Ur. 138. 35. IaHrg. Bezugspreis: Bierte�ährl. 4�v monaL. frei ins öaus. vorauszadlbar.Einzelne Nummern>v Vist Posibezua: Monatlich, vom«ostfchalter abzuvolen 1.50 Ml, v»m Brieiträzer ms Haus Ae- bracht I.kt Ml, ünrer Kreuzband iül Deutichlar d und Oesterreich> Unqarn S,— MI. ifir das übrige Ausland 4,S0 Ml. monatlich, Leriand ins Feld bei»irsller Bestellung monail, 1�0 Ml. Poscheitelnmgen nehmen» an Täne- marl, Holland, tturemburg, Schweden und die Schweiz, emgetragen m di« Loit-.ieitunas-'Lrcislist«. ErlchetNl täglich. Telegramm» Adrefl« .Saztnldemokrat Berlin- Verlinev Volksblertk. � 10 pfsnnlg) Anzeigenpreis» Die liebengeibaUene Kolonelzeileloflet so Pig,„Kleine Anzeigen", das fettgedruckte Wort 30 Pig.(zulässig 2 fettgedruckte Wortes, ledes«eitere Wort 15 Psg, Stellengesuche und Schlafslellenanzeigen das erste Wort. 2» Psg.. jedes weitere Wert 10 Psg. Worte über 15 Buchstaben zählen für zwei Worte, Teuerungszuschlag 20«/» Familien-Anzeigen, politische und gewerlschastlichc BereiuS. Anzeigen 60 Psg die Zeile. Anzeigen sür die nächste Nummer müssen bis ä Uhr nachmittags im Hauptgeschäft Lerlm EW. 6«, Lindenstratzc 3. abregeben «erden. lScöffnel von 8 Uhr früh bis � Uhr abends. Zentralorgan der fori aldemokratl f eben Partei Deutfcblands. Redaktion: EW. 6$, LinöenstraHe 3. psernivre-tier: Ami Morisvlav, Rr. IUI S0— ISl ST. Dienstag, den 11. Jnni 1318. Expedition: EW. SS, Lindenstraße 5. �rrnivrecher: Amt Moritivla«, Nr. IS! Sv— lSI S7. Neue fottschritte MMeMch voa lloM. Saron öurian in Ssrlin. Herr Burian, der Nachfolger Czernins, trifft heute zu einem knapp zweitägigen Besuch in Berlin ein, um mit der deutschen Reichsleitnng Art und Weise der Beratungen über die B e r- tiefung deS Büündniffes näher zu bestimmen, die bei dem Besuch Kaiser Karls im Hauptquartier grundsätzlich be- schlössen worden ist. Der österreichische Auszenminister macht kein Hehl, daß ihm die Vereinigung Kongreßpolens mit Ga- l i z i e n am Herzen liegt. Er ist in seinen Wünschen und Be- strebnngen nicht ganz frei, sondern von der kategorischen Forde- rung der österreichischen Polen nach dieser sogenannten austro- polnischen Lösung bestimmt. Wird dieses Verlangen nicht er- füllt, so drohen die galizisclx'n Polen der österreichischen Regie- rung mit der Aufkündigung ihrer Unterstützung. Das Mi- nisterium Seidler würde dadurch in eine hoffnungslose Lage gedrängt und zur Anwendung des Notverordnungsrechtcs ge- drängt, dessen AuSübling kein Beweis wirklicher Lebenskraft und starker StaatSfrende ist. So gern die Reichsleitnng Herrn Seidlcr und seinen Kollegen eine solche Lage sicherlich erspart, so kann sie doch nicht an eine grundsätzliche Lösung der polnischen Frage einzig aus dem Gesichtspunkte gehen, daß sie dadurch der österreichischen Regierung hilft, ein vier- oder sechsmonatliches Budgetprovisorium hereinzuholen. Deutschland hat das allerstärkste Interesse an einem voll leistungssähigen�Ocsterrcich-Ungarn. Es muß, wenn es in die aiistropoluische Lösung willigt, auch die feste Gewähr haben, daß sie die Kraft und Bündnissähigkeit der Donaumonarchie erböht, nicht mindert. Nun liegen die Folgen der Bereinigung Polens mit Galizien durchaus nicht klar zutage. Angeblich soll die ungarische Regierung die Vereinigung der südslawischen Länder Kroatien-Slavonien, Bosnien, der Herzegowina und des österreichischen Kronlandes Dalmatien unter ihrer Ober- Herrschaft als Ausgleich für den Anschluß Kongrcßpolens an Galizien verlangen. Diese Forderung erregt wieder in Oester- reich viele Gegnerschaften. Es dürfte aber auf beiden Seiten der ernste Wille zur Ucberwindnng � dieser wcitschichtigen Schwierigkeiten bestehen, besonders da die Meinung vertreten werden kann, der bisherige Bündnisvertrag sei mit dem Friedensschluß von Brest-Litowsk gegenstandslos geworden. Bekanntlich war er dem Wortlaut nach ausschließlich gegen das Rußland gerichtet, das einmal bestanden hat. Wenn jetzt die österreichisch? Außenpolitik unter dem bestimmenden Einfluß der galizischen Polen steht, so sind die deutsche öffentliche Meinung und die Reichsleitung daran nicht unschuldig. Die Deutschösterrcichcr. die für Berlin einzig zu existieren scheinen, sind eben nur eine Minderheit, und nicht ein- mal eine, die politische Eiaenschasten und Führer anderer Ratio- neu irgendwie anz?chen könnte. Und doch müssen die Deutsch- Lsterreicher lernen, mit den Polen oder den Tschechen zu regieren, um Oesterreich zu konsolidieren und dadurch dem Deutschtum den größten Dienst zu erweisen. Hätte man die jetzt äugen- scheinlichen Folgen der Abhängigkeit von den Polen vermeiden wollen, so bätte man eben mit den T s ch e ch e n paktieren müssen. Heute steht diese Nation wohl der deutschen Sache recht fern. Aber das zu einem erbeblichen Teil nur. weil sie von einem deutschen Sieg eine wilde Hetze der gelernten Dentschböhmen befürcbtet und weil die deutsche Regierung nichts aetan bat. um diesen Irrwahn zu bekämpfen, und sich die öffentliche Meinung Deutschlands mehr für die Ausgrabungen in Babylon als für dieses mit elementarer Kraft auftretende Volk interessiert. Eine georgifthe Abordnung in Berlin. Der Außenminister der neuen Republik Georgien. T s ck e n k c l i. ist mit einer Abordnung in Berlin ein- getroffen. Er bat Mitteilung gemacht von der Auflösung der Republik Transkaukasien. hat der deutschen Regierung die Selbständigkeit der Republik Georgien notifiziert und gleichzeitig um die Anerkennung der neuen Republik nachgesucht. Die Abordnung hat schließlich die Einberufung einer f o n f e r e n z beantragt, in der zwischen der Republik Georgien und den Vertretern der vier Mittelmächte über die näheren Fragen verhandelt werden solle. Die Reicksleitung hat den Gedanken einer solchen Konferenz akzeptiert und der- sprocken. die Konserenz zu beschicken. Wie wir vernehmen, ist es auch schon zu einer Berständi- gung über den Ort der Konferenz gekommen: sie wird vor- aussichtlich in Konstantinopcl zusammenkommen. * Zu der im gestrigen Auflatz über die neue Republik Georgien gemachten Meldung der Petersburger Telegrapben-Agenwr wer- den wir daraus«Emecllam gemacht, daß die Zeitung.P e y t a r" Der deutsche Vorstoß südwestlich Noyon — Einnahme der französischen Stellungen westlich und östlich des Matz— 8000 Gefangene« Berlin. 10. Juni 1918, abends. Amtlich. Südwestlich von Noyon machten wir im Kamps mit ncn herangeführten französischen Kräften Fortschritte. Amtlich. Greftes Hauptquartier, 10. Juni 1918.(«5. T. B.> Westlicher Kriegsschauplatz. Heeresgruppe Kronprinz Rupprecht. Zwischen Areas und Albert, südlich der S o m m r und an der A» r e lebte der Artillcriekampf auf. Rege EriunduugS- tttligteit hielt an. Heeresgruppe Deutscher Kroapetu». I» kräftigem Angriff brachen wir gestern in daS Höhen- gelönde südwestlich so» Nsyou ein. Westlich der M a ti nahmen wir die französischen Stcklnnge» bei M o r t e m e r und O r v i l l e r s und stießen über Cuv U ly— Ricqucbourg hinaus vor. Oestlich der May wurden die Höhen»oa Gary erobert. Trotz zähen feiadliche« Wider- staudes erkämpfte Infanterie den Weg durch die Wälder vou Ricquebourg und Lamotte und wars den Feind über Bourmont— Mareuil znrück. Südlich und südöstlich von L a s s i g n h drangen wir weit in den Wald von Thiescourt ein. Heftige Gegenangriffe der Franzojen wurden abgewiesen. Wir machten etwa 8990 Gefangen« und erbeuteten Geschütze. An der Front vouderOise bis ReimS ist die Lage unverändert. Oertliche Kämpfe nördlich der AiSnr, uord- westlich vo» Chateau-Thierry und bei Briguy brachten Gesäuge»« ein._ Gestern wurde« 37 feindliche Flugzeuge und S Feffelballone abgcschvffeu. Leutnant Kroll errang sciucn 27. und 28., Leutaant Udet seinen 27., Leutnant Kirstein seinen 23. Lustsieg. Der Erste Generalquartiermeister. Ludendorfl. DaS Flfißchen Matz mündet etwa 13 Kilometer süd- westlich Noyon in die Oise. Etwa 12 Kilometer nordwestlich der Mündung, bei dem Orte RaffouS, wendet der Lauf des Matz sich zu nahezu nördlicher Richtung. Der österreichische Bericht. Wien, 19. Juni 1318. Amtlich wird»erlautbart: Feindliche Borstäße bei C a p» Site und gegen mehrere Steven der venezianischen Gebirgsfront wurde« wie au den Bortagen glatt abgewiesen. » Eines unserer Bombengeschwader erzielte bei einem Angriff auf die italienischen Flugplätze vo» Trevis» und Monte B e l l« u a zahlreiche Treffer. Da« Artillcriefeuer, daS der Feind seit längerer Zeit gegen die hinter unserer Piavefront liegenden Ortschaften ge- richtet, tostet täglich italienischen Staatsbürgern das Leben. Der Chef des AdmiralstadeS der Marine. keine georgische, sondern«ine armenische sozialistische Zeitung ist. DaS Blatt gehört einer Sozialisteng rupp« in TifliS, welche nach Lage der Verhältniffe über einen sehr geringen Anhang verfügt und geringen Einfluß hat. Di« Genossen Tscheidse und Zere- t e l l i find nicht nur an der Gründung der neuen Republik de- teiligt, sondern betätigten fich als hervorragend« Mitglieder des Lande SpartamentS. Zrontveränüerung öer englischen Arbeiter- parte!. Demonstration gegen Lloyd George? Stockholm, 9. Juni.(Eig. Drahtbericht des„Vorwärts".) „Daqens Nyheter" meldet aus Loudou: Das Exekutivkomitee der Arbeiterpartei beschloß, der am 26. Juni in London stattfindenden Jahreskonferenz eine Resolution für A b b r u ch des Burgfriedens vorzuschlagen. Die Annahme würde den Ministern aus der Arbeiterpartei die Alternative zwischen dem Rücktritt und dem Austritt aus der Partei stellen. Man rechnet mit der Parteispaltung. Der Vorschlag hat um so größere Bedeurung. als die Konferenz die erste seit der Reorganisation der Labour Party ist. Die Verschwörung öes Ziasko. Das Stück, daS heute im Abgeordnetenhause zur Auf- führung gelangt, ist ein Raubritterstück in romantischem Stil und betitelt sich:„Die Verschlvörung des Fiasko". Als Häupter der Verschwörung agieren die Herren H e y d e- brand, Lüdicke und Fuhrmann. Man rechnet in den Kreisen ihrer Anhängerschaft mit großem durchschlagenden Erfolg, der sogar zu öfterer Wiederholung der Aufführung in fünfter, sechster und siebenter Wahlrcchtslesung führen soll, so daß dieses Zugstück bis zum Herbst nicht mehr vom. Spiel- plan der Dreiklassenbühne verschwindet. Die Schar, die sich verschworen hat, ist dieselbe be- s rühmte wahlrechtsseindliche Mehrheit, die vor vier Wochen die Erfindung des Wahlrechts-Vakuums in die Welt setzte. Nachdem aber die Entdeckung, daß dieses Vakuum eine stillschweigende Einführung des gleichen Wahlrechts bedeute, das Fiasko jener Erfindung heraufbeschworen hat, haben sich ihre Vater zu einer heimlich-unheimlichen Ver- schwörung zusammengetan, in welcher neue Bomben- und Dynamitanschläge gegen daS Volksrecht ausgeheckt wurden. Die Verschwörung ist schon seit mehreren Wochen im Gange. Aber sie ist heimlich, so heimlich, daß man wirklich nichts von ihr erfahren hatte, wenn sie nicht'chließlich doch das Los aller Verschwörungen geteilt hätte, daß einige der Miiverschworenen die süße Last des Geheimnisses nicht tragen konnten. Sie mußten ihr Wissen um geheimnisvolle Pläne hie und da mit wichtigtuerischer Miene durchblicken lassen, und so war man bisher wenigstens über die Existenz der Verschwörung, wenn auch nicht über ihre sämtlichen Ziele unterrichtet. Am Montag hat nun die große Generalprobe an Ort und Stelle im Dreiklassenhause selber stattgefunden. Im Sitzungssaal wurde über„Kunst und Wissenschaft" verhandelt. Aber die wenigen Abgeordneten, die hierbei zuhörten, bildeten nur Staffage. In Gängen und Ncbcnräumen wurde in privaten Zirkeln und einzelnen Gruppen die Verschwörung geprobt. Die Hauptverschworenen hatten schon den ganzen Vor- mittag über die wichttgsten Szenen in einer besonderen Sitzung einstudiert. Auch hier herrschte wieder größte Heimlichkeit. Nur unentwegte Gegner des gleichen Wahlrechts hatten Zutritt. Vertretern der Negierung und Anhängern des gleichen Wahlrechts war der Eintritt in die Dunkelkammer streng verboten, und über das, was dort ausgebrütet ist, war das st r e n g st e Schweigegebot verhängt, ein Gebot, das so streng be- folgt wurde, daß der rechte Flügel der Nationalliberalen nicht einmal seine Freunde vom linken Flügel in das Geheimnis einweihte. Natürlich ist doch wieder Einiges durchgesickert, eS geht halt nicht anders bei Verschwörungen. Soviel man erfahren konnte, will man die Wahlberechtigung von einem zwei- jährigen Aufenthalt im Wahlbezirk abhängig machen und neben der A l t e r s z u s a tz st i m m e, mit der sich die Regierung bereits einverstanden erklärt hat; eine w c i t e r e Z u s a tz st i m m e für z e h n j ä h r i g e S e l b st- ständigkeit schaffen. Wir wollen einstweilen annehmen, daß dies die tatsächlichen Pläne der Verschworenen sind. Heute treten sie ja in die Ocffentlichkcit und werden ihre Karten aufdecken müssen. Daß sie im Abgeordnetenhaus? sich eine Mehrheit für ihre Pläne gesichert haben, ist ziemlich wahrscheinlich, aber nicht das Entscheidende. Denn eine Mehrheit für wahlrechtsfeindliche Pläne hat im Abgeordnetcnhause ja immer bestanden und auch das famose Siebensttmmenwahlrccht hat seinerzeit Annahme gefunden. Ein sachlicher Erfolg kann den Wahlrechtsfeinden nur be- schieden sein, wenn die Verschwörung die Regierung, wie weiland Fiesco den Dorla im Schlafe überrumpelt und zur Nachgiebigkeit zivingt. Nach den bisherigen Er- klarungen der Regierung ist aber nicht anzunehmen. daß diese dem neuen Projett ihre Zustimmung erteilen wird. Denn allein schon die Zusatzsttimme für zehnjährige Selbständigkeit enthält jenes„plutokratische Moment", das die Regierung mit aller Entschiedenheit ab- lehnt. Nach unserer Auffassung müßten freilich auch die andern von den Verschwörern ersonnenen Modalitäten einer wirklich wahlrechtSfrcundlichen Regierung auf alle Fälle u n a n n e h m b a r sein. Sie bedeuten eine völlige Entwertung des gleichen Wahlrechts, seine Verkehrung in ein Wahlrecht, das in Wahrheit durchaus ungleich für die einzelnen Klassen der Bevölkerung wird. Aber wenn auch die Regierung ihr„Unannehmbar" sprechen wird, so ist doch nicht anzunehmen, daß sie etwa zur sofortigen Auslösung schreitet. Vielmehr wird sie nach der fünften Lesung, die Anfang Juli stattfindet, noch da» Herrenhaus hören. Bekommt sie auch dort, was ziemlich sicher ist, Ohrfeigen, so will sie vielleicht im Spät herbst von ihrer Befugnis Gebrauch machen, das Haus aufzulösen,— vorausgesetzt, daß die unverantwortlichen militärischen Stellen es ihr dann gestatten. Bis dahin wird der Landtag voraussichtlich vertagt werden. Man wird gestehen, daß diese Methode, einer Verschwörung entgegenzutreten, nicht gerade sehr iniposant und sehr wenig angetan ist, die Verschwörer zu entmutigen. Wenn man schon entschlossen ist, den Kampf aufzunehmen, so soll man ihn gleich mit handfesten Waffen und nicht zuerst auf nasse Waschlappen fiihrcn. Sonst ergeht es einem wie Dr. Friedberg, nachdem man den Lappen ein paarmal gehörig um die Ohren bekommen hat, daß man alsdann mit hochrotem Kopf erklären muß: Ich habe zwar noch andere Waffen, aber die bleiben einstweilen im Spinde stehen. Das Volk sieht dem Ausgang der Verhandlungen nur noch mit sehr mäßigem Interesse entgegen. Es ist der Waschlappen- schlägcreien zwischen den Herren Heydebrand und Friedberg gründlich satt und verspricht sich von dieser Art des Kampfes nichts. Es verlangt nach Taten. Auf den Verschwörerkonzern der Herren Heydebrand, Lüdicke und Fuhrmann blickt es mit einem Gemisch von Entrüstung und Verachtung, weil diese Männer inimer noch nicht begriffen haben, in welcher Weise ein verantwortliches und vom Geist der Zeit berührtes Parla- ment dem Volk gegenüber zu denken und zu handeln hat. Verachtung, weil es weiß, daß diese Verschwörung trotz aller Heinilickikeiten und Kniffe doch schließlich eine Verschwörung des Fiasko bleibt, die zum endlichen Miß- lingen verurteilt ist. Denn das gleiche Wahlrecht kann sie wohl hemmen, aber nicht auf die Dauer verhindern. Diese Forde- rung ist heute ein Panier geworden, um das sich vier Fünftel des prerißischen Volkes scharen. Ehe es nicht durchgesetzt ist, wird keine Ruhe sein. Für die F o r m, in der es sich durchsetzt, tragen aber die Verschwörer allein die Verantwortung. Schon heute haben sie in der Hauptsache einen großen Mißerfolg zu verzeichnen. Denn der sachliche Zweck ihres Strebens war doch in der Hauptsache, das viel gerufene „Portemonnaie der Besitzenden" vor den Eingriffen eines auf dem gleichen Wahlrecht aufgebauten Parlaments zu sichern. Dieser Zweck ist schon jetzt ins Wanken geraten. Denn der auf dem gleichen Wahlrecht aufge baute Reichstag hat soeben die Regierungen des Reiches und der Bundesstaaten zum Nachgeben in einem wichtigen Punkte gezwungen. Die direkten Reichs st euern ma r s ch i e r e n. Zwar sträubt sich die Regierung noch gegen die direkte Reichseinkommensteuer, aber andere direkte Reichssteuern auf den Zuwachs von Einkommen und Vermögen in einer vor aussichtlichen Höhe von 1200 Millionen Markt lehnt sie nicht mehr ab. Dieser Vorgang sollte eine Warnung für die sein, welche die V c r t r a u e n s k u n d g e b u n g, die im gleichen Wahlrecht liegt, mit der Mißtrauenskundgebung gegen das Volk, die sich schon in dem Worte„Sicherungen" versinnbildlicht, paaren wollen. Der Reichstag des gleichen Wahlrechts ist dem Volke einstweilen die beste Sicherung da- gegen, daß die Entwicklung auch vor den preußischen Mauer- zinnen nicht Halt macht. Wilsons Kummer um Mexiko. Die Politik der Veeinigten Staaten, die großen und kleinen Reichsgebilde Amerikas in eine enge politische Ver- bindung zusammen zu bringen, hat in Mittelamerika immer- hin durch Krieg, Jnselkauf und Bündnisschließung zu an- sehnlichem Erfolge geführt. Aber der größte Staat ist noch nicht gewonnen. Mexiko steht noch für sich, obwohl seine Nach- barn einer nach dem anderen nach langen Verhandlungen der überlegenen Republik sich fügten. Wie wenig gefeitet der guten Beziehungen zwischen Mexiko und der Union scheinen, ließen jüngst erst wieder die Kommentare erkennen, die der Abbruch des diplomatischen Verkehrs Mexikos mit Kuba ver- anlaßte.� Aber die Union ist zweifellos an der Arbeit, auch diesen störrigen Staat zu umgarnen, der sich mit solcher Zähig- keit gegen die Ausbeutungsgelüste der Dollargewaltigen wehrt, da er das Bewußtsein hat, die Vorbedingungen zu eigenem wirtschaftlichem Aufblühen selbst zu besitzen. Daß die Union das Ziel im Auge behält, die mexika- nische Frage zu lösen, läßt sich aus der Tatsache schließen, daß Präsident Wilson die Gelegenheit ergriff, den Merikanern in einer auf große Schallweite berechneten Rede gut zuzureden. Im Weißen Hause zu Washington, also auf größtem Forum. empfing er eine Gruppe mexikanischer Journalisten, die sich auf einer Reise durch die Vereinigten Staaten befindet, und er besagte, daß die Haltung der Vereinigten Staaten gegen- über Mexiko, die„von dem ernsten Wunsche beseelt" sei,„dem Nachbar zu dienen", bei eben diesem Nachbar mißverstanden und außerdem verdächtigt werde. Er sprach von„Einflüssen deutschen Ursprungs", von Personen, die darauf ausgingen, zwischen beiden Staaten„Unfrieden zu stiften" und verstieg sich dann zu folgender Leistung einer dollarimperialistisch ideologisterenden Schönrednerei: „Der jetzige Einfluß der Verein'gten Staaten in der Welt- Politik beruht auf dem aufrichtigen Wunsche der Verei- nigten Staaten, selbstlose Politik zu treiben. Wir werden noch den Beweis liefern, daß wir in diesem Kriege nichts profitieren, auch nichts geschenkt haben wollen. In den ersten drei Kriegsjahren war es den Vereinigten Staaten schwer, die europäischen Regierungen zu überzeugen, daß Amerikas Neutralität selbstlos wäre, und daß, wenn die Vereinigten Staaten in den Krieg träten, sie weder nach Gebietserweiterung noch nach Handels- politischen Vorteilen strebten. Manche glaubten, diese Versicherungen gingen von einem Akademiker aus, der, ohne eingeweiht zu sein, fromme Ideale verkündet. Ich hoffe, daß jetzt alle wissen, daß ich die Ziele des amerikanischen Volkes aus- spreche." Es ist ein starkes Stück von diesem Präsidenten, die Be- hauptung zu wagen, die Vereinigten Staaten streben nicht nach handelspolitischen Vorteilen. Aber das gehört zu allen anderen Behauptungen, die er in Reden, breitet, um die Welt- Politik seines Landes vor der Welt ethisch annehmbar zu macben, Es ist einmal logisch, daß dem rücksichtslosesten materiellen Gewinnertum ein Apostel vorangeht, der mit höchster Betonung von Zielen der Selbstlosigkeit und des Friedens redet. Dies Thema wurde von Wilson im weiteren Verlauf der Rede mit einem Ausblick auf den sogenannten Völkerbund erörtert. Der Präsident sagte: „Ich schlug vor kurzem ein panamerikanisches Ab- kommen vor. Die Monroedoktrin war ohne Zuftim- mung der Staaten Mittelamerikas und Südamerikas angenom men worden und schützte diese zwar vor Angriffen über See, aber sie schützte sie nicht vor einem Angriff von uns. Ich habe wieder ' Staaten meinten, daß der von uns aufgedrungene Schutz zwar f in unserem Interesse, aber nicht im Interesse unserer Nachbarn< sei. Deswegen schlug ich ein Abkommen vor, bei dem a l l e � Stauten Amerikas eine Erklärung der politi- schen Unabhängigkeit und territorialen Inte- g r i t ä t zeichnen sollten. Wenn einer von uns, einschließlich der i Bereinigten Staaten, die politische Unabhängigkeit oder terri- i toriale Integrität irgendeines der anderen verletzt, so werden! sichalleanderenaufihnstürzen. Diese Art Abkommen! wird die Grundlage des künftigen LcbrnS der Nationen der Welt! sein. Die ganze Familie der Nationen wird jeder Nation dafür bürgen müssen, daß keine andere chre politische Unabhängigkeit oder ihre territoriale Sicherheit verletzt. Das ist die einzig denk- bare Grundlage für den künstigen Frieden der Welt, und ich muß gestehen, mein Ehrgeiz war es, daß die Staaten der bei- den amerikanischen Erdteile der übrigen Welt zeigen sollten, wie man den Grund zum Frieden legen müsse." Nach diesen Sätzen, die den imperialistischen Völkerbund- utopismus in Hellem Glänze erstrahlen lassen, wandte sich Wilson wider dem Thema der„Verdächtigungen" zu und er betonte die �Politische Pflicht jedes einzelnen gegenüber seinem Lande, die Saat des Vertrauens auszusäen, anstatt die Saat der Ver- dächtigung und des Interessengegensatzes". Mexikos Haltung bekümmere die Union mehr, als sie die gleiche Gesinnung weiter entfernter Staaten bekümmern würde.„Wenn Sie bedenken," sagte der Redner,„wie reich an Schätzen Mexiko ist, so können Sie schen, wie sehr Ihre Zukunft auf dem Frie- den beruhen muß, damit niemand es ausbeute. Sie beruht auf den Beziehungen Mexikos zu allen Nationen und den Bürgern aller Nationen, denn sobald sein eigenes apital mit dem Kapital der Welt die Reich- tümer des Landes im freien Gebrauche ausnutzt, wird es eines der reichsten und glücklichsten Länder der Welt werden." Schließlich also kam zutage, was die Wurzel der Beküminer- nis ist, von der Wilson sich im Namen seines Landes beschwert zeigte. Die Länder sollen politisch unabbängig und territorial unversehrt sein, aber„das Kapital der Welt" soll die Freiheit haben, in jedes Land mit unbeschränkter Ausnutzungsfreiheit einzudringen. Weil Mexiko sich gegen diesen gefährlichen Ri- valen sperrt,.daher der Kummer des Weltredners der Dollar- imperialistcn. Denn als„Kapital der Welt" fühlt sich sechst- redend das Kapital der Union, dieser ungeheuerste Gewinner des Weltkrieges. Die Abkommen der Vereinigten Staaten mit den europät schen Neutralen werden auch für Mexiko als rechte Warnzeichen sagen, was der politischen Unabhhängigkeit eines Staates droht, wenn wirtschaftliche Abhängigkeit sich ihr beigesellt. „Der Zentralausschuß billigt die Haltung der Reichstags- fraktion in den Fragen der äußeren und inneren Politik. Er be- grüßt das Zusammenarbeiten der Fraktion mit den übrigen Par- teien des Reichstags zwecks Unter st ützung der gegen- j wärtigen Regierung in ihren Bestrebungen für einen die deutsche Entwicklung sichernden Frieden nach außen und für die freiheitliche Ausgestaltung im Innern. Der Zentralausschuß dankt dem Vizekanzler v. Payer für sein er- sprießlichcs Wirken in der Reichsregierung und spricht ihm sein ! volles Vertrauen aus." Die Fortschrittliche Volkspartei hat mit dieser Entschließung und dem Referat Fischbecks in der Friedeysfrage eine b e d e u t- isame Schwenkung vollzogem B. im Der Wahlgesetzentwurf für Polen. Der Termin der Eröffnung des Staatsrates.— Be sprechnngcn in Krakau. Warschan, 10. Juni. Der Polnische Regentschaftsrat hat den Beschluß des Ministerrates betreffend die Einberufung deS Staatsrates genehmigt, so daß am 22. I u n i die feierliche Eröffnung des Staatsrates stattfinden wird. Der Entwurf der Landtagswahlordnung, der vom Ministerrat dem Regentschastsrat zur Genehmigung vorgelegt ist, sieht das allgemeine, gleiche, geheime, direkte Stimmrecht mit gewissen Eigenschaften des Proportionalwahl- rechtes vor. Jeder Wahlkreis soll nämlich mehrere Abgeordnete wäblen, wobei die Ab> stimmung mit Hilie von Listen erfolgt. Das aktive Wahl recht steht jedem Staatsbürger mit vollendetem 25. Lebens� jähr zu, das passive jedem über 30 Jahre. Der Entwurf der Wahlordnung für den Senat(Oberhaus) bestimmt, daß die e i n e H ä l f t e der Mitglieder aus Wahlen, die andere aus Ernennung hervorgehen soll. In Krakau finden zurzeit Beratungen des Polenklufr ausschusses statt, an der Vertreter der polnischen Regierung teil nehmen. Der Erstattung von Berickten über die Besprechungen des Präsidiums des Polenklubs mit dem Minister des Auswärtige», Grafen Burian. dem Ministerpräsidenten v. Seidler und den deutschen Abgeordneten folgte eine Aussprache über allgemeine nationale Fragen, an der auch Ministervräsiderrt S t e c z- kowski und der Staatssekretär des Aeutzeren Fürst Rad zi will sich beteiligten._ Der N-Voot-Krieg auf dem nördlichen Kriegsschauplatz. Berlin, 9. Juni. Neue U-Boot-Erfolge auf dem nördlichen Kriegsschauplatz, 12 599 Br.-R.-T. Handelsschiffsraum. Unter anderem wurde ein mittelgroßer französischer Dampfer aus einem durch 4 Zerstörer gesicherten Geleitzug herausgeschossen. Der Chef des Admiralstabcs der Marine. Verhaftungen in Frankreich. Wie die„Hnmanite" vom 39. Mai und 1. Juni mitteilt, wurden in Verbindung mit der An- klage gegen Gut Iba ux lRedaktion des„Demain" in Genf) die Sozialisten und Gewerkschaftler Fernand Despr�s(Korrektor von Beruf und Redakteur der„Plebe") und Rahmond P e r i c a t(Maurer und Mnderheitsführer im Gewerkschaftsbund) verhaftet, sowie der Arbeiter Bartolino. Letzterer ist italieni- scher Bürger und verfällt der Ausweisung., Abermals eine wah?nleöer!age öer Annexionisten. .Zur Reichstagsersakwahl im Kreise öUeiwifc. Das amtliche Wahlergebnis wird soeben durch W. T bekanntgegeben, es lautet: In der Reichstagsersatzwahl Wahlkreise Oppeln 4— Gleiwitz— Lubiinitz am 6. Juni wurden bei 34 410 Wahlberechtigten 18 081 gültige Stimmen ab- gegeben. Es erhielten Rechtsanwalt N e h l e r t- Gleilvitz (Zentrum) 7000, Abg. Korfanty- Berlin(Pole) 11 072 Stimmen. Abg. Korfanty i st somit gewählt. Zu diesem Wahlergebnis wird uns aus Oberschlesien ge- schrieben:,... Wer das Wahlergebnis im Kreise Gleiwitz, den Sieg des Radikalpolen und die schwere Niederlage des von allen deut- schen Parteien unterstützten Zentrumsmannes, vom natio- nalen Standpunkt aus beurteilt, muß zu dem zwingenden Schluß kommen, daß, wenn die Germanisierungsbestrebun- gen der preußischen Regierung irgendwo Schifsbruch erlitten haben, dann in diesem Kreise. In den früheren Jahrzehnren machten sich in Oberschlesien nur wenig Germanisierungsbe- strebungen bemerkbar, damals gab es auch keine polnischen Stimmen(1898 erst ganze 40!). In den zwei letzten Jahr- zehnten setzten auch hier die wenig sanften und sattsam be- kannten Germanisierungsbe st rebungen ein mit dem Endergebnis, daß die Nationalpolen bei den Wahlen von Erfolg zu Erfolg geeilt sind. Aber nur zum kleinen Teil haben national-polnische Mo- mente dieses Wahlergebnis gezeitigt, zum größeren haben viel näher liegende handgreifliche Dinge diesen Wahlerfolg der Polen hervorgerufen.� Der Kandidat des Zentrums ist ein scharfer Gegner der Friedrnsrcsolntivn des Reichstags vom Juli vorigen Jahren, er ist Annexionist und in der preußischen Wahlrechtsfrage, wie sa überhaupt das schlesiiche Zentrum, unsicherer Kantonist. Es ehrt ihn, daß er diese Eigenschaften in seinen Wahlreden hat erkennen lassen. Herr Korfanty hingegen hat sich sehr scharf gegen jede Eroberungspolitik ausgesprochen, jede Unter- werfung anderer Staatsgebiete entschieden abgelehnt und steht auf dem Boden des gleichen, geheimen und direkten Wahlrechts zum preußischen Landtag. In der scharfen Hervorhebung dieser Gegensätze ist der Wahlerfolg des polnischen Kandidaten zu suchen. Der Zen- trumskcmdidat glaubte, seine Gegnerschaft gegen die Frie- densresolukion des Reichstages scharf hervorheben zu müssen, um alle Wähler der sogenannten deutschen Parteien anzuziehen. Das aber gerade wurde seine Schwäche und verhalf ihm zu der schmetternden Nie- d e r l a g e. Nicht der Nationalpole, sondern der Anhänger eines Verständigungssriedens und der Wahlrcchtsfrcund hat über den erobcrnngölüsternen und wahlrechtsgegnerischen Kandidaten des Zentrums gesiegt. Das hervorzuheben ist dringend nötig. Auch die Presse der unterlegenen Parteien erkennt die Richtigkeit des vorher Gesagten an. Ein..be- kannte? schlesischer Zentrumspolitiker" schreibt dem„Ober- lchlesilchen Kurier" der bedeutendsten Zentrumszeitung des Bezirks: „Die Aussichten des Zentrums im Wahlkreise Lublinitz-Tost- Gleiwitz waren keineswegs so ungünstig! Aufgestellt war ein Kandidat, der in Oberschlefien bestens bekannt, beliebt und ein sehr gewandter Redner war. Er wurde nach besten Kräften unterstützt von geistlichen Parteifreunden. Rednerisch hervor- ragende Parteifreunde auS der Provinz, aus Breslau, warben für ihn... Und dennoch«in Mißerfolgl Wie war das möglich? Einen Fingerzeig gibt die Wahlrede des Kandidaten in Glei- Witz, über die die„Oberschlesische Volksstimme" ausführlich be- richtete. Der Kandidat war ein Gegner der Friedensresolution des Reichstags vom Juli vorigen Jahren. Das war sein gutes Recht. Daß er aber auch diese Friedensresolution öffentlich bekämpfte, und sich dabei in Gedankengängen bewegte, welche an die Vaterlandspartei erinnern, scheint ihm bei den Wählern seines Kreises sehr geschadet zu haben." Hier ist rund heraus gesagt, wodurch der Hereinfall des Zentrumskandidaten verursacht wurde. LMe Nackrichten. Franzosischer Heeresbericht vom 9. Juni. Die neue Offensive, die heute früh von der deutschen Armee begonnen wurde, hat sich mit Heftigkeit entwickelt und wird auf einer Front von 35 Kilvmetcrn zwischen Montdidier und der Oese aufrechterhalten. Der Feind verdoppelt mit erheblichen Kräften (eine Anstrengungen, um unsere Linien einzustoßen. Unsere Trup- Pen haben überall den Stoß auSgehalten und liefern auf der ganzen Kampflime hartnäckige Kämpfe, durch welche der feindliche Stoß ernstlich aufgehalten oder verlangsamt worden ist. Auf dem linken ! Flügel gelang es den Deutschen nicht, unsere Deckungszone zu j überschreiten und sie sind durch unsere Truppen auf der Linie iRubescourt— l e F r e l o y. welche sie erreichten, nachdrücklich ! festgehalten worden. Im Zentrum war der feindliche Vorstoß fühl- > zarer. Nach verschiedenen für die deutschen Truppen mörderischen i Angriffen gelang es ihnen in den Dörfern Rcssons für Matz und Mareuil Fuß zu fassen, wo unsere Einheiten der ersten Linie die Verteidigung Schritt vor Schritt fortsetzen. Auf unserem rechten Flügel begegnet der Feind nicht weniger nachhaltigem Widerstände. Trotz seiner w-ederbolten Anstrengungen haben wir uns auf der Front Belval-Eannectoncourt Ville behauptet. Der Raubübrrfall auf das Qnaritzer Postamt. Glezau, 10. Juni. Da? hiesige Schwurgericht verhandelte heute gegen den Berliner Arbeiter Gustav Mittelstadt, der in der Nacht zum 31. Dezember 1917 in Gemeinschaft mit dem fahnenflüchtigen �Soldaten CzeckmowSkv den Raubübersall auf das Kaiserliche Post- r- klärte, mit der Einlösung des Versprechens.ins Gewährung des -! gleichen Wahlrechts in Preußen stehe und falle er.— Die holt gesehen, daß Vertreter der mrttel- und südamerikarrischen l Tagung nahm einstimmig folgende Entschließung an: Die fortschrittliche Volkspartei und üie Irieöensfrage. Der Zentralausschuß der Fortschrittlichen Volkspartei setzte am Sonntag seine Beratungen fort. Ueber die Lage im Reiche referierte der Reichstagsabgeordnete Fischbeck. Bezüglich der Neichstagsresolntion vom 19. Juli 1917 stellte er sich auf den Standpunkt des Grafen Hertling. daß diese nicht als ein für alle Zeiten geltender Frei- brief angesehen werden dürfe. Wenn die Gegner bei die- fem schrecklichen Morden beharren-, dann wird die Verant- Wartung auf sie(allen und sie werden die Folgen zu tragen hgben. Mit den Friedensschlüssen im Osten erklärte sich Fisch- beck einverstanden. Er erklärte: Der Frieden �im Osten machte uns die Hände frei nach Westen. Dort müssen wir mit den heutigen Staatsmännern rechnen, die taub sind gegen Gründe menschlicher Vernunft und mensckilichen Gefühls. Wir.wissen, was die Gegner mit uns- vorhaben. Dem baben wir zu begegnen. Die Friedensresolution sieht diesen Fall voraus Da die Hand zurückgeschlagen ist, die von neuem ausgestreckt war, gilt es für uns, zu kämpfen und un- erschütterlich auSzubalten, bis wir die Sicherung unseres LebcnS und unserer Entwicklung erreicht haben. Kein Dogma von der_____________________ Verwerflichkeit der Aneignung fremden GrhietS. von der Verwerf- � amt in Ouaritz, im Kreise Glogau, ausgeführt halte. Die beiden drangen in das Postamt ein und erbeuteten eine Summe von 17 999 Mark. Der Postvorsteher, der die beiden bei ihrer Ar- beit störte, wurde niedergeschlagen. Desgleichen seine Frau. Das Urteil gegen Mittelstadt lautete auf 19 Jahre Zuchthaus, 19 Jahre Ehrverlust und Stellung unter Polizeiauf- ficht. Gegen CzechnowSkp konnte nicht verhandelt werden; er wurde zwar zweimal verhastet, ist aber wieder auSge- brache». lichkeit wirtschaftlicher oder finanzieller Kontributionen darf uns abhalten, zu tun, waS notwendig ist, zur Sicherung des Vater- landes gegenüber solchen VcrnichtungSwillcn. Nach Fischbeck svrach der Vizekanzler v. Payer. der Die Regierung für eine Den Vorsitz in der Sitzung des Hauptausschusses am Montag führt noch der bisherige Borsitzende Fehrenbach, der mitteilt, das; die Wahl eines neuen Vorsitzenden auf Wunsch mehrerer Fraktionen nocbmnls im Seniocenkonvent beraten werden solle. Die Wahl erfolgt am Dienstag. Schatzsekretär Gvaf Roedern erklärt, daß eine Mehrheit des Bundesrats auf dem Boden der BcsitzsteuerantrSgr steht, soweit die Punkte 2 und 3 in Frage kämen serhöhte Krieg?- obgabe sowie CfrgünzungSabßabe vom Vermögen). Hierbei soll aber als untere Grenze nicht 20 000, sondern 50 000 Mk. festgesetzt werden. Von diesen beiden Steuern, über die eine entsprechende Regierungsvorlage noch im Laufe der jetzigen! Beratungen ausgearbeitet werden könne, errechne man einen Betrog von rund 1200 Millionen. Ganz bestimmt hoffe aber die Regierung, die bei der Zustimmung zu diesen Vorschlägen manche grundsätzlichen Bedenken zurückgestellt habe, auf die gleichzeitige An- nähme aller vorgeschlagenen indirekten Steuern. Dem Steuer- gerrchtshof werde d-r Bundesrat in seiner Mehrheit ebenfalls zustimmen, doch werde vorgeschlagen, seine Zuständigkeit auf die Umsatzsteuer zu beschränken. Müllcr-Fulda(Z.) erklärt sein Einverständnis mit den Vor- schlägen des Schatzsckretärs und erblickt in einigen dieser Vor- schlüge sogar eine Verbesserung gegenüber dem Antrag Gröber und Genosien. Für die gleichzeitige Verabschiedung aller borge- schlagencn indirekten Steuern bestehe kein Hindernis; Aen- derungen aber müsse sich der Reichstag natürlich vorbehalten. Gröber(Z.): Auch er sehe eine Verbesserung in dem Vor- schlag der Regierung, die Vermögensbestcuerung erst bei 50 000 an- statt bei 20 000 Mk. beginnen zu lassen. Dem zu schaffenden Steuer- gecichtshof müßten jedoch all« Steuern unterstellt werden; eine Auswabl nach dem Vorschlag des Schatzsckretärs sei nicht angängig. Diese Darlegungen werden von Junck(natl.) unterstützt. Graf Roedern: Den Anfangssatz von 50 000 Mk. habe er nur beispielsweise genannt; die Frage müsse im Zusammenhang mit der Durchstaffclung nochmals gemeinsam geprüft werden. Es sei nicht ausgeschlossen, dag man zu dem Vorschlag von l 00 000 M. kommen werde. Was den Steuecgerichtshof anlangt. so solle man die Kompliziertheit der Frage nicht übersehen. Die Umsatzsteuer solle ganz bestimmt überwiesen werden; über die anderen Steuern werde man sich zu verständigen wissen. Warmuth swild-kons.) ist aus Prinzip nach wie vor gegen jede direkte Reichssteuec. will aber dem Punkt 2 des ge- meiniamen Antrages der vier Parteien zustimmen. Licsching lVp.) bezeichnet die Erklärung des Schatzsekretärs als entgegenkommend. Auf dieser Grundlage sei eine Einigung sehr wohl zu ermöglichen. Im übrigen halt« er die ganzen dies- jährigen Steuervociagen für ein Flickwerk. Keiner der einzel- staatlichen Fincmzminister würde in seiner VerWallung eine solche Steuerpolitik, die auf de« Ctaatsbankerott hinauslaufe, verantworten wollen. Mit dem hartnäckige» Wider- stand gegen direkte Rcichssteuern gehe es einfach nicht mehr. Der Steuergerichtshof müsse baldigst kommen; er dürfe nicht bis zu der.großen Finanzreform" hinausgeschoben werden. Strefemimu(natl.): So sehr der Vorschlag der Regierung an- zuerkennen sei, so sehr bedauere er die Ausschaltung des Vor- schlages der vier Parteien zu Punkt l(KriegSabgabe vom Ein- kommen). Man müsse stch vorbehalten, in irgendeiner späteren Situation auf die Erfassung des Einkommen zurückzugreife«. Wahr- scheinlich werde uns der Herbst vor neue Steuervorlagen stellen. Graf Westarp Die Bestimmung, daß die Unterstützung nur.im Falle der Bedürftigkeit"' gewährt wird, be- antragen w.r zu streichen, weil der Begriff.Bedürftigkeit' viel zu eng ansgelegt wird. Man rühmt die Leistungen des Volkes mit schönen Worten, an den Taten zeigt sich die Bewunderung weit weniger. Die jetzigen Unternünungen sind„im Leben zu wenig und zum Sterben zu viel. Auch die kommunalen Unter- stütz nngen müssen nach festen Normen erhöht werden.(Bravo! bei den Unabh. Sozialdemokraten.) Abg. Gröber(Z.): Den Beamten muß die Bildung von Deam- tenausschüflen erlaubt werben.(Beifall bei dem Zentrum.) Abg. H-senzahl(Soz.): In Fragen der Famittenunterstützung stecht das Ansehen der Neickchleitung in Gefahr. DaS Reich muß mit Nachdruck darauf hinwirken, daß die Kneif« ihre Pflichten mehr wahrnehmen. Die KrciSauSschüsse, meist auf Grund reaktionärer Wahlrechte zusammengesetzt, haben noch nicht das nötige Empfinden für die Bedürfnisse einer Krieger- familie. Die Fälle, wo die Kreise bei der Behauptung von Unterstützungsbedürftigen ein großes Maß von NiicksichtSlofigkeit ja Gefühlsroheit an den Tag legen, mehren sich. Wir fordern eine Er- höhung der Unterstützungssätze ab t. April um monatlich mindestens 5 M. pro Person von seiden der Lieferungsverbände.(Beifall bei den Sozialdemokraten.) Abg.». TrampczynSki(Pole) protestiert gegen Einschränkungen der persönlichen Freiheit der polnischen Arbeiter, die Nick'tkom- battonten sind und in Deutschland zur Zwangsarbeil heran- gezogen werden. Die Löhne, die diese Arbeiter erhalten, sind so niedrig, daß sie in Lumpen gehen müssen. Abg. Thoma(natl.): Der erste Entwurf der Kommission zur Herbsitführung einer E i nh«' t s st e n o g r a p h i e ist mit ll gegen 3 Stimmen bei 9 Stimmenthaltungen zustande gekommen; der zweite Entwurf dagegen ist mit 12 gegen 0 Stimmen angenommen. Er ist also das eigentlich legi N ine Ergebnis dieser jahrelangen Ver» Handlungen. Abg. Reck(k.) fordert Beschleunigung der Entschädigua» gen der in Ostpreußen durch den Krieg Geschädigten. In dem Festslellungsvcrfahren herrscht ein übergroßer BureautraliSmus. Abg. Knnert(U. Soz.): Di« Vorlage der Bevölkerungspolitik enthält trotz ihrer sympathischen Grundtendenz einzelne Bestim- mungen, die sie für uns unannehmbar machen. Unser ganzes Gesundheitswesen bedarf einer ticfgreisenden Reorganisation. Abg. Pfeiffer(Z.): Wenn Herr v. Oldenburg mcint, Preußen werde jetzt katholisch und weißblau angestrichen, so antivorte ich, daß wir ans in Bapern schwarz-weiß lackirrt fühlen.(Heiterkeit.) Der Redner fordert Maßregeln gegen die Ausfuhr von Kunstwerken ins Ausland. Die in Aussicht genom- mcne Beschlagnahme der Denkmäler soll bedauerlicher- "wise unterbleiben. Auch hier im Reichstag wäre noch viel Metall SU h m Sicher wäre auch der Abg. Ledebour ganz einverstanden, wenn auch die Präsidentenglocke den 5Leg alles McssingS ginge.(Heiterkeit.) Abg. Wirth(Z.) fordert Regelung der Frage des Ersätze» von Fliegerschäden. Staatssekretär Wallras sagt Prüfung der vorgebrachten Wünsche zu. Die durch Flieger Geschädigten werden weitherzig entschädigt werden. Die Sätze der F a m i l i e n u n te r- st ü tz u n g sind ständig erhöht worden. Die Zuschüsse des Reiches belaufen sich bis jetzt auf 6 Milliarden. Wen» ber Sommer zu Ende geht, wird geprüft»erden müssen, ob die Unterstütznngssätze erneut erhöht werden müssen. Für heute würde ich bitten, den Antrag der So- zialdemokraten abzulehnen. Der Antrag ber Unabhängigen Sozialdemokraten geht viel m weit. Damit schließt die Debatte. Die Abstimmungen werden mtt Rücksicht auf die schlechte Besetzung des Hauses auf morgen ver- schoben. Beim Kapitel GesundheitSKiesc» erklärt Abg. Fischrr-Hannover(Soz.): Heber 12 000 Ersatznah» r u v g s m i t te I sollen jetzt im Verkehr sein. Mit dem Schwindel, der auf diesom Gebiet betrieben wird, muß gründlich aufgeräumt werden. Präfident deS Reichsgesundheitsamts Bumm erwidert, daß die neue Verordnung vom 1. Mai 1918 genügend Handhabe» biete, um gegen gesundheitsschädliche Ersatzmittel vorzugehen. Abg. Müller. Meinungen: Was wir unserem Aerzteswnd schul- dig sind, zeigt unser verhältnismäßiger Gesundheitszustand. Staatssekretär Wallraf: Wir leiden unter einem große» Mangel an Aerzten. Der Aerztestand hat im Kriege schwere Einbußen erlitten, ihnen kann unser Dank für ihre Leistungen in schwerer Zett nicht versagt werden. Abg. Knnert(U. Soz.) bringt abends Uhr vor fünf Ab- geordneu:» noch zahlreiches Material über die GesundheitSverhält- mss« im Deutschen Reiche v«. Präsident des RerchSgesundheitSamts Bumm kegt dar, daß alles zur Verbesserung der GesundheitSverhältnisse geschehe, was mög- lich sei. Der Etat wird bewilligt.— DaS Haus vertagt sich aus DienS- dag, l Uhr(Hecresetat). Schluß 9}4 Uhr._ Abgeordnetenhaus. Das Abgeordnetenhaus setzte am Montag die Beratung des Kultilsetats beim Kapitel„Kunst und Wissenschaft" fort. Ob- wohl verhältnismäßig zahlreiche Abgeordnete zugegen waren, fand die Verhandlung selber kein besonderes Interesse, da die meisten Abgeordneten mit der Besprechung der kommenden vierten Wahlrechtslösung in Anspruch genommen waren. Als Vertreter der Sozialdemokratie hielt Genosse Haenisch eine sehr eindrucksvolle Rede, die wir nachstehend wiedergeben. Abg. Haenisch(Soz.): Die Tatsache, daß hier kur, vor Ab- laus des vierten Kriegssahres e'ne Kulturdebatte großen Stils stattfindet, zeigt die Haltlosigkeit de» Geredes unserer Feinde von Barbarentum und Kulturlosigkeit. Den Ausführungen Dr. RunzeS über die Musikpflcge füge ich einen Hinweis auf die verdienstvoll wirkenden und stark wachsenden Volkschöre hinzu. Im Gegensatz zu Dr. Heß sind sehr theaterverständ'g« Leute mit mir der Ueberzeugung, daß zecade der letzte Theaterwinter außer- »rdrntlich anfruchtbar gewesen ist. Die Direktoren haben allerdings Geld wie Hcn geschafft und manches dem Bankerott nahe Theater ist während des Krieges finanziell gesundet. Wer kein.Kriegs- gewinnler ist, kann kaum noch ins Theater gehen. Unser Theater- betrieb ist eben ein kapitalistischer Betrieb. Franz Schuberl hat sein Lebelang gehungert. Aber der Macher des von Dr. Heß so gepriesenen.Dreimäderlhauscs" wird Millionär. Dr. Heß sang ein Loblied auf das Berliner Theaterwesen. Aber ein A r n o Holz kann auf Berliner Bühnen nicht zu Wort kommen. Prof. Reinhardt hat eine dahingehende Anftage hervorragender Personen nicht einmal einer Antwort gewürdigt. Die abfäl- lige Beurteilung Wedekinds und Hasenclevers durch Dr. Heß ist nicht begründet. Man mag zu den modernen Kunstrich- tungen stehen wie man will, jedenfalls sollte man nicht von vorn- herein über sie absprechend urteilen, wie das hier geschehen ist. Die beste Theaterzensur ist die ästhetische Erziehung des Publikums. I» Köln werden sogar Strindbrrg und Wcdckind Verbote« und in einem Drama von Mann hat man dort aus einem Ahb4 einen Marquis gemacht. Sehr verdienstvoll ist die Förderung des WanderbühnemvesenS. Hoffentlich kommen wir bald dazu, daß das Theater auS de« Klauen der kapitalistischen Ausbeutung befreit wird. Die Schaffung eines Ministe- riumS der schönen Künste in Preußen würden wir begrüßen. Den Schund sollte man aus den Kinos nicht durch Poilizeimaß- nahmen, sondern durch geistige Einwi rkung herauszu- bringen versuchen. Die KinoS sollten in höherem Maße in den Dienst naturwissenschaftlicher Aufklärung gestellt werden. Zu dem hier besprochenen Fall Ca s sirer erkläre ich zunächst, daß wir und ich zu Herrn Cassirer keinerlei Beziehungen haben. Wir haben kein« Veranlassung, uns für«inen Vertreter des Kunsthapitalismus ins Zeug zu legen. Auch in der Kunst fließt oft der größte Teil des Verdienstes n i ch t d e m Künstler, sondern dem Knnstkapitatismns zu. Die Lkvmpagn« gegen Cassiver ist ja ait und geht bis auf die Zeit zurück, in der man über die.R i n n st e i n ku n st' jammerte. Wäre es richtig, daß Cassirer die französische Kunst auf Kosten der deutschen bevor- zugt hat(Sehr richtig im Zentrum), so würde auch ich das auf das lebhafteste bedauern denn die Kunst mmß im Heimatboden wurzeln. Cassirer hat aber hervorragende deutsche Meister auf das lebhaftest« gefördert, vor allem den urdeuffchen Thoma, Aber die Kunst verträgt kein« engberzig« nationale Abschließung. Wenn Cassirer durch die Ausstellung in der Schweiz dazu beigetragen haben sollt«, wenigstens auf diesem Gebiet« die de u t s ch- f r a n- zös'schen Beziehungen weiter bestehen zu lassen, so ver- mögen wir kein Verbrechen darin zu erblicken.(Sehr richtig! bei den Soz-ademokraten.) Di- Umsatzsteuer in der vorgefchlagenen Form würde die freien Dchrfftsteller treffen, die ohnehin besonders schwer zu leiden haben. Den Antrag des Abg. v. Traub auf Einstellung von 60 000 M. jäbrttch in den Etat zur Förderung wissenschaftlicher Forschungen auf dem Gebiet der Geschickte der Reformation und Gegenrefor- mation stimmen wir zu.(Beifall bei den Sozialdemokraten.) �ine bestrafte NuÄer. Der neuerwäblte Reickstagspräfident F e h r e n b a ck bat in seiner Antrittsrede da« Hobe Lied der deutschen Heldenmutter gesungen, die ihr TeuersieS an ihr Vaterland hingibi. Aber der Krieg und das KriegSgeietz stellen noch höhere Aifforderurgen an Mütter. Vor der 3. Sirafkammer teS Landgerichts II hatte sich eine Frau B. wegen Fördeiung der Fahnensinchl eines Soldaten, ibrcs eigenen Sohnes zu veraniworten. Die Förderung der Fahnenflucht wurde darin gesehen, daß Frau B. ihrem sahnenflüchiig gewoldenen Sobn aus dessen dringende Bitten zweimal Geld gesandt und trotz Kenntnis von der Fahnenflucht ibres Sohnes keine Anzeige erstattet hat. Nach§ 139 St.-G.-B. sind zwar nur bei gemeingefährlichen Verbrechen auch die wegen persönlicher Verbällnisse von der Zeugenpflichi entbundenen Personen anzeige» pflichiiq. bei Fahnenflucht ist diese Pflicht durch das Oberkommando auf Grund deS Belagerung s» ge setze« aber auch den Angehörigen auferlegt. Die Angeklagte wurde zu einem Monat Gefängnis ver» urteilt. iewerffchBsbewVung DaS Märchen von den hohen Arbeiterlöhnen. Ansriieinend, um die Löhne umfo ungenierter reduzieren zu können, sind seil längerer Zeil Kräfte um Werke, die von Zeil zu Zeil.besondere Fälle" von riesigen Löbncn der Jndustiiearbeiler in die Ocffenllickkeit bringen. Selbst Seelsorger glauben ilne Mission in der Aufdeckung hoher Löhne erblicken zu sollen. So bat sich z. B. im lheiniich-westfälischen Industriegebiet ein Pfarrer Wabl die Aufgabe gcstelll, während der Krieaszeil den„riesigen Löhnen" der Industriearbeiter nachzugehen. Aus dortigen Gewerlschans- kreisen wird hierzu geickr eben: Der Pfarrer Wahl, ein Per- treier der stockkonservaiiv-vieiistischen Kiicklichkeil. teilt in der „Nheinischen Korrespondenz" mil, er habe eine Arbeiterfamilie kennen gelernt, die ein Monatseinkommen von 2000 Mark Habel Räber beuacbtet stellt sich heraus, dah an diesem Einkommen der Vater mit drei Söhnen und eine Tochter, sämtlich schwci industriell tälig, beteiligt sind. Pro Verdiener kommen olio 400 Mark Monatseinkommen heraus. Das klingt schon„mensch- licher", zumal wenn man bedenkt, daft der Herr P'arrer kür eine weniger anstrengendere Berufstätigkeit sicherlich erheblich mehr als 400 Mark Monatseinkommen besitzt. Leider bezeichnet der Herr die Familie nicht derart, dah man seine Angaben kontrollieren kann. Je nachdem, was die Männer kür eine Arbeit haben ist es leicht möglich, dah sich der Herr Pkarrer gerade einen Monaislohn aussuchte, der sich infolge vorgciiommener Akkordabrechnung ganz erbehlich höher als seine Vor- und Nachgänger stellt. Wir erfahren auch nicht, wieviel Schichten diese„glückliche" Arbetterfamilie für den Lohn gemacht bat. Sind es nur SO pro Kopf und Monat— und diese Schichtzahl wird viel- fach stark siberschriiten—, dann beträgt der Verdienst pro Schicht glatt 13 30 M. Ist denn das ein angemessener Lohn in einer Zeit. wo das Ptund Bulter mir IS bis 20 M.. das Pfund Speck mit 18 bis 25 28., ein Paar Schuhe mit 40 bis 00 M, bezahlt werden müssen? Wenn die„glückliche" Arbeiterfamilie vor dem Kriege nur den dritten Teil ihres jetzigen Lohneinkommens hatte, dann war sie damals wirtschaftlich mindestens kbeniogut gestellt wie heute mit langeblich) 2000 M. Monaiseinkommen. Von dieser kolossalen Geldentweriung niackl der Pfarrer natürlich gar kein Aufhebens. Es ist überhaupt ein grober Unftig. wie heute von Agenten und Gönnern der Jndusiiiellen die Orffemlich'eit irregeführt wird mit der Hervorhebung einzelner bober Arbeiterlöbne. Was bilit es der Masse. loenn nur einzelne einen auslömmlichen Lohn haben? Mit den Du'.chschiültsverdiensten aber ist kein Staat zu machen. Im gesamten prcuszischen Bergbau betrug im letzten Viertel IS>7 der Durchichnills-Schichiverdieust nur 8.0 4 M. Er hatte sich ieit Krieg-beginn nur uni 73 Proz. gehoben, obgleich» selbst vorsichtige amiliche Slatistiker die gleichzeitige Steigerung der wichtigsten Lebensmittelpreise auf 150 bis 200 Proz. bc- ziffern. Der böchne im prcuszischen Bergbau gegen Ende 1017 gezahlte Dutchschniiislohn kam im Nuhrgebiel vor; hier be- lief er sich für die eiste Lohnklasse der Hauer aus 11.52 M. pro Schicht. In sechs von den groheu deutschen Bergwerksbeziiken stand gegen Ende 1917 sogar der Hauerlobn noch unter 8 M. pro Schickt. Die Iveiians gröhere Menge der übrigen erwachsenen Bergwerksliidustriearbeilcr blieb liberbmipl. grohen- teils selbst erheblich. unter 3 M. Durchschnittslohn. Bei der von gcwerkichastlichcr Seite veranitalieten Lohnzäh ung auf der orohen westfälischen Kohlenzeche„Viltoria" lHarpener B.-G.) stellte sich heraus, dast von über 1100 Ar- beiter» nur zwei einen Lohn von über 15 M. hatten! Wenn die Wahi und Genossen geiade diese zwei eiwischlen, würden sie als die„Normalarbeiter" der Oeffentlichkeit vorgestellt. Laut Bericht der deutschen Kiiappichaslsbe.t>i'sgenossenichafi hat 19t7 der Durchschnitt e lohn Uro Versicherten(einichlicfelich Unterbeamie) 3406 M. betragen, das sind nur 51 Proz. mehr als>m Jahre 19131 Angesichts der inzwischen eingetretenen ungeheuerlichen Teuerung mutz doch jeder ehrliche Sozialpoliliker zugeben, datz sich der Real- lohn der Arbeiter bedeutend verschlechtert bat. Es sei aber auch ausdrücklich festgestellt, datz sich in jüngster Zeil die Meldungen über Herabsetzung der Gediiigelöhne im Bergbai» auffallend vermehren. Eine Steigerung seiner Mitgliederzahl kann der Glasarbeiter- verband un Bericht über 1917 buchen. Während im 1. Quartal des Berichtsjahres 0204 Mitglieder vorhanden waren, konnten am Schlüsse des 4. Otiauals 7361 gemusteit werden. Der Bericht be» tont, datz wenn die Arbeiterinnen der Glasindustrie den Organi- sationsgedanken nur teilweise ersassen würden und die männlichen Glasarbeiter nickt eine so große Furcht vor der Entlassung und— vor der Einberufung zum Heeresdienst hätten, mit ganz anderen Zahlen auftiewarlei werden könnte. Gegenwäilig dürste der Ver- band über 80 00 Mitglieder verfügen. Den Gesamieinuabmen von 432 830 05 M. stehen Gesamtausgaben von 137 514 33 M. gegenüber. Das Verbandsvcrmögen beirug am Schlüsse des Jahres 1910 224 �59,42 äfft; es bat sich im Berichtsjahr 1947 um 70 450,90 M. erhöbt und betrug 395 310 32 M. Von dem Gesundheitszustand der Mitglieder wird be- richtet, datz die anstrengende Tätigkeit und dazu die mangelhafte Ernährung die Kräfte stark in Anspruch genommen haben. Die wiriichaiilichc Rot zwingt indessen die Kollegenschafl. keinen Augenblick auszusetzen und sich der Ruhe oder der Erholung zu widmen. Erst nach deni Kriege würden sich die Wirkungen dieser Anstrengungen zeigen. Wenn der Verdienst der Arbeiter in die Höhe geschnellt sei so sei das nicht dem guten Willen der Industriellen zuzuschreiben, son- dern der erhöhten Tätigkeit der Kollegen, die alle Krast bis zur Siedehitze angespannt haben. Auck die Frauenarbeit ist in der Glasindustrie gestiegen. Es wird indessen betont, datz es nicht nötig sei. sich mil der Frage. ob die Fraiienalbeit nach dem Krieae tür die zurückkehrenden Kol- legen hinderlich sein werde, zu beschäftigen, denn in der jetzigen Form könne dieielbe nickt ausiechterhalten werden, weil der schwächere Körper der Frau so ungeheuren Anstrengungen mchl gewachsen sei. Die Frau konnte übrigens nur zu solchen Arbeiten beran- gezogen werden, bei denen eine längere Lehrzeil nicht zurückzu- legen ist._ Troheilde Arbeitslosigkeit in der.Handschnhinduftrie. Einer Verfügung des Leder-Zuweisungsamtes zufolge sollen bis auf weiteres hauptsächlich für die Handschuhfabrikation in Frage kommende Felle für Heereszwecke zurückgestellt werden. Wie hie„L-ederarbeiter-Zeitung" hierzu bemerkt, wird der Handschuh- industrie durch diese Maßnahme das schon sehr�knappc Rohmaterial vollständig entzogen; in"kürzester Zeit müsse sich daraus die�Ein- stellung der Betriebe und damit eine Arbeitslosigkeit des größten Teiles der m der Handschuhfabrikation beschäfftgten Arbeiter und Arbeiterinncn ergeben. Auch auf die Glacegerbereien dürfte d'.e Zurückstellung des Rohmaterials für Heereszwecke ähnliche Wir- luirgen zeitigen; gegen 10 000 Personen dürften dadurch ihre Be- schäftigung einbüßen. Der Zentralvarstand de? Lederarbei4erverbandes will sich de- mühcn, daß die Betriebe auftechterhalteu bleiben und die davon bctroffrndn Arbeiter nach Möglichrnl durch die erweiterten HeereS- auftrage, für welche das der Handschuhindustrie entzogene Leder zur Verwendung kommen soll, beschäftigt werden. Sollte es zur Arbeitslosigkeit kommen, so müßte den davon betroffenen Personen eine den Verhältnissen angepaßte U-nterstützung durch da» Reich gesichert werden. parteinacbrichten. Nm die Haltung der„Frankfurter Volksstimme". In der Generalversammlung der Frankfurter Parteiorganisation konnte N e h r k» r n die erfreuliche Tatsache hervorheben, datz seit August v. I. von Monat zu Monat die Zahl der Abonnenten gestiegen ist. Das ist zu dauken dem Wicderzusammenschluß der Wahlkreise und der Ausnutzung der politischen Lage in der Haltung des BlatteK. Im letzten Jahre sind über 5000 neue Abon- n e n t e n gewonnen worden. Der Straßen verkauf weist be- achtenswerte Ziffern auf. die je nach der politischen Lage schwanken. Mit der F e I d p o st gehen täglich 3000 Nummern fort, 1000 mehr als im verflossenen Jahre. Die Geschäftslage und das finan- zielle Ergebnis waren gut, infolge der sehr gut beschäftigten Druckerei. In der Redaktion sind Veränderungen eingetreten. Genosse O u a r ck ist ausgeschieden. Für seine langjährige Tätigkeit ist ihm der Dank der Organisation auszusprechen. Die Preßkommission hat ihn der Zeitung durch ein festes Mitarbeiterverhältnis erhalten. Ebenso gewann sie den Genossen Dr. Braun aus Nürnberg. In den Nedaktionsverband ist als Redakteur neu eingetreten Genosse A l t m a i e r. In der Debatte kamen die verschiedenen parteipolitischen Mei- nungen zum Ausdruck. Die Mehrzahl der Redner, die Genossen Kirchner, Leydendecker, Ulrich und Sinzheimcr, erklärten sich mit der Haltung der Redaktion völlig einverstanden. Es sei notwendig, daß die„Volksstimme" eine kritische Note anschlage. Die wachsende Abonnentenzahl sei ein Beweis dafür. Sinzheimer legte be- sonders dar. daß auch, wer nicht in allen Einzelheiten mit der Hat- tung der„Volksstimme" einverstanden sei, ihr doch das große Ver- dienst lassen müsse, folgerichtig eingetreten zu sein für ein klares Bekenntnis der Kriegsziele. Die andere Gruppe der Redner, die Genossen Dorsch», Lehmann und W i t t i ch, wandten ein, man mache der„Volks- stimme" nicht so sehr ihre kritisch« Haltung zum Vortvurf, man tadele, daß sie die Gründe für die Mehrheitspolitik ungenügend zum Ausdruck bringe. Infolgedessen würden die Arbeiter an der FrakiicmSvolitik irre. Redakteur Wittrisch rechtfertigte in längeren Ausführun- gen die politische Haltung des Blattes. Kirchner begründete kurz folgende Entschließung:„Die Generalversammlung erklärt sich mit der politischen Haltung der Redaktion der.Volksstimme" einverstanden." Die Entschließung wird angenommen. fügen aber selbst hinzu, daß man von warmem Wetter und Regen eine Erholung auch der Kartoffeln erhoffen könne. Immerhin wird man mit mäßigen Schädigungen der wachsenden Feidfrüchte durch den Wettersturz rechnen müssen, jedoch hat der Eintritt des lang« ersehnten Regens sicherlich belrächtlich d ö h e r e n Nutzen ge- stiflel, als der Frost Schaden. Nach neuerdings aus dem Lande eingelaufeoen Meldungen macht die Heuernte im allgemeinen gute Fortschritte, wenn sie auch stellenweise durch die Knapp- heit an BesörderuugSmiileln etwas verzögert wird. Trotz der Trockenheit der letzten Wochen soll sie mU geringen AuSnabmen den Erwartungen entsprechen. Nach dem statistischen Bureau von F. O. Licht ist die Witterung der letzten Woche für die Weiterentwicklung der Zuckerrüben nickt gerade günstig ge« wesen. Trotzdem ist der Stand ver Rübenfelder noch immer recht zuverlässig und im Durchschnitt mindestens befriedigend oder gut. Die Hapitg im rllmö.nischcn Petroleumgeschäft. Die Hamburg-Aineiika-Linie will sich an den großen Trans- Porten beteülgen. die aus dem deulsch-rumänischen Petroleum« abkomme» in Zukunft zu ei warten lein werden Da der Hapag keine geeigneten Transportmittel zur Versüguug stehen, schweben geaeuwärlig Vcrbaiidlungen mit der Deulichameiikaniichen Petroleum- aesellichafl, um deren für den überseeischen Leuchlöliransporl be- stimmten Schiffspark diesen Zwecken dienstbar zu machen. Aus den Organis, ilionen. Am Sonntag wurden im Chemnitzer Agitationsbczirk vier KreiSgeneralversammlungen abgeholten, und zwar die des 10. Reichstagswahlkreises sDöbeln), des 15. sMittiveida-Limbach),. des 17.(Glauchau-Meerane) und des 31. Kreises(Nnrniberg- Schwarzenberg). Im 10. Wihlkreise ist die Zahl der männlichen Mitglieder gegenüber dem Vorjahre infolge der weiteren Einberufungen wieder etwas zurückgegangen, während die Zahl der weiblichen Mitglieder in den meisten Orten des Kreises gleichgeblieben, rn einigen große- ren Orten gestiegen ist. Der Kussenabschluß zeigte ein verbältniS- mäßig günstiges Resultat. Die Beiträge wurden ab 1. Juli um 5 Ps. für die Woche für männliche und weibliche Mitglieder erhöht. Im 15. Wahlkreise kann das Ergebnis der Organisationstätig- keit um so mehr als erfreulich angeschen werden, als es sich um einen Wahlkreis handelt, in dem die frühere Leitung zu den Unabhängigen abschwenkte und das Vereiusvermogen den Zersplitterern der Organisation zuführte. Die Organisation mußte also neu- aufgebaut werden. Man kann sagen daß dies trotz der großen Schwierigkeiten, die gerade in diesem Kreise bestehen, sehr gut ge- lungen ist. Der Wahlkreis zählt 38 Orte. Die Zersplitterungs- tätigkeit der früheren„Arbeitsgemeinschaftler" hatte erreicht, daß in 18 Orten die Organisation zugrunde gegangen war. Jetzt steht das Verhältnis so, daß wir in 19 Orten Ortsvereine haben und in zahlreichen anderen eine hübsche Anzahl Mitglieder, Der Kassen- bericht weist ein befriedigendes Ergebnis der Einnahmen nach. Die Beiträge sollen ab 1. Juli wöchentlich 15 Pf. betragen. Als Reichs- tagskandidat für die nächsten Wahlen wurde der gegenwärtige Ab- geordnete des Kreises, Genosse S t ü ck l e n, einstimmig wieder auf- gestellt, sDie Unabhängigen haben dem Kaufmann Gustav Sem in- l er die Ehre übertragen, bei den nächsten Wahlen durchzufallen.) Im 21. Wahlkreis erstattete den Geschäfsbericht Genosse Zimmer- Johanngcorgcnstadt. Eine kleine Besserung der Or- ganisationsverbältnisse� kann konstatiert werven, so daß im laufen- den Geschästsjahre bessere Aussichten vorhanden sind. Im Anpa- bcrqcr und Eibenstockcr Bezirk sind die wirtschaftlichen Verhältnisse noch sehr trübe. Die Parteiarbeit ist dort sehr schwer. Im ganzen sind im Keise noch 250 Mitglieder vorbanden, und zwar 193 mann- lich« und 38 weibliche, die sich auf 19 Orte verteilen. Ortsgruppen besteben noch in 10 Ortschaften. Eingezogen dürften schätzungS- weise 1800 Mitglieder sein. Das unregelmäßige Versammlungs- leben und Kassieren der Beiträge spielt ein« wesentliche Rolle bei dem Rückgang des Organ! sati onSlebcns.„Vosksstimmen"-Loser sind zurzeit 3315 vorhanden. Das bedeutet gegenüber dem Vorjahr eine Zunahme trotz der Erhöhung des Bezugspreises. In der Generalversammlung des 17. Kreises kam es auch zu einer Debatte über die Haltung der Partei. Ein Glauchauer Ge- nosse machte der Parte« den Vorwurf, daß sie nicht genug für den Frieden täte. Der Vertreter des Bezirksvorstandes, Genosse Max Müller- Chemnitz, hatte dadurch Gelegenheit, besonders die Fricdenstätigkeit der Partei ausführlich zu besprechen. Die Ver- sammlung stinimte den Ausführungen Müllers lebhaft zu und gab zu erkennen, daß sie restlos auf dem Standpunkt der Partei- und Fraktionsmehrheit steht. Das finanzielle Ergebnis ist gut. Daß die Mitgliederbewegung keine Erfolge aufzuweisen hat, erklärt sich allein aus der Tatsache, daß in dem Wahlkreise allgemein große Arbeitslosigkeit herrscht, da fast gar keine Kriegsindustrie vorhanden ist. Mit der Haltung der„Volksstimme" erklärte sich die Versamm- lung einverstanden._ Znöusteis und Kandel. Eine Modewoche in Berlin als ständige Einrichtung. Aui Veranlassung des„Verbandes der deutschen Modeindustrie" sSitz Berlin, E, V.) findet zum erstenmal vom 5, bis>2. August d I. in Berlin eine Modewocke statt. Sie ist leine Veranstaltung iür da« große Publikum. Sie wird vielmehr, wie die Leipziger Mesie, ausschließlich eingerichtet, um den Fachleuten, d. h. den Einkäufern des Inlandes und des Auslandes Gelegenheit zu geben, die Neu- hei en der modcschoffcnden Firmen Deutschlands kennen zu lernen und ferner, um die Einläufer des Auslandes jetzt und wäbicnd der Uebergangswirlschaft dem deutschen Markt zu erhalten. Die Neue- rung gegenüber dem frübercn Zustand besteht darin, daß die Ein- käufer alle gleichzeitig nach Berlin kommen, und daß die Sonder- zweige dc> Mode gleichzeitig den Einkäufern ihre Schöpiungen zeigen. Die Modcllausstellunaen finden gesondert in den Geschäftsräumen einer jeden einzelnen Firma statt. Erntcbericht. Der WitterungScharakter der abgelaufenen Wocke entsprach mehr dem Avril, als der Wende des Mai zum Juni. ES gab weit- verbreitete, zum Teil recht ausgiebige Gewitterregen, andererseits aber Temperaturfälle, die daS Tbermomcler zum Teil bis unter den Gesrierpunkl sinken ließen. Daß diese Spätfröste völlig ohne Schoden vorübergegangen iein sollten, ist natürlich nicht anzu- nebmen, um so mehr, als sie im Nordosten des Reiches von ziem» lick krätligen Schneefällen begleitet waren; soweit sich aber bisher| übersehen läßt, scheint das Getreide jedenfalls nur wenig oder garnichr gelitten zu haben Anders sieht es mit jungem Gemüie aus und auch vom Kaitoffelkraut wird von hier und da l berichtet, daß eö schwarz gewsrde« sei; die erwähnte» Meldungen i Soziales. Berufsberatung. Neue Bestimmungen über Lehistelleiivermitilung und Berufs« berotung bat daS kal. bayerische Staats, ninisterium erlassen, welche die richtige und zweckmäßige Verteilung der nach Friedensschluß zur Verfügung siebenden Arbeitskräfte bezwecken. Der Erlaß will bezüglich der Lehrstellenvermittlung ein Zu- sammenwirken von Schule, Arbeitsämtern und Arbeitsnachweiien berbeifübren. Bei Beginn des letzten Schuljahres Hai der Klassen« lebrer jedem abgehenden Schüler einer Volks- oder höheren Schule ein Merkblatt»ach vorgeschriebenem Muster auszuhändigen, worin auf die Wichtigkeit und Schwierigkeit der Berufswahl, aus die Pfl cht der Eltern, ihre Kinder dabei zu unterstützen, brn- gewiesen wird. Zugleich wird nachdrücklich darauf aufmerksam ge- macht, die Kinder, wenn irgend die Verhältnisse es gcslatle», tür einen best-mmien Berus ausbilden zu lassen und dabei die Neigungen und Fähigkeiten der Kinder und nicht eine zufällige Moderichtung oder falschen Ehrgeiz entscheidend sein zu lassen. Da zur Wabl des geeigneistcu Berufes tür einen Jugendlichen nicht nur eine genaue Kenntnis der körperlichen und geistigen Anlagen, sondern auch die Kenninis von den Ausordcrunge» und Aussichismöglickkeilen der einzelnen Berufs gehört, so empfiehlt das Merkblatt zugleich auch die Beulltzuiig der bei den gemeindlichen Arbeiisämtern errichteten Berussberaruiigtstellen, bei denen Angehörige der ver» schiedenste» Berufe mit Lehrer» und Aerzten zum Wohle der Jugend zuiammenarbeilen. Aus Antrag des Arbeitsamtes noch einmal am Ende des SchuljahieS bat der Klassenlebrer festzustellen, welchen Beruf die zu entlasieuden Schüler gewählt haben oder ob die Wabl noch unentschieden ist und das Ergebnis der Erhebung in den Schullisten vorzumerken und der Gemeindebebörde bezw. dem Arbeitsamt unter Benutzung von bestimmten Formularen mit- zuteilen. Entsprechend ist in bezug auf die Scküler und Schülerinnen der höheren lluterrichlsaustalten mit Beichräukung auf die vor oder mit Abschluß der 0. Klasse abgebenden Schüler zu verrabren. Die Vormcrkurigsblätihr werde» für die Schüler, welche unmittelbar ins Erwerbsleben übertreten wollen und»och leine Lehrstelle ge- funden haben, gleich nach der eisten Erhebung vorgelegt Ergänzt werden die Angaben aus den Vvimelkunpsblältein durch den Schul« arzt nach dem Befund seiner Uiiter-uchung. Die Blätter werden für Knaben und Mädchen gesondert, nach Familiennamen alpha- beltsch geordnet, vom Schulvorstand der Gemerndebebörde bzw. dem Arbeilsaml übermittelt und die Schüler auf die Nützlichkeit einer persönlichen Vorstellung beim Arbeilsaml aufmerksam gemachl. Die eiiizcluen Uebcr sichten der Lebrer über die Berufswahl der abgebenden Scküler hat die Gememdebeböide oder das Arbeilsaml zu eluer Geiamlübersichl nach demselben Master zu verarbcilcn und eine Ausscrligung derselben dem Bezirksaml zur Weitergabe an das Hauplarbeitsamt vorzulegen. Die Gemeinden obne Arbeilsaml lenden d>e Vormeikungsbiätler an das nächslgelegene Arbeitsamt. und sie geben ferner an Lehrstellensuchende, welche die Volksschulen nicht mehr beiuchen, Formdtäller unentgeltlich ab und gehen bei der Ausfüllung derselben hilfreich zur Hand. Die Arbeitsämter haben die Gesuche um Zuweisung einer Lebr- stelle öffentlich bekannt zu geben und Nebersickten über die Suchenden aus Anfragen den laiidwirischaiilicheii Bczirksausichüsjen, Handwerks- kammern und sonstigen Körperschaften mitzuteilen. Bei den Bestimmungen über die Berufsberarung ist auf Ein- richlung und Eingliederung von Stellen zu diesem Zwecke bei den Arbeilsämiein Bedacht genommen, bei denen eine Miiwirkling von Lehrern, Schulärzten und Berufsvertrelern laus Judiislrie. Handel, Handwerk, Kleingewerbe. Laiidwirnchast. Arbeitgebe! und Arbeitervereinigungcn) iowie der Jugendpflege- und Jugend- iürsorgcvereine be'onders empfohlen wird. Die Täligleit der Berufsberaiungssielle, der gemeindlichen wie der privaten soll vor allem die Zufuhr der Jugendlichen zu gelernten Berufen und da- durch die Heranziehung emes drauchbareu Nachwuchses iür diejenigen Berufsarien fördern, welche Kräne besonders nötig gcbiaucken und bei denen eine Aussicht für ein gutes Fortkomme» der Arbeilskräne besteht. Die Aufgabe der VermittlungS- und Beratungsstelle toll es iein, im Zuiammenwiiken mit den beteiligten Kreiieii einerseits den Jugendlichen die bestmögliche Gelegenheir zu verichaffen, sich ibren Fähigleilen eniiprechend zu tüchngen ArbeitSIiäflen. auszubilden. andererseits dem Wirtschaftsleben unier richtiger Berücksichtigung des Bedarfs seiner einzelnen Glieder einen tüchtigen Rachwuchs zu» zuführen. Die wichtigsten Bestimmungen des Erlasses über die Tärigkcit der Scku!?, der Gemeindebebörde. der Arbeilsämier tollen leider zunächst noch nickt in Kraft treten. Es steht aber zu hoffen, daß ernsichtige Gemeinden schon jetzt alles tu», um die Lö'ung dieser, gerade beim Friedensschluß so brennend werdenden Frage vorzubereiten.__ Patientenvrrschacherung. Ein überaus geschäftstüchtiger Herr scheint der Arzt zu seln. mit dessen Geschäflsgebaren sich daS Reichsgericht in einem Urteil vom 2. Oktober 1917 beschäftigen mußte. DaS Urteil ist in dem jetzt erschienenen Bande 90 der Enlschcidungen dcS Reichsgerichts in Zivilsachen abgedruckt. Der gute Herr vermietete seine in einem Dorf befindliche Behausung pr 1800 M. jährlich an einen anderen Arz.t Der Vertrag sollte fünf Jahre dauern. Eine dann erfol- gende Kündigung sollte jedoch nur dann gellen, wenn der Micicv eine» anderen Arzt brächte, der entweder das Haus mietete oder den gleichen Mietvertrag schloß, d. h. also auch seinerseits wieder nur kündigen konnte, wenn"er einen mietbereiten oder kauflustigen Arzt fand. Es fehlte auch nicht an der ehren wörtlichen Verpflich. tung des Mieters und aller künftigen Mieter, einem etwaigen Käufer keine Konkurrenz zu machen. Natürlich war der Mietwert des Hauses an sich viel geringer als 1800 M. Der Wert der Praxis war mit in Rechnung gestellt worden. Das Reichsgericht hat den Vertrag für nichtig erklärt; er ver- stoße gegen die sittliche Würde des Aerztestandes und das öffentliche Interesse. Ueberhaupt verstießen Konkurrcnzklauseln der Aerzie gegen die guten Sitten. Verantwortlich für Politik: Erich Zkiittner, Perlin: für den übripen Teil de» Blattes: Alfred Schot,. Neukölln: für Anzeigen: Tdcodor Glochc, Berlin. Verlag: Lorwdrts-Verlag«. m. b.&■. Berlin. Druck. Vorwärts- Puchdruckerei und Bertagsanslali Paul Einger u. Co. in PerUn. Lindenstrabe Z. CUtt* 1 Bettage»ad Urnttjauungswati. ttc.158 ❖ ZS. �ahrgattg maBsasELh�jm Heilage öes vorwärts Dienstag, 11. �unilyIS GroßSerlln Schulkinder als Spendensammler. Der Unfug, sich der Schulkinder als Spendensammler zu Ke- dienen, bar in der Krjegszeit rasche Fortschritte gemacht. Bei der Luden dar ff. Spende für Kriegsbeschädigte ist er auf einen Höhepuakl gelaugt, der schwerlich noch überboten werden kann. IZ'.e man in der Bevölkerung über diese Dinge denkt, zeigen die �uschrinen, die wir aus unserem Leserkreis erhalten. Ein Mann, der selber sein bltzchen Gesundheit drangen iin Felde eingebüßt hat. schildert uns. wie auf der Straße die sammeln- den Kinder auch ihn stellten. Infolge Verminderung seiner ArbeilS- fähigkeil isr es ihm erschwert, lohnende Beschäftigung zu finden und sie längere Aeit zu beHallen. An einem der Lndendorff-Tage wan- derte er»hnc Geld in der Tasche verzweifelnd duich den Tiergarten und näherte sich dem Potsdamer Play— da wurden auch ihm die Sammelbüchsen eiilgegengeslreckl! Tie Kinder ahnten nicht, daß er selber der Hilfe bedurfte, die sie von ibm für andere heischten. Und sie hätten wohl kaum Verständnis für die Empfindungen gehabt. die bei diesem Sturm auf seinen leeren Geldbeutel ihn überkamen. Die Ludcndorff-Tage, an denen auf den Straßen gesamnielr wurde, liegen hinter un-, aber die Spendencin'orderunq auf Listen wird fortgeiesr. Ein in Berlin-Nord wohnender Leser, der gleichfalls lange genug draußen im Felde war, äußert in einer Anschrift an uns � seine Verwunderung und Entrüstung darüber, daß s» g a r kleine und k l e i n st e Schulkinder mitListenindie H ä u s e r geschickt werden. Die Schule ist es. die setzt die Kinder zu dieser Eammslei anhält und ihnen die Lißen einhändigt. Die Kinder sammeln dabei nicht in Büchsen, sondern müssen das Geld in ihren Tauchen verwahren und haben nachher den aus den Listen sich ergebenden Gewmlbctrag abzuliefern. Hat die Lehrer- schatt sich die Frage vorgelegt, in welche Versuchung da manches K'.nd geraten kann?_ Hat sie die Bedenken geltend gemacht, die sich dem Erzieher aufdrängen müssen? Aus Berlin-Ost schreibt uns eine Kriegerfrau, daß auch ihre sechsjährige Tochter, die seil Ostern dieses Jahres die Kemeindeichule beiucht.'eine Sammelliste für die Ludendsrff-Soende Mit nach Hanie gedrachr bat. Die Muller fragt, wie sie es verstehen soll, daß man einem sechsjährigen Kind ein so verantwortiliigsvolles Amt überträgt. Ob nicht, ivenn da? Kind etwas von dem gesammelten Geld verlöre, s i e datür Eriatz leisten müßte. DaS ist noch nicht mal das Schlimmste, was eine Mutter erleben ,'önnle.� Dollie ein Kind das auf Listen gesammelte Geld veruntreuen, so wird, man wahrscheinlich über.Verwahr- I o>' u ii g" schreien, Fürsorgeerziehung fordern und das Kind den Eltern abnehmen. Wir ermnern uns noch des starken Widerspruchs, der vor Jahren in Berlin laut wurde, als zum ersten Male die Schulkinder als Svendeniammler mit ihren Büchsen auf die Straßen hinausgeschickt wurden. Das war damals, als Berlin die ersten„Blnmentage" sah, siw die sich die Veranstalter gerade von einer Mitwirkung der Schulkinder besondere Eriolge versprachen. Seitdem ist bei Vsran- ftaltungen gleicher«der ähnlicher Arr immer wieder auf die Be- denken hingewiesen worden, die man gegen die Spendensammelei der Schulkinder haben muß. Aber dann kam der Krieg— und er rill auch hier alle hemmenden Schranten nieder. Mit trockenem Brot auf die Reise—? WaS wir in Nr. 1S2 mit dieser lleberichrift aus Treptow meldeten, wir» uns jetzt auch aus Bertin bestätigt. Auch hier ist es bei der diesjährigen Verschickung von Schulkindern a ii f s Land vorgekommen, daß vor der Abrciie die Ein- z i e b u n g der Lebensmiticlkarten in einer Weise er- folgte, die auf den für die Fahrt erforderlichen Mmidvoerar nicht gebührend Rücksicht nohm. Eine Mulier teilt un« mir, daß ihr nach Ostpreußen verschicktes Kind anr Montag nm Uhr nach- mittags abiubr und nach Borschrift sich mit Mundvsrrat fü» IV3 Tag zu versehen halte, so daß noch für zwei, ganze Tage der neubeginnenden Woche die volle Beköstigung gegeben werden mußte. Bon der Brolkommission, wo � die Lebensmittelkarten einschließlich Fetlkarte voricknifts- gemäß schon einige Tage vorher abgeliefert wurden, erhielt das Kind zwar die ökeisebroikarie, aber für den nöligen Brolaus- strich und für sonstige NahrungSmiilel mußte die Mutler sorgen. Woher eine Familie das nehmen sol. darüber scheinen die leitenden Vertonen, von denen die Verschickung.geregelt- und über alle Einzelheiten der Reise uiw. bestimmt wird, sich noch nicht den Kopf zerbrochen zu vaben. Im vorigen Jahre hat man bei der Rückkehr verschickter K-uder iorg-ältig darauf geachtet, daß die Wieder- gewährung hiesiger Lebeiismitielkarten nur um Gotie? willen nicht zu irüh crfolgie. Wenn die aus Ostpreußen mitgebrachte Beicheini- gung � eines dortigen GemeindevornandeS besagte, daß ein Kind noch über die Riicktebr hinaus mit Lebensmitteln versorgt sei, danp diirtleu in Berlin erst von dem belrcffenden Feitviinkl ab wieder die Lebensmittelkarten zugebilligt werden. Wir wissen, daß vor der Entscheidung über die Gewährung neuer Lebensmilielkarten in einem uns bekannt gewordenen Fall— und vielleicht sieht er nickt Vereinzell da— ioaar von Berlin aus amtlich in Ostvreußen an- gefragt wurde, ob dem Kinde dorr eine über die Rückkebr hinaus vorhaltende LebenSmittelmenge mitgegeben worden sei. Wenn man eine ro weit gebende Vorsicht ftir nötig hält, um eine zu frühe Wiedcrgewährung der Lebensmittelkarten zu verhüten, dann wird man cS wobl den Ellern nickt verargen, daß sie ihren Kindern die Lebensminelkarten auch nicht zu früh entziehen lassen wollen._ Edelobst— Tafelobst— WirtschaftSobst. Die R e 1 ch s st e l l e für Gemüse und Obst hat jetzt ihre Grundsätze sür die Absayregeiung und Bewirlichatiung der dies- jährigen Aeviel- und Birnenernte aufgestellt. An der vorjährigen Einteilung von Aepfel und Birnen in drei Gruppen wird fest- gehalten. Dagegen sollt die Bezeichnung nach Sorien weg. Nur die Güte des Obstes, testgestellt na» allgemein gültigen Grundsätzen, und seine Ve-wendbarkell tollen die Merkmale für die Auleilling zu den einzelnen drei Gruppen bilden. Die erste Gruppe heißt E d S l 0 b!l. die zweite Zj a f.c l 0 b st und die dritte W i r l s ch a f I s- ob st. Um Verschiebungen aus niedrigeren Gruppen in die Edelobstgruppe zu vermeiden, wird die Reichsstelle Vorkehrungen treffen, wonach Edelobst,»io im Vorjahre die K a b> n e t t st ü ck e ausschließlich durch die Reichsstekl: und die, ihr nacbgeordneten Stellen cr'aßr und nur durch beböidlich überwachte Verkaufsstellen aoacsicht werden darr. Im einzelnen gilt folgendes: Als E d e l 0 b jl kommt anSschließlich»llerseinstes. schon bisher in Siückfrüchlen gehandelies Obsi in betrachl, das vollkommen aus- gebildet, ohne Schönheit-sehler und ohne Beschädigungen sein, den ancrkanni besten Sorten angehören und das für die betreffende Sorte aüliige Mindestgewicht ausweisen muß. Ein Höchstpreis wird jur Edelobst nscht icilgmlft werden. Es ist nach seiner Giiie und Verivendbarleit ju bewerten und darf zu höheren als den für TafelobK fesigese»:en Preisen von den bewirtichaslenden«lellen erworben werden. Als Tnse lobst stnd alle übrigen gevflückicn, nach ihrer Beschaffenheir üsiort oder nach Ablagerung zum Rah- gcnuß geeigneten Früchte anzusehen unter Ausschluß aller kleinen. verkrüppelten und beschädigten Früchte. WirtschaftSobst ist olleS Schihtel-, Most- und Fallobst, sowie da? auS der Gruppe Tafelobst ausgeschiedene Obst, soweit eS für die Herstellung vvn Ueber die P r e i s e ist zunächst folgendes bestimmt worden: Als Erzeueerböchstpreise werden bei mittlerer Eime in Aussicht genommen pro Pfund: sür Tafeläpfel 25 Pf., Wirlschastsäpfel tl) Pt.. Taselbirnen 2ö Pt.. Wirtschatisbirnen ö Pf. Außerdem sollen als Aufbewahrungszuschläge feste Beträge bestimmt werden, und zwar für die Zeil: vom 16. Oktober bis zum 31. Okiober 3 M. der Zentner, vom I.November bis zum 15. November 2 M. der Zentner, vom 16. bis zum 36. November, ebenso vom 1. Dezember bis zum 15. Dezember 2 M. und dann je Monat und Zentner 2 M. mehr. Die endgültige Festsetzung der Höchstpreise lvird später erfolgen, sobald sich die Ernte überblicken läßt. Für Obstpach- t u n g e n wird besonder« darauf hingewiesen, daß die Pächter da- msi zu rechne» haben, daß auch in diesem Jahr eine Abiatz- beschränkung in ähnlicher Weise eintriU wie im verflossenen Jahr. Die Pachtlustigen miisien drmgend davor gewarnt werden, bei Obstverpachlungen Gebole anzulegen, bei denen sie nachher nicht aus ihre Kosten kommen._ Zivc!„schwere Jungen" wurden gestern, als sie einer Wohnung ihren zweiten Besuch machten, in der Falle gefangen. Ein Bruno Rnlschek und eur Walter Thicmer hatten vor einigen Tagen in einer Wohnung in der Friedrich-Franz-Slraße zu Tcmpeihof eine große Menge Sacken aller Art erbeutet. Weil aber noch mehr Wert- stücke zu holen waren, io beschlossen sie. am Sonntag ihren Besuch zu wiederholen. Hausbewohner sahen die beiden Männer mit einem Sack und einem Reiiekoffer die Treppe hinausgehen und schöpften Verdacht. Sie beobachteten die Verdächtigen, schlössen dann raich alle HausauSaänqe ab und holten die Polizei. So saßen die Verbrecher in der Falle und wurden festgenommen. Die Kriminalpolizei brachle sie nach Moabit. Ihr Einbruchswerkzeug, das denkbar beste, fand man nachträglich unter dem Treppenläufer, wo sie es verborgen hatten. Ein Aristokrat mit noblen Passionen. Vor der Potsdamer Siraftanimer wurde gestern über die Hochstapeleien verhandelt, welche der ans der Untersuchung vorgeiührte 53!ährige Haupt- mann a. D. Kurt von Keber in Potsdam begangen hatte. In der rücksichtslosenen Weile mißbrauchte dieser Edelmann die Leichtgläubigkeit seiner Milmenschen. Um seinen noblen Passionen frönen zu können, erschwindelie er voir dem Oberkellner Puck der Holländischen Weinstube zu Potsdam mehrere hundert Mark, die er in Sekt und Delikateste» anlegte. Die Inhaberin einer Gastwirl- schast schädigte er auch um einen größeren Beirag. Er ließ sich durch einen Schutzmann als angeblich schwerkrank bin» bringen und zierle diese Wirtschaft durch mehrwöchige Anweienheir, deren Kosten er noch heule zu eriiatlen hätte. Wenn seine verschuldete Lage ihn zu bedrücken begann, spiegelt er große Bankguthaben und Zinsgenüsse vor. und prnblie mit bocharistolrattschen Beziehungen. Dabei hatte der An- geklagte, welcher mit Ruhegehalt, ständigen Zuwendungen und Renteii monailich 417 M. bezog, seit 1612 sieben Gefängnis st rasen verbüßt. Nach seiner 1966 erfolgten Verabschiedung bezog der An- geklagte noch eine einmalige B ar unter st ützung des Kronprinzen von 4566 M., und auS der K a> s e r« W i l- Helm-Stiftung 1666 M. zu 1 P r 0 z. Zinsen. Der Staalsanwalt chaeakterlsierte den Angeklagten als Hochstapler im wahrsten Sinne des Wortes, und beantragte wegen Rück'allbelrnges 1 Jahr Gefängnis. Das Gericht erkannte nach diesem Antrage. Gleichzeiltg mit der Verurteilung erfuhr der Angeklagte die an- genehme lieberraichimg, daß ihm eine jährliche Teuerungszulage von 264 M. zugebilligt ist. Zu dem Naudübcrfall aui den Direktor de» Pasiagc-Theaters an der Weidendammer Brücke wird initgereilt. daß eS ge lungen ist. noch einen zweiten der fünf Täter zu verhaften. ES ist das ein 26 Jahre alter Schlosser Maximilian T r y n k a. Die beiden Verhaficten sind wegen Zubälicrei öfter vorbestraft. Von der Beute wurde nichts bei ihnen gefunden. Die Räuber halten auch noch versucht, dem Ueberfallenen den Brillantring vom Finger zu ziehen. Eharlottenburg. Lebensmittel. Bis Sonntag, den 16. Juni, wird auf die Groß-Berliner Nährmiitelzuiatzkarte sür Jugend- liche Abschnitt 18 166 Gramm Graupen abgegeben. Die Entnahme kann in dem Koionialwalenqcschätt erfolgen, in dem der Haushalt der Jugendlichen in die Kundenliste für Gaeß, Graupen usw. eingetragen ist. Ebenfalls bis Sonnlag wird an diejenigen Kunden pro Kopf 125 Gramm vom merscher Weichkäse verieilr, welche in die Speisefetrkundenlisten der in den Bezirken der 19., 25. und 26. Brolkommission gelegenen Geschäften eingetragen sind. Auf Abschnitt 46 der Eierkarte kann vom 16. bis 19. Juni ein Ei entnommen werden. Vom Donnerstag, den 13. Juni bis Sonnabend, den 22. Juni, weiden verabfolgt:>56 Gramm Grieß(16 Pf.) auf Abschnitt 32 der Groß-Berliner Lebeilsmittel» lane, ferner als Ersatz für die ab 15. Juni herabgesetzte Brorporlion 206 Gramm Graupen(14 Pf.) auf Abschnitt 33 und 1 P f d Marmelade(92 Ps.) auf Abschnitt 34. Neukölln. Ter Ersatz von Lebensmittelkarten soll in Zukunft nur unter erschwerenden Umstünden enolgen. Die Mehrung der Anträge auf Eriatz abhanden gekommener Lebensmiltelkarlen ge- fährdct die Volksernährung. so daß sich der Magistrat gezwungen steht, ganz energisch Schritte in dieser Angelegenheit.zu unter- nebineü. Es ist beobachtet worden, daß ein Teil der Eriatzanlräge ans erdichteten Ursachen beruht und andererseits Karten durch außerordentlich fahrlässige Unterbringung derselben im Hanse und in Cinbolctaschen in Verlust geraten. Es wird daher nochmals vom Magistrat anr achtsame Aufbewahrung der Karten hingewiesen und bemerkt, daß in Zukunft nur dann ein Eriatz von Lebensmittel- karten erfolgen kann, wenn einwandfrei durch Feststellung der Polizeioigam oder durch eidesstattliche Vetsicherung dritter, un- bescholtener Personen nachgewiesen wird, daß das Abhandenkommen der Lebensniittelkarten auf gewaltsame Einwirkung Dritter zurück- zukühren rsi. Für verlorene oder verbrannte Lebensmittelkarten kann in Zukunft grundsätzlich ein Ersatz nicht erfolgen. Schöneberg. Lebensmittel als Prämien. Auf die Empfangs- bescheiiiigungen bei Abgabe von Männerlleidung werden nach Wahl Prund Auslandshonig oder 1 Pfund Saroliifche Mandelipeife (gebrauchsfertig mit Milch) zum städtischen Selbstkostenpreise ab- gegeben werden. Lichtenberg. Lebensmittel. Es gelangen zur Verteilung gegen Vorniimeldung: Auf Abschnitt 32 der gemeinsamen Lebensmittel- kaile: 156 Gramm Teigwaren(AuSzugsware) zum Preise von 25 Pß Abschnitt 32(1 wird zurzeit nicht beliefert. Ohne Vor- anmeldung in den beiden städtischen VeikausShallen Krvnvrinzen- und Markiftraße gegen Abtrennung der beiden gleichlautenden Ab- schnitte 226 St. G. F. der Lichrenberger Lebensmittelkarte je 125 Gramm Nährhefe<55 Pß). In den städtischen Füchhallen und bei den hiesigen Fnchhändlern und Näucherwaengefchäflen werden ab- gegeben: An' Abschnitt 227 E. I. G. und K. der Lichtenberger LebenSmiitelkarte: Frische Fluß- und Seefische. Auf Abschnitt 222 E. I. G. K."3 Pfund Räncherwaren. Auf Abschnitt 223 E. J.G.K. 1 Dose Marinaden._ Spitiidau. Lebensmittel. Gestern hat die Eröffnung der städti- Mieii Fischhalle im Haus- Berliner Aiaße 5 stattgefunden. Die Halle ist wochentäglich von 9—1 Uhr voimitlags und 4—5 Uhr nachmittags geöffnet. Der Verkauf von Fischen erfolgt nur gegen Vorzeigung der Spandouer Lebensmittelkarten. Von demselben Tage ab sindet die Verteilung der Fische an die Kleinhändler in karte zu haben. Feld 99 verliert mit Ablauf von Dienstag, den 11. d. M., seine Gültigkeit. In den durch Aushang kenntlich gemachten Geschälten gelangt jetzt Trockcn-Weißlohl nnd Trocken- Mohrrüden zum Verkauf. Aui Feld 161 der Lebensmittelkarte dürfen 166 Gramm Trocken- Weißkohl oder Trocken-Mohrriiben abgegeben Ivcrden. Die den Geschäften gelieferten Suppen dürfen jetzt verkauft werden nnd zivar gegen Abtrennung von Feld 162 der Lebens- mitlelkarte entweder 4 Suppenwürfel oder 256 Gramm lo'e Lmppen oder 1 Beutel Morgentrank. Der Preis darf für 1 Suppenwürfel 6, 16 M.. 1 Kilogramm lose Suppen 1,56 M. und für ein Beutel Morgeiilrank 6.45 M. nicht übersteigen. Wcißenscc. Lebensmittel. Es entfallen 266 Gramm G r ü tz e und 166 Gramm Knorrs Uppen auf die Abschnitte 29 und 36 und 366 Gramm Grieß auf die Abschnitte 31 und 32 der allge- meinen Lebensmiitelkarle. Die Entnahme der vorbezeichneien Waren kann vom 13. d. Mls. ab erfolgen. Sie muß in den Ge- ichäfle stallfinden, in dem der Inhaber der Lebensmittelkarte sich jetzt auf Abschnitt 29 zum Bezüge von Nährmitteln angemeldet hat. Tcmpelhof. Keine Ausschutzwahl zur Krankeiik-ifse. Die vom Vorstand der Allgemeinen Onskronkenkasie Tempclhof für den 16. d. Mts. anberaumt- Wahl von 16 AuSichußver tretern uiid 66 Ersatzmäimern findet nicht statt. ES ist nur eine Liste durch die Gewerkschastsunterkommisston eingereicht_ und gelten die Vor- geschlagenen als gewählt.— Die P a r t e i g e n 0 s i e n und G e- werkschafisfunkiionäre werden gebeten, die Tempelhofer Arbeiterschaft davon in Kennin s zu fetzen. Lichterfclde. SSvglingSpflcge-Nnterricht in de» Gemeiudcfchulcn. Die Schuldevnialion nahm in der letzten Sitzung.Kenntiiis von dem geplanten Säuglingspflege-Unterrickl. Die Schülerinnen der Ge- meiltdefchuien werden im letzten Schuljahre wissenschaftlich� durch einen Arzt in allen für die Säuglingspflege wichtigen Gegenständen iliiterrichlet werden. Im ganzen weiden fünf Kurse von je vierzig Schülerinnen eingerichtet, der etwa ackt Schulstundeit in Anspruch nehmen wird. Die so vorgebildeten Schülerinnen werden an drei WocheirvormiUagen in die Gerlrnd-Herwart-Kr'pve entsandt, deren leitende Schwester sie in den handgiifflicken Verrichtungen, wie Wäschewechsel, Baden, Bereitung und Darreichung der Säuglings- nahrung, unterweist.__ Groß-Hsrlm.er parteinachrichten. Berlin 2. Kreis. Die Generalversammlung findet nicht heute, sondern erst morgen statt. Spandau. Mittwoch, abends 8 Ubr, im Lokal von Steinmatz, Bismarckstr. 3: Mitgliederversammlung des Wahlvereins. Tagesordnung: Beiicht von der KreiS- und Provinzialkoiiterenz. Referent: Genosse Jahnke. Kommunale Fragen. Referent: Genosse Stahl. Beitragskassierung und Ver'chiedenes Alle .Vorwärts"-Leser und Freunde der S. P. D. sind zu dieser Ver- lammlung eingeladen. Röntgental— Zepernick. Zusammenkunft Donnerstag, den 13. Juni' abend- �36 Uhr, bei Marx, Röittgeiual, Bärwoljstraße. Obstmus, zum Kochen und Dörren und zu sonstigen WirtschaitS-! der Fiichhalle statt. In einer großen Anzahl von Geschäften sind zwecken geeignet ist, k noch Teigwaren gegen Abtrennung von Feld 99 der Lebensmittel- Gsrichtezeitung. Schlcich�tndcl auf einem prinzlichcn Dominium. Der aus dein Dominium des Prinzen Friedrich Leopold, DÄppÄ, durch oen punzlichen Administrator Ernst v. E be r st e i n betätigte Schleichhandel mit Schweinen unterlag der Prüfung des Schöffengerichts Lichterselde unter Vorsitz des Amtsgerichtsrats Rudoixhi. v. Eberstein wurde beschuldigt, fortgesetzt Schlachtschweine an Privatpersonen verkauft zu haben, obwohl Schlachtschwcine nur an die von der Landeszentrallbehörde mit der Mch-ibnabrne bmiftrogten Stellen oder cm solche Personen ver- kanft werden durften, die von diesen Stellen beaustragt oder zum Ankauf zugelassen sind. Ferner wurde v. E. beschuldigt, die firr die Schweine festgesetzten Höchstpreise Sbcrschritten zu haben. indem er in eßnom Falle Schlachtschweine zum Preise von 236 M. pro Zentner verkarlste, ioährend die Höchstpreise auf 75 M. festgesetzt waren.— In dem lctzterwäihnken Falle handelte es sich um zwillf Schweine, die an den Mitangeklagten Schlächter Otto Haseloff verlauft worden sind. Dieser bat den Kauf für den gleichfalls nnt- ciiigeklagmm Schweinemäster Anton G r u c z c> betätigt, dem wieder- um der Schlächter Gustav G r i c p einige tausend Mark zu diesem Geschäft geliehen hatte. Haseloff hatte die Schweine, die er für 256 M. pro Zentner gekauft hatte, für 325 M. an Grucza weiter- verkauft und so an einem Geschäft 966 M. verdient; er ist deshchllb wegen Höchstpreisüberschreitung und Vergehens gegen die Beitim- munaen über den Handel mit Schlachtschweinen usw. angeklagt, Die gleiche Anklage richtete sich gegen Grucza und Griep.■ Dem Gen darmeri ewach tnie i ster Werbach war Kunde davon ge- worden, daß vom Rittergut Düppel aus wiederholt in aller Frühe oder am späten Abend Schweine abgeholt wurden, die nicht an den für den Kreis Teltow bestellten Aufkäufer Hans, sondern unbcfngterweise an Privatpevsonen verkauft worden waren. So war u a. nach den Angaben des prinzlichen Lakai Karl Hermann eines Abends ein zwei Zentner schweres Schwein von Düppel fort- gefahren worden, dessen Käfig ringsum mit Strdj verdeckt und so verschnürt wurde, daß es einem Strohbündel ähnlich sah. Der Gendarm hat fünf Fälle festgestellt, in denen v. Eber- stein Schlachtschweine cm Privatpersonen verkauft hatte und am 29. Juni morgens 4)4 Uhr gelang es ihm, Haseloff, Grucza und Griev dabei abzufassen, als sie die oben erwähnten 12 Schweine von Düppel wegfahren wollten. Als Haseloff von zwei Gendarmen weggeführt wurde, warf er ein Notizbuch weg, in dem Andeutungen und Notizen enthalten waren, welche auf recht umfangreichen Handelsbetrieb mit Schweinen schließen ließen. Wie der Vorsitzende erwähnte, ist dem Angeklagten die Mitgliedschaft des Viehhandels- Verbandes entzogen worden.— Der Angeklagte v. Eberstein bestritt seine Schuld und behauchtet«, er habe an Haseloff nicht Schlachtschweine, fondern Zuchtschwein« verkauft. Alle feine Schweineverkäufe habe er teils im„Zehlendorfer Anzeiger", teils 'm„Teltower Kreisblatt" öffentlich bekanntgegeben. Die 12 Zucht- sauen habe sich Haseloff zwischen 26 Tieren auswählen können, nachdem er ausdrücklich erklärt habe, daß er die gekauften Tiere an einen ibm bekannten Molkerribc'itzer zur Zucht weiterverkauft habe. Schilachtschweine habe er im Mai/Juni 1917 nicht verkauft. Von mehreren Schweinebesitzern seien Sauen zum Belegen nach Düppel geschickt worden, die sich in Käfigen befanden, auch feien mehrere Zuchtsauen mit Genehmigung des Landrats des Kreises Zauch-Belzig nach Düppel überführt. Bei den sonstigen Schweine- Verkäufen habe es sich um Futterschweine gehandelt, die nicht über 126 Pftmd wogen. Er selbst habe keinerlei persönliche Vorteile von diesen Verkäufen, da er auf Gehalt, ohne jede Tantieme angestellt sei. Der Urheber der Beschuldigungen sei der Lakai Hermann, der ihm feindlich gesinnt sei und mit dessen Dienstantritt in Düppel der Friede dort vollständig gestört worden sei. v. Eberstein be- hauptrte schließlich, �daß er nur solche Geschäfte gemacht habe, die er nach bestem Wissen für erlaubt hielt.— Auch Haseloff und Gru cza verblieben trol: aller gegenteiliger Vorhaltungen dabei, daß es sich um einen Kauf von Juchtschweinen, nickt aber von Schlachtschweiiren gehandelt habe. Der Vorsitzende ersuchte die An. geklagten dem Gewichte dock) nicht ein solches Märchen aufzubinden, denn es haben sich unter den Tieren außer den Sauen auch eine Anzahl kastrierter Schweine befunden, die doch Zu Auch tzw ecken wahrlich nicht geeignet seien. Der Nmtsanwalt beantragte gegen v Eber sie in 40 M., gegen H a s e l off und Grucza je Agg M. und gegen Gr i e p. der vcrsiclMt hatte, daß er mir dem Geschäfi selbst nichts zu tun gehabt, sondern dem Grucza nur LCKX) M geborgt habe, bgg M. Geldstrafe.— Das Gericht ging über diesen Anträge weit hinaus und verurteilte v. E'b e r st e i n wegen des Geschäfts mit Haseloff zu 3 Monaten, wegen fünf anderer Schweineverkäufe zu je 4 Wochen und zu einer Glesamtstrafe von 6 Monaten Gefängnis, Haseloff ebenfalls zu 6 M o- naten Grucza und Griep zu je 3 Monaten Gefäng- ni s. fs»rn»r wrwde auf Einziehung der für das Geschäft gezahlten KCTb M. e rlcmn t._ Bestrafte Engros-Wucherer. Vor der Straflammer des Landgerichts Kottbu s hatten sich rn elftägrger Verhandlung die beiden Inhaber des Getreide- und Fultermittelgeschäfts A. u. C. Schneider wegen übermäßiger Preissteigerung in ihrem Warenverkehr und Mühlen- betrieb bau'ptsächlich in bestMagnahmefreiem Auslandsmehl wegen Ileberschreitung der Höchstpreise für(ausländisches) Kartoffelmehl zu verantworten. Das Urteil lautete auf 38 835 bzw. 14 405 M. Geldstrafe, ferner wurde eine Einziehung des Be- träges von 40 418 M. erkannt, wofür die beiden Angeklagten gemeinsum haften, und auf Einziehung von weiteren 14 010 M. von dem Angeklagten C.'Schneider, dem auf die er- littene 14monatige U n t e r suchu ngshaft 6000 M. auf die erkannte Geldstrafe in Anrechnung gebracht werden. In 53 bzw. 88 der zur Anklage stehenden Einzelfälle erfolgte Freisprechung. Das Gericht hat bei der Feftstellung des erzielten übermäßigen Gewinns die Angeklagten, die einen Jahresumsatz von 2)4 Millionen erzielten, als Händler erster Hand ange- sehen, soweit größere Posten in Frage kamen, und ihnen hierfür 5 Proz.. ferner eine Risikoprämie von 1 Proz. und weiter eine Mark fir je 100 Kilogramm Umsatz als angemessen zugebilligt. Für kleinere Verkäufe erkannte ihnen das Gericht einen weiteren Ausschlag von 3 Proz zu. In einigen der zur Anklage stehenden Fälle ist Kettenhondel als erwiesen angenommen worden Bezüg- lich der Höchstpreisübevfchreitung bei Kartoffelmehl nahm das Gericht Fahrlässigkeit als vorliegend am Mus alier Weit. Explosion in einer italienischen Pulverfabrik. Rom, S. Juni.(Reutermeldung.) Gestern bat in der Pulver- fabrik bei Bollaie in der Provinz Mailand eine Explosion statt- gefunden, bei der 35 Menschen getötet und 100 verletzt worden sind; dagegen ist der angerichtete Sachschaden sehr gering. Briefkasten öe? Keöaktion. Dobrlken. Die dortige Gemeinde wird schon von einem niedrigeren Einkommen als 900 M. an Steuern erheben. Sie sind dcsbalb zur Zablung verpflichtet.— Helena 54. Sie müssen einen Paß vom Berliner Polizeipräsidium haben.— A. B. Westfalen. 1. Die Nachzahlimg der Löhnung erfolgt nicht. 2. Nein. 3. Pros. Langcnscheidt, Schöncberg, Bahnilr. 29/30.— Göthen 3000. 1. Das uneheliche Kind hat nur An- jpnich am Nachlaß der Mutter. Wenn das Grundstück also mit auf den 'Namen der Mutter geschrieben wird, hätte es Anspruch daran. 2. Nach gcseylichcr Erbfolge erbt die Frau ein Viertel, das Kind drei Viertel. 3. Das uneheliche Kind hat auch in diesem Falle keinen Anspruch am Nachlas de? Ehemannes der Mutter.— C. K. 38. Die Wöchnerinnen- unlerslützung erhalten Sie von der Niederbarmmcr SrrSkrankenkasse. Melden Sie sich dort schon jetzt an. Urlaub wird Ihrem Ebemanne des- wegen kaum gewährt werden.— 9)1. M. 94. 1. Baugenosscnschast Paradies, Bohnsdors, Kreis Teltow, Privatstraße.— 2. Kapitalabsindung würde in diesem Falle wobl stattfinden. 3. Der Antrag ist zu stellen bei der Städt. Füriorgeslclle, Antonstr, 10— 15.— Wafleriport. Uns ist die betreffende Verfügung im Wortlaut nicht bekannt. Wir wissen aber, daß die Gcnebmigung dazu von der Polizeibehörde eingeholt werden muß gegen Zahlung einer Gebühr von IM.— K. K. Anleitung erhalten Sic dazu in der Sprechstunde.— W. K. 3000. 1. Ja. 2. Nein. — O. S., Tanzig. Es steht Jhnen� durchaus das Recht zu, auch als Reklamierter in diesem Falle den Schlichtungsausschuß anzurufen.— M. K. 144. 1. Wie Schmalzler und Kownoer Schnupftabak hergestellt wird, wissen wir nicht. 2. Tie Entscheidung darüber trifft der Militärarzt. 3. Zentrale für Ansiedelung für Kriegsbeschädigte, Prinzenstr. 70. 4. Da- von ist uns nichts bekannt.— III 3t. Nein.— K. P. 100. Ja.— — H. C. 3. Durch die Buchhandlung Vorwärts, Lindenftr. 3.— 200. Die Landsturmpflicht beginnt mit dem vollendeten 17. Lebensjahre. Eine Rcklamaiion könnte in diesem Falle versucht werden, sie wäre an den Ziviloorfitzendcn der Ersatzkommisston zu richten.— Mujiklehrer O. R. Sie müssen das Gewerbe bei der Polizei anmelden und auch die Geneh- migung des Revicroorslandes zum Anbringen des Schildes einholen.— G efr. 110. 1. Sie haben Anspruch auf Rente. Antrag müssen Sie beim Bezirkskommando einreichen. 2. Sie können die Arbeitsstätte nur wechseln, wenn Sic einen WIehrschetn bekommen. Wird Ihnen der Ab» kehrschcin von der Firma verweigert, so können Sic sich an den Kriegs- ausschuß wenden. Für die überaus herzliche Teilnahme be! dem �nnscheiden meines lieben Mannes und guten Vaters, des Gastwirts Franz liippSer sagen wir aus diesem Wege unseren besten Dank. Frau.Aiiim Hippler _ und Sohn. 184A Speziaiarzt Or. med. Liaabs beb. schnell, gründl., mögt, schmerzlos u. ohne Berufsstör, tZeollbisvbtrllrsntlbvIt., gebsims Hsui-, Harn-, Frauenleiden, Schwäche. Erprobteste Methoden Harn- und Blutuntersuchung. slgstr. ül;3S, 8£Ät Svr, 10— tu. 5— 8, Sonnt.10— 1 SSZWWMMeillsßlLMIl Morgen Mittwoch, den 12. Juni, abends 8 Uhr, bei Habel, Bcrgniannstr. 5/7: Ciemral-TcrFammlung. Tagesordnung: 1. Bericht des Vorstandes. 2, Neuwahl deS Vorstandes, 3. Vortrag über: Das neue Aktionsprogramm der Partei. 4. Verschiedenes und Zkreisangelegenbeiten. 205/1 Zahlreichen Besuch erwartet Her Torstand. NorddntkWe Gemüseban- Genossenschaft e, G. m, b, H, Dienstag kommt wieder ein stÄ" Rhabarber Die Mitglieder werden er- sucht, rechtzeitig abzuholen. DaS Pfund 15 Pfennig. V, Nachtrag zur Satzung der WemM. NKMkllW MOKD Beschlossen in der Ausschutzsitzung am 27, Februar 1918. § 450, Abs, 1, 2 N.V.O. , f 7?- 1. Die Beiträge für„unständig Beschäftigte� werden auf vier- cinbalb Hundertstel des Ortslohns(KZ 149/152 R.V.O.) sest. gesetzt und für je eine Woche(7 Tage) berechnet. § 450, Abi. 4 R.V.O. 2. Die unständig Beschästigten haben ihre Beitragstelle selbst einzuzahlen. 450. Abs. 1. 5 R V.O. 3. Die unständig Beschäftigten erhalten die RegcNcistungen. 4. Für die Bemessung der baren Leistungen an unständig Beschästigte gilt der Ortstohn als Grundlohn. ß 451 R V.O. sind geöffnet täglich 9—12 und 4— 7. Zonntagö 8—10. Elfaiker Ztr. 78, Ecke Ackerstr. Pankftr. 49, Nähe Badstraße, Bnchfirast« S, beim Virchow- Krankenhaus, Kopenbagener Strasse 4 (StMnhauser Allee), PeirrSburger Strasse 4s (Frankfurier Allee), Boxhagener Str. 19(Nähe Warschauer Straße), Kottbuser Strasse 18(Nähe Hochbahn). Kursürsteiistrasse 148(Nähe Potsdamer Straße), Wilmersdorf: Wexftr. 38. am Ningbabnhos. sS5/t' Charlotlenbnrg: Bleibtreu- st raste 1(Bbi. Saorunyplatzl. Knobelsdorssstr. 59(Nähe Sophie-Charlotte-Platz). Weitere Verteilungsstellen wer- den in Moabit, Neukölln usw. errichtet. Neue Mitglieder können noch ausgenommen wer- den. Nur Sclbstverbraucher. Zwischenhandel ausgeschlossen. Näheres in den Per- teiluiigSstellen während obiger Keschästsstunden und im Ver- waltungöbureau der Nord- deutschen Gemüsebau> Ge> nofsenschaft. Burgstraste 37, All. Stock, Zimmer 76(beim Zirkus Busch), täglich von 10—7, Pf- Kluge-WE lagdwerier bereiten sich vor für den neuen gewerblichen Auf- sohwunp, erhöhen Jetzt ihre Kenntnisse und Fertigkeiten und sichern sich damit eine gute Existenz«der wltinzende Stellniiff- Verlangen Sie von mir sofort umsonst einen illu- sträerten Katalog über anerkannt gute, erprobte und lehrreiche Fachbücher, die Sie in Ihrem Berufe fördern und vorwärtsbringen. Kjaif Für Jedes Handwerk. An Militär nur gegen Einsendung von 25 Pfg. für Porto, da Versand als Feldpost nicht zulässig. Heruf genau augeben. Carl Slerm. Eudwlg, Bres- lan 3». 147__« Tabakpflanzen 50 Stck. 3 M., 100 Stck. 5,50 M., 500 Stck. 25 M.. Kulturanw. grat., empf. E. kle ebt. Gartenbau, Berlin-Schönholz Nr. 12.* 5. Für unständig Beschäftigte entsteht der Anspruch aus Kassenleislungen erst nach einer Wartezeit von 6 Wochen. Liegt eine frühere Mitgliedschaft nicht länger als 25 Wochen zurück, so wird ihre Dauer aus die Wartezeit angerechnet. s 452 R.V.O. 6. Hat ein«nftändlg Beschäftigter im Lanse der letzten 26 Wochen vor der Ertranlung für mehr als 8 Wochen seinen Beitragsteil nicht geleistet, so erhält er nur Krankenpflege/ das Sterbegeld beträgt 30 M. Das gleiche gilt sür einen Ver- sicherten, dessen Mitgliedschaft noch nicht 26 Wochen besteht, wenn er seinen Bcilragsteil sür mehr als ein Viertel der Ver- sicherungsdauer nicht geleistet hat. 8 447 R.V.O. 7. Unständig Beschästigte, die nach Löschung im Verzeichnis die Mitglied�chast nach§ II freiwillig sorlsetzen, zahlen viercin- halb Hundertstel des Ortslobns alS Beiträge und erhalten die in Ziffer 3 bezeichneten Leistungen. Die vorstehende Bestimmung tritt mtt dem Tage der Ver- öffentlichung in Kraft. N e u k ö l l n, den 16. Mai 1918. Der Kassenvorstaud. gez. H. Heinrich, 2. Vorntzender.. gez. W. Ritter, Schriftführer. Genehmigt. Tharlottenburg, den 1. Juni 1948. Königliches Oberversicherungsamt Kroß-Bergn. (O. S.) gez. v. Bostkowski. am Mittwoch, den 12. Juni, abends In allen Veranstaltungen Aufnahme neuer Mitglieder und Entgegennahme der Beiträge. Auf dem Boden der Mehrheit stehende Anhänger find willkommen. 202/7 ZoMldkmkr. Nerein für flerün I. IoMrmokrat. Jemn ftr Teltow- Keeskow-Storkow-Eharlottenbvrg. avunal Cesichtshanre a. alle häßl. Körporhaare vernichtet sof. schnierzl. u. radikal �epiiator4 durch Absterben d. Wurzeln allmählich und für immer. Gar. unschädl. M. 3.—, verst. 4,— und 6. M Otto Reichel, Berlin 43, Eieenbahnstr. 4. n. B. K. 212. 18. 268/14 Ifas ni ier Maao t Iii vlssen? Von B. Gerling.— 81. Tausend. Das Erwachen der Liebe und Wesen der Ehe.— Abstammung und Vererbung.— Die Entstehung des Menschen.— Das Vorleben.— Die Vergangenheit des Mädchens,— Geschlechtskrankheiten.— Folgen in der Ehe.— Erziehung zur Ehe.— Wie soll die Frau besohaSen sein y— Wie lernt man das Mädchen kennen?— Brautnacht und Flitterwochen.— Das Benehmen des jungen Gatten.— Kindersegen.— Vertrauliche Worte. -„Wiener Montagszeitung": Gerling hat es meisterhaft verstanden, den Ton zu finden, der zum Herzen geht Freimütig und offen, wie im vertraulichen Zwiegespräch spricht der Mann zum Manne. Dank für alle die Lohren, die Sie in ihrem trefflichen Buche in so hingebender und idealer Weise ausgosproohon haben. In den meisten Punkten habe ich erst durch Ihre lichtvollen Ausführungen Klarheit gewonnen. C. B., Lehrer.— Preis 2.60 M., Porto 20 Pf Grania-Verlag, Oranienburg bei Berlin 92 js, J)a>gai CcbemmitteJ-, Obst• und SvruuefuuuUundtti trtiatUidt Jftacga-SeseUschafi n.b.Q.. Bedin-CimpeUiof H.& P. Uder, i«'S. 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Derb nehmen sie sich aus und gewöhnlich in ihrer Kleidung und ihren schweren Bewegungen; auch in ihren Blicken ist Schwere. Ihre Auslandsfahrt hat ihnen kaum viel eingetragen. Arm sehen sie aus. Sie reisen auf dem billigsten Platz. Wenn sie essen, bekommen sie einen großen Korb voll Kartoffeln aufs Deck hinaus, einen Zinkkübel mit Fischen und einen Eimer Sauce. Die Kartoffeln schälen sie, soweit sie kein Taschenmesser haben, mit den Fingern. Sie beißen von der Kartoffel ab und greifen den Fisch mit der Hand. Auf dem Schiff bilden sie eine kleine GeseTschaft für sich. Nicht nur dank ihrem äußeren Gebaren, sondern auch dank etwas anderem, etwas Seelischem, das sich namentlich in ihren Augen zeigt, wie sie übers Meer blicken nach Finnland zu. Wir anderen bewegen uns einzeln ungezwungen und frei, möchten so viel als möglich sehen und uns unterhallen. Die Finnen bleiben dicht beieinander, sie sehen nicht ringsum, sie sehen nur, was, den anderen verborgen, in der Ferne liegt. Und sie unterhalten sich nicht, nicht mit anderen, nur wenig untereinander. Aber sie verstehen sich, sie fühlen mit- einander die gemeinsame Sehnsucht, die sie insgeheim verbindet. D i e läßt sie hier auf dem Schiff eine besondere Gesellschaft für sich bilden, die über das Interesse für uns andere, gewöhnliche Dampfschiffsreisende erhaben ist. Ich umkreiste die Finnen und bekam ab und zu einen einzelnen zu fassen. Ein Einsamer erzählte mir, er habe eine Schwester daheim.»Nun werde ich sie sehen. Ob sie mich wohl erkennt, wenn ich eintrete? Ihre kleinen Kinder find jetzt natürlich groß. Erkennt sie mich wieder, soll ihr ältester Junge meine Farm haben. Erkennt sie mich nicht, bitte ich um ein Nachtlager, und antwortet sie fa, so soll der Junge auch meine Farm haben. Sagt sie aber nein, so kehre ich auf der Stelle um. Denn dann ist sie nicht gut/ Einen alten Mann fragte ich, wie lange er sich m Amerika aufgehalten habe. .Vierzig Jahre/ .Haben Sie nicht Heimweh gehabt?* «Heimweh 1" Er sah mich verwundert an.„Tag für Tag/ Dann wandle er sich der Reling zu und sah aufs Meer hinaus, in der Nichtungs wo die finnischen Schären auftauchen mußten. Ein Mann mittleren Allers mit vielen Söhnen, groß und stark, wanderte ruhelos auf und ab, als möchte er am liebsten ins Meer springen und voraneilen, ungeduldig mit seinem Geld und seinen jungen Söhnen nach Hause auf finnischen Boden zu kommen. Unser Dampfer stampfte getreulich und gleichmäßig weiter. Bis dann die Morgenstunde kam, da wir die finnische Küste er- blicken sollten. Wir andern kamen einzeln auf Deck. Es war am frühen Morgen, die Sonne war noch nicht aufgegangen, doch am Ost- Himmel leuchtete die Morgenröte. Aber dort am Vordersteven— was für eine Menschenmaffe war das? Die Finuen waren es, die sich schon versammelt hatten. Sie waren alle da, vom alten Mann bis herab zum kleinen Kind. Sie standen dicht beieinander, lautlos, ruhig wartend, gleichgültig gegen alles andere, nur da für das, was sie nun bald sehen sollten; die Mütter achteten nicht einmal aus das Wimmern und Klagen der kleinen Kinder. Aber das waren ja nicht mehr die armen Finnen von gestern. Das waren ja leine von der Last der Armut dedrückten Schulten« Wesen, wie wir früher gedacht hatten. Das waren Leute, die in großen messingbeschlagenen Koffern etwas nach Hause brachten, Männer in steifen Kragen und amerikanischen Oberhemden mit Gold auf der Weste, Kinder in gestärkten weißen Kleidern, Frauen in Seide, mit kostbaren Ringen an den Fingern. Das waren Kinder des Volks, die werktags die Erde umwühlten, h�ute aber sich festlich geschmückt hatten für ihre Mutter, die sie wiedersehen wollten. Die ganze Nacht halten sie nicht geschlafen. Nun standen sie da und warteten mit übervollem Herzen, und es war ihnen unmöglich, ein Wort zu sprechen, ganz unmöglich in dieser Stunde. Ihre Blicke, ihre ganze Haltung waren ein einziges Verlangen nach dem finnischen Strand. So wird das armselige Steinland im Norden, so daS schöne Land der tausend Seen von seinen Kindern geliebt, die als Jungen und Mädchen in fremdes Land hinausgezogen sind und nun wieder zurückkehren, erfüllt von den Liebe, aus der einst Finnlands Zukunft erblühen wird. Wir andern verhielten uns ehrerbietig still im Hintergrund. Wie der erste Streifen Landes sichtbar wird, erklingen die ersten Töne von Unser Land, unser Land, unser Vaterland. Sie sangen mehrstimmig als Kinder des reichen Volkes der Lieder, das im Lande des Kalewa wohnt: Unser Land ist arm, wird'S immer sein Für den, der Gold begehrt. Der Fremde stolz vorüberfährt— Doch dieses Land, es ist uns wert; Für uns mit Heide, Klippe, Stein Wird's immerdar ein Goldland sein. Und wir anderen hörten ehrerbietig zu und fanden, ein Land, das so gelobt wurde, müsse in Wahrheit ein Goldland sein. Wir sahen nichts ringsum, nicht das Schiff, auf dem wir uns befanden. Wir sahen nur den Vordersteven eines Schiffs, das, Schaum am Bug. festlich vorwärts strebte mit Finnlands heimkehrenden Söhnen und Töchtern, die nach dem Heimalstrand verlangten. Alle singend mit seligem Gesichtsausdruck. Sie haben lange geschwiegen, nun singen sie ihr Heimweh, ihre Liebe auS voller Brust, und der Ge- sang steigt an zu einem Brausen, noch schöner als des MeereS Raunen an Finnlands steiniger Küste. Und nnn ging die Sonne auf. Die fingenden Finnen auf dem Vordersteven des Schiffs, die heimwärts steuern dem finnischen Lande zu, das im Glanz der auf- gehenden Sonne daliegt, das ist das Finnland der Zukunft, das wir erblicken werden, sobald der Blutnebel dieser Tage verdunstet ist. Johan Skjoldborg. sAutorifierte llebersetzung.) Äteraturföröerung im»Deutschen Theater'. Daß die Literatur bei dem Reinhardtscheu System des Regie- und Ausstattungstheaters zu kurz kommt, ist schon oft genug von berufener Seite betont worden. Freilich: noch blendet der alte Glanz. Aber auch den Getreuen wird allmählich bange, nachdem sie die Kassenerfolge der letzten Saison, die schon lange keine künst- lerischen mehr waren, überblicken. Dabei ist zu erwägen, daß die Berliner Poesie kaum vergleichende Uebersichten der Theatertätig- keit gibt, sondern sich in der Regel mit den Ankündigungen begnügt, worin eine Zeitung höchstens der anderen den Vorrang der Fixig- kett streitig zu machen sucht. Um diese Anklage voll zu verstehen, muß man bedenken, was für großartige Geschäfte das Deutsche Theater gemacht hat. Es bleibt ihm also nicht einmal die schäbige Ausrede: seine Mittel erlaubten ihm leine solchen Experimente. Ein Vorfall, der sich freilich schon im Jahre 1816 abgespielt hat, wird auch den nicht Eingeweihten die Augen öffnen.„Die Glocke" gibt in ihrer letzten Nummer(Nr. 10) folgenden Brief au Herrn Reinhardt bekannt: .Die Unterzeichneten erlauben sich, an Sie mit einer Bitte heranzutreten, die ihnen im Interesse der deutschen Dichtkunst und eines ihrer unter allen Umständen bedeutsamsten Vertreter am Herzen liegt. Arno Holz, der nun das fünfzigste Lebensfohr über- schritten hat, arbeitet mit einer unermüdlichen Beharrlichkeit soft mehr als 20 Jähren an einem Dramenkreise, desien beide jüngsten Glieder die Tragödien„Sonnenfuisternis' und„Jgaiorabimus" sind. Gleichviel wie man sich kritisch zu Holz' Denken und Schaffen stellen mag, so meinen wir: innere Bedeutung, die Fähigkeit, seinem Volke etwas zu sagen und zu sein, dir Kraft, sin eigenes Werk zu schaffen, wird niemand diesem tiefernsten Dichter absprechen. Auch Sie, verehrter Herr Professor, haben das seinerzeit durch Annähme der„Sonnenfinsternis" zur Aufführung im Deutschen Theater an- erkannt. An widrigen Umständen scheiterte damals die Aufführung. Seither hat ein einziges Theater sich an eins der ernsten Stücke von Arno Holz gewagt. Wenige hätten es angesichts der Schlote- rigkeiten welche die Aufführung bietet, wagen dürfen. Noch imnüer ist der Tragiker Holz seinem Volke unbekannt, noch immer fehlt ihm die jedem Dramatiker erwünschte und notwendig« Fühlung mit der Mihne. Wir in einen, daß ihm ein« Art ideales Recht zusteht, noch jahrelangem schwerem Kampf, mft seinem Volk und dessen Theater endlich Fühlung zu gewinnen. Wr glauben, daß. heute im Deutschen Theater eine den Intentionen des Dichters ent- sprechende Aufführung der �Sonn« nfinfternis" möglich wäre; wir glauben, daß Ihre künstlerische Kraft dem bedeutenden Werke Leben zu geben vermöchte. Nicht minder glauben wir, daß das er- schütternde Werk, eine würdige, mft allem Nachdruck vorbereitete Aufführung vorausgefetzt, der tiefernsten Stimmung dieser Zeit nicht fremd bleiben würde. Gegen Arno Holz,- den Dichter des„Phantasus" der„Sozial- ariswkrmen", der„Sonnenfinsternis", des„Jgnorabismus", hat das deutsche Volk noch eine andere Ehrenschuld als die oft betonte und anerkannte, sein Schaffen rein materiell sicherzustellen: die, sein Schaffen innerlich zu stützen und zur lebendigen Wirkung zu bringen. Wir bitten Sie, einen Teil dieser uneingelösten Ver- pflichdung durch Aufführung eines seiner ernsten Werke auf einer Ihrer Bühnen abzutragen." Der Brief war von 3S führenden Persönlichkeiten unterzeichnet — ans allen Lagern und Bernsen. Die einzige Folge, die der Brief hatte, bemerkt höhnisch die„Glocke", war— daß er nicht beantworiet wairÄs. In der Tat: Es ist bequemer, zum?>00. Male mit dritter Gar- nftur besetzte Klassiker aufzuführen und mit Ausstattungsstücken dem Metropoltheoter Konkurrenz zn machen, als neue Werte eines Arno Holz zu erproben. Das deutsche jTheater braucht Eroberer und Wegbahner, die das Deutsche Theater ihm schon längst schuldig bleibt.__ Di:»spanische Krankheit' vor SO fahren. Die Grippe, die jetzt durch ihr überrumpelndes, umfangreiches und heftiges Auftreten in Spanien zur„spanischen Krankheit* ge- stempelt wurde, hat schon vor mehr als 80 Jahren durch epidemie- artiges Auftreten Unruhe hervorgerufen Wie das«Journal des Döbats* feststellt, brach eine solche epidemische Grippe in, Jahre 1837 in Piemont aus. Damals lagen aber die sanitären Verhältnisse weniger günstig als heute, und es scheint, daß die Aerzle weitaus mehr Kranke ins Jenseits befördert haben als die Epidemie selbst. «Die Grippe/ so schrieb der französische Botschafter in senen Tagen, «bat in Turin und Genua großes Unheil angerichtet. Die Anzahl der Todesfälle in Turin war dreimal so groß als in früheren Jahren. In den Spitälern mußte man die Menge der Betten verdoppeln und verdreifachen. Der König hat mehrere Spitäler besucht, � was eine sehr gute Wirkung hervorbrachte. Während des letzten Empfangs erwies er mir die Ehre, mir zu erzählen, daß bei einem solchen Besuch ein Kranker ihn bat. näher zu treten, und dann sagte: .Sire, ich verlange Gerechtigkeit!'.In welcher Angelegenheit?" „Man hat eS gewagt, mich achtundzwanzigmal zur Ader zu lassen I* Der König tröstete den Kranken, indem er ihm erklärte, dies sei nur zu seinem Wohl geschehen. Immerhin muß man ei staunt dar- über sein, daß die Aerzte mit dem zur Aderlässen so eifrig sind, daß die Zahl der Opfer hierdurch künstlich erhöht wird." Bald darauf trat die Grippe auch in Frankreich epidemisch auf, da die Aerzte aber vernünftiger zu Werke gingen, war ihre Wirkung wesentlich geringer Die heutigen sanitären Maßnahmen machen die Grippe voll- kommen unschädlich, denn bekanntlich hat die„spanische Krankbeil". trotz der Menge der Patienten, bisher nur in ganz wenig Ausnahme- fällen Todesopfer gefordert. Wenn die modernen spanischen Aerzte ihren Turiner Kollegen vor 80 Jahren glichen, würde wahrscheinlich daS Land zum größten Teil entvölkert worden fein. Notizen. — DaS Kg l. Schauspielhaus, da? im Berliner literarischem Leben lange nicht die Nolle spielt, die ihm zukommt, kündigt für die nächste Spielzeit allerlei— sogar von Jüngsten— an, das nach Besserung aussieht. Hoffentlich wird aber die junge Literatur nicht nur mit Namen, sondern auch mit wirklich vollgültigen Werken zu Worte kommen. — Franz Fischer, der berühmte WaMerdicigent, ist in München, 89 Jahre alt, gestorben. Mft ihm ist einer der letzten von der alten Wagnergarde dahingegangen, der sein ganzes Wirken in den Dienst des Meisters gestellt hatte. Sein« Dirigenten leistungen an der Münchener Oper und Akademie und in Bayreuth sind allen, die sie erlebt haben, unvergeßlich. Seine Klavierbearbpitung und Vor- tragsweise Wagnerscher Werke war mustergültig. Ais Mensch war Franz Fischer eine kernige bajuwarische Natur. — T o l st o i und die russischen Bauern. Eman uel Hansen, Tolstois dänischer Ilebersetzer, wendet sich gegen die kürz- lich in der Presse verbreitete Nachricht, daß Tolstois Sitz Jasnaja Poljana von den Bauern enteignet und zerstört worden sei. Im Gegenteil: der Bauernrat hat beschlossen, Tolstoi ein Denkmal im Dorfe zu errichten. LoSz. 7] Das gelobte£ön5. Roman von W. St. Reymont. „Ich hieß die Frau zu einem Anwalt gehen. Sie soll die Fabrik auf Schadenersatz verklagen, dann wird das Gesetz jene schon zur Zahlung zwingen." „Was geht Sie das an?" Er klopfte leise gegen die Scheibe und biß die Lippen zusammen. „Was mich das angeht?" Horn schwieg eine Weile. „Jedes Elend und jede Ungerechtigkeit geht mich sehr an, sehr..." „Was sind Sie hier?" unterbrach ihn Borowiecki streng und setzte sich an den langen Tisch. „Na, ich bin Kontorspraktikant, Herr Direktor wiffen's doch am besten," antwortete er erstaunt. „Na also, Herr Hont, ich glaube, Sie werden die Praxis hier nicht beenden." „Das ist mir auch schon ganz gleichgültig/ „Aber uns ist es nicht gleichgültig, uns— der Fabrik, in der Sie ein Rad unter vielen Rädern sind! Wir haben Sie nicht aufgenommen, daß Sie sich� hier mit Ihrer Menschenfreundlichkeit produzieren, bloß, damit Sie arbeiten. Sie richten hier eine Verwirrung an, wo alles auf genauestem Funktionieren beruht, auf Regelmäßigkeit und Eintracht."» „Ich bin keine Maschine, ich bin ein Mensch/ „Zu Hause. In der Fabrik werden von Ihnen keine Examinas in Menschlichkeit verlangt, keine in Humanität. In der Fabrik braucht man Ihre Muskeln und Ihr Gehirn, und nur dafür werden Sie bezahlt." Er regte sich immer mehr auf.„Sie sind hier ebensogut� eine Maschine wie wir alle. Also tun Sie nur das, was Sie angeht. Das ist hier kein Ort für Gefühlsduselei, hier... „Herr Borowiecki." unterbrach ihn Horn rasch. „Herr ,von' Horn I Hören Sie zu. wenn ich zu Ihnen spreche." rief er drohend und warf ein großes Musteralbum ärgerlich auf den Booen..Buchholz hat Sie hier auf meine Empfehlung hin aufgenommen. Ich kenne Ihre Familie, ich wünsche für Sie das Beste. Aber Sie sind krank, wie ich sehe. Sie leiden an kindischer Demagogie." „Wenn Sie das einfache menschliche Mitgefühl so nennen wollen." „Sie kompromittieren mich mit derlei Ratschlägen, die Sie jedem erteilen, der irgendtoelche Ansprüche an die Fabrik hat. RechtsamvaU hätten Sie werden solle», dann könnten Sie sich der Unglücklichen und Benachteiligten annehmen, selbstredend gegen gute Bezahlung," fügte er spöttisch hinzu. Seine ärgerliche Stimmung war plötzlich unter dem ein- dringlichen Blick der gutmütigen Augen HornS, die ihn fest anschauten, verschwunden.„Ucbrigens lassen wir das. Wenn Sie erst mal länger in Lodz sein werden, die Verhältnisse kennen lernen und sich die Bedrückten genauer ansehen werden, dann werden Sie auch wissen, wie man handeln mutz. Und wenn Sie erst das Geschäft Ihres Vaters übernehmen, dann werden Sie mir völlig recht geben." „Nein, Herr Borowiecki, ich halte es nicht länger in Lodz auS. Das Geschäft meines Vaters werde ich auch nicht über- nehmen." „WaS wollen Sie denn machen?" rief Barowiecki er- staunt. „Ich weiß es noch nicht. Ich muß es Ihnen offen ge- stehen, obwohl Sie so scharf, viel zu scharf mit mir sprechen, aber das ist ja gleidigültig, ich weiß, daß Sie als Direktor einer so großen Druckerei anders nicht sprechen können." „Sie verlassen uns also? So habe ich's verstanden. Aber warum, weiß ich nicht." „Weil ich es einfach nicht mehr aushalten kann bei diesem gemeinen Lodzer Pack. Sie werden mich doch als Mensch einer gewissen Sphäre verstehen. Weil ich eben mit meiner ganzen Seele sowohl die Fabriken als alle Buch- holze, RosensteinS, die ganze scheußliche Bande haffe," platzte er heftig heraus. „Ha, ha, ha, Sie stnd ein wunderbarer Kerl, ein wunder- barer I" Borowiecki lachte herzlich. „Dann rede ich überhaupt nichts mehr." Horn fühlte sich betroffen.« „Wie Sie wollen, jedenfalls ist es bester, weniger dummes Zeug zu reden." „Auf Wiedersehen." „Empfehle mich." „Ha, ha. ha. Sie haben schauspielerische Fähigkeiten!" „Herr Borowiecki," begann er mit Tränen in den Augen, blieb stehen und wollte noch etwas sagen. „Was?" Horn verneigte sich und ging weg. „Ein kapitaler Gimpel," flüsterte Borowiecki hinter ihm her und ging in die Darre. Die riesigen, mit glühender und trockener Lust angefüllten blechernen Vierecke brausten wie ferner Donner und spien nie endende Streifen bunter, trockener und steifer Stoffe aus. Auf den niedrigen Tischen, auf dem Boden und auf de« Wägelchen, die leise hin und her gfc een, lagen ganze Stöße von Stoffen und leuchteten in der t. ockenen, hellen Luft des Saales, dcsseu Wände fast ganz«.us Glas waren, in ge- dämpften Farben, in schwärzlichem Gold, in violettschim- merndcm Purpur, in Marineblau, im Ton alter Smaragden— gleichsam wie Haufen matt und dumpf schimmernder Metall« platten. Still und automatisch bewegten sich die Arbeiter, barfuß und im Hemd, mit aschfahlen Gesichtern, mit erloschenen, von den Farbenorgien gleichsam ausgebrannten Augen,— sie bildeten bloß eine Ergänzung der Maschinen. Manchmal schaute einer zum Fenster hinaus, in die Welt, auf Lodz, das von dieser Höhe des vierten Stockwerkes im Nebel versank und im Rauch, den tausend Schornsteine, Häuser, Dächer und entblätterte Bäume durchschnitten; dann wieder schauten sie nach einer anderen Richtung, über die Felder, die sich am Horizont verloren— über die grauweißen, schmutzigen, aufgeweichten und grundlosen Flächen, aus denen hier und da rote Fabrikkoloffe aufragten; über die fernen Linien der kleinen, still an der Erde kauernden Dörfer, über die Wege, die sich durch die Felder wie ein schwarzes, schmutz- triefendes Band wanden und zwischen den Reihen nackter Pappeln sich dahinschlängelten. Andauernd heulten die Maschinen, und andauernd summten die Transmissionen, die an der Decke befestigt waren und nach anderen Sälen die Kraft hintrugen. Alles belvcgte sich im Rhythmus dieser riesigen Metalldarren, welche die feuchte Ware von der Druckerei aufnahmen und sie trocken toiedcr ausspieen. In dem riesigen, viereckigen, mit traurigen Farben, dem traurigen Licht eines Märztages und den traurigen Menschen angefüllten Saal standen sie gleichsam wie Tempel der allmächtig regierenden Kraft. Borowiecki fühlte sich verstimmt und prüfte zerstreut die Ware, ob sie nicht zu sehr getrocknet oder angebrannt war. „Dummer Junge," jagte er in Gedanken an Horn. Manchmal sah er das junge, edle Gesicht vor sich und die blauen Augen, die ihn mit einer stummen, klagenden Eni- täuschung vorwurfsvoll anblickten. Das Gefühl einer un- klaren Unruhe überfiel ihn. Einige Ausdrücke Horns kamen ihm ins Gedächtnis, als er über diese schweigenden, arbci- tenden Menschenmassen blickte. „So war ich auch,"— er dachte an alte, entschwundene Zeiten, ließ sich aber nicht von den gierigen Krallen der Er- innerung packen. Ein höhnisches Lächeln umspielte seine Lippen, und kühl und nüchtern glänzten seine Augen. (Forts. folgQ 4 Rentsches Theater. Ailabendl. 8: Max Palienber;, in Fatntiie Schiniokl Katnmersxtiele. AUabendlicli T'/a Ulir: Inkogaito.(Operette.) ■Voäksbüiisie.Th.a. Büiov/p!. Untergrundb. Schönh. Tor. Äilabendlicb 71/; Uhr; General Yarok.(Vätorlaud.) Theater für Dienstag, II. Juni. Tlisafer des Westens Allabendlich T-Is Ulir: leopoidine Konstantin in Bie Tänzerin. Dir.C. Hsinhard— R. Bernauer. Ttieatar'i Könisgrätzerstr. 'ltS Uhr: Dis fünf Franklurter. Komodiesihaus 'US Uhr: I>ie Karin, BerimerTheater 7� II. i k!iitZ!h!aiie!« iilrit. VentraZ-Thvatvr vu uhr: Die CsarilaslörstlB. ifesitsches OpernSians 7 uhr: Carmen. Friedrich-Wilhelmst. Theater Pestvorstellung. Zum 850. Male: 7i/ä uhr; OgsSreiriiätlerite. Kleines Theater uhr: ÄrlsiltJüüslseissfefeler. Basserinann. Komische09, Fischer.___ 1 IKK* Dczimalwazcn, Tafelwagen, Gewichte licsert ab Vorrat Wagner, Cöpenickerstraßc 7t. __________ 12141* Elegante Kostiinie, Tanten- wantel, Damcnulstcr, Damen- röde, Blusen. 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