Nevlinev VolKsbl�tk. der rozialdcmohratifd�en Partei Deutfchlanda. (__ Anzeigenpreis: DiegebengespaUcncKolonelzeilekoNet 80 Psg.„Ülcinc Antigen", das (cltflcbntcfte Wort 30 Pig.(zulässig 2 fettgedruckte Corte), iedo§ weitere Wort 15 Psg, Stellengesuche und Schlasstellencinzetge» das erste Wort 20 Psg,, sedes wellere Wort 10 Pia. Worie über 15 Buchstaben zähten sür zwei Corte. Tetierungszuschlag 20«,» Familien-Anzcigen, volitische und gewerlichastliche Vereins. Anzeigen 50 Big die geile, Anzeigen für die nächste Nummer müssen bis a ZIbr nachmittags im kiauvtgelchäst'Berlin SC. 08, Lindenstrage 3, ab tegcben werden, Aeöffnet vo» 8 Uhr früh bis 1 Uhr abends. Neöaktion: SW. öS, Linöenstrafie Z. lyernivrecher: Zimt Morivvla«. Nr. lSI SV— 15X97. Sonnabend, den 8. Inni 1918. —«09 Expeüition: SW. H8» Linöenftrahe 2. Fernsprecher: Umt Moritipintt, Nr. 1519«— 15197. BezngSpreiS: ktertelfähru ZchOMI. monall. 1,50 Mi. frei ins Haus. vorauszahlbar.Tinzelne Nummern 10 Pia. Vostberua: Monat- Iich, vom Bostschalter abzuholen 1,50 Ml, vom Briefträger ins Haus ge- bracht I,6s Ml. Unter Kreuzband lür Deutichlard und Oeslerreich-Ungarn 5,— Ml. sür das übrige Ausland <50 Ml. monatlich. Lerland ins Feld bei direlter'Bestellung monall. 1,80 Ml. Poilbestellungen nehmen an Däne- Marl, Holland, Luxemburg, Schweden und die Schweiz, Eingetragen in dt« Post- g eilung s- Preisliste. Erscheint täglich. Telegramm. Adresse: »Sozialdemokrat Berlin�. Tcntralorgan Neue Reichzbesitzstemrn. Der Reichstag scheint auf dem besten Wege, durch Ein- beziehung von ergiebigen direkten Steuern eine bemer- kenswerte Verbesserung des vom Bundesrat vorge- schlagenen Steuerplans durchzusetzen. Graf R o e d e r n, der am Sonntag noch eine Besprechung mit den Vertretern der bundesstaatlichen Finanzminister haben wird, dürfte am Montag oder bei der nächsten passenden Ge- legenhcit im Hauptausschust erklären, daß der Bundesrat aus dein Antrag der Mehrheitsparteien vom 13. Mai die Kriegs- abgäbe vom Einkommenszuwachs und eine Abgabe vom Vermögen annehnie. Maßgebend ist das Mehreinkommen gegenüber der letzten Friedensveranlagung. Auf Antrag des Abgabepflichtigen tritt an Stelle der letzten Friedensvcran- lagung das festgestellte durchschnittliche Einkommen der Jahre 19Z2, 1913 und 1914. Die Steuersätze für die Einkommens- Vermehrung sind durchzustaffeln, beginnend mit 5 vom Hundert für die ersten 39 999 Mk. Mehreinkommen, abschließend mit 50 vom Hundert als Höchststaffel. Der Ertrag wird aus 859 Millionen Mark geschätzt. Vermögen soll von 59 999 Mk. an abgabepflichtig werden, lind zwar von 1 vom Tausend steigend bis 5 vom Tau- send bei einem Vcrinögen von einer Million. Diese Vermögens- steuer greift nicht den Stock des Vermögens, sondern seinen Ertrag an, ist also im Grunde nichts als eine qualifizierte Ein- konimenssteuer auf das sogenannte fundierte Einkommen. Unter der Annahme einer 5 proz. Verzinsung schuldet der Vo- sitzer einer Million nach diesem kommenden Gesetz 5999 Mk. oder 19 Proz. des Ertrages als Vermögensabgabe dem Reich. Der Gesamtertrag der neuen Steuer wird auf 359— 459 Millionen Mark angenommen. Einem möglichst bald zu errichtenden Reichsfinanz- Hof sollen die Entscheidungen über die sich aus den Reichs- steuern ergebenden Streitigkeiten übertragen werden. Die Reichskommissare für indirekte Steuern und Zölle sollen zur Ztachprüfung der Veranlagungen von Reichs- steuern ermächtigt werden. Die Reichsgesetzgebung, die Erweiterung der Beftignisie der Neickiskonimissare und der Neichsfinanzhof werden auch in der Richtung einer Vereinheitlichung der bundes- staatlichen Einkommens st euern wirken, die Graf Roedern in seinem Begleitvortrag zu den Steuervorlagen als notwendig bezeichnet hat. Endlich sei noch gesagt, daß außer diesen Steuern im Herbst die neue Knegsgewinnsteuer für physische Personen kommt. tö6?och öer deutschen Initiative. (Telegramm unseres Kriegsberichterstatters.) Westfront, 6. Juni. Nachdem die Schlacht zwischen der Aisne und der Marne offen- bar vorläufig jlircn Abschluß erreicht hat, läßt sich als wichtigstes «lesvmlcrgcbiiis der bisherigen deutschen Offensive die völlige Aus- einandrrsprengiing der feindlichen Reserven klar überblicken. Schon die Mälz-„nd Aprilschlachtcn hatten durch die empfindliche Schwäch- ung des ÄemKrs und die notwendig gewordene enorme Verlange. rung der fronjiZsiichen Front General Fochs hcreitgrstellte Opera- tionsarilicc aufgezehrt und seine übrigen Frontreserven auf die von der deutschen Führung vorgeschriebenen lkinzelabschnitte konzentriert. Wie sehr Fach schon damals mit seinen Reserven von der Hand in de» Mund lebte, zelg, per heschlcunigtc Antransport des englischen Heimatlirrrrs der stärkere Einsatz amerikanischer Nebungskon- tingcnte lind die plötzlich notwendig gewordene Hilfeleistung Italiens. In icinrr Rcscrornverteilung von Mitte Mai, die zwischen Novon «nd dem Meere vor«llem Paris, Amiens nnd die Küste schützen sollte, hak der dritte deutsche Schlag neue Verwirrung gebracht. Von der stark besetzten Nord- und der normal besevten Ostfront mußten wiederum, da freie Reserven nicht mehr znr Verfügung standen,, erhebliche K-öfte abgezogen werden, um nicht nnr das Loch zwischen Soissons und Reims zu verstopfen, sondern auch um die neue, Paris immer noch verteidigende Angriffsfront wirklich stark zu besetzen, Damit ist Fach wiederum der Verfügungsgewalt über einen starken Teil seiner Reserven beraubt und drückender noch als bisher nnter dasJochderdentschen Initiative gezwungen. Während die deutsche Heeresleitung mit ihrem immer noch gcwn'tigen 3Ze- servcapvarat operieren kann wo sie will, steht Fach z,vjschea Reims und dem Meere an Händen und Fsißcn gebunden da. überall auf einen neuen deutschen Angiisf gefaßt, aber nirgends fähig, selber anzugreifen. Dr. Nd Köster, Kriegsberichterstatter. Lugano. 7. Juni. Der Pariser Vertreter des..Secola" dralstet seinem Blatte: Wie erwartet, ist die Erstarrung der Schlacht- front am 1«, Kampftage eingetreten. Die amtlichen Berichte cnt- halten jedoch keine Ankündigung dieses Ereignisies. Es wäre unnötig. jetzt pessimistisch zu sein. Paris, 7. Juni, Ein Erlaß setzt einen BertcidigungSansschuß für das verschanzte Lager von Paris unter dem Vorsitz des Kriegs- Biimsters ein, mit der Aufgabe, die auf die Organisation der Be- Bei Sarcy die feindlichen Linien beider- seits der Ardre genommen— Kämpfe 0« der österreichisch- italienifchen Front. Berlin, 7. Juni 1918, abends. Amtlich. An der Schlachtfront ist die Lage unver« ändert. Amtlich. Srpfje» Hauptquartier, 7. Juni 1918.(W. T. B.» Westlicher Kriegsschauplatz. Heeresgruppe Kronprinz Rupprrcht. Zeitweilig anflcbender Artilleriekampf. Rege Erkuiidirngs. tätigkcit. Bei einem Borstoß in die französischen Linien westlich vom Kemme! nahmen wir 2 Offiziere und 50 Man» gefangen. Heeresgruppe Deutscher Kronprinz. Auf dem Schlachtfelde blieb die Gcicchlskätigkeit auf Sri- licht Kampfhandlungen beschränkt. Nördlich der A i S n e und nordwestlich von Ehatean-Thierry wurde« Teilangrisse des Feindes abgewiesen. Südöstlich von Sarcy nahmen wir nach starker Artillcrievorbereiknng die feindlichen Linien beiderseits der Ardre. Wir machte» 390 Gefangene. Der Erste Generalquartiermeistrr. Ludendorff. Der österreichische Bericht. Wien, 7. Juni 1913. Amtlich wird»rrlauttart: I« Südweste« gesellte sich gestern den Gcschützkümpfen der letzten Tage wieder lebhaftere Jnfanterictätigkcit bei. An der u n t r r e» P i a v e, bei Quer» und Morl«nd auf dem T o n a l e wurden italienische Abteilungen zurückgewiesen, Auf dem Monte Spinuchia vrrdesiertr» wir durch ein Sturmtruppunternchme« unsere Stellungen Auf dem Monte Sisemol wurde der Angriff einrS Bataillons im Gegenstoß abgeschlagen. Bei A f i a g» scheuerte» zwei feindliche Vorstöße in unserem Feuer. Der Eh es de? Gencralstabei. waffnung und Lebensmittelversorgung des verschanzten Lagers bc- züglichen Maßnahmen wahrzunehmen und zu beaufsichtigen. General Dubail wurde zum Vorsitzenden des Ansschusses er- nannt. der gespannte Sogen. Wieder ist eine getsattige'Offensive, soweft die Berichte erkennen lassen, zu einem vorläufigen Abschluß gelangt. Die Resultate bedeuten zweifellos einen gewaltigen militärischen Erfolg, sie sind ein Beweis für die Ueberlegeuheit der beut- sehen Truppen, die bei nur gleicher Stärke mit dem Feinde nun schon zweimal auf Anhieb das Durchbruchsresultat erzielt haben, das in den vergangenen Jahren unseren Feinden trotz gewaltiger Ueberzahl, trotz zehnmaligen Ansturms, trotz höchster blutiger Opfer stets versagt blieb. Aber die Genugtuung über derartige Leistungen, in denen sich die innere moralische Kraft unseres Volkes doku- montiert, darf nicht dazu führen, jedes weitere Denken aus- zuschalten. Kriegshandlungen dürfen niemals, wie wir das hie und da beobachten, unter dem Gesichtswinkel spart- l i ch e r Rekordleistungen betrachtet werden, sie sind nicht wie ein Hoch- oder Weitsprung um ihrer selbst willen da, sondern Mittel zu einem sehr ernsten Zweck. Kriegshandlungen sollen— das ist wohl die schulmäßige Definition— den Kriegswillen des Gegners brechen. Denen aber, die da von einer solchen Zerschmetterung unserer Geg- ner träumen, daß diese sich willenlos dem Diktat des deutschen Siegers unterwerfen, muß immer wieder vor Augen gehalten werden, daß die bisherigen Erfolge noch nicht einmal dazu geführt haben, sie einem Verständigungsfricden geneigt z» machen. Das deutsche Volk steht also auf alle Fälle noch vor weiteren sehr schweren Opfern und Kämpfen und nur Kurz- sichtigkeit oder Verblendung vermag das zu leugnen. Und nicht nur noch weitere schwere Kriegszeit, auch schwere Friedenszeit steht uns bevor. Das englische Oberhausmitglied Lord B u c m a st e r, ein Anhänger Lord Lansdownes, hat kürzlich ein nachdenkliches Wort gesprochen, zu dem man der- geblich ein Parallelzitat aus dem Munde eines edeln oder er- tauchten preußischen Herrenhausmitgliedes suchen würde. Es lautet etwa:„Den wirklichen Sieger in diesem Kriege wird man 19 oder 29 Jahre nach seiner Beendigung erkennen. Es wird die Nation sein, die am besten imstande sein wird, der wachsenden Unzufriedenheit zu be- gegnen, die drohende Hungersnot abzuwenden und das Volk von den fürchterlichen Folgen des allgemeinen Bankrotts zu retten, dem sich Europa täglich ni i t wach- sender Geschwindigkeit nähert." In diesem Worte liegt viel Wahrheit. Es zeigt, daß auch nach dem Kriege jedes Volk noch jahrzehntelang die ganze geeinte Volkskraft wird daransetzen müsien. um nicht doch noch schließlich— trotz scheinbar günstigen Abschlusses— in den Strudeln dieser Weltkatastrophe unterzugehen. Dazu ist aber vor allem notwendig, daß das ganze Volk mit Lust und Interesse am Staatsganzen erfüllt ist. Und deshalb ist in allen demokratisch regierten Ländern von vornherein eine günstigere Vorbedingung für den Kampf gegen den wirtschaftlichen Untergang gegeben. Sehr mit Recht zählt Lord Bucniastcr es zu den Voraussetzungen des end- lichen, erst in Jahrzehnten sich entscheidenden Sieges, welchen: Volke es am besten gelingen wird, die wachsende Unzu- friedenheit im Innern zu überwinden. Gegen diese Voraussetzung wird aber zurzeit wohl nir- gends schlimmer gesündigt als in D e u t s ch l a n d. Ein kleines Symptom: Bei der Präsidentenwahl lehnen die Konservativen einen ihnen angebotenen Sitz ab, weil sie nicht neben dem Sozialdemokraten Scheidemann im Präsidium sitzen wollen. Unter den Soldaten, die jetzt an der Front so Außerordent- liches geleistet haben, befinden sich Millioenen Sozialdemo- kraten, sie alle bluten und leiden auch für die Herren auf der Rechten,— aber diesen erscheint es entwürdigend, neben einem Sozialdemokraten im Präsidium zu sitzen. Ob einer von ihnen draußen, verwundet sich auch nicht von einem Sozial- demokraten aus dem Feuer tragen ließe?! Die sachlichen Debatten der letzten Tage haben noch viel deutlicher gezeigt, wie im Innern der Bogen gespannt wird. Die strenge Handhabung des Belagerungszustandes gehört auch zu den Dingen, die nur sehr sckllechte Psychologen für sieg- fördernd hatten können. Ein Vertreter des Kriegsministe- riums, dem die Ungesetzlichkeit der Bricfzensur nachgewiesen wird, beruft sich auf das�„ungeschriebene staatliche Notwehr-' recht". Mit diesem ungeschriebenen Noftvehrrecht wird wohl überhauvt die A u f r e ch t e r h a l t u n g des Belagerungs- zustandes begründet, die, wft wir hier öfter nachwiesen, durch geschriebenes Gesetz nicht begründet werden kann. Wer ist dem Herrn General vom Krieasministcrium nicbt aufgefallen, daß er mit seinem„ungeschriebenen staatlichen Notwehrrccht" eine letzten Endes sehr revolutionäre Staatsrechtslehre aufgestellt hat?! Wenn es unaeschriebene Notwehrrechte gibt, Herr General, werden dann nicht auch andere als die Staats- regiernng solche ungeschriebenen Notwehrrechte bei Gelegenhett für sich in Anspruch nehmen? Die unheilvollen Folgen einer Innenpolitik, der jedes psychologische Augenmaß fehlt, zeigen sich heute bereits alleot- halben. Genosse Wendel hat in seiner Rede darauf hin- gewiesen, wie verheerend diese Politik auf die Stimmung in den R e i ch s I a n d c n eingewirkt hat. Ihm ist von Re- gierungsseite vorgeworfen worden, seine Worte würden kriegsverlängernd wirken. Aber Wendel hat nicht gesagt, er hat sogar ausdrücklich in Abrede gestellt, daß die Reichslande durch den Krieg franzosenfreundlich geworden seien. Er hat lediglich darauf hingewiesen, daß sich jetzt bei einer Abstim- mung zunächst eine elementare P r o t e st st i m m u n g gegen die Handhabung des Belagerungszustandes in Elsaß-Loth- ringen entladen würde. Die Franzosen können also Wen- dels Worte als Beweis für ihr angebliches Recht auf Elsaß- Lothringen in keiner Weise ausschlachten. Ausdrücklich hat Wendel hervorgehoben, daß vor dem Kriege jede Abstimmung in Elstiß-Lothringen eine erdrückende Mehrheit für Deutschland ergeben hätte. Und die jetzige Mißstimmung rich- tet sich nicht gegen- Deutschland, sondern gegen die Politik ein- zelner Personen, mit der die große Masse des deutschen Volkes durchaus nicht einverstanden ist. Während man uns so im Westen die Elsaß-Lothringer entfremdet, erleben wir im Osten, im oberschlesischen Wahl- kreis G l e i w i tz eine Wahl, die den ausgesprochenen Cha- rakter einer Protest Wahl trägt. Die verkehrte Polen- Politik nach innen und außen zeigt ihre Wirkungen. Und nun kommt gar die Nachricht, daß in Preußen das Wahlrechtskompromiß zwischen den �beiden konservativen Parteien und dem rechten Flüge l der Na- tionalliberalen perfekt geworden sei. Den Inhalt erfährt man nicht, aber wie ein Wahlrecht Heydebrand-Lüdicke- Fuhrmann aussehen wird, kann sich jeder denken. Da muß man doch gewisse Leute fragen: Mit wem wollt ibr denn eigentlich siegen, wer bleibt euch denn noch übrig? Der österreichische Bundesgenosse wird täglich in der alldeutschen Presse in demütigender Weise heruntergeputzt, ihm seine „Dankesschuld" so eindringlich zu Gemüte geführt, daß man sich wundern muß, wenn jenseits der Grenzpfähle überhaupt noch jemand Sympathie für uns hat. In den östlichen Randstaaten haben uns dieselben Kreise um die Sympathie der Völker gebracht, die uns auch die einheimischen Polen gänzlich entfremden. Im Reichstag erklärt ein Vertreter des Kriegsministers, daß sich die Worte„innerhalb des Deutschen Reiches" nicht auf Elsaß-Lothringen be- ziehen. In Preußen erbittert man nicht nur die Arbeiter- schaft, sondern auch Angestellte, Beamte und Mittelstand mit der Ablehnung der Wahlrechtsvorlage. Ja, wer soll noch bleiben? Das deutsche Volk ist zwar aus gutem Holz geschnitzt, aber dämmert nicht endlich ge- wissen Kreisen die Einsicht, daß auch der beste Bogen sich nicht beliebig spannen Iäßt?I_ Mfthluß öes öeuM-hollänüischen /lbksmmens. Amsterdam, 7. Juni. Wie das„Handelsblad" meldet, haben die zwischen der niederländischen und deutschen Regierung ge- pflogenen Unterhandlungen über eine Regelung der Vor- schristen bezüglich der Durchfuhr von Gütern von Belgien nach Deutschland zu einem glücküchen Ab- schluß geführt. Neuer e«glisch-ö«utfther befangenen- austaufth-vertrag. Untergang der Koningin Regentes. Amsterdam, 7. Juni. Dem„NieuwS van den Dag' zufolge wird der Vertrag über den Austausch deutscher und englischer Kriegsgefangenen, der Ende Juni dieses Jahres zu Ende geht, keine Verlängerung erfahren. An seine Stelle soll vielmehr ein neues Uebereinkommen, das den Austausch von großen Gefangenentransporten vorsieht, gesetzt werden. Bonar Law teilte vor einigen Tagen im Unterhaus« mit, daß der Staatssekretär für innere«ngelegenheiten, Sir George Cave, Lord Newton und General B e l f i e l d zu Delegierten für die Konferenz im Haag bestimmt wurden. Diese DeleUierten reisten mit dem Hospitalscbist Kimingi» RrgentrS(1790 Br.- R.- T.). daS aber auf eine Mine kies, mitten durchbrach und versank. Das Hospitalschiff Sindoro, das sich 300 bis 400 Meter von der Schiffbruchstelle entfernt befand, rettete Mannschaft und Paffagiere und setzte in der Nacht zu Freitag auch die engktschen Delegierten in Rotterdam an Land. Amsterdam, 7. J»ni. Wie den hiesigen Blättern au« Rotter. dam gemeldet wird, haben einige Leute der Besatzung der Ärmingin NegenteS behauptet, daß daZ Hospitalschiff durch eine» Torpedo zum Sinken gebrocht worden sei. Das Blatt»De Telegraaf" sucht den Eindruck zu erwecken, daß der Unfall auf eine beabsichtigte Kampfhandlung der Deutschen zurückzuführen sei. Eine b e h ö r d- liche Untersuchung ist un Sang«. » Aon beutscher Seite wird zu de« Aataesang der„Ksuizin Regentes" amtlich erklärt: Laut Nachrichten au» Halland ist dor Dampfer„K» n i g i n RegenteS" auf der Fahrt van«a�land«ach Hatand auf eine Mine gelaufen und gesunken. Der Dampfer gehlrte zu den für den Austausch oan«riegSgesangeNe«»nd Anter»iert«n bestimm. trn Schissen, fttr die«uf bestimmten KurSlinien freie F a h r t i» Sperrgebiet zugesichert ist. Vci dem Unfall, der den Verlust des Dampfer» herbeigeführt hat, befanden sich keine AuStauschpersanen»n Bard. von deutscher Seite find auf der zugesicherten freie« Fahrstraße keine Mine» gelegt._ Cooreman an Clemenceau. Rotterdam, 7. Juni. Der„Nieuwe Rotterdamsche Courant" erfährt aus Le Havre: Ministerpräsident Cooreman hat tele- graphisch allen Regierungen der Alliierten m Paris, London, Rom und Washington seinen Amtsantritt mitgeteilt. An Cle- menceau drahtete er: Ich lege Wert darauf, Ihnen zu versichern, daß der so freundschaftliche und loyale Cha- rakter der Beziehungen zwischen der belgischen und der Regierung der französischen Republik unver- ändert bleiben wird. die Ukraine besteht auf Sestarabien. Kiew, 6. Jnni. Eine ukrainische Antwortnote ist gestern an die rumänische Regierung abgesandt worden. Die Uftame besteht darauf, daß das Moldauparlament zur Ab- st i m m u n g über die Angliederung Beßarabiens von der Be- völkerung nicht bevollmächtigt gewesen sei und daß die beßarabische Bevölkerung die Vereinigung mit der Ukraine anstrebe, mit der sie historisch und wirtschaftlich eng der- Hunden sei, der t>KhereNat öer VolksNirtstbaMußlanös Das Berliner Jnformcttonsbureau der Petersburger Tele- graphen-Agentur teilt mit: Die Oktoberrevolution hat neben der politischen Macht der Sowjets den Grundstein erner Organisatwn von weit größerer Bedeutung zur Einführung deZ Sozialismus gelegt, sie hat den Höheren Rat der Volkswirtschaft Rußlands ins Leben gerusin. Diese Organisation bildete sich aus der Entwicklung der ökonomischen Verhälinisse heraus und war vom Leben dazu berufen, die ganze Produktion und Verteilung derselben zu überwachen und zu re- g u l i e r e n. Ihr zur Seite standen die Fabrikkomitees und Gewerkschaften. Während der Periode von Oktober bis jetzt haben sich über das ganze große Land verschiedene ökonomische Organisationen des Proletariats gebildet, und die Aufgabe des Höheren Rats der Volkswirtschaft ist es, diese Organisationen zu systematisieren und zu filtrieren. Der Höhere Rat der Volkswirtschaft ist sich deren bewußt, daß er die Hauptwaffe der proletarischen Umwälzung im Wirtschaftsgebiet bildet und den Weg zum Sozialismus zu ebnen hat. Er muß so stark werden, daß ein jedes Pfund Eisen und Brot nur mit seiner Genehmigung verbraucht werden darf; da» ist da» Ziel, zu welchem er strebt. Der Höhere 9iat der Volkswirtschaft ist eine rein proletarische Organisation und als solche be- dacht, die Produktion und Verteilung auf sozialistischer Grundlage zu bilden. Das Examen in der politischen Macht hat das Proletariat Rußlands bestanden, jetzt steht ihm die Lösung der Wirtschaftsoer- Hältnisse bevor, die weit schwieriger, aber daher um so dankbarer al» die erste ist. Im Bewußtsein dessen hat der Höhere Rat der Volkswirtschaft einen Kongreß der Vertreter aller proletarischen ökonomischen Organisationen wie: die regulierenden Zentren(Hauptkonntees) einzelner Zweigkomitees der Wirtschaft und örtlicher Komitees des Höheren Rats der Volkswirtschaft einberufen. Die Tagung dieses Kongresses begann am 2 3. Mai. Es sind anwesend 85 Delegierte mit entscheidender und 103 mit be- ratender Stimme. Der Vorsitzend« de» Höheren Rats der Volks- Wirtschaft, Genosse Riykow, eröffnet die Sitzung mit einer Au- spräche an die Versammelten. Nachdem die Wahl des Präsidiums vollzogen ist, erhält Genosse Lenin das Wort. Er weist in seiner Rede auf die Bedeutung hin, die der Höhere Rat der Volkswirtschaft im zukünftigen Leben erhalten wird: Dieser Organisation ist e» beschieden, die Hauptrolle im Lande zu übernehmen, sobald der W-derstand der Ausbeuter endgült'g gebrochen worden ist und das Proletariat gelernt hat, die sozia- listische Produktion zu organisieren. Der alten Form des Staates ist es bestimmt, abzusterben, während der Höhere Rat der Volks- Wirtschaft zur Blüte und Entwicklung und Uebernahme der Leitung in der neuorganisierten Gesellschaft bestimmt ist. Alles das, was wir bisher vom Höheren Rat gesehen haben. g,bt uns keinen Anlaß, pessimistisch in die Zukunft zu blicken. Wenn wir auch gezwungen werden, dieses oder jenes wieder zu ändern so ist es ganz selbstverständlich, denn wir müssen alles lernen und können das nur in der Praxis des Kollektivismus. In Rußland wird zum erstenmal fett Bestehen der Welt dazu geschritten, den Sozialismus zu verwirklichen, und wir haben keinen Vorgänger, an welchem wir lerne» könnten. Eins aber wissen wir bestimmt, daß der Um- bau der Gesellschaft historisch vorherbestimmt ist. eine so große Linie einzuschlagen, daß das Privateigentum auf die Mittel der Produk- tion von der Geschichte verurteilt ist und die Ausbeuter der Expro- priation unterliegen mußten. Lenin schloß: Als wir die Macht an uns rissen, mußten wir es deshalb tun, um an die sozialistische Reorganisation zu schreiten. Alsdan» begannen die Verhandlungen. Der Kon- greß tagt noch._ Eine Transportzentrale üer Alliierten. London, 7. Juni.(Reuter.j Der politische Mitarbeiter des .Daily Mail" berichtet, daß die Regierung einen Entwurf für die einheitliche Organisation der Transporte von Lebensmitteln und Rohstoffen, die die Alliierten brauchen, genehmig: hat. Es sollen fünf Ausschüsse errichtet werden, denen Vertreter Englands, Frankreichs und der Vereinigten Staaten angehören werden. Jeder Ausschuß wird die Aufgabe haben, die Beschaffung der von ihm benötigten Artikel mit den Be- dürftttsien der anderen Ausschüsse in Einklang zu bringen. Die Ausschüsse werden au« Fachmännern bestehen. Sie werden eine große Zentrallörperfchaft für alle Erforder- niise der Alliierten bilden und werden ihre Berichte über Zufuhren und Erfordernisse an den Schiffahrttrat weiter leiten, der dadurch einen genauen Ueberblick über die der Schiffahrt ge- stellte« Aufgaben erhalten wird. Ma» will auf diese Weise den Wettiewerb in d e r B e s ch a f f u n g von Transport- gelegenheiten ausschalten und alle wirtschaftlichen Waffen der Alliierten unter einheitliche Kontrolle stellen. Die Lebensmittelversorgung Englands. Amsterdam, 7. Juni.(Telurrion.) Aus London wird gemeldet: Bei der Besprechung des Etats des Ministers für Lebensmittel- Versorgung im Unterhause erklärt« Clynes, daß alles getan wordon sei, um die BolkSernährung sicher zu stellei». Ein besonderes Bordienst daran hätten die Seeleute. Enzland hat schwere Lasten zu tragen, größer« als irgend einer der anderen Alliierten, weil eS nicht nur für die Ernährung des eigenen Bolkeö verantwortlich ist, sondern auch in hohem Maße die anderen Völker ursterstßtzen muß. Die Resultate der vom Mmisterium befolgten Politik können sofort festgestellt werden, wenn man sich daran erinnert, wie die AuSsichteir im letzten Dogember und Januar lauteten. Wahrscheinlich werd«« wir nie wieder einen solchen Zustand derKnappheit durchzumachen haben, wie dies Ende des verflossene» Jahre« der Fall war. Bei der Erörterung der Arbeilen des Ministeriums sagte ClhneS, daß da? LcbenSiniltelprogramin täglich geregelt und abgeändert werde, je nachdem die wechselnden Forde- rungen die« notwendig machen. Weiter teilte er mit, daß England von der Margarineeinfuhr noch absehen könne. Das Nelchstagspräsiüium. Die Neuwahl des Reichstagspräsidiums findet am heutigen Tage statt, nachdem der Reichstag in seiner gestrigen Sitzung die schon angekündigte Aenderung seiner Geschäftsordnung voll- zogen hat. Der Anspruch der Sozialdemokraten auf einen Platz im Präsidium ist von der großen Mehrheit der Parteien anerkannt worden. Wie Genosse Schöpflin un „Sächsischen Volksblatt" mitteilt, hat die Fraktion e in- stimmig beschlossen, daß ein sozialdemokratischer Vizeprasi- dent die durch Herkommen bestehenden Verpflichtungen er- füllen solle. » Die Geschäftsordnungskommlssion deS Reichstags befaßte sich am Freitag mit dem ihr vorn Plenum überwiesenen An- trag, eine Wanderung der Geschäftsordnung vorzunehmen. Gras s W e st a r p widersprach der Abändernng. weil er ein Bedürfnis miicht als vorliegend anzuerkennen vermöge.— Abg. Ledcbour beantragte, anstatt der vorgeschlagenen drei Vizepräsidenten vier Vizepräsidenten zu wählen. Dieser Antrag wurde gegen die Stimme deS Abg. Ledebour abgelcbnt. Auch ein Antrag Dr. I u n ck, der verlangt hatte, daß die Vizepräsidenten in der Reihenfolge ihres parlamentarischen Alters präsidieren sollen, wurde gegen die Stim- men der Nationallibcralcn und der Unabhängigen abgelehnt. Folgender Beschluß wurde dann mit allen gegen die zwei Stimmen der Konservativen angenommen. De" Z 9 Absatz 2 und§ 13 Absatz 2 der Geschäftsordnung erhalten folgende Fassung: 8 9 Absatz 2: Der Präsident, sodann jeder der drei Vizepräsidenten� wird>n besonderer Wahlhandlung durch Stimmzettel mit absoluter Stimmenmehrheit gewählt. 8 13 Abs 2: Der Präsident bestimmt im Einvernehmen mit den Vizepräsidenten die Reihenfolge der Vertretung im Falle seiner Verhinderung und ordnet den Wechsel im Vorsitz. Die Wahlreform in Saüen. Aus Karlsruhe meldet W. T. B. unter dem 7. Juni: In der beutigen Sitzung der Zweiten Badischen Kammer wurde der Antrag der Kommission aus Einführung der Verhältnis- wähl zur Zweiten Kammer mit 27 Stimmen der Linken gegen 24 der Rechten angenommen- Der Antrag auf M i n d e» rung de Adelsvertreter in der Ersten Kammer wurde mit 27 Stimmen(Linken) gegen 24 Stiinmen(Rechten) angenommen. Der Antrag auf Einführnug von Arbefterver- trctcrn in die Erste Kammer wurde einstimmig angc- n o m m e n. Ter Antrag Muser auf Einführung des Fraucnwahlrcchts wurde abgelehnt. Cin polnischer Wahlsieg. Bei der Rerchstagsersatzwahl im Wahlkreise Oppeln 4— Lublinitz— Tost— Gleiwitz für den verstorbenen Zentrums- abgeordneten Oberlandmesier Stadtrat Warlo wurden narb Meldung des W. T. B. bisher gezählt: Für den Abgeordneten Korfanty(Pole) 13 730 Stimmen, für RecbtSanwalt Nchlcrt(Zentrum) 8847 Stimmen. Einige Wablreiultate stehen noch aus, die aber an der Wahl des Abgeordneten Korfanty nichts ändern. Den überraschend großen S-eg der Polen über die Zentrums- Partei, die noch 1912 in der Stichwahl mit 10 327 gegen 10 312 polniiche Stimmen siegte, während jetzt der Pole mit 5000 Stimmen Vorsprung als Sieger aus der Urne hervorgebt, führen die all- deutschen Blätter darauf zurück, daß angeblich die Polen rellamiert seien, wäbrend die deutschen Wähler im Felde stehen. Wir sehen in dem Resultat die natürliche Folge einer verfehlten und von der Soziatdemokralie verurteilten Polenpolitik sowohl im Innern des Reich« wie bei den Friedensschlüssen im Osten. Der gewählte Abgeordnete Korfanty gehört dem nalionalistisch-raditalen Flügel der Polenpartei an, a!« preußischer Abgeordneter halte er bei den letzten Polendebatten im Landtag heftige Zuwmmenstöße mit der Regierung. Um den 1. Berliner Wahlkreis. Die vo« einer hiesigen Lokal» korrespondenz ausgegebene Nachricht, wonach die Unabhängigen D ü w e l l als Kandidaten rm 1. Wahlkreis aufgestellt haben sollten, wird vom.Unabhängigen ZeittingSdienst" dementiert. Interessant ist aber, daß dies Organ der Unabhängigen die vom .Vorwärts" unter Quellenangabe wiedergeaebene Meldung eine Verleumdung nennt. Danach fassen die Unabhängigen vie Behauptung, daß sie ihren Parteigenossen Düwell aufgestellt hätten, als schwere Kränkung aus. Letzte Nachrichten. Die deutschen U-Boote in amerikanischen Gewässern. Genf, 7. Juni..Petit Parisien" meldet aus Washington, daß es 5(?) deutsche U-Boote seien, die i« amerikanischen Gewässern kreuzen. Haag, 7. Juni. Reuter meldet aus Washington: DaS nor- wegische Dampfschrff Eids ro ld und daS norwegische Dampf- schiff Gibbs wurden von«nom deutschen U-Boot an der ameri- kani scheu Küste versenkt. Zusammentritt des österreichischen Abgeordnetenhauses. Wien, 7. Juni. Ter Ministerpräsident hat auch gestern mit den verschiedenen Parteien konferiert. In parlamen- tarischen Kreisen verlautet mit Bestimmtheit, daß das Abgeordnetenhaus am 18. Juni zusammenfteten wird. Das polnische HilfSkorps vor dem Kriegsgericht. Wien, 7. Juni. Meldung der Wiener K. K. Korrespondenz- Bureau». Am S. Juni beginnt in MarmaroS Sziget die Hauptverhandlung gegen eine Anzahl Angehöriger deS aufgelösten polnischen Hilfskorps. Die Vorgänge, welche die Becanlossung bilden, sind folgende: Der größte Teil des im Bereiche der Ostftont bis- loziert gewesenen polnischen Hilfkorps ist am 15. Februar, acht Uhr abends, nach Zerstörung von Kisenbahn-, Telegravhen- und Tele- phonliuien in S-nigyn, Tzernowitz und Luzan Kotzmcrnn anS den KantonterungSstationen westlich von Czernowitz eigenmächtig nach Osten abmarschiert, mit der offenbaren Absicht, sich über»nsere Linien nach der Ukraine durchz,.schlagen. Dank geeigneter Maßnahmen unserer Truppen ist es gelungen, trotz versuchter Gegenwehr de» Palnischen HilfSkorps den größten Teil desselben am Abmarsch zu verhindern. Zirka 120 Offiziere und 3500 Mann �s HilfSkorps wurden er, t- w a f f n e t und nach Huszt überführt, wo die gerichtlichen Er- Hebungen mit aller Beschleunigung eingeleitet wurden. Auf Grund dieser Erhebungen wird Anklage gegen 91 Offiziere und 84 Mann erhoben, die sich vor dem Kriegsgericht zu verantworten haben werden. Zirka 100 Angehörige deS Hilfskorps werden als Zeugen vernommen. Die übrigen Angehörigen deS HilfSkorps werden, so- weit sie östereichisch-ungarische Staatsangehörige sind, einer Musterung unterzogen. Die Nichtwehrpflichtigen und die zum Landsturmdienste Nichtgeeignelen werden entsprechend ihrem Musterungsbefunde ihrer Drenstpflicht in der k. u. k. Armee zuge- führt. Erweiterter Brkigerungszn stand in Moskau. Kiew, 5. Juni. Nach Meldung der Moskauer Presse ist der Be- lagerungSzustand in Moskau auf Vororte im Umkreis von 23 Kilo- mctcr erweitert worden. Muraloff hat außerordentliche Vollmachten erhalten. Die Stimmung im Rat der Volkskommissare ist ruhig und zuversichtlich. BieleS belastende Material gegen die gegcnrcvolu- tionären Parteien, darunter besonders gegen den„Verband der Verteidigung des Vaterlandes und der Freiheit" ist aufgefunden worden. Schutzhaftdebatte im Reichstag. 189. Sitzung, Freitag, 7. Juni, nachmittags l llhr. Am Bundesratstisch, v Payer, Wallraf. Auf Ser Tagesordnung stehen zunächst Anfragen. Abg. Graf Westarp(t.) fragt an; Trifft es zu. daß der Abg. Erzberger;m Dezember v. I. mit Einrerständnis des Auswärt;gen Amtes eine Reise nach Wien unternommen hat. über deren Ergeb- nis er dem Herrn Reichskanzler und dem Auswärtigen Amt Be- riclst erstattl hat? Hat es sich dabei um politische Angelegenheiten gehandelt zu deren Erledigung der Abg Erzberger vom Auswärtigen Amt beauftragt oder ermächtigt warf Sind dem Abg. Erzberger seither auch sonst derartige Austräge und Ermächtigungen zu politischer Tätigkeit im Auslande erteilt worden, und welche Obliegenheiten sind dem Aag Erzberger vom Auswärligen Amt übertrogen worden? Riinistcrialdirektor Tculelmoscr: Im Dezember 1917 hat der Herr Abg. Erzberger dem Auswärtigen Amt mitgeteilt, daß er auf ein bis zwei Tage nach Wien zu reisen gedenke. Bei dieser Reise handelte es sich, wie er mitteilte, nlchtumpolitischeDinge. sondern um eine die tatholische Kirche betreffende Ange- legenheil, deren günst ge Erledigung auch' im Interesse des Reiches lag Aufträge oder Ermächtigungen zu politischer Tätigkeit'm Auslände sind Herrn Erzbcrger weder damals noch später erteilt worden Von dem Ergebnis leiner Reise hat Herr Erzberger, wie das auch andere Abgeordnete nach chm Rückkehr von Auslandsreisen bisweilen tun, dem Auswärtigen Amt Kenntnis ge- geben, lieber die Tätigkeit, die Herr Erzberger e h r e n a m t- l'ch ausübt, ist im Haushaltsausschuß mehrfach ver- traulich Auskunft gegeben worden. Herr Erzberger hat sich, wie dorr mitgetestt werden konnte, seit Ausbruch des Krieges in erfolgreicher Weise bemüht, den amtlichen Presse, und Nach- richtcndienst mit Hilfe eine? von ihm geleiteten BurcauS zu unter- stützen. Mit der fortschreitenden Vervollkommnung deS amtlichen Dienstes ist der A b b a u d! e s e s B u r e a u S. den eigenen Wün- scken des Herrn Erzberger entsprechend, und>m vollen Einoer- nehmen mit ihm. schon seit längerer Zeit im Gange. Durch die vorerwähnte, unter außergewöhnlichen Umständen zur Verfügung gestellte Arbeit, die sich jetzt ihrem Abschluß nähert, hat Herr Erz- vcrger stch um den Ausbau des Presse, und Nachrichtenwesens anerkennenswerte Verdienste erworben.(Lautes Be- lächter rechts.) Abg. Graf Westarp(I.)(zur Ergänzung): Ist der Herr Reichskanzler bereit, Auskunft darüber zu geben, worin die Er. folge der Tätigkeit deS Abg. Erzberger bestanden haben?(Heiterkeit rechts. Lachen im Zentrum.) Ministcriakdirektzor Teutrlmoscr: Ich habe der Auskunft äugen- blicklich nichts hinzuzufügen und dafür weitere Auskünfte vielleicht auf den Haushaltsausschuß verweisen. Abg. Kuckhoff(Z.) wünscht Auskunft über den Fliegerangriff auf Köln. General v. WriSberg: Bezüglich der Alarmierung in Köln bei dem Luftangrisf vom 18. Mai hat der Chef deS Stabes der Luft» streitkräfte der Stadtverordnetenversammlung von Köln am öl. Mai ausführliche Auskünfte gegeben Danach hat die Alarmicrung der Bevölkerung nicht so rechtzeitig stattgefunden, daß die Bürger den Schutz hätten finden können, wie es hätte geschehen müssen. Der feindliche Anflug deutete zunächst auf Trier, dann auf Koblenz, zuletzt waren die Flieger 69 Kilo- Meter vor Köln am Geräusch erkanut und gemeldet worden. Die Kölner Beobachtungsstelle gab um 9 Uhr 49 Min. an die Alarm- Posten das Zeichen: Luftgefahr I und wartete auf weitere Melsung. In der Zwischenzeit hätte der Alarm erfolgen müssen. TaS ist unterblieben und darin liegt der Fehler, der gemacht worden ist. Die Schtvicrigke'ten für den Schutz in solchen Augenblicken sind aber sehr groß. Wenn auch nicht zu spät alarmiert werden darf. so darf ebensowenig zu früh alarmiert werden, weil vorzeitiger Alarm die stete Gefahr in sich birgt, daß die von der Straße ver- scheuchten Leute wieder au? ihren Unterschlüpfen herauskommen und sich erneut den Angriffen aussetzen. Bezüglich der gegenseitigen Einschränkung von Luftangriffen ist folgendes zu sagen: Deutschland kann die Einstellung der Fliegerangriffe auf Städte außerhalb der Kriegsgebiete bei unseren Gegnern nicht anregen. Von den gegnerischen Regierungen ist ein dahingehender Antrag bisher nicht gestellt worden. Sollte ein solcher Antrag erfolgen, so würde er von Deutschlandgewissenhaft geprüft werden. Es folgt die erste Lesung der Novelle zum Schutzhastgesetz. Staatssekretär Wallraf: DaS Reichsmilitärgericht hat der Anwendung des bestehenden SchntzhaftgesetzeS engere G r e n- zen gezogen, als in der Absicht deS Gesetzgebers lag. Es hat jede Entschädigung abgelehnt, wenn die Aufhebung der Schuhhaft nicht auf Grund der voll- ziehenden, sondern der gesetzgebenden Gewalt erfolgte. Nach der neuen Fassung des Gesetzes werden von dem Rechtsschutz alle Maßnahmen erfaßt, die auf Grund der Gesetze über den Kriegs- und Belagerungszustand verhangt worden sind. Ferner wird durch die Novelle auch Entschädigung für die Zeit vor dem Er- laß deS Gesetzes zugediMgt, allerdings mtt der Bogrenzuing, daß nickt über den l August l9lS hinausgegangen wird und die Gut- schädigung auch nstht gezahlt werden soll, wenn die Entlassung auS der Ähutzhaft vor dem L9. Dezember 19lS erfolgt war. Einem weiteren Wunsche deS Reichstags, festzulegen, daß wenn der Tat- bestand nicht zur Vechängnng der Schutzhaft ausreicht, er auch nicht ausreichen dürfe für Ausweisungen usw., glaubte die Ae- gierung nicht zustimmen z« könne». Wg. Wendel(So».): So erfreulich e« auch jetzt-st. daß eine Besserung deS Gesetze? eintritt, so ist es doch zu beda>»ern daß da» Gesetz allein nicht g e n ü g t e. d-e Willkür einzndämmon. Auch ist zu befürchten, daß die Bestimmungen der Novelle nicht ausreichen, um einen besriedi- genden Zustand zu schaffen Die Willkür ist ein« Bestie mit starken Pranken Besonders blutß, geftaltet sich die Schutzhaft in Elsaß. Lotbr-ngen Stundenlang liehe sich darüber reden Alles, was m den letzten Tagen an Gewalt und Willkür hier vorgebracht worden st. ist nur ein schwacher Schimmer von dem, was sich täglich in Elsaß-Lottzringen vollzieht.(Debr wahrl bei den Sozialdemokraten) Dabei haben auch diese vielfachen Quälereien der El saß- Lochringer mit KriegSnotwendigkeiten gar nichts- u tun und faösst, wenn man den m,litärischen Maßstab anlegt, ssndet man keinen Sinn und Verstand in diesem Vorgehen. Es bandelt sich dort, wie ein« Zeiwng schrieb, um eine Ei s e u- klauenpolitik. „Tie neue Regicrm»» Hot außgewedelt, tag H««, schwefelt auS." (Hör'l hört!) DaS dortige Borgehen�erinnert an eine Erzäblung in Hegels.Geschichte der Philosophie'. Hegel erzählt, daß wenn sich;n China ein Sohn über den Vater beschwert, er. wenn er Unrecht hat. erdrosselt wird, hat er aber«echt, so bekam er 199 BambuShiebe und wurde auf 8 Fahre verbannt. (Heiterkeit.) Hundert unb aber Hundert ruhige frietzliche Bürger sind im Anfang des Kriege? in Schutzbast geschleppt worden. Ein groß-r Teil von ihnen mußte nach Inkrafttreten des Schutzhaft- gesetzeS entlassen werden, weil auch nicht der geringste Grund für ihre Verhaftung aufgefunden werden konnte. Wie merkwürdig die Entschädigungsansprüche behandelt wer. den. ben-est der beute im..Vorwärts' veröffentlichte Fall des MewerkschafiSangestellten Wenzen. Es ist ein wahrer Hohn auf Me Entschädig», ngSvflich? des Staates. Die Begrenzung der Entschädigung auf d,e Fälle, die nach Anfang Dezember 1916 entlassen sind, ist viel zu eng. Danach würde von der Entschädigung' z. B auch nicht ergriffen ein katholiicher Pfarrer, der im August 1914 in Schutzhaft genommen wurde Es ist dies ein ganz be sonders krasser Fall Auf dem Wege zum Na' traf ign e'n Militärkraftwagen. der darin saß. fragte ihn aus. Tage darauf kam der Pfarrer der Oberst als Grund an. der be- pch Auf dem Wege zum Nachbardorf Ein Oberst des 1 Bayr. Jnf.-Reg., wer er sei, woher er komme. Am in Schutzhaft Auf Befragen gab Pfarrer habe so stammelnd geant- wortet, daß er ihn für schuldig häite halten müssen Dabei wurde fcstgestelli daß der Pfarrer an einem Svrachkebler leidet. Trotzdem wurde er 3 Monate in den Kasematten von Ehrenbreit- stein festgehalten(Hört! hört!) E;n ähniicher Fall beweist, daß selbst Schwerkranke als eine Gesabr für die Sicherheit de? Reichs gölten Wenn man schon die Ausweisungen aufrecht erhält. so wäre es doch das mindeste, daß man die Opfer dieses Vor- geben? anständig behandelt und vor Not schützt.(Sehr richtig! bei den Sozialdemokraten.) WaS es mit dem Märchen von der sittlichen Läuterung des Krieges aus sich hat. beweist die De- n u n z i a t i o n s p e st, die gleich bei Anfang des Krieges in Elsaß- Lothringen einsehte. Gegen einen Gastwirt wurde vorgebracht, daß bei ihm französische Soldaten während der Besetzung deS Ortes getanzt hätten, obwohl doch der Mann dagegen gak nicht? tan konnte Einem Fabrikanten wurde der Vorwurf gemacht, daß er früher einmal Sckiießbaumwolle für die französische Armee geliefert habe. Wenn man nach diesem Prinzip verfahren will. so kann man fast die ganzen Vertreter der deutschen Waffcnindustrle in Schutzhast setzen. Einem Geistlichen wurde verdacht, daß ihn fran.zösische Amtsbrüder besuchten. Die Novelle bringt eine geringe Besserung, welch« uns aber natürlich bei weitem nicht genügt. Es muß dafür gesorgt werden, daß sie Hörner und Zähne bekommt, schon auS politischer Klugheit Die verwüstende Wirkung der Militärdiktatur ist so weit fortgeschritten, daß wir in Elsaß-Loth- ringen jedes Vertrauen verloren haben. Bei Kriegs- ausbruch herrschte große Begeisterung in den RrichLlanden. Hätte man in Friedenszeiten darüber abstimmen lassen, ob Elsaß-Lothringen zu Deutschland oder Frankreich gehören wolle, so hätten sich% der Einwohner ans Vcrnunftsgrlliidcn für Deutsch- lantz entschieden. Heute ist es glücklich so weit, daß sich eine Mehr- heit für den Anschluß an Frankreich finden würde, nicht auS Liebe zur Trikolore, sondern aus momentaner Verbitterung über die militärische Gewaltherrschaft. D�r Reichstag möge ganze Arbeit machen, um damit das Vertrauen der Elsaß-Lothringer wieder zu gewinnen. ES nützt nichts, daß wir Elfaß-Lotbringen erfolgreich nach außen vertelhigen und es doch innerlich verlieren. Die Reichslande müssen die Rechte eine? deutschen Bun- deSstaats, müssen ihre Selbswerwaltung gewinnrnl(Lebhafter Beifall bei den Sozialdemokraten.) Staatssekretär deS Innern Wallraf: Herr Wendel hat hauptet, daß sich heute ein großer Teil der Elsaß-Lothringer den Anschluß an Frankreich entscheiden würde. Er hat damit und seiner Sache einen schlechten Dienst erwiesen. Ab�. Maldftein(Vp.): Es ist eine Folge der Militär- Politik, daß die Begeisterung, die zu Anfang des Krieges in Elsaß-Lothringen herrschte, sich fast in i h r Gegenteil ver- wandelt hat. In vielen Hunderten von Fällen, wo sich die Aus- Weisung ober die Aufenthaltsbeschränkung als unbegründet erwiesen hat. durften die Betroffenen doch nicht in die Heimat zu- rückkehren. weil der Militärbefehlshaber einfach erklärte, er glaube nicht an die Harmlosigkeit der Leute und lasse stch nichts vorschreiben. Dieser Willkür muß vorgebeugt werden. General WriSberg: Daß Fehler vorgekommen sind, haben wir in der Kommission seinerzeit glatt zugegeben. Ein Teil der Fälle, die Herr Wendel anführte, sind inzwischen erledigt. WaS den Fall des ArbeitersekretärS Gentzen anlangt, so hat er 899 M. Entsmädigung für da? ihm entgangene Gehalt verlangt, während die Zahlstelle des Fabrikarbeiterverbandes das volle Gehalt an seine Familie für die Zeit gezahlt hat. Es ijt ihm also kein Schaden erwachsen. Im letzten halben Jahre sind im übrigen über 299 Elsaß. Lothringer, die ausgewiesen waren, in ihre Heimat zurückgekehrt. Abg. Richer(natl.): Wenn die Behauptung deS Abg. Wendel richtig wäre, daß ein großer Prozentsatz der Eliaß-Lotbringer für den Anschluß an Frankreich stimmen würde, würde das die Sympathie für die Autonomie Elsaß-Lothringens herabmindern. Beschwerden über eine unglaubliche Art der Verhängung der Schutz- Haft, wie sie früher laut wurden, sind in letzter Zeit kaum mehr erhoben worden. Das Gesetz hat also gut gewirkt. Tie Beschränkung der Entschädigung auf die Zeit nach dem 29. De- zembcr 1916 erscheint auch uns zu weitgehend. Abg. Gröber(Z.): Auch ich finde die Befugniss« der Militär- befehts Haber in Eliaß-Lothringen für z u weitgehend. Eine EntschÄngung an die von der Schutzhast Betroffenen muh gewährt werden. Mit semer Behauptung über die Siimmung in Elsaß« Lothringen hat Herr Wendel seiner Sache n?chts genützt. Abg. Nehbcl(k.): Wir werden am Ausbau der Novell« mit- wirken, wenn wir auch meinen, daß wir ein« Waffe zur Verhüwng von Spionag« im Operationsgebiete haben müssen. Die Behaup- twng des A&g. Wendel wirkt kriegsverlängernd.(Beifall recht«.) Abg. Dr. Herzfeld lUnabh. Soz.): Die Handhabung der Schutz. hast ist rigoros. Ein Arbeiter wurde ohne Angabe von Gründen monatelang in Schutzhaft gehalten. Seine Kinde? wurden nach einem jchlner Waisenhaus gebracht, während seine Frau gleich. falls«nheftoert wurde. Als eö den beiden endlich gelang, sich zu finden und nach ihren Kindern zu suche«, erhielten sie diese nach langen Bemühungen m einem Zustande zurück, dem eine« der Kinder erlag. Der Münchcner Schriftsteller Erich Mühsam wurde nach Traunstein gebracht und dort gezwu-ngen. als H a n d e l S l e h r l i n a in die dortig« Handelsbank gegen est, tag. liches Hanorar»an 3 M. einzutreten und die untergaortmotste« Ar. beiten zu»errichten. Wir verlangen zum mindesten ein«»»itkich- Bsgrenzung der Schutzhast und das Recht des Inhaftierte» anf An- gab« von Gründen. Abg. Hau»(Elf): Wir freuen unS über di« Vorlag«, müssen aber betonon, daß sie noch weiteren AuSbauS bedarf. Schn>d an vielen Fällen der Inhaftierung ist da» Reichsmilitärgericht, daS sich vielfach für unzuständig erklärte und da« Schicksal der Betroffenen dem Guidünken ver Militärbefehlshaber überließ. Trotz de? freisprechenden Urteils ist es vielen Opfern eine» fchufttge» Denunzianten nicht möglich, in ihre Heimat zurückzukehren.(Hört! hört! b. d. Unadh. Soz.) Der Weinküfer Konstantin Kempe in Rappoltsweiler war ausgewiesen. Die Ausweisung wurde vom Reichsinilitärgericht zuräckgenommen. Trotzdem erklärte der Militärbefehls. Haber, er könne&n unter Berücksichtigung der militärischen Lag« nicht zulassen.(Lebh. Hört! hörtl) Ist das nicht ein Hohn auf das Schutzhaftgesetz?(Sehr wahr!) Die Aeußening des Abg. Wendel über den varausstchtlich«, Ausgang ein«r Volks- abstimmnng in Elsaß-Lothringen habe ich mehr al» eine dringende Warnung«nftefaßt. Wahcsc�inlich»«»de eine s»lche Abstimmung die jetzige große Erbitterung über das Militärregiment wiedergeben. Möge der Reichstag beweisen, daß er bereit ist, mit diesen Zuständen aufzuräumen, dann werden auch die Elsaß- ! Lothringer froh sein, sich als Deutsche fühlen zu könnvn. !(Lebhafter Beifall.) General WriSberg: Lu den Einzelfällen mußte man auch die Gegenfeite hären. In dem einen Falle hattf das ReichSmilitär- gericht nur die Aufenthaltslwschränkrmg.innerhalb Deutsch. lands" aufgehoben.(Große Unruhe. Zurufe: Wollen Sie Elsaß- Lothringen für aufirrhalb Teutschlands erklären?!) General Köppcn erwidert auf eine gestrige Anfrage des Abg. Haase, daß die Briefzensur in einem von diesem erwähnten Falle dem ungeschriebenen Recht der Staatsnotwehr entspreche.'(Abg. Haafe sU. Soz.s: Das gibt es nicht, es gibt nur i Gesetze I) Abg Voehlc(Soz.): Gerade in der ersten Zeit sind die schwersten Fäll« unberechtigter Schutzhaft vorgekommen. Da. her mutz die Entschädigung auch auf diese Fälle ausgedehnt werden.— Die Behauptung des General WriSberg, daß nur zwei Fälle von nsuerticher Ausweisung trotz Aufhebung der Ausweisung durch das ReichSmilitärgericht vorgekommen feien, trifft nicht zu. In ernem weiteren mir mitgeteilten Falle ist eine Frau jetzt aus genau den Gründen ausgewiesen, die seinerzeit zu der in- zwischen vom Reichsmilitärgericht aufgehobenen Schutzhaft geführt hatten.(Hört! hörtl) Die Aussprache wird geschlossen. Das Gesetz wird an eine Schuvhaft-Kommi'sfion verwiesen. Auf Antrag des Wg. Gröber(Z.) wird nun zunächst der An- trag der Geschäftsordnungskoniimission betr. die Vizepräsidenten auf die Tagesordnung gestellt. Abg. Gröber(Z.) berichtet über di« Verhandlungen der Kam- Mission. Die Praxis, daß der Präsident mit den untereinander gleichberechtigten Vizepräsidenten die Stellvertretung regelt, hat sich>n Oesterreich fahr gut bewährt. Abg. Ledebour(U. Soz.): Es wird notwendig sein, die Reihenfolge der Vizepräsidenten sofort für die ganze Session festzustellen, um alle Differenzen unmöglich zu machen. Wir wünschen aber, daß morgen alle drei Vizepräsidenten neu zu wählen ßnd, nicht aber daß, wie die Kommission vor- schlchzt, stillschweigend die jetzigen beiden Vizepräsidenten als gewählt anerkannt werden. Abg. Graf Westarp(k.): Die Darstellung der Press«, wir hätten es abgelehnt, in daS neue Präsidium einzutreten, trifft nicht zu. Wir erkennen vielmehr kein dauernde» geschäft- lich«S Bedürfnis an, die Zähl der Vizeprästdenten zu ver- mehren. Der Zweck der Vorlage ist offenbar auch nur. den An- sprnch der Sozialdemokraten auf einen Vizepräsidenten zu erfilllen. Wir können diesen Anspruch als berechtigt nicht anerkennen. Eine Tradition, die Präfidenten au» den stärksten Par- teien zu entnehmen, besteht wicht. Von 1879— 1896 hat das Hau? konservative Präsidenten gehabt, obwohl andere Parteien stärker waren. Offenbar sind eS also polltisch« Erwägungen, die da- hin führen sollen, den Anspruch der Sozialdemokraten zu besriedi- gen, und diese Erwägungen können für uns nicht bestimmend sein. Wir hakten auch den bisherigen Modus für richtiger, daß das Hau? selbst die Reihenfolge de? Stellvertretung des Präsidenten festsetzt. Nach weiteren kurzen Bemerkungen der Abgg. Gröber(Z.) und Ledebour(U. Soz.) wird der Antrag angenommen. Abg. Dove(Vp.) legt hierauf sein« Vizepräsi- dentfchaft nieder. Abg. Paasche: Ich kann nicht dasselbe tun, sonst haben Sie morgen gar keinen Präsidenten.(Heiterkeit. Z>urufe: Alters- Präsident I) Das Hau? vertagt sich auf Sonnabend 11 Uhr.(Wahl des Präsi. diumS, Etat des ReichSamtS de» Innern.) Schluß 6% Uhr._ das Reichsftempelgefetz im ffauptausschust. Am Freitag begann die Beratung mit der Frage, ob K r i e g s. anleihe von der Stempelabgabe befreit werden solle. Die Vor- lag« Mägt die Besteuerung vor, was Abg. Gothein bekämpft, Keil aber verteidigt. Graf Nocdern erklärt, den Ertrag dieser Ab- gäbe nicht entbehren zu können. Die Besteuerung wird be- schlössen. Eine lange Debatte entsteht über den Vorschlag einer weit schärferen Besteuerung der Spekulation während de» Krieges. Unter. staatssekretär Schiffer verteidigt den Vorschlag mit dem Hinweis auf die geradezu wllste Spekulation, die bei der jetzigen Geldflüsfigkeit eingesetzt habe. Gerade die Kriegsgewinnler hätten lange nicht in dem Maß«, wie es ihrer Wirt- schaftlichen Kraft entspricht, Kriegsanleihe gezeichnet: dies« Leute seien mit einer festen bprozentigen Verzinsung nicht zufrieden. Keil beantragt, für die Kriegszeit 6 vom Tausend zu erheben. Der Antrag wird in einer Unterabstimmung zunächst angenommen, dann aber im Zusammenhang abgelehnt. Angenommen wird «in Antrag Riesser, wonach der Steuersatz allgemein und dauernd 1 vom Tausend betragen soll(gegenüber 6 vom Tausend der Vor- läge). Nach Durchberatung einiger weiterer Punkte erfolgt Vertagung. Sonnabend Fortsetzung und Gesetz über die S t e u e r f l u ch t. �rbeitskammern. Am Freitag erklärte die Regierung vor der Abstimmung über den zu§ 1 der Borlage gestellten Antrag, daß der Antrag der Ratio- nalliberalen keine Aussicht auf Zustimmung der Re- gierung habe. Dr. Hitze(Z.) brachte rnrnmehr einen Abände. rungsantrag dazu ein, der vor allem„für bestimmte Arten von Be. trieben' fachliche Kammern zulassen will: dadurch sollen die Staatsbetriebe isoliert werden. ES entspann sich noch eine Debatte über den Unterschied zwischen dem Antrag Trimborn und dem der Nationionalliberalen. Die Regierung will der Terri- torialkammer nicht den ihr durch den nationalliberalen Antrag verschafften Vorrang gestatten, vor allem aber will sie bei der Errichtung der Fachkammern nicht abhängig sein von der Stellung der Arbeiter und der Arbeitgeber zur v-dürfnisfrage.—In der Abstimmung wurde der Antrag der un- abhängigen Sozialdemokraten, Arbeiterkammern zu schaffen, abge- lehnt. Der Antrag B ruber und Genossen(Gewerkschaftsvorschlägc) wurde mit IS Stimmen angenommen, wonach nunmehr für alle Arbeitnehmer und Arbeitgeber bezirkliche Arbeitskammcrn zu er- richten sind. Dadurch erledigten sich alle übrigen Anträge. Ein- stimmig angenommen wurde«in Antrag Behrens, der bei dem Reichswirtschaftsamt einen Arbeitskammerausschuß errichten will. Ein zwei d-e Antrag Bender u. Gen. zu§ 1 der Vorlage bezweckt, daß zur Wahrnehmung der besonderen Interessen der Arbeitnehmer bei jeder ArbsitSkammer eine besondere Arbeiwehmeravteilnng errichtet wird, die auS den Arbeitnehmern der betreffenden Arbeits- kammer gebildet wird. Wissell(Soz.) begründete diesen Antrag. dies«» Recht der Arbeitnehmer auf eine besondere Vertretung, nach. dem man den Arbeitgebern in öS Landwirtschaftskammern. 52 Han- delskammern und W Handwerkskammernn eine reine Fnteressenvcr- trewng geschaffen habe. Die Regierungsvertreter rieten von solchen besonderen Arbeitnebmerdertvetungen ab, weil dadurch.dt« Ar- beitSkammer ihrem«igentl'chen Zwecke entfremdet" würde,.den so- zialen Frieden zu fördern". Hierfür sei da» Zusammenarbeiten, da» paritätisch« Arbeiten in allen Fragen erforderlich. Hähnle (Vp.) trat für den Antrag ein und auch Abg. Hitze(Z.) hielt im In- teresse des gewerblichen Frieden» gerade ein« offizielle Zusammen- kunft der Arbeiwckhmervertreter für zweckmäßiger, um inoffizielle Zusammenkünfte nach Möglichkeit zu vermeiden. yilfsöienftavsstbuß. In der Sitzung de» Hilfsdienstausschusses erstattete am Freitag ! Oberst v. Braun Bericht über die Reis«, die zu der Besichtigung der Arbeiterlager in Elsaß-Lothringen von einer Kom« Mission de» HilssdienstauöschusseS unternommen wurde. Daran scUoß sich dann ein Bericht tas Abg. Stlicklen über die gleiche Sache. Die Bericht« wichen in Einzelheiten, insbesondere aber in den Schlußfolgerungen voneinander ab. Die ein» gehende Debatte führte zu dem Resultat, daß die drei Abgeordneten, die an der Reise teilgenommen baben. bis zur nächsten Sitzung einen gemeinsamen Bericht borlegen sollen. Die Vorschläge deö Abg. Stückle» wurden vom.Kriegsamt angenommen. Abg. Girbel berichtet dann über eine Petition aus den Kreisen der A n g e st e l lt e n. In den Werftbetrieben der Marine werden Angestellte, die von Privatwerften kommen, nicht eingestellt, wenn tljre frühere Firma nicht damit einverstanden ist. Der Vorteil der Gewährunq des Abkehrscheins wird dadurch illusorisch gemacht, denn die Leute, sind in ihrem Fortkommen gehindert.— Geheimrat Harms erklärt, daß der Staatssekretär bereits ein« Verfügung er- lassen habe, in der dieses Versahren nicht gebilligt wird. Abweisun- gen der Privatunternehmen sind für die Marine nicht bindend. Im Zusammenhang damit steht eine Petition des Bundes der technisch- industriellen Beamten, über die Abg. Bauer-BreSlau berichtete. Die Howaldwerke verweigern ihren ledigen Angestellten eine Teue- rungsgulage. Der Schlichtungsausschuß gab den Angestellten recht. Die Firma fügte sich diesem Spruch nicht, sondern erteilte den Ab- k e h r s ch e i n. Die Marinevenwaltung lehnte aber dann die Ein- stellung ab und ein Teil der Leute ist schließlich militärisch eingezogen worden.— Geheimrat Harms erklärt, daß>es schwierig sei. in Privatbetriebe bestimmend einzugreifen.— Abg. Bauer betont noch, daß der Schlichtungsausschuh festgestellt hat, daß die Howaldswerke schlechter zahlen als andere Werke. Bei den Howaldwerken ist ausländisches Kapital in großem Maße beteiligt, es liegt also gar kein Anlaß vor, dieses Werk zu bevorzugen und ihm zu gestatten, schlechtere Gehälter zu zahlen als wie z. B. die Ger- maniawerft.— Abg. Giebel nnterstüßt diese Ausführungen. Die Petition wird dann dem Kriegsamt einstimmig zur Berücksich- t i g u n g überwiesen. Ferner beschloß die Versammlung auf Antrag der Ortsver- waltung, den monatlichen Beitrag vom 1. Juli ab um lll Pf. zu erhöhen. iMcrfschlMetvWmg Ioröerungen üer Holzarbeiter. Ladenschluß und Bcvölkerungspolitik. Der Zentralverband der Handlungsgehilfen schreibt hierüber: Der Krieg hat für manche Kleinhändler schwere Zeiten ge- bracht. Die Warenkappheit hat schon das äußere Bild der meisten Verkaufsgeschäste völlig verändert. Aus den Schaufenstern sind viele Warengattungen völlig verschwunden. Ja, dieses im Frieden so wichtige Mittel, Käufer heranzuziehen, ist vielfach zum Stiefkind geworden. Die notwendige Sparsamkeit mit Beleuchtungsmitteln und in vielen Städten im SüSwesten Deutschlands auch die Flieger- gefahr, haben das Lichtermeer, in das die Hauptverkehrsstraßen sich nach Eintritt der Dunkelheit durch die großartige Beleuchtung der Verkaufsgeschäfte hüllten, verschwinden lassen. Die Kriegsverhäl:- nisse führten dazu, daß der Bundesrat sich entschloß, durch eine Ver- ordnung für viele Geschäfte den Siebcnuhrladenschluß vorzu- schreiben. Was ein solcher Schritt bedeutete, ermißt man erst, wenn man sich vergegenwärtigt, daß die kaufmännischen Angestellten unb ein großer Teil sozial einsichtsvoller Geschäftsinhaber sich vor dem Kriege vergeblich bemühten, die allgemeine Durchführung des Achtuhrladenschlusses zu erreichen. Und wenn auch der Warenmangel hart empfunden wird, an den frühen Ladenschluß hat sich das kausenve Publikum Verhältnis- mäßig schnell gewöhnt. Diese Tatsache fysi denn auch dazu geführt, daß weite Kreise des Kleinhandels, insbesondere aber die Angestellten, heute fordern, daß diese Neuerung auch in der hoffentlich nicht mehr fernen Friedenszeit erhalten bleibt. So beschäftigte sich der Reichstag kürzlich mit zahlreichen Eingaben, die der Zentral- verband der Handlungsgehilfen überreicht hatte, in denen rund 1 0 7 0 0 Geschäftsinhaber und 17 0 0 0 0 Ladenangestellte sich für I die Beibehaltung des Siebenuhrladenschlusses ausgesprochen hatten. Diese und noch weitere Eingaben aus Angestelltenkreisen haben es auch diesmal nicht vermocht, den Reichstag dazu zu veranlassen, sich für die Angestellienwünsche auszusprechen. Die Verhältnisse, besonders in den Großstädten, erheischen aber dringend eine Verkürzung der Verkaufszeit. Es gibt kaum eine Schicht in der Bevölkerung, die so lang« durch ihre geschäftliche Tätigkeit festgehalten wird, wie die Inhaber und Angestellten der In de-r am Donnerstag abgehaltenen Generalversammlung der Zahlstelle Berlin des Holzanbefterverbandes gab Glocke den Ge- schästsbenicht vom ersten Quartal. Er sagte unter anderem, die Tätigkeit der Ortsverwalt-ung richtete sich in erster Linie darauf. die Lohiivevhältnisse der Kollegen so zu gestalten daß sie mit der Tsuenung einigermaßen in Einklang konnmen. Die nach der Ver- «inbarnng vom November 1917 am 15. Ferbuar und am 1. April dieses Jahres einge iretene Lohnerhöhung von jedesmal 5 Pf. pro Stunde konnte nicht entfernt ausreichen, um den Teuerungsver- häkwissen gerecht zu werden. Uebrtgens stieß die Durchführung � � � � 1 1 wutt„ dkfer geringen Äulage bei einem Teil der Arbeitgeber auf: Verkaufsgeschäfte. Zu der langen Verkaufszeit kommen ja noch epck/wierigfti.en. In 40 Emzeliallen mußte de--halb verhandelt! � Geschäftswege, die durch die innner größer werdenden Ent- werden Mit NuÄicht aus die bc,ondere Lebensmitteltouerung rn fernlagen zwischen den Geschäfts, und Wohnvierteln in den Groß- Berlin hatten die Kollegen außer der vereinbarten Lohnzulage von � zweimal 5 Pf- weitergebende Forderungen �stellt und diese auch in. � der Zeit nach dem Kriege ist es besonders ans bevölkerungS- einer Reihe wn Betauen, zum mittels Arbeit. niererlegnug, politischen Gründen zu wünschen, daß der Trieb der Städte, sich in durchges-etzt. �.rvhd-em sinÄ die Lohne luw»er noch nicht �srei�nd,> möglichst gesunden Vororten anzusiedeln, nicht unterbunden wrrd. da ja nicht nur die Lebensmittel, sondern alle Bebarf�egenitande Wenn die zahlreichen kaufmännischen Angestellten hiervon nicht eine ungeheure PreiAhohe erreicht daüen und noch fortwährend � ausgeschlossen werden sollen, ist es erforderlich, daß ihren Wünschen steigen, so daß eine weitere Lohnerhöhung unbedingt notwendig rst.; in rtuf pie Einschränkung der Verkaufszeit entgegen- Dem Bericht folgte eine längere DiSlussion, rn der der vom.Rommen wird. Referenien berührte Rüswngsapbeiterstreik Ende Januar, sowie andere allgemeine Fragen behandelt wurde». Hierauf berichtete Glocke über die neuerdings eingeleiteten Schritte, welche sich auf eine weitere Lohnerhöhung richten. Die Ortsverwalwng hat an die Arbeitgeberorganisation die Anfrage gerichtet, ob sie bereit sei, wegen einer durch die steigende Teuerung bedingten Lohnaushesserung zu verhandeln. Die vereinigten Ar- beitgckberverbände der Holzindustrie haben darauf geantwortet, sie lehnen es unbedingt ab. über diese Frage zu verbandeln, da durch die Vereinbarung vom November 1917 die Löbne bis zum 15. Fe- bruar 1919 geregelt seien.— Danauf hat die OrtSverwalhrng den Arbeitgoberverbändcn erwidert, die Vereinbarung könne nicht so ausgelegt werden, als ob trotz fortschreitender Teuerung die Forde- run.g einer weiteren Lohnerhöhung unzulässig sei. Es sei ja nicht die Schuld der Arbeiter, wenn der KriegSwuicher immer weiter um sich greife. Die Arbeiter befänden sich in einer Zwangslage, wenn sie ihr Einkommen mit den erhöhten Kosten-der Lebenshaltung in Einklang zu bringen suchen. Da die Arbeitgeber jede Verhandlung a>ble.hnen, könne die Ortsverwaltung keine Verantwortung dafür übernehmen, wenn in den Betrieben Differenzen entstehen.! Die Holzarbeiter hakten mit Rücksicht auf die verschiedene Lokm- höhe in den einzelnen Betrieben und Branchen eine Lohnerhöhung von 30 bis 40 Pf. pro Stunde fiir notwendig. In einer Reihe von Betrieben ist diese Forderung bereits gestellt und bewilligt worden. Auch in anderen Betrieben, wo Aussicht auf Durchführung ist, soll die Forderung gestellt wenden. Sollte e? inzwischen zu Verband- lungen mit der Arbeitgeberorganisation kommen, dann wird abzu- warten sein, was dabei herauskommt. Die Versammlung beschloß, die Forderung einer Lohnet-: h ö b u n g von 30 bis 40 P f. in den Betrieben zu stellen. Gemäß einem Beschluß der vorigen Generalversammlung hat die Ortsverwaltung die Frage geprüft, ob der Posten des nicht wiedergewählten Angestellten Fendel neu zu besetzen sei. Sie bat, wie Glocke mitteilte, auch die gegen Fendel erhobenen Vor- würfe eingebend gevrüft und die Beschwerdeführer gebort und ist z» dem Ergebnis gekommen, daß die Vorwürfe nicht begründet sind. Die Orlsvcrwalwng ist der Meinung, es entspreche nicht den Jnter- essen der Kvllegen/wenn Fendels Funktion, die sich auf die Ver- bältnisse der Flugzeugfabriken erstrecke und eine mit den dortigen Angelegenheiten eingebend vertraute Person erfordere, einem anderen übertragen würden. In der Diskussion erklärte Zickel. Fendel sei desbaw für - seinen Posten ungeeignet, weil er seine gewerkschaftliche Stellung benutz«, um Einfluß zugunften der Sozialdemokratischen Partei sMehrhe-tsrichtiingi auszuüben, Fendel verwahrte sich gegen diesen Permi rf. Er skmvetisiere allerdings mit der fozialdemo- knatflchen Mehrheitspartei, aber er habe seine Stellung in der Ge» werkschast niemals zugunsten feiner politifchen Neberzeugung miß- braucht. Die Versammlung beschloß, hast es bei der von der vorigen Generaln-"n>mnrfl!ng betätigten NichtWiederwahl Fendel s bleibt und die Stelle auszuschreiben ist. Wo bleiben die Lobnznlagen für die Nrbeiterschaft der städtischen Rieselgüter? Die Geduld der Gutsarbeiter und Rieselwärter auf den städti- schen Gütern wird aus eine harte Probe gestellt. Seit nahezu drei- viertel Jahren warten sie aus eine Lohnzulage. Tie letzte Lohn- zulage, in Form der erhöhten Kriegsbeihilfe, um 10 M. pro Monat ist ihnen am 1. Juli 1917 gewährt worden. Seit Juli vergangenen Jahres sind nicht nur den städtischen Arbeitern der verschiedenen Betriebe, sondern auch den städtischen Beamten wiederholt Er- höhurigen der Kriegs lohnznlagen bewilligt worden. Unter dem 6. Oktober 1917 haben die Gutsarbeiter und Nieselwärter durch die Leitung der Ortsverwallung Groß-Berlin dos Verbandes der Ge- meinde- und Staatsarbeiter Anträge um Erhöhung des Lohnes bzw. der KriegSlohnzulagen gestellt. Am 9. Januar d. I. wurde an die städtische Gütcrdepiiatino in dieser Angelegenbeit ein Er-, innerungSschreiben gerichtet. Vergeblich warteten die Arbeiter auf baldigen Bescheid. Darauf wurde am 7. März d. I. ein Schreiben in dieser Angelegenheit an den Berliner Magistrat gerichtet. Jetzt antwortete die Devutation unter dem 14. März d. I. auf das Schreiben vom 9. Januar und 7. März d. I. dahin, daß eine Er- böhung der Löhne beantragt sei. Am 21. März wurde von der Berliner Stadtverordnetenversammlung beschlossen, die Löhne der auf den städtischen Gütern beschäftigten Personen entsprechend den Verhältnissen zeitgemäß zu erhöhen. Seit März schweben nun die Verhandlungen. Auch bei voller Berücksicbiignng des Ilmstandes, daß die Kriegsverhältnisse den zuständigen Magistratsstellen größere Arbeitslasten aufgebürdet haben und dadurch eine kleine Verzöge- rung in der Erledigung des einlaufenden Materials begründet er- scheint, muß jedoch in diesem Falle festgestellt werden, daß eine derartige Verzögerung keinerlei Begründung oder Entschuldigung zuläßt. Die©ednld der Arbeiter, die sich in dieser schweren Zeit mit so überaus niedrigen Löhnen und nicht minder niedrigen Kriegsbeihilfen durchscklagen müssen, kann letzten Endes auch mal' reißen, dessen sollten sich die zuständigen Stellen des Magistrats be- wüßt werden. Mit einem Tagelohn von 3.25 M. für den Arbeits- dag, zuzüglich 1.15 M. für den-Arbeitstag an Kriegsbeihilfe, also zusammen 4.40 M. pro Tag, wie ihn die städtischen Rieselwärter zurzeit erhalten, kann heute kein Familienvater sich und seine Fa- milie ernähren. Das lallte den zuständigen Magistratsstellen Ver- anlassung geben, die Bewilligung der von der Stadtverordneten- Versammlung beschlossenen Zulagen ein wenig zu beschleunigen. jeden Fall annehmen sollten. Mr haben nur gefordert, daß An- nähme wie Ablehnung aus sachlichen Gesichtspunkten erfolgen sollten. Um das zu sagen, brauchten wir die Einzelheiten des Pro- jekts wirklich nicht zu kennen, zumal da diese nach dem eigenen Ge- ständnis der Bielerfelder.Volkswacht" für den ablehnenden Be- schluß der Melefekder Genossen gar nicht maßgebend ge- Wesen sind. Warum hätten sie sonst vorher ihre Mitarbeit zu- gesagt?!_ Warnung!> Gen. G. Thöne- Cassel ersucht uns um. Aufnahme folgender Zeilen: In Westfalen und am Rhein versucht ein angeblicher Fischer unter Angabe unwahrer Tatsachen und' unter Berufung auf ihn(Thöne) von der Parteiorganisation Unterstützung zu langen. Um die Genossen sicher zu machen, übergibt er diesen Briefe, die an mich zur Beförderung an seine Fanftlie weitergegeben werden sollen. Die Parteigenossen feien hiermit vor diesem Schwindler gewarnt. Inöustrie und Kandel. Die Lage der Kalündustrie. Da dem Reichstag demnächst wohl ein Gesetzentwurf auf Er- höhung der Kalipreise zugehen dürfte, so hat der letzte Bericht des Kalishndikats ein besonderes Interesse: Der Absatz des Jahres 1917 betrug 19 042 814 Doppelzentner Neinkali im Werte von 230,6 Millionen Mark. Im Jahre 1913— dem letzten Friedensjahre— wurden 11 103 694 Doppelzentner Reinkali im Werte von 192,1 Millionen Mark abgesetzt. Aus diesen Zählen geht hervor, daß die Preisephöhungen, welche der Kaliindustrie in vier Kricgsjahren zu- gebilligt wurden, etwa 30 Proz. ausmachen. Die ersten vier Monate dieses Jahres haben infolge Wogen-, Kohlen-, Arbeiter- und Gefangenenmangels einen Absatzrückgong von rund 300 900 Doppel» zeniner Reinkali gegen den gleichen Zeitraum des Vorjahres ge- bracht. Der Absatz betrug nämlich 4114 000 Doppelzentner Neinkali bis Ende April dieses Jahres gegen 4 405 000 Doppelzentner Reinkali bis Ende April 1917. Die Wage nge stellung ist seit Mitte Februar wesentlich besser geworden und auch die Kohlenversorgung Hot in letzter Zeit eine erhebliche Besserung erfahren. Dafür macht sich aber ein starker Mangel an Fachhandwerkern, die Reparaturen vornehmen können, fühlbar und es ist zu befürchten, daß die Landwirtschaft auch im Jabre 1918 nicht diejenigen Mengen Kalisalze bekommen kann, welche sie zur Düngung der Becker benötigt. Dieser Bedarf ift auf 12 Millio- neu Doppelzentner Neinkali gestiegen gegen 5.3 Millionen Doppel- zentner Neinkali, die im Jabre 1913 an die deutsche Landwirtschaft geliefert wurden. Mit Rücksicht auf die gewaltige Nachfrage aus dem Inland« mußte das Auslandsgeschäft eingeschränkt werden. Die Folge ist, daß die Erlöspreife derjenigen Kalimarken, welche noch im vorigen Jahre in größeren Mengen nach dem Auslände geliefert werden konnten, zurückgehen. Die Aussichten in der Kaliindustrie fiir das Jahr 1918 lassen sich nicht voraussehen, da der Absatz wesentlich von der Wagengeftellung. sowie von der Kohlen- und Arbeitervcrsorgung der Kaliwerke abhängig ift. Der Auftragsbestand ift außerordentlich groß. Ss�iaZes. VoiftandSwassl der Maler. In der letzten Mftgliederversammlung der Filiale Berlin des Mahwverbandcs wurde die Wahl des Filialvorswndes ohne Debatte vollzogen. Der vom Hauptvorstand angestellte Vorsitzende M i e tz, gegen den sich in den vorhergegangenen Versaininlungen eine leb- hafte Opposition bemerkbar gemacht hatte, bleibt im Amt, da seine Wahl nicht durch die Filiale erfolgt. Wiedergewählt wurden die bisherigem Vorstandsmitglieder: Schriftführer Frack, Beisitzer Rostin und Genz, Revisoren Ten bei und ErHardt. Da taut Beschluß der vorigen Versammlung der Borstand um zwei Mitglieder verstärkt werden sollte, wurden Beil als stellvertreten- der Vorsitzeuder und Köhle als dritter Beisitzer gewählt. Die Branche der Küchenmöbelmaler beantragt«, den.Vor- wärt" wieder als Publikationsorgan zu benutzen, da der gegenwärtige Zustand, wo der Vorstand nichts im.Vor- wärts" veröffentlichen darf, zu unhaltbaren Verhältnissen geführt habe.— Nachdem lebhast für und gegen den Antrag ge- sprachen worden war, wurde er gegen eine erhebliche Mittde rheit angenommen. parteinackrickiten. Der Kampf um das„.Hallesche Volksblatt". Der Prozeß, der um den Besitz des..Halleschen Volksbla-ttes" gefli'hrt wird, ift gestern, Freitag, zugunsten der alten So» zialdemokratie entschieden worden. Wirtschaftspolitik und politische Demonstration. Die Bielefelder.Volkswacht" wendet sich gegen die Kritik, die der„Vorwärts" an dem Beschluß der Bielefelder Genossen geübt hat, die zugesagte Mitarbeit cm einer gemeinnützigen Baugenossen- schaft wegen der Ablehnung der preußischen Wahlrechtsvortage wieder zurückzuziehen. Die„Volkswacht" meint, wir hätten gar nickst urteilen dürfen, weil wir nach unserm eigenen Geständnis die Einzelheiten des Bauprojekts nicht kannten. Wir hätten also gehandelt wie jener Abgeordnete, der einmal erklärte:„Die Gründe der Regierung kenne ich nicht, aber ich mißbillige sie." So hätte auch der„Vorwärts" gesagt:„Das Bauprojekt kennen wir nicht, aber seine Ablehnung durch die Sozialdemokratie müssen wir miß- �billigen." Daß diese Danstellung absolut unrichtig ist, zeigen unsere von der„Volkswacht" selber wiedergegebenen Aus- ] führungen, in denen es ausdrücklich heißt: Was das Baugenossenschaftsproseft der Stadt Bielefeld an- belangt, so kennen wir seine Einzelheiten nicht. Brachte es der Arbeiterklasse keine wirtschaftlichen Vorteile, so i war die Beteiligung natürlich abzulehnen. Wir hoben also nichts weniger verlangt, als daß die Viele- I felder Genossen ein uns nur oberflächlich bekanntes Bauprojekt auf Betriebsunfall im Schlafraum. In einer vielumstrittenen Frage hat das ReichSversicherungs- amt folgende anerkennenswerte Entscheidung gefällt: Der Zimmergeselle K. H. ist am 19. Februar 1916 in seiner Wohnung in M i t a u im Schlaf durch KohlenorhdgaSvergistung dadurch zu Tode gekommen, daß ein Mitarbeiter am Abend zuvor die am Ofen befindliche Klappe des mit Kohlen geheizten Ofens zu früh geschlossen hatte. H. war mit anderen als Arbeiter der Firma Gebr. Z. in K. zum Bau einer KriegSvcrpflegungsanstalt nach Mitau in Rußland entsandt worden. Allerdings ist nicht jeder Unfall, den ein Arbefter bei einem auswärtigen Aufenthalt anläh- lich seiner Betricbstätigkeit erleidet, unter allen Umständen des- halb ein Betriebsunfall, weil der auswärtige Aufenthalt durch den Betrieb bedingt ist. Vielmehr fallen auch auf Reisen für den Betrieb diejenigen Tätigkeiten, welche der Arbeiter zur Befriedi- gung seines Bedürfnisses nach Ruhe, Nahrung und Erholung unter- nimmt, regelmäßig in den Bereich seiner Eigenwirtschaft und sind daher, soweit sie ihn».ißerhalb derjenigen Oertlichkeit führen, an der sich die Betriebstätigkest vollzieht, in der Regel nicht durcki die gesetzliche Unfallversicherung gedeckt. Dagegen ist ein Zu- sam.menhang mit dem Betriebe dann gegeben, wenn der Arbeiter durch die besonderen Um» stände, unter denen sich die notwendige Be- dürfnis.befriedigung vollzieht, gewissen aus dem Betriebe und seinen Besonderheiten her- vorgehendem Gefahren ausgesetzt ist. Ein solcher Fall liegt hier vor. Die Arbeiter der Firma Gebr. Z. in K. hielten sich im Austrage ihrer Firma zu Bauarbeiten für deutsche mili- tärische Zwecke in Mitau auf. Das Quartier war ihnen von der Militärbehörde angewiesen worden. Eine selbständige Ein- quartierung war dort aus militärischen Gründen nicht zulässig. Es stand nicht in dem Belieben der Arbeiter, in einem anderen Haus Wohnung zu nehmen. Der Umfang der dem Betriebe über- tragenen Bauarbeit und die örtlichen und militärischen Verhältnisse am Ort der Bariarbeit(Mitau) hatten ferner dazu geführt, daß H. nicht allein, sondern mit anderen Arbeitern zusammen Woh- nung in dem bezeichneten Hause hatte nehmen müssen.� Infolge der gegebenen Verhältnisse waren die Arbeiter auch genötigt, den Schlasraum miteinander zu teilen und dabei etwa durch Mitarbeiter geschaffene Gefahren für das Leben der anderen zu tragen. Einer solchen Gekabr ift der Erb- lasser der Kläger am 19. Februar 1916 erlegen. Bei den durch den Krieg geschaffenen Zwangsverhältnissen, unter denen die Arbeiter der genannten Firma infolge ihrer �Betriebstätigkest in Mitau standen, war es demnach gebaten, den tödlichen Unfall der Betriebs- tätigkeit des Betroffenen in Mitau zuzurechnen.(la 5133/16 14 ß.) ?uoenüveranfta!tunyen. Prenzlauer Borstadt. Sonnabend, 8. Juni: Nachtwanderung nach der Löcknitz. Trefsvunkt: 8 Uhr abends, Aleranderplatz(Boro- lina). Nachzügler: Treffpunkt Sonntag früh 7,30 Uhr. Alerander» platz(Bcrolina). Kostenpunkt 1H0 M. Mittwoch, 12. Juni: DiS- kutierabend. Bezirk Süden. Sonntag. 9. Juni: Wanderung nach dem Dubrow-Forst. Treffpunkt 6,30 Uhr morgens am Görlitzer Bahn- hos. Kosten 2,— M. tevarlottrnbnrg.«rbriterjngendheim. RoünenNravc 4. Morgen Wanderung über Schildborn nach Gaiow TrefspunII 7 Ubr morgen» am Ncichstanzlervlad. Kotten 1 M.— Abends 8 Ubr im Jiigendtcim Borlraq. Verantwortlich Mr Polttiki Srich SntMer, Berlin: Mr den adrigen Teil de, �'att-s. ÄIkrcd Scholz. ZieiiMlin: Mr Anzeigen Theodor Gl-chc, Berlin. Verlag: VorwäriS-Verlag«. m b H Berlin. Druck VorwürtS-Buchdruckerei und Leriagzaniialt Paul Singer u. Co. in Berlin. Lindenstrabe 3. ___ Hirrzu 1 Brilaac und Untcrdaimuasdtart. istige Mitteilung für alle Keser des �5 Vorwärts Alle Leier des„Vorwärts" erhalten gegen Ein- sendung des nebenstehenden Gulscheins ein Gratis- Probebeft der rübmlichst bekannten illustrierten Zeil- s-t-rift„Welt und Wissen". Dieselbe bringt von ersten S ch r i s l st e l l e r n gcmeinvcrstandlickie Abbandlungen aus allen Wissensckiaflen. Jedes Heft enthält zirka 20 Artikel,». B.: Der Mensch m der Psahkbauzeit. — Wenn die Erde erzittert.— Wie erholte ich mich gesund.— Der Wille und dessen Gymnastik.— Das Leben unter Wasser.— Fernphologrophie.— Liebe und Ehe bei den Naturvölkern.— Der Mensch und die Geisterwckt.— Flüssige Luft.— Einfluß der Lebensweise auf das Menschenalter.— Bersciiwundene Städte in der Sahara.— Eure Fahrt ün Umerseebool usw. Außerdem erhält jeder Abonnent WsMiM gklilis eine große illustrierte und zwar zu jedem Jahrgang drei Werke. Damit jeder Le'cr darauf abonnieren kamt, Preis aus uur 25 Pf. pro Heft sestgesetzl. ift der Gutscheiii V An den Verla,,„Welt und Wissen" Berlin-Schöneberg, Am Part 11. Ich bestelle hiermit ein Probeheft kostenlos Name:__ [C*. Nr. 155 ❖ Z5. Jahrgang s-4l|Sß flbgeorönetenkaus. Universitäten nnd technische Hochschulen. Es ist ein beschämendes Zeichen für den Tiefstand des preußischen Dreiklassenparlaments, daß die Beratung des Kultusetats vor fast leeren Bänken vor sich geht. Kaum drei Dutzend Abgeordnete wohnten am Freitag den Verhandlun- gen über das Kapitel Universitäten und technische Hochschulen bei! an kulturellen Fragen haben die Erwählten des Drei- klassenwahlrechts eben gar kein oder nur ein sehr geringes Interesse. Und dabei war die Debatte für den, der zwischen den Zeilen zu lesen versteht, nicht belanglos. Zeigt sie doch, daß der Weltkrieg selbst an den Konservativen nicht spurlos vorübergegangen ist. sondern daß auch sie ihre Lehren daraus ziehen müssen. Verhältnismäßig so verständige Anschau- ungen, wie sie der Abg. Dr. I r m e r(k.) über die Notwendig- keit der politischer Erziehung des deutschen Volkes vortrug, wären vor dem Kriege von dieser Seite schlechterdings un- möglich gewesen. Der konservative Redner stellte sich mit seinen Ausführungen auf den Boden des sozialdemokratischen Antrags, wenn er auch die letzten Konscguenzcn aus seinen Worten nicht zu ziehen wagte. Was der Abg. Dr. I r m c r versäumt hatte, holte Genosse Haenisch gründlichst nach, indem er nach einer scharfen Abwehr der Angriffe, die in der Generaldebatte von konservativer Seite gegen die sozialdemo- kratische RcichStagsfraktion gerichtet waren, mit beredten Worten für die staatsbürgerliche Ausbildung des Volkes und für die Freiheit der Wissenschaft eintrat."Daß, obwohl sich manches zum bessern geändert hat, noch immer zahlreiche Mängel an unseren Universitäten bestehen, daß insbesondere auch hier unverantwortliche militärische Stellen ihre Hand im Spiel haben, beweist die Rede des Fortschrittlers Eick- hoff, der u. a. berechtigte Kritik daran übte, daß Auslän- dern, denen die Erlaubnis, auf den Universitäten zu hören, erteilt ist, von den Militärbehörden der Zuzug in Universitäts- städte kurzer Hand verboten wird. Glauben die Militärs wirklich, daß das zur Erhöhung des Ansehens des deutschen Namens beiträgt? Sonnabend Fortsetzung der Beratung des Kultusetats. * Genosse Harnisch führte cn:S: Mit besonderer Genugtuung habe ich aus der heutigen Rede d-es Herrn Irmer entnommen, daß sich selbst in einzelnen konservativen Köpfen gewisse Erkenntnisse durchzuringen beginnen. Was Herr Jrmer über die Notwendigkeit der Politisierung des deutschen Volkes und die heraufkommend? Zeit der Demokratie gesagt hat, stimmte fast wörtlich mit dem übcrein, was ich selbst vorgestern hier ausgeführt babe. Möge Herr Frmer daraus nun aber auch die einzig logische Schlußfolgerung ziehen und am Dienstag für das gleiche Wahlrecht stimmen. lSehr gut! b, d. Soz.) An sich könnte es merkwürdig erscheinen, daß die Sozialdemo- kratie als Arbeiterpaptei sich rn so eingehender Weise, wie es in unserem Antrag geschieht, um die Fragen des Hochschulunierrichts kümmern. Aber meine Partei ist eben längst über' den Rahmen einer bloßen Arbeiterpartei hinausgewachsen und zu einer großen deutschen Kulturpartei geworden, die keinem Gebiet unseres kulturellen Lebens fremd gegenüberstehen darf.(Zustimmung b. d. Soz.) Redner verbreitet sich dann ausführlich über die Dienstbar- machung privater Geldmittel für wissenschaftliche Zwecke. Gewiß gibt es Gebiete, auf denen dagegen nichts einzuwenden ist, unter ollen Umständen aber muß es vermieden werden. Unter- nehmergelder in den Dienst des Volkswirtschaft- ltchcn Studiums zu stellen, weil hier wirtschaftliche Jnter- essengegcnfätze unmittelbar aufcinanderplatzen und unlauteren Einflüssen Tür und Tor geöffnet wird, Redner weist dies an einer ganzen Reihe von Beispielen nach und behandelt insbesondere den K�a mpf der Schwerindustrie gegen den sogenann- re n K a t h e d e r s o z i a l i s m n s, Männer wie der verstorbene Theodor Mommsen und neuerdings erst wieder Karl Bücher haben den zunehmenden Einfluß der Großindustrie auf die Besetzung der nationalökonomischcn Lehrstühle lebhaft beklagt. Der in der Tat dringend erforderliche Aushau des volkswirtschaftlichen Unterrichts darf ausschließlich Sache des Staates sein. Leider bat der frühere Kmlliisminister diesen Notwendigkeiten durchaus kein Verständnis entgegengebracht. Das hat sich setzt im Kriege bitter gerächt.(Sehr richtig! b. d. Soz.) Wir verlangen, daß an allen größeren Hochschulen Lehrstühle für Wirtschafts- tbeorie, Wirtschaftsgeschichte, Handels- und Zollpolitik, Statistft. Fmanzwlssenschast, P r ivatwi rtschaftslehre, Technologie. Bank- Wesen, Geschichte und Wesen der Presse, Sozialpolitik und Gewerk- schaftswescm politische Staatslehre im allgemeinen sowie für äußere und innere Politik im besonderen eingerichtet werden. Auch die Lehrenirichtungeu selbst, die Scminarbibliotheken usw. sind in ganz anderer Weise auszubauen als bisher. Redner macht dafür eine Reihe inS einzelne gehende Vorschläge. Ter Sackwtat für die st a a t s w i s se n sch a f t l i chen Seminare ist in Preußen jammervoll gering bemessen, er beträgt für alle Universitäten zu- sammcn nur rund Klillll M.(Hört! hört l b. d, Soz.j Wir dürren nn-Z in Preußen von der neuen Hamburger Universität, deren Ein- richtungcn iii großzügiger Weise geplant sind, nicht überflügeln lassen. lSehr richtig! links.) Auch bei den medizinischen Fakultäten verlangen wir unbe- dingie Parität aller wissenschaftlichen Lehrmeinungen. Dem Kommissionsantrage, der die Einführung von Pro- scssuren für Politik empfichit, stimmen wir mit dem Vorbehalt zu, daß auch sozialistische Wissenschaftler auf diese Lchr- stuhle berufen iverdeu.(Sehr wahr! b. d. Soz.) Durch Annahme unserer Anträge werden Sie sich nicht nur um unsere preußisefen Hochschulen, sondern um das ganze Volk «in großes Verdienst erwerben.(Lebh. Beifall b. d. Soz.) GroßGerlin Det arPeeßige Humsbesn. Ein kriegSbeichädigler Neuköllner ,'chreibl unS:.Nehmt Rück- ficht auf die Krieg Sbes-tiädl-gten!" So',, Plakat piaugt jetzt woll in käst jeden Wagen der Elekirischen. De: mutz nu erst wirklich dem hocbvcrebitcu Publikum vor de Reese jcbanunelt werden, wo man docb eejenilich annehmen meckite, dct jeder Mensch schon von allcene so ville Anständigkeit besitzen mißte. Alio sitze ick, weil ick det Sieben wegen große Schmerzen in mein beschädigtes BumSbeen wahrbaflig nick aushalten konnle, eines DageS als Fabrjast in de Elekiriicke. um nach de Füiioriestelle meine? Bezirkslonimandos in de Bülowstraße zu fahren, El war man bloß tonn Wagen mit zwee Längösitze. Weil ick vorne ickon allens besetzt fand, mußte ick iioijedrungen ecnen Sitzplatz an de EinjangSiire nehmen. Da hinderte mir nanrlick mein versteiftes Kniejelenk und ooch mein Siützapparat sehr, indem ,ck der Bcen nich so an dem Sitz an'chmiejen kann, wie det mit jeiunde Jehwcrkzeije meejlick is. So stand mein Bumsbcen also uff de Durchjangk- Promenade etwa» im Weje. Kaiser-Friedrich-Platz steift cen janz pickieiner Kavalier mit Siorchbeene zu, sieeßt an meinen Fuß, siehlt noch mal, ob mein Pedal noch da is, um denn doch drieber zu stolpern und mir ordentlich uff meine bumsbeenije Mauke zu treten. Ick trug ihm nach'ner Zeit, ob er sich ooch nich weh jetan hätte, denn ick halte ja,'n hißten Schmerzen verspielt, aber unsereener sei als Kriegs- trippel schon an derjleichen Leiden jewehntl Ter Herr Kavalier iagte janiichr, un ick letzte mir nu str hißten schräje hin, um so mein beschädigtes Pedal besser aus de Triiilinie zu bringen. Mußte also noljedrimgen sozusagen zwee Sitzplätze einnebmen. Nachdem nu trotz alledem noch des öfteren de Schaffnerin und verschiedene ein- und aussteifende Fahrfäste ieber meinen K-iegsjewinn jestolpert waren, stieg anS Halleiche Tor een weibliche» Wesen mit Slöckel- schuhe und Ober- und lluterlicht ein, ersuchte mir, den zweeten Platz jekälligst frei zu machen, und ließ sich au meine Seite nieder. Also sollle ick wieder mein Pedal in de T'.ittliuie bringen. Da ick aber inzwischen wirklich schon jerade geuilg mehr oder wenijer holde Füßchen uff mein Bumbrbeen trampeln geipiert hatte, lo erhob ick mir dankend und nahm trotz meiner Schmerzen lieber'n Siehsttz ein, Nach diese Erlebnisse frage ick nu aber, ob et nich besser wäre, wenn de Jroße Berliner folgendes Plakat in ihre Wagen an- bringen ließe: .ÜAchtung, Kriegsbeschädigte!!' .Nehmt Rücksicht auf das fahrende Publikum! Schraubt, wenn ihr einen Sitzplatz beanspruchen wollt, eure Holz- beine ab! Geht das nicht, so begnügt euch mit einem Stehplatz, Denn wie leicht können sonst die Milfahrenden über eure Holz- oder steifen Beine stolpern, hinschlagen und erustlich zu Schaden kommen. Kriegsbeschädigte, nehmt Rücksicht auf die Mitfahrenden, die doch Golt sei Dank noch meist gesunde Gliedmaßen haben I' Die Schätzungen der K. V. G. Zu unserer am 19, April veröffentlichten Mitteilung, daß die Kleider-Verivertu n gS- Gesellschaft(Berlin, Kom- mandantenstr. 80 81) den Nachlaß eines gefallenen Kriegsteilnehmer» zu einem von ihren Schätzern lächerlich gering bemessenen Preis erworben hatte, erhallen wir jetzt noch sieben Wochen noch eine crw'dernde Zu'chrisl des.Wiltschaftsbezirks Groß-Berlin tür Kleiderverwertung'! Beigesügt sind die nach Annahme der Klei- dung auSgelerligten Empfaiigsicheine, aus denen wir ersehen sollen, daß die Schätzer damals die Sacken zum Teil für abgetragen, ver- schössen, gestickt, schmutzig, motlig ei klärten und daher einen i entsprechend geringen Preis festsetzen zu müssen glaubten, j Wir verstehen Nicht, warum man jetzt plötzlich auf jene Aiigelegeu- ! heit zurückkommt und welchen Gewinn man sich von einer noch- ! maligen Erörterung veitpricht. Das Schreiben hebt hernor, die Zuver- lässigkeil der Sckäyer stehe außer Frage und es müsse danach an- ! genommen werden, daß eine Vertauschnng der Sachen vornckommen � sei. Wünscht der.Wirtscha'lSbeziri Gioß-Berlin für Kleiderver- Wertung", daß wir diese Vermutung wiedergeben und uns zu eigen machen? Bewiesen ist sie durch nichts, und sie wird auch nicht gestützt durch die in dem Schreiben erwähnte Bekundung der Frau des mit Ahlieferang der Sachen betrauten Gerichtsvollziehers rdcr inzwischen verstorben ist), daß der Nachlaß ihrer bestinimien Erinnerung nach aus„Lumpen" bestanden habe. Die Frau eines Gerichtsvollziehers, in dessen Tätigkeit die Ablieferung von Nack- lassen gewiß nichts Ungewöhnliches und Aufregendes ist, dürfte den Sachen keine allzu eingebende Beachtung geschenkt haben. Durch die Hände ihres ManneS gingen sie ichon im Oktober vorigen Zahres. und eist im April dieses Jahres wurde sie darüber betragt und veranlaßt, ihre Erinnerung aufzufrischen. Für sicherer halten wir da da? Urteil der Familie, die den Nachlaß lange in Verwahrung behielt, weil der Verstorbene lange Jahre bei ihr gewohnt und nach »einer Einberufung' zum Heeresdienst sich mit einer Tochter de» HauseS verlobt hatte. In dieser Familie ist un» jetzt gegenüber den Urteilen der Sckätzer wieder erklärt worden, daß die.Sachen keineswegs i o wenig wert gewesen sein können. Auks bestimmteste wird uns versickert, daß in der Familie keine Ver- tauichung vorgekomm.en, sondern der Nachlaß dem abholenden Bolen richtig ausgelieielt worden sei. Zu dem Schreiben des.Wirtschaftsbezirks Groß-Bcrlin für Kleiderverwertung", das die Urteile der beteiligten Schätzer als fraglos zuverlä'üg bezeichnet, rstizt schleckt eine Ansicht, die der Vorsitzende des WinschaftS- bezirks, Herr Stadtrat Maas, vor Pressevertretern geäußert bat, Als von verschiedenen Seiten auf die geringe Höhe der bei der K. V. G, übliche» Schätzungen hingewiesen wurde, meinte er schließ- lich:.Ja, die Schätzer sind Kaufleute. die lönnen aus ihrer Ge- wohnbeit nicht leicht helaus, die wollen alles billig haben!" Nickt die in der Presse erfolgte Bemängelung der Schätzungen sondern die Schätzungen selber haben bewirkt, daß die Neigung, alle Kleider an die K. B. G, abzugeben, nicht sehr groß ist. Wir wollen aber ausdrücklich feststellen, daß inzwischen sich manches geändert hat und jetzt den Ablieterern günstigere Preise be- willigt werden._ Berliner Lebensmittel. Der Verkauf der von der Siadtgemeinde zur Verteilung ge- langenden Heringe beginnt am 12. Juni. Voranmeldung ist nicht erforderlich. Für die am 19. Juni beginnende Fleischkarlenveriode lönnen die Fleischkcrrten in Berlin in der Zeit vom 10 bis 12. Juni bei den zuständigen Brotkommiisionen gegen Bezugscheine aus Gianpcn, Grieß oder Teigwaren umgetauscht werden. Auf eine Velllarte werden wöchentlich 2ö0 Gramm, auf eine Kinderkarls 125 Gramm dieser Nahrungsmittel ausgegeben. Der Warenbezug erfolgt wie bisher aus de» bekannten besonders kenntlich gemachten Geschäften, Zum Umtausch berechtigt sind diejenigen, die sich bei ihrer Brot- komn»ssion zur Emtragung in die Liste gemeldet haben oder nach- träalich van der Abteilung für Fleiichversorgung zum Umtausch zu- gelassen worden sind. Wer die Abineldung seinerzeit ohne sein Verschulden lz, B. intolge Krankheit oder Abwesenheit) versäumt bat. kann de» Umlausch cbemalls in der Zeit vom 10 bis>2, Juni von 8 bis 1 Uhr im Bureau für Fleischversorgung, Neue Friedrich- straße 1, Zimmer 7. bewirken. Tie Höchstpreise für Erdbeeren. Die Rc'chsstelle rür Gemüse und Obst hat für den Bezirk der Staatliche» VerieiliingSstelle für Groß- Berlin folgende Höchst- preise für Erdbeeren I. Wahl festgesetzt: bis 9 Juni ab 10 Juni Erzeugerhöchstpreis... 0.80 M., 0,70 M. für das Pfund Großhandels höchst preis. 1,20. 0,90,,», Klein handelshöchstpreis. 1,50. 1,20,.., Die obigen Höchstpreise werden mit dem Bemerken bekannt ge- macht, daß Ueberichreitungen auf Grund der Verordnung gegen Preistreiberei vom 8, Mai 1913 mit Gefängnis und m't Geldstrafe bis zu 200 000 Mark oder mit einer l dieser Strafen bestraft werden. Die Berliner sozialdemokratische Stadtverorductenfraktion hat folgenden Antrag eingebracht: Tie Stadtverordnetenversammlung wolle beschließen, den Magistrat zu ersuchen, den Gcmeindcbeschluß über die Gewährung von Ruhegeld und Hinierbliebeiten. -Versorgung tür die ohne Pensionsberechtigung im i Dienst der Stadt dauernd bejchäjtigtcn Personen einer Neuregelung Sonnabenö, 8. �uni 1918 zu unterziehen. Insbesondere soll denjsuigeu Personen, die infolge Kriegsbetckädigung dieiistunfähig geworden sind und die nach den bisherigen Bestimmungen zwar eine Anwartschaft besitzen, aber noch keinen Anspruch auf Ruhegeld erworben haben, Ruhegeld schon dann gewährt werden, wenn sie vor ihrer Einziehung zum Kriegsdienst bereits ein Jahr ununterbrochen in städtischen Diensten standen. Ebenso sind die Bestimmungen über dos Witwen- und Waisengeld entsprechend neu zu regeln. Stadtvcrordiicten-Ersatzwahl. Infolge Erledigung des Mandats des Stadtverordneien Dr. K a e m p f, gewählt im 2, Gemeinde- Wahlbezirke der II, Abteilung bis Ende 1913, ist die nottoendig ge- wordene Ersatzwahl auf Dienstag, den 25, Juni, vor- mittags 10 bis 5 Uhr nachmittags, im Wahllokale Krausen« siraße 8 bei Rupertl festgesetzt. Warum wir keine billigen Kirschen bekommen. AuS dem kiilcheiigesegneten Unstruttal werden nach vorliegenden Pachtergeb- nisten Kirichenpachlpreise gemeldet die geradezu erstaunlich sind. Für die diesjährige Kirschenernte werden zwei- bis sieben- fache der vorjährigen bereit» sehr hohen Pachten bezahlt. In manchen Gütern wurde allein durch die Wer- Pachtung der Kirschen ein höherer Betrag erzielt als die ge'amte Backt des Bnmeiens ausmacht! so zum Beispiel beim Klostergnt Donhof, das im Jahre 1917 5000 M. einnahm und jetzt 21000 M. von der Gemeinde Berlin-Friedenau allein sür Kirschen erhält I Zum städtischen Güterdirektor wählte der Magistrat den Güter- direktor der Fideikoinmißherrschaft Stolpe a. Oder Dr. Heinrich RulhS. Eine blutige Familicntragödie rief gestern früh im Hanse Beer- mannstraße 10 zu Treptow große Aufregung hervor. Im ersten Stock des Vorderhauses wohnte der Kaufmann Adolf Heilte l mit seiner Frau. Eine Tochter des Paare» ist in Baumschulenweg ver- heiratet, ein Sohn zur Artillerie eingezogen. Dieter weilte seil einigen Tagen auf Urlaub bei den Eltern. Die Eheleute lebten schon länger in einem Zwist, der gestern ein blutiges Ende nahm. Gegen 0 Uhr früh griff Heusel bei einer Auseinandersetzung zum Revolver nud streckte seine Frau durch einen Schuß in den Kopf tot nieder. Daun drohte Henftl auch seinem Sohne, der auf der Seite der Mutter stand, mit Erschießen. Der junge Mann rettete sich durck einen Sprung aus dem Fenster, fiel aber so unglücklich auf die Spitzen des Vorgartengitters, daß e r sich den Leib aufriß. Er mußte schwerverletzt nach dem Kranke»hau!e gebracht werden. Unterdessen schoß Heniel sich eine Kugel in den Kopf. Man fand ihn noch lebend und brachte ihn ebenfalls ins Krankenhaus, wo er schwer danicdeiliegt. Zwei Treptower Kinder durch GuS vergiftet. Man schreibt unS: Die beiden Söhne des im Felde stehenden Kaufmanns G a> p e in der Herkomcrstraße in Treptow, 3 und 11 Jahre alt, wurden mor- gens in ihren Betten bei geöffnetem Gashahn bewußtlos aufge- tunden. Hausbewohner hatten in der Nackt das Stöhnen der Knaben gehört, meldeten sich aber mit ihren Wahrnehmungen leider zu spät. Der von einem Oberlehrer angerufene, wenige Häuier enlsernt wohnende Arzt Dr. N,, dessen Ehetrau ebenfalls Aerztin ist. weigerte sich, seine Sprechstunde zu umerbrechen. Als ein aus Berlin berbeigemfener Arzt eintrat, konnte er nur den Tod der beiden Knaben feststellen. Die Mutter der Verunglückten schlief in einem anderen Zimmer und entomg daduich dem gleichen Schicksal. Der jüngere Sohn besuchte das Treptower Realgymnasium. Neukölln. Lebensrnittel. Vom Montag, den 10, Juni, ab bis Sonnabend, den 22. Juni, darf in den Geschäften, in denen die Anmeldung zuin Bezüge von Zucker errolgt ist, auf Abschnitt 113 der Nculöllner Warenbezugskarte 2 Pfund Einmachezucker ent- nomnien werden. Diejenigen Einwohner, dir von dieiem Bezugs» recht keinen Gebrauch machen wollen, können au Stelle von zwei Pstmd Einmachezucker 3 Pfund Kunsthonig enlnehmen. Der Ver- kauf von Kunsthonig wird in den städtischen Verkaufsstellen nach dem 23. Juni ei folgen. Der Verkaufspreis belrügl sür 1 Pr'und gemahlenen Zucker 12 Pf,, für t Prund Würfel- oder Brouucker 11 Pr. Da die Kleinhändler nickt inil allen Znckersorlen belieiert werden konnten, kann eine Auswahl des Käufers unter den genannten Sorten nicht siattfinden. Wilmersdorf, Lebensmittel. Vi» einschließlich Donnerstag, den 13, Juni, iveldcii auf die allgeuieiile Lebensmittclknrie ausgegeben: Auf Abschnitt 30 150 Gramm Grai-pen, ans Abschnitt 31 150 Gramm Teigwaren(AnSziigwarei und auf Abschnitt 12 für Jugendliche 150 Gramm Gerstengrütze, Die Ausgabe der Vollinilchkarteu(Juli) für Kinder im Alter bis zu 6 Jahren findet Montag und DienSlag durch die Brot- komniiisionen statt. Gleichzeitig mit den Vollmilckkartcn werden Zuiatz-Zuckerkarien(Juli/Äugnst) und Nährmiltel-Bezugickeine(Juni) ausgegeben.— Die Vollmilchkarten(Juli) für Kranke und Genesende sind in der Abteilung rür Krankenernährung nach besonderer Ausgabe-Ordnung von Dienstag, den 11. Juni, bis Sonnabend, den 15. Juni, zu enlnehmen— Die Ausgabe der Juli-Vollmilchkaiten für werdende Müller, sowie der Zusatz-Nähtmitlel sür stillende Mütter erfolgt in der bisher üblichen Weise durch das städtische Lebensmitteln, nt.— Mittwoch, den 12. Juni, und DonnerSrag, den 13. Juni, gelangen Magermilchkarten(Juli-Septcntber) tür Kinder im 7. vis 12. Lebensjahre, sowie Zulatz- Zucker karten(Juli/August) für Kinder im 7. Lebensjahre durch die Brotkomniiisionen zur Aus- gäbe,— Vollinilchkaiteu und Magermilchkarien sind bis zum 16. Juni einschließlich den, Kleinhändler vorzulegcit. Reinickindorf, Lebensmittel. Ans Abschnitt 33 der Lebensmittel« karie Gioß-Berlin werden 200 Gramm und nut Abichnilt 37— 300 Gramm, zutanimen 1 Pfund Teigwaren I bezw, II zum Preise von 86 bezw, 62 Pf. für ei» Pkund abgege wn. Die Anmeldung bei den Kleinhändlern und den amtlichen Verkaufsstellen bat bis einschließlich>3, d, M, zu erfolgen. Auf Äbschuitl 31 wird 1 Pfund Marmelade zum Preise von 92 Pf. abgegeben. Die Anmeldung hat bis einschließlich 10, d, M, zu erfolgen. Friedrichshagen. Lebensmittel. Bis morgen gelangen auf Ab« schnill 99 der getbcn Lebensmittelkarte Graupen zur Verteilung. Auf jede Karte einfallen 100 Gramm zum Preise von 8 Pf.— Ferner kommen out Abschnitt 7 der grünen Sonderkarte für Juaend- Ucke je 100 Gramm Teigwaren zum Preise von 13 Pf. zur Verteilung. partemachrZchten. Lichtcrsclde. Sonntag, den 9, Juni: Gemeinsamer Ausflug nach Klei ii- Machnow. Ab'ahrl nachmittag« 2,28 Uhr mit der Straßenbahn. Ab Hallestelle Bahnhof Ost. Treffpunkt in Klein-Machnoiv bei Türk. Erkner. Der Zahlabend findet heute abend 8 Uhr bei Eich- Horn, Wilhelmstraße, statt. ö* W-qe« Landesverrat verurteilt. Unter der schwer«/! Anklage des Verbrechens gegen 8«I» Str.G.B.(sogenanntei Ducbesne-Paragraph) stand dar»'Gher unbestrafte Kriegsbeschädigte Uhrmacher Georg Tlacßmann aus Mariendorf vor der 1. Stmifou-m-z a.» Landgeisscht» II, Der öffentlich verlesene Eröffnungsbeschluß beschuldigte den Angeklagten, sich in Ercß-Berlin und Mariendorf im Jahre 1018 zur Teilnahme an dem Verbrechen des Landesverrats erboten und da? Erbieten an die Gemährung von Vorteilen geknüpft zu haben. Nach Ver- lesung des Erösfnungsbeschlusses wurde die Leffcntlichkeit auSge- schloffen und erst bei Verkündung des Urteils wiederhergestellt. Der Angeklagte wurde nicht nur wegen Verbrechens gegen§ tOz, sondern auch wegen versuchten Verbrechens gegen das Dynamitgesetz zu ö Jahren Eefängnis verurteilt. Tins aller Welt. Braud ciucs ukrainischen Munitionodepots. t-ö Tote, Uichrrrc Hundert Verwundete. Kiew, 6. Juni. Heute vormittag tl) Uhr brach in einem großen ukrainischen Munitionsdepot im Vorort S w crinetz westlich der Lowra Feuer aus. Die sofort angestellten Löschversuche blieben erfolglos, so daß das Feuer auf die zahl- reichen M u n i t i o n s s ch u P p e n übergriff, die nach und nach in die Luft flogen. Der Brand entstand aus vor- läufig nicht festgestellter Ursache in der Nähe eines Schuppens mit alten russischen Raketen. Bald nach 11 Uhr war die Hauptgefahr beseitigt. Durch den Lustdruck sind in der Stadt zahlreiche Fensterscheiben zertrünimert. Die anfängliche Panik legte sich bald. Mittags zeigte sich bereits daS gewöhnliche Straßcnbild. Die Zahl der Opfer unter der Bevölkerung beträgt etwa sechzig Tote und ni c b r e r c Hundert Verwundete, meist Ukrainer. Das gefährdete Ge- lande ist durch deutsche Truppen abgesperrt, die sich opser- lvillig an den Löschvcrsuchcn und Rettungsarbeiten beteiligten. ZsreireligtSse Gemeinde. Towrtuz, den 9. Juni, vorm. 9 Uhr, P.ippel-Allec 15/17; Neukölln. Jbealfnfmo, Weichsekslr. L; Oberschöne- wciOc, Wilh-Iminenholstr. 43 bei Pump-„Freireligiöse Vorlesung."— lO'l, Uhr Kieme grnntfuitcr Str. 6: Vortrag von Herrn Dr. Bruno Wille: Heiland Licht. II. Erfindung des Feuerzeug». Gäste willkommen. Unser diesjähriger Schüicrausslug findet am 8. Juli statt. öriefkaften üer Reöaktion. N. S. 39. Seit 1264. ftst ein hohes Fest der katholischen Kirche zur Feier der Transsubstaiitwtion, d. h. der Loire der wunderbaren Ver. Wandlung der Ho nie in den Leib Christi.— Kunstfreund. Die Inschrift lautet: Die Küns! hast nur. wer fie nicht kennt.— TgVdUiZ. Zunänst wird das Hcilmilte! geprüft; Adresse des Erfinders tonnen wir vorläufig nicht angeben._ «detrerauSficdten für das mittlere StorddeiilirtUand dt» Sonntag mittag. Vielfach heiter, und in den Tagesstunden ziemlich warm, strich:: eise Gewitter, ßiösienleils trocken. idLutsvi!«» lktivirter. sUIabonäl.?: k.lax paiiondsrg in ld�mZIko kSoiiiiuelr. liammcrsplclo. Allabendlich 7'/s Uhr: Snbog'nito.(Operette.) Volksbühne, Ih.a. Gülowpl. Untergrundb. bohönh. Tor. Allabendlich 7'/s Uhr: Gonoral Yorck.(Vaterland.) Thealer des Westens AUabendlich 71/. Uhr: leopoldins Konstantin m lie Tänzerin. Dir. C. Meinhard— R. Bernauer. Tliöstor d Königgrätzerstr. 'jt8 Uhr: Die fünf Frankfurter. Komödienlhaus '/t8 Uhr: Wie Karin. BerliaerTIieater 713 U.: Blltzblaae««int. fiieatsr tSer Frieiiriclistaslt Kcke Friedrich- u. Linionstr. t*;, von dTäx Halbe. Sonntas; 31/. kleine Preise: Jainilis jCancewann. Sallonai-Thealer 7'/� Cöpenicker Str. 08. l'l, lliiiselisii. Jlilitürhumoresko in 3 Akten Musik: Walter Brorame. Allabendlich ansverkauft. Sonnta? 31/,: haubonlercho, Vorverk. 10 U. nnunterbroch. Theater für Sonnabend, 8. Juni. Contrai-Theiiter 1 I-nstspiclhaus Ulir: vi, uhr Bie Csaniasfilrstifl. 1 Die iilondea Mädels i Llndentiof j| Ocntschos Opernhati» u'jErPoslillony.Loajam Friedrlch-Wühelaist. Theater �/.uir: Das öreitnäderlte. Kleines Theater Iristill üiitlsEiöeFeWer. 8 Uhr; IConiiKcUc Oper J'U.: SeliwmliiÄL Morg. 12 ü.: Die goldene Eva. Morg.'i1!, U.: Die Kinokönigin. Metropol-Theater Sie Rose?öd Stambal. 7'/. Uhr: Neues Operettentiaus 7«/. uhr: Der Soitlat der Marie. ItcHidcnz- Theater Fllmmerklärchen 1 � Schiller-Theater O VI, I>a« tinadonbrot. Uhr: Oie Dlenutboten. Schltler-Th. Chart. 7v. uhr: Der Leibalte. Thalia-Theater H&öflterderbmWeitLlDile onnabind zum jiesten der Beaniten- Pensionskasse ab 5 Uhr: Mi Iitür-I>opp.-Kundert Seriiner Lehrer■ Gesangverein. Piston-Virtuose F. Täubig. Abends bengal. Bolouchtung. Eintritt 1 M., Kinder d. Hälfte. Trianon-Theater Shf. Frtedrlohstr.Ztr 4927.2391 8 ü. Zum 2S1. Wale: Der Heute nachm.'.4 kl. Preise: Schneewittchen. Sonntag 4 Uhr: Gespenster. Tt'nen gebr., zahlt bis 600 M. Schiarrimwse, gebr. bis e(X>>l>!.. 8peiserimmer. gebr. bis 1000 M, Köbel jcd. Art kaust -n.RSmertrank-Kc!l, C.tä 2«;«l»lr 8a, Fernsp. Kgst.13 7 08 4"TraTMl«ni«CT. ßmr>>r.lw..� R. Backe, Stralauer Str. 66. A. E. Lance, Brunnenstr. 166 � jTarTfcr-- u. Konditoreien � Otto Wolff, Treptow, Kruiist. 16 � feiorbranerei., Elerhdapd!�.� ' fiyspoiilzoii empfiehlt Onaisuers O ersten Ranges.} � ytirz-?Wei �-.WoriVT..! � BOTi«»aliw/er,S<älv»h«a«r>r>l. DRES EUCHiill REINHARD G OERING SeescklacLt Tragödie. GeL 3 M, geb. 5 M Anflöge 9009 GERHART HAUPTMANN Der Ketzer von Soana ErzöMung. Geb, 4 M, geb. 5 M 50 Pf. Aufloge 50000 WALTHER RATHENAU Von kommenden Dingen Geb. 6 M, geb. 8 M Auflöge 55000 Zu bezieben Jurcb alle Bucbbandlungen S. FISCHER-VERLAG- BERLIN ♦ DrJetms Hiatfenfrelps MWWkl vom St.St. genehmigt, liefert frei HauZ 24176 Chemische Fabrik„Bola", Berlin SO, Kottbnser User 33/34. Tel. Mpl. 1024. Pfianzen. kräslige, 50 Stück 7,50, 100 St. 12 Di.»ultmanweisung und Einleitung über Behandlung des Rohtabaks sowie Zigarren- sabrikalion wird jeder Sendung beigegeben 749L' joh. Knlxel, Calaa Jff.-IL.., Stolle 3. 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Junge Burichen schauten neben Vaterköpfen durch die Fenster in die erstrablende Lust des Bodensees. Drüben lag Deutschland. Es wartete auf sie. Und sie harrten ihm enlgegen. starrend voll von den Spannungen des Wiederschens, st'.ilnlvoll aufgepeilscht von dem Drang ihrer Erlebnisse, die an das Tor schlugen, das in der nächsten Viertelstunde selig vor ihnen aus- brechen sollte. Während der Zug in den Bahnhof einruhr, rief die draußen versammelte Stadt.Hurra" unter die Hallen. Eine Militärmusik bummsle und brauste über die Schreie der Menge hinaus. Die Lokomotive zischte wie ein Drachen. Die Bremsen rasten wie titanische Feilen an den Achsen. All dieser Lärm überfiel sich selber in einem hundcrlfälligen wülenden Kampf. Die Heimlehrenden preßlen sich in die Fenster und schrien... aufgelöst. Und noch hielt der Zug nicht, noch wälzten durcheinander- geschlungen die surchlbaren Lärme über Zug und Menschen her, da schrie aus einmal eine Knabenstimme: .Vater!" Er schrie diesen Gruß mit einem Ausschrei, als flöge sein Herz mit durch seine junge Kehle binaus. Der Schrei schlug jäh und brandrot vor Jugend allen Lärm nieder. Ich saß im vordersten Wagen, hörte ihn, und mein Obr warf ihn wie eine Flamme in mein Herz hinab. Ich mußte die Fäuste an die Schläfen presien, so überstieg dieser einzige Kindcrichrei die ganze lärmvolle In- szenierung dcS Empfanges. Triumph stieß die Angst fort in ihm, Liebe das Erwarten, Stolz die Verzweiflung. Sehnsucht und Erfüllung lagen darin. Es war der rieienhasleste Schrei, den ich je in meinem Leben durch Welueile, durch Häfen und Stahlwerke, Ozeanstürme und Artillerieschlachlen nrein Ohr cinpfangen hatte. Ich sah den Knaben nicht, der mit ihm seinen vor Krieg, Tod und Gcfangcnschast erretteten Vater begrüßte. Ich sah den Vater nicht. Brachte er zwei Beine, zwei Arme, zwei Augen nach Hause? Ich weiß es nicht und will es nicht wissen. Denn was mein Ohr empfangen hatte, war mehr als Er- scheinuug. Es war der Schrei aller Knaben von 1918 an alle Väter von 1914. Oual und Seligkeit... Erde und Feuer in derselben Umfassung. Er ging über die Welt. Eine neue Zeit brüllte aus Ihm... die Zeil, die die Knaben von heute aus dem Blut der Väter zur Arbeit des Komiiiendcn erlösen wird. Der Schrei ging wie eine Geburt aus dem südlichsten Bahn- hos des Landes. Hört ihn nach Norden, Osten und Westen! Ich sage Euch: Gott bat ihn durch die Knabenkchle geschleudert, diesen bcrghaften stärksten Laut unserer Sprache— das Erschaffcr- wortl Hlühenöer Ginster. Mit dem Vorortzug der Schlcsischcn Bahn fahren wir bis Rahnsdorf. Nach den. Verlassen des Bahnhofs auf der Nordseite der Bahn geht's in östlicher Richtung über das Mühlenfließ. Als- dann gen Nordost nach Fichtenau, eine anmutige Landhaussiedlung inmitten des Kiefernwaldes. Die Kieser ist der vorherrschende Waldbaum in dieser Gegend. Rur sie kann gedeihen auf dem an Nährstoffen armen Sandboden. Wir befinden uns hier ans der Sohle eines jener großen llrstromtäler, des Warschau— Berliner, in dem die Schmelzwasser der EiSzeil ihren Abfluß zum Meer nahmen. In Fichtenau durchwandern wir die Hauptstraße und dann die gen Ost führende Bismarckstraße. Am Ende dieser den Fußsteig zum L�alo und an dessen Rand weiter bis zum Wege nach Gräisivalde. Eine icvönc Promenade begleitet diesen Weg durch den Kieseinwald. Grätswalde, das wir ebenfalls durchwandern, ist eine Siedlung, die noch allenthalben die Spuren ihrer Jugend zeigt. Durch die Röderustraße kommen wir an die Landstraße nach Kalkverge. Die Straßenbahn FriedrichShagen— Kalkberge-Rüdersdors nimmt den gleichen Weg. Wir wandern jetzt auf der das llritromtal im Norden begrenzenden Hochfläche des Barium. Das Gelände ist nicht mebr io eben, wie im Tal, wo nur hm und wieder einige Dünen der flachen Talsohle aufgesetzt sind. In sanft geschwungenen Linien zieh! Rs Gelände ans und nieder. Roggen- und KartoffKselder zeigen uns, daß das Land auf der Hochfläche fruchtbarer ist als im Tal. Links ragr der Kirchturm von Schöneiche empor. An dem Obsigut Hohenberge vorüber, gelangen wir in die Klein- Schöuebecker Heide. Bald sehen wir rechts und besonders links vom Wege den Waldbodcn mit einem gelben Blütenteppich bedeckt. Es ist Ginster, der jetzt in Blüte steht. In der Berliner Gegend sieht man den Ginttcr nicht so häufig, sein Hanptgcbiet sind die weiten Heidestrccken Nordwesldeuischlauds. Dort flammt die Heids in leuchlendcm Gelb auf. weun der Ginster blüht. Es scheint dann, als ob leuchtendes Sonnengold sich auf das Land gesenkt und mit einem flammenden Slrahlcumantcl zugedeckt hätte. Eure biologisch bemerkensioerte Erscheinung weist der Ginster auf. Seine biegsamen, rutenarligcn Zweige streben aus dem grauen Allholz zu wirren und lindurchdringUchen Büschen auf. Die Rinde der Zweige ist von dunkelgrüner Farbe, die von der Anhäufung einer großen Menge Blatigrün in den äußersten Rindenschichten herrührt. Dadurch sind die Pflanzen in der Lage, während des ganzen Jahres die Schätze an Kohlenstoff der Lust auszubeuten und allerlei wiämge Verrichtungen zu erledigen, was andere Pflanzen von den Blättern besorgen lassen müssen. Dem Ginster wäre eine Bc- fricdigung der Bau- und Betriebssloffbedürfnisse durch die Um- wandlungstätigkeit seiner Blätter allein kaum möglich. Sie sind einmal sebr klein und fallen zum andern in den ersten heißen Juni- oder Julitagen zum größten Teil wieder ab. Dieses ist jedoch für die Pflanze ein großes Glück, denn die Blätter besitzen keinerlei Vorrichtungen, die die Pflanze wor zu starker Wasserverdiinstnng ichützren. Die Rinde ist dagegen mir Spaltöffnungen versehen, die nureineganzgeringeVerdunslung gestatten. Deshalb kommt derGinster als gut entwickelte Pflanze auch dort noch fort, wo andere Pflanzen. wie das Heidekraut, wegen zeitweiliger Bodendürre nicht mehr ge- deihen oder sich nur noch als Kümmerlinge durchschlagen lönnen. Einen Nachteil hat die Verlegung der Stärkefabrik in die Zweig- rinde allerdings für den Strauch mit sich gebracht. DaS Holz bleibt fleischig und ist deshalb sehr frostempfindlich. In kälteren Wintern sriereir die Ginstsrbüsche fast bis auf das graue Knotenholz zu Krüppeln zurück. Wir ivandern in bisheriger Richiung weiter und gelangen auS dem Walde heraus. Der Blick weitet sich. Vor uns liegt der Riioersdorier Grund, von einzelnen Höhen durchzogen, während jenseits sich die Kranichsberge bei WoUersdorser Schleuse, kenntlich durch den Aussichtsturm und daZ trigonometrische Signal, und die nördlich davon gelegenen Höhen hinziehen. Wir können an den Berghoser Spargelaulagen vorbei bis zu den Rüdersdorser Kalkbergen wandern und einen Einblick in die Bergwerkslätigkeit tun, wir können jedoch auch schon von hier aus mit der Straßen- bah» nach Fciedrichshageu zurückfahren. vir. Srkmont. Ein Ausaimen geht über den Berg. Noch hämmert die Schlacht von seinen Hängen. Noch speit er eisernen Tod unter Donner und Blitz. Aber keine Granale zerwühlt mehr seinen Boden. Kein Schrapnell spritzt mehr seine Erde. Nur in der Nacht bohren sich noch Fliegerbomben in seinen Grund und zerreißen ihn, daß er zittert und stöhnt. Ja, er zittert, der große Berg, wie unser arm- selig Menschenhcrz. wenn der Tod sich neben uns in die Erde krallt mit Flammen, Krachen, Gift und Stahl. Ilm den Brimont herum schwenkte der linke Flügel der deutschon Angriffsfront nach Süden ein. Ilm ihn herum fluten die deutschen Angriffswellen. Südwäris. Schlagen gegen die Mauern der alten Krönungsstadt Reims. Branden über sie fort wie eine Sturmflut über Damm und Deich. Und der Berg ichaut die Stadt und die Schlacht, die sie um- Sonnabend, 8.�uni braust. Und er denkt an alle die Schlachten, die»m ihn geschlagen wurden. Bald vier Jahre lang. An jene fremden Krieger, die sich mir verzweifelter Willenskraft an die grünen Hänge geUmnmcrt und an die Höhcn gehalten hatten. Allen Anstrengungen weißer, gelber und schwarzer Soldaten zum Trotz. Aller Uebermacht spottend. Alt und müde ist der Brimont dabei geworden. Denn auch für die Berge zählen die Kriegsjahre doppell, dreifach Und teine Höhen und Schluchten tragen unzählige Wunden. Granatloch an Granalloch. Seine Wege und Siege, mögen sie noch so schmal sein: die Geschosse haben sie gesunden, sie zerfetzt und jzerrissen. Alte Bäume sind wie Strohhalme geknickt. Andere dickt über dem Boden oder 5, 19 Meter über der Erde glatt abrasiert. Ihrer Acste und Zweige beiaubl. Wie schlecht behauene Masten stehen sie da: wortlose Klagen, die gen Hiinme! schreien. Aber nicht nur äußerlich ist der Berg verwandelt: wie einen Ameisenbau haben die Menschen ihn durchwühlt und unterhöhlt. Gräben und Stellungen, Unterstände, Stollen und Gänge durchziehen ihn auf und unter der Erde. Und über alle Wunden und Trümmer streute der Frühling seine verschwenderische Pracht. Webte er grüne, duftende Schleier aus Bläitcrn und Blüten.— Ein Aufatmen geht über den Berg. Und unter dem Blühen und Duften, diesem köstlichen Werden, keimt ein leises Hoffen: Vielleicht, daß der Kampf nun zu Ende gehl, und der Friede— der Friede ersteht._ K. H. der Nährwert öer kanhichenwürstwaren. Zur Streckung unserer knappen Fleiichvorräle sind seit längerer Zeil Wurslwaren von Kaninchenfleisch im Handel, die in Geschmack und Aussehen von der.echten" Fleischwurst oft kaum zu unter- scheiden sind, aber ausnahmslos zu sehr hohen Preisen verkauft werden. Alis diesem Grunde war es sehr erwünscht, daß in jüngster Zeit Untersuchungen vorgenommen wurden, um einen Vergleich des Nährwertes zum Preiswert einiger Kaninchenwürste festzustellen. Der Nährwert des Kaninchenfleisches ist ja an sich nicht groß, doch immerhin auch nicht so gering, wie manchmal angenommen wird, da es verhältnismäßig reich an Elweis ist und auch fast 19 Proz. Fett enthält. Je nach der Art der Wurstbereitung kann aber der Nährstoffgehalt gerade durch den VerwurstuugSprozeß gelegentlich recht vermindert werden, und zwar einesteils durch eine» ziemlich starken Wasserzusatz und andernteils dadurch, daß das Fett, weil es sich nicht mit dem Fleisch verbinde» läßt, nicht mit verarbeitet wird. Die Bereitung der sogenannten Fleisch- und Wellwürste geht nach Holzmann in der Weise vor sich, daß daS Kaninchenfleisch mehrmals und zuletzt unter Wasserzusatz zerkleinert, dann gesalzen und ge- würzl wird, worauf ein halbstündiges Räuchern und zuletzt das Wellen oder Brühen in heißem Wasser folgen. Da jedoch der Fremdwasierzuiatz bis zu 33,3 Proz. geht, wird der Fettgehalt, der ohnehin gering ist, noch mehr vermindert— er geht von 4,8 Proz. bei der ungewäfferten auf 2,9 Proz. bei der gewässerten Wurst zurück, und ebenso verringert sich der Gehalt der seit- und asche- freien Bestandteile auf 14,3 Proz. gegen 19,9 Proz. Ungeachtet des geringen Fettgehalts wäre die Kaninchenwurst gleichivohl als nahr- Haftes Gericht zu betrachten, wenn man bei der Herstellung von dem starken Wasserzusatz absehen ivollle. Im Hinblick aus die hier- durch erfolgende Berminderuug der Nährstoffe ist der Preis der Kaniucheuwuist jedenfalls entschieden zu hoch, weshalb die bayrische Fklschversorgungsstelle in jüngster Zeit die Erzeugung von Kaninchcuwurstwaren sogar überhaupt verboten hat. Notizen. — Portoerhöhung in Schweden. Auch in Schweden sind die inländischen Porlojätze für Briese, Karten, Pakete, Polt» anweisungcn und Nachnahmen erhöht worden, jedoch nicht aus un- gewisse Dauer, wie in Deutschland, sondern zunächst für den Zeit- räum vom 1. Juni bis zum 31. Dezember 1918. — Die Krim, die taurische Halbinsel, hat eine» Flächen« räum wie das Königreich Württemberg und die batzcruchc Pfalz zusammengenommen. Das Schwarze Meer samt dem von der Krim abgeschniitenen Asowschen Meer ist um fast 32 999 Ouadratmetcr größer als die Oitsee, das Baltische Meer. Loöz. 5] Das gelobte Lanö. Roman von W. St. R e y ni o n t. Auch in den großen Saal begann der Tag hineinzu- dänimern. Durch die kleinen, angelaufenen Scheiben drang ein schmutziges, fahles Licht. Die Umrisse der Menschen und Maschinen tauchten ans dem Dunst jetzt deutlicher auf. Aber in diesem graugrünlichen Licht, in dem lange Streifen roter Nebel schwammen und der Schimmer der Gasflammen wie eine Staubwolke herumwirbelte, sahen Menschen und Maschinen wie bewußtlos ans, wie Gespenster, die eine furchtbare Macht mit sich riß und trieb; wie Fetzen, wie Staubkörner, wie in einen Strudel geworfene Knäuel von Spänen, die brausend herumgewälzt wurden. Der Fabrikbesitzer Hermann Buchholz besah sich die Färberei und schleppte sich weiter. Er durchquerte die Pa- Villaus, fuhr in den Aufzügen herauf, ging die Treppen hin- unter, ging durch die langen Korridore, sah den Maschinen zu, musterte die Ware, warf manchmal den Leuten einen düsteren Blick zu, manchnial sprach er kurz ein Wort, das wie ein Blitz die ganze Fabrik durchzuckte. Er ließ sich auf Stoffballen nieder und manchmal auf die Türschwellen; plötzlich verschwand er, um gleich wieder an einem anderen Ende der Fabrik aufzutauchen, bei den Kohlenmagazincn, zwischen den Waggons, die in Reihen an der einen Seite des riesigen, viereckigen, mit Fabrikmauern gleichsam umzäunten Platzes standen. Ueberall war er. Wie die Herbstnacht, düster und schweigend, ging er umher. Wo er auftauchte, wo er vorbei- ging,"da verstummten die Gespräche, die Gesichter neigten sich, die Augen sahcn-nicht mehr, die Gestalte» krümmten und bogen sich, als ob sie vor den Strahlen seiner Blicke flüchten wollten. Er begegnete einigemal Borowiecki. der ständig in der Abteilung hin und her lief. Sic warfen sich freundschaftliche Blicke zu. Hermann Buchholz mochte seinen Druckereidirektor. mehr noch, er schätzte ihn für ganze zehntausend Rubel, die er ihm jährlich zahlte. �... „Das ist meine beste Maschine m dreier Abteilung." dachte er, ihn anblickend. Er selbst arbeitete nicht mehr. Sein Schwiegersohn leitete die Fabrik. Er kam bloß jeden Äiorgen aus lebenslänglicher Gewohnheit zusammen mit den Arbeitern herein. Er frühstückte in der Fabrik und blieb bis Mittag da. Nach- mittags schlenderte er— außer wenn er in die Stadt fuhr— in den Kontors, den Läden lind in den Baumlvollmagazinen� herum. Fern von diesem mächtigen Reich, das er selbst durch die Arbeit seines ganzen Lebens und durch seine industrielle Genialität geschaffen hatte, konnte er nicht leben. Er mußte stets unter seinen Füßen, in sich direkt die unruhigen, zitternden Mauern spüren; wohl fühlte er sich nur dann, wenn er durch das Transmissionen- und Ricmennetz sich durchwinden mußte, das die ganze Fabrik umgab, und mitten tu dem scharfen Farbengernch, unter dem Haufen roher Stoffe und dem von der furchtbaren Glut erhitzten Schmer. Jetzt saß er in der Druckerei und blickte, die Hand vor- haltend, in den hellbeleuchteten Saal auf die laufenden Druck- niaschinen, auf die mitten in einer drohenden Stille eilig arbeitenden Eisenpyramiden. Neben jeder Druckmaschine raffelte das Schwungrad einer Dampfmaschine, das silbernen polierten Schildern ähnlich, mit wahnsinniger Geschwindigkeit flimmerte, so schnell, daß man seine Umrisse nicht sehen konnte. Nur ein silberner Kranz drehte sich unablässig um seine Achse und zerstäubte eine leuchtend funkelnde Wolke. Die Maschinen gingen mit nie rastender Eile; lange, endlose Stoffstrcifen schlängelten sich zwischen den kupfernen Walzen durch, die die Farben des Musters abdruckten, und verschwanden oben in einem höheren Stockwerk in der Darre. Die Menschen, die von hinten ailf die Maschinen die Ware zum Drucken auflegten, bewegten sich schläfrig. Vor den Maschinen standen die Meister. Jeden Augenblick beugte sich einer vor, musterte die Walzen, goß Farben aus den großen Bottichen zu, besah sich die Stoffe und stand dann wieder anstecht, seine Blicke in die Tausende von Metern versenkt, die mit wahnsinniger Eile dahinrasten. Borowiecki stürzte immer wieder in die Druckerei, um den Gang der nenmontierten Maschinen zu beobachten, verglich die Proben mit den frisch gedruckten Stoffen und erteilte Befehle. Mit einem Wink ließ er manchmal einen Koloß anhalten, musterte ihn genau und ging dann weiter. Der gewaltige Rhythmus der Fabrik riß ihn mit, die vielen Niaschinen, die unzähligen Menschen, die deren Gang mit größter, fost andächtiger Aufmerksamkeit folgten, rissen ihn mit, und die Berge von aufgestapelten Waren, die auf Wägelchen befördert wurden und sich durch die vielen Säle von der Wäscherei in die Färberei durchwanden, von der Färberei in die Darre, von da in die Appretur und noch zehn andere Stellen, bis sie endlich fertig verschickt wurden. Zwischendurch zog er sich in sein Arbeitszimmer zurück, das neben der.Küche' lag. und versank dort in Gedanken, in einer Pause zwischen Kombinationen neuer Muster und der Prüfung ausländischer Proben, die in Bücher eingeklebt in Hansen auf allen Tischen herumlagen. Er versuchte an sich zu denken, an das Fabriksprojekt, das er mit seinen Freunden ausführen wollte, aber er konnte seine Gedanken nicht j sammeln, nicht für einen Augenblick konnte er in sich hineingehen, denn die Fabrik, deren Getöse bis in sein Arbeitszimmer drang, deren Betrieb und deren Pulsieren er in seinen eigenen Nerven spürte, ja fast in seinem Pulsschlag, ließ es nicht zu. Sie zog jeden unabwendbar mit, sie zwang jeden, der in ihren Bannkreis kam, zum Dienst und zu restloser Hingabe. Er sprang auf und lief fort, aber der Tag erschien ihm so lang, so langweilig, daß er gegen vier Uhr ins Kontor ging, das in. einer anderen Abteilung lag, um ein Glas Tee zu trinken und Moritz anzurufen, er möchte heute ins Theater kommen, wo eine Wohltätigkeitsvorstellung stattfinden sollte. „Herr Welt ist erst vor einer halben Stunde weggegangen." „War er hier?" „Fünfzig Stück Weißwaren hat er verlangt." ..Für sich?" „Nein, im Auftrage AmfilotvS, nach Charkow. Eine Zigarre gefällig?" „Danke, gern. Scheußlich müd' bin ich." Er steckte sich die Zigarre an und setzte sich ans ein Ta- bnrctt bor einem freien Schreibtisch. Der erste Buchhalter, der ihm untertänig die Zigarre anbot, stand vor ihm und stopfte sich seine Pfeife. Einige junge Burschen saßen auf hohen Sesseln und schrieben in große, rotlinicrte Bücher. Die Stille, die hier herrschte, daS Knistern der Federn und das monotone Ticken der Uhr wirkte ans Borowiecki aufregend. „Was hört man Neues, Herr Schwarz?" „Rosenberg ist umgekippt." „Vollständig?" „Man weiß es noch nicht. Aber ich glaube, er wird sich vergleichen. Na, was wär's denn für ein Geschäft, eine einfache Pleite?" Er lachte leise und stopfte mit dem Finger den feuchten Tabak in seine Pfeife. „Verliert die Firma was?" „DaS hängt davon ab, wie viel er von Hundert zahlt." „Weiß es Buchholz?" „Heute war er noch nicht bei uns. Aber die Hühneraugen werden ihm schon weh tun, wenn er's erfährt; bei Verlusten ist er sehr empfindlich." „Der Schlag kann ihn treffen", flüsterte einer von den jungen Burschen, über sein Buch gebeugt. „Das war schade." „Furchtbar schade. Gott vcrhüt's." (Lorts. folgt.) Deiificbcr filelallarbcltcr• Vcfband. Verwaltungsstelle Berlin. Den Mitglicdctm f,m Nnch�| licht, dai; iiüjcie Lkollegiu. i bic Albcitcliti lib;ö| Emma Belkner UNI 4. Juni on SiibciTuioic. J gcitotbcn ist. Ebrc ihrcni Zlitdfnkeii: Die Beeidigung sindetl heule Donunbenb. 8.'.siuni, I nnchmitiags!i-/z Uhr, non j der Lcicheiihnllc des'sie- meindc-KilchhoscS, Weigen- ice. Calenberger SIragc,\ aus statt. Rege Beteiligung wird er- j wartet. Tic Qrt>svcr»>att»iig. � .iivrwt Spezialarzt »r. med. Uasche, Fricdricüstr, 90 Behauvi. llonTys'HUis, Haut. Harn-, Frauenleiden/ ipeit.: chron. Fälle. Schmerzlose, kürzeste Behau big. ohne Berussstöruug. Btutuniersuchung. Mal!. Preise Tcilzahiuug. Sprechsutuden I, bis 1 und 5— 8, Sonnt. 11— 1 Statt besonderer Anzeige!> Die Beerdigung tinsereS ein- 1 s zigen inniggelicbten Sohnes| Walter Richter, I welcher um Dt. k!. im Seilen 1 [ gesallen, iinbcl nun mich j | erlotgtei Ucbersiihruug am I i Montag, den 10. lZuni, nach-I Iinillags ö Ub>. aus dem| | alten Kenicindesi iedhoj in! I Zrcvtoiv, Neue jkniz-Allee, I statt. üttllb . Dies zeigen ticsbetrübt an s die schworgehrüsten Eltern s kszini Lkiektoi? zurzeit aus Urlaub. Itar'tlz» iiieiiten geb. 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