeginn in dem Haus beschäftigt ist, wer bei der Aus- Zahlung der Unterstützungen hilft, der weiß, daß da das Leid aus dem ganzen Ort zusammengetragen wird, daß die Flut der Tränen höher unv höher steigt. Aber das Haus steht fest. Noch wanken die Mauern nicht, noch stürzen die Tragpseiler nicht ein. Das Elend der Menschheit rührt die Sterne nicht.' Im Anfang des Krieges, da hörte man noch Lachen imd Plau- dern. Die Frauen, es sind ja fast nur Frauen, die im Träncnhaus aus- und eingehen, selten daß ein aller Barer oder ein junger Sohn sich unter ihnen befindet, sie hatten die wahre Tragik des Krieges noch nicht erfaßt. Wohl war der Abschied schwer gewesen. Aber mit dem klingendem Spiel waren die Feldgrauen hinausgezogen Lioien trugen sie an den Helmen, Rosen an den Gewebren, selbst die lotbringenden Kanonen waren mit Rosen gcichmückr. Das war noch nicht der blutige E-nst, der, ach so bald, koinmen sollte. Tie Frauen sprachen, als ob noch Frieden wäre. So kamen die ersten Briefe ans dem Feld. Eine erzählte mit Stolz von der französischen Batterie, die ihr Mann ganz ollem erobert hätte, eine andere von dem Eisernen Kreuz, das der Sohn für seine Tavierkeit vor dem Feind verliehen bekam. Dann kamen die ersten Lazarettzüge mir Verwundeten. Nun hörte man im Tränenhaus allerband grausige Schilderungen; von ausgestochenen Augen, von abaeichniitciien Fingern erzählten sie, und die schon Lo erspannten Nerven erhitzten sich in glühenden Phantasien. Bald aber erschrcii die erste schwarzgekleidete junge Frau mit bleichem veriveinten Antlitz und nun war es, als ob all die Frauen eine große Familie wäre, die einen geliebten Toren verlor. Alle weinten sie miteinander, um eigenes Leid, um fremdes Leid, da? eine jede treffen konnte. Immer mehr Trauernde kamen, immer mehr Tränen flössen. Was haben wir alle erlebt an Herzeleid, die wir den Frauen helfen sollten. Wieviel Einblick loten wir in vernichtetes Glück. Was schneidet mehr ins Herz, als der Jammer der alten Väter und Mütter, denen der Krieg in hoffnungsvollen sungen Söhnen den Trost und die Stütze des Alters nahmen? Alles haben sie bin- gegeben, alles entbehrt, damit die Söhne vorwärts kommen sollten. »Alle dret. alle drei", schreit eine alte Frau wie irrsinnig,„auch mein Karl, der war doch erst siebzehn Jahre alt, den müßt Ihr mir wiedergeben.� Arme Mutter, wir können ihn dir nicht geben, wir können nur mit dir weinen, denn trösten können wir dich nicht. Oder ist der Jammer der jungen Fron größer, die immer wieder stöhnt:„Es kann doch nicht sein, ich kann doch nicht ohne ihn leben." „Du hast wenigstens Kinder", klagt ein Mädchen neben ihr, der der Krieg den Bräutigam genommen hat, die niemand sonst ans der Well bat und ganz gebrochen iit.„Nicht einmal begraben hat man ihn", jammert'wieder eine.„Ganz zerrissen hat es ihn, nichts ist mehr von ihm da, garnichts."„Halte man mich nur hinfahren lasici:", so klagt eine, der der Mann in einem Lazarett in Ruß- Inud gestorben ist.„Nicht einmal Abschied haben wir nehmen können und die Schwester hat geschrieben, immer hätte er nach der geschaut, ob ich nicht komme." Jetzt kommen zu allem noch flie Nahrungssorgen. Früher hatte man ooch noch Päckchen schicken können. Da gaben die Frauen einander gute Ratschläge, wie man Wolliachen strickt, wie man KriegSkuchcn bäckt oder wo es beionderS gute Zigarren gibt. Da wurden die Gedanken ab- gelenkt. Aber jetzt wird die Möglichkeit, Liebesgaben zu verschicken, immer geringer für die, die wenig Mittel haben. Und die Kinver machen so viel Sorge. Sie gehorchen nicht mehr, weil der Vater nicht mehr da und die Mutter so viel vom Hauie fort ist, um zu ordnen. Oder sie gedeihen nicht recht, weil die Mutter sie nicht reckt pflegen kann. Gar manche war noch eine blühende junge Frau, als sie zum ersten Male das Tränenhaus betrar. Die Jahre der Sorge, der Nor. des Jammers haben weiße Fäden ins Haar ge- zogen. Die Haltung ist müoe, gebrochen, die Züge sind schlaff und vergrämt. Die vielen Tränen haben den Glanz der Augen ge- blichen. So sehen sie aus, die vielgeschmähten Kriegerfrauen, die angeblich herrlich und in Freuden leben von ihrer Unterstützung, und die sich dem Leichtsinn ergeben haben. Auch von solchen Iveiß das TränenhanS zu erzählen. Aber wie verschwindend klein ist ihre Zahl. Was bedeutet ihr Lachen gegenüber dem Jammer der vielen, vielen andern. Und immer weiter fließen die Tränen. Ein Meer ist es, das sich mit dem Meer von Blut vermählt, das in diesem Kriege schon vergossen ist und noch vergossen wird. Die Flut steigt zum Himmel, aber das Tränenhaus wankt nicht. Es wird noch stehen, wenn längst der Frieden gekommen ist. Hin- führen aber soll man alle, denen der Krieg nicht lange genug dauert, die von dem Stahlbad des Krieges sprechen. Wer in dem Tränenhaus aus- und eingeht, der hat der Menschheit ganzen Jammer kennen gelernt; der wird nie wieder wirklich froh sein können. Zu tief lebt ihm im Herzen die Erinnerung an das Tränenhaus. _ Anna B l o S. Ssmmerkälte. Heinrich Heine hat einmal den deutschen Sommer mißmutig einen grün ongestuchenen Wmtcr genannt. Und in der Tat, bei einer Temperatur, wie sie uns die letzte Woche gebracht hat, ist e§ nur die Länge der Tage und die prangende Vegetation, die uns daran erinnert, daß wir lurz vor der Sommersonnenii'eiide stehen. Die Wärme dagegen entsprach weit mehr dem Vorfrühling als dem Sommer, und die Nächte waren mit ihren weit- verbreiteten, wenn auch meist leichten Frösten, geradezu winterlich fo't Sowohl in der Nacht zum 4. wie zum 5. Juni sank das hermorneter in weiten Teilen de? Landes unter den Gefrierpunkt; so>o irden in der weiteren Umgebung von Berlin und im sL'ichen Teile der Provinz Brairdenburg 1 bis 2 Grad Kälte verzeichnet, und in der Nähe vonVotsdam sank das Quecksilber au einzelnen Stellen sogar auf Z bis 4 Grad Kälte. Freilich Handeltes sich bei diesen außerordentlich niedrigen Temperaturen nur um Bodenfröste, während die Lusttemperaiur oft nur wenige Meter über dem Erd- bodeu bereit? über dem Nullpunkl bleibt. Aver für die Feld- und Gartenflückte sind gerade diese Bodenfröste gefahrbringend, während den Obstbäumen gegenwärtig ein ganz leichter Frost keinen Neimens- wcrtzen Schaden mehr zufügt. Eine derartige Somme» kälte bildet, so abnorm sie ist, leider keine seltene Eickeinung. Es vergeht im Gegenteil kaum ein Jahr, in dem nickt hier und da Sommersröste vorkommen, und Jahre, die völlig davon verschont bleiben, wie z. B. der vergangene, sehr warme Sommer von 1917, sind geradezu eine Seltenheit. Dabei mag hier von den Maifrösten völlig abgesehen werden; denn der Monat Mai gehört meteorologrsch noch dem Frühling an, und er ver geht wohl niemals, ohne daß irgendwo in Mitteleuropa empfind liche Frostschäden vorkommen. Völlig frei von Frösten ist aber in unseren Breiten überhaupt kein Monat; selbst im Juli und August sinkt alle paar Jahre irgendwo in Deutschland das Thermometer unter Null. So erfroren nach Aufzeichnungen Otto Meihners in der Nacht vom 7. zum?. Juni 1908 bei Drosscn in der Mark Bohnen. Gurken und Kartoffeln; Anfang Juli de§ gleichen Jahres erfroren an mehreren Stellen in Landsberg a. d. Warthe die Kartoffeln. Im Jahre 1919 sank das Thermometer in der Nacht vom 29. zum 21. Juni, alio der kürzesten de? Jahres, a« verschiedenen Stellen der Provinz Brandenburg unter NuX und vielfach erfroren die Gurken. Im Jahre 1912 folgte einem sehr warmen Juli ein äußerst kalter August; am 5. August früh lag in England die Temperatur unter Null; die kleinen Seen hatten Eisdecken, und stellenweise war sogar nachts gefallener Schnee liegen geblieben. Auch im kalten Sommer 1913 sank das Quecksilber in der norddeutschen Tiefebene in allen drei Sommermonaien mehrfach bis auf 2 oder 1 Grad Wärme, jedoch nicht unter Null. Die EntstebungSursache ist bei derartiger Sommerkälte stets die gleiche: Infolge vorangegangener starker Erwärmung bildet sich über dem Osten und Südosten Europa? ein großes Gebiet niedrigen Lustdrucks, während der höchste Druck über dem Nordatlantik ver- lagert ist. Diese Gegenden sind etweder überhaupt noch nicht er- wärmt, oder es ist dort durch das Austreten bedeutender Eisberge zu starker Abkühlung gekommen, die eine Zunahme des Luftdrucks be- dingt. Jedenfalls hat eine solche Luftdruckverteilung einen Zustrom kalter Winde au? der Polarregion nach Mitteleuropa zur Folge, die die niedrigen Temperaturen der arktischen Zone weit nach Süden, gelegentlich selbst bis über die Alpen hinaustragen. Sinn- iällig läßt das ein Blick auf die Wetterkarten der letzrcn Tage er- kennen. So war es in der ersten Hälsie dieser Woche m Nord- und Mittelickweden nicht kälter als in Mitteleuropa, beispielsweise hatte am 4. Juni Haparanda eine Morgcnlempcratiir von 7 Grad, ebenso wie Hannover und Bromberg. Aber an vielen Orten DeuischlandS war es an diesem Morgen noch kälter als am Polarkreise, und Memel hatte nur 3 Grad Wärme als Tagesmaximum der Tempe- ratur. ebenso wie München. Der Typus des Polarfrostes und damit der Sommcrkälte herrscht gelegentlich wochenlang ohne jede Unterbrechung; meist dauert er acht bis vierzehn Tage. Aber er bildet trotzdem gewöhnlich nur eine unliebsame Einzelerscheinung innerhalb des klimatischen Bildes der Jahreszeit und wird oft deren Gesamtcharakter nur bei häu« figerer Wiederholung entscheidend. Oit folgt, wie z. B. 1911, ge- rade in solchen Jahren auf lange Zeit hinaus warmes oder sogar heißes Wetter._ poftfiug Wien— Kiew. Im Kais. Aeroklub hielt am Dienstag Herr K a p e l l c r einen Vortrag über seinen Flug mit dem Postftugzeug von Wien nach Kiew. Der Kurierdienst auf der zweigleisigen Bahnstrecke, d-e die Hauptstädte Oesterreichs und der Ukraine miteinander ver- bindet, läßt wegen der notwendigen starken Berkehrsbeschränkung viel zu wünschen übrig. Die k. k. Regierung hat darum einen Post- flugdienst eingerichtet, der neben der amtlichen und diplomatischen auch private Post befördert. Er hat sich gut bewährt, er wird sich noch besser in Zukunft bewähren, wenn Apparate wieder ge- baut werden können, deren Leistungsfähigkeit auf die friedlichen Anford'mmMN zugeschnitten' ist. Die jetzt im Dienst stehenden Flugmaschinen sind veraltete Kampffingzeuge, bei denen natürlich die Geschwindigkeit größer als die Ausdauer, die Gewandtheit größer als die Sicherheit ist. Der Zeitvorsprung der Luftpost vor der mit der Bahn bcför- derten beträgt 49 Stunden auf der Strecke Wien— Kiew. Die Strecke ist in drei Etappen eingeteilt: Wien— Krakau, Krakau— Lemberg und Lemberg— Kiew. In Kiew und Lemberg findet Appa- rate- und Pilotenwcchsel statt. Herr Kapeller unterstützte seine sachlichen Schildcrnngeii durch eine heitere Art, mit der er seine Gefühle wiedergab, die ihn bei seinem ersten Fluge beherrschten. Die Lichtbilder, mit denen er seine Eindrücke dem Auge lebendig machte, waren klar und scharf. Notizen. — Tb eaterchronik. Im Theater der Friedrichstadt ge- langt ab Freitag Max Halbes.Jugend" neueinstudiert zur Aufführung. — Die Freie Sezession wird das Ausstellungshaus auch am Sonnlagnachmitiag bis 7 Uhr offen halten. Soeben wurde ein neues Werk von Fritz Klinisch aufgestellt, eine Bionzebüste Ludcndo:ffs, die der Künstler im Austrage deS Elberfeld« Museums nach dem Leben geschaffen hat. — Die neuen polnischen Briefmarken. Mit den erhöhten Postgebühreu werden im Gebiets der deutschen Besetzung polnische, von polnischen Künstlern entworfene neue Postmarken ein- geführt werden, die in der StaatSdruckerei zu Berlin gedruckt find. Wie die Wochenschrift„Polen" berichtet, werden die neuen, in ihrer Form dem Typus der deutschen Marken sich nähernden Wertzeichen zwölf Aostuiungen umfassen. Die Drei- und Fünf-Pfennigmarken zeigen aus braunem und grünem Hintergrunde einen polnischen Adler, der in abweichender Zeichnung auch auf den braun-grünen Fünszehn-Psennigmarken und den blauen Zwnnzig-Pfennigniarken crsichllich sein wird. Die violetten Siebencinhalb-Psennigmarken, die roten Zehn-Pfennigmarken und die grauen Marken für se eine Mark zeigen das Denkmal Sobieskis. Die dunkelgrünen Vierzig- Pfennigmarken zeigen einen Legionär zu Pferde und die braunen Sechzig-Psennigmarken einen ackernden Bauern. Ans den dunkel- grauen Marken zu je zwei Mark ist ein Bauer abgebildet, der die Sense wetzt. — Der rumänische Schiebergenera k. Das Jasiyer Blatt„Arena" veröffentlicht folgende Anschuldigungen gegen den früheren Generalstabschef der rumänischen Armee, General Prcssan: „Wir beschuldigen Sie. daß Sie, ein rumänischer General, Armee- befehlShaber und Chef des Großen Hauptguanicrs der rumänischen Armee, der während der schwersten Zeiten die höchsten militärischen Stellungen innegehabt hat, sich folgendes haben zuschulden kommen lassen: Sie haben kurz vor Rumäniens Eintritt in den Krieg von dem österreichisch-ungarrschen Militärattachö in Rumänien, Oberst Randa, verlangt und erwirkt, daß er Ihnen die Ausfuhr von sechs Jbuen gehörigen Waggonladungen Weizen erleichtert hat, Ihnen, der Sie doch in Ihrer Stellung genau daS Datum unseres Angriffes kannten. Mit Hilfe österreichischer Behörden haben Sie diese Waggons weiter befördert und sie zu dem Preise von je 6999 Lei verkauft."— Geschäft ist Geschäft. 4] Loöz. Das gelobte Ucmü. Roman von 23. S t. R e h m o n t. „Also Sie haben sich schon erklärt?" Ironisch blickte er den buckligen und recht lächerlich aussehenden Engländer an; sein Buckel erschien ihm jetzt ungeheuerlich, und er selbst er- innnerte ihn an einen Affen, mit dem langen, hervorstehenden Kieser und den breiten, beweglichen Lippen. „So gut wie schon. Sonntags hat sie mir gesagt, wie sie die Wohnung eingerichtet haben möchte. Ich habe sie eingehend ausgefragt. Sie antwortete auf alles so, wie es Frauen tun, wenn es sich um ihre künftige Wirtschast handelt." „Das letztemal dachten Sie auch so." „Ja, aber ich war nicht halb so sicher," beteuerte er innig. „Na, wenn's so steht, dann gratuliere ich Ihnen. Wann wird man die Braut kennen lernen?" „Das kommt schon, alles kommt schon mal." „Ja, deshalb glaube ich auch, daß Sie schließlich und endlich doch mal heiraten werden," sagte er höhnisch. „Vielleicht kommen Sie morgen zu mir, gut? Ich möchte unbedingt Ihre Ansicht hören über die Möbel." .Gut."-» „Aber wann?" „Nachmittags." Murray kehrte zu seinen Farben in das Laboratorium zurück, und Borowiecki lies weiter durch Korridore und Gänge in die Färberei. Neberall standen mit von Wasser triefenden Waren bepackte Wägelchen herum. Es wimmelte von Menschen. Auf der Eide lagen Waren in großen Haufen, zum Verladen bereit. Jeden Augenblick hielt man Borowiecki an. mit allen möglichen Anliegen. Er gab kurze Befehle, entschloß sich in allem schnell, informierte rasch, ab und zu sah er sich eine Farbcnprobe an, die ihm ein Arbeiter vorzeigte und entschied kurz:„Gut", oder„noch mehr", und lief weiter, unter den Blicken unzähliger Arbeiter und in dem Lärm der Fabrik, die wie ein höllisches Chaos brauste. Alles zitterte, die Wände, die Decken, die Maschinen, die Fußböden. Die Motoren raffelten, die Riemen und Trans- Missionen zischten, daß es einem ins Mark ging, die Wagen polterten aus dem Aspyaltbodcn, die Schwungräder klirrten, die Triebräder knirschten. Schreie ertönten in diesem Meer sich brechender Schwingungen. Und der heulende Atem der Hauptmaschine dröhnte mächtig. „Herr Borowiecki!" Er mußte seine Augen anstrengen, denn man konnte inmitten der Dämpfe, die die ganze Färberei einhüllten, fast gar nichts sehen, nur undeutliche Maschinen- umrisse. Er wußte nicht, wer ihn rief. „Herr Borowiecki!" Jemand faßte ihn am Arm. Er zuckte zusammen. „Ach, der Herr Rat," flüsterte er, als er den Fabrikbesitzer erkannte. „Ich renne Ihnen nach, aber Sie laufen gut." „Die Arbeit, Herr Direktor." „Ja, ja, ich verstehe das. Todmüde bin ich." Er hielt ihn am Arm fest, schwieg und atmete tief vor Ermüdung. „Geht's, wie?" fragte er nach einer Weile. „Es macht sich," warf Borowiecki kurz hin und ging weiter., Der Fabrikant ließ sich, Borowieckis Arm festhalteud, langsam mitschleppen. Er stützte sich auf einen dicken Stock, schaute vorgebeugt mit seinen runden, roten Habichtsaugen umher und hob sein großes, glänzendes, rundes Gesicht, das ein kleiner Backenbart und ein glatt gekämmter Schnurrbart umrahmte. „Sagen Sie mal, arbeiten die Watsons gut?" „Fünfzehntausend Meter drucken sie täglich." „Wenig," murmelte er leise und ließ Borowieckis Arm los. Er setzte sich auf einen Wagen, der mit rohem Perkal gefüllt war, zog seinen dicken Kaftan zurccht und blieb, ans seinen Stock gestützt, so sitzen. Borowiecki ging rasch zu den Färberbottichcn, über denen auf Walzen aufgewickelte Stoffballen sich drehten und in die Farben tauchten, Gesicht und Hemden der Arbeiter an- spritzend. Jene standen regungslos da, mit den hohlen Händen immer wieder das Wasser aus den Bottichen schöpfend, und schauten hinein, ob es noch Farbe enthielt, die der Stoff aussaugte. Die langen Reihen der Walzen drehten sich beständig im Kreise, mit ermüdender Gleichmäßigkeit. Langgedehntc, ver- worrene Stoffknäuel schwammen in den Farben, und rote, himmelblaue und ockerfarbene Flecken leuchteten aus dem Nebel auf. Auf der anderen Seite, hinter einer Dopsielreihe von Eisenpfeilern, die, im ganzen Saal verteilt, die oberen Stock werke stützten, standen die Spicltröge: weite, lange 5lästcn, mi� siedendem", von Soda schäumendem Wasser, mit mechanischen Wäschern, Wringmaschinen und Seifen, durch die die rohen Stoffe hindurchgezogen wurden. Die Spritzer des durch die Klopfer aufgewirbelten Wassers sprübten im ganzen Saale herum und bildeten über den Wäschereien eine so dichte Wolke, daß die Lichter kaum wie Spiegelreflexe leuchteten. Die mechanischen.Auffängcr' schwirrten. Sie nahmen die ge- waschene Ware auf gekreuzten Arnicn ab und gaben sie an die Arbeiter weiter, die sie wiederum mit dünnen Stangen in große Falten zusammenlegten und auf die sortlauscnd heran- geschobenen Wägelchen aufluden. „Herr Borowiecki I" rief der Fabrikant zu einem Schatten, der ans dem Nebel hervordrang. Es war aber nicht Boro- wiecki. Er erhob sich und schleppte seine kranken, rheumatischen, nngeschlvollcnen Beine durch den Saal. Wollüstig bewegte er sich in dieser glühenden Atmosphäre, badete seinen kranken Körper in dem mit Dunst, scharfem Farbengeruch und Wasser, das aus den Spülern und Bottichen ausspritzte, angefüllten Saal. Das Wasser triefte von den Wägelchen und klatschte unter den Füßen, von den Decken fiel der Dampf in Strömen fast herab. Das furchibare Geraffel der Zentrifuge, die da? Waffer aus dem Stoff preßte, drang wie eine zitternde Ltlags durch die ganzen Säle, bohrte sich in die Nerven der Arbeiter, die das Ueberwachen der Maschinen völlig aufrieb, und zerschellte an den farbigen, wie Flaggen hin und her wehenden Stoffen in den ,Auffängern'. Borowiecki>var jetzt in dem anstoßenden Raum, Ivo auf einer niedrigen englischen Maschine alten Systems ein ordi- närer schwarzer Stoff für Herrenanzüge gefärbt wurde. Durch die unzähligen Fenster drang der Tag herein und egte grünliche Töne auf den schwarzen Dunst und die wie Basaltsäulcn regungslos dastehenden Arbeiter. Mit ver- schränkten Armen schauten sie aus die Maschinen, durch die Taufende von Metern durchgezogen wurden, von den schau- menden, spritzenden, schwarzen Farben zerfressen. Die Mauern zitterten ohne Unterlaß. Die Fabrik arbeitete mit allen Muskeln. Die an den Mauern angebrachten Aufzüge verbanden die unteren Räume der Fabrik mit den vier oberen Stockwerken; jeden Augenblick erscholl in einer anderen Ecke des Saales dumpfes Gerassel; die Aufzüge entleerten und verschlangen Wagen, Waren und Menschen.(Forts, folgt.) DeatMxr fFWaffarKfter• Ofrtand. Verwaitungsstella Berlin. Den Mitglieder» zur Nach. richt, baß unser Kollege, der Dreher vlto pklüxer am 31. Mai an Herzleiden gestorben ist. Die Beerdiglmg findet am "reitag, den 7. Ruin, nach- mstiags 3 Uhr, von der stcichcntalle des Gemeinde- . Friedhofes in Britz, Chausiec- I! strotze, aus statt. Rege Beteiligung wird er- wartet._ Den Mitgliedern ferner zur Nachricht, daß unser Kollege, der Gietzcreiarbester Otto>Vg!!ua am 2. Juni an Lungen- leiden gestorben ist. Die Beerdigung findet am Freitag, den 7. Juni, nachmittags t Uhr, von der Leichenhalle des Bar- tbotomäuS- Kirchboies in Neitzcnsee. Falkenbergcr Ttratze, aus statt. Rege Beteiligung wird er- wartet. 113/3 Ehre ihrem Andenken: Den Mitgliedern ferner zur Nachricht, daß unser Kollege, der Schlosser söüstav Lawerenz 1 am 1. Juni an Tuberkulose \ gestorben ist. Die Beerdigung findet am , Zonnnbend, den 8. Juni, s nachmittags'S'j, Uhr, von j der Leichenhalle des Gc- j orgen-Kirchbos-Z in Weißen- '':c, Rölckestratze, aus statt. . Rege Beteiligung wird er- ] wartet. Die OrtSl'erwaltnng. ! s vtkdand dkkfiuplerichmltlte veitttchland!. Filiale Berlin. Am 5. Juni verstarb nach > kurzem Krankenlager nnscr s lieber Kollege Mordasini J im Alter von 50 Jahren an I Nierenleiden. In seiner LLjäbrigen Mit- ! gliedschaft war er uns stets I ein treuer Mitarbeiter und Förderer unserer Organi- I iation. Wir verlieren in ihm ! einen treuen Freund und I Kollegen. 93/4 | Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am i Montag, den 10 Juni,»ach- mittags 4 Ubr, von der Halle' des Georgen< Kirch- | hojeS, KönigStor, auS statt Rege Beteiligung erwartet vor filiainoretsnii '/etbsntl c!ek!'upfckichmlec!e Veutichlands. Zentralverwaltung. Am 5. Juni starb plötzlich und unerwartet nach kurzem Krankenlager unser braver und lieber Kollege inton Mordasini Mitglied des Zenrral- vorstaudeS. Während seiner Slljäbrigen Mitgliedschaft hat er stets im Interesse der Organisation gewirtt. Die letzten Jahre im Zentralvorstand tälig, verlieren wir in ihm einen guten Mitberatcr und wer- den ihn schwer vermissen. In Anbetracht seiner Vcr- dicnstc werden wir ihm ein ehrendes Andenken be- wahren. 99/5 vor aonlrslvoretanii. | Verband der fabrlKarbeller Dentldflands. Venraitnng Grofl-Berfln. /Vnchrafe. Am 5. Aprll verstarb«n- fcr Mitglied vsikar karlmann. am 23. Mai unser Mitglied Paul Möliep, am 27. Mai unser Mitglied Pani fieüer, am 28. Mai unser Mitglied i-Viiii. l�eiimann. Ehre ihrem Andenke»! 53/4 via Ortsvorwaltung. Heute morgen um 2 Uhr I verschied nach kurzer Krank- heit mein lieber Mann. !»nser guter Vater, Schwieger- und Grotzvatcr, der Zt- | garrensabrilant Ferdinand Ehlen nachdem er sich kaum in seinem neuen Heim eingelebt hatte, im Alter von SöJahrcn. Um stille Teilnahme wird gebeten. 198A Wotenick, den 4. Juni 1918. R*»» Wwe. Emma Ehlert, Georg Ehlert, Paul Ehlert, Fritz Ehlert. Die Beerdigung findet am Freitag, den 7. Juni 1918, 3 Uhr nachmittags, in Wo- tenick bei Demmin statt. Oertand der Gaff- und Sdiankwlrte Dentttblands. Zahlitelle Berlin. Den Mitgliedern zur Nachricht, daß der Kollege kränz Hippler TreSkowslr. 66, Bezirk 3, am 5. Juni verstorben ist Ehre feinem Andenken! Die Beerdigung findet am Sonnabend, den 8. Juni, nachmittags 4 Uhr, aus dem Friedhof der Freireligiösen Gemeinde, Pappelalle 15/17, statt. 73,8 Um rege vetelligung er- sucht Die Ortsvrrwaltung. Speslalarzt Er. med. Wodienlud »WdBWSSStÄ fürSyphilis,Harn-u. 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Für die überaus zahlreichen Beweise herziicherTeilnabme sowie die vielen Kranzspenden anläßlich de« Hinschcidens meiner dcrzcnSguIcn, innig» geliebten Frau, unserer lieben j Mutter 64,11 pauiine Klepzig sagen wir aus diesem Wege allen Verwandten, Freunden und Belannlen towie den Mietern des Hauses unseren tiejempsundcnen Dank. Ganz besonders danken wir Herrn Haecker für die trostreichen Worte am Sarge der teuren Entschlafenen. Im Namen der trauernden Hinterbitebenen: Paul Klepzig u. Kinder. Wir lausen gebrauchte Bindfaden Zelluloid-, sFilm- Hartgummi- Wachswalzen- Schallplatten-Abfslle Ordower G.'m. b. H., Georgenkirchstr. Sv (b. Alexanderplatz), Friedrichstraße 4Z Ecke Zimmerstrage. 9-12-,,. 2'/1-6*/t. MMer MMSM-VerliWli. Verwaltungsstelle Berlt«. sti S4, Lintenftraste 83— Geschäftszeit von 9— 1 Uhr und von 4—7 Uhr. Telephon: Amt Norden 185, 1239, 1987, 9714. Tonntag, den S. Juni vormittags 10 Uhr: ßraneben-Vcrfaitimlung aller in d. BimUUcrbrancbe beschäftigten Hrbclter und Arbeiterinnen im Gewerkschaftshaus, Engelufer IS, Saal 3. Tagesordnung: 1. Die Lohnbewegung in der Metallindustrie. 2. Diskussion. 3. Branchenangelegenheitcn u. Verschiedenes. SMF~ Zahlreiches und pünktliches Erscheinen wird erwartet. 113/4 Die Ortsverwaltung. ein Uirlsehailiieher Dem Pneu gleidiwertig Elastisch/ Geräusdtlos/ Sofort lieferbar Saubere Arbelt/ Grosse Haltbarkeit Tausende Im Gebrauch BALUNIT Reifenfabrik G. m. b. H. Berlin SW61, Waterloo-Ufer 19 Pcraiprtchtn Amt Morltxylats Nr. 3014 unseres Handels u. der Industrie wird die Folge dieses Krieges sein. Eine tief- greifendeAenderung unseres gesamten öffentlich. Lebens steht bevor und unzählige Stellen werden neu zu schaffen sein. Es werden daher überall geprüfte und geschulte Kräfte gesucht sein. Beamte, Lehrer, Angestellte d. Handels u. d. Industrie sollten nicht versäumen, jetzt ihre Vorbereitungen zu treSen. Das beste Mittel, rasch u. gründlich, ohne Lehrer, durch einfach. 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Bahilhosttr. 2*. für sofort gesucht. 735L* Loeb-Werke Aktiengesellschaft, fü»- den.Vorwärts» wird ein- gestellt. Passend sür Invaliden. ScifsL Lichtenberg, Wartenbergstr. 1.* Mcldezcit 11-1'/, u. 4'/,-7 Uhr Schnhmacher zum Aus!»hielt sür Reparaturen oeriangt. kriegswichtiger Petricb. Berliner � 8chuh- bcdarigescllschafl, Cöpenickcr Straße 71. 24046 Mehrere 100 Arbeiter, nicht wehrpflichtige Leute, für außerhalb gesucht. Zu melden bei Carl Brandt, Berlin W 9, Schellingitraße 7. lielidte collseMeitekWeii. auch sür Heimarbeit, und Gummirrrinnen suchen 8ch«an 5. Lo Jlrlifitftffvdir offadjl Im Arbeitersekretariat Dcfiau i/Anhalt ist die Stelle des Arbcitersekretärs neu zu besetzen. Die Anstellung ersotgt nach den Bestimmungen des Vereins Arbeiterpresse unter Hinzu» rechnung einer ZOprozentige» Teuerungszulage. Anstellung S< jähre werden angerechnet. Der Antritt soll spätestens am 1. August 1918 erfolgen, reflektiert wird nur aus eine tüchtige Kraft. Bewerber wollen unter Angabe ihrer bi«herigen Tätig. leit in der Arbeiterbewegung, ihrer Familien- und Militär- Verhältnisse ihr Bewerbungsschreiben mit der Ausschrist Be- Werbung biS spätestens zum 20. Juni er. a« Otto Fischer, D e■ 8 a n, AsUanlacheatr. 107, einfenben. 286/3* Hausdiener und Burschen verlangt A. SEertheim, Rosen- thalerstraße. Meldung von 9— 11 u. 5—7 Uhr bei der Hausausficht im Keller.____ 64/9 Anlegerin sür Ttegeldruck suchen s2402b 8ch«anÄvc.,N°�. 5802* gesucht. Putzer Härtung Aktiengesellschaft. Berlin Lichtenberg, Herzbergstraße 122/124. TückliZe. ältere Drehee*, aber auch nnr solche, werde» sofort eingestellt bei todigenfohnkMiigele!'. Berlin, Ait-Moabil 1,* am Lehrter Hauplbahnhof. Äiempnen aus Bierdruckapparate, Büffelt- anlagen usw., sowie auch aui Wafferleilung- u. Kloseltanlagen stellen sofort ein 7482* H. Denecke n. Co., G.m.b.H., Berlin Lankwitz. Charlottenstr. 47. iür den„Vorwärts" werden eingestellt in folgenden Filialen; Neukölln:«m 3 Ol5! 5 II* Marknsstr. 36. DC1 liil• Prinzenstr. 31, Hof rechte part tiger Hausdiener für Handwagen verl.[7478 OttoRichter.KurjütjteAsLlb/IO SehÖDeberg: Memmger S traüe 9. CbarlOUenimrg: Sesenheimer Str. 1 Weißensee: lleldezeit von 11 bis l1/, Uhr und 4'/, bis 7 Uhr. Tempelhol: ü Kafs�melm-Str. 74. Liehlenberg: L Wasielewski, Berliner Allee 11. für dringende auswärtige HeereSbanarbeiten sucht Baunnternrhmnng i.e01lliard /rtoll. München-Berlin. Anmeldungen: Berlin O, Koppenstr. 5.[2384b* süchtige Mechaniker sucht dauernd C. Lorenz, Aktien- Gesellschaft, Abt. Drahtlose Telegraphio, Dempeltzvf. Lorenzweg. an der Ordensmeisterftratze. Meldungen im BetrtebSdureau 64,80* lüchliZe'Werkzeuxmgcker,>Verk- zeuxäreker, �inrietiler iür pittler-� kevolverbZnke, Kohr- unä früs-� mssLhinea eowie kräitixe Revolver äreherinneli Sachen Rs Stock& Co. A.-G., Beplln-Mnrlenfelde. Abt. ZM. 721 L* ♦ ♦♦ ♦ ♦♦ PC W H ♦♦♦♦♦ ♦♦ Tüchtige gelernte 7362* � ♦ steket lomie BolitniertsOteliet i m auf Automobil- und Flugmolorenleile stellt lofort ein Locb=Werke Aktiengesellschaft, y � Charlottenburg. Fritichestraste 27,28. � ♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦