Sonnabend, den 15» Juni 1918. expsöttwn: Sw. öS» Linöenstraße Z. stkernwrecver: Amt MoriOVIa�,?kr. ISI SO— IM S7. Ur. 1 62. 35. Jahrg. ( IQ Pfercwgg) Vevlinev VolkSblnkt. der foziatdemoferatirdxn Parte» Deutfchlands. Anzeigenpreis» Die k-bengtstialtene Kolonelzeile ko Ii et 80 Psz.»Klein« äljtt.riocit", fcaä (etlflebcudte Wort 80 Pjg. izulässtg 2 fettgedruckte SSorte), jebce weitere Wo« 16 Psg. Stellengesuche und Echlafstcllciiaiizeigen das erste Wott 20 Pig., jedes weitere Wort 10 Psg. Worte über 16 Buchstaben zähle» für zwei Warte. TeucrungSzuschlag 20°-» Familicn-Nnzeigen, politische und gewerlschaftliche Vereins- Anzeigen 60 Psg die Zeile. Anzeigen für die näckste Nummer müssen bis 5 Uli* nachmittags im Hauptgeschäft. Berlin 615.68, Lindenstratze 8, abicaeben werden. Geöffnet bon 8 Uhr früh WS 7 Uhr abends. NeSaktion: EW. öS, �ivüenstraße Z. fsernivrertier- Ami Mortvvla«, Nr. IS! SV— 15X97. Bezugspreis, Siertelf ähri. 660 Ml. monatl. I�IOMI. ei ins Haus, voraus.zahlbar.Einzeln« Ummern 10 Pfennig. Postbezug! Mona! ich. dom PosN'chalter abzuholen 1,50 Mi, dam Bttesträger inS Haus ge- bracht 1,64 Mi Umer Kreuzband für Deuttchiar d und Oesterre-ch- Ungarn S,— MI, tür das übrige Ausland <50 Mi monatlich. Leriand ins Feld beidirekter Bestellung monatl. IM Mi Postbesieüungen nehmen an Däne- mar!. Holland. Lupemburg, Schweden und die Schweiz. Ewgettagen in die Post» lieiiungs. Preisliste. Erschein» täglich. Teiearamm. Adreff« »Sozialdemokrat Berlin�, �cntralorgan Französische Angriffe südwestlich von Npern— Nene vergebliche Gegenangriffe südwestlich Noyon— Eindringen in den Wald von Villers-Cotterets— Flngzcug- verlnste im Mai. B e r l t». 14. Jmti 1918, a b e« d S. Amtlich. Bon den Kampffronten nichts Nenes. Amtlich. Srotze« Haust, ßnartirr, 14. Juni 1918.! fahren, um den Führern der Tschecho-Slowaken Auf- llärung zu geben. Dem aus Tscheljabinsk eingetroffenen Führer der Tschecho-Slowaken wurde oersicher!, daß, wenn sie die Waffen strecken, man sie unbehindert nach Wladi« wo stock befördern wird." Heber das Schicksal der tschecho-slowaki scheu Truppen, l deren Einheilen während der Zarenzeit gebildet wurden, . baben wir vor einigen Tagen berichtet. Wir tragen nach dem l Berner„Bund" noch einige Angaben nach. Das Vorgehen der Sowjets stieß aus erbitterten Widerstand. Der Volks- kommissar für den Krieg, Trotz ky, schickte an alle Eisen- � bahnangestelltenverbände einen telegraphüchen Runderlaß, in � dem er die Beförderung der tschecho-slowakischen Trnvpen auf ! den sibirischen Eisenbahnen verbot. Um die Tschecho-Slowaken zu isolieren und sie am Vorrücken nach Osten zu hindern, haben dann auch mehrere Eisenbahnlinien ihren gesamten Verkehr eingestellt, so die Linien Pensa-Rnsajewka-Ufa-Tschel- jabinsk-Omsk. was allerdings eine beträchtliche Störung der Lebensmitteltransporte und des Austauschhandels mit Sibirien zur Folge hatte. Am Ansang ihrer Erhebung haben die Tschecho-Slowaken in mehreren Kämpfen über die Sowjetstruppen die Oberhand gewonnen. Nach einem Bericht des„Nasche Sslowo" näherten sie sich der Stadt T o m s k in Sibirien und besetzten öO Werst von Tomsk entfernte Stellungen. Ans den jetzt gemeldeten Erfolgen der Sowjetstruppen schließt der russische Mitarbeiter des„Bund", daß die vom„Nasche Sslowo" angegebene Zahl der tschccho-slwakischen Kräfte, ZOOM Mann, stark übertrieben ist. Ein vom 4. Juni datierter Befehl T r o tz k y s erklärt, die Konzentration der Sowjetstreitkräfte gegen die Tschecho- Slowaken sei beendet. Von zwei Seiten angegriffen, zögen die Aufruhrer mit der Eisenbahn hin und her. In ihrer Mitte zeige sich eine offene Gärung. Die verständigsten Ele- mente suchten Unterhandlungen anzuknüpfen. Er habe den Kommandierenden der Fronten gestattet, Parlamentäre zu empfangen. Bedingungslose Uebergabe aller Waffen müsse gefordert werden. Gewaltsam Entwaffnete seien in Konzentrationslagern zu internieren. Da die militärischen Ooera- tionen längs den Eisenbahnen den Transport der Lebens- mittel erschweren, befehle er den Kommandierenden, mit aller Energie vorzugehen, um in kürzester Frist die Angelegenheit zu liquidieren.' MoSknn, 13 Juni, lMellarng dcr Petersburger Telegrophen- Agentur.) Die in den Wohnungen der Bourgeoisie in Pensa vorgenommenen Haussuchungen haben eine Anzahl Waffen, Munition und Maschinengewehre zutage gc- fördert, mit denen die dortige Bourgeoisie den Tschecho-Slowaken an die Hand gehen wollte. Wie die Nachforschungen des örtlichen Sowjets ergaben, hat die Bourgeoisie den Aufrührern eine Million Rubel angeboden, damit sie die Gemalt über die Stadt in ihre Hände liesern sollten. Das ftemzöflsthe Suöget. ' Nene Steuern, neue Steuern k Paris, 43. Juni.(Meldung der Agence Havas,) Der Senat begann mit der Beratung des Finanzgesetzes. Der Hauptberichterstatter Milliös-Lacrois beglückwünschte Klotz dazu, daß er m i t d e m System der provisorischen Zwölftel aufgehört und den Kammern vorgeschlagen habe, das volle Budget für das Jahr 1918 zu bewilligen, und von diesem nur die militärischen Ausgaben und die außergewöhnlichen Ausgaben für Zweige der Zivil- Verwaltung auszunehmen, die durch eine � Anleihe gedeckt werden sollen. Der Berichterstatter bemerkte, daß sich die Gesamt- s u m m e des ZivilbudgetS auf 8,3 Milliarden Frank ve- laufe. Die Regierung werde sie durch die Einführung neuer Steuern und eine Erhöhung der be- stehenden Abgaben decken. Um das Gleichgelvicht im Budget herzustellen, werde es nötig sein, für ungefähr 129 Millionen Frank neue Einnahmequellen zu schassen. I m n ä ch st e n Jahr e würden noch weitere Steuern geschaffen werden müssen, wenn die Kammern und die Re- gierung wollten, daß alle dauernden Ausgaben durch normale Einnahmen gedeckt würden. Mlssn an Sempers. Amsterdam, 14. Juni.(Tclunion.) Wie aus St, Paul im Staate Minnesota gemeldet wird, bat Präsident Wilson an den Vor- sitzenden des Amerikanischen Arbcitcrbundes, Gompers, anläßlich der Jahrestogung des Verbandes folgendes Telegramm gerichtet: „Aus Anlaß der 33. Jahresversammlung wünsche ich Ihnen Glück zu der patriotischen Unterstützung, die die Mitglieder Ihrer Organ Kation in dem letzten Jahre den Kriegs- Programmen der Nation verliehen haben; nicht nur in den Schützengräben und auf dem Sckilachtselde, wo jetzt so viele unserer jungen Leuie die Uniform tragen, sondern ebensosehr in den Fabriken, Werften und Werkstätten, die für RüstungSzwecke dcr amerikgniscktcn Armee arbeiken. Wir erleben schwere Monate harten Ringens; wir blicken jedoch vertrauensvoll in die Zukunft und geben der Ueberzeuaung Ausdruck, daß keine Intrige des Feindes, unsere Einigkeit durch Streit in In- dustrie und Kapital zu stören, Erfolg haben wird. In diesen Tagen der Prüfung und dcr Selbstautopferung trägt der amerikanische Arbeiter seinen Teil an der na- tionalen Last. In der neuen Welt des Friedens und der Freiheit, für die wir kämpfen, wird er eine ehrenvolle Stellung ein- nehmen und seine Dienste iverdcn nach ihrem Wert eingeschätzt werden," Wie hoch sie eingeschätzt werden, wird auch in Amerika ganz von der Kraft abhäligen, die sie alsdann, auf sich gestellt, als Po- litisch kämpfende Klasse ausbringen werden. Vormarsch tuv DoMewiki in Gstasten. Amsterdam, 14. Juni. Bus Tientstn wird an die„Dailv Mail" vom 8. Inn! gemeldet, daß Admiral K o l t s ch a k von Ehar- bin nach einer chinesischen Grenzstation am Amur mit einer aus Chinesen und Kosaken bestehenden Streitmacht vorgerückt ist, um den Vormarsch der Bollchrwiki in westlicher Richtung zum Stehe» zu bringen. Die Aufgabe der Chinesen sei es, die VerbindnngS- linic abzusperren. Aus Tokio wird vom 11. Juni an dasselbe Blatt gemeldet, daß einem Bericht in der„Uamata" zufolge die Bolschr- wiki in Khabarovsk nördlich von Wladiwostok das West- östliche Gebiet Rußlands als im Belagerungszustand be- findlich erklärt und die Rote Garde, sowie alle Arbeiter über 18 Jahre unter die Waffen gerufen babe. Die Bolschcwiki r r- klärten den Gegen revolutionären den Krieg. Basel, 14. Juni. Nach einer H> cSmeldung aus Peking be- sagt ein Bericht des Generals Semenow, daß die Bolschewiiten seit ihrer Niederlage am 23. Mai nicht mehr anzugreifen wagen. Es heißt in dem Bericht: Wir besetzten G u r k, 140 Werst nördlich von Boreia. 3 Kompagnien werden Charbin verlassen, um sich nach Gradewka zu begeben, um die Expedition des Generals Kolmanow gegen N i k o l s k zu beschleunigen. De? Arbeitsplan öes preußischen slbgeorönetenhauses. Der Scniorenkonvent des Abgeordnetenhauses ist sich am Freitag dahin schlüssig geworden, daß der Vorhan- dene Stoff, soweit er überhaupt noch iu Angriff genommen werden soll, bis Ende nächster Woche aufgearbeitet wird. Bis dahin soll der Kultusetat und der Etat des Ministe- riums des Innern in zweiter Lesung erledigt werden. Hieran schließt sich die dritte Beratung des Etats. Da- gegen will man die Vorlagen, die dem Haufe sonst noch vorliegen, nicht weiter beraten. Es kommen hierbei na- mcntlickit in Betracht die Novelle zum Handelskammer g e s e tz, die einstweilen noch kommissarischer Beratung unterliegt, und das Hebammenge setz, das noch nicht einmal die erste Lesung passiert hat. Von Ende nächster Woche ab werden die Sitzungen bis zum 3. Juli unterbrochen. Am 3. Juli stehen kleinere Vorlagen auf der Tagesordnung und am 4. Juli soll die fünfte Lesung der W a h I r e ch t s v o r! a g e stattfinden. Man hofft, daß das Ergebnis der fünften Lesung dem der vierten Lesung entspricht, so daß die Vorlage sofort an das Herrenhaus gelangen kann. Das Herrenhaus ivird voraussichtlich am 2. Juli mit dcr Etatsberatung beginnen und unimitelbar in, Anschluß daran die erste Lesung der Verfassungs- Vorlage tt vornehmen. Diese dürften etwa am 9. oder 19. Juli beendet sein. Dann werden beide Hänser des Landtags durch Königliche Verordnung bis zum 29. September vertagt. Am 29. September soll die Versa ssungskommission des Herrenhauses ihre Arbeiten beginnen. Tie Regierung rechnet damit, daß diese Arbeiten etwa bis Mitte Oktober abgeschlossen find, sie wird dann, falls auch das Herrenhaus das gleiche Wahlrecht ablehnt, von ihrer Befugnis zur Auslösung des Abgeordnetenhauses Gebrauch machen. Hiernach hat man alw mit Neuwahlen zum Abgeord- netenhause im Monat Dezember oder im Januar nächsten Jahres zu rechnen. Die Wahlreform in Oapern. Ans München wird gemeldet: In der Kammer der Abgeord- netcn wurden am Freitag die liberalen und sozialdemokratischen Anträge betrestend Abänderung des Landtagswahlrechts durch all- gemeine Einführung der Verhältniswahl und Herab- setzung des Wahlallers auf 21 Jahre sowie Einführung des Frauen st immrc cht? abgelehnt; angenommen wurde cm Antrag Held(Z.), in dem die Verhältniswahl für die größeren Städte Bayerns in Vorschlag ze- bracht wird. Das rote Kreuz. Ter„Lokal-Anzeiger" morgens und abends. Der„Lokal-Anzeigcr" vom 14. Juni morgens meldet: Das amerikanische„Hospitalschiff". Nach französischen Blälteimcldungen wird das amerika» nische H o s p i t a l s ch i f f Comfort, das zwischen den Ver« einigten Staaten und der ainenkamichcn Maiinebasi» in Ein opa verkehren soll, ohne Geleit den Ozean durchqueren. Die amcri- iannche Regierung wird ber deutschen Regierung eine genaue Beschreibung des ConKort geben und ißt den Zweck der Reife mitteilen. Das Schiff wird die Abzctcheu des Roten Kreuzes lragen. Hierzu mochten wir uns die ganz beichc.dene Frage erlauben, was wohl daö amerikanische Hostnialschiff, das doch vermul« lich auf semer Herreise weder Verwundete noch Kranke an Bord führen dürfte, nach Eurova bewidern tvird? Wir fürchten, in erster Linie amrriianischc Flieger und vielleicht auch noch einige Dutzend Flugzeuge! Nacv den reich- ochcn Erfahrungen, die wir im Laufe dieses Krieges auf dem Gebiete der Hoipilalichiffe mil Abzeichen des Noien Kreuzes ge- niacht lFben, werden die Herren Amerikaner und ihr Präsident uns n niere Frage hoffenUich nickit übelnehmen, Der„Lokal-Anzeiger" vom 14. Juni abends meldet: Fliegerangriff auf einen Lazsrcltzug Emer neuen Schandtat französischer Flieger ist der den Namen der Kronprinzessin nagende, von den Vereinen vom Roicn Kreuz in Schöneberg und Wilmersdorf aestiitete und uiilerhaiiene Ver« emslazarcitzug L. zum Opfer gefallen. Ein sranzösiicher Flieger beleiichtele in einer der letzun Nächte den auf einem Ncbcnoiezs abzeficllteil Lazarettzug durch eine Leuchlbombe lageshell, io daß die roleu Kreuze des LazareltzugeS in gennaer Höhe deutlich erkennbar fein mußlen. Tiotzdem suchte der Flieger sich die Miiiel« wagen aus. in denen das Personal ichlies und ließ dann aus nächster Nähe vier Bomben fallen, die drei Wagen des Zuges zerlrünimerlen und neun Waaen arg beichädiglen. Der Leser des„Lokal-Anzeiger" liest beides und denkt sich— nichts._ Der ll-Boot-Krieg bei den Azoren. Eines unserer U-Boote, Kommandanl Hashagcn, hol im Speugebiel um die Azoren und in der B i s c a y a rund 25 000 Vr.-Reg.-T». vernichtet. Sämtliche vernichteten Damp'er waren mit Geschützen und zum Teil mit Minenwerfern bewaffnet. LeKte Nackrickten. Bayern und Elsaß-Lothringen in Personalunion? Aus München meldet W. T. B.: Ueber die künftige Gestaltung der elsaß-lothringischen Frage berichteten die..Berliner Neuesten Nachrichten", daß der eljässische Reichsiagsabgeordnete H a u ß beim bayerischen Ministerpräsidenten v. Dan dl eine Audienz gehabt habe, wobei sich Herr von Dandl damit einverstanden erklärt haben soll, daß die elsaß-lothringische Frage ihre Regelung durch Her- stellung einer Personalunion zwischen Bayern und dem bisherigen Reichslande finde. Man spricht auch davon, daß dcr Vizekanzler v. Payer sich für eine solckie Re- gelung nicht nur in München, sondern auch in Stuttgart eingesetzt habe. Wie die(offiziöse. Red.) Korrespondenz Hoffmann hierzu erfährt, entspricht diese Meldung nicht den Tatsache». Staatsminister v. Dandl hat wohl mit dem ReichStagsabgeordnetcn Hauß die Zukunft Elsaß-LothringenS besprochen. Hierbei wurde je- doch die Frage einer allenfallsigcn Personalunion lediglich als eine der verschiedenen Möglichkeiten einer verfassungsrechtlichen Gcstal- tung dcr Rcichslandc erwähnt. Von der Erklärung eines Einver- ständnisses mit einer bestimmten Lösung kann um so we» niger die Rede sein, als nach Auffassung der bayerischen Regierung die ganze Frage zurzeit keineswegs spruchreif ist. Verurteilung wegen Landesverrats. Berlin, 14 Juni. Durch Urteil des Reichsgerichts vom 6. Juni 1913 ist die Holländerin Anna Scholiens, geb. Van Kol aus Amsterdam wegen versuchten Landesverrats zullJahren ö Monaten Zuchthaus verurteilt worden. Reichstag. 17 5 S i tz u n q. fyretta� den 14. Juni 1818. vormittags 12 U£) r. Am Ministertiich: Kriegsminister V. Stein. Vizepräsident Tovc erötfnet die Sitzting um 12 Uhr 15 Minuten Aufragen. Abst. Dr. Heckscher iVj.u fragt, welch? Berg eltung Smahreqeln die deutsch? RetchSrectierung gegen die brutale völkerrechtswidrige Uebeifü'nuua von in Ziam ansässigen deutschen Familien naw indischen Konzentrationslagern getroffen habe. Mintsterialdireklor Kriege: Bei den jetzt im Haag staltfindenden deurich-engltschen Verhandlungen toll auch diese Angelegenheit ge- rcaell werden. Auf eine weitere ähnliche Anfrage des Abg. H e ck> ch e r erwidert Mniisierialdirektor Kriege, das; die Gefahr der Devortalion nach Australien siir die Deutschen in Cbina beseitigt iei. A dg. Davidsohn lSoz> tragt wegen der Beschlagnahme eines VerSdaiidcs.Thronet bebiing des Herzens" von Oiten nnd eines Bändchens.Zcherz Satire. Ironie und tiew'te Bedeutung", das ausichlietziich Gedichte bervorragender deutscher Dichter enthält. Dieie Beschiagnahme von 800 Büchern sei ertolgt. obgleich das Kriegsmimsteniim vor knrzem erklärt habe, ant literarische Angel e�genheiten erstrecke'ich die militärische Zensur nicht. Lberstleuiii!' t van den Bergh: Die genannten Schriften find vom O b e r k o m in a n d o in den Marken beschlagnahmt worden. Eine Beschwerde hierüber beim ObermilitärbesehISbaber ist bisher nicht erhoben. Ob die Beschlagnahme gerechtfertigt ist. wild noch geprüft werden. Abg. Dr. Strcsemana tnatl.s fragt nach Mastnabmen, nm den sofortigen Austausch und'ie Rückkehr der seit drei bis vier Jahren tin lrochiichcn Klima zurückoehalienen, in enalifch' französischer Ge» saiigeiiichafi befinslichen K o l o n i a l d e u t> ch c n zu erreichen. Miniiterialdilektor Kriege: Die Regierung ist von Beginn des Krieges an für die geiangeucn Ko?onialde»i'chcn mit beiondeiem Nachdruck eingetreten, denn es spricht jeder Menschlich kei? Hohn. Perionen. die seit Jahren den Anstrengnngen des Au'- enihalts im tropischen Klima, verbilliden mit den seelischen A»k- rrgungen, ausgesetzt sind, noch weiter in der Gefangenschaft zurück- ruhalten. Nach langwierigen Unterhandlungen>it es gelungen, einem erhebliche» Teil dieser Perionen, deren Gesundheit dar" den Tropcnaufenlbait gelitten hatte, die Rückkehr in die Heimat oder die Wohltal der Interiiierung in einem neutralen Lande zu verschaffen t'lbg. Dr. Stresemann lnotl.) bringt in einer Anfrage die Mit- teilmig der»Poll Mall Gazette" vom 29. April zur Sprache, wo- nach in den Brreiuigien Staate» Photographien verbreitet werden, aur denen man einen gefangenen Reserve, tfizier der deutschen Mm ine Sletiieklopfen und KanalisatiouS- röhren legen sehe. Oberst v. Fransecki: Die Nachricht aus der„Pall Mall Gazette" ist dem Reichskanzler bekannt. Der Zweck der Veröffentlichung in dein englischen Blatte dürfte sci», die deutschen Befaii ienen in de» Augen der englischen Bevölterling herabziiseyen. Aus dein Inhalt gebt nicht hervor, ob es sich nm zivangsweiie Heran ziebung de, Oinzicre zur Arbeit handelt. Aus alle Iälle ist Die schweizerische Geiandttchait in Washington beauftragt festznitellen. woraus die Veröffentlichung zurückzuführen ist und de, amerikanischen Regierung mitzuteilen, dgjz. wenn in angemessener Irist über eine zivau weite Heranziehung deutscher Otfi-iere zu Arbeiten keine befriedigende Aniwort eriolgt, amerikanlsche Offiziere einer gleichen Behandlung unterworfen werden. Abo. Schwabach fnatl.) weist darauf bin, das; trotz des be- endeieu Kriegs-iiilandes m>> Rutzland der P a tz z w a n g für das Reichsgebiet nördlich des MemclstromeS, insbesondere für die Krcii'e Menicl und HehVkrug. noch aufrecht erhalten und ebenso noch nnmer oie m i l i l ä r i> ch e Briefzensur selbst für den Postvsl lehr der Behörden und öffentlich-rechtlichen Körperschaften gehgndhgbl und dainll ein? empfindliche Erschwerung und Verzögerung des Post- veriehr herbeigeiührl wird. General von Wrislicrg. Dre Kreise Mcmel und Heydelrug ge- hören zu de» deutschen Grenzgebieten. An der gesamten deutichen Oilgrenze ist in den Grenzbezirlen ein beionderer Per- sonalauswers anv jetzt noch eriorderlich, da trotz des Friedens- schluffes mit Rußland mit dem Eindringen»nstchercr Elemente z» rechnen ist. Die Aufhebung dieser Maßnahme ist vorläufig nicht angängig. Abg. Astor st i t t i ch r i f l in i t Tinte be« schästigt worden.(Hörtl hurt!) Generalarzt Dr. Schulzen bat verichledene» Abgeordneten zugesagt, dasär zu sorg«», datz diese Schskanen aufhören, hat aber nichts in der Tacke getan.(Hört! hört!> Redner bringt des weiteren den Fall des Hauptmanns von Beertelde zur Sprache, der wegen Verbreitung der Licknow' kyschen Denkschrift wegen Landesverrats angeklagt, aber freigesprochen ist. Ein Major Consten wurde beauftragt, die pazifistische Bewegung in Budapest zu überwachen. Er bewegte sich viel in Kreisen von Detektivs. Ring- kämpsern»ird ähnlichen Leuten, d--n?n er den Auktrag gab. den Privat- iekreiär dcS Gra'en Karolyi. Mitglied des ungarischen Abgeord- netenhauies, zu bestechen. Es meldete sich auch ein Mann, der iich als Vi chatiekretär des Graien oilZrad und bereiterklärle, alle Geheimnisse preiszugeben, wenn er 59 909 M. erhielte und eine gute Stellung verivro b:, bet rn.v Das mutzte aber von einem an- gebl'chen Notar fefiaeleat werden. Der Major Cousten fiel daraus herein und am nächsten Tage stand der nstariellc Vertrag in der angesehensten Bndapcstcr Zeitnüg. Tg erschien ein deutsches De- memi, das beiagle, in der deutichen Armee nebe es keinen Major Eoniien. Das war wörtlich richtig, denn der Major war runerlialb 24 Stunden ein tlirkilher Offizier geworden. iHörr! hörtfi Ver- antwortlib für all sieff Duige>>t d>' van Oberstleutnant Nrkola geleitete politische Abteilung des Generalstabes. Die Vor« aänge in Estland nnd L'vland stehen in krafiem W'der- svruch zur Friedensreioliitivn voin!9 Juli 1917. Die deutichen H-ere loe: den in Rutzland zur Bekämpf» ng der Revolution verwandt. Man bat Arbei'erfübrer in llnzabl ins GefänqniS geworfen, und das Schlimmste ist datz man ihnen sagte. sie iol! en sich genügend zu essen mit ins Gefängnis bringen, da für ihre ErnZhrniig nicht garantiert werden löiure. lHört. hört Ij Die bc'etz'en Gebiete sind ui S hädelitätten der besten ibrer Söhne ge- worden, die teils von W'itzaardisten, teils von ,n diesem Zwecke in i tz b r a u ch t c n deutschen T r n p p e n ermordet worden sind. I Slüriniiche Zloischenruie, Ordnungsruf des Präsidenten.) Die beimkehrenden Kriegsgefangenen werden einem verstärkten Vater- ländiichen Unterricht, alio einer gewissen geistigen Entlausung unterworfen. Zn den Haripttbemen gehört die Würdigung der V e r d i e n st e des Kaiserhauses urid der übrigen Fürstenhäuser um das deutsche Volk. Es scheint über- baupt. als sollte der Weltkrieg als Familien- an gelegen he it der Hobenzollerw betrachtet werden. .Wilhelm bat angegriffen," laniete vor kurzem ein Heeres- berickt. Wilhelm hat nicht angegriffen, sondern Tausende Soldaten hoben angreifen müssen, während sich W lhelm 49 oder 69 Kilo- nietcr hinter der Front befunden hatte. Lieber den Frieden o b n e Monarchie, als den Krieg mit Monarchie. Der bayerische Kr.egsiiiiitistcr ha! ims als outzerüalb des Rechis stehend bezeichnet. Es gehe in dem Kampi gegen uns hart auf hart, hat ei gciggl. Wii find bereit. Wenn der Krieg in das Land getragen wird, loird es allerdings harr aus bart gehen. Das Volk w'rd sich durch so! che Drohungen hoffentlich nicht schrecken lasten.(Bravo l bei den Ilnabh. Sozialdem i Kriegsminister v. Stein: Ich will nur einen fundamentalen Irrtum des Vorredners richtigstellen Nicht eine Familie rührt de' uns xn Krieg, sondern das deutsche Volk führt den Krieg uyt-r Führung seines Kaisers den Krieg um seine Existenz.(Lachen bei den Unabbäneigen Sozialdemokraten.) Generalarzt Schulden: Gegen die Bebauptuitg, datz die B e- Handlung in'den N-rvenlazaretten nicht lediglich zn Heilzwecken erfolge, protestiere ich anr das entschiedenste. Dadurch schädigt der Vorredner lediglich die Erfolge der Behandlung. Was den Fall des Prof. Nikolai anlangt, so liegt eine unwürdige Behandlung de? Manne? durchaus nicht im Sinn? der Mili- tärvcrw>>tung. Der Fall ist seinerzeit untersucht. Er ist mit seinem Willen versetzt worden.(WiXrspruch bei den U. Soz.) Abg. v Trtmpczynski lPolei führte Beiebwerde über Drang- salicrungcn polnischer Arbeiter', das Kriegsamt solle sich der Vermittlung des bestehenden Sozialen Bureaus bedienen. General Scheuch: Das Soziale Bureau ist eine polnische Einrichlung. wir müssen in dieser Frage vom deutschen Standpunk! ausgehen. General v. WriSbcrg: Neber die dienstliche Tätigkeit de? Oder- I e u t n a n t s N i k o I a i zu urteilen, mutz allein dem Chef d e S General st ab« üherlassen bleiben. Oberstleutnant Nicola: würde nicht mehr an seiner Stelle sein, wenn er sie nicht voll und ganz ausfüllen würde. Abg. Dr. Müller-Me'ningen(Vp.) bebt hervor, datz er mtt seinen gestrigen AuSfübrnngen über die aktiven Offiziers nicht im geringsten daran gedacht habe, den Offizieren selbst einen Vorwurf zu machen Kriegsminister v. Stein: Ich danke dem Vorredner für ferne entgegenkommende Erklärung und halte di« Sache damit für er- ledigt. Abg. Neb. Schmidt-Berlin(Soz.): Neber die Behandlung der eingewanderten zur Arbeit heranizezogencn polnischen Arbeiter find uns auch iclrr zablre che Bekchwerden zugegangen In M.cklen- bürg find Leute sogar verprügelt worden. lHort, hört!) Es ist dringend notwendrg. die Nechtsverhältnisie dieser Arbeiter zu regeln. Die Zustände, wie sie aus diesem Gebiete herrschen, liegen nicht im Intereffe de? deutschen Ansehens. Es mutz eine Be- schwcrdest.lle für diese Arbeiter geschassen werden, zu der die Be- teiligten selbst Veriranen haben.(Bravo I> General Scheuch erwidert, datz die SchlichtungSstellen für drefe volnifchen Arbeiter gelten und sagt Prüfung des mecklenburgischen Falles zu. Damit schlietzl die Debatte. Der Etat wird bewilligt. Die drei mit ihm zusammen- beratenen Vorlagen gehen an eine Kommission von 21 Mitgliedern. Das Haus vertagt sich. Nächste Sitzung: Donnerstag, 2 Nhr Petitionen und kleine Vorlagen.) Schlutz: 4� Uhr._ Das Hefetz ae�en öle Steuersiucht. In der Beratung des HauptanSschusses am Donneritag berich- tete zunächst Abg. Jrinck über den bereits veröffentlichten Inhalt des Gesetzes. Unterstaatssekreiär Schiffer: Da mit Nmgehungen gerechnet wer- den mutz, sind die Strafen besonders wirksam gestaltet. Es ist da- her neben Gefängnis und Verlust der bürgerlichen Ehrenrechte die eigenartige Strafe der Entziehung der Staatsangehörigkeit mit Er- streckung auf die Ehefrau und die minderjährigen Kinder vorgesehen. Darin, datz niclit nur der Steuerpflichtige, sondern auch seine Fa- milie von der ehemaligen Heimat ausgeschieden wird, liegt die wirk- samste Waffe des Gesetzes. Abg. Dr, Maycr-Kaufbenren(Z.) ist der Meinung, datz die AuSwairdernngSUist nach dem Kriege steigen wird: immerhin erscheine es verfrüht, schon jetzt ein solches Gesetz zn marl-en. Vielleicht nötigt uns der Krieg, eine Vermögensabgabe von 29 Proz. z u erheben. Viel- leicht ist der Gedanke zu erwägen, ob nicht eine internationale Re- aelung getroffen werden kann. Das Gesetz richtei sich nur gegen Deutsche, nicht auch gegen Neutrale, die gleichfalls enorme Kriegs- gewinne gemacht haben. Ist et sittlich berechtigt, die Handlung des Familienhauptes an den vielleicht damit gar nicht einverstandenen Familienmitgliedrn zu rächen? Abz;. Keil: Das Gesetz beeinträchtigt die internationale Freizügigkeit erheblich und das liegt nicht im Interesse Deutschlands, daS auf die Wiederanküpsung der Handelsbeziehungen angewiesen ist. Des- halb ist es sehr erwägenswert, das Gesetz jetzt nicht in Kraft treten zu lassen, sondern den Ausgang des Krieges abzuwarten. Im ein- zelnen ist die Vorlage s-br verbesserungsbedürftig. Insbesondere ist es die Tenehmigung der Auswanderung, die sehr schtvierig ist, wenn berechtigte Interessen nicht verletzt werden sollen. Der Vorschlag der Regierung, die Steucrpflicht auf fünf Jahre zu beschränken, ist sehr bescheiden, denn wir haben vielleicht 50 Jahre an den Lasten des Krieges zu trrgen. Soll der Zweck des Gesetzes erreicht werden, dann sind strenge Straft» notwendig. * Bei der Einzellieratung am Freitag lagen ein« Reihe Abän- denrngSaeuräge zu I 1»sr. Die Foctschrittler wolle«, dag von der gestellten Sicherheit nicht die Hälfte, sondern drei Fünftel des für die Bundesstaaten reservierten Teils den Gemeinden vor» behalten bleiben sollen. Dre Nationalliberalen wollen die«-teuer- Pflicht der Auswanderer von fünf auf zeh»"Jahre ausdehnen; ferner wollen sie die Rückstellung für die Bundesstaaten nicht im doppelten, sondern im dreifachen Betrage der Reichssteuern haben und davon zwei Drittel den Gemeinden vorbehalten.— In der Aussprache, meint Abg. Erzbcrgcr, datz sich immer mehr herausstelle, datz das Gesetz zu einem Gesetz gegen anständige Leute wird, das aber die Steuerdrückeberger doch nicht trifft. Deshalb sei es besser, das Gesetz au s e i n Jahr zu befristen, Verlan- gern könne man eS immer.— Sutrum beantragt eine Gel- tungSdauer von drcr Iahren.— Von verschiedenen Seiten wird hervorgehoben, datz die Folge des Gesetzes sein wird, datz der Patz- zwang und alle Erschwernisse des Reifens auch nach dem Kriege aufrechterhalten werden. Schliesslich wird ein Antrag Erzbcrger angenommen, in dem einfach die Fortdauer der Steuerpflicht nach Beendigung des Krieges festgesetzt wird.— Die Befristung soll im 8 39 bestimmt werden. Die Verhandlungen wurden dann auf Dienstag vertagt. GLtrankefteusrn. Di« Beratung des B i e r st e u e r g e s e tz e s in zweiter� Lesung wurde in der Donncrstagsitzung beendet. Die Staffelsätze sind ge- blieben und schwanken zwischen 19 und 12,59 M. für den Hektoliter für Vollbier, je nach der Menge des AusstosseS. �Einfnckchier wird mit der Hälfte,©torkbier ni't dem 1 ätz fachen Steuersatz heran- gezogen. Als Einfachbier im Sinne des Steucrgesetzes gilt Bier mit einem Stammwürzsgehalt bis shh Proz., Vollbier mit einem Stammwürzegehalt von 8 bis 13 Proz., Starkluer mit mehr als 13 Proz. Die Kontingentierung ist geblieben, auch die Höher- bestelierung bis zum dreifachen Betrage des Neberkontingents. Der Begriff des Haustrunks und seine Steuerfreiheit wird beibehalten. Der EntschädigungSparagraph, nach welchem durch Zusammenlegung von Brauereien geschädigte Arbeiter und Angestellte Vergütung für Lohn- und GchaltSeinbutze erhalten sollen, wird, präziser gcfatzt, einstimmig angenommen. Angestellte haben nur dann einen Entschädigungsanspruch, wenn sie dem Angostelltenversicherungsgesetz unterstehen. Das Gesetz tritt am 1. Oktober in Kraft; ebenso das Gesetz über den Bierzoll.- Bei dem Mineralwasser- und Limonadensteuer» g e s e tz haben sich alle Parteien dahin geeinigt, dass Besteuerung nicht nach der Stückzahl der Flasche», sondern nach dem Raum- i n h a l t vorgenommen werden soll. Die Steuer beträgt für künst- liche und natürliche Wässer pro Liter KM» Pf., für Limonaden 15 Pf., für gesüßte konzentrierte Kunstlimonaden 1,59 M. und für nicht gesüßte 39 M. Di« in erster Lesung erfolgte Ablehnung der Erhöhung der Kakao- und Sch o k o l ad e n z ö ll e wird aufrechterhalten. Dieses Gesetz soll bereits am 1. August in.Kraft treten. Schulfrazen im Ein Parlament, in dem der Erörterung der wichtigen Schul- und Bildungsfragcn kaum zwei Dutzend beizuwohnen jür nötig halten, hat sich damit eigentlich selbst sein Todesurteil ge- sprochen. Den ständigen Tribünenbesuchern fallt die Leere des großen Sitzungssaales in der Prinz-Albrecht-Straße schon nicht mehr ans, sie wundern sich höchstens, wenn das Haus einmal beschlußfähig ist. Aber die große Masse, die sich ganz eigenartige Vorstellungen vom Parlament macht, würde erstaunt sein, wie es im Dreiklassenhaus? zugeht, mehr als ein Wähler, der bei einer zufälligen Anwesenheit in Berlin das Haus besucht, würde vergebens nach seinem Abgeordneten Umschau halten. Bei der Beratung landwirtschaftlicher Fragen geht es n.') einigermaßen. Ganz anders bei der Beratung von Kulturfragen. Jedenfalls hat die Mehrheit des Dreiklassenparlaments mehr Interesse für den Etat der Gestütsverwaltung als für den des E l e m e n t a r s ch n l w e s e n s, der am Freitag in Angriff genommen wurde. Freilich handelt es sich ja hierbei nur um die geistige Hebung der Kinder des Volke s, während bei der Ge- stütsverwaltung das Schicksal des V i c h e s auf dem Spiel steht, mit dem die materiellen Interessen gewisser Kreise aufs engste verknüpft sind. Am liebsten würde es die konservativ-klerikale Mehrheit, wie aus ihren Reden hervorging, sehen, wenn Re- fornicn im Schulwesen überhaupt unterbleiben. Soll aber schon einmal reformiert werden, so nur ini reaktionären Sinne. Vor allem wünscht man die Befestigung der Herrschaft der Kirche über die Schule, und als Mittel hierzu die Erweite- rung der geistlichen Scbulanfsicht. Nicht Bildungs-, sondern Erziehnngsinst'tnt soll die Volksschule sein, und zwar Er- ziehnngsinstitut im Sinne der Reaktion. Daß dies Ideal der Rechten hier und da schon seiner Ver- wirklichung entgegengeht, zeigte Genosse H a e n i s ch in seiner Rede zu den höheren Lehranstalten, auf denen, wie er doknmen- tarisch nachweisen konnte, teilweise ganz unverhiillt für die Deutsche Vaterlandspartei Agitation betrieben wird. Am Sonnabend geht die Debatte weiter. tStawss« Haenisch führte u. a. auS: So intevefsirnt und wichtig die Begafbtenschulen aucki sinb. wert wichtiger als die Heraus- bebring einzelner VolkSschnler ersttzcint uns die Hebung der Volksschule alS eines Ganzen. Den grosson Bildungs- und Kultur- wert des humanistischen Gtznrnasiums erkennen wir unumwunden an. Wir oerftmren natürlich nicht, welch ein unvergänglicher Schatz an IbiAturflütern in der Antike und. in ibvcr liebevollen Pflege für unser Votk liegt. Mit der alten Alleinherrschaft und der biÄherigen Vocherrschast des humanistischen Gymnasiums ist es aber zu Ende und ebenbürtig müssen ihm jene anderen höheren Sckulen an die Seite treten, die in erster Linie die ftbenden Sprachen, Real- und Naturwissenschaften pflegen.— Entgegen hier aufaestellfen Behauptungen sind die Vorschulen zweifellos eine Bildnvgssperre; mit dem ganzen Vorschulwesen sollt« sobald wie möglich ausgeräumt werden.(Sehr richtig! links.) Bei dem Berechtigun-gSwesen kommt nach unserer Auffassung nicht eine Reform, sondern eine vollständige Beseitigung in Frage. Es ist eine schwer« Ungerechtigkeit gegenüber den U n- bemittelten und ein Krebsschaden für das höhere Schulwesen selbst, da« um der Berechtigungen willen auch von vielen Nicht- leeignetc» überfüllt wird. Das ganze Ei njnhrigenpri- vi leg sollte beseitigt werden. Eine allzu grosse Ausdehnung der Mittelsämlen würde die Klassenscheidung zwischen Volks- nnd höheren Schulen noch mebr vertiefen. Den gestrigen Anssübrungen des Mi- nifiers über dre Aufgaben und Ziele des Unterrichts können wir zustimmen. Vi« alle Beamten, so nrüfftn auch für die Lehrer und EBeriehrer die geheimen Personalakten beseitigt werden ebenso die Residenzpfbicht der Lekirer. Wir fordern ein modernes freiheitlich soziales Beamtenrecht. Auch wir sind für Verbesserung des geographischen Unterrichts und Ergänzung durch einen g e o l o g i j ch en. Die dringende Notwendigkeit eines ausneicheinden staatsbürger- ticken Unterrichts hat schon flmgst Harnack hervongeboben. In Holland und Skandinavien wird er seit langem auf der Volks- schule erteikt«nd auch in der Schweiz bat er besten Erfolg. Dieser Unterrickt muß informatorisch, darf aber natürlich nicht politisch- agitatorisch sein. Der Nauener Realaymnafialdirektor Helmer ver- breiter linier den Schülern eine Schimpffchrift von Lembke gegen die Reichstazsmehrheit.(Hört! bört! links.) Wir wollen keine Parteischule haben. Die Pflege auch der höheren Schulen werden wir uns iM«er«igelagea jiem lasse«.(BeiM bei den Suzialdems-ftasea.) SmerkschLMwEMg Unternehmer für de« Ausbau des Koalitionsrechtes. In Nr. 152 des.Vorwärts" vorn 5. Juni behandelien wir unter Beznqnohme nuf eine vom Wirischcrhskmnd des BnuqewerbeS Gioiz-Verlin nn den Reichsrag gerichiele Petition auf Aufhebunct des§ 152 Abi. 2 der Gewerbeordnunr kurz die /frage, welchen Wert die Beseitigung der angebogenen Gesetzesbestimmung riir die Arbeiterorganisation Kabe. Wir be'omen am Schlutz. dah es nur gu begrünen sei, wenn das Verlangen der Arbeiter nach Beseitigung des Z 152 Abi. 2 bei einer so nambaiien Untcriiebmerorganisalion Unterstützung findet. Wenn sich Uniernebmer und Arbeiter in dem Verlangen nach Beseitigung dieier lästi gen Bestimmung bniammen- fäirden, so läge für die gesetzgebenden Faktoren tein Grund vor, dieser Forderung entgegen tiitre en. Nunmehr nimmt.Der Grundstein", das Organ des Bau- arbeiicrvcibandes, in seiner Nummer vom 15. Juni gleichfalls bu der Eingabe d'cier Unternebmerorganisation Stellung. Er verweist daraus, das! eine äbnliche Eingabe der Deutsche Arbeitgeberbund für das Baugewerbe und elf Arbeilgeberverbände für die Bau- nebengewerbe im Jahre 19'2 an die gesetzgebenden Körperschaflen gerichtet haben. Damais schon habe sich der.Grundstein" entschieden gegen das Verlangen der Arbeitgeberverbände gewendet, iveil eriabrungs- gemäß die angeiochtene Bestimmung für die Arbeilervcrbände in zahlreichen Fällen unberechenbaren Nutzen, dagegen kaum jemals nenncnSwerien Schaden aebrachl habe. Degegen mache es der>5 152 Abs. 2 der Gewerbeordnung den Unternebnierver bänden unmöglich, einen noch schärferen Terrousmus auf ihre Mitglieder — zum Schaden der Arbeiter und der Gewerkschaften— auszuüben, als sie ihn obnedics immer schon ausgeübt haben. Die große Bauarbeiteraussperrung im Jahre 191(1 sei dem Arbeitgeber- bund für das Baugewerbe nicht in letzter Linie deshalb nicht in vollem Umiange gelungen, weil sich ein großer Teil einzelner Unter- nehiner und ganze Orisverbände dem Ausiperrungsbeschluß des Arbeitgeberbundes durch Austritt aus dem Bunde entziehen konnten, ohne daß die für die Nichlaussperrung festgesetzten Konventionalstrafen einllagbar waren.... Für die Arbeiterverbände sei ,die Aufhebung der Bestimmung des§ 152 Abs. 2 der Gewerbeordnung ohne jede Bedeutung, weil sie mcht wie die Arbeilgcbervei bände von ihren Mitgliedern Bei- träge und sionvevlionalstrafen einklagen tonnen. Zudem sei die ge- richlliche Eintreibung von Beiträgen und die gerichilich errwungene Mitgliedschaft nicht geeignet, bei den Arbeitern die Stimmung zu erzeugen, die die Gewerkichaflen zu einem erfolgreichen Arbeiten gebrauchen. Hätten die Gewerkschaften al'o an der Aufhebung dieser gesetzlichen Bcstlmmung keinen Nutzen, wohl aber Schaden zu er- warien,'so sei es uin io auffälliger, daß ein Teil der sozialdemo- 'raiischen Presse—.Vorwärts",.Hamburger Echo"— geradezu mir Begeisterung kür dieselbe eintreten.... Soweit die Einwände, die der.Grundstein" gegen die Auf- Hebung besagter Gesetzesbestimmung geltend macht. Ohne Zweisei wohnt dieicii Einwänden eine gewisse Berechtigung inne, stützen sich dieselben doch aus die Erfahrungen bei den Kämpfen im Bau- 'gewerbe. Ob diese Einwände indessen für alle Zeit und Gewerbe erhoben werden können, erscheint uns sehr fraglich. Wissen wir doch, daß die Auffassung über die Beseitigung dieser Gesetzes« bestimmung innerhalb der Gewerkschaften durchaus keine so einbeit- liche ist. So tritt die»Holzarbeirer-Zeilung" in ihrer Nummer vom 15. Juni in einem Leitartikel gleichfalls entschieden iür die Beseitigung des Z 152 Abs. 2 ein, weil durch ihn Ver- einigungeu und Verabredungen der Arbeiter zum Zwecks der Er- langung günstiger Lohn- und Arbeitsbedingungen als mindere n N e'w ts ertlärl werden. Das Unternehmertum habe indessen seit langem Machtmittel genug in der Hand, einen Druck aus ihresgleichen auszuüben. Werde dagegen ein Gewcrkichafts- Mitglied, das bereits erhebliche Beträge an Streikunterstützung bezogen habe, zum Streikbrecher, so könne die Gewerkschaft gegen dasselbe nichts unternehmen; eine etwaige Klage aui Heraus- gäbe der Gelder müsse vom Gericht auf Grund des ß 152 Abs. 2 zurückgewiesen werden. Mit Recht verweist die»Holzarbeiter- Zeitung" auch darauf, daß dieie Bestimmung im Hinblick auf die Tartsveiträge, deren rechtliche Stellung noch völlig ungeklärt sei, unter Umständen von größerer Bedeutung werden könne. Und noch vor kurzem als die Frage der Auihebung deS§ 153 der Gewerbeordnung in der Presse erörlerl wurde, wurde mit Reckt betont, daß während man im gewöhnlichen Leben nach Treu und Glauben verstehe, daß Verlläge»nd Verabredungen gehalten werden müssen, werde durch§ 152 Abs. 2 der Treubruch gegen die ge- werksctiafiliche Organisation unter Schutz genommen. Diese Auffassung spiegelte sich in einer Reihe Gewerkichafisblätier wieder, woraus hervorgeht, daß die Meinungen über die Frage, ob die Be- stimmung des angezogenen Paragraphen noch in das System unseres Rechtes paßt und im Interesse der Arbeiterorganisationen aufreckt- erhallen werden soll, dem.Grundstein" durchaus entgegen- gesetzte sind. Indessen, sollte die Frage der Beseitigung dieser Gesetzes- bestimmung für die Gewerkschaftsbewegung spruchreif werden, io dürste das Für und Wider von den leitenden Köpfen sicher reiflich erwogen werden._ Ein Tarifvertrag für Heimarbeiterinnen ist zwischen dem Apol�aer Wirkverband iMeisterichaft> in Apolda und der Mitgliedichafl Avolda des Textilarbeitcrverbandes ab- geschloffen worden. Der Verlrag gilt für alle Fabnlamen und Meister sowie für alle Heimarbeiter und Heimarbeiterinnen in Apolda, Bad Sulza und den in diesem Jndustriebezirk liegenden Landgemeinden. Daiüber binans veivflicktet er alle Meister, Heim- arbeiler und Heimarbeiterinnen, die in Avolda iür auswärtige Nuirräge und außerhatb des oben genannten Gebiets für Apolda als Auilrag- gcber bcichäftigl sind. Der Tarif enthäli reine Löhne, welche an die Heimarbeiter bezw. Heimarbeiterin zu zahlen sind. Das Material etnichließlich Zwirn wild dem Heimarbeiter bezw. der Heimarbeiterin vom Auftraggeber gestellt. Die Lohnvereinbarung bcziebt sich nur auf Mtlitürarlikel iMtlitärwesten). Es ist eine Tariflommission. be- stehend aus drei Arbeitgebern und drei Arbeitnehmern eingesetzi worden. In besonderen Fällen kann sich die Kommission durch Zu- Wahl zu gleichen Teilen verstärken. Zu den Kommissionssttzungen muh ein unp.irlelischer Vorsitzender imöglichst der Vo sitzende deS GewerbegerichtS in Apolda) mit Stimmrecht als VsrhandlungSIeiter hinzugezogen werden. Mitglied der Taristommiision kann nur der sein, der einer der unterzeichneten Organisationen als Mitglied angebört. Die UeScrwachung und Durchführung des Tarifs erfolgt durch den Kriegs-Wirk- und Strickverband in Berlin, der zu seiner Unter- slützung die Kriegsamtstelle anrufen kann. Dieser Tarif ist für die Dauer des Kriege? abgeschloffen und tritt rückwirkend vom 1. Februar 1918 in Kraft. Er erlischt einen Monat nach Beendigung des Krieges. Eine Verlängerung unter- liegt den weiteren Vereinbarungen zwischen den vertragschließenden Vereinigungen._ Znöustrie und Hansel. Transkaukasische Republik. Die Regierung des neuen Staates hat gegenwärtig emen Bevollmächtigten nach Berlin geschickt, um von der deutschen Re- gierung eine sr-undschaftliche Uaierstützung zu erbitten. Aui Grund einer Unterrednng. die der GeschäilSsührer des Handelsvertrags- Vereins, Herr Dr. Borg'us. mit dem genannten Herrn gehabt hat, ivird im Vereinsorgan.Deutscher Außenhandel" folgendes mit- geteilt: Transkankasiens künftige Selbständigkeit dürfte für Deutschland sowohl in politischer wie wirischaiilicher Beziebung von antzerotdent« licb bober Bedeutung werden: Dieses zur Hälfte von Talaren, zur Hälrte von Armeniern bewohnte Gebiet, welches jedoch aucd eine ganz erhebliche Anzahl deutscher Niederiaffunge» ausweist, hat be- reitS ein subrropiiches Klima, lo daß Baumwolle, Zuckerrohr und Tabak, ebenso Südfrüchte aller Art swie Apfelsinen, Mandarinen, Zitronen. Oliven) dort gedeihen; überhaupt wird reichlich Obsi und Wein produziert. Auch die Tee-. Mais- und Seidenraupen-Kullur bat erheblichen Umfang. Wertvolle Holzarten werden gewonnen und die Viehzucht bringt reichen Ertrag.— Vor allem aber ist es als Baumwolland und als Erzlagerstätte von großer Bedeutung; Deutschland bezog schon im Frieden drer Viertel seines Bedarfs an Manganerzen daher. Indessen" auch Kupfer-, Zink- und Wolfram« Erze sowie Kohle finden sich dort. Der(jetzt an die Türkei abgetretene) Platz Barum ist der beste Hafen der ganzen östlichen Schwarzmeerküste, der sür Sckiffe aller Art und Größen paßt und durch die Ouerbabn über T'flis nach Baku(dem bekannten großen Peiroleumplatz und Hafen am Kauka- sischen Meer! einen atitzerordenilich wichtigen Durchgang nach dem nördlichen Persien, aber auch nach Afghanistan, Indien und dem weiteren Orient darstellt._ KJeticrauSilrtuen ftit das mtftletr Norddeuttwland dt# Sonntag mitraq. Zeitweise heiter, jedoch überwiegend bewölkt, mit weit verbreiteten, im Binncnlande meist gelingen, an der Küste stärkeren Regen- sällen. ostwärts soitichrcitendc Abkühlung. Verantwortlia für Politik� Ertlli ztilltnrr, Berlin: für den übrigen Teil des Blattes: Alfred Sctolz, Neuldlln: für Anzeigen Theodor Glocke, Zierlin. Verlag: Vorwärts-Verlag G. r.r b. H.. Berlin. Lrnck Vorwäris-Buäidruckerci imd LerlagsansiaU Paul Singer u. Co. in Berlin. Lindenktratzs S. Hierzu 1 Bcllaae»nd Unierhaiinnasliiarr Allabendl. 3: Max Pailenberg in i'uniUie Schiiuek. Kammcrspiele. Allabendlich V'/j Uhr: Inkognito.(Operette.) VolksbäÜnc.Th.a. Bülewp!. Unterprrundb. Sehönh. Tor. Allabendlioli l'ij ülir: General Yorck.(Vaterland.) ThealeF Westens i"> A.llabendlich l1!, ühr: a-Uopoiiiins Konstantin m 'b Tänzerin. Theater iür Sonnabend, 15. Juni. Dir.C. Meinhard— R. Bernauar JiiBatsr Königgrätzerstr. 'It8 ühr: Die fünf Frankfurter i Komödien haus •/48 ülir: öle Zarin. 1 BerlhierThcater| 7" IT: KUtAblanes Blut. I fteater i!cr FtleirieMl Ecke Priedrich- a. Linienstr 71/3 Zum 1. Male: 7V2 Lis erste ßeige. Lustspiel in 4 Akten von Oust. Wied u. Jens Petersen. Sonnt. 3'l2: Farn. Hannemann n Letzter Sonnabend! 7'/, Nur ooelä 3 Tage! ä)as grove Abscliicds-Programm und „Frü!illngsspie!e'i Morgen letzter Sonntag, 2 Vorstellungen. Nachm. 1 Kind frei! Schiaß der Spielzeit Mon;ae, den 17. Juni. Kabarett Tivoli Bunte Vorträge fetpiolfolge vom 1.— 15. Jnnit □ Alois Krämer □ Zwei Poleys □ □ Mila Endtresser □ Krämer-Wolff □ □ Hanna Hartner □ Jean Cichon □ Eröffnung heute! IHgilch z.ni'l Kapellen. Anfang wochent. 7, Sonntag nachm. 4 Uhr Kott buser Damm 95««rfMissz Walhaila-Theater 71/, Ubr: ZgMSkeSchkv.! Gartenb.: Die liebe« süßen Hädei Von d. öhEFbaomiiriicke, Falckensteinslr. 48 jeden Sonntag Dorm 8 Uhr u Äff, Uhr uchm. LSod Wc! lerstLScliieiise b. Ben-lleriagsilor! Reederei Kieck, Falckemleinstr. 48. Telephon: Mpl. 8t 97 ltllabendliob 7ff, Ulni L-Ä T�sichshallsn-Saal 7l/tU- Großüs Blüthgen-Konzcrt. DREI BUCHERI REINHARD GOERING Seescklaclit Tragödie. Gest. 3 M, geb. 5 M Auflage 9000 GERHART HAUPTMANN: Der ICetzer von Soana Erzaklung. Geb. 4 M, geb. 5 M 50 Pt. Auflage 50000 WALTHER RÄTHENAU Von kommenJen Dingen Geb. 6 M, geb. 8 M Auflage 55000 Zu belieben dureb alle Bucbbandlungea S. FISCHER. VERLAG. BERLIN Schirmherr: S. König!. Hoheit Prinz Heinrich von Preußen. Tii.i.ii.FraB!(!Bi1erÄlie8il3. Die künstler. Gartenbühne Täglich 7'/. Dhr: Oer gro o Krfolsr! Was man ans tufl! Sonntag 4 Uhr: Lunte Bühne BefiEr Pralrfür Kaftanienallse 7— 9. 1*%* te f olkeataxametef. Kroße Possen-Neoiie tn 6 Bildern Dazu die großart Spezialitäle« ~Monai-Tli3aker 7*/, Cöpemcker Str. 68. 7*, Koch ale dagewesener l.achcr folg! lläusclien. Musik von Wolter Bromme. Bonntag S1/«! Haubenloi che Votvötk 10 ü. Bnanterbroch. zum Gefecht Ein Marinespicl von Heinrich Gilardone Im I. Akt: Tsingtau macht mobil Q Wan-Kü-Jusg Q Hari� ond Jngc H Die Mappe mit den Geheimdokonieuten Im II. Akt: Im Ranchsalon des[jtiau»- dampfers Q Der geheimnisvolle Jar paner B Der Kaub der Dokumente B Sin tapferes deutsches Mädchen B Von Japanern gekapert Im III. Akt; S. M. Hilfskreuzer Wiktng 3 Tropen-Nacht B Seemannsspiele B Die Neptun-Taufe B Die Seeschlacht Max-Nanni B Unter d. Heimatswimpe) Ersfaufiulirung heute abend T/2 Uhr Morgen zwei Vorstellungen! 3'/, und 7'/, Uhr PALAST-THEATER AM ZOO Schwrlzergarten Am Königstor 21 in Jrievrichehnin 29-32. Größter und schönster Natur- garten Berlins. Urber',000 sitz» Plätze. Saat sür 1000 Personen Täglich: Konzert, Theater. Tpezialltätenvorsieltnng. Ansang Wochentags 4 Uhr. Sonntags 3 Uhr. Irmnou-Tdeuter! Shf. Friednchslr.Ztr 4927.2391 , H U. Zum 287. Male Oer Scbetisschüler. Kaiser-Titz, Bükt, Flink, Heute nachm. ff, 4 Uhr kl. Pr.: Schneewittchen. >onntag t/s4 ü.: iohannisfeuor. Rose-Theater 7»/, Uhr: Gartenbühne: Abel Vknt dieues ZpsiisIsi'U »r. med oetz. ichnell. gründl., mögt icbmerzlos u. ohne Bcrussstör gssebieebiskraiikkeit. geKeim« 8aul-, Harn-, Frauenleiden. Schwäche.»Smobteite Methoden Harn- und ölutunlErsuchung. Haissir. JiiSS, ÄÄ. «4>r. 10— lu. 5—8, E otuu. 10—1 im I. Akt: Hias und das Kammerkätzchen. ss Die Flucht des Hias aus französischer Gefangen- 1 j schaft.■ Der Traum des ver- 1 S wundeten Leutnants. B Im II. Akt:£ ' Der gescherte Alisi. ss Das ur- 1 fidele Front-Brettl: B Im III. Akt:| Das Kriegsgericht. B Die glän-| zende Fi I m-Einiage:„Sturmj auf Schloß Mont-Plaisier". M orsen SröllRiings- Vorstellungeo 3'/z u- T'/s Uhr Walhalla- Theater ❖ Weinbergsweg. Achtmig! ZmsMwbkitrl! Im Tcricmbcr I9tK baltc eine Firma den Austrag, em, Mahagoni Lchtoszwmereinricktvg von Memekeitr 2 IL stock. nach einem Speicher zu sabren. Durch sabchcn Austrag ist di« Einriahing vcrichieppt worden...... � Der. oder diejenigen, weiche zur Ermittelung des Täter« oder des AusbcwabiunpSortes verhelsen können, erhallen ein« Belohnung von_„___ 500 Mark. KUleütinzjen an kr. Ulrt,'iawnrfrth.& Nr. 162 ♦ ZS. Jahrgang Hella SonaabenA, 15. �un! 1H15 Steucrfragen. Den PskV»«sausschiitz der Berliner Stndtfererdneten»«-- sammlunz beschäftigen allzährlich eine Reihe von Eingaben, bei �»een es sich um Steuern handelt, die zn viel««zahlt oder für neehrere Orte»ur Erbebung«elangt»ar«n. Hat der Veranlagte die Einspruchsfrist versäunu, so»irfc in allen Fällen zur Tag.S- ordnung übergegangen. Nur selten, und zwar wenn eS sich um olfensichtliche Febler der BeranlagungZbcbördsn handelt, kommt der BrtilionSauSschuß dazu, die Eingabe dem Magistrat zur Berück- sicfrtigung zu überweisen. ES kann daher nicht dringend genug den Z-nsiten ans Herz gelegt werden, wenn sie glauben, zu hoch oder überhaupt zu Unrecht zur Steuer veranlagt worden zu sein, rechtzeitig Einspruch zu erheben. Der Einspruch mutz innerhalb Tagen bri der Veranlagungskommission erhoben sein. Das gilt auch für diejenigen, die, wie jetzt so häufig, infolge ihrer Arbeit an zwei Orten ihren Wohnsitz haben. Falls die Einschätzung der Höbe »ach richtig ist, mutz der Antrag auf Verteilung der Gemeinde- stsuer auf die beiden Wohngemeinden gestellt werden. Geschieht d'.eseZ nickt, so liegt die Gefahr vor, an zwei Orten Gemeindeab- geben zahle» zu müsse« Der Ingenieur W. wohnt seit IfW) in Berlin. Im Avril 1815 'übernahm er in Aeu-Ruvpin eine Stellung als Geschäftsleiter ohne dabei seine Berliner Wohnung aufzugeben. W. wurde daher für 191S von Berlin zur Gemeindeeinkommcnsteuer veranlagt. Am 28. 5>-ember erhielt er nun auch von der Gemeinde Neu-Rnvpin feine Veranlagung. Hiergegen erhob W. am 55. Januar 1917, also fristgerecht Einspruch, stellte dabei gleichzeitig den Eventual- antra«, den Steuerbetrag auf beide Gemecknden zu verteilen. Durch Schreiben des Bezirksausschusses vom 17. Februar wurde dem W. mitgeteilt, datz die Stellung eine? Eventualantrages unzulässig sei, er solle sick erklären,"ob er einen Einspruch oder Vcr- teilung wünscke. W. teilte daraufhin mit Schreiben vom LS. Februar mit. datz er Verteilung wünsche. Der Bezirks- ausschutz entschied, daß der Antrag auf Verteilung wegen FristvcrsävmniS zurückzuweisen fei, denn der Antrag auf 'Verteilung fei erst durch das Schreiben vom 28. Februar gestellt. Formalismus der fwlimmsten Art! Die Stellung eines Eventual- a n träges wurde zunächst für nicht zulässig erklärt und als dann W. mitteilt, datz er diese? Schreiben als Verteilungsantrag aufgefatzt haben will, kommt man mit der Fristversäumnis. W. verlangre nun von der Stadt Berlin die für 1916 zuviel gezahlten Steuern durck Eingabe zurück Mit Stimmenglsichheft wurde Uebergana zur Tagesordnung beschlossen, da Berlin zuerst veranlagt habe und tncht für die Entscheidung des Bezirksausschusses in Sachen der Gemeinde Neu-Ruvpin einzutreten habe. W. mutzte also au beiden Orten Steuern zahlen. Ein anderer Fall. Der Rechnungsrat G. ist Abteilungsleiter in einem Militärbureau. Die Militärverwaltung wurde von der Stadr Berlin für ein Gebäude mit 895,96 M. zur Grundsteuer für das Jahr 1918 veranlagt. In dem EinspruckSschreiben wurde von der Militärbehörde die Veranlagung sfir 1912 angefochten, ans einem Versehen nicht aber die für 1913. Die Stadt zahlte für 1912 die Steuern zurück. G. wird nun von der Militärbehörde in An- spruch genommen, um die zu Unrecht gezahlte Steuer zu decken. Durch die Eingabe ersucht der Gesuchsteller, die Stadt möge ihm 'den Betrag zurückerstatten. Auch dieses Gesuch wurde durch U ebergang zur Tagesordnung erledigt, da man der Meinung war, datz G. stch um Erlaß der Summe an seine vorgesetzte Behörde wendcn möge. An beiden Beispielen können unsere Leser sehen, wclck weit- ttiycnbe Aiboutnng unter Umständen die Weglassung einer Jahres- zgllzl oder«in nicht richtig formulierter Antrag haben kann. Spätsommer angesetzte Weiterbelieferung zn einer sehr Unerwünschten Hinausschiebung nötigen würde. Die Nachricht, datz es Kohlen« Händler gibt, die überfüllte Lager haben und ihre Ware nicht los werden können, wird bei allen Verbrauchern, die bisher vergeblich aus Lieferung ihrer Kohlen gewartet haben erstauntes Kopsjchütteln; bewirken. Wir wollen nur hoffen, datz es der Kohlenstclle gelingt, i durchzusetzen, datz auch die Lager der noch nicht belieferten Händler I stch baldigst füllen. Dann wird auch die Mahnung, die Koblen! abzunehmen, von allen Verbrauchern befolgt werden können. Wir, bezweifeln immer noch, datz e» einer solchen Mahnung überhaupt bedarf._ Ter Beruf deS WshlfuhrtSpflegers. Ans der 16. Konferenz der Zentralstelle für V e I k S- Wohlfahrt wurde am zweiten Tag(14. Juni) über die Ans- ibildung von Beamten der Wohlfahrtspflege" der- � handelt. Prof. Klumker- Frankfurt a. M., der über die Ausbildung der männlichen Beamten zu referieren Hatte, lehnte für die Arbeit der Wohlfahrtspflege die Unterscheidung zwischen männ- lichen und weiblichen Beamten ab. Wichtiger als alle Ausbildung sei die Auswahl der geeigneten Personen, bei denen die selbst- lose Hingabean die Arbeit selber, die Grundlage jede? Bernfes, der nicht bloßer Erwerb ist, sich findet. Das könne man nicht lernen und durch keine Ausbildung erwerben, das müsse man mitbringen. Es sei zu beklagen, daß wir überhaupt an einer all- gemeinen„Verschulung" leiden, datz der Mensch nicht seinem Kön- nen, sondern noch seiner Schulbildung geschätzt wird. Nötig sei für die Beamten der Wohlfahrtspflege, datz sie ans dein Leben heraus genommen werden und in der Wohlfahrtspflege von der Pike an dienen, aber man müsse ihnen natürlich auch eine gewisse theoretische Ausbildung geben. Auf die praktische Mitarbeit und die freie Bewegung in ihr legte Klumker das Hauptgewicht. Dr. Alice Solomon- Berlin ging in ihrem Referat Über die Ausbildung der weiblichen Beamten davon ans, datz die Ausbildung der Wohlfahrtspflegebeamte» keineswegs für Mann und Frau in gleicher Weise verlaufen dürfe und könpe. Die Frau, die durch die Ueberlieferung der Jahrtausende auf einen bestimm- ten Wirkungskreis hingewiesen wurde, habe auch in der Wohlfahrts- Nicht eine einzige Kohle hatte bis gestern Abend ein Kohlenhändler erhalten, der unS die Wirkung der an die Verbraucher gerichteten amtlichen Aufforderung zur schleunigen Abnabnie ihrer Kohlen schildert. Mehr als 366 Kun- den sind bei ihm in die Liste eingetragen, aber natürlich hat er!ve- yen völligen Mangels«n Kohlen noch nicht einen dieser vielen Kun- 'den beliefern können. Die Durchführung der Bcvorratungspolitik, dw angeblick durch Lässigkeit der Kunden geschädigt wird, hat für ihn uns feine gesamte Kundschaft noch gar nicht beginnen können. Bisher hatte er die schon nngduldig gewordenen Frauen immer wie- 'der zu beruhigen vermocht, aber als die Bekanntmachung der Kohlen- stelle kam, da gab es kein Halten mehr und er erlebte einen wahren Gturm� auf sein Geschäft._Mit Recht fragt er, warum nicht die Kohlenstclle sich über den Stand der bisherigen Belieferung ein bißchen unterrichtet hat, che sie ihren Mahnruf erließ. Der Gc- danke, daß die Bevorratungsvolitik in der Äohlcnversorgung an der Gleichgültigkeit der Verbraucker scheitern könnte, ist nicht übel. Tie kleinen Verbraucher baten so unter dem Kohlenmangel zu leiden gehabt, datz sie wahrhaftig nicht genötigt zu werden brauchen, ihr hitzchen Feuerung abzunehmen— wenn sie da ist. Datz die Zahl der Kleinhändler, die bisher ohne Kohlen ge- blieben sind und daber ihre Kunden nickt beliefern konnten,"in Berlin gar nickt so gering ist, halten wir für sehr wahrsckcinlick. Ein Leier teilt unS mit, sein Händler habe sick damit entickuldigt, daß ihm Kohlen zum letzleninal im April(!) geliefert worden ieien. 14 Tage vor Pfingsten habe der Händler die Nachtickt erhalten, datz die Grube eine Sendung an ihn habe abgeben lassen, aber jetzt nacksechSWockcn sei er immer nock nickt in den Oesiy seiner Kohlen gelangt. Wir können nicht nach- prüfen, wie weit diese Angaben des Händlers zutreffen, aber glaub- baft scheinen sie unS. Für die Kmideii eines solchen Händlers könneil jetzt, wo cS eine Kundenliste gibt und jeder an einen be- stimmten Händler gebunden ist. die Folgen der 7klchrbcliescrung lehr böie sein. Wer lein Gas hat, weiß nickt, wie er lein Esten locken soll, da er ja bei anderen Händlern keine owhlen erhält. Wie soll das erst iiu Winter werden, wenn da ähnliche Mängel der Belieferung vorkommen I Was die Kohlcnstellc Grosz-Berlin dazu sagt. Die Kohlcnstelle hält daran fest, datz es dringend nötig sei, die Kohlenverbraucher immer wiederzur schleunigsten A b n a h m e i h r e r ft» h I e n zu ermahnen. In einer vo» ihr verannallclcn Bespreckung mit Vertretern der Presse wurde uns erklärt, Kohlen seien ,'chim in Menge nach Berlin und Vororten geliefert worden, und die Lager seien gesiillt, nichl nur bei Grotzbändlern, landern auch bei vielen Kleinhändlern.' Die Bevölkerung habe aber jetzt rn der wärmeren Jahreszeit bisher nickt in ausreickcndem Matze nach Kohlen verlangt, so datz man fürchten müsse, daß in den nächsten Monaten die weitere AuS- sübrung des BelieverungSplaneS sich aus kürzeren Zeitraum zusammen« drängen und dadurch ins Stocken geraten wird. Dap es andererseits auch Kleinhändler gibt, die nock leine Kohlen erhalten haben, wurde nicht bestritten, sondern unter Hinweis am die im .Borwäri«" pestern gcmackie Mitteilung als leider durchaus glaub- halt bezeichnet. Talcken Kohlenhändlern sei zu raten, datz sie sich schleuntgft«n die Kohlen stelle wenden, die dann Anordnungen treffen werde, auch ihnen die baldigste Belieferung zu sickern. Die Kohlenstelle glauöt. aufs bestimmteste erklären zu können, datz in Kürze sämtliche Kleinhändler betiesert sein werden und dann in der Loge sind, ihr« Kunden sämtlich zu beliefern. Wenn die Lieftrung lind Abnahme der Kohlen nicht bald erfolgt. entsteht die Lebwierigkeit, datz die Abwicklung der ganzen Be- eserunzsacbeit stch entsprechend verzögert, waS für die auf den pflege ihre besonderen und in derselben Richtung zu suchenden Aufgaben. Eine Konkurrenz der Geschlechter könne ans diesem Gebiet eigentlich gar nicht vorkommen, denn es handele sich da vielfach um Aufgaben, für die den Männern die natürlichen Organe, die mütterlichen Eigenschaften schien. Der Berus des Wohliahrts- Pflegers bedeute für die Frau etwas anderes als für den Mann: für ihn sei er e i n Berns neben anderen, siir sie aber der Beruf, der ihrem innersten Wesen entspricht. Rodnerin forderte s y st e- matischc Berufsschulung, wie sie in den sozialen Frauen- sckulen durch enge Verknüpftrug theoretischer Belehrung mit prak- tischcr Ausbildung geboten wird. Auch sie betonte die hohe Wichtig- keit der persönlichen Eignung zum Beruf des Wohlfahrtspilegers. Heber die Ausbildung auf dem Gebiet der Sozialhygiene sprach Beigeordneter Dr. K r a u t w i g- Köln. Zwischen sozialer Lage und Volkskrankheitcn besteht ein Zusammen- hang und eine Wechselwirkung, daher gehören soziale und hygie- nische Wohlfahrtsarbeit zusammen. Nach allen Erfolgen der Be- mühungen für die Volksgejnndheit hat der Krieg die Krankheiten und die Sterblichkeit wieder außerordentlich erhöht. Zur Arbeit in der Wohlfahrtspflege sind sozialbygicnisch durchgebildete Für- sorgerinnen nötig. Die Frau eignet sich besser als der Mann zu sozialhygienischer Fürsorgearbeit, weil diese sich auf Familie und Haushalt erftreckt. Krautwig forderte zur Ausbildung beson- dere Schulen, die den Schülerinnen auch Einführung in die Praxis gewähren. In der Erörterung Ivandte sich Prof. Stier-Somlo scharf gegen Klumker. Es sei grundfalsch, die Wichtigkeit der systematischen Ausbildung des WohlsahrtSbeamten zu bezweifeln. Für die Wohl- fahrtspslcgc brauche man Personen, die ihrer Ausgabe gewachsen sind. Vom Dilettantismus müsse man endlich loskommen, endlich einmal müsse ein anderer Typus des Wohlfahrtsbeamten geschaffen werden als der der junge n�M ä d ch e n, die eine flüch- tige Belehrung erhalten haben. Stier-Somlo hält sogar Hochschul- bildung für wünschenswert. Andere Redner und Rcdncrinnen er- klärten gleichfalls systematische Schulung siir nötig, aber die sozialen Frauenfchnlen für ausreichend. Zur Bekämpfung der Wohnnngsuot. Der Magistrat hat be- schloffen eine Vorlage an die Stadtverordneten- Versammlung zu richten, die die Belvilliguua von 5 Millionen Mark als Kriegsvorschutz zur Beschaffung von Materialien behufs Verwendung für die Hcrrichlung von leerstehenden Kleinwohnungen und für den II in b a u von leerstehende» Läsen und sonstigen Gewerberänmen zu Wohnungen beaniragl. Unabhängig von der Vorlage soll die Anerkenntnis der zu dem erwähnten Zweck gemachten Ausgaben als erstaitungsläbige Kriegs- wohlfabrtsauSgabcn beim Slaaw erwirkt und die Erstauung des Restes beim Reick beantragt werden.— Der Zuiammenschlutz der Grotz-Berliner Gemeinden zu einem Wohnungsverband Groß- Berlin soll weiter veriolgt werden. „Wo bleibt das Fleisch?" fragt ein Leser unseres Blattes, der seit langem sein Mittagsmahl läglick aus der B o l k s i p e i s u n g Lichtenbergs beziehr. Er versichert uns. datz er und seine Angehörigen selten mebr als ein Fai'erchen Fleisch in den Speisen finden. Die Familie nimmt täglich mindestens 6 Portionen und manchmal 7 Portionen und für jede Portion müssen möchentlich 4 Fleilckkartenabschnitte hingegeben werden, io Satz sie im ganzen 24—28 Fleilckkartenabschnitte opfert. DaS Familienoberhaupt wundert sich, Ivo all das Fleisch bleibt, daS für so biete Karlenabichnitt« zu liefern wäre. Wenn einer täglich nur eine einzelne Portion nimmt, kann tückiicker Zufall es fügen, datz der Pechvogel fast niemals Fleiick darin m sehen kriegt. Aber bei räglich 6—7 Portionen wird dock wohl niemand bcbaupten wollen, datz da dem Zuiall noch viel Spielraum gegeben sei. Der fleisckiuckende SpeisungSteil- »ehmer bezweifelt auch, datz so viel Fleisch, wenn eS in die Speisen bincingetan wurde, in ihnen verkocht sein könnte. Er stellt ja keine großen Ansprüche an die Volksipeming und begnügt sich mit ihren kargen Gcmüien. weil er meint, datz sür 56 Pf. nicht viel zu leisten ist.' Aber das geht ihm denn dock zu weit, datz er fast nur.fleisch. tose Tage" haben soll. Mindestens den Aniprnck glaubt er erbeben zu dürfen, datz man ihm liefert, Ivos nach Maßgabe der abgenommenen Karlenabschnitte ihm zukommt. Wir können ihm darm nur beistimme». Reklame-Wohltäter. Vom HauptarbeitS-Ausschutz der Luden« dorfs-Spende geht uns folgende Milleilung zu, die ein kenn- zeichnendes Lickt auf die in gewissen zahlungssähigen Kreisen Herr« schende.Opserfreudigkeil" wirft: Verschiedene Berliner Zeitungen bringen Notizen Übergroßere Spenden, die ihnen unmittelbar von den Spendern gemeldet werden. So dankbar wir die Bereitwilligkeil der betreffenden Zeitungen anerkennen, io besteht gegen dieses Verfahren doch das Bedenken, datz auf diese Weise bisweilen Notizen in die Zsiiungeir gelangen, die sich zur Veröffentlichung nicht eignen. Falls näm- lick eine Firma einen Betrag zeichnet, der im Verhältnis zu ihrer Leistungsfähigkeil sehr gering ist, so wirkt die Veröffentlichung auf gleichgestellte Firmen nickt anspornend, sondern hemmend. Außerdem kommt es vor, datz Firmen ihren Betrag teilen und jede einzelne Spende gesondert an die Zeitungen melden in der offenbaren Absicht, für sich Reklame zu machen. Von Fclddicben erschossen wurde gestern früh der berittene Gen» darmeriewachtmeistcr Gummelt aus Karlshorst. Auf dem Gelände in den Gemarkungen von Friedrichsfelde und Karlsborst treiben Felddiebe ihr Unwesen. Die Gendarmeriewachtmeister Gum« melt und Dubberke radelten dahr in der Nackt zu Freitag das Ge- lande ab und nahmen vier Felddiebe fest. Nachdem sie diese nach der Wache gebracht halten, fuhren sie noch einmal hinaus, die TreSckow-Allee hinunter nach Friedrichsfelde zu. Unter der Uebersnbrung der Kaulsdorfer Vororlbahn verließen sie die Räder, um im Verborgenen beobachten zu können. Gummelt nahm bald zwei Männer wahr, die aus der Richtung von Kaulsdorf herkamen und sich in der Nähe deS Bahndamms hielten. Gummelt wollte die Verdächtigen anhalten, ließ sie auf kurze Ent- fernung herankommen und rief ihnen dann ein Halt! zu. Jetzt eröffneten die beiden ein Revolverfeuer auf ihn, das ihn sofort tot nieder st reckte. Nun sprang auch Dubberke vor, um auf die Diebe zu schießen. Dieie hatten sich aber schon zur Fluckt gewandt und liefen den Bahndamm entlang nach Kaulsdorf zu. So oft der verfolgende Wachtmeister sich ihnen näherte, gaben sie Feuer auf ihn. An dem nächsten Bahnwärterhäuschen wandten sie sich nach Sadowa zn. um in dem Walde zu verschwinden. Die Diebe sind noch junge Männer, vermutlich Fahnenflüchtige. Lichtenberg. Marmeladenverkauf. Ohne Voranmeldung wird auf Ablchnitt 35 der gemeinsamen Lebensmittelkarte 1 Pfund Marmelade zum Preise von 92 Pf. abgegeben. Abschnitt Söll darf nickl beliefert werde t. Abschnitt 35 verliert seine Gültigkeit am 2. Juli._ Groß-Serttner partelnachrichten. Berlin III. In der gutbesuckten Generalversammlung gab der Vorsitzende Genosie Pohl einen kurzen Bericht vorn letzten Geschäftsjahr, auS dem hervorgeht, datz die Organisation immerhin gute Forlschritte gemacht hat. Trotzdem sei das Refuliar nickt so, wie es zu wünschen wäre. Leider hat sich auch ein Teil unserer früheren Mitglieder durch die Spaltung beiseite gestellt. Redner ist jedoch der Meinung, datz nach dem Friedensschlntz eine Besserung eintreten werde. Nach Erstattung des Kasjenberichis durch Genossen Fe Ismann wurden als Delegierte zum BezirlS- tag einstimmig gewählt: Genoffen Buckmann, Würst, Alfred Fröhlich, Borath und Genossin Schröder. Einstimmig wurden in den Vor- stand gewählt: 1. Vorsitzender Äug. Po dl, 2. Vorsitzender Karl Buchmann, 1. Schrrfljiibrer Alfred Fröhlich, 2. li-chrihführcr Alfred Krebs. Beisitzer St. Fritz, A l i j ch und Frau Martha Schröder. Revisoren Alexander Fröhlich, Aug. Radle und für den im Felde stehenden Genossen Brunhöter, Genosse Borath. Pretzkommission: Adolf Ritter und Aug. S ch m a h l. Sodann sprach Genosse Wilh. P f a n n k u ch über: Vier Jahre Weltkrieg. In der Disiujsion wünschte Genosse L i e s o n, datz wir der Regierung scharf enlgegenlrelen, jedoch die Kredite bewilligen sollten. Genosse H e i i m a n n ist der Meinung, datz bie ruisische Revolution sick nicht durchsetzen werde, deshalb war es ein Glück, datz Genosse Braun einen dicken Strich zwischen uns und Ruß- land gezogen hat. Die Parteileitung würde ihre Pflicht nicht tun, wenn sie ihre Massen jetzt ins Feuer schicken würde. Diese AuS- ftihrungen fanden lebhafte Zustimmung. Lankwitz. Sonntag, den 16. Juni, abends 7 Uhr, bei L. Dohn, Kaiscr-WUHelm-Str. 84: Mitgliederversammlung. Lichterfclde. In der jüngsten Mitgliederversammlung sprach Genosse Wenzel in großen Zügen über die letzten politischen Er- eigniffe und speziell den im Vordergründe des Interesses nehenden pailameiilanschen Kampf um das allgemeine und gleiche Wahlrecht in Preußen. Der Vortragende wies daraus hm.�daß auch die vierte Leiung leider keinen Zweifel lasse an dem Sieg der Wahl- rechtsfeinde über die Regierung und die Anhänger des allgenicuien Wahlrechts. Es sei daher höchste Ausgabe der Sozialdemokratie, eine endgültige Eiiri'chcidnng in dieser das ganze Volk bewegenden Angelegenheit sobald wie möglich berbeizuiühren.— Zur bevorstehenden Kreis- bezw. Bezirks-Geiieralversammliing wurden die Genossen Pints und Ramniinger gewählt Ans der Mitglieder- versammliiiig wurde noch auf die Säuglingspflege der Geitrud- Herwait-Krippe aufmerksam gemacht, die de» Müttern empfohlen werden könne. Die Kosten betragen 56 Pf. pro Tag. Serickitszeitung. Ein„typischer Fall von Notstand" oder der hungernde Riese. Jntcressanie Erörterungen über die Frage, ob e i n 2,26 Meter großer, kräftiger Mann, der die Kleinigkeit von SVj Zentnern wiegt, bei der ihm zugerviesenen Nahrungs- mittclmcnge dem Verhungern ausgesetzt ist, fanden in einer Ver- Handlung statt, welche das Schöffengericht Berlin-Mitte beschäftigte. Wegen Vergehens gegen die Fetikartenverordnung war der B a n k- d i r e k t o r s v. P. angeklagt.— Der Angeklagte wurde beschuldigt, seine Fettkarten nickt abgelieiert zu haben, obwohl er im Wege des Schleichhandels zwei Pfund Butter erworben hatte.— Das Er»' scheinen des Angeklagten im GerichtKsaal erregte einige Sensation, da er die außergewöhnliche Körpergröße von 2,26 Meter und einen dementsprechend;:» Umfang besitzt. In der Sache selbst gab v. P. das ihm zur Last gelegte Versahren offen zu und machte geltend, datz es ihm unmöglich sei, mit den ihm zugeteilten Lebensmittel» mengen seinen Hunger zu stillen. Von R.°A. Dr. Esch wurde ausgeführt, datz hier ein typischer Fall von Notstand im Sinne des§ 54 Str.G.B. vorliege, wie er chsrakteristischer gar nicht gedacht werden könne. Der Verteidiger beantragte die Ladung des Geh. Rats Prof. Fürbringe r. des Geb. Rats Prof. K ü 1 1 s, de? dirigierenden Arztes der Kgl. Eharite Dr. N c n d a n e r. deS Geh. Rats B o r ch« r d t. sowie des GerichtSarzteS und einer Reihe anderer Aerzte zum Beweise dafür, daß der Angeklagte nicht nur aus die ihm zugewiesenen Lebensmittel«»gewiesen sei. sondern, um nicht zu verhungern, gezwungen sei. zu Hamstern, zumal er auf Grund eines strengen ärztlichen Verbots weder Brot noch Kartoffel»oder sonstige stärkehaltige Nahrungs- mittel genießen dürfe. Auch die sogen Kranienernährung versage völlig, da der Angeklagte ein kleines Tütchen Grieß oder Graupe» bzw. H Liter Diilch erhalte, womit man allenfalls eine» Säugling zum Frühstück, ahcr nicht einen Niesen sattmachen könne. — DaZ Gericht lehnte den Äntrag auf Ladung der ärztlichen Sach- verständigen ab mit dem Hinweise, daß das Gesetz Ausnahmen eben nicht zulasse. Der Angeklagte, der sich über diese Ablehnung ent- rüstete, erklärte, daß er nun den Antrag stellen müsse, den Reichs- kanzler zu laden und ihn darüber zu vernehmen, daß er ebenfalls Ntit den zugewiesenen Lebens- Mitteln nicht auskam me und gezwungen sei, «hintenhcru in" zu kaufen. Tas Gericht ging hieraus nicht ein, sondern der Vorsitzende erklärte dem Angeklagten, wenn er Be- Weise dafür habe, daß der Reichskanzler hintenherum kaufe, so solle er ihn anzeigen.— In der Sache selbst stellte sich das Gericht auf den Standpunkt, daß A o t jt a n d nicht vorliege. Das Urteil lautete aus 6 0 Mark Geldstrafe.— Da der Angeklagte Berufung gegen das Urteil eingelegt hat, wird sich wahrscheinlich das Kammergericht letzten Endes mit dreser Frage zu beschäftigen haben. Der Raubmord an der Hausbesitzerin Fricdcnthal in der Mün- chencr Straße, der i. jetzt noch nicht seine gerichtliche Sühne gc- funden hat, bildete gesiern wiederum den Hintergrund zu einer Verhandlung, die vor dem Jugendgericht ain Amtsgericht Berlin- Schöneberg gegen die Lude Hildebrand und den Lehrling Erich Kahl stattfand. Die beiden waren seinerzeit zusammen mit den eigentlichen Täterinnen, der früheren Stenolypistin Agnes E l s l e c und dem Dienstmädchen Klara K l a s ch e w s k i. unter dem Verdacht der Teilnahme rerhasta worden, da in der Wohnung der Hildebrand der Aiordplan von ihnen gemeinsam besprochen worden war und Sachen der Ermordeten bei ihnen vorgefunden wurden. Sie wurden dann aber wieder aus der Haft entlassen und waren nun heute c.ußer wegen Hehlerei und Diebstahls wegen Vergehens gegen Z ILO Slr.G.B. angeklagt, weil sie von dem beab- sichtigten Raubmord der Behörde keine Anzeige erstattet hatten, als sie von ihm glaubhast Kenntnis erhalten hatten und seine Verhütung noch möglich war. Da beide Angeklagte ihre Schuld bezüglich dieses Punktes bestritten, war cS notwendig geworden, die beiden des Wiordes beschuldigten Mädchen persönlich als Zeuginnen zu ver- nehmen. Beide waren, von einem Kriminalbeamten vorgeführt, auch zur Stelle. Die Klaschewski konnte sich aus die Einzelheiten nicht mehr besinnen und gav im wesentlichen an, daß Kahl nur dabei war, als erst im allgemeinen von der Sache gesprochen wurde und der Mord noch nicht fest sondern.aus Sp ig" verabredet worden war. Auch die Elsler entlastet? den Kahl. Das Gericht kam daher hierin zu einer Freisprechung beider Angeklagten, und zwar auch schon aus dem Grunde weil es die Einsicht vor ihrer krimi- nellcn Strafbarkeit in diesem Punkte verneinte. Wegen der Hehlerei erkannte es auf je vier Wochen Gefängnis, die durch die Untersuchungshaft verbüßt angesehen wurden. MoiBiientea, öie verreWn, können öen-vorwärts" auf kürzere oöcr längere Zeit per ticeuzbanü nachgesanöt erhalten. flußer dem �bonnernentspreis sind für Deutschland und Gesterreich-Ungarn per tvsche$0 pfv nach dem fluslande 1,5d!U. Zu zahlen. Unsere Poftbezleher müssen die Uachsendung des-vorwärts" mindestens acht Tage vor der Ibreife bei ihrem zuständigen Postamt mit gleichzeitiger Zah- lung der Ueberweisungsgebühr beantragen. fine aller Welt. Eisenbahnunglück in Angsburg. München, 14. Juni. In Diedorf bei Augsburg stieß in der vergangenen Rocht um 2 Uhr ein Güwrzug aus den abgerissenen Teil eine? anderen Güterzuges, wobei der Packwagen zertrümmert und der Zugführer und zwei Soldaten, die a!S Be- . leilung militärischer Transporie mirfuhren, getötet wurden. Der Materialschaden ist berrächtlich. ?ußLnöveraMa!t!!NFSK. Arbeiter-Jiigendhcim, Lindcnitr. Sonntag, den 16., abends 8 Uhr: Bunter lirerarrjchcr Abend. Heimlffmmg 5 lltir.— Dienstag und Donnerstag: Spielen im Treptower Purk, Platz 6. Be- ginn 8 Uhr. Gruppe Süden. Freitag, den 23., abends 8 Uhr, im Jugendheim: Agitalionsocrsammlung. Ncserent: Gen. Fritz Weber. Arbeiter-Jngend Grost-Bcrlin. Sonnabend, den 22.: Beteiligung aller Gruppen. Orte und Abteilungen an der Soninvendseier des TouiistcnoereinS.Die Raturlreunde". Abfahrt ab Coariottenburg 7,35, 8,30 und 9,37 abends naw Pichclswerder. Beginn der Feier nachts lltV2 Ubr. Die Feier beucht.in Ziezitat one», Keiang und Bollstänzen usw. Es wird erwartet, dag sich alle Jugendlichen daran beteiligen. Prenzlauer Vorstadt. Mittwoch, den l9,: Gruppcnvcrsamm- lung.(W chtige Tagesordnung, Neuwahlen.) Jeden Montag:«Pielcii aus dem Falkplatz. Sclwiicbcrg. Nrb.lter- Jugend. Am Montag findet bei Obst, Mai lin-Lulher-Str. 69, die G r ü n d u n g s v e r s a m m i u n g des Vereins der Arbciter-Jugend Groß- Berlin statt. An- sang 8 Uhr. Alle Kollegen, Kolleginnen nebst Freunden und Freundinnen sind ein- gcladctt._ Fretreligtöle Gemeinde. Sonntag, den 16.. vormittais 9 Uhr Papvei-Allee 15,17; Ncnlölln, Jdealk.isino, Wetchselltr. 6; Oberichöne- weise, Wilheiminenholstr. 43 bei Pamp:.Freireligiöse Vorlesung�— I01/, Uhr Ktetne Franlsurter Str. 6: Vortrag von Herrn Dr. Paul K r r s ch c: Das Problem der Jugendehe. Gäste willkommeii. it II gemeine Kranken- und Tierdckaiic der /.'lerallarliciter. (V. a. G), Hamburg. Filiale Berlin 3. Mitgliederversammlung heule. abc'udS 8 Uhr. bei I. Kayser, Neiche'iberger Str. 154. Kandidat cn- ausslrllmig zur Gciirialveriaminlung.— Filiale Berlin 4. Heule, abends 8 Uhr: Mitgl. cdcrvcimminlung bei Heinrich. Große Franlsurter riro.ße 30. Tagesordnung: Kasscnb-nchl. Wabl der Srtsverwaltung. Ausstellung der Kandidalen zur Gcueralvcriammlmig und Verschiedenes. ETZSISQZASZtSZcKM ß. W r haben aus der Au lösung eines Hotels zu verkaufen; Ca. 60 Schlaf- W /.immer, Bellen, Rui.ebetten, Matratzen, Schränke, Waschtische, Stühle, Dekorationen, Ruhebetldecken, Teppiche, Bilder, Beleuchtungen, Gastwirtstische usw. Der Verkauf findet Schützenstraße 60,'"ÄÄ" S's> bis.lani statt— werktäglich von 9 bi«<» lllir. Die Bezahlung hat sofort zu erfolgen und sind die Sachen selbst abzuholen. (xrnndstsick'scrnrcrb- und Venviiltung; Akt.-Gcs. f.«'w-4-6 1? r/T P*1- �:|i l r�r SeidenSKostümcu seid. Mdnlel In nzrvorrcQander Auslührun-j— Imprägnierte Seidenmäntel m neuen• iegai>| c' 1(\ 1 G �_ Wn Können.*. i* v»£ � O«\t5V. 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VV5»b« Str. u. NUmasESines Ltdon toeKeaStadttoSsaJ j BäHaI OfläTCakgei, A ae m.-om.r. 45. 4 � � �'-ü j ß..-C. Alt WoaliU! < 1 � rr o n- rr Tir w s k enea«�� *■8* 2». rteka| pri„;0n-Al!o«. i" PonRn m!i! 91 Alt Moaktt ckT5�S«7nw�?inrWer5E>! � SKlü-filW.Zl::«ns« CrBTSiSs. ätrömBW Si.--- j 1 Altestat and M»ss!et »äfilwaaa.P.JIftüerat.iab.E.Reejt f."?»iilehalptschattlloher �"Träte, lletzet.. PefäWar. n ► y««ter,ErR�Ä Jeder lein cig. Salllcr u. Schulte!. . le nädl Steppstiche wie die Ma- chine. Man lann Schub Gcichürc, Pferde« u Wagcndeii. Süßtet, Treib- licinen. Schul- rarzcn, Ter- niftcr. Reise- laschen, Segel- luch, sowie olles nur dcnlbare .'cderzeug ielbst sticke». A cht zu verwechjeln mit niidercu min- dcrwcrt. Fabri- latcn. Preis p. Stück mit 3 ocrichiedencn Nadeln it.* c n Faden M.�'GU» 2 Stck. M.8.S0 ß 4 Stck.nur lii.- i versendet unter Nach» ; Porto it. Verpackung frei. ,.m-Z Feld nur gegen Vor. j einsendung des Betrages. i lipill'!! 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Selbst in den Stadtwohnungen, fern von Wald und Feld, pflegte er Einzug zu halten! blühende Pflanzen grützlen von den Fensterbänken in die Ströhen herab; bunte Sträuße und immergrüne Pflanzen trugen Sommerdust in die Zimmer. Aber schauen wir uns jetzt um? Kriegsnot blickt uns auch hier entgegen; nicht viele siiids, die Geld übrig haben, sich neben dem Notwendigen und Nützlichen, das Nngenehme zu verschaffen. Kabl sind die sonst blumengeschmücklen Fensterbänke und der Blumentisch zeigt manche Lücke. Wie schmerzlich vermissen wir alle die leuch- tenden Geranien, das immerblühende fleißige Lieschen m>t den atlasglänzenden Blüien, die TradcScanlia, die eine dunkle Ecke freundlich machte, und all die Pflanzen, die un« ein bißchen Sommer» duft in die Stadlwohnung zauderten und uns halfen, das Leven fern von Wald und Wisse elwaS leichter zu ertragen. Aber nur geirost; Ihr sollt doch Eure Stuben schmücken können. Liebe und Sorgtalt, ein bißchen Arbeit und Verständnis sino vonnöten, und wer hätte die nicht für alles, was da grünt und blüht? Ein Geranien- oser richtiger Pclargonienstock ist uns gewiß vom letzten Jahr geblieben, vielleicht auch eine alte Fuchfienpflanze; die holen wir samt der kahlgewordenen TradeScantia herbei, ebenso wie das fleißige Lieschen, das uns den ganzen Winter mit seinen Blüten erfreute Sie alle können wir durch Stecklinge vermehren. Kritisch sehen ivir uns die Pflanzen an. Einjährige Triebe brauchen wir, die leicht verbolzt sind. Mit einem scharfen Messer schneiden wir sie in ungefähr 10 Zentimeter Länge dicht unter einem Blatte a\ Das unterste Blair wird eingekürzt. so daß nur noch ein kleines! Stück Stiel stehen bleibt! Blüten und Blüteniiioipen werden sorg- sältig entfernt. Jeyt haben wir den Steckling; wie wird ein selb- ständiges Pflänzchen daraus? Die Pflanze ist ein Lebewesen; um zu bestehen, müssen alle ihre Bcdüriiiisse, die nach Licht und Lust, nach Wärme und Nähr- stofsen befriedigt werden. Ihre Hanpinahrung nimmt dre Pflanze aus dem Bode», desbaib ist die Erde, in der jahrelang Pflanzen gestanden baben, ausgesogen, die können wir nicht brauchen. Gute Garten- oder Walderde mischen wir mit Sand; solche Mischung ist nahil-ast und auch locker genug, so daß die zarten Wurzelchen, die sich bilden sollen, keinen zu großen Widerstand finden. Alle Teile der Pflanze, die ober- lind die unterirdischen brauchen Luft, deshalb reinigen wir den Topfichcrben gründlich mit Bürste und heißem Wasser; durch die frei- gowordeilen Poren kann die Lust leicht eindringen. Jetzt haben wir d-e gutqemi'chle Erde, den sauberen, inögltckst kleinen Tops und den Sieckling. Raick noch ein paar Scherben über die untere Topf- ösfnnng, damit das überschüssige Gießwafler abfließen kann, dann die Eide binein, die wir etwas festdrücken— ein kleiner Rand des Topfes bleibt frei— und nun ein etwa blcisti'tslaikes, zugespitztes Hölzchen zur Hand. Damit machen ivir ein Loch; im kleinen Topf srncht mehr als 6 bis 7 Zentimeter Durchmesser» eins in die Mine, im größeren mehrere, eiwa 2 Zemimeier vom Rand eimernt und stecken dann die Stecklinge bis über die erste Blattachscl binein. Mit Daumen und Zeigefinger drücken wir die Erde um den Steckling fest. Damit er die in der mütterlichen Erde mbenden Nährstoffe aiifnebnien kann, begießen wir ihn; denn nur gelöste Nädrsiosfe kann die Pflanze brauchen. An einem stillen Plätzchen, m den eisten Tagen geschützt vor allzuviel Licht und grellei Sonne, regelmäßig begossen, führt der tleine Steckling ein stilles Darein bis der Tag kommt, an dem uns das erste neu- gebildeie Blatt verkündet, daß au» dem hilf ölen Pflanzsnteil eine selbständige Pflanze geworden ist. Ein Weilchen lassen wir rhr noch Zeit, Wurzeln zu bilden. Dann ist»hr da? Hau» zu eng geworden und unier möglichster Schonung des Wurzelballens wird sie rn einen größeren Topf verpflanzt, damit sie reichlich Nahrung schöpfen kann zu weiterem Wachsen und Blühen. WaS ist aber in der dunklen Erde vor sich gegangen? durch welches Wunder ist aus dem Stengelstück eine lebensfähige Pflanze geworden? Das können wir am besten an einem Sieckling des fleißigen Lieschens beobachten, den wir nicht in die Erde senken, sondern in em GlaS mit Wasser stellen. Schon nach wenigen Tagen ist die Schnittwunde vernarbt; ähnlich wie sich bei uns eine Wunde mit Schorf verschließt, bat sich auch bei der Pflanze ein Wimd- gewebe gebildet. Neue Zellen sind entstanden aus dem Kambium, einem Zellgelvcbe, das die Ausgabe hat, durch Teilung neue Zellen zu bilden. Durchs Mistoskop ist die Kambiumschicht als seiner Ring im Stengeldurchschnitl zu sehen. Nicht nur das Wundpolster, auch kleine Wurzeln entstehen und sprossen aus Stengel und Wund- gewebe hervor. Nun ist die Nahrungsausnohnie und damit die Lebensiähigkcit der Pflanze gesichert. Wir lassen die Wurzelchen noch ein Weilchen wachsen und dann setzen wir die Pflanze in die Erde. �Gar baid wird sie uns durch fleißiges Blühen erfreuen. Von den Blattgewächsen wird die TradeScantia auch durch Stecklinge, von denen wir eine ganze Anzahl in einen Steckscherben letzen, vermehrt. Besonders interessant aber ist die Vermehrung der Blattbegonic, mich Schiefblatt genannt. Wir suchen uns ein geiundes, kräftiges Blatt aus. An seiner llntersette sehen wir ganz deutlich die Adern; an der Stelle, wo sie sich verzweigen, machen wir niil dein Meiler einen scharfen Schnitt. Das Blatt wird dann mit der Unlericile ans sandige Erde gelegt und trat ein paar Hölzchen sestgestcckt, so daß Blatt und Erde sich überoll berühren, Da ei» Schieiblat: meist reckt groß ist, kann man statt des Topfes ein Zigarrenkistchen, in dessen Boden einige Löcher gebohrt sind, nehmen. Das Kistchen wird mir einer Glasscheibe zugedeckt.— für einen Topf nimmt man am besten eine Glasglocke,— um das empfindliche Blatt zu schützen. Im übrigen wird es wie die Siecklinge behandelt, also begossen oder besser gespritzt. Aus den Wunvstellen bilden sich auch hier Wurzeln und je nach Anzahl der Schnitte ae- Winnen wir aus einem Blatt mehr oder weniger Pflänzchen, Die Bcwurzclung dauert ziemlich lange, oft icchs bis sieben Wochen, Zeigen sich während dieser Zeit Faulstellcn am Blatt, so müssen sie sorgfältig weggeschnitten werden. Sind die jungen Pflanzen etwas gekräftigt, so werden sie einzeln in Töpie gepflanzt und an warmem, halbschailigem Fem'lerplny weiter gepflegt. Liebe zu den Pflanzen und sorgsame Pflege läßt die Heranzucht von Stecklingen leicht gelingen. Doppelt groß ist die Freude über die geschmückte Fensterbank und den wohlgeiüllten Blumentiich, wenn dic Hausfrmr dem bewimderiideii Besucher stolz erzählen kann:»das habe ich mir alles selbst herangezogen*. Hamburger Feuerwehr gelöscht, und am 2. Dezember 1910 gelang e», die Quelle abzuschließen, die nach wie vor einen Druck von 30 bis 40 Atmoshären hatte. Da daS GaS zu 91 Proz. aus Methan, dem Gruben- oder Sumpfgaö, bestand, das ein ausgezeichne'.es Brennmaterial darstellt, so ging der hamburgische Staat daran, die Quelle für die Gasversorgung Hamburgs nutzbar zu machen, ein Unternehmen, das von vollem Erfolge begleitet war und einen Ge- samtgewiim von annähernd 15 Millionen Mark erbracht hat. Nun ist die Quelle, deren Druck schon seit länger als Jahrcafrist stark nachgelassen hatte, völlig verwiegt, im Gegensatz zu den berühmten Erdgasguellen am Kaspischen Meer und in Amerika, nnr denen man seil Jahrzehnten ganze Städte, wie z. B. Pttlsburg, beleuchtet. Das Enöe öxr �rSgasquelle von Neuen�omme. Die nach einer Mnreilung der Hamburger Gaswerke versiegle Erdgasguelle zu Neuengamine war das erste derartige Natur- ereignis, das auf deutschem Boden vorgekommen ist. Man erinnert sich, daß das Anbohren dieser unierirdischen Gasquelle seinerzeit eine gewaltige Auslegung hervorriefe Eine wahre Völkerwanderung ergoß sich nach dem Dörscken Neuengamme in den hamburgischcn Vicrlanden, wo man bei Bohrversuchen nach Master ganz unerwartet ans die Gasquelle gestoßen war. ES war am 3. November 1910, als die am Bohrturm beschälligten Arbeiter in der Tiefe, die 247 Meier erreicht hatte, ein Gurgeln und Slöhnen, Saufen und Brausen hörten. Vorsichtig wurde weitergebohrt. Da plötzlich wurden mit gewaliiger Kraft Schlamm und Wastermasten emporgcschleudert, und man glaubte, das gesuchte Wnster gefunden zn haben. Aber die Gewalt der beraussprudelnden Masten wurde immer stärker, so daß die Arbeilen völlig eingeslelU werden mußten. Schließlich strömte nur noch Gas, und zwar mit ungeheurer Kraft aus. Sein Druck war so stark, daß binnen 20 Minuten ein dickes Brett durchgeblasen war. Starke Hölzer von 15 Zentimeter Durchmesser wurden weg- geschleudert. Plötzlich, um 5 Uhr nachmittags, stand alles in hellen Flammen. Der Kopf e'.neS der Schläuche hatte an Stahlstangen jedenfalls Funken geschlagen, die da? Gas entzündeten. Aus dem Bohrkopf schonen drei Flammen heraus, eine nach oben, zwei längere »ach beiden Seilen, so daß man den Eindruck eines nesenhaslen Flaiiimciikrcuzes halte. Ein ungebeures Brüllen. Pfeifen, Donnern und Gurgeln er- füllte die Luit, und das Geiöse der im Herbstwind knatternden Rieienflammen war so ungeheuer, daß e« noch in fünf Kilometer Enrserming das Rattern der fahrenden Eisenbahnzüge übertönte. Die Großarligkeit des NaturschauipiekS führte zu einem Andrang von Schaulustigen, der beiipielloö war. Allein am Bußtage vcr- kehrten auf der von Haniburg dorthin führenden Strecke hundert Extrazüge; aber die von der Eisenbahn und den Doiiipischlffen beförderten Menschenmassen waren noch un- bedeutend gegenüber den Scharen, die in Fuhrwerken aller Art und zu Fuß an die Stätte deS Schauspiels strömien. Nachdem die Flamme drei Wochen gebrannt halte und der Znsirom Ncligiertger im Verebben ivar, wurde sie durch die Warum tragen sich so viele SaKeunfälle Zu! Unter den zahlreichen Menschen, die alljährlich beim Baden um- kommen, befinden sich nicht selten schwimmliindige kräftige Kinder und ganz gesunde junge Leute, für deren plötzliches Ertrinken häufig keine andere Erklärung gesunden werden kann, als daß sie Krämpfe bekommen haben oder von einem Herzschlag getroffen worden seien. Indes ist e» bei etwas Ueberlegung doch recht sonderbar, daß alle diese jungen Menschen plötzlich einen Schlagfluß bekommen haben sollen, und auch Krämpfe pflegen sich im allgemeinen mir bei besonders dafür veranlagten Personen einzustellen. Die Ursache vieler dieser Unfälle liegt nach der Ansicht ernes dänischen Arztes auf ganz anderem Gebiete. Die beruhen ganz einfach daiauf, daß die Badenden Wasser in die Luftröhre bekommen. Sobald sich ein Schwimmer, auch wenn er ziemlich sicher ist. im Waffer ver- schluckt, verliert er leicht die Herrschaft über sich selber, er macht nicht mehr die richtigest Bewegungen, sondern wird erregt und ver- wirrt. Während er versucht, Luft zu schnappen, bekommt er immer mebr Wasser in die Kehle, und schließlich vermag er sich nicht mehr zu helfen und geht unier. Man sollte deswegen beim Baden und Schwimmen alles Wasserschlucken nach Möglichkeit zu vermeiden suchen. Es kann schon verhängnisvoll werden, beim Schwimmen zu sprechen und zu lachen. Ein einziger Tropfen Wasser, der sich in die.unrechte Kehle" verirrt, kann das Unheil herbeiführen. Man halte deshalb den Mund möglichst fest geschlossen, während man schwimmt, und treibe dabei keinen Unsinn, sondern betrachte das Schwimmen als eine methodisch und mit Vernunft zu betreibende Körperübung._ Notizen. — Die„oberflächliche Kritik*. Im preußischen Abgeordnetenhause hat der zentral Herr Heß die Berliner Musikkritik als oberflächlich bezeichnet. Dieser Ausdruck hat den Schutzvcrband Deutscher Schriftsteller und den Verband der Berliner Theater- kritiker in Harnisch gebracht. Sic machen von ihrem guten Recht, dagegen zu protestieren, Gebrauch. Aber, um auf die Sache zu kommen: wie kann zumal in dieser papierknappen Zeit die groß- städtische Presse, die diese unübersehbare Konzertflut zu bewältigen hat, so gründlich und tiefdringend sein, wie es die Kritiker vielleicht selber wünschen würden. Im übrigen verliert dielleicht der An- noncenteil, aber keineswegs die Menschheit, wenn nicht alle Musik- erschcinungen gewürdigt werden. — DieUrraineals Zuckerland. In der Ukraine sind vor Ausbruch des Krieges 205 Zuckerfabriken in Betrieb gewesen gegen 49 in Polen und 42 im übrigen Rußland. Der Rübenanbau in den genannten Gebieten betrug 024 100 bzw. 70 800 und 147 700 Hektar. Das Verhältnis stellte sich also, wie die jetzt unier dem Namen„Südost* erscheinende„Valkanrevue* bemerkt, für die Ukraine auf 74,1 Proz., für Polen auf 8,4 Proz. und für das übrige Rußland auf 17,5 Proz. Die Ackererlräge blieben bisher hinler den deutschen fast um die Hälfte zurück. Es kann aber keinem Zweifel unterliegen, daß der gute Boden der Ukraine bei tüchtiger Bewirt- schaftung viel größere Rübenernten bringen kann als bisher. — Die Straßenbahn als Leichenwagen. Der Gedanke, die elektrische Straßenbahn als Leichenwagen zu benutzen, ist an sich ganz gul, zumal da. wo Gespanne knapp sind, und wenn ein würdig ausgestatteter, seinem Zwecke angepaßter Sonderwagen dazu dient, whd niemand daran Anstoß nehmen. In Gotenburg hat man diesen Gedanken verwirklicht; vor wenigen Tage» ist dorr zum erstenmal ein Toter durch die elektrische Straßenbahn zur letzten Ruhestätte geführt worden. Die öffentliche Meinung hat Einspruch gegen die Straßenbahn als Leichenwagen erhoben, freilich nicht gegen die Einrichtung an sich, sondern nur gegen die Art der Aus- führung. U] Loöz. Das gelobte LanS. Roman von W. St. R e y m o n t. „Ich antivorte dasselbe: ausgezeichnet, himmlisch, oder: himmlisch, ausgezeichnet." „Die spielen gut, was?" „Ja, wie Amateure halt. Ich dachte, Sie würden mrch spielen?" „Ich wollte so gern, aber es hat mich niemand drum ge- beten," sagte sie aufrichtig und sehr betrübt. „Mail dachte wohl daran, aber man wollte eine Absage nicht"riskieren. Uebrigens ist es so schwer, bei Ihnen emp- fangen zu iverden, wie bei Hof geradezu." „Das habe ich Fräulein Mada auch schon gesagt,* warf Störch ein. „Das ist Ihre Schuld. Sie Verkehren doch bei unS, Sie hätten es mir sagen können." „Ich hatte keine Zeit und hab's auch vergessen,* ent- schuldigte er sich offen. Sie schwiegen. Störch hustete verlegen, beugte sich manchmal vor, um etwas zu sagen, lehnte sich aber wieder zurück, als ersah, daß Borowiecki qelangweilt seine Blicke im Theater heruwschweifen ließ und Mada eigentümlich verwirrt war. Sie wollte verschiedenes fragen und erzählen, konnte aber jetzt, wo Borowiccki neben ihr faß und man sie beide aus allen Logen mit besonderem Interesse beobachtete, kein Wort über die Lippen bringen. Endlich fragte sie: „Treten Sie in unsere Firma ein?* „Leider habe ich Ihrem Herrn Bater absagen müssen.* „Und Papa rechnete so aus Sie." „Es tut mir selbst leid." „Ich dachte. Sie würden Donnerstag zu uns kommen. Ich habe eine Bitte an Sie." „Kann ich sie gleich hören." Er beugte sich zu ihr herab und schaute in die Loge Zuckers hinauf. Lucy fächelte sich eifrig und zankte sich mahf. scheinlich hinter dem Fächer mit ihrem Mann, der ab und zu die Weste zurechtzog und sich im Stuhl aufrichtete. »Ich wollte Sie bitten, mir ein paar polnische Bücher zu empfehlen. Ich habe es Papa schon gesagt. Er sagte, ich sei dumm, ich solle mich unis Haus und die Wirtschaft kümmern." „Ja. ja. Der Alte hat's gesagt." flüsterte Störch wieder und rückte seinen Stuhl etwas zurück, als ihm Borowiccki einen Blick zuwarf. „Wozu wollen Sie das wissen, was sollen Sie damit?" Borowieckis Frage klang hart. „Weil ich es wissen will," erwiderte sie resolut.„Ich will es, und bitte, mich zu informieren." „Ihr Bruder hat doch sicher in dem neuen PalaiS auch eine Bibliothek?" Sic lachte sehr herzlich und sehr still. „Warum finden Sic meine Annahme so lächerlich?* „Na, weil Wilhelm Bücher nicht ausstehen kann. Ein- mal ist er auf mich bös geworden und verbrannte mir, als ich mit Mama.in der Stadt war, alle meine Bücher.* „Ja, ja. Wilhelm mag keine Bücher, der Prachtkerl.* Borowiccki blickte Störch kühl an und sagte: «Also gut, morgen schicke ich Ihnen ein Verzeichnis.* „Und wenn es mir daran gelegen wäre, das Verzeichnis gleich zu bekommen, sofort?" „Dann werde ich Ihnen sofort ein paar Titel aufschreiben, den Rest morgen." „Sie sind ein braver Junge,* sagte sie lustig. Als sie aber sah, daß seine Lippen ein ironisches Lächeln umspielte, lvurde sie glühend rot. Er schrieb ihr die Titel auf eine Visitenkarte mit Wappen, verabschiedete sich und ging hinaus. Im Gang begegnete er dem alten Schaja Mcndelsohn, dein Lodzer Baumwollenkönig, den man kurz: Schaja nannte. Es war ein hoher, hagerer Jude mit einem langen, weißen Bart. Ein richtiger Patriarch. Er hatte einen langen, ge- wohnlichen Kaftan an, der um seine Fersen schlug. Stets war er dort, wo er vermuten konnte, daß auch Buchholz sein iviirde, sein gefährlichster Gegner im Königreich der Baum- wolle, der größte Lodzer Fabrikant und sein persönlicher Feind. Er kreuzte Borowiccki den Weg, der grüßend an ihm vorbei- gehen wollte. „Ich begrüße Sie. Ist Hermann heute nicht da? Warum? fragte er in einem scheußlichen Polnisch. �„Weiß nicht," erwiderte Borowiccki kurz. Er konnte Schaja nicht ausstehen, wie er im ganzen nichtjüdischen Lodz unbeliebt war. „Empfehle mich." warf Schaja trocken und verächtlich hin. Lorowiccki antwortete gar nichts, ging in den ersten Rang hinauf und trat in eine Loge ein. Moritz und Horn saßen i?ier in Gesellschaft vieler Damen. In der gesteckt vollen Loge ging es sehr lustig zu. „Bleiben Sie doch bei uns, das wird noch lustiger,* bat eine der Frauen in einem lila Kleid, mit einem lila Gesicht und lila Äugen. „Lustiger Wohl kaum, aber enger nun mal ganz sicher", rief Moritz. „Geh doch raus, dann gibt's gleich mehr Platz.* „Wenn ich zu MüllerS in die Loge gehen könnte, dann täte ich es gleich." „Das kann ich Dir vermitteln.* „Wissen Sie, Fränlein Maria, auf wieviel Fräulein Müller taxiert wird? Hunderttausend Rubel jährlich 1" „Starkes Mädel I Ich würde das Geschäft gleich an- packen", flüsterte Moritz. „Rücken Sie mal näher zu mir, ich erzähle Ihnen WaS", raunte die lila Dame Borowiccki zu und beugte sich so tief herüber, daß ihr dunkles, volles Haar Borowieckis Stirn be- rührte. Den Fächer vorhaltend, slüsterte sie ihm leise etwas ins Ohr. „Verschwört Euch nicht!* rief die Aelteste in der Loge, eine schöne Vierzigjährige im Barockstil, mit einem blendenden Teint, ganz lveißem, üppigem Haar und pechschwarzen Augen und Brauen. Sie sah majestätisch und gebieterisch auS und hatte den Vorsitz in der Loge. „Frau Stephanie erzählte mir interessante Details über die neue Baronin." „Na, vor allen würde sie es nicht wiederholen," sagte die Barockdams. „Fräulein Mada Müller geruht, uns durchs Opernglas zu beobachten, da!" „Sie sieht heute aus wie ein junges, fettes, abgerupftes und in Petersilie eingewickeltes Gänschen." »Frau Stephanie macht heute die Bissige," flüsterte Horn. „Und die da, Fräulein Schaja, einen ganzen Juwelier- laden hat sie um." „Sie kann sich zwei Jnwclierläden leisten'" warf Moritz ein, setzte den Kneifer auf und schaute herab zu der Mendel- sohnschen Loge, wo neben dem Vater die älteste Tochter protzig aufgedonnert saß und neben ihr noch ein ganz anderes junges Mädchen. „Welche von ihnen hinkt?" „Rosa, die links, die rote." „Gestern war sie bei mir im Laden. Durchstöbert hat sie alles und nichts gekauft. Ich habe sie mir aber genau angeschaut, sie ist ganz häßlich," sprach Frau Stephanie. „�ie ist prachtvoll, sie ist ein Engel. Wie heißt Engel, vier Engel ist sie, fünfzehn Engel," schrie Moritz, den alten Schaja nachäffend. „Auf Wiedersehen, meine Damen. Moritz, komm. Herr Horn bleibt bei de» Damen.".(Forts, folgt.) veutscher nietaIiarb«Ucr- Uerband. VerwaltuifMtell« Berlin. STachriif«. ScnSKltgl'.ekew zur N»ch- j ncht, bajj unfec fteCrjt,»et Schlosser Hans Dreyer nm 1. Juni«» V«n|fn-J leiden gc|lotbtu ist. «ic««chtroßS-vekUniikmechung be! OberlommanboZ in den M«r?en, betreffend vefchlagnabmc, Enteignung und Meldepflicht von Cinrichtunii?ee,eni!ändcn bezw. freiwillige Ablieferung nuch !>,»»«deren Sezenständen nuS Kupfer, Kupwrlegierungen, »>�el,«ickeilezierunzen, Siluminium und Zinn tritt mit dem Ii. Kum 15l« in Kraft. ...»i»»«IltSndige amtliche Bekae»li»«chm,g«rfolxt an de» I i«üchlitfitiel«»n» in der„?>oichdeutschei!>ll»eme!»en tieitn»«". j I. d. 1». II. Ang) Berli», �en Ii. Jrurt ISl«. I___.«er Palizeiprachdent. -BntWM. Den Mitgliedern ferner! zur Nachricht, dax unser � Ziollege, ker Kleinpuer pdilipp Lu! am 5. Juni an Herzschlag � geflorbeii i|t. Den Mitgliedern ferner I zur Nachricht.»atz unsere f Kollegin, die Arbeiterin Nartda I.ook j am 1. Sinti gcsurien ist. Den Miigdiedecn ssrucr Izur Ztachrichr, das! u«ser j Kollege, der Kestclfchmte» MatKias Ber� iam 6. Juni an 3?«uchiel� Entzündung gestorben ist. Den Mitgliedern ferner j l nir Nachricht, dag unser f Kollege, der Schlosser i IKeoliG,- Tremont| j am 8. Juni an Magen- 1 j leiden gestorben ist. Ehre ihrem Bndeuken! l t 18/10 Die Oetavervalwng. i -tjer»-.«lt»«g»ktr»e«erli». i 54.?j»te»straste 83-85. «eschtftSgeit»»«»—1 llhr u»»»»* i—l Uhr. Te.lepheu: Amt A�eu 1»5, 1SS9, ISST, 9714. Montag, de« IV. Suui 1,1«, adeud«» Ilhr, im Lokal da« Tand, Veusielstr«s»e S: zezlrlsiiirfomlm SN tt. ZeM TageS» r du ung: 1. xortNdhr»«« der«o«eZ,cdiiun«»er Bezirksder- sammlon,»»m 10. Juni d. I. 2.-Sezirls-,«erbands. anzelcgenheile»»nd verschieden«». Ohne MitaliedSbuch»ei« Zatritt l Zahlreiches und pJUimichc« Erscheinen wir» er»«,! ei. ll2/U__ Die OrtSvektoaltung. Duftige Blasen Wundervolle Kleider Gutsitzende Röcke TadelloseSeidenmänte! Mäntel und Kostüme kaait man ,reisirert«ic gut is sehr sv*£er Auswahl heim tllbekannte« Speaiaigeschäft W. Sernhard Kaslif. Berlin SW, Bcllc-Alliance-Straßc 115 u. 181. Es wirb gshti*». hsj» Elalwmi tm!pt«r*t«Rnihrini»«. SezogsQüGiisn-usrzsicüRü Ssrün-SOelen S Flsäisftfe-u. B iFiiOi*,Maa*.2l I IP�RWJi npKfaHpcHn p-��SBB£3niHB5»ro9DH*r3Z:4i r�r rTäef*«», Ä«M5war«ia yg M. i�«asä:9, Sü� r««n, an*rkaBKt fe�s'.: iC. Dittmanni Beränerstr. 42 rjWfld- Geflüf«!- Fische.?] Seldenkostflne Seid. G am mim Rn W. Impr. öeidenmaatftl. BlZiilS!J8!i35-U5rZ8iS&!i8 -V 6e!sses1i&■ iiJ L2ä l-iklktiiiL C, 450 usw. 1200, 1600 USW. fsutesie-Kostaise, Et oft n. Said»,. 225,—. SeideniSck«,,,, 65, 86 usw. 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