Ar. IM». M. Jahrg. BezugSpret«, «wcterMrt. Westlicher Kriegsschauplatz. Heeresgruppe Kronprinz Rupprecht. Rege ErkuiidnngstStigkctt führte an vielen Stellen der Front zu heftigen Jnfanterirgefechten. Südwestlich von UP er» und beiderseits der Somme lebte die Gefcchtstätigteit am Abend auf. Heeresgruppe Deutscher Kronprinz. Auf dem Kampffelde südwestlich von Noyon nahm die Ariillerictätigkeit am Abend an Stärle zu. ZwischenOurcq »ud Marne machten wir bei örtlichen Unternehmungen 12v Gefangene. Die Geschützbente a«S unserem Sorpoß zwischen Moni- didier und Noyon hat sich von ISO xnf«ehr als ZOO, dabei schwerstes Kaliber, erhöht. Die Leute an Maschinen- gewehren betrügt weit über 1000. Heeresgruppe Sallmttz. Zwischen M a a S und Mosel fügten wir den Amerikanern durch Borstoß beiderseits von X i v r a y Verluste zu und zerstörten Teile ihrer Stellungen. Heeresgruppe Herzog Albrecht. Trknndungsabteilungen holte» in den B o g e s e« und im S« n d g a u Gefangene aus französischen und amerikanischen Gräben._ Gester» wurden 8 feindliche Flugzeuge»nd 8 Fesselballone zum Absturz gebracht. �» Der Erste Generalauartiermeister. Ludendorff. Der österreichische Bericht. Wien, 17. Juni 1913. Amtlich wird»erlantbart: An der venezianischen GebirgSfront wurde gestern die Kampfrütigkeit durch Wetter und Nebel beträchtlich ein- geschränkt. Westlich der Brenta behaupteten alpcn- ländische Regimenter die tags zuvor erkämpften Gedirgsstellnngen gegen heftige Augriffe. Im Höhengelände dcS Montello schoben sich die Divisionen des FeldmarschalleutnantS Ludwig Goiginger kämpfend gegen Weste» vor, beiderseits derBah» Oderzo— Treviso scheiterte» starke italienische Gegenstöße. Die am Südflügel der Heeresgruppe Frldmarschall von Boroevicz vordringenden Streitkräfte des Generals der Infanterie von Csicserics entrissen dem Feinde westlich von Sa» Dona weiteren Boden und nahmen Capo Eile. Mit deutsch- österreichischen und ungarische» Mannschaften wetteifernd, legren hier tschechische und polnisch- ruthenische Bataillone durch ihr tapferes Berhalte» die Probe ab, daß dir seit Monate« täglich wiederkehrenden Versuche des FeindeS, sie z» Verrat und Schurkerei zu verleite», erfolglos ge- blieben sind. Für die Piavekämpfe vom 15. Juni verdient uutrr der über alles Lob erhabene» Infanterie das junge ober« ungarische Regiment 106 besondere Erwähnung. Wie immer haben unsere brave» Sappeure und unsere Schlacht-«nd Jagd- fiicger auch am Erfolge der letzte» Tage hervorragenden Auteil. Die Zahl der an der Südwestfront eingebrachten Gefangenen er» höhte sich auf 21000. Der Chef deL Generalstabes. mäßig tiefer im Preise steht, sodaß wir uns fortgesetzt in einem Kreis andauernder Preisaufwärt sbewegun- gen befinden. Wenn, wie von landwirtschaftlicher Seite be- hauptet wird, der Getreideanbau zurückgeht, so wird das Kriegs- ernährungsamt gar keine anderen Mittel zur Verfügung haben, als den Anbauzwang für Getreide durchzuführen. Denn die Gefahr, die durch eine besonders hohe Preisbegünsss- gung einiger Produkte entstehe» kann, ist nicht von der Hand zu weisen. Das bedenkliche der Maßnahmen ist vor allem die An- forderung, nunmehr auch die V i e h p r e i s e entsprechend den hohen Futtermittelprcisen zu erhöhen. Damit steht in enger Verbindung Heraufsetz ung der Milch- und Butter- preise. Die Schweinepreise werden bereits auf 130 M..Pro Zentner Lebendgewicht heraufgesetzt, ein Aufschlag von ungefähr 50 M., der wiederum begründet wird mit den enorm hohen Ferkelpreisen. Wenn auch diese Preiserhöhung im wesentlichen von der Militärverwaltung getragen wird, da an die Zivil- bevölkerung Schweinefleisch in diesem Jahr kaum abgegeben wird, abgesehen von den Hausschlachtungen, so wird diese Preis- erhöhung den Konsumenten direkt als Steuerzahler treffen. Es wäre sicherlich für den kleinen Landwirt viel besser gewesen, man hätte die Ferkelpreise durch Höchstpreise begrenzt und diesen wilden Spekulationen ein Ziel gesetzt. Dem Kricgsernährungsamt ist von den Vertretern der sozialdemokratischen Partei dargelegt worden, daß sie diese Preis- erhöhung für durchaus unberechtigt erachtet; selbst wenn es richtig wäre, daß der Getreidebau nur einen niäßigen Vorteil bietet, so bleibt zu befürchten, daß andere landwirtschaftliche Pro- dufte so enorm im Preise gestiegen sind, daß ein reichlicher Ausgleich gegeben ist. Die landwirtschastliche Produktion nur durch hohe Preise anreizen, wird unmöglich sein, denn viel wichtiger für die Landwirtschaft ist, daß genügend Ar- beitskräfte, Düngemittel, Saatgut zur Verfügung stehen. Politisch bedenklich in einer so ernsten Zeit ist die Matz- nähme schon deshalb, weil sie einer Jnteressentengruppe, die bisher im Krieg ein gutes Auskommen hatte, aufs neue ohne dringenden Anlaß die Gewinnquote erhöht. Wenn auch ein Teil der Mehrkosten vom Reich getragen wird, so wird das für die Bevölkerung keine vollständige Beruhigung bieten, noch weniger aber auch der Hinweis auf die Verhältnisse im Ausland die Berechtigung des Anspruchs begründen können, denn es kommt immer darauf an, ob unter den gegebenen Wirt- schaftlichen Verhältnissen diese Preiserhöhung berechtigt ist. Dieser Nachweis kann nicht geführt werden, es sei denn, man hält es für berechtigt, daß auch die Landwirtschaft� aus der Kriegskonjunktur ihren großen Nutzen zugewiesen erhält. die Soziattftenbesprechung im ffaag. Genosse Scheidemann als deutscher Vertreter. Amsterdam, 17. Juni. Wie der Korrespondent der Telegraphcn-Union erfährt, befindet sich der Reichstagsabgcord- nete Scheide mann seit 2 Tagen iu Holland. Er wird a« der Konferenz der sozialistischen Parteien der Mittelmächte teil- nehmen, die der Vorsitzende des Jnternatioualcu svzialistischeu Komitees, T r o r l st r a, nach dem Haag einbenifeu hat. Diese Meldung trifft zu. Es handelt sich um jene schon ge- meldete Vorbesprechung, an der von österreichischer Seite die Genossen S e i tz und Ellenbogen teilnehmen. Auf Grund der Ergebnisse dieser Zusammenkunft wird Genosse T r o e I st r a dann mit den Sozialisten der Entente in Fichlung treten. Vorschlag zur Zriedens- vermittelung. Haag, 17. Juni.(Eig. Drahtbericht des„Vorwärts".) Die holländischen Blätter veröffentlichen eine Erklärung der drei Parlameutsabgeorducte» Dresselhuys, Koole»«ud Rntgers über eine FriedeuSvermitteluug der holläu- dischen Regier»« g. Die Abgeordnete« glauben auS ErklSruuge» jeder der kriegführenden Parteien schließen zu dürfe«, daß jede zu einer Verständigung zum Frieden bereit ist, aber die Bereitschaft der Gegenpartei bezweifelt. Die Abgeordneten regen au, die niederländische Regierung solle die kriegführenden Regierungen fragen, ob ihre Voraussetzung richtig ist. Den Annalen des Weltkrieges ist manches Blatt ein- geheftet, das von den Hoffnungen der Völker aus eine entscheidend vermittelnde Aktion der neutralen Mächte in der Richtung zum Frieden zeugt. Der Pazifismus hat aber gerade in dieser Hoffnung die herbsten Enttäuschungen geerntet. Zum Teil hing dies Ergebnis zusammen mit einem Verkennen der Bedeutung der Neutralen im heutigen Gefüge der Staaten, ein Verkennen, das durch die Stellung der Vereinigten Staaten in der ersten langen Periode des Krieges gefördert wurde. Seit aber diefe große Macht den Neutralismus abwarf, selber Kriegsmacht wurde. eine wachsende Schar anderer außereuropäischer Neutral- 'tasten aus il>re>l Weg mitzwang und die europäischen Neutralen aufs ärgste wirtschaftlich bedrängte. hat das Maß jener Täuschungen entschieden abgenommen. Diese Klärung läßt heute besser als je lvissen, um loaS allein es sich bei der Arbeit der Friedensvermittclung, die von Neutralen geleistet werden kann, handelt. Gleichwohl ist das. was von deren Seite geschehen kann. nicht wenig. Wie überall, wo schwere Probleme zu lösen sind, hat auch hier die richtige Fragestellung viel zu bedeuten. Es kommt zugleich immer darauf an, den günstigen Augen- blick auszuspähen, der allseitig Antworten auf die gestellte Frage unumgänglich macht. Diesen Augenblick halten die drei holländischen Parlantentarier für gefonimen. Ueberschaut man die letzten Handlungen der Krieg- führenden, so erscheint freilich" ihre Auffassung der Lage reichlich optimistisch, aber die Frage, die sie für zeitgemäß halten, ist geschickt gestellt und könnte, ivenn die Voraussetzungen zutreffen, nützlich wirken. Ihre Aktion hat unsere vollste Sympathie, und gewiß ist, daß dieser Versuch, der Sache der Kultur aus blutigem WahnsinnSwirrial zur Vernunft des Friedens hinzu- helfen, in allen Völkern das Fühlen und Denken von Millionen auf seiner Seite finden wird. »? Loadon, 17. Juni. sNeuter.) Das Mitglied der Arbeiter- Partei, der Sekretär des Zlationalverbandes der Eisenbahner, Joseph H. T h o in as, erklärte in einer Rede in Edinburg, wenn es möglich sei, die militärischen durch diplomatische Anstrengungen zu ergänzen, so sollte das getan werden. Die Arbeiter ioünschten aber nicht, die Grundsätze des deutschen Militarismus gelten zu lassen. Die Arbeiter seien davon über- zeugt, daß England für eine gute Sache kämpfe und daß diese schließlich triumphieren werde. Thomas forderte die Zuhörer auf, 'ich zu vergegenwärtigen, daß durch die Entwicklung der Lustschiss- fahrt und der U-Booie die Schrecken des Krieges noch Zehnfach größer werden würden, und fragte zum Schluß: Was für Aussichten eröffnen sich uns, wenn es uns nicht gelingt, den rasenden Stier, der jetzt Amok läuft, zum Stehen zu bringe»? vre Schiacht in Italien. Der erste Kampftag. Wien, IS. Juni. Aus dem Kriegspressequartier wirb gr. meldet: Gestern früh hat nach mehrstündiger machtvoller Artillerie» vorbcrcituug der von der italienischen Presse mit erkennbarer Ner» vosität immer wieder angekündigte und von der italienischen Heeresleitung gewiß mit ebensolcher Spannung erwartete öfter- rcichisch-ungarischc Offensivstotz an der ganzen Südwcstfront ein- gesetzt. Bon der Piavcmündung bis zum Ortler, im llaguneugebiet und im von Weinreben durchzogenen Gelände ebensowohl wie im wildzcrklüftetcn GrbirgSland und in den Re- gionen ewigen Eises sind unsere Truppen an vielen Stellen in die Stellungen dcS Gegners eingedrungen und haben ihm Graben um Graben in erbittertem Ringen entj- rissen. Trob der infolge der letzten Rcgenperiode hochgehende«, mehr als kilometcrbreiten Piavc haben die Truppen des Generalobersten Freiberrn von Wurm und des Erzherzogs Josef an mehreren Stellen den ll ebergang unter dem Schutze der ausgezeichnet wirrenden Artillerie erzwungen. Die Truppen des General- obersten Jrcihcrrn von Wurm dabei, in breiter Front am West- ufer der P i n v e Fuss gefaßt, die Truppen des General. obersten Erzherzogs Josef haben sich in überraschendem Stos? in den Vesin von grosicn Teilen der kahlen dominierenden Höhen deS lang. gestreckten M o n t r ll o- R ü ck c n s gesetzt. Prächtiges Arbe,tcn der technischen Truppen hat unter dem machtvollen Feuer der der- einigten Pattericu unserer Infanterie zum Ncbcrgang und un Berci« mit dem UcbcrraschungSmoment trotz der schwierigsten Ge- lande- und Kampfvcrhältiiiffe zu vollem Erfolg verholfen. Auch an der Tiroler H o ck, g e b i r g s k r» n t hat der Gegner unserem ersten wuchtigen Anprall nicht standgehalten, Selbst das Heranziehen stärkerer Reserven und das schnelle Em- sreifen schon bereitgestellter Angriffötruppen konnte den Erfolg des Tages nicht ausgleichen. Trotz erbitterter Gegen- mi griffe von Italienern, Franzosen und Eng- ländcru vermochte der Feind nicht überall, unsc- rem Stoß standzuhalten, so daß im Osttcil der Hochslache der Sieben Gemeinden über zwei K i l o m t e r R a um nach vorn im schwierigsten Gebirgsgeländc gewonnen ist. Tie weiter folgenden Gegenangriffe der verbündeten Feinde scheiterte» „n der unerschlittcrlichen Abwehr des Berterdigers auch un Ab- > chnitt bei Riva. Tie Besitznatzmc des D-ss- Alto und im Adamellgebiet die Erstürmung des Corno di Cave nt o zeuge» von dem vrächtigcn Osfensivgeist unserer �upvcn.~.ie -fahl»an Iß 000 Gefangenen und zahlreichen erbeuteten Gefchützen zeigt den Enderfolg dieses ersten Kampftage?. Italienischer Bericht V o m 16. Juni. Seit gestern ist die aroßc Schlacht an unserer Front im Gange. Nach außerordentlich starker Artillerievorbereihmg begann der Feind unt heftigem Feuer aus einer großen Anzahl von Feuerschlünden die erwartete Offensive. Er warf ungeheure Jnfanteriemassen zum Angriff gegen unsere Stellungen im östlichen Abschnitt der Hochfläche von Schle- gen. in der Tiefe des Bren totales und am Monte Gra'ppa, versuchte au inehrcren Stellen mit Gewalt über die Piavc zu setzen und führte starke örtliche Demonstrationen an der übrigen Front aus. Unsere Infanterie und die Abteilungen unserer Artillerie hielten kaltblütig die Prüfung des Zcrstörungs- wuerl aus, unterstützt durch das Sperrfeuer ihrer eigenen Ar- allere, die geschickt der feindlichen Vorbereitung begegnet war, in- d-m sie sofort mit wirksamem VocbercitungSfeuer erwidert«, hielten sie tapfer dem Stoß des Feindes Stand. Im vorgeschobenen Ber- teidigungsraum auf einer Front von 150 Kilometer Breite, die mit größter Heftigkeit angegriffen wurde, besetzten die mäch- tigen feindlichen Sturmabteilungen im ersten Anlauf nur einige Stellungen der ersten Linie in der Gegend des Monte Val- bclla. im Gebiet des Asolone und am Vorsprung dcS Monte Solaro lo. Einigen Teilen der feindlichen Truppen gelang es, auf das rechte Piaveufer im Gebiet von N e r v e s a und in der Gegend von F a g a t e und M u s i l e überzusetzen. An dem- selben Tage setzten an der ganzen Front kräftige Gegenniigriffe ein, durch die es uns gelang, den sehr heftigen Druck des Feindes an- zuhalten und einen guten Teil der zeitweilig geräumten Stellungen wiederzuerobern. In einigen Stellungen hatten sich vereinzelte Abteilungen um jeden Preis gehalten. Der Kampf hielt mit un- verminderter Heftigkeit die Nacht an und setzt sich mit Erbitterung fort. Unsere Truppen halten die Front auf der Hochfläche von Sch legen fest. Wir haben unsere ursprünglichen Stel- lungen am Ä s o l o n e und am Vorsprung des Monte Sola- r o l o völlig wiederbesetzt und bedrängen die feindliche auf das rechte Piaveutcr übergegangene Infanterie auS nächster Näh«. Die Zahl der bisher gezählten Gefangenen übersteigt 30, darunter 89 Offiziere. Unsere Flieger und die unserer Alliierten nahmen kräftig an der Schlacht� teil, indem sie die Ucbcrgänge. übcp die Piave mit Bomben bewarfen und Ansammlungen feindlicher Truppen mit Maschinengewehren beschossen. 61 feindliche Flugzeuge sind ab- geschossen worden. Englischer Bericht aus Italien vom 16. Juni. Die im Be- richt von heute nacht erwähnte Einbuchtung in der britischen Front wurde im Laufe der Nacht und in den frühen Morgenstunden vom Feinde gesäubert. Wir haben uns nunmehr in unserer alten Frontlinie wieder festgesetzt, lieber 350 Gefangene sind gezählt und wir haben außerdem zwei Gebirgsgeschütze und eine beträcht- tiche Anzahl Maschinengewehre erbeutet. Als gestern in den frühen Morgenstunden der feindliche Angriff zuerst losbrach, wurde uns sofort wertvoller Beistand mit Infanterie und Artillerie durch den Jntaliener zu unserer Linken geleistet. Dieser Hilfeleistung ist eS in weitgehendem Maße zu verdanken, daß dem österreichischen Eindringen ein sofortiges Halt geboten wurde. Schwerer Kampf dauert weiter an vielen Punkten längs der Piave, am östlichen Ende der Montellohöhen und beiderseits des Brenta- tales an. * Bern, 16. Juni. Der Berichterstatter des„Corriere della Sera" an der italienischen Front meldet, das genaue Datum, sogar die genaue Stunde der österreichischen Offensive sei dem i t alten i- schen Oberkommando schon längere Zeit bekannt gewesen. Die italienische Artillerie habe denn auch um Mitternacht Wer- nichtungsfeuer von 20 Minuten Tauer durchgeführt, das um 2!� Uhr neuerdings bis kurz vor dem feindlichen Angriff aufgenommen worden sei und sicher die letzten Vorbereitungen des Gegners stark erschwert habe. Gegen das Bcentatal und das G r a p p a- Massiv sei denn auch das Vorbeveitungsseuer am stärksten ge- Wesen, ebenso im Gebiet des M o n t e l! o, während das Geschütz- feuer an der unteren Piave verhältnismäßig kurze Zeit ge- dauert habe. Der Feind habe zahlreiche Gasgranaten verschossen, doch sei itakienischecseits alles vorbereitet gewesen. Amsterdam, 17. Juni. Reuters Sonderkorrespondent meldet: Der Kriegsberichterstatter de»„Giornale d'Jlal'a* drahtet seinem Blatt vom 16. Juni: Mehrere Stunden vor Beginn der feindlichen Beschießung eröffneten bereitsdieitalienischen Batterien ein kräftiges Bombardement. Die Wir- kung der österreichischen Gasbomben macht« sich auch auf die weiter rückwärts gelegenen Dörfer bemerkbar. Auf T r e v i s o fielen mehr als 300 Granaten. Die Städte Schio, Bassan o und A s o I o wurden mit weittragenden Geschützen beschossen. Die Hauyfftöße sind längs der Brenta auf Bassan» und über die Piave auf Treviso gerichtet. Orlando fruktifiziert öie österreichische Offensive. Schnelle Beendigung der Bndgetdebatte.— Vertagung der Kammer auf unbestimmte Zeit. Rom, IL. Juni. Nach einer Stefanimeldung schilderte Mi- nisterpräsident Orlando in der Kammer die feindliche Offen- sive und erzielte wiederholten Beifall mit der Feststellung, daß der solchen plötzlichen Unternehmungen eigene Anfangserfolg nicht in dem gewohnten Umfange eingetreten sei und nur die erste Verteidigungslinie in Mitleidenschaft gezogen habe, und daß die Haltung der Armee jedes Ver- trauen rechtfertige. Bern, 16. Juni. Das Interesse der italienischen Kammer an der Budgetdebatte ist abgeflaut. Zahlreiche Redner haben gestern angesichts der österreichischen Offensive auf das Wort verzichtet. Rom, 16. Juni. Die Kammer billigte durch namentliche Abstimmung mit 288 gegen 34 Stimmen folgende Tagesordnung Aguglia: Die Kammer billigt die Erklärung der Regierung und geht zur Bewilligung der Budgetzwölstel über. Tie Vorlage der Budgetzwölstel wird darauf angenommen. Nach der üblichen Schlußrede des Präsidenten vertagte sich die Kammer auf unbestimmte Zeit. Orlando erklärte, daß die Kammer im Falle besonderer Ereignisse, jedenfalls aber im September einberufen werde. Rom, 16. Juni. Kammer. Der Sozialist T u r a t i erklärte. daß er mit den Kollegen seiner Grupe nicht für die provi- sorischen Zwölftel stimmen könnne, selbst wenn die von der Regierung gestellt« Vertrauensfrage in eine Tagesordnunng eingeschlossen wäre, welche in dieser feierlichen und schwere n Stun de die Solidarität der ganzen Kammer kund- gebe. Diese Solidarität verleugnen, tväre in diesem Augenblick kindlich. Ter Redner und seine Freunde können sich nur als die Vertreter des Volkes in Waffen fühlen. lLebhastcr Beifall.) Jetzt, wo man an den Grenzen Italiens kämpft, Widerstand leistet und stirbt, stnd die Seelen aller von Angst, Hoffnung und Wünschen erfüllt. Vor dem Tode, der an unsere Türen klopft, fühlen alle, daß alles, was Verteidigung unserer eigenen Empfindungen war, sich mäßigt und zerfällt und daß viele Urteile sich ändern und sich umbilden. Bern, 16. Juni. Die in Rom erscheinende„Epoca", das Organ Orlandos, schreibt: Alles sei bereit gewesen. Das Blatt entbietet de» italienischen Soldaten seinen Gruß, die durch ihren Wider- stand das Ende des unmenschlichen Krieges beschleunigen werden, den Italien nicht gewollt habe, den es aber bis zu Ende mit dem Mute der Verzweiflung durchkämpfen werde. Kabinettseücktritt in Sulgarien. Sofia, 16. Juni. Ministerpräsident Dr. R ad o S la- w o w hat dem König die Dennssion des Kabinetts angetragen. Der König hat die Demission angenommen und be- auftragtc die Minister, bis zur Bildung des neuen Kabinetts die stieschöftc weiterzuführen. Nach fast fünf Jahren seines Bestehens tritt das Ministerium RadoSlawow zurück. Seine RegicrungSze.it begann, als es galt, das unglückliche Ergebnis des zweiten BalkankriegeS zu konsoli- dieren. In jenem Kriege handelte es sich um die Austragung des bei der Verteilung der Beute entstandenen Streites zwischen den ehemaligen Bundesgenossen, die im Jahre 1912 in den ersten Bal- kankricg gegen die Türkei eingetreten waren. Von Serbien, Griechenland, Rumänien und der Türkei bedrängt, war Bulgarien gezwungen, nachzugeben und auch einen Teil seines früheren Gebietes an Rumänien abzutreten. Radoslawow, an der Spitze der liberalen Koalition, erwies sich unter den überaus schwierigen Verhältnissen als ein geschickter Staatslenker. Es verstand sich, daß der tiefe Haß gegen die„verräterischen" Nachbarn nicht ver- schwinden könnte, daß die herrschenden Kräfte danach streben wür- den, bot erster Gelegenheit den erfolgreichen Rivalen nach Gebühr heimzuzahlen. Unter den zahlreichen partetähnlichen Gruppen in Bulgarien unterschieden sich bis zum Ausbruch des Krieges zwei politische Blocks grundsätzlich voneinander: russenfreundliche und russen- feindliche Parteien. RadoSlawow stand an der Spitze des zweiten. Seine besondere diplomatische Geschicklichkeit erwies er in den Monaten vor dem Eintritt Bulgariens in den Krieg(Oktober 1915). Monatelang dauerte» die Verhandlungen, wobei die Gesandten Rußlands, Englands, Frankreichs sich zu immer größeren Kon- zessiouen verstanden und wobei sie die serbische Regierung zu immer weitergebender Nachgiebigkeit zwangen, um Bulgarien, wenn nicht zur Kriegserklärung an die Türkei, so doch zur Ein- Haltung der Neutralität für die Dauer zu verpflichten. Radoslawow führte Verhandlungen nach allen Seiten, und b's zuletzt konnte eigentlich niemand mit Sicherheit sagen, welche Haltung Bulgarien für die Folge einzunehmen gedenke. Doch der brennende Wunsch, die nationalen Aspirationen aus Mazedonien u. a. zu verwirklichen, die Erwägung, daß der Sieg Rußlands die Fcstietzung des unersättlichen Zarismus im Rücken von Bulgarien, in Konstantinopel, bedeuten würde, führte zu dem Entschluß, an der Seite der Mittelmächte in den Krieg zu ziehen. Durch die großen Wasfenerfolge während diews Krieges war es Bulgarien vergönnt, alle die Gebiete zu besetzen, die es aus dem Besitzstande von Serbien und Rumänien kraft des historischen Rechtes oder des ethnographischen Prinzips für sich in Anspruch genommen hatte. Der Triumph des Ministeriums Radoslawow loar groß, und die früher russen- und ententefreundlichen Parteien mußten gänzlich verstummen. Die Schwierigkeiten begannen erst bei der Festlegung des Friedensvertrages mit Rumänien. Die Rumänien abgenommene Dobrudscha wurde nicht den Bulgaren, itsie sie dies haben wollten, und worauf die öffentliche Meinung rechnete, übergeben, sondern in dem Hauptioile von dem Vierbund gemeinsam in Besitz genommen. Lediglich der südliche Teil der Halbinssl, der 1903 von Rumänien annektiert worden war, wurde Bulgarien zurückgegeben. Schon bei der Lösung der Dobrudscha- Frage tauchten zwischen den Bulgaren und den Türken Differenzen auf, wodurch sich die Bukarester Verhandlungen seinerzeit so sehr in die Länge zogen. Nunmehr verlangte die Türkei die Rückgabe deS 1905 an Bulgarien abgetretenen Geländestreifens mit der Eisenbahn Adrianopel— Dedeagatsch. Damals war diese Ab- tretung als ein von der Türkei für die Einhaltung der Neutralität von feiten Bulgariens und die Erzielung eines guten freund- nachbarlichen Verhältnisses gezahlter Lohn gedacht. Die Wünsche Bulgariens erstreckten sich aber damals und gehen noch heute ein großes Stück weiter ostwärts. In eine Rückgabe der genannten. Bahn konnte Radoslawow nicht einwilligen. So entstanden dem Ministerium große Schwierigkeiten, die eS nicht mehr überwinden konnte, indem ein Teil seiner Anhängerschaft zur Opposition übergegangen war. Auch Ernährungsschwierg- ketten böten für seine Gegner einen willkommenen Angriffspunkt und halfen seine Stellung erschüttern. Ueber den Nachfolger Nadoslawows verlautet noch nichts. Krieg zwisthen Rustianö und Sibirien. Moskau, 13. Juni. Dir Zeitungen besprechen die Be- dentung der gestern ncröffentlichten Kriegserklärung der russischeu Regierung an die gegenrevolutionärc ncugebildcte Regierung in Sibirien. Bei der Menge sich überholender Meldungen über die Vor- gänge in Sibirien läßt sich nicht sagen, von welcher sibirischen Regierung hier die Rede ist. Handelt es sich um ein gänzlich fielt aufgetanchtes Gebtlde oder um eine der Schöpfungen, an denen der Kosakenführer Scinenow, der Admiral Koltschak in Ostsibiricn oder die Tschecho-SIowakcn beteiligt sind? Ter Umstand, daß das Telegramm von einer förmlichen Kriegs- erklänmg spricht, läßt darauf schließen, daß der Angelegenheit größere Bedeutung beizumessen ist. Moskau, 16. Juni.(Meldung der Petersburger Telegraphen- Agentur.)(Verspätet eingetroffen.) Im Zusammenhange mit der Verhängung des Kriegszustand:; über Moskau sind durch Verfügung des Volksbeauftragten für Kriegswesen alle bürget- lichen Zeitungen verboten worden. Die polenfeage unü öas ösutfch-öfter- reichijche Hünönis. Die„Neue Freie Presse" bringt eine augenscheinlich o f f i z i e I le Mitteilung über die polnische Frage und über den Ausbau des Bündnisses mit Deutschland. Nach den Jnforma ttonen des Blattes ist eine Loslösung des polnischen Problems aus seinem Zusammenhang mit den übrigen Bündnisfragen nicht beabsichtigt. Die einzelnen, zur Verhandlung stehenden Fragen der Vertiefung und des Ausbaues des"Bündnisses bleiben, so heißt es in der Meldung, eine organische verbunden«' Gruppe. Sie können daher nur im Zusammenhang gleichzeitig gelöst werden. Von der Voraussetzung ausgehend, ist man in Wien der Ansicht, daß eine endgültige Einigung über den Bünd- nisvertrag, den Waffenbund und über die wirtschaftlichen Fragen ein Einvernehmen über die polnische Frage zur Voraus- setzung hat. Da es bei dem Besuch des Grafen Burian nach den Com- mitniquss und Interviews bei der Darlegung des beiderseitigen Standpunktes in der polnischen Frage geblieben ist und eine vollkommene Einigung noch nicht erzielt wurde, io fehlen also nach österreichischer Auffassung vorläufig die Voraussetzungen für die Arbeit am Ausbau des Bündnisses. Verfaffungsrevssisn in Luxemburg. Auflösung der Kammer. Die luxemburgiscke Kammcrmehrheit beschloß am Donnerstag die Revision von vier Verfassungsartikeln. Am Freitag ver- öffentlichte alsdann das Amtsblatt«ine Bolschaft der Groß- Herzogin, in der diese sich mit der Einführung des allgemriiieu Stimmrechts und der Erhöhung der Abgeordnetendinlen einverstanden erklärt. Die Großherzogin ist auch mit der Revision der beiden anderen Artikel betreffend die Souveränität de? Volkes und die Staatsverträge einverstanden mit dem ausdrücklichen Vorbehalt 1., daß die Slaatsverträge, aus denen die Existenz de» Luxemburger Landes beruht, respektiert werden müssen 2.. daß da» monarchische Prinzip und die Rechte der Dynastie nickt angetastet werden dürfen und 3., daß das Grundprinzip der Tren- nung der Gewalten aufrechterhalten bleibt. Da die bisherige Regierung dieses Programm immer ver- treten hat. ersucht die Großherzogiit da» Kabinett Kauff- mann, das vor einigen Monaten um seine Entlassung eingekommen war, im Amte zu bleiben. Den Bestimmungen der Verfassung gemäß ist die Kammer aufgelöst zwecks Wahl einer BerfassungS- kammer(Konstituante)."_ Die ukramifthe Agrarreform. Dem Ukrainischen Pressebureau Berlin wird aus Kijew gedrahtet: Ter ukrainische Ministerrat hat in endgültiger Re- daktion ein provisorisch es Agrargesetz angenommen, nach dessen Hauptbestimmung einzelne Personen nur 25 Teß' jatinen Ackerland kaufen dürfen. Die StaatSagrarbank wird ohne Beschränkung weitere Ländeveien ankaufen zwecks Verkauf im bk Bauern zu Parzellen zu 2ö Tcßiatincn. Demnächst wird der Ministerrat das definitive Agrargesetz des ukrainischen Staates beraten. Dxe Kampfe in Gftafrika. Englischer Bericht aus Lst-Afrika. Zwischen dem 3. und 1k). Juni zog sich die feindliche Streitmacht südwärts vom Lurioslusse in das schwierige Berg- und Buschgelünde um Malema zurück. Unsere VersolgungSafücilungen drpngen nach einer Anzahl kleinerer Gefechte mit feindlichen Abteilungen obue Widerstand am 12. Juni in Malema ein. Der Feind hatte sich weiter südwärts gegen den Ligonyaflutz zurückgezogen. Die Länge unserer Hauptverbindungslinie auf portugic- sischem Gebiet überschreitet bereits 300 Meilen. Die Gesamt- länge der Berbindungslinien aller unserer Heeres- obteilungen überschreitet damit 1000 Meilen. Bemerkung twS W. T. W.: Die Meldung bestätigt die bisherige Slnnahme, daß es dem General v. Lettow wiederum ge- I u n g e n ist, sich der drohenden Umklammerung durch einen erfolgreichen Durchbruch zu entziehen. Der Hinweis auf die Länge der Verbindungslinie scheint die öffentliche Meinung unserer Gegner darauf vorbereiten zu sollen, daß mit einer Beendigung der kriegerischen Handlung in Ost-Afrika vorerst nichr zu rechnen ist. Die Türken in Nordpersien. Der türltsche Heeresbericht chom 1*. Juni meldet: Angesichts des Vordringens der Engländer in Versien haben wir zum Flankenschutz unserer im Kaukasus stehen« den Truppen beiderseits des Urmiasees Fuß gefaßt und Täbris besetzt. Italienische Truppen im Westen. An der französischen Front sind italienische Truppen festgestellt. Die dritte italienisch- Division ist aus den Ueberresten der in der 12. Jsonzoschlacht fast vernichteten 0. italienischen Armee aufgestellt. U-Bootscrfo.'ge in Miktelmecr. Deutsche und österreichisch« ungat-swe Umerseeboole versenkten im Miirelmecr 5 Dampfer und 3 Segler, zusammen rund 22000 Br.-Reg.-To. Unier den Versenkisn Dampfern befand sich der englische Truppen- tran sporter Leasowe Castle<9737 Br.-Reg.-To.) -Ter große Gegner der Bylschcwiki-Herrschaft" wird Plecha- n o w in der erst jetzt bekannt werdenden Depesche der Peiers- burger Telegraphen-Ägentnr, die seinen Tod mitieill, genannt. Der fünfte allrussische Kongreß der Sowjets findet am 23. Juni 1918 in Moskau statt. Solche Kongresse haben alle drei Monate stattzufinden. Sie haben die Aufgabe, ein neues Zentral-Exekutiv- triniiee zu wählen oder das alte zu bestätigen und auch die Volks- kommissare zu bestätigen oder durch andere zu ersetzen. Diese Kon- gresie verkörpern die höchste politische Macht des Landes. Jeder Eoiojet an Ort und Stelle ivählt in einer Vollsitzung den zu ent- sendenden Vertreter und gibt ihm Weisungen für seine Haltung. Tie Gegenrevolution der Kubankosakcn.„Kmvskafa MhÄ" vwldet nach Mitteilungen aus ukrainischen MÄitärkreisen: die Lage der Kubankosuken hat sich von neuem verschlechtert; sie ziehen sich auf Taman zurück. � Spanische Nustnngen..TempS' meldet au? Madrid: Der rüdere KriegSmintster La Ei e r v a erklärte in einer Rede zu den in Aussicht genommenen Miltlärreformen. Spanien müsse angesich'.S des europäischen Konfliktes unbedingl gerüstet fein. Er glaube n i ch l an die Bildung einer Gesellschaft der Nationen. Hamburg unö ö:e Ueberganzs- Virtschast. Die Hamburger Kaufleutc wollen die Zustände vor dem Krieg, wollen in voller Freiheit sich regen und schaffend handeln, wollen ohne staatliche Bindung oder einflußreiche Aufsicht den Sprung auS der Kriegs- in die Friedenswirtschaft wagen. Sie haben den Reichstag zum Besuch der alten Hansastadt eingeladen, um ihre Forderungen von wirkungö- vollen Sprechern und klugen Anwälten aus ihrer Mitte vcr- treten zu lassen. Das Verlangen nach Wiedereinsetzung des freien Handels in alle seine früheren Rechte wurde denn auch mit leiden- schastlichem Eiser und Nachdruck vertreten. Und wer heute den verödeten Hamburger Hasen mit dem Bilde rastloser Tätigkeit vergleicht, das dieser Welthandelsplatz im Frieden bot. begreift den Wunsch dieser erfolgreichen Kaufleute sehr wohl, dort wieder anzufangen, wo der Krieg den Faden der Eniwicklung abgeschnitten hatte. Allein: es ist vielleicht zu viel gesagt, wenn von der Hamburger Kaufmannschaft als einer inneren Einheit mit durchaus gleichgerichteten Interessen gesprochen wird, mag sie sich auch aus den jüngsten Veranstaltungen als ein ge- schlosseneS Ganze präsentiert haben. Tie Großrceder verpönen die Ernennung eines ReichSkommissarS, dessen Bestellung das Reichswirtschaftsamt zur Wahrung der All- gemeininteresfen Plant, die Kleinreeder verlangen ihn. Die rücksichtslose Schärse im Auftreten der Großreeder hat daS R e i ch s w i r t s ch a f t s a m t erst neulich zur Flucht in die Oeffentlichkeit getrieben, wobei auch der große Gegensatz zwischen Groß- und Kleinreedern in volle Erscheinung getreten ist- Es hat ein Telegramm der kleinen Reedereien zum Teil veröffentlicht, in dem es heißt: .Durch Zujall erfahren wir den Angriff der Hamburger Großreedcreien gegen die �Selbständigkeit und Gewervesrciheit der kleineren. Sie haben die Neichatagskommisston dahin beein- floßt, daß sie den Regierungsentwurs über die Verwendung deul« scher Schiffe während der Uebergangszeit dahin abgeändert hat, daß der Reichskommissar laut§ 6 ausgeschaltet und nur eine generelle Beaufsichligung durch daS Reich substituiert wird. Die Hamburger Grotzreedereien haben sowohl in dem Anfstchisrat als in der Generalversammlung der Frachtraum- Verteilungsstelle die Majorität, und nach den mit dem Reedsreiverband gemachlen Erfahrnngen werden sie künftig in erhöhtem Maße ihre Machlstellunu ausnutzen. Deswegen ist die Bestellung des Reich, tewiuissars imS-oingt erforderlich. Air bitten Ew. Erzellenz. daraus zu bestehen, daß die Regierung-- einwürfe unverändert bleiben." Den Kleinrcedereien schließt sich die„Deutsche Speditionsund Schiffahrtszcitung" als Organ des Vereins Deutscher Spediteure und des Vereins Hamburger Spediteure an: .Die Ilcincn Rcedcreieii sagen, sie hätlen ihre Eriahrunoen ge« macht; den V er lodern geht? nicht besser. Ohne zu der Meinungsverschiedenheit zwischen den Reedereien Stellung zu nehmen, steht ja auch in den Verladerkreisen allgemein fest, daß die Großreeder machen, was sie wollen. Darum ergebt auch immer wieder der Ruf nach Einführung des Kontra- Hicruiigszwanges durch die Presse: Gleiches Rech: für alle, wenigstens zugunsten deutscher Verlader! Es ist belannt, daß die Hamburger Spediteure seit mehr als 10 Jahren vergeben« bemüht sind, ihr Verhältnis zu den Ham« burgern Reedern in befriedigender Weise zu regeln. Die Reeder haben eben die Macht in der Hand und nutzen sie in rücksichts- losester Weise aus. Nicht einmal die zur Vermittelung emge- rufene Hamburger Handelskammer hat die Reeder' auch nur zu einem ernsten Versuch einer Verständigimg veran- lassen können. Die Exporteure tragen ja auch isu Jahren ihre Wünsche wegen Acnderung des Frachi-Rabattsystem, vsr- geben? vor. Was soll nun jetzt wieder der E n t r ü st ir n g s r u m m e I der Reeder gelegentlich der Gründung der Frachlraum- Verteilung G. m. b. H.?— Die Herrschaften wollen überhaupt keine Kontrolle; sie wollen möglichst keine Bindung durch geictz- I'che Vorschriften, keine Beschränkung tn der Handhabung ihres Betriebe«, denn sonst fürchten sie die Frelljeit in der Festsetzung der Frachtraten zu velliercu I Als das Beihilfegesetz kam, haben die Reeder auch schon mit allen Miueln gearbeitet, daß möglichst jede Sicherung der Verlader hinsichtlich' der Frachtsätze aus dem Gesetz heraus- blieben, und nicht ohne Erfolg I" Uebertrcibend sagen die Anhänger des wirtschaftlichen Ltberalismus, des Gehen- und GewährenlassenS, dem Reichs- Wirtschaftsamt eine ideologische Vorliebe für StaatSsozialiSmils nach. Nun ist aber nichts io ficber, als daß kein Reichsamt den Umsturz der heutigen Gesellschaftsordnung betreibt. Das Rcichswirtschaftsamt will das gerade Gegenteil des Umsturzes, es will durch eine wenigstens relative Wahrung der Allge- meininteressen die heutige Gesellschaft konservieren. In ihm sind auch ehemalige Kausleute tätig, die als Leiter von sehr rührigen Häusern auf die kaufmännisch-spekulative Tätig- keit sicher nicht verzichten wollen und auch gegen den Vor- Wurf gefeit sind, daß sie sich in ihrer neuen Stellung von heute auf morgen zu engstirnigen, zaghaften Bureau- kratcn gewandelt haben. Aber bepackt mit der Verantwortung für die ganze Volkswirtschaft und von der Sorge geleitet, vor allem die Grundlagen der freien Wirtschaft und dann erst sie selbst herzustellen, vertreten sie in wichtigsten Fragen die gegenteilige Auffassung der Hamburger. Wie milde und nachsichtig daS Reichswirtschaftsamt ist, beweist nichts schlagender, als daß es dem Reichskommissar vorläufig nur die Verteilung des Frachtraums, nicht aber die Festsetzung der Frachtraten überlassen will. Diese sollen grundsätzlich ungebunden bleiben und nur in Ausnahms- fällen beschränkt werden. Leitend ist der Gedanke, daß die deutschen Schiffahrtsgescllschaften gegenüber dem erstarkten Wettbewerb des Auslandes finanziell gekräftigt werden sollen. Und für den Fall, daß sich ein internationaler Frachtenmarkt nicht bildet und eine tarifliche Bindung der Frachtraten nötig wird, so sollen sie auS demselben Gedanken- gange heraus so hoch sestgesetzt werden, daß den Reedern ein guter Nutzen bleibt. Es läßt sich mit guten Gründen darüber streiten, ob diese Politik des Reichswirtschaftsamts nicht schon zu sehr die privatwirtschaftlichen Forderungen in den Vordergrund rückt; aber sie genügt den Großreedern noch immer nicht, die ohne Rücksicht auf das gemeine Beste alle Gewinnchancen biS zur Neige ausjchöpfen wollen. �bgeoröKetenhaus. Aus der am Montag zu Ende gesührten Beratung des KultuSctatS ist nur die Erklärung des Ministers hervor- zuHeben, daß die neueste Rechtsprechung des Kammergerichts ihn veranlassen werde, der Frage des Religionsunterrichts der Kinder aus Mischehen erneut nachzugehen: er wolle mich versuchen, im Verwaltungswege Erleichterungen zu schaffen. Nach Erledigung.des KultusetatS begann die zweite Lesung des Etats des Ministeriums des Innern in Verbindung mit dem Antrag Fuhrmann und Genossen auf Sicherstellung des Rechts der Staatsbeamten zur Politischen Betätigung. Der Erlaß des Ministers vom 1. Oktober 1917, der den Anlaß zu dem Antrage gegeben hat, wurde weder von dem Konservativen v. L i e b o r t. der im übrigen durch seine Jungfernrede im Dreiklassenparlament wegen ihrer völligen Inhaltslosigkeit allgemein enttäuschte, auch von dem National- liberalen I u st gebilligt. Gewiß wollen auch wir in lieber- einstimmung mit der Kommission, daß das den Staats- beamten zustehend« Recht der politischen Betätigung sichergestellt wird, aber wir müssen uns dagegen wehren, daß, wie es nach der Rede Lieberts den Anschein haben könnte, die Staatsbeamten etwa abkommandiert worden, um die Agitation für die Baterlandspartei zu be- treiben. Vielleicht wird der von dem Minister deS Innern angekündigte StaatSministerialerlaß, der den politischen Beamten verbieten soll, die Politik der Regierung zu durch- kreuzen, ihnen im übrigen aber volles Betätig ungs- recht gewährleistet, die Frage der politischen Bs- tätigung der Beamten ihrer Lösung entgegenführen. Die Beratung wird am Dienstag fortgesetzt. Gegen öie Züchtung weiblichen DenunzianeenSums. Bor einiger Zeit wurde hier jene« famose..Merkblatt* besprochen. das die Frauen ausforderte., sich als freiwillige patriotische Polizeiagcntinnen zu betätigen. Es wurde nicht nur von den Frauen verlangt, in KinoS, Theatern usw. durch.halblaute Aeuße- rungen„Stimmung zu machen und.flaumachsriichen Aeußerungen* entgegenzutreten, sondern auch regelrechte Angiberdienste gegen An- Hänger des Verständigungssueden« zu leisten. Wegen dieses Merk- blau wird jetzt auch von Frauenseite Protest erhoben, und zwar vom„Deutschen Frauen-Slimmrechtsbund* und dem„Deutschen Frauen-Ausschuß für dauernden Frieden". In ihm heißt es u. a.: „Die unterzeichneten Organisationen erheben energischen Ein« spruch gegen den Inhalt eines in Berlin erschienenen„Merkblattes" zur Organisation eines„Heimatheeres deutscher Frauen". Was hier als„Pflicht jeder deutschen Frau" bezeichnet wird, bedarf der- strengsten Nachprüfung seitens der Frauen. Aufs schärfste aber wenden wir Frauen uns gegen Punkt b: „Klagen und Gerüchte, die besonders geeignet sind, die Stirn. mutig nachteilig zu beeinflussen, zur Kenntnis der Kriegs. bcratungSstelle zu bringen, besonders flaut« ach ende Personen fest.; n stellen und namhaft zu machen." Wir Frauen sehen in der Aufforderung an„tausende deutscher Frauen", in ihren Reihen ein auszedohntrs Spitzel- und Denunziantenwesen zu organisieren, eine unevhörte Beleidigung unseres Geschlechts,«ine erniedrigende Zumutung, die man dem Manne nicht bieten würde und die in schreiendem Widerspruch steht zu all den schönen Worten, mit denen man im Kriege die Frauen über- schüttet hat.___ Unfriebliches auf ßrieKhöfen. Selbst im deutschen Rom, in Köln, schien sich die katholische Geistlichkeit mit roten Kranzschleifen bei Beerdigungen abgefunden zu haben. Neuerdings aber beginnen katholische Geistliche wieder in der Leichenhalle und am offenen Grabe einen Kampf gegen „sozialdemokratische" Schleifen zu-führen. Am 10. Juni hat sich ein Geistlicher der Ganrisonpfarramts sogar erlaubt, die Schlei- fen von cinem Kranze abzureißen« ojpie daß ihm die Verwandken des Verstorbenen, eines Krlegskeilnebmer?, die Erlaubnis dazu gegeben hatten. Die sozialdemokratische Ehrung entsprach dem letzten Wunsche des Versterbe- n en. Es kam in der Leichenhalle zu peinlichen Szenen. In StoLberz bei Köln rief ein protestantischer Geistlicher Aergernis am offenen Grabe hervor. Er bezeichnete eS als einen Jugendfehler des jetzt Verstorbenen, daß dieser— vor bald dreißig Jahren— eine gemischte Ehe«ngegangen sei. Diesen Fehler habe der Verstorbene während seine« Lebens sehr oft bereut. Der Sohn des mit dieser Leichenpredigt Bedackrien veröffentlicht in der „Stolberzer Zeitung" gegen diese Schmähung seiner Eltern einen Protest. Beinahe die ganze Trauergemeinde hatte noch während der Leichenrede den Friedhof demon- st r a t i v verlassen._ Der ZeitungSliukauf der Ve.terlavdspartei. Tic„Dan zig er Zeitung", die ich ihrer Gründung fortschrittliche Politik vertrat und unter Rickert« Leitung einige Bedeutung erreichte, ist nun auch von den„Vaterländischen" unlerlvorfen worden. Die Geschäftsanteile, die sich in den Händen de? verstorbenen Buch.- druckereibesitzers Kafemann befanden, sind durch Kaur in den Besitz der natiouailiberalen Klowmcrzienräte B e n tz k i- Graudenz und M»S rate- Tüschau ubergeganzen. Der Einfluß der neuen Ge- sellichaficr macht sich schon bemeribar. Die„Danziger Zeitung" ist den Zielen der Vaterlandspartet freundlicher geworden. parteinachrichtea. Vo« der Parteipresse. Ein eigenes Parteiblatt haben nunmehr unsere Olden« öurger Genossen erhalten, und zwar unier dem Namen„Olden« burger Volksblait". Das Blatt erscheint al« Kopfblatt unseres in in Rüstringen erscheinenden„Nordd. VottS blatte»". Die Kreiögeneralversomnilung des WaHlficiseS Solingen hat eine Komrniffion eingesetzt, die in Gemeinschaft mit der Be» zirtslettung über die Einftlbrung eines ParieiblatteS beraten soll. Das im Wahikrcise erscheinende Blatt, die. Bergliche Arbeiterstimme", bekaunlltch zu den„Unabhängigen" üvergegangeu. Aus den Organisaiion.cn. Dem auf der ÄrsiSkonserenz de? Wahllrcises Essen ersiotteten Geschäftsbericht ist zu entnehmen, daß die Entwicklung der Orgavi- sation, nachdem die ersten SpaltungLweheu überwunden waren. sich langsam, aber stetig vorwärts bewegte. Die Zahl der mann- liehen Mitglieder, ohne die im Felde stehenden Genossen und ohne Papiersoldaten, ist im letzten Jahre um über 300, auf 000, gestlegen. Tie Zahl der weiblichen Mitgüeder beträgt etwas über 300, die der Abonnenten der„Arbeiterjugend" 3-20. Das Parteiblatt. die „Arbeiterzeitung", hat sich im letzten Jahre gut entwickelt; es hat den höchsten Abonnentenstand der Friedenszeit um mehr als 4 000 überholt. Zur Beitragserhöhung schlug der Vorstand vor. den Beitrag für männliche Mitglieder auf 70� Pf- den Monat fest» zusetzen, für meivliche Mitglieder auf M Pf. alle 14 Tage, das Eintrittsgeld auf SO Pf- Die Konferenz ging über� diesen Vorschlag hinaus, indem sie einstimmig den Beitrag fiir männliche Mit« glieder auf 80 Pf. festsetzte, lieber die politische Lage sprach der Sekretär der niederrheinischen Bezirksleitung, Genosse Hader« l a n d- Barmen. Er unterzog die innere und äußere Positik einer scharfen Kritik, kam aber zu dem Schluß, daß bei dem Verhalten der Feinde Deutschlands und der Sozialisten der mndlichen Länder eine andere Taktik der Partei wie bisher einstweilen nicht möglich sei. Von einer Debatte über den Vortrag wurde Abstand geno»!- men. Die Konferenz erklärte sich mit dem Beschluß einverstanden, den vor kurzem der Parteiausschuß zur politischen Lage angeuom- men hat. Der für den Wahlkreis Gö'litz-Loubau erstattete Jahresbericht zeigte eine erfreuliche Aufwärtöbeweguna im Mitglieder» stände. Mit t!M> Mitgliedern für das Jahr 1918 ist gegen das Vor- jähr eine Zunahme von 391 Mitglieder� zu verzeichnen. Ganz bedeutend ist die Zahl der weiblichen Mitglieder gestiegen. Sie be- trägt zurzeit 082 gegen 321 im Vorjahre. Die Mitglieder verteilen sich auf 7g Orte des Wahlkreises. Recht rege war die Bersamm- lungStätigkeit im Berichtsjahr. Es badeu stattgefunden 80 Mit- gliederversammlungen, 23 öffentlichen Wersavnnlungen, 0 Frauenver- sammlungen und 17 Zusammenkünfte für Frauen. Durch letztere ist es mit Hilfe des Parteisekretärs gelungen, überall zum Teil wesentliche Erhöhungen der KricgSunterstützungen zu erreichen. Die Politik und die Tätigkeit unserer Reichstagsfrak- 'tion wie der Gesamtpartei fand in den durchweg gut besuchten Volks- Versammlungen allseitige Zustimmung Die Erhöhung der Beiträge wurde einmütig als notwendig anerkannt. Beschlos- sen wurde mit graßer Mehrheit die Erhebung eines MonatSbei« träges von 00 Pf. für die männlichen Mitglieder. Sechs Delegierte stimmten für einen Wochenbeitrag von lo Pf. Der Beitrag für weiblich« Mitglieder wurde von 1ö auf 20 Pf. erhöht; er wird 14- tägig mit der Ausgabe der„Gleichheit" erhoben. Ein Vortrag des Reichstagsobgeordneten des Wahlkreises, Genossen Taubadel, über; die gegenwärtige Lage fand allseitige Zustimmung. LeSSe KSchMte«. Spanischer Dampfer vcrscntt. Bern. 17. Juni.„Petit Parisien" meldet au? Bilbao, daß. der spanische Dampfer Upomendi l3S3S Tonnen i am 12. Juni vsr- senkt worden ist. Die Besatzung mit Ausnahme eines Heizer) wurde gerettet. erscheint im„Vorwärts" der Stellen- l£lirs »ililiilMI Nachweis. Linter vielen Angeboten im„Vorwärts" mit seinem ausgedehnten Verbreitungsbezirk MM«W. AbonnementSprcis monatlich 1,50 Mark frei inS Liaus. Name......______ Beruf___________ Wohnort_—----- Straße?——---—..._______ Stocka—— Bei wem?.—------ bestellt ab l. Juli den„Vorwärts" zum Preise von lchO M. per Monat frei ins Kaus. Diesen Zettel wolle man ausgefüllt an die Haupt- expedition, Berlin SW, Lüidenstrape 3, senden. tm GewMHWbewMNg Verbanöstag öer Ouchüeuckerei- Mfs« arbeitet. Am Sonntag hielt der auberordentNKe verkandstag Graphischen Vereinshauke(Alexandrinenstratze) seine erste Sitzung ab. Die Verbandsvorsitzende, Frau Paula Thiede- Berlin, be tonte in ihrer Eröffnungsrede, datz die unhaltbare Situation aus dem Tarifgebiet diese Tagung notwendig gemacht habe. Die Arbeib geber sind nicht zu bewegen, den Hilfsarbeitern einigermaßen au gemessene Tcurungszulagen zu gewähren. Was sie den Gehilfen gezwungenerwcise zulegen mußten, wollen sie an den Hilfsarbeitern sparen. Aber die Hilssarbeilcr leiden Not und Hunger wie jeder andere, � und die Arbeitgeber haben überall die Preise erhöht, also können die Hilfsarbeiter mit guiem Grund erwarten, daß auch ihnen Zulagen gewährt werden, die den Zeilverhältnissen einigermaßen emsprewen. Docb die Ardeitgeber sind nicht einmal zu Verbandlungen über diesen Gegenstand bereit. Nun muß unier VerbandLlag Klarheit in dieser Suuation schaffen. Die Rcdnerin verwies aus die W'rlungen, die der Krieg auf Verhältniffe dcS Verbandes ausgeübt hat. Sie gedachte der im Felde gefallenen Mit- glieder, sowie des verstorbenen Vorsitzenden des Buchdruckerver« bandes, Emil Döblin, der bisher auf allen VerbandSlagen der Hilfsarbeiter als Vertreter des verwandten Berufs sachkundig mit- gewirkt hat. G I o t b- Berlin begrüßte den Verbandstag im Namen der Berliner Kollegen. Er erinnerte daran, daß der Verband jetzt gerade zwanzig Jahre besteht und daß er während dieser ganzen Zeit von der Vorsitzenden Paula Thiede mit Umsicht, Sach- kenntnis und in steter Hingebung an die Jutereffen der Kollegen geleitet worden ist, wofür Frau Thiede au dieser Stelle der Dank der Kollegen ausgesprochen werde. Weitere Begrüßungsreden hielten der Vertreter der öfter- reichischen Bruderorgauisation, M ü h l b e r g er« Wien, der Vertreter des Deutschen Buckbindervelbandes Härder, der Vertreter des Verbandes der Lithographen und Steindrucker, Haß, der Vertreter des Buchdruckerverbandes G r a ß m a n n. Frau Paula Thiede, die durch Krankheit verhindert ist, wie sonst die Verhandlungen zu leiten, wurde der Ehrenvorsitz übertragen. Als Vorsitzende des Verbandstages wurden Gloth- und P u ch e r- Berlin gewält. Nach der Erledigung der sonstigen einleitenden Geschäfte wurden die Verhandlungen auf Montag vertagt. Am Montag begannen die eigentlichen Verhandlungen mit der Erstattung des Geschäfts- und Kassenberichts. Die Verbandsvorsitzende Paula T h i ed e- Berlin gab einen Neberblick über die Verhältnisse der Organisation während der Kriegsjahre. Vor Ausbruch des Krieges hatte der Verband 15 586 Mitglieder, darunter 9939 weibliche. Der Krieg brachte anfangs eine große Arbeitslosigkeit mit sich und später, als diese nachließ, waren die Lohnverhältnisse im Beruf immer noch so ungünstig, daß ein großer Teil der Kollegen sich der Kriegsindustrie zuwandte, um einen auskömmlichen Verdienst zu erzielen. Hierdurch sowie durch die zahlreichen Einziehungen zum Kriegsdienst— über 5000 Mitglieder stehen im Heere— ging die M-itgliederzahl stark zurück. Sie erreichte mit 6534 am Schluß des Jahres 1916 ihren tiefsten Stand. Dann machte sich wieder eine Aufwärtsbewegung bemerk- bar. Das Jahr 1917 schloß mit einem Mitgliederbestände von 7702, darunter 5807 wei bliche.— Da schon in der ersten Kriegs- zeit 60 an leitenden Stellen stehend? Verbandsangestellte und Funktionäre einberufen wurden, so machte die Erledigung der Ar- beiten große Schwierigkeiten, die aber übsrwunden wurden. Man kann sagen, der Verband bat die Nöte des Krieges überstanden und es geht wieder vorwärts. Mit der Haltung und der Taktik der Generalkom- Mission hat sich die Verbaudsleitung e i n v e r st a n d e n er- klärt und hierin die Zustimmung des größten Teils der Mit- glieder gefunden. Differenzen über Streitfragen, wie sie aus An- laß der Kriegspolitik in anderen Gewerkschaften zutage getreten sind, liegen bei uns nicht vor. Der Kassierer L o d a h l- Berlin bezeichnete die finanzielle Lage des Verbandes als befriedigend. Der Kassenbesiand erlitt im ersten Kriegsjahre infolge großer Unterstützungsausgaben gewisse Erschütterungen. Durch Einführung von Extrabeiträgon � trat jedoch eine Besserung ein, derart, daß das VerbandSvsrmögen, welches am 1. August 1914 164 000 M. betrug, und bald danach ans 115 000 M. gefallen war, am Schluß des Jahres 1917 auf 215 363 Mark gestiegen ist.— In den Jahren 1914 bis Ende 1917 wurden ausgegeben für Arbeitslosenunterstützung 205 772 M. Davon kommen auf das erste Kriegssahr 159 819 M.> aus das zweite 33 832 M., das dritte 8811 M. und das vierte 3309 M. Die Krankenunterstützung erforderte in den vier Jahren 97 529 M., die Kriegsunterstützung 70 021 M., die Streikunterstützung 2054 M., die Gemaßregeltenunterstützung 748 M. Gegen die Tätigkeit dcs Vorstandes wurden keine wesentlichen Einwendungen erhoben. Ein Redner wünschte, daß die gelernten Arbeiter mehr für die Organisierung der Hilfsarbeiter tun sollten. Darauf entgegnete Graßmann als Vertreter des Buchdruckerverbandes, daß sein« Organisation seit jeher die ge- werkschaftliche Schulung der Hilfsarbeiter zu fördern suche, was aber manchmal durch das Verhalten der Hilfsarbeiter erschwert werde. In ähnlichem Sinne sprach auch Haß als Vertreter des Verbandes der Lithographen und Steindrucker.— Hauptsachlich drehte sich die Diskussion um mehrere Anträge, welche statt des achttägigen ein vierzehntägigcs Erscheinen des Verbandsorgans fordern. Für die Anträge wurden Sparsamkeitsrücksichten geltend gemacht, während auf der anderen Seite betont wurden daß jede Einschränkung des Blattes die Interessen der Organisation ge- fährden müsse.— Einer Kommission wurde die Berechnung der HerfteSungskosim, de« VlaffeS Wertvag«»«ch die Ssschkußfaffmiy über die Anträge ausgesetzt. Dem Verftandsvorstaird wurde einstimmig Entlastung erteilt. Die vcrlioer Buchdruck-LehrlingSorrhältnisse wurden in der letzten Sitzung des Vereins Berliner Buchdruckereibesitzer eingehend besprochen. Die Lehrlinge sollen vom 1. Juli ab erhalten: im 1. Jahre 2. Jahre 3. Jabre 4. Jahr« Kostgeld.... 5,— M. 5,50 M. 6,— M. 7,— M. wöchentliche Zulage 3,—. 4.—. 6,—, 6,—. Gesamtbetrag.. L,— M. 9,50 M. 11,— M. 13,— M.' Wo bleiben die 5?ricgslohnz«lagen für daS Wcrkstattpcrfonal der städtische» Straßenbahnen? Die Aktiengesellschaft Siemens u. Halske bittet uns unter Bezug- nähme auf obigen in der Nummer vom 14. Juni gebrachten Bericht über eine Versammlung dcS Werkstaiipersonals der städtischen Straßenbahnen und der.SlcmenL-Gesellschafl' mitzuteilen, daß die Be- folgt ist. Wir hoffen, daß der Reichstag alsbald die Ange- legenheit prüft und, ohne auf das Zutun der Interessenten von hüben und drüben zu achten, alle Beschwerden, die sich auf Scheidemandel beziehen, vor sein Forum zieht. Soziales. QÄmerni-tmd /6.-23.yunl Zeichnung.SiemenS-Geselltchaft� oder.Siemens Bahn� unzutrffende iei, da es sich um eine Versammlung des Personals Berliner Straßenbahnen gehandelt habe, die vor einer Reihe von Jahren zwar im Besitz der Gesellschast waren, die aber im Jahre 1899 von der Sradt Berlin erworben wurden. Es komme daher lediglich die Bezeichnung.Berliner Eleltrische Straßenbahn' in Betrachr. Es stimme auch nicht, wenn am Anfang des Berichts gesagt werde, daß die Gesellschaft nur noch der Firma nach eine Privatgesell'chafr sei, denn auch im Namen der Firma sei das Wort.Siemens' nicht enthalten, so daß die Bezeichnung Siemens-Gesellschaft nach jeder Richtung unzutreffend sei. Der Zentralkassterer de« Deutschen BSttcherverbande», Ernst Thierfelder in Bremen, hat sich am 14. Juni durch einen Schutz dos Leben genommen. Die Beweggründe zu der Tat sind darin zu suchen, datz er seiner Organisation Gelder veruntreute. was jetzt herausgekommen ist. Thierfelder war auch Vorsitzender des Aufsichtsrats des Bremer Konsumvereins Vorwärts. Niemand hätte Thierfelder solche ungetreue Tat zugetraut, er genotz all- gemeines Vertrauen._ Znöustne unö Kandel. Um Schcidrmandcl. Die A.-G. für chem. Produkte, vorm. H. Scheidemandel, sieht seit geraumer Zeit unter scharfer Kritik, die von zwei Seften kommt. Einmal von den Konkurrenten, die ihr Verfahren zur Knochcnfcttgewinnunz durch den bisher erfolgreichen Wettbewerb der Scheide- mandel-Gcsellfchaft bedroht sehen: dann von allen jenen, die sich über die erstaunliche Renaissance der Gesellschaft seit 1315, wo sie bankerott war, aus dem Staunen nicht heraus- kommen. Nun hat die Staatsanwaltschaft die Bücher der Gesellschaft beschlagnahmt, weil, ohne unmittelbaren Zusam- menhang mit den eben erwähnten Beschwerden, ein ehe- maliger Beamter eine Anzeige erstattet hat, die sich auf Un- regelmäßigkeiten bei der Knocheneinlieferung bezieht. Die Scheidemandel-A.-G. teilt dazu mit: .Ein plötzlich aus unseren Diensten geschiedener und von einer Konkurrenzsirma engagierter Beamter, welch?r zur Dienst- , laistunq der Knochenstelle des Kmgsausschusses für Oele und Fette uberwiesen war, hat beim Kriegsausschutz für Ersatzsutter eine Anzeige erstattet, zu deren Untersuchung die Königliche Staatsanwaltschaft am 15. d. M. unsere bezüglichen Bücher und Belege unter Belassung derselben in unseren Räumen mit Bc- schlag belegt hat. Der Inhalt der Anzeige ist uns nicht mit- geteilt. Wir haben aber Grund zu der Annahme, datz sie sich auf eine bei der Meldung von Knocheneingängen versehent- lich vor einiger Zeit erfolgte Verwendung eines unrichtigen Formulars bezieht, durch welches eine unrichtige Verteilung der Knochen herbeigeführt worden sei. Der Fehler ist jedoch von unserer Buchhaltung selbst bemerkt, und bereits vor einiger Zeit von ihr ol?ne Erinnerung von anderer Seite beim Kriegsaus- schütz für Oele und Fette berichtigt worden. Nach dieser Mel- düng hat der KricgsauSschutz sofort die Richtigstellung vor- genommen.' Diese Mitteilung sagt leider nicht, wie lange das unrich- tige Formular verwendet wurde, in welchem Umfange die j unrichtige Verteilung stattfand und wann die Korrektur er- 1 Die Kousmuvereiue der Provinz Brandenburg in der Kricgszeit. Der Gedanke des genosienslbafttichen Zusammenschlusses bat in der Kriegszeit grotze Fortschrille gemacht. Wir haben lernen müssen, datz in dem Zusammenleben gleichgesinnt« und gleich- strcbender Menschen eine ungemeine Krait liegt. So ist es ge- kommen, datz trotz des Krieges in den letzten Jahren eine Anzahl Genossenschaften neu gegründet wurden und die bestehenden manche Ausgestaltung fanden. Der Verband der Konsumvereine der Provinz Branden» bürg und der angrenzenden Provinzen nahm eine kräftige Ent» Wicklung. Die Zahl der Verbandsvereine erhöhte sich von 42 im Jahre 1903 auf 108 im Jahre 1913. Dann trat allerdings eine Verminderung auf 105 im Jahre 1917 ein, doch ist biete Haupt» sächlich auf die Zusammenlegung kleinerer Vereine zurückzn- führen, welche die Zugänge überwog. Die Mitgliederzahlen erhöhten sich von 57 976 im Jahre 1903 auf 213 126 im Jahre 1913 und 283 593 im Jahre 1917. Bemerkenswert ist besonders die starke Zunahme der weiblichen Mitglieder. Diese erhöhte sich von 2962 im Jahre 1903 auf 51 436 im Jahre 1913 und 104 228 im Jahre 1917 oder von 17,7 auf 24.1 und 36,9 Proz. aller Mit» glieder. Mit diesen Ziffern steht der Brandenburger Konsumvereins- verband allen anderen Verbänden voran. Der G e I a m l u m i a y der angeschloffenen Vereine erhöhte sich von 9.9 Millionen Mark im Jabre 1903 aus 48 Millionen Mark im Jahre 19'.3 und 65,3 Millionen Mark im Jahre 1917. Dabei ist zu be« denken, datz tausende.konsumfähige' Mitglieder zum Heeresdienst einberufen wurden und durch die Rationierung der Lebensmittel der Bezug jeden einzelnen Mitgliedes eine erhebliche Einichiänkung erfuhr. Andcrer'eits ist freilich zu berückiichligen, datz durch die Er- höhung der Warenpreise auch eine künstliche Steigerung des Wertes de§ UmiatzeS eintrat. Der Durch i'chniltsums atz je Mit- g l i e d im eigenen Geschäft erhöhte sich von 166 M. im Jahre 1900 auf 212 M. im Jahre 1913 und 226 M. im Jahre 1917. Eine kräftige Entwickelung fand auch die eigene Her» stellung von Waren. Der Werl derselben erhöhte sich von V4 Millionen Mark im Jahre 1903 auf 8.9 Millionen Mark im Jahre 1913 und 15,1 Millionen Mark im Jahre 1917. Dabei ist zu bedenken, datz gerade in der Kriegszeit der Eigenprodullion Schwierigkeiten entgegenstehen. Man denke nur an den Mangel an Arbeitskräslen und namentlich an Rohstoffen. Die Kapital» kraft der Konsumvereine hat sich ebenfalls ständig gehoben. DaS den Vereinen anvertraute Kapital(namentlich in der Gestalt der Einlagens erhöbt« sich von 2.1 Millionen Mark im Jahre 1903 auf 20,1 Millionen Mark im Jahre 1913 und 38,4 Millionen Mark im Jahre 1917. Der Buchwerl dcs Grundbesitzes erhöhte sich gleichfalls ständig, und zwar von 1.1 Millionen Mark im Jahre 1903 auf 9,1 Millionen Mark im Jahre 1913 und 13.0 Millionen Mark im Jabre 1917. Die Zahl der von den Vereinen beschäfrigren Personen vermehrte sich von 399 im Jahre 1903 aui 2867 im Jabre 1913 und 3030 im Jahre 1917. Die in Warenverteilung be» schäftigten Personen fanden eine Zunahme von 2369 im Jahre 1913 auf 2586 im Jahre 1917, dagegen verminderten sich die in der Warenherstellung Beschäftigten von 377 aus 291. Es ist also festzustellen, datz die deurschen Konsumgenoffen« schaffen in der Kriegszeit nicht nur ihre führende Stellung be- baupteten, sondern sich auch in erfreulicher Weise weiter entwickelten. In vielen Orten beherrschen sie schon die Warenverteilung über- baupt. Das rst der hingebenden Arbeit der GenossenschastSverwal» lungen und der genossenschaftlichen Treue der Mitglieder zu danken. Eingegangene Druckschristen. Der Alicterschutz. Von Fritz Henck. 20 Pf.,.Mecklenburg. Volks- Zeitung», G. m. b. H., Rostock. Der Aufruhr der Engel. Von Anatole France. Geh. 4.sc> M., geb. K.SOM.— Drei Menschen. Von Maxim G01N. Geh. 4,50 M., geb. 6,50 M.— Die neue Dichtung. Ein Almanach, Geb. 1,50 M,— Die Götter dürsten. Von Analole France. Geh. 4.50 M., geb. 6,50 M.— Komödianreugeschichte. Von Anatole France. Geh. 4,50 W. geb. 6,50 M. Sämtlich im Perlag von Kurt Wolfs, Leipzig. Alfred Lichtwark. Eine Auswahl seiner Schriften w zwei Bänden. Geb. in Iavanpapier 30 M., in Haldleder 40 M. Verlag von Bruno Cafsirer, Berlin W 35, Derfflingerstr. 15. Kommunale WohlfahrtSvauteu. Deutsche Sarritärswcrke, G.m.b.H., Frantfurt a. SÄ. Mandevilles Bienenfabel. Von Rudolf Stammler. 1,50 M. Otto Relchl-Verlag, Berlin. Das kommunale Wahlrecht der Frauen in den deutsche« Bundesstaaten. Von Jenny ütpolant. Steif geh. 3,60 M.+ 30 Proz. Teurrngszufchlag. Verlag B. G. Teubner in Leipzig. Die Aervcnschioäche des Mannes. Von A. Reincrt. 1 M. Hermann Helmkes Verlag in Hildesheiin. Neueste Sielreskarre von Paris und weiterer Umgebung. Von I. Nawrocki. 50 Pf., aufgezogen auf Leinwand 1 M. Vertag von G. Umbrcst u. Co. in Stuttgart. Calwerftr. 33. Renreligiöse monistische Freilichtdichtung(JobanneS Schlaf). Von Kurt Meycr-Rotermund. 30 Pf. Heckncrs Verlag, Wotfenbültel. Deutsches Land in Belgien. Von Dr. jur. Arnold Frese. 75 Pf. erlag von Georg stilte. Berlin X\V 7, Dorotheeftr. 66/67. Verantwortlich kür Polilit: Erich Kuttner, Berlin: für den übrigen Teil des Btatles: Alsrcd Scholz, Neut.'lln: für Anzeigen! Theodor Gloikc. Berlin. B-rlag: VorwärtS-Berlag G. m. b. H., Berlin. Druck: BorwärlS-Buchdruckerei und Lcriagsanflalr Paul Singer u. Co. in Berlin. LindenfNahe 2. Hierzu 1 Brilaae und Untcrdalningslilai». A. WERTHEIM» NEUE BUCHERI BERLIN W66, LEIPZIGER STRASSE(VERSANDABTEILUNG), MORITZPLATZ, KÖNIGSTRASSE, ROSENTHALER STRASSE m Otto Hammarm, Oer neue Kurs, c«» Hammann, MrNicher®f bete er Zl-i, Sxzcllenz, war I-Ngsihclaer Chef der preffeabtellimg bti Auswärugen Strniez, Gebunden 4 Marl Maximilian Horden, Krieg und Friede. Z Bünde. Pn Halbleinen gebunden 21 Marl Hennann Stegemann, Geschichte des Krieges»egl Band 1 und 2 wieder bor. Zeder Band mll fardigeu Krieg«karlen. Gebunden 45 Man Wolter Dioem, Vormarsch. 575«eilen. Gefchmackvoll gebunden I.SvMark Ol« Stadt in Ketten. 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Herausgegeben von Heinz Amelung Heinrich Pestalozzi, Wie Gertrud ihre Kinder lehrt. Herausgegeben vou Dr. Robert von Erdberg Wilhelm Hauff, Memoiren des Satans. Herausgegeben von Alexander von Glelchen-Rußwurm Ne.löS ❖ 35. Jahrgang Seilaae öes vorwärts Dienstag, 1 S. �tmi 1�18 Aus dem Verbandsausschuft. Der Berbandsausschuutz des Zweckverbandes Groß-Berlin ge- nehmigte den Abschluß eines Vertrages mit der Stadt Cöpenick, welcher die Verhällnisie der der Stadt Cöpenick ge» hörigen Straßenbahn regelt. Es bandelt fich dabei um eine einheitliche Gesialmng der zwischen Cöpenick und den Landgemeinden Adlerskof, Friedrichshagen, Grünau und Mahls- darf geschlossenen Verträge. Durch die neuen Bestimmungen soll eine weitmögliche Uebereinsiimmung der Rechtsbeziehungen zum Verbände mit den übrigen die Verkehrsunternehmungen betreffen- den Verträge herbeigeführt werden.— Auch der in der Oeffentlich- keil bereits vielfach erörterte Verkauf von Cöpenicker .Gelände ain Müggelsee zum Zwecke der Errichtung einer Bootswerft wurde vom VcrbandSauSschuß erörtert. Es wurde ein- stimmig beschlossen, bei den Aufsichtsbehörden mit Nachdruck gegen die Ausführung dieses Planes vorstellig zu werden, da der Verbandsausschuß in der geplanten Anlage eine schwere Schädigung des Landschaflsbildes und eine Verunstaltung eines der schönsten Teile der östlichen Umgebung Berlins erblickt. Nene polizeiliche Meldevorschrifte» in den Vororten. Nachdem bereits für den Landespolizeibezirk Berlin(Berlin »nd Nachbarstädte) eine Aenderung der polizeilichen Meldevor- schriften zur schärfereu Ueberwachung der Lebensmittelkartenper- teilung ergangen ist, hat der Regierungspräsident in Potsdam jetzt auch für die den Kreisen Teltow und Niederbarnim ange- hörenden Amtsbezirke des Groß-Berliner Vorortsgebiets und der Brotkartengemeinschaft dieselbe Verordnung erlassen. Danach hat der Hauseigentümer oder der Hausverwalter spätestens am nach- ften auf den Au- oder Abgang folgenden Wochentage von jeder im Hause eingetreteneu Wohnungsveränderung auf'6 Vordrucken der vorgeschriebenen Rkeldezettel der zuständigen Meldestelle Anzeige zu erstatten. Ferner haben die Meldepflichtigen und die Haushal- tungsvorstände, die andere Leute bei sich in Wohnung aufnehmen, für die Richtigkeit d?r erstatteten Meldung zu haften. Sie haben sich durch eigene Feststellung von dem Zu- oder Abgang zu über- zeugen und dies durch eigenhändige Unterschrift auf dem— außer den beiden Pflichtmeldezettein— einzureichenden dritten Meldezettel zu bekräftigen. Die neue Polizeiverordnung tritt außer Kraft an dem Tage, an dem die Ausgabe von Brotkarten für die Brolkartengemeinschaft Groß-Berlin aufhört. Eine Neuregelung der Obstverteilung an die Klein- Händler wird mit Beginn dieser Woche vom Berliner Magistrat vor- genommen werden. Auf Grund von Vorstellungen des Reichs- Verbandes der deutschen Obst- und Gemüsehändler soll die Obst- Verteilung jetzt auf folgender Grundlage erfolgen: Die Kleinhändler sollen am Urbanhafen und in der Zeniralmarklhalle nach Stadt- vierteln und ie nach der Größe ihres Geschäfts beliefert werden. Größere Geschäfte erhalten zwei, kleinere eine Einkausskarle. Die Auswahl der Geschäfte wird der Magistrat in Verbindung mit den Berliner Bezirksvorständen des Reichsuerbandes der Obst- und Ge- inüiehändler vornehmen. Der freihändige Verkauf der Ware wird gänzlich aufgehoben und darf auch nach 6 Uhr ntcöt mehr stattfinden. Ware wird nur an den mit Ausweis ver- sehenen Händler abgegeben. Wer einmal keine Ware erhält, muß sich dies bescheinigen lassen und bekommt für den nächsten Tag eine Vorzugskarte. Es findet ferner eine scharfe Ueberwachung über die Menge der Waren statt, die der einzelne Händler geladen hat. Auch der Kleinverkauf wird einer scharfen Nachprüfung unterworfen. Aufhebung von Bekanntmachungen über Obst und Dörrobst. Nach- dem das Obst der Ernte 1St7 nunmehr fast ausnahmslos verzehrt oder verarbeitet worden ist, hat die Reichsstelle für Gemüse und Obst ihre den Absatz dieses Obstes regelnde Bekanntmachung vom Lb. August 1S17 aufgehoben. Gleichzeitig find einige ällere Be- kannlmachungen, darunter die den Abiatz von Dörrobst verbietenden, außer Kraft gesetzt worden. Die Richtpreise für Dörrobst bleiben jedoch in Geltung. Sollte eine öffentliche Bewirtschaftung des dies- jährigen Herbstobstes Platz greisen muffen, so werden die neuen Bestimmungen rechtzeitig veröffentlicht werden. Für den kommenden Herbst ist wiederum mir einschränkenden Bestimmungen für den Ab« fatz von Dörrobst zu rechnen. Unterstützung an Kriegerfamiliea. Die Stadtverordneten Baren« thin und Genossener groüe Erfolg! Was mm aus Siefee tut!! Bonntag 4 Uhr: Bunte Biil.na Theater für Dienstag, 18. Juni. Centä-al-TTheater 7v, uhr: Die MsIM. Dentsches Opernliamt 7 uhr: l!l!s ligkllnosdgson. Frledrlch-WHhelmst. Theater 7'/3uhr: OasOreiniMerltiaos. Kleine« Theater 8: irlstill üoiseiBE Feiler. Uhr Bassormann. Komische Oper !%*■■■ SsIwüfZffalMel Metropol-Theater � Die Rose von StMlul. Neuss Operettenhaus 7./ nach autzerhalb verschlossen 1 M verband der Brauerei- und Möhlenarbeiter und ver«. Berutzgenotten. ?al)lltelle Berlin. Am 13. d. Mts. ist unser Mitglied, der Flaschenlellc» arbetter KHsx ttZppo (zuletzt Schultheitz IV) verstorben. Ehre seinem Andenken k Die Beerdigung findet am Dienstag, den 18. Juni. nachmittags 4 Uhr, aui dem St. Eltsabelb- Kirchhof, Wollankstratzc 66(Prinzen- allce), statt. Um zahlreiche Beteiligung wird ersucht. 42/4 Ter Borstand. Danksagung. Für die Kranzspenden und licbevolleit Beweise bei der Be- erdigung meiner lieben Frau Hedwig, unserer Tochter und Schwester, sprechen wir hierntil allen Verwandten. Schnlfrcun- binnen, insbesondere Herrn Paitor Jahnte sür die traft- reichen Worte und den Haus- bewobnern Gleimitr. 2 unseren berzlichsten Dank aus. 190A Ernst Kraule und Zöchterchen nebst Schwestern und tleibetrub- te» EUer» Wilhelm««da. LpsÄslsrZtt vi-. iut-«1. Kocbon für Qesohleehtskrenkhelten, Haut., Harn-, Frauenleiden, nervOs. 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Herr Wirt", sagte er, Fläschchen vom Besten und zwei nette Rostbraten." „Uah"-- machte er dann und lieh sich schwer neben dem Bauer nieder, der seine dunkelbraunen Arme auS dem frischen, weihen Hemd nach dem Feuerzeug streckte. Der Bauernknecht, der ihn im Einspännerlein hergeführt hatte, dienerte vom nächsten Tische herüber, und verzog sein breites. rotes Geficht zum Grinsen..Haben der Herr Reisende ein gutes Geschäft gemacht?" „Ja— soll'n auch'ne Flasche Bier extra haben." „Juh," machte der Beglückte mit einer gedämpften Kopf« stimm». „Hö," sagte der Bauer.„eS ist heller Tag!" „Ja," machte der Knecht darauf,„ich Hab halt ein lustig'S Gemüt, daZ täl mir mancher um schwer Geld abkaufen, mancher!" „Aber der net," sagte der Bauer und deutete nach einem ver« wildert aussehenden Manne, mit eckiger hoher Stirn, traurigen, unsteten Augen und einem zerfetzt nach allen Seiten hängenden struppigen Bart, der vor einem hellen SchnapSfläschchen sah. An einem anderen Tische sah ein kräftiger Bursche mit einem Arm. einen Hausierkasten vor sich; der nächste war von einem bleichen, gut gekleideten Menschen besetzt, der auf sein BierglaS starrte. Es war ein richtiger Sommernachmittag in einem DorfwirtS« bause. Die Blumen blühten vor den Fenstern und an der niederen, von ein paar eifernen Säulen getragenen dunklen Decke summten die Fliegen. „J—i—." schrie der verwilderte Mann mit einer Stimm«, die einer gewaltigen Willenskraft bedurfte, um in Bewegung zu kommen, Kart und laut,„i— i—, braucht k— k— kein lustig'S Gemüt, we— we— wenn i Geld hält!" „Ja" meinte der Bauer scherzend,„willst dich wieder aufhängen? Guck, er hat wahrhaslig den Strick wieder aus der Tasche hängen, der Kerl!" „Nanu," sagte der Reisende,„hat er sich schon'mal aufhängen wollen?" „Wenn er'S nur nial tat, der Kerl! Letztes Jahr bei der Heu» ernte, haben wir einen ganzen Tag den ganzen Wald nach ihm absuchen müssen. Nachher hat man ihn gesunden, den Strick um den Hals, auf der Kathrin» ihrem Heuboden, und hat ge« schlafen ztvifchen den Heubündeln im Stehen." Der Mann schwenkte den Strick, seine Augen rollten in einer seltsamen Oual, bis er sprechen konnte. „Und i— i— i— tu's doch noch-- je—je— jetzt wär's schon vorbei, wenn mich'S letztemal ne— ne— net die Hcubündel g— g— halten hätten." ,'s beste wär's," sagte der Bauer sachlich. Der Reisende guckte ihn von der Seite an. Der gut gekleidete, bleiche Mann sah von seinem BierglaS auf und sagte:„Für manchen wär's bester so, für mich auch, ich Hab von meinem Leben gewiß noch nichts gehabt." „Wieso." fragte der Relsende,„jeder Hai'was von seinem Leben; daS muß man eben in sich haben, daß man sich nicht unterkriegen läßt; das ist der ganze Zauber." „Ja," sagte der Mann,„ich hab'S in mir. Las Hab' ich nicht alles schon probiert.— Alle» umsonst--!' „Aber waS fehlt Euch denn?" „Ich weiß nicht, auf der Lung' hat's angefangen. Und'S Herz, alles ist kavul." „Da ist freilich nichts mehr zu machen," sagte das Knechtlein freundlich lachend, da ist's rumpsstiel aus!" „Ein schön Stück Geld Hab ich verdient als Gerber: nun ist'S aus— oft Hab ich'S zu meiner Frau gesagt, wär'S nur erst ganz aus I" Loöz. 131 Das gelobte Land. Roman von W. St. Reymont. „Lodz kracht ja nctt, an allen Ecken." „ES kommt bald eine warme Saison." „Ja, ja. Die Feuerwehr wird was zu tun haben." „Es wird halt wärmer werden, dann kommt auch der Frühling rascher." „Das war' schon gut. Die Kohlen sind so teuer." „Sie haben gut lachen. So'n Pläsier kostet Sic gar nichts." „Alles schon dagewesen, alles. Die Halste geht kaputt und die anderen machen ein gutes Geschäft." „Wen trifft's denn am meisten?" „Buchholz. Keßler, Müller." „Denen kann nie etwas passieren, was kann man ihnen machen?" „Hol' sie alle der Deibel, was kümmert mich das. Was kann ich dabei verdienen, ob sie was haben oder nicht?" So kreuzten sich Bemerkungen. Fragen. Ziffern, lustige Blicke derer, die sich über den Ruin der anderen freuten, Vermutungen und Spott. „Schaja soll für ganze vierhundcrttausend Rubel engagiert sein?" „Das wird ihm gut bekommen für seinen Bauch, er wird die Pferde verkaufen und zu Fuß laufen, dann wird er gleich abnehmen. Braucht er gar nicht mehr nach Maricnbad zu fahren. „Familienschmiuf-wird billig zu baben sein." „Wolkmann kann das den letzten Stoß versetzen, er machte schon mit Halbdampf." „Jetzt kannst du um die Hand seiner Tochter anhalten, Robert, wirst nicht mehr zur Tür rausgeschmisscn." „Mag er noch warten." So brodelte es im Parkett, in der Masse. Die Könige saßen ruhig. Schaja schaute unverwandt auf die Sängerin und begann als erster zu klatschen, als sie geendet hatte. Dann flüsterte er leise mit Rosa und zeigte, seinen Bart glättend, unmerklich aus Knoll. der mit den Ellenbogen auf die Brüstung sich stützend. Borowiecki zunickte. Gleich zu Beginn der Pause erschien Karl bei ihm. „Haben Sic's gehört?" „Ja." Er beginn die Firmen aufzuzählen. „Dummes Zeu�." Der Reifende fc>h beklommen auf seinen Teller mit dem dampfenden Rostbraten, den der Wirt vor ihm hingesetzt hatte. Der Bauer halte schon den Knochen abgeschnitten und nagle mit seinen kräftigen Zähnen daran. „Donnerwetter, schrecklich!' sagte der Reisende und schob seinen Teller zurück. Aber nun schlenkerte der Hausierer seinen Armstumpf und sagte:„Der ist auch nicht von fchlechten Eltern, Allerle! Das war ein anderer Sckmerz, wie der in den Treibriemen gekommen ist. „Na," sagte der Reifende,„deswegen kriegt Ihr ja Unfall—" „Ja, wenn'S nur wahr wäre; aber'S ist eben nicht volle Ar- beitSunfähigkeit, sagte der Arzt." „J— i— i— ," schrie der Mann mit dem Strick und wollte weiterfahren. Da blickte der Reisende wild um sich und seine Augen schosten Blitze, während er sich erhob.„Donnerwetter," schrie er,„laßt einen doch mit dem Gejammer zufrieden, da vergeht einem ja wahrhaftig aller Appetit!" „'S ist wahr." mengte sich der Wirt hinein, der hinter dem dunklen Ausschan! herumhantierte,„das ist kein Anstand, den Gästen den Appetit zu verderben." Da schwiegen alle die Unglücklichen und sahen vor sich Hirt. .Nicht» für ungut", sagte der bleiche Mann,„das haben wir gewiß nicht wollen." „Schon gut", sagte der Reisende.„Geben Sie'mal jedem'ne Flasche Bier, Herr Wirt!" Dann machte er sich behaglich über seinen Rostbraten her. Das Knechtlein schrie wieder verstohlen sein Juh und sagte auf den verwarnenden Bstck des Wirtes:„Ja, ich sag'S ja, mein lustig'S Gemüt, da» tät mir mancher um schweres Geld abkaufen. mancher!" Und er tat einen vergnügten Zug und blickt« triumphierend um sich._ Die Zukunft ües»papiernea Zeitalters�. Das Papier bildet in Industrie und Handel der Gegenwart ein so wichtiges und beherrschendes Element, daß eS von diesem Stand« Punkt aus der Zeit ihren Namen geben köunte. Denn unter allen Ersatzstoffen ist, wie der„Prometheus" in einer Erörterung des «papieruen Zeitalters" ausführt, daS Papier eine der«rfolgriichsten, und daher mußte auch fein Verbrauch als„Papier" so stark wie möglich eingeschränlt werde», weil es heute zur Herstellung von hundert Dingen deS täglichen Lebens, des Handels, der Industrie und deS Gewerbes dien«. Erst wenn man die Verbältnisse näher betrachtet, wird man sich dieser beherrschenden Rolle deS Papiers in der Gegenwart einigermaßen bewußt. DaS Papier wird für Männer- und Frauenkleidung, besonders für Berufskleidung ge- braucht, für Leib-, Tisch- und Bettwäsche, für die verschiedensten Webstoffe, für Vorhänge. Teppiche, Möbel- und Wandbezüge. Schuh- zeug. Bänder, Spitzen, Hüte, Treibriemen, Gurte, Bindfaden, Seide, als Ersatz für Riemenzeug beim Pferdegeschirr, zur Her- stellung von Säcken, Malratzen, Kissen, Gefäßen und Behältern aller Art, auch in der Fabrikation von Jsoliermaterial für die Elektrotechnik, von DichlungSmatenal usw. wird heute Papier in größten Mengen verwendet. Vor dem Kriege wurde gleichfalls Papier verwebt, und in manchen Fällen handelt es sich also durchaus nicht um Kriegs- erfindungen, aber niemals wäre das Papier so wichtig geworden, wenn die Knappheit an anderen Materialien, vor allein an Faser« stoffen, nicht feine hundertfältige Verwertung notwendig gemachl hätte. Da daS Papier sich also als eines der brauchbarsten Ersatz« Materialien erwiesen har. liegt die Frage nahe, ob das papierene Zeitalter nicht auch über den Krieg hinaus dauern werde und solle. Nach Ansicht des„Prometheus" rst dies zu verneinen, und zwar aus wirlschafllicheu Gründen, die sich aus der Natur des Papierrohstoffes und der Faserstoffe ergeben. Bereit« der Papier- verbrauch vor dem Kriege hat ,u vielen Ländern die Holz- bestände fühlbar vermindert, andererseits find die Versuche. daS Holz bei der Papierfabrikation in großem Maßstabe zu ersetzen, vergeblich geblieben. Man muß sich darüber klar sein, daß aus die Dauer die Holzbestände der ganzen Erde nicht ausreichen können, um derart gesteigerten Ansprüchen zu genügen. Hingegen besitzen wir zur Herstellung alle« dessen, was im Kriege aus Papier verfertigt wird, sehr geeignete Rohstoffe, vor allem die Faserstoffe, die den entscheidenden Vorteil haben, viel schneller zu wachsen. Nach dem Kriege werden also so schnell wie möglich wieder Wolle, Baum- wolle, Flachs, Hanf. Jute usw. an Stelle de» Holze« treten, da sie „Dummes Zeug, acht Millionen Rubel in Lodz allein?" „Wir verlieren ja nicht; vor einem Augenblick war Bauer da und sprach von zwanzigtausend."' „Im Theater spricht man von einer Million." „Ja, Schaja verbreitet das Gerücht, weil er so viel der- liert. Dummer Jud." „Jedenfalls wird es auf Lodz mächtig zurückwirken. Die Firmen lverden wie Fliegen fallen." „Mögen alle verrecken, was schadet uns das?" flüsterte Knoll kühl, blickte auf seine sorgfältig gepflegten Hände und verfolgte unbewußt mit zugekniffenen Augen daS Sprühen der Brillanten an seiner linken Hand. „Ich rede zu Ihnen nicht wie zu einem unserer Leute, sondern wie zu einem Freund. Wissen Sie, wer bei diesem Krach fallen muß?" „Man nennt keinen Bestimmten." „Meinetwegen, immerhin werden genug fallen. Morgen werden wir ja sehen, wie viele. Ein lustiger Sonntag wird's sein." «Wirklich, ein Unglück." „Für unsere Firma nicht. Bebenken Sie, wer fällt— die Baumwolle. Wer bleibt am Platze— wir, Schaja und ein paar andere. Diese räudige jüdische Schundkonkurrenz ist zur Hälfte verreckt, oder wird gleich verrecken, sie haben sich selbst vergiftet. Eine Zeitlang werden wir mehr Luft haben. Wir werden ein paar neue Sorten bringen, welche die an- deren brachten, na, und wir werden um so viel mehr ver- kaufen. Aber das ist ja eine winzige Kleinigkeit. Wenn sie sich den Hals brechen, so mögen sie doch; wenn sie abbrennen, so mögen sie doch; wenn sie schwindeln, so mögen sie schwin- dein; wir bleiben immer da. UobrigenS sind das wenig ivich- tigere Dinge. Es gibt viel wichtigere. Sie werden bald sehen. die Hälfte der Baumwollsabriken wird stehen bleiben, sehr bald, sehr bald." Borowiecki schaute ihn an und hörte mit einer gewissen Unruhe zu. Er mochte Knoll und seinen wahnsinnigen Stolz nicht, den ihni das Bewußtsein seiner Millionen verlieh. Nach seinem Schwiegervater der größte Parvenü, war er in dieser Welt der Parvenüs doch der gebildetste, gut erzogen, an- genehm im Verkehr, er war aber auch der härteste von ihnen und der größte Ausbeuter aller Arbeitskraft, seiner Mit- menschen und der Beziehungen, die er überall hatte. „Kommen Sie morgen zu uns zum Mittagessen, ich bitte Sie im Namen meines Vaters; und jetzt seien Sie so freund- lich und schauen mal auf die Uhr, wie spät es ist. Ich kann's nicht, sonst würde man denken, ich habe es eilig irgend- wohin." vlenstag,l$. Juni jede« Jahr von neuem wachsen, während da« Holz Jahrzehnte braucht, ehe es verwertbar wird. Außerdem sind die aus Papier- aarn gewebten Stoffe 40— öOrnal nvneller verbraucht, als neues Holz zu ihrer Erneuerung gewachsen sein kann. Das iknöe üer AuiSersee. Nach langwierigen Verhandlungen wurde in der holländischen Zweiten Kammer der Geietzentwurf über die Trockenlegung der Zuidersee angenommen, deren Ende also nicht mehr lange auf sich warten lassen wird. ES gab aucki viele Gegner dieses Planes, be- sonders aus Fischerei- und SchiffahrtSkreijen, und der Beschluß ist in der Hauptsache auf die Kriegswirkungen zurückzuführen, die zeigten, daß die Beschaffung neuen Ackerlandes für Holland von großer Wichtigkeit ist. Der Entschluß zu dieser Trockenlegung wird. wie der„Prometheus" bemerkt, für die Geschichte der Niederlande von allergrößter Bedeutung sein, denn das Land erhall dadurch eine ganz neue Provinz, die sicherlich eine zahlreiche Bevölkerung zu ernähren vermag. Der Plan selbst geht bis auf das Jahr 18ö0 zurück, wurde aber immer wieder mit Rücksicht auf Fischerei und Schiffahrt beiseile geschoben. Nach dem jetzt angenommenen Gesetzentwurf soll damit begonnen werden, daß man die ganze Zuidersee durch einen Deich von 2g, 3 Kilometer Länge, der von der Insel Wieringen nach FrieSland führen soll, von der Nordsee abschließen wird. Die Bau- kosten dieses Deiches, der stellenweise durch ziemlich liescS Waiier führt, werden auf mindestens SO Millionen Mark veranschlagt. Nur ein Stück der großen Meeresbucht, die man heute Zuidersee nennt, soll außerhalb deS Deiche« bleiben. Bon dem übrigen Teil der Zuidersee will man mehr als die Hälfte trocken legen, während das mittlere Stück als See besteben bleiben soll. Durch eine mehrere Kilometer breite Fahrrinne soll das Isselmecr mit Amsterdam in Verbindung bleiben, ein« zweite Fahrrinne soll zur Mündung der Dssel führen. Man glaubt, daß die Ausführung deS ganzen Planes, der der Zuidersee vier große Poldergebiete entziehen und diese trocken legen soll, 30 Jahre beanspruchen und insgesamt 200 Millionen holländische Gulden kosten wird. Notizen. — Die Beobachtung de« neuen Sterns im Bilde de» Adlers ist während der vergangenen Woche allnächtlich forrgesetzr worden. Es hat sich dabei, wie Prof. Struve, der Diretror der kgl. Sternwarte in Berlin-BabelSberg, mitteilt, bereits eine deut« lrche Abnahme der Helligkeit ergeben, die auch dein bloßen Auge auffällt. Der Stern, der zunächst Wega und ArkturuS überstrahlte, ist augenblicklich schon um ein geringes lichtschwächer als Aiair, leuchtet sreilich immer noch mit der Helligkeit eines Sternes erster Größe. Die ursprünglich ganz weiße Färbung de« Lichtes spielt jetzt etwa« mehr in« Gelbe. Diese Vorgänge stimmen fast völlig mit denen übereilt, die seinerzeit auch bei dem neuen Stern im Perseu« im Jahre-1301 wahrgenommen worden sind.. — Eines Dichters Urne. Richard Voß, der verstorbene Ftalienschwärmer, hat sich als Ruhestätte seiner Asche von dem nor- dischen Bildhauer Sindrng eine Urne fertigen lassen. Er beschreibt sie m seinen Lebcnöerinnerungen(in der Zeitschrift„Das Bayer- lcrnd"):„Meine letzte Ruhestätte ist ein Kunstwerk. Das Deckelbild zwei Gestalten: Mann und Woib— Gatte und Gattin. ES sind zwei Getrennt«, die sich wiederfinderi und nun in ewiger Vereinigung sich unlöslich umschlungen halten. In der dunklen Bronze des GS- fähcS erscheint wie in einem Gewölk die ruhende Gestalt cincs Mannes, der meine Züge trägt, der vollendet hat. An das Lager tritt die himmlische Liebe und streut Rosen über ihn aus, während von ihr dem Stillen hinweg verhüllten Haupte», der Genius des Leidens entflieht die Dornenkrone mit sich nehmend; mit der er drn Lebenden krönte." — Einen neuartigen Verkokungsprozeß haben, skandinavischen Mitteilungen zufolge, englische Ingenieure gesunden. Bekanntlich geht durch die bisher gebräuchliche Hetzart mit Kohlen in Großbetrieben sehr viel verloren, weshalb man sowohl rn Deutschland wie in England lange daran gearbeitet hat, die Kohlenenergie besser auszunutzen. Die englische Erfindung, Koalit- Prozeß genannt, besteht in einer Verkokung bei niedriger Temperaiur. wobei doppelt soviel Kohlenteer, doppelt soviel Schwefelammoniak und 30 Proz. weniger Gas al« bei der Koksbrenneret der Gaswerke erzeugt werden soll. Dazu kommt»och ein Berbre»nuiigsprod»it. das sog. Koalit, das rauchtrei ist und ungefähr zwei Drittel des Gewicht» der karbonisierten Kohle hat. „In paar Minuten elf." „Wann geht der Kurierzug nach Warschau?" „Halb eins." „Ich habe also noch Zeit. Ich will Ihnen sagen, warum für mtch die Nachricht von den Bankrotten und den acht Millionen, die Lodz verliert, wenig wichtig sind; es sind nämlich viel ivichtigere Nachrichten gekommen..." er unterbrach sich plötzlich.„Rede ich zu einem Edelmann?" „Es scheint mir so, aber ich verstehe nicht den Zusammen- hang." „Sie werden's gleich verstehen. Sie sind unser Freund, wir werden es Ihnen nie vergessen, daß Sie unsere Druckerei emporgebracht haben. Also: vor einer Stunde ist ein Tele- gramm aus Petersburg gekommen, eine sehr wichtige Sache wurde mitgeteilt, daß nämlich, daß... ich gleich rüberfahren muß. Aber ganz im geheimen," fügte er rasch hinzu. Was er eigentlich sagen wollte, hatte er nicht gesagt. Borowieckis kühler und mißtrauischer Blick hatte ihn stutzig gemacht und so getroffen, daß er sich unruhig ausrichtete, die Krawatten- nadel zurcchtschob und in die gegenüberliegende Loge blickte. „Eine schöne Frau, diese Frau Zucker." „Schöne Brillanten hat sie." „Also Sic kommen morgen zum Alten?" „Ganz sicher." „Er hatte da irgendein besonderes Anliegen. Sie gehen schon? Seien Sie doch bitte so freundlich und richten meinen! Kutscher aus. er möchte auf mich warten. Na. aus Wieder- sehen. In paar Tagen bin ich wieder da. Also, Stillschweigen, Herr Varowiecki." .Selbstverständlich." Borowiecki verließ die Loge mit einem Gefühl der Eni- täuschung. Er fühlte, daß Knoll ihm nicht alles gesagt hatte. „Was ist das für eine Nachricht? Wozu fährt er hin? Warum hat er es mir nicht gesagt?" dachte er und versank vergeblich in allerlei Vermutungen. Er wartete den Aktschluß nicht ab und ging hinaus. Bald kehrte er aber um und er- schien bei Frau Zucker in der Loge. „Ich dachte, Sie hätten mich vergessen", sagte sie vor- wurfsvoll, ihre großen, wundervollen Äugen auf ihn heftend. „Wäre das möglich?" „Bei Ihnen ist alles möglich." „Sie verdammen mich. Freunden und Feinden glauben Sic." „Die kümmern mich nicht. Ich habe nur gesehen, daß Sic hinausgegangen sind." „Aber ich kam zurück, ich mußte zurückkommen", flüsterte -a leiser.(Forst. folgtJ M« de- Wer.«NN.«MMN-r. «Msvcruzltung Berlin. Dura»; Mclchiorskv LS, Port. Fernsprecher Amt Montzplatz 4787. Arbeitsnachweis: Günmmnstr. 13. Fcrnspr.: Norden 37S1-S7 Sektion der Lackieree. «!vi» 1!t..Ii» ni,»den«!» 8 Ulur, iiu OcwerkisokaStst&miH, üngelHfcr 15: Sektionsversammlung. Cm trag. Tagesordnung: Diskuffion. SettionSangelegttcheüe». Küchemnöbelbranche. HoiiitLrsitngt,>ck«r, ÄS. ahendn 8 Uhr, im Ciewerkxcfiaitska.us, Kngeiufer 15: BrcmchenverssMmluttg. Tagesordnung: Ulilser« ,vil»««ensmütei\ Obst-und i/emüstJwuiUsnsiaiertiäilUdt JlZacßa-SescUsdiaß Tiecün-üunocUwf »U-UWMW-» flff Sütlücr Verwaltungsstelle Berlin. Mittwoch, de» IS. Juni 1SI8, abendS Mf, Uhr, im GewerkschaftöhauS. Engelufer IS: Mitglieder-Verfammlnng. Tagesordnung: 1. Abrechnung vom lebten Quartal. 2. Satzungs- beratnng. 3. Wahl von 7 Delegierten zur Gcueralver- sawmlung tu Leipzig, i. Verschiedene Kassenaugelegenhciten. Mitgliedsbuch ist vorzuzeigen. 162/6 Um zahlreichen Besuch ersucht Die Ortsvenvaltmls. Ja F« llau©il lavalidenstr. 164 Ecke Brunnenstraße 1917er vorzOgl. Rotwein ßberingeüisimer Fi.©�SO 19t5er Bechtheimer Selersbarg 7.25, Zeltinger Himmelreich 7,75 Süßer Obstsehaumwein Spezialant Dr. med. Hasche, Frisdrictistr.SO Bebandi. vonSUPhtlis. Haut- Harn-, Frauenleiden, spez.: chron. Fälle. Schmerzlose, türzcjte Behandlg. ebne Berussslörung. Blutuniersuchung. Mätz. Preise Teilzahlung. 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