Hr. 157.»5. Jahrg. Bezugspreis: LtertrySH«. M!. anma«� IFVlUl. kri inS Haus. oorouS�uhlbar. Einzelne Nummern 10 Tiffl. Posldezug: Monatlich. dom Postichalter abzuholen l�V Ml. dom Briefträger ins Hau» gebracht 1,64 Ml. llnier Kreuzband für Deulichiar d und Oesierreich- Ungarn 8,— Ml. für das übrige Busl-nd <30 Mt. monatlich. Beriand ins sseld bei direlter Bestellung monaii. IB0 MI. Po'Ibeitellungen nehmen an Düne- matt. Holland. Luremburg. Schweden u»d die Schweiz. Eingetragen in die Poit->!eiiungs. Preisliste. Eriche««» täglich. Delegramm. Adresse .e»ttaldeul»kra« Vcrliu» Derlinev Volksblakt. (lOPfennia) DuzeigenpreiS: DlessebengesbaUeneKoloneizeilelostet 80 Psg.„!i leine Anzeigen", das setigedruckie Wort SV Psg.(zulüisig 2 setigedruckie Worte), ledcs weitere Wort 15 Psg. Stellengesuche und Cchlafstellenanzeigen das erste Wort 20 Psg.. jedes weitere Wort 10 Psg. Worte über 15 Buchstaben zählen sür zwei Worte. Teucrungsznschlng 20°/» Familien-Anzeigen, volitijchc und gewerlschajtitche Vereins» Anzeige» 50 Psg die Zeile. Anzeigen für die nächste Nummer müssen bis ä Uhr nachmittags im Haubtgeschäst Berlin EW. 08, Üindenstrage 3, ab legeben «erden. Beöffuct von 8 Uhr früh bis 7 Uhr abends. Zentralorgan der fcztaldemohratifcben parte» Deutfchlands. Neüaktion: SW. 68, Linöenftraße 3. syernivrecher: Amt Moribvlas, Nr. IS1 SV— 151 S7. Expeüition: SM. 68» Linöenstraße 3. ükernsbrerber: Amt Morit»via«s. Nr. 151 SV— 151 S7. H'ch Neue Republik Georgien. Auflösung der Transkaukasische» Republik. Tiflis, 1. Juni.(Verspätet eingetroffen.) Am 26. Mai haben sich hier das transkaukasische Parlament, das der Träger der Staatshoheit in der transkaukasischen Republik war, und die transkaukasische Regierung aufgelöst. Am gleichen Tage um 4 Uhr nachmittags trat uuter dem Vorsitz des Führers der Mehrheit Tschordania der georgische Landtag zusammen irnd rief die Unabhängigkeit Georgiens ans. Eine georgische Regie- rung. wurde gebildet, in der Ramischwili den Vorsitz, der ehe- malige transkaukasische Ministerpräsident Tschcnkeli das Acusicre und Dshordshadse den Krieg übernahmen. Die Vorgänge im Kaukasus sind im allgemeinen sehr ivenig bekannt. Die völlige Abtrennung des Nachrichtendienstes und des Verkehrs breitete über dieses Land einen dichten Schleier aus. Man erfuhr aus einem vom 12. Mai datierten Tele- gramm der türkischen Agentur, nachdem mehrere Monate vorher jegliche Mitteilungen ausgeblieben waren, daß Abgesandte einer neu entstandenen transkaukasischen Republik in Konstantinopel eingetroffen sind, die die Anerkennung der Un- abhängigkeit dieses Staates beantragten. Später ist bekannt geworden, daß diese Abordnung in Berlin eingetroffen ist. Zwei spätere Meldungen der offiziellen türkischen Agentur vom 16. Mai und 19. Mai wußten zu melden, daß die Bolschewiki mit einem Mal Baku erobert haben und daß sie sich weiter ausbreiten. Wir knüpften an die erste Meldung von der Ein- nähme der Stadt Baku dem Sinne nach die Bemerkung(„Vor- wärts" vom 18. Mai), diese türkische Meldung lasse vermuten, daß die Türken dadurch weitere Ereignisse in Kaukasien anzu- sündigen wünschten. Diese Ereignisse sind nun eingetreten, allerdings nicht in der Form von Hilferufen ustv., sondern in— wenigstens nach außen hin— etwas vereinfachter Gestalt. Das oben abaedruckte, verspätet einaetrotfene Telearamm aus Tiflis vom 1.?zuni brinat die Nachricht, daß die trans- kaukaüsche Republik durch Beschluß des Landesvarlaments vom 26. Mai sich aufaelöll bat und daß die Landesreaieruna nicht mehr besteht. Gleichzeitig trat das Parlament G e o r- a i e n s, eines Teiles von Transkaukasus, zusammen und proklamierte die Unabbänaiakeit und Souveränität der neuen Georaischcn Republik. Die im Telearamm aenannten Namen aebören alten, bewährten Parteiaenossen. Sozialdemokraten menschewistücher Richtung. Dschordania und R a- mischwili. in der Arbeiterbewegung eraraute. auf aroße Verdienste zurückblickende Führer, waren Mitglieder der ersten Duma. T schenke Ii gehörte der vierten Duma an und war neben T s ck e i i d s e der beste Redner und bc- sonnendste Politiker der sozialdemokratischen Dumafraktion. Transkaukasus, das südlich des von Nordwest nach Süd- oft sich hinziehenden hohen kaukasischen Bcrgkammes gelegene Land, ist in der Hauptsache von drei annähernd gleich großen Völkergruppen bewohnt: Armeniern im Südwesten an der Grenze mit Türkisch-Armenicn, Tataren, im Südosten und Georgiern(Grusinern) im Westen an den östlichen Ufern des Schwarzen Meeres und im Zentrum um die Stadt Tiflis. Die Landeshauptstadt ist Tiflis. frühere Hauptstadt des imab- hängigen georgischen Königreichs, das im Jahre 1783, um sich vor der Bedrückung durch die eroberungsliistigen Nach- barn zu retten, einen freiwilligen Anschluß an Rußland voll- zogen hat. Seit das zaristische Rußland den ganzen Kaukasus in seine Hände bekam, schürte es unablässig den nationalen Kampf, unterstützte es die eine Nationalität gegen die andere. Der Zarismus hat auf seinem Gewissen entsetzliche Metzeleien. in denen aufgehetzte Proletarier verschiedener Nationalität und Religion einander totschlugen und vernichteten. Das Vordringen der Armenier, die auf dem Gebiete des Handels und der getchäftlickvn Tätigkeit im allgemeinen sehr große � Erfolge ernteten, fmsrte zu immer stärkerem Verdrängen der Georgier. Die soziale Lage der georgischen Bevölkerung wurde immer schlechter, die Masse der Bauernschaft befand sich in hulbieudaler Abhängigkeit von den Grundbesitzern. Daher erklärt sich, daß die georgischen Bauern fast nur Sozialdemo- kraten wählten und diese dann im Bestände der Dumasraktion das sicherste Bollwerk der Sozialdemokratie bildeten. Nach dem bolschewistischen Ilmsturz im November 1917 konstituierten sich die gewäblten Vertreter der transkaukast- 'öben Bevölkeruna für die konstituierende Versammlung als das Landesvarlament. Die Bestimmung des mit den Bolsche- wiki geschlossenen Brest-Litowsker Friedensver- träges, wonach Kreil? mit armenischer und georgilckier Bc- oölkerung an die Türkei znaesprochen wurden, waren für die Transkaukasier eine Neberraschung. Ein Versuch, mit den Türken Verbandiung??! einzuleiten, war gescheitert. Während- dessen letzten die Türken den Vormarsch in den Kaukasus wei- ter kort, ohne daß sich eine Grenze des Borrückens erkennen saßt, es kam die oben wiedergegebene Meldung von der Artllleriekämpfe und Teilvorstöf�e— Starker italienischer Angriff auf den Monte Pertica gescheitert. Berlin, 9. Juni 1918, a b e» d S. Amtlich. Westlich der O i s e nahmen wir die Höhe von Aury und die anschließenden feindlichen Linien. Westlicher Kriegsschauplatz. Heeresgruppe Kronprinz Rupprecht. Der Artillcriekampf lebte am Abend vielfach auf und nahm heute früh im Kemmelgebiet, südlich von der S» m m e und an der A v r e an Stärke zu. Teilanzriffc der Franzosen südlich von I p e r n, der Engländer nürdlich von Brau» mont— Ha«cl wurden blutig abgewiesen. Heeresgruppe Deutscher Kronprinz. An der O i s e lebte die Gefcchtstätigkcit auf. Ocrtliche Au- griffe der Franzose» auf dem Südufer der Aiöne«ad südlich des Ourcq scheiterten. Eigener Borstoß Sstlich von C u t r h brachte i5 Gefangene ein. Amerikaner, die nord- westlich von Chateau-Thicrrp erneut anzugrcife«»er- suchten, wurden unter schweren Berlusten und unter Einbuße � von Gefangenen über ihre Ausgangsstellungen hinauS zurück- geworfen. Heeresgruppe Herzog Albrecht. Bei erfolgreicher Nnternchmung auf dem Ostufer der Mosel machten wir Gefangene. Leutnant Kroll errang seine» Lt. und LS., Feldwebel Numey seinen 23. Lnftsieg. Der Erste Generalquartiermrister. Lndeadorfs. Ter österreichische Bericht. Wien,?. Juni. Amtlich wird verlautbart: Die italienische Erkundungstätigkeit erfuhr gester« eiue weitere Steigerung; sie blieb überall erfolglos. In drn Judikaricn und bei A s i a g» trieb der Feind Abteilungen von Bataillonsstärke gegen unsere Stellungen; sie wurden durch Feuer abgewiesen. Sehr erbitterte Kämpfe entwickelten sich an? den wieder- holten Angriffen auf den Monte Pertica. Der Feind stieß hier nach heftigem, um Mittag zu größter Kraft anwachsenden Gcschützfcurr in ein Kilometer Frontbrcitc vor. Seine Anstürme scheiterten an der trefflichen Wirkung unserer Artillerie und an der Tapferkeit der Kämpfer im Schützengraben. In stark gelichteten Rcrhen flüchtete der Angreifer auf feine Linien zurück. Gcfangonr und Kriegsmittel blieben in unserer Hand. Besondere. Anfübrung verdient das bewährte Komaromer Feld- jägerbataillon Nr. 19; eS hat den Hanptanteil am Erfolg. Buch an der Piavcmündung scheiterten alle Erkundung?- versuchr des Gegners. Ter Ehef des GeneralstabeS. Die Höhe von G u r h kiegt südwestlich von Lassigny. Die deutsche Front, die Westrich der Oise von Noyon nach OrvillerS bisher flachhohl zurückgebogen war, ist durch den neuen Vorstoß erfolgreich nach Süden vorgeschoben worden. Bedrängnis der tatarischen Bevölkerung durch die Bolschewiki, wonach die korrespondierenden Maßnahmen der Türken und eine den Türken günstige Bewegung der Tataren er- wartet werden mußten. Unter diesen Umständen wurde der transkaukasischen Republik der Boden abgegraben und die Ge- orgier suchen nunmehr, durch die Proklamierung ihrer Unab- hängigkeit den Beistand Deutschlands zu erhalten, um auf diese Weise ihren Besitzstand, so weit es geht, zu retten. Ueber das Los und die Schritte der Armenier verlautet bis jetzt noch nichts. Wir verzeichnen noch folgende Meldung des Berliner Bureaus der Pz'tersburger Telegraphen-Agentur: „Das in Tiflis erschciiwide Organ der Menschewiki„Pahker", derselben Partei, zu der T s ch e i d s e und Z e r e t e l l i gehören, verspricht der jetzigen transkaukasischen Regierung von Gegetschkori und Tschenkeli keine Lebensdauer, indem diese Regierung von vornherein keinen Einfluß in der Bevölkerung besitzt, und sich nur auf den muselmani scheu Feudalismus stützt. Seine Politik wird von den Menschewiki eine diplomatische Hochstapelei genannt. die den Untergang des gan.zen Landes nach sich ziehen kann." Das Blatt fügt nach Meldung der Agentur die Vermutung hinzu, daß Tewfik Pascha die georgische Regierung nach dem ukrainischen Muster behandeln werde. Aus dieser etwas unklaren Anspielung auf den musel- manisckzcn Feudalismus geht jedenfalls hervor, daß unter den georgischen Menschewiki in bezug auf die Stgatsbilduna und die Frage der Anlehnung an Deutschland bedeutende Mei- minaKv"' kch'-'d''nheiten herrschen. Raubbau an Ser Volkskraft. Die Gewerbeaufsicht in der Kriegszeit. Das Erscheinen der Berichte der Gewerbeauf- sichtsbcamten bildete in den letzten Friedenszeiten immer ein sozialpolitisches Ereignis. Gaben sie doch stets willkommene Gelegenheit zur kritischen Betrachtung unseres Arbeiterschntzes. Um so schmerzlicher ist der Wegfall der Be- richte jetzt in der Kriegszeit, in der dem Schutze von Leben und Gesundheit der Arbeiter eine erhöhte Bedeutung beizn- messen ist. Mit Recht ist dnhcr namentlich von der Sozial- demokratie mehrfach die Wiederherausgabe der Berichte ge- fordert worden. Wenn jetzt der preußische Minister für Handel und Ge- werbe dem Drängen durch Veröffentlichung einiger Ueber- sichten über die Beschäftigung der Arbeiter in gelverblichen Betrieben und die Ueberwachungstätigkeit der Gewerbeanf- sichtsbeamten im Jahre 1917 entgegengekommen ist, so wird den Wünschen nach den früher üblichen Berichten nur unvoll- kommen genügt. Zunächst ist ersichtlich, daß die Konzentration der gewerblichen Anlagen weitere Fortschritte gemacht hat. Die Zahl der Betriebe mit mindestens zehn Arbeitern verminderte sich in Preußen von 175 436 im Jahre 1913 auf 172 268 im Jahre 1917. Die Zahl der kleineren Betriebe, für die aber befondere Vorschriften des Bundesrats gemäß Z 12(1s der Gewerbeordnung erlassen sind und die somit auch zu den „revisionspflichtigen" Anlagen gehören(wie Gerbereien, Roßhaarspinnereien, Maler- und Lackiererwerkstättcn usw.), verniinderte sich von 75 612 auf 6V 532. Noch deutlicher tritt die Zentralisation in der Verschiebung der Ar- b c i t e r b e st ä n d e in die Erscheinung. Während sich in den großen„Fabriken" die Zahl der überhaupt Beschäftigten nur von 3 633 618 auf 3 539111 verminderte, ging sie in den kleinen Betrieben von 17 4 5 8 8 auf 7 9 19 4 zu-vück. Das besondere Kennzeichen der Kriegszeit ist eine V e r- änderung in der Zusammensetzung der Ar- beiterbc stände. Während in den Fabriken die Zahl der männlichen Arbeiter über 16 Jahre von 2 662 152 auf 1 956 292 zurückging, vermehrte sich diejenige der weih- l i ch e n von 687 734 auf 1 249 593. Die Zahl der beschäftigten jungen Leute von 14 bis 16 Jahren vermehrte sich von 289 148 auf 327 994, die der Kinder unter 14 Jahren von 3584 auf 6912. Das sind ganz gewaltige soziale Umwälzun- gen, die sich in diesen Ziffern offenbaren. Es stieg die Zahl der beschäftigten erwachsenen Arbeiterinnen in der angegebc- neu Zeit im Bergbau von 1147 auf 19 678, in den Walz- und Hammerwerken von 3 99 auf 15 616, in der Industrie der Maschinen und Instrumente v o n 5 1 5 1 3 a u f 32 7 512. Unter den einzelnen Bezirken des Reiches ragen besonders Berlin, Potsdam und Düsseldorf hervor. Die Gesamtzahl der Revisionen der Betriebe hat im all- gemeinen abgenommen, und zwar die der Fabriken von 177 432 im Jahre 1913 auf 129 464 im Jahre 1917, die der kleineren Anlagen von 13 958 auf 3292. Die Revisionen in der Nacht verminderten sich von 2993 auf 1929, die an Sonn- und Fest- tagen von 4958 auf 1669. Die Aufmerksamkeit wurde be- sonders auf die großen Betriebe gelenkt, was daraus her- vorgeht, daß sich die Zahl der im Laufe des Jahres einmal revidierten Betriebe von 84149 auf 32 965 verminderte, die der zweimal revidierten von 12 697 auf 9811, dagegen die der drei- oder mehrmal besichtigten sich von 6875 auf 19 731 v e r- mehrte. So kam es auch, daß sich die Zahl der revidierten Fabriken von 88 799 auf 48 639, die der in diesen Beschäftigten aber nur von 3 966 297 auf 2 946 519 zurückging. Gemessen an der Gesamtzahl der revisionspflichtigen Fabriken vermin- dcrte sich die Zahl der wirklich besichtigten von 59,6 auf 28,2 vom Hundert. Am interesiantesten sind die Angaben über die f e st g e- stellten Zuwiderhandlungen gegen die Arbeiter- schutzvorschristen. Durch ein Notgcsetz vom 4. August 1914 haben bekanntlich die Verwaltungsbehörden das Recht, den Unternehmern Ausnahmen von der Einhaltung dieser Vorschriften zu gestatten. Schon diese Möglichkeit der Ans- nahmen hat d e n Z u w i d e r h a n d I u n g e n Tür und Tor geöffnet. Die Fälle, in denen unerlaubter Weise die ?lrbeiterinnen die Dauer der Beschäftigung 119 Stunden tag- lich) überschritten, vermehrten sich von 2 86 9 im Jabre 1913 auf 61 98 im Jahre 1917, die der Nichteinhaltung der Mit- tagspause v o n 3 7 3 3 a u f 9 2 9 2, die der Uebertreiung des Verbots der Nachtarbeit von 7 2 7 a u f 1 3 398(!), die der verbotswidrigen Beschäftigung von Wöchnerinnen von 72 ans 759 usw. Aehnlich verhielt es sich mit den Zuwiderhandlungen gegen die Schutzvorschristen für jugendliche Arbeiter. Die Uebertretungen des Verbots der Nachtarbeit vermehrten sich v on 162auf12l)9Fälle usw. Hierbei ist besonders zu berücksichtigen, daß es sich um mehr z u f ä I l i ge Fest- stellungcn bei den BetriebZrcvisioncn handelt. Da die Zahl der Revisionen abgenommen hat, hätte eigentlich auch die Zahl der festgestellten Verstöße abnehmen müssen. Ans diesen Zu- sammenhängen ergibt sich, daß die Zahl der Zuwiderhandlungen noch vielgrößer ist, als in den Ziffern zum Aus- druck kommt, und daß die nicht entdeckten Gesetzesübertretun- gen einen riesengroßen Umfang haben. Tie Ur- fache liegt in dem Ausnahmegesetz vom 4. August 1914, das wenigstens die Kontrolle durch die Arbeiterschaft f a st unmöglich macht. Die Anzahl der Anlagen, in denen Zuwiderhandlungen festgestellt wurden, verminderte sich von 9971 auf 224S bei den Verstößen gegen die Arbeiterinncnschutzvorschristen und von 6917 auf 17ui bei den Bestimmungen zum Schutze der jugendlichen Arbeiter. Tie Verminderung ist eine Folge der Zusammenlegung der Betriebe und der Ab- nähme der Zahl der Revisionen. Auffällig ist die gewachsene Milde gegen die Unternehmer. Während im Jahre 1913 noch 1858 wegen den Zuwiderhandlungen be- st r a f t wurden, verminderte sich die Zahl auf 239 im Jahre 1917. Eine solche„Sühne" kann auf keinen Fall ab- schreckend wirken-. Die Genehmigung von Sonntagsarbeit nach � 1915k der Gelverbeordnung soll abgenommen haben. Die Bewilligung von U eberarbeit von Arbeiterinnen und jugendlichen Arbeitern hat einen wachsenden Umfang. Von 1916 auf 1917 stieg die Summe der bewilligten U e b e r- stunden von Arbeiterinnen von 16 auf 23 Millio- neu, die der von„jungen Leuten" von 7 auf SVa Millionen. Die Zahl der Arbeitstage, für die für Arbeiterinnen Nacht- arbeit erlaubt wurde, stieg von 26 Millionen im Jahre 1916 auf44 Millionen im Jahre 1917, die der für jugendliche Leute unter 16 Jahren von 34� auf 514 Millionen. Besonders bedauerlich ist, daß die zwei- teilige Arbeitsschicht, also die Teilung des Tage- Werks in Tag- und Nachtschicht von je rund 12 Stunden, noch die vorherrschende ist. Im Jahre 1917 wurde in Preußen für 26 Millionen solcher Nachtschichten von Arbeiterinnen die b e- HLrHiche Erlaubnis gegeben I Die Arbeitgeber jugendlicher Arbeiter erhielten die Genehmigung zu rund 31/g Millionen solcher Nachtschichten. Die Zahl der Betriebe mit dreiteiligen Arbeitsschichten von je acht Stunden ist noch stark in der Minderheit. Ihre Eristenz in allen Berufs- und Industriezweigen beweist aber, daß sie sehr w 0 h l m L g l i ch i st. Das Bild des Arbeiterschutzes in der Kriegszeit ist überaus traurig. Der Raubbau an der Arbeits- kraft der Frauen, Mädchen und Kinder wird sich schwer rächen. Die ohne jede textliche Bearbeitung veröffentlichten Ziffern der Gewerbeaufsicht können die Sozialdemokratie nur in ihrer Forderung bestärken: Fort mit dem Aus- n a h m g e s e tz zum A r b e i t e r s ch u tz l Die Aufhebung muß s 0 bald wie möglich durchgeführt wcrdenl mehr Entbehrungen z« erdulden hat, durch das Angebot von Gastfreundschaft zur Mckderung des Loses der Kriegsgefange- nen beiträgt, so kann mich auf seine weitgehende Bereitwilligkeit, bei der Hcimfchaffung von Gefangenen mitzuwirken und Hilfe zu leisten, gerechnet werden. Der Minister gab dann der Ucberzeugung Ausdruck, daß die Verhandlungen in derselben entgegen- kommenden Gesinnung geführt werden würden, die vori- ges Jab-r vorhanden gewesen sei, und sprach unter Hinweis ans die Ergebnisse der de utsch-franzö fischen Verband- tun gen in Bern die Hoffnung und die feste Erwartung aus, daß die Konferenz Erfolg haben werde. Sodann verließ Minister London die Sitzung, die unter Leitung deS Gesandten Vrcdeubnrgh fortgesetzt wurde. Es gelangte das Programm für die Konfccenz zur Besprechung. Die Konferenz wird sich u. a. mit den folgen« den Punkten beschäftigen: I. Einhaltung der bereits be- stehenden Uebereinkünfte, 2. Behandlung und Beschäftigung der Kriegsgefangenen, 3. Vcrgeltungsmaß- r eg eln. 4. Vorbereitung des Abkommens über die Rückkehr in das Vaterland �oder die Intcrnirriing in einem dritten Lande von KoicgSg'fangouen und bürgerlichen Internierten, ö. die bei der Auswahl der unter Punkt 4 fallenden Kategorien von Kranken nud Verwundeten einzuhaltenden Methoden. 6. Verbesserung der Z u st ä n d e in Lagern mit Einschluß der Er- nährung von Kriegsgefangenen und Internierten. Nach einigen Beratungen allgemeiner Art wurde die Sitzung auf nächsten Montag vertagt. flu unö Marne. Berlin, 9. Jnni.(W. T. B.) Ter deutsche Vorstoß im A r d r e-@ c b U t, bei dem 300 Gefangene gemacht und mehrere Maschinengewehre rrbentet wurden, traf in die Naht- stelle französischer und englischer Tivisionen und zwang die � Franzosen zur eiligen Heranführung von Verstärkungen, sowie j zu verlustreichen Gegenangriffen. Das deutsche Feuer liegt mit großer Heftigkeit ans den rückwärtigen Verbindungen der Franzosen und Engländer, vor allem aufdcnMarne- Übergängen von Port-ä-Binson bis Epernay. Bahnhof Epcrnay selbst wurde unter Fernfeuer genommen. Mehrere Brände wurden beobachtet. SkiztG zu den letzten fvrtecfirilten ,Wo ßemj 0 Die Üeutsch-englische Konferenz über Gefangenenaustausch. Haag, 8. Juni. Korrespondenzbursau. Heute nachmittag wurde die Konferenz über Kriegsgefangenen an- gelegen heiten un TreveS-Saal eröffnet. Der Minister des Auswärtigen, London, leitete die Ausammenkunst. Man erwartet, daß die Konferenz zcihn bis vierzehn Tage dauern wird. Bei der Eröffnung der Kriegsgefangenenkonferenz hielt der Minister des Auswärtigen London, eine Rede, in der er seiner Genugtuung über die zweite Zusammenkunft im Haag während des Krieges, die sich zur Aufgabe stelle, das Los der KriegSge- fangenen zu bessern, Ausdruck gab. Der Minister erinnerte an die verschiedenen Punkte, über die man sich im Jahre 1317 geeinigt habe, und an die segensreichen Folgen, die sich daraus für Dausende ergäben, und berührte dann kurz einige Gegenstände, über deren Behandlung in der fetzigen Konferenz man sich bereits verständigt habe. Er fuhr fort: Wenn Holland, das mitten zwischen den kämpfenden Ländern liegt und infolgedes Krieges immer � Meaux J i S! in-m*T9 SSSt Die§rage öe? Einberufung ües öftere rsichifchen Reichsrats. Wien, S. Juni.(Meldung des Wiener K, K. Telegr.-Korresp.- Bureaus.) Den Blättern zufolge hatte Ministerpräsident v. Seid- l e r gestern Besprechungen mit verschiedenen Partei- f ü h r e r n, denen er die Voraussetzungen mitteilte, unter welchen er die Einberufung des Reichsrates noch im Juni für möglich halte. Der Ministerpräsident erbat die eheste Antwort der Parteien und bezeichnete als äußersten Termin den 16. Juni. In der nächsten Woche werden die meisten Parteien Beschlüsse über ihre taktisch: Haltung fassen. Das japanifch-chinesifche Abkommen. Zwar defensiv, aber... Amsterdam, 8. Juni.„Algemeen HanMsblad" zufolge erfährt„Daily Expreß" aus Tokio, daß der japanische Militär- delegierte General Ugaki über das chinesisch-japanische Abkom- men erklärte, das Abkommen sei zwar defensiv, sei aber deswegen nicht notwendig auf die Verteidigung beschränkt. Es beziehe sich auch nicht nur auf den Osten. Die japanische Regierung habe Munitionsburcans zur Ausführung des kürz- lich angenommenen wirtschaftlichen Mobilinachungsgesetzos eingerichtet: außerdem ist ein M u n i t i 0 n s r a t, der aus 69 Sachverständigen der Industrie und der Wissenschaft besteht, eingesetzt worden._ Deutschland und die sibirische Bahn. Moskau, 3. Juni.(MeldungderPetersburgerTele- graphenagentur.) In einem der bürgerlichen Presse zuge- 1 gangenen Telegramm aus Paris heißt es, daß man in Paris über Stockholm erfahren habe, daß in Moskau Verhandlungen über eine ikünftige deutsche Beaufsichtigung der sibiri- jschen Bahn bis I r k u s k begonnen würden. Gleichzeitig ver- langt die französische Presse unter Hinweis auf obige Depesche ein rascheres Einschreiten Japans gegen Rußland. Die Stockholmer Mitteilungen sind von Anfang bis Ende er- fundrn. Keinerlei Verhandlungen über eine Ucber- tragung der sibirischen Bahn an die Deutschen haben stattgefunden, ebensowenig irgendeine Forderung oderein Vor- schlag von feiten der deutschen» Regierung in dieser Hinsicht. Die Depesche stammt aus den gcgenrevolutio- nären russischen Kreisen, die durch diese Nachricht die Alliierten zu einer schrofferen Haltung gegenüber Nußland beranlassen wollten. Die Reform öes schweüifchen Gemeinöewahirechts. Ter Widerstand der Ersten Kammer. Stockholm, 8. Juni. Der Re�icrungSantrag aus Re- form dco(sscmrindewahlrcchts wurde in der Ersten Kam- m e r mit 70 gegen 50 Stimmen abgelehnt. Tic Zweite Kammer nahm den Antrag mit 122 gegen 50 Stim- men an. Die Reform des Gemeindewahlrechts hat in den letzten Kabinettskrisen Schwedens eine einflußreiche Rolle gespielt. Das Andrängen von links hat auch diese Forderung obenan auf ihre Fahne stehen, und die Regierung hat ihrer Verpflich- tung, dieser Forderung Genüge zu tun, gehorcht. Wie aber die Abstimmung in den beiden Kammern zeigt, ist der Wider- stand der Rechten noch nicht gebrochen. Sofortige Deportation für läftkgeftuslänöer. Washington, 7. Juni.(Reuter.) In einem neuen Ge- setz, über das im Repräsentantenhause jüngst berichtet wurde, wird angeordnet, daß sämtliche ausländischen An- archisten in den Vereinigten Staaten� festgestellt und für die sofortige Deportation Bereich gehalten werden sollen. Das jetzt geltende Gesetz verbietet die Dcpor- tation von Ausländern, wenn sie fünf Jahre im Lande ge- wesen sind. Mit solchen Rechten räumt die demokratische Union nunmehr radikal auf, und da bei derlei drakonischen Gesetzen die Para- gvaphen aus Kautschuk gefertigt zu werden pflegen, werden der richterlichen Feststellung, was alles als Anarchist behandelt werden darf, die weitesten Grenzen gegeben sein. Bei den Wahlen für daS rumänische Parlament, daS aus zwei Senatskollegien und drei Kammerkollegicn gebildet wird, wurden am Donnerstag für daS erste Kammerkollcgium 36 Regierungs- kandidaten, 3 Earpisten, und zwar PeterCarp, sein Sohn Gregor Carp und der ehemalige Minister NcniteSru sowie Gene- ral Averescu als Unabhängiger gewählt. Die Wahlen ver- laufen ruhig und ohne Zwischenfall. Die Parlamcntssitzungcn, die am 17. Juni beginnen sollen, werden im Jassyer Nationaltheater abgehalten werden. Deutsches Theater: Aufführung öes Vereins ,Das junge Deutfchlanö". .K a in' von Friedrich Koffka. Zwei Dichtern der jungen Generation widmete gestern mittag das Deutsche Theater seine Kunst. Friedrich Koffka und Franz Werfe! sind ihre Namen. Mit dieser SonntagS-Auf- führung schloß der erste interessante Zyklus von Vorstellungen, durch die der ncugebildeie Verein„DaS junge Deutschland' die Stücke junger, sonst kaum gcspieltcr Dichter auf ihre Bühncnkraft erproben will. Hoffentlich ist seiner Wirksamkeit auch weiterhin ein gün- stiger Fortgang beschieden. Die wenigen Zeilen im ersten Buche Mose über den Bruder- mord, den Kam, der ältere von AdamS Söhnen, an Abel den jün- geren, verübt, lassen die inner?» Beziehungen in dem Verhältnis der beiden zueinander ganz im Dunkel. Die Tat wird einzig damit motiviert, daß Gott, der daS Früchtcopfer des Ackermannes Kain abwies, das Tieropfer deS frommen Hirten Abel„gnädiglich an- gesehen' habe. Dadurch war Kain zum Grimm gereizt. Und„es begab sich, da sie auf dem Felde waren, erhob sich Kain wider seinen Bruder Abel und schlug ihn tot'. Im übrigen erfährt man nur, daß Kam, als Gott ihn um seiner Tat willen verfluchte, Worte der tiefen Reue spricht:„Meine Sünde ist größer, als daß sie mir ver- geben werden möge". Das Bild des finsteren und gewalttätigen Jünglings, der als erster Menschenblut vergossen, spielt in der christlichen Ueberlieferung eine große Rolle, und Byron hat dann später die Gestalt in seinem Drama„Kain" zu einem machtvollen Typus menschlichen RebellentumS geprägt, das sich in kühnem Trotze wider die Gottheit selber auflehnt, und Lucifcr, dem gcfalle- nen Engel und ewigen Widersacher des Herrn, huldigt. In gewal- tigen Gesichten läßt der den schauerlich erhabenen Kreislauf des Weltalls vor Kains Blick vorüberziehen. Zurückgekehrt wird Kam in seinem Hasse wider Gott zum Mörder Abels, als dieser seinen Opferaltar wider Kains frevelhaften Angriff schützen will. In sinnloser Erregung über solchen Widerstand erschlägt er ihn mit einem vom Altar gerissenen Feuerbrand. Was Koffka zu dem alten Mythos hingezogen, dem diese Dichtung eine klassische symbolische Prägung lieh, bleibt dem Zu- schauer unklar. Er macht aus Byrons stolzen Uebermenschen ein minderwertig dumpf-verworrenes Geschöpf, das höchstens unser Mit-\ leid rühren kann. Dieser Kain, auch an Gestalt und Antlitz häßlich,! gilt seinem Vater Adam, von dem er ohne Widerstand jedwede Züchtigung hinnimmt, als unverbesserlicher Tagedieb. Er selber! findet sich abscheulich, doch fehlt ihm alles Zutrauen, daß er durch eigene Kraft des Willens sich je ändern könne. Er bewundert Abel, der, Gott und den Menschen angenehm, leicht allen Pflichten nach- kommt und gedankenlos auch jugendlichen Leichtsinn nicht ver- schmäht. Er, der den Bruder morden wird, schrickt vor dem Ge- danken an die Tötung eines Lpferkieres wie bor etwas Gräßlichem zurück. Und diese eifersüchtige Bewunderung paart sich mit einem Einschuß krankhafter Erotik. Mit magischer Gewalt zieht's ihn, der noch nie ein Mädchen berührte, zu dem schönen Bruder; heim- lich küßt er ihn, wenn er ihn schlafend findet. Gewiß, in diesem seelischen Gemälde des verbitterten und sich verstoßen dünkenden jugendlichen Gemüts sind Züge von großer Feinheit, aber die Ueberfülle der durcheinander wogenden Regungen verwirrt, und man versteht vor allem nicht, warum der Dichter seine Gestalt auf den Namen Kain, mit dem so völlig andere Vorstellungen sich ver- binden, getauft hat. Daß dieser eingeschüchterte und dann wieder extatisch aufbegehrende Bursch, durch die harte Entgegnung des Bruders, der sich sein ewiges Spionieren verbittet und welchem dabei Worte sähen Hasses auf die Zunge dringen, zu dem Entschluß des Mordes aufgestachelt wird, erscheint als bloßer, wenn überhaupt, nur pathologisch erklärbarer Zufall, wirkt nicht alS tragisches, au- tiefen seelischen Notwendigkeiten erwachsenes Geschick, daS fort- reißt und erschüttert.— Der innere Kontrast der Brüder, von Kams Zerwühltheit und Abels sonnig frohem Sinn, kam in der Dar- stellung der Herren Deutsch und Thimig höchst eindrucksvoll heraus. Sehr gut war auch D e c a r l i als patriarchalisch-bäuer- licher Adam. „D e r Besuch aus dem Eltzsinm' von Franz Werfe!. Voran ging ein hier und da von Zwiegesprächen unterbrochener Monolog„Besuch aus dem Elysium" von Franz Werfest der unter den jungen Lyrikern in dem gedrängten bilderreichen Schwünge seines Pallhos als die bedeutsamste Erscheinung gilt. Auch dieser Monolog ist schließlich Lyrik, ein phantasievolles Hinauf und Herab auf schwanker Leiter der Gefühle, die sich noch nicht zu festerem seelischen Gebilden formten, wie das Bedürfnis des Theaters sie verlangt. Ter einstige Verehrer einer ehemals jungen Dame, der nach verstiegener Jünglingsaet um die sich spröd versagende Ge- liebte, in seiner Phantasie einen Strahlenkranz der wunderbarsten Herrlichkeiten wob, sucht die schon lang Vermählte noch einmal aus dem Totcnreiche auf. Der Schwärmer hatte sich, wie der jugendliche Held von Ibsens„Komödie der Liebe' in eine hymnische Begeisterung für jene Art der Liebe, der es bestimmt ist. Sehn- sucht zu bleiben, hineinphantasiert. Er will der Angebeteten, die sa in Wahrheit nicht viel mehr als ein triviales Gänschen war, nach trag sich noch dafür danken, daß sie durch ihre Weigerung die Kraft der Sehnsucht zu ihm zu so hellen Flammen wachsen ließ. Diese Erinnerung hat ihm den Sporn gegeben, der ihn in seinem weiteren Leben zu allem Großen trieb. Er renommiert mit dem Erfolgen, die er so errungen. Doch plötzlich, als der irdische Ge- mahl erscheint, verfliegt der Rausch und hinter der verklärten Selm- fuchtsphilosophie erhebt sich wieder der alte Erdengram, daß er sie nicht besipen durfte. AnS der Elysäischen Schattcnwelt, zu der sein eigenes Schattenleben auf der Erde mir ein Vorspiel war, verlangt es ihm nach warmer Wirklichkeit und dem beschränkten aber faßlich klaren Glück, das sie zu bieten hat, zurück. Wie im Traum- biß) fließen die Gegensätze ineinander über, und wie ein Traum- bild verschwindet plötzlich die Gestalt in Diinkel. Ein Spiel der Reflexion in lyrischem Gewand. Dem Darsteller Herr K 0 n r a d V e i d t gelang es, das vage unbestimmt Vecschwebende in Ton und Haltung stimmungsvoll abzuspiegeln. ät. die Wissenschaft vom Gerücht. Nach beinahe vier Kriegsjahren treten doch noch manchmal , Kriegsgerüchte ans, ganz wie im Beginne des Krieges, wenn auch � nicht mehr im gleichen Grade; ganz besonders häufig ist es, daß i urplötzlich Gerüchte von großen neuen Gefangenen- und Beutezahlen j verbreitet werden, die allgemein geglaubt werden. Wie kommen ! solche falschen Gerüchte zustande? Die Beantwortung dieser Frage ! gehört in das Gebiet der Psychologie der Aussage, das ganz gut er« ' forscht ist. Den Teil, der als Psychologie des Gerücktes zu be- zeichnen ist, bcbandclt jetzt Dr. Herzig von der Landesirrenanstalt am Steinhof, Wien, in einem fesselnden Aufiatze der Zeitschrift „Natur und Lbulhtr", die in München im gleichnamigen Verlag« er- scheint. W:lliam Stern und eine Reihe anderer Psychologen haben Ver- suche angestellt, die das Entstehen und die Verbreitung eines Ge- : rächte» aufzuhellen geeignet stn®; freilich gelten für ein„künstliches Gerücht' etwas andere Bedingungen als fiir das im Volk verbrei- tete. Die Versuche erfolgen in der Art, daß einer ersten Versucks- i person ein Bericht über irgend ein Ereignis mitgeteilt wird; diese gibt es einer zweiten in der gleichen Weise weiter, und so kann man eine längere Kette bilden. Der Wiener Psnckologe v. Noretz hat einen solchen Kettenvcrsuch an jungen Mädchen von 16 bis 18 und jungen Männern von 16 bis 17 Jahren ausgeführt. Als Versuchsstoff diente dabei ein Unglücksfall in den Bergen. der wirklich vorgekommen und für den Versuch in geeigneter Weise ! als Bericht niedergelegt war. DaS Weitergeben des Tcrtes wurde l solange fortgesetzt, bis er keine wesentlich« Acnderung mehr erlitt. i Ursprünglich enthielt er in 11 Sätzen 38 mehr oder minder bezeich. i nende Tatsachen. Hiervon gab die dritte Versuchsperson nur noch 1 11 in fünf Sätzen wieder, die 11. nur nur noch sieben in drei ! Sätzen! So war es bei den männlichen Versuchspersonen, während z die weiblichen dieses Ergebnis noch unterboten: die dritte Versuchs- ' person gab nur noch acht Einzelheiten in drei Sätzen weiter, bei der Ein penöant. Kreuzzeitung und„Unabhängiger ZeitungSdienst" zur Präsidentenwahl. Gegen die Wahl eines Sozialdemokraten zum stellvertretcn- den Reichstagspräsidenten haben nach eigenem Geständnis— der Wahlakt als solcher ist geheim— gestimmt die Konservativen und die U n a b h ä n g i g e n. Es ist nicht das erste Mal, daß wir diese beiden Extreme in holder Uebcreinstiminung finden, aber es ist einigermaßen erheiternd, die Ausführungen zu vorgleichen, mit denen beide Teile ihren Schritt begründen. Die konservative„Kreuzzeitung" schreibt: „Für die konservative Auffassung ist der Gegensatz zur Sozial- demokratie wegen ihrer Stellung zur Monarchie, zur bürgerlichen Gesellschaft als solcher, und zu der politischen Frage, die im Augen- blick für die Zukunft die wichtigste ist. nämlich zur Gestaltung der F r i e d e n S z i e l e, ein so grosser und grundlegender, daß ihr ein besonderes Entgegenkommen gegen diesen politi- sehen Gegner u n ni ög l i ch bleibt, und die Konservativen können. wie an dieser Stelle häufig ausgeführt wurde, auch eine Politik nicht mitmachen, die davon ausgeht, daß es nötig sei, durch Eni- gcgenkommen gegen sozialdemokratische Forderungen die Sozial- demokratie und durch sse die Arbcitcrmassen bei der Stange zu halten. In der Richtung dieser von unS stets abgelehnten Politik würde aber unseres ErachtenS eine Beteiligung an den Maß- nahmen gelegen haben, die aus rein politischen Gründen Herrn Scheidemann auf den Präsidentenstuhl gebracht haben. Da- zu kommt, daß gerade dieser es war, dessen Wahl von der sozial- demokratischen Fraktion vorgeschlagen und verlangt wurde. Mit seinen gegenden SiegeSwillen gerichteten A e u tz e- r u n g e n und mit seinen Ankündigungen, di« Drohungen verzweifelt ähnlich sahen, ist er in der Frage der FriedcnSziele, in der zurzeit die Entscheidung über die Zukunft Teutschlands liegt, einer der hervor st echendsten Träger einer Politik, die vom konservativen Standpunkte aus aufs schärfste bekämpft werden muß, ganz ab- gesehen selbst von früheren Erinnerungen aus der Zeit vor dem Kriege." Dagegen zetert auf der anderen Seite der unabhängige Zeitungsdicnst: „Von den RegierungSsozialisten war Herr Scheidemann zu einem der Pizepräsidenlen vorgeschlagen worden. Die Fraktion der Unabhängigen Sozialdemokraten hat sich in ihrer Sitzung vom Freitag hiermit beschäftigt und erklärt, daß sie zwar den Anspruch jeder der stärkeren Fraktionen anerkennt, im Präsidium vertreten zu sein, daß sie sich aber da? Recht wahrt. Personen abzulehnen, die ihr aus persönlichen oder politischen Gründen lodcr aus beiden) des Ver» trauen? unwürdig gelten, das eine solche Wahl ausdrücken soll. Diesen Fall hat die Fraktion bei Herrn Scheidemann als vorliegend gefunden. Als Persönlichkeit ist Herr Scheidemann für die Unabhängige Sozialdemo. kratie Deutschlands erledigt, nachdem diese ihn öffentlich unehrenhafter Handlungen im Sinne �c? Partei. statuts und des Treubruchs beschuldigen mußte, diese Be. schuld ignngcn aufvcchtenhält und jedem Unbefangenen gegenüber zu beweisen imstande ist. Einem solchen Mann, der Hundert- tausende von Sozialdemokraten in dem früher in ihm als Mensch gesetzten Pertrauen aufs schlimm st« ge- täuscht,— seine Treulosigkeit und skrupellose Geschäftstaktik lin Firma Schcidcmann, Ebcrt, Braun u. Co.) durch ein« eklatante Vertrauenskundgebung zu erwidern— das hieß« Uebermensch- lichcs von unserer Partei verlangen. Für den ZentrumSmann Fehrenbach haben die Unabhängigen als ganz selbstverständlich gestimmt, dem S o- zialdemokraten Scheidemann ihre Stimme zu geben, daS erschien ihnen ein„übermenschliches Ansinnen". Ein Selbstzeugnis, wie der„Klassenkampf" der Unabhängigen sich lediglich darauf konzentriert, den Kampf innerhalb der Arbeiterschaft immer verschärfender und erbitternder zu gestalten.— Aber freilich, das unabhängige„Berliner Mittei- lungsblatt" hofft ja, sich in kurzer Zeit mit der„Kreuzzeitung" über die Kriegsziele zu verständigen. Da ist es ja nur logisch, wenn die Unabhängigen gegen den Mann stimmen, den die„Krcuzzeitung" für den hervorstechendsten Gegner der kon- servativen Politik erklärt. 11. war der Bericht über den Unglücksfall auf drei Einzelheiten m einem Satze zusammengeschmolzen! Die jungen Männer machten aus dem Abstürze in eine Gletscherspalte einen Absturz schlechthin. au? dem Genickbruche einen farblosen Tod, aus den als Nolzcichen geschwenkten Lodenmänteln Mäntel schlechthin. Bei den Mädchen wurde au? dem Ortler, der ursprünglich alZ Ort de« Unfalles an- geführt war, ivgend«tzn Berg, der Schneesturm vevblaßt« zu einem Unwetter, cmS den Bergführern wurden Männer, das Schwenken der Lodenmäntel wurde zu einem Winken mit Tüchern und schließ- lich mit Fabnen. Es wurden aber nicht nur Bestandteil« ausgelassen, sondern einige wurden verändert und neue, die im Urtexte nicht vorkamen und als Erfindungen zu betrachten sind, wurden eingeschoben; eine der Versuchspersonen 1 chattete willkürlich eine Höhle in die Erzäh- lung ein, eine andere si'gte ein« bestimmte Jahreszahl hinzu, ob- wohl die Vorlage mir Monat und Tag enthielt; bei den Zahlen- angaben war die Willkürlichkeit überhaupt groß; bald wurde von zwei, dann wieder von sechs Touristen gesprochen sin der Urform waren es drei); auch die Anzahl der Kinder des Abgestürzten wurde abweichend angegeben. Diese?„VersuchSgerücht" enthält die beiden bezeichnenden Merkmale des achten Gerüchtes, das sich frei ver. breitet: es findet sich ein fortschreitendes Verblassen und Abbröckeln der ursprünglichen Erzählung, und neue Einzelheiten werden hin- zugefügt. In welchem Maß- Abweichungen und Veränderungen beim Weitererzählen einer Tatsache vorgenommen werden, daS hängt davon ab. wie leicht beweglich im Gemüt« die in Betracht kam. wende Menge ist. Frauen und Kinder zeichnen sich durch erhöhte Suggestibilität und durch stärkere Phantasietätigkeit auS; sie neigen mebr dazu. Rachrichten�hn« Prüfung von anderen zu übernehmen und Veränderungen vorzunehmen. Notizen. — Deutsche» Opernhaus. Morgen, Dienstag, fingt Softe Palm-Cordcs die.Carmen" als Gast. — Die pfiffige Rechnung. Der Schweizer Schriftsteller Th. Bärwart erzählt in seinen eben erschienenen„Roßwiler Ge- schichten"ck»ng von Silasen haben auch eine Aenderung der Bestimmungen über die Strafiegister und die weckselieilige Mitteilung der Slraiurteile notwendig gemacht. Nach einem Beschlüsse des Bundesrats treten sie am t. August in Wirtsamlei». Wenn Vermerke im Strasregister gelöscht sind, so darf nur den Genckien, der Staatsanwaltschaft und auf ausvrücklickes Ersuchen den böheren VerwaliungSbebörden Auskunft erleilt werden. Im übrigen sind gelöschte Vermerke als nickt eingetragen zu be» handeln. Sind nur Gefängnis und Festungshaft bis zu einem Jahre, Arrest. Haft, Geldstrafe oder Verweis vermerkt und seit ver letzten Verurteilung zehn Jahr« vergangen, so darf über den Inhalt de« Register» nur den Gerickten, den Behörden der SiaalS- anwalischaft iowie auf ausdrückliche» Ersuchen den böheren Ver- waliungSbehörden Auskunft erteilt werden. Vermerk« über Ver- urterlungen im Ausland sind denen de« Inland» gleichzuackteu. In daS Register aufgenommen werden jetzt auch die Entscheidungen der Konsulargerichte, der Militärgerichte und der Strawersolgungs- bekrörven. durch die ein Strafversahren durch Einstellung, Nicht- eröffnung deS Hauplverfahrens oder Freisprechung beendet wird. DaSielbe gilt bei Einstellung de» Verfahrens oder Entmündigung wegen Geisteskrankheit._ Brlefvrrkehr nach Rußland. Räch Rußland werben fortan ge- wöhnliche und eingeschriebene offene Briefe und Postkarten des allge- meinen Verkehrs und Gefangenen b r i e f sendungen befördert. Die Sendungen des allgemeinen Berkehr« sind nach den Gebührensätzen de» Weltpostvereins freizumachen. Folgende Sprachen sind zuge- lassen: deutsch, russisch, kleinrussisch, polnisch, finnisch, dänisch, eng- lisch, französisch, holländisch, italienisch, norwegisch, schwedisch, spanisch und ungarisch. Judillium der Berliarr Sparkasse. Am tö. Juni find hundert Jahr« seil der Errichtung der Berliner Sparkasi« verflossen. ES findet an diesem Tage abend»« Uhr eine Feier im Bürgerlaal de« Raihauie» statt. Nach einer Ansprach« de» Oberbürgermeister» Dr. Mermuth wird der Sparkassendirettor«inen Lichtbilder- ftast Du den Qlunscb, die Arbeiterschaft von ihren politischen Fesseln zu befteien? Dieser Wunstb wirö wirkZichkeit, wenn Du Dich mit Deinen Klassengenossen vereinigst in der SozialAemokratischen Partei Deutschlanös! Deshalb zögere nicht I Fülle den folgenden Schein auS und sende ihn an Theodor Fischer, Berlin LW 68, Lindenstr. 3. Ich erkläre hiermit meinen Beitritt zum Svzialdemo- kratischen Verein meines Wahlkreises. Name:. Geburtsort und Datum:. Beruf:- Genaue Adresse: Vortrag über„Hunden mann ist hierzu eingeladen. ipaikasse" halten. Jvde. Ein verhängnisvoller Ncvolverfchuß. Der Kaufmcmn Glase, Steglitz, Schlotzstr. IIS, wohnhaft, hantierte am Freitagmittag gegen 1 Uhr mit einem geladenen Revolver. Neben ihm stund feine L8jährige Tochter, die interessiert die Waffe betrachtete. Plötzlich krachte ein Schutz und die Kugel drang dem jungen Mädchen von der rechten Körperscite ans in den Rücken. Ein sofort hinzugerufener Arzt erklärte jedoch, datz die Verletzung nur leicht sei und empfahl Umschläge. Da sich jedoch der Zustand der Verletzten zusehends verschlimmerte, wurde sie auf Anraten eines zweiten Arztes noch an demselben Abend nach dem Krankenhausc Ebenezer überführt. Ein dort unmittelbac nach der Einlieferung vorgcnonimener opera- tiver Eingriff konnte das junge Mädchen, das verlobt war, nicht mehr retten. Sie erlag am nächsten Morgen ihrer Verletzung. Die polizeiliche Untersuchung des Vorfalls ist eingeleitet. Ein zweiter ähnlicher Unfall ereignete sich fast um dieselbe Zeit in einem Waffengeschäst in F r i e d e n a u in der Rhcinstratze. DaS Wjährige Dienstmädchen Anni Grundncr war von ihrem Dienstherrn, dem Kaufman Schröder in der Wiesbadener Straße beauftragt worden, einen demselben gehörigen Browning in dem oben erwähnten Waffengeschäft zu verkaufen. Die Inhaberin des Waffengeschäfts jedoch zeigte sich nach einer Besichtigung der Waffe n-icht zum Kauf bereit und gab dieselbe der Grundner zurück. In demselben Augenblick entlud sich der Revolver und die Kugel drang dem Mädchen durch die linke Hand und den Leib unmittelbar durch den Magen. Die Verletzte wurde nach dem Stubenrauch-Kranken- hause gebracht, doch ist eS fraglich, ob es gelingen wird, sie am Leben zu erhalten. Bon Räubern überfallen wurde im der Nacht zum Scmmtvg der Direktor des Passage-Theaters und Panoptikums Mohamed Soli mann aus der August st ratze 5. Als er auf dem Heimwege die Weidendammer Brücke überschritten hatte, rempelten ihn vor dem Hause Friednichstratze 105 fünf Männer an, fielen über ihn her und raubten ihm die goldene Busennadel mit Brillanten im Werte von 2000 M. und die Brieftasche, die 1800 M. Papiergeld enthielt. Dann ergriffen sie die Flucht. Auf die Hilferufe des Beraubten nahmen mehrere Leute und etn Schutzmann die Verfolgung ans, und es gelang, wenigstens einen der Räuber festzunehmen. Die anderen entkamen. Der Verhaftete ist ein Melker Paul Albrecht aus der L-inieustratze. Radrennen in Treptow. Das Programm des gestrigen Tages umfaßt« ein Dauerrennen Wer 50 Kilometer, dem zwei Vorläufe über je 30 Kilometer vorausgingen und drei kleinere Fliegerrennen. Nachdem in den Vorläufen zum Dauerrenneu Wiewerall und Nettelbeck ausgeschieden waren, gingen im Entscheidungslauf Przhrembel, Tcchmer, Pawke und Rudel auf die 50-Kilomcter-Neise. Der beste Fahrer im Renuen. Pawke, ging als leichter Sieger durchs Ziel und seine Konkurrenten belegten die nächsten Plätze eben- falls in der Reihenfolge ihrer Papierform. Von den Fliegerrennen beanspruchte mir ein langes Prämienfahren, das. von Wegener leicht vor Häusler gewonen wurde, einiges Interesse.— Resultate: SO-Kilometer-Reuuen, 1. Vorlauf über 30 Kilometer: 1. Przhrembel 26 Min. 54 Sek., 2. Techmer 860, 3. Wiewerall 2040 Meter zurück. 2. Vorlauf über 80 Kilometer: 1. Pawke 27 Min. 6 Sek., 2. Rudel 1220, 3 NetteWeck(Motorsckiaden) 1340 Meter zurück. Entschei- dungslauf über 50 Kilometer: 1. Pawke 44 Min. 27 Sek., 2. Przyrcmbel fMotorbrand) 1640, 3. Techmer 3190 Meter zurück; Rudel aufgegeben.— Vorgabefahren für Klasse 3: 1. Scfstitz 1 Min. 57 Sek(*80), 2. Petri(55), 3. Schwab(75), 4. Linsener(65), 5. Schlottke(85 Meier Vorgabe).— Erstfahren. 900 Meter: 1. Schwab 1 Min. 19 Sek., 2. Klotz, 3. Meyer, 4. Mrozkowski.— Prämienfahren, 10 Kilometer: 1. Wegener 14 Min. 8 Sek.. 2. Häusler, 3. Tetzlaff, 4. Dahnke, 5. Müller. "c'.ui sind im Mai 3393 Stück gegenüber 2370 Stück im Mai 1917 ausgestellt worden. Eharlottenburg. Städtische Sparkasse. Die Einzahlungen bei der städtischen Sparkasse in Eharlottenburg haben im Mai wieder- um eine außergewöhnliche Steigerung erfahren. Sie r>etrnaen 5 850 000 M., während die Rückzahlungen sich auf nur 2 680 000 M. beßefen Es sind also 3 170 000 M. mehr eingezahlt worden. An Weihensee. Lebensmittel. Der Verkauf von Salzherin- gen wird in der Woche vom 10. bis 15. Juni in der Verkaufsstelle Pistoriusstratze 24 fortgesetzt. Ms Ausiveis sind die neuen Lebens- mittelkarten vorzulegen. Auf jede der aufgerufenen Karten wird Vt Pfunö Salzheringe verabfolgt zum Preise von 70 Pf. In der Verkaufsstelle Caseler Straße 2 werden Eier abgegeben. AuftAb- schnitt 25 der aufgerufenen Eierkarten werden 3 Eier verabfolgt zum Preise von je 38 Pf. Tüten, Taschen oder dergleichen sind mitzubringen._ Spandau. Die Einführung des Nachbarortsverkchrs abgelehnt. Wegen Embcz'ehung des Ponorls Spandau in den NaciibaroilS- verkehr von Berlin war der Magistrat vor einiger Zeit abermals beim Reichspostamt vorstellig geworden. Der nunmebr eingegangene Bescheid lautet leider wiederum ablehnend. Noch immer stellt sich daS Reichspostamt nach Gutachten der Oberpostdirektion Berlin auf den Standpunkt, datz die bauliche Zusammengehörig- keit zwischen Spandau und Berlin noch nicht lückenlos vorhanden ist, sondern noch immer größere Lücken an der Nonnendamm-Allee bestehen, die die Einführung des Nachbarortsverkehrs nach den dafür geltenden Bestimmungen nicht zulassen. Auch die engen wirtichatllichen Beziehungen zwischen Spandau»nd Berlin, die Fälle unzureichender Freimachung von Briefen im Verkehr zwischen den beiden Postorten und die Zu- aehörigkeit von Spandau zum Verwaltungsbezirk der Oberpost- dircklion Berlin rechtfertigen nach dem Bescheid des Ncichsposlamls nicht die Einführung des Nachbaroctsverlehrs. Miihlsborf a. d. Ostbahit. Die Gemeindevertretung nahm in ihrer letzten Sitzung die Rechnungslegung für das Ge- schäftsjahr 1914/15 entgegen. Die ordentliche Verwaltung hatte eine Einnahme von 150 253,67 M. und eine Ausgabe von 212 654,66 M., so datz eine Unterbilanz von 62 400,89 M.! entstanden ist. Der Fehlbetrag ergab sich durch erheblich gesteigerte Ausgaben und verringerte Einnahmen. Die autzerordentlichej Verwaltung hatte eine Einnahme von 432 978,97 M. und eine � Ausgabe von 390 352,16 M., mithin einen Bestand von 41725.91 Mark. In dem hier verbliebenen Bestand sind enthalten die bis zum Schluß des Rechnungsjahre? nicht verbrauchten Beträge zur Errichtung einer Begräbnisanlage mit 3l 009 M. und zur Bestreitung der Kosten zur Abhilfe der Kricgsnot mit 39 000 M. Durch die Mehrausgaben an A r b e i t s l o s e n u n t e r- st ü tz u n g(747,40 M.), Mietunterstützung(30 177,45 M.) sowie an Kosten der Kriegswirtschaftsabteilung verminderte sich der Bestand bis zu der angegebenen Summe. Es wurde berichtet, datz sich die Finanzverhältnisse der ordentlichen Verwaltung im Jahre 1916 schon wesentlich gebessert hätten, und datz das Jahr 1917 wohl ohne Unterbilanz abschlietzen werde. Zur Vermeidung größerer Anleihen sei aus Be- schlutz der Gemeindevertretung auf die einzelnen bestehenden Fonds zurückgegriffen worden, deren Wiederauffüllung bereits in Angriff genommen fei. Der Finanzausschutz beantragt, für die ordentliche Verwaltung Entlastung zu erteilen, für die außerordentliche Ver- waltung die Entlastung aber auszusetzen, bis die Rechnungsabschlüsse für 1916 unä? 1917 vorliegen. In der Kriegswirtschafts- a b t e i l u ng, die der außerordentlichen Verwaltung unterstehe, sei 1915 und 1916 keine Inventur erfolgt, so datz ein klarer Ueber- blick fehle. Zum 1. April d. I. sei eine Bestandsaufnahme erfolgt. die aber nicht lückenlos sei. Es soll deshalb am 30. Juni eine genaue Aufnahme erfolgen. Die Vereinnahmung der zu erstatten- den Unter st ützungsbeträge erscheine nicht genügend ge- sichert. Es empfehle sich, die Führung einer Kontrolliste bei der Kasse, aus der die zu erstattenden Beträge und ihre wirkliche Ver- einnahmung ersehen werden könne. Die Vertretung schließt sich den Vorschlägen des Finanzausschusses an. Zur Verstär- kung des letzteren werden die Herren Schilling und Plewe und in den NvtstandSausschutz Herr Tegge gewählt. Ferner beschäftigte sich die Vertretung mit der Erhöhung der Fahrpreise auf der Köpenicker Straßenbahn. Der | Preis für den Einzelfahrschein soll von 10 auf 15 Pf. erhöht werden. � Es sollen aber 6 Fahrscheine zu 80 Pf. abgegeben werden; diese sollen übertragbar sein und 6 Monate Gültigkeit haben. Kinder sollen von 6 Jahren ab den vollen Betrag zahlen. Die Monats- karten sollen einen Einheitspreis von 6 M. erhalten. Die Schüler- karten sollen von 2 aus 3 M. erhöht werden und für Schüler bis 18 Jahre gelten. Die Wochenkarten, welche bisher 60, 70 und 90 Pf. kosteten, werden einheitlich aus 1 M., beim Umsteigen auf 1.25 M. erhöht. Die Genossen Schumann und Sckmidt bemängelten vor allen Dingen die Erhöhung für Fahrscheine und Wochenkarten. Man solle bei den Fahrscheinen über 2 zu 25 Pf. nicht hinausgehen und die Wochenkarten ebenfalls weniger erhöhen. Dem schloß sich Herr Plewe an, während Herr Schliefe die bisherigen Preise für Wochenkarten außerordentlich niedrig fand. Tie Verwaltung erklärte, die vorgebrachten Wünsche bei den Verhandlungen mit Köpenick ver- treten zu wollen. Zum Schluß wurden noch zwei Bauangelegen- heilen im Sinne der Interessenten erledigt. Groß-Serliner parteinachrichten. Sozialdemokratischer Wahlvcrcin für Treptow-Baumschulenwe» (Sozialdemokratische Partei Deutschlands). Mittwoch, den 12. Juni, „bends 8)4 Ubr: 2 Mitgliederversammlungen; für Treptow bei Ebert, Graetzstraße 1, und für Vaumschulemreg bei Wilh. Erbe, Baumschnlenstraße 14. Tagesordnung: 1. Stellungnahme zum Entwurf des neuen NtionSprogramms, 2. Wahl von Delegierten für die Kreisgeneralversammlung und Verschiedenes. Das Er- scheinen aller Mitglieder ist notwendig I Beitragskassierung findet in den Versammlungen statt..Vorwärts"lescr haben Zutritt. _ Die Bezirksleitung. Mus aller Melt. Sankt BurcaukratiSmus und der Gchrock. Irgendwo in einer süddeutschen Residenz, so erzählt die„Franks. Ztg.", hatte kürzlich der Magistrat zur freiwilligen Kleiderablieferung aufgefordert. Ein patriotischer Beamter einer hohen Behörde ging an seinen nicht eben vollen Kleiderschrank und stellte da fest, daß dort u. a. ein schöner alter Gchrock hänge. Da die Mode dieses ehrwürdige Stück kaltgestellt hatte, so entschloß sich unser Mann zur freiwilligen Ablieferung bei der Sammelstelle. Da kam ihm in Erinnerung, daß sich in dem Amte, in dem er beschäftigt ist, jeder Urlauber vor seiner Abreise in Gehrock und weißer Binde bei seinem Chef melden müsse. Vorsichtig, wie unser Mann war, ging er also zunächst zu diesem Vorgesetzten und fragte, ob er künstig den Abschiedsappell auch in einem Straßenanzug machen dürfe. Diese Frage wurde mit aller Entschiedenheit verneint, da ansonsten die Disziplin in jenem Ministerium aufs ärgste gefährdet werde. So geschehen gegen Ende des vierten Krisgsjahres in einem hohen Amte, das sich ausschließlich mit KriegSangelegenheiten zu befassen hat. Brand eines Arsenals Wie dem„Matin" aus New Aork ge- meldet wird, brach im Arsenal von St. Louis am 2. Juni ein Brand aus. durch den hauptsächlich Militärausrüstungsgegen- stände zerstört wurden. Der Schaden soll über sechs Mil- lionen Dollar betragen. 499 Tote bei der Explosion in Jassy. Awsterdam, 9. Juni. Aus Moskau wird vom 1. Juni gemeldet: Kürzlich wurden bei einer Explosion von Munitionsvorräten in Jassy 400 Personen getötet. WetteranSsichten für das mittlere Norbdcutschland bis Dienstag mittag. Zunächst trocken und vielfach heiter, in den Tagesstunden ziemlich warm, später im Westen Zunahme der Bewölkung und strichweise Gewitter. Verantwortlich für Volttll: Srtch Knttncr, Vcrtin: für den ül'riacn Teil deZ Blattes: silfrcd Scholz, Nenliilln: für Anzeigen Thcvdor flllocke. Berlin. Verlag: Vorwärls-Verlag G. in. b. H., Berlin. Trucl. Vorwärtz-Buchdrnclerci und Berlagsunflalt Paul Singer u. Co. in Berlin, Lindcnltrabe 3. und Mo tlen mit Brut werden radikal vernichtet durch Wanzentod Pfeifferol in Flaschen zu 4,50 M., 3,— M., 1,75 M. und 1,— M. und Mottentod Pfeifferol(50 Pf.) überall zu haben, fierr Paul Rades, Drogerie, Turmstrahe 48, schreibt:.Ihr WanzoLlod Pfeifferol ist vorzüglich, ein Kunde empfiehlt Ihr Präparat immer dem anderen". xsteans fir&eiter-Samariler-Rund Kolonne Gio8-3erlln. Allen Samarilergenossen j die traurige Mitteilung, datz 1 unser Genosse SmMSMMe I beim Baden verunglückt ist. j Die Beerdigung findet I Montag, den 10. Juni, naty j mittags 3 Ubr. aus dem Ge- memdctiicdhoi in Treptow, Niesholzstratze, stall. Um rege Beieitigung er- Ter Vorstand. Aämiralspalasl. DiePriazessin»oaTragui| Sajdah Deutsche Tänze 7% Chr. 2. 3, 4. 5. 6 M. _ HLonibard-Hausl sucht Spezialarzt Dr. med. Ilaschö, Friedrictistr. 90 itmLZb. Bebauet von Tyvbüiö, Haut- Harn-, �ranonlciden. svez.: chron. Fälle. Schmerzlose rürzcsle Bebandig. odne Berussstörung. Blulunierluchung. Mäg. Preise Teilzabtung. Sprechstunden 1. bis l und ö— 8, Sonnt. 11— 1 SMWlMze» Wirsing.. 1(J00 Stck. 10 M Kodtruben. 1000, 6, Dannhelm. Müden. (Kr. Gifhorn.) 770L* H.Grafi,Leipzigerst.75 Ii? Volle normale Beleihung Diskretion, Re- ellltät Gelegen-, hoitsk., Uhren,: Brillanten,~ Schmucksachen a 10— 50o/o unt. Ladenpr. W T" Troedahl? Trocdahl ist die neue von den Berliner Städt. Gaswerken geprüfte, gesetzlich geschützte Cassparrorriclilung lör Stehlieht! Troedahl spart 30— 10*/, bei tadellosom Licht! 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M a st i st r a t der Königlichen Haupt» und Residenzstadt. W e r m u t h. Zeichen: Br. 1. Zu 10941. für den.Bvtlvärts" wird ein- gestellt. Passend sür llnvaiideu, Seikel, Lichtend rg, Warlenbergstr. 1.• Meidezeit ll-l'), u p.7 t1t,r i äfflßiTlioiflefldcSS� 11. 9 50; Proip. iret* Apoth. laucnsteins Versand Sprernborg L. 44. Zähne m echt. Friedenskautschak 3,50 M. msamm 5 Jahre Garantie,■ams Zahnziehen m. Betäubung dcc Beaellung v. Gebissen graii». Goldkronen v. 20 M. an. Svez. Zähne ohne Tahnnnavie HstlfSni Oaneigor Straße I Gaumenpt AtUHiprdlli flrtlYaül, Ecke Schönh. Allee.. MvNtSUTS, geübte Maschinenbauer, vertraut mit dem Bau von Setz- Maschine», sür Wcrlsiallmoiilagc, gccignclensallS auch für ipalei e Reisemontage, gesucht. 177A» gypograph Mehrere I- v Arbeiter, nicht webi Pflichtige Leute, iür außerhalb gesucht. Zu melden bei Gart Brandt. Berlin W 9. Schellingilratze 7._[* __ Tüchtige ÄMmWel t,eilan9t Hugo Ä. Singer, 24206» Prützwändc. _ Schöneficrg, Genes, stiage 4. 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